Ar. 268.-83. Jahrg. fllwnnemfntS'BedlngungetJ; «bormemcmä. Preis ptdmimeionbo PierteliSötL 3,90 SDU, motuui 130 SPS. wöchenllich 30 Psg. hei ins Haus, Sinzeine Nummer ö Pfg, konnlags« mimmei mü illuinieriei sonniagS» Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg, Post» ilbonncmeM' l.M Marl pro Monat, Singelragen in die Post. Zeitungs- vrc'isliiie. Unter Kreuzband lüt Deuv'chland und Oeslerreich- Ungarn 230 Mar!,(fit das übrige Ausland t Marl pro Monat. Postabonnemems nehmen an Belgien, Tänemart, Holland. Italien, Luxemburg, Porlugal, »umänien, Schweden und die Schwei», Ofditint tSqn« Verliner Vollrsblntk. ( 5 Pfennig) Die Inlertions-Gcböftr hetrfigt sfir die sechsaefpaltene Kolonel» zeile oder deren Naum 00 Psg„ sfir «olinichc und gewcrlschastliche Lereins- and Bersammlungs» Anzeigen 80 Pig, „Kleine Hnrcigcn", das lettgedruckie i?ort 20 Psg, i zulässig 2 sctigedruckte Eorici. jedes weitere War! 10 Vsg. Sicllengcsuche und Schlasiicllenan- icigen das erste Bort 10 Psg„ jedes weiierc Wort ö Psg, Worte über 15 Buch- staben zählen sür zwei Warle. Luscraie sfir die nächste Nummer mfisseu bis ä Illir nachmittags in der Expedition abgegeben werden Die Expedition fit bis 7 Uhr abends geöffnet. lrelegrmnm-Rdresse: �eridliiemositdl Berito". Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfchlanda. expeüition: SW. 68, Linöenstraße 3. Kernivrecher: Amt Morittvlat,, Nr. 151 SV— 131 V7. acoooconoc Parteigenossen! um Quartalswechsel richten wir an Euch erneut die Ermahnung, mit aller Tatkraft für de« „Vorwärts" neue Abonnenten zu werben. Bitter ernst ist die Zeit. Ungeheure Aufgaben stehen dem Proletariat bevor, zwingen in jedem Augenblick die unter dem ungeheuren Schicksal des Weltkrieges Leidenden zu klarer Einsicht und unerschütterlicher Energie. Fester denn je hat die Arbeiterklasse zusammen- zuhalten und sich um diejenigen zu scharen, die in der furchtbaren Krise die alten, erprobten, durch die Weltstürme dieser Zeit neu bewährten Ideale der proletarischen Arbeiterbewegung vertreten. Während der mehr denn zwei Jahre des Weltkriegs ist der„Vorwärts� in strenger Pflichterfüllung bemüht gewesen, der Sache des proletarischen Wohles und damit auch den wahren Interessen des deutschen Volkes nach bester Erkenntnis, nach innerster Lieber- zeugung zu dienen. Llnsere Leser wissen, daß uns das nicht leicht geworden ist. Wiederholt war das Er- scheinen des„Vorwärts" bedroht. Auch aus den Reihen der Partei selbst wurde der ehrliche Willen des„Vorwärts" mit den heftigsten Angriffen und schwersten Vorwürfen gelohnt. Aber auch zahllose Zustimmungskundgebunge« aus dem ganze« Reiche wurden uns zutell, stärkten uns in der ttöstenden Zuversicht, daß wir uns auf dem rechten Wege be- fanden, daß der Geist des Sozialismus, wie er sich so stolz und erfolgreich ein halbes Jahrhundert hindurch behauptet, nicht erloschen ist, sondern allen Widerständen zum Trotz in den deutschen Arbeitermassen fortlebt. Lind zur besonderen Genugtuung gereichte es uns, daß die Arbeiterschaft Groß-Berlins sich immer wieder und immer rückhaltloser zu dem sozialistischenProgramm bekannte, dessen Geist den Leitstern unseres Handelns bildete. Auch hat nunmehr der Verlauf der Reichskonferenz bewiesen, daß innerhalb der Partei alle Zagnis und Verwirrung sich zu zerstreuen beginnt, daß gewaltige Massen sich mit dem„Vorwärts" und den gleichstrebenden Parteiorganen solidarisch erklären und gleich uns mutig und hoffnungsvoll entschlossen sind, die alten Parteigrundsätze zur Richtschnur ihres Handelns zu machen. Noch freilich stehen wir inmitten des schwersten, verantwortungsvollsten Ringens. Noch ist unendlich viel zu tun, um Licht und zielbewußtes Wollen in die Köpfe der Arbeitermassen zu tragen. Zeder Gesinnungsgenosse ist darum zum Mitstreiter berufen! Mehr denn je seit Gründung der deutschen Sozialdemokratie hat jeder überzeugte Genosse — Mann wie Frau— seine Schuldigkeit zu tun, die Zweifelnden aufzurichten, die Schwankenden zu halten, die Energie der Tatkräftigen in die rechte Bahn zu weisen. Euer Organ, der„Vorwärts", wird wie bisher seine Schuldigkeit tun. Keift ihm dabei, indem Ihr ihm neue Leser, neue Abonnenten werbt! Sorgt auch dafür, daß Eure Freunde und Angehörige draußen im Felde Euer Blatt zugesandt erhalten. Der Reichstag ist wieder zusammengetreten, wichtige Lebensfragen des Volles, der Arbeiterklasse, harren der Erörterung. Was Eure Parlamentsvertreter zu sagen haben, findet Ihr in Groß-Berlin einzig im„Vorwärts" unverstümmelt wiedergegeben. Wer sich über die Lebensmittelversorgung, über Belagerungszustand, über Steuer- fragen, über die großen Schicksalsfragen der Zeit unterrichten will, stehe treu zu seinem Blatte und werbe rüstig neue Freunde für den„Vorwärts"! Die griechischen wirren. Venizelos auf Kreta. Athen, 27. September.(W. T. B.) Meldung der Agence HavaS. Der Dampfer„Atromitos" mit Venizelos und Admiral Kunduriotis an Bord ist in Kanea heute nacht vor Anker gegangen. Die Fahrgäste werden morgen früh an Land gehen. Die Bevölkerung smvie die bürgerlichen und militärischen Behörden bereiten einen Ricsenempfang vor.— Das Blatt„Sairi" meldet: Die Griechen in Nikosia (Zypern) beschlossen in einer Versammlung, sich der natio- nalen Verteidigungsarmee anzuschließen. Auf dem Fort wurde die griechische Flagge gehißt. In Athen geht die Rede von der Veranstaltung einer Versammlung, welche die aufständische Bewegung mißbilligen soll. Diese Tatsache falle mit geheimen Beschlüssen zusammen, die im Verlaufe einer gestern abend abgehaltenen Zusammen» kunst von Anhängern Gunaris gefaßt worden seien. Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 28. September.(W. T. B.) B e r i ch t d e s b u I. garischen General st abs vom 27. September. (Verspätet eingetroffen.) Mazedonische Front: Auf der Stara Nerccka Planina haben wir den linken Flügel des Feindes zurückge- warfen und die Linie der Berge Lisetz(1150 Meter) und Tschitschewo(1550 Meter) besetzt Auf der Front von Lerin (F l o r i n a) lebhaftes Artillcriefcuer auf dem Gebirgsrücken Sterkow Grob. Auf der Höhe des Ltaimakcolan warfen wir den Feind und erbeuteten zwei Kanonen und viele Maschinen- gewehre und Bombenwerfer. Im Moglenicatale lebhafte Ar- tillerietätigkeit. Von der übrigen Front nichts Nennenswertes. Rumänische Front: Längs der Donau stellen- weise Feuerwechsel zwischen Grenzposten; schwaches beider- seitiges Artilleriefeuer zwischen den Dörfern Magura und Korabia. In der D o b r u d s ch a schwaches Artilleriefeuer. Schwarzes Meer: Zwei feindliche Torpedoboote beschossen 45 Minuten lang die Stadt M a n g a l i a, wo sie mehrere Häuser zerstörten und ein Tartarenkind töteten. Englanö öer tzauptfeinö! Wiederum war am Donnerstag der Reichstag gefüllt wie je während des Krieges, wenn eine Kriegsdebatte zu erwarten war. Zwar wußte man aus der Presse, daß diesmal nur der Reichskanzler einen Monolog halten und die Aussprache der Parteien um mehrere Tage verschoben werden würde. Dennoch ivarcn die Journalisten- und Zuhörertribünen überfüllt. Nach sechsundzwanzig Monatender unerhörtesten Kriegsanstrengungen und Kriegsopfer ein nur zu begreifliches Bild. Wie auch die schon lange vor Sitzungsbeginn gepreßte Masse der spannungs- voll harrenden Hörer zu den Kriegsfragen stehen mochte, ob auf dem Flügel des Dietrich Schäferschen Ausschusses, ob in den Reihen der„Gemäßigten" des Nationalausschusses oder ob sie mit den„Flaumachern" sympathisierten— sie alle waren erschienen, um der fiebernden Zeit den Puls zu fühlen, um dabei zu sein, wenn von den Lippen des verantwortlichen deutschen Reichslenkers Entscheidendes über die Geschicke der Nationen gesagt würde, um endlich das erlösende Wort zu vernehmen, das, vielleicht, im grausigen Gang so oder so eine Wende zu bedeuten vermöchte. Aber die Harrenden und Hoffenden erlebten wieder ein- mal eine Enttäuschung. Sie vernahmen keine neue Botschaft, kein befristendes Wort, sondern tvicderum nur die bekannten Wendungen, die jeder polittsch Interessierte, und wer wäre das heute nicht, so oft gehört und innerlich kritisch verarbeitet hat. Was der Reichskanzler über die Kriegslage und die vcrmut- lichen Kriegsaussichten sagte, war längst in allen Blättern zu lesen gewesen, und selbst das, was neue Töne anzukünden schien, verschwand, kaum flüchtig angedeutet, sofort wieder in der stereotypen Rhetorik, an die man nachgerade so gewöhnt ist, wie an die bekannten, ewig wiederkehrenden Wendungen der Kriegsberichte oder die nicht originelleren Mahnungen und Verheißungen des Kriegsernährungsamts. Das beherrschende Gefühl bei und nach der Rede Veth- mann Hollivegs war und blieb deshalb das der Unbcfricdigung, der Enttäuschung. Auf allen Seiten. Bei den Vertretern der Reventlow-Richtnng so gut wiö bei den entschiedenen Friedenssreunden, den Anhängern der Verständigungsidee. Wohl unterstrich das Haus hier und da eine durch rednerisches Pathos und stimmliche Dynamik herausgehobene Wendung des Kanzlers, wohl begegnete seine Zuversicht zum Siege, seine Aufforderung zum Durchhalten der sicheren Resonanz, wohl wurde seine Erklärung, daß England als Hauptschürer des Niederringungskrieges der Gegner auch der Hauptfeind sei, gegen den jedes tangliche Bekämpfungsmittel anzuwenden die Pflicht gebiete, von der bis dahin recht zurückhaltenden Rechten mit lebhafter Genugtuung aufgenommen— aber die Gesamtstimmung war eine höchst gemäßigte, und der Beifall. der auf die Schlußworte des Kanzlers folgte, erreichte bei weitem nicht die Stärke und Einmütigkeit, mit der zum Bei- spiel die letzte Kanzlerrcde aufgenommen wurde. Auch die Zuhörertribüncn fanden keinerlei Veranlassung zu einer jener Demonstrationen, wie sie das Haus während des Krieges bei Kanzlcrredcn wiederholt erlebt hat. Der erste und ausführlichere Teil der Kanzlerrede war ohnehin zu irgendwelchen Stimmungskundgebungen nicht an- getan. Er beschäftigte sich nüchtern chronistisch nnt der Ent- Wicklung der politischen Lage und dem Kriegsstand. Italien habe mit seiner Kriegserklärung nur das Fazit aus«)em bereits herrschenden Kriegszustand gezogen. Denn bereits nach seiner ikriegserklärung an Oesterreich sei ihm von Deutschland er- klärt worden, daß es an der italienischen Front überall dent- schen Waffengefährten der Oesterreicher begegnen werde. Die wirtschaftlichen Bedenken Italiens gegen die Schassung des offenen Kriegszustandes mit dem Deutschen Reich seien durch Englands finanziellen und Wirtschaftsdruck erst nach mehr als Jahresfrist besiegt worden. An der Kriegslage selbst iverde durch Italiens Kriegserklärung nichts geändert. Ausführlicher verweilte der Kanzler bei der Vorgeschichte der rumänischen Kriegserklärung. Rumänien habe seinerzeit mit Oesterreich ein Bündnis geschlossen, das es zu gemein- samcm Vorgehen bei unmotiviertem Angriff gegen die Bündnis- mächte verpflichtete. Dieser Defensivvertrag sei später auf Deutschland und Italien ausgedehnt worden. Nach Ausbruch des Weltkriegs habe der verstorbene König Carol aus seinen Sympathien für die Zcntralmächte kein Hehl gemacht. Die ganze rumänische Politik sei freilich darauf eingestellt gewesen, sich dem voraussichtlichen Sieger anzuschließen. Schon nach der Besetzung Lembergs und erst recht nach dem Fall PrzemySls habe Bratianu mit Rußland zu verhandeln be- gönnen. Tie siegreiche Offensive der Mittelmächte nach dem Durckbruch bei Gorlice habe ihn wieder zur Vorsicht gemahnt: die erneute russische Offensive dieses Jahres in Verbindung mit russischen Drohungen dem Werben der Entente tvieder geneigter gemacht. Schließlich habe sich Rumänien, unmittel- i bar nach scheinheiligen Beteuerungen seiner unerschütterlichen ! Ncutralitätsabsichten, der Entente angeschlossen. Deutschland � sei dieser Abfall jedoch keineswegs überraschend gekommen ' und die Hoffnungen der Entente auf Absplitterung Bulgariens und der Türkei seien schmählich gescheitert und durch die energische Offensive in der Dobrudscha und den erfolgreichen �Widerstand in Mazedonien zuschandcn gemacht worden. Un- erschütterlich ständen die bulgarischen und türkischen Truppen nüt den Heeren Deutschlands und Oesterreichs in entschlossener Abwehr zusammen. Ebenso seien die Sicgeshoffnungcn der Entente an der West- und Ostfront zusanimcngebrochen. Im Westen habe der tapfer anstürmende Feind einige Erfolge errungen, aber die deutsche Front sei nicht durchstoßen, sie trotze unbesiegbar allen Anstürmen, ebenso wie im Osten die Heere Rußlands an der unzerbrechlichen deutsch-österreichisch-türlischen Front zerschellten. So führe Deutschland gemeinsam mit seinen Verbündeten den V e r t c i d i g u n g s krieg, wie es ihn von Anbeginn an verstanden habe. Nicht Deutschland mute seinen Gegnern Unbilliges zu. Es habe seine Friedensbedingungen durch seinen, des Kanzlers, Munde wiederholt ausgesprochen und babe deni nichts hinzuzufügen. Es sei keineswegs Gegner eines dauernden Friedens und bereit, diesen Frieden durch internationale Verständigungen und A b in a ch u n g c n zu einem wahrhast dauernden zu gestalten. Aber Deutschlands Gegner wünschten Deutschland militärisch, politisch und wirtschaftlich niederzuringen, führten den Krieg als Eroberungskrieg. Rußland wolle Konstantinopel erobern, Rumänien Siebenbürgen, Italien das Trentino und Dalmatien, Frankreich Elfaß-Lothringen. Demgegenüber gebe es nur den Krieg bis zum Siege, an dem'Deutschland nicht zweifle. Deutschland denke auch nicht daran, in die inner- politischen Verhältnisse anderer Länder eingreifen zu wollen: ob Rußland autokratisch oder konstitu- t i o ii c l l regiert werde, kümmere Deutschland nicht. Wohl aber habe Deutschland die Pflicht, seinen un- erbittlichstcn Gegner, der seine Verbündeten zum äußersten : Kraftaufwand ansporne, England, nüt allen Mitteln nieder- zuringen. Der deutsche Staatsmann, dem man mit Recht nachsagen könne, daß er aus veralteten Verständi- g u n g s r ü ck s i ch t e n, aus Schonung sür England, nicht alle Kricgsmittel gegen diesen Hauptgegncr schonungslos an- wende, verdiene gehenkt zu werden I « Diese Ausführungen des Reichskanzlers erklären zur Ge- nügc die laue und gemischte Aufnahme seiner Rede. Es war eine Rede, von der die Parteien nicht recht wußten, was sie daraus machen sollten. Ein Programm voller Einschränkungen, VerHaltungen und Widersprüche. Halb Ch amade, halb Fanfare. Halb Entgegenkommen, halb schroffe Ab- Weisung. Eine Rede, die nichts Klares, Ent- scheidendes bringt, sondern alles im Nebel, i in II u k l a r c n läßt. Ganz im Stile des National- a u s s ch u s s e s I WaS Vethmann in schüchternen Andeutungen über Deutschlands Willen, einer europäischen Völkerverständigung und künftigen internationalen Vereinbarungen nicht zii widerstreben, sagte, hätte noch einen Sinn gehabt, wenn er nicht früher Krtegsziele proklamiert gehabt hätte, die von der „Post" und gleichgestimmten alldeutschen Blättern als unver- kennbare Annäherung an den Standpunkt der All- deutschen begrüßt worden waren und begrüßt werden mußten. Diesen Standpunkt kann nian heute durch bloßes Schweigen unmöglich in Vergessenheit bringen. Man könnte ihn höchstens modifizieren durch ein klares, üb erall, im In- und Auslände, verständliches Bekenntnis zu jener Politik der internationalen Ver- st ä n d i g u n g, das dem unabsehbaren Ringen um die„Ent- scheidung" ein' Ende zu bereiten vermöchte. Davon aber, daß der Reichskanzler sich auch nur einigermaßen unmißverständlich zu einem solchen Programm bekannt habe, kann ehrlicherweise gar keine Rede fein. Er ist nicht abgerückt von seinem früheren Kriegszielprogramm, hat sich mit allgemeinen, höchst vieldeutigen Wendungen begnügt. Dazu kommt, daß er die vermeintlichen Kriegsziele der Gegner in einer Weise umschrieben hat, die zwar manchen prahlerischen Deklamationen gegnerischer Staatsmänner und Fcrschmctterungspolitiker entspricht, die aber den Bekenntnissen gesunder Politischer Vernunft nicht nur zahlreicher ernstzuneh- inender Politiker, sondern auch verantwortlicher gegnerischer Staatsmänner zuwiderläuft. Wollte man mit gleichem Maß- stabe deutsche Kimdgebungen von verantwortlicher und un- verantwortlicher, aber einflußreicher Seite messen, so könnten sich Deutschlands Gegner mit demselbcm Rechte darauf be- rufen, daß es gerade Deutschland sei, das eine Ver- ständigung auf Grundlage der Vernunft, Billigkeit und des internationalen Interessenausgleichs verhindere. So kommt man jedenfalls um keinen Schritt weiter, wenn man nicht den 5lrieg bis zum„bitteren Ende", sondern eine Verständigung anstrebt. Krieg bis zum äußersten, Kampf bis zum„Siege", wie fern und opferreich er immer sei— oder Verständigung durch einen Ausgleich, der den vitalsten Interessen aller krieg- führenden Mächte Rechnung trägt— ein Drittes gibt e s n i ch t I. Wie der Reichstag sich dazu stellt, ist leider nicht in klare Erscheinung getreten. Bedenklich nur ist, daß der Kanzler nach einigen halben, schwer abwägbarcn Bemerkungen über die deutsche Bereitwilligkeit zu internationalen Verein- barungen, die im Reichstag eisernem Schweigen begegneten, England als dem vermeintlichen Haupt- g e g n e r desto schonungsloseren Kampf ansagte, und damit den Alldeutschen in der bedenklichsten Weise Konzessionen machte! Vielleicht wird die Debatte über seine Rede, die vermut- l-ch erst in Wochenfrist folgen wird, größere Klarheit schaffen. jedenfalls ist es die Pflicht der Sozialdemokratie, endlich einmal gründlich die ganze internationale Situation zu durchleuchten und an Stelle des unerträglichen Halb- dunkelS volle Klarheit zu schaffen! • Auch über die innere Politik, die Frage der Rcuorientierung, sprach der Kanzler. Aber auch stier blieb alleS im Vagen und Dunklen. Herr v. Beth- mann Hollweg schloß mit der Parole„Freie Bahn für alle Tüchtigen, das ist die Losung." Damit ist wirklich schon gar nichts gesagt. Weniger und Undeutlicheres konnte schon gar nicht ausgesprochen werden. Auch das wird im Reichstag darzulegen sein. Auch der 28. September bestätigt nur die in den Volks- Massen lawinengleich wachsende Einsicht, daß das Schicksal der Nationen die Sache der Völker selb st sein muß. wenn nicht auch dies ungeheuerliche GeschichtserlebniL nur eine ungenützte Episode in der Entwicklung der Menschheit bleiben solll MliW ikZ ZnW ßWWMZ. Amtlich. Großes Hauptquartier, 28. Sep- tembcr 1916. kW. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprccht. Zwischen Aucre und Svmuic haben die Eng- ländcr und Franzose» nach einem die bisherigen Ersah- rungcn fast noch übersteigcudcu Vorbereituugsfeuer ihre starken Angriffe erueucct. Auf dem größten Teile der Schlachtfront hat unsere durch die Artillerie uud Flieger wirksam unterstützte unerschütterliche Infanterie unter den Befchien der Generale Sixt von Arnim, von Huegel und von Schenck de» Feind siegreich abgcschlageu. ÄciThicpval und östlich von Enucourt llAbbastc ist der erbitterte Kamps noch nicht zum Abschluß gekommen. Besonders heftig waren die aus der Linie Morval— BouchaveZiicS vorgetragenen Augr ffe, die der Gegner ohne Rücksicht ans die bei einem ersten gänzlich gescheiterten Sturm erlittenen blutigen Verluste gegen Abend wiederholte; eingedrungene Abteilungen wurden sofort ans unserer Linie zurückgeworfen, in kleineu Stellnugsteilen nordwestlich von Rancourt und östlich von Bouchavesucs vermochte sich der Gegner zu halten. Unsere Flieger haben gestern sieben Flugzeuge, davon vier im Sommegebiet, abgeschossen. Ein kleines über holländisches Gebiet angeflogenes uud ebenso zurückgekehrtes feindliches Geschwader griff Alost erfolglos an. Bei einem englischen Bombenangriff auf Brüssel wurden 15 Häuser zerstört, 13 Belgier getötet, 28 verwundet. Oestlichcr Kriegsschauplatz. Front des Gencralfeld Marschalls Prinz Leopold von Bayern. Schwächere russische Vorstöße an der Aa fwestlich von Riga) sowie zwischen Miadziol- und Narocz-Sce wurden leicht abgewiesen. Die im Tagesbericht vom 22. September erwähnten verloren gegangenen Teile nnsercr Stellung bei Korytnica sind gestern durch einen voll gelungenen Äcgenaugriff der Truppen des Generals von der Äkarwitz nach schwerem Kauipfc wiedererobert und darüber hinaus noch Vorteile errungen. Alle Versuche des Feindes, uns wieder zurück- zuwerfen, sind gescheitert. Das russische lV. Sib. Armeekorps hat nach den Meldungen unserer Truppen Ver- lustc erlitten, die einer Vernichtung des KorpS nahe- kommen. 41 Offiziere, 2800 Mann sind gefangen in unsere Hand gefallen, ein Geschütz und 17 Maschinen- gewehre erbeutet. Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Carl. Zur Verbesserung der Stellung schoben wir westlich von Folw. Krasuolcsie jzwischcn Zloia Lipa und Nara- jowka) unsere Linien vor, nahmen 130 Russen gefangen und erbuetcten 4 Maschinengewehre. Gegenstöße blieben ergebnislos. In den K a r P a t h c u griff der Feind an verschiedenen Stellen an und ist zum Teil erst nach Nahkampf zurück- geschlagen. Nordöstlich von Kirlibaba sind Gegenangriffe noch im Gange. Kriegsschauplatz in Siebenbürgen. Bei H c r m a n u st a d t wird erfolgreich und hartnäckig gekämpft. Balkan-Kriegsschauplatz. An den Fronten keine Ereignisse von besonderer Bc- deutnug. Unsere Flieger warfen auf das von den letzten An- griffen noch au mehreren Stellen brennende Bukarest er- neut eine große Zahl Bomben. Der Erste Generalquarticrmeistcr. Ludendorff. «* * Wien, 28. September 1916,(23. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Front gegen Rumänien. Auf dem Bergrücken Tuiisiui westlich von Petroseny er- bitterte Kämpfe. Lage bei Nagy Szcben(Hcrannstadt) günstig. Rumänische Gegenstöße blieben ohne Erfolg. An der s i c b e n b ü r g i s ch c n Ostfront dauern im Räume von Szekely-Udvarhely(Odcrkcllcu) und südlich der Bistricioara-Höhe die Borpostcngcfechle an. Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl. Südöstlich der Drciländcrcckc, nördlich von Kirlibaba, im Ludowagcbict und nördlich des Tartarcnpasscs unternahm der Feind abermals vergebliche Angriffe. Südlich von Lipsica Dolna stießen deutsche Truppen erfolgreich vor; es wurden hundert- dreißig Russen nnd vier Maschincugewchre eingebracht. Bei der Armee des Gcucralobcrstcn von Tcrsztqanszky gewannen die Streitkräfte des Generals v. d. Marwiv de» noch in Feindcshand gebliebenen letzten Teil der vor einer Woche verloren gegangenen Stellungen in erbitterten Kämpfen zurück. Der Feind erlitt außerordentlich schwere Bcrlnste; er büßte cinundvicrzig Offiziere und zweitausendachihuiidert Man» an Gefangenen und ein Gc- schütz und ficbzchn Maschinengewehre ein. Italienischer Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Südöstlicher Kriegsschauplatz. In Albninen nichts von Belang. Der Stellvertreter des ChcfS deS GeneralstabcS: von Hocfer. Feldmarfchalleutnant. * Ercigniffc zur See. Am 26. vormittags haben fünf feindliche Flugzeuge über Durz zahlreiche Bomben abgeworfen, ohne nennenswerten Schaden auznrichtcil. Zwei unserer Flugzeuge stiegen sofort zur Abwehr auf. Eines davon, Beobachter Scctadctt Bartha, Führer Flieger- quartiermeistcr Hafchkc, zwang im Luftkampf ein feindliches Wasserflugzeug zum Niedergehen aufs Wasser, wo es von einem italienischen Zerstörer geborgen wurde, verfolgte ein zweites gegen Brindisi fliegendes Flugzeug, schoß es vierzig Meilen von der Küste ab nnd ließ sich neben dem zertrümmerten Flugzeug nieder. Der Beobachter, ein italienischer Seeoffizier, war tot, der Pilot durch Kopfschuß schwer verwundet. Letzterer wurde aus dem sinkenden Flugzeug in das eigene herübergerettet und nach Durz eingebracht. Flottenkommando. Jur Krieae'age. Von Richard Gädke. Berlin, 27. September. Verglichen mit den ersten achtzehn Tagen des Monats Sep- tember, ist die Woche vom 13. bis 2S. verhältnismäßig ruhig verlaufen. Die Kriegserklärung Rumäniens schien unsere Gegner zu neuen großen Anstrengungen �aufzufordern, um dem Einsätze be- trächtlicher neuer Kräfie im Südosten seine volle Wirkung zu er- möglichen. Bon allen Seiten gleichzeitig sollte sich die Woge gegen die Mittelmächte heranwälzeu, die Heranführung von Verstärkungen nach keiner Seite bin gestatten und dem rumänischen Heere freie Bahn auf dem Balkan verschaffen, um Bulgarien rasch niederzu- werfen und die vor elf Monaten eröffnete Verbindung Berlin- Konstantinopel erneut zu unterbrechen. Am 3. September begann nach tagelangem Trommelfeuer die neue Sommeschlacht, die von kurzen Atempausen unterbrochen bis zum 18. September dauerte und erst vom 14. September an� ihrem Höhepunkt zustrebte. In den letzten vier Tagen dieser Schlacht wurde der Angriff so erbittert wie nie zuvor; die neuen Aus- Hebungen der Engländer flössen immer reichlicher der vorderen Linie zu; die Franzosen, deren Versuche hingebenden Heldenmutes nicht entbehrten, führten wahllos heran, was an Jünglingen und Greisen, an Schwächlingen und Farbigen irgend auf die Beine zu bringen war; immer mehr schwere Geschütze fandtepjmmer stärkeren Eisenrcgen gegen die zerschossenen deutschen Schützengräben. Offenbar lag der entschlossene Wille vor, den Durchbruch um den Preis jeden Opfers zu erzwingen. Nicht ganz die gleiche Stärke des Angriffes vermochten die Russen Brussilows im Südosten zu erreichen. Sic. deren Offensive bekanntlich einen Monat früher begonnen hatte als die der Eng- länder und Franzosen im Westen, litten augenscheinlich unter den furchtbaren Verlusten, mit denen sie ihre Anfangserfolge erkauft hatten. Weder die ausgeleierten Geschützrohre, noch die ver- schwenderisch vergeudeten Geschosse, noch die verhältnismäßig gut ausgebildeten Soldaten der Juniangriffe vermochten sie im Sep- tember in genügendem Maße zu ersetzen. Wohl brachten sie noch Massen genug auf die Beine, aber ihr kriegerischer Schwung, ihre berufsmäßige Tüchtigkeit hatten sich sichtlich vermindert. Im Sep- tember zeigte es sich, daß die Einheitlichkeit der Handlung sich bei unseren Gegnern doch nicht so hatte durchsetzen können, wie sie es offenbar angestrebt hatten. Der, vielleicht mit Rücksichi auf die italienischen Hilferufe, um einen Monat verfrühte Angriff Brussi- lows ließ seine Kraft auch um einen Monat früher erlähmen. Immerhin gingen feine Heere noch an den verschiedensten Stellen, westlich von Luck, zwischen oberer Strhpa und Sereth, zwischen Zlota-Lipa und NawajovSka, in den Karpathen, mit breiten Angriffswellen nnd stellenweise mit großer Wucht gegen die Linien der verbündeten Heere vor. Oertliche und zeitliche Er- folge blieben ihnen nicht ganz versagt, aber sie waren ihnen so spärlich zugemessen und so wenig endgültig, daß sie, gegen die Siege der ersten Junihälfte gehalten, schon rein äußerlich als volle Miß- erfolge erschienen. Die doppelte Absicht, einmal in Richtung auf Lemberg durchzustoßen und zweitens den Karpathcnwall zu über- wältigen, um den Rumänen die Hand zu reichen, Ungarn und Siebenbürgen zu überfluten, erwics sich als eine Selbsttäuschung. Indem sie ihren Heeren diese Doppclausgabe stellten, überschätzten sie deren Kraft gegenüber der gründlich geänderten allgemeinen Lage ganz gewaltig. Denn die Rechnung unserer Gegner, die am Ende des Sommers eine große Entscheidung erzwingen wollten, wies noch verschiedene andere Fehler auf. Die Rumänen, deren Beteiligung die Wendung des Krieges beschleunigen sollte, waren noch keines- Wegs ganz kriegsbereit. Sie wandten sich außerdem mit der große- rcn Hälfte ihrer Streitkräfte nach Norden, um sich vor allen Dingen den Landgewinn zu sichern, der ihnen für ihren Abfall von der Sache der Mittelmächte versprochen war, verzettelten einen erheb- lichen anderen Teil zur Verteidigung der Donaugrenze und warfen nur SSlXX) Mann in die Dobrudscha für den Angriffskrieg gegen Bulgarien, der ihren neuen Genossen als die Haupffache er- schienen war. Damit konnten sie freilich der Heeresleitung des Feldmarschalls Mackensen ihren Willen nicht aufzwingen. Er ging seinerseits mit starken Kräften nach Norden vor, wie er gegen Ende des August bereits im Süden, an der mazedoniscben Front, zum Angriff ge- schritten war und damit die Pläne des Generals Sarrail empfindlich durchkreuzt hatte. Dieser wurde auf beiden Flanken, im Osten an der Struma, im Westen bei Florina und am Ostrowo-See bedroht, und es ist seinen Gegenstößen bisher nicht gelungen, die volle Ellen- bogenfrciheit zurückzugewinnen. Endlich waren die Griechen immer noch nicht genügend vergewaltigt; solange sie aber nicht ganz in der Hand des Vierverbandes waren, schien ein entschlossener Vorstoß nach Norden dem französischen Feldherrn allzu gewagt. Demgegenüber gewann die deutsche Strategie den freien Ge- brauch starker Streiikräfte, die bisher durch die zweifelhafte Hal- tung Rumäniens stille gelegt waren. Vielleicht erwics sich dieses Land in des Wortes vollster Bedeutung für uns„als einen Teil von jener Kraft", die stets das Böse wollte, aber diesmal das Gute schaffte. Der schlimmste Rechenfehler unserer Gegner war wohl der, daß sie unsere Heere durch ihren gemeinsamen Angriffs von Westen, Südwesten, Südosten und Süden völlig gefesselt und über- all dem Angriffe weit überlegener Kräfte ausgesetzt wähnten. Während ein Teil der deutschen Streitmacht den gewaltigen, immer erbitterier werdenden Anprall der Engländer nnd Franzosen aus- hielt, konnten die Heere des Südostens und Südens derart aus dem Born unerschöpfter Volkskraft verstärkt werden, daß Bruffilow jede Hoffnung auf Erfolg fahren lassen mußte, daß die Rumänen aus bescheidenen Raumgewinn in den Randgebieten Siebenbürgens beschränkt blieben und ihren Westflügel auf den Heimakboden zurück- geworfen sahen, und daß sie in der Dobrudscha nach verlustreichen Schlappen bis an den Trajanswall weichen mußten. So kam es, daß sich in der vergangenen Woche die Lage der Mittelmächte günstig ausgestaltete,«chon sehen sich Engländer und Franzosen verlegen nach neuen Pcrstürkungen um, und noch zweifelhafter erscheint den Russen die Möglichkeit, ihr angriffs- weises Verfahren durchzuhalten, auf dein doch nach ihrer eigenen Auffassung die Möglichkeit des Enderfolges beruht. Allerdings ist die Sommeschlacht auch diesmal wieder am 19. September nur auf einige Tage abgeflaut. Schon am 22. be- gann dos wütende Tronnnclfcuer sein altes Lied, nnd am 23. und 24. erfolgten neue Versuche gegen unsere Linien zwischen Ancre und Somme. Aber sie entbehrten bei aller Tapferkeit der Truppen bisher des fortreißenden Schwunges, der sie in der ersten Sep- temberhäffte beseelt hatte, und konnten leicht abgewiesen werden. Die Fortdauer des harten Geschützkampfcs läßt allerdings nicht die Erwartung auskommen, daß die Schlacht an der Somme bereits bc- endet sei. Damit würden unsere Gegner den Mißerfolg der ganzen, mit so großen Hoffnungen begonnenen Unternehmung eingestehen. Die moralische Rückwirkung aber solchen Bekenntnisses auf die breiten Schichten ihrer Völker würde eine verheerende sein. Der Kampf wird«Iso noch geraume Zeit fortgehen, solange �Menschen und Geschosse in genügender Menge zur Stelle geschafft werden können. Wir aber dürfen der Annahme Ausdruck geben, daß ihrer erlahmenden Kraft auch in Zukunft nicht gelingen wird, was ihre frischen, unaufhörlich genährten Zlnstrengungen in mehr als zwölf- wöchigen Kämpfen ohne gleichen in der Kriegsgeschichte nicht er- reichen konnten. Noch vorteilhafter hat sich die Kriegslage in der vergangenen Woche auf allen anderen Fronten entwickelt. Die Offensive der Italiener auf dem Karst hat noch nicht wieder aufgenommen werden können, die dort stehenden Truppen unserer Verbündeten haben also vollständig genügt, die ein wenig zurückverlegte Grenze auch gegen die neuauigenillten Streitkräfte Cadorna« zu schützen. Im Osten sind die Stürme der Russen immer mehr zu örtlich begrenzten Kampfcshandlungen geworden, die von den überall ein- gereihten deuffchen Truppen meist mühelos abgeschlagen wurden. dem Gegner aber nach wie vor gewaltige Verluste eingetragen haben. Die Gesamteinbuße der Russen seit Beginn ihrer Sommer» offmfrtie Bereit? auf weit Wer eine Million Köpfe zu schätzen, vielleicht fünfviertel Millionen nicht sehr entfernt. Solch Aderlatz geht auch an russischen Heeren nicht spurlos vorüber; wir dürfen der dortigen Lage das protzte Vertrauen entgegenbringen, lieber die Rumänen habe ich bereits geurteilt. In der Dobrudscha ist es zum Stellungslriegc gekommen; aber der Angriffsraum der verstärkten Russen und Rumänen gegen Bulgarien hat sich von 140 auf 60 Kilometer verengt, und beide Flanken des deutsch- vulgarisch-türkischen Heeres sind durch Donau und Schwarzes Meer gegen Umfassungen gesichert. Die Gegner müssen alle Hoffnungen fahren lassen, unseren Verbündeten, wie sie wollten, rasch und plötzlich niederzuwerfen. Selbst die bescheidenere Hoffnung, die Serben über Florina in das seit 1016 serbische Monastir einrücken zu sehen, haben sie selbst begraben.(z) Die Melöung öes türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 27. September.(W. T. B-1 Amtlicher Heeresbericht vom 27. September. Kaukafusfront: Auf dem rechten Flügel Schar- mützel. Auf dem linken Flügel wurde der Feind, der unsere Truppen angriff, mit Verlusten für ihn zurückgeschlagen. . Am 31. August haben unsere Flugzeuge zwischen 6,1b Uhr und 6,36 Uhr vormittags auf die Materiallager der Eisenbahn bei Port Said Sprengbomben im Gewicht von 92 Kilo- gramm abgeworfen. Es wurde beobachtet, daß diese Bomben wiederholt ihre Ziele sehr wirksam getroffen haben. Unsere Flugzeuge sind unbeschädigt zurückgekehrt. Am 17. September hat einer unserer Flieger über dem Meere vor El Arisch ein englisches Wasserflugzeug abgeschossen. Nichts von Belang an den anderen Fronten. Der st ell vertretende Oberbefehlshaber. Die feinölichen Heeresberichte. Der französische Tagesbericht. Vom 27. September nachmittags. sW. T. B.) Nord- lich von der Somme richten unsere Truppen sich in den er- obcrten Stellungen ein. Tie Teut'chcn haben in der Nacht keinen Gcgenstotz versucht. Südlich von der Somme lebhafter Ge- swützkampf in der Gegend von Barlcux. Am Abend verhalf ein glänzend durchgefühlter Angriff den Franzosen zur Wegnahme eines von den Deutschen fest gehaltenen Gehölzes, welches östlich von Vcrmandovillers m die französische Linie vorsprang. Sonst war die Nacht überall ruhig. Orientarmee: Von der Struma bis zum Wardar schwache Artillerietäligkcit. Oestlich von der Czerna haben die Bulgaren mit starken Kräften wichtige Stellungen der Serben auf dem Kajmakcalan angegriffen; drei heftige Angriffe wurden durch Kreuzfeuer von Geschützen und Maschinengewehren gebrochen, welches den Bulgaren erhebliche Verluste beibrachle; die Serben machlc» fünfzig Gefangene, darunter emen Offizier. Auf unserem linken Flügel har unsere Aliillcrie feindliche Stellungen lebhaft beschossen. Lnftkrieg: An der Sommesront haben französische Flug« zeuge viele Gefechte gehabt. Am 26. September schoß Uutcrleutnan! Nungeffcr zwei Flugzeuge zwischen TranSloy»nd Rocquinies lArrond. Arras) und einen Fesselballon, der darauf in Flammen abstürzte, in der Gegend von Neuville herab; diese drei Erfolge bringen die Zahl der von diesem Flieger heiabgeschossenen Luftfahrzeuge auf siebzehn. Zwei andere crustlich geiroffene deutsche Flügzeuge gingen kainpsunsähig nieder, eines gegen Transloy, das andere bei MeSnft-Bruntel lbci Pcronne). Ein anderer von einem französischen Flieger angegriffener Fesselballon stürzte bei Hurlu ab. In der Ehampagne kam ein auf geringe Entferung angegriffener Fokker in Spiralen und dann senkrecht herab und zerschellte bei Grateuil, nordwestlich von Villc-sur-Tourbe. In der Nacht zum 27. September hat eine Gruppe von vierzehn französischen Fliegern hunderisünfzehn Bomben von großem Kaliber auf Vabuhof, Bahn- strecke uud Hüttenlager von Appilly geworfen. In der Nacht zum 26. hallen der Bahnhof Laon 22 und die Lager bei Monlsaucon 17 Bomben erhalteir. V o in 2 7. S e p t e m b e r abends. ffS. T. B.) Nach einer heftigen Artillerievorbereitung richtete der Feind nördlich der Somme einen starken Angriff auf unsere neuen Stellungen von BouchaveSneS bis südlich des Gehöftes beim Bois l'Abbs. In einem glänzenden Gegenangriff warfen sich unsere Truppen den Sturm- wellen der Feinde enlgegen, die sich in Unordnung zurückschlugen, nachdem sie ihnen beträchtliche Verluste beigebracht halten. Wir machten 220 Gefangene, darunter sechs Osfiziere, und erbeuteten acht Maschiiiengewehre. Wir erweiterten unsere Fortschritte östlich und südöstlich von Rancourt merklich und drangen in da« Gehölz von St. Pierre-Vaast ein. Von dem übrigen Teile der Front ist nichts zu melden. Belgischer Bericht. Es ist nichts zu melden von der belgischen Front. Serbischer Bericht vom 26. September. Nachdem die Bulgaren Verstärkungen empfangen hatten, griffen sie den Kaj- makcalan an. Die Kämpfe haben teilweise einen erbitterten Cha- rakter. liniere kleinen Posten zogen sich auf ihre Gräben zurück. Der Brigadekommandeur Oberst Stoichilsch wurde verwundet. Weiter nach links schlugen die russischen, die sranzösischen und serbischen Truppen alle Angriffe auf ihre Frontleile ab. Ein bulgarischer Offizier und 50 Bulgaren ergaben sich uns. Die englische Meldung. Vom 27. September.(W. T. B.) An der Schlachtfront wurden beute glänzende Fortschritte gemacht. Nordwestlich von Flers nahmen unsere Truppen feindliche Gräben in einer Aus- debnung von 2000 Fards und sind nun in einer Linie mit der Ost- seile von Faucourl— L'Abbaye. Nordöstlich von Thiepval fanden beilige Kämpfe statt, in deren Verlaufe unsere Truppen stürmten. Sie Halle» jetzt das unter dem Namen.Stuff"- Schanze bekannte Werk auf dem Hauptrücken 2000 Aards nordöstlich des Dorfes. Mehr als 1800 Gewehre, vier Flammenwerfer, mehrere Tausend Ladungen von Arlilleriemunilion und Granaten wurden von uns in Combles erbeutet, wo unsere Verbündeien ebenfalls eine grotze Beute an Kriegsmaterial machten. Die im Laufe der letzten beiden Gefechislage gemachten Gefangenen bringen die Gesamtsumme in den Kämpfen der letzten 14 Tage auf 10 000. Zwei feindliche Flug- zeuge und zwei Fesselballons wurden gestern von uns zerstört. Zwei unserer Flugzeuge werden vermißt. London, 27. September.li Pfund) 1,13 M.. mittel(von tlA bis 1 Pfund) 1,25 M., großmittel(von 1 bis l1/, Pfund) 1,38 M., große(von iVe Pfund und mehr) 1.57 M.; Kabeljau, klein(bis 1t/, Pfund) 1,99 M., mittel(von Ist, bis 4 Pfund) 1,13 M., große (von 4 Pfund und mehr) 1,38 M. ohne Kopf(im Ausschnitt) 1,83 M.Z Schollen, kleine(bis zu Ve Pfund) 0,88 M. 1 Mißstände km Handel. Amtlich. Berlin, 28. September.(W. T. B.) Es sind Klagen darüber laut geworden, daß in einzelnen Ge- schäften die gleichen Waren zu verschiedenen Preisen angeboren werden, nnd zwar so, daß sie entweder zu billigem Preise gegen Bezugsschein oder zu höherem Preise o h ii e Bezugsschein erhältlich sind. Dem Publikuni wird so- gar häufig zugeredet, den höheren Preis zu bezahlen, um die Unbequemlichkeit des Bezugsscheins zu vermeiden. Dcrarlige Mißbräuche sind in hohem Maße bedauerlich-, sie vergrößern die Zahl der Gegner der sogenannten Freiliste überhaupt und führen zur gänzlichen Beseitigung der Freiliste. Tie beteiligte Handelswelt hat also ein besonderes Interesse an der Ab- stellung solcher Mißstände. Die auf solche Weise Geschädigten haben aber das Recht, wegen Minderung des bezahlten un- angemessenen Kaufpreises das bei der Handelskammer bestehende Schiedsgericht anzurufen und Straf- anzeige zu erstatten._ Tie„Leichenkammer'. Jeder kennt den zierlichen gläsernen Aufbau im der- nickelten Rahmen, der in Tausenden von kleinen Restau- rationSlokalcn auf der Schänke, mitunter auch als Lockspeise im Schaufenster thront. Nicht jedem ist sein Spitzname „Leichenkanimer" bekannt. Woher diese eigenartige, vom Berliner Witz geprägte Bezeichnung'4 In jenem verlockenden Aufbau stehen— ach nein— standen alle die schönen säuer- lichen Sachen, die eine„Bierleiche" ani späten Abend zur schmerzlosen Magenopcratton oder am frühen Vormittag zum Katerfrühstück reizen sollen, in Reih und Glied auf- marschiert. Rollmöpse, saure und gebratene Heringe. Oclsardincn und Neunauge, Kartoffel- und Heringssalat und vieles andere, lvaö den in solchen schweren Stunden des grauen Elends grollenden Magen einigermaßen vor- söhnen kann, war da für billiges Geld zu haben. Und auch Leute, die � nicht deS Guten zuviel getan hatten. was ja bei Kriegsdünnbier und Wasserschnäpsen kaum mehr möglich ist, zeigten eine große Vorliebe für den papri- zierten Inhalt der„Lcichenkammcr". Daneben hatte man die Auswahl in reelleren Zugaben zum Brot. Viele Gastwirte, die ihr Publikum kannten, legten großen Wert darauf, daß der Glaskasten stets reich gefüllt war mit Eiern, allerlei Käse- jorten, unter denen die„Goldleiste" nie fehlen durste, und— ach, mein Magen hopst vor Begehrlichkeit— mit leibhaftigen Würsten, sogar„Knobländern" und mit jener„jutcn Jabc Jottcs", die wir noch vom Hörensagen als Gänsebraten kennen. Lang, lang ist's her! Kutscher, Handwerker, Fenster- Putzer, Hausdiener, Boten, die in der Kneipe Rast machen müffcn, holen ihre kahlen„Bolzen" hervor und schauen sich verlangend nach dem Zubrot um. In der Leichen- kammcr liegen als größte Delikateste zwei ganze gekochte Ei-Ei-chens. Da liegen sie angestaunt schon seit ein paar Tagen. Das Stück kostet nur 45 Pfennige. Die Frau Wirtin hat selbst fast ebenso viel zahlen müffcn und will doch wenigstens etwas verdienen. Nee, das können Kutscher und Gleichgestellte sich zum Frühstück nicht leisten. Käse ist über- Haupt nicht zu erblicken. Von Wurst schweigt des Sängers Bescheidenheit schon ganz. Allenfalls ist ein Zippel söge- nannter Leberwurst vorhanden, die einem zerkleinerten, viel- gebrauchten Scheuerlappen verzweifelt ähnlich sieht. Also ran an die Harunge! O weh, ein einziger Liliputaner vom Ge- schlecht der Bratheringe kostet 35 Pfennige. Aber man schluckt ihn, weil der Magen vom ewigen KriegSbrotkaucn gar so schief hängt, greift seufzend in die Tasche und hofft auf bessere Zeiten. Oben auf dem Glaskasten stehen ein paar Töpfe mit Immergrün. Wie zur Trauer lassen sie ihre langen Blatt- stengel über das leere Gehäuse fallen. Wenn die Leichen- kam'mer wieder gefüllt ist mit allem, was ein ehrlich hungri- ger Arbcitermagen begehrt und verdient, soll sie festlich bekränzt werden wie der Prcisochfe auf der Mastvieh- ausstellung._ Verkehrsverbesserung auf der Schöneberger Untergrundbahn. Die Schöneberger Tiefbau- und VerkehrZdcputation bat be« schloffen, mit Beginn des WinterbolbjabreS den 5-Minuten-Vcrkehr auf der Schöneberger Untergrundbahn bis 19 Uhr vormittags aus- zudehnen. Die VerkehrSver befferung tritt mit dem 2. Oktober 1916 in Kraft._ Auskunft über deutsche Zivilpersonen in Rumänien. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" teilt mit: Anträge auf Auskünfte über den Verbleib und das Ergehen von Personen, die sich zur Zeit des Eintritts Rumäniens in den Krieg noch in Nu- mänien befunden babe», sind bei der ZentralauS kunftSstelle für Aus- Wanderer, Berlin IV, Karlsbad 9/19, anzubringen. Etwaige Ersatz- ansprücke für Schäden, die deutschen Zivilpersonen in Rumänien an ihrem Eigentum oder an Leib und Leben durch Gewalttätigkeiten der Bevölkerung oder der Behörden zugefügt worden sind, sind bei dem ReichSkommissar zur Erörterung von Gewalltäiigkciten gegen deutsche Zivilpersonen in Feindesland, Berlin>V 35, Potsdamer Straße 38 III, geltend zu machen. Pakete für Kriegsgefangene. Man sollte meinen, daß jeder, der einen Angehörigen in einem Kriegsgefangenenlager der feindlichen Länder hat und ihm Sen- düngen zukommen lasten will, um sein Los etwa- zu erleichtern. von selbst darauf achtet, daß die dem Gefangenen zugedachten Sacken gut verpackt und die Pakete mit einer Adresse verseben werden, die jeden Jrrmm bei der Beförderung und Bestellung ausschließt. Leider ist dres ntchl immer der Fall. Häufig müssen Palete wieder an die Absender zurückgegeben werden, weil die Adressen nicht grnau oder nicht deutlich genug angegeben sind, und oft er- eignet eS sich auch, daß Pakete unterwegs aufgehen und daß es dann nicht möglich ist, den Inhalt wieder zusammenzusuchen und seiner Bestimmung zuzuführen. Bei der Riesenarbeit, die die un« geheuren Mengen der täglich an Kriegsgefangene gesandten Palete der Pvst und der Heeresleitung verursache», ist es dringend erfordcr- lich, alles fest und sicher zu verpacken und die Adreffen so zu schreibe», daß sie leicht lesbar sind und jeden Irrtum oder Zweifel bei der Bestellung ausschließen. DaS sollte jeder, der Sendungen an Kriegsgefangene schickt, sich zur Regel machen. Wo bleiben die Arbeiter in der Rechtsprechung? Für die dritte diesjährige Schwurgerichtspertode am P o t§- d a m e r Landgericht, die am 16. Oktober beginnt, wurden folgende Geschworene ausgelost: 1. Fabrckbesitzcr JacqueS Ruß- NowaweS, 2. Ziegclcibesitzer Ernst Neumanu-Dcetz a. H., 3. Kunst- Historiker Dr. phil. Paul Hciland-PotSdani, 4. Professor Richard Zeitschel-PotSdam, 5. Stadtrat Hans Zwicker-PotSdam, 6. Oberpost- ajsistent LabinSki-PotSdam. 7. Landschaftsmaler Otto Protzen-Wann- see, 8. Fabrikdirektor Emil Klietzing-Rathenow, 9. Fabrikbesitzer Ernst Fischribbe-Rathenow, 19. Geh. Rechnungsrevisor Wiihelm Borchard-PotSdam, 11. Rentier Karl Spelling-Wannsee, 12. Ober- amimann Willi Barthold-Dahme, 13. Kaufmann Karl Boenickc- Luckenwalde, 14. Metallwarenfabrikant Hugo Kreuter-Luckenwalde, ts. ReckwungSrat Roese-Pztsdam, 16. RechnimgSrat BZgler- Potsdam, 17. Brauereibes. u. Stadtrar Franz Lamm-Poisdam, 13. Kaufmann, Fabrikbcs. u. Stadtrat Paul Urban-PotSdam, IS. Fabritbcsitzer Richard Asljelm- Warmiee, 20. Geh. Rechnungsrevisor Sßilfielm Derer-Potsdarn, 21. Stcinsctzmetster Ernst Böbtn-PotSdam, 22. Hos� gärtner Friedrich Kuncrt- Sanssouci, 23. Missionsdircktor Dr. phil. Johann Lcpsiud-Potsdam. 24. Guidvorsteber Paul Carthauö-Riltcr- gut Rietz, 25. Rentier Friedlich Kriitzet-Dorf Zinna, 20. Fabrikant Gustav Hanuschke-Dom. Brandenburg, 27. Buchdru lkercibriitzer Adolf Alterihuln-Brandenburg, 28. Kaufmann WilhelmHuinmel-Plaue a. H.> 20. Kurichnermeisler Karl Hartwich« Dahme, 30. Fleischermcister Hermann Burchardt- Jüterbog. Den Borsitz wird Landgcrichtsdireklor Geh. Justtzrat Barchewitz führen. Bis jetzt gelangen drei Strafsachen zur Verhandlung. Die Geschtvorenenliste zeigt, daß auch nicht ein Arbeiter sich unter den Geschworenen befindet, obwohl ihre Mitwirkung seinerzeit zugesagt worden ist. Minister Breitenbach über die Laubenkolonien. Auf eine Ein- gäbe des.Bundes der Verkehrs- rind Zweckvcrbände Groß-Berlins und der Mark" hat Minister Breitcnbach geainwortet, daß er im Einvernehmen mit den Minisiern des Innern und für Landwirtschaft, Domäne» und Forste», die in Betracht kommenden Bebörden an- gewiesen habe, während der KrirgSzeir von polizeilichen Maßnahmen gegen Laubenkolonisten wegen fehlender AnsicdlungSgcncbmigung sowie aus bau- oder anderen polizeilichen Gründen nach Möglichkeit abzusehen. Die beiden Raubmörder Otto und Richard Klaus wurden gestern vormittag von der Neuköllner Kriminalpolizei noch weiter verhört. Sie halten in keiner Beziehung mit der Wahrheit zurück. AllcS, was sie bisher angaben, hat sich bei der Nachprüfung als richtig erwiesen. Ihre Tat stellt sich nach den Ermittelungen und nach itirem eigenen Geständnis als vollendeter Raubmord dar. Die beiden Mörder werden unter dieser Anschuldigung noch heute nach dem zuständigen AmtsgcrichtSgcfängnis gebracht werden. Bei der Obduktion sollen sie auch noch der Leiche der Ermordeten gegenüber gestellt werden. An den Folgen cincr Gasvergiftung gestorben. In den letzten Tage» unternahm das Dienstmädchen Therese HimmcISberger in der Küche ihrer Hcrrsckast m Nowatvcs einen Selbstmordvcrsncki, indem sie einen Gashahn öffnete und LeuchtgaS ausströmen ließ. Man brachte sie sviort, nachdem ihre Herrschaft auf den Gasgeruch oufmcrkiam ivurdc, ins Obcrlin-KreiLIraukcnhauS in Nowawcs, wo sie mehrere Tage bcsimiungSloö lag. Gestern starb sie nun a» den Folgen der Gasvergifrung. AIS Grund zur Tat wird LcbenSüber- druß angenommen. 100 Mark Belohnung hat die Polizei auf die Ergreifung des Räubers ausgesetzt, der am Millwocbttachmillag in der Grüfcslr. 90 den Ueberfall auf die 70 Jahre alte Witwe Böhm verübte. Wie die Ueberfallene bekundet, folgte ihr ein junger Mensch die Treppe hinauf bis an ihre Wohnung ini vierten Stock. Nichts Gutes ahnend, wollte sie rasch ihre Tür aufschließen, als er sie fragte, wo die Familie Lehmann wohne. Bevor es ihr aber noch gelang zu öffnen, packte er sie auch schon und versuchte ihr die Tasche zu entreißen. Die noch rüstige Greisin hielt dw Tasche fest, kam aber zu Fall und stürzte den oberen Teil der Treppe hinab. Dabei zog sie sich einen Srmbruch und Kopfverletzungen zu, sodoß sie nach dein Krankenhaus am Urban gebracht werden mußte. Der Räuber, der jetzt die Flucht ergriff, erbeutete nichts. Er ist etwa 18 Jahre alt, 1,05—1,08 Meter groß und schlank, hat dunkelbraunes Haar und ein bartloses Gesicht und trug chicu dmrllen Jackcllanzug, ciuen schwarzen steifen Hut und einen weißen Stehkragen. Ausgefallen ist er besonders dadurch, daß er einen Kneifer oder eine Brille trug. Schwer verunglückt-ist gestern im Slraßengetiieb« der 17 Jahre alte Poftaushelser Oswald Renz aus der Eifeuacher Straße 54 zu Schöuebcrg. Ter junge Mann glitt mit dem Zwcirad vor dem Kricgsministerium in der Leipziger Straße aus und geriet au einen Siraßenbabuwagen. der ihn zu Boden schleuderte. Er erlin einen Schädelbruch und Hautabschürjungen und mußte nach der Charits gebracht werden.• Das nächste BolkSkonzcrt des Philharmonischen Orchesters findet am Sonnabend, den 30. September in der Neuen Philharmonie, Köpenickcr Sir. 06,07, statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr. Einen Lchrkursns über:»Säuglingspflege- und S ä u g l i n g ö c r n ä h r u n g" vcraiistalict wiederum der Vaterländische Frauenvercin, ProvinziolVtrcin Berlin, im Bürgersaal des Berliner Rathauses. Vortragender: Herr Prof. Dr. Langsteiu, Dirclior des Kaiierin-Augustc-Vittoria-Hauses zur Belämpsung der Säuglingssterblichkeit im Deutschen vieiche. Tic Kurse finden statt am DienStag. den 24. Oktober, Dienstag, den 31. Okiober, Diens- tag, den 7. November und am Freilag, den 10. November, abends von 8>/z bis O'/a Uhr. Sie sino für Mitglieder des Vereins und Gäste und unentgeltlich. Einlaßkarten, die für den ganzen Kursus gelten, sind gegen eine einmalige Einickireibgebübr von 1 M. zur Deckung der Uiikvstc» in der Geschäftsstelle deö Vereins, groben- straße 1, erhältlich. Zusendung durch die Post erfolgt auf Wunsch gegen vorherige Einsendung des Betrages. Berliner Adreßbuch 1017. Der Verlag deö Berliner Adreßbuchs bat soeben den Hauseigentümern und Veitvaltern die Hauslisten für den Jahrgang 1017 zur Verteilung an die HauSbaltungsvorstände zugeben lassen. ES ist dringend geboten, daß die HauShaltMigS- vorstände die Listen persönlich ousfüllen, weil nur dadurch die genaue Schreibweise des Namens verbürgt wird und weil nur auf diese Weise die Wünsche der Eintragenden lZuiätze zur Berufs« oder StandeSbezeichnung, Angabe der Sprechstunde Usw.) zuverlässig erfüllt werden können. Die Abholung der Listen beginnt bcreiis am Montag, den 2. Oktober, weSbalb sofortiges Ausfüllen der Liste angezeigt erscheint. Es empfiehlt sich ferner, Vorbeslellungen auf das Adreßbuch gleichzeitig in die dafür vorgesehene Spalte der HauSliste einzutragen oder den Vorbestcllscheiu auS der ZcilungS- anzeige des Berliner Adreßbuchs in der heutigen Nummer ans- gefüllr einzusenden, da mit Schluß des Vorbestelltermins— 31. Oktober— der um 2 M. höhere Ladenpreis in Kraft tritt. /Jus den Gemeinden. Stavtischcr Gcmuscvcrrauf der Parkverwaltung Charlotlenburg. Der Verkauf der von der städtischen Parkverivaltunq in Char- lottenburg gezogenen Gemüse in der Kaiser-Friedrich-Ätraße hat einen solchen Uinfang angenommen, daß die Schaffung einer zweiten größeren Verkaufsslelle in der Kantstr. 140 nolweudig geworden ist. Ihre Lage gibt auch den Velvolmerii des Ostens von Charlottenbnrg Gelegenheit, auf bequemere Weise billiges gutes Gemüse einzukaufen. Händler, welche ihr Geschäft in Charlolienburg haben, erhalten dort ebenfalls und zwar mit einer Preisermäßigung Gemüse, wenn sie sich verpflichte», zu den von der Parkverwaliung fcstgesctzren Höchst- preisen zu verkaufen. Die Eröffnung findet am Donnerstag, den 28. d. Mls., vormittags 8 Uhr, statt. Der Verlaus erfolgt nur gegen Vorlegung der Charlottenburger LebeuSmittellarie. Die bisherige VerlaufSstelle in der Stadtgärtnccei am Neuen Fürstenbrunner Weg wird am gleichen Tage aufgehoben. Aus dem Gemeindcparlameut in Oberschöncwcide. In der am Dienstag stattgefundenen Sitzung der Gemeinde- Vertretung wurden die von unseren Genossen gestellten Anträge zur Lebensmittelversorgung, da der hierfür zuständige Dezernent Schösse Kabcliy sich auf Reisen befindet, bis zur nächsten Sitzung verlagt. Es sollen dann u. a. auch die ebenfalls von uniercu Genossen gestellten Anträge auf Schulspeisung der Kinder verhandelt werden. In die beiden Schulkuratoricn für das Lhzcnm und für da« Realgymnasium wurde für den Schöffen Herwig, dessen Wahlperiode abläuft, unser Genosse Durgschal gegen die Stimme» der ersten Klaffe gewählt. Zu Beginn der öffentlichen und am Schlüsse der geheimen Sitzung widmete der Bürgermeister dem an seiner letzien Sitzung teilnehmenden Herrn Fvrslineistcr Kollmcier warme Worte der An- erkennung seiner Tätigkeit für die Gemeinde, über die allerdings manche Leute am Orte ihre eigene Meinung haben. Tie Kindcr-Leseftube Verlin-Teeptow» Kiefholzstr. 405—407 ist vom 2. Oktober ab außer Miilwochs und Sonnabends auch Montags von 3—0 llhr für alle Knaben und Mädchen vom achten Jahre an unentgeltlich geöffnet. Väter und Mütter, die sich die Lejcslube ansehen wollen, sind an allen drei Tagen willkommen. SsZiales. „Angriff" auf einen prügelnden Arbeitgeber. Ein Packer, mit dem eine Kündigungsfrist von vier Wochen ver- einbart war, wurde ohne Kündigung entlassen, weil er seinen Chef Salomon, Inhaber der Firma Franke, tä'.lich angegriffen haben sollte. Bor dem Gcwerbegencht, wo der Entlassene Lohnzahlung für die Knndigungszeit forderte, wurde über den ongebltchen Angriff auf den Chef folgendes festgestellt: Ein im Betriebe tätiger 14 jähriger Laufburjche soll durch eine unwahre Angabe Veranlassung gegeben haben, daß einer der tüchtigsten Packer beabsichtigte, aufzuhören. Hierüber geriet der Cbef so in Entrüstung, daß er den Laufbursche» prügelte. Ein Zeuge gab an, es sei mit den Prügeln nicht so schlimm gewesen, denn der Junge könne nicht mehr als drei Ohrfeigen bekommen haben. Da- gegen stellte der Kläger sowie der als Zeuge vernommene Lauf- bursche den Hergang wesentlich anders dar. Hiernach hat der Chef dem Jungen etwa 20 bis 30 Schläge mit der Hand an den Kopf verabreicht. Der Junge rief in seiner Angst:„Mutter, Mutter". Er rannte in dem Raum, wo sich die Prügelszcne abspielle, hin und her. verfolgt von dem Chef, der fortwährend auf ihn einschlug. Schließlich mischte sich dann der Kläger mit einer handgreiflichen Friede Nki n tervention ein. Er packte mit der einen Hand den Jungen, mit der anderen den Chef, schob den eine» nach rechts, den anderen nach links und endete damit den unangenehmen Aus- tritt. Das entschlossene Eingreifen zum Schutz des geprügelten Jungen soll min ein Angriff des Klägers auf den Chef gewesen sein und die Eiitlaffung begründen. Das ist der Standpunlt deS Beklagten. Das Gericht war aber nicht der Meinung, daß hier von einem tätlichen Angriff des Klägers auf seinen Elzes geredet werden könne, und verurteilte den Beklagten, den Lohn für die Kündigungszeit zu zahlen. «tadtverordnetenwahl und BelagcrungSzustand. Die Sladtverordnetenwahlen in Dorsten fanden am 3. November 1015 statt. Sie hatte der Händler Wipper angefochten. Er machte geltend, in die Wahlfreiheit sei dadurch eingegriffen worden, daß die Agitation zur fraglichcu Wohl mit Rücksicht auf den Belagerungszustand untersagt worden sei. Aus seinen weiteren Ausführungen ging hervor, daß er auS einer Unterredung mit dem Polizei- lommissar entnommen hat, die Genehmigung zur Veranstaltung öffentlicher Versammlungen und zur FlugblaUverbmUliig würde ihm nicht erteilt werden. Nach Verwerfung deS Einspruchs des Klägers durch die Stadt- vcrordnetcnvcrsaniniluug bcschäfligte sich der Bezirksausschuß zu Münster mit der Angelegenheit. Ihm lag eine Aussage deö Polizeikommissars vor, die dahin ging: Er sei gefragt worden, ob öffentliche Versammlungen statlsinden und Flugblätter verbreitet werden dürften. Daraus habe er den Kläger auf die Bc- stimmungen der Bekanntmachung des Kommondier enden Generals vom 27. November 1914 verwiese», die de» verschärften Belagernngö- zustand ausspricht und im 8 3 verichicdnic Verbote auf Grund des 8 0 b deS Bclagcrungsgesetzeö crlößi. Nach der Ziffer 11 des 8 3 ist verboten die Veranstaltung von Versammlungen, die nicht ledig- lich Kultus-, künstlerische», wlsseuschafllichc» oder geielligeu Zwecken dienen, sofern sie nicht genehmigt lverden. Ferner bestimmt Ziffer 17: „Der Druck und öffentliche Verkauf, sowie die sonstige Verbreitung von Flugfchriflcu und ähnlichen Vcröffenilichniigcn ohne polizeiliche ErlnubniS, wenn sie auch nur teilweise einen militärischen oder politischen Inhalt haben, ist verboten."— Der Kommissar iagte iveiter auS. er habe auf die Frage, ob die Dcrbrciimig von Fing- blättern genehmigt werden würde, erklärt: Darüber halte der Bürgermeister zu entscheiden, dem der Inhalt deS Flugblattes vor- gelegt werden müßte. Hinzugefügt hätte er nur, gesetzliche Verstoße würden nicht geduldet werden. Der Bezirksausschuß in Münster w i c S darauf die Klage ab. Er führte aus: Aus der amtlichen AiiSkunfl gebe hervor, daß der Beamte den Kläger auf seine Fragen nur über den Rechtszuftand unter dem verschärflen BelagerungSziistand zutreffend belehrt habe. Die Beschräiikungen, die die Bekamit- machung des Kommandierenden Generals ausspreche, bedeuteten aber keine Beseitigung der Wahlfrciheit. AnVererieitS habe aber Kläger gar nicht erst den Versuch genincht, die Genckmigung für eine Vcrjammlung oder sür die Verbreitung von Flugblättern nach- zusnchen. Somit könne eine Beseitigung oder ei» unzulässiger Ein- griff in die Wahlfreihcit nicht angenommen werden. Da? Oberverivaltungsgericht bestätigte jetzt das Urteil als zutreffend, indem es die Berufung des Klägers verwarf. Falsche Diagnose in Jnvaliditätssnchcn. Aerztlicko Tüchtigkeit ist im Rentevorfalzren Gninficr- fordernis. Wohin es kommen kann, wenn der sachverständige Gutachter sich in seinem Urteil grob vergreift, lehrte eine Ver- Handlung vor dem Potsdamer Oberversicherungsamt. Eine Arbeiterin Marie Boick in Zehdenick hatte im Jahre 10 15 die Invalidenrente beantragt und sie mit verschiedene» Leiden begründet. Der Sachverständige untersuchte sie und fand nur einen Magenkatarrh und andere Beschwerden, die ihm die Erwerbsbeschränkung nur zu 50 Proz. bewiesen er- scheinen ließen. Die Versicherungsanstalt verweigerte nach dem! Urteil ihres Arztes die Rente, bewilligte aber— eine Bauch. bind c. Damit konnte aber die kranke Frau nichts Rechtes au- fangen und schlichlich bewies cS ibr Tod, daß es mit ihrem Leiden doch nicht so ungefährlich gestanden hatte. Im Leichen- befund wurde auch cinw-airdfrei Leberkrebs festgestellt, und nun bestand kein Zweifel mehr, daß der mit der Bauchbinde behandelte Krebs schon damals vorhanden war, aber ver- kannt worden ist. Das Reichsversicherungsamt stellte sich auf den Standpunkt, daß eine Rente nachträglich zu gewähren sei, wenn durch einen Irrtum des Arztes der Krankbeitszustand n.�,. erkannt worden ist. In diesem Falle rechne die Rente vom Tage des An- träges. Der Gerichtsarzt hatte keinen Zweifel, daß der angebliche Magenkatarrh ein Leberkrebs gewesen i st und die Frau daran gestorben ist. Nach seiner Begutachtung bewilligte das Obervers iche- r u n g s a ni t dem Ehemann der V. als ihren Erben nachträglich die ihr zustehende Rente vom 20. Juni 1915 bis zu ihrem Todes- tage. Gen'chtsZeittmg. Straßcnbahnznsammenftoß. Tie zwei folgenschweren Zusammenstöße zwischen Straßen- bahnwagen und Omnibus, die sich im Mai d. I. in der Nähe des Anhalter und Potsdamer Bahnhofes ereigneten, und bei denen jedesmal 10 bis 12 Personen erhebliche Verletzungen davontrugen, beschäftigte gestern das Schöffengericht Berlin- Mitte. Der erste, erheblich schwerere, wurde dem Straßenbahn- f a h r e r Hugo R u m p o t d i n. der zweile dagegen dem O m- u i b u S k u l s ch e r Hermann Mein zur Last gelegt. Gegen sie beide lautete die Anklage auf Transportgefährdung und fahrlässige Körperverletzung. AlS am 7. Mai d. I. ein Omnibus der Linie 10 von der Anhallsiraße in die Königgrätzer Straße einbog, fuhr der vom Angeklagten Rumpoldi» gelenlte Straßenbahnwagen in voller Fahrt direkt in den OmnibuS hinein. Er traf ihn so unglücklich in der Milte zwifchc» den Rädern, daß der Omnibus in z>v e i Teile gespalten und a u S e i n a n d e r g e r i s s e n wurde, da die Pferde mit dem Vorderteil davonrasten. Infolge- dessen stürzten die zahlreichen Fahrgäste heraus und erlitten dabei mehr oder minder schwere Verletznngen, während der Kutscher des OmnibuS im Bogen auf den Damm flog und bewußtlos liegen blieb. Er mußte dann in ein Krankenhaus gebracht werden. Nach den Ermittlmigen soll die Schuld an diesem Unfall den Siraßen- bahnfübrer Rumpolditt treffen, der die ani Anhalter Bahnhof gc- legene Haltestelle in ziemlicher Fahrt überfahren, kein Warmmgs- zeichen mit der Klingel gegeben und nicht rechlzeitig gebremst habe. Er behauptete aber, daß er schon 175 Meier vor» der Haltestelle sowohl die magnetische wie die Handbremse angezogen hätte. Jedoch ging da« Gutachten der Sachverständigen dahin, daß dies unmöglich geschehen sein konnte. Das Gericht kam daher zu einem Schuldig, berücksichtigte jedoch, daß der An- geklagte ein nervöser Mensch ist, der offenbar in völliger Verwirrung gehandelt und wohl auch in der gegenwärtigen Zeit eine nicht iebr gründliche Ausbildung als Fahrer erhalten habe. Infolgedessen verurteilte cS ihn nach dem Antrage des AmlSanwatlS nur zu 50 Mark Geldstrafe. Der zweite Zusammenstoß ereignete sich am 30. Mai in der Potsdamer Siraße au der Ecke der Linkstraße. Als hier ein OmnibuS der nach der Großgörschenstraße fahrenden Linie in die Linkstraße einbiegen wollte, fuhr ihm ein von der Potsdamer Brücke herkommender Straßenbahnwagen gegen das eine Hinlerrad. Bei dem Zuiainmcnprall brach es ab, der Omnibus neigte sich stark zur Seile, so daß die Fahrgäste stark durcheinander gcschlcuderr und dadurch in einer Anzahl von zehn Personen verletzt wurden. Die Schuld an diesem Unfall wurde dem Omnibuskutscher Mein zur Last gelegt, Iveil er in einem zu kurzen Bogen in die Linkstraße eingebogen sein sollte. Auf Grund des SachverftäiidigengutachleiiS kam das Gericht jedoch zu der An- ficht, daß hier eine Häufung von nnglücklichen Zusälligkciten vorlag und erkannte demgemäß auf Freisprechung. WaS ist Drahtlampe- Der Prozeß zwischen den Firmen Julius Pintsch und Siemens ii. HalSke über die Bezeichnung„Drahttampe" ist am Dienstag vor dem Reichsgericht verhandelt. Dies entschied in Uebereinstimmung mit den Vvrinstanzcn, daß die Firma Julius Pintsch ihre Lampen nicht Drabtlanipen nennen darf. Tie Firma Siemens u. HalSke benutzt für ihre elektrischen Glühlampen mittels eines patemierlen Verfahrens durch Z i e h c n des Wolfranimetalls hergestellte Fäden. Diese bczeichner sie als Drahlfäden, die Lampe als Drahtlampe. Die Firma Julius Pintsch verwendet zu ihren Siriusdrahtlampeu mittels eines Geheim- Verfahrens hergestellte Metallfäden, die aber nicht durch Ziehen her- gestellt lverden. Dem Anspruch der Firma Siemens u. HalSke ist nun rechts- kräflig stattgegeben. Danach ist der Firma Pintich verboten, ihre Lampen als Drahtlampen zu bezeichnen, auch muß sie zwei für sie eingelraacue Waarcnzcichcn löschen lassen. Zur Begründung des Urteils führte daö Reichsgericht an: nach der Feststellung deS Kammer- gerichtS werde in den beteiligten Berkehrskreisen unter„Draht" etwas Besonderes verstanden, nämlich ein durch Ziehen gewönne- »et Produkt, da§ sich durch besondere Zugfestigkeit bewährt hat. Wenn die Firma Julius Piulich ihr Produkt nicht durch Ziehen ge- lvann. io durfte sie cS nach den in der ElekirizitätSindustrie vor- liegenden besonderen Verhältnissen auch nicht als Draht bezeichnen. ßue aller Welt. AuS einem Theaterbericht. Im„Verl. Lokal-Anzeigcr" lesen Ivir: Die„Höxter Zeitung" bringt folgenden ergötzlichen Be- richt über eine Vorstellung im Stadttheater:„Gespielt wurde im allgemeinen flott, den Glanzpunkt des Stückes aber bildete zweifcl- los der dritte Akt. Doch die Unruhe im Saale ivar zciliveise recht störend. Bei dieser Gelegenheit mag daran erinnert werden, daß eS stets ein großer Fehler ist, wenn in Abendvorstellungen Kinder anwesend sind. Wurde doch von der Galerie fortwährend den unten sitzenden Personen ans die Köpfe gespuckt! Auch wurden A e p f c l u» d P f l a n in e» r c st e h i n u n t e r g e w a r- feiil Kinder und halbwüchsige Jugend gehören abends ins Bett und nicht ins Theater! Dazu sind NachniittagSvorstellungen da." Das scheint ja ein netter Kunsttcmpel zu sein. Ein Hamstcrlnger onsgehobe». Ein Eierlnger von nicht we- niger als 10 000 Stück wurde von der Gendarmerie in einem R ach- barort von Angöburg entdeckt. Ein Augsburgcc Kon- ditor hatte sich dieses Eicrlager eingehamstert. Bei der letzten Bestandsaufnahme hatte der Konditor nur 000 Eier angegeben. In- folge dieser Hamsterung ivar es verschiedentlich nicht möglich, daß die Verteilungsstelle in Augsburg überhaupt Eier auftreiben konnte. Die Gendarmerie hat das gesamte Eierlager beschlagnahmt. Pilzvergiftung. In Pieschen(Posen) ist die ganze ans fünf Köpfen bestehende Familie des Arbeiters Dzialoszhk nach dem Genuß giftiger Pilze verstorben. Zugzusammcnftost, Am Mittwoch früh stieß der Fünfuhrzug aus Jaucr auf der Krcuzuugsstattion R o h n st o ck mit dem Balken- Hain— Striegaucr Personenzuge zusammen. Die Maschinen stürzten beide aus den Gleisen. Besonders stark wurden die Wagen des Personenzuges beschädigt. Zwei Zugsbeamte erlitten schwere Verletzungen. Ein anderes Eisenbahnunglück fand laut„Echo de Paris" bei Marseille statt. Zwei Güterzüge stießen z u s a m- m e n. Zwölf Waggons entgleisten. Das Unglück forderte drei Opfer. Mit militärischen Ehren bestattet. Nach einer Neutermeldung aus London sind 22 Mitglieder der Besatzung des am 24. Sep- tcmber zerstörten deutschen Luftschiffes mit militärischen Ehren bc- graben worden; sechs Offiziere des Fliegerkorps trugen den Sarg des Kommandanten. Pcstcrkrankungen in Liverpool. In Liverpool sind fünf pest- verdächtige Erkrankungen vorgekommen. Drei Patienten sind gestorben, bei zweien ist die Pest festgestellt worden. SvettcrauSlichten für das mittlere'Itorddeiitlckliaild di» Sonnabend mittag. Ceitlich der Oder vorlvieqend Heller, weller mtstlich nrützienieils bcwöllt, ohne erhebliche NieSorschläge; in den TageSsiitndcil überall mild. Parteweranftaltuagem Wahlverein Schöneborg. Sonntag, de» 1. Oktober, Familien- a u s f l u g nach Pichelswcrder zum„Alten Freund". Treffpunkt: Bor� mittag 10 Uhr am Balmhof Ebcrsstraffe. Montag, den 2, Ortober, abends S'/j Uhr: Erweiterte Sßot: standssitzung bei Keil, Merseburger Str, 4, � Dienstag, den 3. Oktober: Mitgliederversammlung Meininger Ztr. 8 im Tuimcl. Tagesordnung: Bericht von der Äeichs konferenz, Oienoffe Frassek, und Bericht von der Kreiskonferenz. Mitglieds� buch legitimiert. Vollzähliges Erscheinen aller Mitglieder ist notlvendig. Jugenöveranftaltungea. Jugenb-Bildungsvemn Schöneücrg. Unser neues Lokal ist ab heute bei Haeuser, Schäneberg, Königstvcg 4L. Sonntag, den 1. Llttober, Fahrt nach Grünau— Mug.gelberge— Seddinsee. Gesamtkosten 60 Ps. Treffen früh'AI Uhr Kaiser-Wilhelm-Platz. Mittwoch, den 4. Oktober, abends 8 Uhr: Versammlung im Vcr- einslokal. Freitag, den 6. Oktober: Gemeinsamer Diskutierabend im Wilmersdorfer Jugendheim, Mtannheimer Str. 62. Thema: Militärische Jugenderziehung. Anfang pünktlich K9 Uhx, Gäste und Freunde bei alleu Veranstaliungeit willkommen.' Märkische Spiel-Aereinigung. Bezirk Groff-Berlt». Am Sonn- iag, den 8. Oktober, finden folgende«picle statt: Oberspree— Neukölln. Fichte XV'II.— Wilmersdorf 1. Moabit— Fichte XVI. Velten— Fichte 11 l. WilmerSdorj 2— Velten 2. Fichte XIII.— Neukölln 2. Spielbeginn 3'/, Uhr. Arbekter-Samariterlnind. Kolon neGrotz-Bcrlin. Lehrstunde haben nächste Woche abends 3>/, Ubr: 1. bis 0. Abt.: Vkontag, den 2. Oktober, Köpenicker Str. 62. Vortrag. Nach dem Vortrage Praktische Vcrbandübungen. Gäste haben einmaligen sreicn Zukriii. Sonntag, den 1. Oktober: Famili cnanSslug nach Heffcnwinkel. Treffpunkt vormittags 10 Uhr am Bahnhos Friedrichshagen. Gäste sind gern gesehen. Sriefkaften öer Reöaktion. Die luristische Sprechstunde swdet für Abonnenten Ltndenftr. 3, IV. yol rechts, parterre, am Montag bis Freitag von 4 bis 7 Ugr, am Sonnabend von 5 bis 6 Uhr statt. Jeder sflr den Briefkasten besttilwlten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteitt. Anfragen, denen keine AöonnementSguitmng beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der SvrechfNinde dvr. Bcriräge, Schriftstücke und dergleichen bringe mar in dir SprccUmuiDc mit. H. R. Sit. Wenn die Unterstühung bei der kkrnnkcnkaffe aigelauseu ist und die LaudesversichcrungZanstalt em vorbeugendes Heilversabren ablehnt, so müßten eventuell Sie aiS Vater für den Untcrbalt des Sohnes auf- kommen, wenn der Sohn nicht arbeitsfähig ist. Wenn der Sohn aber mindestens 200 Invalidenmarken geklebt hat, so könnte er Antrag ans Jn- validenrciitc beim Versicherungsamt eimeichen.— K. 43. sie brauchen nicht zur Musterung.— 100. M. W. New.— Frida. Wenn Sie zum ungedikntcn Landsturm gebörcu, müssen Sie sich melden.— P. 73. Dicust- verweiidungsfähig für die Infanterie.— H. S. 48. 1. Sie lömien auf Nichtigkeitserklärung der Ehe klagen. 2. Sie find in diesem Falle zur Aii- mentation der Frau nicht verpflichtet. 3. Das läßt sich vorder nicht genau angeben: etwa IvO M.— N. 78. Die anderen Jahrgänge werden jeden- falls lilkch noch nachgemustert. Sie sind aus dem Militärdienst noch nicht entlassen und können nachgemustert werden.— B. A. O. 113. Einen Schadensersatz für die von dem anderen Verein zurückgeschickten Billetts können Sic vom Vorsitzenden des Verein? nicht verlangen. Das Vereins- gcld ist von dem Vorsitzenden, wenn der Verein die Rechtsfähigkeit besitzt. d. h. ivcmi er ein cingctragencr Verein ist. durch Klage einzutreiben. — F. F. 40. 1. Die Anmeldung bei der Krankenkasse muß für Meie Mitglieder erfolgen. 2. Auch Jnvalidemnarken müsisn geklebt werden. 3. Auch bei der BerusSgenossenschait muß die Anmeldung erfolgen. 4. Es liegt übrigens im eigenen Interesse der Genoffenschastsangehörigen, wenn ihre Versicherung gegen Krankbeit und Invalidität bewirkt wird, dg im anderen Fale bei eintretender Krankheit und Invalidität die Genossenschaft hastet.— Olk. N. W. 5. Der Besitzer des Ackers ist berechtigt, Anzeige zu erstatten und Ihnen ein Strafmandat zuschicken zu lassen. Sie können gegen das Strafmandat mrr Einspruch beim Amtsgericht erheben. Wir glauben aber, daß Sie damit wenig Erfolg haben werden. Das zuständige Landratsamt für den Ort ist: Landratsamt sür den Kreis Teltow, Berlin, Viltoriastraße 17/18.— A. E. B. Herzfehler; Landsturm 1. Aufgebots. Neukölln 1310. 1. Sie können deswegen ohne weiteres den Lehr- vertrag lösen. 2. Nein.— E. H. 16. 1. Die Unterstützung kann in diesem Falle entzogen'werden, da Bedürftigtest als nicht vorliegend er- achtet wird. 2. An den Hamvurgsschen LanbeSverew vorn Noten Kreuz, Ausschutz für deutsche Kriegsgefangene, Ferdmandstratze 75 in Hamburg. 3. Zwiebeln kann man überwintern, wenn mau sie trocken und lustig aufbewahrt. Eingegangene Druckschriften. Freundschaft und Sexualität. Bon Dr. Placzek. 1,50 M,— Moralität und Sexualität. Von Pros, Dr. A. Eulenburg. 3,50 M., geb. 4,50 M. A. Marcus u. E. Webers Verl»?, Bonn. Chemie im täglichen Lebeu. Von Pros. Dr. Lassar-Cohn. Geb. 4,80 M. L. Votz. Leipzig. Die Ohnebosen. Roman von W. Schulte vom Brühl. IM.— Daö Haildelö-O-Boot»Deutschland" und sein Kapitän P. König. Von Dr. Otto Wcddigen. 1 M. Verlag der Witing-Bücher, Leipzig. Dem deutschen Bolle. Die Wahrung seines Vermögens und seines G eldes durch Selbsthilfe. 31 S. Verlag der Selbsthilje des Volles, Frank- urt a. M. Bulgarien und Mitteleuropa. Von F. Naumann. 1. M.®. Reimer, Berlin W 10. Criiinerungen eines Zivilisten 1314—1916. Verfaßt und herausgegeben von Dr. H. Jogues. 1,50 M. E. Koepke, München 45. Wenn sie siegten! Von W. Schmidtbonn. 40 Pj. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgert. Ociterrcichischer Nrbeitcr-Notizkalender für das Jahr 1917. Taschenformat. 1 Krone.— Tie Alisprüche der Soldaten und ihrer Hinterbliebenen. Führer durch die österreichische Gesetzgebung. 40 Heller. I. Brand u. Co.. Wien 6. Ferdinand I., König der Bulgaren, sein Bolk und sein Land. Von P. Ritter von Ficischmann. 1 M. Hesse u. Becker, Leipzig. Kricgsschade und Wiederherstellung. Von Dr. E. Ruzicka. Z M. Manziche k. u. k. Hos-Verlagsbuchhandlung, Wien I. Wie wir unser Eisern Krenz erwarben. Selbsterlcbnüse nach persönlichen Berichten bearbeitet von F. Frhrn. von Diiicklage-Camve. Heft 14—16. Erscheint in 20 Hesten zu je 50 Pf. Bong u. Co., Berlin W 57. Feldbücherei: Alle ucune. Von G. Freiherr von Ompteda.— Herzen in Schwede. Von Raoul Auernheimer.— Heimat und Welt. Von E. Ftaiichlen.— Der arme Lukas. Von 23. Holzamer. Jeder Band 1 M. E. Fleifchcl u. Co., Berlin, Linkstr. 16. Zur Wohnungsfrage. Drei Prcisschristen. Herausgegeben vom Schutzverband sür deutschen Grundbesitz. 15 M., geb. 16,50 M. Putt- kammer u. Mühlbrecht, Berlin W 56. J5P< r GtostücMeisch 3usige Hyhner..Pfund 3.io A.3andorf&6 Belie-AIiionce-Strasse Gr. Frankfurter Strasse Bmnnen-Strasse Kottbuser Dcmm Wilmersdorfer Strasse Zusendung ausgeschlossen Welsskohl.................... Pfund 7pf. Kohlrüben.................. Pfund Spl Mohrrüben................. pfundlSpf. Mark. Rübchen......... Pfund 2B Salat............................. Kopf Wn 6rllne Gurken...... 8�13.25� im Ganzen«S M im Ausschnitt e|#jk E�yrPiS piund a B Pfund B& pl Z�/iebeln................... 2� 35 pt Sauerkohl Pfd. 20 pf. Malzgerste pfd. 53 pf. Bücklinge stück 20 pf. ICochblrnen................ Pfund 40 pt Essbirnen.................... p�d 45 pr. Tomaten.............. Pfund 33, 60 Pk, �oLbZA�e!.................. Pfund 20 pt Cira�ensleinerAepfeS pfundOO p, Weintrauben............... p�d 75 pf Radieschen.............. 3 Bund 10pt r § Zink-Waschwannen 9.50 12.75 15.50 15.50 13.50 22.50 mit Wulst i rT�nvzasarr�/ atkaw c Waschtöpfe 4.95 5.95 7.25 S.25 ▼erzinkt, mit Sieb, Deckel und Ring 6.75 7.75 8.50 9.50 g Kreis Kieiiepbamini. Bezirk Pankow. Nachruf. SInt 21. September, 4 Uhr, ist unser Mitglied, der Genosse Gustav Schewe seinem Limgenlciden erlegen, Wir werden sein Andenken in Ehren halten. 245/20 Die Bezirksleitung. l!öNscder.?.Llä!lLrdeitLr-Verkäi!lI Verwaliungsstolls Berlin. Den Mstgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Mechaniker Kksg'g ICoUdS am 26. September im Lazarett gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 29. September, nach- mittags 2�/, Uhr, vom Hedwigs- Krankenbaus aus nach dem Militär-Friedhos w der Müller- stratze stakt. Rege Beteiligung erwartet 123/10 Die Ortsverwnltung. taiiferM ifer Steinarlielterl Geiitsciiiands. Zahlstelle Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach-! richt, datz unser Kollege, der I Steinmetz Gusiav Vogel am Dienstag, den 26. September j 1916 gestorben ist. Die Beerdigung findet heute j Freitag, den 29. September 1916, 1 nachmittags 31/, Uhr, von der s Leichenhalle des Gemeinde-Fried- böses, Neukölln, Maricndorscr! Weg, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht I _ Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten I die traurige Nachricht, daß mein I lieber Mann und guter Vater, j Bruder, Schwager und Onkel, | der Friseur fiermanii Kimepl im 42. Lebensjahre nach kurzen, schweren Leiden sanft cnischlasen ist. Die Beerdigung findet Sonn- I abend 2'/4 Uhr von der Halle des I städtischen Friedhofs in der See- s stratze aus statt. 1316b Die trnuernden Hinterbliebenen. Zum Sterbetage unseres lieben Bruders und an- vergeßlichen Sohnes Artur Bttrgfer vom Grenadier-Regiment Nr. 12. gefallen am 29. September 1315. Geliebter Bruder und Sohn! Wir können'?.ja nicht fassen, Daß Du nicht kehrst zu un? Du wolltest doch noch gern die B Heimat wicdersch'n, Du hattest aber nicht mal in der Garnison das Gluck. So schlaf' denn wohl in fremder Erde, Geliebter Bruder, so jung mußt Du jchon von uns gehen, Du bist erlöst von diesem Jammertale, Nun werden wir Dich niemals wiedersehen. Der'Abschied war sür uns sehr schwer, Der Platz an unserm Tisch bleibt ewig leer. Gewidmet in schmerzlicher Er- innerung von Deinen Brüdern Friy und Hans und Deiner Dich nie vergessenden Mutter Witwe Wanda Bürger. Berlin-Niederschöncweide. Llllcn Parteigenossen und Be- kannten die traurige Nachricht, datz unsere innigstgeliebte Tochter und Schwester MBlslsgor>kß in der Nacht zum Mittwoch in- solge Herzlähmung sanft ent- sqlascn ist. 42A Die ticsbctrübten Eltern H. Ncubert und Frau sowie Brüder Willi und Erich. Die Beerdigung findet am Montag, den 2. Oktober, nach- mittags 33/t Uhr, von der Leichen- halle des PhilippuS-Llpostel-Kirch- hoses, Müller- Ecke Seestratze, aus statt. i Nachruf. Zum Todestage meines lieben Mannes, des Wehrmannes Karl 8prinxer Grenadicr-Rcgt. 12, 5. Batt., 4. Komp. gefallen im großen Bölkerringen am 30. September 1915. Fr. Anna Springer als Gattin Hugo Hildebrandt (z. Z. im Falde) nebst Familie. Zu früh hat Dich der Tod ereilt, Das Schicksal traf uns schwer; Wenn auch dieZeit dieWundcn heilt, Vergessen, ach, nein, nimmermehr. Verantwortlicher Reoctteur: Älsred Wteiepp, Neukölln. H während i || des Krieges[l M Preis 40 Pf. Ein Buch, das Auskunft r--, gibt über Familienunter- lEj stützunq, Wöchnerinnen'«m. Unterstützung, Kaufver- - träge, Miete, Abzahiungs- r—-i geschäfte, Arbeltsver-|B| «qm) trag, Familienrecht, Ar- pg W belterversicherung, An- HS gestellten Versicherung, p—n [B| Zahlungsfristen u. v. a.[■{ Fragen, die das Rechts- Verhältnis berühren fil Buchhandlung A BS Vorwärts n« [äal Berlin, Lindenstr. 3 r-sj ■SmiBISKB Spezialarzt Dr. med. Wockenfnß, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor), für Syphilis. Harn- u. FrauenteHlen— EhrHch-Hata-Kur(Dauer 12 Tag-e), Liaillritsroueä«!,. Solmoils, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufs- 222/6* Störung. Teilzahlung. Sprechstunden: 10— 1 und 5—8 Vcnvaltung Berlin. Tel.-Amt Moritzplatz 10623, 3578. Bureau: Rungestratze 30, Heute Freitag, den S9. September, abends 8'/, Uhr: Trteung der Orts�erwaliung. Hranchrn Nersammwngen: Kistenmacher."�3 Montag, den tl. Oktober 191ö, abends 8 Uhr, in den Andreas-Fcstsälen, Andreasstr. 21, Tagesordnung: Bericht über die Berhandlung wegen der 33°/» Teuerungszulage. Korbmacher. DienStag, den 3. Oktober 1916, abends 8'/2 Uhr, im Gewerkschaftshause(Saal 1). Engelufer 15. Tag esordnung: 1. Bericht dcS Obmanns über die gegenwärtigen Verhältnisse in unserem Beruf. 2. Branchenangelegenhcilen. Klavierarb eiter. Montag, den 2. Oktober 1916, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshanse(Saal 3), Eltgelufer 15. Tagesordnung: 1 Stellungnahme zur Erlangung einer Teuerungszulage. 2. Bericht der Kommission. 3. Sonstige Branchenangelegenheitcn. 91/12 Die Ortnvem-nltnns. Gegründet 1876 Versand nach allen PIStzen Deutschlands. Möbelfabrik Rob. Seelisch Berlin. Srud u-ücilag; BERLIN 0 112, Rigacr Str. 71— 73a empfiehlt jjntc preiswerte Höbet noch zu bilUgcn Preisen. 154 S�usterB«äume. Lagerräume: 6696(""j- Meter groß. Beslchtlsnng ohne Knatawans grestattei. Illustrierte Kataloge Nr. 1z gratis und»ranko I riDflrtl i&ucööiudeiet u. VerlagsanKatt Paul Singer& So* Berlm_«. Nr. 268. 33. Jahrgang. 2. KeilU im Jinjätlf Klllim KcksM Freitag, 39. Zeptember l!)!6. Der Reichskanzler über öie Kriegslage. BS Reichstag. KZ. Sitzung. Donnerstag, den 28. September 1S1K, nachmittags SV« Uhr. Am Bundesrotstisch: Der Reichskanzler und alle Staatssekr etäre. Haus und Tribünen sind übersüllt. In der Diplomatenloge die Botschafter und Gesandten von Oesterreich-Ungarn, Türkei, Griechen- land und Bulgarien. Präsident Kacmpf eiöffnet die Sitzung mit einem kurzen Ueber- blick über die derzeitige Lage. Der Präsident gedenkt dann des Ablebens der Abgg. Dr. Oertel und Dr. Gicse, deren Andenken das Haus durch Erheben von den Sitzen ehrt. Er schlieft mit dem Wunsch, daß Abg. Schulenburg, der verwundet ist, bald genesen möge. DaS Gouvernememsgcrichl �horn beantragt die Genehmigung zur Einleitung eines Strafverfahrens gegen den Ab- geordneten Dr. Liebknecht wegen Vergehen« gegen die |§ UO und 120 des Strafgesetzbuches. Der Antrag wird der Ge- jchäflSordnungSkommission überwiesen. Tie Rede des Reichskanzlers. Vor Eintritt in die Tagesordnung nimmt das Wort Reichskanzler v. Bethmanu Hollweg: Wenn zwischen Italien und Deutschland auch tatsächlich Kriegs- zustand herrschte, so war eine förmliche Kriegserklärung nicht erfolgt. Offenbar scheute Italien vor den verhängnisvollen Folgen zurück, die seine wirtschaftlichen Beziehungen zu unS nach dem Krieg er- leiden mutzren. Auch wünschte man in Rom die Initiative unS zuzuschieben. Wir hatten keinen Anlaß, das Spiel Italien« zu spielen. Daß unsere Taktik richtig war, zeigten die ununter- brochenen Anstrengungen der Entente, Italien zur Kriegs- «rklärung zu bewegen. Ueber ein Jahr lang hielt es stand, aber am Ende haben die Daumenschrauben, die England mit der gleichen Rücksichtslosigkeit wie bei den Neutralen, so be« seinen Ver- kündeten ansetzt, zu stark gepreßt. Italien ist in seiner Krieg- führung von englischer Kohle und englischem Gclde abhängig. So hat es uns schließlich den Krieg erklärt. Englische Zwecke sicherlich waren es. die den Ausschlag gegeben haben, wenn auch die iralieni- schen Balkanaspirationen milgcwirkt haben mögen. Bekanntlich wünscht Jialien auf dem Bai tan Ausdehnung seines Einflusses auf Gcbiersteile, die zur Interessensphäre Griechenlands gehören. Um nichi ganz ausgeschalter zu werden, erschien ihm die Teilnahme an der Sarrailexpedilion erwünscht, und diese wiederum mußte zu er- neuten Zusammenstößen zwischen italienischen und deutschen Truppen in Mazedonien führen. So entstand die Kriegserklärung an uns. Gleichzeitig hat sich Rumänien unseren Gegnern angeschlossen. Unsere Beziehungen zu Rumänien vor dem Kriege beruhten auf einem Bündnisverträge, der zunächst nur zwischen Rumänien und Oesterreich-Ungarn abgeschlossen, durch den Zutritt Deutschlands und Italiens aber dann er- weilerr worden war. Die Vertragschließenden verpflichtete» sich zu gegenseitiger Waffenhilfe im Falle eines un- provozierten Angriff« von dritter Seite. Als der Krieg ausbrach, war König Carol mit aller Energie für den Anschluß an die Zentralmächle. Als eine Verleugnung des Bündnisvertrages erschien dem verstorbenen König der Einwand, daß Rumänien von der österreichisch-ungarischen Demarche sSchritl) in Serbien nicht be- nachrichligt und über sie nicht befragt worden sei. Aber in dem entscheidenden Kabineusrat drang der bejahrte König mit seiner Meinung gegen eine Regierung nicht durch, deren Ministerpräsident von Anfang an über alle Verträge hinweg mit der Entente sympathi- sierte. Kurz» Zeit darauf starb der König gn den Folgen der seelischen Erregung, die ihm daS Bewußtsein bereitet hatte, daß Rumänien seine Bundesgenossen verraten würde. Die rumänische Politik BratranuS ging darauf au«, sich auf Kosten der im Völkerkrieg liegenden Parteien zu bereichern, ohne große eigene Opfer. Es galt nur rechtzeitig zu erkennen, auf welche Seite sich die Wage- schale des Krieges endgültig neigen werde, und den Augenblick de« Anschlusses nicht zu verpassen. Schon im ersten Kriegsjahre, ver- mullich nach dem Fall von Lemberg, schloß Bratianu hinter dem Rücken seine» Souveräns einen Neutralitätsvertrag mit Rußland. Nach dem Fall von Brzemysl aber schien ihm die Zeit gekommen, sich mit unseren Gegnern über den Judaslohn zu ver- ständigen. Die Verhandlungen schlugen inde« fehl. Rußland wünschte seinen eigenen ungeheuren Länderbesitz durch die Bukowina zu ver« größern. auf das Banal hatte aber Serbien sein Auge geworfen, während Rumänien nicht nur die Bukowina, sondern auch die öfter- reichisch-ungarischen Gebietsteile bis zur Theiß für sich haben wollte. So kam es nicht zum Abschluß, aber die rumänische Neu- tralität nahm immer mehr die Form einer einseitigen Be- günsttgung der Entente an. So bedurft« es unseres sehr energischen Druckes, um die Freigabe de» von un« aufgekauften Ge- tmdes zu erwirken. Nach dem Durchbruch bei Gorlice wurde Herr Bratianu zweifelhaft, ob er auf da« richtige Pferd gesetzt habe. Die Verhandlungen mit der Entente gerieten in» Stocken. Immer bestimmte ja die allgemeine Kriegslage die ru- m ä n i?' ch e Politik. Als dann aber die große russische Offensive dieses Frühjahrs kam und dann die Angriffe an der Somme ein- setzten, glaubte Herr Bratianu, den Zusammenbruch der Zentral« mächte vor sich zu sehen. Nun war er entschlossen, sich an dem ver« meinllichcn Leichenraub zu beteiligen. Auf der anderen Seite hatte die Entente für ihre Verhandlungen mit Bratianu freiere Hand als vorher. Serbien war besiegt, seine«nnexionswünschc kamen nicht mehr in Betracht. Um so freigebiger konnte man sich Rumänien gegen- über zeigen. Milte August wurde Herr Bratianu mit unseren Gegnern handelseinig. Den Zeitpunkt de« Losschlagen« behielt er sich vor. er machte ihn von gewissen Voraussetzungen militärischer Art abhängig. Der König hatte unS bis dahin versichert, daß er neutral bleiben werde. Am 5. Februar d. I. hatte der hiesige rumänische Gesandte auf Beseht seines Königs die formelle Erklärung ab- gegeben, daß der König entschlossen sei, die Neutralität Rumänien« aufrecht zu erhalten, und daß seine Regierung dies auch durchführen könne. fHört! hört!) Gleichzeitig erklärte Herr Bratianu unserem Gesandte», daß er sich dieser Erklärung seines Königs voll- komnien anschließe.(Hört I hört I> Wir konnten uns dadurch nicht täuschen lasten. Ueber die Verhandlunisen Bratianu« im August diese« Jahre« waren wir fortlausend untemchlet. Beständig haben wir den König auf die geheimen Machenschaften seines Minister« hingewiesen. Das gleiche haben wir mit den politischen Faktoren Rumänien« getan, die entschlossen gegen den Krieg wirkten. Ter König erklärte, er glaube nicht, daß sich sein Minister an die Entente gebunden habe oder binde. Noch sechs Tage vor der Kriegs- erllärung erklärte der König unserem Gesandten, er wisse, daß die große Majorität Rumäniens den Krieg nicht wolle.(Hört I hört I) Und an demselben Tage versicherte der König«iiieni persönlichen Vertraute», daß«r die Mobilmacbungsorder nicht unterschreiben werde. �Erneutes lebhafte« HörtI hörti) Am 20. August, also am Tage vor der Kriegserklärung, erklärte der König noch dem österreichisch- ungarischen Vertreter, daß er den Krieg nicht wolle.(Hört! hört!) Al« Kuriosum erwähne ich, daß Bratianu an demselben 2S. August dem Grafen Czernin versickert hat, er fei«nt- schloffen, die Neutralität Rumäniens aufrechtzuerhalten, der Kronral am näckisten Tage werde die Wahrheit seiner Worte beweisen. (HörtI hörti und stürmisches Gelächter.) UebrigenS war die Entente noch am 23. August sich selbst nicht darüber im klaren, wenn Ru- mänien den Krieg erklären wolle. Wir wußten das aus zuverlässiger Quelle. Dann haben sich die Ereignisse überstürzt. Nach Nachrichten, die ich für zuverlässig halten möchte, stellte Nüßland kürzlich das Ultimatum, es drohte über die ungeschützte rumänische Grenze einzurücken, falls Rumänien nicht bis zum 28. August den Krieg erklärt habe. Ob dieses Ultimatum ein mit Bratianu abgekarlelcs Spiel war, um den König mit fortzureißen, lasse ich dahingestellt. Herr Briand hat in einer seiner letzten Reden die Schönheit und Hoheit des Vorgehens Rumäniens gerühmt.(Gelächter.) P o- litis che Zustände, unter denen Minister- und Königsworte nicht mehr gelten, lassen auf die Freiheit, Gerechtigkeit und Zivilisation, für die die Entente kämpfen will, ein etwas fragwürdiges Licht fallen. Von der Einschätzung der allgemeinen Kriegslage hat Rumänien seine Raubpolitik abhängig gemacht. Nun, es wird sich ebenso militärisch verrechnen, wie es sich gemeinschafilich mit der Entente poliliich bereits verrechnet hat. Man rechnete ja zuversickt- lich auf den Abfall der Türkei und Bulgariens. Aber die Türkei und Bulgarien sind nicht Rumänien und Italien.(Lebhafter Beifall.) Unverrückbar steht ihre BundeStreue, sie hat auf den Schlachtfeldern der Dobrudscka glänzende Siege gefeiert.(Beifall.) Harle Kämpfe toben in Ost und West und Süd. Anfang Juli hat die große Offensive der Engländer und Franzosen an der Somme eingesetzt, jetzt sollte die Front der verhaßten Deutschen durchbrochen. Frankreich und Belgien befreit und der Krieg nach Deutschland hineingetragen werden. Wohl haben die Franzosen und Engländer Vorteile erstritten, wohl sind unsere ersten Linien um einige Kilometer zurückgedrllckl, auch schwere Verluste an Menschen und Material baden wir zu beklagen, bei einer in so großem gewaltigen Maßstäbe angelegten Offensive ist daS unvermeidbar. Aber der Durchbruch im großen Stile, die Aufrollung unserer Stellung ist nicht geglückt.(Beifall.) Ungebrochen steht unsere Front da. Ein Ende der Kämpfe an der Somme i st noch nickt abzusehen, sie werden noch manches Opfer kosten— aber durch kommen sie nicht.(Lebhafter Beifall.) Dafür bürgt unsere Führung, dafür bürgt die unvergleichliche, beispiellose Tapferkeil der Truppen aller deutschen Stämme.(Beifall.) Auch im Osten tobt der Kampf weiter. Nachdem die große Offensive des Generals Brussilow zum Stehen ge- bracht war, haben schwere russische Angriffe ivestlich von Luck, an der Najarowla und in den Karpathen cmgcsetzt. Unter blutigen Verlusten für die Russen sind sie zusammengebrochen. Auch hier wird Stand gehalten werden, dank dem unvergleichlichen Heldenmut unserer Heere.(Beifall.) Seil einem Jahr ist der neue große Balkanplan der Entente pereifl, der den Vicrbund sprengen, unsere Bereinigung mit dem Orient zerreißen soll, danstt dann die vereinten Kräfte gegen Deutichland gerichtet werben können.— Seit fast einem Jahre wird als Vorbereitung dazu ein große» Heer in Saloniki erhalten. Der Verrat Rumäniens schloß die Kette. Und was ist erreicht'{ D i e Lage unserer treuen und tapferen Verbündeten ist unerschüttcrt. Oesterreich-Ungarn steht an der Ostfront zusammen mit uns bis nach Siebenbürgen, türkische Truppen kämpfen in Galizien, bulgarische, deutsche und türkische Truppen haben die Rumänen in der Dobrudscha geschlagen. Im ganzen also: an der Sommesront einzelne Erfolge der Gegner, die aber die Gesamllage nicht ändern. Im übrigen erfolgreiche Abwehr aller feindlichen Angriffe und damit Durchkreuzen der feindlichen Absichten. Auf dem Balk«.n Scheitern der feindlichen Pläne.(Beifall.) So geht der ungeheure Krieg weiter. Immer neue Völker stürzen sich in das Blutbad. Zu welchem Ende? Die Krieg»- ziele, die unsere Gegner immer unverhüllter verkünden, dulden keine Mißdeutung: ErobeningSIust und Berntchlungswille I(Zustimmung.) Konstantiopel den Russen, Eli'aß-Lolhringen den Franzosen, da« Trentino und Trieft den Italienern und jetzt Siebenbürgen den Rumänen. Für un« war vom ersten Tage an der Krieg nichts andere« als Verteidigung unsere« Rechte« auf Leben, Freiheit und Entwicklung.(Beifall.) Darum konnten wir als die ersten und die einzigen unsere FriedrnSbereitschaft erklären. Ich habe darüber am V. Dezember v. I. und später wiederholt deutlich gesprochen. Asquilh und Lord Robert Cetil schaffen meine Worte nicht mit der Behauptung au« der Welt, wir hätten gar keine oder unerträgliche und erniedrigende Friedensbedingungen kundgegeben. Wir haben das Unserige getan. Wie könne» wir ein Friedensangebot machen, wenn unsere Gegner einen heule zu schließenden Frieden als Er- niedrigung, Herausforderung, als eine Schmach gegen das An- denken der Toten bezeichnen, wenn manche den Krieg für utopische Kriegsziele führen. Die Eroberungslust ist e«, die die Schuld trägt, daß die Berge der Toten sich täglich türmen.(Lebhafte Zustimmung.) Wir wollen Dentschland für alle Zeiten und gegen jeden Angriff schützen. Glaubt Herr Briand, daß die Bedanken, die unsere Gegner vor dem Kriege zusammenführten, französische Revanchepolttik, russische Eroberungslust, englischer Einkreisung«- und Welt« beherrschungSdrang, daß der Bernichtungtwille und die BohkotlierungS- tendenzen den Boden sür internationale Abmachungen bereiten? Meint Herr Briand, sein ideales Ziel— Schutz der Freiheit der Nationen gegen jeden Angriff— durch einen Vernichtungskrieg er- reichen zu können, in welchem die Jugend Frankreich» auf den ver- wüsteten Schlachrseldern an der Somme dahinstirbt? Letzthin ist wieder die Mär aufgewärmt worden, der Kaiser habe durch seinen Einfluß beim Zaren die freiheitliche Entwicklung Rußlands gehindert. Diese Behauptung ist unwahr, ist da« strikte Gegenteil der Wahrheit.(Hört! hört!) Im übrigen: ob Ruh- land autokratisch oder kon st ttutionell sein will. ist Rußlands Sache. Ich vertrete nur deutsche Interessen, nur die Achtung vor dem deutschen Recht, vor den deutschen Jnter- essen ist da«, was wir im Frieden von den anderen Mächten ver- langen, sie mögen unter diesem oder jenem Regime leben. England hat bisher nicht gesagt, was c» von den Kolonien sich zueignen will, aber die Briten lassen keinen Zweifel darüber, daß sie sich ein militärisch wertlose«, wtrtschaftlich zer- schmetterte», von aller Well boykottiertes und zu dauerndem Siechtum verurteiltes Deutschland zu Füßen legen ivollen. Wenn dann keine deutsche Konkurrenz mehr zu fürchten, wenn Frankreich verblutet ist, wenn alle Kriegöver- bündeten England Frondienste leisten und die europälschen Neutralen jeder schwarzen Liste parieren müssen, dann soll auch ein ohnmächtiges Denlichiand den Tronin einer englischen Welthcrr- schast nicht mehr stören. Für diele« Ziel kämpft England mit einem in seiner Geschichte unerhörten Kräfleeimatz, reiht es einen Bruch des Völkerrechts au den anderen. Darum ist England der selbstsuchtigste, hartnäckigste, erbittertste Feind. Ein Staats- mann, dersichscheute. gegen diesen Fei ndjede» taugliche, den Krieg wirklich abkürzende Mittel zu benutzen, dieser Staatsmann verdiente, ge- hängt zu werden.(Lebhafter, anhaltender Beifall und Hände- klatschen.) Sie mögen aus meinen Worten den Grad von Unwillen oder von Verachtung erkennen, den mir die immer imeder verbreitete Behauptung erweckt, als ob aus einer unbegreiflichen Scho- mmg. aus veralteter VcrständigungSneigung oder gar aus dunklen Gerüchten, die das Licht de» Tage« scheuen, gegen jeden Feind nicht jedes irgendwie gebrauchsfähige Mittel angewendet würde. AlS wir im August 1914 gezwungen wurden, daS Schwert zu ziehen, da loderte brennende, oft verschwiegene Liebe zum Vater- lande in allen Herzen auf, kainpfesmultg und siegesbewußt. Heule »ach zwei Jahren des Kampfes und Ringens, des Duldcns und Sterbens, wissen wir genauer als je zuvor, daß es sür uns nur eine Parole gibt: Durchhalten und siegen! Und wir werden siegen.(Lebhaftes Bravo!) Unsere Lebensmittel haben gereicht, die neue gute Ernte stellt olles viel sicherer. Reichlich ist es trotzdem nicht. Ich kenne die Schwächen und Mängel der Organisation und hoffe aus Ihre Besjerungsvorschläge. Ich teile die tiefe Trauer um die Gefallenen und um die Verstümmelten, ich neige mich vor dem Heldensinn der/ Frauen und Männer, ohne Unterschied von Rang und Klasse, die die Opfer tragen einig in der heiligen Liebe zu dem Lande, das all ihr Eigen um- schließt, das in Arbeil und Kamps erworben ist. Höher»och und größer ist der Todesmut unserer Söhne und Brüder draußen. Vor ihrem beispiellosen Hcldensinn muß unser Leid verstummen, kein Wort der Klage darf an ihr Ohr draußen klingen, nur heißer Tank aus der Heimat soll ihr Gefährte im Trommelfeuer sein.(Lebhafter Beifall.) Bei unserer Kriegsanleihe hat das deutsche Volk Gelegenheit, wiederum zu beweise», daß eS zu allen Opfern fähig ist, und fest an unseren Sieg glaubt. Ich weiß, daß jeder Deutsche, der sein Vaterland liebt, es als seine Ehrenpflicht ansieht, durch die Hergabe oller verfügbaren Mittel das Kommen des Sieges zu beschleunigen. Die Zähne auf einander gebissen, aber die Herzen und die Hände weit aus, so wollen wir hinter unseren Feldgrauen stehen, ein Mann und ein Volt.(Lebhafter Beifall.) Dieser Kriegsbrand hat uns gezeigt, auf wie festem, unzerstör- barem Fundament unser HauS gebaut worden ist. Was anderes be- sähigte unS denn, diesen Kampf siegreich zu bestehen als die Liebe zu dem Lande der Väter, als die unverlorcne Kraft, die im Ur- grund deS Volke« lebt, au« dem sie in ewiger Erneuerung empor- wächst I Nicht« von dem, was uns diese Feuerprobe bestehen läßt. können wir im Frieden vcrmiffen. Unermeßliche Arbeit ivar stets unser Glück und soll cS auch weiter sein. Die gewaltigen Auf- gaben aus allen Gebieten des staatlichen und sozialen, des wirl- schaftlicheii und politischen' Lebens bedürfen zu ihrer Lösung aller Kräfte, die in unseren« Volke leben. Eine Staats- Notwendigkeit, die sich gegen alle Hemmungen durchsetzen wird, ist CS, die Kräfte, die da sind, die zu schaffen, zy wirken verlangen, sür daS Ganze zu nützen,(Bravo.) Freie Bahn für alle Tüchtigen, (Lebhafter Betfall ltitks), da« ist die Losung. Die Regierung loird diese Losung vorurteilsfrei durchführen. Daun ivird unser Reich festgefügt, weil jeder Stein und jeder Balken mit trägt und mir stützt, einer gesunden Zukunft entgegengehen. Dann werden die Starken aus allen Ständen gern und freudig teilnehmen an den Werken des Friedens wie jetzt am blutigen Kampf.(Lcbh. Beifall im Hause und auf den Tribünen.) Abg. Spahn(Z.) beantragt, die nächste Sitzung zu Donnerstag, den 6. Oktober, fest- zusetzen und dann mit der Besprechung der Rede deS Reichskanzlers zu beginnen. Abg. Scheidemann(Soz.): Angesicht» der gesamten politischen Lage hätten meine Freunde den dringenden Wunsch gehabt, sofort im Anschluß an die Rede de« Herrn Reichskanzler« in eine Debatte über diese Rede ein- zutreten. Dieser Wunsch wird jedem begreiflich erscheine», der weiß, wie groß die Anteilnahme des gesamten Volles an allen politischen und wirtschaftlichen Fragen zurzeit ist. Nachdem aber eine Reihe Parteien dieses Hauses den Wunsch aus- gesprochen haben, daß einige der Fragen, die mir hier erntet» werden, zunächst in der Budgetkommission besprochen werden sollen, in der auch bestimmte Auskünfte gegeben werden sollen über eine ganze Anzahl anderer Fragen, dre sehr wichng erscheinen, hat meine Fraktion e i n st i m m i g b e s ch l o i' c n. dem Wunsche der Parteien nicht entgegen st eljcn z u wollen. Wir werden also dafür stimmen, daß die Debatte am Donnerstag kommender Woche einsetzt. Abg. Ledebour(Soz. Arbg.): Wir Kalten e» für notwendig, daß da« Haus sofort morgen in die Erörterungen der vom Reichskanzler vorgebrachten Fragen eintritt. Im Volke wird man cS nicht veistehcn, daß wenn der Deutsche Reichstag nach einer Pause in dieser außerordentlichen Zeit zusammentritt, er sich jetzt nach einer einleitenden Rede des Reichskanzler» wiederum auf längere Zeil vertagt, anstatt sofort in die Beantwortung der vom Reichskanzler dargelegten Ausführungen einzutreten. Sind lv i r denn etwa r n Deutschland minderbefähigt, so große und wichtige Angelegenheilen in: Reichstag zu er- örtern.als in Ungarn(Sehr gut! bei der Soz. Arbg.), Ivo von allen Seiten des Hause« in der ausgiebigsten Weise sojort die wichtigen Fragen im Meinungsaustausch mit der Regierung crörlcrr worden sind. Wenn jetzt davon Abstand genommen werden soll. sofort in die Erörterung einzutreten, so kann das nur die Wirktiitg haben, daß die Politik der Reichsregierung und der maßgebenden Parteien dieses Hanfes vo in Volle noch ungünstiger beurteilt ivird, als das sowieso infolge der Ereignisse geschehen ist. Wir hallen cS sür dringend notwendig, daß der Reichstag feine Ansicbt kundgibt, denn da« ist seine Verpflichtung gegenüber dem Volke.(Zuruf: Tut er auch!) Wenn die ReichSreglerung glaubt, jetzt nicht in eine solcite Erörterung eintreten zu können, hatte der Rcichslanzler seine Siede ja in einer Zeit ballen können, in der auch seiner Uebcrzcugung nach ein voller Meinungsaustausch im Parlament möglich ivar. Wenn jetzt allein eine derartige Rede ins Land hinausgeht, die ich natürlich nicht sachlich kritisieren will, so kann dadurch nur der Glaube erweckt werde», da« waren Berlegenhcitswortc, und man ist nicht in der Lage, jetzt da« zu sagen, was notwendig ist.(Sehr richtig! bei der Soz. Arbg.) Im Auftrage meiner Parteigenossen beantrage ich doshalb, daß der Rcichsiag sich auf morgen vertagt und die Erörterung der vom Reichskanzler angeschnittenen Fragen auf die Tagesordnung setzt.(Bravo l bei der Soz. Arbeits« gemeinschaft.) Abg. Bafsermann(natl.): Der Antrag Spahn enlipricht nicht einem Wunsche der Regie- rung, sondern den yraklischcn Erwägungen und den Beratungen des AeltestcnausschusseS. Auch der Himveis auf den ungar i'chcir Rcichsiag lriffr nicht zu, denn es ist nicht davon die Rebe. daß hier eine eingehende Beratung über die auswärtige Politik unterbleiben soll. Es sollen nur eine ganze Anzahl Fragen der auswärtigen Politik zunächst im Ausschuß eingehend besprochen werden, zumal solche darunter sind, die nur iir vertraulicher Beiatung erledigt werden lönnen. Wir halten es für richtiger, im Besitz des gesamten Materials zu sein, ehe wir im Plenum deS Reichstags Stellung nehmen. Ich bin überzeugt, dag unser Volk diese au» praktischen Erwägungen hervorgegangene Behandlung der Dinge durchaus verstehen und billigen wird. (Betfall.) Zur Utlierstützung de« Antrags Ledebour erheben sich nur die Mitglieder der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft, diese Unter- stiitzung reicht nicht au«, der Antrag Spahn wird hierauf gegen die Stimmen der Arbeitsgemein schast an- g e n o in m e n. Nächste Sitzung Donnerstag, den 5. Oktober. 12 Uhr: Besprechung der heutigen Kanzlerrede. Schluß 4'/, Uhr. Eine Richtigstellung. In dem Bericht über die Parteikonferenz, der im„Vorwärts" vom 27. September abgedruckt ist, wird mitgeteilt, Cohen- Reuß habe dort ein Zitat aus einem Artikel verlesen, den ich am 27. November 1914 in der„Neuen Zeil" veröffentlichte. Das Zitat lautet in der Wiedergabe des Protokolls: „Bei einem Kriege stehe zwar kein Jntereffe des Proletariats direkt auf dem Spiel, aber die Bedingungen seiner Entwicklung können doch durch den Sieg der eigenen Regierung gefördert werden. Darum müsse das Proletariat Partei ergreifen und es werde durch den Krieg in die unangenehme Lage gebracht, der- selben Regierung die Mittel zur Kriegführung zu bewilligen, der man im Frieden jeden Mann und jeden Groschen verweigert". Ich kann augenblicklich nicht feststellen, in welcher Form Cohen das Zitat vorgelesen hat. Auf jeden Fall habe ich es nicht in der vorliegenden Form abgefaßt. Aus einzelnen von mir geschriebenen Sätzen und Worten, die über drei Seiten der« streut sind, ist im Bericht ein Ragout zusammengekocht worden, für das ich die Autorschaft entschieden ablehnen muß, da es im Gegen- sah zu meiner wirklichen Auffassung steht. Im heutigen„Vorwärts" <28. September) bringt der Berichterstatter eine Berichtigung, die die gröbste Entstellung nur wiederholt und damit unterstreicht. Da muß ich die wirkliche Richtigstellung schon selbst vornehmen. Nach dem Zitat müßte man glauben, ich hätte am 27. November 1914 die Pflicht der Kreditbewilligung ausgesprochen. In Wirklich- keit habe ich gerade damals vor der Fraktion entschieden die Ab- lehnung der Kredite vertreten, während ich am 3. August noch Stimm- enthaltung für das Zweckmäßigste hielt. In dem Artikel, dem das Zitat entstammt, betitelt die„Jnter- nationale und der Krieg", untersuche ich auch gar nicht die Frage, ob von uns die Kriegskredite zu bewilligen seien, sondern die da- von ganz verschiedene Frage, ob internationale Sozialisten in einem Kriege überhaupt Partei ergreifen dürfen und unter welchen Be« dingungen diese„nicht immer politisch unerläßliche, aber psycho- logisch unvermeidliche Parteinahme" mit der Jnternationalität der- embar sei. Ich suchte das an Beispielen aus der Parteigeschichte seit 1864 zu erläutern. Im Laufe dieser Untersuchung äußerte ich die Sätze, die in dem Bericht über das von Cohen vorgelesene Zitat zu- sammengestellt sind. Ich wies darauf hin, daß die Kriege allerdings von den Regierungen geführt würden. „Aber an der Art des Ausgangs des Krieges ist trotzdem das Proletariat interessiert. Direkt steht dabei wohl kein proletarisches Interesse auf dem Spiel, aber indirekt können die Bedingungen seiner Entwickelung und seines Kampfes durch den Sieg der e i n e n Regierung gefördert, den der anderen gehemmt werden." Dieser Satz ist in dem Bericht in der Weise wiedergegeben, daß er mich statt von dem Sieg der einen Regierung von dem der eigenen reden läßt. Die„Berichtigung" wiederholt diese Entstellung. Wie sehr dadurch der Sinn meines Gedankenganges verkehrt wird, geht schon daraus hervor, daß ich in seiner Fortführung die Parteinahme erläuterte, die im Kriege geübt wird, und zeigte, daß die Denkweise, die sich von vornherein auf die Seite der eigenen Regierung stelle, die des Nationalismus sei. Für den internationalen Sozialisten liege hier dagegen ein Problem vor, das er zu lösen habe durch„das Abwägen aller für das internationale Proletariat möglichen Konsequenzen des Kriegsausganges'. Nach dieser Feststellung ging ich zur Erörterung der Schwierig- leiten des Problems über und bezeichnete als eine derselben die „unangenehme Situation", in die die Sozialdemokratie dadurch der- setzt werde, daß sie, sobald sie Partei für einen der kriegführenden Staaten nehme, damit auf Seite einer Regierung trete. „Ist diese Regierung die eigene, dann heißt es, ihr die Mittel zur Kriegführung bewilligen, derselben Regierung, der man im Frieden jeden Mann und jeden Groschen verweigert." Das ist der zweite meiner Sätze, die in dem Bericht zitiert werden. Er ist dort in direkten Zusammenhang gebracht mit dem entstellten Satz von der Förderung des Sieges der„eigenen" Re- gierung, von dem ihn drei Seiten trennen. Die Verkehrung meines Gedankenganges wird durch dieses Verfahren auf die Spitze ge- trieben. Was ich als S ch w i e r i g k e i t bezeichne, erhält nun den Charakter einer inneren N o t w e n d i g k e i t; was ich als Kon- sequenz eines einzelnen unter verschiedenen möglichen Fällen anführe, wird dadurch in eine allgemeine Forderung ver- wandelt. Man sieht, welch gräulicher Wirrwarr mit meinen Worten in dem Bericht angerichtet wurde. ES war nicht einfach, den Ratten- könig zu entwirren, aber ich fühlte mich verpflichtet, die umständliche Prozedur vorzunehmen, weil sonst die Masse der Parteigenosien den Eindruck erhalten mußte, ich wäre in d'en ersten Monaten deS Krieges dem Internationalismus abtrünnig geworden. Wie wenig das der Fall war, mögen noch folgende Sätze aus dem zitirten Artikel bezeugen: „Kein Zweifel, es kann eine Parteinahm« im Krieg geben, die mit der Jnternationalität unvereinbar ist. Aber zum Glück gilt das nicht von jeder Parteinahme. Entscheidend find die Motive. auS denen man Partei ergreift. „Wer sich von dem Satze leiten läßt:„UiAbt, or wrong, my country"— mag mein Staat recht oder unrecht haben, ich stehe auf jeden Fall zu ihm— der stellt sich damit sicher außerhalb der Internationale, wenn er jemals darin gestanden haben sollte. „Anders steht die Sache, wenn man bei der Parteinahme ausgeht nicht vom Interesse des Staates, sondern von dem der Gesamtheit des Proletariats und sich fragt: wessen Sieg bietet für den Fortschritt unserer Sache nicht nur im eigenen Staate, sondern in der Welt besiere Aussichten? Wie immer die Antwort lauten mag. sie wird nie die Grundsätze der Jnternationalität verletzen, die davon ausgeht, daß die Jnteresien des Proletariats eines Landes solidarisch find mit denen des Proletariats der anderen Länder." Das ist e», was ich am 27. November 1914 ennvickekte. Das ist mein Standpunkt auch heut«. 28. September._«.»antsky. die parteipresse zur Reichskonferenz. „Chemnitzer Volksstimme". „Eine Beflegung des unheilvollen BruderkampseS, der, je länger der Krieg dauert, die ehedem so stattliche, achtunggebietende deutsche sozialdemokratische Partei desto mehr in ihren Grundfesten er- schüttelte, haben eine Anzahl Optimisten erhofft, die sich mit schönem, redlichem Eiser seit Monaten für eine Verständigung einsetzten. Wer inmitten des Zwistes stand, mußte sich darüber klar sein, daß eine Aussprache unmöglich zur Beendigung deS Streites führen� könnte, weil die Differenzen viel zu tief gehen. Wenn Debatten über die Streitfragen, die zur Spaltung der Reichstagssraktion führten und dann den Kampf in den Organisationen zur Folge hatten, einen Ausgleich ermöglichten, wäre es erst gar nicht zum Krach gekommen, den» Worte find in den Sitzungen der Reichstagssraktion, im Parteiausschuß und auch in der Presse— trotz aller Hemmungen durch Zensur und Belagerungszustand— genug gewechselt worden... Als ausgeschlossen kann es schon jetzt gelten, daß ein Parteitag die bisherige völlige Geschlossenheil der deutschen Sozialdemokratie aufrechterhalten könnte. Mit den Spartakus-Leuten, der Gruppe „Internationale", ist eine Verständigung für die Zukunft ausge- schlössen. Aber diese Sekte hat auch, trotz des Spektakels, den sie verursachte, zahlenmäßig keine Bedeutung. Sie beherrscht nur einige Zahlabende in Teltow-Beeskow und wenige andere Bezirke. Da- gegen erklärte die neue Fraktion Arbeitsgemeinschaft und ihr Anhang zurzeit, daß sie sich der Entscheidung eines Parteitages unterwerfen würde. Wie weit dabei die Hoffnung wirkt, die Mehrheit des Parteitages gewinnen zu können, kann dahingestellt bleiben. Wir halten uns an das Wort und zweifeln nicht daran, daß mindestens der größte Teil der Opposition im Rahmen der Parteiorganisation verbleiben würde, wenn der Parteitag gegen sie entschiede. Daher mußte die schleunigste Einberufung eines Parteitages erwünscht erscheinen, um zu versuchen, die weitere Parteizerstörung zu bannen.... Geschadet hat die Reichskonferenz auf keinen Fall, auch wenn zur Herbeiführung der alten Einigkeit und Geschlossenheit praktisch nichts getan werden konnte. Eine Minderung in den Meinungs- Verschiedenheiten konnte nickit herbeigeführt werden. Zwei Richtungen ringen auch in Zukunft um das Uebergewicht in der Partei weiter. Die organisatorische Einheir bleibt, soweit vorauszusehen ist, be- wahrt; der Kampf der Meinungen wird aber seinen Fortgang nehmen. Dabei wird es wahrscheinlich leider auck> in Zukunft nicht ohne Zusammenstöße abgehen. Mögen die Differenzen so aus- getragen werden, daß dabei die Interessen des Proletariats, die auf dem Spiele stehen, nicht noch eine weitere Schädigung erfahren." „Dresdener VolkSzeitung". „Die Wiederherstellung der Fraklionseinheit ist durch die Reichs- konferenz nicht erzielt worden. Es bleibt bei der Abspaltung, es bleibt damit auch bei den Schwierigkeilen innerhalb der Organi- sation im Lande. Vielleicht aber wird die offene und gründliche Aussprache auf der Relchskonferenz wenigstens den einen Ertrag für die Organisationen bringen, daß die Methode der persönlichen Ver- dächligungen und Schmähungen ein Ende nimmt und die Achtung vor der Meinung des anderen wiederkehrt. Wie sich im übrigen das Schicksal der Partei infolge der Fraktionsspaltung Weiler gestalten wird, das wird in erster Reihe von dem weiteren Verlaufe der Weltereignisse abhängen. Wir teilen den Wunsch, mit dem der Vorsitzende. Genosse Ebert, die Reichs- konferenz schloß, daß alle Parteigenossen bemüht sein mögen, die Einheit und Geschlossenheit der Partei zu wahren. Denn Einheit und Geschlossenheit sind eine unbedingte Notwendigkeit, wenn die deutsche Arbeiterschaft den großen und schweren Aufgaben gewachsen sein soll, die noch im Kriege und ebenso nach Wiederkehr des Friedens an sie herantreten werden. „Magdeburger Volksstimme". Die Frage, ob die Reichskonferenz der sozialdemokratischen Partei die Spaltung oder Einigung bringe, kann nach dem Ausgang der Verhandlungen auch jetzt noch nicht mit Sicherheit beantwortet werden. Zwar hat der Parteivor sitzende, Genosse Ebert, am Schluß erklärt, die Unterschiede der Auffassungen wären nicht so groß, als daß die Einigkeit unmöglich wäre. Aber nicht auf die Ansicht des Vorstandes kommt es an, sondern auf die Meinung jenes Teiles der Partei, der die Konferenz überhaupt erst nötig gemacht hatte. Und da ist von besonderer Wichtigkeit, zu lesen, daß das Zentralorgan der Parteiminderheit, der Berliner„Vorwärts", in seinen Schluß- betrachtungen über die Konferenz offen ausspricht, die Opposition sei „ein so starker, wohlorganisierter Teil der Partei", daß der Krieg gegen sie die Abstoßung des besten stärlsten Elements der Partei bedeute. In diesen Worten ist die UnHaltbarkeit der Lage deutlich gekenn- zeichnet, wie sie sich auch nach der Konferenz gestalten wird. Daß Meinungsverschiedenheiten vorhanden sind in einer Partei, die ihre Anhänger nach Millionen zählt und deren eingeschriebene Mitglieder sich vor dem Krieg auf über eine Million bezifferten, ist etwas so Natürliches, daß das Gegenteil geradezu ungesund wäre. Meinungsverschiedenheiten und Streit um sie sind gewisser- maßen das Lebenselement einer demokratischen Partei. Was aber seit den siebziger Jahren glücklich überwunden war und uns Nachgebornen nur als etwas Historisches, nicht aber als etwas in der Zukunft Denkbares erschien, ist während des Krieges peinliche Gegenwart geworden: Ein Teil der Partei sondert sich ab, nicht von der Organisation der Gesamtpartei, wohl aber in der Aktion nach außen; nicht aus dem Vereinsleben, wohl aber durch Handlungen im Parlament, in einer Zeit, da die strengste Ge- schlossenheit so notwendig war wie noch nie zuvor... Wenn wir trotzdem die Hoffnung nicht aufgeben, daß nicht nur in der Organisation, sondern auch im Handeln die Einheit wieder« hergestellt werden könne, so trauen wir mehr auf die Wucht der von außen auf uns wirkenden Tatsachen, als auf die Einsicht der im Parteistreit verrannten Kampfhähne.' „Frankfurter Bolksstimme". „Es war ein Kamps um das Verständnis der deutschen Arbeiter- schaft für vaterländische Dinge— das gab der nunmehr nach drei- tägiger Redeschlacht beendeten sozialdemokratischen Reichskonferenz das Gepräge. Und wenn man sich als Mitglied der Parteimehrheit alle Mühe gibt, zeitlich und räumlich Distanz zum Ergebnis zu ge- Winnen und nicht vorschnell und eingenommen zu urteilen— man müßte die Wahrheit beugen, wenn man nicht froh verkünden wollte, daß die große Mehrheit der Arbeiterdelegierten sich auf die Seite der Mehrheit und der vaterländischen Auffassung gestellt hat. Es ist entschieden, soweit es sich jetzt unter dem Kriegszustand über- Haupt auf organisatorischem Wege entscheiden läßt: die politisch denkenden und sozialistischen Arbeiter Teutschlands stehen nach wie vor hinter ihrem bedrohten Vaterlande und dem Bestreben, alle übrigen Rücksichten, auch die auf ihre eigene Lage, diesem Haupt- zweck unterzuordnen. Das ist das Ergebnis der sozialdemokratischen Reichskonferenz." „Leipziger Volkszcitnug". „Was die Reichskonferenz sein sollte nach dem Wunsche des Parteivorstands und der Fraktionsmehrheit, das lag aus der Hand. Sie sollte als zerschmetterndes Strafgericht über die„Partei- zerstörer" hereinbrechen, sollte durch die Wucht eines zwar nicht rechtlich, aber doch moralisch verpflichtenden Urteilsspruchs einer gewaltigen Mehrheit die„Einheit der Partei" wiederherstellen, die Einheit auf der Grundlage der Politik des 4. August. Die Konferenz sollte eine Manisestation der überwältigenden Stärke der Anhänger- schaft des Parteivorstandes und der Fraktionsmehrheit, der Ohnmacht der Opposition sein. Aber es ist anders gekommen. Wesentlich anders gekommen. Erhobenen Hauptes und gehobenen Sinnes, erstarkt an Hoffnung und Willen hat die Opposition am Sonnabend den Reichstagsbau Verlässen. Hinter ihr lag ein Schlachtfeld, auf dem sie rühmlich bestanden, und vor ihr liegt ein Feld offen zu kraft- vollem Wirken. Das„kleine Häuflein" der„Querköpfe und Quer- treiber", das die Männer des 4. August erst mit überlegenem Hohn. dann mit Erbitterung und Gewalt niederzuhalten versuchten, hat seine Lebenskraft und seine Werbekrast erwiesen. Die Reichskonferenz, die ihr die moralische Stäupung bringen sollte, ward die Stätte ihres moralischen Triumphs... Wenn wir deshalb eins ganz besonders bedauern, so rst es dies, daß die Parteigenossenschast Deutschlands nicht Augen- und Ohren- zeuge dieses Kampfes sein konnte, daß ihr nachträglich auch durch die Presse kein getreues Spiegelbild der Verhandlungen gegeben werden kann. Von den während der Tagung veröffentlichten Skizzen der Verhandlungen, die nur das Gerippe geben, ganz ab- gesehen— auch der ausführlichere Bericht, der in der Presse noch erscheinen wird, ist ein Torso und muß es bleiben. Nicht nur in dem Sinne, daß wegen der noigedrungenen Kürzung der Reden ihre Wiedergabe den unmittelbaren Eindruck nicht erreichen kann, sondern auch in dem viel schlimmeren Sinne, daß gerade die besten Aus- sührungen der Redner der Opposition besonders schwer verstümmelt werden mußten, weil eben daZ, was sie zur Stütze ihrer Behaup- tungen anzuführen hatten, unter den gegenwärtigen ZeiiverhSlmissen nicht öffentlich vorgetragen werden kann.... Trotzdem hat die Opposition an der Konferenz teilgenommen und sie hat, wie der Erfolg lehrt, recht getan. Eine aufstrebende Richtung, die um ihr Daseinsrecht kämpft, die Mehrheit werden will. muß jede Gelegenheit, für ihre Anschauungen zu kämpfen, benutzen, mutz sich auf jedem Kampfplatz stellen. Das Ergebnis der Konferenz ist eine Stärkung der Opposition, ein engerer Zusammenschluß ihrer Glieder, eine Fühlung bisher isolierter Körper, eine innere KrSfli- gung der Opposition und fortschreitende Klärung in der Partei über« Haupt. Schwankende sind gefestigt, Unentschiedene der Entscheidung zugeführt worden. Und daß die Opposition bei diesem Klärungs- prozeß, dieser Scheidung der Geister nicht ungünstig abschneidet, da« von sind wir überzeugt. Dazu aber kommt der Eindruck des Auftretens der Opposition auf die Rechte und ihre Instanzen. Die Stärke der Vertretung der Linken, die Entschiedenheit und Entschlossenheit ihres Auftretens werden den Parteivorstand und seine Anhänger davon überzeugt haben, daß ein Fortfahren in der herausfordernden Gewaltpolitik, wie sie der Vorstand gegen verschiedene Organisationen und Partei- organe beliebt hat, nicht gefahrlos ist, daß sie dabei nicht einzelne unbequeme Personen, deren Trennung von der Partei ihnen ange- nehm wäre, gegen sich aufbringen, sondern starke Teile der Partei, deren Abstoßung die Spaltung, die Sprengung der Partei bedeuten würde. Wenn der Parteivorstand diese Lehre der Konferenz be- herzigt, so ist die Hoffnung vorhanden, daß der organisatorische Rahmen der Partei erhalten bleiben kann, bis ein Parteitag frei und unbehindert sein Urteil aussprechen kann, bis zweifelsfrei fest« gestellt werden kann, wo die Mehrheit der Partei steht. Daß die Opposition sich dem Ziele, diese Mehrheit zu werden, näbert, das hat die Konferenz erwiesen und sie wird, so dürfen wir hoffen, den Vormarsch zu diesem Ziel beschleunigen.... Erfreulich war der Umstand, daß die Konferenz von einem Streit der verschiedensten Oppositionsrichtungen untereinander ver« schont blieb. Die Vertreter der Gruppe Internationale haben das Recht ihrer besonderen Stellung und der Kritik der Arbeits« gemeinschaft gewahrt, was wir. da wir das Recht der Kritik nie- mand streitig machen, durchaus gerechtfertigt finden. Aber bei aller Schärfe ihrer grundsätzlieben Unterscheidung von der Arbeitsgemein- schaft haben sie den Satz betont: Getrennt marschieren, vereint schlagen I und sich verletzender Ausfälle gegen die Arbeitsgemein- schaft enthalten. Wir begrüßen das im Interesse des uns und ihnen gemeinsamen Ziels und hoffen, daß auch außerhalb der Konferenz die Taktik, die wir immer befürwortet haben, von der Gruppe Jnter« nationale angewandt wird. Daß eine nicht schmale Basis zum gemeinsamen Wirken gegeben ist, beweist der Umstand, daß die Genossin Duncker, die Sprecherin der Gruppe Internationale, bei vielen und wesentlichen Stellen ihrer Ausführungen den starken Beifall der gesamten Opposition fand.... Und der mo- ralische� Erfolg, den uns die Konferenz gebracht hat. soll uns nicht zur Lässigkeit verführen, sondern soll uns vielmehr anspornen, nun um so kräftiger zu wirken für die Gesundung der Partei. Das heißt zugleich arbeiten für jenes Ziel, das heule im Vordergrund unseres Denkens und Sehnens steht, für das Ziel, die Völker Europas von blutiger Zerfleischung wieder zu veredelnder Kultur- arbeit zurückzuführen. Daß nicht die Politik des 4. August, sondern die der Opposition die Hindernisse unterminiert, die diesem hohen Ziel entgegenstehen, das hat die Reichskonferenz aufs neue erhärtet, und in der klaren Herausarbeitung dieser Tatsache besteht einer der wesentlichsten moralischen Triumphe, die die Opposition in den drei bewegten Tagen davongetragen hat." «Bremer Bürgerzeitung". -Mit dem üblichen Schlußwort ihres Borsitzeirdeu, das in ein Hoch aus die Sozialdemokratie bzw. die Internationale ausklang, hat die sozialdemokratische Reichskonferenz am Sonnabendabend ihren Abschluß gefunden. Mit Recht konnte Ebert sagen, daß es— abgesehen von einem Zwischenfall, der fast allgemein scharf gerügt und nur von einigen Nationalisten vom Schlage Heines mit offen- barer Freude erlebt wurde— schon weit erregter auf Parteitagen hergegangen sei als auf dieser Konferenz. Wer auch nur den Parteitage» von Nürnberg und Magdeburg beigewohnt hat, mutz dem zustimmen. Nicht, als ob ein hüben und drüben angesammelter starker Groll sich immer hätte zurückdrängen lassen. Er brach oft genug und zuweilen sehr ungestüm hervor; äußerte sich aber doch fast nur ein einzigesmal als völliger Mangel an Selbstzucht. Es wäre aber falsch, daraus schließen zu wollen, daß die sachlichen Gegensätze zu minimal oder infolge der voraufgegangenen Aus- einandersetzungen in Press« und Versammlungen schon zu verblaßt seien, nm größere Erregung hervorzurufen, als sie sich gezeigt hat. Man war sich vielmehr der tiefgehenden Gegensätzlichkeit zu sehr bewußt, als daß man hätte noch hoffen können: man werde sich gegenseitig überzeugen. Einige Redner der Mehrheit, die vor- gaben, mit solchen Hoffnungen zur Konferenz gekommen zu sein, mußten denn auch bekennen, daß sie ihnen nunmehr geschwunden seien. Dabei können wir des Zweifels nicht Herr werden, daß die Teilnehmer der Konferenz sich beileibe nicht alle-der Tiefe und- Tragweite des Trennenden bewußt gewesen oder infolge der Reden geworden wären. Im Gegenteil. Wir haben erneut den Eindruck gewonnen, daß noch viel zu sehr verkannt wird, worin denn eigent- lich das Trennende besteht, man sieht die Probleme, die es not- wendig zu lösen gilt, noch nicht einmal; nichts natürlicher deshalb, daß man weit davon entfernt ist, klipp und klar sagen zu können, wie sie zu lösen find. Die Verhandlungen der Konferenz möchten wir vielmehr ein Hinwegräumen von Hindernissen nennen, die den Weg zur Erkenntnis der wichtigen Ausgaben der Sozialdemokratie in Gegenwart und Zukunft bisher versperrten. Diese Arbeit ist so gründlich geleistet worden, daß für vernünftig«, denkend« Menschen nur wenig zu tun mehr übrig bleibt. Und darin erblicken wir das bedeutsamste Resultat der Konferenz---- Au dem, was wir als wichttgstes Resultat der Konferenz an- sehen, findet auch seine Korrektur, was Genosse Ebert weiter in seinem Schlußwort sagte, nämlich: er, der den Verhandlungen mit größter Aufmerksamkeit gefolgt sei, könne nicht zu dem Schluß kommen, daß trotz der sachlichen Gegensätze ein gemeinsames Arbeiten in der Partei nicht möglich sei. Es sei möglich, sofern nur der gute Wille dazu vorhanden wäre. Mit vollem Recht hat Genosse Haase die Mehrheit daran erinnert, daß die materialisttsche Geschichtsauffassung nicht fatalisttsch ist; daß sie vielmehr dem menschlichen Willen eine große Bedeutung in der Geschichte bei- mißt. Man lese nach, was KautSky in seinem Büchlein:»Der Weg zur Macht" darüber geschrieben hat. Gerade weil wir die Kraft deS menschlichen Willens weder über- noch unterschätzen, halten wir eS für falsch, vom sogenannten„guten Willen" etwas zu erwarten, was er nicht leisten kann---- Diese Wahrheit besteht aber darin, daß die Verhandlungen der Konferenz uns klar und unerbittlich vor ein Entweder-Oder gestellt haben. Entweder wir treiben die Politik des 4. August und ge- langen dahin, wo die Kolb, Lensch, Quessel, Peus, Heine, Schippel, Legten, Haenisch bereits stehen, oder wir bekämpfen sie mit der größten Hartnäckigkeit und Unerbitllichkeit, selbst auf die Gefahr hin(die in unseren Augen wirklich nicht die größte Gefahr ist), nicht mit ihnen, sondern nur noch mit den Gruppen von der äußer- sten Linken in der Partei„gemeinsam arbeiten" zu können---- Wir müßten uns sehr irren, wenn die besten Köpfe der Mehr- heit nicht erkannt haben sollten, was Ebert im Schlußwort natürlich nicht sagte, was aber wirklich auf der Konferenz mit unverkennbarer Deutlichkeit sich gezeigt hat: Die Opposition marschiert. Tie früher dreist über das Häuflein von Quertreibern spotteten, sind ver- stummt; die jetzt noch nicht mehr sehen wollen oder können, sind Ignoranten oder Kurzsichtige. Die Opposition ist stark, und die Konferenz hat nicht nur deutlicher(als es sonst in Erscheinung trat) erkennen lassen, wie stark sie ist, sie hat sie zu ihrem Teile auch bedeutend gestärkt.... Die Opposition kann zufriedener auf die Konferenz zurück« iliiea, als sie sie beschickt hat. Keine bessere Gelegenheit konnte ihr geboten werden, als diese, ihre Anhänger zu zählen, und kein besserer Anlaß konnte ihr gegeben werden, ihre Kräfte zu mehren und fester zusammenzuschließen. Schluß mit dem Kleinlichen und Nebensächlichen, das Grundsätzliche im Kampfe herausgehoben, zeitgemäß vertieft und erweitert und die Zukunft wird ihr ge- hören." „Fränkische Tagespost". „.. Der Verlauf der Reichskonferenz war weit weniger schlecht, als man gefürchtet hatte, er war weit besser, als man es gehofft hatte. Freilich, er war nicht gut. nicht befriedigend, aber er war ebenso wenig so schlecht, wie man es befürchtet hatte. Na- türlich ist die Partei aus der Reichskonferenz nicht als eine Sin. heit und Geschlossenheit hervorgegangen. Aber der Zusammenhang der Partei ist nicht gelockert worden.... Es ist niemand auf der Konferenz niedergerungen worden, es konnte keine der großen Richtungen in der Partei niedergerungen werden, weil nicht die eine, die die Mehrrheit der Konferenz zum Ausdruck brachte, von überragender Stärke und weil nicht die andere, die als Minderheit auftreten mußte, von unerheblicher Schwäche war. Die Minderheit, gewiß nicht in sich einig, war stärker, als man es vermutete. Daß die Mehrheit aber auch nicht einem geschliffenen Kristalle gleicht, weiß jeder Parteigenosse und ist durch mancherlei Erklärungen festgestellt worden. Wenn aber die einen die anderen nicht niederringen können, wenn die deutsche Sozialdemokratie nicht bestehen kann aus einem Teil der Reichs- konferenz, sondern nur aus dem Ganzen, dann ist eben'das wich- tigste Ergebnis, daß sie zusammenhalten müssen, daß sie zusammen- wirken müssen, daß sie sich gegenseitig dulden und ertragen müssen, bis das, was sie trennt, der Vergangenheit angehört und bis das, was eint, von allen als ausschlaggebend betrachtet werden muß..... Eine Partei, die Millionen zählt, kann in einer Zeit tiefster Zerrissenheit der Geister und Gemüter nicht zu einer Einheit ge- zwungen werden. Alle möglichen Temperamente, Stimmungen, Charaktere, Lebensauffassungen sinden sich in unserer Partei, das ist so natürlich, daß wir erstaunt sein müssen, wenn es anders wäre. Es war aber nie anders. Gleich nach der Einigung der Partei gab es 1876 auf dem Parteitag einen die höchste Auftegung verursachenden Konflikt zwischen Frohme und Bebel, llnvergessen sind die Differenzen zwischen BÜel und Grillenberger, zwischen Auer und Legien und Liebknecht, zwischen Schönlank und Schippel, zwischen Kautsky und Bernstein. Humdect bekannte Namen, die in der Parteigeschichte vereungt sind, könnten wir nennen, die durch ihre streitbare Haltung die Partei aufs Tiefste erregt haben. In dmn Sinne, wie manche es wünschen, daß nur eine Meinung herrsche, war die Partei niemals über einen Kamm geschoren. Freilich, nach außen war sie immer einig, aber man vergesse nun auch nicht, daß die Wucht dieses Krieges mit keiner Frage ver- glichen werden kann, die ftüher Verschiedenheit der Meinungen in der Partei hervorgerufen hat. Man darf nur Gewaltiges mit Gewaltigem vergleichen, und dieser Krieg ist das Gewaltigste, was wir erlebt haben und was die Sozialdemokratie aller Länder erlebt hat, seitdem es eine Sozialdemokratie gibt. Gerade deshalb versagen alle Vergleiche und alle Beziehungen mit früheren Perio- den der Parteigeschichte, gerade darum sollten wir duldsam sein und nach der Reichskonferenz gutmachen, was so viele vor ihr gesündigt hatten. Vergessen wir auch nicht, daß das Gewesene uns immer in hellerem Licht erscheint, als die Leiden, die wir selbst er- tragen müssen.... Am Parteiborstand und Parlamentariern, aber nicht minder an der Parteipresse und an den Organisationen, aber auch an jedem einzelnen Parteigenossen und an jeder einzelnen Partei- genossin liegt es, daß aus der Berliner Reichskonferenz Segen und Kraft, Hoffnungsfreudigkeit und Selbstbewußtsein in der ganzen Partei ihre Wiederaufstehung finde." „Karlsruher Bolksfrcund". .Die Einheit der Partei ist, so wie die Dinge sich infolge des Krieges entwickelt haben, ein Phantom. Die Gegensätze sind zu groß, als daß sie noch überbrückt werden könnten. Darüber kann es nach den Verhandlungen der Reichskonferenz gar keinen Zweifel mehr geben. Eine Parteieinheit, die nur künstlich zusammenge- halten werden kann und die eine staatspositive Politik der Sozial- deuwkratie� unmöglich macht, ist ein Unding. Es hat gar keinen Sinn, sich über die Feststellung der Tatsache, daß eine Spaltung der Sozialdemokratie zur politischen und geschichtlichen Notwendigkeit geworden ist, zu entrüsten. Es gibt weder bei der Mehrheit noch bei der Minderheit auch nur einen ehrlichen Menschen, der die Parteispaltung wünscht. Unsere Wünsche sind aber für die von der Sozialdemokratie zu treffenden Entscheidung nicht maßgebend, sondern die durch die innere Entwicklung der Partei hervorgerufe. nen objektiven Tatsachen. Der Streit um die Bewilligung der Kriegskredite bildet nur die Fortsetzung der Kämpfe, die seit Jahrzehnten in der sozialdemokratischen Partei ausgefochten wer- den. Es ist das letzte Stadium in der Entwicklung der Sozial- dentokratie von der politischen Sekte zur politischen Partei. Daß es innerhalb der Mehrheit noch Leute gibt, die für diese Tatsache min Verständnis haben, kann und darf für die Mehrheit kein Grund sein, der notwendig gewordenen Entscheidung noch länger auszuweichen. Es ist die denkbar verfehlteste Taktik, dem söge- nannten.ournpf", d. h. jenen Parteigenossen, die weder auf dem Boden der Mehrheit noch auf dem der Minderheit stehen, die Ent- scherdung über die politische Zukunft der Partei und des deutschen Volkes zu überlassen. Wenn die Partei die Krise glücklich über- winden und nicht in Trümmer zerfallen will, dann muß die Mehr- heit sich dazu entschließen— ehe es für sie zu spät ist— eine klare Entscheidung über ihre künftige Stellung zum Staat zu treffen. Im Ernste kann doch kein vernünftiger Mensch damit rechnen, daß die Männer, die auf dem Boden der Politik des 4. August stehen, knüftig in der Regel das Budget ablehnen, daß sie den Fragen des Heeres, Marine, Kolonial-, Wirtschafts-usw.-Politik dieselbe Haltung einnehmen, welche die Sozialdemokratie vor dem 4. August 1914 eingenommen hat. Diese politische Neuorientie- rung der Sozialdemokratie kann aber nicht bis nach dem Kriege verschoben werden, denn sie ist die unentbehrliche Voraussetzung für eine Neugestaltung der politischen Verhältnisse im Reiche wie m den Einzelstaaten.... Die Reichskonferenz ist an diesem Kernpunkt deS ganzen Problems vorbeigegangen. Immerhin hatte sie das Ergebnis, daß für die Politik des 4. August eine sichere und starke Mehrheit vor- handen ist. Ein Ausweichen vor den Konsequenzen der Politik des 4. August gibt es nicht. Hier heißt es einfach: Vorwärts oder zurück." „Braunschweigcr Bolksfrcund". .Die Reichskonferenz ist ausgelaufen, wie wir es erwartet haben. Sie ergab eine Aussprache ohne Einigung über die stritt!- gen Fragen. So viel aber hat die Reichskonferenz der.Mehrheit" gezeigt, daß der Hinauswurf der„Minderheit", wie es einige mehr komisch zu nehmende Ucberphantasten der„Mehrheit" schon lange forderten, von einer geradezu katastrophalen Wirkung für die Ge- samtpartei werden müßte.... Diese„Mehrheit" hatte es auf der Konferenz sehr eilig mit ihrem Ueberfall auf die„Minderheit". Denn die Resolution David war nichts anderes als ein Ueberfall. Wir haben aller. dings nichts anderes erwartet. Ein Sieg der„Mehrheit" aber ist die Annahme der Resolution wahrhaftig nicht. Schon das einfache Taktgefühl hätte verhindern müssen, daß der Konferenz, der doch keinerlei Rechte eines Parteitages zustehen, Entschließungen über die so wichtigen strittigen Fragen in der Partei unterbreitet wur- den. Die Davidsche Resolution aber enthält geradezu Erklärungen, über die heute weder Davrd noch sonst ein Fraktionsmitglied der „Mehrheit" imstande ist, ein abschließendes Urteil abgeben zu kön- nen. Will David etwa behaupten, daß ihm das ganze Akten- material über den Kriegsbeginn und über die Kriegsursache be- kannt ist? Gebranntes Kind sollte doch das Feuer scheuen. Wir denke» au 70/71, Die„Minderheit" war daher völlig im Recht, wenn sie der Reichskonferenz das Recht abstritt. Abstimmungen über so wichtige sachliche Fragen vornehmen zu können, die zumal nicht einmal geklärt sind und deren Klärung vollständig außerhalb des Macht- bereiches der Konferenzteilnehmer liegt.... Zu einer Spaltung der Partei hat die Konferenz nicht geführt, wie mancher erwartet haben mag; und das ist gut so. Was wir schon vorher gesagt haben, ist eingetroffen: Die Konferenz war zwecklos. Sie konnte keine Klärung schaffen, die erst möglich ist, wenn die Genossen aus dem Felde zurückgekehrt und die Hindernisse beseitigt sind, die der freien Aussprache vor aller Oeffentlichleit entgegenstehen." „Bergische Arbeiterstimme"(Solingen). „Die Parteieinheit wird erhalten bleiben! Das ist das wich- tigste Ergebnis der Reichskonferenz. Böser Wille, sie zu zerstören, war nicht vorhanden, wenigstens wagte er sich nicht hervor. Die Schlußerklärung der Gruppe Internationale wandte sich zwar mit äußerster Schärfe gegen die Mehrheitsführer und enthielt das Be- kenntnis, daß deren Haltung unvereinbar sei mift dem Grundcharakter der sozialdemokratischen Partei, aber das ist nicht allein die Auffassung dieser Gruppe, sondern eine Meinung, die bis zur Mitte der Partei reicht. Verkleisterungsversuche hätten auf der Konferenz kaum Gegenliebe gefunden, von der ganzen Linken �wären sie abgewiesen warben. Die außerordentlich scharf zugespitzten Auseinandersetzungen haben unserer Meinung nach das geistige Ergebnis gehabt, daß die Minderheit künftig die Führung der Partei haben wird. Die Mehrheit muß die Zügel schleifen lassen, sie wird keine Ukasse mehr in die Welt setzen dürfen, in denen die Minderheit als Krakeeler und Parteiverderber bezeichnet wird---- Es gab auch häßliche Vorgänge, die wir mit kurzen Worten streifen wollen, bevor wir den sachlichen Verlauf der Reichskonfe- renz würdigen. Erwähnt sei ein tätlicher Angriff des Genossen Timm(München) auf den Genossen Stadthagen, der die allerschärft'te Mißbilligung der Konferenz erfuhr. Genosse � b e r t als Referent hatte einen Familienbrief, einen Verhasteten in Barmen betreffend, verlesen, dem eine fürchterliche Bestrafung droht. Ebert wollte damit die Warnungen des Vorstandes gegen- über gewissen Handlungen rechtfertigen. Er zog daraus Folge- rungen, die nicht den Auffassungen der Minderheit entsprachen. worauf der den Verhandlungen sehr aufmerksam folgende Stadt- bogen lächelte. Genosse Heine machte Bemerkungen gegen die Linke, woraus Timm schloß, daß Stadthagen über das Unglück des Barmer Genossen gelächelt habe, worauf er seinen tätlichen An. griff auf Stadthagen unternahm. Timm entschuldigte sich vor der Konferenz, während Heine erklärte, er bedauere, daß ihm der Ausdruck„Lumpen" entfahren sei. Auf daS stürmische Verlangen, seine Worte zurückzunehmen, erwiderte Heine:„Ich habe meinen Worten nichts hinzuzufügen." Mit einer scharfen Verurteilung durch den Vorsitzenden ließ man Hein« laufen. Zu den Fana- tikern, die unerträglich sind und doch ertragen werden müssen, gehört eben auch dieser.... Die Auffassung der Minderheit hat gewaltige Forffchritte ge- macht. In allen Ländern ringt sich der Gedanke des Sozialismus durch. Die nationalistische Hochflut mag die sozialistischen Ge- wissen vorübergehend betäubt haben. Man hat auch auf der Reichs- konferenz versucht, diejenigen lächerlich zu machen, die im Laufe des Krieges sich innerlich wiedergefunden haben. Der Spott dar- über mag manchen Genossen, der heute noch äußerlich zur Mehrheit zählt, bei der Mehrheit festhalten, aber er wird sich nach dem Kriege zu uns gesellen. Je länger der Krieg dauert, desto grözer wird diese Zahl werden._ Mus öer Partei. Konferenz der österreichischen Sozialdemokratie. Die Parteivertretung und der Abgeordneten- k l u b der deutschen Sozialdemokratie in Oesterreich haben sich am 15. d. M. zu gemeinsamer Beratung versammelt, um die Berichte über die zur Durchführung der Beschlüsse der vorigen Reichs« konferenz unternommenen Schritte entgegenzunehmen und zur gegenwärtigen Lage Beschlutz zu fassen. Der Parteivorstand erstattete Bericht über den augenblicklichen Stand und die voraussichtliche Gestaltung der Volksernährung, über die Rechtsstellung und das Arbeitsverhältnis der in der Kriegs- industrie beschäftigten Arbeiter, über die Handhabung der Vor- schriften über den Unterhaltsbeitrag über die Lage der Berg- und Hüttenarbeiter, der Eisenbahner ustv. An den �Bericht schloß sich eine umfangreiche Debatte, in der die Ernährungsfrage und damit im Zusammenhang die Friedensaussichten den breitesten Raum einnahmen. Leider geben die Berichte der österreichischen Parteipresse nur ein sehr unvollständiges Bild von dieser Debatte und den auf der Konferenz angenommenen Beschlüssen. Ueber die ErnährungS- frage wurde folgende Resolution angenommen: „Die ernsteste Verantwortung ist der Regierung durch die unbefriedigende Gestaltung der Volksernährung auferlegt. Sie trägt sie allein, sie hat Wert darauf gelegt, sie allein zu tragen. Auch im Ernährungswesen offenbaren sich die alten schweren Fehler der Organisation, unter denen wir seit jeher leiben.... Um diese Uebel nur halbwegs zu überwinden, wird neuer- dings die Errichtung eines Ministeriums für Volks- ernährung mit außerordentlichen Gewalten gefordert, das die Produktion in die Richtung des dringendsten Bedarfes(Fett, Milch, Brot) lenkt, die Verteilung der Vorräte auf Zeit und Ort rechtzeitig bewerkstelligt, den Mehrverbrauch der Vermögenden eindämmt und die Gleichheit der Opfer wie des Gebrauches für die Volksgesamtheit verwirklicht. Noch immer ist der Krieg für Erzeuger und Händler ein Anlaß zu Ucbergewinnen, noch immer lebt ein Volksteil verhältnismäßig reichlich, während die Massen in Stadt und Land, die die schwere Kriegsarbeit leisten, sich aufs dürftigste ernähren. Die Aufgaben, die der Kriegswirtschaft ge- stellt sind, sind auch nicht annähernd erfüllt." Eine weitere Resolution beauftragt den Parteivorstand, mit der Gewerkschaftskommission in Verbindung zu treten und gemein» sam mit ihr Maßnahmen zur Besserung der ArbeitSverhält- nisse in der Kriegsindustrie zu fordern. Konferenz der italienischen Sozialdemokratie. Die parlamentarische Gruppe der italienischen Sozial- demokratie hielt am 17.u.18.Sept. zu B o l o g n a eine außer- ordentliche Sitzung ab, die der Beratung über die durch die letzten wichtigen Ereignisse geschaffenen Lage gewidmet war. Außer zahlreichen Abgeordneten der parlamentarischen Gruppe waren auch der italienische Parteivorstand und der„Avant i" auf dieser Konferenz durch mehrere Dele- gierte vertreten. Der erste Tag war ganz den Verhandlun- gen über die Fragen der äußeren und inneren Politik gewidmet. Am folgenden Tage nahm die Konferenz weiter Stellung zu den Problemen der wirtschaftlichen Politik zu der Zusammenkunft der sozialistischen Parteien der Entente- länder, zur Eisenbahnerfrage und der Befreiungsaktion zu- gunsten Carlo Trescas. Die Berichte, die der„Avant i" über die Konferenz bringt, sind leider sehr unvollständig; bei der äußerst gespannten politischen Situation hat der Zensor diesmal besonders rücksichtslos in den Spalten des Partei- organs gehaust. Am meisten gelitten haben hierbei die Reso- lutionen, die nur in äußerst verstümmelter Fassung gebracht werden konnten. Im ganzen wurden vier Tagesordnungen eingebracht und angenommen; eine von Casalini, zwei von Treves über die internationale Frage und die Frage der inneren Politik und endlich eine Reso- lution von M a z z o n i über die italienische Wirtschafts- Politik. Der erste Teil der Resolution Treves ist von der Zensur gänzlich unterdrückt worden, der zweite lautet folgen- dermaßen: Die parlamentarische Gruppe der italienischen Sozialdemo- kratie und der Parteivorstand setzen der bürgerlich-indwidualisti- schen Anschauung die sozialistische Auffassung von der Solidarität und dem Zusammenwirken auf Grund internationaler Freiheit in den ökonomischen und sozialen Be- ziehungen entgegen, auf denen die Freiheit der Staaten beruht, wie sie stets die Selbstbestimmung und Unabhängigkeit der menschlichen Gruppierungen auf Grund der natürlichen Volks. gemeinschaften verkünden wird, wobei durch freie Volksabstimmungen bei garantierter Neutralität die Punkte der Ueber- einstimmung ebenso wie die äußersten Gegensätze zum Ausdruck gelangen müssen. Sie wird auch fernerhin stets das notwendige Zusammenwirken� dieser Gruppen in Föderationen verkünden, die immer umfassender werden und den Krieg aus ihrer Mitte immer mehr austilgen werden, indem sie die Volksgemeinschaften verschiedenen Stammes, die auf demselben Boden zusammen- leben, mit Hilfe fester Systeme oer inneren Freiheit in brüder- licher Gemeinsamkeit vereinen und den Minderheiten die Mög- lichkeit geben werden zur wirksamen Verteidigung ihrer Sprache, ihrer Sitten, ihrer Religion usw. an die Gesamtheit der Fädera- tion, an der sie teilnehmen, gegen die übertriebenen uniforune- renden Tendenzen der vorherrschenden Bevölkerungsschichten zu appellieren. Die Partei beschließt, im Lande wie im Parlament die Pro. paganba dieser Prinzipien zu organisieren und dauernd lebendig zu erhalten, sowie an ihrer Hand die Zeitereignisse und den Krieg kritisch zu beleuchten; sie appelliert dabei an alle sozialisti- schen Parteien, die auf dem Boden des Klassenstandpunktes ver- blieben find, und fordert � sie auf, die proletarischen Klassen Europas im gleichen Sinne über die Gemeinsamkeit ihrer Jnter- essen gegenüber den sich widerstreitenden und kriegerischen Jnter- essen der herrschenden Klassen aufzuklären. Nach dieser Tagesordnung brachte Treves noch eine weitere über die i n u e r e Politik ein, die folgender- maßen lautet: Die parlamentarische Gruppe der italienischen Sozialisten und der Parteivorstand weisen, da sie aus Mitteilungen und Berichten von Parteigenossen von der schwankenden Politik der Re. gierung Kenntnis erhalten haben, deren Haltung von Ort zu Ort, je nach dem Einfluß der Kliquen, wechselt, die die lokalen Behörden beherrschen, auf die außerordentliche Langsamkeit hin, mit der die Regierung eine gerechte und billige Lösung der Frage der Internierten betreibt und protestiert gegen die an- dauernden Verfolgungen, denen die sozialistischen Kommunal- Verwaltungen ausgesetzt sind, die unter den phantastischsten Ge- setzesauslegungen leiden müssen, und den hysterischen Krämpfen der Zensur ausgeliefert sind, dw:en Aufhebung die Partei noch einmal dringend fordert. Endlich wurde noch folgende Resolution über die ita- lienische Wirtschaftspolitik angenommen: Die Gruppe der italienischen Sozialisten und der Partei- vorstand weisen in Erwägung, daß die Nachsicht gegen die Guts- besitzer, die die Aecker völlig unbebaut lassen oder vernachlässi- ?;en, ein wahrhaftes Attentat gegen die Interessen der Arbeiter- lassen und die allgemeinen Interessen des Landes darstellt, und bezugnehmend auf die schon formulierten Beschlüsse der maß- gebenden technischen Organisationen auf die verwerfliche Gleich- aültigkeit hin, die die Staatsautorität gegenüber den dringenden Fragen der Landwirtschaft an den Tag legt; eine Gleichgültig- keit, die den schärfften Kontrast zu der energischen und um- sichtigen Aktion der anderen kriegführenden Staaten bildet und fordern die Regierung auf, schnelle und durchgreifende Maß- nahmen gegen das Brachliegen der Ländereien, womöglich bis zur Beschlagnahme des BodeuS.zu er. greifen. Staötverorönetenverfammlung. 20. Sitzung vom Donnerstag, den 28. September 1916. Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung. Stadv. Krüger(Linke) hat das Mandat niedergelegt. Vor Eintritt in die Tagesordnung ftndet unter Vorsitz des Oberbürgermeisters eine gemeinschaftliche Sitzung des Magistrats und der Stadtverordneten statt zur Vor- nähme der Wahl von acht Mitgliedern und acht Stellvertretern für den Steuerausschuß der Gewerbe st euerklasse I des Veranlagungsbezirks Berlin für die Jahre 1917— 1919. Mit den Vorentwürfen zum Neubau von Gemeinde- doppelschulen in der Christiania- und Grell st raße hat sich der eingesetzte Ausschuß einverstanden erklärt, doch soll vor der Ausführung des Projekts Christianiastratze der Schulbau Grün- thaler Str. 41 in die Wege geleitet und mit allen Kräften gefördert werden. In beiden Neubauten, sowie bei allen folgenden Schick- bauten soll elektrische Beleuchtung vorgesehen werden. Ohne Dis- kussion beschließt die Versammlung nach den AuSschußanträgen. Die Sur- und Verpflegungskosten in den städtische« Krankenhäusern. sollen vom 1. Oktober d. I. ab um 1 M. auf 4 bzw. 4,50 M. pro Tag erhöht werden. Stadtv. Wcyl(Soz.): Der Magistratsantrag, den wir heute beraten soll schon am 1. Oktober in Kraft treten. Gegen eine solche Ueberhastung lege ich entschieden Protest ein. Aufs EiV- schiedenste lege ich ferner Verwahrung dagegen ein, daß eine so antisoziale Vorlage gerade gegenwärtig an unS kommt. Unter den heutigen Verhältnissen sollten wir doch alle einig sein in der Ver- meidung neuer Lasten für die breiten Massen der Bevölkerung. Der Magistrat hat es ja freilich auch fertig bekommen, das verschlechtete Gas dem Publikum erheblich zu verteuern; die Erregung dariÄier ist eine sehr lebhafte. Antisozial ist die heutige Vorlage, weil sie eine Besteuerung der Aermsten der Armen, der Kranken darstellt. Der Magistrat muß doch wissen, daß durch die unzulängliche Lebens- mittelverforgnng eine Unterernährung Platz gegriffen hat, die die Neigung zu Erkrankungen steigert. Die Vorlage muß in ihrer Wirkung die Gesundheitspflege aufs Aeutzerste erschweren. Jede Verteuerung der Krankenhauspflege bedeutet eine Gefährdung der öffentlichen Gesundheitspflege. Mit einer vernünftigen Kran- kenpflege ist eine solche Maßnahme unvereinbar. Was nutzen der Bevölkerung die besten Krankenhäuser, wenn ihre Inanspruchnahme teurer wird? Der Stadtmedizinalrat wird doch dem Magistrat auseinandergesetzt haben, daß infolge der Verteuerung eine große Anzahl Kranker, besonders Schwerkranker, ein Krankenhaus nicht mehr auffuchen kann. Grundsätzlich stehen wir auf dem Stand- Punkt der Unentgeltlichkeit der ärztlichen Hilfeleistung. Die Krankenhäuser dienen öffentlichen Interessen, davon ist aber in der Vorlage nicht die Rede, die ist lediglich von f i s- kalischen Gesichtspunkten diktiert, sie stellt die Krankenhäuser in eine Linie mit städtischen Erwerbs- anstalten. Der Kämmerer erklärt, es lverden nicht einmal die Selbstkosten gedeckt. Das stimmt, aber daß ein solcher Gesichtspunkt überhaupt in den Vordergrund gestellt werden kann, ist ja eben das Unsoziale. Hier darf der Grundsatz von Leistung und Gegenleistung nicht maßgebend sein. Die Krankenhäuser sind Einrichtungen zum Wohle der Gesamtheit; die Allgemeinheit, die Gesellschaft hat das allerlebhasteste Interesse, daß die Kranken mög- lichst schnell wieder leistungsfähig, konsum- und stcuerkrätig loerdcn. Die Krankheitskeime, die aus'den Hütten der Aermsten aufsteigen. machen schließlich auch vor den Palästen der Reichen nicht Halt. Die Krankenhäuser sind auch Stätten der medizinischen Forschung, ebenfalls im Interesse der Allgemeinheit. Wenn ein wirklicher Burgfriede jetzt herrschte, so würde ihn der Kämmerer mit plumper Hand niedergerissen haben. Die„Selbstzahler", die fast ausschlicß- lich dem Mittelstand angehören, den die Herren sonst, namentlich in Wahlzeiten, so sehr ins Herz geschlossen haben, kommen in de, Vorlage und ihrer Begründung sehr schlecht Iveg; sie haben danach feinen Anspruch auf besondere Zuwendungen aus öffentlichen Mitteln. DieKrankenkassen habenbis indie letzten Tage hinein von der Absicht des Magistrats keine blasse Ahnung gehabt; wäre es nicht seine Pflicht gewesen, sich vorher mit ihnen in Verbindung zu setzen? Die Kassen leugnen mit aller Entschiedenheit, daß sie mit den bisherigen Beiträgen bei einer Erhöhung der Kurkosten auskommen. Daß es ihnen gegenwärtig nicht gut geht, geht daraus hervor, daß von Tag zu Tag die Zahl der erwerbsunfähigen Kranken er- heblich steigt. Die Kassen leiden auch darunter, daß die Kriegsbeschädigten sie in Anspruch nehmen. AIS besondere patriotische Pflicht erkennt der Magistrat die Förderung des Nachwuchses an und will auS diesem Grunde die Sätze für Kinder bis zu vier- zehn Jahren nicht erhöhen; auf dieses soziale Goldkörnchcn in der Borlage tut sich der Magistrat offenbar viel zugute. Eine ebenso große patriotische Pflicht ist es aber auch, den Erwachsenen die Möglichkeit zu erleichtern, in die Krankenhäuser aufgenommen zu werden. Gänzlich verfehlt ist die Berufung auf andere Kranken- Häuser, die mit der Erhöhung vorangegangen seien. Die Vorlage gehört in einen Ausschuß, damit wir und auch die Vertreter der Krankenkassen weiteres Material vorbringen können. Wir appcl- lieren an Ihr hygienisches und moralisches Verantwortlichkeits- gefühl; wir unsererseits werden nichts unversucht lassen, um diese Vorlage abzuwehren, die ein Attentat gegen die gesundheitlichen Interessen der Stadt ist. Der Mißmut und die Empörung in der Bevölkerung muß sich durch eine solche volksfeindliche Maßnahme noch steigern! lBeifall bei den Sozialdemokraten.) Kämmerer Bös): Ich darf eS mir versagen, auf die persönlichen Liebenswürdigkeiten des Vorredners einzugehen. In der Auf- sassung von sozialem Fortschritt läßt sich der Magistrat von Dr. Wehl nicht übertreffen. Ganz unrichtig ist es, daß die Kranken- anstalten init kommunalen Erwerböanstalten auf eine Stufe gestellt luerden sollen; niemals ist davon die Rede gewesen, den ganzen Betrag der Selbstkosten zu verlangen. Eine Reihe von Vororten ist schon mit solchen Erhöhungen vorausgegangen; es gibt in Berlin auch private Krankenanstalten, die ganz bedeutende Unlevbilanzen auf sich nehmen müssen, weil sie durch die zurückgebliebenen Ver- pflegungssätze der städtischen Krankenhäuser dazu gezwungen werden. Unsere Rechnung ist auf die Erfahrungen aus den Frie- densjahren vor 1914 basiert, die Preissteigerungen für NahrungS- mittel, Materialien usw. haben sich ganz konstant vollzogen. Die finanzielle Lage der Krankenkassen hat sich außerordentlich ge- bessert; zum Teil hatten sie schon vor dem Krieg gesicherte Finanz- Verhältnisse. Sind die Krankenkassen mit ihren Mitgliedern in Verbindung getreten, als sie ihre eigenen Beitragssätze erhöhten? Mir ist nichts davon bekannt. Der Mittelstand ist leider nur in ganz geringem Maße an der Krankenhausbenutzung beteiligt. Stadtv. Galland(Linke) ist mit Ausschußberatung einver- standen und glaubt seinerseits nicht, daß die Erhöhung vor dem neuen Etatsjahr wird in Kraft gesetzt werden können. In wort- reichen Ausführungen sucht Redner dann die Weylsche Behauptung zu entkräften, daß es sich um«ine unsoziale Maßregel handle. Auch sehr zeitgemäß sei die Vorlage; gelte es doch, beizeiten Vor- kehrungcn zu treffen, um die großen Kriegslasten der Kommune abzu bürden. Die Erhöhung um 1 M. decke nicht entfernt die Selbstkosten der Kommune. Der Mittelstand verstehe auch zu rechnen und werde die höheren Sätze immer noch der teurere» häuslichen Krankenpflege vorziehen. Stadtrat Strahmann vrvtestiert ebenfalls gegen den Vorwurf, daß die Vorlage antisozial sei. Schon der Ausschluß der Kinder von der Kostenerhöhung beweise das Gegenteil. In den städtischen Krankeiihäuscrn feien auch die Gesichtspunkte der Prophylaxe stets durchaus zu ihrem Recht gekommen. Stadtv. Dllring(Fr. Fr.): Wir sind für AuSschnßberatung und teilen in einem gewissen Umfang die Bedenken des Dr. Wehl, auch hinsichtlich deS Mittelstairdes.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- Traten.) Der Prüfung der finanziellen Gründe des Magistrats wollen wir uns aber dennoch nicht entziehen. Daß es sich um ein Erwerbsinstitut, um Leistung und Gegenleistung nicht handelt, haben die Darlegungen des Kämmerers bewiesen. In dem uns zuge- muteten Zeitpunkt des Inkrafttretens der Maßnahme erkennen auch wir ein Zeichen mangelnder Rücksicht. Auch auf die Krankenkassen hätte immerhin größere Rücksicht genommen werden müssen. Stadtrat Srlberg nimmt den Magistrat gegen den Vorwurf verspäteter Einbringung der Vorlage in Schutz. Stadtv. Dr. Wcyl repliziert auf die Entgegnungen des Kam- merers und des Stadtrats Straßmann. Die Analogie der pri- vaten Krankenanstalten sei nicht zugkräftig. Auch die städtischen Krankenhäuser seien zugleich wissenschaftliche Forschungsinstitute. Die Krankenkassen müßten allerdings sich mit ihren Mitgliedern benehmen, wenn sie die Beiträge erhöhen wollten. Sehr zu be- grüßen sei das sozial« Verständnis, da» aus den Worten Dürings gesprochen habe. Nach einer nochmaligen Auseinandersetzung zwischen den Stadtbv. Galland und Dr. Weyl über das Unsoziale und den Fiskalismus der Vorlage wird letztere einem Ausschutz von IS Mitgliedern überwiesen. Für die allgemeine Arbeitslosen fürsorge find die zur Verfügung gestellten IM Millionen Mark verbraucht und schon erheblich überschritten. Der Mehrbedarf und die weiter hier- für erfovdcrltchen Beträge sollen dem Vorschußkonto entnommen werden. Stadtv. Cassel(Linke) fragt, wie hoch die Ueberschreikung ist und wie groß die für die Zukunft erforderliche Summe. Stadtrat Maas erwiderte, daß die Ansprüche stetig zurück- gehen; die Ueberschreitung betrage 2M Millionen. Stadtv. Cassel: Bei einer so großen Ueberschreitung hätte man doch schon lange mit einer neuen Vorlage kommen müssen. Die Versammlung stimmt der Vorlage zu. Kriegsfürsorge für die Arbeiter der Bekleidungsindustrie. sjiür die Angehörigen der Bekleidungiamdustrie, auch die selbständigen kleinen Gewerbetreibenden, soll eine besondere Kriegs- fürsorge eingerichtet werden. Die Aufwendungen dafür ersetzt das Reich zur Hälfte, Preußen mit einem Drittel; ein Sechstel geht zu Lasten der Gemeinde. Der Entwurf eines bezüglichen Ge- meindebcschlusses liegt der Versammlung vor. Stadw. Ritter(Soz.): Wir bedauern außcrovdcntlich, daß auch diese Vorlage uns vor ein« vollendete Tatsache stellt, in- dein die Einrichtung schon am 1. Oktober in Kraft treten soll. Im Interesse der Wahrung der Rechte der Versammlung protestieren wir dagegen, daß ein solche» Verfahren Sitte wird. Wir dean- tragen Ausschußberatung, um im Ausschutz uns über Zweckmäßig- keit und Inhalt der Borlage auszusprechen. Wir wünschen u. a. eine Aenderung dahin, daß diese Kriegsfürsorge solange anzu- dauern bat, bis die Voraussetzungen für ihre Einrichtung fori- gefallen jiiid. Zu bemängeln ist ferner die Zusammensetzung des Ausschusses zur Unterstützung des Magistratskommissars. Was heißt hier„Unterstützung"? Dem Kommissar ist offenbar ganz freie Hand gelassen; der Ausschuß mutz aber mitbestimmender Faktor bei den Entscheidungen sein. Redner weist dann an einer Reihe von Einzelheiten der Vorlag« deren RevisionSbodürftigkeit »ach. Stadtrat Man» geht auf die Ausführungen des Vorredners näher ein, wird aber nur bruchstückwerse verständlich. Es kämen alles in allem etwa 100 900 Personen in Betracht. Im Aus- schusse würden sich die einzelnen Beanstandungen prüfen lassen. Stadtv. May(Fr. Fr.) steht der Vorlage durchaus freundlich gegenüber, ist indessen mit Ausschußberatung einverstanden. Stadtv. Ritter(Soz.) wünscht noch besonders.daß bezüglich der Erwerbslosen auch den Gewerkschaften eine Mitbestimmung gewährleistet wevde. Adreßbuch für Berlin und seine Vororte itMi? Die verehrlichen HauShaltungSvorstände werden hiermit gebeten, die ihnen durch die Herren Hauseigentümer oder Verwalter zugegangenen HauSlisten für Ibl? genau und leserlich auszufüllen und sie dann so schnell wie möglich weiterzugeben. Auch diejenigen Gewerbetreibenden. denen eine besondere CintragungSlarte für ihr Gewerbe nicht zugestellt wurde, bitten wir, die Rubriken der Hausliste möglichst genau auszufüllen, zumal diese Angaben auch alS Grundlage für die Aufnahme im GewerbenachweiS benutzt Werdern HauShaltungSvorstände, denen die Liste bisher nicht vorgelegt wurde, wollen gefälligst bei dm Hauseigentümern und Verwaltern darum nachfragen und die Gin- tragung schleunigst dornehmm oder unS ihre Angabm ohne Verzug direkt etnsmdm. Die Abholung der HausWen beginn! Montag, be» 2. Sklober Wer daS Adreßbuch zum Vorbestellpreise erwerben will, darf nicht übersehen« dieS in die richtige Spalte der HauSliste einzutragen oder hierzu den Vorbestellschein dieser Anzeige zu ver- wenden. Nach dem 31. Oktober tritt der um 2 Mark höhere Ladenpreis in Kraft. Berlin 3�, Zimmerstr. 36-41, dm 28. September 1V1S. August Scher/ Deutsche Adreßbuch-G. m. b. H. Hier geflUNzst av,utr«me». Vorbesfellungi auf da« Adreßbuch für Berlin und(eine Vororte 1917 Unterzeichneter bestellt hierdurch „Exemplar_ in drei Bänden zum Vorbestellpreise von ILM. .Exemplar_ in zwei Bänden zum Borbestellpreise von ItM. „Exemplar_ be» I. Bande» zum Vorbestellpreise von S M. . Exemplar_ de« II. Bande» zum Vorbestellpreise von S M. tSttchtgewünschle« durchsicichcn.) «tdrizvltche», die drei Taae nach v-kanntzade de» erscheinen» nicht ala »enachrichtiztcn vorbeliellern biieN zugesandt! sür die Uebersendunll wer» lind, werden den den un» tzs. pro Spemplar derechnel. Die Vorlage geht an einen Ausschuß, der vom Vorstande noch heute ernannt werden soll. Der Magistrat legt den Plan zur Errichtung eines städtischen A n s ch a f f u u g s a m t s vor und beantragt zugleich dessen Vor- beratung in einer gemischten Deputation. Stadtv. Jacobi(Linke) begrüßt die Vorlage und befürwortet lebhaft das Eingehen auf die Magistratsvorschläge. Stadtv. Fröhlich(Soz.): Auch wir begrüßen die Vorlage, und zwar mit besonderer Genugtuung. Wiederholte gleichartige An- regungeu sind von unserer Seite gegeben worden, ohne auf Gegen- liebe zu stoßen; es mußte erst der Lehrmeister Krieg kommen. Wir sind bereit, die Vorlage in gemischter Deputation einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Gar nicht gefällt uns an ihr, daß sie erst nach dem Kriege in Kraft treten soll. Wir halten es sehr wohl sür ausführbar, die Einrichtung s o f o r t ins Leben treten zu lassen. Sehr vermissen wir auch die Mitwirkung der Frauen. Auch ein alter Zopf sollte bei der Gelegenheit abgeschnitten werden; die Auf- träge bloß an Berliner zu vergeben, ist ja heutzutage, namentlich in der Textilbranche, gar nicht durchzuführen. In dem bisherigen Verfahren, nur die„alten und beivährten" Firmen zuzuziehen, haben meine Freunde überhaupt ein Haar gefunden. Wir wollen doch auch jeden Schatten einer Vetternwirtschaft vermeiden. Für die Stelle de? kaufmännischen Direktors kann nur eine allererste Kraft in Frage kommen, und die Gehaltsfrage darf dabei nur eine ganz untergeordnete Rolle spielen.(Beifall bei den Sozialdemo. kraten.) Stadtv. Dllring ist ebenfalls von der Vorlage außerordentlich befriedigt. Auf diesem Gebiete bedeute Zentralisation einen ganz gewaltigen Fortschritt; man sollte die Einrichtung schon während der Kriegszeit in die Wege leiten. Der NtagistratSvorfchlag gelangt zur Annahme. Schluß-49 Uhr. Eingegangene Druckschristen. Bon der„Neuen Zeit- ist soeben das Ltz, Seit vom 2. Band des 4-4. Fahrgang« ertchienen. An» dem Inhalt des H'ste» beben wir hervor- Kritische Anmerkungen. Von Fr. Mehring.(Tchlust.)— Türkische Probleme. Von O. Jenssen.(Schlutz.t— Vom WirlschastSmarkt. Ucberall Finanz. nöt«. Von Heinrich Cunow.— Die KriegSwirkungen in den einzelnen In- dustrlezweigcn. Von F. KleciS. Die„Neue Zeil" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstallcn und Kolporlcure zum Preise von«.SV M. das Pierlelsabr zu beziehen; jedoch kann dieielbe bei der Post nur für das Vierteljahr bestell! werden. Das einzelne Hejt kostet 30 Pj. Proben stehen jederzeit zur Verfügung. Von der.MetMbett--, Zettichrist für die Jntereiien der Arbeit erstinen. Ut un» soeben Str. 27 des 28. Jahrganges zugegangen. Au« dem Inhalt dieser Nummer beben wir hervor: ltinladung zum Abonnement— Von der österreichischen Arbeitcrinnenbewegung. Von Adelheid Popp.— Die KriegSerwerdslosenfrage in Württemberg. Von Ii. kSchlutz) K-werk. scha tliche Rundschau.— Genoffenschastiiche Rundschau. Von H. F.— Notizenteli: Für den Frieden.— Sozialistische Frauenbewegung im Au»- Irnid.— Frauenarbeit.— Verschiedenes. Für unsere Mütter und Hausfrauen: Krähen. Gedicht von Stiel» Möller.— Kinderverbrechen. Von J. St.— Baby zahnt. Von Schwester Lvdia Ruchiand.(SSlui,.)— Notizen.— Für die Hausfrau.— Feuilleton: Der Sieger. Von Marim Gorli. Für Unsere Kinder: Der Kondor. Von Sven Hedin. Vom Braten und Kochen in der Vorzeit. VI. und Yll. Von B. S.— Jvanlo, der«ärcnsohn. RnfsischeS Märchen.— Da« Regenwetter. Gedicht. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf. Dmch die Post bezogen beträgt der AbonnementSprei» viertcijähr- Ilch ohne Bestellgeld bb Pf.; unter Kreuzband 8S Pf. Jahresabonnement 2,60 Mark. Vom„SSahrcn Jacob- ist soeben die 20. Nummer de« SS. Jahr- gang« erschienen Der PreiS der Nummer ist 10 Pf. Probenummern find jederzeit durch den Verlag I. H. W. Dietz Nachf. G. m. B. H. in Stuttgart, sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. olange der Vorrat reicht liefert die Buchhandlung Vorwärts, Berlin, folgende älteren Jahrgänge der reichillustrterten Romanzeitschrist„Ja Freien Stunden" jeden Band statt gebunden 4 Mark für nur 2 Mark- Band Z: Inhalt: ltm«anne de» Btduaiung." Roman von««klar Malot.— „Dl» iSIiildrrtii." Bon B. Schulze-Schmtdt.—„Der ördlar." von O. Ruppiut.—„Da» Kloftcr Ott Etneomlt." von g.®ctIIOatj«c. Land 4: Inhalt!„Der Kurter de» Aaren.- von Jule» Berne.—„Da»«er. milchliilS de» Pedlae».- von Otto AuvVtuS.—„Am Malangee gioed." von Theodor Mllgge.—„Wte der(vrohoatcr dte Grohmuttcr nahm.- Land S: Anhalt:„Der verlorene Eoh».- Roman von Hall llatn«.—„Der ßlUchiliug.« Novelle von Moritz Hartmann.—„flnm vleidrrgwrr« licrurttllt." Briefe von Wasstlt JalSzalsw.—„Die Narrcaburg.- Crzahlung von Adalbert Stiller. Land ö: Inhalt:„Der Drfrrteur.- Roman von Robert Auchanan.—„Stört fctlten." Roman von Madame Vigot.—«Der lote Zimmermann." Humoreske von Friedrich(Scrftätfcr.—„Wald spinne." Genredlld von OUo Ruppiu».—„Der WcihnaihtSadrnd." Ein« weistergeschlcht«. Land 7: Inhalt:„Redellen." Erzählung von S. Ts-dtrtlow.—„Der»Utfner von Rotte Dame." Roman von Victor Hugo.—„St. Peter» Rege». kmirm." Erzählung von jt. MllSzath. Band 9; Inhalt:„Da» Einaug.- von Leon kladel.—„Sigrid, da» Fischer. Mädchen." von Theodor Mllgge.—„Der schwarze Han»." Von Mclchtor Medr.—„ettnttmann Holdlworih." von Dlark Rüssel.—- „vaier und Sohn." von I. Potapcnlo. Band 10: Inhalt:„Der Haid«»." von B. Dumbrara.—„Rani«»," von Emile Sola.—„Der graue vapagei." Von W. W. Jacob».—„Fräulein HoUaday." Von B. E. Sievemon.—..»»derodlt,!>>„„ „Unbezahlte Echnld." Von LtroinSkt.— wie Jogglli eine Frau sucht." Von I. wotthelf.— „Der Bautet don RlNaShauseu." von R. Schwetchtl.—„Bruder Hulchs»»." von W. W. Jacob«, Band 11: Inhalt:„«enNwon».- von Walter Scott.—„Die»»mmertayrr.- von Frau e. A. Sawtntowa.—„Trinette." Slizze von Herm. tetiermans.—„Sidsel» H-chzeltSrelse." von Jepv« Aaliär.—„Ein ag an» dem Leben de» Mnstrller» Fllftm U." von Valder Olden. Land IZ: Inbalt:„Der rote Jason." von Hall llaine.—„Eigene Straft' von Tennifoii.—„Der schwarze Laier." von W. Jacobs.. Band 14: Inhalt:„Oliver Twist." von Eh. Dicken».—„An» Istngster»er. gaunttihcU," Von Gerschuni.—„Die Brüder Matthleu." von Hart- mann.—„Rolos, der metrnt."—„Der zerdrochen««rag.* Land 15: Inhalt: Emile Lola:„«erminal.»— g, gartetHeti:„Ein Lneen Mte Robhla."— Jona» Li«:„Ltudclln." Land 16: Inhalt: Walter Scott:„Jvanhoe."— Clara vieblg:„Da» Weider- dorf."— Th. Mllgge:„Tie Auöerwähtlr de» Propheten."— I. Sott- hüls:„Tic augcnchmc Urberraschung." Bei Bestellungen genügt Angabe der Rümmer de» Baude». «««««««««»»»««»««»«» pür ScImKmacKerl � Ausgestantte Oberdecke*i sortiert In Damen- Herren- und i KindargräSa, Pfund 5 Mark. 1 sowie Ober- u. Unteriadarabftlle| ; Bruno Sensluß.ÄÄn'4."0: i I.ansrhiinnKtp. 33. 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