Llr. �(53.°°-33. Jahrg. fi�nncir.enlS'Bctflngungfn: Äbonnrim-itir• ruiiiumcr'.\iiöo l'�'-ririv.hvL j:«0:lUf, niühal!. I.:Jp ML. 3U irci. uv? Vla. Sauinags. mr.u;!5rt nui iüii'mcrrcT Lom.iags' L�xNa�'e..T'.e �cue �cn" 10 �ig. i-ojt» l. iO iV-.arf Dro il-iosi-ct. Sin�ir.ig.'n\n u:e Von. Vrc'ix-.'.vc. Unlcx Ns�vaiiü-u: �''Ulickland und L ei i crrciiv. Ungarn ?->' �üif. für das üDticjc Ciuslanb 4 iVInvf reo SUijnat. Postabonnemems neöiui'u au Belgien. S-ihicniutf, iröfluiid, �tvifrcu; Vurcmdurfl, Pönugal, Kuiiiuuiciu Schweden uuo Die ( 5 Pfennig) D!f InlertionS'Grtölir Wrägt für Mc sschSgcspaUme Kolon?!- jcilc odcr dcrcn Saum 60 Pig> lüt politische und qcmcrliaiaftliriic Be?e>nS- unb LerillMMlungS. SM«««?,»"0 P'k ..Kleine 3nieigen". das icUocbrurfi? Wort 20 Vig. izuiösfig 2 frttGCbmdie Worte!. jeirS weitere Wort 10 Pi». Siellcnqeinche und Schlniliellenon- zeigen das crite Wort 10 Pjg.. ieseZ w euere Worlv'Llg. Wolle über!? Lnrl>- Naben zähleu nir zwei Coric, nhiccdic für die»iichNe Summet müijcu ins 5 Uhr nachNnltags IN der iSxl'CdUion � »bgcgcdeu werdeii. T.ic E�ediudN ijt bis 7 Uhr abends gebfinet. Criäcibi taen®, Vevlinev Volksblatt. telegraiNM-Ädresse: �»iSüicmdksai«eNw' �entralorgsn äer foÄaläemokrati fckcn Partei Oeutfcklanäs. Rcöaktion: SW. v§» Linöenstraße 2. �eruitirecher: Amt Moritzplan, Nr. ISt 90—151 97. Dienstag, den ÄG. September 191(5. Expeöition: SW. 68. Anöcnflraße 2. Kcrniprccher: Amt Biorinplat!. Nr. 15190—15197. Zur Reickskonferenz. Die Mrteipresse hat. von vereinzelten Ausnyhnren abgc- sehen.. zur Reichskonfcrcnz der dcutscken Sozialdeniokratie noch nicht Stellung nehmen können. Die Urteile der Parteiorgane tverdcn daher erst in den nächsten Tagen von uns gewürdigt werden. Bis jetzt liegen Äeußerungen des..Haniburger Echo" und des Genossen Stampfer vor. die wir an anderer Stelle gemeinsam mit den übrigen Stimmen der Parteipresse im Auszug wiedergeben werden, von denen jedoäi schon hier kurz Notiz genommen sei. Das„Hamburger Ecko" meint, der Verlauf der Reichs- konfercnz babc bewiesen, daß die Behauptung der Minorität falsch sei, daß hinter ihr die Mehrheit der Partei stehe, habe sich doch die Mehrheit der Delegierten durch Zustimmung zu der Resolution David für die Politik der Frakiionsmehrheit ausgesprochen. Die'letztere Tatsache ist unbestreitbar. Aller» dinge: zielst man von den 221 Stiinmcn, die sich aus die Re- Solution David vereinigten, die Stimmen des rechten Flügels der Fraktionsmehrtjeit. der Parteiausschuß- und Parteivor- standsmajorität ab, so verbleibt nur eine reckt b e s ch e i- d e.n e Mehrheit der Delegierten, aber immerhin noch eine, wenn auch keineswegs imponierende Mehrheit. Aber behalt deshalb das„Hamburger Echo" recht? Durchaus nicht! Denn zunächst bat die„Minderheit" niemals be- bauptet, daß sie- bereits die Mehrheit geschlossen hinter sich habe, sondern nur, daß sich bei ungehindert freier A u s j p r a ckt e beider Teile wahrscheinlich die Mehrheit hinter die„Minderheit" stellen werde. Von solch freier Aus- spräche konnte bis jetzt bekanntlich gar keine Rede sein. Wie wäre da eine Probe auf das Exempcl möglich? Daß aber die Opposition die Mehrheit der Delegierten der R e i ch s k o n- sH r e n z für sich gewinnen könne, davon ist innerhalb der „Minderheit" niemals die Rede gewesen. Im Gegenteil, bat doch gerade- die„Minderheit" in den letzten Wochen mit Nach. druck auf das schreiend un demokratische Wahl- systcm zur Reichskonferenz hingewiesen, dos es selbst dann unniöglich gemacht hätte, der Minderheit die MeHrlieit der Delegierten zu verschaffen, wenn es mit der Versammlungs- und Pressefreiheit so stände, wix in normalen Zeiten. Ter Triüinph des„Hamburger Echo" ist also ein völlig eingebildeter. Darum ist auch die Schlußfolgerung des„Hamburger Echo", daß nunmebr„das Gesetz der Demokratie zu walten" habe, völlig verfehlt. Wenigstens im Sinne des Hamburger Parteiorgans, das erwähnt, die Parteikonferenz babc irgendeine Befugnis, für sich das Recht einer denio- k r a t i s ck e n Körperschaft in Anspruch zu nehmen. So wenig das preußische Treiklasscnhaus im Namen der Demo- k r a t i c Gesetze verkünden darf, so wenig steht solche Befug- nis der Reichskonferenz zu. Selbst die„Mehrheit" hat dos ja auch offen zugegeben, indem sie auf der Reichskonserenz selbst wiederholt ihre offiziellen Vertreter erklären ließ, daß es' selbstverständlich dieser Konferenz nicht zukonune, bindende Beschlüsse zu fassen. Im übrigen sagt selbst Genosse Stampfer, der völlig auf dem Standpunkt der Mehrheits- Politik steht, wörtlich:„Das Abstimmungsverhältnis beweist nicht(von Stampfer ist dieses„nicht" selbst durch Sperr- druck unterstrichen!, daß die Mehrheit der organisierten Partei- genossen aus der Seite des Parteivorstandes und der Fraktion stehe, es beweist aber untrüglich, daß es der Minderheit in dem größten Teile des Reiches noch nicht gelungen ist, mit ihren Anschauungen durchzudringen." Genosse Stampfer hat die Worte„im größten Teile des Reiche s" offenbar nicht ohne Absicht gewäblt. Er will offenbar zugeben, daß es für die Partei nicht auf den größten Teil des R e i ch e s. sondern auf den größten Teil der organisierten Partei- Mitglieder ankommt. Soweit diese aber in Betracht kommen, ist es in der Tat nach dem Abstimmungsergebnis der Reichskonserenz schon heute fraglich, ob die„Minderheit" nicht bereits mit gutem Gewissen diese Mehrheit für sich reklamieren kann. Doch wollen wir gern auch diese Frage offen lassen, da wir es für sehr töricht und taktisch unklug halten, die Opposition als stärker hinzustellen, als sie in der Tat ist. Ist doch nichts für kämpfende Genossen Verhängnis- voller, als ihre eigenen Kräfte zu überschätzen und die ihrer Gegner zu gering zu veranschlagen. Nur d i c anspornende Zuversiclst dürfen wir dieser ersten großen Kraftprobe ent- nehmen, daß die„Minderheit" mit wohlbegründetcr Hoffnung därauf rechnen kann, bereits auf dem ersten unter regulären Verhältnissen zustande gekommenen Parteitag die Mebr- bei: für sich zu gewinnen. Wir geben dieser Zuversicht Aus- druck, ohne jede Ueberhebung, wissen wir doch, wieviel des unerbittlichen Kampfes noch notwendig ist. inn die Position der„Minderheit" auszubauen und für die Zukunft sicherzustellen. -t- V Wenn wir aus die Verhandlungen der Reichskonserenz zurückblicken, erscheint uns die Feststellung beachtenswert, daß die extreme, a n n e x i o n i st i s ch c Richtung der Partei auf ihr so gar keine Rolle zu spielen vermocht hat. Welchen Lärm verübten in der Broschürenliteratur und manchen Parteiorganen die Lensch, Cunow. Haenisch, Kolb, Peus, Heilmann und Genossen— und wie völlig fielen ihre Anschauungen und Argumente in der Debatte der Reichskonferenz unter den Tisck! Wie sorglich vermieden es die Sprecher, nicht nur des Parteivorstandes, sondern der Mehrheit überhaupt, sich auch nur von ferne für die natiopal-imperiälistische Propaganda dieser ungestümen „Umlerner" ins Zeug zu legen! Der extremen Reckten-waren urplötzlich alle Felle davon geschwommen: selbst die ihr nahe- stehenden Redner, wie David. Nv-fa und Ainnig, vermieden geradezu ängstlich, das spezifische Programm dieser Umlerncr zu entwickeln und auck nur schüchtern zu vertreten! Die wi! so prätentiösen Ansprüchen und so großem.Getöse auftretende Richtung der'„Monatshefte" und der„Glocke", des„Ham- burger Echo" und der„Cliemnitzcr Volksstiinmc", um nur einige der markantesten Prctzorgane dieser Richtung zu er- wähnen, schien ganz von der Bildsläche abgetreten, in der Versenkung versckwiinden zu sein. Ihrer gedachte, von den Kritikern der-Minderheit ov gesehen, jetzt kern Menjch mehr. Auch ein Zeichen der Zeit I Ein durchaus ersreutickes Zeichen! Aber darum wollen wir doch nickt vergessen und in V ergeisen bcitgeratcn lassen, daß diese Rick tung fast zwei Jahre hindurch in dem durch die K riegspsnckose verwirrten-Parteileben eine so große, manchmal sckier beherrschende Rolle zu spielen vermochte. Ist dock die ganze Richtung der Mehrheit zum guten Teil wesentlich b est i m m t worden durch den Lärm und die marktschreierisch auftretende,. Neuorientierung" gerade dieser Elemente, denen der Parteivorstand, der gegen jeden kleinsten, vermeint lichen Verstoß gegen das Organisationsprinzip der Partei mit dem. schwersten Geschütz und der bekannten rigorosesten Un dukdsamkeit zu Felde zog. nickt nur freie Hand ließ, sondern denen er sogar seine Gunst ganz offenbar zugewendet hatte. Genosse Scheide mann suchte die Haltung der Par teivgrstandSmebrheit damit zu entschuldigen, daß er für diese Elemente das Recht der demokratiscken Mei- n u n g s f r e i h e i t proklamierte. Vor dem.Kriege war die Partei nickt io duldsanr Ein so verdienter und wackerer Parteigenosse, wie Dr. Friedeberg. wurde seinerzeit aus der Partei ausgestoßen, weit er für die parlamentariicke Tätig feit» pickst den Grad der Wertschätzung auszubringen vcr mochte, den die Mehrheit verlangen zu dürfen glaubte. Ader auch Gerhard Hilöebrandt wurde aus der Partei ausgc schloffen, weil er s ozigl-impemlisti sche Ansckauungen vertrat, die zu den Parteitagsbeschliissen in schroffstem Widerspruch standen!?kls nun aber nach.Kriegsausbruch die Lenick, Häeni-ich, Cunow,-Heitmann. Kolb, Pens und zahlreiche andere das Hildebrändt cntsallene Banner dcS Imperialis mus nicht nur aufnahmen, sondern noch viel demonstrativer als die neue Sturmfahne des deutschen Kriegssozialismus schwangen, als Hil-debrandt es. je theoretisch gewagt hatte, da erfuhren sie nickt nur keine Abschüttelung durch den Partei vorstand, sondern außer passiver Duldung sogar wohl wol,I(Mide Förderung durch Empfehlung mancher ihrer Sckriften durch Mitglieder der Parteivorstmidsmehr beitl. Wo hingegen die Liebknecht, Luxemburg, die ganze Spartakusgrupp'e wiederholt durch Resolutionen der In- stanzenmchrbcit rücksichtslos an den Pranger gestellt wurden! Diese überaus symptomatischen Vorgänge wollen wir nickt in Vergessenheit geraten lassen, auch wenn jetzt die mittlere Linie der Instanzen von diesen von ihnen ehemals so freudig willkommen geheißenen Parteipolitikern demonstrativ abrücken zu wollen scheint. Denn dieZeicken schrecken! Was war. kann jederzeit wiederkehren. Wer nickt zur rechten Zeit klar und unzweideutig Farbe bekennt und so handelt, wie es die Grundsätze der Partei und ihre Lebensinteressen gebieten. dem werden vorsichtige Sachwalter der Parteigrundsätze auch künftig nickt über den Weg trauen toimen. Das Mißtrauen ist Izente, nach den allzu schlimmen Ersahrungen der ver- flossenen 26 Monate, auch innerhalb der Partei selbst mehr denn je die erste demokratische Tugend! ** * Aus den Ergebnissen der deutschen Reichskonserenz sind auch für die sozialdemokratischen Parteien des Auslandes wichtige Folgerungen zu z i e b c n, auf die wir hier bereits hinweisen möchten. Tie Genossen der ausländischen Bruderparteien haben er- fahren, daß die Politik der deutschen Fraktionsmehrheit aus den breitesten Schichten der deutschen Partei heraus den schärfsten, prinzipiellsten Widerspruch erfahren hat. lieber wichtige Einzelheiten werden sie in Anbetracht der bekannten Umstände, denen die Presseerörterungen dieser Fragen auck in Deutschland unterworfen ist, erst später näheres erfahren können. Soviel aber werden. sie schon jetzt den Berichten und kritischen Wertungen der Konferenz entnehmen können, das; die Wiederherstellung des alten Verhält- n i s s e s, wie es v o r dem Krieg bestand und durch die B c- schlüssedernationalenundinter nationalen Kongresse f e st g e l e g t wurde, dem Willen weitester Kreise der deutschen Partei ent- spricht! Tie ausgezeichneten, prinzipiell wie formell scharf zugc- spitzten Referate des Genossen Haase, wie die Reden aller Minderheitsvertreter beweisen das. Tie Genossen des Auslandes dürfen sich also durch die in der Presse vor- liegenden kargen und unvollständigen Berichte in keiner Weise beirren lassen. Der Gcist der alten Internatio- n a l c befindet sich in Deutschland in sieg- reickem Vormarsch. Sein endgültiger Triumph ist bereits gesickert! Mögen die Genossen des Aus- landes daiür sorgen, daß wir das gleiche auch aus ihren Läu- dem berichten können. Ein Srief Keir karöies. Am Gedacht n istage sciiicZ Todcö. Von Ed. B e r n st e i n. Zur Erinnerung an nniein, vor einem Fahr vcistorbcnen Kampf- genossen dringe ich im Nachstehenden den letzten Brics zum Avdiuch den ich vor Ausbruch des Wellkrieges von ihm cnipnug. So schlicht der Wortlaut des Brieses, jo gewährt sein Inhalt doch einen gulcn Einblick in die Tenkweisc Zleir HardieS und das Wesen sowie die Schwierigleitcn des ÄampicS seiner Partei. Anlaß zu dem Brics gab eine Erklärung der Gründe, worum ich nicht zum 21. Iahreskongreß der Jndependcnt l'avour Party, der von ihm als das Fest ihres EimrittS ins MiiiidiglettSallcr besonder-5 ge'ciert wurde, besuchsweise dort erschienen sei. Da ich im Januar l?k>3 als Vertreter unserer Partei an dem Kongreß teil- genommen halte, auf dem die Jndependent Labour Parly gegründet worden war, nahm man an, daß ick nun wieder in dieser Eigen- schaft mich einfinden würde. Dazu hatte ich indes keinen Auftrag und so begnügle ich mich, dem Kongreß meinen Glückwunsch schriftlich auszudrücken. Nachdem ich ihm die Gründe meines Fernbleibens klargelegt, schrieb mir Hardie folgenden Brief: 17. Mai 1911. Mein lieber Bernstein. Hälien wir rechizenig gcwußi, daß Sie möglicherweise zu unserem 2l. Iahreskongreß nicht alS-Vertretcr der deiiliclini Parier entsandt werden würden, w würde an Sic eine besondere Einladung ergangen sein, als unser Gast zu kommen. Sic vergegenwärtigen sich, glaube ich, nicht völlig den Wert, den Ihre- Anwesenheit bei unserer ersten Tcrsammlung hatte. Sie war für sie eine Art Vervollständigung und gab uns eine Lcgiliinaiion, die merlbar zu unserem Erfolg bcitiug. Mit gleicher Post sende ich Ihnen ein Gcdenkblatt, das wir bciondciS haben zeichnen lasten und auf dem die Tatsache Ihicr Anwesen- heil im Jahre 1898 vermerkt ist. Ich verfolge mit großem Jntereffe den Fortschrit der Bewegung auf dem Festlande. Ihre Siege vor zwei Jahren und mm der Wahlersolg der französischen Partei haben dem Sozialismus in Eurcpa eine ganz neue Bedeutung verliehen. Die liberale und Tory-Prcsie hierzulande tut ihr Bestes, das. was in Europa passiert, zu verkleinern, und ich sürchtc, unser„Daily Citizen" stellt das EreigmS nicht allso groß hin, wie er wohl könnte. Tic hiesige Arbeiterpartei schreitet stetig vorwärts, ganz besonders bei den Gemeinderaistvahlen. Was das Resultat für daS Parlament sein wird, wenn die allgemeinen Wahlen herankomineu. ist ziemlich schwer vorauszusagen. Die liberale Partei in der Zentralleitung ist sehr bemüht, allen Schein einer Reibung zwischen uns und ihr zu vermeiden. Ocrtlich nehmen die Liberalen unseren Anspruch auf unabhängige Vertretung sehr übel auf. Tie Idee einer dritten und selbständigen Arbeiterpartei wird von diesen Lokalgrößcn, deren Wille bisher allmächtig war, gerade erst erfaßt. Sic werden sich erinnern, daß in Hauley infolge des Todes von Euoch Edwards eiii Wahlfitz frei wurde und daß die örtliche liberale Orgaiii- sation unteren Kandidaten erfolgreich bekämpfte. Wir machen nun eine ähnliche Erfahrung in Nordost- Derbysbire bei der Ersatz- wähl für das Mandat des verstorbenen W. E. Harvcy. Ich brauche Ihnen nicht erst zu sagen, daß ich an diesen Kämpfen meine Freude habe, obwohl ich mir die Tatsache nicht verhehle, daß. weiin sie in Wahlkreisen, die Ivir jetzt haben oder zu erobern suchen, allgemein werden, wir möglicherweise in das nächste Haus der Gemeinen schwächer an Zahl zurückkehren werden, als wir jetzt dort find. Was wir jedoch an Zahl verlieren mögen, werden wir an Wirkungskrasl gewinnen, und das gibt natürlich zuletzt den Ausschlag. Mit besten und guten Wünschen bin ich aufrichtig Ihr I. Keir Hardie. Zwei Punkte in diesem Brief bedürfen einer kurzen Erläuterung. Daß die Parlomentswahlen im Gegensatz zu den Gemeinderats- Wahlen der Arbeiterpartei Englands nur geringe Aussichten dar- boten, war neben dem Umstände, daß das englische Parlaments- Wahlrecht mit der Entscheidung der Wahlen durch da-Z relative Mehr der abgegebenen Stimmen von jeher anderen als den zwei großen Parlamciitsparteien überaus ungünstig ist, der domaligcn inner- politischen Lage Englands zuzuschreiben, die vollständig von dem Komps dieser beiden Parteien um die Durchführung der Homerulc- Gesetzgebung für Irland beherrscht war. In dieser gespannten Situation folgte die Masse der Wähler, welche für das Homerulc- gesetz waren, uiibedenklich der Parole der Liberalen:„Nur keine Zer- splitleruug der Stimmen der Demolratie." Keir HardieS Worte über den Wahlsieg der französischen Sozialisten mögen heute manchem als Ueberlreibung erscheinen. Damals aber haben wir alle dem Ausgang der Wahlen in Frankreich die größte Bedeutung beigelegt, denn eS brachte denjenigen Parteien FraiikreichS die Mehrheit in der Kammer, welche die dreijährige Dienstzeit bekämpft halten und die Verfechter einer Verständigung mit Teutschland zu Führern hatten. Mächte, die zurzeit uoch stärker sind als der Wunsch und Wille von Parteien, haben eS verhindert, daß die Kiiiidgebung der fron- zösifchen Wählerschaft die gewünschlc Wirkung auf die große Poliiik auszuüben vennochte. Sechs und eine halbe Woche, nachdem er den vorstehenden Brief geschrieben, sehen wir Keir Hardic in Brüssel an der denkwürdigen letzten Vollsitzung des Internationalen Sozialistischen Bureaus vom 29. Juli 1911 teilnehmen, die im Hinblick auf den drohenden Krieg einberufen war. und am Abend nach der Sitzung in der Riesen« versanimluiig im Brüsseler Zirkus Royal gemeinsam mit Hugo Haase, Jean Jaures, Morgan, Rubo' owitich, P. I. Troelstra und Emile Vandervclde gegen den Krieg Plvtest erheben. Und als eine Woche ftiifteT, Rm S. Uiigufl, km JauZ der Gemeinen Sir Edward Grey die Gründe cntwickelle, Ivarum nach Ansicht der englischen Regierung England verpflichtet sei. dem eingegriffenen Frankreich Bundesgenossen» schaff zu leisten, ist, während die Redner der Konservativen nun der liberalen Regierung rückhaltlose Unterstüyung zusichern, mit I. R. Macdonald unser Keir Hardie einer der wenigen Redner, die der Regierung daS Recht absprechen, das rland ohne die Befragung des Volkes in einen Krieg hineinzuziehen. Als Gegner der Kriegspolitik bat der Verstorbene sich auch weiterhin bis zu seinein Lebcilsende unbeugsam bewährt. Die Vorgänge in Griechenlanü. Insurrektion auf Kreta. Athen, 25. September.(SB. T. 33.) Meldung des Reutcr- schen Bureaus. Die Insurgenten auf Kreta beherrschen die ganze Insel i sie haben Kanea, Heraklion und andere Städte an der Küste besetzt. Die griechischen Behörden haben alle Regiernngsgcbände den Führern der separatistischen Bewegung ausgeliefert. Man betrachtet die Insurrektion als völlig ge- lungcn. Tic kretische königliche Leibwache hat sich aufgelöst, nur elf Leute sind loyal geblieben. Venizelos geht nach Saloniki. Lvildon, 2o. September.(SB. X. 33.1„Taily News" erfährt aus A t h c u von gestern, daß VenizeloS, der wiederholt aufgefordert worden war, nach Saloniki zu kommen, beschlossen hat, sich dahin zu begeben und die L e i t u u g der revolutionär- nationalen Bewegung selbst in die Hand zu nehmen. Mehrere Führer der liberalen Partei sind bereits abgereist. Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 2�. September.(W. T. 33.) Amtlicher Heeresbericht vom 2-t. September: M a z e d o n i s ch c Front: Bei Florina hat sich die Lage nicht geändert. Gestern, am 23. September, wiederholte der Feind nach einem langen vorbereitenden Artillerie- und Infantcrieseuer und nach Bonibcmvürfcu seine Angriffe auf die Höhe Kajmakcalan. Feindliche Abteilungen gingen vor und griffen nacheinander die rechte Flanke, die linke Flanke und endlich die Mitte unserer Stellung an. Un- erschültcrlich ließen die Verteidiger den Feind ans 50 bis 00 Schritt an ihre Gräben herankoininen. Dann wiesen sie ihn mit heftigem Gewehr- und Maschincngewchrfeucr unter großen Verlusten für ihn ab. Im Noglcn-Tale und zu beiden Seiten deS Wardar schwaches Artillericfcucr. Am Fuße der Bclasica Plauina Ruhe. An der S t r n m a f r o n t lebhaftes Gcschntzfcucr. Meh- rerc feindliche Bataillone gingen gegen die Dörfer Ncvolcn, Tolno, Karadjovo und Gudcli vor: sie wurden von unseren Truppen angegriffen und auf das rechte Ufer des Flusses zurückgeworfen. An der Küste d c S A c g ä i s ch c n Meeres herrschte Ruhe. R u in ä» i s ch e Front: Längs der Donau Ruhe. In der Tobrudscha Artillcrickampf und Iiifanteriegcfechte von geringer T�cdcutung. An der Küste des Schwarzen Meeres Ruhe.____ die feinülichen Heeresberichte. Ter französische Tagesbericht. V o i» 2 4. S e P i c m b e r» a ch in i l I a g s< Ä. T. B.) Nördlich der S o in m e war die französische Arlillerie im Lause der Nacht sehr tätig. Die Deutschen erwiderten voniiitiagS schwach. Em deulichcr Augriff auf daS Gedöst Bois Labbö und die sran- zösischeir Siellungen südlich dieses GchösieS ivurde»nlcr das heftige Feuer unserer Maschinengewehre lind Geschühe genommen. Die Dciiiscdcn ivurde» zcrsirctN. bevor sie die französischen Linien erreichen konnle». Sie ließen zahlreiche Leichen zurück. Auf dem rechten M a a S u f e r wiesen die Franzosen leicht mehrere Riigriffspcrjuche gegen de» Pfefierrückeu und südöstlich von Thiau- moni ab. Flugwesen: Im Laufe des gestrige» Tages zeigte sich der dcuischc Flugdienst täliger als gewöhnlich. Die sranzösUctie» Jagdgeschwader licscrie» aus dem größie» Teil der Freut ivirkliche Lust- schlachte», trugen große Ersolgo davon und behaiiplelcn nnbeslreilbar die Oberherrschasl über den Gegner. An der Soinmefronk fanden 2k> Luflkänipse ftnit. Vier denischc Flugzeuge wurden abgeschossen. eiiieS im Boux-Walde, zwei wurde» vo» Guyneiuer licin 17. und l8.i brennend bcriiniergeholl, daS vierte stürzte südlich von Miseren ab. Drei iveiiere Flugzeuge deS Feindes wurden ernsthaft getroffen: sie stiirzlcn sleuerloS bei EsiröeS ab. In der Gegend von Peronn» wurden vier seindlichc Fliig- -enge gezwungen, in ihren Linien»icderzrigehen. Es besläligt sich, daß ein wciieres deutsches Flugzeug. daS schwer getroffen wurde, am 22. ziviichc» Miscrcy und BillerS—Charbonnel abgeschossen wurde. Weiter südlich zwischen EhaulneS und 3lSUre wurden ieckis deuliche Flugzeuge, abgeschossen. Eine« stürzte brennend bei ChaulneS in, Laufe emeS von vier unserer Flugzeuge und einer Gruppe von iechS deutschen Flugzeugen gclicscrlcn Kampfe« ob. Ein zweites siiirzie bei Licourt. ein driiicS bei PaivillerS ad. Ein viertes ivurde beobachici. wie cS bei Marchelcpot zcrirümmeri auf den Boden niederging. Ein stinsleS und ein sechstes Flugzeug Ivurden von den nämlichen Fliegern abgeschossen in cincni Kampfe, der sich zwischen einem französischen Geschwader gegen eine Gruppe vo» sechs deutschen Flugzeugen enispann. Diese Flugzeuge stürzten ff» der Gegend von Aiidschp ob und eines von deit beiden in den französischen Linien. In der Gegend»örd- lich von EhalonS siürzto ein in Brand geratener Fokker nahe bei den französischen Linien ab, ein anderer schien crnslhast beschädigt zn sein. I» der Gegend von Verdun wurde ein deutsches Flugzeug au« nächster Eniserming mit Maschinengewehren beschossen, kippte um und stürzte auf den Pfefferrücken ab. Oesltich bon St. Mihiel stürzte ein Folkcr senkrecht in die denischc» Linie» ab. In Loibringen verfolgte ein französischer Flieger einen gegnerischen Apparat 20 Kilometer weit in die deniichen Linien, tötete die Miiflicgendcn und zwang da« Flugzeug in Spualen niederzugehen. Ein anderes deutsches Flugzeug slürzie im Walde von Gtencech ob. In de» Vogts,» gingen zwei deutsche Flugzeuge»ach eine», Kampf« mit ciuein französischen Flieger aus außergewöhnliche Weise in ihren Linien senkrecht herunter. O r i e n t a r m c e: Auf dem linke» Strumauscr griffen die Engländer siorke bulgarilche Llbteilungen nördlich von Kopriva und gegen den Tainos-Sce an. Vom Belcs-Gebirge bis zum Vardar iiahm der Ariillerickampf wiederum eine ziemlich große Hestigkeil au. Oesilich der Ezerua machten die Selben nordivesuich de« Kajinakcalan Fortschrille und machte» Gesangene. Aus dem linken Flügel wurde» heilige bulgarilche Gegenangriffe in der Umgebung vo» Piiult lüöO mit starken Verluste» für die Bulgaren zurück- geschlagen. Tie alliierten Truppen habe» leichte Fortschritte»ord» westlich vo» Florina zu verzeichnen. B o in 24. September abend«.(2B, T. 33.1 Außer ziemlich hesligem Geschützkampf südlich der Sonune und in den Abschnitte» von Thiaumont und Fleury(rechte« MaaSuscr) kein Ereignis von Bedeutung ans der ganzen Front. Luftkrieg: In der Nacht zum 24. September haben unsere Flugzeuge 4(3 3 2 Zentimeter- und 4 15 Zeiitimetergeschosse aus Fabriken in der Gegend von Rombach und Diedenhosen geworfen. Hauptmann de Bcanchamps und Leutnant Taneourt sind, jeder ein Flugzeug führend, beule um 11 Uhr von ihrem Flnaplatz ouige- brochcit, um 12 Geschosse aus die Fabriken in Essen(Westsalen) zu Mllg Oes MW AMMkiklS. Amtlich. Großes Hauptquartier, 2g. Sep- tembcr 1916. ,33. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Der gewaltige Artilleriekampf zwischen Ancre und Somme dauert a». Feindliche Teilvorstöße gegen den Abschnitt CouiblcS— Raucourt und bei Bouchavcsnes miß- laugen. Heeresgruppe Kronprinz. Am 23. September wurden am Werk Thiaumont schwächliche, gesteru nordöstlich der Feste Souville starke französische Handgraliatcuallgriffe abgewiesen. In den zahlreichen Luftköuipfen deS gestrigen Tages haben wir neun Flugzeuge abgeschossen, unsere Abwehr- geschütze holten in den letzten Tagen vier Flieger herunter. Durch feindlichen Bombcnabwnrf auf LcnS wurden sechs Bürger getötet, 28 schwer verletzt. Einein Fliegeraugriff auf die Gegend von Essen fiel gestern nachmittag ein Kind zum Opfer, andere wurden verletzt. Der Sachschaden ist bedeutungslos. Ocstlichcr Kriegsschauplay. Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Die am 23. September durch sofortigen Gegenstoß wicdcrcrobcrtc Stellung bei Manajow wurde gegen erncnte starke Angriffe behauptet. Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Carl. Zwischen der Zlota Lipo und der Narajowka haben die Ainsicn vergebens die Stellungen der türkischen Truppen angegriffen. Eiiigedrungeue Teile wurden durch Gegenstoß geworfen. 142 Gefangene wurden eingebracht. Im Ludowa-Abschuitt(Karpatheu) sind abermals russische Angriffe abgeschlagen. Kriegsschauplatz in Sicbenbürge«. Rumänische Lorstöße zwischen dem Szurduk- und Vulkan- Paß sind gescheitert. Balkan-Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Gcneralfcldmarschalls von Mackensen. Für die verbündeten Truppen erfolgreiche Kämpfe süd- lich der Linie Cobadiuu— Topraisar. Tie Festung Bukarest wurde durch eins unserer Luft- schiffe bombardiert. Mazedonische Front. Am 23. September kleine Gefechte bei Florrua. Wiederholte starke serbische Angriffe gegen den Kajmak- calan sind zusammengebrochen. An der Struma wurden in breiter Front vorgehende schwächere englische Abteilungen abgewiesen. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. «* Zn MllMW SNIMlWMW. Wien, 25. September 1V1V.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Ocstlichcr Kriegsschauplatz. Front gegen Rumänien. Zwischen dem Szurduk- und dem Bultanpaß wurden rumä- uische Vorstöße abgewiesen. An der sicbcndürgischen Ostfront herrschte lebhaftere GefechtStätlgkeit. HccreSfront de« Generals der Kavallerie Erzherzog Varl Nördlich und' östlich von jiirlibaba stehender Kampf. Im Lubowagebirt griffe» die Russen abermals vergeblich an. Nord« östlich von Lipniea Dolna stürmte der Feind gegen die Stellungen der türkischen Truppe». Er wurde überall zurückgeworfen, ia einem Abschnitt durch Gegenangriff. HccreSfront des Genrralfeld Marschalls Prinz Leopold von Bayern. Tie Ruffen versuchten gestern abend neuerlich nördlich von Pcrepclniti durchzudringen. Ihre Austrcugungen bliebe« ergcbniS« los, ihre Verluste sind schwer. Jtalicnischcr Kriegsschauplatz. Die Feuertäligleit des Feinde« an der Küsicnlandischcn Front war nachmittag« in einzelne» Abschniiteu lebhafter. Nachtsüber- ftog ein Luftschiff unsere Linien und warf in der Gegend von Eomcn einige Bomben ab, ohne Schaden anzurichten. An der Front der Fassaner Sllpc» griffen zwei Alpinibatoillone in der Dunkelheit den Abschnitt Eordiual— Eima Bus« Atta an, den die seindlichc Artillerie unter TagS heftig bearbeitet hatte. Tic Italiener wurde» nach rrbiitcrtcm Nahkamps blutig abgewiesen. Auch gegen die Jorcclla di Eoldosc versuchte» feindliche Gruppen vorwärts zu lovimcn. 52 Alpini. darunter ein Offizier, fielen hier in Gefangenschast. Am Monte llimone befinde» fich»er- schüttete»och lebende Italiener in de» Kavernen. 24 vermochten fich selbst zu hrsrrlc» und ergaben fich. Die übrigen rufen um Hilsc, die ihnen aber wegen de« Feuer« ihrer Artillerie bisher nicht gewährt werden tonnte und von der Annahme eines dem Feinde ans Gründe» der Menschlichkeit angebotenen örtliche» Waffenstillstandes abhängt. Südöstlichcr Kriegsschauplatz. Bei den K. und K. Truppe» uichtS Neue«. Der Stellvertreter de» Ehrf» de» GrneralstabeSt von Hoefrr. Feldmarschallrutnant. tverfc»; nach einem Fluge von(300 Kilometern sind iinfere Flieger lvohlbchaiic» zurückgelchri. In der Stackt zum 23. September hat ein Zcpvcli» die Gegend von Calais überflogen: vo» unseren Flug- zeugabwehrbaileric» bcsiig besck-osten, ist er gezwungen gewesen, sich zu»nisernen, ohne ein Geickioß geworfen zu haben. Belgischer Bericht: Geschützkampf in der Gegend von RamScapclle, Dixmuiden und Rcningbe. Die englische Meldung. Vom 24. September nachmittag«.(SB. T. B) Südlich der Ancre im Lause der Nacht aus beiden Seite» bc- trächlliche Ariillerielätigkeit. Oesilich von Neuville- St. Vaast drangen unser« Truppen in die feindlichen Gräben ein und machten Gefangene. Vom 24. September abends.(SS. T. B.) Südlich der Ancre und westlich von Lesboeufs wurden drei feindliche An- griffe mit Verlusten zurückgewiesen. Viel Artillerieiäiigkeit an zahl- reichen Orlen. In den gestrigen Kämpfen wurden süns feindliche Flugzeuge zerstört und zwei beschädigt. Fünf britische Flugzeuge werden vermißt. Britische Flieger beschädigten in fünf Bomben- angriffen die Verbindungslinien des Feindes. _ Der russische Kriegsbericht. B o m 24. September nachmittags.(2S. T. B.) W e st f r o n t. Vom Pripiat bis zur rumänischen Grenze finden an vielen Stellen erbitterte Kämpfe statt, unter anderem gestern am oberen Screlh in der Gegend von Manajow und Harbuzow: der Feind setzte iinserenl Angriff helligeii Widerstand entgegen. Wir baben alle Gegenangriffe des Gegners durch Feuer abgewiesen und sünfzchnbundert deutsche und österreichische Gefangene gemacht. K a ii k a s u s s r o n t. Im Küstengebiet, südlich vo» dem Flecken Elevu((34 Kilometer westlich Trapczuiil) sind unsere Abteilungen»ach Kamps vornedrimgen. Meldung der italienischen Heeresleitung. Vom 24. September.(W. T. B.) An der Trentino-Froiit unternahm der Feind hartnäckig Ab- lenkungSvermche. Im Ledro-Tale warfen wir im Lanie des 22. September eine feindliche Gruppe nordöstlich von Lenzumo zurück. Im Astach-Tal in der Frühe des 23. September andauernd bcsligcs Feuer auf de» Monte Cimone. Eine Sprengung zweier starker feindlicher Minen zwang unsere Trnppen. sich etwa himderl Meter weit vom Gipfel zurückzuziehen. Die aufgegeben« Stellung wird unter dem Sperrfeuer unserer Artillerie geballcn. Im Sugana-Tale»iiicrnahin der Feind am Abend deö 22. Sepicniber von neuem einen Angriff auf den Civaron. Er wurde sedoch rasch zurückgeschlagen. Im Hochcordevole hat eine uniercr Abtei- limge» durch kühne Neberriimpelung«ine gegen die Kuppe dcS Monte Sief vorgeschobene Stellung erobert und die Verteidiger zer- sprengt. An der übrigen Front Artillcrietärigkeit. In Erwiderung auf das feindliche Feuer aus Coriina d'Ämperzo und in der Gegend von Misiiriiia haben wir den Bahnhof Sillian und die Eisenbahn im Drauiale auf dem Karst beschösse». In der letzten Nackt hat der Feind ans unsere Stüypunlle auf Höhe 208 und Höhe 144 neue lind heftige Angriffe unlernommcn. die dank der bcharriichen Wachsamkeit und dem starken Widerstande miserer Truppen verciiell worden sind. Vom U-Hoot*Kmg. London, 24. September.(SB. T. B.) Meldung de§ Rcuterschen Bureaus. Zwölf Fifchdampfer aus Grimsby sind in der Nordsee von einem Uniersecbooi v e r sc n kt worden: die Be- satzungcn sind gereitet. Berlin, 25. September.(SB. T. B.) Der holländische Dampfer. B a t a v i e r 2" der Niederländischen Dampfschiffs- Gesellschaft, mit Bannware auf der Reise von Rotterdam nach London, wurde am 24. d. M. morgens von einem deutschen U-Boot an geholte rr und nach Zcebrügge eingebracht, linier den 38 Passagieren befanden sich vier Russen, die offenbar ans einem Gefangenenlager entwichen waren. Äopcuhagc», 25. September.(W. T. B.).Nationaltidcnde" meldet auS K r i jt i a n i a: Die Beiätzung des versenkten norwegischen Schisses.Elizabeth" berichtet, das Schiff fei an der K ü st e S a r d i n i e n s torpediert worden. Tie Besatzung, bestehend auS 47 Mann, sei in Boote gegangen und nach vier Stunden von einem vorbeifahrenden Dampfer aufgenommen worden. Die„Elizabeth" war das größte Schiff Norwegens, ihr Heimathafen ist Dranunen. Das Schiff war, als es torpediert wurde, mit Zuckcrladiing nach Jlalien bestimmt. Der Gesamtwert des Schiffes und die Ladung wird auf nenn Millionen Kronen veranschlagt. London, 25. September.n expedit!"). Die Folge war natürlich, daß die antitatholischeil Parteien unbestritten das Feld beherrschten. Schließlich wurde es deshalb den Bischöfen über- lassen, für geeignete Bezirke die Wahlbeteiligung zuzulassen. 1009 wurden 24 Abgcordnste auf ein katholisches Programm gewählt. Als einer der Führer auf einen Zuruf bin, der feinen Patriotismus anzweifelte, den italienischen Staat„mit Rum als Hauptstadt" vur- tehaltlo» anerkannte, wurde er von der Kurie desavouiert. Ter Weltkrieg, bei dessen Abschluß nach dem Wunsche des KIsrikalismuS auch die römische Frage endgültig gelöst werden füll, hat hier eine Aendcrung gebrachr. Bekannt ist. daß die deutschen K a t h o- likentage als ständige Einrichtung bis zuletzt jedesmal in einer Resolution die volle Selbständigkeit und Unabhängigkeit dcS Papstes forderten. Interniertenbsschäftigung in öer SchNdz. liebet diese in der schweizerischeil Arbeiterschaft und ihrer Presse viel beivrochene und wichtige Aiigelcgeiihcir gibt der Ärmee- a r z t öffentlich bekannt, daß eilimat die Zabl der in ichweuensche» Betrieben zu beschäftigenden Internierten, voraussichtlich iiichi sehr groß sei» ivird" uud daß selbstverständlich dasür gesorgt werde» muß. daß der einheimische» Arbeilerichast, dein einheimische» Gewerbe iiiid der einheiinischen Industrie keine Konkurrenz gemacht wird. ES ist vorgesehen, daß für de» größten Teil der zu beichättigenden Jiiternicrien von den Heimatitaaien besondere Arbeitsstätten und Beiriebe einaerichtel werden, die das aus den belreffende» Slaalen eingeführte Robnialeiial verarbeiten und das geianiie Arbeilsvrodult an die betresseiideii Staaten abliefern. Diese Aeniebe sollen der iechnischen Leitung von Angehörigen der betreffenden Slaalen unier- stellt werden. Militärisch iiiilcrstehcn sie den Jiilernicruilgs-Koiiiaiido- stellen, denen auch die Leilung und Durchführung der Jnternierung nach wie vor verbleibt.___(z) Die Konferenz Zu Leeös unü öie französischen Internationalisten. Genf, 12. September.(Eig. Ber.) Ueber das Zustandekommen der Alliierten-Konferenh zu LeedS veröffentlicht dos Organ der französischen Bietallarbeiter rnteressante Einzelheiten. Von der Einberufung von Vertretern der alliierten Länder wußten die Gewerlschaslen Frankreichs überhoiipt nichl»; ja noch in der ersten Mainummer de»„Voix du Peuple" im Anschluß an den Bericht über die.Forderungen, die seilenö der Arbeiler i» de» Fliedcnsverirog eingefügt sein sollen", stand nichts, was auf die Möglichkeit der Eiiiberlituiig einer AIIiierleii-Kouferenz schließen ließ. Im Gegenleil. es war die Absicht geäußert worden, alle natioualeii Orgoiiriatioiic« über die Klausel» zu uiiterrichicir, um hiermit die i»ter»o>ioliale Konferenz, die dein Anträge der omerikanischen Ar- beilersödcraiion zufolge zur gleichen Zeit und am selben Orte mit der offiziellen Frledeiiskonferenz abgehalten werden soll, vorzu- bereilen dezw. dieser mehr Autorität zu verleihen.„Nichts", fügt da« Organ der Minderheit hinzu,„ließ die Eiiiberufuiig einer Alliierteii-Äoiifereiiz vermuten. Auch mutzte man sich der Stellung- »ahme der regierenden Kreise vollständig anpassen bis zur Be- iprechung der kapitalistischen FriedenSzicle. uni irgend welchen Nutzen einer Koiiserenz der Gewerlschaften der alliierten Länder zu- schreiben z» können. DaS Organ der Mctallorbeiler bestreitet, daß die Vertreter der Verbände überhaupt irgendwelche Mandate besessen haben, denn die Konserenz sei zum e r st e» Male in der gutmiimenkunft vom l. Mai besprochen worden, und zwar lag der betreffenden Zu« soiiiureiilunft folgende fellsame Tagesordnuiig vor:.Ausländtiche Arbeitskraft. Anwesenheit italienischer und englischer Delegalioiien". Die Eiiiberusuug der Koiiserenz sei auf die Anwesenheit des reformistischen Iriegtsreuiidliche», auS der sozialistischeu Partei auS- geichlossenen, italienischen Abgeordneten Eabrini in Paris zurück- ziisührcn gewesen. Erst nach tt llhr abends, als viele Mitglieder des GewerkschaslSausschusses bereits die Sitzung verlassen halten, erwähnte der Sekretär der Kontöderatio» Jouhaiix, daß eine Koiiserenz der GewerkichastSsührer in London statlfiiidcn sollte. „Ter Vieivcrbaiid der Arbeiter der Enlenleländer soll, dein Wunsche der Mehrheit der französischen Gewerkschastssübrer gemäß. dein deutsch-österreichiicheni Slaaleiibuiid« eiiigegeiigcslcllt werden; »ach diesei» grauenhaften Kriege sollen wir statt einer durch einen Kongreß geeinigteii GewcrlschasiS-Jiilernalionale eine Spaltung der Arbellerorga»isatio»en zu geivarligen habe», sa eine Spaltung, i» der eine jede Gruppe den Siaiidpunkt der bdrcffeiidcu Regierung vertreten wird im Gegensatz zu de» Interesse» der Arbeiter-Jnler- iiatiouale. DaS ist die Siule der Entartiiiig des shiidikalistlschen und sozialistischen Geistes, auf die die enge Zusaiitiiienarbeil mit de» Regierungeir die Vertreter der Mehrheilsrichlmig in der Konföderation gebracht hat." Die.Union des Mrlaux" führt Wetter eine Protestresulution an, welche der Geivertichansverbaud der Rhürie infolge des Be- schlusfe» de« Ro»föderatioir«au»ichusie« aiigenommeii hat. und be» richtet ausführlich über die bereit» erörterten Beschlüsse der italienischen Organisalioncii, die die Alliierteiiloiifereiiz desavouieren. AIS cS zur Wahl der Vertreter zur Alliiertenkuiifereiiz kam, ant- Ivortete der Sekretär der Kuiisödcraliou du Travail Jouhaiix, dem Genossen Boorderou, Vertreter der Minderheit:„Vertreter aller Vcr- bände löniiten aus eigene Kosten die Konferenz beichicken, allein keine Meinung, die von der Meinung de» Komitees abweicht, wird aus der Konferenz zuin Ausdruck kommen dürfen." Während derselben Sitzung wurde von Jouhaux eilie Resolution verlesen, die er beab- sichligte, der Alliierien-Konserenz zu unterbreilen. Die Resolution hatte einen solchen Inhalt, daß„sogar die Vertreter der Mehrheit" ganz„verblüfft waren", eine Resolution, von der die„Union de Metaux" bemerkt, sie hätte„von einem beliebigen französischen Nationalisten unterschrieben sein können. Da Jouhoux trotz des Ein- drucks, den seine Resolution auf die Anwesciidelr gemacht hatte, sie nicht zurückzog und auch keine Erllärung über die Ursachen, auS denen er aus ihrer Aufrechterhaliiing bestaud. abgab, bemerkt das Organ der GewerkschastSminderheil: „Seit lange sckon hat der Sekretär der Koniöderaiioii auö be- kannten Grüiideu den Kampf für die Arbeiteriache aufgegeben, um ein Negieningsbeamler zu werden. Er weiß sehr gut. welchen Ein- druck sein Verhallen aus zahlreiche Mitglieder von Organisatioiien gemacht bat, die ihre Meinung nicht äußern kömien, weit die Zensur sie zum Schweigen zwingt imd weil sie mobilisiert sind, und sogar auf diejenigeil, dciien er geholfen Hai, sich vor der Front zu drücke». Seine Hauptabsicht ist nicht eliva die, den Arbeiierinleressen zu dieneii. sondern der Minderheit Schwieriglcitc» zu bereiten und sie zu verhindern, sich inil der Mebthea auf eine Resolution zu verständigen. So wird er»ach dem Krieg« siegesbetviißt aui einem Kongresse erllärcn löiiiien, daß die Minderheit nichts getan hat, a>S bloße Kritil zu üben, ivährend er allein alles bewäliigt." Auf so eine Weise möchte er sich»ach dem Kriege recht fcriigen. Dieter Auffassung gemäß nahm das Komitee der französischen Metallarbeiter eine Reioluiioii an, in der cS gegen die vom Selreiär Jouhaiix vertretene Reiolmioii Pi ölest erhebt uud nochmai« darauf aufiueiltanz macht, daß eine Zi>iai»>i>e»l»iiit der GewerlschasiSführer der allierieu Länder nur als ciir noch engeres Ziimmmeiiarbeitcn mit den einzelnen Regierungen gedeuiet werden kanir und daß die organi- sierle Arbeiterklasse ihre Bestrebungen nicht mit den imperialistischen Bestrebungen der Negierungeir verwechseln bezw. jene diesen ai'passeii darf, daß es den Vertretern der französischen Gemerlschastsmehrheil nicht geziemt, deutsche» Arbeitern die Revolution zu predigen, zu einer Zeit, Ivo die deutschen Arbeiter Gelegenheit haben, den er- bärmlichen Z»iam»ie»br»ch festzustellen, den der französische Syndi- kaliSiiiu» erlitten, weil der Hauplführer der französischen Arbeiterbewegung ihre Prinzipien verleugne!, indem er dieselbe» unter dem Borwande der nationalen Verteidigung ihrer persviilicheir Sicherheit geopfert bat. Zum Schluß erklärt die Mciallarbeitergewerlschaft. sie würde sich keiner Aktion anschließen, die nicht die sosunige Wiederaufnahme der internationalen Beziehungen anstreb!, zwecks eines baldigen Friedens ohne Annexionen und ohne Deimiligimgen, und sendet zugleich ihre brüderlichen Giüße der deutschen Minderheit und der ganzen deuischeu Arbeilertlasse, sie erneuert den Auc-drnck ihrer tieieir Spiupalhie den irischen Revolutioiiären und allen Opfern der ichwedischeii Rcaklion, die durch die englischen Regicrenden heraus» beichworeii worden sind, welche lrotzdem sich erdreisten zu be» bauplen,„sie kämpfen für das Nalionaliläteiiprinzip, jür Recht und Gerechtigleit". Zur Vorgeschichte der Alliierjenlonferenz sei noch hervorgehoben, daß trotz der wiederHollen Anträge der Minderheit die Mehrheit der sraiizösiichen GewertschaftSliistanzen sich geweigert hat, die Ver- treler dcr spanischen Atbeiietbewegung einzuladen.... Auch die waren den Einberuicrn dcr Eiilcntelonserenz zu„ver- dächtig", meiiit die„Union des Metaux". Hz) französische Chauvinisten gegen öie kriegs- feinöiichen Sozialisten» Bern, 2i. September.(23 T. 33.) Für die Llufnahme der letzten Kammcrrcdcn bon C o st a d a n. 33 r i z o n und Rafft n-DugcnS in der französischen Oeffcntlichleit— letzterer hatte die deutschen S o z i a I d e m o k r a t c n Fi reu»de und Kameraden der fra n z ö fisch c u Sozialisten genannt— ist die Stellungnahme der radikalen„Zlction Frangaisc" am bezelchnendsten. Ste schreibt, man sollte eigentlich gegen Brizou und Raffiil- D u g c n L gerichtlich vorgehen. Nassm-DugenS, der im parlamentarischen HeercSausschuß sitze und Staatsgeheiimiisie und hochwichtige Daten über die nationale Verteidigung keuue, wird säst offen deL Hochverrats beschuldigt. Das portugiesische Proletariat unü üer Krieg. Man schreibt iinS a»S Portugal über Genf: Nichts ist in diesen kricgeriichcn Zeiten widerwältiger, als feige Menschen den Krieg predigen hören. Wir haben in der alleiletzieir Zeit in Portugal den Besuch eines kleinmütigen Ke.talonicrO, Redakteur« an der„Humanitö" zu Paris, gehabt, der in der Absicht kam, die Stznipaihic» des portiigiestschcn Volles zu- gunsten der Verbündeten zu werben. Er hat dieselbe Missioir mit dem gleichen Erfolg in Spanien erfüllt. Das war lein ganzer Beitrag zum Krieg. Und wählend er die Geister zum Töten eiilflaiiiint, schreitet er, gut bezahlt, gut logiert und glücklich ivie ein Hahn in der Wolle, über die Boulevards von Pari». Als er sab. daß die porliigieiischeii Sozialisten, in Wahr- heit Internationalisten, gegen den Krieg sind, und daß sie infolge- dessen wenig aufgelegt waren, seinen luiiiitercssierlen Ratschläge!! zugunsten des„Recht« und dcr Gerechtigkeit" zuzuhören, ging er m da» Lager unserer Feinde, der bürgerlichen Repnplikaiier und Freimaurer, wo er sehr schmeichelhafte Enipfehlmigsbriese vorwic», die ihm Herr Magelhaeö Lima, einer der Führer der portugiesischen Freimaurer, der in Paris lebt, gegeben haue. Er hat sich so unseieii schlininisteir Reaktionären zugesellt. lieber- flüssig zu sagen, daß man ihn wunderbar mit Banketten ii»d Festen emptaiigen hat. Man hat ihn sogar in da» Lager von Taneos geführt, wo man die portugiesiichen Proletarier zum Käinpfeu erzieht. Unser„Genosse", der leicht zusriedeiigcstcllt ist. har die Schönheiten der Landschaft und die hligienitcheu Be- dingungeir des Lager« gelobt. Er bat sich selbst mit „mehreren" Soldaien uiiterhalten und alle, tagt er. haben demselben Wunsch Ausdruck gegeben, sich bald au dcr Seile der alliierten Kameraden zu beftiiden. Wir wissen, was es mit dicteu mehreren Soldaten aus sich hat, die ausgewählt wurden, um mit ihm uiiler den Augen ihrer Offiziere zu sprechen, und wir sind auch auf dem Lailfenden über de» SiithiisiaSmns, der miferc Soldaien belebt, um sich die Haut durchlöchern zu lassen für irgend eine Sache, die sie nicht« angebt. Der ouSgezeichude katalanische.Sozialist" hat nachher beut portiigiesischen Kriegsminister einen Besuch abgestattet, Herr» Rorion de Matio«, der„eiiglischeii Marionette", wie er hier geimmu ivird, und er bat ihn bescheiden und mtelligent gefulideu. Er hat sich die Strategie erllärcn lasse», die Portugal gegen setne Feinde aiiweiiden wird. Nach Paris zuriielgeleluk. bin er einen Artikel in dcr„Huinanils" geschrieben, bciiiclt„Die porlu- giesischc Meinung und der Krieg", in dem er»ach einem Lob für die bürgerlichen Republikaner und die Freimaurer, die alle für die Sache de«„Rechl» und der Gerechtigkeit" gewönne» sind, die portu- giesische sozialistische Partei vornimmt— denn sie ist gegen den Krieg und Liihängeriii von Zinirncrioald— und tagt, daß lveiin die partugiesischeii Sozialisten gegen den Krieg sind, cd deshalb sei, weil die Pariei schwach und schlecht organisiert sei. In der deiikwürdigcn Sitzung de» portiigiesischen Parlainenls vom i. August 1010, die beschloß, portugiesische Truppe» zur West- tont zu senden, stimmte«in einziger Abgeordneter gegen diekenBe- chluß; es war der sozialistische Abgeordnete voit Porto, Dr. E o s! a junior. Bei der Abstimmung erklärte der sozialistische De- putierte, daß die kriegerische Politik dcr Regierung nicht die sei, der das portugiesische Proletariat folgen wolle. Er spottet bitter über die Regierung, die noch nur 0. März IVlö gesagt habe, daß die konfiszierten deutscheil Schiffe für den ausschließliche» Gebrauch Portugals seien, während jetzt Englaud die Teilung verlange. Er wandte sich auch gegen die rumösei! Kriegsanleihen, die die Regierung oufnehine, ohne sich mit dcr Zukunft zu beschäftigen.„Aus alle» diesen Gründen"— w er- klärte Dr. Costa— und aus noch anderen schenkt da» portiigiesische Proletariat der bürgetlich-republikauischcn Regierung nicht sein Vertrauen." Das ist die wahre Haltung des portugiesischen Prolclariots im Kriege. Letzte Nachrichten. Tie Vorgänge in Griechenland. Born, 23. September.(W. T. B.) Wie..Temps" berichict, hält man in Athen«ine neue M i n i st c r r r i s e für unverincid- lich. Um Schwierigkeiten bei der Iteubildung aus dem Weg zu gehen, spricht mau von dcr Berufung offizieller Persönlichkeiten, die nicht dem Parlament aiigehörcir. König Koiistantiii werde seinen Aufenthalt in Athen nicht weiter verlängern; das königliche Palais sei vererts geschlossen worden. Zur Tagung der deutschen und österreichischen ParZamentarier. Wie», 23. September.(25?. T. 23.) Tie„Deutschen Nachrichten" veröffentlichen folgende Mitteilung über die Zusamnientunft reichsdculscher und deutsch-österreichischer Parlamentarier in Salzburg: Am 23. und 24. dieses Monats fand in Salzburg eine Zusammenkunft reichsdcutscher und deutsch-östereichischer Par- lamentaricr statt, bei welcher eine zwanglose Aussmache über die künftige Gestaltung der politischen, toliiän- schen und wirtschaftlichen Beziehungen des deutschen Reiches und der österreichisch-ungarischen Monarchie erfolgte. Die eiiigehenden Verhandlungen führten zn einer vollständigen Uebereinstimmung über gewisse Richtlinien, durch welche eine wei- lere Annäherung dcr befreundeten Mittelmächte bezweckt werden soll. Die Tagung war von dem Gedanken getragen, daß ein militärisches und wirtschaftliches Durchhalten bis zum endgültigen Erfolg unbedingt nötig sei, wobei auch allerseits der lleberzeugung Ausdruck gcaeben wurde, saß der Heldenmut der verbündeten Armeen u.nd die Lpferwilligkeit der AevöUerung im HiiUerlande die sichere Gewähr für den endgültigen Sieg bieten. Scwerkfchastliches. öerlin und Umgegend. Tic Arbeitsverhältnisse der Dreher. einer gütöesnckiten Branchenverinmn-.lunfl der DreLer, die am sonnlag tagte, erstattete der Branchcnteiter Tost den Bericht ltber die gegenwärtige Lage Eine Statistik, deren Ergebnis aus 9t Betrieben borliegt, ergab folgendes; In diesen 91 Betrieben bestehungsweise Betriebsabteilungen wurden durch die Erhebung 3496 Kollegen ersaht, worunter sich 318 befinden, die teils aus an- deren Berufen der Metallindustrie, teils aber auch aus Berufen kamen. die mit der Metallindustrie früher in keiner Verbindung standen. Die wöchentliche Arbeilsgeit betrug in vier Betrieben 48 Stunden, in 47 Betrieben 48 bis 34 Stunden. Die Arbeirs�eit in diesen Be- trieben kann wohl als die normale bezeichnet werden. Bei den er- wäbntcu 47 Betrieben kamen auch Betriebe in Frage, wo bei Schichtarbeit täglich acht stunden, bei Mchtichichtarbeit täglich neun Stunden gearbeitet wird. Ferner wird' gearbeitet in 14 Betrieben wöchentlich 33 bis 69 stunden, in 19 Betrieben ßl bis 66 Stunden, in 5 Betrieben 07 bis 72 Stunden. Sonmaas- arbeit fand noch statt in 6 Betrieben. Die angerührten Zahlen bedeuten im Verhäitnis sum Juni immerhin einen Fortschritt: die Zufaminenstellimg lägt aber auch erkennen, dah in einem größeren Teil von Betrieben immer noch nrchi io gebändelt wird, wie es im Jute teste des Berufs erforderlich ist. In den Betrieben mit 48 stündiger Arbeitswoche beträgt der Durchschnittsverdienst 1.89 M. pro Stunde, bei einer Spannung zwischen 1,69— 2 M. und etwas darüber. Das ist ein stabiles Verhältnis. Als stabil kann es auch noch gelten in den Betrieben mit einer Wochenzeil von 48— 84 Stunden, wo der Durchichnitts-Stundenverdienst1.69M,öeträgt, mit einer Spannung zwischen 1,39 M. und 1,89 M., und in einzelnen Betrieben mit einer Spannung von 1,39 M. bis 2.19 M. In den anderen Betrieben, die eine längere Wochenarbcilszeit haben, ist der Durchschnitts- flundenverdienst meist geringer und die Spannung zwischen den Emzelverdiensien meist erheblich höher. So kommt vor eine Span- nung zwischen 9,99 M. und 1,89 M. sowie 1,90 M.. und in einem dieser Betriebe eine Spannung zwischen 9,79 M. und 1,69 M. Er- debliche Svannungen findet man selbst in Betrieben, wo nur guali- fizierle Kräits in Frage kotnnien. Hier ist es nur darauf zurück- zuführen, daß die Kollegen bei Festsetzung der einzelnen Mord- preise nicht genug Obacht gegeben haben. In solchen Be- trieben sollten die Kollegen, wenn es sich mn die Regulierung des Arbeitsverhältnisses handelt, ihr Augenmerk erst mal auf eine Aiifbcsscruirg der schlechtern Akkordprcise richten.— In den Betrieben mit 33 bis 69 AibcrlSstunden pro Woche ist der Durchschnirrsverdienst 1.39 M., ebenio in den Betrieben mit 61 bis 66 Stunden pro Woche. Und in den Betrieben mit 67 bis 72 Wochenstnnden gehl der Durch- schnitt auf 1,49 M. herunter. Also je mehr Stunden gearbeitet werden, je mehr geht der Durchschnitls-Slundenverdienst herunter. Es ergibt sich die Lehre: statt aus Ueberstunden höhere Verdienste zu erbosten, sollten die Kollegen darauf sehen, bei normaler Arbeit aus er- höhlen Alkordsätzen einen für die heutige Zeit auskömmlichen Verdienst zu erwirken. Allerdings zeigten die Unternehme: gegenüber Forderungen auf Erhöhung der Alkordsätze usw. wenig Entgegenkommen, und eS sei schwer, das Nötige zu erwirken. Die Kollegen müßten indessen dock versuchen, im sinne der Beschlüsse der vorigen Branchenversammlung weiter zu handeln. Die sehr lebhafte Diskussion bewegte sich in der Hauptsache im Sinne der Darlegungen des Branchenleiters. Adolf Cohen von der Orts Verwaltung nahm ebenfalls das Wort. Unter anderem betonte er, daß Vertreter der Milirär- bchörden bei Verhandlungen mit Großunternehmern erklärt hätten, sich m die Verhandlungen über die Höhe der Löhne nicht einzu- mischen, sondern nur daraus zu achten, daß das militärische Jnter- esse nickt verlegt werde. Vielleicht würde man in der Ueberstunden- frage sich aus dies Intereste dort berufen, wo nicht genug Dreher zu babeu sind. Möglicherweise ließe sich in der Ueberstundensrage mehr erreichen, wenn die Dreher bereit wären, Adressen nur garnison- dienstsähiger. in den Etappen oder sonstwo befindlicher Kollegen an- zugebe», damit die Ortsverivaltnng bei der Behörde versuche, sie für die ArbettsvcrmiUclung freizubelommen. In der wichtigen Frage der Arbeitsvermittelung führte Cohen auS; Die gelben Wcrkbeieine hätten sich darüber be- schwerst gefühlt, daß auf ihren Anruf der.ZentralauSkunftsstelle' der Meiallarbeiterverband es abgelehnt habe, ihrem Arbeits- Nachweis stellungslose Arbeitskräfte zu überweisen. Die Ab- lehnmtg sei erfolgt, weil man mit einem Arbeitsnachweis, der die Frage der OrganisatiouSzugehörigkeit zu den gelben Vereinen mit der ArbeitSvcrmittelung verbinde, nichts zu tun haben wolle.— Aus diese Auskunft des Verbandes hat der Arbeits- Nachweis des gelben Vereins ein Schreiben an die Zentralauskunfls- stelle gesandt, in dem cS heißt: „Aus das Schreiben vom 14. August 1916 erklären wir, daß weder im Arbeitsnachweise unseres Werkvercinskariells, noch in den Betrieben selbst irgend ein Einfluß mittelbar oder unimttel- barer Art auf die überwiesenen Arbeitskräfte ausgeübt wird. Mit- gliedcr des WcrkvcreinS zu werden. Jedoch behalten wir uns vor, wie jede andere Organisation� unter den Arbeitskräften Mitglieder zu werben. Wir nehmen auch Bezug auf die Erklärung des Metallindustriellenverbandes, wonach seitens der Beamten und Meister bis aus weiteres von einer Bevorzugung von Mit- gliedern der gelben Werkvcreine abzusehen ist." Trotz dieses Schreibens, meinte Cohen, sei es ausgeschlossen, sich mit dem gelben Nachweis irgendwie einzulassen. Die gelben Bereine hätten immer die Lermittelung von der Mitgliedschaft zu ihnen abhängig gemacht, und wenn sie es unter den augenblicklichen Verhältnissen auch nich: könnten, io würden iie es bei neuer Ge- legeubei: dock wieder tun. Das letztere sei selbst aus dem Schreiben zu entnehmen. Darum gebe es leine Verbindung mit ihnen, auch uickt durch den Arbeitsnachweis. Die Unrernchmer, die Arbeits- kiäile brauchten, könnten sich ja au den Arbeitsnachweis des Metall- arbeilerverbandsS selber wenden, den ja in jetziger Zeil selbst große, dem Melallindustriellenverband angehörende Firmen gesunden hätten. T o st äußerte im Schlußwort aus die Anregung Cohens hin- sichtlich der Ueberstundensrage, daß man unter Erwägung aller Bedenken gegen und iür dazu kommen könnte, in Betrieben, wo die Kollegen zu Ueberstunden gezwungen werden sollten, dieien Kollegen freizustellen, mit der Orrsverwaliung wegen der Befreiung von in den Etappen usw. befindlichen, nur garnisondienstsähigen Kollegen in Verbindung zu treten, doch werde sich die Branchenkommstsion zunächst noch damit beichästtgen. Weiter kam Tost aus eine schon vorher mehrfach angeschnittene Frage zu sprechen. Es ist sestgesiellr worden, daß öfter Werkstall- obleute und Vertrauensleute, die im Interesse der Mitglieder und damit im Interesse der Organiialion bei Lobnsragen tätig waren, alsbald aus dem betreffenden Betriebe verschwanden und eine Order erhielten. Cohen hat verschiedentlich eingegriffen und in einzelnen Fällen auch Erfolg gehabt. Die Vcr- iammellen wüniwen. daß in allen ähnlichen Fällen die Berwal- tung sich bemühen soll. Tost schlug deshalb den Versammelten vor, in allen solchen bekannt werdenden„Abmeldungssällen" das Material der Lrtsverwaltung zwecks Eingreisens sofort zugehen zu lassen. Zum Schluß erklärte T o st für absolut unbegründet das Gerücht, daß er sich zugunsten einer Sonderorganisaston der Dreher ausgesprochen haben solle. Im Gegenreil sei er der entschiedenen Meinung, daß die wirtschaftliche Bewegung unter allen Ilmständen in hrem Ziijarmnenhange anstecht erhalten werden müsse. Teneruugsznkage oder Tarifkündigung der Bauanschläger. Die Frage der Tarrikündigung stand am Sonntag auf der Tagesordnung enicr Branchcnvcrsammlung der Bauanschläger. Der Tarif, der mit dem Schupverband der Schlossereien vereinbart ist, läuft bis zum 1. April 1917. Die Kündigung desselben wurde m den Kreisen der Bauanschläger für erforderlich geHallen, damit beim Abschluß eines neuen Tarifs die Lohnsätze in Einklang gebracht werden können mit den gegenwärtigen Tenerungsverhällniffen. Von anderer Seite wurde der Standpunkt verirelen. daß mir Rücksicht aus die jetzigen Zeiiverhältnisse die Tanslündigung nicht ratsam sei. Eine Teuerungszulage, die allerdings dringend notwendig sei. könne auch im Nahmen deS bestehenden Tarifs durchgesetzt werden. Zwischen den Vertretern der beiden entgegenstebendcn Ansichten kam es zu sebr lcbhaslen Auseinandersetzungen. Die Beiürworler der Kündigung beriesen sich vor allem daraus, daß die früher geforderte Teuerungszulage von 19 Proz. erst nach monatelanaen Verband- lungen mit den Unlernebinern bewilligt worden sei. Voraussichtlich würde auch jetzt die Verhandlung wieder hingezogen werden, deshalb solle der Tarif gekündigt werden, damit man den Unternehmern gegenüber steie Hand babe.— Die Versammlung kam ichließlich zu dem einstinimigeu Beschluß, eine vorn 1. Oktober ab zu zahlende Teuerungszulage von 29 Proz. saußer den bereits gewährten 19 Proz.) zu fordern und falls die Forderung nicht vis i. Oktober bewilligt wird, den Tarif zu kündigen. (24 636338 M.) zur Bersügung. Der am IS. Oktober stall- findenden Generalversammlung wrrd vorgeschlagen, hieraus 2O Proz. 712 Proz.) Dividende mit 21 200 000(12 720 000) M. zu verreilc» und folgende Rücklagen vorzunehmen: Für Arbeiter- und Beamtenpensionszwecke sowie für KriegSwobliahrtszwecke 8 000 000 M.(0 M.), Bergschäden 1000 000 M.(600000 M.). zur Verstärkung der KriegSrücklage 4 367 909 M.(9 M.), Verfügung;- bestand 830 000 M.(1900 000 M.) sowie nach Abzug der satzungs- und vertragsmäßig«! Gewinnanreile von 2 444437 M.(1 212 212 M.) noch 9191064 M.(9 294 326 M.) aus neue Rechnung vorzutragen. SsziaZes. fius Industrie und Kandel. Vom„Segen de§ Bergbaues". Der in der letzten Aussichlsratsfitzung von Phönix. Aktiengesell- schast für Bergbau und Hütlcnbctrieb, vorgelegte Abschluß für 1912,16 ergibt einen Bctriebsgcwnin von 37 842 837 M.(36 434 674 Mark im Borjahre). Hiervon gehen ab Handlungsunkosten ein- schließlich Steuer» 19 464 394 M.(7 911999M.>, Zinsen 391 343 M. (433 773 M.), so daß sich ein Rohgewinn van 46 789 659 M. (28985919 M.) ergibt. Nach Abzug von 1 488787 M.(198 699 M.) sür Beseitigung noch nicht abgeschiiebener Wcrkanlagen sowie sür ver- stärkte Abschreibung aus Maschinen und Einrichtungen, die nur während deS Krieges Verwendung finden können, und nach den ordenllichen Abschreibungen von 42 733 667 M.(12 297 294 M.) verbleibt ein Reingewinn von 32 848193 M.(48 479918 M.) Unter Hinzurechnung des Vortrages aus dem Vorjahre von 2 949 326 M. ,0 166 519 M.) sieben iomil 42 032 521 M. Im Zoologischen Garten veruntreute Lebensmittel. Kaninchen, Tattcln, Feigen und Bananen, die zur Füttc- rung von Tieren des Zoologischen Gartens bestimmt waren, soll ein Tierwärtcr aus den Vorräten veruntreut und einer befreundeten kinderreichen Familie als hochwillkommenen Zu- schuß zur Lebcnsmittelration gegeben haben. So ist cS nr Klatschereien verfeindctcr Frauen dargestellt und von einer der Beteiligten dar Direktion des Zoologischen Gartens mit- geteilt worden. Die Tircknon hat infolgedessen den Wärter ohne Kündigimg entlassen. Dieser klagte nun beim Gewerbe- gericht aus Entschädigung und Zahlung des Lohnes sür die freien Tage, die ihm seit Ausbruch des.Krieges nicht gewährt wurden. Die drei miteinander verieindeten Frauen, durch deren häusliche Kriegführung die Sache zur Kenntnis der Tirekrion gekommen ist, wurden als Zeuginnen vernommen. Dadurch stellte sich heraus, daß die scindlicheu Nachbarinnen mehr geredet haben als bewiesen werden kann und daß die Angeberei ein Nachcakr gegen die Empfängerin der leckeren Südfrüchte und des nrcht minder köstlichen Kaninchen« fleiichcs gewesen ist. Immerhin hielt daS Gericht siir erwiesen, daß wenigstens zwei junge Kallinchen ihrer Bestimmung, von einer Schlange verspeist zu werden, durch den Kläger entzogen wurden, uw auf den Tisch einer kinderreichen Familie zu gelangen. Auch gilt für erwiesen, daß Bananen aus der Speisekammer der Affen in die hungrigen Mäulcr von Kindern der betreffenden Familie gewandert sind. AuS diesen Gründen hielt das Gc- richr die Inndrgungslose Entlassung de? Klägers für berechtigt und wies seinen Entschädigungs- anspruch ab. Auch mit der Forderung, die freien Tage bezahlt zu erhalten, wurde der Kläger abgewiesen, weil die Direktion zu Beginn deS Krieges dem Perional hotte mitteilen lassen, daß die freien Tage sorlsallcn, und der Kläger sich damit stillschweigend ein- verstanden erklärt habe, indem er seit länger als zwei Jahren bei keiner Lohnzahlung die Vergütung der freien Tage gefordert habe. Fleischkarte und Pcrsonalkost. Em im Hotcl Exzelsior beschäftigt gewesener Hausdiener klagte beim Gewcrbegcricht wegen einer Entschädigung für die ihm zustebende. aber nicht verabfolgte Beköstigung. Es handelte sich lediglich um einen Streit über die Flcischration des Klägers. Tie Hotelverwaltung hatte durch Aushang verfügt, daß dem Personal Belästigung nur verabfolgt werden könne, so weit es seine Fleiichkartcn ab'lieserc. Der Kläger bchauplete. obgleich die An- gcücllien ibre Flestchkartcn ablieierlen, hätren sie kein Fleifch. sondern nur Fiichwurst und andere Ersatzmittel bekommen. Tie Fleisch- kartcn des Personals seien anscheinend dazu verwandt worden, um eine entsprechend größere Fleiichmcnge für den Restaurationsbetrieb des Hotels zu bekommen. Deshalb habe der Kläger seine Fleischkartcn nicht abgeliefert, um sich außer- halb des Hauses Flciichtost bcicbastcu zu können.— Der Verlrekcr der beklagten Hotel-BetnebsgeiellsSasl bestritt die Angaben des Klägers. Die Perionalmam'cll und der Küchenmeister gaben als Zeugen an. daß bei der Beköstigung des Personals stets so viel Fleisch und Wurst verabreicht worden sei, daß jeder die ihm aus Grund seliier Fleischlarte zustehende Rotton erholten habe. Wer seine Fleiichlarte nicht abliescrte, habe allerdings keine Ftersevkost be» lommen tonnen.— Der Vertreter der Beklagten bemerkte noch, in der Perionalkost sei auch Fleischeriatz verarbeilet worden, und zwar eine gute Ware zu 3 M. das Kilo. Solche Ersatzmittel würden so- gar im Hotel Esplanade, zu 39 Proz. mir richtigem Fleisch vermischt, den Gästen vorgesetzt. Aber das Personal im Hotel Exclstor sei so unverständig, eine derartige Kost zurückzuweisen. Aus eine Prüfung der entgegenstehenden Behauptungen ging das Gericht nicht ein. Die Klage wurde lediglich deshalb abgewiesen, weil dem Kläger, da er seine Fleischkarlen nicht obgeliesert hatte, eine ausreichende Beköstigung nicht gewährt werden konnte. Die Klagesordernng sei umsowemger begründet, als der Kläger, der tägliche Kündigung hatte, seine Stellung jederzeit ausgeben konnte, ivenn ibm die Beköstigiing nicht genügte. Deutscher Sparer noch ist es Zeit! Noch hast Du Gelegenheit, Dir die Vorteile der Kriegsanleihe zu sichern: bittigen Srwerb, hohen Zinsengenuß, größte Sicherheit, bequeme Cinzahlungsbedingungen, keine MSenunkosten. Schluß: Donnerstag, den S. Oktober Auskunst erteilt bereitwilligst die nächste Bank, Sparkasse, postanstatt. "veräntw.Red'akt.: Alfred Wiclevv. Neukölln. Inst raten teil v'erantw. TP. Wlacke. Perba. Struck n. Verlaa: Vorwärts Buchdr.u. VerlaaSanitaU Paul Singer u. Co- Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. UnterhaltnngSvt. Nr. 265. 33. Iahraass. 1. ScilU des Jormrtf Öftliiitt WiksdlÄ. Dkenstag� 26. September 1916. Chronik des Weltkrieges. Ä«. September Westlicher Sriegsschauplah: vir französtsch-englischen Truppen haben einen weltausholenden Vorstoß gegen die äußerste rechte Flanke des deutschen Heeres eingeleitet. Diese Operation ist zum Stehen gebracht worden. In der Mitte der Schlachtfront kam der deutsche Angriff an einzelnen Stellen vorwärts. Die angegriffenen Sperrforts südlich verdun haben Ihr Feuer eingestellt. Die deutsche Artillerie steht nunmehr im Kampfe mit Kräften, die der Feind auf dem westlichen Maasufer in Stellung gebracht hat. vom östlichen Sriegsschauplaß liegen Nachrichten nicht vor. SS. September lSRS. Westlicher kiriegsschauplah: Die französlsch-englische Offensive nahm ihren Fortgang, ohne die Angreiser ihrem Ziele in nennens- werter Weise näher zu bringen. Ein Vorstoß im Zpern-Abschnilt hatte keinen Erfolg. Südwestlich von Lille gelang es dem Gegner, eine der deutschen Divisionen bei Loos aus der vordersten Linie zurückzudrängen. Die Trümmer de» einstigen Dorfe« Souchez wurden geräumt. Auch bei dem Ringen zwischen Reims und den Argonneu mußte nördlich von Perthes eine deutsche Division Ihre vorderste Stellung räumen. Im übrigen scheiterten auch hier alle Durchbruchsversuche. Im ganzen wurden an der Westfront über 5000 Gefangene gemacht. Auf dem östlichen kriegsschauplah dauerten die Stellungskämpfe fort. Im ganzen wurden über 1400 russische Gefangene gemacht. Der englische Gewerkschasts- kongreß. Tie britischen Gewerkschaften haben während des Krieges in verschiedenen Industrien Lohnkämpfe durchgefochten. Die Phrase vom Burgfrieden hat sie nicht irritiert, lvenn es galt, bessere Lebensbedingungen für die eine oder andere Schicht von Arbeitern zu schaffen. Bei der Einstellung von Frauen als Stratzenbahnschaffnerinen setzte die Organisation durch, daß sie für die gleiche Leistung den gleichen Lohn erhielten, und daß sie als Mitglieder in die Gewerkschaft eintreten mußten. Die Arbeiter blieben also in scharfer Opposition zu der Arbeitgeberklasse, ganz gleich, ob der Unternehmer die pri- vate Industrie oder der Staat war. Wenn man jedoch daraus die Hoffnung schöpfte, daß die englische Arbeiterschaft, soweit sie gewerkschaftlich organisiert ist, sich überhaupt nicht von der allgemeinen Kriegsstiinmung beeinflussen ließe, daß sie einen klaren Blick behielte und die internationale Zusammengehörigkeit als kostbarstes Gut der Arbeiterbewegung bewahrte, so sah man sich bitter enttäuscht. Die schwächliche Haltung in der Frage der Dienstpflicht und des industriellen Ztpanges ließ bereits erkennen, daß die ge- waltigen Ereignisse auch den englischen Arbeitern die Köpfe verwirrten. Es traten starke nationalistische Strömungen hervor, die sich mehr und mehr festigten trotz der wertvollen und unermüdlichen Aufklärungsarbeit der Unabhängigen Ar- beiterpartei. Niemals jedoch ist der Gegensatz zwischen früher und jetzt so scharf zutage getreten als auf dem letzten Gewerkschafts- kongreß zu Birmingham vom 4. bis 10. September. Die Mitgliederzahl ist kräftig angewachsen, sie ist auf 2 847 547 gestiegen gegen 2 677357 im Vorjahre, aber dies äußere Wachstum bedeutet keineswegs eine Zunahme an innerer Kraft und an politischer Bedeutung. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß die Regierung durch vier Mitglieder vortreten war, und daß der Lord Mayor von Birmingham, Mr. Neville Chamberlain, zu Beginn des Kongresses nicht die üblichen Phrasen sprach, sondern eine tiefer eindringende Rede über die Probleme hielt, die nach dem Kriege gelöst werden müssen. Soweit es sich aus der kurzen Wiedergabe seiner Ansprache in der englischen Presse ersehen läßt, scheint er in bezug auf die Wirkung einer etwa einsetzenden Schutzzollperiode weniger optimistisch und— weniger oberflächlich gewesen zu sein als die Delegierten der Arbeiter. Die Eröffnungsrede des Präsidenten H. Gosling gab ein gutes Spiegelbild von der ganzen Stimmung des Kon- gresses, von seinen Wünschen und der Art, wie man sie zu verwirklichen hofft. Nach einer kurzen Einleitung, in der er die Teuerungsfrage erwähnte und die Notwendiakeit ihrer Kontrolle durch die Arbeiter, ging er auf die Bedeutung der Arbeiterschaft für das Land ein und leitete aus ihr das Recht der Arbeiter auf den ersten Platz„im Rate der Nation" ab. Die genügende Versorgung des Heeres mit Munition sei in erster Linie Arthur Henderson zu verdanken.„Wir wer- den nicht aufhören, die Schaffung eines Arbeiterministeriums zu verlangen, bis die Regierung die unbestreitbare Logik un- serer Sache anerkannt hat." Er forderte weiter die Verstaat- lichung der Bergwerke, Eisenbahnen, Schiffahrt, die Kon- trolle über die großen Warenlager und die Kornhäuser, die Erhöhung der Alterspensionen auf mindestens 10 Schilling pro Woche und Herabsetzung der Altersgrenze auf 60 Jahre. Er wies auf die Gefahren hin, die die Zeit nach dem Kriege für die Arbeiterichast birgt und trat für eine bessere und sorgfältigere Erziehung der unbemittelten Klassen eup— An diesen Forderungen ist natürlich nichts auszusetzen. Es fehlt manches, was wir gerade im Kriege von einem Ar- beiterkongreß hätten erwarten können. Aber wo ist der Wille, auch nur das Geforderte durchzusetzen? Was soll das Arbeiterministcrium in einer Regierung, deren resktionärc Tendenzen immer stärker hervortreten? Die Erfahrungen mit dem Genossen Henderson als Unterrichtsminister hätten Lehre genug sein können. Henderson war für diesen Posten nicht geeignet: das mag sein. Aber selbst der Tüchtigste hätte an seiner Stelle versagen müssen, da daS Ministerium keine Arbeitcrregierung, nicht einmal eine wirklich radikale Rc- gierung ist, sondern die Vertretung liberaler und konserva- tiver imperialistischer Tendenzen, mit denen eine wahrhafte Arbeiterpolitik dauernd in Konflikt kommen muß. Der Wille zur Uebernahme der ganzen politischen Macht ist aber in der britischen Arbeiterschaft bei weitem nicht so kräftig, daß man einigermaßen mit einem Erfolg rechnen könnte. Auch in England hoben fich die ABsiterorganisationen willig— allzu ! willig— der Regierung untergeordnet und auf eigene Politik < verzichtet. Und diese Schwäche wird mit Kriegsschluß nicht verschwinden sie kann nicht einfach ausgewischt werden, son- i dem es wird Jahre heißen Kampfes brauchen bis auch nur i die alte Stellung wieder errungen ist und es fragt sich, ob die � Zeit des Sichfügens und des Kompromisseschließens nicht auf lange Zeit hinaus die Kampffähigkeit und Kampffreudigkcit der Massen getötet hat. Von den Beschlüssen des Kongresses ist als besonders charakteristisch hervorzuheben die Ablehnung der Aufforde- rung, an einem internationalen Gewerkschaftskongreß teilzu- nehmen, der am selben Ort und zur selben Zeit wie die s�rie- denskonferenz tagen soll. Aus den Debatten über diesen Punkt geht hervor, daß die Arbeiter außerstande sind, folge- richtig zu denken, sobald nationalistische Leiden- schaften in ihnen mächtig werden. Mit einer ein- zigen Ausnahme erklärten alle Redner, zum Teil unter hcf- tigen Ausfällen, es für unmöglich, mit den deutschen, öfter- reichischen, türkischen und bulgarischen Arbeitervertretern ge- meinsam zu beraten, ehe Frankreich und Belgien vom Feinde befreit wären; manche hielten überhaupt eine Debatte mit den Arbeiterorganisationen der Länder der Zentralmächte für ausgeschlossen. Das heißt also, daß selbst, wenn die R e- gierungen der Entente die Zeit für Verhandlungen für gekommen erachten— sei es vor oder nach Rückgewinnung Belgiens und Frankreichs—, so überlassen die Arbeiter Eng- lands das Geschäft des Friedenschließens doch lieber den kapitalistischen Regierungen, als daß sie auch nur versuchen, einen internationalen Druck des Proletariats auf diese Ver- Handlungen auszuüben. In keiner Weise ausreichend oder auch nur ein wenig tiefer schürfend war die Debatte über die Staatspolitik nach dem Kviege. Sie streift die so überaus wichtige und aktuelle Frage: Freihandel oder Schutzzoll nur eben, und die schließ- lich mit 1642 000 gegen 619 000 Stimmen angenommene Resolution wird von Freihändlern wie von Schutzzöllnern in ihrem Sinne gedeutet werden können. Tie gleiche Oberflächlichkeit bei der Behandlung der Frauenarbeit nach dem Kriege. In einer Resolution wurde die Wiedereinsetzung der Trade Unions in den statu« qua ante noch Friedensschluß verlangt. Ein besonderer Kongreß solle dann veranstaltet und die betreffenden Minister dazu eingeladen werden. Miß McArthur vom Arbeiterinnen- verband(XVomen Worlrer« Federation) machte vergebens darauf austnerksam, daß das Problem nicht so einfach fei, als es aussehe. Sie verlangte, daß man sich mit der Frage beschäftige: Was ist Männerarbeit? Was ist Frauenarbeit? Was ist es mit der neuen automatischen Maschinenarbeit und der Vereinfachung des Arbeitsprozesses? Und sie meinte:„Die Aufrechterhaltunsi unseres Standards hängt nicht von mini- steriellen Verpflichtungen ab, sondern von unserer eigenen Voraussicht, von unserm klaren Denken und vor allem von unserer Macht, den Standard zu erzwingen." Aber man zog es vor, sich nicht weiter in die Frage zu vertiefen und die vorgeschlagene Resolution anzunehmen.— Noch bei einer anderen Gelegenheit wurde die Frage der Frauenarbeit be- rührt. Die Transportarbeiter verlangten, daß die Regierung nach dem Kriege den Frauen die Befähigung als Omnibus- oder Straßenbahnwagenführerinnen zu fungieren, absprechen solle. Begründet wurde die Maßregel mit der Schädlichkeit dieser Arbeit für die Frau. Es muß zugegeben werden, daß die Arbeit zu schwer für den weiblichen Körper ist; aber das gleiche kann man von vielen anderen Arbeiten mit mindestens demselben Recht'sagen. Warum hebt man nun die eine Be- schäftigung aus dem großen Komplex heraus, anstatt die gan�e Frage der Frauenarbeit aufzurollen?— Dem, der die Berichte über den Birminghamer Kongreß nachliest, drängt sich leider immer wieder die Uebcrzcugung auf, daß Ober- flächlichkeit das Charakteristikum dieser Tagung war. Es ist hier nicht der Ort, jedes einzelne behandelte Thema zu besprechen. Man debattierte selbstverständlich über die Teuerung, nahm Resolutionen über Kinderarbeit und über die Arbeitslosenversicherung an, man erging sich in hef- tigen Ausfällen gegen die Unabhängige Arbeiterpartei, und man verlangte, daß der Unterdrückung der Juden und andc- rer Völker bei dem Friedensvertrag ein Ende gemacht wer- den müsse. Vielleicht ist es möglich, auf die eine oder andere Frage ausführlicher zurückzukommen. Erwähnung verdient noch, daß der Generalsekretär der französischen Gewerkschaften, Jouhaux, dem man gewiß nicht Mangel an Nationalis- muS nachsagen kann, sich in dieser Umgebung vorteilhaft ab- hob. Er sagte, daß in der Welt kein Raum sei für dauernden Haß.„Wir waren gestern Pazifisten und wir sollten wieder Pazifisten werden, sobald das Unglück vorüber ist. Soziale Umwandlung kann nicht ohne die Zusammenarbeit des Prole- tariats der ganzen Welt erreicht werden, und die französischen und britischen Arbeiter werden die Arbeit in der Jnter- nationale fortführen." Jouhaux nannte auch Irland an der Seite Elsaß-Lothringens, Polens, der tschechischen Na- tionen, SchleSwig-HolsteinS, Finnlands und des Trcntino als Länder, deren Recht durch den Friedensvertrag wieder- hergestellt werden müsse. Der Bericht des„Manchester Guardian" meint, daß die Erwähnung Irlands in diesem Zusammenhang den Delegierten einen Stoß gegeben habe, aber der Schlag sei nicht iinhcilsam gewesen I Weshalb Mr diese kleine Evisode erzählen? Nun, sveil sie ein bezeichnendes Licht auf die Verfassung dcS englischen Gewerkschaftskongresses wirft. Es fällt auf, wenn ein Red- ner sich nicht zu groben Ungerechtigkeiten hinreißen läßt und wenn er versucht, den Internationalismus als eine Not- wendigkeit für die Arbeiter aller Länder zu erklären. politlsihe Uebersicht. Die bevorstehende Tagung dcS Reichstags. Staatssekretär Dr. Helfferirti bat die FrafllonSborftSube sämtlicber Parteien für den beutigen Dienstag zu einer Konferenz nacki dem Reicksamt de» Innern eingeladen. Wie verlautet, bandelt eS sick in der Hauptsalbe nur darum, den Arbeitsplan fiir die be- vorstehende Tagung des ReicbStagS zu besprechen. In unterrichteten Kreisen nimmt man an, datz der Reichstag spätesten« am 15. Oktober wieder anSeinandergeben werde, um erst nach Neujabr mit der Etatsberatung zu begirme«. Möglich aber ist eS, datz während der Vertagung des Plenum« die vudgetkommisfion arbeiten wird. Die bayerische Kanzlerfronde. Die Auseinandersetzungen in der bayerischen Zentrumspartei über die Kriegführung und die Kriegöziel« spielen sich nunmehr vor einer breiteren Oefsenilichkeit ab. Die beiden größten Zentrums- blätter Bayerns, die„Augöburger Postzeitung" und der „Bayerische Kurier" vertreten die beiden Richtungen: das Augsburger Blatt den Standpunkt der Hertlingschen Richtung, das Münchener den der Heim, Schlittenbauer usw. Wie man aus einem Artikel Dr. Schlittenbauers in der Sonntagßausgabe des„Kurier" erfährt, ist der Beschluß der bayerischen Zentrums- fraktion, der in Htndenburg„das vollste Vertrauen setzt, datz nunmehr alle unS zur Verfügung stehenden Mittel gegen alle unsere Gegner ohne jede andere Rücksicht als die der baldigen sieg- reichen Beendigung deS Kriege» angewandt werden", einstimmig gefaßt worden. Dieser Tage ist nun in München ein„VolkSauSschuh für rasche Niederkämpfung Englands" gegründet worden. Die„Augsburger Postzeitung" nahm eine TagS vorher von dem Abg. Dr. Traub gehaltene Rede zum Anlaß, diesem und seiner Gefolgschaft zu empfehlen, sich nach emem neuen„Christentum" umzusehen, denn die Lehren Christi seien mit deren HaßauSbrüchen nicht in Einklang zu bringen;„nicht lieben" fordere noch lange nicht töd- lichen Haß dcS Gegners, der auch nach Beendigung dcS Krieges noch lange vorbalten würde. Dr. Ferd. Abel wendet sich in der von ihm herausgegebenen katholischen Wochenschrift„Allgemeine Rundschau iMün- chen) vom 23. September gleichfalls gegen die Haßpredigcr; er verweist auf die Mahnungen des Papstes und vertritt den Standpunkt, daß der P ö l k e r f r i e d e n keine Utopie sei,„keine sein kann, weil er keine sein darf". Die FricdenSbedingungen müßten so sein, daß die Wiederannäherung möglich und dauerhaft sei. Dr. Heim, der katholische Baucrnführer, hatte schon zu Beginn der vorigen Woche im Bayerischen Bauernverein eine Rede gehalten, die sich ganz im Fahrwasser Dr. TraubS, deS protestantischen Theologen, bewegte. Die eingangs erwähnte Kundgebung des Zentrum?- abgeordneten Dr. S ch l i t t e n b a u e r, der rechten Hand Heims, greift in der schärfsten Form das Augöburger Zentrumsblatt an: „nwabre Verdrehung",„Unterstellung",„grobe Beleidigung",„An- rempclung" sind die Worte, die Schlittenbauer gebraucht. Die Unter- stellung innerpolitischer Motive, die er„in der Uebernahme einer ein- schlägigen Notiz des jüdischen„Berliner Tageblatts" erblicke", sei angesichts der Tatsalbe, daß zwei Herren des Ausschusses den Ver- such gemacht hätten, in dieser Lebensfrage des deutschen Volkes auch die Mitwirkung der Sozialdemokraten zu gewinnen, nichts als eine grundlose Verdächtigung. Vor allem wendet sich Schlittenbauer da- gegen, daß die„Augsburger Postzeitung" die Kundgebung des Au?- fchuffes für rasche Nicdcrkämpfung Englands als alldeutschen Aufruf bezeichnet; tatsächlich gehörten diesem Männer der vcrschie- densten polittscheii Richtuiigen an, auch mehrere JentrumSabgeordncte. wie Einhauscr, Pfleger, Scharnaal, Schlittenbauer. Uebrigen» hat Dr. Julius Bachem, der bekannte Zentrum?- führe r, wie wir bereits berichteten, am Sonnabend noch>m„Tag" darauf hingewiesen, daß„bei manchen" der Bethmann-Frondeure„die Furcht vor einer den eigenen Parteiintercssen abträglichen innerpolitische» Neuorientierung nach dem Krieg er- heblich mitspricht". Der gleiche Gedanke ist wiederholt in der christlichen Gewerkschaftspresse und dem Münchener katholischen „Arbeiter" zum Ausdruck gekommen. Dr. Schlittenbauer hätte sich seine durchsichtige antisemitische Anspielung also sparen können; damit besticht er nur ganz Dumme. Ter Nährboden der Fronde. H. von Gerlach untersucht in der„Welt am Montag" die Bedingungen, die es der Kanzlerfronde ermöglichen, den bestehenden sachlichen Gegensätzen eine vergiftende persönliche Spitze zu geben. Nach einer Schilderung der alldeutschen Treibereien schreibt er: „Demgegenüber bedeutet eS nur einen Kampf mit untaug- lichen Waffen, wenn gelegentlich der Reichskanzler sich ein paar seiner Feinde im Reichstage vorknöpft, oder wenn die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung", ungeschickt wie immer die Offiziös,, einmal polemisiert, oder wenn der Na- tionalauSschuß einige Paradeversammlungen abhält, oder wenn gar Herr Professor Veit Valentin sich mit kindlicher Naivität den intimsten Kanzlerfcinden gegenüber ausplaudert. Ach nein, mit all solchen Mittelchen liefert man ja nur Wasser auf die Mühle der Alldeutschen, die wieder einmal schwelge» dürfen in Tiradcn über„infame Treibereien" und alle« zur höheren Ehre ihre« Tirpitz ausschlachten. Manche Leute haben ja wohl den Krieg als„reinigendes Gewitter" bezeichnet. Mir scheint er mehr eine Atmosphäre von Stickluft hergestellt zu haben. Das freie Wort ist unterbunden. Deshalb hat die schleichende Verleumdung ein so breites Bett gewinnen können. Derselbe Belagerungszustand, der unbequeme und schädliche Kritik hintanhalten sollte, ist der fruchtbare Acker geworden, ans dem die schädlichste Kritik in der gemeingefährlichsten Frontsich so üppig entwickeln konnte. Das frei« Wort sollte wieder in die ihm ge- bührende Stelle eingesetzt werden. Die inneren Zustände sind fast unerträglich geworden. Die Regierung selbst leidet vielleicht am meisten darunter. Ist ihre Sache gut, so wird sie bei Freiheit der Kritik am besten fahren. Heute ist sie der Minierarbeit unterirdischer Gewalten fast schutzlos preisgegeben. Maulwürfe und Wühlmäuse setzt man matt, wenn man sie an das helle Tageslicht zwingt. Es ist Zeit, daß mit dem BelagerungSzn- stand ausgeräumt werde." Zur Affäre Costmann-Valentin. Der„Lokal-Anzeiger" veröffentlicht folgende Erklärung Prof. Valentins: „Zu dem Unbegreiflichen, � da? der Coßmannsche Ver- trauenSbruch für mich gebracht hat, ist jetzt das Unbegreiflichste gekommen: Ein Herr Heuß hat sich gemeldet, der, wenn man richtig versteht, auch das Märchen vom Diebstahl im Reichs- marineamt aus meinem Munde gehört haben will. Ich habe darauf nichts anderes zu erwidern, als was ich schon gesagt habe. So gern ich es unterlassen würde, in Erinnerung an die alte Bekanntschaft gegen Coßmann persönlich etwas vorzu- bringen— so möchte ich doch zur Kennzeichnung der geistigen Atmosphäre, aus der heraus der skandalöse VertraucnSbruch be- gangen worden ist, die folgenden Worte anführen, die mir Pro- fessor Erich MarckS unter dem 10. September geschrieben hat, Die Veröffentlichung geschieht mit seiner Erlaubnis. Professor Erich Marcks schreibt: München, den 19. September 101(3.� „Ich war bei Coßmann; er gibt zu, daß sein Vorgehen seinen menschlichen wie redaktionellen Pflichten durchaus ent- gegen sei; persönlicher noch nehme er es, im Gedanken an Ihren Vater, in Ihrem Falle. Aber die Lage sei derart, daß er die persönliche Pflicht zugunsten der höheren, sachlichen habe brechen müssen, ich habe ihm meine rückhaltlose Mißbilligung nicht ver- hehlt: Jakobinerlogik, die zur Rechtfertigung jeden politischen Verbrechens führt. Vcrtrauensbruch; er leugnet das nicht uicd zieht sich auf seinen Märtyrcrstandpunkt zurück. Ich bcdaurc, daß der Hergang auch meine Beziehungen zu ihm»otivendiger- weise abschneidet. Denn der— vielfältige— Ueberfall ans dem Hinterhalt ist doch sehr arg. Wahlloser Fanatismus! Er gab ihn zu. Ich habe ihm gesagt und wiederhole eS Ihnen: einer Erwäbnung nü der bon ihm behaupteten Acußerungen durch ihn in meinem Beisein, bei jenein Abendbesuche, erinnere ich mich schlechterdings nicht. Von einem„Diebstahl" wäre doch sicher etwas in meiner Erinnerung haften geblieben; ich habe aber, das ist wenigstens der Tatbestand, keinen Hauch von Erinnerung daran." Wie die„Deutsche Tageszeitung" meldet, hat Prof. Coßmann- München die Beleidigungsklage gegen Prof. Valentin an- gestrengt. Der Zeitungskrieg Cotzniann-Valentin dürfte also vor- läufig ein Ende nehmen. Eine Kateridee. Die„B e r l i n e r V o I k s z e i t u n g" hat den seltsamen Ein- fall, uns der„Fälschung" ihrer Aeutzerungen über die Reichskonfe- renz zu beschuldigen. Wie sich unsere Leser wohl entsinnen werden, nahmen wir am Eröffnungstage der Neichskonferenz unter anderem auch die Anmerkungen der„Berl. Boltsztg." unter die Lupe und zitierten bierbci die Sätze: „Für die Durchsetzung der so dringend notwendigen Neu- orientierung im Innern ist eine starke geschlossene Linke eine un- bedingte Voraussetzung. Gleichwohl mutz der Teil der Linken scharfe Bekämpfung erfahren, der, wie jetzt die Sozialdemokratische Arbeitsgemein- schaft, die siegreiche Durchführung des Krieges gefährde t." 'An diese Aeußerung des„demokratischen" Blattes knüpften wir eine Parallele mit einer ähnlichen Auslassung der„parlamentari- scheu Seite" der„Post". Darüber ist nun die biedere„Volks- zeitung" höchlichst entrüstet und erklärt, wir hätten ihre Aeusterung „gefälscht", da wir die drei Anfangssätze und den Schlutzsatz des betreffenden Absatzes fortgelassen hätten. Sie habe, bemerkt die „Berl. VolkSztg.", nur von einem geistigen Kampfe gegen die Arbeitsgeniein schaft gesprochen; sie brauche ihre Leser nicht zu der- sichern, daß sie„nie für eine irgendwie geartete staatsbürgerliche Schlechterstellnng einer politischen Richtung je eingetreten" fei. Die gute„Volrszeitung"! Als ob die Empfehlung auch nur des„geisti- gen" 5ia»ipses gegen die Sozialdenioiratische Arbeitsgemeinschaft, die, wie die„Volkszeiiung" ausdrücklich bemerkte,„die siegreiche Durchführung des Krieges" gefährde, unter den obwaltenden Verhältnissen nicht gleichbedeutend ist mit den Be- trachtungeu der„Post" über den nicht-.geistigen" Kampf gegen die sozialdemokratische Minderheit! Wir glauben es gerne, daß die Festnagelung dieser eigenartigen Methode des„geistigen Kampfes" der„Verl. Volksztg." unangenehm ist. Die Sache wird aber um keinen Derit besser, daß sie jetzt in ihrer Verlegenheit zu dem Mätz- chen greift, wir hätten ihre ach so unschuldigen Aeußerungen„ge- fälscht"._. Z»sa»nme»kuuft deutscher und österreichischer Parlamentarier. Die„Deutschen Nachrichten" melden aus Salzburg: Zur Aussprache und gegenseitigen Aufklärung haben sich in Salzburg die reichsdcutschen Politiker Dr. Schiffer, Dr. Müller- e i n i n g e n, F r h r. v. Zedlitz, D. Naumann, Graf Westarp, W a l d st e i n, Dietrich, Dr. K e r s ch e n st e i n e r, Dr. Junck und Oeser, sowie österreichische Politiker, darunter .der Präsident des Abgeordnetenhauses Dr. Sylvester, der Ob- mann des Deutschen Natimialverbandes Dr. Groß und andere deutsch-österreichiiche Reichsrats- und Landtagsabgeordnete«in- gefunden. Tic Beratungen begannen am Sonnabend und wurden am Sonntag fortgesetzt. Den Vorsitz führten abwechselnd ein österreichischer und ein reichsdeutscher Abgeordneter. Die Besprechungen umfaßten eine ganze Reibe von Angelegenheiten der setzt im Kriege verbündeten Mächte. Der Inhalt der Beratungen selbst wurde aber für vertraulich erklärt. Die Beratungen werden ini Laufe des Winters fortgesetzt werden. Dr. Naumann hielt gestern einen Vortrag über das Thema:„Der Kampf um Mitteleuropa". Eine Ente. Vor einiger Zeit ist mit großem Eifer warnend darauf hin- gewiesen worden, daß feindliche Elemente versuchen würden, durch Anlegung von Bränden die Erntefrüchte, Scheunen, Mühlen usw. zu zerstören. Daß diese Behauptung mindestens eine große Ueber- treibnng war, geht au? den Darlegungen bervor, die der General- direktor der Magdburgischen Land-Feuer-Sozictät, v. Krosink, in der „Deutschen Tageszeitung" macht. Aus der von ihm veröffentlichten Statistik ergibt sich, daß die Zahl der Brände auf dem Lande gegen die Friedenszeit ganz erheblich abgenommen hat. Herr v. Krosigk sagt selbst: „Die Frage, ob Brände vorgekommen sind, deren Ursache auf Bewohner feindlicher Länder zurückzuführen ist, läßt sich dahin beantworten, daß wohl die Vermutung bestand, daß in einigen Fällen derartige Personen ihre Hand im Spiele hatten, daß ober lein Fall bestimml ermittelt werde» konnte. Aber auch in diesen Fällen wurde eher«ine Fahrlässigkeit(Rauchen) als absichtliche Brandstiftung angenommen." Es war von vornherein nicht recht wahrscheinlich, daß die Gegner zu solchen Mitteln ihre Zuflucht nehmen würden, schon deshalb, weil die Angehörigen' feindlicher Staaten, die sich in Deutschland noch aufhalten, einer außerordentlich strengen persönlichen Kontrolle unterworfen sind._ Keine Kohlenbeschlagnahme. Neuerdings werden Gerüchte über eine demnächst zu erwartende Beschlagnahme der Rohlcnbcstände verbreitet. Wie dein„Berliner Lokal-Anz." von allen in Betracht kommenden amtlichen Stellen mit- geteilt wird, sind diese Gerüchte aus der Luft gegriffen. Sie sind offenbar zu spekulativen Zwecken in die Well gesetzt worden. Daher mögen die zuständigen Reichsstellen rechtzeitig Vorbeugungsmaßnahmen treffen, um die Aermsten nicht noch unter Kohlenwucher- preisen leiden zu lassen._ Landcsverratsprozest. Vor dem außerordentlichen Kriegsgenclii in Kiel wurden am t8. September wegen Landesverrats die Witwe Handl und ihre Tochter Erna zu je fünfzehn Jahren Zuchthaus, ihre zweite, erst vierzehn Jahre alte Tochter zu einem Jahre Festungshaft verurteilt. Die Verhandlung fand, wie dem„Berl. Lolalanzciger" berichtet wird, unter Ausschluß der Oeffentlichkerl statt. Das tägliche örot. Tie„Tchuld" der Sozialdemokratie. Von sozialdemokratischer Seite ist längst mit allem Nach- druck darauf hingewiesen worden, daß auch nicht ein Körnchen Getreide zu Branntwein verarbeitet werden darf. Die agrarische Presse hat sich lebhaft dagegen gewandt, und als den sozialdemokratischen Wünschen schließlich Rechnung ge- tragen werden mußte, hat es an hämischen Bemerkungen der verschiedensten Art nicht gefehlt. Die„Mitteilungen aus der konservativen Partei" glauben nun konstatieren zu sollen: „Da der„Vorwärts" und die Sozialdemokratie mit ihrer Gefolgschaft es glücklich durchgesetzt haben, daß' den Getreide- breunereien kein"Roggen mehr zur Fortführung ihrer Betrieb- gegeben wird, obwobl die Getreidsschlempe als ein wertvolles Futtermittel für Milchkühe gilt, so ist es notwendig, die Forde- ruugen dieser Kreise, baß keine gesunden Kartoffeln mehr in die Brennereien gehen sollen, au der Hand der Tatsacheit einmal näher zu beleuchten, nämlich, welche Bedeutung unser Brennerei- gewerbe gerade setzt in der Kriegszeit hat." Das erwähnte konservative Organ gibt dann einen Artikel aus der„Zeitschrift für Spiritusinduftrie" wieder, der bereits die Runde durch die Presse gemacht hat. aus den des- halb hier nicht näher eingegangen zu werden braucht. GS darf aber auch konstatiert werden, daß die Sozialdemokratie mit Vergnügen bereit ist, die„Schuld" auf sich zu nehmen, deren sie hier von den agrar-konservativen Spiritusintcrcssenten geziehen wird. Ter Deutsche Landwirtschaftsrat gegen das Kriegs- ernährungsamt. Am 21. September hat sich der Deutsche Landwirtschaftsrat mit den amtlichen Maßnahmen zur Sicherung der Volksernährung be- schäftigt. Das Ergebnis der Veratungen waren Beschlüsse, die einen Vorstoß gegen die Lebensmittelpolitik des Kriegsernährungsamts be- beuten. In dem allgemeinen Teile der Beschlüffe heißt es nach der „Tägl. Rundschau"; 1. ES muß erklärt werden, daß die wirtschaftlichen Maßnahmen des zurückliegenden zweiten Kriegsjahres den Aufgaben der Volks- ernährung nicht in allen Teilen gerecht geworden sind, und daß eine Besserung in denselben einzutreten hätte, wenn noch für eine längere Frist die Volksernährung aus den allein maßgebenden Quellen in- ländischcr ProduklionSkraft sichergestellt werden soll. 2. Wenn auch in Einzelfragen eine wesentliche Bcfferung neuer- dings anerkannt werden muß, so erfüllt eS dennoch mit den größten Sorgen für den weiteren Verlaus der Beschaffung von Nahrungs- mittein. daß mehr denn je gegen daS naturgemäße allgemein verständliche Gebot verstoßen wird, die Produktionskraft und Produktions- sreudigkeit der allein zuverlässigen inländischen Nahrungsmittel- erzeugung zu erbalten, und daß in der großen Zahl der neuen Vcr- Ordnungen kein Wort der Fürsorge für die unerläßliche, allen übrigen Maßnahmen voranzustellende Produktion hervorgeht. 3. Die Gefahren für die Zukunft haben fich insbesondere nach zwei Richtungen zugespitzt: sortgesetzter Entzug mühsam erarbeiteter landwirtschaftlicher Betriebsmittel, ohne dabei die produitions! einschränkenden Folgen anzuerkennen oder zu fürchten; Belästigung und Verärgerung gerade auf denjenigen ProduktionSgebieten, die von dem Konsuni selbst als die ausschlaggebenden anerkannt worden sind. Hierzu gesellt sich noch eine unrationelle Verfügung über die Erntemengen. 4. Wesentliche Anordnungen über die Verwendungsart der noch vorhandenen Betriebsmittel find nicht sachgemäß. Dementsprechend kann mit denselben nicht ein Maximum an Leistung hervorgebracht werden. S. Mit der ernstesten Sorge derknnpft fich für die Führer der Landwirlschast die peinliche Beobachtung, daß die Autorität der re- gierungsseitigen Verordnungen auf dem Gebiet der Nahrungsmittel- fürsorge zusehends schwindet und daß die Unmöglichkeit einer ge- wissen Befolgung aller neu erlaffenen Verfügungen Uebertretungen in großer Zahl geradezu erzwingen wird. Im einzelnen fordern die Bestplüfie zur Hebung der Schweine- mast Heroufsetzung der Höchstpreise, Sonderprämien aus Reichs- und kommunalen Mitteln für hohe Ausnutzung des angelieferten Mastfutters bei Mastverträgen, Zuchtprämien für Schweinezüchter, freieste Eestaltuug der Erlaubnis zu Hausschlachtungen; zur Siche- rung der Speisefette Zuschüsse zu den Kosten für die Beschaffung frischmelkender Kühe seitens des Reichs und der großstädtischen Kommunen; Wiedereinführung deS Kartoffelhandels; längere Gültigkeitsdauer der Fr�ihdruschprämien, beffere Organisation der in den städtischen Konsumzentren zu gewinnenden Futtermcngen und Erweiterung der Stickstoffherstellung. Die Volksvertreter werden demnächst im Reichstage den Agrariern die richtige Antwort geben. Vorschüsse für Reichsbcamten und Arbeiter. Nach einer Mitteilung der„Kreuz-Zeitung" ist angeordnet worden, baß den Reichsbeaintcn und den im Reichsdienst ständig beschästigten Arbeitern zur Beschaffung eines Winlervorrats an Kartoffeln u n d H e i z m a t e r i a l auf Antrag ein Gehalts- bezio. Lohnvorschuß gewährt wird. Ueberjlcht der vom 1. Oktober 1916 ab im Postverkehr mit Oesterreich- Ungarn und Bosnien-Herzegowina geltenden Gebührensätze. Briefe bis 20 Gramm 16 Pf., für jede weiteren 20 Gramm 6 Pf. (kein Meistgewichl). Postkarten emfache oder jeder Teil einer Postkarte mit Antwort Pf. Drucksachen bis 30 Gramm 3 Pf., über 50—100 Gramm 5 Pf., für jede weiteren 100 Gramm 6 Pf.(Meistgewicht 2 Kilogramm). Warenproben je 50 Granim 6 Pf., mindestens 10 Pf.(Meistgewicht im Verkehr mit Oesterreicb und BoSnien-Herzegowina 500 Gramm, im Verkehr mit Ungarn 850 Gramm). Geschäftspapiere je 50 Gramm 5 Pst, mindestens 20 Pf.(Meistgewicht 2 Kilogramm). Einschreibscndtuige« müssen vom Absender Einschreibpakele nicht zugelassen. Die Gebühr für einen PostansiragSbrief einen Einschreibbrief von gleichem Gewichte. Wertsendungen. Gebühr ist vom Absender im voraus zu entrichten. Die Gebühr für Wert bliese setzt sich zusammen aus: a) Gebühr für einen Einschreibbrief von gleichem Gewicht, d) Ver- sicheruiigsgcbühr von 8 Pf. für je 240 M. oder einen Teil dieser Summe. Die Versicherungsgebühr wird e. F. aus eine durch 5 teilbare Zahl aufwärts abgerundet.— Gcsamtgebühr für einen Werlbrief inindestens 60 Pf. Für Wert pakete ist außer dem Pakctporto dieselbe Ver- sicherungsgcbübr zu entrichten wie für Briefe mit Wertangabe. Nachnahmen.' Außer den Gebühren für eine gleichartige Sendung ohne Nachnahme.— Einschreibbriefsendung, Wertbrief oder Paket- Vorzetgegebllhr von 10 Pf. Postanwcisliiigeii. 20 Pf. für je 40 M. oder einen Teil davon. Pakete. Postpakete bis 5 Kilogramm, Postsrachtstücke über 5 bis 20 Kilogramm. Sowohl Postpakete wie Postfrachtstücke müssen vom Absender freigemacht werden. Höhe der Wertangabe nicht beschränkt. Dringende Pakete nur nach Oesterreich zugelassen, be- sondere Gebühr 1 M. freigemacht werden. ist dieselbe wie für Kilo- gramm bis 5 einschl. über 5-ö „ 6-7 . 7-8 . S-9 . 9-10 , 10-11 . 11-12 . 12-13 . 13-14 . 14-13 . 15-1« . 16-17 „ 17-16 . 18-19 , 19-20) nach Oesterreich, nach Ungmm und Bosnien-Herzegowina über Oesterreich, nach Bosnien-Herze- gowina über Oester- reich und Ungarn, wenn die deutsche Befördcrungsstrecke mnsaßt ZoncZonc Zone Zone 1 U.2l 3i4i5 M. z M.! M.! M. 0,60 1,40 1,50 1,60 4.7» 1,80 2,30 2,40 2,50 2,60 2,70 3,20 3.3» 3,40 3,50 3,60 0,60; 1,50 1,70 1,90 2,10 230 2,90 3,10 3,3»; 3,50 3,701 4,30 4,50 4.70 4,90; 0,60' 0,60 1,60! 1,70 1,90 2,10 2,20 2,50 SM 2,»0 2,3»! 3,30 ,90 3,80) 4.1» 4,40 4,70 4,1» 4,5« 4,»» 5,30 5,70 5,40 6,50 5,70 6,90 6,— 7,30 6,30 7,79 5,191 SM 8,19 ZonclZoncPonejZonc 1 u.2l 3 4 1 5 M, M,! M, M, 0,80 2,20 2,30 2.4» 2,50 2,69 3,90 4,— 4,1» 4,20 4,30 5,60 5,70 5,60 5,90 6- 0,80 2,30 2,50 2,70 »00 3,1» *50 iJO 4,9« 5,10 5,30 6,70 «,90 7,10 7,30 7,50 0,80 2,40 2,70 3,— 3Z» 3,«» 5,10 5,40 5,7» 6— 6,30 7,80 8,10 0,80 2,50 2,90 3,30 3,7« 4,10 5,70 6,10 «,5» 6,90 7,30 8,90 9,30 8,40 9,70 8,70 10,10 9,-119,50 Zone 1 u.2 M, Zone Zone 3 j 4 M,! M. Zon e 5 M, 2.90; 3,— 3,10i 3,2« 4,90 1 5,-1 »,10 5,20 5,30 7,— 7,10 7,20 7,30 7,401 1,— 2,90 3,10 3,30 3,50 3,7« 5,5» 5,7« 5,90 6,10 6,30 8,10 8,30 ,8,50 8,70 8,90)10, 3.30 3,50 1, 3,10 3,60 3,90 4,20 6,10 6,40 6,70 7— 7,30 9,20 10,30 9,50; 10,70 Ü,80ill,10 10,10 11,50 ").40lll,9e 3,90 4,30 4,70 6,70 7,10 7.5» 7,90 8,-0 Das Wiener K, K. Telegraphen-Korr.-Bureau teilt zu diesen Tarifveränderungcn mit: Am 1. Oktober 1916 treten die angekündigten Tarifver- änderungen auf dem Gebiete des Post- und Tele- graphenwesens in Kraft. Von ausschlaggebender Bedeutung für den Umfang dieser Neuregelung war insbesondere die am 1. August in Wirksamkeit getretene Erhöhung der Post- und Tele- graphengebühren im Deutschen Reiche. Für die Verhandlungen, welche zwischen der österreichischen, der ungarischen, der bosnischen und der deutschen Postverwaltung diesbezüglich geführt wurden, war einerseits die durch die innerdeutschen Tariferhöhungen ge- schassen« Sachlage, andererseits die Notwendigkeit maßgebend, zwecks Deckung der Zinsenlast, der Kriegsanleihen eine wesentliche Erhöhung des Erträgnisses des Post- und Telegraphenwesens her- beizusühren. Hierbei wurde an einem einheitlichen Tarisgebiet wenigstens für den österreichischen Post- und Telegraphenverkehr im wesentlichen festgehalten. Tie gleichen Tarife, welche ab 1. Ok- tobcr im innerösterreichischcn Vcrlchre gelten sollen, werden auch im wesentlichen im Verkehr mit Ungarn, Bosnien und dem Deut- scheu Reiche gelten. Gleichzeitig wurde eine einheitliche österreichische Postordnung geschaffen, welche eine erschöpfende Zusammenstellung der geltenden Vorschriften enthält. Tie wesentlichsten Gebühren- imderungen sind: Gebühr für Briese bis 20 Gramm 15 Heller, mit Steigerung von 5 Hellern für je 20 Gramm. Für Postkarten mit ein- gedruckten Postwertzeichen beträgt die Gebühr 8 Heller, in allen übrigen Fällen wie im gesamten autzerdeutschen Auslandverkehre 10 Heller. Bei Drucksachen beträgt die Gebühr 3 Heller für je 50 Gramm, unter Einführung einer besonderen Eilmarke von 2 Heller ohne Unterschied des Gewichts fitr beschleunigte Beförderung. Die Gebühren für Postanweisungen betragen im inländischen sowie im Verkehre mit Ungarn und Bosnien für Beträge bis 50 Kronen 20 Heller, darüber hinaus für je weitere 50 Kronen 5 Heller mehr. Im Verkehre mit Teutschland gelten die Gebührensätze des Welt- postvereins. Tie Gcbührenerhöbung des Telcgraphenwcsens be- steht in einer Erhöhung der Wortgebühr auf 8 Heller unter Fest- setzung einer Mindcstgebühr von einer Krone für ein Telegramm, einheitlich geltend für den inncrösterrcichischen Verkehr sowie den Verkehr nach Ungarn, Bosnien und Deutschland. Das finanzielle Erträgnis wird unter Voraussetzung normalen Friedensverkehrs auf rund 90 Millionen Kronen jährlich veranschlagt. Mus Groß-Serlin. Ein �nschaffungsamt üer Staüt öerlin. Schon seit Jahren ist innerhalb der Berliner Stadtvcr- waltung immer mehr die Notwendigkeit erkannt worden, Sorge zu tragen für eine möglichst einheitliche An- schaffung des in größerer Menge erforder- lichen gleichartigen Bedarfs der verschieHb- nen Verwaltungen. Der bisherige Zustand, bei dem jede dieser Verwaltungen nach eigenen Grundsätzen und nach eigenen mehr oder weniger guten Erfahrungen vorgeht, hat zu Unzuträglichkcrten geführt. Feststellungen der von den einzelnen Verwaltungen gezahlten Preise der üblichsten Ver- brauchsgegenstände haben ergeben, daß zur Befriedigung an» nähernd gleicher Bedürfnisse ganz außerordentlich ungleiche, bis zu äst und 75 Prozent abweichende Beträge aufgewendet worden waren. Auch hat sich eine übergroße Buntscheckig- keit der für fast den gleichen Gegenstand seitens verschiedener Verwaltungen gestellten Anforderungen gezeigt, während man mit einem oder zwei Mustern sehr wohl hätte auskommen können. Der Wunsch, das Anschaffungsverfahren zu verein- fachen und auch günstigere Preise zu erzielen, ließ den Go- danken einer Zentralisierung der Anschaffungen entstehen. Der Magistrat will jetzt ein A n s ch a s f u n g s a m t ein- richten, das über ein besonders vorgebildetes sachkundiges Personal verfügen würde und die besten Bezugsquellen aus- zusuchen hätte. Ein eigenes Anlieserungslager zu erbauen, ist einstweilen nicht beabsichtigt, vielmehr sollen bis auf weiteres Lager- und Burcauräume des Westhafcns benutzt werden. Das Anschafftmgsamt soll arbeiten unter einer� An- s ch a f f u n g s d e p u t a t io n, die sich aus Magistrats- Mitgliedern, Stadtverordneten und Bürgerdeputierten zu- sammensetzt und jeweils für die einzelnen Bedarfsgruppen besondere Fachausschüsse aus ihren Mitgliedern bildet. Verteuerung auch der Krankenhauöpflcge. Wo alles teurer wird, wollen auch die öffentlichen Kranken- hänier nicht zurückbleiben. Geklagt halten sie schon lange, daß ihr bisheriger Kurkosteniatz nicht die eigenen Aufwendungen deckte. Nachdem bereits vor einigen Monaten in der Umgebung Berlins mehrere Gemeinde- und Kreis-Krankenhäuser den Kurkostensatz er« höht haben, will jetzt Berlin folgen. Der Magistrat ersucht die Stadtverordneten um ihre Zustimmung, daß in den Krankenhäusern der Stadt vom I.Oktober dieses Jahres ab für in Berlin wohnende Kranke 4,00 Mark, für außerhalb Ber- lins wohnende Kranke 4,50 Mark pro Tag erhoben werden soll. Gegenüber dem bisberigen Kostensatz, der seit 1909 für Berliner 3,00 M., für Nicht-Berliner 3.50 M. war, bedeutet der vorgeschlagene neue Satz eine durchgängige Erhöhung um 1 M. pro Tag. Die dem Magistratsantrag beigegcbene Begründung weist darauf hin, daß die Stadt für ihre Krankenhäuser beträchtliche Zu- schnffe leisten muß. Schon bei der Beratung deS Stadthaushallsetats für 1914 erklärte der Kämmerer, daß es so nicht weiter gehen dürfe. Der Plan einer Erhöhung des Kurkostensatzes wurde, als der Krieg ausbrach, zunächst beiseite gelegt. Inzwischen haben einige Vorortgemeinden und besonders die Vorstände von in Berlin ge- legenen Stifts- und Privatkraitkenhäusern den Berliner Magistrat immer dringender ersucht, die Kurkostcnsätze in den Kranken» Häusern der' Stadt Berlin zu erhöhen. Was ging sie das Krankcnhauswesen der Stadt Berlin an? Bei den Privatkranken- Häusern begreift man, daß ihnen die Hinaufschraubung ihrer Kosten- sätze erleichtert wird, wenn die Gemeindebehörden mit schlechtem Bei- spiel vorangehen. Warum aber wünschten die Vorortgemeinden, daß Berlin in dieser nicht rühmlichen Angelegenheit die Führung über- nähme? Einige haben gar nicht so lange gewartet, sondern sind selber vorangegangen. Die Gemeinden Neukölln und Lichtenberg und mit ihnen die Verwaltungen von Berliner Stists-Krankenbäusern haben erklärt, daß sie dem Borgehen Berlins sogleich folgen werden. Auch die staatlichen Krankenhäuser wollen die Erhöhung so mitmachen, wie sie in den Krankenhäusern der Stadt zustande kommt. Bedenken gegen die Erhöhung hat der Berliner Magistrat nicht. Für die S e I b st z a h I e r würde, sagt er, die Verpflegung in der eigenen Wohnung infolge der Arzt- und Apothekerkosten immer noch teurer sein als die Krankenhauspflege zu dem erhöhten Satz. Bei den Krankenkassen seien zurzeit die Vermögensverhält- nisse durchweg gut, und jedenfalls werde die Erhöhung des Kurkostensatzes sie nicht zur Erhöhung der Mitglieder« beitrüge nötigen. Nur für Kinder bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres soll an dem bisherigen Kostenansatz weiter fest- gehalten werden. Der Magistrat begründet das mit der.Sorge für gesunden Nachwuchs", die„hinfort eine besondere vaterländisch« Pflicht bilden" werde. Diese Ausnahme soll offenbar den Pia» einer Verteuerung der KranIenhauZpflege annehmbarer machen. Ter Magistrat wünscht ferner, da st, wie seit dem vorigen Jahr bei Diph- therickrauien, tünsüg auch bei an Scharlach, Maiern oder Keuch- husten crkranklen Kindern die Ausnahme sofort erfolgt und über die Kostenfrage erst nachher entschieden wird. Er begründet dies damit, dast bei ansteckenden Krankheiten eS zur Verhütung der Weiler- Verbreitung sehr auf frühzeitige sachgcmäste Behandlung und Jsolie- rung ankommt. Das ist in der ganzen Vorlage die einzige Stelle, wo man merkt, dast der Magistrat in den Krankenhäusern der Stadt so etwa; wie eine Einrichtung zum Wohle der Gesamt- heit steht. Ueber seine Vorlage werden die Stadtverordneten in ihrer nächsten Sitzung sich äustern. Tie Milchkartcn für den Monat Oktober d. I. gelangen in den nächsten Tagen zur Ausgabe. Tie einzelnen Genieinden werden, da die Ausgabe verschieden gehandhabt wird, die für ihren Bezirk gül- tigcn Bestimmungen bekanntgeben. In Berlin beginnt die Ausgabe am Montag, den 25. September 19l6. Tie Haushaltungsvorstände oder deren Beauftragte haben die Milchkarten, die ihnen für September zugeteilt sind, vorzuzeigen. Die Brotlommisston wird diese mir einem Stempel versehen, worauf die Milchkarten für den Monat Oktober ausgehändigt werden. Haushaltungsvorstände, die um- gezogen sind, haben sich ihre Milchkarten in derjenigen Brotkommission abzuholen, welche für ihre neue Wohnung zuständig ist. Wollen die Haushaliungsvorstände infoige des Umzuges ihre Milch von einem anderen Kleinhändler beziehen, als demjenigen, bei welchem sie ein- gelragen sind, so haben sie der Milchversorgungsstelle Grost-Bcrlin, Poststr. 13 H, ihre alte und neue Wohnung, sowie den Klein- Händler, bei welchem sie bisher angemeldet waren, und jchliestlich den Kleinhändler mitzuteilen, von welchem sie nunmehr ihre Milch beziehen wollen. Die Milchversorgungsstelle Grost-Berlin, in deren Händen sich die Kundenlisten der Kleinhändler zurzeit noch be- finden, wird die Umschreibung vornehmen. Im übrigen ist eine Anmeldung für alle diejenigen, die schon angemeldet sind, nicht erforderlich. Ten Kranken gehen die Oktober-Milchkarten von der Zentral- stelle für Krankenernährung unmittelbar zu. Verziehende, Neuanziehendc und Buttcrvcrsorgung. Mit Rücksicht auf den bevorstehenden Umzugstermin am lt. Oktober 1916 hat die Buttcrversorgnngsstelle Grost-Berlin folgende Vorschriften über die Umschreibung von Kunden von eineni Buttergeschäft in das andere getroffen. Erforderlich ist eine Abmeldung in dem bisherigen Gs- schäft und eine Neuanmeldung in dem neuen Geschäft, in dem die Butter nach dem Umzüge gekaust werden soll. Ueber die Abmeldung ist von dem alten Geschäft eine Bescheinigung auszustellen, die in dem neuen Geschäft abzugeben ist. Auf Grund dieser Bescheinigung erfolgt dann die Eintragung in die Kundenliste des neuen Geschäfts. Von der auf die Um- Meldung folgenden Woche ab kann in dem neuen Geschäft die Butter bezogen werden. Ferner hat die Butterversorgungsstelle Grost-Berlin den Kreis der Geschäfte erweitert, bei denen Neuanziehende und Urlauber nachträglich ihren Butterbezug anmelden können. Bisher waren dafür nur die Filialen dreier Firmen be- stimmt. Nunmehr find die folgenden Firmen dazu ermächtigt: I. F. Astmann, NO. 18, Landsberger Allee Gebr. Ganse, C. 2, Brüderstr. 7; I. Gusowski, C. 25, Kaiserstr. 8; Gebr. Lehmann, NW. 6, Marienstr. 1; Franz Neichsner, Friedenau, Rheinstr. 23; Otto Reichelt, NO. 43, Neue König- straste 37: Sallentin it. Co., NO. 43, Neue Königstr. 65/66; C. F. Wienstruck, SW. lll, Leipziger Straste 82; Vereinigte Pommerschc Meiereien, E. 2, Tircksenstr. 26/27; Fritz Bartz, O. 34, Brombergcr Straste 1; Otto Dünkler, N. 39, Müller- straste 12n: Karl Franke, N. 31, Brnnnenstr. 131; Gebr. Groh, SO. 16, Schmiöstr. 5; August Holtz, ZL 31, Brunnenstr. 102; Interessengemeinschaft Märkischer Milchproduzenteu, N. 54, Zehdenicker Str. 10; I. Landau. N. 24, Elsasser Str. 8; Lange u. Eteffcn, O. 34, Memeler Str. 76: Gebr. Manns, S. 61, Gneisenaustraste 43; Fritz Muth, Neukölln, Pamüer- straste 16; Schimmel Nach f., C. 54, Linieustr. 65; Schmidt Söhne, Neukölln, Mainzer Str. 45; Konsumgenossenschaft, Berlin-Lichtenberg, Rittergutsstr. 17— 26. Tie betreffenden Geschäfte sind durch ein Plakat im Schaufenster gekennzeichnet. Musterung der D. U. zweiten Aufgebots. Durch eine Verfügung des 51riegsmlnifters ist jetzt die Musie- rung des Jahrganges 18S8 sowie die der dauernd unsähigeli Mann- schoflen der Jahrgänge 1870 bis 1875 die nach dein 8. Sep- lember 1870 geboren sind, angeordnet worden. Es gehören dazu sämtliche unauSgebildeten Mannschaften dieser Jahrgänge, die im Frieden die Eiilichciduiig dauernd untauglich erhalten haben, und diejenigen, die als Laiidsturinpflichnge derselben Jahrgänge während des Krieges ebenfalls die Entscheidung D. U. erhalten haben. In einzelnen Erotz-Berliner Gemeinden sind die Miisterungstcrmine be- reils angesetzr worden. Ungültige Stcuer-Einspruchsbcscheide. Nach der Judi- katur � des Oberverwaltungsgerichts sind in Städten mit Magistratsverfassung die Bescheide ans Einsprüche in Steuer- sachen nur gültig, wenn sie auf einem Beschlüsse entweder des Magistratskolleginms oder dem einer ständigen, nach den Bestimmungen_ der Städteordnung gebildeten Deputation (Steuerdeputation) beruhen. Die Richtigkeit dieser Auffassung wurde in einem Rechtsstreit Schweriner wider Magistrat von Berlin angezweifelt. Es wurde darauf verwiesen, dast im Jahre 1915 in Berlin 7000 Einsprüche in Steuersachen eingegangen sind. Wenn die Steucrdeputation sie durch Deputationsbeschlüsse erledigen sollte, dann käme auf jede Sitzung die Bescheidung von 100 Einsprüchen. Tie Forderung nach einem kollegialen Bc'chlust der Deputation würde uner- füllbar, wenn nicht der Beschlust zum Scheinbeschlust herab- sinken solle. Das Oberverwaltungsgericht blieb aber, unter Bezug- nähme aus die gesetzlichen Vorschriften und den Charakter der Einspruchsbescheide, bei seiner oben mitgeteilten Judi- katur und setzte in der erwähnten Streitsache, bei der es sich um 68 000 M. Wertzuwachssteuer handelte, den den Einspruch des Klägers abweisenden Bescheid auster Kraft. Den Bescheid hatte nämlich nur der Vorsitzende der Steuerdeputation, unter Hinzuziehung ihres juristischen Mitgliedes, erlassen; er be- ruhte also nicht auf einem kollegialen Deputationsbeschlust. Hinsichtlich der Schwierigkeiten verwies das Gericht daraus, dast nichts im Wege stehe, die Deputation zu teilen bzw. sie noch weiter zu teilen, sofern sie schon geteilt sei. In der fraglichen Streitsache wurde dem Magistrat an- heimgestellt, nunmehr einen ordnungsmästigen Einspruchs- bescheid herbeizuführen. Zur �rauenkonfcrenz. Zu der VcröffenlUchung der Forderungen, die im Juteresie der arbeitenden Frauen von der Berliner Frauenlonferenz erhoben wurden, sind noch nachzutragen folgende an die Gemeinden zu- stellenden Forderungen: Zur Entlastung der Frau. 1. Gründliche Wohnungsresorm, die nicht nur hygienisch ein- wandsreie Wohnungen sdbaffr, sondern diese auch ausstaliei mit allen hauswirrschafilich-technischen Fortschritten der Neuzeit. 2. Errichtung kommunaler Speisehäuser, in denen zum Selbst- kostenprcis eine abwechslungsreiche, nahrhafle Kost verabreichr wird, auch zur Mitnahme in die Wohnung. 3. Errichtung kommunaler Waschanstalten. Arbeiterbildungsschule. Der am Donnerstag, den 28. September, abends 8% Uhr, im Hörsäle der Schule statt- findende wissenschaftliche Einzelvortrag ist dem Gedächtnis des am 26. Septeiicker 1915 verstorbenen eng- tischen Arbeiterführers K e i r H a r d i e gewidmet. Genosse Eduard Bernstein wird über das Leben und Wirken Keir Hardies sprechen. * ♦ * Mit diesem Vortrage haben die Veranstaltungen des Sommerhalbjahres ihr Ende erreicht. Am 17. Ottober wer- den die regelrechten Schulkurse beginnen, über die Näheres noch bekanntgegeben wird. Für die kommenden Sonntag- a b e n d e sind wieder Vortragszyklen aus dem Gebiete der bildenden Kunst, der Literatur und der Musik vorgesehen. So beginnt am Sonntag, den 1. Oktober eine vier Abende umfassende Vortragsserie über das Thema: „Die Blütezeit der deutschen Kun st." Vortra- gender ist Herr Dr. Bernouilli, Assistent an den Königs- berger Museen, der seine Ausführungen mit eigenen Lichtbildern erläutern wird. Die Vorträge werden besonders die Meisterwerke des Kaiser-Friedrich-Museums berücksichtigen. Der 1. Vortrag am 1. Oktober wird besonders behandeln: Deutschlands Sfttrm- und Drangzeit im 15. und im An- sang des 16. Jahrhunderts. Niederschlag des sozialen und geistigen Ringens in der zeitgenössischen Kunst. Deutschlands Kulturzentren: Tie Hauptstädte, die Universitäts- und Hau- delsstädte im Süden. Kirche und Bürgertum. Für den 2. Vortrag am 8. Oktober wird daS Thema lauten: Die kirchliche Kunst, ihre Aufgaben und ihre Wandlung. Der 3. Vortrag am 15. Oktober wird das Bürgerhaus und seine Ausstattung als Kunstwerk vorführen. Der 4. Vortrag am 22. Oktober wird das Thema be- handeln: Die deutsche Frührenaissance in ihrem Verhältnis zu Italien. Die Vorträge beginnen abends 8 Uhr. Eintrittspreis 10 Pfennig._ Keine Zeugin—? Im Handel mit Lebensmitteln können die Verstötze gegen die Vorschriften nicht bekämpft werden, wenn nicht die Käufer selber den zuständigen Behörden die erforderlichen Hinweise geben. Kürz- lich zeigten wir an einem Fall, wie die Berliner Fleisch- verteilungs stelle diese so oft für wünschenswert und not- wendig erklärte Mitwirkung dem Publikum erschwert. Nach einer an die Fleischverteilungsstclle gerichteten Anzeige gegen ein Schlächiereigeschäst, die durch Nennung mehrerer Zeuginnen unter- stützt war, erlebte es der Absender der Anzeige, dast der Ge- schästsinhaber ihn vor den Schiedsmann forderte. Dem Geschäfts« inhaber wurde das dadurch möglich, datz die Fleischverteilungsstelle ibm den Absender nannte, obwohl die Preisgabe seines Namens für den Gang der Untersuchung gar nicht nötig war. Wieder aus dem Arbeitsgebiet der Fleischverteilungsstelle erfahren wir einen anderen Fall, der uns nicht minder unverständlich erscheint. Gegen ein grotzes Geschäft erstattete eive Frau die Anzeige, datz sie in der Abteilung für Fleischverkauf Uebervorteilungen der Käufer be- obachlet habe. Man habe ihr dorr, als sie Fett sorderte und Rückenfett erwartete, die von dem frischen Schweineschiuken ab- geschälte Fettschicht verkaust und den Preis für Rückenfett genommen, der ja höher ist. Zur Prüfung dieser Angaben erschien bei der Frau eine Rechercheurin, die ihr dann erzählte, datz sie dem Geschäft bereits die Beschuldigungen mitgeteilt habe. Sie be- dauerte, datz nicht noch mebr Zeuginnen zu baben seien, und er- klärte, datz man daher gegen das Gelwüst— so verstand die Frau — nicht vorgehen könne. Ja, hätte denn nicht die eine Zeugin, von der die Anzeige herrührte, zur to eiteren Verfolgung der Sache genügt? An Käufe- rinnen, denen eS ebenso wie ihr ergangen war, fehlte es nicht; nur hatte sie begreiflicherweise nicht daran gedacht, datz sie allein nicht Zeugin genug sein würde. Für die sich übervorteilt fühlend Käuferin ist es ein magerer Trost, datz die recherchierende Dame ihr sagte, dem Geschäft sei wenigstens eine scharfe Warnung erteilt worden! Die Warnung scheint allerdings geholfen zu haben: denn dieselbe Käuferin hat seitdem nicht mehr bemerkt, datz jene Uebervorteilungen sich wiederholt hätten. Erlaubnis zum Eierhandcl. Ter ArbeitsauSschutz der Preisprüfungsstelle Grotz-Berlin als Unterverteilungsstelle für Eier erlätzt eine Bekanntmachung, durch die, nachdem das Polizeipräsidium sein Einverständnis erklärt hat, diesem übertragen wird, die Erteilung oder Versagung der Erlaubnis an Händler zum gewerbSmätzigen Erwerb von Eiern zur Weiter- veräutzeruug oder gewerblichen Verarbeitung oder zur gewerbS- mätzigen Vermitlelung eines solchen Erwerbs. Alle Händler, die einer Ausweiskarte zum Eierbandel bedürfen, haben also ihre dahin- gehenden Anträge au daS hiesige Polizeipräsidium zu richten. Tödlicher Unstill eines Regiutentskoniiiiaildeurs. Sonnlag abend ist der Kommandeur des Füsilierregimeniö Prinz Albrecht von Preutzen, Hannover. Oberst Freiherr von und zu der Tann, an der Ecke der Königin-Augusta- und Bendlerstratze durch einen Kraftwagen über- fahren, mit doppeltem Schädelbruch in das Elisabeth-KronkcnhauS gebracht worden und in der Nacht seinen Verletzungen erlegen. Tie Sclbstmordchronik ist in den letzten Tagen stark bereichert worden. Ein Hausmädchen Frida Pallas wurde vergiftet in einem Hotel in der Borsigstratze tot aufgefunden. Mit Gas vergiftet hat sich ein 17 jähriges Mädchen aus der Steiumetzstratze, das in einem Zeitungskiosk in der Winteri'eldlstratze tätig war. Weil ihr an ihrer Kaste 50 Mark fehlten, für die es keine Erklärung hatte, machte das junge Mädchen ihrem Leben ein Ende.— In dem Hause Steinmetz- stratze 07 in Neukölln wurden am Sonnabend der 67 jährige Theodor Egeling und seine 74 Jahre alte Ebefrau I.'hanna lor aufgefunden. Im Wohnzimmer der im Hofgebäude gelegenen Wohnung war der GaShahn geöffnet und die allen Leute hallen, im Berte liegend, so den Tod gefunden. Sofort von Samaritern der Feuerwehr an- gestellte Wiederbelebungsversuche hatten keinen Erfolg. Auf dem Neuköllner Gemeindefriedhof in der Rudower Stratze hat der an schwerer Krankheit leidende 27 jährige Arbeiter Otto Nitzmann aus der Kirchhosstratze in Neukölln Selbstmord verübt, indem er sich vergiftete.— Aus dem Müggelsee gelandet wurde gestern nachmittag ein junger Mann in bürgerlicher Kleidung, in dem später ein Rekrut Wilhelm H. aus Berlin erkannt wurde. Man weiß noch nicht, ob er bei einer Bootsfahrt verunglückt, oder wie er sonst ins Wasser geraten ist.— Vom Steuererheber tot aufgefunden wurde gestern mitlag eine 46 Jahre alte Frau N. aus der Harzer Stratze in Neu- kölln. Als der Erheber kam, um die Steuern abzuholen, öffneten ihm auf sein Klingeln die kleinen Kinder und sagten:„Mutter schläft". Der Mann ging nun nach der Kücke, aus die die Kinder deuteten und fand die Frau nur wenig bekleidet tot auf dem Futz« boden liegen. Nach dem Befund, den die Kriminalpolizei ausnahm, ist sie wahrscheinlich an einem unerlaubten Eingriff von ihrer eigenen Hand gestorben. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Straßenbahnumlenkung. Wegen Bauarbeiten auf dem Mühlen- dämm zwischen Molkenmarkt und Köllnischer Fischmarki werden in den Nächten vom 27./28., 29./30. September und 2./3., 4./5. und 6./7. Oktober von 1 Uhr nachts ab die Linien 47, 48, 58, 64, 65, 67, 69, 71, 74, 99 über Jerusalmer Stratze. Werdcrscher Markt. Schlotz- platz, die Linien 77 und 78 über Markusstratze, Jannowitzbrücke, Köpenicker Stratze, Spittelmarkt umgeleitet. An den von der Um- lenkung betroffenen Haltestellen werden sich entsprechende Hinweise befinden._ Ms den Hemeinöen. Aus dem Steglitzer Gemeindeparlament. Die am Freitag nach einer Pause von zweieinhalb Monaten stattgcfundene Gemeindevertretcrsitzung stand im Zeichen der Be« ivilligungen und der Lebcnsmitieluot-Debatte. Angenommen wurde eine Vorlage, nach welcher die bisherigen Bezüge der im Felde stehenden Beamten, Lehrpersoncn und Arbeiter zunächst bis zum 3t. März nächsicu Jahres gesichert sind. Zustimmung fand die Erhöhung der Bädcrpreise im Stadlbad um 10 Proz. und eine solche für Aufnahme der industriellen Abwässer in dte Kanalisation um 50 Proz. Den Beamten, Angestellten, Lehrpersonen und Arbeitern der Gemeinde wurden weitere Kriegsteuerungszulagen bewilligt, wodurch die Mehrausgaben jährlich 2700 M. betragen. Bewilligt wurden ferner die Mittel für die Ausführung der Regenwasserleitung in der Schönhauser Stratze zioischen Berg- und Friedrichsruher Stratze in Höbe von 25 200 M. und die Anstellung eines Wärters � für den Wasserturm gegen eine Entschädigung von 1200 M. jährlich sowie freier Wohnung, Licht und Heizung. Dem Vaterlnndiscbcn Frauen« verein winden für Erweiterung der Krippe aus dem Kricgskredil« sonds 1500 M. gewährt, im kommenden Jahre sollen für diesen Zweck 3000 M. in den Etat eingestellt werden. Der Jagdvcrpachtung in Kleinziethen an den Gemeindevertreler Barseko w ab 1. April 1917 auf weitere sechs Jahre für den jährlichen Pachtzins von 1700 M. wurde zugestimmt. Nach Erledigung der reichhaltigen Tagesordnung protestierte Genosse L e i m b a ch gegen die überaus ungenügende Lebensmittel- Versorgung. Es sei überhaupt hier nichts zu baben, und er wisse wirklich nicht, von was die Bürgerschasl lebt. Redner interpellierte den Bürgermeister darüber, was er zu tun gedenke, um diesem un- haltbaren Zustande endlich ein Ende zu bereiten. Weiterhin führte Genosse L e i m b a ch Klage über die Wucherpreise, das Fehlen der Kontrolle derselben, die mangelhafte Auskunft im Ralhause, die ärztliche Versorgung der Kriegersrauen und deren Kinder; ferner, datz bezüglich der Bestandsatifnahme der Lebensmittel keine Unter» stichiingeu vorgenommen wurden, die Orlspresse nicht häufiger zur Orientierung der Bürgerschaft benutzt wird und datz in der Tagung der Sitzungen so lange Pausen gemacht werden. Bürgermeister B u h r o v erklärte, datz die Verwaltung betreffs der Lebensmittelversorgung alles tue, was in ihren Kräften stehe; die Schuld liege jedoch auf anderer Seite. Weiter hierauf einzugehen, halte er im vaterländischen Interesse nicht für angebracht. Gemeinde- Vertreter G ä d k e bemerkte, datz über die Lebensmittelnot laut und öffentlich Klage geführt werden müsse. Zum Schlutz gelangte noch die Haltestellenangelegenheit der Elektrischen zur Sprache, worüber wir bereits in der Sonntagsnummer berichteten. Die Gemeindevertretung in Adlershof beschloß in ihrer letzten Sitzung, den Gemeindevorsteher Dr. Spor- leder als stellvertretenden Amisvorsiehcr für den Amtsbezirk Alt- Glienicke vorzuschlagen. In den Lebensmittelausschutz wurden zur Verstärkung Herr Luft, Mietke und Büttuer gewählt, auch sollen in Zukunft Fachleute mit Sitz und Stimme zugezogen werden. Als Vertreter für Müller wurde Genosse Bültner in den Bauausschutz gewählt. An Stelle Schönfelds wurde für den KriegSausschutz der Schriftsetzer Glab bestätigt. Der Erhöhung der Mitgliederzahl zum Schulvorstand der höheren Schule wurde zugestimmt. Sodann wurde die Nachtragssumnie von 93 443 M. für das Rechnungsjahr 1915 genehmigt. Infolge des kühlen Sommers wurde dem Pächter des Frei- bades die Pachtsumme um 200 M. erlassen. Die für die fünste Kriegsanleihe beantragte Summe von 50 000 M. wurde von den bürgerlichen Vertretern einstimmig bewilligt. Der Erhöhung der Löhne der Gemeindearbciter wurde zugestimmt. Gerichtszeitung. Vereinsrecht und Belagerungszustand. Sind Vorstandssitzuiigen anmeldepflichtig? Mit dieser Frage hatte sich die Hallesche Strafkammer als Berufungsinstanz zu be- schäftigen. Im April d. I. hatte der Parteisekretär des Sozialdemo- kratischen Vereins, Neiwand. eine Funktionärsitzuug einberufen, um über geschäftliche Dinge zu beraten. Es sollte über die Einberufung einer Kreisgeneralversammlung beraten werden. Unter dem Punkte Verschiedenes wurde dann eine Resolution eingebracht, die den Hauptvorstand in Berlin aufforderte, zu der im Haag stattfindenden Friedenskonferenz einen Delegierten zu entsenden, um dadurch eine internationale Verständigung zur Herbeiführung eines baldigen dauernden Friedens zu erreichen. Durch irgendeinen Zufall kam der Wortlaut der Resolution, die nur für den Parteivorstand be- stimmt ivar, in den redaktionellen Teil des„Volksblattes". Der Zensor strich die Resolution und die Polizei erblickte dann in der Zusammenkunft eine Versammlung. Wegen Vergehens gegen das Belagerungsgesetz iitjßerbindung mit einem Korpsbefchl mußte sich R. dann vor dem Schöffengericht verantworten. Der Korps- befehl verlangt nur eine Anmeldung von Versammlungen und nicht von V o r st a n d s s i tz u tt g e n. R. erklärte, daß es sich lediglich um eine solche Sitzung gehandelt habe. Laut vorliegendem Statut sind die Funktionäre als zum Vorstand gehörig zu betrachten und gehören zum eigentlichen erweiterten Vorstand. R. erklärte damals auch, daß rein zufällig die erwähnte Resolution vorge- schlagen wurde. Im übrigen würde er auch die Sitzung nicht an- gemeldet haben, wenn er gewußt hätte, daß eine derartige Resolu- tion vorgeschlagen würde. Die Vorstandssitzungen eines politischen Vereins müßten sich notgedrungen auch mit politischen Gegenständen befassen. Das Schöffengericht sprach damals den Angeklagten frei. Es habe sich um eine Sitzung und nicht um eine Versammlung gehan- delt. Vor der Strafkammer beantragte der Staatsanwalt eine Geldstrafe von 15 M. Es handle sich um eine Versammlung und nicht um eine Sitzung. Nach sehr langer Beratung hob die Strafkammer das erste Ur- teil auf und verurteilte R. zu 15 M. Geldstrafe. In der Begründung wurde ausgeführt: R. hätte die„Versammlung" anmelden müssen. Zum mindesten hätte er verhindern müssen, datz eine derartige Ne- solution eingebracht und angenommen wurde. Die Resolution sei jedoch schon vorher vorbereitet worden. Dem Angeklagten sei es dann sicher klar geworden, daß er verbotswidrig gehandelt habe.— Im Zusammenhang hiermit ist interessant, daß der Minister des Innern cuf eine Beschwerde der Liberalen geantwortet hat. die Hallesche Polizei befinde sich in einem Irrtum in der Auslegung R«' des angezogenen KorpSbefchls. sion eingelegt werden. In der Angelegenheit R. soll Nein- _ W Kettenhandel mit„anrüchigem" Schinken. „Achtung Hausfrauen! Billig! Billig! Täglicher Ver« lauf von Schinlcn zum Preise von 1,80 M. pro Pfund bei Otto Zinn, Rügener Str. 14." Diese Anlündigung, die von Zinn veröffentlicht wurde, in Ber» bindung mit Beschwerden von Käufern über die Qualität dieses SchmtenS, gab Veranlassung zu einer polizeilichen Feststellung durch den Polizeiticrarzt Dr. D o r m e i e r. Als dieser die Wohnung des Zinn betrat, strömte ihm schon ein betäubender, etel- erregender Geruch entgegen. Zinn war gerade in einem Hinter- zimmer mit der Abfertigung von Schinkenkäufern beschäftigt und derdort lagernde Schinken strömte einen ganz penetranten Geruch aus. Herr Dr. Dormeier beschlagnahmte den in diesem Zimmer und den auf einem Balkon aufbewahrten Schinken im Gesamtgewicht von etwa 10 0 0 Kilo und liest die gesamte Ware nach der Sammel- stelle überführen, wo sich herausstellte, dost der Schinken zu menschlicher Nahrung völlig unbrauchbar war. Es wurde dann weiter festgestellt. � dast der Schinken folgende Stationen des Kettenhandels durchgemacht hat: er war von dem Händler P l o o g in Hamburg von einem in der Nähe von Elmshorn wohnenden Landwirt erworben, von dem bekannt geworden ist, dast er selbst verdorbene Fleischkonserven als Düngemittel aufkauft. Von diesem ging der Schinken an einen Händler iv! ü l l e r in Ham- bürg, der mit dem Berliner Händler Ernst Kresse in Verbindung steht und diesen durch Telegramm nach Hamburg kommen liest, Dort verkaufte er ihm den ganzen Posten als.Schinken mit Fehler", sogen. Stichware, die um den Knochen herum einen.Stich" hat. Kresse behauptet, dast es keineswegs verboten sei. solche Stichware zu verkaufen, wenn nur die etwas anrüchigen Stücke herausgeschnitten und der dann ganz tadellose Liest zum Verkauf gestellt würde. Er will auch den Zinn, an den der Schinken weiter veräuhert wurde, extra darauf hingewiesen haben und behauptet, dast, wenn der Schinken in so schlechtem Zustande aufgefunden wurde, dies auf ein« unsachgemäße Lagerung und Behandlung zurückzuführen sei. Dies bestritt der Sachverständige Dr. Dormeier und stellte fest, dast es sich um Schinken handle, der schon bei der Fabrikation verdorben gewesen sein muß. Es wurde gegen die Hamburger Händler und die beiden Berliner Anklage wegen Vergehen? gegen das Nabrungsmittelgesetz erhoben. Geheimer Nkedizinalrat Dr. Hoffmaun begutachtete, dast der Genust eines Fleische« von solcher Qualität als g e f u n d h e i t«> schädlich zu erachten sei. Der Staatsanwalt beantragte gegen den nicht anwesenden Ploog 6 Wochen Gefängnis, gegen Müller und Zinn dieselbe Strafe, dagegen gegen den auf diesem Gebiete schon vorbestraften Kresse«Monate Ge« fängniS, außerdem gegen jeden Angeklagten 1000 Mark Geldstrafe. Der Staatsanwalt hielt eine so nachdrückliche Strafe für angebracht, da hier in geradezu unerhörter Weise ein Handel mit verdorbenen Nahrungsmitteln betrieben worden sei.— Das Gericht verurteilte jeden der vier Angeklagten zu nur«Wochen Gefängnis._ Mus alier Welt. Eine Ruhrepidemie. Uns wirb geschrieben: In dem Stadt- und Landkreis Necklinghausen i. Wests. tritt seit mehr als einer Woche die Ruhr epidemisch auf und hat schon eine Reihe Menschenleben gefordert. Die Schulen mußten deshalb geschloffen bezw. die Ferien verlängert werden. Aerztlicher- seils sucht man die Herkunft der Krankheil durch die Uebertragung von den ausländischen Arbeitern zu erklären, die auf den dortigen Werken arbeiten. Wie weit diese Meinung berechtigt ist, ist schwer zu beurteilen. Wahrscheinlich ist auch, daß die Entstehung von dem Gcnust unreifen Obstes herrührt. Bei der jetzigen Er- nährungswcise, besonders des Mangels an Fett und Eiweiststoffen, sind der Magen und die Gedärme nicht widerstandsfähig genug, das grüne Obstzeug, daS jetzt vielfach auf den Markt kommt, ohne Störungen aufzunehmen und zu verarbeiten. Tie Folge sind die Erkrankungen. ES sollte deshalb alles Obst vor dem Genust gekocht werden.(«) Amtlich tot— nicht amtlich am Leben. Die Fälle, dast amtlich für tot erklärte Kriegsteilnehmer noch am Leben sind und sich in Gefangenschaft befinden, sind scheinbar nicht so ganz selten. Eine Leserin unsere? Blattes schreibt zu der von uns vor einigen Tagen unter obiger Ueberschrift gebrachten Notiz: „Auch mir erging eS genau wie dieser Frau. Auch ich er- hielt vom Ersatzbataillon meines Mannes einen amtlich beglau- bigten Totcnschem nebst einem Beileidsschreiben im Namen deS Regimentskommandeurs wonach mein Mann am 20. April 191« durch Artillcriekopfschust im Rabenwalde bei Verdun gefallen sei. Nach zwei Wochen mustte ich sogar auf dem Standesamt er- scheinen, und hier wurde mir von dem Beamten feierlich die Sterbeurkunde vorgelesen. Das Erstaunen der Beamten hätte man sehen müssen, als ich nach beendigter Vorlesung erklärte, mein Mann sei nicht tot, sondern in französischer Gefangen- schaft chenn zu meinem Glück befand ich mich zu dieser Zeit be- reits im Besitze dreier von meinem Manne auö der Gefangen- schaft geschriebener Karten. Hätte mein Mann nun noch nicht geschrieben, dann hätte ich doch glauben müssen, er sei tot; aber ich hoffe nun, dast er doch noch recht lange lebt." Es wird nicht ganz zu vermeiden sein, dast solche Irrtümer bei den militärischen Kommandos vorkommen. fr) Tie verdoppelte Mitternachtsstunde. Die preustische Eisenbahnverwallung macht bekannt: In der Nacht vom 30. September zum 1. Okiober erfolgt die Ueberleitung aus der Sommerzeit in die Winterzeil/, Uhr, bei Dahrendorf, Hindenburgdamm 104: Mitgliederversammlung. jTageSordnung: 1. Bericht von der außerordentlichen Gencraloersammtung. 2. Distuision und Abstimmung über den Vorschlag der KreiSgcneralversammIung, einen 1 einmaligen Sxtrad eltrag zu erheben. S. Aussprache über die Reichs« konjerenz. ivtariendorf. Mittwoch, den 27. September, abends 8'/, Uhr: M it- glied erversammlung bei Preutz, Kursürstenstr. 44. Bericht von der Rcichskonferenz, der Kreisgeneralversammlung und der Frauenkonscrenz. Referent: Genosse Frttz Zubeil. Der Tozialdemokratische Wahlvereiu Eichwalde und Um< gegcud hält am Mittwoch, den 27, September, abends 8'/, Uhr, im Lokal de« Genossen Witte eine Vcrlammlung ab zwecks Stellungnahme zu den Beschlüssen der Kretsgeneralversammlung vom 10. September und zu Vereins- und Gemetndeangelegenheiten. Vollzähliges Erscheinen aller Mitglieder erwartet_ Der Vorstand. Der Rretö-Jugendausschust Niederbaruim hat an Stelle de» zum Heeresdienst eingezogenen Genossen Meyer den Genossen Fr. Sommcrsctd, Berlin.Obcsrchöneweide, Mathildcnstr. la, zum Vorsitzenden gewählt. All« Zujchristen werden nur an diese Adresse erbeten. Titzungstage der Stadt» und Gemeindevertretungen. Berlin-Dberschisnewcide. DienStag. den 26. September, nachmittags 5 Uhr, in der Aula de» Realgymnasiums. Aus der Tagesordnung steht u. a..Beschaffung von Lebensmitteln". Tiefe Sitzungen sind Sssenlltch. Jever ScmctndcangehSttge iy de» lechtigt, ihnen als Zuhörer detzuwobncn. Sriefkasten üer Reöaktion. Dl« lurtstisch« Svrechswnve findet für Abonnenten Llndenftr. 3, IT. Hol rechts, varicrre. oai Monlag bis Freitag von t bis 7 Ugr, am Sonnabend von S»I» 8 Uhr statt. Jeder Illr den B r> e s l a st e n besttannten Antrag« »st etn Buchstade und«in» Zahl als Merlzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen lein« Abonnementsauillung beigefügt ist, werden nicht deantwortet. Eilig« Fragen trage man in der Svrechfnind» vor. Bertrdge, SchriffftüSc und dergleichen dringe mar tu dir evrcwflundc mit. E. 57. Nach einem Jahre ist die Vssicht der Gemeinde zur Zahlung erloschen.— I. F. 82. 1. Die MieiSuirterttützlxna wird für den aus die Einberufung folgenden Monat bezahlt. 2. Unseres Wissens nicht.— Nobel 7V. Geringer Herzfehler, dienstfähig. M. Pf. 3. Der Hauswirt kann dazu nicht gezwungen werden, gesetzlich ist darüber überbaupt nicht« bestimmt. Das Mtetsbuch ist dazu erforderlich. Bö. P. 27, 1. Werden sich mit demselben begnügen, wie die gewöhnlichen Enten. 2. Meldungen, die unS zugingen, haben wir auch veröffentlicht. Wenden Sie sich an daS dortige Gemeindeamt.— Th. 18. Der preußische Morgen bat 180 Ouadratruten und diese 14,18 Quadratmeter.— Q. I. 35. Das Mus war zweifellos nicht steif genug eingekocht, tonst hätte es nicht so stark verschimmeln können. Kistig ist es darum jedoch nicht. Sie müssen es aber schnell verbrauchen. Wenn Sie wieder Mus kochen,!o lassen Sie eS in den zur Ausbewahrung bestlmmten Gefäßen im warmen, jedoch nicht heißen Blatosen stehen, bis sich oben eine sefte Kruste gebildet hat. Dann gut verschließen. Ein Zusatz von Einmachcbethilsen oder anderen Salizylpräparaten. die immer nicht einwandfrei sind, erübrigt sich bei diesem Verfahren. Der Ausvewabrungsort muß trocken sein. — P. N. Der Anttag muß an da« Ersatzbataillon desjenigen Regiments gestellt werden, zu dem Ihr Mann eingezogen wurde.—<£. C. 80. Bei dem von Ihnen angegebenen Verdienst könnte Ihnen leider die Unter« stützung entzogen werden. Für die Kinder wird nicht mehr Unterstützung gezahlt, als Sie angegeben haben. Sie lönntcn höchstens für die Kinder eine Extraunterstützung beantragen.— I. B. 1017.!. Wenn der Pächter den vereinbarten Pachtzins nicht zahlt, kommt der Verlrag zur Auslösung. 2. Wenn der Pächter mit der Zahlung de« Pachtzinses in Verzug gerät, verliert er auch sein Anrecht aus das Vorpachttecht. 8. Zur Beitrags- zahlung an die BerusSaenossenschaft sind«ie verpflichtet; diefe Beiträge zu zahlen, liegt auch in Ihrem eigenen Interesse.— 1. 10.— Sie können in besonderen Fällen die AuSzadlung eine» Teiles vom Spargut beantragen beim Vormundschajtsamt Berlin, Landsberger Str. 48/47.— tt. B. 11. 1. Von dem Tage an, wo er etn steuerpflichttges Einkommen bezieht. 2. Ja, wenn Sie ein dem Steuersatz entsprechende» Einkommen haben. 3. Wahrscheinlich nicht, da die Einspruchsfrist von vier Wochen verstrichen j ein wird. 4. Da« ist aus dem Steuerzetlel angegeben.— A. R. Rein. —'Anna. 1. Sie müssen 45 M. monatlich Unterstützung erhalten, erheben St« eoent. Beschwerde beim Militärbureau des Magistrats, Klosterstr. 68. 2. Das ist durchaus nicht zutreffend. BvetteranSNchtt« kür daS mittlere Norddeutschland bis Mittwoch mittag, vielfach nebelig, sonst trocken und ziemlich heiter, am Tage sehr mlld. K Unserem Freund u. Genossen Ä ' Oskar taten VcbeTiton � G K f» zu ibrem 25)5hr. EhejubllSurn ö dte herzlichsten Glückwünsche. Die BezirkSführer. Unserer Genossin Gloger die besten Glückwünsche zur silbernen Hochzeit. 1292b Bez. 128', IL m 8 !. El 4. Herl, ßeiclistagswahlkrels. Köpcnicker Viertel. Bez. 187. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß mffer Genosse, der Arbeiter Gustav Hennig gestorben ist, Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 27, September, nachmittags 4 Uhr, von der Halle de» Zintral-Fricdboses in Fried- tichssclde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 218/11 Vopntand. SozialilemokrallscherWahlvereln 1.1 OerlJelehslagswanikreis. 5. Abt. Boz. 558. Am Freilag, den 22. September, verstarb unser Genosse der Tischler Paul Lehmann Schonensche Str. 12. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 27. September, nachmittags 3 Uhr, von der Leichendalle des Veomen-Kirch- hoseS, Weißensee, Nölckeslraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Voratund. SpcziftUrzt Dr. ncd. WockvafnB, Fplcdrichstr. 123(Oranianb. Tor), für Syphliis, Harn- u. FrauetHeWen— Ehrlioh-Hata-Kur(Douer 12 Ta�e), Blutuntersuchung Schnelle, sichere •ohmerzloee Heilung ohne öeruf»- 223) G* stönMtz. Teikawun». aoreohBttmie«:*—1»—8 SkWHcrf! Yerhani! öer freien Gast- nnS Scbankwfrte Dectsetilaniis. Ortsverwaltung Lichtenberg. Den Mitgliedern dte traurige Nachricht, daß unser Kollege Union Dera (Lückstraße 18) verstorben ist. Ehre seine« Andenke»! Di« Beerdigung findet Mittwoch, den 27. September, nachmittags 3 Uhr, aus dem Friedhose w der Lückstraße statt. Um rege Beteiligung ersucht 74/11 01e Ortsverwaltung. SozialdemeMselieFWalilfereln! Kreis iletlsriiarnim Beslrk Idchtenberg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unter Genosse, der Gastwirt Anton Oera am Sonntag, den 24. d. MtS., im 55. Lebensjahre verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 27. d. M., nach- mittags 4 Uhr, vom Trauerbanse Lückstraße 18 au» nach dem Fried« hos in der Lückstraße statt 14/6 Reg« Beteiligung erwartet Die Bezirksleitung. VeM tler ueineintlfi- ii. Stsute- artoiftr, Filiale Groß-Berlln. Den Mitgliedern geben wir biermlt Nachricht vom Tode des Kollegen Karl Kosclmieki vom Gaswerk Ebarlotlenburg. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute "»«rfWag, den 26. GoWcnibcr, naijbmrtlae» 2 Uhr, aus dem neuen »iwsn-Friedhos, Eharloltendurg, Fürstenbrunnor Weg, statt , Um rege Beteiligung bei der S Bcstattuna de» Kollegen ersucht 134/15 Die Ortsverwaltung. Bruchlsidende YEry.ScMer, Schneiderinnen nndWäschearbeiterDeiitscIiianEis Filiale Berlin. Unseren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß die Kollegin (Branche Damenkonsektton) Gerlnul Piastowski geb. 8. 12. 90 am 23, September verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 27. September, nach- mittag» 3 Uhr, von der Leichen- Halle de» Gnaden- Ktrchhvjes, Barsusstraße, au» statt 163/17 Ole Ortsverwaltung. Zum Sterbetag meines lieben, guten,»tever- gessenc» Manne«, de» Jäger» Otto Böttcher Tharlottenburg, Usnaustr. 3, ge- sallen am 2«. September 1915. Ein Jahr Ist schon dahingegan- gen, wo ich die traurige Nachricht bekam, daß Du guter Otto den Tod in Rußland sankest Ich dars ja nicht daran denken, da bricht mein Herz entzwei, daß Du nicht mehr kehrst in Deine liebe Heimat ein. Dein Söhnchen sagt so oft: Wo ist mein lieber Papa hin, er schreibt doch so ost, daß er bald bei un» wiederkommen wird? Wenn einst die Glocken den Frieden verkünde», Und die Streiter in der Heimat sich einfinden, Und mein lieber Gatte ist nicht öabei, Dann bricht mir von neuem das Herz entzwei. Borbet, vorbei ist all unser Flehen und Hohen, unser guter Papa kehrt me mehr zurück. Trennung, o wie schwer bist Du! Gewidmet von seiner lieben Frau Johanna Böttcher nebst Söhnchen. 15021 Zum Sterbetage unseres lieben Bruders und nn- vergeßlichen Sohnes Antain Bürger vom Grenadier-Regiment Nr. 12, gesallen am 29. 9. 1915. Gesiebter Bruber und Sohn, wir können's ja nicht sassen, Daß Du nicht kehrst zu mi» zurück. Du wolltest doch noch gern die Heimat wiedersehen, Du battest aber nicht mal in der Garnison das Glück. So schlas denn wohl w fremder Erde, geliebter Bruder, So jung mußt Du schon oou ml« gehen. Du bist erlöst von diese« Jammer- tale, Nun werden wir Dich niemals wiedersehen. Der Abschied w« für«n» sehr schwer, Der Platz an uns rem Tisch bleibt ewig leer. Gewidmet w schmerzsicher Erinnerung von Deinen Brüdern Fritz und Ilana und Deiner Dich nie vergessenden Mutter Witwe HVaude» Börger. Verlin-Niederschöneweide. 91A ■ Bekanntmachung. Eine llr feäctt Ist«rnser ges. fescJtz. Spranzband Konkurrenzlos dastohend{ Ohne Feder, ohne Gummiband, ohna| Schenkel rlemen. Vertanoen Sio paMs r»GS?DSa. OK Ertnderl Oofct.«SpfW«. No. 335 «k« M««. AeuKiR SÄtei | Fflr Schuhmacher!| Ausgestanzte OborfleoXo*i sortiert in Oarr.ea- Herren- und i Kind ergröle, Pfund 5 Mark. 1 sowie Ober- u. Unlerlederabfälle' ; ÜFliaQ SenSill.Vs�0 Weißendes0; I L»aröa.Baa*r. 8S. Tel. 191. «««#♦ Tillen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine I Frau 4221 l Anna Baerinann geb. Hattenbach am 23. d. M. im 43. LebenSjabre nach einjährigem Leiden ver- starben ist. Der trauernde Gatte nebst Kindern, Turiner Str. 33. Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 26. September. nachmittags 3 llhr, vom Kirchhos der Nazareih-Gemeinde Reintcken, dors-West, Kögelstraße, aus statt. Nur, wer die Sehnsucht kennt. weiß, was ich leide. Der Fahrpreis der Teilstrecken unseres Pferde-Omnibus- Betriebes wird vom 1. Oktober d. I. ab von 3 Pf. auf 7V» Pf. erhöht. Der Fahrpreis für die ganze Strecke bleibt mit 10 Pf. bestehen. Unsere Fahrgäste bitten wir um wohlwollende Aufnahme dieser zur Aufrechterhaltung des Betriebes unvermeidlichen Maßnahme. Allgemeine Berliner Omnlbus-Aktien-Geselischeii. einer l-eibbinde? Sämtliche Systeme am Lager resp. nach Maßanlcrtigung sowie Bruchbandagen aUer Artikel z. Gesundh.- Art. u. Krankenpflege Pollmann, Bandagist Berlin N., tethrlnger Str. 60.' Lieferant für Krankenkassen. ReutersWerke ■ 3 BfcrtW 4 moef• vnchhdmdwng V-rwärts Ungeahnte Erwerbs- MOglicbbelten bietet die nächste Zukunft Eine fiel' ereilende Änderung unseres gesemten Wirtschaftslebens, ein gewaltiger Aulschwung unserer Industrie n. des Hendels steht bevor, und es werden überill geschulte Krähe gesucht sein. AngehQrige technischer Beruf« n. Hendwerker sollen nicht verslumen, Ihre Kenntnisse und Fertigkeiten der kommenden Zelt tnzupesien. um teil- xunehman«n den wirtschafUichen Erfolgen, die naturgemlS das Ergebnil des gewaltigen Ringens sein müaien. Das beste Kittel, rasch und gründlich, ohne Lehrer, durch einlachen Selbst Unterricht eine gründliche Ausbildung in technischen Wissenschaften su erwerben, find die technischen Selbst- unterricluswerke„Byat. Aarnack. Haobfold". 80 S. starke Bro schüre kostenlos. Bonness& Hackield, Potidam. Fostfaeti 167 Korken, gebrauchte und neue, alte Schall- platten, a»ch Bruch hiervon, alte Filme. Zelluloid und Abfälle kauft jedes Qaantum und läßt ev. abholen Xachenatein. Charlottenburg. Windscheidstr. 80, II.«ifh-tm 5676. snFreien Stunden. Romane und Erzählungen für da« arbeitende Boll Pro Heft 15 Ps. Buchhandlung Vorwärts, Berti» SW- SS.»«denstraße 3. lYstier-MaFaiEm Begründet 1890 iBrunnenstr. ö6-57|j CJroBe AuswaEil h» schwarzer Konfektion. ! Aus Wunsch Maßanscrilgun g j ln 8 Stunden. Aenderungcn sofort u. gratis. Auswahlscndzn.berciUMigst.\ "ernfor.r Kranzspenden sowie sämtliche ßluimnarrangcmcnta liefert schnell und billig Paul Gro»». Lindonstr. 69, Zei.Mvl.7203 Heines Werke — J Lind, 4 HI ort———— Luchliandlung Horwärt» Knakenasizüge, Paletots und Pyjack». Der Eiazelvorkaul zu FabrlkpraUea befindet sich Jetet Wilislr. 56'• Begugaachcine rorrütlg! Ktlimn- nni) KranjliiudtM von Robert Meyer, Jnh.: P. Gollet» 1(llM aSarUmncnstt. 3. Tel. Mpl. 10303 J&eaiM« Druck ü.>S«lästi Vorwärts Äuchdruckerei u. VertagSanftatt Haut Singer tt So,®«IW 3W. Nr. 265. 33. ZahrMg. DZeilsiag. 26. September 1916. ReichskonferenZ öer sozialöemokratischen Partei Deutfthlanös Berlin, 21. September 1S10. Erster Tag«) Die Reichskonferenz tagt in dem Sitzungssaale der Budget» Kommission des Reichslags.' Kurz nach S Ubr eröffnet E b e r t die öionserenz und begrüßt die Teilnehmer. Er fübrl dann aus, daß eine offene Aussprache über das gesamte Partcileben erforderlich ist. Ein Parteitag ist noch nicht möglich, deshalb mußte zu dem Aus» weg einer Reichskonferenz geschririen werden. Wenn auf ollen Seiten der gute Wille vorbanden ist, kann sie ihrer Aufgabe gerecht werden. Sie soll die Einheit der Partei wahren und ibr die AktionSfreiheit sichern. nung tragen. Vor Eintritt in die Tagesordnung erhält das Wort zn einer E r- klärung Ledebour. die von mehr als hundert Delegierten nnd Ab« geordneten abgegeben wird. Die Reichslonferenz ist keine im Or- ganisationsstatut vorgesehene Einrichtung, sie darf daher keine Be- jchlüsse fassen. Obendrein wird durch die Art ihrer Zusammensetzung kein richtiges Spiegelbild der Anschauungen in der Partei wieder- gegeben. Der Parteibureaulratie wird ein Uebermaß an Einfluß gesichert. Die Borschristen für die Delegiertenwahl stehen in krassem Widerspruch zu dem demokratischen Grundgedanken der Aleichbercch- tigung aller Parteimitglieder. Trotzdem beteiligen wir u»S an den Verhandlungen, weil wir selbst diese kümmerliche Gelegenheit zu einer Aussprache über die Parteidifferenzen nicht vorübergehen lassen wollen. F r a s s e ck(Teltow-BeeSlow) gibt für die Gruppe Inten nationale eine Erklärung ab: Die Reichskonserenz verleiht den in der Partei herrschenden Anftchten den falschesten und entstelltesten Ausdruck. Der Belagerungszustand und die Zensur begünstigen und sördern die Anhänger der Mehrheit. Die Delegiertenzahlen widersprechen den elementarsten demokratischen Begriffen, kurz. etwaige Konserenzbeschlüsie haben nicht die mindeste politische noch moralische Bedeutung. Die Parteinstanzen wollen sich nur et» Ver- trauensvoium für ihre den Partetinteresten zuwiderlausende Politik verschaffen und sind somit Nutznießer des Belagerungszustandes und der Unterdrückung der freien Meinungsäußerung.(Große Unruhe.) Die Veranstaltung verfolgt unzweifelhaft den Zweck, auch in Zulunsl die Partei noch fester an die RegierungSpolitik zu fesseln und sie zu einer Helfershelferin deS Imperialismus zu machen. Die Delegierten dieser Gruppe stellen sest, daß sie nur erschienen sind, um den wahren Charakter der Konferenz vor den Genossen zu entlarven, nachdem die Arbeitsgemeinschaft nicht den Mut gefunden hat, von der Ver- anstaltung gänzlich fern zu bleiben. Die Delegierten werden sich da- her an Abstimmungen nicht beteiligen, behalten sich aber daS Recht vor. ihre Stellung zn den einzelnen Fragen durch bestimmte Er> ilärungen zu präzisieren. Es wird in die Tagesordnung eingetreten. Da» Wort erhält al» Referent über Die Politik der Partei Scheidemann: Während alle anderen Parteien, wenig. ftenS äußerlich, in stumpfer utid dumpser Ruhe binleben, wird unsere Partei von einer Krise geschüttelt, wie sie die Parteigeschichte noch nicht kennt. Ich beneide oie anderen Parteien um ihr« Ruhe nicht. Es steht uns nicht an, in ruhiger Gemächlichkeit dahin- zuleben, während die ganze Welt sich in den entsetzlichsten Kämpfen wälzt. Wir leiden mit und beweisen gerade dadurch, daß wir eine wirkliche Volkspartei find. Alles, was das Volk in diesen Zeiten durchlebt, was es fürchtet und hofft, was eS haßt und liebt, kommt in unserer Partei zum Ausdruck, die Trauer der Mütter und Frauen um ihre Lieben, ihre Sorg« um Brot und Nahrung, aber auch ihr« Wünsche nach Erhaltung des Volkes und der Wille, ihm draußen und daheim eine bessere Zukunft zu gewinnen. So ent- springen unsere Meinungsverschiedenheiten den tiefsten Quellen des Volkslebens. Zu beklagen ist nur, daß sich dies« MeinungS- Verschiedenheiten nicht im geschlossenen Rahmen der Organisation abspielen, so daß die Gefahr der Sprengung der Organisation droht, und daß es immer noch Genossen gibt, die, wenn andere ihren Ansichten nicht zustimmen, sich in moralischer Entrüstung überschlagen nnd den andern für einen schlechten Kerl halten. Ich bin ftoh, daß ich über die Einzelheiten dieser Streitigkeiten nicht berichten mutz. Ich kann mich darauf beschränken, in großen Umrissen die Gründe für unser politisches Verhalten aufzuzeigen. Was war es, was in den ersten Augusttagen 1914 da» ganze deutsche Volk erfüllte? War es kriegspatriotisch« Begeisterung? In den Erörterungen unserer Fraktion über die Bewilligung unserer Kriegskredite war davon nichts zu spüren. Nein, da« ganze deutsche Volk war erfüllt von dem Bewußtsein der ungeheuren Gefahr, in der es schwebte, und aus der sich der einzig« Ausweg zeigte: die aus dem Aufgebot aller Kräfte geborene Tat. Von Rußland mit seinen unheimlichen Dimensionen muhten wir alles fürchten. Jetzt sind wir erfüllt von den Schrecken de» Krieges seit 1914. Damas stand in unserem Gedächtnis die Erinnerung an all die Dinge, die da» ftiedliche Rußland an seinen eigenen Volks- genossen vollzogen hat.(Sehr richtig!) Was hätte ein besiegtes Deutschland von diesem Rußland zu erwarten gehabt?(Sehr gut!) Und die Parteigenossen, die jene Stimmung im August 1914, die jenen Haß gegen da» zaristische Rußland unserem Volke am tiefsten eingeprägt hatten, das sind dieselben, die uns jetzt am meisten wegen unsere» Verhalten in jenen Augusttagen bekämpfen. Damals gab es im ganzen Volke und auch in der Fraktion gar keinen Streit darüber, daß man sich gegen Rußland verteidigen müsse. Mit sieben Achtel Mehrheit beschloß die Fraktion, für die Kriegskredite zu stimmen. Waren all diese Genossen Toren, die nicht wußten, was sie taten, oder Verräter, die ihre Ueberzeugung für einen Judaslohn verkauft hatten? Nein, sie handelten, wie üe ihrer Ueberzeugung nach handeln mußten und so, wie das ganze Volk damals wollte, daß gel)andelt werde.(Lebhafte Zustimmung.) Hätte es sich damals darum gehandelt, über Krieg oder Frieden abzustimmen, dann wäre das ganz« deutsche Volk und natürlich auch die sozialdemokratische Frocktion für den Frieden eingetreten. Aber der Krieg war da als nicht mehr aus der Welt zu schaffende Tatsache. Und wenn damals die Frage der Kreditbewilligung einer Volksabstimmung unterzogen worden wäre, so wären in einem Meer von Ja-Stimmen oi« paar Nein-Stimmen vollständig er- trunken.(Sehr richtig!) Die grundsätzliche Frage der Landes- Verteidigung hat übrigens in der Fraktion nie einen Streitgegen- stand gebildet(Sehr wahr!), sie wird auch i» der Partei nie eine Rolle spielen können. Der unsinnige Grundsatz, daß man gegen» über dem Schicksal des eigenen Volkes gleichgülttg sein könnte, kann nur vertreten werden von politischen Eingängern, von well. fremden Propheten(Sehr richtigl), aber nicht von einer Partei, die ein großes Stück des deutschen Volkes bereits ist und die das ganze deutsche Volk werden will.(Lebhafte Zustimmung.) Selbst- verständlich ist es heller Wahnsinn, wenn anerkannt wird, daß eZ Recht und Pflicht der Parteigenossen der verschiedenen Länder sein soll, sich gegenseitig zu bekämpfen. Aber das ist eben der Krieg, der uns alle nnt Verzweiflung erfüllt. E» würde aber heißen, diesem Wahnsinn den letzten Rest von Vernunft zu nehmen, wenn man verlangen wolle, daß ein Volk einfach seinen Buckel hin- halten muß, um die Prügel zu empfangen, die die andern ihm zugedacht haben.(Lebhafte Zustimmung.) Ein Volk, das sich nicht wehrt, könnte das fleißigste und edelste Volk der Welt sein, eS würde aus den Büchern der Geschichte einfach weggestrichen wer- den.(Sehr richtigl) Nun ist die lange Dauer des Krieges der wertvollste Bundesgenosse jener Kritiker geworden, die meinen, dia Ablehnung der Kriegskredite durch uns würde der LandeSverteidi- gung nicht geschadet, aber daS Ende des Kriege? beschleunigt haben. Diese Behauptung wird leicht aufgegriffen aus dem Gefühl berau», daß zur Beendigung des Krieges endlich etwas Besonderes geschehen müsse. Die Nut, die großen Ernährungsschwierigkeiten, die viel- fach demagogisch ausgenutzt werden(Sehr richtig!), die Traner um verlorene Angehörige, solche Gefühlsgründe erklären den Zn- lauf der Opposition,(sehr richtig!) Es soll ja aber in einer so ernsten Zeit Ehrenpflicht aller Parteigenossen sein, mcht an dia Leidenschaften, sondern an den Verstand zu appellieren.(Sehr wahr!) Würde die Fraktion der Meinung sein, daß die Ab- lehnung der Kriegskredite, ohne Deutschland einer Niederlag« aus- zusetzen, die Wiederkehr des Friedens beschleunigen könnte, dann würde sie natürlich gegen die Kredite stimmen. Aber wir waren und sind noch der Meinung, daß die Gegner der Kreditbewilligung die günstigen Wirkungen einer Ablehnung der Kredite durch uns für den Friedensschluß kolossal überschätzen und daß st« die Gefahr. in der das deutsche Volk seit zwei Jahre» schwebt, ungeheuer unter- schätzen.(Sehr richbig!) Die französischen und englischen Ge- nossen haben die Kredite ebenso bewilligt, ohne unsere Haltung zu kennen. Hätten wir die Kredite abgelehnt, so würde auch nicht etwa unser Beiiptel drüben Nachahmung gemnden haben, im Gegenteil« die ftanzösischen und englischen Genossen würden in unserer Ab- lehnung der Kredite vielmehr einen Beweis für die Richtigkeit ihrer Theorie sehen, daß sie sich in einem Verterdigungs-, wir aber in einem Eroberungskrieg befänden. Im übrigen würde die ad- lehnende Haltung etwa eines Teils der ausländischen Sozialisten auch auf die Entschlüsse der Regierung jener Länder ohne jeden Einfluß geblieben sein, in deren kapitalistischer DourgeoiSpresse die Kriegshetze noch in ganz anderer Weise getrieben wird, al» in Deutschland.(Lebhaste Zustimmung.) Nun hat man gesagt, wir hätten wenigsten» die deutsche Re- gierung zur Fricdensbereitschaft bewegen können. WaS nutzt es aber, wenn die eine Regierung den Frieden will, die andere aber nicht? Die deutsche Regierung ist überhaupt die einzige gewesen, die bisher ihre FriedcnSbcreitschaft zum Ausdruck gebracht hat. �Zu- stimmung.) Auch wenn sie es noch eindeutiger getan hätte, wären wir dem Frieden keinen Schritt näher gekommen. Die Kritiker unterschätzen aber die Gefahr, in der wir unS befinden. Gewiß, die Leute um Bassermann tun so, als ob sie die ganze Welt bereit» in der Tasche hatten. Unsere Feinde setzen den Krieg fort, weniger weil sie befürchten, Teutschland lönne unwürdige Forderungen durchsetzen, als aus der festen Ueberzeugung heraus, daß sie ihre KriegSziele Deutschland gegenüber durchsetzen können.(Sehr richtig!) Wir befinden un» jetzt im dritten KriegLwintcr und leben in einer furchtbaren Gefahr. Am 2o. August 1914, als der Krieg kaum drei Wochen dauerte, schrieb Eduard Bernstein, e» sei eine Lebensfrage für Deutschland, daß eS den Krieg siegreich besteht. (Hört! hörtl) Jetzt aber, Ivo die Gefahr besteht, daß wir von einer furchtbaren Koalition erdrückt werden, wird e» so hingestellt, als handle eS sich gar nicht mehr darum, daß wir uns unserer Haut wehren, sondern nur darrm, mit dem sogenannten Eroberungskrieg endlich einmal aufzuhören. Die Gefahr im August 1914 war eine Bagatelle im Vergleich zu der Gefahr von heute.(Lebhafte Zu- stimmung.) Wir sind wahrhaftig nicht desinteressiert. Wenn Deutschland eine Niederlage erleiden würde, wir würden sehr schnell merken, was das bedeutet. Was soll dann auS dem Sozialis- mus werden? Geschähe, was kein Mensch in Deutschland anzu- nehmen wagt, was aber im. Ausland, täglich gepredigt wird, würden" wir eine Niederlage erleiden, dann wollen wir wenigsten» ein reine» Gewissen und alles getan haben, was wir tun konnten, um da» namenlose Elend fernzuhalten.(Beifall.) Einen solchen Schein von Schuld auf un» zu nehmen, gebietet weder das Parteiprogramm noch irgendein Kongrcßbesckluß. Und würden solche Beschlüsse bc- stehen, angesichts einer so furchtbaren Situation müßten wir un» fragen, od wir un» an sie halten können.(Zustimmung.) Nirgend» steht, daß wir unter allen Umständen Kriegskredite ablehnen müssen. dagegen steht im Programm die Forderung des Volksheeres und der Volksbewaffnung. Ja, wollen wir Volksheer und VolkSbewaff- nung nur haben, um Schützenfeste zu feiern?(Sehr gut!) Nein, sondern damit wir im Moment der Not das ganze Volt in Waffen haben, damit wir uns unsere Freiheit erhalten.(Zustimmung.) Al» schwere Sünde ist uns die Etatsbewilligung von ILId ange- treibet worden. Wenn es jemals einen Ausnahmefall gab, der gc- stattete, für den Etat zu stimmen, dann war es jener Etat. Die Etatsbewilligung war kein Vertrauensvotum für die Regierung. Wir haben damals den Etat angenommen, weil wir damit unserem Lande die notwendigen Mittel bewilligten, damit eS sich seiner Haut wehren konnte(Sehr richtig l) Wir können nicht sagen, daß e» un» Wurst ist, was au» unserem Lande wird. Ich für meine Per- son wenigstens übernehme für eine derartige Politik, die dauernde» Elend bedeuten würde, keine Verantwortung. Die Beschlüsse der internationalen Kongresse fordern von un», alle» zu tun. um einen ausgebrochmn Krieg so schnell al« möglich zu beenden. Sie fordern das natürlich nicht nur von un«, sondern von den Sozialisten aller Länder. Die deutsche Sektion der Jntcr- nationale bat sich am meisten bemüht, diesen Beschlüssen gerecht zn werden. An uns liegt es nicht, wenn diese Beschlüsse nicht zur Ausführung kommen konnten.(Zustimmung.) Durch die Zuftim- mung zu den Kricgskrediten haben wir keinerlei Verantwortung für den Krieg übernommen. Tie überlassen wir anderen. Daß aber weder der Reichskanzler noch der Kaiser den Krieg geivollt haben, das werden Sie uns glauben.(Widerspruch.) Das können Sie selbst im„Vorwärts" nachlesen. Wenn von deutscher Seite Fehler gemacht sind, so hat da« ganze deutsche Volk daran schuld, das sich lahrzehntelang diese Politik hat gefallen lassen. Wir wollen keine Pharisäer sein gegenüber de» ausländischen Genossen, aber das Ausland sollte uns nicht zumuten, daß wir für die Prügel ruhig den Buckel hinhalten. Das Verhalten der Franzosen wird erklärt durch die Tatsache, daß sie den Feind im Lande haben, also unter Verhältnissen leben, unter denen auch die Minderheit bei un» die Kredite bewilligen würde. Aber un» übelnehmen zu wollen, daß wir da» gleiche Schicksal von unserem Volke abwehren wollen, ist ein hiii'melschreiende» Unrecht. Die erste Abstimmung vom 4. August 1914 h.it einen ungeheuren Eindruck gemacht. Der geächteten uitb verfemten Sozialdemokratie verdankt Deutschland vielleicht sein» ersten großen Siege. Dadurch daß wir durch die Tat bswiesen» wie wir zur Landesverteidigung stehen, haben wir un»«in große», ungeheures jungfräuliches RekrutierungSgcbiet erschlossen.(Sehr richtigl) DaS Vorurteil vieler Leute ist zerstört worden, daß wir eine direkt vaterlandsfeindliche Partei seien. Durch die Tat bei einem furchtbaren gemeinsamen Erlebnis sahen sie, wi» man sie belogen und betrogen hatte. Sie werden sich ganz anders mit unserer Partei beichäftigen al« bisher.(Zuruf: Aber die Arbeiter werden gehen!) Ach, wenn ich Rechtsanwälte und sonstige studierte Leute immer von Arbeitern reden höre(Beifall und Händeklatschen.— Zurufe: Demagogie!— Ein Arbeiter hat es gerufen!) Unser Verhalten im Reichstag war also nicht die Folge eines besonderen Vertrauensverhältnisses zur Regierung« Was ist darüber alle? zufammengefabolt worden. Der einzige Ivahre Kern ist. daß die sozialdemokratische Fraktion jetzt ebenso wie früher nur die bürgerlichen Parteien von der Regierung informiert wird, d. h., daß dem bisherigen Ausnahmezustand ein Ende gemacht tfL Dadurch wird uns nicht geschadet, wir gewinnen bielmehr Kenntnis von Personen, und Verhältnissen, die unserer Arbeit nur förderlich sein kann. Den Herren von der Regierung zu Gefallen zu sein, haben wir keine Veranlassung. Die Regierung weiß auch ganz genau, wie wir über ihre Politik denken. Kommt sie doch unseren Wünschen z. B. in der Lebensmittelfrage nicht nur nicht entgegen, sondern tut schnurstracks das Gegenteil von dem, was wir für richtig halten. In rücksichtsloser Weise haben wir. hier unsere Forderungen erhoben. Darüber gibt es keine Differenz in der Partei. Einig waren wir auch in der Beurteilung des Steuerbündels der Reichsregierung, in der Verwerfung der Ver- kehrs- und Verbrauchssteuern und in der scharfen Ausgestaltung der Kriegsgewinnsteuer. Zur Ueberraschung aller Welt hat die Arbeitsgemeinschaft die Gewinnsteuer aber schließlich abgelehnt. Hätten wir das auch getan, und hätten die anderen das gewußt, so wären auch diese IM bis 2 Milliarden, die den Reichen auserlegt worden� sind, auch noch den deutschen Arbeitern auferlegt worden. (Widerspruch.) Der Kriegspolitik der Regierung gegenüber bleiben wir äußerst kritisch. Natürlich tonnen wir nicht alles, was von der Negierung kommt, unbesehen herunterputzen, das haben wir nie getan. Wir betrachten es nicht als Schande, daß wir dem Reichs- kanzler in der U-Bootfrage und der Vermeidung'des Krieges mit Amerika geholfen haben. �(Sehr richtig!) Ständen wir jetzt im Krieg mir Amerika, so hätten wir eine furchtbare Verantwortung zu tragen, wenn wir damals anders gehandelt hätten. Ucber dies und manches andere wird erst nach dem Kriege gesprochen werden können. Am meisten leidet ja unter dem Zustand, daß nicht alles gesagt werden kann, nicht die Minderheit, sondern die Mehrheit. (Lebhafte Zustimmung und Widerspruch.) Wir können jetzt nicht sagen, was vielen die Augen öffnen würde und zeigen, daß wir alles getan haben, um den Krieg abzuwehren.(Zuruf: Sagen Sie es doch jetzt, wo wir unter uns sind!) Es handelt sich hier um Dinge, deren Tragweite Sie nicht übersehen, jedes Wort wird jetzt hinausgetragen und ausgenutzt nicht gegen mich, das wäre mir egal, sondern gegen unser Land. Wir billigen es also, daß der Reichskanzler wiederholt seine Friedensbereitschaft erklärt hat. Wir billigen es nicht, daß er in diesen Reden sehr unklar gewesen ist und Unklarheiten gebraucht hat, die er offenbar für diplomatisch hall. Wir meinen, wenn er offen sagen würde, wie er und alle nüchtern gebliebenen Leute über die Kriegsziele denken, daß dadurch die Friedensaussichten vergrößert werden. Es würde nur nützen, wenn die deutsche Regierung aus- sprechen würde, daß zwar die deutsche Widerstandskraft unbegrenzt ist, daß aber andererseits Deutschland gar nicht daran denkt, demütigende oder erniedrigende Bedingungen für den Frieden auf- zustellen, wie das der englische Ministerpräsident jetzt wieder be- hauptet hat. Es würde die Friedensbewegung in den feindlichen Ländern sicher größere Kraft gewinnen, wenn vom deutschen Reichs- kanzler einwandfrei festgestellt würde, daß Deutschland den Frieden ohne Annexion will. Wenn dann vom Ausland trotzdem der Krieg fortgesetzt würde, würde das ganze deutsche Voll um so einmütiger zusammenstehen. Baron Burian, der Minister des Auswärtigen in Oesterreich-Ungarn, hat ja dieser Tage ganz deutlich gesagt:„Wir führen einen Verteidigungskrieg und kämpfen bloß um die Erreichung eines ehrlichen Friedens. Sobald hoffnungsvolle Aussichten hierzu vorhanden sein werden, werden wir keinen Augenblick dieses furcht- bare Blutvergießen weiter fortsetzen."— Das kann der deutsche Reichskanzler auch sagen. Einen ausgezeichneten Anlaß dazu gibt ihm jetzt wieder die wunderbare Rede des französischen Ministerpräsi- denten Briand. Mit unserer Friedensaktion, die wir natürlich nicht im Einverständnis mit der Regierung, sondern sehr gegen sie unter- nommen haben, beweisen wir, daß wir in geschlossener Abwehr gegen die Annexionspolitiker aller Richtungen stehen. Der Parteivorstand hat es bedauert, daß sich einige Parteigenossen an den Kundgebungen des Nationalausschusies beteiligt haben. Wir wollen auch nicht den Vorwand zu dem Verdacht geben, als hätten wir mit irgendwelchem Annexionspolitikern eine Gemeinschaft. Sin Deutsches Reich, dem Millionen fremdsprachiger Menschen angegliedert wären, könnte gar nicht anders als erzreaktionär regiert werden. Das wünschen gerade die Eroberungspolltiker. Also unsere Stellung zur Annexionspolitik ist klar genug. Natürlich kommt eS nicht darauf an, ob bei den schließlichen Friedensverhandlungen irgendein Grenzstein verrückt wird, sondern darauf, daß die Veränderungen, die beschlossen werden, eine Form bekommen, die die Zustimmung aller Beteiligten finden kann. Sollen wir etwa darauf bestehen, daß Polen um alles in der Welt russisch bleiben muß, selbst wenn die Möglichkeit bestehen sollte, daß es frei und selbständig gemacht werden kann! Das würde uns als Sozialisten schlecht anstehen.(Sehr richtig!) Bei den Friedens- Verhandlungen wird über den Ballan, über Vorderasien, über Afrika, wahrscheinlich über die Machtverteilung in der ganzen Welt verhan- delt werden. Können wir da verlangen, daß alles unter allen Um- ständen so bleiben muß, wie es vor dem Krkft« gewesen ist?! Eine Vereinbarung über Abänderung der Verhältnisse, wenn sie nur nicht die Gefahr neuer Kriege in sich schließt und nicht eine Bergewalti- gung eines fremden Volles bedeutet, kann uns mindestens� ebenso recht sein. Wir sind keine Annexionisten und treiben auch keine Re- gierungspolitik. Wohl wünschen wir eine Uebercinstimmung zwischen der Politik der Regierung und der Sozialdemokratie insofern, daß die Regierung das tue, was wir für richtig halten. Ich glaube, daß die Verhältnisse die Regierung dazu zwingen werden. Mit Redensarten wie, daß wir Sozialpatrioten, Sozialimperialisten usw. seien, gebe ich mich nicht ab. Das habe ich um so weniger nötig, als ja unser« Freunde in der Arbeitsgemeinschaft von den Spartacusleuten noch viel schlimmer gebrandmarkt sind.(Heiterkeit.) Wir haben so ge- handelt, wie wir glaubten, als Sozialdemokraten handeln zu müssen. Wie bisher, so wird auch unsere zukünftige Politik nicht im leeren Raum vor sich gehen, sondern unter dem Druck der Verhältnisie stehen. Wer vermag die großen Aufgaben zu übersehen, die Schwere der Kämpfe zu ermessen, die uns nach dem Kriege noch bevorstehen? Werden wir stark genug sein, diese ungeheuren Aufgaben, diese Kämpfe zu erfüllen, oder werden wir vor lauter Selbstzerfleischung uns für lange Zeit lahmlegen in der Vertretung der Arbeiterinteressen. Ich bin überzeugt, die Arbeiter selbst werden bald tabula rasa machen mit denen, die Gehässigkeit und Rechthaberei allem andern über- ordnen. Die Arbeiter werden bald zu ihrem Schrecken gewahr werden, wie unheilvoll Disziplinlosigkeit wirkt. Nach der Wiederkehr auch nur halbwegs normaler Zeiten werden die Massen erkennen, wie un- verantwortlich die Spaltung der Fraktion war. In einer demokrati- scheu Partei muß sich eben die Minderheit der Mehrheit fügen.(Zu- stimmung.) Freilich hören wir seit geraumer Zeit, daß wir uns noch verständigen könnten, wenn sich nur die Mehrheit der Minderheit fügen würde.(Heiterkeit.) Mit Demokratie hat das aber nichts mehr zu tun. Darüber, ob ein Grundsatz oder formale Dinge in Frage kommen oder wie ein Grundsatz auszulegen ist, kann in einer Kör- perschast nur die Mehrheit entscheiden.(Lebhaste Zustimmung.) Die gegenteilige Auffassung mutz zum Anarchismus führen.(Sehr wahr!) Eine Fraktion würde sich zur völligen Ohnmacht verdammen und zum Gespött werden, wenn sie dulden würde, daß jeder in ihr auf eigene Faust machen kann, was er will. All das Unglück des Krieges ist nur über die Welt gekommen, weil wir zu ohnmächtig waren, es zu verhüten. Wir wollen aber die Erhaltung unseres Volles, wir wollen den Aufstieg der Menschheit aus jammervoller Erniedrigung. Dazu brauchen wir Macht. Vor- aussetzung zur Macht aber ist Geschlossenheit und Disziplin.(Sehr wahr!) Die deutsche Sozialdemokratie mutz darauf bedacht sein, stark und stärker zu werden als Ausdruck und Werkzeug der über alle Autoritäten emporsteigenden Vollsmassen. Das muß uns schließlich gelingen, trotz alledem, komme, was da will!(Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Heber die Zusammensetzung der Roichskonferenz berichtet Bartels(Parteivorstand) und schlägt vor, alle Mandate, auch die beanstandeten, für gültig zu erklären. Da die Konferenz keine verbindlichen Beschlüsse fassen soll, erklärt L i p i n S k i, daß man auf etile Mandatsprüfung nicht zu bestehen brauche und schließt sich dem Vorschlage an.— Fn der anschließenden kurzen {Debatte wird besonders die Frage erörtert, ob der Parteivorstaich von sich aus entschlossen gewesen sei, die Abgeordneten der Sozial- demokratischen Arbeitsgemeinschaft zur Reichskonferenz einzuladen, oder ob er sich dazu erst infolge des Verlangens der oppositionellen Mitglieder des Partciausschusses entschlossen habe. Die Konferenz erklärt sämtliche Mandate für gültig, auch die der drei Vertreter der neuen Kreisorganisation Teltow-Beeskow, deren rechtmäßigen Bestand der Parteivorstand nach wie vor nicht aner- kennt. Der Parteivorstand erklärt jedoch, daß er selbst die Zu- lassung dieser drei Vertreter beantragt habe, um die Zeit der Konferenz nicht noch mit einer Debatte über Teltow-Beeskow zu belasten. Darauf tritt die Mittagspause ein.— In der Nachmittagssitzung berichtet über die Tätigkeit des Parteivorstandes E b e r t: Der Weltkrieg traf uns in den Vorbereitungen zum Parteitag. Unsere Mitgliederzahl hatte sich im abgelaufenen Jahr um 10 Hroz. gesteigert und eine Million überschritten. Auch in der Parteipresse war der Abonnentenverlust des Vorjahres aus- geglichen worden. Die Wirkungen des Krieges setzten aber sofort mit voller Wucht ein. In etwa sechs Wochen nach KriegSaus- bruch verlor die Parteipresse ein Fünftel ihrer Abonnenten. Der Mitgliederverlust der Organisationen seit März 1914 beträgt Prozent. Der Abonnentenstond der Parteipresse zeigt gegenüber dem Stand von 1914 einen Rückgang von 46 Proz., die Einnahmen an Parteibeiträgen zeigen einen Rückgang von 786 467 auf 269 254 Mark. Mit dem starken Einziehen zum Heer in den letzten Mo- naten hat sich das Bild natürlich noch wesentlich ungünstiger ge- staltet. Aber der Rückgang des Mitgliederbestandes und der Abon- nenten ist weit stärker als die Zahl der Einberufungen.(Hört! hört!) Das beweist der starke Rückgang der weiblichen Mitglieder trotz der gesteigerten Erwerbsmöglichkeiten im Kriege. Am ge- ringsten ist der Rückgang der Mitglieder dort, wo sie mit den positiven Arbeiten der Partei beschäftigt worden sind. Wo man sich jahrelang hindurch nur mit Parteistreit beschäftigt hat, sind die Mitglieder natürlich nicht gefestigt worden, sondern haben der Partei schließlich den Rücken gekehrt.— Bei der langen Dauer des Kriegszustandes ist eine möglichst enge Fühlung zwischen der Zentralleitung und den einzelnen Organisationen notwendiger als je. Wir haben daher nicht nur den Parteiausschuß, sondern auch die Redakteure, die Geschäftsführer und die Bezirksleitungen der Jugendbewegung wiederholt zu Konferenzen berufen.— Gleich nach Kriegsbeginn haben wir energisch den Standpunkt vertreten, daß die Aufrechterhaltung des Belagerungszustandes in allen Teilen des Reiches und während der ganzen Kriegsdauer mit der Ver- fassung unvereinbar ist; nnd unter allen Umständen müsse das blecht der politischen Kritik gewahrt bleiben. In einer besonderen Denkschrift haben wir gegen das System der militärischen Sicher. heitshast und gegen die vielfach sinnlosen und ungerechtfertigten Verhaftungen den allerschärfsten Protest erhoben. Aber wir haben die Parteigenossen und die Parteiprefle auch vor Unbesonnenheiten gewarnt, die nicht nur dem einzelnen, sondern auch unserer Sache schaden. Eine solche Stellungnahme ist bereits früher, und zwar unmittelbar nach dem Marokkokonflikt auf Veranlassung und mit Zustimmung des Genossen Bebel in einer früheren Konferenz der Redakteure festgelegt worden. Als eine der wichtigsten Aufgaben betrachteten wir es, den wirtschafllichen Kriegswirknngen nach Mög- lichkeit entgegenzuwirken. Es handelte sich zunächst um die Be- kämpfung der Arbeitslosigkeit mit Hilfe von Reichsmitteln, um die Erhöhung der Unterstützung von Krigersamilien, um die Schaf- fung einer Wöchnerinnenhilfe, um Neuregelung der Fürsorge für Kriegsverletzte und Kriegshinterbliebene. Das Erreichte ist aller- dings ungenügend und unvollständig. Was aber an Verbesserungen geschaffen ist, ist fast ausschließlich auf die intensive Tangkeit der Partei und der Gewerkschaften zurückzuführen. Eine zweitgroße Ausgabe ist die Sicherung der Volksernährung. In einer Bro- schüre haben wir das hier in Betracht kommende Material zusam- mengestellt. Dem Widerstand der Produzenten und Händler mußte überall energisch das Konsumenteninteresse entgegengestellt werden. Andauernd haben die Vertreter unserer Partei in den Landtagen und in'den Gemeinden ebenfalls die Lcbensmittelfrage erörtert, um auch die Bundesstaaten und Gemeinden zu ernsteren und durchgreifenderen Maßnahmen zu veranlassen. Alle Erfolg ver- sprechenden Maßnahmen haben wir für den Kamps gegen den Kriegswucher eingesetzt, und hierbei hat stets volle Uebereinstim- mung in der Presse bestanden. Trotzdem hat wohl nichts mehr zur Verschärfung der Parteigegensätze beigetragen wie die Lebens- mittelschwierigkeiten.(Sehr richtig!) Die Lebensmittel frage ist im Parteistreit manchmal demagogisch benutzt worden.(Sehr wahr!) Nutzen von einer solchen Taktik haben nur die Lebens- mittelwucherer, den Schaden hat die Partei. Trotz der noch be- stehenden großen Mängel in der Lebensmittelversorgung darf doch die Bedeutung der Parteiarbeit nicht verkannt werden. Ohne sie wären die Interessen der Arbeiterklasse noch weit weniger berück- sichtigt worden. In der kapitalistischen Wirtschaftsordnung lassen 'ich Profit und Ausbeutung nicht durch Verordnungen nnd Para- graphen aus der Welt schaffen. Der Kampf um die Sicherung der Volksernährung ist auch ein Teil unseres großen Kampfes, um die Erringung der politischen Macht.(Sehr richtig!) Ein anderes wichtiges Tätigkeitsgebiet find die Bestrebungen des Parteivorstandes, die Aktionsfähigkeit der Internationale wieder herbeizuführen. Allerdings haben wir auch früher bei der Internationale Illusionen über unsere Macht zur Verhinderung des Krieges erweckt. Als das Internationale Bureau am 28. Juli 1914 zusammentrat, hat auch niemand an einen Kriegsstreik ge- dacht. Das Bureau forderte die Proletarier auf, in den Kund- gedungen gegen den Krieg fortzufahren und sie zu verstärken. Das haben wir getan, soweit unsere Kraft reichte. Als das Ver- hängnis schon unabwendbar war, haben wir den Genossen Müller nach Brüssel und Paris geschickt, um Fühlung mit dem Jnter- nationalen Bureau und der Partei Frankreichs zu halten. Nach Kriegsausbruch hat die Parteileitung diese Bestrebungen der Ver- ständigung und Fühlungnahme mit der Internationale fort- gesetzt. Schon im September 1914 versuchten wir in der Schweiz, mit der französischen Partei in Fühlung zu kommen. Der Versuch ist nicht durch unsere Schuld mißglückt. Auch gegen Versuche der holländischen Partei, Berständigungsaktioneu unter den Parteien der kriegführenden Länder einzuleiten, hat die französische Partei heftig Protest erhoben. Auch als wir im März 1915 zu VerHand- lungen im Haag erschienen, erfuhren wir, daß die französische Par- tei die von dem Internationalen Bureau vorgeschlagenen Ver- Handlungen rundweg abgelehnt hatte. Die britische Sektion der Internationale hat sich zuerst zustimmend erklärt, dann aber an die Seite der französischen Partei gestellt. Unsere deutsch-öster- reichisch-ungarische Konferenz in Wien im April 1915 hat sich ent- schieden für einen Frieden ausgesprochen, der kein Volk demütigt. Aber weder bei der französischen, noch bei der britischen Partei haben wir das allergeringste Echo gefunden, ebensowenig bei der Kundgebung für den Frieden, die wir am 39. Juni 1916 in der Presse erlassen haben. Ein letzter Versuch wurde im Dezember 1915 auf Veranlassung des Internationalen Bureaus unter- nommen. Wiederum erklärten wir uns bereit, für einen Frieden ohne Eroberungen einzutreten. Aber die Franzosen und die Eng- länder kamen nicht, und Vandervelde sagte:„Solange es deutsche Soldaten in Frankreich gibt und man mir vom Frieden spricht, werde ich mir die Ohren verstopfen." Dieser Standpunkt mag bei einem belgischen Minister verständlich sein, mit dem Präsidium in der proletarischen Internationale ist er unvereinbar. Die fran- zösische Partei hat ihren bekannten Standpunkt Anfang August von neuem festgelegt, und nur die Stellung der Minderheit in Frankreich zeigt nicht einen Gegensatz zu der der deutschen Mehr- heit. Eure ähnliche Stellung wie die Mehrheit der deutschen Par- tei nimmt die britische Arbeiterpartei ein. Allerdings gibt es in England auch eine Minderheit, die Unabhängige Arbeiterpartei, die aber nach Zahl ihrer Mitglieder und nach ihrem Einfluß von sebr geringer Bedeutung ist. Die Unabhängige Arbeiterpartei be- willigt die Kriegskredite, ist aber für Völkerverständigung und baldigen Frieden. Vandervelde, die Mehrheit der ftanzösischen und englischen Partei fordern den Krieg bis zum Ende. Konnte die Internationale schon nicht den Krieg verhindern, so darf sie ihren Einfluß auf die Gestaltung des Friedens nicht preisgeben.(Leb- hafte Zustimmung.) Die deutsche Partei hat sich immer zu einem Frieden ohne Eroberungen bereit erklärt. Unsere letzte Friedens- aktion ist aber innerhalb der Partei bekämpft worden. Man hat sogar in Berlin VI einen Funktionär enthoben, weil er die Frie- denspetition des Parteivorstandes verbreitet hat. Trotz der be- hördlichen Schwierigkeiten und trotz der eingetretenen Berschie- bung der miiitär-politischen Situalion hatten unsere Versamm- lungen und Petitionen erfreulichen Erfolg. Während am 21. August 1914 KautSky in der„Neuen Zeit" den Burgftieden innerhalb der Partei proklamierte und eine Re- dakteurkonferenz sich damals auf den gleichen Standpunkt stellte, hat die seit Jahr und Tag im heftigsten Gegensatz zur Partei stehende Gruppe in ihr den Krieg ausgenutzt, um ihre Politik zu propagieren. In der„Bremer Bürgerzeitung" hat schon am 5. April 1913 Pannekoek die Landesverteidigung verworfen. Zu seinen aus dem Auslande gegen die Partei geschleuderten Bor- würfen gesellten sich bald die„Lichtstrahlen" und die Düsseldorfer „Internationale", die alles Herunterriffen, was nicht zu ihnen hielt. Kautsky genau so wie uns. Es begann die Hetze in der ausländischen Parteiprepe, es kamen die von Verleumdungen, von Ehrabschneiderei und von Schmähungen strotzenden Flugblätter aller Art. Den ersten größeren Vorstoß unternahm die Opposition in dem Flugblatt vom 9. Juni 1915, das heuchlerisch in die Form einer Petition gekleidet war. Das„Gebot der Stunde" schloß sich an, das die Partei zu einer entscheidenden Aktion aufforderte. Und das tat der Vorsitzende der Partei, ohne die übrige Parteileitung zu informieren.(Hört! hört!)— Die vielen Spielarten innerhalb der oppositionellen Sonderorganisation erinnern unangenehm an russische Parteiverhältnisse. Das heutige Austreten Ledebours als Vertreter von Hundert ist auch ein Beweis für die Sonderorgauisa- Hon, die ja schon überall Ortsgruppen gründet, Kreis- und Be- zirkskonferenzen und selbst internationale Konferenzen abhält. Wenn zwei sich streiten, erfährt der Dritte die Wahrheit, so haben die Polemiken zwischen Arbeitsgemeinschaft und Spartakus viel über die Zustände in der Opposition mitgeteilt. Es hat ja auch eine Reichskonferenz der Opposition stattgefunden, die zur Steuer- frage Stellung genommen hat. Auch in der Jugendbewegung ist die Spaltung offen durchgeführt, ein eigenes Organ bekämpft die von Partei und Gewerkschaften geschaffene Jugendbewegung. An dieser„Politisierung der Jugend" wird die Reaktion ein gefundenes Fressen haben, an der Partei und an der Jugendbewegung aber ist dieses Vorgehen ein ungeheures Verbrechen.(Sehr richtig!) Man gibt sich ein eigenes Programm, an das allein man sich� für gebunden erachtet, und dann schreit man im ganzen Lande über die GewaltptrliHk des Parteivorstandes, der Parteiprogramm und Parteitagsbeschlüsse nicht halte. Das ist eine heuchlerische Spitz- bubentaktik.(Lebh. Sehr richtig!) Der Parteivorstand muhte und mutz diesen Spaltungs- und Sprengungsversuchen energisch be- gegnen, alle Beschwerden gegen sein Vorgehen sind von der Kon- trollkommission glatt abgewiesen worden. Die Methode der an sich schon verwerflichen anonymen Flug- schriften übertrifft an niedriger Gesinnung und Verleumdungssucht alles, was bisher dagewesen ist. Durch persönliche Verunglimpfungen, durch die Methode des berüchtigten Reichsverbandes, von der selbst bürgerliche Kreise sich mit Ekel abgewandt haben, sollen die im Vordergrunde der Arbeiterbewegung stehenden Körperschaften und Personen verdächtigt und unmöglich gemacht werden. Und keiner dieser Drahtzieher findet den Mut, sich zu den Sudelschristen zu be- kennen.(Sehr wahr!) Die Gegner find bereits dabei, dieses Material zu sammeln.(Zurufe: I. K.!) Was heißt I. K.?; die Gegner sam- mein bereits eifrig jene anonymen Sudeleien der Opposition. Die anonymen Aufforderungen zum Streik der Munitions- arbeiter können nicht nur für den einzelnen Arbeiter, sondern auch für unsere Organisation zur allergrößten Gefahr werden. Vor einer niederrheinischen Munitionsfabrik mit 7999—8699 Arbeitern, von denen 159 oranisiert sind(Hört! hört!), wurden Streikflugblätter ver- breitet. Die harmlosen Verbreiter wurden verhastet, die Schuldigen sitzen im Schilf und schnitzen die Pfeifen. Unglückliche Arbeiterftaucn haben sich bei uns jammervoll beklagt, daß man ihre Männer so leichtfertig ins Unglück treibe.(Hört! hört!) In einem dieser Briefe wird mitgeteilt, wie die„verfluchten Freunde den Mann angeblich zu einer Versammlung abholten, in Wirtlichkeit aber, um solche Streik- flugblätter anzukleben". Die Frau spricht von den furchtbaren Qualen, die sie infolge der Verhaftung ihres Tags zuvor von der Front aus Urlaub gekommenen Mannes durchmachen mußte und die sie zuletzt ganz stumpfsinnig gemacht hatten.(Bewegung, Rufe: Pfui! Verbrechen!) Wie unsinnig ist ein solches Untersangen in einer Zeit, in der die englischen Munitionsarbeiter auf Sonn- und Feier- tage verzichten, wo m der ganzen Welt mit äußerster Kraft Munition für die Entente hergestellt wird, in einer Zeit, in der die Entente ein Land nach dem andern in den Krieg zwingt, und wo alle feind» lichen Staatsmänner jede Friedensbereitschaft ablehnen und unsere Söhne und Brüder im furchtbarsten Trommelfeuer liegen; da sollen die deutschen Arbeiter mit dem Munitionsstreik einsetzen.(Rufe: Pfui!) Wäre das nicht Wahnsinn?(Stürmische Zustimmung und Bravorufe, Heine: Henke lacht dazu.— Andere Rufe: Henke und Stadthagen lachen dazu.— Große Unruhe.— Henke: Ich lache über Heine und seine Heuchelei!) Es kommt zu einer stürmischen Szene, die eine Unterbrechung der Sitzung zur Folge hat. Nach Wiedereröffnung mahnt Vorsitzender Müller, doch Ruhe und Besinnung zu bewahren. Es folgen eine große Anzahl persön- licher Erklärungen, schließlich erklärt der Vorsitzende den Zwischenfall für erledigt und Ebert führt sein Referat zu Ende: Die angeregte Aktion ist politisch sinnlos, aber selbst wenn man sie für richtig hält, so war es bei uns in Deutschland bisher doch nicht üblich, daß Aktionen von unbekannten Leuten im Dunkeln eingeleitet werden. Der Mannheimer Parteitagsbeschluß spricht offen aus, unter welchen Umständen ein politischer Massenstreik eingeleitet werden darf. Der Parteivorstand hatte also die Pflicht, gegen solche wilde Aktionen vorzugehen.(Zustimmung.) Generalkommission und Parteivor- stand sind völlig aus eigener und selbständiger Entschließung zu ihrem Vorgehen gekommen. Weder eine Zivil- noch eine Militär- behörde hat irgendwie versucht, auf uns in irgendeiner Weise ein- zuwirken.(Hört! hört!)— Die anonymen Flugblätter benutzen auch den traurigen Fall Wallfisch, der in Dresden wegen Untreue verurteilt war, zu schmählichster Verunglimpfung aller Vertreter der Parteileitung und Mehrheitspolitik als Fälscher und Betrüger. Sicherlich beruhen die Schwierigkeiten in der Partei nicht auf persönlicher Zankerei, sondern haben einen tiefen sachlichen Hinter- grund. Der Meinungsstreit muß natürlich offen ausgetragen wer- den, aber verderblich für die Partei und verhängnisvoll für das Proletariat ist es. wenn er in Methoden ausgefochten wird, die jeden parteigenössischen Geist vermissen lassen. Das muß zur Lähmung und zum Zusammenbruch führen. Diesem Treiben ent- gegenzutreten ist für die Partei eine Lebensfrage. In den Kämpfen der Zukunft wird das Schicksal der Arbeiterklasse auf Jahrzehnte hinaus entschieden werden und bei diesen Kämpfen wirtsi alles von der Macht und Entschlossenheit der Arbeiterschaft abhängen. Und da soll der Bruderkampf die deutsche Sozialdemokratie von ihrem stolzen und festen Wege zur Macht in Ohnmacht zurück- schleudern? Das wäre ein Verbrechen an der Arbeiterklasse, da? wäre ein Triumph der Reaktion. Das darf nicht geschehen, das müssen wir verhindern und deshalb gilt es, unsere Organisationen zu festigen und die Einheit der Kampffront zu sichern.(Lebhafter anhaltender Beifall.) Hierauf werden die Verhandlungen auf Freitag früh S llhr vertagt.