Ur. 298. flUonnemcnts-Bedlngungen: «bonnemems•-ßtetä pitaumetratba Biraeljapd. 3,90 Ml. monoll UO SRI, wöchenUich 30 Psg, frei mi öauJ, Einzelne Nummer ö Pfg, EonniagZ- nuinmct mit Uluftnetiei SornitogS« Beilage.Die Neue Well'>0 üffr Söffe Kliormemenl- ILO Marl pro Monat. Eingerragen in die«od. Scitungä. «tcielide. Unter Kreuzband für Deulichlant und Oederreich Ungarn 2ch0 Marl, für das übrige Ausland t Mari vro ZNonab Sofiabonnemem» nehmen an Selgien. Dänemarl Holland, Italien. Luxemburg, Sonugal. Rumänien. Schweden und die Schweis kklcheliil lZgN«. Vevlinev Volksbl�kk. ZentraXorgan der fozialdcm ohr ati feben Partei Deutfchlarsda. 38. Jahrgims. Die TnkrflonS'Gcbülfr betrüg i für die sechsgefpaltene Kolonel« »eile oder deren Raum 00 Sfg, für politische und gewerlfchaiiliche Vereins- und Versammlungs- Anzeigen L0 Pfg, »Hieine ZnreiFen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. lzuläisig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg, ktellengefuche und Schlafstellenan- zeigen das erde Wort 10 Pfg., jedes «euere Wort b Pfg, Worte über lö Buch- staben zählen für zwei Worte Jnferme für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der ExpedMon »bgegeden werden. Tie Exveditwo ijt bis 1 Uhr abends geöffnei Iklegramm-Adreffe: »bdifZiaellisfirsl lictilo-, Iteöaktion: SW. öS» Linöenstraße Z. Fernsprecher: Amt MoritzvIaN, Str. läl SV— ISl S7. Sonntag, den 29. Oktober 1918. Expeöttion: SW. öS, Linöenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moripplav. Str. ISI SV— 1S1S7. ver Reichstag Wer den ßelagerungszuftand. fortfehritte bei Dorna Matra. Kriegszustand un» öürgerfreiheitl MUllg dll AllKeil AUMliM. Der Reichstag hatte am Sonnabend ganz unerwarteter- weise die edelste und vornehmste Pflicht zu erfüllen, die für ihn als die eigentliche Vertretung des deutschen Volkes über- Haupt in Betracht kommen kann: er hatte einer Ueberzeugung und einer Stimmung des deutschen Volkes unmittelbar und ungeschminkt Ausdruck zu geben. Es gereicht dem Reichstag zur Ehre, daß er in der wichtigen Stunde die richtigen Worte gefunden hat. Es ehrt ihn nicht minder, daß er m der bedeu- tungsvollen Frage, die er zu beantworten hatte, einig war. Joden falls ist aus der Mitte des Hauses heraus ein Wider- spruch nickst laut geworden, und selbst die Regierung sah sich genötigt, unter dem starken Sturm, der vom Hause aus zu ihr' emporstieß, wenigstens in der Form nachzugeben, wenn man ihr auch leider anmerkte, daß ühr diese Nachgiebigkeit nicht leicht fiel und nicht von Herzen kam. Der bedeutungsvolle Vorgang entwickelte sich bei der Be- ratung des von der»Budgetkommission vorgelegten Gefetzent- Wurfs über die S ch u tz h a f t während des Kriegszustandes. Die liberalen Redner Wald stein und Rießer hatten beide unter scharfer Kritik des gegenwärtigen Zuswndes die dringende Notwendigkeit einer Reform dargelegt: besonders der erst vor kurzem gewählte nationalliberole Präsident des Hansabundes, der zu der entschiedenen Richtung seiner Fraktion gehört, ließ es hierbei nicht an herben Worten fehlen. Aber tieferen Ein- druck machten diese Reden noch nicht auf das Haus. Sie waren zu theoretisch und standen nicht unier dem Eindruck der un- mittelbaren Erlebnisse. Das wurde anders, als Genosse D i t t- mann von der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft das Wort ergriff und aus der Fülle der Erfahrungen schöpfte, die die Arbeiter, besonders die oppositionellen, während dieser Kriegsjahre bis in die neueste Zeil hinein gemacht haben. Nachdem Dittmann mit einigen scharfen Strichen das grund- sätzlich Unzulässige und Ungesetzliche der angeblich aus mili- tärischen Gründen notwendigen Schutzhaft gekennzeichnet hatte, ging er zur Darlegung einzelner besonders krasser Fälle über. Dittmann trug die Tatsachen ruhig vor. Wer so auf- reizend, so aufpeitschend waren diese Tatsachen, daß sich des Hauses in wachsendem Maße eine starke Unruhe bemächtigte, die sich zeitweise zu lebhafter Entrüstung, ja zu offener Em- vörung steigerte. Dittmann schilderte die Fälle Mehring und Luxemburg, die besonders dadurch so erbitternd wirken müssen, daß in beiden Fällen hochbegabte Geistesarbeiter lediglich ihrer unbequemen politischen Ueberzeugung wegen nach dem Willen der militärischen Behörden ihrer öffentlichen Tätigkeit entzogen werden. Ganz anders, aber darum nicht minder empörend, liegt die Sache bei den zwei jungen Mädchen, die wegen Verteilung von Zetteln monate- lang in Haft genommen und dabei mit Prostituierten zusammen eingesperrt worden sind. Den tiefsten Eindruck aber machte der Fall Klühs. Als der Redner zu der Feststellung kam. daß man diesem um nichtiger Dinge wegen in Schutzhaft genommenen Mann eine vorübergehende Entlassung der- hatte, obwohl ihn ein Telegramm an das Sterbebett � w, daß man ihm ein erneutes Urlaubsgesuch zur Beerdigung der inzwischen verstorbenen Frau erst tage- long hinterher mit der Begründung abgelehnt hatte, die Frau rii o11 Ö0r."n�0en Tagen begraben, loderte der leidenschaft- "che Zorn nicht nur von den Bänken der Sozialdemokraten auf, auch bei den bürgerlichen Parteien, besonders bei den liberalen Parteien und beim Zentrum, sprangen die Abgeord- neten erregt von den Sitzen, Empörung und Scham über solche Vorkommnisse riß sie empor. Dittmann schloß unter dem stürmischen Beifall der Sozialdemokraten seine wirkungsvolle Anklage gegen die militärische Schutzhaft, diese besondere Blüte des Belaaerungszustandes. Der Staatssekretär des Innern Dr. Helfferich. der ihm sofort antwortete, fand wie vor einigen Tagen auch ietzt wieder nicht die richtigen Worte, die das Volk von einer Rc- gierung erwartet, die die Zeichen der Zeit zu deuten weiß und die von ihr selber ausgesprochene Neuorientierung ernst Ulnimt. Er hielt grundsätzlich an Schutzhaft, Belagerungs- znikrod und Zensur fest, und wenn er auch Mißstände zuge- stmw und die gründliche Untersuchung der behandelten Fälle �uiicherte, so ging doch dieses bescheidene Zugeständnis unter m dem polemischen Kleinkram, mit dem er sich und die der Regierung gegen die äußerste Linke zu decken Xr--0nÖer§ unglaublich war sein Vorhalt, daß der Rc- oarreur Kluhs schon seit einigen Jahren von seiner Frau gc- trennt wbe jiz ob das auch nur im gerngsten das Verhal- s?" Ö,er BeHorden entschuldigte, die den letzten Wunsch eines L-terbenden ruckinsttslos mißachteten! Als ob dadurch der hdll fast nicht noch schlimmer würdet De�q gerade bei einem Amtlich. Großes H»«ptq«f,rtirr, 88. Ok° tober ISIS.(W. T. 8.): Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kroupriuz Rupprecht. Auf dem Nordufer der Sömme haben gestern die JnfauteriekSmpfe wieder eiugesetzt. Starke Artillerie- Vorbereitung ging den Angriffen voran, zu denen die Eng- länder über die Linie Gueudcconrt- LesboenfS, die Frau- zofea anschließend ans der Gegend von Morval in den Abendstunden vorbrachen. Unsere Truppen habe» die ver- bündeten Gegner durch Artillerie- and Maschinengewehr- feuer, nordöstlich vo» Morval auch mit der blanken Waffe» blutig zurückgewieseu. Die Stellungen sind restlos be- hanptet. Heeresgruppe Kroupr!»». Auch östlich der Maas spielten sich erneut schwere, fir nn« erfolgreiche Kämpfe ab. Nach heftigem Artillerie- feuer stürmten aus dem Thiaumont-Walde» beiderseits Fort Douaumout und im Fumin-Walde starke französische Kräfte zu Angriffen vor» die sämtlich vor unseren Stellungen für den Gegnor verlustreich zusammenbrachen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Frouk de« Gr«« er a l f e l d««r s ch allß Priu» Leopold von Bayern. Mach zweitägigem WirkungSfeuer gegen de» Abschnitt westlich von L» c k griff der Russe gestern bei Zatnrcy an. Der Augriff scheiterte vollkommen und nntrr schwrrru Ber- lasten für den Feind. Front deS Geueral« der Kavallerie Erzherzog Carl. Beiderseits von Dorna Watra drangen österreichisch- »ugarische Trappe« in die russischen Stellunge» ein und nahmen mehrere Höhen im Sturm. 8 Offiziere und über 500 Manu wurden gefangen eingebracht. An der sieben- bürgische« Ostftönt danern die Kämpfe in den Grenztäler» au. Südlich von Kronstadt lBrasso) wurde vo» unsere« verbündeten Truppen eine rumänische Höhenstelluug in über» raschendem Vorstoß genommen und der Erfolg in scharfe« Rachdrängen bis ins Tal deS Partzuga erweitert. Im übrige» hat sich die Lage nicht wesentlich geändert. Balkan-Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des GeneralfeldmarsHaNs von Mackensen. An der nördlichen Dobrudscha fanden unser« ver- folgenden Abteilungen bisher wenig Widerstand. Alle An- zeichen deuten ans hastigen Rückzug des Gegners. 500 Versprengte wurden gefangen» einige MuultionS- kolonnen und Bagagen erbeutet. Mazedonische 5?ront. Serbische Angrifft gegen die deutsch° bulgarischen Stellungen im Cerna-Boge» scheiterten ebenso wie Teil- Vorstöße deS Gegners an den Osthängen der Moglena and südwestlich deS Dojran-SeeS. An der Struma Patrouillen- geplänkel» bei Orfano lebhafteres Artilleriefeuer. Der Erste Generalquartiermeister. � Ludeudorfs. vn iUmWW EenerslWsSMi. Wie«, 28. Oktober 181«.(W. T. B.)«mtlich wird verlautbart i Oestlicher Kriegsschauplatz. HeerrSfrout de« Generals der Kavallerie Erzherzog Carl. Die Kämpfe südlich des Szurduk und de? BörrS Torony (Rotcr-Turm-Paßj dauern an. Südöstlich von Prcdcal warfen österreichisch-ungarische und deutsche Truppen den Feind aus starkverschanzter Höhenstcllung in daS Paraszuga-Tal hinab. An der ungarischen Ostgrenze wurden rumänische Gegenstöße ab- geschlagen. Oestlich von Dorna Watra brache» wir auf vier Kilometer Frontbrcite in die russischen Stellungen ein. Der Feind ließ 8 Offiziere» 511 Mann und 2 Maschinengewehre tu unserer Hand. Seine Versuche, die ihm entrissenen Höhe» zurück- Zugewinnen, blieben ohne Erfolg. HeereSfront d r S Gcncralfeldmarschall» Prinz Leopold von Bayern. Del der Armee deö Generalobersten v. TersztyanSkh starker GeschLykampf- Ei» vereinzelter rnsfischcr Borstoß südlich Zaturry wnrde unter großen Feindvrrlustcn abgeschlagen. Italienischer Kriegsschauplatz. S« Slldflügcl der kllstenländischen Front danern die Artillerie- m«d Miiienwerfcrkämpfe fort. Feindliche Infanterie, die entlang der Straße von Oppacchiafclla vorging, wurde durch unser Feuer rasch zur Umkehr gezwungen. In Tirol nimmt das feindliche Geschüyfeuer stclleuweise an Heftigkeit zu. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Bei unseren Truppen nichts Neues. Der Stellvertreter de» Chef? deS GcncralstabcS. v. H o e f e r, Feldmarschalleutnant. etwaigen Zwiespalt der Ehegatten chrt es alle beide, wenn sie sich vor dem Tode noch einmal zu sehen und sich ein herzliches Wort zu sagen wünschen! Der Staatssekretär erhielt sofort die gebührende Antwort aus dem Hause. Und daß es bürgerliche Redner waren, die deutliche und ernste Worte fanden, noch dazu geachtete Persönlichkeiten der beiden einflußreichsten bürgerlichen Par- teien, machte die Lage für die Regierung nicht leichter. Der Vizepräsident Paasch? von der nationalliberalen Partei gab seiner Entrüstung über die von Dittmann mitgeteilten Tatsachen lebhaften Ausdruck und hielt nicht mit der Be- merkung zurück, daß der Vertreter der Regierung leider nicht den richtigen Ton gefunden habe, der solchen unerhörten Tat- fachen gegenüber am Platze sei. In ähnlicher Weise sprach sich der Abgeordnete Fehrenbach vom Zentrum aus, der wie in seiner bekannten aufsehenerregenden Rede zum Fall Zabern vor einigen Jahren sein tiesstes Bedauern darüber aussprach, daß das deutsche Volk einen solchen Tag habe er- leben müssen. Der fortschrittliche Redner Müller- Mei- ningen wies besonders die Bemerkung des Staatssekretärs zurück, daß es in den feindlichen Ländern auch nicht besser sei: das sei keine Entschuldigung für uns. Sehr eindrucks- volles Material trug dann noch der Elsässer H a u ß vor; er war besonders sack�erständig für die elsaß-lothringischen Zu- stände, wo die Militärdiktatur in das Familienleben zahlreicher einfacher Bürger, aber auch in die Rechte von Abgeordneten zum Bezirkstag, zum Landtag und zum Reichstag eingegriffen hat. Genosse Scheidemann schloß sich vollinhaltlich der scharfen Kritik an, die die unhaltbaren Zustände durch Dittmann erfahren hatten: er machte vor allem den Belagerungszustand und die Zensur dafür verant- wortlich, daß die Dinge soweit gedeihen konnten. Wäre der Belagerungszustand nicht, � wären auch nicht die Vollmachten der Militärbehörden. Wäre die Zensur nicht, so hätte die öffentliche Kritik seit langem dafür gesorgt, daß den militärischen Diktatoren ihr Handwerk gelegt worden wäre. Gc- wiß ist es kein Ruhmestitel für Deutschland, daß solche Dinge vor der offenen ParlmneuiStrtbüne vorgetragen werden müssen. Aber das Verschtveigen wäre noch schlimmer für Deutschland. Und dann: wer hat die Schuld? Warum ist auf die wiederholten und immer wiederholten Klagen und Beschwerden in den Ausschußberatungen keine durchgreifende Besserung erfolgt? Die Regierung ist oft genug gewarnt worden, ihr ist oft genug angekündigt worden, daß sich das Ventil der öffentlichen Verhandlung schließlich cinmai ge- waltsam Lust verschvffeu werde. Es soll zugestanden werden, daß der Staatssekretär des Innern und auch ein Vertreter des Kriegsministeriums zum Schluß unter dem Eindruck der wuchftgen Demonstration des Hauses nachdrücklich versicherten, es solle alles getan werden, um die vorgetragenen Fälle gründlich zu untersuchen, die Schuldigen rücksichtslos zur Verantwortung zu ziehen und Maßnahmen gegen die Wiederkehr solcher Vorkomnuiisse zu treffen. Ob und wieweit es gelingen wird, muß die baldige Zukunft zeigen. Wenn nicht die Stellen zugreisen, die bei der besonderen Lagerung der militärischen Verhältnisse in Deutschland allein sofortige Besserung erzwingen können, wenn nicht nötigenfalls der Reichskanzler, der dem Reichstage gegenüber die Verantwortung trägt, seine äußersten ver- fassungsmäßigen Mittel einsetzt, um die starken Widerstände zu brechen, wenn den widerstrebenden Stellen nicht mft schonungsloser Deutlichkeit klargemacht wird, daß das gesamt» deutsche Volk gegenüber der Welt tov Feinden zum gi�ensri» tigcn Schutz' verpflichtet ist. öaß nicht aber militärische Not- wendigkciten als Vorwand zu Trutz maßnahmen gegen un- Pequeme politische Meinungen mißbraucht werden dürfen, so Wird bis auf weiteres alles beim alten bleiben. Aber nur bis auf weiteres I Auch das zeigte die gestrige Reichstagssitzung erneut, daß die politischen Zustäirde Deutsch. lands während des Krieges und unter den Kriegserfährungen aus der trägen Ruhe früherer Zeiten aufgerüttelt worden sind. Auch die bürgerlichen Parteien sind von der allge- meinen Stimmung angesteckt. Auch sie könen sich den stürmi- schon Forderungen, die von unten her und cms den breitesten Schichten des Volkes kommen, nicht entziehen. Deshalb wird die Regierung es nicht darauf ankommen lassen dürfen, daß der Reichstag noch einmal die gleichen Klagen vorzubringen hat. EbensoVenig aber darf der Reichstag es sich gefallen -lassen, daß die Regierung ihn noch einmal vor die gleiche Situation stellt. Staatssekretär Dr. Helfferich beliebte am Sonnabend zweimal geschichtliche Ausflüge nach dem alten Rom zu machen. Seiner Gelehrsamkeit ist das Wort des alten Lateiners nicht unbekannt: Lernet, ihr seid ge- warnt! Hoffentlich weiß er auf Grund seiner Erlebnisse am Sonnabend die inaßgebenden Stellen über den tiefen politischen Sinn.hinreichend zu belehren, zu der das Wort in solchen ernsten politischen Zeiten, wie wir sie gegenwärtig durchleben, emporwächst. Die gmchiMen wirren. Das„losgetrennte" und das„trengebliebeue" Griechenland. London, 2?. Oktober.(W. T. B.) Dem.Dailh Tele- graph" meldet sein Berichterstatter aus Athen vom 23. Oktober, auf Grund guter Informationen lasse sich die Lage wie folgt zu- .sammenfassen: Der französische Gesandte hat gestern in einer .Audienz König Konstantin versichert, daß es nicht in der. Absicht .des Teiles des Landes, der sich losgetrennt habe, liege, gegen die Hauptstadt zu marschieren. Nach dieser Zusicherung habe der König seinen Widerstand gegen die vom französischen Admiral geforderten militärischen Maßregeln aufgegeben und es sei ein Vergleich zu- stände gekommen. Der König habe versprochen, alle Maßregeln durchzuführen, die dazu beftrygen könnten,, dix. Bedenken der En- tenfe zu beseitigen. Dafür solle der König künftig nicht belästigt werden und im friedlichen. Genuß der Regierung in dem Teile des Landes verbleiben, der ihm treu geblieben sei, und eS werde ihm vollständig freigestellt, seine Neutralitätspolitik, an der' er mehr als je festhält, fortzusetzen. Den losgetrennten Teil des Landes betrachten die Alliierten als Bundesgenossen, der das Recht habe, an den Vorteilen der wohlioollenden Neutralität, die die Athener Regierung der Entente wiederholt versprochen habe, teilzunehmen. Die. Zeitung„Hestia" schreibt, daß nach dem neuen Abkom- inen jeder Versuch, die von der provisorischen Negierung eingelei- .tote Bewegung gegen Bulgarien zu unterdrücken, als Vertragsbruch betrachtet werden würde.'. Streik griechischer Eisenbahner. London, 27. Oktober.(2B. T. 58.) Das Reutersche Bureau meldet aus A t he n, daß die Ange st eilten der Elsenbahn nach Larissa den Ausstand erklärt haben, um ihre For- derungen auf Lohnerhöhung zur Geltung zu bringen. Athen, 28. Oktober.(®; T. B.) sMeldgng dcr.Agence HavaS.) Im Anschluß an den am Donnerstag von den E i se n b'a h n e r n der Sirecke nach Larissa erklärten Streik erwartet man einen Stre'i�der Dockarbeite't und'der' Eisen bächn er auf Sen«rtt-i sche n Ä in ien. Das Kabinett hat die ganze Nacht . hindurch über die Frage beraten, ob alle Streikenden zu mobilisieren 'seien, um sie zur Arbeit, zu zwingen. Absetzung der revolutionSren Beamte«. Genf, 28. Oktober.(W. T. B.)„Matin" meldet aus Athen: Gestern abend nach Beendigung des Ministerrats hat die Regierung dem König einen Erlaß zur Unterschrift vorgelegt, durch den die Absetzung aller Beamten ausgesprochen wird, die sich der.r e v o l u t i o n ä r e n B e» wegung in Saloniki angeschlossen haben. Die Melüung ües türkischen Hauptquartiers. Konstantioopel, 27. Oktober.(W. T. B.) Amtlicher Bericht. An der TigriSfront warfen unsere Flugzeuge mit Erfolg Bomben auf eine Flugzeughalle und Lager des Feindes. K a u k a s u s f r o n t. Scharmützel, bei denen wir eine Anzahl von Gefangenen machteil. Bon den anderen Fronten ist kein Ereignis von Bedeutung zu melden. Der Stellvertretende Oberbefehlshaber. Die feindlichen Heeresberichte. Ter französische Tagesbericht. Vom 27. Oktober nachmittags. jW. T. 58.) An der So mmefro nt zeitweise unterbrochene Beschießung der fran- zösischen Artillerie, die ein deutsches Munitionslager in der Gegend von Gernemont— Ablaincourt in die Lust sprengte. Nördlich von Verdun haben die Franzosen im Laufe der Nacht Teilopera- tionen in den Abschnitten westlich und südlich des Forts Vaux aus- geführt. Sie nahmen 100 Mann gefangen und machten einige . Fortschritte. Die Deutschen haben die stanzösischen Stellungen in der Gegend von Douaumont— ChenoiS heftig beschossen. Auf der übrigen Front nichts zu melden. Flugwesen: In der Nacht vom 2g. auf den 27. Oktober haben französische Bombenwerfer-Flugzeuge 40 Geschosse auf den Bahnhof von Grandpre geworfen, acht auf den Bahnhof Ehallerange; 30 auf die deutschen Lager von Fretoy-Le Chateau und Avricourt und nördlich von Lasfigny, wo zwei FeuerSbrünste festgestellt worden sind. In der gleichen Nacht haben zehn stanzüsifche Flugzeuge 240 12- Zentimeter- Granaten auf den Bahnhof von Conflans and 30 Granaten desselben Kalibers auf den Bahnhof von Courcelles abgeworfen. Die Ziele wurden von zahlreichen Geschossen erreicht. Ein anderes Flugzeug hat 6 Geschosse auf die Eisenbahnlinie bei Pagnh-sur-Moselle abgeworfen. Oricntarznee: Kein Ereignis zu melden. DaS schlechte Wetter behindert fortgesetzt die Operationen. Vom 27. Oktober abends.(W. T. 59.) An der S o m m e- front ziemlich heftige Tätigkeit der beiden Artillerien in den Ab- schnitten von Sailly�Sallisel, Bouchavesnes und iöiaches. Nördlich Won Verdun richtet der Feind andauernd ein heftiges Bombarde- ment aus unsere vordersten Linien, namentlich auf die Schluchten von Haudromont, das Fort Dmmumont und die Batterie Dam- .loup. Ein feindlicher Angriffsvcrsuch westlich des Dorfes Douau- ,/ßioirt wurde.durch unser Sperrfeuer glatt angehalten. Kein wich- tiges Ereignis auf dem übrigen Teil der Front. Das schlechte "Wetter behindert im allgemeinen die Kampfhandlungen. B e l g i s ch er Bericht. In der Gegend nördlich von Dix- mude und ebenso in der Umgegend dieser Stadt war die Artillerie auf beiden Seilen tätig. Die englische Meldung. Vom 27. Oktober nachmittags. fW. T. 58.) Schwerer Regen. Feindliche Artillerietätigkeit südlich der Ancre, wo auch er! folgreiche Ueberfälle auf feindliche Laufgräben unternommen wurden. Vom 27. Oktober abends.(W. T. B.) Der heftige Regen hat angedauert. Die feindliche Artillerie und feindliche Schützengrabenmörser waren zwischen La Bassee, Hulluch und der Nachbarschaft von Beanmont-Hamel tätig. Wir haben feindliche Schützengräben südlich von Armentieres beschossen. Die feindlichen Flugzeuge waren ungewöhnlich tätig. Am 20. Oktober hat ein Luftgefecht zwischen einer großen Anzahl von Flugzeugen beider Parteien stattgefunden; es wird berichtet, daß zwei der unsrigen und drei feindliche abgestürzt sind. Bei einer anderen Gelegenheit ist einer unserer Flieger zehn feindlichen FluMeugen begegnet, hat als einzelner sie angegriffen und weit hinter ihren eigenen Linien zerstreut. Der russische Kriegsbericht. Vom 27. Oktober. lW. T.' B.) Westfront: Kleine deutsche Abteilungen, welche unsere Stel- lungen südlich von Mga angriffen, wurden zurückgewiesen. Unter dem Schutze heftigen Artilleriefeuers machte der Feind in Stärke etwa eines Bataillons einen Angriff auf unsere Abteilungen, die in der Umgegend des' Dorfes Goldowitschi sMoldowitschi?) auf das westliche Ufer der.Schtschara vorgingen, und zwang sie, sich aus das Ostufer zurückzuziehen. In den Waldkarpathen verhinderten wir durch Feuer feindliche Angriffsversuche südlich von Rafailowa und östlich und westlich von Worochta. Kaukasusfront: Kleine türkische Abteilungen versuchten gegen Scharaphan(?), zehn Werst südlich von Ziariat(?), vorzu- gehen, wurden aber zurückgeworfen. In der Gegend von Sakiz nahmen unsere Truppen den Türken einen Teil ihres Lebens- Mitteltransports fort. RumänischeFront: Nördliche oder Siebenbürgische Front. An der Westgrenze der Moldau machten die Rumänen einen Ueber- fall und nähmen das Dorf Bosau s?), 10 Werst nordwestlich von Okna, und die Höhe Piatra Rotkul(?), 16 Werst südwestlich von Okna. An der Nordgrenze der Walachei haben die Rumänen die Offensive des Gegners zum Stehen gebracht und befestigen ihre Stellungen; an beiden Ufern des Jiul-Flusses dauern die Kämpfe erbittert fort. Dobr.udschafront: Der Gegner setzt seine Angriffe an der ganzen Front fort; die rumänischen und unsere Truppen ziehen sich unter Kämpfen' nördlich von der Linie Gersowa(Harsowa?)— Kasapkiöj zurück. Meldung der italienischen Heeresleitung. Vom 27. Oktober. sW. T. B.) Im Lagarinatal zerstörte das genaue Feuer unserer iVatterien den Sitz eines feindlichen Kommandos und militärische Niederlagen in Jsera, westlich von Rovereto, indem sie einen Brand verursachten. An der Front in den Julischen Alpen große Tätigkeit der feindlichen Artillerie von Bertoibizza bis zum iReere. Die unsere antwortete wirksam und sprengte zwei SchießbedarfÄager in den gegnerischen Linien. Eine unserer Abteilungen drang in einen feindlichen Schützengraben auf dem Karst ein und bemächtigte sich eines großkalibrigen Bomben- Werfers. C a d o r n a. Rumänischer Bericht. Vom 27. Oktober.(W. T. B.) Nord- und Nordwest front: Bej FulgheS und Bicaz kgben wir einen heftigen Angriff des Feindes abgewiesen. Bei Huyies ist ein feindliches Flugzeug durch unsere Artillerie abge- schössen worden. Im Vactus-Tal hat der Feind heftig angegriffen, ist aber abgeschlagen worden. Im Uzu-Tal dauert unser Vorrücken fort; wir nahmen einen Offizier und 82 Mann gesangen und er- beuteten ein Maschinengewehr. Im Oituz-Tal Ruhe. An der Grenze bei Vrgncea, im Buzeu-Täl, bei Tabla Butzi, Bratocea und Predelus ist die Lage unverändert. Der" Feind, hat. den Berg Clabuc ' und das Züge.i-Tal heftig' aiigegriffen.. Südwestlich von Predeal ist der Kampf im Gange. In der Gegend von Dragoslavle haben wir im Prcwatz-Tale, welches mit Leichen des Feindes bedeckt ist, einen sehr heftigen feindlichen Angriff abgeschlagen. Westlich voni Alt sind feindliche Angriffe abgewiesen worden. Am Jiul sind wir gegen den südlichen Ausgang des Passes zurückgewichen. S ü d f r s n t: An der Donau und in der Dobvudscha keine Veränderung. Kämpfe in Deutsch-Ostafrika, London, 27. Oktober. sW. T. B.) In einem amtlichen Be- richt aus Laureneo Marques vom 20. Oktober wird ge- meldet: Eine Aufklärungsabteilung stieß am Sonnabend bei Na- kalala auf den Feind und zwang ihn, sich zurückzuziehen. Eine neuerliche Begegnung mit dem Feind am Sonntag bei N e w a l a hatte zur Folge, daß der Feind sich zurückziehen mutzte. Die Ver- luste der portugiesischen Truppen waren: Ein Europäer tot und ein Europäer und drei Eingeborene leicht verletzt. Die Kämpfe an öer Somme. Berlin, 27. Oktober.(W. T. B.) Von militärischer Seite wird über die Kämpfe an der Somme berichtet: Der Angriff auf den Frontabschnitt Le Sars— Sailly war ohne Frage ein Durchbruchsversuch größten Stils, der nach gewaltiger Artillerievorbereitung am 23. und 24. gegen die deutsche Front vorgetragen wurde und mit einem völligen Mißerfolg des Feindes endete. Seit dem Abend des 22. schoß sich der Gegner mit schwersten Kalibern, zum größten Teil mit 28-Zentimeter-Geschützen, auf die deutschen Stellungen ein. Um 0 Uhr in der Morgenstühe des 23. begann dann zunächst südlich des Ancre-Baches his Courcelette ein lebhaftes Feuer, das sich um 7lh Uhr zu einem wilden Trommel- feuer steigerte. Gleichzeitig vergaste der Feind die hinter den deut- sehen Stellungen gelegenen Mulden und suchte bei Sailly die rück- wältigen Verbindungen der Deutschen unter Streufeuer zu nehmen und völlig zu unterbrechen. Von 2 Uhr mittags a» entwickelte sich dann auf der ganzen Front von Serre bis zum St. Pierre Vaast- Walde ein gewaltiges Artilleriefeuer, das vielerorts in stärkstes Trommelfeuer überging. Die Stärke dieser Artillerievorbereitung wird dadurch gekennzeichnet, daß an einer Stelle nördlich der Ancre, an der dann später nicht einmal ein Angriff erfolgte, auf einem Frontteil von 3 Kilometern gegen 20 000 Schuß aller Kaliber und mehrere Hundert Minen gezählt wurden. Unterdessen hatten an diesem Großkampftage des 23. Oktober zwischen Eaucourt— l'Abbaye und Rancourt äußerst heftige Angriffe eingesetzt, die mit ungeheuer starken Kräften ausgeführt wurden und stellenweise zu den schärfsten Nahkämpfen führten. Gleichzeitig griffen feindliche Fluggeschwader aus einer Hohe von nur 100 Metern die deutschen Stellungen an und versuchten die Grabenbesatzungen durch heftiges Maschinengewehrfeuer zu beunruhigen und zu schrecken. Die eng- lischen wie die stanzösischen Angriffe, die in tief gegliederten dichten Kolonnen erfolgten und in mehreren Wellen immer wieder an- brandeten, würben mit bemerkenswertem Schneid ausgeführt. Die Führer stürmten, bisweilen zu Pferde, ihren Truppen voran. Fast überall wurden aber die Angriffe schon vor den deutschen Stet- lungen durch das vorzüglich liegende deutsche Artilleriefeuer abge- schlagen. Wo der Feind in die ersten Gräben eindrang, wurde er von den deutschen Besatzungen sogleich, niedergemacht. Dabei voll- brachten einzelne Truppenteile glänzende Heldentaten. So säuberte in einer Stellung nördlich von Gueudecourt eine Kompagnie, die ihren Führer und ihre Zugführer verloren hatte, in kürzester Frist ganz selbständig ihren Graben, und die Leute, obwohl ohne jede Führung, stellten sofort die Verbindung mit den Nachbartruppen wieder her. Westlich von Transloy waren die Toten in 3 Reihen übereinander geschichtet. Bai Sailly machte, eine deutsche Kom- pagnie über 00 unverwundete Gefangene, die allerdings stark be- trunken waren. Ein noch hervorragenderes Ergebnis wurde zwi- schen Le Sars und Eaucourt— L'Abbave erzielt, wo laut Gefangenen- aussagen der Gegner den Hauptstoß beabsichtigte. Die deutsche Artillerie belegte die feindlichen Gräben mit so vernichtendem Feuer, daß die Führer ihre Leute nicht aus den Gräben heraus- brachten.' �>. Trotz der außerordentlichen Heftigkeit der Angriffe, die sich am 23. und 24. Oktober fast ununterbrochen wiederholten, wurden die Truppen mit warmem Essen verpflegt, ein vollgültiger Beweis da für, daß auch hinter den Gräben die deutsche Organisation mustcr Haft arbeitet. An einer Stelle brachten Zietenhusaren. die mii Autos herangeholt waren, Verpflegung, 5Nunition und Pionier Material in die vordersten Gräben. Für den Geist der deutschen Truppen bezeichnend sinv zum Beispiel die Leistungen eines braa denburgischen Infanterie-Regiments, das 17 Tage ununterbrochen vorn lag und täglich Angriffe, häufig an einem Tage mehrere abschlug. Am 17. und letzten Tage blieben sie in Grabenkämpfen allerschwerster Art Sieger und nahmen Ueberläufer aus den eng lischen Regimentern Essex und Susfolk und aus einem dritten eng lischen Regiment auf. Ein Zug dieser wackeren Brandenburgei bemerkte, daß der Feind rechts und links von ihrer Stellung ein gedrungen war. Zugleich wurde dem Bataillonskommandcur ge meldet, daß der Feind auch in dichten Kolonnen von hinten komme gleich darauf stürzte, der Bataillonsführer, von einem Kopfschu! getroffen, tot.nieder. Nun erging, der Befehl, daß die Hälfte de: Leute nach rückwärts feuern sollte. Unterdessen säuberte ein Leu! nant mit 4 Mann die Gräben rechts und links, bis der Anschluß an die Nachbartruppen wieder erreicht war, und so bekam das Bataillon die ganze Stellung wieder fest in seine Hand. Die englischen Kolonnen wurden durch Maschinengewehrfeuer völlig zusammengeschossen, bis der Rest sich mit.Hände hoch er- gab. Auch hier waren die Gefangenen, wie stets bei den letzten Angriffen, stark betrunken. Da die deutschen Verwundeten von den Engländern mit Svaten erschlagen worden waren, so war auch die Erbitterung der Deut schen aufs höchste gestiegen. So sprang ein Mann aus einem Granattrichter hervor, und mit dem Rufe:„5Du Kerl hast meinen besten Freund erschossen/ schlug er 2 Engländer mit dem Kolben nieder. Die deutschen Maschinengewehre verrichteten eine furchtbare Blutarbeit. Zwei Maschinengewehre feuerten in 3 Stunden aus 3 Läufen 27000 Schuß ab und hatten dabei das beste Ziel an den in dicker Masse herankommenden Kolonnen. Ein Leutnant, Vr durch 2 Schuß schwer verwundet ist, bedient das Maschinengewehr allein persönlich weiter, bis der Feind niedergemäht ist. Ein Mann schafft noch mit zwei 5Beinschüssen 4 Kasten Maschinengewehrmuni- tion vor, die ein Gewicht von 180 Pfund hatten. Bei einem Per- sucki, eine Meldung nach hinten zu bringen, fallen ein Offizier und 5 Melder, da erbietet sich ein Gefreiter freiwillig und läuft durch den Granathagel; aber am Ziele angelangt, kann er nur noch seine Meldung stammeln und bricht dann— ein moderner Läufer vou Marathon— bewußtlos zusammen. Ein Befehlsempfänger schafft 2 Verwundete durch das dichteste Feuer in Sicherheit. Die Kom- pagnie, die in diesem Höllenfeuer so tapfer aushielt, zählte in der Minute 4 schwerste Kaliber von über 30-Zentimeter-Geschossen auf einen Abschnitt von 150 Metern. Auch in diesem Geschoßregen hielt das Regiment restlos seine Stellungen. Die rWschen Verlufte. Berlin, 28. Oktober. sW. T. B.) Nach dem letzten Ausweis de? Kiewer Zentraldienstes betragen die russischen Gesamtver- luste seit dem 1. Juni 1910 an gefallenen, vermißten und verwundeten Mannschaften 1 797 522. Die Zahl der gefallenen, ver- mißten und verwundeten Offiziere beträgt 85 981. Die Fliegerverluste erhöhten sich auf insgesamt 49, darunter zwei englische und ein französi'ches Flugzeug. Unter den neuerlich gefallenen Offi- zieren finden sich die Namen von zwei Generalen, sechs Obersten als 58rigadekommandeure und acht Obersten und Oberleutnants als Regimentskommandeure. Wieder am stärksten mitgenommen'lind sibirische KorpS' und kaukasische Reiter. vom v-öoot-Krieg. London, 27. Ollober. Kr., Decken, Fußsäcke, Gummimäntel, alles den rumäni- scheu Offizieren— manchmal große Auswahlsendungen— ins Haus gebracht ohne jede Bezahlung. Ein anderer in der Burzengasse ist schlauer gewesen und hat seine wertvollsten Stücke im Keller versteckt. Aus riesigen Weinfässern zieht er vor un'eren Augen die schönsten Felle, Goldfuchs und Persia- ner, Wolf und Karakul, Biber und Opossum hervor. Pelze sind heute stark begehrt. Der S ch u l e r liegt voll Schnee. Und ein eisiger Wind fegt über das Burzenland. Nach 14 Tagen. Ter Gestank von der schwelenden Knochenmühle am Bahnhof hat aufgehört. Trotzdem ziehen nachts verdächtige Gerüche über die Städte Noch immer ver- brennen die Wallachen heimlich die gestohlenen Sachen aus den Tagen der Okkupation. Die meisten freilich sind abgeliefert. Vor einigen Tagen kam der Befehl für Kronstadt und die um- liegenden Dörfer. Alle gestohlenen Gegenstände mußten bei schwerer Strafandrohung in den Kirchen deponiert werden. An einem Vormittage hatten sich verschiedene Gotteshäuser tn wohlassorfiepte Warenhauslager verwandelt. Aber die Wallachen sind Kinder. Gestern brachte der Südwind den Donner der Geschütze näher als sonst an die Stadt. Da schöpften sie Hosfiiung, und das Abliesern hörte sür einen Tag fast auf. Die Stadt wird wieder lebendig. Aber sie zittert noch. Bei jedem Schuß, der durch die Berge herüberhallt, zittert sie. Und furchtsam nur löst der alte Kurator der Stadtpsarrkirchc die rumänischen Siegel von der Tür, hinter welcher die be- rühmten Teppiche von Kronstadt liegen. Diese Teppiche, Weihgeschcnke der Kronstädter Kaufleute, wenn sie von ihren Reisen aus der Levante kamen, hingen jahrhundertelang in der Kirche am Markt. Unter Leitung eines Bukarester Sachver- stäirdigen wurden sie von den Rumänen sorgsam„registriert" und verwahrt. Und vielleicht ist nur das Tempo der Falken- haynschen Shirmichar Schuld daran, daß sie heute noch in Kronstadts Mauern lagern. Sie waren überhaupt mitten im schönsten„Registrieren" drin, als wir kamen. Die Rumänen interessierten sich für alles, auch für die wertvollen Archive dieser Stadt, die mit ihrer süchsisch-rumänischen Vergangenheit an sich ein geschichtliches Monstrum ist— von den Tagen an, da sie durch den Deutsch-Ritterorden gegründet wurde. Alle Urkunden durchstöberten sie. Sie hatten Professoren aus Bukarest und Jassn mitgebracht— aus jener französisch-rumänischen Historikerschule, die hier seit Jahrzehnten mit Eifer und Geschick die Dinge auf den Kopf stellt. Die wertvollsten slawischen Urkunden des Kronstädtcr Archivs hatten sie bereits nach Bukarest abtransportiert. Jetzt reist der Direktor der sächsisch-siebenbürgischen Archive im befreiten Lande um- her. In Zeiden fand er alles unversehrt. Dort liegen die schönsten Urkunden aus der Zeit der Dcutschritter, die von hier nach Preußen zogen. Sie gründeten sich dort oben ein neues Land und legten bei Danzig eine neue Marienburg an. Die alte und erste Marienburg ist eine kleine Landburg nörd- lich von Kronstadt. Sie hat vor 14 Tagen auf die deutsch- rumänische schlackst herniedergeblickt. Die Jugend von Kronstadt— die Sachsen und Magyaren — sammelt sich wieder in den Schulen. Mit den rumänischen Schulen wird es noch etwas dauern. Viele Lehrer des pomp- Haft gebauten rumänischen Gymnasiums sind mit dem Heere des Königs geflohen. Viele rumänische Eltern haben ihre Kinder mit auf die Flucht genommen. Die Schulen Krön- stadts sind bewundernswert. Eine Nation hat'die andere auf- gestachelt. Auch um die Schulen haben sich die Rumänen in den Tagen der Okkupatton intensiv bekümmert. Ein Studien- dlrektor aus Bukarest erschien hinter den Truppen und ver- sugte die radikalsten Anordnungen. Kein Wort niagyari'ch sollte in allen Schulen Kronstadts gelehrt werden. Keine ungarliche Geschichte und Geographie. Dafür Geschichte und Geographie Groß-Rumäniens. Nur mit den Sachsen verfuhp man etwas glimpflicher. Aber in die Verhandlungen über 5! usgeitaltung der sächsischen Schulen hinein donnerten schon die Geschütze von Fogaras. Die Stadt ist abends noch immer Halbdunkel. Halbdunkel ist auch die Kirche, in der ein sächsischer Professor abends den Deutschen auf der berühniten Orgel von Kronstadt vorspielt. Zwei Kerzen nur erhellen spärlich den düsteren Raum der Kirche, die die größte gofische Ungarns ist. Von der Orgel herunter stürmen und säuseln Reger und Bach, Gluck und Händel auf uns ein. Die Orgel hat 2400 Pfeifen. Vom Oberbefehlshaber bis zum Trainkutscher sitzt alles in andächtigem Zuhören. Aus den frommen Tönen steigt— eine Sehnsucht— das alte Deutschland des Friedens auf. Aber es kann ge- schehen, daß ein leise verklingendes Andante durch das schrille Trompetensignal aus der benachbarten Kaserne plötzlich und grausam unterbrochen wird. Dann weiß seder wieder, was er für einen Augenblick vergaß, daß Krieg ist. Vor 14 Tagen zogen wir in Kronstadt ein. Wieder ein Sonntag. Damals zitterten die Einwohner in ihren Kellern. Heute wandern oben auf der 000 Meter hohen„Ziyne" über der Stadt unsere Soldaten mit den Männern und Frauen von Kronstadt spazieren. Sie stehen am Fuße des von den Ru- mänen gesprengten Milennium-Dcnkmals. Geisterwald, Wur- zenland, Tömösar-Paß— die letzten großen Stationen der Befreiung Siebenbürgens liegen zu ihren Fii�n. Da wird noch einmal der Gang der Schlacht erläutere. Die Glocken läuten aus den Tälern heraus, in denen die wachsende Staöt emporkriecht. Von der rumänischen Grenze treibt der Wind den Schall unserer Abschüsse herüber, die sich langsam ent- fernen. „Die Adler flogen über die Karpathen." Dies prahle- rische Wort stand von großrumänischer Hand in eine Säule östlich Kronstadt gemeißelt, an welcher ein paar Tage später der Sobn Peter Carps von uns begraben wurde. Tie Adler flogen. Aber nur vier Wochen lang. Dann flatterten sie scheu und im Dunkel der Nacht über die Berge zurück. Kronstadt wird nicht rumänisch werden. Durch eine kurze heroische Kraftanstrengung ist der diebische Anschlag der Bukarester Minister gegen ein altes Kulturland, das den Donaufürstentümern jahrhundertelang die besten Menschen und Kräfte geliehen hat, vereitelt worden. Kronstadt wird die nationalen Svannungen innerhalb seiner Bürgerschaft— zwischen alten Reckten und jungen Ansprüchen— gerecht zu lösen wissen. Aber es wird das nur innerhalb des alten bistorischen Verbandes tun. in welchem es groß und zu einer Pforte des Orients geworden ist. Kronstadt wird unser bleiben. Dafür soraen die Bataillone und Batterien, die seit 14.Tagen in den Grenzvässen kämpfen. Heute liegt Scknee in den Pässen. Alle Grenzsteine sind weiß verweht. Vom Schüler sieht man die rumänischen Berge wie eine Zucker- landsckaft unter sich. Aber es raucht aus den Pässen. Mün- dungsfeuer zucken durch den Winterabend. Leuchtkugeln er- hellen die weißen Kuvven, auf denen dunkle Linien sich lang- sam fortbewegen. Und in der verlassenen Skihütte des Siebenbürgener Karpathenvereins liegen norddeutsche Landser um ihr Feuer und wärmen sich. Dr. Adolf Köster, Kriegsberichterstatter. Enögultige demWon öes Kabinetts Stuergkh. Wien, 28. Oktober.(W. T. B.) Wie die Blätter melden. hielten gestern nachmittag die Mitglieder des K a b i- netts Stuergkh unter dem Vorsitze des Ministers des Innern Prinzen zu Hohenlohe eine Beratung ab, in der die Gesamtdemission beschlossen wurde. hottänöischer Protest gegen Deutschlanö. Haag, 27. Oktober.(W. T. B.) Amtlich. Die Re- gierung hat den niederländischen Gesandten in Berlin beauftragt, bei der deutschen Regierung gegen die neue Ver- letzung niederländischen Gebietes durch ein deutsches Luftschiff Einspruch zu erheben. Zranzöstsche Sorgen um öen Nannschasts- ersatz» Pari-?, 27. Oktober.(W. T. B.) Die Kammer beendete die Erörterung mehrerer Interpellationen über die beste Nutzbar- macbung des Esfektivbestandes und nahm eine Ver- trauenStageSordnung an, die mit allen Mitleid die Verstärkung der administrauven und parlamentarischen Kontrolle fordert, um die genaue Ausführung des Gesetzes sicherzustellen. Laut„Temps' stand am F eiiag aus der Tagesordnung der Kammcrsitzung die Erledigung der Gesetzesvorlage über die Zäh- lung und Ausmusterung der Jahresktasse 1918. Der Gesetzentwurf sollte jedoch nur auf der Tagesordnung bleiben. wenn sich lein Redner dazu melden würde. Hierauf haben sich Sozialisten, an der Spitze Auriol. für die Debatte einschreiben lassen, so daß die Borlage auf der Tagesordnung gestrichen werden mußte..Temps' schreibt dazu, daß die Sozialisten auf diese Weise erreichen wollten, daß die Vorlage nur dann behandelt werde, wenn durch eine Besprechung der noch lausenden Interpellationen über die Einstellung von Hilfstruppen die Absichten der Regierung und der Kammer näher gekennzeichnet worden ivären. .Petit Journal' zufolge müssen sich auf Anordnmtg des fran- zöschcn Munilionsministers die in der Kriegsindustrie bcfchäfligten Leute der I a h r e S k l a s se n 191ö/17, selbst wenn sie Spezia- listen find, spätestens bis zum 10. Dezember bei ihrer Truppe stellen.. »» -» Der„Nationalzeitung' wird aus Genf über die Kammer- sitzung avi Freitag folgendes gemeldet: Die französische Kammet! erlebte am Freitag eine bewegte Sitzung, in deren Verlause der Kriegsminister R oq u cS zahlreiche Interpellationen über hine bessere Ausnutzung der H e e r e s r e s er v e n zu beantworten hatte. Der Deputierte Monzie verlangte anstatt der Aufhebung der Reklamationen und der Nachmusterung der Untauglichen eine intensivere Rekrutierung in Slsrika; er erklärte, Nordafrika allein könne Frankreich 48(1000 Mann liefdrn.� Allein, ohwohl das.. Gesetz vom Jahre 1913 eine Aushebung in den Koloüien vorsehe, sei bisher nichts in diesert Richtung geschechenz es sei das ernsteste Problem der Gegenwart.' Dcp Kriegsminister erwiderte, er könne vor einem eingehenden Etuhium der Frage keine Antwort er- teilen. Der S o z i a l i st C ö m p e r e Morel gab hierauf die Erklärung ab, er und seine Freunde seien entschlossen, der R e- gierung das Vertrauen zu verweigern. Der Sozialist Goii de erklärte wörtlich:„Ich versage einer Regierung das Vertrauen, die den Willen der Kammer in der Heereszone nicht ausführt und die nationale Verteidigung sabotiert!' Unter Tumult rief der Kammerpräsident Dcschanel den Redner zur Ordnung, und die Kaminer nahm mit 464 Stimmen gegen eine Minderheit von 71 Stimmen die Tagesordnung Mouricr an, durch die der Regierung das Vertrauen ausge- sprachen wird. ItnsnZrefsrm in öer Schweiz. Ilus der Schweiz wird uns geschrieben: Der Krieg hat die Staatsfinanzen der Schweiz in große Un- ordnung gebracht. Bis zum Kriegsausbruch hatte der Bund ver- hältnismäßig wenig Schulden und diesen standen vollwertige Aktiven gegenüber. Größer war und ist die Schuld der gesondert verwal- teten Bundesbahnen, aber auch hier stehen den Passiven gleichwertige Aktiven gegenüber. Der Krieg hat nun die regelmäßigen Einnahmen des Bundes bedeutend verringert und andererseits seine regelmäßigen Ausgaben erhöht, so daß die Staatsrechnungeu sür 1914 und 1915 mit erheblichen Defiziten abschließen, die das Jahr 1916 weiter erhöhen wird. Dazu kommen noch die eigentlichen Mobilisationskosten, die bereits gegen eine halbe Milliarde Franken betragen und mit jevem Tage weiter wachsen. Bald nach Llusbruch des Krieges waren verschiedene Maß- nahinen zur Vermehrung der Einnahmen uiid zur Verminderung der Ausgaben, auch die Erhebung der einmaligen Kriegssteuer bc- schlössen worden, deren Ermittelung noch gegenwärtig im Gange ist und die ungefähr 100 Millionen Franken ergeben wird, wovon dem Bund 80 Millionen verbleiben und 20 Millionen die Kan- tone erhalten werden. Damit ist aber eine allgemeine Neuregelung der Bundes- finanzen noch immer nicht erreicht und der eidgenössische Finanz- minister Bundesrat Motta hat daher die bisher immer wieder ge- nannten verschiedenen Steuerprojeite in ein Finanzprogramm zu- sammengefaßt, und der Bundesrat hat eine Expertenkommission von 35 Vertrauensmännern, darunter auch einige Sozialdemokraten, zur Beratung des Programms gewählt. Dieses bietet folgendes Steuerbouquet: 1. Tabakmonopol oder Tabaksteuer. 2. Biersteuer. 3. Erweiterung des Schnapsmonopols auf die �heute noch steuer- freien Brennereien. 4. Revision der Militärpflichtersatzsteuer. 5. Stempelsteuer auf Wechsel und andere Wertpapiere. 6. Eine Kriegsgewinnsteuer. Also mit Ausnahme der letzteren lauter indirekte Steuern, wo- mit auch der schweizerische Finanzminister der alten bürgerlich- kapitalistischen Steuerpolitik sklavische Treue bewahrt und sich von der Schablone nicht trennt. Die gleiche Haltung hat auch die orakel- hafte 3ögliedrige Expertenkommission befolgt. Sie hat in Luzern an vier Tagen sieben Sitzungen abgehalten, die die Bundeskasse ein stattliches Sümmlein kosten. Einig waren� die Herren �selbst- verständlich darin, daß zur Aufbringung der jährlichen Mehraus- gaben von etiva 45 Millionen Franken neue Einnahmequellen er- öffnet werden müssen. Einig waren sie auch in der Zustimmung zur Wechselstempelsteuer, die auch auf die Quittungen für Ver- sicherungsprämien und auf Frachtbriefe ausgedehnt werden soll; einig ferner in der steuerpolitischen SluLdehnung des Sihnaps- monopols auf die noch monopolfreien Brennereien, einig in der Erhöhung der Militärsteuer und in der Besteuerung des Tabaks. Das Tabakmonopol wurde aber mit 22 gegen 12 Stimmen abge- lehnt. Eventuell soll nur ein Einkaufsmonopol mit provisori- schem Charakter eingeführt werden. � Abgelehnt wurde die Bier- steuer, aber auch mit 20 gegen 6 Stimmen die Einführung einer bleibenden direkten Bundessteuer und nur eventuell erklärte sich die Kommisston mit 20 gegen 5 Stimmen bereit, die Kriegssteuer noch einmal zu erheben.„Stimmung" war vorhanden für Er- höhung der Zölle und des inländischen Briefportos, für Einführung einer Fahrkartensteuer und Besteuerung der Aktiengesellschaften. Doch wurde über diese Vorschläge nicht abgestimmt. Mit dieser..Arbeit' der großen Expertenkommission ist selbst die bürgerliche Presse, so die großkapitalistische„Neue Zürcher Ztg., nicht zufrieden und erscheint unter diesen Umständen die sozial- demokratische Initiative auf Einführung einer direkten Bundes. steuer als die einzige rettende Tat, die schließlich trotz aller Scheu vor einer direkten Bundessteuer� ioeite bürgerliche Kreise werden unterstützen müssen, wenn sie nicht ihr geliebtes Vaterland dem Bankrott preisgeben wollen. c. Die kriegerischen Anstrengungen KüNßöas. New Jork, 24. Oktober.(Funkspruch des Vertreters von W. T. B.)(Verspätet eingetroffen.)„Associated Preß" berichtet aus Washington: Der kanadische Premierminister Borden hat einen Aufruf an das kanadische Volk erlassen � zu erneuter Anstrengung sür die Stellung von Freiwilligen zum über- sseischen Militärdienst und zu verstärkter Krafteutfaltung�nnd Stei- gerung der heimischen Produktion. Der Premierminister sagt darin: Die große Slbnahme der Einzeichnungen in die Listen während der letzten vier Monate macht diesen Slusrus notwendig. Der Premierminister versichert: Der Höhepunkt des Krieges ist in raschem An- zuge. Die letzten hunderttausend Mann, die Kanada in die kämpfen- .den Reihen stellt, können in dem Kampfe ausschlaggebend werden, dessen«lusgang über die Herrschaft in unserem Reiche und der ganzen Welt entscheiden wird. Seit Anfang des Krieges haben sich in Kanada über dreihundert siebzigtausend Mann m dw Listen eintragen lassen, zweihundertfünfzigtausend sind über See ge- gangen, und mehr als zweihunderttausend stehen in der Schiachtreihe. Für die ersten zehn Monate dieses Jahres erreicht die Zahl der Aus- geschickten annähernd einhunderteinundviertigtausend. Vom 1. Januar bis zum 15. April dieses Jahres betrugen die Eintragungen in die Listen fast tausend am Tage. Während der letzten vier Monate haben die Eintragungen stark abgenommen, und in Voraussicht kom- inenden Bedarfes ist es jetzt an der Zeit für diesen Aufruf. Die Unruhen in Nieöerlänöisch-Inöien. Slmsterdam, 28. Oktober.(W. T. B.) Wie ein hiesiges Blatt auö Weltevreden meldet, wird dort amtlich mitgeteilt, daß unsere Truppen in Djambi eine Bande Aufständischer überfielen, von denen 21 getötet und 2 gefangen genommen wurden. Nur ein Aufständischer vermochte zu entkommen. Diese Ziffern zeigen, daß die Opera- tionen energisch und ohne Gnade durchgeführt werden. Die Be- völkerung hat einen schwer verwundeten Zlnsührer der Rebellen ausgeliefert. In der Gegend von Korintje ist offenbar infolge öou Brandstiftung ein Torf in Flammen aufgegangen, Lekte Nachrichten. Zur Neubildung der österreichischen Regierung. Wien, 28. Oktober.(W. T. B.) Die„Wiener Zeitung" ver- Lsfentlicht vier kaiserliche Handschreiben, wonach Baron B u r i a n zeitweise mit der Leitung des gemeinsamen Finanzministeriums, so- wie mit der obersten Zenlralleituug in den Llngelegeicheiten Bosniens und der Herzegoloina betraut wird, dem Minister v. K ö r b e r volle Anerkennung und wärmster Dank für die m den bisherigen Aemtern geleisteten ausgezeichneten Dienste ausgesprochen werden, ferner die Bitte der österreichischen Minister um Enthebung vom Amte gesteh. migend zur Kenntnis genommen und Alinistevptäsident v. Körber mit der Bildung eines neuen Ministeriums-beiraut wird.'_'■:' Der italienische Bericht. Italienischer Heeresbericht vom 28. Oktober.(W. T. B.) Südlich von der Straße Loppio— Mori(Bergstrom Cancras, Etsch) dringen Abteilungen unserer Infanterie in öaS Dorf Sana ein, aus dem sie den Gegner verjagten, und zerstörten' die feindlichen Verteidigungsanlagon. Von der Hochfläche von Asiago und aus dem Suganertal wird größere Tätigkeit der feiiMichen Artillerie gemeldet. An der julischen Front herrschte auch gestern ziemlich heftige Tätigkeit der feindliche» Zlrtillerie im Abschnitt östlich von Görz und auf dem Karst. Unsere Artillerie erwiderte mit gleicher Kraft. Bei einem neuen überraschenden Angriff südöstlich von Nova Villa schoben wir einen Abschnitt unserer Front 300 Meter vor. GewerkschaWches. Verlin und Umgegend. Tariflohn Änderungen des Kriegsbekleidungsamts des Gardekorps. Der Lobntcrrif für Ziäharbeiten de» KriegsbekleidungsamkÄ des Gardekorps hat jetzt eine Anzahl Aenderungen erfahren. Die Positionen, wo eine Aenderung eingetreten ist, lassen wir in ihrer neuen Fassung hier folgen. Es wird aber genügen, loenn wir an dieser Stelle nur den unverkürzten Arbeitslohn des letzten Arbeiters mitteilen, der bekanntlich 75 Proz. desjenigen Lohnes beträgt, den das Pekleidungscnnt an den direkten Auftragnehmer der Arbeit zahlt. Ter unverkürzte Arbeitslohn des letzten Arbeiters muß jetzt bei folgenden Bekleidungsstücken und folgender Wäsche betragen: Bekleidungsstücke. � Mütze mit Schirm für Gefangene 0,68 M.; Dienstmütze aus Drillich für Bäcker 0,18 M.; Stiefelhose mit Gesäß- und Knieledsr 4,47 M.; Stiefelhose mit Kniebesatz 4,08 M.; Stiefelhose mit Gesäß- besatz 4,13 M.; Einheitsmantel 7 M.: Umhang aus Zeltbahnstoff 0,40 M.; Jacke für Gefangene 2,63 M.; Hose für Gefangene 1,83 M,; Puchfausthandschuhe, Paar mit Lederinnenbesatz 0,48 M.; Unterhose aus Köper(neuer Art) 0,72 M. Bemerkung zum Einheitsmantel: Für das Umbugen usw. bei fransigem Stoff wird nichts vergütet. Wäsche. Dsckenbezüge aller Art 0,36 M.; Kopfpolsterbezüge aller Art 0,166 M.(16)4 PO; Bettlaken ohne Naht 0,075 M.(7% Pf.); Sandtücher 0,0375 M.(3% Pf.); Lcibstrohsack 0,315 M.(31% Pf.); Leibmatratzenhülse 0,27 M.; einteilige Leibmatratzenhülse 0,30 M.; dreiteilige Leibmatratzenhülse 0,36 M.; Kopfpolstcrsack und Kopf- matratzenhiilse 0,12 M.; Krankenröcke aller Art 1.86 M.; gewöhnliche Krankenhose 1,11 M.; Schürzen aller Art 0,21 M.; Taschen- tücher aller Art 0,03 M.; Unterjacke von Barchent 0,72 M.; Hemden aller Art 0,525 M.(62% Pf.); Halstuch 0,06 M. In dem Bezirk Groß-Berlin, wie ihn die Bedingungen des Kriegsbekleidungsamts des Gardekorps näher umschreiben, gölten die Lohnbedingungen dieses Bekleidungsamtes auch für die Arbesten, die andere Bekleidungsämter hier anfertigen lasten. Erneute Teuerungszulage für Buchbinder. Der am Freitag abgehaltenen Mitgliederversammlung der in Buchbindereien, Buchdruckereien und Gcschäfisbücberfabriken belchäf- tigten Buchbinder und Arbeilerimien lag ein Antrag ihrer Vertrauensmänner vor, welcher die Organi'ationslestung auffordert, wegen einer Erhöhung der im Mai gewährten Teuerungszulage mit den Unternehmern in Verbindung zu treten.— Der Antrag wurde oamit begründet, daß die Zulage vom Mai den jetzigen Teuerungs- Verhältnissen längst nicht mehr entspricht und die Leistungssähigkeit der Arbeiter und Arbeiterinnen beeinträchtigt würde, wenn sie nicht durch eine ent'prechende Lohnerhöhung in die Lage versetzt würden, für ihren Lebensunterhalt etwas mehr aufzuwenden. Ferner wurde ausgeführt: Die im Frühjahr von den Unternehmern ausgesprochene Befürchtung, die Buchbindereien würden wegen Papiermangels bald gänzlich lahmgelegt werden, sei nicht eingetroffen. Im Gegenleil, die Geschäftslage sei gegenwärtig sehr günstig, an Arbeit sei durch- aus lein Mangel. Wenn auch die Löhne der Gebilfen infolge starker Nachfrage auf dem Arbeiismarkr erwas über den Tariflobn gestiegen sei, so würden doch die Arbeiterinnen meist zu den tariflichen Mindestlöbnen beschäfiigl. Außer der im Mai bewilligten Teuerungszulage erhielten sie keinen Pfennig über den Tarif, ja in manchen Fällen werde nicht einmal der Tariflobn gezahlt. Manche Unternehmer wüßten sich noch einen besonderen Vorteil da- durch zu verschaffen, daß sie Lehrmädchen einstellen, die entlassen und durch Neueingestellte ersetzt würden, sobald sie Anspruch auf höhere Entlohnung haben. Auch sei die Arbeitsleistung der Arbeiterinnen in einigen großen Zeitungsdruckereien dadurch gesteigert worden. daß trotz bedeutend vermehrter Auflage die Zahl der Arbeiterinnen nicht erhöht worden sei. In anderen Betrieben sei die Leistung durch technische Verbesserungen erbeblich gesteigert worden. Aus diele Weise hätten die Unternehmer die Ausgaben, welche ihnen die im Mai be willigte Teuerungszulage verursacht, nicht nur eingebracht, sondern darüber hinaus einen erhöhten Profit erzielt. Deshalb könnten die Unternehmer eine angemessene Erhöhung der Zulage ohne Nachteil � bewilligen. Dte Branchenlestung erklärte den Antrag der Vertrauensmänner auf Erhöhung der Teuerungszulage als berechtigt. Die Veri'amm- lung stimmte dem Antrage zu und beichloß, dav eine erneute Zu- ] läge von 15 Prozent der gegenwärtigen Löhne— außer der im Mai � gewährten Zulage— gefordert werden soll. Achtung, Fahrstuhlführer und Portiers! Die für Mittwoch, den 25. Okiober, angekündigte Branchenversammlung mußte wegen de« Extrazahlabends ausfallen. Dte Versammlung findet aber be- nimmt am Mittwoch, den 1. Nevember, abends 8V2 Uhr. bei Wegener, Seyd-lstraße 30, statt mit einem Vortrage über:.Die Wirkungen des Krieges in unserem Berufe". Die Branchenleitung. flus der Partei. Erklärung. Genosse Alfred Wielepp ersucht uns unter Bezugnahme auf einen im„Corr.-Blart der General-Kommission" erschienenen Artikel über den„Vorwärts-Konfliti" festzustellen, daß er den Inhalt des.Vorwärts" nur preßgesetzlich zu per- antworten habe, und nicht polstisch. Verbotenes Fest. Auf ihren Antrag um Bewilligung zur Abhaltung ihres zehn- jährigen Stiftungsfestes erhielten die Ortsgruppen Solingen-Wald der Arbeiter-Jugend folgenden interessanten Bescheid durch das Bürgermeisterami Wald: .Auf Ihren Antrag vom 6. Oktober d. I., betr. beabsichtigte Festfeier der Solingen-Walder Arbeiterjugend am 23. Oktober cr. im Gewerkschaftshause hier, wird Ihnen zum Bescheide, daß der Herr Landrat die Genehmigung abgelehnt hat. Er weist darauf hin, daß da? Abhalten von Festen in dieser schweren Zeit nur insoweit zu gestatten sei, als das Streben nach Durchhalten, das unser ganzes Leben erfüllen mutz, dadurch gefördert und nicht etwa durch ;olche Feste in Frage gestellt werde."(z) Spaltung der schweizerischen Sozialdemokratie. Die am Sonntag in Zug stattgefundene und von zirka 200 De» legierten besuchte Delegiertenversammlung des Schweizerischen Grütli- Vereins hat nach mehrstündigen lebhasten Verhandlungen mit III gegen 77 Stimmen alle Anträge auf wettere Unterhaiidlungen mit der sozialdemokratischen Parteileitung zur Herbeiführung der Partei- einheit abgelehnt und damit die Lostrennung von der sozialdemo- kratiichen Partei, die Spaltung der schweizerischen Sozialdemokratie. die polnische Selbständigkeit des Gtütlivereins und die Gründung der neuen Grütlianerpartei beschlossen. auszunützen und zur Versorgung der Kriegführenden, und zwar tat- sächlich nur der Veibündeten, beizutragen. Die National Ciiy Bank os New Jork war die erste, die diese» Weg einschlug und überall Filialen eröffnete, wo die zeitweilige Ausschaltung der englischen, französischen und deutschen Finanzwelt sich am meisten fühlbar machte, so besonders in Argentinien und Brasilien, aber auch in Italien, Rußland und Ehina. Ihrem Beispiel folgten andere amerikanische Banken. Wir dürfen uns darüber nicht beklagen. Zweifellos werden die europäischen Bankiers nach dem Kriege unter dieser Konkurrenz zu leiden haben. Aber einerseits werden sie bei sich genug zu tun haben, um darauf verzichten zu können, ihren früheren Schuldnern jenseits des Meeres einen Kredit einzuräumen, der in Europa schwer zu bekommen sein wird und andererseits chulden sie ihren neuen Rivalen eine gewisse Dankbarkeit dafür, wenn diese ihre Schuldner in Südamerika, die noch nicht auf eigenen Füßen stehen können, vor dem Zusammenbruch bewahren und ihnen die Mittel geben, sich bis zum Frieden über Wasser zu halten. Die Vereinigten Staaten befinden sich infolge ihres FernsichenS vom Kriege und der Konkurrenzlosigkeit in den Kriegslieferungen in einer ganz außerordentlich günstigen Geschäftslage. Die Zeiten sind fern, wo die amerikanischen Bankiers englische und jranzösische Banken um Annahme ibrer Wechsel bitten mußten und eine schwere Kredilkrisis durckmachten, wie im Jahre 1906. Die Rollen sind jetzt vertauscht und die Vereinigten Staaten haben während deS Krieges eine Entwicklung durchgemacht, zu der in normalen Zeiten em halbes Jahrhundert gehört hätte. Ist New Dork berufen, nach dem Kriege die Rolle zu spielen, die London seit einem Jahrhundert sowohl auf dem Gebiete der Finanzen wie auf dem des Handels inne gehabt hat? Um die Frage zu beantworten, müßte man wissen, wie lange der Krieg noch dauert und wie lange England braucht, um seine Schulden an die Vereinigten Staaten abzulrogen. Es ist sicher, daß der vollständige Sieg, den die Verbandsmächte allein vor Augen haben, be« sonders England in den Besitz derartiger Mittel setzen kann, daß die dazu nötige Zeit außerordentlich abgekürzt wird. Die letzten Exportziffern beweisen schlagend die gegenwärtige Ueberlegen- heit der Vereinigten Staaten auf wirtschaftlichem Gebiet über die europäischen Staaten und lasten voraussehen, daß diese Ueberlegen- heit auch nach dem Krieg noch eine Zeit lang weiter bestehen wird mit Rücksicht auf die Bedürfnisie des alten Europas, das so viele Ruinen wiederauszubauen, so viele Dinge wieder zu schaffen hat. flus Industrie und Handel. Amerika als Weltbankicr. .TempS" vom 16. Oktober schreibt in seiner finanziellen Wochen- Übersicht: Die Gesetze vom 23. Dezember 1913 und vom März 1314, die den amerikanischen Banken die Eröffnung von Auslandsfilialen ermöglichen, kamen gerade zur richtigen Zeit, um den nordameri- kaniscken Finauciers zu erlauben, gleichzeitig den europäischen Krteg 865 Millionen Kronen Wertsteigerung. Die an der Kopenhagener Börse notierten Aktien sind seit Aus- bruch deS Krieges nach einer Aufstellung des dänischen.Social- Demokrat" um 865 Millionen Kronen an Wert gestiegen. Selbst in diesem September, der flaue Perioden und abnehmende Umsätze aufwies, betrug die Werlsteigerung 54 Mrll. Kronen. Am meisten haben die Altren der Schiffahrtsgesellschaften profitiert, die immer noch ganz horrende Kursverbesserungen aufweisen. So stiegen allein im September 1916 Vereinigte DamptichiffSgesellsch..... um 9 300 000 Kronen Dampfschiffsges. Carl........ 2 925 000, , Dannebrog...... 7 095 000, Sljold........ 4 860 000 Dän.-rusl. Dampssch.-Ges........ 2 675 000, Ostasiat. Komp........... 10 250 000, M. I. Ballin u. Söhne(Jndustrieaktienges.). 6 760 000. Vereinigte Papierfabriken....... 2 700 000, Hertz Gerberei........... 1630 000, A. WERTH EIM PelalKaanlel Olockenkorra, Kid- Astrachan, tn Atlas- k Utter(nur Leipzigtt StrJ 2. xO PKföratelSsLleld aus iarbigem Stoff, mit Sammetkragen u. M. Pelzrolle Seid enkletdl aus feiner Perlseide, In verschiedenen � M. Farben Blusen Kinderkleider Bluse 5.75 6.90 aus belleestreiftem gutem Köper- Barchent, Sportform......... Dl, T__«os weiß- schwarz DlUSe bedruckt. Barchent, mit schwarzem Satin garniert. Dl,,-- ans reinwoll. CrÄpe, DlUSe mit seidenem Kragen"JA und Knöpfen garniert...... iU.UU ■r»i-Co 1- schottisch kariert JDlUSe Seide, mit einfarbiger i A 00 Seide garniert.......... 14, UU Ms 55 cm ■Rlirco4115 mittelfarbig, go- DlUSe itrcift halb woll. Stoff, gute Vorarbeit m. Seiden-Paspel itrcilt halb woll Stoff, 16.00 Seide, offen und ge- � � BlUSe ans Perl-Seide, in verschiedenen Farben...... Dl, ICÄ ans guter, gestreifter DlUSe Seide, off« schlössen zu tragen. Dl, reo•us 8utCT Perl-Selde, JDIUdC neue Form, offen ll. 14 CA geschlossen zu tragen...... 1/. JU Dl, TCO aus guten, schottisch DlUst? kariert hafhwolt u-"| Q AA voll Stoffen, mit Seide gepaspelt JLCJ.WU Bluse aus China-Krepp, mft 1 Q oc Olasmutl-Kragen......... iJ/.ZD Mädchenkittel in Qoll- Barchent— mit bunter Borte/ OC besetzt Lg. 45 cm Mädchenkleid aus Schotten-Stoffe mit Velvet- Kragen, Mansch. Q 00 bis U.Qürt Lg. 50cm O.UU lOücm .Matrosenkleid Cheviot mit ab-_ knöpft. Wasch- IX 7� Jls garnit Lg. 55cm rfj,/ J 90cm Backtisch-Kleida« Schotten-Stoff tn. einfarbig. Krag. u. Paspel- Bes.- u. Tülleimatz J f\ CA Länge NO crn v tZOcrn Backhsch-Kleid«. schwarzem Velvct mit reicher Stickerei und_.. seid. Kragen 4 � 00,,« Länge NO cm 130cm Mädchenp aletot ausbraun.Stoff*7C bis m. Riegel Qr.I IvJ./ D Qr. 8 Mädchenpaletot iL blauem Stoff in verschieden. 1 S CA �'s Ausführ. ür. I Cr. 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Türkische und russische Kriegsschiffe geraten aneinander. s Das Internationale Sozialistische Bureau wird nach dem Haag verlegt. SS.Qktober 1915. Nach amtlicher Mitteilung betragen die gesamten britischen Verluste bisher 101 6S2 Tote, 317 463 Verwundete, 74 177 Vermißte. Reichstagsausschuß für öen Reichshaushaltsplan. Am Sonnabend machte der Vorsitzende Abg. Spahn vor Ein- tritt in die Tagesordnung daraus aufmerksam, daß es der Wunsch des Seniorenkonvents sei, die Verhandlungen des Reichstags sollten Ende nächster Woche beendet werden. Wenn dies erreicht werden soll, müsse unbedingt der Ausschuß spätestens am Dienstag mit seinen Arbci- ten fertig werden. In der Besprechung der Bich- und Flcischfragen fordert« Abg. Leube, daß die Hühner nicht der Reichsflcisch» karte unterstellt bleiben, sondern dem freien Verkauf zugeführt werden. Freilich sei es dann notwendig, daß für Hühner Höchst- preise festgestellt werden, weil sonst zu viele Hühner geschlachtet werden und ein Rückgang in der Eierlicfcrung unvermeidlich wäre. Ferner begründete er den Antrag, das KriegsernäbrungS- omt aufzufordern, vom 15. Dezember 1916 ab Hausschlachtungcn nur dann zuzulassen, wenn die in Frage kommenden Tiere sechs Monate in Fütterung und Pflege des Tierhalters gewesen sind. Jetzt beträgt die Frist nur 6 Wochen. Das ist eine zu kurze Frist, daß reiche Leute, die gar nicht an eine ernste Aufzucht von Schweinen denken, Schweine kaufen, sie die sechs Wochen halten und dann für den eigenen Verbrauch schlachten lassen. Dadurch werde nicht nur den Reichen ein viel größerer Fleischgenuß als den Lermercn ermöglicht, sondern es werde auch Futter vergeudet. Präsident des Kricgscrnährungsamts v. Batocki: Für Hühner seien Höchstpreise unmöglich. Daher müssen Hühner unter der Flcischkartc bleiben. Die Abgg. Held und M a tz i n g c r forderten eine Erweitc- rung der Hausschlachtungen. Letzter Redner verlangte ferner Maßnahmen, daß in den Wirtschaften nicht weniger Fleisch den Gästen gegeben werde, als den auszuhändigenden Fleischmarkcn entspricht.— Größere Fleischmcngen müßten auch den Gastwirt- schaften geliefert werden, die im Winter von Sportfreunden auf- gesucht werden. Abg. S ch m i d t- Berlin(Soz.s: Die Grundsätze, die unS gestern für die Versorgung mit Fleisch dargelegt worden sind, können auch von uns im allgemeinen gebilligt werden. Ihre Durch- führung werde auf Widerstand stoßen, namentlich in Preußen. Hoffentlich habe die Rcichsfleischstelle Kraft genug, um den Wider- stand zu überwinden. Die Herstellung der Wurst sollten die Gc- mcinden selbst übernehmen. Die Wurst, die jetzt im freien Handel zu haben ist, ist offenbar sehr schlecht. Notwendig sei, daß end- lich die großen Ungleichheiten in der Menge des den einzelnen Bezirken zugewiesenen Fleisches und Fettes beseitigt werden. Ge- flügel müsse unbedingt der Fleischkarte unterstellt werden, wenn auch nicht zum vollen Gewicht. Die Preise müßten herabgesetzt werden. Gegen den Antrag der Konservativen aus Erweiterung der Hausschlachtungcn müssen wir uns mit allem Nachdruck wen- den. Es berühre peinlich, daß nach den Anträgen der Konserva- tivcn die Einschränkungen im Genuß von Fleisch und Fett, die für die städtische Bevölkerung so schwer sind, von der landwirt- schaftlichen Bevölkerung ferngehalten werden sollen. Abg. v. G a m p begründete den Antrag, daß die Gutsbeamten und Betriebsleiter, die von der Gutswirtschaft die Naturalien an Fleisch, Butter, Kartoffeln usw. erhalten, als Selbstversorger an- gesehen werden. Abg. Dr. Böhme erkannte an, daß es in der gegenwärtigen Zeit nicht zu verantworten sei, wenn die Hausschlachtungen er- wcitert würden. Abg. Hopf begründete die Anträge, daß der Preis für Rinder und Schafe beträchtlich herabgesetzt werde, und daß die Viehhandels- verbände verpflichtet werden, Schweine und Rindvieh aller Alters- klasscn, die aus wirtschaftlichen Gründen vom Tierhalter verkaust werden, baldmöglichst abzunehmen. Präsident des Kriegsernährungsamts v. Batocki: In der Tat werde in manchen Gastwirtschaften den Gästen weniger Fleisch geliefert, als die Gäste nach den Fleischmarken beanspruchen könnten. Hier habe bereits an vielen Orten die Polizei wirksam eingegriffen. Auf diese Weise allein sei Abhilfe möglich.— Ganz ausgeschlossen sei es, daß größere Mengen Fleisch den Gastwirt- schaften für Sportfreunde geliefert werden. Einen solchen Luxus könnten wir uns jetzt nicht leisten. Abg. W e i l n b ö ck warnte vor den vielen Eingriffen in die Landwirtschaft. Am besten sei es, wenn wir den Landwirten in der Zucht und Verwertung des Schlachtviehs freie Hand lassen. Ter Vertreter der Reichsflcisch st eile erklärte den An- trag der Freisinnigen Volkspartei zur Einschränkung der Haus- schlachtungen für undurchführbar. Der Zweck, der mit dem Antrage erreicht werden solle, werde besser auf anderein Wege er- reicht. So sei in Preußen der Handel mit schilleren Fcttschioeincn verboten. Dies habe sich bewährt und sei auch anderen Einzel- staatcn empfohlen worden. Abg. Gothein: In einzelnen Bezirken sei die Ausfuhr von Gänsen verboten worden. Dies sei nach dem Gesetz nicht zulässig. Ganz verkehrt sei es, die Hühner unter die Fleischkarte zu stellen. � Abg. Hoch(Soz.) wies auf den Wucher hin, der mit den Gänsen getrieben wird. Dem Kreise Waldenburg sei auch jetzt noch eine ganz ungenügende Menge Fett angewiesen worden. Da- durch sei eine sehr starke Erregung entstanden. Dringend notwendig sei, daß endlich eine gleichmäßige Verteilung von Fleisch und Fett auf die einzelnen Kreise erreicht werde. Im übrigen weist Redner auf eine Eingabe eines ostpreutzischen Kleinbauern hin, der dringend um Hilfe bittet, damit er seinen landwirtschaftlichen Betrieb wieder einrichten könne. Ganz besonders ersucht er um außergewöhnliche Zuwendungen, damit er das nötige Vieh an- schaffen und erhalten könne. Der Vertreter der Reichsfleischstelle erklärt, daß eingehend er- wogen werde, in welcher Weise am besten die Preise für Gänse reguliert werden könnten. Es sei richtig, daß noch aus manchen Fndustriebezirken Beschwerden über ungleichmäßige Verteilung kämen; das seien aber nur noch die letzten Folgen der jetzt im allgemeinen überwundenen Uebergangszeit. Es werde sofort ein- gegriffen werden, um auch die letzten Mißstände zu beseitigen. Präsident v. Batocki: Ihm sei bekannt, daß in einigen Kreisen ein Ausfuhrverbot für Gänse erlassen sei, um dem spekula- tiven Zwischenhandel entgegenzutreten. Er habe sich nicht ver- anlaßt gesehen, dagegen einzuschreiten. Vom 1. November ab sollen die Ausfuhrverbote allerdings fallen. Mehrere Redner brachten noch Beschwerden über die Ver- sorgung mit Fleisch und Fett vor. Dann wurden die Fragen über Milch, Butter und Eier erörtert, v. Batocki wies auf die großen Schwierigkeiten hin, die gerade bei der richtigen Verteilung der Milch vorhanden seien. Am besten wäre es gewesen, wenn das, was notwendig ist, durch Ausklärung und Belehrung erreicht worden wäre. Die Rot habe uns aber gezwungen, auch zu Zwangsmaßnahmen zu greifen, die jedoch in den engsten Grenzen gehalten werden sollen._ Der Leiter der Reichs-Fettstelle legte dar, daß der wilde Handel und eine Kontrolle durchgeführt werden müßte. Tort, wo die nötige Ausklärung und Belehrung eingesetzt habe, hätten wir gute Erfolge erzielt und er hoffe, daß, je länger um so mehr dw Bevölkerung auf dem Lande sich dazu verstehen werde, alle Milch abzuliefern, um sie der Gesamtheit zugänglich zu macheu. Die richtige Verteilung der zur Verfügung stehenden Milch und Butter sei dann die Aufgabe der Gemeinden. Tie Abgg. Leube. Held und Gicsberts gingen auf die Mängel ein, die das bisherige Verfahren ergeben habe. Abg. Schmidt- Berlin(Soz.) begründete die Anträge der Sozialdemokraten. Zur Hebung der Butterherstellnng muß der Verbrauch der Bevölkerung auch für die Selbstversorger begrenzt werden. Wenn diese auch nicht für jeden einzelnen Selbstversorger durchgeführt werden könne, so müsse darin doch so weit wie nur irgend möglich gegangen werden. Vollmilch darf an Kälber nur bis zum Alter von sechs Wochen und Magermilch an Schweine nur bis zum Alter von acht Wochen verfüttert werden. Die Molkereien sind zu verpflichten, eine bestimmte Menge Magermilch zur Käse- bereitung zu verwenden. Der Käse ist zu beschlagnahmen und gleichmäßig zu verteilen. Der direkte Versand von Butter und Käse durch Produzenten an Verbraucher müsse verboten werden. Für unsere Wirtschaft sei es von großer Bedeutung, daß die Mager- milch der menschlichen Ernährung zugängig gemacht und nament- lich auch zu Käse verarbeitet werde. Ter Käse sei jetzt fast ganz vom Markte verschwunden. Nur noch bevorzugte Kreise seien in der Lage, Käse zu bekommen. Mindestens müßte das eine erreicht werden, daß die vorhandene Menge Käse in angemessener Weise den einzelnen Gemeinden zugewiesen werde. In Greifswald be- stehe eine Nahrungsmittclfabrik, die täglich 15— 1700 Liter Magermilch verarbeite. Das sei ein falsches Verfahren und deshalb ist mit Recht hiergegen Beschwerde erhoben worden. Der Rcgicrungs- Präsident habe aber geantwortet, daß sich in Greifswald und Um- gcbung keine Mißstände infolge dieses Verbrauchs an Magermilch gezeigt haben. Die Antwort sei unverständlich, da mindestens durch Herstellung von Käse die Magermilch weiteren Kreisen nutzbar gemacht werden könnte. In dem Aufsichtsrat dieser Fabriken befänden sich sehr einflußreiche Herren, n. a. der Kammcrherr und Landrat Graf Bchr-Behrcndorf, dann Landrat a. D. v. Flügge, der Direktor der Landwirtschastskammen für die Provinz Pommern, Freiherr v. Wangenheim-Kleinspiegel. Wir müßten verlangen, daß die Behörden sich auch durch diese Herren nicht bei ihrem Urteil in der Sache beeinflussen lassen sollten. In Essen und Düsseldorf liegen große Mengen von Käse, die von der Heeresverwaltung bc- schlagnahmt worden seien. Es bestehe die Gefahr, daß der Käse verderbe. Das KricgsernährungSamt möge beizeiten eingreifen, um dies zu verhindern. Präsident des Kricgscrnährungsamts v. Batocki: Einer Bitte, daß die Behörden sich nicht durch die angeführten Herren in ihrer Stellung zu der Beschwerde in Greifswald beeinflussen lassen, bedarf es nicht. Das Ernährungsamt prüfe die Sache genau und werde eingreifen, sobald es möglich sei, die Magermilch besser zu verwenden. Abg. v. Mcding begrüßte die Anträge der Sozialdcmo- kraten. Die Verwendung von Vollmilch für Ferkel müsse verboten werden; denn zuerst komme die Rücksicht auf die Menschen und dann erst die auf das Vieh. Der Vertreter der Reichsfett stelle erklärte, daß gerade die Fabriken, die Nährpräparate herstellen, Gegenstand eingehender Erwägung seien. Die Präparate würden sorgfältig untersucht und die Herstellung der Fabrikate in allen Fällen verboten, wo das Roh- Material der Ernährung dienstbar gemacht werden kann. Abg. Wurm: Die neue Milchordnung habe den Gemeinden große Lasten auserlegt. Die den Gemeinden zugewiesene Menge Vollmilch soll nur bestimmten Personen(Kindern, Schwangeren und Kranken) gegeben tverden. Der Rest des Bedarfs an Milch soll durch Magermilch gedeckt werden. Eine ungerechtfertigte Belastung ist es, daß die Kranken für den Milchbezug ein ärztliches Attest beibringen müssen; die Aerzte verlangen dafür eine besondere Entschädigung, die in keinem Verhältnis zu der Milchmenge steht, die abgegeben wird. Ferner müsse dafür gesorgt werden, daß wirk- lich gute Butter und Margarine geliefert werde. Abg. Schiele: Die Anträge der Sozialdemokraten seien im- durchführbar. Unerträglich sei cS, wenn die Landwirte immer weiter und weiter bevormundet würden. Der Bntterpreis sei zu niedrig. Würde er erhöht, dann würde um so mehr Butter abge- liefert werden. Die Abgg. Dr. Böhme und Bauer stellen fest, daß bereits im Beirat des Ernährungsamtes die Frage des Attestes für die Kranken eingehend besprochen worden sei und daß die Reichsleitung schon damals zugesagt habe, daß die Kosten für die ärztlichen Atteste nicht den Kranken auferlegt werden sollen. Leider sei nichts in dieser Sache geschehen. Der Vertreter der Reichsfett st elle teilt mit, daß eine Be- stimmung erlassen sei, welche diesem Wunsche Rechnung trage. Die Abgg. Bauer und Wurm stellen fest, daß diese Bestim- mnng gar nicht veröffentlicht worden sei, daher fei sie auch nicht durchgeführt worden. Der Vertreter der R c i ch S f e t t st e l l e sagt zu, daß die Be- stimmung sofort veröffentlicht werden soll. Bei der Erörterung von Wildschaden berichtet ein Regier ungsvertreter über die Untersuchun- gen, welche in dieser Sache vorgenouinie» worden seien. Das Er- gebnis sei, daß die Reichsleituug von einem Eingriff in die Gesetzgebung Ab st and nehmen Ivolle. Es handele sich doch nur um Einzelfälle, die zur Beschwerde Anlaß ge- geben hätten. In manchen Fällen seien starke Uebertreibungen vorgekommen. Wo aber Mißstände bestehen, da werde auch durch die Behörden, und wenn nötig, durch die Militärbehörden ein- gegriffen. Die Abgg. Dr. Böhme und Hopf bedauerten, daß nicht ent- schicdcncr eingegriffen wird. Dem schloß sich auch Abg. Ebert(Soz.) an: In einer Zeit, in der so viel Not herrsche und in der aus diesem Grunde aus den verschiedensten Gebieten eingegriffen werden müsse, dürfe es auch keine Rücksicht auf Jagdpassionen vornehmer Kreise geben. Ueberdies lenkte Redner die Aufmerksamkeit auf den Wucher, der mit Fischen getrieben werde.— Diesen Beschwerden schlössen sich noch mehrere Redner an. Nächste Sitzung: Montag. politische Uebersicht. Scheidcmann— Renaudel. Zur Debatte Scheidemann— Renaudel hat nun auch das sran« zösische Minderheitsorgan„Populaire' das Wort genommen. Es verlangt von Renaudel und der Mehrheit, daß sie sich klar gegen die Politik des Krieges bis ans Ende wenden sollen, wie die sran- zösische Regierung sie liebt, und sagt dann weiter: .Ihr Stillschweigen ist betrübend in einem Augenblick, wo Debalien in großem Slile im Reichstag und in der Presse Deutschlands vor sich gehen. Ist es nicht merkwürdig, daß diese Dcbailen sich in einem Lande, das wir als absolutistisch verhöhnen, abspiele»; daß sie im englischen Ilnterhause und in der englischen Presse stattfinden; daß sie in Italien besprochen werden; und daß in Frankreich— in einem sogeuanntcn demokratischen und republikanischen Lande— das Parlament unfähig icin soll, sich gründlich mit Fragen zu beschäftigen, die das Schicksal der Well betresseu, und daß die Presse so geknebelt sein soll, wie in keinem anderen Lande... Ist Renaudel noch immer nnt der allgenicinen Kriegspolitik der französischen Regierung einversiandeu, ist er noch immer sür einen Krieg bis ans Ende, bis zur toialeu Niederlage der dculschen Armeen, so liegt kein Anlaß für ihn vor, Aufklärungen zu verlangen. B i s zum letzten Mann! Bis zum letzten Pfennig! Diese von Clemenceau ausgegebene Parole müßte auch ihm genügen. Er müßte deshalb schiveigen. Stimmt er aber mir dieser Politik nicht mehr übcrcin, dann könnte Mehrheit und Minderheit einen gemeinsamen Boden finden und den Versuch niacheu, dem französischen Sozia- liSmns wieder die Gestalt einer großen und internalionalen Partei zurückzugeben— was er jctzr am dringendsten bedarf. So lange dies nicht geschehen ist, haben toir kein Recht, un» über Zwcideulig- keilen anderer Leule zu beklagen.' Die gerügten Zweideutigkeiten können keinesfalls Scheidcmann zur Last fallen, der am 11. Oktober im Reichstag sagte:„Frankreich soll französisch. Belgien belgisch, Dentschland deutsch bleiben I"— Eindeutiger kann man sich wohl nicht ausdrücken. Deutscher Judustrierat. Zu der gestern gebrachten Mitteilung über die Gründung des Deutschen Jndustrierats teilen die beteiligten Verbände noch folgendes mit: Der„Deutsche I n d u si r i e r at" soll nnlcr boller Auf- rechterhallung der Selbständigkeit der einzelnen Organisationen fortan die cinhcilliche Jntcresscuvertrelung der deutschen Industrie darstellen und wird sich die gemeinsame Behandlung aller die Jutcressen der deutschen Industrie in ihrer Gesamtheit berührenden wirtschaftlichen und wirischastSpolitischen Fragen nach Maßgab« der iestgcstellteu Satzungen zur Aufgabe machen. Er wird aus 54 Mitgliedern bestehen, von denen je L5 ans de» Kreisen der dem Zentralveibande Deutscher Industrieller und dem Bunde der Industriellen angeschlossenen Jndustriegruppcn zu bestellen sowie 4 Mitglieder vom Verein zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie Deutschlands abzuordnen find. Die Geschäfts« führung des„Deutschen Jndustrierats" wird in den Händen der Geschästssiihrer des ZcnlralvcrbandcS Deutscher Industrieller und des Bundes der Industriellen liegen. Hierzu bemerkt die„Freisinnige Ztg.": „Da der„Deutsche Jndustneral" auch alle wirtschaftspolitischen Fragen zum Gegenstand seiner Betätigung machen will, da serner der Zentralverband Deutscher Industrieller h o ch s ch u tz- z ö l l n e r i s ch gesinnt ist, während der Bund der Industriellen in dieser Beziehung früher auf einem gemäßigten Boden stand, so wäre eS sehr interessant zu wissen, in welcher Richtung sich die zollpolitischen Bestrebungen dcS„Deutschen Jndustrierats' be- wegen werden.' Die Oeffentlichkeit hat in der Tat ein enormes Interesse daran, zu erfahren, was für ein wirtschaftspolitisches Pro- gramm sich die fortan„einheitliche Interessenvertretung der deutschen Industrie", d. h. die Interessenvertretung des deutschen Industrie k a p i t a l s, gesetzt hat. Dies um so mehr, als der„Deutsche Judustrierat", unter Ausschaltung der Vertretung der Arbeiterschaft, die anscheinend nicht als Bestandteil der Industrie angesehen wird, nach den Wün- schen seiner Gründer nicht nur als beratende, sondern als mitbeschließende Körperschaft bei der Ausarbeitung von Gesetzen usw. herangezogen werden soll. Anfstandsansgabcn für Teutsch-Tüdwcstafrika. Dem Reichstag ist eine Denkschrift zugegangen über die Rech- nnngSleguug und Rechnungsprüfung ver AusstandsauSgaben für Deutsch-Südwestafrika. Die Ausgaben haben betragen 380 058 397,59 M. Die Nachprüfung dieser Ausgaben war mit großen Schwierigkeiten verbunden, und zwar wird darüber einleitend gesagt: „Die Verhältnisse des jetzigen Krieges haben die bereits im südwcstasrikanischcn Ausstand gemachten Erfahrungen bestätigt, daß eine Rechnungslegung und Buchführung, Belegung von Aus- gaben, Nachweisung von Materialien, Proviant und dergleichen wie im Frieden bei allem redlichen Bestreben unausführbar ist.' Die Entschuldigung, daß es an genügend eingearbeitetem Per- sonal gefehlt habe, kehrt in der Denkschrift mehrmals wieder. Das Rechnungsmaterial ist nicht in einer für die Prüfung ausreichenden Weise zusammengestellt worden. In manchen Fällen sind schrist- liche Abmachungen und Verträge überhaupt nicht geschlossen wor- den. Die Nachprüfung der Lieferungen aus ihre Nichtigkeit hin wurde dadurch erschwert, daß Transporte vielfach durcheinander gekommen find. Jedenfalls ergibt sich ans der Denkschrift soviel, daß eine Nachprüfung der Ausgaben, die auch nur einigermaßen An- spruch auf Richtigkeit und Gründlichkeit machen kann, sich als ganz unmöglich herausgestellt hat. In den ersten Jahren des Aufstandes ist es oft vorgekomnie», daß in das Innere abmarschierende Truppen Materialien aller Art unniittelvar von der Entladestelle mitnahmen, ohne dem Magazinbeamten aber von dem liinfang der Entnahme ge- naue Kenntnis zu geben. Das Kommando der Schutziruppen hat des- halb auch am 3. Juli 1919 au den Rechnungshof des Deutschen Reichs'ein langes Schreiben gerichtet, in welchem ohne weiteres zugegeben wurde, daß ein großes Durcheinander geherrscht hat. Tie Doppelzahlunge», die geleistet worden sind, haben sich nicht aufklären lassen, das Kommando der Schutztruppcn nimmt aber als feststehend a», daß der Nachweis der Arglist sich schwerlich werde erbringen lassen. Eine weitere Erschwerung der Nachprüfung besteht auch noch darin, daß eine große Anzahl Rechnungen und Belege einfach ver- schwunden sind, ohne daß über ihr Verbleiben eiwas Näheres hätte festgestellt werden können ES war vorauszusehen, daß nicht über jeden Pfennig, der für die Niederwerfung des AufstandeS ausgegeben wurde, genaue Rechnung abgelegt werden konnte. ES ist auch ohne weiteres zu verstehen, daß in solchen Kämpfen Rechnunge» Und Belege ver- loren gehen können, aber die Unordnung in der Rechnungsführung, die sich aus der Denkschrift ergibt, ist denn doch etwas reichlich groß. Allerdings wird bei der Länge der Zeit sich kaum die Möglichkeit bieten, an der Abrechnung noch irgend etwas ändern zu können._ Tie Steuerbelastung der höheren Einkommen. In Preußen beträgt, wie die„Neue politische Korrespondenz' mitteilt, unter Berücksichtigung der Kriegssteuerzuschläge die Be« lastung der Einkommen von 100 000 M. durch die Einkommen« und Vermögenssteuer des Staates und die Zuschläge der Kommunen usw. durchschnittlich 18,3 Proz. Diese Belastung der Niesencinkommen ist minimal gegenüber der entsprechenden direkten Steuerbelasiung in England, wo sie das Mehrfache erreicht. Ein Beweis, Ivie ergiebig auch noch bei un» die größeren Einkommen zu direkten Steuern herangezogen werden können l Der Arbeitsplan deS preußischen Landtag?. Dem Abgcordiietenhause wird bei seinem Wiederzusammentritt am 10. November von neuen Nes>icrimgSvorlanen zunächst nur der Tiätengesetzcntwurf ziiIchen. Außerdem unterliegen fünf ivährend der Vertagung vom Ministerium erlassene Notstands Verordnungen der Beschlußsassung bezw. Genehmigung durch den Landtag, und schließlich wird dem Abgeordnetenhause ein Antrag unterbreitet werden, der die Regierung auffordert, in der verstärkten StaalshauShallS- kommission Auskunft darüber zu erteilen, tvelche Maßnahmen sie ergriffen hat, mn die Versorgung der Bevölkerung niit Kartoffeln, Fleiscb, Fett und Zucker sicherzustellen. Die Erledigung dieses BcratungsstoffeS soll nach ciiicr Verabredung der Parteiführer drei Plenarsihungcn in Anspruch nehmen. Dann wird sich der Landtag voraussichtlich bis Anfang Dezember vertagen, um den Konnnissionen Gelegenheit zur Arbeit zu geben. Erwartet wird außer dem WohnungSgcsetz» entwurf noch ein Entwurf über die Abkürzung de? juristischen Vor- bercitungSdiensteS für Kriegsteilnehmer, ein Entwurf über Erwerb der Aktien der Hibcrnia für den Staat, vielleicht auch noch der Eni- Wurf über eine Abänderung des preußischen Gcrichtskostengesetzes und der Gebührenordnung für Notare sowie der Gebührenordnung für Rechtsanwälte und Gerichtsvollzieher. Ter preußische WohnungSkesetzcnttvurf. Der WohnungSgesetzenttvurf wird dem preußischen Land- tage zwar nicht gleich bei seinem Wiederzusammeiitritt, aber doch voraussichtlich in wenigen Wochen zugehen. In einer Vor- besprechung, zu der der HandelSministcr Vertreter aller beteiligten Ressorts und die Mitglieder der früheren WohnuiigSlommission ein- geladen hatte, machte die Regierung Mitteilung, daß sie beabsichtige, aus dein neuen Entwurf die Punkte auszuscheiden, über die grundsätzliche MeimingSverschiedenheilen besiehcn. Es bandelt sich dabei vor allem um einen Ausgleich der Ausichteii darüber, ob das jetzt bestehende unbedingte Recht der Gemeinde», das Bauen air nicht völlig fertiggestellten Straßen zu verbieten, in vollem Umfange aufrechtzuerhalten oder ob ein bedingtes Recht der Anlieger zur Bebauung oder wenigstens ein RechtSinittcl gegen das Gemeindeverbot geschaffen werden soll. Im übrigen wird der Entwurf sich voraussichtlich von dem alten Ent- wurs nur rmerhcblich uinerscheideir. Ob er ohne Schwierigkeiten ver- abschiedet werden kann, erscheint uns zweifelhaft. Man darf nicht vergessen, daß den Interessen der Wohnungsmieter die Interessen der Hausbesitzer und Grundstücksspekulanten auf der einen Seite, die der Gemeinden, die sich gegen jede neue finanzielle Belastung wehren werden, auf der andern Seite gegenüberstehen. Das tägliche Srst. Höchstpreise für Rüben. Amtlich wird mitgeteilt: Die geringe Kartoffelernte und die Stockungen der Lieferung der Winlcrkartoff'cln an die Städte haben in letzter Zeit eine u n- erhörte Spekulation und Preistreiberei mit den zur menschlichen Ernährung branchbaren Wurzclsrüchten veranlaßt. Händler und Ankäufer einzelner Städte durchziehen das Land, bieten den Landwirte» Preise, an deren Erzielung diese off selbst gar nicht gedacht habe». Zugleich verleiten sie die Verläufcr, statt der behördlich angeordneten drmglichen Kartoffellieferung, die keineswegs dringliche Anfuhr der Wurzelfrüchte zu betreiben und fsrachl- räum dafür zu beanspruchen, der zurzeit für Kartoffeln und Getreide weit nötiger gebraucht wird. Diesem Mißstände muß sofort ent- gegengelreten werden. DaS KncgSernährungSaint bat deshalb H v ch st p r e i s e für die in Betracht kommenden Wurzelfrüchte festgesetzt. Alle zu höhere» als den jetzt festgesetzten Höchstpreisen abgeschlosienen Kaufverträge werden i n- s o iv e i l für ungültig erklärt, als die Ware sich noch ans dem G r u n d st ü ck d e S Erzeugers befinde t. Die K o in m u n a l v e r b ä n d e find, um Höchstpreisüberichreitniigen und die Gesährdnng der Kartoffellieferiing durch vefördernng von Wnrzclsriichten zu verhindern, bis auf weiicieS ermächtigt, A ii S f u h r- und P e r I e h r s b e f ch r ä n k u n g e n anzuordnen. Die Erhebung über die mit Wurzelfrüchte» bestellien srlächen kommt in nächster Zeit zum Abschluß. Erst dann können über die Sicherung des Bezuges der nötigen Mengen an Wnrzelsrttchleii für die Bcdarfsgemcinden Bestimmungen getroffen werden. Wenn durch die angeordneien Maßnahmen die Massenzufubr an Wurzelfrüchte» in die Städte vorübergehend gehemmt wird, so ist das nicht nur errräalich, sondern im Interesse der Kartoffellieserung erwünscht. In Betracht kommen Kohlrüben iWrilken, Bodeiikoblrüben, Steckrüben), gelbe und weiße �cldmöhren, Stoppelrüben sWasser- rnben). Ein Preisunterschied nach den einzelnen Sorten kann praktisch nicht dnrchgcsnbrt werden. Die Erzenger der feineren Speisesorlen müssen sich deshalb mit dem allgemeinen Höchstpreis abfinden. Ilm neue Preistreibereien zu verhüten, find auch Runkelrüben, die im allgemeinen nicht zur menschlichen Nahrung geeignet sind, in die Höchstvreisbe n i m m n n g e n eingezogen worden. Die Höchstpreise gelten für die Lieferung durch den Erzeuger frei Waggon oder Kahn seiner nächsten Verlade- stelle. Die LandeSzemralbcbörden sind vervflichiet, für als- baldige Fesisetzung entsprechender Groß- und RleinhandelShöchstpreise Sorge zu tragen, die je nach den BcsördcrnngSioften und örilichcn Abnnhineverhöltnisten gewisse Verschiedenheiten werden aufweisen müssen. Tie Erzengcrhöchffprcise betragen auf den Zentner für Stopvelriibcn....... 1,50 M. , Runkelrüben....... 1.80, „ Kohlrüben........ 2,50, ., weiße und gelbe Z-cldmöhren. 4,—, Soweit später zur Deckung de? städtischen Bedarfes ländliche Kommunalverbände mil der Beschaffung der iiöngen Mengen be- aufiragt werden, soll ihnen, um ihnen den freien Ankauf zu er- leichier», ein mäßiger Spiekrauni in der PreiSbemessung gewährt werden. Nähere Bestimm uiigcu hierüber weiden nach Ferligstelluiig der Anbauerhebung ergehen.___ Kartoffeln, Zurkerrübc«, Gerste und Weizen zur— Alkoholcrzeugung. Während Herr p. Batocli schöne Reden hält und ebensolche Aufsätze schreibt, geht die Erzeugniig alkoholischer Getränke a u S unseren w i ch t i g st o n Nahrungsmitteln weiter, als ob eS überhaupt lein Kriegs- Ernährungs» Amt gäbe- Wird nämlich eine Tür etwas verengert(sie zuzumachen getraut man sich schon�gar nicht), so tut sich rechtzeiiig eine andere dafür auf. DaS geht zunächst ans einem Aufsatz bcrbor, der am 12. d.M. in der. Zeit- schrisl für SpirituSindustrie* stand. Dort wurde auf ein Rund- schreiben der SpirituS-Zentrale hingewiesen, worin den Brennern dringend empfohlen wird, die Brennerei bald in möglichst großem Umfange auszunehmen. Der Heeresbedarf würde so groß sein, daß auch bei der günstigsten Gestaltung der Produktion sogar der Absatz zu häuslichen Zwecken starken Einschränkungen unterliegen lvcrdc. D>e Erzeugung von Spiritus sei nicht mehr Sache des freien Entschlusses, sondern Pflicht. Tie Brennerei stehe heute in den Reihen der Kriegsindustrien. Woher beziehen nun die Schnapsbrenner ihre Rohstoffe? Zu- nächst hat man eine neue.Abteilung für Kartoffelzuwei- s u» g* bei der Spirituszentrale errichtet. Dort werden Fachleute alle Schwierigkeiten bei Instandsetzung von Brennereien, Beschaffung der Kohlen, Stellung von Brennmeistern usw. zu beseitigen suchen. Neben Kartoffel» werden vor allem Zuckerrüben zu Schnaps verarbeitet, heißt es doch wörtlich:.Jedenfalls ist in diesem Betriebs- jähr mit einer erweiterten(!) Bertvendung von Rüben in den Brenne- reien zu rechnen". Den Brennereibcjitzeni wird empfohlen, den Antrag auf Genehmigung der Verarbeitung von Zuckerrüben unverzüglich zu stellen�«ffir di« notwendige Erzeugung von Spiritus ist die Hamn- fache,.daß schnell gehandelt wird."— Dieselbe Eile wird auch den Brennern empfohlen, die G e r st e in Schnaps zu verwandeln ge« denken:„Im Interesse möglichster Beschleunigung sprechen wir bc- reits jetzt die Bitte um Erteilung deS grundsätzlichen Einverständ- nisses damit aus, daß die Berechnung der Konlingente wie im Vor- jähr durch die Stcuerbebördcn erfolgt." Und nun kommt noch dje erstaunliche Mitleilung, daß.die Festsetzinig der Eerstenkontingcnte der Getrcidcbrennercien nach einer Entscheidung des Herrn Präsi- deuten des KnegSernährnngZamtes nicht in Aussicht ge- Wommen ist." ES wird gut sein, wenn sich der Reichs- t a g dieser ganzen Angelegenheit annimmt, ehe wieder ein« mal durch einen schweren Fehler im Kriegs-. Er- n ä h r u n g Z"- A m t die Kartoffel-, Zucker« und Gerstenlieferungcn für das Volk in schlimmster Weise beeinträchtigt und höchst nach- teilige Slimnmngen erzeugt werden. Braucht das Heer wirklich mehr Spiritus, als aus Abfällen und minderwertigen Nabrungs» miltein hergestellt werden kann, nun so stelle man einsacki den Trinks chnapsausschank ein! Die notleidend werdenden SchnapSladcnbesitzer sollten sich von der mit Hochdruck arbeitenden Spirims-Zentrale unterstützen lassen, dem Volke lasse man aber seine vollwertigen Nahrungs- mittel. Endlich sei noch ans den Verbrauch von Weizen durch die Brauer hingewiesen. Der Deutsche Brauerbund macht näm- lich(nach der«Allg. Braumeister-Ztg." Nr. 43) bekannt, daß mit der Verteilung von Weizen unter den von der ReichS-Gelreidestelle fest- gesetzten Bedingungen an die bezugsberechtigten Betriebe in den nächsten Tagen begonnen werde. Man solle die Weizenmcngen recht- zeitig abrufen. Also auch hier der Ruf: Eilt, ciltl Wer nicht selbst 10 000 Kilogramm braucht, solle sich mit einem anderen zwecks Bezuges zusammentun.— Da haben wir also ein Stimmungsbild, das so reckt zeigt, wieviel Hintertüren den Brennern und Brauern noch offen stehen. Wie lange soll das eigentlich noch so fortgehen? DenKf an uns! ©albn ©alent (rtohlmund s t ück" (Goldmuncht Eck) Willkommenste Liebesgabe! Droi� Mr 3>4 4 5 6 ö 10 Freis N 4 5 Ö ö 1012 Pf dSKick. Pinsfhließlich Kriegsaufschlaa Tmsifrei! # Uestmann's Tiwmaiazin Größte Auswahl. Billigste Preise. L MohranslrsOe 37s (Kolonnaden) IL Or. Frsnkfurter Str. IIS (nahe Andreasstr.) Auswabltendungen aolorL Amt Zentrum 7890. Sonntag 12— 2 Uhr(telllneL J. Baer, Sadslrifiprin�Ai... Herren- und Knaben- Koden. 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November, abends b« Uhr, in folgenden Lokalen: Pergolder bei Hcdmann, Engelufer 1-r. Korbmacher bei Krause, Mariannenplatz 8. Tischler! Südost I u. II, Stellmacher, abends«V, Nl>r, bei Hummel. Sophiensir, 5. Sranehett-Versammltmgeti; Mittwoch, den 1. November, abends 8 Uhr, bei Waldt, Pflugstr. 5: Modkü-Faliriiitislhlcr°nd Drkihsltr. Tagesordnung: Whist die Zöprozcntige TeucrungSzulagr. die unseren Kollegen in der Holzindustrie gewährt wurde, auch von den Eisen- industriellen gezahlt werden? Donnerstag, den 58. November, abends 8 Uhr, bei Staden, Michaclkirchstraße 24: 5lamm- und Haarschttluck- arbeiter und-arbeitermnen. Tagesordnung: Stellungnahme zurErlaugnng einer weitere» Tcuernngszulage. g2/l2 Ol« Ortsvcrwaltung. n llrruiQltiintiößfllf Kerlin. N 54, Fimenstr. 83—85 (Leschäftszrit von O—l Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 1987. 1239, 9714, 185. Montag» den SO. Oktober 19 IG, abends 8 Uhr: Versammlung der Mechlnuker, Wnllcher, Optiber sowit der in den mtliianisliieu Ketrieben beslliijft. Kolleginuen n. Kollegen im GewcrkfchaftshauS» Engelufer 15, Saal 1. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Cohen über GcwcrkschgftSaufgaben. 2, DiSlussion. 3, Verbaiids- und Branchenangelcgcnhciten. irs ist Pflicht der organiflcrtcn Kollegenschast, in dieser Per- sannulung vünktlich zu erscheinen. 'JJ&~ JlitgUcdsbnch lo.iitimiert! VU Achtung! Achtung! Dienstag, den 31. Oktober 101«, abends K Uhr, im Gcwerkschaftöhaus, Engelufer 13(Saal 1): Allgmmk Dniltikr-Ntchmmlmig. Tagesordnung: 1. Bericht des Kollegen Gunther über den Liebesgaben» Versand für unsere feldgrauen Kollegen. 2, Diskussion. 3, Brauchcnangclcgcnbciten und PcrschicdcneS, 4, Diskussion. DM- Da wichtige Branchriiangelcgenheitei» erörtert werden, ist da! Erscheinen aller Kollege» uubediiigte Pflicht. 124/17 Tie Ortövcrwaltnng. s NM Vi! ferwatiöler EerüfSBeaossen. Zablstelle Berlin. Geschäftsstella: C Et, Mulackstr. 10 I. Fernspr.: Amt Nerdan 451». Heute Sonntag, den LS. Oktober, nachmittags 58 Uhr: General-Versammlnug ini Gcwerkfchaftshansc, Engelufer 13, Saal IV. Tagesordnung: 1. KeschästS- und Kassenbericht vom III. Quartal 1310. ä. Perbandsaiigelegenheiten. gy Piitglicdshuch oder Karte berechtigen zum Eintritt. 43/4» Dl« Ortaverwoltuiiff. VsZZSZZi Unserem Genossen Eduard Dams nebst seiner Gemahlin � zur Silberhochzeit die herz« W lichstcu Glückwünsche. ftia M Tic Genossen der 12. Abteilung. Allgemeine Orts-Krankenkasse Ktilin-Fritdeilliil, Zlheinstraxe 9. Einladung zirr ansterordeiitlichc» Aüsschust- sihung am Mittwoch, den 15. No- vember I0IK. abends S1/. Uhr. im Kassenlokal, Nheinstr. 9, Pörderhaus 1 Treppe. Tagesordnung: 1. Beratung und Bcschluflfassung der nunmehr endgültig abgeänderten Dienstordnung. 2. Verschiedenes. 271/11 Berlin-Friedenau. den 28. Okiobcr 1916. Oer Vorstand. Jy. Bauer, üö. Ullrich, Vorsitzender. Schrislsührer. Allgemeine Orts- Krankenkasse für Nowawes und Umgegend. Montag, den 0. November er., abends Sfl. Uhr, findet im kleinen Saale des Restaurants k/!s» Sinner, Priefterftr. 31, die 271/6 Ordentliche Ausschnststtzung statt, zu der wir die Mitglieder des Ausschusses hierdurch ergebenst ein- laden. Tagesordnung: I. Kasienangelegenheiten. 2. Veschltchsassung über die Dienst« ordnung siir die Kasscnangestellten. 3. Festsetzung dcS Voranschlages sür 1917. 4. Wahl der Rechnungsprüfer für 1916. 5. Event. Verschiedenes. Nowawes, den 27. Ottober l916. Der Vorstand. 0. Rüpcke. Vors. K. Wilk, Schriftf. jrotz Warenknappheit sind meine Läger für Artikel ohne Bezugsschein wie Teppiche, Möbelstoffe, Gardinen, Steppdecken, Tisch- u. Diwandecken etc. ||P noch reich sortiert!! Viele dieser Artikel zu aileu Preisen!! Teppjcil-Si™!!» Emil Lefevre Berlin-Süd. Seil 1882 nur „Vorwärts"-Loser n 30/0 Rabatt. Rotkehlehen Zeisige. Stieglitze. 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Sie wurde auf das Polizei- Präsidium zitiert und ein Kriminalkommissar herrschte sie an: ihr Besuch der Versammlung sei eine unerhörte Ilii- verfrorenhcit, nachdem sie eben freigelassen sei. Mir scheint die unerhörte Unverfrorenheit ans der anderen Seite zu liegen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es wurde ihr Schutz- hast während der Dauer des Krieges angedroht, wenn sie sich noch einmal an einer öffentlichen politischen Ver- sammlung beteilige.(Große Unruhe und Zurufe bei den Sozial- demokraten.) Auf den Einwand des Mädchens, der JugendbildungSvereiu sei unpolitisch, und die Versammlung sei weder politisch noch öffentlich gewesen, fuhr sie der Kriminalkommissar an, sie werde sosori Per- haftet, wenn sie noch ein einziges Wort sage. Das ist die Polizei- brutalität in Reinkultur! To behandelt man im Land: der versprochenen„N e u o r i e n t i e r u n g", in dem„jedem Tuch- iigen die Bahn offen stehen" soll, ein Arbeiterkind, das sich mit starkem Geist durch alles Ungemach hindurch den Weg zu Wissen und Kultur zu bahnen sucht. Mit diesen Mitteln will man den ftseift�er Pnal'häng!g?eit systematisch tot machen. Darum all die Vechastimgen von Angehörigen der sozialdemokratischen Partei, die in ihr auf seiten der entschiedenen Opposition stehen. Indem nian die führenden Elemente der Opposition kalt stellt, bildet man sich ein, der Schlange den Kopf zu zertreten. Nichts gelernt und nichts vergessen!(Sehr richtig! b. d. Sog.) Der..Vortoärts"- Redakteur Dr. Meyer, dem man nichts nachioeisen kann, als lediglich eine den Behörden nicht genehme politische Gesinnung, siht seit Monate n in Schutzhaft. Er ist schwer lungenkrank und liegt jetzt im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses Moabit. Alle Anträge, ihm den Besuch eines Sanatoriums zu gestatten, sind abgelehnt worden. Ter Re- dalteur des Verbandsorgans der Kürschner, der Genosse Regge, Vater von ö Kindern, sitzt seit deni 17. August d. I. in Schutz- Haft.(Hört! hört! b. d. Sog. Arbg.) Warwn? Weil er die Kriegs- Politik des sozialdemokratischen Parteivorstandes verurteilt und be- kämpft.(Hört! hört! b. d. Soz. Arb.) Als Belastungsmaterial gegen ihn dient ein Flugblatt, daß er schon ein halbes Jahr vor seiner Verhaftung mit seinem und dem Namen zweier andern gezeichnet herausgegeben hatte, und das den inneren Partcistreit in Teltow-B eeskow behandelt. Auf sein energisches Drängen hat er eS durchgesetzt, daß ihm am 11. September wenigstens gesagt wurde, weswegen man ihn verhaftet habe. Da sind ihm dann folgende Gründe eröffnet worden. Er sei am 27. Mai in der Generalver- sammlung des Wahlvereins zum Schriftführer gewählt worden und habe in der Versammlung mit eine Resolution eingebracht, in der die Beitrags sperre gegen den sozialdemokratischen Parteivorstand gefordert worden sei(Hört! hört! Lebhafte Zurufe b. d. Soz. Arbg.), und in der die Sozialdemokratische Arbeits- gemeinschaft zu einer schärferen Politik im Reichstag aufge- fordert worden sei. Weiter: Er habe die Protesteingabe an den Par- tcivorstand vom Juni 1915 mirunterzeichnet, und er habe sich unter den Teilnehmern der Demonstration für Liebknecht befunden, wenn er sich auch in keiner Weise irgendwie bemerkbar gemacht habe. Also ausschließlich Dnige rein politischen Charakters. Ein zweiter Unterzeichner des Flugblattes, der Redakteur Klüh-?, sitzt gar schon seit 8 Monaten in Schutzhaft(Hört! hört! b. d. Soz. Arbg.), und er wird trotz aller Anträge nicht wieder auf freien Fuß gesetzt. Man hat ihm allerlei andichten wollen. So sollte er mn 5. Februar in Neukölln vor Jugendlichen einen Vortrag ge- halten haben, doch konnte er nachweisen, daß er überhaupt nicht da- gewesen war. Der Spitzel hatte eine falsche Denunziation geliefert. Aber selbst wenn er dort gewesen wäre und geredet hätte, so hätte das nicht die Verhängung der Schutzhaft gerechtfertigt. Hätte er elwas Strafbares gesagt, so hätte man ein Strafverfahren ein- leiten können. Weiter hat man ihm zur Last gelegt, er wolle ein Flugblatt gegen den sozialdemokratischen Parteiausschuß heraus- geben. 5luch das beruhte auf falscher Information. Sein Hauptver- brechen war die Mitherausgabc des Flugblattes über den Parteistreit in Tcltow-Beeskow. Aber dieses Flugblatt ist am Tage nach der Be- schlagnahme von der Polizei zurückgebracht worden, weil das Ober- kommando die Beschlagnahme nicht aufrechterhalten konnte.(Hört! hört! b. d. Soz.)?lber trotzdem die Schutzhaft. Die Behandlung, die Redakteur Klühs in der Schutzhaft erfahren hat, ist geradezu himmelschreiend und spricht jeder Menschlichkeit b> o h n. Am 22. August erhielt er von seinen Kindern die Nachricht, daß seine Frau, die' mit den Kindern in Kiel lebte, schwer krank wäre, ins Krankenhaus eingeliefert sei und ihn dringend zu sprechen wünschte. Unter Beisügmrg des Telegramms beantragte er seine Freilassung, und nach Wachsen erst erhielt er den ablehnenden Be- scheid.(Hört! hört! b. d. Soz.) Am 19. September kam aufs neue die Nachricht, die todkranke Frau wünsch« ihn sehnlichst zu sprechen. Wiederum lehnte das Oberkommando seinen Antrag ab. Am 22. September bescheinigte der die Frau behandelnde Arzt, daß mit ihrem Ableben in Kürze gerechnet werden müsse. Schon am fol- genden Tage ging diese Bescheinigung durch die Hand des Komman- dantur, aber erst nach 6 Tagen, am 28. Sept., wurde sie Klühs aus- gehändigt. Inzwischen erhielt er bereits am 25. Sept. ein Telegramm, seiner Tochter, daß seine Frau gestorben sei(Bewegung) und am 27. beerdigt werde, sofort beantragte er unter Beifügung des Telegramms, ihn wenigstens zur Teilnahme an der Beerdi- gung zu beurlauben. Am 26. abends war er noch ohne Bescheid. Ein Telegramm an seinen Rechtsbeistand mit der Bitte um so- sortige Rücksprache wurde erst am 30. September, drei Tage nach der Beerdigung, zur Beförderung zugelassen.(Lebhaste Eni- r ü st u na s r u se.) Auf die Teilnahme an der Beerdigung mußte er mangels jedes Bescheides verzichten.(Rufe: Unerhört!) Am 2. Ottober erst erhielt er endlich den vom 30. September da- ticrtcn Bescheid, daß sein Antrag abgelehnt sei, da die Beerdigung der Franbereits erfolgt sei.(Eni- rüstete Zurufe und Bewegung im ganzen Hause.) Ta niuß man wirklick fragen, sind es noch Menschen von Fleiscy und Blut, die solche'Antwort zu geben vermögen, oder sind es nioderne Folterknechte und Menschenschinder, die sich an den Seelengualcn anderer weiden und mit den beiligsteir Gefühlen des Menschenherzens Schind- l u d e r treiben. Daß es sich hier um bewußte Quälerei eines Wehrlosen handelt, dafür noch weitere Tatsachen. Um sein Ausbleiben bei der Beerdigung zu erklären, hatte er nach Kiel tele- graphiert, er habe noch keinen Bescheid erhalten. Dieses Tele- gramm wurde erst drei Tage nach der Beerdigung� abgesandt.(Erregte Zurufe bei den Sozi aide mokraten.i Sein Sohn, der an der Front steht und zur Beerdigung der Mutter beurlaubt war. war üvcr das Ausbleiben des Vaters äußerst befremdet und schrieb rhm am 29. September, er wolle ihn gern sprechen, sein Urlaub laufe noch bis zum 4. Oktober. Das Schreiben lief bei der Kommandantur am 30. September ein, wurde Kliiß aber erst am 4. Oktober, also als der Urlaub des Sohnes ablief, ausgehändigt. So wurde die Fusauiuwinnnft zwischen Vater und Sohn verhindert. Schon vor dem Tode Jwr Mutter, am 9. September, als er zur Front abging, hatte der Sohn sich vergebens bemüht, zu seinem Vater gelassen zu iverdcn. Es liegt �also System in diesen Dingen. Daneben fanden weitere Quälereien statt. Am 1. Oktober lief der Mictsvertrag des Kliiß ab, und er beantragte am 22. September einen Urlaub zum Mieten einer neuen Wohnung und um die Vor» bereitungen für den Umzug zu trefsen. Am 28. und 30. September, auch am 2. Oktober ersuchte er nochmals um Erledigung dieses Gc- jaches. Der Erfolg war, daß ein Schutzmann kam und ihm den " eisen Rat gab, doch einen Freund mit der Beschaffung der neuen Woonung und des Umzuges zu betrauen. Ter Wirt strengte schließ- lick die Räumungsklage an, und der gerichtliche Termin war an- gesetzt, aber der"Urlaub zur Wahrnehmung des Termins wurde K'tütz verweigert.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Solche und ähnliche Quälereien machten den: Mann das Leben zur Hölle, und dabei liegt nichts gegen ihn vor, als mißliebige politische Gc- sinnung, auf Grund deren er ohne jede gesetzliche Grundlage in Haft genommen ist. Da muß man den Eindruck gewinnen, daß es systematisch auf seine Vernichtung� abgesehen� worden ist.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Tie„öffentliche Sicherheit" hat damit gar nichts zu tun. Willkür und Brutalität kenn- zeichnen dieses System, das, je länger cS dauert, um so schlimmer wird. Und wie in Berlin, wird das Syestm auch in der Provinz gc- handhabt. In Düsseldorf wurden Ende Juli und Ansang August secks unserer Parteigenossen wegen angeblicher Verbreitung von Drucksachen in Schutzhaft genommen, darunter auch der Re- dalteur Schotte und der Gewerkschaftssekretär K u n i s ch. Mehr als 2!4 Monate sind sie in Haft, aber keinem ist bisher gc- stattet worden, mit einem Rechtsanwalt in Perbindung zu treten. Zwei der Verhafteten sind wochenlang im Polizeigefängnis m i t Verbrechern zu sammenge sperrt worden. In der Zelle befand sich kein Bett, sie mußten unausgekleidet auf Holz- stellagen schlafen. Eine Waschgelegenheit fehlte. Die K o st war schlecht und ungenießbar. Betoegungsfreiheit wurde nicht' gcivährt. Unter den primitivsten und enttöürdigeudsten Verhältnissen haben die Leute die Haft bestehen müssen, bis jic cnd- kich auf wiederholte Beschwerde ein besseres Unterkommen erhielten. Einer der Inhaftierten bekam auf die Anfrage nach dem Grunde der Inhaftnahme vom Generalkommando in Münster die Antwort, daß er eventuell vor dem Reichsgericht als Zeuge vernommen wer- den solle.(Lebhaftes Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Und deshalb sitzt der Mann schon fast drei Monate in Haft. Ganz ähnlich liegt der Fall des Redakteurs Oerter in B r a u n s ch w e i g. Am 22. August wurde er verhaftet und die Schutzhaft über ihn verhängt. Mehr als zwei Monate sitzt er bereits in Haft, mit ihm zusammen ein Gewerkschaftsbeamter Genzen. Weshalb die Verhaftung erfolgt ist, hat man ihm nicht gesagt. Anfänglich hatte man ihn beschuldigt, an der Herausgabe eines Flugblattes beteiligt gewesen zu sein. Dafür hat sich aber nicht der allergeringste Anhaltspunkt ergeben. Es ist ihm überhaupt nichts Belastendes irgendwelcher Art nachgewiesen worden. Ein Untersuchungsverfahren hat man nicht eingeleitet, trotzdem es von dem Verhafteten verlangt worden war und trotz- dem von ihm vergeblich unausgesetzt verlangt wird, dem ordent- lichen Richter vorgeführt zu werden. Auf eine schuftige und der- leumderische Denunziation hin sind die Leute eingekerkert worden. Offenbar will man sie strafen— wie all die anderem von denen ich schon berichtet habe— wegen ihrer oppositionellen politischen Gesinnung. Das Kriegsministerimn hat ja nun am 22. Juli des Jahres an die Generalkommandos einen Erlaß herausgegeben, in dem zu einer milderen Praxis aufgefordert wurde. Demgegenüber verweise ich auf den Erlaß des Generalkommandos in D a n z i g vom 12. September d. I., in dem die Schutzhaft als probates Mittel bezeichnet wird, sozialdemokratische Redner gegen den Lebensmittclwucher unschäd- lich zu machen.(Hört, hört! bei der Soz. Arbg.) Es heißt so klassisch in dem Erlaß, den der Kollege Wurm schon bei der Be- ratung der Kartoffelinterpeqation mitgeteilt hat:.Die Haupt- sächlichsten Führer und Hetzer wurden in Schutz- hast genommen oder zum Militär eingezogen." (Hört! hört! b. d. Soz. Arbg.) Damit hat man nach diesem Erlaß in zwei Korpsbezirken gute Erfolge erzielt, und das Beispiel wird hier zur Nachahmung empfohlen. An einem drastischen Fall will ich Ihnen zeigen, daß nach diesem Rezept„Schutzhaft und' Schtitzengräben" auch tatsächlich gearbeftet wird. Es betrifft den Fall de? Gewcrk- schaftssekretärs Sauerbrey in Elberfeld-Barmen, dem Wahl- kreise des Kollegen Ebert. Dort sind am 20. Juni an den Pia- katsäulen Flugblätter angeklebt worden. An demselben Tage hat man drei Leute verhaftet, die man beschuldigte, an der Flugblatt- Verbreitung beteiligt gewchen zu sein. Einige Wochen später, am 27. Juni, hat man auch den Gewerkschaftssekretär Sauerbrcy der- haftet. Er wurde auf der Polizewerwaltung in Elberfeld sofort sehr eingehend vernommen. Es stellte sich dabei aber bereits als ganz zweifellos heraus, daß er mit der fraglichen Flugblattver- breitung auch nicht das allergeringste zu tun gehabt hatte. Da er aber zur Opposition innerhalb der sozialdemokratischen Partei gehört, wurde er trotzdem in Schutzhaft gesteckt.(Hört, hört! bei der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft.) Man ließ ihn Briefe an seine Familie schreiben, schickte sie aber nicht ab. Nach drei Wochen ließ er sich vorführen, protestierte gegen den recht- und gesetzlosen Zustand und drohte mit dem Hungerstreik, wenn man ihn nicht endlich seinem ordenlichcn Richter zuführe. Zwei voll Tage hat er jede Nahrungsaufnahme verweigert. Das half zunächst. Er wurde in das Untersuchungsgefängnis gebracht und die Untersuchung wegen Landesverrats und Aufreizung über ihn verhängt. Aber diese Beschuldigung siel bald wieder in sich zustnirmen. Sauerbvey legte Beschwerde ein, und in Uebereinstim- mnng mit dem Reichsanwalt gab das Reichsgericht der Beschwerde statt.(Hört! hört! bei der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft.) Nun wurde er aber nicht etwa in Freiheit gesetzt, sondern wieder in das Polizeigesängnis zurücktransportiert. (Höiü! hört!) Tags darauf wurde er zum Militär gemustert und als kriegSver wendungsfähig eingezogen.(Hört! hört!) Vorher war er d. u., ihm fehlten nämlich an der linken Hand mehrere Glieder. Da haben Sie den typischen Fall, nach dem Danziger Rezept, Schutzhaft und Ein- ziehung zum Heer. Er wurde auch sofort eingezogen, nur eine istunde gab man ihm Zeit, aber man schickte einen Soldaten nach Hause mit. Er fand nicht einmal Zeit, seine Kinder nach der langen Haft wiederzusehen. Jetzt wird er bei seinem Truppenteil für den Schützengraben ausgebildet. Der Fall hat maßlose Erbitterung in Elberfeld-Barnicn unter der Arbeiterschaft ausgelöst. Sauer- brey vertrat seit einem Jahre einen eingezogenen Arbeitersekretär und hat unzähligen Rechts- und Hilfesuchenden, besonders Ange- hörigen von Kriegsteilnehmern, unentgeltlich Beistand geleistet. Seine Einziehung zwang dazu, die Unorgcmisierten von dieser Wohltat der Auskunstsertcilung auszuschließen. Der gegen ihn geführte Schlag trifft also am härtesten die vielen armen Leute, die Hilfe suchen. Aber das Generalkommando in Münster wundert äch, daß die Stimmung im ganzen Wuppertal immer unzufriedener wird, und brütet über neue Gewaltmaßnahmcn, um dieser Uuzu. fticdenheit Herr werden zu können. Man sollte meinen, es ist ein Stück aus dem Tollhans. Aber es ist die Wirklichkeit des Belagerungszustandes. Dieser Fall ist nur einer von sehr vielen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich erinnere an den Fall Weinberg. Weinberg wcrr zugegen, als eine Ordon- nanz dem Arzte, der untersuchen sollte, meldete, das Bezirks- konimando wisse zwar, daß Weinberg d. u. sei, aber er solle trotzdem nicht entlassen werden. In Elbcr- eld fitzt seit Kriegsausbruch ein Arbeiter Albrecht in Schutzhaft, gegen den nichts vorliegt als seine mißliebige politische Gesinnung. Vier mit ihm gleichzeitig Inhaftierte sind inzwischen zum Militär eingezogen. Die Einziehung Mißliebiger zum Militär erfolgt im VII. Acmeeckorpsbezirk überhaupt sedr häufig. Der TruppenteU bekommt dann vom Generalkommando in Münster die Nachricht, der und der ist eingezogen und dem Truppenteil überwiesen. Die Akten folgen. Die Akten enthalten natürlich alle unkontrollierberren Spitzelangabcn. Am Niederrhein sind sehr viele solcher Fälle be- kannt, die dort ungeheure Erbitterung erzeugen.— Es werden dort auch noch zahlreiche Redeverbote aufrecht erhalten, die gegen Parteigenossen vor Jahr und Tag unter Androhung der Schutzhaft verhängt worden Ivarcn, weil die Betreffenden eine Ein- gavc an den sozialdemokratischen Parteivorstand unterzeichnet hatten, in der eine andere Kriegspolitik gefordert wurde. In Düffel- dors bekam ein Arbeiter ein Redeverbot, weil er in einer Per- sammlung die Speisen der Kriegsküche einer berechtigten Kritik unterzogen hatte. So rigoros geht man vor, um jede Kritik an unseren inneren Zuständen unmöglich zu machen. Die Willkür der Machthaber unter dem Belagerungszustand kennt eben keinerlei Maß. Zu all diesen Verfolgungen friedlicher Staatsbürger ist ein Apparert von Spitzeln, von Beamten aller Art ausgeboten, der sich täglich vermehrt. Alle diese Leute brauchen nicht mehr aus der Staatskasse unterhalten zu werden, sobald man diese Verfolgungen einstellte. Ein großer Teil dieser Agenten und Beamten würde scfort für nützliche Arbeit frei(Sehr wahr! bei der Sozialdemo- kratischen Arbeitsgemeinschaft) und für den Heeresdienst. Ihre heutigen Stellen sind größtenteils Drückeberger st eilen vor dem Heeresdienst. Deshalb halten sie krampfhaft an ihnen fest und suchen täglich ihre Unentbehrlichkeit durch die Aufdeckung aller möglichen Schandtaten neu zu beweisen. Nun, weil sie selber nicht in den Schützengraben wollen, desbalb müssen andere in Schutzhaft.(Sehr gut! bei der Sozialdemokratischen Arbeits- gemeinschaft.) So verschaffen sie sich eine Scheinarbeit und auch die Gloriole des Staatsretters. Diesen Augiasstall zu reinigen und der militärischen Gewaltpolitik den Boden zu entziehen, ist die Pflicht der Volksvertretung. Stimmen Sie deshalb unserem Antrage auf Aufhebung des Belagerungszustandes zu und Helsen Sie damit Zustände mit Stumpf und Stiel auszurotten, die eine Schmach und Schande für den deutschen Namcn. stick,(Lebhafter Versall bei den Sozialdemokraten.).. Staatssekretär Dr. Helfferich: Tie Verhandlungen in der Kommission haben wohl bewiesen. daß es innerhalb der Reichsleitung niemand gibt, der Schutzhaft und Belagerungszustand als einen idealen Zustand ansieht. Wir haben dort all diese Fragen eingehend, ruhig und sachlich erörtert. Von un- serer Seite und auch von Mitgliedern der Kommission sind die Gründe entwickelt worden, die es leider unmöglich machen, während des Krieges auf Belagerungszustmid, aus Schutzhaft, Zensur und ähn- liche unangenehme Dinge zu verzichten. Auch die Redner aus dem Hause, die vor dem letzten Herrn Redner gesprochen haben, waren der Ansicht, dag eine radikale Beseitigung des Belagerungszustandes im Kriege nicht möglich ist. Die Institution des Diktators stammt aus dem alten Rom, aus der klassischen Republik des Altertums. (Lachen links.) Wenn das Staatswesen im Existenzkampf stand, hat man es doch für notwendig befunden, die höchste Gewalt in die Hand eines einzelnen Mannes zu legen und hat diesen römischen Diktator mit Befugnissen ausgestattet, die viel größer waren, als die Befug- nifse der Schutzhaft und des Belagerungszustandes. Die ganze Eni- Wickelung geht nach einem Ausgleich zwischen den Bedürfnissen des Staates und dem Bedürfnis des Rechtsschutzes für das Individuum. Je nach dem Kulwrzustand des einzelnen Staates wird dies Gleich. gewicht zu verschiedenen Grundlagen gelangen.(Ironische Rufe bei der Soz. Arbg.: Sehr wahr!) Wir stehen nicht auf der unter- sten Stufe dieser Grundlagen. Wenn man die Verhältnisse im Frieden betrachtet, so haben wir stolz darauf sein können.((Lebhafter Widerspruch b. d. Soz. Arbg.) Ich bin stolz auf Deutschland.(Unruhe und Zurufe b. d. Soz. Arbg.) Ich glaube, unsere verfassungs- rechtlichen Zustände vor Ausbruch des Krieges, unser Kullurzustand war ein solcher, auf den jeder Deutsche stolz sein konnte.(Rufe: Nein! Nein! b. d. Soz. Arbg.) Ich hoffe, daß es uns bald möglich sein wird, wieder in diese Verhältnisse zurückzukommen aus Zuständen, in denen wir uns heute unter dem Druck der Notwendigkeit befircken. (Zuruf b. d. Soz. Arbg.: Neuorientierung!) Ton Neuorientierung spreche ich nicht! (Große Heiterkeit b. d. Soz. Arbg. Zuruf: Das glauben wir!) Ich bitte dringend, mich nicht ständig zu unterbrechen, sondern mich ruhig anzuhören. Also ich wiederhole, die große Mehrheit der Kommission— und das ist wohl auch die Meinung des Hanfes— war einig darin, daß wir in einem Kriege, in dem es an die Wurzeln unserer Existenz ging, auf solche Befugnisse nicht verzichten können. Kein Staat ver- zichtet heute daraus. In Frankreich, England, Italien gehen die Beftignisse zum großen Teil erheblieb weiter. Aber das soll keine Entschuldimmg der Mißgriffe sein. Wir haben uns in der Kom- Mission über die Bcschtoerdcpunkte gleichfalls ruhig unterhalten. Wo Aufklärung gegeben werden konnte, sst sie gegeben; ich nehme an, in einer Anzahl von Fällen in befriedigender Weise. Wo das Mate- rial nicht zur Hand war, ist Untersuchung der Fälle zugesagt worden. Der Tendenz der vorliegenden Anträge stehen wir keineswegs ab- lehnend geegnüber. Wir sind bereits bemüht gewesen, nach derselben Richtung zu arbeiten, und glauben bereits einiges erreicht zu haben. Nun zu den Fällen, die der Mg. Dittmann vorgebracht hat. Ich will keine Kritik an Mitgliedern dieses Hauses üben, das steht mir nicht zu. Aber ich darf als deutscher Mann und Patriot doch die Er- wägung anstellen, ob es gut getan ist, eine solche Reihe von Fällen hier im Hause und damit vor der bveitestcn OeffenUichkeit vorzutragen, ohne daß die Möglichkeit für uns besteht, darauf sofort im einzelnen zu antworten. Ich weiß nicht, ob das im Interesse des Vaterlandes liegt.(Sehr richtig! rechts.) Es ist ja ganz unmöglich, einem solchen Vortrag zu folgen, das Material mutz erst beschafft werden, es müssen Personen erst vernommen werden, um festzustellen, ob denn das alles stimmt.(Zurufe b. d. Soz. Arbg.: Das ist in der Kommission vorgebracht worden!) Im Falle Klühs, wo es als be- sonders große Roheit hingestellt worden ist, daß es dem Manne ver- wehrt worden ist, seine Frau zu sehen, ist in der Kommission z. B. festgestellt worden, daß der Mann seit 1909 von seiner Frau getrennt lebt und sie in Kiel hat sitzen lassen.(Große Unruhe und Zurufe b. d. Soz. Arbg.) Auch dann würde ich das Verhalten ihm gegenüber nicht billigen, aber es kommt doch durch diese Tatsache ein ganz an- deres Moment hinzu.(Erneute Unruhe und Zurufe b. d. Soz.) Dann hat Herr Dittmann gesagt, ich hätte erklärt, es sei ganz gut, daß Mehring verhaftet worden sei, er sei davor geschützt worden, wegen einer vollendeten Straftat verhastet zn werden. Was habe ich gesagt?„Wir sind im Kriege, mcd so hart es für den einzelnen sein mag, das Wichtigste ist doch Interesse des Vaterlandes. Wir dürfen nicht zugeben, daß Streiks in Munitionsfabriken angezettelt werden. Und da stehe ich nicht an zu sagen, eS ist mir lieber, daß der eins oder andere unschuldig leidet, als daß man einen Schuldigen lausen läßt. Damit kein Unheil für unser Baterland entsteht, wird es in manchen Fällen nicht zu vermeiden sein, daß Unschuldige leiden. Das bedauern auch wir, und wo es sich herausstellt, wird die Schutzhast ausgehoben, und es wird für Remedur gesorgt werden. An einer anderen Stelle habe ich gesagt: Es war festgestellt, daß Mehring bei der Anzettelung von sogenannten Friedensdemonstrationen auf dein Potsdamer Platz beteiligt war. Niemand ist so naiv, solche Demon- strationen in dieser Zeit als etwas absolut Harmloses hinzustellen, Wir wissen, was daraus werden kann und was nahezu daraus ge- worden wäre. Darum sagte ich, ist es mir lieber, daß, obwohl Dr. Mehring über 70 Jahre alt ist, er in Schutzhaft'sitzt, als daß Tote auf dem Potsdamer Platz liegen. Das halte ich aufrecht.(Abg. Hoch: Faule Ausrede!) Vizepräsident Dove ruft den Abg. Hoch wegen dieses Zwischen- russ zur Ordnung. Staatssekretär Dr. Helfferich(fortfahrend): Das Material, das Herr Dittmann vorgebracht hat, wird selbst- verständlich auf das allergenaucfte geprüft werden. Er hat eine Reihe Fälle vorgetragen, die, locnn sie so liegen, auf das schärfste zu verurteilen sind.(Bravo!) Nicht nur von uns, sondern auch von den militärischen Vorgesetzten solcher untergeordneter Organe. Darüber kann nur eine Stimme herrschen. Aber man soll nicht solcke Anschuldigungen in die Welt hinausgehen lassen, ohne daß vorher eine Untersuchung stattgefunden. Dieser Untersuchung hätte Herr Dittmann in einem Falle, der das Haus besonders empört hat, vorarbeiten können, in dem Falle der jungen Mädchen, die mit einer Prostituierten zusammengepfercht wurden.— Als Herr Dittmann in der Kommission einen solchen Fall andeutete, habe ich ihm zugerufen, er möge den Fall vortragen. Herr Dittmann hat geantwortet: Das behalte ich mir für das Plenum vor.(Lebh. .Hört! hört! rechts.) Das ist bezeichnend für die Absicht, von der Herr Dittmann geleitet ist und gegen dieses Verfahren lege ich im Interesse des Vaterlandes schärfften Einspruch ein.(Bravo! rechts.) Abg. Tr. Paaschc(natl.): Ich glaube der großen Mehrheit des Hauses aus dem Herze» zu sprechen, wenn ich sage, die Ausführungen des Abg. Dittmann baben einen so überzeugenden Eindruck gemacht, daß sie aus Tat- fachen begründet waren, sie haben im Hause einen solchen Sturm der Entrüstung entfesselt, daß man erwartet hätte, daß der Staatssekretär, wie er eS zum Schluß ja getan hat, die schärfsten Worte der Ucrurtcilung gesunden hätte.(Zustimmung links. Rufe rechts: Das hat er ja!) Wenn solche Zustände möglich sind, wäre es im Interesse des Reichs und des deutschen Volke» gewesen, wenn der Staatssekretär offen und ehrlich gesagt hätte: Solche Zustände können und wollen wir nicht dulden. �(Lebhaste Zustimmung links. Erneute Zurufe rechts: Das hat er ja gesagt!) Es muß das strengste Strafmaß angewandt werden gegen die Be- amten, die sich solche Verfehlungen zuschulden kommen lassen. Ter Staatssekretär bat ja zum Schluß gesagt, er billige das nicht (Zuruf rechts: Na also!), aber hier macht doch der Ton die Haupt» fache.(Sehr wahr! links.) Es mußte eine offene Erklärung erfolgen, solche Zustände können und wollen wir im deutsche» Volke nicht dulden.(Stürmischer Beifall links.) Staatssekretär Dr. Helfferich: Ich kann mein Erstaunen über die Ausführungen nicht ve» hehlen. Ich habe ausdrücklich gesagt, daß, wcim die MitteUungco wahr stick, sie nicht nur wr Hanse, sonder» auch bei der Reichs- leitung unS bei Jen militärischen Versssschlen ber uniergeorbneien Organe schärfster Verurteilung sicher sind. Ich habe aber hinzu- gefügt: Bitte verurteilen Sie nicht, ehe die Fälle geprüft sind. Abg. Haus(Elf.): Elsaß-Lothringen ist leider zuiu Zlassischen Lande der Schutzhaft geworden. M e hr als IlZOll Bürger sind dort im Laufe des Krieges in Schutzhaft genonimen. Hätten sie etwas wirklich Schliinmes getan, hätte man ein �Strafverfahren gegen sie angestrengt. Vier Fünftel dieser Verhafteten wissen heute noch nicht, warum sie eigentlich verhaftet sind.(Hört! hört!) Sie sitzen monatelang in Haft, Physisch gebrochen und wirtschaftlich ruiniert. Eine frühere Kellnerin, Vertrauensperson der Alldeutschen, hat vor Gericht unwidersprochen ertlärt, daß sie dem Gouvernement in Straßburg eine Liste vou 128 Personen vorgelegt habe, die sämt- lich in Schutzhaft genommen seien.(Hört! hört!) Da sich der an- rüchige Charakter dieser Frau herausstellte und sie außerdem ständig die elsatz-lothringischen Behörden mit Denunziationen be- lästigte, hat man sie schließlich selbst in Schutzhaft genommen. (Hör!! hört!) In vielen Fällen handelt es sich nur darum, poli- tische Gegner unschädlich zu machen. Das Gouvcrne- mcnt von Metz hat in einem Falle von den Schutzhäftlingen ver- langt, daß sie alle ihre Ehrenämter niederlegen.(Hört! hört!) Ein oberelsässischer Landtagsabgeordneter wurde in der Form in Schutz- Haft genommen, daß er sich jeden Tag bei der Ortspolizeibehorde zu melden hatte und die Grenze der Gemeinde nicht überschreiten durfte. Erst als er versprach, auf sein Mandat zu verzichten, wurde er sofort wieder ein freier Mann.(Lebhaftes Hört! hört!) Schlimmer ist das Institut der Schutzhaft wohl noch niemals miß- braucht worden.(Sehr wahr!) Der Begriff der Schutzhaft muß genau umschrieben werden. In der Kommission wird Gelegenheit sein, Fälle vorzubringen, die denen, die Herr Tittmann vorge- bracht hat, in nichts nachstehen.(Hört! hört!) Auch das Zwangs- domizil bedarf dringend der gesetzlichen Regelung. Eine Frau, deren zwei Söhne als Helden in diesem Kriege gefallen sind, wird seit Monaten im Gefangenenlager Holzminden festgehalten, (Hört! hört!— Zuruf: Das ist der Dank des Vaterlandes.) Diese Mutter zweier deutscher Helden ist auf die Gnadcngaben ange- wiesen, die sie von Damen der dort inhaftierten Halbwelt erhält. (Hört! hört?) Dieser Fall ist bereits im elsaß-lothringischen Land- tag zur Sprache gekommen, leider ohne Erfolg.(Stürmisches Hört! hört!) Ich hoffe, daß nunmehr endlich ihrer Loge ein Ende bereitet wird. Abg. Fchrenbach(Z.): Gewiß sieben wir auf der Seite des Staatssekretärs, wenn er sagt, daß wir stolz sind auf das Deutschland der Gerechtigkeit und der Kultur. Gewiß stehen wir auf der Seite des Reichskanzlers, daß im Lebenskampf um Deutschlands Existenz Mittel zur Anwen- dung gebracht werden müssen, in deren Folge sich auch unzwcifel- hafte Härten zeigen müssen. Es gilt jetzt vor allem die Rettung des Vaterlandes, darum müssen die einen oder anderen schwerste Unzuträglichkeiten in den Kauf nehmen. Wir stehen auch auf der Seite des Staatssekretärs, wenn er dem Abg. Dittmann vorwirft, er hätte das hier Vorgetragene zunächst im Haushaltsausschuß vor- tragen müssen.(Zuruf bei der Soz. Arbg.: Ist geschehen!) Nicht olle Fälle. Ich nehme an, daß auch Herr Dittmann vor allem Besseruirg erzielen will. Tann aber hätten alle Einzelfälle im Aus- schuß vorgetragen werden müssen, und wenn dann die Regierung nicht mit eisernem Besen in diese Verhältnisse hineingefahren wäre, dann hätten Sie recht gehabt und hätten das ganze Haus dafür ge- habt. Der Staatssekretär hat recht, wenn er sagt, die Fälle sind nur zum Teil richtig; ich habe die Hoffnung, daß sich vieles als unbe- wiesen herausstellen wird. Auch der andere Teil mutz gehört werden, und dann erst wollen wir das Urteil fällen, und wenn Anlaß zu einem schweren verdammenden Urteil ist— fällen tverden wir es. In all dem gebe ich dem Staatssekretär recht. Aber ande- rerfeits muß ich doch sagen, es ist doch soviel festgestellt, daß die Entrüstung, die'das ganze Jbaus erfaßt hat und erfassen mußte, be- gründet war.(Lebhaftes sehr richtig!) In dieser Beziehung muß ich sagen, daß das, was Herr Paasche zum Ausdruck gebracht hat, der Stimmung deö Hauses entsprochen hat. Auch wenn wir da-Z Urteil und die Erhebungen abwarten wollen, so werden wir doch das Gefühl nicht loS, daß jetzt schon zuviel festgestellt ist, und daß viele von uns jetzt schon aktenmäßig wissen, daß es sich um Zustände handelt, die nicht zum Ruhme des Deutschen Reiches gereichen(Lebhafte Zustimmung), und darüber sind wir und jeder echte Patriot unglücklich. Auch bei allen Härten der gegenwärtigen Lage muß das Recht bestehen. Statt dessen handelt es sich um Ge- waltmaßnabmen, die sich unter dem Gesichtspunkt des Rechtes und der Humanität nicht werden rechtfertigen lassen, und es muß aus- gesprochen werden: Werden die Schuldigen festgestellt, so hoffe ich, daß es für sie eine Milde nicht gibt. Sie haben sich versündigt am deutschen Namen und haben unendlichen Schaden dem Ruhme und der Achtung Deutschlands zugefügt.(Lebhafte Zustimmung.) Das ist unser Unglück und unser Schmerz, daß es auch an hervorragen- der Stelle Personen gibt, die derartiger Handlungen fähig sind. Ich hoffe, daß der heutige Tag als reinigendes Gewitter wirken wird, daß die Luft wieder rein wird. Wir wollen auch in Zukunft, auch während� des Krieges, das gerechte, das von der Kulwr ge- tragene Deutschland sein, und wo dagegen gefehlt worden ist, da bofsen wir, daß mit voller Energie, mit vollem Ernste und mit vollem Bewußtsein von der Tragweite der Handlungen eingegriffen wird.(Lebh. Beifall.) Abg. Scheidemann(003.): Ich habe am 11. d. Mls. über Mißstände gesprochen, die auf dem Boden deS Belagerungszustandes entstanden sind. Von dem Vortragen einzelner Fälle habe ich Abstand genommen, weil damals die Beratung tm Haushaltsausschuß noch bevorstand. An die Spitze meiner wenigen Sätze stelle ich auch heute: Fort mit dem Be- l a g e r u u g s z u st a n d! Er ist der häßliche Boden, auf dem alle diese niederträchtigen Dinge erst möglich geworden sind. Warum waren sie denn so erstaunt über das, was hier vorgetragen worden ist? Weil Sie keine Kenntnis von diesen Dingen hatten. Und Sie hatten sie nicht, weil die Zensur nicht zugelassen hat, daß etwas da- bon.in der Presse mitgeteilt wurde. Nur weil die frisebe Luft der Lcsfcntlichkeit fehlt, ist es möglich, daß diese Dinge sich entwickeln konnten. Unendlich viel ist über die Zensur geredet worden, leider vergeblich. � Nachdem wir hier vorgetragen haben, wie die Zensur sich in unsere Parteistrcitigkeiten einmischt und Blätter der Minderheit unterdrückt, haben wir es erlebt, daß auch ein Mehr- heitsblatt mit schwersten Maßnahmen bedacht wurde, weil es die Minderheit angegriffen hat, und aus unsere Beschwerde wurde ge- sagt, es gehöre zum Burgfrieden, daß auch innerhalb der Parteien Ruhe herrsche. Ich habe damals den Fall des mehr als 70jährigen Mehring herausgegriffen. Was haben wir aber nachher noch für Fälle erlebt? Man mutz sich schämen, daß ein fortschrittlicher Ab- geordneter, der Prof. O u i d d c, den Befehl erhalten hat, Berlin binnen 21 Stunden zu verlassen und nach München abzureisen. Es gibt noch eine ganze Anzahl Fälle, über die bis jetzt nicht gesprochen ist, und ich will jetzt nicht weitere Fälle anführen. Es handelt sich keineswegs nur um Leute aus dem Arbeiterstand. Wir können auch Beispiele anführen, die geradezu abscheulich genannt werden müssen, wo man bis in dir hohe Diplomatie hinein Männer monatelang eingekerkert bat, Leute, die das Deutsche Reich im Auslande vertreten haben. Der Staatssekretär fragt, warum hier einzelne Fälle vorgetragen werden. Deshalb, weil alles, was in der Kommission und in den persönlichen Auseinandersetzungen vorgetragen worden ist, bis auf den heutigen Tag nichts genutzt hat.(Lebh. Sehr wahr!) Deshalb dürfen Sie sich nicht wundern, wenn schließlich hinausgeschrieen wird, was wir alle in gleicher Weise verurteilen.(Lebhafte Zu- stimmung.) Was in der Kriegszeit notwendig ist, wurde von An- fang an vom ganzen Hause konzediert. In bezug auf militärische Maßnahmen muß Vorsicht herrschen. Aber was darüber hinaus geht, ist vom Uebel und muß unter allen Umständen beseitigt wer- tfiTD KerqsUpoortl icher Red atieur: Alfrep Wietepp. Neukölln. Für deö den. Der Ausnahmezustand des Belagerungszustandes ist gerade- zu ein Unglück für das Reich. Gibt es wirklich Menschen, die den Zustand des Reiches bedrohen, so sind sie gefährlich nur in der Stickluft des Belagerungszustandes. Es ist über die Behandlung der in Schutzhaft Ge- nommenen gesprochen worden. Ich verstehe nicht, daß man die Leute in so kleinlicher Weise schikaniert hat, daß man sie behandelt, wie man einen kriegsgefangenen französischen Offizier nicht be- handelt. In der Beziehung ist ein Rückschritt schlimmster Art zu verzeichnen. Während des Krieges 1870/71 hat man die Leute während des Belagerungszustandes, die man in Haft nahm, weil man sie für gefährlich hielt, in Festungshaft genommen, in das, was man eine Ehrenhaft nennt. Die einzelnen Fälle, die aus Elsaß-Lothringen vorgetragen wurden, sind gewiß sehr schlimm. Aber noch viel schlimmer ist die ganze Art und Weise, wie dort von unserem Militär in bezug auf die Sprache der Leute, die kein Deutsch kennen, zum Teil vorgegangen ist. Ich empfinde es als außerordentliche Härte, wenn man Leuten verbietet, sich auf der Straße ihrer Muttersprache zu bedienen, weil die deutschen Truppen durch das Anhören französischer Laute sich gekränkt fühlen könnten. Würden unsere Soldaten so empfindlich sein und sich von der fran- zösischen Sprache einschüchtern lassen, so würden sie sich vor den französischen Schützen kaum ihrer Haut wehren. Wir wollen stolz sein auf Deutschland, gewiß! Aber stolz wollen wir sein auf das deutsche Volk und auf die Leistungen des deutschen Heeres! Aber zum Stolz auf die bureaukratischen Staatsmänner, die so arbeiten, haben wir nicht die geringste Veranlassung.(Lebhaftes Sehr richtig!) Die deutschen Truppen kämpfen nicht zur Aufrechterhal- tung der Zustände vor dem Kriege und noch weniger zur Aufrecht- erhaltung der Zustände, die wir jetzt erleben. Sie kämpfen für das werdende Deutschland, das ganz anders aussehen soll, wie das Deutschland, das wir in so häßlicher Weise haben schildern sehen müssen.(Lebhafte Zustimmung.) Der Staatssekretär sagt, es handelt sich um einzelne Fälle. Aber sie summieren sich in sehr bedenklicher Weise. Es handelt sich um Hunderte von Fällen.(Zuruf bei der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft: Um Tau sende!) Das weiß ich nicht, es wäre dann noch schlimmer, als wie ich es mir vorgestellt habe. Da hilft das Verweisen darauf nicht, daß es nur einzelne Fälle sind, da muß man verlangen, daß der Boden verurteilt wird, auf dem sie möglich geworden sind, das heißt, daß man einstimmt in den Ruf: Fort mit dem Belagerungszustand!(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn ein Volk sich be- währt hat und Vertrauen verdient, so ist es das deutsche Volk, das in diesen zwei Jahren das Menschenmögliche geleistet hat. Aber ein solches Volk behandelt man nicht so.(Lebhaftes Sehr richtig!) Deshalb mutz mit aller Entschiedenheit verlangt werden, daß der Belagerungszustand beseitigt wird. Die Vorschläge, Reformen zu schaffen, sind nur Flickwerk, damit schafft man den Zustand selbst nicht fort. Deshalb sollte der Reichstag den Antrag annehmen, den Belagerungszustand zu beseitigen. Nur dann wird es möglich sein, alle diese Dinge für die Zukunft unmöglich zu machen, die wir haben hören müssen. Noch einmal eine solche Sitzung wie heute, dann müßten wir uns der Zustände in Deutschland in der Tat schämen. Das wollen wir nicht. Wir wollen nicht Zustände ein- reißen lassen, deren wir uns schämen müssen, sondern wir wollen, daß Zustände entstehen, auf die wir alle stolz sein können.(Leb- hafter Beifall.) Abg. Dr. Müller- Meiningen(Dp.): Die heutigen Verhandlungen haben gezeigt, wie unhaltbar der gegenwärtige Zustand ist. Eine Reform des Gesetzes über den Belagerungszustand von Grund auf ist nötig. Angesichts der langen Kriegsdaner dürfen solche unhaltbaren, gesetzwidrigen, ja rein willkürlichen Zustände nicht aufrechterhalten werden.(Lebhafte Zustimmung links und im Zentrum.) Die Aendcrung der jetzigen lliechtszustände muß alsbald folgen. Der Vorredner erwähnte den Fall Q u i d d e. Ist eS wirklich nötig, fortgesetzt neue Märtyrer zu schaffen? Der beutige Zustand ist tatsächlich zu einer Gemein- gefährlichkcit für die deutsche sacke geworden. Die Einmischungen in bürgerliche Angelegenheiten sind geradezn unbegreiflich und lassen sich nur durch ein krankhaftes Machtgefühl erklären.(Sehr wahr!) Wir haben nicht einen Diktator, sondern Dutzende von Diktatoren, die zuweilen gegeneinander arbeiten. Daß in Paris. London und Rom ähnliche Zustände bestehen, ist für uns nur ein schwacher Trost. Der heutige Zustand muß be- seitigt werden, je eher, desto besser. Ich rufe der Regierung zu: Geben Sic dem Volke mehr Freiheit, und Sie werden im Volke mehr Vertrauen erwerben.(Lebhafter Beifall links und im Zentrum.) Abg. Schda(Pole): Die Entrüstung des Hauses ist einer Steigerung nicht mehr fähig. Deshalb will ich einzelne Fälle nicht mehr anführen, ob- wohl gerade die polnische Bevölkerung unter der Schutzhast besonders zu leiden hat. Notwendig ist nicht morgen, sondern heute und so» fort die Aufhebung des Belagerungszustandes. Sollt« das nicht möglich fein, so mutz mindestens den schlinnnsten Mißbrauchen durch eine gesetzliche Regelung der Schutzhaft ein Riegel borge- schoben werden.(Beifall links und im Zentrum.) Oberst v. Wriesberg: Bei Kriegsausbruck erforderte die Situation, namentlich im Reichsland, im Interesse der Sicherheit des Heeres ein scharfes Vorgehen. Daß dabei zuweilen daneben gehauen worden ist, ist möglich. Aber gerade im Itcichstag wurde einmal gesagt, eine schnelle Maßnahme sei immer noch besser als gar keine. Gegen Fehlgriffe ist die Heeresverwaltung mit allen: Nachdruck vorge- gangen. Der letzte kriegs ministerielle Erlaß hat auch überall Anklang gefunden und wird veröffentlicht werden. Die Einzelfälle kennen wir nicht. Sollte sich herausstellen, daß sich Fehler ereignet haben, so wird mit allem Nachdruck durchgegriffen werden.(Beifall.) Abg. Ttttmann(Sox. Arbg.): Ich habe keine Fälle aus dem Anfang des Krieges vorgetragen, sondern nur aus dem Laufe des letzten Jahres. Je länger der Krieg dauert, um so schlimmer ist es geworden. Der Vorrednoc sprach von der Itotwendigkeit des schnellen Zugreifens im militä- rischen Interesse. Noch niemand hat den Beweis erbracht, daß auf Grund der bestehenden Gesetze dieses schnelle Zugreifen nicht mög- lich ist. Wenn ein Verdacht gegen Personen besteht, so kann im geregelten Untersuchungsversahren festgestellt werden, ob der Ver- dacht begründet ist oder nicht. Das kann ebenso schnell geschehen. Kurz vor Kriegsausbruch haben wir zu allem Uebersluß noch das S p: o i: a g e g c s e tz geschaffen, durch das alle militärischen Jnter- essen restlos geschützt werden. Für den Belagerungszustand und die Schutzhaft liegt daher keinerlei Notwendigkeit vor. Wenn Sie so entrüstet sind über diese Zustände, so seien Sie auch konsequent lind versuchen Sie nicht, durch ein Herumdoktern am Belagerungs- zustandsgesetz diese Zustände zu beseitigen, sondern kämpfen Sie mit uns für die Aufhebung des Belagerungszustandes selbst und damit für die Beseitigung der Zensur und der Schutzhaft. Dr. Helfferich hat wirklich in der Kommission gesagt, es ist besser, e S kommt einer in Schutzhaft, als er bleibt in Freiheit und begeht etwas, wofür er i ck w e r bestraft wird.(Znstimmuilg bei den Sozialdemo- kraten.) Ich habe mir das sofort notiert, andere ebenfalls,'die Worte sind genau so gefallen. Dr. Helfferich will eS ja jeyt nicht wahr haben, daß er in dieser Weise für das deutsche nationale Zuchthaus eingetreten ist, aber er ist dafür eingetreten, und die aristokratische Republik des alten Rom, beruhend auf der Sklaven« wirt ick oft, ist ja fein Ideal.(Seht gut! b. d. Soz.) Von bestimmten Einzeliällen habe ich nur deshalb in der Budgeikommission nicht Mitteilung gemacht, weil ich mir das Material nickt vorher habe JnferatenteU veiantw.: TI». Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts beschaffen können. Aber die Angelegenheit der beiden Mädchen und den Fall K l ü h s habe ich in der Kommission vorgebracht, sie wurden aber nicht erledigt. Dr. Helfferich sagte nur:.Na ja, der Mann lebt ja seit Jahren nicht mehr mit der Frau zusammen". Selbst wenn ein Zerwürfnis zwischen den Ehegatten bestand— es wird aber bestritten— so kann doch, wenn die Frau im Sterben liegt und wünscht, daß ihr Mann sie noch einmal besucke, es keinen Menschen geben, der nicht einen Stein in der B.rust bat, der einein iolcken Gesuch sich widersetzt!(Sebr richtig I links.) Ist es denn nicht auch schon vorgekommen, daß getrennt lebende Ehegatten sich vor Hein Tode des einen wieder versöhnten?(Sehr wahr! links.) Es gibt in keiner Weise eine Eittsckukdigung oder Nechlfertigung für ein so unerhörtes Verfahren. Die Regierung wäre sehr wohl in der Lage gewesen, sich die Akten zu verschassen, da ich den Fall in der Kommission vorgebracht habe. Aber ebenso auch in dem Fall der beiden Mädchen. Dabei war gesagt worden:.Ja, wenn die Dinge so sind, daß sie mit Prostituierten zusammengebracht wurden, dann verurteilen wir das". Ich habe ausdrücklich ertlärt, daß ich im Plenum des Reichs« tages aus einem Briefe eines der beiden Mädchen Stellen verlesen werde, die Aufschluß geben, wie dieses Zusammenleben mit Prostituierten auf sie gewirkt hat. Man wußte, daß ich das zur Sprache bringen werde. Es wäre die Sache der Negierung gewesen, die Akten herbeizuschaffen. Jedenfalls hat man kein Recht, mir einen Vorwurf zu machen. Aber wie liegen die Dinge? In unzähligen Fällen ist man im Interesse der Verhafteten bei der Zivilregierung und bei mili- tärischen Stellen vorstellig geworden. Von einzelnen Stellen ab- gesehen, war im großen und ganzen das Resultat immer wieder ein Achselzucken. Man hat gesagt:„Wir können nichts machen, die Generalkommandos sind einfach souverän. Niemand hat ihnen was drein zu reden. Wir können höchstens mit Vorstellungen an sie herantreten, aber die Generalkommandos brau- chen ihnen nicht stattzugeben. Wir sind hier machtlos." Unzählige Male hat sich das ereignet. Das war das Gefühl, aus dem heraus ich diese Dinge heute zur Sprache gebracht habe. Ich wollte Aenderung und Besserung erzielen und bin zu der Ueber- zeugung gekommen, dies nur dadurch erreichen zu können, daß ich das ganze System heute öffentlich rücksichtslos an den Pranger stelle.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Dr. Helfferich: Ich habe keinen Zweifel daran gelassen, daß, wenn die von den Abgg. Dittmann und Haus vorgebrachten Fälle wirklich so liegen, sie die schärfste Mißbilligung nicht nur in diesem Hause, sondern auch bei der Reichsleitung und bei den militärischen In- stanzen finden.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Das genügt nicht!) Diese Verurteilung und Mißbilligung ist selbstverständlich nicht nur theoretisch. Aber ich verurteile keinen Beamten, ehe ich ihn gehört habe, und solange seine Schuld nicht erwiesen ist, decke ich ihn. Wo Mißstände festgestellt sind, beseitigen auch wir sie. Ich habe in der Kommission gegen die Anträge, die sich in gleicher Richtung bewegten, wie der zur Verhandlung stehende Gesetzent- Wurf, keinen Widerspruch erhoben. Wir sind bemüht, auf gleichem Wege mit Ihnen zu arbeiten. Es entspricht nicht dem Geiste der Verfassung, daß die Verbündeten Regierungen in diesem VerHand- lungsstadium zu Initiativanträgen Stellung nehmen, aber wir erkennen an, daß uns die Tendenz des Antrages sympathisch ist, und wir hoffen auf diesem Wege eine Besserung zu erreichen. Das ..deutsche nationale Zuchthaus" ist ebensowenig mein Ideal wie die römische Sklaverei. Ich richte an Sie alle den Appell, schütten Sie auch bei der allergrößten Erregung über einzelne Falle nicht das Kind mit dem Bade aus. In diesem Kampf um die Existenz Deutschlands kann der einzelne und sein Recht nicht die Rolle spielen wie in Friedenszeiten. Heute steht das Vaterland höher, und nicht nur an der Front, sondern auch hinter der Front sind rasche Schritte notwendig, die nur eine verstärkte Staats- gewalt tun kann. Deshalb kann ich mir eine Abschaffung des Bela.gerungszustandes in einem Kriege, wie wir ihn durchmachen, nicht denken. Alle unsere Bemühungen müssen darauf gerichtet sein, diesen Belagerungszustand, den wir während des Krieges nicht entbehren können, so zu gestalten und zu ver- bessern, daß damit auch das Recht des einzelnen, soweit wie irgend denkbar, erträglich gemacht wird.(Bravo.) Die Militärbehörden prüfen stets alle ihnen vorgetragenen Fälle genau und lassen im gegebenen Fall auch Besserung eintreten. (Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Das muß ich auf Grund amtlicher Feststellungen aufrecht erhalten. Damit schließt die Diskussion. Der Entwurf zur gesetzlichen Regelung der Schutzhaft wird einem besonderen Ausschuß von 21 Mitgliedern überwiesen. Eine Reihe Petitionen werben ohne Diskussio» ent- sprechend den Ausschußanträgen erledigt. Hierauf vertagt sich das Haus auf!R o n t a g 3 llhr.(Zensur und Belagerungszustand/ Berichte des Ausschusses für Handel und Gewerbe.) Schluß: 7 Uhr, Rudolf Sohm. Rudolf Sohm wird am 29. Ollober 7b Jahre alt. Den älteren unter unseren Lesern ist Sohm, der Professor deS deutschen und des Kirchenrechts an der Leipziger Universität ist, noch heute in Er- innerung als eines der respektabelsten und eigenartigsten Mitglieder jener kleinen aber interessanten politischen Gruppe, die Milte der 90 er Jahre unter Führung Naumanns und GöbreS und unter dem Namen der nationaliozialen Partei den Versuch unternahm,„die Sozialdemokratie abzulösen". Dem ökonomisch und politisch geschulten Arbeiter stand schon damals fest, daß dieser Ver- such mißlingen mußte, weil die neue Paneibilduug sich auf keine durch gleiche ökonomische oder wenigstens soziale Interessen gebun« dene Klasse oder Schicht ausbaute. Sie war vielmehr eine Gemein« sckaft meist sehr ehrlicher Gebildeter, die unter sich selbst ökonomisch wie geistig die größten Gegensätze aufwies. Sie waren einig nur in dem Streben, eine Arbeiterbewegung zu schaffen, die nicht mehr inter« national noch sozialistisch noch demotratisch war. Selbst über das, was unter„sozial" zu verstehen sei. bestand unter ihnen leine Klarheit und Einigkeit. Gerade Sohm war dafür ein charakteristisches Bei« spiel. Bis dahin sächsisch-koniervativ, prägte er damals einige Formeln, die in den Reihen seiner neuen Parteifreunde schärfsten Widerspruch hervorriefen und den äußeren Anstoß für die erste» Zersallerscheinungen der jungen Partei bilveten. So erinnern wir uns einer Versammlung in Leipzig, in der er zu beweisen suchte, daß sozial gleich— liberal sei! Trotz solcher Ausfasiungcn war Sohm erfüllt von einem tiefen Interesse und ehrlicher Liebe zur aufstrebenden Arbeiterklasse. Für die junge nationalsoziale Partei brachte er große finanzielle Opfer. Seit ihrem Zusammenbruch vor etwa 12 Jahren ist er politisch nicht mehr hervorgetreten. Ueber seine wisseuschafttichen Leistungen zu urteilen, ist hier nicht der Ort. Nur darauf sei hin- gewiesen, daß er einer der Schöpfer des Entwurfs des neuen bürger« lichen Gesetzbuches war, das nun seit 1. Januar 1900 in Kraft und Wirksamkeit ist. Sohm hat auch eine kurze»Kirchengeschichte im Grundriß" geschrieben, eine glänzende Leistung, die auch dem religiös Gleichgültigen dieses eigenartige Stück Menschheitsgeschichte zu einen, höchst interessanten Gegenstand der Betrachtung zu machen versteht. Sohm ist ein ausgezeichneter Stilist und oft hinreißender Redner, in dieser Beziehung ieiiiein»hcmaligen Parteifreunde Naumann vielfach ähnlich. Der Weltkrieg hat auch seinen Lebensabend mit schwerer Trauer erfüllt. Seine beiden Söhne sind, der eine unter höchst tragischen Umständen, gefallen. Den Einsamen dürfen heule auch seine Gegner grüßen, die hart mit ihm gelämpft, aber ihn immer geachtet haben. Buchdruckerei u. Vertagsänstalt Paul Sintfri& Cch. LMrti SW. pmiiiuiii ALEX AN I ALLEE Porzellan* Glas* Steingut Tafetserie Bi üssel Preßglaegarm'iur Oliven Tafelgeschirr Emden Speiseteller tief und flach...... 4S Pf. Abendbrotteller........... 30 Pf. Kompotteller............. LS Pf. 2-errinen.»»»,»»«»»»» 4» 0,> Kartoffelfchllsseln........... 3.23 Tunkenschiiffeln............ 1.50 Salatschüsseln......... 1.15, 1.50 Bratenplatten....... 1.25 bis 4,25 Kasseskannen...... 70 Pf. bis 1.45 Teekannen....... 83, 95 Pfl, 1,50 MilchtSpfe......... 25 bis 00 Pfl Zuckerdosen....... 63, 75, 85 Ps Tasse».............. 30, 32 Pf. Kaffe-s-rvic« sür 2 Personen, 5 teilig.... 2.50, 3.75 sllr« Personen. 0 teilig 2.95, 4.25, 6.75 für 12 Personen lölcil. 5.75, 8.75, 10.75 Kaffe«a«schirr Kaffeekannen... 40, 50 Pf. bis 1.20 Teekannen........... 95 Pf. 1.50 Milchtöpfe....... 18, 28 bis 85 Pf. Zuckerdofen.............. 80 Pf. Tasse»................. 25 Pf. Kompottschalen..... 9, 12 bis 63 Pf. Kompotteller............. 8 Pf. Butterdose».............. 48 Pf. Küseglocken.............. 75 Pf Juckerfchalen.......... 15, 25 Pf. Truchtschale»............. 1,15 Likörgläfer sortiert........ 16 Pf. Trinkgarnitur Ella, geschl. Bowlengla».............. 70 Pf. RotwetnKelch............. 60 Pf. Rheinweinkelch........... 60 Pf. Portweinkelch............ 55 Pf. LikSrkelch............... 45 Pf. Bierbecher....... 55 Pf. Weingläser sortiert........ 28 Pf Gchleifglas Kompottieren Oliven... V5 Pf. 1.35 Kompottellev......... 55 Pf. Weinflaschen............. 3.25 Rumflaschen............. 2.50 Rotweinkelch graviert........ 40 Pf. Bierbecher Tonnenform....... 12 Pf. Swrzflafchen.......... 88 Pf Spelfeteller.............. 25 Pf. Abendbrotteller........... 22 Pf. Kompotteller............. 18 Pf. Terrinen................ 3.50 Kartoffelschiisse!».......... 2.93 TunkenfchLsseln........... 1.25 Salatschüsseln......... 95 Pf., 1.40 Bratenplatten..... 1.15, 2.50, 2.95 AUSSTELLUNG: Säugling isefltexanierplab Wasch zarm'iuren Türth. Max. Ems. Elbe. . 2.75 . 3.75 . 4.75 . 6.30 Komet.................. 8.50 . 3.75 . 5.50 fflutteru. in unserem Cause fltexanderplaft veranst. von der Haupt stelle für Mutter- und Säuglingsfürsorge in Oross- Berlin Oisehiftisltllit Chtrlottenbutg, Prlvitslrass* Besonders preiswert: Porzellan Tassen, bunt Obstteller, bunt. ToiletteN'Eimsr creme..... Toiletten»Eimer creme, Gold. Küchengarniiur »Donau" 22-teilig....... .......... 18. 25 Pf« .......... 18, 22 Pf. Abendbrotteller, bunt........ 18 Pf. (gemg�yjatten. flach und tief... 28 Pf. Glas -IQ 25 er 12, 14, 1«, 18 Pf. Liklirglilser, sortiert......... 15 Pf. WeinglSser, sortiert.......... 28 Pf. Sturzflaschen............. 38 Pf. »........................ Tafelservice Ä50 «.teilig für S Personen..... 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Berliner Theater 8 Uhr: Auf FlUgeln des Gesanges. 3 Uhr: Wenn zwei Hochzeit machen. fertaml der Freien MMneii Sonntag, 29. Oktober 1916: RachmtttagsSllhr: Vollsbühne, Theater am Bülowplatz: Der eingebildete Kranle. Deutsches Opernhaus: Hoffrnann» Erzählungein Schillcr-Tdeater, Charlotten bürg: Die gelbe Nachtigall. Schillcr-Thcater Ost: Schtrin und Gertraude. Lelslng-Theater: Die gutgeschntttene Eck«. Kllnstler-Theater: Schwarzer Peter. Abends 8 Uhr: Volksbühne, Theater am Bülowplatz: Montag: Das Winlermärchen. Dienstag, Mittwoch u. Freitag: Nachtachl. Donnerstag: Hamlet. Kose-Theatvr. 3 Uhr: Hedwig, die Banditenbraut. L'/.Nhr: tlssg fsgii olUIg ÜSsZ. TkeateF am Sonntag, 297~Dktober. Deutsches Opernhaus, Charlottenb. 8 Uhr: Mignon. Fricdrlch-Wilhelmstäilf. Theater 3 Uhr: Rlfcoletto. S uhr- Das Dreimätieriliaus. Clcbr. HeiTBfelCl-Theater Heuto 3 Uhr bei kloinen Preisen: Z letzt H.: Dieühre v. Sudermann. 81/, Uhr; Villa l'schrslna. Vorvk. heute v. 11 U. ab ununterbr. Kleines Theater S'U Uhr: Llcbflcl. 8 Uhr: Lottchens Geburtstag. ßentz und Fanny Eisler. Paul und Paula. Komische Oper 4 Uhr: Heimat. 8'/. Uhr- Die schöne Kubanerin. Lustspieihaus s'/« u-: Der selige Balduin S'/j Uhr FcrsIou Schüller. Rcstdena-Theatcr S'/i Uhr: Her Kandarln. 8'/. u..- Der gufsilzende Frack. V olgt-Theatör. Badstr 58. Badstr. SB Ditglich: Die schöllt liiptin. Rafftneröftnung 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. Sonntag 3 Uhr: Das Erde. Ab Montag: Das letzte SSort. /Netropoi-Thester 3 Uhr; Die Kaiserin. s uhr: Die CsardasfQrstln. Neues Operettenhaus Kassontelephon: Norden 281. 3 Uhr: Der Vogrel handler. 8 Uhr: Der Soldat der Harle Schiller-Theater O 3 Uhr; Schlrln und Gertraud«. s uhr: Der Herr Senator. Schiller-Th. Charlottenb. 3 Uhr; Die gelbe Nachtigall. 3 uhr: Die heitere Residenz. Thalia-Theater 3 Uhr; Johannlstfener. 8'/. u.: Blondinchen. Theater am Hollendorfal. 3'/, Uhr: Immer teste droit! 81/. Uhr: Diane Jansens. Theater des Westens s uhr: Die Fahrt ins Glflck mit Guido Thielscher. 3'/. Uhr: Da« Frluleln vom Amt Trlanon-Thrater 4 Uhr: Heimat. 8'/, Uhr: Der Himmel auf Erden, Pössen�Thealer. Täglich S'/.Uhr: Ein unnatürl. Sohn Sagen wir— die Hälfte mit Leonhard Haskel. Sessing-Theater. Direktion: Victor Barnowsky. 8 Uo Die beiden Kllngsherir, Nachm. 3 Uhr; Die gutgeiohn. Ecke. Montag: Dia beiden Klingtbarg. Deutsch. Künstler-Theater. 8 Uhr: Der Salamander. Nachm. 3 Uhr: Schwerzer Retef. URAN IA»nifÄr- Sonntag 8 Uhr: Die Bagdadbahn. Montag 8 Uhr: Lnta Korodi: Siebenbürgen, Land u. Leute. Hörsaal 8 Uhr: Konstruktions- Ing. Dr. A. K essner: Die Gowinnuei und Bedeutung des Stahles. Heute ft Vorstellanfen 31/ Nnohm. jed. Enr. Ö„ !% 1 Kind frei.» U- L e t■ t e r Sonntag d. großen, heiteren Okt-Progr. und der ? leheininisTOlIß Krause? Reiehshallen-Tbeater. Stettiner Sänger. & Friedensglocken. m 8tr».h 5. SdMesingcr Nttue»8nin»tr.2t(Khiiiiami 1 k«lB lade», n. StMk. Bomn**»-»Dhr. (SIH. Miimi [und OfclM.,2 .ehtenfj? für nerv en. jeder Haut-, Hurn«,»�rauenlei ....v. Schwache, Betnkrante jeoer Au.Ehrlich-Hatk'kureu, f'ittlsthil. Sh ax*: Sprch». 12-2,-/�--t.9. Sonntag- 11«2. Honorar mäh., a. Teilzaht> —»opurul«« Oumoniimmsr. Nr. 298. 33. IahrMz. 3. KkilU des.Fmärls" K Zonntllg. 29. Vkisber 19 lL. Ms Groß- Berlin. Eine Stiftung öer Zukunft. Unter den vielen Stiftungen, die einzelne Personen für die verschiedensten Zwecke machen, haben diejenigen ein be- solideres Interesse, die erst nach vielen Jahren in Wirksam keit treten. Der Stifter vermacht eine bestimmte Summe zu einem bestimmten Zweck mit der Maßgabe, daß erst die Zinsen des Kapitals ständig gesammelt werden, bis die Gesamtsumme eine bestimmte Höhe erreicht hat. Dann erst tritt die Stiftung in Kraft in der Weise, daß die Zinsen des Kapitals ihren Zjvecken zugeführt werden. Als eine solche Stiftung ist die Pasch-Grevesche Krieger-Unterstützungsgesellschaft anzusehen. Sie unterstützt 1. hilfsbedürftige Wöchnerinnen und ihre von eincin Kriegsteilnehmer als ehelichem oder unehelichem Vater abstammenden Säuglinge; 2. hilfsbedürftige Kriegsteil nehmerfamilien mit mehr als drei Kindern; 3. Kriegsteil nchmerfamilicn mit mindestens drei Söhnen; 4. hilssbedürf tige Kinder, die von einem Kriegsteilnehmer wls ehelichem oder unehelichem Vater abstammen.— Für die Zukunft ist die Begründung eines Heimathauses für eheliche oder uneheliche Kinder von verstorbenen oder dienstbeschädigtcn Teilnehmern an dem gegenwärtigen Kriege geplant. Begründer der Gesellschaft ist der Inhaber des Geographi- scheu Instituts„Wilhelm Greve" in Berlin, Kommcrzienrat Max Pasch. Das von ihm für die obigen Zwecke zunächst zur Verfügung gestellte Kapital von einer Million Mark bildet nur den Anfang zur Verwirklichung seiner großzügigen Pläne; denn er beabsichtigt, sein Geschäft und sein Vermögen allmählich und nach seinem Tode ganz in-den Dienst der Stiftung zu stellen, um auf diese Weise die Wunden heilen zu helfen, die der Weltkrieg schlägt. Es haben ihm dabei die unsterblichen Stiftungen eines August Francke in Halle a. s. vor Augen gestanden, die nach mehr als 2lMZ Jahren heute noch blühen und gedeihen. Gleichzeitig hat Kommerzienrat Pasch ein bis zum Jahre 2316 unantastbares Kapital von 40000 Mark gestiftet, das nach lOOJahren durch Zinsansammlung auf zwei Millio- neu Mark angewachsen sein wird und am Hundertjahrestage der den gegenwärtigen Weltkrieg abschließende:: Friedensfeier aufgelöst und zur besseren Ausstattung der Stiftungsanstalt verwendet werden soll. Die dritte Stiftung des Korraucrzienrats Pasch ist ein ..Weltkriegsgedächtnisstock auf das Jahr 2116" im Betrage von 20 000 M., die in 2 0 0 I a h r e n auf fünfzig Millionen Mark anwachsen werden und an: Tage der zweihundertsten Wieder- kehr der Friedensfeier aufgelöst werden sollen. Davon sollen vorweg 4 Millionen Mark immer wieder unantastbar angelegt und 100 Jahre lang unter Zins und Zinseszinsen aufgesammelt werden, so daß vom Jahre 2216 ab—• die Fortdauer eines Zinsfußes von 4 vom Hundert vorausgesetzt— alle 100 Jahre 200 Millionen Mark zur Aus- schüttung gelangen. Tie ganze Art der Stiftung erinnert an das Rechen- exempel von dem einen Pfennig, der mit Zins und Zinses-- zins im Laufe der Jahre zu einem ansehnlichen Kapital anwachsen kann; wenn auch im vorliegenden Falle die Stiftuugs- summe von vornherein eine nicht unerhebliche ist. Zur Stadtverordnctcncrsatzwahl im 7. 5?om>nunal- Wahlbezirk. Heute findet im 7. Kommimalwahlbezirk die Stadtverordneten-Ersatzwahl statt. Kandidat ist Genosse Emil Eichhorn. Gewählt wird in der Zeit von lOllhrvoriuittagsbisOUhrabendsin folgenden Wahllokalen: Gemeindeschule, Gneisenaustraße 7. „ Bergm-annstraße 28. Fürbringcrstraße 33. Neosgymnastum, Mittenwaldcr Straße 34/37. Die Markthallen Berlins in der Kricgszeit. Ueber den Betrieb der Markthallen Berlins in, Elaisjahr 1Sl4 kl. April 1014 bis 31. März 191ö) ersährt man erst jetzt Näheres aus dem Verwaliungsberi-bt. Fertiggestellt winde er im Januar ISIS, neun Monale nach Ablauf dcS Etatsjahres, und erst nach Weileren neun Monaten bat jetzt der Magistrat ihn veröffentlicht. Da» Ergebnis des Markthallenbctriebes hat, wie sich denken lätzt, unter den Einwirkungen des Krieges gelitten. Ohnedies waren ja die Markthallen von jeher ein Schmerzenskind der Gcmeindeverwalluug. Für 1914/15 bclicfen sich die Betrieb?« einnahmen auf 3 469 496 M., die Betriebsausgaben auf 3 146 589 M. In diesen Summen ist nicht einbegriffen ein Gruudstückserlös von 1 999 999 M., der zur Anleihetilgung verwendet werden mutzte. ES blieb diesmal aus dem Betrieb ein Ueberschutz von 322 997 M., um 166 997 M. weniger als im vorhergehenden Jahr. Au den Ein- nabmen waren die Standgelderträge mit 2 282 893 M. beteiligt, das sind um 63 652 M. weniger als im Vorjahr. Sämtliche Markthallen hatten eine Minderung der Ein- nahmen aus Standgeldern. Der Bericht sagt dazu:„Die Mindereinnahmen an Standmieten sind lediglich auf den Krieg zurückzuführen, indem eine grotze Anzahl Standinhaber zur Fahne emberusen sind und aus diesem Grunde ihre Geschäfte schließen mutzten.' Das erste Drittel des Berichtsjahres fiel noch in die Friedenszeit, so daß in dem Gesamtergebnis die Wirkungen des Krieges noch nicht voll zur Geltung kommen. Was der Bericht von dem Einfluß der ersten acht Monate deS Krieges auf Nahrungsmittelveriorgung und Rahrungsmittelpreise zu melden weiß, ist jetzt längst veraltet. Durch die weitere Entwicklung find die Zu- stände der ersten Äriegsmounle so vollständig überholt worden, daß die Angaben über jene Zeil nur noch geschichtliche, r Wert haben. Au den durch den Krieg notwendig gewordenen besonderen Einrichtungen zur Nahrungsmittelversorgung beteiligte sich die Markthallcnverwaltung bis März 1915 nur mit �artoffelverkauf und Klippfischverkauf. Bei dem Kartoffel- v« r k a u f der Stadt, der einen ganz außerordentlichen Zulauf von Käufern hatte, wurden von Mitte Januar bis Mitte Mär, 235 494 Zentner umgesetzt. Bon dem Klippfischverkauf mutz der Bericht einen Mißerfolg melden. Er erklärt ihn daraus, daß die Bevölkerung sich an die ihr meist unbekannte und ihr nicht zusagende Kost nicht gewöhnen mochte. Auch sc, es vielfach wohl nicht gelungen, die Fische schmackhaft zu- zubereiten, und andererseits habe auch die Mühe des Ausweiche».? abgeschreckt. Im ganzen wurden von den Klippfischen nur 362�/, Zentner verkauft. Der Umsatz ging immer mehr zurück, bis er zu- letzt fast ganz einschlief. In der ersten Woche(15.— 21. Februar) hatten 29 Verkäufer IllG/z Zentner bezogen, in der letzten Woche (7.— 19. Juni) bezogen 6 übrig gebliebene Verkäufer zusammen nur noch 31/2 Zentner. Der Magistrat mutzte nach völliger Ein- ffellung des Verkaufs die unverkauften Vorräte„anderweitig ver« werten'. Neuregelung der Milchversorgung. Die immer wieder verschobene Neuregelung der Milchvcr- sorgung für Grotz-Berlin wird nun am 1. November in Kraft treten. Sie stützt sich auf die im Sommer und im Herbst dieses Jahres für das ganze Reich ergangenen Bestimmungen über die Speisefette bzw. über die Milchbewirtschaftung. Danach kann Vollmilch nur Kindern bis zum 6. Lebens- jähr, schwangeren Frauen in den letzten drei Monaten und unter gewissen Voraussetzungen auch Kranken gewährt werden. Wenn mehr Milch, als für alle diese zur Versorgung mit Vollmilch zuge- lassenen Personen erforderlich ist, in den Bezirk der Milchvcr- sorgungsstelle Grotz-Berlin gelangt, so wird die in dem Milch- Überschutz enthaltene Fettmenge dem Bezirk bei der Zuteilung von Butter und anderem Fett angerechnet. Für die Bevölkerung würde das, falls man auch den Milchüberschutz als Vollmilch mitver- kaufen und mitverbrauchen lictzc, zu einer Einschränkung der Butterzuteilung führen. Dem soll dadurch vorgebeugt werden, dah man den Milchüberschutz zur Buttergewi unung zurück- behält. Die nach Entsahnung verbleibende Magermilch wird dann für den Verbrauch frei. Die Milchversorgungsstelle wird alle nach Grotz-Berlin kommende Milch sogleich an den Bahnhöfen übernehmen, und zwar durch Vermittelung von Grotz-Meiereicn, die sie als ihre Äcauf- tragtcn einsetzt. Die Grotzmeicreiei: haben nach Anweisung der Vcrsorgungsstelle den Milchhändlern sowie den Gastwirten, An- stalten usw. die ihnen zugebilligten Milchmeng-en abzugeben, den etwa verbleibenden Ueberschutz aber zu verbuttern. Als Entschädi- gung erhalten sie ein Pfennig für jedes Liter. Die Milch- preise für die Verbraucher werden einstweilen so geregelt, daß bei Vollmilch der bisherige Preis von 32 P f e n n i g beibehalten, für Magermilch der Preis auf 26 Pfennig festgesetzt wird. Damit der Vollmilchpreis nicht weiter erhöht zu werden braucht, ist zum Ausgleich der Magcrmilchpreis reichlich hoch bemessen worden. Viel Magermilch wird es allerdings nicht geben, weil der Bezirk Grotz-Berlin aus der ihm zugeführten mätzigen Vollmilch- menge wenig Ueberschutz zur Verbutterung haben dürfte. Die verfügbare Magermilchmenge wird so gering sein, daß vorsichtigst- Zuteilung sich nötig macht. Der anfängliche Plan, von der Mager- milch allen Haushaltungen etivas zukommen zu lasten, ist undurch- führbar. Man mutz sich darauf beschränken, M a g e r m i l ch für Kinder von über sechs bis zu zehn Jahren abzugeben. Zu diesem Zweck sollen nebei: den Vollmilchkartcn besondere Mager- milchkarten eingeführt werden. Die Vollmilch wird bis auf weiteres noch nach den alten Kundenlisten abgegeben. Diese Neuregelung wird den kleinsten Milch Händlern die völlige Ausschaltung aus dem Mtlchhandel bringen. Die Versorgungsstelle glaubt, mit so vielen Kleingeschäften nicht weiter- wirtschaften zu können, zumal da sie ohnedies nur noch ganz wenig Milch erhalten würden. Sie wird den allerklcinstcn Händlern keine Milch mehr liefen: lasten und deren Kunden an größere Gc- schästc überweisen, Es tritt also ein, was der Kleinhandel seit langem gefürchtet hatte. Schutzmaßnahmen gegen Fleischvergiftungen, lieber Schutz- maßregeln gegen Fleischvergiftungen usiv. enthält das Gesetz über die Bekämpfung der'übertragbaren Krankheiten keine besonderen Vorschriften. Trotzdem sind die Schutzmaßnahmen bei diesen Krankheiten glcichlvohl gesetzlich erschöpfend geregelt. Wenn nämlich die Erkrankungen nach diesen Vergiftungen unter dem klinischen Bilde des Unterleibstyphus verlaufen, so gelhpn die Vorschriften für den Unterleibstyphus. Nach einer Verfügung des Ministers des Innern an den Polizeipräsidenten in Berlin, die auch den Negicrungspräsidenten nütgeteilt worden ist, kommt als Erreger dieser Form der Fleisch- Vergiftung nach den bisherigen Erfahrungen ausschließlich der ParatyphusbazilluS in Frage. Nach der Anweisung für die Bekämpfung des Typhus ist aber die typhöse Form der Para- typhuserkrankung wie der Unterleibstyphus zu behandeln. Die entcritische, d. h. rühr- oder choleraähnliche Form der Fleischvergiftung durch den Paratyphusbazillns ist nach den bisherigen Erfahrungen ebensowenig von Mensch zu Mensch übertragbar wie die Vergiftungen, die durch den Gärtnerschen Bazillus und durch Fäulniserreger erzeugt werden. Dasselbe gilt für den Botulismus. Bei diesen Formen der Vergiftungen sind deshalb die Maßnahmen entbehrlich, die sich gegen eine Uebcrtragung der Krankheit von kranken auf gesunde Menschen richten. Es sind dann aber die Maßnahmen zu treffen, die gegen das Vcrdorbenscin eines Nahrungsmittels oder die Er- krankung eines Schlachttieres an einer übertragbaren Krank- heit vorgeschrieben sind._ Die Giimmisauger in den Apotheken. Der Verkauf von Gummi« sangern ist bekanntlich jetzt den Avotljeken vorbehalten. Bei einer amtlichen Besprechung über die Beschaffung der Sauger für Kinder ist die Behauptung aufgestellt worden, datz einzelne Apotheken es ab- lehnten, die Sanger in ihren Apotheken vorrätig zu halten und zu verkaufen. Da der Vertrieb ausichlietzlich den Apotheken übertragen ish so ergibt sich von selbst die Notwendigkeit, datz diese ansnahms- los dafür Sorge tragen, datz in ihren Betrieben Gummisauger jederzeit zu erhalten sind. Die Regierungspräsidenten und der Polizeipräsident in Berlin haben dies jetzt den Apothekenvorständen mitgeteilt. Auch die Apothekerkamniern sind ersucht worden, dahin zu wirken, datz die Apotheken sich ihrer Pflicht nicht entziehen. Um das Submissionswesen. Mit einer Eingabe der Steinsetzer-Zwangsinnung zu Berlin um Aenderung des Vergebungsverfahrens hatte sich die letzte Sitzung der städtischen Tiefbaudeputation zu befassen. Der Vor- stand dieser Innung hat sich schon zu wiederholten Malen um eine solche Aenderung bemüht, aber immer erfolglos. Der Vorstand der Innung macht besondere Vorschläge. Diese gehen dahin: Es wird eine Kommission eingesetzt, die ans einigen Vertretern der Tief- baudeputation, vielleicht einigen Bauräten und ebensovielen Mit- gliedern des Jnnungsvorstandes besteht, die unter Vorsitz eines Baurates Festsetzungen über die für Steinsetzerarbeiten der Stadt Berlin zu zahlenden Preise trifft, sotoohl für die laufenden Unter- haltungsarbeitcn wie für jede andere Arbeit, soweit sie nicht im Rahmen der Unterhaltungsarbeiten liegt. Es wird eine Unter- nehmertiste für die Stcinsetzarbeiten� der Stadt Berlin aufgestellt, diese nach Ausnahme der für die Arbeiten notwendigen Unternehmer geschlossen und von da ab nur bei vorliegendem Bedürfnis ergänzt. Ist das Bedürfnis festgestellt, so ist über die Würdigkeit der vor- notierten Bewerber der Jnnungsvorstand zu hören. Die Unter- Haltungsarbeiten sollen alljährlich in einem noch näher zu verein- barenden Wechsel an die in der Unternehmerliste stehenden Unter- nehmer von der Tiefbaudeputation vergeben werden. Die bei der Vergebung ausfallenden in die Unternehmerliste aufgenommenen Unternehmer sollen möglichst mit Neuarbeiten bedacht werden. Wer für andere Berliner städtische Behörden Unterhaltungsarbeiten ausführt, soll bei der Vergebung der Unterhaltungsarbeiten der Stadt Berlin unberücksichtigt bleiben. Den Firmen, die bisher vor- zugsweise für die Stadt Berlin gearbeitet haben, soll auch bei Vergebung der Arbeiten nach dem neuen Verfahren ein in mü«!>-. licher Vereinbarung noch festzulegender Vorzug eingeräumt werden. Um die zur Honorierung der Kommissionsmitglieder und zur Deckung der Verwaltungsunkosten auf Unternehmcrseite notwen» digen Mittel aufzubringen, sollen die Unternehmer verpflichtet sein, 1 Proz. ihrer Rechnungssumme an die gemeinschaftliche Kasse ihrer Zentralstelle abzuführen. Der Jnnungsvorstand glaubt, durch diese Vorschläge alle die Differenzen zu beseitigen, die durch das bisherige Verfahren cnt- standen sind. Die Tiefbaudcputation hatte zunächst die Vorschläge von den Bauämtern prüfen zu lasten, alle aber gaben ein ablehnendes Gut- achten ab. Und in der letzten Sitzung der Tiefbaudeputation kam auch die Deputation zur Ablehnung. Für die Vergebung der städti- scheu Arbeiten bestehen Gemeindedeschlüffc, die auch eine einzelne Deputation nicht selbstherrlich ändern kann. In geeigneten Einzel- fällen würden Ausnahmen gemacht und Arbeiten freihändig nach Vereinbarung vergeben. Ein für Steinsetzcrarbeiten aufgestelltes Preisverzeichnis habe Anfechtungen nicht erfahren. Eine Unter- nehmerliste bestehe, in der 36 Unternehmer aufgeführt seien. Die Stadt müsse sich vorbehalten, in geeigneten Fällen auch Unter» nehmer heranzuziehen, die nicht in Berlin wohnten. Ucber die Würdigkeit der in die Liste der Unternehmer aufzunehmenden Personen habe die städtische Verwaltung jederzeit die Möglichkeit der Nachprüfung, und in einer Reihe von Fällen sei die Handels- kammcr um Auskunft ersucht worden. Auch die Vertrauensleute der einzelnen Tiefbauämter könnten eine solche Prüfung veran- lassen. Ein Hinweis auf die Asphaltunternehmer sei unangebracht, da hier die Verhältniste anders lägen. Außerdem stelle die Tief- baudeputation auch Arbeiten für andere Verwaltungen her, für die sie Abmachungen nicht treffen könne. Befremdlich sei die Abgabe von 1 Proz. zur tzonorierung der Kommissionsmitglieder. Alles in allem läge kein Anlaß vor, auf die Vorschläge einzugehen, die nur dazu führten, eine Monopolstellung einer kleinen Anzahl von Unternehmern zu verschaffen. In der Debatte wurde aufmerksam gemacht, datz nach den Be« stimmungen der Zuschlag erteilt werden könne an einen der drei Mindestfordcrnden und daß wiederholt der Mindcstfordcrnde aus» geschieden worden sei, wenn man zu der Ucberzeugung gelangte, datz das Angebot mit den gestellten Ansprüchen nicht im Einklang stände. Dadurch sei doch den Wünschen nach Möglichkeit entsprochen. Wohl habe die Stadt ein lebhaftes Interesse daran, daß die Unter- bictung nicht zur Schlcuderkonkurrenz und zum unberechtigten Preisdruck führe und datz gewissenhafte Arbeit geleistet werde, allein durch die oben mitgeteilte Handhabung der Submission könne man dem begegnen._ Die Butter- rnib Kartosselrationen in dieser Woche bleiben die- selben.— Die Belieferung der Eierhändler inil Eiern bat in der lausenden Woche nicht durchweg mit der wünschenswerten Beschleuni« gung erfolgen können. Um Nachteile von der Bevölkerung fernzu« halten, sollen die Abschnitte 4 und 5 der Eierkarte um je eine Woche verlängert lverden. Zur Beseitigung von Zweifeln wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß auf Abschnitt 6 kein Ei verabfolgt weiden kann und datz mir Abschnitt 4 Abschnitt 3 und inil Abschnitt 6 Abschnitt 5 abzutrennen und abzuliefern ist. Kleinhandelspreise für frische Seefische bester Qualität für Montag, den 3 9. Oktober 1916. Sckellfische, klein(bis Pfund) 1,79 M.. mittel(von»/4 bis 1 Pfund) 1,99 M., grotzmittel(von 1 bis lll2 Pfund) 2,95 M., grotze(von l'/z Pfund und mehr) 2,15 M.; Kabeljau, klein(bis tllo Pfund) 1,25 M., mittel(von Iffz bis 4 Pfund) 1,45 M.. grotze (von 4 Pfund und mcbr) 1,65 M., obne Kopf(im Ausschnitt) 2,25 M.; Schollen, kleine(bis zu 1li Pfund) 1,90 M.(Zufuhr knapp.) Bildungsarbeit in der Kriegszeit. Die Ocffentliche Bibliothek und Lesehalle in Berlin, LO, A d a l b e r t st r. 41, hat am 24. Oktober 1916 ihr 17. Gesckiäftsjnhr beendet. Die Wirksamkeit des Instituts stand im Berichtsjahre mehr noch als früher unter dem lähmenden Einfluß des furchtbaren Krieges. Während in Friedenszeilen die Betriebs« ergebniste sich ständig in aufsteigender Linie bewegt hatten, mutzte seil Beginn der Mobilmachung die Frequenz naturgemäß bedeutend sinken. Stärker aber noch als 1914 und 1915 machen sich jetzt die Lücken bemerkbar, die die fortdauernden Einziehungen in die Reihen der Leier gerissen hoben. Bei der Zusammensetzung deS Leserkreises, dem 77 Proz. gewerbliche Arbeiter und Handclsangestellle angehören, ist der Rückgang bedeutender als an anderen Bibliotheken, in denen die Jugend einen großen Teil der Leserichast ausmacht. Da ferner in den verschiedensten Arbeilszweigen olle Kräfte für die Kriegs« arbeit auis äußerste angespannt werden müssen, bleibt den noch tätigen Männern wie den Frauen weniger Zeit und Sammlung zum Lesen übrig. Es ist daher verständlich, daß nicht nur weniger gelesen wird, sondern auch datz die Leier in der kargen Erholung?« zeit lieber zu eincin unterhaltenden als zu einem wissenichaftlichen Buche greisen. Die Benutzung der belehrenden Literatur, die vor dem Kriege 34 Proz. der Gesamtauslcihe und im vergangenen Jahre noch 3t Proz. betrug, sank im Bcrichlsjahre uin weitere 3 Proz. In der A u S l e i h b i b I i 0 t h e k wurden im 17. Betricbsjahre 46 949 Bände nach Haui'e verliehen gegen 59 247 Bände im Vor« jähre. Verloren gingen 8 Bände. Von der Gesamtzahl der Eni» ieibungen entfallen 33 883 Bände auf schöne und 13 957 Bände auf belehrende Literatur. An letzterer Zabl sind die einzelnen Wilsens« zweige in folgender Weise beteiligt: Geschichte und Lebensbeschrei- bungen 2712. Geographie 1279, Naturwissenichaften 2561, Rechts- und Staatswissenschaften, Volkswirtschaft 1269, Gewerbekunde, Technik 2025, Philosophie, Religion, Pädagogik, Sport 1625, Kunst, Musik, Lsreraturgeschichte usw. 1664 Bände. Die verlangten wissen« schaftlichcn Bücher machten im Berichtsjahre 28 Proz. aller Eni« leihungen aus. Jnsgesanit sind im 17. Betriebsjahre 55 419 Bände in und außer dem Hause entliehen worden; in den 17 Betriebs« jähren zusammen 1 173 887 Bände. Die Leseballe� wurde im 17. Betriebsjabre von 32 465 Personen gegen 49 945 Personen im Vorjahre, und zloar 39146 Männern und 2319 Frauen, in den 17 Jahren zusammen von 1 929 244 Personen besucht. Die Zahl der hier aiisliegcnden periodischen Schriften be« trägt, da cme Anzabl ihr Erscheinen während der KricgSzeit ein« gestellt bat, jetzt 536 Zeitungen und Zeilschristen jeder Art und Rich» lung. Die im Lesesaal aufgestellte, 2359 Bände zählende Nachschlage- bibliothek wurde von den Besuchern in umfassender Weise zu Rate gezogen. Die Gesamtzahl der Besucher, die im 17. BctriebSjahre Biblis« thek und Lesehalle benutzten, belief sich auf 79 495 Personen. Seit der Eröffnung vor 17 Jahren haben insgesamt 2 042 378 Personen das Institut aufgesucht. Die Ocffcuiliche Bibliothek und Lesehalle, die jedermann zn unentgclllichcr Benutzung offensteht, ist werktäglich von 5Vz bis 19 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9 bis 1 und 3 bis 6 Uhr geöffnet.__ Arbeiter-BildilngSschulk. Heute Sonntag, abends 8 Uhr, beginnt die vier Abende uinfasseudc literarische Vortragsserie: „Dichter des freien Menschentums". Genosse Heinrich S trö b e l wird zuerst über den englischen Dichter Byron sprechen. Die Vorträge finden im Härsaal der Schule, Linden- straße 3, 4. Hof rechts, 3 Treppen, statt. Eintrittspreis IE Pfennig. Dienstag, den 31. Oktober, findet der ziveite Vortrag im Kursus des Genossen Ernst D ä u m i g:„Einführung in die wissenschaftlichen Grundlagen der modernen Arbeiter- bcwegung" statt._ Verordnung betr. verbotenes Photographieren. Amtlich. Berlin, 28. Oktober.(W. T. B.) § 1. Das Photographieren von Kriegsschiffen und Kriegsschiffneubauten sowie die Veröffentlichung derartiger Photographien während des Krieges ist nur mit Genehnst- gung des Nachrichtenbureaus des Reichsmarincamts zulü s-g. Das Gleiche gilt für bildnerische Darstellungen von Kriegs- schiffen und Kriegsschiffneubauten, insoweit sie der Versertl- gcr nach diesen Gegenständen selbst darstellt. Z 2. Es ist verboten, Luftschiffhallen, Luftschiffe, lvliw- zeuge, Werften, Liegeplätze von Kriegsfahrzeugen, Hafenbe- fcstigungen und sonstige der Landesverteidigung dienende Anlagen zu photographieren sowie Photographien, Postkarten, Pläne und Zeichnungen hiervon zu verkaufen. s 3. Das Photographieren und Zeichnen auf Wasserstraßen, öffentlichen Wegen und Plätzen, Eisenbahnen und Bahnhöfen ist nur mit besonderer Erlaubnis statthaft. Die Erlaubnis wird durch das Garuiionkommando, für Ortschaften ohne Garnisonkommaudo durch das zuständige Bezirkskonimando erteilt. Soweit das Genehmigungsverfahren durch Polizeioer- ordnungen sachgemäß geregelt ist, können die vorbczeichncten militärischen Kommandostellen ihre Befugnis zur Erlaubnis- erteilung den Polize-bebörden übertragen. Z 4. Zuwiderhandlungen gegen die vorstehenden Be- stimungeil werden, sofern nicht nach den bestehenden Gesetzen eine höhere Strafe verwirkt ist, auf Grund des§ öd des Ge- setzes über den Belagerungszustand mit Gefängnis bis zu einein Jahre, beim Vorliegen inilderer Umstände niit Geldstrafe bis zu 1500 M. oder Haft bestraft. Der Oberbefehlshaber. von Kessel. Generaloberst. Ei» Hanbtaschcnraub wurde gestern nachmittag um 7 Uhr im Tiergarten verübt. Ms eine Kontoristin Käte G. auf dem Heim- wcge durch den Tiergarten ging, wurde sie in der Nähe des Rosen- gartenS von einem Mann rückwärts angefallen und ihrer Hand- tasche beraubt. Ehe noch die Ueberfallene um Hilfe rufen konnte, war der Räuber verschwunden. Außer wenigem Gclde enthielt die Tasche ein goldenes Herz mit Kette und ihre Schlüssel. Der Räuber ist etwa 24— 26 Jahre alt, mittelgroß und schlank und trug einen grauen steifen Hut, einen dunklen Anzug und einen Spazierstock. Auf seine Ergreifung ist die übliche Beloynung von 166 M. anZ- gesetzt. Meldungen werden im Zimmer Ivb des Polizei-Präsidiums entgegengenommen. Der Zentralvcrband der Papier- und Schrribwarenhändler Deutschlands E. B., Sitz Berlin, hatte am Freitag, den 27. Oktober, eine Protestversammlung aller Papier- und Schreibwarenhändler Groß-Bcrlins nach der Neuen Philharmonie Berlin. Köpenicker Straße W/g8, einberufen, um gegen die Abwälzung der Umsatz- steuer von feiten einiger Lieferanten ans die Händler energischen Einspruch zu erheben. Die Händler beschlossen, ihren Bedarf nur bei Firmen decken zu können, welche diese Steuer selbst tragen. Der Zentral-Krankcnpflcgc-NachwciS für Berlin und Umgebung (Fernsprecher: Amt Lützow 284S; Courbiereür. IS) macht bei Ein- tritt der kälteren Jahreszeit, welche erfahrungsgemäß eine ver- mehrte Zahl von Erkrankungen mit sich bringt, darauf aufmerksam, daß er durch dankenswerte ministerielle und städtische Beihilfe in die Lage vorsetzt ist, unbemittelten K r i e g e r f a m i l i e n und überhaupt solchen Personen, welche sich wirtschaftlich in eingeengter Lage besinden, Krankenpflcgepcrsonal zu ermäßigten Sätzen oder auch k o st e n l o s zur Verfügung zu stellen. In letzterem Falle ist die Beibringung eines Rezeptforlnulars, auf welchem die Notwendigkeit ärztlich bescheinigt wird, erforderlich. Die Entsen- dung der Krankenschwester erfolgt für Kranke, welche einige Tage hindurch in ihrer Behausung gepflegt werden sollen, zunächst bis für eine Zeit von sieben Tagen, worauf erforderlichenfalls erneute Nachsuchung erfolgen muß. In sehr dringenden Fällen er- folgt die Entsendung auch ohne Formularbeibringung. Schließlich wird noch darauf hingewiesen, daß der Zentral-Krankenpflege-Nach- weis für chronisch kranke Personen zu ermäßigter Monats- anstellung jederzeit reichlich geeignetes Pflegepersonal zur Per- fügung�hält, wobei die Monatsvergütung durchschnittlich M M. bei freier Station beträgt. Kleine Nachrichten. Bei der Arbeit vcnn Tode überrascht wurde gestern nachmittag der 49 Jahre alte Bauarbeiter Franz Klapper aus der Friedenstr. 45, der am Westhafen beschäftigt war. Er klagte plötzlich über innere Schmerzen und der Polier ließ ihn nach dem Pircholo-Krankenhause bringen. Dort starb er gleich nach der Auf- nähme.— Tot wiedergefunden wurde das 21 Jahre alte Dienst- mädchen Else Neumann aus der Frankfurter Allee 113, das seit einigen Tagen vermißt wurde. Das Mädchen, das schwer nerven- krank war, hatte angegeben, daß es die Eltern in Dresden besuchen wolle, war aber dort nicht angekommen. Gestern wurde«S an der Oberbaumbrücke als Leiche aus der Spree gelandet. Statt nach der Heimat tvar sie ins Wasser gegangen.— Die Schwindeleien mit Brotkarten haben in letzter Zeit großen Umfang angenmnmen. Es sind ungefähr 50 Personen in Haft genommen worden.— Acht jugendliche Laubendiebe sind festgenommen worden.— Große Mengen von Schnelldrahtstahl sind in Neukölln gestohlen worden. Hehler und Stehler wurden dein Untersuchungsrichter vorgeftihrt. — Vor dem Hause Potsdamer Str. 22 wurde vorgestern nachmittag gegen 6 Ubr der 6öjährige Rentier Hermann Härtel von einem herannahenden Straßenbahmvegen der Linie? umgestoßen. Er erlitt bei dem Sturz auf das Straß�npflastcr einen Schädelbruch. Der Verunglückte erhielt auf der iiäa,sten Unfallstation einen Notverband und wurde von dort_ nach dem. Urban-Krankenhause ge- bracht.— Auf dem Bahnhof Adlershof sprang eine Frau, die schon einige Zeit sich auf dem Bahnsteige aufgehalten und durch ihr aufgeregtes Wesen die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, in dem Augenblick auf das Gleis, als ein Stadtbahnzug herannahte. Der Führer des in langsamer Fahrt befindlichen Zuges bremste zwar mit aller Kraft, der Zug konnte jedoch nicht mehr rechtzeitig zui» Stehen gebracht werden. Die Lebensmüde wurde von der Maschine erfaßt und erlitt schwere Verletzungen ain Kopf und an den Armen. Die Schwerverletzte, in der eine Frau Ida Haßmann aus der Lohmühlenstraße festgestellt wurde, fand im Köpenicker Krankenhause Aufnahme. Mus den Gemeinden. Britz. Heute finden die Gemeindewahlen für die 3. Abteilung in Britz von 12 bis 2 Uhr nachmittags in der Turnhalle der Ge- meindeschule, Werderstr. 24, statt. Unsere Kandidaten sind: Verstärlungswahl: Otto Witte, Kassenangestellter, RungiuS- straße 35a: Ersatzwahl: Wilhelm Butenschön, Kassenangestellter, Rungiusstr. 37b. Keiner darf die Wahl versäumen. Im städtische« Arbeitsnachweis Neukölln hat fich in den letzten Monaten eine vornehmliche Steigerung der Zahl der weiblichen Stellcnbewerber bemerkbar gemacht, während in der männlichen Abteilung nach der amtlichen Aufstellung ein ständiger Rückgang unter den Bewerbern zu verzeichnen ist. Unter den im letzten Vierteljahr Juli— September gezählten 4194 weiblichen Stellenangeboten, denen 4084 Arbeitsuchende gegenüber standen, waren vor allem Näherinnen und Fabrik- arbeiterinnen begehrt.' Die Vermittelungstätigkeit in der Ab- teilung für Männliche sollte sich bei insgesamt 1767 offenen Stellen vorwiegend auf„ungelernte Arbeiter" erstrecken, jedoch konnte diesem Bedürfnis mangels genügender Stellcnnachfrage nicht in dem gewünschten Maße entsprochen werden. Hier be- trug die Zahl der Arbeitsuchenden zusammen 1111. Für„ge- lernte Arbeiter" war sowohl Angebot als auch Nachfrage äußerst gering, dagegen bestand solche in stärkcrem Maße nach Erd- und Bauarbeitern. Seit 1. Januar d. I. zählte der Monat August die meisten weiblichen Stellenbewcrber, nämlich 1786, in der männlichen Abteilung der Monat Januar, der die Höchst- ziffcr mit nur 523 aufzuweisen hatte. Enten und Teichsische. Der Gemeinde Britz ist ti gelungen, eine größere Anzahl Enten aus den benachbarten Gebieten zu beschaffen. Die Abgabe erfolgt ab Sonnabend in geschlachtetem Zustande in der Verkaufsstelle der Gemeinde, Ecke Hannemann« und RungiuSstraße. Ferner bat sich die Gemeinde der Teichfischversorgung Groß-Berlin angeschlossen. Der Verkauf der regelmäßig zu liefernden Karpfen und Schleie ist dem Kaufmann BrosiuS, Chausseestraße, übertragen Soziales. Bedingt« Kündigung ist unzulässig. Es ist tn der Rechtsprechung schon mehrfach ausgesprochen worden, daß die Kündigungserklärung eines Dienst» Vertrags klar und unzweideutig sein muß. Eine Kün- digung kann nicht an eine Bedingung geknüpft werden, denn der gekündigte Teil mutz wissen, woran er ist. Deshalb ist eine bedingte Kündigung rechtlich wirkungslos; sie bringt einen Dienstvertrag nicht zur Auflösung. Das hat das Reichsgericht ain Freitag in dem folgenden Stroitfall anerkannt: Ein Kauftnann H. lvar seit dem 1. Juli 1908 bei einer Firma gegen 9000 M. Jahrcsgehalt und Tantieme als Reisender in Siel» lung; eine Kündigung des Anstellungsvertrages sollte von 6 zu 6 Monaten zulässig sein. Die Firma rechnete im Jahre 1912 mit einer Auflösung ihrer Konfektionsabteilung. Sie kündigte deshalb den Reisenden durch Schreiben vom 31. Dezember 1912 zum 1. Juli 1913, bemerkte aber darin:„Sollte indessen unsere Konfektions- abteilung weitergeführt werden, so bleiben Sie nach wie vor in uifferem Hause tärig, da wir absolut nichts gegen Sie oder Ihre Tätigkeit einzuwenden haben." Die Konfektionsabteilung wurde dann weitergeführt und H. blieb im Dienst der Firma. Die letztere hat dann dem H. am 15. Mai 1915 zum 1. Juli 1915 gekündigt. c&ie hält sich hierzu für berechtigt, weil durch die Kündigung vom 31. Dezember 1912 das alte Vertragsverhältnis aufaelöst und durch das Weiterverbleiben des H. im Dienste nach dem f. Juli 1913 ein neuer Dienstvertrag auf unbestimmte Zeit geschlossen sei, für welchen die gesetzliche Kündigungsfrist von 6 Wochen zu gelten habe. H. dagegen meint, die Kündigung vom 31. Dezember 1912 sei un- wirksam, weil an eine Bedingung geknüpft gewesen; der alte Ver- trag mit der früher vereinbarten sechsmonatigen Kündigungsfrist habe deshalb fortbestanden; danach habe die Firma erst am 30. Juni zum 31. Dezember 1915 kündigen können. Für diese Zeit verlangt er mit der vorliegenden Klage von der Firma Zahlung seines Gehalts von 4500 M. Die Kündigung wurde in allen Instanzen für rechtZunverbind- lich erachtet und demgemäß die Firma verurteilt. Arbeits- und Liebesverhältnis. Vor vier Jahren trat Fräulein I. als Expedientin in die Dampfwäscherei des Herrn M. ein. Aus dem Arbeitsver- hältnis entwickelten sich mit der Zeit so intime Beziehungen zwischen dem Chef und der Angestellten, daß Fräulein I. die Kasse des Geschäfts führte, aus derselben ihren Unterhalt'be- stritt und weder Zahlung von Darlohn erhielt noch eine Ver- rechnung ihres Lohnes verlangte. Schließlich ging aber das vertraute Verhältnis in die Brüche und das Ende vom Liebe war, daß sich Fräulein I. und Herr M. wieder als Chef und Angestellte vor den Schranken des Gewerbegerichts gegen- überstanden. Die Klägerin hat seit Mitte Februar 1915 bis zum Abgang aus dem Geschäft des Beklagten am 19. September 1916 keinen Lohn mehr erhalten. Der beim Antritt des Arbeitsverhältnisses vereinbarte Wochenlohn beträgt 25 M. Mit Rücksicht darauf, daß die Beklagte ihren Unterhalt in dem erwähnten Zeitraum aus der Geschäftskasse bestritten hat, fordert sie für 82 Wochen 1026 M. Lohn, also die Hälfte des ihr zustehenden Barlohnes. Infolge einer am 15. September geschlossenen außergerichtlichen Verein- barung hat der Beklagte bereits 500 M. bezahlt und sich verpflichtet, den Rest von 525 M. zu zahlen, wenn er die Kasse geprüft und für richtig befunden hat. Da aber bisher weder Zahlung noch Kassen- Prüfung erfolgt war, forderte die Klägerin vor dem Gewerbegericht die Zahlung des Restbetrages.— Der Beklagte wollte trotz der Ver- einbarung überhaupt nichts mehr zahlen. Erstens meinte er, er habe ja erst nach der Kasfenprüfung zu zahlen und mit der Prüfung sei er noch nicht fertig. Zweitens schützte der Beklagte sein früheres Verhältnis zu der Klägerin vor und meinte, daS fei feit Mitte Februar kein Arbeftsverhältnis mehr gewesen. Er habe mit der Klägerin zusammen gelebt und gewirtschaftet. Da sie ihren Unter. halt aus der Kasse bestritten habe und die Lebensmittel jetzt sehr teuer seien, so werde sie den vereinbarten Lohn auf diese Weise er- halten haben.— Mit diesen Einwendungen kam der Beklagte aller- dings nicht durch. Er wurde verurteilt, der Klägerin 525 M. zu zahlen. Gerichtszeitung. Der anzeigcr' für die Verlängerung der LerjährnngSfristen. Bundesrat hat durch eine im gestrigen„Reichs- veröffentlichte Verordnung die Verjährungsfristen in§§ 186, 197 bezeichneten Ansprüche, die im Jahre 1914 noch nicht verjährt waren, bis zum Schlüsse deS Jahres 1917 verlängert. Demnach verjähren insbesondere die im Jahre 1912 oder später entstandenen. Forderungen für Lieferung von Waren, ebenso die der Gastwirte für Wohnung und Beköstigung, die Forderungen der gewerblichen Arbeiter, der Tagelöhner und Handarbeiter auf Lohn, die Forderungen der Aerzte und Rechtsanwälte und die Fordernngen der Zeugen und Sachverständigen. Die Ansprüche auf Rückstände von Zinsen, die MietzinSansPrüche, die Ansprüche auf Rück- stände von Renten, AuSzugSleistungcn, Besoldungen, Warte- geldcrn. Ruhegehältern, Unterhaltsbeiträgen und alle anderen regelmäßig wiederkehrenden Leistungen, die im Jahre 1910 oder später entstanden sind, verjähren nach der Bundesrats- Verordnung gleichfalls nicht vor Schluß des Jahres 1917. Brot ohne Marke». Vergehen gegen die Brotkartenverordnung, msbesondei das Abgeben und Kaufen von Brot ohne die vorgeschriebenen Brotmarken, werden von manchen Leuten noch zu leicht genommen, indem sie ganz außer acht lassen, daß auch die kleinste derartige Schiebung bestraft werden kann. In einem etwak schwerer liegenden Fall, der gestern vor der 1. Strafkamme: des Landgerichts III gegen die Frau Hedwig Schmid ausCharlottenburg verhandelt wurde, wurde auf G> fängnis erkannt. Die Angeklagte hatte einen Bäckerlehrling dazu angestiftet, id Brot ohne Marken zu besorgen. Ihrer Bitte willfahrte auch de Lehrling, und zwar auf eine für ihn höchst einfache Weise, inben er aus den gefüllten Brotkörben, wenn sie auf dem Flur seine Bäckerei standen, immer eins oder zwei entwendete. Dieses Ge schäft lohnte sich für ihn sehr, denn die Angeklagte zahlte ihn immer statt des damaligen Preises von 78 Pf. für jedes Brot ein Mark. So hatte sie in kurzer Zeit etwa 50— 60 Brote extra er halten, die alle ihr hungriger Pflegesohn verzehrt baben sollte. Nacl der Entdeckung dieser Geschäftsverbindung verurteilte da? Schöffengericht die Angeklagte wegen Vergehens gegen die Brotkartenverordnung zu zwei Wochen Gefängnis Jbre dagegen eingelegte Berufung wurde verworfen. parteiveranftaltunyen« Die Generalversammlung des TerbandrS der Walildereink Berlins und Umgegend findet heute Sonntag, 9 Uhr vor mittags, in den Germaniasälen in der Chausseestraße statt Charlottenburg. Mitgliederversammlung: Montag den 30. Oktober, abends SVH Uhr, im Volkshaus, kl. Saal. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen Dr. Landsberg über:„Welt- krieg und Sozialdemokratie". Gäste willkommen. Die Mitglieder werden gebeten, für einen guten Besuch der Versammlung Sorge zu tragen. Der Vorstand. I. A.: Joh. Schneider. Neukölln. Montag, den 30. Oktober 1916, abends Uhr, im„Deutschen Wirtshaus", Berliner Str. 136/137(Keiner Saal), Vortrag der Genossin Luise Kähler über:„Mutter- und Säug- lingsschutz".— Genossinnen! Noch nie hat die FrauenerwerbSarbeii einen solchen Umfang angenommen wie gegenwärtig. In dieser Zeit ist das Thema, das die Referentin erörtert, besonders aktuell. Macht für einen guten Besuch der Veranstaltung rege Propaganda. Der Vorstand des Soz. Ortsvereins. I. A.: Aug. Neumann. Zcntralwahlvcrein Teltow-Beeskow-Charlottenburg(Ortsvrrein Schöncberg). Dienstag, den 31. Oktober 1916. abends 6M.> Uhr, in den Neuen Rathaussälen(Tunnel), Martin-Luther-Str. 68: Mit- gliederversammlung. Tagesordnung: 1. Das Ergebnis der Reichs- konferenz. Referent: Dt. Groger. 2. Diskussion. 2. Verschiedenes Zahlreichen Besuch erwartet der Vorstand. I. A.: Wilh. Fritzscbe R. Küter, M. Lazar. Jugenüveranftaltungen. Arbeitcr-Jugend Süden. Heute Sonntag, abends 8 Uhr. findet im Sitzungszimmer der Arbeiier-BildungSschule, Lindenstr. 3, 4. Hos, rechts 3 Treppen, ein csedenlabend für unlere im Felde gefallenen Kollegen statt Vollzähliges Erscheinen aller ist darum erwünscht. sycttcrnnSsltpfen für da? mittlere tzJortdeutfifiinnd die Montag mittag. Ziemlich mild und zeitweise heiter, jedoch überwiegend bewölkt mit leichten Regensällen. Ein Opfer des Völkerringens wurde am 10. Oktober unser lieber Eobn, Bruder. Schwager, Enkel, Neffe und Onkel Georg Moeser Lns.-Negt. 87, 2. Komp., im blühenden Aller von 26 Jahren. vi» tieftrauernden Eltern und Geschwister H. Moeser und Frau, Artur,] Brüder, Max, i z. Z. im Felde. Willi,' z. Z. in Garnison, Martha lange, Schwester, Richard lange, Schwager, z. Z. im Felde, Margarete Meeser, Schwägerin, nebst Kindern Edith und Vera, Frau Neumann, Grcßmuitter. Das alles nun ist ihm geblieben, Vom Jugend lenze, vom Leben und Lieben. Schlaf wohl, unser goldener Junge! Geine trostlosen Eltern. ffiav* jeder so wie er. gäb'S weder Krieg noch Not, Als Sohn des Volkes starb er, getreu bis in den Tod. Dir der Friede, uns der Schmerz. Hab' Dank für Deine Liebe, Du gutes, treues Herz. Du bleibst uns unvergeßlich, In unseren Herzen lebst Du fori Merjupii Reittlckendoff-öst Als Opfer des Weltkrieges fielen unsere lleben Jngendgenoffen �lkl-eä �ekmsnn Kart Bartel Willi Domke. Ehre ihrem Andenren! todemrela„Vorwärts". Unseren Mitgliedern die irauige Mitteilung, daß unsere Sports- genossen Fritz Langner und Oskar Wahner gesallen sind. 14076 Ehre ihre« Andenken! Als Opser des Welt- krlegeS siel am 22. Sev- tember im Aller von lg Jahren unser lieber Bruder, Musketier A felix Walkowiak Jns.-Negiment Nr. 20. Dies zeigen an die tiesbeirübten Brllder, Schwester Cicslik, geb. Walkowwi und Schwager, Nichte, kante Ww. Riesch u. Verwandte. Sein Wunsch war stets ein Wieder- seh'n,— zu jung und kurz sein Leben,— kürzer sein Leiden,— am schwersten sein Scheiden. Meltor- Matirer- Bund „Solidarität". Mitgliedschaft Neukölln. Als siebentes Opser dieses Welt- krieges siel am 13. September unser treues Mitglied Heinrich Gerhardt. Ehre seinem Andenke«! l415b Die Ortsverwallung. illgemeine Orts-Rrankenkassr der Stadt Berlin. Am 27. Oktober verstarb im 25. Lebensjahre nach schwerem Leiden unser lieber Kollege JU-frod Türk. «ötr werden sei» Andenke» in Ehren halten! Die Beerdigung findet am Dicnslag, den 3l. Oktober, nach- mittaas 4 Uhr. von der Wohnung Christburgcr Str. 20 aus nach dem Gcorgen-Kirchhos, Lands- berger-Allee, statt. 27m8 Um Zahlreiche veieiligung der Kolleginnen und Kollegen ersucht Der Anficstellten-AuSschusi. 1 Verband der Bureauangestellten Dentsetilands. Ortsgrnppc GroU-Berlln Am 27. Oktober verstarb nach schwerem Leiden unser Mitglied, Krankenkaffenangestelltcr Alfred Türk (Allg. Orislranlenlasse Berlin) im 25. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Dienstag, den 31. Oktober, nach- mtliagS 4 Uhr. von der Wohnung Ehristdurger Str. 20 aus nach dem Georgen-Kirchhos, Lands» berger-Allee statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 40/8_ Die Ortsverwaltung. i'jü'jrcn '.ogniß Sozialdemokratischer Wahlverein 1. 1 BJerLReiclistagswahlkreis. S. Abt Bez. 551. Nachruf. Am Dirnstag, den 24. Oktober, Verstarb unser Genosse, der Buchbinder Alois Schroller Wichertstraxe 158. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung hat am Sonn. abend, den 28 d. M., bereits statt- gesunden. 229/5_ Der Vorstand. Oeiitselier Eolzariieiterverlianl Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht dag unser Kollege, der Tischler fttasn! Reiuelt Petersburger Str. 5 tm Alter von 57 Jahren ge- itorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 30. Oktober, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des ZenttalsriedboseS in Friedrichs- selbe aus slati. Um rege Beteiligung ersucht 32/10 Die Orlsverwaltun kranken- und Benräbniskasse IderSeiiensiederuJbruisgenoss. Den Mitgliedern zur Kenntnis, | dafi unser Mitglied Karl D�osihn 1 auch ein Opscr deS Weltkrieges | geworden ist. Ehre seinem Andenken I Ferner haben wir den Tod I unseres Mitgliedes JosvpliDtaHiirall | zu melden. Um ehrendes Gedenken bittet >5 ldvi- Vorttland. Verband der Tapezierer. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag soigende Mitglieder alS Opjer des Weltkrieges gesellen find: August Eichmann 32 Jahre alt, am 12. Sept. 1916, Ernst lesckner 30 Jahre alt, am 7. Oktober 1916. Ernst Eedmann 25 Jahre alt, am 3. Oktober 1916. Peter Eentiinger 31 Jahre alt, am 11. Oktober 1316. Albert Eaclewig 39 Jahre alt, im Lazarett verstorben am 5. Ottober 1916. Ehre ihre», Andenken! 178/10 Die Ortbverwaltuna. Sängerchor„Vorwärts"-Südost. (M. d. St-®.-®.) Als Ovser de» Weltkriege» fiel am 18. Oktober 1916 unser alter Sangesbrudcr k�elix Judis. Ehre seinem Andenke«! 59/16 Der Vorstand. Stumm schlBft der SUnger. Als Opscr des Weltkrieges fiel am 17. Oltobeu d. I. nach silus. zchnmonattger Tätigkeit aus den verschiedenen Kriegsschauplätzen und unmittelbar nach einmaligem, kurzem Auscnthalt in der Heimat im blühenden Alter von 21 Jahren unser lieber Sohn und Bruder Franz Strecker Res.-Jns.-Regt. 204. Für die trauernden Hinter- bli-benen iDtto Strecker. Nun ist D-In Mund so kühl und stumm; Du starbst als Held— Weiht D», warum? 1420b Fern von seinen Lieben starb am 18. 8. 1916 mein über alle» geliebter Gatte, Vater seiner lieben Kinder, unser guter Sohn. Bruder, Schwager, Onlel und Nesse, der Ersatzreservisl Karl BucBc Jnjantericregiment Nr. 185, 1. Komp. im 30. Jahre den Heldentod. Dies zeigt tiesbetrübt an lklorko Uucte geb. Ferkel nebst Kindern und allen Angehörigen. Kalt ist der Krieg und ohn' Er- barmen. Er reiht da» Liebste uns au» dem Arm. 136A Mit der Sehnsucht im Herzen nach seinen Lieben, Mtt der Sehnsucht im Herzen ist er geblieben. Lieber Papa schlas in Ruh, Uns're Liebe deckt Dich zu. Dein ElSchen und Heinelt �-rliu��S�esterst��� Fern von der Heimat, im Felde von einem Granatsplitter ge- trofsen, starb an seiner Vcrwun- dung unser einziger, geliebter Sohn 14i)3b Otto Lauer im 26. Lebensjahre. Die tiesbetrübten Eltern Karl kauer und Ztzrau. SchZneberg, Kulmbachcr Str. 1/2. Als Ovser des Weltkrieges fiel nach 20 Monaten am 21. Oktober mein lieber guter Mann, Vater meines zweijährigen Söhnchens, der Gefreite 1405b kalter Sackse im blühenden Alter von 26 Jahren. Im liefen Schmerz Frida Sachse gcb. Glohig, Klein-BSerner. Wär jeder lo wie er, gäbS weder Krieg»och Rot. als Sobn des Vol. tcs starb er, getreu bis in den Tod. H Als Opser dieses surchtbaren Weltkrieges fiel am 11. Oltober 1916 unser langjähriger Freund, der Musketier 1411b FrlixVileQener vom Infanterie-Regiment Nr. 64 im 34. Lebensjahre. Ein bleibende» Andenken be< wahrt ihm Familie W. Aude. Sophie 2Segener als Schwester. AIS Opfer dieses Weltkrieges fiel am 10. Oktober 1916 mein innigstgeliebter Mann, unser lieber Sobn und Bruder, Schwager und Onkel, der Musketier tteiuridl Gänsler Jns.-Regt. Nr. 206, 8. Kompagn im 29. Lebensjahre. 14341 Dies zeigen in ttesstem Schmerz an Frida GBnaler gcb. O u a n d e r. Cdiestlne Gänsler als Mutler. Willi Gänsier als Bruder. Berta Gänsler als Schwägerin. Heinrich Junghans als Schwager. Olga Junghans gcb. G änSler als Schwester. tudurig Garn und Anna Garn als Schwager und Schwägerin. Fritz Tihursky. Therese Tibursky als Sie wagcr und Schwägerin. Charlotte Quandsr, Robert Quander als Schwägerin und Schwager. III/, Altred, Gerhard, Brich, Kurti als Nichte und Neffen. Durch unheilvolles Schicksal»- walten, entrtg un» Dich des Krieges Wut, den Schmerz wir stets im Herz behalten, schlummre sanst. Du warst so gut. AIS Opfer dieses surchtbaren Welltrieges fiel am 4. September 1916 unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Bräutigam, der Schütze beim Kaiser-Franz-Gre- nadier-Regtment 2 Picksrd Lusche im blühenden Alter von 31 Jahren. Die trauernden Eltern P. Lusche und Frau, Eh. Lusche, als Schwester, Herrn. Lusche, zurzeit im Felde, Emmy«oboldt» als verlobte Braut, Familie Koboldt. Mtt der Sehnsucht im Herzen nach seinen Lieben, Mtt der Sehnsucht im Herzen ist er geblieben. Ruhe sanft in fremder Erde, Unsere Liebe deckt Dich zul Mit der Sehnsucht im Herzen nach feinen Lieben, Mit der Sehnsucht im Herzen ist er geblieben. Auch ich mußte diesem Kriege meinen mniggeliebten Mann, unserer beider Kinder berzenS, guten Vater zum Opfer bringen. Unser lieber Bruder, Schwieger- söhn, Schwager, Resse, Onkel und Vetter, der Landsturmmann Franz SctileuBner Rel.-Jns.-Ncgt 19, 4. Komp., erlag am 15. Oktober seiner schweren Verwundung durch GranatspMter tm KriegSlazarett. Er folgte seinem lieben Schwager, dem Garde-Jäger Paul Krüger nach 15 Monaten in den Tod. Bor sieben Monaten wurde un» auch uiiser liebes Väterchen durch den Tod genommen. 1412b Zerrissen ist unser gemütlich Heim, vernichtet mein ganze» Dasein. Was nützt e», wenn man sich müht und quält, die Krone de» Hause«, die fehlt. So schlaf denn wobl, Du Liebster meine» Leben», Rein Kampsgetöse stört mehr Deine Ruh. Es ist mir klar und ohne Frage, Datz Dir allein mein Leben ge- weiht. Es bleiben meine schönsten Tage, Die ich gcweill an Deiner Seit'. Dein unglückliche» Multchcn Gertrud Schleußner geb. Krüger. Deine geliebte» Kinder 11 ss n« e 1 und K a 1 1 und Verwandten. Warschauer Slratze 86. Bezirk Groft-Berlin. Folgende Kollegen find im Felde gefalle«: Kavl Appel, Droschkencha«ffe»r. Otto Bauer,©cfdjäftsbic««. Franz Berner, Speicherarbeiter. Hermann Bierau, Industriearbeiter. Richard Bürth, Straßenbahner. Qeorg Conrad, Industriearbeiter. Theodor Hbel, Industriearbeiter. Alfred Erbe, GeschäftSdieuer. Oswald Fuchs, Packer, Fritz Gau, Drofchkeuchanffeur. Johannes Gesdepski, Kohlenarbeiter. Eduard Härich, Gerüstbauer. Karl Heise, Hochbahnangestellter. Eugen Herrfurth, Geschsft-die»«. Julius Hurzig, Straßenbahner. Franz Jagisch,«rbeitskntfch-r. Otto Kähnemund, Geschäftskntscher. Julius Kirschke, Packer. Paul Kohb, Droschkenchauffe«». Georg Lange, Lagerarbeiter. Oskar Müller, Droschleuchanffenr. Oswald Neumann, Packer. Walter Sachse, WareuhauSdiener. Emil Schultz, Mülllutscher. Paul Wünsch, Droschtenchanffenr. Ehre ihrem Andenke«! 69/1 vi« Bealrksdeltmic. Deutscher Bauarbeiterverband. Awcigverein Berlin. Im Felde sind folgende Kollegen gefallen: 143/4 Ehre ihrem Andenken! l>le Örtliche Verwaltanc. Zum Sterbetage. Dom Weltkriege zum Opier siel am 29. Oktober 1915 durch Bruillchust mein lieber Mann und guter Vater, unser guter Sohn, Bruder, Schwager und Schwiegersohn, der Grenadier Custil? Bellen Jns.-Reg. 376, 8. Komp. Allzufrüh verllebest Du die Deinen, Die in der Heimat gNt'rc Tränen um Dich weinen. Ach hätten wir noch einmal Dich gesehn, O, könnten wlr zu Deinem Grabe gchn. Drum lieber Mann, ruh' in Frieden, Geliebt, beweint von Deinen Lieben. In schmerzlicher Erinnerung Deine trauernde Gattin Frldn Bcltrn nebst Tochter 161»», Mutter und Geschwister. HA Ruhe sanst in Feindesland l AI« Opfer de» Wcitkrieae» erlag am 7. Oltober 1916 im Feld- lazarett infolge der schweren Ler- letzung, die er am 5. Oktober 1916 erhalten hatte, unser lieber Kol- lege, der Stellmacher kslll Koopke. Sein ehrlicher und aufrichtiger Cbaratter wird bei uns in dauerndem Andenken bleiben. Die Stcllmacher-Kollegen | der Firma F. G. Dittmann, Berlin- stüittenau. s45A A-i! 'V Als Opfer de» Welt. kriege» siel am 8. August 1316 mein inniggellebier, herzensguter Mann, unser lieber Bruder, Schwager, Onkel und Schwiegersohn, der Land sturmmann 136A Gustav palilke Rcserve-Jnsanleric-Regiment 52, im blühenden Alter von 28 Jahren. Du hast gehofft auf eine Wiederkehr, doch ist Dein Platz in meinem Heim nun leer. Nein Weinen nnd Fleh'n bringt Dich mir zurück, der einst gewesen ist mein höchstes Glück. Mit Liebe, Treu«, Fleih und Streben war ausgefüllt Dein ganze« Leben. Nimm taufend Dank für Dsine Lieb' und Müh', in meinem Herzen stirbst Du nie. Im tiessten Schmerz Deine trauernde Kattin Martha Pahlk« nebst allen Anverwandten. Aber mal» trifft un» herber Ver< lust. Zwei unserer lieben Sanges- brüder:, kieksrö Kleasberg Franz Moritz sind Opfer diese« Krieges ge- worden. Wer sie gekannt, weltz, wa» wir verloren. t42Ib In ihr ferne« Grab ichmerz- erfüllt unser letzte» Lied: »Stumm schläft der Gänger!" Ende Oktober 1916. Männer- und Fraueuchor Lichtenberg. Fern von seinen Lieben siel am 25. September d. I. durch Verschüttung mein inniggeliebter Mann, der treusorgende Vater seiner Kinder, der Landsturm- mann Paul Spange Anh. Jns.-Reg. Nr. 93, im tziltcr von 37 Jahren. Dies zeigen im tiessten Schmerz an Die trauernde Gattin Hedwig Spange geb. Thieme u. Kinder Lieschen, Hannchen. Die ticftrauernde Mutter, Schwiegereltern und Verwandten. Wenn du auch in serner Erde zur Ruh gebettet bist, in der Heimat ist ein Herze, das deiner nie vergibt. Lieber Vater, schlaf in Ruh, unsrc Liebe deckt dich zul Deine Lieschen u. Hannchen.| Nachruf. Fern von seinen Lieben siel am 22. August 1916 durch Brust- Ich»B mein herzensguter Mann, mein lieber Sohn und Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel, der Grenadier Georx Bernhardt Kren.-Rcgt. Nr. 1, im Alter von 39 Jahren. Im tiefsten Schmerz zeigen die» an. Klara Bernhardt geb. Brack als Frau. Angufte Bernhardt als Mutter. Max Bernhardt als Bruder, zur, eil im Felde Karl Brack nebst Frau, al» Schwiegereltern. Karl Brack als Schwager, zurzeit in der Garnison. Anna TönieS geb. Brack als Schwägerin. Emil Tönics als Schwager, zurzeit im Felde. klärche» Tonics als Nichte. Die Grüber, die nicht Kranz noch Denkmal tragen, Die einsam stehen und oerlassen ganz allein, A Die schließen oft mtt allen ihren Klagen Den liebsten Menschen, den größten Dulder ein. Sein Wunsch war stets ein Wieder- sehen, Nun kann es nimmermehr ge, schchcn. Ruhe iansl! r Als Opfer des Weltkriege» fiel am 10. Oktober 1916 unser lieber Bruder, Onkel, Schwager, Nesse, der Musketier (Jnf.-Regimcnt Nr. 206) im Alter von 36 Jahre«. Dies zeigen ticfbctrübt an hau h8s8lillgKpli.8ebe familis Kölln und Onkel Rudolf si« Berlin. Plauen i. V. und Döbel. Am DienStag abend 7'/, Uhr entschlief sanft nach langem, schwerem Leiden meine geliebte Frau und gute Mutter, unsere geliebte Schwester, Schwägerin und Tante, Frau f20a Wilbelmine Radke geb. Hepplor. Ruhe sanft in Friede«! Um stilles Beileid bitten die trauernden Hinterbliebenen. M. Radke nebst Sohn. Familie Heppter. Familie Bischoff. Familie Block. Familie Kamst. Familie Htldebrand. Die Beerdigung findet am Montag, den 30. Otiobcr, von der Halle de« Friedhofe» der Hiinmelsahrt- FriedenSgemeinde, Niederlchönhausen- Nordend, Blanlensclder Str. 6, aus statt. Allen Verwandten und Bctann- ten die traurige Nachricht, daß am 25. Oktober meine liebe Frau Emma Arndt geb. Hahn nach schweren Leiden verstorben ist. Der trauernde Gatte Bernhard Arndt. TilsttcrStr.69. Die Beerdigung findet am Montag, den 30. Oktober, nach. mittags 4 Uhr, von der Halle de» Zentrai-griedhofeS in Friedrichs- felde au» statt. 1416b 'Jim Donnerstag, den 26. d.Mt»., entschlief sanst nach kurzem, schwerem Leiden mein innigst geliebter, herzensguter Mann, unser lrcusorgender Vater, Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Pobert Bohr im 44. Lebensjahre. Dies zeigen schmerzcrfüllt an 01»»Isttrauernd» Gattin nebst hindern, Mutter u. Brüdern. Die Beerdigung findet am Dienstag, den LI. Oktober, nach« mittag» ä'l. Übt, von der Leichen- Hall« de« Elisabeth- Kirchhoje», Prinzen-Allee, au» statt. L Verband der Sattler nnd PortefEUiller. Ortsverwaltung Berlin. Als Opser des Weltkrieges siel der Kollege Fvläx Krug 28 Jahre alt. Ehre seinem Andenken! 158/16 Die Ortsvcrwaltnug. Als Opser des Weltkrieges fiel unser Genosse Max Herrmann Wir empfinden es uin so stärker, da auch die Nachricht von dem Tode uiisereS erir als vermißt ge- meldeten JugendlcitcrS Emil Hansckke uns schwer traf. 1413b Wir verlieren in ihnen zwei bc- liebte Gründer und Förderer der hiesigen Jugendbewegung. Sie werden un» stets in Erinnerung bleiben.„ Arbeiterjugend Hohen-Neuendort.| Am 12. Oltober 1916 sieh nach 26 Monate langem schweren Ringen mein inniggcliebterMann, unser treusorgender Vater, unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Onlel, der Gesrcitc Karl Fischer Jns.-Reg. 24 im Alter von 35 Jahren. 1-221 Er folgte seinem lieben Schwager Wilhelm Thiede der am 26. März 1916 im Alter von 23 Jahren siel. Wenn Liebe könnte Wunder tun Und Tränen Tote wecken, Dann würde Euch jetzt nicht Die kühle Erde decken. Sie hofften aus ein Wiedersehen, Doch dieses kann nicht mehr geschehen. In tiefstem Schmerz Ida Fischer gcb. Thiede. Gertrud und Edith als Kinder. Karl Fischer u. Frau al» Eltern. Auguste Thiede als Mutter und alle Berwaudtcn. Lichtenberger Str. 4. AI» Opier des Weltkrieges siel am 10. Oktober d. I. mein zweiter lieber Sohn, der Musketier Erich Schön im blühenden Alter von 19 Jahren. Ruhe sanft in fremder Erde! Albert Schön al» Vater, z.Z. i. Felde. Anna Schön al» Mutler. Waller Schön als Bruder, z.Z. i.F. Herbert Schön als Bruder. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, das! mein treuer Freund, der Reservist Vttv Frcvsr Inf.-Reg. Nr. 64 am 11. Oltober gefallen ist. Es reißt der Wind vom Baum ein Blatt, Von vielen tausend eineS, Wer merkt, was er genommen Hat? Nur eines ist doch keines. Ein kleiner, kleiner Zweig allein, An dem da» Blatt gehangen, Wird'S fühlen, todestraurig sein Und um Verlorenes bangen. E» reißt der Tod au» einem Heer Von vielen tausend einen. Wer merkt und mißt den einen? Wer? fS Nur einen, heißt doch keinen. Ein enger, enger Kreis allein Wird um den einen kleiner Und wird zu Tode traurig fein, Denn alles war ihm einer. Ter tronerude Freund «tt« chilvBcl(j. Z. im Felde). AI« Opfer de« Weltkriege» starb tm Lazarett zu Würzburg an einer tückischen Krankheit, die er sich im Felde zugezogen hatte, mein lieber Mann, der gute Vater seiner«inzigen Tochter, der Land- sturmmanu 45A krili Steffen Im 69. Jilfanterle-Neglinent. Die» zeigen tiesbetrübt an Augusts Steffen NeBuBmbann und Tochter Erna. Dir der Fried«, uns der Schmerz, Nun ruhe sanst, Du gute» Herz. Nachruf. Am 11. Oktober siel im Felde unser lieber Kolleg«, der Klempner Fritz Wexener. Wir werden seiner stets in Ebren gedenken. 143a Die Kollegen der Firma Bergmann, Werk Rotenthal, Abt. Aulobau. Sage allen lieben ztollegen und Bekannten für die liebevolle Teil- nähme beim Heimgang meine» lieben unvergeßliche», Mamic» besten Dank. 14226 Witwe Emma Rajsky nebst Solu. Sem«eik» Nierer M Sem srieMmM gclodenen SeNffe»! Dic Gcnosien Bvi'nKsv'iZ Schorsch 1. Wtcilmig, und Oswald Fuchs 7. Abteilung sind beide im Felde gcsullen. 210/3 Sozialdemokr. Wahlverein f. d. 3. Berliner Reichstagswahlkr. An den Folgen dcZ Krieges verstarb im Alter von 22 Jahren der Stcindruikcr Faul BisKusn Pcttenkofcrstrabe 27. Bezirk 367 II. Am 4. Oktober fiel im Alter von 31 Jahren der Schmied Albert Lorenz Samariterstrabe 32, Bezirk 363. Am 6. Oktober fiel im Alter von 31 Jahren der Teppichweber Willi Rieß Warschauer Strage 72, Bezirk 322 I. Am 17. Scvtcmbcr starb in der Gefangenschaft im Alter von 4S Jahren der Drechsler Johann Hoyer Fruchtstrabe 52, Bezirk 313. Am 28. Juli verstarb an seinen Verletzungen der Maurer Oustav Bföuller Coraner S trage 2, Bezirk 191 I. 216/20 Cozialdcwokr. Wahlverein f. d. 4. Berliner Reichstagswahlkr. Am 10. Oktober fiel der 36jäHrige Lederarbeiter Kurt Buslepp Zlamlci stragc 7, 8. Abt., Bez. 591. Am 1. September fiel der 30jährige Lackierer Wilhelm Reichert 9. Abt., Bez. 585a. Am 21. Oktober fiel durch Bauchschuß der 26jäHrige Fahrstuhl« sührer Walter Lachse - Schonenschestrage 13, 5. Abt., Bez. 556. Am 11. Juli siel durch Kopsschng der 25 jährige Former Raul Ellison Waldstrage 34, 14. Abt.. Bez. 699a. Im Kampfe fiel am 5. September der 46jährige Zigarrensabrikant Raul Rutlitz Stargarder Straße 19, 5. Abt., Bez. 534. 229/7 Sozialdemokr. Wahlverein f. d. 6. Berl. Reichstagswahlkr. Am 16. September fiel durch Kopfschuß der Arbeiter Hlax Haube Harzer Straße 95, 8. Bezirk. Am 17. Oktober starb im Lazarett der Hausdiener .Julius Kirschke Teupitzer Straße 10t. 11. Bezirk. Am 16. September fiel durch Granatsplitter der Tifchler Oskar Ludwig Emser Straße 76, 14. Bezirk. 239/11 Sozialdemokratischer Wahlverein RcukSlln. Am 10. Oktober fiel im Alter von 26 Fahren der Genosse Georg Nloeser Frankfurter Allee 213, 5. Viertel, 19. Abt., 81. Gruppe. 14/11 Sozialdemokr. Wahlver. Niederbarnim, Bez. Lichtenberg. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Ortsverwaltung Berlin. Arbeiter-Radrahrer-Bund „Solidarität"(oitsgruppn 01,11»). Im Selbe gefallen sind folgende Bundesgenoffen: Otto Bauer, 1. Abteilung, gefallen am 19. Oktober 1916. .Artur Wittenberg, 4. Abteilung. August Künke, 6. Abteil»««, gefallen am 29. August 1916. Ehre ihrem Andenken! 9/12 Der Vorrtima. Deutscher Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Im Felde gefalle» siud folgeude Mitglieder: Milax Franzke, Tischler. 21 Jahr--iL Ernst MatzkOW) Tischler. 35 Jahre alt. Otto Tchott, Drechsler, 34 Jahre alL Hermann Schutze«�", 29 Jahr- an Willi Wehner, Tischler. 31 Jahre alt Paul Vogt, Tischler. 45 Jahre alt Ehre ihrem Andenkenk 92/11 Die OrtaverweeUiRiKS. Dem Andenken unserer im Ffelde gefallenen und verstorbenen Kollegen gewidmet. Otto Albrecht, Helfer, geb. 25. 6. 89 Berlin. Ernst Autsch, Schmied, geb. 15. 12. 80 Berlin. Georg Bernhardt, Arbeiter, geb. 31. 12. 76 Berlin. Hugo Bonisch, Ziseleur, geb. 21. 12. 85 Berlin. Otto BOSO, Schlosser. geb. 4. 8. 91 Berlin. Karl Dörk, Schlosser, geb. 15. 2. 96 Dortmund. Karl Fischer, Schlosser, geb. 21. 5. 81 Erkner. Paul Golembiewski, Arbeiter, geb. 18. 7. 76 Berlin. Max Grunwald, Dreher, geb. 4. 4. 88 Neulölln. Otto Jakelsky, Eicher, geb. 16. 1. 88 Schwentainen. Alfred Jäger, Gürtler, geb. 10. 1. 96 Berlin. Karl Kierst, Mechaniker. geb. 20. 1. 94 Költschen. Hermann Kissig, Schlosser, geb. 14. 5. 79 Böhlitz. Wilhelm Krüger, Arbeiter, geb. 28. 5. 85 Tauerziz. Erich Lehmann, Werkzeugmacher, geb. 23. 12. 94 Neulölln. Paul Linke, Galvaniseur, geb. 27. 3. 90 Erdmannsdorf. Karl Lorenz, Schlosser, geb. 21. 10. 92 Lichtenberg. Heinrich Mebes, Former, geb. 19. 3. 82 Aderstedt. Alfred Menert, Schlosser, geb. 16. 6. 80 Breslau. Georg Moser, Arbeiter, geb. 16. 7. 96 Berlin. Otto Müller, Schleifer, geb. 3. 5. 87 Berlin. Paul Hobes, Former, geb. 24. 11. 97 Bernburg. Gustav Pahlke, Schlosser, geh. 31. 5. 88 Berlin. Ernst Pega, Schlosser. geb. 12. 4. 96 Tegel OttO Pelz, Schlosser, geb. 22. 1. 97 Langenbielau. Wilhelm Ruffert, Gürtler, geb. 26. 11. 83 Berlin. Richard Scholz, Dreher, geb. 15. 5. 95 Berlin. Erwin Schwefel, Gürtler, geb. 26. 8. 92 Berlin. Eugen Schwefel, Arbeiter, geb. 2. 5. 96 Berlin. Fritz Wegener, mempuer, geb. 9. 12. 81 Eberswalde. Ehre ihrem Andenke«! t2«/i« Die OrtSverwaltuug. Zm AMeii unfern out Dein MMuiM gefoOenen ffieuoflen! Am 19. Ollober verstarb im Alter von 25 Jahren im Feldlazarett unser Genosfe Otto Bauer Kulmbacher Straße 1/2. Bezirk I. 198/3 So?iaI«IeinohratiscIier Wahl verein für Berlin>Schöneberg> Am 17. Oktober 1916 fand unser Kollege Robert Qrahlow durch Granatschuß seinen Tod. Er war uns ein lieber Kollege und wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren! Die Kollegen der Firma C. Lorenz 1406 Abteilung Drahtlose Telegraphie. Verband der Brauerei- und Miihlenarbeiter und verwandter Berufsgenossen, Zahlstelle llcrlin. Als Opfer des Weltkrieges sind folgende Kollegen im Felde gefallen: Raul �Vinter, Stallman«, Brauerei Groß-Berlin. Reinheld Kretschmer, Schlosser, Böhmisches Brauhaus. deseph Loders, Brauer, Brauerei Habel. FritT Gnefkow, Stallmann, Brauerei Schultheiß. Abt. II. OttO Koch, Flaschenkellereiarbeiter, Brauerei Königstadt. Franz Bartsch, Br-»», Schloßbrauerei. Wilhelm Wehnert, Flaschenkellereiarbeiter. Brauerei Schultheiß, Abt. II. Wilhelm Leu?, Flaschenbicrmitfahrer, Brauerei Schultheiß, Abt. IV. Ernst Krüger, Mitfahrer, Brauerei Engelhardt, Abt. Pankow. Leo Skihiki, Hilfsarbeiter, Brauerei Schultheiß, Abt. IV. •Johann Spakowski, Fahrer, Brauerei Engelhardt, Abt. Pankow. •Johann Gahel, Flaschenbierfahrer, Brauerei Patzenhoser, Abt. I. Hermann Lehnert, Antomobilfahrer, Brauerei Patzenhoser, Abt. Spandau. Gustav Gotsch, Flaschenkellereiarbeiter, Brauerei Schultheiß, Abt. I. Gtto Ullsamer, Bctricbsarbciter, Brauerei Schultheiß, Abt. I. Berthold Paelicke, Reservefahrer, Brauerei Schultheiß, Abt. II. Karl Rothnick, Faßbierfahrer, Bockbraucrei, Abt. I. .AJkred Nagel, Brauer, Brauerei Schultheiß, Abt. IL Paul Kiemeng, Flaschenkellereiarbeiter, Schloßbrauerei. Hermann Berger, Brauer, Brauerei Bötzow. GttO Nast, Flaschenbicrsahrer, Brauerei Pjesserberg. Friedrich NoLgold, Brauer, Weißbierbrauerei Tivoli. •Johann Fhrenhoth, FaßbiermitfaHrer, GenosscnschastSbrauerei Fricdrichshagcn, Nieder!. Stralau. Wilhelm Brews, Flaschenkellereiarbeiter, Brauerei Patzenhoser, Abt. I. Ehre ihrem Andenken! 43/5 Die Ortsverwaltiing. Ais Opfer dieses furchtbaren Welttricges siel am 25. Septem- ber 1916 im Stellungskampf durch Kopfichuß mein lieber, guter, unvergeßlicher Galle, der trcusorgende Vater feiner einzigen Tochter, Bruder, Schwager und Onkel, der Landsturmmann Riedanl Zimmermann Jnf.-Reg. 45, 11. Komp., im blühenden Alter von 36 Jahren. Es war so schwer, daS letzte Ab- fchi-dncbmen, Als fort Du zogst in Feindes« land i Doch ach, wie schrecklich war die Stunde, Als plötzlich kam die Trauer- künde: Es hat der Tod Dich früh dahin- genommen. Oft ist es uns, wenn still der Tag verrinnt, Als müßtest Du noch einmal wiederkommen, Dann schluchzt mein Herze wie ein müdes Kind. Dann eilen wir ruhelos durch das Zimmer Und balten Zwiefprach' leif mit Deinem Bild, DaS von der Wand beim blassen Lampenfchimmcr Hernieder sieht auf uns so lieb und mild. ES ist so schwer, wenn sich zwei Augen schließen, Zwei Hände ruh'n, dl« einst so frob geschaßt. Und unsere Tränen still«nd heim- Iich fließen— Nicht vor der Well, daheim in dunkler Nacht. In tiefem Schmerz Die tiefbctrübte Gattin Hcelwlx Zlnimormann. nebst Tochter Else, Heidenseldstr. 11 In treuem Gedenken 10A Max Zimmermann,! Hohenschönhausen, l als WilliZimmcrmann, Bruder. z. Z. Garnison, Margarete\ als und Frida/ Schwestern. Ueutsc'ae!' Transpertarheiter-Verliaiid. Bezirksverwaltung GroC-Berlin. Den Miigiicdcrn zur Nachricht, daß unser Kollege, der Viersahrcr Karl Liczba von der Firma Schultheiß' Brauerei, Abt. II am 25. Oktober im Alter von 53 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Zludenkcu! Die Beerdigung findet am Montag, den 30. d. Mts., nach- mittags 4 Uhr. von der Leichen- balle des Ev. Friedhofes in Steg litz, Bergstr. 38, aus statt. Um rege Beteiligung wird ersucht. �tachrul. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener FranzPannier am 17. Oktober im SUtcr von 67 Jahren verstorben ist. Ehre seincin Andenken k 69/2 Die Bczirksverwallung. Fern von der Heimat siel durch Bauchschuß am 9. Oktober 1916 unser herzensguter Sohn und Bruder, der Gardcsüsilier Otto Nitscbke im Alter von 25'/, Jahren. In tiesstem Schmerz Die Eltern und Geschwister sowie Neffe Kurtchen. Kastanien-Allee 83. 20A Mit der Sehnsucht im Herzen nach seinen Lieben, Mit der Sehnsucht im Herzen ist er geblieben, Ewig beweint von seinen Lieben. Ruhe sanft in fremder Erde! Lerantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für de» Inseratenteil verantw.: Td. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag tLortviirti Buchdruckeret u. VerlagSanstall Bank Singer& Co» Berlin»Ä.