c 5 Pfennig) C s Pfennig) Nr. 250. HbonncmcntS'Bcdingungcn: vbonnkmentS» Preis pränumerando: Licrleljährl. 3,30 MI., monatl. l,M MI., wöchentlich M Psg. irei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" Il> Psa. Post- Abonnement: t,Z<) Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitungs- Preislisle. Unter Zkrcuzband tür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland s Marl pro Monat. Postabonnemenls nehmen an Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. krlchelii» täglich. Z 3. Jahrg. Die Inlcrtions-Gebübr beträgt tür die lcchsgesvalicne Kolonel- zeile oder deren Raum Ä> Psg.. für politische und gewerlichastlichc Percins- und ZZersamnUnungs-Nnzeigen S0 Ptg. „Uleine Sn-eig-n". das settgedruHt- Wort A Psg. tzulässig!Z scttgcdrurlle Worte), icdcs wlitcre Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlasstcllenan- zeigen das erste Wort 10 Psg.. jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über lö Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Tie Expedition ist bis 1 Uhr abends gcimnel. Telegramm- Adresse: ..zozjallleinokrzi Berlin". Zentralorgan der rozlaldemokratircben Partei Deutfcblands. Neöaktion: SW. H8, Linöenstraße Z. Zhernsprechcr: Amt Morittplatz. Nr. läl SV— 13197. Montag, den 11. September 1916. Expedition: SW. HS, Lindenftraße 3. Kernsprecher: Amt Moristplat». Nr. 13190—13197. die Kriegswirtschaft und der Ernährungs-„diktator". Die umfangreichen Darlegungen, die der Präsident des Kriegsernährungsamts, Herr v. B a t o c k i. vorgestern der Presse übermittelte, sind— kurz ausgedrückt— eine Kapitulation von dem Deutschen Landwirtschaftsrat. Seitdem es besteht, sucht dieser das K. E. 21. unter seine Oberleitung zu bekommen und. genau so wie unter Delbrück, seinen Willen. das heißt den Vorteil der Großgrundbesitzer durchzusetzen. Es war kein Zufall, daß gerade bei Einbringung der Ernte, wo die entscheidenden Matznahmen für das nächste Jahr zu treffen sind. Herr von Okdenburg-Januschau seinen tcm- pcramentvollcn BriefandenTeutschenLandwirt- s ch a f t s r a t schrieb. Wir hatten bereits an unserer Be- sprechung dieses Briefes vom 3. d. M. darauf hingewiesen, daß sein Grundgedanke lautet: Tue Geld in meinen Beutel! Oldenburg will, daß die Produktion durch noch höhere Preise angeregt wird, das aber, so zeigten wir, ist eine Schraube ohne Ende. Tie Landwirte freilich jauchzten ob des Januschauers Deutlichkeit— vielleicht fehlte ihnen nur der Hinweis auf sein Leitmotiv: Und folgst du nicht willig, so brauch' ich Gewalt— und schicke dir den Leutnant mit zehn Mann! Gestern brachte der„Lokalanzeigcr" die Mitteilung, der Deutsche Landwirtschaftsrat bitte ihn rm 2luftrage des Kannnerherrn und Major von Oldenburg-Januschau die nach- stehende Notiz zu veröffentlichen: I a n u s ch a u, 7. September. Infolge der Veröffentlichung meines an den Deutschen Landwirtschaftsrat gerichteten Briefes sind mir von allen Seiten und aus verschiedenen politischen Richtungen so zasilreiche Zu- stimmungen zugegangen, daß es mir nicht möglich ist, dem ein- zelnen zu antworten. Ich habe weiter nichts getan, als ausge- sprachen, was viele Tausende im deutschen Volke empfinden. von Oldenburg-Januschau. Also— offene Fronde von den Konservativen bis zu den nationalliberalen und Zentrumsagrariern— denn das sind ja die verschiedenen politischen Richtungen, die dem Janu- schauer zustimmen. Dieser Opposition wogt Herr von Batocki nicht in der Weise entgegenzutreten, in der allein es wirksam wäre, näm- lich durch Taten, sondern er gibt den Agrariern denselben Trost, wie in Shakespeares Sonunernachtstraum Schnock, der Schreiner, dem erschreckten Publikum: „So wisset denn, daß ich, Hans Schnock, der Schreinerg sell, In eines Leuen Fell nur einen Leu vorstell'; Denn tat' ich tun im Ernst als Leu mich herbegeben, So tat' es leid mir tun wohl um mein eigenes Leben." Nein— sämtliche Verordnungen Delbrücks haben den Agrariern nicht wehe getan und auch Herr von Batocki wird ihnen nicht wehe tun. Die große Gefahr, vor der sie sich fürchten, wird nicht eintreten: nämlich der P r o d u k t i o n s- zwang. Tie bisherige Methode, nur durch Höchstpreise die Pro- duktion zu regeln, hat sich so jammervoll abgewirtschaftet, daß die Agrarier mit Angst sehen, wie in allen nichtagrarischen Schichten der Unwille, ja der Zorn über die bisherige Miß- Wirtschaft stetig wächst. Die letzten Tage liefern ja wieder eine Fülle von Beweisen fiir die Unbrauchbarkeit dieses Systems, das angeblich das Gute will und doch nur Böses schafft. Tie Obsternte, insbesondere die der Pflaumen, ist in diesem Jahr so überreich wie fast noch nie. Als die Früchte ansetzten und Plantagen zur Verpachtung kamen, rübrte sich in den Aemter-n keine Feder:— man sah untätig zu. wie die Pachtpreise bis auf das Zehnfache in die Höbe stiegen. Tann aber, als die Pflaumen geerntet wurden, setzte das K. E. A. solche Höchstpreise fest, daß die Pächter trotz der überzahlten Pachtungen noch Riesengewinne von den Bäumen schütteln— die Bevölkerung aber erhält trotz des wahren PflaumeniegenS teure, und noch dazu schlechte, unausgereifte Ware, weil das K. E. A. zuläßt, daß die Marmeladenfabriken alles aufkaufen können, auch zu höheren Preisen, denn— Höchstpreise für Marmeladen gibt es ja für die Hccresverwallimg nicht. Herr von Batocki ist allerdings wegen der Pflaumen vom bösen Gelvissen geplagt und dieses zwingt ihn in seiner Er- klärung, von ihnen zu reden, aber— er redet daneben. Er spricht von der„extremen Richtung", die die„restlose Aus- dehnung der Rationierung bis zu Pflaumen" will. Mit solchem Popanz soll von dein wirklichen Sachverhalt abgelenkt werden: rechtzeitig niedrige Höchstpreise wurden gefordert, und, damit die Pflaumen nicht, wie dies jetzt geschieht, vom Markt ver schwinden: Beschlagnahme und Enteignung. Herr von Batocki spricht von seiner schweren Perantwort ieiönng Des Otogen fMuntiiets. Amtlich. Großes Hauptquartier, den Ist. September 1916. jW.?. SB.) Westlicher Kriegsschauplatz. Die Schlacht an der Somme nimmt nach der vorgestrigen Kampfpause ihren Fortgang. Der englische auf 15 Kilometer breiter Front zwischen Thiepval und Comblcs erfolgte Stoß brach sich an der Standhaftigkcit der unter dem Befehl der Generale Frhr. Marschall und von Kirchbach stehenden Truppen. Bei Longucval und Ginchy sind die Nahkämpfe noch nicht abgeschlossen. Die Franzosen wurden im Älbschnitt Barleux— Bclloy von Regimentern des Generals von Quast blutig abgeschlagen. Nordwestlich von Chaulncs machten wir bei Säuberung einzelner Grabentcilc Gefangene und erbeuteten sechs Maschinengewehre. Rechts der Maas spielten sich neue Gefechte südlich des Werkes Thiaumont und östlich von Flcury ab. Eingedrungener Feind ist durch Gegenstoß geworfen. Im Luftkampf verloren unsere Gegner in den letzten Tagen— vorwiegend an der Somme— 9, durch unser Abwehrfeuer 3 Flugzeuge. Hauptmann Boclckc hat den 22. frindlichev Flieget abgeschossen. festlicher Kriegsschauplatz. Abgesehen von wiederholten vergeblichen russischen Angriffen gegen bavcrischc Truppen bei Stara Czer- wiszcze am Stochod ist die Lage vom Meere bis an die Karpathen unverändert. In den K a r p a t h c n setzt der Feind seine Angriffe fort. Westlich von Schipoth hat er Gelände gewonnen. Tonst ist er überall abgewiesen. Südlich von Dorna Watra haben deutscheTruP- Pen mit rumänischen Kräften Fühlung gc- Wonnen. Balkan-Kriegsschauplatz. S i l i st r i a i st g e f a l l e n. Tic blutigen Verluste der Rumänen und Russen in den letzten Kämpfen stellen sich als sehr bedeutend heraus. An der m a z e d o n i s ch e n F r o n t keine Ereignisse von besonderer Bedeutung. Ter Erste Generalquartiermeistcr Ludendorff. »* O Set MMW GMtlllWMW. Wien, 1». September 1S1«.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Qcstlichcr Kriegsschauplatz. Front gegen Rumänien. Die Lage ist unverändert. HeereSfront deS Generals der Kavallerie Erzherzog Carl. Ein feindlicher Angriff gegen unsere Stellungen westlich des Cibo-Talcs wurde abgewiesen. In Ostgalizicn ist Ruhe eingetreten. Sonst keine Ereignisse. HeereSfront des GcneralfcldmarschallS Prinz Leopold vonBaycrn., Stellenweise etwas lebhaftere Gcfcchtstätigkcit, Am untc- ren Stochod scheiterte ein feindlicher Angriffsvcrsuch im Artille- riespcrrfcuer. Italienischer Kriegsschauplatz. An der küstenländischcn Front standen die Karst- Hochfläche und der Tolmciner Brückenkopf unter stärkerem feindlichen Artilleriefeucr. Lebhaftere Artillerie- und Pa- trouillentätigkcit an einzelnen Abschnitten der Tiroler Front hält an. Nördlich des Travignolo-Talcs zerstörten unsere Truppen eine vorgeschobene feindliche Deckung und brachten hierbei, ohne selbst auch nur einen Mann zu ver- lieren, den Italienern beträchtliche Verluste bei. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Der Stellvertreter des ChcfS des Gencralftabes: von Hocfcr. Feldmarschalleutnant. lichkeit. Kein Zweifel— sie ist schwer! Zlber um st) notwendiger ist es, daß er nicht nur auf dein Papier mit seinen vielen Erklärungen, sondern durch die Tat den Weg„mit rücksichtsloser Energie zu Ende geht", schon Delbrück hatte. einst in einer Minute der Erkenntnis gesagt,— daß sich„bei halben Maßregeln die größten Schwierigkeiten" ergeben. Ba- tocki wiederholt dies:„Vorläufig ist Konsequenz die Haupt- sache und jede Halbheit schädlich." 2lber die Taten? Es bleibt beim alten, das ist feine Konsequenz— trotz der Mißerfolge dieses Systems der Höchst- preise obne Enteignung, des 2snreizes der Produktion durch Wuchergewiune statt des Eingreifens der Staatsgewalt zur Regelung der Produktion! Ter Zwang— das wäre die Konsequenz! Sogar in Oesterreich, dem man doch wahrlich nur den Vorwurf allzu großer Gemütlichkeit machen kann — selbst dort ist vor kurzem eine kaiserliche Verordnung er- gangen, die den Produktionszwang als Kriegs- Maßregel einführt. Gewiß, wir zweifeln nicht, diese Wiener Verordnung vom 22. August d. I. wird für die Land- Wirtschaft Oesterreichs auf dem Papier stehen bleiben— dafür werden die dortigen �Agrarier schon sorgen. Aber in der obersten Verwaltung hat man dort doch eingesehen, daß die bisherige Willkür in der landwirtschaftlichen Erzeugung be- seitigt werden muß, wenn sie nicht zur Katastrophe führen soll. In Teutschland ist die Regelung der Produktion unter Staats- aufsicht gleickp nach Ausbruch des Krieges von unserer Partei gefordert worden, neuerdings erheben sie auch Landwirte anderer politischen Richtungen: man schlug vor, eine besondere „R e i ch s st e l l e für P r o d ü k t i o n s e r h ö b u n g" zu schaffen, die jedem Landwirt entsprechend der Beschaffenheit seines Bodens den Anbau bestimmter Fruchtsoxten vorschreibt. selbstverständlich wurde gegen diesen im Interesse des Volks- Wohles liegenden Vorschlag von deutschen Landwirten mobil gemacht. Ter Vorstand der Deutschen Land- w i r t s ch a f t s g c s e l l s ch a f t erließ sofort eine geh'ar- nischte Erklärung, in der es hieß:„Zwangsmaßnahmen beim- ruhigen und hemmen auf die Dauer die Gütererzeugung zum Schaden der Allgemeinheit." Es gibt bekanntlich nichts, was für gewisse Landwirte so wichtig ist wie das Interesse der Zlll- gemeinheit! Nun— sie können beruhigt sein. Für Herrn von Batocki ist die Forderung des staatlichen Produktionszwanges„der Givföl der Nervosität", und daß auch Landwirte sie jetzt er- heben, findet er„kaum begreiflich". 2llso— lieb' Landwirtschaftsrat kannst ruhig sein! Ter Präsident des K. E. 2s. nimmt nicht den Kampf mit den Januschauern auf; es droht kein staatlicher Eingriff in die Produktion, kein Zwang, denn die Befürchtung der Bevölkerung, daß es immer schlimmer werde, sind für ihn„Unkenrufe". Und die Befürchtungen der Landwirte, daß etwa die Höchstpreise herabgesetzt werden, be- schwichtigt er. Zwar spricht er am Schlüsse ssiner Erklärung von„Preisabschlägen", die bei guter Ernte kommen können, aber er gibt gleichzeitig die Versicherung, daß dem Landwirt Preise belassen werden,„die ilnn unter den erschwerten jetzigen Verhältnissen die erfolgreiche Wirtschaftsführung ermöglichen". Tie„auf Verkennnng der Verbältnisse beruhenden über- trie denen Prcisermäßignngsforderungen gewisser Konsumentcnkreise" müssen, sagt Herr von Batocki, „ebenso entschieden zurückgewiesen werden, lvie die gegen- teiligen Ansprüche der anderen Seite". Das erste basten wir für sicher— gegen das zweite aber spricht die Tatsache, daß gerade durch Herrn von Batocki die Preise für Winterkqr- toffeln so übertrieben hoch angesetzt worden sind wie noch nie zuvor! Nach solchen Proben sind es nicht die Landwirte, welche die Macht des„Diktators" zu fürchten brauchen, selbst dann nicht, wenn sie ihre Drohung wahrmachen, daß sie den Anbau einschränken, wenn sie nicht noch höhere Preise bewilligt er- halten. Ter Brief des Januschauers trug im„Lokalanzeiger" die Ueberschrift:„Quosgue tandem?"(Wie lange noch?) Ein Recht zu dieser Frage hat nicht er, sondern das dar- bendc Volk!_ Siliftria. EL ist aller, blutgetränkter Boden, die Gegend von Siliftria. Immer wieder ist diese Tonanscstung heiß umstritten wor- den; Russen und Türken haben um den ivickitigen Platz gerungen, und erst vor drei Jahren hat nach dem Ueber- fall Bulgariens durch die Rumänen das bis dahin bist- garische Siliftria seinen Besitzer gewechselt. Die Rumänen, die ohne Opfer in den Besitz der Sadt gelangt waren, haben Siliftria zur Kreishauptstadt gemacht und vermutlich die alten Festungswerke neu ausgebaut und verstärkt. Die Stadt hat reichlich l'2 000 Einwohner, und diese Bewohnerfchast bildet ein buntes Völkergemisch. Zu ihrer Hälfte besteht sie noch aus Türken; f• außerdem sind Bulgaren, Rumänen, Griechen, Armenier und Juden vertreten, und der starke mohammedanische Einschlag, den Viese alte Türkenfeste bi» auf den heutigen Tag bewahrt hat, kommt in dem Dutzend Moscheen zum Ausdruck, die es in Silistria gibt. Auch die verschiedenen christlichen Konfessionen haben durchweg Gotteshäuser ihres Bekenntnisses; irgendwelche bedeutsamen Bau- werke anderer Art sind jedoch in Silistria nicht vorhanden. Denn Sie Bevölkerung widmet sich völlig dem Handel und der Schiffahrt, die hier besonders lebhaft ist. Tie Donau, die bei Silistria nicht weniger als 2600 Meter breit ist, trägt auf ihrem Rücken die ganze Fülle von Naturprodukten, die das reiche Hinterland zu beiden Seiten des Flusses erzeugt. In erster Linie ist es Getreide und Mais, der hier verschifft wird; eine grotze Anzahl Mühlen weisen auf die Bedeutung Silistrias für den Getreidehandel der Tobrudscha sinnfällig hin. Weiterhin blüht auch der Gcflügelhandel und in Verhnidung damit die Eicrausfuhr. Silistria ist eine uralte Siedclung und bestand unter dem Namen Turostorum schon im klassischen Altertum. Im Jahre Iö9ö wurde es von den Türken eingenommen und eingeäschert, nachdem es schon zwei volle Jahrhundertc hindurch stets ein Spielball zwischen Walachen und Osmanen gewesen war. Im Jahre 1811 wurde die türkische Festung von den Russen belagert und, da sie nicht vorbereitet war, schon nach fünf Tagen eingenommen. Weit länger und heißer bcrannt wuvde jedoch Silistria im Kriege von 1828 und 1829. Erst als in der völlig eingeschlossenen Stadt die Not und der Hunger um sich griffen, übergaben die Türken nach siebenwöchigcr Verteidigung die Festung dem russischen General Krassowsti, den die Belagerung eine für damalige Verhältnisse un- geheure Menge Munition und 3000 Mann gekostet hatte. Von neuem erschienen die Russen im Jahre 18ö4 während des Orientirieges vor Silistria, mußten die Belagerung aber nach mehreren Wochen ohne Erfolg aufgeben. Im russisch-türkischen Kriege von 1877/78 wnrde abermals um die Festung gekämpft. Durch den Berliner Vertrag vom 13. Juli 1878 kam Silistria an das Fürstentum Bulgarien. Auf dem Berliner Kongreß wurde auch die Schleifung der Festungswerke beschlossen; in Wirklichkeit Hl sie aber niemals erfolgt. Es ist anzunehmen, daß die Rumänen diese Werke weiter ausgebaut haben. der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 9. September.(W. T. B.) Bulgarischer General st absbcricht vom 9. September. Rumänische Front. Am Tonauufer herrscht Ruhe, bloß in der Richtung auf Vidin wurden vom rumänischen Ufer einige Schrapnellschüssc abgegeben. Nach der Kapitulation von T u t r a k a n haben die Ru- mänen vom linken Donauufcr die Stadt beschossen. Als Er- widerung darauf hat unsere Artillerie Cltenitza bombardiert. Die Vorrückung in der D o b r u d s ch a dauert mit gro- ßem Erfolg fort. Ueberall geschlagen, zieht sich der Gegner zurück. Am 6. September versuchte eine rumänische Division der Besatzung von S i l i st r i a, den Truppen von Tutrakan zu Hilfe zu kommen; sie wurde jedoch von unseren Truppen bei dem Dorfe Sarsanlar(zirka 29 Kilometer südöstlich von Tutrakan) angegriffen, geschlagen und zum Rückzug gegen die Festung gezwungen. Wir nahmen hier drei Offiziere und 139 Mann gefangen und erbeuteten drei Schnellfeuerbatterien, ferner Pferde und viel Kriegsmaterial. Am 5., 6. und 7. September entwickelten sich erbitterte Känipfe in der Gegend von D o b r i c. Sie endeten am 7. September nachmittags mit der vollständigen Niederlage des Gegners, welcher das Kampffeld verließ, gefolgt von unse- ren Truppen. Seitens des Feindes haben an diesen Kämpfen teil- genommen die 61. russische Division, eine russisch-serbischc Division und die 19. rumänische Reservcdivision. An der M e e r e s k ü st e herrscht Ruhe. Am 5. Septem- ber haben zwei feindliche Torpedozerstörer K a v a r n a und B a l c i k beschossen, ohne großen Schaden anzurichten. Sie wurden durch Bombenwürfe von deutschen Wasserflugzeugen vertrieben. Diese bombardierten mit Erfolg die russischen Tchiffseinheiten im Hafen von K o n st a n tz a, Lagerhäuser. Petroleumbehälter und den Bahnhof. Sie warfen über 299 Bomben auf den Hafen, Lagerplätze und die Kasernen von Mangalia. An der mazedonischen Front herrscht Ruhe. Die französische presse zum§all von Tutrakan. Bern, 9. September.(W. T. B.) Unter dem Eindruck der Er- oberung TutrakanK fragt Herve in seiner„V i c t o i r e" was die Alliierten denn nun aufzubieten hätten, wo die Portugiesen blieben, ob ein kleines italienisches Kontingent alles sei, was Italien einsetze, ob die Engländer ihre Truppen immer noch ungenützt in Aegypten liegen ließen und vor allem, ob nicht die Russen eine den Deutschen gleichkommende Anstrengung machen wollten. Heute sei die Balkanfront zweifellos die Hauptfront, wo ein Sieg die Alliier- ten gewaltig stärken würde, da eine Verbindung zwischen Rußland und dem Mittelmeer gelänge, so daß Rußland Getreide und Leute gegen Kanonen und Munition an die Entente abgeben könnte. Sollten die Alliierten die Intervention Rumäniens militärisch nicht auszunützen verstehen und Bulgarien nicht in einigen WocheA oder wenigstens einigen Monaten überrannt haben, so würde in der öffentlichen Meinung Frankreichs eine starke Enttäuschung Platz. greifen. Gegenüber dieser gewichtigen Stimme erzählt«Petit Pari- sien" in einem Leitartikel seinen Lesern, es seien 250 000 Russen und 60 000 Serben von Rem her gegen Bulgarien im Anmarsch; diesen Truppen werde sich wahrscheinlich eine rumänische Armee anschließen:..Petit Parisien" verlangt vom russischen Generalstab, nicht nach Sofia, sondern sofort gegen Konstantinopel zu marschieren, damit noch vor WinterSanbruch die Tardanellen für den russischen Verkehr mit dem Mittelmeer frei werden. «Petit Journal" meint, daß der Fall der Festung Tutra- kan für Rumänien eine herbe Ueberraschung sei.—«Echo d e Paris" läßt seine Enttäuschung und den Ernst der Lage in fol- genden Ausführungen erkennen: Der Schlag sei für Rumänien, wenn er auch durch das Vorrücken in Siebenbürgen ausgeglichen werde, recht unangenehm; wenn Rumänien jedoch kaltes Blut be- halte, müsse alles noch gut gehen. Die Lage Tutrakans wäre für Rumänien, beim Angriff auf Bulgarien, sehr vorteilhaft gewesen. Tie Lage habe sich nunmehr geändert, da der Verbindungsweg für raschen und bequemen Nachschub für die rumänischen, südlich der Donau stehenden Streitkräfte, verloren gegangen sei, wodurch das rumänische Oberkommando in einige Verlegenheit kommen werde. Ten Deutschen und Bulgaren dagegen sei ihre Aufgabe erleichtert, und sie könnten zur Bedrohung Bukarests übergehen. Tie Balkan- frage, deren Bedeutung an der Kraftentfaltung des Feindes ge- messen werden müsse, sei keine nebensächliche Angelegenheit mehr, sondern eine große, wenn nicht eine der größten Unternehmungen des Weltkrieges. Keinerlei Schwachheit sei am Platze und unab- schätzbare Faktoren ständen auf dem Spiel. Die feinülichen Heeresberichte. Ter französische Tagesbericht. Vom 9. September abends. lW. T. B.) In der Sommegegend beiderseits ziemlich jjrotze Artillerietätigkeit. Ein Handgranatenkampf machte uns zu.yerren eines Grabenstückes östlich von Belloy. Wir machten dort an 30 Gefangene. Nach einer heftigen Beschießung versuchte der Feind, uns die Stellungen wieder zu entreißen, die wir kürzlich nordöstlich des Dorfes Berny erobert hatten. Er wurde, nachdem er schwere Verluste erlitten hatte, zu- rückgeworfen...In der Maasgegend nahmen unsere Truppen östlich des Torfes Fleury-deoant-Touaumant im Sturm nachmittags ein ganzes deutsches Grabensystem. Bis jetzt sind infolge dieser glänzenden Kampfcshandlung 200 Gefangene, darunter 2 Offiziere. in unsere Linien gebracht. Wir eroberten auch mehrere Maschinen- gewehre. Von der übrigen Front ist nichts Wichtiges zu melden. Der Degrünöer öer öeutfthen optischen Inöustrie. (Zum 10 0. Geburtstag von Carl Zeiß, 11. September.) Wenn die laute Gegenwart auch naturgemäß mancherlei Er- innerungen, die im Frieden breitesten Raum einnehmen würden. zurückdrängt, so muß dennoch auch heute jener Männer gedacht werden, deren Hobe wissenschaftliche und industrielle Fähigkeiten bedeutsamen Anteil am Aufbau von Teutschlands wirtschaftlicher Größe nahmen. Unter diesen Männern nimmt Carl Zeiß, dessen Geburtstag sich am II. September zum 100. Male jährt, eine be- sondere Stellung ein, und die optischen Instrumente, die aus seiner Werkstatt hervorgingen, haben längst weit über Deutschlands Grenzen hinaus in der ganzen Welt Anerkennung und Ruhm er- langt. Zeitz war nicht nur der eigentliche Begründer der optischen Industrie in Deutschland, sein ganz eigenartiges persönliches Ver- dienst beruht darin, daß er als erster ein geordnetes Zusammen- wirken von Wissenschaft und technischer Kunst auf dem kompli- zierten Arbeitsgebiet der Optik anbahnte. Die grundlegendsten optischen Instrumente sind, wie der Mitarbeiter des Zeitzschen Unternehmens, Professor Dr. M. v. Rohr, in den..Naturwissen- schaften" ausführt, allerdings bereits in der Uebergangszeit vom 16. zum 17. Jahrhundert erfunden worden. Es sind dies das Fernrohr und das Mikroskop. Große Gelehrte, wie Kepler und Des Eartes, beschäftigten sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts mit dem Fernrohr, und gegen Ende dieses Jahrhunderts förderte Newton die grundlegende optische Kenntnis mit seinem Spiegel- teleskop. Aber selbst im 18. Jahrhundert war in der Erzeugung optischer Instrumente von einer Anwendung der strengen Wissen- schaft im eigentlichen Sinne nicht die Rede, denn noch war die per- sönlicke Kunstfertigkeit die Hauptsache, und der optische Künstler war von den Glashütten abhängig, die seinen Anforderungen nur nebenher entsprachen. So hatte sich der Stand der Optiker beim Ausgang dcö 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts noch nicht über ein gewisses, in verhältnismäßig engen Grenzen gehaltenes Hand- werkcrmaß emporgeschwungen. Damals lagen die hetrcsfenden Ber- bältniffe im deutschen Sprachgebiet nicht gerade sehr günstig. Die einzige Optikersirma, die einigermaßen bekannt wurde, war die Werkstatr von Voigtländer in Wien. Erst im 19. Jahrhundert traten Utzschneider und der geniale Fraunhofer auf den Plan. Endlich erforderte die in> Jahre 1839 veröffentlichte Erfindung der Pbotograpbie gebieterisch ein neues optisches System. So bot sicb auf dem Gebiete der Optik ein rcicbcs, allerdings verhältnismäßig noerbraucrei,Ak!iengesellschast.| | Pichelsdorf bei Spandau. ILombani-Haus H. Leipzigerst. 75 II Volla normale Belcihung Diskretion, Reellität. Gelegenheitskäufe Uhren Brilinuten GoUlwaren IG— 50°/0 unter Ladenpreis.| mFreien Stunden. Romane und Erzählungen für das arbeitende Volk. Pro Heft ISPs. Buchhandlung Vorwärts, Berlin SÄ. 68, Lindenstcatze 3. iiledunI 14. September. 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