Ar. SSV-33. Ilchrg. kidonnementz-keSInyllngeni l�onnements. PretS»ränumeranto BiertrljäHr� Z.So MI, nionalL 1,30 MI, wöchenllntz 30 Psg. frei mZ Hau!, Einzelne Nummer b PIg, SoimlagS. nummer mit illustrieaer Soitntag!. Beilage.Die Neue fficlt* 10•ßfa. Soft. Abonnement: ILO Mar! nro Monat, Eingerragen in die Sost.Zeitungs» Sreislifre, Unter Kreuzband für Deuttchland und Oeüerreich- Ungarn 2L0 Marl, für da» übrige Ausland t Marl pro Monat, SoftabonnementS nehmen an Belgien. Dem ein ad, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal Rumänien. Schweden und die Schweiz. Erfitietnt lZgNck. ( 5 Pfennig) Die lnfert1on$'Gebfll)r tetrSgt für die fechSgefpaltene Kolonel. »eile oder deren Raum 60 Pfg., für dolitifche und gewerlfchoftliche Vereins» und VerfammlungS» Anzeigen 80 Pfg, „Aleine Anaeigen", das irtlgedruckie Wort 20 Pfg.(zulüfsig 2 fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 10 Pfg. Stellengefuche und Schlafflellenan» zeigen das erile Wort 10 Pfg, jede» weitere Wort k Pfg, Worte über IS Buch» stoben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Nhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Tie Expedition ijt biS 7 Uhr abends geöffnet. Vevlinev Volksblatt. Zcntralorgan der rozialdemokratifchcn Partei Deutfchlandö. triegcotmn.Hbreffe: .�tzlaideinokrat Rcrim". KeöaEtion: EW. öS, Linöenftraße Z. .>crnfvrecher: Ami Moritzvlav, Nr. IS1 g«— 151 97. j der neue Kurs auf öer Reichs- konferenz. Von Karl KautSky. Nur wenige Stunden trennen uns don dem Zu- ammentritt der Parteikonferenz, und noch herrscht unter ihren Befürwortern selbst das größte Durcheinander der Meinungen über ihre Aufgaben. Während die einen in ihr bloß eine Stätte freier Aussprache sehen, die zur Verständigung der gegensätz- lichen Richtungen führen soll, wünschen andere, sie solle von den Gegensätzen schweigen, von der Stellung zum Krieg und den Kriegszielen völlig absehen und sich ausschließlich den Fragen der Heilung seiner Wunden widmen. Eine dritte Richtung endlich verlangt, die Festlegung der Kriegspolitik unserer Partei zum.Leitmotiv der Konferenz- Verhandlungen" zu machen, wie sich Genosie Severing im jüngsten der Sozialistischen Monatshefte ausdrückt, das der Reichskonferenz gewidmet ist und in einer Reihe von Auf- sätzen zeigt, was man in jenem Lager unter der sozialistischen Kriegspolitik versteht, auf die unsere Partei durch die Konferenz „festgelegt" werden soll. Natürlich hat die Konferenz nicht das Recht, irgend etwas oder irgend jemand festzulegen. Sollte sie Beschlüsse fassen, könnten sie nur als Gutachten gelten, die niemand binden. Beachtens- wert könnten sie allerdings dann werden, wenn sie klar er- kennen ließen, was diejenigen Elemente wollen, die auf der Konferenz die Mehrheit erlangen. Das jüngste der Monatshefte erwirbt sich baS Verdienst, dazu eine laute Ouvertüre vorzuführen, Schon der einleitende Artikel Severings stimmt die Melodie an, die von den anderen Konzertierenden variiert wird. Den Grundton gibt die Erklärung: der Krieg gilt in erster Linie England und der Gegensatz gegen England wird den Krieg überdauern. Severing sagt: .Welche Aenderungen der Krieg auch auf der Landkarte Europas vornehmen wird: an dieser Tatsache fder Gegnerschaft beider Völlers wird der Friedensschluß wenig ändern." Um den Krieg gegen England nach dem Friedensschluß fortführen zu können, dazu erscheint Severing die Schaffung Mitteleuropas notwendig und die Verständigung vor allem— mit Rußland. Wo sind die Zeiten, da der Krieg von den Männern des 4. August gepriesen wurde als Kampf gegen den fluchwürdigen Zarismus? Als das wichttgste.Kriegsziel der Sozialdemokratie" bezeichnet aber Severing die.Sicher- stellung der Rohstoffzufuhr aus eigener Kolonialtätig- k e i t". Er läßt uns nicht erkennen, wie er diese„Sicherstellung" bewirken will, die im Frieden überflüssig wäre und im Krieg einer Flotte bedürfte, die sich jeder anderen weit überlegen zeigte. Auch schweigt er darüber, ob er alle Gebiete der Welt, aus denen der deutschen Industrie Rohstoffe zugeführt werden, in deutschen Kolonialbesitz verwandeln will. Auf jeden Fall darf man annehmen, daß eine kraftvolle koloniale Eroberungspolittk und oie Wiederherstellung der heiligen Allianz die Ziele darstellen, denen nach dem Willen der Richtung, der Severing angehört, die deutsche Sozialdemokratte dienstbar gemacht werden soll. Max S ch i p P e l singt das gleiche Lied in seinem Artikel über den„englischen �Wirtschaftskrieg" nach dem Friedensschluß". Dieser alte Schutzzöllner gerät in stärkste moralische Entrüstung darüber, daß es englische Politiker gibt, die Miene machen, den Freihandel zu verabschieden und sich auf den Boden zu stellen, den Schippe! seit zwei Jahrzehnten fanatisch als den einzig richttgen in der Handelspolitik ver- ficht. Er entdeckt plötzlich, daß der Freihandel für Deutsch- land höchst notwendig ist, aber nur der Freihandel in England. Er sieht noch immer nicht, daß der beste Weg zum Freihandel der anderen der ist, daß man sich selbst zum Freihandel begueint. und daß die schutzzöllnerische Richtung in England nur den Widerhall der schutzzöllnerischen Politik und ihrer Konsequenzen bei uns bildet. Der Freihandel(in Deutsch- land) erscheint ihm als eine lächerliche und verderbliche Schimäre, somit hält er den Wirtschaftskrieg mit England nach dem Friedensschluß für eine Tatsache, an der.man keinen Augen- blick wird zweifeln dürfen". Für diesen Krieg sieht er sich bereits nach einem Alliierten um, und den findet er nicht in den Freihändlern und Arbeitern Englands, sondern in dem „agrarischen Rußland", diesem„Schlachtopfer Englands". Die russischen Agrarier, die bilden die Stütze und den Stab der„sozialdemokratischen" Kriegspolitik I Was dabei noch fehlt, bringt O u e s s e l bei in seinem Arttkel über„Die Bedeutung der Seegeltung". Er weist auf ein Buch hin, in dem ein anierikanischer Seeoffizier 1892 die Wirkungen einer starken Flotte verherrlichte. Tirpitz veran- laßte, daß dieses Buch in einer deutschen Uebersetzung 1899 erschien, damit es die Flottcnprapaganda unterstütze, die bei unserer Partei einmütig die stärkste Opposition fand. Jetzt legt uns Quesiel dieses Buch, das„auf Veranlaffung des kaiserlichen Ober- kommandas der Marine" zur Bekämpfung der sozioldemo- kratischen Anschauungen erschien, dringend ans Herz. Er liest aus ihm heraus, daß das Schicksal der deutschen Industrie von Deutschlands Seeherrschaft abhänge. Also Wettrüsten gegen England zur Suherung der deutschen Industrie I Mittwoch, den 20. September 1913. Oueffel hat wohl vergessen, daß er in einem Wahlkampf gewählt wurde, in dem unsere Partei, wie seit jeher, die Tirpitzsche Polittk bekämpfte und für Abrüstung eintrat. Stand er damals schon auf dem Tirpitzschen Boden, dann ist er auf Grund falscher Vorspiegelungen Abgeordneter geworden. Oder ist ihm die Richtigkeit des alten Mahanschen Buchs erst nach dem 4. August 1914 klar geworden? Eine neue Note schlägt Quesiel am Schluffe seines Ar- ttkels an, wo er die Arbeiter daraus hinweist, daß„das Ge- deihen der Industrie nicht nur die Sache der Unternehmer, sondern in noch viel höherem Maße ihre eigene Sache ist", so daß sie„zu deren Verteidigung und Sieg" und gegenüber der „britischen Seetyrannei, die ständig unser Dasein bedroht",„mit den Arbeitgebern zusammen st ehen müssen". Dieses Thema der Jntereffenharmonie don Kapital und Arbeit, durch Oueffel nur angeschlagen, wird dann weiter fort- gesponnen von zwei Gewerkschaftern. Wilhelm Jansson sieht in seinem Arttkel über „Wirtschaft und Gewerkschaft nach dem Kriege" wohl ein, daß der deutschen Arbeiterschaft der Friede noch keine billigen Lebensmittel, wohl aber die Gefahr einer Herabsetzung der Löhne bringen wird. Wir dürfen hinzufügen, daß Arbeits- losigkeit und hoher Steuerdruck die Situation für die Arbeiter- schaft noch düsterer gestalten werden. Angesichts dessen sollte man meinen, daß die Gewerkschaften die schärfften Klassen- kämpfe für selbstverständlich halten und sich darauf rüsten. Aus dem Janssonschen Artikel ist das nicht zu ersehen. Er weist darauf hip, daß große Lohnkämpfe der deutschen, ohne- hin bedrängten Wirtschaft schwere Wunden schlagen würden: .Daher sollte die Verständigung in der Lohnftage allen andern Dingen vorangeben." Er redet also den Unternehmern zu, den Arbeitern an- ständige Löhne zu zahlen. Glauben unsere Gewerkschafter wirklich, daß derartiges Zureden nutzen wird? Den Hauptinhalt des Arttkels bildet indes nicht die Unter- suchung von Maßnahmen zur Wahrung der Interessen der Arbeiterschaft, sondern von Maßnahmen zugunsten der I n d u st r i e, das heißt aber nichts anderes als der K a- p i t a l i st e n k l a s s e, die die industriellen Betriebe besitzt und ausbeutet. Nun haben wir selbstverständlich an dem Gedeihen der Industrie auch ein Interesse, indes, soweit es gleichbedeutend ist mit dem Profit, brauchen wir nicht zu be- fürchten, daß diese Aufgabe von den Kapitalisten vernachlässigt wird. Nicht darum braucht das Proletariat, brauchen Ge- werkschaften wie Sozialdemokratie besonders besorgt zu sein, ihre Aufgabe geht vielmehr dahin, darüber zu wachen, daß die Bemühungen für das Gedeihen der Industrie nicht Formen annehmen, die der Arbeiterschaft oder der Gesellschaft, das heißt den Konsumenten, schädlich werden. Jansson kommt aber bei seiner Untersuchung der Mittel, die Industrie nach dem Knege zu fördern, zu der Forderung der„monopolistischen Zusammenfassung einzelner Industrien, die sowohl auf gesetzlichem Wege, wie auf dem freier Vereinbarung vor sich gehen kann", also der Her- stellung privater Monopole durch Unternehmerverbände. Nun ist nicht daran zu zweifeln, daß die Organisationen und damit die Macht der Unternehmer im Knege gewalttg gewachsen find und nach ihm vielleicht noch steigen werden. Ist es aber gerade die Aufgabe von Gewerkschaftern, sich um die Hochhaltung des Profits durch monopolistische Unternehmerorganisationen noch besonders zu bemühen? Ist nicht die geloerkschaftliche Macht und Tätigkett in einem Industriezweig um so mehr gehemmt, je mehr er monopolisiett, je höher seine Unternehmerorganisation ent- wickelt ist? Allerdings, wenn die gewerkschaftlichen Methoden den wirtschaftlichen Kampf künftighin ganz ausschalten und durch gütliches Zureden sollten ersetzen wollen, dann gewinnt die Frage der Monopole ein anderes Gesicht. Aber kein schöneres. Deutlicher als Janffon wird U m b r e i t in seinem Ar- ttkel:„Wohin steuern wir?" Er gibt uns klipp und klar die Antwort: Zur Jntereffenharmonie von Kapital und Arbeit. .Die Politik des 4. August lS14... gewährleistet(I) das Zusammenwirken aller Kräfte für den baldigen Wiederaufbau der beimischen Volkswirtschaft, der für die Arbeiterklasse eine Lebens- frage ist. Dieser Wiederausbau kann nicht das Werk einzelner Klaflen oder Gewalten sein, sondern muß in gemeinsamer Arbeit aller Bolkskreise geschehen."(Die Unterstreichungen rühren vom Verfaffer her.)... .Nur der Gesamtwille des deutschen Volkes kann eine Friedens- Wirtschaft ausrichten, die allen beteiligten Gewalten. Staat und Bolh Unternehmern und Arbeitern, ein gedeihliches Auskommen gewährleistet und die sich in der Weltwirtschaft durchzusetzen vermag. Darum keine Isolierung, keine Proklamierung von Klaflen« gegensätzen und Klassenkämpfen, wo Zeit und Tatsachen ein g e« meinnützigesZusammenarbeiten dringend erheischen." Umbreit ist allerdings so güttg, den Klaffenkampf nicht für immer aufzugeben. Er fordert„nur" seine Vertagung für viele Jahre nach dem Krieg, gerade für die Zeit, in der die Arbeiter die Unterstützung der Gewerkschaften am drin- gendsten in den unvermeidlichen Lohnkämpfen brauchen werden. Dahin also steuern nach Umbreit die Gewerkschaft« I Nicht Klaffenkampf, sondern gemeinnütziges Zusammenarbeiten mit den Unternehmern auch nach dem Kriege, wenigstens auf so lange Zeit hinaus, bis die Kriegswirklingen überwunden sind. Umbreit vergißt bloß die Kleinigkeit, daß auch die Ver- treter des Klaffenkampfes„gemeinnütziges Zusammenarbeiten" Expedition: SW. 6$, Lindenstraße 3. { Fernsprecher: Amt Moritzpla«, Nr. 15130—15197. nie abgelehnt haben. Nur machten sie leider die Erfahrung, daß die„Gemeinnützigkeit" vom proletarischen Standpunkt ganz anders aussieht, als vom kapitalistischen und mit diesem unvereinbar ist. Es ist nicht lange her, da hat auch Umbreit es gewußt. Die ganze Tättgkeit unserer Partei wird seit ihrem Bestehen von dieser Erkenntnis geleitet. Was ist ge- schehen, das sie jetzt plötzttch zunichte machen sollte? Das ganze„Zusammenarbeiten" wird ein jähes Ende nehmen, so- bald es gilt, von Worten zu Taten überzugehen und das Wörtlein„Gemeinnützigkeit" durch besttmmte Forderungen und Maßregeln zu ersetzen. H e t l m a n n kommt Umbreit zu Hilfe in seinem Arttkel über„Klassenkampf und Gemeinschaftsarbeit". Was? ruft er, Ihr strengen Marxisten ivollt uns vor- werfen, daß wir den Klassenkampf preisgeben? Nichts weniger als das. Eure Vorwürfe find vom Standpunkt der marxistischen Geschichtsauffassung selbst„ungerecht und haltlos". .Wer sie erhebt, übersieht vollständig, daß gerade nach dieser Beschichtsauffaflung der Krieg selb st Klassenkampf reinster Art und schärf st er Form ist..." .Gerade nach dem Kloffenkampfgedanken ist es daher selbst- verständlich, daß alle geringeren Klaflenfehden vor dem gigantischen Klaffenkampf des Krieges so weit zurückzutreten haben, daß sie ihn nicht schädigen." Wieso ist aber der Krieg ein Klaffenkampf? Einfach des- wegen, weil in der heutigen Gesellschaft ein Volk das andere ausbeutet oder ausbeuten kann. Das wird erst in einer sozialistischen Gesellschaft anders werden. Heute stehen deutsche und englische Arbeiter einander in notwendigem Jntcreffengegensatz gegenüber, weil die Arbeiter des einen Volkes das andere entweder ausbeuten oder dessen Ausbeutung abwehren wollen. Diesen Unsinn zu widerlegen, ist überflüssig. Um so mehr, als er nicht einmal originell ist. Heilmann hat ihn von Lensch abgeschrieben. Dieser versuchte wenigstens, wenn auch mit kläglichem Erfolg, ihn durch Tatsachen zu begründen. Heilmann schenkt sich auch das. Bemerkenswert wird aber seine neue Klasscnkampftheoric dadurch, daß sie einen dauernden Interessengegensatz zwischen den Arbeitern der verschiedenen Länder behauptet. Damit wird der Jnternattonalität des proletarischen Klassenkampfes aller Boden entzogen. Auch dieses Stück unserer Grundsätze wird so zum alten Eisen geworfen. Um den Chor zu vervollständigen, treten noch K a l i s k i und P e u s auf. Kaliski, um dem Parteivorstand Vorwürfe darüber zu machen, daß er das agrarische Jntercffe bei den Ernährungsdcbatten nicht genug geschont habe, das doch für unseren Sozialdemokraten das wichtigste aller Interessen ge- worden ist, und daß er in der Frage Mitteleuropas.sich nicht dazu entschließen konnte, ohne Scheu den Schutzzollgedankcn anzuerkennen, ohne den solch ein Wirtschaftskomplex sich nun fteilich beim besten Willen nicht schaffen läßt". Peus endlich findet, daß„wir uns in Zukunft der Be- willigung des Heeres- und Flottenbudgets nicht mehr werden entziehen können, und er enthüllt die Harmonie der Interessen aller Klassen als den Kern des Sozialismus: „Der eigentliche Leitsatz unserer Politik, der den Kern sozio- listischer Pofttik überhaupt herausschält, muß sein: EntWickelung der Produktion des ganzen Volkes, in Industrie wie in Land- Wirtschaft. Mögen die Produktionsmittel noch zum großen Teil(!) in privatem Besitz sein, wir haben gleichwohl zu verfahren, als ob die Produktion schon ganz unsere Angelegenheil wäre." Da haben wir also endlich den Kern der sozialistischen Politik rein herausgeschält: Sie besteht nicht darin, daß die Arbeiter den Besitz der Produktionsmittel erobern, sondern daß sie sich einbilden, sie hätten sie schon er- obert, daß sie also das Gegenteil dessen voraussetzen, was wirklich besteht. Dieser Verkehrtheit entsprechend sollen sie handeln. Das ist die einzig wahre, illusionenftcie posittvc und reale Polittk. Da haben wir die Polittk, die als die des 4. August don der Reichskonferenz für unsere Partei bis über den Krieg hinaus festgelegt werden soll: Allianz mit Rußland gegen England. Schutzzölle, auch agrarische, selbst wenn sie zum Wirtschaftskrieg führen, koloniale Eroberungen, Budget- bewilligung, Wettrüsten, Einstellen des Klassenkampfes, Pro- klamierung der Uebereinsttmmung der Interessen der Kapi- talisten und der Arbeiter und dcS dauernden Jntereffcngegcn- fatzes der Arbetter der verschiedenen Länder. Dieses Programm widerlegen wollen, hieße den ganzen Inhalt des bisherigen Kampfes unserer Partei gegen ihre Gegner wiederholen. Was hier gefordert und behauptet wird, das waren bisher die Forde- rungen und Anschauungen unserer erbittertsten Gegner, Forderungen, die den Jntereffen des Proletariats wie der Entwicklung des deutschen Volkes aufs schärfste wider- sprachen— was heute«cht weniger, sendern mehr gilt als je. Der Kampf gegen diese Fardetuu«* und Anschauungen bildete das Leben uns«« Partei. Äer der Reichskonfercnz zumutet, sie solle sich auf diese Polittk festlegen, kann ihr ebensogut zumuten, sie solle sich gleich der nationalliberalen Partei a»ff ch ließen. Jeder Nattonattiberale kann ruhig dieses sozialdemokrattsche Aktionsprogramm unterschreiben. Es sind aber leider nicht mehr ein paar Eingänger, die uns auf jenes Programm„festlegen" wollen. Die Monats- hefttet und die Glöckner, die mft ihnen die gleichen Töne an- schlagen, bilden den energischsten und entschiedensten Teil der Mehrheit, den Teil in ihr, der ani klarsten weiß, was er will und der es am deutlichsten ausspricht. Ohne diese Elemente verliert die Mehrheit ihren Halt, hört sie wahrscheinlich auf, überhaupt, auch nur nach außen hin, Mehrheit zu sein. Sie beherrschen die Mehrheit. Es ist nicht zu erwarten, daß dieser die Energie oder auch nur das Bedürfnis gegeben sein werden, den rechten Flügel von sich abzuschütteln. Aber die Zeit des Verschlcierns und Vertuschcns ist vorbei. Wer gegenüber der beabsichtigten Verdrehung unserer Partei in das gerade Gegenteil dessen, was sie ein halbes Jahrhundert lang gewesen, nicht klar und unzweideutig Stellung nimmt, gerät in die Rolle des Hehlers, der noch tieser eingeschätzt wird, als der Stehler. Wir erwarten nicht viel von der Neichskonfercnz. Immer- hin versprechen ihre Verhandlungen, die sogenannte Politik des 4. August und ihre Konsequenzen aus dem dämmernden Zwielicht, in dem sie bisher stand, in klareres Licht zu setzen. lind jeder Zuwachs an Klarheit bedeutet neuen Zuwachs für die sogenannte Minderheit, bedeutet einen Gewinn für die Partei. In diesem Sinne können wir die Konferenz willkommen heißen. Nelöung ües türkischen Hauptquartiers. Konstantinopcl, 18. September.(W. T. B.) Amt- I i ch e r Bericht v o ni 13. September. sVerspätet ein- getroffen.) An der Jrakfront griffen die Engländer in der Umgebung von Ntassirich am 9. September unsere Front mit einer etwa fünftausend Mann starken Truppenmacht und der- schiedcncn Geschützen und Maschinengewehren an, wurden aber zurückgeworfen und verfolgt, wobei sie schwere Verluste er- litten. An den übrigen Fronten kein wichtiges Ereignis. Der Vize-GcneralissimuS. Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 18. September.(W. T. B.) Meldung des Großen Generalstabes: Mazedonische Front: Gestern, am 17. September, haben die vereinigten russischen, französischen und serbischen Truppen unsere Stellungen um Lerin(Florina) erfolglos an- gegriffen: alle feindlichen Angriffe sind durch Gegenangriffe abgewiesen worden. Auch Angriffe gegen die Höhe Kaimaktschalan wurden abgewiesen. Im Tal der Moglenitza das gcwöhMiche Artillerie- und Jnsanteriefeuer, im Wardar- tal schwaches Geschützfeuer. Am Fuße der Belasitza Planina haben wir vorgeschobene italienische Abteilungen bei den Dörfern Matnisa, Gorni Poroj und Dolni Poroj angegriffen und fünf Offiziere und 250 Mann vom 02. italienischen Regiment gefangen genommen; außerdem blieben 2 Maschinengewehre in unserer Hand. Längs der Struma unbedeutende Jnfanteriegefechte zwischen Vorposten- abteilungen. Die feindliche Flotte hat das Torf Prawischta beschoffen. Dobrudscha: Der Kampf, der auf der Linie der Dörfer Maralui, Monuk, Arabadschi, Kokardscha, Cobadinu und TuSla begonnen hat, entwickelt sich zu unseren Gunsten; in- folge von Gegenangriffen haben wir die Dörfer Sotulni, Schiol und Wassiul besetzt, in welchen wir 5 Geschütze und 4 Maschinengewehre erbeutet haben. Am 15. September haben wir nach kurzem Gefechte die vor Ankunft unserer Truppen von der Bevölkerung geräumte Stadt Mangalia besetze. Am Ufer des Schwarzen Meere? Ruhe. Minister Ra doSlawow. Die feinölichen Heeresberichte. Ter französische Tagesbericht. Vom 18. September nachmittags.(23. T. B.) Nördlich der Sornme eroberten die Franzosen östlich von Clsry Gräben nnd wiesen feindliche Gegenangriffe auf diese Stelle zurück. Südlich der Somiue unternahm der Feind im Laufe der Nacht mehrere Gegenangriffe auf die französischen Gräben östlich von Beruh und südlich von Deniecourt. In der letzteren Gegend der« suchren die Deutschen nicht weniger als drei beflige Angriffe. Alle Angriffe wurden mit schweren Verlusten für den Feind ab- geschlagen. Lestlich von Berny machten die Franzosen neue Fortschritte, Das Türkenviertel öer galizischen Zront. Von Hugo Schulz-Wien. Kriegspresseguartier, 11. September 1910. Wie auf Schleichpfaden sind die Türken nach Galizien gekommen, lautlas und schier unsichtbar, wie wenn sie Tarnkappen getragen I>ättcn. Plötzlich waren sie da und uicht, wie die„Gut- informierten" einander zuraunten, bloß ein kleines Häuflein, das lediglich um die Prophezeiung zu erfüllen,„feine Rosse in dem Tnjestr kränken sollte", sondern eine stattliche Streitmacht, deren Eingreifen sich den Feinden alsbald schmerzlich fühlbar machen mutzte. Sie merkten auch sofort, daß die Anwesenheit von otto- manischen Kriegern kein Bluff, sondern nüchterne Wirklichkeit ist. Sie stehen heute in Galizien auf einer Front von mehreren Kilometern im?lbschnitt von Brzezany, sie gehören mithin zum Verbände der Armee Bothmer. Sie unterhalten mit den Nachbar- gruppcn mustergültige Kameradschaft, heben sich aber mwt bloß durch Uniformen, sondern vor allem durch ihre Lebensweise scharf von ihnen ab. Mau gerät in eine andere Ferne und fremde Welt, wenn man ihre Stellungen besucht, in ein eingesprengtes Stück Orient. Nicht etwa, daß ein Unterschied des Kulturniveaus ficht- bar würde! Ter Schützengraben schafft ja da und dort recht primitive Verhältnisse, und wenn sich unsere eigenen fc Ben- gräbler in ruhigen Zeiten des Positionskrieges auch manchmal etwas vom Kulturbesitz des Hinterlmides herbeizuschmuggeln wissen, bringen sie es in der Kultur des Wohnens doch wohl nicht weiter als die mexikanischen Puebloindianer. Darin gibt es keine Gegensätze zw ischen Orient und Oxident. Auch die Türken bauen mit Eifer die typischen Grabenbefestigungen, die sich nicht nach den Geboten zivilisierter Bedürfnisse, sondern nach den Geboten des Krieges gestalten, auch sie finden ihr dürftiges Lager in niedrigen Unterständen, in den Etappeneinrickkungen, Magazinen, FaffungS- stellen, Munitionsdepots und Werkstätten, die die Hintergründe und zugleich Nährquellen ihrer Kampffront bilden, verstehen auch sie zu schalten und zu walten— nicht anders als die unsrigen. Nur gewisse Lleutzerlichkeiten des GeHabens sind es, die das Fremde und andersartige ihrer Lebensformen kennzeichnen, mit. unter Kleinigkeiten, die unseren Soldaten komisch vorkommen, weil sie ihnen völlig unverständlich sind. Besonders viel be- sprachen war bei den unsrigen die Gewohnheit der türkischen Kameraden, außer Dienst immer eine volle Feldflasche in der linken Hand zu tragen. Dieser Gebrauch blieb lange rätselhaft, wurde aber noch erstaunlicher, als man hinter sein« Ursache kam. Die Türken verschmähen infolge irgendeines rituellen Verbotes das ihnen von den Etappen gelieferte Klosettpapier und erfüllen dessen Zwecke, indem sie komplizierte Wasserspülungen vornehmen. Das klingt den unsrigen seltsam, aber die Reinlichkeitsbegriffe sind eben von Ort zu Ort und von Zeit zu Zeit verschieden. Die römischen Kaiser aus dem Hause der Komnenen und Paläologen »nachten cS in ihrem Prunkpalast zu Stambul auch nicht anders m\m»es GllAa SlWlWlkim. Amtlich. Großes Hallptqoortier,19. Scp- tembcr 1916. Südlich der Ancre machten wir beute wieder einen wichtigen Fortschrill. Ein stark befestigtes deutsches Werk zwischen dem Wolde von Bouleaux und Ginchy, genannt das Viereck, das bisher unseren Anstrengungen widerstanden hatte, fiel in unsere Hände, was zur Folge hatte, daß wir unsere Linie auf einer Front von einer Meile tausend Aards vorschoben. In diesem sehr gelungenen Kampfe er« beuleten wir sieben Maschinengewehre und machten zahl- reiche Gefangene. Ein feindlicher Gegenangriff nördlich von Flers wurde mit Verlusten abgeschlagen und wir machten Fort- schritte. Feindliche Truppen, die sich zu einem Gegenangriff in Les« bocufs und Morval konzentrierten, kamen ins Ärtillerrcscuer und wurden zerstreut. Die folgenden Kanonen wurden noch seit dem 15. September erbeulet: 5 schwere Haubitzen. 2 Feldgeschütze. 8 schwere und 3 leichte Lanfgrabenmörser; ferner eine Anzahl Maschinengewehre. Zehn deutsche Lsfiziere und 500 Mann wurden während der letzten 24 Stunden gefangen genommen. Gestern herrschte belrächrliche Tätigkeit rn der Luft. Mehrere feindliche Maschinen wurden niedergezwungen, vier unserer Maschinen werden vermißt. Der russisch:: Kriegsbericht. Vom 18. Septenrber nachmittags.<23. T. B.) We st front: Es ist nichts Wichtiges zu melden. Kaukasusfront: Versuche der Türken, die Offensive in der Gegend des Dorfes Adisa aufzunehmen, wurden durch unser Feuer vereitelt. Meldung der italienischen Heeresleitung. Vom 18. September. ein Zusammengehen in den praktischen Fragen. Denn wenn sich auch die leitenden Staatsmänner mit der Abweisung der all- deutschen Pläne begnügen sollten, io hieße das nicht, das; sie auch ihr eigenes imperialistisches Programm fallen lassen wollen. Daher dürfe ein gerechter Friede rncht nur ein Verzicht auf eine Vernichtung Deutschlands bedeuten, sondern müsse auch die Forderung der Nelpellierung aller nalioualcn Jiidividualitäten und des RecktS aller Völker, selbst, durch Kund- gebung ihres Willens, über ihre Geschicke zu bestimmen, eiuhallen. Solch' ein Zustand könne aber nicht das Werk von Diplomaten sein. Ohne eine energische gleichzeitige Mitarbeit der sozialistischen Inler- nationale Europas werde ein von einer einzelnen Gruppe dilüerter Friede olles andere als einen gerechten, dauernden Zustand und ein Ende deS Krieges darstellen. Die Unruhen in Nieöerlänöffch �Onciiener Brauhaus Berlin und Oranienburg TfiBM iSSf! Woissbicr, C. Breitopt, Pallea«tenetr. 97 T»l.gi3i.mi,?(l82 Werder-Drogerie, Brili.Smi.weral. 5a 4 EstiBfabrftten» Tinmer�Esslg Gberali crfoiltlichl dß'ten.Stälilw, Waffen, Werkz. p Carl Jung, Stromatr 31. Rüfaimann, P.,M tili erst. 40b. B.Seost 4 Flelecit- u. Wuratw."k W. OecS«: Intl.; Horm. Gerbsch Chariottenburg, Berlinerst. 68-69 Fleisch- und Wurst warenfabrik Willy Gericke, Petersburgcrstr.Sl Otto Koagel, Alt© Jacobs�r. 26. Innhi/i) Ifth RostockerstraSe 43. LÖSßfl«, JUfl. Fleiscb.u Wunrtfabr. �ZWe�Kittzea, PetowaroiT� Sehoerr, Herrn., Wilmersd.-St.4S bester, E. p�'S- dHarreti-u.KnabenearBIk J.BaerS.2�6 fatliiito.ÄÄ�r Lesko d Slupecid, SekwüL-lllM 7 i. M Säl. f»8. ifUial.n und Niederlagen in allen Stadtteilen Aaerkiaat rorteilliall« Be'nigiqiieua Kaffee. Tee. Kakao und Schokolade etc. Hamburger Kaffee-lmpartgeschäfl Emil Tengelmann 4 Menihandlunoen V Maskaoer- IBethke, Georg, fÄ IXeolölln, Hkeatr.Jt, KaUer-Friedr. Sstr. 61, Weaernr. 13«, Priedel««.« grält-Stral« M. Gaege, Otto F. Pflmpnecher, Colonnenstr.48. F.W. ÜditEf Eet*" Cuvirrstr. � Kurz-tWeiT-.VVoliw.,Trikot«ig. � Hermann Mey er, SchiTelbeinerSi. 21. �_ P'hotosr Apparate ► Mg Hip-tfht L0. Kottbuserstr. 5. . rIUI�IÜI auch Gelegsnheitakf. 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Pagel, Kolonialwaren. 4 Marlen»orf h H.Wagner.gön»g»Ul,Heüek-Wiirit¥ Scheuer Uin, Äkl Sürgsr& Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beiloge ü. Unwrhaltungsbb Nr. 259. 33. ZMgm. Chronik des Weltkrieges. Äv. Geptembex 1vr4. VesMch« Sx>egsschavplatz! 5m Angriff gegen da, franzSfifch- englische Heer sind an einzelnen Stellen Fortschritte gemacht. Reim» liegt in der Kampsfront der Franzosen. 5n den mittleren Bogesen sind Angrifse franzSsischer Truppen am Donan bei Senone, und bei Saale, abgewiesen. Aus dem östlichen Kriegsschauplah keine besonderen Sreignisse. ÄQ. September INI». Westlicher Kriegeschauplah! Englische Schisse machten aus Ost» ende und Mittelierke einen ersvlglosen Angrifseversuch. Die zogen sich vor dem Feuer der deutschen Geschütze zurück, An der Front keine besonderen Ereignisse. Vestlicher Sriegsschauplatzl Der Brückenkopf von vünaburg wurde genommen. SSO Gefangene wurden gemacht. Ein russischer Durchbrucheversuch bei Smorgan wurde abgeschlagen. 5n der Gegend Wilna sind Versolgungsgesechte im Gange. Südöstlicher striegoschauplah! Am nördlichen Donauuser nahm deutsche Artillerie den Kamps gegen serbische Stellungen südlich de» Strome» bei Semendria auf. Der Feind wurde vertrieben und seine Geschütze zum Schweigen gebracht. IM Gefangene wurden eingebracht. Auch die Festung Belgrad steht unter dem Feuer der deutsch-Lsterreichischen Geschütze. Ein öriefwechfel zwischen öem Reichskanzler unö Tirpitz. Di».Süddeutschen Monaieheste' in München veröfsenilichen, laut einem Dradiberich» de«.Tag', eine» Bneswechlel zwischen dem Grohadnurai v. Tirpiy und dem isieichikauzler v. Bethmann Hollweg. Die Briefe lauten- An den Reichskanzler. St. Blasien, den V. August 1016. Sw. Exzellenz beehre ich mich, von folgender Angelegenheit in Kenntnis zu setzen: Nach einer mir zugegangenen Mitteilung de? mir persönlich unbelannten Professor« Cohmann in München hat der Professor Beil Balentii, au« Freiburg i. B. am Lt. Fuli vormittag« diesem gegenüber in Gegenwari eine« anderen Herrn V e r d ä ch t i- Fungen gegen mich in bezug ans angeblich alsche Angaben seinerzeit in der ll-Boot-Angelegenheit ausgesprochen. Hierbei hat er zu ersonnen gegeben, dag er zur» zeit im Auswürtigen Amte sei, Diele Unterredung ist protokollarisch aufgezeichnet worden. Professor Valentin bat diese Behmipiungen am selben Tage abend« auch in Gegenwart de« Professor« Erich Marck« wieder- holt. Nach von mir einaezoaenen Erkundigungen bei der Nniver- siläl Freiburg ist Professor Palentin seit längerer Zeit diätarisch bzw. kommissarisch im A»!wäriigen Amt angest-lli. Aehnlich« Verdächtigungen meiner Person, und zwar be- sonders in bezug auf Angaben meine« Perireier« im Bundesrats- ausschusi bei Beratung de« ElatS lölü über die Zahl der verfüg- baren II-Boote sind mir von den verschiedensten, darunter auch der hohen Stege», zum Teil unter Berufung auf amtliche In- sormationen zu Ohren gekommen. In einer dieser Angelegen- Seilen habe ich mich bereit» genötigt gesehen, mich unmittelbar an Sein» Majestät zu wenden. Da ich i» dieser ernsten Zeit kein» anderen Mittel anwenden möchte, mich derartiger infamer Berdächtigungen zu erwehren, de» ehre ich mich. S«. Exzellenz zu ersuchen, da« Erforderliche gegen den Prosesior Veit Valentin bezw. gegen den sonstigen Schuldigen zu veranlasien. Mit ausgezeichneter Hochachtung Ew. Exzellenz ergevener gez. von T irpitz. Großadmiral. Die Antwort de« Reich.« kanzler» lautet: Große« Hauptquartier, 22. August 1916. Ew. Exzellenz beehre ich mich, auf da« gefällige Schreiven vom 6, diese» anbei Abschrift einer Auszeichnung de» LeiierS der Zentralstelle sür Au»Iand»dienst. volschafier» außer Diensten, Freiherrn von Mumm, sowie einer Aenßerung de» Profestor» Valentin über die von Ew. Exzellenz gegen ihn erhobenen Be» schwerde zu übersenden. Prosesior Valentin bat bei dieser Gelegenheit gegenüber dem Botschaster Freiberrn von Mumm betont, daß seine vor seinem Dienstantritt am 21. Juli diese« Jahre« in München gemachten Acußerungen in einer privaten vertrauliche» Unterhaltung ge« fallen seien und mit seiner Tätigkeit bei der Zentralstelle in kemerlei Zusammenhang ständen. Au» der Aufzeichnung de» Freiherr» von Mumm wollen Ew. Exzellenz entnehmen, daß mir übrigen« über den Professor Valentin auch hinsichtlich dieser seiner Tätigkeit keine Disziplinarbefugnisse zustehen würden. Ich habe Prosesior Valentin mitteilen lassen, daß seine Aeußerungen, die Angaben de» Staatssekretär» von Capelle über die fahl der versügbaren I7«Voote seien wesent« ich von denen Ew. Exzellenz abgewichen, den Tatsachen nicht entsprechen, daß vielmehr die von Ew. Exzellenz genannte Zahl der srontbereiten l7»Voote die gleiche gewesen sei wie die von dem Herrn SiaatSsekretär de« Reichsmarine-Ami» angegebene. Eine weitergehende«usllärung herbeizuführen, bin ich nach Lage der Sache außerstande. gez. von Vethmann Hollweg. Die Darstellung de» Professor» Valentin ist in folgendem Briefe enthalten: Berlin, den 11. August 1916. Zu der Beschwerde Gr. Exzellenz de« Herrn Großadmiral» von Tirpitz habe ich zu bemerlen: Ich befand mich am 21. Juli dieses Jahre» in München auf einer Reise nach Berlin, um meinen Universitätslehrer Prosesior Erich Marck» zu besuchen. Auch ging ich zu Prosesior Coßmann. einem alten Bekannten von mir. Pro« fesior Coßmann empfing mich in Gegenwar« eine» anderen Herrn im RedaktionSzimmer der.Südveutichen Monatshefte'. Ich er- zählte ihm, daß ich im Winter einen Auftrag vom Au»« wältigen Amt gehabt hätte und jetzt wieder nach Berlin ginge. Darauf begann er ohne weitere»: Wir in München haben, nachdem wir von der gegenwärtigen ReichSlettung .fortgesetzt angelogen worden sind', da» Vertrauen zu ihr völlig verloren; wir vermögen nur in einem neuen System, bei dem allein der Name Tirpitz bedeutet, die Möglichkeit einer Rettung Deutschlands zu erblicken. Ich erwiderte Coßmann. daß ich diese Auffasiungiweise völlig ablehnen müsie. daß ich ihn für falsch informiert halte und er- zählte unter anderem— swas mir im Winter au« zu- verläistgen parlamentarischen Kreisen bekannt geworden war)—, daß die Angaben de» Staatssekretärs über die Zahl der verfüg» baren V-Boote von denen seine» Amtsvorgängers wesentlich ab- gewichen wären. gez. Dr. Veit Valentin. o. o. Professor an der Universität Freiburg i. B.> Seilegt Ks.Hwiirie' KM» Melllett. � � �-- I.....-■ I In dem schreiben des Botschafter» Freiherrn v. Mumm, Bai M tä' � A An.' i» 1 1 C T" o he»? flptTtmfftitQfa taiwK**«•_.... Wwlch. 29. Stchmw 1WL In dem Schreiben des Botschafter» Freiherrn v. Mumm, Leiter» der gentralstelle für Au»land»dienste, wird nachgewiesen, daß Professor Valentin seit dem 24. Juli bei der Zentralstelle für Auslandsdienste tätig ist. daß dem Botschaster Kr»ih»rrn v. Mumm aber keine Disziplinargewalt über Valentin zusteht, da letzterer nur durch Privatvertrag dem Au»- wältigen Amte verbunden ist. Prv'essor Coßmann schickt diesem Briefwechsel w»igener -ache folgende Bemerkungen voraus: „Den Gegenstand de» folgenden Briefwechsel» bilden von mir aufgenommene Protokolle und damit eine Angelegenheit meiner persönlichen Ehr». Ich Halle mich daher für berechtigt, die Kor« responden, zu veröffentlichen, ohne die beiden Korrespondenten um ihre Erlaubnis gebeten zu haben.' politische Ueberstcht. Böswillige Verdrehung. Tie„Post" bringt unter der Ueberschrift:„vokl Wärt«" und Kriegsentscheidung" folgende Ztt schrift von der bekannten„parlamentarischen Seite": Der„Vorwärts" erblickt in dem Verlangen des Abgeord neten Liz. Traub, daß ein unentschiedener Krieg uns un- erschwingliche Lasten und die Aussicht auf einen baldigen neuen Krieg bringen werde, und daß daher unser Kriegsziel ein ent- scheidender Krieg sein müsse, ein neues Schlagwort von zweifelhaftem Werte. Diese Annahme trifft nicht zu, denn die Traubschen Ausführungen decken sich voll inhaltlich mit der H i n s e n b u r g schen Parole:„Nicht bloß durchhalten, sondern stegsnl" Darüber, wie wir uns nach dem Siege den dauernden Frieden sichern und un« vor unerschwinglichen wirtschaftlichen Lasten dewahren werden, braucht sich der„Borwärl«" keine Sorgen zu mache»! da« wird ohne ihn schon besten» besorgt werde nl Bezeichnend aber ist e» und muß niedriger gehängt werden, daß au» den Ausführungen de»„Vovwärt»' mit Bestimmtheit zu erkennen ist, daß er einen unent- iedenen Krieg dem vollen Erfolg« unserer äffen vorzuziehe» scheint. Dieser Anstriff der„Post" ist in möhrsacher Hinsicht interessant. Wir hatten gestern Wer das Schlagwort Traubs geschrieben:„Leider sagen uns die.Herren, die sich des neuen Schlagworts bedienen, nicht, wie sie einen„entschiedenen Krieg" herbeizuführen gedenken, der uns kein« Wirtschaft- lichen Lasten auferlegen und uns keinem neuen Kriege entgegenfilhren würde." Darauf erhalten wir nun die Ant- wort der„Post", wie wir uns nach dem Siege den dauernden Frieden sichern und uns vor unerschwinglichen Wirtschaft lichen Lasten boivahren werden, brauchten wir uns„keine Sorgen" zn machen, das werde schon ohne uns„bestens be sorgt" werden, Wir sehen von der Ueberhebung ab, die in diesen Worten steckt i auch der Versuch, in unserer Seele zu lesen, läßt uns kühl! wesentlich ist, daß diese Antwort einen Abgrund von Unverstand aufdeckt, der nach zwei Kriegs jähren selbst bei der„parlamentarischen Seite" der„Post" einigermaßen überrascht. Wer unsere Bemerkung unvorein genommen liest, kann aus ihr nur ersehen, daß wir in den hochtrabenden Srkltirunaen der Deute, die vom„entschiedenen Krieg" reden, keine Aufklärung über die Frage finden, w i e ein solcher Kriegsansgang ohne Wirt chaftliche Lasten und obne nachfolgende Kriegsgefahr zu erzielen fei. Diese Auf klärung gibt uns auch die„parlamentan che Seite" der„Post" nicht. Möglich, daß alle diese Herren des Rätsel» Lösung in ihrem Busen tragen. Dann sollten sie sie schleunigst der profanen Mitwelt mitteilen, anstatt sie mit inhaltlosen Phrasen abzuspeisen.__(») Nur keine Neuorientierung! Der fortschrittliche ReichStagSabgeorbnete Sivkovitch hat in der Montagsnummer de»„Berl. Tageblatt»' tm Hin« blick auf die bevorstehende ReichStagSsession die Forderung aufgestellt, daß die Regierung ihre abwartende Haltung aege über der feierlich versprochenen und zugesicherten Reu- ortentierung der inneren Politik aufgebe. Da» deutsche Volk habe das Recht, vom Reichskanzler zu erfahren, was er unter der verheißenen Neuorientierung verstehe. End schlöffe sich der Reichskanzler, in der bevorstehenden Reichstags tagung mit der geplanten Neuortentteruna zu beginnen. so würde er den„Willen zum Durchhalten' anfeuern und stählen. Dieser nicht übermäßig radikale Vorschlag be» fortschritt- lichen Abgeordneten hat sofort den Zorn der gton» Wächter der„bestehenden Ordnung' erweckt. Die„Kreuz- e t t u n g' frägt in ihrer Herzensunschuld erstaunt, wa» enn Herr Sivkovttch eigentlich unter dem Beginn der Neu- ortentierung verstehe. Da» auseinanderzusetzen wäre nötig gewesen, da„als da» Hauptstück der?!euortentterung im Sinne des Freisinns bisher die preußische Wahlrecht»- r e f o r m galt, für die der Retchitag doch nicht zuständig' sei. Weniger begrissSstutzta al» die„Kreuz-Zeitung" erwte» sich die„Deutsche Tageszeitung�, die sofort gegen terrn Sivkovttch ihre schwerste Artillerie auffahren ließ. eine Forderung könne„nur in jeder Beziehung al» be- fremdlich und abwegig bezeichnet werden.' Schon aus rein praktischen Gründen, da zurzeit für eine gründliche Reformarbcit„schlechthin alle Vorbedingungen' fehlten. Mehr noch: „Die Inangriffnahme einer solchen«usgabe noch in der Krieg»zeit würde aber zugleich da» völlige Ende de« Burgfried en» bedeuten. Der Inhalt de» Begriff»„Burg- friede" hat sich seit längerer Zeit freilich schon so stark gewandelt, daß er in mancher Hinsicht fast völlig verblaßt erscheint. Eine je stärkere Belastungsprobe aber schon die durch die KriegSzett an sich gegebenen Streitigketten für unseren inneren Frieden geworden sind, um so bedenklicher, ta aefährlicher wäre e», wenn man noch ohne jede Not da« gegen« wärttge politische Leben unsere» Volke» mit Problemen be- lasten wollte, die obne innere Kämpfe sicher nicht zu lösen sind. Keine gewissenhafte Regierung könnte daran denken, jetzt, wo alle Kraft und jeder Nerv unsere« nationalen Leben«, in einer fast übermenschlichen An- spannung. der Aufgabe gehört, unsere Feinde zu schlagen, noch mit vollem Bewußtsein tnnerpolitischen Kampf und Hader zu entfesseln.' Deutlicher als in diesen D r o h w o r t e n an die Re« gierung kann die Abneigung unserer rechtsstehenden Kreise gegen jeden politischen Fortschritt nicht ausgedrückt werden, Das Volk ist zwar gut genug, draußen und drinnen die Mühsal der Kriegszeit zu tragen. Sobald aber auch nur von einer Anbahnung der zugesicherten Resormarbett die Rede ist, kündigen unsere„StaatSerhaltenben" sofort in der schärfsten Form den Bürgerkrieg an.< Bassermann über die Lage. Der nationalliberale Führer Bassermann hat sich i» der Tagung des nationalltberalen Wahlvercin» seines Wahlkreises Saarbrücken sehr ausführlich über die politische Lag« ge- äußert. Seinen Ausführungen entnehmen wir, nach dem„Deut- schen Kurier", folgendes: Immer erneut— führte der Redner mi»— trete die Frage an uns heran: Sind wir schuld an diesem Kriege? Die deutsche Politik sei eine friedliche Politik gewesen, keine Politik, die auf Eroberungen ausging. „Die Epoch.« fiel aber zusammen mit jener Zeit, in der wir in die Weltpolttik eintraten. E» war ein Naturgesetz un- serer wirtschaftlichen Entw ickelung, daß wir aus dem Weltmarkte als Konkurrenten anderer Völker, die an er- erbten Märkten saßen, erscheinen muhten. Aber Eroberung»- polittk haben wir nicht getrieben." Dagegen habe England die Einkreisung Deutschlande begonnen und so den Krieg heraufbeschworen. Auch die Frage, ob wir den Krieg gewollt haben, verneinte der Redner. Davon zeuge schon die Tatsache, daß wir weder diplomatisch noch Wirt schaftlichaufdcnKriegvor- berettet gewesen seien. „Es ist eine Illusion AU glauben— führte er weite« aus—, der F r i e d e s e i vorder Tür. Noch mancher harte Strauß wird ausgefochien werden müssen, bis der Krieg ein Ende hat. Man sprach oft davon, daß Frankreich nicht mehr im- stände sei, den Krieg weiter zu führen. Wir sehen davon nichts, wir sehen vielmehr, wie da» französische Hoer mit alter gallischer Tapferkeit kämpft, ein energischer, entschiedener Geg- ner voll Offensiv gel st, trotz der furchtbaren Wunde», die Frankreich geschlagen sind und die seine Zukunft um Jahr- zvhme und vielleicht länger ruiniepen.... Wir kämpfen gegen Frankreich, den alte» Gegner, gegen Nutzland mit seinein un- erschüpslichen Menschenreservoir, mit der Elastizität im Wieder- ausbau geschlagener Armeen, mit einer Arme«, die in ihrer Krieg- führuna sich gebessert hat, unterstützt durch französische und japanische öfsiziere und durch ungeheuere Lieferungen von Geschützen und Munition durch Amerika und Japan. Und in England ist au« dem Söldnerheer ein Volksheer geworden. Auch dort hat der Nationalkrieg den Söldnerkrieg abgelöst. Wer hätte es geglaubt, daß England so rasch und mit so geringen inneren Mitteln zur Wehrpflicht übergehen könnte. Und doch kämpft heute der Sohn de» Lords neben dem Arbeiter und beide bluten für ihr Vater- land. Die Erkcrmtnt», daß e» um England« Weltmachtstell u n g g e h t, ist auch dort Gemeingut geworden. So rechnen wir heute mit der Tatsache, daß der Kr reg schwerer und opfervoller geworden ist, als e« ansang« schien." Nach ausführlichen Darlegungen über die notwendigen Krieg»- mittel im Innern und»ach außen hin ging Herr Basscrmann auf die Frage der K r i e g» zi e l e ein, für deren Erörterung er er- neut die Beseitigung der Zensur forderte, die nur für militärische Dinge bestehen bleiben dürfe. „Wenn es zu früh erachtet werde, konkrete Ziele aufzustellen, so sei e« jedenfalls vor allem zu früh, heute den Verzicht auf Gebiete auszusprechen, die wir mit unserem Blute erobert haben. Der sozialdemokratischen Friedensforderung: „Gewährleistung wirtschaftlicher Entwickelungsfähigkeit" gegen- über müsse betont werden, daß diese nur durch die deutsche Macht zu Lande und auf dem Meere ge- währleistet werden könne. Andere Garantien bestünden nich t." lieber die politische Neuorientierung äußerte sich Herr Bassermaun nur ganz beiläufig.„Wenn das Dach brennt, solle man die Möblierung der Wohnung verschieben." Immerhin wäre e» nützlich, wenn man erfahren würde, was die Negierung sich unter Neuorientierung vorstelle. „Man täuscht sich, wenn man annimmt, daß nach diesem Kriege eine JriedenSevoche anbricht. Eine Antwort darauf erteilen heute schon Japan und Amerika. In der Zu- kunft mutz es heitzen, dah nur«in starke» Deutschland in starken besseren Grenzen sein« Existenz hüten kann." Vor allen Dingen sei notwendig eine Reform der Diplo- matie. Die Verzinsung der Kriegsschuld, die Versorgung der Hinterbliebenen und Invaliden würden einen Neuaufbau der ReichSfinanzen erfordern, bei dem es ohne Einführung von Monopolen nicht abgehen werde. Zum Schluß sei noch der Passus angeführt, in dem Herr Bassermann sein Urteil über die Sozialdemokratie abgab: „Ein verschleiertes Bild bietet sie un» heute. Durch manche Parteikämpfe zerklüftet, gespalten in die Scheidemann-, Ledc- bour-, Haase- und Liebknecht-Gruppe. Eins ist sicher: daß in der künftigen deutschen Politik die Männer, die aus den Schützen- graben kommen, ein entscheidende» Wort mitsprechen werden, be- sonder» bei den Wahlen. Was aber die Zukunft anlangt, so mein« ich, eine Sozialdemokratie, die nach wie vor die Republik erstrebt und am Erfurter Programm und der Aufhebung des Privateigentum» an den Produktionsmitteln festhält, wird uns die alten Kämpfe bringen. Bildet sie sich aus in dem Sinne, wie e» mehrere hervorragende Führer der sozialdemokratischen Partei fordern, zu einer radikalen R e f o r m pa r t e i, die mithilft, das Reich wohliger zu machen, und eintritt für die Wehrhaftigkeit und Stärke nach außen, dann sehen wir einer freundlicheren Zukunft entgegen." Mit einem Kampfaufruf gegen„England den Tod- feind" schloß der nationalliberale Parteiführer seinen Vortrag. Tie Zeppelin-Bricfe. Die„Deutsche Tageszeitung" kommt in ihrer Mon« tagSauSgabe in einem längeren Artikel auf die Zeppelin-Briefe zurück. Sie beruft sich darauf, daß sie schon immer die schär sere Anwendung der Lustschiffe verlangt hat, ohne dem Begriff der Ver- geltungSmaßnahmen irgendwie Beachtung zu schenken. Entweder eine Waffe wird voll angewendet, oder gnr nicht: DieS Prinzip pflege militärisch wie politisch sich auf die Dauer immer oll dal Richtige und al» da» unmittelbar Zweckmäßige zu erweisen. Der Brief des Grafen Zeppelin, den die„Norddeuische Allgemein« Zeitung' veröffentlicht hat, bringe an sich nichts Neues. Graf Zeppelin sage, er habe sich überzeugt, daß die Verwendung der Zeppeline in keiner Weise behindert wird. Dazu fügt dann die „Deutsche TageS-Ztg." die Bemerkung hinzu: die Frage liege nahe, wann Graf Zeppelin sich überzeugt hahe, und aus welchen An« läsien oder auf welche Initiativen hin er sich genötigt ge« sehen habe, sich zu überzeugen. Die Erklärung als Ganze» wie in ihren Einzelheiten mach« nicht den Eindruck, als ob st« au» der Initiativ» des Grafen Zeppelin hervor- gegangen sei. Für die Beurteilung der Erklärung sei es natürlich von ausschlaggebender Bedeulung, auf welche Weise und von welcher Seite sie zustande gebracht worden ist und zu welchem Zwecke. Die„Deutsche Tageszeitung' hält eS für dringend an- gebracht, die vorhergegangenen beiden Briefe de» Grafen Zeppelin zu veröffentlichen, und erinnert daran, daß die„Norddeutsche All« gemein« Zeitung" noch immer der Aufforderung nicht nachgekommen sei, di» dem Staatssekretär Dr. Helfferich zugeschriebene, von ihm aber abgelehnte Denkschrift zu veröffentlichen. s-) Einberufung des sächsischen Landtags. Der Landtag des Künigreichs Sachsen, der vertagt war. tritt am 20. OMber wieder zusammen. Neben der Verstaut- l�chung der Elektrizitätsversorgung, werden den Landtag auch verschiedene Fragen der Kriegsmatznahmen beschäftigen. Die sozialdemokratische Fraktion hat bereits eine Jnter- pellation über die Lebensmittelversorgung eingebracht. vas tägliche Srot. Ausweise für den Ankauf von Aepfeln und Zwetschen. Berlin, 19. September.(3S. T. B.) Die Kriegs- gesellschaft für Obstkonserven und Marme- laden, Äochstr. 6, Berlin SW. 68, Telegrammadresse Kriegsobst gibt bekannt, daß Obstgroßhändler gegen Vorzeigung einer Handelskonzession und sonstiger Empfehlungen Ausweiskarten des Kriegsernährungsamtes für den Ankauf von Aepfeln und Zwetschen für die Kriegsgesellschaft in den Geschäfts- räumen der Kriegsgesellschaft für sich und ihre Aufkäufer sofort in Empfang nehmen können. Bei schriftlichen Anträgen ist an Stelle der Handels- konzession eine behördliche Bescheinigung einzusenden. daß der Antragsteller im Besitze einer Handelskonzession ist. Die Karten werden auf den Namen des Großhändlers sowie der Aufkäufer ausgestellt, zu welchem Zwecke genaue Angabe der Namen und Adressen erforderlich ist. Tie Preise für Kaffeemischuuge». Berlin, 19. September.(W. T. B.) Der Kriegs- ausschuß für Kaffee, Tee und deren Ersatz- m i t t e l G. m. b. H., Berlin, macht zufolge einer Verfügung des Kriegsernährungsamtes bekannt, daß gemahlene Mischun- gen von geröstetem Kaffee mit Koffee-Ersatzmitteln nur in 3 Sorten an den Verbraucher abgegeben werden dürfen, und zwar: mit 59 Proz. Kaffee zu einem Preis von höchstens 2,29 M. für das Pfund, ' mit 25 Proz. Kaffee zu einem Preis von höchstens 1,49 M. für das Pfund, mit 19 Proz. Kaffee zu einem Preis von höchstens 9,92 M. für das Pfund. Andere Mischungsverhältnisse find für gemahlene Mischungen von Kaffee und Ersatzmitteln nicht zulässig, soweit sie erst nach dem 23. September 1916 in den Handel gebracht werden. Wer Mischungen von Kaffee mit Haffee-Ersatzmitteln verkauft, ist verpflichtet, auf der Umhüllung(Verpackung) anzugeben, wieviel Prozent reiner Bohnenkaffee in der Mischung enthalten ist. Ferner wird darauf aufmerksam gemacht, daß sämtlichen Fabrikanten, welchen Rohstoffe zur Herstellung von Kaffee- Ersatzmitteln freigegeben oder geliefert werden, die vertrag- liche Verpflichtung auferlegt ist, Kaffeersatzmittel-Mischungen ohne Kaffee nicht über 69 Pf. pro Pfund für den Verbraucher in den Handel zu bringen. Ausgenommen sind nur Feigen- kaffee und Kaffee-Essenz(Zuckerpräparat), deren Preiskon- trolle den Preisprüfungsstellen unterliegt. Höchstpreise für Hafer. Berlin, 13. September.(23. T. 58.) DaS Krie�ernährungSanit gibt bekannt: Durch die Verordnung über Höchstpreise für Hafer vomJM. Juli 1916 ist festgesetzt worden, daß der Preis für die Tonne inländischen Hafers beim Verkauf durch den Erzeuger für die Zeit bis zum 80. September 1916 einschließlich 300 M. nicht übersteigen darf. Daneben war bestimmt, daß für die später« Zeit niedrigere Preise .festgesetzt werden. Diese Festsetzung ist nunmehr dahin getroffen worden, daß der Haferhöchstpreis für die Zeit nach dem 30. Sep- temlber 1916 bis zu anderweitiger Fesffetzung auf WO M. für die Tonne bestimmt wurde. Für Gegenden mit besonders später Ernte wurde den Landeszentralbehörden die Befugnis eingeräumt, zu be- stimmen, daß der Preis von 300 M. noch bis 15. Oktober 1916 bezahlt werden darf. Die getroffene Regelung des Haferpreises soll,� wie schon wiederholt bekannt gegeben wurde, als Frühdruschprämie wirren, ohne welche die rechtzeitige Befriedigung der dringenden Anforde- rungen für den Heeresbedarf nicht hätte sichergestellt werden können. Ohne diese Rücksicht wären die Haferhöchstpreise von vornherein niedriger festgesetzt worden, ein Ergebnis, das nunmehr im Wege der allmählichen Senkung erzielt werden muß. Höchstpreise für Gerste. Berlin, 19. September.(W. T. B.)_ In Abänderung des§ 1 der Verordnung Wer Höchstpreise für Gerste vom 24. Juli 1916(Reichs-GeseMatt S. 524) hat der Stellvertreter des Reichs- kanzlers durch eine in der heutigen Ausgabe des ReichS-Gesetz- blattes veröffentlichte Verordnung bestimmt, daß der Preis für die Tonne inländischer Gerste beim Verkauf durch den Erzeuger, soweit bis zum 31. August 1916 einschließlich zu liefern ist, 300 M., und soweit nach diesem Zeitpunkt zu liefern ist, bis zur anderweitigen Festsetzung 280 M. nicht Wersteigen darf. Damit ist angeordnet, daß der nach der bisherigen Verordnung bis zum 15. September geltende Höchstpreis bis auf weiteres beibehalten werden soll. Grtskrankenkassentag. Ii. E i f e n a ch, 19. September. heutigen Tage wurden die Verhandlungen gu Ends Albert Aohn-Berktn Am geführt. Verwaltungsdirektor derichtete über „Mitwirkung der Krankenkassen bei der Bekämpf«»« von Volkskrankheiten". Er legte seinen Ausführungen folgende von der Versammlung gebilligten Leitsätze zugrunde: Die wirkungsvollste Bekämpfung der Volkskrankheite» ist die Krankheitsverhütung. Auf Grund des Z 363 RVO. find die Krankenkassen berechtigt, Mittel für allgemeine Zwecke der Krank- heitsverhüwng zu verwenden. Dieses Recht müssen jie zur Erhaltung und Mehrung der deutschen VolkÄraft in größerem Um- fang als bisher ausüben. Folgende praktischen Maßnahmen find notwendig: 1. Aufklärung, Wanderausstellungen und Vorträge, unent- geltliche Verteilung von Schriften, Krankheitsftatisti!; 2. Pflege in Heil- und Erholungsstätten.(Errichtung solcher Anstalten durch Kassenverbände); 3. Bäderfürsorge; 4. Wohnungsfürsorge(Wohnungsuntersuchungen, Aus- leihung von Kapital an Baugenossenschaften); 5. Zahnpflege; 6. Fürsorge für Geschlechtskranke, Tuberkulöse, Trinker in nachhaltigster Weise durch geeignete Kassenleistungan. Engste Gemeinschaftsarbeit mst den Landesverstchernngsanstalten, den Beratungs- und Fürsorgestellen, den sonstigen gemeinnützigen Einrichtungen und den Organisationen der privaten Fürsorge. Eine große Anzahl Versicherungsanstalten haben schon Be- ratungsstellen für Geschlechtskranke errichtet, andere bereiten jie bor, so in Berlin; zumeist werden Reisekosten und entgangener Arbeitsverdienst den Besuchern erstattet. Die Kassen werden zu den Kosten der Beratungsstellen nirgends herangezogen, Gegenstand der Debatte war in der Haupffache die Be- kämpfung der Geschlechtskrankheiten, der auch der Referent den Hauptabschnitt seines eindrucksvollen Vortrages ge- widmet hatte. Eine Reihe praktischer Maßnahmen wurde ein- gehend besprochen. Kassenvorsitzender Rechtsanwalt B e n n d o rf-Dresden war beruflich verhindert. Sein Referat über die „Förderung des Kleinwohnungsbaues durch die Krankenkassen" wur-de von Fräßdorf-Dresden verlesen. Es ging davon aus, daß gute und preiswerte Kleinwohnungen eine der Grundlagen der Volksgesundheit bilden. Die Herstellung geeigneter Klein- Wohnungen wird gegenwärtig durch den Mangel an mäßig ver- zinsbarem Leihgeld verzögert. An der Beseitigung dieses Not- standes können sich auch mit Erfolg die Krankenkassen beteiligen, da die Landesversicherungsanstalten, die dem Kleinwohnungsbau bisher große Summen zuführten, sich in Zukunft auf Bewilligung zweiter Hyvotbeken beschränken«ollen. Die Krankenkassen können aus ihrer Rücklage mündelsichere Hypotheken für Kleinwohnungen geben. Hierbei sind gemeinnützige Bauvereine oder öffentliche Körperschaften zu bevorzugen. Sind die bei einer Krankenkasse hierfür verfügbaren Gelder zu gering, so können sich mehrere Krankenkassen zur Gewährung von Sammelhypotheken unter Treu- Hand eines Versicherungsträgers zusammenschließen. Di« Unter verbände werden die zur Verfügung stehenden Gelder ermitteln und mit den Landesoersicherungsanstalten über ihre zweckmäßige Ausleihung verhandeln. Hiermit war die Tagesordnung im wesentlichen aufgearbeitet. die Elektrizitätsversorgung öer Provinz Hranöenburg. In seiner letzten Tagung hat der Vrandenburgische Provinziall landtag einem Projekt seine Zustimmung erteilt, das in der Oeffent lichkeit bisher noch nicht die genügende Würdigung erfahren hat, dessen hohe Bedeutung aber von Tag zu Tag mehr in Erscheinung tritt. Es handeil sich um den Abschluß eines Vertrages zwischen der Provinz und den Märkischen Elektrizitätswerken(M. E. Wh, durch den die Versorgung der Provinz mit Elektrizität sicher ge- stellt und zugleich die Ausnutzung des neu zu errichtenden sis- kalischen Werkes bei Wittenberg, das für die Elektrisierung der Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen dienen soll, gewährleistet wird. Auf den ersten Blick könnten auch die grundsätzlichen An Hänger des Kommunalbetriebcs dieser neuen gemischtwirlschaft lichen Unternehmung zustimmen, da sie für große Teile der Provinz einen Fortschritt bedeutet, aber im Laufe der Zeit haben sich die dagegen erhobenen Bedenken doch leider als nur allzu begründeter- wiesen. Wie aus der dem Provinziallandtag zugegangenen Vorlage er- sichtlich ist. bietet die heutige Elektrizitätsversorgung der Provinz ein recht buntes Bild. Unter Leitung der A. E. G., die bekanntlich die zum Teil auf Brandenburger Gebiet übergreifenden Berliner Elektrizitätswerke an die Stadt Berlin abgetreten hat, haben sich im Laufe der Zeit eine Reihe von Unternehmungen gebildet, die ver- schieden« Teile der Provinz mit elektrischer Kraft versorgen. Wil mersdorf, Schöneberg und Schmargendorf erhalten ihre Elektrizität von Privatgesellschaften, deren Werke sie zu übernehmen berechtigt sind, Charlottenburg. Lichtenberg, Neukölln, Potsdam, Brandenburg, Weißensee, Franksurt a. O., Forst, Luckenwalde und eine Reihe anderer Gemeinden besitzen oder besaßen eigene Elektrizitätswerke. Durch den llebergang der Berliner Elektrizitätswerke auf die Stadt Berlin am 1. Oktober 1915 haben sich die Verhältnisse ge ändert. Die Stadt Berlin hatte sich bei Abschluß ihres Vertrages mit den B. E. W. das Recht vorbehalten, mit dessen Ablauf die innerhalb und außerhalb des Berliner Weichbildes gelegenen An lagen der Gesellschaft zu übernehmen. Der Uebernahme gingen längere Verhandlungen voraus zwischen der Stadt und der Gesell- schast, in denen die Frage einer Vertragsverlängerung unter einst weiligem Verzicht der Stadt Berlin auf das Ueberuahmerecht ein- gehend erörtert wurde. Geplant war dabei die Bildung eines ge- meinschaftlichen Unternehmens zwischen der Stadt und der Gruppe der A. E. G. unter Einbeziehung des Interessenbereichs der Berliner Vereinigten Elektrizitätswerke und der M. E. W. einschließlich des Gebiets des Verbandes Neumark. Das Projekt scheiterte und die Stadt Berlin übernahm am 1. Oktober die Berliner Elektrizitätswerke. Gleichzeitig wurde die Bahn für ein Zusammen- gehen zwischen der A. E. G. und der tstrovinzialverwaltung frei. Sobald aus der Presse bekannt wurde, daß der Provinzial- verband die Elektrizitätsversorgung der Provinz Brandenburg durch Errichtung eines gemeinwirtschaftlichen Unternehmens in die Wege zu leiten suchte, erklärte sich der Berliner Magistrat als Besitzer der leistungsfähigsten Kraftwerke Groß-BerlinS bereit und imstande sofort g«oße Mengen von Elektrizität zu sehr billigem Preises gegebenenfalls gemeinsam mit den Werken der Vorortgemeinden zur Verfügung zu stellen. Er ersuchte die zuständigen Stellen, ihm Gelegenheit zur Erörterung der näheren Bedingungen zu geben, unter denen die Grundlagen eines Strom- lieferungsabkommens unterbreitet werden könnten. Obwohl sein Angebot noch vor der Beschlußfassung durch den Provinziallandtag einging, begnügte sich dieser damit, es dem künftigen Aufsichtsrat der Gesellschaft zur weiteren Veranlassung zu überweisen. Der Vorlage selbst stimmte er fast debattelos zu, nur faßte er eine nichtssagende Resolution, durch die auch den Anhängern des reinen Kommunalbetriebes Rechnung getragen werden soll. Nach dieser Resolution soll die Provinz ihren Einfluß dahin geltend machen, daß das M. E. W. auf Verlangen nach Maßgabe des ihm für die Weitergabe zur Verfügung stehenden Stromes ver- p flicktet ist, den Strombedarf von Gemeinden oder Genieindeverbänden zu decken, die selbst Kraftwerke besitzen oder an Kraftwerkunter- nehmungen in ihrem Bezirk finanziell beteiligt sind. Bereits in seinem Referat hatte der Berichterstatter auf die Möglichkeit hingewiesen, daß schon jetzt bestehende Kommunalwerke es vorziehen könmen, ihren Strombedars unter völliger oder teil- weiser Stillegung ihres eigenen Betriebes von der Gesellschaft zu beziehen, weil sie dies für wirtschaftlich vorteilhafter halte«; er betonte aber gleichzeitig, daß, wenn dieser Fall eintritt, die Jnter- essen aller Kommunalverwaltungen w weitgehendstem Umfange gewahrt werden sollten. Dafür bürge schon der ganze Charakter des Unternehmens c'° eines unter provinzieller Führung stehenden und vorwiegend gemeiiiwirtschaftlichcn. Auch der Milberichterstatter erörterte eingehend das Verhältnis des zu begründenden LSerkes zu den Kommunalverbänden der lprovinz, insbesondere zu denjenigen, welche bereits eigene Werke befitzen. Er konnte sich ver Erkenntnis nicht verschließen, daß durch die Begründung des neuen gemischt-wirt- schastlichen Unternehmens zwischen der Provinz und A. E. G. den bestehenden Werken eine starke, wenn nicht übermächtige Konkurrenz erwächst. Wir bedauern eS, daß den gegen das gemischtwirtschaftliche Unternehmen erhobenen Bedenken keine Rechnung getragen ist. Denn obwohl seit der Verabschiedung der Vorlage erst einige Monate ins Land gezogen sind, hat es sich doch schon gezeigt, daß die Gemeinden mit eigenen Elektrizitätswerken in Gefahr schloeben, unter dem auf sie ausgeübten Druck ihrer eigenen Anstalten verlustig zu gehen und sich dem neuen Unternehmen anzuschließen. Den erstenl und geht leer auS. Schritt nach dieser Richtung hin hat Weißensee getan, als es sich seines eigenen Elellrizirätswerks entäußerte. Mag sein. daß sich für die tleine Gemeinde ihr den Fortschritren der Technik nicht mehr entsvrechendes Werk nicht rentier! hat, wir wollen diese Frage offen lassen. Aber wenn dem so war, warum hal sie dann das Werk nicht ausgebaut und um es so renlabel zu erhallen, ein weiteres Absatzgebiet gesucht, gegebenenfalls durch Zusammenschluß mit anderen Gemeinden zu einem Zweckverband? Warum sie diesen Weg nicht eingeschlagen hat, eniziehr sich unserer Kenntnis, aber es ist ein offenes Geheimnis, daß sie unter dem Einfluß der Aussichts- instanzen eine Politik eingeschlagen Hai, die zweifellos einen kom- munalpolitischen Rückschrill bedeutet. Angesichts des Umstandes, daß auch die sozialdemokranschen Gemeindcvertreter der Veräußerung des Werkes keinen Widerstand entgegengesetzt haben, nehmen wir Veranlassung, unsere Vertreter in den übrigen Städten mit eigenen Eleklrizitätswerken dringend vor der etwaigen Zustimmung zum Verkauf der Werke zu warnen, denn sie würden dadurch nicht nur dazu beitragen, daß ihre Gemeinden Ein- nahmequellen verlieren, sondern sie würden auch die Selbst- Verwaltung in hohem Maße gefährden und sich jedes Einflusses auf die Gestallung der Arbeilervcrhällnisie begeben. In den Gemeinde- betrieben haben die modernen Gewerkschaften Fuß gefaßt, und, ab- gesehen von ganz rückständigen Verwallungen, wagt man es nirgends, den Organisationsbestrebungen der Arbeiter ernsthaften Widerstand entgegenzusetzen. Ganz anders, wenn die Provinztalverwaltung ein entscheidendes Wart mitzureden Hai; dann ist zu befürchten, daß sie das Beiipiel des Staates befolgt, der seinen Arbeitern die Zugehörig- keit zu Organisationen verbietet, die nicht ausdrücklich durch Statut den Streik ausschließen. Hierzu kommt aber noch ein weiteres Moment. Berlin ist im Besitz eines eigenen Elektrizitätswerks, es hat sich bereit erklärt, der Provinz Strom in genügender Menge zu liefern, und wir sind überzeugt, daß es imstande gewesen wäre, seine Abnehmer voll zu beftiedigen. Was hätte näher gelegen, als den Vorschlag des Berliner Magistrats anzunehmen, zum mindesten aber die Berliner Bororte, etwa die im Bereich des Zweckverbandes Groß-Berlin ge« legenen Gemeinden, soweit sie nicht eigene Werke haben oder durch Verträge anderweitig gebunden sind, von Berlin aus versorgen zu lasten? Das wäre verständlich und wirtschaftlich rentabel gewesen. Wenn man davon abgesehen hat, so liegt die Vermutung nahe, daß man wieder einmal die Provinz gegen Berlin ausspielen wollte. Diese politischen Erwägungen, Anklänge an frühere Zeilen, zeigen uns, wohin letzten Endes der Weg geht; es wird sich ein Konkurrenz- kämpf zwischen Berlin und der Provinz entspinnen, der der Haupt- stadt zum Schaden gereicht und ihr schwere finanzielle Opfer auf- erlegt. In diesem Konkurrenzkamps wird man bemüht sein, auch die Berliner Vororte mit eigenen Elektrizitätswerken hineinzuziehen und sie schließlich in die Lage versetzen, sich entweder dem Willen der Provinz zu fügen, die mächtiger ist als sie und über ganz andere Hilfsmittel verfügt, oder aber ihre durch den Krieg ohnehin schon geschwächten Finanzen in Unordnung zu bringen. Auf diese Gefahr hinzuweisen, halten wir für unsere Pflicht. Wir erheben warnend unsere Stimme, um zu verhüte«, daß andere Groß-Berliner Gemeinden das Beispiel von Weißensee nach« ahmen. Mus Hrost-Serlin. Lebensmittvtftasen. Wie steht'S um die Milchvcrsorgimg? Zur Neuregelung der Milchverteilung sind in Berlin alle Vorbereitungen gdresfwi. Sie wird aber hier erst in Kraft treten, wenn sie im Reich zur Durchführung gelangt. Es ist zu erwarten, daß dies um M i t t e O k- t o b e r geschieht. Von da ab würde Bollmilch nur noch an Kindern, Schwangeren und Kranken gewährt worden. Man rechnet für Groß-Berlin(ohne Niederbarnim) auf einen tag- lichen Verbrauch von 225999 Ltrer siir Rinder, Ii 009 Liter für Schwangere und otnm 69 999 Liter für Kranke, das sind zusammen annähernd 399 999 Liter. Die Gemeinden in Riederbarnim haben sich von dieser ganzen Regelung aus- geschlossen, weil sie besser wegzukommen glauben, wenn sie für sich bleiben. Die Mlchzuftthr hat in den letzten Monaten weiter abgenommen, und leider dürfte die Zufuhrminderung noch fort- dauern. Es wird aber gehofft, daß man wird gewähren können, was auf R a rten versprochen ist. Dabei wivd vorausgsssftt, daß nicht etwa zum Oktober, wo die meisten Lieferunglsvorträge ablausen, unliebsame Uebcr- raschungen eintreten. In letzter Zeit hat die Milchknappheit zu einer vorläufigen Regelung genötigt, die den schlimmsten Mißständen abhelfen sollte. Wenn in einzelnen Betrieben etwa Milch drilberbleibt, läßt die Vertcilungsstelle sie durch Fuhrwerk der Großunternehmer dahin bringen, wo Milch fehlt. Nach der endgültigen Regelung wird, was über den für Kinder usw. vorbehaltenen Bedarf hinaus an Vollmilch noch übrig ist, wahrscheinlich restlos verbuttert werden müssen. Die Er:»ägungen darüber, wie die verbleibende Magermilch zu verwenden ist, sind noch nicht ab- geschlossen. Gedacht wird daran, sie auf besondere Familien- karten zu geben. Die Hygieniker sind allerdings der Meinung, daß für Kinder schulpflichtigen Alters die Magermilch kein sehr geeignetes Nahrungsmittel ist. Es wird sich empfehlen, sie als Zurät mit den Speisen zu ver- kochen. Groß werden übrigens die verfügbaren Magermilch- mengen nicht sein. Sehr unerfreulich ist die Nachricht, daß pwlleicht eine neue Erhöhung des Milchpreises kommen wird. Verschiedene Gemeinden leisten den Molke- reien ihres Bezirkes erhebliche Zuschüsse, um ihnen die Weiter- führung ihrer tSctriebe vorteilhafter zu machen und dadurch die Milcherzeugung zu fördern. Es soll aber nicht viel Neigung bestehen, bisse Beihilfen weiter zu erhöhen. Zur Obftb«schlagnahme. Die Beschlagnahme der Aepfcl und Pflau- m e n kam ganz unerwartet und sehr plötzlich. Als sie erfolgte, waren 2999 Eisenbahnwaggons mir Pflaumen unter- Wegs nach Berlin. Wünschenswert ist. daß nun die Auf- käufer, die das Krisgsernährungsamt bestimmen will, mög- lichst bald ihre Tätigkeit beginnen. Können sie die Borräte nicht durch Zuführung zu den Marmeladenfabriken bewältigen, so wäre für schleunigste Verkäufe der Reste zu sorgen. Die Beschlagnahme darf nicht die Wirkung haben, daß die lagern- den Vorräte zum Teil verderben. Sttckst vergessen! Wer soll das alles im Kopf behalren! Mit den vielen Karten und Listen, obne die man jetzt sein bißchen Essen nicht zusammen- kriegt, kennt sich ja kein Mensch mehr aus! So klagt manche Haus- frau, wenn sie ihren Vorrat an Lehensmittelkarten prüft oder eine allerneueste Verordnung über die Lebensmittelversorgung durch- studiert. Aber da hilft nichts— wer nicht auspaßt, hat den Schaden An dieser Woche wZre zu beachten, daß man die Eintragung in zwei Kundentisten nicht versäumen darf. Die bisherige Fleisch« kundenliste wird mit 2. Oktober, dem Tage des Ablaufs der gegenwärtigen Fleischkartenperiode, ihre Gültigkeit verlieren. Für Fleischeinkäufe vom 2. Oktober ab muh die Eintragung in die neu anzulegende Kundenliste bei dernjenigcn Fleischer oder Fleischhändler, von dem man künftig kaufen will, unter Vorlegung der Fleischkarten in den Tagen vom 21. September bis 24. September(Donnerstag bis Sonntag) bewirkt werden. Die Ein- tragung in die Liste hat, wie früher, für den Eingetragenen die Wirkung, daß er bis aus weiteres nur dort Fleisch oder Fett kaufen kann. Wer dir Eintragung versäumt, bleibt bis auf weiteres von der Möglichkeit des Fleisch- und Feubezuges aus- geschlossen. Auch eine Zuckerkundenliste wird jetzt ein- geführt. Für sie gilt die gleiche Bestimmung, daß nur da ge- kauft werden kann, wo man in die Liste eingetragen ist. Wer sich nicht rechtzeitig eintragen läßt, erhält keinen Zucker; denn nur an Eingetragene dürfen die Händler verkaufen. Eintragung in die Zuckerkundenliste unter Vorlegung- der Zuckerkarte ist nur noch bis spätestens 21. September(Donnerstag) abends 8 Uhr möglich. Erinnern wollen wir bei dieser Gelegenheit noch daran, daß die Anmeldung zu den Volksspeisungen der Smdt Berlin all« wöchentlich erneuert werden muh. Die Meinung, daß man sich ein« für allemal anmeldet, ist irrig. Wer die erneute Anmeldung unterläht, kann in der folgenden Woche mit leerem Esientopf heimgehen. Jedesmal bis Donnerstag mutz die neue Anmeldung für die folgende Woche bewirkt werden. Zu beachten wäre auch, dah für Sonntag das Essen immer schon am Freitag vorausbezahlt werden mutz. Der Magistrat veröffentlicht heute die Verordnung über die Ab« gäbe von Eiern. Danach werden, wie wir bereits berichteten, vom 1. Ott ober 1916 ab Eicrkartcn eingesührt. Die Eierkarten gelten für den Bezug von Hühner-, Enten- und Gänseeiern. Der Veräutzerer hat bei der Abgabe der Eier den jeweils für die Woche gültigen Ab- schnitt von der Eierkarte abzutrennen. Die Anstalten, Kranken- und Siechenhäuser, Gast- und Schankwirtschasten, Bäckereien, Kon- ditoreien usw. erhalten besondere Bezugskarten, die auf eine bestimmte Anzahl lauten. Sämtliche Verbraucher haben sich bei einem H än d l e r, von dem sie Eier beziehen wollen, in die Kundenliste eintragen zu lassen. Die Formulare der Kundenliste sind bei Alfred Unger, Spandauer Str. 22, zu beziehen. Die Kundenlisten werden am 27. September geschlossen. „Das Publikum soll helfen". Die Matzregeln zur Lebensmittelversorgung und gleichmatzigen Lebensmittelverteilung sollen, so wird immer wieder von Behörden erklärt, durch die Bevölkerung unterstützt werden. Wenn Lebensmittelhändler sich Verstöße gegen die behördlichen Anordnungen zuschulden kommen lassen, sollen die Käufer hisrübcr Anzeige erstatten. Einer, der diese Mahnung befolgte, erzählt uns, wie es ihm dabei ergangen ist. Heber ein Schlächtereigeschäft in Berlin-Süd wurden ihm von mehreren Frau«n allerlei Mitteilungen gemacht, die ihn argwöhnen ließen, daß da nicht alles nach Vorschrift zugehe. Was ihm gesagt worden war, meldete er der Fleischverteilungsstelle, in» dem er vier Zeuginnen dafür benannte. Acht Wochen später er- hielt er zu seiner großen lleberraschung eine Vorladung zu einem Termin vor den— Schiedsmann! Der Schlächtermeister hatte den Termin beantragt mit der Begründung, daß er durch die Vorwürfe, die in jener an die Fleischiverteilungsstelle gerichteten Anzeige enthalten waren, sich beleidigt fühle. Wir wollen hier nicht untersuchen, ob die Vorwürfe berechtigt waren oder nicht. Das wird ja Sache der Gerichtsbehörden sein, die sich mit der Angelegen- heit zu beschäftigen haben werden. Uns reizt nur die Frage, wie der Schlächtermeister die Möglichkeit erhielt, die Anzeige mit einer Beleidigungsklage zu beantworten. Ist es bei der Fleischverteilungsstelle üblich, den Einsender einer Anzeige dem Beschuldigten zu nennen? Das wäre doch sehr bedenklich, selbst dann, wenn die Anzeige sich als unzu- trefsend herausstellt. Wer soll da noch Lust haben, den Behörden zu halsen, damit Uebertretungen zu ihrer Kenntnis gelangen und verfolgt werden können! Der jetzt mit Klage bedrohte Helfer hat es abgelehnt, zum Sühnetermin zu gehen. Er hat aber nunmehr seine Beschuldigungen gegen das Schlächtereigeschäft dem Staats- anwalt mitgeteilt und ihm auch berichtet, welchen eigenartigen Er» folg er mit seiner Anzeige bei der Fleischverteilungsstelle gehabt hat. Uns meldet er sein Erlebnis mit den Worten:„Sehen Sie, s o kann es einem gehen, wenn man der Aufforderung der Be- Hörden nachkommt und Uebertretungen zur Anzeige bringt." Er schließt mit der Frage:„Wollen Sie nicht lieber eine Warnung erlassen, damit es den etwa BevtrauenSseligen nicht ebenso ergeht?" Wir finden, daß er da nicht so unrecht hat. Gegen die Ehelosigkeit der Lehrerinnen. Das Zölibat der Lehrerin, der den Lehrerinnen auferlegte Zwang zur Ehelofigteit, wird seit Jahren bekämpft. Durch den Krieg hat die Forderung, heiratende Lehrerinnen in ihrem Amte zu belassen, neue Bedeutung erlangt. Zum Ersatz für Lehrer, die zum Heeresdienst einberufen sind, hat man Lehrerinnen in großer Zahl eingestellt— und auch verheiratete Lehrerinnen mutzte man will« kommen heitzen. Ueberdies ist mit den jetzt so stark betonten Auf- gaben der Bevölkcrungspolitik, mit dem Kampf gegen Heiratsscheu und Kinderlosigkeit, mit dem Ruf nach mehr Ehen und mehr Nach- wuchs schwer der Grundsatz zu vereinen, daß eine heiratende Lehrerin nicht Lehrerin bleiben darf. Zur Erörterung dieser plötzlich„zeitgemäß" gewordenen Frage hatte der„Verein Frauenwohl Grotz-Berlin" eine Versamm« lung einberufen, die unter sehr starker Beteiligung am Montag stattfand. Der Hamburger Schulinspektor Matthias Meyer, der das Hauptreferat gab, erklärte sich mit aller Entschiedenheit gegen das Eheverbot für Lehrerinnen. Seine Forderung, die Heiratsmöglich- keit freizugeben, gelte für die gesamte weibliche Beamtenschaft, aber die besondere Art des Lehrerinnenberufs mache für die Lehrerinnen eine gesonderte Betrachtung nötig. Meyer behandelte die Frage vom sozialbiologischen und vom pädagogischen Standpunkt aus. Die Bevölierungspolitik verfolge daS Ziel, den seit langem an- dauernden und sich immer mehr beschleunigenden Geburtenrückgang aufzuhalten. Nicht ein Wettzeugen und Wettgebären sei das Erstrebenswerte, nicht eine bloße Steigerung der Quantität, sondern eine Besserung auch der Oualität. In dieser Hin« ficht müsse man gerade die den Lehrerinnen aufgezwungene Ehe- losigkeit bettagen, durch die man beste Auslese zur Unfruchtbarkeit verurteile. Gerade bei den Lehrerinnen sei infolge der sorgsältigen Sichtung, die schon vor der Aufnahme in das Seminar und später vor der Anstellung im Amt stattfindet, die Gesundheit des Körpers und des Geistes besonders gut, womit für einen gleich gesunden Nachwuchs die Bedingungen gegeben seien. Mit den Pflichten der Gattin und Mutter lasse der Lehrerinnenberuf sich eher als die Er« werbstätigkeit der messt?» anderen Frauen vereinen» weil die Lehrerin nur wenige Stunden am Tage in Anihruch genommen fei. Ihre berufliche Tätigkeit stehe in engster Beziehung zu ihren Mutterpfltchten, ihre Mutterschaft erst könne ihr das volle Verständnis für die Kindesseele erschließen. Eine Lehrerin, die nicht selber Mutter ist, kenne das Kind nur als Objakt der Schulerziehung. Kaum eine unter den Lehrerinnen wäre nicht bereit, ein größtes Opfer zu bringen für ein Kind, das zu ihr„Mutter" sagen könnte. Nur in- folge der Ehelosigkeit biete die alternde Lehrerin so oft das traurige Bild der vereinsamten Frau, die nervös geworden ist. Sckiwierig- ketten, die für den Schulbetrieb aus der Mutterkchaft einer Lehrerin entstehen könnten, würden ohne große Mühe für die Schulverwaltungen zu überwinden sein. Bollends unbegründet sei die Befürchtung, daß der Anblick einer Werdanden Mutter nachteiligen Einfluß für die Schuljugend haben würde. In den stürmischen, langanhaltenden Beifall, der dem Redner dankte, mischte sich noch kein Widerspruch der in der Versammlung stark vertretenen Opposition. Nachdem dann Frau Kampfs- meyer-Wallroth in einem Referat über die Ergebnisse von Umfragen die Verhältnisse geschildert hatte, unter denen die verheirateten und die verwitweten Lehrerinnen ihren Beruf ausüben, setzte eine sehr lebhaste Diskussion ein. Schroff stietzen in ihr die Gegensätze auf einander, für und wider die Ehe- losigkeit der Lehrerinnen wurde hitzig bis gegen 1 Uhr nachts ge« stritten. Die Zuhörerschaft, in der man sehr viele Lehrerinnen und auch manchen Lehrer sah, begleitete die Reden mit temperament- vollen Kundgebungen des Beifalls oder des Widerspruchs. Gegner und Anhänger des Eheverbots waren unter den Rednerinnen wie unter den Rednern. Starken Beifall von der einen Seite und heftigen Widerspruch von der anderen fanden besonders die Aus- führungen der Lehrerin LischnewSka, die für die Lehre- rinnen das Recht auf Mütterlichkeit forderte. Für die Berliner Schuldeputanon erklärte Schulinspektor Dickhoff, daß per- hairatete Lehrerinnen nicht im Dianst bleiben können. Impfungen bei Reisen ins Okkupationsgebiet. Das Stellvertretende Generalkommando des Gardekorps gibt folgendes bekannt: Infolge des Auftretens vereinzelter Pockenerkrankungen in den besetzten Gebieten hat sich die Notwendigkeit ergeben, daß auch alle Zivilpersonen, die in diese Gebiete reisen, sich vorher einer er- neuten Pockenschutzimpfung unterziehen, soweit sie nicht in den letz- ten 4 Jahren an Pocken erkrankt waren oder mit Erfolg der Pocken- schutzimpfung unterzogen worden sind. Die Ausstellung eines Passierscheines zur Reise in die besetzten feindlichen Gebiete muß daher fortan von der Beibringung einer Bescheinigung hierüber abhängig gemacht werden. Von dieser Forderung kann auch nicht in dringenden Fällen— also wenn der alsbaldige Antritt einer Reise durch besondere Verhältnisse, z. B. bei schweren Erkrankungen und Verwundungen, notwendig geworden ist— abgewichen werden. Telegrammgebühren für de« Privatverkehr nach dem Feldheer. Von amtlicher Seite wird darauf aufmerksam gemacht, daß die am 1. August d. I. eingattetene Erhöhung einzelner TÄegramm- gebühren sich nicht aus den Privat-Telegrammverkehr mit dem Feldheer bezieht. Bei diesem Verkehr ist es bei den bisherigen Sätzen(50 Pf. für die Adresse und 5 Pf. für jedes Text- wort) verbliaben. Uaber die Höchstzahl von 20 Worten im Text darf aber nicht hinausgegangen werden. Zur Vermeidung von Verzöge- rungen in der Beförderung sind derartige Privattelegramme aus Groß-Berlin und der Provinz Brandenburg an die Feldtelegramm- prüsungsstelle F. T. Berlin W. 56, Französische Straße 33c> zu senden, dort werden auch Telegramme unmittelbar entgegenge- nommen, und zwar wochentags von 3— 3 Uhr nachm. und Sonntags von II Uhr vorm. bis 1 Uhr nachm. Gegen die Verteuerung der Strahenbahnfahrten. Ter Plan einer Tariferhöhung bei den Straßenbahnen und anderen öffentlichen Verkchrsunternehmungen Berlins wird durch eine vom Ausschuß des Zweckverbandes Groß-Berlin eingesetzte besondere Kommission geprüft. Zu der Denkschrift, die im Zweckverbandsburcau über den Plan ausgearbeitet worden ist, haben die einzelnen Gemeinden Groß- Berlins sich noch nicht geäußert. Daß der Berliner Magistrat zu den entschiedenen Gegnern der Tariferhöhung gehört, ist bekannt. Er hat jetzt das Stattstische Amt der Stadt beauftragt, zu untersuchen, welche Wirkungen die Tariferhöhung für d i e g r o ß e M a s s e derBe- völkerung haben würde. Das Statistische Amt wird, ungeachtet alier durch die Kriegsfürsorgemaßregeln gebrachten Arbeitsüberhäufung, eine eingehende Stattsttk des Verkehrs- Wesens zusammenstellen._ Aus dem Hohcnzollcrnkanal gelandet wurde gestern bei Saat- Winkel die Leiche einer unbekannten Frau von etwa 25 Jahren. Sie wurde, da sich ihre Persönlichkeit nicht feststellen ließ, nach der Leichenhalle in Plötzensee gebracht. Die Tote ist untersetzt, hat blondes Haar, ein rundes Gesicht, aufgeworfene Lippen und trug eine weiße Matrosenbluse, einen blauen Rock, eine schwarze Schürze, weiße Strümpfe und graue Segeltuchschuhe.— Zwischen den Bahn- Höfen Köpenick und Sadowa wurde gestern die verstümmelte Leiche eines jungen Mannes ausgefunden, der von einem Borortzuge über- fahran worden war. Wie die Ermittelungen ergaben, handelt es sich um einen Selbstmord. Der Tote ist der 18jährige Postaushelfer Max Butenschön aus Neumünster in Holstein. Die Tätigkeit unserer Feuerwehr. Ein aufregender Vorfall der- anlaßte in der letzten Nacht das Ausrücken der Feuerwehr nach der Köthener Straße 23. Dort stand um Mitternacht ein kleines Kind am Fenster des dritten Stocks und drohte herabzustürzen. Straßen- Passanten bemerkten die Gefahr noch rechtzeitig. Sie benachrichtigten die Feuerwehr und Hausbewohner. Die Feuerwehr nahm ein Sprungtuch vor und drang in die verschlossene Wohnung ein. Das eingeschüchterte Kind konnte vom Fenster aus von den Mannschaften ersaßt und in die Wohnung zurückgeholl werden. Man übergab es, da niemand in der Wohnung war, einer Hausbewohnerin, die es in Obhut nahm.— Ein sehr gefährliSer Brand kam in der Nacht zum Dienstag ln der Drogerie von F. Grabow in der Grimmstraße 21, Ecke der Dieffenbachstraße aus. Dort brannten Schwefel u. a. in Regalen. Ter Oualm entwickelte sich so schnell, daß der Aui- enthalt im Hause schließlich mir Gefahr verbunden war. Die Feuerwehr drang mit RauSschutzapparaten ausgerüstet in den verqualmten Keller sin und es gelang durch ttäftiges unaus- gesetztes Wassergeben mit mehreren Schlauchleitungen, die Flammen auf die Drogerie zu beschränken. Die Entstehung wird auf Ent- zündung des Schwefels zurückgeführt.— Der 7. Zug der Wehr halte in der Koppenstr. 9 zu tun, wo im Keller ein Ballon mit Salmiak ausgelaufen war und sich gefährliche Dämpfe entwickelt hatten. Die Feuerwehr beseitigte die Gefahr mit Sand und Wasser, Lüftung und Aufwaschen.— Wegen einer Benzinexplosion wurde die 8. Kom- pagnie nach der Boppstr. 10 gerufen, wo ewe Zigarettenstopfmaschine fahrlässig bedient worden war.— Nachts erfolgte ein Alarm nach der Stralsunder Str. 86, wo Männer auf dem Dache gesehen worden waren. Die Jagd nach ihnen war aber erfolglos.— Eine Gasexplosion wurde aus der Klosterstr. 79 gemeldet, wo in einem Hotelzimmer GipSdielen eingedrückt waren und Gardinen, Portieren usw. brannten.— In Neukölln war in der Apotheke am Hermann- platz S Feuer ausgeiommen. Gesperrt. Die Schillstraße zwischen Wichmannstraße und Lützowufer sowie das Lützowufer zwischen Schlllstraße und Herkules« brücke wird infolge Umgestaltung der Sttaßenbahnanlagen für den Durchgangs-Fahrverlehr auf die Dauer von drei Wochen gesperrt. Ms öen Gemsinöen. Wahlverainsversammlung Nicderschönhausen- Nordend. In der- letzten Mitgliederversammlung wurde zunächst vom Genossen Kraushaar Bericht erstattet über die Kreiskonferenz vom 26. August, vor allem über die dort erfolgte Wahl der Delegierten zur Rerchskonferenz. In der Diskussion bestreitet Genosse Legien der Kreiskonferenz das Recht, aus sich heraus Delegierte zu wählen. Des weiteren wendet sich derselbe gegen den Artilel des„Mitteilungsblattes", indem er erklärt, daß die„Spaltpilze" gerade auf seilen des Artikelschreioers zu suchen wären. Mil Bezug auf die Teilnahme der Minderheit an der Reichskonferenz stellte er es als eine gemeine Verdächtigung hin, wenn behauptet würde, die Minderheit habe ihre Zulassung zur Reichskonferenz sich erst erzwingen müssen. Gerade ein Mitglied der Mehrheit sei es gewesen, daS für die Zulassung der Minderheit ein- getreten �ei. Die Haltung des Parteivorstandes sei richtig, er handelte genau nach dem Organisationsstatut, das nur eine Reichs- tagsfraktion kenne. Bezüglich der Beschickung der Reichskonferenz meinte er, daß auf derselben völlige Meinungsfreiheit gegeben sei. An der Zusammensetzung der Reichskonferenz sei nichts auszusetzen; sie sei nach dem Organisationsstatut erfolgt. Das„Gehen mit dem Parteivorstand" sei früher immer Pflicht gewesen. Genosse Müller, der im wesentlichen dem Genossen Legien zustimmte, führte noch aus, daß die Einteilung, auf Grund derer die Zusammensetzung der Reichskonferenz erfolgt ist, noch domo- kratischer sei als unser Parteitagsmodus. Bezüglich der Kassen- Verhältnisse von Groß-Berlin sagte er, daß bei der Aufstellung im „Mitteilungsblatt" gewisse Verdrehungsmanöver an Zahlen durch den Artikekschrerber eine Rolle spielen. Genosse Bieges trat den Ausführungen der beiden Genossen entgegen und legte dar, wie die Opposition zu ihrem Vorgehen durch die Sachlage gezwungen sei, daß sie ebensosehr Einigkeit wünsche, wie die andere Seite, nur wie diese erzielt würde, darauf käme es an. Durch Abstimmung wurde dann der Antrag des Kreis- dorstandes angenommen, wonach in Zukunft für Lieferung der„Neuen Zeil" von den Funktionären 10 Pf. erhoben werden sollen. Genosse Rehbein machte dann unter dem Signum: Spaltpilze noch Mitteilung von einer hierorts geübten Gepflogenheit einiger Ge- nossen, die sich zur Mehrheitspolitik bekennen, Extrasitzungen abzuhalten. Diese Sitzungen wurden von Genossen Müller und Legien als harmlose Zusammenkünfte mit befreundeten Genossen dargelegt. Genossin Tietz fügte noch erklärend hinzu, daß sich die betreffenden Genossen zu solchem harmlosen Beisammsein zusammen gefunden hätten, weil ihnen auf den Zahlabenden die Gesellschaft zu gemischt sei. Auf Zurufe aus der Versammlung erklärte sie dann, daß sie den Ausdruck gebraucht hätte in vezug auf Charakter usw. »» » Die Behauptung deS Genossen Legien über die Wahl auf der Kreiskonferenz ignoriert den von der Generalversammlung gefaßten Beschluß, etwa nötig werdende Wahlen solle die Kreiskonferenz vor- nehmen, damit nicht unnötige Kosten durch Einberufung der General- Versammlung entstehen. Seine weiteren Behauptungen über die Reichskonferenz widersprechen der Wirklichkeit. Zuckeranmeldung in den Vororten. Die Eintragung in die Kundenliste muß im Kreise Nieder« b a r n i m bis spätestens am 2 1. September abends 8 Uhr erfolgt sein, im Kreise T e lt o w- B e e S ko w haben die Einwohner bis zum 2 2. d. M. abends 8 Uhr Zeit, ihre Eintragung zu bewirken. Wechsel der Meisch-Bezugsquellen in Steglitz. Am 2. Ottober läuft die gegenwärtige Fleischkartenperiode ab und verlieren von diesem Tage ab die bisherigen Kundenverzeichnisie ihre Gültigkeit. Tie Neueintragungen in den bei den Fleischer- meistern und Fleischverkäufern ausliegendcn Listen haben vom 26. bis 23. September� zu erfolgen, zu welchem Zweck die Läden von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends offen zu halten sind. Bei Bewirkung der Eintragung hat der Karteninhaber oder der Haus- Haltungsvorstand seine oder die auf den Haushalt entfallenden Karten(Boll- und Kinder-FIeischkarten) dem Fleischer oder Fleisch- Verkäufer vorzulegen, und letzterer hat die an den Karten befind- lichen Anmeldeabschnitte abzutrennen mrd an sich zu nehmen.— Diese Aenderung in der Regelung des Fleischverbrauchs entspricht vielfach geäußerten Wünschen aus der Bürgerschaft und Eingaben von Vereinen an den Gemeindevorstand, endlich mal mit den Bezugs- quellen wechseln zu können._ Kinderveranstalttmgen in Neukölln. Heute Mittwoch: Spielen auf dem Turnplatz. Treffpunkt 1U3 Uhr Kaiser-Friedrich-, Ecke jJnnstraße.— Sonntag, den 24., fallen anläßlich der Jugendweihe alle Veranstaltungen aus. Gerichtszeitung- •? Meineidsprozeß. Ein umfangreicher Prozeß wegan schwerer Urkundenfälschung, Betruges, versuchter Verleitung zum Meineide und versuchter Verkettung zur'Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung be- gann gestern vor der 3. Strafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Hesse. Angeklagt ist der Kauf- mann Konrad Eifert in Charlottenburg, der schon seit etwa zwei Jahren in Untersuchungshast sitzt. Es handelt sich um außerordentlich verwickelte Rechts- und Tatver- Hältnisse, die schon zu langwierigen Prozessen zwischen dem An- geklagten und den Erben der Witwe seines Bruders geführt haben. In diesen Prozessor war von der Gegenseite schon wiederholt die Ushauptung aufgestellt worden, daß der Angeklagte auf zwei von saoter verstorbenen Schwägerin ausgestallten Urkunden Nachtrag- lich unbefugt einige Zeilen hinzugefügt habe. Ein Beweis für diese Behauptung hat jedoch nicht in überzeugender Weise er- bracht werden können. Jetzt handelt es sich um einen neuen Pro- zetz, den der Angeklagte gegen die Erben der verstorbenen Schwäge- rin auf Zahlung einr Summe von 150 000 M. auf Grund einer angeblich von der Schwägerin ausgestellten Bürgschaftsurkunde an- gestrengt hat. Die Gegenseite behauptet, daß diese Urkunde im- echt sei. In einer früheren Verhandlung lag ein Gutachten des Gerichtschemikers Dr. Paul Je s e r i ch vor, der auf Grund seiner chemischen und nttkropisotographischen Untersuchungen zu dem Schluß gekommen ist, daß wahrscheinlich eine vorhanden gewesene Unterschrift der Schwägerin mit dem darüber stehenden, aber mit anderer Tinte geschriebenem Text und vielleicht durch Abschneiden des oberen Teils des Papierbogens, auf dem die Unterschrift steht, in die vom Angettagten präsentierte Form gebracht worden ist. Der Angeklagte bestreitet dies und hat sich auf eine Anzahl von Zeugen berufen, die über das Zustandekammen der bestrittenen Urkunde Aussage machen sollen. Ihm wird aber vorgeworfen, daß er versucht habe, einige dieser Zeugen zum Meineide zu der- leiten.— Bei dem Umfange der notwendigen Beweisaufnahme, bei der zahlreiche gerichtliche Urteile und Urkunden verlesen werden müssen, sind fünf Sitzungstage für die Verhandlung angesetzt WKey. Wr werden das KrM mAeilen. verkAltenSbruch. Ein e&enfa grabor wie aemei, gefährlicher Nerirnueiis' liWch führte gestern den Ugentei, und Privat' defektiv Sigismund Schneider tvegen unlauteren Wettbewerbs vor das Schöffengericht Berlin-Schönebera. Der Angeklagte war seinerzeit für eine hiesige große Bau- gesellschaft mit ErmiHefiimien für einen großen Prozeß in umfang- reicher Weise betraut worden. Nachdem er bereits sehr vies Honorar erhalten, sein Kuftrag aber sich seinem Ende genähert hatte, suchte er wohs eine neue Geldgnelle, die jsnn ebenso einen nicht allzu schweren Verdienst abwarf. Sc setzte sich nämlich mit einer Allgesteliten der Baugesellschaft, die er während feiner dorti- gen Tätigkeit kennen gelernt hatte, in Verbindung und macht« ihr iin Laufe der ilnterhaiinngen, nebenbei erwähnend, daß er schon einer anderen Angestellten einmal V» Wt. ausgezahlt habe, aller- Hand persackende Versprechungen, daß er sie mit v>ilse seiner vorzüglichen Verbindungen mit dem KriegSministecinm dort unterbringen werde. Die junge Dame, eine Angestellte mit kleinerem Gchalt, lieh ihm auch anfangs gern ihr Ohr, SllZ er deutlicher wurde, verhielt sie sich jedoch ablehnend. Ex suchte sie nämlich zu bewegen, ihm Anfragen nach Kostenanschlägen für Bauten, die bei der Gesellschaft einliefen, sonste Heren daraufhin abgegebenen Preis- angaben mitzuteilen, AIS der Angeklagte dringlicher wurde, gab die Angestellte von der an sie herangetretenen Versnchnna dem Generaldirektor Kenntnis, Nunmehr wurde dem«schnei der eine Falle gestellt und ihm durch feine angebliche Vertraute eine Die Gegend, die von dem furchtksren Unglück bstrgfftn wurde, eine der schönsten des Bsergebirges, in unmittelbarer Nähe deutsch-böhmischen Grenze gelegen. Von grünen Hügeln und en Als eine von ihnen sehr deutlich abwinkte, bedankte er sich, daß sie ihn„auf den Pfad der Tugend zurückgeführt habe". Trotzdem ging er weiter hausieren und f'Ntte auch bei einer großen Bau- firma Glück, die den bösen Neinfall erlebte, sich bei der fingierten �irmn zu bewerben- Daß Gericht erkannte ans 3 Monate Gefängnis»nd 100g M. Geldstrafe event, noch JOO Tage Gefängius, da hier ein Bertrauensbrnch vorliege, wie er größer kaum gedacht werden könnte. Wegen einer Blume vor der Atrafkaminer! Die vierzehnjährige Martha Echewitz aus Bclzig hast« am llö, Zuni auf dem Friedhofe in Pelzig vom Grab« des Uhrmacher« Haberland ans einem Geranienbiisch«in« Blüte, deren Stiel bereit« gtlockeit war,»nd einen Ableger gepflückt, um ihn zum Sterbetage auf da« Grab ihrer Taut« zu pflanzen. Die Klein« wurde hierbei gesehen. Darauf wurde gegen sie Ctrafanirag gestellt. Die Pol«- damer Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen Di e b st a h l s, Das B e lzt g e x Schöffengericht erklärte sich iür iinznsiSndtfl, weil die Tat als Grabschändung„ach ß lö«, der d«n Schuldigen mit Gefängniz bis zn zwei Jahren und mit Perlust der bürgerlichen Ehrenrechte bedroht, aufzufassen sei, Der Staatsanwalt beantragt» vor den, Landgericht Berwci«» crtcilung. Die Potsdamer Strafkammer sprach jedoch die weinende Angeklagte frei, wejl sie ihr die zur Kenr.inis der «trasbaikejt erforderliche Einsicht nicht znmiitcte. Da« aus Pietät handelnd« Mädchen wäre sonst dem Gefängni« verfallen. Mus aller Welt. dammbruchkataftrophe km Isergebkrge. Bikle Ortschaften zerstört— 260 Menschenopfer. Ans Gnlilimz iBöhnieas wird gemeldet: Die Talsperre der Weißen Dess» ist am Montag in einer Länge von«0 Metern imh bi« z« einer Dies« von L0 Meter» geborsten. Die Waffe«. mengen ergossen sich mit furchtbarer Gewalt in die Tiefe, rissrn viele Glasschleiferelen mit sich und fährten grosie Banmmaffen zu Tal. Rehr»»» Bt» n s ch- n o p f» r sind zu beklage». Die Baummassen staue» sich in den Flustnfern und Landstrastens sämtliche Präcken wurden, soweit sie nicht weggerissen worden sind, nnteewosche» nnd droh«,, rinznstärzen j d«» Schade» ist unabsehbar. « steber das Unglück meldet der»Bote a»? dem Niesengebirge': Der Ramm der kleinen xalspene an der Weißen Desse im Jier- gebirge brach am Montagabend gegen ll'/e Uhr. Man vermutet, daß ein Abzngsstollen verstopft geweskn ist, Di» Sperre enthielt rund eine Milkiön Knbilmeter Wasser. Dies« Menge stürzt» in ll Meter hohen Wellen zu Tal und riß»inen großen unterhalb der Sperre gelegenen Holzschlqg mit. Bäum««nd Steine wurde» von der Flut gegen die Häuser der nnterhalb der Sperre gelegenen stark bevölkerten Ortschaften mit furchtbarer Gewalt geschleudert. Unzählige Häuser wurden zertrümmert, in Dessendorf allein gegen so. Auf einer Strecke von nahezu z w a n z i g K i l o m e t» r n hat die Flut an beiden Ufern der Desse und der Kgmnih schwer» Verheerungen an» gerichtet. Die zerstörten Dörfer bieten einen entsetzlichen Anblick. Unsagbar ist das Elend der betroffenen Bevölkerung. Vis heute (Dienstag) mittag wurden gegen 860 Leichen, darunter viele von Kindern, geborgen, doch ist zu befürchten, daß unter den Trümmern der Häuser noch viele Leichen liegen. Die Flut kam so plötzlich, daß a» eine Rettung vielfach nicht zu denken war, Die Dessendorfer Holzschleif» mit sämtlichen Vewohnern. zwanzig Personen, wnrd» weggerissen. ßnr Aussührung der Auf- räumungsarbeiten wird militärisch« Hilf» an« Neichenberg und Anssig erwartet. Ueber den grausigen Anblick, den M» so plötzlich von eine,»n- beilvollen Katastrophe heimgesucht» Jsergebirgsgegend bietet, ent. wirst«in Berichterstatter d»r»Reichenbergec g-ilung" folgende» Bild:»Eine entsetzlich» Katastroph», deren Umfang bi« zur Stunde noch nicht festgestellt werdin kann, da die bald nach dem Unglück eingstreten» Dämmerung es unmöglich machte, �den vollen Schoden zu übersehen,«reignei» sich gestern nachmittag. Als ich um Uhr abends in Tannwalo anlangte, mußt« da« Auto- mobil schon vor de« Ortschaft halten, denn dte Straße war UNpassterbak und aus derselben lagen in wüstem Durch- einandek Bäum», Wagen, Giebelwänd», Siraßenrandsteine, Holz- stücke, Hausgerät, Wände von Holzhäusern und dergleichen mehr. Noch stand das Wasser in tiefen Piützen auf der Straße und«ine fußhohe Schlammasse bedeckte den Boden. Dt« NeichSbrück« über die Desse tn der Nähe des Bahndammes ist abgesperrt. Auch sie hat schwer gelitten; Geländer und Nandsteig« sind von den Fluten fortgeschwemmt worden. Beobachtir berichten über die Katastroph« selbst folgende»: Ungefähr um Vaä Uhr nochmtttog« traf tn Tannwald die Meldung »in. daß dt? Talsperre der Weißen Tesje gerissen nnd ein großes Hochwasser zn besttrchten sei. Sogleich wurde die Feuerwehr alar- nsiert und die Bevölterung davon in KenniniS gesetzt. Ein« Stunde dauerte es, bevor die Fluten den Weg bis nach Tannwald zurück- gelegt hatten. Dann aber füllte sich plötzlich da» Flußbett und die Wasiermassen stürzten übe, zwei Meter über die ReichSbrücke hinweg. In den Wais«, fluten schwammen Bäum«, ganze Dächer, Hausgerät usw, Ab nnd zu bemerkte man in den wogenden Wellen Menschen» nnd T U, l e i ch« n. bis abends 0 Uhr zählte man schon zehn Leschen. Die Gegend, die von dem furchtbaren Unglück ist ein» der der deutsch-bi._____ I..... den waldigen Höhenzügen des Jier- und Rtesen-gebirges ein ; geschlossen, schlängelt sich die Weiße Desse in vielen Windung� dahin. Tie vielen kleinen Dörfer, tn denen sich seit langer Feit bereits eine betriebsame Industrie angesiedelt hat, haben sich trotz- dem noch recht viel von dem alten romantischen Zauber vergast- gener Zelten bewahrt. Deshalb werden sie auch alljährlich noch von Tausenden von Sommerfrischlern aufgesucht, denen die idhl- lisch» Ruhe und Pracht der umgebenden Täler und Wälder noch immer etne� abwechslungsreiche Erholung bieten. Auch die Tal- sperre, die jetzt das Unglück heraufbeschworen hat, bot in ihrer Großartigkeit den Touristen einen Gegenstand der Bewunderung. Diese Sperre, die erst im vorigen Jahr« ibrer Bestimmung über- 1 geben worden ist, bot schon während ihres Baue« im Jahre lölll den Schauplatz einer Katastrophe. DamatS war nach tagelangen starken Regengüssen ebenfalls ein Staudamm geborsten und un- geheure Wassermengen hatten wie diesmal das Darf Dessendorf überschwemmt und anderes Unheil angerichtet. Die Talsperre dient Im Bexeln mit der an der Schwarzen Desse gelegenen noch größeren Sperre dem Zweck, die ungeheuren Wassermassen, die van öen Höhen de» Jsergeblrges strömen, aufzusammeln und ihre lebendig« Kraft industriellen Zwecken dienstbar zn machen. Da« Wasser solcher Talsperren wird in gewaltigen Staubecken gesam- melt, die von außerordentlich dicken Staudämmen oder Stau- mauern abgeschlossen werden. Bricht ein solcher Staudamm, dann ist eine Katastrophe unvermeidlich. Dte Wassermassen ergießen »W egend un' öut unmöglich. Glücklich die Leven zu retten verTode verurteilt. Sein» gegen diese» Urteil eingelegt« Revision wurde verworfen. Der Rabbiner bei der Primaballerina. Aus Budapest wird gemeldet: Die ehemalig« Primaballerina Tesza S z e b e s h hat einem Rabbiner bei einem Rendezvous 6000 Kronen entwendet. dte dann bei ihr gefunden wurden. Sie wurde zu zwei Jahren schweren Kerkers verurteilt. EitzungStage der Ttadt- und Gemeindevertretungen. Steglitz. Tie lSrmeindemtreieisitzmig fuidct am Frtlwg, de» ..'2. Zeplrmber. abcndS 6 Uhr, im Sitzungszimmer de» Rotdause« statt. Di-l« ktyiingen gii»»ttenllich. Zeerr Gemrtndcmigetzdrtg» ist se> ! lichttgt, ihnen als Zuhitm heizumahnen. rechtzeitige Rettung von Hab und Bewohner der betroffenen Gegend, die ihr w blitzschnell über die ganze Umgegend und macheu fast jede Hab und Gut unmöglich. Glücklich WM>W>W»»WWWMW~ zu WM mögen. Bon einem sslchen, glücklicherweise nicht oft vorkommen den Unglück ist nun die reizende Landschaft in Böhmen betroffen worden._ Raubüberfall auf den Oberbürgermeister von Mainz. Auf den Oberbürgermeister von Mainz Dr. G o e t t e l m a n n und seine Frau ist auf einem Spaziergang in einem benachbarten Walde von einem lülährigen, au« Düsseldorf stammenden Burschen ein R e v o l v e r ü b e r f a l l verübt worden. Der Bursche nahm den Ueberfallenen ihr« Barschaft ab und flüchtet». Zwei Stunden später wurde er s» Mainz-Ombach festgenommen. Der Täter ist von besserer Herkunft und war seinem Pater mit gestohlenen zwei- hundert Mark durchgebrannt. Hingerichtet. In Dan, ig ist am Dien«tag früh da« Todesurteil an dem Schmied Wladtslau« Paschkowsky vollstreckt worden. Paschkowsky hatte im Ollober vorigen Jahres die Ehefrau des im Felde befindlichen Mühlenbesttzer» SchwevowSkt in Höchst- üblan, dessen Schwiegermutter»nd dessen zwei Söhne ermordet und daS Haus in Brand gesteckt, so daß die Leichen verbrannten. Am '23. Mai dieses Jahres wurde er vom Danziger Schwurgericht zum Sriefkaften öer NeKaktion. Di« luristisch««preSslund» fiiwil«ir ew.mn-msn«wdinfte.», IV. Ho, cerbt«, varierr». am Montag bw greiwg poi,« dw? ugr, am Sonnabend von»«t« 6 tlbr statt. Zt-d» ,ür den« r I, t t a st, n bestimmten Antrag« ist«in ivuchstab» und»>n» Sah!«U tweelzii»«» beimlilgen. Vrieslich« Antwort wird nicht erteilt.. Antragen, denen leine Abonnemenlsauitinns beigeMgl ist. werden ni»! beantwortet. Eilig» llragen trag» man in der Sprechstunde bor I>emiige, echrNttidSe und deegicichen»ringe mar j» die Sprechftnnde mtt- VV.(f.®, Sie sind zur AKIieserimg de» AummirelssnS perpffichtot. tönneu«bor, tvcnn Sie dgs Rad zn iSriKöstszwekten brauchen, ein» Er- laubnls zum Ikabren(ich rindoten.— W> H. llll. t. Sie können Antrag aus Rente jetzt steilen. 3. Zeh» Jahre nach Friedenstchtutr u. xle Krankem rent« wird durch die Landesverstchernngdanstalt telbst nutaehoden. i. Ja. 5, Srtradezüa» gibt es daraus nicht, g. Ja. 7. Rein.— Bö. Sst, 1. Rus- meispapier» werden dazu untere« Wissens nicht gebraucht Es ist aber ttchrrer, wenn Sie sich mit der Kebmisurkimde oder Shetchließuuqs- »rtund»»sw. versehen. 9. Bis zum 91. Dezember 1917, 8. Verein der Jretdenter für Fenerbettaituna, Friedrich Sachtteden, Berttn O.. Rigaer Ztr. 91.— F. 2ch. 78, Zur Koutrollvcrtammlimg brauchen Sie Nicht zu gehen. Gl» können aber naunltch jederzeit zum Heeresdienst»ingezoge» iverdeu.— Frtedrtchoselde A'j. t. Nähere»lnwottnng baden wir im Brietkasten der Sonutagsnummer gegeben. 9.(fg ympsted!! sich. d«n Aus- tritt tosort MMUtubmeii. 3. Wenn der Austritt vor m Amtsgericht bis zum 3t. Dezember d. I. erfolgt, sind Kirchensteuern noch bis zum 31. Dezember 1917 zu zahlen, s. Da« zuständige Amtsgericht ist Lichtenberg. S. Für da» Slierue Kreuz gibt es keme besonderen Bezüge, s. Da» wlssen tsw nicht. — Moabit 78. l. Der von Jbnen angegebene Zeitpunkt ist der Begriff innerhalb zweier Jahre. Es mühen aber in der Zeit nicht LSS Marten getlkbt werden, was ja unmöglich wäre, sondern S0. 3. Das ist selbst- oerständUch nicht zutöstig. SS können nicht alle Marken an einem Tag» gellebt werden. 3. Zu beziehen durch den.VorwärlS".Verlaa. Preis 3 M. — P. Sch. E7. Die Schwester kann da»» verpffichlet werden, wenn fi- ohne Gesährdung ihres eigenen Lebcnsunserbalts dazu in der Lag« ist. ff. SS. 100. Da« Testament ist in der Form nicht rechtSgütttg. Der Name muß unter dem Datum stehen.— v. ff.lv.«rbeiisverwendungstähiz im Feld». svetrerausstchte» für da» mtttler» Rorddentichlan» bis Tonnerstag mittag. Zeitweise heiter, jedoch kühl und überwiegend de« wölkt, mit wiederHollen leichten Regenjällen. vöAew Vorr/altungssiellB Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, das; unser Kollege, der Schlosser tiermann Lerch Ramlerstr. 38, am 1«. September gestorben Ist. ffhr» seinem Nndenke» k Di» Beer diguna findet heule Mittwoch, den 20, September, nachmittags ö'/. Uhr, von der öetchendaiie des Htmmelsahrt»' UirchtzoseS, Niederschönhausen- Nordend,-uts statt. Den Kollegen serner zur Nach. rtcht, daß unser Kollege, der Mechaniker Lrnst 8lc)!zenback am 17. September an Lunzen- leiden gestorben ist. Ehr« seinem Unbenren l Dt» Beerdigung findet am DoimerSIag, den 2l. September, nachmittags 4 Uhr, von der Ueichenbolle des Heilig-Krruz- Kirchhofes, Mariendois, Sisenacher Straß», aus statt, Reg» Beteiliguna erwartet 133/19 Tie Drtsverwaltnns. !efi!i'älvff>i»issl lies l\mmt ßEDlschisnds. Zihletella Berlin und Umgegend. Bezirk 36. Nachruf! Den verufsgenossen zur Nach> »ich t, daß unser Mitgltrd k�risäfick Neubeck am LS. August an Herzschlag der- storben ist. Ehre seinem Andenken; Die Beerdigung bat am 2. Sep. lember in Mahisdort stattge. snnden. 254/18 ttcr Torntand. Allen Freunden»nd Bekannten die Iraunae Nachricht, daß uniere innlgstgeilebte Tochter 1»2A Herta am 18. September an Scharlach gestorben ist. Die tiesbeirübten Eltern Karl und Anna Friedrich, MuSkaucr Straße SS. Dte Beerdigung findet morgen Donner»tag, nachm. 3 Uhr, aus dem Zentralstiedhos in Iriedrichiselde slait. »Mi» 107© � üenn Hnlire für Haut-, Harn-, siraueniei! nerv. Schwäche, Beinkranke jeder »«. tstirlich-Pte-Keri«. kiiitziewi. SI. SStS. Sprchst. 12-2, Sonntags 11.2. Honorar»röß,. a. Zeilzahl. »— Separdte» 0»men»imn,,r.— veutzekei' Bezirksverwaltung GroB-Berlln. Nachruf. Den Mitglleden» zur Nachricht, daß unser Kollege, der Industrie- orbelter l storben ist. Ehr» seinem Andenken k Di» Beerdigung findet am Mitiw�ch. den 20. September, nach- mitta..« 4>j, Uhr, von der Holle de« Friedhosel der AuserstehungS- gemeinde in Veißensee, Lichten- berger Straße, aus statt. gt/3 vis Ort, Verwaltung. -JÄtwUe�i-'IS S�fj QivXttL 15{Jifj, flimatimeftellen fSr„Kleine flnzelgcn" lierlin C. 9(. Habniicki. Ackerstr. 174. <». Karl Melle. Petersburger Platz 4. R. ZArngel», Rarkusttraß» ZS. k!v. L. Znch». Jmmanuelkirchstr. 12. fi>. A. Wolgast. Wattstraße 0. H. flifester. Bantanfiroß, S. Karl Vtar». Greijenhagener Str. 22. I. Hönisch, Müllerstr. S4» H. Bogel, Lortzingitr. L. Salomon Joseph, Wilhelmshavener Dir. 48. G. Echmldt. BSrwald'ir tZ. «8. St. sprin, Prinzenstr. Lt. H. Lehmann, Kottbuser Damm 8. bttd. Panl Bö lim. Lausitzer Platz 14Mo. sy. Hortch. Sngeluier 15. �dlornkot. Karl Schwarzlote, Bismarckstr. LS. Iluniiinakiolvilwszr. H. Börnig, Marientbater Str. 18, I. lioF«ig"wiilde. Paul Kienast, Niufchitr, 10, Chiu'luttenbnrs. Gnstav Sckiarnbrrg, Seiendeimer Str. 1. B'�lsdrleiintiaxen. Ernst Werkinann. Köpenicker Str. 18. UrUnan. Franz Klein, tzriedrtchstr. 10. Max Eoutchnr, Parkstr. 28 «»ni-lnlinrnt. Hermann«illing, DSnhoffstr. SS. Einit Wiftler, Kietzerür. ö. Laden. ».lekitonbor» t. Ctto Scitcl.»artendergstr. 1. I.lcktvnksrff II. Zt. Stoieneranz, Alt-Boxhagen i«. Xvnltdlln. Sät. Heinrich. Neckarttr. 2. ff. Rohr, Siegfried- straße 28/22. .Vledcr>Hchttnoweide. Wilh. Unruh, Brück enstr. 10. Xowawcn. Kart Krähnberg, Sisenbahnstr. 10. tdker-dzekitnvvavkd«. Alfred Bader, Wilheiminenhosstr. 17, Lade«. Pankow. Ctto Ritzmann, Mübienstr. 30. Ueinickendorf. P. Gursch, Provinzstr. öS, Laden. viekiineekvi-A. Wrihelm Baumler, Meininger Str. 2 im Laden. dspiend»«. Schuhmacher, Breilestr. S4. hzeeslltsi. H. Bernsee. Allenslr. ö. Dorupvltiot. Joh. Kroh», Borusfiastr. S2. Di-vplon-, Robert wramenz, Kiesbolzstr. 412. Lad« tztz vtU«»»««. Gustav Roftkopf» Berliner Allee 11. Wlluierndopf. Panl Schubert, Wild-lii>saue27. Nach zwetjöbriger treuer Pflicht. erjüllung verstarb an teiner schweren Verwundung am 2S. August 1V1S durch Kopfschuß mein herzensguter Mann, Baier leine« einzigen, noch nie oe. sedenen Eadiichen», mein lieber Schwiegersohn, unter guter Bru< der. Schwager und Onkel, der Landwehrmann 7521 Paul l'kaal Wörther Str. 16 im Alter von 86 Jahren. Dte» zeigt an tn tiefstem Ichmerz grau Gcrtrnd Tbeel geb. Hlroh«rt nebst allen Verwandten. Du zogst hinaus in Feindesland. Für« deultche Recht zu streiten. Du mußtest dort sürs Baterland Den Heldentod erleiden. Die Freude Deiner Wiederkehr War nicht vergönnt den Deinen. Und mögen sie auch noch so sehr Ihr Liebstes min beweinen. Nun ruhe sanst im Heldengrad. Befreit von allen Schmerzen; Die Bebe, die Dich hier umgab, Lebt sort in unleren Herzen. Ruh» sanst in Feindesland I Beste Stoffe! FeBlmiif Billigste Preise! BarTorrNffend« Modell-Kost Urne JSBtillekende neaeote Pol*- mnd IsBsmt mit Mhtem Ilti«, HaitioBTsnchnfirnn««, itlas Tuch-, rsinwoll-D« Kammgarn- Koilfim«, OlookaDforman, daiantar Uodalia anter Meistar, in nngtban« groitar Aaiwabl, Enata lür Matt- arbailan(l»ltena Uodallitdeka) 900,— 380.- HB,— 88,— OadIa(aaa, ralnwoIUaa, Itieb» Koat&mo aoj Kammgara, Kantaal», nnd Lodenitoflaa 76,- 68,- 42,— 83,— Torjibrli;» Madill-Kamnieara., Tuoh-Koit&m» 29.— 26,- 42,- 18,- BolBKnrnitareB Kokt S»al- Bliam■ Kratto nnd Palarlnan mit Xltia'Baaats, faaslia Uodan, W»ia«tuoha, Harmolin, Skanka-Stolaa u. Uuttan, aahr billig. Blnsala» TOrjkhrlga Falajaokan 60.-% In I7Iat»r mollig», dick» aber Uloht» W oilltoffa, Oloektnmint»! mit f»Ubaatti»n, Prachtstück» 100,— 76,- 60,- 39,- TorUhrie» r»dlcK»n» ülata» 80.- 24,— 18,- 16,- A.nawahli»adug»a na»k anHarhalk £•;•» Aniablonfi. Blaieiaanp- nnd Prüfuöpaktddae I» Well* a. Samt. PlOschmäntel. 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