Ar. 300. 83. Jahrg. flbonncmentS'Bedlnganse«: «lonncmcntä. Preli prünumexonba- BiencIjöbtL 3,90 Dil, monofl. ILO Ml, vöchmllich M Big. frei ins Haus. Einzelne Nuvnner S Big, konnlags- »ununer mil illuswerle: SonnlagS- keilage.Die Neue Well' 10 Vsg, Pest- «bennemem: ILO Mari pro Monat. Eingetragen in die Posl-Reitungs« iZreisliile, Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich. Ungar» ?,öO Marl, für daS übrige ilusland « Marl pro Monat. Postabonnemems nehmen an Belgien. Dänemari, Holland, Italien. Luxemburg. Portugal ' tien. Schweden und die Schweiz. «chtllU iZgNch. ( 5 Pfennig) Die Intertlons-Gebüftr betrügt für die scchSgcspaltene Kolonel- «eile oder deren Raum 60 Pfg.. für tolitiiche und gcwcrtfchaftliche Berrins- und Vcrsammlungs» Anzeigen 30 Pfg. „kleine Znreigen", das fctigcdruüie Wort 20 Pfg.(zuläsfig 2 fetigcdrucile Worte), jedes weitere Wort lO Pfg. Stellengesuche und Schlasflellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes «eitere Worts Pfg. Worte über 15 Buch- ftaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis o Uhr nachmittags in der Expedttlon abgegeben werden. Die Exvediiion ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Vevlinev Volksbwtk. Zcntralorgan der foztaldemohrati feben parte» Deutfcblands. Dclegramm-Sldresse: .SozlaldcmoKrat Rcrlio" von rechts und links. Die erregten VerhaniZlungen des Reichstags voin 28. Ok- tober werden wohl recht vielen zu nachdenklichen Betrachtungen Anlaß geben. Man war es die längste Zeit gewohnt, daß das Regie- rungsschiff gegen tückische Böen von rechts zu kämpfen hatte. Aengstlich schauten die beamteten Stellerlente nach dem gefürchteten Wetterwinkel. Am Sonnabend sprang aber der Wind auf einmal um. Er pfiff aus der äußerst"linken Ecke— ehe man sich dessen versah, schlugen die Wellen über Bord, und eine kräftige Sturzflut ergoß sich über den sehr betroffenen Herrn Helfferich. Und das war gut so. Einmol hatte es doch kommen müssen. An Mahnungen, Warnungen hatte es nicht gefehlt. In einzelnen Fällen hatten sie sogar gefruchtet. Aber der Fälle waren zu viel, der Hydra wuchsen für jeden abgeschlage- nen Kopf zwei neue. Alles Erdenkliche war geschehen, um ohne Lärm Abhilfe zu schaffen. Aber der gute Wille der Zivilbehörden scheiterte, soweit er überhaupt vorhanden war, an dem Widerstand der militärischen Stellen. Ick) glaube, überall war der gleiche Wunsch vorhanden: wenn die Re- gierung nur wirklich mit fester Hand eingriffe, um Ordnung zu schaffen, wenn die Regierung nur regieren wollte oder regieren könnte! Unmöglich wäre es, die Verantwortung für die ge- schchenen Abscheulichkeiten auf die allmächtigen Militär- behörden abzuwälzen. Auf solche Versuche müßte man mit dem alten politischen Spotwers antworten: Was gebt ihr der Negieriuig schuld Und klagt sie schmählich an? Unschuldig ist sie ganz und gar, Sie hat ja— nichts getan! Aufgabe der Regierung war es hier, a l l e s zu tun. Sie als Zivilregierung hatte ihren schützenden Schild über der bürgerlichen Freiheit zu halten, und wenn es ihr nicht gelang Abhilfe zu schassen, so hatte sie die Pflicht, an der zuständi- gen Stelle um ihren Abschied anzusuchen. Aber hier liegt eben der große Fehler. Die Zivilregie- rung kann nicht an allen Stellen mit der nötigen Autorität. auftreten, weil sie nichts hat, worauf sie sich von unten her stützen kann. Das ist gerade in der Sonnabendsitzung des Reichstags so klar wie nur möglich in Erscheinung getreten. Herr Helfferich focht allein. Der einzige Bundesgenosse, den er sich im Hause hätte schaffen können, versagte. Der Rechten fällt es eben nicht ein, für die Regierung Bethmann-Helfferich die Schutztruppe abzugeben. Von links angegriffen, von rechts verlassen— das war die Situation des 28. Oktober. Der Reichstag im Aufruhr gegen die Regierung! Das ist die Folge des unsäglich törichten Versuchs, an Stelle eines freiwilligen Burgfriedens, den man nach Möglichkeit gehalten hätte, einen erzwungenen zu setzen. Schon am lt. Oktober sagte ich:„Was wir jetzt erleben, ist der Bankerott des Belagerungszustandes und der Zensur."— Run hat man zu dem Bankerott auch noch den Skandal. Die Regierung kann nicht regieren, denn sie hat keine Parteien, auf die sie sich stützt.— Unter dem herrschenden System kann es ja überhaupt keine Regierungsparteien geben, d h. Parteien, die bereit sind, sich mit der Regierung in die Verantwortung zu teilen. Wie soll denn eine Partei etwas mitverantworten, worauf sie keinen Einfluß hat, und was sie vielleicht nicht einmal kennt?! Und darum gibt es keine Partei, auf die sich die Regie- rung verlassen kann. Man hat ja wohl auch das Märchen erzählt, daß die Sozialdemokratie eine Regierungspartei sei. Wäre sie das jemals gewesen, so hätte sie am 28. Oktober aufgehört es zu sein. Aber sie war es nie! Selbst die Nationalliberalen, die doch den eigentlichen geschichtlichen Beruf dazu haben, sind keine richtige Regie- rungspartei mehr. Denn als Partei der Mitte gehen sie doch nicht den Weg der Regierung, sie greifen im Gegenteil die Regierung von links und rechts zugleich an. Sie kämpfen— zuni großen Teil wenigstens— mit der Rechten für Tor- pedofreiheit und mit der Linken für Bllrgerfrciheit. Für die Regierung ist das aber keine ganz angenehme Mischung. Auf der Rechten wird man sagen:„Bethmarm hat den Reichstag aus der Hand verloren, dort geben jetzt gar schon die Rötesten der Roten den Ton an. Darum her mit dem starken Mann!" l Her mit dem starken Mann sagen auch wir. Nur daß. wir ihn uns etwas anders vorstellen. Stark durch das Ver-' trauen der Volksvertretung, auf das er sich stützen kann, stark! nach allen Seiten, nirgends gezwungen, Komplimente und � Konzessionen zu machen l Stark als Schützer der Schwachen� gegen Willkür der Gewalt! Wenn uns nicht die Energie des Reichstags und die Ein- 1 ficht der leitenden Stellen einen S y st e m w e ch s e l bringen,! wie er den Wünschen des Volkes entspricht, dann wird das,! was wir am Sonnabend im Reichstag erlebt lzaben, nur ein j Vorspiel gewesen sein! Denn das Gefühl ist allgemein: so: wie bisher, geht es nicht weiter! Philipp Scheidemann. An die ileser des„Vonväris"! Zum Monatswechsel richten wir an die Leser des „Vorwärts" die Bitte, treu zu ihrem Blatt zu halten und für die Werbung neuer Leser unermüdlich tätig zu sein. Der„Vorwärts" ist das Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Er vertritt als einziges Blatt in Groß-Berlin die Politik der Partei. Er tritt für einen raschen Frieden durch die Verständigung der Völker ein und kämpft gegen Kriegs- Wucher, für Volksrechte! Ebenso ist er der berufene Vertreter der gewerkschaft- lichen Interessen der Arbeiterklasse und das Organ der Berliner freien Gewettschafien. Sein Kampf gilt der Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse, dem Arbeiterschutz, der Arbeitslosenversicherung. Den Fragen der Kriegsfürforge sowie der Vottsernährung soll mit noch erhöhtem Eifer nachgegangen, allen Frauen- fragen und Frauensorgen ein gebührender Platz im Raum unserer Zeitung gesichert werden. In den harten Kämpfen dieser Zeit muß der„Vorwärts" seine unverwüstliche Kraft beweisen! Werbt für Euer Blatt! Verlag des„Vorwäris". Gegen Zensur und Selagerungs- zustand! Die Sonnabendverhandlung des R e i ch s t a g s über die militärische Schutzhaft hatte bereits den wirkungsvollsten Auftakt zu den Beratungen am Montag geschaffen, die sich erst eigentlich mit dem Belagerungszustand und der Zensur beschäftigen sollten. Vom Hauptausschuß wurde beantragt, dem Ausschuß, der über die militärische Schutzhast zu beraten hat, auch eine Resolution zu überweisen, die vom Reichs- kanzler die unverzügliche Vorlegung des im Artikel 68 der Reichsverfassung in Aussicht gestellten Gesetzes über den Be- lagerungszustaiid verlangt; ebenso soll sie einen Gesetzentwurf niitberaten, der die vollziehende Gewalt in Angelegenheiten der Zensur auf den Reichskanzler übertragen, ihm also auch die Verantwortung über die Zensur während des Belage- rungszustandes zuweisen will. Die beiden sozialdemokratt- scheu Fraktionen begnügen sich nicht mit diesen Vorschlägen, sie wollen sofortige Aufhebung des ganzen Belage- rungszustandes und damit die Sicherung des Vereins- und Versammlungsrechts gegen militärische Willkür, sowie Wiederher st ellung der Freiheit der Presse. Die gegenwättigen Zustände sind so unerträglich, daß ihnen im Hause kein Verteidiger erstand. Selbst die Kon- servativen haben unter dem Belagerungszustand und der Preßknebelung so zu leiden, daß sie mit in den allgemeinen Chorus einstimmten. Sicherlich ist ihnen nicht Wohl dabei, denn an einer wirklichen Freiheit der Presse und des Ver- eins- und Versammlungswesens liegt ihnen nichts. Sie wollen auch nur diejenige Presse absolut frei, die ihren Willen tut. Aber eine solche Forderung läßt sich in der gegenwärti- gen Zeit nicht gut erheben. Sie müssen auch schon den andern etwas zukommen lassen, wenn sie selber in größerer Freiheit als bisher ihre regierungs- und kanzlerfeindliche Politik fort- setzen Wollen. Von den übrigen Parteien wurde mit mehr oder weniger SMrfe und Energie die Beseitigung der Zensur und des Belagerungszustandes verlangt. Der Abgeordnete Gröber legte dabei der Regierung nahe, sie möge den üblen Eindruck, den sie am Sonnabend hervorgerufen habe, wieder zu ver- wischen suchen. Von der sozialdemokratischen Fraktion sprach Genosse G e ck, der Nachfolger des Genossen Frank im Reichs- tage. Er wußte sich mit seiner ersten Rede sogleich Gehör im Hause zu verschaffen, da er als langjähriger Redakteur aus der Praxis sprach und die leider schon so oft wiederholten Klagen über die Preßzensur und den Belagerungszustand in eindringlicher und übersichtlicher Weise vorzutragen wußte. Als Vertteter der Regierung sprach wieder der Stellver- treter des Reichskanzlers, Staatssekretär Dr. Helfferich. Er war diesmal vorsichtiger in seinen Ausführungen als in seinen letzten Reden vor dem Reichstag: es ist ihm doch wohl expedttion: SW. HS, Lindenstraße S. fferniprecher: Amt Movitzplav, Str. IS» g«— IS» S7. allmählich zum Bewußtsein gekommen ober gebracht' worden, daß die überlegene und aggressive Art seines bisherigen Aus- tretens nicht nur ihm schadet— was schließlich zu crttagen wäre!— sondern auch der Regierung und ihrer Politik. Wer in der Sache selber wußte Herr Dr. Helf- ferich luiederum nichts Neues zu sagen. Er berief sich zwar darauf, daß auch England, das alte Musterland für persön- liche Freiheit des Staatsbürgers, unter dem Druck des Krieges zahlreiche seiner Garantien für die Unverletzlichkeit der Staatsbürgerrechte aufgegeben habe. Doch abgesehen davon, daß man nicht gerade rückschrittliche Maßnahmen Englands zum Muster zu nehmen braucht, haben wir es auch mit über- lieferten und unerttäglichen Zuständen in Deutschland zu tun, die nicht dadurch erträglicher werben, daß es anderwärts eben- so schlimm oder noch schlimmer ist. Herr Helfferich sprach die Bereitwilligkeit der Regierung zur Mitarbeit an Refonuen aus. Man gibt nur auf diese schönen Versprechungen nicht viel. Der Staatssekretär erklärte, er könne hier im Reichs- tage keine Taten vollbringen, sondern müsse sich mit Worten begnügen, ein Selbstbekenntnis von nicht gewöhnlichem Reiz; aber vielleicht vermögen dann andere als Helfferich aus Motten Taten zu machen. Dazu ist freilich notwendig, daß der Reichstag es seinerseits nicht mit Worten gut sein läßt, sondern den ihm zur Verfügung stehenden„Drücker", wie Herr Gröber das Budgetbcwilligungsrecht vor einigen Tagen nannte, im richtigen Zeitpunkt richtig anzuwenden weiß. Das deutsche Volk opfert in diesen schweren Zeiten Gut und Blut in Scheffeln. Da macht es einen dürftigen Ein- druck, wenn die Regierung noch unter den Löffeln den kleinsten herauszufinden sucht, mit dem sie dem Volke etwas aus der Fülle überlebter und erbitternder Vorurteile, Vorrechte und Ungerechttgkeiten zum Opfer zu bttngen gedenkt.— Die griechischen Wirren. Zurückziehung der thcssalischen Truppe»? London, SS. Ottober.(W. T. B.j„Observer" berichtet aus Athen vom 27. Oktober, die Regierung habe den sofortigen Abtransport der griechischen Armee aus Thessalien befohlen: nur zwei Regimenter würden dort bleiben. Gestern seien die in Saloniki angekommenen Offiziere und Soldaten der„nationalen Armee" von Veiüzelos unter großem Jubel in Dienst gestellt worden. Sieg des Königs über die Benizelisten? London, 29. Oktober.(W. T. B.) Dom„Daily Tele- graph" wird aus Athen gemeldet, daß die Nichtanerkennung der provisorischen Regierung in Saloniki und die Wieder- aufnähme der diplomatischen Beziehungen zur Athener Re- gierrmg dort als ein Triumph König Konstantins, der Guua- risten und der Palastoligarchie ausgelegt werde und als Dämpfer für die Venizclisten. Das größte Blatt der An- Hänger des Königs schreibe: Venizelos vergaß, daß mit den drei demokratischen Mächten eine absolute Monarchie ver- bändet ist, die alles Interesse daran hat, daß das Prinzip der Heiligkeit der Krone nicht augetastet wird. Solange die demo- kratischen Mächte nicht dazu übergehen, ihre eigenen Throne zu stürzen, werden auch ihre Könige nicht zugeben, daß man den griechischen Thron stürzt. Der Korrespondent fährt fort: Das Fehlschlagen der venizelistischen Bewegung habe zur Folge gehabt, daß sich ihr keine Offiziere mehr anschlössen. Ein großer Teil von Altgricchenland wünsche nicht zu kämpfen und kümmere sich wenig darum,>vas aus Mazedonien werde: es sei für den König, weil er gegen den Krieg sei. Wenn er seine Politik änderte, würden sie sich gegen ihn loeudcn. Die Melöung ües türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 29. Oktober.(W. T. B.) Amtlicher Heeresbericht vom 29. Oktober. An der Kaukasusfront unternahm der Feind auf dem rechten Flügel einen Angriff mit Handgranaten, der unter blutigen Verlusten für ihn abgeschlagen wurde. Auf dem linken Flügel Fcuergcfccht. Kein wichtiges Ereignis auf den anderen Fronten. Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 39. Oktober,(W. T. B.) Bericht des Ge- n c r a l st a b s vom 39. Oktober. Mazedonische Front: Südwestlich vom Prespa See für uns günstige Gefechte zwischen Aufklärungsab- tciluugen und Wachtposten. Beiderseits der Eisenbahn Bi- tolia— Lerin lebhafte Artillerietätigkeit. Ein schwacher An- griff des Feindes südlich von Gradesnica und ein anderer Angriff gegen Kenali wurden zurückgewiesen. Im Cernabogen ernste Kämpfe. Unsere deutschen Verbündeten schlugen tagsüber neue starke Angriffe des Gegners bei Veljeselo durch Gegenangriffe zurück. Der Feind wiederholte mehrere Male erbitterte Angriffe, wurde aber unter schweren Verlusten für ihn zurückgeworfen. Im Moglenicatal und beiderseits des Wardar schwaches Artilleriefeuer. Wir warfen die Serben aus ihren Gräben südlich von Nonte. Eine feindliche Gruppe wurde nördlich von Ljumnitza durch Feuer vernichtet. Am Fuße der Belasica Planina und an der Strumafront schwaches Artillcriefeuer und Gefechte zwischen Erkundigungsabteilun- gen. An der ägäischen Küste Ruhe. Rumänische Front: Es ist nichts Wichtiges zu melden. die feinölichen Heeresberichte. Der französische Tagesbericht. Vom 2g. Oktober nachmittags.audromont und Douaumont sehr lebhaft: keine Jnfanlerietäligkeit. Auf den übrigen Teilen der Front war der Tag ruhig. Belgischer Bericht. Der Tag war an der belgischen Front ruhig. Die englische Meldung. Vom 2g. Oktober nachmittags.(W. T. B.) Bei den gestrigen Kämpfen nordöstlich von Lcsboeufs wurden 140 Gefangene gemacht. Vom 29. Oktober abends. fW. T. B.) Wir rückten heute früh nordöstlich von Lesboenfs weiter vor und nahmen noch einen feindlichen Graben. Der Feind beschoß verschiedene Teile unserer Front südlich von der Ancre hestig. An anderen Stellen außer Feuertäligkeit mit Unterbrechungen und Tätigkeit der Bomben- wert'er nichts zu melden. Gestern machten unsere Flieger trotz un- günstigen Windes viele nützliche Erkundungsflüge; ein? unserer Flugzeuge wird vermißt. Bericht aus Saloniki vom 2g. Oktober. Eine starke feindliche Aufklärungsabteilung wurde an der Strnmafront nahe Valcndra zurückgetrieoen. Der russische Kriegsbericht. V o m 2 g. O k t o b e r.oir in Fortsetzung der Offensive den Feind, der sich in die Berge zurückzieht. Wir machten noch 10 Offiziere und 230 bayerische Soldaten zu Gefangenen. Unterleutnant der Reserve PatrouScoiu erbeutete mit seiner Abteilung zwei Batterien 10.3 Zentimeter- Haubitzen vom 21. bayerischen Artillerieregiment. Die Geichütze wurden sofort gegen den Feind gewandt und leisteten große Dienste. Wir nahmen noch vier Maschinengewehre und viele Munitions- wagen. In der Gegend von Oriova griff der Feind nach heftiger Artillerievorbereitung in Richtung Barful— Cocosului an, wurde aber zurückgeschlagen. Au der S ü d f r o n t ist die Lage unverändert. vom v-öoot-Kr:eg. Kopenhagen, 29. Oktober. sW. T. B.) Meldung deS Ritzauschen Bureaus. Der Dampfer„Jylland" setzte in Frederikshavn die Be- satzuug des norwegischen Dampfers„SlemShest* an Land, welcher mit Eisen und Holzmasse von Göteborg nach Hull unterwegs, in der Nordsee versenkt worden war. Er sank innerhalb iünf Minuten. Das O-Boot schleppte die Boote mit der Be- satzung vier Stunden, worauf es sie au Bord des schwedischen Dampfers.Dorothea" brachte. Von ihm übernahm.Jylland" sie bei Skagen. London, 29. Oktober. fW. T. B.) Lloyds meldet, daß der russische Segler.Jngerfoll* und der dänische Dampfer„Sif" versenkt worden sind. Außerdem ist der russische Dampfer.Kiew", von Archangelsk nach Leith, bei Rattrah auf Strand gelaufen. Er ist gänzlich verloren. 22 Fahrgäste und 62 Matrosen wurden gerettet, 7 werden vermißt. Athen, 29. Oktober.(W. T. B.) Reuter. Dampfer»An- q e l i k i", mit Freiwilligen nach Saloniki unterwegs, ist versenkt worden. MM Des UM ZMUAlW. Amtlich. Großes Hauptquartier, 28. Ok- tober 1916.(W. T. B.): Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Auf vielen Stellen der Front nördlich der Somme lag von uns kräftig erwidertes feindliches Feuer. Bei einem Angriff aus der Linie LeSbocufs Morval ge- lang es dem Gegner, seine Eiubrilchsstclle in unseren vor- derstcn Graben östlich LeSbocuf nach Süden in geringer AnSdehnnng zu vcrbeitern; an allen anderen Punkten, an welchen er durch unser Sperrfeuer hindurch vorwärts kam, wurde er blutig abgewiesen. Auf dem Südufer der Somme wurden das Ge- Höft La Maifonnctte und die sich von dort nach BiachcS hinziehenden französischen Stellungen in frischem Angriff durch das aus Berlinern und Brandenburgern bestehende Infanterieregiment Nr. 359 gestürmt, deui die durch Be- obachtungSsliegcr vortrefflich unterstützte Artillerie wirkungs- voll vorgearbeitet hatte. 412 Gefangene, darunter 15 Offi- ziere, sind eingebracht. Heeresgruppe Kronprinz. An der Nvrikostfrout von Berdun hielt der Geschütz- kämpf an. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des Gcneralfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Ein russischer Massensturm, durch stärksten MuuitionS- einsah vorbereitet, brach westlich von Pustomyty und bald darauf auch östlich von Szelwow gegen unsere Stellungen vor. Beide Angriffe schcüertc» im Abwehrfeuer unter blutigen Berlusteu. Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Carl. In den Waldkarpathen und dem südlich an- schließenden ungarisch-rumänischcn Grenzgebirge herrschte, abgesehen von Patrouillentätigkcit bei regnerischem Wetter Ruhe. Südöstlich des Roten-Tnrmpasscs wurden, Erfolge hau- noverscher nud mecklenburgischer Jäger vom Vortage er- weiternd, mehrere zäh verteidigte rnmänische Höhenstellnngen im Sturm genommen. Aus den letzten Kämpfen in dieser Gegend sind 18 Offi- ziere und über 700 Mann gefangen zurückgeführt worden. Südwestlich des Sznrduk-Paffes haben die Rumänen eine unserer Seitenkolonnen zurückgedrängt. Balkan-Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Gcneralfeldmarschalls von Mackensen. In der N o r d- D o b r u d s ch a stehen unsere ver- folgenden Abteilungen in Fühlung mit russischer Infanterie und Kavallerie. Mazedonische Front. Nach starker Artillerievorbereitung griffen gestern mehr- mals serbische und französische Truppen an der Cerna zu- nächst in schmalen, dann in breiteren Abschnitten die deut- scheu und bulgurischcn Stellungen an; im Sperrfeuer, nord- östlich von Beljeselo durch Gegenstoß, mißlangen die An- griffe vollkommen; ebenso vergeblich blieben Vorstöße des Feindes bei Kenali und Gradesnica. Der Erste Generalquarticrmeister. Ludendorff. *« * Nr MiGW GmMMberW. Wien, 30. Oktober 191«. Parazugabachcs in daS nach Sinaia führende Tal der Prahowa. Es war, während Predeal sich noch hielt, die letzte Ausladestation für die rumänischen Truppennachschübe gewesen, seine Bahnhofs- anlagen waren in den letzten Tagen öfter von uns beschossen wor- den. Azuga ist trotz seiner geringen Einwohnerzahl ein lebhaftes Jndustriestädtchcn, es ist der Mittelpunkt einer reichen zum großen Teil in vsterrcichisch-ungarischen Händen befindlichen Holzindustrie und von seinem Bahnhof führt eine über 15 Kilometer lange In- dustriedrahtscilbahn nach Norden mitten durch den kuppcnreichcn Gcbirgsstock, in dem sich die heftigsten Kämpfe abspielten. Dr. Adolph Köster, Kriegsberichterstatter. Gewerksthastliches. Verlin und Umgegenö. Die neue Teuerungszulage der Rohrleger. Die Forderung der Rohrleger und Helfer nach einer weiteren Teuerungszulage erörterte am Sonntag wieder eine Branchenversammlung derselben, nachdem sich das S i n i- gUngsamt am 24. Oktober damit beschäftigt hatte. Siering berichtete über die Verhandlung. Seinerzeit war eine Teuerungs- zulage von 16'A Pf. bewilligt worden, die bis zum 18. Oktober gelten sollte. Die Rohrleger und Helfer hatten dann durch Be- schlich vom 8. Oktober eine weitere Zulage gefordert. Nach fruchtloser Verhandlung über die Höhe der Stundenzuschläge hatte eine Branchenversammlung am 18. Oktober beschlossen, an der Forderung einer weiteren Teuerungszulage von 10 Pf. festzuhalten, die vom 1. Januar ab um weitere 8 Pf. zu erhöhen sei. Das EinigungSamt, das bei dieser Sachlage sich auf Anriefen beider Parteien mit der Angelegenheit beschäftigen muhte, kam nach ausgiebiger Verhandlung zu folgendem Vergleichsvorschlag: „Für alle Rohrleger und Helfer ohne Ausnahme soll unter Nachzahlung vom 13. Oktober ab eine Er- höhung der Teuerungszulage um 5 Pf. pro Stunde eintreten, und vom 18. Januar ab eine weitere Erhöhung um 7 Pf. pro Stunde." Die Beschlutzfassung über Annahme oder Ablehnung des Vor- schlags des Einigungsamts wurde den dazu berufenen Versamm� lungen der Arbeiter und Unternehmer anheinigestellt. Den: Bericht über die Verhandlung vor dem Einigungsamt folgte eine lebhafte Diskussion. Schließlich erklärte sich die Der- sammlung mit dem Vorschlage des Einigungsanüs einver� standen. Hiernach werden mit der Zulage die tariflichen Mindest löhne betragen: für Rohrleger ab 18. Oktober 98 Pf. und ad 18. Januar 1,98 M., für Helfer ab 18. Oktober 79'A Pf. und ab 13. Januar 86 Pf., flir Helfer unter 18 Jahren ab 18. Oktober 71 Pf. und ab 18. Januar 78 Pf. Nach Erledigung dieses Punktes wurde noch über die Er höhung der Landzulagen diskutiert, mit welcher Frage sich das Einigungsamt nicht beschäftigt hat. Die Rohrleger hatten auf die Landzulage einen Teuerungszuschlag von 1,89 M. pro Tag verlangt, so datz die Landzulage pro Tag 8 M. betragen sollte. Diese Forderung hatten die Unternehmer in einer Sitzung der Schlichtungskömmission abgelehnt und gefordert, datz die Erhöhung der Landzulage der freien Vereinbarung überlassen bleiben solle. Dabei ist es geblieben. Demnach, so wurde in der Dis- kussion ausgeführt, sei es den in Betracht kommenden Kollegen überlassen, eine Lairdzulage von 8 M. zu fordern. Sollten etwa hierbei solchen Kollegen, für die die Reklamation in Frage kommt. aus diesem Grunde Schwierigkeiten erwachsen, so sollen sie sich an die Organisationsverwaltung wenden. Zum Schluß wurde noch vom Branchenleiter und von anderen Rednern energisch betont, wie überaus wichtig, besonders auch im Hinblick auf den Ablauf des Tarifs am 31. März 1917, der Zusammenhalt der Kollegen in der Organisation sei. Beschöftigungsgrad und Teuerungszulage im Brauergewerbe. Der Verband der Brauerei- und Mühlsnarbeiter hielt am Sonntag eine Generalversammlung der Zahlstelle Berlin ab. Hodapp erstattete den Geschäfts- und Kassenbericht vom dritten Quartal. Die Arbeitslosenziffer im dritten Quartal war wieder sehr niedrig. Das gehe schon daraus hervor, datz im ganzen Quartal an Arbeitslosenunterstützung nur 88 M. ausgegeben wur- den. Zu befürchten wäre, daß das Braukontingent von 48 Proz. weiter aus 23 Proz. herabgesetzt werden könnte. Ob dadurch. Ar- beitslosigkeit im Beruf herbeigeführt toürde, könne man nicht sagen. Jetzt, bei einem Kontingent von 43 Proz. werde von den Braue- reien immer noch Brauerei- und Fahrpersonal verlangt. Auch die Teuerungszulage habe im verflossenen Ouar- tal wieder Anlatz zu Verhandlungen gegeben. Nachdem die Ver- treter der Organisation mit den Vertretern des Vereins der Braue- reien Rücksprache genommen hatten, sei unter.dem 8. Oktober vom Verein der Brauereien Berlins und Umgegend ein Schreiben ein- gegangen, worin es heißt: „Der Verein hat beschloffen, eine erneute Erhöhung der Teuerungszulage eintreten zu lassen. Sie erstreckt sich auf alle Arbeiter der in Frage kommenden Betriebe, die bei der bis- herigen Teuerungszulage beteiligt waren, und beträgt pro Woche für Ledige 1 M., für Familienvorstände 2,89 M. und außerdem für die in den Brauereien bcjcyuingten Frauen, denen bisher «ine Teuerungszulage nicht bewilligt war, 3 M. Somst wird insgesamt als Teuerungszulage pro Wocoe gezahlt den Ledigen 6 M., den Familienvorständen 7,89 Mk. und den Arbeiterinnen im gewerblichen Betriebe der Brauereien 3 M. Die Umrechnung erfolgt aus 7 Tage in der Woche.(Gemeint ist die Umrechnung auf den Tag.) Die Erhöhung der Teuerungszulage tritt am 29. Oktober in Kraft und gelangt am 27. Oktober erstmalig zur Auszahlung." Diesem Schreiben vom 8. Oktober sei unter dem 6. Oktober als Nachtrag ein weiteres Schreiben gefolgt, worin mitgeteilt wurde, daß die neugewährte Erhöhung der Teuerungszulage als eine letztmalige anzusehen sei.— Nach Erledigung der Sache mit dem Verein der Brauereien habe sich die Verwaltung sofort an die ringfreien Brauereien mit dem Ersuchen gewendet, die Teuerungs- zulage in derselben Weise zu erhöhen. Die meisten riugfreien Brauereien hätten darauf die Bewilligung ausgesprochen. Keine Antwort hätten bisher die drei Brauereien von W i l l n e r, Bolle und Kintz u. Komp. gegeben. Die Borusiia-Brauerei antwortete zwar auch nicht, sie zahlte aber die erhöhte Teuerungs- zulage. Die Brauerei Groterjan antwortete,.daß sie durch- gängig ihren Leuten 1 M. zur Teuerungszulage zulegen wolle. Damit seien die Kollegen natürlich nicht einverstanden gewesen. Es werde in der Sache noch mit der Firma verhandelt._ Die Zahlstelle habe jetzt 1839 männliche und 49 weibliche Mit- glieder, also zusammen 1899 Mitglieder. Die Beitragslcistung sei eine erfreuliche gewesen. Die Abrechnung der Verbandskasse für das dritte Quartal rechnet in Einnahme und Ausgabe mit 14 232,18 Mk. Die Aus- gäbe umfaßt auch 4396 M., die an die Hauptkasse abgeführt wurden. Die Lokalkasse hatte im dritten Quartal eine Einnahme von 8811,77 M. und eine Ausgabe von 2997,62 M.. mithin eine Mebr- einnähme von 994,18 M. Da der Bestand der Lokalkasse am Schluß des zweiten Quartals 64 693,79 M. betragen hatte, ergab 9� mit der Mehreinnahme vom dritten Quartal am Schlüsse des dritten Quartals ein Bestand der Lokalkässe von 68 897,88 M. Wenn man davon ein von der Zahlstelle ausgenommenes Darlehn von 8999 M. abrechnet, so ist als Reinvermögen der Lokalkasse am 39. September die Summe von 87 897,88 M. zu buchen. In der Diskussion wurde gerügt, datz der Verein der Braue- reien in seinem bereits vom 8. Oktober datierenden Bewilligungs- schreiben die Erhöhung der Teuerungszulage erst ab 29. Oktober bewilligt habe. Der Arbeitgeberverein hat den Termin nämlich solange hinausgeschoben, weil vor den Verhandlungen zwi'-�en den Organisationen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber 46 Kollegen von der Abteilung 2 der Brauerei Patzenhofer für den Fall ihre Kündigung ausgesprochen hatten, datz eine von ihnen bereits erhobene Forderung nach Erhöhung der Teuerungszulage nicht bewilligt werden würde. Durch die Hinausschiebung des BeWilli- gungstermins wollte der Verein der Brauereien zeigen, datz er nicht unter einem Drucke handele. Diese Maßnahme) durch die die Allgemeinheit erst einige Wochen später in den Genutz der Er- höhung der Teuerungszulage kam, wurde in der Diskussion als eine unzerechte kritisiert. Von T r ö g e r und Hodapp wurde hervorgehoben, datz eS scheine, als würde es in einigen Brauereien zu falschen Aus- legungen des Bsgrifts des Familienvorstandes beziehungsweise Haushaltungsvorstandes im Sinne der neuen Abmachungen kommen, etwa dahingehend, datz man darunter nur den ver- heirateten Mann rechnen wolle. Das wäre falsch. Nach den Be- sprechunzen mW Abmachungen solle vielmehr dem verheirateten Familienvorsüinde gleichstehen jeder andere, der Vorstand eignes Haushaltes sei, und die böhere Teuerungszulage von 7,59 M. pro Woche erhalten. Solche Kollegen, die nur 6 M. pro Woche erhielten, aber nach Lage der Verhältnisse glaubten, sie seien Vorstand eines Haushalts und hätten 7,59 M. zu fordern, sollen sich sofort an die Organisationsleitung wenden. Diese wird alsbald das weitere veranlassen. Nach weiterer Diskussion wurde einstimmig eine Resolution angenommen, die ein lebhaftes Bedauern über das Verhalten der Brauereien in der Angelegenheit der Teuerungszulage aus- spricht und dann erklärt: „Die Versammlung nimmt die zugesagte weitere Teuerungs- zulage als Abschlagszahlung an und behält sich vor, in nicht zu langer Zeit wieder an den Verein der Brauereien heranzutreten. Die Versammlung beaustragt die Organisationsleitung, sobald von den Kollegen der Abteilungen der Vereinsbrauereien ein Antrag betreffs Erhöhung der Teuerungszulage gestellt wird, eine Vertrauensmäunersitzuiig einzuberufen." Ferner erhebt die Resolution Protest dagegen, datz der Berein der Brauereien die Allgemeinheit der Brauereiangestellten darunter hat leiden lassen, datz 46 Brauer in Abteilung Patzenhofer 2 seiner- zeit zwecks Erlangung einer erhöhten Teuerungszulage gekündigt hatten. Und weiter beschloß die Versammlung, die Organisation nach besten Kräften zu fördern. Für den Fall, datz der Zentralvorstand beschließt, zu Weih- nachten den Familien der beim Heere befindlichen Mitglieder eine Unterstützung zu gewähren, beschloß die Bersammlung, einen Be- trag in derselben Höhe aus der Lokalkasse zuzusteuern. NuslaoS. Stra�enbahnerstrcik in PariS. Bern, 39. Oktober.(W. T. B.) Nach Pariser Meldungen hat der Stratzenbahnerstreik in den beiden letzten Tagen an Ausdeh- nung zugenommen. Gestern kam es zu einigen Zwischenfällen. Ungefähr sechs Personen wurden verhaftet. Die Streikenden haben die Forderung auf Lohnerhöhung von 1,89 auf 9,78 Frank täglich herabgesetzt._ Mus der Partei. Die Jnternierung der Genossin Goia. Rom, 8. Oktober.(Eig. Wer.) Die um die italienische Land arbeiterbewegung hochverdiente Gerwerkickiastsführerin Genossin Maria Goia, die seit Jahren als Sekretärin der Arbeiterkammer von Su,zara(Provinz Mantua) wirkte, hat den Befehl erhalten, sicki binnen 24 Stunden nacki Florenz zu begeben, um bis auf weiteres dort zu bleiben. Sie wird dadurch vollständig ihrem langjährigen Wirkungskreis und ihrer Agitation unter dem ländlichen Proletariat entzogen._ Mus Industrie und Handel. Geringer Ertrag der Weltgetreideernte. Laut Bericht des Internationalen landwirtschaftlichen Instituts in Rom ist, lvie„Giornale d'Jtalia" vom 24. Oktober berichtet, die Gesamtwelterute au Getreide im laufenden Jahre ehr dürftig ausgefallen. Sie bleibt um ein Drittel hinter der Ernte von 1915 zurück und weist den Ernten der Jahre 1999 und 1913 gegenüber einen Ausfall von 7 Proz. auf. Der Gesamtertrag von 1916 belauft sich auf 605 680000 Doppel- entner gegen 835 820000 im Jahre 1915 und gegen >53 299 000 des fünfjährigen Durchschnitts. An Roggen wurden, soweit bisher bekannt, im Jahre 1916 zirka 237 395 000 Doppelzentner gegen 252631000 ini Jahre 1915 und 267398000 des fünfjährigen Durchschnitts geerntet; Gerste: 209 934 000 Doppclzentner gegen 231941000 im Jahre 1915 nnd 203455000 des fünfjährigen Durchschnitts; Hafer: 398 408 000 Doppel- zentner gegen 480 508 000 im Jahre 1915 und 378424000 des fünfjährigen Durchschnitts. Sitzung des Kalisyndikats. In der am 28. Oktober unter dem Vorsitz des Geheimen Justiz- ratS K e m p n e r abgehaltenen Gesellschaftcrverfammluug des K a l i- yndika ts berichtete der Borstand, daß es infolge außerordent- licher Anstrengungen der Kaliwerke gelungen ist. in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres eine Mehrlieferung von 2,3 Mil- lionen Mark gegen den gleichen Zeirraum des Vorjahres zu bewältigen. Wenn nach Beendigung der Kartoffel- und Rübentrans- Porte eine den Erwartungen entsprechende bessere Wagen- gestellung eintritt, dann darf im Jahre 1916 auf einen Kaliabsatz von mehr als 9 Millionen Doppelzentner Reinkali im Werte von 169 Millionen Mark gerechnet werden. Im letzten Friedensjahre 1913 betrug der Versand 11,1 Millionen Doppelzentner Reinkali im Betrage von rund 193 Millionen Mark. An die deutsche Landwirtschaft wurden in der Zeit vom Januar bis Ende September 1916 neben 17,6 Millionen Doppelzentner Kainit-Hartsalz 8,7 Millionen Doppelzentner 49 proz. Kalidünge- salz geliefert gegen rund 8.8 Millionen Doppelzentner in der gleichen Zeit des Vorjahres. Diese Zahlen beweisen, daß die Kaliindustrie trotz der großen Schwierigkeiten, die der Krieg mit sich brachte, die Bedürfnisse der deutschen Landwirtschaft in hervorragender Weise erfüllt hat. Die Belieferung des Inlandes konnte natürlich nur deshalb in solchem Maße durchgeführt werden, weil die Hauptabsatzgebiete des Auslandes der Kaliindustrie ver- chlossen sind. Damit wurden allerdings auch die guten Gewinne hinfällig, welche früher an der Auslandsware erzielt wurden. Die in der Preiserhöhung des letzten Jahres erfolgte Ausgleichung deckt die entgang«ren Auslandsgewinne nickt annähernd, sondern nur zum Teil die Mehrkosten, die mit dem Betriebe infolge des Krieges verbunden sind. In der Versammlung wurde weiter die im Parlament und in der Presse verbreitete Ansicht zur Sprache gebracht, daß 39—69 Kali- werke den Weltbedarf befriedigen und einen Rückgang der Selbst- kosten herbeiführen könnlen, was zu erhöhten Gewinnen führe. In eingehender Darlegung wurde die angebliche Unrichtigkeit dieser Ansicht nachzuweisen versucht. Sämtliche Wcrksvertreter erklärten ihre Ueberzeugung dahin, daß für die Deckung des Weltbedarfs nach Wiedereintritt des Friedens kaum ein einziges Werk entbehrt werden kann, daß es im Gegenteil der größten Anstrengungen der vorhandenen Werke bedürfen wird, um den nach ungünstigen Ernten in den meisten Ländern vorhandenen Kolihunger und den stets steigenden Bedarf z» decken. Die Unrichtigkeit der Schlußfolge- rung aus den bekannten Abschlüssen, welche die Werke Asckersleben und Sollstedt vor 7 Jahren unter völlig anderen Verhältnissen, ins- besondere nach jahrelanger Vorbereitung durch Vorrichtung der Werke und Ansammlung großer Lagerbestände getätigt haben, wurde all- festig anerkannt. Die Bilanz für 1918 wurde einstimmig genehmigt und dem Vor- stand und Lussichtsrat Entlastung erteilt. Nach Telegrammen, die dem Kalisyndikat ans Amerika vorliegen, ist dem aus Kuba gemeldeten angeblichen Kalivorkommen keinerlei Bedeutung beizumessen. Eine«eue Krtegsgründung. Am 18. Oktober sind die„Vereinigten Textilwerke G. m. b. H., Berlin mit einem Kapital von 1 Million Marl gegründet worden. Zweck der Gesellschaft ist die Herstellung, An- schaffung und der Vertrieb von Textil- und Zellulose- lPapier-) Gespinsten-,-Geweben,-Säcken und sonstigen Textilen oder ähn« lichen Erzeugnissen. Gründer sind die Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Berlin, und die Textil- Union G. m. b. H., Berlin. � Beabsichtigt ist, den Webereien der verschiedenen Fasersioffgruppen(Baumwolle, Wolle, Jute und so Westert ebenso Herstellern von Papiergarnen durch Ueberlassung von Ge« schäftsanteilen die Teilnahme an der Gcsellichaft zu ermöglichen. Zum Geichäflsführer wurde Herr Josef Blumensteiu in Berlin be- stellt. Der Ausüchtsrat besteht aus folgenden Herren: Vorsitzender Dr. Erhard Büttner, Berlin, GeschäflSfübrer ves KriegsausichusseS der Deutschen Baumwollindustrie. Stellvertretender Vorsitzender Hermann Waller, Bertin, Geschäftsinhaber der Direktion der Dis- konto-Gesellschaft. Oberleutnant Heinrich Blezinger, Mitinhaber der Firma Wilhelm Rieger in Stuttgart. Fabrikant Emil Clavicz, Adorf. Direktor Wilhelm Hartmann, Berlin. Direktor Georg W. Meyer, Berlin(Zentralverwaltung v. Friedländer-Fuld). Hans Remshard, Direktor der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank in München. Dr. August Weber, Geschaitsführer des Jutekriegsausschusses und Kriegsausschusses für Textilersatzstoffe. Zu der Gründung erfabren wir noch, daß die Ausnahme von Webereien in die neue Gesellschaft nach Maßgabe der ihr zur Ver- fügung stehenden Papiergarnmengen und der ihr zugebenden Aus- träge erfolgen soll. Interessenten können hierüber Auskunft bei de» verickiedenen Textil-Kriegsausschüssen erhalten, denen die Gesellschaft die Unterlagen übermitteln wird. Der Berliner Lloyd und die Bereinigung der Elbe- Schiffahrtsgesellschaften. Im Anschluß an die Meldung über den Zusammenschluß von Elbe»Schiffahrtsgesellschasl«n teilt die Berliner Lloyd-Aktiengciellichaft mit, daß sie die Führung der außenstehenden Dampfschiffsbesitzer übernehmen und ihren Fracht-Schiffsverkehr auf der Eibe nach Magdeburg, Dresden und Böhmen ausdehnen wird. Es wird da- mit auch der großen Anzahl der Privatdampferbesitzer der eist« sprechende Anteil an der Elbe-Schiffahrt gegeben werden und so ein Weg� gesunden sein, den die maßgebenden Berliner Stellen und SrhiffahrtSgruppen wünschen, wodurch alle Interessen gewährt und das vorhandene Material und die Mannichaflsbestände in der Kriegs- zeit beschäftigt werden._ Kohlenbergbau in der Schweiz. Zu den Bestrebungen, die Schweiz wirtschaftlich vom Auslande unabbängig zu machen, kommt neuerdings auch, wie.Berner Tag- wacht" vom 17. Oktober mitteilt, die Wiederaufnahme einer schon früher einmal, aber nicht fachmännisch betriebenen Kohlenförderung. Es handelt sich um Steinlohle, die in bis 1 Meter dicker Schicht und von guter Oualität im Simmental bei Schwarzenmatt(Gemeinde Boltigen, Kanton Bern) vorkommt, und für deren Abbau jetzt ein Unternehmer-die Konzession nachgesucht hat. Soziales. Schädliche Frauenarbeit. Auf dem„Bochumer Verein", dem bekannten großen Stahl- und Eisenwerk in Bochum, ereignete sich ein schwerer Unfall dadurch, daß eure verheiratete Frau mit dem Abtragen von schweren Steinen aus einem Waggon beschäftigt war. Sie rutschte mit der Last eines solchen Steines aus, so daß sie schwere innere Verletzungen davontrug und ins Kranken- Haus geschafft werden mußte. Dieser Fall zeigt einmal wieder, wie nötig ein Gesetz für wirksamen Arbeiterinnen- schütz ist. Nie war die Gefahr so groß, daß die weibliche Arbeitskraft über Gebühr ans genutzt wird, wie heute, wo die Frauen zu Tausenden an die Stellen von Männern getreten sind. Hier sollte schnell gehandelt werden, damit nicht für die Zukunft der größte Volksschaden entsteht. Ter feiudliche Ausländer. Die mangelnde Bewsgungsfrsiheit eines polnischen Arbeiters. der russischer Staatsangehöriger ist, gab Anlaß zu einer Klage, die vor dem Berliner Gcwerbcgericht verhandelt wurde. Der Kläger, der seit sieben Jahren in Deutschland lebt und mit einer deutschen Staatsangehörigen verheiratet ist, arbeitet in der Klavierfabrtk von Bogs u. Voigt. Er ist ein sehr tüchtiger Arbeiter. Die Firma hat deshalb ein leb- Haftes Interesse, sich diese Arbeitskrast zu erhalten. Dabei kommt ihr die jetzt sehr stark beschnittene Freizügigkeit des feindlichen Ausländers zustatten. Als der Kläger im August aufhörte, verweigerte ihm die Firma die Herausgabe seiner Papiere. Er klagte deshalb auf Schadenersatz. Das Ver- hältnis zwischen den Parteien wurde in der Verhandlung folgendermaßen dargestellt. Der Kläger, der seit Jahr und Tag bei der beklagten Firma arbeitet, wollte schon friiber aushören. Aber Herr Bogs wußte daS zu verhindern. Schließlich hörte der Kläger aber doch auf. Wie er angab, geschah das lediglich deshalb, weil er mit seinen Mitarbestern so viel Aerger und Verdruß hatte, daß er trotz des guten Verdienstes, den er bei Bogs u. Voigt hatte, sich eine andere, wenn auch schlechter bzahlte Arbeitsstelle suchen wollte, um Ruhe zu haben. Der Beklagte Bogs behauptete dagegen, die Reibereien mit seinen Mitarbeitern babe der Kläger dadurch verschuldet, daß er alle lohnende Arbeit für sich beanspruchte, um seinen Verdienst zu steigern. Er habe wöchentlich über 79 M. ver- dient. Wie der Kläger weiter bemerkte, sind ihm, als er aufhörte, nicht nur die Papiere verweigert worden, sondern der Beklagte Bogs hat auch eine lllleldrrng an die Kommandantur gemacht und eine Anzeige gegen den Kläger eingereicht. Infolgedessen sei er verhaftet worden. Die Angaben, auf welche sich die Anzeige stütze. seien auf Veranlassung des Beklagten Bogs von den Mitarbeitern des Klägers unterzeichnet worden. Herr Bogs erklärte hierzu, die Arbeiter hätten die Angaben zu der Anzeige aus eigenem Antriebe gemacht, weil der Kläger bei Besprechung von Kricgsnachrichten oft eine russenfreundliche Gesinnung zum Ausdruck gebracht habe. Den Klageanspruch bezeichnete Herr BogS als in jeder Hinsicht unbegründet und führte aus, der Kläger, der sich nicht im Besitz einer für feindliche 1 Ausländer erforderlichen LegitimationSkarte befinde, fei der Firma vom Polizeipräsidium zur Arbeit überwiesen worden. Nur bei der Firma Bogs u. Voigt dürfe der Kläger ar- beiten. An einer anderen Stelle in Arbeit zu treten, sei er nicht berechtigt. Deshalb sei dem Kläger durch die Zurückbehaltung der Papiere kein Schaden entstanden. Der Kommandantur Meldung vom Aufhören des Klägers zu erstatten, sei der Beklagte verpflichtet gewesen. Die Kommandantur habe darauf den Kläger wieder zu der beklagten Firma geschickt und ihm bedeutet, daß er dort ar- beiten müsse. Der Kläger stehe deshalb auch jetzt noch bei der Firma in Arbeit. Der Kläger bemerkte hierzu, von einem Zwang, bei BogS u. Voigt zur arbeiten, sei ihm nichts bekannt. Auf der Kommandantur sei ihm nicht gesagt worden, er müsse bei der Firma arbeiten, sondern man habe ihm geraten, sich mit der Firma, wo er doch schon so lange gearbeitet habe, wieder zu verständigen. Das habe er denn auch getan. Auf Anraten des Gericht einigten sich die Parteien schließ- lich dahin, datz die Beklagte dem Kläger, der 48 M. gefordert hatte, 2 9 M. zahlte.(?) verantw. Redakt.: Alfred Wielevv. Neukölln. Lniiioienteil vercmtw. Tb. 0N»cke. Berlin. Druck u. Verlaa: ÄorwärtS Buchdr-ll. VerlagSanstast Paul Singer u. Co., Berlin 81V. Hierzu 2 Beilagen st. llnterhaltungsbl. r. 3co 33 i. Keilkße des„Wmarts" Kerlim Ullldsbllltt. 3t MW-- ms. Chronik des Weltkrieges. »».Oktober IS1Ä. Die Ueberschwemmungen am Zser-Kanal durch Zerstörung der Schleusen behindern die Operationen. Der englische Kreuzer.Hermes" wird durch ein deutsches ll-Boot versenkt. Der allgemeine Angriff auf Tsingkau hat begonnen. »I.Oktober»SIS. Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagssraktion beantrag! beim Reichskanzler die unverzügliche Einberufung des Reichs- tages wegen der Lebensmittelfrage und des Belagerungszustandes. Neue Erfolge in Serbien. Kragujevac wird genommen. parteworstanö und Partei.'' Eine grundsätzliche Betrachtung von Ed. Bernstein. II. Bei der Vereinigung der streitenden Brüder in Gotha I8?8 ward denn auch von dem Gedanken Abstand genommen, in dieser Weise die Demokratie zu sichern, und die Wahl des Vorsitzenden und der Sekretäre der Parteileitung durch Statut dem Parteikongreß zugewiesen. Besondere Mißstände traten in der kurzen Zeit, wo dieses Statut in Kraft war, daraus nicht zutage, und dazu war nach Erlöschen des 1878 geschaffenen Ausnahmegesetzes 1890 im neuen Parteistatut die Bcstinimung der Wahl der Schriftführer der Partei durch die Parteitage von neuem festgesetzt, und dabei ist es bis heute verblieben. Die Sicherstellung der Demokratie wurde auf anderem Wege zu erreichen gesucht. Dieser Weg hieß der Ausbau des föderativen Wesens der Partei, die Stärkung der Selbstverwal- t u n g der Orte, Kreise, Bezirke und Landesvorstände der Partei. Die Föderation ist der einzige Weg, die Demokratie in der Partei zu einer Wahrheit zu machen, ohne die Leistungs- fähigkeit der Partei zu beeinträchtigen. Verbindung des höchstmöglichen Grades von Leistungskraft mit dem höchst- möglichsten Grade von Selbstbestimmung, so kann man das Problem der Demokratie in jedem politischen Organismus formulieren. Das erstere, die Leistungskraft, dedingt ein geschultes, Fähigkeit und Er>ahrung im Amt verbindendes Beamten- personal an jeder verantwortlichen Stelle des Organismus. Aber alles ständige Beamtentum ist der Gefahr ausgesetzt, in Geringschätzung der Demokratie zu verfallen, die in weiterer Folge zu innerer Gegnerschaft gegen die Demokratie sich answachsen kann. Erfahrung und Routine erzeugen ein Gefühl der Ueberlegcnhcit über die„Menge", und Ivo dies sich festsetzt, kann'wahrhaft demokratisches Empfinden schwer standhalten. Aber Macht ohne dieses Empfinden macht ihre Träger in kritischen Momenten, wenn die Gegensätze sich zuspitzen, nur zu leicht dumm, d. h. kurzsichtig und brutal. Diese und andere Gefahren des ständigen Beamtentums in der Leitung der Partei werden namentlich dann durch kein Kurieren am Wahlrecht beseitigt, wenn der Organismus selbst tmWachscn ist. Je größer der Organismus, umsogrößcr die Mach: der Zentralinstanz, weil die Schwierigkeiten für eine sich ent- wickelnde Opposition Mehrheit zu werden, immer größer werden. Die formale Demokratie führt dann einen ähnlichen Zustand herbei, wie man ihn im Leben der Staaten mit dem Ausdruck modernisierter Zäsarismus bezeichnet. Ob der Regent durch das legitimistische Recht der Geburt oder durch ein Plebiszit das Ruder in die Hand bekommen hat, ist für die Feststellung dieses Zustandcs unwesentlich. Sobald Regenten in die Lage kommen, sagen zu können:„Der Staat sind w i r", ist die wesentliche Vorbedingung dieses Zäsarismus gegeben. Seiner Einnistung in das Leben der Partei hat die deutsche Sozialdemokratie, wie vorher bemerkt, durch den Ausbau der örtlichen usw. Selbstverwaltung vorgebeugt. Die Ge- schichte des Parteistatuts seit dem Erlöschen des Sozialisten- gesetzes ist die Geschichte einer stetigen Entwicklung zur Stär- kung des föderalistischen Unterbaus der Partei, die nur eine organische Verbindung des Leben fördernden Föderalismus mit soviel Zentralismus darstellt, als zur Sicherung des Einheitsgedanken der Partei und ihrer Schlagkraft erfordert erscheint. Wie vorteilhaft sich diese Stärkung der föderalisti- schen Einrichtungen für das materielle Wachstum und das geistige Leben der Partei erwiesen hat, lehrt jeder Rückblick aus ihre Geschichte seit 1890. Aber ein Rückblick auf die Geschichte der Partei lehrt noch anderes. Die ersten zwei Parteitage nach Erlöschen des Aus- nahmegesetzes sind gekennzeichnet durch die Nachwehen einer Krisis, die einen Augenblick gedroht hatte, zu einer Spaltung der Partei zu führen. Eine der Ursachen dieser Krisis nun hatte ihre Wurzel in dem Umstand, daß das Sozialistengesetz die Leitung der Partei in die Hände der Reichstagssraktion gebracht hatte und jede Opposiion gegen diese damit zugleich Opposition gegen die Parteileitung wurde. Das Zusammenlaufen der parlamentarischen Vertretung der Partei mit der Parteileitung in ein und dieselbe Personengruppe bringt gewiß manche Vorteile mit sich, hat aber auch seine argen Kehr- feiten. Heute besteht in dieser Hinsicht ein ähnlicher Zustand wie unter dem Sozialistengesetz, nur daß die Personalunion jetzt Fraktionsvorstand— Parteivorstand heißt. Und da gerade diejenigen Mitglieder des Parteivorstandes, die zugleich dem Fraktionsvorstande angehören, ganz besonders in dem Konflikt der Reichstagsabgeordneten Partei sind, sehen wir den Partei- vorstand diesen Konflikt viel stärker unter dem? Gesichtspunkt dieser einen„Partei in der Partei" behandeln, als es wahrscheinlich der Fall wäre, wenn seine leitenden Mitglieder weniger Partei in der Sache wären. Meines Erachtcns wenigstens hätte man vom Parteivorstand etwas größere Objektivität in dem Streit erwarten dürfen, als er tatsächlich an den Tag gelegt hat. Da er aber Partei nahm, da er die Sache der Fraktionsmehr- hcit als seine Sache behandelte, lag es auch nahe genug, daß er die Macht, die ihm seine Ausnahmestellung und die Ausnahmezustände in die Hände gespielt haben, so ausnutzte, wie er es getan hat. Ob er damit seiner Aufgabe als Sachwalter der Parteiinteressen am besten gedient hat und dient, wird der weitere Verlauf der Dinge zeigen. Einstweilen haben #) Siehe Nr. 296 des„Vorwärts". wir jedenfalls die Tatsache zu verzeichnen, daß ein erheblicher Teil der Partei dem Parteivorstand mit dem stärksten Miß- trauen gegenübersteht. Es liegt nicht im Zweck dieses Artikels, auf den Gegen- stand des Konfliktes und die einzelnen Maßnahmen des Partei- Vorstandes im Substanziellen einzugchen. Hier handelt es sich nur die grundsätzliche Seite des Parteirechts zu beleuchten. Daß die neueste Maßnahme des Partcivorstandes im Konflikt die gegensätzliche Stimmung frisch entfacht hat, nachdem die Diskuffion in ein ruhigeres Fahrwasser einzulenken begann, kann er selbst sich nicht verheimlichen. Ich will ihm nicht unterstellen, daß es das ist, worauf er dabei abzielte. Aber wenn es das nicht ist, wenn nur das Gefühl der ihm zugefallenen verstärkten Machtstellung in der Partei ihn trieb, eine gewisse Partei- Mitgliedschaft in der Ausübung eines der wichtigsten ihrer Rechte— dem Recht der freien Presse— noch stärker zu lähmen, als die derzeitigen allgemeinen Verhältnisse es ohne- hin schon tun, dann hat er nur einen Beweis dafür geliefert, daß auch er nicht gefeit ist gegen die oben gekennzeichnete Gefahr des ständigen Beamtentums. Reichstagsausschuß für den Reichshaushalt. Am Montag wurden die HeeresverhSltuiffe besprochen. Abg. Stückten begründete die folgenden Anträge der Sozial- demokraten: den Reichskanzler zu ersuchen, „für alle in Feindesland stehenden Mannschaften die Löh- uung aus 80 Pf. den Tag, für alle im Jnlande befindlichen Mannschaften auf 60 Pf. den Tag festzusetzen, die bisher bezahlten Zulagen den Mannschaften auch ferner- hin zu gewähren; das Belöstigungsgeld der auf Selbstverpflegung angewie- senen Mannschaften auf 2,56 M. pro Tag festzusetzen; dahin wirken zu wollen, a) daß die Jahrgänge 1869 nnd 1879, letztere, soweit und sobald sie das 4 7. Lebensjahr vollendet haben, aus den: Heeresdienste entlassen werden, b) in Erwägungen darüber einzutreten, oh und welche Maßnahmen ergriffen werden können, damit die im Heeres- dienst stehenden weiteren Söhne solcher Familien, die bereits einen oder mehrere Angehörige durch den Tod im Felde ver- lorcn haben, zum Dienst in der Etappe oder in der Heimat verwendet werden; das Putzgeld solchen Mannschaften ein zweites Mal zu gewähren, die seit 1. Oktober 1913 eingezogen worden sind und noch unter den Fahnen stehen; für den Erlaß und die Durchführung von Vorschriften sorgen zu wollen, durch welche die besonderen Küchen für die llnteroffi ziere verboten werden; in jeder Kompagnie ist den Mannschaften täglich durch An- schlag� Mitzuteilen, welche Rationen ihnen jeweils, zustehen; für jede Kompagnie, Eskadron ober Batterie ist eine M e- nagekommission einzusetzen, in der auch die Mannschaften vertreten sind. Die Kommissionen haben allwöchentlich unter dem Vorsitz eines Offiziers zusammenzutreten und Fragen der Verpflegung zu besprechen; daß den Grenzschutztruppen uwbile Löhnung gewährt wird." Die Löhnung reiche bei der allgemeinen Teuerung bei weitem nicht mehr aus. Ter Reichstag habe bereits früher einen Antrag auf Erhöhung der Löhnung dem gieichskanzler als Material über- wiesen, trotzdem sei nichts geschehen. Dafür sei jene Verfügung er- lassen, die die Gehälter eines Teiles der Offiziere herabsetze, aber denen, die die hohen Gehälter bisher schon gehabt haben, doch nichts entziehst Das sei geradezu eine Verhöhnung.— Völlig ungenügend fei vielfach die Verpflegung geworden. Für Offiziere und Unteroffiziere werden oft die besten Nahruugs- ni i t t e l weggenommen und die Mannschaften entsprechend ge- schädigt. Die körperlichen Mißhandlungen seien dank dem entschiedenen Eingreifen des früheren stellvertretenden Kriegs- Ministers v. Wandest seltener geworden. Dagegen lassen die Klagen über unerträgliche Beschimpfungen nicht nach. Wozu auch im Felde die Paraden? Dazu seien sogar Mannschaften aus den Schützengräben zugezogen worden, selbst wenn die Leute zu diesem Zwecke durch Sperrfeuer mußten. Es sei nicht zu verant- Worten, daß unsere Soldaten aus einem solchen Grunde in schwere Lebensgefahr gebracht werden.— Ungehörig sei es, daß Leute zum Kriegsdienst eingezogen werden, um sie zu bestrafen wegen ihrer politischen Gesinnung, z. B. weil sie die Friedenspetition der Sozialdemokratie unterschrieben haben. Weshalb werden so viele Mannschaften, die offenkundig zum Dienst gar nicht mehr geeignet seien, lange Zeit in den Lazaretten festgehalten?. Die ZensurderBriese, die von der Mannschaft in die Heimat geschickt werden, sollte nicht von den unmittelbaren Vorgesetzten, sondern von einer höheren Stelle ausgeführt werden, der die einzelnen Leute nicht bekannt sind. Im Felde werde politische Agitation für die Gelben und für alldeutsche Bestrebungen zuge- lassen. Mit welchem Rechte werden Dissidenten als minder- w e r t i g h i n g e st e l l t, so daß sie unter keinen Umständen zu Offizieren befördert werden sollen? Noch immer seien viele Drückeberger in den Kriegsgesellschaften, den mili- tärischen Bureaus usw. Bei den Vorarbeiten für die Entlassung der Eingezogenen nach dem Friedensschluß sollen die noch einige Zeit zurückgehalten werden, die sich dazu, weil sie noch keine Arbeitsstelle haben, freiwillig melden, selbstverständlich gegen angemessene Ent- schädigung. Bei den Bekleidungsämtern sind zu viel Offiziere. Oberst v. Wriesberg bat, auch fernerhin alle unliebsamen Vorkommnisse dem Kricgsministerium zu melden. Dort werde jeder Fall gründlich untersucht und scharf eingeschritten, wenn ein Ver- stoß ermittelt werde. Den Wünschen, die vorgebracht seien, sei Rechnung getragen worden, soweit es die militärische Lage irgend zulasse. Mannschaften sollen nicht aus politischen Gründen einge- zogen werden. Das dürfe aber nicht geduldet werden, daß die, die als unabkömmlich zurückgestellt seien, nicht arbeiten, sondern Hetzen und streiken. Solche Leute müssen eingezogen werden. Die Wünsche in bezug auf die Zensur der Soldaten- bliese seien bereits erfüllt worden. Unaufhörlich geschehe alles, um Drückeberger zu fassen. Wenn aber die Reichsstellen erklären, dieser oder jener sei unentbehrlich, dann müsse das Kriegsministerium dies als eine Tatsache hinnehmen. Die Schonung der durch den Tod der Söhne schwer getroffenen Familien sei bereits infolge der früheren Erörterung im Ausschuß durch eine Verfügung vom 39. Ok- tober 1916 angeordnet worden.— In welcher Reihenfolge die Mann- schaftcn nach Friedensschluß entlassen werden sollen, werde jetzt er- wogen. Selbstverständlich werden die Landsturmleute zuerst ent- lassen. Der Militärbevollmächtigte von Sachsen: Pa- radenimFeldeseienunentbehrlich. Die Mannschaften wollen ihren obersten Kriegsherrn begrüßen. Dabei würden auch die Auszeichnungen wegen Tapferkeit verteilt. Die Abteilungen, die in den Schützengräben liegen, wollen auch an Paraden teilnehmen, sonst fühlten sie sich zurückgesetzt. 1 Abg. Schöpflin trat nachdrücklich für eine bessere Ver- pflegung der Mannschaften ein. Besonders erbittere es, wenn die Offiziere in der Verpflegung so sehr begünstigt werden, Manche Vorgesetzte seien offenbar nicht genügend ge- wissenhaft und bekümmern sich deshalb nicht so gründlich um die Verpflegung, wie es ihre Pflicht ist. General v. Oven versicherte, daß das Kriegsministerium den größten Wert auf die Verpflegung lege und alles tue, damit auch die Mannschaften angemessen verpflegt werden. Er erhalte sogar von amtlichen Stellen auch solche Schreiben, die Einspruch dagegen erheben, daß die Mannschaften zu gut verpflegt und dadurch verwöhnt werden; wenn sie wieder entlassen wer- den, werden sie infolge der früheren zu guten Ver- pflegung um so unzufriedener. Unteroffizierskantinen seien verboten uird werden beseitigt, sobald sie ermittelt werden. Die Offiziere erhalten nicht mehr Nahrungsmittel, als die Mann- schaftcn. Sie schaffen aber auf ihre eigene Kosten Zuschüsse dazu herbei, und das erwecke den Anschein der Ungleick7heit. Menage- kommissionen bestehen; sie seien eine alte Einrichtung. Eine Ver- fügung werde darauf hinweisen, wie diese Einrichtung am besten nutzbar geniacht werden könne. Von der Löhnung dürfen Abzüge unter keinen Umständen gemacht werden. Abg. Weilnböck(kons.): Die Klagen der Sozialdemokraten seien nur in Ausnahmefällen berechtigt; leider seien diese Aus- nahmefälle aber sehr häufig. Abg. L i e s ch i n g(Freist Vp.) schloß sich den Beschwerden der Sozialdemokraten an. Abg. Dr. Cohn(Arbg.): Daran sei nicht zu zweifeln, daß die Militärverwaltung für die Verpflegung der Mannschaften aufs beste zu sorgen bestrebt sei. Aber bei den unteren Organen kämen nur zu oft Ungehörigteiten vor. Am zweckmäßigsten wäre es, wenn die Offiziere keinen Anteil an der Mannschaftsspeisung haben würden. Die Offiziersgehälter seien so hoch, daß diese Herren ihre Ernährung aus der eigenen Tasche sich besorgen und bezahlen könnten. Ist es wahr, daß dem Deut- schen Wehrverein seit Ausbruch des Krieges jährlich ein Zuschuß von 69 999 M. gewährt werde? Aus welchen Mitteln und zu welchem Zweck werden diese Gelder bewilligt? Wie steht es mit der vom Reichstag verlangten Aenderuug des Militär straf- gesetzbuchs? Ein Vertreter des Kriegs mini st eriums antwortet, daß die Vorbereitungen, das Militärftrafgesetzbuch durch Herabsetzung der Mindeststrafcn zu ändern, im Gange seien. Die höheren Kom- mandobehörden seien in dieser Sache befragt worden. Die Ant- Worten liegen bereits vor und sollen jetzt uw glichst schnell bearbeitet werden. Abg. G i e S b e r t s begründet zwei Abänderungsanträge zu dem Antrage der Sozialdemokraten. Danach soll verlangt werden, daß das Beköstigungsgeld der aus dienstlichen Gründen auf Selbst- Verpflegung angewiesenen Mannschafteil entsprechend den verteuerten Lebensmitteln gestaltet werde, und daß die verheirateten Mannschaften, besonders solche mit großer Kinderzahl der älteren Jahrgänge, soweit es aus militärischen Gründen angängig er- scheint, für längere Zeit in die Heimat beurlaubt würden. Abg. S t ü ck l e n(Soz.) bittet, daß der Erlaß über Schonung gewisser Familien veröffentlicht werde. Er erhebt dagegen Ein- spruch, daß zu den Paraden im Felde auch solche Mannschaften herangezogen werden, die unter Lebensgefahr aus den Schützen- grüben herbeieilen müßten. Wenn die Leute hierbei ihren Tod fanden, wäre das nicht zu verantworten. General v. O v e n erklärt, daß� die Erhöhung der Pflegefätze schon vorbereitet sei. Außerdem stellte er fest, daß Ersparnisse in den Kantinen � und Marketendereien nur für die Mannschaften selbst verwendet werden dürfen...... Abg. Schöpflin(Soz.): Ganz besonder? bedauerlich sei eS, daß Mannschaften im Felde zu Arreststrafen verurteilt und zur Abbüßung an einen Baum gebunden werden. Diese Strafe passe nicht mehr in unsere Zell und sollte unbedingt besei- tigt werden. Ein Vertreter des Kriegsministeriums: Dem Deut- scheu Wehrverein seien keine besonderen Zuwendungen gemacht. Dagegen beziehe das Kriegsininisterium die Zeitschrift des Wehr- Vereins„Die Wehr" und schicke sie als Lesestoff ins Feld. Dafür werde allerdings dem Wehrverein eine größere Entschädigung ge- währt. Abg. Dr. Pfleger weist auf den Pserdemangel in der Land- wirtschafr hin und bittet, daß die Militärbehörde helfe, diesen Mangel zu beseitigen. Der Vertreter des Kriegsministers: Die Oberste Heeres- leitung habe in sehr wirksamer Weise in dieser Beziehung mitge- wirkt und eine große Anzahl Pferde vorübergehend zur Verfügung gestellt. Die Abgg. Held und F e g t e r brachten dann noch einige Be- schwerden vor. Dann wurden die Arbeiterfragen in den Militär- Werkstätten besprochen. Abg. Brandes(Soz.) wies aus die großen Leistungen hin, die von den Arbeitern in den Militärartihelfabriken verlangt werden. Diese hohen Leistungen können nur dann erreicht werden, wenn doppelte und dreifache Schicht eingeführt wird. Ebenso müßte der größte Wert auf die Ernährung und Behandlung der Arbeiter ge- legt werden. Bei der Besetzung der Arbeitsstellen sollte nicht allge- mein von Offizieren entschieden werden, sondern es sollten Sachver- ständige aus den Reihen der Arbeiter und Unternehmer zugezogen werden. Die Leistungsfähigkeit der Arbeiter hänge sehr davon ad, daß der Arbeiter an derjenigen Stelle beschäftigt werde, wo er am leistungsfähigsten ist.— Sehr bewährt haben sich die Schlichtungs- kommissionen, in denen außer der Militärbehörde auch die Ver- treter der Arbeiter und der Unternehmer mitwirken. Leider seien diese Schlichtungskommissionen nur in den Bezirken einzelner Generalkommandos eingeführt worden. Wo sie nicht vorhanden seien, da würden die Beschwerden oft genug nicht sachgemäß erledigt, in allen Fällen aber dauerte die Erledigung viel zu lange. Ein Ar- beitswechsel mühte den beurlaubten Arbeitern möglich sein, wenn sie in kurzer Zeit eine passende Stelle finden. Unter keinen Um- ständen sollte es zugelassen werden, daß ein Unternehmer die An- spräche der Arbeiter aus bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen mit der Drohung unterdrücke, er werde dafür sorgen, daß der Arbeiter wieder in den Schützengraben komme. In den Pulverfabriken sei die Lohnsteigerung durchaus ungenügend. Bei der Arbeit selbst müßten Schutzmaßnahmen möglichst durchgeführt werben. RKmer führt einen bezeichnenden Fall aus Mülhausen an. Oberst v. Wriesberg versprach, daß alles geschehen solle, um die Wünsche der Arbeiter, soweit es irgend geijt, zu erfüllen und da- durch die Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Abg. Bauer(Soz.) gab zu, daß die Militärverwal» tung denbesten Willen habe; jedoch sei notwendig, daß daS Arbeitsamt im Kriegsministerium nicht wie jetzt nur hin und wieder in Fühlung mit den Organisationen der Arbeiter und Unternehmer trete, sondern regelmäßig mit ihnen in Fühlung bleibe und sie stets vorher höre, wenn sich neue Anordnungen als notwendig erweisen. Die Frauenarbeit werde jetzt in immer weiterem Maße angewendet, selbst bei Arbeiten, die ihrer Natur nach für Frauen ungeeignet sind. Unter allen Umständen müssen aber die Frauen stets ärztlich unter- sucht werden, bevor ihnen eine derartige anstrengende Arbeit zu- gemutet wird. Bei dem Bestreben, Ausländer zu den Arbeiten hier heranzuziehen, müsse mit großer Vorsicht und mit Verständnis für die Arbeiterverhältnisse vorgegangen werden. Den Gewerkschaften müßte eS möglich sein, sich auch der ausländischen Arbeiter anzunehmen. Leider hätten das preußische Ministerium des Innern und der preußische Handelsminister dagegen Einspruch erhoben. i Dieser Einspruch müsse recht bald beseitigt werden. Die polni- fdj ett A r V e s! e r avS Rußland würden leider nur zu oft der Anwerbung für Arbeiten in Deutschland getäuscht. Ganz befandet« starke Beschwerden liegen vor aus Rheinland und Westfalen und aus der Maschinenbauanstalt Humboldt in Köln-Kalk. Die Löhne seien vielfach sehr gering; dies gelte auch für die Krupp- s ch e Fabrik, wo ein starker TcrroriSmus auch während deS Krieges ausgeübt werde. In diesen ganzen Bezirken fehlt die Schlichtungskommission. Das Generalkommando des siebenten Armeekorps in Münster wolle durchaus nicht zu dieser Maßnahme greifen, die sich doch sonst überall aufs beste bewährt habe. Auch in Staatsbetrieben kämen unerhörte Behandlung und zu niedrige Löhne vor. Der Tarifvertrag, der im Korbmacher- gewerbe zwischen Unternehmern und Arbeitern abgeschlosien sei, sei von der preußischen Feldzeugmeisterei nicht als maßgebend aner- kannt worden. Dos Versammlungsrecht der Arbeiter werde noch an manchen Stellen nicht genügend geachtet. Die Generalkom- m i s s i o n der Gewerkschaften habe immer wieder Beschwer- den dem Kriegsministerium unterbreitet. Es daure aber viel zu lange, bis sie beseitigt werden. Oberst v. Wrieöberg: Er wolle sich nicht auf die Einzel- heiten einlassen, versichere aber, daß alles geprüft und alles getan werden soll, arm Besserung zu erreichen. Ein andrerer Vertreter des K r i e g S m i n i st e ri u m s versicherte, daß die Löhne in den Pulverfabriken beträchtlich erhöht seien, zum Teil wieder in den letzten Tagen. Dann wurde über die Anträge hierzu abgestimmt. Der Antrag der Sozialdemokraten, der eine Erhöh ungder Löh- n u n g forderte, wurde gegen die sozialdemokratischen Stimmen a b- gelehnt. Der sozialdemokratische Antrag, der die Schonung der durch den Krieg bereits schwer getroffenen Familien fordert, wurde mit Rücksicht auf die zusagenden Erklärungen deS Kriegsministe. riums zurückgezogen. Tie anderen Anträge der Sozialdemokraten wurden zum Teil nach den Aenderungsvorfchlägen der bürgerlichen Parteien angenommen, Dienstag: Ernährungsfragen. * Bei der Erörterung der Löhnung?» und Verpfle- gungSfragen im HauptauSfchuß des Reichstages teilte heute Oberst v. Wriesberg mit, daß Generalfelsmarschall v. Hindenburg einen besonderen Erlaß gegen Miß- Handlungen herausgegeben habe. Die Verpflegung und die Stimmung unseres Heeres sei vortrefflich. « Der Ausschuß zur Beratung de? Entwurfes über Festsetzung von Kursen der zum Börsenhandel zu- gelassenen Wertpapiere nahm heute den Entwurf mit einer gering- fügigen Aenderung an._ politische Uebersicht. Fabiuö Maximus Helfferich. Man schreibt uns: Zur Berteibigung des Belagerungszustandes hat der Vize- kanzler im Reichstag selbst die Schatten der alten Römer herauf- beschworen. Dieses ebenso staatskluge wie republikanisch gesinnte Volt meinte Herr Helfferich— habe doch auch für den Fall der äußersten Gefährdung des Staates die Einrichtung der Diktatur ge- troffen. Mit diesem geschichtlichen Vergleich ist der Vizekanzler bös hereingefallen. Wie jeder Kenner deS römischen Staatsrechts weiß, war in Rom die Diktatur guf die Höchstdauer von sechs Monaten begrenzt. Auch als Hanntbal vor den Toren stand, mußte Fabiu« Maximu»(.der Große') fein Diktatorenamt nach Ab- lauf dieser Zeit niederlegen. Bei un« aber herrscht der Belagerungszustand schon 27 Monate, obwohl weder der Feind im Lande steht, noch ein FabiuS MaximuS die Zensur handhabt, noch nach Aufhebung deS BelagcrungSzusiandeS eine republitantfche Verfassung in Kraft tritt. „Gründlicher Wandel ist«nerlählich.. Die Wirkung der Sonnabcndsitzung des Reichstags mit ihren Anklagereden gegen den Belagerungszustand hat sich al» so stark erwiesen, daß selbst Herr V. Z e d l i tz in der. P o st' gegen die Willkür und die Unzuträglichkeiten deS Belagerungszustandes Front macht und es als ein elementares Gebot der Staats« k l u g h e i t bezeichnet, den ungunstigen Wirkungen vorzubeugen, die unberechtigte Eingriffe in die Freiheit auf die Volksseele ausüben. .Unbegeeifkcherweise ist ober gegen dieses Gebot vielfach verstoßen worden, darüber läßt bedauerlicherweise die Reichstags- Verhandlung vom Sonnabend keinen Zweifel. Und zwar nicht bloß in der erste n Zeit des Krieges, in der Mißgriffe leichter zu entschuldigen waren Manche» legt auch die Vernniiung nahe, daß die oberen Stellen nicht bloß durch Gehenlassen und Mangel an Aussicht gefehlt haben. Gründlicher Wandel ist unerläßlich und so dring- I i ch wie möglich. Zu einer Reichstagsverhandlung wie der vom 27. darf nicht noch einmal Anlaß gegeben werden. Zu diesem Ende wird der im Reichstag vorliegende Plan, die Schutzhaft auf eine dein Rechts- und FreiheitSbewußlsein unseres Volkes ent- svrechende gesetzlicheGrundlage zu bringen, in die Tat umzusetzen sein. Unablässig aber davon ist eine unverzügliche N a ch p r ü f un g aller Fälle von Schutzbast und eine von jeder Eng- Herzigkeit frei« Abhilfe in allen Fällen unerläßlich, in denen sich die erhobenen Beschwerden als begründet erweisen. Hier tut Eile dringend not, sowohl im Jntereffe der Sache als auch der Re- g i e r u n g selbst.' Das olles trifft sicherlich zu; daß aber der Herr v. Zedlitz als unerläßlich bezeichnete.gründliche Wandel' durch gesetzliche Regelung der Schutzhaft eintreten könnte, ist eine Utopie. Ein solcher Wandel würde nur eiutreten, wenn— wie die sozialdemokratischen Redner fortgesetzt forderten— die Quelle de» UebelS beseitigt würde: der Belagern ngszu st andl Anfragen im Reichstage. Abg. Dr. Ouarck fragt: «Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß auf Grund des § 11 des Militärunterstützungsgesetzes von 138S zahlreiche Familien von Kriegsteilnehmern der Kriegsunterstützung und der Reichs» wochcnhilfe verlustig gehen und der Armenhilfe anheimfallen? Be- steht die Absicht, den§ 11 einer entsprechenden Abänderung zu unterziehen und dem Reichstage demnächst eine entsprechende Vor- läge zu unterbreiten?' Eine Anfrage des Abg. Kuckhoff bezieht sich auf den Schutz jugendlicher Personen in ihrer geistigen und sittlichen EntWicke- lung. Er fragt:«Ist der Herr Reichskanzler bereit, dahin zu wirken, daß im Sinne eines geeigneten Schutzes der Jugend gegen- über den im Kriege erhöhten Gefahren, insbesondere für die Be- tämpfung der Schundliteratur und des Kinounwesens gemeinsame Richtlinien für das gesamte Gebiet des Deutschen Reiches an alle stellvertretenden Generalkommandos gegeben weiden, so wie es für die militärische Vorbereitung der Jugend durch die Verfügung vom lö. August 1914 geschehen ist?' Die Frage geht dann weiter dahin, ob der Reichskanzler bereit ist, dem Reichstage einen Bericht über den Inhalt der bisher in dieser Frage ergangenen Erlaffe zu unter- breiten. Der Abg. Schwarz(Schweinfurt) hat folgende Anfrage ge- stellt: Die Kommunalverbände und städtischen Verwaltungen, welche an die ihnen angehörigen oder zugewiesenen BevölleruitgS- kreise Lebensmittel gegen Bezahlung abgeben oder perwitteln« find im Zweifel, ob sie hierfür der Umsatzsteuer unterliegen. Ter Fragesteller wünscht, daß dafür Sorge getragen wird, daß dieser nicht gewerbsmäßige Umsatz von der genannten Stcucrpflicht de- freit bleibt. Ttrafantrag des Reichskanzlers gegen den Grafen Rcvcntlow. Der„Voss. Ztg." zufolge hat der Reichskanzler bei der Staatsanwaltschaft Sirafantrag gegen den Grafen Ernst Rcvcntlow wegen Beleidigung gestellt. Die Beleidigung soll in der letzten Lersainnilung des„Unabhängigen Ausschusses für einen deutschen Frieden" im Abgeordnetcnhause ge- fallen sein. Professor S ch i e m a n n ist, wie das«Berl. Tagebl." hört, auL dem ,, Unabhängigen Ausschuß für einen deutschen Frieden" ausgetreten. Wer hat das angeordnet? Ter Beschluß des Hauptausschusses des Reichstags betreffend Erhebung über die Gehälter der in den Kriegsgesellschaften be- schäftigten Personen und deren konfessionelle Zugehörigkeit hat bis- her weder eine bindende Zustimmung des Reichstags noch des Bundesrats gefunden. Personen, die ohne solche bindende Zustim- mung und Anweisung der oberen Behörde trotzdem dergleichen Er- Hebungen veranstalten, machen sich zweifellos eines Uebergriffs schuldig. Tatsächlich sind nun aber l>ereits dergleichen Erhebungen erfolgt. In der Zen t ra lei n ka u fs ges e ll scha ft hat man durch Umfrage die Zahl der beschäftigten Juden festgestellt, in anderen Gesellschaften sind sogar genaue Ermittelungen durch Listen vorgenommen worden. Es wird Sache des Reichskanzlers sein, nachzuprüfen, wer zu solchen Maßnahmen Veranlassung gegeben hat und welche Absichten die betreffenden Personen verfolgen. Jedenfalls ist öffentliche Auf- Aufklärung über das merkwürdige Treiben geboten. Nach einer Mitteilung des«Berl. Tagebl.' hat auch die Kriegs- rohstoffgcscllschast den ihr unterstellten Kriegsgesellschaften eine Aufforderung zugehen lassen, eine entsprechende Statistik zu der- anstalten. Bei der KriegSmetallgescllschaft ist die Statistik bereits durchgeführt. „Kreuzzeitung" und„Vorwärts". Die.Kreuzzeitung' gibt in ihrer gestrigen Sbendnummer den Inhalt deS Montagsartilels im»Vorwärts' wieder und bemerkt dazu: «Als einen billigen Frieden sieht der«Vorwärts' einen solchen an, der die Sicherheit des Reiche» gewährleistet. Es ist wohl nur stilistische Vergeßlichkeit, daß neben der Sicherheit des Reiches nicht auch seine wirtschafttiche Entwicklungs- Möglichkeit genannt ist, wie sonst in sozialdemokratischen Kund- gebungen. Nimmt man das hinzu, so kann man sich mit der sozialdemokratischen Formulierung einverstanden erklären, und eS kommt dann nur auf ihre Auslegung an. Unseres ErachtenS wäre jene wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkcit nicht gegeben, wenn wir die ganze Milliardenlast dieieS Krieges durch die kommenden Jahrzehnte mit uns zu schleppen hätten und sie nicht so oder wenigstens zu einem Teil auf unsere Gegner abwälzen würden. Ueber diesen Punkt hat die Sozialdemokratie bisher sorgsam geschwiegen. Und die Sicherheit des Reiches wird so lange nicht gegeben sein, als ein Krieg gegen Deutsch« land für England nicht ein ganz anderes Risiko bedeute� als unier den marinepolitiickien Verhältnissen, wie sie vor de� Kriege bestanden. Diese Sicherheit und diese En. w i ck l u n g L m ö g I i ch k e i t werden wir aber nich' schaffen können, ehe die Gegner nicht«völlig niedergcworfen' iind. Denn vorher werden sie zu einem solchen Frieden nicht bereit sein. Deshalb ist aber auch die ganze Unterscheidung des.Vorwärts' hinfällig. Und deshalb ist es auch zwecklos, solche Unterscheidungen zu konstruieren, und schädlich, weil dadurch bei unseren Gegnern nur übertriebene Vorstellungen von unserem Friedensbedürfnis hervorgerusen werden. Feierlich erklärt der.Vorwärts', er wolle, daß nicht nur das deutsche Volt, sondern daß auch die anderen Völker Europas leben, die so viel zum Fortschritt der menschlichen Kultur beigetragen hätten. Wer wollte das nicht? Aber ohne bisse- renzierende Rückwirkung auf die politischen und wirtschaftlichen LebenSvcrbältnisse der am Krieg beteiligten Völker wird dieser ge« waltige Völkerkampf nicht bleiben können. DaS werden nur die allerinternationalstcn Genossen verlangen.' Diese Ausführungen sind in der Tat ein Schulbeispiel dafür. daß eine geschickte.Auslegung' eine Friedensforderung in eine Annexionssoiderung umzuwandeln vermag. Diese Kunst wird in der konservativen Presse schon seit vielen Monaten an dem Satz «Sicherung der wirtschafrlichen Entwicklungsmöglichkeil' geübt und zwar in demselben Sinne, wie eS jetzt in der„Kreuz-Ztg.' geschieht: daß eine solche.Sicherung' nur durch»völige Nieder- werfung der Feinde' geschaffen werden kann. Wenn die gegnerische Presse von solchen Auslegungslünsten nicht Abstand nehmen sollte, würde sich die Notwendigkeit ergeben, unser Friedens- Programm in solcher Weise zu sormulieren, daß e» nicht zum AuS« Hängeschild ganz ander» gearteter Wünsche gemacht wird. Zur Reichstagswahl in Oschah-Grimma. Diese Nachwahl, die am 23. November stattfindet, wird politisch immer interessanter. Die Konservativen Sachsen» haben bekannt- lich den Fabrikanten Dr. W i l d g r u b e aus Dresden aufgestellt. Dieser Herr hat die Kanzlerfronden-Eingabe an den Sächsischen Landtag mit unterzeichnet, wird überhaupt mit Recht der extremen Richtung unter den Kriegspolitikern zugerechnet. Deshalb fand dies« Kandidatur in liberalen Kreisen lebhaften Widerspruch. Nicht nur da» freisinnige Blatt in Oschatz, daS im Wahlkreise nicht unwesentlichen Einfluß hat, sondern auch das «Leipziger Tageblatt", das führende Organ der sächsischen Nationallibcralen, hat sich sehr unwillig dagegen ausgesprochen. Gleiche» geschah in anderen liberalen Blättern deS Reichs. Daraufhin hat Dr. Wildgrube in Erklärungen und Artikeln der konser- vativen Presse Sachsen» geantwortet und mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß er sich doch mit seiner politischen Haltung in sehr guter Gesellschaft führender— auch sächsischer— Liberaler befinde. Den Aerger seiner bürgerlichen Gegner sucht er auf den sozialdemokratischen Gegenkandidaten abzulenken. In diesem Beginnen erhält Herr Wildgrube jetzt unerwartete Hilfe aus dem Lager der N a t i o n a l I i b e r a l e n. In einem Teil der bürgerlichen Presse Sachsens meldet sich in einem längeren Artikel„ein Angehöriger der Nationalliberalen Sachsens, Mitglied des Nationalliberalen Reichsvereins in Dresden' zum Wort, der seinen Partei- freunden ganz gehörig wegen ihres Verhaltens Wildgrube gegen- über den Text liest. In der Einleitung des Artikels wird zunächst darauf hingewiesen, daß durch. diese Reichstagswahl durch Bruch deS Burgfriedens«dem feindlichen Auslande da? erstemal seit Kriegsbeginn' ein«langersehnte» Schauspiel' geboten werde. Diese Bemerkung richtet sich gegen die sozialdemokratische Kan- didatur. Dann wird gesagt, daß dieser«niederdrückende und be- schämende Vorgang in ein ganz besonders peinliche» Licht' trete «dluch die überaus bedauerliche Haltung einiger kisieraker Zeitung««, siere« Hintermamrer, imveschwert »on nationalen GcwissenSbedenken, ohne den geringsten sachlichen An laß.(I) eine Stimmungsmache gegen die konser- vative Qualität des nationalen Kandidaten betreiben, die an die trübsten Zeiten vergifteter parteipolitischer Gehässigkeiten vor dem Kriege erinnert." Diese„Stimmungsmache" könne nichts anderes bedeuten, als eine Aufforderung an die liberalen Wähler, Wild- grübe nicht zu wählen. Dann fährt der Artikelschreiber fort: «Es liegt im stärksten Interesse der nationalliSeralen Partei. dieser unseligen und gemeingefährlichen Trei- der ei mit Entschiedenheit entgegenzutreten, um des Vater- landes und des guten Namens�der Partei willen. Der Schreiber dieses...empfindet um der Sache willen und aus eingehender Kenntnis der Verhältnisse heraus die ManneSpslicht, törichte Verunglimpfungen eines Mannes zurückzuweisen, der während des Krieges wie selten einer seine kraftvolle Persönlichkeit und sein umfassendes Wissen in den Dienst der rein vaterländischen Idee und ausgerechnet der Bestrebungen gestellt hat, die hin- sichtlich der heute alles überragenden Problewe der auswärtiger Politik und deS künftigen Friedensschlusses von d-w balbamtlichen Instanzen der nationalliberalen Partei und durch Namen, wie die Bassermann», Brandenburgs und Vogels gedeckt werden. Es isi ein starke? Stück, diesen offenkundigen Sachverhalt verhüllen K» wollen." Dann wird weiter bestritten, daß Herr Wildgrnbe ein blinder Gegner deS Liberalismus sei. Er habe immer das Versöhnende. nicht das Trennende zwischen Konservativen und Nationalliberalen herausgearbeitet. Am Schluß bemerkt der Artikelschrciber, daß er sich eins wisse mit zahllosen liberalen Parteigenossen. Diese Berufung ist durchaus berechtigt, denn der Per- tretertag der Nationalliberalen Sachsens, der am 2S. Juni in Chemnitz stattfand, erklärte sich einstimmig(!) einver- standen mit den Beschlüssen des Zentralvorstandes der nationalliberalen Partei Deutschlands in der U-Bootfrage usw. Und Herr Wildgrube hat öffentlich erklärt, daß er sich dieser Kundgebung der sächsischen Nationalliberalen aus- drücklich anschließe. Die Landtagsfraktion der sächsischen Nationalliberalen aber hat vor kurzem dem Reichskanzler unbe- dingte Gefolgschaft gelobt und sich dadurch in Gegensatz zu dem Vertretertag des Reichs gestellt. Unter diesen Umständen ist der oben zitierte Artikel höchst be» merkenswert und man darf weiteren Aeußerungen von der anderen Seite mit Interesse entgegensehen. «» « In der«Leipziger Volkszeitung' wendet sich Genosse LipinSki gegen einen Artikel der«Nachrichten für Grimma", in dem gegen ein Flugblatt für LipinSkis Kandidatur potemisicrt und er selbst als Gegner der Landesverteidigung hingestellt wird. Demgegcn- über bezieht sich Genosse Lipinski auf den Wortlaut deS zu seinen Gunsten erlassenen Flugblatts, in dem es heißt: Was will demgegenüber die Sozialdemokratie? Sie will Deutschland unversehrt und unabhängig erhalten wissen und tritt für die Forderung einer internationalen Handelspolitik des ungehinderten Warenaustausches zwischen den verschiedenen Nationen nebst ihren Kolonien und Protektoraten ein. Sie lehnt alle Annexionen fremdsprachiger Völker und Länder ab, weil Annexionen den Keim zu neuen Kriegen enthalten. Die Sozial- demokratic erstrebt eine Verständigung der Völker zum freien, friedlichen Wettbewerb, zur gemeinsamen Kulturarbeit an. Genosse LipinSki setzt hinzu: Die Darlegung läßt keine Zweifel auskommen. Sie ist die Auffassung der gesamten Sozialdemokratischen Partei. Was die Fraktion Arbeitsgemeinschaft von der Fraktion der Sozialdemo. kratischen Partei trennt, liegt in der Wertung der einzelnen Tatsachen, die für die Beurteilung de? Charakters des Kriege» bestimmend sind. Die Arbeitsgemeinschaft tritt wie die Fraktion für die Verteidigung des bedrohten Vaterlandes ein, sie lehnt eS aber ab. imperialistische Eroberungskriege zu unterstützen. Imperialistische Eroberungskriege zu unterstützen hat die sozialdemokratische Fraktion stet» mit großer Schärfe abgelehnt. Sie ist aber davon überzeugt, daß eS sich auch heute noch um nichts andere? handelt, als darum,«für die Verteidigung des bedrohten Vaterlandes einzutreten". Wenn übrigens die„Nachrichten für Grimma' meinen, hinter LipinSki stünden nur die Anhänger der Arbeitsgemeinschaft, nicht die der Sozialdemokratie im allgemeinen, so ist das ein starker Irrtum. Im Wahlkampf tritt selbstverständlich jeder Sozialdemo- frat für den sozialdemokratischen Kandidaten ein. Und das ist in Oschatz-Grimma allein Genosse Lipinski. Ein neues Kriegsamt. Beim Wechsel im preußischen Kriegsministerium hat sich die Einrichtung eines neuen Kriegsamts nötig gemacht, daS dem Kriegs- Ministerium angegliedert ist. Dem neuen Kriegsamt sind unlerstellt die Beschaffung und Ernährung von Munitions« arbeitet n, Versorgung deS Heeres mit Kriegsmaterial, der Mannschaslsersatz, die Herstellung von Munition und anderem Kriegsmaterial. AIS Leiter des KriegSamt» ist der bisherige Chef des Feldeisenbahnwesens, Generalmajor Gröner in Aussicht genommen._ Das tägliche örot. Ein Plaidoyer für die Gemeinschaftsküche. In einem Artikel, der die Aussichten unserer Ernährung im Winter untersucht, kommt die«Kölnische Zeitung' zu dem Schluß, e« bleibe uns, um für alle Möglichkeilen gewappnet zu sein, nichts anderes übrig, als unsere Vorräte noch besser zu verwerten, als es bisher in der Anarchie der Einzelhaushaltungen möglich war. Das könne nur geschehen durch die Verallgemeinerung der Gemeinschaftsküche. Ueber die bisherigen Mossenspeisungen sagt daS Blatt, daß sie ihren Zweck nicht erreicht haben, weil nicht mehr als£> bis 10 Prozent der Bevölkerung daran beteiligt seien. Um die Vorteile der Massenspeisungen richtig zu beurteilen, müsse folgendes im Luge behalten werden: «Mit der Gemeinschaftsküche wird der Kampf gegen den Wucher erleichtert, die Hamsiertätigkeit hört mebr oder weniger auf, das stundenlange Warten vor den Geschäften erübrigt sich; die Lebensmittel tzverdcn rationeller verwandt; viele SckiiÄten des Voltes werden besser und billiger ernährt als bisher; weibliche Lrbeililräfle werde» für neue Ausgaben frei: daS Gemeinschastögesühl des Volles erhält einen neuen Antrieb. Es sind jedenfalls triftige Gründe, die sür eine Ausdehnung der Gemeinschaftsspeisung, für den Uebergang vom fakultativen System, mit dein wir nach den Erfahrungen nicht weiterkommen, zum obligatorischen sprechen.' Um so überraschender' findet es das Blatt, daß Herr v. Batocki diese Bestrebungen ziemlich unverblümt abgelehnt hat. «Ter Reichstag müßte unseren Verantwortlichen Ernährung?» minister fragen, ob er auch obne die Einführung einer er- wetterten GemeinichastSspeisung die Gewähr dafür übernehmen kann, daß uns Notstände in der Ernährung sür die kommende Zeit erspart bleiben werden. Kann diese Zusicherung nickt gegeben werden, dann dürfen keinerlei Gefüblsmotnente die Volksvertreter ahbalten, sich für diesen letzten entscheidenden Schritt einzu setze». Wie dre Semeinschastsspeisung im einzelne» durchzuführen ist. ob man einen unmittelbaren Zwang zur Teil« nähme einführt oder den Selbstversorgern, die sich von irgend« woher Lebensmittel zu verschaffen wissen, die Teilnahme freistellt, ob man einmal oder zweimal täglich die Menge speist, ob man auch die verschiedenartigen NahrungSbedürsmsse bcrückfichtigen kann, das wird man erst zu erörtern haben, wenn Regierung und Reichstag sich grundsätzlich zur grotzen Volkslüäie bekannt haben. Darüber müsse» die Rcichstagssitzungen Ausschlug geben.' Wir können diesen Ausführungen deS nationalliberalen Blattes durchaus zustimmen und bedauern eS nur, daß die Einsicht in die Notwendigkeit der obligatorischen Massenspcisung, die von sozial- demokratischer Seite schon längst gefordert wurde, erst jetzt in bürger» liche Kreise Eingang findet. Die Lage auf dem Schweineularkt. Kein Gebiet der Lebensmittelversorgung zeigt— wenn wir von der Berfahrcnheit auf dem Acpfelmarkte absehen— augenblicklich ein solches verworrcncs«Bild wie doS des Schweinemarktes. Wir haben erst in der letzten Freitagnuminer des„Vorwärts' gezeigt, wie verkehrt der Ansporn der allgemeinen Aufmast ist. Die Be- stimmungen über die Hausschlachtungen aber, wonach jeder berech« tigt ist, ein Schlvein zu schlachten, wenn er es zuvor sechs Wochen lang in eigener Fütterung gehabt hat, haben zu vollständig unhalt- baren Zuständen geführt. Nicht nur, daß die wildesten Käufe von gutsituierten Personen daraufhin einsetzten und dadurch der Markt an Schlachtschwcincn entblößt wurde; nein, infolge des Futter- mangels und infolge der Unkenntnis mit der Pflege sind die ange« kauften Tiere während der sechs Wochen vielfdch erheblich im Gewicht zurückgegangen und dann abgeschlachtet worden. Aber damit nicht genug. Die Lücke in der Preisverordnung, daß für Zucht- fchweine keine Höchstpreise festgesetzt sind, ist dazu benutzt worden, zum Teil die unglaublichsten Preise zu fordern und anzubieten. Es werden solche von 400 M. und mehr für 100 Pfund Lebendgewicht genannt. Diesem Treiben sucht das Landesfleischamt für das Königreich Preußen jetzt in etwas Einhalt zu gebieten. Es hat den Verkauf von Schweinen über lIO Pfund an Private verboten und erklärt, daß diese Schweine nur den zuständigen Organen der Vichhandels- verbände verkauft werden dürfen. Letztere sollen für die Per- mittlung der Schweine an zuverlässige Mastbetriebe Sorge tragen. Außerdem werden diejenigen Leute, welche für Hausschlachtschweine hinreichend Futter haben, gezwungen, jüngere Schweine groß zu ziehen. Diese Maßnahmen sind sicher sehr erfreulich. Daneben sollten aber Höchstpreise für Zuchtschweine fest« gesetzt werden, die nicht erheblich höher sein dürfen wie die für Schlachtschweine. Auch die An- rechnung des Fleisches der Hausschlachtschweine auf die Entnahme von Frischfleisch mit nur der Hälfte sollte auf mindestens Zwei» drittel heraufgesetzt werden. Mit diesen Maßnahmen in Ver- bindung mit den bereits getroffenen würde erreicht werden, daß der Allgemeinheit wieder etwas Schweinefleisch und mehr Fett zu- geführt werden könnte. Oer �vorwarts�konflitt rniü öie Kreisorganisationen. Die Berliner Parteigenossen nahmen am Freitag in fünf Gene- �Versammlungen Stellung zu dem„Vorwärts"-Konflikt. . Generalversammlung des zweiten Wahlkreises, die in den .Viktoriasälen' in der Lützowstraße stattfand, war sehr gut be- snchr. Zur Tagesordnung„Unser Parteiblatt, der„Vorwärts', und das Verhalten deS Parteivorstandes" gab der Kreisvorsitzende Ge- nasse Jacubowski eine ausführliche Darstellung der Berhand- hingen, die um die Aufhebung des„VorwärtS'-VerbotS geführt wurden und schildert dann die Verhältnisse, wie sie sich nach dem Wiedererscheinen deS„Vorwärts" in der Reaktion gestaltet haben. Diesem Vorgehen des Parteivorstandes könne die Berliner Arbeiter- schaft nicht tatenlos gegenüberstehen. Geredet worden sei genug. Jetzt müsse gehandelt werden. Deshalb empfeble der Kreisvorstand eine Resolution, die der Verbandsgeneralversammlung vorgelegt werden soll. Genosse Richard Fischer wandte sich gegen diese Resolu- hon. Die Darstellung JacubowSkiS über die Verhandlungen seien zum Teil falsch, zum Teil unvollständig. Wohl sei die Druckerei Eigentum der Berliner Genossen, nicht aber der„Vorwärts'. Dieser sei Eigentum des Parteioorstandes. Der Parteivorstand wolle ja beide Teile zum Wort kommen lassen. Er verlange nur gleiches Recht für Mehrheit und Minderheit. Durch einen Boykott des„Vor- wärtö würde nicht nur der„Vorwärts" geschädigt, sondern unsere eigene Sache, die Sache der Partei.— In längerer Rede trat Ge- noss« Stadthagcn den Ausführungen Fischers entgegen. An Hand des Materials über die Verhandlungen mit dem Ober- kommando weist Stadthagen nach, daß das Oberkommando nur die Garantie verlangte, daß die Zensurvorschriften beachtet werden. Die VorwärtS-Druckerei sei Alleineigentum der Berliner Genossen. Das Blatt.Vorwärts' sei im Interesse seiner Leser und der Partei durch die Prcßkommission und den Parteivorstand zu ver- walten. Der Parteivorstand habe aber die Notlage der Berliner Genossen für seine Partei ztvecke ausgenutzt. Zwischen dem Ge- nassen Müller vom Parteivorstand und der Redaktion sei ein kollegiales Zusammenarbeiten unmöglich. Wenn der Parteivor- stand keine Spaltung der Partei herbeiführen will, muß er den Streit beizulegen suche». Die Resolution des Kreisvorstande» wurde mit 171 gegen LS Stimmen angenommen. Die Generalversammlung deS dritten Kreise» fand im Gewerk- schaftshause statt. Das einleitende Referat gab Genosse Braun al» Vorsitzender des Kreises. Er schilderte die Verhandlungen der dazu berufenen Körperschaften sowie des Zentralvorstandcs von Groß-Berlin vom„Votwärts'-Berbot bis zur Aushebung desselben und legte den Versammelten klar, wie der Parteivorstand sich in» Unrecht gesetzt habe und weit über die Befugnisse hinausgegangen ist. die ihm laut Organisahonsstawt zusteben. In der sehr lebhasten Diskussion verurteilten auch einig« Anhänger der Parteimehrheit das Gebaren des Parteivorstandes in dieser Frage; aber sie könnten sich nicht entschließen, für die vorgeschlagen« Resolution zu stimmen, da sonst den gegnerischen Blättern die Abonnenten zugute kommen unb unsere Organisation Schaden erleidet. Einigen Rednern ging hinwiederum die Resolution nicht weit genug. Bei der Abstinunung ergab sich für die Resolution auf Einbe- Haltung des AbonnenientSbetrages eine Majorität von 112 gegen Lö Luimmen. Mehr als vier Fünftel der Anwesenden stimmten also für die Resolution. Äu» dem vierten Wahlkreis liegt unS bisher ein Bericht nicht vor. Im fünften Wahlkreis wurde nach lebhafter Debatte der An- trag auf Verweigerung der Abonnementszahlnng mit 90 gegen 44 Stimmen angenommen. Im sechsten Wahlkreis schilderte der Vorsitzende des Kreises, Genosse Leid, die Entstehung deS„Vorwärts", der als„Berliner Volksblatt' eine Gründung der Berliner Genoffen ist. Erst auf dem Parteitage in Erfurt wurde er zum Zentralorgan unter dem Titel „Vorwärts" gemacht. Immer aber habe es als selbstverständlich gegolten, daß den Berlinern Anrecht und Einfluß auf das Blatt geivahrt bleibe, das sie seinerzeit so bereitwillig in den Dienst der Gesamtpartei gestellt hätten. Alle Parteitage seien einmütig der Ansicht gewesen, daß man den Berliner Genossen nicht den Einfluß auf ihr Blatt verwehren könne, den alle Provinzgenossen für das Blatt ihres Ortes als etwas ganz Selbstverständliches ansehen. Die Genossin Schubert schilderte dann als Mitglied der Preßkom- Mission den Gang der Verhandlungen zwischen den Berliner In- stanzen und dem Parteivorstcrnd, die mit dem eigenmächtigen Ab- schluß einer Vereinbarung des Vorstandes mit dem Oberkommando endeten. In der sehr ausgiebigen Diskussion traten die Genossen Heine n. Walcher und L ö h r für die Veitragssperre ein. Ihnen traten namentlich die Genossen Ledebour und S t r ö b e l sowie der Vorsitzende Leid entgegen. Die Bezirke 49t, 492 und 493 be- antragten, der sechste Kreis möge sich die Teltow-Beeskower Be- schlüsse zu eigen machen. Das wurde aber abgelehnt. In der ge- meinsamen Abstimmung über die Anträge auf Veitragssperre fanden sich für diese bei 038 Anwesenden nur 15 Stimmen. Die Beitragssperre wurde also mit überwältigender Majorität abge- lehnt. Tann erhob die Generalversammlung einen Antrag der Kreiskonferenz zu ihrem Beschluß, in welchem entschiedenster Widerspruch gegen das Vorgehen des Parteivvrstandes erHobe» wurde. Schließlich nahm die Versammlung den Antrag auf Jnhibierung der Abonnementszahlung mit allen gegen nur 5 Stimmen an. Aus Teltow-Beeskow. In einer Reibe Milgliederversammlungen und Extra zahlabenden nahmen die Genossen Stellung zü den vcschtüssen der KreiSgeneral- Versammlung, die siw am Sonnlag. den 22. Oktober, mir dem „Vorwärts" und dem Parteivorstand, beswänigl hatte. Wir lassen aus den verschiedenen Versammlungsberichten der Kürze halber einen Auszug folgen: Eharlotteuburg. Der Extrazahlabend war von zirka 160 Genossen besucht. Da« Verhalten des Parteivorstandes wurde in scharfer Weise gegeißelt und als Abwehrmaßnabme die Anträge der Kreis- generatversammlung mit allen gegen 4 Stimmen crngenommen. Die obligatorische Einführung der„Gleichheit" wurde den Frauenleje- abenden zur Beratung überwiesen. Bohnsdorf. Anwesend waren 70 Genossen. Alle Anträge der Kreisgeneralversammlung wurden gegen wenige Stimmen an- genommen, der Antrag deS BezirlsvorstandeS von Groß-Berlin als völlig ungenügend abgelehnt. Der obligatorischen Einführung der„Gleichheit" wurde ein« mutig zugestimmt. Britz-Buckow. Die Versammlung verurteilte daS Verhalten deS Parteivorstandes auis schärfste und fordert durchgreifende Gegen- maßregeln. Die Resolution deS Kreisvorstandes wurde mit 51 gegen 2 Stimmen, der Beitragssperre-Anirag mit 50 gegen 2 Stimmen, die Resolution Luxemburg einstimmig angenommen. Der„GleichheitS'-Antrag einstimmig. Grünau. Der„Vorwärts'-Antrag wurde mit 13 gegen eine Stimme angenommen, olle anderen Anträge einstiminig, mit Aus« nähme des Beitragssperreantragcs, der abgelehrn wurde. Steglitz. Alle Anträge wurden einstimniig angenommen, mit Ausnahme deö Beitragssperreantrageö, der loohl auch Annahme fand, aber mit 20 gegen 16 Stimmen bei zirka 20 Siimm- enthaltun�en. Mamudorf. 90 Genossen anwesend. Die Anträge de« Kreis- Vorstandes, der Genossin Luxemburg, sowie der„GleichhcitS'-An- trag fanden nach lebhafter Aussprache einstimmige Annahme, der An- trag aus BeitragSsperre wurde mit 53 gegen 5, bei 32 Stimm- enthaltungen, angenommen. Trcptow-Baumichulcnwrg. Die Versammlung war sehr stark be- sucht. Anwesend 204 Mitglieder. Nach lebhafter Debatte wurden alle Anträge, auch der auf BeitragSsperre, gegen wenige Stimmen angenommen. NowaweS. Die Generalversammlung am 25. Oktober beschloß. den Anträgen des KreiSvorstandeS in Sachen der Vorwärlssrage zuzustimmen. Die Beitragssperre wurde abgelehnt. Genossen Neu- mann und Franken wurden delegiert. Beschlossen wurde, aus die Berichterstanung in der„Brandenburger Zeitung' zu verzichten in Rücksicht aus einen Bericht über die letzte Mitgliederversammlung. Der �Vorwärts�-Konflikt und öie Parteiorganisation von Groß-Derlin. Nachdem sich am Freitagabend die fünf Generalversammlungen der Organisationen des 2.. 3., 4., 5. und 6. Wahlkreises mit dem „Vorwärts'-Konslikt befaßt hatten, tagte gm Sonntag in den „Germaniasälen' die Generalversammlung des Verbandes der sozialdemokratischen Wah-vereine Groß-Berlins, um Stellung zu dem„Vorwärts'-Konslikt zu nehmen. Das einleitende Referat hielt Genosse Adolf Hoffmann. Seine Ausführungen über den Vorwärts'-Konslikt bewegten sich in der Hauptsache in demselben Rahmen wie die früher in dieser Sache wiedergegebcnen Dar- legungen der Preßkommission. Unter der Herrschast des Partei- Vorstandes sei der„Vorwärts" ein Blatt der Mehrheit geworden. Er vertrete nicht mehr die Uederzeugung der Berliner Partei- genossen. Jetzt komme es darauf an, unsere Rechte wiederzugewin- nen. Zu diesem Zweck unterbreite der Zentralvorstand im Ein- Verständnis der acht Wahlkreise der Generalversammlung«inen Antrag, welcher die Genossen verpflichtet, den„Vorwärts' nicht zu bezahlen, bis der Parteivorstand sein statutenwidrigeS Ver- halten einstellt und die Berliner Genossen wieder zu ihrem Recht auf den„Vorwärts" gekommen sind. Es falle schwer, diesen Schritt zu tun, aber wir können den Schlag nicht ruhig hinnehmen, den der Parteivsrstand gegen uns führt. In der Diskussion sprachen zunächst vier Mitglieder des Kreises Teltow-BeeSkow. welche die von ihrem Kreise gestellten Anträge begründeten. Diese Anträge fordern: 1. daß die jetzige Redaktwn die Arbeit einstellt, so lange«in Mitglied des Parteioorstandes nicht nur die Zensurvorschriften überwacht, sondern auch den Inhalt des Blattes bestimmt; 2. daß die Leser den„Vorwärts" für die gleiche Zeit ab» bestellen und ihnen ein anderes Parteiblatt geliefert werde oder sie selbst ein solches halten; 3. daß(entsprechend der von der vorigen Verbandsgeneral- Versammlung abgelehnten Resolution Luxemburg) der Zentral- vorstand sich mit anderen Kreisen im Reiche ins Einvernehmen setzt, um gemeinsam über organisatorische Abwehrmaßnahmen zur Rettung der Partei zu beraten; 4. daß die Angestellton im„Vorwärts'-Unternehmen, welche dem Beschluß der Preßkommission systematisch und ausdrücklich zuwiderhandeln, durch andere Angestellte ersetzt werden; 5. daß dem gegenwärtigen Parteivorstand keine Beiträge mehr gezahlt werden, weil er daS Geld zur Bekämpfung des Sozialismus verwendet. Die Redner, welche diese Anträge begründeten, vertraten die Ansicht, der Antrag des Zentralvorstandes sei nur eine Halbheit. Ledebouer begründete eine von ihm und Adolf Hoffmann beantragte Resolution, welche die Parteigenossen im ganzen Reich auffordert, keinem Teilnehmer oder Begünstiger des„Vorwärts". RaubeS ein parlamentarisches Mandat oder ein Parteiamt zu übertragen. Diese Resolution habe den Zweck, ganz klar Stellung zu nehmen gegenüber dem Parteivorstand.— Redner sprach gegen die Beitragssperre, weil sie dem Parteivorstand eine formelle Handhabe bieten würde, gegen die betreffenden Genossen vorzu- gehen. Ströbel: Jetzt, wo eS gilt, zu zeigen, waS die Berliner Genoffen wollen und was sie können, dürfen wir keine andere Frage in diese Angelegenheit hineinziehen. Die Beitragssperre würde ihren Zweck nicht erreichen. Durch den Beschluß der Bei- tragssperre könnte nur gesagt werden, daß wir eine reinliche Scheidung vom Parteivorstand wollen. Die vollziehen wir aber besser dadurch, daß wir dem Parteivorstand die Herzen und Ge- müter der Arbeiter abspenstig machen. Hierauf sprachen noch einige Redner im Sinne der Anträge des Kreises Teltow-Beeskow. Walcher bezeichnet das Verhalten der Berliner Partei- genossen gegenüber dem Vorgehen dcS ParieivorstandeS als zu un- entschieden und deshalb unwirksam. H a a s e stimmt einigen Vorrednern darin bei, daß die im Antrag deS ZcntralvorstandeS an den Parteivorstand gerichtete Aufforderung, feine Gewaltmaßnahmen einzustellen, nur platoni- scheu Wert habe. Der Parteivorstand werde sich dadurch nicht von dem eingeschlagenen Wege abbringen lassen. Es kommt darauf an, daß unverzüglich gehandelt wird. Nachdem der Parteivorstand das Statut in Trümmer geschlagen hat, bleibt nichts anderes übrig, als die bürgerlichen Gerichte gegen sein Vorgehen anzurufen. Tie Lieferung eines anderen Parteiblattes an die Genossen, die den „Vorwärts" nicht bezahlen und ihn deshalb»ickt mehr erhalten, muß organisiert werden. Deshalb halte ich es für richtig, daß die Ausführung dieser Angelegenheit einem heut einzusetzenden Aktion?- aussckmß übertragen wird. Ein Antrag auf Schluß der Diskussion wurde angenommen Und nach einem Schlußwort des Genossen Adolf H o f f m a n n über die vorliegenden Anträge abgestimmt. Eine Resolution Ledebour— A. Hoffmann wurde einstimmig angenommen. Sie fordert die Genossen im Reich auf, keinem der Teilnehmer und Begünstiger des„VorwärtS'-Raubes von neuem ein Parteiamt, ein Reichstags- oder Landtagsinandat oder irgendeine sonstige Ehrcnstell« i» der Partei zu übertragen. Der Antrag Teltow-Beeskow, welcher die Bei- tragssperre empfiehlt, sowie ein dem Inhalt nach gleich- artiger Antrag einiger Parteigenossen des 2., 3., 4. und 6. Wahl- kreises wurden mit 65 gegen 266 Stimmen abgelehnt. Der Antrag Teltow-Beeskow: Abbestellung des„Vor- wärt s", wurde gegen 106 Stimmen abgelehnt und der Antrag des Zentralvorstandes, welcher folgenden Wort- laut hat, mit 212 Stimmen angenommen: Da der Parteivorstand durch sein Vorgehen, weit über die Forlderungen der Militärbehörden hinausgehend, die Hand auf den„Vorwärts", das Eigentum der Groß-Berliner Genossen, ge- legt und die von den Aufsichtsinstanzen eingesetzte Redaktion vergewaltigt hat, da er weiter dem„Vorwärts" eine Haltung gibt, die der politischen Uederzeugung der überwältigenden Mehr- heit der Berliner Genossen widersvricht, fordert die Berbands- genevelversammlung den Parteivorstand auf, seine Gewaltmatz- regeln aufzugeben. Geschieht das nicht, so verpflichtet die VerbandSgeneralver- sammlung die Berliner Parteigenossen, die Zahlung des„Vor- wärts-Abonnements" solange einzustellen, bis der Purteivor- stand sein ftatutentvidrigeS Verhalten aufgegeben hat und die Groß-Breliner Organisationen wieder zu ihren Rechten auf den „Vorwärts" gekommen sind. Der Antrag Teltow- BeeSkows, welcher die A r- beitsniederlegung der Redakte u�r« fordert, wurde gegen 46 Stimmen abgelehnt und mit 257 Stimmen wurde ein Antrag angenommen, der der Redattion des„Vorwärts" volles Vertrauen und die Anerkennung dafür ausspricht, daß sie nicht vom Platze gewichen ist.— Die Generalversammlung erwartet, daß die Redaktion auch ferner, trotz ihrer berechtigten Gefühle, im Interesse der Berliner Genossen und der Gesamtpartei ausharren Wivd. Mit 296 gegen 2 Stimmen wurde eine Resolntio» beschlossen, in der es zum Schlüsse heißt: Um das Recht der Berliner Genossen zur Geltung zu bringen, wird ein Aktionsausschuß eingesetzt, zu dem jeder Kreis ein Mitglied delegiert. Der Aktionsausschuß erhält die zu diesem Zweck erforderliche Vollmacht. Die heutigen Beschlüsse werden diesem Ausschuß überwiesen. Alle übrigen Anträge wurden dem Aktionsausschuh überwiesen. Schließlich wurde noch der beschlossene Aktionsausschuß aus den von den einzelnen Kreisen vorgeschlagenen Mitgliedern gc- bildet. Damit war die Tagesordnung erledigt. » Zu der in diesem Bericht wiedergegebenen, den„Vorwärts" betreffenden Resolution erklärt der Verlag des„Vor- w ä r t s": Der Beschluß soll selbstverständlich die Wirkung eines Boykotts haben. Zu diesem Bekenntnis hat jedoch den Antragstellern und den Beschlußsaffern der Mut der Offenheit gefehlt. Der Verlag ist natürlich gezwungen, allen denen, welche die Zahlung des Abonnements verweigern, die Weiterliefcrung des„Vorwärts" zu entziehen— zumal ja die Lieferung von F r e i- E x e m p l a r e n sowohl von der Preßkommission dcS„Vorwärts" wie durch allgemeine Bcr- fügung der Reichsregierung dem Verlage untersagt worden ist. Der Verlag gibt sich ledoch der Erwartung hin, daß die Abonnenten des„Vorwärts" diesem Rate nicht folgen und so in den jetzigen ernsten Zeiten ihr eigenes Blatt zum Gaudium ihrer Feinde schädigen, sondern daß sie ihrem Blatte und dem Verlage treu bleiben werden. * Der Parteivorstand wird auf den ganzen„Vorwärts"- konflikt in einer eingehenden Darstellung zurückkommen, die morgen veröffentlicht werden wird. öriefkaften der Redaktion. ZU« lurlsllsche Sprechflunde findel tflt«bonnemen«indenft».», IT. H»s cecktS, varlerre. nm MoMag vis FceNag von 4 dt» 7 Ugt, am Goiniaüend von 6 dl» 6 Udt»alt. Jeder sllr den lv c l c I i o lt e n bestimmten ilntrag» tft ein vlichltad« und ein« Lahl olä Merleitchen betwtllgen. vrtesltch« Anlworl Ivird ma: erletlt. Anlragen, denen leine AbonnemlnlSquitiun» beigcsltat ist,»rerden nicht demitworle». Eilige Fragen trage man tn der Sprechstunde vor. vcrtriig«, Schrisisüicke and drrglcichrn»ringe mar in die Sbrechsinnd« inu. . F. W. 19V. Die Zahlen lönnenlich nicht aus die Kranlheilcn bezichen eS sind jedensalls die Nnmmcl» der Vorslellungslisle.— H. G. 1VV. Das kommt auf sie Bedinguniieii an. die Sie be! der Packit cinncgaugcn find. Gewöhnlich ist in den mündlichen oder schriftlichen Pachtverträgen die Bcdin- gung enthalten, daß bei Bebauung des Landes die Rüumiiiig jederzeit verlangt werden kann. Liegt ein solcher Fall bei Ihnen vor, so sind Sie allerdings ge- zwungen, sofort das Land zu räumen.— St. 11. 20. 1. Eine Reklamation erscheint uns in diesem Falle aussichtslos. 2. An den RcglmeiilSkoiniuandcur. — P. D. 85. 1. Eiiie Einberusung aus Grund der Ausnuiiierung als ArbeitSsoldat kann noch ersolgen. S. Nein.— F. Tch. 35. 1. Sic brauchen sich nicht zu melden. Die Jahrgänge sind doch noch gar nicht ausgeruse». 2. Nein.— A. M. 1». Ja.— Kaulodarf 11. St. 1. Sie tonnen Ihr Geld in der Berliner Sparkasse anlegen. 2. Sie können in der Zentrale der Sparkasse, Mühlendamni 1, das Geld cinzable», aber auch In einer Jbiicn»aheliegenden Zahlstelle(Pücklerstr. 34, Markthalle).— H. 11. Nach Dcricpungen oder Krankheiten zinückgcbliebciic Schwäche eine» größeren Gclenls und Krampfadern: zurückgesleUt.— Wiener 40. Der Grund Ihrer Besragung durch die Polizei iit uns auch nicht verstand. lich. Ihr Vorhaben wegen der NrheitSgclegenheil halten wir für Sic sür vorteUbast.— Willi 18. ES scheint imS sragilch. ob sich die von Ihne» angegebenen Zahle» aus Ihre Krankheilen beziehen. Sie würden be- denen: llmsangreiche Narbe»: Erlrankungcn der Muskeln und Sehnen; Asibma.— P. B. 33. Einigen Sie sich wegen deS AuSsaUS. — tt. W. CO. Geringe Herabsetzung der Sehschärfe: rricgSvcriueiidimgS- jähig.— T. 08. Die Entscheidung über Ihre Retlamation wird Ihnen noch zugehen. Haben Sie Ersolg mit der Netlamalion, so wird Ihnen die zu viel gezahlte Steuer zurückerstattet. Mahnen Sie cvent. wegen Er- Icilung eines Bescheide« ans Ihre Rellamation bei der Vcraiilagungs- kommission— F. 2. 17. 1. Hamburger Landcsvcrcin vom Roten Kreuz, AuSschuji jür dculschc KriegSgcsaiigene, Hamburg, Fcrdinandstr. 75. 2. An- trag aus Löhnung sür den Beimibten ist an das Ersatzbataillon dcS Truppenteils zu stellen, zu dem der Betrejscnde eingezogen wurde.— L. ICO. a. Sie sind zur Herausgabe der Tasche verpflichtet, können aber natürlich Zahlung sür die Reinigung der Zimmer verlangen. Die Forderung niüsile» Sie event. gerichtlich cinweibeii. Lagergeld löniien Sie wegen dieser Bagatelle nicht verlangen, wie es sich überhaupt nicht empsietzlt, deswegen da« Gericht in Anspruch zu nehmen.— W. 100. 1. Nervenleidend: zurückgestellt. 2. Erkrankung der Zunge; zurückgestellt. — 2. 50. X. Dafür gibt es keine bestimmie Frist. Firmen, die Kriegs- arbeit verrichten, lverden Sie ohne KriegSichci» nicht einstellen. 2. Nein. — 83. St. 85. Tie Auskunjl, daß der Gutsbejitzcr nicht veiklagt werden bars. Ist tiafüiTicS unrichtig. TaZ Arnienoltcst wird oder�auS dcm Grunde nerweigert, weil die Klage gegen den Gutsbesitzer aussichtslos erscheint. Sie ist auch nach unserer Ansicht aussichtslos, da der Gutsherr zur Unterstützung nicht verpflichtet werden kann.— 1817. I. B. 1. Die Mutter tonnte, wenn Sie zum Militärdienst eingezogen Iverden, Unterstützung beantragen. 2. Die Klage ist bei dem Amtsgericht zuständig, wo der Beklagte seinen Wohnsitz hat. Wir pcrniulcn aber in Ihrem Falle, daß es sich um einen Licsernngsvcrtrag handelt, in deni die Firma scsigefetzt hat, daß bei einer evll. Klage der Gerichtsstand am Wohnort der Firma sich besinden soll. Das i l zulässig: und aus dcm Grunde wird das Amtsgericht Ihren Antrag abgelehnt haben. ie Steuerkasse wenden. — 8. S. 40. Die Postverwaltung ist"" iffeitt mfitfim nsl.--t Ihren Ansprüchen an die Expedition Zllbert 34. Generalkommando" des Genthiner Straße 2.— X. Rein. E. K. 1879. Beim Tierschutzverein, Schicklerftr. 4, dürsten Sie darüber Auskunst erhalten.— B. I., 9tiederschö»ha«seu. Meldung beim Be- zirlskommando. Dort erfahren Sie alles weitere.— A. S. 14. Die Ausdehnung des Geschästskreiies dieses Instituts ist uns nicht bekannt, aber Sie tonnen sich doch direkt dorthin um Auskunst wenden.— B. 7. Kriegs- tinderspende deutscher Frauen, Vrivalkanzlci der Frau Kronprinzessin, Votsdam.— M. A. 36. Darüber könnten Sie Auskunft erhallen beim Tcxlilarbeiteroerband, Andreasstr. 17.— A. M. 7—8. Die Anmeldung in der Sache bat aus dem Gemeindcbureau zu erfolgen. Nähere Auskunft erteilt auch der Verband der Schneider, Sebaslianstr. 38.— O. B. 1 und A. K. 100 und Kriegsgefangene Weihnachte« 191». Hamburgsscher Landesverein vom Noten Kreuz, Ausschuß sür deutsche Kriegsgefangene, Hamburg. Ferdinandstr. 75.'— B. 10, Indem er Laich ablegt, aus dem sich die Junge entwickeln.— R. 100. Davon ist uns nichts bekannt.— P. St. 154. In trockenem, lustigen und srosssreicn Keller aus Stroh lagern. — Jordan 1916. 1. Die Bezeichnung ist wobl nicht richtig wiedergegeben, denn dieser Ausdruck ist uns nicht bekannt. 9. Ja.— Lüderitz 5. und I- H- 76. Wenden Sie sich an das Bureau des Nationalen Frauen- dicnstcs in Ihrem Bezirk oder an den Bezirksvorsteher.— Otto F. 16. Ja. dagegen ist leider nichts zu machen.— A. G. 37. So allgemein läßt sich die Frage nicht beantworten. In sehr beschränklem Maße schon im späteren Mitteller, setzte aber in größerem Umfange gegen Ende des vorigen Jahrhunderts ein.— F. B. 100. R. Selchow, Lichlenberg, Dossestraße 16.— H. B. 15. 1. Ungefähr 4—6 Wochen vorher. Wird jedesmal im„Vorwärts" mitgeteilt. 2. Nein.—(S. T. 31. In Preußen beträgt sür die BolkSschullehrer das Grundgehalt nach endgültiger An- stcllung 1440 M.(bei einstweiliger Anstellung 1120 M.>. Außerdem werden gewährt freie Dienstwohnung oder entsprechende Mietsentschädigung und in größeren Orlen eine Ortszulage. Dazu kommen die Allerszulagcn, die erste nach sieben Jahren öffentlichen Schuldienstes, im ganzen neun Zu- lagen mit Zwischenräumen von je drei Jahren. Die Höhe des Gesamt- geholtes ist in den einzelnen Gemeinden verschieden. Berlin zahlt den Ge- ineindeschullehrern als Gcsamtgebalt bei einstweilige, Anstellung 1660 M., nach endgültiger Anstellung 2600 M.(nach Big: Dienstjahren), und fco» Gehalt steigt dann bis zu 5000 M.(nach 31 Dienstjahren).— W. K.<�r l Todes-Anzeigen I Sozialiieniokraiisctier Waiilverein I |f. d. i EefI. ReictisianswaMkreis. Görlitzer Viertel. Bezirk 2081. Den Mitgliedern zur Nachricht, | daß unsere Geuossin Wöhrle gestorben ist. Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigung sendet beute nachmittag l'/j Uhr in Buch statt. Um rege Beteiligung ersucht llcz» Vorstund. DeDtsEbErMeiallartsiSr-lfEFhanil Verwaltungssteila Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, | dag unser Mitglied, der Klempner pokert kokl- Soldiner Straße 70, am 26. Oktober gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 3t. OtloBer, nach- mittags 3'/« Uhr, von der Leichen- halle des Elisabeth-Kiochhofcs in Pankow, Wollankstraße, aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Ten Kollegen jerner zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Dreher Paul Sprengel Köpenick, Kaulsdorser Straße 2a, am 27. Oktober gestorben ist. Ehre seinem Aiticnkenk Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 31. Oktober, nach- mittags 3 Udr. von der Leichen- balle des Gemcinde-Iriedhoses in Köpenick aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. K'ucIitoI. Den Kollegen ferner zur Nach- 1 1 richt. daß unser Mitglied, der | Dreher Marinus Hansen |wn 24. Oktober gestorben ist. Ehre seinem Andenken k 1 124/11 Tie Ortöverwaltung. ZEirtnilvEitoll dEPlEiiErarheitBr iiiGd-ArliEilErinnEii DcntsoWanils. Zahlstelle Berlin II. Den Mitgliedern zur Nachricht, I daß eines unserer lrcuestcn und I bravsten Milgliedcr, der Loh- | gerber 131/11 Kurt Buslepp I als Otsicr des Weltkrieges im 36. Lebensjahre am 10. Oktober 1916 siel. Wir haben in ihm einen stets opjerbercilen, die eigene Perlon i» den Hintergrund stellenden Kollegen verloren und glauben, U», am besten damit ehren zu können, wenn wir geloben, in feinem Sinne wcitcrzuwirken. Tie Ortsverwaltung.| Am 29. Oktober verschied nach längerem Krankenlager unser langjähriger Mitarbeiter, der Schriftsetzer Friedrich Helbing im 51. Lebensjahre. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenkon bewahren. Die Gescbäftsleiiung und das Gesamfpcrsonal der Vorwärts Duckdruckerei. Die Beerdigung findet statt am Mittwoch, den- 1 1. Kovember, nachm. 31/, Uhr, von der Leichenhalle des fMiiiltiscbAn tVimtbofs»m M'T-i p n I! n rfo r Wp SczlaldEinokratlsEljerWalilYerBiD Am 29. Oktober verstarb unser Parteigenosse, der Schriftsetzer kriedridi Helbing Roscnftr. 22. 9. Bezirk. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwoch, den i. November, nachmittags 3�/, Uhr, aus dem Neu- töllner Gemeindesriedhoj, Marien- dorser Weg, statt. Um rege Beteiligung ersucht Her- VorBtnnd. Verliaoil der ireien Gast- nnd Schankwirte Deutschlanils. Ortsverwaltung Lichtenberg. Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser langjähriger Bevollmächtigter, Kollege Max Höfer am Sonnabend, den 28, Oktober, im Krankcnhauje zu Nordend gc> slorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 1. November, nach- mittags 3>/, Uhr, von der Leichen- balle des Zentral- Friedhofes in Fricdrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung bittet 74/11 Die Ortsverwaltung. Dentseher Eolzarheiterverhand. Zahlstelle Berlin. Kachrnf. Den Milgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Stock- arbeiler .Jobann Jürgens Swlncmündcr Str. 121, im Alter von 66 Jahren ge- starben ist. Ehre seinem Andenken! 92/13 Ole Ortsverwaltung. Soziatdemckratiscber Wahlverein Köpenick. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Dreher pau! Lprengel im Aller von 44 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindcl am Dienstag, nachmittags 3 Uhr, von der hiesigen Leichenhalle aus statt. Um rege Beteiligung bittet 198/5 Der Vorstand. Deatssher Transportarheiter-yerhand, Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Industrie- I arbeitcr 68/11 Otto Berwald 1 von der Finna Druckcnmüllcr, Tempclhos, am 27. Oktober im j Alter von 40 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Oie Bezirksverwaltung. Danksagung. Allen denen, die bei der Vestat- iung meines lieben Mannes, unsercS sorgsamen Vaters die letzte Ehre er- Wiesen haben, besonders den Kollegen der Firma.Argus", dcm Gesang- verein und dein Dcuischcn Metall- arbeitcr-Verband meinen berzlichstcn Dank. A Frau A. Gräser nebst Kindern. Fern von der Heimat starb im Kriegslazarctt„isolge seiner schweren Verwundung am 14. Ol- tobcr 1916 mein lieber Mann, unser guter Dater und Schwieg«- sahn, der Landslnrmmann Mio Mltör Jns.-Rcg. Nr. 12, 7. Komp. Im tiessten Schmerz 44A Frau Berta JIüUcp und Sohn Richard. Ruhe sanst in Frieden, Ewig beweint von Deinen Lieben. Dem Kriege zum Ovf« fielen unsere braven Bcrcinskollegen Hermann Nisch und 1483t Otto Hentschel. Ein treues Gedenken bewahrt ihnen 0er Laubenverein„NeuIransvaaG, Adlershof. Am 26. d. MtS., abends 9 Uhr. Verschied plötzlich mein lieber Mann, unser guter, treusorgender Vater, Bruder, Schwager, Onkel, Schwiegervater und Großvater, der Maurer Peinbold Bohr im Aller von 58 Jahren. Dies zeigen schmcrzersüllt an Bio trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 1. November, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenballe des Zentral-Fricd- Hajes, Fricdrichsfelde, aus statt. es Haben Sie empfehle nach Maß passend gearbeitete Stützeintagen sowie Bruehhundiijxei» aller Art, Leibbinden, Stützkorsetts uim., Artikel zur Gefundheits- u. Krankenpflege. ♦ Pollmann, KimhaM, Berlin N, Lothringer Str. 60, Lieferant für Krankenkassen. HeinesWerke 3 Lände S hlnrt- Buchhandlung Vorwärts Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme anläßlich des Hinschcidens meines lieben Mannes spreche ich allen Verwandten und Bekannten, insbesondere der Freireligiösen Ge. meinde, dem Metallaibcilcrv«band, dem Wablvcrein, der Allgemeinen Metallarbeitcr-Kranken- und Sterbe- lasse, den Meistern und Kollegen der Firmen Thein und Spinn u. Sohn, sowie dcm Berliner Sängcrchor und Herrn Waldeck Manaste für die troft- reichen Worte am Grabe meinen herzlichsten Dank auS, 80A Wwe. Unse Nimke. Danksagung. Für die überaus zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden meiner lieben Frau und guten Mutter, unserer unvergeßlichen Tochter und Schwester Hau Gertrud Schwencke Ä, sagen wir allen Verwandten, Freut,- den und Bekannten unseren auf- richtigsten Dank. 161A H.8e!meiie!le u. Rinder. Familie Bouatz. Eine glänzende Zukunft wird alion erblühen, die die Zeichen der Zeit richtig zu deuten verstehen u. rechtzeitig ihre Vorbereitungen treffen, um teilzunehmen an dem großen wirtschaftlichen Aufschwung, derdiosichere Folge dieses Völkerringens sein wird. Es werden überall gebildete u. leistungsfähige Mitarbeiter gesucht sein. Beamte, Lehrer. Angestellte des Handels u. d. Industrie sollten nicht versäumen, jetzt ihre Vorbereitungen zu treffen Das beste Mittel, rasch u. gründlich, ohne Lehrer, durch einfachen Selbstunterricht auf ein Examen vorzubereiten, die Eini.-Froiw.-Prüfung u. das Abitur.-Exameu nachzuholen oder die fehlenden kauf- männ. Kenntnisse zu ergänzen sowie eine vortreffL Allgemeinbildung sich anzueignen, bietetdie Selbstunterrichts■ Methode„Rustin". Ausführl. 60 S. starke Broschüre kostenlos durch Bonness&Hachfeld, Potsdam Postfach 224. Spezialarzt Dr. med. WockenfnU, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor), für Syphilis. Harn- u. Frauenleiden— Ehrlioh-Hata-Knr(Dauer 12 Tage), Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose HeHung ohne Berufs- 222/6* Störung. Teilzahlung. Sprechstunden: 10— 1 und 5— 8 T rauer=M agazin gegründet 1896 Ißrunnenstr. 56-571 Große Auswahl 1 m schwarzer Konfektion. Auf Wunsch Maßanferiigung in 8 Stunden. lAenderungen sofort u. gratts. I Auswahlsendgn.bercitwilligst. iFerninr. A. Norden 8340. StuXottv» liirtvvUcAr �15 tPfa. QtuXacfi/— jjiüjwet«iocA/ 15 Spesiatarzt für Haut-, Harn-, Frauenleiden. nerv. Schwäche, Beinkranie jeder i »->.khrllch-H»ta-k»n», Frieitrichslr. 81, Sprchst. 12-2,>/.6-tz,g, Sonntags 11-2. Honorar inäß., a. Teilzahl. � — Separates Damenzimmer.— o Klumn- miö krtnltlmtdrrtl nun Roberl Meyer,' Jnh.: P. Golletz Marianucnstr. 3. Tel. Mpl. 10303 Elektrolyt Ge org Hirih bebt die Verdauung und fördert den Gtoffwechsel. Wirft velebend auf den ganzen Organlömuö. Sin Versuch über- {eugt. In Pulver- u. Tablettenpackungen für 50pfg bis SVN. t nach Quantum in den Apotheten oder direkt von der Ludwigs- Bpotheke, München 5, Neuhauserstr. 8. H.& P. Uder, Itcrliu 8><». 10, 6ngcl-Qfcr 5. Takulv-Großliandlnng; und Tabakfabrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak von Q. A. Kanewacker, Qrimm 8 Triepel. '---- Stets frisch zu den äußersten Engrospreisen.' === Amt Morltzpl. 3614.- Ziehung 3. u. 4. November 1916. Pensionsanstalt- Geld-Lotterie 3633 Geldgewinne— Mark 200000 - 75000 I 30000 I nr M Q Porto u. Liste LOS M. 3.— 35 Pfg. extra. Für M. 9.85 1 Rotes-f und 2 Pensionsansi.-Lose inkl. 2 Listen. }(• C, Haht! S WlUß. A lexnndrl nenatr. 70. Ziehung 4.— 7. Dezember tOISi Rote G Geld-Lotterie 17851 Geldgewinne= Mark 600000 c 100000 I 50000 Los H. 3.30 Spifr.'S? Aeitungs-Ausgabestellen unö Inseraten-Annahme. Oentrnrn: Awert H a b n i s ch. Ackerstr. 174, am Koppenplatz. Geöffnet von il—i'/, und von 4'/.— 7 Uhr. 2.>1»Iillerei«: S. und SW.: Gustav Schmidt, Barwaldstr. 42, an der Gneiienaustraße. Geöffnet von 1t— l1/, und von 41/,— 7 Uhr. 3. Wahlkreis: St. Fritz. Vrinzcnstr. 3l, Hos rechts pari. Geöffnet von 11— l'l. und von i'l2— 7 Uhr. 4. Wahlkreis: O s, e n: Stöbert W-ngels. Markusstr. 36. Geöffnet von 11—1',, und von 4'/.— 7 Ubr.— Karl Melle, Bctersburgerplatz 4. lLoden). Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. 4. IV ahlkreis. Süd o st e n: Paul Böhm, Lausttzerplatz 14/15. Geöffnet von 11- l'l, und von 4'/,— 7 Uhr. 5.'Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanuellirchsir. 12(Hos). Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/.— 7 Ubr. 6.'Wahlkreis �Moabit): Solomon Joseph, WichelmShavenei St, aste 48. Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Ubr. 44 edding: I. Hönisch, Müllcrslr. 34a Ecke Ulrcchter Str., Laden. Geöfinet von 11— l'l, nnd von 4'/,— 7 Uhr. I' oc enthalcr und Oranienburger 4" orstadf: A. Wo lgast, Watlslraße 9. Geöffnet von 11—1'/. und von 4'/,— 7 Uhr. Gesundbrunnen: F i ch e r, Bastianslr. 6, Laden. Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/.— 7 Uhr. 8e hönhanser Vorstadt: Karl Mars, Greifenhagcner Str. 22. Geöffnet von 11— l'l, und von 4'/,— 7 Uhr. atllershof: Karl Schmatgtoje, Bismarckftr. 28. Geöffnet von 7 Ubr morgens bis 8 Uhr abends. A It-Glienieke. Falkenbcrg: Wiwelm Dürre. Friedrichstr. 46. iianinsehulenweg: H. Hornig, Marienlbaler Str. 13, t. iternan, Köntgentul, Zepernick, Schönow, Schön brück und Atocb: Heinrich»rose, Mühlenstr. 5, Laden. i'ohnsdorf: Paul©ensch,«ohnSdorj, GenoffenschaslShauS. .Paradies*. Churlottenhnrg: Gustav Scharnberg, Sesenheimer Str. 1. Ge- öffnet von 11— l'l, und von 4'/,— 7 Uhr. Firhwaldc, Schmöckwltj!: Oskar Mahle, Grünauerstr. 37. klrkner, Zien-Zittnu: F. Pauligk. Kurzestr. 10. f'rcdersdorf-I'etershagen, Ilggersdork: Ussenwasser, BeiersHagen. Friedenau, Steglit«, Südende: H. B e r n s e e. Alsenstr. 5 in Steglitz. Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. kriedriehshagen. Fichtenau, Itahnsdorf. Schönelehe- KI.-Schönebeck: Ernst Werkmann, Friedrichshagen, Köpe* „icker Straße 18. Grünau: Franz Klein, Friedrichstr. 10. dohnnnisthal. Rudow: Max G o n I ch n r. Parkstr. 23 Knrishorst: Hermann Billinq, Dönboffftr. 23. Königs-44 nsterbansen, 44'iidan, A'iederlchmo: Friedrich B a u m a n n. Luckenwalder Straße 5. Köpenick: Emil Wißt er. Kietzerstr. 6, Laden. Geöffnet von morgens 7 Uhr bis abends 8 Ubr. Lichtenberg I, Friedrlchsfcldc. Hohenschönhausen: Otto Settel, Wartenbergstraße 1(Laden). Geöffnet von 1t— 1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. Lichtenberg II, Unmnielsbnrg, Stralau: A. Rosen- tr a n z, dltl-Boxhagen 56. Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. Rahlsdorf. Kaulsdorf, Biesdorl: P. Heßberg. Staufs- dors, Ferdinandslraße 17. Slaricndort, ülaricnfelde t August L e i p, Chauffeestr. 29. Xeuenhagen, Uoppcgartcu: WoiszekowSk i, Dvtti ftraße 14. ffienköiln: M. H e i u r i ch, Neckarftr. 2, im Laden. Geöffnet von 9— 2 mid von 4—7 Uhr; Neukölln. Sri,: Rohr, Siegfriedstrape 28/29 Geöffnet von 1t— 1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. Aiieder-Schöneweide: Wilhelm Unruh, vrückenftr. 10, IL Ztz o wa wes: Karl Krähnberg, Etsenbahnstr. 10. 6ber-Sehönewelde: Alfred Bader, WiwelminenHofslr. 17, Laden Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 3 Uhr abends. Pankow. Xiederschönhauscn, Xordend, Frz.-Rnch- holz, Rlankcnbnrg: R i ß m a n n, Mühlenstr. 30. Geöffnel von 11— 1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. Reinickendorf■ Ost. 4Vilhclmsrnh und Schönholz: P. K u r f ch, Provinzirr. 56, Laden. Geöffnet v. 11— 1'/, u. 4'/,— 7 Uhr. Schenkendort b. Königs-Wusterhausen: Chr. H a n t s ch t e, Dorsjtr. 10 Schöneberg: Wilhelm Säumler, Meininze: sttaße 9, im Laden Geöffnet von 11— l'l, und von 4'/,— 7 Uhr. Spandan, X'onnendamm: Schumacher, Breitestr. 64. Geöffnet von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Tegel, Borsigwalde, Wittenau. 4ValdmannsIast Nermsdorf, Hohen» Xeuendorf, Birkenwerder. Freie Scholle u. Reinickendorf- 4Vest: Paul Itienaft Borsigwalde, Ziäuichilraße 10. Geöffnet von 11—1'/, u. von 4'/,— 7 Uhr- Teltow: L e n s ch n e r, Havelstr. 2. Tempelhof: Job. Kr o h n. Borussiastr. 62. Treptow: Rod. Gramenz, Kiesholzstraße 412, Lade». Geöffnet vo» 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. 44'eiüensee, Heinersdorf: Gust. R o tz I o p j> Berliner Allee 11. Wilmersdorf, Halensee, Sehmargendorf: Paul Schubert Withetmsaue 27. Zeuthen,»lersdorf: WUH. Schul,. Zeuthen. Zietheustr. 16. Zossen: Fr. Ratsch, Berliner Str. 24. Sämlltche ParteUtteratur sowie alle wiffenschasUicheu Werte werde» geüejet. Sonntag» stud hie»uSgabestelleu geichloffe«. jöerantworllicher Repakteur: Alsrej, Wiclevv. Neukölln. Für de» Jnscraieuleil veiüntu,.: TH.Eilocke.-Derlln. Druck u.tBetiafrxioc'wäztt Luchdrückerei ± sreiknfitanjfdU Paul Sitten& th« örtHn SVv Nr. 300. 33. Iahrgaug. 2. KcilU i>es Jotmirts" gftlinct KlligdlM Dienstag, 31. Oktober 1016. Reichstag. 70. Sitzung. Montag, den 30. Oktober ISIS, nachmittags 3 U Hr. Am Bundesratstisch: Dr. Helfferich. Das Haus drückt dem Präfidenten Dr. Kaempf anläßlich des Todes seiner Gattin sein Beileid durch Erbeben von den Sitzen aus. Vor Eintritt in die Tagesordnung erhält das Wort Abg. Dittmauu(Soz. Arbg.): Der Herr Staatssekretär hat am Sonnabend gesagt, er habe mir in der Kommission, als ich auf einen solchen Fall wie den der jungen Mädchen, die mit einer Prostituierten zusammengesperrt worden sind, angespielt hätte, zugerufen, ich möge den Fall vor« tragen. Darauf hätte ich geantwortet: Das behalte ich mir für das Plenum vor. Er fügte hinzu, das ist die Absicht, von der der Abgeordnete Dittmann ausgegangen ist, und gegen ein solches Per- fahren lege ich im Interesse des Vaterlandes schärfsten Protest ein. Diese Darstellung entspricht nicht den Tatsachen. Ich habe in der Kommission nickt auf einen solcken Fall.an- gespielt", sondern von vornherein den konkreten Fall der beiden Mädchen unter Namensnennung und Angabe der wesentlichen Einzel« heilen, auch des ZuiammensperrenS mit der Prostituierten, dar« gestillt. sHört! hört! b. d. Soz. Arbg.) Einer Aufforderung seitens des Staatssekretärs, den Fall vorzutragen, bedurfte es deshalb nicht. Ich weig auch nichts von einem Zuruf des Dr. Helfferich, ebenso« wenig babe ich auf einen solchen geantwortet, ich behielte mir den Fall für das Plenum vor. Ich habe leg, glich, und zwar von selbst, gesagt: Ich werde im Plenum aus einem Briese deS einen Mädchens Stellen vorlesen, aus denen hervorgeht, wie das Zusammensperren mit der Prostituierten auf die Mädchen gewirkt hat. Auf Tatsachen die in den Akten stehen, nehmen die Briefstellen keinen Bezug, ihre Verlesung in der Kom- Mission war daher nicht erforderlich. Im übrigen bin ich in der Kommission infolge eines SchluhantragS nicht mehr dazu ge- kommen, auf diese Fälle zurückzukommen und andere, die ich vor» hatte, vorzubringen, sjich habe aber die Hauptfälle so genau vor- getragen, daß daraufhin eine Herbeischaffung der Akten bis Sonn» abend wohl möglich gewesen wäre.(Hört! hört! bei der Soz. Arbg.) Staatssekretär Dr. Helfferich: Ich muß bei meiner Darstellung verbleiben. Daß Herr Dittmann in dem Fall der beiden Mädchen Namen genannt hat, ist mir nicht erinnerlich, ich habe es jedenkalls nicht gehört, auch Herr Ministerialdirektor Lewald nicht. Ich babe ihm dann zugerusen: Legen Sie dock das Material vor. Darauf bat er gesagt: Ich habe hier noch Briefe, aber die vorzu« tragen, behalte ich mir für das Plenum vor. Ich glaube, wir sind einig, daß es richtiger gewesen wäre, auch diese Briefe in der Kom« miision vorzutragen.(Widerspruch bei der Soz. Arbg.) Wenn Herr Dillmann nickt niehr zu Worte gekommen ist, so frage ich ihn nur: Ist denn der Weg zu uns wirklich so weit? Ich hätte eS mit Dank anerkannt, wenn uns das Material mit Namensnennung und allen genauen Einzelheiten so zugänglich gemacht worden wäre, daß ich am Sonnabend in der Lage gewesen wäre, auf den Fall wirklich einzugehen, das zuzugeben, was stimmt, und das zu widerlegen, was nicht stimmt. In dieser Lage war ich nicht.(Zuruf deSAbg. Ditt- mann: ES war I h re Sache, zu mir zu kommen!— Lachen rechts.) Das Haus tritt in die Tagesordnung ein. Zur Verhandlung steht die politische Zensur. Die Budgetkommission(Berichterstatter Abg. Dr. S t r e s e« mann) beantragt, der Kommission, die das Schutzhaftgesetz berät, eine Resolution zu überweisen, die den Reichskanzler ersucht, das im Artikel öS der Reichsverfassung in Aussicht gestellte Gesetz über den Belagerungszustand unverzüglich dem Reichstage vor« zulegen. Ferner derselben Kommission einen Gesetzentwurf zu überweisen, wonach die vollziehende Gewalt in Angelegenheiten der Zensur auf den Reichskanzler übergeht, der damit die Verantwortung für die Handhabung der politischen Zensur unter dem BelagerungS- zustand übernimmt, soweit eS sich um rein militärische Angelegen» heiten handelt. Ferner liegt ein Antrag Albrecht(Soz.) vor, der den Reichskanzler ersucht, auf Aufhebung des Belagerung«- zustandes, insbesondere auf Wiederherstellung der Freiheit der Presse zu wirken. Die Abgg. Bernstein(Soz. Arbg.) und Genossen beantragen, den Reichskanzler zu ersuchen, auf Aufhebung des Belagerungszu stände», insbesondere der Herstellung der Freiheit der Person und Presse, sowie deS Vereins- und Versammlungsrechts zu wirken. Die Abgg. Gröber. Erzberger und Genossen(Z.) beantragen die Annahme deS Gesetzes über den Kriegs- zustand, wonach biS zum Erlaß de» durch die Verfassung an- gekündigten Gesetzes über den Kriegszustand gegenüber den An« ordnungen der Militärbefehlshaber eine militärische Zentralinstanz als Sussichls« und Beschwerdestelle errichtet wird. Für Bayern soll dieS Gesetz nicht gelten. Abg. Gröber(Z.): Dem Antrag der Kommission, den von ihr vorgelegten Entwurf über die politische Zensur einer besonderen Kommission zu überweisen, stimmen meine Freunde zu. Im übrigen handelt eS sich nicht um Schaffung neuen Rechtes, sondern um die richtige An« Wendung deS bestehenden Gesetzes. Nur so weit darf die Presse der ?;ensur unterliegen, als es die Sicherheit des deutschen Gebiete» er- ordert. Angesichts des von England proklamierten Aushungenmgs« kriegeS sind neben den rein militärischen Maßnahmen allerdings auch die der Kriegswirtschaft und der Volksernährung in Betracht zu ziehen. Was darüber hinausgeht, darin darf die Preffe der Zensur nicht unterliegen. Daraus folgt, daß die ganze Frage des Burgfriedens der Zensur nicht unter- liegen darf, wofern es sich nicht etwa um so tief- gehende Spaltungen handelt, daß die Geschlossenheit dem Feinde gegenüber in Frage gestellt wird. Noch weniger darf der Zensur unterliegen die Erörterung des Gegensatzes zwischen der Regierung und den Parteien. Sonst wird das Vertrauen in die Unparteilichkeit der Regierung untergraben. Die Fühlung zwischen der Regierung und Volk geht dann verloren. ES darf sich aber zwischen Regierung und Volk nicht eine Zensurbureaukratie drängen, die daS Volk nicht versteht und vom Volk nicht verstanden wird. In Wirklichkeil sind es ja schließlich Zivilbehörden, die die Entscheidungen treffen, nur formell sind es die Militärbehörden, die die Zensurent- scheidungen decken. Vor dem Kriege haben Offiziere ihre Entlassung nehmen müssen, weil ihre Gewissenspflicht ihnen nicht erlaubte, sich zum Duell zu stellen. Solche Offiziere sind während de» Krieges durch besondere kaiserliche Gnadenalle wieder ein« g e st e l l t worden Aber die Zeitungen dürfen eS nicht mitteilen, weil man daraus herauslesen könnte, daß die Heeresverwaltung jetzt eine andere Stellung zum Duell ein- nehme als früher.(Lebhaftes Hört! hört I)— Am 5. Juni hat der Reichskanzler ausdrücklich verfügt, daß die Kritik der Zeitungen nicht unterbunden werden darf. Zehn Tage später verbot daS Gouverne« ment Mainz die Veröffentlichung eines Artikels»Vertrocknete Herzen", weil er gegen für die Presse vorgeschriebene Leitsätze ver- stoße, in denen eS heiße:»Die Politik des Reichskanzlers darf in dieser kritischen Zeit durch keine offene oder versteckte Kritll gestört oder gehindert werden.(Lebhaftes Hört I Hört I) Zweifel an ihrer Festigkeit schadet dem Ansehen des Vaterlandes. Das Vertrauen in sie muß gehoben und darf ebenso wenig erschüttert werden wie das Vertrauen in die militärische Führung."(Hört I hörtl) Wenn daS Vertrauen in die Politik des Reichskanzlers nicht durch ihren fach- lichen Inhalt gehoben wird, so steht es bös um sie.(Sehr richtig!) Redner wendet sich weiter gegen die Ausnützung der Zensur zur Bekämpfung der nicht approbierten Vertreter der Heilkunde, der Gegner des Impfzwanges usw. Die Ausnahme für Bayern haben wir vorgeschlagen, nicht um ein Privileg sür Bayern zu schaffen, sondern weil dort der bestehende RecktZzustand ein anderer ist. Wird im übrigen sür das Reich eine Zentralstelle geschaffen, so wird das sicher auch sür Bayern ge- schehen. Der üble Eindruck, den die Haltung der Regierung am Sonnabend gemacht hat, darf nicht bleiben(Sehr richtig I), sondern muß so rasch wie möglich beseitigt werden. Es war nicht so sehr der Inhalt der Erklärung des Staatssekretärs, der im Reichstag einen solchen Sturm der Entrüstung hervorrief, sondern die kühle, geschäftsmäßige Art der Erwiderung. Was fehlte, war die Erklärung: „Und ich werde dafür sorgen, daß in Zukunft so etwas nicht mehr vorkommen kann."(Sehr gut!) Was geschehen ist, kann nicht wieder ungeschehen gemacht werde», aber wir verlangen, daß man daS Menickenmögliche tut, um Wiederholungen zu verhindern. (Bravo!) Die Wiederholung solcher Fälle wird aber sehr erschwert, wenn die Zentralstelle geschaffen wird, die wir verlangen. Was wir hier vorschlagen, muß noch innerhalb dieser Woche gemacht werden im Zusammenarbeiten aller Parteien mit der Regierung. Zur Beruhigung der berechtigten Aufregung im deutschen Volke und im deutschen Reichstag verlangen wir Rcmedur nicht nur in den Einzelfällen, sondern auch eine Remedur der Gesetzgebung.(Lebhafter Beifall.) Vizepräsident Dr. Paasch« bittet die folgenden Redner, sich an den Beschluß deS Seniorenkonvents zu halten und sich bei den De- batten über die Zensur, die ja nicht zum erstenmal geführt würden, möglichster Kürze zu befleißigen. Abg. Geck(Soz.): In der Praxis muß die Zensur zu den schlimmsten Willkürlich- leiten und Verschiedenheiten führen. Der Zustand ist der des Ab- solutismuS, nur da und dort gemildert durch das etwas größere Verständnis der betreffenden Beamten. Die Frage der Handhabung des Belagerungszustandsgesetzes ist letzten Endes nicht eine RecktS- und Sachfrage, sondern eine Personenfrage. Im Frieden werden die Gesetze durch Beamte gehandhabt, die durch jahrelanges Studium vorbereitet und jahrelange Erfahrung erworben haben. Aber während des Belagerungszustandes werden Leute ohne jede Vor- bildung und ohne jedes Verständnis für die Bedürfnisse de» praktischen LebenS mit administrativen und richterlichen Funklionen betraut. Der Soldat greift mit rauher Hand in die bürgerlichen Rechtsverhält- nisse ein, und dadurch werden die Grundpfeiler der bürgerlichen Ordnung, die Freiheit der Meinungsäußerung in Versammlungen und Presse, einfach niedergelegt. Ein Zustand der schlimmsten Rechtsunsicherheit nicht nur, sondern der völligen Rechtlosigkeit ist die Folge, wozu noch alle die moralischen Schädigungen kommen, die bei der Frage nach dem Geiste der Bevölkerung, bei der Frage des Durchhalten? so überaus wichtig sind. Gerade die Mili« tärS sollten doch darauf achten, daß mit allen Kräften des Volkes, nicht nur mit dem Menschenmaterial, sondern auch mit den sehr wertvollen moralischen Kräften nach Möglichkeit sparsam umge- gangen werde.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Schäden der Schutzhaft sind weit schlimmer, als der Belage- rungszustand je Gutes schaffen kann.(Lebhafte« Sehr wahr!) Gerade sie zeigt die absolute Haltlosigkeit des Belagerungszustand« gese&eS und die vollkommene Unfähigkeit der zu seiner Handhabung berufenen Beamten. Eine Aenderung ist dringend notwendig, wenn eS nicht zu einer mnere« Katastrophe kommen soll. In Lothringen ist noch durch eine Verfügung vom 28. August der Gebrauch der französischen Sprache auch solchen Leuten ver- boten worden, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind; es sei wahrgenommen worden, heißt es in der Verfügung, daß vielfach in herrausfordernder Weise französisch gesprochen werde. Luch bei Personen, die die deutsche Sprache nickt beherrschen, kann eine Ver- folgung eintreten, wenn die näheren Umstände ergeben, daß sie eine deutschfeindliche Gesinnung haben. Diese Verfügung hat dazu ge- führt, daß in manchen Goschäften das Publikum mit dem Laden- inhaber nur noch schriftlich verkehren kann. Durch solch ein Vorgehen wird der Geist der Angeberei großgezogen, ein Gefühl der absoluten Rechtlosigkeit geschaffen, das Miß« trauen aller gegen alle gefördert. Die Zivilbehörden sind denn auch außer sich über dieses Vorgehen der militärischen Instanzen, in dem sie das stärkste Mißtrauen gegen ihre politische Verwaliungstätigkeit sehen. Die lothringische Bevölkerung war nie germanischen Blutes und hat im Gegensatz zur elsässischen nie deutsch gesprochen. Zu einem sprachlichen und nationalen Umbildungsprozeß aber gehören Jahrhunderle und nicht anderthalb Menschenalter. Die Gesinnung der lothringischen Bc- völkerung ist durchaus loyal; ihre Behandlung durch die Militär- behörden aber muß den Glauben erwecken, al« sehnten sich die Lothringer danach, zu Frankreich zu kommen. Wir wollen sie doch auch nach dem Kriege noch als Landsleute begrüßen und müssen wünschen, daß sie nach dem Kriege nickt weniger loyal sind, al» sie vorher waren.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Auf dem Gebiet des Versammlungsrechts herrscht eine politische Bevormundung und völlige Entrechtung selbst gegen Mit- glieder dieses Hauses. Leute, die seit Jahrzehnten im politischen Leben stehen, müssen förmlich ein Lixamsu riAorosum ablegen,«ehe man sie in öffsntlichen Versammlungen auf daS Volk losläßt", wie ein militärischer Zensor sich ausdrückte. Daß ein Man»! von Selbstachtung sich so entwürdigenden Bedingungen unterwirft, ist ausgeschlossen. Man darf sich nicht wundern, wenn die Bevölkerung annimmt, die Herren Militärs wollen keinen Frieden und stehen auf der Seite der extremsten Annexionisten. DaS deutsche Volk hat mit beispiellosem Opfermut alle Kriegslasten auf sich genommen. Noch heute ist der Wille zum Durchhalten vorhanden. Voraussetzung dafür aber ist, daß der Krieg nicht ohne Not verlängert wird, daß man zum Frieden bereit ist, sobald die Möglichkeit zu einem ehrenvollen Frieden, der die staal- liche UnaSbängigkeit und die wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeit sichert, vorhanden ist. Sollte diese Ueberzeugung getäuscht werden, so könnten sehr gefährliche Stimmungen entstehen.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) In schlimmer Weise ist auch gegen die Verfassung der- stoßen worden durch die verschiedenen Verstöße gegen die I m m u- nität von Abgeordneten, bei denen mit Haussuchungen vor- gegangen ist. Das Rcichsjustizamt wendet ein, die Hausluchungen seien im Verfahren gegen»Unbekannt" erfolgt. Eine solche Aus- lcgung des Gesetzes ist unvereinbar mit der Immunität und dem Geist der Verfassung.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Soz.) Die Folge wäre, bei einem hinreichend verdächtigen Abgeordnelen darf uicht gehauSsuckt werden, bei einem nicht hinreichend verdächtigen aber wohl, indem man ein Verfahren gegen.Unbekannt" er- öffnet, wobei dieser Unbekannte auch er selbst ist, gegen den man Material sucht. Das Parlament muß sich ein derartiges unverfrorenes Verfahren mit seinen vitalsten Rechten energisch ver- bitten, ebenso müssen wir uns verbitten die moralischen Er- pressungSverfuche militärischer Instanzen, die Abgeordnete zum Verzicht auf ihr Mandat durch die Androhung mit der Schutz- Haft zu bewegen suchten, wie es vovacstern hier aus Elsaß-Lothringcn vorgetragen wurde.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemo- kraten.) Wir verbitten uns auch die Schulmeisteret der Zensur- behörden, wir verbitten unS, daß die Repräsentanten der Belage- rungszustandSanarchie unsere Rechte antasten. Wir verbitten uns das nicht in unserem persönlichen Interesse, sondern in dem des Volkes, das wir vertreten.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Nicht minder unerfreulich ist das Kapitel der militärischen Pressezensur. Durch die willkürliche Interpretation der all- gemeinen Zensurregeln versündigen sich die Zensoren an der Menschheit. Ein wahres Trommelfeuer von Rügen und Ver« Warnungen geht auf die Redaktionen nieder. Ich setze einen Preis in beliebiger Höhe für den Nachweis aus, daß in dem Wust von Weisungen an die Presse jemand auch nur zu einem kleinen Teil Bescheid Iveiß. Man muß den Eindruck gewinnen. als herrsche bei der Zensur die Meinung, die ganze deutsche Presse habe von den Pflichten der Publizisten nicht die geringste Ahnung, nur bei den Referenten der Presscabteilungen der General- kommandos sei ein Verständnis hierfür zu finden. Der Notwendig« keit einer Ueberwachung der militärischen Nachrichten wird sich nie« mand verschließen. Damit hat die Zensur aber gar nichts zu tun. Ts ist den Zensoren eben mit dem Essen der Appetitaekommen und so mischen sie sich in alles und jedes hinein. Wie die Nflßhandlung der Versammlungs- und Redefreiheit, so ist auch die Einmischung in den politischen Meinungsstreit geradezu unerträÄich geworden. Die Formel der Zensur ist immer, der betreffende Artkkel sei geeignet, Erregung in die Bevölkerung hineinzutragen und dadurch die innere Ge- schlossenheit und dre Wideritandskraft des Vaterlandes zu stören. In Wirklichkeit führt gerade die Unterdrückung zu der Erregung. (Lebhaftes Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) Nicht durch die öffentliche Erörterung von Mißständen wird die Bevölkerung in Erregung versetzt, sondern die Tatsachen an sich rufen die Erregung hervor, und sie wird nur noch verschärft, wenn dem ver- letzten VolkSempfinden nicht durch offene Aussprache Genug- tuung verschafft wird.(Sebr richtig I bei den Sozial- demo kraten.) Ein unerhörter Zustand ist es auck, daß entgegen der Verfassung selbst Berichte über unsere Reichstags- Verhandlungen zu sammenge st richen werden.(Hört I hört!) Der Mülhauser Zensor hat insbesondere die Stellen gestrichen, in denen sich der Reichstag mit seiner eigenen Person bc- saßt hat.(Hört! hörtl) Diese Verquickung persönlicher Interessen mit öffentlichen Angelegenheiten ist geradezu skandalös.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Heute habe ich wieder ein Telegramm aus Mülhausen bekoninren, wonach die Ausführungen unseres Kollegen Bern st ein vom letzten Samstag wieder r e st- lost vom Zensor ge st richen worden sind.(Hört! hört I> Der Mülhauser Zensor ist alio durch die bisherigen Verhandlungen dieses Hauses nicht eines Besseren belehrt worden. Wir wollen dafür sorgen, daß von diesem Teil unserer heutige» Verhandlungen, der sich mit seinen Maßnahmen befaßt, ein ausführlicher Bericht au das dortige Parteiblatt gelangt, und dann wollen wir sehen, ob der Zensor in Mülhausen es auch diesmal mit seine» Bcruispslichlen für vereinbar hält, trotz dieser ausdrücklichen Hinweisung auf die Gesetzwidrigkeit und Versassungswidrigkeit seines Handelns wieder Streichungen an dem Beiicht vorzunehmen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Und dann wollen wir sehen, was die Regierung sagt!) Zu dem jüngsten Verbot des»Vorwärts" möchteich eine Stelle aus dem Schreiben der Redaktion des»Vor- w ä r t s" an das Oberkommando in den Marken verlesen: »Das letzte Verbot des»Vorwärts" wird mit einer Verletzung des Burgfriedens begründet, und zwar auf Grund eines Artikels, der sich mit einer Frage der inneren Politik beschästigt, nämlich der Frage der sogenannten K an zl er sr o n d e. Dem Oberkommando dürste es bekannt sein, daß schon seit Monaten gerade in dieser politischen Frage ein Burgfrieden überhaupt nicht mehr existiert, und daß der Bruch des Burgsrieden« hierbei nicht von sozialdemokratischer Seite und noch viel weniger von der Redaktion des.Vorwärts" erfolgt ist. sondern von politischen Parteien und Persönlichkeiten, die sich im Gegensatz zu uns als überaus national und staatserhaltend bezeichnen. Wie wenig in diesen polisischen Slrertfragen noch von einem Burgfrieden die Rede sein konnte, geht allein daraus hervor, daß der Herr Reichskanzler von der Tribüne des Parlaments herab in überaus scharfer Weise gegen seine Widersacher Front gemacht hat. ES ist ganz selbstverständlich, daß die Redaktion deS„Vorwärts" in einem Blatte, dessen Lebensaufgabe die Vertretung einer be- stimmten politischen Weltanschauung ist, zu diesen die ganze politische Welt bewegenden Fragen Stellung nehmen mußte. Die Form und die Tonart, in der dies geschah, muß jedem Unbefangenen als weit zurückhaltender und maßvoller erscheinen als die offiziellen und inoffiziellen Prcsicerzeugnisie, die gerade aus dem Lager der sogenannten Kanzlcrfronde in die Oeffentlickkeit gelangten. Tie Redaktion kann daher nicht zugeben, daß sie einen Bruch deS Burg- sriedenS begangen habe in einer politischen Frage, in der vom Burgfrieden überhaupt nicht mehr die Rede sein konnte. Der Standpunkt der Redaktion des.Vorwärts" ist nicht der meine, aber das hindert mich nicht, die Art des Vorgehens der Militärbehörde gegen den»Vorwärts" als schlimmste Willkür zu bezeichnen.(Sebr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ebenso willkürlich war daS Verbot des»Berliner Tageblatts", durch das einer der erfahrensten und wichtigsten deutschen Politiker auf längere Zeit mundtot gemacht wurde. Die Absicht, die Einheit und Geschlossenheit des deutschen Volkes zu erhalten, wird durch solche Gewallmaßregeln wirklich uicht erreicht.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Die Unter- drückung von Zeitungen, die eine selbstbewußte Ansicht vertreicn, und von Journalisten und Publizisten, die ihre eigene, feste Mei- nung baben, ist eines großen Reiches, wie des deutschen, absolut unwürdig.(Sehr wahr!) Der Zenfur scheint jedes Verständnis für die besondere Stellung der Presse inr öffentlichen Leben zu fehlen. (Sehr richtig!) In einem kurfürstlich bayerischen Mandat aus dem Jahre 17Z7 wird verlangt, daß das Zensurkollegium zu besetzen sei mit ge» lehrten, bescheideneu und in allen Gattungen der Wissenschaft bc- lvandcrten Männern.(Hört! hört! und Heiterkeit.) Diese Mahnung ist auch heute noch sehr angebracht. Zlvischen einer Zeitung'und ihren Lesern besteht heute ein solch mannigfaches Netz von Fäden geistiger, lvirtschaftlicher, sozialer Art, daß das plötzliche Durchschneiden oincs solchen Bündels von Fäden eine äußerst brutale Maßregel ist.«Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Tie Schuld an den Mißständen auf dem Gebiete der Zensur trifft nicht überall die militärischen Stellen, sondern häufig auch die administrativen Organ« der Zivilbehörden, die die Weisungen der ersteren auszuführen haben. Aus dem Gefühl der eigenen U». sicherhcit, der Angst vor der Militärgewalt, der gegenüber sie ver- antwortlich sind, unterdrücken sie eher tausend Zeilen zuviel als eine zuwenig.(Sehr Ivahrl) Die wiederholten Zusicherungen der Reichsregierung, daß eine einheitliche Handhabung der Zensur erfolgen solle, sind bisher ohne jeden Erfolg geblieben. Ohne unsere Presse, ohne den Geist, von dem sie fast durchweg geleitet ist, wäre das moralische Durchhalten unseres Volkes in dieser entsetz- lichen Prüfung ein Ding der Unmöglichkeit gewesen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die verantwortlichen Leiter der süd- deutschen Presse besitzen mindestens ebensodiel politische Einsicht, vaterländische Gesinnung und Gefühl für die Kricgsnotwendigkeiten wie die Herren von der Zensur. Der Schaden, der dem Vater. land« durch diese Mißgriffe der Zensur erwächst, ist ungeheuer. Es wird höchste Zeit, daß wir den Dingen gründlich an die Wurzel gehen. Als Anfang März 1848 eine von Robert Blum und Arnold Rüge geführte Bürger- deputation zu Leipzig namens der bedrückten Presse bei den Herren von der Zensur vorstellig wurde, erklärten diese, sie hielten zivar angesichts des Ernstes der Zeit die sofortige tzticderlegung ihrer Aemter mit ihren Pflichten nicht Ar vereinbar, hätten jedoch ciue Kolletivemgabe on da? focffifcfie Eesamtminifterium gesandt, in der sie sich„auf das entschiedenste gegen die Zensur und ihre ver- derblichen Wirkungen aussprechen und dem Gesamtministerium das Bedenkliche des Fortbestehens der Zensur ernstlich vorgestellt hätten". Ich möchte den Herren von der politischen Zensur der Gegenwart empfehlen, dieses schöne Beispiel nachzuahmen. Die Zensur würde dem Volke den größten Dienst erweisen, wenn sie den Rotstift an sich selbst ansetzte und sich selbst—-- als etivas nicht nur Ueber- flüssiges, sondern geradezu Gemeingefährliches.(Leb- haster Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Müllcr-Meiningen(Dp.): Der Reichstag hätte im Anschluß an die Zaberndebatte Gelegenheit gehabt, das Verhältnis der Zivilgewalt zur Militär- gewalt zu regeln.(Sehr richtig! links.) Unsere Bemühungen in dieser Richtung haben damals gerade Parteien zunichte gemacht, die jetzt nicht stark genug die Uebergriffe der Militärgewalt kriti- siercn können.(Sehr wahr! links.) Die Behandlung der parla- m entarischen Berichte durch die Zensur ist eine s k a n d a- löse Gesetzlosigkeit.(Sehr wahr!) In dem Kanchf da- gegen sollten alle Parteien zusammenstehen. Es ist merkwürdig. daß dieselbe Regierung, die immer von Neuorientierung redet, mit solcher Zähigkeit an einem Gesetz aus der Zeit der tiefsten Reaktion festhält. Das Vereins- und Versammlungsrecht ist heute zu einen: Fetzen Papier geworden. Die Vereine der unteren Be- am de n und Arbeiter werden in raffinierter Weise schikaniert. (Hört! hört!) Verlangt man doch sogar vorherige Vor- legung des Wortlauts von Diskussionsreden. (Lebhaftes Hört! hört!) Geradezu bösart-ig befehlswütig treten reaktivierte Offiziere als Zensoren auf. Die heutige Zensur ist das System der unbegrenzten Ungeschicklichkeit.(Heiterkeit und Sehr wahr!) Die Regierung sollte sich der unwürdigen Stellung, die ihr in dieser Sache zugemutet wird, bewußt werden: sie ist nichts anderes als der parlamentarische Prügelknabe der Militärgewalt; sie hat das Heft vollständig verloren. Nach der Verfügung des Reichskanzlers sollte die Behandlung Wirtschafts- politischer Dinge von der Zensur frei sein. Das Oberkommando in den Marken aber hält in einem vertrau- lichen Schreiben vom 14. Juli trotzdem es als geeignet, die Vater- ländischen Interessen zu verletzen, und daher zu verbieten, be- zeichnet jede Kritik der Höchstpreise, jede Klage darüber, daß Sach- verständige nicht herangezogen worden sind, und jede Kritik von Kriegswirtschaften für unzulässig.(Lebhaftes Hört! hört!) Von besonderer Schneidigkeit zeigt sich der stellvertretende kommandierende General des 2. Armeekorps, der es z. B. auch für seine Aufgabe hält, als Vertreter der Fürst- lich Putbusschen Jagdinteressen sich zu betätigen. Ich wundere mich nur, daß der Herr seine besondere Schneidigkeit nicht lieber im Schützengraben zur Verfügung stellt!(Sehr gut!) In Mecklenburg hat man sogar verboten, Restles Kinder- mehl zu annoncieren.(Heiterkeit und Sehr gut!) Der Staats- sekretär behauptet trotz alledem, der Zensor sei unparteiisch. Ich erinnere nur daran, daß in den alldeutschen Blättern über den Kanzler und seine Mitarbeiter gestanden hat:„Der Reichskanzler hat zum Stellvertreter einen Bcrufsbankier gewählt."(Heiterkeit und Hört! hört!) „Auch seine sonstigen Mitarbeiter entstammen dem Geschäfts, und Erwerbsleben, kaum einer gehört nach Abstammung und Familien- tradition den Kreisen derer an, die in iZOOjähriger Arbeit den preußischen Staat erbaut haben."(Hört! hört!— Abg Ledebour: Jag o w!— Große Heiterkeit.)„Der Reichskanzler selbst entstammt einem Geschlecht, das seit Jahrzehnten das Groß- bankiergewerbe in Frankfurt und Paris betrieben hat. Diesen Kampf können wir nicht gewinnen, wenn wir von Männern geführt werden, die im Herzen schon besiegt sind; die dem Baal Mammon und unseren Feinden opfern und sie mehr fürchten als unseren Gott."(Lebhaftes Hört! hört!) Glaubt der Staats- sekretär, daß ein Zensor, der solche Artikel durchläßt, noch un- parteiisch ist? Der Fall Lewald-Bacmeister ist typisch für dieses System der Verdächtigung, der Tuschelei, der politischen Gift- mischerei. Ein offener Kampf gegen dieses System ist nicht möglich unter der Zensur. General Ludendorff hatte vollständig recht, als er sagte: die ganze Volkskraft mutz in den Dienst des Krieges gestellt werden. Dann geben Sie aber auch dem Volk das Ver- trauen, das es sich mit Strömen Blutes errungen hat. Geben Sie ihm dies Vertrauen in Gestalt vernünftiger Freiheiten und Rechte. Zustände, wie sie die Sitzung vorgestern enthüllt hat, dürfen nicht bestehen bleiben.(Lebhafter Beifall bei der Volks- parte!.) Abg. Dr. Böttger Cnatl.): Die Handhabung der Zensur bei un? entspricht nicht den Be- dürfnissen eines großen Volkes und muß bei der Presse Erbitte- rung hervorrufen. Freilich wird in Frankreich in genau derselben Weise geklagt. Die allermeisten Zensoren haben zweifellos den besten Willen. Wer die zahlreichen Zensoren haben naturgemäß verschiedene Meinungen. Sie müssen viel mehr Fühlung mit der Presse haben und sich Verständnis für die Bedürfnisse der Presse crlverben.— Den Wunsch des Abg. Gröber nach möglichst bal- diger Schaffung einer Zenrralinstanz teile ich. Aber wir werden auch in der Schutzhaftkommission mit der Regierung ein- gehend über alle diese Dinge verhandeln können. Einzelfälle sind schon genügend vorgetragen und ich will nicht neues Holz zum Scheiterhaufen der Zensurpraxis beitragen. Ganz wird die Zensur nicht zu entbehren sein, das gibt für rein militärische Nachrichten auch der sozialdemokratische Redner Geck zu. Aber die Zensur muß paritätisch verfahren und darf den Begriff des militärischen Jisteresses nicht übermäßig ausdehnen. Wir beantragen Verwei- sung der ganzen Materie an die Schutzhaftkommission, die hoffent- lich schnelle und gute Arbeit leisten wird,(Bravo! bei den Ratio- nalliveralen.) Oberst Hoffmann: Der Abg. Müller-Meiningen gebrauchte gegenüber dem stell- vertretenden General des 2. Armeekorps die verletzende Bemer- kung, er bewundere den Mut dieses Herrn und wünsche, daß er sich im Schützengraben befände. Ich weise diese Bemer- kung mit aller Entschiedenheit zurück.(Zuruf bei der Volkspartei: Das ist alles, was sie können!) Vizepräsident Dr. Paasche: Ich werde feststellen, wie die Aeutzerung gelautet chat und eventuell einschreiten. Mg. Dr. Roesicke fk.) beschwert sich über einseitige Stellungnahme der Zensur zugunsten der Anti-Annexionisten. Die Auffassung des Reichskanzlers über Annexionen habe Scheide- manu in seiner bekannten Breslauer Rede sicherlich nicht zutreffend wiedergegeben. Allerdings hat die„Norddeutsche All- gemeine Zeitung" die Darstellung Schcidemanns nicht glatt zurück- gewiesen. Uni so notwendiger sei es, im Reichstag dieser ein- seitigen Darstellung entgegenzutreten.— Wenn wir dem Ausland sagen, wir sind bereit, die besetzten Gebiete zurückzugeben, so dienen wir dem Frieden nicht, den wir alle wünschen; denn solche Acutzerungen saßt man im Ausland lediglich als Zeichen der Schwäche auf. Auch der Sozialdemokrat Lensch, der Herrn Scheidemann sehr nahe steht, gibt zu, daß alle solche Angebote, selbst an Frankreich, nicht zum Frieden führen könnten, weil unsere Gegner Deutschland vernichten wollen. Wir dürfen das Ausland nicht so betrachten, wie wir es wünschen, daß es denkt, sondern wir müssen es fo betrachten, wie es wirklich ist und denkt.— Freies Aussprechen der Zukunftsmöglichkeiten ist kein Zeichen der Schwäche, sondern der Stärke, das könnten wir von England lernen.— Zu den militärischen Zensoren haben wir im Gegensatz zum Abg. Müller-Meiningen volles Vertrauen. Nur ihr Uebergmfen auf das politische Gebiet ist vom Uebel und sollte unterbleiben. An dem Klatsch und Tratsch, über den in der letzten Zeit soviel geklagt wurde, ist nicht zum wenigsten der Um- stand schuld, daß die ofsiziöse Presse so gar nicht den Ursachen solcher Gerüchte nachgeht, die oft ganz naturgemäß entstehen, ohne daß irgendwie die Absicht einer persönlichen Verdächtigung vor- liegt.— Die Angriffe gegen den Kanzler sucht man der konservativen Partei in die Schuhe zu schieben. Wir verurteilen alle Treibereien, die nicht aus sachlichen, sondern persönlichen Mo- tiven entspringen. Es hat immer Personen gegeben, die einen anderen Reichskanzler lieber sehen würden. Die konservative Par- tei aber steht auf dem Standpunkt, daß die Besetzung der Minister- stellen Sache Sr. Majestät des Kaisers ist.(Lachen links.)— Die Präventivzensur verurteilen auch wir. Auch den Grafen Zeppelin hat man gewissermaßen unter Präventiv- z e n s u r gestellt. Es wäre dringend zu wünschen, daß, nachdem man den einen Brief des Grafen Zeppelin an den Kanzler ver- öffentlicht hat, nun auch die beiden früheren Briefe des Grafen der Oeffentlichkeit bekanntgegeben würden. Aehnlich ist es dem Grafen Reventlow gegangen, weil er eine Meinung aus- gesprochen hat, die von unserem Auswärtigen Amt nicht geteilt wird. Graf Reventlow glaubt auch in der Versammlung im Abgeordnetenhause nichr gesagt zu haben, was der persönlichen Ehre des Kanzlers zu nahe tritt.— Zu dem Verbot einer Zeitung sollte man nur im äußersten Falle greifen. Ganz ohne Zensur geht es nicht, aber die Zensur darf nicht engherzig ausgeübt wer- den.(Bravo! rechts.) Vizepräsident Dr. Paasche stellt auf Grund des Stenogramms fest, daß Abg. Müller- Meiningen dem Stellvertretenden Kommandierenden General des 2. Armeekorps nicht Mangel an Mut vorgeworfen habe; er habe daher keinen Anlaß, nachträglich Remedur eintreten zu lassen. Staatssekretär Dr. Helsserich: Der Fall der Briefe des Grafen Zeppelin ist in der Kam- Mission erörtert und es ist dort festgestellt, daß Graf Zeppelin Manns genug ist, seine eigene Meinung auszusprechen, und daß er sich von niemand eine Meinung diktieren läßt, die er nicht selbst hat. Der Fall Bacmeister-Lewald ist von mir durch Ver- nehmung der in Betracht kommenden Beteiligten auch aus dem Luftflottenverein untersucht worden. Alle Beteiligten haben er- klärt, daß in den betreffenden Unterhaltungen keinerlei Aeuße- rung des Ministerialdirektors Lewald gefallen ist, die in dem Sinne der von Herrn Bacmeister aufgestellten Behauptung ge- deutet werden könnte.(Hört! hört!) Damit ist der Fall Bac- meister wohl erledigt. Verschiedene Redner haben dann von dem schlechten Eindruck gesprochen, den die Lorgänge vo» Sonnabend nach außen machen mußten. Der Meinung bin ich auch. Wenn aber Herr Gröber meinte, ich hätte diesen Eindruck mildern können, wenn ich mich in schärferer Weise der Entrüstung des Reichstags angeschlossen hätte, so bedauere ich, dem nicht folgen zu können. Ich darf in meiner verantwortlichen Stellung nicht die Schale der Entrüstung über Leute ausgießen, die noch nicht gehört worden sind, und deren Fall vielleicht unter meiner Mitwirkung erst noch unparteiisch geprüft werden wird. Ich darf auch nichts dazu beitragen, daß Behauptungen, deren Prüfung noch nicht ab- geschlossen ist, nach außen hin als Tatsache erscheinen und so unser Vaterland in den Augen des Auslandes herabsetzen. Dies wird Ihnen die Zurückhaltung, die ich geübt habe, erklären. Ich möchte auch den Eindruck nicht aufiommen lassen, als ob Belagerungs- zustand, Schutzhast und Zensur deutsche Spezialitäten seien, als ob es hiermit bei uns viel schlimmer aussehe als irgendwo. Das Umgekehrte ist der Fall.(Zuruf links.) Von Entschuldigung spreche ich nicht, aber es ist doch wohl wichtig für das objektive Ur- teil, wenn die Herren sich darüber klar sind, wie in Ländern mit so freiheitlichen Einrichtungen wie England und Frankreich, diese Dinge jetzt während des Krieges stehen. England, das vor- her überhaupt keine gesetzliche Grundlage für Beschränkungen der staatsbürgerlichen Rechte hatte, wo die Zensur formell seit Jahr- Hunderten außer Uebung gekommen ist, wenn auch die Regierung stets sehr starken Einfluß auf ihre Presse ausgeübt hat, hat sofort bei Beginn des Krieges ein Reichsverteidiguirgsgefetz beschlossen, das dann noch verschärft worden ist. Es enthält scharfe Eingriffe in die bürgerlichen Grundrechte, Aufenthaltsbeschränkungen, Be- schränkungen des Postverkehrs, sehr erhebliche Beschränkungen der Presse.(Zuruf: Praxis!) Das Recht der Haussuchung ist sehr umfangreich eingeführt. Wenn nur der Verdacht vorliegt, daß ein Grundstück zu Zwecken benutzt wird, die der öffentlichen Sicherheit oder der Reichsverteidigung abträglich sind, kann das Grundstück gewalffam betreten und durchsucht werden, es können Beschlagnahme»'erfolgen. Der Schutz der Person hat in England aufgehört. Auch Pol-izeibeamte find bovewrigt, ohne Haftbefehl Leute zu verhaften, wenn ihnen ein Verdacht gegen sie begründet erscheint. Oeffentliche Versammlungen können verboten werden, wenn Störungen der öffentlichen Odrnung zu befürchten sind. Von all diesen Bestimmungen wird auch sehr energisch Gebrauch gemacht. Das englische Arbeiterblatt ist wiederholt verboten wor- den. Aehnlich sind die Verhältnisse in Frankreich. Wir sind also keineswegs das Land außerhalb der Kultur. Wir wissen, daß Unser Volk die Opfer des Krieges in bewunderungswürdiger Weise trägt, daß es heute wie am'ersten Tage bereit ist, die notwendigen Opfer an Gut und Blut für die Verteidigung des Vaterlandes zu bringen. Es ehrt unser Volk, daß eS die freie Meinungsäußerung mindestens ebenso hoch hält, wie die Opfer an Gut und Blut. Aber in einem Krieg, in dem es um unsere ganze Existenz geht, der unser ganzes öffentliches und privates Lebe» umfaßt, in einem solchen Krieg kannn dem freien Wort nicht der Spielraum gegeben werden wie im Frieden. Diese Ueberzeugung wurzelt im Volke nicht so stark, und diese Tatsache trägt dazu bei, den ver- antwortlichen Instanzen ihr Amt zu erschweren. Wir wissen, daß wir uns auf unser deutsches Volk verlassen können, deshalb wün- schen wir die Eingriffe des Belagerungszustandes und der Zensur auf das Mindestmaß zu beschränken. Sie werden einwenden, in der Durchführung dieses Grundsatzes sind wir nicht immer glück- lich gewesen.(Sehr richtig!) Ich hoffe, daß wir in der Zukunft darin weiterkommen werden. Zu den vorliegenden Anträgen und den Einzelheiten kann ich im Namen der verbündeten Regierungen jetzt nicht Stellung nehmen. Ich möchte warnen, sie ficht im Ge- schwindtempo durchzuberaten. Immerhin kann ich sagen, die Tendenz der Anträge liegt in der Richtung unserer eigenen Wünsche und Bestrebungen: Vereinheitlichung und Milderung in der Handhabung des Belagerungszustandes. In dieser Richtung lagen die Anregungen des Reichskanzlers.(Zuruf: Sie sind aber nicht wirksam!) Darauf komme ich noch. Das Rundschreiben des Reichskanzlers und das der Oberzensurstelle ist am 1. August ergangen, und dafür, daß die Anordnungen auch befolgt werden, geschieht ebenfalls das Mögliche. Daß auf dem Ge- biet der auswärtigen Politik die Freigabe nicht ebenso möglich ist wie auf dem der inneren Politik, das, glaube ich, versteht sich für jeden ruhig Urteilenden von selbst. Der Reichstag selbst hat davon Abstand genommen, diese Fragen öffentlich zu diskutieren, und die- selbe Beschränkung mutz sich auch die Presse auferlegen. Herr Müller-Meiningen sagte, die bisherigen Anordnungen hätten nichts genutzt. Die Besserung mag nicht weit genug gehen, aber bestreiten läßt sie sich nicht. Zurückweisen will ich, als ob die Zensur die Behörden oder gar die Persönlichkeiten zu decken hat. Der Reichs- kanzler steht auf dem Standpunkt, daß persönliche Angriffe gegen ihn durch die Zensur nicht zu decken sind. Sonst hätte die Zensur noch ein weites Feld der Tätigkeit.(Sehr richtig!) Die Deckung' der Regierung ist fteilich etwas anderes. Der von Herrn G r o e- ber verlesene Erlaß, der jede Kritik der Regierungspolitik ver- bietet, stammt aus dem Beginn des Krieges und ist heute nicht mehr in Kraft. Man verlangt Richtlinien. Die zuständigen Stellen sind dabei, die heute geltenden Richtlinien in bezug auf die Zensur zusammenzufassen, und ich hoffe, daß das den Redakteuren eine Erleichterung bringe» wird, Ich stehe nicht an, anzuerkennen, daß die Absichten der obersten militärischen Stellen und des Reichskanzlers bisher nicht in vollem Umfang verwirklicht worden sind, weder in bezug auf die einheit- liche Handhabung noch in bezug auf den beabsichtigten Abbau der Zensur. Wir werden hier die bessernde Hand anlegen müssen. Ich bin überzeugt, daß der Reichskanzler hierfür volles Verständnis bei den militärischen Instanzen finden wird, um so mehr, als die deutsche Presse ihre Aufgabe im Kriege in ausgezeichneter Weise erfüllt hat und keine Regierung die Presse entbehren kann.(Leb- Haftes Sehr richtig!) Ich kann in diesem Hause keine Taten vollbringen; ich mutz Sie bitten, sich mit meinen Worten zu begnügen. (Bravo!) Oberst von Wricsberg: Zu dem von dem Abg. Geck erwähnten Erlaß über den G e- brauch der französischen Sprache muß ich bemerken: In letzter Zeit haben die Truppen darüber geklagt, daß der Ge- brauch der französischen Sprache in herausfordernder Weise sich in bedenklichem Umfange gesteigert hat. Verschiedene militärische Be- fehlshaber haben Warnungen deshalb erlassen. Dazu sind die Befehlshaber im Operationsgebiet berechtigt. Deutsche Truppen stehen im heldenmütigen Kampf in Verteidigung deutschen Landes. Ich glaube, daß diese deutschen Truppen erwarten können, daß hinter ihrem Rücken nicht eine fremde Sprache ge- sprachen wird.(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Das Haus vertagt sich. Abg. Müller-Meiningen(Vp., persönlich): Oberst Hoffmann mutz über meine Aeutzerungen falsch informiert worden sein. ES hat mir ferngelegen, dem General von Vietinghof Mangel an Mut vorzuwerfen. Ich habe nur gewünscht, daß der General seine Schneidigkeit, die er der Presse gegenüber betätigt hat, im Schützen- graben betätigen könne. Ich nehme an. daß Herr von Vietinghof denselben Wunsch hegt.(Heiterkeit.) Es liegt mir wie gesagt fern, den Mut eines tüchtigen Soldaten, aber schlechten Politikers und Zensors anzuzweifeln.(Heiterkeit.) Abg. Geck(Soz., persönlich): Ich habe von Fällen gesprochen, in denen die Betreffenden der deutschen Sprache überhaupt nicht mächtig waren. Wenn sie nicht ftanzösisch sprechen dürfen, dürfen sie überhaupt nicht sprechen.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Nächste Sitzung Dienstag, 3 Uhr. Kleine Anfragen. Fortsetzung der Zensurdebatte. Schluß 89L Uhr. Mus aller weit. Vier Jahre Zuchthaus für einen Wucherer. Vor dem Landgericht Halber st adt wurde am Soimabend nach fünftägiger Verhandlung ein Prozeß zu Ende geiührt, der sich gegen einen besonders gemeingesährlichen Kriegsbetrüger richtete. Angeklagt war der Techniker und Kaufmann Paul H ö p f n e r auS Magdeburg. Er gründete kurz nach Kriegsausbruch, trotzdem er überschuldet und ohne jeden Kredit war, in Bleckendorf ein Lebensmittelgeschäft unter dem lönenden Namen„Mitteldeutsches Handelskontor". Durch auffällige Inserate in den großen Tageszeitungen ganz Deutschlands bot er Lebens- mittel aller möglichen Art zum Kaufe an; auf die gleiche Weise forderte er Angebote von Waren aller Art ein. Ganz besonders legte er sich auf den Kartoffelhandel. Er schloß Anträge auf Liese- rung von Hunderttausenden von Zentnern Kartoffeln ab: geliefert aber hat er den Bestellern nicht eine einzige Knolle! Seine Opfer waren namentlich kleinere Stadtverwaltungen im Königreich Sachsen, im Herzogtum Braunschweig und in den Provinzen Hau- nover und Rheinland. Auch mit anderen Behörden und militäri- schen Dienststellen abgeschlossene Verträge hat er nicht erfüllt. Die Anklage legte ihm nicht weniger als 184 strafbare Handlungen zur Last. Er wurde in 98 Fällen für überführt erachtet und- wegen Betruges, Ueberschreitung von Höchstpreisen usw. zu vier Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Dasselbe Gericht verurteilte wenige Tage vorher nach acht- tägiger Verhandlung den Bruder des Angeklagten, Wilhelm Höpsner, wegen betrügerischer Massengründung von G. m. b. H. zu zw ei- einhalb Jahren Gefängnis. Räuber in Jraneukleideru. Gin romantisches Verbrechen, das seinem ganzen Hergange nach an gewisse Hintertreppengeschichten gemahnt, hat sich in der Nähe der Stadt Jnsterburg abgespielt. Der Kaufmann August Gcnzer aus dem Nachbarorte T r e m p e n kehrte am späten Abend von einer Reise zurück. Während er noch mit dem Ausschirre» seiner Pferde beschäf- tigt war, tauchten in der Dunkelheit, plötzlich wie aus dem Boden ge- wachsen, drei Gestalten auf und beim Scheine einer Blendlaterne erkannte der Erschreckte drei Frauen. Ehe er wußte, was los sei, war ihm ein Sack über den Kopf geworfen worden, den seste, und sicherlich nicht Frauen gehörige Hände zudrehten. Der Ueber- fallene wurde zu Boden geworfen und gefesselt. Man durchiucht« ihm die Kleider und entriß ihm eine Brieftasche, in der sich 1209 M. befanden. Die Räuber, denn um solche handelte es sich, riefen ihm noch einige höhnische Worte zu und verschwanden dann in der Dunkelheit. Bisher hat sich keine Spur der Verbrecher finden lassen. vrandkatastrophe in einem Krankenhaus. �avaS" meldet ans Quebec: In Farnham(Provinz Oue- b«, Kanada) zerstörte eine Feuersbrunst das Elisabeth- Spital, das 150 Betten enthält. Die Mehrzahl der Kranken konnte durch die Fenster gerettet werden. Zwei Kinder wur- den verletzt, da sie aus den Fenstern des dritten Stockwerke? sprangen', fünf fanden den Tod und IS werden ver- mißt. Fünf Personen bei einer Kahnfahrt ertrunken. Aus Posen wird gemeldet: Als der aus dem Felde beurlaubte Besitzer Roszinski auS Wompiersk im Kreise Straßburg(Westpreußen) auf einem mit Torf beladenen Kahn über den 100 Meter breiten Teich nach Hause fahren wollte, sank der Kahn in der Mitte des Teiches und mit ihm fünf Personen: Roszinski, seine Ehefrau, sein Sohn, der Knecht und die Magd. Die Leichen sind noch nicht gefunden worden. Ein Mord a«S Eifersucht. Sonntag nachmittag erstach in Köln auf offener Straße ein junger Mann namens Bieten ein Mädchen, mit dem er ein Liebesverhältnis unterhielt, durch mehrere Stiche in Brust und Hals. Der Mörder entfloh, stellte sich aber später der Polizei mit der Angabe, er habe die Tat aus Eifersucht vollführt. Vrandunglück. In einer Pulverfabrik in St. Mödard (Srr. Bordeaux) entstand im Trockenraum ein Brand, der einen großen Umfang annahm.„Matin" zufolge wurden 65 Personen mehr oder minder schwer verletzt. Der Marcrialschaden ist ziem- lich erheblich. Ein englisches Rettungsboot gekentert. Das Rettungsboot von Salcombe, eines Hafens für kleine Schiffe in der englischen Graf- schaft Devon, fft auf der Rückkehr von der Hilfeleistung bei einem durch Sturm in Seenot geratenen Schiffe gekendert; von der Be- mannung sind dreizehn ertrunken und zwei gereftet. Amerikanischer Humor. Der Sohn:„Vater, was ist eigentlich ein politischer Verräter?" Der Vater, alter Politiker:„Ein poli- tischer Verräter ist ein Mann, der unsere Partei verläßt, um sich der gegnerischen Seite anzuschließen." Sohn:„Und was ist dann ein Mann, der die gegnerische Partei verlätzt, um zu uns zu kommen?" Der Vater:„Das ist ein lobenswerter Bekehrter, mein Sohn!"(Tit-BitS.) Mwoch. den 1. november:€xtra-Zablabend in Groß-Bcrlin. vom Hesunöheitszuftanö in Serlin währenü ües Krieges. Ob während des Krieges die daheimgebliebene Bevölkerung bis- her eine Verschlechterurig ihres Gesundheitszustandes gehabt hat, dar- über gehen die Meinungen auseinander. Ursachen einer Minderung der Gesundheit könnten sein die seelischen Erregungen dieser Zeit, die tiefgreifenden Aenderungen der Ernährungsweise und die starke Be- teiligung der Frauen, der Jugendlichen und der nicht mehr voll ar- beitsfähigen Männer an Arbeiten, von denen sie sonst ferngehalten wurden. Einen Versuch zur Beantwortung der Frage, welchen Ein- flufj die Kriegszeit auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung Ber- lins ausgeübt hat, macht in der.Berliner Klinischen Wochenschrift"(ISIS, Nr. 41, auch als Sonderabdruck er- schienen) der Arzt Prof. Dr. Magnus-Levy. Er benutzt als Matzstab die Sterblichkeitsziffern und kommt dabei zu fol- gendem von ihm an die Spitze seines Aufsatzes gestellten Ergebnis: .Der Gesundheitszustand der Stadt Berlin, gemessen an der absoluten Zahl der Sterbefälle wie an der Sterblichkeitsziffer, ist in den drei bisherigen Kriegsjahren 1öl4, 1915 und 1916 verhältnismätzig sehr gut geblieben. Die Zahl der Todesfälle und die Sterblichkeitsziffer übersteigt nur unwesentlich die des Vorjahres 1913 mit seinen un- gewöhnlich günstigen Verhältniffen. Sie bleibt zurück hinter dem Durchschnitt der dreijährigen Perioden 1996 und 1919 und 1911 bis 1913." Magnus-Levy gibt Tabellen über Sterbefälle und Sterblichkeit-- ziffern für die Gesamtbevölkerung, im besonderen für die an Zahl fast unverändert gebliebene weibliche Bevölkerung, schlietzlich auch für die weibliche Bevölkerung unter Aussonderung der Säuglinge und der Greisinnen. Es starben in den acht Jahren 1998 bis 1915 von der Gesamtbevölkerung auf je 19 999 Personen 157, 155, 146, 156, 144, 135, 146, 152, von der weiblichen Bevölkerung auf je 19 999 weibliche Personen 146, 143, 137, 147, 137, 128, 135, 133. Aus diesen Reihen hebt sich das Jahr 1911 mit höheren Sterblichkeitsziffern heraus, die aus der damaligen, durch ungewöhnliche Hitze der Som- mermonate bedingten Mehrung der Säuglingssterbefälle zu erklären find. Sieht man von 1911 ab, so zeigen die obigen Sterblichkeits- ziffern eine sehr deutliche Abwärtsbewegung bis zu dem Tiefstand von 1913, dem dann wieder eine Aufwärtsbewegung folgte. Magnus- Levh weist darauf hin, datz bei den Einberufungen zum Heeresdienst die männliche Bevölkerung viele der Gesundesten abgegeben hat, so datz für die Daheimgebliebenen die Sterblichkeitsziffer ohnedies ungünstiger werden mutzte. Eine Berechnung der Sterbeziffern der ersten Halbjahre von 1914, 1915, 1816 ergibt als Sterblichkeitsziffern für die Gesamtbevölkerung 146, 156, 158 auf je 19 999, für die weib- liche Bevölkerung 136, 142, 137 auf je 19 999. Wir können dem nicht zustimmen, datz diese Ziffern auf einen»sehr guten" Gesund- heitszustand schließen lasten. Aber Magnus-Levy macht selber die Einschränkung, nur von einem.verhältnismäßig sehr guten" Gesundheitszustand zu reden. Die Gruppierung der Gestor- denen aus der weiblichen Bevölkerung nach Altersklastcn zeigt neben starker Minderung der Säuglingssterbefälle, die sich Hauptsächsich aus dem Geburtenrückgang erklärt, eine beträchtliche Zunahme der Sterbefälle von Greisinnen. Bei diesem ältesten und schwächsten Teil der Bevölkerung nimmt Magnus-Levy einen schädigenden Einfluß des Krieges an. Nach Abzug der Säugsinge und der Greisinnen er- hält man auch für die Sterbcfälle der 1 bis 79 Jahre allen weiblichen Personen noch ein Mehr in 1914 und 1915 gegenüber 1913, ein Weniger aber gegenüber den früheren Jahren. Die Vergleichung der ersten Halbjahre von 1914, 1915, 1916 ergibt für die weibliche Be- völkerung und bei den Säugsingssterbefällen die aus dem Geburten- rückgang erklärbare Minderung, dagegen bei den Sterbefällen aller anderen Altersklassen eine Mehrung. Schließlich faßt Magnus Levh sein Urteil noch einmal in die folgenden Sätze zusammen, die vorsichtiger als die an die Spitze gestellte Bemerkung klingen:.Die drei Kriegsjahre haben uns bisher eine geringfügige Verschlechterung gegenüber dem ungewöhnsich günstigen Jahr 1913 gebracht. Fast alle Verhällniste sind noch immer besser als in 1998 bis 1912. Nach dieser Richtung hin ist also der Krieg bis her fast ohne Einfluß ge- blieben." Im ganzen geben diese Zahlen doch keine ausreichend« Antwort auf die Frage, um die es sich handelt. Aus dem Auf oder Ab der Sterblichkeitsziffern kann nicht mit voller Sicherheit geschlossen werden, wie weit der allgemeine Gesundheitszustand sich verschlechtert oder gebessert hat. Auch bei Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustandes können zufällig die tödlich endenden Ent- bindungen seltener sein, wie andererseits bei einer Mehrung gerade dieser Erkrankungen doch eine Besserung des allgemeinen Gesund- heitszustandes denkbar wäre. Magnus-Levy sagt übrigens selber, datz.die Zahl der Todesfälle nur einer der Faktoren zur Beurtei» lung des allgemeinen Gesundheitszustandes" ist. Er fügt hinzu: .Aber auch die anderen zeigen ein ähnlich zufriedenstellendes Er- gebnis", und weist darauf hin, datz„wir von Kriegsseuchen vollkommen verschont geblieben" sind. Für die dann von ihm ausge- sprochene Ansicht, datz.auch die sonstigen Gesundheitsverhältnisse, gemessen an der allgemeinen Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Bevölkerung, keine stärkere Beeinträchtigung erfahren haben", fehll in seinem Auffatz jeder Beleg. Er beschränkt sich überall auf Er- örterung der Sterblichkeitsverhältnisse und macht nirgends den Ver- such, zur Prüfung der Gesundheitsverhältnisse die Ziffern der Krankenkassenstatistik heranzuziehen. Im.Vorwärts" wurde ein solcher Versuch bereits gemacht und für Anfang August dieses Jahres gezeigt, daß bei den Krankenkassen Berlins, in diesem Jahre die Anteile der Kranken an der Gesamtheit der Versicherten erheblich höher als zu demselben Zeitpunkt des vorigen Jahres waren. Daß dies kein Einzel- und Ausnahmefall ist, leljrt die Betrachtung des ganzen Zeitraumes vom Herbst 1916 zurück bis zum Frühjahr 1915. Noch weiter zurückzugehen, verbietet sich, weil erst vom Februar 1915 ab die nach Kriegsausbruch ausgeschlossenen Hausgewerbetreibenden wieder in die Krankenversicherung einbe- zogen wurden. Nach unseren Berechnungen kamen zu Anfang der 19 Monate März 1915 bis September 1916 arbeitsunfähige Kranke auf je 19 999 versicherte Mitglieder bei den männlichen Ver- sicherungspflichtigen 281, 271, 259, 235, 264, 255, 253, 255, 254, 279, 396, 334, 365, 331, 299, 284, 294, 299, 394, bei den weiblichen Ver- sicherungspflichtigen 217, 214, 213, 225, 281, 283, 276, 266, 253, 271. 392, 341, 352, 323, 292, 319, 349, 344, 351. Wegen der oben erwähnten, erst vom Februar 1915 ab erfolgten Wiederzulassung von Hausgewerbetreibenden werden wir vielleicht besser auch die Frühjahrsmonate noch aus dieser Betrachtung ausschließen. Bei Einbeziehung des Frühjahrs würde die Vergleichung zwischen 1915 und 1916 sehr zuungunsten von 1916 ausfallen. Bei Beschränkung auf die Zeit vom Juli ab ergibt sich, datz die Ziffer der Kranken pro 19 999 Versicherte von 1915 zu 1916 ge- stiegen ist bei den männlichen Versicherungspflichtigen im Juli von 264 auf 294, im August von 255 auf 299, im September von 253 auf 394, bei den weiblichen Versicherungspflichtigen im Juli von 281 auf 349, im August von 283 auf 844, im September von 276 auf 351. Diese Zahlen sehen nicht nach einem günstigen Gesundheits- zustand aus, mindestens nicht nach einer Besserung in 1916 gegen- über 1915. Datz allerdings auch aus ihnen nur bedingte Schlüsse gezogen werden können, wissen wir. Es ist bekannt, wie sehr die Krankenkassenziffern unter dem Einflutz von Zu- und Ab- nähme der Arbeitsgelegenheit stehen. So lange loh- nende Beschäftigung zu haben ist, wird Gesundheit„simuliert", um möglichst„die gute Zeit mitzunehmen". Kommt dann wieder Be- schäftigungsmangel und Arbeitslosigkeit, dann mehren sich die Krankmeldungen, weil viele sich jetzt erst Zeit lassen, krank zu sein. Mit solchen Erwägungen kann aber bei der Vergleichung zwischen 1915 und 1916 die starke Zunahme der Krankenziffern doch wohl nicht erklärt werden. 7)us Groß-Serlin. Die Tauentzienftraße. Dieser im letzten Jahrzehnt vielgenannten und weit über die Grenzen Berlins, ja selbst Deutschlands, bekannten Straße ergeht es wie vielem anderen in der Welt: sie ist besser als ihr Ruf. Man kann sie als die jüngere und vornehmere Schwester der Friedrichstraße bezeichnen, und doch stellt sie einen anderen Typus dar, weist sie ein grundverschiedenes Gepräge auf. Das K. d. W. am Untergrundbahnhof leitet sie ein und die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Zkirche schließt den Straßenzug. Die Seite des K. d. W. ist die belebtere, hier kulminiert sich das Getriebe, und die Auslagen in den Schaufenstern wie die Bierlokale und Restaurants locken den Strom von Passanten in ewigem Wechsel heran. Zwischen 3 und 7 Uhr nachmittags ist hier auch der Treffpunkt der Flirtbeflissenen, und die Back- fische trippeln auf und ab, bleiben vor den Auslagen stehen oder fangen prüfend ihr Bild in den hohen Spiegelscheiben auf, ohne dabei die mehr oder weniger jungen Herren aus den Augen zu verlieren. Ebenso ist diese Zeit den Hausfrauen von WW paßrecht, die dann ihre Einkäufe erledigen und im Erfrischungsraum des Warenhauses mit Bekannten ein Stündchen verplaudern. Jedenfalls flutet um diese Nachmittagszeit ein ewiger Sttom von Menschen diesen Straßenzug auf und ab, und selbst der Jlrieg hat hierin nicht allzu viel Wandel schaffen können. Die Zahl der eleganten Herren mit Monokel und neuester Kra- watte ist allerdings erheblich zusammengeschrumpft, dafür aber behauptet sich Feldgrau äußerst stark unter den Vorüber- kommenden. Vom einfachen Soldaten bis hinauf zum hohen Offizier sind die Soldaten vertreten. Die belebteste Straße des neuen Westens zieht sie in reicher Anzahl an. Auch viele Verwundete sieht man hier an schönen Tagen gemächlich dahinschlendcrn. Oft schart sich eine ganze Gruppe um eine Schwester, wie die Küchlein um die Henne. Und während an den Seiten der Straße das Leben pulst und flutet, gleitet ein Straßenbahnwagen nach dem andern über grüne Raseustreifen und bringt und holt wieder neue Scharen von Passanten. In Friedenszeiten war das Publikum Hierselbst in allen Zungen und Trachten vertreten, der Krieg hat damit, wie mit so vielem anderen, aufgeräumt. Nur selten klingen noch fremde Sprachen an unser Ohr.— Die Mitte der Straße, die schöne, breite Promenade, ist die Domäne der Kinder und alten Personen. Hier spielen die Kleinen unter der Obhut der Mütter oder Erzicherinnen und die Großpapas und GroßmamaS sitzen auf den Bänken und freuen sich der milden Wärme der Herbstsonne. Früh senkt sich die Dämmerung hernieder. Schön ge gliedert hebt sich die Silhouette der Gedächtniskirche vom Äbendhimmel ab. Und nun heben auch die Glocken an zu läuten— schwer und dumpf rollen die Klänge die Straße hin, die nach und nach im elektrischen Licht erstrahlt. Eio Wahlkampf in der Zeit des Burgfriedens fand gestern im 11. Kommunalwahlbezirk der 2. Abteilung statt. Dort kämpften zwei bürgerliche Kandidaten um das Stadl verordnetenmandat. Die Hausbesitzer hatten gegen den von den freisinnigen Vereinen aufgestellten Fabrikbesitzer Stein den Reichsbankkalkulator Ladendorf aufgestellt. Erstcrer siegte mit 481 Sttmmen gegen 330 Sttmmen, die auf Laden darf entfielen._ Die neuen VerkchrSpläne. AuS dem Rathause wird zu der von Vertretern der Landkreise und weniger Vororte verfatzten Erklärung geschrieben: »Die Gegenerklärung, die von mehreren Mitgliedern d«S Ver bandeS Grotz-Berlin veröffentlicht wird, stellt das Vorgehen in Sachen der Großen Berliner Straßenbahn ganz unter den Gesichte punlt eines mitten im Kriege eröffneten Kampfes gegen Berlin. Einzig und allein die Besorgnis, datz im Jahre 1929 der im Berliner Vertrage vorgesehene Staffeltarif in Kraft treten könnte, wird als Grund angeführt. Dagegen wird weder die ungeheuere Tragweite, welche ein Ankauf der Straßenbahn mit einer Summe von, wie es jetzt scheint, sogar 159 Millionen Mark für ganz Grrtz-Berlin haben würde, und die schwere Bei laftung des bei weitem größten Teiles der Bevölkerung von ganz Grotz-Berlin, den Vororten nicht minder wie Berlin selbst, durch eine Tariferhöhung, welche sich im Jahre auf 15 bis 18 Millionen Mark belaufen würde, mit keinem Worte berührt. ES ist ganz besonders eigenartig, daß eine Tariferhöhung, welche möglicherweise im Jahre 1929 im Höchstbetrage von 2 bis 2,/ij Millionen Mark eintreten könnte, den Anlaß bilden soll zu einer sofort, mittelbar oder unmittelbar in Wirksamkeit tretenden Mehrbelastung de« Publikums, die sich mindestens auf das Sieben- bis Achtfacke beläuft. Aber es wird demgegenüber auch die Aufgabe Berlins sein, in den kommenden Verhandlungen eingehend nachzuweisen, einmal datz die Besorgnis vor einer staffclmätzigen Tariferhöhung im Jahre 1929 überhaupt nicht begründet ist. und ferner, datz diese Frage auf keinen Fall einer beschleunigten Behand- lung bedarf. Es mutz geradezu als irreführend bezeichnet werden, wenn man immer wieder den Versuch macht, die Annahme zu erwecken, als ob bis zum 31. Dezember 1917 der Verband irgendeine Entscheidung zu treffen hätte. Das würde nur der Fall sein, wenn der Verband be- obsichtigte, die Straßenbahn im Jahre 1929 zu einem Kurswert von 299 Proz. zu erwerben. Daß unter den gegenwärtigen verändctten Verhältnissen zu einer Zeit, wo die Aktien de« Unternehmens mit etwa 125 Proz. erhältlich sind, kein verständiger Mensch hieran denken kann, bedarf keiner Darlegung. Die Ausübung des Berliner ErwerbSrechtS hat also mit der Tarisfrage schlechter- dingS nichts zu tun, und scheidet, wie der VelbandSdirektor selbst in seiner Tenkschnst betont hat, auS dem Bereich der Erwägungen überhaupt aus. Es bliebe nur noch das Erwerbsrecht auf Grund des Vertrages der Großen Berliner Straßenbahn mit Lichtenberg. Um dieses auS« zuüben, hat man bis zum 31. Dezember 1918 Zeit, also noch mehr als zwei Jahre. Auch der Lichtenberger Vertrag kann somit in keiner Weise sür eine eilfertige Behandlung während des Krieges für die schwere Belastung des Grotz-Berliner Kredits und der Groß- Berliner Bevölkerung herangezogen werden. Die Tariferhöhung nach dem Berliner Wertrage würde auch dann, wenn der Verband bis zum Jahre 1929 keinen Finger rührte, nicht zur Wirksamkeit kommen. Dafür würden und könnten zunächst schon die Vororte, welche wie Charlottenburg, Schöneberg. Neukölln, Reinickendorf, Nicderschönhausen, Britz sich einen Zehnpfennigtarif auf die ganze Verttagsdauer ausbedungen haben, mir entscheidendem Erfolg sorgen, indem sie dem neuen Staffeltarif sein Geltungsgebiet einfach vermauerten. Außerdem aber, und das glauben wir hier mit aller Ent- schiedenheit aussprechen zu dürfen, wird Berlin sicherlich nicht daran denken, eine Entwicklung zu be- günstigen, welche seinem einseitigen Vorteil diente und die Interessen der übrigen Groß- Berliner Gemeinden schädigte. Die wenig freundlichen Andeutungen einzelner Vertreter von Berliner Vororlen, als ob Berlin mit seinem Widerstande gegen ein übereiltes Verfahren seinem eigenen Nutzen nachginge, fallen damit vollständig in sich zusammen. Und Berlin bleibt nach wie vor zu der Mahnung und Forderung berechtigt, nicht die KriegSzeit zu so schwerwiegenden Entschlietzungen auszuersehen." Unsere Anficht über die Angelegenheit haben wir kürzlich ein- gehend dargelegt. Die Zuckerportion. Nachdem von der Reichszuckerstelle der Bedarfsanteil für die ein- zelncn Personen vom 1. November 1916 ab bekanntgegeben und die Verteilung des Zuckers vorgenommen worden ist, erlätzt der Magistrat eine Verordnung, in welcher die Menge, die von den einzelnen Ein- wohnern bezogen werden kann, angegeben ist. Während mit dem letzten Zuckerkartenabschnitt für die Zeit vom 21. bis Ende Oktober nur 259 Gramm bezogen werden konnten, steht es jetzt, vom 1. November ab den Einwohnern frei, für einen halben Monat 375 Gramm Zucker zu beziehen, und zwar nach Matz- gäbe der aufgedruckten Bestimmungen und gemäß der Kundenliste. Die Anfuhr von den emfernteren Rasfinerien ist etwas verzögert worden, so daß manche Geschäfte erst in einigen Tagen in der Lage sein werden, die Kunden zu befriedigen. Doch konnte im ganzen der Zucker aus der neuen Ernte rechtzeitig nach Berlin gelangen. Hierbei wird noch bemerkt, daß die Bekanntmachung über die Eintragung in die Kundenliste häufig falsch verstanden worden ist. Wer auf Grund des Zuckerkartenkopses in die Kundenliste einmal ein- getragen worden ist, braucht mit Ausgabe einer neuen Zuckerkarte nicht erneut eingetragen werden; die Weiterlicferung erfolgt ohne weiteres auf Grrmd der bisherigen Eintragung. Nachträgliche Eintragungen sollen nur erfolgen, wenn die be« treffende Person verhindert war, sich eintragen zu lassen. Zu jeder Eintragung ist ein Kopfstück der bis zum 31. Oktober giltigen Zucker« karte in den Geschäftsräumen der Zuckerversorgungsstelle. Komman- dantenstr. 89/81 III. Stock, vorzulegen. Ohne dieses Kopfstück kann eine Eintragung nur erfolgen, tvenn die polizeiliche Anmeldung über Zuzug von außerhalb vorgelegt wird. Die Zuckerversorgungsstelle befindet sich jetzt Kommandanten« stratze 80/81._ Kleinhandelspreise für frische Seefische bester OiNaNtät für Dienstag, den 31. Oktober 1916. Schellfische, klein(bis% Pfund) 1,70 M mittel(von% bis 1 Pfund) 1,90 M.. grotzmittel(von 1 bis 1'/» Pfund) 2,95 M., große(von l'/a Pfund und mehr) 2,15 M.; Kabeljau, klein(bis Iff, Pfund) 1,25 M., mittel(von l1/, bis 4 Pfund) 1,45 M., große (von 4 Pfund und mehr) 1,65 M., ohne Kopf(im Ausschnitt) 2,25 M.; Schollen, kleine(bis zu llt Pfund) 1,00 M.(Zufuhr knapp.) Die neuen Fleffchpreise. Der Magistrat hat, nachdem die Stall- Höchstpreise für Rinder um ein geringes ermäßigt worden sind, die unter dem 22. September 1916 erlassenen Kleinhandelspreise für frisches(rohes) Rindfleisch außer Kraft gesetzt. An ihre Stelle treten die neuen Preise der Verordnung vom 25. Oktober 1916. Es sind folgende Ermäßigungen eingetreten: Es kostet 1 Pfund Schmorfleisch ohne eingewachsene Knochen und ohne Knochenbeilage(Keule und Bug) 2,99 M.(bisher 3 M.). 1 Pfund der übrigen Teile 2,39 M. (bisher 2,49 M.f, 1 Pfund Gehacktes 2,49 M.(bisher 2,59 M.). Leere Röhrentcile der Knochen dürfen als Suppenlnochen oder als Beilage zum Fleisch nicht verkauft werden. Wer Gänse kaufen kann. Der Magistrat Berlin hat mehrere Tausend geschlachtete Gänse(gemästete Fettgänse) gekauft und stellt sie in der Zentralmarlthalle zum Verkauf. Der Preis beträgt 4 M. für das Pfund. Anmeldungen Berliner Einwohner zum Bezüge, die nach der Reihenfolge des Eingang« Berücksichttgung finden, sind an die städtische Markthallen-Direktion, C 2, Neue Friedrichstr. 35, zu richten. Es ergeht darauf von der Markthallen-Direftion an die An- meldenden eine schriftliche Nachricht, wo und wann sie die von ihnen bestellten Gänse abholen können. Um schwere und fette Gänse zum Preise von 4 M. das Pfund kaufen zu können, dazu gehört heute ein kleines Kapital. Kralikeuernährimg. Der Magistrat teilt mit: Obwohl in der Presse wiederHoll darauf hingewiesen worden ist. daß der Verkehr mit der Zentralstelle sür Krankenernährung auf schriftlickcm Wege erfolgt, drängt es doch viele Kranke zur persönlichen Nachfrage ins- besondere in den Fällen, in denen den Benalvrichtigungsschreiben auf eingereichte ärztliche Zeugnisse nicht gleich sämtliche Karten für die ganze Bewilligungsdauer beigefügt werden konnten, weil die Zentralstelle sie selbst nur von Monat zu Monat von den einzelnen Nahrungsmittelabteilrmgen erhält. Um derartigen Beunruhigungen im Publikum hinsichtlich der jetzt ablaufenden Milchkarten für Oktober vorzubeugen, teilt die Zentralstelle mit, datz die Novemberkarten, soweit solche für Kranke bewilligt worden find, am 30. Oktober zur Versendung gelangt sind._ Ter HilfSauSschuß der Reichsdeutschen in Frankreich verlegt seine Geschäftsslelle am 1. November nach dem Reichsamt des Innern, Luisenstr. 33,34._ Gold auf Rennplätzen. Um Gold zu bekommen, hatte der Berliner Rennverein den- jenigen Besuchern der Pferderennen Vergünstigungen versprochen, die Gold in Zahlung geben. Und siehe da, der Erfolg war ein über- laschender. Das Gold, daS auf andere Mahnungen nicht abgeliefert wurde, hier kam es zum Vorschein. Bis jetzt sind bei den Rennen — abgesehen von der noch ausstehenden Sammlung der Trabrenn- vereine— 422 780 M. Gold abgeliefert worden, das der Reichsbank zugeführt wurde. Den Hauptleil dieser Summe brachte die Grüne- Waldbahn, wo an 16 Renntagen 197 679 M. eingingen. Karlshorst, das die Anregung zu der Sammlung gab, lieferte an 13 Renntagen 125 110 SK. und Hoppegarten an 16 Renntagen 100000 SR. In Strausberg fand keine Goldsammlung statt. DaS Pferderennen in KarlShorft, das am Sonntag stattfand. hatte wieder einen starken Besuch zu verzeichnen; e« war„drückend voll", so wissen Sportzeitungen zu berichren. Im übrigen hatte die Raserei, die der Förderung der Pferdezucht dienen soll, zur Folge, dah ein Pferd zu Fall kam und mit gebrochenem Kreuz tot liegen blieb. Der Reiter kam mit heiler Haut davon. Die neue Regelung der Milchversorgunz in Grojj-Berlin hat eS mit sich gebracht, dah die Milch von den von der Fettstelle Grofe« Berlin beauftragten Meiereien nickt mehr der großen Zahl von Händlern, die ganz kleine Mengen beziehen, zugeführt werden kann. Es mußte daher kür die Uebergangszeir die Milch der kleinsten Händler anderen Händlern zum Bertrieb zugewiesen werden, damit eine Stockung der Milchzufuhr und so eine Gefährdung der Kinder und Kranken vermieden werde. Begreiflicherweise ist hierdurch eine Beunruhigung der'nicht mehr berücksichtigten Milchkleinbändler entstanden, wenngleich das ganz geringe Milckguantum, das ihnen noch zur Verfügung stand, einen nur unerheblichen Verdienst ab- warf. Die Fcttstelle Groß- Berlin ist nur in der Lage, den Milch- vertrieb so weit zuzulassen, als dies mit dem ordnungsmäßigen Berteilungsplan, der dem äußerst geringen Gesamtquantum der Milch angepaßt ist, vereinbar ist. Immerhin soll, wenn die Ueber- gangsschwierigkeiten erledigt sind, die Regelung derart erfolgen, daß zwar die Anfuhr der Milch bei den größeren Kleinhändlern statt- findet, daß sich aber die bisher nicht bedachten Kleinhändler die Milch von den größeren Nachbarläden abholen können. Sie werden dadurch in die Lage kommen, ihre frühere Kundschaft wieder zu be- dienen. Zurückhaltung von Streichhölzern? Vor einigen Tagen wurde verbreitet, daß der Kleinhandelspreis für Streichhölzer überall im Reiche 45 Pf. für das Paket betrage. Der Verein deutscher Zündholzfabrikanten habe erklärt, daß der Preis eines Paketes beim Verkauf an die Kleinhändler 33 Pf. nicht über- steigen dürfe; es würden Zwischenhändlern, die den Preis ungehörig in die Höhe treiben, die Lieferungen der Fabrikanten gesperrt werden, Jede Ueberschreitung des Kleinhandelspreises von 45 Pf. fei eine unberechtigte Preistreiberei, gegen die die zuständigen Behörden ein- schreiten müssen. Diese Erklärungen haben zunächst die bekannte Wirkung gehabt, daß mit einem Male Streichhölzer in Pakclen im Kleinverkauf kaum mehr zu haben find. Vielfach wird nur eine ein- zelne Schachtel für— 10 Pf. abgegeben, was einem Preise von 1 M. für da? Paket entspricht. Hier haben schleunigst mit aller Energie die Behörden«inzuschreiten. Nötigenfalls müssen ohne Verzug die Gemeinden unmittelbar von den Fabrikanten die den Verbrauchern schon in bedenklichem Maße fehlenden Streichhölzer beziehen. Tödliche Fensterstürze. Beim Fensterputzen sind am Sonnabend zwei stmge Mädchen tödlich verunglückt. In der Frankfurter Allee 81 war gegen'/�8Uhr morgens das 16jährige Dienstmädchen Martha Brügge mit dem Reinigen der Fenster beschäftigt. Ilm die Rückseite der Scheiben und auch das ziemlich tief liegende Fensterblech gut säubern zu können, beugte sich das Mädchen weit hinaus, verlor das Gleich- gewicht und stürzte aus der Höhe des zweiten Stockwerks kopfüber auf die Straße hinab. Augenzeugen des Vorfalls brachten die Schwerverletzte zu einem in der Nähe wohnenden Arzt, der fest- stellte, daß die B. einen Schädelbruch und mehrfache Brüche beider Arme davongetragen hatte. An den Folgen der erlittenen schweren Verletzungen starb das Mädchen unter der Hand des Arztes.— Ein gleicher tödlicher Unfall ereignete sich am Sonnabend in der Düsieldorfer Straße 23 in Wilmersdorf. Dort hatte das Dienst- mädchen Berta Brüchte die Fenster geputzt und wollt« dann die Gardinen befestigen. Dabei kam die B. auf der Stehleiter zu Fall und stürzte aus dem Fenster, das sie offen gelaffen hatte, kopfüber ans der Höhe de? dritten Stockwerkes auf die Straße hinab. Das bedauernswerte Mädchen erlitt so schwere innere und äußere Ver' letzungen, daß es auf dem Transport nach dem Lichterfelder Stuben- rauck-Krankenhause starb. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach der Halle in der Berliner Straße gebracht. Ein tödlicher Betriebsunfall hat sich am Sonnabend in Ober- schöneweide ereignet. Auf dem Neubau der Nationalen Automobil- sabrik in der Ostendstraße war der Arbeiter Kälert aus Friedenau auf dem Dacke des Gebäudes mit Arbeiten an der Eisenkonstruktion beschäftigt. Infolge eines Fehltrittes stürzte er durch einen Schacht bis zum Erdgeschoß. Er erlitt so schwere Verletzungen, daß er auf der Stelle starb. Ein Mord in Frankfurt a. M. beschäftigt auch die hiesige Kriminalpolizei. In Frankfurt betrieb die 50 Jahre alte Schank- Wirtin Frau Kähnemann geb. Schormantikowski, deren Mann im Felde steht, auf der Köllncr Straße 24 allein die Wirtschaft weiter. Diese ging ziemlich schlecht, so daß die Frau oft allein im Laden war. Am Dienstag voriger Woche kam sie blutüberströmt aus dem Geichäst heraus und brach tot vor der Tür zusammen. Sie hatte mehrere Sticke in die linke Brust erhalten und war verblutet. Der Mörder war bereits entkommen. Weil die Frau sehr zurück- gehalten lebte, so ist es schwer, bestimmte Anhaltspunkte für die Täterschaft zu ermitteln. Die Frankfurter Kriminalpolizei fand bei ihren Nachforschungen in der Behausung der Ermordeten mehrere Adressen, unter ihnen auch die eines Sanitätssoldaten aus einem hiesigen Reservelazarett. Dieser wurde gestern auf Ver- anlassung der Frankfurter Behörde von der hiesigen Kriminalpolizei vorläufig in Gewahrsam genommen. Er gehörte zum Bekannten- kreise der Frau Kähncmann, bestreitet aber jede Teilnahme an dem Verbrechen. Er hat wahrscheinlich auch nichts damit zu tun, gibt vielmehr seinen anderweitigen Aufenthalt zur Zeit des Mordes glaubwürdig an. Vielleicht kann er aber zur Aufklärung des Ver- breckens beitragen. Die Kriminalpolizei führte ihn dem Militär- gericht zu, das ihn weiter vernehmen wird. Adreßbuch für Berlin und seine Vororte. Die Frist für Vor- bestellungen des Jahrganges 1917 des Berliner Adreßbuches läuft mit dem 31. d. M. ab; vom 1. November tritt der um 2 M. er- höbte Ladenpreis in Kraft. Alle Abnebmer, die ihre Bestellungen nickt schon auf den Eintragungskarten oder Hauslisten aufgegeben haben, werden daher nochmals an die rechtzeitige Bestellung er- innert. Neben der zweibändigen Ausgabe des Adreßbuches zum Preise von 14 M. erscheint auch eine Ausgabe in drei Bänden zum Preise von 15 M., die den Vorzug größerer Handlichkeit bietet. Gesperrt. Das Polizeipräsidium teilt mit: Der Fahrverkehr Süd— Nord auf der Müllerstraße über die Kreuzung mit der Fenn- straße wird wegen Untergruudbahnarbeiten gesperrt. Der bisher daselbst gesperrte Fährverkehr Nord— Süd wird freigegeben. /lus öcn Gemeinöen. Neue Lcbcnsmittel-Verteiiung in Schöneberg. Vom 1. November ab bringt der Magistrat Schöneberg Weizen- grieß, Graupen und Marmelade zur Verteilung. Es werden ver- abfolgt aus Abschnitt 25 der Lebensmittelkarte 200 Gramm Graupen zu 12 Pf., auf Abschnitt 26 Vi Pld. Weizengrieß zu 7 Pf. und auf Abschnitt 27 Vi Pfd. Marmelade sAuSlandsware) zu 23 Pf. Aus der Stadtverordnetenversammlung in Köpenick. Am letzten Freitag bewilligten die Stadtverordneten 300 M. für die Vorarbeiten zu dem Projekt eines Bahnbaues Stor- low— Köpenick. Das Elektrizitätswerk hat einen Rein- Peraniwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den gewinn von 77 061 M. im letzten Geschäftsjahre abgeworfen und werden 60 000 M. der Stadthauptkasse überwiesen. Ferner lag ein Antrag des Magistrats vor, die bestehenden Teuerungs- Zulagen der städtischen Arbeiter und Angestellten erheblich zu verbessern. Die Vorlage des Magistrats entspricht den Forderungen unserer Genossen, welche bereits im Sommer d. I. erhoben wurden, jedoch durch die Mehrheit der bürgerlichen Vertreter nicht die Zu- ftimmung fand. Da auf allen Seiten noch Wünsche geäußert wurden, ging die Vorlage an eine Kommission, in der auch unsere Genoffen durch drei Stadtverordnete vertreten find. Die Wahlen der Arbeitnehmerbeisitzer zu dem städtischen Arbeitsnach- weis, welche nach Vorschlägen der Gewerbogerichtsbeisitzer er- folgten, ergaben folgendes Resoultat: Hermann Silberschmidt als Stadtverordneter, ferner Expedient Otto Nickel und Metall- arbeitcr Wilh. Ei ß ne r. In der letzten Stadtverordnetenver- sammlung im September kam, wie wir bereits berichteten, die Texttlarbeiterfürsorge zur Annahme, ohne daß es unseren Genossen gelang, die geforderten Sätze durchzudrücken; selbst die Berliner Sätze wurden als zu hoch angesehen. In der heutigen Sitzung machte nun der Magistrat eine neue Vorlage, welche über die Berliner Sätze noch hinausging und gelangten fol- gende Sätze zur Annahme: Für männliche und weibliche Arbeiter von 14 bis 16 Jahren 10 Pf. pro Stunde, für weibliche Arbeiter von 16 bis 21 Jahren 15 Pf., für männliche Arbeiter von 16 bis 21 Jahren 18 Pf., für weibliche Arbeiter über 21 Jahre 20 Pf., für männliche Arbeiter über 21 Jahre 27 Pf. und für jedes Kind unter 14 Jachren ein Zuschlag von 3 Pf. » Nach der jetzt erfolgten Veröffentlichung des Magistrats finden die Staidtverordnetenwahlen am Montag, den 13. November, für bi« Alt- und Dammvorstadt, am Dienstag, den 14. November, für die Köllnische Vorstadt statt. Die Namen der Kandidaten sind bereits mitgeteilt._ Aus der Gemeindevertretung Weistensee. Die Gültigkeit des im August gewählten Genossen Paul Becker zum Gemeindeverordneten wurde beschlossen und derselbe in sein Amt eingeführt. Zum stellvertretenden Vorsitzenden de? Kauf- mannSgerichts wurde Assessor RaßmuS gewählt und zu Vorsitzen- den des Gewerbegerichts Beigeordneter Fr. Klcnnroth, Syndikus Knoche, Assessor RaßmuS. Für die in der Langhansstraß« 103 er- richtete Zweigstelle der Sparkasse wurde beschlossen, daß diese be- rechtigt ist, Einlagen anzunehmen und über deren Empfang zu quittieren, Einlagen zurückzuzahlen und Zinsen auszuzahlen, Kün- digung von. Spareinlagen mit rechtlicher Wirkung«ntgegenzu- nehmen, Sparbücher zur Herbeiführung der Zinsenzufchreibung in Empfang zu nehmen und Zinsen zuzuschreiben, Sparkonten zu führen, die erforderlichen Eintragungen in den Sparbüchern zu be- wirken. Nach den Bestimmungen können Gemeinden von über 5000 Einwohnern die Verwaltung und Erhebung des Warenum- fatzstempels vom 1. Oktober 1913 ab übernehmen und es wurde beschlossen, hiervon Gebrauch zu machen. Des weiteren wurde leb- hafte Klage geführt über die teilweise Einziehung und Verlegung der Straßenbahnhalteftellen, die ohne Wissen der Gemeindeverwal- tung von der Großen Berliner Straßenbahn vorgenommen wurde. Eine Beschwerde an den Polizeipräsidenten hatte trotz vorgenom- mener Ortsbesichtigung keinen Erfolg, so daß die Gemeindever- tretung nochmals eine weitere Beschwerde beschloß. Ganz unhalt- bare Zustände haben sich besonders an der Endstatton herausgestellt, weil man hier die Haltestellen an zwei gegenüberliegenden Straßen verlegt hat und man stets im ungewissen ist, welche Bahn zuerst abfährt. Die Endhalteftelle, an der alle Bahnen vorüber müssen, hat man einfach beseitigt; ein Hin- und Herrennen der Fahrgäste ist die Folge und wird wohl erst geändert werden, wenn genügend Unglücksfälle zu verzeichnen find. Erhöhung der Zuckermenge tu NeurSlln. Wie uns der Magistrat mitteilt, werden auf den Abschnitt I der Neuköllner Zuckerkarte für die Zeit vom 1. bis 15. November 1916 400 Gramm Zucker abgegeben. Die Zuckermengen, welche auf die weiteren Abschnitt« abgegeben und entnommen werden dürfen, werden vom Magistrat jeweils bekannt gemacht. Da ein Ersatz für abhanden gekommene Zuckerlarten nicht ge- währt wird, ist die neue Zuckerkarte wegen ihrer langen GültigkeirS- dauer fvom 1. November 19l3 bis 31. März 1917> besonders sorg- fältig aufzubewahren. Ein Verlust dieser Lebensmittelkarte hat den Verlust des Zuckers für die ganze Gültigkeitsdauer also bis zum 31. März 1917 zur Folge._ Der Spielausschuh der Arbeiterschaft Neuköllns hat es sich auch in diesem Winter zur Aufgabe gemacht, den Kindern Be- lehrung und Unterhaltung zu bringen. Zu diesem Zweck sind drei Kinderheime eingerichtet worden und zwar im Restaurant„Ideal- Kasino", Weichselstr. 8, Richardftr. 13(großer Laden) und im Resiaurani Pichnick, Okerstr. 5. Die Unterhalttings- und Hand- arbeitsstnnden haben bereits in der vorigen Woche begonnen. Wir möchten nochmals darum ersuchen, die Kinder nach den Heimen zu schicken. Daß Vieles und Belehrendes geboten wird, beweisen die Ausstellung der angeferttgten Arbeiten in den letzten Jahren. Die Mädchen machen Handarbeiten und fertigen Puppenkleider an, die Knaben beschäftigen sich mit Laubsägearbeiten, Modellier- bogen, Malen usw. Für die notwendige Aussicht ist Sorge ge- tragen. Zur Abwechslung sind Kinovorstellungen mit guten belehren- den Films vorgesehen. Zu diesen Vorstellungen stellt uns Herr Direktor Blank, der Besitzer der Excelsior-Lichtspiele, Bergstr. 150, und der Stern-Lichtspiel«, Hermannstr. 49, seine Institute vollkommen kostenlos zur Verfügung und trägt obendrein noch die Un- kosten für ein Kinderheim. Die erste Vorstellung fand am Sonnabend statt. Wir sahen da die Herstellung der Streichhölzer, die Arbeit in einer modernen Buchdruckerci und Buchbinderei, Por- zellanmalerei, japanische Typen, ein gutes Drama und andere sehr schöne Sachen. Der gute Besuch und der starke Beifall ließen darauf schließen, das Richtige getroffen zu haben. Alle unsere Freunde und Gönner wurden durch die frendigen Kinderherzen für ihre Mühe und Kosten reichlich belohnt. Die Spieltage sind im„Jdeal-Kasino", Weichselstr. 8, Diens- tags, Donnerstags und Freitags von 4 bis 6 Uhr nachmittags, in der Richardstr. 13 Dienstags, Donnerstags und Freitags von 4 bis 6 Uhr nachmittags, im Restaurant Okerstr. 5 Mittwochs, Donnerstags und Freitags von 4 bis 6 Uhr nachmittags. Gerichtszeitung. Uulautercr Wettbewerb. Unter der Anklage des unlauteren Wettbetverbs stand gestern der Kaufmann Friedrich Sedlatzek vor der 1. Strafkammer des Landgerichts II. Diese Anklage hatte schon einmal die 4. Strafkammer des Land- gerichts I beschäftigt. Den Anstoß dazu hatte der Strafantrag des Ausschusses zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes im Edelmetallgewerbe gegeben, ein Verfahren, dem sich Obermeister, Stadtverordneter Monzel als Nebenkläger angeschlossen hatte. Nach dem Sachverhalt hatte der Angeklagte, der w der Leipziger Straße ein Uhren- und Goldwarengeschäst betreibt, in seinem Schaufenster Uhrarmbänder ausgelegt, die mit vier roten und vier weißen Edelsteinen besetzt ivaren. Ein Teil von ihnen trug einen Zettel mit der Aufschrift:„Reklamepreis. Echte Brillanten. 14 Karat Gold. Schweizer Werk. 6 0 Mark." Bei einen: zweiten Teil waren noch die Zusätze „Prima Schweizer Werk" und„Ausnahmepreis von Jnseratentett verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts 70 Mark" hinzugefügt, während der dritte zu einem Preise von 80 Mark angepriesen wurde. Hierin wurde eine Irreführung er- blickt; denn die„echten Brillanten" waren in der Tat weiße Saphire und ebenso sollen die Uhrarmbänder trotz ihrer verschieden hohen Preise vollkommen gleichwertig gewesen sein. Schließlich waren auch die Uhrwerke nach dem Gutachten der Sachverständigen keineswegs von„prima Qualität". Die 4. Strafkammer des Landgerichts I kam jedoch zu einer Freisprechung, da es einen unlauteren Wettbewerb nicht als festgestellt und die Be- hauptung des Angeklagten, er habe die fraglichen Steine nicht als weiße Saphire erkannt, nicht als widerlegt ansah. Gegen dieses Erkenntnis machte jedoch der Nebenkläger von dem Rechtsmittel der Revision Gebrauch. Das Reichsgericht wies die Sache zur erneuten Entscheidung an das Landgericht II. Dieses kam jetzt auch zu einem wesentlich anderen Ergebnis; denn es ver- urteilte den Angeklagten im Sinne der Anklage zu 3000 Mark Geldstrafe eventuell 300 Tage Gefängnis und«. Veröffentlichung des Urteils. Parteiveranstaltungen. Dritter Kreis. Mittwoch, abends 8'/2 Uhr: Ecmeinsamer Extra- zahlabend im Gewerkschaftshause, Engelufer 14/15. Die Lezirkssühier werden ersucht, die Mitglieder noch besonders zu laden. Steglitz. Heute D i e n s t a g, 31. Oltober, p ü n ktl.'/29 Uhr abends: Mitgliederversammlung des Wahlvereins bei Schellhase, Abornstr. 15a. Tagesordnung u. a.: Bericht von der Verbandsgeneralversammlung und Beschlußfassung über wichtige Anträge. Daher ist pünktliches Erscheinen aller Ge- nosstnnen und Genossen dringend nötig. Neukölln. Donnerstag, den 2. November, abends S'/, Uhr, findet in den Passage-Fcstsälen, Bergstr. 150, eine außerordcntbche Generalversammlung des Sozialdemotraiischcn Wahlvcreius Neukölln statt. Tagesordnung: Bericht von der Verbandsgeneralversammlung. Siehe Inserat. Soztaldcmokrati'cher Wahlveretn Köpenick. Mittwoch, den 1. No- vember, abends 81/, Uhr: Wahlvcrcinsversammlung. Tagesordnung: I. Be- ttcht von der Verbandsgeneralversammlung. 2. Dislu-fion. 3. Stellung- nähme zur Sladtverordnetenwabl und Ausstellung der Kandidaten.— D« wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht aller Mitglieder, die Versamm- lung pünktlich zu besuchen.— Außerdem zur Kenntnisnahme der Mitglieder, daß folgende drei Auslunsisstcllen in Pariciangelegcnbeiten errichtet sind: Kölnische Vorstadt: Robert Rich, Grünauer Str. 7; Kietz-Vortzadt: Otto Joch, Restaurant, an der Kietz-Brücke; Tamm-Vorsladt: Albert Beyer, Kaiser-WUHelm-Str. 69, II. Pankow. Die Mitgliederversammlung heute abend im„Kurfürsten" fällt aus. Dagegen ist der nächste Zablabcnd, Mittwoch, den 8. November, ein gemeinsamer, für alle Gruppen des Bezirkes. In der Kreisgencralversammlung von Teltow-Beeskow am 22. Ottober ist eine Aitcumappe gesunden worden. Abzuholen bei M. Frei- gang, Treptow, Graetzstr. 24. Schöneberg. Der Arbeiter- Turnverein veranstaltet kommenden Sonnlag, den 5. November, ein öffentliches Turnen in der städtischen Turn- Halle, Berchtesgadener Straße, wozu jedermann freundlich eingeladen ist. Ansang nachmittags 4 Uhr.— Die regelmäßigen Turnübungen des Ver- eins sindcn jeden Dienstag und Donnerstag abend in obiger Turn- Halle statt. önefkksten Reöa?t!on. H. L. SO. Das Kriegsernährungsamt warnte in den Zeitungen aus- drücklich vor der Benutzung verzinkter Gesäße zum Obsteinkochen. In den Friichisäurcn lösen sich kleine Metallmassen aus und machen die Konserve nicht nur schlecht schmeckend, sondern auch gesundheitsschädlich. Ein Mittel, die Marmelade genießbar zu machen, gibt es nicht. Emaillierte Töpfe, die nicht beschädigt sein dülsen, serner irdene, uioxtzdierte eiserne Töpfe und solche ans Aluminium sind zum Obsteinlochcn unbedenklich zu verwenden. Die Beeren des weißen Flieders, auch Hollunderbeeren ge. nannt, geben verschiedene gute Konserven. Die gewaschenen Beeren stielt man mit einer Gabel ab und kocht fie im eigenen Sast'/, Stunde lang. Ein gut gespültes Tuch fpannt man zwischen den Füßen eines umgekehrten Stuhles aus. schliitet die Fruchtmasse daraus und lägt den sast, ohne zu drücken, in eine darunter gestellte Schüssel durchlauscn. Der so gewonnene Sasl wird nochmals 10 Minuten gelocht und heiß in die erwärmten Flaichen gefüllt, die man sofort mit gebrühten Korken verschließt und mit Flaschen- lack überzieht. Sehr gut zu Fruchtsuppcn und Saucen zu Mehlspeisen, Breigerichien und Flammeris, Auch gemischt mit Rhabarberlast zu vir- wenden Das aus dem Seihtuch zurückgebliebene Fruchtmark kann mit Pflaumenmuß zusammen verkocht werden, aber auch mit Kürbis und Aepseln zu gleichen Teilen als Marmelade. Man rechnet Pfund Zucker aus 1 Pfund Fruchtmasse. Ausbcwahrung möglichst lustdicht verschloffen an trockenem, luftigem und srostjreiem Ort. Eingegangene Druckschriften. Earitativ-soziale Lebensbilder. Bon Pros. Dr. W. Liese. Geb. 1,90 M.— Volksoereins-Verlag, M.-Gladbach. Die Abenteuer des Ibrahim. Von H. Max. 3,50 HR., gtt. 4,50 M. — H. Meyer, Berlin W. 50. Atlas zum Kriegsschauplatz 1914/1916. 23 Haupt- und Neben- karten aus Meyers Konvcrsations-Lcxikon 1,50 M. Bibliographisches In- slitut, Leipzig. Die dcntschen Banken im Jahre 19iS. zugleich eine»ollständige Statistik der deutschen Banken seit dem Jahre 1883. Von Dr. W. Baecker, Broich. 2 M.— W. Christians. Berlin SW. 11. Kricgssaat. Kampjgcdichte 1914 bis 1916 von Dr. Franz Diederich. In starkem Um'chlag 1,50 M.. In sarbigem Pappeindand 2 M.— Buch- Handlung Vorwärts, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. Arbeiterbataillone. Gedichte aus den SchicksalStagen 1914 bis 1916 von K. A. Fwdeisen. 20 Pj.— Sekretariat Sozialer Studentenarbeii, M.-Gladbach. Albrecht Dürer. Von E. Waldmann. Mit 30 Vollbildern, geb. 3,50 M. Jnsel-Verlag, Leipzig. Belgien in deutscher Kriegsgefangenschaft. Von Henning v. Mcl- stedi. Kart. 2 M.— Morawe u. Scheffell, Berlin W. 50. Junker, Arbeiter und Bauer in den Lstseeprovinzen Liv-, Est- und Kurland. Livonicus: Sind die Letten deutschseindlich? 75 Ps.— Buchhandlung der„Vollswacht", Freiburg i. Br. Der Krieg 1914/1« i» Wort und Bild. Heft 100 bis 102. Jede Woche ein Heft. 30 Ps.— Bong u. Co.. Berlin W. 67. Ein Beitrag zur Ausbiidung beider Hände beim Menschen. Von Regimenisarzi Dr. A. Klesk.— Das Krakauer Lajkontk-Fest. Studie von Dr. I. Rcinhold. Einzeldruckschrist 80 Ps.—, Kralauer Zeitung", Krakau. Sämann. Schriften. Hest 14: Die Einheitsschule. Von H. Th. M. Meyer. Gehcsiet 1,80 M.— Tie Aufgaben der Sexualpädagogik. Herausgegeben van H. E. Timerding. Geh. 30 Ps.— B. G. Teubncr, Leipzig. Der deutsche Krieg in J/cIdPo!tbricfe». Herausgegeben von I. Delbrück. Bd. 5: Der Marsch ans Paris. 345 S.— G. Müller, München. DaS Tier und Wir. Von Prof. Dr. B. Schmid. 1 M.— Natur. Jll. Halbmonaisschrift sr>r Natursreunde. 1917, Hest 2. Jährl. 24 Hefte sowie füns ill. Bücher, 6 M.— Th. TbomaS, Leipzig. „Arbeiterpolitik". Wochenschrrst sür wissenschasllichen Sozialismus. Hest 19. 15 Ps.— Verlag in Bremen, Waller Heerstr. 52. „Die Glocke". Sozialistische Wochenschrist, herausgegeben von ParvuS. Hest 31, 20 Ps,— Verlag sür Sozialwiffenschast, Berlin 817. 63. Berufswahl, Begabung und Arbeitsleistung. Bon W. I. Ruit- mann.(Aus Nut. u. Gcrstesw. 522). 1,20 M., geb. 1,50 M.— B. G. Teubncr, Leipzig. Deutsches Knabenbiich. Ein Jahrbuch der Unierhaltung mrd Be- lehruug für Knaben von 10 bis 17 Jahren. 412 S., geb. 7,50 M.— Brüder Grimin Märchen. Für die Jugend ausgewählt von P. Moritz. Bilder von P. Hey. Geb. 6 M.— Der schwarze Peter und andere Schattenbilder. Von I. Trojan. Kart. 2 M.— Waldhof. Geschichten seiner Freunde und Feinde erzählt von I. Lerche. Geb. 4,50 M.— Scherz und Ernst nach J. Pauli. Ausgewäblt von E. Wilmnans. Kart 2 IM.— Am Evl dl Lana. Erinnerungen aus dem Kriegsjahr 1915 von Risat Gozdovic Pascha. Geb. 2,50 M.— Konradln, der Grafensohn. Ge« schichte aus dem Bauernkriege, erzählt von A. Spert Geb. 3,50 M.— K. Thienemanns Verlag, Stuttgart Die Liebeofalle. Zwei Novellen von O. Soyka. 1 M.— A. Lange», München. Bivat Putschenelle k Der alten Kasverschwänke neue Folge. Heraus- gegeben von Löhs. E. Rabe. 60 Pf.— Qulckborn-Verlag, Hamburg. WetterauSstchten kür das mittlere Norddeutsckland bis Mittwoch mittag. Oesilich der Oder vielsach heiter, im Westen überwiegend bewölkt mit wciwerbreiteten, meist leichten Rcgensällen; Tcmpe« raturcn wenig verändert.______ Buchdruckerer u. Verlagsanstalt Paul Singer& Eo, Sellin LM,