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S pksnnig) Die Infertlons-GebQIjr betrügt für die scchsgespaltcne Kolonelzeile oder deren Raum 00 Psg,, für dolitischc und gewerlschastliche BereinS- und Lersammlungs- Anzeigen 30 Pig. „Kleine Hnreigcn", das scugcdrutlle Wort 20 Psg,(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jcdcS weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlassiellenan» zeigen das erste Wort 10 Pig.. jedes weitere Wort ö Pfg, Worte über tö Buch- flaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Slummcr müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Ervedition abgegeben werden. Die Exvediiion ist bis 7 Uhr abends geöffnet. relegraiiiin-Adreffe: „Sbilzitientoitrsl Rcrlla". Zentralorgan der rozialdemokrattfcben Parte» Deutfchlands. Neüakt'ivn: EW. 68, Linöenstraße 3. shernivrecher: Amt Moritzvlati. Nr. IS» SV— 1SI S7. die kommende Wirtfchaflsära. Von HeinrichCunow. II. Im Zusammenhang mit der im ersten Artikel geschilderten technischen EntWickelung hat in Deutschland eine derartige Betriebs- und Kapitalskonzentration, eine solche Tendenz zur Verkoppelung und Verschmelzung der industriellen Betriebe eingesetzt, das; selbst manchen liberalen Blättern bereits ängst- lich wird; und doch befindet sich diese Konzentrationsbewegung geivissermatzcn noch im Stadium der Vorbereitung. Man erkennt deutlich in den Kreisen der Großindustrie, die tech- nische Verbesserungen vorgenommen und sich auf die Massen- Produktion eingerichtet haben, das; in den Jahren nach dem Kriege, wenn die lohnenden Aufträge der Heeresverwaltung aufgehört haben werden, die Folge ein verschärfter Kon- kurrcnzkampf sein wird, besonders da durck den Krieg der deutschen Industrie viele Exportmärkte abgeschnitten sind und erst wiedercrobcrt werden müssen. In dieser verschärften Konkurrenz auf dem In- und Auslandsmarkt haben aber jene Betriebe die größte Aussicht darauf, ihre Konkurrenten zu schlagen und auszuschalten, die nicht nur die größte Kapital- kraft besitzen, sondern die auch ihren Betrieb, wenn man so sagen darf, am besten technisch arrondiert haben, die also zum Beispiel nicht in ihrem Bezug von Rohmaterialien und Halb- fabrikaten von den wechselnden Marktverhältnissen und dem Belieben anderer Unternehmungen abhängen, sondern die mit Werken verbunden sind, die sie in jedem Fall rechtzeitig zu relativ billigen Preisen mit den benötigten Roh- und Hilfsstoffen versorgen, mag solche engere Verbindung nun in einer direkten Verkuppelung oder in einem Kartcllierungsvertrag bestehen. Die Folge ist, daß einerseits, >vic die jüngsten Abrechnungen so mancher großen industriellen Aklienunternehmungcn beweisen, die großen Gesellschaften mit allem Eifer die Ansammlung von Kampffonds, das heißt die Anhäufung offener und geheimer Reserven, betreiben, um für den großen Wettstreit mit der in- und ausländischen Kon- kurrenz nach dem Kriege gerüstet zu sein, und daß sie andererseits auf dem Wege des Ankaufs, der Fusion oder auch der bloßen Vereinbarung sich solche Werke anzugliedern suchen, die sie im Bezüge ihrer Roh- und Hilfsstoffe von der jeweiligen Marktlage möglichst unabhängig machen. Daher die in jüngster Zeit wieder in der Eisen- und Stahlindustrie mit erneuter Kraft hervortretende Tendenz, so- genannte gemischte Großbetriebe herzustellen, also zum Zweck des Hand-än-Hand-Arbeitcns Kohlengruben mit Hochofen- und Stahlwerken zu verbinden, und diesen Walzwerke der ver- schicdensten Art anzugliedern. Ebenso tritt auch in der Maschinenindustrie, in der man auf einen großen Ausschwung nach dem Kriege rechnet, und in der Munitionsindustrie eine starke Tendenz zur Konzentration hervor und mehrfach zugleich, um günstige Absatzgebiete zu gewinnen oder ausnutzen zu können, zur Bildung von großen Zweigunternehmungen. Ein Motiv, das auch die vor zwei Monaten erfolgte Gründung der unter Führung der Firma Krupp ins Leben gerufenen„Bayerischen Geschützwerke Fried- rich Krupp, Kommanditgesellschaft in München" erklärt. Ein anderer Beweggrund, der bisher miteinander konkurrierende große Gesellschaften zu Fusionen oder zum Zusammenschluß zu sogenannten Interessengemeinschaften treibt, liegt darin, daß ihnen während der langen Kriegszeit in den feindlichen oder neutralen Ländern eine starke Konkurrenz erwachsen ist, die die günstige Gelegenheit benutzt hat, ihnen ihre früheren auswärtigen Absatzmärkte abzu- graben. Um dieser ausländischen Konkurrenz zu begegnen und die einstige Position zurückzugewinnen, dazu wäre aber ein Wettkampf mit anderen deutschen Werken auf jenen internationalen Märken das ungeeignetste Mittel. Die Verständigung mit den deutschen Konkurrenten über die Beteiligung an dem Ausfuhrgeschäft nach den betreffenden Märkten, noch besser der gemeinschaftlich be- triebcne Export erscheint in solchem Falle als die erste Vor- bcdingung einer Zurückeroberung. Daneben bietet solche Jnteicsscnkoalition den Großindustriellen zugleich ein Mittel, die Verluste, die jener Konkurrenzkampf mit ausländischen Unternehmungen zunächst mit sich bringen wird, dadurch aus- zuglcichen, daß man die Preise auf dem Inlandsmarkt mög- lichsl hoch hält. Dieses Motiv hat unzweifelhaft wesentlich zu der im April d. I. erfolgten Vereinigung der bisher in der Teerfarbcnindustrie bestehenden zwei Interessengemeinschaften zu einer großen Jntercssenkoalition beigetragen, der sich dann noch zwei weitere kleinere Firmen angeschlossen haben. Auch der noch nicht offiziell bekanntgegebene, tatsächlich aber im wesentlichen fertige Zusammenschluß der beiden großen Schiffahrtsgcsellschaften, der Hamburg-Amcrika-Linie und des Norddeutschen Lloyd, mit einer Anzahl schon bisher von ihnen mehr oder minder abhängiger kleinerer Gesellschaften zu einer großen Schiffahrtsvercinigung. einem Pool, entspringt in der Hauptsache solchen Beweggründen. Während die englische, nonvegische, schwedische Reederei infolge der enorm gestiegenen Frachtraten hohe Profite erzielt hat und äußerst kapitalkräftig in den großen internationalen Schiffahrtskonkurrenzkampf nach dem Kriege eintritt, haben die deutschen Schiffahrts- gescllschaften nicht nur viele Schiffe durch Kaperungcn und Beschlagnahmen verloren, sie haben auch durch Freitag, den 1. September 1316. das Stilliegen der deutschen Kauffahrteiflotte in ein- heimischen und ausländischen Häfen große Kapitalverluste erlitten. Zudem haben Norwegen, Schweden, Japan und besonders die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Handelsmarine während der Kriegszcit mächtig ausgebaut und die günstige Gelegenheit, die ihnen die völlige Ausschaltung der deutschen Handelsflotte aus dem Passagier- und Waren- verkehr der überseeischen Länder bot, dazu benutzt, sich zum Teil des bisher von deutschen Schiffahrtsgesellschaften be- triebcncn Verkehrs zu bemächtigen. Soll dieses Terrain wieder gewonnen werden, ist aber nach Ansicht der deutschen Reeder ein einheitliches planmäßiges Vorgehen der deutschen Schiffahrtsgcsellschaften' das erste Erfordernis.' Kleinliche Konkurrenzstreitigkeiten unter einander würden den Kampf gegen die inzwischen erwachsene starke ausländische Konkurrenz hemmen und sogar vielfach aussichtslos'gestalten. Aehnliche Erwägungen und Antriebe fördern auch in anderen Erwerbszweigen die Neigung zur Bildung von allerlei Interessen- gemcinschaftcn. Die eigentliche Aera der Fusionen aber wird aller Voraussicht nach erst dann beginnen, wenn das deutsche Wirtschaftsgetriebc sich genötigt sehen wird, sich nach dem Kriege wieder umzuschalten und auf die neuen Aufgaben des Weltverkehrs einzustellen. Dann dürfte auch eine noch engere Verbindung der Bankfinanz mit der Großindustrie stattfinden, ivie sie schon vor dem Kriege im deutschen Wirtschaftsleben be- stand. Die geplante Interessengemeinschaft der großen Schiffahrts- gesellschaften hat ja bereits einen engeren Anschluß an die Bankfinanz und die rheinisch-wcstfälische Großindustrie gesucht und gefunden; dagegen sind die meisten neueren in der Berg- Werks-, Eisen- und Maschincnindustrie zur Durchführung ge- langten Fusionsprojckte keineswegs unter dem Einfluß der Bankfinanz entstanden, sondern aus den betreffenden Industrie- zweigen selbst hervorgegangen— ganz im Gegensatz zu so manchen früheren Verschmelzungen, bei denen die großen Banken pst nicht nur Paten gestanden haben, sondern pj? eigentlichen Treiber gewesen sind. Auch die Bildung der er- wähnten großen Interessengemeinschaft in der Tccrfarben- industrle hat sich ohne Zutun der Bankfinanz vollzogen. DaS ist aus der jetzigen Finanzlage so mancher industriellen Werke völlig begreiflich. Große Teile der Großindustrie sind heute infolge der Kriegslicfcrungen weniger abhängig von den Bankön als früher. Die Kriegsgewinnc sind nicht nur reichlicher aus- gefallen, der Staat bezahlt auch die empfangenen Lieferungen prompter, als das früher meist im privaten Zahlungsverkehr der Fall war. Die Großindustriellen besitzen daher jetzt me.ist selbst die Barmittel,' um ihre Vcrschmelzungspläne finanziell durchzuführen; sie sind auf Bankkredite weniger ange- wiesen. Aber das gilt nur für die Jetztzeit. Wenn nach dem Kriege in den verschiedenen Industriezweigen, und zwar ge- radc in der Montanindustrie, die neue produktionclle Um- schaltung und Ausweitung einsetzt, neue Betriebe errichtet, neue Rohstoffmassen herangeholt, alte verschlissene technische Einrichtungen durch neue ersetzt werden müssen, dann wird auch die Bankfinanz wieder mehr und mehr zu einem be- stimmenden Einfluß auf die Großindustrie gelangen; denn ohne ihre Hilfe wird sich jener Umbildungsprozeß in vielen Fällen gar nicht durchführen lassen. Damit werden aber auch die finanziellen Rücksichten der Banken in steigendem Umfange wieder maßgebend für die großindustrielle In- teresscnpolitik sein. Die Bankfinanz hat jedoch durchaus kein Interesse daran, daß Werke, an denen sie in gleicher Weise be- teiligt ist, einen harten Konkurrenzkampf miteinander führen, sich gegenseitig schädigen und ihre Gewinne herabdrücken. Für sie kommt vor allem die Steigerung des finanziellen Ertrages der Werke in Betracht; und diese erfordert, daß hier kon- kurrierende Werke zu einer Interessen- bczw. Gewinngcmein- schaft vereinigt, dort ein für sich nicht lebensfähiges, der Stützung bedürftiges Werk einem leistungsfähigen angegliedert oder daß mit einem Werk, das Roh- oder Halbfabrikate her- stellt, andere Betriebe vereinigt werden, die ihm seine Er- Zeugnisse abnehmen und weiterverarbeiten. So gehen wir nicht nur einer Periode neuer fabrikations- technischer Fortschritte, sondern auch erneuter Umschaltung und einer weiteren Betriebs- und Kapitalskonzentration, einer neuen Fusions- und Vertrustungsära, entgegen. Das stimmt zwar ebensowenig zu der im Anfang des Krieges weitverbreiteten Ansicht, die kapitalistische Wirt- schaft werde im Kriege zusammenbrechen und aus dem Chaos die erhoffte sozialistische Wirtschaftsordnung erstehen, wie zu der anderen heute noch vielfach verfochtencn Ansicht, der Kapitalismus hätte sich längst überlebt und sei reif für seinen Untergang— aber die Wir'tschaftscntwicklung richtet sich nun mal nicht nach Wünschen und Hoffen. Nicht was wünschenswert erscheint, wird werden, son- dern Wofür die nötigen Vorbedingungen herangereift und gegeben sind. Daß die Wirt- schaftlichen Verhältnisse völlig reif für den Sozialismus seien, haben schon vor mehr als einem Jahrhundert die damaligen sozialistischen Utopisten geglaubt, und selbst Marx und Engels haben trotz ihrer ökonomischen Kenntnisse in der Mitte des vorigen Jahrhunderts die kapitalistische Ent- Wicklung schon für überlebt und reif für die neue sozialistische Wirtschaftsgcstaltung gehalten.. Die seitdem verflossenen 66 Jahre haben diese Erwartungen als Selbsttäuschungen er- wiesen, und die am Horizont auftauchende neue Wirtschafts- ära wird zweifellos wieder so manche der heutigen schönen Expeüition: EW. 68, Linüenstraße 3. Zserniprecher: Amt Moridplat!, Nr.»SISv—»S1S7. Erwartungen als Illusionen erweisen. Ist das aber richtig, so ergibt sich die wichtige Frage: Sollen wir unsere Politik und Taktik auf Erwartungen ein- stellen, die für die nächsteZeitalsunrcali- sierbar gelten müssen? Abbruch öer diplomatischen Beziehungen zwischen Hulgarien und Rumänien. Berlin, 31. August.(W. T. B.) Tie hiesige bulga- rische Gesandtschaft hat aus Sofia die Nachricht erhalten, daß der rumänische Gesandte in Sofia gestern abend seine Pässe verlangt hat, und daß somit von rumänischer Seite ans die diplomatischen Beziehungen zwischen Bulgarien und Nu- mäuien seit gestern abend Uhr abgebrochen worden sind. tzindenburg als Politiker. Budapest, 30. August.(TU.) Wiener Kreise fassen die Ernennung Hindenburgs dahin auf, daß die Politik des Reichskanzlers die Oberhand gewonnen hat. Es ist allbekannt, daß der Reichskanzler in einer im November vorigen Jahres gehaltenen Rede die Meinung ausdrückte, daß man gegen Rußland mit der größten Stärke auftreten müsse. Ein- geweihte Kreise wollen wissen, daß Feldmarschall Hindenburg dieselbe Ansicht vertrete und wenn er jetzt auf sämtlichen Kriegsschauplätzen der oberste Leiter der Operationen geworden ist, so sieht man das als Anzeichen an, daß eben diese Ansicht zur Geltung kommen wird. „Die Cnglänüer aber haj?en wir/ Vom Genossen Wilhelm Düwell erhalten wir fol- gende Mitteilung: Die„Deutsche Tageszeitung" vom Mittwochabend bringt an leitender Stelle einen E. R. gezeichneten Artikel, der sich init der Ernennung Hindenburgs zum Gencralstabschef des Feldheeres beschäftigt. Darin zitiert sie als angeblich wirr- liche Auslassung Hinidenburgs folgendes:„Nicht durchhalten, sondern siegen", und„die Engländer aber hassen wir!" Da nun ohne Zweifel die Leute, die die schärfste Tonart gegen England in die Debatte bringen und die der Anwendung des rücksichtslosen U-Bootskrieges das Wort reden, die Er- nennung Hindenburgs und Ludendorffs an die erste Stelle des Heeres in ihrem Sinne politisch ausbeuten, ist eine Rich- tigstellung geboten. Am 19. Dezember 1915 wurden die Kriegsberichterstatter vom östlichen Kriegsschauplatz im Hauptquartier des Oberbefehlshabers Ost vom Feldmarschall Hindenburg und Exzellenz Ludendorff empfangen. Einige Tage vorher hatte Feldmarschall Hindenburg einem auslän- dischen Berichterstatter eine Unterredung gewährt, in der er seiner nicht freundlichen Stimmung gegen England Ausdruck gegeben hatte. Diese Auslassungen wurden auch damals in der Presse politisch ausgewertet, als ob Hindenburg für den Vernichtungskrieg gegen England und sozusagen für eine Schonung gegenüber Rußland sich ausgesprochen habe. Aus diesem Grunde richtete ich damals an Fcldmarschall Hindcn- bürg die Frage, ob seine scharfen Worte über England poli- tische Bedeutung haben sollten. Der Feldmarschall erklärte darauf in einem ganz bestimmten Tone:„Nein, ich bin kein Politiker, ich habe nur meine persönliche Abneigung gegen England bekundet." Dann meinte er weiter, daß wir England den Krieg verdanken,'darüber kann ja wohl kein Zweifel sein. Er sprach aber nicht im Pluralis von seiner Stim- mung, sondern ausdrücklich persönlich, und dann bemerkte er nachher noch, daß für Deutschland die Gefahr der Zukunft im Osten liege. Wegen Rußland müsse Teutschland gesichert sein. Und zum Schluß seiner Unterredung sagte Hindenburg dann:„Ich sage nicht, wir müssen durchhalten, sondern gründlich siegen." Dies zur Steuer der Wahrheit.(z) Wilhelm Düwell. Der rumänische Sozialismus unö öer Krieg. Seit langem war zu erwarten, daß Rumänien in irgend einer Weise in den Krieg hineingezogen werden würde, sei es, daß Ruß- land den Durchmarsch seiner Truppen erzwänge, sei es, daß Ru- mänien aktiv an dem Kriege teilnähme. Es hat den letzten Weg gewählt und sich der Entente angeschlossen. Tie Warnungen un- serer sozialistischen Freunoe sind in den Wind geschlagen worden, ihre Kraft hat nicht ausgereicht, um ihr Land vor dem Krieg, seinen Opfern und seinen Schrecken zu bewahren. Das Leid zieht ein in die Familien Rumäniens, so wie es in den übrigen europäischen Völkern Einzug gehalten hat. Bis zuletzt hatten unsere rumäni- schen Genossen gegen die Politik ihrer Regierung gekämpft, die nach mehrfachem Schivanken den Anschluß au Rußland suchte. Der Augenblick erschien ihr günstig, sie wagt den Einsatz ihres kostbarsten Gutes, der kräftigsten ihrer Söhne, um bei der Neuregelung der europäischen Verhältnisse beim Friedensschluß nicht leer auszu- gehen. Die rumänischen Sozialisten befinden sich in einer schweren Lage, aber es ist nach ihrer ganzen Haltung zu erwarten, daß sie trotz der brutalen Unterdrückungsversuche der Regierung ihrer oppositionellen Hältung treu bleiben. Sie werden sich von keiner Phrase betäuben lassen, sie haben die Ursachen des Krieges klar genug erkannt. lleber ihre Stellung zum Weltkrieg, die dadurch nicht ge- ändert werden kann, daß ihr eigenes Land mit in den Strudel hineingezogen ist, gcht ein Aufsatz des Genossen C. Dobrogeanu- GH eres im„Populaire" Aufschluß. Er knüpft dort an die Feier des Friedens und der internationalen Solidarität an, wie sie am 1. 3)tai überall üblich war; er zeigt, wie die Sozialisten alle den Krieg kommen sahen, dessen Ursachen von ihren Theoretikern auf. gedeckt waren, und wie sie doch fest an das glaubten, was sie hoff- lcn— daß der Krieg schließlich noch vermieden werden könne. „Die Sozialisten haben nichr nur die Ursachen des Krieges, der kommen mußte; gezeigt, sondern sie haben auch seinen Charakter präzisiert. Es � gibt zwei grundlegende soziale Tatsachen, die den Weltkrieg von heute von früheren unterscheiden, und diese beiden Tatsachen geben ihm seinen eigenen Charakter. Erstens ist dieser Krieg nicht nur der Krieg der Armeen, son- dern der Krieg der Völker; sodann stellt sich dieser Krieg zum erstenmal als ein ungeheures� wissenschaftlich-industrielles Unter- nehmen dar. Diese beiden Merkmale sind eng miteinander verbunden und hängen außerdem von einem dritten fundamentalen sozialen Merk- mal ab: dem ungeheuren Anwachsen der Produktivität der mensch- lichen Arbeit in dieser letzten Zeit und als Folge davon dem An- wachsen des menschlichen Reichtums.... Tatsächlich konnte der Bölkerkrieg bisher nicpt entstehen aus Mangel an den gewaltigen Mitteln, die für einen solchen Krieg notwendig gewesen wären. Deshalb ist der deutsch-französische Krieg vor 4ö Jahren ein Krieg der Armeen und kein Volkskrieg gewesen. Nur das«rstaunliche Wachstum der menschlichen Arbeit in den letzten Jahren und das daraus resultierende ungeheure Anwachsen des angehäuften Reich- t.ums haben die Möglichkeit gegeben, Millionen und Millionen von Menschen gegeneinanderzuwerfen. Das Anwachsen der menschlichen Arbeit, die EntWickelung der menschlichen Technik und Wissenschaft, die sie begleitete, sind die ursprünglichen und notwendigen Hebel der ganzen EntWickelung und des Fortschritts der Menschheit, und man verdankt ihnen sicher, daß sie aus primitiven wilden Stämmen die zivilisierten Gesell- schaften von heute gemacht haben. Es ist klar, daß diese notwen- digcn Hebel des Fortschritts, je mehr sie anwachsen, um so mäch- tiger werden, und daß die Gesellschaft auf dem höchsten Grade der Entwickclung anlangen muß, wohlverstanden, wenn die Grund- lagen, auf denen sich die Gesellschaft und ihre sozialen Organi- sationen entwickeln, normal und gesund sind." Es ist also klar, daß die große Ursache des Krieges die bürger- lich-kapitalistische Organisation ist. Diese muß umgebildet werden zu einer sozialistischen Organisation, wenn die moderne Gesellschaft nicht ihrer vollkommenen Vernichtung entgegengehen will. Nach dem Krieg wird sich vor ihr das� fatale Dilemma erheben: eine sozialistische Gesellschaft sein oder nicht sein. :,Wenn dieser ungeheure Ruf sich zum Himmel erheben wird, der Ruf des Schmerzes, der Auflehnung und auch der schöpferischen Hoffnung der Macht und des schöpferischen Glaubens an die Energie und das Leben, wenn sich dieser ungeheure Schrei zum Himmel erheben wird, werden die Mauern des kapitalistischen Jericho zusammenstürzen und an seiner Stelle wird sich trium- phicrend die siegende Stadt des Sozialismus erheben."» die tommenüen griechischen Wahlen. Die Elemente, die sich gegen die liberale Partei zusammen- geschlossen haben, werden, wie Crawfrod Price in der„Pall Mall Gazette" vom 17. August schreibt, die verschiedenen Schwächen der Wählerschaft so ausbeuten und das Land so mit falschen Dar- stellungen überfluten, daß Venizelos' Partei die allergrößten An- strengungen wird machen müssen, wenn das Volk für bürgerliche Freiheit, nationale Wohlfahrt und für die Vergrößerung Griechen- lands seine Stimme abgeben soll. Die Ereignisse vcS großen Krieges hassen den in Mißkredit geratenen Politikern der vor- venizclistischen Tage neues Leben gegeben, und es ist ein Zeichen für die Stärke des Ex-Premierministers, daß sie es für nötig ge- f linden haben, ihre früheren Reibereien unter sich einzustellen und sich in dem gemeinsamen Bemühen, sich die Annehmlichkeiten der Amtsführung zu erhalten, zusammengetan haben. Es berührt sie dabei wenig, daß sie dabei gemeinsame Sache mit den Erbfeinden ihres Mutterlandes machen, wenn sie nur ihrem persönlichen Haß gegen Venizelos die Zügel schießen lassen können.� So treten sie denn zum ersten Male als eine Koalition— man könnte fast sagen, eine vereinigte Partei— vor die Wählerschaft. Ihr Programm ist: Neutralität in auswärtigen Angelegenheiten und, wie man an- nehmen mutz, die Herbeiführung der halb-absokutistischen Re- gierungsform mit ihren Spionen, Agenten und ihrer untüchtigen inneren Verwaltung. Wenn die Anstrengungen sich auf der Höhe der Bedeutsamkeit der zur Entschidung stehenden Fragen halten, so darf man wohl den. Sieg der liberalen Partei erwarten. Aber jede Spur von übermäßigem Vertrauen mutz vermieden werden. Die Koalition wivd roh und rücksichtslos kämpfen, und wenn man der politischen Sophisterei Rechnung trägt, hat sie gewichtige und stimmcnfangende Argumente für eine Wählerschaft, die, wenn auch von Natur intelligent, doch nicht zu jener, sagen wir englischn Auf- fassung der internationalen und der Parteipolitik erzogen worden ist. Es muß jedoch zugegeben werden, daß die Koalitionisten ihr Aeußcrstes getan haben, um jode weitere Werbearbeit unter den Reservisten überflüssig zu machen. Das Heer ist eine politische Organisation geworden. Außerdem ist den Leuten eine ungesunde Furcht vor dem Kriege eingeflößt worden, die zusammen mit fast einjähriger verderblicher Untätigkeit unter den Fahnen dazu ge- dient hat, sie zü demoralisieren und sie jenes seinen Angriffe- gcistcs zu berauben, der sie zum Siege gegen die Türken und Bulgaren führte. Wenn Venizelos zur Macht zurückkehrt, so wird in der Tat eine der schwierigsten Aufgaben für ihn in der Not- wendigkeit liegen, die gebrochene Moral des hellenischen Heeres wieder herzustellen. Die verderbliche Wirkung der Anti-Venize- listen erreichte ihren Höhepunkt in der Bildung der Reservisten- Vereinigungen. Es kann kein Zweifel bestehen, daß diese Orga- nisationen gegründet wurden, als die Leute noch)inter militärischer Disziplin standen, und daß die bedauernswerten Auftritte, die sich nach ihrer Entlassung abspielten, die Folge von Befehlen seitens der Offiziere waren. Der Verfasser reiste am 28. Juni mit einem Reservistenzug. Die Abreise von Athen gab das Zeichen für laute Rufe:„Schwarze Kugeln für Venizelos!" Und diese Kundgebungen wioderholten sich nicht nur auf jeder Haltestelle und wenn man an Mcnfchengruppen vorüberfuhr, sondern diese Worte waren auch an den Eisenbahnwagen mit Kreide angeschrieben. Vielleicht schleift sich der Kaserneneinflutz bis zum September zugunsten eines gesunderen Urteils noch ab, aber die Wirkung der politischen Erziehung der letzten neun Monate wivd unzweifelhaft mehr oder weniger bleiben. »» • Budapest, 30. August.(T. U.) AuS Athen wird gemeldet, daß dort am Montag ein Ministerrat stattfand. Hierbei erklärte der Ministerpräsident Zaimiö, daß die Kammer- mahlen am 18. September beginnen würden. Kunügebung gegen venizelos. Athen, �23. August. sW. T. B.) Meldung der Agence HadaS. Ungefähr zwanzigtausend Personen nahmen an den Gegenkund- gedungen teil, die organisiert worden waren, um dem König und der Regierung das Vertrauen auszudrücken. GunariS griff die Polilik Venizelos an, den er anklagt, die gegenwärtige Lage Griechenland» ver- schuldet zu haben, und erklärt, das Volk und die Integrität der Vater» ländischen Erde liefen keine Gefahr angesichts der bestehenden Garantien. Der Wechsel im griechischen Gberkommanüo öas Werk der Entente. Köln, 31. August. fW. T. B.) Die.Kölnische Z ei- tung" meldet aus Athen vom 29. August: Die Entfernung Mwig Ses Mn SWlMklm. Amtlich. GroßeSHauptquartier, 31. August 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Im Frontabschnitt beiderseits von Armcntiöres entwickelte der Gegner rege Tätigkeit. Seine im Anschluß an starke Feuerübcrfälle vorgehenden Erkundungsabteilungen sind abgewiesen. Bei Roclincourt snördlich von ArraS) machte eine deutsche Patrouille im englischen Graben eine Anzahl Gefangene. Beiderseits der Somme hält sich der Feuer- kämpf auf großer Stärke. Wie nachträglich gemeldet ist, ging gestern früh südlich von Martiopuich ein gegen die feindliche Stellung vorspringender Graben verloren. Im MaaSgebiet herrschte, abgesehen von kleinen Handgranatenkämpfen bei Fleury, Ruhe. Oestlicher Kriegsschauplatz. Westlich von Riga, im Brückenkopf von Düuaburg, im Stochodbogcn südöstlich von Kowcl, südwestlich von Luck und in einzelnen Abschnitten der Armee des Generals Grafen von Bothmer finden lebhafte Artilleriekämpfe statt. In den Karpathen haben wir bei der Erstürmung des Knkul einen Offizier, 199 Mann gefangen genommen. Feindliche Gegenstöße sind hier abgewiesen. Bei Durchführung von Angrsffe» auf militärische An- lagen von L u ck und Torczyu schössen unsere Flieger drei feindliche Flugzeuge ab, ein weiteres ist am 29. Augnst bei Listopady(au der Beresina) außer Gefecht gesetzt. Balkan-Kriegsschauplatz. Keine Ereignisse von Bedeutung. Der erste Generalquartiermeister. Ludendorff. O* » Zer öslmeWWe semlWsMU Wie», 31. August.(W. T. v.) Amtlich wird ver- lautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz.> Auf den Höhen östlich von Herkules Fuerdoe wurden ni« mänische Angriffe abgeschlagen. Die im Csik-Gebirgc kämpfenden k. nnd k. Truppen bezogen auf den Höhen westlich von Csit- Czerrda neue Stellungen. Sonst an der ungarischen Front keine wesentliche Aenderung der Lage. An der russischen Front ent- faltete der Gegner au zahlreichen Stellen erhöhte Artillerie» tätigkcit. Italienischer und Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Der Stellvertreter de? Chef? de? Generalstabe«: von Hoefer. Feldmarschallcntnant. des GeneralstabschcfS DusmaniS und des UnterchcfS MetexaS aus dem Amt stellt einen neuen Gewaltstreich des Vierverba ndcs und eine neue Einmischung in die inneren Verhältnisse Griechenlands dar. Offenbar entsprach der Vierverband mit diesem Vorgehen einem Wunsche Venizelos. der seit seiner Abdankung einen ununterbrochenen Pressefeldzug gegen den Generalstab führt und ihn für die Neutralitätspolitik des Königs ver- antwortlich macht. weitere Veränderungen im griechijchen Generalftab. Bern, 30. August.(W. T. B.)„TenipS" meldet auS Athen: Drei weitere dem Generalftab angehörende O b e r st e n haben ihre Entlassung genommen. Ein vierter erbat die Ver- längerung eines Urlaubes um 43 Tage. Der Beschluß ist an- scheinend im Einverständnis mit DusmaniS und M e t a x a S gesagt worden. Es ist unbekannt, ob die Rücktritts- gesuche angenommen worden sind. Zur Kriegslage. Eine Zeit der Vorbereitung. Von Richard Gädke. Die sieben Tage vom LI. bis einschließlich 27. August sind ohne Ausnahme durch starke Angriffe der englisch-französischen Truppen nördlich der Somme bezeichnet gewesen, die ihren Höhepunkt am 24. August erreichten. Trotz alledem darf man daran nicht irre werden, datz auf diesem westlichen Kriegsschauplatze ein Gleich- gewicht der Kräfte hergestellt ist und sich dauernd behauptet. Die Ergebnisse der letzten verlustreichen Angriffe waren dckrart winzig, daß sie einem völligen Mißerfolge gleichkommen. Die deuffche Front an der Somme rückt sich nicht mehr von der Stelle. Auch die Ausführungen der feindlichen Presse zeigen einen merklich herabgestimmten Ton. Verächtlich spricht Lloyd George von denen, die den Sieg nach Metern abmessen; der„Evening Standard" meint, daß es nicht auf Bodengewinn ankomme; der„Petit Parisien" redet von anfänglichen Illusionen und verlangt niehr schwere Geschütze sowie einen Angriff auf breiterer Front, sonst werde man den tapferen Gegner nicht durchbrechen; sogar Herr Churchill erklärt im Unterhause:„Der erbitterte Kampf bringt keine fühlbare Veränderung in der allgemeinen strategischen Lage beider Armeen mit sich." Ein italienisches Blatt schließlich be- hauptet,' daß seit dem Juli 23 neue deutsche Divisionen im Westen aufgetreten seien, und dadurch sei die Aufgabe der Russen wesentlich erleichtert worden. So tröstet sich einer mit dem anderen. Man könnte diese Beispiele vervielfältigen. Die angezogenen genügen aber für den Nachweis, daß die große Bewegung der Gegner im Westen zurzeit auf einem toten Punkt angelangt ist. Dazu kommt die Tatsache, daß die Verluste der Engländer in der Tat sefy: große sind und daß diesmal auch echt englisches Blut in Strömen geflossen ist. Die Verlustzahl von 21 300 Offizieren ist durch die amtlichen Bekanntmachungen der englischen Regierung festgestellt. Daraus und aus verschiedenen Einzelberechnungen geht aber mit einem hohen Grade der Wahrscheinlichkeit hervor, daß die Gesamtzahl der englischen Verluste zurzeit nicht unter 320 000 Mann— wahrscheinlich weit mehr als ein Drittel der ins Gefecht gebrachten Kampfzahl— beträgt. Selbst dann bleibt der Offiziersverlust verhältnismäßig ein geradezu ungeheurer. Dazu muß man nach der Zahl der Divisionen und der Stärke der Angriffe noch über 100 000 Mann Franzosen rechnen. Das wird schließlich nicht viel weniger als 430 000 Mann ergeben. Ehe diese Verluste nicht durch brauchbare Truppen ersetzt, neue Verstärkungen, neue gewaltige Massen von Geschützen und Ge- schössen bereitgestellt sind/ ist an neue große Angriffe auf wesent- lich erweiterter Grundlage nicht zu denken. General Fock aber soll mit großem Rechte gesagt haben, daß et bei einem Angriffsbefehl mehr nach der Zahl der Geschütze und Geschosse, alS nach der Truppenstärke frage. Natürlich behält diese ihren großen Einfluß— aber ohne überwältigendes Geschützfeuer ist der Angriff der tapfersten Truppe zum Scheitern verurteilt. Somit gewinnt die deutsche Heeresleitung in jedem Falle Zeit. Die Feldherrnkunst aber spielt sich in Zeit und Raum ab und be» steht in der klugen und entschlossenen Verwendung der zur Ver- fügung stehenden Massen. Sie vermag die Minderzahl sehr wohl auszugleichen und aus ihr an der gewählten Stelle und zur ge- wählten Stunde sogar eine Ueberzahl zu machen. Die Kämpfe an der Maas verlieren an Bedeutung; immer- hin verdient es hervorgehoben zu werden, daß die Franzosen öst- lich des Flusses unaufhörlich neue Angriffe in der Gegend von Flenry und Thiaumont machen, um hier die einengende Kette der deutschen Truppen auseinanderzuzerren, vielleicht auch um dort Kräfte zu fesseln. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz ist die Liuhe eine weit ausgesprochenere als im Westen. Ob die Angriffskraft der Russen beendet ist, ob sie neue Unternehmungen vorbereiten und hierfür Kräfteverschiebungen vornehmen, kann nicht beurteilt werden. Jedenfalls haben gegen die neue Aufstellung der verbündeten Heere nur noch vereinzelte Angriffe auf kleineren Frontstücken stattge- funden. Sogar die hartnäckigen Versuche, die Stochodlinie an ihrem nördlichen Ende, bei Rudka Czerewisze, zu durchbrechen, haben aufgehört. Ein anderer Versuch, die noch etwas vorgebogene Front am Lüh- und Grabecka-Abschnitt am 21. August zurückzu- drücken, hatte fast gar keinen Erfolg, der durch einen siegreichen Gegenstoß der verbündeten Truppen am 24. August gegen Zwyzhn in einen vollen Mißerfolg verwandelt wurde. Am 27. August fand endlich ein stärkerer Angriff gegen den gleichfalls ein wenig vor- stehenden rechten Flügel der Armee Bothmer nördlich des Dnjestr ohne den mindesten Erfolg statt. Lebhafter wurde an den Korpathen gekämpft, wo am 21., 22., 24., 26., 27. August Gefechte stattfanden. Die Russen gewannen hier und da etwas Boden, an anderen stellen aber die verbündeten Truppen. Im großen ganzen hat sich auch hier keine Veränderung der Lage ergeben. Auf dem Balkan hat sich die bulgarische Offensive auf beiden Flügeln weiter entwickelt. Im Osten ist das Land östlich der Struma bis �zur Küste des Aegäischen Meeres gesäubert worden. Immerhin scheint K a v a l l e r von den griechischen Truppen nicht geräumt zu sein, und es ist unsicher, ob die Stadt Drama von den Bulgaren besetzt wurde. Dieser Punkt hat aber eine erhebliche Be- deutung, weil durch seine Fortnahme die Bahn nach Adrianopel und damit eine zweite(mit der Bahn Florina— Monastir sogar eine dritte) durchgehende Bahnlinie in die Hände der verbündeten Heere geriete. Außerdem würde die Verbindung mit der Türkei auch auf dieser Seite hergestellt. Der_ westliche bulgarische Flügel, durch starke serbische An- griffe festgehalten, ist in der letzten Zeit weniger merkbar vor- gekommen. Andererseits aber hat die Armee Sarrails, trotz ihrer Verstärkung durch Russen und durch ein italienisches Armeekorps, sich zu einer großen ÄngriffSbewegung nicht aufzuschwingen ver- macht. Wartete sie auf das Eingreifen Rumäniens und auf da» Vordringen eines russischen Heeres über die untere Donau und gegen die Dobrudscha? In I t a l i e n große Ruhe, die nur durch klein«, gleichgültige Vorstöße gegen die Fassaner Alpen und das Kärntnerland ein wenig unterbrochen wird, um der Phantasie der Italiener Nah- rung zu. geben. Die Kriegserklärung Italiens an Deutschland ist militärisch belanglos, selbst wenn sie— was kaum wahrscheinlich ist— zur Entsendung italienischer Truppen in die Sommegegend führen sollte. Auch oas wäre in jedem Falle nur eine politische Demonstration. Die interessanteste Gegend ist augenblicklich der Osten! Und auf ihn würde die Erneuerung der italienischen An- griffe am Jsonzo einen unmittelbaren Einfluß ausüben. Politisch dagegen hat diese Kriegserklärung den raschen Ent- schluß Rumäniens zum Eingreifen in den Weltkrieg aus- gelöst— sie und wohl auch der Gegenstoß der bulgarisch-deuffchen Heere über die griechische Grenze. In einer militärischen Be- trachtung hat es keinen Zweck, über die Treulosigkeit Rumänien» sich aufzuhalten. Solange es Kriege gibt und geben wird, wird lede politstche Freveltat durch den Sieg der Waffen gesühnt und nur durch ihre Niederlage bestraft. Es kommt also allein darauf an, den möglichen Einfluß des rumänischen Heeres ailf die Kriegs- läge in Betracht zu ziehen. Daß eine frische Streitkraft von 400 000 bis 500 000 Mann auch unter den großen Verhältnissen des gegen- wältigen Krieges ein Gewicht in der Wagschale bildet, ist klar. Es wäre töricht, sich darüber täuschen zu wollen. Andererseits darf man nach allem, was wir hören, schließen, daß die Mittel» mächte ihre Vorbereitungen auch für diesen Fall getroffen haben. Das rumänische Heer gliedert sich im Frieden in 3 Armee- korps; im Kriege sollten dazu 3 Reservedivisionen und 1— 2 Reiter- divisionen treten. Indessen reicht der Mannschaftsbestand an Ausgebildeten für ein stärkeres Feldheer hin, und Rumänien hat zwei Jahre lang Zeit gehabt, sich vorzubereiten, um Neubildungen für den Kriegsfall in die Wege zu leiten oder gar schon anfzustellen. Da man außerdem von vier rumänischen Armeen spricht— von denen übrigens eine sehr wohl um die befestigte Hauptstadt Bukarest als Reservearmee gedacht sein könnte— so wird es der Vorsicht entsprechen, die Zahl der Divisionen und Armeekorps be- trächtlich höher anzunehmen. Mit seiner stärkeren Bevölkerunys- zahl(7M Millionen) müßte es ein Feldheer aufstellen können, das dem Bulgariens gleich oder überlegen ist. Dieses aber wird von den Gegnern auf 16 sehr starke Divisionen beziffert, die kleinen Armeekorps nahekommen. Eine Schwäche des rumänischen Heeres bestand in seinem Mangel an Gebirgsartillerie und an schwerer Artillerie, auch fehlte es an dem erforderlichen Schießbedarf für einen längeren Feldzug. Immerhin ist es inöglich, daß die Heeresverwaltung ihre eigenen Waffen- und Geschoßfabriken beträchtlich entwickelt hat und daß sie auch auf dem langwierigen Wege über Rußland schließlich mit dem Erforderlichen versehen wird. Die Tüchtigkeit des Heeres konnte während des militärischen Spaziergangs von 1913 nicht erprobt werden, doch gilt es für gut ausgebildet und diszipliniert. Die langgestreckte Grenze, die Schmalheit des Gebietes zwischen den transylvani scheu Alpen und der Donau, sind einer Verteidigung nicht günstig. Die Lage würde sich ändern, wenn wirklich ein stärkeres russisches Heer an der unteren Donau versammelt und bereits im Vor- marsch durch die Dobrudscha begriffen wäre. Diese» würde dann naturgemäß die Rückendeckung gegen Bulgarien und die Türken übernehmen, so datz die Rumänen sich mit voller Kraft der sieben- bürgischen Grenze zuwenden könnten. Hier ist es ja bereits am 27. August zu Zusammenstößen gekommen. Ein politischer Angriffskrieg läßt im allgemeinen auch die Absicht strategischer Offeniive vermuten. Man wird daher für die nächste Zeit auf den Osten mit gespanntester Aufmerksamkeit blicken und annehmen müssen, daß er sehr bald in seiner ganzen Ausdehnung in neuen Flammen stehen wird. Denn schwerlich werden sich die Rumänen in diesem Augenblick zum Krieg ent- schloffen haben, wenn sie nicht glaubten, der Wiederaufnahme der russischen Offensive im großen Maßstabe sicher zu sein.(z) Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 31. August.(W.T.B.) Bulgarischer HeereS- b e r i ch t vom 30. August. Keine wesentliche Aenderung an der mazedonischen Front. Unsere Truppen haben die be- fohlenen Stellungen erreicht und besetzt und befestigen sich darin. Der Feind beschränkt sich nach den Niederlagen, die wir ihm beigebracht haben, und nachdem seine Offensive da- durch gescheitert ist, darauf, auf der ganzen Front wirkungs- loses Artilloriefeuer zu unterhalten. Nur nördlich des Ostrovo- sees und im Tale von Matnitza bemüht sich der Gegner, sich durch vergebliche Gegenangriffe wieder in den Besitz der ver- lorenen Stellungen zu fetzen und seine unhaltbar gewordene Lage zu verbessern, aber alle seine Versuche wurden zurück- gewiesen. Im Tahinossee Versenkien wir durch Artilleriefeucr zwei Dampfboote. Die feindliche Flotte beschoß wirkungslos die Mündung des Mesta. Ein Luftgeschwader griff die Brücke nahe beim Bahnhof Buk an. Schaden wurde nicht verursacht. es sind auch keine Menschenopfer zu beklagen. Die türkische tzauptquartiersmelüung. Konstantinopel, 30. August.(W. T. B.) H a u p t q u a r- t i e r s- B e r i ch t vom 29. A u g u st. Von der Irakfront und der Persischen Front ist nichts Neues zu nielden. An der Kaukasusfront wurden auf dem rechten Flügel Gegenangriffe, die der Feind in verschiedenen Ab- schnitten unternahm, um unser Vorrücken aufzuhalten, mit Verlusten für ihn zurückgeschlagen. Im Zentrum wurden diet Schanzarbeiten des Feindes durch unser Artilleriefcuer gcslör und seine Schützengräben vernichtet. Auf dem linken Flügei war heftiges Jnfanteriefeuergefecht. Ein feindlicher Flieger. der von Jmbros aufgestiegen war. um Sedd ul Bahr zu über- fliegen, wurde durch unser Feuer vertrieben. An der Süd- küste von Tschesme warf ein feindlicher Monitor etwa 20 Ge- schösse gegen zwei Punkte, ohne eine Wirkung zu erzielen, und zog sich darauf zurück. Von den übrigen Fronten ist nichts Wichtiges zu melden. Der Vizegeneralissimus Enver. Die feinülichen Heeresberichte. Der französische Tagesbericht. Vom 8t). August nachmittags.(W. T. B.) Auf der gesamten Front die übliche Beichietzung. Es ist nichts zu melden vom Verlaufe der Nacht, mit Ausnahme einer einzelnen Kampf- bandlung, die einen Fortschritt östlich von Fleuch zur Folge hatte. Ein deuiiches Flugzeug wurde im Laufe eines Kampfes bei Fresnes- en-Woevre abgeschossen. O r i e n t n r m e e. An der Strumafront und in der Gegend des DostanseeS beschossen die Alliierten feindliche Einrichtungen. West- lich des Wardar mochten sie einige Fortschritte in Richtung bei Ljumnica. Der heftige Artilleriekampf dauert im Abschnitt von Vedrenik und Ostrowo an. Die Bulgaren, die westlich des Ostrowo- sees angriffen, wurden unter das Feuer der serbischen Batterien ge- nommen und mutzten sich nach ernsten Verlusten zurückziehen. Vom 30. August abends. fW. T. B.) An der Somme- front mittlere Tätigleit der Artillerie. Das schlechte Wetter dauert an. In Lothringen versuchten feindliche Abteilungen im Abschnitt von Reillon zweimal, sich unseren Linien zu nähern. Unser Sperr- seuer schlug sie zurück. Von der übrigen Front ist nichts zu melden. Belgischer Bericht. Von der belgischen Front ist nichts zu melden. Die englische Meldung. Vom 30. August.(28. T. B.) Meldung deS Reuterschen Bureaus. Der amtliche Bericht des Generals Haig meldet die Fortdauer schlechten Welters und schildert nur einige Unternehmungen untergeordneten Charakters. Zweiter englischer Bericht vom 8 0. August. (W. T. B.) Südlich von Martinpuich dehnten wir unsere Linie über einen kleinen Vorsprung aus und machten Gefangene, deren Zahl noch nicht festgestellt ist. 33 andere Gefangene wurden bei Heineren Unternehmungen eingebracht. Beiderseits beträcht- liches Geschützfeuer zwischen Ancre und Somme trotz des widrigen Wetters. Amtlicher englischer Bericht au« Saloniki. (W. T. B.> Feindliche Artillerie beschotz Kopriva an der Struma« iront. Wir brachten die feindlichen Kanonen zum Schweigen. Unsere Flugzeuge bombardierten Darna(?) und Truppentransporte bei Borna. Der russische Kriegsbericht. Vom 30. A u g u st nachmittags.(W. T. B.) West- front: In der Gegend nördlich von Dünaburg brachte im Laufe eines Luflkampfes eines unserer Flugzeuge einen deutschen Fokker zum Absturz, der in den feindlichen Linien niederfiel. Am oberen Seiet wurden Versuche des Feindes, die Offensive zu ergreifen, durch unser Feuer zurückgeschlagen. Wir schlugen auch die feindliche Offensive an der Bistritzä ab. In den Karpathen westlich von Nadvorna bemächtigten sich unsere Truppen des Dorfes Nafailowa an der Bistritzä sowie des Pantyr-GebirgeS, das die Grenze mit Ungarn bildet, wo unsere vorgeschobenen Abteilungen die ungarische Grenze auf einer Front von 2S bis 80 Werst erreichten. KaukasuSsront: Im Laufe der Kämpfe in der Gegend von Oghnut machten wir 7 Offiziere, darunter einen Bataillons- kommandeur, und 333 Soldaten zu Gefangenen und erbeuteten 2 Maschinengewehre. Südlich des SeeS Nimrud Goel zogen sich die Türken unter unserem Druck auf eine Stellung auf den Höhen nahe beim Eingang zum Liplei Biths zurück. In der Richtung auf Mosul in der Gegend von Neri wurde der Feind von uns verfolgt und zerstreut, wobei er Waffen und Munition wegwarf und Gefangene in unseren Händen ließ. Vom 30. August abends.(W.T.B.) An der West- front und im Kaukasus keine Veränderung. Meldung der italienischen Heeresleitung. Vom 30. A u g u st.(W. T. B.) Andauerndes Feuer der feind« kichen Artillerie gegen unsere Stellungen zwischen Elsch und Brenta. Der Feind richtete von neuem einige Granaten auf die Ortschaft Ala im Lagarinatal sowie Arsiero, Velo d'Astico und Seghe im Aslach-Tal. In der Gegend deS Fassa-Tals erweiterten unsere Alpini ihren Besitz auf dem nordöstlichen Kamm des Cauriol, wobei sie dem Feinde autzer 21 Gefangenen ein Geschütz, zahlreiche Ge- wehre un.d einen Bombenwerfer abnahmen. Die feindliche Artillerie eröffnete ein heftiges Feuer auf den Cauriol, das von der unseligen energisch bekämpft wurde. An der Spitze des Felizon-Tales(Boite) eroberten Jnfant-rieabteilungen und Alpini in glänzendem Angriff stalle feindliche Verschanzungen auf den nordwestlichen Abhängender Formann-Spitze und im Grunde des Tales. Der Gegner erlitt ichivere Verluste und lietz 117 Gefangene, darunter 3 Olfiziere, in unseren Händen. An der übrigen Front die üblichen Anilleriekämpfe. Die feindliche Artillerie schotz in Zwischenräumen anf Görz, Valisella und Olivers. Auf dem Karst berichtigte unsere Infanterie im Vor- rücken einige Abschnitte unserer Front. Feindliche Flieger warfen Bomben auf Alleghe und auf die Lagune von Marano; es wurden einige Personen verletzt und leichter Schaden angerichtet. Cadorna. Die Kämpfe in Aegypten. . London, 30. August.(W. T. B.) Amtlicher Bericht aus Aegypten vom 2 4. August: Eine an hundert Mann starke feindliche Kundschafterabteilung von Kamelreitern versuchte, sich H>r-el-Bachud zu nähern. Sie wurde vertrieben und wird jetzt meilenweit verfolgt. vom v-Soot-Krieg. Stockholm, 3t. August. Nach einer Meldung der „Politiken" aus Stockholm ergibt sich aus den Berichten aus Finnland in Stockholm eingetroffener schwedischer Seeleute, daß die Tlnzahl der in der letzten Woche in finnischen Häfen plötzlich gesunlenen Dampfer der Alliierten größer ist, als zuerst gemeldet wurde. So wurden auch in U l e a b o r g zwei englische Dampfer und in Kemi ein englischer Dampfer versenkt. Die schwodische Bc- satzung des in Ixpila versenkten englischen Dampfers„Man- churia", die unter dem Verdacht, an dem Anschlag gegen das Schiff' beteiligt zu sein, verhaftet worden war, erhielt die Erlaubnis zur Rückreise nach Schweden, da sich ihre Unschuld herausstellte. Nach ihren Aussagen war ihre Behandlung in der Gefangenschaft schlecht. Russische Minensperre. Stockholm, 31. August.(W. Tl B.) Wie amtlich mitgeteilt wird, hat die russische Regierung die Auslegung eines Minenfeldes in dem Meere bei den Aalandsinseln bis zur schwe- dischen Territorialgrenze zwischen dem 69. Grad 40 Minuten und dem 69. Grad 62 Minuten nördlicher Breite an- geordnet._ Die politischen Flüchtlinge aus Rußland. Kopenhagen, 31. August.(T. U.) Anläßlich der englischen Versuche, die politischen Flüchtlinge aus Ruß- land zum Eintritt in das englische Heer oder zur Rückkehr nach Rußland zu zwingen, veröffentlicht Georg Brandes einen Aufsatz in der Zeitung„Politiken", in dem er ausführt, das eng- lische Asylrecht sei ernstlich bedroht. Das Bündnis mit Rußland, das die Ueberlassung ganz Nordpersiens an die russische Regierung zur grausamen Ausrottung aller dortigen politischen und bürger- lichen Freiheit bewirkt habe, übe jetzt seinen Druck aus die eng- lische Regierung im Heimatlande aus. � Mit gemischten Gefühlen sehen Bewunderer des englischen Verfassungswesens und der eng- lischen Traditionen, wie die Freihoitsliebe der Regierung und der Bevölkerung in England abnehme, und zwar im selben Maßstabe, wie die Notwendigkeit, dem großen östlichen Verbündeten zu ge- fallen und ihn festzuhalten, zunehme. Schon längst habe man russische Zensur eingeführt und gefährliche Zugeständnisse in Asien gemacht. Durch das Jluftreten gegen die politischen Flüchtlinge suche man sich bei den Verbündeten in Europa einzuschmeicheln. Eine Protestkundgebung in Luxemburg. Luxemburg, 31. August.(T. U.) In der Jndustriegegend von Esch an der Alzette fand eine große Protestkundgebung gegen die Teuerung und die Organisation der Lebensmittelversorgung statt, bei der heftige Worte gegen die Regierung fielen und energische Maßnahmen gegen den Schmuggel und gegen den Wucher gefordert wurden. Die Arbeiter der Eisenindustrie fordern eine Lohn- erhöhung. Morgen wird die Arbeiterdelegation diescrhalb an maß- gebender Stelle vorstellig werden. Selverkschastliches. die HerUner Suchbinöer zum Aufruf von Parteworfianö unö GeneralkommWon, In der letzten Generalversammlung der Zahlstelle Berlin dcZ Buchbinderverbandcs kam es zu einer lebhaften Diskussion, welche durch die folgende von einem Mitgliede begründete Resolution veranlaßt wurde: «Im„Vorwärts" vom 26. Juli lgt6 veröffcntlichle die Ge neralkommiision in Eemeüisckiafl mit dem Parleivorstand einen Aufruf an die Arbchcriwait Dculschlands, in welchem sie dieselbe warm, sich durch das Treiben der Protest- und Generalstreik- apostcl nicht zu übereilten Handlungen verleiten zu lassen. Die Generalversammlung erblickt hierin eine feige Denunziation an die Aufsichtsbehörden, um unter dem Schutz des Belagerungszustandes die Männer und Frauen, welche ihr Ganzes einsetzen, um die Arbeiterschaft wach zu halten, der heutigen Staaisgewalt auszuliefern.—— Institutionen, welche mit Denunziationen gegen ihre Widersacher zu Felde ziehen, haben aufgehört, die Achiilng der Arbeiterschaft zu genießen. Es erllärt die heulige Versammlung, falls sich derarüge unwürdige Handlungen wieder- holen sollten, alles aufzubieten, um diese Vcriranensämter mit Männern und Frauen zu besetzen, welche das Vertrauen der Ar- beilerschaft genießen und dieser hohen Ehre sich würdig gezeigt haben." Genosse Robert S ch m i d t, der in der Versammlung zufällig anwesend war, weil er für diese ein Referat über das Rcichsvercinsgesetz zugesagt hatte, trat der in der Resolution wicdergegcbencn Auffassung mit Nachdruck entgegen. Unter anderm bemerkte er: Von einer Denunziation könne absolut keine Rede sein. Wer jenianden denunziere, der überliefere ihn der Behörde. Der Aufruf sage aber ausdrücklich, daß die Leute, die hinter jenen, wilde Streiks empfehlenden Flug- blättern ständen, sich nicht meldeten, daß es anonyme Blätter seien. Der Aufruf habe tatsächlich nur gewarnt vor von un- verantwortlicher Seite veranlaßten wilden Streiks. Und zu dieser Warnung sei man nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet gewesen. In der deutschen Arbeiterbewegung sei jederzeit das Eingreifen von Leuten, die keinen Auftrag hatten, abgewiesen worden. Das Reckt, zu einem Streik auf- zufordern, habe keiner, der nicht von seiner Organisation einen Auftrag habe. Der Parteivorstand und die Generalkommission hätten niemand denunziert; wohl aber seien eine Anzahl Per- soncn, die zur Verbreitung solcher anonymen Flugblätter von andern veranlaßt wurden, ins Unglück gekommen. Daß sie der Aufruf des Parteivorstandes und der Generalkommission davor bewahren wollte, könne jederzeit verantwortet werden. Diesen Ausführungen gegenüber verblieb der Begründer der Resolution bei seiner Auflassung, daß der Ausruf doch eine Denunziation darstelle in dem Sinne, wie es die Rcso- lution ausdrücke. Ihm schlössen sich noch einige Redner an. Etwa fünf weitere Redner bekämpften die Resolution, in der Hauptsache aus denselben und ähnlichen Gründen, wie sie Robert Schmidt geltend gemacht hatte. Nach der Diskussion, die auch noch auf andere Dinge übergriff, wurde die Resolution mit geringer Mehr- heit angenommen. « Die Zahlstelle Berlin des Buchbinderverbandes zählte im zweiten Ouartal 1316 4313 Miiglieder, wovon 3296 weibliche waren. Die Abrechnung der Z e n t r a l k a s s e balanzierte in Einnahme und Ausgabe mit 28 342.67 M. Die Lokalkas se hatte am t. April 1O1A einen Bestand von 93 238,81 M. Dazu wurden im zweiten Quartal 13 463,64 M. ein- genommen, so daß die Gesamteinnahme 112 762.45 M. beirug. Dem stand gegenüber eine Gesamtausgabe von 12 283,18 M., so daß am 1. Juli ein Bestand von 166 413,27 M. verblieb. Tie allgemeine Teuerung, unter der die Arbeiterschaft jetzt leidet, zwang auch die Branchen des Buchbinderbcrufes, in welchen noch keine Teuerungszulagen bewilligt waren, zu einer solchen Stellung zu nehmen.— In der Etuibra n ch e kam ein magerer Vergleich zustande. Der Verband Berliner Etuifabrikantcn bewilligte den Gehilfen einen Teuerungsaufschlag von 3 Pf. und den Arbeiterinnen einen solchen von 1 Pf. pro Stunde ab 1. August 1316.— Die Kartonbranche macht in der Teuerungs- zulage eine unrühmliche Ausnahme. Hier ist es bis setzt noch nicht gelungen, die den Brancheiiangehörigen so nölige Zulage zu erzielen. Die Fabrikanten dieser Branche behaupten, sie könnten nicht mehr geben, als früher bewilligte 7flz Proz. Dabei wurden diese 7>/z Proz. in den wenigsten Betrieben'gczaHlt. Die Branchen» Icitung hat schließlich den Tarif gekündigt.— In der Buch» bindcrbranche ist es durch Verhandlung mit dem Verband Berliner Buchbindercibcsitzer gelungen, wenigstens für Berlin noch einige Verbesserungen gegenüber den Leipziger Abmachungen zu erzielen. Tie Zusammenlegung der Buchbinder- mit der Geschäftsbuch- brauche ist erfolgt, so daß seit dem 1. Juli beide Branchen ihre Angelegenheiten in gemeinsamen Sitzungen und Versammlungen er- ledigen. Au Stelle des zum Heere einberufenen Vorsitzenden Würz- burgcr ist Greve vom Hauptvorstand mit dem Amte betraut worden._(z) Deutsches Neich. Hohe Ucbcrschüsse, kleine Löhne. Wie wir ickon berichteien, fanden inr Juli in Kottbus unter dem Vorsitz des Regierungspräsidenten von Frankfurt Verhandlungen zwischen den Verlrclern der Industriellen und Arbeiter statt, um über die Gewährung einer Tciierungsznlage und Bezahlung der durch schlechtes Material hervorgerufenen Feierschichten zu beraten. Die In- dustricllen lehnten die Forderungen der Arbeiter ab mit dem Hinweis, daß die Löhne der Arbeiier und Arbeiierinnen ausreichende seien und die Industriellen nicht in der Lage wären, höhere Löhne zu zahlen. Die Begründung der Industriellen wird jetzt durch die Jahresberichie einiger Akliengesellschafren ins rechie Licht gesetzt. Die Altiengesellschait Hirsch, Janke u. Co. in Weißwasser hat im Jabre 1314 eine Dividende von 5 Prozent gezahlt, im Jahre 1915 zahlte sie 20 Prozent. Die Adlerhüllen in Penzig zahlten im Jabre 1314 eine Dividende von 12 Prozent und haben diese für 1915 auf 14 Proz. erhöhen können. Auch die Gewinne der private» Betriebe werden nicht niedriger sein, als dies bei den Altiengeiell- schatten der Fall ist. Nun sind die Forderungen der Arbeiter zwar nicht ganz abgewiesen worden, auch die Firma Hirsch, Jaule u. Co. hat Teuerungszulagen von 3— 16 Proz. bewilligt, ober diese Er- böhung der Löhne bedeutet angesichts der gewaltigen Steigerung der Dividenden von 5 auf 26 Proz. rein gar nichts. Es wäre den In- dustricllen sehr leicht möglich gewesen, die sehr mäßige Forderung der Arbeiier glatt zu bewilligen; dies war besonders bei den Ar- beitcrinnen notwendig, da deren Löhne zwischen 6 und 12 M. wöchenilich schwanken. Die ablehnende Haltung der Glasindustriellcn ist somit ganz unmotiviert, die hohen Ueberschüsse. die einzelne Aktiengesellschatten jetzt verteilen, müßten dazu den Regierungspräsidenten veranlajsen, eine weitere Konferenz einzuberufen, in der das Verlangen der Arbeiter auf Erhöhung der Löhne nicht nur besprochen, sondern auch der Erfüllung nahegebracht wird. Die Gewinne der Industriellen werden auch für das Jahr 1916 nicht niedriger sein, denn die Glasindustrie ist flott bcschäsligt. Sie bat vornehmlich in der Lausitz hohe Aufträge an Konservengläsern, für die hohe Preise gezahlt werden. Auch sucht man die Arbeiter an der Ausübung des Koalitionsrechts zu bindern und bevorzugt in jeder Weise die gelben Werkvcreine, so daß sich der Verband der Glasarbeiter auch lebhaft dagegen wehren nmß. Die Propaganda für die gelben Werkvereine wird besonders lebhaft von den Glas- industriellen in der Lausitz betrieben. �usicmS. Ter drohende Niefenausstand m den Vereinigten Staaten. Die englischen Blätter vernehmen aus Washington, daß der Zustand kritisch bleibt, trotz Wilsons Versuchen, durch eine gesetzliche Regelung den drobcnden Eiscnbahncrausstand abzuwenden. Es ist noch zweifelhaft, ob die Slreikorder, welcke für den 4. September ausgegeben ist. widerrufen werden wird. Verschiedene Eisenbahn- gesellschaficn»ebmen schon keine Waren, die verderben können, für den Transport mehr an. Die Exportsendungen werden wahrstbein- lich zuerst unterbrochen werden, während die Eisenbahnen alle Kraft aus die Aufrcchterhallung des Verkebrs konzentrieren werden. Wie aus New Jork gemeldet wird, hat eine große Anzahl Eisenbahn- gesellschaflen, darunter auch die New Jork— New Häven und die Harifort Eisenbahn, bekanntgegeben. daß keine Güter mehr an- genommen werden, welche vor dem 1. September abgeliefert werden müßten. Diese Vorsichtsmaßregel unterstützt die An- nähme, daß man in Fachkreise» die Situation für ernst ansieht, obschon die öffentliche Meinung noch optimistisch bleibt und andauernd boffr, daß eine Beilegung des Streiks noch immer möglich ist. Die Trade Union, die Direktionen der Eisenbahnaesellschaften, Senat und Abgeordnetenhaus widersetzen sich ihrerseits dem Vorschlag Wilsons zur Beilegung des Streiks. Trotzdem sehen Wilsons Freunde ein hoffnungsvolles Zeichen in dem Umstände, daß die Opposition ibren Widerstand nicht gegen einen bestimmten Teil des Vorschlages konzentriert. Demokraten und Rc- publikancr warten sorgfältig ab, welche poliiischcn Vorteils sie aus der ganzen Angelegenheit ziehen lönnen. Zugegeben wird, daß wenn Wilsons Vermittelung den Streik abzuwenden vermag, seine Chancen bei der Präsidentenwahl steigen werden. Die großen Städte treffen bereits Maßnahmen, um vorläufig eine Organisation für die Versorgung mit Lebensmitteln ins Leben zu rufen Große Schwierig- leiten würden entstehen, wenn der Ausstand länger als eine Woche andauert, da dann sicher verschiedene Landesteile Mangel an Lebens- Mitteln haben dürften. Nach einer letzten Neutclmcldung aus Washington beabsichtigt Wilson, eine öffentliche Bitte an die Eisenbahner zu richten, solange vom Streik abzusehen, wie die Untersuchung im Kongreß über die Angelegenheit noch dauert. Mus öer Partei. Sozialdemokratische Kundgebungen. Das Pressebureau berichtet: In einer großen Versammlung unter freiem Himmel sprach am Dienstag Genosse Scheidemann in Meerane(17. Wahl- kreis) unter ungeheurem Zudrang der Bevölkerung. Genosse Scheidemann betonte am Schluß seiner öiedc, nachdem er wieder- holt auf die Fricdensvermittlun'gsvcrsuche der Sozialdemokratie hingewiesen, daß wir einen Frieden wollen, heute oder morgen, wenn es geht. Wenn aber die anderen nicht wollen, wenn sie uns zum Bettelvolk herabdrücken wollen, sind wir auch bereit, unsere ganze Kraft bis zum äußersten zur Abwehr solcher Pläne einzu- setzen. Wir haben nach dem Kriege ungeheure Aufgaben. Ohne eme starke Sozialdemokratie bekommen wir keine verständige Steuerpolitik und ohne uns hätte man von den reichen Kriegs- gewinnen nicht zwei Milliarden Kriegsgcwinnstcuer herausgeholt. Es kommt die Sorge für die Kriegsinvaliden, für die Hundert- tausende von Witwen und Waisen. Es kommt die Erfüllung unserer alten Forderung, endlich das Vaterland zu einem Lande zu machen. in dem jeder Deutsche sich wohlfühlen kann, in dem er eine wirk- liche Heimat findet. Das zu erreichen ist nur möglich, wenn �die sozialdemokratische Partei stark und einig ist und die Interessen i>er Arbeiterschaft geschickt wahrnimmt. Die Ausführungen Scheide- manns fanden bei den zahlreichen Versammlungsbesuchern ftür- mischen Beifall.— Eine große Kundgebung fand am Montag in Kassel statt, wo Abgeordneter Scheidemann im großen Garten des Stadtparks vor etwa 7366 Personen sprach. Die Versammlung erklärte sich mit den Ausführungen des Iiedners einverstanden.— Eine weitere Kundgebung fand in Schönau bei Chemnitz statt, die außerordentlich zahlreich besucht war. Tie Ausführungen des Abgeordneten N o s k e fanden lebhaften Beifall.— Am Montag fand in Gera, am Dienstag in Zwötzen, einem großen Arbeitervorort, je eine große Volksversammlung statt, in denen Reichstagsabgeordneter Wurm über„Ernährung und Frieden" sprach. In Gera waren über 2666, in Zwötzen über 766 Personen, darunter viel Bürgerliche, erschienen. In beiden Versammlungen wurde eine Resolution angenommen, die sich mit den Ausführungen des Referenten deckt und der Sozialdemokratischen Arbeitsgemein- schaft ihre Zustimmung ausdrückt.(z) Der sozialdemokratische Abreißkalender, welcher seit mehreren Jahren von der Vorwärts-Buchdruckerei in Berlin herausgegeben wird, erscheint in der gewohnten soliden Aufmachung auch für das Jahr 1917. Das um viele wichtige Gedenktage vermebne Kalen- darium befindet sich im Druck, während da? von Künstlerhand stammende, diesmal besonders gut gelungene Bild der Rückwand bereits im Original vorliegt. Ausführliche Prospekte werden den Partei- und Gewerkschaftsorgonisationen in näcbster Zeit zugehen, und der Verlag bittet scbon beute um recht baldige Ueberweiiung der Aufträge. Verzögerte Bestellungen, welche im vergangenen Jahre auf der einen Seite eine überhastete Herstellung und auf der anderen die Abweisung vieler Hunderte von Käufern zur Folge hatten, sollen diesmal auf jeden Fall vermieden werden. Die fünfte Reichskriegsanleihe. Usbcr die neue Kriegsanleihe werden die folgenden finanztech- nischen Angaben gemacht: Die Ausstattung der fünften Kriegsanleihe lehnt stch eng an die bei den früheren Koiegsanleihen gewählte und insbesondere an die Bedingungen der vierten Kriegsanleihe an. Wieder wird in erster Linie dem deutschen Kapital eine öprozentige Deutsche R eichsanlerhe angeboten, unkündbar bis 1924, wobei gleich bemerkt sei, daß die Worte„unliindbar bis 1924" leine Ver- lnuis- oder Versügungscinschräukung des Anleihcinhabers an- küngigcn, sondern nur besagen, daß das Reich den Nennwert der Anleihe nickt vor dem erwähnten Zeitpunkte zurückzahlen, bis dahin auch keine Herabsetzung des Zinsfußes vornehmen darf. Auch später ist eine Herabsetzung des Zinssußes in der Weise möglich, daß das Reich dem Inhaber wahlweise die Rückzahlung zum vollen Nenn- wert anbietet. Neben der 6 prozentigen Reichsanleihe werden 4l/z prozentige Reichs schatzanlv eisungen ausgegeben. Hinsichtlich ihrer Sicherheit unterscheiden sich die Schatzanweisungen in keiner Weise von den 5 prozentigen Anleihen, wie überhaupt beide ihrem inneren Werte nach allen schon früher ausgegebenen Deutschen Reichsaiileihen gleichen und wie dieie zur Anlegung von Mündelgeldern verwendet werden dürfen. Mit dem Worte„Schatzanweisungen" wird nur zum Ausdruck gebracht, daß die Laufzeit von vornherein begrenzt ist, d. h., daß das Reich sich verpflichtet, diese Schatzanweisungen in einem genau feststehenden, verhältnismäßig kurzen Zeilraum mir ihrem Nennwert einzulösen. Die fünfprozentige Reichsanleihe wird zum Kurse von 38 Proz.(Schuldbucheintragungen 97,86 Proz.) ausgegeben. Der einzuzahlende Betrag ist indes niedriger als 98 Proz., weil der Zinsenlauf der Anleihe erst am 1. April 1917 beginnt, die bis dahin dem Anleibezeichner zu- stehenden Zinsen aber ihm sofort vergütet werden. Hierdurch er- mäßigt sich der Zeichnungspreis bis um 2XI3 Proz.. dieses nämlich in dein Falle, wenn der ganze Gegenwert der Anleihe am 36. Sep« tember bezahlt wird. Die Nettover, insung der 5 proz. Reichsanleihe beläuft sich bei einem Kurse von 93 Proz. auf 5.16 Proz. und, wenn die Rückzahlung im Jahre 1924 erfolgen sollte(infolge des dann eintretenden Kurs- gcwinnes von 2 Proz.). ans 5 35 Proz. Der Ausgabcpreis der SchaLanweisunaen beträgt ohne Berück- sichligung der bis aus Iffz Proz. auisteigcnden Zinsvetgüiung 95 Proz., und da hier der Zinsfuß sich auf 41/a Pro,, beläüst, so ergibt sich zunächst eme Rente von 4,74 Proz. Hinzu kommt indes der Vorteil, der dem Inhaber der Schatzanweisungen durch die Tilgung winkt. Dieie findet durch Auslosung innerhalb 16 Jahren, beginnend im Jahre 1923, statt und verbürgt dem Schatzanweiiungs- besitzet einen sicheren Gewinn von 5 Proz., der frühestens im Jahre 1923. spätestens im Jahre 1932. fällig wird und>>" fällig wird 5.51 Proz., im im günstigsten ungünstigsten auf tsalle daS Zinienerträgnis auf 5,67 Proz. steigert. Es gibt Änleibestücke und Schatzanweisungen bis zu 166 M. herunter, und die Zablungsleimine sind so gelegt, daß jeder, der über keine flüssigen Mittel verfügt, sie aber im nächsten Vierteljahl zu erivarien Hai, schon jetzt seine Zeichnung anmelden kann. Das Nähere über die EinzahlungSlermine ergibt sich mit aller Klarheit aus der im Anzeigenteil dieser Nummer euihaltenen Bekanntmachung. Hervorgehoben sei hier nur, daß jemand, der 166 M. Kiiegsanleihe zeichnet, den ganzen Betrag erst am 6. Februar 1917 einzuzahlen braucht. Ter erste freiioillige Einzohlungstermm ist der 36. Sep- tember. Ihn werden sich alle die zunutze machen, die so frühzeitig wie möglich in den hohen ZinSgenuß treten wollen. Obwohl am 36. September mit der Einzahlung begonnen werden kann, werden Zeichuungsanmeldungen bis zum 5. Oktober entgegengenommen. Bei dem Kontor der Reichshauptbank für Werlpapiere tu Berlin und bei allen Zweigaiistalleii der Reichsbank mit Kasseneiniicktung werden Zeichnungen entgegengenommen, außerdem töinien Zeichnungen erfolgen durch Vermiitelung der Königlichen Scehandlung lPreußischeu Staatsbank), der Preußischen Zentral- GenosscnichaitS- Kasse in Berlin, der Königlichen Hauptbank in Nürnberg und ihrer Zweiganstalteii sowie sämtlicher deutschen Banken, Bankiers, öffcnt- lichen Sparkassen, LebcnsversicherungSgcsellschaflcn, Krcdllgenosjcn- schaften und durch die Postanstalten. Mus Industrie und Kandel. Das Gold während des Krieges. Ter Lcitaufsatz von„Stockholms Tagblad" vom 18. August beschäftigt sich mit dem Goldproblem und stellt fest, daß das Gold bei weitem nicht die wichtige Rolle im Kriege spielt und gespielt hat, wie man erwartete. Die Ansammlung von Gold in den Banken der kriegführenden Staaten, besonders Deutsch- lauds und dann Englands, ist bedeutend. Verringerung ist nur in Rußland, Oesterreich, Italien und Belgien festzustellen. Tie Vermehrung des Goldvorrats um 6,3 Milliarden setzt sich zu- sammen aus 3,8 Milliarden Produktion in den letzten zwei Jahren und 2,5 aus dem Verkehr. Amerika zeigt eine Ver- mehrung von 3,5 Milliarden, die übrigen Länder von 2,8 Milliarden. Von Deutschland nimmt man an, daß es den größten Teil seiner Goldvorräte mobilisiert hat. Der Gold- zuflutz an die neutralen Länder ist erheblich und es steht zu befürchten, daß dieselben Gold als Zahlungsmittel nicht mehr verwenden wollen. Vom Eisenmarkt. Der Stahlwerksvcrband hat den Verkauf von Halbzeug und Formeisen für die letzten Jahrcsvicrtcl zu den seitherigen Preis- bcdingungcn freigegeben. In Halbzeug bleibt der Bedarf der in- ländischen Abnehmer besonders seitens der Kriegsmaterial herstellenden Betriebe sehr umfangreich, so daß trotz vollständiger Einstellung der Ausfuhr die Befriedigung der überaus starken Nachfrage am Schwierigkeiten stößt. In Eisenbahnobcrbedarf haben die preußischen und würitembergischcn Staatsbahnen weitere Bestellungen aufgegeben In Formeisen hat sich die inländische Geschäftslage nicht geändert. Allgemein war die Nachfrage vom neutralen Anslaiid sehr lebhaft. Der Absatz dorthin ist jedoch sehr erheblich eingeschränkt und vom Abschluß neuer Geschäfte ist fast ganz abgesehen worden. Erhöhte Schiffsbautätiglcit i« England. Wie der Londoner Berichterslaller des„Manchester Guardian" vom 21. August erfährt, bat die Lage im englischen Schiffbau seit der Schlacht vor dem Skagerrak eine erhebliche Erleichieruug er« fahren, und der Handelsschiffbau hat viel größere Fortschrtlle ge- inachl. Auf dem Clyde, dem Tyne und anderen Schiffsbaustäucii werden jetzt mehr Dampfer vom Stapel gelassen, lieber neue Ver- gcbungeu hört man sehr wenig, aber alle Hauplfirmen sind ans eine lange Zeit hinaus voll versehen. In, Augenblick hindert natürlich, wie ich höre, der Mangel an gelernten Arbeitern und an Rohstoffen den Fortschritt. Nichtsdestoweniger kommt man schneller vorwärts, als zu irgendeiner Zeil seit Kriegsbeginn. Ueberdies sind auch auf den Werften Vcrbeffcrungen und Vergröße- rungen in solchem Umfange vorgenommen worden, daß, wenn die gewöhnlichen Verhältnisse wieder eingelrelen sind, die britischen Wersten in der Lage sein werden, ihre Erzeugung zu erböhcn uns gegen auswärtige Wettbewerber, die ihre Tätigkeil während der letzten zwei Jahre erheblich erweitert baben, erfolgreich amzutreten. Wie ich höre, wird die neue Gescllschafl in Chepsioiv am Wye. die die Slandardschiffe zu bauen beabsichtigt, vorerit nicht arbeiten lönnen. Aber die Werke sind im Bau und eine schon lange bestehende Werft in der Nähe ist hinzuerworbcn worden. Die„Pall Mall Gazelle" vom 2l. August fordert Maßnahmen dagegen, daß rellamiene englische Werftarbeiter zum Bau neutralen Schiffsraums in England verwandt werden. Tie englische Regie- nmg habe auch von dem ihr vertraglich zustehenden Rechte, die in England gebauten neutralen Dampfer anzufordern und ganz zu übernehmen, bisber noch keinen Gebrauch gemacht. Außer drei Schiffen von je 6666 Tonnen sind für neutrale Rechnung nock ins- gesamt 18—26 666 Tonnen im Bau. und nachdem io viele englische Schiffe versenkt worden sind, ist eS wohl Zeit, daß die Regierung handelt._ Eingegangene Druckschristen. Von der„Neuen Zeit« ist soeben das 22. Hcst vom 2. Band des 34. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heiles beben wir hervor: Die Konserenz der Neutralen und der Nationalrat der französischen Sozia- listen. Von Ed. Bernstein.— Die Perspektiven des Weltkrieges. Von Spcclator.— Vom Persönlichen zum Sachlichen. Von Heinrich Schulz. kSchluß.)— Vom Wirtichaftsmarlt. Von Heinrich Tnnow.— Lilerarilche Rundschau: Prof. Brackmann. Ostpreußischc Kricgshcste. Von Ernst Meyer. Dr. Sicgsried Wolff, Das Gründungsgcschäst. Von s. h. Von der„h'.leictibcit«, Zeitlchrist sür die Jnlercssen der Arbeiterinnen. isl uns soeben Nr. 25 des 26. Jahrganges zugegangen. Aus dem Jnbalt dieser Nummer heben wir hervor: Die Krlcgszielcrörterungen.— Ein Er- nährungsbeirat von Frauen. Bon W. Sollmann.— Die Konferenz der sozialisli'chen Parteien neutraler Länder im Haag.— Aus der Bewegung: Eine Jubilarin.— Gcwerkschasiliche Rundschau.— G-nosscriichaltliche Ruirdschau. Von H. F.— Notizcnteil: Für den Frieden.— Frauenarbeii. — Gcwerkschastlichc Organilaiion.— Frauen in ösfentiichc» Aemiern.— Fürjorge sür Mutter und Kind. Vom. Wahren Jacob" ist soeben die 18. Nummer deS 33. Jahrgangs erschienen 'Verantw. Redakt.: Alsreo Wielepp. Neukölln. Jnicratentest veranuo. Tb. Glocke. Berlm. Druck u. Verlag: Vorwärts Luchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer&i Co., iBerlin SW. Hierzu 1 Beilage u. Untcrhaltungsbl. Mag. I. Zeptmbtt 1916. Chronik des Weltkrieges. I. September 1V1S. Von der Schlacht bei Gilgenburg-Ortelsburg wird bekannt, daß sich die Zahl der russischen Gefangenen noch beträchtlich erhöht hat. Sie beträgt bis jetzt 70 000 Mann, darunter 300 Offiziere. Auch das gesamte Artilleriematerial der Russen ist vernichtet. Die Riesenschlacht in Südpolen dauert noch immer unter an- haltenden harten Kämpfen an. Die Hauptentscheidung an der Nord- front steht bevor. Kitchener fordert zum Eintritt in eine zweite Ersatzarmee von 100 000 Mann des regulären Heeres auf. Die Zahl der Meldungen zum ersten Ersatzheere soll befriedigend gewesen sein. Nach einer Meldung der„Frankfurter Zeitung,, hat der japa- nische Botschafter in London angekündigt, daß die Blockade der Küste von Kiautfchou begonnen hat. In der holländischen Zweiten Kammer gab Genosse Troelstra im Namen der sozialdemokratischen Kammersraktion eine Erklärung ab, in der er ausführte: „Die sozialdemokratische Kammerfraktion fordert die Pro- letarier auf, der internationale treu zu bleiben, obwohl ihre Macht noch zu gering war, den jetzigen Krieg zu verhindern. Auch unter den größten Schrecken des Krieges und der Rot, die in seinem Gefolge gehen, müßten die Arbeiter dem Sozialismus treu bleiben, um beim ersten Schimmer einer Friedenomöglichkeit dafür wirken zu können, daß ein Frieden unter Anerkennung der Selbständigkeit der Völker geschloffen werde. Als fozialdemo- kratifche Kammerfraktion eines kleinen Landes, dessen Regierung für das Ausbrechen des Krieges nicht verantwortlich und ent- scblosien sei, feine Neutralität strikte aufrechtzuerhalten, erachte sie sich in doppeltem Sinne berufen, olle Freunde des Friedens und insbesondere die Arbeiterklasse aufzufordern, bei der Erfüllung ihrer nationalen Pflicht jeder chauvinistischen Verhetzung fernzubleiben und alle» zu tun, damit au» den Greueln diese» Kriege» die Einsicht geboren werde, daß nur die Festigung eine» internationalen verbände» der freien Völker Europa» jeden kapita- listischen Wcttkamps nach Macht und Profit und damit jeden Krieg unmöglich machen könne." 1. Teptembcr 1914. Der Vormarsch der deutsch-österreichischen Truppen nimmt seinen Fortgang. Die Festung Luck ist genommen. Die Verfolgung im Vijalowieka-Forst wird weiter fortgesetzt. Der Oberlauf der Narew ist überschritten. Die Truppen des Generals Grafen Bothmer stürmten die Höhe des östlichen Strypausers bei Zborow. Von den deutschen Truppen wurden im Monat August auf dem östlichen und südöstlichen Kriegsschauplatz 2000 Offiziere und 2(50 839 Mann zu Gefangenen gemacht, über 2200 Geschütze und mehr als 500 Maschinengewehre erbeutet. Die Oesterreicher machten im gleichen Zeltraum 190 Offiziere und 53 299 Mann zu Gefangenen. Nach Petersburger Meldungen wurden die alchtgedlenten russischen Aeservisten zwischen 19 und 37 Zahren unter die Fahnen berufen. Die Kontingente sollen der Klasse 1916 beigefügt werden, die zusammen mit den neuen Reservisten eine neue Arme« von v 2 600 000 Mann bilden sollen. politische Uebersicht. Ter Zusammentritt dcS NeichStagS. Ein Berliner Mittagsblatt hatte gestern mitgeteilt, daß die Reise des Kanzlers und Dr. Helfferichs nach dem Haupt- guarticr auch mit der Frage in Verbindung stehe, ob der Reichstag früher, als ursprünglich beabsichtigt war, zusammen- treten soll. Würden sich die maßgebenden Persönlichkeiten dafür entscheiden, die Volksvertrctuitg vor dem seinerzeit fest- gesetzten Termine des 23. September zusammcnzubcrufen. so käme wahrscheinlich schon der nächste Donnerstag als Zeit- Punkt der Wiederversammlung des Reichstags in Betracht. Im Bureau dcö Reichstags ist von einer solchen Absicht nichts bekannt. Das„Berliner Tageblatt" kann versichern, daß die Reise der beiden Staatsmänner nach dem Haupt- guarticr in gar keinem Zusammenhange mit dieser Frage steht i es sei auch äußer st unwahrscheinlich, daß der Reichstag vorzeitig einberufen werden wird. Die Entscheidung darüber, ob der Reichstag am 26s September, dem Termin des Ablaufs der Vertagung, zusammentreten wird, oder erst an cineni späteren Tage, ist noch nicht getroffen. Tie Konservativen und der Reichskanzler. Die gestern von unS gekennzeichnete innerpolitische Lage, die sich in den Aeuherungen der rechtsstehenden Presse über die Ernennung Hindeitburgs und die künftige Ver- Wendung Herrn v. FalkenhäynS recht deutlich widerspiegelte, findet in der„Kreuz-Zeitung" von gestern abcitd noch eine sehr interessante Beleuchtung. Das konservative Organ wendet sich gegen einen zweiten Artikel der »Frankfurter Zeitung", in dem es u. a. heißt: »Hindenburg ist mit seiner Ernennung zum Generalstabschef in den Krei« der wenigen Männer getreten, die wir die Reichs- leitung nennen. Im Grunde mag er mit seinem Stabschef Ludendoiff. feit den fast Unbekannten die groben Siege in Ostpreuße» und in Polen aus seiner Berborgenhcit berautgerislen haben, schon längst an der Entscheidung der grotzen Fragen de« Reiches praltiichen Anteil gehabt haben, so fern er auch dem politischen Gelriebe und dem politischen Ehrgeiz steht. Jetzt aber bildet Hindenburg mit den, Reichskanzler und dem Kaiser die Spitze. Ter Kreis ist also enger geworden, als er von Anfang war, und da» ist gut so. Man kann hoffen und muh hoffen, daß künftig unserer Reichs- leitung jeder Zweifel an ihrer Kraft erspart bleiben mag. Klarer können die Verhältnisse nicht liegen: diese drei Männer tragen die ganze Last der Verant- w o r t n n g, und einen bei aller Besonnenheit Kräsligeren als Hindenburg wird man in unseren Reihen schwerlich finden." Diese Auffassung der„Frankfurter Ztg.", deren politische Stellung hinreichend bekannt sein dürfte, behagt nun der „Krcuz-Ztg." ganz und gar nicht. „Genen diele Deutung des Wechsels in der Leitung des Generalstabes möchten wir denn doch einige E i n>v e n d u n g e» erheben. Sie läufr auf den Versuch hinaus, jede etwaige künftige Kritik au der Politik der Reichsleiiung als auch gegen die Persönlichkeit Hindenburg« gerichtet hinzustellen und auf diese Weis« seine Autoritär gewißermaßen als schützenden Schild vor der Politik der .Reichsleitung' aufzubauen. Diese Konstruktion der .Frankfurter Ztg." widerspricht aber sowohl der staatsrechtlichen wie der tatsächlichen Lage. Denn staatsrechtlich ist und bleibt allein der Reichskanzler für die in, Reiche ge- führte Politik verantwortlich. Und diese Rechtslage bat zur Folge, daß seine Meinung auch in allen bedeulsamen Fragen die ausschlaggebende ist. Denn würde in einer solchen Frage wider ihn en, schieden, so könnte er ja die Verantwortung nicht tragen und mützle deshalb von feinem Amte zurücktreten... Die öffentliche Meinung wird sich aber in allen Fragen, die einen geringen oder stärleren politischen Einschlag haben, niemals an den Generalstabschef halten können, schon weil sie gar nicht weiß, wie dieser bei den internen Beratungen dazu Stellung genommen hat, sondern nur an die Stelle, die die verfassungsmäßige Verantwortung zu tragen hat. Deshalb kann aber auch der Umstand, dab«ine Persönlichkeit von der Autorität HindenburgS die Stellung des Generalstabschek« bekleidet, kein Grund fein. Bedenken gegen die Kriegspolitik der.ReichSleitung", deren Aeutzerung sonst Pflicht wäre, zu unterdrücken. Ganz abgesehen davon, daß am allerwenigsten die.Frankfurter Zeitung" sich den Satz zu eigen machen wird, daß die Kritik der Autorität gegenüber zu schweigen habe. Wenigsten« ist sie niemals bereit gewesen, diesen Satz der Autoritär Bismarcks gegenüber zu betätigen." Der Sinn dieser Ausführungen ist so klar wie nur mög- lich: die Konservativen nebst deren Kampfgenossen erkennen keinen inneren Waffenstillstand an und wollen sich durch keinerlei Rücksichten auf den„enger" gewordenen Kreis der an der Spitze stehenden Männer von ihrem Kampf gegen den Reichskanzler zurückhalten lassen. Daß sie sich hierbei— juristisch niit unbestreitbarer Berechtigung, aber historisch im Widerspruch mit ihrer ganzen Vergangenheit und politischen Grundauffassung— auf die Verfassung berufen und die demokratische Presse, die sich schützend vor die Autorität stellt, der Inkonsequenz bezichtigt, ist eine der ungewollten Heiter- leiten der Situation._ Tie Konservativen und die ReichSkonferenz. Ter neulich von uns veröffentlichte Beschluß deS Aktions- ausichusses öer Troß-Berliner Parteiorganisation über die Beschickung der vom Parteiausschuß geplanten Reichs- konferenz veranlaßt die„Deutsche T a g e S z t g." zu folgender Aeußerung: „ES wird hier jedenfalls zu einer Kraftprobe kommen zwischen den widerstreitenden Gruppen der noch am Ruder be- findlichen Mehrheit und der immer anspruchsvoller auftretenden Minderheit. Das Interesse der konservativen Kreise an dieser Reichskonferenz beruht in erster Linie auf der Feststellung, wie sich die Kräfte der einzelnen Gruppen über da« Reich oerteilen, und inwieweit die Sozialdemokratie gewillt ist, sich mit den Grundlagen der deutschen Staats- und Rechtsordnung auszusöhnen und ihr« P a r- t c i d o k t r i n„zum Plunder" zu werfen. Die Klarheit, die hier geschaffen wird, wird auch auf anderen Gebieten zutage treten." Der Sinn bieser etwas dunklen Sätze ist überaus klar. Nachdem sich die konservativen Führer Heydebrand und Westarp vor kurzem dahin ausgesprochen haben, daß sie ihre eigene„Parteidoktrin" keineswegs„zum Plunder" werfen wollen und insbesondere ibre bisherige Haltung der Sozialdeuiokratie gegenüber als die einzig richtige und not- wendige betrachten, ist die konservative Presse bestrebt, den Richtungskcnnpf in der Sozialdemokratie für ihre Partei- politischen Zwecke auszuschlachten. Will die Partei ihre Gnmdsätze„zum Plunder" werfen— so werden die Konser- vativen binsichtlich der„Neuorientierung" vielleicht mit sich reden lassen. Will aber die Partei ihre Grundsätze nicht zum Gegenstand eines Schachergesctzäfts machen und lehnt sie die anmaßende Zuinutung ob, sich hiirsichtlich ihrer politischen Haltung von den Konservativen Vorschriften nrachen zu lassen— nun, so werden die Konservativen sagen: Ihr habt es ja selber gewollt, daß alles beim alten bleibt I Dies ist der strategische Plan, den sich die Konservativen für den„inneren Krieg" zurecht gemacht haben, und mit dein sie noch immer hoffen, ihre Vorherrschaft behmipten zu können. Mögen sie sich dieser Illusion hingeben! Die Ereignisse werden sie schließlich mit überzeugender Wucht darüber belehren, daß die Zeiten für solche Praktiken für immer dahin sind. Hartnäckige Verleumder. Der„Deutschen Tageszt g." und der„P o st" ist unsere gestrige Festnagelung des Schwindels von den eng- li'chen Millionen-depots der„Partei" oder der„Gewerkschaft" nicht überzeugend genug. Die„Post" schreibt: „Jeder, der die Verhältnisse auch nur einigermaßen kennt. weiß, daß es eine„Bank von London" nicht gibt, sondern nur eine „Bank von E n g l a n d". Wenn das sozialdemokratische Pressebureau seiner Behauptung eine überzeugende Beweiskraft aeden will, dann mutz es das Dementi ein wenig anders ab- fassen. Auf diese Weise ist die ganze geheimnisvolle Geschichte jedenfalls nur noch unklarer geworden, und das Miß- trauen, daß sozialdemokratische Gelder in hohen Summe» tatsächlich im Auslände angelegt worden sind, hat nur neue Nahrung erhalten." Aehulich äußert sich die ,.T. T.", die ein zweites Dementi verlangt, daß der„sozialdemokratische Millionenschatz" in der Bank von England angelegt worden sei. Das Amü- sante bei der Sache ist, daß die eifrigen— Wahrheitssucher der„T. T." den Wortlaut ihrer eigenen Verleumdung ver- gessen haben. In der Notiz, die die„T. T." aus der llnab- hängigen Nationalkorrespondenz übernahm, wird ausdrücklich gefragt, ob es richtig sei.>daß die„Partei" oder die„GeWerk- schaft" ihr Millioncnkapital bei der„B a n k v o n L o n d o n" niedergelegt habe. Bei dem Abdruck dieses verleumderischen Klatsches gab es also keinen Zweifel an der Eristcnz dieser Bank. Diese Zweifel tauchten erst auf, als das Presseburean die ganze Nachricht als falsch erklärte. Konservativer Jammer. Ter Zwiespalt in der imtionalliberalcn Parte!, den wir gestern anläßlich der Aeußerungen der«Kölnischen Zeitung" über den Aufruf des Schäferschen Ausschuffes und ihrer Zurückweisung des Standpunktes der„Nationalliberalen Korrespondenz" feststellten, löst bei der„Deutschen Tageszeitung" folgende weh- mutige Betrachtung aus: „Es wäre sehr zu bedauern, wenn die in diesen beiden Blättern zutage getretene verschiedene Auffassung des Schäferschen Ausschuffes auch in der nationalliberalen P a rtei Boden gewänne. Die„Kölnische Zeitung" ist leider im Irrtum, wenn sie von einem„Wettbewerb der ver- schiedencn Ausschüsse, um Tinge, die wir doch alle wollen", spricht. Zwischen den Friedenszielen des Schäferschen und des Fürstlich Wedelschen Ausschusses, der sich ganz ungerechtfertigt „N a t i o n a Tausschuß nennt, bestehen nicht— wie hier schon öfter ausgeführt wurde—Unterschiede gradueller, sondern prinzipieller Natur." Wenn dem so ist, hat die„D. T." noch weniger Veranlassung sich darüber zu wundern, daß die„Köln. Ztg." und die hinter ihr stehenden Kreise der nationalliberalen Partei die KricgSziele der „Unentwegten" ablehnen._ Eine neue Denkschrift. Die„Bremer Nachrichten" melden:„Eine Eingabe an die Bürgerschaft, unterzeichnet von Herr» Professor Dr. Grunert und sünfzig Herren, enthält eine Bitte, die gleichzeitig auch in allen übrigen Bundesstaaten an Allerhöchster Stelle unterbreitet wird. ES handelt sich um die Selbständigkeit und gesunde Weilerentwickc- lung der Bundesstaaten und um die Abwehr der den Gliedstaaten des Reiches angeblich drohenden Gefahren. Da die Begründung s i ch mit den Kriegszielen beschäftigt, isteS verboten, darauf öffentlich einzugehen." „Land oder Geld!" Die„Unabhängige Nationalkorrespondenz" beschäftigt sich mit der Lieblingsidee des Herr» Georg Bernhard „Land oder Geld" in einer Weise, die für den Geisteszustand unserer Allerweltscroberer recht bezeichnend ist. Das genannte Organ hält es für eine völlig willkürliche und auch unerlaubte Auslegung des Schäferscljen Aufrufs, wenn man in Ver- binduitg mit ihi» überhaupt die Frage stellt: Gebietscrwerb oder Kriegsentschädigung? „Die„Posf. Ztg."— heißt eS in dem Artikel weiter— halte schon vordem mit dem gefährlichen Gedanken einer Gleichwertung feindlicher Gebiets- und Gcldabtrelung gelreväugclt, obgleich die Dinge doch so liegen, daß ein hinreichender Landerwcrv zwar eine gleichzeitige Gcldcntschädigung unter Ilmständcn entbehrlich machen kann, weil er eben auch wirtschaftlich unsere dauernde Stärkung und Sicherung bedeuten! kann; daß aber niemals eine noch so hohe Kriegsentschädigung den Landerwerb ersetze» kann, ersten«: weil sie nur eine einmalige, keine dauernde Stärkung unseres Wirtschafts- lebens herbeiführen loürde. zweitens und vor allem: weil sie die politische und militärische Sicherung, die uns die Abtretung des entsprechenden feindlichen Gebiets bringt, überhaupt nicht bewirken kann. Deshalb kann das deutsche Kriegsziel unter keinen Umständen heißen: Land- oder Geldentschädi- gung. Es muß in jedem Falle lauten: Lander- werb. Und es kann auch heißen: Landerwerb und Kriegs- cntschädigung."_(rj Russell und Förster. Anläßlich der Amtsentsetzung des englischen Professors B. Russell sind in der deutschen Presse, auch in einem Teil der Parteipreffe, Vergleiche angestellt worden mit dem Fall des Münchener Professors Fr. W. Förster, dessen Konflikt mit der Uni- vcrsität bekanntlich infolge Einmischung der Oeffentlichkeit ohne erhebliche Beeinträchtigung der akademischen Lehrfreiheit beige- legt wurde. Zu diesen Vergleichen, die in bestimmter Richtung zugespitzt waren, nimmt Professor Förster nun in einer Zuschrift an die„Frankfurter Zeitung" Stellung: „Sie haben— schreibt er— kürzlich eine Bemerkung der „Daily Reivs" wiedergegeben, worin gegen die AmtScntsetzung de« Cambridger Mathematikers B. Russell protestiert war: die „Dailh NewS" vergleiche» bei dieser Gelegenheit den..Fall Russell" mit meinem Univcrsitätskonflikte. und zwar zuungunsten der englischen Verhältnisse. Solche Hinweise sind gc eignet, diejenigen Elemente bei uns zu unter stützen, die sich gegen die Freigabe oder Milde- rung der politischen Zensur zur Wehr setzen: Sie gestatten mir daher wohl, wenn auch verspätet, den Vergleich der „Dailh News"-in folgendem Sinne richtigzustellen: Professor Russell hatte bekanntlich ein Flugblatt zugunsten der Dicnstm- Weigerung au» Gcwissensgriinden verfaßt und verbreitet— das war nun doch zweifellos eine eminent militärische Auge- legenheit, fiel unter militärisckze Jurisdiktion und wäre bei»ns »och viel härter bestraft worden, al« dies in England geschehen ist. Mein Fall hatte mit Kriegszielen und militäri- schen Angelegenheiten gar nichts zu tun. sondern nur mit der Beurteilung riner vier Jahrzehnte zurückliegenden politischen Vergangenheit, kann also mit dem Fall Russell absolut nicht ver- glichen werde». Eine politische Zensur existiert in England überhaupt nicht— seder von uns wird sich an zahlreiche, auch von deutsche,» Zeitungen wiedergegebenc, überaus freimütige Aeußerungen englischer Politiker. Gelehrten und Dichter«ver England« Mitschuld am Kriege. Englands Weltpolitik und über die Fehler oder Torlwiteu leitender englischer Staatsmänner er- inner». Kürzlich erst ist«ine Schrift von Prof. Dickinson über International Anarchy erschienen, worin e« eine ganze Reihe von Betrachtungen gibt, wie sie in Deutschland— zum Schaden für die Klärung unserer öffentlichen Meinung— bis jetzt nie- inalS hätten gedruckt werden dürfen." Man kann.Herr» Professor Förster nur Dank wissen, dnß er durch freimütige Beleuchtung des Falle» Russell der politischen Tendenzjournalistik eines ihrer Lieblingsthemen entzogen hat. Sie können sich nicht davon trennen! Wie wir neulich mitteilten, bot sich Pastor LIz. Mumm. Mit- glied des Reichstage», im christlichsozialen„Volk" dahin au«ge- sprochen, daß die Aufrcchterhaliung des Jesuitengesetzes keine praktitche Bedeutung mehr habe. Er habe Grund zu der Annahme, daß leine Partei des Reichstages eine Beseitigung dcS Jesuiten« gesetzes bekämpfen werde. .Da» letztere— bemerkt hierzu der fromme„Reichs- bot«"— möchten wir bezweifeln, wie wir auch über die Zweckmäßigkeit", das Gesetz abzubauen, anderer Ansieht find. Selbst viele deutsche Katholiken wollen nichts davon ivissen. Daß die„Kölnische Volkszetlung" die„dankenswerte Er- klärung" Liz. Mumm» mit Freuden begrüßt, ist felbstvcr- ständlich." Daß da« Berliner Pastorenblatt, im Gegensatz selbst zu seinen engeren Gesinnungsfleunden, sich mit Händen und Füßen gegen die Aushebung eine« Ausnahmegesetze« sträubt, ist so recht bc- zeichnend für den Geist der Unduldsamkeit, an dem unsere lonser- vativ-llerikalen Kreiie, ollen EinigungSdellamatione» zum Trotz, selbst auf konfessioilellem Boden festhalten. Beschlüsse des Bundesrats. Ter Bundesrat hat am TonnerSlag folgenden Borlagen zu- gestimmt:») Aenderung der Bekanntmachung, betreffend die Ernte- vorschäyunge» im Jahre 1916, vom 21. Juni 1916; dj Entwurf einer Bestimmung über dt« Einrichtung und den Betrieb von An- lagen zur Herstellung von Bleifarben usw.; o) betreffend Aenderung der Verordnungen zur Regelung deS Absätze« von Erzeugnissen der Kartoffeltrocknerei usw.; d) über den Entwurf einer Bekanntmachung über die Bestätigung vo» Schecks durch die ReichSbanl. das tägliche örot. Ueber Ankauf und Versand von Eiern. Amtlich. Berlin, 31. August.(W.T.B.) Das Inkrafttreten der Vorschriften der Eicrverordnung über den Erlaubniszwang der Aufkäufer, der Deklarationspflicht beim Postvcrsand und die Vorlage einer Ermächtigung zu diesem ist durch die Bc- kanntmachung im Reichsgesetzblatt vom 1. auf den 18. September d. I. hinaus geschoben wor- den, da sich die zur Durchführung dieser Vorschriften er- forderlichen Vorarbeiten in einigen Teilen des Reichs nicht ermöglichen ließen und Stockungen in der Eicrversorgung vermieden werden müssen. Entgegen einer vielfach vcrbrei- teten Meinung sei darauf hingewiesen, daß bis zum 18. Sep- tembcr Eier ohne Deklaration und ohne Vorlage eines Aus- weises versandt werden dürfen, sofern nicht in einzelnen Bundesstaaten schon seither etwas anderes bestimmt ist. Regelung der Kartoffeltrocknung. Amtlich. Berlin, 31. August.(W. T. B.) Der Bundesrat hat in seiner heutigen Sitzung eine V e r- ordnung über die Regelung des Absatzes von Erzeugnissen der Kartoffeltrocknung und Kartoffel st ärkefabrikation erlassen, die sich im wesentlichen an das bisher geltende Recht anschließt. Er- gänzt ist vornehmlich die bisherige Strafbestimmung dahin- gehend, daß die Geldstrafe nicht geringer sein darf als der Wert der hinterzogcnen Ware. Die Kriegsgesellschaft für Sauerkraut m. b. H. in Berlin W, Pot-damer Str. 75, hat mit Zustimmung des Be- vollmächiigtcn des Herrn Reicbskanzlers aus Grund des 8 2 der Verordnung vom 5. August 1S16 über die Verardcitung von Ge- müse bestimmt, daß Sauerkraut bis zum 15. September 1916 noch ohne ihre Genehmigung im Einzelsalle geliefert werden darf. Dadurck ist Fürsorge getroffen, daß in dem Handel mit Sauerkraut keine Stockung eimritt. Die Gesellschaft wird bis zum 15. September 1916 die Preise und die näheren Bedingungen für den späteren Absatz von Sauerkraut festsetzen. Staütverorönetenversammlung. 18. Sitzung vom Donnerstag, den 31. August 1916, nachmittags 5 Uhr. Die Sitzung wird vom Vorsteher Michelet eröffnet. Der am 17. Juli d. I. verstorbene Besitzer der.Papierzeitung". Geheimer Regierungsrat Dr.-Jng. d. c. Karl H o f m a n n, hat der Stadt eine Million Mark zu dem Zwecke vermacht, dieses Kapital zur Erhaltung, Erziehung und Aus- bildung unehelicher Kinder ohne Unterschied der Reli- gion zu verwenden. Der Betrag soll innerhalb eines Jahres nach Friedensschluß aus dem Nachlaß an die Stadt gezahlt werden. Der Magistrat beabsichtigt, die Stiftung durch die Waisendepu- tation verwalten zu lassen. Die Versammlung ist mit der Annahme des Vermächtnisses einverstanden. Die Speisung der bedürftigen Gemeindeschul- kinder soll vom 1. Oktober ab in städtische Verwaltung übernommen werden. Stadtv. Dove(Linke): Ueber die Organisation wird uns für später eine Vorlage in Aussicht gestellt. Warum sollen wir be: dieser Organisation nicht schon jetzt mitwirken? Wir möchten uns nicht vor vollendete Tatsachen stellen lassen. Ich beantrage daher Ausschußberatung. Oberbürgermeister Mermuth: Es handelt sich hier um eine Kriegsmaßnahme. Wie sich die Sache nach dem Kriege gestalten wird, läßt sich noch nicht übersehen. Gegen Ausschußberatung haben wir nichts. Stadt. Leid(Soz.): Wir begrüßen es mit Genugtuung, daß uns der Magistrat verhältnismäßig schnell diese Vorlage unter- breitet, welche eine von uns wiederholt erhobene Forderung ver- wirklicht auf Grund eines Beschlusses, der hier im Februar ein- mutig gefaßt worden ist. Wir begrüßen die Vorlage um so lieber, weil wir uberzeugt sind, daß damit die betreffenden Schulkinder gegen den gegenwärtigen Zustand eine Verbesserung erfahren werden und die Gemeinde aus einem Zustand herauskommt, der sich als ein nicht ganz würdiger erwiesen hat. Wir wollen bei dieser Gelegenheit trotz aller Differenzen mit dem Leiter des Kindervolksküchenvereins ein gewisses Verdienst dieses Mannes und seines Vereins anerkennen. Die Speisung hungriger Schul- kinder geschieht nicht sowohl, um die Kinder satt zu machen, als um den Schulunterricht für sie nutzbar zu machen; sie ist � eine Einrichtung der Schule und gehört zur Schule. Die zu schaffende Organisation muß ebenfalls diesen Charakter zum Ausdruck brin- gen. Wir erheben daher erneut Einspruch dagegen, daß die be- züglichen Recherchen der Armenverwaltung übertragen werden; die Angelegenheit darf nicht vom armenrechtlichen Gsua�siunkt betrachtet werden. Nur die Schulverwaltung selbst hat die Recher- chen vorzunchmen und die Entscheidung zu treffen; ob die Lehr- Personen oder die Schulkommissionen damit zu betrauen sind, wird noch zu prüfen sein. Stadtv. Dove: Dem Plan als solchem sind wir durchaus freundlich gesinnt, wir wollen nur über die Organisation alsbald mitberaten. Die Ausführungen des Vorredners bewegen sich durchaus auf derselben Linie. Die Vorlage geht an einen Ausschuß, der noch heute vom Vorstand ernannt werden soll. Der am 15. Juni d. I. verstorbene Sanitätsrat Dr. Max Runge hat die Stadt zu seiner Universalerbin eingesetzt; aus dem Kapital von rund 800 000 M. soll ein Z i e r b r u n n e n unter dem Namen„Max-Runge-Brunnen" errichtet werden. Die Versammlung erklärt ihr Einverständnis mit der An- nähme der Erbschaft. Die sozialdemokratische Fraktion Stadtvv. Barkowski und Genossen) hat am 18. August folgenden Antrag eingebracht: Die Versammlung wolle beschließen, den Magistrat zu er- suchen, alle geeigneten Maßnahmen zu treffen, um die Ver- sorgung Berlins mit Nahrungsmitteln wäh- rcnd der Wintcrmonate sicherzustellen und beim Kricgscrnährnngsamt zu beantragen, daß die viel zu hohen Höchstpreise für Kartoffeln, Brotgetreide, Fleisch und Fett herabgesetzt werden. Oberbürgermeister Mermuth: Es würde dem Magistrat wert- voll erscheinen, wenn die Erörterungen über den vorliegenden Antrag nicht schon von heute stattfänden. Es schweben über eine Reihe Lebensmittelfragen Erwägungen, über die wir zunächst die Nahrungsmitteldeputation anzuhören für unbedingt erforderlich halten. Die Einberufung dieser Deputation, in welcher ja auch die Versammlung matzgebend vertreten ist, habe ich bereits ver- anlaßt. Ebenfalls wichtige Erörterungen über wichtige Fragen im Sinne des vorliegende» Antrages schweben bei Reichs- und Staatsbehörden, über deren Verlauf wir hier Bericht erstatten möchten. Wenn Sie wie wir wünschen, daß sich der Magistrat an der Debatte ausgiebig beteiligt, so bitte ich Sie, das Ergeb- nis dieser Beratungen abwarten zu wollen.(Zustimmung.) Stadtv. Wurm(Soz.): Wir sind bereit, den Antrag zurück- zustellen, aber nur auf die nächste Sitzung, spätestens auf 14 Tage. Die Mißstände sind groß und verlangen dringend Abhilfe. Die Beratung des Antrages wird hierauf auf die nächste Sitzung vertagt. Diese wird wahrscheinlich in 14 Tagen statt- finden. Ein Antrag derselben Antragsteller, gleichfalls vom 13. August, geht dahin: den Magistrat zu ersuchen, schleunigst Vorkehrungen zu treffen, daß in unseren städtischen Heimstätten mehr Platz für die Aufnahme insbesondere tuberkulös erkrankter Frauen geschaffen wird. Stadtv. Dr. Zadel(Soz.): Die Frequenzverhältnisse unserer Heimstätten lassen schon seit Jahren zu wünschen übrig; im ! Sommer sind sie überfüllt, im Winter stehen sie leer. In diesem Kriegsjahre 1916 sind die Verhältnisse noch schlimmer als vorher. Es waren am 3. August in Blankenfelde 15« Vormeldungen mit einer Krankenzeit von 52 Tagen, am 10. August 123 mit 43, am 23. August 105 Vormeldungen mit 42 Tagen Wartezeit. Noch schlimmer steht es in Malchow; da waren am 3. August 267 Vor- Meldungen von Kranken, die also keine Aufnahme finden konnten, mit einer Wartezeit von 54 Tagen, also sieben bis acht Wochen; am 10. August waren es 375 Vormeldungcn mit 59 Tagen Warte- zeit, am 23. August 280 mit 55. Gerade in diesem Jahre sind aber die Verhältnisse noch schlimmer, weil infolge der mangelhaften Er- nährung die Zahl der tuberkulösen Frauen, die von der Aufnahme und dem Aufenthalt die Wiederkehr ihrer Arbeitsfähigkeit und Ge- sundheit erwarten, viel größer geworden ist. Wenn die Frauen monatelang warten müssen, wird ihre Kräftigung illusorisch. Es ist die besondere Pflicht der Gemeinde, diesem immer fühlbarer werdenden Uebelstande abzuhelfen. Auch in der jetzigen Kriegszeit gibt es Mittel und Wege zur Abhilfe. Ich würde die Einsetzung eines Ausschusses zur Erörterung dieser Frage für zweckmäßig halten. Sofort und ohne große Kosten durchführbar wäre die ver- mehrte Aufstellung von Betten. Wir sind zudem im Sommer und könnten Zelte aufschlagen, die es ermöglichen, daß die Leute auch die Nacht über im Freien sein können. Ohne große Schwierig- keiten ließe sich eine solche Luftbehandlung einrichten. Die Schwie- rigkeiten hinsichtlich der Ernährung werden sich überwinden lassen. Für den gleichen Zweck könnten>dann aber auch andere städtische Güter bereitgestellt werden, z. B. in Lanke. Endlich lassen sich Abmachungen mit anderen Heimstätten um Berlin herum treffen. Der Gesundheitszustand in Berlin verschlechtert sich zusehends; man sehe sich nur die Mortalität der letzten Wochen an. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Stadtrat Kalisch: Die beklagte Erscheinung ist absolut nicht neu, sondern wiederholt sich von Jahr zu Jahr, in diesem Jahre allerdings etwas stärker. Im Heimstättenkuratovium sind wir eigentlich ganz froh darüber, daß die Anmeldungen sich häufen, weil wir dann eine größere Anzahl Patienten in den Winter hin- einnehmen können. In Berlin ist nämlich die Meinung ver- breitet, daß man im Winter in solche Anstalten nicht gehen darf. Die vorgemeldeten Leute, die noch draußen sind, kommen alle nach und nach in die Heimstätten hinein.(Zuruf bei den Sozialdemo- kraten: Wenn sie es erleben!) Mit Bauten sieht es trübe aus; für die Aufstellung von Baracken und dergleichen haben wir keinen Platz. Die Zahl der Vormeldungen ist ja groß, nimmt aber stetig ab. Die Leute wollen vielfach auch gar nicht sofort bei der An- Meldung aufgenommen werden; Klagen über zu lange Wartezeit sind an das Kuratorium nicht gelangt. Vorkehrungen für die Auf- nähme einer größeren Anzahl von Frauen sind beschlossen und werden getroffen werden. Der Antrag wird sich also in gar nicht langer Zeit von selbst erledigen. Stadtv. Hömtzcn(Fr. Fr.): Zwei unserer Heimstätten, Upstall und Blankenburg, sind zurzeit anderweitig benutzt und werden uns erst nach dem Kriege zurückgegeben werden. Die beiden anderen sind, wie immer im Sommer, sehr stark belegt, aber wie immer geht die Zahl der Anmeldungen von Monat zu Monat zu- rück. Im November und Dezember sind viele Betten frei. Mit Erweiterungsbauten vorzugehen, halten wir jetzt nicht für enge- bracht; es würde vor Sommer 1917 nichts fertigzustellen sein, und dann hoffen wir doch, Frieden zu haben und die beiden anderen Heimstätten zurückzubekommen. Wir lehnen den Antrag ab. Stadtv. Dr. Jsaac(Linke) steht durchaus auf dem Boden der Ausführungen des Magistratsvertreters. Das eine Gute werde die Anregung wohl wirken, daß die Patienten auch im Winter in die Anstalten kommen. Die Zusage, die der Stadtrat zuletzt ge- geben habe,. sollte baldigst erfüllt werden. Stadtv. Dr. Zadck: Erweiterungsbauten habe ich gar nicht vorgeschlagen, weil mir deren Schwierigkeiten bewußt sind; aber ich habe gangbare Wege gezeigt, wie man dem Uebelstand ohne große Kosten steuern kann. Es ist zugestanden worden, daß hundert Leute abgewiesen wovden sind, also Wochen und Monate warten müssen. Jeder Mediziner weiß, was das bei Tuberkulösen be- deutet; darüber darf man nicht leichtsinnig hinweggehen. Der Vorsteher bringt den Antrag Barkowski zur Abstimmung. (Rufe: Ausschuß!) Stadtv. Bruns(Soz.): Der Antrag muß ohnehin, da er eine Geldbewilligung in sich schließt, an einen Ausschuß gehen. Vorsteher: Es liegt kein Antrag auf Ausschußberatung vor. Wenn der Antrag abgelehnt wird, braucht er nicht an einen Aus- schuß zu gehen. In der Abstimmung wird der Antrag abgelehnt. Schluß gegen 7 Uhr. Ms Groß-Serlin. Die Lebensmittelfrage! Die Berliner Stadtverordnetenverfamm- l u n g entschied gestern über den die Lebensmittel- Versorgung betreffenden Antrag der sozialdemokratischen Fraktion noch nicht. Oberbürgermeister Mermuth erklärte, daß im Sinne des Antrages Erwägungen schweben und Verhandlungen im Gange sind, und die Beratung wurde dann um zwei Wochen vertagt. Ter Zweck des Antrages war, den Magistrat zu tatkräftigem Vorgehen anzuregen. Genosse Wurm hob hervor, daß die Mißstände groß sind und dringend eine Abhilfe erfordern. In vierzehn Tagen wird man hören, was geschehen soll. Dieselbe Sitzung brachte eine Debatte über die Schul- sp eisung, die demnächst in die Verwaltung der Stadt übergeht. Ueber die Organisation soll ein Ausschuß beraten, den trotz Abwinkungsversuchen des Oberbürgermeisters die Versammlung einsetzte. Genosse Leid empfahl, man möge bei der Uebcrnahme den bisherigen Zustand, daß vor der Zulassung zur Scheilspeisung die Bedürfnisfrage durch Armenpflcgeorgane geprüft wird, endlich b e- fettigen. Auch das wird im Ausschuß zu erörtern sein. Der starke Zudrang zu den Heimstätten hatte die sozialdemokratische Fraktion zu einem Antrag auf Abhilfe ver- anlaßt. In der Begründung hob Genosse Zadek hervor, daß in neuerer Zeit die Tuberkulose unter den Frauen zu- genommen hat. Gegen seine Borschläge von Maßregeln, die eine Mehrung der Hcimstättenaufnahmen ermöglichen sollen, wandte sich als Magistratsvertreter der Stadtrat Kalisch. Ihm gilt der jetzige Zudrang zu den Heimstätten als keine schlimme Erscheinung. Der Antrag wurde, nachdem auch die Redner des Freisinns gegen ihn gesprochen hatten, ab- gelehnt._ Die Winterversorgung mit Kartoffeln. Um während der kalten Jahreszeit die Versorgung der Be- völkerung mit Kartoffeln sicher zu stellen, ist eine Winter- Versorgung durch Lagerung im eigenen Haushalt in Aussicht genommen worden. Hiermit wird allen denjenigen Personen eine Lagerung ermög- licht, welchen luftige, kühle und trockene Räume zur Verfügung stehen, die vor Frostgefahr geschützt sind, and in denen die Kartoffeln dunkel ausbewahrt werden können. Während voraussichtlich die allgemeine Kopfportion in den kommenden Monaten 1 Pfund für den Tag betragen wird, sollen diejenigen Haushaltungen, die sich Kartoffeln einlagern, als Aus- gleich für Schwund und Verderb etwas mehr erhallen. Es ist ge« plant, für die Zeit vom 20. November 19i6 bis 18. März 1917 für jede Person l'/.2 Zentner zum Preise von etwa 6 M. für den Zentner frei Haus abzugeben. Den Haushallungcn ist freigestellt, ihren Be- darf nur für einen Teil der Haushaltnugsangehörigen anzumelden, jedoch werden weniger als Itz'z Zentner sür einen Haushalt nicht verabfolgt. Wer sich also einen Wintervorrat hinlegen will und kann, hat dies bis zum 9. September bei seiner Broikommiffion anzumelden. Bezugscheine, auf Grund deren dann die Bestellung bei den Karioffel-Groß- oder Kleinhändlern erfolgen kann, werden später ausgegeben werden. Selbstverständlich erfolgt der Empfang von Beznpsstficinen nur gegen Rückgabe der entsprechenden Anzahl Karloffellarten. Eine Verpflichtung übernimmt die Stadt weder hinsichtlich der Anlieferung selbst noch hinsichtlich ihres Zeitpunktes. Da eine EiUichädigung für verdorbene Kartoffeln wegen Schwund oder sonstiger Verluste nicht gewährt wird, so muß jeder, der Kar- toffeln lagert, die Einlagerung sorgfältig vornehmen und dauernd beobachten. Da auf Nachlieferung für vorzeitig verzehrte Vor- räte nicht gerechnet werden kann, ist sparsames Haushalten mit den eingelagerten Kartoffeln erforderlich. Der Magfflrot Berlin bittet uns mit Rücksicht aus zahlreiche Anfragen, die insbesondere aus den Kreisen der Kartoffelhändler an ihn gerichtet werden, mitzuteilen, daß eme Herabsevung des Klein- Handelshöchstpreises sür Kartoffeln für die nächste Woche keinesfalls zu erwarten steht._ Süßstoffe und Zuckervertcilung. DaS Nachrichtenamt des Berliner Magistrats schreibt: Wegen Maschinenstörung in einer der'Saccharinfabriken werden an die Restaurants und Casss in nächster Zeit nicht mehr G- Packungen, sondern sogenannte �-Packungen ausgegeben werden. Dieser Süßstoff ist nich'l in Tabletteniorm mit Natronzusatz. s»ndern wie bei den H-Packungen in Kristallform hergcssielll und hat 450 fache Süßkraft. Er muß in warmem Wasser aufgelöst werden, wie der im Haushalt gebrauchie, nach deinselben Maßstab von U/i Gramm auf l/a Liter und wird dann den Gästen in Kännchen vorgesetzt; ein Teelöffel wäre dann drei Slücken Zucker gleich zu achten. Den Haushaltungen kann nur dringend empfohlen werden, mit Zucker fleißig zu sparen und dafür den Süßstoff in der U-Pocküng zu benutzen. Die Zuckermenge wird d e m n ä ch st wieder heruntergesetzl werden müssen, boranssichtlich a u f 300 Gramm für den halben Monat, da das feuchte Wetter der letzten Wochen die Besorgnis nahelegt, daß die neue Ernte nicht rechtzeitig wird vorbereilel werden iönnen; daraus ergibt sich dann die Notwendigkeit einer Streckung der vorhandenen Vorräte. Gebrauchen aber die Hausfrauen für den gewöhnlichen Küchenbcdarf und das Süßen von Getränken den Süßstoff, so können sie mir dem gesparten Zucker immer noch etwas einmachen und kommen über die schwierige Zeit der Zuckerknapphcit bis zum Einlauf der neuen Ernteprodukie bequem hinweg. Die vor einigen Tagen in verschiedenen Zeitungen erschienene Notiz, daß Neuanmeldungen für Ausgabe von Znckerkarien für Ein- machdzucker nach entgegengenommen werden, trifft nicht für Berlin, sondern nur sür die Vororte zu. Berlin hat keinen weiteren Ein« machezucker erhalten. Zur Alcischabgabe. Es sind Beschwerden darüber laut geworden, daß das kausende Publikum vielfach gezwungen sei, die gesamte, den einzelnen Haus« hallungSmilglicdern zustehende Fleiichmenge auf einmal zu enl« nehmen. Soweit Berlin in Frage kommt, weist der Magistrat darauf bin, daß ein solcher Zwang nicht besteht. Die Fleischer haben kein Recht, ein dahingehendes Perlangen zu stellen, vielmehr soll der Fleischer so verfahren, daß die Kunden, welche beim ersten Aufruf in der Woche die Fleiichporiion nicht voll entnommen haben, in der Lage sind, noch ein zweites Mal in der Woche einzukaufen. 90 Gramm Butter in der nächsten Woche. In der nächsten Woche vom 4. September ab bringt die Butter« versorgungSftelle nur Butter, und zwar 90 Gramm aus den Kopf zur Verteilung. Der Kleinbandelshochstpreis ist für Butter bester Oualilät auf 48 Pf. sür 90 Gramm festgesetzt. Zur Milchversorgung in Grost-Berlia. Vom Magistrat Berlin wird mitgeteilt: Die Milchzufuhr nach Groß-Berlin hat in letzter Zeit und besonders in den letzte,! Tagen so erheblich abgenommen, daß die Vollmilchveriorgung der Kinder bis zu 10 Jahren im vorgesehenen Umfange nicht möglich ist. Die Milchversorgungsstclle Groß-Berlin hat sich daher in letzter Stunde leider entschließen müssen, die Abgabe von Vollmilch bis 9 Uhr vormittags, Sonntags bis 8flz Uhr vormittags, nur an die Inhaber der Groß-Berliver Vollmilchkarten zuzulassen, während die Inhaber der grünen Milchkarien erst in der Zeit von 9 bis 10 Uhr vormittags, Sonntags von 8�/z bis 9'/� Uhr vormittags Vollmilch entnehmen dürfen. Ob und inwieweit die Inhaber der grünen Milchkarlen Vollmilch erhalten,, hängt von der tatsächtichen Milchzufuhr ab. Diese mllsien also damit rechnen, keine Milch zu erhallen. Die ein« zelnen Abschnitte der grünen Milchkarte sind, um möglichst zahl- reichen Milchkarieninhavern Milch zu gewähren, auf � Liter Vollmilch herabgesetzt. Für Abmelkwirtichaftcn sind noch einige be- sondere Bestimmungen getroffen, die sich aus der Verordnung selbst ergeben. Die diese Bestimmung enthaltene Verordnung tritt an die Stelle der Verordnung über die Abgabe und Entnahme von Voll- mttch vom 28. August 1916. Vcrderbetides Getreide. In der.Kaulsdorfer Zeitung", dem amtlichen Organ des Ge» meindevorstandes, ist zu lesen: .Das Rittergut Friedrichs seid e scheint in der schweren Kriegs« zeit, wo jeder darauf bedacht fein müffte, jedes Körnchen zu sammeln, ganz besonders fahrlässig zu verfahren. Nachdem bereits im vorigen Jabre beobacbtet worden ist, daß große Mengen Gerste auf dem Gelände nördlich der Bahn an der Biesdorfer Grenze ausgewachsen waren, scheint dasselbe Verfahren in diesem Jahre mit dem Roggen auf demselben Gelände beobachtet zu werden; denn seit Wochen stehen die hunderte von Mandeln Roggen dem Regen ausgesetzt, deren Erträgnis auf Hunderle von Zentnern geschätzt wird." Das Publikum, da? in Stadtbahnzügen an dem Gelände vor« überfährt, ergeht sich in den gröbsten Auslassungen gegen den Be« sitzer des Geländes, Herrn v. Tresckow, d-em die Schuld an dem Ver« derben des Getreides zugeschrieben wird. Auch in einem Köpcnicker Blatt wird diese Klage veröffentlicht. Wegen würdelosen Verhaltens gegenüber Kriegsgefangenen find im Einverständnis mit dem Oberkommando in den Marken vom Polizeipräsidium Berlin sechs Frauen und Mädchen ernstlich verwarnt worden. Die Berliner Feuerwehr wurde wegen Kurzschluß nach der Schwartzkopffichen Fabrik in der Scheringstr. 13/23 gerufen, wo es rn einer Dreherei brannte. Am Luisenufer 53 war in einer Werk- statt Feuer ausgekommen. In der Friedrichstr. 226 brannte Petroleum. Durch Platzen eines Ballons Salzsäure in einer Drogerie Bruchsaler Str. 49 gerieten Personen in Gefahr. Der Brand deS Zwischcngebälks in, Haufe Bromberger Str. 2 beschäftigte den 7. Löschzug. Böslvilligerweise wurde die Wehr nach der Ruders« dorfer Str. 63 alarmiert. Mit Erfolg waren Samariter der Feuer wehr in der Gaudystr. 4 tätig, wo sich eine Person mit Gas Verl giftet hatte. Ferner wurden Brände aus der Sebastianstr. 65 und anderen Stellen gemeldet. In allen Fällen konnte die Gefahr schnell beseitigt werden._ Mus den Gemeinden. Zu den Parteidifferenzen in Tcltow-Becskow. Von Parteifunktionären in N o w a w e s werden wir um die Aufnahme nachstehender Zuschrift gebeten: In der am 30. August staltgefundenen Funklionärsitzung erklärte der erste Vorsitzende Gen. Krähnberg, daß er sich dem Beschlutz der letzten Mitgliederversammlung nicht fügen kann, in der nächsten Mit- gliederversammlung nicht erscheint, fondern unter der Anhängerschaft des allen Kreisvorslandes seinen Vorsitz weilerführen will. Auf Grund dieser Vorkommnisse berufen die Funktionäre, die hinter dem Beschlutz der letzten Mitgliederversammlung stehen, zum nächsten Miuwoch. den 6. September, eine autzerordentliche Generalversammlung ein. Dieselbe findet statt abends 8>/z Uhr im kleinen Saale von Singers Volksgarlen, Priesterstratze, mir folgender Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Ergänzungswahl des Vorstandes. 3. Verschiedenes. Pflicht jedes Parteigenossen ist, in dieser Versammlung zu er- scheinen. I. A.: F. Frenken. Ausgabe von Einmachezuckcr und Süffstoff in Charlottcnburg. Auf Abschnitt 7 der Charlottenburger Nahrungsmittel- karte srot) kann in der Woche vom 4. bis 9. September je Va Piund Zucker für Einmachezwecke bezogen werden. Autzerdcm darf jede Haushaltung im Monat Sepelmber auf die Lebens- mittelkarte 4 Brieschen Sützstoff, sSaccharin, sogenannte H- Packung) entnehmen. Einer besonderen Sützstoffkarte bedarf es zum Bezüge von Sützstoff in Charlottenburg nicht. Soziales. Ter AnsteLungZvcrtrag der„Viktoria". Ein auffallendes Pochen auf den Wortlaut des Scheins beschäftigte das hiesige Äaufmannsgericht. Die Versicherungsgesellschaft.Viktoria', gegen die eine Konloristin vor der 3. Kammer des Kaufmanns- gerichts Klage erhob, setzt in einem Paragraphen ihres Anstellungs- Vertrages fest, datz die Gesellschaft zur sofortigen Entlassung berech- tigt sei, wenn der Beamte ohne Ueberreichung eines Kraniheits« atlcstes seine Tätigkeit unterbricht. Auf Grund dieser Bestimmung war die Klägerin sofort entlassen worden, weil sie nach ein und einvierleljähriger Tätigkeit an einem Montag nicht im Geschäft erschienen war. Der Verlobte des jungen Mädchens sieht im Felde und der Bruder des Verlobten war gefallen. Um Familienangelegenheiten. die sich aus diesem traurigen Ereignisse ergaben, zu regeln, fuhr die Klägerin am Sonnabend zu den zukünfiigen Schwiegereltern nach Sletlin. Sie hatte, wie das Gericht als wahr unterstellte, die Absicht, mit dem Sonntag-Nachtzug nach Berlin zu fahren, so datz sie am Montag hätte rechtzeitig antreten können. Infolge vieler Besorgungen fuhr sie aber erst Montag und entschuldigte sich noch am Sonntag für den folgenden Tag. Und dennoch wurde sie von der Gesellschaft auf Grund des Scheins emlassen. Das Kaufmannsgericht sah trotz des Wortlauts des Vertrages einen ausreichenden Entlassungsgrund nicht als vorliegend an und verurteilte die Gesellschaft zur Zahlung von 119 M. R e st g e h a l t. Die Entscheidung des Kanfmannsgerichts entspricht durch- aus dem Gesetz. Verträge sind nach§ 157 B. G. B. so aus- zulegen wie Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrs- sitte es erfordern. Treu und Glauben sind ein Erfordernis für das soziale Zusammenleben der Menschen. Sie haben unter Rücksicht des Zwecks und Art des Vertrages sowie der guten Sitten die leitende Richtung für die Auslegung des Vertrages zu geben. So wenig Shylock heute trotz seines Scheines vor einem gerechten Richter Aussicht auf Klageerfolg hätte, so wenig durfte das Gericht der formalen Wortauslegung der Verklagten folgen, die zu einem Bruch der Verkehrssitte und der guten Sitten geführt hätte, einem Angestellten anzurechnen, was ein herbes Schicksal ihm auferlegt hat. Daß gerade eine Versicherungsgesellschaft so wenig der Auslegung nach Treu und Glauben Rechnung trug, muß auffallen, da das Reichs- gericht recht häufig gerade in Versicherungsprozessen aus- gesprochen hat, daß nicht der starre Wortlaut der Verträge bestimmend sein soll, sondern ihr durch Treu und Glauben beseelter Zweck._ Gerichtszeitung. Die Liebesbriefe in der Bibel. Ein seltsames Versteck für seine vertraulichen Briefschaften und Bilder seiner Ungebetenen hatte der Ehemann Stratzburger in Nowawes, der gegenwärtig eingezogen ist, ausgesucht. Str. hatte eine zweite Ehe geschlossen, zog es aber vor, seine Frau zu ver- lassen und die Kinder zu seiner Mutler zu bringen, um ungestört mit seiner Geliebten W. und im Einverständnis mit seiner Mutler zu verbringen. Um ihre Kinder zu besuchen, begab sich die Frau Luise Stratzburger zu ihrer Schwiegermutter. Bei ihrer An- Wesenheit gewährte sie auf dem Spiegelspind einen von der Hand ihrrs Mannes herrührenden und für sie bestimmten Brief. Gleich- zeitig fielen ihr aus der Bibel hervorragende Photographien und Briefe auf. Sie durchblätterte die Bibel und fand noch andere Briefe und Gruppenbilder ihres Mannes mit seiner Geliebten. Darüber machte die Frau ihrer Schwiegermutter Vorhaltungen, datz sie diesen Umgang ihres Sohnes dulde. Daraus bezichtigte die Schwiegermutter die Frau des Diebstahls an einem Zwanzigmarkschein, der in der Bibel und zwar in der Epistel Johannes VI, Vers 13 gelegen haben soll I Sie erstattete Anzeige und das Schöffengericht verurteilte sogar auf Grund der Angaben der Schwiegermutter zu drei Tagen Gefängnis. In der Berufung unterbreitete die Angeklagte dem Gericht die in der Bibel gefundenen Briefe und Bilder, die zu scharfer Mitz- billigung des eigentümlichen Verhaltens herausforderten und die Sache in ein anderes Licht brachten Die Strafkammer Uetz die Belastungsschwiegermutter unvereidigt, da man Bedenken trug, ihr zu glauben. Nach dem Antrag des Staatsanwalts wurde die Angeklagte freigesprochen, da das Gericht einen Gelddiebstahl für nicht erwiesen ansah und es als ihr Recht anerkannte, den eigentümlichen Beziehungen ihres Mannes nachzu- gehen. Die Anklage war recht überflüssig. Mus aller Welt. Kohlen für einen Schinken. Von einem Leser wird der»Danziger Zeitung' eine offene Post- karte zugestellt, die ein Beweis dasür ist, wie man sich heute billig und mühelos trotz den behördlichen Lebensmittelkarten in den Besitz von Lebensmitteln setzen kann. ,... O.-Echl.____ 1916. Ich bestätige den Eingang Ihres Schreibens vom..., und teile Ihnen hierauf mit. datz ich neue Be st ellungen nicht mehr aufnehme, weil ich mit Aufträgen zur Lieferung über- häuft bin. Trotzdem könnte ich einen Waggon Kohlen für sie flott- machen, wenn Sie mir in dortiger Gegend einen Schinken. Dauerwurst oder auch Butter be- sorgen würden. Wenn Sie mir etwa? zusenden, bin ich dann gern bereit, die Kohlen bald auf den Weg zu bringen. Mit deutschem Grutz Der Adressat hat dieses seltsame Geschäft abgelehnt. Aber schließlich findet der Absender bei einem anderen mehr Gegenliebe. Verdorbene Fleischwaren im Kölner Schlachthof. Der„Rheim- schen Zeitung" zufolge soll rm Kölner städtischen Schlachthof ein sehr beträchtlicher Teil Plockwurst, Leberwurst und ähnliche Fleisch- waren durch unsachgemäße Behandlung und zu lange Lagerung verdorben sein. Viele Tausende Pfund seien bereits beiseite ge- schafft worden, da sie für die menschliche Nahrung ungenießbar geworden wären. Aus eine Anfrage bei der Stadtverwaltung er- hielt die„Rheinische Zeitung" die Auskunft, daß von den städtischen Fleischwaren kein größerer Prozentsatz verdorben sei, als im allge- meinen bei der Lagerung größerer Mengen nicht vermieden wer- den kann. Jedoch seien gewisse Mengen Wurstwaren, die von an- derer Seite im Durchgangsverkehr im Schlachthofe eingelagert worden waren, verdorben. Die Gewährsmänner des Blattes er- klären, daß ganz bedeutende Mengen Wurstwaren nur durch die Nachlässigkeit der verantwortlichen Stellen verdorben seien. Man ist sich scheinbar an manchen Stellen immer noch nicht recht bewußt, daß wir einen Mangel an Lebensmitteln haben. Jugenöveranstaltungen. Schönebcrg. Sonntag. Spielpartie nach Z e h I e» b o r f. Tress- punlt 1 Uhr Balmhos Schöncberg. Fahrgeld 20 Pf. Mittwoch. Abonnentenocisammlung im Lokal»o» Henkel, Meininger Sirajje 8. Ansang 8 Uhr. Jeden Dienstag und Sonnabend Spielabend aus dem Platz Rubens- stratze. Ansang si.8 Uhr._ Slrbeitrr-Samaritcrbund. KolonneGroß. Berlin. Sonntag, den 3, September, FamilienauSslug. Treffpunkt vormittags 10 Uhr Bahnhos Grunewald, Ausgang links. Abmarsch über Hundekehle, Jagd- schloß, Onkel Toms Hülle, nach der alten Fijcherhütte. Nachzügler von 2 Uhr ab alte Fischerhütte. Gälte willkommen. Montag, den 4. September, Prüfung der KursuSteilnehmer im Vereinslolal Kopcnicker Sir. 62, abends 81;, Uhr, Herr Dr. S. Moses. Märkische SPiel-Vereinigniig. Bezirk Grost-Berlin. Spiele am Sonntag, den 3. September 1316, nachmittags 5 Uhr. I. Klaffe: Velten— Neukölln, in Velten. Fichte 17— Velten, aus dem Fichle-Turnplatz in Reinickcndorj-Ost, Fichte 3— Fichte 13, aus dem Fichle-Turnplatz in Treptow. Schwimmsport. Ter Schwimmklub Vorwärts, Oberschöncwcide, hält am Sonntag, den 3. September, nachmittags'Iß Uhr, sein Abbadcn der Sommer. badezeit in der 1. Gcmcindebadcanüalt(Tabbcris Waldschlößchen) ab, Freunde des Schwimmsports sind herzlich willkommen. WetterauSsichte» für das mittlere Norddeutschlau» btS Sonnabend mittag. Ziemlich lühl, veränderlich, vor herrschend wollig und besonders ältlich der Oder öfter leichte Regensälle, Srkefkasten öer Reöaktl'on« F. S. 8Z. Das ist kein Grund, um den Lehrverttag ohne weiteres zu lösen. Sie könnten nm, wenn der Lehrherr nicht selbst aus Lösung des Vertrages eingeht, bei der Innung(falls der Lehrherr bei der Innung ist), sonst beim Gewcrbegcricht die Lösung beantragen.— I. S. 10. 1. Die Hälfte vom gesetzlichen Erbteil. 2. Wenn kein Testament vorliegt, so erbt in den nach 1300 geschlossenen Eben der überlebende Ehegatte ein Vieriel, die Kinder drei Viertel zu gleichen Teilen. Der Pffichlleil ist dann die Hälste des auf die Kinder entfallenden Erbteils. 3. Es muß extra ein Vertrag darüber notariell oder gerichtlich abgeschlossen werden.— — Camnitzcn. Diese Sache ist uns nicht bekannt.— Sillier. Die Angelegenheit haben wir schon wiederholt kritisch behandelt.— Si. B. 10 und A. B. 90. Kricgskinderspende Deutscher Frauen, Privatkanzlci der Frau Kronprinzessin, Potsdam. Ob und wie hoch Zuwendung ersolgt, läßt sich nicht sagen.— I. B. Diese Rekorde haben wir nicht registriert.— — A. S. 1000. 1. Ja. 2. Bei der Staatsanwaltschaft. 3. Kosten ent- stehen nicht. 4. Das läßt sich im voraus nicht bestimmen. 5. Innerhalb dreier Monate. 6. Für das Eiserne Kreuz gibt es bis jetzt keine besonderen Bezüge.— O. B. 151. Ja.— SS. 0. Sie müssen sas Testament so- fort nach erfolgtem Tode des Erblassers beim zuständigen Amtsgericht ein- reichen.— H. 100. Die Krankemente wird Ihnen gezahlt mit dem Be- ginn der 27. Woche. Wenn Sie durch ärztliche Bescheinigung den Nachweis erbringen können, daß Sie über die 26. Woche hinaus im Sinne des Gc- sctzes invalid waren, so können Sie den Einspruch noch geltend machen. Der Antrag ist beim Verficherungsamt, Berlin. Klosterstr. 67, einzureichen. — H. W. 8. 1. Die Militärpapiere sind eingefordert zum Zwecke der Nachniuslcrnng, die im Betriebe vorgenommen wird. 2. Die Forderung ist nach Ihrer Darstellung überhaupt verjährt.— K. V. 30, Sie müssen sich melden.— SS. L. 74. 1. und 2. Unter Einreichung der Geburls- Urkunde, der Ausrechnungsbescheinigungen und der letzten Ouittungskarte ist der Antrag bei der Gemeindebehörde einzureichen. 3. Vom Mai dieses Jahres an.— I. S. 1. und 2. Die Verordnung bezieht sich aus die Unierossiziere, die schon in Fried enszeiien dazu ernannt wurden. Ob sie bei einem niobilen oder immobilen Truppenteil stehen, ist ohne Belang. 3. Diese Zuschüsse stehen Ihrem Aiannc zu. — Sparzwang 50. Sie können einen Antrag mit der Begründung, daß der Sohn notwendig Kleidung zum Winter braucht, an das Sparzlvang- amt beim DiagistraHn Neukölln einreichen unter Angabe der Sparkasse, der Nummer des Sparkassenbuches und� der Höhe des Sparguihabens. Zur Auszahlung gelangt das Geld an die Jugendlichen erst nach Kriegs- bcendigung, nicht nach vollcndelem 18. Lebensjahr.— H. 05. 50. Wir würden Ihnen doch empjeblen, sich sofort noch einmal an die Regierung zu wenden, da hier vielleicht ein Versehen vorliegt. Gehalt wird erst vom Tage der Anstellung an zu beanspruchen sein. Der Annahme einer anderen Bsschästigung steht zwar nichts im Wege, wir würden dazu aber nicht raten, da doch in diesem Falle wahrscheinlich ein längerer Vertrag abgeschlossen werden müßte, der dann der Anstellung als Lehrer hinderlich ist.— K. P. 552. Diese Ziffer ist die Nummer der VorstcllungSliste und bat keinerlei Bedeutung für den Körperbefund.— P. K. 07. Ober- flächiiche Narben von erlittenen Verletzungen oder Operationen; Krankheiten der Haut: landsturmpflichtig. 31. H. 800. Von einem derartigen Verein haben wir noch nie gehört. Tragen Sie Ihr Gesuch aus Ihrem Sieuerburea« vor.— G. R, 1884. Eier untersucht man aus ihre Frische, indem man sie in einem dunllcn Ziaume vor ein brennendes Licht hält. Das frische Ei ist in der Witte am ilarilen, das ältere nach der Spitze zu. Dunkclgesleckte oder ganz undurch- sichtige Eier taugen nichts. Es gibt im Handel prallische Eierspicgcl zum Durchleuchten. Sehr zuverlässig ist die Salzwasscrprobe. 100 Gramm Koch- salz löse man in 1 Liter Wasser auf. Ganz frische Eier sinken in dieicr Lösung sofort zu Boden. Eier, die älter als eine Woche sind, erheben sich mit dem stumpfen Ende vom Boden oder steigen an die Oberfläche. Zum Einlegen der Eier verwendet man mit gutem Erfolge Wasserglas, l Liter davon mit 10 Liter Waffer sorgfältig gemischt. Diese Menge reicht für 200 Eier, die, sauber gereinigt, in einen Stcintops oder eine Tonne gelegt werden. Die Flüssigkeit muß mindestens zwcifingerbrcit überstehen. Leicht zugedeckt, ivnd das Gesäß an einem kühlen Orte ausbcwahrt. Empfohlen wird auch das in Drogenhandlungen crhällliche Garaniol. Das billigste Verfahren ist die Abiölung aller Fäulniskeime an der Eierschale durch eine Lösung von übermangansaurem Kali. Einige Kristalle davon werden in kaltem Wasser ausgelost, bis es eine tiesviolctte Farbe hat. In dieser Lösung müssen die Eier 2 bis 3 Stunden liegen. Dann nimmt man sie heraus, trocknet sie ab und wickelt fie nach vallständigem Trocknen einzeln in weiche? Papier. ?0!isIilMli!si'stizc!iei'VsIjI?ei'eii! !. iL 4. Herl Reielistaiswahlkreis. Stralauer Viertel. Bezirk 3921. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tischler Rudolf Dwoletzky Zorndorjer Str. 18 gestorben ist. Ehre seinem 31ndenre« l Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 2. September, nachmittags 4 Uhr, im Kreuia- lorium, Gerichistraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 215/18 v«i- Vorstand. Bezirk Wcißcnsee. Xachraf! Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Maschinen- sormer Paul Richter Gruppe I am 10. August 1316 verstorben ist. Sein Andenken werden wir stets in Ehren halten. 245/13 Die Bezirksleitung. Kännep- Gesang-VeFein „liedertafel West", Als Opfer des Weltlrieges fiel am 14. August 1916 unser lang- jähriger treuer Sangesbruder, der Schuhmacher August Ratz im Alter von 45 Jahren. Wir werden ihm immer ein ehrendes Andenken bewahren. 1176b Der Vorstand. 2um Sterbetage. Als Opscr des Weltkrieges siel am 1. September 1315 im blühen- den Atter von 21 Jahren der Musketier 31A Max Gasner. Er folgte seinem Bruder Gustav, welcher am 8. Dezember 1914 mit S. M. S.„Scharnhorst' unterging. Die tiefbetrübten Eltern und Geschwister. Durch unheilvolles Schicksais- Watten Entriß uns Euch des Krieges Wut, Den Schmerz wir stets im Herz behalten. Drum schlummert sanft, Ihr ward so gut. ventsetier Gezirksverwaltung GroB-Berltn. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Lager- arbeiter WilKdm Hesse von der Firma Bismarckhütte, Schicklerstraße 6, am Montag, den 28. August, im Aller von 67 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken J Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2. September, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Georgen-Kirch- Hofes, Landsberger Allee 21—23, aus statt. 67/14 , DI« Bezlrksverwaltung. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Auto- Droschkensührer Willi Ewald am Freitag, den 25. d. Mts., im Alter von 40 Jahren ver- starben ist, Ehre seinem Andenke»! Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Uidwix Dikomey am Montag, den 28. d. Mts., im Aller von 71 Jahren ver- starben ist. Ehre seinem Andenke» l 67/13 Gie� Bezirksverwaltung. Die Bekaniilmaclmng des Oberkommandos in den Marlen, beireffend Beschlagnahme und Bestandsmeldung von Platin tritt am 1. L-cptember 1316 m Kraft. Tie vollständige amtliche Bekanntmachung erfolgt an den Anschlagsäulen und in der„Norddeutichen Allgemeinen Zeitung". Berlin, den 1. September 1316. 348. I. Mil. 16. II. Ang._ Der Polizeipräsident. Die Belannimachung des Oberkommandos in den Marlen, betreffend Höchstpreise für Naturrohr(Glanzrohr) und Weiden tritt am 1. Septem- der 1316 in Kraft. Die vollständige amtliche Bekanntmachung erfolgt an den Anschlagsäulen und in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung". Berlin, den 1. September 1316. 343. I. Mil. 16. Ter Polizeipräsident. 'J Am 29. August, nachmittags 41/, Uhr, verschied nach einer schweren Operation meine innigst geliebte Frau und herzensgute Mutter geb. im Aller von 53 Jahren. In tiefer Trauer 142A Kdnard Krogoll. Gertrud Block geb. Krogoll. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. September, nach- miltags 4 Uhr, von der Leichen- halle der Freireligiösen Gemeinde in der Pappclallee 15/17 aus statt. 3 n�reien Stunden. Romane und Erzählungen für das arbcltende Volk. Pro Hest 15Ps. Buchhandlung Vorwärts, Bcrtm SW. 63, Lindenstraße 3. Vcnraltiuis Berlin. Test-Amt Moritzplatz 10623, 3578. Bureau: Rungcstraße 30. Henke Freitag, de« 1. September, abends 8'/a Uhr: Litzuug der OrtsverwaBtung. Montag, den 4. September, abends 8 Uhr, in der Neuen Philharmonie, Köpenicker Straffe i)6— 97 (grosser Saal): Gtmeiilsiime iUitglickr- Nttsminliing Tagesordnung: Berichterstattung über die Verhandlung mit den Unternehmern, die Tenernngs- znlage betreffend. Ohne SUtelledshnch kein Zutritt. OcrtraucDsnräDDcr-Ocrfammlung. Modelltischler. Mittwoch, den t». September, abends 8 Uhr, bei Waldt, Pflugstraffe 5. Die Ortsvcrwaltnng. Khchstc Ziehung schon am 5. September Hole Kreoz-Celiilerie Erster Hauptgewinn Mark: 100 0001 Zweiter Hauptgewinn Mark: Tilsiter Lotterie Gesamtw. der Gewinne Mark: 41800 Erster Hauptgewinn Mark: 10000 I neu 711 1 M Postgebühr, u.Liste LuuC Lu 1 lillv. 35 Pf. außerdem. Eine leine Banknoientascbe mit 5 lilsiter und 3 Rote Kreuz-Losen 16 Ii. Eesta? Baase BcU(i. K. im), ÄiL. Telegramme: Schwarz Berlin Neuekonigstr. 86. 50000 Losezii3,SOMk.losts:obu � - 35 PI. außerdoin.I Zünfte Kriegsanleihe. 5 7« Deutsche Kriegsanleihe, unkündbar bis 1924. 47- 7» Deutsche Reichsschahanweisungen. Am BeftteWtmg der durch den Krieg erwachsenen Ausgaben werde« weitere 5'/» Schuldverschreibungen deS Reichs und 4V,'/, Reichsschatzanweisungen hiermit zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt. Die Schuldverschreibungen sind seitens des Reichs bis zum t. Oktober 1924 nicht kündbar; bis dahin kann also auch ihr Zinsfuß nicht herabgesetzt werden. Die Inhaber können jedoch über die Schuldverschreibungen wie über jedes andere Wertpapier jederzeit(durch Verkauf, Verpfändung usw.) verfügen. Bedingungen. Z««t»««)«* ZelchnnngSstelle ist die ReichSbank. Zeichnungen werden von Montag, den 4. September, bis Donnerstag, den S. Oktober, mittags 1 Ahr beldtmKontvrderRtichShauptbankfürWertpapierein Berlin(Postscheckkonto Berlin Nr 99) und bei allen Zwetganstalteu der R e t ch S b a n k mit Kasseneinrichtung entgegengenommen. Die Zeichnungen können aber auch durch Vermittlung der Königlichen Seehandlung(Preußischen Staatsbank) und der Preußischen Central-GenossenschaftSkasse in Berlin, der Königlichen Lauptbank in Nürnberg und ihrer Zweiganstalten, sowie sämtlicher deutschen Banken, Bankiers und ihrer Filialen, sämtlicher deutschen öffentlichen Sparkassen und ihrer Verbäudt» jeder deutschen LebensversicherungSgesellschaft, jeder deutschen Kreditgenossenschaft und jeder deutschen P o st a n st a l t erfolgen. Wegen der Poflzelchnungen siehe Ziffer 7. Zeichnungsscheine sind bei allen vorgenannten Stellen zu haben. Die Zeichnungen können aber auch ohne Verwendung von ZeichnungSschelnen brieflich «folgen. ».«ttten»««. Die ReichSanlelhe ist in Stücken zu 20 000, 10 000, 5000, 2000, 1000, 800, 200 und 100 Mark mit Zinsscheinen zahlbar am 1. April und j, Oktober jedes Jahres ausgefertigt. Der Zinsenlauf beginnt am l. April 1917, der erste Zinsschein ist am 1. Oktober 1917 fällig. Di« Schahanweisungen sind in 10 Serien eingeteilt und ebenfalls in Stücken zu 20 000, 10 000, 5000, 2000, 1000, 500, 200 und 100 Mark, ab« mit ZinSscheinen zahlbar am 2. Januar und 1. Juli jedes Jahres ausgefertigt. Der Zinsenlauf beginnt am 1. Januar 1917, der erste ZinSschein ist am 1. Juli 1917 fällig. Welcher Serie die einzelne Schatzanweisung angehört, ist auS ihrem Text ersichtlich. AUtes«««» Die Tilgung der Schahanweisungen erfolgt durch Auslosung von je einer Serie in den Jahren 1923 bis 1932. Die Auslosungen finden im Januar jedes ZahreS, erstmals im Januar 1923 statt; die Rückzahlung geschieht an dem auf die Auslosung folgenden I.Juli. Die Inhaber der ausgelosten Stücktkvnnen stall der Barzahlung viereinhalbprozenlige bis 1. Juli 1932 unkündbare Schuldverschreibungen fordern. Der Zeichnungspreis beträgt: «.Seichmengte «veis* 4. 9«ten«««, SlSttewn«. iflUmtftt« •.«lMzlisS* für die 5 0/o NeichSanleihe, wenn Stücke verlangt werden 98,— Mark, »» S'/». wenn Einwägung in das R e i ch S s ch u l d b u ch mit Sperre bis zum 15. Oktober 1917 beanttagt wird,..................... 97,80 Mark, *» 4V, N e i ch S s ch........................»..»,..»,,,,,» 95,— Mark, für je 100 Mark Nennwert unter Verrechnung der üblichen Stückzinsen(vgl. Ziffer 6). Die Zuteilung findet tunlichst bald nach dem Zeichnungsschluß statt. Di« bis zur Zuteilung schon bezahlten Beträge gelten als voll zugeteilt. Im übrigen entscheidet die Zeichnungsstelle über die ioöhe der Zuteilung. Besondere Wünsche wegen der Stückelung sind in dem dafür vorgesehenen Raum auf d« Vorderseite deS Zeichnungsscheines anzugeben. Werden derartige Wünsche nicht zum Ausdruck gebracht, so wird die Stückelung von den VermittlungS- stellen nach ihrem Ermessen vorgenommen. Späteren Anträgen auf Abänderung der Stückelung kann nicht stattgegeben werden.*) Zu den Stücken von 1000 Mark und mehr werden für die NeichSanleihe sowohl wie für die Schatzanweisungen auf Antrag vom ReichSbank-Direktorium ausgestellte Zwischenscheine ausgegeben, über deren Umtausch in«ndgiltige Stücke daS Erforderliche später öffentlich bekanntgemacht wird. Die Stücke unter 1000 Mark, zu denen Zwischeuscheine nicht vorgesehen sind, werden mit größtmöglicher Beschleunigung fertiggestellt und voraussichtlich im Februar n. 3. ausgegeben werden. Di« Zeichner können die gezeichneten Beträge vom 30. September d. I. an voll bezahlen. Sie sind verpflichtet: 30°/o des zugeteilten Betrages spätestens am 13. Oktober d. Z., 20°/» mm m m m 24. November d. 3� 25°/,„» m m. 9. Januar n. I., 25°/» mm m„»6. Februar n. 3. p» bezahlen. Frühere Teilzahlungen sind zulässig, jedoch nur in runden durch 100 teilbaren Beträge« des Nennwerts. Auch auf die kleinen Zeichnungen sind Teilzahlungen jederzeit, indes nur in runden durch 100 teilbaren Beträgen deS NtNNWtttS gestattet; doch braucht die Zahlung erst geleistet zu werden, wenn die Summe der fällig gewordenen Teilbeträge wenigstens 100 Mark ergibt. BetlpUli Et müssen also spüleslen« zahlen: die Zeichner von Jt 300: Ji 100 am 24. November, JC 100 am v. Januar, JC 100 am 0. Februar; v, je 200: M. 100 am 24. November, Jt 100 am 0. Februar; , m y 100: 100 am o. Februar. VUZahlunghatbeidet'rselbenStellezuerfolgen.deiderdieZeichnungangemeldetwordenist. Die im Laufe befindlichen unverziuslichen Schatzscheine des Reiche« werden— unter Abzug von 5°/o Diskont vom ZahlungStage, frühesten« aber vo« 30. September ab, bis zum Tage ihrer Fälligkeit— in Zahlung genommen. Da der Zinsenlauf der Reichsanleihe erst am 1. April 1917, derjenige der Schatzanwelsungen am 1. Januar 1917 beginnt, werde« vom ZahlungStage, frühestens vom 30. September 1916 ab, "' � a) auf sämtliche Zahlungen für NeichSanleihe 5'Vo Stückzinsen bis 31. Mätz 1917 zu Gunsten deS Zeichner« verrechnet, b) auf die Zahlungen für Schatzanweisungen, die vor dem 30. Dezember 1916 erfolgen, 4l/10/o Stückzinsen bis dahin zu Gunsten des Zeichners verrechnet. Auf Zahlungen für Schatzanweisungen nach dem 3l. Dezember hat der Zeichner 4�,°/° Stückzinsen vom 31. Dezember bis zum ZahlungStage zu enttichten. bei Vegltichung von NeichSanleihe 5�/o Stückzinsen für Tatsächlich zu zahlender Bettag also nur Stück« für| Schuldbuch- 1 eintragung Bei der NeichSanleihe erhöht sich der zu zahlende Betrag für jede 18 Tage, um die sich die Einzahlung weiterhin verschiebt, um 25 Pfennig, bei den Schatz- «»Weisungen für jede 4 Tage um 5 Pfennig für je 100 Mark Nennwert. Die Po st an st alten nehmen nur Zeichnungen auf die 5°/» NeichSanleihe entgegen. Auf dies« Zeichnungen kann die Vollzahlung am 30. September, sie m u ß aber spätestens am 18. Oktober geleistet werden. Auf bis zum 30. September geleistete Vollzahlungen werden Zinsen für 180 Tage, auf all« anderen Vollzahlungen bis zum 18. Oktober, auch wenn sie vor diesem Tage geleistet werden, Zinsen für 162 Tage vergütet.(Vgl. Ziffer ö Beispiel« la und Ib.) 1 Di« zugeteilten Stücke werdrn auf Antrag der Zeichner von dem Kontor der RelchShanptVa»! für Wertpapiere in Berlin nach Maßgabe seiner für die Niedertegung geltenden Bedingungen bis zum 1. Ottober 1317 vollständig kostenfrei aufbewahrt und verwaltet. Ein« Sperre wird durch dies« Niederleaung nicht bedingt; der »...t— �~ j■...... �epolscheia« werden von .«ichner kann sein Depot jederzeit— auch vor Ablauf dies« Frist— zuriickuebmcii. den DarlehnSkassen wie die Wertpapiere selbst beliehen. Die von dem Kontor für Wertpapiere ausgefertigten ReichSbank-Direktorium. Ravenstein. v. Grimm. TStamsivorttidacr Nedakeur: Alfred Wietcpp. Neukölln. Für des Lnjeratenteli veranuo.: Tb�Ü-cke. Berlin. Truct u.Berlaa:Lorwärtg LÜchdructere, u.-ueriagsanftaltPaM Singer sc Co, Berlin LÄ. Bttlin, im August 1916.