Zlr. S39.- 33. Jahrg. kldonnementz-veainzmsn,: SdannementZ» Prcii primmierando Lierteljährl. 8,90 M!, monall. ILO MI. wöchcnllich 80 Pfg, frii inz Hau», Einzelne Nummer 5 Pfg, Eonniag». Nummer mit illustricrler SonmagZ. vcilage.Die Neue Well'>0 Pjg. Posl- «bonnement: ILO Marl uro Monat, Eingetragen In die Poll- Zeitung z. vreiÄisle, Unter Kreuzband ,ür Dcullchland und Oeslerreich. Ungarn 8,50 Mark, für das übrige itusland t Marl vro Monat, vosladonnemenls nehmen an Belgien. Dänemarl. Holland, Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweig. ( 5 Pfennig) Vit InkrtlonS'GebOftr Wräjf für die sechsaefpallene Kolon ei» »eile oder deren Raum 00 Pfg„ für dolilische und gcwertichaftliche Vereins' und Versamnilungs, Anzeigen 80 Pig, »Meine?n:ei?en", das tcllgedruckle Wort 20 Psg,(zuläifig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Siellengesuche und Sckiiaiitellenaii' zeigen das erste Wort 10 Psg,. jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buch- staden zählen für zwei Worte, Inserate für die nächjle Nummer inüjsen bis & Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gebsjnet, vlcheilil täglich. Berliner Volktsblnkk. Delegramm-Adrefse: »Zoziäitlemoiltsl Set»»". Zentrulovgan der rozialdcmokratifcben Partei Dcutfchlands. Neöaktion: EW. 6$, Linüenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplan, Nr. ISI Sv— 151 S7. Donnerstag, de« 31. August 1913. Expeüition: EW. öS, Linöenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morit-platz. Nr. 151 9V— 151 S7. die kommende Wirtschaftsära. Bau Heiurich Cunow. I. Der Weltkrieg hat in dem Zeitraum von zwei Jahren eine Umwälzung unseres gesamten Wirtschaftslebens bewirkt, wie sie zu Beginn des Krieges niemand voraussehen konnte. Sticht nur haben die Kriegssachverständigen es für unmöglich gehalten, daß ein mit dem ganzen Aufgebot der heutigen technischen Zerstörungsmittel durchgeführter Krieg sich zwei Jahre hinziehen könnte; für die weitaus meisten Wirtschafts- thcoretiker galt es auch als eine ausgemachte, ernstlich kaum zu bezweifelnde Sache, daß nach einem ganzen Jahr der Krieg- führung das Wirtschaftsgetriebe der Völker den Anblick eines elenden Trümmerhaufens, eines wüsten Chaos bieten würde, aus dem lodernd die Flammen einer allgemeinen Volksgärung emporschlagen müssen. Nun ist zwar nichts verkehrter, als daraus, daß„noch immer das Geld flott rollt" und einzelne Crwerbskreise, nicht nur Landwirte, Großindustrielle und Kriegslieferanten, sondern auch Teile des Handwerkertums und der Arbeiterschaft, hohe Profite und Löhne einstecken, einfach zu schließen, im allgemeinen befände sich, wenn nur das Gemetzel auf den Schlachtfeldern nicht wäre, die erwerbs- tätige Bevölkerung reckt Wohl bei den heutigen Kriegs- zuständen. Diese kürzlich von Herrn Steinmann-Bucher vor- getragene seltsame Theorie übersieht nicht nur die durch den Krieg herbeigeführte Zerstörung von Volks- und Arbeitskraft, nicht nur, daß, wenn einige Erwerbskreise hohe Gewinne er- zielen, dafür andere um so tiefer herabgedrückt werden, sie täuscht sich auch völlig über den Einfluß des Krieges auf das nationale Gesamtvermögen und die Kapitalskraft. Weil ge- nirgend Geld vorhanden ist, zumeist in der Form von Papier- geld, der Geldverkehr demnach eine beträchtliche Flüssigkeit aufweist und die Bank- und Sparkasseneinlagen trotz aller Kriegsanleihen und Kriegskosten sich mehren, deshalb folgert man kurzweg, der Krieg sei ein volkswirtschaftlich rentables Handwerk, Man übersieht gänzlich, daß die Gewinne der einen aus der anderen Taschen stammen, und daß das sogenannte Nationalvermögen nicht nur in Geld, sondern noch in soundso vielen anderen Dingen besteht— auch in dem Quantum der vorhandenen Lebensmittel, Rohstoffe, Halb- und Ganzfabri- kate, also der vorhandenen Erzeugnisse für die individuelle wie produktionelle Konsumtton(das heißt der von den ein- zelnen für ihren Lebensunterhalt gebrauchten wie auch der zur stetigen Erneuerung des Erzeugungsprozesscs nötigen Gegenstände). Jeder braucht sich aber nur selbst die Frage vorzulegen, ob auch dieser in Warenwerten aller Art bestehende Teil des Nationalvermögens sich vermehrt hat, und er wird sofort mit einem„Nein" antworten müssen. Der heutige Geldüberfluß erklärt sich eben daraus, daß so viele Dinge, die vor dem Kriege in reicher Fülle vorhanden waren, inzwischen „geräumt" worden, d. h. in Geld umgesetzt worden sind. Volkswirtschaftlich ausgedrückt: Teile des Nationalvermögens, die ftüher in der Form von Waren(alsWarenkapital) vorhanden waren, sind heute in dar Form von Geld(a l s Geldkapital) vorhanden. Deswegen aber ist noch keines- Wegs das deutsche Volk in seiner Gesamtheit reicher geworden: genau so, wie z. B. kein Arbeiter dadurch reicher wird, daß er seinen Hausstand zu Geld macht, vielleicht ihn obendrein gar noch zu unvernünftig billigen Preisen losschlägt. Hatte er ftüher vielleicht nur einige hundert Mark Barvermögcn, so hat er setzt vielleicht 1000 oder 2000 M.— aber dafür hat er keine Möbel usw. mehr. Und wenn er seinen Hausstand zu billig verkauft hat und für die Wiederanschaffung gleicher Möbel und Küchengeräte viel mehr aufwenden muß, als er erhalten hat, oder wenn er gar einen Teil des erhaltenen Geldes für seine täglichen Lebensbedürfnisse oder für Tand verausgabt, dann hat er bei der Umwandlung seines Haus- standes in Geld an Vermögen verloren. Das trifft auch auf die kriegführenden Staaten zu. Sie haben alle mehr oder weniger ihre Vorräte an Lebensmitteln, Rohstoffen, Fabrikaten vermindert; sie haben ferner sämtlich einen großen Teil des dafür erlösten Geldes im Kriege ver- pulvert, und sie werden sämtlich nach dem Kriege, wenn es an den wirtswaftlichen Wiederaufbau geht, viele dieser ge- räumten Waren zu weit höheren Preisen wieder anschaffen müssen. Das ist der Hauptgrund für die vielfach nicht bc- griffen?„Geldflüssigkeit", der sich einige andere Nebengründe anreihen, die hier einzeln zu erörtern, nicht dem Zweck dieses Artikels entspricht. Wenn es aber irreführt, nur die Außenseite der Dinge zu bettachten und die gewaltige Zerstörung von Volks- und Kapitalkraft zu leugnen, so ist es nicht viel weniger verkehrt, ausschließlich nur diese Zerstörungen ins Auge zu fassen, die mannigfache Energie und Ansätze zu wirtschaftlichen Neu- bildungen und Weiterentwicklungen, die der Krieg hervor- gebracht hat, aber außer Betracht zu lassen und alten über- lebten Illusionen nachzuhängen— nur weil man sich in langen Lebensjahren in sie hineingelebt und hineingewohnt hatte. Das ist genau so töricht, als ständig alten Erinnc- rungen nachzuhängen, sich zu sagen:„Ach, wenn ich doch da- mals schon gewußt hätte, daß alles so kommen würde!"— und in diesen Erinnerungsbetrachtungen die Gegenwart mit ihren neuen Gestaltungen und Anforderungen zu übersehen. 1 HateinerseitsderKriegmancheKräftebrach- gelegt, s o hat er andererseits auch neue ge- weckt. Das gilt vor allem auf dem weiten Gebiet der Technik. Der Krieg hat die Tättgkeit in den deutschen La- boratorien und Versuchswerkstättcn nicht zum Stillstand ge- bracht, sondern die dringliche Aufgabe, für zurzeit nicht heranzuholende Roh- und Hilfsstoffe Ersatz zu schaffen, vor- handene Hilfsmittel rationeller auszunutzen, die Produktions- Methoden den durch den Krieg gestellten Anforderungen an- zupassen, hat bereits eine lange Reihe der verschiedenarttgsten technischen Erfindungen und Verbesserungen hervorgerufen, vornehmlich in der chemischen Industrie und der Metall- industrie, in der die Anforderungen der Heeresverwaltungen keineswegs, wie zunächst selbst von Fachleuten befürchtet wurde, die Rückkehr zu primitiven Produttionsformen, fon- dorn im ganzen den Fortschritt zur Qualitätsarbeit ge- fördert hat. Die technische Entwicklung.der Schiffsbaukunst, die der Krieg gezeitigt hat und die in der Herstellung des Handels- Unterseebootes v o r e r st einen typischen Ausdruck gefunden hat, ist gewissermaßen nur ein Beispiel dieses Prozesses. Auch auf anderen Produktionsgebieten lassen sich derartige Fort- schritte beobachten, und viele technische Verbesserungen werden zweifellos erst in ihrer ganzen Bedeutung dann hervortreten, wenn ihre bloße Anwendung zur Fabrikation bestimmter Munitionsartikel aufhört und sie mit diesen oder jenen Ver- Änderungen auf die Produktion für den großen Bedarf des Weltmarttes Anwendung finden. Der Krieg hat eben mit der erzwungenen Umschaltung der Produktion zugleich Veränderungen der Produttions- technik bewirtt, die vor dem Krieg kaum jemand für möglich gehalten hat. Ein Teil der für den Heeresbedarf arbeitenden Werke sah sich gezwungen, die Fabrikation ganz neuer Ar- tikel aufzunehmen: optische Fabriken mußten beispielsweise Granaten, Zünder, Patronenhülsen und dergleichen herstellen, und mißlang zunächst auch manches, so wurden doch bald hier, bald dort von den Technikern wie den Arbeitern allerlei neue Verfahrungsweisen und kleine technische Verbesserungen ent- deckt, die in ihrer Zusammenfassung häusig eine völlige Aende- rung der bisherigen Produttionsmethode bewirkten. Ein an- derer Teil der zur Lieferung' für Heer und Marine heran- gezogenen industriellen Unternehmungen blieb zwar iw ganzen innerhalb seiner alten Branche beschäftigt, doch fand sich manches Werk gezwungen, nun das Hauptgewicht auf die Herstellung besonderer Spezialartikel zu legen, die es bisher gar nicht oder nur nebenbei fabriziert hatte. Eine Auto- mobilfabrik, die z. B. bisher vorwiegend Personenkraftwagen gebaut hatte, mußte nun die Anfertigung von Kranken-, Last-, Panzerautomobilen usw. übernehmen, eine Treibriemenfabrik die Herstellung von Pferdegeschirren, Satteltaschen, Leder- gurten usw. Aber auch solche weniger weitreichende Um- schaltung der Produktion war meist nur möglich durch Um- ändcrung der Fabrikationseinrichtungen, Umbau oder Neu- anschaffung von Maschinen, kurzweg durch eine Aenderung des technischen Apparates, und auch hier führte die Anpassung alter Produktionsmethoden an neue Bedingungen vielfach zu neuen technischen Fortschritten. Zudem aber handelte es sich bei den Heereslieferungen vielfach um große Massenauf- träge, zu deren Ausführung eine Beschränkung auf gewisse Spezialartikel nötig war. Das Vielerlei der Fabrikation im gleichen Betriebe hörte auf. Sollte die gegebene Lage zu möglichster Steigerung des Profits ausgenutzt werden, so ließ sich das nur durch den Versuch erreichen, das Verfahren auf die zurzeit höchst erreichbare technische Stufe zu bringen, um so mehr, als die Verteuerung der Rohmaterialien und die Lohnsteigerungen zu intensivster Ausnutzung der Fabri- kationsmittel nötigten. So haben viele Unternehmungen eine Schule technischer Umwälzungen und moderner Massenfabrikation durchgemacht. Sie sind heute zu einem großen Teil fabri- kationstechnisch auf weit größere inten- sivere Massenleistungen zugeschnitten, als vor dem Kriege. Zudem aber spielt jetzt in der chemi- schen wie in der Bergwcrksindustrie die technische Gewinnung und Verwendung mancher sogenannter Nebenprodukte, wie z. B. Kohlentcer, Benzol, Gas, Schwefelsäure, Thomasmehl usw., eine ungleich wichtigere Rolle als früher.— Kriegserklärung üer Türkei an Rumänien. K o n st a n t i n o p cl, 30. August.(W.T.B.) Nach ei»« Meldung der Agcnce Milli hat der Ministerrat gestern die Kriegs- erklärung der Türkei an Rumänien beschlossen. Rumänien und öie übrigen Halkanstaaten. Im Vierverband, besonders in Italien herrscht lauter Jubel über das heiß ersehnte Eingreifen Rumäniens. Welchen Erwartungen man sich hingibt, zeigt ein Bericht des„Berliner Tageblatts" über die letzte Miuislerratssitzung:.. Anderer- seits versprachen die Minister sich von der Umgestaltung der Lage und von dem angeblich zu erwartenden Z u- sammenbruche Bulgariens große Dinge". Die „Frankfurter Zeitung" berichtet aus Berlin, daß über Bul- garicns Haltung amtlich noch nichts verlaute, daß aber die Rumänen bereits Rustschuk beschossen hätten. Vielleicht ist damit der Krieg formlos eröffnet. Eine cigent- liche Kriegserklärung Bulgattens ist noch nicht erfolgt. Die „B. Z." schreibt: „Man wartet mit S p a n n u n g auf die militärischen Er- eignisse an den Grenzen Rumäniens, an denen wohl auch die Kanonen Bulgariens bald zu hören sein werden. Der bulgarische Gesandle Herr N i z o f f hat sich für einen Tag nach Leipzig begeben und kehrt von dort heute abend wieder zurück." Die„Vossische Zeitung" meldet im Abendblatt, daß die bulgarische und türkische Kriegserklärung gleichzeitig erfolgen werde. Das„Berliner Tageblatt" endlich berichtet: „In Sofia fand Dienstag abend ein Ministerrat statt, der sich mit der durch Rumäniens Kriegserklärung geschaffenen Lage be- schäftigte. Der Ministerpräsident Radoslawow war kurz vorder von einer Besprechung mir dein König, der auf seinem Landsitz weilt, nach Sofia zurückgekehrt." Die Vorgänge in Bukarest. Petersburg, 30. August.(SB. T. B.)(Meldung der Peters- burger Telegraphen-Agentur.) Aus Bukarest wird gemeldet: Seit dem Morgen des 27. August wurden mehrere Unter- tanen feindlicher Staaten verhaftet und besondere militärische Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Nach dem bereits um 10 Uhr morgens einberufenen K r o n r a t wurde die Mobil- m a ch u n g veröffentlicht. Um 0 Uhr abends wurde der Krieg gleichzeitig hier und in Wien der österreichisch-ungarischen Regie- rung bekanntgegeben, worauf die rumänischen Truppen die Grenze überschritten. Die Bevölkerung in Bukarest begrüßte die Mobil- machung mit allgemeiner Begeisterung. Ungeheure Menschenmassen veranstalteten mehrmals im Laufe des Tages Kundgebungen vor dem Gebäude der russischen Gesandtschaft. Eine Kundgebung üer österreichischen Rumänen. Wien, 30. August.(W. T. B.) Der Rumänenklub des Abgeordnetenhauses versendet folgende Er- klärung: Die Abgeordneten des rumänischen Volkes der Bukowina können den Anschluß Rumäniens cm Rußland nicht fassen. Nach ihrer Ucberzeugung ist er ein Unglück für den ganzen rumänischen Volksstamni, dessen Bestand durch einen Sieg Rußlands geradezu verneint würde. Unter diesen Umständen beklagen sie aufs tiefste die Kriegserklärung Ru- mäniens und verharren ebenso wie das rumänische Volk der Bukowina, das'seine Liebe' für Kaiser und Reich nrit seinem Blute besiegelt hat, nach wie vor in unverbrüchlicher Treue zu Oesterreich. Einberufung bulgarischer Militärpflichtiger in Deutschland. Berlin, 80. August.(28. T. SD.) Die königlich bulgarische Gesandtschaft gibt bekannt: Die in Deutschland sich aushaltenden jungen bulgarischen Staatsangehörigen, die dem 41.„Nabor" an- gehören, werden aufgefordert, sich unverzüglich nach Bulgarien zu begeben, um bis zum 3. September dort einzutreffen. Die Kämpfe an der stebenbürgischen Grenze. Budapest, 80. August.(T. U.) Nach Informationen des „Neuen Pest er Journals" kann die Karpatenkette dou Dornawatra bis Orsowa, die Siebenbürgen von Rumänien scheidet, nicht als ein rein naiürlicher Schutzwall betrachtet werden. Nicht unmöglich ist es daher, daß der Feind an einzelnen Stellen in Siebenbürgen eindringt und vorüber- gehend Gebiet besetzt. Wie», 30. August.(W. T. B.) In Besprechung der gemeldeten einleitenden Kämpfe auf dem neue» Kriegsschauplatz heben die Blätter unter Hinweis auf die eigentümliche Gestaltung der infolge der Ausbuchtung 600 Kilometer langen ungansch-rumänischen Grenze, deren Endpunkte Torna Watra und Orsova in gerader Verbindung jedoch nur 300 Kilometer von einander entfernt liegen, hervor, daß die an den strategisch wie taktisch günstigen Abschnitten und Punkten angelegten Defensivlinien sich nicht überall mit den politischen Grenzen Siebenbürgens decken. Wo die Bodengestaltung überlegenen Streillrästen des Angreifers ein Umfassen oder Abschneiden vorgeschobener Ab- teilungen ermöglichen könnte, werden letztere bei Wahrnehmung solcher Pläne des Feindes in rückwäns ausgebaute stärkere Stellungen verlegt, eine Maßnahme, die sich auf dem italienischen Kriegsschauplatz aufs glänzendste bewährte und wohl auch im Südosten Rumänien bitterste Enttäuschungen bringen wird. Englische Glückwunschtelegramme. London, 30. August.(W. T. SD.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Lord G r e y hat an den italienischen Minister des Aeußern S onnin o folgendes Telegramm geiandl: Ich bite Euere Exzellenz, meine aufrichtigen Glückwünsche zu dem Schritte, den so- eben die italienische Regierung unternommen hat, entgegennehmen zu wollen; dieser wird der Welt ein neuer Beweis für die feste Entschlosienheit Jialiens sein, in vollster Einigkeit mit den Alliierten den endgültigen Sieg der Freibeil und der Ziviiiiation herbeizniühren. — Premierminister A s q u i t h hat an den rumänischen Minister- Präsidenten Bratianu telegraphiert: Ich beeile niick. Euerer Exzellenz die aufrichtigen Glückwünsche der britischen Regierung zu der Entscheidung der rumänischen Regierung. tälig an die Seite der Alliierien in dem großen Kampfe für Freibeil und Recht zu trete», zu übermitteln. Ich brauche Eurer Exzellenz nicht zu versichern, daß die wahre Freundschaft, die schon so lange zwischen den Völkern unserer beiden Länder besteht, durch das denkwürdige Vorgehen Ihre? Königs und Ihrer Regierung gestärkt und befestigt werden wird. Kunügebung üer ungarischen Rumänen. Budapest, 30. August.(28. T. B.) In einer außerovdentlichen Versammlung des Komitatsausschusses von Szolnot Doboka gab der Präsident der Nationalitätentmrtei des Reichstages, der mmä» nische Reichstagsaügeovdnete W i h a l i nainens der ungar- ländischen Rumänen folgende Erklärung ab: Nachdem Rumänien, anstatt zur Verteidigung unserer gemeinsamen Existenz- interessen an unserer Seite in den Krieg einzutreten, was wir hofften, zu unserer schmerzlichen Ueberraschung als neuer Feind gegen unsere Monarchie auftritt, erklären wir feierlich, daß diese neue Phase des Weltkrieges unser patriotisches Verhalten, unsere bisherige traditionelle Treue und unsere unverbrüchliche Anhäng- lichreit an Thron und Vaterland nicht erschüttert, ja uns noch zu gesteigerter Erfüllung unserer bürgerlichen und patriotischen Pflichten anspornt.— Tie Versammlung nahm die Erklärung mit Vegeifterung zur Kenntnis._ Die türkische ffauptquartiersmelöung. Konstantinopel, 29. August.(33. T. 35.) Das Hauptquartier teilt niit: Slu der K a u k a sus fro n t hat unser rechter Flügel seine Offensive auch gestern erfolgreich fortgesetzt; infolge einer Bewegung gegen die Rückzugslinie eines Teiles der feindlichen Streitmacht wurde dieser in aufgelöster Flucht nach der- schicdenen Richtungen hin zerstreut. Feindliche Soldaten, die auf dem Kampfplatz verblieben, wurden zum Teil gefangen genommen, diejenigen aber, die Widerstand leisteten, getötet. Im Zentrum und auf dem linken Flügel kein wichtiger Vor- gang, außer unbedeutenden Ueberfällen von hüben und drüben, Patrouillengefechten, die für uns günstig verliefen, Feuer- Wechsel und bedeutungslosen örtlichen Gefechten. Von fünf feindlichen Flugzeugen, die in den G e- w.ä ssern von Gasa von einem Flugzeug-Mutterschiff auf- gestiegen waren und Bomben warfen, mußte eins niedergehen und wurde mit seinem Führer eingebracht. Zwei feindliche Flugzeuge, die am selben Tage auch über El Arisch erschienen, wurden durch unser Feuer zur Flucht gezwungen. An den anderen Fronten nichts Erwähnenswerte». Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 30. August.(W.T.B.) Amtlicher Bericht vom 28. A u g u st. Die Truppen des rechten Flügels be- festigen sich, nachdem sie die in der Ebene von Lerin(Florina) befindlichen Serben zurückgeschlagen haben, in ihren neuen Stellungen nördlich und westlich des Ostrovosecs. Wiederholte serbische Angriffe in der Moglenagegend wurden unter bc- trächtlichen Verlusten zurückgeschlagen, die die Serben zum Verzicht auf eine Wiederholung ihrer Unternehmungen zwan- gen. Unsere Truppen rückten vor und eroberten die Höhen südlich von Sborsko. Im Wardarteile auf beiden Seiten schwaches Artillericfeuer und Patrouillengefechte. Die Truppen des linken Flügels befestigten sich, nachdem sie alle französisch- englischen Streitkräfte in der Gegend von Serres, Drama und Kawalla hinter die Struma und den Tahinosee geworfen haben, in ihren neuen Stellungen östlich der Struma und an der ägäischen Küste vom Golf von Orfano bis zur Mesta- mündung. ßranzö'listhe Verlufte öer Saloniki-Truppen. Bern, 30. August.(W. T. B.).Depeche de Toulouse' meldet von der Saloniki-Armee, dgsi bis fetzt mit drei Hospitalschiffen 12.009 französische Soldaten krank- oder verwundet in. die Heimat zurückgebracht tvorden fmd.. 7--,-~r. Eftaü Pascha in Saloniki. Saloniki, 30. August.(W. T. 83.) Meldung der Agen« HavaS. E s s a d ist mit a l l e n seinen Truppen in S a l o n i k i an- gekommen. Die italienische Besetzung albanischer Küftenpunkte. Bern, 30. August.(W. T. 83.) Nach einer Meldung des „ S e c o l o' aus Athen überreichte der italienische Gesandte dem SWiinsterpräsideirten Z aimis eine Note, in der die Besetzung albanischer Küstenpunkte zwischen Porto Palermo und Chimara damit begründet wird, daß die Küste den österreichisch-ungarischen Unterseebooten zu Signalstalionszivecken gedient habe. Die feinülichen Heeresberichte. Der französische Tagesbericht. Vom 2 0. A u g u st nachmittags.(W. T. B.) Auf dem rechten Ufer der MoaS brachte gegen Ende des TageS eine südöstlich vom Werke Thiaumont lebhaft ausgeführte französische Unter- nehmung nennenswerten Geländegewinn ein. Die Franzosen machten eine Anzahl Gefangene. Die Deutschen mähten gegen 9 Uhr abends zwei Angriffe gegen daS Dorf Fleury und die französischen Stellungen an der Straße nach Vaux. Sie erzielten kein Ergebnis und erlitten hohe Verluste. An der übrigen Front zeitweiliges Ar- lilleriefcuer. Vom 2 9. August abends.(W. T. B.) Kein wichtiges Ereignis während des Tages; das schlechte Wetter hat die Ope- rationcn auf dem größten Teil der Front behindert. Belgischer Bericht. Gegenseitige Beschießung von mittlerer Stärke an verschiedenen Punkten der Front. Nördlich von Dixmuiden au den Usern der User hat sich am Abend ein heftiger Bombenkamps abgespielt; die Artillerie auf beiden Seiten ist in diesem Abschnitt sehr tätig gewesen. O r'i e n t b e r i ch t. Von der Struma seit gestern nichts zu melden. Lebhafte Artillerietätigkeit in der Gegend am Dojran-See und an den Wordar-Ufcrn; wir haben dort einen feindlichen Flug- zeugpark westlich von Dostan zerstört. Unser Vordringen in der Richtung Ljumnica gegen Vetrenik dauert fort; lebhaste bulgarische Angriffe gegen die Höhe 1ö0g, nordwestlich vom Ostrowo-See, sind zunickgetviesen; weiter südlich blieben Gefangene, darunter mehrere Offiziere, in den Händen unserer Alliierten. Die bulgarischen Berichte fahren fort, von angeblichen Erfolgen auf beiden Flügeln, einerseits am Meere, andererseits südlich von Koritza(südwestlich von Florina) zu sprechen; tatsächlich haben die Bulgaren von Beginn ihrer Operationen an einen nicht verteidigten Teil griechischen Gebietes besetzt gehalten, während westlich vom Ostrowo-See der linke Flügel der Serben alle Angriffe des Feindes aufhielt und ihm schwere Verluste beibrachte. Die englische Meldung. V o m 29. A u g u st.(W. T. B.) Das Wetter ist noch ziemlich ungünstig. Die Operationen während der letzten 24 Stunden waren auf kleinere Unleriiebmungen und örtliche Bombenangriffe beschränkt. Zwischen dem Delville- und dem Foureaux-Walde nahmen wir eine feindliche Verschanzung. Bei dieser Unternehmung wurden einige Gefangene gemacht.� Unsere Artillerie beschoß ausgewählte Teile der feindlicben Linie zwischen Neuve-Chapelle und dem Grcnier- Walde südlich von Armentiöres. Zweiter englischer Heeresbericht vom 29. August. IW. T. B.) Erhebliche Tätigkeit der feindlichen Artillerie an ver- jchiedenen Teilen der Front. wllwm Oes Men öWWlkiels. Amtlich. GroßeSHauptquarti er, 30. August 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Im Sommegebiet kamen unter beiderseits andanerud bedeutendem artilleristischen Einsatz feindliche Untcrneh- mnngeu am Tage in unserem wirkungsvollen Sperrfeuer nicht zur Entwicklung. Abends»nd nachts erfolgten starke Angriffe aus der Linie Ovillers— Poziöres und zwischen Guillemont und Maurepas, während anschließend bis zur Somme und über diese hinaus bis in die Gegend von Chilly der sturmbereite Gegner auch nachts in seinen Gräben niedergehalten wurde. Unsere Stellungen siud restlos behanptct. Nördlich von Ovillers— PoziöreS haben unsere tapferen Truppen in schwerem Nahkampf die au einzelnen Punkte« eiugedruugcneu englischen Abteilungen wieder geworfen. Rechts der MaaS sind erneute dnrch heftiges Fener vorbereitete ftanzösische Angriffe bei Fleury und gegen unsere Stellungen zwischen dem Dorf und dem Chapitre- Wald abermals zusammengebrochen; südöstlich von Flenry wurde der Feind durch Gegenstoß zurückgeschlagen. Nördlich deS Ancre-BacheS und westlich von Mül- Hausen wurde je ein feindliches Flugzeug im Luftkampf außer Gefecht gesetzt, zwei Flugzeuge siud durch Abwehr- feuer nördlich der Somme heruntergeholt, ein weiteres mußte bei Soyecourt innerhalb unserer Liuieu landen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Nördlich der Karpatheu keine Ereignisse von besonderer Bedeutung. Deutsche Truppe« habe« de« Berg Kukuk(nordwestlich vou Zabie) gestürmt. Balkan-KriegSschauplatz. Die Lage ist im allgemeiueu unveräudert. Ober st e Heeresleitung. G* Set ilslmeUW SeneriilWsderM. Wien, 30. August.(W. T. B.) Amtlich wird ver- lautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Auf den Höhen nordöstlich von Orsova schlugen unsere Truppe« wiederholte rumänische Angriffe ab. Sonst wurden die an die Grenze vorgeschobenen Kraftgruppcn schrittweise und plan- mäßig, wie eS für den Kriegsfall seit langem vorgesehen war, zurückgenommen. Der Feind wird sich rühmen, Petroseny, Brasso »nd Kezdivasarhcly besetzt zu haben. Die nördlichsten rumänischen Kolonnen stehe» im Gyergyogcbirge im Kampf. In den galizischcn Waldkarpathe» haben deutsche Truppe» den Russe» die in den letzten Wochen heiß umstrittrne Höhe Kukuk wieder entrissen. Am übrigen außer Borfeldkämpfeu au der ruffifcheu Front keine besondere» Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Nicht? von Belang. Südöstlicher Kriegsschauplatz. i Unsere Donauflottille zerstörte bei Turnu Magurcle an der unteren Donau rumänische Schleppschiffe, Hafenmagazine«nd militärische Anlagen. Sir erbeutete bei Zimuica zwei volle Schlepper, ei» Stegschiff und zwei Motorboote. A» der unteren Bojusa erhöhte Patrouillentätigkelt. Der Stellvertreter deS Chefs des GeneralstabeS: vo« Hoefer. Feldmarfchalleutnant. vom U-öoot-Kneg. Bern, SO. August.(T. 11.).Temp" meldet aus Perpignan: Das ualienische Schiff„Manille* mit 27 Mann Besatzung wurde am Sonnabend von einem Tauchboot angegriffen und durch ein Torpedo getroffen, das ihm ein großes Leck schlug, durch das Waffer eindrang. Das Schifi sank nicht, da es nur leere Fäffen an Bord hatte. Ein Matrose wurde getötet. EnglischeDunkerkohle zurDannware erklärt? Kopenhagen, 29. August.(W. T. B.)»Berlingske Tidende' gibt ein von„A f t e n p o st e n'(Kristania) erwähntes Gerücht wieder, Deutschland beabsichtige, englische Bunkerkohle auf neutralen Schiffen zur Bannware zu er- klären, und bemerkt dazu unter anderem: Wenn das sich be- stätigte, würde sich eine außerordentlich ernste Lage er« geben, denn dies würde die einschneidendste aller Maß- regeln der Kriegführenden gegen die neutrale Schiffahrt sein, da sie in Wirklichkeit gleichbedeutend wäre mit d e m B e r b o t a I l e r n e u t r a l e n S ch i f f a h r t. .Berlingske Tidende' hält das Gerücht für unglaubwürdig; jeden« falls werde es nicht so buchstäblich aufgefaßt werden dürfen, wie .Aflenposten' es tue. Anmerkung des W. T. B.: Nach den von unS ein- gezogenen Erkundigungen ist diese Nachricht nicht zu- treffend. Eine entsprechende Maßnahme ist nicht von Deutschland, wohl aber, wie bekannt, seinerzeit vou England getroffen worden. Deschlagnahme üer üeutschen Schiffe in Italien. Beru, 30. August.(W. T. B.) Nach der„Agenzia Nazio- nale" beabsichttgt das italienische Marineministerium, alle deutschen Schiffe, darunter V i e r g r o tz e Ei n- Helten, zu beschlagnahmen. Ein amerikanisches Linienschiff gescheitert. San Domingo, 30. August.(W. T. B.) Meldung der Agence Havas. Das amerikanische Linienschiff„Memphis' ist durch einen Sturm gegen die Küste ge- warfen worden. Es werden die größten Anstren- gungen gemacht, um die 1060 Mann starke Be- satzung zu retten. New Aork, 30. August.(W. T. B.) Meldung deS Reuterfchen Bureaus. Nach einem Telegramm aus San Domingo wurde von dem gestern durch eine Flutwelle auf die Felsen im äußersten Hafen geschleuderten amerikanischen Kreuzer.Memphis' (früher„Tennessee") wahrscheinlich die ganze Besatzung gerettet mit Ausnahme vom 2 0 Mann, die in einer Barkasse nach dem Schiff zurückkehrten und ertranken Die englische Armee hat seit dem 1. Juli im ganzen 266 deutsche Offiziere und 15 203 Mann gefangen genommen und 86 Geschütze und 160 Maschinengewehre, sowie anderes Kriegsmaterial erbeutet. Der russische Kriegsbericht. Vom 29. A» g u st nachmittags.(W. T. B.) W e st f r o n t. Am Stochod griff der Feind unsere Stellungen auf dem westlichen Flutzufer in der Gegend von Tobol und Helenin— Zhrow(18 Kilo- meter nordöstlich Stobychwa) an. wurde aber zurückgeworfen; während des Tages verfeuerte der Gegner in dieser Gegend über 2000 Gesckiosse mit Stickgasen. Südöstlich von Smolarh hat der Feind unsere auf den Inseln lagernden Abteilungen angegriffen, aber ver- geblich. K a u k a su S fr o n t. An der Front von Kighi-Kasaba bis zum westlichen Ufer des Wan-SeeS haben unsere Truppen den Gegner überall auS seiner Stellung geworfen, und sind bei Oghnut vor- gedrungen und haben dort 283 Mann gefangen genommen. Ein türkischer Angriff westlich von Oghnut ist mit starken Verlusten für den Feind abgeschlagen worden; besonders vor einer unserer Ba- taillonsfronten haben wir 400 Tote gefunden. Im Westen der Umgegend von Müsch am Euphratufer haben wir bei der Verfolgung deS Feindes einige Dutzend Gefangene gemacht. Südlich vom See Nimrud-Gol<51 Kilometer südöstlich von Müsch) haben wir stindliche Angriffe abgewiesen und 5 Offiziere und 186 Soldaten gefangen gc- nommen. Vom 29. A u g u st abends.(W. T. B.) Die Lage an der Westfront und im Kaukasus ist unverändert. Meldung der italienischen Heeresleitung. Vom 29. August.(W. T. B.) An der ganzen Trentiner Front trugen unsere Truppen trotz der beständigen Witterungs- unbilden von neuem einige glänzende Erfolge davon. Bei einem Zusammenstoß auf den nordöstlichen Abhängen des Monte Majo (Posinatal) schlugen unsere Trugpen den Gegner zurück, fügten ihm Verluste zu und machten etwa 20 Gefangene, darunter einen Offizier. Auf dem Monte Cimone zwangen wirksame Schüsse unserer Bomben- Werfer den Feind, sich auf einen Teil seiner eigenen Front nördlich vom Kamme zurückzuziehen. In der Gegend des Fassa-Tales (Avisio) eroberten Alpini nach erbittertem Kampfe den Gipfel des Cauriol, der sich über abschüssigen Felsen 2495 Meter hoch erhebt. Die Stellung wurde sofort verstärkt und befindet sich fest in unserem Besitz. Wir haben dem Feinde etwa 30 Gefangene abgenommen, darunter einen Offizier. Tätigkeit der feindlichen Artillerie gegen unsere Stellungen am Sief(Hochcordevole), von Castelletto(Tosana), in den Hochtälern des Buk und der Fella. Am � unteren Jsonzo wurden Vorstädte von Görz und Gradisca in Zwischenräumen be- schössen. Ein feindlicher Flieger warf Bomben und Pfeile in das Becken von Cortina d'Ampezzo; weder Menschenopfer noch Sach- schaden. Längs der ganzen Front brachten gestern unsere Truppen in den Gräben der vordersten Linien Hochrufe auf die Soldaten Rumäniens aus. Der Feind erwiderte mit wütenden Schüssen seiner Artillerie, der Bombenwerfer und Maschinengewehre, die das rasche Eingreisen unserer Batterien zum Schweigen brachte. C a d o r n a. Narcel Eachin über üie �aager Konferenz. Die von den neutralen Sozialisten veranstaltete Konferenz im Haag hat weder in der Presse der Parteimajorität in Deutschland noch in der Frankreichs Anerkennung und Lob gefunden. Die einen behaupten, Zusammensetzung und Beschlüsse seien deutschfeindlich ge- Wesen, während die ftanzösische Presse sich umgekehrt über die Deutschfreundlichkeit beklagt. Marcel Eachin sagt in der.Humanita*, daß das Resultat gar nicht ander» sein konnte. Es sei eine vcr- hältniSmäßig kleine Zahl von Delegietlen dort gewesen, von denen ein Teil nach Teutschland, der andere nach Frankreich neigte. Die Schlußresolution mußte einstimmig angenommen werden; so versuchte man, jedem gerecht zu werden, mit dem Ergebnis, daß man keinen befriedigte. Die Schuld an der Resultatlosigkeit der Konferenz schreibt M. Eachin dem Umstände zu, daß nicht zuerst die Verantwortlich- keilen für den Krieg untersucht worden seien.»E« war nötig, nicht über die Kalamitäten zu klagen, die der Krieg mit sich bringt, und die nur zu wirtlich und zu grausam sind, sondern die Ereignisse von Juli— August 1914 wieder zu betrachten, die künftig der Ge- schichte hinzuzufügenden Tatsachen zu präzisieren, und nachdem man vor den Augen der Schuldigen die Größe ihrer Verbrechen auf«' gezeigt hatte, ihre Züchtigung herbeizuführen. Da» war sozialistische Pflicht, internationale Pflicht. Denn schließlich, wenn die Internationale, deren Fortschritte in dem Proletariat der ganzen Welt so viele Hoffnungen erweckten, heute so zu Boden geschlagen und verwundet ist, wessen Fehler ist eS, wenn nicht derjenigen, die die Feuersbrunst angezündet haben?' Marcel Cachin vergißt nur, daß zur Führung der Untersuchung auch den Angeklagten die Möglichkeit gegeben sein muß, sich zu ver- teidigen und ihrerseits Gegenklage zu erheben. Gerade daS haben aber die französischen Sozialisten verhindert, indem sie sich einer Zusammenberusung des ganzen Internationalen Sozialistischen Bureaus widersetzten. Die Neutralen allein können nur versuchen, zu vermitteln. Bei der Untersuchung der Schuld dagegen müssen auch die Sozialisten der kriegführenden Länder zugegen sein, und dem von dieser Boll- sitzung gefüllten Urteil werden sich dann alle zu fügen haben.(t Neue franzöftfthe Anleihe. London, 29. August.(W. T. 83.).Times' meldet, daß die neue französische Anleihe etwa in 14 Tagen ausgegeben werden soll, und daß ein Teil davon in London aufgelegt werden wird. Wilson und üer Eifenbahnerftreit. Washington, 30. August.(28. T. 23.)(Meldung des Reuterfchen Bureaus.) Präsident Wilson hielt in der gemeinsamen Sitzung des Kongresses eine Rede, in der er Vor- schlage zur Verhinderung des Eis enbahnerstreiks machte, darunter die Einführung des Achtstundentages und die Er- nennung einer Kommission, welche die Wirkungen des Achtstunden- tages und den Betrieb der Eisenbahnen durch den Staat im Falle eines Streiks prüfen soll. Wilson sagte, daß ein allgemeiner Eisen- bahnerstreik für das Land ein furchtbares Unglück wäre. Er er- klärte, daß die Führer der Eisenbahner-Gewerkschasten seine Vor- schlage angenommen hätten, daß aber die Vertreter der Eisen- bahndirektionen dagegen gewesen seien, und zwar in einem Augen- blick, in dem feststand, daß der Achtstundentag schließlich unter dem Druck der Arbeiterorganisationen und der öffentlichen Meinung doch werde angenommen werden müssen. Die Direktionen hätten ihre Weigerung damit begründet,� daß an dem Grundsatz der Schiedsgerichtsbarkeit unbedingt festgehalten werden müsse, oowobl augenblicklich noch keine Möglichkeit bestände, ein Schiedsgericht ins Leben zu rufen. Der Präsident verlangt 1. die Vermehrrmg der Mitgliederzahl der Interstate Commerce Commission und Erweiterung der Kompetenz dieser Körperschaft, 2. die Einführung des Achtstundentages für das ganze Personal, 3. eine Untersuckuing einer besonderen Kommission über die Folgen, die der Achtswnden- lag für den Betrieb haben würde, 4. die Ermächtigung der Interstate Commerce Commission, die Kosten, die die Einführung des Acht- stundentages mit sich bringea würde, bei der Festsetzung der netten Frachttarifs zu berücksichtigen, 6. eine ergänzende Gesetzgebung, durch die Streiks oder Aussperrungen verhindert würden, solange die Schiedsgerichtsbarkeit bei industriellen Konflikten noch nscht endgültig fchtgelegt sei, 6. Ermächtigung des Präsidenten, im Falle militärischer Notwendigkeit den Betrieb der Eisenbahnen seugt zu übernehmen. Aus verschiedenen Orten des Westens wird gemeldet, daß sich der nahende Streik beim Gütertransport fühlbar mache. politische Uebersicht. Tie Parteiführer beim Reichskanzler. Die Führer der Reichstagsfraktionen waren, wie das „Verl. Tageblatt" hört, am Montag, dem Tage der Kriegserklärung an Rumänien, zu einer Besprechung beim Reichskanzler geladen. Da aber nicht alle in Frage kommen- den Abgeordneten in der Eile erreicht werden konnten, wird der Reichskanzler wahrscheinlich heute oder morgen noch mit diesen Herren konferieren._ Tie Nationalliberalen als Interpreten. Der.Nationalliberalen Korrespondenz" wird geschrieben: »Am 13. August sprach der Abg. Scheidemann vor 15000 Zu- Hörern in Dresden. Nach dem Bericht äuherte er:.Deutschland hat keine Eroberungspläne aufgestellt, das hat Bethmann glatt ab- gelehnt." Damit könnte für den Richtwisienden der Eindruck erweck! werden, datz Herr Scheidemann und der Reichskanzler einig sind in der Frage des Kriegszieles und sich gegen jede Annexion gemeinsam ablehnend verhallen. Dem ist aber nicht so. Der Reichskanzler sprach am ö. April ISIS sich dahin auS, dag Deulschland freiwillig die von ihm und seinen Bundesgenossen bc- freilen Völker zwischen der Baltischen See und den Wolhynischen Sümpfen dem Regiment deZ reaktionären Ruhland nicht ausliefern wird, und weiter, daß wir die im Westen besetzten Länder, auf denen das Blut unseres Volkes geflossen ist, ohne völlige Sicherung für unsere Zukunft nicht preisgeben werden, dah es keinen Statu» guo-mt« gibt und dah wir den lange niedergehaltenen flämischen Bolksstamm nicht wieder der Vcrwelschung preisgeben. Das heiht nichts anderes, als dah wir unS die militärische, politisch« und wirt- schaftliche Macht über Belgien sichern müsien. Gegen diese Ausführungen hat sich der Führer der sozialdemo- kralischen Arbeitsgemeinschaft Haase in der Sitzung vom S. April, wie er sagte.in aller Schärfe" gewandt. Herr Scheidemann bat demnach Unrecht und widerspricht den Tatsachen, wenn er den Reichskanzler für seine Anschauungen, die jeder Annexion entgegenstehen, in Anspruch nimmt." Nationalliberale Unstimmigkeiten. Die.Kölnische Ztg.", eine» der führenden Organe der national- liberalen Partei, das allerdings die Basiermannkche Kriegspolitik nicht in allen Punkten mitmacht, wendet sich in recht scharfer Weise gegen die begeisterte Zustimmungserklärung, mit der die.National- liberale Korrespondenz" den Ausruf des Schäferschen AuS- schusies begrübt: .Die.Nationalliberale Korrespondenz"— schreibt sie— legt sich für das Programm dieieS alldeutschen AuSschusicS mit einer E i n s e i t i g k e i t in die Riemen, die unS bei dem amtlichen Organ einer Partei, in der gerade in bezug auf die Kriegsziele weit voneinander abweichende An« sichten vertreten sind, sehr wenig angebracht erscheint, um so weniger, alS die.Korrespondenz" selbst hervorhebt, dah diese Forderungen etwa auf derselben Linie marschierten, die der Reichslanzler am S. April gezogen habe, und dah eine Eini- g un g d e r G e iste r, wie sie dem Deutschen NationalauSschuh vorgeschwebt habe, sich setzt anbahne. Unsere s e h n l i ch st e Hoffnung ist, dah diese Voraussage sich verwirklichen möge, oah nun endlich dieser leidige Wettbewerb der ver- schiedenen Ausschüsse um Dinge, die wir doch alle wollen, ein- gestellt werde." Diese Acuherungen der.Köln. Ztg." decken einen Zwiespalt im nationalliberalen Lager auf, der nicht unbeachtet gelassen werden darf. Alldeutsches Kulturuiveau. Die»Alldeutschen Blätter" veröffentlichen in ihrer letzten Nummer eine Zuschrift aus Hochschulkreisen, die anläßlich einer Kritik des Deutschen Nationalausschusscs die nicht un- interessante Tatsache mitteilt, den Rednern des Nationalaus- schusses seien ein paar Tage vor dem l. August, an dem be- kanntlich die Versammlungen in einer Anzahl deutscher Städte stattfanden,„Richtlinien" ftir ihre Reden zugestellt morden. Diese Richtlinien enthielten zunächst die An- Weisung, gegen die„extremen" Parteien zu sprechen, dann aber wurden die Redner auch aufgefordert, gewissen Ausstreuungen entgegenzutreten. z.B. der, daß die deutschen Fürstcnkapitalien in England die Kriegführung beeinflußten. „Gerade diese Anweisung— heiht es in der genannten Zu- schrift— hätte der NationalauSschuh sich schenken können. Die- jenigen, welche für eine energischere Stellung gegenüber England eintreten, denken sich al» Ursache der Zögerung wahrlich nicht solche Tinge. Es sieht fast danach aus, als ob der Nationalausschuh durch den Hinweis auf die von ihm betriebene Abwehr jener Aus- streuung sich an gewissen Stellen in empfehlend« Erinne- rung bringen wollte. Diejenigen, welche für eine energischere Stellung gegenüber England eintreten, gehören wahrlich nicht zu denjenigen, welche gesonnen sind, die deutschen Monarchen zu verdächtigen." Wir würden diese im Namen der Alldeutschen abgegebene kategorische Ablehnung der Verdächtigung als eines politischen Kampfmittels mindestens als einen Fortschritt der politischen Sitten der rechtsstehenden Presse begrüßen, wenn hier nicht bloß Verdächtigungen in g a n z b e st i m m t e r R i ch t u n g ins Auge gesaßt wären. Das Gefühl der Alldeutschen sträubt sich nur dagegen,„die deutschcn Monarchen zu ver- dachtigcn"(wobei ununtersucht bleiben soll, inwieweit hier nicht auch auf die Geneigtheit„gewisser Stellen" spekuliert ivird), im übrigen jedoch behalten sie das Mittel der Ver- dächtigung nach wie vor als Waffe im Kampf gegen die poli- tischen Gegner bei. Einen schlagenden Beweis dafür liefert eine Notiz der»Unabhängigen Natinalkorrespondenz". die jetzt(nachher„Deutschen Tageszeitung") die Runde durch i te alldeutsch orientierte Presse macht. In dieser Notiz wird aus dem„Volkserziehcr" folgende Frage des Herausgebers au die„Herren um Liebknecht und Haase" ge- richtet: .Vor etwa 1'/, Jahren hat mir jemand, der eS wissen kann, erzählt, dah.die Partei"— oder.die Gewerkschaft"— ihr Millionenkapital von der Deutschen Bank ab- gehoben und bei der Bank von London nieder- gelegt habe, weil die Deutsche Bank sich geweigert habe, einen von ihr wegen seiner parteipolitischen Umtriebe entlassenen sozial- demokratischen Beamten wieder einzustellen. Dieser Nibelungen- schay sei gleich beim Kriegsbeginn von den Engländern, beschlagnahmt worden; und seitdem befinde fich die l Partei samt dem.Vorwärts" ständig in arger Geldverlegenheit. Frage: Wenn das wahr ist— hängt das immer wiederholte Friedensgewinsel der Lieb- k n echt und Bern st ein und ihr Getobe gegen die.olldeulschen Kriegshetzer" irgendwie mit dieser Geldgeschichre zusammen? Es ist jedenfalls merkwürdig, dah nur die deutschen Parteigenossen der„PorwärtS"-Gruppe den Frieden um jeden Preis verlangen, während ihre.Brüder" in Frankreich, Italien, Ruhland und Eng- land den Krieg bis zur volligen Vernichtung.Prcuhens", d. i. Deutschlands, fordern. Etwas stimmt da nicht...." Hierzu bemerkt die„Unabh. Nationalkorrespondenz": „Eine Beantwortung dieser Frage hat der.Vorwärts" bezw. die GewcrlichaftSpresse u. W. bisher vermieden, obgleich doch schon die Arbeiterschaft einen unbedingten Anspruch auf Aufklärung darüber hat, was mit ihrem mühsam gesammelten Geld« geworden ist." Entbehrt es schon nicht einer gewissen Komik, daß aus- gerechnet das Organ des Herrn Dr. Fritz Stephan Neumann sich zum Anwalt der„mühsam gesammelten" Arbcitergroschen macht, so wirkt es direkt überwältigend, wenn das„Friedens- gewinscl der Liebknecht und Bernstein" und die Haltung der „Vorwärts-Gruppe" allen Ernstes mit dem Märchen von den engliichen Millionendepots der„Partei" oder der„GeWerk- schaft" in Verbindung gebracht wird. Läge diesem Angriff nur Dummheit und Unwissenheit zugrunde, so könnte man die Leistung des„Volkserziehers" lediglich als amüsanten Beitrag zur Kennzeichnung des geistigen Niveaus unserer politischen Gegner betrachten. Sie enthält aber mehr. Sie sucht die politische Haltung der Parteiminderheit durch bös- »villige Schmähungen zu verdächtigen und liefert dadurch einen erneuten Beiveis dafür, auf welchem Niveau die Kreise stehen, die noch soeben, in monarchischer Demut ersterbend, entrüstet erklärten, sie dächten nicht daran, das Gerücht von den deutschen Fürstenkapitalien in England für ihre politische Agi- tation auszunutzen. O Das sozialdemokratische Pressebureau teilt hierzu noch mit:.Die.Deutsche Tageszeitung" übernimmt in ihrer Nummer vom 2g. August ISIS auS dem von Wilhelm Schwaner herausgegebenen.Volkserzieher"(Nr. 14) die Mitteilung. dah die Sozialdemokratische Partei— oder die.Gewerkschaft'— ihr Millionenkapital vor dem Kriege von der Deutschen Bank ab- gehoben und bei der Bank von London niedergelegt habe. Bei Kriegsbeginn sei dann dieser.Nibelungenschatz' von den Engländern beschlagnahmt worden. Die Nachricht ist von A bis Z falsch. Die Partei und auch die. Gewerk schaft" haben niemals Geld auf der Bank von London deponiert gehabt. Damit erledigen sich auch alle weiteren von der reaktionären Presse an diese Nachricht geknüpften Kombinationen." Ter Postvcrkchr zwischen Teutschland und Rumänien ist gänzlich eingestellt und findet auf dem Wege über andere Länder nicht mehr statt. Es werden daher keinerlei Postsendungen nach Rumänien mehr angenommen, bereits vorliegende oder durch die Briefkasten zur Einlieferung gelangende Sendungen werden dem Absender zurückgegeben. Der private Telegraphenverkehr nach Rumänien ist ebenfalls eingestellt. Der Staaissekretär de? ReichZ-PostamtS. I. B,: K o b e l t. das tägliche örot. Kein Brotgetreide für die Schnapsbrenner. Berlin, 30. August.(W. T. B.) Wie wir von dem Vorsitzenden der Reichsgetreide stelle hören, ist in dem Wirtschaftsjahr 1916/17 nicht beabsichtigt, K o r n b r e n n e r e i e n mit Brotgetreide zu be- liefern.__ Schnapsbrenncrwut. Tie„Deutsche Tageszeitung" begleitet die Nachricht, daß es nicht beabsichtigt sei, die Kornbrennereien im kommenden Wirtschaftsjahr mit Brotgetreide zu beliefern, mit folgendem wuterfüllten Kommentar: „Unsere Ansicht zu einer solchen Maßnahme haben wir in der letzten Zeit gegenüber Artikeln des„Vorwärts" darge- legt. Bei einer, wie man unS sagt(I), sehr guten Brotgetreideernte haben w-ir also nicht einmal soviel Roggen übrig, um den kleineren Getreidebrennereien wenigstens die Fortsetzung ihres Betviebes zu sichern.(!) Es kommt heute wohl auf die etwa 7000 kloinen landwirtschaftlichen Kornbrennereien und die 700 kleinen gewerblichen Getreidebrennereien nicht an, da ja solche Zwerg- betriebe, namentlich nach Ansicht des„Vorwärts", überhaupt höchst überflüssig sind.(?) Von dieser Maßnahme aber, das möchten wir ganz besonders betonen, wird nicht etwa Nord- deutschland, sondern in der Hauptsache Süddeutschland betroffen. Die kleinen landwirtschaftlichen Getroidebrennercien, sogenannte Hausbrennereien, befinden sich hauptsächlich in Bayern, Württemberg und Baden, in Norddeutschland finden sich solche hauptsächlich in Westfalen, Rheinland und Hannover. Da- von lverden also am stärksten die kleinen landwirtschaftlichen Betriebe, für die diese Nebeneinnahmen wohl nicht ganz un- wichtig sind, betroffen. Dem„Vorwärts" kommt es aber, wie wir wohl annehmen dürfen, hauptsächlich doch darauf an, die so- genannten— wie man heute so schön sagt—„Großagra- r i e r" zu treffen, die Ostelbier, die bekanntlich den meisten Spi- ritus erzengen, der heute übrigens in erster Linie zu Heeres- zwecken gebraucht wird, nicht aber zu Trinkzwecken, wie der „Vorwärts" und die Abstinenzen es hinzustellen belieben. Der „Vorwärts" hat seine Forderung durchgedrückt. Er wird wenig Dank dafür ernten. Denn wir fürchten, dah es in den Bezirken, wo die Getreidebrennereien sich befinden, zwar keinen Mangel an Schnaps geben wird, aber vielleicht einen um so größeren an— M i l ch." Dieser Erguß des Bündlerblattes ist ein Musterbeispiel dafür, wie unsere Agrarier sich aller jener Rücksichten, die sie sonst den Linksparteien predigen, entäußern, wenn ihre Wirt- schaftspolitischen Forderungen nicht uneingeschränkt befrie- digt werden. Hervorgehoben verdient schließlich noch die Drohung, die in den Worten über den„vielleicht" zu er- wartenden M i l ch m a n g e l angedeutet ist. Zwetschenhöchstpreise. Vom Kriegsernährungsamt wird geschrieben: Die schiveren und berechtigten Klagen über Preistreibereien auf dem Obstmarkt nehmen ihren Fortgang. Besonders auf dem Zwelschen- markte hat sich in neuer Zeit eine sehr starte Preistreiberei, vor allem durch Händler, bemerkbar gemacht, obwohl nach den Aus- sichten der Zwetschenernte kein Anlaß zu einer sehr hohen Preis- gestaltung vorliegt. Durch die Preistreibereien leidet die Versor- gung der Bevölkerung mit Zwetschen Gefahr, zugleich wird der Erwerb ausreichender Mengen von preiswerten Rohstoffen für die Marmeladenindustrie und in der Folge die Sicherstellung billiger Marmeladen für das Heer und Volk, deren Bedarf an Streich- Mitteln groh ist, in Frage gestellt. Daher hat der Präsident des KttegScrnährungSamts sich trotz der allgemein In bezug auf Höchst- prelsfestsetzung für Frischobst bestehen/den Bedenken entschlossen, einen Höchstpreis für Hauszwetschen oder Bauernpflaumen aller Art aus der Ernte 1916 beim Berkauf gepflückter reifer Marktware durch den Erzeuger auf 10 M. für 50 Kilogramm festzusetzen. Danach müssen Zwetschen, die nicht vom Erzeuger, sondern vom Käufer geerntet werden sollen, ebenso wie das für die Obst ver- arbeitende Industrie erforderliche halbreife Obst erheblich billiger verkauft werden. Die für den Pfloumeneinkauf der Industrie zu- ständige Kriegsgesellschaft für Obsttonserven und Marmeladen hat eine entsprechende Anweisung bekommen; dah die Industrie nicht zuviel Zwetschen für sich aufkauft, dafür sorgt der vom Präsidenten des Kriegsernährungsamts ernannte Bevollmächtigte. Damit sie auch bei etoaiger Zurückhaltung der Zwetschen solche erwerben kann, ist ein Enteignungsrecht vorgesehen. Höchstpreise für den Kleinverkauf(Absatz in Mengen bis zu 20 Pfund) sind in der Verordnung auch vorgesehen, und zwar mit 25 Ps. für das Pfund. Den Kommunalverbänden und Gemeinden ist das Recht gegeben, hiervon Abweichungen zuzulassen. Sie können also den örtlichen Verhältnissen Rechnung tragen. Wenn durch diese Preisregclung Härvdler, die zu übertriebenen Preisen gekauft haben, Schaden erleiden sollten, so ist das nicht zu »vermeiden; sie sind oft genug davor gewarnt worden, sich an Preis- treibereien zu beteiligen. Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß die geltenden Gesetze bei zweckmäßiger und energischer Durchführung der Verovdnung genügen, um ungesunden Preistreibereien durch die Erzeugung oder den Handel entgegenzutreten. Der Festsetzung bestimmter Höchstpreise bodarf es zu diesem Zwecke nicht. Im Streitsall« hat das Gericht darüber zu entscheiden, ob eine un- rechtmäßige Preistreiberei vorgelegen hat oder nicht. In den letzten Wochen ist von den gesetzlichen Verordnungen schon vielfach Gebrauch gemacht worden. Gehen die örtlichen Behörden und die Gerichte energisch gegen Preistreibereien mit Frischobst und Frisch- gemüse vor, so erreicht man damit mehr, als mit der Festsetzung allgemeiner Höchstpreise, ine gerade bei Obst und Gemüse, die schon im Frieden die allerverschiedensten Preise hatten, sehr leicht dazu führen, daß der Höchstpreis in dem einen Bezirk mit reichlicher Erzeugung zu hoch ist und die Ware unnütz verteuert, während derselbe Preis für einen anderen Bezirk so niedrig ist, daß er die Erzeugungs- und Ablieferungskosten kaum deckt und die Ware dem Markt fernhält. Kartoffelversorgung und Kartoffelgrosthändler. Am DienStagnachmittag tagte im Saale der Handelskammer zu Berlin eine Versammlung des Verbandes deutscher Kartoffel» grohhändler(Sitz Düsseldorf). Die Versammlung nahm Stellung zu dem gegenwärtigen System der zwangsweisen Regelung der Kartoffclvcrsorgung.— Der von den Referenten und DiSkussions- rednern vertretene Standpunkt ist im wesentlichen der: Die Versorgung der Bevölkerung mit dem Herbst- und Winter- bedarf an Kartoffeln kann am besten und zweckmäßigsten durch den freien Handel gewährleistet werden. Da aber an eine Auf- Hebung der bestehenden Verordnung nicht zu denken ist, so muh im Rahmen derselben der freie Handel nach Möglichkeit zugelassen werden. Jetzt wird der Bedarf, der für die Verbrauchskreise er- forderlicki ist, durch von den Landräten bestimmte Kommissionärs in den Landkreisen aufgekauft, die dadurch ein geivisses Monopol erhalten. Die Kommissionäre sind oft nicht sachverständig. Deshalb soll dem Landrat ein sachkundiger von der Handelskammer zu be- stimmender Obertominissionär zur Seite gestellt»Verden. Aber auch der freie Händler muß zum Ankauf in den Landkreisen zu- gelassen werden, allerdings unter Aufficht des Landrats, denn bei dem gegenwärtigen System würden Lücken und Ungleichheiten in der Versorgung entstehen, die nur der sachkundig« freie Handel ausgleichen kann. Den Städten wird empfohlen, Lieferungsver- träge mit freien Händlern einzugehen. Vor allem müssen die nicht bei den Landwirten sichergestellten Kartoffelmengen dem freien Verkehr überlassen werden. Als Grund für diesen Standpunkt wurde ausgeführt: Das gegenlvärtige System sei nicht geeignet, die Kartosfelversorgung sicherzustellen. Das könne nur der sachkundige freie Handel tun, der ja in den Friedensiahren ohne Störung die Versorgung der Kartaffelverbraucher durchgeführt habe. Wenn der fieie Handel die Kattoffelverlorgung in Händen hätte, dann würde eS nicht vorkommen, dah Futterkartoffeln den Verbrauchskreisen als Speise- kartosfeln geliefert und gute Speisekartofseln verfüttert werden, wie es im vorigen Jahre vielfach vorgekommen sei. Auch Zustände, wie sie in diesem Frühsahr vorgekommen seien, dah in manchen Kreisen Tausende von Zentnern zu viel gelieferter Kartoffeln ver- darben, würden beim freien Handel ausgeschlossen sein.— Betont wurde, dah die Vorschläge des Grohhändlerverbandes im Interesse einer geregelten Versorgung der Verbraucher gemacht werden. Das gegenwärtige System werde große Mihstände und Störungen in der Kartosfelversorgung mit sich bringen. Wenn die Stadtver- waltungen im Rahmen der geltenden Verordnung Lieferungsver- träge mit Großhändlern abschließen, so würde die Beschaffung von Kartoffeln nicht teurer werden als bei dem Kommissionärsystem. Zur Herstellung von Sauerkraut. Amtlich wird mitgeteilt: Der Krieg sgesellsch oft für S a u e r lr a u t m. b, H. in Berlin zugehende Anfragen und Mitteilungen lassen erkennen, dah die Bekanntmachung vom 12, August 1916, betreffend Verkauf von Sauerkraut, ver- öffentlicht im.Reichsanzeiger" vom 14, August d, I.. im Reichs- Gemüse- und Obstmarlr am 15. August d. I., teilweise mih- verstanden ist. Die Kriegsgesellschaft hat lediglich den Einzelverkauf von Sauerkraut bis zum 31. d. M. freigegeben, nicht aber die Beschaffung von W e i h k o h l zur Herstellung von Sauer- kraut. Der Erwerb von Weihkohl zur Herstellung von Sauerkraut be- darf nach§ 3 der Verordnung des Stellvertreter» de? Reichskanzler» über die Verarbeitung von Gemüse vom 5, August d, I. der G c- nehmig u ng der Kriegsgeiell schaft für Sauer- kraut, Berlin. Ebenso bedürfen die bereits abgeschlossenen Verträge auf Lieferung von Weihlohl zur Herstellung von Sauer- kraut der Genebmigung zur Erfüllung. ES ist also vorher von der Kriegsgesellschaft für Sauerlraut in Berlin die Genehmigung einzu- bolen und zwar sowohl für den Einkauf von Weihkohl, wie auch für die Erfüllung bereits abgeschlossener Kaufverträge. Angesichts der vorzüglichen Weihkohlernte dieses Jahres ist nicht zu befürchten, daß der Industrie nickt genügende Mengen Weihlohl zuerteilt werden könnten. Die Mahnahmen der Kriegs« gesellichaft zielen auch dahin, der Industrie den Weihkohl zu der Ernte entsprechenden m ä h i g e n Preisen zu sichern; trotz der gegenwärtig unbegründet hohen Marktpreise auf dem Frisch- gemüscmarkt. Ilm aber-ine klare Uebersicht über den tatsächlichen Bedarf der Industrie zu haben, ist es wünschenswert und erforderlich, dah alle Fabriken und Kraulschneidereien ihren Bedarsi und bereits ab- geschlossene Käufe und L i e f e r u n g s v e r t r ä g e der Kriegs- gesellschast für Sauerkraut, Berlin W. 67, Potsdamer Str. 75, umgehend anmelden._ Die holländischen Heringe. Haag, 30. August.(W. T. B.) Wie das Korrespondenzbureau erfährt, wurde in der Heringöfrage ein A b t o m m e n er- zielt, wonach mindestens 20 Proz. des Fanges in Holland bleiben dürfen, 2 0 Proz. nach Deutschland gehen und die übrigen 60 Proz. nach allen Ländern ausgeführt werden dürfen, die mcht Feinde Englands sind. Soweit die Ausfuhr weniger einbringt als den von Deutschland angebotenen Preis, wird ein Zuschlag von 30 Schilling für je 115 Kilogramm bezahlt werden. Dieser Zu- schlag kommt nicht für Heringe in Betracht, die über die für die Niederlande bestimmten 20 Proz. hinaus im Lande bleiben. Dieses Abkommen gilt bis zum Ende der Fischereisaison im März 1917. Den freigelassenen Schiffern wird der ihnen direkt zugefügte Schaden vollständig vergütet. Die Durchführung dieser Bestim- mungen wird von einer Kommission überwacht werden. Gewerkschaftliches. Verlin und Umgegend. 'Aus dem KriegSauSschuft für die Metallbctricbe Grofz-Berliits. Der Maschinenarbeiter B. von der sfirma N. A� gegen alle Uebermacht gehalten hat. Seine Kraft wird uns, wie die obige amtliche Meldung besagt, nicht der- loren gehen, sondern an einer andern Stelle wieder eingesetzt werden. Wir hoffen, daß er einen Wirkungskreis findet, indem er Kraft und unbeugsame Energie beweisen kann; deiiii wir brauchen Männer, deren Herz eisengepan- z e r t ist, und die den Weg, an dessen Ziel Deutschlands Sieg steht, mit allen Mitteln zu bahnen wissen, die deutscher Geist und deutsche Geschicklichkeit uns geschaffen haben. An die Stelle der Generals von �alkenhayn wird, wie sich die Kabinettsorder korrekt ausdrückt, der Generalfellunarschall von Beneckendorff und Hindenburg, oder, wie ihn ganz Deutsch- land nennt, Hindenburg, berufen. Der Name Hindenburg hat sich in das Herz des Volkes eingegraben, so schnell, wie keiner zu- vor, selbst der Name Bismarcks nicht____ Am Jahrestag von Tannen- berg haben wir alle nur den einen Gedanken, tragen wir alle nur den einen Wunsch, daß der Segen, der Hindenburg und Ludendorff im Osten folgte, sie auch in ihrem neuen Wirkungskreis geleiten möge. Der Feinde sind viel und vielleicht werden ihrer noch mehr, aber keiner wivd uns wanken sehen; denn unsere Führer sind Hindenburg und Ludendorff und ihnen folgen wir. Ihr Name ist uns Panier! „Berliner Neueste Nachrichten": „Unsere Feinde werden sich inzwischen einen Jubelvers zu- sammen zu reimen suchen auf die Melodie:„Der letzte verzweifelte Versuch!" Gewiß wäre es noch wirkungsvoller gewesen nach außen, wenn schon vorher, wenn nicht nach dem Auftreten eines neuen Feindes und der darin liegenden neuen Drohung eine Kraft nn- vergleichlichen Ranges und unübertroffener Bedeutung in das Jen- trum der militärischen Dinge gerückt worden wäre. Aber das deutsche Volk heißt ihn in jedem Augenblick willkommen; und unsere allverehrte Exzellenz wird den Feinden Deutschlands noclz zeigen, daß sie Zeit und Platz findet, zu wirken und zu schaffen. Wir fiir unser Teil haben erst am Donnerstag voriger Woche nn dieser Stelle unsere Ueberzeugung dahin ausgesprochen: Daß wir auch in der Anwendung aller unserer Kriegsmittel eines Tages noch zur Unbedingtheit kommen werden—„so sicher. wie nun Hindenburg im Osten kommandiert". Damals war dem Feldmarschall das Oberkommando über die ganze Ostfront, bis in die Gegend von Tarnopol, übertragen worden. Jetzt sind wir noch einen Schritt weiter." „Frankfurter Zeitung": „Eine einheitliche, durch keine Reibung gehemmte Leitung dieses Riesenorganismus, zu dem unsere Armeen angeschwollen sind, erforderte, daß der Mann, dem die größte Aufgabe zugefallen war, auch die Macht bekam, im Wichtigsten zu entscheiden: in der Truppenverteilung und in der Bestimmung des Schwerpunktes der militärischen Operationen. Es ist unmöglich, daß zwei Männer, temperamentvoll, unabhängig voneinander und örtlich weit ge- trennt, in entscheidender Stunde den Befehl führen. Die Kräfte hemmen einander, anstatt sich zu steigern. In diesen schweren Tagen, in diesem weltgeschichtlichen Augenblick höchster Belastung unserer Fronten, war es ein unabweisbares Bedürfnis, daß alles geschähe, was unsere Kraft versammle � und zum Höchsten erhebe. Hindenburg-Ludendorff, das ist die Einheit, um die sich alle Deutschen und alle, die an deutscher Seite diesen großen Krieg erlebt haben, willig und mit frohem Herzen versammeln, bereit, aufs neue zu kämpfen, und vom Glauben erfüllt, daß der Sieg unser Preis sein wird. Wer die Entwicklung dieser Dinge zu sehen vermochte, weiß, daß nun auch eine Klarheit über manche Frage geschaffen ist, in der sicher und ungestört zu sein, auch für die poli- tischen Leiter unsers Reiches von höchstem Werte sein muß. General von Falkenhahn wird an anderer militärischer Stelle Gelegenheit finden, seine ungewöhnlichen Kräfte und Fähigkeiten einzusetzen." «« Kabmettsorüer zum Wechsel im Oberkommando. Amtlich. Berlin. 30. August 1916.(W. T. B.) Die Allerhöchsten Kabinettsorders, mit denen Seine Majestät der Kaiser den Wechsel in der Besetzung der Stelle des Chefs des GeneralstabeS des Feldheeres anordnete, haben folgenden Wortlaut; An den General der Infanterie d. Falkenhayn, Chef des Generalstabes des Feldheeres. Großes Hauptquartier, 29. 8. 16. Mein lieber General v. Falkenhayn! Indem ich Ihrem Wunsche um Enthebung von Ihrer bis- herigen Stellung nicht entgegen sein will, nehme ich Veranlassung, Ihnen aus vollem Herzen zu danken für die Hingabe und Pflicht- treue, mit der Sie in nunmehr zwei Jahren Ihres schweren und verantwortungsvollen Amtes unter entsagungsvoller Einsetzung Ihrer Kräfte und Ihrer Person gewaltet haben. Was Sie ins- besondere an tatkräftiger und vorausschauender Arbeit, in un- ermüdlichcm Schaffensdrang für die Armee und das Vater- land geleistet haben, soll Ihnen nicht vergessen werden. Die volle Würdigung Ihrer jetzt im Kriege an der Spitze des Generalstabes erworbenen Verdienste wird aber einer späteren Zeit vorbehalten sein müssen. Mir persönlich sind Sie ein treuer selbstloser Berater gewesen. In Dankbarkeit hierfür begleiten Sie Meine besten Wünsche für die Zukunft und der- leihe ich Ihnen das Kreuz und den Stern der Komture des königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern. Sie beziehen Ihr bisheriges Gehalt aus dem Etatskapitcl für Offiziere in besonderen Stellungen, bis Ich über Ihre anderweitige Verwendung Entscheidung getroffen habe. gez. Wilhelm R. An den G e n e r a lfe l d m a rs ch a ll v. Beneckendorff und v. Hindenburg. Ich ernenne Sie zum Chef des General stabes des Feldheeres und bin überzeugt, daß Ich diese Stellung in keine besseren Hände legen kann. Ich erwarte mit Nor- trauen, daß Sie Meiner Armee und dem Vatcrlandc die erdenklich besten Dienste in dieser Stellung leisten werden. Er- neut benutze ich diesen Anlaß, um dem siegreichen Beschützer unserer Ostfront warmen Dank zu sagen für alles das, was er während zweier Kriegsjahre für das Vaterland geleistet hat. Großes Hauptquartier, den 29. August 1916. gez. Wilhelm R. A n den Generallcutnant Ludendorff. Ich ernenne Sie unter Beförderung zum General der Infanterie zum Ersten Generalquartiermeister mit den Ge- bührnissen eines kommandierenden Generals und spreche Ihnen bei dieser Gelegenheit warmen Dank aus für die vortrefflichen Dienste, die Sie während zweier Kricgsjahre Mir und der Armee geleistet haben. Großes Hauptquartier, den 29. August 1916. gez. Wilhelm R. • Der Pour le rite für General v. Sernharöi. Der Kaiser hat dem General der Kavallerie z. D. v. Bern« Hardt, zurzeit Führer einer Armeegruppe, und dem Obersten Heye, Cbef des Generalstabes einer Armeeabtcilung, den Orden ?our Is mörito verliehen. General v. Bernhardi ist weiteren Kreisen auch als Militär« schriftsteller bekannt. Viel genannt wurden seine Hauptwerke:„Vom heutigen Kriege" und„Deutschland und der kommende Krieg". MmsterpraMnt Bertling über Kriegs- unö Zrieöensziele. Der bayerische Mimsterpräsibent Graf Hertling hat dem Set« treter der.New Dork World", Karl v. Wie�aird, eine Unter- redung gewährt, in der er sich ausführlich über die inner« und äußere Lage Deutschlands äußerte. Dem Bericht über die Unter- redung entnehmen wir, nach der„Boss. Ztg.", folgendes: .Können Exzellenz noch Mitteilungen über die letzte Tagung des auswärtigen Ausschusses machen? Hatte diese etwa eine besondere Bedeutung?" „Der Bundesratsausschuß für auswärtige An- gelegenheiten ist bekanntlich in der Rsichsverfassung aus- drücklich vorgesehen, ebenso wie die Bestimmung, daß Bayern in diesem Ausschuß den Vorsitz führt. Im auswärtigen Ausschuß werden von der Reichsleitung den Regierungen die gewünschten Informationen über die auswärtige Politik erteilt. Es ist aber auch für die Reichsleitung damit � Gelegenheit geboten, sich darüber zu vergewissern, daß die von ihr vertretene Politik sich der Zustim- mung der Bundesregierungen erfreut. Daß der auswärtige Aus- schuß, der schon im Frieden von Zeit zu Zeit zusammenzutreten pflegt, während des Krieges von mir wesentlich häufiger nach Ber- lin geladen worden ist, erklärt sich ohne weiteres aus dem Ernst der Zeit. So war auch die Veranlassung für die diesmalige Tagung des Ausschusses der begreifliche Wunsch, über die gesamte politisch- militärische Lage samt all den Fragen, die zurzeit die Oeffentlich- keit so lebhaft bewegen, vom Reichskanzler nähere Mitteilungen zu erhalten. Dies ist auch im reichsten Maße geschehen. Ich kann wohl sagen, daß so eingehend und so ausführlich noch nie alle einschlägigen Angelegenheiten besprochen wurden wie dieses- mal. Und damit gewinnt auch die Tatsache, daß sich die sämt» I i ch e n leitenden Minister der im Ausschutz vertretene» Regierungen für die vom Reichskanzler geführte Politik ausgesprochen haben, ganz besonders an Be- deutung." „Einschließlich der Politik des Kanzlers i» der U-Boots frage?" warf ich ein. „Ja, einschließlich auch dieser." „In Washington ist man, soviel ich weiß, etwas beunruhigt durch Berichte, wonach Deutschland die Wiederaufnahme des rücksichtslose« U-B o o t s k ri eg s in Erwägung ziehe." „Ich habe bisher davon nichts gehört, und ich glaube, ich würde wohl davon benachrichtigt sein, wenn eine solche Aktion bereits in Erwägung gezogen wäre." „Ich verwies auf Telegramme ans Washington in den heutigen Blätter», wonach sich die Beziehung«» zwischen den beiden Ländern wieder zugespitzt hätten und der Botschafter Gerard angeblich über amerikaseindliche Kundgebungen in Deutschland nach Washington berichtet hätte." „Ich kann keinen Grund sehen, weshalb sich die Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika verschärft haben sollten. Ich habe von keinen neuen Differenzen gehört, und was die angeb- lichen amerika feindlichen Kundgebungen betrifft, so klingt dies höchst unglaubwürdig, da kein einleuchtender Grund dafür vorliegt. Ich fürchte, es handelt sich wieder einmal um einen Versuch, das eine Land gegen das andere auszuspielen." „Was sind denn eigentlich Deutschlands Friedensbedin- gung-en und s-ciu Friedensziel?" fragte ich schließlich den Minister. Teutschlands KricgSziele. Er antwortete:„Die Existenz Deutschlands, die Unabhängig- keit der Nation, die zukünftig« Sicherheit des deutschen Volkes in der friedlichen Entwicklung seiner ökonomische», industriellen und politischen Verhältnisse, das sind Deutschlands Kriegsziele, das ist es, was das deutsche Volk verteidigt, dafür gibt Deutschland sein bestes Blut her, dafür kämpfen wir. Wir kämpfen für Heimat und Vaterland. Wir müssen und werden kämpfe», so kmge England das klar betonte Ziel verfolgt, das deutsche Volk zu vernichten und uns als Diktator Vor- fchriften zu macheu. wie unser Volk regiert werden soll." Der bayerische Staatsmann wurde dabei sehr erregt und sprach m:t einer Lebhaftigkeit des Ausdrucks, die überraschend war bei einem 7üj ährigen Manne. „Dann sind Exzellenz wohl der Meinung, daß auf ein Kriegsende in absehbarer Zeit nicht zu rech- « e u i st?" .Wen» mau die Reden der leitenden Männer in England liest, so wäre man ja geneigt, diese Frage unbedingt zu ver- «einen. Insbesondere, was sich die englischen Staatsmänner bis in die jüngste Zeit an Derbheit der Sprache uns gegenüber ge- leistet haben, übersteigt alles bisher Dagewesene. Einem Mister Asguith und einem Lord Gvey hätte ich solche Schimpferei nicht zugetraut. Ich hatte eine andere Auffassung von englischen Staatsmännern. Aber ich gebe auf solche Wutausbrücbc nicht viel. Bielleicht gilt aber hier der alte Spruch: Mein Freund, du bist im Unrecht, denn du wirst grob! Der Krieg wird nicht gewonnen werden durch Schimpfereien. Dieses Mono- pol wollen wir den Engländer« und Franzosen überlassen. Deuffche Staatsmänner können und wollen nicht in dieser Hinsicht Konkur- renz machen. Ich möchte eher glauben, daß dies ein Zeichen dafür ist. daß unsere Feinde sich den von mir angeführten Tatsachen unserer Kriegs- und Wirtschaftslage nicht verschließen könne» und endlich zur Einsicht gelangen werden, daß ihre Absichten, Deutsch- land und seine Verbündeten zu vernichten, wie sie bisher gescheitert sind, auch in Zukunft keinen Erfolg haben wenden. Sehen unsere Gegner das einmal ein, so werden sie auch endlich weiteres un- nutzes Blutvergießen satt bekommen. Im Interesse der Kultur Europas, im Interesse der Menschlichkeit hoffe ich. daß dieser Augenblick des Besinnens und der Vernunft nicht mehr fern sein wird." „Uuter welchen Bedingungen würde Deutschland vielleicht bereit sein, Fr ie- den zu mache»?" fragte ich de» Ministerpräsidente». „Angesichts der Kriegserklärung Italiens und Rumäniens und den dritten Winter dieses schrecklichen Krieges vor Augen, ist es da nicht unzeitgemäß, vielleicht sogar eine Ironie, von Friede»«no Friedensbedingungen von feiten Deutschlands zu sprechen?" fragte Gras Hertling.„Wenn Sie fragen, welches vielleicht Deutschlands FriedenSbedingungen sein könnten, so kann ich Ihnen darauf selbstverständlich keine Antwort geben. Ich kann höchstens aus die Reden des Herrn Reichskanzlers verweisen, in denen er nach der damaligen Kriegslage eine Umschreibung dessen gegeben hat, wie er sich einen Frieden denkt. -Aber seitdem ist ja wieder längere Zeit verflossen und die Frie- densbedingungen werden sich natürlich nach der Krieges- läge beim Friedensschluß richten. Was aber Deutsch- lands Kriegszi-el angeht, so ergibt sich das von selbst aus der Eni- stehung dieses furchtbaren Völkerringens. Daß unsere Feinse diesen Krieg vorbereitet hatten, ist eine unbestreitbare historische Tatsache. Zukünftige Geschichtsforscher werden die Entstehung des Weltkrieges finden in Englands Einkreisungspolitik, ausgedacht, geplant und gefördert von gewissen englischen Staatsmännern, in den Militär- und Marinekonventionen zwischen den Entente- mächten, der ftanzösischen unstillbaren Revanchelust, dem Konkur- renzneid Englands gegenüber Deutschlands friedlicher Entwicklung und Fortschritt. Auf diese Motive werfen die Berichte der belgi- schen Gesandten in Berlin und Petersburg ein grelles Licht. Es ist eine historische Tatsache, daß England jede europäische Nation und jedes Volk, welches Fortschritte gemacht hatte und ein Rivale Englands in kommerzieller und politischer Hinsicht zu werden drohte» angriff und zu zerschmettern suchte. Spanie», Hollands Dänemark wissen davon zu erzähl«, nicht minder Frankreich, sein Verbündeter von heute, nachdem er als Rivale ausgeschieden ist. Dann tauchte Deutschland am Horizont des Fortschrittes auf. Es sollte nun auch zerschmettert werden, weil das englische Volk nicht Schritt halten konnte, seine Unabhängigkeit soll vernichtet werden, und ein so rasch fortschreitendes Volk, wie es-das deutsche ist, soll wieder zerstückelt werden. Das sind Englands und Frankreichs Kriegsziele. Jahre eines sorgfältig vorbereitet« Verleumdungs- feldzuges gegen Deutsche und Deutschland, absichtliche Mißdeutung von Deutschlands Absichten und Bestrebung«, Ausstreuung von Verdächtigungen durch die ganze Welt hat den Weg bereitet für die Verwirklichung von Englands Plan gegen Deutschland. Wenn mit Gottes Hilfe uns der Sieg beschieden ist, dann versteht es sich von selbst, daß wir uns gegen ähnliche Ueberfälle für die Zukunft schützen werden. Das ist unser Kriegs- ziel."_ Mus öer Partei. Sozialdemokratische K-udgebungeu. Im Regierungsbezirk Magdeburg fanden am Sonnabend und Sonntag in Halber st adt, Wernigerode. Tanger- münde und Gardelegen Versammlungen statt, die aus- nahmlos stark besucht waren. In den beiden erstgenannlen Orten sprach Reichstagsabgeordneter Brandes, in den beiden anderen Reichstogsabgeordneler Bender. Aus allen vier Orten wird berichtet, daß viel bürgerliches Publikum, insbesondere auch viele Frauen in den Versammlungen erschienen waren. Im Rcichstagswahllreise Hof fanden am letzten Sonnabend und Sonntag elf gut, zum größten Teil sehr stark besuchte öffent- licke Versammlungen statt, in denen die Genossen Simon, Blum tritt, Geißler und Schöller über„Ernährung und Frieden' unter lebhafter Zustimmung der Versammelten referierten.(z) AnS der Versammlung der Groger-Thurow-Grnppe. Nach einem Bericht der„J. K." über die am Montag in der Neuen Philharmonie stattgefundenen Versammlung, in der der Ein- tritt nur gegen Kart« gestattet war, hat der Kreissekretär G r o g e r geäußert, daß sie auf eine Gesundung des Berliner Parteileb«» hoff«, aber bis dahin ihre Meinung in eigenen Versamm- l u n g e u vertreten, die der Ausklärung und Sammlung dien« werden. Jntereffant war auch, daß der Borsitzend« Thurow in seinem Schlußworte erklärte, er könne gegen die sonstige Gepflogen- heit nicht mehr auffordern, für den„Vorwärts" zu werben. Er empfehle dafür, Partciblärter der Mehrbeitsrtchtung zu halten wie in Berlin die„Fackel" und die„Sozialdemokratische Feldpost". Ein neuer sozialistischer Verlag. Für ein neues, der Kriegskonjunkmr emsproffeneS Unternehmen macht die„I. K." folgende Reklame: „Der unter Leitung des bekannten sozialdemokratisch« Schrift- stellers Pardus im letzten Jahre in München gegründete Verlag für Sozialwiffenschaft ist soeben nach Berlin LIT 68 verlegt worden. Seine Geschäftsräume befinden sich Lindenstr. 114, gerade gegenüber dem Vorwärtsgebäude. Der Verlag gibt die Wochenschrift„Die Glocke" heraus. Wie wir hören, ist beabsichtigt, in erlin eine größere Verlagstätigkeit im Sinne praktischer sozialistischer Politik zu entfalten. Zu diesem Zwecke sind die meisten namhaften "olitiker der sozialdemokratischen Parteimehr- heit als Mitarbeiter gewonnen. Die ersten Verlags- werke sind schon in Vorbereitung. Sie behandeln die aktuellst« poli« tischen, wirtschaftlich« und organisatorisch« Fragen vom Stand- Punkt des deutschen Sozialdemokraten." Freisprechung. Vor dem Elberselder Landgericht wurde Montag geg« die in der Redaktion der„Freien Presse" beschäftigte Frau Kretschmer ver- bandelt, die der Beihilfe zur Verbreitung verbotener Druckschrift« beschuldigt war. Nach kurzer Verhandlung, die hinrer verfchlofi«« Tür« stattfand, erfolgte Freisprechung.(z) Mus Znöustrie unö Handel. Unveräuderte Nachfrage nach Roheis«. In der gestern in Köln abgehalienen Hauptversammlung des Roheisenverbandes wurde berichtet, daß die Nachfrage nach allen Rohcisensorteu unverändert anhält. Die Hochofenwerke sind bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit beschäftigt. Der Versand im Monat August wird sich voraussichtlich auf der Hohe des Vormonates halt«._ Preissteigerung für Baumwolle. Die außerordentliche Preissteigerung für Rohbaumwolle hat, wie„Times" berichtet, auf die Baumwollindustrie in Laneashire einen höchst ungünstigen Einfluß. Die Hauptursache sind die an- dauernd« Berichte über eine schlechte Ernte in Amerika, die durch das ungewöhnliche Auftreten schädlicher Insekten noch verschlechten werde. Man erwartet, daß der Preis noch mehr in die Höhe getrieben würde._ Mus Groß- Berlin. Sestanüsaufnahme öer wichtigsten Lebensmittel. Am 1. September erfolgt eine allgemeine Bestands- aufnähme der wichtigsten Lebensmittel. Zu diesem Ztveck sind an die emzelnen Haushaltungen Formulare ausgegeben worden, die vom Haushaltungsvorstcmd wahrheitsgemäß ausgefüllt werden und am 2. September wieder zurückgegeben werden müssen. Alles Nähere ist aus den Formularen er- sichtlich. Unklarheften bestehen in weiten Kreisen der Bevölkerung darüber, ob eventuell Bestände, die sich im Haushalte vor- fänden, später auf die Karten angerechnet werden sollen. Ver- schicdcne Blätter fordern deshalb öffentliche Aufklärung. So schreibt der„Lokal-Anzeiger": „Es muß dem Puoliku« unbedingt gesagt werden, wie es sich seinen eigenen Vorräten gegenüber verhalten soll, weil es sonst eines schönen Tages in die Gefahr komm« kann, keine Lebensmittel mehr zu besitzen, aber auch keine Lebensmittelkarten zu bekommen, weil dann, nachdem die Vorräte aufgezehrt sind, die„Anrechnung" beginnt. Und wie ist es, lvenu Lebensmittel auf Grund der jetzigen Karten angeschafft und erspart worden sind? Werden dafür nachher auch Karten entzogen? Und wie ist, wenn Lebensmittel verderben? Oder hinsichtlich solcher Nahrungsmittel, die gar nicht lange aufbewahrt werden können, weil sie verderben? Und wie ist es mit der Gewichtsangabe bei konserviertem Fleisch? Es wird sich bei der Angabe doch sicherlich nur um das Nettogewicht handeln, und dieses könnte wohl bei Fleisch in Kvn- servengläsern nur schätzungsweise angegeben werden, da es ver- derben würde, wenn man es herausnehm« und abwiegen wollte. Nur eine einzige in der Oeffentlichkeit aufgetauchte Frage, ob konserviertes Wildfleisch mit anzugeben ist, ist vom Kriegs« ernährungsamt bisher beantwortet, nämlich bejaht worden. Im übrigen bestehen in der Bevölkerung, von der man doch eine ver- ständnisvolle Mitarbeit erwartet, bisher noch die erheblichst« Zweifel über Sinn und Ziel der ganzen Bestandsaufnahme." Daß weftere Aufklärung erforderlich ist, erscheint not- wendig. Die große Masse der erwerbstätigen Bevölkerung 1 worden, weil sie Brot ohne Brotmarlen g e k a u s t hatte. dürste allerdings geringe Kopfschmerzen haben über diese Fragen, da sie über nennenswerte Bestände nicht verfügt, sondern sich mühevoll Tag für Tag ihr Ouantum Lebensmfttel zusammenholen muß. Immerhin gibt es viele Leute, die durch Verwandtschaft- liche Beziehungen zu Landbewohnern manche Nahrungsmittel erhalten, die sie sich ausbewahren und für diese ist eine Auf- klärung sehr notwendig. »» Amtlich. Berlin, 3». August.(W. T. B.) liebet den Zweck der Bestandsaufnahme in Haus- Haltungen herrscht vielfach Unklarheit. Das Kriegs» ernährungsamt hat nicht die Absicht, allgemeine Vor- fchriften über etwaige Anrechnung vorhandener Bestände zu geben, weil dazu das Verteilungssystem in den ein- zelnen Gemeinden noch viel zu verschieden ist. Wie bei ftüheren örtlichen Bestandsaufnahmen obliegt die Entscheidung über die An- rechnung den Gemeinden. Es erscheint ausgeschloss«, daß die Ge- meittden hierbei kleinlich vorgehen und kleinere Vorratsmengen an- rechnen werden, die aus sparsamem Verbrauch in der voran- gegangen« Zeit angesammelt sein können. Die Ausdehnung der Bestandsaufnahmen entspricht einem seit Monat« in der Oefsent- lichkeit lebhaft vertretenen Wunsch, der sich gegen die vermeintlich weit verbreitete, tatsächlich aber wohl nicht in sehr zahlreichen Fällen geübte unvernünftige Hamsterei einzelner Haushalte werdet. Sehr viel wichtiger und deshalb auf sehr viel mehr War« aus- gedehnt, ist die gleichzeitige Beftandsaufttahiue der Lebensmittel in der Hand des Handels, der öffentlichen Verbände usw. Hier ist es unbedingt nötig, endlich einmal ein« klaren Ueberblick über die sehr verschieden verteilten Gesamtvorräte zu gewinn«. Die Frage, wie Fleisch i» Konservengefätz« zu bewerten ist, ist aus dem Erläutern ngsvermerk aus de» Anmelde- forunilaren dahin zu beaatworten, daß das Bruttogewicht der Kon- serve» anzugeben ist._ Der Kartoffelbezng in Grost-Berkin. In den nächsten Tagen wird die Bevölkerung Groß-BerlinS aufgefordert werden, die für den Winter benötigten Kartoffeln bei d« Stadt« zu bestellen, da die Städte nicht in der Lage sind, den ganzen Vorrat für die Bevölkerung selbst einzulegen. Es soll daher jeder Einwohner nach Möglichkeit sein Kartoffelguanlum bis zum 15. April selbst lagern. Ten Einwohnern wird es freigestellt, ob sie den Bedarf für die ganze Familie oder nur ein Teilquantum abnehmen wollen, jedoch soll eine Mindefilieferung von IVs Zentner Bedingung sein. Für die Entnahme der Kartoffeln werden Bezugs- scheine herausgegeben, das Ouantum der auf diese Bezugsscheine empfangenen Kartoffeln wird aber bei der Uebergabe der Einzel- kartoffelkarten in Abzug gebracht. Da die Winterkartoffeln bedeutend stärkehaltiger sind und weniger Wasser wie die Frühkartoffeln enthalten, so soll das Wochenquanlum für die Einzelperson auf 7 Pfund festgesetzt, das heißt pro Tag und Kopf 1 Pfund Kartoffeln abgegeben werden. Daneben soll die schwerarbeitende Bevölkerung Zusatzkarten erhalten. Weniger zufrieden dürfte die Bevölkerung mit der Preisfestsetzung sein. In Aussicht genommen ist beim Bezüge in Zentnern den Preis pro Zentner frei Haus auf S M, beim Bezüge im Kleinhandel auf 65 Pf. für 10 Pfund festzusetzen. Nach der Kalkulation der Ge- meinden entsieht dieser Preis folgendermaßen: Der Produzenten« preis beträgt 4 M. pro Zentner. Dazu kommen 30 Pf. Vermitte« lungSspefm, 30 Pf. Fracht und 15 Pf. Sbnahmegebühren, so daß d« Gemeind« d« Kartoffeln inkl. der Spes« 4,75 M. pro Zentner kost«. Run werden die Kartoffeln dem Großhandel überwiesen, der für die Lieferung an die Kleinhändler 50—60 Pf. bekommt, und der Kleinhändler bringt sie dan» dem Bezieher ins Haus und bekommt dafür dann 65—75 Pf., so daß die Handelsspesen für Groß- und Kleinhandel 1,26 M. betragen; diese zu dem Uebernahmepreise der Gemeinden mit 4,75 M. hinzugerechnet, ergibt dann den Bezugs- preis von 6 M. Dieser Bezugspreis soll flir die Groß-Berliner Städte und die Landgemeinden des Kreises Niederbarnim Geltung bekommen; wie der Kreis Teltow die Preisfrage regelt, steht noch nicht fest. Von den Groß-Berliner Städten hat sich Neukölln geweigert, so hohe Preise sestzusetz« und hat beschlessen, d« Preis zwischen 5.40 und 5,50 M. zu bemessen. Neukölln ging bei der Preisfestsetznug von der Voraussetzung aus, daß der Preis für eine» so bedeute«den Konsum- artikel der großen Maffe der Bevölkerung so gering wie möglich be- mesien werden müsse, und beschloß daher, die Zuschußspeien dadurch zu verringern, daß nicht Groß« und Kleinhandel die Lieferung über- nehmen, sondern nur einer von beiden. Dadurch ist es möglich, die Zwischenhandelöspesm von 1,25 M. auf die Hälfte herabzudrücken. Dieses System hatte Reniölln bei seiner Warenverteilung im allgemein« schon durchgeführl und hat sich gut bewährt. Sollte eS nicht auch in cmderen Gemeinden möglich sein, die Handelsspesen zu verringern? Die Anmeldungen zur Masienspersnng mehren sich. Viel- ftch wird außer acht gelassen, daß die Anmeldungen regel- mäßig ftde Woche wiederholt werden müssen und zwar bei den zuständigen Brotkommissionen. Diese Anmeldungen werden von denen, die a« der Voltsspeisung teilnehmen, oft vergessen. weil sie meinen, es genüge,»oeun sie sich einmal angemeldet haben. Das ist ein Irrtum, da bekanntlich die Teilnehmer immer nur eine Woche gebunden sind und jederzeit zurücktreten können. Eine Uebersicht über die Beteiligung ist aber jede Woche von neuem erforderlich, weil nach der Zahl der An- Meldungen der Umfang der Speis« berechnet werden muß. Ein späterer Termi» als Donnerstag läßt sich nicht festsetzen. weil der Magistrat bereits am Freitag seinen Fleischbedarf ür die kommmde Woche selber anmelden muß. Eine Reihe Mängel, die der Speisung anhaften, sind im Laufe der Zeit schon beseitigt worden, immerhin muß noch manches gebessert werden; insbesondere wftd Einspruch gegen manche Kriegsrezepte erhoben, die heute in ben Küchen her- gestellt werden. AuS den Verurteilungen, die in den letzten Tag« hiesige Ge- richte weg« Uedertreiungen von Verordnungen assgesprochen haben, ind mehrere von allgemeinem Interesse. Fabrtlbesiger Heinrich Träger, Königgrätzer Str. 88 wohnhaft. wurde mit 12 000 M. ev. für je 10 M. einen Tag Gefängnis be- traft, weil er die Höchstpreise für Metalle überschritten hatte. Eine Reihe Bestromngen erfolgte, weil Händlerinnen sich ge- weigert hatten. Kartoffeln zu verkaufen, obwohl sie solche besaßen. Bäckermeister wurden bestraft, weil sie in ihrer Gutmütigkeit Brot auf noch nicht gültige Brotmarke» verkauft hatten. Milchhändler erhielten Strafen, weil sie die Abgabe von Milch verweigert«, obnwhl sie solche hatten. Mehrere K«>fle»te wurden bestraft, weil sie Zucker ohne Zucker« karte abgegeben hatten. Bestraft wurde eine Händlerin mit 100 M. oder 20 Tagen Ge« ängnis, weil sie die Abgabe von Milch verweigert, Brot ohne Brot- karten unter Ueberichreitung des Höchstpreises abgegeben und an leischlosen Tagen Fleischwaren abgegeben hatte. Mit 30 M. event. 6 Tagen Gefängnis bestraft worden ist ein Mann, weil er Brot ohne Brotmarken unter Ueberichreitung des Höchstpreises und an fleischlosen Tagen Fleischwaren gekauft hatte. Eine Frau ist mit 20 M. event. 4 Tagen Gefängnis bestraft Arbeiterbilduvgsschnle. An den heute Donnerstag, den 81. August, dem Todestage Ferdinand Lassalles, stattfindenden wissenschaftlichen Einzelvortrag sei nochmals erinnert. Genosse Eduard Bernstein wird das Thema:„F e r d i- nand Lassalle und die nationalen Fragen seiner Zeit" behandeln. Der Vortrag findet im Hörsaale der Schule, Lindenstr. 8, 4. Hof rechts, 3 Treppen statt. Eintrittspreis 10 Pf. Eine Parteiveteranin. Heute am 31. August vollendet unsere Genossin Frau Marie Klingner ihr 70. Lebensjahr. Sie ist eine von den Proletarierinnen, die, ohne Aushebens davon zu machen, sich in ruhiger Selbstverständlichkeit in den Dienst der Partei stellen, deren Lehre und Ziele ihr Herz erfüllen. Seit Genossin Klingner sich zur Sozialdemokratie bekennt, ist sie iür die Partei tätig ge- Wesen. Sie trat 1898 dem Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse bei, dessen Mitglied sie noch bis vor kurzem war. In den verschiedenen Organisationen und Einrichtungen der sozialdemokratischen Frauen, deren Formen durch die jeweiligen Gesetze bedingt waren, fand unsere Genossin stets ein rerches Feld der Betätiguug. Bis zu Anfang Februar dieses Jahres als Mutter Klingner einen unglücklichen Fall tat, an dessen Folgen sie heute noch leidet, finden wir sie bei jeder Veranstaltung ihres Kreises oder der Gesamtpartei als Teilnehmerin oder Mitralerin. Galt es, säumige Mitglieder an ihre Pflicht zu mahnen, oder neue zu werben, für die Partei- presie zu agitieren, galt es für Leieabende oder sonstige Veranstaltungen der Partei Propaganda zu entfallen, stets war MulterKIingnerunter den Rührigen. Als nach Jnslebentreten des Reichsvereinsgesetzes dieJubilarin dem 3. Berliner Wahlkreise als Mitglied beitrat, verstand sie es mit Geschick, sich bald in die neuen Organisalionsverhältnisie einzufügen. Die Genossen ihres Kreises haben ihre Wirksamkeit schätzen gelernt. Manche der älteren Genossinnen wird sich gewiß noch mit Freude der früheren gemeinsamen Parteiarbeit mit ihr erinnern. Mit Befriedigung kann Mutter Klingner auf ihr Leben zurück- blicken, sie hat im Dienste des Sozialismus ihr Möglichstes ge- leistet; aber sie ist auch eine vortreffliche Mutter, die, früh verwitwet, es vermochte, ihre Kinder zu braven Menschen, aufrechten Sozialisten zu erziehen. So glauben wir wohl, daß der herzliche Glückwunsch, den wir unserer Mutter Klingncr heute darbringen, der ist, daß fie ihre alte Rüstigkeit bald wieder erlangen möge, um mit uns den Tag des Friedens zu erleben, der nie mehr durch so entsetzliche Katastrophen unterbrochen werde, wie der Krieg ist. Eiuschreibautomaten. Die Einschreibbriefautomaten der- dienen besondere Beachtung in dieser Zeit des Mangels an Personal bei der Post wie bei den Geschäften. Ihre Benutzung macht das Publikum bei der Einlieferung frankierter Einschreib- briefe von den Schaltern völlig unabhängig. Sie ersparen jedes Warten. Tie Einlieferungsscheine, die die Automaten verabfolgen, sind den Bescheinigungen der Schalterbeamten in jeder Beziehung gleichwerttg, wenn auch darin die Angabe des Empfängers naturgemäß nicht möglich ist. Ihre abweichende Form beeinttächtigt aber die Haftpflicht der PostVerwaltung nicht. In welcher Weise die Automaten zu benutzen sind, ist an diesen selbst klar und anschaulich dargestellt. In Berlin sind die Apparate aufgestellt bei den Postämtern 7 in der Dorotheenstraße, W 9 beim Potsdamer Bahnhof und V 17 am Schlesischen Bahnhof. Eine.reisende Kettcn-Schwindleriu", die auib in Groß-Berlin wiederholt Gastrollen gab, wird von den Polizeibehörden des ganzen Deutschen Reiches eifrig gesucht. Sie übertrifft an Schlauheit die meisten Betrügerinnen und ist bisher noch unbekannt. Gegen Ostern dieses Jahres tauchte sie zuerst in Berlin-WilmerSdorf auf. Sie versprach Butter aus Hamburg und andere Lebensmittel, brachte auch Kleinigkeiten, um die Leute sicher zu machen, und verschwand. sobald sie einen größeren Betrag erhielt. Einer einzigen Frau nahm sie 12S M. ab. Damals nannte sich die Schwindlerin Frau Andersson. Den Betrogenen sandte sie noch vertröstende Briefe und Postkarten, sogar Telegramme aus Gülerglück, Magdeburg und Belzig..Frau Andersson' hatte ihre Sachen in Berlin-Lichterfelde untergestellt, dort aber nie gewohnt. Anfang Juni kundschaftete sie in Saarmund bei Potsdam die verwandtschaftlichen Verhältnisse einer Witwe N. aus. Mit diesen Kenntniffen ausgestattet, fuhr sie nach Wittstock. Auf dem Wege dorthin forschte sie auf dem Stettiner Bahnhof die Familienverhältnisse eines Mädchens aus, und ließ sich auf dessen Namen von der Muller des Mädchens telegraphisch Geld nach Eichfelde schicken. In Wittstock und Umgegend beschwindelte fie als.entfernte Verwandte' die Familienangehörigen der Witwe N. aus Saarmund. Dann nahm sie den Namen der Frau Anna N. in Wittstock an und setzte unter diesem den Schwindel mit Hilfe von Nachsendungsanträgen bei den Postämtern in Wittstock, Bad Nauheim, DeÄsel bei Landsberg a. W. und Potsdam fort. In Schladen im Kreise Goslar tauchte sie plötzlich als Lehrerin Fromberg vom Ber- liner Fröbelhaus auf und beschwindelte die Lehrerin F. um einen Regenschirm. Als.Verwandle der Lebrerin F.' fuhr sie dann nach Burgdors und betrog hier den Lehrer K. um eine Mandel Eier, die fie angeblich der Lehrerin F. besorgen solle. Als Schwester dieser Lehrerin betrog sie den Postmeister L. in Bör» sum um drei Mark. Vor vier Wochen erschien die Schwindlerin unter dem Namen Berta Frank aus Freiburg im Breisgau bei der Wirtschafterin eines hiesigen Rechtsanwalts, der im Felde steht. Sie erzählte, daß sie den Anwalt in Freiburg kennen gelernt und daß er sie gebeterr habe, sie zu besuchen, wenn sie einmal nach Berlin komme. Ein trauriger Anlaß habe sie jetzt hierher gesührt. Ihr Bruder liege verwundet in einem Lazarett zu Charlottenburg und sei dem Tode nahe. Jetzt wolle sie zu ihrem Onkel, einem Gutsbesitzer ist Frankfutt a. O., fahren. Dabei ließ sie durchblicken, daß sie wohl vom Gut ein paar Pfund Butter mttbringen könne. Die Wirtschafterin gab ihr dasür 5,40 Mark mit, und sah sie nicht wieder. Auf einem Zettel hinterließ ihr die Besucherin ihre Adreffe:.Fräulein Berta Frank in Freiburg!I1enichc, h'alhcnbcrg: Wilhelm Dürre, Friedrichstr. 46. Maanitichalcna cg: H. Hornig, Marieuthalcr Str. 13, I. llsrnaa, Iliintgcntal, Zcxcrnlol», Sichvnov,!8chvn» brUch und Mach: Heinrich Brase, Mühlenslr. 5, Laden. Bohnisdort: Paul G e n j ch, BohnSdorj. GenojjenichastShauS» .Paradies'. Ohai-.Iinltcnbarg: Gustav Scharuberg, SeleuHcimer Str. 1. Ee- öjjtM von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. klcherald«, ISchniGckwlt«: OSkar Mahle, Grünauerstr. 37. ürllncr, Xca-ieittaa; G u b e l a, Waldstr. 11. b'rcdccadort.Mctoi.'shagcn, Lggcrsdork: Ussenwasser, PeterSHagen. rnlcdcnna, StcgIIt», Svdcnd«: H. vernsee, kllsenftr. 6 in Sieglitz. Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. Friedrichshagen, Flchtenna, Itahnsdorf. Schttnelchc Kl.-tüchbncbeck: Ernst Werlmann, Friedrichshagen, Köpe" nicker Straße 18. Glrfinan: Franz Klein, Friedrichstr. 10. Johannisthal, Itadow: Max K o n i ch ur. Parkst;. 23 Karlshorst: Hermann Billina, Dönhoffftr. 28. Kbnlgs-tVustcrhaascn, Wildau, A'lcderlchme: Friedrich B a u m a n n, Luckenwalder Sttatze S. Kbpcnlclr: Emil Witzler, Kietzerstr. 6, Lade». Geöffnet von morgens 7 Uhr bis abends 8 Uhr. Lichtenberg 1, Friedrichsfelde, HohenschOnhanson: Ctio S e i k e l, Wartenbergstraße 1(Laden). Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. lilchtcnbcrg II, Uamnielsbnrg, Stralau: A. Rosen. l r a n z, All-Boxhagen 66. Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. Mahlsdorf, Kanlsdorf, Blcsdorl: P. Hetzberg, KaulZ- dors, gerdtnandstratze 17. Marlcndori, Marlenfelde: August Leip, Ehauffeestt. 29. Bienenbagen, Uoppegarten: WoiSzcko wSki, Dottf sttatze 14. fleahiilln: M. H e i n r i ch, Neckarstt. 2, im Laden. Geöffnet von 9— 2 und von 4—7 Uhr: Neukölln. Britz: Rohr. Siegjrtedstratze 23/2g Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. Xledcr-Schüncwcide: Wilhelm Unruh, Brückenstr. 10, II. X«nvau cs: Start Strohnberg, Eisenbahnjtt. 10. Obcr-Schttnervelde: Aisred Bader, Wilhelminenhossir. 17, Laden Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. l'anhorv, X'icderscliönhaiiscn, Xordend, Frz.-Bach- holz, Blankenburg: R i tz m a n n, Mühlenslr. 30. Geöffnet von 11— 1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. Uclnlckendorf- Ost, Wilhelmsruh und Sehnnholz': P. G u r s ch, Provinzstr. 56, Laden. Geöffnet v. 11—1'/, u. S'/,— 7 Uhr. Schenkcndort b.KönigS-WusterHaulen: Ehr. H a n t s ch l e, Dorsstr. 10 SchNncberg: Wtlkctm Bäumt er, Meiiimzer S trage g, im Laden. Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. Spandau, Xonnendamn,: Schumacher, Brettestr. 64. Geöffnet von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waidmannslnst, llcrmsdorf, Hohen- Xcuendorf, Ulrkcnwerder, Freie Scholle u. lielnlckendorf- West: Paul Slienaft Borsigwalde, Räuschstratze 10. Geöffnet von 11—1'/, u. von 4'/,— 7 Uhr. Teltow; L e n s ch n e r, Havelstr. 2. Tempelhof: Joh. Strohn, Borussiastr. 62. Treptow: Rob. Gramenz, Stieshotzstraße 412, Laden. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 3 Uhr abends. Weilleasee, Uclnersdori: Guft. R o tz l o p s, Berliner Allee 11. Wilmersdorf, Ualeasee, Schmargendorf: Paul Schubert WilHelmSaue 27. Zeuthen, Miersdorf; Wilh. Schulz, Zeuthen, Ziethenstt. 16. Zossen: Fr. R a ts ch, Berliner Stt. 24. ä ämtliche Partelliteratur sowie alle wiffenschastlichen Werke werden geliejert Sonntags find die Ausgabestellen geschloffen,