Ur. S66.-33. Jahrg. Kdonnementt-Kecklnzungen! klbonnements- Preis pränumerando Bierlcljährl. 3,90 Ml. monaü. 1,30 Ml, wöchentlich 50 Psg, frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonnlags- nummer mit Muslricricr sonntags- Beilage.Die Neue Welt' lO Pfg, Post- Kdonnctncm; 1,30 Marl pro Monat. Eingelragen in die Post- Zeirungs- Preisliste, llmer Kreuzband für Teutschland und Oesterreich. Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland t Marl pro Monat. Poslabonncmenls nehmen an Belgien, Tänemarl, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweis. (Ts Pfe�nSg) D!e InlcrflonS'Gebflljr tetriigt für die fechsgefpaltene Kolonel- lgile oder deren Raum 00 Psg., für politische und gewcrlschastlichc Vereins- und Bcrsauimlungs- Anzeigen 30 Pfg, „kleine Rnreigen", das letigcdruclie Wort 20 Pfg,(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Won 10 Pfg, Stellengesuche und Schlafstcllenan- zeigen das erste WoN lO Pfg,, jedes weitete Wort ö Pfg, Worte über lb Buch- ftaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis k Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeoition ist bis 7 Uhr abends gevssnel. vlcheliit täglich. Devlinev Volktsbl�K. Telegramm-Adresie! »Zgiüslllemglllill liellii". Zcntralorgan der rozialdcmokratifcbcn Partei Deutfcblands. Neöaktion: SW. 6$, Linöenstraße 3. Fernivrecher: Amt Mortvpla«, Nr. 1S1 SV— 151 97. Mittwoch, den 27. September 1916. Cxpeöition: SV). öS, Linöenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morinplati, Nr. IM 90— 131 97. Die öeutsch-englijcheSchiffahrts- konkurrenz. Von Heinrich Cunow. ür-er Krieg hat der deutschen Seeschiffahrt tiefe Wunden geschlagen. Ein beträchtlicher Teil der Handelsschiffe ist von den feindlichen Kriegsschiffen vernichtet oder gekapert worden, ein anderer Teil, der zur Zeit des Kriegsausbruchs in fremden Häfen lag oder Zuflucht suchte, wurde dort sofort oder später, nachdem sich diese Mächte der Entente angeschlossen hatten, beschlagnahmt. Die deutsche Kauffahrteiflotte aber, die nichr in Feindesland übergegangen ist, liegt größtenteils tatenlos in einheimi'chen und neutralen Häfen, veraltet und verdirbt, denn auch die sorgfältigsten Ausräumungen, Abtakelungen, Maschinendemontagen usw. vermögen nicht zu verhüten, daß die stilliegenden Fahrzeuge ziemlich schnell abnutzen. Zu- dem aber verursacht ihre Erhaltung wie auch die Weiterbe- Zahlung von Kai-, Dock- und Liegegebühren, von Gehältern und Löhnen beträchtliche Kapitalverluste. Nur ein geringer Teil der sonst alle Meere bcsahrcndcn deutschen Handelsflotte hat eine gefahrvolle Verwendung im Frachtdienst zwischen deutschen und skandinavischn Häfen gefunden. Daß diese der deutschen Seeschiffahrt zugefügten schweren Schäden möglichst bald ausgeglichen werden, damit die deutsche Kauffahrteiflotte ihren Betrieb wieder in früherer Weise auf- zunehmen vermag, liegt nicht nur im Interesse der Reedereien, sondern des gesamten deutschen Wirtschaftsgetriebes, nicht zum Ivenigsten auch der Arbeiterschaft. Die deutsche Seeschiffahrt hat sich mehr und mehr zu einem der wichtigsten Zweige des deutschen Wirtschaftslebens entwickelt, in dem vor dem Kriege nach sachi'erständiger Schätzung ein Necderkapital von ungefähr 850 Millionen Mark investiert war: eine Summe, zu der noch die Werte hinzukommen, die in den mit der Seeschiffahrt zusammenhängenden zahlreichen Hafen-, Kai-, Wersten-, Speicheranlagen usw. stecken. Und in allen diesen Anlagen ist ein riesiges Arbeiterheer beschäf- tigt, deren Wohl und Wehe eng mit der Ausdehnung und Leistungsfähigkeit der deutschen Seeschiffahrt verknüpft ist, ganz abgesehen von der Besatzungsmannschaft der deutschen Handelsflotte, die zu Beginn des Jahres 1914 nach der An- gäbe der Seebcrufsgenossenschaft fast 84 999 Personen um- faßte. Zudem hängt mit der Seeschiffahrt die Wohlfahrt der Binnenschiffahrt eng zusammen, da der wichtigste Zweig ihrer Tätigkeit in der Zufuhr und Abfuhr der in den Hafcnplätzen eingehenden Waren auf den binnenländischen Strömen und Kanälen besteht: und auch in der deutschen Binnenschiffahrt waren vor dem Kriege ungefähr 67 999 Mann beschäftigt. Gerade nach dem Kriege bedarf Deutschland ganz be- sonders einer leistungsfähigen Handelsmarine, denn soll sich das deutsche Wirtschaftsleben � nach dem harten Druck des Krieges wieder erholen, soll die Wiederumschaltung der In- dustrie auf die Bedürfnisse des Fricdenszustandes ohne nach- haltige schwere Erschütterungen des ganzen Wirtschaftskörpers gelingen, dann ist erste Vorbedingung, daß die auf die Neigegegangenen fremdenNoh-und Hilfsstoffe möglich st schnell herangeholt, die während der Kriegszeit von der fremden Konkurrrenz in Beschlag genommenen aus- länd ischen Absatz nrärkte ohne Verzug wieder dem deutschen Ausfuhrhandel erschlossen werden. Es ist daher eine höchst freudige Nachricht, daß auf den! größeren Teut'chen Werften mit höchster Anspannung, soweit � die Arbeitskräfte und die Schiffsbaumaterialien reichen, dar- an gearbeitet wird, die großen Schisfsverluste der deutschen Kauffahrteiflotte zu ersetzen. Und nach sachverständigem Ur- teil über die Fortschritte der Bautätigkeit wird es voraus- sichtlich nicht nur gelingen, vollen Ersatz zu schaffen, sondern auch zu erreichen, daß schon im nächsten Frühjahr dw deutsche Handelsmarine entschieden leistungsfähiger sein wird, als vor dem Kriege: denn die neuen Schiffe, die gebaut werden, sind nicht nur größer und mit allen Errungenschaften der modernen Schiffsbautechnik ausgerüstet, sie werden zumeist auch eine viel größere Geschwindigkeit haben als die alten. Der Generaldirektor der Hamburg-Amerika-Linic, Albert Hallin, hat Ende Juni einem Korrespondenten der Kopen- Hagener„Berlingske Tidende" allerlei aus dem Flottenpro- gramm� der Hamburg-Amerika-Linie und des Norddeutschen Lloyd sowie der mit ihnen eng liierten Hansa-Dampfschiff- fahrtsgesellschaft, Afrika-Linie und Kosmos-Linie mitgeteilt.! Schon wer sich diese Angaben näher ansieht, verniag daraus; zu erkennen, welche weitreichenden Pläne die Leiter dieser � Schiffahrtsgesellschaften hegen. Neben Riesenlurusdampfern � wie den„Bismarck"(56 999 Registertonnen), den„Hinden- � bürg"(35 099 Tonnen), den„Kolumbus"(35 999 Tonnen), den„Tirpitz"(32 999 Tonnen) usw. enthält das Programm eine lange Reihe von schnellfahrenden Riesen-, frachtdampfern von 9999 bis 1899 9 Tonnen. Die deutsche Handelsmarine ist, was ihre Leistungsfähig- keit anbetrifft, der englischen immer näher gerückt, zum Leid- Wesen der englischen Konkurrenz, wie so manche Aeußerungen der engli'chen Handels- und Schifsahrtspresse vor dem Kriege beweisen. Als das Deutsche Reich begründet wurde, betrug der Raumgehalt dpr deutschen Handelsmarine erst 982 355. Netto-Registertonnen und auch in den nächsten 25 Jahren stieg er nur langsam. Zu Beginn des Jahres 1891 stellte sich der Gehalt erst auf 1 433 413, 1896 auf 1 592 944 Register- tonnen. Dann tritt jedoch, wie die nachstehenden Zahlen der- anschaulichen, ein schnelleres Wachstum ein: Segelschiffe und Dampf- Secleichler schiffe Zusammen 1893... 622 106 879 939 1 302 944 Tonnen netto 1901... 693 770 1347 875 1941 645 1906... 553 817 1915 475 2 469 292.. 1911... 506 837 2 396 733 2 903 570 1914... 487 759 2 832 312 3 320 071 Die deutsche Handelsniarine hat in ihrem Wachstum die aller anderen Staaten überholt, bis auf die Handelsflotte Großbritanniens und Irlands, die zu Beginn des Jahres 1913— 11878 897 Netto-Registertonnen zählte gegen 3 153 724 Tonnen der deutschen Kauffahrteiflotte, doch sind diese Zahlen nicht Völlig vergleichbar, denn die deirtsche Statistik zählt Schiffe bis zu 59 Kubikmeter Brutto- Rauminhalt(— 17,65 Brutto-Registertonnen) nicht mit, wäh- rend die englische Statistik bereits bei Schiffen von 15 Brutto- Registertonnen-Raumgehalt beginnt, und ferner werden auch in England zum Teil bestimmte kleine Küstenfahrzeuge zu den Seeschiffen gerechnet, die in Deutschland den Binnen- schissen zugezählt werden. Indes wird dadurch im Ganzen das Größenverhältnis der beiden Handelsflotten nur wenig zugunsten Englands verschoben. Dem Raumgehalt nach war demnach Deutschlands Handels- flotte vor dem Kriege nur gut ein Viertel so groß, als die Englands; zieht man die Leistungsfähigkeit in Betracht, dann stellt sich freilich das Verhältnis als viel günstiger für Deutsch- land heraus.- Zwar ist in der deutschen Frachtschiffahrt noch viel mehr als in der englischen die Verwendung von Segel- schiffen üblich, an der Gesamttonnage sind in Deutschland die Segelschiffe noch mit fast 16, in England nur noch mit 8 Prozent beteiligt; dafür aber sind nicht nur die deutschen Segelschiffe durchweg größer(zu einem ansehnlichen Teil sogar Vier- und Fünfmaster), sondern es haben auch die deut- schen Dampfer durchweg einen größeren Raumgehalt, und überdies fahren sie viel schneller als die englischen. Im Durchschnitt kommt in der englischen-Kauffahrteiflotte auf den Segler nur ein Raumgehalt von ungefähr 196 Netto- Registertonnen, in der deutschen von 181 Netto-Registcrton- nen, und das englische Dampfschiff hat im Durchschnitt nur eine Tragfähigkeit von 899 Netto-Registertonnen, das deutsche hingegen von 1279 Tonnen. Dennoch besitzt noch immer die englische Handelsflotte gegenüber der deutschen ein starkes Uebergewicht, selbst wenn man in Rechnung stellt, daß die englische Kauf- fahrteiflotte einen beträchtlichen Teil ihres Schiffsraums durch den Unterseebootkrieg, Minenexplosionen und sonstige j Unglücksfälle verloren hat, der nur teilweise durch Neubauten � ersetzt worden ist, und daß ferner von dem reichlichen Drittel 1 der englischen Gcsamttonnage, das die Admiralität für Kriegs- j zwecke requiriert hat, ein großer Teil nach dem Kriege so ab- genutzt und entwertet sein wird, daß er ohne große Repara- turcn kaum mehr verwendbar sein dürfte. Immerhin scheint die Wiederaufnahme des Konkurrenz- kampfes der deutschen Seeschiffahrt gegen die englische trotz | der großen Schiffsverluste der deutschen Reedereien keines- j wgs so aussichtslos, wie vielfach in binnenländischen Handels- ; kreisen angenommen wird. In einer Hinsicht steht allerdings I das englische Reederkapital viel günstiger da als das deutsche. 1 Während das deutsche große Verluste erlitten, hat das� eng- j tische infolge der enormen Erhöhung der Frachtraten Riesen- ! Profite eingesteckt, und tritt daher finanziell weit besserausgerüstetaufdenKampfplan. Diesen Nachteil, in dem sich die deutsche Reederei gegenüber der eng- � tischen befindet, möglichst auszugleichen, haben erstens die beiden sich frllbcr so häufig befehdenden großen deutschen Schiffahrtsgesellschaften, die Hamburg-Amerika-Linie und der Norddeutsche Lloyd, mit ihrem beiderseitigen Anhang, der Hamburg-Südamcrikanischen Dampfschiffahrtsgesellschaft, der Kosmos-Linie, der Hansa-Linie, der Levante-Linie, der Deutschostafrika-Linie, der Hamburg-Bremer Afrika-Linie, der Wörniann-Linie u'w., ihren alten Rivalitätskampf einge- stellt und sich zu einer großen Jnteressenkoalition verbunden, und zweitens haben sie mit der Bankfinanz sowie mit der rheinisch-wcstfälischen Großindustrie enge Fühlung und Ver- bindung gesucht. So ist z. B. bereits vor einigen Monaten bei der Uebernahme der Wörmann-Linie nicht nur der Direk- tor der Norddeutschen Bank in Hamburg und Gesellschafter der Berliner Diskontogesellschaft, Herr Max Schinkel, zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats der Hamburg-Amerika-Linie, in den Aufsichtsrat der Wörmann-Linie gewählt worden, sondern auch der bekannte Vertrauensmann des Zentralverbandes deutscher Industrieller, der Reichstagsabgeordnete Dr. Wil- Helm Hirsch, während der Großindustrielle Hugo Stinnes als Miterwerber der Woermaun-Linie mit Ballin und Hcineken (dem Generaldirektor des Norddeutschen Lloyd) in den gc- schäftsführenden Dreimännerausschuß aufgenommen wurde. Nun traten weiter, wie gemeldet wird, auch Herr von Ge- winner, Direktor der Deutschen Bank, Dr. Salomonsohn, Ge- sellschafter der Diskontogesellschaft, und Herr Stinnes in den Aufsichtsrat der Hmnburg-Amerika-Linie.ein(im Aufsichts- rat das Norddeutschen Lloyd ist die Deutsche Bank bereits � durch Direktor Mankiewitz vertreten), und diesen dreien wird demnächst Herr Robert Kirsten, Chef der Reederfirma A. Kirsten und Aufsichtsratsmitglied der Hamburger Vereins- bank, als Vierter folgen, während andererseits wieder, wie verlautet, an der von Ballin neugegründeten Hamburger Werft-Aktiengesellschaft die Allgemeine Elektrizitäts-Gesell- schaft beteiligt ist. Eine Meldung, die stimmen dürfte: ist doch Herr Ballin schon seit Jahren auch Aufsichtsratsmitglied der A. E. G. und zugleich der Elektro-Treuhand-Akticngesell- schafft So bereitet sich eine gewaltige Koalition zwischen Schiffahrtsbetricb, Großindustrie und G r o ß f i n a n z vor— ein Wetterleuchten der nach dem Kriege kommenden neuen finanzkapitalistischen Wirt- schaftsära.#(z) • Eine Kundgebung deutscher Reeder. Auf der zweiten Kriegslagung der S e e- B e r u f s g e n o s> e n- ffchaft, die em 21. September unter sehr zahlreicher Beteiligung in Hamburg stattfand, machte der Vorsitzende Herr C. Krogmann inr ausdrücklichen Auftrage des Vorstandes nach der.Deutschen Tages- zcitung" folgende Ausführung: „Hat sonach die deutsche Reederei während des Krieges den Beweis dafür erbracht, daß sie voll und ganz auf der Höhe der Aufgaben steht, die das Vaterland von ihr verlangen darf, so er- wartet sie aber auch, daß ihr durch den Abschluß des Krieges die nötige Ellbogcnfreihcit geschaffen, insbesondere die Sicherheit ge- währlcistet wird, in friedlichem. Wettbewerb sich auf allen Meeren wieder erfolgreich zu betätigen. Zu diesem Zwecke er- achtet sie eö für unbedingt geboten, daß durch den zulünfrigen Frieden auch das eine der großen deutschen Ziele, Freiheit der Meere und freier, ungehinderter Verkehr der deutschen Schiffe in allen Häfen der Welt, uneingeschränkt erreicht wird. So wertvoll weitgehende Sicherungen im Osten sein mögen, so große wirtschaftliche Bedeutung dem in letzter Zeit so oft besprochenen Weg Hamburg— Sofia— Kon st anti- nopel— Bagdad innewohnen mag, Deutschlands Scegeltung verlangt in erster Linie gebieterisch die Schaffung realer Garantien im Westen, und zwar solcher, die nicht lediglich in schriftlichen Verträgen bestehen dürfen, sondern für die durch cntsprecbende Taten die erforderlichen, greifbaren, tatsächlichen Unter- lagen geschaffen werden müssen. Nur dann aber kann dies erreicht werden, wenn der Feind, der nur das eine Ziel kennt, Deutschland das Rückgrat zu brechen, der die Verwirllichung dieses seines Vernichtungswillens ohne irgendwelche Rücksicht- nähme betreibt, ebenso rücksichtslos, unter vollster Einsetzung aller unserem Volke zur Verfügung stehenden Mittel und Kräfle, niedergerungen wird. Dieses als die einmütige Auffassung der deutschen Reederei gegenüber gegenteiligen Behauptungen, die bedauerlicherweise mehrfacki von schlecht unterrichteten Außen- stehenden in der Breitereit Oeffentlichkeit aufgestellt worden sind. hier zum Ausdruck zu bringen, halten wir uns um so mehr skr verpflichtet, als unsere Genosienschast die einzige Vereinigung dar- stellt, die auf gesetzlicher Grundlage sämtliche deutschen Reeder umfaßt." Diese Darlegung, die auch in dem Jahresbericht niedergelegt ist, wurde nach dem Bericht der„Hamburger Nachrichten" mit stür- Mischer Begeisterung aufgenommen und fand die einmütige Zustimmung der Delegierten, unter denen sich die Vertreter sämtlicher größeren und mittleren Reedereien befanden._ Ein zweites Handels-v-Soot in Amerika angekommen! London, 26. Septeniber.(W. T. B.) Das Rcutersche Bureau meldet aus Wcsterly(Rhode Island): Der Kapitän eines Schleppdampfers hat den Befehl erhalten, sein Schiff fertig zu machen, um nach der Nähe von M o n- tauk Point zu fahren und ein deutsches Handels- C-Boot nach New-London(Connecticut) zu schleppen. Man glaubt, daß das deutsche U-Boot unter Wasser den Ein- bruch der Dunkelheit abwartet. Die Krise in Griechenland. Die unzufriedene Entcnte-Diplomatie. London, 25. September.(W. T. B.) Reuter erfährt aus britischen Diplomatenkreisen, daß die britischen amtlichen Stelleu von dem Inhalt der Noten, welche Griechenland an Deutschland be- treffend die Jnternicrung der Garnison von Kavalla und die Gefangennahme griechischer Truppen in der Nähe von Florina ge« richtet hat, in Kenntnis gefetzt worden sind. Indessen werden diese Dinge als minder wichtig und nicht geeignet angesehen. die gegen Ivärtige peinliche und nicht zufrieden- st eilende Lage zwischen Griechenland und den Alliierten zu verbessern. Hier herrscht der Eindruck, daß diese in letzter Stunde vom König und seinen Ratgebern unter- nommenen Schritte in Wahrheit mehr zu dem Zwecke, Zeit zu ge- Winnen und einen günstigen Eindruck bei den Vierverbandsmächtcn hervorzurufen, getan worden sind, als aus einem anderen Grunde, doch glaubt man, daß die Schritte des Königs Konstantin und seiner Umgebung sich in dieser Beziehung als erfolglos erweisen werden. Demission des griechischen Generalstabschcfs. Athen,'26. September.(W. T. B.) Der Gcneralstabs- chef M o s ch o p u l o s hat demissioniert. Die JusurrektiouSbewegung iu der Armee. >thc»l, LS. September.v a f f n e t e n Kreter, die sich an Bord befanden, zwang dazu, sie die Reise fort' setzen zu lassen._ Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 23. September.(W. T. B.) Amtlicher B e- r i ch t vom 23. September. Mazedonische Front: Alt der Frort Lerin— Höhe KajmakealaN lebhaste Artillerictätigkcit. Ein Versuch der feindlichen Infanterie, auf der ganzen Front vorzurücken, scheiterte. Im Moglenitzatal schwache, für uns günstige In» fauteriegefechtc. Zu beiden Seiten des Wardar schwaches Arttllcrieseucr. Die feindliche Artillerie, die Brandgranaten auf die Stadt Dojran schleuderte, rief dort einen Brand her- vor. Am Futze der Vclasitza Ptautna Ruhe. An der Struma- front lebhafte Ariillertekämpfe. Ein Versuch der feindlichen Abteilungen, auf dem linken Ufer des Flusses östlich von Oritak vorzurücken, scheiterte. In dem Kampf am 23. Sep- tember ließ der Feind allein vor dein Dorf Dolnokaaradjovo mehr als 100 Leichen. An der Küste des Acgäischen Meeres Ruhe. Rumänische Front: Längs der Donau Ruhe. In der Dobrudscha rückten unsere Truppen auf der rechten Flanke erfolgreich vor und besetzten die Linie Arnzartch—Perveli. Der Feind zog sich in nlirdltcher Richtung zurück. Auf dem übrigen Teil dieser Front schwache Artillerie- und Infanterie- tätigkrtt. An der Küste des Schwarzen Ricercs Ruhe. Die Meldung des türkischen Hauptquartiers. Kviistmilhiopcl, 20. September.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom 23. September. Kaukasusfront: An unserem rechten Flügel lvurde eiir überraschender Feuerangriff des Feindes erstickt und durch Erwiderung unserer Artillerie zum Schweigen gebracht. Im übrigen fanden an diesem Flügel Scharmützel und Artillerie- »iid Fnfantcriefcuer mit Unterbrechungen statt. Wir wiesen den llebcrfall auf den linken Flügel, den der Feind mit schwachen Kräfteu unternahm, mit Verlusten für thir ab. Kein ivichttgeS Ereignis von den anderen Fronten. Die Russen unternahmen am 24. September, nachdem sie unsere Truppen an der galiztscheu Front unter das heftige Feuer ihrer leichten und schweren Artillerie genommen hatten, mit vielfach Überlegenen Kräften einen Angriff gegen sie. Dieser feindliche Angriff, der den ganzen Tag über andauerte, scheiterte vor dem Heideniuütigen Widerstand unserer Truppen vollständig, und der Gegner erlitt schwere Verluste. Anfangs gelang eö de» Russen, in gewisse Teile unserer weiter vor- geschobenen und schivachbesetzten Gräben östlich von Mijetzst- schon) einzudringen. Sie wurden indes durch einen Gegen- angriff, den unsere tapferen Truppen mit dem Bajonett unter- nahmen, wieder hinausgeworfen und blutig zurückgeschlagen. ilnserv Truppen stellten die ursprüngliche Lage vollständig ivteder her und nahmen dem Feinde 130 Gefangene ab, dar- unter ztvci Offiziere. Der BtzegeneralisstmilS. Mmig iß AM SWWllim. Amtlich. Großes Hauptquartier, 20. Sep- tember 1916. sW. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupp recht. Die englisch- französische Infanterie ist gestern, am vierten Tage des großen Ringens der Artillerie« zwischen Ancre und Sommc, zum einheitliche» Angriff angetreten. Der mittags eingeleitete Kampf tobte mit der gleichen Wut auch nachts fort. Zwischen der Ancre und Eaucourt l'Adbaye erstickte der feindliche Sturm in uiiscrcmFcucr oder brach blutig vor unsercnLinieu zusammen. Erfolge, die unsere Gegner östlich von Eaucourt l'Abbaye und durch die Besitznahme der in der Linie Guendecourt � Bouchavesnes liegenden Dörfer davon- getragen haben, sollen anerkannt, vor allem aber soll unserer heldenmütiaen Truppen gedacht werden, die hier den zusammengefnptcn englisch-sranzöstschc» Hauptkräften und dem Masseneiusatz des durch die Kriegsindustrie der ganzen Welt i» viclmonatigcr Arbeit bereitgestellten Materials die Stirn bieten. Bei Bouchavesnrs»nd weiter südlich bis zur Somme ist der oft wiederholte Anlauf der Franzosen unter schwersten Opfer» gescheitert. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des Gencralfeld Marschalls Prinz Leopold von Bayern. Sechsmaliger Ansturm starker feindlicher Kräfte bei Manaiow schlug vollkommen nnd unter blutigste» Verlusten fehl. Ein russisches Riesenflugzeug wurde bei Borguny(West- lich von Krcwos nach hartem Gefecht von einem unserer Flieger abgcschoffcn, in derselben Gegend unterlag auch ei« russischer Eindecker im Luftkampf. Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Carl. Im Lndowa Abschnitt sind abermals heftige feindliche Angriffe, weiter südlich Tcilvorstößc abgewiesen. Kriegsschauplatz in Ttcbenbtirgen. Im Abschnitt von Hcrrmaunstadt iRaav Szcbcns stehe« unsere Truppen in fortschreitendem Angriff. Rnmäuischr Kräfte gewannen beiderseits der Kamm- linie Szurduk-Vulkan-Paß die Grrnzhöhen. Die Paß- besatzungcn selbst schlugen alle Angriffe ab, sie find yruU nacht durch Beseht zuruckgcnommc». Balkan-Kricgsschauplatz. Heeresgruppe des G r n r r a l f e l d in a r f ch a l l a von Mackensen. An der Front keine besonderen Ereignisse. Luftschiff und Flieger griffen Bukarest erneut an. Mazedonische Front. Am 24. Scvtember kleinere, für die bulgarischen Truvpc« flünstig verlaufene Gefechte östlich des PreSpisceS und beider- eitS von Florina. Stellenweise lebhafte Artilleriekämpfe. Der Erste Griirralquartirrmelstcr. Ludcndorff. ch Neuer Zeppelinangriff gegen England. Berlin, 26. September.(W. T. B.) I» der Nacht vom 25. auf den 20. hat ein Teil»nserer Mnrtneluft- schiffe de» englische» K r i e g s h a f e n Port». m o n t h, befestigte Plätze an der Themsemündiing, sowie militärisch wichtige Industrie- und Bahnanlagen Mittel- englands, darunter P. ort, Lincoln und Derby aus- gicbig und mit sichtbarem Ersolg mit Spreng- und Brand- bomben belegt. Die Luftschisse sind trotz starker Gegen- Wirkung unbeschädigt zurückgekehrt. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Dietzgens philosophische Lehren. i. Unter diesem Titel hat unlängst Adolf Hcpner einen mit kurzer Einleitung und eigenen Bemerkungen versehene» Auszug aus den Schviftcn des Arbeiterphilosophen veröffentlicht.*) Altge- sichis des Umstand««, daß die vollstäiidige Ausgabe Dietzgeiis philosophischer Arbriten auf drei Baude sich erstreckt, entledigte sich Hrpncr in seinem Buch einer nützlicheii und daiikenSwerten Auf- gäbe. Besonders de« Lesern gegenüber, die nur Über wenig Muße verfügen oder auch Anfänger iu der Philosophie sind. Diese tönnen sich nun binnen kurzer Zeit und in leichter Weise mit der gesamten Philosophie Diepgens vertraut machen. Hepner hat auch seine Aufgabe der Auswahl des Wichtigsten gut erfüllt, indem er im großen und ganze»— abgesehen von wenige» Ausnahme»— das zur Charakteristik Diepgens Wesentliche zusammengetragen hat. Unter dem in HcpnerS Zusammenstellung Vermißten ist be- sonders eine Stelle ans dem zwölften Abschnitt des„Alguistt der Bhilofoplste" zu erwähnen. Dieselbe ist nämlich für Diepgen sehr charakteristisch, da sie ihn i» äußerst prägnanter Weise von der iübjektivtstischen Philosophie unserer Tage abgrenzt, wie der 3mmanenzphilos0phie und der von Avenarin« und Mach, nach denen die Wirklichkeit auf bloß Bewußtes hinausläuft. Aus obigem Grunde gebe ich diese Stell« hier wörtlich wieder.„Ist die Welt eine Porstellungk Ist sie ein Begriff? Sie läßt sich vorstellen und vegreifen; aber sie ist und tut mehr als das. Sie geht tn der Per- gangenheit, in der Gegenwart und Zukunft über unsere Vorstellung, über unseren Begriff hinaus.... Wir sagen in einem Ateni, wir wissen nicht alles, was tu der Welt vorgegangen, vorgeht und vor- gehen wird, wir vrg reifen das Ganze Nicht, nnd wollen doch gänzlich vsgriffen habe», daß dies Weltganze kein bloßer Begriff, sondern vielmehr«in Absolutes ist, ein weit mehr als Gedachtes oder Ge- wüßtes, ein Wirkliches und Wahres, ein Unendliches."(S. 79, :>. Auflage, Verlag Dich, 1996.) Vielleicht steht da« Weglassen dieser Stelle durch H. int Zusammenhang damit, daß er D. tn erkcnntnis- cheoretischer Beziehung gerade in Machs Nähe rücken will. Aber selbst i» dem von H. angeführten Text befinden sich Sätze, die als kräftiger Beleg für die hier vertretene Ansicht dienen:.Das Sein ist keine Art des Intellekts, sondern der Intellekt eine Art des empirischen Daseins. Dasein ist das Absolute, das überall und ewiß ist; das Denke» nur eine besondere beschränkte Form desselben.' Leider kann ich infolge der Knappheit des Raumes auf diesen Punkt nicht näher eingehen. Was tz.s kritische Beleuchtung und Würdigung der Philosophie Dietzgeiis anbelangt, so ist diese nicht genügend herausgearbeitet. hebt ja mit Recht hervor die hohe Bedeutung D.s für die philo- sophische Weltanschauung des Sozialismus. Darauf folgen aber Ausführungen, denen man nicht gut zustimmen kann. So wenn .H. meint, daß„schwerlich ein Denker vor Dietzgen den im Univer- salzusammenhang liegenden Grundgedanken des Moniömils auf das ökonomisch-soziale Gebist übertragen hat". Oder daß„man bisher in der sozialdemokratischen Partei eins der ausgiebigsten Mittel zur Vertiefung sozialistischer Erkenntnis vernachlässigte: die *) Stuttgart, Verlag von Dietz, 1913, G. 188. ilebertragung der monistischen Lehre auf daS soziale Gebiet, auf das Verhältnis der Menschen zueinander". Hier scheint H. das Verhältnis Dietzgens zu Marz und Engels resp. zum wissenschaftlichen SoziatiSmmus doch zu verkennen. Hinsichtlich des auf das ökonomisch-soziale Gebiet anzuwendende» Monismus ist D. im Verhältnis zum wissenschaftlichen Sozialismus--- auch seinen eigenen Gestäiidnisieu nach— vielmehr der Lernende und Reh» mende. Marx und Engels Werk ist es. durch ihre Lehre von der Abhängigkeit des gesellschaftlichen Baues und der geistigen Kultur von den ökonomischen Verhältutsirn, ferner durch die Lehre von den KlasseNnegeitsätzen usw. einheitliche, rein wifsirnsdhaftliche Gesichtspunkte der Sozialwissenschaft zugrunde gelegt zu haben. Dietzgens Verdienst besteht demnach darin, daß et die vom wiffenschastltchcn Sozialismus vertretene Einheitlichkeit der wissen» schaftlichen Methode, da» Prinzip des Monismus in diesem Sinne, sinerseits auch in der Erkcnntnisiheorie und Weltanschauungs- ehre durchführt. Letztere« macht D.s Stärke au». Mit der rea- liftisch-wiisenschaftltchen bürgerlichen Philosophie der Neuesten Zeit hält D. Schritt, indem er— ihrem Programm gemäß � seine Welt- und Lcbensauffgssung erkcnntniskrittsch und erfahrungs- mäßig begründet. Er bat aber den Vorzug vor ihr, daß er dies Programm auch folgerichtig durchführt und so den Dualismus von Weltlichem und Außerweiklichem, Natürlichem und Uebernatür- lichem, in dem sie mit neciügen Ausnahmen bis In unsere Tage hinein steckengeblieben ist. vollständig beseitigt. D.S Philosophie stellt so einen bedeutsamen Beitrag zum Ausbau der philosophischen Weltanschauung des Soziatismus dar. jedoch keine Vollendung, keinen Abschluß, selbst im relativen Sinn« für unser« Zeit nicht. Dazu fehlt ihr, wie wir weiter scheu werden, die begriffliche Gc- nauigkeit und Klarheit in entscheidenden Punkten, die schärfere logische innere Durcharbeitung, ebenso wie die Vertiefung wich- tger Einzelproblcme. Zur sachgemäßen Würdigung der Philosophie D.s, und noch mehr zur richtigen Anleitung des Lesers, worauf es bei dem Hepnerschen Buche vor allem doch ankommt, gehörte es eigentlich notwendig, auch die schwachen Seiten in Betracht zu ziehen, was H. jedoch nicht tut. D.s Philosophie enthält eben, wi« Marx schon richtig hervorgehoben hat,„trotz einer gewissen Konfusion viel Vor- zügliches und— als selbständiaeS Produkt eines Arbeiters— selbst Bewundernswertes." Die große philosophische Begabung D.s steht außer Zweifel. Desgleichen ist sein Verdienst um die philosophische Weltanschauung des Sozialtsmus sichergestellt. Eine kritische Be- urteilung tut deshalb der gerechten Einschätzung desselben keine Einbuhe und dürfte sicher im Sinne dieses sympathischen, bcscheide» nen Denkers sein, der in der Vorrede zum„Wesen der menschlichen Kopfarbeit" selbst„um freundliche Nachsicht" seiner�„Darstellung" gegenüber bittet und von der„mangelhaften Form" seiner Philo- sophie spricht. In bezug auf die ungenaue BegriffSbildung bei D. will ich nur einige wichtige Punkte herausgreifen, in denen sie in der Hepnerschen Zusammenstellung zutage trtt. Da liegt bei D. eine Venoechslung der sogenannten inneren Wahrnehmung im Sinne de» aufmerksamen psychischen Erlebens überhaupt oder im Sinne de» Erlebens rein liivjekliver Vorgänge des Denkens und Füblens mit der sinnlichen Wahrnehmung, der sogenannten äußeren Wahr- n«hmung der objektiven Dinge, vor, welch letztere allein al» sinn- IN iiflmMW SeiiNSWONiW. Wie», 26. September 1916.(W. T. B.) Amtlich wird vcrlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Front gegen Rumänien. Der Vulkan- und der Szurduk-Paß wurden vor weit aus- holender Umfassung starker rumänischer Kräfte geräumt. Bei Nagy Szcbcn(Hcrmannstadt) entwickeln sich neue Kämpfe; östcr« rcichisch- ungarische und deutsche Truppe» greise» au. An der rumänischen Ostfront kam es stellenweise zu Zusammenstößen. Südlich von Szckrly-Ndvarhcly sObcrhcUe») schlug ein kroatisches Landwchrbataillvn mehrere Angriffe überlegener Abteilungen in erbittertem Kampfe zurück. Heercssront des Generals der Kavallerie Erzherzog Carl An der Drciländcrccke südwestlich Dorna Watra wurden russisch-rumänischc Vorstöße vereitelt. Im Südostwinlcl Galiziens setzte der Feind seine Angriffe mit unverminderter Heftigkeit fort. Alle Anstrengungen scheiterten vor dem heldenhaften Widerstände der im Ludowa Gcbick katlipsenden deutsche» Truppen. HeereSfront de« Generalfeldmarfchall» Prinz Leopold von Bayern. Auch gestern brachen nordwestlich von Pcrrpclniki zahlreiche Angriffe des Gegners zusammen. Bei Watyn iöstlich Swiniuchy) wurde ein russisches Farmau-Großkampfflugzeug durch unsere Flieger in die Flucht gejagt. Italienischer Kriegsschauplatz. Der Südteil der Karsthochflächc stand zeitweise unter starkem Feuer der seindlichen Artillerie. An der Flcimstalfront beschossen die Italiener daS Werk Dossaccio und den Abschnitt Gardinal— Coltoroud». Auf dem Carceuagol wurden 2? Alpini, darunter 2 Offiziere, gefangen genommen. Der zur Rettung der Verschütteten am Eimen« angebotene Waffenstillstand wurde vom Feinde abgelehnt. Die anS diesem Anlaß im Wege eines Parlamentärs gc- wechselten Note» lauteten wörtlich; 1. Der Komiiiaildant der k. und k. Ssterrcitisch-ungarischen Streitkräfte im Räume des Tonczza-Cimonr-6!cbicls an den Kol»ma»dantcn der gegeuttberstchendeu köuiglich italienischen Truppe». Unter den Trümmern des von uns in die Luft gesprengten Monte Cimonc befindet sich noch lebend eine größere Anzahl ita- licnischcr Soldaten, welche«m Hilfe schreien. Wir find bereit, ihnen zu helfen und sie nuö ihrem Grabe zu befreien, wenn die itnlteuischc Artillerie und Infanterie heute, de» Lä. September 1016 zwischen 2 Uhr nachmittags und 7 Uhr abends da» Feuer auf den Monte Cimonc einstellt. Selbstverständlich betrifft dies ebenso die italienischen Vatlerirn im Tale des Astico wie jene auf den Höhen westlich und östlich dieses FlnsirS. Während dieser Zeit dürfen sich italienische Palrouillcn zwischen dem Astico und dem Rio Fredde nicht über ihre VcfrstlgungSliuie vor- bewege», widrigrninll» wir die HilfSnltion einstellen und die Fenerpause für gebrochen crachtrn. Falls der töutglich italienische Kommandant hieraus nicht eingebt, verfalle» dir italicitischc» Soldaten ihrem Schicksal. Die orzllgliche Antwort woüc bis 25. September 12 Uhr mittags bei unserer Vorpostenlinie bei Forni abgegeben werden. Eile geboten! 25. September 1016. W!Ssrttbt 2ö- m(}- In der Erwägung, daß die österrcichisch-uiigarischen Truppen rdrns« wie sie ihren Verwundeten zur Hilfe eilen tomnr», in der langen Zeit zwischen der Mincnrxplosivn und dem Beginn des Ualienischen Feuers aus Menschlichkeit auch den italienischen Verwundeten hätten Helsen könne», sindet rS Seine Exzellenz der Armcckommandant für angezeigt, die verlangte Einstellung des Feuer« nicht zu bewilligen. Der Grneralstgbschef Generalmajor Albricci. Lüdöstlicher Kriegsschauplatz. In Albanien nicht? ReucS. Der Stellvertreter des Chef» de» GcncralitabcS: von H-eser, Fcldinarschallcutnant. liehe Wahrnehmung bezeichnet werden darf. Ebenso wird„fühlen" anstatt„empfinden" und„wahrnehmen" gebraucht, während die Gefühle lJreude und Kummer, Fröhlichkeit und Traurigkeit) an die Empftnöungen(weih, süß) und Wahrnehimliigen(Zucker, Haus) wohl gebunden, aber mit ihnen nicht identisch sind. Ferner wird„sinnlich" von D. nicht eindeutig bestimmt. Einmal bedeutet „sinnlich" soviel wie körperlich, materiell im Unterschied vom psych!» schcn Erleden und geistigen Erfassen. Dann aber kommt„sinnlich" dem Begriff„wirklich" gleich, in welchem Falle„sinnlich" sowohl Körperliches wie Geistiges umfaßt. Des weiteren behält„lolbltch" nicht immer den gewöhnlichen Sinn, bedeutet vielmehr oft Reales, Wirkliches überhaupt. Zuletzt muß noch auf die Verwechslung hin- gewiesen werden, deren D. sich schuldig macht bezüglich des Be- griffs des„Materials" im Sinne des Objekts oder Gegenstands der Forschung und des Begriffs der„Materie" im Sinne der so und nicht anders beschafscnen DaseiNSart. Diese Bemerkung leitet uns bereits zu D.s Stellungnahme i» bezug auf den philosophischen Materialismus hin, die eine sehr schwankende und unklare ist. Dies erklärt uns den Umstand, daß D. sv verschiede» aufgefaßt wird. Während die einen in ihm«inen Materialisten erblicken, stempeln ihn die anderen zum Monisten— mehr oder weniger— spinozistischen Schlages oder rücken ihn gar in die bedenkliche Nähe ocs subjektiv-idcalistischcn Monismus eines Mach. Die letzte Auffassung ist sicherlich unbegründet. Tatsache ist jedoch, daß sich bei D. Anhaltspunkte für beide anderen Auf- iassungen finde». Wir wollen hier als Beleg nur einiges an- führen. Folgende Acußecungcn D.S klingen ganz materialistisch. „Mit den letzteren(den ehemaligen Makerialisten. D. V.) habe» wir nur gemein, die Materie als Voraussetzung oder Urgrund der Idee zu erkennen."„Die Materie ist uns die Substanz, und der Äcist die Akzidenz."„Der ltzeist ist ein« körperliche Tätigkeit, Den- ken eine Funktion de» Gehirns." Abgesehen davon, daß er sich an vielen Stellen direkt einen Materialisten nennt, allerdings unter Hinweis auf die ihn voinjetzteren trennenden Unterschiede. Demgegenüber sind folgende Sätze ganz im Geiste des spinozistischen Monismus gehalten.„Alles, was wir erfahren, samt dem Intellekt, der erfährt, sind Offenbarungen des Absoluten."„Der Geist und die Welt sind zwei Attribute der einen Natursubstanz." „Wir fassen nicht die Kräfte als ein bloßes Anhängsel, als pures Prädikat de? Stoffe« auf und den Stoff, den tastbaren, als das „Ding", welches alle Eigenschaften dominiere."...„Alle einzelnen (Stoffe und Kräfte. D. V.) sind nichts als Eigenschaften, An- hängsel, Prädikate oder Attribute des großen Natucganzen." Allerdings besteht trotzdem D.s philosophische Bedeutung darin, daß er im Gegensatz zu aller dualistischen Philosophie wiederum kraftvoll für die Einheitlichkeit, für den Monismus der realistischen Weltauffassung«ntritt und mit großer Energie den Zusammen- hang des Geistes mit dem Weltall hervorhebt. Allein er gibt, wa» seiner Philosophie zum Schaden gereicht, seinen Gedanken über diesen Zusammenhang keine klare und eindeutige Fassung. Und gerade darauf kommt es doch an, soll die Position de« dialektischen Monismus eine festgcgründcte und klare sein. In diesem Zusammenhange möchte ich nicht unerwähnt lassen, daß e« merkwürdig erscheinen muß, wenn Hepner D.» Behandlung der„Kraft- und Stoff"-Frage„für sehr bedeutend hält", während diese» Kapitel der Dietzgenschen Philosophie zu den sc�vächsten gehört. V!e feindlichen Heeresberichte. Ter französische Tagesbericht. So m 2S. September nachmittags.(W. T. B.) An ommefront lebhafte ArtillerielStigteit im Laufe der Nacht in verschiedenen Abschnitten nördlich und südlich des Klusies. Auf dem rechten Maasufer wiesen wir leicht einen deutschen Angriff auf ein srantösisches Werk östlich des Waldes van Baux-Cböpitre ab. Der Artillcrietamps dauert im Abschnitt Thiaumont—Fleuty�Äaux--� ChapUre kräftig an. 1s l u g w e s e n: Feindliche Flugzeuge warfen gestern gegen 4 Uhr abends Bomben auf die Gegend von Lunsville. Eine Frau wurde leicht verletzt. Der Sachschaden ist unbedeutend. Im Laufe deS gestrigen Tages stürzte ei» von einein sran�ösikchen Flugzeug angegriffenes feindliches sieuerlos nördlich von Miscrh ab. Drei andere ernstlich getreffene Flugzeuge wurden gezwungen, zu landen. In der Nacht zum 2S. September warfen französische Flugzeuge 98 Bomben auf Dorf und Bahnhof Guiscard. I» der gleichen Nacht warfen sieben französische Flugzeuge öS Bomben, Kaliber 12 am, auf Fabrikanlagen in Diedenhofcn und Rombach sowie auf den Bahnhof von Audun le Roman. In Rombach wurde nach dem Bombardement ein Brand beobachtet. Ortentarmee! Auf dem linken Uker der Struma gelang es den Engländern Bei einer Streife einen Angriff auf Jantmab(?) nördlich von Macthaines.(?) Eine französische Abteilung, die zu ihrer Rechten operierte, nahm einen Schützengraben mit dem Bajo- nett und machte Gefangene. Vom Dojransee bis zum Wardar zeigte sich unsere Artillerie sehr tätig. Ein Bombardement von Dojran rief Brände hervor. Der Vormarsch aus unserem linken Flügel dauert auf der ganzen Liuie an. In der Gegend von Brod Näberlen sich die Serben dem Grcnzkamm nördlich von Krusegrad. Nord« östlich von Florina nahm französische Infanterie die ersten Häuser von Pelorack nach einem lebhaften Kampf und drang leicht nördlich von Florina vor. Westlich dieser Stadl nahmen Russen im Sturm die vom Feinde stark befestigte Höhe VIS. In dieser Gegend wurde ein bulgarischer Gegenangriff durch unser Arlillerieseuer angehalten und durch Franzosen und Russen mit dem Bajonett zurückgeworfen. Südwestlich von Florina lieferte eine französische Sicherungsahteilung südlich des Prespa-Sees den bulgarischen Streitkräften, die von Biktista gekommen waren, lebhafte Gefechte. Vom LS. September abend». aus New Kork vom 5. Sep- tember veröffentlicht die. N e w A o r k Times' eine von der Universal Preß Association in New Aork verbürgte Nachricht, Ivorin ie einen Brief des Mitgliedes des britischen Parlaments, Klttg, an- ührt, in dem dieser mitteilt, kurz vor dein 16. August habe sich die größte Explosion, von der man je gehört habe, hinler den britischen Linien in Frankreich ereignet. Der Verlust an Munition werde auf 25 Millionen Dollar(100 Millionen Mark) geschätzt. Wir sind nach einer Angabe aus amtlicher Quelle in der Lage, hierzu erläuternd zu bemerken: Eines der größten englischen Munitionslager wurde in monaie- langer Arbeit bei Auvruicq(16 Kilometer südöstlich Calais) angelegt; Dutzende von Lagerhäusern und Schuppen in den verschiedensten Größe», umfangreiche neue Bahnanlagen, Rampen und Ausladestellen entstanden, in nnunterbrochciicr Folge liefen die MuniltonSziig« ein, um das gewaltige Lager zu füllcu.. Als nach den stündigen Beobachtungen unsere Flieger die Bauten beendet und alle Näume mit Munition vollgepackt waren, e r f o I g t e t n d e r N a ch t v o m 2 0. zum 21. I u t i der An- griff eines unserer-Flnazenggeschwader mit überwältigendem Erfolg. Das ganze gewollige Munitionslager flog bis zum letzten Schuppen tu die Luft. Ties« Erdtrichter und wüste Trümmerhaufen be- zeichneten den Platz des einstigen englischen Houptmunilionsdepots. In weiter Umgebung brannten Wohnhäuser, Baracken, Lagerbauten ntedcr. Wohtgelungens Ltchtbildausnahmen unserer Flieger vom Tage vor und nach dem«rsolgreichen Angriff ließen über Umfang und Bedeiiiung dieses Werkes der Zerstörung keinen Zweifel. Wenn in dem Brief des britischen Parlamentariers King der Zeitpunkt dieser Katastrophe anscheinend etwas später gelegt ist, so kann doch angenommen werden, daß es sich um den Angriff Vet Audrutcq handelt. Sollte sich indessen eine spätere andere schwere Exvlostonskatnstrophe hinter der engttschcn Front noch zugetragen haben, so würde der Verlust für dt« Engländer sich verdoppeln. Das holländische Organ der belgischen Sozialisten. Aus Amsterdam wird uns geschrieben: Die erste Nummer des neuen, vom Genossen Comille Huylman» redlgierten BlatleS»De Socialiste Beige" ist am 23. September erschienen. Das Blatt erscheint w L ch e n t l i ch mit zwei Sellen i» großem Format und führt den Unleriitel: »Zweisprachiges Wochenblatt de« Verbandes der belgtschen Arbeiter in Holland". Diese soeben gegrllnbet« Vereinigung wird demnächst eine Generalversammlung einberufen, wo daS Aktionsprogramm entworfen werden soll. Die eine Seite des neuen Organs hat französischen, die andere vkämischen Text. Die größeren Artikel sind identisch. Der erste erklärt die Gründe, die zur Heraus- gäbe des Blattes geführt haben: Die belgischen Sozialisten hätten den Burgfrieden respektiert, im Inland wie im Ausland. Dagegen gebe es Leute, die ihren Ursprung und ihre Privilegien nicht ver» gesien könnten und die Situation ausnützten, den Sozialisten in den Rücken zu fallen. Sie fänden es ganz in Ordnung, daß Kardinal Mercier neben Kardinal Hartmann während des Krieges einem Kon- sistoiium beiwohne, wenn aber morgen Haast und Ebert, An- Hänger der Unabhängigkeit Belgiens an der Seite Vanderveldes Platz nehmen sollten, würden sie Zeter und Mordio schreien. Diese Monopolisierer des Patriotismus hätten nicht daran gedacht, die Ausschließung der deutschen Katholiken au« der allgemeinen Kirche zu fordern. Wohl seien nicht alle Katholiken und Liberalen so illoyal, aber die Sozialisten seien entschlossen, nicht die Genarrten deS BurgsrtcdenS zu werden:»Wir werden uns verteidigen. Nicht» mehr, nichts weniger. Wir wollen den Burgfrieden, aber den Burg- frieden, den alle wahren." Der zweite Artikel:»Unser Programm' beginnt:»Unser Pro- gramm? Es ist das der belgischen Arbeiterpartei. Unsere Parteigenossen sind zum Schweigen verurteilt. Aber wir wissen zwei Dinge: 1. daß sie keinen Frieden wollen, der nicht die Un- abhangigkeit deS Landes sichern würde, 2. daß sie zur Exekutive der Internationale Vertrauen haben. Die belgischen Sozialisten in Holland glaubten gleich denen in Frankreich, daß die Stunde gekommen sei, wo die p a r l a- mentalis che Kontrolle gesichert werden müsse. Die Zusammenwirkung der Parteien werde vielleicht auch nach Friedens- jchluß notwendig fein, um eine normale Situation im Land her- zustellen und die Arbeit des WiederaufbmiZ zu bewWgeu. � D«A fährt der Artikel fort: »Wir find aber auch Internationalisten. Wir kämpfen, um in Europa und in der ganzen Welt eine Rechtsordnung zu er- richten, die das Recht an die Stelle der Gewalt setzt. Alle Völker haben das Recht, über sich selbst zu bestimmen, und darum sind wir entschlossene A n t i a n n c x i o n i st e n.... Mögen das Ideologien und Utopien sein, wir kämpfen für diese Träume. Zum Schluß spricht der Artikel von der vlämischen Universität. „Wir sind Anhänger der vlaivuschen Universität in Gent, über unter einer Bedingung: daß sie von dcr bclgischen Regierung errichtet werde."(z) Schwedsn und England. Kopenhagen, 23. September.(W. T. B.)„Berlingske Tidende" meldet: Der schwedische Minister des Aeußeren Wallen» berg empfing in Kristiania nach der Ministerkonferenz einen Vertreter der„Time s", den er ermächtigte, über die Konferenz und die Politik Schwedens folgende Aus- führungen zu veröffentlichen: An der«pitze der Note über die Ministerkonferenz steht zu lesen:„Die drei Länder sind einig in bczug auf die fortgesetzte Auf- rechterhaltung ciner ehrlichen, unparieiischen Neutralität während des gegenwärtigen Weltkrieges." Niemand darf weiter daran zweifeln, erklärte der Minister, daß dieses der ernste, aufrichtige Wunsch und das Bestreben der nordischen Regierungen und Völker ist. Nach der Behandlung zu urteilen, die den nordischen Reichen bon den Kriegführenden zuteil wird, scheint es indessen heute, als ob diese Neutralität von den Kriegführenden nicht geschätzt oder nicht ge- wünscht wird. So denkt jedenfalls das Volk in unserem Lande; eZ kann das unbegründete Mißtrauen nicht verstehen, das die Krieg- führenden zu nach der Auffassung des Volkes rechtswidrigen Hand- lungen veranlaßt, die die Leiden und Entbehrungen unnötig ver- mehren, denen sich auch ein neutrales Volk im Kriege unterwerfen muß. Unser Volk versteht sehr wohl, daß die Kriegführenden mit unerhörten Schwierigkeiten zu kämpfen haben, und daß sie gc- zwangen sind, zu ungewöhnlichen Mitteln zu greifen, um ihr Ziel zu erreichen. Unser Volk ist immer bereit gewesen, und ist es auch noch, sich den uiwcrmeidlichen Folgen der ungewöhnlichen Verhäl!- liisse zu unterwerfen; es kann und will aber nicht verstehen, warum Mißstimmung uno Haß unnötig unter Nationen ausgesät werden sollen, die einander nicht bekriegen, und die im Gegenteil stets in gutem freundschaftlichen Berhältnis zueinander gestanden haben. Wir, die wir die Verantwortung für die Politik der nordischen Länder tragen, werden auch weiterhin versuchen, unser Programm aufrecht zu erhalten und unseren gemeinsamen warmen Wünschen, neutral zu verbleiben, zu folgen. Es wäre aber in höchstem Maße wünschenswert, wenn die europäischen Großmächte, die dieses Pro- gramm billigen, es unterstützen und nicht erschweren und unmög- lich machen wollten. Wir begehren nichts Unvernünftiges, fondern nur weniger Mißtrauen und etwas weniger Härte. Meine Kriegsnachrichten. Petersburg, 26. September.(W. T. B.) Nach einer Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur tias der japanische Prinz Kanin als Verireler des Mikado in Begleitung des Großfürsten Georg Michailolvitsch am 24. September im kaiserlichen Haupt- quartier ein. Bei dem zu Ehren des Prinzen gegebenen Frühstück wurden zivisöben diesem und dem Zaren Trinksprückie gewechselt. Nach dem Frühstück besichtigte der Zar mit dein Prinzen die vom Kaiser von Jnpan dem Zaren und dem Zarcwitsch übersandten Ge- schenle. Am Abend reifte Prinz Kanin nach Kiew ab. Petersburg, 2K. September.(W. T. B.) Meldung der Peters» burger Telegraphenagentur. In einer dem Budget des Ministe- riums des Innern für 1017 beigefügten Denkschrift wird auf die unter dem Vorsitz des Untcrstaatssekretärs Fürsten Wolkonsky ab- gehaltenen Konferenz hingewiesen, welche sich mit der Ausgabe beschäftigte, die den Polen auserlegten Einschrän- k u n g e n abzuschaffen. Die Konferenz faßte eine Reihe von bestlmmten Beschlüssen, welche in Form eines besonderen Gesetz- entwurfS der Duma vorgelegt werden sollen, Letzte Nacheichten. Die Kistcnmacher beschlossen am gestrigen Abend, am Mittwoössfrüh den Fabrikanten die Erklärung zn unterbreiten, daß überall dort, tvo am Sonnabend die 25 Proz. nicht zugesagt werden, die Ar« beiter darauf verzichten, weiter tätig zu sein und dorthin gehen, wo die Vereinbarung zwischen Holzarbeiterverband und Arbeitgeberschutzverband eingehalten wird. Tas zwcitc Handcls-U-Boot in Amerika. Bremen, 26. September.(T. U.) Das in Amerika angekam- mens Handels-U-Boot dürfte die„Bremen" von der Ozean- reederei G. m. b. H. sein. Nach Mitteilungen Bremer Blatter, die die Angelegenheit eingehend besprechen, ist Kapitän S ch w a r tz- k o p f f Führer des Bootes. VenizcloS als Führer der Insurrektion. London, 26. September.(W. T. B.)„Tnily Chronicle" erfährt aus Athen: Venizelos wird bei feiner Ankunft auf Kreta im ssiamen seiner Anhänger eine Proklamation er- lassen, in der er erklärt, daß er sich an die Spitze der nationalen Bewegung stellt, um die letzte Gelegenheit für Krone und Regierung, sich an die Seite der Mehrheit der griechischen Nation zu stellen, zu benutzen. Es wird keine Entthronungs- crklärung verkündet werden. Venizelos wird auf der ganzen Insel die allgemeine Mobilmachung im Interesse der natio- nalen Verteidigung anordnen. Hierauf wird er MytUene, Eh tos und Samos besuchen, um sich dann nach Saloniki zu begeben. Leonidas E m b e r i c o ö. der als der reichste Mann des Landes gilt, hat Admiral Conduriotis mitgeteilt, daß er sein ganzes Vermögen der nationalen Bewegung zur Ver- fügung stellt. Conduriotis hat vor seiner Abreise nach Athen seine Stelle als Gencral-Adjutant des Königs niedergelegt. Die Griechen in Dcutschaud. Görlitz, 26. September.(W. T. B.) Die in der vergangenen Nacht in Berlin angekommene Offiziersabordnung des grwchifclMr 4. Armeekorps ist heute abend in Görlitz eingetroffen. Der Luftangriff auf Bukarest. Bern, 26. September.(SB. T. B.) Wie„Temps" tfuS Bukarest meldet, ist die Donaubcücke bei Cernawoda bei dem deutschen Luft- angriff geiroffen worden. Tie Bomben sollen jedoch nur unbc- deutenden Schaden angerichtet haben. Vom U-Boot-Krieg. Madrid, 26. September.(SB. T. B.)(Meldung der Agence Havas.) Ein ösierrcichisch-ungarisches Unterseeboot versenkte die italienische Brigg„Garibaldi"(1374 Brutto-Register- tonnen), deren Besatzung gerettet ist, den englischen Dampfer „C h a r t erh o u se"(3021 Brutto-Rcgistertonnen) und den nor- tri e g i s ch e n Dampfer„B u r j o r d". Da« italienische Schiff„Vega"(3026 Vrutto-Registertonnen) wurde gleichfalls torpodiert. Die Besatzungen sind gelandet worden. Gewerkschaftliches. 25 Jahre Sraueremrbdterorganisation. Der im August 188S gegründete Allgemeine Brauerverband. eine Organisation der gelernten Brauer, stand nach seinem Statut und in seiner Tätigkeit auf dem Standpunkt der Jnteresseu Harmonie zwischen Unternehmer und Ardeiter. Teilweise mögen die sozialistengesetzlichen Zustände zu dieser Zurückhaltung und Vorsicht beigetragen haben. Die Brauer gehörten damals zu den schlechtest entlohnten Arbeitern. Sie hatten die längste Arbeitszeit, zu der sich die größte Unfreiheit und Bevormundung durch die Unternehmer gesellte. Sie wohnten im Betriebe und wurden dort verpflegt, und da die Arbeitszeit vielfach bis spät in die Nacht währte, kamen sie mit anderen Menschen wenig in Berührung. Diese unhaltbaren Zustände aber verursachten in den Kreisen der Brauer eine Gärung, die seinerzeit, durch den großen Bergarbeiterkampf ini Jahre 1889 gefördert, in einer Anzahl Orte zu Streiks um Ver- besserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse führte, obwohl finan- zielle Mittel in der Verbandskasse nicht vorhanden waren und der Verbandsvorstand auch mit den Kämpfen nicht einverstanden war. Die Bewegung zur Reorganisation des Verbandes nahm immer größeren Umfang an, der sechste Verbandstag, der vor 25 Jahren a m 23. und 24. September 1891 in Hannover tagte, beschloß die Neukonstituierung des Verbandes auf moderner Grundlage. Schwer hatte die Organisation zunächst zu kämpfen gegen die Widersacher in den Reihen der Berufskollegen, besonders aber gegen die Unternehmer und Vorgesetzten. Maßregelungen erfolg- ten fortgesetzt, wenn gelinder Druck und Schikanicrung nicht ge- nügten, um die mißliebigen Elemente mürbe zu machen. Trotzdem wuchs die Organisation. Sie nahm energisch den Kampf gegen Unterdrückung und für bessere Arbeitsverhältnisse auf. Schon die ersten Kämpfe brachten den Brauern die Ueberzeugung bei, daß ihr isolierter Kampf den wünschenswerten und nachhaltigen Erfolg nicht haben könne, daß sie mit den übrigen Brauereiarbeitern Hand in Hand gehen müssen. So wurde schon zwei Jahre später, 1893, beschlossen, die Organisation auf diese auszudehnen. In den Jahren 1891 bis Ende 1914 hat die Organisation der Brauereiarbeiter 442 Angriffsstreiks mit 13 661 Beteiligten ge- sü7)rt, die Zahl der Abwehrstreiks und Aussperrungen in dieser Zeit erreichten die Zahl von 389 mit 11 629 beteiligten Personen. Die Zahl der Angriffs- und Abwehrbewegungen ist um ein viel- fachcs höher. Was dabei erreicht wurde, zeigt ein kurzer Vergleich mit den damaligen Zuständen. Eine tägliche Arbeitszeit bis 14 und 18 Stunden, Sonntags nicht ausgeschlossen, war damals die Regel. Dagegen zeigte eine Erhebung zu Ende des Jahres 1913, daß 38 873 Brauereiarbeiter eine Arbeitszeit unter zehn Stunden hatten, davon 566 nur acht Shmden. Allein in den Jahren 1898 bis 1914 wurde an jährlicher Lohnerhöhung die Summe von 21 527 627 M. für 214 667 Arbeiter erzielt. Ein Erholungsurlaub ohne Löhnabzug war bis Ende 1913 für 57 926 Arbeiter erkämpft, Entschädigung bei Arbeitsbehinderung nach Z 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs erhielten zu diesem Zeitpunkt 58 264 Beschäftigte. Und Ende 1915 bestanden 983 gültige Tarifverträge für 59 863 Personen. So ist die Organisation kämpfend groß geworden und auch ihre Finanzen kann man trotz der großen Anforderungen der Kriegs- zeit als gesund bezeichnen. Die für Unterstützung verausgabten Summen sind beträchtlich. Nach der Reorganisation des Verbandes im Jahre 1891 betrug die Zähl der Mitglieder etwa 566, Ende 1913 51 537, um dann allerdings infolge des Krieges zu sinken. Die Einnahmen seit 1891 bis Ende 1915 betragen 16 898 184 M., davon aus Beiträgen 9 933 374 M. An Unterstützungen zahlte die Or- ganisation seit 1891 5 814 849 M., davon zu Kampfzwecken und in Vertretung der Interessen der Arbeiter 2 436 468 M., an sonstigen Unterstützungen 3 378 381 M. Das Vermögen der Hauptkasse be- trug Ende 1913 1 714 462 M.; an Kriegsunterstützung wurden in den Jahren 1914 und 1915 438 165 M. ausgegeben. Das Vermögen fiel Ende 1915 auf 1 515 131 M. Was die Ueberleitung der Organisation vom Harmoniestand- Punkt zur Kampfesorganisation den Brauereiarbeitern gebracht hat, wissen diese sicher zu schätzen. Nach Rückkehr der Krieger be- ginnt wieder vermehrte TAigkcit zum Ausbau der Organisation, obwohl auch in der Kriegszeit nicht gerastet wird, um die Organi- sation intakt und brauchbar zur Lösung der ihrer harrenden Auf- gäben zu erhalten._ Serlin und Umgeyenö. Wünsche der Telegraphenarbeiter. Die Tclcgraphenarbciter, Vorarbeiter und Handwerker Groß- Berlins hielten am Sonnabend, den 25. September 1916, in den Sophiensälen eine Versammlung ab, die überaus zahlreich— u. a. auch von den Ehefrauen der z. Zt. im Dienste befindlichen als auch der beim Heere bezw. bei der Etappen-Telegraphie stehenden Groß- Berliner Telephoner— besucht war. Ten Gegenstand der Erörte- rungen bildete die derzeitige wirtschaftliche Lage der im Arbeiter- Verhältnisse stehenden Bedrensteten der Kaiserlichen Oberposidirektion Berlin. Sowohl in dem einleitenden Referat wie auch in der sich daran anschließenden Aussprache kam einmütig die Anschauung zum Ausdruck, daß die Lohnverhältnisse in Rücksicht auf die gewaltige Teuerung aller Lebensmittel und aller Bedarfs- artikcl einer durchgreifenden Aenderung unbedingt bedürften. Aber nicht nur eine Lohnaufbesserung sei erforderlich, sondern auch die von der Behörde für die Kriegsdoucr bewilligten besonderen Familienzulagen, und vor allem auch die Unter- stüyungen für die Familien der Kriegsteilnehmer müßten wescnt- lich hinausgesetzt werden, wenn sie auch nur einigermaßen den Anforderungen der Zeit entsprechen sollen. Die Versammlung faßte einstimmig folgende Resolution: Die heute in den Sophiensälen zu Berlin versammelten Telegraphenarbeiter, Vorarbeiter und Handwerker Groß-Berlins richten an die Kaiserliche Oberpostdirektion Berlin die dringende Bitte, sich die Anpassung des Einkommens der ihr unterstellten Telegraphenarbeiter, Vorarbeirer und Handwerker an die heutigen wirtschasllichen Verbältnisse angelegen sein zu lassen. Zu diesem Zweck erklären die Versammellen für notwendig: 1. Eine Ausbesserung der heute gellenden Löhne für alle Arbeiter, Vorarbeiter und Handwerker unter gleichzeitiger Verkürzung der Aufrückungsiristen— dergestalt, daß der Höchstlohn" mit dem 9. Dienstjahre erreicht wird. 2. Die Erhöhung der für die Kriegsdauer bewilligten be« sonderen Unterstützung für alle Arbeiter, Vorarbeiter und Handwerker der Verwaltung. Dabei ist darauf hinzuweisen, daß die übergroße Mehrheit der verheirateten Telegraphen- arbeiter, Vorarbeiter und Handwerker weniger als vier Kinder ihr eigen nennm, so daß nach den heutigen Bestimmungen nur verschwindend wenige von ihnen in den Genuß der allein ins Gewicht fallenden Zulage für eine Kinderanzahl von vier und mehr Kindern gelangen. 3. Nicht minder bringend erforderlich ist die Erhöhung der Unterstützung für die Familien der Kriegsteilnehmer. Neben der Kinderunterstützung von je 6 Proz. muß eine Grundunterstützung für die Ehefrauen von 56 statt 25 Proz. des letzten Wochenverdienstes des im Felde befindlichen Ehemannes als notwendig bezeichnet werden. Die Versammelten geben sich der bestimmten Erwartung hin, daß die Kaiserliche Oberpostdireltion unverzüglich, spätestens am 1. Oktober dieses Jahres beginnend, eine durchgreifende Neu- regelung der Bezüge aller Telegraphenarbeiter, Vorarbeiter und Handwerker im Sinne vorstehender Anträge eintreten läßt. Die Bewegung der Bankbeamte». In Ausführung der Beschlüsse der jüngst gehabten Delegierten- Versammlung der im Allgemeinen Verbände organisierten Vertreter der Groß-Berliner Bankbeamlenschast hat sich nunmehr der Vorstand des Allgemeinen Verbandes der Deutschen Bankbeamten an die Direktionen der Berliner Großbanken gewandt, mit dem Ersuchen, die während der Kriegszeit im Höchstfalle um 16 Proz. erhöhten Grundgehälter den durch den Krieg hervorgerufenen Teuerungs Verhältnissen anzupassen. Wenn man bedenkt, daß die Geschäftsergebnisse für die Banken sehr günstige waren, so ist dos Verlangen der Bankbeamten nicht unbillig zu nennen. Den Beweis dasür, daß eine durchgreifende Aufbesserung möglich ist, liefern die österreichischen Finanzinstitute, welche, obgleich sie wirtschaftlich keineswegs günstiger dastehen, als die reichsdeutschen Banken, ihren Angestellten Kriegszulagen in einem durchschnittlich sechsmal höheren Ausmaße bewilligt haben. So zahlten die österreichischen Kreditinstitute für u) Ver« d) jedes bei der heiratete Kind Kr.' Niederösterr. Escomte- 175,— 166,66 Kr. 26,83 c) Ledige Kr. d) Beamtinnen Kr. 116,66 166,66 164,16 66,66 80,— 14,- 60.— 46,— Ersten österr. Sparkasse Böhmischen Escomte- Bank. Prag... 168,83 19,16 166,— 87,66 Böhm. Union-Vk., Prag. 125,— 16,— 76.— 68,33 Kredit-Anst..... 116,66 16,66 63,33 53,33 Boden-Kredit-Anstaltu. Neue Wiener Spark. 96,66— 125— 43,33— 76,66 46,66 Union-Bank.... 166,— 20,— 66,— 66,— Anglobank..... 166,— 16,66 60,— 53,83 Landw. Kreditbank für Böhmen..... 100,— 10,— 60,— 40,— Mähr. Esc,-Bk., Brünn 166,— 16— 50,— 50,— Ländcrbank.... 91,— 16,25 39— 65 32— 65 Oesterr,-Ung. Bank.. Giro- u. Kasi.- Verein Allg. Verkebrsbank.. Wiener Bankverein.. Zivnostenska banka. Nach den statistischen Erhebungen, welche der Kriegsausschuß für Konsumenteninieressen jüngst veranstaltet hat, haben sich unter Be- rücksichtigung der Nahrungsmilrcikontingcntierung die Aufwandskosten während des Krieges um zirka 75 Prozent verteuert. Tie Bank- beamtenschaft erwartet daher von der Einsicht der Bankleilungen, daß sie im Interesse der Erhaltung einer arbeitsfrohen, leistungs- ahigen Beamlen'chaft und im allgemeinen Vollsinteresse ihre An- gestellten so stellen wird, daß sie der quälenden Sorge um ihre und ihrer Familie allernotwendigste elementarste Lebensnoldurfl enthoben wird._ Die Mctallformer und Berufsgenossen beschäftigten sich in einer Branchenveriammlung am Montag mit ihren Verdienstverhältnissen und deren Verbesserung. Trotz der schweren Arbeit der Metall- former und ihrer Berufsgenossen gibt es noch Betriebe, wo Stunden- löhne von weniger als einer Mark vorkommen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß Veibesserunqen erzielt wurden, wo man Forderungen energisch vertrat. Die Zeit ist insofern günstig, als es an Arbeitern mangelr. Die Versammelten waren sich darin einig, daß die bestehenden Löhne und Verdienste durchaus n i ch t den Zeitverbälinissen entsprechen. Wo die Stundenlöhne noch geringer sind, soll vor allem auf die Erzielung von 1 M. pro Stunde hingewirkt werden, was als das allermindesle bezeichnet wurde im Hinblick aus die enorme Teuerung und die Schwere der Arbeit. Aber auch in den anderen Betrieben soll eine Verbesserung der Lage versucht werden. Durch eine Abstimmung wurde festgestellr, daß die Kollegen- schaft es ab lehn l, in der jetzigen Zeil neue Tarifverträge abzu- schließen. Die in den EiscnkonstruktionS-Wcrkstättcn beschäftigten Arbeiter sowie Fahrstuhlmonteure und Helfer besprachen am Sonntag ihre Lohnverhältnisse im Hinblick auf die jetzigen Lebens- mittelpreise. Es kam einmütig zum Ausdruck, daß angesichts der Teuerung und auch der schweren Arbeit, die in dieser Branche zu leisten ist, die zurzeit bestehenden Löhne nicht mehr genügen,� Die Versammlung stimmte zuletzt einstimmig dem Vorschlag zu, für die Verheiratelen 26 Pf. und für die Ledigen 16 Ps. Zulage pro Stunde zu verlangen, und zwar unter Einrechnung einer schon früher ge- währten Aufbesserung von 8 Pf. und 5 Pf. pro Stunde. Die Schirmarbeiter besprachen in ihrer Branchenversammlung am Montag die gegenwärtige Lage in ihrem Beruf. Unter anderem wurde ausgeführt: Die Geschäftslage der Schirmindustrie wird zwar durch die Webstoffverordnung ungünstig beeinflußt, doch sind die Verhältnisse im allgemeinen befriedigend. Tie Fabrikanten wissen sich durch Erhöhung der Preise schadlos zu ballen und Arbeit ist in genügender Menge vorhanden. Für die Arbeitskräfte,.welche der Schirmmdustrie noch verblieben sind, gibt es ausreichend Be- schäsligung, so daß Arbeitslosigkeit sich nicht bemerkbar macht. Die Arbeiter hoben Teuerungszulagen von 16, 15, 20 Proz. erreicht, jedoch hält man im Hinblick auf das Abkommen in der Holzindustrie eine Zulage von 25 Proz. für angemessen. In den Betrieben, wo bis jetzt noch keine ausreichende Zulage erreicht worden ist, soll in den nächsten Tagen in geeigneter Weise vorgegangen werden. Nuslan». Ter drohende Niesenausstnnd in New Dork. Ter„Times" wird aus New Dork gemeldet, daß die Arbeitervereinigungen in New Jork für Mittwoch den Streik von 350 000 organisierten Arbeitern angeordnet haben. Die Staatsbehörden werden, wenn nötig, zur Verhinderung von Ausschreitungen mit der Polizei auch Truppen heranziehen. Mus öer Partei. Zehn Jahre Parteiorgan. Die„Nordhäuscr Volkszeitung" konnte am 21 September des Tages gedenken, an dem vor zehn Jahren die erste Nummer des Blattes erschien. Vorher gehörte Nordhausen zum Verbreitungsgebiet der„Thüringer Tribüne", die eine Zeitlang auch unter dem Namen„Nordhäuscr Volksblatt" ein Kopfblatt für die Nordhäuser Genossen herausgab. Technische Schwierigkeiten brachten dieses Kopfblatt wieder zum Eingehen, Nordhausen hatte aber eine lebhafte Arbeiterbewegung, die dringend eines eigenen Blattes bedurfte. Schwer vermißt wurde ein solches bei dem großen Kampfe der Tabakarbeitcr im Jahre 1901. Auch die Bauarbeiter, die Weber, Dachdecker, Pflasterer, Brauereiarbeiter und Böttcher vermißten bei ihren Kämpfen eine Tageszeitung, die sich der Arbeiter- interessen besonders annahm. Vor allen Dingen hat aber Nordhausen eine alte Parteibewegung, die eines gut ge- schliffenen, schnell bereiten Schwertes für ihre politischen Kämpfe auf die Dauer nicht zu entraten vermochte. So traten denn 1914 zunächst 19 Genossen zusammen, um den Plan der Errichtung einer eigenen Druckerei zu besprechen. Nach zwei- jährigem zähen Arbeiten, Werben und Aufklären waren aus diesen 19 Genossen 1500 geworden, die sich für die Not- wendigkcit eine? eigenen OrganS einsetzten. Und so erschien am 24. September 1906 die erste Nummer der„Nordhäuser Volkszeitung". Das wachsame Auge des Staatsanwalts fand an allen bisher an der„Volkszeitung" redaktionell tätigen Genossen irgend eine Missetat, die nicht ungeahndet bleiben durste. Diese Opfer sind getragen. Aber über diese trüben Stunden leuchtet doch die Sonne des Erfolges! Dank ihrer Zeitung konnten die Nordhäuser Genossen im Jahre 1907 bei der Reichs- tagswahl einen Gewinn von ungefähr 1000 Stimmen buchen. Von Wahl zu Wahl für die städtischen Vertreter nahmen sie an Stimmen zu, bei den Gemeinderatswahlen im Landkreis gewannen sie Sitz um Sitz. Die Aufklärungsarbeit bei den Gewerkschaften brachten für diese sichtliche Erfolge und führte zu ihrer Erstarkung an Zahl und an Kampfkraft. Das Jahr 1912 gab dann den richtigen Prüfstein für die Existenz- berechtigung des Blattes. Das Reichstagsmandat wurde ge- Wonnen! Die Tätigkeit der Partei ist jetzt gehemmt, der Presse sind Fesseln angelegt. Aber wenn die Massen aus dem Felde zurückkehren und sich erneut um die Partei scharen, wird noch in Nordhausen das Partciblatt den Zurückgekehrten weiter Führer und Vorkämpfer sein und die Bahnen des Sozialismus weisen. Sozialdemokratische Kundgebungen. Reiibstagsabgeordneter Genosse F e k d m a n n sprach in den letzten Tagen im Wahlkreise Striegau-Scknveidnitz� Es waren vier Versammlungen in den indnstriercichen Orlen und sie erfreulen sich denn auw alle eines iebr starken Besuches. Die leb- haften Bekundungen des Einverständnisses ließen keinen Zweifel darüber, daß die Wähler sowohl als auch die zahlreich anwesenden Frauen mit der Hallung ihres Abgeordneten einverstanden find. Die Bestattung Adolf v. Elms fand in Hamburg unter Beiei- ligung vieler Tausender statt. Im großen Saale des Gewerkickiafts- Hauses, in dem die Traucrfeier abgehalten wurde, lagen unzählige Kränze auf langen Tateln ans. Gewerkscvaiten, Parteiorganisalionen und namentlich genossenschaftliche Unternehmungen waren mit herrlichen Kranz- und Blumenspenden vertreten. Genosse F r o h m e hielt die Gedächtnisrede. Vom Parteivorstande sprach P f a n n- k u ch> der die große Pflichttreue des Toten pries. Hierauf erfolgte die Ueberführung der Leiche zur Feuerbestattung nach Ohlsdorf, wo Heinrich Kaufmann für die Genossenschaften, General- kommissionsmitglied Bauer für die Gewerkschaften und Geschäfts- führer R i e g e r für die Hamburger„Produktion" sprachen. Unter Harmoniumklängen sank dann der Sarg in die Tiefe. Einer von den ganz Alten! 96 Jahre alt ist am Dienslag der Genosse Jürgen LüderS im Barmbecker Krankenhause gestorben, in dem er wegen eines Leidens acht Tage vorher Aufnahme gefunden halte. Ihm war das beneidenswerte Los beschiedcn, daß er bis in das höchste Greisenalter hinein im Vollbesitz seiner Geisteskräfle blieb und auch körperlich kaum Beschwerden hatte, außer daß seit einigen Jahren seine Augen nicht mehr reckt wollten und er sich mehrfach Operationen unterziehen mußte. Das Ge- dächlms des alten Jürgen Lüders war fast unglaublich um- fassend und genau, und wie der näckstliegenden, so erinnerte er sich auch der Ereignisse vor fünfzig, seckzig und mehr Jahren mit vollster Sicherheit und wußte sie lebhaft und anschaulich zu schildern, io z. B. seinen Verkehr mit Wcilling und mit anderen einst sehr bekannten Männern der vormärzlicken Zeit und der Reakiionsjahre. LüderS ist politisch aus der allen kleinbürgerlicken Demokratie her- vorgegangen, die in Hamburg seinerzeit im Arbeiicr-BtldungS- verein ihren Mittelpunkt hatte. Jahre hindurch war Lüders der Oekonom jenes Vereins und spielte darin über- Haupt eine ansehnliche Rolle. Als nach Lassalles Offenem Antwortschreiben die Gründung des Allgemeinen Tculichen Arbeitervereins in die Wege geleitet wurde, gehörte Jürgen Llldcrs zu den eist-n, die tätig daiür wirkten. In Hamburg war er einer von denen, die vom ersten Tage an der neuen Gemeinde angehörten. In seiner Wirtschaft in der Neustadt versammelten sich die Vereins« genossen, und dort pflegten sie ihre Diskussionen, an denen Lüders selbst sich sehr rege beteiligte. Mit Jürgen LüderS ist wobl der älteste Veteran der deutschen Sozialdemokratie dahingegangen. Mus Industrie und Handel. Die dänische Ernte. Die am 1. September d. I. vorgenommene und nunmehr ver- öffentlichte Schätzung des SaatenslandeS in Dänemark hatte nach dem Berichte des Statistischen Amtes das nachstehend wiedergegevene Ergebnis, wobei die Beurteilung durck Zahlen von folgender Be- deutung ausgedrückt ist: 6— besonders gut; 6— etwas über Mittel- ernte; 4— Mitlclernte; 3— etwas unter Mittelernte; 2— mäßig, aber nicht schlecht; 1— schlecht. Die Schätzung des 1. Septembers d. I. ergab im Vergleich mit dem 16. August d. I. für die Inseln Beschaffen- heil 1. Sept. 1. 3.6 Saaten: Weizen.. Roggen.. Gerste.. Hafer.. Misch korn. Hülsenfrüchte Buchweizen. Wurzelfrüchte: Kartoffeln. Mohrrüben Runkelrüben Kohlrüben. Turnipen. Zuckerrüben Menge 1. Sept. 16. Aug. 4,4 Jütland Menge beschaffen -ept. 16. Aug. 4,1 4,6 4,8 4,7 4,5 4,4 4,0 4,0 4,4 4,2 3,6 4,5 4,2 4,7 4,9 4,6 4,8 3,7 4,2 3.9 3,8 4,0 4,0 3,6 3,7 3,7 4,9 3,9 3,9 4,4 4,4 4.8 5,1 4,9 4,8 2.5 8,8 3,7 3,5 4,1 4,0 2,8 4,5 4,5 4,9 5,0 4,9 4,8 2,7 8,8 3,8 3,4 4,0 4.0 2.6 I.Sept. 3,8 3,0 3,8 4,0 3,9 3,8 2,6 Die amtliche französische Handelsstatistik für den Monat A u g u st weist nack dem„Temps" 2672 Millionen Franks Einfuhr, aber nur 375 Millionen Frank Ausfuhr, somit eine Unterbilanz von 1697 Mil- lionen aus; diese übertrifft also die Unterbilanz vom Juli noch um 291 Millionen. Für die ersten ackt Monate des laufenden Jahres beträgt die Unterbilanz des französiscken Waren-Außen Handels 9645 Millionen Frank.„Temps" bemerkt dazu: Dieie ungehencre Summe müssen wir aufbringen, um das Ausland für unsere Wehrankäufe zu bezahlen. Die Lage wird jeden Monat schlimmer und erfordert sorfältige Beachtung. Um unsere Auslandsvaluta auf der Höbe zu halten, müssen Kriegsverwaltung und Publikum ihre Käufe im Aus- land einsckränken; ebenso notwendig ist es. die Erzeugung im In- land zu steigern, damit sie den Unterhalt für Heer und Volk in Waren verschiedenster Art zu einem größeren Teile deckt. Amerikanische Baumwollernte.„Morning Post" vom 9. September meldet: Nach einem am 8. September in Liverpool eingegangenen Telegramm beträgt die bis zum 1. September entkörnte Baumwolle 856 600 Ballen gegen 464 606 in 1915, 486 000 in 1914 und 799 060 in 1913. Verantw. Redast.: Älsred Sftelevv. Neukölln. Jnfl-ratenteil verantw. Tb. Glocke. Berlro. Druck u. Verlag: Lorwär:5Buchdr.u.Ve-tagsanitalt Paul Singer u. Co., ÄerliaLW. ötCrjH 2 Peiiaften u. Unterhalt, inasbl. Dr. 266. 33. ZahrMz. 1 Sfilogt des.Amiiits" Kerlmr WsM UlttuiSlh. 27. Ztpttluber 1916. Chronik des Weltkrieges. S7. September RSI4. Auf dem westlichen und Ssilichen Kriegsschcraploh keine besonderen Ereignisse. 27. September ISIS. westlicher Kriegsschauplah: Südlich von Lille ist die große feind- liche Offensive durch Gegenangriff zum Stillstand gebracht worden. Auch in der Gegend von Souchez und beiderseits Arras wurden alle Angriffe abgeschlagen. Die Gefangcnenzahl erhöhte sich auf 262S Mann. Di» französische Offensive zwischen Reim» und den Argonnen machte keinerlei Fortschritte. Sämtliche französischen Angriffe schei- terten unter schwersten Verlusten. Die Gefangenenzahl erhöhte sich hier auf annähernd 4000 Mann. K estlicher Kriczsschauplah: Auf der Südwest front von Dünabnrg wurde den Russen eine weitere Stellung entrisicn. 1300 Mann wurden zu Gefangenen gemacht. Auch im wolhynischen Festungsgebiete ist die russische Gegen» offensive gebrochen. Die Russen räumten ihre Stellung nordwestlich von Dubno und im Styrabschnitt bei Luck und wichen in östlicher Richtung zurück. politifthe Uebersicht. Dynastische Politik. ..Eine der größten Ucbcrraschungen dcS Weltkrieges," schreibt Professor Dr. Konrad B o r n h a k im konservativen „Reichsboten"—„war cS wohl, daß ein Hohcnzoller und gc- borener RcichSangehöriger und Preuße als König von Rumänien fähig war, an Oesterreich den Krieg zu er- klären, was notwendig die deutsche Kriegserklärung nach sich ziehen mußte. Gewiß sind auch russisches Kaiserhaus und englisches Königshaus deutscher Abstammung, und ihre Mitglieder gehörten, wenn die Bestrebungen getvisscr russischer und englischer 5krcise Ersolg hätten, eigentlich als Deutsche in ein russisches oder englisches Konzentrationslager. Doch sind jene Häuser schon seit Geschlechtern mit ihrem Lande verwachsen und Deutschland entfremdet. Der König von Rumänien war dagegen als Deutscher in Deutschland geboren und erzogen und hatte als preußischer Offizier dem Deutschen Kaiser und König von Preußen den Eid der Treue geleistet. Und dennoch!" Professor Bornhak schildert dann ausführlich die ver- wandtschaftlichcn Beziehungen zwischen den rumänischen Hohen- zollern und den preußischen und kommt zu dem Schluß, daß bei der Entscheidung König Ferdinands von Rumänien außer »angeborener Charakterschwäche" auch»weiblicher Ginfluß" von wesentlichem Einfluß gewesen sei. Seine Gattin, die frühere Prinzessin Marie von Sachscn-Koburg-Gotha, sei näm» lich„von beiden Eltcrnscitcn deutschfeindlich erblich belastet"(!). Prof. Bornhak knüpft an diese interessante Feststellung, die festgehalten zu werden verdient, folgende Bc- mcrlungcn- »Der rumänische Fall bestätigt von neuem die alte Erfahrung, daß eine Dynastie niemals eine bestimmte Politik verbürgt. Ludwig XIV. hat einst Frankreich im Spanischen Ersolgckriege beinahe verbluten lasten, um seinen Enkel auf den spanischen Thron zu bringen. Und der Erfolg war, daß dieser selbe Enkel gegen das Frankreich Ludwigs XV. Krieg führte. Napoleon I. hat ähnliche Beiürchtungen gehegt bei seinen Per- wandten, denen er auswärtige Throne verschafft halte, und in der Tat trat Joachim Mural von Neapel 1Kl4 zu den Verbündeten über. Der rumänische Bcrrar ist ein besonders schwerer, da er unter Bruch überkommener Bündniepflichten und gegen die wahren Interessen Rumäniens erfolgt. Aus der verrälcrischcn Handlungsweise Rumäniens werden wir auch bei der lünfiigcn Lösung der polnischen Frage zu lernen haben, daß»reale Garantien noch nicht da- mir gegeben sind, wenn etwa ein deutscher Fürst auf einen polnischen Thron gesetzt würde". Dieses scharfe Urteil Prof. Bomhaks ist dem„Reichs- boten" ersichtlich unangenehm. In einer redaktionellen Nach- schrift bemerkt er, der dynastische Einfluß auf die Politik sei doch oft größer, als es nach den Ausführungen Prof. BornhakS scheinen könnte, nur dürfe man ihn nicht immer bei dem Herrsch er allein suchen, da in nicht wenigen Fällen„die dynastischen Jntcr- essen der Frau deS Fürsten die Oberhand" gewinnen. Diese Bemerkung ist sicherlich zutreffend. Namentlich nach den Er- fahrungcn deS Weltkrieges darf man die dynastischen Interessen der Herrscherhäuser keineswegs unterschätzen. Wesentlich ist aber in diesem Falle die Feststellung Prof. BornhakS, daß eine »Dynastie niemals eine bestimmte Politik verbürgt". DaS kann in dem ivicdcrgegebenen Zusammen- hang nur bedeuten, daß die so gerühmte Stetigkeit des „monarchischen Prinzips" nur auf Einbildung beruht, und ferner daß zwischen den dynastischen Interessen und den Interessen der Landespolitik oft ein tiefer Widerspruch klafft. Uns Sozialdemokraten sagen diese Feststellungen nichts Neues. Es ist aber immerhin interessant, sie jetzt von kon- scrvativcr Seite bestätigt z« hören. ■Ü* Vom RcsolntionSkricg. Der anti-englischen ResolutionSkampagne, über die wir schon mehrfach berichtet haben, schltcßen sich nun auch die führenden Kreise Hamburgs an. Der„Deutsche Kurier" teilt den Wortlaut eineS von vielen Vertretern des Handels und der Industrie in Hamburg unterzeichneten Aufrufes mit, in dem es heißt: „England bat jahrelang zur Vernichtung Deutschlands seine Netze gesponnen. England hat zur Vernichtung Teutschlands selbst zu den Waffen und zu den zweifelhaftesten wirtichasllichen Mitteln gegriffen und England bereitet jju unserer immer vollständigeren Vernichtung die Welt planmäßig auf den Wirlschasts- wieg im Frieden gegen Deutschland vor. DaS konsequente, seiner Tradition getreue England wird auf einen Frieden auf anderer Basis als unserer Vernichtung bezw.— waü auf dasselbe hin- auskommt— unserer wirtschaftlichen Lahmlegung und Knechtung nur dann zusteuern, wenn es in Weiser Abschätzung seiner selbst- erkannten Schwäche sich dazu gezwungen sehen sollte. Daher gibt eS für uns nur»ine Losung: Durchzuhalten in der klaren Er- kenntn'.s, daß England unser Feind ist, den es niederzuringen gilt, wenn unsere bisherigen Opfer an Gut und Blut nicht umsonst gebracht sein und die großen Mög- lichleiten der wirtschaftlichen Entfaltung deutscher Talkrast in der Welt uns nicht verloren gehen sollen. Wir geben die Erklärung ab in, vollen Bewußtsein, daß das Interesse an der baldigen Wiederkehr friedlicher Zriyände nirgendwo ausgeprägter sein kann als in der als Ueberseehandelsplatz durch die Absperrung besonders schwer leidenden, auf KriegSwirrschast nur wenig cingestclltcn Hansestadl." Eine Kuirdgebung der Deutsch-völkischen Partei. Der Gcsamivorstand der Deutsch-völkischen Partei hielt unier Leitung deS ReichStagSabgeordneten Dr. Werner am 24. d. M. in Kassel eine Sitzung ab. Dr. Werner sprach am Porabend der Tagung in einer Versammlung im Evangelischen VereinSbause über das Thema„Der Kampf gegen England". Am Schlüsse der Kundgebung wurden laut der„Deutschen Tageöztg." Eni- schlicßungen einstimmig angenommen, worin daS dringende Ersuchen ausgesprochen wird, gegen England, als unseren gefährlichste» Feind, alle zur Verfügung stehenden Waffen rücksichtslos auszunutzen, ferner der bisherige Zustand auf dem Gebiete der Zensur eines freien und opferbereiten Volkes unangemessen genannt und ihre gleichmäßige Handhabung und Beschränkung auf rein militärische Angelegenheiten gefordert wird, schließlich ein entschiedener K a m p f gegen den schändlichen Kriegs- Wucher, der unter KriegSrecht gestellt werden müßte, wenn er bc- seitigt werden solle. In einer weiteren Entschließung verlangte man außer der mililärrschen, wirtschaftlichen und politischen Sicherung auch den politischen Schutz, und zwar Schluß der bisherigen NeichSgrenzen gegen die Zuwanderung minderwertiger Völkecteile. Leider geht aus dem vcröffentlichlen Bericht nicht hervor, wie in der genannten Versammlung die Forderung nach Annexionen (»Sicherungen") im Einklang gebracht wurde mit dem Verlangen nach Schließung der Grenzen gegen die Zuwanderung»minder- wertiger Völkerteile". Oder schwebte den Verfassern der genannten .Entschließung' das Ideal von„Hclotenländern" vor, das schon von Prof. Harnack gebührend gekennzeichnet worden ist? Zm: Tagnnx, deS Reichstags. Die erste Sitzung des Reichstags Wird am Donnerstag um 2 Uhr beginnen. Der AeltestenauSschuß tritt eine Stunde vor der Vollsitzung deS Hauses, um 1 Uhr, zusammen und wird über die Gcschäftscinteilung eine Einigung der Fraktionen anstreben. Nach der großen politischen Rede des Herrn von Bethmann Holliveg wird Wohl die Vertagung der Sitzung in Aussicht genommen. Der AeltestenauSschuß wird entscheiden, ob den Gründen, die dafür sprechen, daß dann die weitere Aussprache im HauptauLschutz fortgesetzt wird, und dieser gleich am Freitag mit seinen Beratungen beginnt, stattgegeben werden soll. Die Fraktionen, mit Ausnahme deS Zentrums, hielten gestern bereits Sitzungen ab. Pcrsonalwechsel im Rcichsschafiamt. Der bisherige Direktor im RcichSschatzamt, Herz, ist, wie schon vor längerer Zeit angekündigt wurde, in den Ruhestand getreten. An seiner Stelle ist der bisherige Vortragende Rai im preußischen Finanzministeriuni Geheimer Obcrfinanzrat Dr. Schroedcr zum Direltor im Rcichischatzamr ernannt worden. Eine Wahlrechtsdebatte. Der anhaltische Landtag beschloß die Hinausschiebung des Inkrafttreten« der neuen Wohlgesetze für die Gemeinderäte und den Landtag um ein weiteres Jahr. Bei dieser Gelegenheit gab eS eine Nebcrrasckmng. Durcki einen fortslbrittlich-sozialdemokrattschen Antrag, der die Einführung des RcichStagSwahltechtS für den Landtag und die Gemeindevertretungen, eventuell eine Herabsetzung deS ZenfuS von 3000 auf 1800 M. forderte, wurde der Regierung und den verbündeten Konservativen und Nationallibcralen die Gelegenheit gegeben, sich über die politische Neuorientierung in Anhalt zu äußern. Die Abgeordneten Dr. Cohn sfortschr.) und Voigtabe der Kriegsminister im Großen Hauptquartier kürzlich, nachdem der Bedarf an HilfS- kräften für die Landwirtsckwft nachgelassen hat, allgemein wieder in Erinnerung gebracht.'Dabei sei besonders darauf hingewiesen worden, daß anzustreben sei— ohne Rücksicht auf eine vorliegende Notlage oder auf staatliche Bedürfnisse— allen Mannschaften, vor allem den Verheirateten, die ein Jahr und länger ununter» brachen im Felde gestanden haben, Erholungsurlaub zu gewähren, soweit eS die militärischen Interessen irgend zulassen. Da die Herbstbestellung sanch im Weinbau) noch nicht vollendet sei, auch die militärische Lage zurzeit noch Beschränkung auferlegt, werde die angestrebte Erweiterung der Beurlaubungen voraus- sichtlich nur allmählich— wahrscheinlich erst in den Herbst- und Wintermonaten— in die Erscheinung treten.(z) Löhnung der Mannschaften im Lazarett. Das K r i e g S m i n i st e r i u m veröffentlicht folgenden Erlaß, der am 1. Oktober 1E16 in Kraft tritt: „Den in ein Lazarett aufgenommenen Mannschaften ist, gleich- viel weliber Waffengattung sie angehören, vom ersten Tage dcS auf die Aufnahme folgenden MonatSdrittelS ab stets die für daß immobile Verhältnis vorgesehene Löhnung der Unberittenen ihre« Dienstgrades zu zahlen. Vom Tage der Entlassung aus dem Lazarett ab steht ihnen die Löhnung nack dem Satz ihrer Kriegs- stelle beim neuen Truppenteil zu. Die infolge Ueberwcisung zu einer immobilen Formation etwa erforderliche Nachzahlung de» LöhnungSunterschiedeS für die Tage bis zum Schluß deS Monats- drittels, in dem die Entlastung aus dem Lazarett erfolgt ist, hol der neue Truppenteil zu bewirken. Bezüglich der Nachzählung an die zu mobilen Forinalioucn übcrgctrelencu Mannschaften verbleibt cS bei der durch Erlaß vom 22. September 1915 abgeänderten Bc- stimmunz im§ 211, Absatz 2 der KriegSbesoldungSvörschrift. Die militärische Jugendvorbildung. Die öfscutliche Propaganda für die gesetzliche Regelung der militärischen Vorbereitung der Jugend hat in auffalliger Weise stark nachgelassen, seitdem die Absichten des KriegSmiuisteriumS und die ablehnende Haltung der proletarischen Jugendbewegung gegenüber einem ReichSjugendwehrgesetz bekanntgeworden sind. Man würde sich aber einer Täuschung hingeben, zu glauben, daß damit die Bestrebungen für die Schaffung eineS Reichsjugendwehr- gesetzes überhaupt aufgehört hätten. Dir an einem solchen Gesetz interessierten Kreise haben, ohne dabei an die Oessentlichkeit zu treten, ihren politischen Einfluß weiterhin geltend gemacht. So fand bor nicht langer Zeit eine Kousereuz im preußischen Abgeordnetenhause statt, die einstimmig folgenden Beschluß gefaßt hat: „Der Reichstag wolle beschließen, den Herrn RelchSianzler zu ersuchen: a) dem Reichstage mit tuulichstcr Beschleuni- gung den Entwurf eines 3t e i ch Lj ug en dw ehr g e se tz c s für die militärische Vorbereitung der Jugend vom landsturmpflich- tigcn Alter bis zum Hecreseintritt vorzulegen; b) dafür Sorge zu tragen, daß die körperliche Ertüchtigung dcr schuleittlasscnen Jugend bis zum Beginn des landsturinpflichtigeu Alters für die f o r t b i l d u n g s s ch u l p f l i ch t i g e Jugend im Wege der Landesgesetzgebung gefördert werde, soweit dies nicht schon geschehen ist." An dieser Konferenz waren beteiligt unter anderem der Deutsche LaudeSkriegerverband durch Exzellenz Bar- telö,„Die Deutsche Laudwirtschafi" durch 3ieichStagSabgeordneten Freiherrn von Wangenheim, der Zentralberein für Jugcndspielc durch Oberbürgermeister Dominicus aus Schöneberg, ferner Ver- treter kaufmännischer Vereinigungen und der katholischen Gewert- schaft sowie der katholischen Jünglingöbercine. Daß auch die katho- tischen Jugcndvercine, die bisher der Agitation für ein Jugend- wchrgesctz hemmend gegenüber gestanden haben, nunmehr am selben Strange mit den Knegcrvcreiucn ziehen, ist recht bemerkenS- wert. Auf der diesjährigen Sitzung de» Zentralkomitees dcr katho- tischen JünglingSvercinigungen Teutschlands wurde mitgeteilt, daß in einer Eingabe an das Kriegsministerium die Auffassung und die Wünsche dcr Verbandsleitnng über die künftige Gestaltung dcr militärischen Jngendvorbereitung nach dem Kriege zum Ausdruck gebracht worden seien. Als unbedingte Forderungen wurden erhoben: 1. Daß die geplante HeereSborschule(Jugendkompagnicu usw.) keine Veremssorm annehme und auch nicht einem bestimm ten Vereine(z. A. den Turnvereinen oder dem Jnngdeutschland- bund) übertragen werde. 2. Daß sie über den Rahmen militärischer Hebungen nicht hinausgehen. 3. Daß der Sonntag sowie der Sonnabendnachmittag und abend grundsätzlich von Uebungen freibleiben. Dieser Aufsassung habe das Kriegsministerium zugestimmt. Womit natürlich die Zukunft dcr militärischen Jngcudvorbildung noch nicht besiegelt ist, denn ein ReichSjugendwehrgesetz kann natürlich nur vom Reichstag beschlossen werden.(z) Das tägliche Srot. Berlängcrnng dcr Beschlagnahme von Acpfeln und Pflaumen. Amtlich. Berlin, SS. September.(W. T. v.) Die Beschlag- nähme der Pflaumen und Aepfel hat bislang nicht zu dem gewünschten Erfolge geführt, so daß die beabsichtigte baldige Auf- Hebung der Anordnung nicht möglich ist. Der Grund ist der, daß in einer Reihe von Bezirken die Ware zurückgehalten wird und die Anlieferung an die mit der Verfügung iiber das bc- schlagnahmte Obst beauflragte KricgSgescllschast für Obstkonscrvcu und Marmeladen zögernd erfolgt. Da auch dcr festgesetzte verhält- nismäßig hohe Preis nicht dazu geführt hat, die Anlieferung zu beschleunigen, wird erwogen, die Höchstpreise für Pflaumen erheblich herabzusetzen.___ Städtetag und Kartvffelpreise. Der HauptauZschuß deS Deutschen StädtetagcS hat seine Ver- Handlungen gestern zu Ende geführt. Seine Einberufung, die erste seit Beginn deS Krieges, war auf vielseitige Anregung erfolgt, um im größeren Kreise als dem des Vorstandes die in die städtischen Interessen tief einschneidende Frage dcr Reichs-, Staats- und Ge- merndezuschüsie zu den Kartofselpreiscn zu besprechen. Dcr Haupt- ailSschnß ist nunmehr zu folgender ein st im m ig gefaßter Entschließung gelangt: „Der Haupiauischnß des Deutschen StädtetageS billigt aus- drücklich sämtliche Schrille, die der Vorstand getan hat, um bei den Spätkartosscln den Gemeinden das ihnen gesetzlich zustehende Recht auf Festsetzung der Verbrancherpreise auch in dcr Wirklichkeit zn erhalten. Er gibt der Ueberzenglliig AuS- druck, daß der höchst unerwünschte Ausgang dieser Er- örtcrungeii nicht eingetreten wäre, wenn das KrtegScrnährungSamt vor Nennung bestimmter Preise für die zur Einlellcrung oder im Klein- verkauf abzugebenden Kartoffeln den deutschen Städten Gelegenheit zur Darlegung ihres reichen ErsahrnngSmateriaiS gegeben hält». Leb- haster Einspruch muß gegen das Bestreben eingelegt locrdcn, den Verbraucherpreis durch daS künstliche Mittel einer Zuschubltistung aus öffentlichen Kassen herabzusenken und die Städte durch gesetzlichen oder tatsächlichen Druck zur Beteiligung au einem solchen Vorgehen zu nötigen. E« ist ein Irrtum, diese Zuschüsse mit den Zwischenhandelskosten in Verbindung zu bringen, deren Höhe durch unabänderliche Notwendigkeiten jcststeht. Vielmehr bedeutet die Zuschußleistung eine Abglcichung der erhöhten Erzeuger preise und damit die Gefahr geringeren Wider- standeS gegen solche Preiserhöhungen. Der HauptauSschuß dcS Deutschen StädtetageS erachtet eS für ausgeschlossen, daß diese im Gebiet der Spätlartoffeln erfolgte Maßnahme bei anderen land- wirtschaftlichen Erzeugnissen oder in sonstiger allgemeiner Forin wiederholt oder ausgebaut wird. Nebeir den besonderen städtischen GefickiSpunktsn, unter denen noch die Gesahr schwerster Erschütterung der städtischen Finanzen hervorzuheben ist, würden einem solchen Vorhaben auch die ernstesten kriegSwirlschaft- lichen Bedenken allgemeiner Art im Wege stehen. Denn das Ende dcr damit beschrittenen Bahn wäre gar nicht abzusehen; besonders ist nicht erkennbar, wie unser Wirtschaftsleben, wenn einmal die Stützung durch öffentliche Mittel erfolgt ist, mit Abschluß des Krieges alsbald in die allein mögliche Form der Anfrechterhaltiing aus sich -selbst zurückkehren könnte." Arbeitsnachweis und Arbeitsgemeinschaften im Dienste üer KriegsbeschäKigtenfürsorge. Uebcr dieses Thema hat sich Magistratsrat Wölbling- Berlin in Nr. 11. deS„Arbeitsnachweis in Teutschland" und anch in dem Organ der Zentrale für BolkSIvohlfahrt in längeren Ansfnhrinigen verbreitet, und konimt in beiden Fällen zu dein Resultat, das; cS notwendig ist, die Arbeitsbeschaffung wie anch die Arbeitsvermittlung für Kriegsbeschädigte cinhcit- sich zu gestalten, und zivar in der Weise, das; alles unter der Leitung des öffentlichen Arbeitsnachweises erledigt wird. Tie Bedeutung der Arbeitsgemeinschaften sowie die grostc Berschiedcnartigkeit, wie in einzelnen Orten und Bezirken die Tinge gelagert sind, veranlassen uns, gegen diese Unifor- mierung an sich Stellung zu nehmen, wozu noch kommt, das; auch eine Reihe von Einzclbcmerknngcn in diesem Artikel des Herrn Magistratsrats Wölbling dringend der Richtig- stellung bedürfen. Was in dem Artikel über die Arbeitsbeschaffung und Arbeitsvermittlung von privaten Vereinen, Wohltätigkcits- vereinen usw. gesagt wird, ist durchaus richtig. Wenn aber Herr Magistratsrat Wölbling meint, das; auch die Arbeits- g e m c i n s ch a ft c n, die, wie er zugibt, eine äußerst wert- volle Einrichtung sind, nicht als selbständig arbeitende Institution!.'» bestehen bleiben dürfen, sondern den öffentlichen Ar- beitsnachweisen unterstellt werden sollen, dann muß dem doch mit aller Entschiedenheit entgegengetreten werden. Tas fällt uns uni so leichter, wenn wir die Griinde prüfen, die MagislratSrat Wölbling für seine Ansicht vorbringt, und wenn wir weiter die bisherige Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaften betrachten. Magistratsrat Wölbling spricht da zunächst von den'zahl- reichen Beziehungen, die die öffentlichen Nachweise haben, und die der Sache äußerst dienlich sind. Tiefe zahlreichen'Be- Ziehungen müssen aber doch wohl, soweit die Unterbringung der Kriegsbeschädigten in Betracht kommt, nicht so besonders sein, wenigstens muß man zu diesem Schluß kommen, wenn man sich die Vakanzenliste für Kriegsbeschädigte des Verbandes Märkischer Arbeitsnachweise ansieht. Ihr Inhalt zeigt auf das klarste, daß der Verband Märkischer Arbeitsnachweise mit winer Vermittlung für Kriegsbeschädigte durchaus nicht die Erwartungen erfüllt bat. die man nach den erfolgten Vcr- öffentlichnngcu im Publikum bogen durfte. Herr Magistratsrat Wölbling schreibt in seinem Artikel: .Ant den bloßen Nachweis gu! bezahlter Stellen kommt es Übeihmipt nicht au. vielmehr daraus, daß der richiige Mann an den richtigen Platz kommt, und daß er dort dleibt, auch wenn der ArbeitSmarkt nach Rückkehr der Kriegsteilnehmer ivicder ein an- dcres(»jesicht annimmt." Tas ist sehr richtig, wenn anch nicht gerade etwas NeneS. Aber nnSaefübrt kann das praktisch doch ani besten werden durch die zum Zivecke der Unterbringung von Kriegsbeschädigten errichteten Arbeitsgemeinschaften. Ein auf sich selbst gestellter Arbeitsnachweis kann daS nicht in genügendem Maße. Das zeigt sich schon jetzt, wie vielmehr wird daS später der Fall sein. Tie Frage der Unterbringung der heimkehrenden Kriegs- leilnehmer. die gegen Ende des Artikels mehrfach mit der Frage der Unterbringung der Kriegsbeschädigten zusammengeworfen wird, hat hiermit gar nichts zu tun. TaS ist eine Aufgabe, zu deren Erfüllung ja bekanntlich die ZcntralauSkunstsstcllen errichtet sind. Gelviß sollen die Arbeitsgemeinschaften mit den behördlichen Kriegsbefchädigtenfürsorgcstellen Hand in Hand arbeiten, müssen dies sogar. Aber noch eine iveitere behördliche Stelle, wie zum Beispiel der öffentliche Nachweis es ist. einschieben zu wollen, dazu liegt keine Veranlassung vor. DaS hieße die Erledigung der einzelnen Fälle hinauszögern und den Kriegs- beschädigten unnötig lange auf den Beginn seiner gewerblichen Tätigkeit warten zu lassen. WaS durch die Verbindung der Arbeitsgemeinschaften mit der behördlichen KriegSbeschndigtensürsorgestelle heute schon an Verzögerungen vorkommt, mag an folgenden Beispielen gezeigt'werden: Die Kriegsbcschädigtensürsorgesielle der Stadt Berlin wandte sich in einem Schreiben an die Geschäftsstelle einer Arbeitsgemeinschaft in Berlin und ersuchte darum, daß die Kriegsbeschädigten nicht eher in Arbeit vermittelt werden, als bis die Akten des betreffenden Falles von den Fürsorgestellen an die Arbeitsgemeinschaft gelangt seien. Die betreffende Arbeitsgemeinschaft erklärte, daß sie gern bereit sei. mit der Vermittlung so lange zu warten, nur müsse die Zusendung der Akten eben etwas schneller geschehen als bislang, da sonst für den Kriegsbeschädigten kostbare Zeit verloren gehe. Es wurde empföhlen, daß die Akten noch an dem Tage, an dem die Berufsberatung stattgefunden hat, an die Geschäftsstelle abgehen mögen. Tas war im Juli dieses Jahres. Nun hätte man er- warten sollen, daß diesem doch gewiß berechtigten Vorschlage vor in Frage kommenden Arbeitsgemeinschaft entsprochen wird. Aber weit geiehlt. Am 7. Anglist gingen von der KriegSbeschädigtenfürsorgc- stelle die Akten des Kriegsbeschädigten E. ein. Diese Akten wurden zurückgereicht, da C. bereits am 17. Jnli nach er- iolgter Bernisberatung in der Geschäftsstelle der betreffenden Arbeitsgemeinschaft vorgesprochen hatte und sofort in Arbeit gebracht war. Hätte die Geschäftsstelle der be- treffenden Arbeitsgemeinschaft bis zum Eingang der Akten gewartet, dann wäre der Kriegsbeschädigte unnötig drei W o ch c ii ohne Beschäftigung gewesen. Ein gleiches war bei dem Kriegsbeschädigten G. der Fall. Tie Akten gingen am 31. Juli ein; der Kriegsbeschädigte war aber bereits nach erfolgter Berufsberatung feit dem '.'4. Juli in Arbeit Tie Akten des Kriegsbeschädigten V. gingen am 31. August bei der Geschäftsstelle der Arbeitsgemeinschaft ein. Derselbe war nach erfolgter Berufsberatung bereits am La. August in Arbeit gebracht. Die Aufzählung der Fälle, wo die Zusendung der Akten nach erfolgter Berufsberatung an die Arbeitsgemeinschaft vier- zehn Tage und sogar darüber dauerte, könnte noch vergrößert werden. Was würde nun erst, wenn die Akten von der Berufsberatung zunächst an den öffentlichen Nachweis gingen und von da dann an die Arbeitsgemeinschaft! Es käme zweifellos noch eine längere Frist heraus, die der Kriegs- beschädigte unnötig auf Arbeit wartet. Das ist einfach nicht zu verantworten! Taß auch Mahnungen hier keine Abhilfe schaffen, ist ja durch die obige Darstellung bewiesen sLehörden verlangen für Akten ja immer eine Lagcrsrist), so daß es also nicht im Interesse der Kriegsbeschädigten liegt, noch eine weitere Instanz zwischen Berufsberatnngsstelle und Arbeitsgemeinschaft zu schieben. Von der Erledigung von Beschwerden der Kricgsbcschä- digten, die irgendwelche Vorkommnisse in ihrem neuen Arbeits- Verhältnis veranlassen, soll an dieser Stelle gar nicht erst gei sprochen werden, denn das kann gar nicht besser als durch paritätische Körperschaften aus Arbeitgebern und Arbeit- nehmern des in Frage kommenden Berufes erledigt werden. Es bedarf auch hier nicht irgendwelcher dritten Stelle, die da mithilft. Es braucht nun durchaus nicht befürchtet werden, daß der Ueberblick über den Arbcitsmarkt durch die Erledigung der Vermittlung seitens der Arbeitsgemeinschaften verloren geht. Die Arbeitsgemeinschaften berichten über jeden Fall ihrer Ver- mittlung au die Kriegsbeschädigtcnfürsorgestelle des Ortes, und das ergibt ausreichend Material für die Statistik. Sollte sich später ein Bestand von nicht untergebrachten Kriegsbeschädigten ergeben, so werden diese Zahlen eben mit in die Statistik aufgenommen, und ermöglicht sich ohne Schwierigkeiten auch nach der Richtung hin ein Ueberblick. Die große Möglichkeit der Erledigung der Arbeits- beschaffung und Arbeitsvermittlung für Kriegsbeschädigte durch die Arbeitsgemeinschaften Ivird ja allseitig, auch vom Magistratsrat Wölbling, anerkannt. Warum man da bemüht ist, die Arbeitsgenieinschaften im spanischen Stiefel einzuschnüren, anstatt zu veranlassen, daß überall solche Ar- beitsgemeinschasten errichtet werden, ist einfach unverständlich. Gewiß, wo keine Arbeitsgemeinschaften bestehen, da muß ja schließlich, so gut das eben möglich ist, ein Arbeitsnachweis die Stelle sein, von der aus die Arbeit für die Unterbringung der Kriegsbeschädigten geleistet wird. Allerdings können wir uns vorstellen, daß ein solcher Arbeitsnachweis noch etwas anders aussieht als der Zentralvercin für Arbeitsnachweis in Berlin oder der Verband Märkischer Arbeitsnachweise; denn wenn in dem Artikel des Herrn Magistratsrat Wölbling von einer Parität dieser Arbeitsnachlveise gesprochen wird, ö möchten wir dahinter denn doch ein großes Fragezeichen macheu. Von dieser kann im Verband Märkischer Arbeits- nachweise absolut keine Rede sein, und die Parität im Zentral- verein für Arbeitsnachweis in Berlin ist auch sehr fragwürdig angesichts der 51 Proz. der Stimmen, die sich der Magistrat Berlin im Vorstand gesichert hat. Das birgt die Gefahr eines Mißbrauchs in sich. Wir erinnern nur an die Haltung deS Magistrats bei Gelegenheit der Regelung des Arbeitsnachweises der Holzarbeiter. Jedoch auch gegenüber lvirklichen, paritätisch verwalteten Arbeitsnachweisen verdienen die Arbeitsgemeinschaften unter allen Umständen den Vorzug, und sollte man mit Rücksicht auf die Gesamtsitiiatiou davon Abstand nehmen, die Tätig- keit der Arbeitsgemeinschaften nach Art des Vorschlages des Herrn Magistratsrat Wölbling reglementieren zu wollen. Die öffentlichen Nachweise, soweit sie aus sich selbst gc- sind, sind für die Unterbringung und die Erledigung der Beschwerden der Kriegsbeschädigten bei weitem nicht so gc- eignet tvie die Arbeitsgemeinschaften, und sollte man deshalb auch nicht versuchen, die Bedeutung der Arbeitsgemeinschaften herabzudrücken oder sie gar zu den Leitungen der öffentlichen Nachweise untergeordneten Organen machen. Hierzu liegt keinerlei sachliches Bedürfnis vor. Es handelt sich um die Für- sorge für Kriegsbeschädigte, nicht darum, daß die Erfolge der Arbeitsgemeinschaften auf diesem Gebiete von den Leitungen der öffentlichen Arbeitsnachweise als ihr Verdienst gebucht werden können. Die Arbeitsgemeinschaften sollen in erster Linie in Frage kommen für die Unter- bringung von Kriegsbeschädigten, sie sollen in direkter Verbindung mit den behördlichen Kriegsbeschädigten für sorge st eilen aller Art stehen. Und dazu brauchen die ArbcitSgemcin- s ch a f t e n Selbständigkeit. Soziales. Gesetzwidriger Lchrvertrag. AlS dem Gesetz und den guten Sitten widersprechend kennzeichnet ein gestern von der Kammer 5 des Berliner Gewerbegerichtes gefälltes Urteil die Verträge, welche die Firma F. Buhte, Schraubensabrik, mit ihren Lehrlingen abgeschlossen. Im vorliegenden Falle handelte es sich um den Vertrag eines jungen Mannes, der bei der genannte» Firma das Einrichten von Automatcnbänkcn erlernt hat. Seine vierjährige Lehrzeit ist seit dem 5. Scplember abgelaufen. Der Vertrag, der die Lehrzeit auf vier Jahre festsetzt, bestimmt, daß der Lehrling von, zweiten Lehr- jähre ab siir da? selbständige Einrickiten von Maschinen Grati- fikanonen erhält, jedoch nur. wenn er sich einwandfrei beträgt und fleißig ist. Eine Gewähr für die Zahlung von Gralifikationen, die ohne Ausnahme als freiwillige Leistungen gellen, übernimmt der Lehrherr nickit. Von den Gralifilationen ivird nicht mehr, als ein Betrag von 2M. wöthenllich ausgezahlt. Ter überschießende Betrag wird dem Lehrling gutgeschrieben und nach Ablauf deS LehivertrageS aus- gezahlt. Ans Wunsch deS Lehrherrn hat der Lehrling nach bcendcicr Lehrzeit noch zwei Jahre im Betriebe des Lchrherrn zu arbeiien. Für diese Zeit erhält er im ersten Jahre einen Lohn, der 10 Proz. niedriger ist als der übliche Gcsellenlohn. Jni zweiten Jahre bc- komml er den vollen Gcsellenlohn. Der Kläger ist kurze Zeil nach Ablauf des LehrverhältnisscS von der Firma nvgegangen. Der ihm gutgeschriebene llcbcrschuß der Graiisikaiion im Betrage von dl M. ist ihm nicht ausgezahlt worden, er forderte denselben jetzt im Klagewege. Der Vertreter der Firma berief sich darauß daß die Gratifikation im Vertrage ausdrücklich als freiwillige Leistung bezeichnet werde, dem Kläger also ein Rechtsanspruch auf Zahlung derselben gar»ickt zustehe. Weil der Kläger die vertragsmäßig ausbcdungenc zweijährige Arbeit als Gehilfe nicht geleistet habe, fei ihm der Gralifikaiivnsübcrichuß nicht ausgezahlt, Gndern einer von den Arbeitern des Betriebes verwalteten UnterstützungSkasse überwiesen worden.—(Anscheinend handelt es sich um eine vom gelben Werkverein verwaltete Kaste.) Das Gericht verurteilte die beklagte Firma zur Auszablung der Gratifikation. Der Vor- sitzende, Magistratsrat Schultz, sagte tn der Urteilsbegründung: Die Verlragsbeftimmimg. wonach der Lehrling noch zwei Jahre nach beendeter Lehrzeit im Betriebe des Beklagten aibeitcn soll, ist für den Kläger nicht bindend, denn sie widerspricht dem§ 624 des Bürgerlichen Gesetzbuches, welcher lautet:... „Ist das Dienstverhältnis für die Lebenszeit einer P-rion oder für längere Zeit als jünf Jahre eingegangen, so kann cö von dem Verpflichteten nach Ablauf von fünf Jahren gekündigt werden. Die Ründigsfrist beträgt sechs Monate." Noch ein anderer Grund spricht gegen die Gültigkeit des Ver- träges: Der Vertrag ist eine Umgehung der gesetzlichen Bestimmung. wonach das Lebrverhälinis nicht länger als vier Jahre dauern darf. Diese Geietzesbestimmung trägt dem Umstand Rechnung, daß e-Z für die Weiterbildung deS Ausgclernlcn notwendig ist, sich nach beendeter Lehr- zeit an anderen Arbeitsplätzen zu betätigen, um andere ArbenSmelhoden kennen zu lernen. Diese Möglichkeit wird dem Ausgelernten ge- Mammen, wenn er nach der Lehrzeit noch weitere zwei Jahre ver- traglich festgehalicn wird. Die VertragSbestimmung widerspricht den guten Sitten, sie ist unzulässig und der Beklagte kann deshalb keine Schadenersatzansprüche herleiten. Dein Kläger steht das aus den Gratifikationen angesammelte Guthaben zu. Allerdings sind die Gartifikationen an sich freiwillige Leistungen. Aber mil dem Moment, wo sie dem Klüger guigeichrieben werden, hat er einen RechlSanipruch aus die gutgeschriebenen Belrüge. Naäi der Vcrkündimg deS Urteils bemerkte der Vertreter des Beklaglcn, die erwähnlen Lchrvcrlräae feien vor ihrem Abschluß dem Gewerbeinspeklor vorgelegt worden und der habe keine Bedenken gegen den Inhalt der Verlräge gehabt. Der Beklagie sollte aber wissen, daß dem Gewerbeinsvekior eine Befugnis, solche Verlräge aufzuheben, leider nicht zusteht. fim alier Welt. Starker Tabak. In Oesterreich herrscht so großer Tabakmongeh daß einzelne Trafiken(so heißen dort die konzessionierten Tabakhandlungcn) nur noch an einzelnen Tagen ihre Läden öffnen. Ein Spaßvogel schrieb iiun jüngst an eine geschlossene Tabakvcrkausstclle folgende Zeilen: In ollen Trafiken Ist Ruh; In allen Budiken Spürest du Kaum einen Rauch. Die Blätter raucht man vom Walde— Warte nur, Balde Rauchst du sie auch. Der hier so hübsch eine Parodie ans Goethes wundersames Ge- dicht schuf, Halle gewiß keine Ahnung, daß es noch lieblichere Dinge gibt, die man bei jeder Stimmung als kleine Rauchwollen in die Lust blasen kann. Darüber kann ihn und andere Sanguiniker eine Gerichtsverhandlung belehren, die sich in R a t i b o r abgespielt hat. Wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesey balle das dorlige Landgericbl den Zigarrensabrikanlen Paul V ö b in zu drei Monalcn Gefängnis verurteilt. Er hatte zur Erbvhnng des Gewinnes nicht nur nicht genügend permutierten Tabak ver- wendet, sondern diesem auch noch alle möglichen anderen Stoffe beigefügt, wie Bindfaden, Bast, Apfel schalen und noch üblere Dinge. Dadurch wurde die Beschasfenbeit der „Zigarre" geeignet, die menschliche Gesundheit zu schädigen. Ter Ein- wand deS Angeklagten, daß er damit nicht gerechnet habe, konnte ibm nicht widerlegt werden, weshalb nur ein fahrlässiges Vergeben gegen das Nahrniigsmiitclgcsetz für vorliegend erachtet worden ist. Gegen daS Urteil hatte der Verurteilte Revision eingelegt, die aber vom Reichsgericht verworfen wurde. Wie beim Nahrungsmittelhandel haben sich ja auch auf anderen Gebieten die Schwindler die günstige Gelegenheit zunutze geinacht, um den Verbrauchern für schweres Geld ollerband wenlosen Schund anzudreben. Selbst die Zigarren, die den Kriegsteilnehmern als Liebesgaben ins Feld gesandt wurden, blieben nicht davon verschont, als Objekt einer schnintzigen Erwerbsgier zu dienen. Auch heute noch steht jener Fall in Ratibor nicht vereinzelt da. Vor einigen Tagen wurde uns aus dein Felde ein Päckchen übersandr. das die aufgebrochenen Reste einiger„Zigarren" enlhiclt, die wahrhaftig zum Hinimel stanken.„Marke Handgranale" lvaren sie in der urivüchsigen Soldalensprache getauft, womit aiigedenlet wurde, daß„anziiiiden und wegwerfen" auch bei ihnen die Parole lautet. Als Ursprungsort dieser Glimmstengel wird Minden i. W. bezeichnet. Wir glauben nickt, daß der Fabrikant so schlechte Prelle daiür erhielt, daß er keine bessere Ware liefern konnte. Solchen Schund sollte man aber wirk« lich keinem Soldaten anbieten, denn ehe er sich daran erquickt, raucht er doch lieber„die Blätter im Walde". Dann weiß er wenigstens was er hat, und billiger ist der Genuß auch, denn er kostet nichts._ Pilzvergiflungrn. In einem Krankcnbans in München ver- starb am Sonnabend die 11 Jabre atie Tochter des ManrcrS Frey an den Folgen einer Pilzvcrgiftlmg.— In Rheingönheim staib nach dem Genuß von felbstgepflückten Pilzen die Frau des Bauern Jerzick unter Bergiftuiigscrscheiniiiigen. Ein Cohn mußie in das Krankenhaus Ludwigshasen gebracht worden, wo er gleich« falls starb. Der Mann lonnic gcreilel werden. Große Getreideschiclningen sind in der Stadt und Provinz Posen aufgedeckt worden. Ob diese Schiebungen, die einen Ilm- fang von Hnnderttansenden von Sack erreicht haben, im Zusammen« hang mil den in Wcslprcnßcn vcrübien stehen, ist noch nicht sestgestellt. ES handelt sich um die wucherische Ausfuhr von sehr großen Getreidemcngen nach Siiidtcn des Westens wie Leipzig, Oldcn« bnrg u. a. unter Verletzung der bestehenden Gctreideausjuhrverboie. Die Schuldigen sind Erzenger, Kanslcute. Händler und Vermittler. Bisher sind acht Personen verhastet lvorden. Die Unter« suchung wird fortgesetzt. Selbstmord oder Unglücksfall. Tot aufgefunden wurde in ihrer Wohnung in Frankfurt a. M. die 3ö Jahre alte Gattin des in letzter Zeit bei den griechischen Verwickelungen öfter genannten BaronS Schenk v. S ch w c i n s b e r g. Ob es sich um einen Unglücksfall oder um einen Selbstmord handelt, steht noch nicht fest. Ein weiblicher Raubmörder. Der Wiener Kriminalpolizei ist es gelungen, eine gewiegte Verbrecherin dingfest zu machen. ES handelt sich um die erst Anfang der zwanziger Jahre stehende Ehefrau des Zahlkellners Kasparek, Leopoldine, die mehrerer räuberischer Uebersälle, des Raubes in verschiedenen Fällen, eines Mordes und noch anderer Verbrechen beschuldigt wird. Leopoldine Kasparek erschien ihren Hausgenossen als Typ der sorgsamen, fleißigen und gutmütigen Wiener Hausfrau, die nur ihrem Gatten und ihrem Kinde lebte. Sie ging selten aus, und dann nur, um nach Lebensmitteln zu stehen, hielt ihre Wohnung peinlich sauber und war bei der ganzen Nachbarschaft beliebt. In Wirklichkeit �er. ivarb sie sich Geld durch Diebstähle und räuberische Uebersälle� Elc- gani gekleidet, erschien sie bei alleinstehenden Damen. Bei passender Gelegenheit fiel sie dann über sie her, knebelte sie und raubte, was sie finden konnte. In zwei Fällen ist der Frau der Ucbcrfall ge- glückt, es steht aber fest, daß sie noch in einer ganzen Reihe von anderen Fällen Versuche unternommen hat. Zur Last wird ihr ferner der Tod einer Frau Wursch gelegt, die mit ihr auf dem gleichen Flur wohnte. Anzora durch eine Fenersbrunst ciugcöschcrt. Nach einer Kor« respondcnz der„Köln. VvllSztz." aus Angora vom 14. ü-eptember ist am 13. September die Stadt Angora durch eine gewaltige Feuers- brimsl, welche die Einwohner im Schlaf übeiraichic, in wenigen Stunden zum größten Teil eingeäschert worden. Angora ist eine mittelgroße Stadl im gleichnamigen türlischen Wilajct in Kleinasicn. Sie ist bekannt durch ihre Ziegenselle. Eingegangene Druckschristen. „Die Glocke.-' Sozinlistiilbc Dockenschriit, herausgegeben von Parvu». Hcst'26. 20 P'. Verlag für Sozialwisscmchast. München. „'Arbeiierpolitik--. Wochenichrift für wissenschaitlichcn Sozialismus. Hcst 11. iö Ps. Verlag in Bremen, Waller Hcersir. 02. Ter Krieg 1914/16 in Wort und Bild. Hcst 93— 96. Jede Woche ein Hcst. 3? Ps. Bong u. Co.. Berlin WO". Kriegshefte der Tiiddciiticheil Ältoiiatshefte. Septemberhest: Frankreich von Junen. t.SO M. Verlag in Leipzig u. München. ZvctrrrauSiickitcn iür das mittlere Rorddeutlckiland df» Donnerstag mittag. Trocken und vieljach heiter, jedoch zciüvcijc neoeiiz oder dniistig; Temperaturen wenig verändert. Ür. 266. 33. ZehrMg. 2. ffünp dkg Wtwöch. 27. ZtzckNber im, der ssZiklüemokratischenVarLe! Deutschlenös Zweiter VsrhandlungStag. Vorsitzender E b e r t eröffnet die Sitzung um Uhr und gibt da-Z Wori �um Korreferat H a a, e: Auf die Mavnung ScheidemmmS zur LcidcnschaftZ- losiglcit nelen die besÄunpsenden Kraflworre Eberls, und Scheide- mann selbst hat durch die Unterscheidung zwischen Akademikern und Arbeitern gewissermaßen an die schwielige Faust appelliert. Niemand in diescnl Saale wud da? Wallfisch-Flugblatt verteidigen, aber man darf nicht eine Fluaschrift herausreißen, um alle zu verdammen, man muß den Nährboden berücksichtigen, aus dem diese Fiugschriflen herauswuchsen. Verzerrte Pamphlete sind eine Folge der Zensur. Waren eS Feiglinge, die unter dem Sozialistengesetz anonyme Flugscbrislcn verbreitet haben? Die Verlesung de? vticfcS jener unglücklichen Frau aus dem Rhein- land gehört zu denjenigen Äirthodcn, die unter keinen Umständen bei uns Platz greifen dürfen. Wir haben den verhafteten Genossen stets unsere Sympathie zugewendet iZuruf:„Wenn sie im Dienste der Partei tätig waren 1"),»vollen Sie bestreiten, daß diese Genossen nicht auch glaubten, im Dienste der Partei zu handeln?(Lebhafter Beifall und Händeklatschen bei der Opposition.) DaS Antistreikflug- blatt hat tief verbitternd gewirkt, zumal es von den Anklagebchörden ausgenutzt werden kann. Bei einer früheren Gelegenheit, im März lölb, hat der Parlcivorstand nur in einem Nundschreiben vor der Lerbrettung eines Manifcsts gewarnt, auch dieieS wurde schon ausgenutzt. lhs besteht Grund zu der Annahme, daß ein Berliner Ge» wcrlschaftler, der die Verbreitung dieses Aufrufs ablehnte, deshalb vcr- hastet wurde.(Hört! hört!>— Der Redner weist auf die Sympathie- kundgebungen für Liebknecht hin und wendet sich gegen dje Ab- schütielung derartiger Regungen sowie besonders entschieden gegen die Reichstagsrede Heines am 18. Januar ISIS, in der Heine auch scharfe Maßregeln gegen diejenigen billigte, die auf die Erhallung eines cinheillichcn Geistes der Talkrafi und der Abwehr, des Willens zur VaterlandSverlcidigung nicht Rücksicht nebinen.(Lebhaftes Hort I bort! bei der Opposition. Dr. David: Heine bat das aufgeklärt!> C?4 genügt, daß solche Aeußcrungen fallen. Gerade Heine sollte seine Wort« nicht io sorgkällig abwägen, wie man eS jetzt tun muß? Und die«Fackel' ist so weil gegangen, gewisse Flugblätter als englisch-russiiche Lockspttzclei hinzustellen, die Propaganda als ehrlos und vaterlandslos.(Hört I hört! und Zurufe.) Daß diese Parteigenossen guten Glaubens und Willens iind, kann man doch riicht bestreiten, nicht einmal die Staatsanwälte sehen in diesen Handlnngen wirklichen Landesverrat.— Durch Aufrufe und Warnungen kann der Parteivorstand nicht«ine Bewegung nieder- schlagen, die anS solcher Zeit entsteht. Keiner von uns empfiehlt wilde Streik«, aber man soll Verständnis für die darin ausbrechenden Gefühle haben. lZuruf: Aber davor warnen darf man!) Glauben Sie nicht, daß das nutzen wird.— Der Redner erklärt eS gegenüber einer angeblichen Denunziation für unwahr, daß die Sozial- demokratische Ärbeilsgeineinschasl Vertrauensmänner in Holland oder aus Holland gekommene in Deutschland bat. Eberl hat neun Spielarten der Opposition entdeckt, aber wenn man von der allen Fraktion die Genossen absondert, die in Wirt- lichen Erundsragen die sozialistischen Anschauungen nicht mehr vcr- treten, dann hat der Fraklionsvorstand und der Parteivorstaud in der alten Fraktion nicht mehr die Mehrheit und darum stützt er sich auf eine Anzahl poliiischcr Köpfe, die er von sich abstoßen mußt gegenüber ihren bedenklichsten Seilensprüngen ist er überaus milde, gegen die Opposition geht er von vornherein mit schwerstem Geschütz vor. Gewiß greisen die Spariakusleute uu« noch heftiger an als die Mchrh-ttSfraklion, aber Sozialdemokraten müssen auch die aller- herbste Kritik ertrage», wir ziehen nicht gegen jedes Schimpfwort inir einer geharnischten Erklärung vom Leder, schon um nicht die Opposition immer weiter von uns zu treiben. Es ist richtig, daß, wie Eberl aussübrle, die Partei sich für ihre Abstimmung vom 4. August IS14 nicht irgendwelche Versprechungen von der Regierung hat geben lasse». Richtigstellen aber will ich den Irrtum, daß ich es gewesen sei, der vor dem 4. August die Verhandlungen mir der Regiening gcsührr habe. Ich wurde am Lö. Juli 1014 in das Preußische Ministerium de« Innern geladen und holte Braun tele- graphisch dazu— Eberl, Scheidemann und Molienbuhr waren von Berlin abwesend—, es handelte sich bei dieser Unterredung lediglich um unsere Protestversammlungcn gegen den drohenden Krieg. Man erklärte uns, daß die Regierung diese Versammlungen nicht vcr- biete, auch gar nicht das Recht dazu habe, uns aber aufzuklären wünsche, damit diese Versammlungen nicht eine Gefahr für den Frieden würden', eS komme alles daraus au. ob diepanslawistische Strömuug in Rußland die Ueberhand gewönne, unser« Redner sollten deshalb verineiden, durch irgend eine unvorsichtige Bemerkung dieser Strö- miing in Rußland Nahrung zu geben: wenn Nutzland gegen Oester» reich-Unaarn vorgehen sollte, würde Dentschland sich an die Stelle Oesterreichs stellen. Ich erklärte soso«, daß David in unserem Namen im Reichstage ausgesührl hatte, das Bündnis zwischen nnS und Oesterreich-Ungarn sei ein reines Dcfcnsivbündnis, dessen Vvrauosctzimgen nicht gegeben seien, wenn Oesterreich zuerst zum Kriege gegen Serbien schreite. Man erwiderte mir, daß die bürgerlichen Parteien und die Regierung den Vcr- trag nicht so auslegen. Eine weitere Unterredung habe ich »nir keinem Manne aus der Regierung bis zun, 8. August gehabt, an welchem Tage ich der Besprechung des ReichSkan-lerS mit den Vertretern sämUlcher ReichStagSfrakrionen beiwohnte. Allerdings hatte der Reichskanzler, während ich als Mitglied des Jnter- nationalen Sozialistischen Bureaus in Brüssel war. wegen einer Unterredung bei mir antclephoniert; auch Ebert, Scheidcmann und Molkenbuhr tvarcn abwesend, er wandle sich deshalb an Südekuni, der sofort dem Parteivorstand berichtet hat. Wir halten uns im Parieivorstand einmütig dahin verständigt, unter keinen Umständen während des Krieges von der Regierung irgend eine Gefälligkeit zu fordern, um auch nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, als ob wir irgend eine Erkenntlichkeit dieser Art von der Regierung erwarteten. Ich habe auch unter Be- rufung daraus die Reklamation einiger Genossen aus dem Panetvorstand zurückgewiesen, der Parteivorstand stimmte darin überein, daß er nicht als Parteivorstand, sondern nur seine Mitglieder als Inhaber von Geschäften au« geschäftlichen Gründen Reklamationen beantragen dürfen. Etwas ganz anderes ist aber die Frage, od wir die gegebene Situation nicht mit allen Kräfioii auszunutzen hatten, NM politische Rechte zu erwerben.(Zustimmung bei der Opvosition.) Solche Forderungen in solcher Zeit haben nuistrcbende Klassen stet« als ihr Recht angesehen. Was ist nun geworden? Ncchts, wenigstens nicht« Wewniliche» ist in dieser teil crreichi worden. Bei der Lebensmiitelversorguna baben die graricr und der Handel trotz unserer Aktionen da» Möglichste er- reicht— die Agrarier haben ihre Taknk angewandt, wir die unsrige nicht. Mit Eingaben erreichen wir nichts, die Hand- badung von Zensur und Belagerungszustand ist Ihnen bekannt. Wir haben eben keine Macht.(Zuruf: Weil Sie keine Macht ent- wickeln wollen.— Rufe: Warum denn nicht?— Gegenruf: Weil Sie sich als ReaicrungShaudlangcr gefallen!> Die Reform des VereinsgesetzcS ist eine Lappalie.§ 8 wurde nicht geändert, sondern nur ausgelegt und mit Fußangeln versehen.(Sehr wahr l bei der Opposition.) Wir haben Verbrauchssteuern und dje Umsatzsteuer be- kommen. Auf unsere Abstimmung über die KriegSsteuervorlage kam tS gar nicht an. die bürgerlichen Parteien halten bereits ihr Steuer- Programm fertig und brauchten dafür da« Feigenblatt der Kriegs- stcuer. DaS hat selbst die Chemnitzer.Volisstimme' ausgesprochen. wie kann man da uns»nir Sternen bewerfe»? Slmr- J öündel ist in seiner Gesamtheit g« beurteilen.— Die Re- � gierung treibt die alte Politik jwciler, nur mit anderen Mitteln und der frühere entschiedo.qste Gegner unterstützt sie dabei, wie auch Herr v. Heydebrand»n Frankfurt hcrvorgöhoben hat. Die Mehrheir ist die Gefangene der Regierung, die sie in ent- scheidenden Fragen nicht mehr bckär.�'fen kann. Bei uns gilt Parlamentskruik der Kriegführung als.oaS schlimmste Verbrechen, in anderen Ländern wird sie miSgiebig gteübt, z. B. gegemvärlig in Ungarn. Im Kriege sind die Interessen f der verschiedenen Klassen ebenso verschieden wie vorher, ja die Arbefirer leiden noch mehr als vorher. Schctdomann aber sprach immer nur vom Bolksganzen. nicht von denjenigen Klassen, deren Jßiteressen wir vertreten sollen.(Beifall und Widerspruch.) Sr.ar der scharfuinriffencn Ausdrücke unserer großen Theoretiker tzpricht man jetzt in vieldeutigen Ausdrücken, unter denen jeder etwas anderes versteht: so hat ja auch die.Kreuz'«»inö die.Deutsche TageS- zeitung' erklärt, mit der Politik des Parteüdorstandes könne man einverstanden sein, eS komme nur darauf an,, mit welchen Mitteln man die wirtschaftliche EntwicklungSsreiheit so ckdert.— Die Arbeiter- klaffe, die alles getan hat, um den Krieg ferilmhalten, durste und muß die Verantwortung für ihn ablehnen. Lsir haben das zwar am 4. August gesagt, aber die Tat war die Abstimmung. Mußten wir damals zustimmen? Am 3. Dezember 1912 hat David im Reichsta ge in der schärfsten Weise gefordert, daß Deutschland die Wiener Mi�iärparret am Krieg hindere. Am 25. Juli 1914 hat der Pariebaorstand in einem Aufrus sowohl das Treiben der großserbisißen Nationalisten verurteilt, aber auch flammenden Prolest Gegen das ostec- reichisch-ungarische Ultimatum erhoben. Der deutsche Noten- Wechsel mit Oesterreich-Ungarn wird bisher c�heim gehalten. Das deutsche Weißbuch sagt, daß Deutschland L«sterreich-Ungarn freie Hand ließ. Die Note an Serbien wurde selbst, in der.Frank- furter Zeitung', der„Post' und der„Nheinisch-Westfitüschen Zeitung' als ein KriegSvorwand erklärt. David hat mit R-»hr damals erklärt, wenn Oesterreich-Ungarn so vorgeht, dann wird die Welt in Flammen kommen und dann haben wir nicht die' Verpflichtung, Oesterreich-Ungarn bciznspringen.(David: Den entscheidenden Punkt vergessen Sie, wie ihn die Franzosen auch vergessen. Das werde ich nachher sagen I) In den kritischen Tagen waren Partei uvd FrakktonS- vorstand zunächst nicht für die Kreditbewilligung: daß. die Partei- leitung nnr Umerdrückungsmaßregeln oechneie, beweist, haß sie nicht Kreditbewilligung erwartete. Müller wurde nicht nach Paris ge- schickt, um vorzuichlagen, daß wir auf k*idcn Seiten die.Kredite annehmen, sondern um Stimmenthaltung vorzuschlagen. Wenn eS aber richtig wäre, daß wir am 4. Angust NU!? wahr gemacht Hachen, was wir immer betont haben, wenn wir am 4. August so bandest mußten kraft unserer Tradition und Gefamtanicharamgen, dann konnre Müller nicht Stimmenthaltung vorschlagen, sondern nur Kreditbewtlligung, (Lebhaftes Sehr richtig! bei der OpposilTm.) Im Parteivorstand war auch Richard Fischer für Kredilablehnung und lediglich bei einem Russeneinfall für Stimmentballung. Haenisch hat ja selbst in seinem Buch den schweren Kamps zlviichen Stimmung undUeber- zeuaung geschildert. Wäre unsere Abstiinnamg vom 4. August eine Selbstverständlichkeit gewesen, so hätte sie doch nicht eine solche Ueberraschung hervorrufen können!(Ses>r richtig! bei der Opposition.) Bebel prophezeite auf dem Parteitag in Magdeburg, daß wenn 1912 ein europäischer Krieg losbreche, wir sicherlich ganz wo anders zu stehen hätten, als man damals in Baden stand.(Hört! hört! bei vier Opposition.) Eni- scheidender als seine Worte ist Bebels Tat: er Jjat am 19. Juli 1379 mit Liebknecht die KriegSkredite nicht bewilligt. Haben Bebel und Liedknecht damals unsere Grundsätze verletzt?(Sehr gut! bei der Opposition.) Liebknecht hat 1892 im Reichstag»nd Bebel in feinen Memoiren geäußert, daß, wenn sie die Rolle Bismarcks und der Emser Depesche 1879 gekannt hätten, sie gegen dfie Kredit« gestimmt hätten.(Zurufe: Mehring!) Mehring hat nie gesagt, daß wir grundsätzlich für die Kredite stimmen müßten.(Cob�t-Reuß: Doch!— David; Er hat gesagt, daß kein Prinzip unS verhindert, die Kredite zu bewilligen!) ES kann also jetzt nicht mehr behauptet werden, daß wir krast unserer Vergangenheit am 4. AH.gust zustimmen mußten. Wir durften aber nicht»o stimmen, weil hlt:r Charakter des Krieges und die Haltung der Regierung zu ih!»i uns klar sein mußte. Auf Oesterreich wurde erst gedrückt, als naan erfuhr, daß England nicht neutral bleiben würde, und da lrfrr es zu spät. (David: Sie übersehen immer die russische Mobilnaachung.) Noch am 25. Juli hat der Parteivorstand den Krieg als imperialistisch gekennzeichnet, und hierfür sollen wir die parlame.nariiche Ver- anlwortung übernehmen? Eine parlamentarische Abiimmung hat zu erklären, wie man zur Regierungspolitik steht, i>le Frage, ob wir zwar unsere Brüder und Söhne hingeben, abct da« Geld nicht bewilligen sollten, ist ganz verkehrt.«I.'cheidemann sagte, er möchte die Verantwortung für das Elend nicht t�bernehmen, das entstehen würde, wenn wir unsere Parteigenossen an: der Front auf diese Weis? im Stich lassen sollten. Wir lolllen aber vor allem die Verantwortung dafür nicht übernehmen, daß dieses Lcfch sich an- häufen könnte. Das Wort ScheidemannS:„Wir müffen dvrchhallen bis zum Siege' war ein ominöses Wort.(Scheidemann: stammt aus dem„Vorwärts' I Heiterkeit bei der Mehrheit.) Mir ist das gleich: die Anschauung, daß wir bis zum Siegs durchhalten: niüffen, haben ja die meisten von Ihnen.(Dr. Südekum: Wollen hffe eine Niederlage?) Es gibt einen dritten Weg, die Verständigung unter den Völkern, bei der keines eine Niederlage erleidet.(Sehr r ichtia I bei der Opposition.) Die Kredjlbewilligung ist nur ein G>ied m der Gefamtpolitil der Regierung; wenn die Gsiamt- poliiik der Regierung später den Genossen in einem völlig anderen Lichte erschien, als am 4. August, so mußten sie konsequent Stctslung nehmen und Nein sagen. Was will der Kanzl«:? Harnack hqt«s anSgesprochcn: Vortragen der Grenzen im Osten und reale Ga«an« ticn im Westen. Der Kanzler kann sich nicht, wie Scheidemann r» ill, entschiedener gegen Annexionen aussprechen, einmal weil er di�er Auffassung nicht ist. und dann, weil er eS sich nicht mit tv« bürgerlichen Parteien verderbe» will, auf die er sich stü:Ht. nichr auf Scheidcmann und seine Anhänger. Der Schaefersche Au.V schuß bekennt sich in seinem letzten Aufruf bis zu einem gel- wissen Grade zu den Anschauungen des Kanzler». �Jst eS kein e Annexion, wenn Belgiens staatliche Selbständigkeit beseitigt würde?', Die Gegnerschaft zwischen dem Kanzler und den realen Zielen der Alldeutschen ist keine unbedingte.— Ueber unser Verhältnis zu Frankreich und England haben wir vor dem Kriege im Reichstage ganz zweifclsftet gesprochen, heute aber fehlt der Parteimehrheit jede selbständige Orientierung. Einmal ist Ruhland, einmal England schuld am Kriege. Es ist schwer naefjzuprüsen, ob damals am 4. August die Parteigenossen im Land« wirklich eine andere Abstim- mung nicht verstanden hätten, aber es ist doch Aufgabe der Führer einer Partei, sich in kritische» Zeiten nicht vom Strome forttreibsn zu lasse». Die Befreiung vom Zarismus kann sich nur das russische Volk selbst erkämpfen.(Zurufe: Sie wollen«nS die Freiheit mit russischen Kanonen bringen!) Nein, wir sagen auch den Franzosen, das ist unsere Sache und nicht ihre.(Sehr wahr! bei der Opposition.) Merkwürdig, daß eine große Partei ihr ganzes Vertrauen stützt auf � einen einzelnen Mann.(Scheidcmann: Fällt ihr ja gar nicht ein!) I Würden Sie einem andern Kanzler denn die Kredite bewilligen? � (Zuruf: Wir bewillige» sie doch nicht Bechmcmn!) Also dem Lande (David: Seiner Verteidigung!), bann mußten Sie auch« FriadsnS- zeiten allemal die Mittel für Landesverteidigung bewilligen.(Sehr gut! bei der Opposition.) Militärforderungen wurden immer mit der Möglichkeit eines baldigen Krieges begründet; zum Militärsystem konnten Sie sich kritisch verhalten, aber konsequenterweise konnten Sie dann dem Lande nicht die Mittel zur Verteidigung verweigern. (Lebhafte Zustimmung bei der Opposition.) David gibt diese Kon- sequcnz zu. Schechemann gibt zwar das Vertrauen zum Reichskanzler auf, aber andere Genoffen eekfeu» e» ak» unsere wichtigste Aufgab«, den Reichskanzler zu stützen, denn nur mit ihm werde die Neu- ortentierung gemacht. Am 17. Mai 1912 hat Scheideinann im Reichs- tage dem Reichskanzler schärfsten Kampf angesagt. Was hat sich deirn inzwischen abgespielt?(Zuruf: Nichts welter als der Krieg um die Existenz des deutschen Volkes I) Wenn ein Krieg kommt, haben wir dann alles auszulöschen, was wir bisher gesagt und müsse» wir ver- brennen, was wir geschrieben haben? Sobald ein Krieg ausgebrochen ist, müßten Sie jede Regierung unterstützen, auch wenn sie den Krieg verschuldet hat. Wenn eine militärische Defensive den Eroberungs- charakter eine» Krieges ausschließt, dann müßte Scheidemann den italienischen und rumänischen Genossen sagen, in dem Augenblick, wo ihr Land bedroht wird, sollen sie die ruchlose Politik ihrer Regierung unterstützen!(Zustimmung bei der Opposition.) Die Erklärung vom 4. August verwirft jeden Eroberungskrieg; entweder Sie unterstützeir eine Regierung auch in einem Eroberungskrieg, weil das Land auch da in die Defensive gedrängt werden kann, oder aber Sie lehnen die Unterstützung in den: Augenblick ab, wo der Krieg zu einem Erobe- rungSkrieg sich entwickelt. Ein Land unter fremde Gewalt bringe» wollen, bedeutet eine Eroberung allerschlimmster Art, viel schlilnmer. als wenn man an der Grenze einen kleinen Kreis abnimmt. Leider haben wir am 4. August 1914 versäumt, über Belgien zu sprechen, es hat Mühe gemacht, am 2. Dezember wenigstens zu sagen, daß wir von dem Standpunkt, den der Reichskanzler am 4. August gegenüber Belgien und Luxemburg eingenommen hat, nicht abgehen. Diese wichtige Tatsache, die uns nach außen, wenn auch verspätet, recht- feriigt, fehlt in Davids Buch.(David: Weil darin jtanz Belgien fehlt, worüber noch viel mehr zu sagen ist.) Die Erklärungen vom 4. August und 2. Dezember sind wörtlich darin wiedergegeben, weg- gelassen ist nur der Satz über Belgien und Luxemburg.(Hört! hört! bei der Opposition,) Und das ist das Buch des Parteivorstandes. dessen Fahnenabzüge mir allerdings nicht wie sonst vorgelegt wurden. Der Redner bespricht den Einmarsch in Belgien und die amt- lichen deutschen Veröfsentlichungen über eine„Uebereinlunft" zwi- schen Belgjen und England. Die Internationale erwartet, daß die Sozialdemokratie Unrecht bekämpft; handeln wir anders, dann vcr- langer» wir den Krieg.— Die Depesche des Zaren an den deutschen Kaiser, die österreichisch-serbische Strcitftage dem Haager Schieds- geeicht zu unterbreiten, ist erst Monate später veröffentlicht worden, nachdem sie im ganzen neutralen Ausland längst bekannt war und gegen uns gelvirkt hatte. Wenn die französischen Sozialisten gleichfalls kämpfen wollen. bis das Ziel der Sicherung erreicht ist, dann können die Franzosen ja nicht Frieden schließen, solange der Feind im Lande ist. Bei einer solchen Parole auf deutscher Seite mußten alle Versuche, mit den Franzosen zu beraten, scheitern. Unsere Haltung gegenüber den Brudcrparteisn enthielt auch manchen Fehler.(Zuruf: Und die anderen?) Seien wir doch nicht selbstgerechi, zu den anderen komme ich noch. ES ist nicht richtig, daß die französischen Sozialisten von uns landesverräterische Handlungen gefordert hätten. Die Ueber- setzung de« Manifestes des französischen Nationalrats durch die ver» hetzende„I. K." ist falsch, die der„Leipziger Volkszeitung" ist richtig. Gewiß darf die elsaß-lothringische Frage für die Franzosen kein An- laß sein, dieses grauenvolle Gemetzel bis zum Weißbluten fortzusetzen. Elsaß-Lothringen soll als autonomer Freistaat im Deutschen Reiche bleiben. Im Parteivorstandsaufruf ist fett gedruckt, daß unsere Regierung sriedcnsbereit sei, die andern aber nicht. Auch die Re- gierungen Frankreichs und Englands wollen auf Grund der Kriegs- karte Frieden schließen. Auch Grey hat Friedensbedingungen aus- gesprochen und am 16. Mai d. I. erklärt, daß England die Tollheit einer Zerschmetterung Deutschlands nicht wolle.(David: Und Asguith?) Asguith hat sich am 19, April ähnlich ausgesprocheil. Wir trauen allen Ministerreden nicht. Auch Sasonow hat die Be- haupwng als sinnlos erklärt, Deutschland? Gegner wollten daS deutsche Volk vernichten. Auch Briand will den Sieg seines Landes, ohne direkt Eroberungen zu verlangen. Bei unseren Gegnern hängt alleö an England. Wenn man sagt, man müsse England durch Verschärfung de? Seekriegs zum Frieden geneigt machen, so würde daS nur den Krieg verlängern. Wir können uns nicht Amerika auf den Hals hetzen, wir stehen auch nicht so, daß wir va banqu« zu spielen brauchten. Für uns handelt e? sich nicht darum, den anderen auf die Knie zu zwingen, wir wollen da« Elend der Niederlag« auch nicht für die Arbeiter der anderen Länder; darum Verständigung. Dafür sind auf dem letzten französischen Nationalrat 1999 von 2499 Stimmen abgegeben worden, und zwar infolg« unserer Haltung. Das allein recht- fertigt daS selbständige Vorgehen der Arbeitsgemeinschaft. Bei so gewaltigen Fragen sollte man nicht von Disziplin oder Nichtdisziplin sprechen. Wir handeln nach den ParteitagSbcschlüssen, über die sich kein« Parlamentsfraktion und kein Kollegium hinwegsetzen darf. 1998 hat der Parteitag der disziplinwidrigen Minderheit in Bayern recht gegeben. Man hat uns aus der Fraktion herausgedrängt; in einer Zeit, wo Reden Pflicht, Schweigen Verbrechen ist, sollten wir dasitzen wie stumme Hunde.(Viele Zurufe.) Wir wollen nicht den Frieden um jeden Preis, ich vede nicht von der Stimmung vieler im Lande. Wir wollen unter keine fremde Gewalt kommen, weder den Despotismus, noch den englischen Imperialismus unter- stützen, wir wollen aber, daß um keinen Preis dieser Kri«; fortgesetzt werde. Dadurch, daß Sie diese Politik der bürgerlichen Klasse» nnterstiitzen, sind Sie mitverantwortlich dafür.(Stürmische? Händeklatschen bei einem Teil der Versammlung.) Der Friede ist nur zu erreichen, wenn mit aller Mcksichtslosigkeit diejenigen be- kämpft werde»:, die dem sozialistischen Frioden, dem Frieden der Verständigung sich in den Weg stellen. Der Hebel ist bei England anzusetzen; Minister Cecil hat kürzlich erklärt, daß an England nie- mals etwas anderes an Friedensangeboten herangetreten ist, als was in den Kanzlerredcn enthalten war. England würde es nicht sehr freudig sehen, wenn Rußland von Konswntinopel Besitz er- griffe; die Englandhetz« aber verschlechtert die Friedensaussichten. Friedensverhandlungen mit England widersetzen sich die Jmperia- listen. Wir treten ein und sind eingetreten für die Einigkeit in der Partei, die durch die von mir gerügten Handlungen aufs äußerste gefährdet ist. Nicht wenige im Lande und an der Front erklären» wegen der Haltung der Fraktionsmehrheit nicht mehr mit der Par- tei zusammenarbeiten zu können.(Lebhafter Widerspruch.) Eine Masse von Briefen beweist das.(Zurufe; Unsere Briefe beweisen das Gegenteil.) Für diese Genossen ist eS überaus wichtig ge- ßweseu, daß die Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft die ge- wohnten sozialdemokratischen Anschauungen vertritt. Wir haben l�ese Genossen der Partei erhalten, die Einigkeit ist aber nur mög- lich'?, wenn Toleranz geübt wird. Fahren Sie nicht auf dem Weg der Unterdrückung sortl Vielleicht erleben wir bald eine Wendung im' Seekrieg, die die Partei vor«ine wichtige Entscheidung stellt. Wc�n dafür Kredite gefordert werden, für erne kriegöverlängernd« Pol'euk, sollen wir auch dafür stimmen? Durch eine andere Politik hätAv: wir die Internationale leichter ans unsere Seit« bekommen, wir.wären der Verständigung der Völker näher, wir könnten das Esitde des Krieges beschleunigen, wie das die Kommunekämpfer von Ih70 getan haben.(Henke: Und das ist im Sinne unsere« Prog».nmnö!> In der Steuersrage lehnen wir alle Mittel zum Kriege»K>, ganz gleich, woher sie genommen werden. Eine ge- schlösse»«' Opposition besteht nicht. Wir werden getrennt mar- schieren, ckber den gemeinsamen Gegner vereint schlagen, und darauf kommt e» uns heute mehr an.(Aha! und Heiterkeit bei der Mehr- heit.) Wit haben abzurechnen mit dem Parteivorstand. Mit den Sozialimpctnalisten Kolb, Lensch, Cohen, Hein«, Heilmann usw. setzen wir»ns hier nicht auseinander, denn daß diese Leute nicht auf dem Bötzen des Parteiprogramms stehen, ist allen Leuten ttat (Sehr richtigü bei der Minderheit.) Zwischen ihnen und unö gibt es keinen gemeinsamen Boden.(Ledebour: Mit uns auch nicht!) Diese Leute ftxd mnerhaid de« Tempel« der sozialistischen Jdeea TempelschälÄsr.(Vorsitzender Werk rügk dkese Ausführungen.� Ernste Vorbedingung für die Wiederanknüpfung für internationale Beziehungen ist die Abkehr von der Politik des 4. August. Die Einheit der Partei beruht auf der Einheit des Grundsatzes. Wenn Parteivorstand und Fraktion dies Fundament durch ihre Kriegspolitik untergraben, dann mutz die Organisation der Auflösung und Zerrüttung anheimfallen. Man wirst uns, die Zerrüttung der Par- tei durch Spaltung vor. Ach, diese Arbeit hat der Parteüvorstand bereits so gründlich besorgt, datz uns zu tun so gut wie gar nichts übrig bleibt. Der Parteivorstand und die Generalkommifssion be- dienen sich in ihrem bekannten Flugblatt und in anderen Ver- öffentlichungen direkt des Belagerungszustandes zur Unterdrückung der ihnen unbequemen Kreise in der Partei.(Unruhe.) Mit dem Wort Disziplin dürfen doch Leute nicht mehr operieren, die dem Parteiprogramm und den Parteitagsbeschlüssen jeden Aug ins Ge- ficht schlagen. Diesem Parteivorstand gegenüber wäve Disziplin ein Verbrechen. Wir wollen eine Internationale schalen, die im- stände ist, die Wiederholung solcher entsetzlichen KriLge für alle Zeiten zu verhindern. Wir wollen die Einheit der Partei, aber einer Partei, die weder Imperialismus, Kolonial- und SchutzzollpolitiZ fördert noch den Klassenkampf abschwächt. Wir wollen eine Einheit der Partei, aber aus dem festen granitenen Boden des sozialdemokratischen Programms; wir wollen sie als internationale SsPalistcnl(Stür- Mischer Beifall und Händeklatschen bei der Opposition.) Darauf tritt die Mittagspause ein. j In der Nachmittagssttzung spricht zunächst als Vertreterin der Gruppe.' Jnternatio- nale Käte D u n ck e r: Wir stehen nicht nur im schroffsten Gegensatz zu der Politik der Mehrheit, sondern verhaltet: uns auch kritisch gegenüber der Arbeitsgemeinschaft. Wir wollen, die Internationale zu einem positiven Machtfaktor machen. Der; internationale Ge- danke mutz das A und O unserer Erziehungsarbeit im Lande wer- den. Wir stellen die Ideologie des Internationalismus der Jdeo- logie des Nationalismus gegenüber, vor dem die Partei am 4. August 1914 kapituliert hat. Aus dem imperialistischen Charakter des Krieges ergibt sich unsere Stellung zur Landesverteidigung. Jeder Krieg wird mit dem Geschrei eröffnet, datz das Vaterland in Gefahr ist. Zwischen den grohen imperialistischen Staaten gibt es aber überhaupt keine Verteidigungskriege mehr. Ihre Kriege sind immer Eroberungskriege. Darum können wir unsere Stellung zum Krieg nicht abhängig machen von der jeweiligen Kriegslage, wie es die Arbeitsgemeinschaft getan hat. Der Ausdruck„Vater- landsverteidigungsnihilismus", den ein Mitglied der Arbeitsgemein- schaft uns gegenüber gebraucht hat, ist durchaus unzutreffend. Wir stehen nur auf dem Boden der Stuttgarter Resolution, die es uns zur Aufgabe macht, mit allen Mitteln auf die schnelle Beendigung des Krieges hinzuarbeiten und die durch ihn herbeigeführte Krisis auszunutzen, um die Beseitigung der kapitalistischen Gesellschafts- ordnung zu beschleunigen. Soweit Sozialisten innerhalb ihres Landes zur Macht gelangen, werden sie diese Machtposition auch gegen äußere Feinde zu verteidigen haben. In der nun folgenden Aussprache über die Referate nimmt zunächst das Wort Sänger- München: In den 29 Monaten, die ich als Krankenpfleger draußen im Felde war, hat mich und die zahl- reichen Parteigenossen draußen am meisten die Kunde bewegt, datz die sozialdemokratische Reichstagssraktion sich gespalten hat. Das Urteil über diesen Schritt war durchaus einheitlich, wir'haben uns alle nur gefragt, wie kamen Sie dazu, stüher die Kredite zu be- willigen, wenn Sie sie jetzt verweigern wollen, in einer Stunde, die nicht weniger gefahrvoll ist als die frühere. Wenn jemals die Kredite zu bewilligen waren, dann im jetzigen Augenblick. Der Reichskanzler hat nicht die Annexion Belgiens, sondern Garantien dafür gefordert, datz Belgien nicht englisch-französischcr Vasallenstaat und nicht Bollwerk gegen Deutschland wird. Darin stimme ich dem Reichskanzler vollkommen zu.(Lebhaftes Hört! hört! bei der Opposition, Sehr richtig! bei der Mehrheit.) Ich bedanke mich dafür, englischer Helot oder Mitglied der stanzösischen Bourgeoisie- repubtik zu werden.(Sehr gut!) Ich frage Sie von der Minder- heit, ob wir, wenn wir jetzt wieder ins Feld gehen, draußen weiter unsere Pflicht tun sollen.(Ledebour: Selbstverständlich!). Aber Sie lassen uns im Dreck sitzen!(Lebhafte Zustimmung bei der Mehrheit, Lachen bei der Opposition.) Wie können Se Soldaten ins Feld hinausschicken, die in täglicher Gefähr für ihr Leben stehen, ohne ihnen das zu bewilligen, was sie nötig haben für den persön- lichen Schutz und für die Verteidigung des Vaterlandes. Warum steht draußen jeder seinen Mann trotz des persönlichen Unwillens und Geschimpfes, weil jeder weiß, datz es sich um nichts anderes handelt, als um die Verteidigung des Vaterlandes, das nach meiner persönlichen Ueberzeugung trotz allem wert ist, daß es verteidigt wird.(Lebhafte Zustimmung.) Mehr noch als die Kunde von der Ablehnung der Kriegskredite hat mich draußen die Nachricht em- pört, datz die Minderheit der sozialdemokratischen Fraktion sitzen geblieben ist bei der Ehrung der toten Helden der Nordseeschlacht am Skagerak.(Lebhaste Zustimmung bei der Mehrheit.— Rufe bei der Opposition: Ist nicht wahr!) Laukant- Berlin: Die Mehrheit ist geradezu zum Schleppenträger des Kapitalismus geworden. Daß Flugblätter anonym erscheinen, ist auch dadurch bedingt, datz_ jeder, der die Regierungspolitik unter seinem Namen angoeist, sofort verhaftet wird. Der Sympathiestreik am Tage der Aburteilung Liebknechts ist ganz spontan und ohne jede Beeinflussung von irgendeiner Seite in der Llcbeiteofchaft entstanden. Vors. E b e r t: Es ist folgende Resolution von Dr. David und Genossen zur Friedensfrage eingegangen.(Der Wortlaut der Re- solution ist bereits in der Sonntagsnummer des„Vorwärts" mit- geteilt worden. Die Red. d.„Vorw.".) Es folgt eine längere Gcschäftsordnungsdebatte darüber,� ob David als Einbringer dieser Resolution, also eines selbständigen Antrages, Anspruch auf Verdoppelung der Redezeit hat. Im Laufe dieser Debatte erklärt Dr. Braun- Nürnberg, datz nach der allgemeinen Meinung in der Partei die Reichskonferenz keine Beschlüsse fassen solle und würde.(Sehr richtig! bei der Opposition.) Vors. Ebert: Diese Auffassung ist unrichtig. Der Partei- ausschutz hat nur beschlossen, und so habe ich auch bei Eröffnung der Konferenz widerspruchslos deklariert, datz diese Konferenz nur keine solche bindenden Beschlüsse fassen soll, die in die Kompetenz der Parteitage eingreifen.(Große Unruhe bei der Minderheit.)/ David verzichtet auf Verlängerung seiner Redezeit. Li p i n s k i- Leipzig protestiert nunmehr dagegen, datz üben. Haupt Anträge mit Richtlinien für die Partei auf dieser Konferenz zur Debatte gestellt werden.(Beifall bei der Opposition.) Vors. Ebert: Ich erblicke in solchen Anträgen lediglich das Bestreben, die Meinnna der Konserenz zum Ausbruck zu brinwe/n; dazu kommen wir doch zusammen! Die Sache ist erledigt,'wir fahren in der Debatte fort. Dr. David: Haase erwidere ich, datz es prinzipiell wedar ge- boten noch verboten ist, Kriegskredite zu bewilligen. Wie war die Situation am 4. August? Von West und Ost begannen sjich die Millionenheere in Bewegung zu setzen, die sich auf deutschem Boden treffen wollten. Da sollte es sich nur um eine parlameistarische Vertrauensfrage für die Regierung handeln? Wir hatten alles zu tun, um unser Volk vor der schrecklichen Gefahr zu schüspsn, das war eine große allgemein-politische Frage.(Zustimmung bei der Mehrheit.) Kautskh erklärte: Nachdem der Krieg einmal da war, war die Frage für die Sozialisten der einzelnen Länden nicht, wie der Krieg zu beenden ist, sondern wie eine Niederlage abzuwenden war.(Sehr richtig! bei der Mehrheit.) Ob man da mit Ja oder Nein stimmt, läßt sich allein aus der Frage ableiten, wie man sich einer Niederlage des eigenen Volkes gegenüberstellt. Man kann nicht sagen, die Soldaten mögen das Land verteidigen, aber wir lehnen ab, was sie dazu brauchen.(Zuruf: Wie immer!) Die Frage war nicht, wie stellst Du Dich zur Regierurig— nein, da war die Frage: Wie stellst Du. Dich zu Deinem Volke?(StSv- mischer Beifall bei der Mehrhc/it.) In einer solchen Katastrophe konnten wir uns gar nicht anders entscheiden.(Zuruf: Oder wir waren erledigt!) Konsequent und verständlich erscheint mir die Haltung der Spartacus-Grupp-; sie leugnet die Pflicht der Landes- Verteidigung, das Proletariat hat kein Vaterland, die Niederlage ist ihr gleichgültig, weil es ihr eben gleichgültig ist, wenn das „Raubschiff", auf dem wir sik/en, in Grund geschossen wird. Natür- lich gehen wir dann alle nnier, aber das geht uns nichts an. (Heiterkeit.) Von diesem Standpunkt aus kann man die Verant- Wartung für eine Niederlag/.: ablehnen, das ist klar.(Zuruf: Wenn auch Wahnsinn!) Jawohl, Wahnsinn vom Standpunkt einer Partei, die die Interessen!,cs Volkes vertreten will.(Sehr richtig! bei der Mehrheit.) Also dieser Standpunkt ist begreiflich bei Sek- tierern mit Bakuinschen"bedanken. Aber wie man vom Stand- Punkt Haasts so etwas sagen kann, das kann kein gesunddenkender Mensch begreifen.(Widc?.'spruch bei der Opposition.) Haast ist an- geblich gegen alle Annexionen, aber er ist nicht gegen Annexionen seitens anderer Länder uns gegenüber(Haast: Unerhört! Wo habe ich das gesagt?) Wir haben in der Fraktion Eroberungs» absichten Frankreichs ans Elsaß-Lothringen zurückgewiesen. Einige Abgeordnete haben dasjegen gestimmt, also dagegen, datz für die deutsche Sozialdemokräitie die elsatz-lothringische Frage nur eine innere deutsche Frag,! ist, daß sie unter keinen Umständen als internationale Frage, gelten darf. Unter der Untersthrtheit des Reiches verstehen Nur selbstverständlich auch, datz wir keinen Frieden akzeptieren, der die Grenzen nach Deutschland hinein einengt. (Ledebonr: Sehr ri/Ätig!) Die andern lehnen aber jede positive Sicherung für Deutschland ab. Wer glaubt, datz ein deutscher Reichskanzler sich eins solche Kriegsziele einlassen kann, ist nicht ernst zu nehmen.(Sehr richtig! bei der Mehrheit.) Wenn die Partei am 4. August 1914 nach dem Rezept Haases verfahren und wenn die Niederluge über unser Land gekomnien wäre, die In- vasion mit all ik/ren furchtbaren Schrecken, und wenn man uns dann hätte sagev, können, datz wir mitverantwortlich dafür seien, datz die Einheit des Volkes auseinandergerissen wurde in der Stunde der höchsten Not, daß die wirtschaftliche Basis für die stolze deutsche Arbeiterbewegung zertrümmert wurde, so hätten wir uns in Deutschland politisch unmöglich gemacht.(Lebhafte Zustimmung bei der Mehrheit.) Mit Verachtung hätte man auf uns hingewiestm als die Mitschuldigen einer deutschen Niederlage. Deshalb sage ich: ein wahres Glück für das deutsche Volk und für die deutsche Sozialdemokratie, datz die Politik Haasts� und seiner Freunde nicht zum Siege gelangt ist.(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) Eduarch Bernstein gibt zunächst eine Darstellung über die Entstehung des Krieges. Die Bewilligung der Kredite war ein politischer Akt und sie ist allgemein, wie die Erfahrung gezeigt bat, nicht bloß als Verteidigung, sondern als eine Billigung des Krieges aufgefaßt worden. Das war das Verhängnisvolle. Das vorliegende Manifest kann keine sozialistische Partei unterschreiben. Mit diesem Manistst kommen wir nicht dazu, irgendeine gemein- same Aktiion der Sozialisten aller Länder für den Frieden herzu- stellen, und das ist dock die wichtigste Aufgabe. Das Manifest be- deutet das Gegenteil, die Spaltung der Internationale.(Beifall bei einem Teil der Delegierten.) An er. München: Ich war der Ansicht, datz auf dieser Kon- ferenz die Mehrheit niüv die Arbeitsgemeinschaft zusammengeführt werden könnten. Die Rede Haases hat mir gezeigt, datz das naiver Optimismus war. Ich werde herzlich froh sein, wenn erreicht wird, datz den streitenden Brüdern klar wird, welch ungeheurer Schaden durch die bisherige Art der Bekämpfung den Arbeitern zugefügt wird.(Sehr gut!) War die Politik vom 4. August damals richtig, so kann sie nicht später Parteiverrat sein. Die Beschlüsse von Kopenhagen und Sknttgart bestanden auch damals. Die mili- tärische Lage ist heute eher kritischer als am 21. Dezember 1913, wo-die 20 Genossen die Erklärung abgaben, in der es heißt: Unsere Landesgrenzen und unsere Unabhängigkeit sind gesichert. Die internationalen Beschlüsse hatten nur Sinn, wenn sie in allen Ländern durchgefü/qrt wurden, und das war nicht durchzusetzen. Man sagt, die Krstgskredite müssen grundsätzlich abgelehnt werden und beruft sich auf Bebel. Aber auch Bebel hat sich 1870 nur der Stimme enthalten. Also mit der Grundsätzlichkeit hat es einen gewaltigen Haken; So wie bisher darf es mit den Streitigkeiten innerhalb der Partei nicht weitergehen. Zu irgendeinem Ende müssen wir kommen. Schließlich müssen wir die Arbeiter auf- rufen, daß sie Ruhe schaffen, wenn es von oben her nicht möglich ist.(Beifall bei der Mehrheit.) Ka u t s k tz- Berlin: Einig sind wir alle in der Friedcnssehn- sucht. Aber zur Herbeiführung des Friedens gibt es einmal den militärischen.'Weg, der die Streitkräfte des Gegners vernichten und ferner den international sozialistischen Weg, der die Friedens- kräfte in allen Nationen stärken und zusammenführen will. Der militaristische. Weg führt heute nicht zum Frieden, sondern immer weiter in die Sackgasse hinein, also ist heute der international- sozialistische Weg der einzige, der zum Frieden fiihren wird. Dazu ist notwend//g, datz uns die Genossen kräftig unterstützen, aber die Resolution Davids ist das schlimmste Hindernis auf diesem Wege, und seine Rede zu diesem Manifest ist die offene Gutheissung des militarisülchen Weges. David meint, im Kriege müssen wir unter allen Umftckiden hinter der Regierung stehen und alle Mittel be- willigen.(Ledebour: Das sagt Westarp auch!) Auf Bebel darf sich David nicht berufen. Der hat 1370 die Kredite nicht bewilligt. Heber Davids Resolution läßt sich gar nicht diskutieren. Er kann seine Meinung über die Ursachen des Krieges verbreiten, während ich an der Veröffentlichung meiner gegenteiligen Meinung in dieser Zeit gehindert bin. Noch heute ist der Friede möglich. England und d«/s englische Proletariat sind sofort dazu bereit(stürmische Untsck/rechungen), wenn wir erklären, daß wir keine Annexionen Wolter; datz wir Belgien wieder herstellen, und zwar nicht als einen Vasallenstaat, wenn drittens die Wiederherstellung Serbiens aus- gsspxochen wird, wem viertens Deutschland internationale Schieds- gerichte anerkeniü, und wenn es fünftens bereit ist, sich mit Eng- law.) üb sc die Rüstungen zu verständigen.(Zuruf: Und sechstens all); Kosten zu bezahlen.) Wenn die deutsche Regierung erklärt, sie erksiint diese Forderungen an, dann haben wir den Frieden. (Z/uruf: Woher wissen Sie das?) Dann wird die Friedensstim- nrnng in Frankreich und in England so groß, datz die Regierungen frieden schließen müssen. Wer aber diese Forderungen ablehnt, ist für die Verlängerung des Krieges.(Langanhaltender Beifall bei der Minderheit.) . Cohen-Reutz: Wenn man die Gründe des Krieges feststellen will, dann darf man nicht, wie es Haase, Bernstein und Kants kh getan haben, sich nur auf die Weißbücher stützen. Kautsky selbst hat mich dahin belehrt, datz es nach marxistischer Auffassung falsch ist, bei einem historischen Geschehnis die wirklichen Gründe m dem äußeren Anlah zu suchen. Die wirklichen Gründe für diesen Krieg waren die tiefen Gegensätze zwischen England und Deutsch- land. Wenn die deutsche Regierung imperialistische Machtgelüste hätte, dann hätte sie doch mit diesem Krieg nicht gewartet, bis die Gegner am stärksten waren, sondern sie hätte zugeschlagen in einer Zeit, wo die Gelegenheit viel besser war und wo England selbst einen Krieg gegen dos geschwächte Rußland empfahl. Wie kann Bernstein in der„Neuen Zeit" den blühenden Unsinn schreiben, datz die deutsch.feindlichen Tendenzen Englands neuen Datums sind, und datz kein Volk so schwer in den Krieg gegangen sei wie England.(Heiterlett.) Er mutz doch wissen, datz schon in der tzchambeolainschen Periode die englische öffentliche Meinung für ein Bündnis mit Deutschland nicht zu haben war, weil es in ihm den gefährlichsten Konkurrenten sah. Wenn Kautsky hier sagt, die englischen Arbeiter würden für den Frieden sein, so hat er wohl vergessen, daß Thorne noch vor kurzem gesagt hat, die englischen Arbeiter würden der Regierung die Gefolgschaft ver- weigern, wenn sie jetzt für den Frieden wäre. Kautsky selbst hat am 27. November 1914 in der„Neuen Zeit" geschrieben: Bei einem Kriege stehe zwar kein Interesse des Proletariats direkt auf dem SpiÄ. aber die Bedingungen seiner Entwicklung könnten doch durch den Sieg der eigenen Regierung gefördert werden. Darum müsse bat Prolekariai Parkes ergreifen und e» werde durch den Krieg in die unaügenehme Situation gebracht, derselben Regierung die Mittel zur Kriegsführung zu bewilligen, der man im Frieden jeden Mann und jeden Groschen verweigert.(Laute Hört-Hört- rufe und Bewegung.) Kautsky hat ferner in der„Neuen Zeit" von der japanischen Sozialdemokratie geschrieben, sie habe im russisch-japanischen Krieg durch die Bekämpfung ihrer Regierung Zwar den Frieden fördern wollen, tatsächlich aber dem Zarismus genutzt.(Lebhaftes Hört! hört! bei der Mehrheit und Zuruf: Soll das nur für Japan gelten?) Auf Bebel darf sich Kautskt) auch nicht berufen, der hat 1380 unter dem Sozialistengesetz ganz entschieden den Standpunkt durch Reden und von ihm eingebrachte Resolutionen vertreten, datz jede Erweiterung der Machtfülle Nutz- lands auf dem Balkan als eine schwere Schädigung der Jnter- essen Deutschlands und der gesamten westeuropäischen Kultur- entwicklung bekämpft werden müsse. Sollte Rußland Serbien als Sprungbrett dazu benutzen wollen, dann mützten wir uns mit Oesterreich solidarisch erklären.(Hört! hört! bei der Mehrheit.) Denselben Standpunkt hat auch Engels eingenommen, der in Oesterreich die Schutzmacht gegen den Zarismus erblickte. Wenn Kautsky meint, die deutsche Regierung könne den Frieden be- kommen jo wie sie auf Annexionen verzichtet, so ist er sehr im �rrtuin. Ans eine solche Erklärung pfeift England.(Stürmischer Beifall bei der Mehrheit.). Frau Zietz: AIS 1849 Gottftied Kinkel sein« wenig mutvolle, aber um jo denunziatorischere Verteidigungsrede vor dem Rastadter Kriegsgericht gehalten hatte, schrieb Karl Marx in der„Neuen Rheinischen Revue:„Die deutsche sogenannte revolutionäre Partei ist so schlapp, datz Dinge, die in England und Frankreich einen all- gemeinen Sturm heraufbeschwören würden, in Deutschland vor- übergehen, ohne daß man sich darüber wundert." An diesen Aus- spruch wurde ich in den letzten zwei Jahren sehr oft erinnert, so auch bei der Beurteilung des Einmarsches in Belgien durch manche Parteigenossen, ebenso als die Forderungen der sechs Wirtschasts- verbände veröffentlicht wurden(Molkenbuhr: Veröffentlicht?), als sie bekannt wurden. Ein Jahr lang hat die Opposition vergeblich den Kampf gegen die Annexionisten verlangt. Das hat mit zur Hinausschiebung der Friedensmöglichkeit beigetragen. Hätte die Fraktion die Kredite abgelehnt und die Reichstagstribüne benutzt, um ihren Standpunkt dem Volke klarzumachen, dann ständen wir ganz anders da.(Sehr richtig! bei der Opposition.— Zuruf: Wir standen überhaupt nicht da!) Die Partei hätte an Einfluß gegen- über der Regierung, innerhalb Deutschland und innerhalb der Internationale gewonnen. Dann hätte die Unsicherheit barüber, welchen Gebrauch wir von unserer Macht machen, uns Einfluß ge- geben.(Heiterkeit bei der Mehrheit), die Parteiverdrossenheit und Indifferenz wäre nicht eingetreten und unsere Agitation nicht lahmgelegt. Erklären wir immer wieder, alles in den Dienst der Vaterlandsperteidigung zu stellen, dann braucht man auf uns keine Rücksicht zu nehmen. Das goldene Vertrauen der Massen werden wir nur wieder gewinnen, wenn wir wieder unsere alte Politik treiben; das wird auch das beste für die Herbeiführung des Frie- dens sein.(Beifall bei der Opposition.— Lachen bei der Mehrheit.) Legten: Hätten wir am 4. August eine andere Taktik ein- geschlagen, �dann brauchten wir uns heute gar nicht darüber aus- einanderzusetzen, ob es in der Partei Annexionisten gibt oder nicht. Auf eine Provokation von mir hat Haase im Reichstag kurz erklärt, wir könnten uns mit einer Aenderung des Vereinsgesetzcs be- gnügen, die den Gewerkschaften genüge. Danach beurteile man seine heutigen Ausführungen darüber! Ebenso unrichtig ist die Darstellung, datz die Fraktion niemals die Seitensprünge von Heine, Pens und anderen verurteilt habe; sie hat sich damit ebenso wenig beschäftigt, wie mit Schriften von Ledebour und Haase, als aber die Disziplin über Bord geworfen wurde, mutzte sie Stellung nehmen. Haase und seine Freunde fordern ja auch die organisierte Arbeiterschaft auf, disziplinlos zu handeln.(Widerspruch bei der Opposition) und das ist das Schlimmste.(Sehr richtig! bei der Mehrheit.) Haase hat die wilden Streiks gutgeheißen(Haase widerspricht), er hat sich doch gegen den Warnungsaufruf gewendet! (Zuruf: Das ist ganz was anderes!) Parteivorstand und General- kommisston bekleiden die höchsten Vertranensämter und mutzten deshalb vor s»lchen dunklen Existenzen, den anonymen Flugblatt- verbreitern, warnen. Haast hat uns nicht gesagt, welche Taktik er eigentlich will.„Mobilisiert" sind ja die Parteigenossen in ans- reichendem Maße, in letzter Stunde wurden sie es noch für Frie- densdcmonstrationen. Ausländische Genossen haben von uns den Massenstreik im Kriegsfall erwartet— in einem Lande, wo ein Drittel der dafür in Frage kommenden Männer eingezogen und ein weiteres Drittel arbeitslos wird! Parteivorstand und General- kommifsion mußten versuchen, die unfreiwillige Masscnarbeitsein- stellung durch den Krieg zu lindern. Uns steht die Arbeiterschaft Viel zu nahe, als datz wir nicht alle Kraft dafür aufbieten würden. Eine Niederlage Deutschlands heißt auch eine Niederlage der deut- scheu Arbeiterbewegung.(Zurufe der Opposition: Wie Basscrmann I Wie Stresemann!) Die Arbeiterklasse verlöre am meisten, sie würde ihre selbstgeschaffene Arbeiterkultur verlieren, wie sie in keinem anderen Lande besteht. Auf dieser Grundlage wollen wir den Sozialismus erobern, indem wir die Arbeiterschaft auf ein höheres Kulturniveau heben. Das war unsere Politik im Frieden, wir treiben sie weiter und werden sie weiter treiben.(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) W alch er-Berlin VI: Die Arbeiter werden dem Vorredner zur gegebenen Zeit schon ihre Auffassung von den Aufrufen de» Parteivorstandes und der Generalkommission sagen, Hundert- tausende empfinden nur Verachtung dafür.(Zustimmung bei der Opposition.) Wir stellen uns auch nicht auf den billigen Gemein- platz: Heiliger St. Florian, verschon mein Haus, zünd' andere an! (Sehr gut! bei der Opposition.) Der Redner gibt dann eine Darstellung der Stuttgarter Par- tciwirren vom Standpunkt der Opposition, über die der nächste Parteitag zu entscheiden haben werde, der vom Geist des SozialiZ- »ins erfüllt sein wird. Wir sind bereit und entschlossen, mit der Opposition und den aus schwierigem Posten für grundsätzliche sozialistische Klassenpolitik kämpfenden Stuttgarter Genossen eine Kampffront zu bilden.(Lebbaster Beifall bei der Opposition.) Molkenbuhr: Die Minderheit stellt uns als reine Trottel oder geradezu Schufte hin— als ob wie keine Vergangenheit in der Parteibetvegung aufs Spiel zu setzen hätten. Wir waren immer be- strebt, durch die Macht der Einigkeit Vorteile für die Arbeiterklasse zu erkämpfen. Die Pflicht der Landesverteidigung haben wir nie- mals abgelehnt. Die Vorwürfe der Antimiliiaristen sind uns aller- dings nichts Neues, speziell nicht in Berlin, hier ist s. Zt. auch Bebel und ebenso Liebknecht angegriffen worden, weil sie bei einer Militär- debatte 1890 die Pflicht der Vaterlandsverteidigung anerkannten. Unsere Abstimmung am 4. August war keine Abkehr, sondern eine Konsequenz unseres früheren Verhaltens. Bei Kautskhs Friedens- forderungen ist nichts davon gesagt, ob auch England herausgeben soll, was es besetzt hat, und ob Frankreich bereit sein soll, auf Elsatz- Lothringen zu verzichten, und welche Bedingungen der Zarismus stellt. Eine internationale Friedensbewegung kann nicht einheillich allein in Deutschland durchgeführt werden. Hoch-Hanau: Durch Beschlüsse werden wir ein einiges Hau- dein nicht herbeiführen. An den Abstimmungen vom 4. August und vom Dezember 1915 habe auch ich mich beteiligt, aber keiner von uns hat sich dadurch bis ans Ende festgelegt. Ich habe die Kredite be- willigt, damit unser eigenes Volk durch den Ansturm der feindlichen Heere nicht vergew«ltigt wird. Aber die Gefahr der Vergewaltigung ist vorüber, und zwar für alle Volker, keine Gruppe wird die andere niederzwingen, und deshalb besteht jetzt die Gefahr der Verblutung aller Völker. Dieser Gefahr müssen wir entgegenwirken.— Wenn es nicht zur Spaltung gekommen wäre, so hätte mich das sehr ge- freut. Aber die Opposition ist erklärlich und durch viele Handlungen des Vorstandes, die als schwere Ungerechtigkeit empfunden wurden, namentlich auch bei uns in Hanau, nimmt sie immer noch zu. DeS- halb sollen wir keine unmögllchen Ziele verfolgen, sondern jedem seinen Willen lassen, bis uns die Verhältnisse wieder zusammen- bringen. Diese Zeit sehe ich sehr nahe, denn die Verhältnisse spitzen sich dm» er mehr zu. Nicht durch Beschlüsse werden wir Einigkeit her- beiführen, sondern durch einiges Handeln, wenn die Zeit dafür da ist. Die Debatte wird vertagt, es folgen persönliche Bemerkungen. Keil lehnt es ab, den Stuttgarter Streit breitzutreten und erklärt einige der Behauptungen Walchers für unrichtig; schon nach dreiwöchiger Kriegsdauer traten die Sprengungsabsichtcn der Stutt- garter Opposition zutage.(Unruhe bei der Opposition.— Stadi- hagen: Das ist erstens Blödsinn, zweitens keine persönliche Bemerkung.) Die von Walcher angekündigte Untersuchung fürchten wir nicht. Eine Frage ist es jedoch, ob sich überhaupt der Partei- tag noch mit Beschwerden einer Gruppe befassen wird, die seit Jahren ihre Parteipflichten verweigert hat. K a u t S k y: Gegen Cohens Auslegung meines Artikels sage ich, daß ich damals nicht unsere Stellung zum jetzigen Kriege, son- dern rein theoretisch alle die Möglichkeiten untersucht habe, die das internationale Interesse des Proletariats in einem Kriege mit sich bringen kann. Ich habe allerdings gesagt, es kann eine Situation eintreten, in der das internationale Interesse des Proletariats ge- bietet, dag das Proletariat auch hinter einer bürgerlichen Regierung steht, aber ich habe nie«ine allgemeine Verpflichtung dazu abgeleitet. Im jetzigen Krieg ist es die Pflicht der deutschen Sozialdemokratie, dem Beispiel der serbischen, russischen, italieni- schen und rumänischen Sozialdemokratie zu folgen und die Kriegs- kredite abzulehnen. Walch er°Berlin: Sogar Ebert hat das Vorgehen des Landesvorstandes gegen die.,Tagwacht"-Nedaktion verurteilt.— Ebert: Die Kontrollkommission hat die Haltung des Parteivor- standes in dieser umfangreichen Angelegenheit vollauf gebilligt. Heine: Die Fraktion hat seinerzeit die von Haase vorge- brachte Angelegenheit meiner Reichstagsrcde mit 39 gegen 14 Stimmen als durch eine Erklärung von mir erledigt angesehen. Cohen- Reutz hält Kautsky gegenüber seine Ausführungen aufrecht.— Nach weiteren Auseinandersetzungen Kautsky-Cohen wird die Verhandlung auf Sonnabend, 9 Uhr, vertagt.— Schlug 7� Uhr. Berichtigung. In dem gestrigen Bericht sind in der Rede Ellerts über die Tätigkeit des Parteivorstandes einige Irrtümer durch Schreibfehler hineingekommen, die wir berichtigen möchten. Es muh heißen: »Alle erfolgversprechenden Maßnahmen haben wir für den Kampf gegen den Kriegswucher eingesetzt und hierbei hat auch stets volle Uebcreinstimmung in der Partei bestanden."(Nicht:„in der Presse".) Ein anderer Satz muh lauten:„Allerdings haben wir auch früher bei der Internationale niemals Illusionen über unsere Macht zur Verhinderung des Krieges erweckt."(Bei der Wieder- gäbe war„niemals" ausgefallen.) Schlichlich muh ein weiterer Satz lauten:„Eine ähnliche Stellung wie die Mehrheit der französischen Partei nimmt die britische Arbeiterpartei ein."(Nicht:„der deutschen".) Die uamcutlichcn Abstimmungen ans der Rcichskoufercoz. Die Abstimmung über den Antrag Haase und Genossen, die beantragten,„eine Beschlußfassung über sachliche Anträge ist abzu lebneu", ergab die A b l e h n u n g des Antrages mit 27ü gegen 169 Stimmen. Es stimmten mit nein: ja: von den Delegierten..... 184 118 von der Reichstagsfraktion... b4 22 von der Arbeitsgemeinschaft...— 18 vom Parteiausschuß...... 27 8 von der KontroLIommission... 2 1 vom Parteivorstand..... 9_ 2 Zusammen 276 169 Die C Mitglieder des Paricivorstandes, die zugleich Reichstags abgeordnete sind, sind beim Parteivorstand aufgeführt, nicht bei der Fraktion. Von den 306 auf der Konferenz anwesenden Delegierten waren 4 bereits abgereist, als die namentlichen Abstimmungen statt fanden, ebenso ein Müglied der Kontrollkommission und ein Ab- geordneter. Der Antrag Auer, der die Bewilligung der Kriegs- kredite durch die sozialdemokratische Reichstagsfraktion billigte und das Sondervorgehen eines Teils der Fraktion, das zur Ab spaltung von der Gesamtfraktion geführt hat, mißbilligte, wurde mit 219 gegen 2 Stimmen bei 4 Enthaltungen an- genommen.(Ter Genosse P r o l l erklärte zu Protokoll, daß er irrtümlich mit nein gestimmt hätte, sich vielmehr enthalten wollte.) Unter den 219 Genossen, die für den Antrag gestimmt haben, waren 187 Delegierte, 27 Mitglieder des Parteiausschusses, 2 Mitglieder der Kontroll- kommission und 3 Mitglieder des Parteivorstandes. Die 199 Abgeordneten, die an der ersten Abstimmung teilnahmen, haben bei dieser Abstimmung nicht mitgestimmt. �tos Groß-öerlin. Vmterversorgung mit Kartoffeln. Wer auf Grund der amtlichen Bekanntmachungen sich zur Winterversorgung mit Kartoffeln abgemeldet hat, kann vom 28. September bis 5. Oktober bei seiner Brotkommiffion die Scheine für die angemeldeten Wintcrvorräte in Empfang nehmen. Hierbei hat er die ihm inzwischen zu gestellten Kartofficlkarten für die Zeit von Mitte Oktober 1916 bis Mitte April 1917 vorzulegen. Für je ll/2 Zentner bestellter Kartoffeln wird von der Brotkommission die rechte Hälfte einer Kartoffclkartc(Abschnitt 30 bis 46) abgetrennt und zurückbehalten werden. Die linke Hälfte, welche ausweislich des Aufdrucks zum Bezüge von Kartoffeln in der Zeit vom 16. Oktober bis 19. November 1916 und vom 19. März bis 15. April 1917 dient, ist sorg- sältig aufzubekvahren, da ein Ersatz für abhanden gekommene Karten grundsätzlich nicht gewährt wird. Jeder Schein lautet über l'/z Zentner Kartoffeln und zerfällt in zwei Abschnitte, einen Bestellschein und einen B s z u g s s chein. Auf beiden Abschnitten hat der Empfänger seinen Namen und seine Wohnung zu vermerken. Mit dem Schein geht der Verbraucher zu einem Kar- toffel Händler, von dem er seinen Wintervorrat beziehen will. Diesem übergibt er den Bestellschein und der Händler hat dafür auf dem in der Hand des Verbrauchers verbleibenden Bezugsschein durch Namcnsuntcrschrist zu bescheinigen, dast er die Lieferung übernommen hat. a) Ist der Händler ein Kleinhändler, so hat dieser nunmehr die empfangenen Bestellscheine, nachdem er sie mit seinem Namen und seiner Adresse verschen hat, seinem Kartoffslliofcianten, einem Berliner Großhändler zu über- geben, der ihm dafür die Kartoffeln behufs Weitergabe an den Verbraucher zu liefern hat. d) Ist der Händler ein Großhändler, so hat dieser auf Grund der ihni eingehändigten Bestellscheine unmittelbar an die Verbraucher zu liefern. Doch ist der Großhändler zur Belieferung eines Verbrauchers nur verpflichtet, wenn der bestellte Vorrat 9 Zentner und mehr beträgt. Zu s) und b). Kleinhändler und Großhändler müssen sich nach Lieferung der Kartoffeln von dem Verbraucher zugleich mit der Bezahlung den Bezugsschein aushändigen lassen, zum Beweise dafür, daß sie die Wintcrbelieferung ausgeführt haben. Der Preis der Kartoffeln darf bei Belieferung frei Keller des Verbrauchers in den Fällen a und b den Betrag von 4,75 M. für den Zentner nicht übersteigen. e) Will jedoch ein Verbraucher für sich und seine Haus- Haltsangehörigen seinen Wiutervorrat an Kartoffeln selbst vom Bahnhof, also vom Eisenbahnwagen abholen, so kann er die Kartoffeln unmittelbar vom Großhändler gegen Ilebergabc von Bestell- und Bezugsschein zum Preise von 4,15 M. für den Zentner ab Eisenbahnwagen beziehen. Jeder Verbraucher kann bei seinem Händler Wünsche wegen der Kartoffclsortcn zum Ausdruck bringen. ES wird jedoch dem Händler nicht immer möglich sein, diese Wünsche zu befriedigen, da der Magistrat nicht in der Lage ist, in den Liefernngsgcgcnden bestimmte Sorten anzufordern. Immerhin werden voraussichtlich geivisse Wünsche, z. B. ob rote oder weiße Kartoffeln, auch seitens des Kleinhändlers de- friedigt werden können, zumal ja die Anlieferung während der ganzen Zeit von Ansang Oktober bis Mitte November stattfindet. Da die Kartoffeln erst zum Verbrauch in der Zeit vom 20. November bis 18. März bestimmt sind, wird die Be- völkcrung darauf hingewiesen. Laß nun nicht etwa bereits Anfang Oktober insgesamt Befriedigung verlangt werden darf. Mit Rücksicht aus die große Zahl der Anmeldungen kann natürlich die Anlieferung erst allmählich erfolgen. Es wird nach Möglichkeit dafür Sorge gerragen werden, daß jeder, der rechtzeitig seinen Wiutervorrat angenkeldet hat, bis zum 20. November seine Kartoffeln auch erhält. Groß- und Kleinhändler sind wiederholt angckviesen worden, nur die haltbarsten Kartoffeln als Wintervorrat ab- zugeben. Es muß jedoch jeder Verbraucher auch selbst darauf achten, daß ihm gesunde Kartoffeln geliefert werden. Nach Empfang der Kartoffeln erfordert es nicht � nur das eigene Interesse jedes Verbrauchers, sondern auch das Interesse der Allgemeinheit, fortdauernd darauf zu achten, daß die Kar- toffeln nicht verderben, sondern sachgemäß aufbewahrt und dauernd beobachtet werden. Eine Nachlieferung kann in keinem Falle erfolgen. Bei Ausgabe der Scheine in der Brotkommission erhält jeder Haushalt ein von der Reichskartoffelstelle heraus- gegebenes Merkblatt, daß die wichtigsten Hinweise für die Einlagerung der Kartoffeln im Haushalt enthält. Die neu festgesetzten Flcischprcisc. Der Magistrat veröffentlicht heute me Verordnungen über die neuen Kleinhandelspreise für frisches(rohes) Rindfleisch und für Kalbfleisch. Danach darf der Preis bester Ware für Nindileisch in Berlin bei Abgabe an den Verbraucher nicht übersteigen: Für Lende 3,39 M., für Roasibeef mit eingewachsenem Knochen 2,89 M., für Schmorfleisch ohne eingewachsene Knochen und ohne Knochen- beilage(Keule und Bug) 3,99 M„ für die übrigen Teile(einge- wachsene Knochen und Knochcnbcilage dürfen nicht mehr als ein Fünftel des Gesamtgewichts ausmachen) 2,49 M,, für Knochen 9.69 M.. für Gehacktes 2,59 M. Bei Kalbfleisch betragen diese Preise für Fleisch von jungen und älteren Saugkälbern und Mastkälbern über 69 Pfd. Schlachtgewicht und zwar für Rücken und Keule mit Haxe, Brustspitze ohne Hals ohne Nachbrust und ohne Dünnung 2,39> M., die übrigen Teile 1,99 M., schieres Kalbfleisch ohne Knochen, auch Schnitzel 3,99 M., für Fleisch von nüchternen Kälbern bis 99 Pfd. Schlachtgewicht und zwar jür Rücken und Keule mit Haxe 1,69 M., die übrigen Heile 1,30 M. Diese neuen ermäßigten Kleinhandelspreise gelten bereits vom Mittwoch, den 27. d. M., ab. Siisttvasserfische im Kleinvcrkauf. Die tägliche Erfahrung hat gezeigt, daß bei Einhaltung derjenigen Höchstpreise für Süßwasserfische, die durch das Kriegsernährungsamt vorgeschrieben sind, die Zufuhr an Süß- wasscrfischen nach Berlin fast gänzlich ausgeblieben ist. Der Magistrat hat deshalb auf seinen Antrag die Ermächtigung erhalten, höhere Groß- und Kleinhandelspreise für Süß wasserfischc für Berlin festzusetzen. Danach betragen die Preise sür Süßwasserfische im Kleinverraus: in lebend, in totem Zustand Zustand M. Vi. bei Karpfen........... 1,80 1,70 . Schleien........... 2,— 1,90 , Heckten........... 1,80 1,70 , Bleien oder Brachsen: bei 2 Pfund und darüber.... 1,29 1,19 unter 1 Pinnd........ 0,90 0,80 , Plötzen und Rotaugen: sofern je 3 Fische zusammen 1 Pfd. und darüber wiegen.... 9,99 9,89 sofern je 3 Fische zusammen weniger als 1 Pfund wiegen.... 9,89 9,79 Die Verordnung bezieht sich, was noch bemerkt lverden soll, auf Karpfen und Schleie aller Art; denn es schien nicht angängig, die Karpfen und Schleien der Kriegsgesell- schaft für Teichfischverwertung den Höchstpreisen nicht zu unter- werfen, da der Nachweis einer Ueberschreitung der Höchstpreise unmöglich sei, wenn ein Händler außer Karpfen und Schleien von der Kriegsgcsellschast für Teichfischvcrtung auch solche anderer Herkunft führt. Deshalb sind auf Grund der Be- kanntmachnng über die Errichtung von Prcisprüfungsstellcn und die Vcrsorgungsrcgelung mit Zustimmung des Ober- Präsidenten auch für die Karpfen und Schleien der Kriegs- gesellschaft Höchstpreise festgesetzt worden. Man sieht immer wieder, daß Höchstpreise ohne Beschlagnahme ein Unding sind und nur allein die Eigenschaft haben, immer wieder in die Höhe zu gehen. Beschlagnahme von Eicheln und Kastanien. Einer Bestimmung der Reichsbehörde gemäß sind sämt- liche Eicheln und Kastanien beschlagnahmt und müssen an die amtlichen Sammelstellen abgeführt werden. Das Publikum wird daher aufmerksam gemacht, die Kinder im Tiergarten nicht zum Einsammeln der Eicheln und Kastanien zu verleiten, wie es bisher unbcrechtigterweisc geschehen ist. Das Einsammeln der Eicheln und Kastanien geschieht amtlicherseits durch das Arbeitspersonal der Königlichen Tier- gartenverwaltung. Wer obige Bestimmung übertritt, niacht sich strafbar. Die Zustände im Milch- und Eicrhandcl werden immer nnbalt- barer und alle schönen Verordnungen haben bisher keine Ordnung geschaffen. Viele Hausfrauen können selbst das ihnen zugestandene geringe Ouantum nicht erhalten, manche haben wochenlang nicht ein Ei erhalten können. Die Kleinhändler werden von den Engros-, bändlern schlecht bedient, so daß alle Kundenlistcn nicht viel helfen. Wie hier, so steht es auch mit der Milch. Tie Gemeinden sollicn endlich dazu übergehen und die Abgabe der Eier und der Milch selber in die Hand nehmen. Eine Flucht in die Ocsscntlichkcit unternimmt der Bürgermeister von Friedenau ans Anlaß der Klagen über ungenügende Versorgung der Gemeinde mit Lebensmitteln. Er hat an die einzelnen HauL- haltnngcn ein FlugblaU verteilen lassen, in dein er darlegt, daß die Gemeindeverwaluing an diesen Mängeln unschuldig sei, so berechtigt die Klagen auch seien. Die Verteilung der vielen beschlagnahmten Lebensmitteln erfolge von den Reichs- und Zentralstellen nach be- stimmten Grundsätzen, auf lvelchc die Gemeinde leinen Einfluß habe. Auch diese Talsache zeigt die Unhaltbarkeit der jetzigen Organisation Groß-Berlins im hellsten Lichte. Zu dem Bericht über den Besuch von Pressevertretern in der Grost-Bcrlincr Buttcrvcrteilnngftellc wird uns von einer Hansfran geschrieben: Die Mitteilung, daß die angelieferte Butter durch Sachverständige bcgutachlel und dann in Butter erster, zweiter, dritler und manchmal auch vierter Güle ein- geteilt Ivird', soll nicht bezweifelt werde». Dem gegenüber bedarf es der ausdrücklichen Feststellung, daß man in fast allen Handlimgen beim Kleinvcrkaus nur Butler einer einer einzigen, natürlich der „ersten" und somit der teuersten Güte erhält. Hockst selten ist auch eine ziveile, etwas, billigere Bultersorte zu finde». Selbst die minder- werligste Butter wird also auf dem Wege von der Butterverteilungs- stelle'zu den Verbrauchcru durch ein einträgliches„Geheimverfahren" — verbessert._ Sonderbare Beschwerdecrledigung. Die mit Durchsührimg der KriegSsürsorgemaßregeln betrauten Verwaltungsstellen haben gewiß eine nicht geringe Arbeit von all den Eingaben und Beschwerden, die ihnen zugehen. Es mag keiiic leichte Aufgabe sein, die vielen teils berechtigten, teils unberechtigten Wünsche und 5klogen zu prüfen und Bescheid darauf zu geben- Wenn da manches in einem abgekürzten Verfahren erledigt wird, so ist das angesichts der besonderen Zeitumstände begreiflich und ent- schuldbar. Aber gegen die Art der Veschwerdencrlcdiguitg, von der uns eine mit ihrem Bezirksvorstchcr zusammengeratene Berliner Kricgcrfrau erzählt, müssen wir doch ernste Be- denken haben. Mit einer mündlichen Bitte um Extrauntcrstützuug hatte die Frau sich an den Bezirksvorstchcr gewandt in der Meinung, daß dies der rechte Weg sei. Sie wußte nicht, daß sie einen Antrag auf Extraunterstützung durch Vermittlung des Steuer- kaffeubureaus an ihre Unterstützungskommission zu richten gehabt hätte. Wegen der von ihr als schroff empfundenen Form, in der sie von dem BezirkSvorsteher abgewiesen wurde, reichte sie eine schrift- liche Beschwerde beim Militärburcau deS Magistrats ein. Welchen Erfolg hatte sie damit? Eines TageS brachte eine recherchierende Dame ihr die Aufforderung, sich bei dem Bezirks- Vorsteher einzusinden. Und von ihm mußte die Krieger« frau sich nun Vorhaltungen darüber machen lassen, daß sie gegen ihn eine Beschwerde eingereicht hatte! Weiteren Be- scheid erhielt sie nicht. DaS Militärburcau unterließ es, ihr eine schriftliche Autwort zukommen zu lassen. Wir müssen denn doch sagen, daß wir diese Art, eine Beschwerde zu behandeln, sehr sonderbar finden. Wohl ist es selbstverständlich, daß man dem Be- zirksvorstchcr die Beschwerde mitteilen mußte, damit er sich zu ihr äußern konnte. Aber ebenso selbstverständlich scheint uns, daß nicht durch ihn selber ein Bescheid in dieser Sache gegeben werden kann. Will vielleicht das Militärbureau doch noch der Frau einen rcgel- rechten Bescheid erteilen? Zeit wär's nun bald, denn seit Einrcichung ihrer Beschwerde sind jetzt bereits vier Wochen vergangen. Naubmord in Neuköll». Zwei Fürsorgczöglingc als Täter. In Neukölln wurde im Hause Mahbachufer 2 in der Nacht von Moniag zu Dienstag ein schweres Verbrechen entdeckt. Dort führten die Schwestern Anna und Marie Rudolph', einen gemeinsamen Haus- balt. Als die jüngere der beiden, Marie, die Schubstepperin ist, Montag abend von ihrer Tätigkeit heimkehrte, war die Wohnung verschlossen. Nach längerem Warten ließ sie die Tür offnen. Man fand alle Schränke erbrochen. In der Küche lag, von Betten be- deckt, die ältere der Schwestern, die 64jährige Wlumcnarbeitcrin Anna R. Sie war durch einen Messerstich in den Hals gelötet worden. Täler sind offenbar die Brüder Otto und Richard Klaus. Der ältere der beiden, Richard, der gestern 18 Jahre oll geworden ist, war bei einem Bäcker, der andere, 16jährige. bei einem Land- wirt in Paretz zur Fürsorgeerziehung untergebracht. Sie waren den Schwestern dadurch bekannt, daß sie zusammen früher im gleichen Hause gewohnt hatten. Sie besuchten die Schwestern öticr und waren auch vorgestern nachmittag— wie festgestellt ist— erschienen. Später sahen Hausbewohner die Burschen mit einer Tasche über den Hof gehen. Die Ermittlungen der Neuköllner Polizei leitet Kriminalkommissar Berlin. Der Polizeipräsident, den der Lichten- berger Polizeipräsident Lewald gegenwärtig vertritt, hat auf die Er- mittlung der Täter 699 M. Belohnuiig ausgesetzt. Mitteilungen über die Gesuchten sind beim Kriminalkommissar Kaufmann im Zimmer 22 des Neuköllner Polizeipräsidiums zu machen. Die Vernehmung der Eltern der jugendlichen Mörder hat keine wichtigen Anhaltpunkle ergeben. Die von der schrecklichen Tat ihrer Söhne ganz entsetzten Leute, die in der Wrangelstraße wohnen, wissen nickt viel anzugeben, da sie mit diesen, wie schon gesagt, in keinerlei Verbindung mehr standen. Die Gcmcindcschulcn Berlins werden zum Oktober dieses JahrcS um eine vermehrt. Im Norden der Stadt, in den Schulbaracken auf dem Grundstück Sccslraße 84. wird eine neue Knabenschule eröffnet, welche die Nummer 312 erhält. Auf 312 steigt durch sie die Gc- samtzahl der Gemeindeschuleu Berlins, ungerechnet die 29 HilfS- schulen und die 4 Schulen für Schlvcrhvrige. Die Schulbaracken des genannten Grundstücks wurden bisher von der 291. Gemeiudeschule benutzt. Diese und die bisher im Mietsbause Amsterdamer Str. 19 untergebrachte 273. Mädchenschule siedeln zum Oktober in den Schul- ueubau au der Malplaguetstraße über. Im Osten der Stadt hat die im Mietshause Frankfurter Allee 271 untergebrachte 67. Schule sür Knaben und Mädchen sich so entwickelt, daß sie jetzt vollbesetzt ist. Sie muß zum Oktober eine Filiale eröffnen, die im Hause Frank« furter Allee 292 Mietsräume beziehen wird. Die bekannte Berliner Firma A. Hefter, deren Würste allen Berlinern über 69 Jahre hindurch als Delikatesse galten, hat ibre sechs Filialen vor einiger Zeit geschlossen und Ivird nun Ende dieses Monats auch die letzte Filiale mit dem Hauptgeschäft in der Leipziger Straße 98 schließen. Dies Geschäft wurde von dem verstorbenen Ai Hefter, der am 1. Juli 1919 als Millionär starb, am 24. April 1891 in der Leipziger Straße 98 in kleinem Umfange eröffnet, aber bald zur Blüte gebracht. In den 79cr Jahren beschäftigte Hefter über 199 Personen. Die 2. Fortbild, inflSanstalt in der Bcrtram-Ncalschule(Alexan- drinenstraße 6/6) nimmt Schüler beiderlei Geschlechts auf. Die Winrerkurse beginnen am Montag, 9. Oktober d. I. DaS Schulgeld beträgt sür jeden vierstündigen Kursus 6 M. auf das ganze Halb- jähr.(Auswärtige das Doppelte.) Unterrichtet wird im Französischen und Englischen in aussteigenden Kursen, in Deutsch, in doppeller Buchführung, Stenographie und Schreibmaschine und bei genügender Beteiligung auch in anderen Gegenständen. Anmeldungen nimmt der Direktor der Realschule täglich von 12—1 und an den Unter- richtSabenden um 8 Uhr in seinem Amtszimmer entgegen. Ms öe» Gemeinöen. Tie Stadtveroeduetenversammlung in Schöneberg bewilligte für Einquorlierimgkkosten(31o 000 M. und fiie HilfS personal 188 000 M. Hierbei wurde beschlossen, diese Vorlage dem HansbaltiSaitsichusz nit überweisen, um die Brotkommissionen mehr den Bedürfnissen der Bevölkerung anzupassen, da erhebliche Be« schwerden eingegangen, ganz besonders über die Zusatzkarten sowie das geringe Entgegenkommen den Urlaubern gegenüber, und um dir verschiedenen unklaren Verfügungen zu erörtern. Der Haus- und Grmrdbesitzerverein hatte ein BiltgesnÄ eingereicht um Aus- bebung des Mirtnacklasses bei Gewährung von Mietbeibilfen an die Mieter. Es wurde beschlossen, das Gesuch dem Magistrat zur Be> rücksichtigung zu überweisen. Ter Deutschen Dichter-GedächtniSstiftung wurden 300 M. über- wiesen für Herausgabe guter litcranscher Bücher für die Krieger und die Verwundeten in den Lazaretten. In der Becker--, Ecke Nembrandtftraße, ist bis fünfte Volksküche eröffnet worden.__ Verteilung von Teigwaren in Eharlottcnbnrg. In der-seit von Mittwoch, den 4. Oktober, bis Sonnabend, den 14. Otrobör, findet in Cbarlonenburg auf Abschnitt 11 der raten Rahrungsmittellarte eine Verteilung von l/s Ptund Teigwaren an das Publikum statt, und zwar zum Preise von 72 Pf. pro Vfund mr die erste und vo-n LI Pf. pro Pinnd für die zweite Sorte. Die Abgabe der Teigwaren an die Händler erfolgt in der f�eit von sereilag. den 2S. September, bis einschließlich Dienöiaa. den 3, Oktober, von S— 12 Nhr vornritragS im Liathaufe, Zimmer 42. Gricst- und Teigwarenverkauf in Steglitz. Die Gemeinde hat den durch rote Plakate kenntlich gemachten Geichästen Grieß und Teigwaren überwiesen, die vom Mittwoch, den 27. d. M.. vormittags 8 Uhr, bis einschließlich Montag, den 2. Oktober, zum Verkauf gelangen. Die eingetragenen Käufer er- dalren ans Abschnitt 2 der Lebensmittelkarte: 1. Nudeln lU Pfd. pro Kopf lSchnittnudcln, Suppenvndeln und Snppenteige), Pfund 21 Pf., Teigröhren und Makkaroni Pfund b2 Pf.; L. auf Abschnitt!!: können alle drei Sorten Lebensmittel auf einmal oder auch getrennt gekauft werden. Diejenigen, welche nachträglich ihre Eintragung in die Kundenliste beantragt haben, werden rechtzeitig benachrichtigt, um ebenfalls den Einkauf genannter Waren bewirken zu können. ReuauSgabe von MIlchknrtc» in Lerlin-WilmerSdorf. Morgen, Mittwoch. 27. September, ist der letzte Tag. an dem die Haus- bosttzer oder tbro Vertreter die neuen Milchkarten für Oktober noch der üblichen AnSgabeordmmg bei ihren Broilommisstonen in Emp- fang nehmen können. Mit den Milchkarten gelangen gleichzeitig die .siartoffelfnrtcu jür die Zeit vom Iii. Oktober 1810 bis April 1817 zur Berteilung. Neber die Ausgabe der Milchkartcn für Kranke wird das Erforderliche noch rechtzeitig bekannt gemacht. Städtisch« Kaninchenverkauf in NeukvN«. Im städtischen EiSwcrk, Mittelbuschweg 20/27. ist ein weiterer Posten von lebenden Kaninchen eingetroffen. Der Verkauf findet am Mittwoch, den 27. und Donnerstag, den 28. d. MtS., nachmittags van 4—3 Uhr, zu billigen Preisen statt. Da» Neuköllner Stadtbad ist im Winterhalbjahr 1010/17«m den Tage» vom Montag bis Freitag von S Uhr morgens di» 8 Ubr abends, an den Sonnabenden von 8 Uhr morgens bis S llhr abends und an den Sonntagen von 8 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags geöffnet. Neukölln erhält einen neuen Zugang zum Tempelhofrr Feld. Die von der Stadtgemeinde Neukölln vor zwei Jahren an d-er Ost- feite des Tempelhofer Feldes längs der bedeutend höher gelegenen Odcrstraße� geschaffene Parkanlage kann von Neukölln aus nur von dem nördlichen und südlichen Ende des Straßenzuges erreicht werden.� Um nun auch von der Mitte aus einen bequemen Zugang zu ermöglichen, wird im Zuge der Steinmctzstraße eine große Freitreppe nach dem Tempelhofer Feld angelegt. Kludcrveranstaltimgcn in Neukölln. Mittwoch, den 2 7.' Letztes Spielen auf dem Turnplatz. Treffpunkt>/z3 Uhr Kaiser- Friedrich-, Ecke Jiinnraße. Sonntag, den I.Oktober: Besuch de» Museum« für Völkerkunde für Kinder über 10 Jahre. Treffpunkt 12 Uhr am Hermaunplatz. Fahrgeld 20 Pf. Serichtszeitung. Milchpastfcherei. Wiederum hatte gestern die 5. Strafkammer des Landgerichts I die Machenschaften eines MilchverschlechtcrerS einer Prüfung zu unterziehen. Der Milchhändler Jobann Köhler war vom Schöffengericht zu 300 Mark Geldstrafe auf Grund des folgenden Tatbestandes verurteilt worden. Bei der Polizei war eine Anzeige eingelaufen, die den Angeklagten der Mtlchpantfcherei beschuldigt. Er wurde daraufhin beobachtet und als er gesehen wurde, wie er beim Aufladen der auf einem hiesigen Bahnhof an- gekommenen Milchfässer vor der Abfahrt aus einem Faß mit Mager« milch ein Quantum in ein Faß mit Vollmilch goß, wurde er mitten in dieser Arbeit von Schutzleuten gestört.— Gegen da« Urteil de« Schöffengerichts legte der Staatsanwalt Berufung ein. weil er die Strafe für viel zu niedrig erachtet«.— Der An- geklagte suchte sich damit zu entschuldlg«n, daß er boabstchtigt habe, der so verwässerten Milch auch noch eine entsprechende Meng« von Sahne hinzuzusetzen, die er gleichfalls bezogen hatte; darin fei er hon der Polizei gestört worden. Das Gericht hielt das für eine leere AuSrcd« und verurteilt« den Angeklagten zu 1000 Mark Geldstrafe, da gerade den Milchversälschungen in jedem Falle mit empfindlichen Strafen entgegengetreten werden müfle. Hat HanSmachcrwurst einen Höchstpreis? Die Frage, ob sogenannte„Hausmacherwurst", die von Schankwirten aus ausländischem Fleisch hergestellt und in ihren Schanklokalcn an Gäste verabfolgt wird, unter die Höchstpreisverordnung fältt, hatte gestern die st. Strafkammer des Landgericht I zu prüfen. Vor dieser waren der Gastwirt Wilhelm HelmS und feine Ehe- frau wegen Ucberfchreitung der Höchstpreise angeklagt. Die An» geklagten hatten aus ausländischem Fleisch und Kram Hausmacher- leberwurst und Fl-ischwurst hergestellt und diese zu Preisen an ihre Gäste verlaust, di« wesentlich höher waren, als di« für diese Wurst- sorten festgesetzten Höchstpreise und im Hinblick auf die teueren Ein- kaufspreise für da« ausländische Fleisch auch sein mußten. Hierin wurde jedoch eine Ucberschreitung der betreffenden Verordnung er- blickt und infolgedessen Anklage erhoben. Die Angeklagten be- hauptcten nun, daß sie keineswegs an diese Verordnung gebunden seien, während die beiden Sachverständigen Dr. Kahlmann von der Preisprüfungsstelle sowie Schlachthofdirektor Goltz sich auf den Standpunkt stellten, daß sie auch bei Ber- arbeitima von ausländischem Fleisch zugrunde zu legen sei, denn sie setze Höchitpreiie für die erlaubten, hier hergestellten Wurstsorten fest, ohne Ausnahmen für die Ver- arbeitung von ausländischem Fleisch zu machen. Das Schöffengericht Berlin-Mitte erkamne jedoch auf Freisprechung und ebenso sprach auf die vom Staatsanwalt eingelegte B e- rufung hin die Str a f k a m m e r den Angeklagten frei. Sie legte dabei die Bekanntmachung des Magistrats zugrunde, daß ans- ländisches Fleiich iowie die daraus im Jnlande hergestellte Ware nicht unter die Höchstpreise fallen. Srlefkaften üe? Reüaktion. Dt« IvriMlch» Spr-aitund- finde! für Slvonnenl-n Linde»«». 3, IT. Hof «rtli.»atiet«. am Vwnleg 61* vrenag von«»t» 7 Uer, am Sonnabend von i di» G 116» statt. Jeder 10t den B r,« f l a st» n bestimmten«lnfrae« ist ein Buchstabe und ein» Saht«IS Merlssichen beizutüacn. Vriefliche Antwort wird nick: erteilt. Anfragen, denen lein» AvonnementSauitlung dsigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilig« Fragen trage man in der Sprechstunde vor. ScmSgc, Schilfiftücte»ad derglciche» dringe mar»» die Specchftnude mit. H, Sch. Ivv. 1.>md 2. Nein, Sie müssen den Schadenersatz vom Meter verlangen. 3. Von der Miete können Sie leinen Abzug machen. 4. Ja. v. Das Amtsgericht.—(st. R. 14, Sie brauchen nch nicht zu melden.— H. P. 7. Sie haben Anspruch ans AufwandSenIschädlgmia.— O. R. Z. 48. Zurückgestellt, herzleidend.— H. LÄ. l. ES müssen 1200 Marten nachgewiesen werden. Für die Zeit, die der Versichert« beim Linkrasttreten de« AeietzeS über 35 ltahre alt war. werden ihm für jede» Jahr 40 Marlen in Anrechnung gebracht.— M.(k. 00. l. Der Wirt kann kündigen. 2. Der vom Wirt gewährte MletSerlast braucht nicht nach- gezahlt zu werden. 3. Liebknecht hat als Einjähriger seinerzeit gedient und Ist gls ArmierungSioidat eingezogen worden.— SR.0. Drüsenanschwellung und Verwachsungen im Gesicht; dienstuntauglich.— SR. 31. Sie müssen sich stellen. — D. 11.!>2. 1. Chronische Krankheiten des AngeS, dienstuntauglich. 2. Die andere Nummer bedeutet: Herabsehung der Sehschärfe.— F. G. 33. ES handelt sich nur um di« ungedienten Mannschaften.— M. L. L3. Sie müssen die erste und zweite Klasse zahlen. Auf einen eventuellen Gewinn haben SI« sonst keinen illnfpruch.— O. B. Z. 48. Wegen Herz- Sedier sechs Monate zurückgestellt.— tzl. E. 180. Bnlpmch aus linier- Stützung besteht nur, wenn der Vater de« Kinde» zum Militärdienst ein- gezogen iSt.— M. 14. 1, Der Beweis dafür mützts durch Vorlegung von Rechnungen geführt werden. Eine eidesstattliche Versicherung wird dafür nicht genügen. 2. Der Kerichtsvollzieher ist dazu berechtigt. — SP. S. 48. Nachdem eine Eibausemandersetzung mit den Kindern stattgeiunden hat, steht Ihrer Wiederocrhelralung nicht» im Wege. — O. 2. 30. Diese Mannschaften sind schon nachgemustert. — N. B. 30. 1. Landsturmpfiichtig, geringer Herzfehler. 2. Ja.-» — F. M. 1. 1. Für einen früheren Gemeindeschüler ist Vorbereitung auf da» Einfährigeiiexamen erfolgversprechend nur bei Fleiß und Be- gabung. 2. Private Lehrinilitul« nennen wir nickt; Sie finden fotchc im Berliner Adreßbuch für 1910 aus Seite 232. 3. Die Kosten sind nicht gc- ring; ZkähcreS darüber erfahren Sie bei den Instituten.— Sl. B. 87. ©riiji«(unrct(c) Tomaten geben eine vorzüglich fchmeäende und sehr balt- bare Konferve. Aus 4 Pfd. Tomaten rechnet man 1 Pfd. Zucker. Liter Weinessig, Liter Walser. Die in Hälsten oder Viertel geschnittenen Tomaten werden in siedendem Eisig fast weich gekocht Den Zucker kocht man mit dem Wasser, bi» derietbe In Trovsen vom LSffel sälkt, gibt die Tomaten btnein und kocht sie glasig. Nach Belieben gibt man ein Stückchen Ingwer daran. In sorgsältig vorbereitete Gläser füllen und nach dem Erkalten verschließen. Diese Tomaten sind eine gute Beigabe»um Fleisch. Aber auch M a r m- 1 a d e läßt sich von grünen Tomaten kochen. Aus 2 Psd. grüne Tomaten nimmt man 1>/, Pfd. Mohrrüben und etil lnappc» Psund Zucker. Die Mohrrüben werden geputzt und aus dem Reibeisen sein zerrieben. Die Tomaten kocht man in wenig Wasser weich, streicht sie durch ein Sieb und kocht sie mit dem Zucker und dem Wohrrübenbret. Diese Marmelade hält sich aber nicht lange. N'jpiiiNvLzr-vrrworr'niivi«« liwefeor Ä-Seerflliiia 18F M. d. 21.-0.-3. Slm 25. September»erschied nach kurzem schweren Leiden unser lieber Sange sbruder ISOöb Alired Fischer im Alter»an 32 Jahren. Seine Sängertroue low!« sein ehrlicher Cdaratter sichern ihm -in bl-tbendes Andenken. Die Beerdigung findet am Donnerstag, de» ZL. September. nachmittags 4 Uhr, auf dem Zenlrol-Friehhof in Friedrich«- leide statt. Vorwaitimzeete»« Oerlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kolleg«, der Arbeiter Gustav Hennig Tuorystraße 25, am 22, September gestorben ist. Ehre seinem«ndenkem S Di« Beerdigung findet am Mttwach, den 27. September, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Zentral-FAedhosc» tn Fricdrichsseldc aus statt. Siege Beteiligung erwartet t2S/S Die OetSverwaltnng. »i:!!!!? BanaiWsr-Vertanil SKwolffvoe'eii» JBopIIi*. itteürt Norde» 1. «m 24. September starb Mkser j Mitglied, der HilsSardeiter Karl BlankenSjurg im Alter von CO Jahren. Die Beerdigung findet heute! Mittwoch, nachmittag» 4 Uhr,| nui dem SliaS-Kirchhos w Nord. cnd statt. Ferner starb vom v«»> r k ,„ e d d t n g am 24. September j der Hitslarveiter Wilb. Tsehiersclike im Alter von 49 Jahren. Die Beerdigung stndct heute Mitüuoch, nachmtitags 3 Uhr, aus dem neuen Paule-KIrchhof in der Seestraß« statt. Ehre ihrem Slndcnke» k Um rege Beleillgimg ersucht 142/20 via örtlich« Verwaltung. IMunl| rUn'.... Dentsclißr BMelMiaBil Z&hlateil» Ocriin. Den Mitgliedern zur Nachricht. Hab unser Zlollegc, dcr Maichwcn- arbeiter Gtto l-iederam Koloniestraß« 82. im Alt« von 59 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Nudeuke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 28. September, nachmittags 3'/, Uhr. von der Halle des Friedhofe« der Eltsabeth- Kirchengem-Inde tn d« Prinzenallee au» statt. 91/10 Die OrlrrerwBftang. Verliantl öer UtboM«. StelnilrückerüJBrwaiiilteaBmifc (Deuts chcr Senefcldrr-Bundj. Den MitgUedcrn machen wir die betrübende Mitieilnng, daß unier Kollege, ber Photograph üemann Eishollz plötzlich an Herzschlag am 21. September im Alter von 19 Jahren verstorben ist. Wir werden ihm et« ehrende» Andenken bewahren. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle de» Georgen- Kirchhoie» OOaul Gerhardt. Gr- meindei in Weißeniee, Gustav- Adols-Straße, au» statt. Rege Beteiltgung erwartet 109/5 vis Orieverwaltung. Nach nur kurzer Invalidität «ntschliei am 24. September unser lieber Kollege, der»chrisiletzer öernlmn! Woisebnik. Neber 40 Jahre mit im« an gleichem Platze tätig gewesen, hat er sich stets al««in wackerer und braver Mitarbeiter bewiksen, lo daß wir ihm ein dauernde» ehren- de» Andenken bewahren werden. Berlin, 2». September 1916. 01« stolloaen 1309t | der MarddeuUchen Buchdruekerol Dt« Beerdigung findet statt: Donnerstag, den 28. September, nachmittag» 5 Uhr, tn Adler» Hof VowSrtS-Abonnenten erhalten 20 prozenl Rabatt, BSST" wenn sie bei Aus- WOF" gäbe von privaten SSM".Kleinen Anzeigen- Ni-V� die Abonnements- UCT* qmttung mit Gut- VW" schew vorweisen. »ii»?.« kauft Siod.gaii Nchs., Münzen. IIIUIU«! hdlg.. Berlin, Wilhclmstr.4ü/47 Hiermit allen Freunden und Lckannten die traurig« Nachricht, daß unser lieber Sohn, Bruder J und Bräutigam, der Musketier Epnsi Arnold Jns.-Ngt. 43, 11. Komp. im blühenden Alter von 23 Jahren al» Opfer des Kriege« am 4. Sep- tember ISIS durch Kopsschuß ge- lallen ist. l2SLb Um stlll« Teilnahme bitten Linus und Marie Arnold gl» Eltern. Klar«,«korg u, Lnise«ruold al« Geschwister, Erna Hertz al» Braut. Vob /«>»> Hb ouuutngt ce&Snet 1-— b Ubr,"tzHB Foriiaen.! Billig® Preise! Gute Stoffe! £oht« BnalplfiiehsnbBt*! Ja Qu»litiU mi» eehtan 2«alplfl>«>«». ?»I1i»tt«, Blcuii-iiseid« UOO.- 180,- 148.- B"»t« SeldeaplAacbmaiiiel. tmh* Fomieo.«uab lOr eHrb-to irigorua 186,» 90,- KS.- Vorjährig« F10»!,hmSBW 4,«t'«ob»�Wo))pi8eett SiutlM. JT-r», To«kf (»nii»nr«n. fioM» Kme«, »Bfth elnfaoh, r.b»# g*4>ag«n* l'-lla u Wuflen, ..hr bUlle. Ondlaar. r»lain»ntel n. Carnlturoa 1» l'antM»r,»od«» WintarJoelf», b»»t» i'«l)» kloit» Olock»»toroi., li 1*. 14.800.. 1» BtbJ.Pisiua, Ictcbo Auimasbunf 860,- bll 600- Ph»a«Ml*-r*U)nilB>»l mit-obt-ra IUI., Opo.'am, Bi.km«ul IN»»»»»»»tä» (v»m»»-e«) 460,— 880,—*78,- Kora» ▼»rjähiiff» P»l«i*«6»» to.-~ Danksagung. Für die vielen Beweis« herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines unvergeßliche» ManneS/treusorgendc» VorerS, de» Landsturmmanne» Hermann Vereh sagen wir allen Beteiligte», dem 'Meister der SiemenS-Schuckert-Werke, Abt. 1. der Berliner AeschästSdtener- und Packervereinigung. sowie der 2, Komp. 2. Srs.-Bas, Leib-Gren.- Reg. Nr. 8, unlern herzlichsten Dank. »Vit«'« Hulvni« Ve*ch geb. Anton nebst Kindern. 80ät Zigarren von R. 68,— pro Tausend austvirt», Zklxarvttva von M. 14,— pro Tausend auswärt» zu E n g r o»- P r e i s e n.* Ute Spieker, llharlottenburg. WUmerS- dorser Gtr. 88.- Tel, Wilhelm 1809. Zturmsckreis»us Kundert Jahren u Herausgegeben von Dr. Frana Diederich lo festem Umschlag geheftet SOPfennig Das TSiema diese» Buches ist der Ksmpf gegen denZarismu«, der RuBlsnd blutig knechtet u. Kuropa barbarisch bedroht- Die ZareneelDel ist ein Kampf- buch voll Unerblttllchkelt. Aus dem Sturm de* gegenwürllgen Kriegesist eshervorgewachsen Zu beziehen durch die: Suehhandlung ao PV Kodell-KobtUra« w» («•Ob» u»el»t»>«id,r mit»chum r»l», Ph»ol«.i»f»rir-r,, wund-rh»r»»»ntkaMSsM«•'. •obttn l'slsbsittava, ScbApfuniisu•ttiar Mal.Ur, i«iuwoll»n» lv»mioiriu«. TucbkvstA»» b»t-ortaK-ndo Aii»n»hl 200,— 150— Jäch—»1— 6 Sott» ralavaUtu» Kammp:«'»-,'i'uob.. 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Frau, Klein, Friedrichstr. 10. JolinnnUthul. Max Gouschur. Parkitr.» tzinrluknrut. Hermann Ktlltng, Dönhosfltr.». BOpentok. Emit Pltßlrr, Kietzorltr. S, Lade». Oie»reni>«rzx 4. Ltto»Heitel, Warlenbergltr. 1. Oloktondertr It. Sl. iRoientrauz. AN-Boxoagen M. XcuUoUn. M. Heiurich, Neckaritr, 2. G- Rohr, Vlegsned- strave 28/29. �. Zt'ledvr-SeltOnettolde. gUilh. Unruh, vrückenftr. 10. Xorvearr««. Kart Krohnberg, Kisenbahnste. 10, ttder-wettünetveide. Alfred Pader. WUHetminenholltr. 17, Lade«. I*»iikt»»'. Ltto Nistmann, Mühlenitr. 30. Belnlvkvncknrt, P. Äurich, Provinzstr. öS, Laden. dietttinvbvrk?. ttzitiielm Paumier. Memlnger Slr.» im Lad«. isimittlnu. Schuhmacher. BreNe/lr. 64. ffiteglitK. H. Äerusee, Alsenstr. 5. I'entpeltiot. Joh, Krohu, Borusfiastr.»L. T'replntv. Robert ttiramenz, Kiejbolzstr. 412, Lad«» HVeUten»««:. Gustav-Roßkopf, Berliner Allee 11. HVtIwer»»l«»rt. Poui Schubert, WilgrimSaueül. Denner.t.» aa.»hla..-n_ anenrn,'i.S Uh,»-»nff»»* R�tirn�en derj