Ar. 304. 33. Jahrg. Lldonnements-lZeckingungen: «SonnsmenlS- VrnZ vränumerand» Lierlcljöhrl. s.go Mt, 0!onau. l.30 Ml. wöchentlich Sil Pfg. irei in- HanZ. einzelne Nummer 5 Big. Sonmags« numnicr mit illustrierter SoinuagZ» Beilege.Die Neue Well" I!1 Vjg> Löst- vbomtementt t.Zll Mark uro Monat. eingetragen in die Bost-ZeitungZ- Brei-Iiiie. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oeslerreich» Ungarn Z£0 Mark, für das übrige Ausland i Marl pro Monat. Postabonnemenls nebmen an Belgien. Tänemarü Cnd, Italien, lluremburg. Portugal, änien, Schweden und die Schweis kricheiiit lzgllch. Devlinev Vollrsbltttt. � 5 Pfennig) Die Tnkrtions-Gebiilir tetrligt für die fechsgesvalteneKolonel- zeile oder deren Raum no Pfg., für politische und gewertschafili.üe Vereins- und Vcrsamntlunzs- Anzeigen i!» Big. „Uleine?nrers-n", das seilgcdcuckie Wort Z<> Big.(znläsfiz 2 iettgedruckie Worte), jedes weitere Wort lO Pfg, Etellengejuche ttttb Siulnfsfcllfttmi- zeigen das erste Wort 10 Big., jedes «eitere WortöVsg. Worte über lZBuch- slaben zäbten für zwei Worte. Juiergie sür die nächste stummer müssen bis K Illir nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Tie Expedition ist bis 7 Uhr abends gebüner, Delegramm-Adrelle: ,50Mi(liiMüwl Rcrlitt", Zcntralorgan der fosialäemokrati fcken Partei Deutfcblands. Neöaktion: SW. HS, Linüenstraße 5. Fernsprecher: Amt Morttzpla«, Nr. 1S1 SV— 1S1 S7. Sonnabend, den 4. November 4940. Cxpsüttion: SW. HS, Linüenstraße?. Fernsprecher: Amt MoriiZplatt, Nr. 15190—15197. IMfenftürme an der Tfonzo- Reform der Schutzhaft. ieMs des(Stolen S«Mkiets. Amtlich. Großes Hauptquartier, 3. No- vember 1916.(W. T. B.): Westlicher Kriegsschauplatz. Die Kampftätigkeit hielt sich im allgemeinen in mäßige» Grenzen. In einzelnen Abschnitten des Somme-GebieteS starkes Nrtillericfeuer. Die pon uns genommenen Häuser von Sailly gingen gestern früh int Nahkampf wieder verloren. Feindliche Vorstöße östlich von Guendecourt und gegen den nördlichen Teil des St. Pierre Baast-WaldeS sind gescheitert. Das französische Feuer auf die Feste Banx flante gegen Abend ab. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des Generalfcldtnarschalls Prinz Leopold von Bayern. Außergewöhnlich hohe Verluste erlitten die Nusien bei ihren bis zu sieben Male» wiederholten vergeblichen Ber- suchen, uns die am 36. Oktober gestürmten Stellungen westlich von Folw. 5krasnolcsie(links der Narajowka» wieder zu entreißen. Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Earl. An der s i e b e n b ü r g i s ch c u S ü d f r o n t wurden rumänische Angriffe durch Feuer oder im Bajonettkantpf abgeschlagen. Südwestlich Prcdcal nnd südöstlich des Roten-Turm-Passes stießen wir nach nnd nahmen über 350 Rumänen gefangen. Balkan-Kriegsschauplatz. Keine Ereignisse von besonderer Bedeutung. Der Erste Gcneralquartirrmrister. Ludcndorff. ** * 0Ct OMAIfOK GeilMlMslmW. Wien, 3. November 1916.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresfront beS Generals der Kavallerie Erzherzog Carl. In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen gestern an zahlreiche» Stellen an; sie wurden überall zurückgeworfen. Dem Feinde nachstosicud, gcwitnnc» nuscre Truppe» südöstlich des Boris Torony-(Roten-Turm-) Passes und südwestlich von Prrdcal erneut Gelände. A» der s i c b e» b ü r g i s ch e n Ostfront und in den W a l d k a r p a t h e n war die Kampf- tätigkeit gering. � Heeresfrout des Generalfcld Marschall? Prinz Leopold vo» Bayern. An der Bystrzyca Golotwinsta Borfeldtümpfe. An der N a r a j o w t a versuchten die Russen in sieben Maffeastößen, die nm 36. Oktober an unsere Berbiiiidetc» verlorenen Stcllnnge» zuruckzugewiiinen. Alle Nnsltirinr des Gegners brachen unter schwersten Berlustcn zusammen. Südlich von Hnlcwicze am Stochod vertrieb ein Jagdtommand» österreichischer Landwehr einen russische» Borpvslcn. Rtalienischcr Kriegsschauplatz. An der Schlachtfrvnt im Küsten lande wurde auch gestern mit größter Eriitterting gelämpft. Unter ungchcnrciti Aufwand von Menschen und Munition setzten die Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippach-Tnle waren unsere Stellungen im Parowitzer Wald bei Söder und östlich Bertojba rrnrnt das>zicl wütender Angriffe. Uebcrall tonnte der Gegner zurückgeworfen werde». Das Msnlacr Landstnrm-Regrment 2 nnd das dalmatinische Landwehr-Znfanlrrie-Rrgimcnt 23 hielten zähesteiis Stand. Auf der Karsthoch fluche wurde im Raum um Lvtoiea ein neuer italienischer Maffcnstoß, der über die Höhe Preinta und cutlang dcr Straße nach Nostnnjcvica angesetzt war, unter schwersten Berttisteii des Feindes zum Stehen gc- bracht. Zwei hierbei bis zum äußersten ausharrende Batterie» fielen, als Mann und Pferd überwältigt waren, in Fcindeshand. Im südlichen Teil dcr Hochftüche brachen vor der Front des tapferen österreichischen Landfttirm-Regimeiits 32 und der In- santcrie-Rcgimcntcr 15 und 98 alle fcindlichrn Angriffe zusammen. Die Zahl dcr gefangenen Italiener ist auf 2260 Man» gestiegen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Dcr Stellvertreter bc» EbefS des Generalstabe?. ». Hoefer, Fcldmarschallrntnant. ♦ Ereianisse zur See. Am 2. vormittags hat«in Scefingzcnggcschwadcr Semaphor Station und Kohlenanlagcn vo» Bieste und Radiostativ» und Lagerhaus von Torre Porticello erfolgreich mit Bomben belegt. Abends griff ein Tecflugzcuggrschwader die Bahnhofsanlagen von Ronchi, die militärischen Anlagen von Selz, Doberdo, Staranzan» und die Batterie Golamrtta an. ES wurden viele Treffer erzielt. Flottenkomma ii do. Die griechisthen Wirren. Zur Versenkung des Dampfers„Angeliki". London, 1. November.(28. T. B.)„Daily Telegraph" meldet aus Athen, daß wegen der Versenkung deS Damp« fers„Angeliki" die deutsche Gesandtschaft eine Erklärung veröffentlicht, daß kein deutsches U-Boot etwaS gegen griechische Schiffe unlcrnebmen dürfte, deren Papiere in Ordnung seien. Nur Schiffe, die revolu- tionäre Mannschaften zur Verstärkung der Vierverbandstruppen an Bord hätten, dürften ange- griffen werden. Was den Dampfer„Angelili" betreffe, so sei die deutsche Gesandslbaft davon überzeugt, daß keine Rede davon sein könne, daß das Schiff von einem deutschen U-Boot torpediert wäre; die Umstände, unter denen das Unglück sich ereignet habe, reckit- fertigten diese Annahme. Der Korrespondent de?„Daily Telegraph" fügt hitizu, daß in der Tat Zweifel bestünden, ob das Unglück nicht durch eine Mine verursacht worden sei. Admiral Fournet habe de?« halb eine Untersuchung eingeleitet. Ein Handstreich der Venizelisten. London, 3. November.(W. T. B.)„Daily Chronicle" berichtet aus Athen, daß etwa fünfhundert Venizelisten E k a t e r i n i, ohne auf Widerstand zu stoßen, besetzt haben. Auf dem Wege dahin kam es zu einem kurzen Kampfe mit Evzones(griechische Jägertruppe), die die Brücke von Aliacmon bewachten. Einer Reutermeldung zufolge hat die Regierung Ver- stärkungen nach Ekaterini geschickt. Albaniereinfall im Epirus. Bern, 3. November.(W. T. B.)„Echo de Paris" wird aus Saloniki gemeldet: Griechischen Blättern zufolge hat eine starke_ olbanesische Bande Mofthopolis(Epirus) angegriffen. Zwei grie- 1 chische Gendarplen und Pier Einwohner sind getötet, welche der( unter dem Befehl des Leutnants Vuzas errichteten Miliz angebör- ten. Vuzas selbst sowie 25 Einwohner werden vermißt. M'" vernnitct, daß sie von den Angreifern gesangen wurden. Die Melüung ües türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 2. November.(W. T. B.) Amtlicher Heeresbericht. Euphrat-Front. Unsere freiwilligen Krieger haben eine Linie feindlicher Schützen angegriffen nnd eine große Menge Ikriegsmateiial, sowie 150 Stück Vieh weggenommen/ Tigris-Front. Unsere Flugzeuge haben Bomben auf feindliche Stellungen geworfen. Unsere freiwilligen Krieger haben einen englischen Flugzeugschuppen in der Um- gebung von Scheik Said angegriffen und dabei abermals ein feindliches Flugzeug zerstört; zur Vergeltung haben die Eng- ländcr Bomben im Rücken unserer Stellungen abgeworfen, aber ohne Erfolg. Persische Front. In der Richtung Sendschan haben wir feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurückgeworfen. Kaukasus-Front. Im Zentrum und auf dem linken Flügel für uns erfolgreiche Scharmützel; wir haben einige Gefangene gemacht. Galizische Front. Die Russen haben am 31. Oktober und 1. November abermals Angriffe gemacht, um die von uns am 31. Oktober eroberten Stellungen wiederzunchmcn; diese Angriffe sind ebenso wie die vorhergegangenen völlig abgeschlagen worden. Auf dem mazedonischen Kriegs scha u p l a tz haben wir einen Angriff, den der Feind am 3l. Ottober gegen unsere Truppen an der Struma-Front machte, abgeschlagen. Der Stellvertretende Oberbefehlshaber. Die verbesserte Schutzhast. Wenn in Frankreich nach einem bekannten Wort alle? mit einem Chanson, einem Liedchen, endet, so endet in Teutschland alles mit einem Kompromiß. Co ist die Reform der Schutzhaft, die der Reichstag noch vor seiner Vertagung erledigen will, ein Kompromiß zwischen Verneinung und Be- jahmig des Belagerungszustandes, ein Mittelding zwischeit Schwarz und Weiß, ein Bekenntnis des Willens zu bessern, aber kein Entschluß, ein hart empfundenes llebel zu beseitigen. Sie gehört zu jenen Reformtaten der deutschen Gesetzgebung. die nirgends Befriedigung wecken und die man nur mit einem „Immerhin oder„Gerade noch!" passieren lassen kann. Seit mehr als zwei Jahren fehlt dem deutschen Staatsbürger der Schutz der persönlichen Freiheit, der eine Errungen- schaft der bürgerlichen Revolution ist. Dieses Schutzes hatten sich die Engländer versichert, als das Parlament mit der be- rühmten Petition of right durchsetzte, daß niemand ohne An- gäbe einer Ursache verhaftet oder gesangen genommen werden dürfe. Später befreiten sich die Franzosen von der Herrschaft der berüchtigten gebeimen Verhaftsbefehle, den leUres do cudiet. Schließlich, seit 181«, hatten sich auch die Deutschen daran gewohnt, daß niemand ohne gesetzliche Ursache ver- haftet, daß niemand in Haft gehalten werden dürfe, ohne in den ersten viernndzwanzig Stunden seinem gesetzlichen iitichter vorgeführt zu werden. Durch Inkraftsetzung des preußisclten Gesetzes über den Belagerungszustand vom 1. Juni 1851, einem Werk der schwärzesten Reaktionszeit, sind wie dieser sreiheitlichenGrrungen- schaft lvicder verlustig gegangen, und niemand weiß, wann der Tag kommt, der sie uns wiederbringt. Welche Zustände sich ans dem Boden dieses Kriegsrechts loeit hinter der Front, in ganz Deutschland entwickelt haben, wissen wir ans den Ver- yandlnngen des Reichstags vom 28. Oktober. Sie schreien nach Abhilfe, nnd gründliche Abhilfe kann nach der lieber- zeugnng der Sozialdemokrateil nur erreicht werden durch die Beseitigung des Belagernngsznstandcs überhaupt. Dazu hat man sich noch nicht entschließen können, und die Psychologie dieser Entschlnßlosigkeit ist nur allzu bcgreiskich. Das System, das in Anwendung gebracht worden ist.�hat Stimmungen erzeugt, die»viedmm! ans der anderen Seite die Neigung erzeugten, es immer schärfer anzuwenden. Da treibt ein Keil den anderen, und je stärker die Entwich ming von dcr bürgerlichen Freiheit wird, desto stärker wird auch die Furcht vor ihrer Wiederkehr. Trotzdem war es klar, daß die Tinge nicht so bleiben konnten, wie sie waren, und daß der Reichstag nicht nach Hanse gehen konnte, ohne seinen ans Besserung gerichteten Willen dargetan zu haben. Und so kam man ans den Rettungs- weg des liberalen Antrags! Die Mitglieder der 21. Kommission des Reichstags, die in zwei Sitzungen ein„Gesetz betreffend Verhofttmg und Aufenthaltsbeschränkung auf Grund des Kriegsznstands nnd des BÄagernngsznstands" ausgearbeitet bat, werden sich weder der Einbildung hingeben, die Pormissetznngen ft'ir die Anordnung der Schutzhaft so eng umschrieben zu haben, daß Mißbrauche fortan nicht mehr möglich sind, noch werden sie auf ihr Werk besonders stolz sein. Der neue Gesetzcntlmirf sieht vor, daß jemandem, der in Schntzbaft genommen wird, der Grund seiner Verhaftung mitzuteilen ist, daß ihm die Beschwerde zusteht, daß er darüber, ob er Einwendungen hat, richterlich vernommen werden muß, daß er sich des Beistandes eines Verteidigers bedienen darf, der das Recht der Akten« einsicht hat, daß ihm auf Verlangen ein Verteidiger bestellt werden muß, daß ihm Entschädigung zu gewähren ist, wenn sich erweist, daß die Voraussetzungen dcr Anordnung der Schutzhaft nicht gegeben waren. Kaum vermag man zu begreifen. daß alle diese Selbstverständlichkeiten erst durch ein neues Gesetz bestimmt werden müssen nnd daß bisher unter dcr Herrschaft des Belagerungszustandes, das Rechtsgut der persönlichen Freiheit völlig dcr Willkür der militärischen Bc- sehlshaber überlassen war. Es hat erst eines erschreckend großen Sündenregisters bedurft, damit der Reichstag, der sich einer völlig passiven Regierung gegenüber sah, die Initiative ergriff. Wir Sozialdemokraten sind der Meinung, und unsere Vertreter haben sie in der Kommission erneut zum Ausdruck gebracht, daß dem durch die aufgedeckten Mißbräuche beleidigten Rechtsgcfühl des Volkes nur durch die Beseitigung des Belagerungszustandes Genugtuung go geben werden kann. Jmerhin kann nicht in Abrede gestellt werden, daß die Arbeit der Kommission eine Verb esse- rung des bestehenden Zustaudes bedeutet. Wenn dadurch auch nur das Los einiger Opfer der Schutzhaft gebessert wird, fttmn kann man sich zu Üem Erreichten nicht ablehnend ver- hulten. Wlvd bör Entwurf Gesetz, so darf die Scbnkbaft sorion nur angewendet werden, wenn sie zur Abwendung einer Gefahr für die Sicherheit des Reiches erforderlich ist, nl«7 nicht wegen iegenöwelcher belangloser Ordnungswiokiukeiten» und der MW stete hat gewisse dringend Notwendige GarNN« ticn, die ihn, bisher betsagt waren. Tie PatteieN des Reichstags wollen den Entwllts.in der nwtgigen Plenntsitznng verabschieden. Wie werden sich die Verbündeten Regierungen zu ihm stellen? Sie ntüqen sich, wenn sie sich nicht dach nach zu der bei jitiegSbcginN siir eine nahe Zukunft verheißenen Aufhebung oes Betägerungs« znstandes verstehen walten, den Rat erteilen lassen, wenig- stctts diesem bescheidenen Entwurf schleunigst ihre Zustimmung zu geben. Ter Reichstag würde, wenn er das bisherige System weiter duldete, sich zum Mitschuldigen machen. Seine Ehre verblötet es ihm, sich mit leeren Versprechungen intt der Verheißmig von Instruktionen an die militärischen Befehls- Haber abspeisen zu lassen. Ergreifen die Verbündeten Regie- rangen nicht mit der öllrch die Sachlage gebotenen Tchnellig- keit die Klinke der Gesetzgebung, so wird der Reichstag därnns die Letzte ziehen Niüssr», dasz die Töne, die er am vergangenen Sonnabend angeschlagen hat, nicht stark genug gewesen sind. Tie Verbündeten Regternngen werden zu beurteilen in der Lage sein, ab die Beibehaltung eines ttttrechtsmistandes, den die osfentliche Meinung als unerträglich culvfindet, mit den Interessen des Teutschen Reiches vereinbar ist. Tie Sozialdemokratie hält, wie ihre Vertreter in der Kommission ausführten, das ganze System für gesetzlich nicht begründet und fordert seine Bssölttgung. Schon ist inanches geschehen, was sich sobald Nicht wieder gutmachen läßt, und die Wunden, die hier geschlagen worden sind, werden noch lange schmerzen! §cagen unö Antworten. Militär- unö Ernährungsfragen. Die seit einigen Jahren eingesührte Mrlatttöntnrische Neuerung der Anfragen hatte sich scholl vor dem Krieg bewährt nns ais eine lehr nützliche Einrichtling erwiesen, um die Regierung z>t Aenherungen über bestimmte aktuelle Fragen van dfsentlichem Interesse zu vekautassen- llleuerölugs niehren sich dle Anfragen! gersöe im gegeiiivürtigeil Tsgnugsi abschnitt sah fast jeder DUmslag unö Freitag eine Reihe von Aufragen an der Spitze der Tagesordnung. AlN gestrigen Tag erreichte die Zahl der Anfragen einen Hbhenrektzkd, es waren nicht weniger als vierzehn. Darin flüstert sich eine gewisse innere llnrnhe des Reichstags. Viele Fragen würden bei einer regelrechten Tagung im Rahmen der Etatsberatnng zu ihrem Rechte kommen. Tie gegenwärtige Tagung ist aber eine Krtegsnotwenvigkeit, der eigentlich nur öle Erledigung der wichtigsten polltischen und wiktschaftticheN Kriegsfragen abliegt. Aber dieser enge Rahmen läßt sich nicht in allen Teilen innehalte». Das zeigt sich darin, daß eine Reihe von anfänglich Nicht vvrgelchrnell Gesetzentwürfen in Angriff ge- nommeN und verabschiedet Wörden ist, Es zeigt sich ferner in dem Bedürfnis der Abgeordneten, durch das Mittel der An- fragen andere zeitgemähe Angelegenheiten vor das Forum der Deffentlichkeit zu bringen. Bon den Anfragen der gestrigen Sitzung waren einige von allgemeiliereM politischen Interesse, Dacht gehörte die Anfrage Müller-Meiningen über den am Tage znvar schon vom Genossen Stückten zur Sprache gebrachten Eriah des KHegsMinlsiers, wonach D i s s i ö o n t e n Nicht zu L f s i- z i e r e it b e f ö r d e r t werden sollen. Tie Antwort des Ver> treters der.yeeresvelivaltung befriedigte die Liiike des Hauses in keiner Weise: eine.Entscheidung der kritisierten Art iei nicht ergangen, aber Disstdentcit könnten trotzdem nicht de« fördert werden, wenn sie nicht einet ReligivnsgeineiniM.lt an» gehörten— warum(le eigentlich„Dissidenteu" sind, scheint den, KriegSministeriUNt überhaupt»loch nicht klar geworden zu seilt—, indessen Ivill das Krtögswinisterium die Frage er- ueut und..wohlwollend" prüfen. Entrüstung und Lachen links war die Antwort des Hauses. Erne Anfrage unseres Äenossei» E nt m e l verkvnate Alis- kläruug über die Unerhörte Tatsache, daß der»MülhllUier Bolkszeitung" wiederum der A b ö r lt ck des Reichstags» b e r l ch t s Über die Z e n fit r v e r h a n d l u n g e n ver» baten worden war. Genosse EMnict hielt während der Vor- lesnng seiner Anfrage die Rummer des Mitihanser Bartei» biatts die den Reichstagsbcricht hatte bringen wollen, zur drastischen Jllustriermig den Abgeordneten bor die erstaunten Augen. Hilter dem Kopf der Zeitung streckten sich drei lange Spalten in blütenweisjer Unschuld. Die Ansrage hatte diesmal Erfolg- Das Kriegsmimsterinm hat sofort das zuständige Cberkontiiianhs in Bewegung gesetzt, uns dieses hat die Müthaiiser Zensnrsiclle angewiesen, der«Müi' hanser Volkszeitung" fortab beu ungekürzten Abdruck des Borwärtsberichts zu gestatten. Nach Erledigung einiger kleiner Gesetzentwürfe, die das Gcrichtskostengeietz, die Gebührenordnung für Rechtsanwälte und Gerichtsvollzieher, die Festsetzung von Kursen der zuin Börienhandel zugelassenen Wertpapiere und. die Äuskunsts- erteilnng tiber Kriegsverordnnngen betrafen» letzte der Reichs- tag die am Donttcrstaa abgebrochene Debatte über Heeres- frag e n»ort. Jin Mittelpunkte stand der Erlast gegen die D i l I i d e II t e n und die I u d e tt st a t.i st t k. Betdes fand keinen Verteidiger ini Hause, wohl ober lchakse Kritiker. Besonders etndrncksvoll war die Rede des Genossen Heine, der die verletzende Rückstchtsiastgkelt und Ungerechttgkelk. die in dem Schnüffeln nach KonMöN und Rasse zum Ausdruck kommt, in ihrer sachlichen Zwecklsstgkeit und ihrer politischen Llnntostgkelt scharf aeistelte. Genosse C o h n don der Gozial- demokratischen Arbettsgemeinschast brachte etne ganze Reibe von Mißstände» im Heere zur spräche und ergänzte damit die gestrige Rede des Genossen stttcklen. Zlini Zchlnst trat das ermüdets Hans noch tn die Be- ratnng der Ernähr nngSsragen ein. Es soll am sonn- abend Vertagung des Reichstags eintreten. Darum wird wle üblich iit den letzten Tagen vor der Vertagung weit über Ge» bühr getagt. Als od es nickst richtiger wäre, eine Woche länaer zu tagen und dafür de» wichtigen Beratungen Über die Er- nährnngsfragen. die in« HaiiptauSlchnst Wochen tn Anspruch genommen haben, auch im Plenum den nötigen Raum zu ver» schassen. Der Berichterstatter. Gras Westarp, brauchte über zivei Stundest für setneli Bericht. Hinter ihm sprach noch der Präsident des Krlegsernflhrlingsamkß v. Batoekl. der mtt der erfrenlichen Erklärung schlost, dast das driitsche Votk bei lpartamee Wirtschast keine Gorgs um seine Ernährung bis zur nächsten Ernte zu haben brauche. Am Tonnabend soll die Beratung fortgesetzt und beendet werden. Von unserer Fraktion steht Genosse Robert Schmidt aus der Rednerliste. Auster- dem soll noch eine Anzahl anderer wichtiger Angelegenheiten erledigt werden. Am Freitag dauerte die Plcnarsttzung neun Stunden. Vielleicht wird sie am Sonnabend noch etwas länger dauern. der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 3. November.(W.T.B.) N m t l i ch ö k Bericht. M U z e b o U t f ch 0 js k o u t. Schwache feindliche Ab» tetkuNgeN, die Nördlich voiii Malikfee vorgedrungen waköU, sind durch Niisere Truppen in östlicher Richtung vertrieben. Im Cerug-Bogen haben wir einen schwachen Augriff des Feindes ßUkückgeschlagen. Am Fnste der Belasica Planiua und an der Struma- FroNl geringe Aktlllekietäiigkrlt. Während des Kampfes nrit llt. Oktober hat det FeiNd tin StrliMniat schwele Berltiste erlitten. Im Abschnitt zwischen den Dörfern Chiristos NNd BarailidschUNia haben wir übet fünfhundert im- beorbigte Leiche», viele frische Gräber und zerstreut eine be- träUfiliche Menge von Ausrüstungsgegenständcn und Waffen gesüitdeii. An der Küste des AegülschcN Meeres beschost ein seinb- llcher Monitor ohne Ergebnis unsere lZtellünaen bei Orsano. RumäNtsche Front. Die Lage ist unversnöm. Vier feindliche Kriegsschiffe beschossen 20 Minuten lang die Stadt Constanza. Unsere Küstenbattcrien zivangen die Schiffe sich zu entfernen. Die Bcschiestung hat weder Opfer gefordert noch Schaden verursacht. Au der DotinU bei Rüsischuk und Svistow beiderseitiges AttlÜeriefeNer. die feinölichen Heeresberichte. Ter französische Tagesbericht. B o m L. November Ii a ci> m i t i a g s. fW. T. B.) Nord« liK dK Semme setziSU die ManzosM trötz des uUhnl!e»S schtechien Wetters im Lmlle der Nacht ihre Forlschrine zwischen Lesboeufs und Sailly-Saillae! fori. Sie bcfcsNgien dos eroberte Gelände, UähMeN Inebrere Sliitzpunkie und zersiärte» iNnlchinengeivchrnestcr. IM Laufe dieser TStigkeN brächteu sie ISN GcsiMpene, darmi-et ackt Lsfiziete, ei», Ivsdinch sich die Zahl dtt seit grsler» M diesem«V- lchitiit gefaiigen geNvinnielren DeiascheU»uf kiLö erhöht. Aus dem rechten MaaSUfer verhältnismäßig ruhige Nacht, Bon der ribrigen Front ist»icins zu melden. OribNtarMeei Wo» der SttuMa bis ZUM Dtärdar ist nichts zu»iciden außer kiber zieiNtich lebhafieit Kaitöiiade, besöNderü im Abschnitt des DojrMilees. Fn der Genend der llellia wiesen die Setocn mehrere bulgarische Gegeiiängriffe zMkick und erzielten neue Fortschritte, lööber sie ihren Hehnern siihtvärS Aetlüsie beibrachten unb GesangeitS Mächten. Auf dem linkcll staltzöflschs» Ftiiget gkoße beidttieitige ÄrtillerietilNgkeit. Fliigwesen! Trotz des Nebels Mid der Siitrme auf dem größte» Teils bek Ftöiit lväreit die stänzösische» giigdgeschlväder gestern sehr lätig. An der Sommc hat Feldwebei Tärasco» bei Morstains sein 7. Flugzeug abgeschossen. Ciii Dreisitzer brachte am gleichen Tage zwei Deutsche bei Metz-eU-lloUiUre und beim St OUeplinberge zum Absturz. J» der Gegend von Berdu» wurde ein denlsche» Flugzeug bei Stogevillö-en-Woevre durch den Flieger Sahabet abgeschosse». Dies ist seist ö. ItstgzeUg. Ein sraiizöstsches Geschwäßet gtiff bei AsältneS bSiiische!Z>tfäIiietlekö!oli»Sn Mit Mä- schinendewehte» a»»»b vet Evnstmis»l>b Stangiemies Elseiibäbn- zuge.'gm Elsaß tzal ei» stkanjose biee beilische Fi»gze»ge än- gejjtiffeu»itb eines va» nmen bel Äickikch abgeschosie,,. B o»i L. N v v e m b e e a v e n v s. Nördlich vv» der Sonime hat eine n»i NächMinag zlvischen Lesbenfs ilni� Hmtltz-Satliisel dmchgefiihrie Lperaiion uns einen schätzbareil Getändegcwiini und 300 GSiängßilli zst de».seit gesierii gemachten eiiigebrachii die Stiiniiie der in diesem Äbschstiit gcmrichidn Gefäitgelie» beitggt 736, dätlimer SO LsstjiSkk, auch habe» wir cilua zeh» Wlaschisteitgeivehre gcnöniMSiI. B e l g i s ch e t Birichti Bö» der b-tgtsche» gtvtit ist Nichts zu inetden. Tie ensttischs Meldst, Ig. B v»i ll. R ö v e m o e k» ö ch m i t t ä g S. jÄ. t, B.) Genetat Häig meldet, dätz»achlß schwerer mege» fiel- «VI» S. St ö v e m v e r n best d 9. fliä. T. B.s Der Feind be- schoß unsere Froili bti Hebutcrue und Arlas, ltii'cre Artillerie war lürig südlich von AriiienNbres und nörblich VV» jR'mi. linscre Flugzeuge beschossen gestern eine Anzahl feindlicher Baltekie». Tee russische Krtegsbeticht. Vom 2i N o v e»l b e t. lW. T. iv.) Westfront: AM Stochoo, ist de» Gegenden von Witonicz und der stotonicn von Michailowka und Alexandrowla wird gekämpft. Wir schlugen die ersten Angriff« des Gegners auf Witonicz und die Höhest südlich davon ab, über NM 3 Uhr nachmittags unternahm der Gegvee»ach einem Trominclseuce einen neuen Angriff und bemöchttgie sich unserer vorgeschobenen Grüben, die auf dem West- user des Slochod. in der Grgend von Wiloniez und wetler südlich einen vorspringenden Winkel bildeten. Am ön. ektobek wurde der tapfere Plonier-Obetleutnaut Pozdniak schwer verletzt. Er starb ku» daraus, gu deit Waldkatpnlheu griff der Feiud in der Gegend westlich des Käpuiberges die Stellungen eines unserer Regimenter an und drängte es eist wenig zurück. Et wurde aber daräuf mit Hilfe von herbeigecllien Berflürkungeu zurückgeschlagen. K a U i a s U S f t o N ti gst der Gegend von Sakkiz griffen unsere Äbteilungcn im Tuie� des Tatava-Chalfa die Türken an, die eine de» festigte Siellung aus den drcsss Tat beherrschenden Höhen inne- hatten. Tie Türken liehen tk? Toie auf Mm Plah. tüUMIcii die Stellung und zogen siq in aller Site zurück. In der Gegend von Bidjar lieferten wir den an Zahl Mrtiegenen feindlicheil Streit» kräftcn den ganz«» Tag eine» erbittertest Kampf- llnserü Truppen zöge» sich auf das Torf Bianli und SchiriN-BUtag zurück. Rumänische Front! An der siebenbürgischen Front über- siel eine kleine rumüiilsche Abteiluna an den Quellen des Zcswehan» stusses bei Brniorea, lld Werst südöstlich von Kronstadt, den Feind und schlug ihn zurück, wobei sie ihm schwere Verluste zufttgic, Ge» fangend machte,«in Maschinengewehr und eine» Scheinwerfer er» beutele. Hm Tals der Alt dauern die Kämpfe an, Km Hiutals setzen wir die Verfölgung des Feindes fort, Boll der DobrUdscha» srout ist nichts zu melden außer Gefechten zwischen ErtUtrdungs» abteilunge». Meldung der itailenischrn Heeresleitung. Vom v. November. fW. T.«.) An der Frsut der ilikische» Alpen gtissen gestern tagsüber unsere Truppen stalle seind- tiche Berreibigungsanlag?» auf den Höhen östlich von G ö r z und neue Linien mehrfacher Gräben östlich vs» Ballons g». Auf dem Karst rlsieli ni» Borinitiag Artillerie und Wineuwetter durch besiiges Vernichtungsseuer große Lücken m die feindliche Lüne. ltM 1t llhc wurde unsere Jnsanlerie zuni SiUtM ailgesetzt� Fu der Gegend von Gbrz eroberten wir trotz großer Schwierig- teilen des Geländes, das durch den letzte» siegen iUiNpstg geworden war. und irotz des hartnäckigen Widerstandes des Gegners aus» gedehnte Gräben arck den Westhängen des Tivoli und A. Marco und aus den Höhen im Osten des sober. Auf dem Karst nahmen die tapferen Truppen des tt. Arnteekorps NU AtNrM biß steile», bewawete» Kämme des Beliki Mrihaw iHöhe Sw) rnid der Hübe 676, bststw davon den Berg Perina mm die Spitze der Höge 30« östlich von ihm. Sie gingen bis etwa ein Kilometer östlich bau Segeti im Sude» der Straße Oppaechiasella--- Kostanjevita vor.«ins'siarts sstudlieh» Llnis wurde an mrhreren Stellen überschritten und später gegen hartnäckige feindliche Gegen» angriffe geholten. Während des Tages niachten wir 4731 Gefangene, darunier 133 Offiziere, und erbeuleien zwei Batterie» von 10,S KeNtimeiet- Gzichiisjeii, jede aus drei Geschützen be» stehend, aunerdem MafchiNengeivehre, zahlreiche Tiere und Kriegs- Material aller Att. Feindliche Flugzeuge warfen Bomben auf einige Orte des unteren Jsonzo ob. ZU Pieris wurde» ein Soldat getötet, ein Stabsarzt Und vier Soldoie» verwundet, alle gehören dem Noten Kreuz an. Ein starke? Geschwader von 16 llapreni- stugzeugen, begleitet von Rieuports, belegte feindliche Lager im Fkigidoläle Mit Boniöen. Es wurden biet zwei Tonnen Spreng- stoffe abgeworfen. Trotz des FcuerS zahlrescher Abwchrbatlerien und der Angriffe feindlicher Flieger kehrten die kühnen Flieger alle unverletzt zri ihren Lögern zurück. C a d 0 r n a. Oer rumänische Bericht. V o m 2. N ö v e m b e r. sW. T. B.) Nord- im d Nordwe st front. An der Ostgrenze der Moldau und bis nach Predeal ist die Lage unveränderr. Im Tale von Prahova hat der Kamps beinahe den ganzen Tag über an- gedauert: wir haben den Feind durch Gegenangriffe zurückgcworsen. In der Gegend von Dragoslavle haben wir einen Angriff des Feindes abgewiesen. Oesllich von Alt dauert der Kampf fort. Westlich von! Zill ietzteli wir dir BetfdlgUNg des Feindes forr: wir haben viele Mirititionswageii und eine Menge Kriegsmaterial «rbrntet. S ü d s r o» t. Di« Lage ist unverändert. Eine französische Zalschmelöung. Amtlich. Berlin, 3. November.(W. T. B.) Eissel- türm meldet am 2. 11., 4 Uhr nachmittags, de» Abschuß von fünf deutschen Flugzeugen durch französische Kampfflieger. Tatsache- Wlr verlsten weöek ßnl 1. Uöch am 2. 11. ein glUgjsuS.___ Ein öunkier voefaU. Armecobcrkoinmando Falkenhahn, 29. Oktober. Am 27. September, mitten in den Kämpfen der Bayern gegen die rückflutenden rumänischen Truppen im Roteuturni- paß, traf der Leutnant H. in den Wäldern östlich der Bahn- statipn Ruit Vadului 15— teils verwundete— Infanteristen, ditz ihttt bie Melbiinst von einer uuekhötteff Bluttat öer Nu- mäneu machte». Der Leutnant nahm auf Gtuub der Aus- sagen dieser Leute, die an diesem Vötfall direkt beteiligt waren, ein Protokoll auf und etstattete übet deck Vorfall an sein Regiment folgende Meldung: „Ein zirka 59 MaUU starker Teil der.,. Kompagnie des Jnfantetieteglmeuks... hätte aM 20. OepteiUber 19i6 nachmittags die südlich der Eisenbahnbrücke am NotenturMvvß ge- legenen Hällsek etstütmk, Uiiitzte sich aber gegen Abend, da starke feindliche Kräfte väN Nptden nud Süden im Anmarsch Maren. aus den Häusern zukllckzjehen und den westlich des Bahudmums gelegenen stellen Höheurnud besetzen. Bei Elubrnch der Tunkelheil etsalgle plötzlich ein Angrifs feltenZ der RuntSnen von der oberhalb unserer Stellung gelegenen Höhe. Gleich- zeitig ging der Gegner aus den Häusern sowie aus der Rich- tnng des EisenbahntuUnels vor, so daß es ihm gelang, 37 Mann gefangen zN nehiNen- Die Gefangenen wurden am Bahndamm gesammelt, dort völlständia von den rumänischen Svldäkeu aNsgepliindert tlNd mit ttolbeilstößen nlißhandelt. Nachdem sie znächst in et» ZiMMer eingesperrt waren, wurden sie gegen 3 Uhr nachmittags ans der Ztraste in Richtung HetMntlNstM abttansvöttiert, plötzlich aber wieder in die er- wähnleu Häüser zittückgebrachk, und dltrch einen höheten Offizier verhört. Riimänlsche Söldaten dedrohlen die Ge- fangenen fortwährend und erklärten, daß sie— die Gefangenen— die schweren Verluste, die wir ihnen bei der Er- stürmung der Häuser beigebracht hätten, teuer bezahlen müßten. El Ii rnmäilischer Feldwebel erzählte, daß zirka 500 Meter nördlich der Brücke lö0 bis aöo rumänisch« Gefallene begraben Korden seien. Am 27. September 1910 gegen 9 Uhr vormittags wurden die Gefangenen in GruppenkoloNNe auf ein hinter den Häusern gelegenes Klesfeld neben deist Flußbett geführt, wo Unteroffizier Sch. de» Beföhl erhielt, in Linie einschwenken zu lassen. Ehe noch der Befehl zur Ausführung gelangt war. gaben die rumänischen Zolbaien Unter dem Kommando eines älteren Offlzlers Ci» regelloses Schützenfeuer auf die wehrlos dastehenden Gefangenen ab. Fast gleichzeitig setzte an un- sereni linken Flügeh ein Maschinengewehr ein, das die Ru- mänen zu kopfloser Flucht aus das jenseitige User des Flusses veranlaßlö. Von den Gefangenen blieben 19 Mann sofort tot am Platze liegen, 12 Mann so schwer verwundet, daß sie sicki nicht mehr erheben konnten. 7 Leichtvertonndele und 3 Unver- wnndete, die sich bei de» ersten Schüssen sofort hingeworfen und zirka 1 Stunde lang liegengeblieben waren, sprangen, ohne vom Gegner belästigt zri werden, ans den Bahndamm zurück itNd aus den von der Kompagnie besetzten Höhenrand. Dort konnten sie sich noch teilweise mit den zurückgelassenen Ans- rüstnngsgegenständcn versehen. Wotans sie den Grenzfluß Capra Sece entlang den Wettermarsch zur Kompagnie antraten. Hierbel stießen sie nach meyrstllndigem Marsche auf Leutnant H. Der Offizier, der den Befehl zur Erschießung gegeben hatte, sprach delitsch und wird beschrieben: schmales Gesicht, blasse Gesichtsfarbe, blonder Schnurrvart, Größe zirka j,3v Meter. Er gehörte dem ä9- Regiment an. Als Zeugen des Vorfalls werde» genannt: folgt Ramens- liste der Beteiligten." Dieser unerhörte Vorfall wurde Gegenstand längerer, mit petnlichster Gewissenhnftlgkeit geführter Untersuchungen. Da- >ei wurden di�rch. Divisionsgeticht auch alle dteientaen Per- onen vernommen, die die Leichen jener im Ftnßbett Ge- öteten gesehen hatten. Von diesen Aussagen, die mir lin Ortginai vorliegen, sind folgende die wichtigsten! Aussage des vereidigten Feldgeistlichen Pfarrer L. „Am 4 Oktober 1010 kam ich gegen Abend an die Babn- statioi, Rinl Badulut. um dort die Truppen zu besuchen. 4-a ich in der Nähe des Bahnhofsgebäudes mehrere LeickWn von Mannschaften des Regiments... liegen sah, veranlaßte ich den Leutnant H., den ich am Bahnhos traf, daß er für die Be- erdigung der Leichen sorge. Von einem Mann wurde ich darauf ousmerksaiii gemacht, dag hinter dem Bahnhofsgebäude noch eine Leiche liege. Die Hände dleses Toten waren auf der Brust mit elnetit derben Strick geknebelt. Am linken Ellenbogen sand ich ein Loch im Aermel, welches mlt Blut umgeben war. und als ich dem Toten den linken Arm in die Höhe hob. zeigte sich an der entsprechenden Stelle auf der linken Brustseite ein dunkel aesärbter Einschuß. Der Feld- rock war geöffnet, Geld und Wertsachen fanden sich nicht bei der Leiche, dagegen die Erkennungsmarke. Es war ein Mann der.. Kompagnie ans... Bei keiner der Leichen, die ich an diesem und am anderen Morgen beerdigte, fanden sich mehr Geld und Wertgegenstände vor. Von einer weiß ich bestimmt. dost die ttljrfctte sewaMam avgertssm»ot. SS Peffttib sich nur mehr der Ring unv ein paar(Sliedek otu Hosmbund. Schübe hatte keiner der Leute mehr. Am 7. Oktober wurde ich tclegraphisch durch LeUtttäNt D. uach Niul Vadnlui gerufen, um dort eine Beerdigung vötzu« nehmen. Als�ich ankam, war düs Grab bereits fertig. Da- neben lagen 15 Mann vom Infanterieregiment.. darunter ein Krankenträger. Alle hatten, soweit ich mich erinnere, Kopfschusse. Bei einer war die linke Schädclhälste offenbar dmch einen wuchtigen Schlag zertrümmert... �ch glaube nicht, dafe die Berlehung eine SchUtzverletzUng War. Auch bei �wei anderen Leichen glaubte ich Berlebungen feststeUcit zu können, die nicht von Schlissen herrührten. Leutnant D. zeigte mir noch die Stelle unterhalb der Station, wo auf einer Sandbank die 15 Leichen Nebeneinander gefunden worden waren. Rur eine trug noch Betgschuhe. Von den änderen hatte» Mehrere auch keine Stkllmpfe mehr an." Aussage des vereidigten Leutnants A. „Sfm 6. Oktober Ißlö vormittags fand ich etwa 100 Meter südlich des Bahnhofs Riul Vadnlui auf einer Sandbank int Altflust 15 Leichen von Angehörigen des Jnfanterieregi« mcnts..., die auf einem Haufen zusammengetragen lagen, so dast ich den Eindruck gewann, als ob die Leute hier alle auf dieser Stelle zusammen aufgesirllt und dann von der Pafjstrahe aus zusammengeschossen wotden seien. Tie Leute waren alle obne Waffen, einige Brotbeutel UNd VatkoneN- taschen lagen dabei. Ach hatte keineswegs den Eindruck, als ob die Leute etwa im Kampfe überrascht worden wären, denn die Stelle, auf der ihre Leichen gefunden wurden, kam für eine Kampfhandlung überhaupt nicht in Betracht. Ich lieg durch Assistenzart Tr. Sch. die VerwNNöiingcn der Leute fest- stellen und dann die Leichen zm» Stationsgebäude schaffen." Aussage des vereidigten Usslstenzarztes Tr. Tckp „Ich bin am 6. Oktober vormittags Mit Leutnant T. nnd Leutnant W. auf die Sandbank ellva 100 Meter südlich des Stationsgebäudes iftlltl Badului gegangen und habe darf die Leichen besichtigt. Es lagen 12 MaNN LctNz dicht auf eineM Haufen. Zwei lagen etwas näher der stkahe, so das; ich den Eindruck hatte, als ob sie noch ini lehten Augenblick hatten weglansen wollen, Tie Leute waren alle ohne Westen, hatten nur Brotbeute!»Nd Kochgeschirr,� aber nicht unigeschnallt. Einer der Leute hatte noch die weihe Binde mit dein Noten Kreuz am Arm... So, wie die Leichen onf der Sandbank lagen, muhten die Leute vorher dokt aufgestellt oder zu- sammengetrieben und dann aus geringer Entfernung nieder- geknallt sein...." Aussäge des vereidigten Leutnants Rertllehk« H. „Ach habe NM 4. Oktober in nächster Nähe des StätionS- gebälides in Ninl Badnliii die Leiche eines Angehürigen des Insanterleregimenis... liegen sehen, bei welcher die Hände mit einem Strick vor dem Leib geknebelt wären, und zwar so fest, dah der.Strick in das fleisch schnitt," Tr, Adolph K o st I r, Kriegsberichterstatter. vom �.-Sost-Krieg. vendö«, 3. Nsbemver. t. s).Msyde" meldet! De? Fisch- damvfer„ Aetlie� ist veisenit llokde». Hie vesatzung ist ge- retlkt. Ferner wurven die Ii-kwegischen Ssmvser .Delta- töibg Vr. N. T.) und»Zrvmp' A7öt Sr. vi. t.) versenkt, Lontum, St. Dltober. lW. V i DI, VliUter melveNI väS Schiff. ZUMSYU' aus Sau Sebastiuu ist gesunken. Ein Dianu wurde gerctlct. Der Fischdampfcr.Arethusa"(1TI Br. 9t. S.) ist gesunken. Die Besatzung wurd, gSriitet. Ter bciiiscbe DaiUpser. H a t» Ni i t'<21500 LoüNens ist gestrandet, ebenso der Füchdainpfer»GIrd Edith-, Kristiania, 3. AoveUibet.t das MiUlstö- riunr de» sleuher» ist der Norwegische D S rn p s e r»Delta' (3193 Brutto- NiegiftetioNUeist delscUkt Wörde», seilte Btannschast ist gerettet. Bergen» L. Novemver. kW. T. B.) Nach.Bergen? Nskenblad' ist der englische Dampfer.Brenly- aus Hull 20 Gcrineilen westlich Von der MliUduug des SognefjordS versenkt, seine Besatzung van 18 Mann von einem uorivegischc» Dampfer ausgenommen und gelandet worden. Athen, Ö. November.,p St. Bittcent versenkt. Ter Kommandant des Untericeboots soll den» norwegische» kiapilÜN erllätt baven, er habe Befehl, a l l ö S ch i f f«, die er antreffe, ohne Alliksicht aus ihr« Naiioiialiini zu versenken und nur spanische tchlffe zu schonen. Die dem tt o m UI ü n d a N i e U z ti g e I äi r I k b«» e A e u h e r u n g i st so Unsinnig, tah diese Nachricht einer disoitdrrcn Wider- legung Nicht bedarf.__ � Englische Darstellung des letzten deutschen Vorstoßes im Kanal. London, 2. November.(SU. T. B-) Amtlich. Die Admi- roli tat teilt mit! Der n i e d e r l n nv i fch r Dampfer .Olbambt" ist Mittwoch Nacht VOM Frittde ilt der Nähe de» Noowdinder Feuerschiffes aufgebracht wordr». Es wurde ein« Prisciibefaguitg au Bord gebracht und das schiff sollte nach Zre- vrügge geführt werden, als es am Tounerowg g-geu Tagesanbruch va!i einiae» unserer leichten Patröuillcnfahrzeugs eiitgehslt wurde. Die Prisenbesatzung vcr, Uchte das Schiff in die Luft zu sprengen und ging in die Boote, ebenso die eigene Besatzung der„Oldambt". Die Priscnbcsavung. bestelieird aus einem Lsfizier und neun Mann, wurde eingeholt und zu Gefangene» gewacht. Da» Schiff wurde voll«incin unserer Fahrzeuge in» Schlepptau genommen. Fünf deutsche Zerstörer, die hinzukaiitc». vermutlich um die Prise in den Hafen zu geleiten, wurden augegriffc» und sofort in die Flucht ge- schlagen..Tldninlst" wurde fünf Stunde» laug di» sechs Meile» vor Hock va» Holland geschleppt, wo sie von einem holländischen Schlepper übernommen wurde. «kntDüsisims für ein»erseiÄtes dänisches Schiff. Kopenhagen, L. November.(W. T. B.) Do» Bureau Nitzau meldet! Der dänische Schoner„Proeven* von Morstat wurde am 12.»prll von einem dentschen O-Stort verienkk, well er angeblich mit englischc» Zkriegdschlsfeu Lichtsigual» wechirlte. Da indesteii den«udiagen der Momtfchaft gegenüber et», BelveiSfühlUNg Ni-bt Möglich war. erilärie di, deutsche A» g l t r u n g sich bereit. Schadenersatz zu llisten. Ein zweiter»Süralong� Zall. Berlin, ll. November.(W. T. Bö Jloch bat sich die Empörung über die Scheustkichkeit des Baralöltg-Mordes nicht gelegt. Und schon Wieder Mutz dem deutschrn Belke Nachricht von einem ähnlichen Bcrbtecheti gegeSeu werde», dessen sich England Und seine Seestreitkräfte schuldig gemacht haben. Ein deutscher aus England In die Schweiz übergeführter Offizier hat folgendes berlchiet: Das deutsche llnterseeboot.,11 41" hat am 24. September 1010 in der Nähe der Scillh-sknseln einen Dampfer unter amen- kanischer Flagge angehalten. Während der Dampfer stoppte and anscheiaead Aastutten traf, ein Boot zu Wasser zu lassen, lief das U-Boot bis auf eine Entfernung von etwa 300 Meter an den Dampfer heran. In diesem ANgeitblick klappte der Dampfer plötzlich an zwei Stellen die Neeliug herunter, eröffnete aus zwei Schiffsgeschiitzen das Feuer auf das U-Boot und bcschotz es nutzer- dem aus zahlreichen Gewehren. Das alles geschah bei wehender amerikanischer Flagge! Das U-Boot, das schivet getroffen worden war. ging zunächst unter, jedoch gelang es ihm, Nach kurzer gelt wieder aU die Oberfläche zu kommen. Durch ein jetzt geöffnetes Lut konnten gerade noch der OderleUtnaNt zur See Eromptotl und der Stcuerwann Godau aus dem Boot hrtanskömmen, als es zum zweiten Mate Und nun für immer in der See versank. Trotz schwerer Bcrwnnbnng des ersteren gelang es ihm wie auch dem Steuermann, sich schwimmend zu halten, auch Nach einiger gcit ein wer In det Näbe treibendes Boot zu erreichen und zu de- steigen. Der Dampfet, der dies bemerkt hatte, k-htte nun zurück und hielt mit hoher Fahrt recht auf das Boot zu, avee nicht etwa, wie man hätte annehmen sollen, um die beiden hilftösen Schiff- brüchigen zu ketten, sondern um das Böot zu rammen. Zu diesem Zweck war sogar vorn auf der Back ein Mann aufgestellt, der die nötigen Jkniveisungen für das Stenern zur KommaNSöbrücke hinauf- rief. Kurz Veöor das Boot getroffen wurde, sprangen die Schiff- brüchigen in die Bugwellen des rammenden Schiffes und es gelang ihnen, sich später an den Trümmern des Bootes festzuhalten. Erst nachdem sie wieder über eine halbe Stunde im Wasser gelegen hatten, kehrte der Dampfer in ihre Nähe zurück und nahm sie nunmehr auf. An Deck ließ sich aber kein Offizier blicken, Anstatt dem verwun- deten Oberleutnant, der eilten doppelten Meferbruch, einen Schutz an der linken Schläfe, eine fingerbreite Wunde Mit 3 Splittern in Nase und Backe, sowie ein zerschossenes Auge bei der Beschießung des U-Bootes davongetragen hatte, Hilfe zu leisten» wurden die beiden Geretteten erbarmungslos in einen Dcckberschlag eingesperrt, der elwa� 1 Meter hoch und 2 Meter lang und vorne mit EiseNstäben ahgeschlosseu war. Hier muhten sie verbleiben bis zu ihrer Ankunft ist Falmouth am 20. Scpteniber Ivlä, Erst dort Ivurde dent Ber- WUndeteN die erste ärztliche Hilfe züteil. Soweit zunächst der Bericht. Als seinerzeit die englische lstegieruNg durch Gegenmaßnahmen döt deutschen Negierung gezwungen war, seil in englische Hände ge- fallenen deutschen U-Bootbesatznngen eine einigermaßen menschliche Behandlung angedcihen zu lassen, wußten bald darauf die Zeitungen zu berichten, daß die englische Regierung, um diesem Zwang anZ dem Wege zu gehen, den Befehl gegeben hatte, keine deutschen u-Boatleute mehr zu reiten, sondern sie tn IhreM versenkten Boote fo lange auf dem Grunde des Meeres zu tassen, bis man annehmen könnte, daß sie tot seien. Damals sträubte sich noch jedes mensch- liche Gefühl dagegen, an den Erlaß eines solchen Befehls zu glauben. Als dann aber die englische Negierung sich unter Ausflüchten schützend vor die„Varakong"-Mörder stellte und sich weigerte, sie bot Gericht zu ziehen, wurde unwillkürlich der Gedanke an die Zeitungsmeldun- gen und den angebliche» englischen Befehl wieder wach. Man fragte sich, weigert sich die englische Regierung etwa deshalb. Weil die„Ba- ratong"-Mötder nur auf Beseht gehandelt hatten und daher auch nicht von der englischen ssiegiernng bestraft werden konnten? Slber auch damals noch wies man diesen Verdacht von sich, obgleich kühle Ueberlegung uns hätte sagen müssen, daß solche Befehle van selten eines England durchaus nicht uninügüch sind, daß int Burenkriege Zehntausende von grauen und Kindern erbarmungstos zu Tode gehungert Und daß tn diesem Kriege in unseren Kolanicn den Schwarzen Kopfpretse für deutsche Staatsangehörige gezahlt hat. Der..Baratong"-Mord und das eben mltgeteitte neue Verbrechen lagen kaum einen Monat auseinander. Beide Untaten gleichen ein- ander sehr. SCie schlecht das Gewissen der englischen Regierung in diesent.gälte ist. geht daraus hervor, daß sie das Bekanntwerden dicier Schentzlichkeit auch mit den verwerflichsten Mitteln zu der- hindern sucht. � Dies ist ihr trotzdem nicht gelungen. Der Bericht des deutschen Offiziers sagt dann weiter! Erst am 29. September 1915 wurden die beiden Geretteten, deklei-det nur mit Hemd und Unterhose und unter starker Bedeckung» an Land in ein Hospiz befördert. Um am 6. Oktober»ach Plymouth und am 10. Oktober dortselbst in ein Hospiz übergeführt zu werden. Bon Plymouth wieder wurden sie am 0. Nobember nach Uork Castle ins dortige Militärgcfängnis zusammen in einen Raum ge- bracht. Am 13. Dezember 1915 wurde schiießlicki der verwundete Offizier mit noch offenen Wunden nach DufftyN Sllled Übergeführt. Ter dortige Lagcrarzt schlug später vor, de» Osfiztcr wegen der Schwere seiner Verwundung(das andere SlUge war in Gefahr) zur SlUöliefekUNg Nach der Schivciz zU schicken. Bon der ersten unter- suchenden Schweizer Zlerztekoininissivii wurde er auch ültgeuommen, ebenso bei der Hauptuntersuchung von anderen Schweizer Acrzten. Trotzdem legte der englische Generalarzt ein Veto ein und der Vcr- wundcte mußte in England zurückbleiben. Hinzuzufügen ist noch, daß Oberleutnant zur See Crompton vskschiedentl'.ch vötsncht hat, über die amertkaniiche Botschaft in London au die deutsche ittenie- rung zu berichten, daß seine Berichte aber bei der deutschen Re» gierung nicht rliigelausen find. Nachdem also der englischen Negierung nicht gelungen ist, den verlvundeten Oberleutnant an seinen Wunden sterben zu lassen, NM so den Hauptzeugcn zu beseitigen, sucht sie Ihn wenigstens für die Dauer des KriegcS sür die Oeffcutlichkeit ohne Rücksicht auf seinen Zustand unschädlich zu Machen. iF» diesen Tatsachen ist nicht Nur das Eingeständnis der Wahrheit des Berichteten zu finden, sondern auch Pas schlechte Gewissen der augeblich für Kultur und Menschlichkeit kämpfenden eiigüschen Regierung. Der Kommandant des Unierseedootes ,.1t. 41" war Kapitünleutnant Hansen, einer der tapfersten und bewährtesten IlnterscebootskoMmaudailten der denk- scheu Marine. Der öeutsch-sranzö'jzsche Verwunüeten» austvusch. Konstanz, 2. November.(W. T. B.) Mit dem 20. November wird der Austausch Schwerverwundeter zwischen Deutschland und Frankreich wieder aufgenommen. Zu- gleich sollen wieder erholungsbedürftige Offiziere und Soldaten von Frankreich. England und Deutschland, die von einer Schweizer Aerztckomutisston untersucht sind, als Internierte nach der Schweiz kommen. Estiaeschlossen sollen diesmal auch österreichische Zivil« Internierte tn Frankreich werden, falls sie noch rechtzeitig von der schweizerischen Aerztekommission zu erreiche» sind, grankretch hat seine Zustimmung dazu gegeben. Eine iinMahMdnüche Mlöung. Hamburg, 2. November.(Sö. T. B.) Bor einigen Tagen ging diircki die Presse eine Notiz der..Baseler Nachrichten", daß die letzten Rücktran sparte deutscher Kriegsgefangener aus S i b t r t e n gegenwärtig stattfanden und daß im November keine KriegsgesangciU'U mehr in Sibirien sein würden. Der Slusschuß ftir deutsche Kriegsgefangene des Hamburgischen Landesvereins vom Noten Kreuz teilt hierzu mit. daß nach seinem Erachten diese Nach- richt nicht den Talsachen entspricht, da sowohl Mitteilungen von Ge- saiigenen selbst, als auch sonstige au- Nußiand ctntrcfsende Berichte sie als höchst unwahrscheinlich hinstellen. Die 5ebensmittelnot in Rußlanü. London, 2. November.(W. T. B.) Tic„Times" bringt einen Bericht aus Petersburg, wonach die Lebensmittelkrise täglich größeren Umfang annimmt. Tie Beratungen in der gestrigen Sitzung der BudgetkaMMissiöN ließen keinen Zweifel über den Ernst der Lage übrig. Verschiedene Redner wissen auf die Not- wenLigkcit hin, sofort kraftige Maßnahme» im ijnteresse der arbeitenden Klassen zu srgreisen, wenn nian die allerbedrohlichsten Folgen vermeiden wolle. Die Lage des Ar- vetterst an des sVi U'ri haltbar geworden, da die Leute keine Lebensmittel mehr erhalten, ohne täglich stundenlang vor den Geschäften zu warten. Die Kommission war sich darüber einig, daß die Regelung der Lebenstnittelfrags in die Hände eines bestimmten Ministeriums gelegt werden müsse, die Mehrheit war aber bezeichnenderweise dagegen, das MinistcriüiN des Innern Mit dieser Ans- gäbe zu Lsttauen. Mitjukof sagte, daß dieses Ministerium steis bereit sei, sich itt solchen Fragen von politischen ErivägNNgen leiten zu lassen. Der fortschrittliche Block hat eine Entschließung tn diesem Sinne angcnöinMeN und darauf gedrungen. H ö ch st p r e i s e für die Ivichttgsten Lebensmittel festzusetzen und die Scntstwos, die Handels- kümmern und die öffentlichen Körperschaften Mit dctll Verkälts, dem Transpott und der Verieilung der Lcbensmiltel zu betrauen. Die Kommission beschloß Ntit großer Mehrheit, daß es iiotivendig sei, Höchstpreise sür Gcttcidc, Schuhiverk, Textilwaren, Petroleum, Seife Und andere Artikel festzusetzen. Kriegswöustr� unö Kriegsprsstte» S.A. Die Pariser„Information" erörtert in ihrer Nummer vom 5. Oktober die„bejoNdecen BedtngNNgeN", die die Kitegsindusine beeinfinssett und einen ununterbrochenen Strom von Goiv in die Taschen der Kneg-Miesetmiicii leiten.„Der SchützeNgrabeiiktieg— schrieb das Blatt— bat gewaltige BesielliiNgen NN schwerer AitMiit notwendig gemacht. Die Ättwettd'ttttg der Stickgase bat daS Aniblührn eines ganzen ZtvcigcS der cvetnsichen Jndttstrie bewirkt. Die Regeinug des Slrttllcriennitptcs mit Hilfe von Flugzengeu bat die Tnilgikit der NtechaNischen und Flugzeugwerke verstärkt. Die ÄUSdehNtnig der Knegsoperaiioneit i»t OrteNt bewirit eine fiebcrhäfie Täiig« teil tn der TtichsabrikaUo». da KloiduUgssii'tcke ttotwendig sind, die den schrosfe» ktitttatischett llebergäugeu angepaßt sind." Nach diesen„besonderen." Bebingnngdn, die zu eiitettt Ausblühet'. bcr KrieyvindNstrie geführt höben, ichitdrrt das Blatt auch die„allgemeinen" VediUguNgeti, die die Höhe der KtiegsptvfUs tze» sttMmctt: „Der Prosit, den einige iinternehmitltgeN während des Krieges Und vom Kriegs einheimteN, bnUgi in erster Linie Vöii der Da»er deS Krieges ab. Je Niebr die mtinartlchRl, potiit« schen Und dtpioinattscheu gatiöteti de» Krieg tu die Lange ziehen. oesto Niehr AUsstchieN haben dte Äriegsbeirtebe, gtvne UUd einträgliche L t c so r N N g s a N f tft ä g p z» erhalten. sind umgekehrt: je naher der Friede heranrückt, desto inehr sind die Kriegsbetriebe, deren Disüsie tvcniger dringend wetden, ge- nötigt» sich mit weniger eitttrtigltchett LiescrmigSpreisen zu bescheiden. Im großen und g a u z e n st e l l t j e d s r K r i e g s- betrieb eine Spekulativ» aus eine lange Dauer des Krieges dar." Jtileressont sind aitch dte detatllierlen Anaabe» der„Jnsvrtnaiiöit" über die Deckung der Äniagekosteu vieler Kriegsvellieve. Schau vis erste«teserung. ichreibt das Bla». genügt, nm' die«nschnssnnastvttr» bcr Maschincil zu decke». Da aber die ittctsteu der für das MUItär- ressort arbeitenden Werke naa den letzten Erfotderttisten der Technik nusgerüstet sind, werden„viele Betriebe, die tett Begin» des Krieges tür die LattbcsvrrieidigNNg atdeUcn. neue Maschinerien besitze», Vit sie nichls aekssirt haben." siehnlich wie das gut unterrichiete Pariser Ocaan äußert sich über diese Frage auch das vau Prof. Miguliu ßerausgegevene russische Flnauiörgau..Nvwh ckkönomysi". Dieses den RcgistuttaS- kretseu nahestehende Okarm schreibt tu Nr. 34, daß„der Bau der neuen Fadriten, die für dte Landesverteidiguitg arbeiten, wie ihre Ausrüstung ntit Beikiebsnnüein in der Reget zum größten Teil auf Kösleu deS Militätresioris vörgenottiineu wird: in den Preis der besielüeu Erzeug Iii sie werden auch die AusrüsiUtigS» kosten dieser B e t l t e h e e l n g e s ch l a ss e n." ES wäre von beträchtlickeni Jnicresie, die liier mtgeschuittetieN Fragen auch in den anderen triegführenden LkiiberN z» Unter» suchen. Amerika unö öie englischen schwarzen Osten. Skcw Uorh 30. Oktober. Funtsptuch des BettketerS von W.T.B. Beim Staatsdepartement ist die britische Aniwvrt auf de» SNierika nischen Protest gegen dte schivarzett Listen eingegangen. Washingtoner Teiegtünune der„New Uort World" und anderer Blätter besagen, daß die Änlwörl vermutlich unbesriedigettd sei. Es wird gemeldet, daß die BSktissetUUchllrtg wahrscheintich Bis Nach der Wahl zurückgestellt werden wlld. Letzte Nachrichten. Trr Arbcrtsplnn des Ncichstngs. Verlin, ss. Nvveinbcr.(Ä. T. U.) Wie wir hören, wird der Sicichstäg drtt ihttl dorlicgcttdeU Arbeitsstoff tttvrgett er- ledigen ttttd sich darättf vevlügetl. Die itt Aussicht grnoittttiette Rede des Lteichskanzlörs wird infolgedessett tt c t» schoben werden. Der weltertogettde HätiplMsschng bietet deln Reichskanzler aber Gelegetthdit, tztwäigS Wichtige Mit- teilungött zu machen. Deutschet U-Voot-Angriff aus pvrtugiesischr Tamtzftr. Bern, 3. November.(W. T. B.) Nach eittcM TeiSgraniM de» „Temps" aus Lissabon sind au de» putngiesischen Küsten verschiedene Dampfer von einem deutschen U-Bööt angegriffen worden. Angehaltene hollündlsche Tämtzfek. Haag, 3, November.(W. T. B.) Das KorrespoNideiizbuleatt erfährt, Saß gleichzeitig mit der Anhallung SeS icioderläNdischSN Dampfer»..Oldambt" durch die Deutschen auch die Dnmpfer „!1i a ndwlj k",„B r u n S w< j k" und„N o o r d w l i k" angehaiten wurden.„Randmijk" Wunde sofort wieder freigelassen,„BruuS- wijk" nnd„Noordwijl" würben nach Zeebrügge ausgebracht und tnzwlschsn auch wieder freigelassen. Ueber de» Vorfall mit dem Dampfer»Oldambt" wird eine amtliche llnUtsüchung eiNgeleitSt werdew Deutsche Entschuldigung gegenüber Holland. Haag, 3. November.(W. T. B.j Dein Korrespondenzbureau wirb vom Mtnisleriuin des Acutzern mitgeieilt, daß See Sevoll- mächtigte Geschäftsträger des Deutschen Reiche» im Auftrage seiner Regierung deren BeBauer» utrd Entschrtldigung ausgcsrpochett hat, daß ein deutsches Luflschtsf am 92. Off- tobec über Iiiederländtsches Gedict geflogen ist. Der Geschäfts- träger teilte gleichzeitig auf Ersuchen des deutschen Große» Haupt» quartieks mit, daß die GMrtSverlctzUug durch einen Zeppelin der Armee gM�eheu fein Müsse, der Nach den beim Haupt- quartier elngeuoDznen Berichten infolge eines Schadens am Motor und an der Stcuereinvichtung gezwungen gewesen sei, zwei Benzinbehälter auszuwerfen. Der Koiniiwndant des LnftschtsseS. der offenbar ganz falsch orientiert gewesen sei, habe geiNclSet, daß dieses über belgischen! Gebiet geschehen sei. DaS Große Haupt- quartier würde sich schon vorher entschuldigt haben, wenn cS sich bewußt gewesen wäre, dost das Luftschiff über niederläntdischcs Gebiet geflogen ist. Die Deutsche llicgicrung behält sich vor, das durch den niederländischen Gesandten gerichtete Erstich«»(wörtlich: Vervosü! zu beautwocten, sobald ihr die vollständigen Berichte Über den Porsall zugegangen sind. Gewerkschaftliches. S erlin und Umgcgenö. Die DrauZportarbciter im dritten Quartal. Dem GeschäftZ- Lericht, der am DanncrStag in der Generalversammlung des Trans- Portarbeilcr-Berbandes sBezirk Grosz-Berlin) erslatlet wurde, ist sol- gendes j;u entnehmen: Die Bezirksleitung hat es sich auch im dritten Ouartal angelegen sein lassen, die durch die Teuerungsverhältnisse verschlechterte Lage der Mitglieder nach Möglichkeit zu verbessern. Zu diesem Zweck wurden bei 17ll Firmen mit 18 845 Veschästigten Forderungen eingereicht. Von diesen erzielten 18 733 Beteiligte Lohnerhöhungen, die sich insgesamt aus 48 363 M. pro Woche hclausen. Die Speditionsarbeiter haben aufs neue eine Teuerungszulage von 3 M. wöchentlich erhallen und gleichzeitig ist ihr Tarif bis zum Sevlcnrber 1917 verlängert worden. Unter Hinzurechnung der früheren Teucrung-zulagcn haben die Speditionsarbeiier während der Kriegs ml insgesamt eine Zulage von 13.5(1 M. wöchenilich erlangt.— Diajjplgitalion für den Verband harte den Erfolg, dag 1295 Neuaufnahmen gemacht wurden. Trotz- dem ist der Mülgticderstand— zum großen Teil iniolge von Ein- berltfungen zum Heere— etwas zurückgegangen und zwar von 16 251 auf 15 856. Bon diesen sind 13 566 männliche, 676 jugendliche und 1614 weibliche Mitglieder.— Tie Lage des ArbeitSniarktes war günsiig. Die Zahl der Arbeitslosen war so gering, daß der Arbeitsnachweis nickt alle gemeldeten Stellen besetzen konnte. Im Laufe des Quartals ließen sich 1549 Arbeit- suchende einiragen. Gemeldet lvarcn 2991 feste und 858 Aushilfs- stellen. Besetzt wurden 1528 feste und 779 AuShilfsstellen. 821 Arbeitslose wurden für 1694 Tage mit 2361,49 M. unterstützt. Am Schluß des Quartals waren 37 Arbeitslose eingeschrieben.— Die Kasseuverhältnisse sind nicht ungünstig, wenn auch der Kassen- bestand etwas zurückgegangen ist, da unter den gegenwärtigen Um- ständen die Einnahmen nicht �im entsprechenden Verhältnis zu den Ausgaben stehen. Nach einer kurzen Besprechung deS Ecschästsbcrichts stimmte die Vcrsamntiung einem Antrage der Bezirksverwaltung zu, welcher sagt, dem Hcmptvorstand wird empfohlen, den Kricgerfrauen auch in diesem Jahre eine LLeihnackKsunterstützung zuzuwenden, deren Höhe der Hauptvorstand festsetzen soll. Zur ieilweiscn Ausbringung der Mitlel dieser Unterstützung gibt die Bezirksleitung Criramarken zu 59 und 25 Pf. ouS. Die männlichen Mitglieder haben mindestens eine 59 Pf.-, die weiblichen Mitglieder mindestens eine 25 Pf.- Marke zu entnehmen. Ausgenommen von diefer Pflicht sind die Zeitungsfrauen und die Frauen der im Felde stehenden Mitglieder. Zum Schluß wurde ein Bericht über die Kriegsbeschädigten- fürsorge gegeben, ans dem hervorgeht, daß sich die zu diesem Zweck abgeschlossene Arbeisägenjciinchaft gut bewährt hat. Vom November 1915 bis November 1916 haben sich 453 Kriegsbeschädigte um Arbeit beworben. 1899 Stellen waren gemeldet, davon wurden 373 besetzt. Stellungnahme der Kammarbciter zn einer weiteren Tcuerungsznlage. Eine gut besuchte Branchcnversammlung der Kamm- und Haar schmuckarbeiterund Arbeiterinnen vom Donners- tag nahm Stellung zur Erlangung einer weiteren Teuerungszulage. M a a ß referierte und der Brnnck.enwiter ergzinzte die Darlegungen. Schon im Jahre 1915 tvar die L>czanisation namens der Arbeiter und Arbeiterinnen der Branche an die Vereinigung der Kamm- und Haarschmucksabrikauten Ivegen Teuerungszulagen herangetreten. Der Beicheid war ein ausweichender. Man antwortete, die Zeit sei nicht passend; man wüßte nicht, ob nickt wegen Mangels an Material die Produktion eingestellt werden müßte. War so damals eine allgemeine Siegelung nicht möglich, so ging die Kvllegcnschaft doch bald dazu über, in' den einzelnen Betrieben die Erlangung einer Teucrungs- zutage zu erstreben. Es wurden dann auch verschiedentlich Zu- geständnisse gemacht, die in einzelnen Betrieben auch einigermaßen angemessen waren. Inzwischen aber bat die Teuerung erheblich zu- genommen und werter um sich gegriffen, so daß das Bewilligte durchaus nicht nichr als Ausgleich genügt. In einem Schreiben KlGDter1»- � H�ndharag. Kammgarne, Tuche, Cheviots, blau und farbig. Ulsterstoffe, Plüsch, Lammet. Moderne Kostüm- u. Rockstoffe. Taffte, Leiden, in schwarz und farbig, zu Kostümen, Mänteln, Kleidern u. Blusen. RicBcnanswahl i. Stoffen für Herron- und Knaben- Anzüge. Damen- Konfektion. Kostüme, Mäntel, RScko usw. in großer Auswahl, sehr mäßige Preise. Gediegene MaCanfcrligung. Paasi SCaHs, Warschauer Straße 18. H.Pfau, ®c!,,n Direksenstraße 20 zwischen Babnbos Alexaliderplatz und Polizeipräsidium.— Amt Kst. 8208. Für Damen Frauen-BoriKinang.* Liejerant für alle Krankenkassen M Lombar d'Hans *J( H. Grail, Leipzi»erst. 75 II S Volle normale Baleihung � Diskretion, Reellität E Gelegenheitskäufe H(wr n"H Uhren "E Brillanten bj Schmucksachen M|10— 5O0/a unter Ladenpreis. der OrkSderwallmig kst auch schon den Fadrllanten der Kamm- und Haarschmuckbranche unter Bezugnahme auf die letzte Errungen- ichaft in der Holzindustrie nahegelegt worden, ebenfalls 25 Prozent Teuerungszulage zu bewilligen.— Zwischen den Verdiensten und Löhnen in den verschiedenen Betrieben bestehen zum Teil recht er« heblicke Unterschiede. Es kommt deshalb auch bei der Durchführung der Forderung wesentlich mit darauf an, diejenigen, die schlechter gestellt sind, ganz besonders in ihren Lohnbezügen zu beben. Selbst unter den männlichen Kollegen gibt es noch Wochenlohnarbeiter mit Löhnen von nur 39 bis 85 M. Manche Arbeiterinnen haben noch den Irostloscn Lohn von 9 und 19 M.— Gegenüber den seinerzeit von den Unternehmern kundgegebenen Befürchtungen, das Roh- Material könnte ausbleiben, wurde festgestellt, daß noch genügend Rohmaterial vorhanden ist. Selbst Zelluloid haben die Fabri» tauten tu größeren Posten gekauft als früher. In 33 Be- trieben, die im November 1914 ihre Pforten wieder öffneten, ist bis jetzt immer voll zu tun gewesen. Und die Preise, die die Fabrikanten erzielten, sind immer höher geworden. Daraus ist zu ichließeu, daß sie den Wünschen der Arbeiter und Arbeiterinnen sehr wohl nachkommen können. In der Diskussion wurde allgemein die Notwendigkeit weiterer Teuerungszulagen betont. Ein Redner teilte mit, daß sein Arbeit- geber erklärt hätte, die Innung würde die 25 Proz. bewilligen, wenn alle vorgingen, Maaß erklärte darauf, daß er gleich am nächsten Tage niit dem Obermeister der Innung darüber Rücksprache nehmen werde. Einstimmig beschloß die Versammlung, die Organisation zu beauftragen, an jede einzelne Firma nochmals ein Schreiben zu richten und sie zu verständigen, daß ihre Arbeiter und Arbeiterinnen am nächstfolgenden Lohnzohliage, also in der nächsten Woche, die Antwort auf die Forderung der 25 Proz. erwarten. Natürlich soll die Kollegcnschast am fraglichen Lohnzahl- tage wegen der Antwort vorstellig werden. Inzwischen kann die Arbeiterschaft der � einzelnen Betriebe noch Werkstnitversammlungen abhalten. Darauf wird dann eine gemeinschaltliche Sitzung der Vertrauensleute und der Branchenkonimission stattfinden, um die Resultate festzustellen._ Deutsches Reich. Ein„Kricgslieferantenbrief". In der.Metallarbeiter-Zcitung� lesen wir: Wie sich aber in den Köpfen einzelner Unternehmer die Welt spiegelt, dasür ein bezeichnendes Beispiel. Hat da eine durch ihre niedrigen Löhne weit bekannte Firma einen Arbeiter zugewiesen erhalten, der im Felde so ziemlich sein ganzes Gehör verloren hat. Ter Mann, der verheiratet ist und sechs Kinder hat, verdiente den „horrerideit" Lohn von 5,00 M. den Tag. Eine andere Firma bot ihm nun die Stunde einen Verdienst von 1,39 M. Seine Firma lehnte cS ab, ihn zu entlassen und alS er aufhörte, wurde er wieder eingezogen. Die Firma, bei der er beschäftigt war, schrieb nun der Firma, die ihn zu einem anständigen Lohn beschästigen wollte, folgenden schönen Schreibebrief: Kaiserslautern, den 9. September 1916. Firma Ph. Br......., L.......... Ich habe die Mitteilung erhalten, daß Sie schon seit längerer Zeit sich bemühen, zu ganz wahnsinnigen Löhnen mir Leute" ab- spenstig zu machen. Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß ich Kriegslessel zu liefern habe und es in Kriegszeiten strafbar ist, wenn in solchen Füllen eine Firma der andern Leute abwendig zu machen sucht. Wenn ich weitere derartige Bemühungen Ihrerseits feststelle, werde ich dies ungesäumt dem Armeekorps tu Würzburg zur An- zeige bringen. Keiselsebiik Kaiserslautern Oskar Schimmelbufch. Gez. Herwegh. Ter Berichierstatter der„Metallarbeiter-Zestung" bemerkt dazu: Der Briefschreibcr scheint auch zur Sorte der �Kriegsneurastbcn- iker" zu gehören, sonst wäre es nicht mögRch, daß er solches Zeug zusammenschreibt. Seine»Drohung� wird aber wohl nicht allzu ernst genommen worden sein. Von uns wenigstens nicht. Denn wir haben seinen Brief im Wortlaut dem stcllv. Generalkommando de? kl. Bayerffchen Armeekorps mkkgeteM und zngkekch die Anfrage gestellt, ob nicht das Generalkommando auch die Ueberzeugung habe, daß der Briefschreiber nicht ganz normal zu sein scheine. Aber dieser eine Fall— von leider viel zu vielen— weist auch darauf hin, daß bei den stcllverlreteuden Generalkommandos oder bei den Bczirkskommandos versucht werden soll, eine andere, zweckentsprechendere Regelung solcher Fälle vorzunehmen. je) RuslanS. Aus den französischen Gewerkschaften. Weit über die Grenzen Frankreichs haben die Artikel deS Organs der französischen Metallarbeiter„Ldlnion des Mctaux", Beachtung gefunden, das als erstes französisches Arbeiterblatt mit der Propaganda des Internationalismus austrat. Dieses Organ, wie überhaupt der unier Merrheints Leitung stehende Metallarbeiter- verband, hat die heftigsten Anfeindungen seitens der Mehrheit der französischen Gewerkschaften erfahren. Schließlich wurde sogar, wie die„Soz. Ausl.-Corr." mitteilt, eine besondere Aktion gegen den Metallarbeiterverband eingeleitet.� Wie „Natschalo", das russische sozialistische Organ in Paris schreibt, fand am 7. Oktober eine außerordentliche Sitzuna des Consöderal- Comites statt, um die Frage zu erörtern, welche Maßnahmen gegen den Metallarbeiterverband ergriffen werden sollen, der in seinem Organ„LTInion des Metaux" angeblich eine„verleumderische Kampagne gegen die Mehrheit der Consederation General du Travgil"(Allgemeiner Arbeiterverband— entspricht der deutschen Generalkommission der Gewerkschaften) führe. Einige Delegierte verlangten sogar den Ausschluß des Metallarbeiter- Verbandes aus der C. G. T. Zwölf Delegierte, darunter auch die Vertreter des Metallarbeiterverbandes, verließen darauf die Sitzung._ Soziales. Die nicht heransgegeüene Jnvasideukart«. Die gesetzliche Bestimmung, daß dem Arbeiter bei Lösung des Arbeitsverhältnisses die vom Unternehmer verwahrte Jnvalidenkarte auszuhändigen ist, wird oft nicht beachtet. Es kommt deshalb häufig zu Prozessen vor dem Gewerbegericht, wo der Arbeiter Schadenersatz fordert, iveil er, ohne im Besitz seiner Jnvalidenkarte zu sein, keine Arbeit findet. Meist hau- delt es sich nur um einen Lohnausfall von zwei bis drei Tagen, den der Unternehmer, welcher die Zurückbehaltung der Jnvalidenkarte verschuldete, unweigerlich tragen muß. Unter besonderen Umständen kann der Schaden aber bedeutend größer werden, wie folgender Fall zeigt: Eine Arbeiterin, die bei einer KoufektlonSfirma beschäftigt war. wurde entlassen, erhielt aber ihre Jnvalidenkarte und Mitgliedskarte der K-aukenkasse nicht ausgehändigt. Am folgeudcu Tage wandle sie sich telephonisch an die Firma. Diese stellte der Arbeiterin anbeim, ihre Papiere abzuholen. Aber die Arbeiterin bestand auf Zusendung der Papiere, was ihr gutes Reckt iit. Nack einigen Tagen erhielt die Arbeiterin einen unfrankierten Brief ohne Firmenaussruck oder sonstige Angabe des Absenders. Die Annahme des Briefes wurde verweigert. Inzwischen hatte die Arbcueriu eine Schadenersatzklage beim Gewerbegericht eingereicht. Erst im Verhandlungstermin erfuhr sie, daß der von ihr zmückgewiesene nnsrankierte Brief ihre Papiere enthielt und von der Firma abgesandt war. Der Brief be- fand sich bei den Akten. Die Post hatte ihn der Firma wieder zugestellt und diese hatte ihn dem Gewerbegericht eingesandt, jeden- sallS in der Annahme, damit ihrer Verpflichtung gegen die Klägerin gerecht geworden zu sein. Da der Klägerin erst ini Termin ihre Papiere ausgehändigt wurden, so hatte sie elf Arbeitstage verloren für die sie Schadenersatz von 4,59 M. pro Tag forderle. Das Gericht sprach der Klägerin nur 22.59 M. z u, weil es sich aus den Standpunkt stellte: Nach fünf Tagen hätte die Klägerin, wenn sie sich rechlzsitig an die Polizei gewandt haben würde, durch Eingreifen derselben ihre Jnvalidenkarte erhalten haben. 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Abgelehnt wurde zunächst gegen die sozialdemokratischen Stim- men folgender infolge Abwesenheit des Antragstellers unbegründet gebliebener Antrag: Die Schutz Haft darf dem Verhafteten keine andere De- schränkung auferlegen, als die Beschränkung der Bewegungsfreiheit außerhalb des Gebäudes, in dem die Haft vollstreckt wird. Ins- besondere ist dem Verhafteten der schriftliche und mündliche Ner- kehr namentlich mit dem Ehegatten und den Kindern ohne Kontrolle gestattet. Zur Erledigung von geschäftlichen, beruflichen oder fami- liären Angelegenheiten ist ihm auch das Verlassen des Haftlokals zu gestatten, und zwar unter Aufsicht, falls der zuständige Militär- befehlshaber dies für erforderlich hält. Beköstigung, Bequemlich- leiten und Beschäftigung darf er sich aus seine Kosten nach Bs- lieben verschaffen. Die ZZ 7, 8, 9, 10, 11, 12 und 13 des Gesetzes wurden«in- stimmig angenommen. Sie haben folgenden Wortlaut: 8 7. Der Verhaftete kann jederzeit einen Verteidiger zuziehen. Die Vorsch«ften der§Z 137 Absatz 2 und 138 Str.P�O. finden entsprechende Anwendung. § 8. Der Amtsrichter, in dessen Bezirk die Verhaftung erfolgt ist oder der Verhaftete sich befindet, kann dem Verhafteten auf An- trag oder von Amts wegen einen Verteidiger bestellen. Die Be- stellung muß erfolgen, wenn der Verhaftete sie nach zweiwöchiger Dauer der Haft bemrtragt; über dieses Antragsrecht ist der Ver- haftete bei seiner Vernehmung zu belehren. Die Bestellung ist zu- rückzunchmen, wenn demnächst ein anderer Verteidiger gewählt wird und dieser die Wahl annimmt. § 9. Dem Verteidiger ist die Einsicht der über die Verhaftung erwachsenen Akten zu gestatten. Dem Verhafteten ist schriftlicher und mündlicher Verkehr mit dem Verteidiger gestattet. § 10. Der gesetzliche Vertreter des Verhafteten und der Ehe- mann einer Verhafteten ist als Beistand zuzulassen und auf sein Verlangen zu hören. § 11. Die Bestimmungen der§8 2— 5 und 7— 10 dieses Gesetzes finden auf die Aufenthaltsbeschränkung entsprechende Anwendung. Z 12. Eine auf Grund dieses Gesetzes erlittene Haft kann in einem auf Strafe lautenden Urteil ganz oder teilweife zur An- rechnung gebracht werden. § 13. Hebt das Reichsmilitärgericht die Haft oder Aufenthalts- beschränkung auf, weil die Voraussetzungen ihrer Anordnung oder Auftcchterhaltung nicht gegeben waren, so hat es dem Geschadigten einen Entschädigungsanspruch zuzuerkennen. Einen Entschädigungs- anspruch kann das Reichsmilitärgericht aus Antrag auch in anderen Fällen zuerkennen, auch wenn es nicht selbst die Haft oder Aufent- Haltsbeschränkung aufgehoben hat. Der Anspruch richtet sich, wenn die Anordnung der Haft oder der Aufenthaltsbeschränkung durch einen militärischen Befehlshaber oder einen Reichsbeamten erfolgt ist, gegen das Reich, in anderen Fällen gegen denjenigen Bundes- staat, dessen Beamter die Anordnung getroffen hat. Im übrigen gelten für diesen Anspruch und seine Durchführung die Bestim- mungen deS Reichsgesetzes vom 14. Juli 1904. Die erforderlichen Ausfiihrungsbeftimmnngen erläßt der Bundesrat. Die 88 1% und 13 verdanken ihre Entstehung Anträgen unserer Genossen. Ein Antrag Herzfeld, den Angehörigen verhafteter Personen einen Anspruch auf Untevhatt gegen den Staat zu geben, wurde gegen die sozialdemokratifchen Stimmen abgelehnt. In der Gesamtabstimmung wurde der Gesetzentwurf mit allen Stimmen gegen die des Genossen Dr. Herzfeld angenommen. Dieser erklärte das Gefetz für eine Verschlechterung des bestehen-den Zu- standes. Schließlich beschäftigte sich die Kommission noch mit der Frage, ob die Anordnung der Schutzhaft oder einer Aufenthaltsheschrän- kung gegen einen Abgeordneten einen Eingriff in die Immunität darstellt. Sie stellte einstimmig fest, daß dies der Fall ist und be- aufiragte den Berichterstatter, diese ihre Ansicht im Plenum zu ver- treten. Es soll versucht werden, den Gesetzentwurf am Sonnabend in allen drei Lesungen im Plenum zu verabschieden. * Im ReichStagSauSschuI« für den Rcichshaushalt wurde zu- nächst der Kinderschutz behandelt. Abg. Gen. Ryssel(Soz. Arbg.) hatte beantragt: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, schleunigst den Mißstand zu be- fettigen, daß Kinder unter 14 Jahren in Fabriken beschäftigt werden, solche Heranziehung von Kindern auch durch Schließung der betreffenden Gewerbebetriebe zu ahnden und auf strikteste Jnnchaltung der Schutzvorfchriften für Kinder und Fugendliche zu achten. Direktor im Reichsamt des Innern Dr. Caspar: Der Fall, der den Antrag veranlaßt habe, sei durch den„Vorwärts" bekannt ge- worden. Das Reichsamt des Innern verfolge derartige Vorgänge mit der ernstesten Auftnerksanueit. Daher seien auch über diesen Fall Ermittelungen angestellt worden. Es handele sich um einen Betrieb in Aachen zur Anfertigung von Druckknöpfen. Dort werden, wie sich aus den Lohnlisten ergebe, viele Kinder beschäftigt; dar- unter seien aber nur zehn Kiirder im Alter unter 14 Jahren. Sie seien durchweg jedoch über 13 Fahre und nicht mehr schulpflichtig. Die Arbeitszeit dauere entweder je drei Stunden vor- und nachmittags oder 5M Stunden ohne die Mittagspause. Ob die Kinder noch nach der Fabrikarbeit auch zu Hause ihren Eltern bei der Heimarbeit helfen, sei nicht festzustellen gewesen. Bei drei Kindern könne dies der Fall fein. Aber auch wenn die Annahme in der Tat zuträfe, wäre dagegen auf Grund des Kinderschutzgesetzcs nichts zu tun. Mithin liege eine gesetzwidrige Beschäftigung von Kindern nicht vor. Abg. R h s se l erklärte, daß der„Vorwärts" atn 23. September 1916 über den Fall berichtet habe, ohne die Firma zu nennen. Daraufhin habe nicht etwa die Gewerbeauffichtsbehörde, sondern das Generalkommando gefragt, nm welche Firma es sich handle. Weiteres in dieser Sache habe der„Vorwärts" nicht von dem Generalkommando gehört. Wäre der Bericht falsch gewesen, dann wäre der„Vorwärts" sicher verwarnt worden. Selbst nach den heute vom Minffterialdirektor Caspar mitgeteilten Feststellungen beschäftige die Firma eine große Zahl von ganz jungen Kindern. Die Ermittlungen der Iteichsleitung stützen sich nur auf die Lohn- listen. Unser Gewährsmann halte seine Behauptung durchaus auf- recht. Die Zahl der beschäftigten Kinder unter 14 Jahren fei größer. Die Fabrik fertigte früher Druckknöpfe, jetzt aber liefere sie Muni- tion. Die Kinder müßten von früh 6 Uhr bis abends 6 Uhr in der Fabrik ardeiten. Zu diesem Zwecke seien sie vor der Zeit ans der Schule entlassen worden. Nach der Arbeit in der Fabrik müßten die Kinder noch zu Hause bei der Heimarbeit helfen. Der Reichs- leitung sei ein Vorwurf daraus zu machen, daß sie sich nur auf die Lohnliste stütze, nicht aber die beteiligten Arbeiter selbst vernommen habe. Nur die Annahme unseres Antrages kann in Zukunft der- artige Fälle verhindern. Abg. Hoch: Weshalb ist die Gewerbeauffichtsbehörde nicht mit der Untersuchung dieses Falles betraut worden? Sie würde die wirk- lichen Verhältnisse wohl haben ermitteln können, Der Antrag Ryssel wird mit allen Stimmen gegen die der Sozialdemokraten abgelehnt. Bei der Besprechung der KricgSschäde« wies Abg. N o s k e(Soz.) auf die schweren Schädigungen hin, von denen die Nordsee-Jnseln durch den Krieg heimgesucht werden. Bis jetzt haben die Beteiligten noch immer nicht von Preußen die nötige Hilfe erhalten. Aus Billigkeitsgründen sollte die Reichsleitung dafür sorgen, daß endlich das Notwendige geschehe. Abg. F e g t e r schloß sich dieser Bitte an. Ministerialdirektor v. Jonquiere wies darauf hin, daß die Entschädigung durch die Landeszentralbehörden erfolgen müsse. Er werde der preußischen Regierung Kennwis von den Verhandlungen dieser Kommission geben und um Mitteilung darüber bitten, was insbesondere für die hier in Frage kommenden Kreise geschehen sei. Hierauf wurde die vor mehreren Tagen bereits begonnene Aus- spräche über die Arbeiterverhältniffe in der MuniffonSinbustrir fortgesetzt. Abg. Giesberts(Z.) ging auf die Verhältnisse in Rheinland und Westfalen ein und forderte nachdrücklich, daß auch hier Schlich- tungskoinmissionen zur Erledigung der Beschwerden eingerichtet werden. Oberst v. Wrisberg versprach, daß das neue Arbeitsamt im Kriegsmimsterium alle Beschwerden gründlich untersuchen und die ermittelten Mißstände beseitigen werde. Eine neue Verfügung sei erlassen worden, um unter allen Umständen zu verhindern, daß Unternehmer ihre Arbeiter von der Erlangung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen durch die Drohung abschrecken wollen, sie würden dafür sorgen, daß die Beschwerdeführer ins Feld kämen. Abg. L i e s ch i n g(Vp.) brachte Beschwerden aus der Pulver- fabrik von Itheinsdorf bei Wittenberg vor. Dort seien die Löhne ganz ungenügend. Soziale Einrichtungen fehlten und Unfälle wären außergewöhnlich häufig. Abg. Hoch(Soz.): Auch die Zustände in der Pulverfabrik in Hanau seien sehr wenig befriedigend für die Arbeiter. Die Löhne seien nur im allgemeinen um IL— 20 Proz. erhöht, während die Verteuerung der Lebenshaltung mehr als 100 Proz. betrage. Auch für die Ernährung sei durchaus ungenügend gesorgt. Notwendig sei auch, daß in den Staatsbetrieben eine Stelle eingerichtet werde, wo die Arbeiter ihre Beschwerden einem vertrauenswürdigen Herrn vor- tragen könnten. Dieser Herr sollte kein Vorgesetzter der Arbeiter sein, aber das Recht haben, in der Fabrik nachzuforschen, ob die Be- schwerden berechtigt sind und, wenn das der Fall ist, die Beschwerden der Direktion zu unterbreiten, ohne daß er den Namen des Be- schwerdeführers preisgeben muß. Oberst v. Wrisberg versicherte, daß ständig die Verhältnisse in Hanau gebessert worden seien und weiter gebessert werden sollten. Er verlas einen Bericht, nach dem die Verhältnisse und auch die Er- nährung bei den Pulverarbeitern in Hanau durchaus befriedigend seien. Abg. Simon(Soz.): Gegenwärtig räche eS sich sehr, daß wir noch immer nicht die von der Arbeiterschaft schon längst geforderten öffentlichen Arbeitsnachweise haben. Diese könnten jetzt die Arbeitsvermittlung in einwandfreier Weise durchführen. Die Tarifverträge würden mitunter dadurch umgangen, daß die Heeres- Verwaltung z. B. in der Korbmacherei große Aufträge an Zwischen- Unternehmer vergebe. Ausgeführt würden diese Austräge dann in solchen Betrieben, die nicht die tarifmäßig vorgeschriebenen Löhne zahlen. Am besten wäre es, wenn man die Lieferungen an die Unternehmer entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit verteilte, so daß jeder Unternehmer in seinem Betriebe die Ware herstellen kann. Es scheine aber so, als ob die Heeresverwaltung eine Abneigung gegen die Genossenschaften habe. So ist es weder der Genossenschaftskorb- macherei in Schney noch der Genossenschaftsweberei in Lippertz möglich gewesen, Heeresaufträge zu erhalten. In der Schuhindustrie soll die Arbeitszeitbeschränkung aufgehoben und die dadurch arbeitslos werdenden Arbeitskräfte sollen in der Rüstungsindustrie untergebracht werden. Man stelle in Aussicht, die Uebersiedlung dieser Arbeiter zu erleichtern. Eine derartige Uebersiedlung der Arbeiter nach andern Orten sei sehr bedenklich. Wir haben beute über zwei Drittel Arbeiterinnen und Jugendlich« in der Schuhindustrie. Diese Arbeitskräfte können nicht verpflanzt werden, wenn nicht die Familien und die Gemeinden schwer geschädigt werden sollen. Nicht Verpflanzung der Arbeiter, sondern Verpflanzung der Industrie nach den Orten, wo Arbeitskräfte und ArbeitSräume zur Verfügung stehen, sei angebracht. Auch sollten die Behörden, bevor sie sich zu so durch- greifenden Maßnahmen entschließen, mit den beteiligten Arbeitern und Unternehmern ins Benehmen setzen. Abg. Dr. S ü d e k u m(Soz.): In Berlin sträuben sich alte eingesührte Großbetriebe der Rüstungsindustrie, solche Kriegs- verletzte wieder einzustellen, die früher dort gearbeitet haben. Das dürfte nicht geduldet werden, dagegen müsse unbedingt einge- schritten werden. Abg. Hoch(Soz.) weist nach, daß die Angaben über die Er- nährungsverhältnisse in Hanau, wie der Oberst v. Wrisberg vor- getragen habe, unrichtig seien. Oberst v. Wrisberg erklärte, daß er in der nächsten Zeit einen Herrn nach Hanau schicken werde, der noch einmal die dortigen Zustände feststellen solle. Abg. Hirsch(natl.): Die Unternehmer seien durch den Mangel an Arbeitern gezwungen, die Arbeitszeit auszudehnen und mehr Frauen einzustellen, als es bisher der Fall gewesen und auch gegen- wärffg wünschenswert sei. Die Arbeiter sollten nicht immer wieder die Einführung der Schlichtungskommissionen verlangen. Aus� sehr begründeten Bedenken weigere sich ein Teil der Unternehmer, diesem Vorschlage zu folgen. Dabei handele es sich nicht um rücksichtslose, unsoziale Unternehmer, sondern um Leute, die zu. den besten Pa- trioten gehören. Der Burgftiedcn erfordere es, daß man die Be- denken dieser Kreise achte und nicht etwa so vorgehe, wie es die eng- lischen Gewerkschaften täten, die die Not der Zeit ausnutzten, um den Unternehmern die Pistole auf die Brust zu setzen und ihnen sehr weitgehende Zugeständnisse abzuzwingen. Abg. Brandes(Soz.): Der Widerspruch des Abg. Hirsch gegen die S ch l i ch t u n gs k o m m i s s i o n c n und der Hinweis auf die englischen Gewerkschaften seien außerordentlich bezeichnend. Früher sei den deutschen organisierten Arbeitern immer wieder die englische„nationale" Arbeiterschaft vorgehalten worden, und jetzt stelle Herr Hirsch die englischen Gewerkschaften� als abschrecken- des Beispiel hin, um das eigene unsoziale und rücksichtslose Ver- halten gegen die Arbeiter zu entschuldigen. Das sei der Burgfriede dieser Herren; wobei die Herren ihrem eigenen Vorteil folgen, die Arbeiter aber auf ihre wichtigsten Forderungen verzichten sollen. Die große Masse der Arbeiterschaft hat diese Art Burg- frieden satt. Ueberaus bedauerlich sei die Antwort des Vertreters vom Kriegsministerium, daß die Frage der Schlichtungskommissio- neu noch immer nicht abgeschlossen sei. Eine solche Antwort könnte man sich gefallen lassen, wenn der Krieg erst 2)4 Monate dauerte, aber nach einer Dauer von 21A Jahren wäre es doch endlich Zeit, daß die von den Arbeitern verlangten und, wie allgemein aner- kannt wird, durchaus berechtigten Maßnahmen sich gegen den Widerspruch unbelehrbarer Unternehmer durchgesetzt werden. Herr Hirsch habe erklärt, die Arbeitzeit können nicht auf das gebotene Maß beschränkt werden, weil Arbeitermaugel dies verhindere. In den Garnisonen aber werden viele Taufende tüchtiger Arbeiter nutzlos in militärischen Diensten zurückbehalten. Die Einrichtung der Fa ch b a t a i l l o ne sei eine Verschleuderung von Arbeits- kraft und Arbeitstagen. Sic unterstützte freilich die Maßregelung?- absichlcn rücksichtsloser Unternehmer. Unter Heranziehung je eines Vertreters der Arbeiter und der Unternehmer würden die Generalkommandos die Arbeiter, die entlassen werden oder ihre Arbeit einstellen, in wenigen Stunden an einem geeigneten an- deren Arbeitsplatz bringen, während in den Fachbataillonen zum Teil verkrüppelte, militärisch völlig unbrauchbare Leute Wochen- lang festgehalten werden. Die heutige Arbeitsweise werde � sich für unsere Volkswirtschaft schwer rächen. Es sei höchste Zeit, zur normalen Arbeitszeit zurückzukehren und ganz besonders für die Frauen in der Munitionsindustrie mit ihrer schweren Arbeit die achtstündige Arbeitszeit einzuführen. Hier könne doch von einem Mangel an weiblicher Arbeitskraft nicht die Rede sein. Maß- regelungen von Arbeitern kommen auch in Staatsbetrieben vor. Auch hier fehle oft das nötige Entgegenkommen auf die Wünsche der Arbeiter. In den Kaiserlichen Werften sind nicht nur Kom- misstonsmitglieder, sondern auch Arbeiterausschußmitgliedcr zu Kriegsdiensten eingezogen worden, um sie dafür zu bestrafen, daß sie für die Forderungen ihrer Mitarbeiter eingetreten sind. Dies sei jüngst in Kiel vorgekommen. Bezeichnend für die„Neu- Orientierung" sei, daß das ReichSmarineamt erst kürzlich wieder abgelehnt habe, mit den Vertretern der gewerkschaftlichen Organisationen über Arbeiterfragen zu verhandeln. Der Redner wünscht Auskunft, ob der Sparzwang für Jugendliche den General- kommandos in der letzten Zeit vom Kriegsministcrium vorgeschric- ben sei, wenn auch in einer gegen früher abgeschwächten Form. Er warne dringend vor diesem Verfahren, das sich dort, wo man einen Versuch damit angestellt habe, sich in keiner Weise bewährt habe. Fortsetzung am Sonnabend. Tie Bekämpfung der Geschscchtskrankheitcn. Die Reichstagskominission für Bevölkerung s- Politik tagt nunmehr seit Beginn dieser Session, ohne daß fach- entsprechende Berichte über ihre wichtigen Arbeiten in die Presse gelangt wären, weil der Kommissions- und Plenararbeit in dem engen Rahmen der von der Regierung bclvilligten paar Sitzungs- tage zu viel ist, als daß die Zeitungen ihr folgen konnten. Die erste Arbeit war die Aufstellung eines Arbeits- planes durch eine Unterkommission, die aus den Abgg. Dr Struvc (fteis.), Dr. Quarck(Soz.), Dr. Faßbender(Z.), Frommer(kons.), Dr. van Calker(natl.) und Mumm(chr.-soz.) besteht und die eine Vereinigung der Hauptparteien darstellt, in der eine gewisse Ver- ständigung über Hauptfragen vorläufig möglich war. Nach zwei- wöchigen Sitzungen brachte die Kommission zwei große Abschnitte der Bevölkerungspolitik in der Hauptkommission zur Erörterung: 1. die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten in Heer und Heimatbevölkcrung(Referent Dr. S t r u v e), sowie 2. den Schutz für Mutter und Kind(Referent Dr. Quarck). Der Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten in Heer und Marine durch Meldepflicht für die Mannschaften und Unteroffiziere wurde begrüßt, aber Ausdehnung der Pflicht auf die Offiziere verlangt. Ein Fragebogen über alle diese Maß- regeln und ihre Bewährung wurde lebhaft mit der Militärvcr- tvaltung und dem Generalarzt der Armee diskutiert und soll noch endgültig beschlossen werden. Bei den Matznahmen zur Bekämpfung der Geschlechtskrank- heiten in der Zivilbevölkerung einigte man sich auf eine Ein- schränkung der Schiveigepslicht der Aerzte, lehnte aber nach Beratungen, die drei Sitzungen in Anspruch nahmen, seitens der bürgerlichen Mehrheit alle sozialdemokratischen Anträge, die von den Genossen Dr. Quarck und Dr. David eingehend ver- treten wurden, ab. Näheres über diesen Kampf sindct sich i m untenstehenden Bericht über die letzte Sitzung. Für den zweiten Hauptabschnitt der Beratungen hat Genosse Dr. Quarck als Referent eine Reihe von Forderungen zum Schutze von Mutter und Kind formuliert, denen sich die Unterkommission angeschlossen hat. Sie liegen gedruckt vor. An ihrer Spitze steht die Acht- stundenschicht für arbeitende Frauen. Die Vermehrung der Weib- lichen Gcwerbcinspektion, die Ausdehnung der Arbeiterversicherung auf die Heimarbeit jeder Art, auf uneheliche Kinder und Mütter, und der Ausbau einer wirksamen Rcichswochenhilfe für die Zeit nach dem Kriege, Reform des.Hebammenwesens, Löhntarife für die Frauenarbeit, gründlicher Ausbau der Kindergärten, Kinder« horte, Schulhorte und Säuglingspflege zur Entlastung'der orbci- tenden Frau. _ Ob dieses umfassende soziale Programm zur Bevölkerungs- Politik, auf das sich in der Unterkommission eine gewisse Einigung aller Parteien vollzogen hat, noch in der Hauptkommission zur Er- ledigung kommen kann, hängt davon ab, ob die Vertagung des Reichstags auch diesen Vorarbeiten ein rasches Ende macht. » Am Freitag sehte die Komniission für BcvölkerungSpolitik die Beratungen fort. Der sozialdemokratische Antrag, der den Ausbau der von den LandeSvcrsichcrungsanstalten und Krankenkassen geschaffenen und noch zu schaffenden Beratungs- stellen zu Einrichtungen für die Gesamtbevölkerung im Rahmen der kommunalen Verwaltung fordert, wurde auch von Regie- rungsvertretern bewillkommnet. Ministerialdirektor Dr. K i r ch- ncr führte aus, daß die bereits bestehenden, aus privater Jni- tiative erwachsenen Beratungsstellen für Säuglingspflege, für Tuberkulosebekämpfung usw. gegenwärtig ohne Zusammenhang untereinander arbeiten. Es sei eine organisatorische Zusammen- fassung dieser Stellen zu Wohlfahrtsämtern unter geeigneter Lei- tung anzustreben. Aus der weiblichen Bevölkerung, die ffetzt im 51ricge sich in der sozialen Hilfsarbeit so sehr bewährt habe, können gnt ausgebildete Wohlsahrtspflegerinnen entnommen werden. Es sei zu wünschen, daß alle Bundesstaaten, sowie die Landcsversiche- rungSanstaltcn diese Entlvickclung fördern.— Von Dr. Quarck (Soz.) wurde zu dieser Frage besonders betont, daß die Regie- rungen zu den Kosten dieser Einrichtungen beitragen müßten, da die Gemeinden allein eS nicht durchführen können. Der sozialdemokratische Antrag wurde dann von der Kom- Mission einstimmig angenommen. Ferner wurde � der sozialdemokratische Antrag betreffend Meldepflicht für alle Personen, die Geschlechtskrankheiten künftig behandeln, erörtert. Von den sozialdemokratischen Ver- tretern wurde betont, daß eine erfolgreiche Bekämpfung der Gc- schlechtskrankheitcn nur möglich sei, wenn solche Personen, die sich der ärztlichen Behandlung entziehen und die Krankheit weiter- tragen, einer Kontrolle unterworfen werden. Da für die Sol- daten sowie für die Versicherungspflichtigen die Meldung bei Krankheit bereits besteht, so sei es unbedenklich und notwendig, daß für die übrige Bevölkerung in gleicher Weise vorgegangen werde.— Die Vertreter anderer Parteien glaubten jedoch, an ihren Bedenken gegen den Antrag festhalten zu sollen; auch als die Antragsteller durch den Zusatz„in allen Fällen, in denen sich ein Kranker vor völligem Abschluß des Heilverfahrens der Behand- lung entzieht", den Bedenken weithin Rechnung trugen. Der Antrag wurde mit 13 gegen 8 Stimmen abgelehnt. Abge- lehnt wurde auch ein Antrag v. Calker(natl.), der jede Person mit Strafe bedroht,„die, obwohl sie weiß oder wissen mußte, daß sie geschlechtskrank ist, es Unterläßt, sich der Heilbehandlung zu unterziehen". Einstimmig angenommen wurden folgende Anträge: 1. Den Herrn Reichskanzler zu ersllck>en, unbeschadet einer allgemeinen Aenderung und Ergänzung des 8 300 des Reichs. strafgesetzbnchs. Vorsorge dafür zu treffen, daß eine Mitteilung an zur öffentlichen Fürsorge berufene Behörden, wenn das Schweigen im allgemeinen Staatsinteresse, etwa zur Verhütung der sonst drohenden Verbreitung von ansteckenden Krankheiten gebrochen wird, nicht als unbefugt für Behörden und für behandelnde Aerzte erackitct werden kann. 2. Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, eine Ergänzung des Reichsstrafgesetzbuchs durch eine Gcsetzesvorlage nach der Richtung ffit bn7!g?n, daß ff.de Person� dif, adwoßl ftc weiß oder wissen 'nutzte, datz sie ncschlcchtstraiik ist, trotzdem geschlechtlich verkehrt, bestrast werden kann. L. Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen: _a) in das Neichsgeietz, betreffend die Bekämpfung gemein- gefährlicher Kranlbeiten» wirksame Vorschriften zur lieber- wachung und Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten aufzu- nehmen: b) die Verbündetcn Regierungen zu veranlassen, nach ein- beitlichen Gesichtspunkten Matznahmen zur Verhütung und Ein- dümmung der geschlechtlichen Erkrankungen zu schaffen; c) durch Verbandlungen unter den Bundesregierungen Für- sorge dahin zu treffen, datz allen Kreisen und niederen Ver- waltkmgSbezirken bestimmte Mindestleistungen auf dem Gebiete der öffentlichen Gesundheitspflege vorgeschrieben werden; . Berlin, 3. November.(W. T. 93.) Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 2. November dieses JabrcS Bestimnmngen über die Vornahme einer Volkszählung am 1. Dezember 1916 erlassen. Und zlvor soll die Gesa in tzahldcrinden Einzel st aatenin der Nacht vom 39. November auf den 1. De- zember ständig oder vorübergehend a n- ive senden Personen durch namentliche Aus- Zeichnung festgestellt werden. Die Aufzeichnung geschieht, wenn Personen zu einer wohn- und hmiswirtschostlichen Gemeinschaft vereinigt sind, nach Haushaltungen. Einer Haus- Haltung gleichgeachtet werden einzellebende Personen mit eigener Wohnung und eigener Hauswirtschaft, ebenso in Kasernen, Gefangenenlagern, in Gastbäusern, Anstalten, als Mannschaft oder als Fahrgäste aus Schiffen Untergebrachten. In die H a u s h a l t u n g s l i st c n nach bestimmtem Muster sind von den.HaushaltungSvorständen oder deren Vertretern für jede ortsanwesende Person Angaben über Vor- und Famlliennahme, Stellung im Haushalt, Geschlecht, Geburts- tag,-nionat und-jähr, Familienstand, Staatsangehörigkeit, Berus, und, für die vor dem 1. Dezember 1899 geborenen männlichen Reichsdeutschen über das Militärverhältnis ein- zutragen, außerdem ist anzugeben, ob eine der Personen aus Anlaß des gegenwärtigen Krieges Militärpension oder Mili- tärrente erhält. Anordnungen zur Ausführung der Zählung werden von den Landeszentralbehörden erlassen. Wer wissentlich wahrheitöwidrigc Angaben für die Ein- tragung NKicht, oder wer sich weigert, die vorgeschriebenen Eintragungen in die Haushaltungsliste zu machen, wird b e- straf t. Hinsichtlich der bei der Zählung über die Persön- lichkeit des einzelnen gewonnenen Nachrichten ist das Amts- g e h e i m n i s zu wahren. Tie Volkszählung vom 1. Dezember 1916 will in erster Linie die genauen Unterlagen beickjafsen, deren das Kriegsernährungsamt zur Erfüllung seiner Ausgaben auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung dringend bedarf. Mehrfache Beobachtungen hoben ergeben, daß die bisher namentlich der Getreide- und Brotzuteilung in den Kommu- nalvcrbändcn zugrunde gelegten Zahlen die notwendige Zu- verlässigkeit vermissen ließen. Daneben soll aber die Volks- zählung auch ZweckenderHeereSverwaltung nutz- bar gemacht werden.___ Das tägliche örot. Neue Verfügungen. Berlin, 3. November.(W. T. B.) Durch eine am 20. November in Kraft tretende Verordnung des ReiÄSkanzlers wird der Hoch st- preis für Weizengrieß beim Verkauf an den Verbraucher aus SS Pf. für daS Kilogramm festgesetzt. Durch eine weitere Verordnung des Reichskanzler» wird eine Ueberwachungs stelle für Seemuscheln errichtet. Ihr liegt die Ucberwachung deS Fanges und des Handels mit See- Muscheln sowie der Herstellung von Seemuschelkonserven ob. Herabsetzung der Preise für Hafernährmittel. Amtlich. Berlin, 3. November.(W. T. B.) Durch Verordnung des Reichskanzlers sind die Höchstpreise für Hasernährmittel neu geregelt worden. Gegenüber den bisherigen Preisen bedeuten die neuen Höchst- preise eine erhebliche Verbilligung. Sie betragen im Klein- verkauf für Haferflocken, Hafergrütze und Hafermehl lose 41 Pf. für das Pfund, für Haferflocken und-grütze in Packungen 56 Pf. für die 1-Pfund-Packung und für Hafermehl in Packungen 3L Pf. für die Hz-Pfund-Packung. Für Hasernährmittel, die sich beim Inkrafttreten der neuen Höchst- preise bereits im Kleinhandel befinden, können die Landes- behörden für eine kurze Uebergangszeit die erforderlichen Aus- nahmen zulassen. •48 Mark für de» Doppelzentner Kartoffeln! Die Rationierung der Lebensmittel und das System der Höchstpreise haben in Deutschland zu berechtigten Klagen An- laß gegeben, weil das in ihnen enthaltene sozialistische Prinzip nur unvollkommen durchgeführt ist. Trotzdem bleibt es wahr, vatz ohne den höchst unvollkommenen sog.»Kriegssozialismus" die Volkswirtschaft längst zusammengebrochen wäre. Oft ist schon ausgeführt worden, wie sich die Verhältnisse wohl ge- staltet haben würden, wenn man auch im Kriege nach der alten wirtschaftlichen Lehre des freien Marktes zu wirtschaften versucht hätte. Dann wären alle verfügbaren Lebensmittel von den Reichen zu Phantasiepreisen aufgekauft worden und die große Masse des Volkes würde nicht nur Not leiden, sondern einfach verhungern. Diese Behauptung ist bisher nur theoretisch bewiesen worden, und darum hat es immer Leute gegeben, die als Fanatiker der sog. WirtschaftSfreiheit versicherten, an allen Schwierigkeiten der Versorgung sei nur das allzuviele Organi- sieren schuld, würde man die Dinge einfach laufen lassen, so stünde alles viel besser. Nun ist aber in einem kleinen Lande, dem Großherzogtum Luxemburg, die Probe aufs Exempel gemacht worden. Dieses Ländchen, das zum deutschen Wirtschaftsgebiet gehört, wollte von dem deutschen System in wirtschaftlichen Fragen nichts wissen. Die Folge war, daß die Kartoffelpreise dort die Höhe von 48 M., sage und schreibe achtundvierzig Mark, pro Doppelzentner erreichten. Nun sah man sich doch genötigt, mit der wirtschaftlichen»Freiheit", die die ärmere Bevölke- rung zum Verhungern zwingt, Schluß zu machen, man führte Höchstpreise ein und setzte sie auf 36 Mark pro Doppel- zentner fest. So hat man sich auch in Luxemburg zu dem staatlichen Eingriff, vor dem man so lange zurückschreckte, entschließen müssen. Aber weil die Einsicht viel zu spät kam, behielt der Kricgswucher Oberhand I Ein Lcbensmittelwucherer freigesprochen! Vor dem Mannheimer Schöffengericht hatte sich der Kaufmann Nob. Jeselsohn wegen»übermäßiger Preis st eigernng' zu verantworten. Er hatte markenfreies— angeblich aus dem Aus« lande hereingeschmuggeltes— Mehl den Zentner zu 210 M. an- geboten. Er hatte dieses Angebot aber sofort zurückgezogen, als er glaubte, einen höheren Preis dafür erzielen zu können und hatte e» an einer anderen Stelle zu 215 M. angeboten. Der Verteidiger machte geltend, datz dieses Mehl nicht unter die Artikel deS täglichen Bedarfs falle, sondern ein Luxusartikel sei. Denn nur reiche Leute könnten es sich leisten, a u S solch teurem Riehl Kuchen zu backen. DaS Gericht erkannte auf Freisprechung, weil der Angeklagte sich der Strafbarkeit seiner Handlungen nicht bewußt gewesen sei. fim Jnöustrie und Handel. Der Bochumer Verein. AuS dem Geschäftsbericht der letzten Generalversammlung, der— wahrscheinlich wegen dem Papierntangel— ziemlich dürftig ist, ersehen wir, daß das Kassengeschäft für die Aktionäre auch in diesem Jahre nichts zu wünschen übrig läßt. Die Abschreibungen und Dividende gestalten sich wie folgt: Abschreibungen.......... 5 288 539,95 M. Rückstellungen............ 2 000 000,—» Für den Kriegskiinterbliebenenenfonds... 1 500000,—» . die Hinterbliebenen im Kriege Gefallener 1 000 000,—» Beitrag zur Beamten-Pensionskasse zwecks Deckung neuer Lasten....... 1500 000,—» Summa... 11 288 539,95 M. Nach diesen erheblichen Abschreibungen verblieb den Herren Aktionären ein Reingewinn von 15 335 365,94 M. Es wird vorgeschlagen, nach Abzug der satzungsmäßigen Gewinnanteile eine Dividende von 25 vom Hundert auf das Aktienkapital von 36 999(XX) M. ab 1. November 1916 zu zahlen. Auf der Generalversammlung waren 50 Aktionär« mit 1764 Stimmen anwesend. DaS abgelaufene Geschäftsjahr wurde als ein erfreuliches bezeichnet. Der Umsatz ist gegen das Jahr 1914/15 um 30 900 Tonnen gestiegen. Daß auch das kommende Jahr ein gutes zu werden verspricht, ist zu erwarten. Der Arbeiter- bestand betrug im Jahre 1914/16... 12 08« , 1915/1«... 13 877 Gegenwärtig..... 15 491 Der Durchschnittslohn betrug Pro Kopf: 1914/15... 1808,05 M. 1915/16... 2278,55. Im letzten Geschäftsjahre wurden beschäftigt: Zivilarbeiler aus besetztem Gebiete.. 400 Kriegsge'angene......... 900 grauen........... 1 400 Einheimische Männer und Jugendlicbe. 1t 177 Summa 13 877 Die ausgezahlte Lohnsumme an Arbeiter und Angestellt« betrug: 1914/15... 21 138 965,04 M. 1915/1«... 28 836 898,68. Die Lohnsumme verteilte sich auf die einzelnen Werksanlage» wie folgt: 1915/16 1914/15 Gußstahlfabrik.... 15946875,38 M. 10930266,02 M. Stahlindustrie..... 752 704,09» 726 531,64» Zeche Engelsburg... 8 947 500,71, 2 750 431,50, Zecbe Karolinenglück.. 3 907 049,24» 3 377 933,47» Zeche Teutoburgia... 2 387 644,46» 2 219 616,78» bei den Eisensteingruben. 1 865 688,85» 1 102 144,06» bei den Ouarzitgruben, 29 435,90» 32 435,57. Summa. 28 838 898.63 M. 21138 965,04 M. In dem Bericht ist ferner erwähnt, daß bei den Ouarzit- gruben Zuschüsse haben gezahlt werden müssen. Das Fazit des letzten Geschäftsjahres ist folgendes: Rücklage und Abschreibungen... 11 233 539,95 M. Verteilungssumme an die Aktionäre 15 335 365,94 Reinüberschutz: Summa.... 26 623 905,89 M. Gezahlte Lohnsumme..... 28 836 898,63» Die Lohnsumme pro Kopf beträgt 2278,55 M. Der Gewinn pro Kopf der Arbeiter und Angestellten beträgt 1918,56 M._(x) Eingegangene Druckschriften. Arbeiter-Jugend. Tie soeben«richienene Nr, 23 deS achte» Fahr» gangS hat u. a. iolgcnden Inhalt: Was ist Sozialismus?— Mein Ge- sangencr. Von Kail Okonsky.(Schluß)— Tierpsychologie. Von Rosa Heine.— Wie die Türken nach Europa kamen. Von Gg, Engelbert Gras. — Aegypten. Von Adots Bchne,(Mit Abbildungen.)(Schluß)— Wir» kungcn des SparzwangS,— Die Gegner an der Arbeit.— AuS der Jugendbewegung. Der Tropciipslanzcr. Nr. 10. Zeitschrift für tropische Landwirtschaft. Herausgegeben von O. Waiburg und F. Vobitmann. Erscheint monatlich Jährlich 12 W.— Verlag in Berlin, Pariser Platz t. Zt. 304. 33. Jahrgang. 2. Keilugt ks„ Sonnabend, 4. Donemder!0!0. 7Z. Sitzung. Freitag, den 3. November 191b, vormittags 11 Uhr. Am BimdeSrotstische: Dr. Helfferich, Graf Rödern, LiSco, Batocki. Kleine Anfrage«. Abg. AlperS(Dttch. Frkt.) bittet um Maßnahmen zum Schutz der heercSpflichtigen Rechtsanwälte, Aerzte und Angehörigen anderer freier Berufe bei der Wiedergewinnung ihrer verlorenen Praxis. Vlinisterialdirettor Lewald: Die Schädigungen, die den An- gehörigen der freien Berufe, loelche im Felde stehen, durch die ston- kurrenz erwachsen, sind Gegenstand aufmerksamer Prüfung. Doch kauu nicht iuigcsagt werden, dag den aus dem Felde heimkehrenden Rechtsanivältcn und Aerztcn die Wiedergewinnung threr Praxis durch öffentliche Anpreisung erleichtert wird. Abg. Dr. Quarck(Soz.) weist darauf bin. dah auf Grund des K 11 des Militärunterstützungsgesetzes von 1883 zahlreiche Familien von KriegSteilneKmern der Kriegsunterstützung und der Reichs- wochenbilfe verlustig werden und der Armenpflege anheimfallen. Er fragt, ob der Paragraph einer entsprechenden Abänderung unterzogen werden und dem Reichstag demnächst eine entsprechende Vorlage zugehen soll. Ministerialdirektor Lewald: Die Familien der Kriegsteilnehmer verlieren nach dem angezogenen Paragraphen die Unterstützung. wenn eine gerichtliche Strafe von mehr als sechs Monaten Gesang- nis verbängl wird. Von diesem wohlerwogenen Grundsatz kann nicht abgegangen werden. Der Reichskanzler hat jedoch Vor- sorge gelrofsen, dah die Angehörigen der in Frage kommenden Personen nicht der Armenpflege anheimfallen, sondern auS Mitteln der Kriegswohlfahrtspflege unterslützl werden? anch wird ihnen Reichswochenhilfe gewährt. Abg. Hirl(Soz.) bemerkt, dag vielfach versucht wird, den am 1. Oktober in Kraft getretenen Warenumsatzstempcl sakturenmäszig in Rechnung zu stellen und fragt, ob der Reichskanzler erklären will, dag hierzu eine Berechtigung nicht besteht. Unrerstaalssckretär Jahn: Nach Ansicht der Regierung handelt es sich bei der fakturenmähigen Inrechnungstellung des Warenumsatz- steinpels lediglich um eine Angelegenheit in der Uebergangszeit, gegen die eS im Augenblick keine gesetzliche Handhabe gibt. Die Maßnahme wird aber bald von selbst aufhören. Abg. Dr. Hcckschcr iVp.) bittet, den Krankenkassen zu ermöglichen, ihren Mitgliedern neben deir satzungsmäßigen Bezügen in geeigneten vom Arzt geprüften Fällen auch Krankenkost zu bewilligen. Ministerialdirektor Dr. Caspar: Die zur Ernillung des Wunsches notwendige Satzungsänderung ist verhälmisinäßig schwierig; deshalb haben einzelne Krankenkassen uni den Erlaß einer entsprechen- den BundesralSverordnnng gebeteu. Die großen Kassenverbände haben aber bei aller Anerkennung des guten Kernes der Anregnitg allerlei Bedenken geäußert. Daher ist der Erlaß einer Bundesrats- Verordnung zurzeit nicht in Aussicht genominen. Abg. Dr. Heckschcr sVp.s fragt an. ob Vorkehrung getroffen ist, daß bei Friedensschluß feindliche Privativerte in unseren Händen sich befinden, um Wicdervcrgeliuug für die dein Völkerrecht höhn- sprechende Bcschlagnalime und Versilberung deutscher Privativerte im feindlichen Ausland zu üben. Direktor im Auswärtigen Amt Dr. Kriege: Das Vorgehen deS feindlichen Auslandes gegen deutsche Privaiwerte hat ein aus- gedehntes System von Vergeltungsmaßnahmen notioendig gemacht. Es sind Iahiungsverbote gegen das teiudliche Ausland erlassen und es sind Garantien geschaffen worden, daß das feindliche Vermögen in unserem Machtbereich sich nicht vermindert und unserer Verfügung nicht entzogen Iverdeu kann.' Abg. Dr. Müller-Meiningen Das Kriegsminisierium hat damit an seinem tchon 1909 und 1919 eingenommenen Standpunkt festgehalteil, ist aber bemt, in eine erneute wohlwollende Prüfung der Frage ein zutreten. lLachen links.) Abg. Dr. Müllcr-Meiningen sVp.)[zur Ergänzung); Ist der Reichskanzler bereit, in dieser Sache den klaren Bestimmungen der Reichsveriassung unbedingte Geltung und Achtung zu verschaffen? Präsident Dr. Kaempf: Das ist keine Ergänzung, sondern eine neue Anfrage. lGroße Unruhe links.) Abg. Dr. Müllcr-Meiningen sVp.) fragt, wie der Reichskanzler das völkerrechtswidrige Treiben Englands auf neutralem Boden auf- geklärt hat, da England auf holländischem Boden von Holland nach Deutschland besttminle Briefe zu Zwecken seiner schwarzen Lifte hat kopieren lassen. Direktor im Auswärtigen Amt Dr. Johannes: Nach Auskunft der niederländischen Regierung kann eine Oeffnung auf niederländi- sckem Gebiet nicht stattgefunden haben, es kann sich höchstens um Versehen und Fehler untergeordneter Beamten handeln. Verscheni- liche Mißleitungen von Brieten kommen ja vor. So erinnere ich daran, daß ein Stadlbrief, der in Polen mit der Anlschrist„Hier* nntgegeben war, nach„Hier* in Frankreich gegangen ist. sHeiterkeit.) Möglich ist natürlich auch, daß ein englischer Spion einen holländi- scheu Beamien zur Uiilrene verleitet und sich Briese angeeignet hat. Abg. Basscrmai!»(nall.) fragt nach dem Stande der im April im Reichsluge angekündigten Eiiiführuiig eines außergerichtlichen Zwangsvergleiches. Direktor iin Reichsjustizamt Dr. Delbrück: Gegenwärtig unter- liegen die Antworten der Sachverständigen, die wir gehört haben, der Beschlußiasiuiig im Bundesrat. Abg. Dr. Müllcr-Meiningenr bei tmehelichen Ge- burlen hin und wünscht eine Erweiterung dieser Bescheinigungen, die bisher nur für Schul- nnd Unterrichtszwecke erteilt werden. Direktor im Reichsjustizamt Dr. Delbrück: Es wird erwogen, die Erteilung der Bescheinigungen auf ein iveitereS Gebiet auszudehnen, doch gibt es viele Fälle, in denen die Tatsache, daß die Mutter nicht verheiratet war, nicht unterdrückt werden kann. Abg. Wetnhauscn(Vp.) sragt nach Maßnahmen gegen den be- sonders im Osten wieder bervorlrelcnden Mangel an Kleingeld. Ministertaldireklor Dr. Schröder: Es sind weitere stärkere Prägungen eingeleitet, die mit möglichster Beschleunigung durch- geführt werden sollen. An alle VolkSkreise ist aber die Mahnung zu richten, Münzen nicht zurückzuhalten, sondern möglichst schnell in den Verkehr zu bringen.� Abg. Enimel(Soz.) fragt, ob der Reichskanzler Sorge tragen will, daß dem ulierttäglichen Zustande der fortgesetzten Verhinderung, in der„Mülhauser Volks zcitung" über die Verhaudlmige» deS Reichs tagcS zu berichten, ein Ende gemacht wird. Der gesainte Reichs tagsbericht über die Sitzung vom 23. Oktober d. I. wurde von der Zensur gestrichen.(Lebdafteö Hört! hört!) Ministerialdirektor Lewald: Sofort nach Bekannlwerden der in Frage stcbenden Anordnimg der Zensur hat sich das preußische Kriegsministerium mit dein Oberkommando als der zuständigen Stelle in Verbindung gesetzt. Das Oderkommando hat die Mül- hauser Z e n s u r st e l l e angewiesen, der„Mülhauser Volkszeitung" den ungekürzten Abdruck des „ V o r w ä r l s*- B e r i ch i e s zu g e st a r t e n. ES folgte die zweite Beratung des Gcsctzciitwurss betreffend Aciidcrung des GcrichtSloslcngcsctzcS und der Gebührenordnung für Rechtsanwälte und Gerichtsvollzieher. Abg. Bnchn(Deutsche Fr.): ES handelt sich hier um eine Er höhung der Bezüge der Rechtsanwälte, gegen die wir besonders in dieser Zeit entschleden Einspruch erheben müssen.(Hört! hört!) Unsere Rechtst'rechiiiig ist ohnehin teuer genug.(Sehr wahr! bei der D. Fr.) Wir stimmen nur insoweit der Erhöhung der Rechts- anwaUSgebühren zu, als sie durck die Erhöhung der Postgebühren geboten ist. Der Erhöhung der Gebühren für Gerichtsvollzieher, die nur die Erstattimg ihrer erhöhten Auslage bedeutet, stimmen wir zu.(Bravo! bei der D. Fr.). Abg. List(natl.): Wenn der Vorredner die Notlage im Rechts anwaltsstande bestreitet, so hat er leine Ahnung von den wirklichen Verhältnissen. Die Rechtsprechung ist nirgends billiger als im Deutschen Reiche.(Sehr richtig I bei den Nationalliberalen.) Die jetzige Gebühreiiordiiung stammt aus dem Jahre 1379. Wir ver- langen gar nicht die Anpassung der Gebührenordnung an die Heuligen Verhältnisse schon während deS Krieges, sondern erst für die Zeit nach dem Kriege.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Damit schließt die Debatte. Die Vorlage wird in zweiter und sogleich auch in dritter Lesung angenommen. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs über die Fest- fetziing von'Kursen der zum Börsenhandcl zugelassenen Wertpapiere. Abg. Dove(Vp.) fragt an, ob auch eine Festsetzung von Kursen für nicht zum Börsenhandcl zugelassene Wertpapiere für die Zwecke der Besteuerung in Aussicht genommen sei. Untcrstaaissekretär Iah» ertvidert, daß diese Papiere nicht nach ihrem Nennwert, sondern nach ihrem wirklichen Wert besteuert würden. Abg. Carstens(Vp.) spricht für eine Wiedereröffnung der Börse. Abg. Zitnmcrmailii(natl.) widerspricht dem, die Schließung der Börse bei Kriegsausbruch habe sich durchaus bewährt. Die Debatte schließt. Der Gesetzentwurf wird in zweiter und sogleich debattcloS in dritter Beratung angenommen. Es folgt die zweite Beratung deS Antrages Schiffer(nail.) (Gesetzenttvurs betr. Auskunftcrtcilrmg über KriegSverordnungen). ES sollen vom Blindesrat„zuständige Stellen* für diese Auskunft- erteilung bestimmt werden, deren Auskünfte zu veröffentlichen sind, wodurch dann alle früheren abweichenden Entscheidungen und Anweisungen als aufgehoben zu gelten heben. Der Entwurf wird dcbaltelos und ebenso sofort in dritter Be- ratung angenommen. Hierauf wird die gesimr abgebrochene Beratung über die Resolutionen des Ncichsßanshaltsausschusses zum Kvieflsministerium fortgesetzt. Abg. Dr. Neumann-Hofer(Vp.): Herr Dr. Mayer hat gestern Bayern sehr in den Vorder- grund gestellt; cS gibt doch auch noch andere Bundes- staaten, die bei den HeereS- und Marinclieferniigen zu berücksichtigen sind, lieber allem aber steht die Notwendigkeit, unser Heer schlagfertig zu erhalten. In dieser Beziehung treffen die von der Kommission beantragten Resolutionen das Nichtige, so daß meine Freunde ihnen zustimmen werden. Bedauerlich ist, daß noch immer nicht jeder Mann, der ein Jahr im Felde steht, hat Urlaub erhalten können. Mit einer Erhöhung der Ver pfleg»ngS- 1 ä tz e sind wir einverstanden. Die Kommandeure müssen be« sonders darauf achten, daß die Kompagnieführcr sich die Verpflegniig angelegen lein lassen.— Die Abänderung der KriegSbesoldungS- Ordnung erfüllt die Wünsche meiner Freunde nicht Aber gegenüber dem Spott des Abgeordneten Stücklen muß ich doch hervor- heben, daß diese Abänderung sich auf dem richtigen Wege befindet.— Heute haben wir gehört, daß ein Erlaß des KriegSministers über Nichtbefördernng von Dissidenten nicht besteht, sondern daß diese Grundsätze in� einem Briefe deS Kriegsministers an den Abg. Heckscher ausgesprochen sind. Jeden- falls wird danach verfahren. Das widerspricht ausdrücklich der Ver- fassung. Wie kann die Heeresveilvaltung gegen die Ilaren gesetz- lichen Bestimmungen verstoßen!(Abg. Müller-Meiningen(Vp.): Noch dazu ini Krieg!) Entschließen Sie sich doch endlich dazu, dielen ganzen mitlelallerlichen Plunder niit seiner GesinnuiigSschnüffelei über Bord zu werfen.(Zustimniiing b. d. Vp.) In der Behandlung der Soldaten ist es unzweifelhaft besser geworden. Oberst v. Wrisbcrg: Ich wiederhole, daß bei der Beantwortung der heutigen kleinen Anfrage bezüglich der Dissidenten eine erneute wohlwollende Prüfung zugesagt worden ist.— Die Verfügung des Kriegs- Ministeriums bezüglich der Erhebung über die Konfession der in de» Äriegsgesellschaftc» Angestellien hat nicht die mindeste antisemitische Absicht, sondern ist gerade ergangen, um Material zum Schutz gegen die Angriffe gegen jüdische Angestellte zu erhalten. Mißhandlungen von Soldaten verurteilen wir aufs schärfste; tat« sächlich ist es auf diesem Gebiet auch besser geworden. Abg. Dr. Cohn-Nordhausen(Soz. Arbg.): Die Arbeiter, die mit Arbeiten für Heereslicfe- rungen beschäftigt sind, haben zahlreiche Beschwerden über lauge ungleichmäßige Arbeitszeit. Der Einsetzung von Schieds- kommissionen setzen die Unternehmer Widerstand entgegen, und das Kriegsministeriuni scheut sich, den Unternehmern enlgegenzntrcteir und will die Angelegenheit auf das tote Gleis der Arbeiteransschüsis schieben, deren energische Mitglieder schon im Frieden gemaßregelt. werden, nnd die im Kriege erst recht nichts bedeuten. Dem Metall- arbeiterverbaiid, der sich an den stellvertretenden koin- mandierenden General des VII. Armeekorps wandte. wurde von diesem der Bescheid, daß die Einrichtung solcher SchicdS- kommissionen im Einverständnis beider Parteien nach Lage der Sache ausgeschlossen erscheint. Leider gc- nügl der Widerstand der Uitternchiuer dem KriegSministe- rium, um die Frage nicht aufs ireue aufzurollen. Die besteheiideir ArbeiterauSschüsse haben sich im Kriege alS zu schwach er wiesen. Vertreten sie ernsthaft die Interessen ihrer Kollegen, so werden sie vom Unternehmer dem Bezirkskommando denunziert und von diesem sofort eingezogen. (Hört! hört! bei der Soz. Arbg.) Daß auch Leute wegen politi« scher Mißliebigkeiten eingezogen Iverden, habe ich früher hier an Beispielen bewiesen; ich nehme an, daß ich heute Auskunst über die Fälle bekommen werde. Im Falle Weinberg soll sich eine Noliz deS Oberkommandos in den Marken in den Akten befinden: „Weinberg darf unter teincn Uinständc» entlasse» werden."(Hört! hört! bei der Soz. Arbg.) Weinberg wird nicht entlassen, trotzdem er krank ist.(Hört I hört! bei der Soz. Arbg.) Der schwer tuberkulöse F r a s s e k. der im August 1916 für d. u. erklärt wurde, wurde»ach der sozialdemokratischeir Reichstonferenz ohne neue Untersuchung einfach für triegSverwenduiigsfähig erklärt und sofort nach Jüterbog geschafft.(Hört I hört!) Mitglieder der sozial« demokratischen Arbeiterjugend werden eingezogen, lange bevor ihre Jahresklasse daran ist.(Hört) hörl! b. d.' Soz. Arbg.) Hier haben Sie die arbeiterfeindliche Tätigkeit des Oberkommandos in Reinkultur. Das Heer ist geblieben, was es anch nur sein kann, ein Klassen- Heer. Neben einer kleinen Zahl von Offizieren und Bcamten, die in Gehalt, Behandlung, Verpflegung, äußeren Ehren, Hinterbliebenen- Versorgung recht gut gestellt sind, steht die ungeheure Masse von e u t r e ch l e t e n, schlecht e u t l o h n t e ir, seelisch und häufig genug auch körperlich m i ß- handelte u, unzureichend ernährten Proletariern im s e l d g r a u e n K l e i d.(Sehr ivahr! b. d. Soz. Arbg.) Die schlechte Ernährung der Soldaten ist die Folge der schlechten Ver- teilung der vorhandenen Lebensmittel, der vielen ge» sonderten Küchen für Offiziere; die Einführung einer einheitlichen Feldküche für Offiziere und Mannschaften würde wesentlich zur Verkürzung des Krieges be-i« tragen.(Sehr wahr! bei der Soz. Arbg.) In dieser Richtung würde auch eine dnrchgreiscnde Aelidcnmg der KriegsbesoldnngS- ordnung wirken. Heute sind die Kncgsbesoldnngen so geordnet: je geringer die persönliche Gefährdung und je besser die Versorgung der zu Hause gebkiebencn Angehörigen ist, desto höher ist die KriegSbesvldung.(Hört! hört! bei der Soz. Arbg.) Die neue K r i e g s b e s o l d u n g s o r d n u n g bedeutet eine unerhörte Irreführung der ö f f e n t l i ch e n M e i n u n g.(Sehr wahr I bei der Soz. Arbg.) Ihre Wirkung ist so gut wie aufgehoben da- durch, daß alle Herabsetzungen der Gehälter für höhere Chargen erst für diejenigen gelten, die nach dem 1. Oktober neu in die betreffende Stelle eintreten.(Hörl I hört!> Die Zustände in der Behandluiig der Mannschaften iverden erst dann besser werden, wenn zu einer gründlichen Reform des Beschwerderechts die positive Bestimmung kommt, daß eine Notwehr des Untergebenen gegenüber Mißhandlung oder Beschimpfung auch gesetzlich als zuläffsig erklärt wild.(Sehr wahrl bei der Soz. Arbg) Zu dem Dissi- deuten erlaß kann man nur sagen: nichts gelernt und mchiS vergessen I(Sehr richtig! bei der Soz. Arbg.) Noch immer liegen Fälle vor, daß Mamffchasten während des ganzen Krieges noch keinen Urlaub erhalten haben. Im Elsaß wird bei jedem Urlaubs- gesuch erst nachgeforscht, ob der Betreffende politisch zu- verlässig ist.(Hört I hört! bei der Soz. Arbg.) Dann wird weiter gefragt, ob der Urlaub nötig, dringend nötig, sehr dringend nötig oder unbedingt nötig ist.(Heiter- keit.) Da? ist ein Zopf, der nur lächerlich wirkcir kanir. Die Elsaß- Lothringer sind noch einer besonderen Briefkontrolle nnterworsen, die von unmittelbaren Vorgesetzten ausgeübt ist.(Hört) hört! bei der Soz. Arbg.)— Meine Freunde werden alles tun, um die weitesten Krens der Bevölkerimg immer mehr über den Klassen- charaktcr des Heeres»nd deö Krieges und über die Mittel nnd Rot- wcildigkeitc» der Bcscitigiing dieser Zustände aufzuklären.(Bravo) bei der Soz. Arbg.) Oberst v. Wrisbcrg: Die Darstelluiig des Herrn Abg. Cohn im Laufe der letzten Tagung, ioouach drei jimge Leute aus Neukölln ins Heer ein- gestellt seien, nachdem ein gewisser Druck auf den unter« suchenden Arzt ausgeübt worden sei, trifft nach den angestellten Erinittelungen nicht zu. Im Falle Lichienstcin liegt cS so, daß eine zur Nachprüfung der Miisteningen hingeschickte Kommission ihn für arbeitSoerivendungSfähig crllärl hat. Bon den inneren Ver- hältnissen der Kompagnie konnte diese ganz plötzlich angekommene Kommission leine Kenntnis haben. Im Falle Weinberg mutz es bei den Erkläruiigen des stellvertretenden KriegSministers bleiben. Gar zu schlecht scheint der Geiundheilszustand Weinbergs nicht zu sein, denn er hat in einem Falle den Antrag aus Vollurlaub bis 12 Uhr gestellt.(Unruhe bei der Soz. Arbg.) Das ist natürlich sehr er- jrculich. Der Fall Frassek wird untersucht werden. General v. Oven: Die neue BesoldungSordnung ergibt rechnerisch nach dem Stande der Beförderungen im September eine jährliche Ersparnis für das Deutsche Reich von 12 Millionen Marl. DaS ist bei der beschränkten Anzahl von Personen immerhin eine Menge Geld. Der Vorredner meinte, je geringer die persönliche Gefahr,' desto höher ist die Be- soldunjp Ich war bisher der Ansicht, daß die Höhe der Besoldung nach der Größe der Verantwortlichkeit der Tätigkeit der betreffenden Stelle sich richtet. Oder soll etwa umgekehrt Hinderiburg am wenigsten und der Soldat, der sich vorn herumschlägt, am meisten bekommen? Wenn ich es den gemeinen Soldaten zubilligen könnte, wäre ich der erste, der es gerne tüte. Also diese Aeußcrung hat doch einen Bei« geschmack, den ick hier nicht näher bezeichnen möchte. Jeder, der draußen gewesen ist, weiß und hat eS erlebt, vom konimänvierenden General herunter bis zum untersten Vorgesetzten, daß alle nicht nur da. wo es nötig ist, bis vorn an das Feuer heran« sehen, sondern auch da, wo es nicht nötig wäre, nur weil er einen Kameraden zeigen will, daß er teil an ihnen nimmt. Das ist die Gewohnheit unserer Vorgesetzten, und das möchte ich doch gegenüber dieser Bemerkung ganz ausdrücklich betonen.(Sehr gut) rechts.) Es wurde anch gesagt, es würde vielleicht den Krieg ablllrzen, wenn die Offiziere an der Speisung der Soldaten teil- nehmen müßten. Das klingt fast so, als wenn unsere Offiziere so gut verpflegt werden, daß sie nur wünschen könnten, der Krieg dauert recht lange, damit sie iin Schützengraben noch mehr schlemiiieu können. DaS ist auch ein Gedankengang, dem ich nicht folgen kann. B ei uns hungert der Offizier mit feinen Soldaten, wenn gehungert wird, nicht nur der Leutnant, sondern hinaus bis zum kommandierenden General. Das ist draußen die Regel. Wenn Ausnahmen vorkommen, so halten wir sie selbst für den größten Fehler eines Osfiziers. Die Berichte von draußen betonen innner wieder: je höher dre Stelle ist, zu der wir lommen, desto einfacher und knapper ist das Leben draußen. Gewiß kommt es vor, daß bei der Zuführung der Lebensmittel etwas verlorengeht, dem wird aber streng nachgegangen bis in die vordersten Schuhen- linicn hinein. Jeder Offizier hat selbst das größte Interesse daran, daß seine Truppen gut eruährt werden. General v. Langermann führt zum Beweise, daß das Heer kein Klafienheer sei, einen Brief an, den er von früheren Mannschaften seines Negtmcius bekommen bat, in dem ihm dex Dank dafür ausgesprochen wird, daß er als Regimentskommandeur den Leuten durch seine Erziehung zum So!- dale» seinerzeit moralische,, Halt sürs Leben gegeben habe. Das ist das Verhältnis zwischen Osfizieren und Soldaten im Heere. sLachen bei der Soz. Arbg.j Abg. Held(natl.): Maniiichafien und Offiziere stehen im Felde zusammen wie ein Mann.(Sehr richtig I rechts) In der Frage der Dissideitlen» befreiung fordern wir nicht Wohlwollen, sondern Recht. Hier muß nach dem Worte gehandelt werden: Freie Bahn allen Tüchtigen!— Tie Erlasse der Militärbehörde sind alle sehr gut. aber die Haupt- fache ist, daß st« auch wirklich durchgeführt werden.— Redner trägt des weiteren eine Menge Einzelwünsche vor. Abg. Heine(Soz.): Daß das K r i e g s m i n i st e r i u m b e IN ü h t ist, s e d e u n- angemessene Behandlung der Mannschafteir z u verhindern, kann ich b e st ä t i g e n. Leider ist der Weg von oben nach unten sehr lang und der gute Wille der oberste» Stelle kaiin nicht alle Mißstände ausrotte». Von der Fürsorge der Ofsizier« für die Mannschaften habe auch ich viele Bei spiel« gehört. Aber man hört auch vielfach das Gegenteil.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Darum »ruß die Kontrolle«ine schärfere sein, zumal natürlich ini Lause eines so lange» Krieges auch das Ojfiziermaterial sich etwas ab- nuyen muß.— In der Frage der Beförderung von D i s s i d e n t e n ist uns Besserung versprochen. Aber dazu genügt nicht, daß hie und da einmal ein Dissident zum Offizier ernannt wird. Der Fehler in dem Schreibe» des KricgSministöriuniS an den Abgeordneten Heckfcher liegt vor allem in der B e g r ü n d u n g der Nicht- besörderung, Diese ist ein Schlag ins Gesicht für alle die. denen die Religion etwas Persönliches und Innerliches ist. Man sagt, die ernste Zeit Hab- bewiesen, wie tief die Religion im Bolle wnrzele, Viele Pastoren tlagen aber bekanntlich über das Gegenteil, daß das nur im Anfang eine vorübergehende Wolle gewesen sei. Auch aus dem Felde kommen sehr wider'tvrechende Be- richte über diese Frage. Ich finde das auch ganz begrcisnch. Religion und kirchliche Firmen sind eben etwas ganz Verichiedenes. Ich glaube gern, daß auch in kirchlichen Formen religiöses Erlebnis sich ans- sprechen kann, ebenso aber weiß ich, daß tiefes religiöses Empfinden ganz unabhängig sein kann von der Zugehörigkeil zu einer staatlich anerkannten Gemeinschaft.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) War dein, das C h r i st e n t u m bis zur Zeit K o n st a n t i n s nicht auch eine staatlich nicht anerkannte ReligionS« gemeiilschaft.(Sehr gut I) Welche Acußerlichtcit in der Auffassung der Religiositär zeigt dieser Erlaß. Er kommt auf eine Religiosität im Kasernenstil hinaus. Weiß man denn nicht, daß einzelne aus Gründen äußerer Vorteile in staatlich anerkannten ReligionSgemein- schastcn bleiben? Will man neue Gründe für diesen irreligiösen Impuls schaffen? Das Kriegsminisieririm schreibt von einer neilen Stärkung des Glaubens. Wissen Sie nicht, daß aus dem Felde jemand, der nicht kirchlich getraut ist. sofort Urlaub erhält, wenn er diese Trauung nachholen will? ES gibt viele derartige Leute. Einer schreibt mir mit tiefster Beschämung davon, aber, sagt er, was tut man nicht, um seine Fron und Kinder einmal wieder zu sehen. Ein anderer schreibt frivol darüber und macht sich lustig, daß die.Vorgesetzten so duninr sind". Will nian solche Sorte von Neligrojuät haben oder ist man blind gegen diese Wirkungen des Erlasses? Gerade diejenigen, die es ernst mit ihrer Ueberzeugung nehmen, leiden unter dieser ungerechten Praxis am meisten. Hunderttaniende kämpfen draußen, die in keinem innerlichen Verhältnis zur Kirche mehr stehen, sie sind genau so gute Soldaten wie jeder andere, werden jetzt aber zu Soldaten und Pairioten zweiton Ranges gemacht. Nicht anders steht es mit der Behandlung der Juden. Fortlaufend verkündet das Llriegsininisterium seinen guten Willen, seine Handlungen aber sind so u n g e s ch i ck t w i e in ö g I i ch. WaS soll denn bei der angeordneten Statistik herauskommen. Wir wissen ja, dag die jüdische Bevölkerung in bezug auf körperliche Tüchtigkeit nicht mit pommerschen Bauern und bavrischen Holz- knechten verglichen toerden kann. Eine Jahrtausende lange Abspcr- rung von körperlicher Betätigung kann an einer Rasse nicht spur- los vorübergehen, obwohl es übrigens auch viele Juden gibt, die draußen jede Arbeit leisten. Jeder Kompagnieschreiber bekommt das Schriftstück des Kriegsministeriums in die Hand, und jeder Jude ist dadurch ohne weiteres der Feigheit mindestens verdächtig. Auf solche Weise macht man freilich jüdische Vorgesetzte unmöglich. Ohnehin ist der Antisemitismus im Heere nicht etwa nicht vorhanden. Mit welcher Begeisterung zogen nicht zahlreiche Juden von der Schulbank, von der Akademie, von dem Bureau hinaus und auch ältere; ich erinnere nur an unseren unvergeßlichen Frank. Aber der alte erbärmliche Antisemitismus macht sich wieder breit. Erbärmlich ist es, wenn man in einer Zeit der höchsten Erregung, die die Zusammenfassung aller Kräfte erfordert, wo jeder nur an Einheit und Treue denken soll, erbärmlich ist es, wenn da ein Mit- kämpfer den andern wegen seiner Nase mißachtet und beschimpft. Das ist ein trauriger Beweis einer verkehrten Erziehung im Volke und im Heere. Auch werden den Juden bei der Beförderung zum Offizier alle möglichen Schwierigkeiten g e- macht; da wird nicht jedem Tüchtigen freie Bahn gewährt. Und dieselben Kreise, die soviel auf Religiosität geben, sind sehr zufrieden, wenn ein Jude den Glauben wechselt. Ist das das Ehrgefühl, das von einem Offizier zu fordern ist, ist das der sittliche Ernst, auf den das deutsche Volk sich immer so viel zugute tut? Von zwei jungen Leuten, die nach ausgeheilter Verwundung zum Offizierkursus kamen, wurde der eine, ein Jude, plötzlich abberufen. Auf meine Anfrage erhielt ich die Auskunft, er sei für einen anderen Kursus vorgesehen. Seitdem ist ein Jahr darüber vergangen, und er ist nie zn einem Kursus einberufen. Dieser junge Mensch war aber nicht verbittert, er tat seinen Dienst freudig, bis er fiel; er hatte gehofft, an dem Deutschland nach dem Kriege mitbaue» zu dürfen, daß Wahrheit und Schönheit darin herrscht. Sorgen wir dafür, daß die Ileberlebenden nicht schließlich die Toten beneiden, weil sie ein rasches Ende für das Vaterland gefunden haben, während wir einen hoffnungslosen Kampf gegen Kleinlichkeiten führen müssen.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Auch die Nichtbcfiirdcrung von alten erfahrenen Unteroffizieren macht böse» Blut und war schon in Friedenszeiten nicht gut. Das deutsche Volk muß sich auf Entbehrungen gefaßt machon, die «S noch nicht erlebt hat. Trotzdem muß der Mrit und die Freude am Vaterland aufrecht erhalten werden. Das ist die Voraussetzung des Sieges, den wir alle wünschen. Aber dies Ein- heitSgefiihl wird gefährdet durch alle diese Dinge. Ich verneige mich vor den, franzäsischeil Volke, das seinen letzten Vlnttropfen zu opfern bereit ist für das, was es als seine Vaterlandspflicht erkannt hat. Dort gibt cS keine Zurücksetzung von Dissidenten und Juden, dort gibt es nur ein einheitliches Volk. Daran sollten wir uns ein Bei- spiel nehmen und Deutschland nicht vor dem ganzen neutralen Auslande herabsetzen.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Eine bessere Zukunft wird un- serem Volke nicht geschenkt werden, es muß sie sich erarbeiten. Eine Regierung kann dazu nicht viel helfen, aber sehr viel schaden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Uns ist das Vaterland und seine Zukunft heilig und deshalb können wir nicht dulden, daß durch klein- liche Schwächen der einmütige heilige Wille zum Siege gestört werde. Am guten Willen der Herren vom Kriegsministerium zweifeln wir nicht, aber sie müssen viel energischer das tun, was zu tun not- wendig ist.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Haas(Ap.): So wie der Abg. Cohn darf man die Dinge nicht darstellen. So steht es nicht, daß draußen ein Klassenheer, eine entrechtete Masse steht. Die könnt« nicht erreiche», was erreicht worden ist. (Sehr richtig!) Was erreicht worden ist, ist erreicht, weil freie Männer draußen stehen.(Lebhafte Zustimmung bei der Volks- Partei.) Das Auftreten des Abg. Cohn ist nicht etwa demokratisch. (Sehr richtig! bei der Volkspartei.) Auswüchse kommen vor, aber im ganzen ist es gut. Das Verhalten gegen Dissidenten ist nicht soldatisch. Draußen fragt keiner den andern, Ivos er glaubt. Diese Stellungnahme des Kriegsministeriums patzt in die ganze heutige Zeit nicht. Sie erinnert an das Scherzwort aus Friedens- zeiten: Ein Hauptmann sagte zu einem Dissidenten:»Wenn Sie bis morgen keine anstündige Religion haben, schmeiß ich Sie zu den Juden!"(Große Heiterkeit.) Mit solche» Mittel» fördert man nicht Religiosität, sonder» Heuchelei. Auch der Erlaß des Kriegsministeriunts über die Judenzählung ist in höchstem Maße ungeschickt. Er diskreditiert die jüdischen Soldaten und ist ge- eignet, die Autorität der jüdischen Vorgesetzten zu untergraben. Zahlreiche Briefe geben dem Empfinden Ausdruck: Wir sind ge- zeichnet. Ein Mann, der bereits im August 1914 das Eiserne Kreuz erhielt, der dreimal verwundet war und jetzt in einem Bureau arbeitet, schreibt:„Natürlich werde ich in der Statistik als Schreiber gezählt, nicht«IS Jude, der draußen seine Pflicht getan hat." Vor allem beklage ich den Erlaß auch, weil wir nach dem Kriege gemeinschaftlich zu arbeiten haben. Ungeheuere Ar- betten harren unser nach dem Kriege. Heine meinte, die Jude» seien durch den jahrhundertelangen Druck körperlich degeneriert, Ich glaube das nicht. Wären die Juden Drückeberger, dann würde ich allerdings die anklagen müssen, die sie jahrhundertelang unterdrückt haben. Wenn man bei KriegLgesellschaften Zahlungen heranstaltet, dann muh man auch alle sonstigen Reklamierten in der Schwerindustrie, in der Landwirtschaft zählen.(Sehr richtig!) Und dann zählen Sie mich einmal die Kriegsfreiwilligen aus den ersten Tagen und Wochen des Krieges und stellen so fest, ob nicht der große Zug, der durch das deutsche Volk gegangen ist, auch die Juden ersaßt hat.(Abg. Waldstein: Diese Statistik ist verboten worden!) Die deutschen Juden haben ihre Pflicht getan nicht um irgendwelcher Vorteile willen. Aber im Interesse des ganzen deutschen Volkes sollte jetzt alles unterlassen werden, was geignet ist, das Volk auseinanderzureißen.(Sehr gut!) Jetzt keine Hetze, kein gegen- seifiger Kampf,;etzt Einheitlichkeit. Geschlossenheit im Interesse des Baterlandes.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Dr. Ouarck(Soz.): Im 15. Armeekorps beginnt die Judenstatistik mit den Worten: „Um den ungerechtfertigten Vorwürfen in der Bevölkerung wegen Bevorzugung der Juden entgegentreten zu können," Das ist ganz etwas a r d e r e s, als was das K r i e g s m i n i st e- r i u m uns als Zweck der Erhebung bezeichnet hat. Wie ist dieser Widerspruch zu erklären? In dem Befehl des 18. Armeekorps heißt es weiter: die unteren Stollen sollen die Juden, die sie bisher beschäftigt haben, für die Zeit der Statistik periodisch ablösen. Statistisch würden also weniger Juden als im Bureandienst tätig erscheinen, als tatsächlich beschäftigt waren.(Hört! hört!) Die unteren Militärbehörden kommen eben durch die Erhebung offen- bar in Konflikt zwischen ihren statistischen und praktischen Pflichten. Sie wissen einerseits, daß die geschäftliche Begabung der Juden ihre Verwendung im Bureau vielfach empfiehlt, andererseits haben sie natürlich den Wunsch, nicht etwa die Juden als bevorzugte Drückeberger erscheinen zu lassen. Die konfessionelle Sta- t i st i k bringt alstj weder richtige Zahlen, noch trifft sie die wirklichen Drückeberger jeder Konfession. (Sehr wahr!) Diesen müßte man mit ganz anderen Maßnahmen energisch zu Leibe gehen; dabei würde die Regierung der Unter- stützung des ganzen llieichstags sicher sein.(Bravo! bei den Sozial- demokraten.) Abg. Dr. Cohn(Soz. Arbg.): Im Fall Weinberg hat Oberst Wrisberg zn dem von mir erwähnten Vermerk des Oberkommando» in den Akten:„Weinberg ist unter keinen Umständen zu entlassen!" nicht» gesagt.(Hört! hört!) Die Ausführungen des Generals v. Stein machen seinem guten Herzen alle Ehre. Ist er davon überzeugt, daß er mit seiner Auffassung recht hat, so rate ich ihm. seine Rede in den Schiine»- grüben verteilen zu lassen. Ich glaube, da» Gelächter, das dann entstehen würde, würde un» bis hierher erreichen.(Sehr gut! bei der Soz. Arbg.) Damit schließt die Debatte. Die Resolutionen der Kommission werden a n g e n o m»> e n. ES folgt die Debatte über die Ernährungsfragen. Die Kommission empfiehlt als Eraebnl« Ihrer auSsührlichsn Beratungen sechs Anträge dem Reichskonzlcr zur B er ü ck- s i ch t i g ii n g und 80 A n t r ä g e als M a t e r i a l zu überweisen. Die Abgg. Ablas)(Vp.) und Genosten beantragen eine R e s o- lution, die den Reichskanzler ersucht, für eine Vermehrung der Schlachtungen von Rindvieh und eine entsprechende Erhöhung der Fleischration der Zivilbevölkernng sowie Herabsetzung der Höchstpreise für Rinder Sorge zu tragen nnd in Erwägung darüber einzutreten, ob nicht der freie Handel in Rindvieh wiederherzustellen sei. Abg. Mumm(D. Fr.) beantragt in einer Resolution z» der- langen, daß jeder Verwandlung von Nährstoffen in alkoholische Gelränke»ach Möglichkeit entgegengetreten werde. Abg. Graf Westarp(k.) als Berichterstatter referiert eingehend über die Verhandlungen der Kommission Präsident des Kriegsernährungsamts v. Batocki: Um spätere Enttäuschungen zu vermeiden, werden wir bei der Verteilung der Lebensmittel gerade in den ersten Monaten des neuen Erntejahres sehr vorsichtig sein niüsten. Unser Hauptziel bleibt, uns von der Einfuhr möglichst ganz unabhängig zu machen. Erreichen wir das, dann nützen unseren Feinden all' ihre Ab- ipcrrungsmaßrcgeln auch in Zukunft nichts. Das Durchhalten kann natürlich nur ein knappeS sein. Die Triahrung des Vorjahres mit seiner schl-chien Körncrernte hat den Beweis geliefert, daß wir ans eigener Kraft durchholten können. Redner gibt einen kurzen Rück' blick über die ersten beiden Kriegsjahr«. Jetzt im dritte» Kriegs- ernlcjahre wird die Aufgabe dsrLandwirtschaft immer schwieriger. ES srhlt immer mehr an menschlichen und tierischen Arbeitskräften. In sehr vielen Betrieben fehlt auch der eigentliche Herr. Die Unkenntnis der Bedeutung dieser Schwierig- keilen für die Landwirtschaft hat manche unberechtigte Kritik ge- zeitigt. Auf die Erfolge, die trotzdeni errungen find, können wir stolz sein. Erfreulich ist, daß die Ernte an Heu und Stroh dies- mal doppelt so groß ausgefallen ist wie im Vorjahre. Der Anbau von Roggen und Weizen hat erheblich zugenommen. Wenn an einzelne» Stellen mehr Haser und Gerste geballt wird, ist das auch kein Fehler, denn die Körnerarten sind in der Kriegswirtschaft gegenseitig vertretbar. Die Frühdruschprämi« hat ihren Zweck erreicht. Ohne sie wäre die Situation schwierig geworden. Di- Alkoholfrage ist fast eine Glaubentsrage wie die Religion. Die Erzeugung von Alkohol aus Dingen, die der Ernährung dienen sollen, muß aufs äußerste ein- geschränkt werden. Nicht berücksichtigt kann werden das Interesse der Industrie; da» ist hart, aber leider nicht zu ändern. Der Zucker. zusay zum Wein war unbedingt nötig, wenn nicht große Mengen von Weintrauben verderben sollte». Zu einer Einziehung des Schnapses in allen Häusern und Gastwirlschaflen kann ick mich nicht entschließen. Der Erfolg wäre, daß der Wohlhabende Wein, Most und Süßschnäpse haben würde, der kleine Mann nicht. Man weist auf das Beispiel Rußlands hin, Ich verweise auf Frankreich, das gar nicht daran denkt, den Alkoholgenuß bei seinen Leuten ein- zuschränken, und die französischen Soldaten stehen den unsrjgen an Tapferkeil und Hingebung für das Vaterland keineswegs nach. Auch das vollständige Verbot des Biergenusses würde zu weit führen. Das würde den Stand des Berpflegungsgetoerbes so gut wie vernichten. Die endgültige Festsetzung der zu Brauzwecken freizugebenden Gerstenmenge wird rechtzeirig erfolge».— Der akute Notstand in der K a r t o f f e l f r a g e ist beseitigt. Allerdings bleibt die diesmalige Kartoffelernte weil hinter dem F r i e d e n s st a n d zurück. Jede Verschwendung von Kartoffeln ist daher ansgeichiosss». Kartoffeln, die zur menschlichen Ernährung zu branchen sind, diirscii nicht verfüttert werden. An der geplanten Rationierung mit 1�/z Pfund pro Kopf muß sestgchalten werden. Als guter Ersatz für Kartoffeln lommen die Kohlrüben in Betracht. — Beim O b st, insbesondere Aepseln und Pflaumen, haben unsere Vemübungcn leider nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Es war unbedingt nötig, große Mengen davon dem Frischkonsum zu entziehen und der Konservenbereitung zuzuführen. Deshalb war die Beschlagnahme noiwendig. Sie hat in manckier Beziehung bedenklit�e Folgen gehabt, aber der Armeebedorf i st gesichert. Für den Zuckeranbau müssen wir ebenfalls sorgen; die nächstjährige Ernte darf nicht geringer werden, als die diesjährige.— Große Sorgsalt wenden wir der Waldnutzung zu. Leider scheitert die volle AilSnußnna des Woldes an dem Mangel an Arbeitskräften. Der Wildschaden ist in weiten Gebieten durch das Wetter auf ein Minimum reduziert, in anderen Gebieten ist Wild in Uobermaß vorhanden, und dort ist an die GeneraltommandoS die Bitte ergangen, ihrerseits sür den Abschuß des Wildes zu sorgen.— Wir müssen sparen, und deshalb gewinnt die Massenipeisiiiig erböhte Bedeutung; aber zur Zwangs- m a s s e n i p e i s u ii g sür jedermann habe ich mich nicht ent- schließen können und'werde es auch nicht tun. Doch wird erwartet, daß die freiwillige Benutzung der Masienspeisung einen großen Um- fang annimmt.— Bei der Fleischversorgung muß mit allen Mitteln erstrebt werden, daß 2C0 Gramm wöchentlich überall zur Verfiigung stehen, in große» wie in kleinen Städten. Der Rinderbestand bat sich noch nicht soweit erholt, daß wir die Schlachtungen erheblich veimchrcn könnten. Tiere, die absolut fleischarm sind, oder gute Milchlühe umzubringen, ist ein Sckirilt, unter dem die Bevölkerung am meisten leiden würde. Infolge des VersültcrungSverbols von Karioffel» werden wir leider nicht so viel fette Schweine bekomme», wie wir noch vor Monaten hofften. Die Schwierigkeiten der Kontrglle haben uns zwei Jahre lang abgehallen, an die Regelung des Milch« und ButterverkehrS zu geben. Aber schließlich tvar es doch notwendig. Eifmilichetweis« ist die Einstchl unserer ländlichen Bevölkerung in die absolute Notwendigkeit, die Feltveriorgung der Städte zu verbessern, allniählich so allgemein geworden, daß wir aus einen guten Erfolg unserer Bestrebungen, an die wir mit schweren Sorgen herangegangen sind, rechnen können. Di« ver« ständnisvolle Miiwirknng der Landwirte und Verbraucher läßt sich nur durch gründliche Aufklärung erreichen, die ich für eine besonders wichtige Ausgabe halte. Man sieht immer mehr ein, daß die Sicher- heil der Versorgung nicht auf dein Weg deS freie» Verkehrs zu erreichen ist. Ebenso erkennt man immer mehr, daß einzelne Maß- nahmen nichts nützen, sondern nur ein vollkommen zusammen- hängende« System. Während deS Krieges kann man die» System nicht misgegcoen und irgendein Gebiet wieder dem freien Handel übergeben. Als Beauftragter der Gemeinden bat er noch ein weites Tätigkeitsgebiet; daß die Vertreter der Händler sicki zu Organisationen zusammenschließen, ist zu begrüßen. Um unredlichen Schiebungen vorzubeugen, darf nicht geduldet werden, daß ei» Pro« dukt verschiedene Preiie, je nach seiner Herkunkt hat.— Eine große Gciahr für den Kleinhandel mit den Lebensmitteln ist. daß halbe Arbeitskräfte, Kriegsbeschädigte und Nriegerwiiwe». sich ihm zu« wenden und unterstützt von ihrer Rente eine schwere Konkurrenz ausüben. Dieser Gefahr muß namentlich nach dem Kriege besondere Ansnrerksamkeit zugewandt werden.— Die Preisfrage ist natür- lich sehr wichtig. Hier werden Enttäuschungen der Bcrtrmichcr auch in Zukunft nicht ausbleibe». Es geht nicht an, zu plötzlich in gewordene Pieisentwicklungen einzugreifen. Eine Herabsetzung der Rindviehpreiie wird aber aus jeden Fall nach Abschluß der dies- jährige» Masiperiode kommen.— Die Unmöglichkeit eines P r o d n l t i o n s z w a n g e S ist vor kurzem in den„Sozia- l i st ii ch e n Monatsheften" durch Herrn K a l i s k i i» ein paar treffenden Sätzen schlagend nchgewiesen worden. Es wird ost von der Verärgerung gesprochen. Ich habe mich über den Ausdruck ichr geärgert.(Heiterkeit.) Man darf sich im Kriege über solche Dinge nicht ärgern, man muß seine Pflicht tun. Jeder mag seine Empörung in der schärssten Weise äußer», aber er soll trotzdem Inn. was noiwendig ist. Jeder muß sich sagen, daß seine Entbehrungen lange nicht so schlimm sind, wie die an der Front. Unsere Truppen sind darüber nicht ver- ärgert, und der Geist, der an der Front herrscht, sollte auch hinter der Front herrschen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Bei den Wohlhabenden!) Bei den Wohlhabenden ganz be- sonders, das gebe ich zu. Ich erkenne dankbar an. daß alle Be- völterungsireis- ihre Pflicht tun. Aber überall gibt es auch Leute, die sie nicht tun und denen entschieden entgegengetreten werden muß. lieber den Klagen biite ich den Ernst der Zeil nicht zu vergessen. Man soll die Schwierigkeiten der Kriegswinichast auch nicht überschätzen. Ich darf naw pflichtgemäßer Prüfung unserer Geiamtlage er- klären, daß keine Gesabr besteht, als tonnten wir bis zum Einsetzen der neuen Ernte im Herbst 1917 nicht durch« kommen. Wenn die gesamte Bevölkerung ihr« Pflicht tut, die Erzeuger im Erzeugen und Abliefern, die Verbraucher in Sparsamkeit, so ist es absolut sicher, daß auch in diesem Wirlschastsjahr der Plan unserer Gegner, uns auSzu- hungern, zu schänden werden wird.(Lebhafter Beffall.) Das HauS vertagt sich. Nächste Sitzung: Sonnabend 10 Uhr.(Antrag auf Ver- tag un g des Hauses bis zum Februar, kleinere Vor- lagen. Fortsetzung der E r n ä h r u n g S d e b a t t«.) Schluß 8>/« Uhr._ Mus öer Partei. französische Kritik am„Vorwärts". Die„Hnmanitö" wendet sich in ihrer Nummer vom 25. Oktober gegen den Artikel Stampfers.Frieden und Parteistreit", in dein unter Hintveis auf Renaudelö Artikel gegen Schcidemann ausgeführt war. wie das taktische Ver- halten der„Arbeitsgemeinschaft" das Mißtrauen der fran- zösischen gegen die deutschen Sozialisten verschärfe. Sie gibt den Artikel wieder und knüpft an ihn folgende Bemerkung Homo«: „Es ist zweifelhaft, ob Stampfer aufrichtig davon überzeugt ist. daß der Artikel von Renaudel den Beweis dafür erbringe, daß der Konflikt zwischen der französischen sozialistischen Partei und der deutschen Sozialdemokratie ohne die Altion der Arbeits- gemeinschast weniger scharf sein würde. Der deutschen Oppostlion sagen, wie cS Stampfer tut: Seht, die anderen berufen sich aui euch, um die Mehrheit zu bctämpsen, heißt vorgeben, zu glauben sah die andern ohne die Aktion der Opposition mKt gewußt hätten, was sie von der MchrheitSpoiitit denken soltcir Und Stampfer bat wirtlicki»n schnell vergessen, was er vor vier Wochen in der„Münchener Post" über den Halbabsolutismus, der in Deutlchland herrscht, über die vollkommene Machtlosigkeit des Parlaments, über den Mangel an Einfluß der politischen Parteien schrieb, wenn er jeyt die deutschen Arbeiter oder die Sozialisten der sremden Länder zu überzeugen sucht, daß der Friede hauptsächlich vmr der Einigkeit der deutschen Sozialdemokratie abhänge. Es wird ihm nicht gelingen, vergessen zu machen, daß der Kauzler niemals, weder direkt noch indirekt. den,. F x i« d« n s p r o g r a m m" der s o z i a l i st i s ch e n Mehrheit z u g e st i m m t hat, daß er sich niemals von den Annexionisten, von allen Annexionisten, geschieden hat, und daß die bürgerlichen Parteien, die ohne jede Ausnahme glatt amiexio« nmische Ziele prollamiert batten, niemals eine Erklärung abgegeben haben, die>bre früheren Erllärungen aufhob. Das sind unwider» legte und unwiderlegliche Tatsachen. Diejenigen anklagen, die sie mahnen,„sür die Verlängerung des Krieges verantwortlich zu sein", heißt den Briefträger be» schuldigen, für das Unglülk der Person verantwortlich zn sein, der er einen schlechte Aachrichten enihalienden Brief gebracht hat. Der Arlilel von Stampfer im.Vorwärts' und alle ähnliwe» Entre. filetS aus seiner Feder, die man über denselben Gegenstand in anderen MajamälSorganen, wie der.Münchener Post' pon gestern findet, zeige» seine Anstrengungen, die Einheit der Front rm Schoß der deutschen Partei wieder h e r z u st e l l e n, aber ihre Wirkung kann notwendigerweise nur gleich Null sein. Und sicher kann man nicht durch'die Art der .Einnahme' dcS.Vorwärts" durch den Parteivorstand der Sache des Friedens und der Internationale dienen.' Renaudfl hatte den Standpunkt vertreten, daß die Friedens- erklärung Scheideinanns nicht ernst genieint sei, und hatte sich zur Begrüuduug seines Mißtrauens ausdrücklich auf die Arbeitsgemeinschaft berufen. Lomo polemtsiert also eigentlich mehr gegen�Renaudel als gegen Stampfer. Während Nie. naudel alle Schuld auf die behauptete Unaufrichtigkcit Scheide- manns schiebt, findet sie Hoino in der Schwäche des Deutschen Reichstags und besonders der deutschen Sozialdemokratie. An Wirklichkeit haben die deutschen Sozialisten mehr für den Frieden getan als die Sozialisten anderer Länder, sie haben in Deutschland eine Stimmung schaffen geholfen, die einem Frieden der Verständigung, einem Frieden ohne Annexionen, geneigt ist. Wäre diese Stimmung in gleichem Maß bei den Gegner», insbesondere bei den Franzosen, vor» Hände», so wären»vir dem Frieden näher, als dies tatsächlich der Fall ist. In einem Punkte hat Homo recht. Es wäre besser ge- Wesen, wenn das Wort„Frankreich französisch, Belgien belgisch, Deutschland deutsch" pou B e t h ni a n n gesprochen und damit volle Klarheit über seine Siele geschaffen worden wäre. Uebrigens ist der ganze Artikel des„Populaire du Centre' über Scheidemanns Rede von der französischen Zensur ge- strichen worden! Mus Industrie und Handel. IL Proz. für die Schultheiß' Aktionäre. In der gestrigen Sitzung des AufsichlsraieS der Schultheiß' Brauerei Aktiengesellschaft wurde von dem Vorstande über da« ab» gelaufene Geschäftsjahr Bericht erstattet und Bilanz sowie Gewinn» und Verlustrechnung vorgelegt. Der auf den V. Dezember zu be« rusenden Generalversammlung soll wie im Vorjahre die Verteilung einer Dividende von 111 Proz. vorgeschlagen werden. Die Ab» schreibung-n belaufen sich out 2 003 336,70 Wl(2 058 402,74), der Gewinnvortrag auf 01t 899, 1t M.(Sät 811,11). Flcischknapphcit auch in Rußland. Tie Berichte der russischen Jachzeitungen über den Vieh- und Fleischmarkt in Rußland zeige», daß in manchen Gegenden die Fleischknappheit außerordentlich ist, Die letzten Meldungen au« Saratow lassen erkennen, daß der Viehauftrieb am dortigen Markte sehr unbedeutend ist. Das Vieh ist von schlechter Be> schaffenheit und die Vreise sind sehr hoch. Auch geschlachtetes Vieh wird nur wenig an den Markt gsbracht. Nack Moskau betrug in letzter Zeit der Austrieb von Hornvieh nur 600 Stück pro Tag. Daher beschäftigte sich das Städtische Proviantamt lebhaft mit der Frage, Fleischkarten einzusühren. Man will eine Fleischreserve in den Gefrieranlagen de« Proviantamts anlegen, Bei Einführung der Fletschkarte soll eine Tagesration von 8 Solotnik pro Tag zu- gründe gelegt werden, was eine Jahrcsversorgung der Moskauer Bevölkerung von rund 1,8 Millionen Pud oder 3041 Waggons Fleisch bedeuten würde. Man würde dann nur an einem Tag« der Woche in 400 Läden Fleisch zum Vertauf kommen lassen. Die Moskauer Schlächter kümmern sich wenig um die bisherigen Erlasse des Stadtkommandauten. Sie stören sich nicht an der Zentralisierung des PiehverkaufcS, sie kaufen vielmehr selbständig außerhalb der Stadt Vieh und vertreiben da» Fleisch offen und geheim. Eine bemerkenswerte Abnahme der Viehzufuhr hatten auch die Märkte von Woronesch und TambowIk zu verzeichnen. Auch auf den Donmärkten trifft wenig Vieh ein. Am Markie von Poltawa dagegen ist reichlicher Vieh zu haben, doch sind die Preisforderungen so hoch, daß nennenswerte Umsätze nicht zustande kommen. Auch in der Ukraine ist das Bich knapp. In einer Reihe russischer Städte haben die Siadtkommandanten Höchst- preise für Hammelfleisch eingeführt. Aus alledem geht hervor. daß in Rußland nicht nur Weh- und Fleischknappheit herrscht, daß vielmehr auch die Verteilung sehr zu wünschen übrig läßt. Es fehlt an einer einheitlichen Organisation. Englische Jndustriegewinne. Im dritten Vierteljahr 1916 sind die Gewinne der englischen Industrie, abgesehen von der Brauerei- und Petroleumindustrie, durchweg nicht unerheblich gestiegen. Insbesondere die Gewinne der Montangesellschaften und der Srhisfahrtsgesellschaften. 13 Kohlen-, Eisen- und Stahlgesellschaften erzielten einen Gewinn von 2,2 Millionen Pfund Sterling gegen 1,7 Millionen Pfund Sterling in der gleichen Zeit des Vorjahres, b Schiffahrtsunter- nehmungcu einen Gewüm von 2,2 Millionen Pfund Sterling gegen 1.4 Millionen Pfund Sterling. Wesentlich erhöht haben sich auch die Gewinne der Tee- und Gummiunternehrnungen. 20 solcher Unternehmungen haben in der genannten Zeit einen Gesamtgewinn von rund 803 000 Pfund Sterling gegen 424 000 Pfund Sterling erzielt. Fretreliftiöle(»emrtuve. Sonntag. den 5. November, vormittags l> Uhr, Pappel-Alle« 1S/I7: NcutSlln,.Adealtasino', Idealplissage; Ober- schöncweide, Klaraftr. L! Freireligiöse Vorlesung.— Vormittag« 11 Ubr: Kleine Franksurter Straße 6: Vortrag von Frau Marie Krische:„Er- zichung zur Ehe'.— Gäste willkommen. «>e»irrauSstchten tür das mittler« Storddeutsevlanv bis Sonntag mittag. O eftlich der Ober zunächst noch trocken und heiter. Im Westen überwiegend bewölkt mit leichten Regenjällen. Temperatur wenig verändert. jj Wahlvereln I. il. 4. ßsplReictistagswahlkim FrankUir'.er Viertel. Bei. 256. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Aenvlse, der Goldschmted Herniaim Härtel, Btumenstr. l« gestorben ist. Gbre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, de»-t. Novbr,, nach- mittag« 2 Uhr, von der Leichen- balle des Zcntral-Frtedhoses in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 317/3 Der Vor»tand. illgmeliie Oris-Kraitokasss iler Stadt Berlin. Am 1. November verstarb nach schwerem Leide» uns er lieber Kollege Julius LsZls im 57. Lebensjahre. 371/10 Wir werden sein Andenken in Ehre» halten Z Die Beerdigung findet am Sonntag, den 5. Noo cmber, nach- mittags 2% Uhr, auf dem Pauls. Kirchhof, Seeslrasie 134, statt. Um zahlreiche Beleiltgung der Kolleginnen und Kollegen ersucht Ter Angestellten-Ausschuß. Verkam! der Bureauangestellten Deotscbiamis. Ortsgruppe UroU-lterlln Am 1. November verstarb nach schwerem Leiden unser Mitglied, Krankenlass-nangestellter Julius Kalla (Wllgtm. Ortstrankentasse Berlin) Im 87. Lebenssahre, Ghre keinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den o. November, nach- mtliags S'/. Uhr, aus dem Paul«» Kirchhof, Scestr. 124, statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 4V/V vi« OrUverwaltung. AI« Opfer de« Welttrlege« starb am 4. Ottober an seiner schweren Verwundung mein lieber, herze»«- guter Man», Sobn, Bruder. Schwiegerlobn, Schwager und Ontel, der Land sturw mann �uZust Hoffmann im 35. Lebensjahre. 3A In tteser Trauer kkritia Hoffmann, llharloltenburg, Schlllerstrahe 45. Dir der Friede, mir der Schmerz! SoziaidemokratlscIierWatilyereln KariendörL Den Mitgliedern zur Nachricht, daß nach langem Leiden der Parteigenosse Otto WeiL Ehausscestraße 290, am 8. November 1910 im 52. Lebensjahre gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 5. November, nach- mittags 2'/, Ubr. von der Leichen- balle in dcrFriedenstrage aus statt. Um zahlreiche Beieiiigung ersucht tftv/t>_ Der Vorstand. Deutsctier Metallarbeiler-Verbanil VerwaUungestelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gold- schmied Hermann Härtel Blumenslr. 18 am t. d. Wts. gestorben ist. «ihre seinem Andenke»! Di« Beerdigung findet am Sonnabend, den 4. d. Mts., nach- mittags 2 Ubr, von der Leichen- halle de« ZciilraltrtcdhoseS in griedrlchsseldc an» statt. fliege Beteifigiiug erwartet lSb-3 Die Ortsverwaltung. Verbanil der Tapezierer. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachrich daß unser langjährige« Mitglied| Paul Sfreitz an, 81, Oktober verstorben Ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 4. November, nachmittag« 4 Uhr, auf dem neuen Thoma»> Kirchhos in Neukölln, Hermannstraße, statt, Roge Beteiligung erwartet 178/11 Ter Borftand. Allen verwandten, Genossen, Kollegen, Freunden u. Bclannten hierdurch die traurige Mitietiung, daß mein lieber Mann und treu- sorgender Vater unserer beiden Kinder, der Mcialldreher(Firma Lorenz) t44Sb Otto Weiß nach langem Krankenlager irn 53. Lebensjahre mn 3. November im Lichte, selber Rrci«kan!enhaus« verstorben ist. Um stille Teilnabme bilien die trauernden Hinter- blicbencn Agnes Welfl». Kinder. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 5. November, nach- mittags 3>/z Uhr, aui dein Marien- dotier Fricdhose Bcrlin-Marien- dort. Jrtedenstraßc, statt. Für die vielen Beweise der Teil- nähme und die herrlichen Kranz- (pendelt bei der Beerdigung unsere» lieben Sobne» und BrnberS �lkrea Türk sagt hierdurch ihren herzlichsten Dank. Familie friU Türk, tl27 Christburger Str. 20 I. Dankansung. Für die vielen Bcweiie berzlichcr Teilnahme anläßlich de» HinscheidcnS meines lieben Manne», unseres guten Vaters spreche» wir allen Verwandten und Betannten sowie den Kollegen, beiondcrS Herr» Otto Roth für die trostreichen Wort« unseren herzlichsten Dank aus. 3a Witwt Auguite Bohr u. Töchter. ßentscher TrasportarteWerbMil. Bezlritsvarwallung BroS-Btrlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeit»- kutscher Karl Witt von der Firma Grassow.NeinickcN' dors, Markstraßo, am 1. d. Mi«. im Alter von 52 Jahren vcr- sterben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonntag, den 5. November, nach- mittags 3'/, Uhr, von'der Leichen- hall« de« Gcmelnde-Fricdhoi«» in Retnickendors, Humboldtstr. 87/90, au« statt. 09/5 vi» Bezlrkeverwaltung, Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine» lieben Mannes, unseres nnvergcß- lichen Pater«, Groß- und Schwieger« vatcrS, de» Schrislsehers Friedrich Helbing sage» wir allen, inSbeiondere den werten Kollegen de».Vorwärts-, dem 9. Bezirk de« Wahlveretnö und dem Personal der Firma Lachmann unseren innigsten Da»!. f3t Neukölln, Noienstr. 22, Witwe Ida Helbing»k Kinder. Max Pole n«b.t Frau„X*-,. jyc"ft? IVlarRenl ' Heren»«!»» S � S tlean Holare BÜRO, I Z Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine« lieben llftanncS 20a RÄax HSSfai* sage ich allen daran Beteiligten, ins- besondere dem Verband der freien Schankwirt« Lichtenberg, der Ein- laus«» und Produttivgenossenschast ..Freier Bund', dem Sozinldcmoira- iiichen Wablverein Niederbarnim. Bez. Lichtenberg, dem Rauchllub .Lustige Brüder", dem Köhlerschen Qnariett und Herrn Einers für die trostreichen Worte meinen innigsten Dank. Prau Frida Höfer. Pflanzt Ohstbäume! 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Kachm. 3 U.(kl. Pr.): Der Biberpelz. Kainmertipiele. 8 Uhr:.lonathan» Tdehter. Sanntag: t*e»penKter»onate. IC nehm.-Z'J,(kl. Pr.); Weiterleuchten. Tolkabllhne. Theater a. BUlowul. 8'i, Uhr:\aelit.a«iyl. Kachm. 3 U.: Sondorvorjätell. f. d. KlassischeTh.: Kabale und Liebe. Sonntag:.\aehtnsyl. Thsater i. d. Königgrätzerstr. T'/j Uhr: Zum ersten Male: Frdgelst. Komödienhaus 8 Uhr: Der 7. Tag. Berliner Theater 8 Uhr: Auf Flügeln des Gesanges- Scssing-Theater. Direktion: Victor Barnowsky. 8U.: Die beiden Klingsberg. Sonntag: Die beiden Klingsberg. Deutsch. Künstler-Theater. 8 Uhr: Moral. Folgende Tage: Moral. URAN IA raS|�n».tP- 4 Uhr(halbe Preise): �ttgypten, der Snezkanal nnd der Weltkrieg. 8 Uhr: Die Bagdadbahn. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Donath: Spektralanalyse. RoserTheater. 4 Uhr: Hllnsel und tiretel. s'/.uhr: Eine Frau ohne Herz. Theater am Sonnabend, 4. November. Lustspielhaus sv. u.: Der selige Balduin Deutsches Opernhaas, Charloltcnb. TLTir: Lohengrin. Fricdrich-Wilhelmstädt. Theater 8 uhr: Das Dreimäderltiaus. Cebr. HeiTDfeld-Theater 81;, Uhr: Villa D»« bemlna. Sonntag S'/a Uhr. bei kleinen Preisen: Die goldene Eva. Lustsp. r.F.v. Schönt han u.Koppel-EUfeld. Kleines Theater 8 Uhr: Lottohens Geburtstag. Gentz und Fanny Eitler. Paul und Paula. Komische Oper sv. uhr: Die schöne Kubanerin. Sonntag 4 Uhr: Heimat. Metropol-Theater s uhr: Die Csardasfürslin. Sonntag 3 Uhr: Die Kaiserin. ICcnidenz-Thcatcr sv. u.: Der gutsitzende Frack. Uhr; Ilm Hin(inlotti. Sonntag S1/] Uhr: Die Logenbrüder. Neues Operettenhaus Kassentelephon: Norden 281. s uhr: Der Soldat der Marie. Sehlller-Thenter O 8 uhr: Glaube und Heimat. Schlllcr-Th. Chnrlottenb. S'/.U'hr: Prinz Friedrich v. Homburg. 8 uhr: in Behandlung. Thalia-Theatcp sv. u.: ßlondinclien. Th.'atee am Xnllendorfp]. S'/. Uhr: Der Pfarrer von Kirchfold. 81/. Uhr: Diane Jungcns. Theater des Westens s uhr: Die Fahrt ins Glück mit Guido Thielsoher. Trianon-Theater 4 Uhr: Hansel und Grete). 81/, Uhr:........ als Gast. Walhalla-Theater. 8 Uhr: Seemannsüebclien. Casino-Theater. Lothringer Str. 37. Täplick 8'/« Uhr Nur noch kurze Zeit der Berliner Pos'e» Schlager Meine gute Olle. Vorder do4 neue Hovemherprogramm, u. n. Karl Groth ol? Feiierwedrbornisl. Sonhtug 4 Udr: Vätern» Wnnderkur. Keichshalien-Thesler. Stettiner Sänger. Friedensglocken. Zeilbild d. MeHlel. ZInf.3. Morgen noch- mittag Ii Uhr: Vteihnachtsahend i. Schützengraben (Ermäij. Prelle: Parkett 39 PL. Balten 7'> Pj. Logen 1 M.) Possen- Theater. Täglich S'/.ülir: Ein unnatürl. Sohn Sagen wir— die Hälfte mit Leonhard Haskel. "V oigt-Tlieater. Badstr. 58. Badstr. SS. Täglich: Das letzte©ort. Kasseneröfiniing 7 Ubr, Anfang 8 Uhr. Sannt. 3 Udr: Tie fenöne Ungarin. Ad Äloniag: Verwaist. Tügl. 8 Uhr. SonutG'/iU. 8 Uhr. Otto oder Otto? Ojioretteni. Else Bötlicher. Adele Sandrock, Ingo Brandt ns.v. Ferner: It. Mteldl nml die neuen Motemb.-Spezialitäten. 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Oktober ab Sonntags von IS bis S Uhr geöffnet.; Zarengeipeli Sturmschreie aus hundert' Jahren:: Herausgegeben i von Dr. Franz Diederich 1 In festem Umschlag geheftet 50 Pfennig Das Thema dieses Buches ist i der Kampf gegen denZarismus, j der Rußland blutig knechtet u. Europa barbarisch bedroht.— Die Zarengelßel ist ein Kampf-' buch voll Unerbittlichkeit. Aus! dem Sturm des gegenwärtigen j Kriegeslsteshervorgewachsen| Zu beziehen durch die: Sttehhandlung 20 Vorwärts Är �|SW.u=.3� HeinesWerke 3 IZände 5 ZTlarf- Buchhandlung Vorwärts Verkäufe Pelzgarnituren! RieseiiauSwahl neuer Pelzgarniluren, spoltbillig I . kunk« kragen I ZnchSgarnitiiren I Opossumslola«! Muffen allerlei! Bettenoerkaus 1 Prachtteppiche! Gar» dinenauswabll Plüschdeclenl Dioan« dedenl Herrengarderod e I Uhren- verkauf! Schniuckiacheu l Leihhaus Warschauerstrajze 7.' Moiiatdnnzüge und Sommer- valelot« von 10 Mark sowie Hosen von 4.00, Eebrockanzuge von 12,00, srrads von 2,50, sowie für korpulente Figuren. 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Wer ihn öfter besucht, sucht jedesmal einen anderen Weg ein- zuschlagen, was mit Hilfe der Gestelle keine Schwierigkeiten macht. Nur darf die Karte keinen zu kleinen Maßstab haben, so daß auch die den Wald vielfach durchsetzenden Waldbrüchc kenntlich sind und umgangen lvcrden können. Je nach der Wahl des Weges wechseln hohe Kiefern mit schlanken Birken, auf Schonungen folgen Eichen und Buchen, auf flache Waldstrcckcn die hügeligen Papcnbcrge. Ruht auch der Vogelsang, so ist der Wald doch nicht stumm, denn es fehlt nicht an Eichelhähern, Spechten und anderen Tieren, die gelegentlich ihre Rufe ausstoßen. Im Gezweige turnen Meisen und Zaunkönige, und Eichkatzen ver- leiten uns zum Verstcckenspielen. An Rehen ist kein Mangel. Was aber ist das dort auf der grünen Waldiviefe, deren Saum wir eben erreicht haben? Ein länglicher, rötlicher Fleck schiebt sich schleichend durch das Gras. Ein Fuchs! Trotz seiner scharfen Sinne hat er uns nicht gewittert, und wir können seinen Bewegungen folgen. Bei aller Verwandtschaft mit dem Hunde sieht ein Fuchs im Freien doch ganz anders aus. Ten dicken buschigen Schweif trägt er lang nach hinten ausgestreckt, und da die Beine nicht übermäßig lang sind, so sieht der ganze Kerl eigentümlich lang und niedrig aus; dazu kommt noch die Fuchsfarbe. Wir sehen, wie er bald nach rechts, bald nach links schnüffelt und windet und dabei auf den nächsten Waldrand zutrabt. Mit einem Male macht Reinicke ein paar mächtige Sprünge. Im selben Augenblick flattern einige Ncbelkrähen erschreckt auf, in deren Versamm- lung der Räuber hineingefahren ist. Wir sehen ihn nun nicht mehr: vermutlich hat er einen Braten erwischt. Wenn wir uns der Gegend von Niedcr-Neuendorf nähern, müssen wir die Karte sorgfältiger zu Rate ziehen, uni in dem sich hier stark verengenden Walde die Kuhbrücke zu finden, die einzige Stelle, an der wir den von Ost nach West durch das ganze Gelände ziehenden Entwässerungsgraben(„Der neue Graben") überschreiten können. Ter Wald ist hier Misch- und überwiegend Laubwald in feuchter, buschiger, Unterholz- reicher Niederung, die in früheren Zeiten die Havel ausgefüllt hat. Auch jenseits der Kuhbrücke behält der Wald noch diesen Charakter, der dem Reichtum der hier noch vorkominenden Lebensformen günstig ist durch seine Feuchtigkeit, und der auch sonst seine Reize hat. Wir gehen auf Längsgcstellen am Forsthans Nieder-Neuendorf vorüber nach Norden zu, immer inr Walde, bis wir die Höhe von Hennigsdorf erreichen, dem wir nun rechts ab zustreben. Die von Tegel konimende Bahn hat hier eine Haltestelle. Eisenbahn, Schiff- fahrt und Industrie haben dem Dörfchen einen ge- wissen gemischten Anstrich gegeben. Es ist aber anheimelnd genug, und es fehlt auch nicht an Einkehrgelcgenheit für bescheidene Ansprüche. sGegcnwärtig macht man am besten keine Ausflüge, ohne für alle Fälle ausreichenden Pro- viant bei sich zn haben.) Beim Wcitenvcg überschreiten wir die Havelbrücke, nicht ohne von hier aus noch das Treiben aus dem Flusse eine Weile beobachtet zu haben. Genau ge- nommen ist es nicht der Fluß, sondern der Oranienburger Schiffahrtskanal, der hier auf eine lange Strecke hin kiie Windungen der Havel reguliert und für die Schiffahrt genieß- bar macht. Aber nach Süden hin erblicken wir wieder den sceartig verbreiterten Fluß zwischen Nieder-Neuendorf und Heiligensee. Wir nehmen nun Frohnsdorf aufs Korn, brauchen dabei aber die Karte kaum zu bemühen, denn ein schöner, breiter Waldweg führt uns nach Osten fast ganz von selbst dorthin. Ter Charakter des Waldes hat sich hier jedoch sehr geändert. Jetzt ist es hochstämmiger Kiefernwald über trockenem, aber inimer noch frischmoosigem Grunde, der uns ständig begleitet, der märkische Kiefernwald in feiner besten Form. Nach einigen Kilometern tauchen die zerstreuten Villen von Frohndorf auf. und che man noch recht das Empfinden hat, einen bewohnten Ort erreicht zu haben, stehen wir schon vor den pompösen Gebäuden, die den Bahn- Hof und seine Umgebung ausmachen. Sie bilden keinen rechten Reim mit dem durchwanderten Wald, aber wir sind nicht hergekommen, um zu kritisieren, und nehmen die Dinge, besonders wenn die Herbstsonne versöhnend darüber scheint, wie sie sind. Auch hier ist für Geld, aber nicht für wenig Geld, allerhand zu haben, und es fehlt nicht an dem ent- sprechenden Publikum. Aber auch nicht an genesenden und erholungsbedürftigen Feldgrauen.— In Frohnsdorf erwarten wir den aus Oranienburg kommenden Vorortzug, der uns zum Stettiner Vorort-Bahnhof zurückbringt. Die fetten Kohlrüben. Meister Friedrich Wilhelm Schulze aß sür sein Leben gern Kohlrüben. Aber fett mutzten sie sein. Lang, lang war'S Herl Schulze schimpne über das.Schweincfutter", in dem man das kleinste Fettauge mit der Laterne suchen müsse. DaS bitzel Butler und Margarine reichte nicht bin und nicht her. Schweinebauch, der nach altem Küchcnbrauch zu Kohlrüben gehört, war eine Seltenheit geworden, und zu den verschwundenen Speckseiten darf selbst der weise Rabbi Ben Akiba unbedenllich sagen: es ist alles einmal da» gewesen I Mutter Schulze war in Verzweiflung. Eines Tages lag zwar noch manche Gemeindekohlrübe im Vorrat, aber nicht eine Mefierwitze Fett war aufzutreiben. Die freundlichen Nachbarn an» betteln? Man Hilst sich gelegentlich gern aus und tauscht, wie auf dem Pferdemarll, aber sicher nicht mit Fett. Das hält jeder fest wie die Fleischkarte und das Spar- iassenbuch. lind doch wutzte Mutler Schulze das uumög- liche möglich zu machen. Das Kohlrllbengericht glänzte, als es Punkt 12 Uhr auf dein Tisch stand, wie eine Speckschwarte. Schnüsselud hob Schulze die Nase. Aengstlich knitterte die Schulzen an ihrer kleinen Küchenschürze und meinte, sie habe schon gegessen. Der Meister hieb tapfer ein. Die Kohlrüben sahen doch wenigstens aus nach Fett. Im Geschmack, ach... da ist man ja so bescheiden geworden. Am Abend aber war Schulze schachmatt..Mutter, mit Deinen Kohlrüben ist heute etwas nicht in Ordnung gewesen. So oft bin ich ja noch nie nach dem Orte der Erholung gelausen. Oder sollte ich mich erlältet haben?" Ha... erkältet! Mutler Schulze sah sich gerettet. Einer Nachbarin hat sie eS aber unter dem Siegel der Verschnnegenheit doch anvertraut, datz sie in ihrer Herzensnot die Kohlrüben kochle init— RhizinuSöl. Es war von durch- schlageirdem Erfolg. Die Gvoste Berliner. Uns wird geschrieben: Tagtäglich liest man jetzt in allen Zeitungen, datz die„Grotze Berliner" durch Verkauf au die Stadt, durch Eihöhuug der Fahrpreise oder sonst dergleichen ihr Geschäil verbcsiern will. Niemals und nirgends aber liest man, ob die Ge- sellschaft die Absicht hat, ihren Benutzern irgend etwas zu bieten, das über den Rahmen dessen geht, was sie ihren Fahrgästen bis jetzt immer.bieten" durste. Wer in Deutschland und im Ausland ein wenig hcrningekommen ist, iür den steht fest, datz in keiner zweiten Grotzstadt der Welt die Verhältnisse in dieser Beziehung so trostlos sind wie in Berlin. Man braucht ja nur zu denken an den Mangel von Anhängewagen in den stärlsten Vcrkehrsstuuden, das Fehlen von Schutzballen gegen Witterungsnnbilden, die Unmöglickkeit, an stark belebten Stellen zu wissen, welche Linien dort überhaupt laufen(in anderen Städten hat man Slummernlafeln oder Täfelchen, in Berlin ist die ge- Witz nicht stürmische Lmnibus-Gescllschast längst so weil), und unzählige andere Rücksichtslosigkeiten gegen das fahrende Publikum— von de» Rücksichtslosigkeiten gegen das Personal ganz zu schweigen. Soweit in dieser Beziebung die jetzt wohl zu lausenden an- gestellten Frauen bei der G, B. leiden müssen, hat die Oeffentlichkeil kurze Zeit aufgehorcht, dann aber ihr Interesse, wie es scheint, wieder einschlasen lassen. Vielleicht rollt der bevorstehende Winter einiges von diesen Dingen wieder auf. Als RücksichtSIcsigleit gegen beide Teile, Publikum und Personal, ist u. a. anzusehen die mangelhafte Ausbildung der Schaffnerinnen in der Kenntnis ihrer Strecken samt den anliegenden Stratzenzügcn. Der reichen Gesellschaft würde es durchaus an- stehen, Iiistaiktioiissiunden abhalten zu lassen, selbstverständlich ohne datz etwa Gehalisabzug sür die nicht im Fahrdienst, aber im Interesse deS Fahrdienstes verbracbte Zeit vorgenommen werden dürfte, und sogar auf die Gefahr hin, datz eine Anzahl Schaffnerinnen mehr eingestellt werden mutzten. Wer täglich fährt, erfährt es täglich: datz viele Schaffne- rinnen laum die Haltestellen kennen, geschweige denn, was drum und dran liegt. Unangenehm für das Publikum, das keine Auskunft findet, noch unangenehmer für die Schaffneriimen, die für die Sckuld der Gesellschaft bützen und manchmal sehr uuan- genehme Redensarten einstecken müssen. Geht doch die Sparwut der »Grotzcn Berliner" so weil, datz sie ihre Schaffnerinnen nicbt ein- mal mit einem der vielen guten.Führer durch Berlin" ausstattet, die von verschiedenen Verlegern herausgegeben sind. Sogar das von der Stratzenbabn-Gesellschaft selber herausgebrachte recht gute Streckenbuch ist nicht in Händen des Fahrpersonals, soweit nicht etwa einzelne Angestellte eS käuflich eiworben hoben sollten I Jedenfalls wäre es autzerordentlich wertvoll, wenn man endlich einnial vernehmen könnte: nicht Klotz, was die.Grotze" haben will, sondern auch, was sie in Zukunft zu leisten gedenkt I Ein Klagelied über die neue Milchrcgelnng. Die neue Milchrcgelung liegt sehr im arge», wie aus uach- folgender Schilderung hervorgeht, um deren Veröffentlichung wir ersucht werden. Ein Leier schreibt uns;.Bekanntlich ist ab 1. No< vember die Neuregelung der Milchversorgung in Kraft getreten. Da wir nun ein einjähriges Kindchen haben, hätten wir Anspruch aus ein Liter Milch pro Tag. Wir hatten nun auch vordem stets die Milch von dem Milckihändler Sebastian, Schlesische Stratze 27, er- halten, wo wir auch in die Kundenliste eingetragen waren. Am 80. Ollober erhalten wir nun von dem Milchhändler Gerwien, Schlesische Stratze 20, eine Karte deS Inhalts, datz wir von nun ob aus seinem Geschäft die Milch erhallen. Am 31. Ol- tober geht meine Frau nun noch zu dem alten Milchhändler nach Milch; dem war sie jedoch schon entzogen und so erhielten wir dort leine. Der neue Milchhändler hatte aber auch daS grvhere Quantum Milch noch nicht erhaltrn, und so erhielten wir auch dort keine Milch. Gestern wiederholte sich dieses. Und heute gleichfalls. Trotz aller Bemühungen konnte meine Frau von keiner Seite Milch er- halten. Unser Kleines ist nun drei Tage ohne frische Milcb. Ich frage nun den Magistrat 1.: Wo ist die Milch hingekommen? Und 2.: Wer trägt die Schuld an solchen Zuständen? Diese Klage ist nun nicht etwa vereinzelt, so»ldern nur eine von den autzerordentlich vielen, die man jetzt hören kann. Mit Recht bemängelt wird u. a. auch, warum mit der neuen Milch» regelung nicht eine Neuanlegung der Kundenlisten Hand in Hand gegangen ist. Seit der letzten Anmeldung haben wir einen Umzugs- termin gehabt und viele Kunden können doch schon aus diesem Grunde nicht mehr bei ihren alten Lieferanten die Milch weiter- beziehen. Autzerdem liegen doch auch noch andere Gründe vor, die eine Ummeldung der Kunden bedingten. Jetzt mutz erst jede Neueintragung beantragt und genehmigt werden. Resultat: viel Schreiberei, Lauferei und Aerger. Es sollte nun wenigstens zum 1. Dezember, dem Ablauf der jetzigen Milchkarten, eine neue Kundenliste vorgeschrieben werden. Zur neuen Autoordnung. Zu der Verordnung über Beschränkung des Kraftdroschken' gcbrauchs teilt das Polizeipräsidium Berlin folgendes mit: Perionen, die beruflich zu den in der Verordnung genannten Veranstaltungen(Nennen, Thealern, Konzerten, Licblsvielvorslellungcn und anderen Schaustellungen) und zurück fahren müssen, insbesondere die auftretenden Künstler, Tbeaterkritiker, Theaterärzte, können AuSweiSkarten erhalten. Dem Antrage ist eine»»aufgezogen« Photographie beizufügen. Ferner sind die zur Begründung des An- tragS geeigneten Nachweise beizufügen. Die Einreichung der An- träge geschieht zweckmätzig bei demjenigen Polizeirevier, in dessen Bereich der Ort der Veranstaltung liegt. Die Leitungen der Theater usw. können die Anträge ihrer Künstler gesammelt ein- senden. Personen, die nicht berufSmätzig Fahrten zu und von den ge- nannten Veranstaltungen machen wollen, erhalten Karren nur beim Vorliegen besonderer dringlicher Gründe und müssen im allgemeinen aus die Benutzung der Pferdedroschken verwiesen werden. Welcher Auslegung die neue Verordnung sähig ist, beweist ein Fall, der in einer Zuschrift an das.Berliner Tageblatt" aus Neu» kölln geschildert wird, in der es heitzt:.Gestern entsandte ich die Schwester einer Patientin, die nach der Heimat befördert lverdcn sollte, nach einem Auto, das sie zur Bahn bringen sollte. Auf dem Hcrmannplatz erkälte der postierte Schutzmann, sie dürfe kein Auto nehmen— erst müsse sie eine Bescheinigung der Polizei bringen, datz die Schwester so krank sei, datz sie per Auto zur Bahn jähren mutz." Ob in dem vorliegenden Falle eine unabweiSliche � Notwendigkeit vorlag— sagt das Blatt—, können wir natürlich nicht beurteilen. Aber es ist leicht möglich, datz gerade in Krank« hcilSfällen mit der sofortige» Benutzung eines Autos die Rettung eines Menschenlebens verbunden sein kann. Die Entscheidung der Dringlichkeit eines solchen Falles einfach einem Schutzmann zu überlassen, erscheint uns doch bedenklich. Es müßte unbedingt die Forderung ausgestelll werden, daß die schriitlichc Bestätigung durch einen Arzt als ausreichende Legitimation respektiert wird." Benzolbeleuchtung. Das Polizeipräsidium teilt mit: Bei dem andauernden Man- gel an Petroleum, Spiritus und Karbid und der Schwierigkeit der Herstellung des Anschlusses der Wohnungen an die städtischen ElektrizitätS- und Gasleitungen ist die Verwendung von Benzol als Kleinbeleuchtungsiaittel notwendig geworden, obwohl sie bei mangelnder Vorsicht ücht ungefährlich ist. Es ist der Kriegs- Kleinbeleuchtungsgescllschnft in. b. H. Berlin, Leipziger Str. 2. gelungen, einwandfreie Benzolbrenncr von 40—-60 Kerzenstärke bei durchschnittlich 40 Gramm stündlichem Bcnzolverbrauch herzu- stellen. Tie Kleinhändler sind verpflichtet, den Brenner zum Preise von 4,75 M. abzugeben, auch sind von der genannten Gesell- jchaft die Preise der Zubehörteile in angemessener Höhe festgesetzt. Die Händler sind an die Jnnehaltung der Preise durch Berpflich- tungsscheine gebunden. Jedem Brenner werden Berhaltungs- maßregeln beigegeben, durch die die Bevölkerung über die Ge- fahren unsachgemäßer Bedienung der Brenner aufgeklärt werden. Hiernach haben sich die bisherigen Bedenken gegen die Verwendung von Benzol als Brennstoff soweit vermindert, datz der Bevölkerung anheimgegeben werden kann, sich bei dem Mangel an anderen Belcuchtungsmittcln der Bcnzolglühlichtbelcuchtung unter ge- wissenhafter Beachtung der erteilten Vorsichtsmaßregeln zuzu- wenden. Tie Abga.-e von Benzol erfolgt auf Bezugsschein der Kricgs-Kleinbeleuchtungsg''sellschaft, auf dem die nächste Haupt- vcrtriebsstelle der mit der Lieferung betrauten deutschen Benzol- Vereinigung zu Bochum angegeben ist. Jeder in Verkehr gebrach- ten Lampe der Kriegsgesellschaft wird ein solcher Bezugsschein beigegeben An allen Orten, loa Benzolbrenncr verkauft werden, sollen Nebenbetriebsstellen für Benzol eingerichtet werden. Im Kleinhandel wird Benzol daher gegen Bezugsschein in den Haupt- und Nebenvertriebsstellen der deutschen Benzolvercinigung zn kaufen sein, und zwar liter- und Halbliterweise zum festgesetzten Höchstpreise von 55 oder 28 Pf. Flaschen sind von den Käufern mitzubringen und werden von den Verkäufern mit den Verhal- tungsmatzregeln auf roten Zetteln beklebt werden. Die vorstehenden Mitteilungen über die Benzolbeleuchtung werden mit der eindringlichen Hinweisung bekanntgegeben, datz die Beachtung der Sicherheitsmaßnahmen unbedingte Voraus- setzung für eine gefahrlose Verwendung des Benzols und der Benzollampen ist. Die zuständigen Herren Minister für Handel und Gewerbe und des Innern haben sich die Herausgabe eines besonderen Merkblatts vorbehalten, in dem die Gefahren der Benzolbeleuchtung in allgemeinverständlicher Weise besprochen und die Vorsichtsmatzregeln der Kriegs-Kleinbeleuchtungsgesellschaft und der deutschen Benzolvereinigung begründet werden.— Hoffentlich erleiden die Käufer von Bcnzolbrennern nicht die- selbe Enttäuschung wie früher diejenigen, die sich Spiritusbrenner zulegten.__ Kleinhandelspreise für frische Tcefischo bester Qualität für Sonnabend, den 4. November 1916. Sckiellfische, klein(bis 3/4 Pfund) 1,80 M,. mittel(von 8/4 bis 1 Pfund) 2,00 M.. großmitiel(von 1 bis l'/z Pfund) 2,15 SV, große(von IV3 Piund und mehr) 2,25 M.; Kabeljau, klein(bis IVj Pfund) 1,45 M., mittel(von l'/s bis 4 Pfund) 1,60 M.. große (von 4 Pfund und mehr) 1,80 M., ohne Kopf(im Ausschnitt) 2.40 M.) Schollen, kleine(bis zu»/z Pfund) 1,13 M.(Zufuhr ungenügend.) Kleinhandelspreise für Gemüse und Obst. Tie Preisprüfungsstelle Groß-Berlin beabsichtigt von Zeit zu Zeit— vorerst allwöchentlich—, ans Grund des amtlichen Markt« bcrichts über den Großhandel in den Zcntralmarkthallcn, angc- lnesscnc Kleinhandelspreise für Gemüse und Obst zn veröffenl- lichen. Diese Preise sollen dem Publikum als Anhalt über die Marktlage dienen. Kleinere Abweichungen können daher zulässig sein. Im Falle größerer linterschiede wird dem Publikum cmp- fohlen, mit möglichst genauer Schilderung des Tatbestandes der Preisprüfungsstelle Grotz-Berlin, C. 2, Breitestr. 11, Anzeige zn erstatten. Als zur Zeit angemessene Preise wurden festgestellt: Für Weißkohl 8—10 Pf. pro Pfund, für Wirsingkohl 17 bis 20 Pf. pro Pfund, für Rotkohl 17— 20 Pf. pro Pfund, für Kohl- rüben 7— 9 Pf. pro Pfund, für Grünkohl 15— 20 Pf. pro Pfund, für Tafeläpfel 40— 65 Pf. pro Pfund.(Extra feine ausgesuchte Ware ist hierbei nicht einbegriffen.) Das sind unserer Ansicht»ach recht gepfefferte Preise. Die Fünfuhrtees sind verboten. Weil das Verbot anscheinend ständig unbeachtet bleibt, veröffentlicht der Polizeipräsident sol- gende Bekanntmachung:«In letzter Zeit haben wiederholt Ankündi- gungen und Veranstaltungen sogenannter Fünfuhrtees stattgefun- den. Es wird nochmals daraus aufmerksam gemacht, datz diese Veranstaltungen verboten sind." Verordnung über Patente. Das Oberkommando in den Rarken erläßt folgende Bekannt- machung: Für das Gebiet der Stadt Berlin' und der Provinz Branden- bürg bestimme ich hiermit: Es ist verboten, Patente oder Musterschutzrechtc, die ein Deut- scher oder eine deutsche Firma im Auslände angemeldet oder er- worden hat, und die einem Ausfuhrverbot unterliegende Gegen- stände betreffen, unmittelbar oder mittelbar nach oder in dem feindlichen oder neutralen Auslande zu veräußern oder dort in anderer Weise zu verwerten. Das gleiche gilt von Fabriaktionsgeheimnisscn, soweit es sich um einen Ausfuhrverbot unterliegende Gegenstände handelt. Jede Ucbertretung oder Anregung zur Uebertretung dieses Verbots wird nach 8 9 Buchstabe d des Gesetzes über den Belage- rungszustand vom 4. Jum 1851 in der Fassung des Gesetzes vom 11. Dezember 1915 bestraft. Der Oberbefehlshaber in den Marken. gez. v. Kessel, Generaloberst. Siblasstcllcnschwindler und-schwindlerinnen treiben in den der- schiedensie» Gegenden der Stadt und>» Vororten ihr Unwesen, we!« halb Vermielerinnen ans der Hut sein mögen. Ein tödlicher Antowobilunfall hat sich in Oberschönewcide er« eignet. Der bei der Neuen Automobil- Gesellschaft beschäsiigte Monteur Hermann Fricke au-Z der Drontheimer Straße in Berlin hatte am Montag ein neues Automobil auSzuprobe». Während der Kraftwagen sich in der Fahrt befand, stand Fricke auf dem Tritt- brett, um so besser den Motor beobachten zu können. Auf der Fahrt stieß nun das Auto mit einem anderen Kraftwagen zusammen. In- folge deS Anpralles wurde der Monteur von seinem Stand ge« schleudert und geriet unter den Wagen, dessen eines Hinterrad ihm über den Hals hinwegging. Dem Bedauernswerten wurde die Lust- röhre eingedrückt, so datz der Tod aus der Stelle eintrat. Mus öen Gemeknöen. Gegcn den Erwerb der Großen Berliner durch de« Zwcckverband sprach sich die letzte Sitzung der Gemeindevertretung in R e i n i ck e n- darf aus. Von der bürgerlichen Fraktion wurde der Gemeinde- Vertretung der dringliche Antrag unterbreitet:»Die Gemeindever« tretung ist im Prinzip in der heutigen Zeit gegen den Erwerb der Grotzen Berliner Stratzenbahn durch den Zweckverband und gegen die seitens desselben aus diese Erwerbung schwebenden Pläne. Die Gemeinde- venretung erwartet, datz der Vertreter der Gemeinde Reinickendorf in der Verbandsversammlung gegen den beabsichtigten Ankauf stimmt und vor der Vollversammlung der Gemeindevertretung von den an die Verbandsversammlung gelangenden Vorlagen, welche den Ankauf der Straßenbahn oder eine neue Tarifregelung zum Gegenstande haben, Kenntnis gibt, damit diese noch vor der Abstiinmung ihres Vertreters über die Vorlogen unterrichtet wird.� Im Auftrage der bürgerlichen Fraklion begründete deren Vor« sitzender Direkror Busch diesen Antrag unter Hinweis auf die sicher zu erwartende schwere Belastung der Vcrbandsgemeinden aus dem Erwerb durch den Zweckverband. Namens der sozialdemokratischen Fraktion erklärte unser Genosse Schönberg die Zustimmung zu dem Antrag mit einer erweiterten Begründung, die neben der wirtschaftlichen Schädigung auch die den Gemeinden drohende weitere Einschränkung der Selbst- Verwaltung und die durch den Erwerb zu befürchtende Erschwerung der Schaffung eines Groß-BerlinS betonte. Der Vertreter der Gemeinde Neinickendorf im Zweckverband, Bürgermeister Wilke, erklärte seine volle Zustimmung zum Inhalt und zur Tendenz des Antrages und erklärte, in der Verbandsversammlung gegen den Erwerb und gegen jede Tarifabänderung stimmen zu wollen. Ter Antrag wurde darauf einstimmig angenommen. Kartoffeleinkauf in Schöneberg. Weil die Kartoffeln vielfach unter der Einwirkung deS frühzeitigen Frostes gelitten haben und daher wenig haltbar sein werden, will der Magistrat Bcrlin-Schöneberg der Bürgerschaft nicht die Ge« fahr zumuten, die mit der Lagerung größerer Mengen Kartoffeln im einzelnen Haushalte in diesem Jahre verbunden ist. Er wird daher die Wintervorversorgung der einzelnen Haushaltungen in dem früher gedachten großen Umiange nicht vurchsührcn. dagegen jedem Einwohner die Möglichkeit gewähren, sich einen kleineren Vorrat schon jetzt beim Klein- Händler einzukaufen. Dieser Vorrat soll in jedem Haushalt besonders sorgfältig als eiserner Bestand für die Zeit aufbewahrt werden, in der etwa Frost oder Verkehrsstörungen die Zufuhren hemmen. Gegen Abgabe des Abschnittes 36 der Lebensmittelkarte werden schon jetzt die erst für die Zeit vom 6. bis 13. März 1317 bestimmten Ab- schnille der Kartoffelkarte von Schöneberger Kleinhändlern eingelöst werden, so daß jeder fich einen Vorrat für 2 Wochen einkaufen und hinlegen kann. Bei größeren Zufuhren werden die zum Vorbezuge freigegebenen Mengen noch erhöht werden. Ein kleiner Vorrat läßt sich bei sorgfältiger Beobachtung in jedem Hause ohne Gefahr des Verderbens aufbewahren, wenn die Kartoffeln gut verlesen, angegangene und angestoßene alsbald ver- braucht und durch ausgesuchte, beste Kartoffeln aus den wöchentlich zugekauften Mengen ergänzt werden. Auf diese Weise kann eine sorgfältige Hausfrau fich vor allen Wschselfällen, die mit der Kartoffelversorgung im Winter verbunden sind, selbst schützen._ Lebende Kaninchen und Ziegenlämmer werden von der Etadt Neukölln am Sonnabend, den 4. d. M., von L— 5 Uhr nachmittags, in der Zentrale Böhmische Str. 5 verkauft. Straßcnbcncnnung in Wilmersdorf. Der Magistrat der Stadt Berlin-Wilmcrsdorf hat beschlossen, eine Straße in der Gemarkung Gerdauer Straße zu benennen.— Gerdauen ist die ostpreußische Stadt, für die Wilmersdorf die Patenschaft übernommen hat. Knrtoffcllieferung in Britz. Mit der Ausgabe der Bezugsscheine für die Versorgung niit Winterkartoffeln vom 26. November 1916 bis 19. März 1917 ist von der Gemeinde begonnen worden. Die Anlieferung geschieht ebenfalls schon jetzt und zwar in der Reihenfolge deS Einganges der Bezahlung. VorauSsichllich wird die Anfuhr Mitte dieses Monats beendet sein. Zur Krankcncrnährung in Bcrlin-Wilmcrsdors. Die Ausgabe der Brot- und Speisefetl-Zu'atzkarlen für Kranke und RekonvaleS- zenten auf Grund ärztlichen Ältestes erfolgt für die Zeit vom 13. November bis lv. Dezember 1916 durch daS Statistische Amt, Gasteiner Str. 11, 2. Stock, Zimmer 14a. ES werden abgefertigt: Personen, deren Zuname beginnt mit Buchstabe.A.--1S, Mitlwocki. den 8. November, Buchstabe F— J, Donnerstag, den 9. November, Buchstabe K— M, Freitag, den 10. November. Buchstabe N— B, Sonnabend, den 11. November, Buchstabe S— V, Montag, den 13. November, Buchstabe W— Z, Dlenslag, den 14. November, tag- lich von 9—2 Uhr. Gericktszeitung. Tie Geheimnisse des Wurstkessels. Ein recht böses Licht auf einen Schlächtereibetrieb warf eine Verhandlung, die gestern vor der 1. Strafkammer des Landgerichts II gegen den Schlächtermeister Jgnaz Pavelkiewicz aus Niederschöneweide wegen. wissentlichen Vergehens gegen das Nahrungsmittel- und Fleisch- bcschaugesetz stattfand. Der Angeklagte hatte im Januar d. I., wie er angibt, ohne den Zustand zu erkennen, eine trächtige Kuh geschlachtet und dann das Fleisch des neugeborenen Kalbes zu gefülltem Schinken und Jagd- Wurst verarbeitet, ohne es erst der Fleischbeschau zu unterbreiten. Eine Keule davon gelangte im ganzen in den Laden. Einige Monate später war dann von ihm eine andere Kuh ge- schlachtet worden, die später, weil sie an Blutvergiftung er- krankt gewesen war, der Abdeckerei überwiesen werden mußte. Vorher jedoch hatte der Angeklagte ihr Blut und einen Teil der Därme zu Blutwurst verwandt. Wegen beider Vorfälle war er dann vom Schöffen- g e r i ch t zu der Strafe von zwei Monaten Gefängnis, 600 Mark Geldstrafe verurteilt worden und außerdem ord- neie das Gericht Veröffentlichung des Urteils an. Hiergegen hatte er Berufung eingelegt, die er mit der Angabe begründete, daß das fragliche Kalb bereits völlig ausgewachsen ge- Wesen sei. Er habe eS daher abgestochen und, da eS stark geblutet habe, kein Bedenken gehabt, das Fleisch angesichts deS großen Mangels zu verarbeiten. Die Keule habe er selbst im eigenen Haushalt mit gutem Appetit verzehrt. Das Blut der anderen Kuh sei nicht verdorben gewesen, denn auch der Abdecker habe eS als vei wendbar bezeichnet. Mit diesen Einwendungen drang er redoch nicht durch, denn die Strafkammer erkannte auf Ver- �ersung der Berufung. Verfälschnnge«. 1. Es ist nichts Neues mehr, daß dem Brot Holzmehl hinzu- gesetzt wird. Emer dieser Holzbrolsabrikanten hatte sich in Düfieldors vor dem Schöffengerichi zu verantworten. Der Bäcker- meister Engels halle neulich 200 Pfund Mehl 80 Pfund Holzmehl beigemischt. Das Gericht verurteilte ihn zu 600 M., seine Ehe- fr au als Gehilfin zu 200 Geldstrafe. 2. Das Düsseldorfer Schöffengericht verurteilte die Gemüse- bändlerin Leuchienberg zu 500 M. Geldstrafe oder im Unvermögens- falle zu 190 Tagen Gefängnis, wei sie R u n l e lr ü b e n b l ä t t e r als Svinai verlmm hatte. Das Pfund dieses»schmackhaften Gemüses" lostete bei ihr 20 Pf. Mus aller Welt. Wahnsinnstat eines BatcrS. In Göttendorf(Reuß j. L.) erdrosselte der Arbeiter Seidel seine beiden Kinder, ein sechs- jähriges Mädchen und einen vier Jahr alten Knaben. Darauf unternahm Seidel einen Selbstmordversuch mit einem Rasiex. messer, er hat anscheinend die Tat in einem Anfall von Geistes- gestörtheit vollbracht. Eine Bluttat erregte an. Freitag morgen in Straßburg großes Aufsehen. In einem Kaufhaus fiel der seit drei Jahren dort angestellte Packer G e h i n mit einem Dolch über andere Mitarbeiter her und verletzte drei Personen schwer, eine leicht. Zwei Angestellte, eine Personalleiterin und ein Expedient, sind ihren Verwundungen erlegen. Ein Schweizer Fesselballon in Baden gelandet. Aus Bern wird gemeldet: Donnerstag morgen ritz sich bei einer Uebung in den Freibcrgen ein Fesselballon los und überflog die Schweizer Grenze bei Basel. Er landete um 12.66 Uhr bei Schönau im Grotzherzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere. Ein wandelnder Berg. In der Umgebung von D i j o n hat sich, wie das„Petit Journal" meldet, ein merkwürdiges Natur- ereignis zugetragen. Der Berg Chaumour, der sich im Westen der Stadt erhebt, hat sich gegen das Tal der Brenne gesenkt. Der Berg hat sich um mehr als fünfzig Meter von seinem bisherigen Platz entfernt. Die Erdbeben ans Java. Holländische Blätter melden drahtlich von den Sundainseln, daß in Moos auf der Insel Java noch im UMMi iniiiBnrmrTr inr andauernd Erdbeben stattfinden. Die Bevölkerung kehrt langsam wieder nach ihren alten Wohnungen zurück. Der Distrikt Sama« rang wurde von dem Erdbeben schrecklich heimgesucht. Nicht weniger als 500 Häuser sind eingestürzt. Etwa 50 Häuser sind fchtoer beschädigt, lieber Verluste an Menschenleben verlautet noch nichts Bestimmtes. Telefkaften öer l�eöakticm. Di! Inriirisch! Svrechllund! finde: für Abonnenr-n Lindrnfir.». n. tot ceatä, tmrtme. um biS FreUag Don t diS 7 vor, am Sonnabend von 5 bis 6 US: ftatt. Jeder für den Brieflastens bcsrimnUen Anfrage ut ein Buchstabe und eint Zahl aI3 MertZLichen betsufügen. Briefliche Anlwori wird nich: erreilt. Aniragen, denen ieme Abonnsmentsauiliuno veigefügf ist. werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Edrechsinnde vor. Zierträge» SckriftftälLe und dergleichen dringe mar in die Evre-bkr-ande mit. K. II. 10. Da Ihr Ehemann lohnende Beschästigung noch nickt er- Balten konnte und die Miliiarrenie von 24 M. zum Unterhalt für sich unt hw Familie nicht ausreicht, so muß Ihnen nach der BuudeSrntSocrordnun. vom 21. 1. ISlg die Famiticnunlcrsiützunq noch aus die Dauer uon drei Monaten weitergezahlt werden, da Bcdürsiigkeit unzwciselhait noch vorlicat. —«. Sch. 110. Herzschler: lgndstilimpflichtig.—(v. Z. SS. Pankoiv. .Inspruch aus Unterstützung haben Sie in diesem Falle nicht; Sie müssen oet Gemeinde Mitteilung machen, daß Ihr Mann zur Arbeit beurlaubt in. In Anbetracht der kurzen Zeil der Beurlaubuna wird Ihnen die UnteiUützung vielleicht weitergewährt.— Zl. D. ä. Der Betreffende ist nur zur Zahlung von Gcmeindecinkommcusteuer ocrpstichiet.—®. 2. Ja. — A. B. 37. 1. Wenn Ihre Frau ihren Unterhalt nicht selbst bestreiten kann und deshalb AnncliiiiUcrstützung bcziebeu muß, löiincu Sie trotzdem PP: 3 iRung von Unterhallsgelderu vcrpstichlct werden. 2. Ja, wegen böswilligen Bei lassens.— F. F. II. Die Karte müssen Sie jetzt»in- tätlichen. Die Zeit, in der Sie zum Militärdienst eingezogen waren wird Ihnen angerechnet, ohne daß dafür Marlen geklebt icin müssen— B.<0. Der Valer dcS unehelichen Kindes ist. auch wem: öic oem Kinde Ihren Namen gegeben baben, zur Beitcrzablung deS Umcrhalis verpflichtet. Deshalb bat das Kind auch Anipruh auf Kriegsunterstützung. wenn der Vater zum Militärdienst eingezogen ist.— Schach. Sic müssen die Genehmigung einholen.— C. P. 18. 1. Stein. 2. Da Sie nicht als Handclsangestelller gellen, haben Sie nur Anspruch aus Lohn jür die ge- leistete Aibeit, nicht aber sür die Kündigungszeit. 3. Die Kündigung ist zulaigg vom Tage der Krankbcit au. Die Bescheinigung der Belchüstiguli.zs- dauer muß das Datum des EMlassungslages tragen.— C. R. Nein am Eingegangene Druckschriften. Briefe einer Deutsch-Französsn. Von Annette Stoib. 3,56 3J?., geb. 4,50 M.— E. Reiß Verlag. Berlin W 62. »Arbeiterpolrtik->. Wochenschrift für wifsenschastlicheri Sozialismus. Heft 20. 15 Pf. Verlag in Bremen. Waller-Heer-slraße 52. olange Vorrai reicht liefert die Buchhandlung Vorwärts SW. 65, Xinbcnffr. 3, und die Ausgabestellen Beyer.(£„ 3m pharnonenlande(Aegypten). Reijeschllderun- gen aus Aegypten. Statt Gebd. 6.— Mk. für 1,50 Mt. Lewes,®. h.. Goethes Leben und Werke. Die mit literori- scheu und kritischen Anmerkungen versehene Ausgabe ist eine der besten Goethe-Biographien. Statt Gebd. 6.— Ml. für S.— Mk. Bode. Dr. IB., Geschichte der deutschen Plastik. Statt Gebd. 15.— Mk. für 7,— Mk. Mantegazza, P„ Die Physiologie des Hasses. Statt 7,— Mk. für 1.50 Mk. Petzel, Christian, Die Vlütezc'.t der deutschen positischen Lyrik von 1840—1850. Statt Gebd. 10.— Mk. sür 3,50 Mk. Seide!, Friedrich der Grohe.„Der Heros der deutschen Volksbildung" und die Volksbildung. Statt Gebd. 1,50 Mk. für 1-— Mk. Sobelt, Dr. Die Verbreitung der Tierwelt. Mit zwölf Tafeln und vielen Textillustrarionen. Statt Gebd. 20.— Mk. für Ml. 3acoby, L., Cnnita. Ein Gedicht aus Indien. Statt 2,50 Mk. für 0,50 Mt. Swclatr, ver öndustriebaron. Geschichte eines amertta- nischen Millionärs. Statt 2,— Mk. für 0,50 Mt. Preczang, Ernst, Die Glücksbude. Statt 2.— Mk. für 0,50 Mk. herzliche Grütze. Geschichten von Grohmann. Statt 2.— Mk für 1,20 Mk. Aus dem Inhalt: Ein nächtlicher Ruf.— Der Verteidiger.— Debatte über das Beten.— Der Staats- anwalt Dunker.— Die Hinrichtung. Morris. IV., Eine königliche Lektion.— Ein Traum von 3ohn Ball. Statt Gebd. 3.— Mk. für 0.50 Mk. Reclam, Prof., Da» Puch der vernünftigen Krankenpflege. Winke und Belehrungen für Gesunde und Kranke. Statt Gebd. 5.— Mk. für WO Mk. Büchner. Pros. Dr., Das Buch vom langen Leben oder die Lehre von der Dauer und Erhaltung des Lebens. Statt Gebd. 6.— Mk für 2.— Mt. Entwicklung der modernen Buchkunst in Statt Gebd. 4�- Mk. für 1.50 Mk. Sein Leben, Gravtoff, Deutschland. Loogmesser, Dr. A., Konrad Ferdinand Meyer. seine Werke und sein Nachlaß. 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