Ar. 302. 33. Jahrg. tldonnemenls-keclingiingea: kbonnemeMS- Preis pränulnerando Liorteljährl. SM Ml. monofl. IM Ml. wöchenUich 30 5ffl. frei ms Haus. Sinzeine Nummer ö Piz. gonmags. nummer mit iHuftricrter SonniagS- Beilage»Die Neue Weif 10 Pig Post- tlbonnemeM! 1.30 Mark vro Monat. Eingenagen in die Post. Zeirungs- Preisliste. Unter Kreuzband tür Deutschland und Oesterreich■ Ungarn 2,60 Marl, für das übrige Ausland t Marl pro Monat Postabom�ments nehmen an Belgien. Dänemarl, Holland, Jlalien, Luxemburg. Portugal, —"nien. Schweden und die Schweiz. kllchc'iil isgNch. 5 Pfennig) DU Inlertions'Getübr tehrSgl für die sechsgcspallcnc Kolonei- geile oder deren Raum 60 Pfg., sür politische und gcwcriichaitlichc PercinS- und VersammlungS- Anzeigen 30 Ptg, „Kleine Hnzeigen". das lcttgcdruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 settgcdruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg, Etellcngeluche und Schlaislcllenan» zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5Psg, Worte über lö Buch- llaben zählen sür zwei Worte. Inserate mr die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gevssnet. Vevlinev VolKsblskk. Telegramm-Adresse: .Sozlaldtmokrat Rcrlla". Zcntralorgan der rozialdemokrattfcheti Partei Deutfchlands. lteüaktion: SW. 68, Linöenstraße Z. Fernivrecher: Amt Niorttzplan. Nr. 1S1S0— 1Sl S7. Donnerstag, den 2. November 1916. Expeüition: EW. 68, Linöenstrahe Z. sfernivrecher: Amt Morivplan, Nr. 1S1S0— 1ä1S7. Mufforöerung. Der Artikel Scheidemanns, den wir vorgestern hier veröffentlichten, hat in der Presse lebhafte Kommentare ge- zeitigt, von denen ivohl jener der'„Deutschen Tageszeitung" der bemerkenswerteste ist. Das agrarisch-konservative Blatt nennt den Artikel eine Drohung; es nieint, Scheidemanns Verlangen laufe darauf hinaus, die Oberherrschaft der dem Parlament verantwortlichen Zivilgcwalt über die Militärgewalt herzustellen, und es findet dieses Verlangen un- vereinbar mit einer„wirklichen Monarchie". Wir er- fahren auf diese Weise, daß die deutsche Reichsverfassung mit einer„wirklichen Monarchie" unvereinbar ist, denn es ist der Sinn der Reichsverfassung wie jeder bürger- lichen Staatsverfassung, daß die dem Parlament Verantwortliche Zivilgewalt der Regierung über die Militärgewalt gestellt sein soll; alles andere iväre Militärdiktatur und Äbsolu- tismus. Scheidemann will einen Reichskanzler, der etwas zu sagen hat und der, auf das Vertrauen der Volksvertretung gestützt, seinen Willen auch durchsetzen kann. Die„Deutsche Tages- zeitung" ist dagegen mit einem Kanzler zufrieden, der nichts zu sagen hat, und sür höhere Gewalten nur den Handlanger und den Prügelknaben abgibt. Die„Deutsche Tageszeitung' bleibt nach mancherlei Hin und Her dabei, daß Scheidemanns Artikel eine„Drohnote" sei. Es handle sich außerdem auch um eine„erste Rechnung" und um „Forderungen, deren Endziel noch sehr stark verhüllt ist", aber die Regierung werde„vor die Entscheidung gestellt werden, ob sie eine neue feste Grundlage suchen oder sich auf einen Weg begeben soll, der sie in immer stärkere und dauernde Abhängigkeit von der Sozial- hemokratie bringen müßte". Der freundliche Leser errät, daß diese besorgte Frage in ihreni zweiten Teil eine verneinende Antwort finden wird. Denn die„Deutsche Tagesztg.", die in ihrer Schreckcnsphantasie schon „Juden und Sozialdemokraten obenauf" sieht, will natürlich keine a ndere Abhängigkeit als die gottgewollte, und das ist die von den Konservativen. Auf diese„neue feste Grund- tage"(so neu wie fest!) kann der Reichskanzler nach ihrer Meinung ruhig treten— s i e riskiert ja nichts dabei. Sic redst darum dem Kanzler, um dessen Schicksal sie sich sonst weniger besorgt zeigte, Mut zu. Und die Begründung dieses Zuredens ist so eigenartig, daß man sie im Wortlaut ge- nießen muß: „Auf die Frage, wie weit die Regierung Herrn Scheidemann seine Politik erleichtert hat, möchten wir heute nicht näher ein- gehen, sondern nur noch ein kurzes Wort darüber sagen, ob hinter der Drohung des Abgeordneten Scheidemann wirklich eine Macht steht, die auf die Regierung einen ernsten Druck ausüben könnte. Tiefe Frage müssen wir rundweg verneinen. Eine monarchische Regierung ist in Teutschland so stark, wie sie sein will— vorausgesetzt freilich, daß sie sich aus die natürlichen Grundlagen der monarchischen Staatsgewalt stützt. Im Kriege gilt das nicht in geringerem, sondern noch in höherem Matze als im Frieden: in diesem Kriege noch um so mehr, als schon b e- kannte Borgänge innerhalb der Sozialdemo- kratie selber deutlich gezeigt haben, dah hinter den alten sozialdemokratischen Parteiführern läng st nicht mehr der tatsächliche Rückhalt in der Bevölkerung steht, ans den sie sich in Friedenszciten berufen konnten. Herr Scheidemann ist, sobald die Regierung will, nur noch der augenblickliche Führer einer parlamentarischen Gruppe, die zwar noch einen erheblichen zahlenmätztgen Einfluß im Reichstag hat, deren Machtgrundlagen aber durch den Krieg auf das stärkste in Frage gestellt sind. Ganz abgesehen davon, daß die Staatsmacht im Kriege ganz andere und unvergleichlich festere Fundamente hat als im Frie- den. Aus der Erkenntnis dieser Sachlage braucht die Regierung nur die selbstverständlichsten Folgerungen zu ziehen," Hier wird also festes Zugreifen im Sinne des sprich- wörtlichcer„starken Mannes" gefordert, und die Sorge vor den Folgen eines solchen Experiments wird durch den Hinweis auf die inneren Streitigkeiten in der Sozialdemokratie zu zer- streuen gesucht. Die Herren meinen, die Sozialdemokratie sei durch Zerrissenheit so ohnmächtig geworden, daß man vor keiner Tat zurückzuschrecken brauche.„Eine monarchische Re- gierung ist in Teutschland so stark, wie sie sein will.. ganz besonders im Kriege. Wir sind dankbar für die Darlegung dieser guten Absicht. Ob die Regierung auf sie einzugehen bereit ist, stellen wir anheim. Sic wird dabei freilich überlegen müssen, ob die Rechnung der„Deutschen Tageszeitung" ganz richtig ist. Die Sozialdemokratie hat schon manchen inneren Streit ausgefochten und ist schon ofl totgesagt worden— und nachher war sie stärker als je zuvor. Pielleicht ist das, was das Organ des Bundes der Landwirte rät, gerade das richtige Mittel, die Einheit der Volksmassen herzustellen und aus der Glut neue Flammen zu blasen? Man könnte Beispiele erzählen, die lehrreich sind. Einer, der von der Machtlosigkeit der S-ozialdemokratic nicht ganz so fest überzeugt ist, wie die„Deutsche Tages- zeihtng" es zu sein vorgibt, meldet sich in der„Post" zum Wort. Da schreibt der alte, viclerfahrene Herr v. Zedlitz: „Bon der Stimmung, die so(durch die Handhabung der Zensur Red. d.„V.".) in weiten Kreisen der Bevölkerung aus- xelöst ist, geben die Reichstagsverhandlungen der letzten Tage -inen Vorgescbmack. Unter der Herrschaft des Belagerungs- iustardes mutz sie sich auf gesetzgeberiscbe Notbehelfe beschränken; nach Friedensschluß aber wird sie sicher zum Sturm an». Angriffe der Engländer nnd der Aaliener. lelöDiio des Mn AAmMs. Amtlich. Großes Hauptquartier, t. No- vember 1916.(W. T. B.): Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Mit besser werdender Sicht setzte im Sommegebiet in mehreren Abschnitten lebhafte ArtillerietStigkeit ein. In den Abendstunden gingen die Engländer ans der Gegend von Courrelette und mit starken Kräften auS der Linie Gueudecourt- LesboenfS zum Angriff vor. Nördlich von Courrelette kam in unserem Abwehrfeuer der Angriff nicht vorwärts, westlich von Le TranSloy brach er verlustreich, an einzelnen Stellen im Nahkampf, zusammen. Heeresgruppe Kronprinz. Der Geschützkampf auf dem Ostufer der Maas war aar zeitweilig lebhaft. festlicher Kriegsschauplatz. Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Gegen die am 30. 10. von uns genommenen Stellungen auf dem östlichen Narajowka-Ufer führte der Russe nach starker Artilleriewirkung bei Einbruch der Dunkelheit heftige Gegenangriffe, die bmal wiederholt unter blutigen Ver- lasten scheiterten. Auch die ottomanischcn Truppen hielten das gewonnene Gelände gegen starke Angriffe und warfen an einer Stelle cingebrocheueu Feind durch schnellen Gegenstoß zurück. An der Bistrycza Solotwinska wiesen österreichisch. ungarische Truppen feindliche Abteilungen durch Feuer ab. Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Carl. In Siebenbürge» ist die Gesamtlage»uver« ändert. Einen wichtigen Erfolg errangen westlich der Predeal- Straße österreichisch-ungarische Regimenter, die in die rn- mänische Stellung einbrachen und 10 Jnfanterie-Geschütze und 17 Maschinengewehre erbeuteten. Südöstlich des Roten-Tnrm-Passes machte»user An- griff Fortschritte. Balkan-KriegSschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschall» von Mackensen. Keine Ereignisse von wesentlicher Bedeutung. Mazedonische Front. Im Cerna-Bogen und zwischen Butkovo- und TahinoS- See nahm die Artillerietätigkeit wieder zu. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. Zer öslenelMe SemalWMW. Wien, 1. November 1916.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlichcr Kriegsschauplatz. HerrrSfront de? Generals der Kavallerie Erzherzog Carl. Westlich des Predcal-TaleS gelang es unseren Truppen in die feindliche Stellung einzudringen, wobei 10 Infanteriegeschütze »nd 17 Maschinengewehre erbeutet wurden. Südöstlich des Roten- Turm-Passes wurde Gelände gewonnen. HeercSfront des G e a e r a lf e ld m a r f ch a ll S Prinz Leopold von Bayern. Nach heftiger Artillerievorbereitung versuchte der Feind bei Einbruch der Dunkelheit sich der am 30. Oktober voa ihm vrr- lorcnen Stellungen am östlichen Narajowka-Ufer wieder zu br- mächtigen. Trotz fünfmaligem Masscnanlauf wurden unsere Stellungen restlos behauptet. Ebenso scheiterten starke Angriffe gegen die ottomanischen Truppen. An der Bistrycza SolotwinSka wurden feindliche Abteilunge» durch Feuer vertrieben. Italienischer Kriegsschauplatz. Auf dem Südflügcl der küstcnländischen Front steigerte sich im Laufe dcS gestrigen Tages das feindliche Artillerie- und Minenfeucr wieder zu großcr Kraft. Bon 3 Uhr nachmittags an begann feindliche Artillerie im Wippach-Talc und auf der Karst-Hochfiäche gegen unsere Stellungen vorzufühlen. Wo sie unsere zerschossenen Gräbru für sturmreif hielt, setzte sie auch zu Angriffen an, die jedoch durch Sperrfeuer»der durch Gegenstoß abgeschlagen wurden. Abends flaute daZ Feuer ab, setzte jedoch nacht? erneut mit großer Heftigkeit ei». Italienische Flieger warfen auf Duttonlo, Sesana uud Miramar zahlreiche Bomben ab, ohne nrnncnSwcrleti Schaden zu verursache». Hauptmann Schuenzel schoß über der Bucht von Panzau« einen Caproni ab. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Bei den k. und k. Truppen keine Ereignisse, Ter Stellvertreter des Chefs des Gencralstabcs. v. H o e f r r, Feldmarschalleutnant. schwellen, der den Kriegsabsolutismn» wegzn- fegen und zum Parlamentarismus im wahr st cn Sinne des Wortes zu führen droht." Das sieht nicht danach aus, als ob die Elemente, die im Kampfe gegen den von Herrn v. Zedlitz so genannten Kriegs- absolutismus vorangehen, und das sind nun einmal die Sozialdemokraten, im Begriffe seien,„den tatsächlichen Rück- halt in der Bevölkerung" zu verlieren,„auf den sie sich im Frieden berufen konnten". Und darum glauben wir, daß die geheimnisvolle � Aufforderung der„Deutschen Tages- zeitung", etwas zu unternehmen— weil ja unter dem Kricgsabsolntismus alles zu machen ist mit einer gewissen Vorsicht aufgenommen werden wird von jenen, die noch etwas zu riskieren haben. Die Massen des werktätigen Volks aber, die sich um die Sozialdemokratie scharen, werden dafür sorgen müssen, daß die Spekulation auf ihre vermeintliche selbswerschuldete Ohn- macht an ihrem unerschütterlichen Zusammenhalt zu- schänden wird! Zur Ernährungsöcbattc im Reichstage. Die deutsche Magenfrage steht auf der Tagesordnung des Reichstags, Haushaltsausschuß hat man wieder wie in allen vorausgegangenen Tagungen sehr eingehend beraten, wie die bisherigen Maßnahmen in der Lebensmittelversorgung gewirkt haben und welche neuen Anforderungen zu stellen sind. Tiesmal handelte es sich im wesentlichen um eine kri- tische Betrachtung der Tätigkeit des K r i c g s c r n ä h- rungsamtes, das über fünf Monate seiner Tätigkeit Bc- richt erstatten konnte. Eine gleichmäßige Wertsckfätzung hat das Kriegsernäh- rungsamt nicht gesunden, die Gegensätze in der Beurteilung vom Standpunkte der Interessen der Produzenten, des Handels und der Konsumenten standen sich oft. schroff entgegen, Die Preispolitik bewegte sich ganz im alten Gleise der Verordnungen, es ist mehr nach oben als nach unten revidiert worden. Nur hier und da sind einige kleine Vergünstigungen für den Konsumenten abgefallen, die aber gegenüber den Nachteilen recht bedeutungslos sind. Mit der Preiserhöhung für Kartoffeln um 1,715 M. für den Zentner, gegenüber dem Höchstpreis im Vor- jähr, führte sich das Amt ein, ohne damit das weitere Ver- sprechen, nunmehr die Versorgung sicherzustellen, einzulösen, es war dem ersten Ansturm der Produzenten erlegen. Der sehr hohe Preis, wie freimütig zugegeben wurde, sollte die Abgabe dem Landwirt schmackhaft machen, aber es zeigt sich wieder, daß der Versuch, durch hohe Preise dem Markt eine erhöhte Zufuhr zu bieten, durchaus verfehlt ist, es gibt nur ein wirksames Mittel, das ist die Zivangsabgabe und Sicherstellung für den Bedarf der städtischen Bevölkerung. In unserer Fleischversorgung sind wir über die Ungleichheiten der Rationierung nicht hinausgekommen; während in einigen Städten noch 500 Gramm pro Woche zu- geteilt tverden, müssen sich andere mit 100 Gramm begnügen; eine gleichmäßige Einteilung ist erst für die nächste Zeit in Aussicht gestellt. Die Preislage für Vieh und Fleisch ist nahezu unberührt geblieben; für Preußen nahm nian zunächst eine Erhöhung der Rindviehprcise von 10 bis 20 M. pro Zentner vor, dem dann eine spätere Herabsetzung von 5 M. folgte. Sonst blieb es im wesentlichen bei der bisherigen Preisfestsetzung. Bald darauf setzte die Erhöhung der Wild preise ein, um angeblich die Großstädte besser zu versorgen, ohne daß wir bisher diese Wirkung spüren. Viel unangenehmer war die Preiserhöhung für Süßwasserfische um 15 bis 50 M. pro Zentner. Weshalb wir für Fische aus inländischen Gewässern diese enormen Preiszuschläge bezahlen müssen, bleibt uns imversländlich. Tie Folge dieser Preispolitik ist, daß die ärmere Bevölkerung. die vielfach ihre Fleischkarten gar nicht ausnutzen konnte, weil Fleisch zu teuer ist. nun auch keine Fische kaufen kann. Dieser Zustand ist um so übler, als es uns sehr an NahrungSniittcln fehlt, die stark eiweißhaltig sind. Es folgte tarnt eine Her»ufsetzung der Höchstpreise für K ä s e um 10 M. pro Zentner. Für Gemüse wurden die Höchstpreise aufgehoben und damit setzte im freien Verkehr wieder die wüste Preis- treiberei ein. Als Preisherabsetzung kommt aus der Tätigkeit des Kriegsernährungsamts nur die Senkung des Gersten» Preises mit 20 M. die Tonne in Frage und ein Herab- senken der Preise für Graupen und Grütze im Klein- Handel auf 30 Pf. das Pfurrd. Diese kurze llebersicht ergibt, daß eine Preispolitik ver- folgt worden ist. die vom Standpunkte der Verbraucher aus sehr zu bedauern, vom Standpunkte der Erzeuger aus aber kaum zu rechtfertigen ist. Wir drängen damit die Eritährungsniöglichkeit der ärmeren Volks- schichten, abgesehen von dem Mangel an lltah- rungsmitteln, auch noch in die Bahnen einer ininderwertigen Ztahrungsmittelversor- gung. weil unsere wertvollen Nahrungs- inittel im Preise so gesteigert sind, daß die Einschränkung noch über das Maß der vorge- nominenen Einteilung hinausgeht. Was die Einteilung der vorhandenen Bestände für die kommende Zeit anbetrifft, so ist im Haushaltsausschuß er- wogen, ob es ratsam erscheint, die verhältnismäßig hohen V i e h b e st ä n d e, die wir gegenwärtig haben, aufrechtzu- erhalten oder ob es sich nicht vielmehr empfiehlt, mehr ab- zuschlachten, um die Fleischration zu erhöhen. Es ist mit Recht hervorgehoben, daß wir im Kriege schließlich keine Vieh- bestände brauchen, die über das Notwendige hinausgehen, zu- mal wir unsere Kartoffelbestände vor ein überniäßiges Ver- füttern bei der Schweineaufzucht schützen müssen. Man wird natürlich niit der nötigen Vorsicht an die Frage herangehen müssen und vor allem das vorhandene Milchvieh schonen. Die Frage ist noch nicht zum Abschluß gebracht, sie wird erneut zur Erörterung stehen, wenn nach der Viehzählung am 1. De- zember eine bessere Uebersicht über die Altersklassen in den Viehbeständen vorhanden ist. Da unsere Ernte an Brotgetreide, Gerste und H a f e r gut ist, werden wir mit der bisherigen Ration ztveifel- los auskommen. Die größeren Erträgnisse der Gerste- und Haferernte sollen zu eineni erheblichen Teil für Nährmittel verwendet werden, die als Ersatz herangezogen werden, wenn unsere Kartoffelvorräte nicht langen oder sehr knapp werden. In Rücksicht auf die sehr ungünstigen Aussichten unserer K ar to f f e l v e r s o r g u n g hat die sozialdemokratische Fraktion verlangt, daß der Ausschank von Trinkbrannt- wein verboten wird und die noch vorhandenen Mengen der Heeresverwaltung überwiesen werden. Trinkbranntwein wird seit Februar d. I. nicht mehr in den freien Verkehr gegeben, es dürfen nur noch die Vorhände- nen Bestände im freien Verkehr aufgebraucht werden. Daran wird sich im Laufe des Jahres nichts ändern, denn unsere Kartoffelbestände gestatten nicht, daß wir für Trinkbrannt- wein eine weitere Verwendung zulassen. Mit großem Nachdruck wird weiter die Herabsetzung des für die B i e r p r o d u k t i o n verwendeten Quantums Gerste gefordert, weil man von der Ansicht ausging, daß schließlich eher ein Glas Bier zu entbehren ist, als die aus Gerste be- leiteten Nahrungsmittel Graupen und Grütze. Wenn wir somit bei unseren Hauptnahrungsmitteln keine neuen Bedrängungen erfahren werden, vielleicht sogar auf einige Erleichterungen hoffen dürfen, so bleibt im übrigen die Lage des Lebensmittelmarktes sehr ungünstig, vor allem werden wir auf eine größere Einfuhr aus dem Auslande kaum zu rechnen haben, es wird mithin der Mangel an Milch, Fett, Butter, Fischen. Konserven und Kolonialwaren bestehen bleiben... Das Kriegsernährungsamt wird uns aus dieser Be- drängnis nicht herausbringen, wohl aber manche Milderung schaffen können: allerdings muß es dabei ein wenig mehr Energie entwickeln als bisher und mehr die Bedürf- nisse der ärmeren Volksschichten berück- sichtigen. Die Gewährung besonderer Zulagen für. die Schwerarbeiter wollen wir anerkennen, aber wir verspüren schon wieder ein Nachlassen der guten Vorsätze. Dringend ist die Beseitigung der Preistreiberei auf dem Obst- und Gemüsemarkt, hier haben sich die Mißstände bis zum Unerträglichen gesteigert. Im Handel mit Seefischen und Räucherwaren sind die Preise von Woche zu Woche auswärts getrieben, so daß ein Zurück nur durch entschie- denes Eingreifen möglich ist. Die wichtigste Aufgabe bleibt eine Senkung der Höchst- preise, es ist verkehrt, die einmal hochgeschraubte Preislage als unantastbar zu erklären. Alle bisherigen Erfahrungen bestätigen nur, daß mit jeder Preiserhöhung der Anreiz zu einer weiteren Steigerung wächst. Es erfolgt deshalb nicht eine größere Beschickung des Marktes, sonder eher ein Zurückhalten der Ware. Ob allerdings das Kriegsernährungs- amt die Energie auswenden wird, um entgegen den Jnter- essen starker Produzenten- und Händlergruppen die Interessen der großen Massen des Volkes wahrzunehmen, erscheint nach aller bisherigen Erfahrung fraglich. Von einer sozialistischen Produktionspolitik sind wir leider noch weit entfernt. Die griechifihen Wirren. Kampf zwischen griechischen Truppe«. Saloniki, 31. Oktober.ute.i8etiitt Druck u. Berlaat Vorwärts Buchdr. tu VerlagsannaU Paul Singer U.ES.. BcrftttSW. Hierzu 2 Beilagen u, llnkerhattuagsbl. Lr. 302. 33. 3öl!rnöii§. 1. ßfilngr des Jmmätls" KM» Dslksdlsll. Donnerstag. 2. November 1916. Aufgepaßt! Ln Groß-Berlin gehe» Lrute um und verbreiten Hand- zcttcl, iu dencu die Parteigenossen aufgefordert werden, die Bezahlung des„Vorwärts" so lauge zu verwciger«, bis der „Vorwärts" wieder aufgehört hat, das Zcntralorgan der Par- tei zu sein. Es ist lächerlich zu glauben, daß ei» anständiger Arbeiter auf diese Aufforderung hineinfallen könnte. Anständige Leute zahlen, was sie vcrzchrcu: auch die geistige Kost, die ihnen ihre Zeitung liefert. Wer den„Vorwärts" zu schädigen sucht, schädigt nicht nur die Partei, sondern im Grunde genommen sein eigenes Interesse als Arbeiter. Tcnn der„Vorwärts" ist und bleibt das einzige Blatt iu Berlin, das dem Arbeiter nicht nur als Parteigenossen, sondern auch als Gewerkschafter vor der Oes. sentlichkeit zu Wort kommen lästt. Wer den„Vorwärts" nicht bezahlt, dem kann er nicht weitergeliefert werden. Ter Verlag hat das bereits am Tiens- tag erklärt. Er kann sich auf keinen anderen Standpunkt stellen. Wenn auf diesen Handzetteln de» Arbeitern geraten wird, kein bürgerliches Blatt zu bestellen, sondern ein anderes aus- wärtiges Parteiblatt, so ist dieser Rat für die Massen praktisch ohne jede Bedeutung. Einzelne, denen es gleich ist, ob sie das, was in der Welt vorgeht, ein paar Tage früher oder später erfahren, mögen mit einem auswärtigen Blatt zufrieden sein. Im allgemeinen kann der Berliner Arbeiter nicht ohne Ber- liner Blatt sein. In der jetzigen Kricgszeit weniger denn je. Tie Ausgabe der zum verkappten Boykott auffordernden Handzettel treibt also praktisch der bürgerlichen Presse die Leser zu. Eine solche Handlungsweise ist ein Hohn auf alle sozialdemokratischen Traditionen. Sie zeigt, wohin die Reise geht. Arbeiter! Parteigenossen! Seid auf der Hut. Laßt Euch uicht gegen Euer eignes Interesse mißbrauchen! Haltet den„Vorwärts"! Werbt neue Abonnenten für den„Vorwärts"! Ter„Vorwärts" ist das Zentralorgan der Partei und das einzige sozialdemokratische Blatt in Groß.Berlin! Wilson über Kriegs- und Irieöensftagen New Aork, 27. Oktober.(Funkspruch des Lertreter« von W. T. B. Verspälel einactroffen.) In einer Rede in C i n c i n n a t i, die sich fast ausschlietzlich mit den Beziehungen Amerikas zu der übrigen Welt nach dem Kriege beschäftigte und stürmischen Beifall bei den Tausenden von Zuhörern hervorrief, sagte Wilson: Die Besorgnisse dos Handels vor einer U e b e r- schwemm u ng mit billiger AnslandSwore gründen sich aus völlige Unkenntnis; und sollte dies selbst eintreten, so würde die Nation bereit sein, dem zn begegnen. Wilson fuhr fort: Wir sollten uns jenen Völkern nicht in Furcht. sondern mit Sympathie zuwenden. Wir sollten uns vor Augen halten, daß sie nach dieser Erschöpfung uns brauchen werden, und datz wir sie nicht zu sürchtcn brauchen. Ich würde mich eines jeden Amerikaners schämen, der diese Minderung der physischen Kraft Europas mit Be- friedigung betrachten würde. Die ganze Nerven« und Körperkraft dieser Nationen wird eine— ich weitz nicht wie lange— Zeit des Wiederaufbaues brauchen, bis sie wieder hergestellt ist. Niemand mit einem Herzen im Leibe kann da« mit Befriedigung milansehen und tagen: Das ist die Gelegenheit für Amerika, womit er meint, die Gelegenheit sür Amerika. Nutzen daraus für sich zu ziehen. Es wird eine Gelegenheit für Amerika sein, aber eine Gelegenheit zu etwas sehr viel Größerem. Man bedenke die Lage der Vereinigten Staaten. Die Bereinigten Staaten haben in den letzten zwei Jahren eine Belebung ihrer Industrie erfahren, wie sie nie vorher erlebt worden ist. und wenn man sich einbildet, daß dies dem Handel zuzuschreiben ist. der durch den Krieg großgezogen worden ist, so läßt man die Tatsachen aus den Augen. Wenn man sich die Ziffern unseres Binnenhandels und unseres auswärtigen Handels vergegenwärtigt, io wird man finden, daß unser auswäetiger Handel, selbst bei bescheidenstem Ansatz der Ziffern für unseren Binnenhandel, nicht einmal 4Proz. des ganzen Handels ausmacht. Und die Ausfuhr von Munition, und zwar nicht allein von Munition, sondern alles dessen, was zur Versorgung von Heeren gehört, wie Zugtiere, Automobile, Gespanne und Lebens- mittel, die unmittelbar dem Heeresbedürfni« dienen sollen, ferner Stiefel, Kleidungsstücke, also alle« dessen, was sür ein Heer gebraucht wird, die Ausfuhr aller dieser Dinge zusammengenommen beträgt nicht 1 Proz. unsere« ganzen Handels. Ist es nun vernünftig, anzunehmen, daß die i Proz. die übrigen SS Proz. hervorbringen? Darauf kommt es vielmehr an: Amerika muß zeigen, daß es als Glied der Bölkeriamilie den anderen Nationen gegenüber die- selbe Haltmig einnimmt, die es wünscht, daß die Glieder seines eigenen Volkes zu einander einnehmen. Amerika muß zeigen, daß e« bereit ist, nicht nur seinen moralischen Einfluß, sondern auch seine physische Kraft zur Verfügung zu stellen, wenn andere Nationen mit ihm zusammen dafür sorgen wollen, daß keine Nation und keine Gruppe von Nationen versucht, eine andere Nation oder eine andere Gruppe von Nationen auszunutzen, und daß das einzige, wofür gelSmpti worden ist. die allgemernen Rechte der Mensch- h«> t sind. Viele führen Beschwerde darüber, daß wir nicht jetzt kämpfen, um etwa? zu erreichen, nicht eiwaS Geistiges, nicht irgend ein Recht. nicht irgend etwas, worauf wir stolz sein könnten, sondern chwas, das wir besitzen und für unseren Handel ausnutzen könnten. Sie beschweren sich darüber, daß die Regierung der Vereinigten Staaten nicht von demselben Geiste beseelt sei, wie die Regie- rungen anderer Staaten, die die Macht ihrer Heere und Flotten hinter die Unternehmungen in anderen Ländern stellen. Das tun, heißi. sich in da« Chaos der miteinander wetteifernden oder einander feindlichen Bestrebungen zu stürzen. Hat jemand jeinal« davon gehört, woraus der gegenwärtige Krieg entstanden ist? Wenn ja, dann wünsche ich, er würde das bekannt geben, denn so- weit ich sehe, weiß es niemand. Keine einzelne Tatsache hat den Krieg hervorgerufen, sondern alle Dinge im allgemeinen. In Europa war ein gegenieitiger Argwohn entstanden, wechselseitige Vermutungen waren entstanden über das, was tiefe oder jene Regierung im Begriff stände, zu tun, eine Verknüpfung von Bünd- niffen und Verständigungen, ein verwickeltes Gewebe von Intrigen und Spionage, das mit Sicherheit die ganze Völkerfamilie auf jener Seite des Ozeans in seinen Maschen fing. Nun bedenke man, daß es nach diesem Kriege früher oder später wieder einen solchen Krieg geben könnte, und daß dies der letzie weltumfassende Krieg ist, dem die Vereinigten Staaten fern bleiben konnten. Ich sage das, weil ich glaube, daß es mit dem Neutralsei n vorbei ist(dusirisss of neutrality is Over), nicht weil ich wünschte, daß es so wäre. Aber ich meine die?: der Krieg hat jetzt einen Umfang angenommen, der die Stellung der Neutralen früher oder später unerträg- lich macht. Gerade so wie Neutralität für mich unerträglich wäre, wenn ich in einer Gemeinschaft lebte, in der jeder seine Rechte durch Gewalt schützen müßte, so daß ich mich an meine Nachbarn wenden und ihnen faxen würde: So kann das nicht weiter gehen, wir Ivollen uns zusammenschließen und dafür sorgen, daß niemand mehr den Frieden stören kann. Das wäre der Anfang der Gesellschasts- bildung. Wir haben noch keine Gesellschaft der Nationen, aber wir müssen zu einer Gesellschaft der Nationen kommen, nickt plötzlich, nicht durch Hartnäckigkeit, nicht durch feindseligen Nachdruck hinter dieser Forderung, sondern durch Hinweis auf die Not der Zeit. Die Völker der Erde müssen sich zusammentun und sagen: Hin- fort kann niemand neutral bleiben, wenn es sich um die Störung des Weltiriedens handelt aus einem Anlaß, den die Meinung der Welt nicht anci kennen kann. Der Weltftiede soll gestört werden, weün eS sich um Grund- rechte der Menschheit handelt, aber er sollte nickt gestört werden um irgend einer Sache willen, die ich mir ausdenken könnte. Und Amerika ist dazu da. daß wenigstens in einer Regierung die Grund- rechte der Menschheit verkörpert werden. Amerika mutz daher als Mitglied der Vvlkerfamilie dazu bereit sein, seine ganze geistig« und physische Kraft sür die Sicherung dieser Rechte auf dem ganzen Erdenrund in die Wagschale zu werfen. Während seiner Anwesenheit in Cinciniiati wurde Wilson von zahlreichen Zurufen:.Wir wollen den Frieden I" begrüßt. New Jork, 27. Oktober.(Funkspruch des Vertreters von W. T. B.) (Verspätet eingetroffen.) Unter der Ueberschrist.Er hat uns vor dem Kriege bewahrt", heißt es in einem Leitartikel der.New Jork World': Nichts erregt so sehr den Aerger von Hughes, Roosevelt, des republikanischen NalionalkomiteeS und der Herausgeber der Jingopresie als die Feststellung, daß Wilson uns vor dem Kriege bewahrt hat. Es bedarf keines Mutes sür einen Präsidenten, sein Land in einen Krieg zu verwickeln. Es ist der einfachste und sicherste Weg, den ein Präsident einschlagen kann, um leine eigene Wiederwahl zu sickern. Wenn Wilson eine Lage hätte schaffen wollen, in der er eines überwältigenden Sieges im November sicher fein könnte, so hätte er nur die Diplomatie der Vereinigten Staaten dazu zu bringen brauchen, einen Krieg mit Deutschland heraufzu- beschwören, oder eine der zahlreichen Gelegenheilen wahrzunehmen brauchen, gegen Mexiko Krieg zu führen. Millen im Kriege braucht keine Regierung mit Bangen den Wahlen entgegen zu gehen. Die große Katastrophe in Europa ist ein unmittelbares Ergebnis der Art von Diplomatie, die Hughes dem amerikanischen Volke empfiehlt, wenn er Wilson angreift. Wilson hätte die Vereinigten Staaten in fürchterliches Unglück stürzen können und dabei seine Handlungsweise rechtfertigen können als Ausfluß dessen, was Hugheö.mutigen und unbezähmbaren Geist' nennt. Zum Glück für das amerikanische Volk hat er einen Weg ge- funden, um die Vereinigten Staaten vor dem Kriege zu bewahren, ohne irgend ein im Völkerrecht anerkanntes Recht preiszugeben. Wenn Hughes überhaupt eine auswärtige Politik hat, so besteht sie in einer Diplomatie, die sich auf den diplomatischen Theorien aufbaut, die Europa in Blut ertränken und die Blüte der Maiinheit aus dem europäischen Festlande hinschlachten. TaS ist eine auswärtig« Politik, die keine höhere Aufgabe kennt, als mit dem Säbel zu raffeln, um das Prestige zu erhöben und die das Prestige über alle anderen Menschheitsintcreffen stellt. Zrantreich auf öem weg nach Canoj)a. Aus Amsterdam wird uns gcschriebcu: Die Amsterdamer„Tijd" veröffentlicht unter dem Titel „Ist d a S T r c n u u n g S g e s c tz aufgehoben?" eine Pariser Korrespondenz dcS bekannten französischen ultranion tanen Publizisten Fran�ois V e u i l l v t. Sie knüpft an ein unlängst iin„Jvtirnal" veröffentlichtes Interview mit dem Kardinal GaSparrt an, worin dieser auf die Wiederauf nähme der Beziehungen zwischen dem französischen Staat und der Kurie anspielte. Die„Lantcrne", ein radikales Blatt, das die banalste Sorte der bürgerlichen Frcidenkcrci vertritt, schrieb einen Artikel über dieses Interview, der jedoch vom Zensor als für den Papst beleidigend gestrichen wurde. Tie„Lanterne" veröffentlichte darauf eine Mitteilung, die mit den Worten begann:„Tie französische Regierung hat den Papst als neutralen Wrstcn angesehen und unseren Artikel verboten, und sie stellte die Frage, ob das Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat noch in Kraft sei?" Veuillot beant� wartet sie mit folgenden sehr bemerkenswerten Ausführungen: „Der Griff der Zensur, zugleich mit viel anderen Dingen, beweist, daß im Verhältnis von Kirche und Staat in Frank- reich eine wirkliche Veränderung eingetreten ist. Offiziell ist das Trennungsgesetz nicht abgeschafft, aber moralisch ist es schwächer geworden. Es besteht kein gesetzliches Verhältnis zwischen Kirche und Staat, aber Kirche und Staat versöhnen sich mehr und mehr. Das ist eine der Wirkungen der„heiligen Eintracht". Der Präsident der Republik, der die Parole der„Union sacrs" der Nation gab, führte so gegen das Werk der Trennung den ersten Hieb. Um Frankreich das Leben zurückzugeben, waö es unüberwindlich machen sollte, war es nötig, die religiöse Kraft in der Nation wieder zu ihrem Recht kommen zu lassen. Das Trennnngsgesetz hatte zwischen den Beamten deS Staates und den kirchlichen Behörden eine Mauer aufgerichtet. Der Zivang des Krieges brachte jene fortdauernd in Berührung und langsam entstand eine Annäherung, die mitunter fast offiziell besiegelt wurde. So z. B. gab die Anwesenheit deS Präsidenten der Republik bei der Wiedereröffnung der„Sainte Chapelle"(im Justizpalast. Die Kapelle war säkulari- siert gewesen und stand als Sehenswürdigkeit Besuchern offen. D. Red.) einen besonders feierlichen Charakter. Bei der Gedenkfeier der Schlacht an der Marne war bei der religiösen Feierlichkeit die Regierung durch einen Staatsminister. Denys Cochin, ausdrücklich vertreten. Und jetzt konnte die Regierung den Papst als neutralen Fürsten behandeln. Dem Trennungsgesetz zufolge ignorierte Frankreich den Papst. Wenn sich jetzt das Blatt der sanatischen Antiklerikalen so zornig zeigt, so darum, weil dieses Eingreifen der Zensur eine tiefe Bedeutung hat. ES ist eine deutliche Antwort auf die Worte des Kardinals©afparri. Nach einem Lob FrankieichS, das Se. Eminenz kennen und lieben gelernt hat, und seiner Priester, die die „Feuertaufe" empfangen haben, sprach der Kardinal über die Annäherung auf religiösem Gebiet(„religiöse Bcruhigungspolitik"), die jetzt in Frankreich herrsche, und er zweifelte uicht,„daß wir noch zur Vollkommen c n Versöhnung gelangen werden".— Veuillot meint schließlich, die Frucht sei noch nicht reif, aber man dürfe nicht bloß Hoffnung, sondern Erwartung hegen. Der Artikel VcnillotS bestätigt, daß die französische Bourgeoisie auf dem Weg ist, ihren Frieden mit der Kirche zu machen. Es ist kein Zufall, daß dem Mann, der das Schlagwort von der„Beruhigungspolitik" ausgegeben hat. Aristide B r i a n d, jetzt die Huldigungen von konservativer Seite noch freigebiger als früher dargebracht iverdcn. Er ist iveit mehr als der trockene, hochmütige und unpopuläre Poincaro, dessen Erbschaft er deutlich genug anstrebt, dazu geschaffen, Frankreich auf sanfte Weise aus den Schlingen der„weit- lichen Demokratie" zu lösen. Poincarö bleibt vor dem Land einer der StaatLmünncr. die den europäischen Konflikt vorbereitet haben. Briand wird— so hofft man wenigstens— der Friedcnsbriugcr sein. Die französische Bourgeoisie hat aber auch sehr mächtige und dringende Gründe, die verschiedenen Autoritäten, die die bestehende gc- sellschastliche Ordnung stützen, auf ihre Seite zu bringen und zu kräftigen. Der Weltkrieg wird durch die wirtschaftlichen Erschütterungen, die er für Frankreich im Gefolge hat, dort in da3 Verhältnis der Klassen revolutionär eingreifen. Der ungeheure Menschenverlust macht die Aufrechterhaltung des landivirtschaftlichcu Klehibetriebes im bisherigen Umfange nu- möglich; die Abgabe von Milliarden fremder Effekten nach dem Auslande und das Anschwellen der inneren Anleihen läßt den Schein der Neutralität verschwinden, von dem die Rentner- masse im Kampf ztvischeu dem Kapitalismus und dem Proletariat profitieren konnte, und die Nolle des Staats selbst als ZinS- kassierer der Bourgeoisie wird deutlicher. ES ist kein Wunder, daß sich iu dieser Situation so viel Arme nach Briand aus- strecken, dem Mann, der dem bürgerlichen Frankreich durch die Niederschlagung des Eisenbahnerstreiks seine Energie und den Konservativen bei der Untcrminierung des radikalen Regimes seine Schlauheit und katzenhafte Geschmeidigkeit gezeigt hat. Schon vor Jahren hat Etemcnceau, der anzügliche Wendungen liebt, gesagt:„Briand führt uns nach Eanossa, im Wagen und bei heruntergelassenen Vorhängen". Heute ist ein Zipfel deS Vorhangs schon gelüftet. Es gibt allerdings Leute, die nicht sehen wollen, wohin die Fahrt geht, und die sogar dem Proletariat die„heilige Eintracht", von deren Wirkungen und Zwecken der Reaktionär Venillot so offen spricht, als die iveiseste und sicherste Grundlegung einer modernen, zum Sozialismus führenden demokratischen Politik ans Herz legen. politisihe Ueberflcht. Aus den ReiS>stagsaussck,üffen. Der Ausschuß deS RSichStageS sitr Handel uud Ge- werbe hat am Dienstag den nationalltberalen Antrag angenoinmen, die Verbündeten Regierungen zu ersuchen, zum Zweck der Unterstützung und Förderung der Leipziger Messe eine Million Mark aus ReichSmitteln in den Elat einzustelle». Hierauf wandte sich die Beratung den Fragen der Urberg an gS- Wirtschaft zu. Im HauptauSschuß deS Reichstages erklärte auf Be- fllrchinngen von konservativer Seite wegen Gefährdung der Vieh- durchHaltung durch Herabsetzung der Vichpreise Präsident von B a t o c k i, diese sei erst für die Zeit nach der Mastperiode in Aussicht genommen. Bei Erörterung von mit der Zentral-Einkaufsgesell- s ch a s t zusammenhängenden Fragen äußerte Unterstaalsickreiär Freiherr v. Stein sich über den früheren Geschäftsverkehr mir Rumänien, der im Interesse des Reiches so lauge als möglich aufrecht erhatleu worden sei, und beantwortete Fragen über den Geschäftsverkehr überhaupt. Bei Fragen der Lederversorgung erklärte ein Vertreter des KriegSministerinmS, die Beschlagnahme der Lederabsälle werde wohl angeordnet werden; die Beschlagnahme von Kalb- und Ziegensellcn stehe bevor. Ter Ausschuß für Schutzhaft und Zensur. Der Ausschuß des Sicichstages, dem die Anträge über Schutz- Haft, Jensur und Belagerungszustand überwiesen worden sind, tritt heute, Donnerstag, vorunuags 10 Uhr, zu seiner ersten Sitzung zusammen. Wie das„Berl. Tagebl.' hört, will er den Versuch machen, seine Aufgabe unter allen Ilmständen noch vor der Vor- tagung zu erledigen, die dann allerdings nicht schon an diesem Sonnabend erfolgen tonnte.____ Ter dritte Brief Zeppelins. Der alldeutsche Agitator und Rittergutsbesitzer Freiherr v. Bodelschwingh hat, loie die„Berliner Neuesten Nachrichten' melden, an den Staatssekretär Dr. Helffertch einen Brief gerichtet, der in seinem wesentlichen Inhalt lautet: „Ich hatte gestern von der Tribüne deS Reichstages au« Gelegenheit, Euer Exzellenz Worte über den Fall Zeppelin zu hören. Da Euer Exzellenz trotz Ihres Amtes afs Stellvertreter des Reichskanzlers anscheinend nicht darüber unterrichtet sind. durch welche Mittel zwei Untergebene deS Herrn Reichskanzlers den Grafen zur Unterzeichnung des Briefes bestiiinm haben, so gestatte ich mir zu sagen: Gewiß ist der Mann, den Seine Majestät der Kaiser als einen der größien Deutschen gefeiert hat, Mann? genug, um seine eigene Meinung auözuspiechcn und sich nicht eine andere Meinung ausdrängen zu lassen. A ber inr vorliegenden Falle hat er unter einem seelischen Zwange gehandelt, der unter schlauer Spekulation auf die Empfindungen de« Monarchisten, des Soldaten und des Edelmannes auf ihn ausgeübt worden ist. Ich gestatte mir ergebenst hinzuzuiiigen: Wo solche Mittel angewendet werden, da muh doch der Glaube a» die Stichhaltig- keit der für die eigene Haltung maßgebenden Gründe ein sehr schwacher sein. Dem Herrn Reichskanzler lasse ich Abschrift diese? Schreibens zugehen und behalte mir leine Veröffentlichung vor.' Die Regierung wird nicht umbin lönnen. sich zu den in diesem Briefe erhobenen Beschuldigungen zu äußern. Die Sehnsucht nach der amtlichen Wahlhilfe. Zur RetchstagSivahl in Oschatz-Grimma veröffentlicht die „U»abhängige Nationalkorrespondenz" folgende Zuschrift: „Ein Bedauern darüber, daß die Sozialdemokratie in Oschatz- Grimma den Burgsrieden bricht und mit einer eigenen Kandi- datur hervortritt, ist gar nickt am Platze. Im Gegenteil: e» ist erfreulich, daß durch daS� Verhalten der Sozialdemokratie selbst eine Klärung der Sachlage ermöglicht wird, nnb daß den dürgctlidjcrt P a r t e! e n nunmcfir in allen den Fälle», in denen s o z i a l d e m o I r a t i j ch vertrelene Wahlkreise srei werden, auch ihrerseils der Einiritt in den Wahkkampf möglich gemacht wird. Um das Schicksal von Oichatz-Grimma braucht man gar nicht bange zu fein. Die Wähler dort werden sich schon bewußt sein, daß es eine Art Abdankung jedes deutschen Zuknnstsgedankens be- deutet, wenn der internationale Mandatsbeiverber auch nur annäherd so viel Stimmen erhallen würde, wie der Kandidat, der die vatcrländiiche Sache vertritt. Jede unmittelbare oder mittelbare Begünstigung eines Kandidaten vom Schlage der Haase, Ledebour und Liebknecht wäre e i n V e r r a t an denen, die draußen für das Baterland unter den Fahnen stehen. Nach Lage der Dinge müßte man eigentlich erwarten, daß in eitlem Wablkampf/ der kein Parleikainpf ist, sondern der zwischen vaterländischen Interessen und solchen Interessen aus- gefochten wird, die bewußt im schärfsten Gegensatz zu den not- wendigsten Boraussetzungen der Selbsterhaltung des Staates stehen, auch von den leitenden Persönlich- leiten d er R e i ch s r e g i e r nn g Stellung genommen wird! Nicht als ob wir eine Art amt- liche Wahlbeeinslussnng wünschten! Ganz im Gegenteil! Dr. Wildgrube wird das Rennen schon machen! Davon sind wir fest überzeugt. Aber Farbe be- kennen ist hier eigentlich für viele am Platze, nachdem„Berliner Tageblatt" und„Frankfurter Zeitung" bereits in dein Sinne Farbe� bekannt haben, daß sie lieber die Wahl des kriegskredit- verweigernden Lipinski als die des bürgerlichen Kandidaten sähen. SPci den intimen Beziehungen dieser Organe zur Reichsregierung wäre es unseres Erachtens gut, wenn sich die„Norddeutsche Allgemeine Z e i t u n g" einmal äußerte!" Also„amtlicho Wahlbceinflussung" wird von konservativer Seite nicht gewünscht.„Ganz im Gegenteil!" Aber die „leitenden Persönlichkeiten der Rcichsregierung" sollen zu der Wahl„Stellung nehmen". Weshalb in aller Welt, tvenn man um das Schicksal von Oschatz-Grimma„gar nicht bange zu sein" braucht und der konservative Kandidat Dr. Wild- grübe„das Rennen schon machen" wird? Oder ist den Herren Wahlmachern ohne„amtliche Wahlbeeinflussung" doch nicht so wohl zumute, wie sie in den obigen Aussührungen glauben zu machen suchen?_ Der BundcSratsausschnst für auswärtige Angelegenheiten. Berlin, 1. November.(28. T. 23.) Am 30. und 31. Oktober tagte, wie schon wiederholt während deS Krieges, unter dem Vorsitz des bayerischen Staatsministers Dr. Grasen v. Hertling inr Neichskanzlerpalais der BundeSratsausschnß für auswärtige An- pclegenheitcn. Der Reichskanzler machte auch diesmal dem Ausschuß eingehende Mitteilungen über die gesamte militärische und politische Lage. Eine neue Rede Bethmanns. Wie verlautet, beabsichtigt der Reichskanzler in der Freitagsißung des Reichstages das Wort zu nehmen, um die Kriegspolitik der Regierung in der gegebenen Siknation noch einmal ausführlich darzulegen. Mecklenburg und die Neuorientierung. Nur die Meinung der mecklenburgischen Staatsmänner darüber zu erkunden, wie sie sich zu der Frage der Nenorientiernng nach dem Kriege siellen. hat der Ausschuß der Fortschrittspartei in Mecklenburg ein Schreiben an die Landesregierungen gerichtet. Man bat lim die Erklärung, daß in den beiden Mecklenburg eine wabrhast volkstümliche Verfassung eingeführt werde. Die Regie- rung in Schwerin hat ablehnend, die Regierung in Strelitz hat gar nicht geantwortet. Die fortschrittliche Landesorganisation hat es nunmehr auf einer Tagung in Güstroiv mit folgender Resolution versucht: „Dcr gewaltige D,äsemSkampf Deutschlands sieht alle Volks- kreise ohne Rücksicht ans Stand, Bildung, Besitz und Partei zu ge- mcinsamcr vaterländischer Arbeit vereinigt. Die Folge dieses Er- leberrS muß eine völlige Umgestaltung der innervolirischsn Verhält- nisse auf der Grundlage staatsbürgerlicher Gleichberechtigung sein. Die vom Reichskanzler verheißene Neuorientierung darf sich aber nicht auf das Reich beschränken, souderir muß auch Mecklenburg aus den Fesseln der veralteten ständischen Herrschaft befreie». Es gilt, den mecklenburgischen Verfassungsstaat in wahrhafr volkstümlicher Gestalt zu schaffen. Der Liberale Wahlverein beider Mecklenburg gibt seinem tiessten Bedauern Ausdruck, daß die mecklenburgischen Regierungen nicht, wie es in Preußen und Braunschweig geschehen ist, in dieser Schicksalszeil den fcücu Willen zu innerer Neugestaltung bekundet haben. Er erwailet, daß dem mecklenburgischen Volke alsbald nach Friedensschluß die Rechte in Staat und Gemeinde zuteil werden, aus die eS nach seiner Bewährung in Vergangenheit und Gegenwart vollen An- spruch hat." Nach den seither gemachten Erfahrungen wird diese Resolution ans die Lenker der mecklenburgischen Staaten wenig Eindruck machen.'_ Der Sparzwang. Assessor Dr. Brockmann tritt in den konservativen.Grenzboten" dafür ein. daß nach dem Kriege der Sparzwang gesetzlich durch- geführt wird. Der Verfasser muß zwar zugeben, daß die Versuche, die in großen industriellen Unternehmungen mit dem Sparzwang gemacht worden sind, kein günstiges Nesultar ergeben haben. Die Arbeiter sind einfach Weggebtieben»nd haben solche Betriebe auf- gesucht, in denen sie ihren vollen verdienten Lohn auch latsächlich ausgezahlt bekommen haben. Deshalb ist Assessor Brockmann der Meinung, daß hier nur das Reich mit einem Gesetz Helsen kann. Seiner Ausfaiiung nach müßten dem Spar- zwang unterworfen werden alle JnvalidenversicherungSpflichugen. wobei die Lohngrenze, die für den Sparzwang maßgebend wäre, von 2000 aus 5000 M. zu erböhen sei. Die Erhebung der Spar- betrage denkt er sich so, daß sie vom Llrbeitgcber vom Lohn ein- behalten und durch Markenkleben auf besondere Sparkarleu entrichlet werden müßte». Die Verwaltung der Gelder wäre den Versiche- ningSeinrichtnngen zu übertragen. Einige Schwierigkeit würde allerdings die Festsetzung der Höhe des Spartarifs mit sich bringen, weil die Verbältnisse in den einzelnen Gegenden grundverschieden sind. Uebcr das Sparguthaben dürfie der Sparer jedoch nicht srei versügen, sondern müßte, wenn er Geld haben will, sich an einen BerwaltungSanSschuß wenden, der den Grund nachzuprüfen hal. Der Verfasser � führt u. a. an, daß, wenn jemand sich von seinem Sparguthaben ein Haus bauen will, dann der VerwaltungsauSschuß zu'prüseir kälte, ob der Bau auch Wirt- sch rillich zu rechtfertigen sei. Schließlich wird die Frage untersucht. ob die Arbeilcr überhaupt spare» können, und diese Frage wird ohne werteres bejaht. Begründet wird diese Bejahung damil, daß die Löhne stärker angezogen haben als die Preve der Lebcnsunterlialts- gegenstände. Damü'stehe im Einklang die Erscheinung znnchinendcr Verschwendung und VergnügnngSsuchc und vor allem die Tatsache. daß die Arbeiter und Angestellten nicht unerhebliche Beiträge zu ihren Berufsorganisationen leisten. Der Verfasser scheint in einer ganz anderen Welt zu leben, sonst könnte er iiicht die Bebaliptung aufilelle», daß die Sreigerung der Lohne und Gehälter gleichen Schrill mit der Steigerung der Lebens- millclvreiie gehalten habe. Schließlich würde � der Sparzwang darauf hinauslaufen, daß der Arbeiter nicht mehr das Recht hat, über sein sauer verdientes Geld nach eigenem Gutdünken zu vcr- ■ fügen. Nicht für die Angehörigen der besseren Kreise wird der Sparzwang gewünscht, sondern ausdrücklich mir für jene Kreise der Bevölkerung, die der Jnvalideiiversicheri.ngSpsiicht unterliege»— also ein direktes wirtschaillichcs Ausnahmegesetz iiir die arbeilende Be- völierung I Die Lorichläge des SlsiessorS Brockmann haben nach allem höchstens den Wert einer Kuriosiiät; ernst zu nehmen sind sie auf keinen Fall. Franz Thun gestorben. Es ging ihm kein guter Ruf voran, als er 1888 österreichischer Ministerpräsident wurde, nachdem der ewige Verlegeirheitsmiuister, Baron Gcmtsch, mit?lllstai>d und Freundlichkeit nicht gebessert, was die„eiserne Faust" des Grafen Badem verdorben hatte. Das badenrsche Regieren war noch unvergessen, und mit stärkstem Mißtrauen sah man dem Neuen entgegen, der es seinerzeit in Böhmen soweit gebracht hatte, daß durch die alte Landstube die Tintenfässer flogen. Es lag zu nahe, daß der Gras versuchen sollte, „Ordnung zu machen". Die hat er nun freilich nicht gemacht. Zuerst erbitterte er die Deutschon, indem er den Jungtschechensührer Dr. Kaizl zum Finanzminister nahm, und als sie beide zusammen die Neuerung vollbrachten, das Negieren mit dem � 14 bis zur Dekretierung neuer Steuern zu treiben und das Kilo Zucker gleich um sechs Kreuzer zu verteuern, da brach der Sturm los. Aber Thun„machte Ordnung"; einige Demonstranten wurden erschossen(in Graslitz im Egerland), überall ging Gendarmerie und Militär nach schärfster Instruktion vor. Presse und Versammlungsrecht wurden ent- sprechend behandelt. Und wenn es einmal wieder mit dem Parla- ment versucht werden sollte, dann mußte man es bald wieder auf- geben. Der überlange Graf, mit den grauen Bartkoteletten und dem Monokel geradezu das geborene Modell der Witzblattzeichner, ließ sich nichts anmerken und ging jeden schönen Sommerabend nach „Venedig in Wien". Die anderen empfanden den Kontrast. Schließlich mußte die Thunsche Ordnung aufhören und Körbers erste Minifterpräsidentschaft begann. Graf Thun kam ins Herren- haus, wo er als Gegner der Wahlreform wirkte, und wurde dann wieder Statthalter von Böhmen. Vertreter des Feudaladels und Freund der Slawen, kam er in nähere Beziehungen zum Jung- tschechensührer Kramarz, dem er in seinem Hochverratsprozeß als Entlastungszeuge diente. Das ist aber gewiß nicht das schlechteste, was ihm nachgesagt werden kann. Das tägliche örot. Bestrafte Profitwut. Im amtlichen Kreisblatt macht der Landrat des Kreises Allen- stein bekannt, daß einer Besitzersrau in Grieslienen die ganze Kartoffelernte ans dem Grunde beschlagnahmt ivorden ist. weil sie von einer städtischen Käuferin höhere Preise verlangt hat, als sie durch die Verordnung festgeietzl sind. Für die beschlagnahmten Kartoffeln ist der Frau ein um 1.50 M. für den Zentner geringerer Preis gezahlt worden, auch muß sie die mit der Wegnahme und zwangsweisen Verladung verbundenen Kosten tragen. Da mehrere Besitzer in Alt-Schöneberg und Jemmendorf sich weigerten, die ihnen zur Lieferung aufgetragenen Kartoffeln herzugeben, so sind ihnen die Kartoffeln unter Hinzuziehung militärischer Hilfe Zwangs- weise weggenommen worden. Die Leute haben für den Zentner 1,50 M. weniger erhalten und daneben die nicht unerheblichen Kosten der Jwangseulsührung zu tragen. Tic Teuerung in der Schweiz. AuZ der Schweiz wird uns geschrieben: Kein Tag ohne Preiserhöhung, kein Tag ohne weitere Ver- lenerung der Lebcnshaltnng, möchte man sagen. Die Bauern wissen nachgerade nicht mehr, was sie für ihre Produkte an hohen Preisen fordern sollen. Für die Kartoffeln hat das Schweizerische Volkswirtschaftsdepartenient Höchstpreise von 17 Frank per 100 Kilo- gramm direkt vom Felde oder Hof bezogen, bis zu 25 Centimes das Kilo im Krämerladen festgesetzt. Den Bauern sind diese Preise gegenüber 3 Frank, 3,50 Frank bis 4 Frank per 50 Kilogramm in der FriedcnSzeit zu wenig und sie halten mit dem Verkauf ihrer Vorräte zurück, bis der Doppelzentner 30 oder gar 50 Frank gilt. wozu es aber hoffentlich nicht kommt. Insoweit die Bauern jetzt doch verkaufen, stellen sie auf ein solches„Trinkgeld" ab, daß da- durch der Höchstpreis bedeutend überschritten wird. Der Zentner Krautkohl kostete früher 2—3 Frank, heute 8 Frank. Aepfel empfiehlt der Lebensmittelverein Zürich zu 23— 40 Centimes per Kilo für die verschiedenen Sorten. Diese Teuerungsverhältnisse kommen auch in der Statistik der Lebenskosten, die die Liga für Berbrlligung der Lebensbaltung alle Vierteljahre veröffentlicht, zum Ausdruck. Nach dem Maßstab der bezüglichen Nahrungskostcnstatistik Richard Calwcrs berrugen die Leveirskosten einer fünsköpfigen Familie(Eltern und drei minder- jährige Kinder) auf Grund der preisstatistischen Erhebungen in 285, Konsumvereinen mit 257 835 Mitgliedern im September 1916 1500,48 Fr. gegen 1455.92 Fr. im Juni 1916 und 1043,63 Fr. im Juni 1914. Die Mehrausgaben im September machen gegenüber dem Juni für das ganze Jahr� 44.56 Fr. oder 3,1 Proz. gegenüber dem Juni 1914 456.83 Fr. oder 43,8 Proz. aus. Da im gleichen Verhältnis Lohnerhöhungen oder Teuerungs- Zulagen den Arbeitern nicht bewilligt wurden, so folgt daraus Einschränkung und Verichlechterung der Ernährung, die gleich- bedeutend mit der Zerstörung der Volksgesundheil sind. Bon den verschiedenen Landgegenden blieben zahlreiche Kantone unter dem schweizerischen Durchschnitt von 1500.48 Fr., mit dem Minimum von 1454,90 Fr. die Urschweiz, während die Minderzahl, 10 Kantone, darüber hinausgehen, mit dem Maximum von 1571,78 Fr. der Kanton Graubünden. So macht die Landwirtschaft ihre Gewinne, während die Arbeiterschaft und mit ihr weitere minderbemiltelle bürgerliche Kreise ärmer werden. volksgesunöheit unö kommunale Kriegsfürsorge. Nach dein alten Erfahrungssatz, daß zwischen Krankheit und sozialer Lage innige Wechselwirkungen bestehen, müßte man wäh- rend des Krieges eine Zunahme der Krankheiten sowohl als auch der Todesfälle erwarten. Tatsächlich ist— wir sprechen hier natürlich nur von der ZivilbevLlkerung— das Gegenteil der Fall. Aber inan darf sich durch die Ergebnisse der Statistik, die nur allzu oft zu Schönfärbereien mißbraucht werden, nicht täuschen lassen. Betrachtet man die Tinge nicht oberflächlich, sondern be- müht man sich, in der Tiefe zu schürfen, so gewinnt man ein wesentlich andere! Bild und fornmt der Wirklichkeit näher. Beginnen wir mit der Säuglings st crblichkcit, so läßt sich nicht bestreiten, daß die statistischen Ergebnisse einer Reihe von Großstädten, in denen früher die Sänglingssterblichkert besonders hoch war, einen Rückgang aufweisen. So haben z. B. in Berlin inr Dezember 4915 die Stcrbofällc von Säuglingen nur 14,41 Proz. aller Stcrbefälle ausgemacht, im Dezember 1914 da- gegen 17,85 und im Dezember der FriedenSjahre 1913 und 1912 sogar 18,80 bzw. 20,60 Proz. Inr Zeitraum dieser drei Jahre ist also der Anteil der Säuglingssterblichkeit an der allgemeinen Sterblichkeitözisfer schrittweise um volle 6 Proz. gesunken. Aehn- lich in Köln a. Rh. Hier hat nach Miiteilungen der Stadtverwaltung die Säuglingssterblichkeit im KriegSjahre 1915 mit 14,76 Proz. ihren bisher niedrigste» Stand erreicht, und es ist auch, soweit sich das heute schon beurtcilcn läßt, für 4816 ein günstiger Llbschluß zu erwarten. Wir sind die letzten, die den segensreichen Einfluß der Rcichswochenhilfe bestreiten wollen. Hat doch gerade die Sozial- demokratie von jeher einen Ausbau der Verjicherungsgesetzgebung nach dieser Richtung gefordert! Aber andererseits darf man nicht außer acht lassen, daß schon durch den Rückgang der Geburtenziffer an sich der Einfluß der Säuglingssterblichkeit auf die Gesamlsterb- lichkeit eine günstige Aenderung erfahren hat. Dies Moment wird nur allzu oft— ob absichtlich oder unabsichtlich bleibe dahin« gestellt— übersehen, und man gelangt so zu Fehlschlüssen untz zu gänzlich schiefen Bildern. � Was den Gesundheitszustand der Schuljugend betrifft, so hat kürzlich eine Notiz des Kriegsernährungsamts ihre Runde durch die Presse gemacht, wonach die ärztlichen Untersuchungen an verschiedenen Orten des Reichs ergeben haben, daß unsere Kriegs- nahrung zwar eine Verschiebung der zur Erhaltung und zum weiteren Aufbau des Körpers notwendigen Stoffe, nicht aber eine regelmäßige Minderung derselben herbeigeführt habe. Die ge- ringere Menge einzelner Ernährungsprodukte soll die bessere Ays- Nutzung dieser und anderer Stoffe augenscheinlich wettgemacht haben. Zum Beweis hierfür stützt sich die Notiz auf die Unter- suchungen eines Stadtschularztes in Chemnitz, der an den Kindern, die 1916 die Schule verlassen haben, im Vergleich zu denen, die sie 1814 verließen,� sogar ein größeres Gewicht und eine größere KLrperlänge festgestellt hat. Aehnliche Beobachtungen sind von einem Bonner und einem Mannheimer Schularzt sowie von einem Württemberger Bezirksarzt gemacht. Ganz abgesehen davon, daß hier zufällige Verschiedenheiten in der körperlichen Veranlagung der untersuchten Jahresklasien mitsprechen können, und weiter ab- gesehen davon, daß ein Charlottenburger Schularzt über genau die gegenteiligen Beobachtungen berichtet, darf man diesen Er« gebniffen keine allzu große Bedeutung beimessen. Vor allem be- weisen sie nicht, daß der Ernährungszustand unserer Kinder im Kriege nicht gelitten hat. Man vergesse nicht, daß die Untersuckun- gen zu Beginn� dieses Jahres vorgenommen sind, also zu einer Zeit, wo die Ernährungsverhältuisse wesentlich günstiger waren als heute, denn damals standen die notwendigen Lebensmittel zwar hoch im Preise, aber sie waren doch wenigstens noch zu haben. Hierzu kommen aber noch zwei andere Momente, die man nicht gering veranschlagen darf. Einmal wurde den gesundheitlich schäd- lichen Folgen der Kriegszeit entgegengewirkt durch eine Vorsorge für die Beköstigung der Schulkinder in Schulküchen, Kinder- Volksküchen und Horten in einem Umfange,� wie wir es in Friedenszeiten nickst gewohnt tvaren, und zweitens ist gerade in den Großstädten während des Krieges Gelegenheit zu schneller und kostenloser Behandlung von Erkrankungen geschaffen worden. Eine solche Gelegenheit führt dazri, wie der Charlottenburger Stadtmedizinalrat Dr. Gott- stein kürzlich in der„Deutschen Medizinischen Wochenschrift" betont hat, die Krankh-ntsfälle schon in den ersten Stadien dem Arzt zuzuführen und seine Hilfe häufiger im Einzelfalle zu be- anspruchen. Daß ein solcher Vorgang zahlenmäßig einen wesent» lichen Einfluß auf Erkrankungs- und Sterblichkeitsziffer ausübt, dafür hat Gottstein in den letzten Jahren wiederholt Beweise erbracht, sowohl nach der positiven Seite hin wie noch mehr nach der negativen Seite, Zahlenreihen, ans denen hervorgeht, daß trotz glänzender Errnrrgcnschaften ärztlicher Kunst und Wissenschaft die Krankhcitsverhältnisse unverändert blieben in knlturekl tiefstehcn- den Kreisen, die es nicht gelang, für ärztliche Behandlung zu ge- Winnen. Zu falschen Schlüssen gelangt man bei flüchtiger Betrachtung auch durch die Krankenkassenstatistik. Nach der„Sozialen Praxis" war in den ersten drei Monaten nach Kriegsbeginn durch eine Umfrage bei 30 Ortskrankenkassen festgestellt worden, daß der Krankenbestand noch niemals so günstig gewesen war wie ist diesen drei Monaten. Das überraschende Ergebnis wurde hauptsächlich damit erklärt, daß unter dem Einfluß der allgemeinen seelischen Hochspannung der Einzelne es unterließ, sich um kleiner Beschwer- den willen gleich krank zu melden. Tie„Soziale Praxis" schreibt zwar selbst, daß das Bleiben dieser günstigen Erscheinung ange- sichts der langen Dauer des Krieges nicht zu erwarten war und daß die Verstrutnng laut Ivurde, es sei bei den zunehmenden Er- nährungsschivierigkeiten mit einem ungünstigeii Einfluß auf den Gesundheitszustand zu rechnen, aber andererseits sagt sie, Im a» solle sich doch selbst angesichts dieser Schwierigkeiten vor über- triebenen Befürchtungen hüten. Vor übertriebenen Befürchtungen wissen wir uns völlig frei, wir wollen nickst schwärz in schwarz malen, aber wir wollen auch keine Schönfärberei treiben. Wir wollen lediglich feststellen, was r st, und da ist, es nötig, wenn auch heute noch die Krankenkasscnzisfern ein günstiges Bild er- geben, ans die sattsam bekannte Erscheinung hinzuweisen, daß die Versicherten in Zeiten, wo sie mit leichter Mühe lohnende Be- schäftigung finden, sich nur im äußersten Notsall krank zu melden pflegen. In einer solchen Periode aber befinden wir uns heute, wo infolge der zahlreichen Einhcrufungen zum Heere ein großer Arbeitermangel herrscht. Deshalb vermögen wir angesichts so abnormer Verhältnisse den Krankenkasseirstatistiken eine Beweis- kraft nicht zuzuerkennen. Ist nach den bisherigen Beobachtungen auch die Gesundheit -der wehrfähigen Männer im großen ganzen auf demselben Stande geblieben wie im Frieden, so weist doch andererseits die Zunahme der' Sterblichkeit in den höchsten Altersklassen, namentlich beim weiblichen Geschlecht, schon seit Kriegsbeginn eine Zunahme auf, und zweitens leiden die Frauen der besitzlosen Klassen in den Groß- städten sehr unter den heutigen Zuständen. Es sind nicht nur Er- nährungsschwicrigkcitcn, nicht nur die Umgestaltung der Ernäh- rungSweise an sicki, sondern auch psychische Gründe, die hierbei mit- spielen. Die verheiratete Frän und Mutter, schreibt Dr. Elster, wird in den allermeisten Fällen lieber selbst entbehren, ehe sie für Mann und Kinder die Ernährung einschränkt. 2luch hängt gerade die einfache Frau mit einem merkwürdig starrem Eigensinn an ihrem Einzelkochwpf, anstatt sich die kräftigere und reichlichere Kost der Masscnspeisung zunutze zu machen. Bei den erwerbstätigen Frauen kommt dazu der erschwerende. Umstand, daß sie vielfach Kriegsvertretungen übernommen haben. Wenn man sich, wie wir es getan haben, bemüht, objektiv und ohne Voreingenommenheit die bis jetzt vorliegenden Ergebnisse ärztlicher Forschung zu würdigen, so drängt sich einem doch die Frage auf, ob diejenigen Maßnahmen, die im Jntcrcsse der Volks- gesnndheit ergriffen sind, ausreichen oder ob es nicht noch weiterer Maßnahmen bedarf. Ohne die Reichswocheuhilfe zu unterschätzen oder gar sie zu verkleinern, müssen wir doch mit Bedauern fest- stellen, daß dies der einzige nennenswerte Schritt ist, den das Reich in dieser Richtung unternommen hat. Alles andere hat es den Kommunen überlassen, die zu den ihnen gesetzlich obliegenden Auf- gaben auf dem Gebiet der Kricgsfürsorge auch noch zahlreiche frei- willige Leistungen auf sich genommen haben. � Wenn wir hören, daß in mehr als einer Großstadt fast die Hälfte aller Einwohner Zlnspruch auf unentgeltliche ärztliche Behandlungen haben, ohne in der Auswahl des Arztes beschränkt zu sein, wenn wir sehen, daß fast überall Einrichtungen für Säuglinge, vorschulpflichtigs Kinder und Schulkinder getroffen sind, um sie körperlich zu kräftigen und vor sittlichem Versall zu bewahren, so wollen wir docki deshalb, weil es sich um Kriegsnotwendigkciten bandelt oder weil andere Ge- nreinden es an der Erfüllung ihrer sozialen Pflichten haben fehlen lassen, das, was geschehen ist, nicht verkleinern. Im Gegenteil, wir mirsien dafür sorgen, daß die Säumigen nachkommen und vor allem dafür, daß das Gute, waö jetzt unter der harten Not des Krieges geschaffen ist, hinübergerettet wird in die Zeit des Frie- dens. Wir können das um so eher, weil es sich bei all diesen Matz- nahmen durchweg um Dinge handelt, die wir unsererseits von jeher gefordert haben, leider vor Ausbruch des Krieges ohne den Wim- schenSwerten Erfolg. Aber alle Aufwendungen der Kommunen wären vergeblich. alles würde Stückwerk bleiben, wenn nicht auch das Reich sein« Pflichten erfüllen und neben der Wochenhilfe eine gut ausgebaute Mutterschaftsversicherung einführen und den gesundheitsschädlichen Gefahren der. Frauenarbeit entgegentreten, vor allem aber für ein« ausreichende Ernährung der Bevölkerung sorgen würde. Nur so können die großen dem Volksganzen drohenden Gefahren abge- wendet, die gewaltigen Schäden des Krieges wettgemacht und eine gesunde Generation großgezogen werden. Die deutschen Gewerkschaften während des 5kriegsjahres ISI?. Bei dem großen Einfluß, den die Geiverkschaflen auf die Bolls- tvirtschaft ausüben, ist es von großer Bedeutung, inwieweit die Gewerkschailen sich den schweren Kriegsnöten gegenüber gewachsen zeigen. Erfreulicherweise liefert nun die soeben veröffentlichte Statistik über die Gewerkschaflsorganisationen im Jahre 1916 den Nachweis, daß trotz der langen Dauer des Krieges die Gewerk- schaften auch im zweiten Kriegsjahr ihre Aufgaben erfüllen konnten, obschon die Einberufungen zum Heeresdienst lähmend auf ihre Tätigkeit einwirkten. Besonders hat sich der Mangel an Funktionären «nd Bertranensleutcn fühlbar gemacht. Zivar sind während der Äricgszeit Streiks und Aussperrungen nur vereinzelt vorgekommen, die Arbeit für die Organisierung und Leitung von wirtschaftlichen Kämpfen war gering. Aber die enorme Steigerung der Lebens- nüttelpreise, der gegenüber die vor Kriegsausbruch gezahlten Löhne nicht entfernt im Verhältnis standen, machten Lotznsteigerungen zur dringenden Notwendigkeit. Da Streiks nur im äußersten Falle geführt werden sollten, so mußte eine Aufbesserung der Löhne durch Verhandlungen mit den Unternehmern versucht werden. Viel- fach haben die Militärbehörden mitgewirkt, einen Ausgleich herbei- zust'chren. Aber auch eine Fülle anderer, durch die Kriegszeit erwachsener Aufgaben hatten die Gewerkschaften zu erfüllen. Dazu gehört ins- besondere die Fürsorge für die Familien der Kriegsteilnehmer und für die Kriegsbeschädigten. Die Beteiligung der Gewerkschaften an dem Kongreß für Kriegsbeschädigtenfürsorge in Köln a. Rh. und die Sonderberatungen, die von den Gewerkschaften aller lliichtungen dort abgehalten wurden, beweisen, daß die Organisationen dieses neue Arbeitsgebiet sehr ernst nehmen. Leider ist die Fürsorgeorganisatiou noch nicht entfernt so ausgebaut, wie es dem Willen der Gewerk- schaften entspricht. Nicht alle verantwortlichen Stellen zeigen hier den Gelperkschasten das genügende Entgegenkommen; sie erschweren ihnen oft ihre Tätigkeit. Ebenso liegt es vielfach auf dem Gebiete der Brbeitsvermittelung und der öffentlich-rechtlichen Arbeitslosen- fürwrge. Am 30. Juni hatten die der Gcneralkommission angeschlossenen Lentralverbände ohne die Verbände der Hausangestellten und Land- mbeiter 2 482 016 Mitglieder, das Jahr 1916 schließen sie>nit einem Bestand von 982 868 Mitgliedern ab. � Im Jahresdurchschnitt zählten die Verbände 1914: 1848 729 männliche und 203 648 weibliche, zusammen 2 052 377 Mitglieder. 1915 dagegen: 947158 rnännliche, 172 101 weibliche, zusammen 1 146 259 Mitglieder. Hier- nach beziffert sich die seit dem vorigen Jahre eingetretene Mitglieder- abnähme auf 906113— 44,15 Proz. Der Mitgliedervcrlust ist leider nicht nur auf die Einberufungen zum Heeresdienst zurückzuführen. Es sind den Verbä>?den bis zum Schluß des Jahres auch weitere 273 316 — 11.2 Proz. der Mitglieder verloren gegangen, darunter 43 700 weibliche— 20,4 Proz. Mitglieder. Zum Teil handelt es sich bei diesem Verlust um eingezogene Mitglieder, die es versäumten, sich ab- zumelden und dann tvegen restierender Beiträge aus den Listen gestrichen wurden. Eine große Zahl von Zweigvereincn der Ber- bände ging, durch starken Entzug von Mitgliedern geschwächt und mangels täliger Kräfte, völlig ein. Es verringerte sich ihre Zahl von 10 980 im Jahre 1914 auf 9868 im Berichtsjahre. Dazu kommt, daß durch die Einberusungen den Gewerkschaften auch ein �erheblicher Teil leitender Kräfte, Vertrauensleute, Verwaltungs- beamte entzogen wurde. Vor Kriegsausbruch waren insgesamt 2267 Angestellte, am Schlüsse des Jahres dagegen nur 1477 tätig. Die Zahl der Angestellten in denZweigvereinenging alleinvon 1956 auf 851, also um 1105 zurück. Obschon diese Tatsachen den Verlust an Mitgliedern erklären, bleibt cr dcch bedauerlich, besonders der starke Rückgang au weiblichen Mitgliedern hätte nicht eintreten dürfen gegenüber der vermehrten erwerbsmäßigerr Tätigkeit der Frauen. Die von der Gencralkcnimission vorgenommenen Ouartalserhebungen über die Mitgliederbcwcgung in den Zentralverbänden haben erfreulicherweise ergeben, daß im Laufe des Jabres 1916 bei den weiblichen Mit- gliedern wieder eine AuswärlSbewegung der Mitglicdcrzahl ein« getreten und bei den männlichen Mitgliedern die über die Zahl der Eingezogenen hinausgehende rückläuffge Bewegung zum Stillstand gekommen ist. In gleicher Weise wie die Zeniralvcrbände wurden auch die anderen Gewerkschaslsrichtungcn von Mitglicdervcrlusten betroffen. Der enorme Rückgang der Mitglicdcrzahl in den Zentralverbänden hat selbstverständlich auch ihre Einnahme an Beiträgen getoaltig ver- mindert. Während für 1914 noch cinc Einnahme von 65 236 600 M. an Beiträgen zu verzeichnen war, stcl sie im Jahre 19l5 auf 07 076 202 M. Tie Gcsamteinnahme ging vorr 70 871954 M. aus 41 603 227 M. zurück. Trotzdem konnten die Verbände nicht nur ihre bisherigen Verpflichtungen erfüllen, fondern noch weitere über- nehmen. So die llntcrstützung der Familien der Kriegsteilnehmer. Für diese wurden 6 701 940 M. im Jahre 1914 und 8 074 085 M. im Jabre 1915, von Kriegsausbruch bis zur» 30. Juni 1916 insgesamt 17 863 759 M. verausgabt Tie sonstigen Ausgabeposten der Verbände sind fast alle bis aus den für Lohnbewegungen ohne Arbeitseinstellung gegenüber dem Vorjahre zurückgegangen, zum Teil sehr erheblich. Für Lohnbewegungen und Streiks wurden 229 413 M. verausgabt. Die Ausgabe für Arbeitslosenunterstützung ging von 23 718 802 M. im Jabre 1914 auf 3485 423 M. im Jahre 1915 zurück; die Aus- gäbe für Krankcnunlcrslützung verringerte sich von 10 795 912 M auf 2 425 033 M. An Noistandsunlerslützung wurden 1914: 8 457 391 M. und 1915: 1824 822 M. verausgabt. Tie Zusammen- fasiung aller Ausgaben für Unterstützungen— obne die bei Streiks gewährte— ergibt für 1915 die Gesamtsumme von 17 862 340 M., während sie im Jabre 1914: 48 689 426 M. betrug. JnSgeiaint verausgabten die Zentralverbäude 1916: 34 838564 M., 1914 da- gegen 79 547 272 M, Was kaum zu erwarten war, ist eingetreten: Die Zentralverbände haben im zweiten Kriegsjahr sinanziell günstig abgeschnitten, reichlich die Hälfte ihrer Zahl kann sogar gegenüber dem Jahre 1914 einen Vermögenszuivachs buchen. Während der Kricgszeit sind, wie die Statistik nachweist, die der Generalkommission angeschlosienenen Zentralverbände in vollem Umfange leistungsfäbig geblieben. Auch ihre innere Festigkeit ist nilbt gelockert. Hoffentlich wird nicht ein drittes Kricgsjahr mit allen seinen Schrecken und Verwüstungen über die Völker verhängt werden. Wohl ist damit zu rechnen, daß auch daS von den Ge- werkschaften getragen würde, jedoch ist bei längerer Kriegsdauer ihre Widerstandskraft für die Zeit unmittelbar nach Kriegsschluß ab- geschwächt, in der sie am leistungsiähigsten sein müssen. Der Ar- beitsmarkt wird dann überfüllt sein und der Kampf gegen die Herabdrückung der Lebenshaltung der Arbeiterschaft wird dadurch er- ichwcrt werden. Dann stehen den Gewerkschaften große Aufgaben bevor Zwar erwarten wir, daß die aus dem Felde heimkehrenden Gewerk- schastsgenossen ihren Organisationen gegenüber genau so treu ihre Pflicht erfüllen, wie sie es draußen zum Schutze des Vaterlandes getan haben. In erster Linie haben aber die Taheimgebliebenen daiür zu sorgen, daß unsere Verbände stark gefestigt bleiben, damit auch diese Zeit so überwunden wird, wie die der schweren Kriegsnöte._ Ms einer amerikamfthen MunitionsftM New Uor?, Anfang September.(Eig. Ber.) Kaum eine andere amerikanische Stadt hat aus dem Weltkrieg soviel Nutzen gezogen wie die Stadt Bridgeport im Staate Connecticut. Vor dem Kriege war Bridgeport eine Provinzstadt mit stagnierenden Industrien. Heute hat es eine Bevölkerung von über 150 000. Um viele Zehntausende hat es seine Bevölkerung seit dem Anfang des Krieges vermehrt, und täglich noch strömen die Menschen aus allen Teilen deS Landes und der Welt nach diesem neuen Dorado. In den Hauptstraßen der Stadt berrscht ein Hasten und Treiben wie in New' Aork. Wie in New Uork benichl hier jetzt auch Tag und Nacht ein Geräusch, das einem keine Ruhe gönnt. Es besteht ein großer Mangel an Wohnungen. Die vorhandenen Woh- nnngen sind überfüllt. Alte Spelunken, die seit Jahren als Lau- fällige Gebäude leer standen, sind wieder zu Arbeiterwohnungen hergerichiet worden. Die Hausbesitzer erhöhen an jedem Ersten die Mieten und setzen die Mieter ohne viel Federlesen an die frische Lust. Sie wissen, daß schon Dutzende Parteien auf die teure Woh- nrnig ivartcn. Gewallige Fabrikanlagen schießen in die Luft. Kaum ist das untere Stockwerl vollendet, so wird auch schon der Betrieb aufgenommen. Während unten der Arbeiter Munitton für die Feinde der Zeniralmächte herstellt, muß er aufpassen, daß ihm der Lauarbeiter oben nicht eine Eisenstange oder einen Ziegelstein auf den Kopf fallen läßt. Gelernte Maschinenbauer werden gesucht wie das Gold. Arbeits- lose Maschinenbauer sind selten. Die Unternehmer raufen sich um sie, und der eine sucht dem andern seine Arbeiter abspenstig zu machen. Daß die Arbeiter diese Lage der Dinge für sich auszunutzen wissen, versteht sicki von selbst. Seit dem Ausbruch des Krieges haben sie ihre Löhne in Bridgeport und llmgegend um fünfzig Prozent erhöht. Tagiäglich erheben die Arbeiter in der einen oder anderen Fabrik neue Aniprüchc, Ansprüche, die zum großen Herzeleid der Unternehmer belv illigl werden müssen. Die Aufträge sind eilig der Dollar winkt und mit Streikbrechern wäre nichts anzufangen, selbst wenn man sie bekommen könnte. Schließlich spielen die Lohn- erhöh uygen in Anbetracht der riesigen Kriegsgclvinne und des Kriegs- schwindels keine bedeutende Rolle. Diesen Kriegsschwindel macht die ganze. Bevölkerung milk Leulo,.die nie in einer Melallfabrik waren, bieten sich als Maschinenbauer an. werden eingestellt und drücken sich in dem Gründmtgstrubel durch, so gut wie sie es können. Gar mancher Maschinenbauer verdingt sich an zlvci Unternehmer. Bon beiden bezieht er den Lohn. In der einen Fabrik macht er die Morgenschichl rnit; in der andern rneldel cr sich beim„tiinckkocpor". Einige sind zwar ertappt worden, aber viele svllcn den Schwinde weiter betreiben. Viele Maschinenbauer haben eine eigen Werlstatt hergerichtet, wo sie Leeren und andere In- slrunrente fabrizieren. In diesem Zusammenhang sei eine Erfahrung mitgeteilt, die schlagend beweist, wie leicht der allmächtige Dollar den Sieg über das menschliche Mit- gcsühl davonträgt. In der Nähe von Bridgeport lebt eine Oester- reichcrin, deren Bruder Arzt tm österreichischen Heere ist. In den Briefen des Bruders bcffndeii sich herzzerreißende Beschreibungen der Wunden, die die russischen Geschosse den österreichischen Soldaten zufügen. Während nun die Schwester die ergreifenden Briefe des Bruders lieft, arbeitet ihr Sohn im Garten in einer kleinen Werk- stätte an Instrumenten, die dazu bestimmt sind, Geschosse für die russischen Heere zu sabrizicren. Er verdient seine 10 bis 20 Dollar den Tag. Auch die ungelernten Arbeiter enthalten zurzeit in Bridgeport hohe Löhne. Auch sie sind selten»nd gesucht. Kaum haben sie ein paar Tage in einer Fabrik gearbeitet, so wandern sie auch schon zu einem anderen Unternehmer, der ihnen einen höheren Lohn bezahlt. Ans allen Ländern holt man sie herbei. Scharen von Werbern sind beständig unterwegs, um den Unternehmern die Arbeitskräfte zuzuführen. Die nach Bridgeport fahrenden Züge sind immer gedrängt voll. Da siebt man Werber, die sich eine Ko- lonne Arbeiter der verschiedensten Staffen zusammengetrommelt haben. Weiße, schlvarze, gelbe, braune Menschen füllen die Sitze. Alle Sprachen werden gesprochen, nur nicht die englische Landessprache. Jeder hat eine Nummer am Hute. Nervös durchstreift der Werber die Eu'cnbahntvagen, lim seine Ware zu zählcil, damit ihm auch keiner von einem anderen Werber an einer Haliestation gestohlen werde. Er verständigt sich mit den angeworbenen„Händen" durch die Zeichensprache. Im nördlichen Teile der Stadt hat man eine ganze Kolonie portugiesisch sprechender Neger untergebracht, die zu Dutzenden mit zwei Frauen und einem zahlreichen. Kinderschwarm in einer großen Baracke hausen. In den gewaltigen Fabriken der Firma Remington erhalten die Arbeiter die besten Löhne. Die Firma ist bei den Unternehmern Bridgeports als der größte Arbeiterräuber verhaßt. Uiner den obwaltenden Umständen ist ein Zuso>nmengchen der Unternehmer zur Abwehr gegen die Arbeiter sehr schwer. EtUche Unternehmer haben sich aber dennoch unlängst zu einem Kampse gegen die Gewerkschaflen zusammengeschlossen und einen Schlag ge« führt, der die gesamte Arbeiterschaft der Vereinigten Staaten im eisten Augenblick verdutzte. Vier Firmcii haben die Gewerlschafr der Former auf Schadenersatz verklagt und das Eigentum der Gewerk- schaftSmitgliedcr gerichtlich mit Beschlag belegen lassen, ehe noch ein Urteilsspruch erfolgte. Das Voigehen schien so ungesetzlich und wahnwitzig zu sein, daß viele zuerst glaubten, es handle sich nur um eiuen schlechten Witz. Sie wurden sofort durch das Einschreiten der gerichtlichen Organe, die das Eigentum der Arbeiter� die am 17. Juli iu den Streik traten, mit Beschlag belegien und die Führer verhafteten, eines Besseren belehrt. Die Unternehmer berufen sich auf ein Gesetz, daS vor 250 Jahren erlassen wurde und gemäß des englischen Brauches, der in den Neuenglandstaaten beobachtet wird, nie rückgängig gemacht worden ist. Die Gesellschaften sagen, sie seien durch den Streik schwer geschädigt worden und verlangen nun zusammen 200 000 Dollar Schadenersatz. Der Scheris der Graf« schaft Fairfield, in dem Bridgeport liegt, ist instruiert worden, Eigentum der Mitglieder des Lokalverbandes der Jiucrnational Moulders Union of North America bis zur Höhe von 200000 Dollar mit Beschlag zu belegen und den Organisator der American Federation of Labor(Gewerlschaftszentrale) Tuffy, den zweiten Vizepräsidenten O'Leary, den Geschäftsagenten des Lokalverbandes der Former Lovcday und einige zwanzig Former, die in den Streik traten, per« sviilich haftbar zu halten. Die Führer wurden sofort verhaftet und erst gegen hohe Kaution sDuffh mußte 10 000 Dollar Kaution stellen) wieder freigelassen. Diejenigen, die kein Eigentum besitzen, werden verhaftet. Im Gefängnis müssen sie von den Klägern nnlerhalten werden. Sie werden das Gefängnis erst wieder verlassen können. wenn sie ihren Bankrott anmelden. Dieses Verfahren, bei Schadenersatzklagen das Eigentum der Beklagten zu beschlagnahmen, kann nur in den Neu. eiiglandstaaten angewendet werden. Hält eine höhere Instanz dieses Verfahren im vorliegenden Falle für richtig und gesetzmäßig, so dürfte in Zukunft ein Streik in einem der industriellen Gebiete der Vereinigten Staaten fast unmöglich sein. Man wird sich erinnern, daß es auch im Staate Connecticut war, wo dos Urteil gegen die Hutmachcr von Danbury gestillt wurde, das ein Jahrzehnt laug die Gewerkschaften Amerikas in Er« regung hielt. Bei den Hutmachern zu Danbury bandelte eS sich jedoch nicht um Schadenersatz für die dem Unternehmer aus einem Streik erwachsenen Nachteile, sondern um Schadenersatz wegen des Boykotts, den die Hutmacher über die Firma Loewe u. Co. verhängt hatten. Die Arbeiter wurden auf Grund des Shermaincheu Antitrust« Gesetzes zu einer Geldbuße von 250 000 Toll, verurteilt, die fchlteßlich von der American Federation of Labor durch Sammlungen zusammengebracht tvnrden, aber noch nicht ausbezahlt worden sind. Hier sei daran erinnert, daß einer der Richter, der das Urteil bestätigte, der frühere OberbnndeSrichter HugheS war. Dieser Erzreaktionär ist jetzt republikanischer Präsidentschaftskandidat und wird den deulschsprechenden Arbeitern der Vereinigten Staaten von den deutsch-amerikanischen Politikern wärmst'ens zur Wahl empfohlen, Die politischen Folgen ihres Unternehmens werden sich die Kapitalisicn Bridgeporis wohl kaum gut überlegt haben. Der Schlag, der so kurz vor den Wahlen gefallen ist, hat die Arbeiter Bridgcports gewaltig aufgerüttelt, und seine politischen Folgen werden sich auch bald im ganzen Lande bemerkbar machen, sobald die Gefährlichkeit dieses neuesten Kampfmittels der amerikanischen Kapitalisten klar erkannt wird. Der schnell wachsenden sozialistischen Partei Bridgeports, deren Führer durchweg Gewerkschaftsbeanücn sind, hätten die Unternehmen kein besseres Agitationsmittel geben können. Gerichtszeitung. Uebermäffige Preise. Uebermäßige Preissteigerung beim Verkauf von Moll- und Wirkwaren führte gestern den Inhaber des Kaufhauses Karl Böhme aus Wilmersdorf vor die 1. Strafkammer des Landgerichts III. Infolge falscher Kallulation hatte der Angc- schuldigte auf die genannten Waren einen Aufschlag bis zu 270 Proz. gcuommcu, lvährend nach dem Gutachten des Sach- verständigen nur 50—60 Proz. hätten in Ansatz gebracht werden dürfen. Das Gericht erkannte auf 6000 Marl Geldstrafe. flus ailer weit. ZCOQOO Lire ins Meer geworfen. Dem„Giornale d'Jtalia" wird berichtet, daß der Urheber deS großen Diebstahles, bei dem in Mailand der Verwaltung der Staats- bahnen 400 000 Lire entwendet wurden, verhaftet werden konnte, daß aber der größte Teil des gestohlenen Geldes endgüllig verloren in. Der Dieb, Carlo Ferrari, hatle die materielle Ausführung der Tat einem Komplizen überlassen, so daß er am Tage des Diebstahls gar nicht in Mailand war. In Besitz des Geldes gelangt, lebte er einige Zeit bei Perlvandtcn und schiffte sich dann nach Amerika 8. 4. 4. CentPum: Albert H a S n i j 4, Ackerstr. 174, am Koppcnplay. Gcösinet von II— Ist. und ckon 4st,— 7 lltir. 2, ivaü'�rc'is: 8. und SW.: G u ii a v Schmidt, Bärwaldstr, 42, cn der(initiicnamtrciBc. Geöffnet von 11—11. uud von Ist.,— 7 llbr. nlilkrei«: E t. Fritz. Vrinzenstr. 3l, Hof rechts pari. Geöffnet von 11— Ist» und von 4stz— 7 Uhr, nhlkrcis: C(t c n: Robert iL en g eis, MarkuSstr, 36. Geöstnel von 11—11. uud von l1/.— 7 Ulirr— Kort Meli c,>! eiersbnrgerplatz 4. tLadenl Geöffnet von!I— Ist- und von 4').,— 7 Uhr. nlilkroth.•<£ ii 6 o ii e it: Pnnl Böhm, Lausitzerplatz 14/15. Geöffnet von 11- Ist, nnd von 4st,— 7 Uhr. 6.■WalilKrcl*: Leo Zucht, Jmmauueltirchstr. 12(Hos). Geöffnet von 11— Ist, und von i'l— 7 Ubr. 6. Vtahlkvci*(JUonlüts: Solomon Kotcph, WilhelmShavcnci Sliofie 48. fficöfsjict von 11— I1/, uud von Ist,—" Hör. : J. H ö ii i j ch. Mvvcrsir. 34a Ecke Unechter Str., Laden, Gcösinet von Ii— Ist. und von 4st,— 7 Uhr. Ii oemtlialcr r.nti«IIa auionluirsror Vorstadt: A. W o I gast, Wattstraßc S. Geöffnet von 11— Ist» und von 4'/.— 7 Uhr. ftcsandbruniirn: Fiichcr, Baslianstr. 6, Laden. Geöffnet von 11— Ist, und von 4'/»— 7 Ubr. feK-tiöiihausor Vorstadt: Karl Mars, Grcijeiihagcner Str. 22. Geöffnet von 1l— Ist. und von 4st»— 7 Ubr. Fl ti Irrst, Ol: Kart S ch w a r i t o I e. Bismarckstr. 23. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Alt-t.lirnicke. Falkonlterg: Wilbclm D ü r r e� Fricdrichslr. 46. Ilauiiisrkiilriiivczr: H. Hornig, Maricntkaler Str. 13, 1. Iternau, litiatgental, Zepernick, Schönow, Schön- briiek und Buch: Heinrich H i o f e, Mühlennr. 5, Laden. lioknsdort: Paul G cuj q, Bohnsdorf GenojjcnjchajlshanS» »Paradies". Zeitungs-Ausgabestellen und Inseraten-Annahme. 37. Cbarlottenbnrzx: Gusiav Schömberg, Sefcnheimcr Str. 1. öffnet von 11— Ist, und von 49,— 7 Ubr. F.leliwaltlc. Sebmöckwitz: L s k a r Mahle, Griinauerstr, ir k n er. Xen-Zittan: F. Pauligt, Jtttrjcftr. 10. l'redersdorf-I'etcrshascn, Eggersdorf: U s j e n w a>s er Pclcrsdageu. Frledenan, Steglitz. Stillende: H. Strnice, Aljenstr. 5 in Steglitz, Eeösiiie! von 11— Ist, und von l'l.— 7 Uhr, Eriedrlcbshagcii, Eielitcnan, Kabnsdorf, Se.iiönciche, Kl.-Schönebeck: Ernst W e r k in a n n, Fricdrichshagen, Köpe- nicker Straffe 18. <> r iinaii: Franz Klein. Fricdrichslr. 10. Johnnnistbal, Kudotv: Max G o n i ch u r, Parkstr, 23 Karlshorst: Hermann PiUinq, Dönhoffstr. 23. Königs XV» sterl,„»sc». Wildau, Xicderlchmc: Friedrich Bau m a n ii, Luckemvaider«traffe 5. Köpenick: Emu W i>; i c r, stistzetstt. 6, Laden. Geöffnet von moigens 7 Uhr bis abends 3 Uhr, Licktenbcrg I, Eriedrichsfcldc. Uolicnschönhanscn: jütio Seilet, Warlenbergstraue 1(Laden), Geöffnet von tt— Ist, nnd von i'l,— 7 Uhr. Eicktcnberg II, Kunmiclsbarg. Stralau: 31. 31 o i c n. I: a n j, rul-Poxvageii Geöffnel von U— Ist, und von Ist,— 7 Uhr. nahisdorf, Kuulsitorf, Uicsdurl: P. Hetzderg, Slams- dorj, Ferdiliaiidstraffe 17. liaricnoörl, älaricnfelde: August Leip. Chauffeeitr. 23. Xeuenhagcu, Uoppcgurten: öoiszctoiust, Totti- strage 14. Kenkölln: M. Heinrich, Neckarstr. L, im Laden. Geöffnet von 9—2 und von 4— 7 Uhr: Neukölln, Britz: Rohr, SiegjrieSstraße 23/29. Geöffnet von 11— Ist, und vv» 4st,— 7 Uhr. Gc-'i.\ie.dcr-Schöncwcldc:S Wilhelm Unruh, Diückenstr. 19, U. 1; X owawea; Karl Krähnberg, Eisenbahnllr. 10. |Obcr-ScJiönewelde Alfred Bader, Wilhelminenhofstr. 17, Laden. Geöffnel von 7 Uhr inorgens bis 8 Uhr abeudS. Eankow,.Vledernchünhansen, X'ordcnd, Frz.-Bnch- holz, ISIankcnbiirg: 31 ts; manu, Mählenftr. 39, Geöffnet von 11— Ist, und von i'l,— 7 Uhr. Reinickendorf• Ost, Wilhelmsruh und Schönholz: P. G n r i ch, Provinzlw. 56, Laden, Geöffnet v, 1t— Ist» u. i'l,— 7 Uhr. Schcnkendorf d.Königs-Wnstcrhanjen: Ehr. H a n t f ch 1 c. Dorsstr. 10. Sciiöncbcrg: Wilbctin B ä n m l c r,. Meininger Straffe 9, im Laden. Geöffnet von 11— Ist, nnd von 4st,— 7 Uhr. Spandan, Xounendamm: Schumacher, Breitestr. 64. Geöffnel von 8 Uln morgens bis 8 Uhr abends. Tegel. Borsigwalde, Wittenau. Waidinannslust llcrnisdorf, Hohen- X'cucndorf, Ulrkenwerder, Ercie Scholle n. lleialckoudorf- West: P.nti seien alt, Borsigwalde, Rälljchstraffe 10. Geöffnet von 11— Ist, u. von Ist,— 7 Uhr. Teltow: L e n( ch n c r, Havclslr, 2. Tempelhof: Heimchen, Gcrmaniastr. 156, Treptow: Rod. Gramenz, Kieshocziiragc 412, Laden. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 3 Uhr abends. Weliieusee, Heinersdorf: Gull. 31 o ff I o v s. Berliner Allee 11. Wilmersdorf, llalensec, Schmargendorf: Pant Schu der! Wilhelmsane 27. Zeuthen, Eltersdorf: Will,. Schulz, Zeuthen, Zlethcnstr. IS. Zossen: Fr. Ratsch, Berliner Str. 24. Sämtliche Partelliteratnr fowie alle wiffenichasllichen W ecke werden geliefert Sonntags find die Ausgabestelle» geschloffen« ew. Schon auf der veverfahrt wurde oder seine Zuversicht dadurch erschüttert, datz ein Ehepaar, mit dem er Reise- bekanntschafl angeliiüpfl hatte, ihm aus deit Karten weis- sagte, er würde bald ins Gefängnis kommen. Im Hafen von Rio Janeiro iieszen sich zwei Herren an Bord bringen, von denen er seinen Namen hörte; nun war Ferrari sicher, entdeckt zu, sein, eilte in seine Kabine, ergriff seinen Koffer mit dem Gelde und warf alle», Papier und Gold, durch das Klosett in das Meer, olles in allem noch etwa 3lX) OVO Lire. Für die Siaatsbahnverwaltung ist dieser Ausgang recht unerfreulich; der Ozean aber ist in diesen Zeiten an weil koslbarere Nahrung gewöhnt, so daß die£500 000 Lire mehr oder weniger nicht in Betracht kommen. Gin schweres Straßendahnunglück ereignete sich am Montag in Breslau, wo beim Zusammenstoß zweier Straßenbahnwagen zahl- reiche Personen schwer verletzt wurden. Ein Straßenbahn- schaffner ist nach einer Operation verstorben. Der Wagenführer, der das Unglück verschuldete, wurde verhaftet. Untergang cincS dänischen Fischerbootes. Tie Blätter melden aus Thorshavn auf den Farörn, daß der Fischkutter „R u t l a n d" mit 15 Fischern untergegangen ist. Der Kutter war auf der Rückreise von Island mit voller Fischladung zusammen mit anderen Fischkuttern von einem englischen Kriegs- schiff angehalten und mit einer englischen Prisenbesatzung Versehen worden, die die Schiffe nach einem englischen Hafen bringen sollte. Eine großartige elektrische Beleuchtungsanlage. Unter Aus- nützung der gcioalrigen Wassertraft der Niagara falle ist soeben, wie amerikanische Blätter berichten, eine elektrische BeleuchtungS- anlage von bisher kaum erhörter Jntenfiiät von amerikanischen In- genieuren errichtet worden. Die neue Beleuchtungsanlage vermag eine Lichlmenge von rund 50 Millionen Kerzenstärken zu liefern. „Die Wirkung dieser Flut von Licht ist die vollkommenste Nachahmung der Sonne, die man sich denken kann", sagte Edison, als er die neue Anlage in Augenschein nahm. ISozialtiemokratisclier WatMn LdJ. Berliner ßeicbslagswabikr. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tischler Paui Griese Naugarder Str. 7 am 28. Oktober verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet beute Donnerstag, den 2. November, nachmittags 3 Uhr, im Krcma- torium Gcrichtstr. 36/37 statt. Um rege Beteiligung ersucht 222/17 Ter Borstand. Sozialdemokratischer Wahlverein l.i6. ßerl. Reichstagswahlkreis. 13. Abt. Bez. 686. Am Montag, den 30. Oktober, verstarb unser Genosse, der Arbeiter Kisri MtiBBer Jagowstr. 21. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 3. November, nach- mittags i'l, Uhr, von der Leichen- halle des städtische» Zentrol-Fried- ho'es in FriedrichSsclde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht ltei» Vorettund, Danksagung. Für die erwiesene herzliche Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Vaters und Schwagers, des Drehers Paul Sprengel sagen wir hiermit allen unseren herz- ttchsten Dank. 1« -hniW Sprenarel. Mnrtho O«'ldenfro»t. Berlin, Hajerihcide 20. SnziaidemokralischerWahiverein Riederiiarnlm. Besirk Lichtenberg. 2. Viertel, 21. Gruppe. Am 30. Oktober verstarb unlcr Mitglied, der Parteigenosse Bru-ne Groß Blumcnthalslrage 10 nach langem Krankenlager im «liier von 53 Jahren. Ehre seinem Andenken k Die Beeldigniig findet beute Donnerstag, den 2. November, nachmittag»'/jä Übt, von der Leichenhalle de» lsentral-Fried' Hajes in Fricdrichsscive aus statt. Um reg« Beteiligung erlucht 14/U Die Bezirksleitung. Allgefflelne Kranken- nnd Slerhe- kasse der Hetallarbelter Filiale Sfablndorf. Im Völterringen ftd am 11. Oktober 1916 unser Mitglied. der Dreher Robert Dippner im Aller von Sä Jahren. 121/20 Ehre seinem Andenken! Die QrtSverwaltnng. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme und die vleien Kranzipenden bei der Beerdigung metner lieben Frau, unserer guten Mutter lagen allen Verwandt- n, Freunden, Bc- kannten und Kollegen, insbeiondere dem Männerchor.Oberspree' sowie dem Her-rn Dupont für die trost- reichen Worte am Sarge der Eni- schlasenen unseren besten Dank. 1131b R.«raufe und Kinder. DeoBchErletallarhelter-yerbanil Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Büchsen- machet Hufo Kommrau Rathenower Str. 25 am 29. Oktober gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 2. November, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Krankenhauses Moabit au« nach dem Neuen Joüamiis-Kirchhos in PtöTensee statt. Rege Beteiligung erwartet >25 1 Die Ortsverwaltnng. Nie Versorgung der KriegsteilneSmer ihrer Angehörigen und ihrer Hinterbliebenen Veardettet v. Paul Ätrsw Landtagsabgeordneter preis 30 pf. Ein unentbehrlicher Ratgeber für Kriegsteilnehmer u. deren Hinterbliebene Z n d a l«: FUrsorge für die FamNten ver KrtegsreNnebmer Dt» Der- sorgimgterManmwafren Krieg»- »ersorguxg Jnvativenverftcherung »on KriegsleUnedmern und deren zdimerbliebenen Buchhandlung Vorwärts Berlin SW. öS, Lindenstr.Z H. Esders& Dyckhoff berun c. Bekleidungshaus BERUN c Gertraudtenstr. 8 9 Petriplatr Gertraudtenstr. 8-9 Petriplatz Noch preiswertes Angebot in fertigen Herlist- uml Winter-üeliBrziBliern Herren- und Jünglings-Anzügen Joppen, warm gefüttert/ Hosen und Westen Regen«MgnteI/ Kinder= Anzüge u. Ueberzieher Damen-Kleider und-Mäntel Westmsnn's Tnuetmituiii GlMt* r.uvolli. BtUigst« Probe t. Motirensirate 37» (Kolonnaden iL Or. 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Druck u. Verlag.-Porwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanftalt Paul Einger& Ea» Berlin SW. Vielmehr können Sie mii ihm aus unserem ganzen außer ordenilich reich- haliigen Lager wählen, ohne auf äkiere Ware oder höhere Preislagen angewiesen zu fem. Ltnd da Zhnen bei uns gerade in atlerneuester frischer Ware und in niedrigen und allerniedrigflen Preislagen besonders reiche Auswahl zur Verfügung steht Königstraße 33 Am Bahnhof Alexanderplah Chausseesiraße�H3 Beim Stettiner Bahnhot GsnniagS geschlossen! Ignuttstag. 2. Doklmber 1916. l>ie Msöehnlmg öec SeZugsfiheinpflicht. All! 1. NovLMber ist eine bedeutende Erweiterung der Bezugsschcinpflicht in Kraft getreten. Die Freiliste, die biö her noch für Kleidung, Stoffe usw. bestand, hat eine erhebliche Kürzung erfahren. Der Zweck der Maßnahme ist eine weitere Streckung der vorhandenen Vorräte, die auch mit Rücksicht darauf geplant sein dürfte, dag den heim kehrenden Soldaten ermöglicht werden soll, sich bei ihrer Entlassung mit der nötigen Zivilkleidung zu verschen. Durch die neue Verordnung wird eine bisher noch geltende soziale Ungerechtigkeit wenigstens zum Teil aufgehoben Bisher konnten bei dar für Konscktionswaren gezogenen Preis grenze vermögende Verbraucher ihren Bedarf ohne Ein schränkung decken.� Dicf; Preisgrenze, zwecks derer die Bezugs scheinpflicht aufhörte, cht jehr aufgehoben. Um die Luxus konfektion ober nicht allzusehr zu schädigen, da bei Luxus' waren ein Nachweis derei, die gesamte Danien- und Herrenwäsche mit AuLnahiA.e von Sickagen, Manschetten, Vor- steckern und Einsätzen, die»Zäuglingöwäsche, Wäschestoffe, alle Taschentücher mit Ausnahm e der mindestens zu einem Drittel der Fläche aus Spitzen begehenden, die getragenen Kleidungs- stücke. Dagegen werden bezalgsscheinfret unter anderem: VelvetS, baumwollene S st ckeretstoffe, baumwollene gewebte oder gewirkte Spitzenstoffe,'.baumwollene glatt oder gemusterte, gewebte undichte Kleidsrstoßfe und baumwollene bedruckte un- dichte Kleiderstoffe, sowie alle ausschließlich aus den vor- genannten Stoffen Hergest t llte Gegenstände; ferner imitierte Pclzgarnituren auS baunlwollenein oder wollenem Plüsch, Krimmer oder Astrachan. Alle Gegenstände, deren Klein- Handelspreis nicht mehr«lls 1 M. für das Stück beträgt, mit Ausnahme von Strüüipfcn, Handschuhen, Taschentüchern und Scheuertüchern; Stoff» t nur bis zu Längen von M Zenti- meiern, sofern der Klein! Handelspreis nicht mehr als 1 M. beträgt; in beiden Fällen: darf zu gleicher Zeit an dieselbe Person nicht mehr als 1. Stück dcqelben Ware veräußert werden. Ms Groß-öerlin. Arbeitslöhne in Berlin. Uebcr fabelhaft hohe Löhne der Arbeiter in der jetzigen Kriegs zeit kursieren namentlich in Kreisen, die nicht zur Arbeiter schicht gehören, die wildesten Gerüchte. Wie sehr hierbei Aus nahmen als Regel hingestellt wesden, ist dem Kenner der Ver hältniffe bekannt. Der Geschäftsbericht des Zentralvereins für Arbeilsnachweis in Berlin für die Zeit vom 1. April 1015 bi 31. März 1016 erbringt jetzt aber auch den ziffernmäßigen Beweis. daß den Tatsachen hierbei vielfach Gewalt angetan wird. Die An- gaben über die nachstehenden Lohnsätze wurden bei der Arbeitsver Mittelung gemacht. Danach beliefen sich die Wochenlöhne für die jugendlichen Arbeiter im Jahre 1014/15 auf 17 M., gegenüber 11 M. im Friedensjahre: sie stiegen weiter im Jahre 1015/16 um 60 vom Hundert auf 16 M. Es stehen aber 12 880 Jugendlichen. die 18 M. wöchentlich und darüber verdienten, 8530 Jugendliche gegenüber, die unter 18 M., nämlich 11— 18 M. verdienten. Auch die Löhne der älteren ungelernten Arbeiter sind gestiegen. Wäh rend im Jahre 1014/15 die üblichen Wochenlöhne meist 22— 25 M. betrugen, stiegen sie in der BerichtSzeit auf 26—30 M. Aber auch hier steheu 34 757 Arbeitern, die 30 M. und darüber verdienten 14 926 gegenüber, die einen Wochenverdienst von nur 19— 30 M. erzielten. Berücksichtigt man den starken Mangel an männlichen Arbeitskräften, der sich jetzt während der KriegSzeit bemerkbar macht. so ist die Lohnsteigerung wohl erklärlich. Die Lohnhöhe aber bietet bei weitem keinen Ausgleich zu den riesig gestiegenen Ausgaben für Lebensmittel, Bekleidung, Heizung und Steuern. Dazu kommt, daß der jetzt noch in der Industrie Beschäftigte erhöhte Verpflichtungen gegenüber dem Unterhalt von Verwandten hat, oder doch zum min- besten besondere Zuwendungen zu machen verpflichtet ist. Der In gendliche muh vielfach, wenn der Vater zum Heeresdienst eingezogen ist, zum Unterhalt der Mutter und der jüngeren Geschwister bei tragen. Der Vater muß, wenn er nicht Heeresdienste leistet, dem beim Militär dienenden Sohn— oder den Söhnen— Zuwendungen stachen; er trägt wohl auch zur Unterstützung der Enkelkinder und der Schwiegertochter bei, da von den geringen Kriegsunterstützungen der Lebensunterhalt nicht zu bestreiten ist. Jedenfalls sind die Ar- beiter nicht biejneigen, die durch den Krieg Reichtümer sammeln. Wie absolut notwendig erhöhte Löhne jetzt in der Kriegszeit zur Bestreitung der täglichen Nahrung und Notdurst sind, zeigt auch eine Berliner Statistik über den Sparzwang der Jugendlichen. Von 32 000 Jugendlichen, die dem Sparzwang unterstellt sind, haben 11000, also über ein Drittel, Anträge auf Rückzahlungen gestellt. Ohne Not ist das nicht geschehen. Und wenn die«Deutsche Arbeit geber-Zeitung" diese Kriegsmaßnahme schon als eine dauernde Einrichtung in die Friedenszeit hinübergerettet sieht, so ist sie, wie immer, mit dem Arbeiterleben sehr wenig vertraut. Auch nach dieser Statistik, die auf Grund der NückzahlungSgesuche aufge- nommen wurde, betrug der Wochendurchschnittsverdienst der Jugend- lichen 30 M., wahrlich keine Summe, mit der der einzelne Mensch jetzt liederlich leben, geschweige denn erhöhten Verpflichtungen nach- kommen kann. Gegen den Staffeltarif. Au? dem Rathause wird berichtet: In den Erörterungen über die Tariferhöhung bei der Größen Berliner Straßenbahn oder den Erwerb dieses Unternehmens durch den Zwcckverband wird versucht, die Interessen Berlins in einen Gegensatz zu bringen zu denen der übrigen Teile Groß-Berlins, indem man die Annahme erweckt, als ob der Stadt Berlin daran gelegen sei, den für das Jahr 1020 zu- gelassenen Staffeltarif tatsächlich eingeführt zu sehen. Demgegenüber sind wir in der Lage zu er- klären, daß die Berliner Vertreter tn der Ver bandSversammlunxi Hand in Hand mit denen der Vororte dafür eintreten lv erden, daß der Staffeltarif im Jahre 1020 nicht zur Einführung gelangt._ Vororte gegen Tariferhöhung. Der Verein der Vororte Berlins zur Wahrung gemeinsamer Interessen gegen die Tariferhöhung der Berliner Straßenbahn und den Erwerb der Großen Berliner Slraßenbahn durch den Zweck- verband. Der„Große Vorstand" de» Vereins hielt am Montag- abend eine gut besuchte Versammlung ab, in der Regierungsrat Dr. H e p k e r einen die Materie beherrschenden Vortrag hielt. Er legte mehrere Anträge vor, die mit unwesentlichen Aenderungen fast einstimmig angenommen wurden. Ein Antrag empfiehlt, die Ver Handlungen über den Erwerb der Großen Berliner Straßenbahn auf ein Jahr zu vertagen, weil sich heute und während des Krieges die Verhältnisse und die spätere Entwicklung gar nicht übersehen lassen und die größte Vorsicht geboten sei. Ein «weiler Antrag verlangt, daß die Verhandlungen nicht geheim, son )crn öffentlich geführt werden. Die Oeffentlichkert habe da? allergrößte Interesse daran, vollständig über diese den Lebensnerv von Groß-Berlin betreffenden Vorgänge unterrichtet zu sein. Ein dritter Antrag spricht sich energisch gegen den Erwerb der Straßenbahn während des Krieges aus, dessen Ausgang unter allen Umständen abgewartet werden müsse, denn davon hänge auch die Entwickclung von Groß-Berlin in hohem Maße ab. Kleinhandelspreise für frische Seefische bester O-nalität für Donnerstag, de n 2. November 1016. Schellfische, klein(bis% Pfund) 1,80 M.. mittel(von bis Pfund) 2,00 M., großmittel(von 1 bis l'/o Pfund) 2,15 M., oße(von 1'/, Pfund und mehr) 2,25 M.; Kabeljau, klein(bis Ist, Pftmd) 1,40 M., mittel(von Ist, bis 4 Pfund) 1,65 M., große (von 4 Pfund und mehr) 1,75 M.. ohne Kopf(im Ausschnitt) 2,40 M.; Schollen, kleine(bis zu'/, Pfund) 1.13 M.(Zufuhr ungenügend.) f Keine Winterverforgung mit Kartoffeln durch die Gemeinden. Die gegenwärtige Knappheit an Kartoffeln in Groß-Berlin hat zu einer eigenartigen Erscheinung geführt. Bekanntlich wurde vor einiger Zeit die Bestimmung getroffen, daß die Gemeinden die Winterversorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln zu ermäßigten Preisen übernehmen sollten. Die Gemeinden haben denn auch daraufhin schon vor Wochen die Bestellungen eingefordert und die aus jeden Haushalt entfallende Menge zugewiesen. Vergeblich warten aber seit geraumer Zeit die Besteller auf die Lieferung der Ware. Die gegenwärtig in Groß-Berlin herrschende Knappheit dürfte überhaupt die Ausführung des Planes unmöglich machen. Wie wir hören, steht die Leröffeiitlichung einer behördlichen Be- stimmung bevor, durch die die bisher erfolgten Zuweisungen an Kar- toffeln für den Winterbedars aufgehoben werden, so daß es vielmehr bei der bisherigen Art der Rationierung der Kartoffeln verbleibt. Mit den schon ausgegebenen Bezugsscheinen für Kartoffeln dürsten die Inhaber dieser Scheine nichts anfangen können. Bezug Vau Haferflocken. Wie in vergangenen Monaten, so gewährt die Stadl Berlin auch im November den Kindern bis zum vollendeten zweiten Lebensjahre je 1 Pfund Haferflocken. Die zur Empfangnahme berechtigende» Vorzugsscheine werden von den Brot- tommlssionen am 2. und 3. November in der bisherigen Weise nach Straßenzügen verteilt. Die Haferflocken sind nickt mehr in den Apotheken, sondern in den bei den Brotkommissionen bekannten Verkaufsstellen erhältlich. Die Einrichtung weilerer Verkaufsstellen steht bevor. Die für Oktober gülligen Vorzugsscheine können auch während des Monats November eingelöst werden. Auf die Wochenmcnge von Speisefett kommen in der nächsten Woche vom 6. bis 12. November 1016 unverändert 60 Gramm Butter und 30 Gramm Margarine zur Au-gabe. Die Friscure von Neukölln haben in ihrer Oktober-Ouartal- Versammlung beschtosieu. ihre Geschälte vom 1. November 1016 ab an Wochentagen nur bis 8 Uhr abends geöffnet zu halten, außer Sonn- abends. An Sonn- und Feiertagen sind die Geschäfle ununter« brachen bis 1 Uhr mittags geöffnet. An sämtlichen zweiten Feier« agen bleiben die Geschäfte ganz geschlossen. Wo bleibt die Asche? Einen interessmilen Beitrag zu dieser Frage liefert ein Fall, den sich die Friedbofsverwallung der Stadl Berlin geleistet hat- Ein Berliner Schriftsteller verlor seine Frau und ließ sie ein« äschern. Infolge eines bald bevorstehenden FortzugeS von einer Stadtgemeinde in eine andere überließ er die Urne mit den sterb- lichen Resten der Veistorbenen der Berlmer Krematorinmverwaltung zur Aufbewahrung, für die 20 M. bezahlt werden müssen. Mit der Zahlung der 20 M. blieb der wenig bemittelte Schriftsteller iin Rückstände, worauf er das nachfolgende, in einem hiesigen Blatte abgedruckte Schreiben erhielt: Krematorium Berlin Berlin, den 18. Oktober 1916. Postscheckkonto der städtischen Friedhofskasse Nr. 14840. Auf unser Ersuchen vom 26. vorigen Monats um Einsendung von 20 M. AuibewabrungSgcbühren für die Aschenreste der Frau ....... ist bi« jetzt Ihrerseits nichts erfolgt. Sollte der Betrag nach Ablauf von acht Tagen bei unserer Friedhofskasse nicht eingegangen sein, so erfolgt die kostenlose Bei- setzung der Aickenreste in einen, geineinschastlicken Grabe, dessen Lage den Hinterbliebenen nicht ersichtlich gemacht werden kann. Name....... Krematoriumsinspektor. Diese Art der Mahnung ist der Stadt Berlin nicht würdig. Selbst Verstorbene, deren Beerdigung auf Kosten der Stadt erfolgen muß, werden beerdigt unter genauer Bezeichnung der Grabsiellc, wo die Beerdigten liegen. Weiter zu gehen, hat auch das Kura- torium für das BestaUungSwescn kein Recht. Es kann höchstens die aufgewendeten Kosten einziehen, wenn solche Kosten eintreibbar sind. Aber damit zu drohen, die Beisetzung werde erfolgen, ohne daß der Ort der Beisetzung genannt wird, ist eine Härte, die Wohl kaum anderswo geübt werden dürfte. Sie ist auch ungehörig. Ein tödlicher Eifenbahnunfall hat sich am Dienstag in der Nähe de? Bahnhofs Adlershof ereignet. Der dort angestellte Strecken« arbeiter Silvester LupomSki halte sich Dienstag früh auf dem Wege zur ArbellSstätte, an der er sich um 6 Uhr früh einzufinden hatte, verspätet und wollte sich deshalb den Weg abkürzen. Zu diesem Zweck kletterte er vom Fluplatz Johannisthal aus über die Böschung und überschritt den Bahnkörper. In der Eile übersah er dabei das Herannahen eine» Vorortzuges, wurde von der Maschine erfapt: über- fahren und auf der Stelle gelötet. Ein schwerer VetricbSuufall hat sich gestern auf dem Grundstück der Eisenhandlung von Eohn u. Borckerl ereignet. Die dort be- schäfligte Arbeiterin Frau Auguste Gube aus der Fruchtstraße ver- suchte entgegen den elteiltcn Anordnungen das Tor des Grundstücks zu Verlasien, als gerade auf dem Anschlußgleis der Fabrik ein Glltei wagen heraugejchoben wurde. Frau G. wurde dabei zwischen den Waggon und den das Grundstück umgrenzenden Zaun gedrückt und erlilt schlocre Quetschungen der Brust. Die Verunglückte wurde in besinnungslosem Zustande nach dem Lichtenberger städtischen Krankenhause geschafft. Die Aerzte hoffen, sie dem Leben erhallen zu können. 46«cuc Zicgenzuchtvercine im Kreise Nicderbarnlm. Die Verwaltung des Kreises Nicderbaruim hat sich während der KriegSzeit die Hebung der Ziegenzucht besonders angelegen fein lassen. Ihre Bestrebungen, die Ziegenhalter zu Vereinen zusammenzuschließen. haben den Erfolg gehabt, daß nicht weniger als 46 neue Vereine im Kreise gegründet worden sind. Der Kreis hat jedem dieser Vereine eine Gründnngsbeihilse von 100 M. und mehr be« willigt und außerdem mindestens einen Zuchtbock unentgeltlich über« wiesen. Auch eine Anzahl Multerzicgen sind an die Vereine ab- gegeben worden. Die Ober-Ost-Obst-AuSstclllliig in der Exerzierhalle der Alexander« Kaserne, Alexanderstraße 56, ist eröffnet. ES ist Gelegenheit ge« geben, sich vvn der Güte und Maiinigsaltigkeir der in den besetzten Gebieten hergestellten Erzeugnisse zu überzeugen. Berichtigung. In dem Versammlungsbericht deS sechsten Wahlkreises hat sich insofern ein Irrtum eingeschlichen, als Genosse Leid nicht gesagt hat, daß das„Berliner Volksblatt" auf dem Parteitags in Erfurt den Titel„Vorwärts", Zeutralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, erhielt, sondern auf dem Parteitage iu Halle im Jahre 1300. Verloren wurde am Sonnabend ein Trauring, Buchstaben 0. S. 12. 2. 5. Gegen Belohnung abzugeben bei Schulz, Slargarder Straße 38, Ausg. I, 4 Treppen. Am Mittwoch vormittag zwischen 11 und 12 Uhr wurde auf dem Wege von der Sckiölinedtstraße»ach der Niemetzstraße in Neukölln die Summe von 21 M. in Papiergeld verloren. Die Verliererin, eine arme Kriegerwitwe und Mutter von fünf kleinen Kindern, bittet den ehrlichen Finder, den Fnnd abzugeben bei Weimann, Neukölln, Niemetzstr. 18, Ouergebäude I., Unbekannte Leiche. Am 10. Oktober vormittags wurde im Großen Wannsee die Leicke eines jungen Mannes gesunden. Der Unbekannte ist etwa 20— 24 Jahre alt, 1,05— 1,68 groß, hat dunkelblondes Haar, ist bartlos. Bektetdel war er mir giaumelierlem Ulster, grauem Jackett und Weste, dunkelgestrcifler Hose, roiasarbenem Hemd mit weißen Quadraten, weißem Gummikragen, Schlips in Rosasarbe, grauen Strümpfen und Schnürschuhen. In den Taschen befanden sich: eine Bartbürste, ein Kamm, ein weißes und ein buntes Taschetuch. Peisonc», die nähere Angaben über die unbekannte Leiche machen können, iverden gebeten, solche an den Herrn Amts« Vorsteher in Wannsee, sowie au den XII. Kriminalbezirk Berlin zu Nr. 2846 IV 13. 16 zu richten. Buch nimmt jedes Polizeirevier fach« dienliche Milteiluugen entgegen. Gesperrt. DaS Polizeipräsidium teilt mit: An der Straßen« kreuzung Kaiier-Wilhelm-Straße und Dirckfenstraße wird der West» liche Teil der Dircksenstraße vom 1. November d. I. ab für den ge« 'amtcn Fuhrwerksverkehr gesperrt. Kleine Nachrichten.„Vrotkarteneinbrecber" suchten in der ver» jangenen Nacht die Kommissionen in der Lülticher und der Gene« elder Straße heim. Bei der 31. stahlen sie Kartoffelkarlen mit den Nummern: 62 200— 62 450, Kartoffelzusatzkarten: 20 800 bis 20 060, Zuckcrkartcn: 24800— 24 000, Seifenkatten; 30203— 30393 irnb Bratkarten. Bei der ktt. Kommission eine größere Menge Kartorselkarten vom 20. 11. 10 bis 12�3. 17. Von den Tälern fehlt zeda Spur. Alle Korten werden joforr für ungültig erklärl, sind alio wertlos.— Tos Opfer eines Straßenunfalles ist der £ die „Hetzerin" auf frischer Tat ertappt zu haben und entließ sie kurz nach Beginn der Arbeitszeit. Die Entlassene verlangte nun im Klagewcgc Bezahlung des vollen Entlassungstages. Sie wies die Beschuldiguua. daß sie ihre Mitarbeiterinnen zur Verweigerung der Ncber� stunden aufgehetzt habe, entschieden zurück und gab an. dem Beklagte habe weder für Ucb erstunden noch für Sonntags- oder Nachtarbeit einen Zuschlag bezahlt. Das sei der Grund, weshalb die Arbeiterinnen aus eigenem Antrieb die tleberzcitaddcit ablehnten. Der B e kl agtckonnte m Ächt b c ft r c i t c n, d a ß er keinen Zuschlag für d-ic llebcrzcitarbcit g c z a h I t h a t. Nachdem ihm vom Schiedsgericht bedeutet worden war, daß er den Tag der Entlafl�itig voll bezahlen müsse, ließ es der Beklagte nicht auf seine Verurteilung ankommen, sondern zahlte freiwillig. Ter Lohn des KriegÄb�schädiglen. Maurernicistcr Rohrbacb hatte oris' Empfehlimg einen kricgS- beschädigtcn Maurer eingestellt, deq durch eine Klage beim I n n u n g S s ch i e d s g c r i ch t Nachzahlung von 112 M. Lohn forderte. Seine Begründung ging dah�c, er habe als voll leistungS« fähiger Maurer einen tariflichen StulfJeiiloh» von 90 Pf. zu beanspruchen, aber anfaitgs nur 70 Ps� später 75 Pf. crbalten. In der Verhandlung stellte sich heraus, daß der Kläger bei seiner Ein- stellrnig erklärt hatte, er könne nur lleichte Arbeiten machen und würde deshalb und weil er eine Rente Ibeziehe, mit einem geringeren Lohn zufrieden sein. Eine Vereinbarung über die Höhe des Lohnes ist nicht getroffen worden. Terseibe pst im Bureau des Beklagten aus 70 Ps. festgesetzt und später ohne.iAntrag des Klägers auf 73 Pf. erhöht worden. Der Kläger hat auch! bei den Lohnzahlungen leinen Einspruch gegen die Lohnhöhe erhoikien. Wie der Polier angab, konnte der Kläger seine linle Hand wir mangelhast gebrauchen und deshalb nicht zum Stemmen verwandt werden. DaS Schieds- gericht wies die Klage ab �eveil den Umständen nach ein« Vereinbarung auf 70 Pf. Stuni»cnlohn zustande gekommen sei Ein fünfzehnjähriger Kutscher. Vor dem Jniiungsschiedsgericht erschien ein Vater mit seinem fünfzehnjährigen Sohn. Der I in ige, der sitzend laum mit dem Kops über die Tischplatte reicht, will, als Kutickier beim � Fuhrherrn Rose beschäftigt gewesen sein und eirtsflemol selbständig einen Wagen in den Straßen Berlins gefahren halmn. Vier Tage war der Junge bei Herrn Rose beschäftigt. Dann umrde er, wie er angab, ge- prügelt und ohne Lohn bekommen zu., haben, hinausgeworfen. Er verlangte nun vor dem Schiedsgericht seinen Lohn, der init 20 M. wöchentlich zwischen ihm und dem Inspektor vereinbart worden sein soll. Der Vertreter des Belle'gten bestritt die Angaben des Klägers. Er bchauplete, der Jin� ie sei weder als Kutscher tälig gewesen noch sei ihm ein Wochenlohn: von 20 M. zugesagt worden. Er habe erst angelernt werden sollen aind habe sich nur iin Betriebe herumgedrückt. Da der Beklagte im l L e r g l e i ch S w e g e den Lohn für vier Tage bezahlte, so erübrigte sich die Feststellung, wer von beiden recht hatte.___ Arbeiter-Radfabrer-Vcrein„GrüG Beclin-. Sonntag, abends 7 Ubr, im Kunstgewerbe-Museum, Prinz-! Ntbrecht-Slr. 8: Vortrag mit 140 Lichtbildern: Die moderne«Seeschlacht. 30 Ps. Vorverlaus bei Rühle, Oranienstr. 04—03._ öriefkaften der Redaktion. V. H. Rammlers Ilnivcrsal-Briesktcküer, zu bezieben durch die Buch- bundlung Vorwärts zum Preise von 3,30 M. einschließlich Porto.— Alte» Abonnciit. Die Beantwortung Jbrcr.laagen ist unS unmöglich gemacht worden. Kommen Sie zu uns in die Ri vaktivn. C. G. 15. 1. Ist die Ehe nach 19«> geschlossen, so erbt die Ehefrau ein Viertel, die Kinder drei Viertel des gesav ttcn Nachlasses. Ist die Ckicsrau schon verstorben, so erben die Kinder oillcin zu gleichen Teiten. 2. Ja. 3. Das Geschäst gehört ebcnjolls zur Erbi chastSmaffe.— P. 2du I.Nein, wenn Sie zum Ersotzbalailloii zur Enllajuzng geschickt werden, müssen Sie dem Folge leisten. 2. Da die Entlassung durch den Truppenteil ersolgt, w ist Ihr Verlangen unbegründet.— Blw K. SO. Wenn Sic die volle Kaujjumme schon entrichtet haben, gciü igt die gerichtliche Austastung.—