Ur. 264. ( 5 Pfennig) MoNtagSltNSgltite C pksnnig) flbonnementS'Bedlngungen: Cbonnemcntä- Preis wmiumeranbo: Pierteljährl. S,90 Ml. monatl. 1,30 Wl. wöchenUich 30 Psg. frei ins Haus Sinzeine Nummer 3 Pfg, Sonntags. nummer oiit iiluslrierter Sanmags- veilage»Die Neue Weil* 10 Psg, Pust- Wonnement! ILO Marl pro Monat. Sinyenagen in die Pofl.Zeitungs. jirelsiifle. linier Kreuzband für Deutichiand und Oeslerreich- Ungarn l30 Marl, für das ädrige Stusiand » Marl uro Monat. Posladonnemenis nehmen an Belgien. Dänemarl. Holland. Italien. Huxemburg. Portugal. «uuiänien. Schweden und die Schweiz. krlchtlsl Lgna. ZZ.Jahrg« vle InlerNonz-eedillzs beträgt für die fechsgeldaltene Kolonel- >eile oder deren Raum 60 Pfg., für polirilche und gewerlichafllichc Vereins- Und Veriammlnungs-Anzcigcn 30 Pfg. ..Meine Znieigen". das fettgcdruclte Wort 20 Pfg. izulässtg 2 fettgedruckte Worte). ledes wittere Wort 10 Pfg. Etellengefuche und Schlaislellenau- teigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über lö Buch. fladen zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Ervedition abgegeben werden. Tie ExvedMon ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm» ildreste: „hoilsllkinclirai Berlin". Zcntralorgan der rozialdemokratifcbcn parte» Deutfchlands. Neüaktton: SW. HS, �inöenstraße Z. Fernsprecher: Ami Morinpla«. Nr. 1MS7. Montag, den 25» September 1916* Expeöition: SW. öS, Linöenftraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr.>..,1.!)0— liU i)7. ieiöBHO oes men SWtWllim. Amtlich. Großes Hauptquartier, 24. Sep- tember 1916. sW. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe 5ironprillz Nupprecht. Tic Dauer schlachtaudcrSomme ist wieder in vollem Gange. Ter A r t i l l c r i c k a m p f ist zwischen der Ancre und der Somme von selten erreichter Heftigkeit. Nächtliche scindlichc Vorstöße bei Courcclettc Rancourt und Bouchavesnes sind mißlungen. Heeresgruppe 51 ronprinz. Im Maasgediet nahm die Fcnertätigkcit links des Fluffes und in einzelnen Abschnitten rechts des- selben zu. Auf der ganzen Front rege �licgcrtätigkcit mit zahlreichen für uns günstigen Lustkämpfcn in unseren und jenseits der feindlichen Linien. Wir haben 24 Flug- zeuge abgeschossen, davon 29 an der Somme. Obcrlcut- nant Buddecke, die Leutnants Wiutgeus und Höhudorf zeichneten sich besonders aus. Unser Verlust beträgt sechs Flugzeuge. Am 22. September spät abends wurde durch Vom- benabwurf auf Mannheim eine Person getötet und einiger Sachschaden angerichtet. Bei mehrfachen fciud- lichcn Flicgcrangrisfcu auf das rückwärtige Gelände unserer Front wurden unter anderem in Lille 6 Bürger gc- tötet und 12 Häuser beschädigt. Eins unserer Luftschissc hat in der Nacht zum 22. September englische Militäranlagcn bei Boulognc angegriffen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des Gencralfeld Marschalls Prinz Leopold von Bayern. Mit �starken Massen griffen die Rüsten fünfmal zwischen S e r c t h und S t r y p a nördlich von Zborow erneut an. Bei Manajow drang der Gegner ein. Er wurde im Gegenangriff wieder geworfen und ließ über 799 Gefangene und 7 Maschinengewehre in unserer Hand. Weiter südlich brachen alle Ängrisfc mit schweren Verlusten vor unseren Linien zusammen. Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Carl. In den Karpathen gewannen wir zwischen der Ludowa und Baba Ludowa sowie am Lsthangc der Cim- broslawa in früheren Gefechten eingebüßte Teile unserer Stellung im Angriff zurück. Nordöstlich von Kirlibaba sind hartnäckige Kämpfe im Gange. Kriegsschauplatz in Siebenbürgen. Am Vulkanpaß und westlich davon wurden mehrere rumänische Angriffe abgeschlagen. Valkan-Kricgsschauplatz. Keine Ercigniste von besonderer Bedeutung. Ter Erste Gcncralquartiermcister. Ludcndorff. * Luftangriff auf Cnglanü. Amtlich. B e r l i u, 24. September 1916.(W. T. B.) In der Nacht zum 24. September haben mehrere Marincluftschiffgcschwader London und militärisch wichtige Plätze am H u m b e r und in den mittleren Grafschaften Englands, darunter Nottingham und Sheffield, ausgiebig mit Bomben be- legt. Ter Erfolg konnte überall in starken Bränden be- obachtct werden, die noch lange nach Ablauf sichtbar waren. Die Luftschissc wurden aus dem Anmarsch vor dem Ucber- schreiten der englischen Küste von Bewachungsfahrzeugeu und beim Angriff selbst von zahlreichen Abwchrbatterien außerordentlich stark mit Brandgcschosscn unter Feuer genommen und haben einige der Batterien durch gut- liegende Salven zum Schweigen gebracht. Zwei Lust- schiffe sind dem feindlichen Abwehrfeuer über London zum Opfer gefallen, alle übrigen unbeschädigt zurückgekehrt. Der Chef des Admiralstabs der Marine. Zer llerieiSiillie Gm! WnlU Wien, 24. September 1916.(333. T. 33.) Amtlich wird verlnutbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Front gegen Rumänien. Im Bereich des Vulkan-Passcs wurden rumänische Vorstöße abgeschlagen. Bei Nag» Szcbcn ganisatorischen Form für die neue soziale Hilfstätigkeit der Lösung. Die Verfasserin begnügt sich mit Andeutungen dar- über. Fühlt sie, daß hier eine Klippe ihr Schiff bedroht, und will sie dieser aus dem Wege gehen? Vielleicht ist sie sich auch über die organisatorischen Wege, auf denen die soziale „seelsorge" ihren Zielen entgcgcnwandcln soll, noch nicht klar. Und dennoch muß dieser Punkt vor allen anderen gs- klärt werden, wenn alle schönen Wünsche und frommen Hofs- iiungcn der Verfasserin, die unstreitig einem warmen sozialen Gefühl entspringen, lebendige Gestalt bekommen sollen. Aus den Andeutungen der Verfasserin scheint hervorzu- gehen, daß ihr in der Hauptsache private Vereine als Träger der sozialen Fürsorge nach dem Kriege vorschweben. Wir fürchten, daß Frau Dr. Salomon dabei böse Enttäuschungen erleben würde, vorausgesetzt, daß sie unserem Verlangen nach religiöser und politischer Neu- tralität der neuen Seelsorge zustimmt. Private Vereine, wie wir sie hier im Auge haben müssen, sind nun einmal schwer ohne Tendenz denkbar. Und die Menschen, die sich in solchen Vereinen auf Grund von Gesinnungsgemeinschaft zu- sammenfinden, können auch nicht von heute auf morgen aus ihrer Haut schlüpfen. Es wir ihnen kaum gelingen, den Hilfesuchenden so ganz als„Gleiche gegenüberzutreten", wenn diese dein Proletariat entstammen und wohl gar sozialdemo- kratischer Gesinnung verdächtig sind. Sobald jedoch der so- ziale Abstand vom Gebenden zum Nehmenden diesem fühlbar ivird, quillt das alte Mißtrauen empor und der beste Rat fällt leicht auf steinigen Boden. Vertrauen, wirkliches echtes Vertrauen hat die Masse des Volkes nur zu den eigenen Einrichtungen sozialer S e l b st- Hilfe. Sie hat sich daran gewöhnt, sich selber zu helfen, das Haus, in dem sie ruhig wohnen kann, selber zu bauen. Auf dieses Eigentum ist das Proletariat stolz. Hier hat es allezeit materielle Hilfe gefunden und hierhin wendet sich der Arbeiter auch, wenn ihni seelische Hilfe nottut. Wir müssen der Verfasserin sagen, daß die von ihr geforderte soziale Seel- sorge hier lange geübt wurde, bevor der Krieg das Volkes Not aufs höchste trieb und in manchen Schichten des Bürger- tums so etwas wie ein soziales Gewissen wachrief. Wir nennen in diesem Zusammenhang z. B. die K i n d e r s ch u tz k o m- Missionen der sozialdemokratischen Arbeiterschaft. Aber auch die G e we r k s ch a f t e n sind keine Automaten, in die man eine nach Pfennig und Mark bemessene Pflicht hineintut, um nichts als ein wiederum nur mit barer Münze auszu- drückendes Recht herauszubekommen. Auch wenn zur phy- fischen die seelische Not kam, ging der Proletarier zu seiner Gewerkschaft und zu seinen Parteigenossen und suchte Rat und Führung. Ist der Verfasserin bekannt, wieweit die Ge- werkschaften in Einzelfällen zwingender Not über die statuten- gemäßen Pflichtsätze an materieller Unterstützung hinaus- gingen, uni Hilfeheischende nicht niederbrcchen zu lassen, son- dern sie als„selbstverantlvortliche Wesen" im Gcmcinschafts- leben zu erhalten? An diese Stellen wird sich auch der Kriegsbeschädigte zu- erst wenden, wenn er des Rates guter Freunde bedarf. Und wenn es auf dem Gebiete der„sozialen Seelsorge" zu einem Wettkampf um die Seelen der Arbeiter kommen sollte, dann iverden die Institute proletarischer Selbsthilfe den Sieg da- vontragen._ Was der kriegsbeschädigte Arbeiter vom Staate oder von seinen eigenen Organisationen empfängt, ist ein Recht. Was andere ihm ohne Pflichtleistung seinerseits geben, ist ihm eine„milde Gabe". Er unterscheidet scharf zwischen ge- setzmäßiger Hilfe oder Selbsthilfe und— Wohltätigkeit. Dr. Salomon dagegen scheint diese Trennungslinie nicht mit der gebotenen Schärfe zu ziehen. Daß der Arbeiter selber etwas zu schaffen vermochte, wo- mit er sich in den Tagen der Not helfen kann, hebt sein Selbst- bcwußtsein. Jede Hilfe von dort spornt ihn zu neuen Leistun- gen an, mit denen er nicht nur sich selber, sondern auch an- deren, der ganzen Klasse hilft. Dieses eigene Schaffen ist für den einzelnen Arbeiter der stärkste Antrieb, sich als„selbst- verantwortliches Wesen" im Gemeinschaftsleben zu erhalten. Der Staat wird seine Pflicht gegenüber den Kriegsbeschädigten zu tun haben. WaS darüber hinaus an materieller und seelischer Förderung ein- zelner geschehen muß, überlasse man der sozialen Selbsthilfe des Proletariats und öffentlichen paritätischen Einrichtungen, auf deren Leitung die vom Proletariat dazu bestimmten Männer und Frauen einen weitreichenden Einfluß haben müßten. Wir denken dabei z. B. an den A r- b e i t s n a ch w e i s, der sicherlich einen guten Teil der von Dr. Salomon gestellten Aufgaben erfüllen könnte. der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 23. September.(W. T. B.) Amtlicher Heeresberichtvom 2 3. September. Mazedonische Front: Auf der Höhe von Sta- rancretsch Kaplanina haben wir den Kamm des Gebirges südlich vom Dorfe Popli im Sturm genommen. Der Feind zog sich in Unordnung zurück und ließ eine große Zahl von Toten und Verwundeten zurück. In der Gegend von Lerin (Florina) Ruhe. Auf der Höhe von Kaimakcalan heftiges beiderseitiges Artilleriefeuer und schwache Jnfanterietätig- feit. Im Moglenitzatale schwaches Geschützfeuer. Unsere Artillerie zerstreute zahlreiche Ansammlungen des Feindes. Westlich vom Wardar schwaches Artilleriefeuer. Ostlich davon war das Feuer heftiger, aber zeitweise unterbrochen. Am Fuße des Belasica und an der Front der Struma schwaches beiderseitiges Artilleriefeuer. An der Aegäischen Küste Ruhe. Front gegenRumänien: Von der Donau nichts zu nielden. In der Dobrudscha war der gestrige Tag etwas ruhiger. Ein Versuch des Feindes, gegen das Dorf Mustafazi vorzugehen, wurde durch unser erfolgreiches Artillcriefcucr und das Erscheinen unserer Kavallerie ver- citelt. Der Feind kehrte auf demselben Wege um und zog sich in seine Stellungen zurück. An der übrigen Front entwickelten sich schwache Kämpfe der Vortruppcn zu unseren Gunsten. An der Küste des Schwarzen Meeres Ruhe. die feinülichen Heeresberichte. Der französische Tagesbericht. Vom 23. September nachmittags.(W. T. B.) Nördlich der Somme war die Nacht verhältnismäßig ruhig. Französische Patrouillen, die bis zum Rande von Comblcs vorgedrungen waren, fanden zahlreiche feindliche Leichen auf dem Gelände und nahmen außerdem IS Mann gefangen, darunter einen Offizier. Südlich der Somme ziemlich lebhafter Artilleriekampf in den verschiedenen Abschnitten. Ueberall sonst zeitweilig aussetzende Beschießung. An der Sommssront lieferten französische Flieger am 22. Sep- tember 56 Kämpfe, infolge deren vier feindliche Flugzeuge abgc- /tos üem Tagebuche eines /lrmierers.� 7. Hinter dem Dorfe zieht sich ein flacher Hügelrücken hin. In seinem Schutze formieren sich unsere Kompagnien. Die Gewehre iverden geladen, dann geht es in dünner Schwarmlinie� vorwärts. Auf der Höhe dcL Hügels beginnen wir flüchtige Feldbefestigungen auszuheben. Keine halbe Meile vor uns tobt der Kampf, halten seit zwei Tagen und Nächten unsere braven Infanteristen den immer wieder anrennenden Feind ans. Da müssen Neservestellungen geschaffen werden, um bei einem Durchbruch den Unsrigen einen festen Halt zu bieten. Und die Gefahr eines solchen wird immer dringender. Hinter Gebüschen versteckt, schleudern unsere Geschütze ihren verderbenbringenden Eisenhagel hinüber. Voll grausiger Verwunderung folgen unsere Augen den davongurgelnden Pro- jektilen, deren weiße und schwarze Sprenawolten drüben den ganzen Himmel bedecken. Wir wissen wohl, daß auch wir im Bereich der feindlichen Feuerschlünde stehen und was es heißt, wenn plötzlich über uns der Himmel Blei und Eisen speit. Da— iraS war das?— Vielleicht 1500 Meter rechts, bei unserer Nachbar- kompagnie, schießt eine dicke pechschwarze Rauchwolke aus der Erde — riesengroß— wie ein mäßiger Kirchturm- Ein � dumpfes .Krachen, als wenn eine riesige eiserne Tür ins Schloß schmettert, überhebt uns jeder Frage nach der Ursache. Wir spähen er- wartungsvoll über den Rand der Gräben—„kommen wir auch an die Reihe?"-- 8. Der Feind hat vergeblich seine Reserven geopfert, um durch eine Gegenoffensive seinen Rückzug aufzuhalten. Wieder trotten wir der Infanterie nach. Seit zloei Tagen haben wir keinen Schuß mehr gehört und nur des Himmels Glut verkündet unS des Nachts das fortschreitende Zerstörungstverk.— Am Nachmittag kommen wir durch Dörfer, in denen unsere Truppen quartieren. Weit kann's nicht mehr sein, bis die Luft wieder„dick" wird. Eben sind wir vielleicht einen halben Kilometer hinter einem„Panje- dort", da beginnt mit einem Male der Himmel Rauch und Feuer zu spucken. Der feindliche Beobachter hat unsere anmarschierende Kolonne als billiges Opfer für seine Artillerie erkoren, und nun regnet es Schrapnells. Hei, wie da die Müden laufen können! Erst jenseits des Waldes gelingt es, die Truppe wieder zu sammeln. Gottlob, es fehlt keiner.— Bald darauf haben wir das Infanterieregiment, dem wir zugeteilt sind, erreicht— und noch denselben Abend stehen wir mit unseren behelmten Kameraden Schulter an Schulter, um mit Gräben und Hindernissen dem Feind eine feste Schranke zu setzen.— 9. „Heute ist große Freude in Israel!" Seit Wochen haben wir die erste Post wieder erhalten, mit Feitungen, Briefen und Liebes. gaben aus der Heimat. Eine Abteilung Infanterie hat eine Scheune geräumt und wir sind ihre glücklichen Nachfolger geworden. Und wenn das Dach rissig und das Stroh verlaust ist, besser als an der Gicbelwand auf dem Hofe schläft es sich doch. � Eben sind wir beim Auspacken und Durchlesen der Post, da erschallt schon der Ruf:„Raustreten!" Die Pakete wandern zurück in den Tornister, schnell noÄ die Briefe eingesteckt und dann raus.— Draußen im Walde zieht man sie dann verstohlen heraus und liest, was eine liebe Hand da weit hinten, wo jetzt die Sonne sinkt, für uns geschrieben und zusammengepackt hat. Und vergnügt kaut man sein Brot, morgen sollen all die Leckerbissen von daheim doppelt schmecken.— Ein dumpfes Krachen, laut nachhallend im Walde, verscheucht mit einem Ruck die Gedanken. Die alten Baum- riefen bekommen plötzlich Leben. Das zischt und kracht und knallt und klatscht durch die Zweige, Büsche und Stämme und aus der *) Siehe„Vorwärts" Ar. 240 und 257. Lust herunter stürzt es sich dröhnend und schmetternd. Ein paar Minuten lang trommelt die feindliche Artillerie mit ihren schweren Kalibern in den Wald, daß man meint, die Welt ginge unter. Wir liegen an'der Erde hingekrallt, bis das Artilleriefeuer nachläßt. Noch eine Viertelstunde lang ritschen die Gewehrkugeln durch die Zweige, dann wird'S wieder plötzlich still und der Wald liegt ruhig in der Abenddämmerung. Langsam rappeln wir uns hock, das Gewitter ist vorübergegangen, ohne zu zünden. Und wie ich noch den Dreck mir von den Knien klopfe, plumpst vor mir etwas Zapelndes ins Moos, und wie ich's aufhebe, halte ich ein zer- schossenes Rotkehlchen in den blutigen Fingern!--- Da beginnt'S wieder zu rollen und zu krachen, ganz nahe, ganz ferne. Will denn das heute gar kein Ende nehmen? Durch den dunklen Wald leuchtet grausig schön eine ferne Feuersbrunst.— Als wir mit Tagesanbruch in unser Quartier zurückkehrten, stan- den wir vor einem glühenden und qualmenden Aschenhaufen. Mit einem Dutzend gutgezielten„schwarzen Säuen" hatte der Rußki unser Quartier mit all seinem Inhalt zerstört, kaum daß sich die zurückgebliebene Wache retten konnte. Da halfen keine „Wenn" und„Aber", und die Philosophen trösteten die um ihre Habe jammernden mit dem geretteten Leben. Das sind die Freuden und Leiden der Soldaten mit mildernden Umständen, wie daheim viele denken, deren stille Taten und Strapazen kein Heeres- bericht nennt und die doch so ungeheuer viel in diesem Kriege geleistet haben. E. Gr.(z) Lazarettbilöer. Von Karl Gast(zurzeit im Lazarett). Der Bimmelbabnzug, der dreimal täglich unser Rest mit der großen Welt verbindet, ist Sonntags gestopft voll: D e r B e s u ch! Welcher Anlaß der Sorge und froher Erwartungen, schon stunden« lang vorher, für unS: Ob es nun auch Urlaub geben wird, daß man für ein Stündlein sich mit den Angehörigen verkrümeln kann, um wieder einmal nur Mensch zu sein und eine richtige Tasse Kaffee zu trinken—. wegen des strengen ärztlichen Rauchverbots—. ob da« Wetter der Festlagsstimmung nicht noch einen Dämpfer aufsetzen wird, ob Vater nun auch sein Versprechen wahrmachen wird und heute millommt— Hoffnungen und Befürchtungen— bis das über dem Walde schwebende Rauchfähnlein es kündet, daß der Zug eingelaufen ist. Obwohl es vom Bahnhof eine gute halbe Stunde Weg nach hier ist, steht jetzt schon alles aufgeregt unten. Mitte Wegs kann man ihn nämlich für ein Stückchen, das er durch eine Lichtung gehl. übersehen, und jeder erkenn: natürlich mit tödlicher Sicherheit„seinen" Besuch— wenn man dort auch vorerst nur bunte Punkte krabbeln sieht— und reibt sich je nach Temperament die Hände, zupsl sich die Ohren, oder treibt ähnliche für einen wohlerzogenen Menschen unangebrachte Sachen. Aber auch diese Zeit der höchsten Spannung geht vorüber. Endlich sind sie da— und werden kühler begrüßt, wie man'S eigentlich erwarten sollte. So sind nun einmal die Deutschen. Vater ist wirklich gekommen, es gibt Urlaub und der Himmel hat Einsehen: für vier Stunden gibt'S für mich leinen Krieg.— Wenn nur das Abschiednehmen nicht wäre! Aus demselben Fenster, aus welchem ich jetzt auf den sonnen- beschienenen See blinzle, hat vor etwas mehr als zwei Jahren Asta Nielsen herausgesehen. Und wenn ich zur Tür heraustrete, streifte mein Blick jedesmal vorher die behaglich lächelnde Photographie deS seligen Giampietro, der hier oft Erholung von den Anstrengungen im Dienste der Muse mit den durchbrochenen Strümpschen und dem kurzen Röckchen gesucht hat. Damals mag freilich unser Hotel etwas anders ausgesehen haben; aber' es bar auch seinen Vorteil, wenn wir rauhen Kriegslncchte nicht durch überflüssigen Luxus verwöhnt werden. schössen wurden. Vibr sah man steuerlos fallen, ohne daß ihr Sturz bis zum Erdboden verfolgt werden konnte. Zwei endlich wurden zum Landen gezwungen. Im Lausse dieser Kämpfe schoß Feldwebel Dorme sein 11. deutsches Flugzeug bei Eoyencourt, Leutnant Deullin sein 7. südlich von Souain, Feldwebel Tarascon sein 6. südwestlich von Horgny ab. Ein viertes Flugzeug, das als abgeschossen ge- meldet wurde, zerschellte südwestlich von Rocquigny auf dem Boden. In der� Gegend von Verdun griff Feldwebel Lenoir aus nächster Nähe ein deutsches Flugzeug an und brachte es in den deutschen Linien nördlich von Douaumont zum Absturz. Es ist dies das 10. bis jetzt von diesem Flieger abgeschossene Flugzeug. Französische Beschießungsflugzeuge zeigten sich an der ganzen Front ebenfalls sehr tätig. In Belgien warf ein sranzösiscbes Flugzeug vier Vom- ben auf Barackenlager im Walde von Hourhulst. In der Somme- gegend beschoß ein Geschwader von 16 Flugzeugen die Bahnhöfe von Tins, Epehy, Roisel und den Flugplatz von Hervillp, auf welche Orte 80 Granaten von 12 Zentimeter abgeworfen wurden. Nordöstlich von Soissons wurde ein Auwmobilstandplatz mit 20 Granaten bc- legt. Feldwebel Baron, von einem Bombenwerfer begleitet, stieg gestern um 7% Uhr von seinem Standorte auf, gelangte nach L u dw i g s h a f e n i n d e r P fa l z. wo die Flieger drei Granaten auf militärische Anlagen abwarfen. Dann setzten sie ihren Flug fort und warfen drei andere Bomben auf wichtige Fabriken von Mann- heim auf dem rechten Rhein-ufer, wo ausgedehnte Feuersbrünfte und mehrere Explosionen festgestellt wurden. Die Flieger kamen 12% Uhr nachts zurück. Endlich beschoß in der Nacht vom 22. zum 23. September ein französischer Lenkballon die Eisenbahn in der Gegend von Mareoing südwestlich von Cambrai. Orientarmee. Schlechtes Wetter behinderte die Kampf- Handlungen auf der ganzen Front der Armee. Mit Ausnahme ein- zelner Sturmangriffe der Infanterie in der Gegend des Doriansces wird keine Jnfanterietäligkeit gemeldet. Vom 23. September abends.(W. T. B.) An der Sommefront ziemlich heftiger Artilleriekampf bei Bouchavesnes und im Abschnitt Bellop. Keine Jnfanterietätigkeit. In den Vogesen unternahm der Feind einen Versuch gegen unsere Stellungen südlich deS Eol St. Marie. Er wurde nach ziemlich lebhaftem Handgranatenkampf in seine Gräben zurückgeworfen. Kein wichtiges Ereignis an der übrigen Front. Belgischer Bericht: Heftiger Kampf mit Bomben letzte Nacht in der Gegend Bocsinghe. Heute beschossen unsere Batterien und Grabenmörscr lebhaft feindliche Arbeiten und Batterien bc- sonders nördlich Dixmuiden. Die englische Meldung. Vom 2 3. September nachmittags.(W. T. B.) Letzte Nacht wurden östlich von Courcelette weitere Fortschritte gemacht. Ein stark befestigtes System feindlicher Laufgräben wurde erobert. Unsere Linie wurde über eine Front von einer halben Meile hinaus- geschoben. Ein feindlicher Gegenangriff westlich von Mouquet wurde mit schweren Verlusten abgewiesen. Unsere Artillerie brachte östlich von Bethune einen feindlichen Munitionsstapel(wörtlich: cnerny ammnnition dunip) zur Explosion. Vom 23. September abends. Südlich der Ancre fuhren wir fort, unsere Stellung zu verbessern, indem unsere Abteilungen stellenweise in die vorgeschobenen feind- lichen Gräben eindrangen. Bei der Beschießung eines Teiles der feindlichen Front wurden gestern zehn feindliche Gcschützunterstände zerstört und vierzehn andere schwer beschädigt. Fünf MunitionS- unterstände flogen in die Luft. Unsere eigene Artillerie verursachte gestern einen großen Brand in einem Orte, den der Feind für die Zufuhr sehr viel benutzte. Im Flugwesen herrschte gestern die größte Tätigkeit. Fünfzig unserer Flugzeuge unternahmen eine sehr ge- lungene Streife auf einen wichtigen Eisenbahnknotenpunkt. Sie rich- teten viel Schaden an, zerstörten auch Munitionszüge und ver- ursachten viele heftige Explosionen. Ebenso erfolgreich waren die Unternehmungen auf feindliche Eisenbahnbanten, Weichen, Flug- Plätze und andere militärisch wichtige Punkte. Es kam auch zu vielen Luftgefechten. Drei feindliche Flugzeuge wurden zerstört, fünf andere beschädigt zum Absturz gebracht. Viele andere brachen das Gefecht ab. Man sah sie jäh niedergehen. Bon unseren Flugzeugen werden fünf vermißt. Saloniki, 23. September.(W. T. B.) Amtlich. Patrouillen haben mit Erfolg feindliche Schützengräben an der Front der Struma Wenn ich dann in der Dämmerung so allein fitze und spinti- sieee, wenn der senlimenlate Gesang der Kameraden über das Wasser schallt: Was nützet mir'ne Extramlltze, wenn es doch keinen Urlaub gibt? Ich Hab' gedacht, es gibt drei Tage,— aber nein, aber nein, es gibt ja kcin'n I— — und wenn ich dann die mit buntgekleideten Sommergästen vollen Rnderboole über den See ziehen sehe, dann ist mir manchmal, als spielte ein undefinierbares Lächeln um den Mund de» luftigen Ver- starbcncn,— der wirklich unvergleichlich lächeln konnte, wie sich jeder erinnern wird.(ch Kleines Theater: Einakter-Menö. Drei Lustspielchen— drei Verfasser. In„Paul und Paul a", dem ersten Stückchen, hat Herbert Eulenberg ein auf eine Art„Neuordnung" der Ehemoral in Gegenwart und Zukunft abzielendes Thema angeschnitten. Er plä- diert dafür, daß Mann und Frau, wie sie ja zumeist ein mehr oder weniger belastetes Vorleben in die Ehe mitbringen, nun auch ihre beiderseitigen illegitimen Kinder gemeinsam erziehen sollten. Die Wahrhaftigkeit und Vernünftigkeit dieses Gedankens zugegeben, wird sich das aber angesichts der menschlichen Charakterverschiedenheit und namentlich der bei Schließung eines Ehebundes mitspielenden gesell. schaftlichen oder kapitalistischen Interessen nicht gar so leicht machen lassen, als Eulcnbcrg dichterisch demonstriert. Indes— es gibt da ein recht lustiges Spiel und Gegenspiel in wohlgcsetzten, manchmal witzigen Versen. Wer darauf hingeht, um sich in Hymens Fesseln zu begeben, er riskiere es einmal, seiner bislang vor der Welt geheim- gehaltenen„unfreiwilligen" Vaterschaft oder Mutterschaft Achtung und Anerkennung zu verschaffen. Das Mittelstück„Gentz und Fanny ElSler" wird der einst vom literarischen„Jungdeutschland" gepflegten Gattung historischer Salonlustspiele beizuzählen sein. Jakob Wassermann behandelt darin eine Episode aus dem Leben des so geistreichen als charakter- losen Diplomaten und Handlangers ultrareaktionärer Staatsmänner (Metternich!) Friedrich von Gentz und der damals allerorten bewunderten Tänzerin Fanny Elster. Wassermann ist kein Dra- matiker. Aber der feine Romanzier bewährt sich doch auch in diesem geistvollen Geplänkel. Nicht minder da» Vermögen des in rückläufige Epochen SicheinfühlenS. Mochte man in diesen beiden Stückchen noch so nebenbei an „konstruierte" Handlungen erinnert werden— Ludwig Thomas Einakter„L o t t ch e n s Geburtstag" ftihrt uns wieder auf den realen Boden zurück. Wie ein alter auf Elternmoral und sittliche Grundsätze eingeschworener Gcheimrat sein nun zwanzigjähriges Töchterlein in puncto geschlechtlichen Dingen unter Berücksichtigung einer Ehe vorbereitend belehren möchte, selbige Absicht bei einem sträflich naiven Privatdozenten der Zoologie, der sich für Lottchen zu interessieren sckieint, vergeblich durchzuführen versucht, um schließlich von ihr zu erfahren, daß sie sich jene intimen Kenntnisse einfach durch Teilnahme an einem Lehrkursus für— Hebammen verschafft habe:— das ist der Inhalt. Aber wie er vorgetragen wird: das ist daS Entscheidende. Thoma, der wurzelständige Satir-Humorist ver- steht es meisterlich, uns über seine für ein so kitzlichcs Thema auf- gebotene Schelmerei gehörig lachen zu machen. Alfred Abel ist aber auch unbezahlbar als geheimrätlicher Pava Gisclius, wie er vordem den Gentz geradezu faszinierend echt in Gestalt und Sprechweise ver- körperte. WaS sonst noch Georg Alexander, Fanay Wenaldy, Johanna Zimmermann(Fanny Elsler) und Helene Rietz in ihren Rollen und Röllchen sehen ließen, war passables Mittelgut. Nur daS Schwäbische ia Thomas Lustspiel, es klang scheußlich— schön. etc. Chronik des Weltkrieges. ÄZ. September 1914. Westlicher Kriegsschauplah: Auf dem äußersten rechten Flügel neue Kämpfe, in denen bisher eine Entscheidung nicht gefallen ist. Als erstes der Sperrforts südlich Verdun ist das Fort Camp des Romains gefallen. Die deutschen Truppen überschritten dort die Maas. Ein Zeppelin überslog Ostende und warf mehrere Bomben ab. Oesilicher Kriegsschauplatz: Keine besonderen Ereignisse. Der„Vorwärts", dessen Erscheinen vom Oberkommando auf drei Tage verboten war, ist wiederum erschienen. 25. September 1915. Wesllicher Kriegsschauplatz: Nach stärkstem Artilleriefeuer auf der ganzen Front, das zum Teil fünfzig Stunden ununterbrochen anhielt, stießen die Engländer zwischen den Bahnen von Ipern nach Roulers und Comines vor. Ihr Angriff wurde auf dem Nord- flügel nach Nahkampf abgeschlagen. Kämpfe östlich von Armentieres und nördlich des Kanals von La Baffee sind noch im Gange. Bei Souchez, Neuville, in der Champagne bis zu den Argonnen erfolgten französische Angriffe, die mit erheblichen Verlusten zu- sammenbrachen. An einzelnen Punkten dauert der Nahkampf fort. Oestlicher Kriegsschauplatz: An verschiedenen Stellen der Front leisteten die Russen Widerstand. An der Zkwa-Linie wurden in den beiden Tagen 4000 Russen zu Gefangenen gemacht. Die dritte deutsche Kriegsanleihe brachte nach vorläufiger Be- rechnung 12 030 Millionen Mark. und von Doiran überfallen. Flugzeuge bombardierten mit gutem Erfolg einen Transport in der Nähe von Drama. Ter russische Kriegsbericht. Vom 2 3. September nachmittags.(W. T. 25.) An der Westfront unternahm der Feind am 22. September früh südwestlich des Narocz-Sees einen Gasangriff, der etwa zwei Stunden dauerte. In den zwischen den Eiaswellen liegenden Zeit- räumen versuchte er in Masten anzugreifen, wurde aber jedesmal durch Maschinengewehr-, Artillerie- und Gewehrfeuer in seine Gräben zurückgeworfen. In der Gegend der Dörfer Darevo und Labuza südöstlich Baranowitschi erzeugte der Feind gleichfalls Gaswolken. K a u k a s u s f r o n t: In der Gegend südwestlich Gümüschkhane griffen unsere Vortruppen einen feindlichen Vorposten an, brachen in ihn ein, brachten den Türken schwere Verluste bei und nahmen ihnen Waffen, Patronen und Munition weg. Ein beträchtlicher Teil des Kriegsgeräts des Gegners wurde verbrannt, da es nicht möglich war, es mitzunehmen. Im Schwarzen Meer zerstörten unsere Torpedoboote im .Oafen von Ercgli drei Dampfer und mehrere mit Kohlen beladene Segelschiffe. Meldung der itnlienischen Heeresleitung. Vom 23. September. sW. T. B.) An der ganzen Front zeitweise Artillerietätiakeit, die im Astach- tale heftiger war. Auf dem Karst griff der Feind in der Nacht vom 22. zum 23. September die Höhe 208 südlich von Villanova mit bedeutenden Kräften an, einem Stühpunkte der feindlichen Linie, der kürzlich von uns erobert wurde. Kleine Gruppen, denen es gc- lungen war, in einige unserer Gräben einzubrechen, wurden durch einen kräftigen Gegenangriff schnell wieder daraus vertrieben. Frühmorgens erneuerte der Feind feine Anstrengungen gegen die- selbe Stellung und warf gleichzeitig einen Angriff gegen die Höhe 14 l nordöstlich von Monfalcone. Er wurde überall glatt abgewiesen. Tie Heftigkeit des Vorgechens, das den Feind schwere Verluste kostete, zeigt die Wichtigkeit, die er der Stellung auf den beidim von uns f ssigehaltenen Höhen beimißt. Feindliche Flieger warfen einige Bomben auf Montecchio Maggiore(Vicenja) und das Misurina-Gobiet sHoch Anciei). Sie richteten keinen Schaden an und töteten und verletzten meman!>en. Rumänischer Bericht. Vom 23. S e pst e m b e r. sW. T. H.) An der Nord- und Nordwest front machte unser An. griff westlich und südwestlich Dorna Watra Fortschritte. Unsere Truppen rückten auch im Kaliman-Gebirge vor. An der übrigen Front Gefechte�von Erkundungsabteilungen. An der Südfront in der Dobrudscha Kanonade. An unserer linken Flanke war die Kampftätigkeit ziemlich lebhaft. Sie endete mit dem Rückzug des Feindes. Seine Verluste in der am 20. September beendeten Schlacht waren groß. An der Front einer einzigen Division sam- motten wir fünftausend Gewehre ein. vom v-Soot-Krieg. Amsterdam, 24. September. sW. T. B.).Handelsblad" melde:: Die holländischen Schlepper.Gouwzee" und„Lauerzee", die gestern abend von Hoek van Holland mit vier belgischen Leichtern im Schlepptau nach England abfuhren, find im Laufe des Abends ohne Leichter nach dem neue:: Wasserweg zurückgekehrt. Die Leichter wurden von einem deutschen Unterseeboot nahe dem Maas-Leuchtschiff versenkt. Untersuchung eines hollänüischen postüampfers. Berlin, 24. September.(W. T. B.) Der h o l l ä n- dische Po st Kämpfer„Prins Hendrik" der Linie Vlissingen— London wurde am 23. September 8 Uhr mor- gens auf dem Wege nach der Thcmsemündung von unseren Seestreitkräften vor der flandrischen Küste angehalten und durchsucht. Eine größere Zahl russischer und französischer Kriegsgefangener, die ans deutschen Lagern ent- wichen waren, sowie in Holland interniert gewesener, an- scheinend beurlaubter englischer Soldaten, wurde festgenom- wen, ebenso einige feindliche Kuriere mit ihren Sendungen. Um 12 Uhr mittags desselben Tages wurde der Dampfer mit samt den neutralen Passagieren, den Frauen und Kindern und seiner Post wieder entlassen und durch eins un- serer Torpedoboote ausgclotst. Beim Auslaufen wurde der Postdampfcr und das deutsche Begleittorpedoboot von drei feindlichen Flugzeugen mit Bomben ange- griffen. Der Dampfer wurde dabei leicht beschädigt, drei Leute der Tampferbcsatzung verwundet) das Torpedoboot blieb unbeschädigt. Der Dampfer setzte seine Reise fort. tzollanü unü öer Tubantia-ßall. Haag, 23. September. fW. T. B.) Amtlich. Das M i n i st e« lium des A e u ß e r n teilt folgendes mit: Da die Auffassung der niederländischen Regierung über die Ursache des Unterganges deS Dampfers„T u b a n t i a", wie bekannt, nicht mit der Auf- fassung der deutschen Regierung übereinstimmte und der zwischen den beiden Regierungen eingeleitete Gedankencmstausch kein ge- nügcndcs Resultat ergab, hat die niederländische Regierung der deut- schcn vorgeschlagen, den ,.Tubantia"-Zwischenfall, entsprechend dem Vertrage über friedliche Beilegung internationaler Streitigkeiten, einem internationalen Untersuchungsausschuß zu überweisen. Die deutsche Regierung hat diesen Vorschlag an- genommen, hält cS aber nicht für möglich, daß die internationale Untersuchung vor Abschluß des Friedens stattfinde. Die nieder- ländische Regierung hat sich uut dem Vorschlag, daß diese Unter- suchung erst nach Abschluß des Friedens stattfinden soll, einverstanden erklärt. Der„Nieuwe Courant" sst der Auffassung, daß die vor- liegende Lösung der„Tubaniia"-Frage den Niederlanden zwar noch keine hinreichende Genugtuung gibt, findet aber, daß das Erniedri- gcnde, das in dem Verlauf der„Tubantia"-Angelegenheit für die Niederlande lag, jetzt unabhängig von dem weiteren Verlauf und dem schließlichen Erfolge, auf den die Niederlande hoffen, beseitigt ist. Das Blatt schreibt: Die Nachricht aus Berlin hat uns in der beengenden internationalen Atmosphäre einen Augenblick der Erleichterung ge- bracht. Regelung öes Ernährungsölenftes in Gefterreich. Wien, 23. September.(W. T. B.) Für die nächste Zeit steht eine weitere Ausgestaltung des staatlichen Ernäh- rungsdienstes bevor, die den Zweck verfolgt, die bisher be- stehenden Einrichtungen in zweifacher Hinsicht zu ergänzen. Einer- seit» soll die staatliche Verordnungsgewalt in ihrem weiteren Aus- bau vereinheitlicht werden, andererseits die staatliche Exekutivge- walt dadurch eine Kräftigung erfahren, daß die Durchführung der getroffenen Maßnahmen und damit die Uebereinstimmung der Praxis mit den bestehenden Vorschriften allenthalben vollkommener als bisher gesichert wird. In erster Richtung ist hervorzuheben, daß mit der Vorbereitung der notwendigen allgemeinen Anordnungen ein interministerieller Ernährungsausschuß betraut bleibt. Für eine zeitgemäße Beschlußfassung der Regierung in wichtigen �An- gelegenheiten wird durch Einsetzung eines ständigen aus den nächst- beteiligten Ministern gebildeten Ausschusses vorgesorgt, der regel- mäßig zusammentritt. Hinsichtlich der Exekutive in Ernährungs- fragen wird im Nahmen des Ministeriums des Jnern ein unter he- sonderer Leitung stehendes staatliches ErnährungSamt geschaffen werden. Diesem Amte werden Ministerialkommissare beigegeben, die als AufsichtSorgane für den Bereich aller Länder durch ständige Fühlung mit den Landes- und Bezirksbehörden die Einheitlichkeit des Borgehens in Ernährungsfragen und die geaue Beobachtung der erlassenen Bestimmungen zu überwachen haben. Innerhalb der einzelnen Bezirke wird ein ständiger Auffichtsdienst durch die politischen Behörden und nach Bedarf ihm deigegebene staallich bestellte Organe eingerichtet werden. Srianö unü Üie französische Minüerheit. Ntan hat in deutschen bürgerlichen Blättern hervorgehoben, daß der Anschlag der Annexionsrede BriandS mit großer Mehrheit beschlossen worden sei, und daß nur die Kienthaler opponiert hätten. Da wir bisher nicht im Besitz der sozialistischen französischen Zei- tungen sind, können wir nicht die Einzelheiten der Debatte und der Abstimmung prüfen. AuS den Aufsätzen in dem Organ der französischen Minderheit, dem„Populaire", geht jedoch ohne wei- teres hervor, daß wenigstens die Linke in der französischen sozia- listischen Partei die Rede BriandS nicht gutheißen konnte. In der letzten Nummer dieses Blattes, die kurz vor der be- wußten Kammerdebatte herauskam, schreibt der Abg. Paul Mistral über„Zwei Auffassungen des Friedens". Er glaubt, daß die eine Auffassung, die auf dem Prinzip des Rechts des Stär- kcren beruht, hauptsächlich in Deutschland zu finden sei. In diesem Sinne zitiert er die Aeußcrung Bethmann HollwegS, daß die Friedensbedingungen sich nach der Kriegslarte richten müssen, und er hält dein die Tatsache entgegen, daß die Annexion von Elsaß- Lothringen 1871 Frankreich in die Arme Rußlands getrieben habe, die Hoffnung auf Revanche wachhielt und eine ernstere Verstand i- guirg mit Deutschland unmöglich machte.— Die Auffassung der französischen Sozialisten ist eine andere. Sie verlangen einen gerechten Frieden. Dazu brauche man keine Kriegskarte, und man brauche auch nicht zu wissen, welche von den beiden kämpfenden Gruppen Sieger bleiben werde. Von Anfang an habe man in Frankreich gesagt, daß sie für das Recht kämpften, für die Zivilisation, für die Freiheit und Unabhängigkeit der Völker, für den letzten Krieg. Alle, vom Senatspräsidenten bis zum Konseilpräsidenten hätten mit wenigen Ausnahmen so ge- redet. Herr Briand habe noch von der Tribüne aus verkündet, daß Frankreich keine beutegierige Nation sei, und in England haben die Staatsmänner noch klarer wie in Frankreich zugunsten eines gerechten Friedens gesprochen. Mistral will nicht untersuchen, ob die Handlungen immer den Worten entsprochen haben; er will glauben, daß Frankreich und England jeden Gedanken an einen Frieden ans der Grundlage des Rechts des Stärkeren ablehnen. Aber es sei wünschenswert, daß das klar ausgesprochen und Frank- rcichs Gegner dadurch in die Notwendigkeit versetzt werden, sich vor ihren Völkern und vor der Welt dazu zu äußern. Der Aufsatz hat der französischen Zensur nicht gefallen; er ist im ganzen um 7b Zeilen gekürzt worden. Inzwischen hat Herr Briand ganz anders gesprochen, als der Genosse Mistral es wünschte. Aber aus dem Artikel geht doch eben hervor, daß die Ausfassung BriandS durchaus nicht von allen geteilt wird. Aus England redet der im Auszug bereits wisdergegebene Aufsatz in der„Nation" eine der Verständigung geneigte Sprache. Gewiß, man weist auf den Hetzartikel in der„National Review" hin. Auf ihn ant- wartet die„Nordd. AI lg. Ztg.", obwohl man weiß, daß sein Verfasser, Herr Maxse mit seinen überspannten Ideen in England kaum recht ernst genommen wird. Es wäre sicher wichtiger zu wissen, was die leitenden deutschen Männer auf die Anregung der„Nation" zu sagen haben. Dieses angesehene Blatt wird wahrscheinlich die Stimmung in England besser beurteilen als die„National Review". Ein Beweis dafür ist eine kleine Episode, die der Glasgower „Forward" erzählt. Danach habe sich in A b e r d e e n vor kurzem das Gerücht verbreitet, daß Frieden geschlossen sei. Knaben, Mädchen und Frauen eilten durch die Straßen nach den ZeitungS- gebäuden in Broad Street und in weniger als einer Viertelstunde waren an die tausend Personen dort angesammelt und die Menge wuchs zusehends. In einer halben Stunde war das Gerücht nach allen Seiten gedrungen. Um 11 Uhr nachts zog eine Menge von etwa 6000 Personen durch die Queenstreet uitt» jubelte über den Frieden. Alle Ableugnungen durch die Polizei und die Presse halfen nichts. Die Menge weigerte sich einfach zu glauben, daß das Gerücht falsch sei.... Läßt dieses Vorlomninis darauf schließen, daß das englische Volk nicht den Frieden schließen will, als bis Deutschland„zcr- schmettert" sei? Wir wollen nicht die Frage aufwerfen, wie in den anderen kriegführenden Ländern ein ähnliches Gerücht auf- genommen werden würde. Wer wir meinen, daß jede Gelegenheit, die Bereilwilligkeit Deutschlands zu einem gerechten und dauern- den Frieden zu betonen, benutzt werden sollte.(z) die Unruhen in Nieüerlänüjsch-?nüien. Amsterdam, 24. September.(W. T. B.) Amtlich wird aus Socrabaja gemeldet, daß dort eine Kompagnie Infanterie von Padang nach Soengoi Penoeh geschickt wurde. Bei ihrem Angriff auf Mocara Tambesi wurden ein europäischer und ein eingeborener Soldat leicht verwundet. Haag, 24. September. sW. T. B.) Amtlich. Eine zweite Kompagnie ist von Padang nach dem Distrikt von Korintji ge- sandt worden. Nach einer Meldung des Residenten von D j a m b i sind drei Brigaden Infanterie und zwei Brigaden bewaffneter Polizei mit Nahrungsmitteln in Moeara Tebo angekommen. Amsterdam, 24. September.(W. T. B.) Ein hiesiges Blatt meldet aus Weltevreden vom 23� daß die Stadt Djambi gestern durch das Gerücht, Aufständische seien in der Umgegend gemeldet worden, in große Aufregung versetzt wurde. Unter den Europäern brach eine Panik aus. Sie flüchteten auf die Schiffe im Fluß. Die Chinesen schlössen ihre Geschäfte. Die holländischen Truppen rückten sofort in die Stadt ein und besetzten die öffentlichen Gc- bäude und die Hauptstraßen. Die Nacht verlies ruhig. Es wurde kein Angriff unternommen. politische Uedersicht. Tie Tagung dcö Ncichstags. Es steht nunmehr fest, daß der Reichskanzler am Donnerstag seil« Rede über die politische Lage halten wird. Man rechnet damit, daß die Session etwa drei Wochen in Anspruch nimmt; dann soll Vertagung bis nach Neujahr eintreten, weil der Etat für 1017 nicht eher vorgelegt werden kann. Plenarsitzungen werden nur wenige stattfinden; das Schwergewicht der Verhaud- lungen wird wieder in den Beratungen der Budgetkommission liegen. Es soll beabsichtigt sein, dem Reichstage nach Neujahr auch größere Finanzvorlagen zugehen zu lassen. Die finanzielle Rüstung der Nationallibcraleu. Der Zentralvorstand der iiationallideralen Partei versendet soeben ein Rundschreiben zwecks Beitragsamm» lung. Der Inhalt des Aufrufes betont als erste Aufgabe: „Aufkiärung in das Land zu tragen über die KrregS- und Friedenözrele, die wir uns stecken müssen, um den notwendigen Euigeit zn schaffen für die großen Opfer, die das Völlerringen unserem Volle auferlegt hat. Nur ein Frieden, der diese Opfer lohnt, der unier Voll politisch und wirtschaftlich mach:- voll aus diesem Kriege hervorgehen iäßl, darf das Ziel sein, das wir erkämpfen müssen." Ans wirtschakUlchem Gebiete wird die Herstellung der Existenz. Möglichkeit aller Elwcrbsslände, denen der Krieg lange Zeil schurerz» lich empfindbare Wunden schlug, zur dringenden Ausgabe gemachr. Jnnerpolilisch müsse Regierung und Verwaltung des Reichs und der Einzelsiaalen„mit wahrhaft liberalem Geist durchdrungen, Veralietes beseitigt und freie Bahn für alle in unserem VollSlebcn vorhandenen Kräfte ohne Unterschied des Standes und der Konscision erlangt werden.",. Das Rnndichreiben trägt die Unterschriften: Bassermann, Dr. Friedberg, U. Vogel. Merkwürdige Verschwiegenheit. In der„D a n z r g e r A l l g c m e i n e n Zeitung' wird von einer Zucht viel) schau und-auktion Westpreußr�ctien Herdbuch-Gesellschaft berichtet. In diesem an sich belanglosen Bericht heißt es:„ „Zu der Auktion, die mittags 11.30 Uhr begann, hatten sich außer dem Vorsitzenden der Gesellschaft, Gutsbesitzer Tornier (Tmmpcnau), zahlreiche Landwirte aus der Provinz eingefunden und es setzte gleich der Beginn eine überaus rege Kauflust ein. Heber den Bcrlanf der Antiion in gewohnter ausführlicher Weise zu berichten, sind wir zu unserem Vedoucru auS einem von uns unabhängigen Grunde nicht in der Lage." Der letzte Satz klingt sicher recht geheimnisvoll. Etwas klarer wurde aber die Geschichte, als wir von anderer Seite die Mitteilung erhielten, daß auf dieser Auktion Kühe mit 1600 bis 2000 Mark, Bullen mit 3000 bis 5000 Mark und mehr bezählt worden sind. Braucht man sich da noch über hohe Rindfleischpreise zu wundern? Und wer hatte ein Interesse daran, über die Zeitung eine Vieh- auktionszensur zu verhängen? « In der Sonnäbendniimmer des„Berk. Tagebl." schreibt der liberale Abgeordnete F. H o f f über die Herabsetzung der Rind- viehpreise. Er weist darauf hin, daß im Laufe des letzten Jahres manche Viehzüchter in Schleswig-Holstein an Reingewinn für einen Ochsen 1000 Mark einstreichen kminten. An dieser Preissteigerung seien die Vichhandelsverbände mit schuld. Herr Hoff kommt zu folgender Forderung: „Sachliche Gründe lassen sich für die jetzigen hohen Rind- viehpreise nicht anführen. Eine sofortige Herab- setzniig aus etwa 80 Mark für beste Qualität er- scheint möglich und gerechtfertigt! Eine solche Herabsetzung würde eine Verbilligung des Rindslei» ich c§ um 60 bis 80 Pfennig pro Pfund bedeuten. Eine Familie von sechs Personen würde bei einer Wochenration von 250 Gramm pro Woche eine Ersparnis von etwa 2,40 Mark machen. Das wäre fühlbar!"__ Zur Znckerknappheit. In der„Hildesheimer Zeitung" wird daraus hingewiesen, daß den Konsumenten Rohzucker zu verhältnismäßig billigen Preisen zugewiesen werden könne. ES heißt da:„Seit der Gründung der Zuckerfabriken in hiesiger Gegend ist es bei vielen Fabriken ein- geführt, daß ein bestimmter Prozentsatz Kristall- oder Kernzuckcr an die rübenbauenden Aktionäre der betreffenden Fabrik im Ver- bältnis zu dem angelieferten Rübenquantum für den eigenen Verbrauch geliefert wurde. Dieser Zucker läßt, waS Qualität anbetrifft, nichts zu wünschen übrig, und es ist daher zu bedauern, daß die ReichSzucker stelle nur raffinierten Zucker in den Handel bringt. Von den Zuckerfabriken wurde bisher eingewandt, daß solches mit Rücksicht auf die Raffinerien und den Handel unstatthaft sei und man diesem das Geschäft nicht unter- binden dürfte. Ferner, daß die Fabriken kleine Mengen und der Steuerabfcrtigung wegen nicht abgeben könnten. Bergleicht man aber die Preise zwischen Rohzucker und gemahlener Raffinade im Kleinhandel, so ist die Differenz pro Zentner ohne Sa ck zirka 10 Mark. Es wäre daher zu wünschen, daß den'Vcr- brauchern durch die Reichszuckerstelle, etwa durch die Stadt� und Kommunalverwaltung, dieser billige Zucker zugeführt würde." LsKte IsMiMen« Gcgcn die politische Zensur. Berlin, 24. September. iW. T. B.) Die Vertreterverfommlung des Reichsverbandes der Deutschen Presse, die heute unter dem Vorsitz von Marx-Berlin im Gasthof„Esplanade" tagte, war aus allen Teilen des Reichs zahlreich beschickt. Den Verhand- lungen über den Abbau der Zensur, die von dem Vorsitzenden� mtt einem Rückblick auf die bisherigen Schritte, Erfolge und Mißerfolge auf diesem Gebiete eingeleitet wurden, wohnten Vertreter des AuS. wältigen Amts, des ReichSamtS des Innern, des ReichSmarme- amts, des Kriegspresseamts, des Stellv. Generalstabs und des Preußischen Ministeriums deL Innern bei. Das Ergebnis der Verhandlungen wurde in einer einstimmig angenommenen Entschließung niedergelegt, die die Schritte billigt, die der geschäftsführende Ausschuß des Verbandes bisher zur B e- seitignug der politischen Zensur getan hat. Sie stellt aber fest, daß teilweise sogar eine Verschärfung dieser Zensur ein- getreten ist, und erklärt daher wiederholt, daß der Neichsverband grundsätzlich die Beschränkung der Zensur politischer Meinungsäußerungen und Nachrichten auf solche Fälle verlaugt, in denen ein zwingendes militärisches Interesse vorliegt. Es sollen ferner unverzügliche Maßnahmen getroffen werden, durch die eine Einheitlichkeit der Zensur über das ganze Reich gewährleistet wird. Verbote von Zeitungen sollen nur im äußersten Notfalle und als letztes Mittel, und zwar stets unter Angabe der Zeitdauer des Verbotes, verfügt werden. Der geschäftsführende Ausschuß werde beauftragt, dies« Entschließung allen in Frage kommenden Behörden und den Parlamenten des Reiches und der Einzelstaaten zu übersenden und bevollmächtigt, alle zur Durchsetzung dieser Beschlüsse geeigneten Schritte zu tun. Wegen Unterschlagung der Staatsanwaltschaft übergeben. Landshut, 24. September. sT. U.) Der Geschäftsführer der hiesigen Allgemeinen Ortskrankenkasse Kreiselmeper ist wegen be- trächtlicher Unterschlagung entlassen und der Staatsanwaltschaft übergedmi worden. D!e zeitraubenden Gänge Tausender von Einwobnern nach den Amtsstellen zur Anmeldung von Käufen in lleinen Mengen waren also vergebens. Selbstmord eines Potsdamer Gcrichtsaktuars. Der zur Kriegs. Vertretung eines Kassenbeamten dem Amtsgericht in Königswuster- Hausen zugewiesene 28jährige Potsdamer Aktuar Paul Caspar hat sich im Amtsgerichtsgebäude in Königswusterhausen erschossen. In seiner Kassenverwaltung wurden bei einer Revision Unregelmäßig- leiten entdeckt, die ihm zum Selbstmord veranlaßt haben dürften. Caspar war vorher an der Kasse des Potsdamer Amtsgerichts tätig und seine dort bewiesenen Leistungen empfahlen ihn für die Ver- tretung in Königswusterhausen. Seine unverhältnismäßige Per- schutdung war wohl der Grund, daß er aus der Gerichtskasse zur Befriedigung eine„Anleihe" entrahm, vor deren Rückzahlung er durch die Kassenrevision überrascht wurde. C. erhielt in Potsdam seine Ausbildung im Justizdienst. Seine Familie ist von einem eigenen Mißgeschick betroffen. Der Vater wurde auf dem Haupt- bahnhof in Potsdam überfahren, als er als Fahrtdicnstleiter am Tage der Cinlicferung des Raubmörders Hennig die Zugabferti- gung besorgte. Cin Bruder des C. fand ebenfalls vor zwei Jahren den Tod auf den Schienen. Sportpark Treptow. Die gestrigen Radrennen bestaichcn aus einem Stunden-Prämienfahren für Flieger und einem Dauer- rennen mit Motorführung über KC Kilometer in drei Läufen nach Punktwertung. Das Prämienfahren bot ein buntes und interessantes Bild. 28 Fahrer gingen auf die lange Reise. Durch Aussetzen von Viertel- stundenprämien wurde ein durchweg flottes Tempo wachgehalten. Das Rennen gewann ini Endspurt Lewanow vor Ärahner, Abra- ham, Pawke und Müller. Die Prämien fielen an Le:vanow, Krahner, Hahn, Abraham und Pawke. Die zurückgelegte Strecke beträgt 40,980 Kilometer. In dem Dauerrenen standen sich Appelhans, Böschlin, Kusch- kow und Wiewerall gegenüber. Appelhans fuhr«in großes Reimen; im zweiten und dritten Lauf überrundete er seine Rivalen nach Gefallen. Nachstehend die Resultate der einzelnen Läufe. 1. Lauf, 10 Kilometer: 1. Appelhans, 2. Kuschkow 110, 8. Wiewerall 820, 4. Böschlin 13ö0 Meter zurück. Zeit: 8 Min. öO Sek.— 2. Laus, 20 Kilometer: 1. Appclhans, 2. Kuschkow 890, 3. Wiewerall 1590, 4. Böschlin 3220 Meter zurück. Zeit: 17 Min. 19 Sek.— 3. Lauf, 30 Kilometer: 1. Appclhans, 2. Kuschkow 3990, 3. Wiewerall 4260, 4. Böschlin 4360 Meter zurück. Zeit: 2ö Min. 15 Sek.— Gesamt- klassement: Sieger Appelhans mit 3 Punkten vor Kuschkow und Wiewerall mit 6 und 9 Punkten. Böschlin, dem man große Sieges- chancen zusprach, ging leer aus. Turnverein„Fichte" veranstaltete gestern bei herrlichem Wetter auf dem Turnplatz in Treptow das Abturnen der Schüler- und Schülerinnenabteilungen, an dem sich 84 Schüler und 94 Schüle- rinnen, also im ganzen 178 Kinder beteiligten. Die einzelnen Leistungen zeigten, daß der Verein bemüht ist, die Teilnehmer zu guten Leistungen zu erziehen und Körper und Geist zu stählen. Irauenlefeabenöe. Zweiter Wahlkreis in folgenden Lokalen: Wiemers, Bülow- straße 58.— Borgfeld, Friesenstr. 4.— Frölich, Blücherstr. 56, Ecke Fontanestraße.— Lörisch, Putkammerstr. 9. Wctteraussichten für dos mitlcrc Norddcutschland bis Dienstag mittag: Zeitweise etwas nebelig, sonst trocken und großenteils heiter, um Mittag sehr mild. Irauenkonfcrenz in Groß-öerlin. Unsere Genossinnen, die in Groß-Bcrlin als Funktion� rinnen tätig sind, waren am gestrigen Sonntag zu einer Kon fercnz berufen worden, um wichtige, die proletarische Frauen� bewcgung berührende Fragen zu besprechen. Der Krieg hat der Frau weitere Tätigkeitsgebiete eröffnet und gerade ihr doppelte Lasten auferlegt. Genossin Z i e tz behandelte in eingehenden Darlegungen die Frauenarbeit und ihre Konscauenzen. In der Industrie, im Handel, im Verkehr, überall sei die Frau in das Erwerbsleben hineingezogen, im Kriege mehr denn je. Die weibliche Arbeitskraft werde heute an Stellen verwendet, wo sie früher verfemt war; selbst im Staatsdienst seien Frauen tätig. Es gälte, aus dieser Tatsache die Konseguenzen zu ziehen. Ausklärung tue dringend not, wenn nicht großer Schaden angerichtet werden sollte. Die Frau müsse sich ihrer Lage bewußt werden. Es müsse ihr der Weg gezeigt werden,_ wie das Proletariat wirtschaftlich und politisch emporsteigen könne. Es gälte, hier einzugreifen und mit Aufwendung aller Kraft die erwerbstätige Frau für unsere Weltanschauung zu gewinnen. Die Gewin- nung�der politischen Macht auch für die Frau sei die Forderung des Tages. Polftischc Rechte für die Frauen sei die notwen- dige Folge ihrer Eigenschaft als Frau, Mutter und als Arbei- tcrin. Genossin Zieh begründete die nachstehenden Forde- rungen, die im Interesse der proletarischen Frau an die Ge- setzgebung, an Reich, Staat und Gemeinde zu stellen sind: Die sozialistische Frauenkonferenz Groh-Bcrlin fordert, daß alle Agitations- und Schulungsmöglichkeiten unter den Frauen aus- genützt werden. Daß an die gesetzgebenden Körperschaften folgende Forderung erhoben und mit Nachdruck vertreten werden. 1. Die Einräumung des allgemeinen, gleichen, direkten und ge- Heimen Wahlrechts für beide Geschlechter vom vollendeten 20. Le- bensjahre an, zu allen öffentlichen und Verwaltungskörperschaften in Reich, Staat und Gemeinde. 2. Ein völlig freies Vereins-, VersammlungS- und Streikrecht, Beseitigung aller Ausnahmegesetze gegen die Jugend, das Gesinde, die Landarbeiter und fremdsprachigen Arbeiter. 3. Verkürzung der täglichen Arbeitszeit auf mindestens 8 Stun- den für alle erwachsenen Arbeiter und Arbeiterinnen. Auf 6 Stun- den für alle Arbeitenden unter 18 Jahren. 4. Verbot der Erwerbsarbeit für alle Kinder bis zum 16. Le- benSjahr. 5. Freigabe des Sonnabend Nachmittag für die Arbeiterinnen. Freigabe eines Nachmittags in jeder Woche für die Jugendlichen zur Körperübung. 6. Verbot der Nachtarbeit, insbesondere für die Frauen und Jugendlichen und eine Einschränkung der als Nacht bezeichneten Zeit. 7. Alljährlich 14 Tage Ferien unter Weiterzahlung des Lohnes für Erwachsene und Jugendliche. 8. Verbot der Beschäftigung für Arbeiterinnen bei gewerblichen Giften und gesundheitsschädigenden Arbeitsarten und Arbeits- Methoden. 9. Verbot der Beschäftigung für Arbeiterinnen 8 Wochen vor der Entbindung und 8 Wochen nach dieser. 10. Ausbau des Heimarbeiterschutzes nach den Grundsätzen, wie sie von den verschiedenen Heimarbeitertagcn aufgestellt worden sind. 11. Ausbau der sozialen Versicherung und ihre Ausdehnung auf alle Arbeiter und Arbeiterinnen, insbesondere auch auf die Hausgewerbetreibenden und Hausangestellten. 12. Einführung der Arbeitslosenversicherung. 13. Vereinheitlichung der Arbeitsvermittlung durch Schaffung kommunaler Arbeitsnachweise auf paritätischer Grundlage mit be- ruflicher Gliederung. Zum Schutz von Mutter und Kind. A. Von der Krankenversicherung: 1. Ausdehnung der Krankenversicherung auf alle lohnarbcitende Frauen und Mädchen, sowie auf alle weiblichen Personen, deren Familieneinkommen 5000 Mk. nicht übersteigt. 2. Obligatorische Einführung der Schwangerenunterstützung für 8 Wochen in der vollen Höhe des durchschnittlichen Tagelohnes der in Frage kommenden Lohnklasie für Lohnarbeiterinnen. 3. Obligatorische Einführung der Schwangerenunterstützung für alle übrigen weiblichen Versicherten in der Höhe des ottsüb- liehen Tagelohnes für weibliche Erwerbstätige. 4. Obligatorische Einführung der Wöchnerinnenunterstützung für 8 Wochen für alle weiblichen Versicherten in der gleichen Höhe der Schwangerenunterstützung. 5. Freie Gewährung der Hcbammendienste und freie ärztliche Behandlung der Schwangerschastsbeschwerden für alle weiblichen Versicherten. 6. Obligatorische Gewährung eines ShllgeldeS für tue Dauer von 26 Wochen in der Höhe des gesetzlichen Krankengeldes, für alle versicherten Mütter, die ihr Kind stillen. Das Stillgeld ist zu zahlen nach Ablauf der Wöchnerinnenunterstützung. 7. Vereinheitlichung der Krankenkassen und Sicherung des vollen Selbstverwaltungsrechtes der Versicherten. B. Von der Gemeinde: 1. Errichtung von Entbindungsanstalten, Schwangeren� und Wöchnerinnen- und Säuglingsheimen. 2. Organisierung der WöchnerinnenhauSpflege. 3. Beschaffung guter, keimfreier Milch. 4. Gewährung von Stillprämien, solange die Krankenkassen noch kein Stillgeld zahlen. 5. Errichtung von Mutterberatungsstellen zur unentgeltlichen Benutzung.. � � 6. G-ncrelle Durchführung der Gcneralvormundschaft. Dem Berufsvormund sind geschulte Helferinnen bei der Kindcraufsicht zur Seite zu stellen. C. Vom Staat: 1. Gewährung von Zuschüssen an die Krankenkassen und an die Gemeinden, um die Durchführung der genannten Forderungen zu ermöglichen. 2. Obligatorische Einführung der Fortbildungsschulen für dre Arbeiter beider Geschlechter bis zum vollendeten 16. Lebensjahre und Aufnahme des Unterrichts in der Säuglingspflege für die weib- lichen Schüler. 3. Bessere Ausbildung und bessere Besoldung der Hebammen. 4. Verteilung von Merkblättern durch die Standesbeamten. Die Merkblätter sollen Anweisungen über die Ernährung und Pflege des Säuglings enthalten. Für die Jugenderziehung. Bei der starken Inanspruchnahme der Frauenkraft für den ge- sellschaftlichen Arbeitsprozeß und der dadurch bedingten Auflösung der Familie ist es Pflicht der Gesamtheit, in weit höherem Maße als seither, die Erziehung der Jugend zu einer Angelegenheit der Gesellschaft zu machen. Deshalb fordert die Konferenz: 1. Schaffung von unentgeltlich zu benutzenden kommunalen Kindergärten unter Leitung pädagogisch geschulter Personen. 2. Reform des Schulwesens durch Schaffung der Einheitsschule. aus der breiten Grundlage der Arbeiterschule mit gemeinsamer Er- ziehung der Geschlechter. 3. Verlängerung der Schulpflicht bis zum vollendeten 16. Le- bensjahre. 4. Unentgcltlichkeit des Unterrichts, der Lern- und Lehrmittel. 5. Schaffung von Kinderhorten unter Leitung von Pädagogen. 6. Obligatorische und unentgeltliche Schulspeisung.__________________________ ' Berantwortkich« Liedakteur: Ernst Däumig. Steglitz. Für den Jnseratcnmlveranlw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck U. Verlag ch-'rn�nsBuÄdruckcrei u. VcrlagSanjlaU Paul Siitger Si Co. Berlin bw. 7. Anstellung einer genügenden Zahl von Schulärzten, die bei nachgelviesener Erkrankung mindestens die erste Hilfe zu leisten haben. 8. Obligatorische Einführung von Schulbädern. 9. Obligatorische Fortbildungsschulpflicht für beide Geschlechter bis zum vollendeten 18. Lebensjahre. 10. Errichtung kommunaler Lehrwerkstätten für beide Ge- schlechter. Schließlich gab Genossin Zietz noch einige Winke für die A g itation unterden Frauen. Diese Arbeit sei keine leichte, sie erfordere Mühe und Geduld, aber sie sei noftvendig im Interesse der Frauen selbst. Die Diskussion, die sich an den Vortrag knüpfte, war eine recht lebhafte. Einzelne Rednerinnen schilderten aus ihren Er- fahrungcn heraus die Arbeit in den Betrieben und legten dar, wie indifferent Tausende von Arbeiterinnen noch seien, die gerade wegen ihrer Unaufgeklärtheit oft zur Verschlechterung der Arbeitsverhältnisse beitrügen. Genossinnen aus Breslau, aus Leipzig, Dresden, Braunschwcig gaben ein Bild aus dem Erwerbsleben ihrer Heimat und bestätigten nur die Ausfüh- rungen der Refercntin, die Aufklärungsarbeit unter den Frauen besonders eifrig zu betreiben. Eine im Sinne des Referates gehaltene Resolution ge- langte zur�einstimmigen Annahme. Die Schwierigkeiten in der Ernährung der Be- völkerung wurden gleichfalls einer Erörterung unter- zogen und erneut die Organisation der Produktion, Beschlag- nähme und zwangsweise Enteignung als eine bis heute un- erfüllt gebliebene Forderung bezeichnet. Die sozio ldemokra- tischen Vertreter in den Parlamenten wurden aufgefordert, für eine reichsgesetzliche geregelte Produftion. für eine über das ganze Reich einheitlich geregelte Verteilung der Lebens- mittel unter besonderer Berücksichtigung des Bedarfs der arbei- tenden Bevölkerung und für Herabsetzung der Preise der wich- tigsten Nahrungsmittel einzutreten. Insbesondere sprach sich die Konferenz auch für die Herbeiführung eines baldigen Frie- dens aus, den gerade die Frauen besonders sehnsüchtig herbei- sehnten. Die Konferenz war von gutem Geiste beseelt und die Ver- Handlungen lieferten den schlüssigsten Beweis für die Not- wendigkeit einer Aussprache über die die Frauen besonders interessierenden Fragen. Deshalb waren die Genossinnen auch empört über die Ablehnung der Einberufung einer Reichs- frauenkonferenz durch den Parteivorstand, was einstimmig ge- mißbilligt wurde. Genossin Z e t t k i n hatte der Konferenz ein Begrüßungs- schreiben gesandtem dem sie die Hoffnung aussprach, daß die Genossinnen im Sinne des internationalen Sozialismus wir- ken möchten. Die versammelten Genossinnen nahmen den Glückwunsch begeistert auf und sprachen die Hoffnung aus, unsere alte Vorkämpferin möglichst bald wieder in alter Frische und mit altem Kampfesmut unter sich zu sehen, und ver- sprachen, in ihrem Sinne zu wirken. Auch dem Genossen Karl Liebknecht sprach die Konferenz ihre Sympathie aus, die auch auf die Genossin Luxemburg und alle die Ge- Nossen ausgedehnt wurde, die das gleiche Schicksal haben. Vor Einftitt in die Tagesordnung hatte die Konferenz Protest erhoben gegen die niederträchtige Verfolgung des G e- n o s s e n T r e s c a, der der Rache amerikanischer Kapitalisten ausgeliefert werden soll. Mus Groß-Serlin. Gemeinden in Liefernngsnöten. Der GemeinÄevorstand in Berlin-Tveptow macht öffentlich be- kannt, daß er die für die Gemeinidemitgkieder angekauften 800 Zentner Pflaumen nicht liefern könne. Alle Bemühungen, die Ge- nehmigung zur Freigabe zu erhalten, seien ohne Erfolg geblieben. Auch die erwartete Waggonladung Gänse ist nicht einge- troffen. Nach Mitteilung der zuständigen Verteilungsstelle kann auf die Uebe«Weisung von Gänsen nicht gerechnet werden. Das Talsperreuunglück im Tifsetal. Der durch den Talsperrenbruch verursachte Schaden wird von dem aus den Bürgermeistern der heimgesuchten Orte mit. den Industrien und Gewerbetreibenden gebildeten Hilfsausschuß auf 16 bis 18 Millionen Kronen geschätzt. Nunmehr sind 32 Todesopfer geborgen. Als Ursache des Dammbruchcs bezeichnen Sachverständige nach ihren bisherigen Erhebungen die inangelnde Bindung von Erdreich und Zementbauwerk. Es sind 95 Familien mit 380 Angehörigen obdachlos, 1020 Personen sind brotlos und 370 P rsonen haben ihr Hab und Gut verloren. Die österreichische Regierung hat für die Opfer 250 000 Kronen zur Verfügung gestellt. 2S2S Klelderllnse m. Brut, Klflhe.Waiizcn,yieh-üngezlcfer, vernichtet ndthel Galdgelst W. Z. 75 198. Kerb- und geruchlo». Eeinigt die Kopfhent von Schuppen und Schinnen, befördert den Hu&rwucbs, verhütet Krankheit der Kopfhaut, Haarausfall u Zuzug neuer Paraeiten. Vernichtet Typhus- baziUon, desir.flziereud und vorbeugend gegen Infektionskrankhelten. Wichtig für Schulkinder. 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