Nr. 296. 33. Jahrg. Abonnements- Bedingungen: abonnements. Breis pranumerando Bierteljährl 8,90 M, monatl. 1,30 wöchentlich 30 Bfg. frei ins Haus Einzelne Nummer 5 Big. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Big. Bost Abonnement: 1,30 Mart pro Monat Eingetragen in die Boit Zeitungs Breisliste. Unter Kreuzband Deutschland und Desterreich- Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal Rumänien, Schweden und die Schweiz an Ericheint täglid. Tür 15in Vorwärts Berliner Volksblaff. 5 Pfennig Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 60 Big., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 Pig. Kleine Anzeigen", das jettgedruckte Wort 20 fg.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Big., jedes meitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buch staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Ferniprecher: Am: Morigplas, Nr. 151 90-151 97. Freitag, den 27. Oftober 1916. Expedition: Sw. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morigplas, Nr. 151 90-151 97. Jenseits der Karpathenfämme. Meldung des Großen Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, 26. Ottober 1916.( W. T. B.): Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Unsere Kampfartillerie hielt wirkungsvoll Gräben, Batterien und Anlagen des Feindes beiderseits der Somme unter Feuer. Unsere Stellungen auf dem Nordufer wurden vom Gegner mit starken Feuerwellen belegt, die Teilvorstöße der Engländer nördlich von Courcelette, Le Sars, Guendecourt und Lesboeufs einleiteten. Keiner der Angriffe ist geglückt; sie haben dem Gegner nur neue Opfer gekostet. Heeresgruppe Kronprinz. Der vorgestrige französische Angriff nordöstlich von Berdun drang, durch nebliges Wetter begünstigt, über die zerschossenen Gräben bis Fort und Dorf Douaumont vor. Das brennende Fort war von der Besatzung geräumt; es gelang nicht mehr, das Werk vor dem Feinde wieder zu besetzen. Unsere Truppen haben zum großen Teil erst auf ansdrücklichen Befehl und mit Widerstreben, dicht nördlich ge legene, vorbereitete Stellungen eingenommen. In ihnen sind gestern alle weiteren französischen Angriffe abgeschlagen worden, besonders heftige auch gegen Fort Vaux. Deftlicher Kriegsschauplah. Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Nördlich des Miadziol- Sees bliesen die Russen ergebnislos Gas ab; das gleiche Mittel bereitete südöstlich von Gorodischtsche einen Angriff vor, der verlustreich scheiterte. Im Abschnitt Zubilno- Zaturcy westlich von Luck machten im Abenddunkel russische Bataillone einen Vorstoß ohne Artillerievorbereitung; in unserem sofort einsetzenden Sperrfener brachen die Sturmwellen zusammen. Front des Generals der Kavalleric Erzherzog Carl. Zwischen Goldener Bistrit und den Ofthängen des Kelemengebirges wurden feindliche Angriffe abgewiesen. An der Ostfront von Siebenbürgen haben im TrotufulTal österreich- ungarische, auf den Höhen südlich des Par Dituz bayrische Truppen rumänischen Gegner geworfen. An den Straßen auf Sinaia und Campolung haben wir im Angriff Gelände gewonnen. Balkan- Kriegsschauplah. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls bon Madensen. Die Operationen in der Dobrudscha nehmen ihren Fortgang. BUY Welchen Umfang die Rumänen ihrer Niederlage beimessen, geht daraus hervor, daß sie die große Donaubrücke bei Cernavoda gesprengt haben. Unsere Luftschiffe bewarfen in der Nacht zum 25. 10. Bahnanlagen bei Fetesti( westlich von Cernavoda) erfolgreich mit Bomben. Mazedonische Front Südlich des Prespa- Sees hat bulgarische Kavallerie Fühlung mit feindlichen Abteilungen. Bei Krapa( an der Cerna) und nördlich von Gruniste Find Vorstöße der Serben abgeschlagen worden. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. * Der öfterreichische Generalstabsbericht. Wien, 26. Oktober 1916.( W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Deftlicher Kriegsschauplah. beeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Carl. Nördlich von Campolung wurden rumänische Gegenstöße abgeschlagen. Südlich des Predeal- Baffes sind unsere Sonvedtruppen in erfolgreichem Fortschreiten. Im Bereczker Gebiete säuberten Bayern einen Grenzfamm. Im Uz- und 144 Patros( Trotusul-) Tale warfen österreichisch- ungarische Truppen schon auf rumanischem Boden kämpfend den Feind an mehreren Stellen. In der Dreiländerecke, auf den Höhen am Neagra- Bache, wurden russische Angriffe zurückgewiesen. Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Nördlich von Zaturch brachen angreifende russische Bataillone vor den deutschen Hindernissen zusammen. Italienischer Kriegsschauplatz. Auf unseren Stellungen im Wippach- Tale und anf der Karsthochfläche lag gestern Vormittag heftiges Artillerie- und Minenfeuer, das gegen mittag allmählich nachließ. Rekognoszierende feindliche Abteilungen, die sich unseren Stellungen näherten, wurden durch Handgranaten zurückgetrieben. Südöstlicher Kriegsschauplah. Aus dem Bereiche unserer Truppen nichts zu melden. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. b. Hoefer, Feldmarschalleutnant. Die Einnahme Predeals. Telegramm unseres Kriegsberichterstatters. Armee- Oberkommando Falkenhayn, 25. Oktober. Nachdem die deutsch- ungarischen Truppen am 13. Oktober auf dem Grenzgrat östlich Predeal festen Fuß gefaßt hatten, rangen fie fich in harten, durch Schneefall und Kälte erschwerten schüttete Gräben, aus denen die blutigen Reste zerfetzter und zerquetschter Rumänen ragen. Zersplitterte Gehölze. Vor und hinter den zusammengeschossenen Stellungen zahlreiche Tote, die dem schweren Feuer unserer Artillerie tapfer standhielten. Die letzten Kampftage und besonders Straßenkämpfe des 23. haben das Nordviertel von Predeal fast vernichtet. Die zum Teil hoch eleganten Villen der Bukarester Sommerfrischler sind öde Trümmerhaufen. Unter ihnen liegt die Villa Bratianus als ein Symbol seiner Politik in Schutt und Asche. Um die großen Bahnhofsanlagen spielten sich am Spätnachmittag des 23. wütende Kämpfe ab. Die Gebäude find total zerschossen. In den Speisesälen, aus denen Maschinengewehre feuerten, lagen die Toten umher. Aber auch in der weit auf dem Sattel sich hinbreitenden Stadt ist fast kein Haus unbeschädigt. Die Einrichtungen haben die rumänischen Soldaten zum großen Teil in ihre umliegenden Stellungen verschleppt. Als ich heute in der toten Grenzstadt weilte, fämpften unsere Truppen schon weit im Süden der Stadt. In der letzten Woche haben sie nach beispiellofem Siegesmarsch den Krieg, nach welchem Rumänien lechzte, in seine eigenen Dörfer getragen. Dr. Adolph Köster, Kriegsberichterstatter. Kämpfen allmählich nach Süden vor. Die rumänischen Berge Die Verkehrspläne des Zweckverbandes. überhöhen hier den Grenzgrat durchweg. Der Geguer leistete überall erbitterten Widerstand. So gelang es nur unter zahlreichen erbitterten Berggefechten, eine Linie zu erreichen, aus der Predeal von Osten her genommen werden konnte. Bis In einer Zeit, in der alles teurer wird, will auch die zum 22. hatte unsere Front südlich des Czagplyst eine starke Berliner Große" nicht zurückbleiben. Aber im Rennen un Einbuchtung. An diesem Tage wurde durch Eroberung einer den Kriegsgewinn hat sie die Hürde des gemeindlichen EinHöhe südlich des Grates unsere Frontlinie ausgeglichen. Dabei spruchsrechts. bisher noch nicht zu überspringen vermocht. fielen einige hundert Gefangene in unsere Hand. Am 21. Schon im Vorjahr hatte die Direktion der Großen wurde Predeal vom Often her über die Wiesen, durch welche die Grenze läuft, angriffen. Nachmittags 3 Uhr war der Bahnhof in unserer Hand. Viele Häuser wurden hartnädig verteidigt. Die letzten hielten sich am Südrand der Stadt noch bis in die Nacht. Sobald der Feind aus dieser seiner ersten eigenen Stadt verdrängt war, begann er sie heftig zu Preise heraufgesett, Arbeiter- Wochenkarten dagegen nicht verbeschießen. Trotzdem die rumänischen Gefangenen, aus vielen verschiedenen Regimentern stammend, einen ziemlich stupiden Eindruck machen, haben sie sich mit anerkennenswerter Tapferkeit geschlagen. Eine Maschinengewehrbedienung schoß bis zum letzten Schuß. Die Leute erklären, tagelang keine Verpflegung mehr erhalten zu haben. Die Haltung ihrer Offiziere schildera sie wieder als sehr feige. Der Feind hält sich noch auf einigen Höhen westlich der Stadt. Dr. Adolph Köster, Kriegsberichterstatter. In Predeal. Straßenbahn- Gesellschaft im Hochsommer dem Verband Groß- Berlin einen Antrag unterbreitet, ihr zunächst für die Groß- Berlin einen Antrag unterbreitet, ihr zunächst für die Dauer des Krieges eine Tariferhöhung zu bewilligen, und zwar sollten Strecken bis zu zirka 5 Kilometer 10 Pf., bis zu zirka 7,5 Stilometer 15 Pf., weitere Streden 20 Pf. Fahrgeld kosten. Zeitkarten und Schülerkarten sollten gleichfalls im teuert werden. Als der Antrag im Verbands- Ausschuß zur Beratung kam, ergab sich die erfreuliche Uebereinstimmung, daß der Groß- Berliner Bevölkerung während des Krieges diese keineswegs zwingend begründete Belastung erspart wererörterungen erst nach Eintritt geregelter Verhältnisse, den müsse. Es wurde beschlossen, in irgendwelche Tariffrühestens ein Jahr nach dem Kriege, einzutreten. Man konnte hoffen, daß danach dieser Angriff auf die Taschen der erwerbstätigen Bevölkerung Groß- Berlins zunächst abgeschlagen sei, und die Stellungnahme des Verbandsausschusses erschien um so sicherer begründet, als inzwischen die Verhältnisse sich von Monat zu Monat zugunsten der Gesellschaft, verschoben hatten. Die Einnahme war in 1916 in der Zeit vom 1. Januar bis 31. August um mehr als vier Millionen höher, als die des entsprechenden Zeitraumes in 1915, und dieser sehr bedeutenden Zunahme der Personenbeförderung stand keineswegs eine entsprechende Steigerung der Wagenkilometerleistung gegenüber. ( Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.) Predeal, 25. Oktober. Es kann keinem Zweifel mehr unterliegen, daß die RuAllein die Gesellschaft dachte nicht daran, ihre Pläne aufmänen die Paßzhöhe von Predeal unter allen Umständen auch zugeben, und sie fand leider Unterstützung beim Verbands. mit den größten Verlusten halten sollten. Das Befestigungs- Direktor. Zunächst scheute man sich allerdings, von neuem system, das sich unseren siegreichen Truppen nach dem Ein- direkt beim Verbande vorstellig zu werden. Man schickte die marsch in die eroberte Stadt auf den benachbarten Höhen und Omnibus- Gesellschaft vor, die mit dem Verband nicht das Wäldern darbot, crinnert in seiner Ausgedehntheit und Soli- geringste zu tun hat, da dem Verband nach dem Zweckverdität an gute Vorbilder des westlichen. Grabenkrieges. In bandsgesetz nur die Regelung des Verhältnisses zu öffentseiner Mitte lag ein geschickt ausgebautes Infanteriewerk, lichen, auf Schienen betriebenen Transportanstalten, mit in dem sich der Feind trotz stärkster Beschießung bis zum letzten Ausnahme der Staatseisenbahnen", obliegt. Die Aktien der Omnibus- Gesellschaft befinden sich zum überwiegenden Teil Augenblick halten konnte. Besonders gegen sten, von wo in den Händen der Straßenbahn- und der Hochbahn- Gesellder deutsch- ungarische Flankenangriff drohte, war unter 3u- schaft, und nur diese Tatsache gibt den Schlüssel dafür, daß hilfenahme der dichten Tannenwälder Graben hinter Graben die Omnibus- Gesellschaft nicht etwa nur eine Tariferhöhung gezogen. Starke Drahthindernisse vervollständigten die Ver- für ihr Unternehmen beantragte, sondern ausdrücklich beteidigung. Auch gegen Umgehungen von Osten waren vor- merkte, daß eine Tariferhöhung für sie nur dann die geforgend starke Stellungen angelegt worden. Die Einnahme wünschte Wirkung ergeben würde, wenn auch den anderen dieses umfangreichen Befestigungssystems von Verkehrsunternehmungen Groß- Berlins eine entsprechende Predeal erfolgte mit geringen Verlusten und ist vor allem Fahrgelderhöhung bewilligt würde! Damit war der Zweck, dem das Gesuch an den Verband dienen sollte, erreicht und die eine Leistung unserer Artillerie. senkung. Auch das Bild, das diese zertrommelte Sattelstellung Omnibus- Gesellschaft verschwand für den Verband in die Verheute bietet, ruft die schlimmsten Bilder eroberter Graben- Das Gesuch der Omnibus- Gesellschaft datiert vom 21. Festellungen des Westens wach: Mit Wasser gefüllte Riesenkrater bruar. Am 26. Juni( 1) brachte es der Verbands- Direktor und Trichter neben Trichter. Vor den Stellungen verim Verbands- Ausschuß als äußerst dringlich zur Beratung, fniettr rt bte Einsetzung eines Tarifunterausschusses, der die Tariffragen der Straßenbahn-Gesellschaften erörtern sollte, beantragte und entgegen den? vorjährigen Beschluß auch er- langte. Diesem Tarif-Unterausschuß ging dann eine Denk- schrift des Verbands-Direktors über die Groß-Berliner Ver- kehrsreform vom 17. Juli 1916 sowie endlich das von der Straßenbahn-Gesellschaft extrahierte Gesuch vom 20. Juli zu. Die Denkschrift des Verbands-Direktors, die nach ver- schiedenen Richtungen ein seltsames amtliches Dokument ist, tritt zunächst schützend die Gesellschaft, der bescheinigt ivird, daß sie„keine Neigung haben könne, ihr Unternehmen zu verwässern",„daß sie, trotz des starken Verkehrs, nur eine niedrige Dividende abwerfe"(selbst jetzt während der Kriegs- jähre 6 Proz.), daß„sie nach dem Kriege mit einer Fülle neuer Anforderungen an ihre Finanzen zu rechnen habe, und daß ihr durch die Konkurrenz-Unternehmungen außerordentlich große Ausfälle drohen", daß ihr Unternehmen durch vertragliche Leistungen an Berlin„dauernd auf das stärkste geschwächt Worden sei",„daß mit einer bloßen Ermäßigung der gegen- wärtigeu Abgaben der Gesellschaft ausreichend nicht geholfen werden könne" usw. Sodann charakterisiert die Denkschrift sich als Streitschrift schroffster Art gegen Berlin, das angeb- lich„lediglich mit dem Recht des Stärkeren" in den vertrag- lich ausbedungenen Nettoabgaben„einen Wegezoll" von den Vororten erhebe, der nickst länger zu ertragen sei und beseitigt werden müsse, und erklärt schließlich fast alle vertraglichen Rechte Berlins gegenüber der Gesellschaft als praktisch ohne Bedeutung. Im Gesuch der Großen Straßenbahn Kird die Genehmi- gung eines Einheitstarifs zu 13 Pf. für Bündelfahrscheine, zu 13 Pf. für Einzelfahrscheine, zu 20 Pf. für Umsteigefahr- scheine und Erhöhung der Zeitkartenpreise um 25 Proz. ohne Steuer erbeten,„da die Einnahmen aus einem Streckentarif, wie im Vorjahr beantragt, nicht mehr ausreichen würden, um das Unternehmen auf eine gesunde Unterlage zu stellen". Die Arbeiterwochenkarten sollten auch diesmal nicht erhöht werden. Die gewünschten Tariferhöhungen würden, wie in einem früheren Artikel im einzelnen dargelegt ist, eine jährliche Be- lastung der Groß-Berliner Bevölkerung von etwa 10— 12 Millionen Mark ergeben. Der Köder der Belassung der Arbeiter- Wochenkarten auf ihrer gegenwärtigen Höhe zerstiebt in nichts, wenn man weiß, daß der Gesamteinnahme von einigen 10 Millionen Mark eine Einnahme aus Arbeiter-Wochenkarten in Höhe von etwa 60 000 M. gegenübersteht! Die Beratungen des Tarif-Unterausschusses wandten sich nicht der Erörterung von Tariffragen, sondern auf Betreiben des Verband-Direktors trotz aller entgegenstehenden geschäfts- ordnungsmäßigen Bedenken gleich der Uebernahme auf Grund eines Vorortvertrages, im weiteren dann dem freihändigen Ankauf des Unternehmens zu, und verdichteten sich schnell zu entsprechenden Beschlüssen. So ging also das Bestreben ein- flußreicher Kreise im Verband dahin, in aller Eile und Stille den folgenschwersten Schritt, den der Verband nach seinen ge- sctzlichen Kompetenzen überhaupt unternehmen kann, soweit zu tun, daß das Hauptorgan Groß-Berlins, die Verbands- Versammlung, sich unvermittelt vor eine Tatsache gestellt sah, die kaum oder nur unter den größten Widerständen rückgängig zu inachen war. Das geschah, trotzdem alle Erwägungen dafür sprechen, jetzt mitten im Kriege die Dinge ruhen zu lassen und zunächst die wirtschaftliche und technische Entwickelung der Verhältnisse abzuwarten. Diese Entwickelung wird mit höchster Wahrscheinlichkeit einen Weg gehen, der zwar den Aktionären der Gesellschaft jetzt den Verkauf des Unternehmens erwünscht machen, aber einer öffentlichen Körperschaft, wie dem Ver- band, die denkbar größte Vorsicht auferlegen müßte. Jahrzehnte hindurch hat die Gesellschaft in ungestörtem Aufstieg riesige Gewinne gemacht. Jetzt nach dem Krieg wird ihre kritische Zeit beginnen. Die Ausdehnung des Netzes der Hochbahn-Gesellschaft und der Berliner Städtischen Straßen- bahnen, die neueil Schnellbahnen der A. E. G. und der Ge- »leinden Berlin-Neukölln(Nordsüdbahn), sowie endlich die mit Sicherheit zu erwartende große Entwickelung des Auto- Omnibus-Verkehrs werden für die Gesellschaft eine außer- ordentliche Konkurrenz gegenüber ihrem jetzigen Stande ent- stehcil lassen. Es kommt neben anderem hinzu, daß das llnternehmen teils mit, teils ohne Schuld der Gesellschaft seit Jahren in Verfall geraten ist und sich in schlechtem Zustand befrildct, sowie daß das männliche Personal nach der Heimkehr vom Feld sich nicht mit den Lohnsätzen des weiblichen Aus- Hilfspersonals begnügen kann. All dieser schweren Sorge ivüvde die Gesellschaft bei einem Verkauf_ jetzt mit einem Schlage überhoben sein, denn selbstverständlich würde sowohl bei der Uebernahme auf Grund eines Vorortvertrages, wie bei dem freihändigen Ankauf in erster Reihe der jetzige Stand des Unternehmens für die Preisbemessung maßgebend sein. Aus A ktionärkveisen ist ja denn auch bereits in der Oeffentlichkeit betont worden, ,chaß Freunde wie Gegner des Projekts sich .iuf jeden Fall davor hüten müßten, die Höhe der Kaufsumme zu unterschätzen". Die Hoffnung also, die in manchen Kreiden vielleicht gehegt wird, daß nämlich der Erwerb durch den Verband die Groß-Berliner Bevölkerung vor einer Tariferhöhung he- mcchren würde, wird sich als trügerisch erweisen. Im Gegen- teil. Der Erwerb durch den Verband wird eine Tarif- erhöhung in baldiger, sichrer Folge haben. Der Schornstein des Verbandes soll und muß rauchen. Schon heute sind den einzelnen Verbandsgliedern hohe Gewinne aus dem Betriebe lockend vor Augen geführt, uird der Standpunkt der Direktion der Gesellschft. daß das Unternehmen als notleidend zu be- trachten sei, solange es nicht dauernd 8 Proz. Dividende ab- werfe, wird leider von einflußreichen Stellen im Verband un> eingeschränkt geteilt! Da der Verbaird bezüglich einer Tarif- erhöhung weit mehr Mach besitzt als die Gesellschaft, käme das Publikum vom Regen in die Traufe. Es kommt weiter hinzu, daß die Lasten, die auf dem Unternehmen auch nach dem Erwerbe durch den Verband in- tolge der vertraglichen Verpflichtungen zu Berlin, Charlotten- bürg usw. ruhen, noch gänzlich ungeklärt sind. Der Erwerb lame also dem Kaufe eines Hauses zu hohem Preise gleich, bei dem der Erwerber nicht vorher sich vergewissert, nirt welchen Hypotheken das Haus belastet ist. Auch die materielle Belastung der Kommunen durch die ungeheuren Summen, die beim Ertverb in Frage stehen, kann gerade in der jetzigen Zeit nicht leicht genommen werden. Seit Jahren ist es das unausgesetzte Streben der sozialdemokrati- 'chcn Gemeindevertreter, in ihren Kommunen die Kriegsfür- sorge mit ihren zahlreichen Verästelungen möglichst gut und erfolgreich auszugestalten und alle Mittel in erster Reihe diesem Zwecke zuzuführen. Die Uebernahme des Unter- uehmens unter den jetzigen gänzlich unübersehbaren Verhält- uissen käme einer Sanierung der Gesellschaft zu Lasten der Kommunen gleich, zu der für sozialdemokratische Gemeinde- Vertreter nicht der mindeste Anlaß vorliegt. So führen alle Erwägungm dahin, alle Tarif- und Ueber- nahmeerörterungen, die miteinander aufs engste verkettet sind, ruhen zu lassen bis mehrere Jahre nach Friedensschluß, wo die Verhältnisse sich geklärt haben und zu übersehen sind. Diesen Standpunkt hat das sozialdemokratische Mitglied des Verbandsausschusses von Beginn an vertreten, ohne daß es ihm trotz der Unterstützung durch andere möglich gewesen wäre, seiner Auffassung zum Durchbruch zu verHelsen. Nur unter dem Druck der öffentlichen Meinung ist noch eine Wen- dung zu erwarten. Die Oeffentlichkeit hat ein unbedingtes Recht darauf, von so folgenschweren Plänen, bevor sie weiter gefördert werden, Kenntnis zu erhalten, und die Verbands- Versammlung muß, wie sie vor Beginn der ganzen Aktion hätte gehört werden müssen, mindestens jetzt Gelegenheit zu einer grundsätzlichen Stellungnahme erhalten. Alle die angeführten Gründe gegen die alsbaldige Ueber- nähme können schließlich auch durch den Einwand nicht er- schüttert werden, daß sozialdemokratische Gemeindevertreter unter allen Umständen die Verbandsregie dem jetzigen Zu- stände vorzuziehen hätten. Schon das noch beste Verbands- organ, die Verbandsversammlung, ist alles, nur keine richtige Vertretung der Groß-Berliner Bürgerschaft. Hervorgegangen aus Wahlen, welche die selber auf Grund eines Klassenwahl- rechts gewählten Gemeindevertretungen(in den Städten die beiden Gemeindebehörden gemeinsam, in den Landkreisen die Kreistage) vorzunehmen haben, fehlt der Verbandsversamm- lung jede direkte Beziehung zwischen den eigentlichen Wäh- lern und den Gewählten sowie jeglicher Impuls, die Jnter- essen des Ganzen über die der eigenen Gemeinde zu setzen. Noch schlimmer ist es um das zweite Verbandsorgan, den Verbandsausschuß bestellt, der durch den Verbandsdirektor die ganze laufende Verwaltung zu führen hat. Dieser Aus- schuß ist eine lediglich bureaukratische Behörde, in der zurzeit unter 19 Beamten nur drei nichtbeamtete Mitglieder sitzen, die aber auch den Beamteneid zu leisten hatten. Selbst der kleinste Unter-Unterausschuß des Verbandsausschusses ist außerstande, ohne Hinzutritt von Vertretern der städtischen Aufsichtsinstanz zusammenzukommen, so daß, ganz abgesehen von der Natur der gegenwärtig amtierenden Persönlichkeiten, für den Kenner der Verhältnisse Verband und Selbstverwaltimg sich voll- komme» ausschließende Begriffe sind. Liegen also, wie im vorliegenden Falle, die schwer- wiegendsten wirtschaftlichen Gründe gegen eine Uebernahme vor, so kann der Umstand, daß die Uebernahme durch'den Ver- band erfolgen soll, sicherlich nicht dazu beitragen, für sozial- demokratische Gemeindevertreter das Gewicht solcher Gründe abzuschwächen. In allen Gemeindevertretungen Groß-Berlins sollten>daber die sozialdemokratischen Vertreter dahin zu wirken bestrebt fein, daß die Angelegenheit bis nach Eintritt ge- regelter Fricdensverhältnisfe zu ruhen hat. V5e griechisthen wirren. Die Herabsetzung der griechischen Heeresstärke. Bern, 25. Oktober.(W. T. B.)„Corriere della Sera" meldet aus Athen: Der französische Gesandte ist gestern vom König empfangen worden. Die Audienz wird in ministe- riellen und ententefreundlichen Kreisen günstig besprochen. Die griechische Regierung hat beschlossen, ungefähr 60000 Mann zu entlassen, so daß rund 30 000 Mann unter den Waffen bleiben. Ein diesbezügliches Dekret soll umgehend veröffentlicht werden. Weitere Maßnahmen zur Erledigung der Forderungen Sarrails und Fournets werden folgen. Auch die im-Epirus stehenden Truppen sollen auf Friedensstärke verringert werden. Die Herausziehung der Truppen ans Thessalien. Bern, 26. Oktober.(TZ. T. B.)»Journal" meldet aus Athen: Die augenfälligste Talsache ist heute die Wendung in der öffentlichen Meinung, die durch die den Alliierten zugeschriebene Absicht ver- ursacht wurde, eine� Terbringung der in Theffalien befindlichen Truppen nach dem Peloponne» zu verlangen. Der gesamten Re- gierungkpieffe ist diese Mahnahme unzuläsfig, da die Regierung sonst gegenüber der von BenizeloS zurzeit in Theffalien eingeleiteten Bauernbewegung machtlos würde. Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 25. Oktober.(W. T. B.) Bericht vom 25. Oktober. Mazedonische Front. Es ist keine Aendernng in der Lage eingetreten. Südlich vom Prespa-See auf dem Wege zwischen der Ortschaft Zzvezda und dem Orte Biklistro kam es zwischen unserer Kavallerie und feindlichen Auf- klärungsabteilungen zu einem Zusammenstoß. Auf der ganzen Front vom Prespa-See bis zum Aegäischen Meer schwacher Artilleriekampf und Gefechte zwischen Auf- klärungsabteilungen. An der Küste deS Aegäischen Meeres hat ein feind- liches Torpedoboot die Küste westlich von Maronia erfolglos beschossen. Rumänische Front. In der Dobrudscha ver- folgen die verbündeten Truppen den Feind. Am Abend des 24. dieses Monats erreichten sie die Linie Taschavlu-See— Höhe 177(westlich der Ortschaft Efteb)— Dorabantu— Tokio- mak— Höhe 126 bei Tcfcea— Höhe 114— Höhe 107— Movila— Mossu— Oprea— Kokurleni. Heute früh hat die 1. Infanterie- division(Sofia) Cernavoda genommen; die Verfolgung dauert fort. Die in Constanza gemachte Beute ist beträchtlich. Sie beträgt 500 Waggons und mehrere Lokomotiven(der Bahnhof ist unbeschädigt geblieben), zahlreiche Petroleumbehäiter, fast sämtlich gefüllt, Schuppen am Hafen und Magazine, gleich- falls mit Waren gefüllt, und im Hafen selbst eine Flotte von siebzig türkischen Fahrzeugen, die von den Rumänen zurück- behalten worden war. Längs der Donau Ruhe. Die Meldung des türkisthen Hauptquartiers. Koustantinopel, 26. Oktober.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom 25. Oktober. Tigrisfront: Wir beunruhigten den Feind durch unser wirksames Feuer. Am 22. Oktober abends unter- nahmen wir einen überraschenden Angriff gegen ein englisches Lager, das sich in der Gegend von Schücksaid befindet. Im Laufe dieses Angriffs drangen unsere Truppen zusammen mit freiwilligen Kriegern in die Schützengräben des Feindes ein und kehrten dann siegreich zurück, nachdem sie eine Menge Waffen und Kriegsmaterial erbeutet hatten. Kaukasusfront: Bei unserer Vorhut fanden Schar- mützel statt. Wir machten noch einige Gefangene. Von den übrigen Fronten kein wichtiges Ereignis. Unsere Truppen und die Truppen der Verbündeten, die am 23. Oktober die Verfolgung des geschlagenen Feindes fort- setzten, zogen am 25. Oktober morgens zusammen in Cer- n a V o d a ein. Einzelheiten fehlen noch. Der stellvertretende Oberbefehlshaber. Die feinölichen Heeresberichte. Ter französische Tagesbericht. Vom 2 ö. Oktober nachmittags. dement gute Ergebnisse gehabt hatte. Das Ziel schien stark beschädigt zu sein. Belgischer Bericht. Nichts Besonderes. Die englische Meldung. Vom 23. Oktober. demokraten.) In dem hier«ingebrachten konservativen Antrag liegt eine gewisse«bichwächung und Verflüchtigung des Grund- gedanken« der Mehrheit; er stellt die BertagungSzeit ausdrücklich unter den Vorbehalt der Regierung, während der Reichstag bei dieser Gelegenheit lediglich seine Wünsche vorzubringen und geltend zu machen hat. ES erscheint ganz undenlbar, daß die Regierung einem so berechtigten Wunsche des Reichstages nicht nach- kommt. Begeisterung dafür hörte man sreilich aus den Worten de« SlaatSieiretär« nicht heraus. Und diese Regierung hat die New orienticrung versprochen I Der Antrag ist der erste Schritt, um das Reckt des Reichstag« bei Erledigung der auswärtigen Angelegenheiten zu sickern. Größere Schritte müssen ihm folgen. Es ist ein Recht der Volksvertretung, mitzuraten und mitzubestimmen bei den An- gelegenheiten der auSwärligeil Politik. Eine Stärkung der Siechte de« Reichstages wird erfreulich sein iür da« deutsche Volk, für seine Stellung in der Welt und für seine Zukunft.(Bravo! bei den Sozial demokraten.) Abg. Haußma«»(Dp.): Eine stärkere Kontrolle der auswärtigen Politik und ein stärkere« Mitarbeiten de« Reichstag« auf diesem Gebiet wird im Volke für unbedingt notwendig gehalten. In dieser Richtung bewegen sich die vorliegenden Anträge. ES ist erfreulich, daß auch die Konservativen «inen Antrag in dieser Richtung«ingebracht haben. Eine Verwirrung der Kompetenzen,«in Eindringen in die Geschäfte der Verwaltung ist durch die Anträge nickt beabsichtigt. Von der Regierung hätte auch ich gern wärmere Tön« für den Antrag gehört; immerhin haben die Staatssekretäre dem Grundgedanken zugestimmt, sreilich mit der Einschränkung, daß die neue Einrichtung nur für die Dauer des Krieges bestehen iolle. Auch in normalen FriedcnSzeiten wäre in den Sessionspausen et» Konnex mit derRegierung und Parlament erwünscht. (Sehr richtig! b. d. Vp.) Ter HauptauSsckuß hat entgegen unserm Antrage, der eine gesonderte Kommission für auswärtige Angelegenheiten berlangte, sich selbst für den geeignetsten Ausschuß für diese Angelegenheiten erklärt. Seine Gründe erscheinen unS nicht durch« schlagenv. Er ist ja geradezu Mädchen für Alles geworden; auch ist er zu zahlreich für eine solche Kommission. Auch bin ich nicht wie der Vorredner für volle OesfeNtlichkett solcher Kommission sverhandlungen, da es sich gerade bei den Fragen der auswärtigen Politik meist um streng vertrauliche Dinge bandelt. Der Einschränkung des konservativen Antrags, daß die Neuregelung nur für die Dauer des Kriege« platzgrcifeu soll, können wir nicht zustimmen. Wir wollen nicht, daß man später wieder in die alte Sorglosigkeit zurückfällt.(Sehr richtig!) Die geplante Kommission hätte übrigens sofort Stoff zu Beratungen: sie könnte sich recht eingehend mit der von Grey, Briand und Taft aufgeworfenen Frage der internationalen Verein- barungen»ach dem Kriege und zwar gemeinsam mit der Regierung beschästigen. Die Frage hat so viele Seiten, daß sie in oller Griind- lichkeit geprüft werden muß. Aber wichtiger als das System der internationalen Garantien ist für uns jetzt das System der nationalen Garantien; ein Schritt auf dem Wege der nationalen Garantien ist der vorliegende Antrag.(Bravo! bei der Volkspartei) Abg. Slrcscmaun(natl.): Die Hauptsache bei dem Antrage ist für unS die Stärkung der Siechte der Volksvertretung. Aus der Erklärung deS Staatssekretärs ging nicht klar hervor, ob die geplante Neuerung auch nach dem Kriege aufrecht erhalten werden solle. Wir hoffen jedenfalls, daß die Regierung hier nickt versagen wird. Den konservativen Antrag lehnen wir ab und werden aus jeden Fall nach dem Kriege auf diese Forderung zurückkommen. Hier wurde sich also ein Konfliktsstoff ergeben. den die Regierung besser vermeiden sollte. Man kann dock nicht immer nur von Neuorientierung reden und sich diese kleine Kon- z e i s i o n. den ersten Schritt zur Neuoricnricrung. gewissermaßen erst abringen lassen.(Sehr gur! links.) Ww würden für den An- trag der Kommission auch sein, wenn er wirklich einen Schritt zum parlamentarischen System bedeuten würde. Unter dem parlamen- tariichen System können in England die vitalsten Fragen der nuswärtigen Politik in völliger Oeffentlichkeit im Parlament er- örtert werden. Darin liegt zweifellos ein Zeichen der r ä r k e.(Sebr wahr! links.) Die Stärkung der Rechte der Volksvertretung ist ein alter Grundsatz der iiationalliberalen Partei. Es ist eine alle historische Schuld, daß da« Versprechen von 1813 nickt erfüllt wurde, daß man erst über 1848 zu 1870 gekommen ist. Diese Entwicklung wird leider in denSckulen ganz verzerrt bärgest eilt. Die überragende Persönlichkeit Bismarcks war nach 1870 der H e m m s ch u b der Entwicklung zum parlamentarischen System. Aber auch Bismarck war davon durchdrungen, daß eine einheitliche politi'che Aktion in England mit seinem parlamentarischen Regicrungssystem besser durchführbar sei. Durch den mangelnden Einfluß deö SicichStagS wird unsere auswärtige Politik direkt geschädigt. (Sehr wahr! links.) Ein bedeutender deutscher Diplomat hat mir daS bestätigt; als er einmal einem englischen Diplomaten entgegen- hielt, die deutsche öffentliche Meinung werde sich dies oder jenes nicht bieten lassen, habe dieser erwidert: In London glaubt man, es gäbe leine öffentliche Meinung.(Hört! hört! links.) Wir müssen damit rechnen, daß die ganz« Welt mehr und mehr demokratisiert wird.(Lebhaftes Bravo I links.) Abg. Kreth(k.): Wir erkennen für die Zeit des Kriege? die Notwendigkeit einer engeren Fühlung zwischen Regierung und Reichstag an. Den Schritt aus dem Wege zur parlamentarischen Regierung, den der Antrag der Kommission bedeutet, lönncn wir nichlmitmachen. Es könnten sich in einem solchen Ausschuß deö Parlaments auch internationale Einflüsse gellend machen, die unsere nationalen Absichten stören könnten. Wir verlangen auch kein Mitbestimmungsrecht bei den auswärtigen Angelegenheiten; wir wollen lediglich insormiert werden. Die Verantwortung lehnen wir ab, denn in den verschlungenen Pfaden der auswärtigen Politik können wir unS nicht so schnell zurecht finden. Parlamentarisch regierte Länder beweisen, daß dort die Herrschast des größten Geld- sacke» herrscht, zuweilen kommt dazu die Herrschaft der Straße, wie Italien gezeigt hat. Daß in England die auswärtigen Angelegenheiten öffentlich ver- handelt werden, ist unzutreffend. Für die Oeffentlichkeit werden stets andere Berichte zusammengestellt, als für die Regierung. Das deutsche Volk kann aber eine solche Unehrlichkeit seiner Regierung nicht er- tragen, wie sie für das englische Volk selbstverständlich ist.(Zu- stimmung rechts.) DaS deutsche Volk in den Schützengräben will auch keine parlamentarische Regierung. Der Krieg hat vielmehr deutlich gezeigt, daß trotz aller demo« kratilchen Prinzipien die alte deutsche Vasallentreue im deutschen Volk noch lebendig ist.(Beifall rechts.) Staatssekretär Helfferich: Ich habe leinen Zweifel darüber gelassen, daß dem Wunsche deS Reichstages nach Tagung der Kommission während der VertagiingS« zeit auch über den Krieg hinaus nicht Folge geleistet werden kann. Staatsrechtliche und praktische Gründe sprechen dagegen.(Zurus: Es ist wiederholt geschehen I) In besonderen Fällen»st es geschehen und in besonderem Falle kann eS auch wieder geschehen, nicht aber als Regelfall. Abg. Ledebour(Soz. Arbg.): Der Staatssekretär Helfferich will der Ausführung de? Antrag» schon im Boraus Knüppel zwischen die Beine werfen. Anstatt die generelle Zustimmung der Regierung zu dem Wunsch deS Reichstage« zu erlläre». will er die Zustimmung von Erwägungen in einem gegebenen Fall abhängig machen. Aber auch der Reichstag muß ja seine Zustimmung zu einer längeren Vertagung geben, und ich hoffe, daß er sie in solchem Falle nur geben wird, wenn die Regierung dann der gewünschten Tagung der Kommission zustimmt. Meine Fraktion stimmt dem Antrag der Kommission zu, doch betrachten wir ihn nur als Notbehelf und keineswegs darf er dazu benutzt werden, um die Plenarsitzungen noch mehr zu verkürzen, als e» bisher schon geschieht.(Sehr wahr l bei der Soz. Arbg.) Wrr glauben auch nicht, daß durch den Antrag ein Wandel in der Führung der auswärtigen Politik herbeigeführt werden kann, vielmehr wird sich bald herausstellen, daß die schweren Mängel, die sich gerade in der KriegSzeit in der Handhabung der auswärtigen Politik gezeigt haben, nicht abgestellt werden können, und daß um so notwendiger der Uebergang zum vollen parlamentarischen RegiernngSsyste« unter voller Kontrolle der Oeffentlichkeit auf demokratischer Grundlage ist.(Sehr wahr! bei der Soz. Arbg.) Nach den Reden der Herren Siresemann und Gröber könnte man glauben, auch sie würden für das parlamentarische Regierungssystem eintreten. Aber Herr Strescmann erklärte doch auch. Bedenken gegen das parla« mentarische System zu hegen, und obwohl er sagte, daß durch Bis- marck der Reichstag in Ohnmacht versetzt war, fügte er doch hinzu, wenn wir einen Bismarck lvieder hätten, so hätten wir den Antrag nicht eingebracht. Diese Widersprüche bitte ich doch zu bemerken. Glaubt Herr Siresemann vielleicht, mit solchen Redensarten den Bureaukraten imponieren zu können? Herr Gröber hat sich allerdings nicht selbst desavouiert. Er hat unzweideutig den Willen kundgetan, die Neuorientierung durch das Machtmittel deS Parlaments zu erzwingen, da« im v u d g e t r e ck t liegt. Wir haben freilich noch andere Mittel, und auch das Volk hat noch andere Mittel, wenn das Parla- menl versagt.(Lachen recht».) Räch seinen Worten ist Herr Gröber gewillt, da« BudgetbewilligungSrecht anzuwenden.(Zuruf de« Abg. Gröber.) Wozu tragen Sw denn solche Redensarten vor? Da« Volk wird allerding« von seinen Abgeordneten verlangen, daß sie der Stegierung gegenüber all« parlamentarischen Machtmittel anwenden, um da« unverfälschte parlamentarische System zu erzwingen. Rechte bat man dazu, um sie anzuwenden.(Zustimmung b. d. Sozialdem. Arbeilögem.) Wenn Sie es nicht wollen, wird das Volk dafür sorgen, daß Männer in den Reichstag kommen, die e» tun.— In einem stimmen wir alle überein, daß unsere aus- ivärtige Politik nicht übermäßig an imposanten Leistungen leidet. (Heiterkeit.) Ich glaube aber nicht, daß das nur an den Personen liegt. Ich wünschte ja, daß die vertraulichen Verhandlungen der Budgetkommission dem ganzen Volke zur Kenntnt» gebracht werden lönnten, daniir das Boll sieht, welche phänomenalen Be- w e i s e v o n I i» k o m p e t e n z dort erbracht wurden. Leider ver- bietet«S mir die Vertraulichkeit der Verhandlungen, den Beweis dafür auzuireten. Also ich sage, eS liegt nicht an den Personen, sondern an dem ganzen Cyste m. Der gesamte diplomatische Ver» kedr, die ganzen internationalen Beziehungen müssen auch unter öffentliche Kontrolle gestellt werden. Sie müssen heraus aus den GeheimkabineUcn der Gebeimdiplomalie(Sehr wahr! bei der Soz. Arbg.), die nicht besser werden, auch wenn noch ein paar freiwillige ParlainentSdiplomalen mit in das Vertrauen gezogen werden. (Heiterkeit.) Eine Besserung kann nur erreicht werden, wenn die Be- Ziehungen der Staaten untereinander, anstatt durch eine Anzahl so- genannter benifsmütziger Diplomaten in geheimen Verbandlungen. in Zukunft in öffentlichen, geradezu parlamentarischen Verhandlungen durch Beschickung'eilen« der einzelnen Staaten auf tkvngressen öffeni- tick erörtert werden.(Sehr richtig I bei der Soz. Arbg.) Dann erst t ürde die Hauplursacke aller Kriege beseitigt werden, denn die Böller wollen nicht den Krieg. (Sehr wahr!) Die Kriege werden angezettelt in den Geheimkabinetten der Diplomatie, und die Völler erfuhren erst, was geichchen ist. wenn der Karren in den Dreck hineingefahren ist und jene Leute nickt in der Lage sind, ihn wieder herauszuziehen. Dann müssen die Völker mit ihrem Blut, mit ihrem Geld, mit ihrer ganzen Existenz dafür büßen, daß sie der Geheim- diplomaiie die wichtigsten Angelegenheiten der Völker überlassen haben.(Sehr wahr! bei der Soz. Arbg.) Dicke Lehre werden alle Völler aus diesen Kricgsjahren ziehen, und unsere Aufgabe wird es sein, die Völker darüber aufzullären. Was für unwürdige Zustände wir jetzt haben, dafür nur ein Beispiel au« den letzten großen RcichStagsverhandlungen. Der Reichskanzler nimmt hin und wieder hier das Wort und gibt Auskunft über leine Auffassung der Kriegsverhältnisie, der FricdenSfrage usw. Auskünfte, die immer an- muten wie sphinxartige Rätjel. Und dann kommen Naphtha 23 066( 14 372), Anglo- Roumanian Petrol Ch. Ltd. 12 974( 12 309). Die Ausfuhr von Petroleumprodukten aus Rumänien ernachstehende Höhe: reichte in dem Jahre 1913 im Vergleich zum Vorjahre die 1913 gegen 1912 + oder 4 Proz. 1913 1912 Menge in Tonnen die parlamentarischen Hohenpriester Heiterkeit) hinter diesen Orakeln her und raten herum, was die Sphing eigentlich gemeint hat. Das leztemal trat gulegt Herr Scheidemann auf und erklärte Mundstück des Reichsfanglers( Heiterfeit b. d. Soz. Arbg.) der Reichser fühlt sich ja als Tanzler saß dabei und sagte kein Wort. Dann bewies Herr Bassermann durch Vorlegung von Material, in dem er die Aeußerungen des Reichskanzlers aneinanderreihte, wiederum haarklein, daß seiner Meinung nach der Reichskanzler im wesentlichen die Annegions wünsche seiner Freunde teile. Der Reichskanzler saß dabei und sagte fein Wort.( Heiterkeit.) Und wir haben auch nachher feine Aufklärung bekommen, was denn der Kanzler in Wirklichkeit gemeint hat. Das ist kein würdiger Zustand.( Sehr wahr! bei der Soz. Arbg.) So etwas wäre in feinem anderen Parlamente, weder im englischen, noch im französischen möglich. Nur einmal bat der Reichskanzler in dieser Debatte nicht geschwiegen. Als einer der Redner sagte, er nehme an, daß sich die Worte des Reichs- von 1 036 446 Tonnen( 1912: 846 423 Tonnen) gingen nach Von der Gesamtausfuhrmenge im Jahre 1913 in Höhe fanzlers: Freie Bahn für alle Tüchtigen! auch auf den diplomatischen Deutschland 126 295 Tonnen( 84 041 Tonnen). Dienst bezögen, da hat der Reichskanzler ganz energisch mit dem Stopf geschüttelt.( Buruf: Es war umgekehrt!) Rohpetroleum Rückstände Mineralöle Brennpetroleum Benzin Paraffin 38 622 341 912 27498 283 594 + + 20 9 543 7 351 30 418 822 353 563 10 237 168 579 173 817 600 36 N 3 P +22 Proz Insgesamt 1036 446 846 423 Gesund geworden. Die Bilanz der Schlesischen Zelluloses und Papierfabrik A.-G. in Cunnersdorf für 1915/1916 ergibt einen Bruttogewinn von 831 490 m., aus denen die frühere Unterbilang von 387 417 M. gedeckt sowie Abschreibungen von 320 960 M. vorgenommen werden follen. Nach Abiegung von Arbeiterunterstützungen und Gratifikationen verbleibt ein Ueberschuß von 74 347 M., der auf das neue Jahr vorgetragen werden soll. Wir sind also für den Antrag der Kommission, müßten aber entschiedensten Einspruch dagegen erheben, wenn etwa die geplanten Kommissionssitungen dazu ausgenugt werden sollten, um die Plenar berhandlungen zu beeinträchtigen. Zu meiner Freude hat auch der Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion, der Abg. Gradnauer, erklärt, daß davon keine Rede sein dürfe. Ich begrüße das, weil leider ein Abgeordneter der sozialdemokratischen Fraktion es für eine fort schrittliche Entwicklung erklärt hat, wenn das Schwergewicht der parlamentarischen Tätigkeit in die Kommissionsverhandlungen hineingelegt werde.( hört! hört! bei der Soz. Arbg.) Leider ist es Tatsache, daß in den letzten Jahren nicht nur während des Krieges die Kommisionsverhandlungen überwuchert und die Plenarverhand- und Eicheln verboten worden. lungen immer mehr zurückgetreten sind. Das hängt vor allem zusammen mit dem unglücklichen Diätengefeß, welches geradezu eine Das Wachsen der dänischen Ausfuhr.. Prämie auf die Verringerung der Sigungstage und die Verlängerung der Sizungsstunden sezt. Dies Gesetz muß also unter allen BWährend des Strieges stieg die Ausfuhr Dänemarts Umständen geändert werden. Bei der weiteren Entwicklung der 800 Millionen Kronen, das heißt, fie vermehrte sich um 550 Millionen politischen Geschäfte in Deutschland wachsen naturgemäß auch die Arbeiten des Reichstags immer mehr an. Deshalb ist eine Ausdehnung, nicht eine Berkürzung der Situngsperioden notwendig. Es handelt sich hier vor allem um die Frage: entweder Beibehaltung des bureaukratischen Systems, wie wir es jetzt haben, oder Schaffung eines vollständigen demokratisch- parlamentarischen Systems, wo die Minister lediglich der amtierende Ausschuß des Parlaments find. Darin liegt die einzige Lösung der Kalamität, unter der wir jezt leiden. Diese Lösung herbeizuführen wird die Aufgabe der allernächsten Zeit sein. Die Weltgeschichte marschiert jest mit Siebenmeilenstiefeln. Ich hoffe noch zu erleben, daß die Parlamente in allen Staaten auf breiteste demokratische Grundlage gestellt werden. Dazu gehört aber, daß auch die Frauen das Wahlrecht beTommen und im Parlament vertreten sind.( Sehr wahr! b. d. Soz. Arbg.) Durch die Striegserfahrungen ist auch der einzige Einwand widerlegt worden, der immer dagegen erhoben wurde: daß die Frauen nicht Kriegsdienst tun. In allen Tonarten wird jezt von allen Parteien gerühmt, wie außerordentlich wirksam die Frauen heutzutage die Männer unterstützen. Dann muß man ihnen aber auch das Wahlrecht geben und erst dadurch das ganze Volt zur Mitwirkung bei der Erledigung der Reichsgeschäfte heranziehen, die in vollster Deffentlichkeit, nicht in geheimen Konventikeln geführt werden müssen. Die Neuorientierung dürfen Sie nicht als Geschenk von der Regierung erwarten, sondern sie kann nur erkämpft werden mit allen Mitteln, die dem Parlament und dem Volke zu Gebote stehen.( Lebhafter Beifall bei der Soz. Arbg.) Abg. v. Richthofen( natl.): Mit der Erklärung des Staatssekretärs Dr. Helfferich können wir uns nicht einverstanden erklären. Wir wünschen die geplante Neuregelung auch für die fünftige Friedenszeit. Wir wollen doch vorwärts in den ganzen Fragen und denken nicht daran, nachher im Frieden wieder einen Schritt rückwärts zu machen. Soffentlich führt das nicht zu späteren Konflikten. Herrn Kreth möchte ich bemerken: reaktionärer, rü dichrittlicher gesinnt werden die Männer aus den Schüßengräben nicht nach Hause kommen.( Sehr wahr! links.) Abg. Sivkowich( Vp.): Ausfuhrverbot. Die hiergegen von der Mutter eingelegte Revision madte mit Erfolg geltend, daß es auf den Eid der Kirchenvorstandsmitglieder gar nicht mehr ankommen könne; das Oberlandesgericht babe übersehen, daß die Beklagte in den Vorinstanzen ſelbſt geltend gemacht habe, es sei hergebracht und in kleinen Städten allgemein üblich, daß Schulkinder beim Läuten helfen; daraus folge schon die Kenntnis des Kirchenvorstandes, daß tatsächlich Kinder beim Läuten halfen; dann aber, wenn das der Vorstand der Kirchengemeinde gewußt habe, hätte entweder der gefährliche Zustand beseitigt oder aber den Schulkindern der Zutritt zum Glockenraum unmöglich gemacht werden müssen. Das Reichsgericht stimmte diesen Ausführungen zu. Es hob das angefochtene Urteil auf und wies die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das Oberlandesgericht zurüď. Ungültige Verordnung eines Militärbefehlhabers. Der Gouverneur der Festung Köln hatte durch Anordnung vom 20. November das Fahlleder beichlagnahmt und Höchstpreise für Leder festgesetzt. Der Lederfabrifant Hennes sollte die Verordnung übertreten haben und war zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er Leder an Heereslieferanten abgegeben hatte, bevor der schriftliche Auftrag einer amtlichen Beschaffungsstelle der Heeresver waltung ihm selber vorlag. sprach den Angeklagten mit folgender BegrünDas Kammergericht hob das Urteil auf und dung frei: des Gouverneurs Nach ihrer Einleitung sei die Verordnung erlaffen auf Grund des§ 9b des Belagerungsgesetzes, des Höchstpreisgesetzes und und der Bundesrats. Dann verordnung über die Sicherstellung des Heeresbedarfs. sage die Verordnung, daß Zuwiderhandlungen gemäß den in der auch die Strafvorschriften des Höchstpreisgesetzes und der Verordnung über die Sicherstellung des Heeresbedarfs angezogen be ziehungsweise entsprechende Bestrafungen angedroht worden. Damit feien aber als Höchststrafen auch geringere Strafen angedroht, als sie der§ 9b des Belagerungsgesetzes vorsche. Das durfte aber nicht geschehen. Deshalb sei die Verordnung ungültig und unanwendbar. In Holland ist die Ausfuhr von wilden Kastanien, Buchedern Anordnung genannten Gesetzen zu bestrafen seien. Damit seien Kronen. Soziales. Verurteilung zur Zahlung laufender Unterstützung bis Kriegsende. auf Aus aller Welt. neben dieser Die„ Einheitverbundsbremse" für Güterzüge. Ginem der Presse zugestellten Bericht entnehmen wir folgendes: gestellten oder deren Ehefrauen eine laufende Unterstützung der durchgehenden Bremsung der Güterzüge, ist ihrer endgültigen Arbeitgeber, die bei Kriegsbeginn den einberufenen An„ Eine der wichtigsten Fragen der Eisenbahntechnik, die Frage für die Kriegszeit zusagten, suchen jetzt vielfach von dieser Lösung um ein erhebliches Stüd nähergerüdt. Welcher gewaltige Verpflichtung loszukommen.' Daß aber eine einmal gegebene Fortschritt in dieser Tatsache liegt, kann der Laie nur schwer erfeste Zusage unanfechtbar ist, mag der Krieg auch noch so lange messen. Ihm wird vor allem bemerkbar werden, daß der schier dauern, lehrte ein vor der 4. Kammer des Berliner Kauf- historisch gewordene Bremser in den zahlreichen Wagenhäuschen mannsgerichts zur Entscheidung gekommener Prozeß. der Güterzüge allmählich verschwindet. Daß aber Der Kläger M. war Buchhalter bei der beklagten Viehkom- den Lokomotivführer noch mancherlei andere wichtige Vorteile bietet, Personalersparnis die einheitliche Bremsung aller Züge durch missionsfirma Schack u. Zimmermann, deren jezige Inhaber das kann nur der Fachmann in vollem Umfange würdigen, weil Strelow u. Zimmermann zurzeit in bitterer Fehde miteinander liegen. Zwischen beiden Inhabern schwebt wegen der Auflösung Zugverkehrs und damit die Ausnußungsmöglichkeiten einer Eisennur er zu übersehen vermag, wie eng die Beschleunigung des der Firma jetzt der Prozeß beim Reichsgericht. Der bei Kriegsaus- bahnstrecke mit der Bremsfähigkeit der auf ihr fahrenden Züge bruch zum Heeresdienst einberufene Kläger hatte von der Ehefrau zusammenhängen. Manche Ueberholungsgleise, vielleicht mitunter des Inhabers Sch. die Zusicherung erhalten, daß er nach dem Kriege auch dritte und vierte Gleise können erspart, die Fahrzeuge können wieder eintreten solle und bis dahin seine Ehefrau einen monat- beffer ausgenutzt und die Betriebssicherheit darf als wesentlich erlichen Gehaltsteil von 100 M. erhalte. Dies Versprechen wurde bis höht betracht werden, wenn erst einmal die langen und ungleichJuli dieses Jahres auch von der Beklagten innegehalten. August und September zahlte sie aber nur je 50 M., mit der Be- einem einfachen Handgriff des Lokomotivführers gehorchen. Im mäßig belasteten Güterzüge gleich den Personenzügen sämtlich gründung, der als Vertreter eingestellte Buchhalter hätte Zulage Bereits im Mai d. J. hat die preußisch- hessische Staatseisenerhalten müssen. In der Verhandlung zeigte sich merkwürdiger- bahnverwaltung die sogenannte„ Ginheitsverbundbremse" als das weise, daß der Mitinhaber St. gern bereit war, dem Kläger die Ergebnis langjähriger Arbeiten dem Fachausschuß der deutschen der Beklagte Sch. nichts davon wissen wollte. 100 M. bis zur Beendigung des Krieges zuzuerkennen, während Staatseisenbahnverwaltungen in praktischen Versuchen vorzuführen Er wandte ein, vermocht, und der Ausschuß hat auf Grund jener Versuche diese daß er für unüberlegte Zusagen seiner Frau nicht einstehen könne; Bremse einstimmig als die zur Einführung für Güterzüge gees sei auch unbillig, von ihm zu verlangen, daß er die Frau des eignetste Bauart bezeichnet. Klägers auf unübersehbare Zeit der Krieg könne ja noch jahre Tang dauern- alimentieren müsse. Daß seine Frau, die dem Kläger die Zusage machte, im Geschäft mitarbeitete und daß auch zwei Jahre lang die Zusage seitens der Firma erfüllt wurde, vermochte Sch. nicht abzuleugnen. Dem Antrage des durch seine Frau vertretenen Klägers er selber steht zurzeit an der Front- auf Zahlung der restlichen Der Staatssekretär Jagow hat dem Grundgedanken des Antrages ie 50 M. für August und September und von 100 M. für jeden der Kommission zugestimmt, der Staatssekretär Helfferich dagegen weiteren Monat bis Beendigung des Krieges, längstens aber bis will die Zustimmung auf die Dauer des Krieges beschränken und Auflösung der Firma, gab das Kaufmannsgericht in vollem Umnachher den Reichstag wieder zur Ohnmacht in den auswärtigen fange statt. Die für die Firma von der Frau des Inhabers abDingen verurteilen. Aber gerade das wünscht das Bolt nicht, und gegebene Zusage, die zwei Jahre gehalten wurde, müsse auch bis zu gerade aus den allgemeinen, auch im Frieden zutreffenden Er- Ende innegehalten werden. wägungen haben wir die Anträge eingebracht. Der Reichstag muß Einfluß haben bei den Schicksalsfragen des deutschen Volkes.( Beifall bei der Bp.) Rheinland- Westfalen. Von der Hütten- und Walzwerks- Berufsgenossenschaft für Die Debatte ist erschöpft. Der Bericht für das Jahr 1915 gibt folgende Daten Das Haus vertagt sich auf Freitag 3 Uhr.( leine Anfragen, an. Zu der der Genossenschaft gehören neun Sektionen: Bericht der Geschäftsordnungstommission über Essen, Oberhausen, Düsseldorf, Köln, Aachen, Dortmund, die Anträge bezüglich Strafverfahren gegen den Bochum, Hagen und Siegen. Die Zahl der Betriebe beträgt 214. Abgeordneten Liebknecht; Nachträge zum Reichshaushalt Während die Zah! der beschäftigten Personen in Essen sich gegen ( Kriegstredit), Fortiezung der Beratung über den Bericht der das Vorjahr um 14 859 auf 52 541 vermehrt hat, ist sie in den Budgetfommission über politische 3ensur, Gefangenen übrigen Sektionen gesunken. Die Gesamtzahl der Versicherten bebehandlung, Belagerungszustand, Abstimmung über trug 188 699( i. 3. 181 253). Die Lohnsumme stellte sich auf die Heute verhandelten Anträge). 372 998 399 M., auf den Kopf der Versicherten 1976,63 M. Dabei Schluß 7 Uhr. mag bemerkt werden, daß ungeheuer viel Ueberschichten bzw. Ueberstunden gemacht werden. Die angemeldeten Uefälle betrugen 32 239, das macht auf 1000 Personen 170,80 Unfälle eine Rekordziffer. Die Entschädigungssumme betrug insgesamt 5 591 102 Mark für 2124 Unfälle. Davon waren tödlich 261, 15 böllig er werbsunfähig, teilweise 1072 und vorübergehend erwerbsunfähig 776. Aus Industrie und Handel. Die rumänische Petroleumindustrie. Mit dem Vordringen der deutschen und der verbündeten Truppen in Rumänien gewinnt für uns das rumänische Petroleum wieder besondere Bedeutung. Ueber die Erzeugung und den Außenhandel Rumäniens an Petroleum gibt der folgende Bericht des Moniteur du Pétrole Roumain" für das Jahr 1913 Aufschluß. " Die Produktion von Rohpetroleum in Rumänien erreichte im Jahre 1913 die nachstehenden Mengen. 1912 1913 gegen 1912 Tonnen 876 414 294 405 Bezirk Prahova: Grube Moreni. Campina Bustenari und Gropi Chiciura Bordeni- Necea Tzintea. Baicoi Bus. einschl. and. Gruben Bezirk Dambroviza 1913 Tonnen 981 953 243 715 226 174 71 872 • • 96.794 28232 231 923 69 697 93 120 29 716 Tonnen +105 539 50 690 + + 5749 2175 3 674 1 484 1677 759 41.583 125 722 1 614 701 74 316 87 271 28 473 +63 058 32 733 38451 +11 688 +80 461 Gerichtszeitung. Unfall eines Kiudes beim Kirchenglockenläuten. Der vielfach in kleinen Städten und auf dem Lande bestehende Mißbrauch, Kinder zum Läuten der Kirchenglocken heranzuziehen, kam am Montag vor dem Reichsgericht zur Sprache. In dieser Woche sollen hier in Berlin die Versuche in Gegenwart von berufenen Vertretern der österreichischen und ungarischen Eisenbahnverwaltungen fortgesetzt und abgeschlossen werden, und es steht zu hoffen, daß damit der Anfang gemacht ist zu einem großen und gemeinsamen Vorgehen in dem Verein deutscher Eisenbahnverwaltungen, der bekanntlich auch die österreichischen und ungarischen Eisenbahnverwaltungen mitumfaßt." Ein Gerichtsidyll. Die am 5. November beginnende Schwurgerichtsperiode am Landgericht Verden fällt aus, da kein ein8iger Fall zur Aburteilung vorliegt. Es wird nicht viele Gerichte selbst in vom Krieg verschonten Staaten geben, die sich so idyllischer Zustände zu erfreuen haben, bemerkt dazu nicht mit Unrecht die Nationalzeitung", der wir diese Mitteilung entnehmen. Fliegerunglück in Frankreich. Wie Petit Perisien" mitteilt, stießen in Tours zwei Flugzeuge in der Luft zusammen, wobei drei Personen den Tod fanden. Große Eisenbahnpläne in Rußland. Die Petersburger Tele graphenagentur meldet: Für das Jahr 1917 werden 2833 Millionen Rubel für den Bau neuer Staatsbahnen und zur Ausdehnung des bereits bestehenden Eisenbahnnetes ausgeworfen. Im Jahre 1917 wird mit dem Bau von elf Linien begonnen werden. Bu diesen gehören: die Bahnen von Rjäsan nach Tula, von Moskau nach Massin und Jenez, von Nischnij- Nowgorod nach Simbirsk und Kinel, von Kotlas nach Soraki. Schließlich eine transkaukasische Eisenbahn. Die Gesamtlänge aller dieser Linien wird 7777 Werst betragen. Wetteraussichten für das mittlere Norddeutschland bis Sonnabend mittag. Ziemlich mild, vorwiegend trübe mit weitverbreiteten, öftlich der Dder meist geringen, im Besten stärkeren Regenfällen; dazwischen zeitweise auftlarend. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet für Abonnenten 2indenkt. 5, IV. Dot cechts, parterre, am Montag bis Freitag von 4 bis 7 Uyr, am Sonnabend bon 5 bis 6 Uhr statt. Jeder für den Brieftast en bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine 8ahl als Merkzeichen betzufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, benen keine Abonnementsquittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde mit. Sprechstunde bor. Berträge, Schriftftüde und dergleichen bringe mar in bie M. P. 124. 1. Sterbeurkunde des verstorbenen Ehemannes und Ihre Ein zwölf Jahre alter Schulfnabe half beim Läuten der großen Geburtsurkunde. 2. Ja, wenn Bedürftigkeit vorliegt. 3. Anspruch auf Glocke auf dem Turme der Nikolaikirche zu Gardelegen. Das Striegswitwenrente besteht. 2. N. 35. Die Hamburger Lotterie zu Läuten dieser Glode erfolgt nicht durch ein Seil. Die Glode bängt spielen, ist jetzt noch in Preußen verboten. O. N. 99. 1. Ja. 2. Nein. oben am Glockenboden an einem Tragbalken, an dem quer davon 5. M. 100. 1. Lungenleidend; dauernd garnison- und arbeits ein sogenannter Tretballen angebracht ist. Zwei Perionen, die auf verwendungsunfähig. 2. Wahrscheinlich nicht. 3. Eine solche Gefahr besteht dem Standbalken stehen, müssen mit dem einen Fuß den Tretbalken in Jhrem Falle wohl nicht. 4. Bremen, Geeren 7-8. Bierteljährlich heruntertreten dadurch setzt sich die Glocke in Schwingung und 3,42 M.- Holl. 24. Benden Sie sich an die Gesundheitspolizei, die bei läutet. Der Schultnabe ist nun, als er beim Läuten half, mit den von Ihnen geschilderten Verhältnissen sofort für Stäumung der Wohnung Sorge tragen wird. F. 100. Sie können die Arbeit nicht feinem linken Fuß von dem Standbalken abgerutscht und zwischen ohne weiteres einstellen. Sie müssen beim Bezirkskommando unter Dar Standbalken und Tretbalken geraten; dabei ist ihm von der zurück- legung Ihres Gesundheitszustandes um Abfonmandierung nach einem B. K. 70. Dienstuntauglich; herzleidend. schwingenden Glocke der Fuß so start gequetscht worden, daß er ab- anderen Betrieb ersuchen. genommen werden mußte. Die Mutter des unglücklichen Jungen K. P. 46. Wenn feine besondere Kündigungszeit vereinbart ist, so be berklagte die evangelische Kirchengemeinde in Garde steht bei monatlicher Mietszahlung Sündigung am 15. zum 1. des nächsten Legen auf Schadenersag. Sie verlangt außer den Heilungs- Försters haben. F. H. 100. Nein, Sie müssen dazu die Erlaubnis des Qualle II. Ihre Angaben sind uns durchaus underfoften ein Schmerzensgeld und eine jährliche Rente von ständlich. Sie müßten schon persönlich zu uns in die Sprechstunde Von den bedeutendsten Aktiengesellschaften wurden in den 1000 Mart. N. W. 10. Sie müßten sich mit einem Gesuch um ErJahren 1913( und 1912) die folgenden Rohölmengen( in Tonnen) Das Landgericht Stendal wies die Klage ab. Vom Ober- teilung des Rentenbescheides an den Vorstand der Landesversicherungsgefördert: Landesgericht Raumburg dagegen wurde die Entscheidung von anstalt wenden. Die Rente müßte in diesem Falle 230 M. betragen. N. K. 100. Die Aftra Romana 444 025( 447 790), Steaua Romana einem Eide der sämtlichen Mitglieder des Kirchen- K. K. 1313. Sie brauchen sich nicht zu melden 402 360( 411,752), Romana Americana 333 228( 206 147), borstandes abhängig gemacht. Wenn sie schwören, daß sie keine Auszahlung der Kaution erfolgt erst nach Entlassung aus dem Heeres. dienst. 2. N. 20. 1. Sie haben feinen Anspruch auf Altersrente, da Kenntnis davon hatten, daß schulpflichtige Kinder beim Läuten der Concordia 83 127( 140 068), Internationala 41 451( 74 665), Glode halfen oder doch in dem Glockenraume zugelassen wurden. Sie viel zu wenig Marken geklebt haben. 2. Wenden Sie ſich mit dieser Drion 75 274( 74 152), Colombia 226 770( 209 630), Trajan soll die lage abgewiesen werden; verweigert aber ein Vor- Die Landesversicherung fann nicht verpflichtet werden, Ihnen diese HeilAnfrage an den Verband der Hutmacher, Engelüfer 14/15. 22 621( 26 598), Alfa 27 888( 16 433), Roumanian Dilfields standsmitglied den Eid, so soll die beklagte Kirchengemeinde dem mittel zu gewähren. G. B. 19. Sie sind weiter versicherungspflichtig. 2td. 62 681( 47 976), Aquila Franco Romana 17 700( 15959), Grunde nach zum Schadenersaz verurteilt werden, P. p. 100. Sie haben unseres Erachtens diese Zulage zu verlangen. Buzeu Bacau 40'161 Insgesamt 1885 225 1 804 761 Monats. temmen. 106...