Ar. 358-33. Jahrg. NbonnementZ-kecklngungen: ilionnemenlZ. Prei- pränumerando vierleljährd S.S0 MI, monall. 1.30 Ml. wöchenlkch 30 Pfg. trei mS Hau!. Sinzeine Nummer 5 Pig. Sonntogä« nummer mil iUuftncrun Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' tv Psg. Posl. ilbonnement.' l.30 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeilungs- Preisliste. Unter Kreuzband wr Deiuichland und Oeslerreich- Ungarn ZL0 Marl, tür das übrtge Ausland t Marl pro Monat. PosiabonnemenlS nehmen an Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg, Portugal. itumänien. Schweden und die Schweiz. d Crtdietnt lögil«. Vevlinev VolkSblAkt. vie Inlertloni-eedilhi' deträgi für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum S0 Pfg., für politische und gewerlschasrliche Verein»- und Bersammlungs- Anzeigen 30 Psg. „kleine Anreisen", das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 settgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über iL Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate nir die nächste Nummer müssen bis K Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Exveoition ijl bis 7 Uhr abends geoijiiet. Delegramm-Adrefle: „Sozialdemoltrat Rerllo". Zcntralorgan äer roztaldcmokrattfd�en Partei Dcutfchlands. Redaktion: Slv. 6$, Linöenstrahe Z. i>ernsvrecher: Amt Morivpla«. Nr. 181 NO— 151 97. Dienstag, den 19. September 1916. «Expedition: SW. 6$, Linöenftraße Z. Fernsprecher: Amt Moritspla«- Nr. 15130— 151 S7. Andieparieigenossen! Von unbekannten Personen, die sich unter dem Teck- ittantel„Opposition" verbergen, wird das Reich fortgesetzt mit Flugschriften überschwemmt. Man weiß nicht immer mit Sicherheit, welcher besonderen Gruppe der vielgestaltigen Opposition im einzelnen Falle durch die Flugblätter gedient werden soll. Die fortgesetzte Herabwürdigung der Partei- Politik, die unausgesetzte wüste Beschimpfung und Verdächti- gung der im Vordertreffen der Arbeiterbewegung stehenden Körperschaften und Personen müssen schließlich zur Zerrüt- tung der Arbeiterorganisaftonen führen. Die meisten der anonymen Verleunidungen sind so Hand- greiflich töricht, daß sie einer Widerlegung nicht bedürfen: an einem besonderen Beispiel soll aber doch einmal öffentlich gezeigt werden, wie gewissenlos in den Flugschriften gear- beitet wird. In den„Mitteilungen der Opposition Nr. 4' wird neben allerlei anderen Unwahrheiten auch behauptet, daß der Parteivorstand und die Generalkommission der Ge werkschaften Arbeitern in den Rücken gefallen seien, die einen Sympathiestreik unternommen hätten. Aber damit nicht genug: „Durch die Drohung, daß sonst das schöne Dienstver hältnis der Gewerkschafts- und Parteiinstonzen zur Re gierung in die Brüche gehen würde, haben die Militär behörden sich die Generalkommission der Gewerkschaften und den sozialdemokraftschen Parteivorstand gefügig ge- macht. Die gepanzerte Faust der Militärdiktatur hat sie in den Nacken gepackt. Die Generalkommisfion der Gewerkschaften hat den Ukas gegen die streikenden Arbeiter entworfen, und in alleruntertänigstem Gehorsam hat mich der zitternde Par- teivorstand seinen Namen darunter gesetzt. Gegen Arbeiter, gegen streikende Arbeiter, gegen Parteigenossen in der Zeit des Belagerungszustandes kehren sich gemeinsam die beiden höchsten Instanzen der sozialdemokratischen Arbeiterbewe- gung in Deuftchland l" Es braucht Wohl kaum betont zu werden, daß jedes Wort dieser Behauptungen eine fteche Verleumdung ist. Weder eine Militär- noch irgendeine andere Behörde hat auch nur den geringsten Versuch gemacht, auf die Gencralkommission oder den Partcivorstand in dem angegebenen Sinne einzu- wirken. Weder hat die Generalkommission den Entwurf zu irgendeinem Ukas gemacht, unter den der Parteivorstand feinen Namen gesetzt hätte, noch hat eine Verbreitung der Warnung, wie gleichfalls behauptet wird, unter irgendwelcher Assistenz von Polizeiorganen stattgeftinden. Wahr dagegen ist, daß die beiden Körperschaften, denen die gewerkschaftlich und fozialdemokraftsch organisierten Ar- beiter das größte Vertrauen schenkten, aber auch mit der schwersten Verantwortung belasteten, gemeinsam ge- warnt haben vor den gewissenlosen Aufforderungen voll- kommen unbekannter Personen zu Handlungen, die für jeden Teilnehmer die schwersten Folgen haben könnten. Diese Warnung vor dem Treiben anonymer Flug- blattschreiber halten wir vollkommen auf- recht und wiederholen sie hiermit. Die Einstellung der Arbeit kann schon in ftiedlichen Zeiten eine so folgenschwere Handlung sein, daß alle GeWerk- schaften besondere Streikbestimmungen getroffen haben. Nach diesen soll jede unüberlegte Arbeitseinstellung unmöglich ge- macht werden: sie wird abhängig gemacht von der Zustim- mung der in Betracht kommenden Organisationen bzw. der Zentralvorstände. Jetzt, im Kriege, sollten nun die berufe- nen Körperschaften ruhig zusehen, wie durch ein unverant- wortliches Treiben unbekannter Personen gutgläubige Ar- beiter in das Unglück gestürzt, die mühsam aufgebauten Or- ganisationen auf das schwerste gefährdet, wenn nicht direkt dem Untergange geweiht werden? Wo sind denn die Adressen der geheimnisvollen Flug- blotftchreiber, an die sich die Arbeiter oder deren Angehörige doch würden wenden müssen, wenn sie infolge der Treibereien durch„wilde Streiks" in Not geraten und gezwungen sind, Unterstützungen anzufordern? Jeder sozialistisch geschulte Arbeiter wird uns zustimmen, wenn wir darüber wachen, daß die Organisationen nicht beiseite geschoben und über deren Köpfe hinweg unbekannte Personen die Arbeiter zu dirigieren suchen. Berlin, den 18. September 1913. Ter Parteiv-irst nd. Die Geueralkommissio«. Das neue griechische Kabinett. Athen, 17. September. sW. T. B.) Reuiermeldung. Eine amt- lickie Mitteilung besagt, daß das neue Kabinett ein politisches Kabinett sei, das sich aus Deputierten zusammensetze und selbst- verständlich die in der Note vom 21. Juni aufgestellten Forderungen der Entente in demselben Sinne annehme, wie sie das Kabinett Zaimis angenommen habe. Bern, 18. September. sW.?. B.) Zur Zusammensetzung des neuen griechischen Ministeriums schreibt„Corriere della Sera', be achtenswert sei der bollständige Mangel des politischen Charakters des Kabinetts und der Ausschluß irgendwelchen Schildbalters. Das Ministerium sei einzig zur Erledigung der laufenden Geschäfte bestimmt. Die Ententemächte ver- langten nunmehr von Griechenland nichts weiter als Neutralltät. 4 Bern, 18. September.(SB. T.B.)„ Secolo' meldet aus Saloniki Nach der M i lit ä rr e v o l t e, die wenig Anklang gefunden hat und nach dem unerwarteten Rücktritt Zaimis' wollen die revo lutionären Kreise in Saloniki die Lage dadurch klären, daß sie ganz G r i e ch i s ch- M a z e d o n i e n und die alt griechischen Inseln von Griechenland trennen und unter die provisorische Regierung von Venizelos stellen. Es sei jedoch schwierig zu sagen, wieviel Wahrscheinlichkeit für die Verwirklichung dieses Planes des nationalen Verteidigungs komiteeS in Saloniki bestehe, dessen beschränkte Tätigkeit unter all gemeiner Teilnahmslosigkeit erfolge. Der politische Wechsel in Saloniki werde von den Alliierten und den Ereignissen in Athen abhängen. Eine /luseinanöersetzung über Kolonial- Politik. Die Korresponbenz des Aktionsausschusses der Deutschen Kolonialgesellschaft„Deutsch-Uebersee" veröffentlicht in ihrer soeben erschienenen Nummer einen Briefwechsel, der im Hin blick auf die seit mehreren Monaten in verschiedenen bürger lichen Blättern geführten Auseinandersetzungen über die Ziele der deutschen Kolonialpolitik recht interessant ist. In einem der veröffentlichten Briefe bittet der Vorsitzende der Deutschen Kolonialgesellschaft, Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg den Staatssekretär Dr. S o l f um nachträgt liche Erläuterung seiner Aeußerungen, die er in seinen kürz lichen Vorträgen machte, da diese Aeußerungen in manchen Kreisen„Bedenken und Beunruhigung" hervorgerufen hätten. „Euere Exzellenz haben— heißt es in dem Briefe weiter— seinerzeit in dem in Berlin unter meinem Vorsitz gehaltenen inhaltsreichen Vortrage ausgeführt, daß Deutschland unter allen Umständen an kolonialer Betätigung festhalten muffe, selbst für den theoretisch möglichst un günstigsten Fall, daß es uns in diesem Kriege nicht gelingen sollte, die Seeherrschaft Englands völlig zu beseitigen. Das ist eine Auffassung, der auch ich und mit mir die ganze Deutsche Kolonialgescllschaft zustimmt. Ich habe meinerseits daraus lediglich die Forderung eines unbedingten Festhaltens an unserer kolonialen Betätigung entnommen. Andere Zuhörer haben diese Sätze aber anscheinend dahin verstanden, daß Euere Exzellenz die Seeherrschaft Englands als etwas absolut und dauernd Gegebenes, die eigene Seegeltung Deutschlands aber als etwas Unmögliches und in gewissem Sinne auch Unnötiges be trachteten. Ich bin überzeugt, daß dies eine Verkennung der Aufassung Euerer Exzellenz ist, weiß ich doch, wie Euere Exzellenz der auch von der Deutschen Kolonialgesellschaft vertretenen Forderung, die zwar nicht so weit geht, an die Stelle der See- Herrschaft Englands eine Seeherrschaft Deutschlands zu setzen, die aber eine aus reichende Sicherung der überseeischen und kolo- nialen Betätigung Deutschlands verbürgen sott Angesichts der in einzelnen kolonialen Kreisen entstandenen Beunruhigung wäre ich Euerer Exzellenz für eine den Mit- gliedern der Deutschen Kolonialgesellschaft durch die„Kolonial Zeitung" bekannt zu gebende Rückäußerung dankbar." Der Staatssekretär des Reickiskolonialamtes Dr. S o I f bemerkt in der Antwort auf diesen Brief, die Auffassung des Herzogs Johann Albrecht entspreche durchaus seinen An schaungen. „Ich teile durchaus die Auffassung Euerer Hoheit, daß Deuschland auf der Grundlage eines starken und gegen seine Feinde gesicherten Deutschen Reiches für die friedliche und freie Weiterentwickelung unserer Volkswirtschaft sowohl eine Flotte braucht, die unserem Handel über See die unbehinderte Betäti- gung sichert, als auch gleichzeitig einen Kolonialbesitz, der uns möglichst unabhängig von dem Tribut an ftemde Staaten macht für den Bezug derjenigen Rohprodukte, deren unsere Be- völkerung in Landwirtschaft und Industrie benötigt. Also statt: entweder oder— sowohl als auch! Der mißverstandene Teil meiner Ausführungen war an diejenigen gerichtet, welche die wahren Ursachen der feindlichen Invasion w unsere Schutzgebiete verkennen und deshalb klein- mütig die deutsche Kolonialpolittk in Zukunft entweder ganz ver- werfen oder nur bedingungsweise wieder aufnehmen wollen. Demgegenüber stelle sich fest, daß die Gewinnung eines Kolonialreiches eine für Deutschlands Welt- geltung unbedingt notwendige Forderung sein m u ß." Auf Grund der bisherigen Aeußerungen der rechts- stehenden Gegner des Solfschen Programms glauben wir nicht, daß sie nach den hier gegebenen Erläuterungen ihre Einwendungen fallen lassen werden. Ueber diese Frage dürf- ten schon die nächsten Tage Klarheit schaffen. Darüber hin- aus sind die Erklärungen Solfs auch für weitere Kreise von Interesse, da sie den Kurs der künftigen deutschen Kolonial- und Flottenpolitik deutlich erkennen lassen. Staatliche Selbstversorgungswirtschast. Von Heinrich Cunow. Der Krieg hat manche volkswirtschaftlichen Anschauungen aus alter Zeit wieder aufgefttscht, indem einzelne durch die wirtschaftliche Verkehrsabgeschlossenheit Deutschlands hervor- gerufene, nur in ihrem Zusammenhang mit der anormalen heutigen Gesamtwirtschaftslage zu verstehende Erscheinungen in breitester Weise verallgemeinert und nicht als durch die heutigen Kriegsverhältnisse bedingte Sondererschcinungen, sondern gewissermaßen als volkswirtschaftliche Tatsachen an s i ch betrachtet werden, aus denen sich auch für das andexs- geartete Wirtschaftsleben nach dem Kriege ohne weiteres all- gemeingültige Folgerungen ergeben. Zu diesen alten Anschauungen zählt die heute oft ver- nehmbare Ansicht, der Krieg sei doch eigentlich ein ganz nütz- liches Handwerk, denn er schaffe, da er der Kriegsmaterialien bedürfe, für die Zurückbleibenden flotte Arbeit und steigere den Arbeitslohn: eine Auffassung, die ganz unberücksichtigt läßt, daß der Krieg nicht nur einen enormen Teil der Arbeitskräfte, die sonst in nützlicher wert- bildender Tätigkeit angewandt werden, dieser Beschäftigung entzieht und ihre Aktivität auf Zerstörungswerle richtet, son- dern daß auch die von den Zurückbleibenden hergestellten Kttegsmaterialien nicht der Vermehrung des Nationalreich- tums oder genau ausgedrückt, der zur Beftiedigung des all- gemeinen Bedarfs verfügbaren Verbrauchsmcngc dienen, sondern draußen für wirtschaftlich unproduktive Zwecke ver- wandt werden. Eine andere nicht minder falsche Auffassung ist, daß der Krieg, da er Deutschlands Einfuhr fremder Erzeugnisse ver- ringert hat, insofern einen wirtschaftlichen Vorteil bedeutet, als er, wie es gewöhnlich heißt, das Geld in: Lande festhält. Wenn der Krieg dazu geführt hat, daß Deutsch- land heute weniger Waren vom Auslande bezieht als sonst, so hat er andererseits auch bewirkt, daß Deutschland viel weniger Waren in das Ausland ausführt, also, um in der üblichen Ausdrucksweise zu bleiben, viel weniger Gell, aus dem Auslande in Deutschland hereinkommt, und zwar ist noch immer die Einfuhr weit stärker als die Ausfuhr, weshalb auch der Wechselkurs ein sehr nicdttger ist, so daß Deutschland für die Waren, die es aus dem Auslande bezieht, ein Aufgeld von 30 Prozent und mehr zahlen muß. Zudem aber liegt dieser ganzen Auffassung die unrichtige Vorstellung zugrunde, daß die eingeführten und ausgeführten Waren von Land zu Land in Geld beglichen werden, also für die eingeführten Waren Geld aus dem Lande herausströmt, für die ausgeführten Waren aber hereinströmt. Tatsächlich liegt die Sache so, daß, wenn auch die Rechnungen natürlich auf Geldsummen lauten, die eingeführten Waren ge- wohnlich größtenteils mit den ausgeführten bezahlt werden und die Differenz, die vielleicht bleibt, auch nicht in Geld ent- richtet, sondern durch gegenseitige Forderungen für Arbeits- leistungen(wozu z. B. auch die Transporte für ein- und aus- geführte Waren durch Schiffe, also die Frachtforderungeu ge- gehören) sowie durch die Einkünfte aus den ini Auslande an- gelegten Kapitalien oder aus angekauften fremden Staats- papieren ausgeglichen wird. Es ist denn auch, wie ich erst kürzlich im„Vorwärts" (Nr. 239 im Artikel„Die konimende Wirtschaftsära") näher darzulegen versucht habe, ganz verkehrt, die unzweifelhafte Geldflüssigkeit, die trotz aller Kriegsanleihen seit Jahr und Tag in Deutschland vorhanden ist, einfach darauf zurück- führen zu wollen, daß„das Geld im Lande bleib t." Der sogenannte Geldreichtum erklärt sich größtenteils daraus, daß große Kapitalien die zu Anfang des Krieges in der Forni von Warenbeständen aller Art vorhanden waren, in- zwischen mehr und mehr in Geld umgesetzt worden und da- her jetzt in Geldform, zumeist in der Form von Papiergeld, vorhanden sind. Damit soll nicht gesagt sein, daß diese Umwandlung in Geld, wie auch andererseits die Unterbringung der Kriegs- anleihen im eigenen Lande nicht ein Vorteil fein kann. Ob sie es ist oder nicht, das hängt von den besonderen Umständen ab. Gerade wie auch der Ausverkauf eines einzelnen Waren- lagers für den Besitzer nicht immer einen Vorteil bedeutet. Ist er gezwungen, die Waren unter Preis zu verkaufen und später zum Wicderankauf ähnlicher Waren eine viel größere Geldsumme aufzuwenden, als er erhalten hat, dann ist es ein Nachteil. Hat er dagegen gute Preise erhalten oder ist er Waren losgeworden, die sonst veraltet oder verdorben wären, ist es für ihn ein Vorteil. Und was hier von den Wirtschaft- lichen Maßnahmen des einzelnen gilt, das gilt mutatis mutandis auch von den volkswirtschaftlichen Erscheinungen: man kann sie nicht richtig für sich nach irgend einem abstrakten Schema beurteilen, sondern inimer nur in ihrem wechselnden besonderen Zusammenhang mit der Gesamtwirtschaftslage. Aber während die obigen wirtschaftlichen Anschauungen in unserer Partei im ganzen nur wenig verbreitet sind, scheint die Ansicht einen ziemlich weiten Anklang gefunden zu haben, Deutschland müsse mit aller Kraft dahin streben, Wirt- 'chaftlich möglich st unabhängig vom Ans- lande zu werden, das heißt, es müsse seinen Bedarf T an landwirtschaftlichen Nahrungsmitteln und Rohstoffen möglichst durch eigene Erzeugung zu decken suchen und daher solche Bestrebungen durch eine entsprechende Wirtschaftspolitik, auch durch Schutzzölle, unterstützen. Zwar wird das Ziel nicht immer so offen angegeben, sondern von einer sich selbst genügenden Volkswirtschaft, von einer Ausdehnung des Prinzips der Selbstversorgung auf die Volkswirtschaft, von der Ueber- tragung des Prinzips der geschlossenen Hauswirtschaft auf die Nationalwirtschaft usw. gesprochen: aber sieht mau näher zu, was damit gemeint ist, so ergibt sich, dag hinter allen solchen Redewendungen lediglich die Ansicht steckt, die deutsche Landwirtschaft müsse durch Zollschutzmagnahmen instand gesetzt werden, alle nötigen Lebensmittel und Rohstoffe, die Deutsch lands Bevölkerung gebraucht und auf Deutschlands Boden gc deihcn, möglichst selbst herzustellen. Der Plan geht also da hin, aus Teutschland eine Art von„geschlossener Hauswirt schaft" im großen zu machen.— Nun soll gar nicht geleugnet werden, daß für künftige Kriegsfälle eine derartige„ S e l b st v e r s o r g» n g" nützlich sein könnte. Aber die Frage ist denn doch: läßt sich eine derartige Abkehr von der im Laufe der kapitalistischen Ent Wicklung imincr größer gewordenen internationalen Arbeits teilung überhaupt durchführen, und wenn das mehr oder weniger möglich sein sollte, würde eine solche nationalwirt schaftliche Selbstversorgung nicht ein Rückschritt, nicht eine künstliche Konservierung einer überlebten Wirtschaftsform sein? Vor allem aber ergibt sich für uns als Sozialdemokraten die Frage i liegt eine derartige Konzentration der produktiven Kräfte auf die Landwirtschaft tatsächlich im Interesse der deutschen Arbeiterklasse und ihres Aufstiegs? Selbstverständlich kann die deutsche Landwirtschaft nie mals alle jene Erzeugnisse liefern, die ein heißes Klima erfordern; aber auch jene Produkte, die der deutsche Boden unter den gegebenen klimatischen Verhältnissen hervorbringen kann, vcrniag sie, selbst wenn noch manches Ocdland kulturfähig gemacht würde, nicht in der er forderlichen Menge zu liefern. Nach Wr Be rechnung von Dr. A. Schulte im Hofe hätten z. B. im Jahre 1913 nicht weniger als 480(XX) Hektar mit Raps und Rübsen bestellt werden müssen, um das Quantum Oel zu liefern, das in jenem Jahr vom Ausland eingeführt wurde. Weiter würde, um den Flachs, den Deutschland im Jahre 1913 eingeführt hat, ini eigenen Lande zu produzieren, 115000 Hektar erforderlich gewesen sein. Und um die in Deutschland verbrauchte Wolle zu erzeugen, würden 731/: Millionen Schafe nötig sein; es müßten also, da Deutsch land nur 5'/, Millionen besitzt, 68 Millionen Schafe mehr gehalten werden. Im ganzen würde nach der Berechnung des genannten Volkswirtschaftlers, wenn Deutsckland bei gleichem Verbrauch und bei gleicher Bevölkerungszahl, wie vor dem Kriege, die damals eingeführten Nahrungs- und Gcnußmittcl sowie die eingeführten tierischen Produkte selbst erzeugen wollte, eine Vermehrung der Anbau- und Weidefläche um mindestens 6 Millionen Hektar nötig sein. Da nach der statistischen Aufnahme vom Jahre 1907 die damals im ganzen Deutschen Reiche landwirtschaftlich benutzte Fläche(mit Ein schluß des Forst» und Gartenlandes sowie der Haus- und Hop räume) 82 Millionen Hektar betragen hat, so müßte also der angebaute und der als Wiesen- und Weideland benutzte Boden ungefähr um ein Viertel ausgedehnt werden. Woher soll dies es Land genommen werden? Es würde demnach die empfohlene Selbstversorgung schließlich nur darauf hinauslaufen, die heute angebauten Erzeugnisse durch andere zu ersetzen. Zudem aber würde eine derartige Ausdehnung der Landwirtschaft, wenn sie möglich wäre, der Industrie eine große Anzahl Arbeitskräfte entziehen und dadurch den industriellen Fortschritt hemmen. Liegt eine solche Rückbcwegung vom Industrie zum Agrarstaat wirklich im wirtschastlichcn und politischen Interesse der Arbeiterschaft? Daß es nicht im einzelnen volkswirtschaftlich nützlich sein kann, den Anbau bestimmter Früchte, Gemüse und Rohstoffe auszudehnen und dafür die Erzeugung anderer einzuschränken, soll nicht bestritten werden, wie es andererseits auch angebracht sein mag, von manchen unentbehrlichen Rohstoffen größere Vorräte als bisher zu halten; aber von einer ausreichenden Selbstversorgung Deutschlands mit landwirtschaftlichen Er- Zeugnissen kann heute nach der industriellen Entwicklung und der enormen Bevölkerungszunahme Deutschlands während der letzten vierzig Jahre nicht mehr die Rede sein. Der Fortschritt weist viel- mehr auf eine Erweiterung der internationalen Ar- beitsteilung und Ausweitung des Handelsverkehrs hin. Bericht öes türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 14. September.(W. T. B.)(Verspätet eingetroffen.) Bericht des Hauptquartiers vom 14. September. An der Fellahicfront sprengten wir einen Teil der feindlichen Stellungen. Am 12. September veran- laßten wir in einem feindlichen Lager durch überraschendes Feuer erheblichen Schaden und zerstörten Artillerie- beobachtungsstellungcn. In P e r s i e n wollen die Russen, wie sie in ihrem Bericht bekannt geben, die Ortschaft Banc besetzt haben. Gegenwärtig befindet sich kein russischer Soldat in diesem Ort. Auf den anderen Fronten hat sich nichts Wichtiges ereignet. Konstantinopel, 15. September.(W. T. B.)(Verspätet eingetroffen.) Bericht des Hauptquartiers. An der Warrija- front wurden Versuche des Feindes, mit beträchtlichen Kräften vorzurücken, mit für ihn schweren Verlusten zurück- geschlagen. Wir erbeuteten eine große Menge von Waffen und machten andere Beute. An der Fellahiefront unternahmen wir gegen den Feind glückliche überraschende Angriffe. An der Kaukasusfront dauern die Gefechte der Aufklärungsabteilungen auf dem rechten Flügel an. Wir machten eine Anzahl Gefangene. Auf dem linken Flügel wurde ein feindlicher Angriffsversuch abgeschlagen. Zwei feindliche Flugzeuge, die von zwei Flugzeugschiffen, die sich dem Orte Gaza an der Küste von Palästina genähert hatten, aufgestiegen waren, erschienen über Bir es Sebaa. Sie wurden aber durch unser Feuer vertrieben. Von den übrigen Fronten ist keine wichtige Meldung eingegangen. An der Front unserer Truppen in G a l i z i e n fanden Gefechte von Aufklärungs- abteilungen zu unseren Gunsten statt. VizegeneralifsimuS. Konstantinopel, 18. September.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom 17. September. Kaukasusfront: Auf dem rechten Flügel war ein türkischer Ueberfall erfolgreich. Auf dem linken Flügel drängten wir feindliche Erkundungs- abteilungen unter Verlusten für sie zurück. Front gegen Aegypten: Zehn Bomben, welche zwei feindliche Flieger, begünstigt vom Mondschein, Mim Oes Med SmkWMs. Amtlich. Großes H a n p t q u a r t i e r, 18. September 1916.«W. T. B.) Die Kämpfe in West und Ost dauern a». Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Die gewaltige Sommeschlacht sühne auf 45 Kilometer Front von Thiepval bis südlich von Vermandovillers zn äußerst erbitterten Kämpfen, die nördlich der Somme zu unseren Gunsten entschieden sind, südlich des Flusses die Aufgabe völlig eingeebneter Stellungsteile zwischen Barleux und Vermandovillers mit den Dörfern Berny und Tenie- court zur Folge hatten. Unsere tapfereu Truppen haben glänzende Beweise ihrer nnerschütterlicheu Ausdauer und Opferfreudigkeit geliefert, ganz besonders zeichnete sich das westfälische Infanterie- Regiment Nr. 13 südlich von Bouchavesnes aus. Starken feindlichen Luftgeschwaderu warfen sich unsere Flieger entgegen und schössen in siegreichen Gefechten zehn Flugzeuge ab. HeerrsgruppeKronprinz. Zeitweise lebhafter Feuerkampf im Maasgebiet. Lest- lich von Fleury vorgehende feindliche Abteilungen wurden zur Umkehr gezwungen. Oestlichcr Kriegsschauplatz. Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Westlich von Luek verhinderten wir durch unser wir- kungSvolles Sperrfeuer ein erueutes Borbrecheu des Feindes aus seineu Sturmstelluugeo gegen die Truppen deö Generals v. d. Marwitz. Es kam nur nördlich von Szelwow zu einem schwächlichen Angriff, der leicht abgewiesen wurde. Viele Tausende gefallener Rnsseu bedecken das �kampffeld vom 16. September. Zwischen dem Sereth und der Strypa endeten die wiederholten russische» Angriffe auf die Gruppe des Generals von Eben mit einem in gleicher Weise Verlust- reichen völligen Mißerfolge, wie am vorhergehenden Tage. Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Earl. In schweren Kämpfen haben sich türkische Truppen, unterstützt durch die ihnen verbündeten Kameraden, westlich der Zlota Lipa der Angriffe des überlegenen Gegners erfolgreich erwehrt. Eingedrungene feindliche Abteilungen sind wieder geworfen. Deutsche Truppen unter dem Befehl deS Generals von Gerok traten beiderseits der Narajowka zum Gegenstoß an, dem die Russe» nicht stand- zuhalten vermochten. Wir haben de» größten Teil des vorgestern verlorenen Bodens wieder in der Hand. Abgesehen von den hohen blutigen Verlusten hat der Feind über 3569 Gefangeue und 16 Maschinengewehre ein- gebüßt. In den Karpathen sind russische Angriffe abgeschlagen. Au Siebenbürgen sind südöstlich von Hötzing(HatSzeg) neue für uns günstige Kämpfe im Gange. Wir nahmen unter anderem 7 Geschütze. Balkan-Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. Nach dreitägigem Rückzüge vor den verfolgenden ver- bündeten Truppen habe» die geschlagenen Russen und Rumänen in einer vorbereiteten Stellung in der allgemeinen Linie Rasova— Cobadinn— Tuzla bei neu herangeführten Truppen Aufnahme gefunden. Deutsche Bataillone sind längs der Donau südlich von Rasova bereits bis zur feind- lichen Artillerie durchgestoßen, haben 5 Geschütze erbeutet uud Gegenangriffe abgewiesen. Mazedonische Front. Mehrfache vereinzelte Angriffe deS Gegners au der Front zwischen dem Prespa-See uud dem Vardar blieben ergebnislos. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. Deutsche Seeflugzeuge gegen englische Seestreitkräste. Amtlich. Berlin, 18. September.(W. T. B,> Deutsche Seeflugzeuge haben am 17. September mittags vor der F l a n d r i s ch e o Küste stehende feindliche Seestreitkräfte ausgiebig mit B-omben be- legt. Auf einem Flugzeugmutterschiff wurden einwand- frei Treffer beobachtet. Ein feindlicher Flieger wurde durch Abwehrfeuer verdrängt und zur Landung auf holläu- dischem Gebiet gezwungen. Ter Chef des Admiralstabes der Marine. IN WiMUe SeomiWMrM. Wien, 18. September 1916.(23?. T. S.) Amtlich wirb verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Front gegen Numäuieu. Südöstlich vo» HatSzeg(Hötzing) neue erfolgreiche Kämpfe. Es wurden gestern sieben rumänische Geschütze und mehrere Maschinengewehre eingebracht. Nordöstlich von Fogaras ist der Feind ohne Kampf in Köhalom(RepS) eingerückt. Heeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Carl In den Karpathen griff der Feind zwischen der Dreiländer- ecke südwestlich von Dorna Watra uud Hryniawa au zahlreichen Stellen an. Die verbündeten Truppen schlugen ihn überall zurück. Beiderseits der Lipniea Dolna führte ein Gegenangriff der dort lömpfenden deutschen Truppen fast zur völlige« Wiedergewinnung der vorgestern vom Feinde genommenen Stellungen. Nordöstlich deS eben genannten Ortes wehrten ottomanische Regimenter im Berein mit ihren Verbündeten parke russische Vorstöße in erbittertem Ringen siegreich ab. Die Armee»es Generals Graf Bothmer brachte 16 Offiziere, mehr als 4000 Mann, 16 Maschinengewehre ein. Heeresfront des G e n e r als eld m a r sch alls Prinz Leopold von Bayern. Bei der Armee des Generaloberpen». Boehm-Ermolli erneuerte der Gegner gester» nachmittag zwischen Zborvw uud Perepolniki seine Angriffe. Die feindlichen Massen mußte« überall der zähen Ausdauer der Lerleidiger weichen. Die Armee des Generalobersten v. Tersztyanski hatte nur mehr einen schwäch- lichen Borstoß abzuwehren. Andere Angriffsversuche wurden bereits im Keime erstickt. Italienischer Kriegsschauplatz. Gestern erneuerte die italienische dritte Armee die Angriffe gegen unsere ganze Front auf der Karst-Hochfiäche. Auch an diesem vierten Schlachttag behaupteten die zähen Verteidiger ihre Stellungen. Wo der Feind in die ersten Gräben eindrang, wurde er durch Gegenangriffe zurückgeworfen. An viele» Stellen aber brachen seine Borstöße schon im konzentrischen Feuer unserer braven Artillerie unter schwersten Verlusten zusammen. TaS bewährte Infanterie-Regiment Nr. 87 hatte bei Lokviea hervorragenden Anteil an der erfolgreichen Abwehr deS feindlichen Ansturmes. Im Nordabschnitt der Hochfläche schlugen Abteilungen des Jnfanterie-RegimentS Nr. 39 drei Angriffe der italienischen Grenadiere blutig ab. Das lebhafte Gefchützfeuer von der Wippach bis in die Gegend von Plava hält an. Sln der FleimStal-Front wiederholten fich die vergeblichen Vorstöße schwächerer Abteilungen gegen unsere Stellungen auf dem Fassaner-Kawm. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unverändert. Der Stellvertreter des ChefS des GeneralstabeS: von Hoefer, Feld.marschalleutnant. * Ereignisse zur See. In der Nacht vom 17. auf den 18. hat ei« Serflugzeug. geschwader neuerdings die Bahnhofsanlagen von Mestre erfolgreich mit schweren und leichten Bomben belegt und in Bahugebäuden zahlreiche Treffer erzielt. Trotz heftigster Beschießung sind die Flugzeuge unversehrt eingerückt. Flottenkommando. Arisch warfen, richteten keinen Schaden an. Eine feindliche Rciterabteilung, die östlich von Suez vorzudringen versuchte, wurde zurückgeschlagen. Kein Ereignis von Bedeutung an den übrigen Fronten. Der Stell vcrteter des Oberbefehlshabers. Tun» deutock-dulgai-izdi-tiirkiscdn» 5iez in der Oobrusha. Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 17. September.(W. T. B.) Bulgarischer eneralstabsbericht vom 17. September: Mazedonische Front: Die Truppen deS rechten Flügels stehen im Kampfe südlich Florina. Während des ganzen Tages am 16. September beiderseitiges starkes Artilleriefeucr. Alle nächtlichen Angriffe des Feindes wurden abgewiesen. In der Moglcnica-Niederung herrscht Ruhe. Am rechten Vardarufer Ruhe, am linken heftige Artilleriekämpfe. Ein schwacher Angriff des Gegners westlich Dolzcli wurde durch unser Feuer abge- auf El Ischlagen. Wir haben mehrere Dutzende Gefangene gemacht und drei Maschinengewehre erbeutet. An der Belasica Planina- Front Ruhe. Im Strumatal versuchte die seindlicbe Infanterie, nach starker Artillerievorbereitung einen Angriff gegen die Dörfer Komarjan, Ommen-Kamila und Dschami Mahale, wurden jedoch durch einen Gegenangriff auf das rechte Struma- Ufer zurückgeworfen. An der ä g ä i s ch e n Küste lebhaftes Kreuzen der feind- lichen Flotte. Rumänische Front: An der Donau bei Tekija beiderseitiges schwaches Artilleriefeuer. Wir haben im Hafen von Turn-Severin einen Schlepper versenkt. Die Vorrückung in der Dobrudscha dauert an. Der Gegner hat die befestigte Stellung bei Cobadinu besetzt. Unsere Truppen sind in unmittelbarer Füh- lung mit demGegner. Die Kavallerie hat den Bahnhof von Agem- lar besetzt und daselbst 16 mit Lebensmitteln beladene Waggons erbeutet. Gestern versuchte eine feindliche Brigade einen Gegen- angriff gegen unsere äußerste linke Flügelkolonne beim Dorfe Petucci, wurde aber mit schweren Verlusten zurückgeschlagen, wobei sie mehrere Dutzend Gefangene und ein Geschütz, acht Munitionswagen, vier Maschinengewehre und anderes Kriegs- Material in unseren Händen zurückließ. Aus der Zahl der Toten und Verwundeten, sowie aus der großen Menge des dem Kampffelde zerstreuten Kriegsmaterials geht hervor, daß der Gegner in den Kämpfen am 12., 13. und 14. September ungeheuere Verluste erlitten hat. An der Schwarzen Mcerküste herrscht Ruhe. Die feinölichen Heeresberichte. Der französtsche Tagesbericht. Vom 17. September nachmittags.(W. Tl B.) Außer ziemlich lebhaftem Artilleriekampf an der Sommestont und in den Abschnitten von Berny und Vermandovillers auf der gesamten Front im Lause der Nacht kein Ereignis. Flugdienst. Ein feindliches Flugzeug ist gestern über den französischen Linien in der Nähe von Biaches, ein zweites bei Belloh abgeschossen worden. Es bestätigt sich, daß ein Flugzeug vom Feldwebel Lenoir mit einem Maschinengewehr nördlich Douaumont ab- geschossen worden ist und zerschmettert zu Boden stürzte; es ist dies das achte von diesem Flieger dernichiete Flugzeuge EBenso Bestätigt eS sich, dast Feldwebel Porne am 15. d. M. zwischen Briö und Enne« main sein zehnte? Flugzeug zum Absturz Brachte. In der Nacht vom 15. zum 1». warfen zwei französische Flugzeuge 15 Granaten aus den Bahnhof von Habstein. In der Nacht vom 16. zum 17. wurden 32 Granaten auf den Bahnhof und die Flngplatzanlagen von Tergnier, 32 auf den Bahnhof Abbancourt, 72 auf die Bahn- Höfe Roisel, Epeby und AthiZ und die Eisenbahn von St. Ouentin nach Ham geworfen. Orientarmee. An der Strumafront lieferten englische Erkundungsableilungen verschiedene glückliche Gefechts am linken Ufer des Flusses und niachten Gefangene. An den Belesbergen und am Vardar ziemlich lebhafte Kanonade auf beiden Seiten. Oestlich von der Czerna kamen die Serben bis in die unmittelbare Nähe von Letrenik und von Kaimatschalan, nacbdcm sich eine Reihe von erbitterten Kämpfen sämtlich zu ihren Gunsten entschieden hatte. Westlich des Ostrovo-Sees fahren die Serben fort, den Flutz zu überschreiten. Ihre Artillerie eröffnete ein heftiges Feuer gegen die am rechten Ufer des Flusses verschanzten Bulgaren. Französisch- russische Kräfte vom linken Flügel setzten ihren schnellen Vormarsch fort, sie befinden sich vor Florina. Vom 17. September abends. lW. T. B.) Nördlich der Somme beschosz unsere Artillerie im Laufe des Tages kräftig die deutschen Stellungen. Südlich der Somme gingen unsere Truppen gegen 2 Uhr 30 Minuten nachmittags an verschiedenen Stellen zum Angriff über und trugen erhebliche Vorteile davon. Die Dörfer Vermandovillers und Bcrny, von denen wir nur Teile besetzt hielten, wurden im Verlaufe eines glänzenden Angriffes genommen. Ein- zelne Häusergruppen leisten noch Widerstand. Das gesamte zwischen Vermandovillers und Dcniecourt sowie des zwischen Deniecourt und Berny gelegene, von mehreren Grabensystemen verteidigte und stark ausgebaute Gelände fielen nach erbittertem Kampfe in unsere Hand. Der Kampf um Deniecourt wird fortgesetzt. Zwischen Berny und Barleux haben wir eine Anzahl Gräben genommen. Alle vom Feinde an, späten Abend versuchten Gegenangriffe wurden von unserem Artilleriefeuer gebrochen und brachten den Deutschen schwere Verluste. Bis jetzt sind 700 unverwundete Gefangene gezählt, darunter 15 Offiziere. Der gewöhnliche Artilleriekampf auf der übrigen Front. Belgischer Bericht. Unsere Artillerie vernichtete heute einen feindlichen Beobachtungsposten bei Dixmude. Südlich von Het Sas führten wir mit Erfolg Zerstörungsfeuer gegen die feind« lichen Gräben aus. Die englische Meldung. Vom 17. September nachmittags.(23. T. 23.) Gestern/ abend dehnten wir unseren Gewinn in der Nachbarschaft vor» Courcclette auf eine Front von 1600 AardS aus. Nahe bei Thiepvat nahmen wir eine feindliche Befestigung, bekannt als Donaugrabe», auf einer Front von einer(englischen) Meile. Der Feind lieg ei«e Menge Gewehre und Ausrüstungsgegenstände zurück. Wir nahmtn auch ein stark befestigtes Werk bei der Mouquetfarm. Die Zahl der Gefangenen wächst. Vom 17. September abends. sW. T. B.) Südlich der Ancre unternahm der Feind im Laufe des Tages mehrere heftige Gegenangriffe auf unsere neuen Stellungen, die alle abgeschlagen wurden, besonders die feindlichen Angriffe aus der Richtung LeÄboeuf und aus dem Gebiete nördlich von Flers wurden von dem Sperr- feuer unserer Artillerie aufgefangen und der Feind hatte dp sehr schwere Verluste. Zwischen Flers und Martinpuich stieg eine, feind- liche Brigade, die zum Angriff in der Richtung des Fotreaux« Waldes vorging, in offenem Felde auf zwei unserer Bafciillone. Es folgte ein Handgemenge, rn dem wir einen vollÜEndigen Erfolg erzielten, den Feind zerstreuten und mit ichweren Verlusten zurückwarfen. Auch nördlich der Mouq/iet-Farm verbesserten wir unsere Stellung. Unsere Artillerie bst wäh- rend des Tages wieder tätig gewesen. Infolge unseres Fepers brach im feindlichen Munitionsdepot in Grandcourt wiederum«ein Brand aus. Heute wurden südlich der Ancre sechs Offiziere und.'243 Mann gefangen genommen. Unser Luftdienst fuhr fort, mit Erfolg die feindlichen Verbindungslinien anzugreifen. Es wurdy noch ein feindliches Flugzeug vernichtet; drei von unseren Flugzeogen werden vermißt. Britischer Heeresbericht aus Salooniki vom 15. September. An der Dojran-Fronl wurden währcwd der Kämpfe am 13. September über 156 Deutsche von unseren Handgranaten- Werfern gelölet. Maschinengewehre brachten dem Feind während feiner Gegenangriffe schwere Verluste bei. London, 13. September.(W. T. B.) Anytlich. Britische Flugzeuge unternahmen am 17. September wiefder einen erfolg- reichen Angriff auf das Fliegerlager von St. Deckis Wcstrem. Eine Maschine wurde zum Landen auf holländischem �Gebiet gezwungen. Der Flieger wurde interniert. Der russische Kriegsberichts Vom 17. September.(W. T. B.) An der Westfront südlich Brzejany am rechten Ufer der Zlota Lipa erbitterte Kämpfe. Unsere Truppen warfen den Gegner, bemächligjen sich eines Teiles seiner Stellung und nahmen 14 Offiziere und 537 Soldaten der Türken gefangen. In der Gegend deD Fluffes Narajovla und der Eisenbahnlinie Podwysoli-Halitsch wurde der Kampf fortgesetzt. Der Gegner erlitt beträchtliche Verluste an Toten und Verwundelen und � ließ etwa 3174 Gi/fangene, ausschließlich Deutsche, in unseren Händen, darunter 3K Offiziere, außerdem 20 Maschinengewehre und zwei SchüSengpabenkanonen. Unsere tapferen Schwadronen von der Krim griffyt nwei feindliche Batterien an, machien die Artilleristen nril dem Morl nieder und sprengten drei Kanonen und vier Munitionskästen, die sie nicht mitzuführen vermochten, da ein deutsches Bataillon aur Hilfe heraneilte und gegen die Schwadronen ein hesttges Maschinengewehr- und Gewehr- feuer eröffnete. In den Waldüirpathen ist» an einigen Stellen Schnee gefallen und Frost eingetreten. An der K a u k a s u s f r o n Alps-Jtzehoe; 6.(Ottensen- Pinneberg) Hackelberg-Ottensen und.Krause-Elmsborn; 7.(Kiel- Neumünster-Rendsburg) Brecour und Poller-Kiel; 8.(Altona- Stormarn) Bischof und Sievert-Altona: 9.(Oldenburg-Plön) Wein- beber-Haniburg: 10.(Lauenburg) Winnig-Hamburg. Sämtliche Gewählte find Anbänger der Mchrheitspolitik. In den sechs Wahlkreisorganisationen des Agitationsbezirkes Görlitz wurden bei den Delegiertenwablen zur Reichskonferenz fünf Delegierte gewäblt, die die Politik der Fraktionsmehrheit billigen. Ein Delegierter steht auf dem Standpunkt der Arbeits- gemeinschaft. In einer Kreiskonferenz des 4. pfälzischen Wahlkreises (Zweibrücken) wurde mit 8 Slimmen Genosse F e I d m ü l l e r zur Reichskonferenz delegiert. Der Vertreter der Minorität erhielt 6 Stimmen. Bei der Urwahl deS 6. sächsischen Kreises(Dresden-Land) zur ReichSlonferenz sind die Kandidaten der entschiedenen Minder- heil, Genossen Landtagsabg. Schulze und Arbeitersekretär Weiß mit 674 und 543 Slimmen gewählt worden.— Der ganze D r e s» dener Bezirk(neun Wahlkreise) entsendet elf Delegiev�t Davon gehören sechs zur Opposition, zwei nehmen den Standpunkt der Fraklionsminderheit ein und drei sind Anhänger der Fraktions- Politik. Im 18. sächsischen Wahlkreise(Zwickau) wurden zwei Delegierte in einer aus zehn Personen bestehenden Kreis- Vorstands sitzung„gewählt". Aus einigen Bezirken hat man be- reils lebhaft gegen dieses eigenartige Versahren protestiert. Eine Miigliederversammlung des Sozialdemokratischen Vereins Wilhelms Haven-Rü st ringen beschäftigte sich am Sonn- abend mit der Aufstellung der Landtagskandidalen für die im Oktober stattfindenden Landiagswahlen. Aufgestellt wurden durch ein- stimmigen Beschlutz für den Bezirk der Stadt Rüstringen, der vier Abgeordnete zu wählen hat, die Genosien Meyer, Budden- berg, Heitmann und Bäuerle. In der darauf folgenden Aussprache über die ReichSlonferenz sprachen die Vertreter der Opposition und der Anhänger der Mehrheit der Reichstagsfraktion. Die Delegiertenwahlen ergaben die Wahl von drei Anhängern der Mehrheit der Reickstagsfraklion und zwar der Genossen Harms, Hug und Meister. Zum Schlüsse nahm die Versammlung eine Entschließung an, die dem Genossen Liebknecht ihre Sympathie ausspricht. Für den siebenten badischen Wahlkreis wählte eine in Offenburg stattgefundene Kreiskonferenz den Genossen H e tz e l- Bodersweilcr als Delegierten zur Reichskonferenz. Totenliste der Parter« Genosse Jakob Senden ist am 14. September, ungefähr 78 Jahre alt in Mors(Bezirk Niederrhein) gestorben. Genosse Senden war der Mitbegründer des Bergarbeitcrverbandes und der sozialdemo- kratrschen Parteibewegung im Kreise Mörs-Rees. Als der Verband seine Rechlichutzbureaus noch nicht haben konnte, in den achtziger. neunziger Jahren, war es Jakob Senden, der seinen Bergarbeiter- kameraden im Kreise Mörs der Ratgeber in Knappschafts-, Unfall- l und Jnvalideniachen war, zum Wohle der Rechtiuchendcn. Schon 38 Jahre selbst Bergtnvalrde und schon längere Jahre bettlägerig krank, war es ihm nicht mehr möglich, in der Arbeiterbewegung mit- zuarbeiten. Die Saat auf dem besonders steinigen Boden des Niederrheins für die moderne Arbeiterbewegung ist aber aufgegangen zu einem immerhin auch schon zu respektierenden Faltor. Die organisierte Arbeiterschaft des Kreises Mörs-Rees weiß die nutz- bringende Tätigkeit unseres alten Genossen zu schätzen. Sie wird Jakob Sendens in Ehren gedenken und in seinem Sinne weiter- kämpfen._ fius Industrie und Handel. Vom rheinisch westfälischeu Kohleusyndikat. In der Versammlung der Zechenbesitzer, die vor einige, Tagen stattgefunden hat, teilte der Vorstand mit, daß die Vollziehung des neuen Syndikatsvertrages noch nicht statt- gefunden hat. weil es noch nicht gelungen ist, die Händler- frage zufriedenstellend zu lösen. Es wurde deshalb vorgeschlagen, die Vollziehung auf den 14. Oktober zu verschieben. Ueber die Beteiligungsziffern ist mit wenigen Ausnahmen eine Einigung erzielt worden.— Ueber das Kohlengeschäft Monat August wurde folgendes bekanntgegeben: Der rechnungsmäßige Absatz be- trug 6 331 801 Tonnen(Vormonat 6 301 775 Tonnen). Von der Beteiligung, die sich auf 9 739 833 Tonnen bezifferte, sind 66,90 Proz.(Vormonat 69,19 Proz.) abgesetzt worden. Der Umsatz ausschließlich Zechenselbstverbrauch betrug an Kohlen 4 435 299 Tonnen(Vormonat 4 436 983 Tonnen), an Koks 2 363449 Tonnen(Vormonat 2 336 213 Tonnen), an Briketts 347 110 Tonnen(Vormonatt 323 334 Tonnen). Die Förderung stellte sich insgesamt auf 8 232 179 Tonnen(Vormonat 8 161 726 Tonnen). Die Nachfrage war besonders in Haus- brandkohle lebhaft. Die Kohlenmengen reichten zur vollen Befriedigung der Anforderungen nicht aus. Sie sind durch Einschiebung von Koks und Briketts ausgeglichen worden. Der Eisenbahnerverband hat sich ohne besondere Störungen vollzogen, ebenso der Verkehr in den Rheinhäfen. Gründung eines Verbandes der Waggonfabriken. Eine Auslandsvereinigung der Waggonfabriken ist unter Mit- Wirkung des Verbandes deutscher Waggonfabriken in Berlin ge- grüiidei worden. Ihr find sämtliche deutschen Fabrilen, darunter auch diejenigen beigetreten, welche der deutschen Vereinigung nicht angehören. Die Slaatsbabnverwaltung hat jetzt die Ausschreibungen für d«e erste Hälfte des EmtsjahreS 1917/18, also für diejenigen Mengen erlassen, welche innerhalb der Zeit vom 1. April bis zum 30. Säptember 1917 zur Ablieferung kommen werden. Der Menge nach bewegt sich der Auftrag im Rahmen des bisherigen Bedarfs. Bei der Gründung des neuen Verbandes der Waggonfabriken bandelt es sich, wie der„Franks. Ztg." mitgeteilt wird, um eine auf Wunsch der Regtenmg ins Leben gerufene" Ausluhrvereinigung, deren Auf- gäbe ein« einbcilliche Preisbildung iin Export und die Mitwirkung bei der Nalmaiegeiung ist._ Druckstrchenporto. Einzelne Zeitungen brachten letzthin die Mit- teilung, dckb der Bric'vcrkcbr unter der Erhöhung des Portos durch das ReichsUbgabengeietz vom 2t. Juni 1916 nicht gelitten habe; als unliebsam mache sich aber bereit« die Befreiung der Drucksachen von jeder Roichsabgabe in einer Weise geltend, die von jedem Kenner der kaumtännischen und postalischen Paragraphenverhältnisse vorausgesehen wurde. Das„Börsenblatt für den Deutschen Buch- Handel" folgert hieraus nicht mit Unrecht, datz anscheinend für die Ausdehnung der Porloerhöhung aus Drucksachen in der Presse Stimmung gemacht werden soll. Das„Börsenblatt" schreibt unter anderem:„Bei der Portoerböhung auf Drucksachen handelt es sich um eine Lebensfrage des Buchhandels (obwohl er nicht allein davon betroffen würde), weil diese Postsendungen leiizerlei Erhöhung verlragen und eine Mehrbelastung wohl der schwerste- Schlag wäre, der den ohnehin durch den Krieg schwer geschädigtew Buchhandel treffen könnie. Ist doch nicht nur das kulturelle Jniciresse. das durch die Verbreitung von Drucksachen gefördert wird, seinerzeit matzgebend für die Ermäßigung ihrer Ber- sendnngsgebühr gewesen, sondern mehr noch der llmnond, datz weit- aus der größte T*il nur einen geringen Wert hat und damit dieselbe umerschied�che Behandlung beanspruchen kann, wie fie beispielsweise bri der Verfrachiung von Waren zum Aus- druck kommt, die je» nach ihrem Werte zu verschiedenen Sätzen befördert werden. Sst rechtfertigt sich aber weiter auch aus der wesentlich einfacheren postalischen Behandlung, der besonderen Ab- fertigung durch Druckfachen-Bearbeitungsstellen, ihrer Masienaus- lieferung, dem Frorift-zwang usw. Es wäre daher ein schwerer volkswirtschaftlicher Fehler, Drucksachen mit einem höheren Porto zu belegen, statt vielmehr zu erwägen, ob nicht für den Ortsverkehr eine Ermäßigung eintreten könnte." Die Verhandlungen wegen eincr zweiten russischtu Anleihe in Amerika von 30 Millionen Dollar sind auf Schwierigkeiten gestoßen._ � Eine neue VerschmelznUY englischer Schiffahrtsgesellschafteu. Wie der„Economist" vock: 2. Sextember meldet, steht wahrscheinlich die Ausiaugung der New Sealanih Shipping Company durch di P. and O-Gesellschaft bevor. Der New Sealand Company gehöi eine teils fertige, teils noch im Bau befindliche Dampfcrfloii von 154 942 Tonnen, und sie ist im Vollbesitz der Aktien der Federe Steam Navigation Company, der ihderseiis eine Flotte von etw 169 590 Tonnen gehört._ Das eiserne Gebot der Stunde: Zeichne die Kriegsanleihe! Veraniw. ÄAa?i.!«k?red Wielevv. Neukölln. 2nfr*nftoü verrmtw. Tb. G locke. Beknn. Druck u. Veriaa: BörWärtS Vuchdt. ü.«erlagsaiistatl Paul Si.tger�Co.. Mrlin SW. Hierzu 1 Bcilag�i. Unterhaitunzev«. Hr. 258. 33. Zahrnaug. KkilliU ilks Lmlirls" KnMn viIWiIt. Dltlistilg� l9. September 1916. Chronik des Wettkrieges. �S. September ISI�. wesilicher Kriegsschauplatz: Die Lage im Westen Ist Im allge- meinen unverändert. Auf der ganzen Schlachtfront ist das englifch- französische Heer in die Verteidigung gedrängt. Der Angriff gegen die starken, zum Teil in mehreren Linien hintereinander befestigten Stellungen kann nur langsam vorwärts gehen. Die Durchführung des Angriffs gegen die Sperrfort-Linie füd- lich Derdun ist vorbereitet. Oeftlicher Kriegsschauplatz: Di« 4. finnländische Schützenbrigade wurde bei Augustow geschlagen. Beim Vorgehen gegen Offowiec wurde Krajcwo und Szcuzoczyn nach kurzem Kampf genommen. IS. September 1915. Aus dem westlichen Kriegsschauplatz Stellungskämpfe. Oeftlicher Kriegsschauplatz: Der umfassende Angriff der Armee des Generaloberst o. Eichhorn gegen Wilna hat zu vollem Erfolg geführt. Wilna siel in die Hand der deutschen Truppen. Die Russen werden auf der ganzen Linie verfolgt. Auf dem italienischen Kriegsschauplatz erfolglose Angriffe der Ilaliener gegen die Hochfläche von Vielgereuth und Lafraun. Einem„prinzipiellen Znter- Nationalisten" ins Stammbuch! Von Konrad Haenifch. Zunächst hatte ich nicht die Absicht, auf den Leitartikel des Genossen Bernstein in Nummer 252 des„Vorwärts" zu antworten, da ich es für ganz ausgeschlossen halte, datz das dort von Bernstein versuchte Ablenken von der konkreten Streitfrage des Tages auf irgend jemanden Eindruck machen könne. Da ich aber inzwischen erfahren habe, daß wider Er> warten einige Berliner Arbeiter durch Bernsteins Ausfüh- rungen doch kopfscheu geworden sind, so bitte ich, mir den Raum des„Vorwärts" noch für die folgenden ganz knappen Feststellungen einzuräumen: 1. Die von Bernstein bereits ausgesponnene Erkenntnis, daß„alles kulturelle Leben und Wirken an das Dasein organi- sierter menschlicher Gesellschaften gebunden ist und daß kein Mensch ein Kulturleben ohne diese Grundlage führen kann, daß Arbeit vergangener Geschlechter, Arbeit der Mitlebenden in allem steckt, was das Leben jedes einzelnen über das tierische Dahinvegetieren erhebt": diese Erkenntnis ist weder neu noch überraschend. Sie hilft uns auch nicht den kleinsten Schritt weiter. Man braucht wirklich nicht Sozialdemokrat zu sein, um zu begreifen, daß zweimal zwei gleich vier ist! Aber auch die von Bernstein an feinen Vordersatz geknüpften Schlußfolgerungen allgemeiner Natur dürfte sich zum niindesten jeder Besucher sozialdemokratischer Versammlungen und jeder Leser sozialdeniokratischer Zeitungen längst, an den Schuhsohlen abgelaufen haben. 2. Die unbestreitbar in gewissen Grenzen vorhandene Solidgrität der Menschen und der Völker schafft jedoch die nicht minder unstrcitbare Tatjache der zwischen ihnen bestehen- dxn I n t e r e s s e n g e g e n s ä tz e keineswegs aus. der Welt. uich sie schafft vor allen Dingen die furchtbar harte Tatsache dieses Krieges nicht aus der Welt! 3. Bei diesem Kriege und deshalb auch bei den Ausein- andersetzungen, die sich mit ihm beschästigen, geht eS nicht um die von Bernstein und anderen gewobenen mehr oder minder grauen Theoriegespinste, sondern um eine Frage, wie sie prak- tischer gar nicht gedacht werden kann. Um die Frage nämlich: welche Stellung hat die deutsche Arbeiterschaft in dem Kampfe auf Leben und Tod einzunehmen, den zurzeit das deutsche Volk führt? Um die Beantwortung dieser Frage hilft uns keine noch so schöne Theorie von der allgemeinen Solidarität der Kulturvölker herum! 4. Praktisch tritt Bernstein, schälen wir den Kern aus all den vielen„theoretischen" Hüllen heraus, für ein« kühle internationale Neutralität des Sozialismus diesem Weltkriege ein. Eine solche inter- nationale Neutralrtät würde aber in Wirklichkeit auf nichts anderes hinauskommen als auf die schwerste Schädigung der deutschen Interessen und damit der Interessen der deutschen Arbeiterschaft. Zumal es dem Genossen Bernstein ja sehr gut bekannt ist, daß sowohl die französischen wie auch die von ihm mit ganz besonderer Inbrunst ge- liebten englischen Arbeiter seit Beginn des Krieges auch nicht einen Moment daran gedacht haben, sich auch ihrerseits zu einer derartigen über den Wolken schwebenden Neutralität zu bekennen! Sie haben vielmehr jeden Gedanken daran mit äußerster Entrüstung weit von sich gewiesen— es sei nur an die Vorgänge auf dem letzten englischen Gewerkschaftskongreß erinnert! Im Gegensatz zu Bernstein erkläre ich auch für die deutsche Sozialdemo- kratie eine solche kühle Neutralität für unmöglich. W e r i n diesem Lebenskampfe nicht für Deutschland ist der ist gegen Deutschland I Und ihr nächstes Klasseninteresse sowohl wie die Erkenntnis des großen sozia- listischen Gesamtinteresses der Zukunft zwingt heute die deut- scheu Arbeiter auf die deutsche Seite. 5. Wenn jetzt die deutschen Arbeiter den deutschen Staat mit ihrem Herzblut verteidigen, so verteidigen sie nicht etwas, daö ihnen wesensfremd wäre, sondern sie verteidigen einen Organismus, zu dessen edelsten Teilen sie selbst gehören. So gewiß es ist. daß diesem deutschen Staate heute noch die schwersten Fehler und Mängel anhaften, an deren rücksichts- loser Bekämpfung es die Sozialdemokratie nach dem Kriege noch weniger fehlen lassen wird als vorher, so gewiß ist es auf der andern Seite, daß nur auf dem Boden dieses Staates die deutschen Arbeiter sich ihre sozialistische Zukunft in hartem Kampfe, Stein auf Stein, aufbauen können. Gerade durch den proletarischen Klassenkampf ist der früher richtige Satz: Ter Arbeiter hat kein Vaterland heute zu einer Unwahrheit geworden und wird Tag für Tag mehr zur Unwahrheit. D?r von Bernstein neuerdings so gern konstruierte und kurzlich auch von Herrn von Gerlach in ähnlicher Ver- bindung übernommene Gegensatz zwischen Staatspolitik und Volkspolitik, Gewaltpolitik und Vertragspolitik, Machtpolitik und Rechtspolitik ist reine Ideologie. Man kann das Volk nicht vom Staat, das Recht nicht von der Macht lösen. Muß man es dem Biographen und Herausgeber L a s s a I l e s erst sagen, daß alle Rechtsfragen in letzter Linie Machtfragen sind und daß diese von Lassalle uns für die Verfassungs- kämpfe gelehrte Wahrheit für die Konflikte der Völker ebenso gilt wie für die Konflikte der Klaffen? Gewiß erstreben wir alle für die Zukunft vertraglidje Regelungen der internatio nalen Beziehungen. Aber sie werden nur insoweit bindende Kraft haben, als hinter ihnen die reale Macht der Ver tragsschließenden steht. Was nützen den politisch und mili tärisch ohnmächtigen Griechen heute die schönsten internatio nalen Verträge? Genau so wenig, wie einer ohnmächtigen Gewerkschaft die schönsten Paragraphen eines Tarifvertrages etwas nützen! 7. Aber von allem verstandesmäßigen Erkennen einmal abgesehen: es gibt auch ein Fühlen, das seinerseits auch einen höchst realen Faktor vorstellt. Und da in den Adern der deutschen Arbeiter nun einmal kein international neu trales, sondern deutsches Blut rollt, so bringen sie es auch rein gefühlsmäßig nicht fertig, deni deutschen Daseinskampf mit jener kühl abwägenden Objetivität gegen über zu stehen, die den Genossen Bernstein kennzeichnet. Wer mitten im Toben dieses Krieges einen solchen kühlen Inter Nationalismus aufbringt, der mag selbst glauben, daß er ethisch turmhoch über uns andern stehe. Ich für meine Person gestehe offen, daß ich mich zu der eiskalten Höhe solcher Objektivität heute nicht aufzuschwingen vermag. Ich kann einfach in diesem Kriege nicht als prinzi- pieller Internationalist fühlen und han- dein und deshalb wäre es auch unehrlich, wenn ich mich heute einen prinzipiellen Internationalisten nennen wollte! 8. Dennoch: So grotesk es mir auch vorkommt, wenn Bernstein denselben Arbeitern, die sich nun leider ein mal mit Handgranaten und Wurfminen in den Schützen graben gegenüber stehen müssen, zumutet, im gleichen A u g e n b l i ck sich„unentwegt zu den Grundsätzen der Inter nationale zu bekennen" l Praxis und Theorie stehen da wirk lich in allzu schroffem Widerspruch!), so wenig denke ich und so wenig denkt irgendein anderer Sozialist daran, für die Zukunft die großen internationalen Kulturziele des Sozialis- mus aufzugeben. Der internationale Gedanke wird vielmehr gerade aus den furchtbaren Erlebnissen dieses Krieges unge- ahnte neue Kräfte gewinnen. Eine unserer vornehmsten Allst gaben nach dem Kriege wird es sein, die internationalen Beziehnngen zwischen den Völkern im allgemeinen und ihren Arbeiterklassen im besonderen auf tragfähigeren Grund lagen als den früheren wieder aufzubauen. 9. Zum Ausgangspunkt der ganzen Debatte, der söge nannten Annexionsfrage, zum Schluß nur noch ein ganz kurzes Wort: Bernstein schreibt, ich hätte„Annexion nach rechts und links gepredigt". Das ist mir gar nicht einge- fallen. Ich habe vielmehr, was den W e st e n angeht(ohne irgendwie der alten„westlichen Illusion" zu huldigen), gegen Gebietserweiterungen, von etwaigen Grenzregu- lierungen� abgesehen, die allerstärksten Bedenken, bin aber leider nicht in der Lage, diese Bedenken hier im einzelnen auseinanderzusetzen. Im übrigen ist es natürlich auch mir sehr wohl bekannt, daß Gebietserweiterungen allein die größere oder geringere Macht eines Staates keineswegs be- stimmen, daß vielinehr die Leistungsfähigkeit seiner Industrie, die Ausbreitung seines Handels und andere Faktoren dabei in noch viel höherem Grade mitsprechen. Worauf es an- kommt, ist eben nur. alle diese Dinge ökonomisch und politisch zu beurteilen, und Nicht, wie Bernstein es tut, ethischundsentimental.(r) /tos der franMsihen Opposition. Genf. 10. September 1916.(Eig. Bericht.) Die soeben erschienene Augustnummer der.Union Metaux", des von At e r r h ei m geleiteten Organs der französischen gewerk- schaftlichen Opposition gibt einen Ueberblick über die.zwei Krieg«, jähre", dem wir die wichtigsten Stellen entnehmen. „Nie haben wir daran geglaubt, daß der Krieg nur drei Monate dauern würde, schreibt da« Organ der Metallarbeiter, aber wir haben auch nicht an die Prophezeiung, die Herr Kitchener mit kalter Gleichgültigkeit machte, geglaubt, der Krieg würde drei Jahre dauern. Uebrigen« hat die Zensur dafür gesorgt, daß diese düstere Prophezeiung un« nicht zu Ohren käme, im Gegenteil, die lüge- und blutstrotzende Presse wurde ermutigt, einen nahen Frieden— durch den Sieg der Alliierten herbeigeführt— vorzu- täuschen. Ein langdauernder Krieg schien un» unmöglich, und wer hätte je so«inen Wahnsinn bei den Regierenden vermutet, so eine Lammsgeduld bei den Völkern? Und doch ist eine Reihe fürchterlicher Momente aufeinander gefolgt, einer Winterkampagne ist eine andere gefolgt, eine besser vorbereitete Offensive hat«ine zusammengebrochene ersetzt: ein Jahr de« Elend« und der Trauer genügt nicht,«in zweite« hat sich dem ersten anreihen müssen. Der Krieg dauert fort, seine Zerstörungswut wächst mit seiner Dauer, die Dörfer und Städte sind vernichtet bis auf den letzten Stein, unzählige Menschen unter der von den Mörsern aufgewühlten Erde verschüttet, winden sich im Schauer, lebendig begraben zu werden. Da« ist der Krieg, der hundertmal grausamer ist al« die Kriege der primitivsten Völker und der Tiere,— die wenigsten« keine Reden über Recht und Kultur halten! Wie steht e» mit un« jetzt, wo wir an der Schwelle de« dritten Kriegsjahres uns befinden? Gar manche Lüge und Täuschung, die in den ersten Tagen vorherrschten, sind verflogen... Die Deklamationen über den deutschen Militarismus, die im Anfange so gute Dienste erwiesen, täuschen heute nur noch diejenigen, die sich täuschen lassen wollen. Zwei Tatsachen kommen heute klar zum Vorschein. Niemand könnte wagen, sie heute zu bestreiten. Diese zwei Tatsachen werfen«in klares Licht auf die Hauptziele der Alliierten. Letzten Mai sind Vertreter Rußlands nach Frankreich ge- kommen. Unter ihnen befand sich Herr Miljukoff, ein liberale« Mitglied der Duma, Führer der russischen Liberalen, die bereit« zu Imperialisten geworden. Herr Miljukoff ist von kriegerischer Leidenschaft beseelt. Ein langer Krieg erschrickt ihn nicht, er hält ihn für notwendig. Während seine» Aufenthalt» in Pari» ist er sehr gesprächig gewesen, er hat mit Deputierten und Journalisten viel gesprochen. Ein Redakteur des„Oeuvre" hat folgende grund- legende Erklärung verzeichnen können(Nummer des L2. Mai 1916): „Der April 1916 wird in die Geschichte Rußlands al« ein epochemachendes Dalum cingetragc» werde», weil zu der Zeit unsere Beziehungen mit unseren Alliierten, soweit die Meerengen (Dardanellen) in Betracht kommen, geregelt worden siird. Im Weltkampfe ist der Orient uns zugewiesen worden." Der Bericht- erstatter des„Oeuvre" fügt hinzu:„Wir hören und sehen Herrn Miljukoff aufmerksam an; er spricht mit einer bezaubernden Auf- richtigkeit. Man fühlt in ihm zu gleicher Zeit den feurigen Patrioten und den klarsehenden Parlamentarier, er verliert keine Zeit in Allgemeinplätzen, in überflüssigen Llbweichungen, in rheto- rischen Uebungen: für ihn ist die Frage der Meerengen vom praktischen Standpunkte der Hauptzweck dessen, was Rußland vom Kriege erstrebt und erhalten wird. Das ist die Stellungnahme des Herr» Miljukoff, von ihr weicht er nicht ad." „Die Romantik— Wespelt Herr Miljukoff— ist seit langer Zeit aus der Politik goschwunden. Im Anfange des Krieges gab sich die große Masse der Arbeiter keine Rechenschaft über die Ziele des Krieges, sie dachte, es handle sich um einen bloßen Defensiv- krieg und es würde genügen, den Feiird zu entfernen, um ruhig sein zu können. Die Arbeiter haben sich aus Unwissenheit geirrt; man muß sie ausklären. Wir danken Herrn Miljukoff für die Aufklärung, die er uns bringt. Er hat Recht, uns zw sagen, daß der April 1915 ei» cpoche- machendes Datum in der russischen Geschichte darstellt; auch für die Geschichte anderer Länder kann dasselbe behauptet werden. Und zwar haben wir erfahren, daß in demselben Momente, als es in Frankreich für ein Verbrechen betrachtet wurde, an der Auf- richtigkeit der regierenden Kreise zu zweifeln, zu einer Zeit, wo die Arbeiterkonföderation sich weigerte, auf einen Aufruf deutscher Arbeiter zu antworten, in demselben Momente im Dunkel der Kanzleien der Ententeländer, ohne daß in den sich liberal und demokratisch nennenden Ländern wie Frankreich und England das Parlament befragt gewesen— Konstantinopel und der Orient Nußland zugewiesen wurde." Nachdem das Blatt festgestellt hat. daß der Krieg einen voll- ständigen Sieg Delcasses— der stets ein Werkzeug des englisch- russischen Imperialismus gewesen— darstellt, und daß die Besitz- nähme Konstantinopels durch Rußland den unendlichen Krieg be- deute, für den Herr Miljukoff schwärmt, geht es zur Betrachtung des zweiten Kriegszweckes der Alliierten über, und zwar— wie es durch die Alliiertenkonferenz zu Paris umschrieben wird— die ökonomische Absperung der Zentralmächte— der ökonomische Krieg, der den militärischen abzulösen berufen sein sollte. Angesichts dieser klar umschriebenen Kriegsziele fordern wir die französische Arbeiterklasse auf, gerade jetzt, wo man ihr«inen baldigen Frieden vor die Augen führt, einen Frieden, den man steht, der schon in die unmittelbare Nähe gerückt ist. nachzudenken, Vergleiche anzustellen, und zwar Vergleiche zwischen de» Worten und den Taten. „In dieser Stunde— führt die„Union des Metaux" weiter aus—„hat niemand mehr das Recht, sich durch trügerische Täu- schungen blenden zu lassen. Hält man es nicht für äußerst wichtig, daß Konstantinopel russisch wird und daß wir unsere Maschinen aus Birmingham statt aus Mannheim bekommen, so ist der Friede möglich. Strebt man hingegen die politische und wirtschaftliche Zerstörung Deutschlands an, dann handelt es sich freilich um den langen Krieg, den Herr Miljukoff wünscht, einen ständigen Krieg, denn in so einem Falle würde der wirtschaftliche Krieg dem mili- tärischen folgen. Wir werden sehen, ob unsere regierenden Kreise es wagen werden, diesen Weg zu betreten, ob sie den Soldaten eine neue Winterkampagne aufzwingen werden, ob sie eine Offen- sive für 1917 vorbereiten werden, und somit auf eigene Faust das grauenhafte Spiel fortsetzen werden bis zur völligen Er- schöpfung der lebendigen und wirtschaftlichen Kräfte der Völler. »ir wollen sehen, ob Gewerkschaftssekretäre oder Führer der sozia. listischen Parteien sich an so einem Werke der Völkervernichtung beteiligen werden. Wa« un« betrifft, ist unsere Wahl getroffen. Der L. August 1914 bedeutet für die Arbeiterklasse eine große Niederlage, je mehr der Krieg andauert, desto größer wird unsere Niederlage. Laßt un« auch an unser» Sieg denken! Der Friede, der dem imperia- listischen Kriege«in Ende bereiten wird, wird nur insofern ein Völkerfriede sein, als die Arbeiterklasse ihn den Regierenden und ihren Diplomaten aufzwingen wird. Bereiten wir un« vorl Es ist die höchste Zeit!"— Dieselbe Nummer de» Metallarbeiterorgans enthält weitere sehr wichtige Artikel, unter anderem über die Leedser Konferenz. Für die Stimmung, die in der gewerkschaftlichen und sozialistischen Opposition Frankreich« vorherrscht, ist der angeführte Artikel jeden» falls sehr bezeichnend._(i) politische Uebersicht. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion ist zu einer Sitzung für den 20. d. M. eingeladen worden. Parlamentarische Statisten. In der„Welt am Montag" behandelt Herr v. Gerlach die von nationalliberaler Seite ausgehenden Anregungen, einen parlamentarischen Beirat zu schaffen. Er stellt fest, daß man es hier wieder mit einer der bekannten nationalliberalen Halbheiten zu tun hat— ein Beirat, der nur begutachten darf, im übrigen nichts zu sagen hat. Herr v. Gerlach findet, daß es besser wäre, gleich ganze Arbeit zu machen und einfach das parlamentarische Regierung s- s y st e m zu verlangen. Er sagt:„WaS wir brauchen, ist kein „Beirat", sondern parlamentarisches Regime. Während des Krieges ein Koalittonsministerium, nach dem Kriege eine Mehr- hcitSregierung." Daß die Struktur der Reichsverfassung dem im Wege steht, gibt Herr v. Gcrlach zu, aber er meint, die Ber- antwortung muß auf ein Reichs Ministerium verteilt werden, und dies Ministerium niuß ein parlamentarisches sein, d. h. aus de» Vertrauensmännern der Mehrheit des Volkes bestimmt werden. „Die Hauptsache bleibt: daS Parlament muß direkten Einfluß aus die Reichs- und Staatsgeschäfte erlangen. Es darf sich nicht mit einem Schein von Macht begnügen, sondern muß wirkliche Macht bekommen. Nicht parlamentarische Bei- räte brauchen wir, sondern parlamentarische Minister. Unsere Parlamentarier sollen nicht als Statisten figurieren, sondern als Akteure regieren."_ Noch ein kriegswiitiger Slusschust. Ein in München ansässiger„Volksausschuß für rasche Niederkämpf ung Englands" versendet, wie die„B. Z. am Mittag" mitteilt, einen Aufruf, der den nicht ganz neuen Gedanken breittritt, daß England nieder- geworfen werden müsse. Pointierter ist es schon, wenn weiter erklärt wird, daß England nur zur See bezwungen werden fönne. Sehr deutlich wird dann der Aufruf mit einem Hinweise auf die amerikanische Unterstützung Englands und vollkommene Klarheit über die Absichten des Ausschusses gewinnt man, wenn man die Unter- s ch r i f t e n des Aufrufs liest. Er ist unterzeichnet von den bayerischen Reichsräten Graf Prev sing und Buhl, von den Abgeordneten EinHäuser, Pfleger, Schlitten- bauer, Hübsch, Löweneck usw., alles Namen, deren Träger bereits als Teilnehmer der bekannten Audienz„füh- rendcr Männer" bei König Ludwig von Bayeru genannt wurden. Die„neue Aktion" des neuen Ausschusses erweist sich als eine simple Fortsetzung des Feldzuges, den die bayerische Fronde schon vor einigen Monaten mit großem Tamtam ein- geleitet hat. Ein Friede, isprogrnmm bürgerlicher Frauen. Der„Nationale Frauenausschuß für dauern- d e n F r t e d e n" hat ein Programm aufgestellt, das, nach der „Welt am Montag", in folgenden vier Forderungen gipfelt: l. Unterstützung der vorhandenen und Aufstellung neuer Forderungen auf erzieherischen, politischen, gesetzgeberiicken, Wirt- schaftlichen und sozialen Gebieten, die geeignet sind, den Wieder« ausbruch von Kriegen unter den Kulturvölkern zu der« hindern. II. Unterstützung und Neuschaffung internationaler Beziehungen. III. Versuch, alle in Deutschland vorhandenen Organisationen, deren Zweck es ist, den Ausbruch von Kriegen zu verhindern, zu einem losen Bunde zusammenzuschließen, der die Stoßkraft nach außen stärkt, ohne im geringsten die Freiheit und Selbständigkeit der einzelnen Organisationen im Innern anzutasten. IV. Forderung der politischen Gleichberechtigung der deutschen Frauen, um wirksamen Einfluß auf die staatlichen Angelegenheiten ausüben zu können. Diese Forderungen des„Nationalen Frauenausschusies für dauernden Frieden", der damit zum ersten Male an die Oeffentlich- keit tritt, sind ein ersteulicher Beweis dafür, daß auch die bürger- lichen Frauen sich allmählich von der Kriegspsychose frei zu machen anfangen. Hoffentlich ziehen die um dieses Programm sich grup- pierenden Kreise aus diesen Forderungen auch die Folgerung, daß die in ihnen skizzierte Zukunftsarbeit nur ersprießlich sein kann, wenn sie anknüpft an eine entsprechende GegenwartS- arbeit, Hand in Hand mit jenen proletarischen Frauen, die die Aufgaben der Frau als Staatsbürgerin und Beschützerin deS Leben- klar erkannt haben. Denkschrift über Ernährungsftagen. Dem Reichstage wird auch diesmal wieder bei seinem Zu- sammentritt eine Denkschrift über die in der Frage der Volks- ernährung getroffenen Maßnahmen zugehen. Das Plenum des Reichstages wird vermutlich nur einige Tage versammelt sein. Die Budgetkommission aber dürfte weiter tagen, um wie bisher stets, alle Fragen, che sie an das Plenum kommen, eingehend zu beraten. Ein neuer Unterstaatssekretär der Reichslande. An Stelle des zum Oberlandesgerichtspräsidenten in Köln berufenen bisherigen Unterstaatssekretärs Frenken, ist der Landgerichtspräsident Menge, vom Landgericht Charlottenburg, zum Unterstaatssekretär für Elsatz-Lothringen ernannt worden. Von 1899 bis 1992 gehörte Herr Menge der freikonservativen Fraktion des preußischen Landtags an. Mit den Reichslanden hatte er bisher noch keinerlei Beziehungen. Schulnöte. Man schreibt uns: Bei einer Fahrt durch die D a n z i g e r Niederung kehre ich in einem Bauerngute ein; und während ich swelch Großstädler möchte mich nicht beneiden!) der noch kuhwarmen Milch zuspreche, erzählt mir die Besitzerin, eine ebenso hübsche, wie verständige Frau, um die die Kinder bescheiden und artig und wie die Orgelpfeifen herumstehen— der Vater weilt als Sanitälssoldat im Westen—; im Dorfe werde nur zweimal in der Woche Schule abgehalten. An diesen Tagen komme ein Lehrer aus einer benach- barteu Ortschaft, wo er wohne, und wo er viermal seines Amtes walte. Wie wenig bei einem zweitägigen Unterrich: herauskomme, wo in einer Klasse Jungen und Mädchen und alle Altersstufen vereint seien, sei klar, und das bei aller Mühe und Aufopferung des beliebten Beamten. In anderen Dörfern soll es ähnlich sein. Mein Anerbieten, öffentlich darauf hinzuweisen, fand bei der Mutter vollen Beifall, von dem allerdings, wie ich als ehrlicher Mensch hinzufügen muß, auf den Gesichtern der Kinder nichts zu spüren war. Wie entsprechen solche Zustände, stage ich, dem Wunsche des Ministers, den Schulbetrieb überall voll aufiechtzuerhalten? Wie haben sie überhaupt bei dem Ueberflusse an weiblichen Kräften ein- treten können? Rückflust deutscher Papierzahlungsmittel aus Belgien. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Infolge der Okkupation Belgiens sind deutsche Papierzahlungs- mittel, insbesondere Reichsbanknolen, fortgesetzt nach Belgien, abge- flössen. Der Abfluß war ein sehr starker, weil wir ein Zahlungsverbot, wie es gegen unsere übrigen Feinde gerichtet worden ist, Belgien gegenüber' nicht erlassen haben. Die nach Belgien abgeströmten Mark- noten und-scheine liefen im Lande um und dienten dem belgischen Zahlungsverkehr, waren aber für den deutschen Zahlungsverkehr verloren. Ersteres entsprach den Wünschen der an den Franken ge- wöhnten Bevölkerung nicht, letzteres widersprach dem deutschen Jnler- esse. Die Neuordnung des belgischen Notenbankwesens bot die Mög- lichkeit, hier Abhilfe zu schaffen; sie war— wie bekannt— notwendig geworden, weil der belgischen Nationalbank das Notenausgabe- recht entzogen werden mußte, da sie ihren gesamten Metallbestand nach London überführt halte und demzufolge nicht mehr imstande war, als Notenbank zu funktionieren. Durch Verordnung des General- gouverneurs vom 22. Dezember 1914 wurde der Socists Gsnsrale de Belgique da- Nolenausgaberecht verliehen; da- am 9. Januar 1915 erlassene Statut bestimmte dazu, daß nicht nur die Kassenbestände, insbesondere die in den Kassen liegenden deutschen Papier- zahlungsmittel, sondern auch Guthaben bei deutschen Banken und Bankiers von unbedingter Sicherheit als Nötendeckung verwendet werden können. Die än Belgien befindlichen Marknoten und -scheine, soweit sie nicht in die belgische Nationalbank ge- flössen waren, sammelten sich nunmehr zu einem erheblichen Teil in den Kassen der Socisis Gsnsrale an, die dafür Franknolen aus- gab und so den belgischen Zahlungsverkehr mit Zahlungsmitteln versorgte, die dem Bedarf und den Wünschen der Bevölkerung entsprachen. Wegen Umwandlung dieser Bestände an Reichsbank- noten in Guthaben auf Deutschland wurden schon vor Monaten mit der Socisis Gsnsrale de Belgique und mit der belgischen National bank Verhandlungen eingeleitet, die jetzt zum Abschluß gelangt sind. Die Umwandlung lag im deutschen Interesse, weil sie die deutschen Zahlungsmittel dem deutschen Zahlungsverkehr wieder zuführte, sie lag aber auch im Interesse der belgischen Notenbanken, weil sie den Ersatz der zinslosen Kassenbestände in zinsbare Gut- haben ermöglichte, und sie lag schließlich im Interesse Belgiens über- Haupt, weil im Falle der Festlegung der Noten in den belgischen Notenbanken der Erlaß eines Zahlungsverbotes gegen Belgien zwecks Hinderung eines weiteren NolenabflusseS aus Deutschland unver- meidlich geworden wäre. Mit Rücksicht hierauf hätte die Um- Wandlung nötigenfalls im Wege der Einleitung einer Zwangs- Verwaltung über die Socieiö Gsnsrale und die Nationalbank herbeigeführt werden müssen. Angesichts dieser Sachlage haben die beiden Notenbanken die Ueberführung der Bestände an die Reichs- bank, welche für diese Guthaben genau ebenso haftet wie für ihre Noten, zugestanden.. Die Uebertragung der Guthaben an andere deutsche Banken behufs Erzielung einer Verzinsung steht der Socists Gsnsrale und der Nationalbank frei. Der erste Transport der Reich-banknoten ist am 13. d. M., der zweite am 16. d. M. in Berlin eingettoffen. Das tägliche örot. Festsetzung der Preise für die beschlagnahmten Aepfel und Pflaumen. Amtlich. Berlin, 18. September.(W.?. B-) Die Preise der auf die militänsche Anordnung für Marmeladen- zwecke beschlagnahmten Pflaumen und Aepfel sind durch An- Weisung an die zum Ankauf ermächttgten Aufkäufer wie folgt geregelt; Für Hauszwetschen gilt der bestehende Erzeuger- Höchstpreis"von 19 M. Für Wirtschaftsäpfel, zu denen auch die ge- schüttelten und abgefallenen Aepfel der Tafelsorten gehören, wird bis zu 7,59 M. für den Zentner gezahlt. Für Fabrik- und Wirtschaftsäpfel wird nach Beendigung des Einkaufs für die Marmeladenversorgung ein allgemeiner mäßiger Höchstpreis festgesetzt werden. Die Marmeladenpreise werden später so nie- drig fe st gesetzt werden, wie es bei den derzeittgen Ein- standspreisen irgend angeht. Die Unmöglichkeit, anders als durch Beschlagnahme den Marmeladenbedarf zu decken, ist, wie nochmals betont wird, durch die in den meisten Teilen Deutschlands und in den besetzten Gebieten nur geringe Aepfelernte und durch die stark gesteigerte Kauflust der wohl- habendercn Bevölkerung hervorgerufen. Durch letztere wäre bei der Knappheit an Ware ohne Beschlagnahme die Ver- sorgung der ärmeren Bevölkerung mit Marmelade unmöglich gemacht worden. Die Verwendung im Haushalt zum Frisch- verbrauch, zum Einkochen und zur Mostherstellung für den eigenen Bedarf des Erzeugers bleibt nach wie vor un- beschräntt._ Lebensmittelinterpellation im sächsischen Landtag. Die sozialdemokratische Fraktion der Zweiten sächsischen Kammer hat folgende Interpellation eingcracht: 1.„Was hat die Regierung ge- tan, um die noch immer herrschenden Mißstände auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung und der Lebensmittelpreise zu beseitigen und den Lebensinittelwucher in gebührender Weise zu bekämpfen? 2.„Welche Schritte hat sie insbesondere unternommen, um der darauf bezüglichen Eingabe der sozialdemokratischen Fraktion vom 39. Juli dieses Jahres nachzukommen?" Kommunale Mastnahmen. Die Errichtung von gemeindlichen Schweinemäste- r e i e n scheint in der Provinz Brandenburg Fortschritte zu machen. Jetzt geht, wie die„Deutsche TageSztg." meldet, die märkische In- dustriestadt F o r st, die eine zahlreiche, in der Tuchhcrstellung arbci- tcnde Bevölkerung zu ernähren hat, mit einem solchen Plane um. Versuche mit der Mästung von Schweinen hatte sie bereits mit Hilfe des Wirtschaftsbetriebes eines Krankenhauses gemacht, und die Erfährungen ermutigen den Magistrat, in großem Stile fottzu- fahren. Außerdem will die Stadtverwaltung zur Milchverforgung ihrer Bevölkerung eigene Kühe anschaffen, wofür 19 999 M. gefordert werden. In den Großstädten des westfälischen Jndu st riebe- z i r k S wird jetzt der gesamte Milchhandel durch die Stadt- Verwaltungen so eingerichtet, daß nur für kleine Kinder und Wöchnerinnen täglich eine bestimntte Milchmenge vom 1. Ottober ab zugeführt wird. Die Städte haben teils eigene Molke- r e i e n angekauft, teils die Landwirte der Nachbarschaft durch Abgabe von Treber zur Milchlicferung verpflichtet. Höchstpreise in Gasthöfen. Die Preisprüsungsslelle der Stadt Köln beabsickuigt, für das Ho:el- und Ganwirt-gcwcrbe Höchstpreise einzuführen. Eine Gulachter-Kommission soll für einzelne Kategorien Nichiprcise festsetzen, an denen die Preise für Speisen in den Gastwirtschaften gemessen werden sollen. Die Gastwirle-Jnnung in Köln hat es ab- geiehnt, einen Verlreler in die Kommission zu entsenden und auch der Hotelierverein verhielt sich ablehnend. Deutscher Grtskrankenkalsentag. sTelcgraphischer Bericht.) E i f e n a ch, 18. September. In Anwesenheit von etwa 199 Vertretern, hinter denen 5 Mtl. lionen Krankenversicherte stehen, tagte heute die diesjährige Jahres- Versammlung des Hauptverbandes Deutscher Ortskrankenkassen. Wie im Vorjahre, so war auch die diesmalige Tagung eine Ver- sammlung von Vertretern der Untcrverbände. Verbandsvorsitzender Landtagsabgeordneter Frätz- d o r f- Dresden gedenkt als Leiter der Verhandlungen tn seiner Begrüßungsansprache dankbar der braven Truppen im Felde. Senatspräsident des ReichsversicherungS- amts H a n o w betont nachdrücklich, daß die Ortskrankenkassen in der schweren Zeit des Krieges sich durchaus bewährt haben. Er hebt lobend besonders die weitgehende Fürsorge für die Kriegsteil- nehmer hervor.— Den Geschäftsbericht erstattet Geschäftsführer Lehmann. Es wird immer ein Abschnitt des Berichts zur Diskussion gestellt. Geschäftsführer Leh- mann führt aus: Die Fürsorge für die Kriegsteil- n e h m e r ist eine der wichtigsten Aufgaben der Krankenkassen. Vor Kriegsende kann die Reichsregicrung keine Entscheidung über unsere Forderungen hierzu sKosten der notwendigen Heilverfahren) treffen. Die Kassen werden gebeten, sich an den Organisationen der Kriegsbesckädigtensürsorge nachhaltig, auch finanziell, zu be- teiligen. Die Durchführung der notwendig werdenden Heilder- fahren muß eine finanzielle Angelegenheit des Reiches sein. Der Wucher auf dem Arzneimittelmarkt erfordert energische Maßnahmen der Reichsregierung; les muß eine Bestands- aufnähme stattfinden; die ermittelten Vorräte müssen beschlag- nahmt und die Verteilung einer Krieg-gesellschaft übertragen wer- den, in derem Aufsichtsrat auch die Krankenkassen vertreten sein müssen. Das Abkvmm-n mit den Berufsgenossen- schaften ist abändcrungsbedürfttg; solange nicht eine Aenderung der Reichsversicherungsordnung den Kranken gesetzlichen Anspruch aus Erstattung der Unkosten aus Betriebsunfällen von Beginn des Versicherungsfalles an gibt, muß zumindest darauf gedrungen wer- den, daß voller Ersatz für diese Kosten nach Beginn der 13. Woche nach dem Unfall geleistet wird. Das Verhältnis zu den Ersatzkassen bedarf der Neuregelung. Tie Ersatzkassen waren früher bei der Regierung Liebkind. Bei Beginn des Krieges haben sie die Kriegsteilnehmer vor die Tür gesetzt sZurus: National!), weil sie die finanziellen Lasten nicht aufbringen können. Jetzt ist ihnen aus unser: Anklagen hin durch � Bundesratsverordnung die Verpflichtung auferlegt worden, die Kriegsteilnehmer während des Krieges weite: zu unterstützen. Die Erfatzkassen durchbrechen den wichtigen Grundsatz der Zwangsversicherung; sie mögen als Hilfs- und Zuschußkass-m weiter bestehen, dürfen aber nicht weiter als Ersatz für die Ortskrankenkassen gelten, die nicht auf die günstigeren Versicherungsrisiken der Ersatzkassenmitglieder verzich- ten können. Dazu tre'ben die Ersatzkassenverbände eine markt- schreierische Reklame mit unwahren Behauptungen, so der, daß die Ortskrankenkassen aus>r Beitragseinsammlung der Arbeitgeder- anteile für Rechnung der Ersatzkaffen große Gewinne erzielten. Die Krankenkassen müssen in reicherem Maße Gelegenheit haben, zu den Versammlungen der Kassenvercinigungen aus allen Gruppen der Kassenverwaltung Vertreter zu entsenden. In der Diskussion hierüber führt Justiz rat Dr. M a y c r- Frankenthal aus; Tie Kassenvercinigungen(Hauptver band, Untervcrbände usw.) haben sich als notwendige Glieder der Organisation erwiesen, ohne sie wäre eine Verständigung zwischen Aerzten und Kassen, Regierung und Versicherten gar nicht möglich. Die die Versammlungsfreiheit der Kassenvereinigungen beschrän- kendcn Anordnungen sind rechtswidrig. Reichstagsabgeordneter Bauer- Berlin(Generalkommission): Das ganze Aufsichtsrecht in der Reichsversicherungsordnung ist ein Ausnahmerecht gegen die Versicherten, das aufgehoben werden muß. Die Entschädigung für die Delegierten der Kassenvereinigungen muß gemäß den Satzungen der Kassen erfolgen. G r a e f- Frankfur: a. M.; Trotz dem Weltkrieg finden sich noch Verwaltungsorgane, besonders in Norddeutschland, die die Kassen schikanieren. Die Kaffenverwaltungen sind aber auch vielfach zu ängstlich. Geschäftsführer Lehmann(im Geschäftsbericht fort- fahrend): Tic Kassenverwaltungen müssen für die nach dem Kriege notwendige Reform der Reichsversicherungsordnung dem Vorstand Material übersenden. Einstellung von Kriegsbeschädigten empfiehlt sich nur bei entsprechend vorgebildeten Personen. Vereinbarungen zwischen Orts-, Betriebs-, Jnnungs. und Landkrankenkassenver- bänden zu schnellerer und gründlicherer Heilung solcher Kranken. die sich nicht im Kassenbezirl aufhalten, in dem man auf Ersuchen der leistungspslichtigen Kasse das Geld durch die Kranken- lasse ihres Aufenthaltsortes überweist, sind abgeschlossen. Die Gehälter der Kaffenbeamten müssen durch Teuerungszuschläge er- höht werden. Die zahnärztlichen Verbände versuchen ähnlich wie die Aerzte ungerechtfertigte Forderungen zu erheben; dagegen hel- fen nur eigene Zahnkliniken der Krankenkassen. Die Beteiligung der Krankenkassen an Ausstellungen muß zentralisiert werden. Der Hauptverband besitzt jetzt eine eigens Verlags- gesellschaft. Die Beratungsstelle für das Heil- Wesen hat gut gearbeitet. In der folgenden Aussprache protestiert u. a. Abgeordneter Bauer- Berlin heftig dagegen, daß der Vorstand der heutigen Versammlung wiederum fertige Resolutionen vorlege und die Tis- kussionsfrciheit beschränke. Vorsitzender Fräßdors bestreitet entschieden die Berechtigung dieses Vorwurfs Eine Demokratie nach dem Willen Bauers würde dazu führen, daß vierteljährlich eine Hauptverbands- Versammlung abgehalten werden müßt. Geschäftsführer Lehmann(Schlußwort): Drs Mißtrauen gegen die Zentralvercinbarungen, wie die zwischen den Kassenverbänden, die natürlich ein Kompromiß darstellen, ist be- grc:flich: dieses Abkommen zwischen den Kassenverbänden aber ist jetzt unterzeichnet und eine Abänderung nicht möglich; es gilt auch nur für diejenigen Kassen, die es unterzeichnet haben. Nicht richtig ist es, daß den Kassenvertretern keine Gelegenheit geboten war, vorher über die Vorlage zu beraten. Ter Entwurf hat schon im Vorjahre der Hauptversammlung in Frankfurt a. M. vorgelegen. Tarauf wird dem Vorstand die Genehmigung erteilt, eine Kommission zu bilden, die die Reform der Reichsver- sicherungsordnung beraten und einen Musterdienstvertrag ausarbeiten soll. I u st i z r a t Dr. Mayer- Frankenthal berichtet über die Errichtung einer Prüfungs stelle für Kranken- lassen entsprechend den Revisionsverbänden der Genossenschaften. Die Vorlage soll von den Unterverbänden beraten werden, die ihre Beschlüsse dem Hauptvorstand übermitteln sollen. Ein Diskussionsredner erklärt eine solche Prüfungs- stelle als Ueberzentralisation. Vorsitzender Fräßdors erwidert: Solange nicht die Gewißheit vorhanden sei, daß die Unterverbände diese Aufgabe durchführen, müsse der öauptverband sie auf sich nehmen. Die Leitsatz edcs Referenten werden angenommen. Nach der Mittagspause Kommerzienrat Simon- Berlin(Arbeitgebervertreter) auf die fünfte Kriegsanleihe hin. Es könnten nicht nur der Reservefonds, sondern auch B e- triebsmittel in Kriegsanleihe angelegt werden. Die Orts- krankenkasfe Berlin habe wiederum eine Million ge- zeichnet. Die Vorlage über das Verhältnis der Unterverbände zum Hauptverband wird als noch nicht spruchreif zurückgestellt. Vorsitzender Fräßdorf berichtet über den Stand der Arztfrage: Das Berliner Abkommen hat sich durchaus nicht bewährt. Die Schiedsämler haben Urteile gefällt, die zum Ruin der Kassen führen müssen. Bei unseren Bestrebungen, die Familienhilse au-- zudehnen, stoßen wir aus Verständnislosigkeit der Aerzteorganisa- tionen. Hier muß die Gesetzgebung eingreifen. Den Kasten wird empfohlen, Aerzteverträge abzulehnen, die Pauschalsätze, die höhere Aufwendungen als Einzelbezahlung verursachen, nicht paritätische Ausschüsse und Verteilung des Arzthonorars ohne Mitwirkung der Kasse vorschreiben. Schalem und Bauer- Berlin wenden sich heftig gegen das Berliner Abkommen. Fräßdorf erklärt, daß die Berliner Vertreter das Abkommen zu schwarz malen. Unter Ablehnung eines Berliner Abänderungsantrags werden die Leitsätze gegen 15 Stimmen angenommen. G r a e f- Frankfurt a. M spricht über: Mutterschaftsfürsorqe und Krankenkassen, verlangt Zwangsmutterschaftsversicherung und bis dahin freiwillige Selbstversicherung aus Wochenhilfe, Erhöhung der Leistungen und Kostenersatz durch das Reick. Dienstag Weiterberatung. ftus Groß-Serlin. Kommt in öerlin eine tVohnungsnot— l Gegenüber warnenden Stimmen, die auf die Gefahr einer für Berlin und andere Großstädte nach dem Krieg zu er- wartenden Wohnungsnot hinweisen, heben die Grund- und Hauseigentümer hervor, daß noch immer ein ihnen sehr un- bequemes Ueberangebot von Wohnungen bestehe. Wie der Wohnungsmartt Berlins sich im Laufe des Krieges entwntelt hat, im besonderen ob hier in dieser Zeit die unvermietet gebliebenen Wohnungen sich gemehrt oder gemindert haben. darüber kann man sich jetzt belehren aus der neuesten Zählung lecrstehenderWohnungen, die im Gebiet der Stadt Berlin am 15. Mai 1916 ausgeführt worden ist.'Die jetzt durch das Berliner Statistische Amt veröffentlichte Zusammen- stellung der Hauptergebnisse macht die übliche Unterscheidung in Wohnungen ohne Gewerberäume und Wohnungen mit Gewerberäumen, gliedert nach der Zimmerzahl und nach Stadtteilen und fügt zur Vergleichung die Ergebnisse der Zählungen vom I.Dezember 1913 und 1. November 1914 bei. Für ganz Berlin wurden in 1913, 1914, 1916 als leer- stehend ermittelt 27 899, 39 723. 39 863 Wohnungen, darunter ohne Gewerberäume 25 945, 35 904, 33 492 Wohnungen, mit Gewerberäumen 1864, 3824, 6371 Wohnungen. Während das Jahr 1914 eine ganz außerordentliche Mehrung leerstehender Wohnungen niit wie ohne Gewerberäumen brachte, vollzog sich in den anderthalb Jahren von November 1914 bis Mai 1916 zwar eine weitere und wieder noch sehr bedeutende Mehrung der leerstehenden Wohnungen mit Gewerberäumen, aber eine Minderung der leerstehenden Wohnungen ohne Gewerbe- räume, so daß auch die Gesamtzahl der leerstehenden Wohnungen kaum noch stieg. Die Wohnungen ohne Gewerbe- räume bilden die Hauptmasse des gesamten Wohnungsvorrates und kommen für den Wohnungsbcdarf der Bevölkerung Haupt- sächlich in Betracht, so daß ihre Mehrung oder Minderung ausschlaggebend für den Wohnungsmarkt ist. Bei dieser Wohnungsgruppe ergibt nun die Gliederung in Wohnungsklassen nach der Zimmerzahl. daß von 1914 zu 1916 die leerstehenden mittleren und großen Wohnungen sich gemehrt, aber die leerstehenden Kleinwohnungen sich gemindert haben. Gemehrt haben sich die Wohnungen mit drei, vier, fünf und mehr Zimmern und daneben auch die sogenannten„Wohnungen", die gar kein Zimmer haben, sondern nur aus einer Küche, aus einer Kammer oder aus Küche und Kammer bestehen. Gemindert aber haben sich die Wohnungen mit einem Zimmer und noch stärker die mit zwei Zimmern. In 1913, 1914, 1916 wurden unter den Wohnungen ohne Gewerberäume als leerstehend ermittelt 557, 685, 979 Wohnungen mit keinem Zimmer, 13 093, 16 717, 14 347 mit einem Zimmer. 7000, 10 744, 8329 mit zwei Zimmern, also zusammen 20 650, 23 146, 23 655 mit keinem, einem oder zwei Zimmern, ferner 2347, 3736, 4403 mit drei Zimmern, 1186, 1728, 2341 mit vier Zimmern, also zusammen 3533, 5464, 6744 mit drei oder vier Zimmern, schließlich 1762, 2294, 3093 mit fünf oder mehr Zimmern. Wie es zu erklären, daß die leerstehenden Wohnungen in den Klassen der großen und der mittleren Wohnungen sich ge- mehrt, in der Klasse der kleinen Wohnungen sich gemindert haben? Offenbar ist dieses Ergebnis zustande gekommen in- folge einer Einschränkung des Wohnungsver- b r a u ch s. einer knapperen Befriedigung des Wohnungs- bedürfnisses, einer Abwanderung aus den größeren und teureren Wyhnungen in die kleineren und billigeren. Bei den Wohnungen mit Gewerberäumen tritt diese Er- schcinung weniger deutlich hervor. Hier zeigt sich in allen Wohnungsklasscn eine Mehrung, selbst bei den Wohnungen mit nur zwei oder weniger Zimmern, aber erkennbar ist allerdings, daß auch hier die kleineren Wohnungen mit ihrer. Mehrung der leerstehenden doch hinter den größeren zurück- bleiben. Ju 1913, 1914, 1916 zählte man von leerstehenden Wohnungen mit Gcwerberäumen zusammen 1653, 3421, 5566 mit zwei, einem oder keinem Zimmer, zusammen 211,403, 805 mit drei, vier, fünf oder mehr Zimmern.(Von 1914 zu 1916 mehrten sich hier die leerstehenden kleineren Wohnungen nur noch um etwa 63 Proz., dagegen die leerstehenden größeren um nahezu 100 Proz.) Daß die durchgängige, wenn auch in den einzelnen Wohnungsklassen nicht gleichmäßig starke Zu- nähme der leerstehenden Wohnungen mit Gcwcrbcräumen aus der Schließung von Geschäften zu erklären ist, unter- liegt wohl keinem Zweifel. Im ganzen sind der leeren Wohnungen mit Gewerbe- räumen nicht so viele, daß an dem Gesamtbild durch sie etwas Wesentliches geändert würde. Auch wenn man sie mit den Wohnungen ohne Gewerberäume zusammenwirft, ergibt die Gliederung in Wohnklassen nach der Zimmerzahl immer noch den oben nachgewiesenen Gegensatz, daß von 1914 zu 1916 die leerstehenden Wohnungen bei den großen und den mittleren sich gemehrt, bei den kleinen sich gemindert haben. In 1913, 1914, 1916 standen leer überhaupt 688, 1044, 1527 Wohnungen mit keinem Zimmer, 13 983, 18 552, 17169 mit einem Zimmer, 7632, 11971, 10 525 mit zwei Zimmern, 2503, 4037, 4983 mit drei Zimmern, 1217, 1790, 2484 mit vier Zimmern, 1786, 2334, 3175 mit fünf oder mehr Zimmern. Zu diesen Ergebnissen paßt durchaus dasjenige der Gliederung nach Stadtteilen. Von 1914 zu 1916 hatten nur der Norden und der Osten eine Minderung der leerstehenden Wohnungen, offenbar deshalb, weil hier die Kleinwohnungen in der Gesamtzahl den Ausschlag geben. Müssen wir für Berlin eine Wohnungsnot befürchten? Angesichts dieser Ergebnisse der neuesten Zählung leerstehender Wohnungen glauben wir noch mehr als zuvor, daß die Frage zu bejahen ist. Bei weiterer Fortdauer des Danicderliegens der Bautätigkeit und weiterer Abwanderung aus den teureren Wohnungsklasscn in die minder teuren dürfte nur zu bald die Reserve leerstehender Klein- Wohnungen auf einen geringen Rest zusammen- s ch ni e l z e n. Neue Regelung der Fleischpreise. Der Arbeilsausschuß der Groß-Berliner Gemeinden hatte sich in seiner gestrigen Sitzung mit der anderweiten Festsetzung von Kleinhandelspreisen sür Rind- und Kalbfleisch beschäftigt und folgende Preise festgesetzt, die sich in wesentlichen Punkten als eine nicht un- erhebliche Ermäßigung darstellen. I. Für Rindfleisch: Lende......_............ 8,30 M. Roastbeef mit eingewachsenen Knochen....... 2,80, Schmorfleisch ohne eingewachsene Knochen u. ohne Knochen- beilage(Keule u. Bug)........... 3,—, Die übrigen Teile(eingewachst Knochen u. Knochenbeilagen dürfen nicht mehr als Vs des Gesamtgewichts ausmachen) 2,40. Knochen.................. 0,60„ Gehacktes................. 2,60, H. für Kalbfleisch: A. Sorte I: für Fleisch von jungen und älteren Saugkälbern und von Mastkälbern über 00 Pfund Schlachtgewicht: a) Rücken und Keule mit Haxe, Brustspitze ohne Hals, ohne Nachbrust und ohne Dnnnung... 2,80 M. d) die übrigen Teile........... 1,90, SchiereS Fleisch ohne Knochen, auch Schnitzel. 3,00, B. Sorte IL Für Fleisch van Kälbern bis 00 Pfund Schlacht- gewicht: »> Rücken und Keule mit Haxe....... 1,50 M. b) Für die übrigen Teile......... 1,30„ Die vorstehend mitgeteilten Preise müssen erst noch vom Magistrat endgültig beschlossen und vom Oberpräsidenten genehmigt werden. Reichlich hoch hiejhen die Preise, wobei zu bedenken ist, daß bei der jetzigen Art der Fleischeinteilung das Publikum immer benachteiligt bleibt. Die Peschlaznahmeverfügung über Obst ist dem Publikum wie den Händlern sehr überraschend gekommen. Am Sonntag und Montag wurden die Obstgeschäfte belagert, an vielen Stellen stan- den Hunderte von Frauen, um sich noch Obst einzukaufen. Die Be- stände der Obsthandlungen an Aepfeln und Pflaumen waren bald geräumt. In den Markthallen langten Eisenbahnwaggons mit Obst an, die sehr bald in die Marmeladenfabriken wanderten. Vom Berliner Magistrat werden Schritte unternommen, Obst für den gewöhnlichen Bedarf für die hiesige Bevölkerung heranzuschaffen. Nach den Bestimmungen des KriegSernahrungScnnts können Großhändler, welche Obstmengen im Besitz haben, die der Gefahr des Verderbens ausgesetzt sind, in besonders begründeten Ausnahme- fällen die Freigabe dieser Mengen von der Beschlagnahme erwirken. Anträge dieser Art sind an den Magistrat, Abteilung für Obstver- sorgung(Preisprüfungsstelle, Breitestr. 11), anzubringen, und es sind dabei die besonderen Umstände, welche die Gefahr des Ver- derbens als vorliegend erscheinen lassen, glaubhaft nachzu- weisen. Die Straßenhändler, die bisher Aepfel und Pflaumen feil- hielten, müssen sich auf den Verkauf von Tomaten, Birnen und— Zwiebeln beschränken. Für viele Händler, die den Obsthandel als Erwerbsquelle betrachteten, bedeutet die neue Verordnung einen tiefen Eingriff in ihre Existenz. Die Hauptsache dürfte allerdings sein, daß die Interessen der Konsumenten in nachdrücklichster Weise wahrgenommen werden. Zu diesem Zwecke muß den Marmeladen- faibriken gehörig auf die Finger gesehen werden. Einmal muß für eine einwandfreie Verwendung des beschlagnahmten Obstes Sorge getragen werden, dann aber ist für eine Preispolitik zu sorgen, die nicht wieder den Produzenten in die Lage versetzt, aus der Haut des konsumierenden Publikums Riemen zu schneiden. Die Werderschen Obstscndungen nach Berlin haben in den letzten drei Wochen eine bedeutende Höhe erreicht und sie übertreffen die im Vorjahre verschickten Erträge um erhebliche Mengen. Im Fahrt- abschnitt vom 20. bis 25. August versandte die Obstzüchtcrgenossenschaft 25 644 kleine, 48 große Körbe, 11 Tienen und 1090 Kiepen. In diese Tage fiel der Haupiversand an Edelpflaumen und an Zwetschen. In der Zeit vom 27. August bis zum 1. September belief sich der Versand nach Berlin allein per Kahn auf 24 077 kleine, 9 große Körbe, 13 Tienen und 1816 Kiepen. In der letzten Fahrtwoche vom 3. bis 8. September wurden per Kahn von der Obsizüchtergenossen- schaft 12 305 klein«, 23 große Körbe. 10 Tienen und 2142 Kiepen nach Berlin gefördert. Vergleicht man damit die Zahlen des Vor- jahres sür die gleiche Zeit so ergibt sich eine erhebliche Mehrleistung in diesem Jabre. Im ersten Abschnitt betrug die Verftachtung an kleinen Körben 8083, an Kiepen 707, im zweiten Abschnitt: 9397 kleine Körbe, 1310 Kiepen, und im dritten Abschnitt: 7934 kleine Körbe, 1457 Kiepen. In der Hauptsache werden jetzt Aepfel und Birnen nach Berlin befördert. Die Pflaumenlieferung ging schon Ende August zur Neige. Die Werderschen Obstanlagen weisen keine erheblichen Pflaumcnbaumbestände auf. Die Bauernpflaume, die sonst auf den Markt kam, wird meistens im Hinterlande an den Landsttaßen geerntct, und wie Obstzüchter mitteilen, sind ihrem Versand Beschränkungen auferlegt, weil ihr Absatz im Produktions- bezirk gewünscht wird, um den Insassen dieser Gegenden die Mög- lichkeit zu verschaffen, sich mit billigem Ausstrichmittel zu ver- sehen. Andererseits besorgen die Konsumenten selbst den direkten Ankauf. Die pflaumenreichen Gegenden des Kreises Zauch-Belzig und West- und Osthavelland werden von Privatpersonen überlaufen, die den Pächtern der Pflaumennutzungen die Ernte von den Bäumen wegkaufen, so daß dieselben mit einem Versand gar nicht zu rechnen brauchen. In ungeheuren Mengen werden auf diese Weise Pflaumen dem Großmarkt entzogen und der Händler erspart dabei die TranS- portkosten. Der Gesamtversand der Obstzüchtergenosscnschaft beträgt in den drei letzten Wochen 742 728 Psund, die nach dem Berliner Markt verladen wurden. Unterbringung kriegsgefangener Brüder, Verwandter und Freunde in ein und demselben Lager in Frankreich. Das Kriegsmini st erium teilt mit: Mit Frankreich schweben zurzeit Unterhandlungen über eine gegenseitige Vereinbarung, nach der kriegsgefangene Brüder und sonstige nahe Verwandte, u. U. auch Freunde, auf Antrag in ein und demselben Kriegsgefangenenlager vereinigt werden können. Ob die Vereinbarung zustande kommt, ist noch ungewiß. Ist einer der Brüder usw. Offizier, während der andere zu den Mannschaften bis einschließlich Feldwebel gehört, so wird eine Ver- einigung voraussichtlich nicht möglich sein. Gesuche, die bezwecken. Verwandte und Freunde unter den kriegsgesangenen Deutschen in Frankreich zu vereinigen, sind möglichst bald an das Preußische Kriegsmini st erium, Ab- teilung Kriegsgefangenenschutz, zu richten. Arbciterbildnngsschule. Donnerstag, den 21. September, abends 8�/, Uhr, findet im Hörsaale der Schule, Linden- straße 3, 4. Hof rechts, 3 Treppen, der regelmäßige wissen- schaftliche Einzelvortrag statt. Genosse Ernst D ä u m i g wird über das Thema:„Afrikanische Probleme" sprechen. Eintrittspreis 10 Pf. » Am Sonntag, den 2 4. September, wird noch einmal eine naturwissenschaftliche Wanderung veranstaltet. Sie soll von Belzig aus über Wiesenberg, Grubo, Rabenstein(hoher Fläming) und Niemegk führen. Abfahrt 4.07 Uhr morgens von Bahnhof Friedrichstraße (Fernbahnhof, 4. Klasse.) Ankunft in Belzig 6.15 Uhr. Treff- Punkt Bahnhof Belzig, außerhalb der Bahnsperre. Fahrgeld insgesamt 3,50 M. Wegelänge 35 Kilometer. Proviant für den ganzen Tag ist mitzubringen. Der Aus- flug findet bei jedem Wetter statt. T e i l n e h m e r s ch e i n e, die 80 Pf. kosten und am Sonntag mitzubringen sind, werden ausgegeben im Bureau des Vezirksbildungsausschusses(Jugendsekretariat) Linden- straße 3 und in den Bureaus des vierten und sechsten Wahl- kreises._ Die Schußwaffe in Kinderhand. Mit dem Revolver seines Vaters hat sich der 12jährige Alfred Gericke aus der Meininger Straße 2 in Schöneberg schwer verletzt. Die Mutter des Knaben hatte sich gestern nach ihrer Arbeitsstelle, einer Schöneberger Volksküche, begeben und ihrem Sohne die Woh- nungsschlüssel überlassen, da dieser während der Abwesenheit der Mutter verschiedene Besorgungen machen sollte. Als der Junge zu Hause mehrere Behälter durchsuchte, fand er in einem derselben einen mit sechs Patronen geladenen Revolver, den der im Felde üehende Vater an jener Stelle verwahrt hatte. Alfted G. nahm die Waffe an sich und begab sich damit auf den Weg zum Bäcker, um Brot zu kaufen. Unterwegs kam er im Lauf zu Fall, dabei entlud sich der Revolver und eine Kugel drang dem Knaben in den Unterleib. Trotz der schweren Verwundung schleppte sich der Schüler noch eine Strecke weit und brach besinnungslos in einem Hausflur zusammen. Als er dort aufgefunden wurde, machte er zunächst die falsche Angabe, daß ihm unwohl geworden sei. Die Blutlache verriet jedoch seine schwere Verletzung. Der Verun- glückte wurde dann mittels Krankenwagens nach dem Auguste- Viktoria-Krankcnhans gebracht, wo er in bedenklichem Zustande daniederliegt. Nochmals: Die zugreifende Polizei. In Nr. 249 Meldeten wir aus Tegel ein Erlebnis zweier jungen Leute, die am 3. September, Sonntag, durch einen Polizei- beamten vom Straßenbahnwagen heruntergeholt und zur Wache geführt und dann nach gründlichster Durchsuchung mit dem Bescheid. Die Sache ist erledigt' wieder entlassen wurden. Hierzu schickt uns als Amtsvorsteher von Tegel der Bürgermeister ein Schreiben, in dem er betont, der Beamte habe.nur seine Pflicht getan'. Der Hinweis ist überflüssig; denn wir haben das mit nicht einem Wort bestritten. Gerügt haben wir aber, daß man den jungen Leuten bei der Entlassung die Frage nach dem Grund der Sistierung mit keiner klaren Angabe beantwortete. Diese Tat- fache, auf die allein es uns ankam, wird ja auch von dem Amts- Vorsteher nicht in Abrede gestellt. Seinem Schreiben ist beigefügt ein Bericht des Polizeibeamten, der nur anzugeben weiß, daß er den Entlassenen gesagt babe, ein Herr habe sie verdächtigt. Daß irgend- ein Verdacht gegen sie entstanden sein müsse, nahmen sie ohnedies an; denn das wußten selbstverständlich auch sie. daß kein Polizist zum Spaß ein paar Leute vom Straßenbahnwagen herunterholt. Warum aber den Entlassenen nichtsNäheres über den Verdacht mi t g e t e i l t wurde, erscheint uns um so verwunder« licher, weil der Amtsvorsteher jetzt sogar uns mit dem Bericht des Polizeibeamten genaue Angaben darüber macht. Verdacht hatten die beiden dadurch erregt, daß sie— wie der Bericht erzählt— sobald ein Straßenbahnwagen von Berlin ankam,»sich ins größte Gedränge des Publikums bineindrängten', aber.nie einstiegen". Und sie haben„dieses Manöver öfter wiederholt'. Wohlgemerkt: er war an einem schönen Sommersonntag in der zehnten Abend« stunde— und in Tegel, das ja durch seine Verkchrszustände be- kannt istl Da ist es vielen so ergangen, daß sich an die Straßenbahnwagen herandrängen mußten und nicht einsteigen konnten, weil die Wagen schon bei der Ankunft besetzt waren von Schlaueren, die sich vorher hinaufgeschwungen hatten. Diese Verdachts- geschichte zeigt übrigens, was einem widerfahren kann, wenn man an Straßenbahnhaltestellen sich an dem Kampfe um das Mitkommen beteiligen muß. Wir sehen keinen Grund, nicht den Versicherungen der beiden jungen Leute zu glauben, daß sie tatsächlich schuldlos sind. Zu dieser Ueberzeugung ist sicher- sich auch die Polizei gelangt; denn sonst würde sie nicht die.Ver- dächtigen' nach Durchsuchung sogleich wieder entlassen haben. Die Auffassung des Beamlen, daß sie.Miene machten, die Flucht zu er- greifen", wird von ihnen sehr entschieden als irrig zurückgewiesen. Zu fliehen, hätten sie wirklich keinen Anlaß gehabt. Für 20 000 M. Eisenwaren stahlen drei kaufmännische Angestellte einer bekannten Eisenwaren-Großhandlung in der Ritterstraße. Die noch jugendlichen Diebe brachten die nach und nach unterschlagenen Waren in einem eigens gemieteten Schuppen unter, von wo sie zu Schleuderpreisen verschärft wurden. Die Sache kam erst dadurch an das Tageslicht, daß der eine Dieb, dem das Gewissen schlug, sich der Polizei stellte. Gefälschte Reissgsammelkartcn a 1 Mk. hat ein Schwindler ver- trieben, der in der Uniform eines Gardcjägers auftritt. Der Gauner findet Absatz für seine Scheine besonders in der Nähe des Grüne- Waldes, Zehlendorf usw., weil die Scheine auf den Grunewald lauten. Groß ist die Enttäuschung, wenn die Sammler- von den Beamten des Zweckverbandcs angehalten werden und nun erfahren, daß sie ihre Mark einem Schwindler geopfert haben. Im Straßenbahnwagen vom Tode überrascht wurde die 50 Jahre alte Frau des Kellners Pflug aus der Steinmetzstr. 84. Sie verlor, als sie mittaas mit einem Straßenbahnwagen der Linie 4 nach ihrer Wohnung fuhr, plötzlich die Besinnung. Man brachte die Frau nach der nächsten Unfallstation, wo der Arzt feststellte, daß sie von einem Herzschlage getroffen worden sei. Die FortbildungS- Anstalt im Friedrichs- Gymnasium, zurzeit Friedrichstr. 120, eröffnet ihre Winterkurse am 9. Ottober. Sie bietet Herren und Damen Gelegenheit zu sprachlicher und technischer Fort- bildung. Das Schulgeld beträgt für den ganzen Lehrgang von wöchentlich zwei Stunden 2,50 M., von wöchentlich vier Stunden 5 M. Die Unterrichtszeit siegt zwischen 8 und 10 Uhr abends. An- meidungen werden Friedrichstr. 120 jederzeit angenommen. Zirkus Busch hat fett Sonnabend seine Pforten mit einem glänzenden Programm eröffnet. Obenan stehen die Freihetts- dresiuren der Althoffs. Und es lohnt sich, zu sehen, wie die gut dressierten Pferde der Sechzehnjährigen Adele Altboff aufs Wort parieren. Auch die von Herrn Althoff selber vorgeführten Meister« dresiuren zeugen von außerordentlicher Dressurkunst. In das Gebiet der Dressur gehört auch die Vorführung der sieben humoristischen Eisbären und die fliegenden Hunde von Maud Wolf, die jede Kon- lurrenz mit den gewandtesten Gymnastikern aufnehmen. Bemerkens- wert ist auch das Auftreten von Tom Jack, dem Eiskönig mit seinen Fesiclkunststückchen. Auch der Affenphilosoph.Urion' zeigt wieder seine Gelehrsamkeit. Daß die beiden Clowns sür den nöttgen Humor sorgen, versteht sich am Rande. /lue öen Gemeinüen. Verteilung städtischer Lebensmittel in Charlottenburg. Von Mittwoch, den 20., bis Sonnabend, den 30. d. Ms., werden in Charlottenburg aus Abschnitt 9 der roten Nahrungsmittel- karte je � Pfd. Graupen und auf Abschnitt 10>/z Pfd. Erbsen oder Bohnen verteilt werden._ Gemüscpreise in Charlottenburger Läden. Trotz der gemüsereichen Jahreszeit findet man in zahlreichen Läden noch immer sehr hohe Preise für Gemüse, die gar nicht im Verhälwis zu den Erzeuger, oder Großhandelspreisen stehen. So sieht man Not- und Wirsingkohl mit 20 Pf., Weißkohl mit über 10 Pf., Mohrrüben mit 20 Pf. das Pfund ausgezeichnet, während diese Arten im Großhandel etwa nur die Hälfte kosten. Um diesen unverhältnismäßig hohen Preisen der schweren Zeit entsprechend entgegenzutreten, hat die städtische Parkverwaltung in Charlotten- bürg einen Gemüseladen in der Kaiser-Friedrich-Straße 91 ein- gerichtet. Die Preise betragen hier für ausgesucht gutes Gemüse für Weißkohl 0,00 M., Rotkohl und Wirsingkohl 0,10 M., Kohlrüben und Rote Rüben 0,08 M., Sellerie und Suppengrün 0,15 M. für das Pfund, Mohrrüben 2 Pfund 0,25 M. Um den Gemüse- kleinhändlern Gelegenheit zu geben, zu gleichen Preisen zu ver- kaufen, erhalten diese dieselben Gemüsearten mit 20 Prozent Er- Mäßigung in der Stadtgärtnerei am Fürstenbrunner Weg. ES ist zu hoffen, daß auf diese Weise ein wirksamer Einfluß auf die Preise in den Charlottenburger Gemüseläden ausgeübt wird. verkauf lebender Kaninchen in Neukölln. Die Stadt Neukölln bringt am Dienstag und Mittwoch, den 19. und 20. d. M., nach- mittags 4—0 Uhr, aus dem Eiswerkgrundstück Mittelbusckiweg 2(5/27, wiederum einen größeren Posten von lebenden älteren Tieren zum Preise von 5—10 M. je Stück zum Verkauf. Die Kaninchen werden nur an Neuköllner Einwohner abgegeben. Nachbestellung für Winterkartoffel« in Reinickendorf. Die Frist, bis zu welcher Vorbestellnngen auf Winter- k a r t o f f e l n beim Gemeindevorstand(Rathaus, Hauptstr. 88) ent- gegengenommen werden, ist bis zum 30. September verlängert worden. Der Preis beträgt, wie bekannt, für den Zentner f r e i H a u s 4,75 M._ Die Potsdamer Wochenrationen sind für die Zeit vom 18. bis 25. Sevtember auf 250 Gramm Fleisch, 2.5 Gramm Feintalg gegen Fettmarke 8(Preis 2,00 pro Pfund), ein Achtelpfund Butter und 2 Eier pro Kopf festgesetzt. Auf die frühere Fettmarke wird noch Margarine verabfolgt. Am Mittwach werden die neuen Fett- marken ausgegeben. Zur Mitgliederversammlung in Eichwalde. >uf die Entgegnung des Gemeindevertreters Genossen B r K s ch k e zum Bericht der letzten dortigen Mitgliederversammlung erhalten wir vom Borstand des Eichwalder Wahl- Vereins eine Auschrist, der wir entnehmen, daß Brüschke in den l'/s Jahren seiner Tätigkeit nur in Mitgliederversammlungen Be- richt erstattete und diese nicht als Veranstaltungen einer Sonder- gruppe betrachtete. Weiter wird mitgeteilt, daß zu dem Beschluß— Brüschke befitze nicht mehr das Vertrauen der Mitglieder und habe lein Recht, im Gemeinderat in ihrem Sinne zu sprechen— auch noch andere als die schon erwähnten Gründe geführt haben. Es wird ferner betont, daß Brüschke, der sonst bei jedem Widerspruch gegen seine Haltung mit Mandatsniederlegung drohte, jetzt, wo ihm das Bertrauen seiner Wähler offensichtlich entzogen sei, nicht die Konsequenzen zieht._ Gerichtszeitung. Gegen Kriegsverordunngeu. Ill eine« wesentlich anderen Ergebnis als das Schöffen- gcricht tarn gestern die 1. Strafkammer des Landgerichts I bei einer Verhandlung einer Anklage wegen Vergehens gegen die Bestimmungen iib«r die Beschlagnahme von Metall und wegen Ueberschreitung der Höchstpreise. Tos Schöfsengericht hatte den Angeklagten, Besitzer einer Metallschraubensabrik und Aassondreherei, Adolph Mertens, wegen unzureichender stührung des Lager- buches zu bOO M. Geldstrafe verurteilt, im übrigen aber frei- gesprochen. Auf die vom Staatsanwalt eingelegte Bern- f u n g wurde in der gestrigen Verhandlung festgestellt, daß der Angeklagte in vier Fällen größere Posten Messingspäne an eine hiesige Firma abgegeben und dafür für 1W Kilo IVO M. berechnet, aber noch eine dcstütnr.te Gewinnbeteiligung aus diesen Geschäften bezogen hat. Das Gericht hielt ihn in diesen vier Fällen der Ueberschreitung der Höchstpreise für schuldig. Der Angeklagte berief sich auf§ 58 St.G.B., indem er behauptete, daß cc irrtümlich der Anficht gewesen sei, Messing s p ä n e fielen nicht unter die Verordnung. Die Strafkammer ließ diesen Einwand nicht gelten, da gegebenfalls es sich nicht um einen tatsächlichen Irrtum, sondern um einen Rechts irrtum handeln würde. Das Urteil wegen Höchstpreisüberschreitung lautete auf 6000 Mark Geldstrafe, hilfsweise für je 15 M. einen Tag Gefängnis. Aber auch bezüglich der unzulänglichen Befolgung der Bestim- mungen über die Führung des Lagerbuches hielt das Gericht die Strafe für viel zu gering und bematz sie hierfür auf 1 S 0 0 Mark, hilfsweise 150 Tage Gefängnis. Teuer und grob. Eilte jener Höchstpreisüberschreitungen, die, wie der Vor- sitzende betonte, dem Betrüge sehr nahe liegen und gleichzeitig ivieder einmal die jetzt von manchen Geschäftsleuten beliebte Art der Ku n d« n b e h a n d l u n g kennzeichneten, wurde gestern vor dein Schöffengericht Berlin-Mitte dem Schlächtermeister Theodor Frey ans der Altonaer Straße zur Last gelegt. Der Angeklagte hatte im Mai d. I. einer Kundin auf zwei Fleischkarten, als auf diese noch je 300 Gramm Fleisch verabfolgt wurden, statt 600 Gramm Schweinefleisch nur 530 Gramm gegeben und hierfür 2.20 M. gefordert, während er für dieses nur etwa l.OV hätte verlangen dürfen. Als die Frau, die schon wiederholt allerhand Grobheiten von dem Meister wie„früher habt Ihr Knochenfletsch gefressen" und dergl. hatte anhören müssen, das Gewicht beanstandete, bekam sie nur zur Antwort, sie solle sich die Fleischkarten einmal hinten ansehen, sie wisse doch sonst in der ganzen Gegend Bescheid. Notgedrungen mußte sie als eingetragene Kundin am nächsten Tag wieder bei dem Angeklagten kaufen. Da erhielt sie dann auf eine Karte von 300 Gramm nur 205 Gramm Schweinebauch verabfolgt, büßte aber nicht nur diese 35 Gramm ein, fondern es wurde ihr das Fleisch mit 1,50 M. berechnet, einem Preise, der einem ganzen Pfunde entsprach. Nur wm Umstände, daß der Angeklagte noch nicht einschlägig vorbe- straft war, hatte er es zu verdanken, daß es das Gericht bei der beantragten Geldstrafe von 400 M. beließ. Seisencrsatz«ms alten Grammophonplatten. Zu welchen Erfinlmngen der Krieg anregt, zeigte eine Anklage wegen Kriegswuchers, die gestern vor den« Schöffen- gericht Berlin-Schöneberg gegen den Inhaber des Ost-Labo- ratoriums in Friedenau, Günther, verhandelt wurde. Unter dem Namen„Wäscheweiß" hatte der Angeklagte ein Ersatzpulver für Schmierseife in den Handel gebracht und in Papiertüten verkauft, die 45 Gramm enthielten und 40 Pf. kosteten. Mit Vj Liter Waffer vermischt soll man dann nach der Anpreisung 1 Pfund beste Schmierseifenersatz erhalten. Der Verkauf ist vou der Preisprüfungsstelle beanstandet worden, die mit Rücksicht auf die chemische Zusammensetzung den Preis für zu hoch erklärte und zu der Rechnung kam. daß bei dieser Mischung das Pfund Seife 8,80 M. koste. Deshalb liege Preiswucher vor.— Der Angeklagte behauptete, daß ihm jede Tüte selbst 20 Pf. koste und er sie für 32 Pf. an die Händler ablasse, die sie für 40 Pf. weiter verkaufen. Die Beurteilung der Angemessenheit der Preise war insofern schwierig, als der Angeklagte über die Bestandteile seiner Erfin- dung spezielle Angaben ablehnte und nur soviel verriet, daß ein Hauptbestandteil alte abgelegte Gram mophonplatten in Verbindung mit Soda, Pottasche usw. bilde. Er berief sich für die Güte seiner Erfindung darauf, daß das K r i m i n a l g e r i ch t, die Staatsanwaltschaft selbst, das Abgeordneten- h a u S und andere Behörden, seine Abnehmer seien.— Der A m t S a n w a l t beantragte 200 Mark Geldstrafe.— Rechtsanwalt Dr. Alsberg wies für den Angeklagten darauf hin, daß.Wäscheweiß" nicht das Endprodukt sei, welches der Ver- brauch« benutze, vielmehr koche er aus diesem Pulver erst das Endprodukt. Es soi also falsch, das Pulver selbst in Vergleich zu ziehen mit Seife. Nicht 45 Gramm, sondern 1 Pfund Ersatz seien in Vergleich zu setzen mit Seife. Was das Publikum erhalte, fei ein Pfund Schmierseifenersatz für 40 Pf. und dieses Pfund tue ziemlich dieselben Dienste wie ein Pfund Schmierseife, das zurzeit 2,20 M. koste. Der Gesichtspunkt, von dem die Preisprüfungsstelle ausgehe, sei auch in rechtlicher Beziehung falsch, denn die Voraus- setzung für Bestrafung wegen Preiswuchers sei nicht die Ueber- Mäßigkeit des Preises an sich, sondern die Uebermäßigkeit des durch den Preisansatz erstrebten Gewinnes.— Das Gericht kam zur Freisprechung des Angeklagtem Elend. Ein soziales ElercdSbild, das gleichzeitig eine Anklage gegen die vielen schönen Reden über Fürsorge enthält, ent- rollte eine Verhandlung, die dieser Tage vor der Strafkammer in Bochum sich abspielte. Ein Arbeiter aus der Umgegend von Recklinghaufen war mit einem Strafmandat bodacht worden, weil seine Kinder den Schul- besuch versäumt hatten. Infolge Antrages auf g«ichtKche Entscheidung hatte das Schöffengericht den Sünder frei- gesprochen, weil er eingewendet hatte, bei einem Tagesverdienst von 7 M. sei er nicht in der Lage, seine llköpfige Familie ord- nungsgemäß zu kleiden. Die Kinder hätten kein Schuhwerk und auch kein genügendes Zeug, um sie in die Schule schicken zu köicnen. Die als Zeugen vern»mmenen Lehrer b e st ä t i g t e n die Aus- sage des Beklagtem Die Strafkammer, die auf Berufung de» Staatsanwalts zu entscheiden hatte, gelangte ebenfalls zu einem F r e i s p ru ch. Das Urteil wurde unter anderem damit begründet, daß auf Grund der Schulordnung Kinder in unordeut- licher Kleidung von dem Unterricht zurückzuweisen seien. Das Elend, das sich hier offenbart hat und absolut nicht vereinzelt da- steht, ist so entsetzlich, daß alles zu seiner Abhilfe getan werden sollte. Einmal ist der Lohn zu gering, zweitens sind die Preise für die Waren des Lebensunterhalts viel zu hoch und drittens mangelt es an der notwendigen sozialen Fürsorge. Auf diese Dinge ist unsererseits so häufig hingewiesen worden. Auch im Zeichen der hochschlagcnden Redewellen über Fürsorge fehlt die helfende und vorbeugende Tat. Mus aller Welt. Amtlich tot, nichtamtlich am Leben. Dem„Hamburger Fremdenblatt" ging kürzlich folgendes Schreiben zu: Eine in der Gemeinde Kranz wohnende Frau Schwarz erhiell dieser Tage von militärischer Seite die Mitteilung, daß ihr im Westen kämpfender Mann gefallen sei. Auf Grund dieser Mit- teilung wurde eine Todesanzeige veröffentlicht. Gleich darauf folgte ein Brief von anderer Seite, der besagte, daß der Gefallene nicht ihr Mann gewesen sei. sondern nur mit dem Mantel ihres Mannes zugedeckt gewesen sei. Jetzt ist eiue amtliche Meldung des Regiments, in dem Schwarz diente, eingegangen, daß Schwarz tatsächlich gefallen sei. Die nächste Post aber brachte der Frau eine Karte aus Frankreich, die von ihrem Mann geschrieben war. Er teilte ihr mit, daß er sich in Gefangenschaft auf dem Transport befinde und es ihm gut gehe. Also trotz zweimaliger amtlicher Todesbestätigung lebt Schwarz dessen« ungeachtet weiter. Der Mann muh es schließlich am besten wissen, ob er noch lebt oder nicht.(z) Kleine Ursachen, große Wirkungen. Ein Basler Blatt berichtet über nachstehenden seltenen Vorgorqz: Letzten Mittwoch belustigte sich ein Hirtenbud auf den Totes du Sentier im Kanton Waadt damit, seinen Stock in die Höhe zu werfen und wieder aufzufangen. Wir haben in Basel für diese Uebung das schöne Zeitwort„tam- burmajeerlc". Durch einen unglücklichen Zufall blieb dem Buben der Stock auf den Leitungsdrähten des Werkes der Eaux de Joaix hangen. Allein das Holz wurde nah und dadurch zu einem vor- trefslichen Elektrizitätsleiter. Es entstand Kurzschluß, und Licht und Kraft waren plötzlich abgesperrt. Nicht bloß wurde das ganze Netz der Vallee betroffen, sondern auch die Bahn Nhon— St. Cer- gues konnte etwa eine Stunde lang nicht verkehren. Die Fabriken standen still, und viele Arbeiter mußten feiern, ohne daß man in der Zentrale den Grund der Unterbrechung ermitteln konnte. Erst als man beim Schein einer Azetylenlampe die Leitung absuchte, entdeckte man die Ursache. Sobald der Stock entfernt war, setzte der Strom wieder ein. Wiederherstellung der Brücke über den Et. Lvrenzstrom. AuS Ottawa wird gemeldet, man habe beschlossen, den mittleren Bogen der Brücke über den St. Lorenzstrom bei Quebec sosort wiederherzu- stellen. Der Vorsitzende der Brückenbaukommisston habe der Re- gierung üb« das Unglück Bericht erstattet; es sei nach Ansicht von Fachmännern nicht auf Fehler in der Konstruktion zurückzuführen. Ningcsattelt. Monsieur D eibler, der Scharfrichter von Paris, hat seit Ausbruch des Krieges nichts zu tun; er ist, wie die „Kreuzzeitung" mitzuteilen weiß, bei der Reg,erung um eine ander- weitige Verwendung eingekommen. Sein Wunsch wurde gewährt; seit Ausbruch des Krieges ist er Verwaltungsbeamter des Ge- sundheitswesens. D« Scharftichter wurde„Sanitätsrat". Eine Untertnnnelmtg des Bosporus? Die„Mitteleuropäische Orient-Handels-Uniou" igegrüudet in: Jahre 1808,00 als„Deutsch- Oesterreichischer Orientklub") gibt für seine Mitglieder ein Nach- richtenblatt heraus, in dem sich unter anderem folgende Notiz findet: „Das Projekt einer Untertunnelung deS Bosporus liegt uns in einem fachmännischen Bericht zur Begutachtung vor. Bislang war mehr- fach von der Errichtung einer Eisenbahnbrücke über den Bosporus ge- sprachen, wie auch dieser Zukunftsplan in seiner ganzen Kühnheit im Werke von Siegm. Schneider„Die Deuftche Bagdad-Bahn" seinerzeit veröffentlicht wurde. In diesem Buche befindet sich ein Titelbild: „Die projektierte Sullan-Abdul-Hamid-Brücke von Rumely Hissar am europäischen liier nach Anadoly Hiflur am Gestade Bilhyniens. 660 Meter Länge."— Ob eine solche Niesenbrücke erbaut werden kann, bleibe dahingestellt. Leichter ausführbar scheint die Idee, den Bosporus zu untertunneln und Asien und Europa durch eine Untergrundbahn zu verbinden. Sicher wird dieses Projekt schon aus strategischen Gründen die kräftigste Unter- stützung der Regierung finden. Die Benutzung der Streck« wird außerdem eine solch starke sein, daß sich eine Rentabililät ohne weiteres ergeben wird. Allerdings dürste durch«inen Bosporus- Tunnel dem Dampferverkehr zwischen der türkischen Hauplstadt und Skutari großer Abbruch getan werden. Hier wird auch ein Haupt« grund für die Gegnerschaft dieses Tunnelprojektes zu finden sein." parteweranftaltungen. Rosenthal-Niederschönhauscn-Btcst. Die Bücherausgabe der Wahl- Vereins, Bibliothek erfolgt jeden Donnerstag abend von Uhr in der Wohnung des Genossen Burkhardt, Walderseefir. S, I. Jugenöveranstaltungen. Friedrichshaaen. Mittwoch, den 20. September, abends Uhr pünktlich, im Fllgendheim: Vortrag des Genossen?l.Ahlemcyer über:„Bon Passau bis Konstantinopel zu Fuß". Die Eltern werden ge- beten, diese Veranstaltung zu besuchen. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, herzlich willkommen.__ Daß Slbinme« der Männer- und Kranenavteilnngen deS Turnvereins.Fichte« am Sonntag, den 17. d. M., zeitigt» solgende Höchstleistungen: Männer: Kugeistohen, Etabbochspringen, Speerwersen, Lausen über 100 Meter, Gunst, 5. Abt., 70. Voigt, 2, Ab.,«4, Fahle,«. Abt., öS, Gnaß, 17. Abt., öS Punkte. Die besten Leistungen erzielten: Voigt Im t00-Meter>2aus 1L\, Gek., Kugclstoiien 7>/, Kilogramm S, SO Meter- Stabhochsprung: Gunst und Voigt je 2,80 Meter; Speerwerjen: Gnaß 38,50 Meter. Frauen: Hürdenlausen, Stabweitspringen, Speerwersen, Hochspringen und eine Pflichtsrciübung. M. Naumann, ü. Abt., S. Lange, b. Abt., 61, E. Heimann, 1. Abt., 52, K. Fahrenwaid, 1. Abt., 47, D. Genficke. 7. Abt.. 47 Punkte. Di« besten Leistungen erzielten: lOO-Metcr-Hürdenlausen: S. Lange 17 Sekunden; Hochtpringen: M. Naumann 1,80 Meter: Speerwersen: Hamann 18 Meter; Stabweitspringen: Kruse Jnf.-Regt. Nr. 373, 2. Komp. Inhaber des Eisernen Kreuzes im Alter von 27 Jahren. Er war 25 Monate im Kampfe. In tiefem Schmerz .Inn» DUvinizte»« als verlobte Braut nebst Mutter u. Geschwistern. ES war mir nicht b-schieden aus Erden dieses Glück, Denn Du. mein lieber Paul. kehrst nimmermehr zurück. So ruh' denn wohl. Du treu- geliebtes Herz, Du hast den Frieden und ich den bitt'ren Schmerz. Deine untröstliche Anna. m OBDtscliErletiülaplietter-llepbainI Verwaltungeslella Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Klempner Bmil Kittmana Adaibertstr. 56 am 14. September gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 20. September, nachmittags 3Ubr, von der Leichen- halle des Thomas-Kirchhoses, Her- mannstraße, aus statt. Den Kollegen serner zur Nach- richt, daß unser Kollege, der Maschinenarbeiler (iustav L�mmank Reinickendorf, Eichbornitr. 34 am 14. September gestorben isst Ehre seinem Andenken! Dt« Beerdigung findet heute Dienstag, den 13. September, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenballe des Kemeinde-Fried- hoses, tzumboldtstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 122/18 Die Ortsverwoltung. Am 14. September verschied nach kurzem Leiden unser lieber Kollege, der Maschinenmeister und langjährige Druckereikassierer Emil Kloß im Alter von 63 Jahren. Ein ebrendc« Andenken be- wahren ihm 1130L Die Kollege» der Hos- buchruckerei Lul. LittensellZ. Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 13. September, nach- mittags 4'/, Uhr, vom Südwest- jriedhos, Slahusdorf, aus statt. Allen Freunden und Bekannten die betrübende Nachricht, daß unser lieber Esnrimrll am Sonnabend, den 16. d�. nach schwerem � Krankenlager In nicht ganz vollendetem 10. Lebensjahre janst entlchlajen isst Um stilles Beileid bittet Otto lllclch und Fuinillc. Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 3 Uhr, auf dem Danke»- Frtedhos(Blanke, straße) statt. 12K7b Danksagung. Für die vielen Beweise innigster Anteilnahme bei der Beerdigung mei- nes lieben Manne» unb guten PaterS Zla» SiciilittuA«!- lagen wir allen Verwandten und Bekannten sowie dem Verband der Schneider, dem Wahl- verein, der Firma Hernnan Gerson und seinen Kollegen unseren beston Dank. 1265b Frau Neuhäuser nebst Kindern. Danksagung. Für die herzlichsten Beweise innigster Teilnahme und den Blumenschmuck bei der Beerdigung unseres geliebten SohneS und Bruders, des Musletiers Erich Fründt sagen wir allen Verwandten»nd Be- kannten sowie den Sportklubs„Cele- citas* und.Normannia", ferner dem Personal der Firma S. Röder unseren herzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hinter« bNcbenen 13SA Familie«a«tavr EXliult. Mmtli- nnd Kranftlndtrel vou ttoberl Blexer. Jnh.: P. UoIIctz Martannenftr. 3. Tel. Rpst 10303 Möbel-Angebot. Solide Möbelftrma Ites-rt»pv-Ial-�la- anN b5v«1»1a»a»or-- Einrlchtangen sowie F-inzelniObcl gegen mästiae ZinSver- gümng bei kieiiler Zlnzahluna und geringcu monatlichen Raten- zahlunge». Offerten C. 1 an die Sppeditton de».Vorwärts". KcIb« Kasslerer.« Größte Kulanz. Serannvoitlicher Reo-ttteur: Äljretz WielepL, Neukölln. Für hx» Lnjeratentetl'berant».: Tb. Äerksm Druck u. Verlag: Vorwürtt u. Herren- und Speisezimmer kaufen gegen Bofortige Barzahlung* Ciavier& Co., Oranienburger Str. 27. jaul Singer Sc Ev» Berlin„&