Ar. 395. 33. Jahrg. NdonnemeotZ-ktcklngunze«: »donnemmt»< Preis pränumeran!» Licrleljährl. S.S0 m, monatL 1JO Ml, wöchenllich 30 Pfg, frei ins Hau». einzelne Nununer ö PIg. konnlagS- nunimer mit illuslrierier EonmagS» Beilage.Die Neue Sein lO Pig. Loft» «lbonnement! ILO Marl vro Monat. Eiiigeiragen IN die Post- AeitungS- Preisliiie. Uni er Kreuzband lür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2.50 Marl, für das übrige kuslan» I Mar! vro Monai. Postabonneuienij ncbmcn an Belgien. Dänemarl, äolland. Italien. Luxemburg. Ponugal, ..... ücn. Schweden und die Schweis. Üfchtlot tägnu Verltnev Volksblnkt. ( 5 Pfennig) Dlt Tnfertlons-GebQljr betrügt für die sechSgesvaltene Kolonel» teile oder deren Raum 60 Psg., für »olitiiche und gciverlschasiliche BereinS- und Verjamnilungs- Anzeigen 30 Psg. „kleine Znrciscn", das scngcdrullic Wort 20 Psg.(zulässig 2 sertgcdrullie Worte), jedes weitere Won l0 Big. Stellengesuche und Schlasstellenan» zeigen das erste Wort 10 Psg. jedes weitere Wort SPsg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Jnscraic für die nächste Nummer müncn bis 5 Ulir nachmittags in der Expedition abgegeden werden. Die Exvcoilton ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Zldrcfse: .Sozlamcmokrat Bcrlia" Zentralorgan der fozialdcmokratifchcn Partei Deutfcblatids. Expedition: SW. 08, Linöcnstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritipla«- Nr. 1S1SU— ISIS?. Was wird in Oesterreich! Ein bekannter Wiener Parteigenosse, ber seit gestern in Bertin weilt, gibt uns von den jüngsten Ereig- ilissen in Wien folgende Darstellung: Die politischen Verhältnisse in Oesterreich sind soweit ge> diehen, daß immer deutlicher eine Forderung als die Haupt- forderung des Tages hervortritt: dieEinberufungdes Parlaments. Poch vor wenigen Monaten waren im Bürgertum die Ansichten darüber sehr geteilt, während es selbstverständlich für die Sozialdemokratie niemals ein Zweifel war, daß hier der Hebel eingesetzt werden müsse. Nun fanden im Laufe des Sommers mehrere Konventikel von Politikern auf Veranlassung des Grafen Sylva-Tarouca statt, in welchen die Einberufung des Parlaments erörtert wurde. Nur ein Teil der Deutschnationalen und der Christlichsozialen wollte von der Erhebung dieser Forderung nichts wissen. Aber ins- besondere die Debatten im ungarischen Abgeordnetenhause trugen dazu bei, auch den Blinden die Augen zu öffnen. Man wurde sich immer mehr auch in Kreisen des Bürgertums der Tatsache bewußt, daß der österreichische Staat von allen krieg- führenden Staaten der einzige ist, in welchem eine organi- sierte Willensmeinung des Volkes prinzipiell verhindert wird. So kam es, daß eine von einer Anzahl von Professoren aus- gehende Anregung große Beachtung fand. Sechs Herren von der Universität, die den verschiedensten Parteien angehörten, entschlossen sich, eine Versammlung einzuberufen, in der laut und vernehmlich der Ruf nach der Einberufung des Parla- mentes erhoben werden sollte. Als erster Redner war ein be- kanntcr Lehrer des Staatsrechts an der Wiener Universität in Aussicht genommen, ihm sollten der Präsident des Abgeord- netenhauses, Dr. Sylvester, und die beiden Vizepräsidenten, der Christlichsoziale Jukel und der Sozialdemokrat Pcrner- storfer, folgen. Durch die Einberufer und durch die Redner- liste sollte die Versammlung als eine Kundgebung aller Klassen der Bevölkerung erscheinen. Nicht weniger als ISMO Einladungen waren ausgegeben. Man zweifelte nicht daran, daß mit Rücksicht auf den ganzen Charakter der Versammlung, die doch formell auf geladene Gäste beschränkt war, die Re- gierung sich scheuen würde, die Kundgebung zu verbieten und dadurch deutlich zu demonstrieren, daß sie jede Art der Dis- kussion über die Wiederherstellung der Verfassung verhindern wolle. Allein es kam anders. Den Zeitungen wurde verboten, die Ankündigungen der Versammlung abzudrucken, und zwei Tage vor dem für die Abhaltung festgesetzten Termine wurde die Versainmlung aus fonnellen Gründen untersagt. Die Re- gierung behauptete, daß, wenn die Versammlung auch nur gegen auf Namen lautende Einladungskarten zugänglich war, lnan doch nicht— mit Rücksicht auf die große Anzahl der Ein- ladungen— von einer auf geladene Gäste beschränkten Ver- sammlung reden dürfe, daß es sich vielmehr tatsächlich um eine öffentliche Volksversanimlung handle, die während des Aus- nahmezustandes nicht gestattet sei. Die Regierung wußte wohl, daß sie sich dadurch ins Unrecht setze und daß die ganze Oeffentlickkeit über die eigentlichen Absichten der Regierung nach dem Verbote nicht mehr im Unklaren sein könne, ja daß sogar durch ihr eigenes Verhalten der Demonstration eine Spitze gegen die Regierung gegeben werde. Sie nahm jedoch diesen Vorwurf auf sich. Der Vorwand, der von den Regie- rungskreisen gegen die Einberufung des Parlaments vor- geschützt wirch ist die Schwierigkeit in der Behandlung der- jenigen tschechischen Abgeordneten, die sich entweder im Aus- lande oder in Haft befinden. Man darf aber wohl annehmen, daß eine zielsichere und geschickte Regierung gerade unter den heutigen Umständen über diese Schwierigkeit hinwegkommen könnte. Ein Teil der Deutschradikalen aber wünscht das Par- lament nicht, weil er darauf hofft, daß die Regierung mit Hilfe des 8 eine Neuordnung der Nationalitätenverhält- nisse in ihrem Sinne vornehmen werde, durch welche ein etwaiges künftiges Parlament vor eine vollzogene Tatsache gestellt wird. Allerdings haben die Deutschbürgerlickjen nicht die geringste Garantie dafür, daß eine solche oktroyierte Aende- rung der Verfassung und Verwaltung ihren eigenen Jnter- essen entsprechen würde, geschweige denn dafür, daß eine ein- seitig verfügte Maßregel der Regierung von Dauer sein könnte. Es ist immer wieder dieselbe Kurzsichtigkeit, die, den Blick nach oben gewendet, die Herrlichkeiten der Regicrungsgunst zu sehen vermeint und die eigenen politischen Kräfte übersieht. Trotz dieser Widerstände ist es aber zweifellos, daß die einmal in Fluß gekommene Agitation für die Einberufung des Par- lamcnts nicht mehr zum Stillstande konimen wird, trotz aller Hemmnisse, welche der Ausnahmezustand jeder politischen Tätigkeit bereitet. Vorläufig allerdings ist jede politische Betätigung in den Hintergrund gedrängt worden, durch den Eindruck der Schreckenstat, durch die der nach außen verantwortliche Leiter der Regierung aus deni Wege geräumt worden ist. Obwohl in der Presse gelegentlich d i e Ta t F r i tz A d l e r s mit dem Verbote jener Versammlung in Verbindung gebracht worden ist, war Adler doch keiner von jenen, denen die Einberufung des Parlaments als das Wesentliche erschien. Wenn er das Parlament erstrebte, so war es nur, un: in ihm für seine Forderungen demonstrieren zu können und nicht um des Par-. Schmre Kämpfe wldM Ses«en ßlWMkim. Amtlich. Großes Hauptquartier, 25. Ok- tober 1916.(W. T. B.): Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprccht. Infolge regnerischer Witterung hat gestern die Gefechts- tätigkeit im Sommegebict nachgelassen; das Artilleriefeuer steigerte sich nur zeitweilig. In den Abcndstuudcn sind französische Teilangriffe aus der Linie LeSboeufs- Rancourt vor unseren Hindernisse» verlustreich und ergebnislos zu- sammengebrochen. Heeresgruppe Kroupriuz. An der Nordostfront von Verdun hat ein französischer Augriff bis zum breunendeu Fort Douaumont Boden gc- wounen; die Kampfhandlung dauert au. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des Geueralfeldmarschalls Priuz Leopold von Bayern. Ein Gasangriff der Russeu an der Echtschara mißlang; ebeuso blieb einem Angriff russischer Bataillone bei Kol. Ostrow(nordwestlich von Luck) jeglicher Erfolg versagt. Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Carl. Im Güdteil der Waldkarpatheu blieben bei Gefechte« miuderen Umfanges die gewonnenen Höhcnstellungen in unserem Besitz. Au der Lstfrout von Siebeubürgeu hat sich bei örtlichen Kimpfeu die Lage nicht gcäudert. Nördlich von Campolung machte unser Angriff Fort- schritte. Der Vulcanpasi ist vou deutscheu und österreichisch- uugarischeu Truppe» gestürmt worden. Balkau-Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. Die Verfolgung geht plangemäß weiter. Ceruavoda ist heute früh genommen. Einzelheiteu siud »och nicht bekannt geworden. Damit ist die iu der Dobrudscha operiereude rumänisch- russische Armee ihrer letzten Bahnverbindung beraubt uud eiu ungemein wichtiger Erfolg erzielt. lamenkcs selbst willen, da cr seinem ganzen Standpunkte nack; die parlamentarische Tätigkeit nicht hoch anschlug. Es wird überhaupt schwierig sein, für die Tat Fritz Adlers auch nur eine subjektiv-rationelle Erklärung zu finden. Er war ein Mensch von unzweifelhaft hoher Intelligenz, und sein Be- streben ging dahin, die Lehre von Karl Marx so, wie er sie auffaßte, in theoretischer Reinheit zu verteidigen, indem er seine Gedankengänge in keiner Weise durch neugesetzte Tat- fachen beeinflussen ließ. Selbstverständlich war er daher ein Anhänger der Massenbewegungen und schätzte den Einfluß des einzelnen auf die Entwickelung nur gering ein. Selbst- verständlich verurteilte er auch strenger als jeder andere die Politik der Putsche und der Attentate, die auf den Anarchis- mus und auf Bakunin zurückführt. Sein theoretischer, Welt- fremder Radikalismus, der ihn in scharfen Gegensatz zu seinem Vater und, wie sich erst vor kurzem zeigte, zu der Ge- samtheit der österreichischen Partei brachte, gibt demnach keinen Erklärungsgrund für seine Tat. Und gerade weil Fritz Adler immer bestrebt war, sein Handeln mit seiner Theorie in Uebereinstimmung zu bringen, steht man einem Rätsel gegenüber, das auf dem Wege der Logik oder der normalen Psychologie nicht gelöst werden kann. Die Gegensätze, die sich in seiner Seele offenbart haben, deuten auf einen anormalen Geisteszustand hin, in dem sich die von ihm ange- strebte Klarheit und Widerspruchslosigkeit der Begriffe ver- wirrt haben muß. Um so tragischer ist sein Schicksal, ist der politische und intellektuelle Endpunkt dieses Wirkens. Es tauchen vor dem schaudernden Beobachter jene übermächtigen Gespenster aus früheren Generationen auf, ivelche sich das Individuum unterwerfen, jene dunkeln Ursachrerhen der Vererbung, denen der Men'ch nicht entgeht und die, so mächtig wie in der antiken Schicksalstragödie das Fatum, den Men- schen zum willenlosen Knechte des Unbekannten und Unbe- wußten herabdrücken. Die unmittelbare Folge der Beseitigung des Grafen Stuergkh ist die Neubesetzung des Ministerprä- s i d i u m s. Graf Swergkh war ein Mann ohne Initiative, in Oft und Aeit. Au der Mazedonischen Front herrschte Ruhe. Der Erste Generalquartrermeister. Ludendorff. O Das September-Ergebnis öes Kreuzerkrieges. Amtlich. B c r l i u, 25. Oktober.(W. T. B.) Im Monat September sind 141 feindliche Handels- fahrzeuge von insgesamt 182 669 Brnttoregistertonncu von Unterseebooten der Mittelmächte versenkt und auf- gebracht oder durch Minen verloren gegangen. Dreizehn Kapitäne feindlicher Schiffe sind gefangen genommen und drei Geschütze bewaffneter Dampfer erbeutet. Feruer sind 39 neutrale HaudelSfahrzeuge mit insgesamt 72 666 Tonnen wegen Beförderung von Baunware zum Feinde versenkt. Der Chef des Admiralstabes der Marine. ** Det öslmeWW MmlWMW. Wie», 25. Oktober 1916.(W. T. B.) Amtlich wird vcrlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. HeercSfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Carl. Oesterrcichisch-uiigarische uud deutsche Truppe» entrissen dem Gegner de» L u l k a n p a st. Tie nördlich von Campolung lämpfenden verbündeten Streitkräfte gewannen gleichfalls Raum. An der ungarischen Ostgrcnzc wird weiter gekämpft. TaS Czcklcr Jnfautcricrcgimcnt Nr. 82 eroberte im Bcrcckergebirgc nach cr- dittcrtcm Handgemenge eine stark verschanzte Grrnzhöhc. Die Besatzung wurde teils gefangen, teils niedergemacht. Entkommen ist niemand. In der Dreiländcrrcke schlugen unsere Truppen in ihren neue» Etelluiigen russische Angriffe ab. Ein örtlicher Ein- bruch des Feindes ist sofort wettgemacht worden. Herresfront des G e n e r a l f el d m a r f ch all S Prinz Leopold von Bayern. Außer erfolgreiche» Borpostcngescchtcn südlich von Zborow bei den östcrrcichisch-ungarischcn Truppen nichts von Belang. Italienischer Kriegsschauplatz. Der Nordtcil der Karsthochfläche ist unter heftigem Gc» schütz- und Minenfcuer. Südöstlicher Kriegsschauplatz. In Albanien nichts Neues. Der Stellvertreter des Chefs beS Gencralstabcs. v. H o e f e r, Feldmarschallentnant. der sich von den herrschenden Ströinrmgen leiten ließ. Ein Exponent jener Strömungen, die man im Auslande als spezi- fisch österreichisch zn betrachten pflegt. In der Politik daher eigentlich ohne individuelles Gepräge, nicht aggressiv und Von großer Anpassungsfähigkeit, die es ihm ermöglichte, durch fünf Jahre trotz aller Schwierig- keiten, die cr eigentlich gar nicht zu beseitigen strebte, an der Spitze der Regierung zu sein. Sein Nachfolger, wer immer es sei, wird selbstverständlich nicht imstande sein, den österreichischen Staat von Grund aus umzugc- stalten. � Er übernimmt eine schwcrbelastete Erbschaft. Dar- unter einen Ausgleich mit Ungarn, der ohne das östcrreichi- sche Parlament und unter dem Diktate von Tisza zwar noch nicht abgeschlossen, aber seinem Abschlüsse sehr nahe ist. Er hat die Aufgabe— ganz abgesehen von den brennenden Fragen der Organisierung des Lebensmittelmarktes und von anderen unmittelbar zur Lösung drängenden Fragen—, eine verfassungsmäßige Grundlage für die Beilegung oder Milderung des Nationalitätenstreites zu legen. In diesem Sinne wird schon seit längerer Zeit im Ministerium des Innern gearbeitet. Wie weit diese Vorarbeiten gediehen sind, und ob sie sich in einer befriedigenden Richtung be- wegen, entzieht sich der Kenntnis der Oeffentlichkeit. Der neue� Ministerpräsident hat aber auch die Aufgabe, gerade in diesen schweren Zeiten die regelmäßige Verwaltung in einer Weise zu leiten, daß sie moderneren Anforderungen entspricht, und die vom Standpunkte der Reaiernng aus in Kriegszeitcn notwendigen Einschränkungen ans das absolut gebotene Maß zurückzuführen. Die beiden Männer, die als Nachfolger Stuergkhs gc- nannt werden, Prinz Hohenlohe, der bisherige Minister des Innern, und Ernst v. Koerber, der bisherige gemeinsame Finanzminister, haben eine Laufbahn hinter sich, die sie— im Verhältnis zu dem bisherigen Ministerpräsidenten— als modernere Geister erkennen läßt. Wer von ihnen die schwere Bürde auf sich nehmen wird, und ob er simstande sein wird, sie in Ehren zu tragen, wird die Zukunft lehren, Die griechisthen Wirren. Abwartende Haltung der Benizelisten. Lern, 24. Oltober.(2B. S. SB.),® e c o I o* meldet auS Saloniki: Nach weiteren reiflichen Beratungen hat sich die pro- visorische Negierung von der Zweckmäßigkeit iiberzeugt, vorerst von der Entsendung eines Ultimatums an Bulgarien Ab st and zu nehmen. Anscheinend will man die Haltung abwarten, die die Entente endgültig gegenüber Athen und der provisorischen Regierung einnehmen will. Außerdem sollen die Streitkräfte der letzteren notb nicht so stark sein, um ein Ultimatum mit den Waffen unterstützen zu können. Tie Forderungen der Entente. Amsterdam, 25. Oktober.(W. T. B.) Der„Times wird aus Athen gemeldet: Die Demobilisierung der Jahrgänge 1913 und 1911 muß noch geregelt werden, ebenso die Rückkehr der Truppen aus Thessalien. Die Alliierten teilten die Ansicht der griechischen Regierung, daß es genügend sei, die Armee auf Friedensstärke zu bringen, und daß es unnötig sei. die Truppen aus Thessalien zu ent fernen. Die Alliierten lassen eine hydrographische Küsten� bewachungsstation gegen eventuelle feindliche Il-Bootstationen errichten. « Bern, 24. Oktober.(®. T. B.)..TempZ' meldet aus A t h e n. es scheine sich zu bestätigen, daß die Regierung den öffentlichen Sicherheitsdienst dem Kriegs- und dem Marine- Ministerium übertragen habe. Griechische Marine- Patrouillen durchstreiften die Straßen.— Durch einen königlichen Erlaß sei die Einberufung der Jahresklasse 1316 vertagt worden.— AuS Saloniki wird gemeldet, daß die provisorische Regierung die Juden der Jahresklassen 1913 bis 191S unter Androhung ihrer Verhaftung aufgefordert habe, sich bis spätestens Mittwoch zu stellen. Die Jnsurrektionsbewegung in Thessalien und im EpiruS. Bern, 25. Oktober.(W. T. B.) Wie„Temps" meldet, beabsichtigen Thessalien und E p i r u s, sich der Prodi- sorischen Regierung in Saloniki anzuschließen. Die anti- venizelistischen Blätter führen aus, daß der Aufstand in den beiden Provinzen gegen die Grundbesitzer gerichtet sei und die Enteignung und die Verteilung des Bodens unter die Bauern, die seit langem über Unterdrückung klagen, bezwecke. Der bulgarische Kriegsbericht. Costa, 24. Oktober.(20. T. 25.) Bericht des Generalstabes. Mazedonische Front: Keine Veränderung in der Lage auf der ganzen Front. Zwischen Prespa-See und der Struma schwache Artillerietätigkeit. Ein feindlicher Vorstoß gegen das Dorf Tarnova wurde gleich im Anfange auf- gehalten. An der Strumafront lebhafte Tätigkeit von Auf- klärungsabteilungen und stellenweise Artilleriefeuer. An der Küste des Aegäischen Meeres beschoß ein feindlicher Kreuzer ergebnislos zwei Stunden lang den Golf von Keremedli ivestlich der Mestamündung. Der deutsche Flieger Leutnant v. Emvegek(?) schoß nach einhalbstündigem Luftkampf bei Drama einen englischen Doppeldecker vom System Nieuport ab, dessen verwundeter Führer und unverwundetcr Beobachter gefangengenommen wurden. Rumänische Front: In der Dobrudscha dauert die tatkräftige Verfolgung des in Auflösung befindlichen Feindes an. Am 23. Oktober warfen die verbündeten Truppen auf ihrem rechten Flügel den Feind zurück und erreichten die Linie Dorf Karamurad— Dorf Dokuzol. Unsere Kavallerie griff bei Jsliamtepe(Höhe 91) eine rumänische Brigade an und zer- streute bei dem Dorfe Karamurad das russische Territorial- bataillon Nr. 275, machte den Kommandanten der russischen Brigade zu Gefangenen und erbeutete eine Fahne und nahm ebenfalls den Kommandanten des russischen Bataillons und 800 Mann der 45. Infanteriedivision gefangen. Sie nahm nach einem erbitterten Kampf die Stadt Medjidie, wo eine große Menge Eisenbahnmaterials genommen wurde. Die Truppen des linken Flügels 'erreichtem die Linie Medjidie— Höhe Hossuyug(Höhe 127)— Dorf Rasova. Der Feind erlitt schwere blutige Verluste. Am 23. Oktober wurden 51 Offiziere und mehr als 3200 Soldaten gefangengenommen. 4 Geschütze, 30 Maschinen- gewehre, 3 Minenwerfer, 5 Lokomotiven und 200 Eisenbahn- wagen erbeutet. Vom 19. bis zum 23. Oktober erbeuteten die verbündeten Truppen eine Fahne und machten 75 Osfi- ziere und 6693 Soldaten zu Gefangenen. Außerdem wurden noch 52 Maschinengewehre. 12 Geschütze, vier Minenwerfer. 5 Lokomottiven und 200 Eisenbahnwagen erbeutet. LängS der Donau stellenweise Artillerie- und Jnsanteriefeuer. Die Meldung des türkischen Hauptquartiers. Koustantinopel, 24. Oktober.(W. T. B.) Amtlicher Heeresbericht. Tigris front. Außer dem üblichen, gegenseitigen Feuer und für uns glücklichen Scharmützeln kein wichtiges Ereignis. Kaukasusfront: Auf dem rechten Flügel schlugen wir mit Verlusten für den Feind einen mit mehreren Kompagnien ausgeführten Angriff zurück. Auf dem linken Flügel erfolgreiche Scharmützel, bei denen wir eine Anzahl Gefangene machten. Auf den anderen Fronten kein wichtiges Ereignis. In der Dobrudscha verfolgen unsere Truppen ge- mein am mit unseren Verbündeten weiter erfolgreich den ge- schlagenen Feind. Der stellvertretende Oberbefehlshaber. Die feindlichen Heeresberichte. Der französische Tagesbericht. vom 24. Oktober nachmittags.(W. T. B.) An der Sommefront ziemlich hefiiger Artilleriekampf in der Gegend von BiacheS und Sblaincourt. Keine Infanterie- tätigkeit. Es ist nichts zu melden vom übrigen Teile der Front. Orientarmee. Bon der Sirumafront ist nichts zu melden. Das Anschwellen des Flusses hinderte jede Truppenbewegung. In der Gegend des Dojran-See« große Tätigkeit der beiden Arlillerien. Die Engländer nahmen im Abschnitt von Maisukovo feindliche Gräben und machten an 20 Gefangene, alles Deutsche. Im Cerna- Bogen unternahmen die Bulgaren neue Gegenangriffe, die aber im serbischen Artilleriefeuer scheiterten. Die Serben griffen ihrerseits an und nahmen mehrere feindliche Gräben in einer Tiefe von un- gefähr 800 Meter, wobei sie den Gegnern blutige Verluste zufügten. Fünfzig Gefangene blieben in ihren Händen. Auf unserem linken Flügel behindert das Welter, das das Gelände aufweicht, die Kampf- Handlungen. Die Schlacht vor veröun. Zweiter Abschnitt. 3. Die Vorbereitungen für eine so gewaltige Unternehmung nahmen naturgemäß einen längeren Zeitraum in Anspruch. Sie würden dadurch wesentlich erschwert, daß sie während der ungünstigsten Zeit des Jahres, in den strengsten Wintermonaten, zu bewirken waren, und daß uns für ihre Durchführung nur drei größere Anmarschstraßen zu Gebote standen, welche natürlich bei der starken Inanspruchnahme und der Ungunst der Witterung als- bald in den denlbar schlecktesten Zustand gerieten und ständiger, hingebender Lusbesserungsarbeit bedurften. Nach Abschluß der Vorarbeiten war der Beginn des Angriffs auf den 12. Februar in Aussicht genommen. Die Witterung war indessen in dieser Zeit derartig ungünstig, daß der Angriff von Tag zu Tag hinaus- geschoben wurde, bis am 21. endlich die Wilterungslage, obwohl »och immer reckt fragwürdig, den Beginn der Kampfhandlungen ge- stattete. Diese wurden durch eine lebhafte Feuertäligkeit auf der ganzen Westfront eingeleitet. Während der Feind alle seine Offen- siven durch ein mehrtägiges Trommelfeuer zu eröffnen pflegte, das an der Somme sogar sieben Tage lang unsere Stellung mit einem Eisenorkan überschüttete, begnügten wir uns mit einer 24stündigen Beschießung, die nur in den letzten Stunden sick zum Trommelfeuer steigerte. Am Nachmittag des 21. Februar erfolgte auf der ganzen in Aussicht genommenen Offensivsront von der Maas nördlich Consenvoye bis in die Gegend von AzanneS der Angriff, der uns noch am selben Abend in den Besitz der gesamten feindlichen Stellungen erster Linie brachte. So konnte der eigentliche Angriff am folgenden Tage schon von der vorderen feindlichen Linie aus erfolgen. Der 22. Februar brachte uns in den Besitz des stark ausgebauten Dorfes Haumont, des größien Teiles des CaureS-Waldes und des HerbeboiS. Am 23. erreichte unser Angriff, der sich durch ein mit allen modernen ' ilfsmitteln der Feldbesestigungslechnik ausgebautes System von iräben und Stützpunkten, zudem durch die von unserer Artillerie wüst zerschossenen Wälder hindurcharbeiten mußte, bereit? die Linie Samogneux— Beaumont— Grsmilly. Am 24. stieß der Angriff weit über die befohlenen Endziele vor und brachte uns wiederum namhaften Geländegewinn. Der 2S. Februar wurde von entscheidender Bedeutung. Die allgemeine Linie, welche wir erreichten, wird durch die Dörfer Louvement und Bezonvaux gekennzeichnet, lieber, diese Linie hinaus stieß unser Angriff in der Milte bis zur Panzerfeste Douaumont durch, welche von zwei Kompagnien des Infanterieregiments 24 genommen wurde, während unser Anlauf vor dem aufs stärkste befestigten und mit betonierten Unterständen und ZugangSstollen unterbauten Dorfe Douaumont zum Stehen kam. Nach mehrtägigen heftigen Kämpfen wurde am 2. März auch Dorf Douaumont genommen. Auf dem linken Flügel erreichte der Angriff der nördlichen Gruppe am 8. März das Dorf Vaux und die südlich gelegene Panzerfeste: dieser Gewinn konnte allerdings noch nicht dauernd gehalten werden. 4. Während die oben besprochene Gruppe von Angriffshandlungen von der Linie Consenvoye— AzanneS aus die Linie Champ— Douau- mont gewann, richtete sich eine weitere selbständige Angriffshandlung von Elain, also von Nordosten her, auf die Höhe der C6te Lorraine in allgemeiner Richtung auf die nordöstliche Kante des Fortgürtels. Der oys der Woevre-Ebcne andringenden Nordostgruppe schlug von den Höhen der Täte herab ein heftiges Artillerieseuer entgegen und suchte ihr Vordringen zu hemmen. Trotzdem gelang eS ihr, am 7. März die Franzosen aus Fresnes herauszuwerfen und am 9. März den Feuilla-Wold und die Weinbergshöbe 251 nordöstlich Damloup zu nehmen. Seitdem bält sie den Fuß der Cüle bis Eparge» fest in Händen und hat ihren Besitz ein Vierteljahr später noch durch die Eroberung von Damloup erweitern können. 5. Der erste große Vorstoß der Deutschen war sonach bis unmittel- bar an den inneren Forlgürtel der Festung durchgedrungen und hatte die allgemeine Linie Champ— Douaumont— Feuilla-Wald—Vlanzäe— Combres erreicht. Dieser große Erfolg rief eine seiner Bedeutung entsprechende sehr erhebliche Gegenanstrengung deS Feindes hervor. Etwa seit dem 26. Februar begann diese sich geltend zu machen. Während aber unser Angriff sich bis dahin auf das Ost- ufer der Maas beschränkt hatte, nahm die feindliche Gegen- Wirkung von vornherein ihren Ausgangspunkt von beiden MaaSufern und machte sich ganz besonders in Gestalt einer Artillsrieflankierung von dem bisher nicht in Mitleidenschaft gezogenen linken Maasuser aus geltend. Wollten wir die Errungen- schailen auf dem reckten Maasuser behaupten, so ergab sich die Not« wendigkeit, unseren Angriff auch auf daS westliche MaaSufer hinüber-. zutragen. Demnach beschränkten wir uns östlich der Maas für die nächste Zeit aus die Festhallung und den Ausbau der gewonnenen Lmie, und so nahm hier der Kampf, zunächst wieder die alte Form des Stellungskrieges an. Aui dem linken MaaSufer dagegen haben wir während der nächsten Monate bis gegen Ende Mai unseren Angriff in zähem Vorwärtsdringen schrillweise, doch ununterbrochen vorwärts getragen. Im Nachfolgenden sollen zunächst die Kämpfe des linken Maasufers im Zusammenhang betrachtet werden. Das Gelände stellt hier eine von den Argonnen her sich lang- sam zum Maastale absenkende Hochfläche dar, deren Erhebungen zum Teil von weiten Wäldern bedeckt, zum Teil völlig kahl und wasserlos sind. In den flachen Senkungen sind eine Anzahl Dörfer mit im wesentlichen soliden Steinhäusern eingebetlcr. Die Wälder. die Höhen, die Dörfer boten der Verteidigung Stützpunkte, die mit allen Mitteln verstärkt worden waren und immer noch weiter verstärkt wurden. Der Kampf um dieie Punkte bildet den eigentlichen Inhalt deS mörderischen Ringens, das sich hier fast ohne Unterbrechung in den Monaten März, April und Mai abspielte. Ihre Wegnahme durch die Angreiser bring: indessen in die Kampfhandlung zwar gewisse Abschnitte, aber doch leine sehr deutlich sich abhebende Gliederung, du jeder Gelände- gewinn die Franzosen zu sofortigen wütenden Gegenangriffon ver- anlaßte, so daß Erfolg und Verlust hin und her schwankten. Mit diesem Borbehalt seien im Nachstehenden die Hauptmomente unseres Fortschreitens hervorgehoben. Zunächst gelang am 6. März der Maasübergang und die Ein« nähme der Dörfer Farges und Negniöville. Dann warfen sich unsere Truppen mit einer Rechtsschwenkung in die zusammenhängen- den, hartnäckig verteidigten Dickichte des Cumiöres- und Raben- waldeS hinein. Beide wurden bis zum 10. März gesäubert und gegen stürmisch anrennende Gegenangriffe gehalten. Schon vier Tage später wurde die ganze, den Wäldern westlich vorgelagerte„Morl- Homme-Slellung"' genommen und trotz wütender Rückeroberungs- versuche behauptet. Und nun griff unser Vordringen noch weiter westlich um jene zusammenhängende Gruppe fester Stellungen herum, welche die Dörfer Bölhincourt, Malaneotirl und Haucourt zu Stützpunkten und hinter ihrer Mitte die Höhe 364 zum Rückhalt hatten. Aus dem Gehölz von Malancourl, das schon seit Herbst 1914 in unserer Hand war, drangen unsere Truppen in den südlich vorgelagerten Wald von Avocourt ein und brachten ihn am 26. März fest in ihre Hand. Durch die Erstürmung dieses WaldeS war die vielberuiene„Sack- stellung" entstanden, indem zwischen dessen Ostspitze und dem Nord- westzipfel der Tolen-Mann-Stellung noch ein weit in die deutschen Stellungen vorspringendes Geländestück in Händen des Feindes ge- blieben war. Von diesem wurde ihm nun während des April in rastlosem Bordringen ein Fetzen nach dem anderen entrissen. Am 30. März fiel der westliche Stützpunkt, das Dorf Malancourt, in unsere Hände. Am 5. April nahmen wir das einen südöstlichen Ausläufer von Malancourt bildende Dorf Haucourt und am 9. auch den rechten Flügelslützpunkt, das Dorf Bvlhincourt. Ani gleichen Tage brachte ein Angriff bei der„Mort-Homme-Stellung� auch die südöstliche Kuppe des' auf der französischen Karte als„Morl-Homme" bezeichneten Höhenrückens in unsere Hände und bereilcle damit dem französischen Prcssegezänk über die Frage, ob wir oder die Fran- zosen den Mort-Homme besäßen, ein Ende. Alle gewonnenen Geländenücke mußten gegen heftige Gegen- angriffe gehalten und im stärksten feindlichen Feuer ausgebaut werden. Luch während des ganzen Monats Mai nahm das wechselvolle Ringen aus dem linken Maasufer ohne Ermatten seinen Fortgang. Die Ausräumung der.Sackstellung' wurde in schrittweisem, durch kleinere Rückschläge nur vorübergehend unterbrochenem Vordringe» zu Ende geführt. Den Mittelpunkt des surcktbaren Ringen?"in diesem Monat bildete die berühmte Höhe 304. Abschnittsweise wurden zunächst ihre nördlichen, dann ihre westlichen, zuletzt am 21. Mai ihre östlichen Ausläufer gestürmt. Oestlich de«.Toten Mannes' ist am 23. Mai die Trüinmerstätte, die einstmals da« Dorf CumisreS war, gestürmt worden. Die an diesem Tage noch gescheiterte Eroberung der CaurettcS- Höhe und des ganzen Gelände? von der Südkupp« des.Toten Mannes' bis zur Südspitze von CumiöreS konnte bis Ende Mai erzwungen werden. Mit der Eroberung der Linie Wald von Avocourt— 304— Toter Mann— Cumiercs hat unser Fortschreiten aus dem linken MaaSufer zunächst sein Ende erreicht. Häufige Gegenstöße des Feindes, urnz hier Teile deS verlorenen Geländes wiederzugewinnen, sind sruchl- los geblieben. Das strategische Ziel der Kämpfe des linken Maas- userS war erreicht. Die Flankierung unserer aus dem rechten User erkämpften Stellungen war beseitigt und unser Angriff auch bier in einer einheitlichen Linie mit dem VorwärtSdringen rechls des Flusses bis an den unmittelbaren Bereich der permanenten Befestigungen vorwärisgetragen worden. iW. T. B.) Flugdienst: An der Sommefront beschoß �ern französisches Flugzeug einen feindlichen Graben im Walde von St. Pierre— Vaast mit dem Maschinengewehr. An der Verdunfront waren die fron« zösischen Flugzeuge trotz dichten Nebels tätig und liescrten an 20 Kämpfe. Drei deutsche Flugzeuge wurden infolge von Kämp'en, die sich zwischen zwei gegnerischen Gruppen abspielten, im Norde» von Azannes, bei OrneS und nördlich von Romagne abgeschossen. In der Gegend von Berdun stieg ein französischer Flieger bis auf 100 Meter vom Erdboden herab, um einen Flugzeugschuppen an« zuzünden und Automobile mir dem Maschinengewehr zu beschießen. In Lotbringen wurden zwei deutsche Flugzeuge gezwungen, mit Beschädigungen zu landen. Im Elsaß schoß ein französticheS Flugzeug ein Aviatikflugzeug bei Sennheim ab. Am 23. Oktober warfen drei französische Bombenwerfer drei großkaltbrige Ge- schösse auf den Bahnhof von Spincourt und an 20 auf Lager von Azannes. Vom 24. Oktober abends. sW. T. B) An der Front von Verdun wurde nach gründlicher Artillerievorbereltung der aus dem rechten Maasufer geplante Angriff um 11 Uhr 40 Min. ange- letzt. Die feindliche Linie, die auf einer yront von. Kilometer an« gegriffen wurde, ist überall durchbrochen, in der Mitte tn einer Tiefe von 3 Kilometer. Dorf und Fort Douaumont sind in unserem Besitz. Auf dem linken Flügel haben sich uniere Truppen, über das Werk und da« Geböft Thiaumont vorgehend, des Steinbruches von Haudroinont bemächtigt und sich längs des Weges, der von Bro« nach Douaumont führt, festgesetzt. Auf dem rechten Flügel g-ht unsere Linie vom Fort nördlich deS dmlette-Gehöizes längs des Waldrandes, westlich des Dorfes Vaux, am Waldrand östlich des Fum'.n-Gebol�es und dann weiter nördlich des Chenrns-Gehöl�eZ und der Batterie Tanrloup. Gefangene treffen ein. DiZ bisher festgesiellle Zahl beträgt über 3500, darunter etwa 100 Offiffere. Das erbeiuete Kriegsmaterial ist noch nicht festgestellt worden. Unsere Verluste sind gering. Belgischer Heeresbericht: Von der belgischen Front ist nichts zu melden. Die englische Meldung. Vom 24. Oltober nachmittags. 23 e st f r o n t. Nördlich vom Flecken Widsy südlich vom Dris- wialh- See landete ein feindliches Flugzeug in unserem Lager. Feindliche Versuche, die Boldurla, einen Nebenflust des Slyr, nörd- Uch der Stadt Brodh zu überichreiten, wurden durch unser Feuer adgeschlagen. Än der Narajowla in der Gegend von Swisielniki» S.'omorochh flaute der Kampf ab. Von der übrigen Front nichts LLichnges zu melden. Kaukasusfront. An der Front der Armee Feuergefechl und Erkundungen von Aufklärern. Rumänische Front. Nordostkront: In den Flusttälern des Trolus, des Pilus und der Slanitza wurde der von den Rumänen angegriffene Feind gezwungen, sich ein wenig zurückzu- ziehen. An der Grenze westlich der Moldau dauern die erbitterien, für die Rumänen glücklichen Kämpfe an. D o b r u d s ch a. Unter dem fortgesetzten Druck des Feindes weichen die ruisisch-rumänischen Truppen zurück, wobei sie erbitterten Widerstand leisten. Vom 24. Oktober. i2S. T. B.) Westfront. Nichts Wichtiges zu melden. Kaukasusfront. Nördlich des OrteS Zizp, südöstlich des Wansees, wiesen unsere Abteilungen eine Horde Kurden ab und nahmen verschiedenerlei Lebensmittel und über 400 Stück Vieh. Rumänische Front. An der Nordwestfront bleibt der Feind im Tale des TrotusflusseS untätig. Auf der Front vom Buzeu- siusfe bis Brana-Kimpolung Artilleriekampf. Wir wiesen durch Feuer einen feindlichen Angriff in der Gegend von Orsova ab. Dobrudschafront. Unter dem Drucke des Gegners wichen die rumänischen und unsere Truppen gegen die Höhen nördlich Eon. stanza und Medgidia zurück, wobei sie aber den feindlichen Angriff be- hinderten. Der Feind besetzte die beiden genannten Orte. Meldung der italienischen Heeresleitung. Vom 24. Oltober.(W. T. B.) Längs der ganzen Front Sriillerietätigkeit. mehr heftige auf der HoSfläche von Schlegen, ini Suganertale am Oberläufe des Vanoibaches sCisnion) und des FelizoiifluffeS sBoite) in der Gegend von Plava(mittlerer Iiou-sb) und auf dem Karst. Das heilere Wetter begünstigte die Lufttätig- lcir. Ein feindliches Flugzeug wurde von einem unserer Flieger getroffen und stürzte in Flammen bei Biglia, süvöstlich von Gvrz, ab. Feindliche Wasseiflugzeuge warfen Bomben auf die Lagune von Caorla an der Mündung des Tagliamenta: kein Sachschaden. Ein französischer Flieger, der zu einem unserer Fluggeschwader ge- hörte, stieg zur Verfolgung auf und schätz ein feindliches Wasser- flugzeuz ab. C a d o r n a. • Rom, 25. Oktober. lW. T. B.) Amtliche Meldung. Am 23. L ktober machten Geschwader von Wasserflugzeugen und italienische und französische Flieger einen erfolgreichen Angriff auf die West- käste von Jstrien, bei dem sie Bomben auf die militärischen Werke von Salvore Umago und Citta Nuova abwarfen. Alle Flug- zeuge sind unversehrt zu ihren Ausgangspunkten zurückgekehrt. Gleich- zeitig wurde ein Geschwader feindlicher Wasserflugzeuge, das Bomben auf die Häuser von Caorle warf, von sranzösischetl Fliegern ange- griffen und in die'Flucbt geschlagen. Es gelang den französischen Fliegern, alle feindlichen Apparate einzuholen, deren einen man um- schlagen und mit einem verwundeten Beobachter abstürzen sab, während ein zweiter über der Lagune von Baseleghe niederfiel. Der schwerverwundete Beobachter und der Führer letzteren Apparats wur- den zu Gefangenen gemacht. Die französischen Flugzeuge erlitten keinen Schaden. Der rumänische Bericht. Vom 24. Oktober.(W. T. B.) Nord- und Nordwest front: Bei FulgeS, Bicaz und im Trotustale ist die Lage unverändert. Im Uzultale wurde der Feind westlich von Calirin Uzul zurückgeworfen. Der Kampf dauert mit Heftigkeit fort. Bei Oituz griffen wir die ganze Front an und nahmen 10 Offiziere, 300 Soldaten gefangen und erbeuteten 10 Maschinengewehre. Bei Vrancea leichte Gefechlstätigkeit. in deren Verlauf wir ein Maschinengewehr erbeuteten. Im Buzeutale Ar- iilleriekampf. Bei Tablabuzi Ruhe. Bei Bratocea und PredeluS an- hulrendcs Artilleriefeuer. Bei Predeal unternahm der Feind drei An- griffe. Der Kampf dauert an. An der Grenze nördlich der Gegend von Dragoslawle heftiger feindlicher Angriff, unsere Truppen halten mre Stellungen. Im Alttale griffen wir den Feind an und warfen 'hn auf das linke Altufer zurück. Im Jiultale heftige Angriffe der Feinde, die leichte Fortschritte machten. Bei Orsova wiesen wir einen feindlichen Angriff zurück. Süd front: An der Donau beiderseitig« Feuertätigkeit. Dobrudscha: Die Angriffe des Feindes dauerten an. Unser fluker Flügel wurde gezwungen, sich gegen Earamurat zurückzuziehen. Eon stauza wurde vom Feinde besetzt. D!e Klieaertätigkeit an öer Somme. Berlin, 25. Oktober.(W. T. 23.) Die Fliegertätigkeit an der(somme war am 22. Oktober bei klarem Wetter äusterst rege. Die deutschen Flugzeuge führten an diesem Frontabschnitt allein über 500 Flüge aus. In 209 Luftkämpfen wurde der Geg- ncr an diesem Tage angegriffen und allein im Sommeabschniit der Abschutz von 16 Flugzeugen einwandfrei festgestellt. Eine weitere Anzahl feindlicher Flugzeuge mutzte hinter ihrer Front notlanden. Von den an der Westfront vom 22. Lktober im ganzen abge- schossenen 22 Flugzeugen sind 11 in deutschem Besitz. Deutsche Flieger griffen Truppenlager und Kolonnen mit Bomben und Maschinengewehren an und beschossen aus niedriger Höhe mit Maschinengewehren feindliche Schützengräben. In der Nacht vom 20. zum 2l. Oktober warfen deutsche Flugzeuggeschwader mehrere tausend Kilogramm Bomben auf den Banhhof Longueau bei Amiens, die Munitionslager Cerish, Marcelcave und auf das Lager ■Brah an der Somme. Der'Bahnhof von Longueau geriet in Brand, und es�erfolgre eine Reihe von Explosionen, die anscheinend von Munirionszügen herrührten. Ein gewaltiger Feuerschein war noch lang? nach dem Angriff sichtbar. In der Nacht vom 21. zum 22. Oktober haben deutsche Geschwader mehrere tausend Kilogramm Bomben mit starker Wirkung auf den Bahnhof Montdidier, auf Truppenlager und Riunitionsmagazine bei Wieneourt, Chuignolles, Harbonnieres und Proyart, sowie auf die zur Front marschic- renden Kolonnen abgeworfen. Die Lufträmpfe an öer ffonöristhen Küfte. London, 24. Oktober.(83. T. B.) MMermeldung.Z Amtlich. Gestern nachmittag griff»in Marineflugzeug v'er feindliche Wasser- flugzeuge bei Ostende an, zerstörte eins vollständig und vertrieb die anderen. Wie Wolffs Telegraphen-Bureau von zuständiger Stelle erfährt, ist bei dem Luftkamps vor Ostende am 23. nachmittags, über den die gestrige amtliche Bekanntmachung des AdmiralsftabeS nähere Einzel- heilen mitteilte, kein deutsches Wasserflugzeug zerstört, wohl aber ein englisches Flugboot abgeschossen worden. vom U-Soot-Krieg. Kopenhagen, 24. Lktober.(W. T. B.) Meldung des Ritzauschen Bureaus. Nach einem Telegramm an die hiesige Dampfschiffsgesell- schast„Heimdal" ist der Dampfer»Helga"(1182 Tonnen) von einem deutschen U-Boot versenkt worden. Die Besatzung ist in Brest gelandet worden. Die..Helga" war mit Korkabfall von Lissabon nach Dundee in Schottland unterwegs. Bern, 24. Oktober.(W. T. B.)»Temps" zufolge ist der eng- lische Dampfer»M ombassa" versenkt worden. Die Besatzung, 101 Mann und 21 Fahrgäste, wurden gerettet. 'Amsterdam, 24. Oktober.(W. T. B.) Wie»Lloyds" melden, sind die britischen Dampfer„C l u d e n" und»W. H a r k c s e" gesunken. Kristiania, 23. Oktober.(W. T. B.) Der Dampfer ,,U l l" ist am Sonnabend nahe der englischen Küste versenkt worden. Der Dampfer .A l i x", auf der Reise zwischen England und Frankreich, ist versenkt worden. Die Besatzung wurde gerettet. Eine von Bardo an„Asten- Posten" telegraphierte Meldung, datz ein russisches Wachlschiff vcr- senkt worden sein sollte, hat sich bestätigt. Es soll das armierte Schiff„Kolgujcff" sein. Amsterdam, 24. Oktober.(W. T. B.) Nach einer Lloydsmeldung ist der schwedische Schoner»L e k n a" am 20. Oktober in der Nordsee von einem deutschen Unterseeboot in Brand gesteckt worden. Der Kapitän und 7 Mann sind gelandet. Am 22. Oktober ist eine norwegische Barke vom Feinde angezündet worden. Die Mannschaften beider Schiffe sind gelandet. Christiansand, 21. Oktober.(W. T. B.) Mit dem Dampfer „Lindesnäs" sind die Besatzungen der schwedischen Barke »A n t o i n e t t e" und der norwegischen Brigg.Theodor" hier eingetroffen. Beide Schiffe sind am Sonnabend in der Nordsee von einem deutschen U-Boote in Brand gesteckt worden. Sie hatten Göteborg am Dienstag mit der Bestimmung nach England verlassen. Sarpsbvrg, 24. Oktober.(W. T. B.) Der norwegische Dampfer »St. Olav", der heute von England hier angekommen ist, berichtet, datz er in der Nordsee mehreren brennenden Wracks be- gegnct sei. Man habe beobachtet, wie ein U-Boot auf einen großen mit Holz bcladenen Dampfer zusteuerte. Auch der»St. Olav" habe den Befehl erhalten, zu stoppen, habe sich aber retten können. Kristiania, 25. Oktober.(W. T. B.) Der norwegische Konsul in Algier hat telegraphiert, datz der Dampfer.Radn" am 22. Oktober bei Tunis versenkt worden sei. Di« Besatzung ist gerettet worden und befindet sich auf dem Heiuuvcge. Der Dampfer„Ravn" war in Kristiania beheimatet. Kristiania, 25. Oktober.(W. T. B.) Die norwegische Gesandt- schaft in Paris berichtet, daß der Dampfer.Venus" aus Bergen vor Brest versenkt worden ist. Von der Bemannung sind vierzehn Mann gerettet worden. Kristiania. 25. Oktober.(23. T. B.) Der Kapitän des D a m p- fers»Ed am" hat seiner Reederei telegraphiert, datz der Dampfer nicht nach Emden aufgebracht, sondern in der Nordsee versenkt worden ist. Die Mannschaft ist dagegen wahrscheinlich von dem Unterseeboot nach Emden gebracht worden. London, 25. Lktober.(23. T. 23.) Lloyds meldet: Der eng- lische Dampfer.Tramfield" wurde versenkt. Acht Mann der Besatzung werden vermißt. Norwegische Schiffahrtsveelegenheiten. Kristiania, 24. Oktober./z Millionen Kronen, weshalb sie ihre Prämien wesenl- lich erhöhen mutz, was auch private Kasko-VersicherungSgesellichaften bereits getan haben und auch die norwegische Warenkriegsversicherung beabsichrigt, vor allem für das Mittelmeer und die Nordsee. Gleichzeitig mit der Maffenversenkung norwegischer Schiffe trifft hier die Bestätigung der bereits bekanntgewordenen Nachncht ein, datz England beschloffen habe, die aus englischen Werften für ausländisch« Rechnung be st eilten Schiffe zurückzuhalten und entweder an englische Reeder zu verlausen oder von der Regierung selbst befrachten zu lassen. Hierzu lammt die noch schlimmere Hiobsbotschaft, datz Amerika ein Ausfuhrverbot für Schiffe beabsichtige, was zwar aus eine Anfrage von»Morgenbladet' das Auswärtige Amt nicht bestätigen konnte, aber in Reederkreiscn für durch- aus möglich gehalten wird. Da norwegische Reedereien für angeblich bis zu 500 Millionen Kionen neue Schiffe im Auslande bestellt haben, davon den größten Teil gerade in Amerika und Eng- land, verfehlen dieie Nachrichten in Verbindung mit den zahlreichen gegenwärtigen Versenkungen nicht, in hiesigen Schiffahrlskreisen grotze« Aussehen zu erregen. Bestätigen sich diese vorläufig durch die Presse gemeldeten Nachrichten, so ergibr sich für Norwegen die Notwendigleit, in seinem Bezug von Schiffsbau- Material allein auf Deutschland angewiesen zu s ein, daS heitzt auf das Land, dem es auf englischen Drnck hm gerade jetzt den Bezug norwegischer Fischerzeugnisse bis auf gänzlich ungenügende Mengen zu versagen versucht. Kristiania, 24. Oktober.(23. T. B.) Auch die hiesigen Abend- blätter beschäftigen sich wieder mit dem deutsch-nor wegischen Verhältnis. »Sozialdemokraten' schreibt in einem sehr bemerkens- werten Artikel, noch den Massenverieukungen norwegischer Schiffe unmittelbar vor der norwegischen Seegebietsgrenze zu schließen, habe offenbar das M-Bootverbor die Lage für die norwegische Schiff- fahrt nicht gebessert. Zwar sei die norwegische Ol-Bootverfügung völkerrechtlich zweifellos berechtigt, sie hätte aber in der Form glück- licher sein können. Der dreiste Schlag ans Schwert wäre besser nnter- bliebe», denn das habe herausfordernd wirken müsse», ohne die Achtung sür das kleine Nortvegen zu vermehren. � Die Regierung sollte bei ähnlichen Fällen sich damit begnügen, im Rainen des Rechts und der Moral einen klaren und deutlichen Einspruch zu erheben. Für Norwegen wirke es nur lächerlich, Macht gegen Macht zu setzen. So ernst die Lage infolge der deutschen Protestnote sei. könne man doch annehinen, daß die nächsten Tage schon eine Ent« spannung bringen würden. Heber die an Deutschland zu erteilende Antwort, die heule in der Ministerkonferenz beraten wird, liegt vor- läufig noch kein Anhaltspuiikt vor. Deutscher Vorschlag an Spanien. Wie offiziös verlautet, hat die deutsche Regierung, um der spani- schen entgegenzukommen, in Madrid folgenden Vorschlag unterbreiten lassen: Die spanischen Fruchtschiffe, die nach England und Frankreich bestimmt sind, sollen von unseren Unterseebooten nicht angegriffen werden, falls eine gleiche Anzahl von spanischen Fruchtschiffen auch nach Deutschland durchgelassen wird. Man glaubt, auf eine zusagende Antwort seitens der spanischen Regierung rechnen zu können.(z) Austausch öer öeutschen unö englischen Zwilgefangenen. Die»Norddeutsche Allgemeine Zeitung' schreibt über den Austausch deutscher und englischer Zivit» gesaitgenen: Wie in der.NorddeutsSten?lllgeme!nen Zeitung' vom 17. Sep« tember d. I. mitgeteilt worden ist, hatte die deutsche Regierung der britischen Regierung die Freilassung und Heimbesörderung aller beiderseiiZ internierten Zivilpersonen vorgeschlagen, und zwar mit der Maßgabe, daß diese Personen nach ihrer Rückkehr nicht in di« Sireilmachl eingestellt werden dürfen. Die britische Regierung hat diesen Vorschlag nicht angenommen, obwobl durch den Verzicht auf die Einstellung der beteiligten Personen in das Heer der einzige Grund sür deren Fesihaltung in Wegfall ge- kommen wäre. Die britische Regierung hat auch dem ihr in zweiter Linie vorgeschlagenen ausnahmslose n Austausch der beider« seitigen, über 45 Jahre alten Zivilgesangenen nur mit dem Votbehalr zugestimmt, datz eS beiden Seilen freistehen solle. bis zu 20 Personen des erwähnten Alters auS militärtschen Gründen sestzuhatlen. So wenig diese Einschränluiig erwünscht erscheint, hat sich doch dt« deutsche Regierung, u:n das Abkommen nicht zum Scheitern zu bringen, entschlossen, auf diese von der britischen Re- gierung gestellte Bedingung einzugehen. Somit werden, abgesehen von den hiernach auS mititärischcn Gründen beiderseits zurückzu- behaltenden Perionen, die im britischen Reiche mit Einschluß der britischen Kolonien und Besitzungen festgehaltenen deutschen und die in Deutschland scstgehalteneii englischen über 45 Jahre alten Zivilgesangenen sowie die zurzeit noch nicht 45 Jahre alten beiderseitigen Zivilgesangenen, sobald sie die Altersgrenze er« langen, entlassen werden. Die Einzelheiten darüber, wann und in welcher Weise die Heimschaffung der unter das Abkommen fallenden Personen erfolgen soll, st e h e n noch nicht s e st. Eine italiernfche SoZwÜftenkonfereüZ. Dom„Lokal-Anzeiger' wird unter dem 2�. Oktober auZ Lugano tclegraphisch gemeldet: Im einem Saale des Abgeordnetenhauses werden morgen in Rom die sozialistischen Abgeordneten, die Vertreter der sozialistischen Parteileitung sowie die sozialistischen Gemeinde- vertoaltungcn und der Genossenschaften zu einer mchrtägtgou Konserenz zusammeirtreten, um, wie die„Tribuna" erfährt. einen Beschluß zu fassen, durch den die Regierung zur s o- sortige it Einberufung der Kammer aufgefordert werden soll, um dem Laude ihre Krtegsziele mitzuteilen. „Tribuna" fügt hinzu, es sei bekannt, das; B r i a n d auf Einladung der französischen Sozialisten zugesagt habe, binnen kurzem in der französischen Kammer eine neue Erklärung über die Kriegszicle abzugeben, und datz eine fast gleich- lautende Erklärung von ÄSguith im Unterhause abgegeben werden wird. Sollte mithin der Beschlutz der italienischen Sozialisten Erfolg haben, so werde der Zusammentritt der Kammer eine besondere Bedeutung erlangen. Die Sozialisten beabsichtigen, die Regierung zu klaren und bestimmten Er- klärungen über die Kriegsziele zu veranlassen, um e r n st e Grundlagen für einen baldigen Friedens- s ch l u tz zu gewinnen. �möeitsbewegtrng m öen englisch ?nöuftrieZentrsn. Laut„TimeZ" vom 13. Ottober erklärte in der Unter- Haussitzung vom 12. Oktober das liberale Mitglied Dalzicl: Es wäre ein Fehler, trollte das Haus die Augen vor der Tatsache verschließen, daß in den großen Industrie- zentren Woche sür Woche mächtige Massen- Versammlungen abgehalten tvorden sind, in denen die Friedensgedanken mit stürmischem Beifall aufgenommen wurden. Diese Stimmung ist besonders durch den Umstand verstärkt worden, datz die einen im Kriege alles opfern, und die anderen durch ihn reich werden. Für diesen Stand der Dinge ist die Regierung gutenteils verantwortlich. Die Regierung hätte erstens die wilde Profitmacherei verhindern müssen, und zweitens hätten die Minister durch häufige Reden ihre Wähler über den Gang des Krieges aufklären und so der Verbreitung der Friedens- ideen entgegenwirken sollen. Protopoporvs swöienz beim Zaren. Die Rückkehr des Ministers ProlopopowS onS dem Hauptquartier im Anschluß an die Berichte über die Konferenz mit dem Zaren erregt laut einem Slockholmer Telegramm dcS »Berliner J£ogeblatlS" das grötzle Aufsehen in Petersburg. Dem »RußkogeSlowo'zufolge soll ihn der Zar sehr herzlich einpfongen haben. In der langen Audienz berichtete Protopopoio über seine bevor- siebenden Erllärungen in der Duma, serner über die Lebensmittel« trists. Der Zar gab ihm weitgehendste Vollmacht zur Regelung der LebenSnntielsrage in Petersburg und Moskau. Die Lebeiisiniltelsrage soll serner der Zuständigkeit der bisher damit beauftragten Zivilbehörden entzogen werden und einer be- sonderen Behörde übertragen werden. Protopopow würde im Grunde diesem Amt die Direktiven geben. Der Zar beaustragte ihn ferner mit der Ausarbeitung einer Darlegung darüber, mit welchen Mitteln»ran die Lebensmittelversorgung reorganisieren könnte. Protopopow beabsichtigt, zur Ordnung dieser Frage Verhandlungen mit Duma- und NetosralSmitgliedenr einzuteilen. Da er selbst Dumamitglied ist, so versicherte Prolopopoto dem Zaren, werde eS ihm gelingen, die Duma der Regierung zu nähern. Als Zeichen eines Entgegenkommens bringt Protopopow das An- gebot mit. datz das Schicksal der fünf nach Sibirien verschickten(sozialdemokratischen) D u m a in i l g l i e d er er« leichtert werden soll. Ferner uMerhrelt sich Protopopow mit dem Zaren über finanzielle und polllische Frage»» Nach Protopopow wäre die Ordnung der Flnanzsrage nur mit Hilie der Banken möglich, denen gegenüber die Regierung«ine ganz objektive Stellung euinehmeu solle. DaS Hauptthema der politischeil Erörterung war di« Polen frag«, wobei Protopopow sich Stürmers Anschauung anschlotz, datz die Veröffentlichung des Polenmantsestes unzeit- gemäß sei. Schließlich genehmigte der Zar Protopopows Vor- hchlag über die Verlängerung der GültigkeirSdauer er D u m a m a n d a t e. Dieser Tage soll Protopopow mit dem Mmisterprüsrdenteir und dem JustizmiiHter eine Besprechung haben wegen Linderung des Schicklals einer gewissen Kategorie polrtisch Verurteilter, vor allem der im Auslande weilenden. ch Petersburg, 25. Oktober.(W. T. B.) Der Minister des Innern P r o t o p o p o f f hat zur Eröffnung der Duma einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der aus folgender Grundlage die Selbstverwal- tung der Gemeinden reformieren soll: 1. Ausdehnung der Rechte und der Zuständigkeft der Gemeiudo- Einrichtungen. 2. Ausdehnung des Wahlrechts. L. Teilnahme der Frauen au den Wahlen. ¥ Gewerkschaftliches. Serlin und Umgegend. Lohnbewegung im städtischen Osthafe«. Die im Berliner Osthafen beschäftigten S p e i ch e r a r b e iter, Kranführer, Wärter, Eisenbahnarbeit ei: und Frauen, meist im Deutschen Transportarbeiterverband organi- sicrt. hielten eine gut besuchte Versammlung ab. um den Bericht über die Verhandlungen mit der Hafendeputation betreffs Lohn- erböbungen entgegen zu nehmen. Wie der Seklionsleiter Varwig ausführte, soll eine zufriedenstellende'Lohnzulage gewährt werden, wie solche in den anderen städtischen Betrieben bereits zur Durch- führung gelangt sei. Solche Löhne, wie in den Privat- speichern gezahlt würden, könnten jedoch im Osthafen nicht eingeführt weiden. Der Direktor habe erklärt, daß eine Erhöbung der Löhne notwendig sei und das Versprechen gegeben, eine solche in der Deputation zu befürworten, soweit er dazu in der Lage sei. In der Diskussion beschwerten sich die Redner bitter darüber, dah man schon vor Jahren an hoher Stelle ausgesprochen habe, das; Gemeinde- und Staatsbetriebe Musterbetriebe sein sollten. Hier am Osthafen treffe daS Gegenteil zu. Während die SpeiÄerarbeiter in den Privatbetrieben einen Stundenlohn von 9v bis 35 Pf. bezögen, betrage dieser im Osthasen— zuzüglich Teuerungszulage von 18 bis 23 M. monatlich— kaum 75 Pf. die Stunde. Die Frauen führten Klage, daß sie bei zehn- stündiger Arbeitszeit nur einen Lohn von 3,50 M. erhielten, damit könnten sie bei den hohen Lebensmittelpreisen nickt auskommen. Die Kranführer seien meist gelernte Arbeiter. Sie müßten mit einem Lohn von 4,53 bis 5 M. den Tag ihre Familie kümmerlich zu ernähren suchen. Seit'/« Jahren hofften alle Arbeiter vergebens auf angenressene Lobnzulage, statt deffen sei eine Verschlechterung eingetreten. Die Lebensmittel würden ihnen selbst nicht mehr wie früher zum Einkaufspreis geliefert. Das mindeste sei, ihnen wenigstens die Kartoffeln zum Einkaufspreis zu überlassen. Unzweideutig kam zum allgemeinen Ausdruck, daß die Nackt- arbeit zu verweigern sei, und wenn nicht anders, man sich lohnendere Arbeil suchen müffe, wenn nicht in kurzer Zeit eine namhafte Lohnerhöhung erfolge. Die Kommission wurde beauftragt, wiederholt bei der Hafen- deputalion vorstellig zu werden. veutsches Neick. Tie Bcrgarbeiterlöhne. Die amtliche preußische Lohnstatistik, die auf eine Eingabe der gewerkschaitlichen Bergorbeiterorganiiationen jetzt vom 1. April 1315 bis zum 33. Juni 1313 im«Reicks-Anzeiger� veröffentlicht ist, gibt im Vergleich zu den gleichen Zeiträumen der Jahre 1913 und 1314 folgendes Bild: Gesamt« zahl der Arbeiter Gesamt« lohnsumme Schichten- Viertel« Ä'm zabl pro Arbeiter 2. Quartal 1313 2., 1914 2., 1915 2.. 1316 M. 288 279 530 269 826 362 203 941 028 255 294 736 Arbeiter M. 352 383 450 83 73—77 73-89 71-84 , 723 766 . 767 177 . 533 397 . 667 794 In der Gesamtzahl der Arbeiter bei der Berechnung der Lohn- summen sind die Gefangenen außer Ansatz geblieben. Äutzerordent« lich stark ist die Beschäftigung der Jugendlichen und der Arbeiterinnen gestiegen. Die Zahl der jugendlichen Albener betrug im 2. Viertel« jähr 1914 31 290, im 2. Vierteljahr 1916 dagegen 44 524. Arbeiterinnen waren beschäftigt im 2. Vierteljahr 1314 7205; im 2. Vierteljahr 1916 31 010. Der Durchschnittslohn betrug im 2. Quartal 1916 gegen die gleiche Zeit 1913 pro Vierteljahr und Arbeiter 52 M. oder 13,1 Proz. mehr, gegen 1914 98 M. oder 21,7 Proz. mehr. Berechnet man nach obiger Aufstellung den durchschnittlichen Schichtlohn, so ergibt sich folgende Skala: 2. Quartal 1913— 4,78 M. 2., 1914— 4,49. 2., 1915— 4,74. 2.. 1916— 5.52, Da? ist eine Lohnsteigerung im 2. Quartal 1916 gegen 1913 um 15,5 Proz., gegen 1314 um 18,6 Proz. und gegen 1915 eine solche um 14,1 Proz. Die Steigerungen sind in den einzelnen Bergrevieren und Arbeiterkategorien äußerst schwankend. Das zeigt folgende Ausstellung der Durchschnittslöhne: Rubrgebiet.... Oberschlesien.... Niederschlesien... Saargebiel.... Aachener Revier.. Niederrheinisch. Stein- kohlcnbergbau.. Holler Braunkohlen- bergbau..... Linksrh. Braunkohlenbergbau..... Haller Salzbergbau Clausthaler Salzbergb. Mansfelder Erzbergb. Oberharzer Erzbergb. Siegener Erzbergbau. Nasiau-Wetzl.Erzdergb. Rechlsrh. Erzbergbau. Linksrh. Erzbergbau. Gesamt- belegschaft 2. Viertel- jähr Stet ge- rung in 19l4ft9l6jProz 6,22 3,65 3,49 4,42 4,80 5,49 3,74 4,25 4.20 4,39 3,66 3,55 4,40 3 52 3,97 3,84 6,28 4.44 4,04 4,96 5,40 6,52 4,28 5,06 4,67 4.67 4,80 5.16 5,29 4,32 4,91 4,01 20 3 21.6 15. 12,2 12,5 13 8 14,4 19,1 11,2 6,4 31,1 45,4 20.2 22.7 23,7 20,1 Hauer und Lehrhauer 2. Viertel- jähr U04|1916jPro8 Stet gc rung in 6,19 4 87 3,93 5,08 5,43 6,14 4,17 4,65 4,72 4,98 3,33 4,13 5,03 3,70 4,50 3,63 8,05 0,62 4,75 6,06 6,73 7,92 5,17 5,90 5,63 5,76 5 76 6,72 6,48 4,66 5,85 4,46 30,0 35 9 20,9 19,3 23,9 29,0 24,0 26,9 19,3 15, 50,0 62, 27,8 25,9 30,0 20,9 Sonstige Bergarbeiter Steige- rung in ! Vroz Viertel jähr 191411916 4.52 3 55 3,49 4,13 4,33 4.39 3,59 4,39 4,13 4,19 3,79 4,00 4,14 3,48 3,94 3,17 5,37 1 18,8 4,60) 29,6 4,25j 21 8 4,76, 15,3 5,06 16,9 6,10 4,51 5,23 4,74 4,83 5,41 6,19 5,02 4,25 4,59 3,94 25,2 25,6 19,1 14 8 15,3 42,7 54.8 21,3 22,1 16,5 24,3 Daraus ist ersichtlich, daß die Lohnerhöhungen zwischen 6,4 und 62,7 Prozent sich bewegen. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die höchsten Lohnerhöhungen dort zu verzeichnen sind, wo die Löhne bisher am niedrigsten waren, wie besonders im Harzer und Möns- felder Erzbergbau. Dieser heimst jetzt äußerst hohe Gewinne ein. Es ist aber zu bedenken, daß es nur ein kleiner Bruchteil der Berg- arbeiter ist, die von einer zureichenden Lohnsteigerung betroffen sind, bei der großen Mehrzahl ist sie gegenüber der verteuerten Lebens- Haltung unzureichend. KuslanS. Ei« Arbeiterschutzgesetz für das Bäckergewerbe in der Schweiz. Unter Mitwirkung von Arbeiter« und Konsumvereinsvertretern ist im Kanton Zürich ein Gesetz zum Schutze der Gehilfen und Lehrlinge im Bäckerei« und Konditoreigewerbe ausgearbeitet und kürzlich von der Regierung dem Kanionsrat vorgelegt worden. Das 13 Paragraphen umfassende Gesetz erstreckt sich auch auf Bäckereien und Konditoreien, die in Verbindung mit Hotels oder Wirtschaften betrieben werden und es bestimmt iodann im wesentlichen weiter: Für Gehilfen und Lehrlinge, die Kost und Wohnung nicht beim Unternehmer haben, beträgt die normale tägliche Arbeitszeit, das Austragen von Waren inbegriffen, 10>/» wenn im Geschäft Kost und Logis 12 Stunden einschließlich der Essenszeit. Den Gehilfen und Lehrlingen ist mindestens je der dritte Sonntag freizugeben, in ' den Wochen ohne solchen je ein halber Werktag. An Stelle der einzelnen Feiertage kann vierteljährlich ein enl- sprechender zusammenhängender Urlaub erteilt werden. Bei Auflösung des Arbeitsverhältnisses bat der Arbeitgeber dem Arbeiter den Lohn für die freien Tage, auf die er noch Anspruch hätte, auszubezahlen. Die Gemeinderäte sind be< sugt, bei außerordentlichen Anlässen Ausnahmen von der gesetzlichen Arbeitszeit zu bewilligen und ist für die. Ueberstunden ein Lohn« zuscklag von 30 Proz. zu bezahlen. In der Zeil vom 1. April bis 30. September darf die Arbeit in den Bäckereien nicht vor 3 Uhr inorgens, in der Zeit vom 1. Oktober bis 31. März nicht vor 4 Uhr morgens beginnen. Die Vorbereltungsarbeiten für den folgenden Tag müssen spätestens um 9 Uhr abends vollendet sein. Das dürfte eine sechs- bis siebenstündige Nachtruhe bedeuten. An den Tagen unmiilelbar vor hohen Festtagen darf die Arbeitszeit auf 16 Stunden, an den Werklagen der zweiten Hälfte des Monats Dezember und der dem Ostersonntag vorangehenden Woche auf ll>/z Stunden ausgedehnt werden. Am Karfreitag, Ostersonntag, Pfingst- sonnlag, Bettag und ersten Weihnachtslag ist die gewerbliche Arbeil in den Bäckereien ganz untersagt, an den übrigen öffentlichen Ruhetagen einschließlich Ostermontag, Pfingstmontag und zweiten Weih« nachlstag ist sie während höchstens sieben Stunden, wovon eine Stunde abends, gestattet; sie muß aber in der Sommerzeil vom 1. April bis 30. September um 9 Uhr, in der Winierzeit vom 1. Oktober bis 31, März um 10 Uhr vormittags beendigt sein. Die Vorbereitungs« arbeiten für den folgenden Tag dürfen höchstens eine Stunde be« tragen, dürfen nicht vor 7 Uhr abends beginnen und müssen um 9 Uhr abends beendigt sein. Diese Bestimmungen gelten auch für den Geschäftsinhaber selbst und seine Familienangehörigen. Für die Konditoreien wird speziell bestimmt, daß die Herstellung und das Austragen von Konditoreiwaren an allen öffentlichen Ruhelagen von 6 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags gestaltet ist. Von da an darf nur noch ein Gehilfe zu beschränkter Arbeitsleistung, die als lieber« zeitarbeil zu entschädigen ist, verwendet werden. Die Uebertretung des Gesetzes wird mit Polizeibuße von 5 bis 200 Fr. bedrobt. Das Gesetz ist in allen in Betracht kommenden Betrieben in Plakalform an leicht sichtbarer Stelle anzubringen. Dieser schweizerische Gesetzentwurf zum Schutze der Bäckerei« arbeiter geht in verschiedenen Beziehungen, so mit der 100z stündigen täglichen Arbeitszeit und der Bezahlung von Ueberstunden niit 30 Proz. Zuschlag zum normalen Arbeitslohn, weiter als der gleiche Gesetzentwurf des deutschen Reichsamls des Innern voin September 1915, aber dafür bleibt er hinter diesem bezüglich der Nachtruhe zurück, die er auf nur 6—7 Stunden beschränkt gegen 8—9 Stunden im deutschen Entwurf. Nach der Verordnung des deutschen Bundes- ratcs vom 29. Mai 1916 beträgt die Nachtruhe 12 Stunden von abends 7 Uhr bis morgens 7 Ubr, wobei es ebenfalls ganz gut geht. Die organisierten Bäckecgebiifen in der Schweiz nehmen gegen« über dem Gesetzentwurf der Züricher Regierung einen ablehnenden Standpunkt ein und ihr Organ, die.Solidarität", weist ibn entschieden zurück, namentlich wegen der zugelassenen Ausdehnung der täglichen Arbeitszeit bis zu 16 Stunden, Wird der Entwurf im Kantonsral nickt wesentlich verbessert, so wird die Arbeiterschaft das Gesetz in der Volksabstimmung verwerfen müffen. Eingegangene Druckschristen. Norm Feind. KriegSerlcbnisse deutscher Oberlehrer. Herausgegeben von Pioi. Dr. P, Hildebrandl. Geb. 3 M.— Tie Jugendknnde als Kulturfordcruiig. Bon Pros, Dr, W, Stern. Geh, 1,40 M.— Wissenschaft und Bildung.— Band 109: Geschichte der Philosophie vom 19. Jahrhundert bis zur Kegentvart. Von Prof. Dr. Sl. Messer.— Band 137: Einführung in die Pädagogik aus pslfchowgischcr Grundlage. Von Pros. Dr. W, Peters,— Band 138: Tic Philosophie der Gegen- wart. Von Pros. Dr. A. Messer.— Einzelband m Leinen 1,25 M.— Quelle u. Meyer, Leipzig. Der rechte Liebhaber des Schicksals. Roman von A. Steffen. 4 M.. geb. 5 M.— s. Fischer, Bcrun, Bülowstr. 90. A Extra-Preise Ringtöpfe große.... 2 70 bis 4.50 Kochkistentöpfe flach 135 bis 2.00 Kochkistentöpfe hoch 1.50 bis 230 Maschinentöpfe.... 35 bis 75 Pf. Kasserollen ohne Ring 80 Pf. bis 1.30 Topfdeckel........ 28 bis 85 Pf. Emaillierte Geschirre Kartoffelkocher.......... 2.75 Herdkessel............. 2.90 Gaskessel........ l.?5 bis 2.75 Pfannen runde..... 90 Pf. bis 1.25 Bratpfannen lange.... 2.50 3.30 Bratpfannen mit Deckel 4.25 4.50 Extra � schweres Geschirr außen braun, innen grau sehr preiswert Kaffeekannen....... 1.25 1.50 Kaffeefillrierniaschinen90pf b. 2.00 Teekannen........ 95 Pf. 1.10 Teller........... 28 bis 40 Pf. Vorratsdoscn...... 35 bis 85 Pf. Dnrchschiäge...... 65 bis 80 Pf. 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ILO bis 3.25 Kaffeemühlen Blechlack 1.60 bis 2.10 Kaffeemühlen Hok.. 2.60 bis 2.90 Waschkessel emailliert u. verzinkt Preise bedeutend ermäßigt Eiserne Oefen 9.00 9.60 11.50 GasOfen.....' 6.00 18.00 Gasradiatoren 15.60 19.(/0 Ofenschirme.... lack,, l-leilig.. 8.00 bis 8.78 Ofenschirme,,.. lack- 3-teilig. ll.Bö bis 17.00 Kohlenkästen �mit Deckel. 3.26 bis 6.00 Kasserollen nach.. 90 Pf bis 4.75 Kasserollen ohne Ring 1.60 bis 3.50 Maschinenlöpfe.... 1.20 bis 2.40 Mitchkocher...... 3.50 vis 5.50 Bratpfannen lange... 5.40 bis 9.00 Gaskochtöpfem.Deck.>koni5ch4.75b.6.00 Artikel Roßhaarbesen u Acsrabrg. 3.15 bis 3.75 RoShaarhandfcger. Ia Ausiührurig...... 1.35 bis 2,00 Haarbesen graue... 1 45 bis 2.25 Handfeger graue... 70 Pf. bis 1.10 Kleiderbürsten.... 65 Pk. bis 2.25 Kopf bürsten...... 90 Pf. bis 2.75 Donnerstag bis Sonnabend Küchenschüsseln flache 35 Pf. b. 5.00 Küchenschüsseln Hefe 1.10 bis 1.80 Gemüseschüssein längl 25 Pf, b. 1.20 Eßnäpfe......... 50 bis 95 pt. Litermaße>/, und i Llr.. 40 60 Pf. Brotkapseln oval. 2. 3 Ko. 4.50 5.50 Dekorierte Artikel Brotkapseln oval, 2, 3 Ko. 5.50 6.50 Zahnbürstendosen.... 35 45 Pf. Seifendosen........... 40 Pf. Wasch garnitmen 6 teilig... 23.00 Waschkrüge........ 2.00 2.50 Stah I waren Tischbestecke schwa«..... 90 Pf. Tischbesteckc Ebenholz____ 1.25 Feldbeslecke in Etuis, 3 teilig. 1.25 Soldatenmesser.... 65 Pf bis 1.60 Rasierapparate in Etuis 2.00 bis 4.00 Rasierklingen..... Dutzend 1.35 C Gardinenspanner....... 15.00 Tepplctikelmnascliinen. 11.50 bis 18.00 Schollen(Scharben).... Pfund 65 Pf. Koch- und Brat-Scbollen Pfd. von I.CO an Salziische.,.. Pfund von 80 Pf. an Schedlische und Kablian zu billigsten Tagespreisen Grüne Heringe........ Pfund 1.30 Haff-Zander.........? Pfund 2.80 Lorsch............. Pfund 1.45 ) Lebensmittel C Obst- und Gemüsedörren 60 pf. 1.60 ) Bücklinge.......... Stück 20 Pf. Sprotten, vollfett....... Piund 2.60 föi (öl Gänse, Hühner, Große MastsEnten 3 Weißkohl...... Pfund 8 Pf. Wirsingkohl.... Pfund 18 Pf. Mohrrüben..... Pfund 14 Pf. Kohlrüben gelbe.. Pfund 8 Pf. Mark. Rübchen.. Pfund 20 Pf. Donnerstag, soweit Vorrat Kohlrabi...... Mandel 32 Pf. Schwarzwurzeln. Pfund 45 Pf. Zwiebeln....... Pfund 22 Pf. Sellerie.. Knoiie 15 25 30 Pf. Bayr. Rettich. stück 10 15 Pf. Grünkohl....... Pfund 18 Pf. Eßäpfel..... Pfund 40 55 Pf. Eßbirnen....... Pfund 45 Pf. Zitronen. Dutzend von 80 Pf. an Blaue Weintrauben Pfd. 1.20 Feinste Ahlbecker Flundern Pfund 2,20 Ger. Lachsheringe, groß. Stück 63 Pf. Geräucherte Aale zu billigen Tagespreisen. Krabbenfleisch........ Pfund?.80 Fisch-Brühwurst....... Pfund 2.80 Großer Rollmops...... Stück 15 Pf. Gabelbissen...... 4 Liter-Dose 15.25 Muscheln in Gelee...... Pfund 1.40 4 Liter-Dose 8.50 Saure u. Pfeffergurken, Stück v. 18 Pf. an. G Milfix- Kunstfleisch Dose 2.20. Koslpr. Leipziger Str. Donnerstag: Beton tm. fReboit: Alfred Wielevv. Neukölln. Jnsttotenteil verontw. Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlan: Vorwärts Buchdr. u. VerlaaSanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SV/. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsbl. flr. 295. 33. IahrMg. 1. Keilagt Ks.Amiick" KM» Wktlilt. Dountrstsg. 26. Oktober 1916. Chronik des Welikdeges. 26. Oktober I»I4. Nördlich Iwangvrod haben neue russische Armeekorps die Weichsel überschritten. ««.Oktober 1913. In Serbien nehmen die deutsch-österreichischen mit den bulga- rischen Truppen Fühlung. Vorgeplänkel zur Neuorientierung. Von einem Parlamentarier wird uns geschrieben: Seit Bestehen des Reiches und dcS Reichstages war eS noch niemals notwendiger als in dieser Krteaszeit. daß die Volksbertrctung auf alle Mastnahmen in der ernsteren wie in der inneren Politik sich einen entscheidendeit Einfluß sicherte. Probleinc von unübersehbarer Tragweite hat der tlrieg auf allen Gebieten dcS wirtschaftlichen, sozialen und politischen Lebens aufgerollt. Ihre Lösung darf nicht allein der Re» gierungsbureaukratie überlassen bleiben, ivenn die VolkSver- tretung nicht zu einem Scheinest werden soll. Dies Gefühl beherrscht zurzeit in starkem Grade alle Parteien des Reichs- tages. Sie alle versuchen daher, erhöhten Einfluß auf die Regierungsgeschäste zu bekommen in dein mehr oder minder bewußten Gefühl, von den wichtigen Entscheidungen dieser „großen Zeit" so gut wie ausgeschlossen zu sein. In den Fragen der äußeren Politik war der Reichstag bekanntlich bis in die lehtei» Friedenslahre hinein von der Regierung über alles im Dunkeln gclasseir worden; die Geheimdiplomatie betracktete die Auslandspolitik als ihre ausschließliche Domäne. Die Besserung, die darin in den letzten Jahren vor dem Kriege eingetreten war, genügte nicht, um dem Reichstag beim Kriegsausbruch auch nur eün'n zureichenden Einblick, geschweige denn einen entscheidenden Eingriff in das Getriebe der auswärtigen Politik zu ermöglichen. In der inneren Politik war der Einfluß des Reichstags zwar von jeher ein größerer, aber auch htec war das Uebergeivicht der Regierung gegenüber dem Parlament ohne Frage. Beim Kriegsausbruch hat der Reichstag dazu auch noch der Regie- rung durch das Ermächtigungsgesetz vom-t. August auf dem so eminent wichtigen wirtschaftlichen Gebiet fast unbc- grenzte Vollmachten gegeben. Die vielen und langen Ver- tagungen des Reichstage» sowie die Proklamierung und Auf- rechterhaltung des Belagerungszustandes haben daS Schwer- gewicht weiter zugunsten der Regierung verschoben, die das politische Leben durch diese Maßiiahmen fast völlig unterbunden und der Volksvertretung so der Nährboden tu starkem Grabe entzogen worden ist. Das Unbehagen und die Unzufriedenheit mit dem Zu- stände der Machtlosigkeit des Parlaments äußert sich in letzter Zeit in etwas lebhafteren Formen. Die Liberalen und daS Zentrum wollen weniqsieu» in den brennendsten Kriegs- fragen eine erhöhte Mttlvirkung des Reichs» tageS auch für die Zeit seiner Vertagung. Die Liberalen wollten dafür einen besonderen Ausschuß'eingesetzt wissen, das Zentrum schlug den jetzt vom HauShaltsauSschuß des Reichs- tages akzeptierten Weg vor. den H a u ö h a II s a u s s ch u h damit zu betrauest. Dieser Antrag sieht in der heutigen Plcnar- sitzung des Reichstage» zur Verhandlung. Mittlerweile haben auch die Fragen der Wirtschafts- Politik in der Uebergangszeit vom Kriege zum Frieden für die Parteien des Reichstags eine ganz ähnliche Situation geschaffen. In der Kommission für Handel und Gewerbe hat der Staatssekretär des Innern. Herr Dr. Helfferich, am vorletzten Sonnabend ein Bild entrollt von den Wirkungen des Krieges auf die Struktur unseres Wirt- schastslebens und von den Aufgaben, vor die unsere Volks- Wirtschaft für ihren Wirderausbau gestellt ist. Gleichzeitig besprach er die Maßnahmen, die von der Regierung ans Grund des Ermächtigungsgesetzes vom 4. August 1914 stir diesen Zweck geplant sind, besonders die Wirksanikeit de» ncuerrlchteten Reichskommissariats für Uebergangsivirtichast mit seinen Ver- zweigungen und Unterausschüssen. Dio hier zu lösende Aufgabe ist so gewaltig, daß die ununterbrochene Mitwirkung aller ivirlschaftltchcn und pvlittschen Strömungen und Organisationen des Volkes, besonders ober der Volks- Vertretung dabei unentbehrlich ist. An» dieser Enlpstndnng heraus wurde iin Ausschuß deS Reichstages für Handel und Getvcrbe voni Präsidenten des Hansabunde?, Herrn Dr. Riester, angeregt, den Ausschuß zur Behandlung dieser Fragen in derselben Weise auch während der Vertagung des Reichstages zusammentreten zu lassen, wie das für die Budgetkommission bezüglich der Klicgsfruzen beantragt ist. Diese Anregung wurde sozialdemvkr'attscherseits zu einem Antrage verdichtet, der vorläufig noch nicht zur Abstimmung gebracht worden ist. ES ist nun außerordentlich bezeichnend, wie sich die Ret chSregie rung zu diesen schüchternen und bescheidenen Versuchen, den Einfluß des Reichstags zu verstärken, verhält. Sie, die das Wort von der„Reuorieutienrng" geprägt, die eine erhöhte Mitivirkung des Volkes an der Staatöverivaltung während des Krieges so oft in so schönen Worten in Anssichr gestellt hat, sie müßte jede erhöhte Anteilnahme der Volks- Vertretung an der Gestaltung der Geschicke deS Volkes freudig begrüßen. In Wirklichkeit verhält sich aber die Regierung allen diesen Bestrebungen gegenüber sehr kühl und abweisend. Sie mochte alles allein machen und sich vom Reichstage nicht dreinreden lassen. Genau wie in Friedenszetten. Zunächst sucht die Regierung die lästigen Drängcr durch Hinweise auf praktische Schwierigkeiten abzu- wehren, die bei einer erweiterten Mitwirkung des Reichstags an den Reptcrungsgcschäften angeblich entstehen müßten. Sie verweist auf die Riesenarbeit, die der Krieg zweifellos den mit beschränkt zugemessenem Personal arbeitenden Reichsämtern und ihren Chess bereitet und malt dann die Störungen und Behinderungen ans, die deren Arbeiten durch die ununterbrochene Kontrolltätigkeit des Reichstags erleiden müßte. Damit macht sie immerhin beträchtltchcn Ein- druck auf manchen bürgerlichen Politiker, deren Angst vor der eigenen Courage größer ist als ihr Selbstbewußtsein als Volksvertreter. In feiner Konsequenz führt dieses Re- gicrungsargument natürlich zurück zum AbsolilttsMUL. der ohne das konstitutionelle Feigenblatt cineS Parlaments nach Belieben regiert. Außer dem Argument des Lästigfallcns führt die Re- gierung verfassungsrechtliche Bedenken gegen die erstrebten Erweiterungen der parlamentarischen Mit- Wirkung ins Feld. Nach der Reichtzverfassung seien sie nicht zulässig, cS sei den», daß durch Gesetz die Verfassung geändert werde,>vas doch ini Kriege nicht ratsam wäre. Dieselbe Regierung aber hat ohne Wimperzucken beim Kriegsausbruch die einschnsidensten Verfassungsänderungen vom Reichstage verlangt und bewilligt bekommen, durch die sie das ganze wirtschaftliche und soziale Leben des Landes nach dem Muster absolutistisch regierter Staaten durch Verordnungen und Erlasse allein dirigiert. Dabei sind die von der Regierung vorgebrachten verfassungS- rechtlichen Bedenken nicht einmal der Form, geschweige denn der Sache nach berechtigt. Eine Vortagung des Reichstags bedeute lediglich ein zeitweiseS Aussetzen seiner Tätigkeit, nicht aber deren Abbruch,>vie bei einer Schließung der Session. Es steht durchaus in seinem Willen und Belieben, besondere Ausschüsse zu ermächtigen, während der Vertagung bestimmte Arbeiten fortzuführen. Aber selbst wenn die verfassungsrechtlichen Bedenken formal zutreffend wären, wären sie bei gutem Willen der Regierung durch Gesetz im Handumdrehen zu beseitigen. An diesem guten Willen der Regierung aber fehlt eS. Sie hält starr an dem Grundsatz fest, daß das Parlament nicht in die Regicrungsgeschäfte dreinzureden hat. Kann sie dem Dräugen aus sachlichen Gründen und ans Rücksicht auf die Volksstimmung absolut nicht mehr widerstehen, so greift sie zur Schaffung von Z w i t t e c g e b i l d e n, die in der Praxis ein teilwcises Entgegenkommen darstellen, prinzipiell aber den verfassungsrechtlich ablehnenden Standpunkt wahren. Ein solches Gebilde ist der E r n ä h r u n g S b c i r a t, in den die Regierung Vertreter der Fraktionen des Reichstags auf deren Borschlag berufen hat, ebenso auch die auf wiederholtes Verlangen dcS Reichstags jetzt endlich zugesagte„Kam- Mission zur Prüfung von Verträgen über Kriegs lieferungen". Die Volksvertreter in diesen Kommissionen befinden sich in der Rolle der von der Re- gierung Berufenen, nicht in der von der Volksvertretung verliehenen Rolle deS Delegierten; sie üben deshalb kein Recht des Parlaments aus und haben bei ihrer Tätigkeit keinen festen verfassungsmäßigen Boden unter den Füßen. Man wird abwarten müssen, welche Stellung die Regte- rung im RctchstagSplcnum einnehmen wird, wenn nächstens der'Antrag auf Wcitertagung der Budgctkomniisston während der Vertagung deS Hauses zur Verhandlung kommt. Verhält üc sich weiter abweisend dazu, so wird sie sich nicht wundern dürfen, wenn all ihre wortreichen Versicherungen von Vertrauen zwischen Volk und Regierung»nd vermehrter Heranziehung deS Volkes zu den StaatSgeschäften als bloße Deklamationen bewertet werden. Wer unter der verjurochenen „Reuortentierung" die lebendige, tätige Mitwirkung de» Volkes an der Regierung versteht, dem zeigen diese Vor- geplänkel, welche gewaltigen Kämpfe es noch kosten wird, ehe im Deutschen Reiche die Volksvertretung zum bestimmenden Faktor der RcgterungS- Politik geworben t st. RsichstagsausfthlO stir öen Neichshaushaitsplan. Zu Beginn dct Sitzung am Mittwoch gab der Siaatssekretär dcS RcichSschatzamtS Graf v. Rödern einen Ucbcrbllck über die Ainanzlage des Reiches und die neue Kreditvorlage. Ein Vertreter des Kriegs Ministeriums legte dar, wie groß der Haferbedarf des Heeres ist. Der Verbrauch werde aufS äußerste eingeschränkt, müsse aber doch unbedingt so hoch gehalten werden, daß die Pferde leistungsfähig bleiben. Präsident des KriegSernährungSamtS v. B a t o c! i schilderte, wie wichtig cö ist, daß die nötige Menge Hafer auch für die Pferde vorhanden ist, die zur Erzeugung und Berteilung der Lebensmittel im Jnlandc gebraucht werden. Abg. Schiele! Ter Hafcrbcdarf des Heeres kann und muß beträchtlich eingeschränkt werden. Dem stimmten alle weiteren Redner zu. Uebcrdics wünschte Mg. v. G a m p, daß die Heeresleitung alle nicht unbedingt not- wendigen Pferde abschaffe.— Abg. G o t h e i» hob hervor, daß auch viele Gutsbesitzer und andere reiche Leute sehr gut genährte Equipagenpfcrde haben. I» der jetzigen Zeit fei dies ein unzu» lässiger Luxus.— Abg. v. Med füg: Auch sollte denen, die im Heere ein Pferd haben, der Bericht über diese Verhandlung zuge- stellt werden. Daraus würden die Leute ersehen, daß eS ihre Pflicht ist, Hafer zu sparen, soweit eS irgend geht. Bis jetzt herrsche dort die Meinung, daß wir sehr viel Hafer halten und damit nicht zu sparen brauchten. Graf v. BZestarp benutzi« diese Gelegenheit, um sich noch einmal gegen die beabsichtigte Herabsetzung des Preises für Hafer zu wenden.— Ihm stimmten die Abga. Dr. Böhme(nutl.), Kreth fk.) und Herold(Z.) zu, während Abg. Schmidt- Berlin(Soz.) Einspruch erhob. Der Vertreldr des K r i eg Sm i n i st e r i n m s Versicherle, daß auch ee durchaus die hier vorgebrachten Forderungen als de- rechtigt anerkenne, und schon bisher in diesem Sinne gewirkt habe. Es bestehe auch eine Verfügung, nach der alle nicht unbedingt not- loeltdigen Pferde abgeschafft werden müssen. Offiziere seien ins seid geschickt worden, um sich davon zu Überzeugen, ob die Per- üguug befolgt werde, und um gegen jeden Verstoß sofort einzu- chreite». Darauf wurde die Versorgung mit Gemüse, Ob st, Kaffee, Tee, Kolonialwaren, Zucker und zucker- haltigen Futtermitteln besprochen. Abg. Schweickhardt sFrois. Volksp-s: Das Vorgehen mit der Beschlagnahm« des Obstes wäre tn jeder Beziehung verfehlt gewesen. Zweckmäßig wäre es. dem HuuM zu gestatten, Kaffee aus dem Auslan-de einzuführen. Sollte der Handel dabel den Höchstvreis überschreiten müssen, so wäre zu cnvägen, ob nicht Zuschüsse zu leisten seien aus den Mitteln, die vom KriegSauSschuh kür Kaffee angesammelt seien infolge der Beschlagitahme der früheren Kaffeebestände. Präsident des KrtegseenährungSomtS v. B a t o c! i teilte mit, daß gestern abend Höchstpreise für alle Rüben festgesetzt worden sind. Auf dem Rübtumarkte seien unerträgliche Zustände eingetreten. Aufkäufer seien zu den Bauern gekommen und hätten ihnen immer hötjere Preise geboten, damit sie jetzt die Kartoffeln liegen lassen und größere Mengen Rüben liefern. Dadurch wurden die Rüben in geradezu unsinniger Weise verteuert und überdies werde die Zufuhr von Kartoffeln noch mehr erschwert. Die Eisen- bahn soll veranlaßt werden, Rüben zur Beförderung nicht anzu- nehmen, solange nicht die Verschickung der Kartoffeln erledigt ist. Wo kein andere: Ausweg vörhanden ist, soll der Land rat die Aus- fuhr verbieten. Die Höchstpreise seien für die Erzeuger vorgc- schrieben und betragen für den Zentner 1,50 M. bei Wasserrübeu. l.dO M. bei Steckrüben, 2,50 M. bei Kohlrüben und 4 M. br Pferdcmöhrcn. Die Zuckerrüben seien i» diesem Jahre wenig zuckerhaltig, während der Verbrauch von Zucker sehr gestiegen sei. Daher sei auch hier Sparsamkeit geboten. Abg. Schmidt- Berlin(Soz.): Erfreulich sei es, daß jetzt endlich Höchstpreise ivenigstens für einige Gemüscsortcn festgefetzr werden. Leider fehlen die Höchstpreise immer noch für andere. ebenfalls sehr wichtige Eemüsesorteti. Auch mit Weiß- und Rot- kohl werde ein unerträglicher Wucher getrieben. Weshalb wcrdeu hier keine Höchstpreise festgesetzt? Ferner mache der Kleinhandel unerhört große Zuschläge. Daher seien Höchstpreise für den Klein- Handel unentbehrlich. Ebenso müßte es möglich sein, festzustellen, welche Preise der Kleinhändler für Gemüse bezahlt habe. Daher müßten hierfür Lieferscheine vorgeschrieben werden. Die einzelner Gemeinden könnten das nicht erzwingen, weil sie schwer geschädigt werden, wenn— was meistens der Fall ist— die benachbarten Gemeiirdcn nicht ebenso vorgehen. Vom Kncgseniährungsann müßte verfügt werden, daß Gemüse nur nach Gewicht verkauft werde. Leider habe die Reichsstclle für Obst und Gemüse völlig versagt. Die notwendige PreiSrcgelung für Obst und Gemüse sei beizeiten gefordert worden, trotzdem sei zunächst nichts geschiehcn, und später babe die Reichsstelle in ganz verkehrter Weise einge- griffen.— Unvermeidlich sei es, daß Gemüse vom Auslände zu höheren Preisen bezogen werde. Dann Müsse aber auch dafür gesorgt werden, daß nicht hiesiges Gemüse als ausländische Ware zu dem höheren Preise an den Markt gebracht werde. Außerdem müsse die Einfuhr aus dem Auslände besser vorbereitet werden. Zehn Waggons Weißkohl feien an der holländischen Grenze vcr- Horben, weil die RcichSstellc nicht wußte,>vaS sie damit anfangen sollte. Wenn die Leitung der ReichZitelle einen ungenügenden lleb erblick hatte, dann sei sie unfähig, die wichtigen Aufgaben zn erfüllen, die der Rcichsstelle zugewiesen find. Hier in Berlin seien neun Waggon Kohl verdorben. Wer habe dies verschuldet? Sauer- kraut verschwinde immer mehr vom Markt; auch die Fabriken könnten nicht die nötige Menge Kraut bekommen. Der Preis für Pflaumenmus sei auf 40 Pf. das PsUnd für den Produzenten fest- gesetzt, im Kleinhandel Wersen hier 1,00 M. für das Pfund vcr- langt. In Dresden feien einem Händler böhmische Pflaumen br schlagnahmt und später wieder geliefert worden. Dabei habe d. � Reichsstelle den Preis sehr erhöht und dabei einen großen und völlig unberechtigten Gewinn eingesteckt. Durch«in so falsche.- Geschäftsgebaren rufen die Reichsstelleu«inen großen Widerwillen hervor, obgleich da» Verfahren, die Volksernährung durch der artige RcichSstellen zu regeln, grundsätzlich durchaus richtig und unentbehrlich ist. Eine Erhöhung der Znckcrpreise für den Klein- Handel sei unter keinen Ilmsländcn zuläffig. Die Zucker-Rcrffincvleu machen, wie die von ihnen veröffentlichten GeschäftScrgebniss' zeigen, einen sehr großen Ueberschutz. Dle Spannung zwischen dem Wert für Rohzucker und dem Preis für raffinierten Zucker ist offenbar viel zu groß. Man sollte sie heruntersetzen und den Zucker für den Verbraucher billiger abgeben. Abg. Erzberger stimmte den Ausführungen des Abg. Schmidt in bezug auf Gemüse durckwus zu. Unerläßlich sei es, daig in jedem Falle gerade für den Kleinlmndel Höchstpreise erlassen werden. Wenn die Bcschlagnahms der Pflaumen und Aepfcl noi wendig gewesen war, so hätten unter allen Umständen Vorke! rungen getroffen werden müssen, daß die beschlagnahmten Früchi. sofort abgenommen und verwertet werden. ES habe aber ofsenbai an diese» Vorarbeiten gefehlt. Unberechtigt sei die Preiserhöhung von 150 Proz. bei Pflaumen für den Kleinhandel. Bei der Her stellnng von Malzkaffee werde einigen Fabriken ein Vorrecht ge- geben; weshalb werden nicht alle Fabriken zur Herstellung von Malzkafsce zugelassen? Dann würde der Preis durch den Wet:. bcwerb der Fabriken untereinander auf einer erträglichen Höhe gehalten werden. Jetzt werde ein arger Wucher auch auf diesem Gebiet getrieben. v. G a m p wandte sich gegen den Vorschlag deS Abg. Schweickhardt, Prämien für eingesührteil Kaffee ans ReichsMlttclN zu zahle». Tann begründete er den Antrag, den Reichskanzler zu ersuchen, zu bestimmen, daß bis zu 0 Proz. der gcernteteu Zucker- rübenmeuge der mlndcrbegüterten Bevölkerung zur Herstellung von Aufstrichmitteln zu einem 3 M. für den Zentner nicht übersteigenden Preise zur Verfügung gestellt wird. Der stellvertretende Vorsitzende im K r i c g S e r n ü h r u n g?- a in t, Ministerialdirektor Braun: Gemüse und Obst würden leicht verderben, daher seien hier behördliche Eingiifke besonder-. schwierig. So wie Herr Erzberger vorgeschlagen habe, daß nur Höchstpreise für den Kleinhandel festgesetzt würden, ginge es nichts es müßten auch Höchstpreise für de» Großhandel bestimmt werden. Bei Rüben sei vorgesehen, daß die LandeSzentralbebörden die Höchstpreise für den tzaudel bestimmen. Die Höchstvreise für den Kleinhandel köniltcil eben nicht von einer Stell» für das ganze Reich festgesetzt werde», da die örtlichen Verschiedenheiten zu groß seien. Die Höchstpreise für Pflaumen seien tn ciiiige» Gegenden als viel zu hoch, in andern als viel zu niedrig empfunden worden. DaS rühre daher, daß die Ernte in den verschiedenen Bezirken ganz verschieden sei. Ein Höchstpreis, der diesen Verschiedenheiten gerecht würde, sei eben nicht zu ermitteln. Die Spannung von 150 Proz. zwischen dem Höchstpreise für Pflaumen im Groß- Handel und dem Kleinhandels!, öchNnreise sei berechtigt: im Frieden sei die Spannung noch größer. Das sei erklärlich, da der Klein- Handel mit einer so leicht verderblichen Ware mit--''aßen Ge- fahren verknüpft sei. In den Orte», wo die Höchstpreise für den Kleinhandel zu hoch waren, müßten die LandcSzentral- bzw. die Gemeindebehörden die Preise heruntersetzen. Tie Menge Weiß- kohl, die hier in Berlin verdorben ist, ist bereits als verdorbene Ware vom Ausland eingeführt worden. Ter Geschäftsmann, der sie eingeführt habe, habe dies bei der Aiunetdung beknirdet; er habe die Ware auf seine Gefahr hin«ingeführt, um davon»och so viel für die menschliche Nahrung zu retten, als möglich war. Die ReichSsteUe treffe also leine Schuld. Tie Beschlagnahme der Aepfel sei notwendig gewesen, well nach der Beschlagnahme der Pflaumen ein Ansturm auf die Aepfel zu befürchten war. Dies vlltc eben dadurch verhindert werden, daß auch die Aetz'el be- chlagnahmt wurden. Die Versorgung Mit Weißkohl sei dadurch ehr erschwert worden, daß die Städte einen Wettlauf auf diese Ware begonnen Hütten. Dadurch wäre» nicht nur die Preise in die Höhe getrieben worden, sondern es wäre schwer gewesen, über Haupt noch die nötige Meng« aufzubringen. Heute werd«.ourch eine neue Bekauutmachung eine andere Regelung dürckmeführt werden. Sehr gut wäre cS, wenn im Gemüsehandel LiefcrungS- scheine durchgeführt werden könnten. Leider scheine Las ganz un- durchführbar. Ebenso stände es mit dem Verkauf von Gemüse nach Gewicht. Das könne nur durch die OrtSbcbördcn herbei- geführt werden. Auch der Fall mit der Beschlagnahme der böhmischen Pflaumen sct ganz einwandfrei. Der Zuschlag mußte er- folgen, damit der Händler nicht einen ungebührlichen Gelviun einsteckte. In bezug auf die Zuckerprcise müßte mau berück- sichtigen, daß. auch die weniger vorteilhaft eingerichteten Betriebe in der Produktion blieben. Aus diesem Grunde müßten die Preise so bemessen werden, daß auch diese Fabriken noch damit auskommen könnten. Die Forderung, den Schskoladeiifabriken den Zucker zu entziehen, fei nicht gut'durchführbar, weil dann eine große Zahl von Arbeitern und Arbeiterinnen brotloS würden. Dc- bäuerlich fei es. daß Zucker für den Wein verwendet werden müsse: das sei aber bei der jetzigen Ernte unvermeidlich. Im vorigen Jahre seien 70 000 Doppelzentner für diesen Zweck ausgegeben worden, in diesem Jahre würde dieselbe Menge bewilligt Werve». Die Freigabe der.Herstellung von Malzkaffee a» alle Fabriken sei undurchführbar. Die Preise seien sehr sorgfältig untersucht und V, möglichst niedrig angesetzt Warden. Der Vorwurf dcZ Abg. Erz- bcrgcr, dag nicht genügend die Beschlagnahme der Pflaumen vor- bereitet worden sei, treffe � nicht zu. Tie Neichsstelle habe sich vorher, mit den beteiligten Fabriken verständigt. Diese Fabriken haben sich ausdrücklich verpflichtet, alle Vorbereitungen so zu treffen, dag sofort die Früchte abgenommen nnd verwendet werden konnten. Leider sl?i durch diese Zusicherung die Reichs- stelle getäuscht worden; die Fabriken seien nicht in der Lage ge- Wesen, ihr Versprechen zu erfüllen. Abg. Held inatl.) weist nach, wie verfehlt das Verfahren war bei der Beschlagnahme der Pflaumen.— Abg. K e i n a t h (iiiatl.) brachte Beschwerden über den Kricgsansschuh für Kafkee vor. Die Geschäftsführung sei ungleich, je nachdem eS sieb atn die eine oder andere Firma handelte. Verlangt werden mügte, das; der KriegSausschug allen Geschäftsleuten in gleicher Weise ent- gegenkomme und keinen bevorzuge.— Hopf(Freist Bp.) wies darauf hin, dag der Ernährnngsbeirat sich beizeiten für eine zweckmäßige Regelung des Absatzes und der Preise für Gemüse und Lbst ertlärt und die nötigen Vorschläge gemacht habe. Leider sei die Ansicht des Beirats von dem Kriegsausschuß nicht beachtet worden.— Abg. v. M e d i n g(Dt. Partei) forderte dringend an- gemessene Zuckerhöchstpreise auch für den Kleinhandel.— Abg. G o t h e i ii bezeugte, dag auch ihm Beschwerden über den KrieaS- auöschug für Kaffee zugegangen seien.— Abg. M a tz i n g e r(Z.) forderte eine. Bevorzugung der Imker bei dem Bezug von Zucker. Abg. Hoch(Sog.) ivies darauf hin, dag mit dem Honig ebenfalls ein arger Wucher getrieben werde. Er fragt an, wie der Kriegsausschug für Kaffee sich zu den Ersatzmitteln stelle.£b es richtig sei, dag ein sehr zweifelhaftes Ersatzmittel ausdrücklich vom Kriegsausschuß den Gemeinden empfohlen worden sei. Ferner stellte er fest, dag noch immer keine Auskunft gegeben sei, worauf der hohe Preis von IM) M. für Malzkaffee zurllckgekübrt werden könne. Ebenso müsse geklärt werden, dag Pflaumenmus jetzt mit dem unglaublichen Preise von lM) M. abgegeben werde. Die Zuckermenge, die für Wein abgegeben werde, erscheine doch sebr hoch; es sei dringend nötig, von neuem zu untersuchen, ob nicht der Zucker, wenn er schon nicht ganz versagt werden kann, doch wenigstens in erheblich geringerer Menge zur Verfügung gestellt werden könne. Die Rechtfertigung, die Ministerialdirektor Braun in bezug ans das Vorgehen bei Gemüse und Lbst vorgebracht habe, genüge durchaus nicht. Die Regelung iw.-e unter allen Nm ständen früher einsetzen müssen. Was ist geschehen, um in Zukunft zu verhindern, daß die bieichsstelle nickck wieder von neuem durch die Fabriken getäuscht werde. Die Festsetzung von Höckst- preisen für den.Kleinhandel müsse durchaus von der Zentrale aus geschehen. Ebenso müßten Lieferscheine für den Gemüsehandel und Avgabe des Gemüses nach Gewicht vorgeschrieben werden. Diese Maßnahmen könnten einzig nnd allein durch die Reichs- leitung erfolgen; die einzelnen Gemeinden seien dazu riicht in der Lage;"sie hätte» es versucht, tvären aber immer dadurch geschädigt worden, daß die Nachbargemeinden anders vorgegangen find. Auch ihm feien sehr schwere Klagen über den Kriegsausfchnß für Kaffee zugetragen worden. Während man einerseits dem deutschen Handel als Höchstpreis für ein halbes Pfund Kaffee und ein halbes Pfund Ersatzmittel 2,20 M. vorschrieb, hat es andererseits der Kriegsausschuß für richtig befunden, einein Hauptbcteiligten des.Kriegsausschusses, nämlich dem Herrn Rofelius in Bremen, für seine Kaffeegesellschaft Haag einen Preis von 2,75, M. zuzu- billigen, während im Frieden die Differenz zwischen Kaffee Haag und natürlichem Bohnenkaffee irnr höchstens 20 Pf. das Pfund betrug. Außerdem hat eS der Kriegsausschuß für richtig gehalten, für„Korufranck" eine» Preis von SO Pst festzusetzen, während die übrigen Kornkaffeefabriranteil nur-l5> Pf. für das Pfund nehmen konnten. Ferner darf Kathrenier für seinen Malzkaffee 58 Pf. für das Pfund nehmen, während andere Malzkaffeehändler, die gleichwertige lose Ware von einem Malzkaffeefabrikanten bc- zieben und fertig verpacken, nur 53 Pf. für das Pfund nehmen dürfen. Diese Begünstigung einzelner Firmen fällt um so mehr uiiaugenehm auf, da diese Firmen zu der Geschäftstätigkeit des Kriegsausschusses Gelder zur Verfügung gestellt haben. Es mache also den Eindruck, alS ob diese Firmen durch ihre Geldzablung einen größeren Einfluß auf die Geschäftsleitung gewonnen hätten. Aus eine Anfrage des Abg. Spahn erklärte der Präsident des Kriegsernährungsamts p. Batocki, daß viele Gefäße, in denen Pflaumenmus aufgehoben werde, nicht den Anforderungen entsprechen, die an eine richtige Aufbewahrung gestellt werden müssen. Es sei zu befürchten, daß viele Hausfrauen zu ihrem Schrecken später feststellen müßten, das, was sie mit Mühe ein- gemacht haben, sei verdorben. Die großen Schwierigkeiten, die ein Vorgehen bei Obst und Gemüse habe, werden offenbar weit unterschätzt. Alle diese Klagen und Beschwerden sollen geprüft werden. Aber das müsse gesagt werden, daß die Neichsstelle auch vorher sich die Sache sehr sorgfältig überlegt habe. In der Bc- willigung von Zucker an die Imker müsse sehr vorsichtig vorgc- gangen'werden. Ein Teil der Imker führte den Bienen große Zuckcrmengen in durchaus ungehöriger Weise zu und bewirkte so, daß sie den Zucker, den sie mit 50 Mk. einkauften, als sogenannten Honig für 150 Mk. verkauften. Ein Kommissar des Kriegsausschusses für Kaffee versicherte, daß bei dem Absatz von Kaffee in allen Fällen gleichmäßig vorgegangen werde. Tie verschiedenen Verhältnisse bedingten selbstverständlich verschiedene Handlungen. Im �übrigen sei in allen Fällen für die Fabriken der Preis sehr sorgfältig er- wogen und es fei nirgends über das notwendige Maß hinausgc- gangen. Auf eine Anfrage wurde erklärt, daß das W e i n g e s e tz ge- ändert werden sollte, damit ein größerer Wasserzusatz für zulässig erklärt werden könne. Fortsetzung: Freitag. politistbe Uebersicht. Tic nervösen„Starknervigen". Ter freisinnige Reichstagsabgeordnete Georg Gothein ging in der Montagsnummer des„Berliner Tageblatt" recht energisch mit jenen„starknervigen" Herrschaften ins Gericht, deren„Unent- ivegtheit" sich in den letzten Monaten mit solcher Heftigkeit Geltung zu verschaffen sucht. „Gerade im Kriege— schrieb er— haben die Kreise, die sieh einbilden, besonders starknervig zu sein, vielfach das Gegenteil be- .iviejeu. Als unsere Heere in raschem siegreichen Vordringen waren, da riefen diese Kreise: Das Land, daS mit dem Blut unserer Sol- daten gedüngt ist, darf nicht lvieder herausgegeben werden! Ja, die A n n e x i o n s l u st ging selbst auf Gebiete, die wir nie— auch nicht einmal vorübergehend— besetzt hatten.... Und als der Krieg lange währte, als die Brussilowsche Offensive die Linien nn- ferer Bundesgenossen und streckenweise auch die unseren zurück- drängte, als die furchtbare endlose Schlacht an der Somme begann und schließlich auch Rumänien die ohnehin ühermächtigen Reihen unserer Feinde verstärkte, da ging ein Raunen durch diese Kreise, man müsse mit Rußland zum Frieden kommen, auch wenn ihnen alles besetzte Gebiet zurückgegeben werde, um nur den Krieg gegen England weiterführen zu können." Im Gegensatz zu diesen Kreisen forderte Herr Gothein, ohne direkt für Annexionen im Osten einzutreten, schon aus strate- gischen Rücksichten die Gründung eines Staatswesens, das mili- tärisch an Deutschland angeschlossen werden soll. Das Haupt- Hindernis des Friedens jedoch liege im Westen. Die brutalen Pläne der Asauith und Lloyd George fänden im eigenen Lande wachsenden Widerspruch. Die Uferlosigkeit ihrer Kriegsziele sei auch kein Zeichen von Stärke, sondern von Nervosität. Die K r i e g s l u st in England werde tatsächlich wachgehalten durch die Sorge, durch Teutschland von Belgien auS dauernd bedroht i» werden. Diesen Gedanken begründete Herr Gothein in folgenden Ausführungen: „Mau sagt wohl: nach dein Kriege werde� B e l g i e n entweder deutsch oder englisch sein; ein drittes gebe es nicht. Ader die Belgier werden aus diesem Kriege gelernt haben, daß sie auf das falsche Pferd gesetzt haben. Und wir können Belgien ver- pflichten, die gegen Deutschland errichteten Festungen zu schleifen, statt eines Heeres nur eine Polizeitruppe zu halten. Die naive Auffassung, daß wir mit dem BesitzBelgiens aus der„ver- siegelten Nordsee", dem unglücklichen„nassen Dreieck" heraus- kämen, widerlegt ein Blick auf die Karte. Dazu kommt,- daß sich au der belgischen Küste kein Seehafen für tief- gehende Schiffe schaffen läßt. Tie Mündung der Scheide, an der Antwerpen liegt, ist bekanntlich in holländischer Hand. Zwei- felloS können wir von der belgischen Küste aus Englands Handelsschiffahrt im Kriege recht unbequem werden, aber das ist kein Ziel, das die Fortsetzung des Krieges um Monate lohnen würde.... Die militärische wie die politische Lage sind.... für uns keineswegs ungünstig. Nicht durch eine Desperadopolitik sollen wir sie verschlechtern, sondern unsere Aufgabe müßte es sein, die Friedens st romun gen im feindlichen Aus- l a n d zu st ä r k e n, dort die Ueberzeugung wachzurufen, daß wir weder Belgien, noch französisches Gebiet annektieren wollen, daß diese— wie der Reichskanzler es treffend ausgedrückt hat— für uns nur ein Faustpfand sind. Ein Fauü'üand aber ist bestimmt, gegen Rückgewähr berausgegeben zu werden." Es versteht sich von selbst, daß-die Ausführungen des Herrn Gothein den heftigen Widerspruch der rechtsstehenden Presse ge- funden haben. Aber während die„K r e u z- Z e i t u n g" nur von einer„gefährlichen JllusionSpolitik" spricht, die Herr Gothein betreibe, und die„Deutsche Tageszeitung" ihm unter- stellt, daß er die belgische Frage durch die„englische Brille" an- sehe, veröffentlicht die„Unabhängige Ratio nalkorre- spondenz" gegen Herrn Gothein einen wütenden Artikel, in dem sie sich über„Erregung neuen Zwistes",„überflüssige Schrei- bereien",„süffisante Arroganz" beschwert; das„Berliner Tage- blatt" wird zum„führenden Organ der sozialdemokratischen Ar- beitsgemeinschaft" erhoben; der Abgeordnete Gothein wird ein „Schreckbild des Reichstags" genannt usw. Dann heißt es an- läßlich der Bemerkungen Gotheins über die Einwirkung der bel- gischen Frage auf die englische Kriegslust, daß aus ihnen„leider hervorzugehen scheint, daß in dem Erkenntnisvermögen und Nervensystem des Abgeordneten Gothein selbst nicht alles in der wünschenswerten Ordnung" usw. Von starken Nerven zeugt der Artikel des alldeutschen Blattes gerade nicht. Lewald und Baemeister. Zu der von uns in Nr. 291 dargelegten Auseinandersetzung zwischen dem Ministerialdirektor Dr. Lewald und dem Abg. Baemeister teilt die„Freis. Ztg." folgende Zuschrift des Abg. Dr. Müller- Meiningen an die.Münchener Neuesten Nach- richten" mit: „Ich habe in einer Rede gegen die Handhabung des Be- lagerungszustandsgesetzes vom Jahre 1851 dessen UnHaltbarkeit nachzuweisen gesucht und auf die Folgen dieses veralteten Rechts- zustandes in dem jetzigen inneren Kampfe und insbesondere auf die beweislose Verbreitung unhaltbarer Gerüchte und Vorwürfe unter der Zensur hingewiesen: Zum Beweise dafür habe ich unter anderem aus einer„Eingabe an den Reichstag betr. Ein- Wirkung der Reichsregiernng auf die öffentli e Meinung" ge- zeichnet von dem Abg. Beckh-Ratsberg, Prinz Karl zu Löwen- stein-Wertheim usw., aus die dortige Beilage I verwiesen, einen „Auszug aus einem Vortrage des Abg. Baemeister am 30. Juli 1910", in dem gegen den anwesenden Ministerialdirektor Dr. Lewald vom Reichsamt des Innern der schwere Vorwurf erhoben wurde, Lewald habe gegenüber den Beiratsmitgliedern des Lust- flottenvereins sich geäußert,„der Flotte»verein hätte diesen Krieg gebracht, der L u f t f l o tte n v e r e i n wolle uns wohl den nächsten bringen". Auf meine direkte Frage an Ministerialdirektor Dr Lewald, ob er jemals eine solche Aeußerung getan habe, entgegnete dieser nach Ver- lesung zahlreicher Briese usw.:„Herr Baemeister habe in leicht- fertiger Weise durchaus unwahre Angaben gemacht, die, wenn sie wahr wären, geeignet wären, ihn in seiner Ehre und öffentlichen Stellung herabzusetzen." Ministerialdirektor Lewald hat wiederholt diese Aeußerung des Abg. Baemeister als durch- auS unwahr bezeichnet. Dies war der Hergang, den aufzuklären ich um so eher in der Lage und moralisch verpflichtet bin, als diese Verhandlung nicht vertraulich war. Herr Universitäts- Professor v. Armira ist also im Irrtum—(wohl hervorgerufen durch den ungenauen Bericht)—, wenn er meint,„daß er diese Aeußerung getan, bat Herr Lewald nicht nur nicht widerlegt, sondern nicht einmal bestritten". Lewald hat sie jedenfalls auf das energischste bestritten. Es kommt mir nicht zu, zu entscheiden, wer tatsächlich recht hat." Der Abg. Baemeister hat bekanntlich erklärt, daß er seine Be- hauptung, die er in einer vertraulichen Denkschrift für eine hochstehende Persönlichkeit aufgestellt hat, in vollem Umfange ausrecht erhalte. Eine endgültige Klärung dieser Angelegenheit ist bisher noch nicht erfolgt. Nationalliberale Politik. Einem Bericht des„Deutschen Kuriers" über die Tagung der vsälzischen Nationalliberalen in Neustadt a. H. entnehmen wir folgende bemerkenswerten Ausführungen des Reichstagsabgeord- neten Dr. Stresemann über die Grundzüge der national- liberalen Politik: „In der Siellunguahnie zu den KriegSzielen und den Fragen der auswärtigen Politik hat der deutsche Liberalismus leider keine Geschlossenheit gezeigt. Oft hat uns die politische Konstellation an die Seite der Konservativen geführt, und manchmal standeil wir mit ihnen allein gegen die übrigen Parteien. Eine wenig burgsriedliche Demagogie hat es mit großem Geschick verstanden, diese Situation so hinzustellen, als zeige sich darin eine iunerpolitische Neuorientierung der nationalliberalen Politik nach der rechten Seite, als liege ein n a t i o n a l l i b e r a l- k o n s er v a t i v e s Kartell in der Lust. Davon kaiin keine Rede sein, der Grund- satz der Nationalliberalen Partei ivar stets und wird stets bleiben: „Macht nnd Größe nach außen, Freiheit nach i n n e n." Wie entwürdigend ist es, wenn man eS stets so hinstellt, als müsse die Nationalliberale Parte i�entweder nach der fortschritt- lichen oder nach der konservativen Seite hin Anlehnung suchen, als gäbe es nicht eine eigene nationalliberale Politik, die sich selber die Richtlinien nach außen und innen bildet. Wir lassen uns unsere Stellungnahme zur inneren Politik nicht von Heydebrandt, wir lassen uns aber auch die Stellung zur auswärtigen Politik nicht von der„Frankfurter Zei- tun g" vorschreiben. Vor 50 Jahren ist die Nationalliberale Partei gegründet � worden, weil Rudolf von Bennigsen damals erkannte, daß in Fragen der Auslandspolitik die Wege der Fortschrittlichen Partei von den Wegen sich schieden, die die Nationalliberale Partei gehen müsse. In wunderbaren Worten hat er damals zum Ausdruck gebracht, daß diese Verschiedenartigkeit der Auffassungen an der Lage nichts ändern, an dem Bekenntnis der Nationalliberalen Partei zu einer freiheitlichen Politik im Innern. Seitdem ist ein halbes Jahrhundert vergangen, und toieder liegen die Dinge so wie zur Äeburts- stunde der Partei. Deshalb sollte man aber auch in dieser Lage nichts Außergewöhnliches erblicken, deshalb braucht man darin keine Rechtsentwickelung zu sehen, sondern es ist nur der Ausdruck dessen, was wir in der Geschichte der Nationalliberalen Partei so oft erlebt haben: daß die große gewaltige Kraft, die in einem ge- einten Liberalismus vorhanden war, nicht voll zum Ausdruck koiiuuen kquute, weil wir in Fragen der auslväriigcn Politik und in den Fragen,, die die Grundlagen für die aus- wärtige Politik sind, in Fragen von Wehrmacht, Flotte und Kolonien nicht immer einig zu gehen vermochten. Wer aber die Entwickelung der deutschen Verhältnisse in diesem halben Jahr- hundert angesehen hat, der wird auch keinen Augenblick zu zweifeln vermögen, daß der Weg, den die Nationalliberalen gegangen waren, der richtige war, so wie wir auch glauben, daß die Wege, die wir heute gehen, die für uns gegebenen sind." Weiter verwahrte sich Herr Stresemann dagegen, daß die Stellungnahme der Nationalliberalen zur auswärtigen Politik als Bekenntnis zu einer brax taten Machtpolitik hingestellt und ihr die Verständigungspolitik gegenübcrgesedt wurde, von der mau größere Erfolge erwartete. Es sei auch töricht, davon zu sprechen, daß„Macht Politik nach außen" und „Reaktion im Inner n" etwa verwandt sein müßten. Das Beispiel Englands beweise das Gegenteil. Leider hat Herr Stresemann es unterlassen, an der Hand der fünfzigjährigen Geschichte der Nationalliberalen Partei ncichzn- weisen, daß seine Partei nicht nur die„Machtpolitik nach außen", sondern auch die Freiheit im Innern gefördert habe. Wenn das erste durchaus richtig ist, so das zweite ganz gewiß nicht. Dafür liefert die. Geschichte der Nationalliberalen Partei die schlagendsten Beweise. Eine kleine Anfrage. Die fortschrittlichen Rcichstagsabgeordneten Gothein, Pach« nicke. Sivkovich und Wendorsf haben im Reichstage folgende kleine Anfrage eingebracht:„Ist dem Herrn NeichSlanzlcr bekannt, daß das Versicherungsaml Rostock und das Oberversiche- rungSamt Schwerin gegen Ebeirauen von Seeleuten, deren in webr- Pflichtigem Aller stehende Ebemänner durch die kriegerischen Er- eignisse im neutralen Auslände znrückgebalten werden, oder in Feindesland interniert sind, die Rcichswochenhilfe verweigert tvird? WaS gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun. um diese unterschied- liche Behandlung der Familien von in Mecklenburg ansässigen See- leuten zu beseitigen?" Kann ein Dissident Offizier werden? Die Monatsschrift„Weltliche Schule" veröffentlicht eine Antwort des Kriegsministers auf ciue an ihn ergangene An- frage. Diese Antwort lautet: Kriegsminister im Großen Hauptquartier. Nr. 500/15. g. C. ll. Großes Hauptquartier, 29. Nov. 1915. Euer Hochwohlgcboren teilt das Kriegsministerium in Bc- antwortung des gefälligen Schreibens vom 17. 0. 1915 nach Ab- schlnß der Untersuchung in der Beschwerde des Professors Dr. U. folgendes ergebenst mit: Eine Allerhöchste KabincttSorder, die die Beförderung von Dissidenten zum Offizier oder Sanitätsoffizier verbietet, besteht nicht. Sofern die sonstigen Bedingungen erfüllt sind, steht der Bc- förderung nach sorgfältiger Prüfung des Einzelfalles nichts ent- gegen, vorausgesetzt, daß der zu Befördernde einer Religious- gemeinschast angehört, der der Staat seine Anerkenntnis nicht versagt. Dementsprechend sind auch verschiedentlich von meinen AmtSvorgängcrn, so in der 228. Sitzung am 19. 3. 1909 und in der 32. Sitzung am 19. 2. 1910 im Reichstage Erklärungen ab- gegeben, daß die Wahl zum Reserveoffizier, wenn die sonstigen dazu vorgeschriebenen Bedingungen erfüllt sind, unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft zu erfolgen hat und erfolgt. Aber die Zugehörigkeit zu einer Religio nS- gemeinschast wird verlangt. Dissidenten, sofern sie konfesfioiieios� find, werden ausgeschlossen. Da die Söhne des Herrn Professor Dr. U. aus der Landes- kirche ausgetreten und ausdrücklich als„koufcsfioitslös" bezeich- nct sind, gehören sie einer Religionsgeinciiifchaft überhaupt nicht au und kommen demnach für die Wahl zum Offizier oder Sani- tätsoffizier nicht in Frage. Das Kriegsmini sie ri nm muß an diesem Staudpunkt festha l teTi, da gerade die jetzige ernste Zeit bewiesen hat, wie fest im Volke die ilteligioii wurzelt, und wie sich gerade jetzt manche, deren Verhältnis zu ibrer Religionsgemeinschaft bereits gelockert war, dem Glauben und der Religion wieder zugewandt haben. An der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft sestzu- baltcn ist auch eine Notwendigkeit, weil sie für den erzieherischen Einfluß des Offiziers auf die Maunschasten, ihre Belehrung über den Fahnenei-d und die in ihm beruhenden Pflichten von nicht zu entbehrender Bedeutung ist. Wollte mau hiervon ab- gehen, so würde das bei der jetzigen Erstarkung des religiösen Gefühls in weiten Kreisen des Volkes auf Mangel an Vcrständ- nis stoßen. gez. Wild von Hohenborn. Die nach mehr als einer Richtung hin sehr anfechtbare Aus- fassung dürfte bestimmt im Reichstag bei gegebener Gelegenheit mit erörtert werden._(z) Genosse Stauning über deutsche und französische Sozialisten. Der Berichterstatter der„National-Zeitung", Emmerich Den, hatte eine Unterredung mit dem dänischen Minister, Genossen Stauning, in deren Verlaus auch auf die Haltung der deutschen und der französischen Sozialisten die Rede kam. Genosse Stauning erklärte, im Augenblick wenig Hoffnung aus Frieden zu haben. Auf den Einwurf des Berichterstatters, daß dabei doch den Sozia- listen der neutralen Länder eine große Aufgabe zufalle, er- widerte er: „Ja, das meine ich auch. Wir arbeiten auch ständig daran, eine Annäyerung zustande zu bringen. Das ist aber wirklich eine sehr schwierige Aufgabe... Wir haben vorläufig wenig Hoffmulg. Wir haben einen Kongreß gehabt, an dem die So- zialdemokraten der skandinavischen Staaten teilgenommen haben. Dann haben wir noch einen Kongreß im Haag gehabt, an dem die Sozialdemokraten sämtlicher neutraler Staaten teilnahmen. Die größte Schwierigkeit bildet natürlich der Umstand, daß wir nicht imstande sind, die Sozialdemokraten der kriegführenden Staaten zusammenzubrin- g e n." Als Ursache dieser Schwierigkeiten bezeichnete Stauning den blinden Haß, mit dem dieser Krieg geführt werde, und auf den Einwurf des Berichterstatters, daß die deutscheu Sozialdemokraten in dieser Hinsicht eine Ausnahme machten, erwiderte er: „Das ist wahr. Die französischen Sozialdemokraten haben vorläufig gegen den Frieden gestimmt. Aber die Minderheit bei der letzten Abstimmung über diesen Gegenstand war sehr stark, und wir dürfen hoffen, daß bei der nächsten Abstimmung diese Minderheit noch stärker wird. Die Deutschen haben aber noch mehr getan: sie waren bereit, mit den Sozialdemokraten der feindlichen Staaten in Verbindung zu treten und über die Friedens- Möglichkeiten zu verhandeln. Ueberhaupt meine ich, daß die Deutschen viel nüchterner sind, sie leiden nicht unter der Kriegspsychose, wie die Franzosen." Genosse Stauning hat recht. In dem Wunsche, mit den Sozia» listen der kriegführenden Länder über die Friedensmöglichkeiten zu verhandeln, sind die deutschen Sozialdemokraten aller Richtun- gen einig und seit Beginn des Krieges einig gewesen. Die Ver- Handlungen werden beginnen, sobald auch die ftanzösische sozial:- stische Partei und die englische Arbeiterpartei bereit sein werden, einer Einladung von neutraler Seite zu folgen. Slus dem sächsischen Landtage. Die Regierung hat, entsprechend einem gemeinschaftlichen Antrage der Fraltioncn in der Zweiten Kammer und nach vorheriger Verständigung mit diesen eine GesetzcSvorlage eingebracht, nach der ein vorläufiges Verbot der Veräuszeruug von Kohlen- f e l d c r n, die im privaten Besitz oder aus privarem Grund und Boden sich befinden, erlassen werden soll. Das Gesetz will auf diese Weise der Spekulation und dem Ketlenhandcl mit Kohlenabbau- gebieten und damit einer weiteren Verteuerung der sächsischen Kohle vorbeuge». Es soll längstens bis 3l). Juni 1913 gelten, bis dahin wird dieses Notgesctz durch eingehende gesetzliche Siegelung der Materie ersetzt sein. Veranlassung traun gab die Talsache, dafi in neuerer Zeit der Spekulationseiser aus dem fraglichen Gebiet sich stark bemerkbar machte. Das Gesetz soll rückioirkende Kraft bis zum 13. Oktober erhalten, an welchem Tage daS Vorhaben ösfcntlich bekannt geworden ist. Da auch die Erste Kammer zustimme» wird, ist an dem Zustandekomnien nicht zu zweifeln. Ende dieser oder Milte nächster Woche soll der Landlag wieder vertagt werden. Die Art, wie man in den vier Wochen, seitdem der Landtag jetzt zusainmen ist, in der Zweiten Kainnier gearbeitet bat, fordert zum stärksten Widerspruch heraus. Auster der Elek- trizitätsvorlage und der ErnährungSsrage hat man nur kurze Sitzungen abgehalten und sich mit sehr unbedeutenden Augelegeu- heiten beschäftigt. Plenarsiguiigen hat man nur drei oder vier, einmal sogar nur zwei in der Woche abgehalten, angeblich aus Mangel an Stoff. Dabei liegen wichtige sozial- demokratische Anträge aus der Hauplseision noch unerledigt da. Außerdem sind einige neue Anträge bezw. Interpellationen über die Unterstützung arbeitsloser Textilarbeiter uud über den Belagerungszustand von unserer Seite gestellt. Alles höchst aktuelle und wichtige siragcn. Sie werde» aber nicht auf die Tagesordnung gebracht, lieber hält man leine Sitzungen ab. So ist die Zeil in den vier Wochen in einer Weise vertrödelt tvorden, wie eS bisher noch nicht dagewesen ist. Man will offenbar die Erörterung der von der sozialdemokratischen Fraktion aufgeworfenen Fragen auch diesmal wieder hinausschieben, obwohl sie durch ihren Ver- trcter im Präsidium und durch entsprechende Fraktionsbcschlüsse iruederbolt und dringend die Erledigung verlangt und sich gegen die Zeitvertrödelung gewendet hat. Das Präsidium scheint diesem Drängen leider wenig Beachtung zu schenken.— Jin Januar soll der Landtag noch einmal berufen und bann geschlossen werden. Da das Tiätcngesetz für den gegenwärtigen Zustand keine Bestimmungen enthält, soll durch Gesetz beschlossen werden, daß für die letzte Tagung eine Entschädigung von SOO M. gewährt wird. Tie Ersatzwahl in Namslau-Brieg. Der Bund der Landivirte benutzt den Burgfrieden dazu, seine Führer in den Reichstag zu bringen. Auf den Abg. Dr. R ö s i ck e folgt jetzt der stellvertretende Vorsitzende dcS Bundes der Landivirte, Aus dem Winkel- Lagau, der als Nachfolger Oertcls in Namslau-Brieg aufgestellt worden ist. Die anderen Parteien in diesem Kreise werden Wahlcnthaltung üben. Dr. Ocrtcl ist 1i)12 mit einer ganz knappen Mehrheit gewählt worden; das Mandat war angefochten und eine Kassierung der Wahl wäre höchst ivahrscheinlich eingetreten, »venu der Krieg nicht dazwischen gekommen wäre. In Friedens- zeitcu hätte ein extremer Bündlcr vom Schlage des Herrn Aus dein Winkel jedenfalls keine Aussicht gehabt, in diesem Wahlkreis glatt gewählt zu ivcrden. Papierwuchcr? Die Papierpreise sind enorm gestiegen und die Folge davon war, daß mit dem Papicrverbrauch stark gespart wurde. Letzteres liegt nun aber durchaus nichi im Interesse der Papicrfabrikanten. Ein treffendes Schlaglichl auf die Gepflogenheiten der Preistreiber auf dem Papicrmarkr liefert nun ein Rundschreiben des.Vereins Säibsischcr Papierfabriken", das dem.Berliner Tageblatt" in die Hände gefallen ist und von diesem veröffentlicht wird. Das interessante Dokument setzt auseinander, daß eine Papiernot ü b c r h a u p l n i ch l besteht, weshalb übertriebene Sparsamkeit im Verbrauch von Papier durchaus nicht am Platze sei. .Man würde dadurch den betreffenden Unternehmungen den Absatz ihrer Erzeugnisse nur unnötigerweise crschlvercn, loähreud doch die volle Auficchtcrhallung auch dieser Betriebe zum wirtschaftlichen Durchhalten unbedingt nötig ist. Wir bitten daher dringend, in Ihrem Bereiche einer übermäßigen Sparsamkeir im Papicrverbrauch entgegenwirken und alle Kreise, auch durch die Pxffse, darüber aufklären zu wollen, daß eine Papiernot im Dculschcu Reiche, von der immer berichtet wird, in Wirklichkeit gar nicht besteht." An. eine Herabsetzung der Preise denken die Papierfabriken aller- dingS nicht, ihre hohen Dividenden wollen sie behalten. Das tägliche örot. Erncutc Anzeige der Kornbranntwcinbcstände. Durch den Präsidenten des KriegsernährungsaiuteS ist eine wiederholte Anzeige der unversteuerten und un- vergällten Be st ände von Kornbranntwein ange- o r d ir e t worden. Nach dieser Verordnung ist jeder, der am 1. November d. I. unversteuerten oder uuvergällten Kornbranntwcin in Gewahrsam hat. verpflichtet, die Vorräte gelrennt nach den Lagerungsorten, der Zahl und Art der Behältnisse sowie nach den Eigentümern unrcr Angabe des Alkoholgehalts in Gewichlshnndertleilen der S p i r i t u s- zentrale G. m. b. H., Berlin, S ch e l l i n g st r. 14/15 salso nicht der Kornspirituszentralc), bis z u in b. N o v c m b e r anzuzeigen. Kornbranntweinmcngen, die am 2. November irgend- wie unterwegs sind, sind vom Empsängcr uuinittelbar nach dem Eintreffen anzuzeigen. Die Verordnung droht für Zuwiderhandlungen gegen die Anzeigepflicht Strafen und eventuell Einziehung der Brannl- weinbcstände an. �rauenerwerbsarbeit tiuö Mrbeiterinnenschutz. Von Luise Zieh. Mit der steigenden Intensität und der wachsenden Mechanisierung der Arbeit ist ein tiefeiuschneidender gesetzlicher Schutz der Arbeitenden, der fortgesetzt erweitert werden muß, zu einer knltu- rellcn Notwendigkeit geworden. Die Gcsctzegebung hat aber meistens erst festgelegt, was durch den wirtschaftlichen Kampf errungen und längst Praxis geworden war. Trotzdem haben wir alle Ursache, immer von neuem das größte Gewicht auf eine gesetzliche Regelung des Schutzes zu legen, weil erst diese eine f e st e Schranke der übermäßigen Aus- Nutzung der Arbeitskraft zieht, die nicht bei jeder Krise sofort durch- brachen und niedergelegt werden kann. Insbesondere ist gegenwärtig, bei der starken Zunahme der Fraucnerwerbsarbeit, ein umfassender Arbciterinnenschutz von größter Bedeutung, ja mebr als das: eine unumgängliche Not- wendigkeit. Durch das Notgesetz vom 4. August 1914 ist dem Reichskanzlers das Recht eingeräumt, die gellenden Arbeiterinnen-, Jugend- und Kinderschutzbcstimmuugen während der Dauer des Krieges außer Kraft zu setzen. Ist Sic Außerkraftsetzung der Schutzgesetze auch nicht generell erfolgt, so ist die leichtere Möglichkeit, von der Jnue- Haltung der Gesetze befreit zu werden, von vielen Unternehmern sehr stark ausgenutzt worden Was für kurze Zeit und als Ausnahme gedacht war, ist jetzt eine mehr als zweijährige Praxis und Regel geworden. In der Folge ist nicht»ur die Arbeitszeit vielfach verlängert, das Verbot der Nachtarbeit außer Kraft gesetzt, sondern auch Frauenarbeit in Berufen zugelassen, in denen sie vor dem Kriege durch Gesetz oder Bundesverordnung verboten war. Diese starke Ausnutzung der tveiblichen Arbeitskrast wirkt auf die Dauer.'weisellos in hohem Maße gesundheitsschädlich. Eine Gesundheitsjchädigung der Frauen bringt fortwirkend aber auch eine Beeinträchtigung von Gesundheit und Lebens- Möglichkeit der nachwachsenden Generation. Aller Arbeiterinnenschutz hat deshalb doppelte Bedeutung: Er soll eine unübersteigliche Schranke sein gegen eine übermäßige Ausnutzung, um in der Arbeitcriu die Persönlichkeit, de» Menschen, dem eigenes Denken, Fühlen, Wollen tiud Streben eignet, vor gesundheittichcu Gefahren und geistiger Verödung zu bewahren, und er soll gleichzeitig den weiblichen Menschen behüten, der gegen Familtc und Gesellschaft die naturgegebene Pflicht der Mutterschaft zu erfüllen hat. Je größer die Zahl der weiblichen Arbeiter wird, um so mehr erfordert deshalb nicht»ur ihr eigenes Interesse und das ihrer Klaffe, sondern darüber hinaus das Lebeusiuwresse der Gesell- schaft, daß der Arbcitcrinnenschntz eine kräftige Ausgestaltung er- fährt. Der erste Schritt dazu wäre die Aufhebung dcS Notgcsetzes von 1914. Bei der starken Uebersüllunq des weiblichen Arbcitsmarktcs kann keine Rede davon sein, daß Nacht- und Ueüerstundenarbcit gemacht werden müßte, um die Produktion aufrecht zu erhalten. Dagegen wird der Verlust, welcher der Volksgesuudhcit aus dem gegenwärtigen Stand der Dinge erwächst, ein unwiderbringlicher werden, je mehr, je länger die weibliche und jugendliche Arbeits- kraft zu wenig geschützt bleibt. Bisher sind freilich die sozialdenwkratischcn Anträge im Reichs- tage, desgleichen die Ketitioucn der Gewerkschaften, der sozial- demokratischen Frauen und des Arbciterinnenserretariats ohne Er- folg geblieben. Diese Tatsache darf uns jedoch nicht abhalten, immer aufs neue die Aufhebung des Notgcsetzes zu heischen und darüber hinaus unsere weiter- gehenden Forderungen für de» Ausbau des Ar- beiterinnenschutzcs mit Nachdruck zu vertreten. Eine Verkürzung der täglichen Arbeitszeit auf höchstens acht Stunden für die erwachsenen Arbeiterinnen und auf sechs Sinn- den für die Jugendlichen; Verbot der Erwerbsarbeit für alle Kinder bis zum 13. Lebensjahre; die Freigabe des Sonnabcndnachmitiags, um den Arbeiterinnen einen wirklich freien Sonntag zu sichern, die Freigabe eines freien Nachmittags zu Körperübungen für die Jugendlichen; die generelle Einführung einer 14tägigen Ferienzeit für alle Arbeitenden unter Fortzahlung des Lohnes; Verlängerung der als Nacht bezeichneten Zeit, um ein Durchbrechen des Ver- bots der Nachtarbeit durch Ueberstunden zu verhindern; ein Ver- bot der Beschäftigung von Frauen und Jugendlichen bei gewcrb- lichcn Giften und gesundhcitschädigenden Arbeitsarten und -Methoden; Verbot der Beschäftigung von Arbeiterinnen 8 Wochen vor der Entbindung und 8 Wochen nach dieser; ein Ausbau des Hcimarbciterschutzcs nach den Grundsätzen, wie sie von den ver- schiedenen Heimarbeitcrtagen ausgestellt worden sind. Das sind die wichtigsten Forderungen, die wir in der Ocffcnt- lichkeit propagieren und im Parlament mit Energie vertreten sollten. Alte Forderungen, deren Durchsetzung durch die steigende Zunahme der Fraucnerwerbsarbeit und die Gestaltung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse dringlicker denn je geworden ist. Leider hat schon eine starke Gewöhnung an die verstärkte Ausiintzung der weiblichen und jugendlichen Arbeitskräfte statt- gesunden; in der Folge wird deshalb dle Durchsetzung eines er- weitesten Schutzes ungemein erschwert werden. Daraus erwächst für uns die Pflicht, den gckennzcich- n c t e n Ausbau d c S Arbeiterinnenschutzes als soziale und volkswirtschaftliche Notwendigkeit wieder und w i c de r a n f z n z c i g e n und c i n d r i n g l i ch st darzustellen, um die Entivickclung vorwärts zu treiben. In erster Linie ist es natürlich Sache unserer Genossinnen, die Diskussion dieser für sie so überaus wichtigen Fragen anzuregen und immer wieder in den Vordergrund zu rücken. _ Je größer die Zahl der Interessierten, je klarer ihre Erkenntnis, je fester ihr Wille und je Heller ihre Begeisterung, um so leichter und voller der angestrebte Erfolg. Deshalb ans Werk, Genossinnen, um unsere Sache handelt es sich! flus öer Partei. 15. Kongreß der italienischen Sozialisten in der Schweiz. In Zürich hielten die in der Schweiz niedergelassenen organi- sierten ilatieuischen Sozialisten ihren 16. Kongreß ab. auf dem fämk- liche 29 Sektionen durcd zirka 40 Delegierte vcrlrclcn waren. Die schweizerische sozialdemokratische Partei, die sozialdemokratischeJugend- organifation, die ruistschen Sozialisten in der Schweiz und endlich der Parteivorstand der ilalienifchcn Sozialdemokratie hatten ebenfalls Verlreter entsandt. Nach den Berichten der Parteileitung ist während der Kriegszcit eine Vermehrung der N-itgliedcrzahl ein- getreten und auch der„Avvenira dcl Lavoraiore", der in Zürich erscheint, hat eine Verntebrung seiner Aboiincnlcnzahl er- fahren, namentlich auch infolge des Abonnements inebeerer schweizerischer Gcwerkschaftsverbäiide für ihre italienischen Mitglieder. Die Genossin Balabanoff und Genosse V u o t- t o l a, Sekretär des schweizerischen Bailarbeitervedu/ndes. hielten Referate über die iiiternanoiiale Bewegung und die sozialistische Presse sowie Über Organisation und sozialistische Propaganda. Zwei angenommene Resolutionen der Genossin Balabanoff crllären die Zllstimmung dcS Kongresses zu den Beschlüssen der Konferenzen von Zimmcrwald und Kiental und bezeugen dem „Avauli" volle Aiierleiinuiig für seine gute Hallun-g. Die Resolution Vuottolo enthält eine sozialistische Prinzipien- crllärung gegenüber der kapitalistischen Geiellschaslsordming, belont die praktische Milarbcil der ilaliciiischcn Genossen in der schwcize- tischen Arbeilerbeivegung, erllärt die Gewerkschaft„als eines der wichtigsten Mittel zur Wahrung der Jiitcreff'cn und des Selbst- bewußlieins des Proletariats sowie zur Bildung seines Klaffen- bewußlseius und sie verpflichtet jeden P a r t ea g c n o s s e n, sich der G c>v e r k s ch a s t z u lo i d m e n. ihr si'e izu treten n ii d solidarisch mit seinen Arbeitskollegen, gleichgültig ivclchcr Nation, vorzugche n." Dieser Beschluß ist ganz besonders zu begrüßen, auch als offenbare Folge der seit Monalen in der>nteriiatioualcn Arbeiterprefie geführten leb- haften Diskussion über die GewertschaftSicheil der liiiorganlsierten italienischen Arbeitermasien. Es ist drinaend zu irrlnschen, daß dicie zeitgemäße Resolution italienischer Genossen auch in die Tat um- gesetzt wird.____ Staulpfcr-Kampfcr. Genosse Dr. L c n s ch sendet unS nach- ölgende Zuschrisl: „Aufgesordert, seinen bösartigen und vom Zaun gebrochenen Angriff auf mich durch den Beweis der Wahrheit zu rechtfertigen, redet sich der treffliche„Vorwärts" jetzt damit heraus, er sei es ja gar nicht gewesen, es sei ein„Anhänger" der Mehrheit gewesen. Ich kann nicht zugeben, daß dadurch die Stellung des„Vorwärts" irgendwie gebessert wird. Habe ich mir früher die Mehring ulid Slrvdel vom Leibe geballcn, so bin ich jetzt erst recht nicht gesonnen, mich mit Stampfer-Kampfer einmotten zu lassen." Mus?llöustrie und hanöel. Berliner Elcktrizitäts-Wcrkc. In der Atissichtsratssitzung der Berliner Elektrizitäts-Werkc am 24, Oktober wurde der Jahresabschluß vorgelegt, der noch für drei Monate den Ertiag aus de» Berliner Zentralstationen enthält. Der zur Verteilung vcriügbare Lteiugelviiiu beträgt 4 622 037,30 M.(die Vcrgleichszahl dcS Vorjahres ist nach Abzug dcs GclviiinaiiteilS der Stadt Beriiii 0 080 288,82 M.j. Die Gencralveriaiiiiulung wird auf den 23. Nov. V.J. emberusculverdeii. Es wird vorgeschlagen, 4tz'„Proz.Dividcudc auf 20 Millionen Vorzugsaktien und 7 Prozent(gegen 0 Prozent) auf 44,1 Millimicil Stammaktien auszuschütten sowie 203 880,23 Mark auf neue Rechnung vorzutragen. Der Vorstand berichtete, daß bei der Elcktro-Werkc-Akticngcscllschaft der Bc'.rieb anfgcnoinmen, die Kohlenförderung aber unter erschwerten Verbältuisieu noch m der Eutivickclung sei. Die von den Berliner ElekttizitätSwerken lou- trollicrten Stromlicferuiigsuttteruehmungen seien naturgemäß von der Ungunst der Zeiten nicht unberührt geblieben. Drohende 5rohlci:prcisstclgerllllg. Unter den beteiligten Stellen finden, lvie die„Franks. Ztg." hört, schon jetzt Verhandlungen über die Kohlenpreise für das erste Vierteljahr 1017 statt. Die endgültige Beschliißsasimig darüber ist für die im November einzuberufende Veriamnilung der Zechen vor« gesehen. Die Bestrebungen der Zechen zielen seit einiger Zeit unter Hinweis auf die seit dem Frühjahr criigclrelene weitere Sleigerung der Lohne und der übrigen Selbstkosten nachdrücklich auf eine Herauf- sctzung der Preise für alle Kohleusorteir hin. Bei der Festsetzung der Preise tvird die Haltung dcS HaiidelSminisiers ausschlaggebend sein. Wetlu mau den Aeußernngen aus Zechelikreiicu in dieser Frage folgen darf, so scheint der Minister einer, der Erhöhung der Selbst» kosten eimgerinaßen Rechnung tragenden Heraussetzung der Preise für Jndustriekohle und Kols seine Zustimmung geben zu ivvllen, dagegen ist es noch zweifelhaft, ob auch die Hausbrandkohle in die Erhöhung einbegriffen werden wird. Die belgische Schiffahrt während des Krieges. Die„TimcS" vom 12. Oktober schreibt: Die Inhaber der belgischen Firma Brys and Gilien Ltd. cut- kamen auf einem Schlepper aus Antwerpen, bevor die Deulscheu die Stadt besetzten. Sie nahmen eine große Sunime Gold mir inid richteten ein Geschäft in London ein. 1916 erschien ihre Firma in LlohdSAegtsler als Bcsttzerin von 27 Dampfern. Juli 1916 mit Vercits36. Jetzt besitzt sie 39 Dampfer. Alle diese Schiffe sind jetzt auf den Königlich Belgischen Lloyd übertragen worden, der am 19. Juli mit einem Kapital von 60 Millionen Frank gegründet wurde. Der Belgische Lloyd hat bereits die Schaffung eines Dienstes zwischen den Vereinigten Staaten und Frankreich angelündigt, und jetzt be- absichtigt er, in den indischen Handel einziitreleii. Er soll nach dein Kriege die bisher von der deutschen Hausa-Linie vcrschcncn Dienste verrichten und überhaupt die ganze Schiffahrt nach den belgischen Häfen, die früher ein Monopol der deutschen Linien war, versehen,(n SsziaZes. Zur Bekämpfung der GcschlcchtSkritztkhcitcn. Die diesjährige Geueralversautmlung der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschtechts- krank Herten fand am Sonntag im Kaiserin-Friedrich-Kranken- Haus in Berlin statt. Der erste Teil der Sitzung gestaltete si.b zu einer wirluirgsvolleu Trauecfcicc für den dahiilgeschiedeuen Vorsitzenden der Gesellschast, Professor Dr. N e r ff e r. Professor D r. A l a s ch l o, der langjäbriae Mitarbeiter Neisiers, würdigte in einer tici- empfniidenen Ltedc die Verdienste des großen Forschers und Arztes, dem die Gesellschaft selbst ja cincir großen Teil ihrer Erfolge ver« dankt. Professor Dr. Blaschko wurde an Stelle � dcS_ Verstorbenen zum Vorsitze ü b e u gewählt. Zum Gencralselreiär der Gesellschaft ernannte die Versammlung an Stelle dcS Dr. Blaschko den Professor Dr. Felix P i n k u s(Berlin). Die ausführlichen Verhandlungen betrafen fast ausschließlich da? Thema einer wirksamen Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Der Jahresbericht hebt hervor, daß die von der Gesellschaft ein« gesetzte S a ch v e r st ä n d i g c n k o ni m i s s i o n eine Reihe von GesetzeSvorschläg cn ausgearbeitet und dein Reichstag als Material überiandt hat, welche schon während des Krieges eine wirksame Be- kämvfl'ng der Gesclilechlskraiikhciren ermöglichen sollen. Außer einer grüiidlicheii llmgestalliing dcS bisherigen Systems der Prostitiilioiisüber- wach iiiig ocrlangt die Gcicllscbafl vor allein die Einrcihnng der Geschlechts- Iraniheiten in das N e i ch S j c u ch e n g e s e tz, die Bestrafung solcher Perionen, die, obwohl sie wissen, daß sie Iran! sind, andere der Gefahr einer Ansteckung aussetzen, spczialärztliche Prüiung der Acrzle im Staatsexamen, Verbot der Bcyandluna Geschlechtskranker durch Nichlapprobierte, Verbot des öffentlichen Sichanbictens zur Bchand- lung sowie briefliche Behandlung Geschlechtskranker, Einfübrung der Sexualpädagogik als Lehrsach auf Seminaren und Hockstchulen. " Die Diskussion setzte an ein Referat des Dr Hahn (H a m b u r g> über das nciicSystem der BeratungS« st c l l e n ein und zeigte, daß über die Frage, ob diese nützen oder schaden, weit voneinander abivcicheiide Ansichten in den Kreisen der Aerzie vorliegen. Die L a n d c s v c r s i ch e r u n g s a n st a l l c n haben auf Anregung deS Reichsversicherungsamtes zwecks dauernder lleberwachiuig Gcschlcchlslranker Maßnahmen getroffen. ES sind Be- ratuilgsstellen eiligerichler, an die die Kriegsteilnehmer auch nach ihrer Entlassung sich wenden sollen. Die Aerzte der Beratungsstellen sollen sich der Behandlung einhalten. Der Eikranlte soll der Krankenkasse überwiesen werden. Nur wenn der Kranke triftige Gründe dagegen geltend macht, soll sie die Versicherungsanstalt über- nehmen. ES sind nun, wie der Referent hervorhob, gcgcndieseBeratimgS« oder Füriorgestelleil eine Reihe von Bedenken von ärzllicver Seile erhoben worden: es liege eine Veiletzung der Schweigepflicht vor, wenn der Arzt dem Versichei ungSträger in Fällen von Geschlechts- krankheilen Kentnis gibl, ferner störe die Füriorgcstelle, als eine Zwischeniiistanz zwischen Arzt und Patient, daS erforderliche Ver- lrauen, endlich: die Patienten würden Kiirsiischern zulaufen. Der Referent teilt diese Bedenken nicht. Anders liegt es, wie die Diskussion und eine Reibe von ärztlichen Ausstellungen zeigt, auf feiten vieler Aerzte. Diese bciürchten vor allem— und das mit Reckt— daß die cmpfohlciie Maßregel nicht zu einer Be- kämpfung, sondern zu einer Vermehrung der GeschlcchlSkrank- heiten führen würde. Für ärztliche Bchandlung ist Vertrauen erforderlich. Das läßt sich nicht erzwingen. Die unbedingte Aus- rcchtcrhaltung der Schweigepflicht liegt im üffeutlicheir Interesse. Wird nach dem Vorschlag der Gesellschaft zur Bekämpfung der Ge- schleckitskranlhcilcn die Geschlcchisiraiilhcit in das Register der nach dem Seuchengesetz anzeigepflichtigen.Krankheiten eingereiht, so ist notwendig, daß auch ein iür den Patienten unentgeltlicher B e- bandlungs- und H e i l z w a n g den Aerzten auferlegt wird. Ohne diesen haben die Vorschläge leinen Wert. In Dänemark ist mit der Einführung der uiiciilgelilichen Behandlung ein Anfang gemacht und hat vorzügliche Resultate. Nicht da? Individualinteresse dcS ArzteS oder des Krankeii, sondern das Ziel muß cnlschcidend sein, die Ver- breitung der Geschtechtskrailkheilen zu bekämpfen. DieS läßt sich wie bei ähnlich schweren, im Senchengesetz aiiigeführlen Krankheiten— z. B. der Cholera— ohne für den Patieiilc» iiiientgellliche ärztliche Behandlung nicht erreichen. Daß das Reich oder der Staat oder sonstige Körperschaften die Bezahlung zu übernehmen haben, ist selbstverständliche Voraussetzung eines den Aerzten auferlegten Be« handluugszwaiigcs. Zu lvahrcn ist dabei das Recht des Patienten, den Arzt seines Vertrauens zu wähle». Diesen Slaiidpulltl hat die Sozialdemokratie auch iin Parlament und außerhalb desselben seit Jahrzehnten vertreten. WWMDWWWW B? KZ HerHmH Todes-Anzeigen Kreis KieäerKariiiui.| Bcjtrk Lttederschiinliausr». Dr» MiliilirdkVN zur?!ulhricht. daii unler Äcnosse� drr Schrijlictzcr Imi ieck!eul)urg j gestorben Ist. (ffjvc seinem Rndenken! Die Beeidiguiig sinbet beule Donnerstag. unckmillagS i Uhr, iiuit der Leichenhalle de« neuen ebcmeindr-�'.iedboseö Rtede» schön- Hausen, Wermanenftrahe, stalt. Rege BeieUiguug c> wartet 2�«.-� Ter Ä»rs«a»d. 8MttImevst!seIlerÄM?mlis! ti!ei!erlz»rM. liteKtvnd,>»'S. Am Sonntag, den 32. Oktobers verstarb unsere ÄtUvsstN, Frau Kerta(ierlack Finvlvstr.!lö. kGttchve 2st). Mlirr theen» Anveuken! Tl« Äeerdlguna sindct NM Freitag, den 37. Oktober, nach- mittag» 4 Übe, attt dem Begrab- Niöstiad in Marzäbn statt. Fugvorbindung 3.14 und 3.4! ab Ba!mh.i?ich>enbcrg-Frledrichofclde. Rege BetrilivUlig erwartet U/3 Ole BeHrksleitunfl. mmmmmmmmmmmmm DMtscIlepÜletaHÄAMtef-Veflianil Vorwaltungssiello Dorlln. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Schlosser kgrl wummert Neukölln. Wanziiklir. 18, am 33. Okiober gestorben ist. Ehre seinem llliidcnken! Di« Beerdigung findet am Donnerstag, den 30 Oktober, nach« mittags 1 Ubr, vom Trauer- bause aus aus dem stVineindc« Friedhos, Mariendorscr Weg, statt. Rege Beteiligung erwartet 124/13 Dir OrtSberwaltung. k Am Montag, den LS. Oktober 1910, abend« 8 Uhr, verstarb nach I iargem, schwerem Seiten unser t lieber Mann, treusorgciitvr guter,, Pater und Grogvaler, Bruder, k Schwaaer und Ontel, der titentier � und srllhere Gastwirt Karl Raiciiert im Aiicr von bt Jahre». 3LA/39! Im tiefsten Schmerz V!e ttlntek-drledevLK. Pti'eidöbcstichc und KranzspeNdcti höiltchst dankend verbeten.> Berlin L. 09, Dicffenbachstr. S9.V Die Einäscherung findet am 1 Freitag, den 37. Oktober, Nach«! mitlag« H Uhr, im Krematorium. Z Gerichistrahe statt. Für die herzlich« Teilnahme und- die vielen Kranzspenden bei der Be- crdigung meiner iiebcii grau und Mutier ISOA Gertrud ntfi plleermann sagen wir allen Bcrlvandleu, Freunden und Belannten unseren imiigstcn Dank. fZNiüIiz Fangs, Famills Filgermann, _ EhorlvticiiMrg, ShULstr. 2. Danktagung. Allen Trilnebmern an der Beerbt« dnng unseres liebe» Schwagers, des SclfcnfdmciScnä Wilhelm Thielke besonders dem Herrn Chcl Dr. Bolz und seinem Kompagnon, den lieben ArbetlskoLegln und dem Quartett „Sänger-Cyor' sllr den schönen Ge- lang sagen hiermit unseren besten Tank. liavl I'osch, Schwager, As;n«rK Pouch, Dunckerslrasje 13. ist os Bedürfnis, über da» politische und organisatorische Leben in der Heimat stets unterrichtet au sein. Darum sendet ihnen regelmäßig die Neuerscheinungen jstnm!inmmtiiiininiii{.'iii»a Trustfrei der parteigenössischen Krieges. Literatur des Krieges. Sie sind au boxiehen durch die Zeitungsausträger oder direkt durch die BUCHHANDIUNQ VORWKR7S BERLIN SW. 63, Lind�nstrsOe 2 Oiaencr iConiektlon, gut sortiortes reTchhatllges lapar In allen Polrapten, Reparaturen nach»»sticke n Modellen. Ittlg, tailslr. SO SXS. illllilllillllllillllimüi] Trustfrei z Ädautsaguttg. Für die zahlreichen Beweise auf- richtiger Teiinabme an dem Tode meiner tieben grau, ulljerer guten Mutter P43A Ii er In Krcssln sagen wir allen unleren tlcsgcsllhllen Dank. ts. llressi» und Kinder. Spenalarft Z iür Haut«, Harn«, Frauenleiden nerv. Schwäche, Betniranke jeder sr,. Ehplich-Hatli-Kiire», FsiöitsieKL!!'. 31. pWkum. Sprchst. 13-2,'/z0-s/,S, Sonntags 11-2. Honorar mag., a. Tcilzahi. — Separate» vsmsnrlmmer.— HeinesWerks 3 S/in!» 5 Merk- Biichhattdlung Dorwacks „�»sere �iZsretie 2'z.�g. behalten uuLLZe tUMrctten ihre alten snesdsqKten(Z�Müten! � Geor-g�. /a»lnatz;j.�lGlen-(!ese!Is6iaft g �inMtMeitWNIIMMMNtMlMIWMstlMMMl/MMch/PMWHMIMiMIMlMMilM Ä -JUrtvoUeAr'IS 15 Ö�o,. _ einer liOibbinele? Sämtliche Systotno am Lager resp. nach llaßanlortigung sowie ßruchbaudagen a�r Artikel z. Gasundh.- u. Krankcnpdege Pollmann, Bandagist Dorlin M., Lotliringer Str. Vit.* Liefarnnt fili Krankenkassen� Spezialarzt Dr. med. tVockenfah. rriedrichstr. 123(Oranienb. Tor), (ür Syphill». Harn- u. Frauenleiden— Ehrilcii-Hnta-Kur{Dauer 12 Ta�e), Qlutuntertuostuns. Scktiaile, siohere •omtiarzlete Heilung ahne ßeruis- 222;6* Störung. TeilzaaJung. Sprechstunden: 10— t und 5— 3 Carbidtischlampen, Sturmlalerncn 4,50, 3,75, 7,50. Cardio billig. Hdndieru.'iabaii. ZLeber. ftrusto«>i-___ 183/15 Leranlwortlichcr Hietialieiai Älfccp Wielepp, isteulolln. Lür de» ZnserazemeU verantto.: �!i.M»6e.L«1lz>. Druck u.L erlag:>i!orwär!« /Huehöruckerei u. Lerlagöanjralz Paul«utger Sc Co, iBerit» bW- !lr. 295. 33. Jahrgang. ttsM tsr******** orvs�v***™. Zonutrstag, 26. Oktober lAK. -rr. i l■■WW�ftÜI Arbeitsnachweis unö Arbeitsgemeinschaften im Dienste öer Kriegsbeschäöigtenfürsorge. Zu dcm Artikel in Nr. 206 des„Vorwärts'" vom 27. September dieses Jahres nimmt die. Arbeitgeberzeitung" vom 1. Oktober in ihrem Leitartikel Stelluirg unter der Ueberschrift:„Sachpolitik oder Jnteressenpolitit". 2>.r Artikel der„Arbeitgeberzeitung" ist weniger tvcgcn Sech- kenntnis des Schreibers, als in sonstiger Beziehung interessant, wits uns vcranlaht, ihn etivas näher zu betrachten. Tie„Arbeit- geberzeitung" sagt, es müßten in erster Linie bei Regelung der Unterbringung der Kriegsbeschädigten sachliche Gesichtspunkte in Besracht kommen. Das ist auch unsere Meinung. Und nur von fachlichen Gesichtspunkten aus haben wir zu der Frage Stellung genommen. Ob der Artikelschreiber der„Arbeitgeberzeitung" von ebenso sachlichen Gesichtspunkten aus zur Frage der Unterbringung der Kriegsbeschädigten Stellung genommen hat, erlauben wir uns zu bezweifeln angesichts der Tatsache, daß in den Kreisen, denen der Ärtikclschreiber angehört, die Errichtung von Arbeitsgemeinschaften zwecks Unterbringung der Kriegsbeschädigten und der Erledigung ihrer Beschwerden vielfach bekämpft wird. Diese Herren fürchten, daß es sich mit dcm Herrn-im-Hause-Standpun!t der Arbeitgeber nicht verträgt, wenn solche Arbeitsgemeinschaften errichtet werden. Die Herren fürchten eine Verletzung der Interessen der Arbeit- geber und darum ihre Gegnerschaft. Das klingt unzweideutig aus dieser unh anderen Veröffentlichungen heraus, und ist auch sonst aus diesen Kreisen an anderen Orten so unzweiselhast zum AM- druck gekommen, daß man den Herren wirklich mit Fug und Recht den Vorwurf zurückgeben kann, sie treiben Jntcressciipolitik und nicht Sachpolitik. Das bestreiten wollen, hieße einfach Tatsachen ableiten. Todann wird im Artikel der„Arbeiterzeitung" in drei Worten das Problem des Arbeitsnachweises und der Arbeits- bcichaffung in so einfacher Weise gelöst, daß man sich eigentlich wundern muß, wie seit einer Reibe von Jahren Hunderte von ernsten Männern in Deutschland sich bemühen, das Problem der Arbeitsvermittlung zu lösen. Tie„Arbeitgebcrzeitung" sagt, wer Arbeit sucht, habe sich an den zu wenden, der Arbeit zu vergeben hat; basta. Man traut seinen Augen nicht, wenn man in der „Arbeitgeberzcituilg" einen solchen Satz findet. Es ist geradezu das Ei des Kolumbus, das wir da vor unL sehen. Der Artikel- schrcibcr scheint bisher auf dem Mond gelebt zu haben und sich um die Tinge, die sich auf der Erde abspielen, nicht zu kümmern; sonst dürfte es ihm doch nicht unbekannt geblieben fein, daß bereits jetzt, wo doch notorisch ein sehr großer Mangel an Arbeitskräften vorhanden ist, es sehr große Schwierigkeiten macht, einen Teil der Kriegsbeschädigten unterzubringen. Beweis: die Vakanzenlisten. Wieviel schwieriger wird es nun erst sein, wenn mit Beendigung des Krieges die Millionen von Arbeitern aus dem Felde zurückkehren und von Arbcitcrmangel keine Red« mehr ist. Das alles läßt die„Arbeitgeberzeitung" kalt, es existiert ein- fach nicht für sie, sie erklärt,»>«t Arbeit sucht, wendet sich an den, der Arbeit zu vergeben hat. Die Bemühung von verschiedensten Seiten, für die Kriegsbeschädigten zu sorgen und ihnen passende Beschäftigung zu verschaffen, erklärt die„Arbeitgcberzcitung" für Jntereffcnpolitik, die der Sache keineswegs förderlich ist, Diese Verdächtigung.hxr zahlreichen Kreise der deutschen Pe> völkerung, als ob diese nmst in erster Linie vom Jnfcressc für die Kriegsbeschädigten geleitet würden, verdient wohl entschieden zu- rückgewiesen zu werden, zumal wenn man der„Arbeitgeber- zeitung" nachweisen kann, daß die Gründe ihrer Stellungnahme ztm ,.Borwärts"-Artikel nicht in Gegnerschaft gegen die Selb- ständigkeit der Arbeitsgemeinschaften bestehen, sondern die Gründe herzuleiten sind ans der grundsätzlichen Gegnerschaft gegen Arbeitsgemeinschaften Überhaupt. Die„Arbcitgeberzcitung" glaubt wahrscheinlich, daß fich bei dcm Streit um die Stellung der Arbeitsgemeinschaften eine Gelegenheit bietet, den ArbcitSgemcin- schaften an sich eins auszuwischen. DaS geht unverkennbar aus dem ganzen Artikel hervor. Die„Arbcitmberzeituiig" sagt weiter, daß, wenn die Vorschläge des lvtagistratSrat Wölbling verwirklicht wurden, so kämen die Ar- beitsgemeinschaften m ctive gewisse Abhängigkeit von öffentlichen Nachweisen, und daS wäre ein Punkt, der dem sozialdemokratischen Organ gar nicht gefallen will. Die Arbeitsgemeinschaften sollen nach dem Willen des„Vorwärts" ihre volle Selbständigkeit behaupren, daraus kommt alles an. Ja, wir erlauben uns hier zunächst zu fragen, ob denn dieser Standpunkt nur im Artikel des„Vorwärts" vertreten wird, oder ob nicht auch in anderen, dem„Vorwärts" fernstehenden Kreisen diese Auffassung durchaus geteilt wird. Vielleicht bemüht sich der Artikel- schreiber, einmal festzustellen, wie in Kreisen außerhalb de?„Vor- wärts" die Meinung darüber ist. Tann wird sich hcranSstellcn. daß das, was die„Arbeitgeberzeitung" da sagt über die Stellung der Arbeitsgemeinschaften nach der Meinung dcS„Vorwärts", nicht nur die Meinung des„Vorwärts" ist, sondern für die meisten Leute, die in Arbeitsgemeinschaften praktisch tätig sind, einfach eine Selbstver- ständlichkeit. Mit Worten wie im Artikel der„Arbeitgeberzeitung" wendet man sich nur gegen den ,.Vorwärts"-Artjkel, wenn man die Arbeitsgemeinschaften selbst möglichst zu Fall bringen will, und das ist unzweifelhaft die Absicht der„Arbeitgeberzeitung". Weiter sagt die„Arbeitgeberzeitung", daß der„Vorwärts" auf die öffentlichen Nachweise, auf den Zentralvercin für Arbeitsnachweis und auf den Verband Märkischer Arbeitsnachweise nicht gut zu sprechen wäre. Nun, die„Arbeitgebcrzeitung" irrt sich und schüttet das Kind mit dem Bade aus. Lcffentliche Nachweis« wollen auch wir. und zwar tn möglichst vollendeter Form auf Grund der rm Reichstag im März lglö angenommenen Resolution. Die Arbeiter sind bereit, ihre gewerkschaftlichen Nachwelse aufzugeben zugunsten solcher öffentlichen Nachweise, unter der Voraussetzung allerdings, daß auch die Arbeitgebernachweise ihre Tätigkeit einzustellen haben. Was wir am Zentralvercin für Arbeitsnachweis in Berlin und an dem Verband Märkischer Arbeitsnachweise tadeln, ist nicht die Existenz dieser Nachweise an sich, sondern einige Mängel, die von un» kritisiert werden, und dazu hat man ja wohl noch ein Recht, wen» man auch sonst mit der Sache selbst grundsätzlich einverstanden ist. Wie aber steht eS mit der Ansicht der..Arbeitgebcrzeitung" über den Zentralvcrein und den Verband Märkischer Arbeitsnachweise? Besteht da nicht die grundsätzliche Abneigung, die die„Arbeitgeber- zeitung" fälschlich dem„Vorwärts" unterschiebt? Was die„Arbeitgeberzeitung" dann noch sagt über Organ!» sation der Arbeitsgemeinschaften und über die Eignung der Arbeits- gcmeinschasten zur Erledigung von Beschwerden der Kriegs- beschädigten, das kann nach dem Obengesagten wohl übergangen* werden, da ja die Zeilen der„Arbeitgeberzeitung" nicht diktiert sind von dem Streben, die Sache objektiv zu betrachten, sondern sie wegen ihrer Parität in den Arbeitgcberkreisen zu denunzieren,! die grundsählich Gegner jedweder Parität sind. l Die„Arbeitgeberzeitung" fragt weiter,„welcher Arbeiter, der eine Stelle sucht, wird sich denn zuerst an die Arbeitsgemeinschaft wenden, und welchen Grund könnte es haben, den Weg für den Ar- ! bcitsuchenden noch dadurch zu verlängern, daß man zwischen den ' Arbeitsnachweis und die Arbeitsstelle noch eine besondere Instanz, � nämlich die Arbeitsgemeinschaft, schiebt". Ja, solche Fragen kann man doch nur stellen, wenn man es für überflüssige Zeitverschwcn- dimg betrachtet hat, sich mit der Art der Tätigkeit der Arbeitsgemein- schaften zu beschäftigen, und wenn man auch keine Ahnung hat, wie die Organisation des Ganzen ist und nicht versteht, daß die Arbeits- gemcinschaftcn von vielen ernsthaften Männern, die praktisch die Bedeutung der Arbeitsgemeinschaften kennen gelernt haben, als geradezu unerläßliche Einrichtung für die geeignete Unterbringung der Kriegs- beschädigten bezeichnet werden. Es taugt eben nicht, wenn man sich, wie die„Arbeitgeberzeitung", auf einen grundsätzlich ablehnenden Standpunkt stellt, die Sache und ihre Bedeutung nicht prüft und nun vollständig frei von jeder Sach- kenntnis ein ablehnendes Urteil abgibt. Das sagt auch schon der nachfolgende Satz im Artikel der„Ar- beitgeberzcitung", der da lautet:„Denn die Parität der Arbeits- gcmeinschasten bedeutet nichts anderes als das Uebcrgcwicht der Ge- werkschaftcn, die bei diefer Gelegenheit ein ausgezeichnete? Mittel in die Hand bekommen, alle Arbeitsuchenden zu kontrollieren und sie gegebenenfalls für ihre Organisation zu gewinnen." DaS ist platter Unsinn, denn für die Organisation der Arbeiter und für die Lohn kämpfe der Arbeiter kommen Kriegsbeschädigte, die in einem erheb- lichen Maße in ihrer Arbeitsfähigkeit beschränkt sind, nur unweseni Iich in Frage, aktiv überhaupt nicht. Welchen Wert es haben soll, unoranisicrte Kriegsbeschädigte für die Organisation zu gewinnen, ist nach dem Obengesagtcn gleichfalls rätselhaft. Auch diese AuS- führungen der„Arbeitgeberzeitung" sind durch Sachkenntnis nicht getrübt. Am Schluß zitiert die„Arbeitgeberzeitung" eine Stelle au- dem Artikel des Magistratsrat Wölbling, worin eö heißt, die Hauptsache wäre, daß der richtige Mann an den richtigen Platz kommt. Ja. das ist eine Binsenwahrheit, und eS dreht sich gar nicht darum, diesen Satz zu bestreiten, sondern es dreht sich darum, wie bringen wir den Kriegsbeschiidigten an die für ihn geeignetste Stelle, wie regeln wir es, wenn trol? aller Borsicht der Kriegs- beschädigte eben doch noch zuerst nicht an die richtige Stelle ge- kommen ist, und wie soll eS geregelt werden, wenn der Kriegs- beschädigte trotz Versprechungen doch nicht richtig behandelt wird. Was der„Arbeitgeberzeitung" vorschwebt, ist. wie wir schon eingangs sagten, Kampf gegen die Arbeitsgemeinschaften an sich, freie Hand für die Arbeitgeber und ihre Nachweise, den Kriegs- beschädigten einzustellen, den' sie einstellen wollen, Entlohnung wie sie es für richtig halten, und was die Arbeitgeber und ihre Nach- weise nicht einstellen wollen, d«S kann ja dann durch die öffcnt- lichen Nachweise versucht werden, unterzubringen. Dabei soll die gesamte Bevölkerung dann das Vertrauen zu den Arbeitgebern haben, daß sie schon aus nationalem Pflichtgefühl heraus das Richtige tun werden. Ja, die„Arbeitgeberzeitung" mitsamt ihrem Artikelschreiber vergißt nur. daß trotz der seinerzeitigen Erklärungen der Arbeit- gebcrvcrbände schon jetzt noch während deS Krieges in dielen Fällen krasse Mihständc in bezug auf Beschäftigung, Behandlung und Be- zahlung der Kriegsbeschädigten vorgekommen sind, daß Einrich- taugen wie die ArbeitSgcnceinschaften notwendig sind zum Schutze der Kriegsbeschädigten. Tie Arbeitgeber, die aus sittlichem Pflicht- gcfühl heraus sich auch ohne eine solche Einrichtung wirklich be- mühen, den Pflichten, die die Gesamtheit de» Kriegsbeschädigten gegenüber hat, gerecht zu werden, die brauchen die Mitwirkung und die Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaften nicht zu befürchten, und die haben auch wirklich keine Ursache, sich gegen diese Ein- richtunfle» zu wehren. Anders, die etwas zu verstecken haben und deren Taten mit ihren Worten de» Kriegsbeschädigten gegenüber nicht in Einklang gebracht werden können, die haben allerdings alle Ursache, die Errichhing von Institutionen, wie eS die Arbeitsgemeinschaften sind, zu bekämpfen. Nach alledem kann die Stellungnahme der«Arbeitgeber- zeitung" nicht mehr überraschen. Mus Groß-Strlin. Mehrung öer Zürforgezöglmge. Die Fürsorgezöglinge der Stadt Berlin haben sich in letzter Zeil stark gemehrt. Vom Herbst vorigen Jahres bis zum Sommer dieses JaHreS ist ihre Gesanitzahl um reichlich 500 gestiegen. Am 1 November k9l5 hatte Berlin 40L6 Für- sorgezöglinge, am 1. September 1916 aber waren es bereits 4577. Noch unerfreulicher wird das Bild, wenn man die Zahlen des Zu- und Abganges betrachtet, aus denen dieses Mehr von oll zustande gekommen ist. In der genannten Zeit stellte sich der Zugang auf ILM, der Abgang auf 588. Zehn Monate brachten 1089 Fürsorgezög- l i n g c! Daran war der Monat August dieses Jahres mit allein 205, ziemlich einem Fünftel beteiligt. Die Monats- tabellen des Berliner Statistischen Amts, aus denen wir diese Zusammenstellung gemacht haben, gaben leider für Zu- und Abgänge nicht die Anteile der beiden Ge- schlechter..Wie weit die AbgangLzahlcn der männlichen Für- sorgezöglinge durch die Einziehungen zum Heeresdienst be- cinflußt sciii mögen, kann man nicht wissen. Angaben über die Anteile der Geschlechter finden wir in den Monatstabcllen nur für den jeweiligen Bestand bei Monatsschluß. Beteiligt waren am 1. November 1915 an dem Bestand von 4066 die männlichen Zöglinge mit 253l, die weiblichen mit 1535, am 1. September 1916 an dcm Bestand von 4577 die männlichen mit 2810, die weiblichen mit 1767. Hiernach haben sich in den zehn Monaten aeniehrt die männlichen Zöglinge von 2331 um 279 auf 2810, um 11 Proz.. die weiblichen von 1535 um 232 auf 1767, uni 15 Proz. Der Eifer, bei Ver- fchlungen von Kindern und Jugendlichen die Fürsorge- erziehung anzuordnen, scheint wieder mal im Steigen zu sein. 2lus der Arbeit des Nationalen Fjra'ncndienstcs. Für den Nationalen Fraueudicnst in Berlin wurde durch eine Versammlung geworben, die zu Dienstag nach dem Abgeordneten» Haus einberufen war. Mitarbeiterinnen des Rationalen Frauen- dicnsteS und solche, die eS werden wollten und follren. hatten sich in großer Zahl eingefunden. Der Sitzungssaal de? Abgeordnetenhauses erwies sich als zu klein, so doß gleichzeitig auch im Herrenhaus eine Versammlung abgehalten werden mußte. Hier wie dort sprachen dieselben Redneriiincn über die einzelnen Zweige der vielgestaltigen Aufgabe deS Nationalen Frauendiensteö. Fräulein Dr. Alice Solomon betonte, wie sehr da? Geleistete noch hinter dcm Notiocndigcn zurückbleibe. Im Laufe der zwei Kriegsjahre hat der Nationale Frauendienst, den rasch auftretenden Bedürfnissen der Zeit ebenso raich sich anpassend, sein ArbeitSgebier immer mehr ausdehnen müssen. Dabei haben aber seine Mitarbeiterinnen sich immer weiter verringert, von den im August 1914 zusammengebrachten 7000 Frauen aller BevölkcrungSschichten und Parteien(auch der sozialdemokratischen Partei) auf jetzt nur noch 1800. Frau Levy- Rathenau hob hervor, daß sehr viele an der weiteren Mit- arbeit nur durch ihre Tätigkeit in der Hauswirtschaft oder im Erwerbsleben gehindert worden sind. Sie erzählie in ihrcin allge- nicinen Bericht manches von der Arbeitslast, die der Nationale Frauendienst bewälrigeu mußte und noch bewältigen muß. Noch tämen Woche iür Woche etwa 12 000 Personen zu den 23 Bureaus des Berliner Naiionalen Frauendiciistes, um sich Rat und nötigen- falls auch tatkräftige Hilie zu holen. Frau Freyhan, die über die Arbeit der HilsSkommissioncu berichtete, meint, daß ohne die sofort nach Kriegsausbruch begonnene Tätigkeit des Nationalen Frauen- diensteS die Acruhiguiig der Bevölkerung nicht io schnell eingetreten iväre. Aus Fräulein Fricdenlhals Schilderung der Arbeits- bcjchassuiig durch den Nanonalen Fraucndienst erfuhr man, daß die vermittelte Nädarbcit zwar vei sehr eiligen Austrägcu sehr geübten Arbeiterinnen bis 35 M. Wochenverdienst brachte. daß aber sonst der Wochenverdlenst zwischen 3—20 M. lag._ Ter Durch- schnillsverdienst sei in fortschreitendem Sinken, Iveil zum Zweck möglichster Streckung der ArbeuSgelegenheir die dcm ciiizeliien zu gebende Arbeitsmcngc eingeschränkt werden müsse. Die Lebens- miltelfürsorge des Nationalen FraltendiensteS, von der Frau Fried- ländcr ei» Bild entwarf, verteilic von August 1914 bis Anfang Oktober 1016 über 2 Millionen Mark in 6�/, Millionen Gutscheinen auf Bröl, Milch, Kartoffeln, Gemüse, Kolonialwaren. Das Geld wurde zunr allergrößten Teil anS dem Stadlsäckel Berlins hergegeben. Ter Nationale Fraucndienst irat tu Verbindung nicht nur mit der Koummgcnossenschast, sondern auch_mit Hunderten tleiner Händler. Diesen habe man durch Zulassung zur Liefe- rung ans Gutscheine die Fortfübrnng ihrer Geschäfte erleichtern wollen, sagte Frau Friedländer. Sie nannte eS eine wichtige Aufgabe der Mttarbcilcrinnen an der Lebcnsinittelsürsorge des Natio« nalen Frauendicnstes, im Volle das Vertrauen zur Möglichkeit des DurchlmllenS zu stärken, lieber die Teilnahme des Nationalen Frauendicnstes an der LebeiiSmittelkonlrolle der Preisprüfungsstellen berichtete Frau Mühsam. Sie glaubt, daß nur durch diese Kontrolle unlautere Händler von noch schlimmeren Ucberlcuerungen abgehalten worden sind. Den Hausfrauen rät sie, etwaige Beschwerden sofort an die PreiSprüfungsstella zu melden. Auch bei den Volksspeisungen, scher die Frau Lavy-Rathenan noch kurz sprach, arbeitet der Naiionale Fraucndienst mir. Für den Winter sei eine Mehrung deSZudrangeS zu den Volksspeisungen zu erwarten. Die skandalösen Zustände am Markgrascodnmm, die kürzlich ein Leser unsere» BlatteS scvileerte, wurden in der Sitzung der Tiesbau- dcputation besprochen. ES wurde festgestellt, daß die Uiiterhaltung de» StraßeiidammcS Sache der Gemeinde Stralau sei, während für die Befestigung und Unterhaltung der Bürgerstcige die Anlieger verantwortlich seien. Mit den Anliegern sei es aber eine böse Sache. Ein Teil des Geländes ist unbebaut, ein anderer Anlieger befinde sich in VermögenSverfall. Es bliebe nur übrig, daß die Straßenbaupolizei sich der Sache annehme und für Remedur sorge auf die Weise, daß die Verpflichteten zur Ordnung der Verhältnisse zwangsweise angehalten würden. DaS tvird aber in letzter Linie dahin auslaufen, daß die Stadt zunächst selber die Verhältnisse ordnet und die Kosten später von den Anliegern einzieht, wenn sie cuvaL bekommt. Eine Verpflichtung habe die Stadt Berlin nicht, wie mitgeteilt wurde, aber die Straßenbaupolizei dürste sich der Sache annchmcil, schon um das Publikum vor den ihnen zweifellos drohenden schweren Gefahren zn bewahren. Die Herbst-Gciieralversammliing der Freien Volksbühne fand am DomierSläg, den 10. Okiober, im GewerkschastShauje statt. Konrad Schmidt, der erste Vorsitzende, crstaltete in, Namen des Vorstandes und künstlerischen Ausschusses den Geschäftsbericht für das abgelaufene Geschäftsjahr 1915—1916. Die Verhältnisse des VolksbübiienkartellS und damit nalürlich auch die des allen Vereins haben fich im zweiten KnegSjahre über Erwarten günstig gestaltet. Nach Abschluß de? Vertrages mit Nernbardl, in welchem dieser daS neue Volksibeater auf ein paar Jabre pachtweise übernahm und sich zu wöchentlich je vier Vorstelluiigen für die Mitglieder verpflichtet, konnte das Kartell im vorigen Herbst bereits vier neue Abieilungen eröffnen. Der Mitgliederbestand, der im Frübjahr 1S15 auf 33 000 gesunken war, erböhle sich aus 40 000. Die Ver- träg« wurden für die Spielzc« 1916/17 im Ivesentlichon auf der früheren Grundlage mit dem Lessing-, dem Künstler-, dcm Eharloltenburger Schiller- Theater und dem Charlottenburger Opernhaus erneuert. Wir beginnen in derselben mit einer Mitgliederzahl von nunmehr 51000, von denen 12 000 der Freien, 38 400 der Neuen Freien Volksbühne angehören. Die finanzielle Lage ist weiter auch durch die zu Anfang des Berichts- jahrcs von den Generalversammlungen beider Volksbühnen vollzogene Erhöhung dcS Mitgliederbeitrages für Abcudvor- stclluugeii von 1,10 M. auf 1,30 M. befestigt worden. In dem Berichtsjahre gelangten 35 Stücke zur Aufführung, davon 20 im Voltsihealcr. Den Kassenbericht vom 1. September 1915 bis zum 31. August gab der GeickwftSsührer Winkler. Die Einnahmen in der genannten Zeil betrugen 708 556,97 M„ die Ausgaben 729 508.90 M., der Bestand beträgt 39 048,07 M. Nach Ausgleich deS Gewinn- und Verlustkontos blieb dem Verbände ein Ueberschuß von 134,43 M. Nach Erteilung der Dccharge fanden die Neuwahlen für den Vorstand, den künstlerischen Ausschuß, die Revisoren, die Obleute und Ordner statt.____ Veranstaltnngen ain Bufitag«ud am Tote»>son»»tag. DaS Polizeipräsidium teilt mit: Die gegenwärtigen Zenverhältnisse machen eS auch in diesem Jahrs erforderlich, daß am Bußtage und am Toleiffoiintage strengere Grundsätze hinsichtlich der Zulassung öffentlicher Theater- und ahn« licher Veranstaltungen zu gellen haben at« bisher. Mit Rücksicht hierauf wird unter Zustimmung de? Königlichen Oberkommandos in den Marlen für den Bereich des Landeöpolizei- bezir's folgendes bekannt gemacht. 1. An den auf den 26. November fallenden, den: Andenken der Verstorbenen gewidmeten JabreStage jTotensoimtagl werden als Aufführungen ernsten Charakters in, Stniie de« tz 10 Ziffer 2 der Polizeiverordming vom 15. Mai 1913 nur zugelassen: a) Aufführungen klassischer oder modern-liierarischer Theater- stücke völlig ernsten Charatleis in Theatern, die einem höheren Kunslinleresie dienen; dj Aufführungen geistlicher Musik und Aufführungen von Lichtbildern aus der biblischen Geschichte oder sonst mit religiösem Zweck und Charaltcr in Kirchen oder in den Räumen solcher Konzerl- und Theateruehniungen. deren Zweck eS ist, Darstellungen mit böbcrcm Kunstinteresie zu veranstalten. 2. Am Bußtage. Mittwoch, den 22. November 1916, und am Totensonntage, den 26. November 1916, erstreckt sich daS in 8 10 der Polizeiverordnung vom 15. Mai 1918 und in dieier Bekanntmachung ausgesprochene Verbot der öffentlichen Beranslnltiiiigen auch auf alle privaten in Tbealern, Konzerl- und sonstigen öffentlichen BergnüngS« lokalen veranstalteten Lustbarkeiten. 8. Borträge über ernste Gegenstände, die nicht unter den Be- griff der Lustbarkeit fallen, sind wie bisher auch diesmal gestattet. Die polizeiliche Genehmigung der hierdurch grundsätzlich zu» lässigen Veranstaltungen ist rechtzeitig uachzujuchcil. Kleinhandelspreise für frische Seefische bester Qualität für Donnerstag, den 2 6. Oktober 1916. Schellfische, klein(Bis 3/4 Pfund) 1,80 M.. mittel(von'/< bis 1 Pfund) 2,00 M.. großmitlel(von 1 bis l'/a Pfund) 2,10 M., firoßc(von l'/a Pfund und mehr) 2.20 M.! jlabeljau, klein(bis 1-/2 Pfund) 1,23 M., mittel(von 1�/z bis 4 Pfund) 1,40 M., grofze (von 4 Pfund und mehr) 1,30 M.. ohne Kopf(im Ausschnitt) 2,10 M.l Schollen, kleine(bis zu>/, Pfund) 1,06 M.(Zufuhr etwas reichlicher.) Vermiete Kriegsteilnehmer. Jir den an das Rote Kreuz gerichteten Anfragen nach vermieten Kriegsteilnehmern werden vielfach die Angaben über GcburtSorr, »rag und-jähr, Regiment, Kompagnie. Ort und Datum der vermut- lichen Gefangennahme nicht mit der Genauigkeit gemacht, die erforder- lich ist, wenn die Nachforschungen zu einem sicheren Ergebnis führen sollen. Die Angehörigen der Vcrmistlen iverdcn daher auf- gefordert, durch möglichst lückenlose Mitteilung der vorerwähnten Anhaltspunkte den Nachsorschungsdienst dcS Roten Kreuzes zu erleichtern. Sollte ein Vcrmistler, nach welchem Nachforschungen angestellt sind, seinen Angehörigen aus der Gcfangenschasl ein Lebenszeichen geben, bevor eine Aufklärung seines Verbleibs von feile» des Roten Kreuzes erfolgen konnte, so ist es erwünscht, daß der� in Anspruch genommenen Stelle der Untcrbringnngsorl des Gefangenen umgehend bekanntgegeben wird, damit einerseits un- nötige weitere Nachforschungen vennieden, andererseits auf Grund solcher Mitteilungen die Nachforschungen nach anderen als vcrmistt gemeldeten Hccrcsangchörigcn fortgesetzt werden können. Bei einem schwunghaften Handel mit NahrungSmittclkarten wurden gestern abend fünf Mann überrascht und festgenommen. Der Kriminalpolizei kam zu Ohren, daß in zwei berüchtigten Lokalen der Linien- und Dragonerstraste mit Lebensmittelkarten aller Art lebhaft gehandelt lvird. Nach längeren Beobachtungen machten mehrere Kriminalbeamte beiden Lokalen gestern abend einen überraschenden Besuch. Fünf Gäste dieser Lokale, zum größten Teil Leute aus den Kreisen der fliegenden Händler, waren eifrig dabei, Brot- und andere Nahrungsmittelkarten, die aus Einbrüchen herrühren müssen, an- zubieten und abzufetzen. Sie verfügten über ganze Sätze und ver- langten und erhielten bis zu 8 M. den Satz. Alle fünf Händler wur- den verhaftet. Woher die Karten im einzelnen stammen, bedarf noch der Auftlärung. Ein schwerer Nutomobilunfall bat sich am Dienstag abend in der Müllerstraße ereignet. An der Haltestelle vor dem Hause Müller- straße 81 wollte eine Frau Klenske einen Straßenbahnwagen der Linie 23 besteigen. Dabei wurde sie, als sie sich fast am Wagen befand, von einem herannahenden Mililärautomobil umgerissen. Bei dem Sturz auf das Slraßenpflafter erlitt sie einen Schädelbruch. Die Verunglückte fand im nahen Paul Gerhardt-Slift Aufnahme.— Ein zweiter schwerer Straßsnunfall trug sich im Südosten zu. Bor dem Hause Waldemarstr. 13 wurde der vierjährige Kurt Richmann von einem herannahenden Straßenbahnwagen der Linie 10 um- gestoßen. Der Kleine geriet mir den Füßen unter den seitlichen Schutzrahmen und beide Füße wurden dem bedauernswerten Kinde abgequetscht. In besinnungslosem Zustande brachte man den ver- unglückteu Knaben nach dem Krankenhausc Bethanien, wo er bedenk- lich daniederliegt.— Totgefahren wurde gestern morgen in Steglitz, Schloßstraße, ein Bierfahrer in dem Augenblick, in dem er das Gleis der Straßenbahn überschreiten wollte, von einem daherkommenden Straßenbahnwagen. AuSstellnng für Kriegsbeschädigte. Infolge des regen Besuchs der Ausstellung der Kriegsbcschädigten-Fürsorge im Langenbcck- Virchow-Haus, Luisenslraße 38/39, hat sich die Kriegsbeschädigten- Fürsorge entschlossen, die Ausstellung bis Monrag, den 30. Oktober, zu verlängern. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß vor- mittags um lO'/a Uhr und nachmittags um 4 Ubr Führungen durch die Ausstellung unter fachlicher Leitung stattfinden. Ncdcr Unzuträglichkeiten beim Milchverkanf in Fricdrichsfclde wird nus berichter, daß es am Sonnabend in der Luisenstraße zu recht unangenehmen Szenen gekommen ist. Die milchholenden Frauen und Kinder wurden durch Aeußerungen des diensthabenden Beamten in lebhafte Erregung versetzt. Weil die Frau eines auf Urlaub be- findlichen, verwunder gewesenen Unteroffiziers, die ein Kind auf dem Arme trug, von dem Beamten gestoßen worden war, lrar der Unter- osfizier an den Wachtmeister heran, um gegen diese Behandlung Einspruch zu erbeben. Der Beamte griff zum Säbel und versetzte dem Soldaten einen Hieb über die Schulter, drohend, ihn über den Haufen zu schießen. Einem zweiten Hieb entging der Uilteroffizier dadurch, daß er beiseite trat. Erst ein zweiler Beamter, der hinzu- kam. machte der Szene ein Ende und beruhigle die Leute durch sein ruhiges und besonnenes Wesen. In der heutigen ernsten Zeit sollten zur Regelung des Lebeusmittelverkaufs nur Beamte ver- wendet werden,' die selber über große Ruhe und Besonnenheit ver- fügen. Auf der Spur des Raubmörders. Der Maurer und Knecht Ebert, der im Sommer vergangenen JahrcS bei Bergedorf den dänischen Maler Mortcnsen ermordete und beraubte, eine Zeitlang dessen Namen führte, bis das Verbrechen entdeckt wurde, und sich seitdem allen Nachforschungen zu entziehen verstand, ist nach der Bekundung zweier Frauen jetzt in Berlin gewesen und vielleicht noch hier. Nach den Ermittelungen der Hamburger Kriminalpolizei kehrte Ebert. der sich Franz KnizpcnSki aus Puckwitz nannte, in der Nacht zum Mitt- woch vergangener Woche, dem 18. d. Mls. in der Herberge in Stendal ein und übernachtete dort, ohne daß man wußte, mit wem man zu tun hatte. Mit ihm kam ein anderer Mann, der sich Friedrich Boge aus Podaszewo nannte. Die beiden gingen am nächsten Morgen weiter und haben sich vermutlich nach Verlin begeben. Hier mietete nun am Tage nach jener Nacht in Stendal, also am Donnerstag vergangener Woche in der Borsigstraße 26 ein angeblicher Schlosser Paul Wilke aus Stolbcrg in Sachsen eine Schlasstelle. Am nächsten Morgen ver- schwand Wilke und nahm einen Jackcttanzug mit. Die Vermieterin und eine andere Frau behaupten nun, nachdem ihnen bei ihrer Diebstahlsanzeige auch ein Bild des verfolgten Raubmörders vor- gelegt worden war. daß der angebliche Paul Wilke niemand anders als Ebert sei. Der Schlasstellenmieter hatte erzählt, daß er aus Spandau komme und in der nächsten Zeil zu seiner Schwester nach Leipzig fahren wolle. Wenn die Angabe der beide» Zeuginnen zu- trifft, so ist dem Verbrecher wohl besonders darum zu tun gewesen, einen Anzug zu bekommen, um seine Kleidung wechseln zu können. Diese war wiederholt in den Zeitungen beschrieben worden. Der Verfolgte, der von seiner geplanten Reise nach Leipzig wohl nur gesprochen hat. um die Verfolger irre zu führen, wird jetzt sicher den gestohlenen Anzug tragen, einen neuen braunen Jackellanzug. Zurückgelassen hat er ein gewöhnliches Leinenhcmd, wie man es auf dem Lande zu tragen pflegt. Dieses Hemd wefft viele Blutflecke auf und ist?. K. gezeichnet. Beim Abspringe» von einem fahrenden strasienbahnwagen tödlich verunglückt ist gestern die Ehefrau Marie des Schneiders Räschke aus der Sebastianstraße 17. Sie fiel so schwer hin, daß sie sich einen Schädelbruch zuzog und nach kurzer Zeit im Krankenhaus in der Gitschiner Straße starb.— Die 42jährige Frau Marie Wirodzki wollte gestern früh gegen 6>/z Uhr einen Straßenbahnzug der Linie 63 vor dem Hause Weidenweg 49 während der Fahrt besteigen. Dabei glitt sie vom Trittbrett ab, kam zu Fall und geriet mit den Beinen unter den Schutzrahmen des Beiwagens. Durch Anheben des Wagens wurde die Verunglückte aus ihrer entsetzlichen Lage befreit- Frau W. hatte eine Zertrümmerung des rechten Beines und schwere Verletzungen der Weichteile erlitten. Im Krankenhause Friedrichs- Hain, wohin die Bedauernswerte geschafft wurde, ist sie bald nach ihrer Aufnahme an den Folgen der schweren Wunden gestorben. Durch einen Sturz aus dem Fenster ums Leben gekommen ist der zwölf Jahre alte Sohn Otto des ZigarrenarbeiterS Rictdorf aus der Gerickilstraße 72. Der Knabe lehnte sich zu weit auS einem Fensler der ini vierten Stock belegenen Wohnung, verlor das Gleich- gewicht und fiel in die Tiefe. Noch lebend wurde der Verunglückte nacb dem Krankenhaus in der Reinickendorfer Straße gebracht, dort starb er ober schon nach kurzer Zeit. Die Törflersche Wurstfabrik in der Grcifswalder Straße, die kürzlich Gegenstand öffentlicher Erörterungen lvar infolge der schlechten Gelüche. die von ihr ausgehen follien, hat ihren Betrieb eingestellt. Als Grund wurden die Schivicrigkeiten angegeben, die infolge Einführung der Rcichsfleischkarle entstanden sind. Verloren gegangen ist ein Buch mit dem Mitglicdcrvcrzcichnis eines zum Verband der Laubenkolonisten gehörigen Vereins mir Bcilrag-smarken. die für den Finder nicht den geringsten Wert babcn, weshalb um Abgabe an Kaiser, Charlottcnburg, Ufnanstr. 4, ge- beten wird. /Zus den Gemeinöen. Britz. Nach Z 1 de-S OrtsstatutS vom 3. Juni d. I. besteht die hiesige Gemeindevertretung neben den Schöffen in Zukunft aus 21 Gemeindeverordneren. Es sind infolgedessen drei Gemeindeverordnete— für jede Abteilung einer— zur Verstärkung auf sechs Jahre neu zu wählen. Außerdem har Ersatzwahl für den zum Schöffen gewählten Gemeindeverordneren Genossen Gutschmidt der III. Abteilung bis zum 3l. März 1920 stattzufinden. Es wählen am Sonntag, d e n 29. d. M. die Wähler der IH. Abteilung von 12—2 Uhr nachmittags für beide Bezirke in der Turnballe der 2. Gcmciudcschule. Werdcrstr. 24. Die Wähler der II. Abteilung können ihr Wahlrecht am Mon- tag, den 30. d. M., von 3—6 Uhr nachmittags im SitzungSsaale des Rathauses ausüben, diejenigen der I. Abteilung von 6>/z bis 7 Ubr nachmittags ebendaselbst. In der I. und III. Ableitung müssen Angesessene, in der H. Abteilung kann ein Nichtangcscffencr gewählt werden. Eine Einladung der einzelnen Wähler durch Karten erkolgt in- folge der vielen Einziehungen zum Heeresdienst nicht. Gewählt wird nach der Wählerliste von 1913. Die Kandidaten der sozialdemokratischen Partei für die III. Abteilung sind: Genosse Otto Witte, Kassenaugestelltcr, Rungius- straße 33 u. für die Verstärkungswahl und: Genosse Wilhelm B u t e n s ch ö n, Kassenangestellrer, Rungiusstr. 37b, für den Genossen Gulschmidt._ Kondensierte Milch und»Oiaferflocken für Kinder in Schöncbcrg. Für die Kinder von 6—10 Jahren, die in Zukunft Vollmilch- karten nicht mehr erhalten, gibt der Magistrat zu Bcrlin-Schöncbcrg voni Sonnabend, den 28. Oktober ab eine Woche lang einmalig eine Dose kondensierter Milch gegen Vorweis der grünen Milchkarle für Oktober und Abgabe eines Abschnittes der Lebensmittelkarten aus. Hafcrflockenscheine für die Rinder im 1. und 2. Lebensjahre werden in Berlin-Schönebcrg mit den Novembermilchkarten ausgegeben. Jeder Literkarte wird ein Bezugsschein über 1 Pfund Hafer-Fabrikatc beigefügt. Es wird dadurch der Bevölkerung ein besonderer Weg zur Brotkommission erspart._ Kohlrübcnverkauf in Steglitz. Auf dem Güterbahnhof werden Donnerstag, den 26., und F r e i t a g, den 27. d. M., Kohlrüben auf die Lebensmittel- karte verkauft. Der Preis beträgt pro Pfund 6 Pf, abgegeben werden auf die Karte 10 Pfund. Aufgerufen wird wie folgt: Donnerstag vormittag 8— 12 Uhr die Karten Nr. 12 001— 14 000, nachmittags 2— 4l/ä Uhr Nr. 14 001— 16 000, Freitag vormittag 8—12 Uhr Nr. 16 001—18 000 und nachmittag 2— 41/-, Nr. 18 001 biS 20000._ Die Lcbcnsmittelvcrs orgung Treptows. Von der Gemeindeverwaltung wird uns mitgeteilt: Die Gemeinde Treptow hat seil dem 1. Okiober 1916 neue Lebensmittelkarten eingeführt. Jeder Einwohner erhält eine Karte, die mir 46 abtrennbaren mir Buchslaben und Zahlen bezeichneten Abschnitten versehen ist. Dadurch soll erreicht werden gleichmäßige Verteilung an alle. Kontrolle der Händler. Um Ansammlungen zu vermeiden, sind K u u d e n l i st e n eingeführt. Jeder Händler er- hält so viel Ware zugewiesen, wie er Kunden hat. Da der Vorrat nicht immer so groß ist. daß alle Einwohner zugleich bei der Verteilung berücksichtigt werden können, ist dafür Sorge getragen, daß alle Einwohner nach und nach die gleichen Waren erhallen. Die Verteilung ist in vollem Gange. Es sind beispielsweise in der vergangenen Woche Nudeln, Heringe, frische Lcbertvursr und Eier, ferner Weizengrieß und Haferflocken für Kranke und Haferflocken für Kinder unter 2 Jahren auf die Karten verteilt worden. Ohne Anrechnung auf die Lebensmittelkarten sind u. a. zum Verkauf gelangt: Sardinen in Tomaten, Oelsardincn, RindfleischiLlze, Backobst, Pflaumen, Kafieemischung, Roggenkaffee, Makrelen, Kräuterheringe, Bouillonwürfel und Seifenpulver. Auch frisches Gemüse wird zurzeit ständig zum Verkauf gestellt, wodurch die am Orte sehr bohcn Preise für Gemüse erheblich herab- gedrückt tvurden. Weißkohl wird mit 9 Pf, ab Hauptlagcr bei zcntncr- weisem Bezug mit 7 Pf, Rotkohl mit 16 Pf, ab Hauptlager mit 13 Pf, Kohlrüben mit 8 Pf, ab Hauptlager mit 6Vz Pf. gehandelt. Größere Mengen sollen eingemietet oder eingekellert werden. Zwiebeln gibt es für 18 Pr. das Prund, geräucherte Bücklinge und geräucherter Schellfisch. Graupen, Bohnen und Malzkaffes gelangen in dieser Woche zum Verkauf. Die Fleischverteilung hält mit Berlin gleichen Schritt. Die Wochenmenge von 230 Gramm konnte stets verteilt werden. Um dem Mangel an Schweinefleisch abzuhelfen, hat die Gemcide eine eigene S ch w e i n e in ä st e r e i eingerichtet, die zur- zeit einen Bestand von 200 Schweinen aufweist. Außerdem sind durch Vermittlung der Gemeinde an Treptower Einwohner über 50 Futterschweine verkauft werden. Die M i l ch v e r s o r g u Ii g ist nach den Verordnungen der Milchversorgiingc-stelle Groß-Berlin geregelt. Um Ansammlungen vor den Milchgeschäften nach Möglichkeit zu vermeiden, hat die Ge- meinde angeordnet, daß die verschiedenen Milchkartengruppen einzeln nach einander abgefertigt werden, und zwar in folgender Reihen- folge: Rote Karlen(1 Liter), blaue Karten(3/4 Liter), braune Karlen (>/, Liter), gelbe Karten('/< Liter), grüne Karlen. Die Milchhändler haben durch Aushang an von außen ficht- barer Stelle die Zeiten bekannt zu geben, in denen die einzelnen Karicngruppen abgefertigt werden. Die Zeiteinteilung ist so zu regeln, daß Ansammlungen Velm eden werden. Die Gemeinde hat einen eigenen Kuh st all errichtet, um die Versorgung der Kranken und Säuglinge mit guter Milch sicherzu- jteüen. Seit dem 19. Juni 1916 unterhält die Gemeinde zwei Bürgerküchen am Orte, die sich guten Zuspruchs erfreuen; zur- zeit werden rund 2100 Personen täglich gelpeilt.� Die Verteilung von Futtermitteln erfolgt auf Grund von besonderen Futlermitlelkarten, die jedesmal dem Futtermittelhandler vorzulegen iind. Dlejer vernierlt flUT Öcc Sparte bic uögcgevenen Futtermuttel. Aus den amtlichen Bekanntmachungen entnehmen wir, daß Futterrüben, Eiweißstrohkrafifutter, Knochenschrot und inländifche Kleie an die Viehbesitzer verteilt werden. ZLettcrauSsichten für das mittlere Norddcutichland bis Freitag mittag. Zeitweise beiler, jedoch überwiegend bewölkt, besonders im Südwesten etwas Ziegen; Temperaturen wenig verändert. Gerichtszeitung. Strafbarer Scherz. Ein merkwürdiger Bestich in den der MunitionSfabri- kation zurzeit dienenden Räumen d e r A. E. G. lag einer Anklage wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruch bczw. Amtsmißbrauch zugrunde, die das Schöffengericht Berlin- Mitte beschäftigt. Angeklagt waren der Schlosser Paul Dunkelberg und der Dreher Georg Menzel. Ersterer war in der Geschoßsabril in Spandau beschäftigt gewesen und hatte, da er einer AdteilunaS- komniiffion zugeteilt gewesen lvar, eine AuSweiskarte zum Betreten der Tlirbiiicnsabrik tn der Hutlenstraße erhalten. Ja einein Schanklokal haue er eines Abends den M. lenuen gelernt und mit ihm wacker gezecht. In der Biclstiminüng machte er sich an- heischig, in der Nacht den M. durch die sckretcn Räume der A. E. G. nU_ führen. Beide machten sich dann nächtlicher Weile auch auf den Weg. Dem Pföitner Borikowski, der den Dunkelberg schon kannte, erklärte er auf Befragen nach dem Grund seines Erscheinens, er habe den Auftrag, einen Granatendiebsiabl auf- zuklärcn und mit Hilfe des M, den er als„ K r i m i n a I f ch u y- mann Wendr" vorstellte, eine Durchsuchung der Fabrikräume vorzunehmen. Dem Pförtner kam die Sache sonderbar vor, als aber M. aus seine Frage nach dem Polizeirevier kurzerhand eine Nummer nannte, ließ er die beiden nächUicheii Gäste zwar zunächst ein, benachrichtigte aber den Werkmeister, der dann beide Angeklagte, die bereits die Prcfferer besichtigt hatten, festnehmen ließ. Der ursprünglich aufgetauchte Verdacht, daß es den beiden darum zu tun gewesen sein könnte, irgendetwas auszuspionieren, bat sich nicht bestätigt; eö scheint sich vielmehr, wie RechtSanwolt K n i e p aus- führte, nur um eine sogenaniile betrunkene Geschichte gehandelt zu haben, bei der es seitens des M. zu einer Betätigung des ihm von D. selbstherrlich zugelegten Amtscharallcrs überdies gar nicht gekommen sei.— Das Schöffengericht verurteilte die An- geklagten zu je einer Woche Gefängnis. Vom Begriff des zuständigen Beamten. Nach 8 360 Ziffer 8 des Strafgesetzbuchs wird bestraft u. a. der- ienige, der sich eines ihm nicht zulommenden Namens einem zuständigen Beamten gegenüber bedient. Wegen Ilcberlrelung der Be- siimmnng war Frau Cohn angeklagt worden. Sie baue in einer Liefernngssache mit einer Bcschaffnngsstelle der Intendantur zu tun. Dort verhaiidelte sie mit einem bei der Intendantur tätigen Assessor. Sie nannte sich ihm gegenüber nicht Eobn. sonder» Moser, und zwar aus Veranlassung eines Kaufmanns Moses. Wegen des Ge« brauchS dieses ihr nicht zulommenden Namens wurde Frau Cohn auf Grund des§ 360 Ziffer 8 angeklagt, und mit ihr Moses als Anstifter. Die beiden Angeklagten wurden jedoch in allen drei In- stanzen f r e i g e s v r o ch e n. DaS K a m m e r g e r i ch l führte in seinem jetzt die Revision der Staatsanwaltschaft zurückweisenden Erkenntnis aus: Die Freisprechung der Angeklagteu durch daS Landgericht III sei gerechtfertigt, weil die Angeklagte den ihr nicht zukommenden Namen nicht gegenüber einem .zuständigen" Beamten im Siiuie dcS§ 360 Ziffer 8 gebraucht habe. Ein zuständiger Beamter in diesem Sinne sei ein Bcamlcr, dem ans Grund des StaatShoheitSreckuS die Befugnis zu» stehe, den Namen der ihnen gegennberlrelende» Personen aus dem Publikum zu erforschen. Zu diesen Beamten habe hier der in Frage stehende Assessor Claudius nicht gehört. Denn er fei vorliegend nur der Vertreter einer vertragschließenden Partei, nämlich einer Be- fchaffungsstelle der Intendantur, in einer LiefcrungSangelcgenheit für HecrcSbcdarf gewesen. flus affer Welt. Erdstoß im Schwarzwald. Aus Karlsruhe wird gemeldet: In N e u st a d r und am Titisee im südlichen Schwarzwald wurde gestern früh 3 Uhr ein heftiger Erdstoß verspürt, wodurch die Zimmergegenstände wankten und die Fenster klirrten. Es handelte sich um ein vom Feldbergmassiv ausgehendes lokales Beben. Untergailg cincS 200 Jahre alten Schiffes. In den letzten Stürmen ist das älteste Schiff Nordeuropas und wahrscheinlich der ganzen Welt untergegangen. Es war der 200 Jahre alle schwedische Schoner„Götha E e i o n", der von Stockholm mit einer Ladung Kohlen nach Finnland unterwegs war. Das Schiff bat seinen Be- stimmungshofcn nicht erreicht, eS ist mit Mann und Maus untergegangen. Das Schiff ist im Jahre 1716 erbaut worden. Sturnikatastrophe in Britisch-Wcstindicn. Ein amtlicher Bericht meldet, daß ein Orkan die I u n g s r a n- I n s e ln in Britisch» Weslindieir vor kurzem schwer heimgesucht hat. 21 Menschen wurden gelötet. Viele Häuser und die auf dem Felde stehende Ernte wurden zum Teil vernichtet. 2000 Personen sind obdachlos. Ein Juwelier, der sich selbst bcstiehlt. AuS Nizza wird dem „Matin" gemeldet: Im Sommer des Jahres 1914 wurden in Nizza und Umgebung zahlreiche Einbruchsdiebstähle bei Juwelieren verübt, deren Ausführung den Verdacht der Tätersämft auf eine bekannte Bande von Geldschrankknackern lenkte. Es gelang der Polizei, die Häupter der Baude festzunehmen. Nunmehr hat sich herausgestellt, daß der geistige Urheber der ganzen Diebstähle der Juwelier Tröves war, der iu seinem bekannten und eleganten Ge- schäft die gestohlenen Sachen an Fremde, meistens Engländer und Amerikaner, verkaufte- Dieser Tage wurde er beobachtet, wie er in Marseille den Versuch machte, die ihm angeblich gestohlenen Juwelen zu verkaufen. Seine Einbrüche verteilen sich auf einen Zeitraum von nahezu zehn Jahren. TrövcS wurde in dem Augen- blick verhaftet, als er nach Monaco flüchten wollte. Zlrbcitcr-Zainariter-Kolonnc Rosciithal- Rcinickendors. Sonn- tag, den 29. Lktobcr. nachmittags 2 Ubr, findet im Ztestaurant P. Anders, Rcinickendors, Hauplstr. 34, cnic öffeuUichc Hebung statt. Alle Parle:- genossen. Freunde und Gönner der Kolonne find dazu jrcuiidlichst ein- geladen.__ öriefkaften der Redaktion. DI- InrMiscb- Svr-chNund- finde« für Abonnenten Sindrn«,. 3. I?.»o, eeebts, varrcrre, am Wonrag bii Freilag von 4 bis 7 Ugr, am Sonnabend von 5 bis e Uhr ftatt. Jeder iL: den Brt-ilafte» beslunmien Antrage «st«n Luchtlabe und eine 3adt als Merlzeichen beijutugen. ArlefUche Antwort wird nich: erteilt. Antragen, denen leine Abonnemenl-Zmutlimg beigefügt»ft, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man m der Svrechtiunde vor. Lcrträgr, Echrlitftiicke»ad berglrichen dringe mar»u di« evrcchüunde mit, M. F. 47. Wenn auch die Mutter schon verstorben ist.!o crbcn die Kinder zu gleichen Teilen. Kann eine Einigung mchergerichtlich nicht zustande kommen, so müssen Sic gerichllichc EibauSeinandersepung be�m� zuständigen Amtsgericht bcantragen.— L. I. 1. ES kann M dietem Falle ohne weiteres zur Pfändung geschiittcn werden. 2. Für Schokolade be- sieben leiiic Höchstpreise, deshalb wird gegen den von Ihnen gclchiweftcn Nebeliland nichts zu machen fein,—(?• 3- 41. Die Untvruche auf Ztnck- sländc von MietSziiifen verjähren in vier Jahren.— 21. SC. 4t». a,cn Eltern stehen auf(»rund der geklebten Jnvalidenmarken des Sobnes keine Ansprüche aus die Jnvalidenvcrsichcruna zu,— A. 100. Ubloluter Anspruch aui Uilaub besteht nicht. Laut einer Versugung tollen die über ein Jahr draußen im Felde Stehenden, soweit c-Z der Dienst zula,!t. Urlaub bclommeu.— A. I. Hdf. Sie sind zum Schadcnersad verpflichtet.— G. T. 33. Die Ziffer bedeutet liirocnlcidcnd,— C. B. 34. Nerven- leidcnd. Hcrabletzung der Schichärse: landslurmpfiichtig—(f. BS. 20. Sie sind«ir Steuerzahlung vom 1. Oktober an verpflichtet.— B. 10. Di- Kraiitenkasienreiitc lann auch noch nach der Enilassiing vom Truppenteil gezahlt werden Es kommt daraus an, ob noch Jiivakidität als oorticgeu» er- achtet wird— Friedcuau 030. Wenn nicht durch dicZlrbcitöordiiung derZklS BGB ausgeschaltet ist, müssen Sic für die versäumte Zeil Zahlung verlangen.