[ 5 PfcnnlgJ oNtagSKUSgade( Pfennig) �lr. 271. kZdonnemenkx-Keö'ngungcn: ?! P onnem.entS- Vr�'ö vränumeran o: SieneljafirL 3.90 Mk., monatl. 1.30 Mk.« woaien�ict' 30 Psg. hei ins Haus. Einzelne Nununer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illnstrievter Sonntags. Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Poit- Abonnement: 1.30 Marl vro Monat. Einaetrageu in die Post-ZeituncS- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich. Ungarn 2.öO Marl, für das übrige Austand 4 Marl pro Monat. Postaoonnements nehmen an Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Kumünieu. Schweden mrd die Schweiz. eNcheivt tsglich. Z3. Jahrg. vie lnicaionZ-Ledlidr beträgt für die lechSgeivaltenc Kownet» zeiie oder deren Rnuni VU V'g.. iür dolltiiche und gewerlicdaitüche Vereind» und Lersoniminungz-Anzeigen M Pig. ».Sterne Znsergen", das jellgedruckie Wort 20 Pfg. fzulämg 2 feugedruckle Worte), iedes nnitere Wort 10 Pia- Etellengesuche und Schlonielleiliin- zeigen das erste Wort 10 Pfg. ledes weitere Wort öVsg. Worte über 15 Buch- sinben zählen für zwei Worte. Inieraie für die nüchilc bluinmer müsie» bis s Uhr nachiiiiltago'II der Expedition abgegebeii werdcii. Die Ervediiwit tjt bis 7 Uhr adends gcüffnct. Telegranim- Adresse! „Sozialdeniolirat Btrün". Zentralorgan der fozialdemokrat» feben parte« Deutfcblands. Reöakti'sn: SW. öS, Linöenstraße 5. Kernsprecher: Amt Moritzplan. Nr.«Z« SV—«»197. Kkli-WS m MW AWMNS. Amtlich. Grofies Hauptquartier, den 1. Oktober 1916.(W. 2. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Bei der ArmccdcsÄcncralfeld Marschalls Herzog Albrccht von Württemberg wie auf der flandrischen und Artois-Front der Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht entfalteten die Engländer eine besonders lebhafte Pa� touillentätigkeit. An der Schlachtfront nördlich der Sommc nahm der Artilleriekamps am Nachmittag grosse Heftigkeit an. Wiederum erfolgten bei und östlich von Thicpval starke englische Angriffe, die wie an den vorangegangenen Tagen von Truppen des Generals von Stein und Sixt von Arnim nach hartnäckigen Nahkämpfen abgeschlagen wurden. Aus Nancourt und westlich davon stürmten franzö� fische Regimenter vergebens gegen unsere Stellungen an. Teilvorstötze aus Courcelcttc. aus Morval und Nordwest- lich von Halle scheiterten im Sperrfeuer. Heeresgruppe Krouprinz. Rechts der Maas spielten sich unter vorübergehend auflebender Artillerietätigkcit kleine bedeutungslose Haudgranatenkämpse ab. Oeftlichcr Kriegsschauplatz. Tie Russe« haben an verschiedenen Stellen ihre An- .rifsstätigkcit wieder aufgenommen. Front des Gcueralfclduiarschalls Prinz Leopold von Bayern. Westlich von Luck nimmt das feindliche Feuer seit heute früh zu. Beiderseits der Bahn Brody— Lemberg und weiter südlich bis zur Grabcrka bei Zarkow ist dem feindlichen Borgehcn teils durch Sperrfeuer Halt geboten, teils ist der bis zu sieben Malen wiederholte Ansturm völlig zu- sammengebrochen. Auf dem südlichen Angrifföhügcl haben die Russen in der vordersten Verteidigungslinie Fuf? gefaßt. Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Carl. Beiderseits der Zlota Lipo kam es zu heftigen Nah- kämpfen..Jm Winkel zwischen der Ecniowka und Zlota Lipa hat sich der Gegner vorgeschoben. Weiter westlich warfen türkische Truppen eingedrungene feindliche Ab- teilungen gestern und heute morgen durch sofortigen Gegenangriff wieder zurück und machten hierbei 239 Gc- fangcnc. In den K. a r p a t h e» herrschte im allgemeinen Ruhe. Tie Zahl der bei Str. Klauzura gemachten Gc- sangenen ist aus über 699 gestiegen. Kriegsschauplatz in Siebenbürgen. An der Ostfront wurden rumänische Angrisse am Maros-Tal abgewiesen. Im Görgeny-Tal und weiter südlich entzogen sich die Vortruppen zum Teil dem feindlichen Stoß.— Tic Beute der deutschen Truppen aus dem Gefecht südlich von Hcnndvrs(Hegen) erhöht sich um 8 Geschütze. Nordwestlich von Fogaras hat der Feind seinen Angriff eingestellt. Aus der S ch l a ch t v o n H c r m a n n st a d t waren bis gestern eingebracht: über 39911 Gefangene, 13 Gc- schütze. Ferner sind erbeutet eine Flugzeughalle, 2 Flug- zeuge, 19 Lokomotiven, 399 Waggons mit Munition, über 299 Munitionswagen, über 299 gefüllte Bagagcwagen, 79 5t.rastwagcii, ein Lazarettzug. Weiteres Material wird erst allmählich aus den Woldern geborgen werden. Montag, den 2. Oktober 1V Ter Rothc-Turm-Paß ist angefüllt mit zerschossenen Fahrzeugen. Südlich des Passes wurden rumänische gegen die Höhen westlich Eaineni gerichtete stärkere Vor- stoße abgeschlagen. Im Hoetzingcr(Hatszcgcr) Gebirge griff der Feind westlich des Strell-(Sztrigy-)Tales vergebens an. Balkau-Kricgsschauplatz. Heeresgruppe des(6 cncralscld Marschalls von M a ck e n s e n. Am 29. September erzwang eine österreichisch-un- garische Tonauflottille die Einfahrt in den Hasen von Corabia, vernichtete 9 und erbeutete 7 teils bcladcnc Schiffe. Bukarest wurde von unseren Flugzeuggcschwadern mit beobachteter guter Wirkung bombardiert. Mazedonische Front. An vielen Stellen zwischen dem Prespa-Sce und dem Wardar lebhafte Fcuerkämpfe und vereinzelte er- gebnislose feindliche Unternehmungen. Ein starker An- griff brachte den Gipfel des' Kajmakcala» in den Besitz des Gegners. Ter erste Gencralqunrticrmcistcr. Ludendorff. * ♦ DE WeMwW sZWÄMMW. W i e n, 1. Oftoltcr. ZW. T. B.) Amtlich wird ver- lautbart: Ocstlichcr Kriegsschauplatz. ..Front gegen Rumänien. Westlich von Petroseny scheiterten auch gestern alle rumä- nischen Vorstöße» ebenso wurden bei Cancni südlich des BcrcS. torvnycr lNotcn Turm-) Passes rumänische Abteilungen unter schweren Fcindvcrlustcn abgeschlagen. Nordwestlich von Fogara stockt die rumänische Vorrückung. Westlich und nord- westlich Szckel— Udvarhrly(Odcrkcllcn) dauert der Truck des Gegners gegen unsere vorgeschobenen Gruppen an. Auf dem Tchlachtfcldc von Nagyszcbcn sind bis gestern vormittag über dreitausend Gefangene, drcizcbn Geschütze, eine Flnazcughallc, zwei Flugzeuge, zehn Lokomotiven, dreihundert Eisenbahnwagen mit Munition, über zweihundert MunitionS- wagen, siebzig Kraft-, über zweihundert gefüllte Bagagcwagcu, ein Spitalzug und große Mengen sonstige» Kricgsgcrätcs ein- gebracht worden. Ergänzende Angaben werden folgen. Bei dem vorgestrigen Angriff deutscher Truppen südlich Hegen(Hcnn- dors) hat der Feind acht Geschütze verloren. Hecrcsfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Earl. In den Karpathen flaut der Kampf ab. Südwestlich und südlich von Brzczany griff der Gegner mit starken Kräfte» an. Die zwischen der Zlota Lipa und der Narajowka fechtenden türkischen Truppen warfen ihn in er- bittcrten Nahkämpfcn zurück. Nördlich der V ahnst ation Potu- tory gewannen die Russen einige hundert Meter Raum. Hreresfront des GcircralfcldmarschallS Prinz Leopold von Bayern. Bei der Armee des Generalobersten v. Bochm-Ermolli ging der Feind beiderseits der von Brody nach Zloczow führenden Straße zum Angriff über. Er wurde nördlich der Straße rcst- loS abgewiesen. An einer Stelle scheiterte» drei, an anderer sieben russische Borsiößc. Südlich der Straße drang der Feind i» den Abschnitt eines Regiments ein. Ter heute früh eingesetzte Gegenangriff schreitet günstig vorwärts und hat de» größeren Teil der verlorenen Gräben zurückgewonnen. Italienischer Kriegsschauplatz. Das Geschütz- und Mincnwcrfcrfcuer der Italiener war wieder gegen die Karsthochflüche zeitweise sehr lebhaft und dehnte sich auch auf unsere Stellungen im Wippachtalc aus. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Ter Stellvertreter des Chefs des Gcncralstabcs. v. Horfcr, Fcldmarschallcutnant. Die griechischen wirren. Ein Ultimatum der Entente'k Bcru, 1. Oktober.(W. T. B.) Nach einer Meldung der „Tribuna" aus Athen wurde gestern die Uebergabe einer Note der Entente erwartet, in der energisch die s o- fortige Erklärung des nationalen Krieges oder bedingungslose Auslieferung des ganzen Kriegs- und Eisenbabnmaterials und die Auflösung des Heeres verlangt werden soll Zur Lage in Saloniki. Bern, M. September. ,W. T. B.s Ein Mitarbeiter vom „Corriere della sera" in Saloniki drahtet: Obwohl die Nach- richten über die Ankunft von Venizelos und Konduriotis in Kanea, sowie über eine angeblich beuorncbende allgemeine Mobilisation eigen starken Eindruck machen verbleibt die' Stadt ruhig. Trotz verwirrter übertrietz«« Nachrichten, die in Saloniki eintreffen, ist die Lage in Politischer Hinjichi. unverändert. Tic Revolutionäre warten die Anknnst von Venizelos ab. Die von dem nationalen Verteidigungsausschutz augeorducteu Rekrutierungen unter den Ortbodoxen und Israeliten des Jahrganges 1915 begegnen großen Schwierigkeiten, da der Haupttcil, besonders die Israeliten, sich ihnen zu entziehen trachten. Die große Mehrheit des Heeres bleibt bis jetzt königstreu. Von besonderer Seite wird dem Korrespondenten miigeicilt, daß Soldateit, die von ihrem Obersten zur Einschiffung nach Saloniki gezwungen worden waren, ihn während der Uebcrfahrt fesselten, in Vota ausschifften und den konstitutionellen Behörden auslieferten. Sofia, 30. September.(W. T. B.) D i e vom R e v o l u- tionsausschutz in Saloniki angeworbenen Söldlinge erschienen bereits, wie„Echo de Bulgaric" mit- teilt, in Wcstmazedonien und bewiesen ihren Mut vorerst bauptsächlich gegenüber der friedlichen Bevölkerung. Um den. Ver- solgimgcn zu entgehen, floh die bulgarische Bevölkerung aus der Gegend von Florina und Kastona in Massen auf bulgarisches Gc- biet. Taufende von Flüchtlingen werden in Bitolja und Resna von den bulgarischen Behörden verpflegt.._ Expeüttion: SW. 6S, Linöenstraße 5. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. I»1 90—151 97. Politisierung öer Jugenö. Es gehört zu dem eisernen Bestand der antidemokratischen und antisozialistischcu Argumente der bürgerlichen Parteien, daß die Jugend nicht„politisiert" werden dürfe. Politik ist btos; Sacke der Erwachsenen, und deshalb müssen alle Be- strebungen aufs schärfste bekämpft werden, die-— direkt oder indirekt— darauf hinauslaufen, die giftige Saat der„Po- litik" in die unschuldigen Seelen der Jugendlichen zu streuen. Tiese Melodie hörten wir noch vor kurzem in allen möglichen Variationen anläßlich des von feiten der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft unternommenen Versuches, die Aufhe- bung des I n g e n d p a r a g r a p h c u im Vereinsgesetz durch- zusetzen. Tieser Paragraph durfte nicht fallen, da sonst das „Gift" der sozialistischen Propaganda auch in die Seelen der Jugendlichen unter ltt Jahren Eingang finden würde. Ist es aber der proletarischen Jugend vermehrt— trotzdem sie sriib, allzu früh ins Erwerbsleben hiuausgeschlcudert wird— sich in politischen Versammlungen Belehrung und Erkenntnis zu holen, so wird der Jugend der bürgerlichen Oberschichten die„Politik" mitunter schon in der Schule ein- getrichtert. Wir sagen das nicht, weil wir diesen Zustand als etwas Erstrebenswertes betrachten. Als grundsätzliche Gegner jeder Politik in der Schule, haben wir seit jeher stgliche politische Beeinflussung in den Schulen und durch die schulen bekämpft— was freilich nicht verhindern konnte, daß unser Schulsystem den Stempel unserer henligen staat- lichcn und sozialen Ordnung recht deutlich an seiner Stirne trägt. Wenn wir aber die obige Parallele anstellen, so nur, weil sie sich aus den heutigen Verhältnissen mit besonderer Deutlichkeit ergibt. Als drastischen Beleg für die in manchen höheren Schulen betriebene zielbewußte politische P r o p a g a n d a möchten wir hier Auszüge aus dem Bück des Düsseldorfer Gymnasialoberlehrers Prof. Dr. Heinrich Wolf„Ter U n- t er schied. Staats- und volksbürgerliche Erziebnng wäh- rend des Krieges", anführen, für das die alldeutsche Presse neuerdings eine umfassende Reklame betreibt. Pros. Wolf, einer der sanatiichslcn Alldeutschen am Niederrhein, der vor einigen Monaten in einer vom Deutschnationalcn Handlungs- gehilfenverband vertriebenen Broschüre unter dem Titel „Nationalpolitischer Egoismus" wohl das Tollste an Annek- tionssorderungeu Mcistet bat, hat sich in seiner neuesten Schrift zur Aufgabe gemacht, die Ocffcutlichkcit zu unter- richten, wie er im Geschichts- und Deutschunterricht s e i u c Schüler über die„gefährliche Dreieinigkeit, welche die deutsche Volksseele zu vergiften droht", belehrt. Als die drei schlimmsten Feinde des deutschen Volkes er- scheinen Prof. Wolf 1. der M am m o n i s in u s. 2. die S ch e i n d e m o k r a t i e, 3. die internationale K u I t u r. In der Tat ist auch beinahe jede inner- und außer- politische Frage, die in diesem Leitfaden für extremen all- deutschen Nationalismus, wie das Buch richtiger und ehrlicher benannt wäre, erörtert wird, ausschließlich unter diesen drei Gesichtspunkten behandelt. Seine Aufgabe fornmlicrt dieser treffliche Pädagoge hierbei folgendermaßen: „Die Schüler wollen aufgeklärt werden über Jmpcrialis- mus, über Konzentrationslager, über die Politik der Lüge, der Mordbomben und der Aushungerung, über die amerikanischen Waffenlieferungen, über den Nachrichtendienst. Sie wollen wissen, welche Leute„umlernen, umdenken" müssen, was man unter„Ne-uorientierung" versteht, was das für merkwürdige Menschen bei uns sind: einerseits die„Flaumacher und Ouer- treiber", andererseits die„Chauvinisten und Ueberpratrioten". In welcher Richtung diese„Aufklärung" erfolgt, geht aiiS dem Buche, das den Charakter eines alldeutschen Pamphlets trägt, deutlich hervor. Schon folgender Satz formuliert das Ziel Prof. Wolfs: „Woher sollen unsere Regierun gSräte, Richter, Acrzte. Oberlehrer. Ingenieure, Techniker, K a u f l e u t e eine nationale Gesinnung haben, wenn sie in den entschcidensten Jahren ihres Lebens mit i nter- nationalen Anschauungen gefüttert werden? Es ist dringend notwendig, daß unser gesamtes Schulwesen einen national eit Charakter trage." Was Prof. Wolf unter dieser Umgestaltung des Schul- Wesens versteht, geht aus seinen Worten hervor, daß der Denlokratisierung des Schulwesens energi sch entgegengetreten werden müsse: es komme darauf an, „daß au deutschen Schulen aller Stufen keine undeutschen oder international denkenden Lehrer geduldet werden dürfen. Ge- sinnungen, wie sie Wolgast, Scharrelmann, Hanl a n n, der Hamburger Jugendschrifte n a u s- s ch u ß verbreiteten, können nicht entschieden genug bekämpft werden". In diesem Geiste, dem Geiste des überspanntesten Nationalismus, der chauvinistischen Verhetzung und Unduldsamkeit, im Geiste der Rassen- und Klasscnverhetznng ist denn auch das ganze Buch gehalten. Hierbei tut sich Prof. Wolf besonders darauf zugute, daß er nickt müde geworden ist, mit seinen Schülern über die Scheindemokratie zu sprechen, daß er ihnen aiiscinandcrgesctzt habe, wie verlogen die V e r- fassungszustände in den sagenannten demokratischen Ländern sind, und daß das von der Demokratie gefordert!; allgemeine Walilrecht„die größte Lüge ist, die jemals erfunden", und daß man es daher freudig begrüßen müsse,„daß der gegenwärtige Krieg die Demo- k r a t i e entlarvt hat". Man vergesse bei allen diesen Geständnissen nicht, daß das Buch nur eine Zusammenfassung dessen ist, was dieser Pädagoge fortgesetzt seinen Schülern vorgetragen und als Leitgedanken für die von ihnen zu liefernden schriftlichen Arbeiten angegeben bat. Man srägt sich erstaunt, wie es mag- lich sein konnte, daß einem Pädagogen das unbeschränkte Ncchl gegeben war, eine politische Vcrgiftungsarbeit unter seinen Schülern zu betreiben, deren Nachwirkungen gar nicht zu er- messen sind: wie es möglich war, daß ein Pädagoge vor seinen unreifen Schülern Vorträge halten konnte, deren Wiedergabe im Druck— wie die Lücken im Wolsschen Buche zeigen— der Zctnnr als allzu bedenklich erschienen! Noch manche an- dere fragen werden durch das Buch und die mit ibm im Zusammenbang stehenden Zustände angeregt, Fragen, auf die näher einzugehen wir uns für eine günstigere Zeit vorbc- halten müssen. Die Meldung ües türkischen Hauptquartiers. Konftantinoprl, 3(l. September.(W. T. B.) Das Hauptquartier meldet: An der Front von Fellahie beschossen wir am 27. September erfolgreich feindliche Lager. Persische Front: Russische Streitkräfte, die sud- lich von Sakiz, öl) Kilometer südöstlich von Saudschbulak, lagerten, wurden angegriffen und in die Flucht getrieben. Tie Ortschaft Sakiz wurde in der Nacht vom 26. zum 27. September von uns beseht. An der Kaukasusfront fanden Patrouillengcfechte statt, an einigen Kampfabschnitten trat die beiderseitige Ar- tillerie in Tätigkeit. Am 28. September versuchte eine An- zahl Räuber unter dem Schuhe eines Torpedobootes von einigen Segelschiffen im Golfe von Tschenderli an Land zu gehen, wurde aber mit Verlusten für sie vertrieben. Am 29. September warfen wir Räuber zurück, die man unter dem Schuh von sechs Kriegsschiffen im Golf von Keuluk zu landen versuchte, und fügten ihnen Verluste zu. An den anderen Fronten kein wichtiges Ereignis. die feinölichen Heeresberichte. Ter französische Tagesbericht. B o in 3 0. September u a ch in i t t a q s.(28.?. 25.) An der Somlnefront machten die Franzosen nördlich von Rancour: einige Fortschritte. Zeitweiliger Artillcriekampf an verschiedenen Abschnitten nördlich und südlich der Somme. Sonst überall ruhige Rächt. Tas schlechte Wetter hält an. £ r i e n t arme e. Zeitweiliges Geschühfcuer an einigen Punkten der Front. Es wird keine Jnfanterieunternehmung ge- meldet. Unsere Bombardierungsflieger tvarsen zahlreiche Geschosse auf Prilep. Ein anderer Flieger bombardierte«ofia und fehle seinen Fing bis Bukarest fort, wo er glücklich landete. Serbischer Bericht vom 2ö. September. Bon der serbischen Front ist nichts Besonderes zu incldeir. B o in 3 0. September abends,(28. T. 25.) Keine Fnsantcrietätigkcit an der Sommcfront. Ter Artillcriekampf war u« Abschnitt Rancourt— Bouchavcsncs im Laufe des Tages ziem- lich Icbhait. Bon der übrigen Front ist nichts zu melden. Belgischer Bericht: Zerstörungsfeucr unserer schweren Batterien gegen Boesinghc und unserer Grabcnmörser nördlich von Dixmuiden. An der gesamten belgischen Front haben Artillerie- lämpfe stattgefunden. Tie englische Meldung. Born 3 0. September vormittags. i28. T. B.) Ter Feind richtete im Lause der Rächt ein heftiges Geschützfeuer gegen die Front füdtich der Äncrc. Wir dcfcstigtcn das gestern vormittag Schweizer Sriefe. i.'* Kommt man über die Grenze, so folgt nach� all den kleinen und großen Einengungen, Beschränkungen und Erschwerungen, mit denen inan sich beute in allen kriegführenden Ländern gleichmäßig abfinden muß, das Aufatmen in dein Bewußtsein, auf nentralem Boden zu stehen. Man sieht junge, kräftige Männer, sieht blühende Frauen, weniger Trauer, inchr Freude. Tic Menschen sind mensch- licher geblieben hier. Mütter dürfen an ihre Kinder denken, ohne um deren Leben bangen zu müsse», Bräute ihren Liebsten lasse», obnc zu fürchten, ihn nie wiederzusehen. Ter Unterschied zwischen all den kriegführenden Ländern und dem hier ist unbeschreiblich. Wir atmen ans, wenn wir hier ein gesundes, aufgeblühtes Männer- gefchlecht sehen. Gerade die kräftigsten, wertvollsten Teile eines Volkes, die dort fast vollständig aus dem Gesichtskreis geschwunden sind, bilden hier das Ledendige, Erfreuende. Tic Menschen reden von anderem als allein vom Krieg, seinen Röten und seinem er- hofften Ende. Das sind die ersten Eindrücke, die man bekommt, wenn man seit Äriegsdaiier sich in einem kriegführenden Lande aufgehalten lmt. und heute trotz all der Schwierigkeiten einer Grenzüber- schreitung ins neutrale Ausland reist. Kommt man speziell aus Teutschland, so sind die verschiedenen Eindrücke in mancher Hin- »cht spezieller oder besonders abgestuft und nuanciert. Bor allem durcki den Wegfall all der Erschwerungen, die in Teutschland für die Versorgung des Einzelnen mit Nahrungsmitteln bestehen. Man wagt in einen Laden zu treten, ohne nachzusehen, ab man auch nicht ansgercckniet die notwendige„Karte" vergessen hat. Es ist erstaun- lich, wie schnell man sich wieder an die normalen Verhältnisse zurück- gewöhnt. Man bekommt Brot. Mcbr noch: man bekommt Brötchen, wirkliche, richtiggehende Brötchen. Wenn sie auch selbst hier schon nicht mehr ganz so gut knusperig und weiß sind als ehedem, da die Schweiz selbst noch NahrungSmitteleinfuhr nach Wunsch und Willen dattc. Heute bat sich das auch stark geändert, und das Sckuveizer Volk büßt hier unschuldig, aber ohnmächtig mit. Jedenfalls wird man bald biltcr enttäuscht, wenn man mit der Vorstellung hier- hergckomincn ist, billig leben zu können. Es ist zwar— die Balutaverluste ciiigocrechnet— immer noch billiger als in Deutsch- land, aber an normalen Verhältnissen mit früheren Preisen nicht zu vergleichen. Betritt man als Reisender anr irgendeiner Station einen Bäckerladen und hat die Zlaiviiäi. Brötchen zu verlangen, so emp- sängt einen ein bestimmtes Lächeln, dem schwer auszuweichen ist. bei dem man schließlich am besten mitlächelt und das nicht mehr und nicht weniger sagen will als: die kommt aus Teutschland! Ei» leiser Taumel erfaßt einen, erblickt uian in Lebensmittellädcn säckcwcise Tinge aufgestapelt, die man in manchen Gegenden 25er- lins nur mehr vom Hörensagen kennt. Erbsen, Linsen und Reis, in den Metzgereien mächtige Schinken, in den Konditoreien üppige Obstkuchen, zu Preisen und in Quantitäten, die einen das Herz vor Freude springen lassen. Butterballen in den Laltcricn. wie hier die Molkereien allgemein heißen, in denen mindestens einige hundert „Wocvcnrationen" Batockifcher Zumessung enthalten sind und die man iich hier in ihrer ganzen Größe aneignen kann— wenn man das nötige Geld hat. Ten» herrscht hier vorläufig auch nock die Freiheit des Handels pnd ist immerhin noch ein ziemlich reiches � am Tesiremoni-Gehöst südwestlich von Le Sars gewonnene Gelände und verbesserten unsere Stellung im Gelände von Tbiepval. Feind- liche Gegenangriffe in der Nachbarschaft der Stufs-Schanze und des Hessischen Grabens wurden abgeschlagen. Ter gestrige Kampf in diesem Abschnitt war sehr ernst und unsere daran beteiligten Truppen, die aus einer Tivision der neuen Armee bestanden, zeig- tcn große Ausdauer und Entschlossenheit. Ein erfolgreicher Vorstoß wurde von dem Londoner Territorialbataillon südlich Neuville- >-?aint Vaast ausgeführt, wo in feindlichen Gräben Gefangene ge- macht wurden. Vom 30. September nachmittags. Gestern vcr- stärkten wir trotz heftigsten feindlichen Artillerieseuers das an der Farm südwestlich von Le Sars eroberte Gelände und wiesen fcind- tiche Gcgenangrisse in der Slachbarschaft der.,Stuff"-Schanzc und dcö Hessischen Schützengrabens zurück. Vom 30. September abends. Tic allgemeine Lage ist unverändert. Südlich von der Ancre dauerte heftiges Geschützseuer den ganzen Tag an; südlich von Eaucourt l'2lbbaye wurde unsere Linie ein wenig vorgeschoben. Ter russische Kriegsbericht. Vom 3 0. September. lW. T. B.) Von der West- und Kaukasusfront ist nichts Wichtiges zu melden. Ter rumänische Bericht. Vom 2 8. September.(W. T. 23.)(Verspätet eingetroffen.) N o r 0- und N o r d w c st f r o n t: In den Giurgiubcrgcn Itbteilungsgefcchtc. Südlich von Sibiu(Hermannstadtj dauern die Kämpfe fort. Im Jiutalc rückten wir vor. S ü d f r o n t: In der Tobrudscha vereinzeltes Artillerie- feucr. Luftkämpfet Feindliche Flugzeuge warfen Bomben auf Bukarest. Es wurde einiger Schaden angerichtet. Vom 29. September.(W. T. 23.) Nord- und Nordwest front: Unsere Truppen rücken weiter vor. Kämpfe an der ganzen Front. Kämpfe besonders lebhaft nordwestlich von Rodbay und Natnatak und nördlich von Stena und Garai. Ter Feind wurde zum Rückzüge gegen Westen gezwungen und ließ 2 Offiziere und 200 Soldaten als Gefangene in unseren Händen. Tie Kämpfe bei H e r m a n n st a d t werden mit Erbitterung fortgesetzt. S ü d f r o n t: Unsere Artillerie versenkte im Kanal südlich von Persina ein feindliches Kriegssabrzeug. In der Tobrudscha Patrouillengcfechte. Bei Luftangriffen warfen feindliche Flugzeuge Bomben auf Cernavoda, auf Aleirandria und auf die Dörfer südlich von Bukarest. Ein feindliches Flugzeug wurde bei Padesa im Bezirk von MeHedintz zum Abstieg gezwungen. Ein französisches Flug- zeug, das in Saloniki ausgestiegen war, kam in'Bailesti an. Fliegerangriff auf Sofia. Sofia, 30. Sepiember.(W. T. B.)(Meldung der Bulgari. scheu Telcgraphen-Agentur.) Heute gegen 9 Uhr vormittags hat neuerlich ein feindliches Flugzeug Sofia über- flogen. Es wurde von dem Feuer unserer Abwehrbatterien empfangen und durch unsere Kampffotkcr angegriffen. Das fcind- liche Flugzeug vermochte nur eine einzige Bombe abzuwerfen, die nördlich der Stadt zu Boden fiel. Sofia, l. Oktober. iW. T. B.) Eine amtliche Meldung bestätigt, daß das feindliche Flugzeug, loelchcö beute früh Sofia überflog, abgeschossen wurde und in der Nähe der Ortschaft Gebian abstürzte. Es handelt sich um einen französischen Doppcl- dccker, System Gondron, gesteuert von dem Franzosen Ronable, mit dem Serben Naunowitsch als Beobachter. Beide Avialikcr blieben unverletzt und wurden gefangen genommen. vom U-Hoot-Krieg. London, 30. September.(28. T. B.) Nach einer Lloyds Meldung sind der russische S ch o o u c r„Em m a" und der engl: s ch e Dampfer„May Wood" versenkt worden; die Besatzungen sind gerettet. Angebot vorhanden, so stehen die Preise speziell für diese Artikel auf einer Höhe, die an deutsche Preise sehr wobl heranreichen, ja sie zum Teil sogar nicht unbeträchtlich überschreiten. So tann es einem sehr wohl passieren, daß man für das Kilo Butter fünf bare Franke» zahlen muß. Tie gar zu sehr ciitbehne Schlagsahne gibt es hier in reichlichen Mengen, und man schwelgt gerne in den lange entbehrten Genüssen. Der Kleiderbezngsschei» ist ebenfalls unbekannt und man bekommt, jedoch cbcnfallö wieder zu sehr hohen Preisen, da die Einsuhr ans England vollständig stockt, so viel Kleider als eine» gelüstet. Ganz erstaunlich in die Höhe getrieben, man sagt durch juwße Lieferungen an die Schweizet Armee, sind die Preise für Schuhwaren, die jeden tief enttäuschen müssen, der sich in der Schweiz billig versorgen wollte. Ob man von der Grenzkontrolle erzählen darf? Jedenfalls gehen im Auslande darüber Fabeln um, die selbst das Tatsächliche hinter sich lassen. Erst wenn der Dampfer die Mole von Lindau verlassen hat, wenn der bayerische Löwe an der Hafenausfahrt zurüvlcibt, und das 2Lasser des grünen Bodensees unter den Rädern der schmucken schweizer Schiffe zu weißem Gischt wird, weiß man, daß man in einer Stunde auf Schweizer Boden stehen wird. Tie eidgenössischen Grenzbchördcn machen kaum mehr Schwierigkeiten. Sind die Menschen einigermaßen mit Geldmitteln versehen und scheint für ihr Weiterkommen gesorgt, so ist die Schweiz gerne bereit, sie auf- zunehmen. Sind die Pässe nochmals visiert, dann ist man ungehindert und frei. Man ist in der Schweiz, jenem kleinen Ländchen, das von drei sich augenblicklich bekämpfenden Nationen bewohnt, heute ein- gekeilt ist zwischen den Kriegführenden, das durch seine Lage:» die größten Schwierigkeiten kommt, das zu leiden und zu dulden hat, das aber gerade wegen seiner Lage auch ein Zentralpunit ist für das gesamte politische Leben und von höchster Bedeutung, wenn es sich über kurzem oder langem darum handeln wird, die heule sich blutig schlagenden Parteien einander wieder zu versöhnen,(r) Sei Mutter Grün. „Halt!"— Unser KompagniKührcr fliegt von seinem Gaul. „Gepäck abhängen!" tönt es befreiend für uns. Tas Abhängen geht recht geschwind, ebenso das Hinlegen. Wie die Kegel fallen wir um. �.er Rücken, die Gurte des Rucksacks, der Brotbeutel— alles ist nah vom Schweiß.„Bon der«tirne heiß rinnen muß der Schweiß.. Das Haar l)ängt den meisten in nassen Stvähne» unter der ebenso feuchten Mütze hervor, die, um Kühlung zu bekommen, ins Gras fliegt. Lang ausgestreckt, den Rock geöffnet, die Glieder sich selbst überlassen, liegt nun Mann neben Mann, in tiefen Zügen atmend, die müden Aug:» geschlossen. Wir hatten einen Nachtmarsch hinter uns auf den labyrinthischen Sandwcgen dieser russischen Sumpfzone. Run meinte es die Mittagssonne gut. Ei» Gefühl der Wolligkeit überflutet so den nassen, müden Körper, der wünsch- und verlangio« nur eines(zur Stunde das Höchste der Welt) haben will: Ruhe und nochmals Ruhe. Tie letzten Nachzügler kommen schon und auch die sogenannten „Schlappen" höben den Marsch hinter sich. Leise spielt der Mittagswind in dem Gebange des gilbenden, goldigglänzenden BirkenlaubeS. Ans der Zwergkiesernschonung kommt ein herber Harzgeruch. Späte Blumen bekränzen die müden Wanderer, auf die Wirkung öeutscher Luftschiffbomben. London, 28. September.(28. T. B.)„M o r n i n g Po st" schreibt über den Lustangriff vom Montag: Teutsche Luftschiffe besuchten um Mitternacht eine Stadt in den nörd- l i ch e n M i d l a n d s und verursachten beträchtlichen Schaden, ohne jedoch etwas von militärischer Bedeutung ausrichten zu können. Ter Angriff begann um liVt, Uhr und dauerte eine Biertetstunde. Tie Zahl der abgeworfenen Bomben wird aus 12— 20 geschätzt. Abwehrgeschütze waren in Tätigkeit. Tie Fläche, die hauptsächlich be- schösse» wurde, hat etwa eine englische Meile im Turchmesscr. Hier wurden Häuser teils zerstört, teils schwer beschädigt. Die Verlust- liste war lang. Tiefe Stadt scheint am meisten gelitten zu haben. Tie meisten Verluste an Menschenleben ereigneten sich in zwei Gruppen von Häusern, die von den Bomben offenbar direkt ge- troffen und so gut wie zerstört wurden. Von einem Häuserblock ist auf jedem Ende nur je ein halbes Haus stehen geblieben, während die dazwischen liegenden Häuser verschwunden sind. Der andere Häuserblock war in einer anderen Straße dicht dabei und hiervon steht nur noch eine Mauer. In diesen beiden Häuserblocks sind 2g Personen getötet worden. In anderen Fällen haben ganze Häuserreihen schwer gelitten, obwohl sie nicht direkt getroffen wur- den. In derselben Straße, in der einer der beiden erwähnten Häuserblocks lag. aber auf der entgegengesetzten«eitc wurden die Dächer von zehn Häusern herabgeworfcn. Die Decken fielen ein und Türen und Fenster wurden durch die Kraft der Explosionen und durch Schrappnellsplitter eingeschlagen. In einer anderen «traße flog eine Brandbombe durch das ganze Haus vom Dach bis in das Erdgeschoß, wo sie sich acht Zoll tief eingrub. Ein Teil des Hauses wurde durch das Feuer zerstört. Eine englische unü eine französische Stimme über öie Kanzlerreüe. London, 30. September.(28. T.®.)„Manche st er Guardian" schreibt in einem Leitartikel: Von Teutschland, das 12 Monate lang den Frieden unter Bedingungen von Erobc- ruiig und Einverleibung angeboten hat, wird jetzt behauptet, daß es von Anfang an um nichts anderes gekämpft hat, als um die Verteidigung seines Existcnzrechts und seiner Freiheit. Der Kanzler gibt eine Karrikatur von dem. was England will, nämlich ein militärisch' wehrloses, wirtschaftlich vernichtetes, von der Welt boykottiertes Deulschland. Das ist das Deutschland, JxiS England dem Kanzler zufolge zu seinen Füßen sehen möchte. Ter Reichskanzler muß aber ebenso gut wie die anderen Leute wissen, daß diese Worte nur durch die Acutzcr uugen von Fa- n a t i k c r n und Extremisten gerechtfertigt werden könnten, denen man ebenso oder noch mehr übertriebene Expektorationen aus deutscher Seite über England gegenüberstellen könnte. Es ist jetzt an der Zeit, daß Männer, wie der Reichskanzler, der 28irk- lichkcit Rechnung tragen und einschen, was England und seine Verbündeten tatsächlich wollen und ob das, was sie wollen, mit der Sicherheit und Freiheit Teutschlands tatsächlich unvereinbar ist, vorausgesetzt, daß dieses sich dazu versteht, den Militarismus und seinen territorialen Ehrgeiz aufzugeben. Bern, 30. September. lW. T. B.)„Temps" äußert sich zu der Rede des Reichskanzlers wie folgt: Dem Kanzler blieb nur der Ausweg, festzustellen, daß die Alliierten auf keiner Front bis jetzt eine Eirtscheidung davongetragen haben. Das wissen wir. Die französische öffentliche Meinung gibt sich darüber keinen Tänschuiigeil hin, in Frankreich weiß man im 20. Kriegs- monat, daß es noch nicht aus ist, und daß eS noch lange gehen wird. Der Kanzler betont den Vorteil, daß die deutsche Front noch nicht ivesentlich verändert sei. Darum bandelt cS sich aber nicht. Tic Frage ist die, zu wissen, ob wir eines Tages imstande sein werden, sie gründlich zu ändern, so daß diese Aenderung zur Vernichtung der gegnerischen Heere führen werde. Anschließend daran sagt„Tcmvs" gelegentlich der Bewer- t n n g der Kriegskarte: Solange der Krieg nicht be- endigt ist, zählen GebietSgewinne wenig. Wir hätten besser getan. vor zwei Jahren Mülhausen nicht zu besetzen. Auch ist es wahr- scheinlicb, daß Rumänien besser daran getan hätte, auf Saiia anstatt Hermannstadt zu marschieren. Schließlich müssen auch die gegenwärtigen Hilfsquellen in Betracht gezogen und die Pro- duktionLfähigkcit und die RckrutierungSmöglichkeit der Gegner ab- gewogen werden. Wappnen wir uns selbst mit Geduld, dessen zeigen wir und unsere Berbündclcn uns fähiger als Teutschland. deren Gesichter der Schlaf den Frieden inait. Zwei Stunden mochten wir so geschwelgt und geschnarcht haben, als der Befehl kam. „die Zeltbahnen abschnallen!" Wir reckten erst ungläubig unscre Köpfe empor(hatte» wir doch ein Orttquartier vermutet), die ersten erhoben sich aus die nun steif gewordenen Knochen und schautei» sich verwundert um.'Aber es war so. Unser Feldwebet schritt einen Raum ab, markierte ihn mit Birkenreisig und gab den Unteroffizieren Jiistruttionen. Und die Zeltbaucrei begann.„Drei Mann bauen zusammen ein Zelt", war der Befehl. Nachdem ein baumlanger Schipper und einstiger Schreiber anO der A. E. G. ausgeschnüffelt hatte, wie der Wind stand, entfalteten sich die braunen Zeltplane; das Knöpfen und Basteln, das Ein- stecken der„Heringe"(Pflöcke), das Ausrichte» und Balancieren — alles gebt so schnell von statten, daß nach zehn Minuten die Zelte senig dastehen. Und nachdem die Baupolizei(der Feld- webel) die Bauten beaugenscheinigt und allen nach manchen Be- mäiigelungen das Prädikat„gut" erteilt hat, kann das Einziehen beginnen. Nachdem jeder sein Gepäck und die treue Schippc vor sein Lager placiert, geht die Strohsucherei los; auch Schilf, trockenes Gras und dergleichen wird niclss verschmäht. Denn dauert die Rast auch nur kurze Zeit, will doch ein jeder warm liegen und die Obcrklcider nach langer Zeit vom Körper ziehen. Hinten am Suinpfrand. zioischen Binsen, mannshohen Nesseln und Gestrüpp. siegt ein vom Krieg gänzlich zerstörtes Panjegehöst. Ter.Kriege- stürm war darüber hinwcggcbraust und aus der Mitte des Schutt- Haufens ragt ein schwarzer Kamin mit Schornstein als ein stuni- wer Zeuge der Verwüstung empor. Fliegen und Wespen Hausen hier in Schwärmen. Und um das traurige Denkmal aus Lehm spielt die Mittagssonne und flatternde Silhouetten der vom Wind bewegte» Erlcnsträncher huschen um das Gemäuer. Hier finden wir noch so inancheS für unscre neue Wohnung. Neben Schilf Stroh und Gras suchen wir Bretter besonders; dafür wachsen augenbücklich vor unseren Zeiten kleine Tische und Bänke wie hin- gezaubert aus der Erde hervor, Llllc'Anstrengungen sind ver- gest'en, wenn es heißt, sich„einzurichten". So ist denn auch kaum eine Stunde vergangen, während der die Lager mit allem...Kom- fort" hergestellt sind. In dieser Zeit sind unsere durchschwitzten Kleider von Sonne und Wind schon getrocknet. Zur allgemeinen Probe steigt ein jeder auf sein Lager und nicht selten fällt der freudige Äusrus:„Mensch, del liegt sich ja gerade wie bei Muttern inS Bette...." Mittlerweile ist die Bagage und auch die Gulasch- kanonc herangekommen. Tie Pferde schwitzen cbcmo wie>vir ge- schwitzt haben, und wir fühlen mit ihnen.>ven» die Peitsche des Kutschers sie trifft. Durch eine recht sandige Stelle helfen wir noch tüchtig schieben. Nach etwa zwei Stunden stehen wir in langer Reibe hinter unserer Gulaschkanone. Ter Spätsommmiachmittag wirst schon lange Schatten und ein kühler Wind webt über unscre Zelle. Eben hat es nvch Post gegeben. Briefe. Zeitungen, wenig Paketche», und nun steht so mancher Kamerad, in der eine» Hand das Eßgeschirr, in der anderen Hand Brief oder Zeitung aus der Heimat. Langsam schiebt sick, die Reihe vor und die Lqendcn folgen, vertieft in Nachrichten von den Lieben, nacki. Mancher lacht still, wenn er liest— und mancher seufzt schwer und nachdent. lich.... sind nach dem Essen kriecht heute ein jeder schnell in sein Zelt. Ter Marsch war lang, die Nacht ist kurz. Wahrend in nicht weiter Ferne einzelne Kanonenschüsse rollen, gchto zur Ruhe, um neue Krait zu iammcln; denn morgen ruft wieder der Arbeits- dienst.(') E. P. Chronik des Welikrieges. Ä. Oktober l Sl-t. M?skli6)er Sriegsschauplah: Von dem westlichen Armeeflügel wurden erneute Umfassungsoersuche der Franzosen abgewiesen. In der TRltte der Schlachtfront blieb die Lage unverändert. Vor Antwerpen sind mehrere Forts mit Zwischenwerken er- stürmt worden. Ein weiteres Fort ist eingeschlossen, der westlich herabgezogene wichtige Schulterpunkt Termonde befindet sich im deutschen Besitz. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz scheint der Vormarsch russischer Kräfte über den Njemen gegen das Gouvernement Suwalki bevor- zustehen. Nach einer Amsterdamer Meldung hat der kleine Kreuzer „Karlsruhe* im Atlantischen Ozean sieben englische Dampser oersenkt. S. Oktober ISl-?. Westlicher Kriegsschauplatz: Englische und französische Angriffe im Gebiet von Laos und Souchez wurden abermals abgeschlagen. Die Zahl der Gefangenen, die von den deutschen Truppen in diesem Angriffsabschnitt gemacht wurden, ist auf 3748 Mann ge- stiegen. Auch auf der übrigen Front wurden französische Angriffe abgewiesen. Die Gesamtzahl der Gefangenen und die Beute aus den Kämpfen nördlich von Arras und in der Champagne beträgt 211 Offiziere und 10 721 Mann. Oestlicher Kriegsschauplatz: Bei Smorgon wurden 11 Russen zu Gefangenen gemacht. Die Heeresgruppe des General von einsingen erstürmte die russischen Stellungen bei Czernüsz. Der Feind wurde nach Norden geworfen, er ließ 1300 Gefangene zurück. An anderen Stellen der Front wurden weitere 1100 Gefangene gemacht. Die Armee des General Grafen Bothmer vereitelte einen rufst- fchen Durchbruchsvcrsuch westlich Tarnopol und machte 1168 Ge- fangene. Zum öeutfch-fchWdZerischen tzanöels- abkommen schreibt die„Nordd. Allg. Ztg." u. a.: „Durch das neue Abkommen sind unbedingte Garantien ge- schaffen, daß keinerlei Kriegsmaterial, welches mit deutsche» Er- Zeugnissen hergestellt ist, in das Gebiet der Feinde gelangen kann. Eine besondere Ausfuhrkommission wird für die Ausrechterhaltung dieser wesentlichen Bodingungen sorgen, und die neue Organisation jü bis in die letzten Verzweigungen so gründlich durchgearbeitet, datz die deutschen Interessen durchaus gesichert sind. Die Matz- nahmen über die Verteilung und Verwendung der Waren im schweizerischen Inland, die dem Schweizer Empfinden peinlich waren, sind so weit den Wünschen der Schweiz angcpatzt worden, datz nunmehr die Interessen beider Teile in volle Ucbereinstim- mung gebracht sinid. Das ist in der Weise ermöglicht worden, datz an die Stelle der Uebcrwachung im Innern des Landes eine Grenz- km, trolle tritt. Die Einrichtung, die sich ausschlietzlich auf die Kon- 'rolle der Aussuhr von aus deutschem Material hergestelltem Kriegs- Material bezieht, unterscheidet sich also im Wesen durchaus von dem berüchtigten Kontrollsystem der Entente, die die gesamten Handels- beziehungen zu den Zentralinächten stören will.— Das Verständnis Deutschlands für die Schwierigkeiten, mit denen die Schweiz zu rechnen hat, äußer! sich aber vor allen: auch in der Erledigung der Fragen des deutschen Besitzes und der Kompensationsschuld. Deutschland hat damit, datz es diese Schuld als getilgt ansieht und die Frage der Herausgwbe des Besitzes der weiteren Entwickelung vovbehäil, einen wesentlichen Streitpunkt beseitigt, von dem die En- teilte annahm, er werde schlietzlich zu einem Konflikt mit der Schweiz führen.... Die Entente wird natürlich in würdiger Fortsetzung ihrer Praxis bei Interpretation des Artikels ll alle ihre geläufigen Mittel aufbieten, um die Durchführung des Abkommens zu er- frfrweren; die Schweiz aber dürfte sich die Wahrung des Abkom- mens durch eine energische Abwehr aller Hctzocrsuchc der Entente zu sichern wissen.". Eme sozialistische Anklagerede. .(Aus der Kammerredc de? Abg. Brizon.) Verlin, 30. September. sT. II.) Einem hier vorliegenden aus- führlichcn Berichte über die bereits kurz wiedcrgegebene Rede des Abg. Brizon in der französischen Deputicrtcnkammer entnimmt die „Telegraphen-llmon" folgende packende Einzelheiten: Abg. Brizon: Meine Herren! Es bleibt uns nichts, alz kühl den Preis dieses furchtbaren Krieges zu berechnen. Iii runden Zahlen darf ich diesen Preis auf 50 Milliarden beziffern, die seit Beginn des Krieges im August 1014 bis zum 31. Dezember 1010 in den Elbgrund geworfen fein werden. Das sind die staatlichen 'Ausgaben, sie stellen einen ersten Entwurf der Kriegskosten dar. Es gibt aber noch zwei weitere Kostenanschläge: 1. Die während dcS Krieges verlorene Arbeit. •2. Ter Wert der für immer verlorenen Männer, ohne Berück- fichtigung der Verkrüppelten. Ich unterbreite Ihnen zunächst den Wert der verlorenen Ar- beil. ES befinden sich 6'ch Millionen Männer unter den Fahnen. Auf diese 6 Vi Millionen kommen sicherlich 5 Millionen wirklich Schassender. Wenn ich den sozialen Wert der Arbeit eines jeden Mannes mit 10 Franken täglich ansetze und das Arbeitsjahr mit 300 Tagen berechne, so ergibt das für jeden einzelnen einen Ge- samtwert von 3000 Franken jährlich oder, mit 5 Millionen mulli- pliziert, 12 Milliarden Franken am Ende deS Jahres. Da nun der Krieg bei dieser Politik der Regierung tvenigstens noch ein Jahr dauern wird, so haben wir mit drei Jahren Krieg zu rechnen. Infolgedessen wird Frankreich an Werten sozialer Arbeit dreimal l2 Milliarden, also 42 Milliarden, eingeöützt haben. Das ist der zweite Kostenaufritz: 42 Milliarden glatter Verluste! . Dritte Kosteuaufritz ist der schmerzlichste. Er betrifft de» wir.icheftlickvn Wert der auf den Schlachtfeldern gefallenen Manner. Ich will nicht einmal den moralischen in Betracht ziehen, denn o.r moralische Wert eines Mannes im ureigensten Sinne des Wortes genommen, jst einfach unberechenbar. Welch ungeheures Kapital an Gefühl««. Neigungen. Klugheit. Talenten. ErfindungS- kunst, Wlssentchaft �und viclleicbt sogar an Genie stellen unsere Toten dar. Kein Sterblicher könnte das berechnen! Ich möchte hier nur sozusagen in roher Form versuchen, den Durchschnitts- wert der Arbeit zu BciccTjncn, die all die Männer hätten leisten können, die jetzt unterm grünen blasen liegen. Um diese Arbeit, meine Herren, kommen wir nicht herum! Wieviel Männer werden wir zu Ende des Krieges verloren haben? Ich 7� 5ctcitg sagt, datz der Krieg bei dieser Politik des Herrn Briand wenigstens »och ein Jahr dauern wird. Rehmen wir�an, datz am Ende deS Krieges Frankreich eine halbe Million an Toten zu beklagen bat. Wie ich vorhin berechnet habe, beziffert sich der wirtschaftliche Wert der verlorenen Arbeit für jeden einzelnen ans 3000 Frank jährlich. Wenn ich einen Durchschnitt von 38 Arbeitsjahren annehme, so komme jch iu Ziffer von 100 000 Frank für jeden einzelnen Mann. Vervielfältigen Sic diese 100 000 Frank mit 1>- Millionen, so erhalten Sie 120 Milliarden Frank an wirtschaftlicher Kraft getöteter Franzosen verloren, 120 Milliarden verloren für Frank- reich. Wir haben also mit drei Ziffern zu rechnen: 1. 20 Milliarden öffentlicher Ausgaben zur augenblicklichen Stunde, zu denen in einem Jahr wenigstens noch 30 Milliarden gekommen sein werden. Die öffentlichen Kriegskosten werden sich also sicherlich auf 80 Mil- liarden belaufen. Jch glaube nicht zu übertreiben, wenn ich die Kosten der Schadenvergütungen usw. auf wenigstens 2 Milliarden veranschlage. Dian bedenke demgegenüber, datz man ehemals nicht einmal Geld für die geringsten Forderungen sozialer Fürsorge fand. Zu diesen 82 Milliarden mutz man jedoch auch noch unsere alten Schulden in Höhe von 30 Milliarden hinzufügen, die jetzt gar zu sehr in Vergessenheit geraten. Das macht also im ganzen 112 Milliarden. Das ist der Abgrund, der zugedeckt werden mutz. Tie zweite Ziffer stellen die 42 Milliarden der bereits setz: verlorenen Arbeit dar, zu denen in einem Jahr weitere 12 Mil- liarden kommen werden. Im ganzen also 60 Milliarden. Die dritte Zifser sind die 120 Milliarden, die mit unseren Toten in der Erde liegen. Also 112 bis 120 Milliarden Staatsschuld und zirka 200 Mil- liarden anderer Verluste. Im ganzen also 320 Milliarden! So sieht de: Krieg aus, zahlenmätzig dargestellt. Jch betone, datz ich das moralische Problem unberührt lasse. Der Krieg, meine Herren, ist ein„Geschäft"! In unserer kapitalistischen Zcitperiode sind die Kriege und auch der äugen- blickliche Krieg nichts als Geschäfte. Ein Geschäft mutz aber auch wie ein Geschäft behandelt werden! Einsichtig, vorsichtig und mit einem Blick auf die Zukunft. Anstatt das Blut seines Landes zu vcrgietzeu, sollte Herr Briand um das gewünschte Endziel, den Sieg, also die nationale Unabhängigkeit, die wir alle wünschen, zu er- reichen, sich lieber überlegen, ob man dieses Ziel nicht durch Wer- Handlung oder Vermittelung erreichen kann.' Man kann und mutz verhandeln. Bevor man den unerschütterlichen Be- weis hat, datz jede friedliche Lösung unmöglich ist, hat man nicht das Recht, so fortzufahren und ohne zu rechnen die Milliarden des Volkes in den Abgrund und seine Männer in das rasende Feuer des Todes zuwerfen! Die Agonie ües Gastes. Mailand, 1. Oktober. fT. U.i Der„Avanti" bringt einen Leitartikel, überschrieben:„Tie Agonie des Hasses". In diesem Artikel entwickelt der„Avanti" den Gedankengang, datz der Hätz, den die Soldaten aus der Heimat mit an die Front bringen, nach und nach verfliegt. Man könne in den Schützengräben fest- stellen, datz der Hätz gegen den Feind in den letzten Zügen liege. Zuerst beherrsche die Soldaten noch ganz der Haß,„der eine Schöpfung der Zeitungen zu Hause" sei. nach dem ersten Feuergesecht und einigen Wochen Erfahrungen im Schützen- graben verwandle sich aber der Hätz in einen Respekt vor dem Feinde, den man indessen immer noch hasse. Mit der Zeit der Fort- dauer des Krieges, der Mühen, der Opfer und der Entbehrungen, denen die einzelnen Soldaten ausgesetzt sind, verschwinde der Hätz und inachii einer Art Melancholie Platz, die sich mit einem Seufzer begnüge, halb humoristisch von den„Boches" drüben— zu sprechen. Zum Unterschiede von den Tageszeitungen zu Hause finde man in den„Kriegs-Zeitungeii" der Schützengräben nicht jene Hatzergüsse gegen den Feind. die allgemeine dienstpflicht in Australien. London, 30. September.(W. T. B.) ,.D a i l y C h r 0 n i c I e" meldet aus Melbourne vom 20.: Die Versuche der Sozialisten, die Gewerkschaften zu radikalen Mahregeln gegen die E i n f ü h- rnng derDien st Pflicht zu bewegen, sind mißglückt. Es wurde heute bekanntgemacht, datz alle unverheirateteu Männer zwischen 21 und 32 Jahren in Erwartung des Ergebnisses der Volksabstiin- mung über die Dienstpflicht zum militärischen Dienst im Inland aufgerufen werden sollen. Die Aufgerufenen werden nach ärztlicher Untersuchung, soweit sie nicht vom Militärdienst befreit sind, sofort nach den Militärlagern geschickt werden. Von den 75 Mitgliedern deS Repräsentantenhauses haben nur 18 ein Manifest gegen die Dienstpflicht unterzeichnet, von den 30 Senatoren 16. Kleine Kriegsnachrichten. London, 1. Oktober.at am Sonnabend zum ersten Male d übliche Pantomime einem zahlreichen Publiium borgeführt. Di .. G e i c r p r i n z e s s i n" ist sie betitelt, die Verfasserin des Märchenspiels ist Paula Busch. Es ist eigentlich derselbe Gedanke. der schon siüber Pantomimen durchzog. Raub eines Königs- kindcs. Suche nach demselben. Auffinden durch einen Prinzen: nach Ueberwindung verschiedenster Schwierigkeiten große Hochzeit unter Aufbietung reichlichen Pompes. In der..Geierprinzesstn" raubt ein Geier die Prinzessin, die sich mit ihren Geiergeschwistern schleckt und recht abfindei. Aach 10 Iahren findet sie ein Prinz. der zuerst das alte Geierpaar getötet bat. und nimmt sie wider- Ein schwerer Stra�enbahnunfall wird vom Sonnabend nach- strebend mit. um sie nach oen Verschiedesten Entwickclungsphasen mittag aus der Schönhauser Allee gemeldet. Dort wollte die den iomglnnen EUcm zuzuführen, die inzwischen ein anderes SOjäbrige Frau Ida Sobolewski während der Fabrt die Hinter- Kmd an K.ndcSswtt angenommen hatten und es dem Prinzen cnt- plaAforul eines Triebwagens der Linie 47 vor dem Hause Schön- flogen seiner Aeiguug als Ehegesponjt aufdrängen wollen. Aber Häuser Allee 100 besteigen. Frau S. kam dabei zu Fall und geriet alles wird zum Schluß gut.«ic kriegen nch wie in den Garten- mit beiden Beinen unter den Schutzrahmen des Beiwagens und lauberomaiien der toennburg uud Acarlitt. Der Haupteffekt wurde überfahren. Ter nnglücklichen jungen Frau wurden beide üagl in der prächtigen Ausstattung m>t glänzenden Koitünien>n'd «fc mußte mittels Krankenwagens von farbigen Lichteffekten. E,ne circenstsche Note hat das«p,el mdii. 'die Geschäftsleuke Stellung nehmen; das lieg! uns fern. Venn aber nicht wenige davon mit den Konsumenten Schindluder treiben zu könneif glauben, dann müssen wir verlangen, daß dagegen ganz energisch eingeschritten wird, damit die berechtigten Klagen end- lich einmal aufhören können. Ein Kupplcrnrst ist am Sonnabend in Schöneberg ausgehoben worden. Bei der Bebörde waren seit einiger Zeit Anzeigen ein- gegangen, daß bei einer Frau A. in der Rollendorfstraße witirc Orgien abgehalten würden, an welchen 13- bis löjäbrige Schul- mädchen und ältere Herren teilnahmen. Tie Kriminalpolizei ließ nun das Haus sorgfältig beobackuen und observierte namentlich sämtliwe dort aus- und eingebenden jungen Mädchen und Franen. Am letzten Sonnabend sah einer der überivau, enden Beamten, daß zwei Schulmädchen gegen 3 Uhr nachmittags das Haus betraten und sich nach der Wohnung der Frau A. begaben. Bald daraus erschien auch ein älterer Herr, wie sich sbäter herausstellte, ein Rentier aus Steglitz, der ebenfalls dorthin ging. Tie Beamten klingelten nun an der Tür. Zind, da sie in Zivil erschienen, ließ Frau A. sie auch eintreten. Sie. kamen gerade zurecht, um Augenzeugen einer Orgie zu sein. Die Wohnungsinhaberin mit ihrer Tockler und ihrem Schwiegersohn wurden unter dem Verdacht der gewerbsinäßigen Kupvelei verbaitei. LeSterern fiel es namentlich zu. unerfahrene Mädchen in die Lasterhöhle zu locken. Auch die beiden anwesenden 13jäbrigen Mädchen, die Schülerin G. aus Steglitz und St. aus Wilmersdorf, wurden in Haff genommen. Soweit bis jetzt ermittelt, haben eine ganze Anzahl älterer Herren dort mit Schulmädchen«otelldicheine gehabt, und die Angelegenheit dürste, nach den bisberigen Ermittelungen zn urteilen, eine größere Anzahl„alter Sünder" vor den Untersuchungsrichter führen. Unterschenkel zermalmt. eine nahegelegenen Unfallstation, wohin sie gebracht wurde, nach der Ebarite überführt werden, und liegt dort in hoffnungslosem Zustam- Willkür von Geschäftsleuten. Ter Mangel an Lebensmitteln hat dazw geführt, daß viele Geschäftsleute, die über die so sehr begebrten Artikel verfügen, das Publikum wie einen unverschämten Bettler behandeln. Wer denkt, wie früher für sein Geld Ware ohne Ansehen der Person er- halten zu können, irrt sich oft ganz gewaltig. Wer nicht zur ständigeil Kundschaft gehört oder sonstwie bei den Geschäftsleuten sich unbeliebt geinacht hat, wird einfach nicht berücksichtigt und kann mit leeren Händen wieder abziehen. Diese Handlungsweise ist den Geschäftsleuten zwar be: Strafe verboten, aber doch kommt es noch sehr häufig bor, weil die meisten Benachteiligten wegen der Unbequemlichkeiten den Beschwerdeweg nicht beschreiten und die gegen die betreffenden Geschäftsleute verhängten Strafen zu niedrig sind und nicht abschreckend wirken. Neuerdings ist uns wiederum ein Fall vorgetragen worden, den wir hier einmal als Beispiel dafür, was sich Geschäftsleute her- ausnehmen, wiedergeben wollen. Eine in Moabit wohnende Frau war bei dem Schlächtermeister Schultz in der Berlichingenstr. 13 in der Kundenliste eingetragen. Am letzien Tonnerstag hatte Sch. Schweinefleisch zum Verkauf bereitgestellt und auch die Nummer der betreffenden Frau war dazu aufgerufen. Als die Frau nun kam und Schweinefleisch verlangte, wurde ibr dies verweigert, da sie sich vom 1. Oktober ab bei einem audercii Schläch Auf diesem Gebiete kamen die Besucher im ersten Teile des Pro- gramms voll auf ihre Rechnung. Bierdeckel aus Zinn sind vom 1. Oktober ab beschlag- nahmt; sie sind auf Grund der am 1. Oktober in Kraft getretenen Verordnung anzumelden und abzuliefern. Betroffen von dieser Maßnahme werden nicht nur alle Arten von Bier- ausschänken, Brauereien, Bierverlägcn, Gastwirtschaften, einigte nochmals dm vier besten Dauerfahrer slellbrink. Schipke, Kaffeehäuser und Konditoreien, sondern auch Vereine und Gc- Ianke und Lewanow am eotart. Mehrere Fliegerrennen ver- .-.„eil Om-, vollständigtcn das Programm. Nachstehend die Ergebnisse der cui- KehrauS im Sportpark Treptow. Gestern läutete die Smrt- glocke zum Radrennen das letzte Mal in diesem Jahre. Trop kalter Witterung und hoher Eintrittspreise wies die Besucherzahl einen Rekord auf. Ter Große Preis von Treptow, ein Dauer- rennen über 50 Kilometer, und ein 20-Kilometerrennen ver- sellschaffen, Kasinos und Kantinen, also auch studentische Kor porationen, Tafelrunden, Klubs und dergleichen.— Alle näheren Einzelheiten über die Meldepflicht, Beschlagnahme und Einziehung ergeben sich aus dem Wortlaut der Berannt vallftändifltcn zelnen Renne». I wanow Großer Preis von Treptow. 50 Kilometer: 1. Jankc, 2. Leoni 160, 3. Schipke 370, 4. Stellbrink 4310 Meter zurück. Zeil: llin. 40 Sek. Stellbrink hatte unter Motorichaden und wiedcr- ndert war, in das O-Ällometerreiinen: , Volten Raddefekt zu leiden, wodurch er verhindert war, in das machung und den Äusführungsbcstimmungen, welche die mit\ �ab der Durchführung beauftragten Kommunalbehörde n 1 Rennen entscheidend............... erlasse n. Die Veröffentlichung erfolgt in der üblichen � i. Slellbrink. 2. Lewanow 140?'3. Schipke 520, 4. Jank« 3i>40 Meter Weise durch Anschlag und Abdruck in den Tageszeitungen;! zurück. Zeit: l? Min. 10 isek.— Vorgabefahren, 2700 Meter: außerdem ist der Wortlaut der Bekanntmachung bei den Poll- 1 l- Lorenz iMalmannß 2. Abraham mit 30, 3. Müller mit einzuigreifcn.— zeibekiördcn einzusehen. Es wird darauf hingewiesen, daß in§ 1» der Bekannt- machung außer der zwangsweisen Einziehung der Zinndeckel von Biergläsern und Bierkriigsn freiwillige Ablieferung einer Reihe von anderen Gegenständen aus Zinn gegen angemessene Vergütung vorgesehen ist. Die Gerüche im Vönowvicrtcl. Ter Grunöbesitzerverern Bötzowviertcl und Umgegend Hot ein: Bittschrift an das Gesundheitsamt des Königl. Polizeipräsidiums gerichtet wegen Abhilfe gegen die üblen Gerüche, die von der Dorff- lerschen Wurstfabrik in der Greifswalder Straße ausströmen und die angrenzenden Bewohner schwer schädigen sollen. Diese Fabrik soll im Auftrage der Zentraleinkaufsgesellschaft Leberwursf aus aus- ländischem Fleisch herstellen. Die Zutaten und das Fleisch werden angeblich in Fässern eingeführt. Durch den langen Transport und 1(50 Me:er Vorgabe. Zeit: 3 Min. 42 Sek.— Prämienfahren: Distanz 4000 Meter; 1. Lorenz, 2. Hoffmann. 3. Krahner, 4. Pawke. Zeit: 3. Min. 14 Sek.— Einen Treierwetikamvf in drei Laufen nach Punktwertung gewann Krahner mit 4 Punkten vor Hoff- mann und Abraham mit je 7 Punkten. Den Meistern der Pedale dürften die verflossen eri Kriegs- rennen einen guten Verdienst gebracht Hoven, demzufolge sie der Winterruhe pflegen können. Der großen Masse von Fahrern wird es aber ihr Verdienst kaum ermöglichen, ibre Unkoffen zu decken. Den Rennbafmbefitzern fällt felbstnerständlick der Löwenanteil der vereinnahmten Eintrittsgelder zu, die. man versucht ist. als Kriegs- gewinne anzusprechen, weil die kleine Bahn in Treptow seit Kriegsbeginn eine Monopolstellung rm Berliner Radrcnnbctricb einnimmt._ Wettcraussichten für das mittlere Norddcutschland bis Dicns- tag mittag. Vielfach heiter, jedoch ziemlick» kühl, veränderlich, und an der Küste verschiedentlich leichte Regensällc. ÄämiralspaSasl. Das herrliche Eisball Ott Dsu �antasis. Äni S'/a Chr. Ä, 3,-4 31. Zigarren von M. 60,— pro Tausend auswärts, Ziäfsiretten von M. 14,-— pro Tausend aufwärts zuEngros-Preifen.* Leo Spieker. Charlottenburg. Wilmcrs. dorfer Str.'38.— Tel Litbctm tSOS. ]' Für Schulinraacäier!| 1 Ausgestanzte Obcrfleclie* ( i sortiert in Damen- Herren- und <» Kindersröße, Pfund 5 Mark.« f f sowie Ober- u. Unterlederabfäile f tcr hat eintragen lassen. Ter Protest der Frau war vergeblich.! � Sie beschritt nun sofort den Weg der Beschwerde. Zuerst ging sie, die nichl wußte, wohin sie sich zu wenden hatte, zur nächsten Brotkommisswn. Dort schickte man sie nach der Nahrungsmittel- Verteilungsstelle in der Stralauer Straße. Hier riet man ihr, zur Polizei zu gehen und dort erfuhr sie endlich, daß sie sich an die Beschwerdestelle aus dem Viehhof zu wenden habe. Als sie dann auf dem Viehhof anlangte und auch hicr� erst hin- und hergeschickt worden war, che sie das richtige Bureau fand, war dieses gc- schlössen, denn von 2— 1 Uhr werden Beschwerden nur entgegen- genommen. Die Frau wollte aber durchaus zu ihrem Oiechi kommen und ließ es sich nicht verdrießen, am Freitag noch einmal den weiten Weg von Moabit nach dein Viehhof zu machen. Der Beamte erkläme ihr nun, sie solle sofort zu dem Schlächter gehen und ihr Schweinefleisch verlangen; der Schlächter habe kein Recht, es ihr vorzuenthalten. Diesen Rat befolgte die Frau auch, aber die allein anwesende Ehefrau des Schlächtermeisters sagte ihr: Mein Mann ist jetzt nicht hier, aber wenn er kommt, kriegen Sie bei ifnn doch nicht Recht. Wie uns die Frau nachträglich mitteilte, hat sich der Schlächtermeister aber doch besonnen und ihr nun das Schweinefleisch gegeben. Tie Frau ist der Meinung, daß.man ihm inzwischen auf dem Viehhof Bescheid gesagt habe, was er zu tun habe. Wer entschädigt der Frau aber ihre Zeitbersäumnis und das Fahrgeld? Wie Viele sehen von diesem umständlichen Beschwerde- weg ab und schlucken den Acrger bintcr. Wenn dem Publikum geholfen werden soll, muß der Willkür der Geschäftsleute von Amts wegen energischer zu Leibe gegangen werden. Wir wollen von vornherein dem Lorwurf begegnen, daß wir einseitig gegen Die Eincnchmnig unscreS v�r itorbenen Mitgliedes, Herrn iüniZt Voigt Berlin, Naunynslrahe 33 findet heute, nachmittags 4 Uhr. im Treptower Krematorium an der Kiesholzilratzc stall. Ehre seinem Andenken k ZigaFetien direkt ab Fabrik, völlig versteuert. 1,8 Pf. 100 Stck. 1,40 A 3 Pf. 100 Stck. 1.90 B 4,2 Pf. 100 Stck. 2,40 0 6.2 Pf. 100 Stck. 3.75 D 8.8 Pf. 100 Stck. 6,50 E Versand ins Feld sreg-en Voreinsendung des Betrages. Inland nur.Nachnahme. Zigarettenfab.Wilh. Schnur 10 Berlin N. 39, Chausseestr. 86. Tel.: Xorden 11766. Geöffnet Werktgs. 8— 8. Sonnt. H— 10.* | I BninOSeSSiiiS, BerKißenseee; I-aneiiansstr. 33. Tel. 191 ü Lombard-Haus El H. ttraü. Leipzigers!. 75 II f Volle normale Beleihung- aj� Diskretion, Reellität. f 77?» Gelegenheitskäufe ' 1® llhren« BrlMaittcn S M Schmucksache n? arm 1 O— AO0.. unter Ladenpreis. BB ijöuliri_ Ii_ iLJdli_!□□□!—!'— I LÜLii_ ll_ O_)□□□(— iD_( □" Berliner Sängerchor. □ □ n □ □ □ □ □ □ □ □ n M. d. D. A.-S.-B. Chormeister: Franz Botho. Sonntag, den 8. Oktober, im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engel-Ufer 15; Konzert. 51 it wirkende: Frau Martha Dreyer-Wolff(Sopran). ühr. 5911 Einlaßkarte 50 Pf. Ankam JaJu JULDQui Verantwortlicher Redakteur: Ernst Täumig, Steglitz. Für den Inseratenteiloeramw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtsLuchdruckerei u. Verlagsanjtalt Paul Singer& Eo„ Verl m SW,