Ar. 888. 33. Jahrg. tidonnementz-kecklngunge«: «donnemeMS» Preis pränumerrmds Lierteljährl. S.SV Ml, monatl lL0 Ml, wSchenllich SV Pjg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pig. Eonnlags- nunimer mil Mustrierler SonnlagS- Beilage.Die Neue SEelt* 10 Big. Poit- ilbonnemenr: 1.3V Mar! vro Manat. Eingelragen m die Vaii» ZeitungZ- Breisliiie. Unler Kreuzband für Deuilchland und Oeflerrcich. Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland « Marl vra Manal. Baslabonnemenls nehmen an Belgien. Täncmarl Holland. Italien. Luxemburg. Pomigat. Kiunänien, Schweden und die Schweiz. «chrliil lZglich. Vevltnev Volksblerkk. ( 5 Pfennig} Die Intertions-GebQljr hetrllgt für die scchsgcjbaltene Kolonel» zcile oder deren Rauin SV Pfg, für dolitische und gewerlschaftlichc Vereins- und Vcrsammlungs- Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnocigen". das feUgedruclie Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Wortel, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafsiellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes «eitere Wort ö Pfg. Worte über 15 Buch- Itaben zählen für zwei Worte. Jnfera-.e für die nächste Nummer müfscu bis S Uhr nachmittags in der Expedition «bgegcbcn werden. Die Exvedition ijt bis 7 Uhr abends geoffiict. Delegramm-Adrcsse: �»zlzlilemoHriil Scn>»". ZcntvzXorgan der fcztaldcmokrati fehen Partei Dcutfcblands. Neöaktion: SW. öS» Linüenstraße Z. Fernivrecher: Amt Moritzplatz. Nr. 131 90—151 97. Donnerstag, den 19. Oktober 1913. «Expedition: EW. HS» LinSenstraße Z. iserniprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 15190—15197. Th. Stauning über die politische Lage in Dänemark. Genosse Th. Stauning, der Vorsitzende der sozialdeui akratische n Landesorgani- sation Dänemarks, sendet den der sozialisti- ichen Internationale angeschlossnen Parteien den olgenden Situativnsbericht über die jüngsten politi- chen Ereignisse in Dänemark, die zur Bildung eines KoalitionSininisteriums mit Einschluß eines sozialisti- scheu Mitgliedes führten: Werte Genossen! Wie Ihnen bekannt sein dürfte, ist die dänische Regierung kürzlich durch Vertreter der Parteien, welche bisher außerhalb der Regierung gestanden haben, erweitert worden, und ich bin im Auftrage der Sozialdemokratie in das Ministerium ein» getreten. Aus diesem Anlaß wünschte ich den Bruderparteien einige Aufschlüsse zum besseren Verständnis dieser Situation zu geben, indem ich davon ausgehe, daß derartige Begebenheiten ein gewisses Interesse haben, selbst wenn diese in einem kleinen Lande eintreffen. Bei Kriegsausbruch bestand unsere Regierung aus Mit» gliedern der sogenannten„Radikalen Linken"(Freisinnige), und dieselbe war gebildet worden unter der Voraussetzung, daß sie zwecks Lösung gewisser Aufgaben von der Sozialdemo. kratie unterstützt werde. Hinter der Regierung standen 28 Proz. der Mitglieder des Folkething(Teputiertenkammer) — 32, während die Sozialdemokratie dieselbe Anzahl Mandate inne hatte, also im ganzen 64 oder 54 Proz. der 114 Mitglieder der Kammer. Da die politische Stellung der Regierung in vielen Fragen (soziale sowohl wie militäre) der Sozialdeniokratie sehr nahe kam, und da ihre äußere Politik eine strenge Neutralitäts- Politik zur Basis hatte— ohne irgendwelchen Ländergewinn als Ziel—, versprach d i e Sozialdemokratie dieser Regierung, als der Krieg ausbrach, fortgesetzte Unterstützung, indem sie voraussetzte, daß dieselbe auch fernerhin eine Politik führen würde, welche das Land vor Verwickelungen und vor dem Unglück des Krieges bewahren könnte. Diese Erwartung hat sich auch erfüllt, während auf der anderen Seite eine Politik getrieben wurde, durch welche den unteren Schichten des Volkes im 51anipfe gegen die ökonomi- schen Schwierigkeiten der notwendige Beistand geleistet wurde. Das letztere erweckte mittlerweile großen Verdruß in agrari- schen Kreisen(den Liberalen), weil die festgesetzten Maximal- preise und die zwangsweise Lieferung von Lebensmitteln für Dänemark den Verdienst beschnitt, welchen die Ausfuhr dieser Lebensmittel hätte einbringen können. Ferner war die Ober» klasse im ganzen genommen erbittert darüber, daß alle während des Krieges erhobenen Abgaben niit steigender Skala auf die Schultern der Besserge st eilten(auf die Einnahmen von 6666 Kronen jährlich) gelegtwurden, nämlich auf das Vermögen, auf das Erbe, auf Kriegsverdienste usw. Gewisse chauvinistische Zeitungen, die jedoch wenig An- hang in der Bevölkerung finden, haben diese Stimmung un- unterbrochen ausgebeutet, und als die Frage betr. der Ver- äußerung der drei westindischen Inseln(St. Croix, St. Tho- mas und St. Jan) an die Vereinigten Staaten von Nord- amerika im Reichstage eingebracht wurde, erhielten diese Zeitungen Stoff für eine verlorene patriotische Kampagne, welche längere Zeit hindurch die öffentliche Meinung a n- scheinend beherrschte. Parteipolitische und persönliche Interessen spielten eine Rolle während der ganzen Kampagne, und im Auslande mußte die ganze Sache den Anschein eines Ansturmes gegen die Regierung und da namentlich gegen den Minister des Aeußeren erwecken. Me Konservativen und die Liberalen erklärten: 1. daß die Inseln nicht veräußert werden dürften; 2. daß die Reickistagswahl abgehalten werden müßte; 3. daß die Regierung entfernt werden müßte. Man muß hierbei daran erinnern, daß die Frage betr. Veräußerung der Inseln eine alte Sache ist, welckje schon mehrere Male zur Verhandlung gestanden hat; das letztemal War das der Fall im Jahre 1962, als das Folkething den be» treffenden Gesetzentwurf genehmigte, während das Landsthing (der Senat) denselben mit Stimmengleichheit verwarf. In Wirklichkeit konnte jetzt kein Zweifel herrschen. Die überwiegende Mehrzahl im Reichstage war nun für den Ver- kauf gestimmt— die gesamte liberale Partei, die Regierungs- Partei, die Sozialdemokraten und die Konservativen. Die Sache wurde nur von den Agrariern und von den Chauvinisten als Anlaß benutzt, eine Wahlsituation herbeizuführen, in welcher es möglicherweise gelingen konnte, eine andere Re- gierungsmajorität und eine andere Regierung zu schaffen. � Hieraus wird man verstehen, daß die Sozialdemokratie nicht wünschen konnte, in einen Wahlkampf einzutreten, der in sich selbst eine Gefahr für Mißverständnisse enthielt, welche Verwicklungen außenpolitischer Art im Gefolge haben konnten, und daß wir namentlich nicht— selbst wenn die Situation, vom parteipolitischen Standpunkt aus betrachtet, für uns günstig war— auf irgendwelche Weise dazu beitragen wollten, daß sich die Möglichkeit einer veränderten Politik— geführt von den gemäßigten und konservativen Gruppen— ergab. Unsere Politik war deshalb�darauf basiert, die Veräuße- rung der Inseln— welche eine Sache von bedeutender außen- politischer Tragweite ist— zu ermöglichen, der Reichstags- Wahl zu entgehen und die radikale Regierung zu erhalten; und das haben wir erreicht. Zu gegebener Zeit wurden auf Veranlassung des Königs Verhandlungen geführt zwecks Errichtung eines sogenannten Sammlungsmiuisteriuins, in welchem alle Parteien vertreten sein sollten(z. B. drei Mitglieder von jeder Partei). Die Sozialdemokratie erklärte sich geneigt dazu, hierüber zu ver- handeln, und ebenso, wenn die Notwendigkeit es erheischen sollte, einem Kongreß die Frage wegen des Eintretens der Sozialdemokraten in die Regierung zur Genehmigung vor- zulegen. Die Verhandlungen scheiterten aber an verschiedenen Schwierigkeiten, welche selbstredend zwischen derartigen un- gleichen Parteigruppen entstehen müssen, und das Endergebnis wurde ein bedeutender politischer Sieg für den Standpunkt der Regierungspartei und der Sozialdemokratie. Man hat nun eine Verabredung getroffen über den Gc- setzentwurs betr. Veräußerung der westindischen Inseln. Nach der Untersuchung der Sache in einer Reichstagskommissiou geht der Gesetzentwurf zur Volksabstimmung, an welcher sämtliche Reichstagswähler(männliche und weibliche) teil- nehmen können. Die Reichstagswahl wird nicht vorgenommen und die Regierung arbeitet weiter. Um den Ausbruch ähn- licher Konflikte in Zukunft zu verhindern, i st das Mi- nisteriumdurchjeeinMitglicdderdreiPar- teien, welche bisher außerhalb der Regie- rung ge st an den haben, erweitert worden, und diese Mitglieder sind befugt, mit ihren resp. ParteienübersolcheSachenRücksprache zu nehmen, toelche einen eventuellen Kon- f l i k t st o f f i n s i ch b e r g e n. Während der Verhandlungen haben wir versucht, andere Auswege zu finden, aber nur dieser eine Plan hat bei den übrigen Parteien Anklang gefunden, und auch nur unter der Bedingung, daß die Sozialdemokratie, um Ruhe zu schaffen und um die Wiederholung der unerquicklichen Agitation von feiten der chauvinistischen Kreise und Zeitungen zu verhindern, demselben seine. Zustimmung gab. ' Zur Beschlußfassung in dieser Sache wurde ein Partei- kongreß einberufen, � und dieser beschloß mit einer Majorität von 291 Stämmen' gegen 3 2, also mit neun Zehnteln der abgegebenen Stim- inenzahl.daßderVorschlagangenommenund ein Mitglied unserer Partei in das M in i- stcrium delegiert werden solle. Darauf erwählte die Reichstagsfraktion Unterzeichneten zu dieser Stellung, welcher Wahl der Kongreß seine einstimniige Zustinunung gab. Die Ernennung fand hierauf statt; ich bin, ebenso wie die beiden anderen Parteivertreter, Minister ohne Portefeuille, nehme aber an allen Ministerkonferenzen und im Staats- rat teil. Auf Beschluß der Reichstagsfraktion und der Partei- leitung bin ich auch fernerhin Vorsitzender so- wohlderFraktionwiederLeitungderpoliti- schen Landesorganisation. Wie die werten Genossen bemerkt haben werden, haben außerordentliche Umstände diesen Schritt notwendig gemacht, und wir fühlen uns des- halb durchaus in U eberein st im mung mit den Beschlüssen der internationalen sozialisti- schen Kongresse inbetreff unseres Ein- tretens in die Regierung. Die von uns eingenommene Stellung hat unser An- seheninderBevölkerungver mehrt, und wir sind der Auffassung, daßwirernstlichenKonfliktenfür unser Land vorgebeugt haben, was in gegen- w'ärtiger Zeit die Hauptsache sein inuß. Dazu kommt, daß unser Einfluß zum Heile der Arbeiterklasse durch diesen Schritt nicht vermindert worden ist. Weshalb wir der Zukunft getrost entgegensehen, hoffend, daß dieser unglückliche Krieg baldig st seinen Abschluß finden und daß der Siegeszug des Sozialis- mus gesichert werden möge. Mit sozialdemokratischem Gruß _ Th. Stauning. Die griechischen wirren. Tie Borgänge in Athen. London, 18. Oktober.(W. T. B.)„Daily Mail" meldet aus Athen: Das Schicksal des Königs und der Regierung hängt an einem Faden. Als der Minister- Präsident gestern dem König meldete, daß Admiral Fournet sich geweigert habe, die jüngsten Forderungen der Alliierten zu mäßigen, fielen heftige Worte. Lambros begab sich hierauf nach dem Ministerium des Auswärtigen, wo er sagte, er be- absichtige zurückzutreten. Schließlich entschloß er sich aber doch, nicht um seine Demission zu ersuchen. Als abends französische Seeleute gelandet wurden, eilte Lambros rasch zum König und fand ihn in einem Zustand höchster Entrüstung. Der König sagte�Es bleibt mir nichts anderes übrig, als mit den Meinen nach Larissa zu gehen. Der Ministerpräsident ver- mochte den König nicht von dieseni Entschluß abzubringen; er I begab sich deshalb schleunigst nach Athen und beratschlagte mit Skuludis, Gunaris und Dragumis, die auf.sein Ersuchen nach Tatoi gingen, um den König zu beschwören, er möge diesen Schritt nicht tun. Der König versprach nun, seine A b- reise nach Larissa vorläufig noch aufzuschieben. In- zwischen geht aus allem, was geschieht, seine Absicht hervor, in Larissa alles zur Verteidigung fertig zu machen. Der Korrespondent der„Daily Mail" will erfahren haben, daß an einer der Stationen der Larissa-Linie 16 666 Geschosse, 36 666 Kisten Patronen und 46 Feldkanonen ange- sammelt seien; an zwei anderen Stationen lägen 4—5666 Ge- wehre. Athen, 18. Oktober.(W. T. B.) Reuter meldet: Um 3 Uhr nachmittags wurde in einem Ministerrat über die Lage beraten. Es wurden die Präsidenten der Gewerkschaften gerufen und ihnen geraten, sich aller Kundgebungen zu ent- halten. Auch die Leiter der Polizei und der Gcndarnierie wurden gerufen. Nachher wurde eine Llundmachung ver- Lfsentlicht, die das Publikum über die Absicht der Alliierten beruhigen sollte. Die französische Abteilung in Athen ivurde später um 166 Mann und 4 Maschinengewehre verstärkt. Bern, 18. Oktober.(W. T. B.)„Matin" zufolge wohnten der Truppenbesichtigung in Athen ungefähr 16 666 Personen bei. Die Menge brachte neben Hochrufen auf den 5lönig auch Rufe: Nieder mit Vcnizelos! aus. Zusammenstoß in Athen. London, 17. Okiober.(W. T. B.) Die„TinieS' meldet aus Athen, daß die Matrosen der Alliierten, die unter dem Befehl französischer Offiziere flehen, von griechischen Polizisten angegriffen worden seien; es wurden infolgedessen Verhandlungen zwischen den Gesandten der Entente und der griechischen Regierung geführt. Man hoffe, das Mißverständnis beseitigen zu können. Inzwischen habe der französische Gesandte den Admiral Fournet ersucht, die Kontrolle über die Polizei anders einzurichten. Weiter meldet dasselbe Blatt, der amerikanische Gesandte, dem eine Abordnung ein Protestschreiben gegen das Vorgehen der Entente übergeben, habe darauf geantwortet, seine Regierung könne unmöglich eingreifen, er stimme aber zu, das Dokument nach Amerika weiterzuleiteu. Athen, 18. Oktober.(W.?. B.) Reutermeldung. Auf dem MarSfelde hielt König Konstantin in Gegenwart der königlichen Familie eine Truppenschau über die Besatzungen der Schiffe ab, die den Alliierten ausgeliefert wurden. Der König hielt keine An- spräche. Der Marineminister verlas einen Tagesbefehl. Eine un- gewöhnlich große Menschenmenge, vor allem Reservisten, war an- wesend. Nach der Parade kam es zu einer Straßen kund- g e b u n g. Die Manifestanten wurden von Leitern der Reservisten- bewegung und bekannten Gunaristen geführt und trugen Bilder des Königs mit sich, die mit Lorbeerblättern bekränzt waren. Zahlreiche' Soldaten und Seeleute nahmen an dem Umzüge teil. Vor der englischen Gesandtschaft machten sie allerlei be- leidigende Gebärden und Bemerkungen und vor dem Stadttheater kam es zu mehreren Zwischenfällen. Admiral Fournet wurde ausgepfiffen und eine Gruppe französischer Seeleute, die aus dem Theater kamen, wurde von der feind- lichen Menge zurückgedrängt. Einige Reservisten, die zu Unruhen aufstachelten, wurden von der französisch-englischen Polizei verhaftet. Heute abend kam eine Menschenmenge von 3 bis 1000 Personen auf dem Omonida-Platz zusammen und zog mit griechischen und amerikanischen Fahnen nach der Universitäls- straße. Vor der amerikanischen Gesandtschaft machte sie Halt und protestierte gegen die Landung der Detachements der Alliierten, so- wie gegen ihre Anwesenheit in Athen und bat um Schutz. Der amerikanische Gesandte war aber nicht anwesend. Die Manifestanten zogen hierauf unter Absingung des griechischen Volksliedes durch die Straßen. Elitente-feindliche Demonstrationen in Athen. Bern, 18. Oktober.(W. T. B.) Aus Athen meldet„Cor- riere della Sera" weiter, daß am Tage der KvnigSparadc immer mehr Demonstranten eine drohende Haltung an- genommen hätten. Sie hätten„Nieder mit der Entente" gerufen, und Polizei, Kavallerie und griechische Marinetruppen hätten mit aufgepflanztem Seitengewehr eingegriffen und die Plätze gesperrt. Die Menge sei mit griechischen und amerikanischen Fahnen vor die Gesandtschast der Bereinigten Staaten gezogen, wo sich aber niemand am Fenster gezeigt habe. Das gegenüberliegende Haus BenizeloS' habe die Menge plündern wollen, doch sei sie von der Polizei zu- rückgehallen worden, wobei eS zu Zusammenstößen gekommen sei. Die Demonstranten hätten die Umzüge bis in die späte Nacht fort- gesetzt. Um 9 Uhr abends sei ein Ministerrat ziisammcngctretcu. Der Korrespondent fügt hinzu, die Lage sei bis jetzt nicht besorgniS- erregend._ Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 17. Oktober.(W. T. B.) Amtlicher Heeresbericht vom 17. Oktober. Mazedonische Front. Keine Veränderung. An der Front östlich des Prespa-Sees und im Ccrna-Vogen leb- hafte Artillerietätigkeit. Wir schlugen schwache feindliche An- griffe bei den Dörfern Gradesnica und Tarnova(Nidze Planina) ab. In der Moglenitza-Gegcnd Ruhe. An beiden Ufern des Wardar stellenweise schwaches Artillericfcuer. Bei einem Patrouillengcfecht östlich des Wardar nahmen wir zwei Engländer gefangen. Am Fuße der Belasitza Planina schwaches Artilleriefeuer. An der Struma-Front Patrouillen-Scharmützel. Nn der KMe deS AegRMen Meeres Ruhe. R-mäiiifche Front. Keine Veränderung. LSngS der Donau Ruhe. In der Dobrudscha stellenweise schwaches � rtilleriesener und Gewehrschnye. Wir zersprengten zwischen �iusus Mamut und Enidje durch Feuer eine aus drei Bataillonen und zwei Batterien bestehende feindliche Abteilung. Auf der svluch lieh die Bedienun gswann ich a st Geschütze und Mumtions- ttswu zurück. An der Küste deS Schwarzen Meeres Ruhe. die Melüuog ües türkischen Hauptquartiers. A»«st«ulti»opel, 18. Oktober. lW- T. B.» Amtlicher Heeresbericht vom 11. Oktober. An der Ä a u k a» ! uS front auf dem rechten Flügel Scharmützel, die günstig für uns verliefen. Im Zentrum haben wir unsere Schützen- grüben weiter östlich vorgeschoben. Die überraschenden An- griffe, die wir gegen den Feind zur Ausführung brachten, waren von Erfolg gekrönt. Wir machten eine Anzahl Ge- iangene. Am linken Flügel unternahmen wir mit Erfolg Patrouillen- und AusklärungSgesechtc. An der ägyptischen Front griffen zioei feindliche Kavallerieregimenter Vir Me- gare östlich vou Suez an. wurden aber unter Verlusten für iie zurückgeschlagen. Auf den anderen Fronten kein wichtiges Ereignis._ Die fewölichen Heeresberichte.- Der französische Tagesbericht. Vom 17. Oktober nachmittags.(£3. T. B.) Nördlich von der Summe eroberten die Franzosen im Torfe Sailly-Saillisel eine neue Häusergrvppe. Die Deutschen unternobmen am Bormittog einen heftigen Gegenangriff, wobei e« ihnen gelang, in einige Teile der ersten sranzöfischen Linie einzu- bringen. Em sofort einsetzender Gegenangriff warf fie völlig zurück. Die Zahl der gestern von den Franzosen gemachten Gefangenen beträgt 90. Die Franzosen erbeuteten zwei Maschinengewehre. Südlich von der Sonune icheitene ein neuer Angriff aus die sran- zöfischen Stellungen östlich von Lerny-en-Santerre im Feuer. Äuf dem übrigen Teile der Front zeitweilig aussetzende» Geschütz- teuer. F l u g d i e n st. Französische Flugzeuge führten zahlreiche Flüge ouS. Sie lieferten in der Sonunegegend öd Kämpfe, in deren verlause zwei deutsche Flugzeuge abgeschossen wurdeu und drei ander« steil in die dcMscheit Linien niedergingen. Orientarmee. Der Artilleriekampf dauert an. besonder« heftig auf dem rechten Vardarufer. Serbische Truppen schlugen heftige Gegenangriffe an der Lellawoda und Cerna zurück. vom 17. Oktober abends.(W. T. B.) An der pe- >amten Soinmefront beiderseitiges Geschützfeuer. da« zeitweis« grohe Festigkeit annahm. Der Feind machte östlich von velloy-en- Santerre zwei neue Angriffe, die ebenso, wie die vorhergehenden, vollständig zurückgeschlagen wurden; er erlitt starke Verluste. Bon ter übrigen Front ist nichts von Bedeutung zu melden. Luftkrteg. Deutsche Flugzeuge warfen ohne militärische« Ergebnis einige Bomben auf AmienS. Belgischer Bericht. In der Rächt Tätigkeit belgischer Patrouillen an der gesamten Front. In der Gegend von Kloster- boek und dem Fährmannhauje wurden bei Streifen in deutsche Gräben etwa 20 Gefangene eingebracht. Heule Artillerie- und Bombeitkampf sowohl im Abschnitt von Dixmuiden, wie in der Rich- tuttg auf Boeswghe. Die englische Meldung. Vom 17. Oktober nachmitagS.(28. T. B.) Wir drangen westlich von Serre in die feindlichen Gräben ein. Sonst aichiS zu melde». Vom 17. Oktober abends.(W. T. B.) Wir veschoffen die feindlichen Stellungen in der Räbe von Neuville, St. Baust und Äytschaet« nordöstlich von Dpern. Südlich der Ancre beideiseitige iebijafte Artillertetätigkeit.— Unsere Flugzeuge bewarfen bei autzemdeiitlich lebhaften ErkundungSflügen feindliche Eisenbahn- imien. Bahnhöfe, Fabriken und Magazine; vier feindliche Flugzeuge und zwei Drachenballont wurden zum Absturz gebracht. Ter russische Kriegsbericht. 17. Oktober. lW. T. B.) 28 e ft f r o n t. In der Nacht zum 16. Oktober fand in der hegend des NewdafluffeS eine gelungene Streife unserer Aufklärer statt, die einen feindlichen Hinterhalt angriffen und den Feind zwangen, die Flucht zu ergreifen. Er liefj vier Tote, darunter einen Offizier, zurück. Tie Leiche dieses Offiziers wurde von unseren Aufklärern mitgenommen. In der Gegend südlich von Skrobow wurde in den Schützengräben der tapfere Kommandeur eines unserer tapferen Regimenter, Oberst JlvanowSki, schwer verwundet. In der Gegend nördlich von Korhtnica und bei Bolschowtzc dauern die erbitterten Kämpfe an. Der Feind unter» nimmt erbitterte Gegenangriffe. Das unaufhörliche Feuer er- 'cicHt eine Qeofte Heftigkeit. Wir nahmen ein Maschinengewehr wrt und machten fünfzig Gefangene. In der Gegend von Dorna Äaira schlugen wir alle Angriffe de» Feindes zurück. KaukasuSsront. In der Kuftengegend beschaff � unsere Artillerie wirksam den Hafen von Tireboli. Zwischen'Hosat und Mamahatum zersprengten Kosaken durch eine glänzende Streife eine Horde von Kurden, die unendlich viel stärker war, und fügten ihnen groffc Verluste zu. In der D o b r u d s ch a Feuerkampf auf der ganzen Front. Meldung der italienische» Heeresleitung. B o n, 1 7. O k t o b e r.(W. T. B.) Auf dem Pasubio versucht« der Gegner in der Nacht vom tS. zum 10. und am folgenden Morgen Angriffe, die sofort abgeschlagen wurden. Auf dem ganzen 'üriegSschauplatz behinderte gester» schlechtes Wetter die Artillerie- lätigkeii. Aus dem Hochgebirge werden sehr starke Schneefälle ge- meldet. C a d o r n a. * Rom, 18. Oktober.(353. T. 35.)(Meldung der Agenzia Stefani.) Geschwader italienischer und französischer Wasserflugzeuge, die trotz ungünstiger Witterung eine allgemeine Erkundung an den Küsten WestiftricnS machten, haben am 16. Oktober nachmittags mit Erfolg vereinzelte feindliche Seestreitkräfte bei Rovigno und militärische Anlagen in Rovigno und am Kap Salvore beworfen. Im Kampfe mit feindlichen Flugzeugen gelang es ihnen, ztvci davon zu treffen. Eines von beiden wurde beim jähen Nieder- acben aufs Meer beobachtet. Trotz des heftigen Feuer» der feind- lieben Batterien sind alle ausgeflogenen französischen und ttalieni- jchen Flugzeuge unversehrt an ihre Ausgangspunkte zurückgekehrt. Der rumänische Bericht. B o m 17. O k t o b e r.(W. T. B.) Nord- und Nordwestfrout. Westlich von Fukghe« wurden feindliche Angriffe abgeschlagen. Der Kampf dauert an. Im Tal von Bicap wurden feindliche Angriffe abgeschlagen; unsere Truppen halten ihre Stellungen. Westlich von der Grenze im Tal von Trituz, wo der Feind bei Agas vorrückte, ist ein Kampf im Gange. Im Luzul-Tal ist der Feind über die Grenze zurückgeschlagen worden. Unsere Artillene mähte ein feindliches Bataillon nieder, dos geschloffen vorging. Unter den Toten dieses Bataillon« wurde die Leitbe seines Kommandeurs gesunden. Wir machten von diesem Bataillon 58 Mann zu Gefangenen und erbeuteten ein Maschinen- gewehr. Im Tal von Oituz sehr lebbafte Kämpfe: die Grenz- itellungen gingen mehrmals von einer Hand in die andere; der Kampi dauert an. Kleine feindliche Abteilungen näherten sich der Grenze zwischen Casin und Zabala, wurden aber zurück- geschlagen. Im Buzeu-Tal zwang unser Artillerieseuer feindliche Infanterie, ihre Gröben auszugeben und sich nach Norden zurück. zuziehen: wir machten 140 Gefangene,«ei Toblabuzi machten unsere Truppen einen Borstoff bi« vama Buzeului und Boza Bama, MW des Wen SMWllW. Amtlich. Große« Hauptquartier, 18. Oktober 1318.(W. T. B.): Westlicher ikriegSschanplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht Der Artilleriekampf erreichte besonders nördlich der Somme in breite« Abschnitte» beträchtliche Stärkt. Zwischen Le Sars und Gueudecourt griffe» die Eng- Knder, von LeSboeufS bis Rancourt die Franzosen abends an. Unser LernichtnugSfeuer auf die gefüllten Sturmgräben des FeindeS brachte den Angriff beiderseits Eaucourt l'Abbaye im Entstehe» zum Scheitern, bei Gueudecourt kam e» zu heftigen Rahkämpfeu, iu denen unsere Stellungen voll behauptet wurden. Die auS der Gegeud vou Morval und Rancourt vor- brechende» Franzosen wurde» nach hartem Kampf ab- gewiesen, in Sailly ist der Gegner eingedrungen. Der Kampf ist dort»och im Gange. Seitlich der HanptangriffSstelle», bei Thiepval, Cource- lette und BouchaveSneS brachte» Lorstöße dem Angreifer keinerlei Erfolg. Fünf feindliche Flugzeuge unterlagen im Lnftkampf. Heeresgruppe Kronprinz. Auf dem Ostufer der Maas rege Feuertätigkeit. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front deS G e» e ral f eld m a r fch alls P ri uz Leopold von Bayern. Räch dem derlustreiche» Scheitern der starke« In- fauterie-Angriffe gegen die Front westlich von Lnck be- schränkte sich dort der Feind anf lebhaftes Artilleriefeuer. Gegen die österreichisch-nngarifche« Stellungen bei Zwyzyu (nordwestlich vou Zalozce) angreifende Infanterie wurde »uter starken Lerlnste« durch Feaer in ihre Gräben zurück- getrieben. Auf dem westliche« Rarajowka-Ufer südwestlich vou Herbutow stürmten nach ausgiebiger Artilleriewirkung bayerische Bataillone eine» rusfische« Stützpunkt und brachte» 2 Offiziere, 350 Manu, 12 Maschinengewehre ein. Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Carl. An der Bystryca Solotwinska scheiterte ei» Angriff gegen»nscre vorgeschobene« Stellunge«. In den Kar- patheu lag die Ludowa-Höhe unter starkem Geschütz- fener, im Kirlibaba-Abschnitt wurden Borstöße zurück- gewiesen. Kriegsschauplatz in Siebenbürge». Die Gesamtlagt hat sich nicht geändert. Baltan-Kriegsschanplatz. Mazedonische Front. Gesteigerte« Artillerieseuer leitete westlich der Bah» Bitolj— Florina sowie nördlich und»ordöfilich der Ridze Planina feindliche Teilangriffe ei», die mißlangen. Ein bulgarischer Borstoß säuberte ei» Gerbennest auf de« Nordufer der Cerua. Ter Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. •• Dkl IslmMW SellMlWMW. Wie», 1». Oktober 1316.(W. T. V.) Amtlich wird »rrlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. HeerrSfrout de» General» der Kavallerle Erzherzog Carl An der«ugarisch-rumäuischea Grenze trat auch gestern keine wesentliche Aenverung ei«. Oefilich von Kirliiada wehrte»»nsere Truppe» mehrere ruffische Angriffe ab. An der Bystryca TolotwinSka»orpostenkämpft. Heeredfroat be» Generalfrldmarfchall» Prinz Leopold von Layern. Nordöstlich von BolSzowce an der Naraj-wka bemächtigte» fich bayerische Truppe» eine« starken rusfische» Stützpunkte«,»»bei fie de» Feind zwei Offiziere, SSV Man», 12 Maschinengewehre abnahmen. Am»bersten Srrrth wurde ei» russischer Angriff«. »ersuch im Seime vereitelt. I« Wolhynieu ruhte der Kampf. Italienischer Kriegsschauplatz. Gestern abend griffen beträchtliche Kräfte de« Feindr«»nsere Stellungen am Monte Test»— Rotte-Rücke» und nördlich de« Pasubio-Gipfcl« an. Die tapferen Verteidiger schlüge» diese» Borstoß blutig ab. An einzelne« Stelle» der FleimStal- und Dol-mitenftout sowie anf der Karsthochfläche war die Artillertetätigkeit zeitweise recht lebhaft. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Ja Albanien nichts Neue«. Der Stellvertreter de« Chef« de« Generalstabe«. v. H» r f e r, Feldmarschalleutnant. wo sie den Feind angriffen. Bei Bratocea und Preteluz Gefechte ohne Bedeuinng. Bei Predeal Artillerietätigkeit. Ein Angriff auf unsere linke Flanke wurde zurückgeschlagen. Jn� der Gegend von Rucar halten unser« Truppen, die auf dem Hügel von MaicaS zurückgeschlagen worden sind, ihre Stellungen trotz wiederholter feindlicher Angriffe. Westlich von Caineni greift der Feind in Gegend de« RobulbergeS an. Der Kampf dauert an. Auf der übrigen Front bi« zur Donau und bei Orsova ist die Lage unverändert. An der S ü d s r o n t ist die Lage unverändert. Norwegens Stellung zur v-öootfrage. Kristiania» 18. Oktober.(W. T. L.) Meldung des Ritzauschen BureouS. In Beantwortung der Denkschrift der alliierten an die neutralen Regierungen betreffend Ü-Boote. erklärt die norwegische Regierung, daß fie fich für berechtigt hält, O-Boolen, die zum KriegSgebrauch eingerichtet find und den kriegführenden Mächten angehören, jede» Verkehr und Dufenkhasi auf norwegischem Seegebiet zu verbieten, und baß fie auch in dem königlichen Erlaß vom 18. Oktober davon Gebrauch ge- macht habe. Andererseits findet die Regierung n i ch t, daß fie die Pflicht habe, irgendeiner der kriegführenden ZNächte gegenüber ein solches Verbot zu erlassen. HandelS-tT-Booten gegenüber stellen die neuen norwegischen Bestimmungen kein Verbot auf. insofern als die Ankunft solcher Boot« oder ihr Verkehr im Seegebiet bei hellem Tage und sichtigem Wetter in Ueberwafferfahrt und mit gehißter Nationalflagge geschehe. ES wird darauf geachtet werden, daß HandelS-O-Boote, die in norwegischem Seegebiet an- kommen, wirklich den unzweifelhaften Charakter von HandelSfahr- zeugen haben. Solange man keine Erfahrungen wegen der Schwierig- keilen hat, die für die Aufrechterhaltung der Neutralität durch die Verwendung der Handels-O-Boote entstehen könnten, kann die Frage neuer, besonderer Bestimmungen für solche Fahrzeuge nicht erörtert werden. Gemäß den ollgemein anerkannten Grundsätzen unparteiischer ?!eutralilät, wie sie ihren klaren Ausdruck in der Einleitung zum dreizehnten Haager Uebereinkommen gesunden haben, muß immer vermieden werden. NeutrolilätSregeln während deS Krieges zu ändern, wenn die Erfahrung die« nicht als zum Schutze der eigenen Rechte de« neutralen Staate« notwendig erwiesen hat. Norwegische prej?eftimmen. Kopenhagen, 17. Oktober.(W. T. B.) Wie.Politiken' au» Kristiania berichtet, geben die norwegischen Blätter Au»züg« au« den deutschen Preffeerörterungen anläßlich der Haltung Norwegens gegenüber den Unterseebooten wieder. »Norges Handels og Sjöfart« Tidende' macht darauf aufmerliam, daß die deutschen Zeitungen nickuS Unfreundliches darin erblickten, als Schweden vor einiger Zeit die gleiche Bestimmung erließ. Das Blatt schließt: Es ist schwer zu sagen, ob die deutschen Presse» äußerungen darauf zurückzuführen sind, daß da« Verbot Norwegens gegen die Unterseeboote den Unterseekrieg fühlbar getroffen hat, oder ob man versucht, durch ein Sperrfeuer von Warnungen die nor- wegische Regierung zu verhindern, andere Schritte zu unternehmen, die noch fühlbarer sein könnten..Morgenbladet' iagt, der Ton der deutschen Zeitungen sei derart, daß er nicht zu näheren Erörterungen auffordere. Die norwegischen Bestimmunqen eitt- sprächen in der Hauptsache den vor einigen Monaten von Schweden erlassenen gleichlautenden Bestimmungen. Die deutsche Presse habe sich aber nicht veranlaßt gesehen, gegenüber Schweden in der gleiche« Weise aufzutrelen wie nun gegenüber Norwegen. Dänische Slätter über Norwegens Haltung. Kopenhagen, 17. Oktober.(W. T. B.) Die dänische konservative Provinzpresse veröffentlicht einen gleich- lautenden Artikel über die Haltung Norwegens gegen- über Deutschland, in dem es u. a. heißt: Die Norweger ge- brauchen heftige Worte. Man ist sogar soweit gegangen, zu fordern, die norwegische Regierung solle Deutschland mitteilen, wenn di« Torpedierung nicht aufhöre, würde alle Ausfuhr nach Deutschland gesperrt werden. In Norwegen sowohl als auch in anderen kleinen Ländern sollte man indessen bedenken, was die Folgen davon sein würden. ES ist nämlich Tatsache, daß ebenso wie Norwegen auch andere kleine Staaten in unendlich hohem Maße von den Znsuhren auS Deutschland abhängig sind. Wenn Norwegen den Schlüssel um- dreht, tut Deutschland dasselbe und setzt obendrein den Unterseekrieg vielleicht noch rücksichtsloser al» bisher fort, und im Bugenblick, wo Deutschland den Schlüssel umdreht, müßte eine große Anzahl norwegischer industrieller Unternehmungen sofort den Betrieb ein- stellen. Was würde man damit erreichen? Deutschland hat ja de- wiesen, daß man in dem großen Reiche Ersatzmittel schaffen kann für alle«, was man ihm nach und nach entzieht. Für Norwegen ist daher nicht» anderes zu tun, al« so wenig großsprecherisch wie mög- lich aufzutreten.— Das Blatt.ivoctaldemokraten' sag: im Anschluß hieran: Diesen nüchternen Worten können wir ganz Zustimmen.—.TidenS Tegn' versichert, daß die krieg- ührenden Mächte immer mehr Einfluß in Skandinavien gewinnen und die Entente den Ring um Deutschland auch gegen Norden schließen will. Unter diesen Umständen ist eine vorsichtige, kluge und stabile Politik in Dänemark jetzt von größerer Bedeutung denn je. Zur Zurückziehung öer engliscben Kreuzer an üer amerikanischen Küfte. London, 18. Oktober.(W. T. B.) Auf eine Anfrage im Oberhause, ob die britischenKreuzer von ihren Erkundungsfahrten an der amerikanischen Küste auf Ersuchen der amerikanischen Regierung zurückgezogen worden seien, erwiderte G r e y. die amerikanische Regierung habe. obwohl sie zugegeben habe, daß die britischen Schiffe die ihnen nach dem Völkerrecht zustehenden Rechte nicht über- schritten hätten, England sehr nachdrücklich auf- gefordert, keine Erkundungs fahrten auf der Höhe der amerikanischen Küste zu unter- nehmen. Es sei darauf den britischen Schiffen An- Weisung gegeben worden, alles zu vermeiden, waS unnötige Beunruhigung verursachen könnte und das Ersuchen Amerikas soweit wie möglich zu erfüllen. Betreffend„II 53' sei die englische Regierung versichert, daß die amerikanische Regierung die Angelegenheit vollständig untersuchen und über ihre Haltung iur gehörigen Zeit Mitteilung machen werde. Während die lntetfuchung schwebe, beabsichttge England nicht, amtliche Vorstellungen betreffend daS Unterseeboot zu erheben. Die Schwierigkeiten ües Heereserfahes in Frankreich. Beru, 14. Oktober.(W. T. B.) In der gestrigen Kammer. fitzung in Paris wurde im 35eisein vieler Abgeordneter und eines zahlreichen Publikums die Besprechung der Interpellation betreffend die Essektivbestände Frankreichs fortgesetzt. Mourier. der fest- stellte, daß von 14 000 jungen, für Kriegszwecke arbeitenden Leuten nur 7000 an die Front geschickt worden seien, verlangt, daß zur Kriegsindustrie mehr Frauen und Ausländer herangezogen werden. Ferner fordert Mourier eine strenge Nachmusterung der 244 000 zurückgestellten Beamten und Eisenbahner, die teilweise durch Frauen ersetzt werden sollen. Die Zahl der Zurückgestellten muffe vor der Einreihung neuer Leute verringert werden. Das werde schwer halten, aber der Krieg verlange eS. Rouge r erwähnte die Waffenerzeugung dos Landes und sagte, Fxanrretch werde sein Bestes hergeben. Es müsse eine Lösung der Probleme der Auffüllung der Truppenteil« gesucht werden. Rarcay vor. langt schließlich die Einstellung der in Frankreich weilenden Staat». angehörigen der alliierten Länder in das französische Heer. In der Debatte berichtete der M u n i t t o n S m t n i ft e r über die Schwierigkeiten bei der Ablösung der Speztalarbettcr. In drei Monaten, meinte er. würden alle letzt m KrtegSbetrieben beschäf- tigten Angehörigen der Jahrgange 191&/l7 an der Front stehen. Die Einstellung weiterer Jahrgange wurde zedoch das Ergebnis der Kriegsproduktion gefährden. Gegenwärtig seien 22.7 Pro» Frauen in Kriegsbetrieben beschäftigt. Wolle man noch mehr Männer freibekommen, so mußten vor allem die Maschinerie» weiter vervollkommnet werde». Zranzosische GMZlere für öle rumattische Hrmee. Bukarest, 17. Oktober. langen."_ Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Wie da«„Berk. Tagebl." hört, beabsichtigt die Reichsregierung einen Gcsetzentwurs gegen die Ucberlragung von Geschlechts- krankheiten durch Soldaten bei der Rückkehr in die Heimat dem Reichstage vorzulegen. U. a. sollen danach geschlechtSlranlee gerufen.— Der national liberale Antrag wurde in sofortiger Sckilußberatimg angenommen. Von den Sozialdemokralen wurde der Absatz abgelehnt, der den privaten Handel mehr bei der Warenverteilung berücksichtigen will. — Die Regierungsvorlage auf weitere Hinausschiebung der Gemeinde- Wahlen wurde von der Zweiten Kammer angenommen. Tie Kartoffelnot. Ter Landrat des Kreises Bochum hatte die Landwirte öffent« lich aufgefordert, schleunig Kartoffeln zu liefern, damit die Jndustriebevölkerung keine Not zu leiden brauchte. Jetzt macht er kund. „Ich habe bi« jetzt von einer zwangsweisen Enteignung ab- sehen zu sollen geglaubt in der Erwartung, daß die Landwirte, den: Ernst der Zeil entsprechend, ihre nicht unbedingt selbst be- nötigten Kartoffeln freiwillig abgeben würden. Ich'habe mich getäuscht und bin nun gezwungen, die durch gesetzliche Be stimmungen vorgesehene Enteignung in die Wege zu leiten." Der Gipfel der Unverfrorenheit. Unter obiger Ueberschrift gaben wir in Nr. 277 deS.Vorwärts" einige Bemerkungen wieder, die Anstoß an den angeblich„barbari- scheu" Strafen gegen Milchpantscher nahmen und in dem Sloßseuszer endeten:„Das kann die Lust an der wohltätigen Vermehrung der knappen Milcheingänge schließlich ganz verleiden." Als Quelle dieses schönen Bekenntnisses halten wir die„Molkerei-Zeitung" angegeben. Von der in HildeSheim erscheinenden„Molkerei-Zeitung" sind wir nun ersucht worden, festzustellen, daß in diesem Blatte jene Sätze nicht gestanden haben, sondern in der in Berlin erscheinenden „Molkerei-Zeitung Berlin". Wir kommen diesem Wunsche gern nach und bedauern, daß unS ein Irrtum in der richtigen Wiedergabe deS Zeitungstitels unterlaufen ist. Im übrigen können wir es aber nicht verstehen, daß die„Molkerei-Zeitung" in HildeSheim ihre Kollegin in Berlin noch in Schutz nimmt und es so darstellt, als ob der von un« zitierte Satz nur ironisch gemeint war. Für eine derartige „Ironie" haben wir und mit uns wohl der größte Teil des deutschen Volkes durchaus kein Verständnis. Fenfuröebatten im Reichstagshauptaussihuß. Der Hauptausschuß des Reichstags setzte am Mittwoch die Verhandlungen über die Zensur fort. Zu Beginn der Sitzung kam Abg. Scheidemann(Soz.) auf die am Tage zuvor vom Abg. Hoch angeschnittene und auch vom Staatssekretär Helfserich besprochene„Vorwärts"-Angelegenh«it zurück. Er besprach die früheren Berufsunfälle des„Vorwärts" und erläuterte den Ver- lauf der jetzigen Verhandlungen mit dem Oberkommando. Wenn die Frage des Abg Hoch, ob verlangt worden fei, daß „andere Redakteure angestellt" werden sollten, so zu ver- stehen sei:„hat das Oberkommando die Entlassung eines oder mehrerer Redakteure verlangt?", so müsse diese Frage verneint werden. Davon sei in keinem Stadium der Ver- Handlung die Rede gewesen. Der wirkliche Sachverhalt sei an der Spitze des heute wieder erschienenen„Vorwärts" klar dargestellt worden.— Abg. Gothel n(Fortschr. Vp.) meinte, bei gutem Willen sei die Trennung zwischen militärischen und politischen Interessen bei der Zensur möglich. Der Redner besprach dann die Zensur» maßnahmen, die gegen die„Ostscc-Ztg.", den„Konfektionär" und die„Franks. Ztg." ergriffen wurden. Bei Nachrichten und Artikeln, die zensurpflichtig sind, arbeite die Zensur auch zu langsam. Wenn selbst große Blätter auf den Abdruck offiziöser Waschzettel an- gewiesen sind, so muß das den Eindruck erwecken, als fei die deutsch« Press?' gefesselt. Ausführlich lieh sich der Redner über die Maß- nahmen gegen das„Berl. Tagebl." aus, die� wegen deS Aufsatzes über die Kriegsziele der sechs Wirtschaftsverbände und wegen eine» Artikels von Theodor Wolfs ergriffen wurden. Infolge dieses Ein- greifens hat der Chefredakteur Theodor Wolff verzichtet, überhaupt noch zu schreiben. Der Abg. Gothein weist weiter an Beispielen nach, daß Angriffe gegen Sozialdemokraten und Juden, die gar nicht mit dem Burgfrieden im Einklang stehen, die Zensur un. behelligt passieren können, und schließt daraus, daß verschiedene Generalkommandos die Kanzlerfronde direkt begünstigen. Die besten Bestrebungen der Regierung in der Zensurfrage hätten keinen Erfolg gehabt, darum müsse die Pressezensur in ander« Hände gelegt werden. Ministerialdirektor Dr. Lewald: Im letzten Viertelzahr sind nur 5 namhafte Zeitungen verboten worden. Daraus geht bervor, daß die Zusicherung, der Reichskanzler wolle seinen Einfluß gel- tend mache», ehe Verbote erfolgen, erfüllt wurde. Daß es besser geworden sei mit der Zensur, haben auch die Vertreter des Reichs« Verbandes der Presse zugegeben. In anderen Ländern, auch in Frankreich und England, sind die Zensurverhältmsse noch schlechter wie bei uns. Eine andere gesetzliche Regelung sei erst nach Frie» denSschluß möglich. Abg. Erzberger(Zentrum) betrachtet eS schon als einen Fortschritt, wenn eine Zentrale geschaffen und dadurch die Macht. befugnisse der kommandierenden Generale eingeschränkt würden. Gegen die Zulassung fremder Depeschen muß die Zensur verschärft werden. Redner will auf den Boden des nationalliberalen An- träges treten. Den Zensurbehörden müssen klare Anweisungen dar- über gegeben werden, was verboten ist und was nicht. Auch muß eine klare Umschreibung des Begriffes„Burgfrieden" erfolgen. Staatsselretär Dr. Helffertch: Militärische und politische Matznahmen laufen so ineinander über, daß man sie nicht trennen kann. Zwei Behörden kann man nicht schaffen, da käme man vom Regen unter die Traufe. Die Anregung ErzbergerS fei ertvägens- wert und will der Redner mit den Instanzen in Verbindung treten, ob die Durchführung möglich sei. Abg. Taub ad el(Soz.) bespricht die Zensurmaßnahmen, die sich gegen den Anzeigenteil der Zeitungen richten. Auf diesem Ge- biete hätten sich geradezu unerträgliche Zustände herausgebildet. Der Redner erwähnt das Verbot von Anzeigen, in denen Arbeits- kräfte nach Arbeitsstellen außerhalb des Korpsbezirks gesucht wer- den. Das sei eine Unterbindung der Freizügigkeit der Arbeiter. Verboten sind in vielen KorpSbezirken auch die Anzeigen von Heil» Mitteln, die jahrzehntelang im Verkehr sind und deren Heilwert auch von ärztlicher Seite anerkannt wird. Erbitternd wirkt auch hier die ungleiche Handhabung der Zensur. Berliner Blätter dürfe» die Anzeigen bringen, die Provinzpresss aber nicht. Verschiedene Gewerbe- und Handelskreise, aber auch die Presse werden durch diese Verbote, die mit militärischen Interessen in gar keinem Zu- sammenhang stehen, finanziell schwer geschädigt. Darum weg mit diesen zwecklosen Verboten. Ministerialdirektor Dr. Lrwald: Die Verbote der Arbeits- gesuche sind auf die Schwierigkeiten deS Arbeitermangels zurückzuführen. Es sollen aber neue Bestimmungen erlassen werden. Die Verbote der.Heilmittelanzeigen stehen im Zusammenhang mit dem Aerztemangel und liegen in der Richtung der Bekämpfung der Kurpfuscher. Es soll die Frage aber einheitlich geregelt werden. Abg. Dr. P f l e g e rvie vor auf dem Stand- Punkt, daß über den Inhalt des„Vorwärts" nicht das vom Parteivorstand eingesetzte Mitglied zu entscheiden hat, sondern die Redaktion dcS„Vorwärts", und daß über Beschwerden über die NedaktionSführung nur, wie im Statut festgesetzt, der Parteivorstand und die Prcßkommission gemeinschaftlich entscheiden. 2. Die Prcßkommission verlangt, daß der Geschäftsführer Genosse Fischer auf Grund dcS gestrigen Beschlusses der Preßkommission mit dem Oberkommando verhandle." Der Zcntralvorstand Groß-Bcrlin faßte in der gleichen Angelegenheit einstimmig folgenden Beschluß: „Zcntralvorstand und Prcßkommission haben Kenntnis genommen von dem Inhalt des Schreibens des Partei- Vorstandes vom 17. Oktober. Wir entnehmen daraus, daß der Parteivorstand dem Ober- kommando das Angebot gemacht hat, „daß ein Mitglied deS Parteivorstandes in die Redaktion des„Vorwärts" eintreten soll mit der Vollmacht, über den Inhalt des„Vorwärts" zu entscheiden." Der Partcivorstand hat mit diesem Vorgehen daS Orga> nisationsstatut durchbrochen. Das Angebot steht in einem ausgesprochenen und beab- stchtigtcn Gegensatz zu einem Beschluß der Prcßkommission; es geht obendrein weit hinaus über das, was das Ober- kommando selbst in bezug auf die Redaktionöführung dcS „Vorwärts" verlangt hat. Denn die Forderung des Oberkommandos ging nur dahin, daß in die Redaktion des„Vor- wärts" eine Person eingesetzt werde mit den nötigen Voll- machten, die dem Oberkommando die Garantie bieten, daß die Vorschriften der Zensur beachtet würden. Diese Forderung war von der Preßkommission akzeptiert worden, so daß auf dieser Grundlage das Erscheinen des„Vorwärts" gesichert gewesen wäre. Um so verwerflicher ist das Verhalten des Partcivorstandcs. Er reißt unter Ausnutzung dcS Bclagerungs- zustandes daS Organ der Berliner Parteigenossen an sich und unterdrückt die freie Meinungsäußerung. Die unterzeichneten beiden Körperschaften erheben ent- schiedcnen Einspruch gegen diese beispiellose Vergewaltigung. Im Einverständnis mit den Berliner Parteigenossen, die sich diesen Gewaltstreich unter keinen Umständen gefallen lassen werden, behalten wir uns weitere Schritte vor." Außerdem wurde einstimmig beschlossen, die bisherigen Redakteure des„Vorwärts" aufzufordern, auf ihren Posten auszuharren und keine Schritte zu tun, ohne sich vorher mit den Berliner Genossen ins Einvernehmen gesetzt zu haben. -» Zu diesen beiden Resolutionen sei das Folgende bemerkt: Ter Parteivorstand bat in seinem am 18. Oktober ver- öffentlichten Aufruf an die Leser des„Vorwärts" folgendes festgestellt: Ter Parteivorstand kam ans Grund der mehr- fachen Verhandlungen mit Zentralvorstand und Preßkom- Mission zu der Ucberzeugung, daß es unmöglich sei, mit diesen Körperschaften zu einer Verständigung iiber Maßnahmen zu gelangen, die die Aufhebung des„Vorwärts"-Verbotes ermög- lichen. Ter von der Preßkommission vorgeschlagene Weg, daß ein Mitglied des Parteivorstandes in die Redaktion eintreten und die Vollmacht erhalten sollte, die Beobachtung der Zensur- Vorschriften zu überwachen und zu erzwingen, war unannehm- bar. EinemMitglied des Parteivorstandes kann nicht zugemutet lverden, für ein Blatt die Verantwortung zu tragen, auf dessen Haltung es und der Parteivorstand keinen Einfluß haben und das in den Lebensfragen der Partei gegen seine Ueberzeugung redigiert würde. Der Parteivorstand war daher gezwungen, so zu handeln wie geschehen, wenn für die Partei, das„Vorwärts"-Unternchmen und die Vonvärts- Druckerei nicht der schwerste Schaden entsteben sollte. Von einer Unterdrückung der freien Meinungsäußerung kann gar keine Rede sein. Im Gegenteil. Der Partcivorstand ist stets dafür eingetreten, daß im„Vorwärts", dein Zentralorgan der Partei, auch die Auffassung der Parteimehrheit zur Geltung kommt und nicht nur die der Minderheit. Mir stellen dies erneut fest.__ Abgelehnte Beitragssperrr. Die KreiLlonferenz des Wahlkreises Remscheid— Lennep— Mettmann hat sich kürzlich mit dem von Remscheid gestellten An- trag auf Vornahme der Beitragssperre beschäftigt. Für diesen An- trag stimmten nur zwei Vertreter, so daß er mit 5g gegen 2 Stimmen abgelehnt wurde. Zum Tode der Genossin Tr. Hope Adams-Lchmann. In München starb am lt. Ottober unsere tapfere Genossin, die bekannte Aerztin Frau Dr. Hope A d a m s- Le h m a n n. Ein hartnäckiges Lnngenleiden hat ihrem Leben ein Ziel gesetzt. Gebrochen durch tausendfältige Mühe und Arbeit im Dienste ihrer Kranken, aufgearbeitet durch die Hingabe all ihrer Kräfte in dem Dienste der Armen und Bedrückten, wurde sie im vorigen Jahre von dem Verlust ihres Lebensgefährten, des Genoffen Dr. Karl L e h m a ii n, betroffen. An ihrer Bahre widmete Genosse K ampffmcyer, wie wir der"Münchener Post" entnehmen, der Verstorbenen folgenden Nachruf: „Den Arbeitern und den Männern der Wissenschaft, so führte der Redner aus, war diese Frau eine Wegweiserin. Was sie er- strebte, war die Vereinigung von schöpferischer Wissenschaft und schaffender Arbeit. Den Arbeiter führte sie zu einer neueit Welt- und Menschheitskultur und sie war dazu wie keine andere berufen, denn sie war bewaffnet mit der ganzen Bildung ihres Jahr- Hunderts. Den Männern der Wissenschaft suchte sie das Wesen des schaffenden Arbeiters zu erschließen, sie wollte die unendlichen Schätze, die unberührt in den Tiefen des Volkes schlummern, heben. Erst dann, wenn diese wertvollen Kräfte planvoll hohen Mensch- heitSzielen zustreben, kann ein wirkliches Zeitalter der Kultur und Gesittung erstehen. Das war ihre innere Ueberzeugung. Deshalb rie; sie den Männern der Wissenschaft zu, daß das Emporsteigen der Arbeiter zu Licht und Freiheit ihre ureigenste csache sei; das Wissen dürfe nicht ans die Studierstube beschränkt bleiben, eö�solle eine Massenkraft werden, dann erst sei es eine Lebensmacht. Frau Dr. Lehmann wußte, aber auch, was unseren Arbeitern fehlt, um tätigen Anteil an wissenschaftlicher Forschung nehmen zu können: Gründliche Erziehung von Kindesbeinen an. Der Mittelpunkt ihres Denkens war daher die Schulreform. Sie schuf in München den VersuchSkindergarteu. Unerschöpflich war sie in immer neuen Vor- schlügen zur Hebung der Schule und Verbesserung der Unterrichts- Methode. In gemeinsamer, geistiger und körpertichcr Arbeit sollte hier eine neue, Icrnfreudige Jugend erstehen, deren Herz und Kopf weit genug sei zur Erfassung der Größe und Schönheit der Welt. Aber sie forderte auch stürmisch die gleiche Erziehung für Mann und Frau. Die Frau sollte nicht mehr als geistg vcrtüm- merteS Hansmütterchen hinter dem Manne hertrippeln, sie sollte mit dem Manne in gleichem Schritt dem gleichen Ziele zustreben. Die Ehe soll nicht bloß eine Tischgemeinschaft sein, sondern auch eine geistige Gemeinschaft werden. Mehr als ein Vierteljabrhun- dert hat Frau Dr. Adams-Lehmann an der Seite August Bebels gekämpft, dem das deutsche Volk die vielverbreitete Propaganda- schrift„Die Frau und der Sozialismus" verdankt. Und das war das Programm ihres Lebens. In der Lehmannschen Häuslichkeit hat der harte Kämpfer starte Anregung erhalten für seine Lebens- arbeit. Mit Frau Dr. Lehmann und ihrem unvergeßlichen Mann war Bebel in inniger Freundschaft verknüpft. Es bestand eine starke geistige Verwandtschaft zwischen dem Sozialismus eines August Bebel und dem der Frau Dr. AdamS-Lehmaim: der gleiche Hoch sinn für die Theorie des Sozialismus, das gleiche mutige Ein- treten für da« als recht Erkannte, das gleiche Verständnis für die sozialistische Praxis und Kleinarbeit. Der Sozialismus der Frau Dr. Lehmann war ein Kampf- und«in Arbeitssozialismus. Wie liebte sie in ihrem Karl Lehmann den wagemutigen Sozialisten, dessen herrliche Kampfesfreude sich so oft in den Tagen des Aus- nahmegcsetzcS gegen die Sozialdemokratie erprobt hatte. Der aus- bauende Sozialismus unserer Genossin ist in München mit zahl- reichen bleibenden Schöpfungen verknüpft. Es würde, dem be- scheidenen Wesen der Frau, die wir zur ewigen Rube geleiten, wenig entsprechen, wenn wir ihren Ruhm mit überschwenglichen Lobliedern preisen wollten. Wir hoffen, daß dereinst die Steine des großzügigen Frauenhcims, das die Lösung verschiedener ver- wickelter Frauenprobleme vor Augen sichren soll, reden werden von ihrem großen, ganz der Zukunft zugewandten Geiste. Dann wird der SwigkcitSkern ihres Wesens als umgestaltende Kraft sichtbar werden und elementar fortwirken." Totenlistc der Partei. In Wernigerode starb im Alier von 64 Jahren der Ge- nosse Webermeister Albert Bartels. Sein Name ist mit der Parleigeschicbte nicht nur Wernigerodes, sondern auch des Wahlkreises Halberstndl-Weriiigerode-OscberSlebcn und des gonzen Bezirks Magdeburg auf das engste verlnüpst. Wenn der genannte Wahl- kreis jetzt sozialdemokratisch vertreten ist, so ist daS vor ollen Dingen der Pionierarbeit Albert Bartels zu danken. Von 190Z bis 1912 war er selbst NcichStagSkaiididat des Kreises, bis GesundheiiSrück- sichten ihn zum Niickiritt zwangen. Bis zu seinem Tode bekleidete er das Ehrenamt eines Stadtverordneten in Wernigerode. Mus Industrie und Handel. Rentabilität. Vor uns liegt der Geschäftsbericht der Aktiengesellschaft Lauchhammer. Die Gesellschaft verteilt für das letzte Gc- schäftöjahr nach Abzug der Kriegsrückstclluug und nach ivesent- Uch erhöhten Abschreibungen eine Dividende von 15 Proz. Es ist daS unseres Wissens ein Satz, den die Gesellschaft nur einmal früher zur Verteilung bringen konnte. In fünf bis sechs Jahren vor Ausbruch des Krieges wurden nur je 1» Proz. Dividende zur Ausschüttung gebracht. Dieser Steigerung des Gewinnes steht eine Steigerung der General- Unkosten gegenüber, die aber an sich bei weitem nicht so er- hcblich ist wie die Gewinnsteigerung. Denn der Betriebs- gewinn erhöhte sich von 4,5 Millionen Mark auf 7,8 Millionen Mark, die Unkosten dagegen gingen nur von rund 743(XX) M. auf rund 893(XX) M. Dieses Mißverhältnis kommt auch in dem Rückgang des Prozentsatzes der General- Unkosten zum Umsatz an Fertigerzeugnissen zum Aus- druck. Die Generalunkosten sind gestiegen, aber sie sind im Verhältnis zum Umsatz gesunken. Es ist also festgestellt, daß einmal der Bctriebsgcwinn Verhältnis- mäßig viel stärker gewachsen ist als die Unkosten und daß ferner die Unkosten im Verhältnis zum Umsatz gesunken sind. Es ist anzunehmen, daß bei sehr vielen Gesellschaften die Steigerung des Umsatzes erheblich größer ist als die der Un- kosten. Sowohl die Preiserhöhung für die Materialien wie die Lohn- und Gehaltserhöhungen sind bei diesen Unter- nehmungen viel geringer als die Erhöhungen der Umsätze. Hinzu kommt noch, daß die Umsatzerhöhung nicht bei gleich- bleibenden Verkaufspreisen vor sich geht, daß vielmehr die Verkaufspreise fortwährend steigen. Würde man denGcsamtpreis des Umsatzes zu den Unkosten in Verhältnis setzen, so würde sich ergeben, daß die Steigerung der Unkosten winzig ist gegenüber der Steigerung des gesamten Erlöses aus dem gewachsenen Umsatz. Die Folge ist denn auch, daß die Gewinne häufig riesenhaft sind. Selbst die großen Rückstellungen für die KriegSgewinnstcuer und die teilweise sehr reichlichen Ab- schrcibungcn vermögen nicht den Reingewinn auf daSJFriedens- maß herunterzubringen. Er geht immer noch erheblich über daL Fricdensmaß hinaus, weshalb wir denn auch dcS öfteren Verdoppelungen und Verdreifachungen der Dividende erleben. Wenn dem aber so ist, so bedeutet das unseres Erachtcns, daß die Preise mancher industriellen Erzeugnisse ivesentlich zu hoch sind. Sie müssen ermäßigt werden, jedenfalls aber muß man eine weitere Steigerung der Verkaufspreise � unter allen Umständen verhindern. Uns liegt ein Handelskammer-Gutachten vor, worin die Renta- bilität in Kriegszeitcn untersucht wird. In diesem Gutachten, in dem eine Reihe von Ansichten enthalten ist, lvird von einigen Leuten behauptet, daß in der jetzigen Zeit eine KapitalSverringcrung von 20 Proz. angemessen sei. Dieser Behauptung möchten>vir denn doch energisch widersprechen. Der Krieg ist ja schließlich nicht dazu da, die Verbraucher zu belasten. Es soll während des Krieges ebenso mit an- gemessenen Preisen gewirtschaftet lverden wie im Frieden. Selbstverständlich müssen die Abschreibungen und Rück- stellungen reichlicher bemessen werden. Aber das hindert nicht, daß man bei der Festsetzung der Verkaufspreise mäßig ist. Eine solche Mäßigung ist nicht nur für den Lebensmittel- markt, sondern auch für den Markt industrieller Erzeugnisse dringend zu verlangen. der Knöesmorö in öen„Rauhen Sergen'. Die Verhandlung gelangte gestern zum Abschluß. Aus üZer B�e w e i sa u f na h m e sind die Bekuitdungen der medizinischen Sachverständigen über den Befund der Obduktion und über den Geisteszustand der Angeklagten von Erheblichkeit. Die medizinischen Sachverständigen Geheimer Medizinalrat Dr. Pfleger und Sanitätsrat Dr. Keller erklärten: An der Leiche waren Verletzungen nicht wahrzunehmen. Der Tod des Kindes ist durch Ersticken eingetreten, so daß die Angabe der An- geklagten, daß sie dem Kinde die Hand vor Mund und Nase ge- halten hat bis es besinnungslos war, nicht widerlegt werden kann. Die Möglichkeit, daß das Kind noch lebend verscharrt worden ist, ist an sich gegeben; positive Anhaltspunkte dafür sind aber nicht vorbanden. Eine etwaige Vergiftung mit Salzsäure ist ausge- schloffen, denn Vergiftungserscheinungen sind absolut nicht vor- standen gewesen.— Der Sachverständige Dr. B o r ch a r d t, As- sistenzarzt in der psychiatrischen Klinik der Charite, hat die An- geklagte in der Zeit vom 15. Juni bis 26. Juli daselbst auf ihren Geisteszustand beobachtet. Sie hat in der Klinik einige Krampfanfälle gehabt, die aber hysterischer Natur waren. Sie will in vielen Krankenhäusern geivesen sein; es hat sich aber dar- über nichts ermitteln lassen. Sie hat in der Klinik Gedächtnis- defekte zur Schau getragen und bemühte sich, eine Verblödung vor- zutäuschen, die keine war. Ihre Intelligenz ist recht beschränkt; es zeigen sich an ihr eine Reihe von psychopathischen Zügen, aber 8 51 des Strafgesetzbuches(Ausschluß der Zurechnungsfähigkeit) ist nicht anwendbar; die Frage, ob die Angeklagte die Tat im Dämmerzustände begangen hat, ist zu verneine n. Ein Geschworener wünscht, der Angeklagten die Frage vorzulegen, ob die Idee, das Kind zu beseitigen, ihr etwa von ihrem Mann beigebracht worden sei und ob der Mann sich etwa so ge- äußert habe, daß dies Kind am besten um die Ecke gÄracht würde. — Auge kl.: Mein Mann mochte das Kind nicht.— Vors: Hat er sich denn jemals dahin geäußert, daß das Kind beseitigt werden müßte?— Singe IL: Man Mann hat immer gesagt, es sei eine Schande, daß ein uneheliches Kind in der Familie sich be- finde.— Vors.: Wer er hat doch nicht das Verlangen aus Be- seitigung des Kindes gestellt?— Singe IL: Ich kann nichts sagen, ich weiß nicht.— Vor s.: Ihr Mann ist im Dezember 1915 in Rußland gefallen; er kann also auf die hier in Frage stehende Tat keinen Einfluß ausgeübt haben. In den Plädoyers trat der Staatsanwalt für Bejahung des Moments der Ueberlegung und damit für Bejahung der Schuld- frage wegen Mordes ein, während der Verteidiger das Mo- ment der Ueberlegung zu verneinen bat, so daß die Angeklagte, falls sie für zurechnungsfähig zur Zeit der Tat erachtet würde, nur wegen Totschlags zu verurteilen wäre. Der Wahrspruch der Geschworenen bejahte die Schuld- frage wegen Mordes. Das Gericht verurteilte darauf die Angeklagte zum Tode. Die Slngeklagte nahm die Berkündung des Urteils ohne ficht- liche Erregung entgegen._ Erfolge öer Kriegsbefthäöigtenfursorge. Um den Kriegsbeschädigten die Wiedererlangung einer Arbeits« und Erwerbsfähigkeit möglichst zu erleichtern. bat gleich vielen anderen Städten auch die Stadt Berlin besondere Fllrsorgeeinrichtungen geschaffen. Die Aufgabe ist, den Kriegs- beschädigten die Wege zu ebnen entweder zur Rückkehr in den früheren Beruf oder zum Uebertritt in einen neuen Beruf. Die Berliner Kriegsbeschädigtenfürsorge, die im borigen Jahre ein- gerichtet wurde, will den Kriegsbeschädigten helfen durch Berufs- beratung, nötigenfalls durch Berufsumschulung, schließlich durch Ar- beitsvermittelung. Zur Vorbereitung auf die in dem früheren oder in einem neuen Beruf aufzunehmende Erwerbstätigkeit dienen llnterrichtskurfe, die für Kriegsbeschädigte in den Fachschulen und Werkstätten der Stadt veranstaltet werden. Was da bisher geleistet worden ist, zeigt jetzt die Berliner Kriegsbeschädigtenfürsorge mit einer Ausstellung von Arbeiten Kriegsbeschädigter. Im Langenbeck- Virchow-Haus(Luiienstr. 58/59), wo die Ausstellung ihr Heim hat, begrüßte am Mittwoch bei der Eröffnungsfeier der Stadlrat P r e u ß als Magistratskommiffar für die Berliner KriegSbefchädigtenfürforge die geladenen Gäste. Vertreter der Gemeinde- und der Staats- behörden, der Gewerkschaften, der Versicherungsanstalten usw. Preuß hob hervor, daß es sich hier nicht um eine.repräsentative' Ausstellung handelt, die etwa der.Ausstellungswut' ihre Entstehung zu danken hätte. Diese kleine Ausstellung wolle besonders auf die Kriegs- beschädigten selber wirken, indem sie ihnen ein Bild des Erreichbaren und Erreichten gibt. Oberbürgermeister Mermuth eröffnete dann die Ausstellung mit einem kurzen Geleitwort. Er betonte die Pflicht, unseren aus dem Felde zurückkehrenden Kriegsbeschädigten beizustehen in ihren Bemühungen um eine neue Erwerbsmöglich- keit. Wer für sein Volk geblutet hat, den müffe sein Volk auf Händen tragen. Die Ausstellung hält sich in dem engen Rahmen des Arbeits- gebietes der Berliner Kriegsbeschädigtenfürforge und bietet nur Er- zeugniffe der Tätigkeit der durch die Unterrichtskurse und Lehr- Werkstätten der Stadt ausgebildeten Kriegsbeschädigten. Nicht darauf hat man Wert gelegt, nur an Prunkstücken zu zeigen, daß selbst bei verminderter Arbeitsfähigkeit tüchtige Leistungen erreicht werden können. Auch schlechtere Stücke sind mitausgestellt, an denen der allmähliche Fortschritt des Unterrichts zu sehen ist. Mit Arbeiten des Metallgewerbes, des Holzgewerbes und des Kunstgewerbes sind an der Ausstellung beteiligt die Beuth- schule, der Gewerbesaal, die Tischlerschule, eine Reihe kleinerer Fach- schulen, außerdem die besondere Lazarettschule in Buch. Die Ge- samtzahl der Teilnehmer an den von der Berliner Kriegsbeschädigten- fürsorge veranstalteten Unterrichtskursen stellt sich bisher auf rund 1000. Oft konnte Kriegsbeschädigten die Rückkehr in den früheren Beruf ermög- licht werden, wobei sie freilich manchmal sich einer neuen Teil- arbeit zuwenden mußten. In anderen Fällen war Ausbildung für einen neue» Beruf nötig, die zuweilen schon nach kurzer Zeit, wie einzelne der ausgestellten Arbeiten zeigen, guten Erfolg hatte. Ge- naue Angaben über die Häufigkeit erfolgreichen Unterrichts fehlen. Auch über die Zahl der vollständigen Mißerfolge ist nichts be- kannt. Geöffnet bleibt die Ausstellung bis zum 2 5. Oktober, täglich 9 bis 5 Uhr. Der Zutritt ist unentgeltlich. Rus Groß-Serlin. Die Vieh- und Zleisthverteilung in Derlin. Eine Stadt wie Berlin samt Vororten regelmäßig mit Fleisch zu versorgen, ist keine Kleinigkeit. Was das in Friedenszeitcn bedeutet, lehrt ein Gang durch die weit ausgedehnten Anlagen des Berliner Vieh- und Schlachlhofes. In der Kriegszeit hat ja die Arbeit, die sonst zur Bewältigung jenes Massenverbrauches nötig war.rsich leider- auf ein sehr Geringes vermindert. Jetzt ist die Sorge die, mit Wenigem auszukommen und dieses Wenige in gleichmäßiger Verteilung an die Käufer heranzubringen. Zur Lösung der neuen und wahrlich nicht angenehmeren Auf- gäbe wurde zwischen Berlin und Charlottenburg, Schöneberg. Wilmersdorr, Neukölln, Lichtenberg sowie den Kreisen Teltow und Niederbarnim ein Abkommen über einheitliche Fleischversorgung getroffen, wonach die zu einer Viehgemein schaft Groß- Berlin vereinigten Gemeinden und Kreise eine Vieh- und Fleisch-Verteilungsstelle einrichteten. Tie schlichte Be- Zeichnung läßt den Unkundigen kaum ahnen, zu welchem Umfange der neue Verwaltungskörper, der dem planvollen Zusammenwirken der Gemeinden und Kreise mit den Fleischern und Fleischhändlern dient, sich rasch entwickelt hat. Bei einer für Vertreter der Presse veranstalteten Besichtigung der Verteilungsstelle hatten wir Gelegen- heit, ihre Einrichtungen kennen zu lernen. Die Groß-Bcrliner Vieh- und Fleisch-Verteilungsstelle wird von Berlin verwaltet und ist auf denr Viehhof untergebracht. Sie beschäftigt 239 Angestellte, die größtenteils den Reihen der Angestellten und Beamten des Vieh- und Schlachthofs entnommen sind. Dazu kommt eine große Zahl von Beauftragten und Ver- trauenSmännern des Viehandels und Fleischergewerbes, die in ehrenamtlicher Tätigkeit mitarbeiten. Verlin übernimmt alles von Viehhandelsverbänden gelieferte Vieh auf eigene Rechnung, verteilt es bei völligem Ausschluß der Großschlächter an die Ladenfleischer und'Fleischhändler und berechnet ihnen den an die Viehandels- verbände gezahlten Preis mit einem nur die Verwaltungskosten deckenden Aufschlag, der zum Beispiel bei Rindern für den Zentner rund 3 Mark beträgt. Die Verteilung ist so geregelt, daß zunächst Berlin sich mit den Vorortgemeindcn und Kreisen auseinandersetzt und daß dann die Gemeinden und Kreise die Weiterverteilung an die Fleischer besorgen. Das nach dem Viehhof angelieferte Vieh wird durch eine Kommission von 11 Mitgliedern, in der die Ge- meinden und Kreise vertreten sind und Berlin den Vorsitz hat, ver- teilt nach der Zahl der Einwohner, soweit sie Fleischkartenempfänger sind. Von der gesamten jeweils veriügbarcn Fleischmenge entfallen (in runden Zahlen) auf Berlin 50 Proz., Charlottenburg 8 Proz., Schöneberg 4'/� Proz., Wilmersdorf Proz., Neukölln 6l/a Proz., Lichtenberg 32/3 Proz., Teltow 13 Proz., Niederbarnim II1/« Proz. An den Hauptauftriebsiagen, dem Mittwoch und dem Sonnabend, kommen im Börsengebäude des Viehhofes die Beauftragten der Gemeinden und Kreise zusammen, um zu erfahren, was ihnen diesmal zugeteilt werden kann. Bei jeder Viehart und auch bei jeder Biehsorte wird gewissenhaft so geteilt, wie der obige Ver- teilungsplan es vorschreibt. Draußen in den Verkaufshallen steht bereits das Vieh, nacki Klassen geordnet und in zwei gleichwertige Hälften eingeteilt. Das Los entscheidet, welche Hälfte für Berlin und welche für die Vorortgemeinden und Kreise sein soll. Weil die Kreise und einzelne Vororte auch Tiere aus eigenem Ver- sorgungsgebiet erhalten, wird hinterher noch eine Anrechnung und ein dementfprechender Ausgleich zwischen den beiden Hälften nötig. Die Weiterverteilung, die dann Sache der einzelnen Gemeinden ist, erfolgt für Berlin gleich- falls sofort auf dem Viehhof. Gegenüber den früher etwa 3009 Fleischergeschäften Berlins sind jetzt nur noch etwa 1509 zum Fleischverkauf zugelassen, aber auch das ist eine so große Zahl, daß eine unmittelbare Zuteilung schwierig wäre. Mau hat Berlin in 64 Bezirke mit je etwa 25 Fleischern eingeteilt und je 4 dieser Be- zirke zu einer Schlachtgruppe zusammengefaßt; außerdem sind noch Sondergruppen gebildet worden für die Fleischversorgung der Zentralmarkthalle, der Warenhäuser, der Anstalten, der Gastwirte, der Geschäfte von Aschinger und von KcmpinSki, der Volksspeisung. Jede Gruppe erhält ihr Vieh zugeteilt, besorgt selber die Schlachtung und verteilt schließlich das Fleisch unter ihre Mitglieder durch Obmänner, die vom JnnungSvorstand bestellt sind und durch be- sondere Vertrauensmänner beaufsichtigt werden. Für die zuzuteilende Menge ist maßgebend der Umsatz, den die einzelnen Geschäfte durch die abgelieferten Fleischmarken nachweisen. Zur Prüfung ihrer An- gaben über die Markenmenge werden mühsame Zählungen vor, genommen, wobei sich einmal herausstellte, daß ein großer Gast- Wirtschaftsbetrieb um 1599 Marken zu viel angegeben hatte. Beauftragte ermitteln noch durch Besuche der Geschäfte, wie viel Fleisch drübergeblieben ist und ob die abgelieferte Markenmenge damit über- einstimmt; denn die nicht verkauften Warenvorräte müssen auf die nächste Zuteilung angerechnet werden. Falsche Angaben haben im Wiederholungsfall die Sperrung des Fleischbezugcs zur Folge. Gerecht muß die Verteilung nicht nur in der Menge, sondern auch in der Güte des Fleisches sein. Streng wird darauf gehalten, daß von guter wie von minder guter Ware, im besonderen von fettem wie von magerem Fleisch jedem das Seine wird. Im ganzen gewannen wir in der Verteilungsstelle aus der Besichtigung ihrer Einrichtungen und aus den dazu gegebeuen Erläute- rungen den Eindruck, daß alles geschieht, um eine möglichste Gleichmäßigkeit d e r Z ut e i l u n g zu erreichen. Die Vor- ficht geht so weit, daß die zugeteilten Waren, wenn sie bereits mit dem Namen des Geschäftsinhabers versehen sind, noch durch zwei Revisionskommisstonen nachgeprüft werden. Die Zuteilung an die Obmänner und Vertrauensmänner selber erfolgt unter Ausschließung ihrer eigenen Mitwirkung. Uebrig bleibt dann nur noch, daß auch die Geschäfte beim Verkauf des Fleisches an ihre Kunden streng un- parteiisch verfahren. Hier müssen die Käufer sich selber helfen und etwa notwendige Beschwerden bei der Verteilungsstelle einreichen. Bekanntmachung, Amtlich. Berlin, 18. Oktober.(W. T.«.) Das Oberkommando in den Marken erlaßt folgende Bekanntmachung: Mit Rückficht darauf, daß die Einfuhr ausländischer Brief- und Wohltätigkeitsmarken seit dem 27. Februar 1916 völlig verboten ist, bestimme ich unter Aufhebung meiner Bekanntmachungen vom 3. August 1915— O. Nr. 36 363— und 7. September 1915— II. b. Nr. 39 541— auf Grund des§ 9d des Gesetzes über den Be- lagerungszuftand für das Gebiet der Stadt Berlin und der Pro- vinz Brandenburg: ß 1. Ankündigungen des Verkaufes oder sonstigen Vertriebes von Postwertzeichen und Wohltätigkeitsmarken durch Personen, die sich im Auslände aufhalten, oder durch Firmen, die im Auslande ihren Sitz haben, sind verboten. s 2. Personen und Firmen, die sich im Jnlande befinden, ist die Ankündigung des Verkaufes und Vertriebes solcher Postwertzeichen und Wohltätigkeitsmarken verboten, die seit Beginn des Krieges vom feindlichen Ausland oder seit dem 27. Februar 1916 vom neutralen Ausland ausgegeben worden sind. Die Verbote der 88 1 und �2 beziehen sich nicht nur auf Ver- öffentlichungen in Zeitungen und Zeitschriften, sondern auch auf Zlnkündigungen in Katalogen und Geschäftsanzeigen jeder Art. 8 4. Durch die Verbote der 8s 1 und 2 werden Mitteilungen des Erscheinens von Neuheiten nicht betroffen, wenn sie nur der In- formierung der Jnteresienten dienen und keine Preisangaben ent- halten. 8 b. Die Einfuhr von ausländischen Briefmarkenzeitungen und -katalogen ist verboten. 8 S. Zuwiderhandlungen gegen die Verbote der§8 1- 2, 5 werden mit Gefängnis bis zu einem Jahre, bei Vorliegen mildernder Umstände mit Haft oder mit Geldstrafe bis zu 1599 M. bestraft. § 7. Die vorstehenden Bestimmungen treten mit dem 29. Oktober 1916 in Kraft. Der Oberbefehlshaber. gez. von Kessel. Generaloberst. Ueber die Zuwahl von Frauen in städtische Deputationen wird in der heutigen Sitzung der Stadtverordnetenvcrsamm- lung verhandelt iverden. Der Antrag ist von der sozialdemo- kratischen Fraktion gestellt. Die Verhandlungen dürften für die Frauen erhebliches Interesse haben. Kleinhandelspreise für frische Seefische bester Q-ualität für Donnerstag, den 19. Oktober 1916. SSellfische, klein(bis% Pfund) 2,99 M., mittel(von 3/« bis 1 Pfund) 2,25 M.. großmitiel(von 1 bis l1/» Pfund) 2,39 M., große(von Iftz Pfund und mehr) 2,37 M.: Kabeljau, klein(bis l'/s Pfund) 1,75 M., mittel(von Iftz bis 4 Pfund) 1,99 M., große (von 4 Pfund und mehr) 2,29 M., ohne Kopf(im Ausschnitt) 2,89 M.; Schollen, kleine(bis zu 1!2 Pfund) 1,25 M.(Zufuhr ganz un« genügend.) Ein Notschrei aus dem Osten. Uns wird geschrieben: Skandalöse Zustände bestehen in der Straße Markgrasendamm zwischen der Persius- und Laskerstraße. Das Stratzenpflaster ist seit Jahren aufgerissen. Diesen Umstand benutzen die Kinder, um nun auch den letzten Stein des Bürger- steigs auf der Berliner Seite herauszureißen. Die großen Quadersteine und andere sind zum Teil zu Bergen angehäuft, andernteils sind große Löcher auf dem Bürgersteig vorhanderi. Wehe, wenn dort einmal ein Fremder des Slbends die � Straße passieren müßte; ohne zerbrochene Gliedmaßen käme er sicher nicht davon. Was denkt wohl der Magistrat oder die Straßenbauver- waltung über solche skandalösen Zustände. Glaubt man, dem Publikum, das dort wohnt, derartiges bieten zu können? Würden solche Mißstände auch nur einen Tag innerhalb der Stadt ge- duldet? Mit welchem Recht erlaubt man sich, die Einwohner jener Gegend so rücksichtslos zu behandeln? Müssen diese nicht genau so wie die Einwohner inmitten der Stadt ihre Steuern bezahlen? An den Stadtverordneten dieses Bezirks hat sich Schrei- ber dieser Zeilen schon vor einiger Zeit gewandt und um Ab- stellung ersucht, leider ist bis jetzt nichts geschehen. Vielleicht helfen diese Zeilen in der Oeffentlichkeit. Die Straßenbaudeputation Berlin sollte sich in Zukunft nach der von Stralau richten, die ihre gegenüberliegende Straße in Ordnung erhält. Keine Drucksachen, keine Aufzeichnungen bei Liebes- gabensendungen an Kriegsgefangene. Von rusflfcher Seite ist Beschwerde darüber geführt worden, daß in Liebesgabenpaketen für deutsche Kriegsgefangene Zeitungen und andere Drucksachen gefunden worden seien. Tie Angehörigen der Gefangenen sowie alle Stellen, die Sendungen an diese ab« fertigen, werden darauf hingewiesen, daß die Pakete nichts Schrrft- liches oder Gedrucktes enthalten dürfen. Insbesondere dürfen Zeitungen unter keinen Umständen— also auch nicht zu Ver« packungSzwecken— in Sendungen enthalten sein. Ties gilt für alle feindlichen Länder, ganz besonders aber für Rußland, wo die Liebesgabenversorgung ohnehin mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Wer gegen diese Vorschriften verstößt, setzt nicht nur seine Sendungen der Beschlagnahme und den Empfänger empfind- lichen Nachteilen aus, sondern versündigt fich an der Gesamtheit der deutschen Kriegsgefangenen, da die Russen bereits ein allgemeines Verbot der Zulassung von Liebesgaben für den Fall von Wieder- holungen in Aussicht gestellt haben. Was dies für das Schicksal unserer schwergeprüften Landsleute bedeuten würde, braucht an- gesichts der früheren Veröffentlichungen über deren Behandlung nicht auseinandergesetzt zu werden. Kleine Nachrichte«. Mit einem Sprung durch die Scheiben ver- suchte sich gestern abend ein 16 Jahre aller Kellner aus der Wins- straße 18 seiner Verhaftung zu entziehen. Der junge Mann sollte wegen eines Diebstahls nach der Warbe abgeholt werden. Als ein Schutzmann kam, sprang er durch die Scheiben eines Fenslers der im zweiten Stock gelegenen Wohnung auf den Hof hinab und ver« letzte sich besonders am Kopfe so schwer, daß er nach der CKants gebracht werden mußte.— Im Fabrikbetriebe schwer verunglückt ist in der vergangenen Nacht der 18 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Neu- mann aus Tasdorf, der bei der A. E.-G. in Oberfchöneweide beschäftigt war. Er geriet in ein Getriebe, das ihm den linken Arm vollständig wegriß. Der Verunglückte wurde nach Berlin in die Charits gebracht.— Ein Straßenkehrer fand Dienstag abend in der Nähe der Bedürfnisanstalt am Kemperplatz etwas abseits von der Bellevueallee die Leiche eines neu- geborenen Knaben, der nach dem Ergebnis der vorläufigen Besichtigung wahrscheinlich mit einem Bande erdrosselt worden ist. Die Leiche war in zwei Blätter des.Lokal-Anzeigers' vom vergangenen Sonn« tag und Montag und Packpapier eingewickelt. Sie wurde von der Revierpolizei' beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht.— Von einem bedauerlichen Unfall ist Dienstagabend die 75 jährige Frau Dahl betroffen worden. Die alte Dame wollte gegen 7 Uhr abends kurz vor einem herannahenden Siraßenbahnzuge der Linie 74 das Gleis überschreiten. Der Fahrer bremste zwar mit aller Kraft. vermochte jedoch auf so kurze Entfernung den schweren Zug nicht mehr zum Stehen zu bringen. Die Greisin wurde umgestoßen und erlitt bei dem Sturz eine Gehirnerschütterung und einen Bruch des linken Oberschenkels. Die Verunglückte fand im nahen Elisabeth- Krankenhause Aufnahme.— Zahlreiche Einbrüche sind in letzter Zeit in Eich w ald e verübt worden. Am Dienstagabend wurde ein Mann festgenommen, der aus einer in der Grünauerstraße be- legenen leerstehenden Villa in die nebenan befindliche des Kauf« mann» Benecke eindrang.____ Mus den Gemeinden. Aus der Schöncbcrger Stadtverordnetenversammlung. Die Schöneberger Stadtverordneten beschäftigten sich in ihrer letzten Sitzung erneut mit dem Gesuch der Schöneberger Lehrerinnen, das Eheverbot aufzubeben. Der Stadtverordnete Kuznitzky(Lib. Frakl.) legte die Einwände dar, die gegen die Aufbebung des Ver- bots sprechen, während Küter(Soz. Frakt.) das Gesuch empfahL Dr. Teufer(Fr. Frakt.) hat als Direktor einer höheren Schule nur günstige Erfahrungen gesammelt. � � Die Petition erfuhr das Schicksal der Ablehnung gegen he Stimmen der Sozialdemokraten und eines Teiles der Frelen Frarnon, die für Berücksichtigung waren. �_ T_ Eine Petition des Vereins Frauenwohl, den Frauen surgleiche Leistungen gleichen Lohn zu zahlen, Halle euren Ausichuß be,chaft,gL Der Berichterstatter fchlua Uebergang zur Tagesordnung vor. Genosse Küter wies die Berechtigung der Forderung nach. Der Bürgermeister Blankenstein erklärte, daß ber Akkordarbeit die weibliche Arbeitskraft genau so bezablt werde als dre mannliche. Stadtv Zobel(Lib. Frakt.) hält eine Bevorzugung der Verheirateten vor den Unverheiratelen für angebracht. Genosse Hoffmann wendet fich gegen den von Herrn Zobel vertretenen Llberal.smus. I» de- Abstimmung stimmte nur die lozraldemokraltsche Frak- tion für die Petition. Die Vorlagen über Erhöhung der Teuerungs- zulagen sowie der Kur- und Verpflegungskosten wurde einem Aus« schuß überwiesen. Soziales. Verordnung über Ouittungskarten. Der„Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Bekanntmachung des Stellvertreters des Reichskanzlers über die Einrichtung der Quittungskarten für die Invalidenversicherung. Diese Be- kanntmachung hält die durch die Verordnung vom 10. November ISII getroffene Bestimmung aufrecht, nach der für die Pflicht- Versicherung gelbe, für die Selbst Versicherung graue Karten zu benutzen sind und die Verwendung von gelben Quittungskarten für die Selbstversicherung oder ihre Fortsetzung verboten ist. Die Lenderung gegenüber dem jetzigen Zustand besteht nur darin, das die Karten, die bislang aus Hadern und Zellstoff herzustellen waren, foistan nur aus Zellstoff verfertigt werden. Teuerungszulage mit Borbehalt. Um die Teuerungszulage, tvelche die Buchdruckereifirma Mittler u. Sohn ihrem Personal gewährt, drehte sich eine vor der Kammer 8 des Gewcrbcgerichts geführte Verhandlung. Der Kläger, welcher als Hilfsarbeiter bei der beklagten Firma beschäftigt war, halte Anspruch auf eine monatliche Teuerungszulage von lö M. Dieser Anspruch beruht auf einem Abkommen, welches die Firma für ihr gesamtes Personal mit den Obmännern der in ihrem Betriebe beschäftigten Arbeiter getroffen hat. In diesem Ab- kommen wird auch gesagt, daß die Teuerungszulage eine freiwillige ist, datz sie von der Firma jederzeit zurückgezogen werden kann und dafi die ganze Monatsrate der Zulage nicht bezahlt wird, wenn der Arbeiter vor Ablauf des Monats aufhört. Um die letztere Be- stimmung bandelte es sich im vorliegenden Falle. Der Kläger hatte nach Ablauf der dritten Woche im Monat aufgehört, er beansprucht für die drei Wochen 12 M. Teuerungszulage. Die Firma verweigert die Zahlung unter Berufung auf den angeführten Passus des Abkommens. Der Kläger berief sich darauf, daß dies Abkommen abgeändert worden sei durch eine spätere Vereinbarung der Firma mit dem Arbeiterausschutz, wonach die Zulage nur dann fortsallen sollte, wenn der Arbeiter in der ersten Hälfte des Monats aufhört. Durch Ver- nehmung eines Ausschußmitgliedes stellte das Gericht fest, daß eine formelle Abänderung des ursprünglichen Abkommens nicht statt- gefunden, sondern die Firma auf eine dementsprechende Anregung rm Ausschuß geantwortet hat, darüber ließe sich reden. Hierdurch hielt das Gericht das Abkommen als für den Kläger verbindlich und erkannte auf Abweisung der Klage. Ein Beisitzer, der Buchdrucker ist, gab dem Vertreter der beklagten Firma zu verstehen, daß das Abkommen für die Buchdrucker nicht verbindlich sei, weil es einer Bestimmung des Buchdruckertarifs widerspreche. Dieselbe Kammer des Gewerbegerichts— allerdings mit anderen Beisitzern— hat a m 30. August d. I. in einem ganz gleich liegenden Falle anders ge- urteilt. Wir haben darüber am 31. August berichtet. Damals handelte eS sich um eine Klage gegen die Firma Ullstein u. Co., welche ebenfalls mit den Obmännern der Arbeiter vereinbart halle, daß denen, die vor Ablauf des Monats aufhören, die Teuerungs- zulage für den betreffenden Monat nicht bezahlt wird. Damals verurteilte das Gericht die beklagte Firma, dem Kläger, der vor Ablauf des Monats aufgehört haue, die Teuerungs- zulage für die Zeit seiner Beichäftigungsdauer zu zahlen mit der Begründung: Da der Kläger die Teuerungszulage monatelang er- hallen hat, ist sie als ein Teil seines Lohnes anzusehen und er hat einen Rechtsanspruch auf die Zulage. Die Vereinbarung mit den Obleuten, wonach die Zulage bei Lösung des Arbeitsverhältnifies vor Ablauf des Monats nicht gezahlt wird, würde für den Kläger nur dann rechtsverbindlich sein, wenn er selbst sich damit einverstanden erklärt hätte. Teilung des Wochenlohns in Tagelohu. Einer sonderbaren Berechnung, des TagelohnS' bediente- sich ein Kinobesitzer, der wegen Zahlung von 1,90 Mk. vor dem Ge- Werbegericht verklagt war. Der Kläger, ein Schauspieler, der als Rezitator in dem Kino des Beklagten angestellt war, hatte einen Wochenlohn von 30 M. Als der Kläger aufhörte, hatte er den Lohn für vier Wochentage zu beanspruchen, den der Beklagte mit 1ö Mk., also mit 3,75 M. pro Tag berechnete. Zu diesem Resultat war der Beklagte dadurch gekommen, daß er den Wochcnlohn durch 3 teilte, also sozusagen die Woche zu acht Tagen rechnete. Diese gewiß eigenartige Berechnung begründete der Beklagte so: Sonn- tags sind zwei Vorstellungen, die zusammen 8 Stunden dauern, während Wochentags nur eine Vorstellung von i Stunden Dauer stattfindet. Deshalb kann der Wochentag nur halb so hoch be- wertet werden wie der Sonntag, nämlich mit dem achten Teile des Wochenlohns.— Das Gericht erklärte diese Berechnung für unzulässig und verurteilte den Beklagten, den geforderten Betrag von 1,90 M. zu zahlen, weil im vorliegenden Falle der siebente Teil des Wockcnlohns als Tagelohn anzusehen und es nicht statt- Haft sei, für die einzelnen Tage einer Arbeitswoche verschiedene Lohnsätze zu berechnen._ Lchrvcrtrag oder Arbeitsvertrag? Berechtigtem Zweifel begegnete vor der Kammer 5 des Gewerbcgerichts ein Vertrag, den die Firma Schwartzkopff mit einem jungen Manne abgeschlossen hat. Wie der Vertrag sagt, tritt„der Arbeiter Karl G. in die Kesselschmiede der Firma Schwartzkopff ein, um sich zu einem tüchtigen Ver- stemmer auszubilden". Weiter bestimmt der Vertrag, daß die Lehrzeit drei Jahre beträgt und wie hoch der Lohn des Lehr- lings ist.— Der Kläger forderte die Auflösung des Vertrags wegen Ueberschreitung des Züchtigungsrechts durch den Meister. Das Gericht hatte Zweifel darüber, ob der Pertrag als Lehr- vertrag angesehen werden könne. Es tauchten nämlich Bedenken in der Hinsicht auf, ob das Verstemmen— eine Teilarbeit in der Kesselschmiederei— ein Handwerk sei, zu dessen Erlernung ein Lehrvertrag im Sinne der Gewerbeordnung abgeschlossen werden könne. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme kam das Gericht zu der Ansicht, daß, wenn ein Lehrverhältnis vorliege, kein Grund zur Lösung des Vertrages gegeben wäre, weil der Meister das dem Lehrherrn zustehende Züchtigungsrecht nicht Überschriften habe. Handle es sich aber um einen auf drei Jahre abgeschlossenen Ar- beitsvertrag, dann sei der Ilmstand, daß der Meister den Arbeiter geschlagen habe, ein ausreichender Grund zur Lösung des Vertrages. Der Vertreter der beklagten Firma behauptete, das Verstemmen sei ein Handwerk; der Vertrag sei ein regelrechter Lehrvertrag. Das Gericht beschloß, von der Handwerkskammer und vom Verein Deutscher Maschinenbauanstalten Gutachten darüber einzufordern, ob die Ausbildung eines Minderjährigen zum Ver- stemmer in der Kesselschmiede als gewerbliches Lehrverhältnis an- zusehen ist oder nicht. Ms aller Welt. Ein Bürgermeister gegen geizige Marschbauern. Im Anzeigenteil des„Kremper Marschboten" veröffentlicht der Bürgermeister Ruhe folgendes: „Opfertag für die deutsche Flotte. Der Qpfertag für unsere blauen Jungen hat reichlich 500 M. gebracht. DieZ ist ein glänzendes Resultat. Lobend zu erwähnen und wirklich anzuerkennen ist es, wenn Kriegerfrauen und Arbeiter in den Herbergen 1 M. gestiftet haben. Anderseits ist es betrübend und beschämend, wenn reiche Hofbesitzer nicht zu bewegen waren, diesen gleich zu tun oder auch das Gering st e zu spenden. Glauben diese etwa, daß die Damen, die in dankenswerter Weise in dieser Sache tätig waren, bezahlt erhalten? Wissen sie nicht, daß die einkommenden Gelder verwendet werden für Invaliden, Witwen und Waisen unserer deutschen Flotte, und es läßt sie kalt, daß die Helden von Skagerrak auch ihren Besitz, ihr Vermögen, ihr Leben geschützt und verteidigt haben? Die deutsche Sprache ist nicht reich genug, ein solches Verhalten passend zu bezeichnen. Ich möchte Kamen nennen, und dies läge gewiß im Interesse vieler wohl- habender Grundbesitzer; denn durch das schmutzige, herzlose Ver- halten einzelner kommt gar leicht der ganze Stand in Mißkredit. Daher Front machen I An den Pranger mit diesen geizigen und vaterlandslosen Menschen, denen wäre zu wünschen, daß ein Negi- ment Kosaken ihnen mal die Leiden des Krieges in vollem Um- fang vor Augen stellte. Einer der reichsten Hosbessitzer ganz in der Nähe der Stadt hat nach langem Sträuben 10 P f e n- nig gestiftet. 10 Pf.I Ein anderer hat den Damen erklärt, er könne die Hände nicht aus der Tasche kriegen. Als es nachher doch der Fall gewesen und er wieder gefragt wurde, hat er ge- antwortet:Migiv ok keener wattl Daß jemand, der zu Anfang des Krieges erklärte, er wolle, wenn der Krieg noch länger dauere, seinen Hafer„grün" abmähen, um ihn nicht an die Militär- Verwaltung ab'iefern zu brauchen, der für die Kriegsnagelung keinen Groschen übrig hatte, auch für diese Sache nichts stiftet, ist selbstterständlich. Wenn solche Leute sich nicht schämen, eine Aus- nähme zu bilden, dann sollte man ihnen diese auch im Verkehr zu- kommen lassen. Ich sage nochmals: An den Pranger mit ihnenl" Sriefkasten üer Reüaktion. Dt« lurtsUlche Sprechstund« findet für Lbonnenlen Ltndenftr. 3, IT, 5o| rechts, parterre, am MZNtaz bis Freitag von t bis 7 Ugr, am Sonnabend von 5 btS 6 Uhr statt. Jeder für den Brteftasten bestimmten Antrage ist ein Luchstabe und eine Lahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Antragen, denen keine AbonnementSauittung belgefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in de: Svrcchttunde vor. Verträge, Echristftücke und dergleichen bringe mar in die eprechftnndc mit. L. R. 200. Der Wirt kann die Wohnung kündigen; die Kriegersrau ist in diesem Fall zur Räumung verpflichtet.— K. St. 89. Das können wir nicht wissen, das entscheidet der Militärarzt.— F. K. 100. Wenn es sich um eine Kriegsbeschädigung bandelt, hat die Witwe 400 M. und jedes Kind 168 M. jährlich zu beanspruchen.— F. Sch. 25. Sie können einen An- slellungsschein daraus verlangen. Einen solchen Antrag könnten Sie stellen Kapitalabfindung wird Ihnen allerdings nur gewährt, wenn Sie sich aus dem Lande setzbast machen wollen.— Stamm L55. Die Kasse ist mit der Ablehnung ihrer Ausnahme im Recht,— I. H. 100. Wenn der Sohn vor seiner Einberujung zum Unterhalt der Mutter wesentlich beigetragen bat, kann sie' jetzt Antrag aus Gewährung von.Kriegselterngeld bei der Polizeibehörde stellen.— G. G. 75. Nein, Sic müssen eine Erlaubnis vom Neviersörstor dazu haben.— M. K. 28. Stellen Sie einen Antrag auf Mietszuschuß, Sie müssen Ihre Bezüge angeben.— Britz 76. Die Absindung für das uneheliche Kind kann nur unter Zustimmung des Bor- mundes und des Vmmundschastsgerichts erfolgen.— O. K. 23. Sie können nickt ohne weiteres von den einbehaltencn Sachen Besitz ergreiseu, sondern müssen der Eigentümerin die öffentliche Versteigerung des Pfandes nach Monatsfrist androhen. Löst die Eigentümerin die Sachen nicht ein, dann kann nach dem abgelaufenen Termin die Versteigerung stattsiudcii. — G. H. 15. 1. Wenn dort kein Aussuhrverbot erlassen ist, können Sie sich Kartoffeln schicken lassen, die Jbncn natürlich aus die Kartoffeltartcn in Anrechnung gebracht werden, 2. Einen besonderen Ausweis dazu brauchen Sie nicht: Sie müssen aus Grund der Ihnen von der Brotkommissioii übergebcnen Eierkarten Ihre Anmeldung in einem Geschält vornehmen lassen, 3. Zurückgestellt; Sprachsehler.— K. G. 50. 1. Die zweijährige Verjährungsfrist läuft erst mit dem Ende des Jahres, in dem Sie die letzte Rate gezahlt haben, nicht vom Tage des Abschlusses des Kaufvertrages. Der Verkäufer kann also mit Erfolg gegen Sie tlagen, 2. Die Verjährungsjrist ist durch Bundesrats Verordnung während des Krieges in jedem Jahr um ein Jahr hinausgeschoben worden.— M. D. 63. Nein — Köln 300. Wenn die Freiheitsstrafe mehr al§ sechs Monate beträgt, kommt die Familienunterstützung in Wegsall.— BS. H. 1916. Land- fturmpflichtig; chronische llnterlcibsleid en, ohne wesentliche Bceinträchligung des allgemeinen Körpcrzustandcs,— Pntbuö 11, E. versendet gratls und portofrei eine re>zende Douboanttr« von Alpaka-EIlber gegen 20 Gutscheine au« Mpberi-Echachtela. Trustfrei ff M Unsere Marine Zigarette 2% Pfg. elnschliefelich Kriegsaufschlag Trotz Stcucrerhöhnng behalten unsere Zigaretten ihre alten anerkannten Qualitäten! | Georg A. 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Den Mitgliedern zur Nachricht, > dah unser Kollege, der Biersahrer Auxust Gallin i? am 13. Oktober im Alter jlU Jahren verstorben ist. von Zfovfrrar. Den Mitgliedern zur Nachricht, da« unser Kollege, der Boden- arbeiter kriedrich Isensee von der Firma Bergemann u. Co., Chaussecslr. 57, am 14. Oktober im Zltter von 36 Jahren ver- starben ist._ X achruf, Den Mitgliedern zur Nachricht, ! dast unser Kollege, der Haus- I diener Karl �iexe von der Firma Kunstgewerbe- museum, am 9. Oktober im Alter von 45 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Slndenken k 63/16 Bio Bezirksverwaltung. Verband der Haler, Ucklerer, Anstrelciier usw. Filiale Berti». Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Maler kiehsrd Hanns (Bezirk Neukölln) am 9. Oktober verstorben ist. I Den Kollegen ferner zur Nach- richt, dag unser Mitglied, der Sialer j Edmund Stullerheim (Bezirk Nordwest) am 11. Oktober verstorben. Ehre ihrem Sludenkeu l Die Beerdigungen haben bereits I stattgefunden. Die VrtSverwaltung. ßeDtseber Bolzarbeilerrerhanl Zahlstelle Berlin. Xaehrnf. De» Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Uid�vix Sonntag Pankow, Heynstraße 29 im Alter von 64 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Aildenke»! Hachrnt. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Gustav �uk im Alter von 56 Jahren ge- storben ist. Ehre seinem Rndenken k Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, dag unser Kollege, der Kistcnmacher •Johann Kokott Skalitzcr Straße 102 im Alter von 45 Jahren gestorben ist Ehre seinem Andenkeu k Die Tinäscherung findet am Freitag, den 20. Oktober, vor- mittags 11 Uhr, im Krema- lorium Gerichtstraße statt Um rege Beteiligung ersucht Tie Ortsverwaltuug, BUCHER UND ZEITSCHRIFTEN jeder Art liefert die Buchhandlung VorwSrts, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Bestellungen nehmen alle Flllalexpedltloncn sowie die ZeltungsaustrSgerlnnen entgegen. Ueslwnn's MHAIllWÄII Grüßte Auswahl. Billigste Preise. 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Geschäfts-, Kasten- und ArbeitSnachweiS-Bericht pro S. Quartal ISIS. 3. Erledigung etwa eingegangener Anträge. 68/15 4. Gcschästlichcs. Mitgliedsbuch und Legittmatloiiskarte» find am Eingang des «aaleS zwecks Abstempelung vorzulcgeu. Ohne Buch und Karte kein Zutritt. Wer mit seinen Beiträgen über 8 Wochen im Rückstand ist, hat ebcnsall» leinen Zutritt Die Bealrksvcrwaltaas. 3.21.: August Werner. Ii Verwaltungsstelle Berlin. N 54, Linienstr. 83-85. KeschästSzeit von 9—1 Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Hente Donnerstag, den 10. Oktober, abends 8 Uhr: Versammlung der Former und Berufsgeuoffen im Lokal von Wolffgramm, Ackerstr. 6. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Slerlng. 2. vranchenangelegenhetten. 3. VerichiedeneS. DaS erscheinen aller Kollegen ist dringend erforderlich. 124/5_ Die Or tsverwal tung, Speziatarzt Dr. med. Karl ICcintaardt. Potsdamer Str. 117 i ÄÄSrsÄ' u-t Aulklarende f. 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