Dr. 261.-33. Jahrg. flbonnemcnts-Bcdlngungen: (ttonnemcntä. Stctä pränumerirnd» Biettcljöirl 3,90 Mk, monatl. ILO MI, wöchmUich M Psg, frei WZ Haut, Einzelne Nummer ö Big, Sonnlagt» nunimer mil illuilrierrer Sonnlagt- Beilage.Die Neue Welt'>0 Vlg, Böst» Abonnemem: i,ZO Marl vro Monat, Eingetragen in die Bon- Aeilungt» Breielisle, Unter Kreuzband im Dcutichland und Oesterreich• Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland t Marl pro Monat. Poslab onnemenls nehmen an Belgien, Dänemarh Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schtvcden und die Schwelt, kklcheiiil IZgNch. Derlinev Dollisblnlk. ( 5 pksnnlz) VIe lnkertionz-Ledahi' detrllgt für die sechsgespaltene Kolonel- seile oder deren giaum 60 Psg. für politische und gewertschastliche Vereins- und Bcrsammlungs-blnzeigen 80 Psg, „kleine Hniciseti", das fettgedruckte Wort 20 Psg,(julässig 2 fettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 10 Pfg, Elellcngefuche und Schlafstcllenan- scigen das erste Wort 10 Pfg,. jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buch- stabcn zählen für zwei Worte. Inserate »ür die nächste Nummer inüssen bis d> Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Delegramm-Ndreff«: „Sozlaldcmolirat Rerlla", Zentralorgan der roztaldcmokratifcbcn Partei Deutfcblands. ZledoBtion: Slv. HS, Linöenstraße Z. Zherniprecher- Amt Morlstvla«, Nr. 181 90—151 97. vie Reichskonferenz. Berlin. 21. September. Im Saale der Budgetkommission des Reichstages trat heute vormittag die Reichskonferenz zusaminen, zu der außer dem Parteivorstand, 0er Kontrollkommission und den sozial- demokratischen Reichstagsabgeordneten an 300 Delegierte er- schienen sind. E b e r t gedachte in seiner Eröffnungsansprache der im Felde stehenden Parteigenossen und der Gefallenen. Zur Ehrung für diese, zum Dank für die Kämpfenden erhob sich die Versanimlung. Als Zlvcck der Konferenz erklärte Ebert, der Einheit der Partei zu dienen, ihre Aktionsfreiheit zu sichern und dem Parteischiff einen festen geraden Kurs für die Zukunft zu geben. Mit der Leitung der Verhandlungen wurde der Partei- vorstand betraut, die Geschäftsordnung ist die der Parteitage, die Tagungszeit wird auf 9—1 unö 3—7 Uhr festgesetzt. Die Tagesordnung lautet: 1. Die Politik der Partei.(Referent: Scheidemann.) 2. Die Tätigkeit des Parteivorstandes.(Referent: Ebert.) Nach den beiden Referenten soll Haase als Korreferent mit allen Rechten eines Referenten das Wort erhalten; dem Vertreter der Gruppe„Internationale" wird eine halbstündige Redezeit zugebilligt, Haase und er erhalten auch ein Schlußwort. Die Abstimmung über einen Antrag Dr. Braun- Nürnberg, die Tagesordnung durch einen Punkt:„Tie Ueber- führung des Kriegszustandes und der Kriegswirtschaft in den Fricdenszustand und die Friedenswirtschaft" zu erweitern, wird hinausgeschoben, da man noch nicht übersehen kann, ob dafür Zeit bleibt, es auch fraglich erscheint, ob eine solche Beratung genügend vorbereitet ist. Die Konferenz beschließt, täglich der gesamten Presse ein� Uebersicht über die Verhandlungen zur Verfügung zu stellen; die Entscheidung darüber, ob später ein genauerer Bericht veröffentlicht wird, bleibt vorbehalten. Im Namen von über 199 Abgeordneten und Delegierten gibt Ledebour eine Erklärung ab, die die Zusammen. setzung der Reichskonferenz kritisiert und ausspricht, daß die Unterzeichner sich an der Konferenz nur beteiligen, um diese Gelegenheit zur Aussprache nicht vorübergehen zu lassen. Eine ähnliche Erklärung, die überdies die Beteiligung an sachlichen Abstimmungen ablehnt, wird für die Anhänger der Gruppe„Internationale" abgegeben. Darauf tritt die Konferenz in die Tagesordnung ein. Als Referent über die Politik der Partei legt Scheide- mann dar, daß die mit Siebenachtel-Mchrheit beschlossene Zustimmung der Fraktion zum ersten Kriegskredit durchaus der Volksstimmung entsprach, die damals der von Rußland drohenden Gefahr voll bewußt war. Heute übersehe die Oppo- sition, daß die Deutschland bedrohende Gefahr wahrlich nicht geringer geworden sei. Es bestehe kein Anzeichen dafür, daß eine Ablehnung der Kriegskredite durch die deutsche Sozial- demokratie ein gleiches Vorgehen der sozialistischen Parteien Englands und Frankreichs zur Folge haben würde; selbst wenn aber dort ein Teil der sozialistischen Parteien sich dazu entschlösse, so wäre die Wirkung auf die Regierungen äußerst gering, wie das Beispiel Italiens und Rumäniens gezeigt habe, die bereits nach langer Tauer des europäischen Krieges trotz der sozialistischen Warnungen— Italien auch trotz der österreichischen Gebietsangebote— sich in den Krieg gestürzt haben. Die Etatbewilligung von 1915 sei keineswegs eine Vertrauenskundgebung für die Regierung gewesen, sondern im Dienste der selbswerständlichen Pflicht der Vaterlandsver- teidigung erfolgt. An dem ganzen Gerede von einer sozial- demokratischen Äegierungspolitik sei nicht mehr, als daß jetzt die sozialdemokratische Fraktion von der Regierung ebenso informiert werde, wie die anderen Parteien, so daß nur ein Ausnahmezustand beseitigt erscheine. Schon die Zustände in der Ernährungsfrage schließen ein besonderes Vertrauens- Verhältnis zur Regierung aus. Weder ein Parteitags- noch ein internationaler Kongreß- beschluß verpflichte zur Ablehnung von Kricgskrediten; wenn aber das Parteiprogramm die allgemeine Volksbewaffnung fordere, so natürlich dazu, daß das Volk in Waffen seine Unabhängigkeit verteidigen könne. Die gegenüber den beut- schon Erklärungen zur Friedensbereitschaft immerfort wieder- holten Kriegsziele der Entente bedrohen ein besiegtes Deutsch- land mit der Aussicht, die Produkte seiner Arbeit fremden Eroberern abliefern zu müssen. Wo bliebe da der Sozialis- mus, wie wäre dann eine gerechte Güterverteilung zu schaf- fenl Die internationalen Kongreßbeschlüsse, daß die sozia- listischen Parteien auf rascheste Beendigung eines ausgebroche- nen Krieges hinzuwirken haben, gelten gleichermaßen für alle sozialistischen Parteien; unser Bemühen, danach zu handeln, begegne aber immer wieder der schroffen Ablehnung auf der anderen Seite.— Nachdem Scheidemann entschieden gegen annexionistische Forderungen gesprochen und eine deutlichere Bezeichnung der deutschen Friedensziele durch den Reichs- kanzler, schon zur Widerlegung feindlicher Entstellungen und Verleumdungen gefordert hatte, besprach er die Fraktions- spaltung und schloß mit der Zuversicht, daß die deutschen Ar- bester schließlich selbst fordern werden, daß die deutsche So- zialdemokratie einheitlich und mit ganzer Kraft sich den kom- Menden, unübersehbaren großen Aufgaben zuwende. Bartels(Parteivorstand) berichtete darauf, daß 397> Delegierte anwesend sind. 12 Kreise haben von ihrem Ver- 1 Freitag, de« ÄÄ. September 1V16. tretungsrecht nicht oder nicht voll Gebrauch gemacht. Die bei- den Organisationen des Wahlkreises Teltow-Beeskow sind durch je 3 Delegierte vertreten. Obgleich der Parteivorstand die neue Kreisorganisation Teltow-Beeskow nicht als recht- mäßig bestehend anerkennt, schlägt er— um Zeit zu sparen— vor, sämtliche Mandate anzuerkennen. Die Konferenz stimmt nach kurzer Debatte diesem Vor- schlag zu. In der Nachmittagssitzung referiert Ebert über die Tätigkeit des Parteivorstandes. Er weist darauf hin, wie der Kriegsausbruch eine glänzende EntWickelung der Partei unterbrochen hat, gibt dann Auskunft über die inne- ren Verwaltungsmaßnahmen des Parteivorstandes, über seine oftmaligen, aber stets an dem Widerstande des von Vander- Velde geleiteten Internationalen Bureaus sowie der soziali- stischen Parteien der Ententestaaten gescheiterten Bestrebun- gen, Zusammenkünfte mit ihnen herbeizuführen. Ebert wen- det sich dann den Aktionen der Partei und der Gewerkschaften gegen die Mißstände in der Volksernährung zu, um darauf eingehend das Entstehen und das Vorgehen der Opposition darzustellen. Die Besprechung einer Anzahl von Flugblät- tern gegen die Parteileitung führt ihn zu dem Schluß, daß die setzigen Schwierigkeiten der Partei einen tiefen sachlichen Hintergrund haben. Verderblich und verhängnisvoll für die Partei und das Proletariat ist es, wenn dieser Meinungs- streit so ausgefochten wird, daß jede Kameradschaft ertötet werden muß. Disziplin und Vertrauen werden dadurch untergraben, die Grundlagen der Partei zermürbt und die Partei schwer gefährdet. Die Kämpfe der Zukunft werden das Schicksal der Arbeiterklasse auf Jahrzehnte hinaus ent- scheiden, bei ihnen wird alles abhängen von der Macht und Entschlossenheit der Arbeiterschaft. Festigen wir also unsere Organisationen und sichern wir die Einheit der Kampffront! (Lebhafter anhaltender Beifall.) Weiterberatung Freitag. Zrieöensartikel. ' Prinz Alexander zu Hohenlohe veröffentlicht laut einer telegraphischen Meldung des.Verl. Tageblatts" in der.Neuen Züricher Zeitung" einen pazifistischen Artikel, betitelt.Europas Selbstmord". Der Verfasser geht von dem Grundsatz aus, daß der Krieg nur einen allgemeinen europäischen Staatenbankerott her« vorrufen werde. Das müsse verbinden werden, indem einige hervor- ragende Persönlichkeiten die Kriegführenden rechtzeitig zu einem Friedensschlüsse veranlassen. Zu dieser Aufgabe ruft Prinz Hohenlohe den Pap st Benedikt und den Präsidenten W i l- s o n auf. Wilson müsse die Munitionsiabrikanten Amerikas ver- anlassen, datz sie keine Geschosse mehr nach Europa liefern; dann würde den Alliierten die Kraft ausgehen, die Zentral« mächte weiter zu bekriegen. Die Zentralmächte würden ihren Feind verlieren, der Krieg würde mechanisch aufhören. Der Prinz meint, datz der Papst und Wilson beim Gelingen ihres Unternehmens grötzer in der Weltgeschichte dastehen würden, als die grötzten Kriegshelderr. • Die englische Wochenschrift.The Nation" beschäftigt sich. laut dem.B. T." in ihrer letzten Ausgabe in einem.Der An- fang vom Ende" Lberschriebenen Leitartikel mit der M ö g- lichkeit eines baldigen Friedensschlusses. Der Artikel knüpft an die Stellungnahme der deutschen sozia- l i st i s ch e n Partei an und setzt voraus, datz das deutsche Volk in seiner überwiegenden Mehrheit den Frieden wünsche, und fährt dann fort:.Warum soll der Krieg nun noch länger dauern? Europa wünscht den Frieden; die Neutralen wünschen den Frieden, die kriegführenden Völker wünschen den Frieden, die Armeen wünschen den Frieden und würden es mit Freuden begrützen. wenn sie heimkämen." Nach dieser Einleitung gibt die.Nation" ihr Programm der Friedensbedrngungen.. Das Blatt glaubt aus der Rede des Reichskanzlers herausgehört zu haben, datz Belgien unter allen Umständen aufgeteilt werden soll. Für die .Nation" ist dies unannehmbar. Ebenso wird die Wiederher« stellung von Serbien und Montenegro im Verein mit völliger Wiedereinsetzung ihrer Rechte und Genugtuung für Frank- reich gefordert..Wenn man uns aber unterstellen will, wir wollten an die Stelle der deutschen Hegemonie eine Hegemonie der Entente stellen, so ist das v o l l st ä n d i g f a l ich. Ein solches Ver- langen werden wir nie stellen." Als ebenso falsch bezeichnet es die.Nation", datz England wieder seine Zuflucht nehmen wolle zu der Theorie vom europäischen Gleichgewicht, die die einzige Alter- native sei, wenn man das unbeslritiene Uebcrgewicht einer euro- päischen Gruppe nicht dulden wolle. Was man in Wahrheit wolle, sei folgendes: Zunächst müsse der Friede, wenn er dauernd sein solle, durch Verhandlungen zustande kommen. Wenn Deutsch- land irgendeinem Bund beitreten will, müsse ihm Gelegenheit ge- geben werden, dies zu tun; wenn es sich weigere, müsse es aber das Recht Europas sein, einen Friedensbund ohne Deutschland aufzu- richten. Ganz falsch sei es auch, sich die Reorganisation Europas so vorzustellen, datz jedes Mitglied der Entente sich auf Kosten jedes Mitglieds der Zeniralmächte bereichern dürfe. Nach Ansicht der „Nation" hätten sich matzgebende englische Staatsmänner deutlich genug gegen eine solche Politik ausgesprochen. Derartige Pläne� würden, selbst wenn sie sich aus der militärischen Lage rechtfertigen Hetzen, vielleicht einen materiellen Sieg, aber bestimmt eine sittliche Niederlage bedeuten. Territoriale Fragen haben nach Ansicht der „Nation" beim Fricdensschlutz überhaupt hinter die viel wichtigeren völkerrechtlichen Fragen zurückzutreten. Das englische Organ schließt:„Wenn das riesenhafte Blutvergießen in gleichem Stil fortgesetzt wird, das heißt, bis zum letzten Mann und bis zum letzten Pfennig, dann bedeutet das den Untergong der Welt. Das einzige, was also helfen kann, ist die S t a a t s m a n n s k u n st. Die europäische Diplomatie ist aber jeden Beweis schuldig geblieben, daß sie solchen Aufgaben gewachsen ist, und es wird einer stärkeren Kraft bedürfen, um ihr auf den Weg zu helfen. Diese stärkere Kraft ist die öffentliche Meinung. Diese ist bisher miß- Expedition: SM. H8, Linöcnftraße Z. itzerniprecher: Amt Morivplav, Nr. 15190—15197. leitet worden und wirkt daher auf sehr verwirrte Weise; aber sie kann auf den rechten Weg zurückgeführt werden, und dann wird sie der natürliche Vermittler sein zwischen jenen, die uns in den Krieg trieben, und jenen, die darunter leiden. Wird die öffentliche Meinung aber weiter aufgereizt, dann wird der Friede, selbst wenn wir ihn bekommen, kein guter Friede sein." Die schlimmste Irreführung der öffentlichen Meinung sieht die«Nation" in der unsinnigen, durch offizielle Reden genährten Auffassung in den Ententeländern, datz die Zentralmächte nicht nur militärisch vernichtet, sondern danach auch von der wirtschaftlichen Ge- meinschaft Europas ausgeschlossen werden sollten. Selbst wenn dies in militärischer Hinsicht, unter grauenhasten Verlusten, möglich sein sollte, so halten wir diesen Weg noch immer für den unfruchtbarsten. Geht man auf diesem Wege vorwärts, so wird man zur Verarmung und tödlicher Erstarrung kommen, aber nicht zur Ehre oder zur Sicherheit der Welt, nicht einmal zur Sicherheit für England selbst. Unser Ideal ist es, durch guten Willen und Verstand zum Frieden zu kommen und, wollen wir hinzufügen, durch verständige Mäßigung der englischen Diplomatie." Angefügt ist dieser Aeutzerung ein Aufruf des Blattes, eine allgemeine Besprechung der Friedensziele in der „Nation" einzuleiten. » Ueber einen weiteren Artikel derselben mitunter zu offiziösen Zwecken benutzten englischen Wochenschrift, der stellenweise den Charakter eines F r i e d e n S f ü h l e r s trägt, unterrichtet ein tele- graphischer Bericht des Haager Korrespondenten des ,B. T." Der Artikel, betitelt„Die wirkliche Zerstörung des preutzi- scheu Militarismus", konstatiert, datz auf beiden Seiten ungebrochene Kriegsentschlossenheit herrsche und meint, datz auf jeder der beiden Seiten die Möglichkeit, den Frieden zu diktieren, als einziges Mittel, einen dauernden Frieden herbeizuführen, angesehen werde. Es gebe aber noch eine andere Gesinnung, div nicht entschieden pazifistisch sei, aber in der Ueber- zeugung wurzele, datz ein rein militärischer Sieg, gefolgt von einer willkürlichen Neuordnung Europas, keiner- lei Sicherheit ergeben könne. Diese Richtung glaube an den Wert geordneter internationaler Beziehungen. Gegen- wärtig wirkten, aber die radikalen Forderungen wechselseitig aufreizend, und besonders ständen sich die „dauernden Maßnahmen der Pariser Konferenz und B e t h- mann Hollwegs„Frieden auf Grund der Karte" einander gegenüber. In diesem Stadium ihrer Ausführungen nimmt die„Nation" einen wissenden Ton an und sagt:„Es mag sein, datz unsere Regierung gleich der deillschen in bestimmtem Grad die all- gemeinen Ansichten widerspiegelt, aber es ist unwidersprechlich u n- lvahr, datz die Männer, die die Leitung unserer zukünftigen auswärtigen Politik in Händen haben, an die Zerschmetterung des deutschen Handels-, die Niederhaltung des bewaffnetenDeulschlands oder an die Ergebung in ein ununterbrochen in kriegführende Parteien gespaltetes Europa glauben. Im Gegenteil glauben wir zu toissen, daß viele ver- antworiliche Staatsmänner in diesem Lande unabhängig von Partei- zugehörigkeiten, mehr und mehr zu der Erkenntnis kommen, datz die beste Hoffnung für eine erträgliche Zukunft in den Bc- mühungen liegt, die sich in der Richtung auf eine Liga dcr Na- t i o n e n bewegen und die auf dem Gedanken gegenseitiger Garan- tien und Vereinbarungen beruhen. Den Grundsätzen der„Liga zur Auferlegung des Friedens", die von der einzigen nicht in den Krieg verwickelten Großmacht in den Vordergrund gestellt worden ist, huldigt nicht nur Wilson, sondern auch Hughes, der republikanische Kandidat, so daß cS gleichgültig ist, wie die Novemberwahlen in den Ver- einigten Staaten ausfallen. Diese Grundsätze sind doch'wie ein Weckruf Amerikas an Europa. Sir Edward G r e y hat ausdrücklich diese Grundsätze gebilligt, und er wie A S q u i t h haben sich der Arbeit für die Verwirklichung internationaler Vereinbarungen nach dem Kriege gewidmet." Die„Nation" führt weiter aus, datz Deutschland diese Gedanken bis jetzt mit der grötzten Energie von der Hand gewiesen habe, aber es könnte doch leine Rede davon sein, datz eine etwaige Beugung des preußischen Militarismus eine dauernde Tatsache werde, wenn nicht in Deutschland ein lebhaftes Interesse in der angegebenen Richtung bestehe. Wenn Asquilh ge- sagt habe, datz der Kiampf gegen den deutschen Militarismus nicht die Zerstörung und Zerstückelung Deutschland im Auge habe oder irgendwelche Schmälerung seiner Freiheiten, so habe er damit den Weg für eine richtige Auffassung der Absichten der Alliierten gebahnt. Die„Nation" mutz zugeben, datz ein solche Gedanken erörtendes Schriftstück, an dem Archer, Professor Gilbert Murray und Professor Hob- h o u s e mitgearbeitet hätten, nicht den Weg in die englische Tagespresse gefunden habe. Das gegenwärtige, lediglich auf Kriege ge st eilte politische System Europas", so lautet darin der entscheidende Satz,„kann ein Ende finden, sobald Deutschland bereit ist. nichts gegen die Erledigung internationale r Fragen durch sried- lichen Schiedsspruch einzuwenden oder durch ge- meinsame Verhandlungen am runden Tisch." Die „Nation" versichert, datz, wenn Deutschland deutlich seine Bereit- Willigkeit, sich von einem solchen europäischen System nicht auszu- schließen, zu erkennen gebe, damit eine vorläufige Basis für Verhandlungen erreicht wäre. Im übrigen habe auch Herr v. Bethmann Holl weg gesagt, datz es um einen dauernden Frieden gehe. „Die entschieöenften Maßnahmen� gegen Griechenland. Paris, 29. September.(W. T. B.) Havasmeldung. Der Kammerausschuß für auswärtige Angelegen- heiten ist unter dem Vorsitze von Leygues zusammen- getreten. Er hat die durch die E r e i g n i s s e in Griechen- land geschaffene Lage geprüft und ist zu dem Schluß ge- kommen, daß eine entschiedene und feste Politik, wie sie in der in Athen am 24. November 1915 überreichten Note der Entente zum Ausdruck gebracht worden ist, die einzige ist, die zu positiven Ergebnisien führen kann. Wie auch die Alliierten über die zukünftige Rolle Griechenlands dächten, so sännen sie nicht dulden, daß in Athen ein VÜittelpunkt für Perichwoxungen der Feinde bestehen bleibe, und sie hätten die Pflicht, die entschiedensten Maßnahmen zu ergveifen, um die Sicherheit und volle Bewegungsfreiheit ihrer Heere sichefMsteÄe«.__ de«Mse KltMeugangriff auf Constanza. -UMtlich, Aerlst.,-�:. September 191H, W. T. B-) Deutsche ZLetilu ge habe« am 20. September früh zwei rufsi'sche KliUMugmuttM'Änffc. die unter Geleit eines Kreuzers und mchner« A«M'er Milgzeugc zum Angriff auf die bul' g«isä)e Äüsie bei P a r n s heranbringe» wollten, erfolg. reich mit BkwHln angegriffen� die feindlichen Seestreitkräste Wurde» zu schleunigen Rückzug gezwungen, der- folgt von unseren Secflugzcugen. Diese griffen später feind' liche TranspLetdainpier in Constanza erfolgreich an und de» legten WeMgHMiWLN der Nord-Dobrudscha mit Bomben. Alle Flugzeuge sind trotz stärkster Beschießung unbeschädigt zurückgekehrt. der bulgarische Kriegsbericht. Eofla, 20. SeptevKer.(«. T, B.) Amtlicher HccreSlbertcht KAM s<0, September. .W��LKjontichL Front. Die Kämpfe um Lerin rFsiuuw» errttMM sich W vnferem Bortetl. Durch starke GegeinulWiffL, au dmc« unsere Kavallerie teilnahm, warfen wir den Fflutb zurück wrch fügte» ihm große Berluste zu. Die iipmz ist mst Seiche« des FeindeS bedeckt. Wir nahmen Cifizicr rmd.11 Weiler po« einer ruffifchen Brigade s�wie 100 Mmw vom 175. französischen Regiment gefangen «chcutetxn Kwei MchMnenMoehre. Heftige Angriffe drs Feindes von de? fiffB&ahn bei Msy bis zur ieiMjche« Truppen UI vorAeschsbeuen GrsHynsliisten stich, Ivueben Mr durch cme« kräsii-,«« fränzösische» Gegenongriff sosleich hinanS« (teippxffU. A«l SIbschmtt von BMÄaye«n?K bauest der«kltgerik» kämpf zieuchch lebhaU soit, Oestlich vom Mgel Vs>« ZSUStn und i�n ÄSak«t'.Uti«kde«owtucsttich von«tffsrch scheiseften feindlich, Bks- suche aus Mu« Mazvsisch« Puste«, tz sust tvqx dt» AsÄt ltherall ruhig, Drie«tar«ieL. Po« dex Tlrum« bis in die Gegend West- (ich VG»«aeKqr das pbsiche Geschiitzstner und PgtrSUillengefechi», Lesttich päft(&m*4 setzt«» die Selbe« shs, OssensiV« fftifsta fort j u« hzhe» die HM-Itäp, de« höchsten Jeff de« Zsqjmsleslon. ds» V-n den ßyitem W die Pertesdianng»ingeltchtet war, angegrssten und und«ach ktbillen«« Mmpf«, der schlletzlich viann gegen Ms»« gesählt tuuLdx, Hetren der ßi-klungen geblieben, Dse Buwajcen haben sehr höh« Berluste erlitten, so dnß sie nur riW« sänszig GefanZ-n« in den HS» den iff Silben ließe«. Desttsch Po» �lssina in der Gegend Broj-Klufsxs jst bes Gyseßnieq»in durch Kavallerie »WlgxstWe* bulgarischer Gegenangriff dmch Jeuer von?>/, sienii- lueter.-Geschützen Mstsent j-ssld«n, devox ex die serbischen Linien .««cht«, Äps Mserem liusin Iiügxl seistet der Jeind noch auf den chM» röffeiich ßo» Mß.dexi und beim Kloster«an Rorgo Wider« iinnd. In Ilorins hab-n die grwsp'w eifttg« Häuser, in denen die ewiz««« sich mit wstder Knergi« verieidsgwn, gesäubert und dabei ,■11#» iflP Hfangens gemacht, Gin Ilugzeuggeschtvader bat viel« Geschosse«us MMsstix gewoxsen, Kp«» Zst, KepiKwhsr, nbends, lW, D, B.) Rhrdssch PA n der Zsmme mtsmahmen die Deutsche» riflx» staxieu Hexsuch, uns aus Pen jüngst erobekten Stellungen zu usffamißgih Hie Schlacht duuekte von ö ützk Mörsens bis zum Sin- «nuch per Nqcht, Aus emer Front von ungefähr o Kllometern, von heiz? Gehöft s« Hriez pch südlich tzgm Gehöii Voih�-Labbä wurden die niigrxssxudxn Mqnen in Wiederhosts,, Anstürmen vorgeworfen, denen iodßchft.st xiu? heftige Aktjllsxißvoxhereitung voranging. Unsere XxiiMn fesfteftn SMMhrn Widerstund. Aus Angriffe sind durch dap stxelUMk her Kuschinengewehr? und der Artillerie adgeschlagen machen. Mix haben iitegU unsere Siellungen behauptet und das geipgnnen» Kelünde xesftps in unserer Hund behalten. Der Kampf mnx besnnderH hnxchgskjg hej dem Gehöft Sß Priez und in der Gegend pNjs Aauchnvesneß, Bor dem KMft 8e Priez wurden vier All' gxiftMellesi nachsiMnder durch unser Feuer niedergemäht. Man sah W feiMchen Angrjft sich uuslösen und in Unordnung hinter den �..................... RFll 01!_______., bssttigen Schlappen gelungen war, gegen ein Uhr mittags im Nordost teil des Dorfes Fuß zu fassen, durch einen unwiderstehlichen Gegen- angriff unserer Truppen im Bajonettfqmps wieder zurückgeworfen luorden. hü Gefangene, darunter mehrere Hsfiziere, sind in unserer .Sand geblieben. Ngch den Feststellungen an der ganzen Angriffsfront und den Aussagen der Gefangenen hat der Feind beträchtliche Ver- iuste erlisten, Das übliche Gsschützfeue» an der übrigen Front. B e s g i fch e r Bericht. Artillsriesampf an mehreren Punk- ton der belgischen Front, sawahl in der Gegend südlich von Nieu- PSkt Wie in der Wn Boestnghs, Die englisch« Melhnng. Bam stll- Geptember- sN, D, B) Dt» allgemein« Lage ist nnp»sändert, Mehrere Gegenangrift» südlich der Aner, wurden MpchgeWieffn-. M Z«ds eines semdsichen SmisgrabenS südlich ÜS» Arrgh wurden gejaube«. DemFetnde wurden Perluit» zugefügt. Der Fe'Ud liest bei. Souchez eine Mine Wmnge«. Wir besetzt« den uns zunächst gelegene»«and des DrichtSlS. Mkldmg des Slsßell SWWMm. Amtlich. Großes Hauptquartier, 21. Sep- tember 1916. lW. T. B.) westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupp recht. Nördlich dcr Somme spielten sich bei Cource« leite fortgesetzt Handgrauateukümpfe ab. Feindliche Teil- angriffe wurde» bei FlerS, westlich von Lesboeuss und nördlich von Comblcs abgeschlagen. Südwestlich von Rancourt und in Bouchavesnes von unseren Truppen im Angriff gewonnener Bode« ging«ach erbitterte« Kämpfen wieder verloren. Südlich von Rancourt behaupteten wir geuowmeue Grübe«. Heeresgruppe Kronprinz. Rechts der Maas wurden bei gesteigerter Artillerie. titigkcit feindliche Augriffe im Abschnitt Thiaumont-�Fleury abgeschlagen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front de» Generalfrldmarschall» Prinz Leopold von Bayer». Westlich von Luek setzte die rnssische Garde zu- samme« mit andere« starken Kräfte« die Angriffe gegen die Truppe« des General» von der Marwitz fort. Bei Korytniea ist der Kampf noch nicht abgeschloffe«, im übrige» ist ans der 20 Kilometer breite» Front der oft wiederholte Austurm vollkomme» und unter abermals blutigste» Verluste» gescheitert. Front de» General« der Kavalleri« Erzherzog Carl. Der Kampf an der Rarajowka wird erfolgreich fort- gesetzt. I» den K a r p a t h r» hat auch gester» der Feind seine heftige« Angriffe wiederholt. Abgesehen von ört- lichen Erfolgen in der Gegend de» Pantyr-Passe» vnd im Tatarea-Abschnitt Nordöstlich von kirltbabaj ist er überall unter schweren Berlnsten zurückgeschlagen. An der Baba Ludowa stürmte er siebenmal gegen unsere Stellnng au. Jäger verschiedener deutscher Stämme unter der Führung de» Generalmajor» VoLß haben hervorragenden Anteil an der siegreiche« Abwehr. Die am 19. September in Feindeshand gefallene Kuppe Smotree wurde im Sturm wiedergewonnen. Kriegsschauplatz in Siebenbürgen. Die Grenzhöhen beiderseits de« Bnlkan-Passe» find von NN» besetzt» Baltan-Krlegsschanplatz. Heeresgruppe de» Generalfeldmarschall» von Mackensen. Der Kampf in der D o b r n d s ch a ist zu« Stehe» ge- kommen. Mazedonisch eFront. Lei den erfolgreichen bulgarische» Angriffen in der Gegend von F l o r i n a erlitten die Franzosen beträchtliche Verluste. Bulgarische Kavalleri» attackierte und zersprengte östlich der Stadt die weichende feindliche Jufantcrie. Es wurde« zahlreiche Gesäuge»« gemacht und einige Ma- schinengewehre erbeutet. Am Kajmakeala««nd an der Mogleua-Front sind mehrfache serbische Angriff« abge- schlagen. Der Erst« Generalquartiermeister. Ludendorsf. «» MKlmMW SMlMMMi. Wie«, 81, September 1016.(SB. T. B.) Amtlich wirb verlauibaet: Oestlicher Kriegsschauplatz. Front gegen Rumanic». Südlich von Petrosenh habe» wir auch die Höhen beiderseits de» Vultan-Passe««Uder besetzt. Bei Nagyszelien sHermannfiabt)»ad au der siebenbürgischen Ostfront nur Borposteageplünkel. Heeresfront des General» de» Kavalleri, «rzherzo« Carl In den W a l d t a r p a t h«« setzt» der Felnd sein««». griff, gegen di« Arme« des Generals Karl Ireiherra v, Kirchdach mit größter Zähigkeit fort, B,t Bresza und östlich de« Panttzr». sattel« drückt, er vorspringende ffrontslück» etwa» zurück. Sonst schetterte» alle Anstürme an der Dapserkrtt der Verteidiger. Unter de« in den Korpathen fechtenden Truppen der k. uud k. Wehrmacht verdiene» die braven ungarische« Landsturmdataillon« de» Obersten Pap» besandere Erwähnung. Auch an der Nargjowka bliebe» alle Anftrengnngea deS Feindes vergeblich. Heeresfrvnt des Goneralfeldmarschall» Prinz Leopold van Bayern. Bei der Armee des Generalobersten von lerszthansky standen zwischen Pustomyty und Zatuscy die verbündeten Streitkräfte dt« General« von der Marwitz abermals unter dem Anprall starler russischer Massen. Di» Kampfesweis, de« Gegners gipfelte wie immer in skrupellosem Hinschlachten der in tiefen Kolonnen vor« getriebenen Angrisssteuppen, in deren Mitte sich auch dl« Garde befindet. Rur östlich von Swintuchy ist der Kampf noch nicht emschirden. Sonst wurde der Feind überall unter de« schwersten Verluste« geworfen. Italienischer Kriegsschauplatz. Kewe größeren Kämpfe. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Bei unseren Truppen unverändert. Der Stellvertreter de» llhes» de» Generalstabrst »an Hoeser. geldmarschalleutnant. Saloniki, 20. September.(SB. T. SB.) Reutermeldung. Amtlich. Unsere Flugzeuge unternahmen einen Angriff auf Drama und bewarfen Eisenbahn, Eisenbahnwagen und Magazine mit Bvmben. Der russische Kriegsbericht. B o m 20. September nachmittag«.(SB. T. SB.) Von der Westfront und von der K a u l a s u» f r o n t ist nichts von Bedeutung zu melden. Meldung der italienischen Heeresleitung. vom 20. September.(W. T. B.) In der Nacht zum 10. September und am gestrigen Tage versuchte der Gegner Unser- nehmungen in der Umgegend des Caserio Zebio(Hochfläche von Asiago). auf dein Päd San Giovanni(am Eingang de» Vanoiiales). auf den Nordabhängen de» Col Bricon(Travignolotal) und auf dem Rücke« de» Lrfie(Monte Reco). An einigen Stellen war es dem Felnd gelungen, in unsere Gräben einzudringen, er wurde aber überall durch unsere sofort einsetzenden Gegenangriffe glatt wieder herausgeworfen. Im Brenlatal führten unsere kleinen An- griffsunlernehmungen, deren Ziel war, uns den Besitz des linken Ufers de» MasobacheS zu sichern, zur Eroberung der Höhe 6S» nvrd- sich von Ghist. Der Feind erlitt empfindlich« Verluste und ließ etwa 80 Gefangene, darunter drei Offiziere, in unserer Hand. Auf dem Karst auf beiden Seiten lebbafte Schanztäligkeit, die durch un« günstiges Wetter behindert wurde. Auf der ganzen Front die ge- wöhnlich« ArsillerietätigUit sowie kleine Angriffe und Gegenangriffe, in deren verlaufe wir etwa 50 Gefangene machten. Salonikifront. An den Südabhängen der Velesberge griffen starke bulgarische Streitkräfte, unterstützt durch kräftiges ArlillerieUuer, unsere kleinen vorgeschobenen Posten zwischen Ober- Poroj und Matnica an. Nachdem die unseligen den Ansturm des Gegners zum Stehen gebracht hallen, zogen sie sich, unterstützt durch die zähe Verteidigung einer Nachhutabteilung, in guter Ordnung auf die Eisenbahn Dojran— Demirhiffar zurück. C a d o r n a. Rumänischer Bericht. vom 20. September.(W. T. B.) An der Nord- und Nordwest front schwache Zusammenstöße. Westlich des Strem haben unsere Truppen ihren Rückzug eingestellt und sich vor Petra« senh eingerichtet, wo sie sich verfchanzen. Südsronl: Jn der Dobrudscha lebhaste Kämpfe an der ganzen Front. Die russisch-rumänischen Truppen haben olle An- griffe des Feinde» abgeschlagen und ihm Verluste beigebrocht. Sie unternahmen mehrere Gegenangriffe. Feindliche Flugzeuge haben Bomben auf Constanza abgeworfen, ohne Schaden anzurichten und auf Piatrud, wo ein Kind von sechs Monaten verletzt worden ist. Bukarest, 20. September. Amtliche Meldung. Es wird ein Erfolg der Rumänen in der D o h r u d f ch a in der Gegend von Enigea L0 Kilometer südlich von der Eisenbahn Constanza— Cernavoda gemeldet. Die Kämpfe dauern in dieser Gegend an. Die Anstrengungen der Rumäne» wenden sich hier im Emllang mit den von der Heeresleitung vorausgesehenen Bewegungen gegen die Hauptmacht der Feinde. Kämpfe in OstafrUa. Stssaöon, 20. September.(23. T. B.) Au» Mozambique wird amtlich gemeldet: Unsere Truppen haben den Rovuma über- schritten. Der Feind leistete nur schwachen Widerstand und verließ keine geschützten Gräben, um seine Maschinengewehre und die In- fanterie in Sicherheit zu bringen. Unsere Fahnen sind sechs Kilo- Meter weit im Innern aufgepflanzt worden. Zur Kriegslage. Die Völkerschlacht. von Richard Gädke. Berlin, den 19. September. Zurzeit tobt der Kampf in schwersten Schlachtengewittern auf allen Fronten, die von den Heeren der verbüildeten Mittelmächte beschirmt werden, und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Es wäre nicht richtig, zu sagen, daß unsere Gegner zum ersten Male den Ver- such machen, un» durch eine gemeinschaftliche, gleichzeitige Anstren- gung von allen Seiten niederzuwerfen, ähnliche Lagen haben sich vielinehr schon wiederholt in den 20 Monaten de« Krieges ergeben -- so mehrfach im Winter 1014 und im Frühjahr wie im Herbst 1915. Aber allerding» sind sie noch niemals nach so riesigen, sorg. fälttgen Vorbereitungen, mit so aeloaltlgen Massen, mit solch zäher Entschlossenheit, ohne jede Rücksicht auf die blutigen Verluste unter- nominen worden wie diesmal. Den ganzen Sommer hindurch dauert bereits das verzweifelte Ringen, unterbrochen nur durch längere oder kürzere Aiempausm, in denen die Gegner Kraft sam» inelreii zu neuen Anläufen von wachsender Stärke. ES scheint, al» ginge der Kampf im September erst seinem Höhepunkte entgegen. Zugleich dürfen tvir eine Verschiebung des Schwerpunkte» wahr- nehmen. Wenn die Hauptschlacht während de« Jahre» 1915 in sieg- losem Andrängen und in aufreibenden Rückzügen von den Russen getragen wurde, gehen nunmehr die entschlossensten Stürme großer Massen von unseren westlichen Gegnern au». Der' Dienstzwang in Großbritannien, die Heranziehung immer stärkerer Kräfte aus dem großen französischen Kolontalreich und die Ausbeutung der heimischen französischen VolkSkraft bi» auf den letzten Bodensatz machen sich in steigendem Maße geltend. Daraus folgt dann, daß auch für un» die schwersten Kämpfe augenblicklich im Westen ausgefochten werden. So ist auch die neueste Offensive unserer Gegner an der Westfront begonnen und an der Westfront mit der nachhaltigsten Anstrengung genährt worden: allmählich haben sich auch Russen und Italiener wieder angeschlossen und erst spät haben sie die Kraft zu einem An- griffe auf ganz breiter Front gefunden. Dem großen Stoße der Franzosen und Engländer vom 24. August entsprachen noch keine entsprechenden Versuche der Russen und der Italiener! erst mit dem Eintritt Rumäniens in den Weltkrieg begangen auch sie sich wieder- um mächtig zu regen. Die Russen insbesondere warfen sich seit Ende August mit zunehmender Gelvalt auf die Karpathenfront, und nicht ohne zeitweise Erfolge, während die Rumänen von Osten und Süden her die siebenbürgischen Grenzgeblrge überschritten. Mit dem Beginn de« September Hub dann die gewaltige Sommeschlacht an. die größte wohl der Weltgeschichte, die im Laufe der vergangenen Woche zu immer gewaltigerer, noch nie erreichter Stärke anschwoll. Allmählich wurden aber auch die Russen mit ihren vorberoi» tungen fertig: ihre durch die Juli- und klugustkämpfe arg zerfetzten Regimenter waren neu aufgefüllt, neue Geschohmengen zur Front geschleppt worden, und so setzten sie an den verschiedensten Stellen der deutsch-österreichischen Düdostfront zu Massenstäßen an, deren Zahl, Breite, Gleichzeitigkeit sich zusehend« vermehrten. Noch längere Zeit aber blieb der Durchbruch durch die Karpathen ihr wesentlichste» Angriffsziel, da» von der verstärkten und umgruppierten S. Armee de» General» Leschitzki mit Ungestüm verfolgt wurde. vom 7. September an wandte sich dann auch General Eadorna. der sich eine Zeitlang in den verschiedensten Sinzelunternehmungen ! ersplittert hatte, und auch die Tiroler Front ernstlicher zu bedrohen chien. erneut zunächst aber nur mit verstärkten Feuerangriffen dem üstenländischen Gebiet« der Karstdochfläche zu. Offenbar hatte er die Verstärkung seiner lebenden Streitkräfte noch nicht ganz beendet. Am Dienstag, den 12. September, erneuerten Engländer und Franzosen nach zweitägiger Pause mit neu herangezogenen Divi- sionen den größten und schwersten ihrer bisherigen Durchbruchsvex- Iuche und am gleichen Tage erreichten di« russischen Angriffe in den larpathen ihren Höhepunkt, den sie mit zeitweisem Abslauen bis zu diesem Tage zu behaupten versuchten. Während die Somme- schlacht mit gleicher Wut. gleicher Erbitterung fortgesetzt wurde. zeigte da» am lö. September einsetzeiche Trommelfeuer an. daß auch General Brusstlow seine Junioffensive in größtem Maßstäbe zu wiederholen gedachte. Am 10. September stieß er mit Massenstürmen gleichzeitig gegen die Armeen TerstvanSkv. südwestlich Luek, gegen die Armee Boehm-Ermolli in der Gegend von Zborow. gegen die Armee Bothmer an der Zlota Liva und Narajowka. gegen Koevcß nördlich Stanislau vor. während die Karpathenangriffe unentwegt fortdauerten. Schon am 14. September war Eadorna fertig; seine dritte Armee(Herzog von Aosta) woate in unzähligen Wellen südlich der Wippach bi» zum Adriatische» Meere gegen da» öde Karstgebiet heran, da» die unerschütterlichen Truppen de» General» Borovie ver- teidigtcn. t, Die allgemeine Schlacht war im Gange und geht voraussichtlich weiter; sie hat sich am 17. September an der Somme bi» zu einer Breite von 4ü Kilometer ausgedehnt, wobei wir nicht vergessen wollen. daß während all dieser kampferfüllten Tage immer wieder zeitweise heftige Vorstöße der Franzosen auch östlich der Maß erfolgten. Für den. der diese» ganze weite Gebiet mit einem Blicke von oben zu umfassen vermöchte, ein furchtbare», grausenerregendes Schauspiel. Noch niemal« hat die Erde so vieler, blühender Männer Blut ge- trunken wie in diesen Tagen. Wenn es die Absicht unserer Gegner war. durch den gleich- zeitigen Druck ungeheurer Massen, durch da» rücksichtslos eingesetzte Uebergewicht der Zahl un« die eigene Entschluhfreiheit ,u rauben. un» in dir reine Abwehr zu drängen und unsere Scharm schließlich überall durch Blutverlust und MMgkrtt zu lähmen, dann ist diese Lbficht«licht cittlch! worden, dem allgemeinen, gleichzeMgen Einsatz aller ihrer Kräfte bisher der Erfolg versagt geblieben. Es kann nicht geleugnet werden, wenn wir nicht in eitle Ruhmredigkeit verfallen wollen, dah die feindliche Uebermacht an Eisen und an Männern uns zeitweise ernste Lagen geschaffen hat, die nur der unübertreff- liche Opfermut des deutschen Soldaten zu überwinden vermochte; es darf auch nicht abgestritten werden, dag die vergangene Woche Fran- zosezi und Engländern ansehnlichen Raumgewinn und, eine Beute an Gefangenen und Geschützen gebracht hat. Aber während ihnen das Ziel jedes Entscheidung suchenden Angriffes, der Durchbruch durch unsere Front, der Stoß bis ins Leere versagt blieb, konnten sie nicht verhindern, daß immer neue deutsche Kräfte in die Heere unserer Ver- bündeten im Südosten eingeschoben wurden und dort den undurchdring- ltchen Eisenwall schufen, an dem alle Stürme der Russen unter furcht- barsten Verlusten scheiterten. Ebensowenig konnten sie verhindern, daß deutsche Truppen dem bedrohten Siebenbürgen zu Hilfe eilten und den Vormarsch der Rumänen im wesentlichen zum Halten gebracht haben. Nur m der Südostecke des Kronlandes, dort, wo Karpathen und Transsilvanische Alpen zusammenstoßen, find diese etwas tiefer «ingedrungen und konnten am 17. September bis zum Kokelflusse vorfühlen(IM Kilometer von der Grenze). Noch entscheidender aber ist es, daß während dieser wütenden Angriffe aller unserer Gegner ein gemischte? Heer aus Deutschen, Vulgaren und Türken kühn die Vorhand an sich ritz und unter Maßensens Befehl in die Dobrudscha einbrach. Nach den siegreichen Kämpfen bei Dobric, nach der Erstürmung von Tutrakan und der Besetzung von Silistria ist es weiter nach Norden vorgerückt und hat ein starkes rumänisch-russischeS Heer am 14. September in der Linie Oltinasee— Cusgun— Cara— Omer geschlagen. 8 rumänische Divisionen sind bereits schwer geschädigt und teilweise vernichtet, 2 russische Infanterie- und Reiterdivisionen in die Niederlage mit ver- wickelt worden. Zurzeit steht Mackensen in Erfolg versprechenden Kämpfen nur noch IS Kilometer südlich der wichtigen Bahn Czerna- woda— Konstanza. Der feindliche Angriffsplan im Südosten ist emp- findlich durchkreuzt worden und Rumänien aus einem Bedroher zu einem Bedrohten �geworden. Dieser tatkräftige Angriff konnte unbekümmert um die Salo- niki-Armee durchgeführt werden, die sich nur zu schwächlichen An- laufen aufraffte und nur auf ihrem linken Flügel, westlich des Ostrowosees, am 14. September durch die Serben einen gewissen Erfolg errang. Ob Sarrail oder Goureaud ihre weiteren Opera- Honen leiten wird: das Verhängnis im Norden wird keiner von ihnen aufzuhalten vermögen.(z) Ein neuer französischer Generalftabschef. Paris, 21. September.(SB. T. B.) Meldung der Agence tavas. Der Divisionsgeneral D u p o r t ist an Stelle des eneralS Graziani zum Chef des General st abes der Armee ernannt worden. General G r a z i a n i ist auf sein Ansuchen aus Gesundheitsrücksichten von diesem Posten enthoben und zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt worden. Er hat sein Amt als Chef des Generalstabes der Armee zwei Jahre lang geführt. Sturmszenen im ungarischen �bgeorüneten- hause. Budapest, 20. September.(88. T. 83.) Die heutige Sitzung des Abgeordnetenhauses war aus Anlaß eines ziemlich belang- losen Zwischenfalles der Schauplatz stürmischer Szenen. Abgeord« neter Andreas Rath(Karolyi-Partei) interpellierte betreffs der Vorkehrungen zur Verteidigung Siebenbürgens gegen den rumänischen Ueberfall. Im verlaufe seiner kritischen Aus» sührungen machte Abgeordneter Ludwig S z i l a g y i lRegierungS- Partei) den Zwischenruf: Und Sie wagen hier zu iprechen, der als Offizier das Ehrenwort gegeben hat, daß er gegen die Feinde Ungarn« nicht kämpfen werde? E» entstand ein großer Lärm, worauf Rath um die Erlaubnis bot, betrefft des Zwischenrufs Aufklärung zu geben. Rath, der Reservcoberleutnant ist, erzählte, daß er bei Kriegsausbruch in Amerika geweilt habe, sofort nach Hause geeilt, jedoch in Bordeaux interniert worden sei. Nach einer peinlichen Jnternierung von vielen Monaten habe er sich nur auf die Weise befreien können, daß er das Ehrenwort gegeben habe,, nicht als Kombattant gegen Frankreich am Kriege teilzunehmen. Dies habe er Lei seiner Rückkehr der Militär- behörde mitgeteilt, die ihm in Berücksichtigung dieses Umstand«« dem SanitäiSdienst zugeteilt habe. Gzilagyi habe ein« förmliche Hetze gegen ibn veranstaltet, obwohl er selbst bei Ausbruch de« ttaliem- schen Krieges sich gemeldet habe und die Militärbehörden seine Dienstleistung als Kombatont unzulässig gefunden hätten. Diese Darstellung rief vielfache Entrüstung auf der Seite der Opposition gegen Szilaghi heivor. der erklärie, er habe den Zwischenruf nur gemacht, weil die oppositionelle AuSnützUNg des sieben- bürgischen Einfalle« von seinem Parteistandpunkt aus ihn entrüstet habe. Diese Erklärung rief einen neuerlichen Ausbruch der Miß- billigung hervor, worauf der Präsident die Sitzung aufhob. Gras T i S z a erklärt« nach Wiedereröffnung der Sitzung, die Abgeordneten möchten Selbstbeherrschung üben, domit die Sitzungen in dieser ernsten Zeit ohne störende Zwischenfälle Verliesen. Er bitte namentlich alle diejenigen, die ihn mit ihrem v-rtranen beehren, sich Lcußerungen zu entbalien, die die Parteileidenschaften erweckten. lAllgemeiner lebyaster Beifall.) Die Sitzung nahm hierauf einen ruhigen Verlauf. » Im Abgeordnetenhaus brachten An8>rassh und Apponhi einen Antrag wegen Einberufung der Delegationen ein. Am Schlüsse der Debatte über sie ergriff T i s z a das Wort und sagte, er wolle sich nur mit den wichtigsten in dieser Debatte angeregten Fragen befassen. Heber die Armee und die Kritik an ihr sagte er, man dürfe nicht vergessen, dah die österreichisch-unga- rische Armee seit mehr al» zwei Jahren gegen eine riessa« Heber- macht heldenmütig und erfolgreich kämpfe. Seiner Ansicht nach sei es nicht richtig, einzelne Vorfälle und einzelne ungünstige Mo- mente herauszugreifen und so das Bild der Armee zu entstellen, deren Stimmung im großen und ganzen durchaus auf der Höhe sei. Er wünsche, daß innerhalb der Monarchie und jenseits ihrer Gren- zen der Krieg mit dem herzerhebenden Bewußtsein abschließen möge, daß die Monarchie in diesem Kampfe auf Tod und Leben nicht nur in einzelnen Augenblicken, sondern mehr als zwei Jahre hindurch nie geahnt« Beweis« von Lebensfähigkeit, Kraft und jugendlicher Energie gegeben habe. Der Ministerpräsident ging sogann zum Kern der Debatte, dem Antrage auf Einberufung der Delegationen, über, und sagte: Bei Behandlung dieser Frage sind vielfach österreichische Vorhältnisse be- rührt worden; ich gedenke jedoch diesem Beispiele nicht zu folgen, weil da« ungarische Abgeordnetenhaus, das so eifersüchtig darüber wacht, daß niemand sich unbefugt in ungarische Verhältnisse einmische, und welches gegenüber ungünstigen Erörterungen in Oesterreich mit Recht empfindlich ist,— ich sage, das ungarische Abgeordnetenhaus sollte ebenso mit größter Sorgfalt beflissen sein, in diesem Punkte Zurückhaltung zu üben. Schließlich erörterte der Ministerpräsident eine Bemerkung deS Grafen Michael Karolyi über den Dreibund und sagte: Mit Freuden nehme ich die Erklärung des Grafen Karolyi zur Kenntnis, daß auch«r die Vollstreckung der bestehenden Ver-. träge und Treue und Anhänglichkeit cm sie für wünschenswert er- achtet. Es war sehr richtig, daß der Herr Abgeordnete diese Er- klärung abgab und dadurch die tendenziösen Bemühungen entkräf- tigte, welche die Auffassung des Grafen Karolyi und die seiner Par- tei als eine auf einen Vertragsbruch gerichtete Tendenz hinstellen wollte. Wenn jedoch der Herr Abgeordnete sagt, daß der Dreibund aufgelöst sei, so kann ich das nur in streng formalistischem Sinne annehmen, insofern, als durch das Ausscheiden Italiens der Dreibund selbstverständlich aufgehört hat, ein Dreibund zu sein. Der Herr Abgeordnete hat in arithmetischem Sinne recht. Was jedoch das Wesen der Sache anbelangt, so bildet das Bündnis zwischen dem Deutschen Reiche und der Mon- archie das Rückgrat dieses politischen Gebildes. Der Anschluß Italiens erschien nur als erfreuliche Krästevermehrung zwischen dem Deutschen Reiche und der Monarchie, und dieses besteht un- verändert fort. Ich muß auch der Behauptung des Herrn Abgs- ordneten entschieden widersprechen, daß unser Verhältnis zum Deutschen Reiche sich geändert haben sollte. Wenn in diesem Kampfe auf Tod und Leben, in dieser riesigen und ruhmvollen Kraftprobe sich etwas zwischen unS geändert hat, so ist es nur, daß das Bündnis noch viel inniger geworden ist. Auch gewisse Sonder- interessen haben auf das Bündnis keinen Einfluß. Ich bin nicht berufen, den Gedanken des Deutschen Reiches zu vertreten, aber ich bin überzeugt, daß jeder erste Faktor des Deutschen Reiches es als eines unserer wichtigsten Interessen erachtet, daß unsere Mon- archie in ungeschmälerter Kraft fortbesteht, und dies gewährt mir die Hoffnung, und das sichere Bewußtsein, daß dieses Bündnis auch nach dem jetzigen Kriege in unveränderter Kraft und sogar noch inniger fortbestehen werde.— Ms öer französischen Kammer. Die von Herrn Ribot geforderten provisorischen Budgetzwölftel sind ohne Diskussion bewilligt worden, mit 484 Stimmen. Einige Abgeordnete unter Führung von B r i z o n verließen, nach den tele- graphischen Berichten, vor der Abstimmung den Saal. Die „HumaiHte' meldet vorläufig nichts darüber und wir werden das Eintreffen der Minderheitsorgane abwarten müffen, che wir Ge- »oueres über Zahl und Namen der auf diese Weise Protestierenden erfahren. Es wäre möglich, daß Brizon und seine engeren Freunde darauf verzichteten, in der Kammer gegen das Budget zu stimmen, um der organisierten Opposition möglichst wenig Schwierigkeiten zu machen. In derselben Sitzung, in der der französische Finanzminister seine Rede hielt, ist eS jedoch in der Debatte über das Geschenk Auguste Rodins an den Staat zu einem ernsten Zwischenfall ge- kommen, den die.Humanitö� ausführlich wiedergibt. ES gibt in Frankreich eine kleine Gruppe, die den Künstler Rodin nicht aner- kennt. Sie machte unter Führung des Abg. Delahaye Opposition. Delahaye versuchte, Stellen aus einem Artikel von Hrbain Grobier zu verlesen, der seine Auffassung unterstützt, wurde jedoch von der äußersten Linken unterbrochen. Raffin-Dugens rief:»Wir wollen nicht die Prosa deS Mörders von JauröS hören.' vom Präsidenten getadelt, erklärte er:»Ja, Hrbain-Grohier müßte auf der Anklagebank des Geschworenengerichts sitzen. Er ist der Mörder Jaurös'. Und M o u t e t kam ihm zu Hilfe unter dem lebhaften Beifall der äußersten Linken:»Wir werden nicht die Prosa eines Mannes anhören, der zum Mord eines unserer Kameraden aufge- reizt hat'. Der Präsident versuchte zu beruhigen und erklärte, er müsse die Freiheit der Tribüne wahren, man möge ihn nicht zwingen, die Sitzung aufzuheben. Da Herr Delahaye weiter versuchte, den Ar- tilel zu verlesen, erhoben sich die Sozialisten und verließen ge« schlössen den Sitzungssaal, und erfreulicherweise folgte ihnen eine große Anzahl radikaler bürgerlicher Abgeordneter. Der Antrag Delahaye wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Noch eine ander« Begebenheit schildert die„Humanitö', offenbar erst, nachdem sich reaktionäre Blätter der Angelegenheit bemächtigten und in ihrem Sinn« auszuschlachten versuchten.— Der Vorfall spielte sich in einem der Säle der Kammer zwischen dem Abg. Joseph D e n a i S, Direktor der»Libre Parole', und den Genossen V l a n c und Brizon ab. Alexander Blanc stellte Herrn DenaiS wegen eines in der»Libre Parole' erschienenen Artikels zur Rede und fragte ihn, ob er die Verantwortung dafür übernehme. Dennis antwortete, er glaube nicht, daß auf Blanc und feine fozia- listischen Kollegen abgezielt sei und verschanzte sich hinter seinem Redakteur. Blanc forderte ihn hiernach auf, den Artikel noch einmal zu lesen und fügte hinzu:»Wenn Sie nicht morgen früh bericktigen, werde ich Sie ohrfeigen.'— In diesem Augenblick kam Brizon hinzu, bereinigte seine heftige Kritik mit der von Blanc»und, indem er vom Wort zur Tat überging, versetzte er Herrn DenaiS einen Fußtritt in den... Rücken'. Da« Gerücht davon verbreitete sich naturgemäß sehr rasch, aber die.Humanitö' stellt fest, daß sich niemand fand, um den Direktor der»Libre Parole' zu verteidigen. Herr DenaiS erzählte sein Abenteuer selbst in seinem Blatt und gebrauchte dabei den köstlichen Satz:»Man hat mir gesagt, daß Herr Brizim versucht habe, mir von hinten einen Fußtritt zu geben.' Die»Humanits' bemerkt dazu:»Herr Joseph DenaiS hat ein kurzes Gedächtnis. Und dennoch hat er nicht die Berichtigung ver- gessen, die er versprochen hatte I' Renaudel kommt noch in einer besonderen Notiz auf die An- gelegenheit zurück. Er weist darauf hin, daß der Zwischenfall nicht? als das Resultat einer seit Monaten währenden Hetze der»Libre Parole', des»Echo de Paris' und der.Eroix' gegen die Sozialdemokratie sei. Eine Preß- und Traktälchen-Kampagne sei eröffnet. durch die man die Sozialisten und auch die Republikaner diskredi- tieren wolle. Sie seien diesen Versuchen gegenüber langmütig gewesen, aber sie schreckten auch vor dem Kampf nicht zurück, wenn die andere Seite ihn wolle. Dieser Kampf müsse sich vor allem auch gegen den.TempS' richten, der— offenbar aus anderen Gründen von der Notwendigkeit redete, aufs neue über die poli- tische Ordnung zu diskutieren. Die Sozialisten würden es bedauern, wenn diese Diskussionen die Ruhe stören würden, die die Kriegslage verlange, aber sie seien entschlossen, nicht länger Angriffe zu erlragen, die sie persönlich unbeachtet lassen könnten, aber die sie im Interesse der Zukunft aushören machen oder zurückweisen müßten. Der Burgfriede scheint also in Frankreich seinem Ende nahe zu sein. Und da» ist gut, denn er nützt niemandem al» den reaktionären Elementen, die sich unter seinem Schutz ausbreiten und überall be- festigen.(*) Zranzösisch-italienische Virtschasts- Vereinbarungen. Paris, 21. September.(SB. T. B.) Meldung der Agence HavaZ. Die französischen Minister de» Handel» und der öffent« ltchen Arbeiten und die italienischen Minister de« Handels und de» Verkehrs haben ihre Beratungen über die künftig dem Warenverkehr zwischen beiden Ländern zu gewährenden Erleichterungen und über die zukünftige Ent- Wicklung ihrer wirtschaftlichen Beziehungen abge- schlössen. Sie haben die wechselseitige Anwendung des Einfuhr- Verbotes in beiden Ländern und Maßnahmen in Aussicht genommen, die zu einer wirtschaftlichen Annäherung führen sollen. Hnter diesen Maßnahmen befinden sich verschiedene Pläne für die industrielle Organisation sowie Mittel zur Verbesierung und Entwicklung aller Verbindungen zwischen beiden Ländern selbst sowie mit England und dem Orient, namentlich mit Südrußland. Englische Sorgen um Zen Nannschaftsersatz. London, 20. September.(W. T. 83.) Die.Times' schreibt. daß eine der ersten Fragen, über die das Parlament zu beraren habe. der Mannschastsersatz für die Armee seine werde. Es gibt, sagt das Blatt, nur drei Möglichkeiten: 1. Die Erhöhung des militärischen Dienstalters auf 45 Jahre oder noch werter. 2. Die Ausdehnung der Dienstpflicht auf Irland und 3. die Em- ziehung der jungen tauglichen Männer aus den niilitärfreien Be- rufen. Die.Times' glaubt, daß diese letztere Möglichkeit die beste« Aussichten biete, obwohl auch die beiden anderen mehrere Vorteile Härten. Die Erhöhung des militärischen Alters finde vre wenigsten Anhänger. Ferner schreibt der militärische Mitarbeiter der .Times': Bisher ist es in den Kriegen Regel gewesen, daß der Winter ein Nachlassen der Kämpfe mit sich brachte. Lllas die britische Armee betrifft, so war das hauptsächlich auf die Notwendigkeit zurückzuführen, daß man auf die Anfüllung der Munitionsvorräte achten mußte. Dieser Nachteil darf uns in Zu- kunft nicht mehr behindern, und man kann deshalb auch nicht sagen, daß der kommende Winter eine Zeit der Untätigkeit sein wird. An einigen Fronten werden ober die Operaliouen im Winter schwierig sein, und deshalb wird die Heftigkeit der Kämpfe an den verschiedenen Fronten vermutlich doch etwas nachlassen, und werden die großen Kämpfe wahrscheinlich erst wieder im Früh« jähr 1917 sortgesetzt werden. Es ist von großer Wichtigkeir, die Truppen in voller Stärke zu erhallen. Der Augenblick für eine dra st ische Reform der Durchführung der Dienst- pslicht ge setze ist gekommen. Wenn man nicht rasch und gründlich vorgeht, so wird Deutschland uns, was die Organisation des MenschenmaterialS betrifft, über sein, von Irland kann man nur sagen, daß die Einführung der Dienstpflicht dort notwendig geworden � ist, wenn wir die irischen Divisionen auf voller Stärke erhalten wollen. Wir benötigen dazu aus Irland 150 000 Mann, und wenn wir au» diesen» Lande nichts bekomme»», so würden wir gezwungen sei», uns anderswo nach entsprechenden Ersatz- truppen umzusehen. Neue Gesetze sind nicht notwendig, eS sei denn, daß die Erschöpfung des Menschenmaterials aus den jüngeren Jahrgängen uns zwingt, das militärische Alter auf über 41 Jahre zu erhöhen. Wir haben 1600 000 Mann militärischen Alters, die vom Dienst befreit sind, eine noch größere Zahl befindet sich in den Negierungsdepartements und in der Industrie oder»vird durch alle möglichen Bestimmungen vor der Einverleibung»n die Armee geschützt. ES kommt also darauf an, das Gesetz etwas strenger durchzuführen. ES ist jetzt notwendig, das KriezSamt gegenüber den anderen Ministerien und gegenüber den Elementen. die die strenge Durchjührung des DiensipflichtgesetzeS vereiteln, zu unterstützen. Die �bfinöung öer englischen Eisenbahner. London, 20. September.(W. T. B.) Amtlich. Der Streitfall mit den Eisenbahnange st eilten i st beigelegt. Die Angestellten, die eine Erhöhung ihres Lohnes um zehn Schilling verlangten, erhalten eine Kriegs- zulage von fünf Schilling in der Woche. Die Unterhanölungen mit öen englischen Hergarbeitergewerkschasten. Haag, 21. September.(T. H.) Lord Milner erklärte in Unter- Handlungen mit den Bergarbeitergewerlschaften, daß die Regierung daran denke, den gesamten verkauf der englischen Kohle im In- und Ausland zu übernehmen. Die bisherige Höhe der Profite der Bergwerlsbesitzer und die Bergarbeiterlöhne sollen bis zum Frieden gleichbleiben. Die Gewerkschaften erklärten sich mit dein Plan iin Prinzip einverstanden, verlangten aber eine Erhöhung ihrer jetzigen Löhne angesichts der fortgesetzten Steigerung der Lebensmittelpreise in England. tzollanös Neutralität. Haag, 21. September.(W. T. 83,) Die Erst« Kammer hat den Eiftwurf der Lntwortadresse auf die Thronrede unverändert an- genommen. ES wird darin u. a. erklärt, daß die Kaminer ein« stimmig und mit großer Genugtuung von der festen Absicht der Königin Kenntnis genommen hat, auch in Zukunft den Pflichten nachzukommen, die einer neutralen Notion durch das Völkerrecht auferlegt sind. Die Antwortadresse spricht die Heberzeugung aus, daß das ganze niederländische Volk ebenso fest wie die Königin ent« schlössen sei, die Unabhängigkeit der Niederlande zu verteidigen und die Rechte des Landes gegen jedermann zu wahren. Die Wahlen zur Ersten schweöischen Kammer. Stockholm, 2l. September.(W. T. B.) Durch die jetzt be« endeten Wahlen zur Ersten Kammer des Reichtage» werden 24 Sitze besetzt. Für die Rechte ist keine Veränderung eingetreten. Die Freisinnigen verloren und die Sozial« demokraten eroberten zwei Sitze. Unter den Neu« gewählten befindet sich auch der frühere radikale Marineminister im Ministerium Staaff, Larsson, unter den Nichtwiedergewählten der Sozialdemokrat Professor Steffel». Kleine Kriegsnachrichten. Berlin, 21. September