Wr. 338.-33. Jahrg. ü bonn ementz-SeMngllngn»: AionnementS» Prsli vrünumerand»' Lierleljährl.».so MI, monall. lLV Ml. wöchenUich so Pfg. trei mZ Hau». Einzelne Nummer b Pfg. Sonrua«s- Nummer mit illustrierter Eormtags« Vellage.Die Neue Welt'>0 Pfg. Post- «bonnemenl: IL0 Marl vro Monat. Eingetragen in die Pos,. geitungS. Prcisliiie. Unter Kreuzband für T-unchland und Oesterreich. Ungarn 2.50 Marl, für da» übrige iluSIand t Marl pro Monat. Vostabonnement» Nehmen an Belgien. Dänemark Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. «umänien. Echwedcu und die Schweig. Olcheidl täglich. ( 5 Pfennig) Die TnlertionS'GcbQljr lelrigt für die scchSaespaltenc kolonel- geile oder deren äKaum 60 Ptg.. für politische und gewerlschaitliche Verein»- und Dersammlungs- Anzeigen 80 Psg. „kleine Knreigen", da» ieilgedrultie Wort 20 Psg. toUÜÜstg 2 settgedruilie Worte), jede» weitere Won 10 Psg. Kiellengesuche und SailaMellenan- geigen da» erste Wort 10 Psg, jede» weuere WoN öPfg. Warte über iö Buch- ltaben zählen für zwei Worte. Inseraie mr die nächste Nummer müssen bi» 5 Udr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Exveoilion ist dl- 7 Uhr abend» groslnet. Vevlinev VolliSblnkt. ZmtVidorqan der rozialdemokratifchcn partd Dcutfcblands. Delegramm-Adrelse: .SszlaidcmcKrat Berlin". Neüaktion: SV). HS» Linöenstraße Z. Fernivrecher: Amt Moridplatz. Nr. löl. SV— IZ»! 37. Italiens Kolonialkrieg. Die deutsche Oeffentlichkeit hat zu Unrecht in der italieni- schen Kriegserklärung an Deutschland einen nur formalen Akt gesehen. Italien hat damit neue Bahnen be- schritten, ohne darum seine alten Ziele aufzugeben. Schon früher war es auf der Suche nach neuen Kolonien, aber dieses Verlangen war nicht stark genug, Italien zum Kriege mit Deutschland zu bewegen, das ihm ein aufnahmsfähigcr Markt und ein wertvoller Geldgeber gewesen ist. Wie, will Italien in Deutschland Kolonien gründen oder sich in den bisher deutschen Kolonien häuslich niederlassen? Natürlich nicht! Aber es will in Albanien und Kleinasien Land für seine Auswanderer erwerben und seine Vorherrschaft im östlichen Mittelmeerbecken befestigen, und bei diesem Streben begegnet es sich feindlich mit Deutschland auf dem Balkan. Die italienischen Wünsche sind nicht von heute. Schon die Besetzung Lydiens und der Cyrenaika wurde vom italienischen Sozialimpcrialismus damit gerechtfertigt, daß für den italienischen Auswanderer neues Siedlungsland er- kämpft werden müsse. Aber die Siedlungsmöglichkeiten in dem Wüstenland sind gering und wurden noch dadurch ver- kleinert, daß die Palmenhaine von der italienischen Artillerie niedergelegt wurden. Also gingen die Sozialimperialisten in andere Weltgegenden nach Kolonialland suchen. Schon seit längerer Zeit sind zahlreiche italienische Händler in Albanien eingewandert. Dahin wendeten sich die Blicke um so freudiger, als Albanien eine große seestrategische Bedeutung hat und die dauernde Festsetzung der Italiener in Valona für sie die Beherrschung der Meerenge von Otrante, der Verbindung des Adriotischen Meeres mit dein Mittelländischen, also die AbschneidungOestcrreich- Ungarns von der hohen See bedeutete. Aber Siedlungsland gibt es auch in Albanien nicht genug für die Hunderttausende, die ihrem übervölkerten Vaterlande alljährlich den Rücken kehren. Darum erwirkte der italienische Botschafter Garroni Anfang 1914 die Erlaub- nis des Sultans, die Nicderlasiungsmöglichkeitcn im süd- lichen Kleinasien zu studieren. Das Land verheißt dort viel. Es hat gute Häfen, ein erträgliches Klima, reiche Wälder und fruchtbaren Boden. Auch Erzfunde locken. Tcr�Krieg unter- brach alle Arbeiten. Nachdem sich Italien auf Seite der Ver- bandsmächte geschlagen, erst Oesterrcich-Ungarn, dann der Türkei den Krieg erklärt hatte, konnte es seine Zukunftshoff- nungen nur durch Vcsiegung dieser Mächte verwirklichen und war damit gezwungen, über kurz oder lang auch Deutschland den Krieg zu erklären, das im Kriege die Sache seiner Bundes- genossen zu eigenen machte. Salandra hat sich gegen eine Zersplitterung der italieni- schen Truppen gelvehrt. Sein Ziel war die Eroberung des Tricntiner Landes, Triests und des Küstenlandes, Dalma- tiens und der vorgelagerten Inseln. Bescheiden war er also just auch nicht. Aber er widerstand doch dem von England kräftig unterstützten Verlangen der Sozialimperialisten, den Balkan zum italienischen Kriegsschauplatz zu machen. Sein Nachfolger Boselli ist ganz der Mann nach dem Herzen der Interventionisten und Englands, das aus anderen Gründen und mit anderen Zielen den Eintritt Italiens in den Balkan- krieg verlangte. Die deutsche Oeffentlichkeit hat von dem allen wenig Ahnung. Sie hat sich darauf beschränkt, mit vom Groß- Vater übernommenen Redensarten und Urteilen die ver- wickeltsten Probleme der auswärtigen Poiltik zu lösen, statt sie zu studieren. Sehr zu ihrem Schaden, wie sich an mancher schmerzlichen Enttäuschung anschaulich zeigen ließe. Sie weiß natürlich auch wenig vom alten italienischen Jrreden- tismus und vom neuen italienischen Sozialimperialismus. Der Jrredenttsmus ist ein Erbe der nattonalen Ein- heitskriege. Sein Ziel ist die Vereinigung aller Italiener im Königreich. Seinen Namen führt er von seinem Streben nach Befreiung der unerlösten Lande, der terra irreckenta. Er kehrt seine aggressive Spitze gegen Oesterreich-Ungarn, einmal, weil dieses Land von allen italienischen Schulbüchern und allen Italienern, die in der Gedankenwelt der Schul- bücher steckengeblieben sind, als Erbfeind nach berühmtem Muster verschrieen wird, dann weil Oesterreich von den un- bezwingbaren Alpenpositioncn die Poebene, von den aus- gezeichneten dalmatinischen Häsen die offene italienische Ost- küste bedrohen kann. Sckion durch diese Motive kommt ein fremdes Element in die Ideologie des erstrebten nattonalen Einheitsstaates: das Streben nach militärischer Sicherung ohne Rücksicht darauf,-daß das Küstenland großenteils. Dal- matten fast ganz slawisch ist, auch ohne Rücksicht darauf, ob die italienischen Oesterreicher wirtschaftlich mit ihrem Staat matten fast ganz slawisch ist, auch ohne Rücksicht darauf, daß zu eng verwachsen sind, um ohne schwere Einbuße los- Der Sozialimperialismus geht von ganz anderen Vor- aussetzungen aus. Er beruht auf der Tattacfie, daß Italien als agrarisches Land ohne industrielle Entwickelungsmöglich- keiten übervölkert ist. Es hat mit 129,94 Einwohnern auf den Quadratkilometer relattv mehr Einwohner als Deutschland (129,94) und Oesterreich(76). So wird die kolossale Auswanderung verständlich. 711 443 Menschen verließen 1913 ihr Vaterland, das 34,7 Millionen Einwohner zählt. Zwar kehrt ein erklecklicher Teil mit sauer erworbenen Spargroschen in die Heimat zurück, aber dem alten Vaterland gehen doch im Mittwoch, de» SO. August 1916. Hinöenburg Generalstabschef öes Zelöheeres. Berlin, 29. August.(W. T. B.) Amtlich. Seine Majestät der Kaiser hat durch allerhöchste Kabi- ncttSorder vom heutigen Tage den Chef des General- stabcs des Feldheeres Geueral der Infanterie von Falkenhayn zwecks andcrweittgcr Verwendung von dieser Stellung enthoben. Zum Chef des GcneralstabeS des Feldheeres hat Seine Majestät den Geueralfrldmarschall von Beucckendorff und von Hiudeuburg ernannt, zum ersten Gcneralquartiermeister den General- lcutnant Ludrndorff unter Beförderung zum General der Infanterie.• Laufe der Jahre viele Millionen seiner besten Söhne ver- loren, die spätestens in der zweiten Generatton Sprache, Sitte und Kultur ihrer neuen Heimat annehmen. Bevor sie sich aber in der Fremde einbürgern, haben sie alle Leiden der Unkenntnis fremden Rechtes und fremder Sprache wie ihrer Hilflosigkeit gegen kapitalistische Ausbeutung zu ertragen. Darum wollen die Sozialimperialisten Sicdlungsland, eigenen Boden für die Auswanderer. Darüber ist es zur Spaltung der italienischen Sozial- demokratte nach der lybischen Expedition auf dem Parteitag von Reggio Emilio im Jahre 1912 gekommen. Unter Führung B i s s o l a t i s spalteten sich die Reformisten ab. Einer der Ihrigen, Podrecca, erklärte:„Ich wollte nicht den Krieg, son- dern die Kolonisatton und Zivilisation Lydiens durch Jta- lien." Dieses Programm krittsierte T u r a t i, der auch heute mit unvergleichlichem Mut gegen die Kriegshetzer kämpft. Er wies darauf hin, daß der Sozialimperialismus politisch und wirtschaftlich dem kapitalisttschen Imperialismus dient: „Wenn die Partei stark genug wäre, um ihre Wesenheit zu behaupten, so könnten wir an der Regierung teilnehmen. Heute würden wir aufgesogen." WahrU'� unsere Tage haben diesem tapferen Mann recht gegeben. Geblendet vom Trugbild eines paradiesischen Siedlungslandes treiben die Sozialimperialisten die Proletarier in einen Krieg, in dem sie jetzt eine dunkle Zukunft mit ihrem Leben erkämpfen sollen und nach dem die finanziellen Lasten erst recht zur Auswande- rung treiben werden._ Enthüllungen über öie Vorgeschichte öes Krieges. Aus Rotterdam läßt sich der.Verl. Lolalanzeige" berichten, daß der politische Korrespondent de».Daily Telegraph", Dr. Dillon, seinem Blatte schreibt, daß jetzt, wo Italien den Krieg an Deutsch- land erklärt habe, bisher geheim gehaltene Bedingungen des Drei- bundvertrages veröffentlicht werden dürsten, sowie andere Akten, auS denen hervorgehen werde, daß Deutschland und Oesterreich-llngarn sofort nach der Ermordung des ErzherzogpaareS sich zum Krieg ent- schloffen hatten. San Giuliano habe wiederholt die Minister des Aeußeren der Zentralmächte gewarnt und erklärt, daß Italien eine Angriffspolitik nicht mitmachen würde. Das häufig zur Verbreitung halbamtlicher Roten benutzte Scherl- blatt sagt dazu: .Wir können diesen fürchterlichen Drohungen mit größter Seelenruhe entgegenseben. Der Dreibundvertrag war von den Tagen seines LbfchlufieS bis zu der Zeit, da er durch Italiens Treubruch in die Rumpelkammer flog, ein Defensivbündnis und hat sich al» solcher in den schwierigsten europäiswen Konstellationen wiederholt aus das trefflichste bewährt) wenn also an ihm etwas zu verbergen war, so brauchten wir, die wir den Vertrag gehalten haben, die angekündigten Veröffentlichung« gewiß nicht zu scheuen. Und waS die sonstigen Akten betrifft, mit denen man in Rom jetzt, nach der Kriegserklärung, nach uns schießen will, so mutet ihr Inhalt uns nichts weniger als neu an. Die wackere italienische Hetzpreffe hat sich diesen billigen Agitationsstoff schon im vorigen Jahr, als e« galt, den ersten Bundesverrat gegen Oesterreich-Ungarn zu bemänteln. nicht entgehen lassen, und wenn wir nicht sehr irren, ist ihr sogar damals die unverdiente Ehre einer amtlichen Zurückweisung wider- fahren. Wenn wir jetzt eine neue Auflage jener abgestandcneu Lügen erleben sollten, so werden wir auch dieses Unglück noch über- stehen können. Ebenso ist über die Haltung San GiulianoS gegen- über der Balkanpolitik der beiden Mirtelniächte bereits ausgiebig genug in aller Oeffentlichleil verhandelt worden. Und im übrigen sollen die Italiener es sich nur gesagt sein lasten: sie mögen zu manchen schönen und guten Dingen in der Welt befähigt sein, die Nolle von politischen Sittenwächlern sollen sie aber lieber andere» Leuten überlassen."_ Zwangsaufenthalt für öie deutschen in Italien. Bern, 29. A u g u st.(W. T. B) Der gestrige italienische Ministerrat behandelte die neue Lage der in Italien ver- bliebenen deutschen Staatsangehörigen.„Cvrttere della Sera" schreibt, es sei klar, daß ihre Lage sich seit gestern gründlich geändert habe. Ten Deutschen werde seitens der Expedition: Ew. öS, Ltnöenstraße Z. Rerniprecher: Amt Moritzplan, Nr. 151 SV— 151 S?. italienischen Behörden jetzt die gleiche Behandlung zuteil, wie den Oesterreichern, denen bestimmte Gemeinden in Sardinien beziehungsweise Süditalien unter besonderer Bewachung als Wohnort angewiesen worden seien. die rumänische Wirtschaft und Deutschland. Der Einttttt Rumäniens in den Weltkrieg zerstört die in jahrelanger mühevoller Arbeit geschaffenen deutsch-rumänischen Vcrkehrsbczichungcn, die sich nicht bloß auf Austausch der Landcsprodukte beschränkten, sondern bei denen besonders die Finanzierung rumänischer Eisenbahnen und der mächtig aufstrebenden Petroleumindustrie wie die Befriedigung des geldlichen Staatsbedarfes eine große Rolle gespielt hat. Rumänien führt nach Deutschland Getreide und Petroleum aus, aus Deutschland Jndustrieprodukte ein. Seine Ausfuhr nach Deutschland betrug 1913 79.8 Millionen Mark, seine Einfuhr aus Deutschland 149 Millionen Mark. Das Miß- Verhältnis ist offenbar. Die Ursache für die Geringfügigkeit der rumänischen Ausfuhr nach Deutschland— und auch nach Oesterreich-Ungarn— liegt darin, daß die beiden Mittelmächte das spezifische Erzeugnis Rumäniens, das Getreide, durch Zölle möglichst auszusperren suchten. Die rumänischen Bodcufrüchte gingen nach England, Frankreich, Bclgien.Holland. Die rumänische Ausfuhr nach Mitteleuropa hat auch große Hindernisse in dem viel beklagten Mangel billiger Berkchrslvcge gefunden. � Ein bekanntes Wort sagt, daß der rumänische Ausfuhrhafen Eon- stanza Hamburg näher als Regensburg oder Wien liegt. Das will sagen, daß die Seefracht durch das Mittelmecr und mu die ganze Westküste Europas billiger ist als die Fracht nach Wien. Bor dem Kriege betrugen die Kosten der Frachttonne von Braila bis zum Rhcinhafen Rotterdam, dem Umschlags- Platz für Süddeutschlaud, 5 bis 7 M., von da bis Mannheim 6—7 M., bis Wien aber auf der Donau 49 Kr. Die Ursachen sind die Vernachlässigung der Donaukanalisation, der mangel- haste Ausbau der Kanalverbindung mit anderen Binncnwasser- sttaßen, die fast unangetastete Monopolstellung der öfter- reichisch- ungarischen Donauschiffahrtsgcsellschaftcn. Die im Jahre 1896 beendete Donauregulicrung bei Orsowa ani Eisernen Tor ist so unvollständig, daß der Schiffahrt ernste Schwierigkeiten erwachsen. Ihre Beseitigung scheiterte an dem Widerwillen der ungarischen Agrarier gegen eine Erleichterung der rumänischen Getreideeinfuhr. Als Scheingrund wurden die hohen Kosten vorgeschützt. Wie der ungarische Ministcrial- rat v. Kvassay aber in einer Broschüre über die Donauwasser- straße sagte, hätten die Regulierungsarbeiten— 16 Millionen Kronen gekostet I In der Tat, furchtbar viel! Als die Getreideeinfuhr aus Rumänien während des Krieges einen plötzlichen Aufschwung nahm, bildeten die Katarakte der unteren Donau ein ernstes Hindernis. Aber da zeigte sich so recht, was Intelligenz und guter Wille vermag. In wenigen Wochen hatte die Arbeit der deutschen technischen Truppen die Möglichkeit geschaffen, das Vielfache auf der Donau cm- zuführen. Soll sich die Donau in Zukunft beleben, soll sie für Oesterreich-Ungarn werden, was der Rhein für Deutsch- land ist, so darf man bei der Regulierung der Donau nicht stehen bleiben, es müssen auch die Verbindungswege mit Main und Rhein sowie mit der Oder gebaut werden. Nur so kann es gelingen, die Fracht zu verbilligen. Heute haben die Dampfer nur voluminöse Bergfracht, auf der Talfracht sind sie auf Stückgut angewiesen, das wenig Frachtraum beansprucht. Wenn Kohle und Eisen Oberschlesiens nach Jnnerösterreich, Ungarn und den: Balkan auf großen Dampfern verschickt iverden können, wird der Donautransport billiger werden und mit der Seefracht in Wettbewerb treten können, weil er schneller als die See- stacht ist, wodurch der Zinsverlust verringert wird und die Verladung aus den Ozeandampfern auf Flußdampfer ver- mieden werden kann. In der rumänischen Einfuhr nimmt Deutschland die erste Stelle ein und hat Oesterreich-Ungarn verdrängt, das seine früher vorherrschende Stellung in unfruchtbarcu Zollkriegen geopfert hat. Deutsche Kaufleute haben sich auf dem rumäni- schon Markt ausgezeichnet bewährt, und auch den deutschen Unterhändlern bei den Handelsvertragsverhandlungen darf nachgesagt werden, daß sie alles Mögliche herausholten und nur eine Schranke in der deutschen Schutzzollpolitik fanden, die die Gewährung von Kompensationen für sonst erreichbare Zugeständnisse unmöglich machte. Neben dem Kaufmann be- tätigte sich auch der deutsche Finanzier in Rumänien, besonders in der Petroleumindustrie, die ihre Pro- duktion von 1889 bis 1313 von 16 999 Tonnen auf 1885 900 Tonnen gesteigert hat und in der fast eine halbe Milliarde Lei(1 Lei=- 1 Frank— 0,80 M.) angelegt sind, wovon 37 Proz. auf Deutschland, 31 Proz. auf England, 11 Proz. auf Holland entfallen und der Rest sich auf amcri- kanische, rumänische und italienische Kapitalisten verteilt. Auch zahlreiche rumänische Staatsanleihen sowie Bukarester Stadt- anleihen sind in Deutschland aufgelegt� während des Kttcgcs aber von den rumänischen 5h:iegskapitalisten in erheblichem Maße zurückgekauft worden. Die rumänische Wirtschaft ist durchaus ungesund. Zwar waren die Staatsfinanzen vor dem Krieg in Ordnung; auch warf die Petroleumindusstie steigende Ertrüge ab. Aber die Bauernschaft schmachtete unter dem harten Joch der großen Grundbesitzer, der Bojaren. Anders als in Bulgarien und Serbien wurde mit den türkischen Paschas nicht auch der türkische Grundherr Vertrieben. Zum Unglück für Rumänien hatte sich ein nationaler Großgrund besitz unter der türkischen Herrschaft erhalten, so daß die Bauernbefreiung nicht mit der nationalen Befreiung zw sammcn fiel, fondern gegen den zur Regierung gelangten lÄroßgrundbesitz erst erkämpft werden muß. Die recht- liche Hörigkeit ist aufgehoben, aber der Bauer der- hungert auf seiner Parzelle, wenn er nicht Gutsland gegen billige Hand- und Spanndienste zupachtct. Die wirtschaftliche Hörigkeit besteht fort, drückt schwer auf die materielle und geistige Kultur der Landbevölkerung und hemmt dadurch die Produktivität, so daß in den fruchtbaren Ebenen Rumäniens, unter einem unvergleichlich günstigen Klima, auf den Hektar nur die Hälfte des deutschen Ernteertrages entfällt. Zu? Vorgeschichte üer rumänischen Kriegs- erklärung. Die.Norddeutsche A l l g e m e in e Z e i t u n g' schreibt: Die Kriegserklärung Rumäniens an Oesterreich• Ungarn die die Kriegserklärung Deulschkands an Rumänien zur Folge gehabt bat, kommt für niemand als Ueberrajchung. Schon gewisse Vorgänge, die sich in Rumänien in der letzten Zeil in der Oeffenllichkeit abspielten, machten es klar, daß starke Kräfte dort an der Arbeit waren, um das Land an der Seite unserer Gegner in den Krieg hineinzuziehen. Als im August ISIS der Welt« krieg ausbrach, hätte ein loyales Einballen des zwischen Deutschland, Oesierreich-Ungarn und Rumänien bestehenden FreundschaftS« und Bündnisvertrages Rumänien an die Seite Deutschlands und Oester« reich-llngarns führen müssen. Rumänien entzog sich seinen Bündnis« pflichten ebenso wie Italien. König Karol wünschte zwar als echter Hohenzollernsproß das Wort einzulösen, das er verpfändet halte, aber er vermochte es nicht, seinen Willen gegenüber den verfafiungs- mäßigen Faktoren des Landes durchzusetzen. Die seelischen Er« regnngcn dieses Konflikts führten den Tod des greisen Herrschers herbei. Rumänien entschloß sich zur Neutralität. Nur zu bald zeigte es sich, daß diese Neutralität keine unparteiische war. sondern daß die rumänische Negierung in der Wahrnehmung ihrer NeutraliiötS« pflichten unsere Gegner begünstigte. Das kam vor allem in den ivirlschaftlichen Maßnahmen Rumäniens zum Ausdruck, inbesondere m der Sperrung der Getreideausfuhr nach Deutschland, Zoll- schwierigkeiten und Schikanen verschiedener Art. Als die Kriegs- creignisie nicht den von der Entente erwarteten Verlauf nahmen, als insbesondere das Eingreifen Italiens in den Krieg nicht den erhofften militärischen Zusammenbruch Oestcrreich-UngarnS herbeiführte, begann Herr Bratianu, der Träger der vertragswidrigen rumänischen Politik, einzulenken. Die rumänischen Kornkammern würden dem deutschen Bedarf geöffnet und Vereinbarungen mit Deutschland getroffen, die die Ausfuhr der gekauften Zerealien und Futtermittel sicher- stellten. Die Vereinbarungen wurden pünktlich eingebalten. Von Ausbruch des Krieges an sind die Ententemächte bemüht gewesen, durch weitgehende Versprechungen Rumänien zur aktiven Teilnahme am Kriege zu bewegen. Gebietsteile unseres öfter- reichlisch-ungarischen Bundesgenossen wurden ihm in liberalster Weise als Lockspeise angeboten. ES ergab sich nur das Hinternis, daß die Ländergier Rußlands und Serbiens sich zum Teil auf dieselben Objekte erstreckte, die den Gegenstand der rumänischen Begehrlichkeit bildeten. Eine volle Verständigung kam unter diesen ilmständen nicht zustande und die Hoffnungen verwirklichten sich nicht, die die Entente zur Zeit des Eintritts Italiens in den Krieg auf das gleichzeitige Eingreifen Rumäniens gesetzt hatte. Die Erfolge der russischen Offensive im vergangenen Frühjahr ermutigten die Entente dazu, ihre Anstrengungen zu erneuern. T/ie Verhältnisse hatten inzwischen dadurch«ine Erleichterung er«. sähren, daß Serbien zerschmettert am Boden lag und notgedrungen. in seinen Ansprüchen bescheidener werden mußt«.. Die Entente- , nachte, die seit Wochen den denkbar stärksten Druck auf die rumä- nische Regierung ausgeübt haben, um sie dazu zu bewegen, in ihrem Interesse Rumänien zum Kriegsschauplatz herzugeben, hatten unter diesen Umständen leichteres Spiel. Es ist ihnen anspinnend gelungen, Rumänien territoriale Angebote zu machen, die ihm ver- ockend genug erschienen sind, um das Land in den Krieg zu stürzen. Der Kaiserlichen Regierung sind die Verhandlungen, die Herr Bratianu mit den Vertretern der Ententemächte führte, nicht mibe- kannt geblieben. Sie hat nicht Unterlasten, Seine Majestät den König und die nicht vollständig in den Bannkreis der Entente ge- ratencn rumänischen Politiker immer wieder auf daS gefährliche und unaufrichtige Treiben des rumänischen Ministerpräsidenten hinzuweisen. Vergebens. Nurnäinen ist den Spuren Italiens gefolgt. Wir geben der zuversichtlichen Erivartung Ausdruck, daß lein Verrat ebensowenig die erhofften Früchte zeitigen wird, wie es Italien nach beinah anderthalbjähriger Kricgsdauer gelungen ist, den Lohn für seinen Treubruch zu finden. • Budapest, 28. August.(T. U.) Der diplomatische Vertrag zwischen Rumänien und der Entente wurde am IS. August in Bukarest unter- sertigl. Der russische Militäraltachs Tatarinow brachte die Militär- konvention aus Rußland, die Bratianu am Sonnabend unterschrieb! hierauf fand ein Kronrat statt. Die rufienfrcundlichen Blätter ver- öffentlichtcn bereits am Sonntag früh die Verträge. Laut»Dimi- niata* verpflichtete dieser Vertrag Rumänien spätestens am 28. August zum Eingreifen, der Mobilisierungsbefehl ist auch von diesem datiert. Bereits am ersten Tage vereinen sich dem Sinne der Konvention gemäß rumänische und russische Truppen._ Die rumänische Note an Oesterreich. Kopenhagen, 29. August.(W. T. 83.) Die Petersburger Telegraphen-Agentur verbreitet folgende Meldung aus Bukarest: Nach dem Krön rat wurde dem österreichisch- ungarischen Gesandten Grafen Czernin fol- gende Note übermittelt: w DaS zwischen Deutschland, Oesterreich-Ungarn und Italien abgeschlossene Bündnis hatte nach den eigenen Erklärungen der Regierungen nur einen wesentlich erhaltenden und verteidigenden Charakter. Sein Hauptziel war, die verbün- dcten Länder gegen jeden von außen kommenden Angriff zu schützen und einen Zustand zu befestigen, der durch ftühere Ver- träge geschaffen worden war. In dem Wunsche, seine Politik mit diesen friedlichen Bestrebungen in Einklang zu bringen, schloß sich Rumänien diesem Bündnis an, mit dem Werke seiner inneren Verfassung beschäftigt und treu seinem festen Eni- schlussc, in der Gegend an der unteren Donau ein Element der Ordnung und des Gleichgewichts zu bleiben. Rumänien hörte nicht aus, zur Aufrechterhaltung des Friedens am Balkan beizutragen. Die letzten Balkankriege, welche den Statusquo zertrümmerten. zwangen ihm eine neue Richtung für sein Verhalten auf. Sein Eingreifen bewirkte den Frieden und stellte das Gleichgewicht wieder her. Rumänien begnüge sich mit einer Grenzberichtigung.� die ihm mehr Sicherheit gegen einen Angriff verschaffte und zu gleicher Zeit eine llngerechtigkeit gut machte, die zu seinem Schaden auf dem Berliner Kongreß begangen worden war. Aber in der Ver- iolgung dieses Zieles erlebte Rumänien die Enttäuschung, fest- stellen zu müiien, daß es von feiten des Wiener Kabinetts nicht der Haltung begegnete, die es mit Recht erwarten konnte. Als der gegenwärtige Krieg ausbrach, lehnte es Rumänien ebenso wie Italien ab, sich der Kriegserklärung Oefterreich-Ungarns Mm Ses«Wen ölHAmMs. Amtlich. GroßeSHa«ptq«artier, 29. August 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. In vielen Abschnitten der Front machte sich eine er- höhte Feuertätigkeit des Feindes bemerkbar. Im Somme- und Maasgcbiet nahm der Artilleriekampf wieder große . Heftigkeit an. Nördlich der Somme wiederholten sich die mit erhebliche« Kräfte» unternommenen englischen Angriffe zwischen Thiepval und Poziercs. Sie sind blutig gc- scheitert, zum Teil führten sie zum Nahkampf, der nördlich von Ovillers mit Erbitterung fortgesetzt wird. Mehrere Handgranatenangriffe wurden am Delville-Walde und füd- östlich von Guillemont abgewiesen. Rechts der Maas griffen die Frauzofeu zwischen dem Werk Thiaumont und Fleury sowie im Bergwalde au. Im Fener der Artillerie, der Infanterie- und Maschinengewehre brachen die Angriffs- wellen zusammen. Schwächere feindliche Borstöße südlich und südöstlich von St. Mihicl blieben ohne Erfolg. Drei feindliche Flugzeuge sind im Luftkampf abge- schoffcu, und zwar eins südlich von ArraS, zwei bei Ba- panme. Ein viertes fiel östlich von St. Quentio unversehrt in unsere Hand. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Au einzelneu Stelleu war die Feuertätigkeit etwas lebhafter. Westlich des Stochod bei Rudka Ezcrwiszcze kam es zu Jnfauteriekämpfen; nördlich des Dnjestr wurden bei Abwehr schwacher russischer Augriffe über 100 Gefangeue gemacht. In den Karpathen fanden Znsammenstöße mit russisch- rnmäuische» Vortruppen statt. Lei Burstyu(an der Gnila Lipa) wurde ein russisches Flugzeug im Luftkampf zur Landung gezwungen. Balkan-Kriegsschauplatz. Keine Ereignisse von besonderer Bedeutung. Oberste Heeresleitung. O« In SllmelMe(Senniii Weiidit. Wien, 29. August.(W. T. B.) Amtlich wird ver- lautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Der Dovaumonitor„Alinos" zerstörte durch Feuer bei Tonm- Severin mehrere militärische Anlagen. An allen Uebergängen der 000 Kilometer langen ungarisch- rumänischenGrenzgebirge sind unsere Grenzsichcrungstruppeu ins Gefecht gekomme«. Der Feind holte sich, wo er auf unsere Ba- taillone stieß, blutige Köpfe; namentlich nordöstlich von Orsova, bci Petroscny, im Gebiet« dcS Löröst»rony-(Rote Turm)-Passes, auf den Höhen südlich von Brasso, auf denen das tapfere Szekler- Infanterie- Regiment Rr. 82 heimischen Boden ver- teidigte, und im Gyergy»- Gebirge. Nur das weite Aus- holen starker rumänischer Umfassungskolonnen vermochte unsere vorgeschobenen Abteilungen z» veranlassen, rückwärts angelegte und planmäßig zugewiesene Stellungen zu beziehen. In der Bukowina und in dcn galizischrn Karpathen keine besonderen Ereignisse. Bei den gestern gemeldeten Kämpfen nörd- lich von Mariampol wurden über 100 Manu»nd ein Maichiucn- gewchr eingebracht. Südlich von Ziorow vereitelten unsere Truppe« russische An- uiherungSvcrsuchc durch Gegenstoß. H i n d e n b u r g f r» n t. Bci Szcwow brach ein russischer Angriff in unserem Artillerie- fener zusammen, Bci Rudka Czcrwiszcze kam es zu Jnfantcriekämpfe». Italienischer Kriegsschauplatz. Die Tätigkeit des Feindes ist in mehreren Frontabschnitten lebhafter geworden. Unsere Stellungen auf den Fassancr Alpen stehen unter an- dauerndem starken Gcschützfcncr. Angriffe gegen die Cauriol- Scharte und die Cima di Cccc wurden abgeschlagen; der Cauriol- Gipfel fiel nach hartnäckigem Kampf in Fcindcshand. An der Dolomitcn-Front scheiterten mehrere Borstöße der Italiener gegen unsere Rufreddo-Stellungen. Im Plöckcn-Abschnitt und au der küstenländifchcn Front zwischen dem Col Santo und Nova Bas versuchte feindliche Infanterie an mehreren Stellen, mit kräftiger Artillcricuntcrstützung vorzugehen. Diese Versuche wurden über- all vereitelt. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unsere Donau-Flottillc schoß die Petrolcumraffinerie bci Giurgiu in Brand. Der Stellvertreter des Chefs dcS GeneralstabeS: von Hocfer, Feldmarschalleutnant. D»» prunanlschös teprclchlschungarischo Grenzgebiet anzuschließen, von der es vorher vom Wiener Kabinett nicht de« nachrichtigt worden war. Im Frühjahr 1915 trat Italien in den Krieg mit Oesterreich-Ungarn. Der Dreibund bestand nicht mehr. Die Gründe, welche den Anschluß Rumäniens an dieses politische System bestimmt hatten, verschwanden in demselben Augenblick. An die Stelle einer Gruppe von Staaten, die durch gemein- sinne Anstrengungen an der Sicherung des Friedens und der Er- Haltung der tasächlichcn und rechtlichen Lage, wie sie durch die Ver- träge geschaffen war, zu arbeiten suchten, befand man sich Mächten gegenüber, die nur in der bestimmten Absicht Krieg führten, die früheren Verhältnisse, die als Grundlage ihres Bündnisvertrages gedient hatten, von Grund ans zu ändern. Diese tiefen Aende« rungen waren für Rumänien der klare Beweis, daß das Ziel, welches es verfolgen sollte, als es sich dem Dreibunde anschloß, nicht mehr erreicht werden konnte, und daß es seine Wsichten und Anstrengungen i» neue Wege lenken muhte. Dies um so mehr, als das von Oesterreich-Ungarn unternommene Werk einen die wesentlichsten Interessen Rumäniens ebenso wie seine legitimsten nationalen Wünsche bedrohenden Charakter annahm. Ange'icbts einer so radikalen Aenderung der zwischen der öfterreichisch-unga- rischen Monarchie und Rumänien geschaffenen Lage hat letzteres seine Handlungsfreiheit wieder gewonnen. Die Neutralität, welche sich die Königliche Regierung nach einer Kriegserklärung auferlegte, die außerhalb ihres Willens und entgegen ihren Interessen er- lassen worden war, war in erster Linie infolge der zu Anfang von der Kaiserlich Königlichen Regierung gegebenen Zusicherungen an- genommen worden, daß die Monarchie bei ihrer Kriegserklärung an Serbien nicht von Eroberungsdrang beseelt gewesen sei und daß sie in keiner Hinsicht auf Landerwerb ausgehe. Dies« Zusicherungen haben sich nicht verwirklicht. Heute stehen wir vor einer tatsächlichen Lage, aus der große territoriale und politische Umänderungen her- vorgehen können, die der Art sind, daß sie eine schwere Bedrohung der Sicherheit und Zukunft Rumäniens bilden. Das Friedens- werk, welches Rumänien, treu dem Geiste des Dreibundes, zu schaffen versucht hatte, wurde so von denjenigen selbst unfruchtbar gemacht, die dazu berufen waren, es zu stützen und zu verteidigen. Als Rumänien sich 1883 der Gruppe der Mittelmächte an- schloß, hatte es, weit entfernt die Bande des Blutes zu vergessen, welche die Bevölkerung des Königreichs mit den rumänischen Unter- tanen der österreichisch-ungarischen Monarchie verband, in den zwischen den drei großen Mächten geschaffenen Beziehungen der Freundschaft und des Bündnisses ein wertvolles Pfand seiner inneren Ruhe wie auch der Verbesserung des Schicksals der Ru- mänen Oesterreich-Ungarns gesehen. In der Tat konnten Deutsch- land und Italien, die ihre Staaten auf der Grundlage des Nationalitätenpvinzips wieder aufgebaut hatten, nicht anders, als die Gesetzmäßigkeit der Grundlage anerkennen, auf der ihr eigenes Dasein beruhte. Was Oesterreich-Ungarn betrifft, so fand es in den freundschaftlichen Beziehungen, welche sich zwischen ihm und dem Königreich Rumänien entwickelten, die Sicherheiten für seine Ruhe, sowohl im Innern, wie an unseren gemeinsamen Grenzen; denn es wußte sehr wohl, in welchem Grade die Unzuftiedenheit der dortigen rumänischen Bevölkerung bei uns widerhallte, in dem sie jeden Augenblick die guten Beziehungen zwischen den beiden Staaten zu stören drohte. Die Hoffnung, die wir unter diesem Gesichtspunkt auf unsere Zugehörigkeit zum Dreibunde gesetzt hatten, wurde mehr als 30 Jahre lang getäuscht. Die Rumänen der Monarchie haben nicht nur niemals Reformen einführen sehen, die ihnen auch nur scheinbare Genugtuung hätten geben können, sondern sie wurden im Gegenteil wie eine minderwertige Rasse behandelt und dazu verdammt, die Unterdrückung durch em fremdes Element zu erleiden, das nur eine Minderheit inmitten der verschiedenen Nationalitüten bildet, aus denen die österreichisch- ungarischen Staaten bestehen. All die Ungerechtigkeiten, die man so unsere Brüder erleiden ließ, hielten zwischen unserem Lande und der Monarchie«inen fortwährenden Zustand der Animosität aufrecht, den die Negierungen des Königreich» schließlich nur um den Preis großer Schwierigkeiten und zahlreicher Opfer bcsänf- tigen konnten. Als der jetzige Krieg ausbrach, konnte man hoffen, daß die österroichisch-ungarische Regierung wenigstens in letzter Stunde sich von der dringenden Notwendigkeit würde überzeugen lassen, diese Ungerechtigkeit aufzugeben, die nicht nur unsere frcnudschaft- lichen Beziehungen, sondern sogar die normalen Beziehungen, die zwischen benachbarten Staaten bestehen sollen, in Gefahr brachte. Zwei KriegSjahr«, während deren Rumänien seine Neutralität aufrecht erhielt, haben bewiesen, daß Oesterreich-Ungarn jeder inneren Reform abgeneigt, die das Leben der von ihm regierten Völker besser gestalten konnte, sich ebenso bereit zeigte, sie zu opfern, wie ohnmächtig, sie gegen äußere Angriffe zu verteidigen. In dem Kriege, an dem fast daS ganze Europa beteiligt ist, handelt es sich um die wichtigsten Fragen, die die nationale Ent- Wicklung usid sogar die Existenz der Staaten berühren. Rumänien, in dem Wunsche, dazu beizutragen, daß das Ende des Konflikts beschleunigt werde, und unter dem Zwange der Notwendigkeit, sein« Rasseninteressen zu wahren, sieht sich gezwungen, an die Seite derer zu treten, die ihm die Verwirklichung seiner nationalen Eini- gung sichern können. Aus diesen Gründen betrachtet es sich von diesem Augenblick an als im Kriegszustand mit Oesterreich-Ungarn befindlich. Zahlungsverbot gegenüber Rumänien. Amtlich. Berlin, 29. August.(W. T. B.) Durch Be- kanntmachung des Reichskanzlers vom heuttgen Tage sind das gegen die feindlichen Staaten erlassene ZahlungSvcrbot sowie die Vorschriften über die Sperre feindlichen Vermögens auf Rumänien für anwendbar erklärt worden. �nöraj?p über öas rumänische Eingreifen. Budapest, 29. August.(W. T. B.) Graf Andrassy äußerte sich über die rumänische Kriegserklärung einem Ausfrager des „Magyar Hirlap" gegenüber u. a.:„Auch wenn es daS Ver- hängnis selbst wäre, das in Rumäniens Angriff sich gegen uns wendet, auch dann würden wir ihm unsere ganze Kraft und unsere Entschlossenheit bis zum äußersten entgegensetzen. Man trachtet uns nach dem Leben! Wir werden eS zu ver- tcidigcu wissend Der vorsichtige König und feine verwandten. Der rumänische König bat nicht nur in der Politik dem be- kannten Geschäslsgeist seiner Landsleute alle Ehre gemacht, sondern auch in seinen Privaiangclcgenheiien die„Sorgfalt eines ordentlichen Hausvaters" beobachtet. Die„Deutsche Tageszeitung" meldet: Wie an der Börse verlautet, hat der König von Rumänien hier rechzeitig sein Guthaben abgehoben." Dieser kluge Herr, den die deutsche Presse eifrig an den Pranger stellt, ist ein in Deutichland geborener Prinz aus dem Hause Hohenzollern-Sigmaringen. Seine Verwandten sind von der Kriegserklärung laut„Lokal-Anzeiger" wie von„einem Blitz aus beilerem Himmel" getroffen worden. Seine Frau stammt aus dem Hcrzoggeschlccht Sachsen-Koburg und Gotha. Neutrale Hlätter über Rumäniens Kriegs- erklärung. Kopenhagen, 28. August.Ä. T. B.) Unsere weittragenden Geschütze beschossen mit Erfolg Truppenbewegungen an verschiedenen Punkten zwischen Bapaume und Miraumont. Zeitweilig aussevende Tätigkeit der feindlichen Artillerie zwischen PozisreS und Tbicpval. Unsere Artillerie und unsere Grabenmörier waren an anderen Stellen der Front tälig. Am Abend des 23. August überraschle ein beftiger Sturm acht unserer Flugzeuge. Fünf sind nicht zurückgekehrt. Der russische Kriegsbericht. Vom 28. August nachmittag«. sW. T. B.) Westfront. Nördlich vom Koldylschew-See versuchten seind- liche Abteilungen am 26. August vorzurücken, mußten aber unter dem Feuer unserer Artillerie in die Ausgangsgräbcn zurückgehen. An der Schtschara südlich von der Eisenbahn Varanowilschi-lLuni- niece griffen die DeulsÄen in der Stärke von etwa zwei Bataillonen unsere vorgeschobenen Truppen in den Gräben am Westufer des Flusses an, wurden aber zuiückgewiefen. Am Stocbod südlich von der Ortschaft Tychva Slobychva umzingelten unsere Aufklärer einen österreichischen Posten und nahmen einen Teil davon gefangen. In der Gegend des Dnjester nördlich von Mariampol be- mächtigtcn sich untere Truppen nach Kamps eines Wäldchens im Osten des Dorfes Delejow, wo sie sich einrichteten. Sie machten einen Olfizier und 37 Soldaten zu Gefangenen und erbcutelen zwei Maschinengewehre. K a u k a s u s f r o n t: An der Front Kygi bis zum Wansee dauern die Kämpfe an. Unsere Truppen säuberten türkische Schützen- grüben am linken Ufer des Massla-Darassi, der sich bei dem Torfe Murik in den Euphrat ergießt, und setzten auf das Westuscr über. Nördlich von Biliis drängten wir den Feind durch einen Gegen- angriff nach Süden zurück. Elf Offiziere, 200 Askari und drei Maschinengewehre sielen in unsere Hände. In der Richtung Moffnl sind wir den Türken in den Gebieten von Neri und Sakkiz auf den Fersen. V o m 2 8. A u g u st a b e n d Z.(95. T 93.) An der 28 est front und an der Kaukasusfront ist die Lage unverändert. Meldung der italicurschen Heeresleitung. Italienischer Heeresbericht vom 26. August. lW. T. 93.) An der Trentiner Front machte der Gegner kleine Angriffe gegen unsere Stellungen im Fargorida-Tal(Adamcllo). an den Abhängen des Monte Zebio(Hochfläche von Asiago), in der Gegend von Fasia (Avisio) und im Viiende-Tal(oberes Piave-Tal). Dem Angriff am Monte Zebio gingen Stickgaswellen voraus, die indessen durch den Gebrauch unserer GaSschutzmaSken völlig unwirksam gemacht wurden. Der Feind wurde überall mit empfindlichen Verlusten zurück- geschlagen und ließ einige Dutzend Gefangene in unseren Händen. Im oberen But-Tal lebhafte Tätigkeit großkalibriger, seindlich-r Geschütze. In der Gegend von Görz und aus dem Karst langsames, aber anhaltendes Feuer der feindlichen Artillerie gegen Vorstädte, die Stadt und Jionzobrllcken und auf die Vallonelinie. Die unirige antwortete kräftig, indem sie Bef-stigungsarbeilen des Feindes zerstörte. vom v-Soot-Krieg. Amtlich. Berlin, 29. August.(W. T. 23.) Am 24. August• hat eines unserer Unterseeboote iu der nördlichen Nordsee einen englischen Hilfskreuzer versenkt. Notiz des W. T. B.: Es handelt sich offenbar um den von amtlicher englischer Seite als gesunken gemeldeten Hilfskreuzer„Duke of Albany'. London, 28. August.(23. T. B.) Lloyds berichtet: Der griechische Dampfer.Leandros' wurde am 25. August im Mittelmeer versenkt. Die Besatzung wurde gerettet. Kristiania, 2g. August./z Pf. pro Stunde. Bei zehnstündiger Arbeitszeit beträgt die jetzige Zulage wöchentlich 4,50 M.; insgesamt seit April 1915 10,50 M. Teuerungszulage pro Woche. Den Kutschern wurde ebenfalls noch eine weitere Teuerungszulage von je 2,50 M. pro Woche zugebilligt, so daß deren Lohn inkl. der Teuerungszulage pro Woche 45 M. beträgt. Die Firma»Kohlen-Spedition" bewilligte ihren verheirateten Kutschern 3,50 M. und den unverheirateten 3 M. pro Woche weitere Teuerungszulagen, so daß hier der Lohn 46 bezw. 44 M. inkl. Teuerungszulagen pro Woche für Kutscher be- trägt. Die Platzarbeiter erhalten bei dieser Firma ebenfalls 67'/z Pf. pro Stunde. Deutsches Reich. Lohuverhaltnisse in der deutschen Bekleidungsindustrie. Stach dem Jahresbericht der Bekleidungsindustrie-Bcrufsgenossen- schaff für 1915 haben die bezüglichen Verhältnisse während der KricgSzeit eine wesentliche Verschiebung erfahren. Diese Berufs- genoffenschast umfaßte in den Jahren Arveiter Lohnsummen in Mark 256 405 890 287 407 750 330 312 680 in den drei Vergleichsjabren ver- 291 727 332 185 358 852 Verlin vnü UmgegenS. Wettere Teuerungszulagen in den KohlemGrosthandels- betrieben. In der zweiten Woche deS Monats August haben zwischen dem Verband Berliner Kohlen-Großhändler sowie der Direktion der Betriebe 1915 i 12567 1914.... 12 635 1913.... 12 285 Die Zahl der Betriebe erfuhr chiedene Schwankungen. Das Jahr 1914 brachte eine erhebliche Erhöhung, 1915 wieder einen Rückgang, während die verbliebene Zahl gegenüber dem letzten Friedensjahr 1913 doch noch eine Ver- mehrung von fast 300 Betrieben ergibt. Dagegen ist die Zahl der Arbeiter und die Lohnsumme in den beiden Kriegsjahren ganz be- deutend zurückgegangen, ebenso der durchschnittliche Jahresverdienst der Arbeiter. Im Jahre 1913 betrug der durchschnittliche Jahres- lohn der in der Vekleidungsindustrie-Berufsgenossenschaft versicherten Arbeiter 922 M., 1914 865 M und 1915 879 M., im letzteren Jahre um 43 M. weniger als 1913 trotz der furchtbaren Teuerung I Man wird diese bedenkliche Verschlechterung der Lohnverhältnisse in der Bekleidungsindustrie mit der Abnahme der erwachsenen männlichen Arbeiter und mit der Zunahme der Arbeiterinnen und Jugendlichen erklären wollen. Allein dieser Erklärungsversuch kann die Tatsache der Lohnverschlechterung nicht aus der Welt schaffen, da ja eben die Produktion in den Betrieben fortgesetzt wurde. Die andere Seite heißt Erhöhung des Unternehmergewinns, was auch die Geschäfts- berichte der Aklienunternehmungen der Bekleidungsindustrie mit ihren reichen Gewinnen und hohen Dividenden bestätigen. RuslanS. Streik der amerikanischen Eisenbahner. Washington, 29. August.(W. T. B.) Reutermelduug. Die Vertreter deS Bundes der Eisenbahnangestellten ver- faßten, ehe sie nach dem mißglückten Versuche des Präsidenten Wilson, eine Beilegung des Streiks herbeizuführen, am Sonn- tag Washington verließen, einen Streikbefehl und verschickten ihn an die Mitglieder des Bundes im ganzen Lande. Der Streikbefehl tritt am 4. September um sieben Uhr morgens in Kraft, wenn nicht die Forderungen der Leute in der Zwischenzeit erfüllt werden. Wilson hofft aber noch immer, den Streik verhindern zu können. Mus öer Partei. Sozialdemokratische Kundgebungen. Eine machwolle Kundgebung war die am Sonnabend, den 26. August, von der Würzburger Parteileitung veranstaltete öffentliche Volksversammlung, die von etwa 1300 Personen besucht war. Auf- fällig stark waren bürgerliche Kreise vertreten. Die eindrucksvollen Darlegungen de« Referenten, Reichstagsabgeordneten Hoch- Hanau, wurden mir stürmischem Beifall aufgenommen. Die vorgelegte Re- solution fand einstimmige Annahme. Die Versammlungen im 18. sächsischen Wahl- kreise am Sonnabend und Sonntag tn Crimmitschau, Werdau und Zwickau waren sämtlich überfüllt. Referenten waren die Genossen L i p i n s k i- Leipzig, Molkenbuhr- und E b e r t- Berlin, deren Ausführungen ungeteilten Beifall fanden. Vier Versammlungen waren am Freitag, Sonnabend und Sonntag im ersten sächsischen Reichstagswahlkreise in Zittau, Reichenau, Seifhennersdorf und Leutersdorf einberufen. Die stattgefundenen Versammlungen erffeuten sich eines so regen Zu- spruchs, wie man ihn nur zu Zeiten heißesten Reichstagswahl- kampfes wahrgenommen hat. Die Redner Edmund Fischer und F l e i tz n e r fanden mit ihrer energischen Forderung des Friedens ohne Annexion und der sofortigen Bekanntgabe der Kriegs- und Friedensziele der deutschen Regierung de» brausenden Beifall der Anwesenden. Im Herzogtum Sachsen-Altenburg fanden in Alten- bürg, Gößnitz, Meuselwitz, Schmölln, Lucka, Ronneburg, Eisenberg und Kahla sehr stark besuchte öffentlich« Versammlungen statt. Der Abgeordnete deS Kreises, Genosse Kappler, sprach über Kriegs- und Friedensziele. Die realen Garantien vor einer Wiederholung der über die Völker hereingebrv- chenen Katastrophe erblickte der Redner in der Forderung der Ab- rüstung in allen Staaten und der Schaffung eine? internationalen ~ vangsschiedSgerichte». Die dahin zielenden Resolutionen wurden rn allen Orten einstimmig angenommen.(r) Auflösung des sozialdemokratischeu Vereins„Eintracht" in Zürich. Aus der Schweiz wird uns geschrieben: Der alle sozialdemokraliiche Verein.Eintracht' in Zürich hat in seiner schwachbesuchten Versammlung vom 23. August mit 44 gegen 11 Stimmen seine Auflösung beschlossen, obwohl er noch eine ei bebliSs Mitgliederzahl hat und also nicht etwa wegen Mangels an Mitgliedern zur Auflösung genötigt gewesen wäre. Die Auflösung erfolgte im Interesse der Parteieinheit. Die Mitglieder des auf- gelösten Vereins sollen angehalten werden, sich den sozial- demokratiscken Kreis-(Bezirks-> Vereinen anzuschließen. Er beschämt damit den Grülliverein, der im Gegensatz dazu seine Sektionen auf- fordert, aus der sozialdemokratischen Partei auszutreten, dabei aber nicht müde wird, immer wieder zu betonen, daß er auf dem Boden des sozialdemokratischen Parteiprogramms steht. Die.Eintracht' wurde 1836 von eingewanderten Deutschen ge- gründet. 1850 vom schweizerischen Bundesrat mit noch weiteren fünfzehn deutschen Arbeitervereinen in der Schweiz wegen.revo- lutionärer Umtriebe' als Konzession an die deutsche Realiion auf- gelöst, aber sofort wieder gegründet, so daß sie achtundsiebzig Jahre bestand. Sie hat zeitweise weit über 1000 Mitglieder aller Nationen gebabt und während ihres langen Bestehens viele Tausende von Arbeitern als Mitkämvfer der Sozialdemokratie zugeführ. In ihren regelmäßigen Unierrichtskursen und zahlreichen Vorträgen, mit ihrer reichhaltigen Bibliothek und Zeitungsliteratur hat sie die geistige Fortbildung der Arbeiter mächtig gefördert, mit ihrem dramatischen Klub, Gesang- und Turnseklionen Kunst und Sport erfolgreich ge- pflegt, in ihrer Speisegemeinschaft, die zeitweise bis 400 Mitglieder und darüber zählte, ein wertvolles Stück praktischen Sozialismus geboten. Alle diese Sektionen haben sich im Laufe der letzten Jahre von .Eintracht' losgelöst und selbständig gemacht, die Bibliothek wurde mit der Zentralbibliotbek der Arbeiterunion Zürich vereinigt utid so der Verein an Haupt und Gliedern amputiert, daß er schließlich nur noch eine einfache und nackte politische Organisation war, die sich jeden Tag auflösen konnte, um ihre Mitglieder in den KreiSvereinen verschwinden zu lassen. Das Vereinshaus.Eintracht' bleibt als Gewerkschaftshaus mit Herberge jür die organisierte Arbeiterschaft und auch die Speise- genosienschast bleibt als selbständiges Unternehmen weiter be- stehen. Die aufgelöste.Eintracht' hat eine reiche Geschichte, die gleich- bedeutend ist mit großen Verdiensten um die Förderung des Sozia- lismus. Genossen in allen fünf Weltteilen, die in Zürich waren, werden mit einem gewissen Gefühl der Wehmut die Kunde von der Auflösung der»Eintracht' vernehmen. Die sozialistische Wochcnpreffc in Italic«. AuS Rom wird uns geschrieben: Von den sozialistischen Wochenblättern, deren in Italien vor Ausbruch des Krieges etwa Kundert veröffentlicht wurden, haben nach einer Veröffentlichung des.Avanli' nur 40 der veränderten Lage Stand hallen können, die in ganz Europa der Arbeiterpresse durch den Krieg geschaffen wurde. ES bandelt sich um Lokalblätter, von denen kaum eines außerhalb des Ortes gelesen wird, in dem es er- scheint, die aber gerade wegen ihrer Schlichtheit auch den tiefsten Schichten der Arbeiterschaft zugänglich sind und die deshalb für die Agilation der sozialistischen Ideen die größte Bedeutung haben oder doch haben sollten. Im.Avanti' wird nun die Frage aufgeworfen, was zur Verbesserung und größeren Verbreitung dieser sozialistischen Lokalpresse geschehen kann. Es wird beklagt, daß viele dieser Wochenzeiiungen nicht Eigentum der lokalen Organisation sind oder auch nur ibrer Kontrolle unterworfen; sie sind von irgend einem wohlbabenden Genossen gegründet worden — meist in Wahlzeiten und zu Wahlzwccken— und werden von ihm am Leben erhalten. Es wird weiter beklagt, daß in mancher Probinz ein halbes Dutzend solcher Blätter besteken. während ganze Regionen kein sozialistisches Organ haben. Der Artikel, dem die Redaltion des .Avanti' beipflichtet, regt an, der Parleivorsland solle nur die Blätter anerkennen, die unter der Kontrolle der sozialistischen Provinzialorganisation sieben und soll nickt mehr als eine Zeitung in jeder der 69 italienischen Provinzen zulassen. Weiter wird ein ge- noffenschastliches Zusammenarbeiten der Wochenzeitungen gefordert, in dem Sinne, daß sie gemeinsam Papier beziehen, einander den Nachdruck von Agitationsartikeln erleichtern, durch Austausch von .Flans', und eine gemeinsame Konirolle ihres VerwaltungSweiens einführen usw.— Es unterliegt keinem Zweifel, daß heute'auf dem Gebiet der Wochenpresie in der italienischen Partei dem großen Ans- wand an gutem Willen und Geld kein angemessenes Resultat entspricht. Bei weniger.Eigcnbrödelei' und geringerem Jndividualis- mus ließe sich viel mehr erzielen. Mus Industrie und Sandel. Erfreuliche Aussichten für die Herren Aktionäre. Es bestätigt sich, daß die Geschäftsentwickclung des Eisen« Hüttenwerks Thale A. G. noch günstiger verläuft als 1915. Der Ueberschuß des ersten Halbjahrs nach Abzug der Unkosten, jedoch vor Kürzung der Zinsen und Abschreibungen, wird der»Frankfurter Zeitung' auf 6 Millionen Mark angegeben. sBetriebsgcwinn des ganzen Jahres 1915: 7,61 Millionen Mark gegenüber 1,04 Millionen Mark Unkosten und 0,96 Millionen Abschreibunaen.) In beteiligten Kreisen trägt man sich mit der bestimmten Hoffnung, daß eine neue Erhöhung der Ausschüttung an die Aktionäre stattfinden werde. vorausgesetzt, daß die Kriegslastenverhältnisse es gestatten, oder daß die kommenden Monate keinen Umschwung bringen. Ob man sich die Ausschüttung einfach als Dividende vorzustellen oder ob zerlegt in eine Grunddividende und einen BonuS, das wird sich erst an- fangS nächsten Jahres entscheiden, wie überhaupt des frühen Zeit- Punktes wegen die Dividendenerwartungen mit allem Vorbehalt aufzunehmen sind. Ein Pari-Bezngsrecht oder ähnliches ist dagegen bei der großen Flüssigkeit der Bilanz(im Vorjahr 5,24 Millionen Mark Effekten neben 4,56 Millionen Mark Bankguthaben) nach Er- kundigung des Berliner Korrespondenten der.Frankfurter Ztg.' nicht zu erwarten. Gesteigerte Zuckerpreise für London. Die Zuckerpreise in London sind um nicht weniger als 75 Proz. gestiegen, obwohl der Verbrauch um 65 Proz. vermindert ist. Die Fabrikation von sämtlichen nicht sehr nötigen zuckerhaltigen Artikeln und die Herstellung von Kuchen sind verboten. #t. 238 33. jpejinjje des LWiirts" Kerliner �lksdllitt. mmi>' 30 � 1916 Chronik des Weltkrieges. SV. Slugust ISI-t. In der großen Schlacht bei Tannenberg. Hohenstein und Orlelsburg wurden nach vorläufiger Schögung 30 000 Russen mit vielen hohen Offizieren gefangengenommen. Die Kämpfe bei Lemberg und Lublin. die bereits fünf Tage andauern, haben noch keine Entscheidung gebracht. Die Armee Dank! errang bei krasnick einen Teilerfolg gegen 10 russische Divi- sionen und machte 2000 Mann zu Gefangenen. Auch in Ostgalizien sind lebhafte Kämpfe im Gang«. SV. August ISlZ. Der Vormarsch der deutschen und österreichischen Armeen auf dem östlichen Kriegsschauplatz dauert immer noch an. Die Armee des Generalobersten v. Eichhorn machte 1600 Gefangene und er- beutete 7 Geschütze. Das Große Hauptquartier gibt eine zusammensastende Darstellung des bisherigen Ergebnisses der Offensive gegen Ruhland. Danach sind 1 100 000 Russen gefangen worden und mindestens 300 000 gefallen und verwundet. Doch fei der Umfang der blutigen Verluste hierbei außerordentlich niedrig veranschlagt. Wenn trotz dieser enormen Verluste Rußland noch Truppen im Felde habe, so sei dies nur dadurch zu erklären, daß es die für eine Offenstve gegen die Türkei in Slldrußland bereitgestellten Divisionen herangezogen und außerdem sehr viele halbausgebildete Ersatzmannschaften aus dem Innern Rußlands schleunigst herangeführt habe. Die Dar- stellung schließt: „Alle diese Maßnahmen haben das Verhängnis nicht auf- halten können. Aus Galizien, Polen, Kurland, Litauen ist der Feind ver- trieben. Seine geschlostene Front ist zerrissen, seine Heere fluten in zwei völlig getrennten Gruppen zurück. Nicht weniger als 12 Festungen, darunter 4 große und ganz modern ausgebaute, fielen in die Hände unserer tapferen, treuen Streiter und damit die äußere sowie die innere Sicherungslinie des russischen Reiches." An den Dardanellen neue Angriffe der Ententetruppen in der Gegend von Anaforta, die völlig abgeschlagen wurden und den feindlichen Truppen ungeheure Verluste beibrachten. Während der Kämpfe in den letzten zwei Tagen hat der Feind 10 000 Mann an Toten verloren. Die türkischen Verluste sind im Vergleich dazu nur geringe. ver„alte Horn". (Zu seinem 7ö. Geburtstage.) Wenn ich bom„alten Horn" rede, will ich damit nicht etwa sogen, daß unicr um die Arbeiterbewegung so hochverdienter Genosse Georg Horn, der erfolgreiwe Organisator der Glasarbeiter, der seit 21 Jahren den Wahlkreis Dresdcn-Land im Reichstage vertritt, der auch 12 Jahre hindurch eine hervorragende kommunalpolitische Tätigkeit entfaltet hat und von 1890 bis 1896 dem sächsischen Landtage angehöile, nun ein aller Mann iei, weil er am 30. August seinen 76. GcburtStag feiert. Nein, damit würde ich meinem Freunde Schorsch keine GcburtötagSireude bereiten. Denn er fühlt .Ich»och jung und ist auch noch jung, im Herzen und von Geist I . Aber als ich Horn vor mehr als 2g Jahren persönlich kennen lernte, hieß er schon der alte Horn. Und ein bekannter Parteigenosse, der nun auch schon 62 Jahre alt ist. er« zählte mir einmal, er habe schon als blutjunges Bürschlein den Reden Horns gelauscht und ihn schon damals für einen der„Alten" geHallen. Man muß nämlich wissen, daß Horn nun seit 50 Jahren — seil einem halben Jahrhundert I— in den vordersten Reiben der Arbeiterbewegung, in der politischen Partei wie in der Gewerk- schaflSbcivcgung, wirkt und kämpit. Und er ist in dieser langen Zeit steiS„der alte" geblieben: der begeisterte Sozialist und Demokrat, der nicht rastende Kämpfer für die Sache deö Proletariats. Darum ist der„alle Horn" ein Ehrenname, auf den er heule mehr als je zuvor stolz sein kann und auch ist. Eigentlich ist Horn für die Sache der Arbeiter schon viel länger tätig als.nur" 60 Jahre. Wie er heute die Glasarbeiterbewcgung mit allen ihren Kämpfen, Verfolgungen und Erfolgen ver« körpcrt, so war er schon bei seinem Eintritt ins Leben eine Art Berkörpcruiig der Armut und der Leiden, ober auch der Hoffnungen des GlaSmacherproletariatS. Wie ein Prophet, ein Erlöser kam er auf die Welt l Jedenfalls aber brachten Zeit, Ort und Umstände seiner Geburt die Mission des neuen Erdenbürgers ebenso synibolisch zun, Ausdruck, wie eS die Legenden von den Propheten und Erlösern der allen Zeit berichten. Ist er doch ge- boren ini Hungerjahr 1841, als ein Kind der„freien Liebe", arm wie eine KirchennrauS, im Orte F a b r i k- Schleichach des Steiger« waldcS(im bayerischen Krci« Unterfranken). Der katholische Pfarrer, der ihm in der dürfrigen Volksschule Frömmigkeit, Demut und Ent- sagung einbläucn und ihn nebenbei auch ein wenig in der Kunst des Schreibens und LescnS unterrichten sollte, merkte an mehr als einem Konflikle, daß in dem kleinen Trotzkopf so etwas wie ein Demokrat stecke, der sich in den Kopf gesetzt hatte, gegen alles sich aufzubäumen, das er als ein Unrecht empfand. Und der Besitzer der örtlichen Glashütte, wo der Knirps schon von seinem elften Lebensjahre an bei harter Arbeit sich sein Brot verdienen mußte, sollte die für ihn reckt betrübliche Erfahrung machen, daß mit Jörgele eine neue Zeil angebrochen ist. Denn der Knabe Horn fing bald an, fürchterlich zu werden— nämlich zu streiken I Ja, der„alte Horn" nimmt für sich den Ruhm in Anspruch, im Jahre 1856 den rrslen Glasarbeiter« streik inszeniert, durchgeführt und siegreich beendet zu haben, und zwar ganz allein und ohne alle Apparate I Erst 14 Jahre alt, mußte er schon die schwere Arbeit eines Schürers am GlaSofen— zusammen mit einem anderen gleichallcrigen Jungen— verrichten. Da verlangte eines Tages der Fabrikhcrr von den beiden jungen Schürern, daß sie ohne jede Lohnzulage außer dem Glasosen auch noch einen Kühlofen bedienen sollten. Jörgele verlangle aber für dicie Arbeit mindestens 5 Gulden im Monat. Und weil ihm der Fabrikant diese Lohnzulage mit barschen Worten ver« weigerte, warf Jörgele die drei Scheite Holz, die er gerade in den Ofen stecken wollte, dem„Herrn" vor die Füße, holte seinen Kittel vom Nagel herunter— und streikte. Weder gutes Zureden noch Drohungen balfen. Jörgele erklärt be« harrlich:„J mag riet! I tus net!" Und da ein anderer Schürer nicht aufzutreiben war, wäre der Betrieb ins Stocken geraten, wenn der Fabrikant nickt schließlich in den saueren Apsel gebiiicn, nickt den Schürern die Lohnzulnge bewilligt hätte. Dem„Arbeits« willigen" freilich, dem anderen Jungen, der sich demütig gefügt hatte, Hat'S Jörgele gesteckt:„A Tropf bist, a elender!" hat er zu ihm gc- sagt.„Gelt, die 5 Gulden steckst setze ein, aber mitgestritten hast netl Tn Tropf, du elender!" Jörgele war von nun an ein Held, zu dem die anderen Arbeiter der Hütte mit Respekt �mporschauten. Auch die erste politische Handlung des jungen Horn war eine Großtat: gegen das große mächtige Preußen ist er zu Felde gezogen, und zwar auch wieder ganz allein und ohne alle Apparate. Nachdem er die Glasmacherei erlernt, eine kurze Zeit auch in der Schweiz und dann in Biebrich am Rhein gearbeitet hatte, stand er bei Ausbruch des Krieges von 1866 in Korbetha in Arbeit. Bei der Bekannt« machung der Kriegserklärung kam nun sein bayerisches Blut so in Wallung, daß er in einem öffentlichen Lokale gegen die„preußische Unverschämtheit" loSzog. Eine Schande sei es, hat er gesagt, daß Preußen einen Bruderkrieg zwischen deutschen Stämmen entfacht habe. Und ick> glaube bestimmt, der junge Bayer hat noch mehr ge- sagt, als der fünfundsicbzigjäbrige Internationale heute zugeben will. Er wird wohl in seiner Philippika auch Wörter gebraucht haben, die damals in Bayern nicht unbekannt waren, wie z. B.„Sau- Preußen" und ähnliche süddeutsche Liebenswürdigkeiten. Kurzum: Die Polizei suchte ihn, um ihn zu verhaften. Aber der Direktor der Glasfabrik gab dem Missetäter das Reisegeld und leistete ihm auch noch andere Hilfe, damit er bei Nacht und Nebel über die Grenze schlüpfen konnte. Horn ging nach Kreuznach, wo er den richtigen Anschluß fand: er trar hier sogleich der Gruppe der Laffalleaner, also der Sozialdemokratie bei. Die organisatorische und politische Wirksamkeit Horn? begann aber wohl in Dresden, wohin er sich bald wandte, und aus seinem Heimatsdörfchen seine„Kathel" kommen ließ, die ihm am 7. Februar 1867 angetraut wurde und ihm die 50 Jahre des Kampfes hindurch eine treue Helferin und Stütze war. Am 7. Februar 1917 können die beiden„Allen" also nun das seltene Fest der goldenen Hochzeit begehen. Was Horn in diesem halben Jahrhundert geleistet hat, kann nur derjenige würdigen, der die Verhältnisse in der Glas« industrie und die ungeheuren Schwierigkeilen kennt, die überwunden werden mußten, um die Organisation der Glasarbeiter zustande zu bringen. Horn hat das Leben, die Leiden und Kämpfe des Glas- macherproletariats in anschaulicher Weise zur Darstellung gebracht in seiner„Geschichte der Glasindustrie und ihrer Arbeiter""), die er im Gefängnis geschrieben hat, wo er, nach vielen anderen„Strafen" im Aller von nahe an 60 Jahren noch« mals fast l'/ä Jahre zubringen mußte, weil er durch seine Schilde« rung der geradezu himmelschreienden Zustände in Glashütten Unter- nehmer beleidigt haben sollte I Die meisten großen Glashütten Deutschlands waren eine lange Zeit förmliche Sammelbecken des Elends von ganz Europa. In fast allen Ländern waren für die deutschen Glasindustriellen ständig Agenten tätig, um arbeitswillige Kräfte herbeizuschaffen. Einer Hölle glich das Arbeiten in einer Glashütte. Diese von der ungesunden Arbeit körperlich zerrütteten, vom Elend nieder- gedrückten und von der Hungerpeitsche im Zaum gehaltenen Glas- arbeiter zu organisieren, war eine Riesenarbeit— im wesentlichen das Lebenswerk von Georg Horn. In Dresden gründete Horn zunächst eine Krankenkaffe für die Glasarbeiter, die auch das Solidaritätsgefühl weckte und so stärkte, daß Horn schon im Jahre 1873 den ersten großen Glasarbeilerstreik in Dresden organisieren und siegreich durchführen konnte. Und am 19. September 1875 konnte sodann Horn im«Waldschlößchen« Restaurant" in Dresden den Ersten Deutschen Glasarbeiterkongreß eröffnen, der die Gründung des„Allgemeinen Glaskünstler-Bundes Deutschlands" beschloß. Ter Bund und das am 30. Juni 1877 zu ersten Male erschienene Verbandsorgan„Neue Glas- Hütte", da? Horn redigierte, fielen zwar schon im Jahre 1878 dem Sozialistengesetz zum Opfer. Aber der Stein war ins Rollen gebracht. Es bildeten sich örtliche Fachvereine, bis am 1. Oktober 1890, nach Fall des Sozialistengesetzes, der Verband der Glasarbeiter ins Leben treten konnte, nachdem schon am 6. September 1835 Horn— der„natürlich" längst gemaßrcgelt war und sich als Produkten« Händler durchs Leben schlagen mußte � aus seinen eigenen Mitteln und auf sein eigenes � Risiko den„Fachgenossen" hatte erscheinen lassen, der heule noch das Verbandsorgan der Glasarbeiter ist. Heute ist die GlaSarbeilerorganisation eine große Macht, mit der die Unternehmer rechnen müssen. Auch im Reichstage bat Horn eine spezielle Wirksamkeit für die Glasarbeiter entfaltet. Die meisten die ArbeiterverhSltnisse in der Glasindustrie betreffenden Verordnungen, Gesetzesbestimmungen und anderen sozialpolitischen Maßnahmen sind auf Horns Kritik im Reichstage hin erfolgt. Denn HornS Reden wirkten zwar nicht durch die Kraft der Stimme, um so mehr aber durch die Wucht der Anklagen sowie des von ihm vorgetragenen Materials. Horn kann mit Stolz auf ein großes und schönes Lebenswerk zurückblicken, das er ober nur bat vollbringen können, weil er stets beseelt war von den Idealen deS Sozialismus, dessen Verwirk- lichung all sein Streben und Arbeiten galt, 50 Jahre hindurch, und für den er immer noch wirkt und kämpft. Daß es ihm vergönnt sein möge, noch reckt viele Jahre die Freude über seine Erfolge zu genießen, sei unser Glückwunsch zu seinem 75. Geburtstage. _ Edmund Fischer. politifthe Ueberslcht. Reise des Reichskanzlers ins Grotze Hauptquartier. W. T. B. meldet: Ter Reichskanzler ist inS Große Hauptquartier abgereist._ Znm Zusammentritt des Reichstags. Die devorstehende Herbsttagung des Reichstags beginnt bereits wieder die Presse zu beschäftigen. Damit rückt die Volksvertretung wieder etwas in den Vordergrund der Oeffent- lichkeit. Manche Optimisten glauben auf den Zusammentritt des Reichstags allerlei Hoffnungen in bezug auf die Ab- stellung so mancher KricgSbeschwerden setzen zu können. Wir möchten natürlich die Stellung des Reichstags in unscrm politischen Leben keineswegs als völlig bedeutungslos hin- stellen, aber die Erfahrungen, die wir in der Kriegszeit mit dem Reichstag haben machen müssen, lassen es uns doch ge- raten erscheinen, seinem Wiederzusammcntritt ohne hoch- gespannte Erwartungen entgegenzusehen. Für die Beachtung, die die Reichsregierung einstimmigen Reichstagöbeschlüssen schenkt, wenn sie ihr unbequem sind, ist ja der beste Beweis die Ignorierung des am letzten Sitzungstage tmJuni vom Reichstage gefaßten Beschlusses über die Einsetzung einer Kommission zur nachträglichen Kontrolle von Kriegs- lieferungen. Trotzdem Staatssekretär Dr. Helfferich aus- drücklich seine prinzipielle Zustimmung zu dem Beschlüsse er- klärte und versprach, mit tunlichster Beschleunigung eine Stellungnahme des Bundesrats dazu herbeizuführen, hat man seit fast drei Monaten nichts mehr davon gehört. Dabei hatten alle Fraktionen des Reichstages gewünscht, daß die fragliche Kommission noch in der Sommerpause zwischen den Reichstagstagungen zusammenberufen werden möchte. Dies Beispiel zeigt, daß die Hoffnungen auf Behebung von Kriegs- nöten durch den Reichstag besser nicht allzu hoch gespannt werden. Das darf natürlich die Volksvertreter, die ihr Amt ernst nehmen, nicht hindern, die Forderungen zu erheben und die Anträge zu stellen, die im Interesse des schwer leidenden arbeitenden Volkes notwendig sind. Aber man soll vom Dornbusch nicht erwarten, daß er Feigen trage. Noch keine Einigung. Zu den von verschiedenen Seiten in Umlauf gebrachten Mitteilungen über Verständigungsverhandlungen zwischen dem ") Verlag von I. H. W. Dietz, Stuttgart 1903. „Deutschen Nationalausschuß" und dem„Unabhängigen Aus- schuß" Prof. Schäfers schreibt der nationalliberale„Deutsche Kurier": „Wiederholt und von verschiedenen Seiten ist die An- regung eines Zusammengehens des Unabhängigen Ausschusses und des Deutschen Nationalausschusses ergangen, und auch wir erwähnten dieser Tage ein Gerücht, wonach zwischen d'en führenden Persönlichkeiten beider Organisationen Besprechungen zur eventuellen Herbeiführung einer Verschmelzung stattgefunden hätten. Wie wir nunmehr von unterrichteter Seite hierzu er- fahren, entbehren alle derartigen Gerüchte jeder tatsäch- lichen Grundlage."_ Die Schuld der deutschen Diplomatie. Die deutsche Auslandspolitik war früher von den Verhandlungen des Reichstages so gut wie ausgeschlossen. Der jeweilige Staats« sekretär gab in der Budgetkommission einige mehr oder weniger inhaltlose„Aufklärungen", einige untergeordnete Wünsche wurden geäußert und damit war in der Regel die Beratung des Etats des Auswärtigen Amtes beendet. Ein Umschwung trat erst ein nach der Marokko-Affäre und der anschließenden AlgecieraS-Konferenz. Immer deutlicher forderte der Reichstag eine Reform des diplomatischen Dienste«, die schließlich zugesagt wurde, aber bei Ausbruch deS Krieges noch keinerlei greifbare Resultate gezeitigt hatte. Soviel steht fest: unter den politischen Parteien Deutschlands herrscht leine Meinungsverschiedenheit darüber, daß der diplomatische Dienst des Reiches dringend einer Reform bedarf. Das Eingreifen Nu« m ä n i e n s in den Weltkrieg gibt nun der„ R h e i n i s ch- W e st« sälische» Zeitung" Anlaß zu folgenden Bemerkungen: „Die deutsche Diplomatie feiert wieder ein Leichenbegängnis erster Klasse. DaS wievielte? Wir wollen'S nicht nachzählen, es sind zuviel. LichnowSly in London macht« den Anfang, hielt Grey. den passionierten Angler, sür den zweiten Parsival, den„reinen Toren". Italien war die Steigerung, die„einwandfreie neutrale" Haltung dies lieblichen Bundesgenossen war selbst nach dem un- llbersteigbaren Treubruch am 1. August 1914 eiu offiziöses ge- flügeltes Wort. Ueber den Treubruch Rumäniens schwieg man, und der bisherige Gesandte in Bularest hat sich redliche Mühe gegeben, begangene Fehler wieder gut zu machen. Aber was man von der Minute ausgeschlagen, bringt keine Ewigkeil zurück. Man hatte, trotz Kiderlen, vor dem Kriege so gut wie alles versäumt. Ob man endlich begriffen hat, daß man mit der Politik der weißen Weste nichts erreicht? Es ist ja sehr schön, moralisch ein- wandfrei dazustehen, aber die Tugend ist lein politischer Begriff. Wenn ein ehrlicher Mensch unter lauter Spitzbuben moralische Vorträge hält, so macht er sich lächerlich. Unsere Militärs haben da» längst begriffen, ihnen ist die List vornehmste Waffe und jede Täuschimg des Feindes Ehrenpflicht. Im Kriege geht eS eben um Sein oder Nichtsein, in der Politik nicht minder." Bei aller Anerkennug der Reformbedürsligkeit der deutschen Diplomatie wird man doch Richtlinien dieser Art ablehnen müssen, wie sie der»Rheinisch-Westsälischen Zeitung" für diese Reform vor- schweben._ Der Staatsangehörigkeit verlustig. Der. ReichSanzeiger" veröffentlicht die Namen von weiteren 221 Elsaß-Lothringern. die sich der Wehrpflicht entzogen haben und deshalb der elsaß-lothringischen Staatsangehörigteil für verlustig erklärt worden sind. Insgesamt ist der Verlust der StaatSangehörig- keit bis jetzt gegen 2609 Elsaß-Lothringer ausgesprochen worden. Verbot deS Petroleumverkaufs zu Leuchtzwecken. Berlin, 29. August.(W. T. B.) Durch Bekanntmachung des Reichskanzlers vom LS. August 1916 ist der Absatz von P e- troleum zu Leuchtzwecken sowohl an Wieder- Verkäufer wie an Verbraucher bis auf weiteres ver- boten worden. Das tägliche örot. Das Kriegscrnährungsamt und der preußische Landwirtschaftsminister. Der Präsident deS KriegSernährungSamls, Herr v. Batocki. hat schon in seinem Ausruf vom L4. d. M.„An DeuischlandS Land- stauen" zugegeben, doßdiejetzigenLebenSmittelpreise„für viele ärmere Familien unerschwinglich geworden sind." Am 26. d. M. bringen aber die„Mitteilungen aus dem KriegSernährungSamt" einen Bericht:„Drei Monate Tälig- keit de« KriegSernährungSamtS", in dem Herr v. Batocki über die Frage weiterer Her abfetzung der hohen Lebensmittelpreise mit wenigen Worten leicht hinweggeht:„Kritisieren sei leichter als Bessermachen' und mit„plötzlicher Ermäßigung aller Erzeuget- preise usw. wäre mehr geschadet als genützt worden." Dagegen soll derselbe Herr v. Batocki zu dem Berliner Vertreter der bulgarischen Zeitung„Utro" nach einem Bericht, den die„Deutsche Tagesztg." veröffentlicht, gesagt haben:„In Deutschland werden wir versuchen, die Preise der Lebensmittel vorsichtig und schrittweise herabzusetzen." Am selben Tage bringt aber die„D. T." von„einer Nachrichtenstelle" die frohe Botschaft: „Daß die Forderung, die festgesetzte fallende Preisskala für Kartoffeln durchweg herabzusetzen, Aussicht auk Erfolg haben wird, erscheint ausge schlösse n." Tags darauf, am 26. d. MtS., veröffentlicht daS.Berliner Tageblatt" eine Unterredung deS Korrespondenten deS Budapcstcr „Vilag", Jmre Dsri, mit dem Landwirtschaftsminister Preußens, Freiherr» v. Schorle mer-Lieser, der erklärt haben soll:„Die Teuerung ist nicht zu leugnen," aber„daß d i e Teuerung von den Produzenten verursacht wird, ist keineswegs erwiesen." der Handel sei allein schuld. Nun ist unbestreitbar infolge der ungenügenden Maßnahmen deS Bundesrats der Wucher der Händler vielfach nicht völlig beseitigt, aber ebenso unbestreitbar ist doch,' daß trotz der guten Ernte, die auch Herr v. Schorlemer als erheblich besser als im Vorjahre bc- zeichnet, die Kartoffel-Höchstpreise noch erhöht worden studl Folglich ergibt sich anS der Behauptung des Landwirtschastsmirnsters, da er diese erhöhten Höchstpreise nicht als Ursache der Teuerung an« sieht, daß er eine Ermäßigung dieser Preise nickt sür geboten hält. Und er gibt dafür auch die bis zum Ucberdruß von agrarischen Kreisen wiederholie Begründung:„Dem Erzeuger muß unter allen Umständen ein lohnender Perdienst gelassen werden, weil er sonst keinJnteresse daran hat die Produktion zu vermehren." Diese Meinung des preußischen LandwirischaftsministerS ist wie gesagt nicht neu und eS war bisher der uueingeschränkl geltende Grundgedanke bei allen Maßnahmen der Regierung. Nur diejenigen, die nicht agrarische Interessen vertreten, hatten bisher diesen An« schanungen widersprochen I Um so erstaunlicher und erfreulicher ist es, daß in dem Auf« ruf deS Herrn von Batocki an Deutschlands Landfrausn vom 24 d. MtS. das Tegenteil von dem steht, was der preußische Landwirtschaftsminister sagte! In dem Aufruf des Herrn von Batocki heißt eS wörtlich: .Mir klingt es wie eine Beschimpfung der Land- leute, wenn man hier und da sagt, nur durch den An« reiz gesteigerter Preise ist etwas von ihnen herauszu- holend Hier und da— dazu gehört also nach den Berichten des Buda- pester Blattes auch der preußische Landwirtschaflsminister! Zwar hatte bisher Herr von Batocki in seiner Amtstätigkeit noch nicht merken lassen, daß er dieser erfreulichen Anschauung huldigt, Anreiz zur Produktion durch Preissteigerung sei eine Beschimpfung der Landwirte! Tue Erhöhung der Preise für Winterkartoffeln gegen- über dem Vorjahre ist doch durch eine wirkliche Erhöhung der Pro« duktionskosten in diesem Umfange nicht begründet! Bisher hat ja noch niemand, auch nicht das Kriegsernährungsamt, den Versuch gemacht, ziffernmäßig nachzuweisen, wie diese Preissteigerung durch etwaige Steigerung der Ausgaben des Landwirtes hervorgerufen sei. Vielmehr wurde immer nur von dem.be- rechtigten Anreiz zur Produktion" gesprochen! Aber wenn der Präsident des Kriegsernährungsamtes jetzt diesen Standpunkt, den wir ja immer für falsch erklärt haben, aufgeben will, wird es die Bevölkerung gewiß mit Freude begrüßen. Rur erwartet fie auch nicht allein Worte, sondern Taten und das ist zunächst: die Herabsetzung der hohen Kartoffelhöchstpreise. Wer verteuert das Obst? Die Ergebnisse der Verpachtungen der Obstnutzungen auf der Landstraße weisen meist eine beträchtliche Steigerung gegen das Vorjahr auf. Ganz besonders scheinen die Pflaumen von den Pächtern bevorzugt zu sew, die sich zu märchenhaften Angeboten entschlossen. Während sonst die Feldmark A I t d o r f im Ver- Pachtungstermin 100 M. brachte, erreichte sie diesmal über 1000 M. Die Feldmark Pati tz erzielte sogar ein Gebot vnn 2700 M. und für die Alleen der Stadt Niemegk, die sonst 400— 500 M. einbrachten, wurden über 2000 M. gezahlt. Im Gegensatz hierzu steht das Vorgehen der Polizeiverwaltung in K r o s s e n a. O., die einen Preis von 30 Pf. für das Pfund Pflaumen als Wucherpreis ansieht und unnachsichtlich solche Forderungen zur Anzeige bringt. Was nützt es aber, wenn einzelne lokale Behörden gegen den Wucher vorgehen, das Kriegsernährungsamt sich aber nicht rührt. Starke Heriugsschwärme und teure Heringe. Wie die Stettin«.Neuesten Nachrichten" melden, sind zwischen der Küste Pommerns und Schwedens starke Heringsichwärme auf- getaucht..Seit Menschengedenken wurden an der Küste Schweden» nicht so große Mengen Heringe wie im August dieses Jahres ge- fangen. Die Fische sind fein und fett und erzielen hohe Preise." Der Gegensatz der letzten Meldung zu der vorhergehenden ist wenig erfreulich. Also trotz der überreichen Fänge keine niedrigen, son- dern hohe Preise! Und der Zwischenhandel wird noch das seinige dazu tun, um die Preise noch zu steigern, denn es existieren ja noch immer keine Höchstpreise, weder für den Groß» noch für den Kleinhandel. Die Fleischration des Gesindes. Auf ein recht eigenartiges Mittel, die Flvischbersorgung zu regeln, ist der Landrat des holsteinischen Kreises Steinburg ver- fallen. Er hat unterm 24 August folgende Verordnung erlassen: .Die Versorgung der Bevölkerung mit der erforderlichen Fleisch- menge erfordert ein haushälterisches Umgehen mit den vorhandenen Vorräten an Frischfleisch und Dauerware. Einem solchen Haus- hallen widerspricht die auf dem Lande allgemein übliche Sitte. daß das Gesinde bei Fleischmahlzeiten sich seine Fleischration selbst abschneidet, anstatt daß das Fleisch für das Gesinde vorgeschnitten wird. Ich ordne daher an, daß in ländlichen Betrieben bei Fleisch- Mahlzeiten in Zukunft dem Gesinde seine Fleischration zuge« schnitten wird. Sollte diese Anordnung bei dem Gefinde auf Widerspruch stoßen, so sind mir die Namen der Unzufriedenen mit- zuteilen." Diese Verordnung hätte sicher mehr Verständnis gefunden, wenn darin auch der Herrschaft und ihren Sprößlingen eine bestimmte Fleischration vorgeschrieben worden wäre. Daß der Land- rat aber nur dem schwer arbeitenden Gesinde die Fleischration vor» geschrieben haben will, muß dem Gesinde eine nicht gerade gute Meinung von der landrätlichen Fürsorge beibringen. Dem Dienst- botenmangel, über den die Bauern in Schleswig-Holstein beständig klagen, wird der Landrat durch seine Verordnung aber nicht gerade mildern._ Ter Kampf der schweizerischen Arbeiter gegen die Teuerung. Die fortschreitend zunehmende Teuerung all« Lebensmittel und vedarfsarukel wird für die schweizerisÄe Arbeiterschafr mit sedem Tage mehr zur Kalamität. Fast jeder Tag bringt weitere Preis- erhöhungen und Verteuerung, so daß die Kaufkraft des Geldes immer geringer wird, das überdies der Arbeiterschaft nur in be- schetdencm und unzulänglichem Maße zur Verfügung steht. Die b-, 10-, 15- und auch 20prozentige Lohnerhöhung oder Teuerungszulagen, die die organisierle Arbeiterschaft bei den Unlernchmern crreichle, bedeuten nicht viel gegenüber der heute 50 prozentigen Verteuerung der Lebenshaltung gegenüber deren Kosten im Sommer 1914 vor Kriegsansbruch. Die Arbeilslosen, deren es ebenfalls immer gibt, haben übrigens auch von den Lohnerhöhungen und Teuerungszulagen nichts, da sie überhaupt kein Lohneinkonnnen haben und Unterstützungen noch geringer als dieses sind. Die von allen Seiten gemeldeten und immer häufiger werdenden Diebstähle, namentlich auch von Garten- und Feldfrüchten reden eine deutliche Sprache. Demgegenüber rührt sich die organisierte Arbeiterschaft auf der ganzen Linie. Eine in Zürich stattgefundene Konserenz von Ver« tretern der gewerkschaftlichen und politischen Organisationen stellte ein ganzes Programm von Forderungen an den Bundesrat, die Kantonsregierungen und die Gemeindebehörden auf, das Vorschläge für Maßnahmen aller Art zur Abhilfe gegen die Teuerung und die Not des Volkes sordert. An den Bundesrat, die Regierungen in Basel und Zürich sowie an den Stadlrat Zürich sind bereits bezüg- liche Eingaben gemacht worden, in denen besonders Bestands- aufnähme, Höchstpreise, eventuell weitere Monopole, Zurückdrängung oder gänzliche Ausschaltung des verteuernden und wucherischen Zwischenhandels, Unterstützung der Notleidenden und Arbeilslosen, Massenjpeisung usw. gefordert werden. Die Regierung des Kantons Zürich hat ans ihren Mitgliedern eine dreigliederige Norstands- kommission gebildet, der auch unser Genosie Ernst angehört, die die Organisation einer umfassenden Lebensmitrel- Versorgung für den Kanton Zürich schaffen und durch- führen soll. Vom Kantonsrat will die Regierung zu diesem Zweck einen Kredit von 500 000 Fr. verlangen. In der Stadt Zürich fand am 25. August eine Maffenversamm- lung von 15 000 Arbeitern und Arbeiterinnen mit Demonstrations- zug durch die Stadt gegen die Teuerung und den Wucher sowie für Abhilfe durch die Behörden statt. Auch in anderen Kantonen und Städten rührt sich die Arbeiter« schaft für die Schaffung von gründlicher Abhilfe. Nebenbei fahren die Gewerlschasten mit Forderungen nach Lohnerhöhungen und Teuerungszulagen in Gewerbe, Industrie und Handel, in privaten wie genossenschaftlichen, kommunalen und staatlichen Be- trieben fort. Tie schweizerischen Arbeiter wollen nicht elend zugrunde gehen, während ein gewissenloses Spekulantentum sich maßlos auf Kosten des Volles um Milliarden bereichert. Die Beilegung öes Konfliktes in Teltow-Deestow. Genosse R a d t k e- Neukölln ersucht uns um Aufnahme folgender Zuschrift: Nachdem sich die V«hältnisse im Kreise Teltow-BeeSkow soweit zugespitzt haben, ist es die allerhöchste Zeit, daß etwas geschieht, ja geschehen muß, wenn man verhindern will, daß der ganze Partei- körper zerrüttet und die Organisation dauernden Schaden«leidet. Als ein«, der mitten im Getriebe steht, möchte ich den Anfang zu ein« fruchtbaren Diskussion und wenn irgend möglich, zur güt- lichen Erledigung der Streitfrage beitragen. Heute liegen die Dinge nach meiner Auffassung so, daß keiner den Ansang machen will, weil es unmöglich erscheint, die Verhältnisse wieder inS Gleise zu bringen. Trotzdem ist es gerade jetzt Pflicht aller Beteiligten, insbesondere der zur Leitung der Partei eingesetzten Instanzen, sofort einzugreifen. Dabei darf man sich freilich nicht einseitig aus den Standpunkt einer Richtung stellen und die andere glatt ab- schütteln. Wenn schon aus Zirlularen und Preffeäußerungen des früheren Kreisvorstandes hervorging, daß er sich auf den Parteivorstand stützte, daß der Parteivorstand mit seinem Vorgehen. seinem Handeln einverstanden wäre, weil er sich, trotzdem er von diesen Aeußerungen Kenntnis hatte, nicht dagegen wehrte, so ist jeder Zweifel geschwunden, nachdem ein Schreiben des Partei- Vorstandes vom 15. August 191S im»Berliner Tageblatt" am Sonn« tag veröffentlicht wurde. Bei der ungeheuren Verantwortlichkeit, die der Parteivorstand bei jeder seiner Entschließungen hat und haben muß, will es doch recht fraglich erscheinen, ob sich der Parteivorstand nach gründ- licher Prüfung der Sachlage auf den Standpunkt stellen konnte, daß nur der alte Parteivorstand zu Recht besteht. Er bestehe deshalb zu Recht, weil der neue Kreis- vorstand nicht von einer statutengemäßen Generalver- sammlung gewählt sei! Also der geheiligte Wortlaut des Statuts, das garnicht alle vorkommenden Fälle berücksichtigt und auch nicht be- rücksichtigen kann, weil immer neue Momente eintreten können, an die sicher kein« bei Beratung desselben denken konnte, soll maß- gebend sein. Untersuchen wir die Frage ein wenig. Wo steht im Statut, daß der Parteiausschuß alle die Funktionen ausüben soll, die er in Wirk- lichkeit in den letzten Jahren ausgeübt hat? Und doch wurden sie für notwendig«achtet, weil die Zeitverhältniffe keine andere Regelung zuließen. Wo steht im Statut, daß der Vorstand eines Kreises in örtliche Angelegenheiten anders, als gemeinsam mit den Revi- soren als Schiedsgericht einzugreifen hat, und doch ist es in Neukölln geschehen und mußte von der Mehrzahl der Partei« genoffen begrüßt werden, weil es einem guten Zwecke dienen sollte. Wo steht im Statut, daß der engere Kreisvorstand, der bis- h e r alle schwerwiegenden Fragen nur in G em e i n s ch a ft mit den Kreisfunktionären«ledigte, diefe mit einemmale vollständig ausschalten darf; das tat er ab«, trotzdem er alle für die Kreisgeneralversannnlung am 18. Juni notwendigen Schritte mit diesen vorher beraten hatte. Nur zu den wichtigsten, semen schon vorh« ausgearbeiteten Erklärungen, die nachher eine so unheilvolle Wirkung hatten, zog er sie nicht mehr hinzu, ebenso wenig nach der durch sein Verhalten entstandenen Situation nach der Kreisgencralversammlung. Wo steht im Statut, daß wenn dem Kreisvorstand die Erledigung einer Frage nicht richtig erscheint, er berechtigt ist, eine KreiSgen«al- Versammlung einfach zu schließen, um die gewählten Delegierten, die zur Entscheidung oll« schwebenden Fragen berufen und seit früher Morgenstunde aus den verschiedenen Teilen des Kreises ge« kommen sind, einfach wie Schulbuben sieben läßt? Dieses und vieles andere steht nicht im Statut. Also in manchen Fällen soll das, was nicht im Statut steht und doch ge« macht wird, gut sein und dem Wohle der Partei dienen; in anderen Fällen ist es grundverkehrt und zieht die schwersten Konsequenzen nach sich. Sonderbare Logik. Oder kommt es dabei nur auf die Auslegungskünste an? Hat der recht, der darin der größte Meist« ist? Nach gründlicher Prüfung der Sachlage ist der Parteivorstand zu seinem Entschluß gekommen. Ich will es ihm glauben, daß er nach seiner Meinung alles getan hat, um sich Aufklärung zu verschaffen. Eine andere Auffassung aber hat die Mehrzahl der Partei- genossen und muß fie haben, wenn sie auf ihre Fragen erfährt, daß der Parteivorstand auch nicht einen der früheren Kreisiunklionäre, die von dem früheren Kreisvorstand ausgeschaltet wurden und der trotzdem immer noch zu Recht bestand, auch nicht einen vom neuen Kreisvorstand, dem ohne weiteres sein Daseinsrecht abgesprochen wird, zur Information geladen hat. Wäre das nicht auch notwendig ge« wesen, hätte das nicht die einfache Pflicht geboten? Trotz jahrelangen Zusammeuarbeitens in schwittigen Partei- fragen wurden diese Vertreter auch vom Parteivorstand ausge- schallet und damit das Vorgehen des früheren Kreisvorstandes gegen sie guigeheißen. Wieweil soll es noch in der Parteiorganisation kommen? Sollen erst noch mehr Taten geschehen? Die Regelung wird immer schwieriger je länger man tatenlos zusieht. Heute haben wir zwei Kreisvorstände, heute haben wir in den meisten Orten des Kreises zwei Organisationen, die sich nicht etwa ergänzen, sondern sich gegenseitig belämpsen. Heute werden die Mitglieder von zwei Richtungen um Beiträge angegangen, jede ver- ficht dabei ihre Ansicht und versucht die andere in das richtige Licht zu stellen— um nicht deutlicher zu werden. Wohin soll das führen? Wie lange ist der Zustand für unsere Partei noch zu ertragen? Wo soll da das Vertrauen der Massen erhalten bleiben, wenn es so weilergeht. Wer kann da noch länger untätig zusehen? Heute sind von dem früheren Kreisvorstand schon 20 örtliche Kassierer in Anklagezuftand Verse tzl worden, weil sie Beschlüffen ihr« Organisationen und ihrer Meinung nach zu Rechr bestehenden Beschlüssen von Kreisgeneralversammlungen Folge leisteten und die Beiträge an den neuen Kreisvorstand ablieferten. Die bürgerlichen Gerichte werden von Parteiorganisationen zur Entscheidung in Fragen angerufen, die sie selbst spielend lösen könnten. An Gerichtsstelle will man sich über alle Vorgänge in der Partei unterhalten. Kann man der Oeffentlichkeit noch ein besseres Schau- spiel bieten? Wenn ich nicht allzu sehr irre, will man in der Partei sogar die schwierigsten Fragen der auswärtigen Politik durch Schieds- g e r i ch t e erledigen, und bei uns selbst gibt es keinen, gibt es keine Instanz, die solchen Vorkommnissen ein Ende bereitet? Was hat es für einen Parieivorftand für einen Sinn, sich hinter Gruppen zu stellen, die nach Ansichr der weitesten Parteifteise zu Un- recht bestehen. Was hat es für einen Sinn, das Gros der Partei- genossen immer mehr gegen sich aufzubringen. Was soll mit all den Parteimitgliedern werden, die sich dem n i ch t st a t u t e n- gemäß gewählten Kreisvorstand anschließen. Wie lange wird bei weiterer Untätigkeit dies« Zustand auf Teltow-Beeskow beschränkt bleiben, wie schnell kann er auf Groß-Berlin und das Reich über- springen. Solche und noch andere Fragen drängen �sich einem ganz einfachen Parteifunktionär auf, wie viel mehr müßten sie eine leitende Parteilörperschaft beschäftigen. Der Vorschlag des Genoffen Hirsch, ein Schiedsgericht zu be- rufen, ist sicher diskutierbar. Jede Richtung hat das Recht, die Hälfte der Beisitzer zu stellen, der Rahmen brauchte gar nicht allzueng gesteckt werden, damit volle Garantie gegeben ist, seine Gründe vorzutragen. Sollte man im ganzen Deutschen Reiche nicht einen einzigen Parteigenossen austreiben können, der unparteiisch ist und zu dem beide Teile Zutrauen haben können? Dabei ist es durchaus nicht notwendig, daß sich die Parteien dem Schiedsspruch von vornherein unterwerfen, weil dem unmer etwas �Anstößiges anhaftet. Sehr oft habe ich das in mein« früheren gewerkschaftlichen Tätigkeit bei Lohndifferenzen abgelehnt und sehr gute Erfahrungen damit gemacht; denn ist der Spruch einigermaßen den Erwartungen entsprechend, wird er von beiden Teilen an- genommen und weite Teile haben ein Recht bei der Entscheidung gehabt und sind somit nüillerantwortlich. Entspricht er nicht den Erwartungen, so nützt ein solcher Zwang gar nichts, er würde dann dpch nicht gehalten und hätte so seinen Zweck verfehlt. Es fehlt nur an einer Stelle, die die Angelegenheit' in die Hand nimmt. Wer ist hier zuständiger, wer beruseuer als der Partei- vorstand I Nicht entscheiden soll er, sondern nur vermitteln. Zuerst eine Sitzung mit den beiden nun doch bestehenden Kreisvorständen: gelingt hier keine Verständigung, dann getrennte Kreisgeneral- Versammlungen beider Richtungen; wenn auch hier noch nicht, dann eine gemeinsame Kreisgeneralveriammlung beider Richtungen. Natürlich immer unter Leitung und voller Beteiligung des Partei« Vorstandes und Mitwirkung des Bezirksvorstandes. Das find natürlich nur Vorschläge, die aber nach meiner Er- fahrung zu einem praktischen Ergebnis führen müssen. Hier heißt es handeln, schnell zugreifen, will man nicht, daß noch Schlimmeres eintritt, was ich nach Lage der Verhältnisse be- fürchten muß, bier aber nicht anführen möchte. Hier Hilst keine spitzfindige Auslegung der Statuten, keine Den- tung der Ausführungen einzelner Parteimitglieder oder Beschlüsse von Korporationen, kein ins Anrecht setzen des anderen Teiles. Die Dinge haben sich entwickelt, sind da und zu einem un- ermeßlichen Schaden für die Gesamtpartei geworden und müssen be- seitigt werden. Ein seder, der bei der Beseitigung dies« Mißstände mitwirkt, erwirbt sich ein Verdienst um die Arbeiterbewegung. Die Erhaltung der Einheitlichkeit unserer so großen herrlichen Bewegung muß manche andere Rücksichten zurückstellen. Die deutsche Partei hat es sich angelegen sein lasien, eine Einigung unter der Sozialdemo- kratie anderer Länder herbeizuführen, sorge sie auch für die eigene Einheit und Geschlossenheit. Hermann R.o d t k e. Parteisekretär in Neukölln. ' �lus Groß-öerlin. Das Genesungsheim. So manches Gebäude in Groß-Berlin hat seinen einstigen Charakter geändert nnd dient heute Zwecken, an die der Be- sitzer noch vor zwei Jahren kaum gedacht hätte. Größere Lokalitäten jeglicher Art sind zur Unterbringung von ver- mundeten oder erholungsbedürftigen Kriegern hergerichtet, und so mancher geräumige Saal, in dem ehemals mit glühendem Eifer das Tanzbein geschwungen oder gewaltige Redeschlachten geschlagen wurden, ist jetzt mit Betten ausgestattet, die in langen Reihen sich hinziehen und aus denen hoffnungsfrohe Augen der kommenden Gesundung entgegensehen. Wo aber ein Garten sich anschließt— und das ist wohl in der Regel der Fall— da wandeln jene, die das Bett schon ver- lassen können, einzeln oder in Gruppen umher und plaudern und lachen in steigender Lebens- freude. Wenn das Wetter günstig ist, sitzen sie auf Bänken oder liegen in Klappstühlen und lesen oder halten ein kleines Schläfchen, bis ein nicktsnutziger Kamerad herangeschlichen kommt und mit seinen Neckereien die Ruhe stört. So manches Genesungsheim hat auch ein Klavier auf- zuweisen. Meist findet sich dann auch der eine oder andere, der spielen kann, und bald klingt ein schmeichelnder Walzer, ein forscher Marsch oder das Lied von den„Vöglein im Walde", die so„wunderschön" sangen, durch die Räunie und bis ins Freie. Einzelne haben sich auch in irgend einen Winkel„verkrümelt" und schreiben, schreiben an die Eltern, an die Braut daheim, an Freunde und Bekannte! Hier schlendert ein noch junger Soldat am Arme einer Schwester mit etwas tastenden, unsicheren Schritten den Kies- weg entlang. Ihm hat der Krieg das Augenlicht geraubt. Nimmermehr wird er das Blühen des Frühlings, das bunte Leuchten des Herbstes schauen, dunkel wird die Welt um ihn sein. Aber merkwürdig gefaßt trägt er sein Los. Munter unterhält er sich mit seiner freundlichen Begleiterin und ent- wickelt seine Zukunftspläne, und es zeigt sich auch hier wieder, wie ungemein groß die Spannkrast der menschlichen Seele ist, besonders in der Jugend, daß sie selbst mit dem Furchtbarsten sich abfinden kann. Der Trieb, weiterzuleben und dem Dasein möglichst viel Angenehmes abzutrotzen, ist jeder höher gearteten Kreatur stark genug eingepflanzt, um auch katastrophale Ereignisse in den meisten Fällen zu überwinden. So sind denn auch die Genesenden, sofern sie nicht mehr zu verwenden sind im Heeresdienst, durchweg mit der Neugestaltung.ihres ferneren Lebens eifrig beschäftigt, und die Frage der wirtschaftlichen Existenz spielt bei vieleu eine wesentliche Nolle. Zuweilen erhält einer der Kameraden Besuch. Die Frau oder die Braut oder sonst wer. Dann geht er mit den An-' gekommenen abseits, und nun werden Familien- und sonstige persönlich interessierende Angelegenheiten erörtert, bis die Stunde zum Aufbruch mahnt.— An schönen Tagen wird auch mal ein Ausflug unternommen, soweit es der Gesundheitszustand der einzelnen erlaubt. Ein ganzer Schwärm, in der Mitte als Schutzgeist die fürsorgliche Schwester, zieht hinaus zum Wannsce oder sonst einem schönen Fleckchen in der Um« gebung Berlins. Da wird denn Kaffee getrunken, gespielt, einzelne baden auch, andere ziehen es vor, sich in der Sonne zu„aalen", und so hat jeder seine Freude. Rechtzeftig wird dann aufgebrochen, um den Heimweg anzutreten. So ver- gehen die Tage. Wer genesen ist. scheidet aus, andere kom- men, und so geht es weiter, bis die Kriegsfurie sich ausgetobt hat und der Friede sich weich und liebevoll über die blut- stampfende Erde senkt!(z) Wurstmotropol? Unter obigem Titel wird uns geschrieben:„Durch behördlich« B«ordnungen verschiedener Art ist die Wurstsabrikarinn so ziemlich eingestellt worden. In den Tarisbetrieben, die früher an vierhundert Gesellen beschäftigten, werden jetzt kaum dreißig beschäftigt. ES fehlt an inländischem Rohmaterial; die Berarbeilung von auslän- dischem ist nicht erlaubt. Seit einiger Zeit wird in einem Betriebe, d« zur Wirrst- fabrikation eingerichtet ist— wohl im Auftrage der Zentral-Ein- kaufs-Gesellschaft— Wurst(sogenannte ausländis-be) hergestellt. Preis pro Pfund 2,30 M. Wir bezweifeln, daß es zulässig ist, diese» Preis zu nehmen. Die vom Magistrat festgesetzten Höchstpreise für Wurst sind doch noch nicht aufgehoben. Für Wurstwaren, die hier in Berlin hergestellt werden, gelten unseres Erachtens die für Berlin festgesetzten Höchstpreise. Tie Fabrikate an sich rechtfertigen diesen hohen Preis keineswegs. Es ist.Kriegswurst" und das besagt für den Fachmann alles. Unseres Erachtens wäre es angebracht, dieses vom Ausland be- zogene Material mehreren Wurstfabriken zur Verarbeitung zu über- geben. Dadurch wäre es wohl möglich, ein etwas befferes Fabrikat zu bekommen. Jeder Betrieb würde versuchen die Ware möglichst flirt Herzustellen, da Ja dle schlechter« wenig«vneHmer studen wSrde. Bei der jetzigen Monopolstellung eiuer Firma muß der Säufer uehmeu was er bekommt.'_ Ein sonderbares Stellenangebot. Im.Berliner Lokal-Anzeiger' wurde vor einiger Zeit unter Chiffre eine Kontoristin mit Kenntnisten in Kurzschrift und Schreib- Maschine verlangt. Als Suchender entpuppte sich Herr Hans Hoff- mann, Inhaber einer Lederschärserei mit elektrischem Betrieb in Berlin. Ritterstraste 120. Eine Stellenbewerberin erhielt nach der Zeitschrift des Kaufmännischen Hilfsvereins für weibliche Angestellte folgende Antwort: .Auf Ihre freundliche Offerte erbitte ich Höst, mir erwidern zu wollen, ob es Ihnen angenehm wäre, mit mir am Sonnabend abends in ein Theater zu gehen, und würde Ihnen alsdann das Billett hierfür zugehen lassen. Es handelt sich lediglich um eine ehrenwerte Annäherung und könnten wir uns im Theater persönlich kennen lerne«. Indem ich Ihren gütigen Bescheid erwarte, begrüße ich Sie und zeichne Hochachtend Hau? Hoffmanu.' Die Bewerberin hat nicht geantwortet. Sie härte das Theater- billett ruhig annehmen und die— Schwiegermutter in das Theater schicken sollen. Aber im Ernst: Sind derartige ehrenwerte An- näherungS-Arbeitgeber nicht mit dem Beleidigungsparagraphen zu faffen?_ De« Schwache« der Vortritt! Die Mühe« der Lebeumitteleinkäufe werden besonders von schwächlichen Personen als drückend empfunden. Schon für einen Gesunden und Kräftigen ist es kein Vergnügen, sich z. B. seine paar Pfund Kartoffeln zu.erstehen'. Für Kränkliche, für alte Leute, für schwangere Frauen kann die Geduldprobe, die so ein Lebensmittel- einkauf manchmal erfordert, zu einer schwern Pein werden. Die Polizeibeamten, die zur Beaufsichtigung dabeistehen, üben gegenüber solchen Personen wohl meist die gewünschte Rücksicht und gestatten ihnen den sofortigen Zutritt. Eine Klage darüber, dah ein Polizei- beamter das abgelehnt habe, gebt uns auS Neukölln zu. Ihn bat vor einem Eiergeschäft eine schwangere Frau, er möchte sie sofort eintreten lasten, weil sie nicht lange stehen könne. Dabei wies sie ihm einen Zettel vor, auf dem das Wöchnerinnenheim am Urban ihr die bereits erfolgte Anmeldung zur Aufnahme bescheinigte. Dem Beamten hätte ohnedies auf den ersten Blick klar sein können, dast die Frau in nicht zu ferner Zeit ihre Entbindung zu erwarten hatte. Er meinte aber, die Bescheinigung des Wöchnerinnenheim« nicht als ausreichend anerkennen zu dürfen, und sagte der Frau, sie solle wegen einer Bescheinigung sich an das Polizeipräsidium wenden. Auf der Rückseite des Zettels war unter Beifügung des Magistrats- stempels vermerkt, dast man ihr eine Milchkarte bewilligt hatte. Als die Frau den Beamten noch hierauf hinwies, antwortete er, der Magistrat habe über das Polizeipräsidium nicht zu bestimmen. Ein zweiter Beamter, der dazu kam, erklärte gleichfalls die bemängelte Bescheinigung für nicht ausreichend. Von ihm erhielt die Frau nrm wieder den Rat, sich an das Rote Kreuz zu wenden. Sie verzichtete dann auf weitere Verhandlungen, unterlietz auch den beabsichtigten Einkauf und ging mit leeren Händen heim. Unseres Erachtens müstte die Bescheinigung deS Wöchnerinnenheims, die über die Vorgeschrittenheit des Zu- stände» der Frau doch gar keinen Zweifel lassen konnte, vollständig genügen. Es wäre zu wünschen, dast an alle Polizeibeamle eine diesbezügliche Belehrung erginge. Auch scheint uns dringend nötig, dast die Frage der bei Lebensmitteleinkäufen den schwächlichen Per- sonen zu gewährenden VorzugSbehandlung klar und einheitlich geregelt wird. Zur Neuregelnug des MilchbezugeS. Der Magistrat teilt mit:.Die Hinausschiebung der An- Meldefrist für den Milchbezug beim Kleinhändler bis zum 27. d. M. macht es, wie schon früher bekanntgegeben, der Milchversorgungsstellc Groß-Berlin möglich, die Milchvertcilung auf Grund der neuen Kundenlisten mit dem 1. September 191K in Kraft treten zu lassen. Mit Rücksicht darauf, daß nunmehr für Groß-Berlin einheitliche Karten ausgegeben sind, und hiermit die bisher in den einzelnen Gemeinden und Guts- bezirken bestehenden Regelungen nicht in Einklang gebracht werden können, mußte die heute veröffentlichte Verordnung über die Abgabe und Entnahme von Vollmilch ergchen, die voraussichtlich Mitte September durch die endgültige Milch- regelung abgelöst werden wird. Diese Zwischcnverordnung konnte die in der letzten Woche aufgestellten 5lundenlisten nicht berücksichtigen, da diese sich zur Aufstellung des Milch- Verteilungsplans über Groß-Berlin in den Händen der Milchversorgungsstelle befinden. Die Verordnung sieht daher nur vor, daß an den Wochentagen bis 10 Uhr vormittags. an Sonntagen bis 9 Uhr vormittags, von dem Milchhändlcr Vollmilch nur an Milchkarteninhabcr abgegeben werden darf. Daneben sollen die Abmelkwirtschaften die mittags ermolkene Vollmilch bis 2 Uhr nachmittags, die nachmittags ermolkene Vollmilch bis 7 Uhr nachmittags lediglich für Milchkarten- inhabcr zur Verfügung halten. Die auf den einzelnen Ad- schnitt entfallenden Mengen ergeben sich aus dem Aufdruck; der Abschnitt der grünen Milchkarten gilt vorläufig gleich '/z Liter Vollmilch. Nach den festgesetzten Zeiten darf Voll- milch frei verkauft werden. Für den Verkauf der Magermilch ist eine Beschränkung nicht festgesetzt. Dadurch, daß Gast- wirtschaften, Speisebetriebe, Konditoreien, Kaffeehäuser, Hotels usw. den Verbrauchern gleichgestellt sind, können sie, da ihnen Milchkarten nicht zugeteilt sind, bis zu dem eben angegebenen Zeitabschnitt Vollmilch nicht entnehmen. Sie sind in der Abgabe von Vollmich außerdem insofern be- schränkt, als sie nach 9 Uhr vormittags keine Vollmilch mehr verabreichen dürfen, es sei denn an: Kinder bis zu 6 Jahren. Der Milchhändler darf ferner diesen Bettieben nur Voll- milch liefern, wenn er sie schon am 4. August 1916 mit Milch versorgte, und zwar höchstens mit einem Viertel der Menge, die er ihnen an diesem Tage lieferte. Soweit Milchgeschäfte Milch im Umherfahren unmittelbar an Verbraucher absetzen, gelten für diese die angegebenen Zeit- beschränkungen nicht, doch sind sie verpflichtet, ohne Rücksicht auf die Tageszeit alle Milchkarteninhabcr, die bisher zu ihren Kunden gehörten, in erster Linie zu berücksichttgen. Als Voll- milch im Sinne dieser Verordnung gilt auch Kindermilch. » Die Anträge von kranken Personen, die Milch benötigen und zu diesem Zweck sich ärztliche Atteste besorgen müssen, werden außerordentlich gesiebt und nur ein verhältnismäßig kleiner Teil wird berücksichtigt. Genau so geht es mit der Gewährung der Butterzusatzkarte für Kranke, insbesondere für Zuckerttanke. Viel Geld wird deshalb unnütz für ärztliche Atteste fottgeworfcn._ Tie neue Satzung der Berliner Sparkasse. Die für die Sparkasse der Stadt Berlin beschloffene neue Satzung ist vom Oberpräsidenten bestättgt worden und soll nun am 1. Oktober in Kraft tteten. Der Magisttat veröffent- licht sie im.Gemeindeblatt' und richtet zugleich an die mit den Aenderungen etwa nicht einberflanbenen Sparer die Auf- forderung, ihre Spareinlagen nach Ablauf einer mit dem 22. August beginnenden dreünonattgen Kündigungsfrist zurückzunehmen. Bei denen, die sich nicht zur Rücknahme melden, wttd Einverständnis mit der neuen Satzung angenommen. Die Aenderungen bringen Erleichterungen des Geschäftsverkehrs der Sparkaffe unter Beibehaltung ihres bisherigen Zinsfußes, der seit 1. April 1914 auf 3'/, Proz. festgesetzt ist. Beseitigt wird jetzt die bisherige Einschränkung, daß nur für Einwohner Berlins die Benutzung der Berliner Sparkaffe zulässig war. Aufgehoben wird auch die Bestimmung, daß ein Sparer im Monat nicht mehr als 600 M. und auf sein Sparbuch nicht mehr als im ganzen 3000 M. einzahlen durfte. Man darf künftig auf sein Sparbuch eine unbegrenzt hohe Summe in beliebig hohen Einzelbeträgen einzahlen. Hiermit wird endgülttg der bei Gründung der Berliner Spar- kasse eingenommene Standpunkt verlassen, daß sie nur für Unbemittelte- bestimmt sei. Als vor jetzt ziemlich 100 Jahren, im Juni 1818, die Sparkasse der Stadt Berlin ins Leben ttat, sollte sie nach dem Wortlaut ihrer ersten Satzung „armen" Einwohnern helfen, kleine Ersparniffe zinsbar und sicher unterzubringen. Auch die späteren, mehrfach durch Ab- änderungen umgestalteten Satzungen hielten an dieser An- ficht fest, und selbst in der Satzung von 1872 galt die Sparkasse immer noch als eine Einrichtung für.nicht bemittelte" Einwohner. Erst die Satzung von 1877 verzichtete auf eine solche Einschränkung,' die eigentlich von Anfang an nichts mehr als eine leere Form gewesen war, und bestimmte die Sparkaffe den»Einwohnern" überhaupt. Mit Beseittgung auch dieser Einschränkung folgt jetzt Berlin dem Beispiel der Bororte, deren Sparkaffen sich längst jedem Sparer ohne Unterschied des Wohnsitzes anboten. Der Ge- danke einer Begrenzung der Sparsumme geht gleichfalls auf die Zeit der Gründung der Berliner Sparkasse zurück, wo er — im Hinblick auf den Zweck der Sparkasse— auch als richtig gelten mußte. Die Grenze wurde später mehrfach hinaufgerückt, zuletzt durch die Satzung von 1909 auf 8000 M. Nach dem jetzigen Verzicht auf jede Begrenzung würde künftig selbst ein Millionär sein gesamtes Vermögen bei der Spar- lasse anlegen können, falls er Luft dazu hätte. Der erst« böhmisch« Oistkahu isi gestern auf der Spree ein- gettoffen und hat an der bekannten Obstladestelle in der Burgstraste am Zirkus Busch festgemacht. Voraussichtlich treffen bald noch mehr Kähne mit böhmischem Obst ein und hoffentlich bewirkt ihre Anwesen- heit einen Rückgang in den ttotz unserer überreichlichen Obsternte ungeheuerlich hohen Obstpreisen. TaS MagistratSiureim für dir KriegSbefchiidigtenfürforge. das bisher in beiwränklen Räumen des Rathauses untergebracht war, ist nach dem Hause Poststr. S verlegt worden, wo für die bezeichneten Zwecke umfangreiche Räume bereitgestellt sind. /ius öen Gemeinten. Erschwerter Bezug von Brotzusatzkarten in Spandau. Wie außerordentlich schwierig eS ist. in Spandau eine Brot- zusatzkart« zu erhalten, zeigt folgende Schilderung eines in der Siemensstadt wohnenden Arbeiters: Das Magistratsbureau in der SiemenSstadt, in dem Brotzusatz« karten ausgegeben werden, ist nur bis v Uhr nachmittags, Sonn- abends nur bis 1 Uhr mittags geöffnet, so daß es einem Arbeiter ohne Arbeitsversäumnis nicht möglich ist, sich eine Zusatzkarte zu besorgen. Mit einem dienstboren Geist ließ ich die von meinem Berlmer Arbeitgeber ausgestellte Bescheinigung, dast ich täglich gft. Stunden beschäftigt werde und infolge der kurzen Mittagspause von 3V Minuten keine Gelegenheit habe, warmes Mittagessen ein- zunehmen, nach dem Magistratsbureau bringen. Dort wurde aber diese überall in Groh-Berlin anerkannte Bescheinigung nicht für aus- reichend erklärt und zur Ausfüllung von dem Arbeitgeber ein vor- gedrucktes Formular mitgegeben. Dieses ausgefüllte Formular schickte ich jetzt nach dem Magistratsbureau. Zum Unglück waren aber die Zusatzkarten ausgegangen und mußten erst vom Spandauer Rathaus neu bezogen werden. ES wurde aber versichert, die Zusatz- karte könnte an einem der nächsten Tage abgeholt werden. Erst als ich zum drittenmal hinschickte, wurde mir der endgültige Bescheid: Brotznsatzkarten werden in Spandau nur an solche Arbeiter und Arbeitermnen verabfolgt, die mindestens 10 Stunden am Tage arbeiten, oder Nachtschicht haben. Sollten die Bestimmungen, die für Groß-Berlin Anwendung finden, nicht auch für Spandau möglich sein? Warenbezug in Potsdam. Der Potsdamer Magistrat hat eine Verordnung erlasien, die bestimmt, daß die Mengen der in Potsdam an die Verbraucher zum Verkauf gelangenden Speisefette von den Verkäufern stets netto zu wiegen sind. Als Speisefette gelten Bulter, Margarine, Kunst« ipeisesett und Streichfette aller Art.— Die wöchentliche F I e i s ch m e n g e in Potsdam ist für die Zeit vom 28. August bis 3. September auf 300 Gramm festgesetzt. Auf den Voll- abschnitt der Fleischkarte werden 60 Gramm, aus den Teilabschnitt 30 Gramm verabfolgt.— Alle die von der Stadt Potsdam be« zogenen Eier. d. h. alle Stadteier, deren Verteilung auf die Konsumenten auf Grund der Verordnung vom 12. Mai vorgenommen wird, die sich beim Kauf oder spätestens 3—4 Tage nach demselben als faul und ungenießbar zeigen, werden vom. städtischen Eier- Händler gegen frische umgetauscht. Für beanstandete Eier, die länger wie vier Tage im Besitz deS Käufers sind, werden keine Ersatzeier ausgegeben._ Soziales. Lerweigermlg des KriegöscheiuS. Bei der Firma Schwartzkopff hörten zehn Metallputzer gegen den Willen der Firma auf, weil ihnen der Lohn zu gering war. Die Finna verweigerte den Arbeitern die Erteilung des Kriegsscheins. Dazu war sie nach den Bestimmungen über das Kriegsscheinabkommen berechtigt. Die Arbeiter erhoben sofort Klage bei dem Kriegs- ausschust der Metallindustrie, der sie anwies, bis zur Entscheidung der Klage bei der Firma Schwartzkopff weiter zu arbeiten, beziehungs« weise sich der Firma zur Verfügung zu stellen. Nach den Kriegs- scheinbestimmungen hätte die Firma die Arbeiter bis zur Ent- scheidung deS Ausschusses beschäftigen müffen. Sie wies aber die Arbeiter zurück mit der Begründung, die Plätze feien bereits besetzt, die Wiedereinstellung sei deshalb nicht möglich. Hierdurch hatte also nunmehr die Firma die Entlastung der Arbeiter ausgesprochen und hätte ihnen den Kriegsschein unverzüglich geben müsten. Aber die Arbeiter erhielten erst drei Tage später den Schein und waren deshalb drei Tage durch Verschulden der Firma arbeitslos. Für diese drei Tage forderten sie durch Klage beim Gewerbegericht den Lohn. — Das Gericht hielt ein Verschulden der Firma erst von dem auf das Wiederangebot der Arbeiter folgenden Tage ab für vor« liegend. Die Firma wurde deshalb verurteilt, jedem der Kläger den Loh» für zweiTage— 21,60 Mark— zu zahlen. Fortzahlung des Gehalts bei Einziehung. Im Gegensatz mm Landgericht und Oberlandesgericht Köln hat das Reichsgericht in einer jetzt vorliegenden Eni- scheidung in einem Prozeß eines Angestellten den vielumstrit- tenen s 293 des Bürgerlichen Gesetzbuches in dem ihm zu- kammenden Sinne ausgelegt. Danach ist der Chef zur Zah- lung verpflichtet, wenn er auf die vom Angestellten ihm an- gebotenen Dienste verzichtet hat und es dauert diese Pflicht auch dann fort, wenn der Ange st eilte z. B. infolge Einberufung zum Militär nicht in der Lage ist, die Dienste zu leisten. Diesem interessanten und für alle Arbeiterrechte in Betracht kommenden Urteil liegt. folgender Streitfall zugrunde: Die Beklagte, ein rheinisches Eisenwerk, hat den Kläger, einen Ingenieur, im März 1913 unter Vereinbarung der Vertragsdauer bis 1. Mai 1916 als technischen Bettiebsleiter angestellt. Im Fe- brnar 191ö hat sie ihm aus Anlast von Streitigkeiten erklärt, daß sie seine Dienste nicht weiter in Anspruch nehme, ihm aber sein Gehall in voller Höhe fortzahlen werde. Dieser Verpflichtung ist sie bis 1. August 1915 nachgekommen, verweigerte aber dann weitere Zahlungen. Der Kläger verlangt von ihr mit der Klage Zahlung des Gehalts für den Rest der Vertragszeit(bis 1. Mai 1916). Das Landgericht und Oberlandesgericht Köln haben die Klage abge- wiesen. Auf die hiergegen vom Kläger eingelegte Revision hat das Reichsgericht das Urteil des Oberlandesgerichts aufge- hoben und die Beklagte zur Zahlung d er> ei n gek la g- ten Gehaltsraten verurteilt. In seinen Entschei- dnngsgründen führt das Reichsgericht aus: Das Oberlandes- gericht geht bei der Beurteilung des Klageanspruchs von der un- streitigen Tatsache aus, daß die Beklagte dem Kläger im Februar 1915 erklärt hat, sie walle von seinen Diensten nichts mehr wissen. Es nimmt an, dast die Beklagte infolge dieser Zurückweisung durch das Erbieten des Klägers, die Dienstleistung fortzusetzen, in An- nahmeverzng geraten(Z 293 des Bürgerlichen Gesetzbuches), dast aber der Verzug mit der im April 1915 erfolgten Einberufung des Klägers zum Heere in Wegfall gekommen und der Kläger durch die von diesem Zeitpunkt an bestehende Unmöglichkeit der Ver- tragSerfüllung des Anspruchs auf Gehalt für die folgende Zeit ver- lustig gegangen sei(Z 323 des Bürgerlichen Gesetzbuches). Diese Erwägungen sind völlig rechtsirrig. Die Erklärung der Beklagten, sie wolle von den Diensten des Klägers nichts mehr wissen, war Beswndteil einer im Februar 1915 getroffenen Verein- barung der Parteien, die dahin ging, dast die Beklagte die Dienste des Klägers in Zukunft nicht mehr in Anspruch nehmen, ihm aber das Gehalt weiter zcchlen solle. Indem sich die Beklagte mit dem Kläger in dieser Weise einigte, hat sie sich unzweideutig des An- spruchs auf die Dienstleistung begeben. Das Ver- sprechen der Gehaltsfortzahlung kann in diesem Zusammenhange nicht in dem Sinne verstanden werden, dast der Kläger die ihm ver- sprochene Vergütung unter Aufrechterhaltting des Dienstverhält- nisses weitercrhalten solle, sondern es muh als die Zusage einer Entschädigung wogen Aufhebung des Dienstverlrages aufgefaßt wer- den. Für die Anwendung der§§ 615 S. 1, 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches ist bei dieser Sachlage kein Raum. Durch den Ver- zicht der Beklagten gewann das Abkommen der Parteien die Be- deutung einer eudgü lt. igen Auseinandersetzung. Der Dienstvertrag fand seine Erledigung und an seine Stelle trat ein einseitiges Schuldverhältnis, kraft dessen nur der Kläger noch Ansprüche erheben kann. Diese Tragweite des Abkommens ver- kennt die Beklagte, wenn sie geltend, macht, es sei eine stillschwei- gende Bedingung der Vereinbarung, dast das Recht auf Gehalts- Zahlung beim Eintritt von Umständen erlöschen solle, unter denen es auch ohne die Entlassung des Klägers erloschen wäre, also auch bei der auf feiten des Klägers einttetenden Unmöglichkeit der Ver- tragSerfüllung. Der Kläger konnte das Versprechen der Weiter- gffvährung des Gehalts im Zusammenhang mit dem Verzicht auf die Dienste nur dahin auffassen, der Gehaltsanspruch solle von dem Fortbestehen seiner Erfüllungsbereitschaft unabhängig sein. Zu einer Anzeige seiner militärischen Einziehung bestalch für den Kläger bei der Gestaltung des Rechtsverhältnisses der Parteien keine Veranlassung.— Hiernach ist der Anspruch des Klägers auf Fort- zablung des Gehalts bis zum Ende der VcrtragSzeit begründet. (Aktenzeichen: lll. 160/16.— 30. 6. 16.) Genchtszeitung. Wie eine Hausbesitzerin Brot- und Butterkarte» hamstert. Vor der 130. Abteilung des Schöffengerichts Berlin Mitte unter dem Vorsitz des Amtsgerichtsrats v. Trcsckow hatte sich gestern wegen wiederholten Vergehens gegen die Magisttalsverordnung vom 31. März 1916 betr. die Abgabe von Brot die Hausbesitzerin Martha Boesecke geb. Schadenberg zu verantworten. Sie war angeklagt, für die Mieter ihres Hauses, Straß- bnrger Straße 43a, zu viel Brotkarten eingrsordert und das widerrechtlich erlangte Plus für sich verwendet zu haben. Da sie allein dasteht, hat sie für sich selbst nur eine Karte zu beanspruchen. In der zuständigen Brotkommission fiel es auf, dast die Angeklagte fortgesetzt dieselbe Zahl von neun- zig Mietern zum Bezüge von Brotkarten angab, während eS bekannt ist, dast in der dortigen Gegend sehr häufig Wohnungs- Wechsel stattfindet. Es wurden bei der Polizei Nachforschungen ge- halten und da ergab sich, daß die Angeklagte verschiedene Male 20 bis 22 Mieter mehr angegeben hatte, als in ihrem Hause wo h n t e n. Die zuviel erhaltenen Karten hat sie nicht zurückgegeben, sondern für sich verwandt. Sie behauptet, dast sie damit andere Leute beglückt habe, die Bedarf an Brot batten. Der Gerichtshof glaubte ihr das nicht, namentlich auch mit Rücksicht auf einen beiläufig mit erwähnten Vorgang; die Angeklagte halte einen Block mit Bezugsscheinen sür Kriegersrauen für Erbsen und Bohnen angeblich gefunden nnd hatte sich auf solchen Bezugsschein Bohnen von dem Kaufmann Jahnke geholt und will auch diese verschenkt haben. Der Staatsanwalt hielt die Angeklagte für überführt, in neun Fällen nicht nur Brot-, sondern auch Buticrkarten in der geschilderten widerrechtlichen Weise bezogen zu haben und beantragte gegen sie mit Rücksicht auf die Gemcingefähr- lichkeit einer solchen Handlungsweise eine Geldstrafe von 10800 Mark, eventuell für je 10 M. einen Tag Gefängnis. Das Gericht sah für criviescir an, dast die Angeklagte in vier Fällen durch falsche Angaben in den Hauslisten zu viel Brot- bezw. Butlermarken sich verschafft habe. Die Behaupiung, dast sie diese Marken verschenkt habe, beruht nach Ansicht des Gerichts auf Un- Wahrheit; das Gericht glaubt vielmehr, dast die Angeklagte aus ge- wiunsüchtiger Absicht gehandelt habe und ihr Vorgehen eine ehrlose Grundlage habe. Aus diesem Grunde hat in diesem Falle das Ge- richt von der Befugnis Gebraucb gemacht, neben der Geldstrafe auch noch auf Gefängnis st rase zu erkennen. Das Urteil lautete deshalb auf vier Wochen Gefängnis und 4800 Mark Geldstrafe, im Nichtbeitreibungsfalle sechs Monate Gefängnis._, Schinkenfett statt Rücken fett. Schinkenfett als Rückenfett verkauft zu haben, wurde dem Schlächtermeister Paul Müller aus der Pücklerstraße vorgeworfen, der gestern vor der. 130. Ab- Heilung des Schöffengerichts wegen Vergehens gegen die Magistratsverordnung vom 29. März 1916 stand. Der Angeklagte hatte vom Magistrat die— inzwischen ihm wieder entzogene— Erlaubnis erhalten, ihm zugewiesenes städrisches Schweinefleisch in der Markthalle zu verkaufen. Er hat, wie die Beweisaufnahme ergab, von den Schweineschinken das Fett ab- geschnitten und zu Preisen verkauft, die für Rückenfett festgesetzt sind. Der Angeklagte entschuldigte sich damit, daß er sich im Irrtum über die Verordnung des Magistrats befunden und zu seiner Handlungs weise für berechtigt gebalten habe, da sich die Käufer darüber b e klagt Höllen, dag der Schinken zu fett sei. Der A m t s a n w a l t deomragte in diesenr Falle 5000 M. Geldstrafe. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 3000 M. Geldstrafe, wobei es berückstchtigte, daß der Angeklagte den kleinen Leuten gegenüber gesündigt habe, für die das Schweinefleisch vom Magistrat frei gegeben Wörde» sei._ Irrtum über Höchstpreise. Sind die auf Grund des HöchstpreiSgesctzeS erlassenen vor fchriften des Bundesrat» SlrafrechlSnormen, so könnte ein Irrtum über dieselben von Strafe nicht befreien. Ander? wenn solche Höchst- Preisverordnungen als Berwaltungsverordnungen zu gelten haben. Da» Kammergericht hat jetzt im Gegensatz zum hiesigen Landgerichl sich für die letztere, dem Angeklagten günstigere Auslegung enl- schieden. I« dem Prozeß handelte eS sich um eine Anklage wegen Ueberschreitung de« Höchstpreise« für Kartoffelmehl. Der An- geklagte hatte fich darauf berufen, daß eS sich um ausländisches Kartoffelmehl bandelle und daß er infolge einer Aeuherung seines Lieferanten fich in dem J�tum befunden habe, der Höchst- preis finde auf da« ausländische Produkt keine Anwendung. Nur nuS diesem Irrtum heraus habe er in der Offerte einen höheren Preis gefordert. Da« Landgericht hatte diese Einrede für unerheblich gehalten und den Angeklagten zu 150 M. verurteilt. DaS Kammergericht hob da« Urteil auf, weil noch nachzuprüfen ist, ob der Irrtum vorlag. Ein Irrtum über die Berwaltungsverordnungen schliefst die Strafe aus, wenn der Irrtum nicht auf Fahrlässigkeit beruht. Gchadeuersatzklage von Saalbesitzern. Auf der letzten Kriegstagung des Landesverbandes der Saal- inhaber im Königreich Sachsen ist ein Beschluß gefaßt worden, den sächsischen Staat zu verpflichten, die durch die bisher erlassenen Verordnungen der Generalkommando« lTanzverbot, Jugend- und Alkoholverbot, Verkürzung der Musikerlaubni« und Polizeistunde) dem sächsischen Saalgewerbe zugefügten Schäden zu ersetzen. Der Antrag stützt sich auf K 61 der Gewerbeordnung, wonach.die ver- waltungSbehörde wegen überwiegender Nachteile und Gefahren für da« Gemeinwohl die fernere Benutzung einer jeden gewerb- lichen Anlage»n jeder Zeit untersagen kann. Doch muß dem Besitzer alsdann für den erweislichen Schaden Ersatz geleistet werden'. Wegen der Entschädigung steht der Rechtsweg offen. Diesen glauben die Saalbesitzer beschreiten zu können, weil bei Beginn de» Krieges die sächsischen Generalkommando» die Abhaltung von Tanzlustbar- keilen, öffentlichen und BereinSbäven, verboten, auch die Polizei- stunde verkürzt und Alkohol- und Jugendverbote erließen. Ob der Rechtsweg gegen den Staat Aussicht auf Erfolg haben kann, ist streitig. Die sächsischen Saalbesitzer beziffern ihren Schaden auf mehrere Millionen. Mus aller Welt. Andere Zeiten— andere Sitten. Die badische Engländer-Kolonie, wie man Freiburg i.V. vor dem Kriege nannte, ist arm an britischen Einwohnern ge- lvorden. Seit Jahrzehnten hatte sich Freiburg systematisch auf die Ansiedelung englischer Rentner eingerichtet. Nach und nach ließ sich in der herrlichen Dreisamstadt diel britisches Mittelstandsvolk nieder, das al» ehemalige Angehörige der Kleinbeamten- und Krämerschasl dort ein billiges Rentnerleben illhren konnte. Die Stadt suchte den lieben Engländern daS Leben so angenehm und billig zu machen. wie nur möglich. Durch den Krieg hat sich alles gewendet, da auck in Freiburg die Parole als erste patriotische Kundgebung ertönte: .Gott strafe England I' Und der Oberreallchrer Berner dichtete da? bekannte Lied, das in der Mädchenschule der Stadt gesungen ivurde t Michel drauf I Krämer lauern schon zuhaufl Dem perfiden Albion Zahl' den längst verdienten Lohn! Zahl'S ihm heim, dem Lumpenpack I Hurra! Knüppel aus dem Sack! Michel drauf l Eine der modernsten Sehenswürdigkeiten, der Friedhof, zeigt unter seinen mit künstlerischem Aufwände hergestellten Ruhestätten manches Grab, worin.Krämer aus dem perfiden Albion' ruhen, die bei Lebzeiten von den Freiburgern gerne als zahlende Mit- bewohner beherbergt tpurden. Da niemanv der Hinterbliebenen die Ruhestätten pflegen kann, machen sie in dem pietätlosen Zustand auf die Vergänglichkeit der Menschenliebe aufmerksam. DaS Elend i« italieuischen Erdbebengebiet. Einem Drahtbericht auS Lugano zufolge entwirft der Deputierte F a c ch i n e t t i von Rimini in einem Aufruf zur Sammlung von Liebesgaben für die vom Erdbeben betroffene Bevölkerung ein furchtbares Bild von den Schäden des Erdbeben» und der entsetzlichen Lage der Einwohner von Rimini und der 17 Gemeinden de« Bezirk«. Die Stadt Rimini, die 53 000 Einwohner zählt, ist zurHälft« ein- g e st ü r z t, und die andere Hälfte ist unbewohnbar geworden. In den anderen Ortschaften steht eS teilweise noch schlimmer; die Be« völkerung kampiert im Freien und leidet entsetzliche Not. Die aus Rom und Bologna eingetroffenen Feuerwehren sind damit beschäftigt. die nicht eingestürzten Kirchen und Türme niederzureißen. Die private Hilfe müsie schleunigst eingreifen, um wenigsten« der äußersten Not zu steuern und Lorsorge zu treffen, bevor der Winter kommt. Jugenüveranstaltungen. � Frtedrichshagen. Heute abend 8 Uhr im Jugenbbeim, Scharnweberstr. 69: Vortrag des Genossen H. Ehrlich:.Ein russische» Grenzabenleuer'. Die Eltern werden gebeten, diesen Vortrag zu b« uchen. Gäste willlommen._ Sriefkasten der Redaktion. Pionier. 1. Es gibt darüber kein Reichsgesetz. Aber diele Gelder sind von der Löhnung nicht abzuziehen. Es müßte dagegen Beschwerde beim Vorgesetzten eingelegt werden. 2. 0la. da» ist zulässig, da die Ueber- schösse im Jnteresie der Mannschaften Verwendung finden.— A. 500. Der Frau kann bei besuchsweiscm Ausentbalt auswart» von der Unter« stützung nichts gekürzt werden.— I. H. 300. 1. Nein. 2. Zwei Jahre. 3. Nein, das würde nicht al» Nachlag de» Ehemannes, sondern als Eigen- tum der Frau gelten.— D. ll. 1. Die Aufforderung würde an den An- schlagsäulen belanntgemachl werden. Für Berlin ist ein solcher Ausruf noch nicht erlassen. Die Firma ist verpflichtet, sechs Wochen lang das Gehalt zu zahlen. Sie kann das Kranlengeld aus das Gebalt ausrechnen.— R. A. 77. 1. Nein. 2. Zu empfehlen ist, dag»in Testament gemacht wird— O. H. 7. Drei Monate nach dein rechtskräftigen Urteil. — A. W. 143. Nach Ihrer Darstellung steht dem nichts im Wege, daß Sie Beschäftigung annehmen.— A.(f. 38. Sic haben Ansprüche aus die Leistungen der Kasse: wie doch die Leistungen sind, ergibt sich aus den Bestimmungen deS Statut». Unterstützung iür Ihren Sohn können Sie nicht noch dort beanspruchen.— M. 14. Die alte vereinbarte Kündigungs- srist ist mit Ihrer Zlufrückung in den Werkmcistcrposten ungültig. Sie haben jetzt Anspruch aus Kündigung am tb. September zum t. Oktober. Im Falle eine» Konkurse» müssen Sie Ihre Gehaltsansprüche bis zum I. Oktober geltend machen.— P. N. 68. Wenn Sie eine perlönliche DeslellmigSorder bekommen, müssen Sie zur Musterung gehen.— B. 33. 1. Ja. 2. Einen anderen Verein, der mit der Bartei in Beziehung steht, Aibt et dafür nicht. 3. Sie müssen den Vertrag kündigen. E» ist sicher im Vertrage extra vorgesehen, daß eine Kündigung erfolgen muß, sonst verlängert sich der Vertrag um ein Jahr. 4. Die Kinder haben Anspruch aus Waisenrente. Die Mutler muß den Antrag unter Einreichung der Geburtsurkunden und der Ouitwngskarten de» Ehemanne» beim BersicherungSamt einreichen. b. Ja. Auch in diesem Falle wird die Waisenrente gezahlt.— E. LS. Nein. LvetterauSstchtea kür daS mittlere Norddeuttchtand bis Donnerstag mittag. Ziemlich warm, im Südosten noch vielfach heiler, dazwiichcn nur strichweise Gewüter: westlich der Oder und läng» der Küste überwiegend bewöilt und wieder zahlreichere Regensälle. ! Mtoreiss 14. AbL B*z. 707. Nachruf. Am Freitag, de« 85. August. verstarb unser Genosse, der Schlaffer kriuT Friedrich Olderiburger Str. 18. «hre seine«»«denke»! Di« veerdigmtg hat am 29. d. M. bereit« stattgefundm. Der Teratend. Deatsciier ielilliMep-lertuß Vanrattu«fMtelle Berti«. Dm Mitglieder« zur Nachricht, daß«miere Kollegin, dt« Schrau- dendreheri» Fnrilie Böhme Lausttzer Str. 14 am 26. August gestorben ist. Ehre ihrem«»demk«»! Die Beerdigung finde« hente Mittwoch, de« 90. August,«ach. mittag« Uhr, Bor der Leichen. hallt de» Tdorna»-Kirch Haje» in Neukölln. Hennannftraß« 179/85, au« statt. Rege BcKkNgtmg wird erwartet. Den Kollegen ferner zur Nach- richt, daß uns« Kolleg«, der Schlaks« i\rtur Friedrich Oldenburger Str. 19 am 25. August gestorben ist Ehre sei««»»«denke»: I>taedrat. Den Kollegen ferner zur Nach- Iricht. daß unser Kollege, der j Maschwenarbetter 122/2 Valentm Tudyka Koiberger Str 81 | am 24. August gestorben«st Ehre feine»««denke«: Die OrtoTerwaltuc ßentscliep TraBsportarbeiter-Verlml Bezirktverwaltung Qrot-Berlla. X ach ruf. Den Mltglledern zur Nachricht. daß unser Kolleg«, der kohlen- arbelter Xuxust Radde am Montag, den 14. st Dt«., im Alter von 49 Jahr« ver- starben ist Ehe« seine«»«denke»! 67/18 vi« Bezlrkmnraltaag. TeMderflol-iniil Filzviren- arbEilsrD.ÄrbeileriDDeflDeotsElil. Ortsvcrwaltunj Berlin. Allen Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Franz Pritzkow am 85. August im Aller von 74 Jahre» verstorben ist Die Beerdigung findet heute nachmittag 4 Uhr aus dem Süd- wcsl-Friedhos in Stahnsdorf statt. Ferner verstarb am M. | der Kollege, Invalid» August Xdolk Lemke im Alter von 70 Jahren. Die Beerdigung findet beute nachmittag 5 Uhr von der Halle de« Bariholomäus. Kirchhose» w Weißens«» au» statt. Zahlreiche vetelllgung wird erwartet. Ans dem Schlachtfeld« fiel am 16. Juli d. g. der Kolleg« Remhold Künzel. Ehre ihrem»«denken: 7(5/15 Der Borstand. Verbinil 1 Brauerei- oJitilen- artellern.verw.Beriilsgei!ossen. Zahlatelle Berlin. Den WItalicdern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Fahrer Ewald Leusclmer (Weißbierbrouerei I. E. A. Richter) gestorben ist Ehre seine»««denke»: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 31. August, nach- mittagt 4ss, Uhr, aus dem Friedens- Kirchhof in Nordend Natt. 43/2 Um zahlreiche Beteiligung wird R ersucht. Die Orrsverwaltung 0 Zentral-Kranken- u. Sterbekasse der Dentseben Wageobaner. B. a.®. Berlin, Bezirk 10. Am 25. August verstarb unser langjähriges Mitglied Lvslll Lellsedoer. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 31. August, nach- mittag» 41/, Uhr, von der Halle der Friedens-Gcmetnd«, Nordend, aus statt. Um reg» Beteiligung bittet 257/17 Die OrtSverwaltnng. Gewidmet zum Sterbetage meine« lieben Bräutigams, unsere« Sohne» und Bruder«, des Musketier» 1SSA Bruno Wenxler vom Nef.-Jnsant.-Regiment 270, geftorben am 80, Augukl 1916. In schmerzlicher Erinnerung Blee kalkeeberg al» Braut nebst Eltern and Gatchwlttera. Sin Jahr der Trauer ist ver- gangen, vergebens focht Dich unser BItlk. Wenn sehnsuchtsvoll auch da« verlangen, e« bringt Dich nimmennehr zurück. Hab in Dew» Augen ja zum letztenmal geblickt, damals, al« bei Demem iluSmarsch wir uns noch die Hand gedrückt. .A.a»vnhh!,»iidaDLS» nach »aßtrhiklh ▲nsahlaxae Kachrnt. Gewidmet zum Sterbetag« mewe« lieben WanneS, unsere» lieben Vater«, de« WehrmanneS Max Tadevald gesallcn am 30. August 1915. Ein gahr ist schon dahingegangen Selldem Du starbst de» Heldentod, Wo Nachricht kam nach langem Bangen, Daß Dich ereilt des Krieger« voß. I Du ruhst nun fern in Deine« Grab« Mit Kameraden Ichin vereint. Wir schmücken unsere Gab«, Dein Bild daheim.ganz still deweint. Zu früh hat Dich der Tod erettt, Das Schicksal traf uns schwer, Wenn auch die Zelt die Wunden heilt, Vergessen, ach nein, nimmermehr. I gn wehmütiger Erinnerung Deine Battin und Kinder ILSA nebst allen Verwandten. Treues Gedenken z»« Sterbetage meines liebe«, I herzensguten Bräutigam«, des j Uliteroffizierö Bruno ttasselberx gesallen durch Herzschuß Im 27. Lebensjahr« am 80. August 1915. Mein geliebter Bruno, ruhe sanft in Frieden, Du meine Welt, mein höchstes Glück; Zu früh bist Du von mir geschieden Und ließest mich allein zurück. Hab' tausend Dan! sür Dein« Lieb' und Müh', In meinem Herzen stirbst Du nie. Deine liebe Frieda. Ruhe sanst in Feindesland. kperialitSt: Ein-, Zwel-u.Drelrlmmer* Wohnungen, Mutter der Kemmittion I. vorbiloliehe Arbeilermibel, verkauft Dibbelt 4 Roihe./TÄ Berlin SO 83. Ztughoftir. 20. Besichtigung: vis 7 Uhr abends im Fabrikgeb&ude.• Danksagung. Für die herzliche Tellnahme bei der Beerdigung meiner lieben grau. unserer guten Mutter sagen wir allen Freunden und Bekannten unseren herzlichsten Dank. 149A Franke und Kinder. Zsgareüen VÖU. vorst in vor*. Qual. 1,8 P<. 1 A 100 Stck. 1,30. S, 1 B 100, 1,90. 4,2. IC 100, 2. SO. I Vers.]ed. Quant rn*. Porto g. | Nachm. Ins Feld n. g. Voreins. O. I-andau, Berlln-NeukSlln,| Kalter-Frledrleh-StraBe 42. Wer rerrlsjenes SAohweHt, j Cesdilnr, Leder, Zellstoffe, J Fahrrad mifilcl. Für usw. seihst 1 ausbessern wlO, verwendet vor« ' r&zlids die tlUahle Sfüpporln d.ig.l SoOde, beste KonstruWoo. Näht Sicppstldi wie Masdiine. Lei du *u handhaben, Garantie für Brauchbarkeit. Viele Ancrkenn- ongei* l'reis Mk.«.SO mit Nadci3onien.ni und Leinen' twtro, verpackt und postfrei. lo Ledtrhaadlungcn Rtulllch oder direkt dordt Johs Zucker Stuttgart- Botnang. faaaaadaa ifir stärkat« biguren. flläftiflgg Krieqsaufschlaa. GalemAleikum (GoldmundbiückJ �tgareüm "Willkommenste Liebesgabe! Preis;Nr 3«-4 s e ö 10 "4 3© ö 10 12 Pf.dSfödc. elnscnrießlich Kriegsetufsehloa Billige Preise!! Billige Preise!! Obne Bezugsscbeia, da cioht beaugisohoinpülchtig J Entzückende Seldenmänlel,****>** Gnmmimäntel blfto, grftD, weisrol, r«iftd.t top, bUu-grQukarierl GloekraiohnitU, i«schMt* Formen, ffi,— 48,— 07.— 291i. clatt« Formen Gummimialei 24,— 20,— 18,—. Flotte Gummir.äDtel lür Herren..... 45,— 86,— 26.— Stftiibm&Btel top 12,— an.) Prima»chwerre Itäeke 20,—, f»rb.| Sohwarce Sei denm Kote] ▼. Ä),— an. Lodeom&ntei 88,— 25,— 18,—) Faptaeie-Höoke 15,— 11,—, 8�0.| Lcden*KostQme 65,— 48»— 86,— Neueste Herbst-Hodell-Kostilme Barronaganda Auswahl(oa. 1500 Stück) Samt mit achtam litis 125,—, glatt 85,—. tainar Kammgarn, mit UaodTarichndrangcn 100,—, eoht. Tncha(Aaebonar Fabrikate) ES,—, aebwara Wiotcr-Dlaeonal mit Uosaisnrariohnürangon 65,—. glatte Forman Uerrenvararbaltang, gute Stoffs 63,—, Fbactuieitü.ke, auch k'rühjatarssncbea 48.— 89,— 281—, 18,—(aach vorjUirig). Beste Stoffel Bllliüe Preise!! Fescheste Formen! Ualligs l'later bssta Fabrikate, erstklassige Ver- arbeitnog mit Falakragao, wundtr- bara D.nesta Formen, Olocken- schnitte 100,- 82,- 08,-65,—«2,- 84— Torjihrig, beste Stoffe 80,— PlNarhintlntel berühmte Fabrikate eohl Seal plüsch 200,— 150,— 120,- 98.- Saideoplflsen 06,— 73,— 69,— 66,- IVollplüscb, Astrachan 24,- 18,- 15,- 90,- 82,- 70.- 59,- Elmzelae Pllaoh- nad Felalaakea, glatt# Formen(aneh« Elnaegnuaga------- 1 OetebUk Berlin W, Mehrewsir nie F-elBia Batet prima l'eraiansr, wundarbera Fall# 7bCl— prima tobt Sealbisam 680,— Seal-Kanin 243,— mit eetalan FaiabasUnen, litis usw. _______ T. rorslhrir) 62,-«8,- 60- nad Früfnngaktcldsr in groffar Auswahl. T. Westmann IL Ueaebiitt Berlin KO, Qrote Frank lurv« Str, 116 Soentars eaAffeat 8—10 t.'hr Rabaltmarkerr der Konaumgenosse nsclialt Berlin und Urngegend_ flnnahmcitclkn für„Kleine Anzeigen" licrlin C. 91. Habnürb, Ackerstr. 174. O. ktarl Melle, Vetersburger Platz 4. R. WengelS, MarkuSItraße 86. ><>. X. d»ßV. K. Fischer, Bastianstraße 6. I. Hönisch. Müllerslr. 34� L. Zucht. Jntmanueirirchstr. 12. «l. Wolgast. Vatlstraße 9. H. Karl Mars, Greisenhagener Str. Ä. H. Bogel, Sortzingilr. 8. Salomon Joseph, Wilhelnishavener Str. 49. G. Schmidt, Bärwaidfir 42. Zt. Friii, Prinzenilr. 31. H. Lehmann, Kottbuser Damm S. Paul Boll m, Lanfitzer Pla, 14/lb.«. Hortch.«ngelujer 15. �«llornliot. Karl SchN'arzloie, Lltmarckstr. 23. Utaunivattuls-n««.,.. H. Hsrnig, Maricntbaler Str. 13, I. lior-nizrrvlkiti«;. Paul kienait. Räuichft:. 10. Cliarl«ttciibiii-£. Gustav Tcharnvcrg, Sesenbcimer Str. 1. I�i'ictli-iclinimigun. Ernit SSertinann» Käpcnicker Str. 18. Grünau. Franz Klein. Fricdrichstr. 10. •loltauulnthal. Max Gonschur, Partitr. 23 SaarlBtiorne. Herniaiiu Billing, Dönhoffstr. 2S. lÄüpeuirK. Emil ZÄihlcr,«etzeritr. 6. Haben. hientenberg 1. Otto Scitel. Wartenbergslr. 1. l-leht«- nders II. A. Rosenkranz, Mt-Loxhagen 56. Xvudttllu. M. L>cinrich, Neckar, tr. 2. E. Rohr. Siegfried. slraße 23/29. Xletler-Ktcdiiueweltle. Wilh. Unruh, Brückeustr. lü. Xeuawen. Karl Krohnberg, Sisenbahnstr. 10. Dder-dtedüuetvvltiv. Alfred Bader, Wilhelminenhosstr. 17, Laden. I»aud«,v. Otto Risimann, Müblenstr. 30. Ilvlulekeullork. P» Gursch, Previnzslr. 56, Laden. �edituedero:. lltliivelut Banmier» Meininger Str. 9 im Laden. Spandau. Schuhmacher, Breite, tr. 64. Steglitz. H.»erntet, Aljenftr. 5. Ycuipolhof. Ioh. Strohn, Borusstastr. 82. Treptow. Stoben Gramenz, Stiejboijstr. 412. Lade» V» eflienvee. Gustav Roffkops, Berliner Allee 11. Wllenerndorf. Paul Schubert, Wild- linZaue27. öüT" iea a�rferarffif tfcmäfföz h. m ü tfi-ü) Ctluu Druck u.Perlag.-PorwärtI»uchdruckerei u, Veriagsanjtali PcnS«sMi& l