Ar. SOS. Abonnements-Bedingungen: tlbonnemmli■ Preis pränumerando SietteljäbcL S,90 Mb. monolL 130 Mb, wöchenllich 30 Pig frei ms Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Conruags- nunimer mit illustrierier Konnrags- Beilage.Die Neue Seit- 10 Big. Bast- ilbonnemeM: 130 Mark pro Monab Eingetragen tn die Pos!. ZcitungZ. Prei-Inie. Umer Kreuzband für Demichlan» und Oesterreich- Ungarn 230 Mark, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Poswbonnemcnls nehmen an Belgien. Dänemarb Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Numänieo. Schweden und die Schweis CrUltint lZgNch. Verlinev VolkesblÄkt. 33. Jahrgang. Vit InlerNons-SebAhr betrügt für die fechsgelpaltene Kolonel- seile oder deren Raum 30 Psg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 30 Psg. „Kleine Hnreigen", das tertgedruche Bort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedrurkte Borte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Echlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes »eitere Wort»Pfg. Worte über 1» Buch- paben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition »dgegeben werden. Die Erveoition ijt bis? Uhr abends geossiub Delegramm-Adresie: .Soilaldenokrat Bulla*. Zentralorgan der rozlaldemokratffcben partel Deutfchlandd. Redaktion: SW. 08. Linöenstratze Z. Fernivrecher: Amt Morivpla«. Nr. 131 ilv— 131 37. Sonntag, den 3. November 1313. Expedition: SW. 08, Lindenstraße 2. Nernivrecher: Amt Moritzplatz. Nr. 131 30—131 37. Polen. Lerli«, 5. November.(W. T. 23.) Folgendes Manifest wird heute durch den Kaiserlichen Generalgouverneur tn Warschau, General der Infanterie von Beseler, verkündigt: fin öie Sewohner öss Generalgouvernements Warfthau! Seine Majestät der Deutsche Kaiser und Seine Majestät der Kaiser von Oesterreich«nd Apostolischer König von Ungar«, getragen von dem festen Vertrauen auf den endgültigen Sieg ihrer Waffen und von dem Wunsche gelestet, die von ihren tapfereu Heeren mit schweren Opfern der russischen Herrschaft entrissene» polnischen Gebiete einer glücklichen Zukunft entgegenznführen, sind dahin übereingekommen, ans diesen Gebieten einen selbständigen Staat mit erblicher Monarchie und konstitutioneller Verfassung zu bilden. Die genauere Bestimmung der Grenzen des Königreichs Polen bleibt vorbehalten. Das neue Königreich wird im Anschluß an die beiden verbündeten Mächte die Bürgschaften finden, deren es zur freien Entfaltung seiner Kräfte bedarf. In einer eigenen Armee sollen die ruhmvollen Ueberlieferunge» der polnischen Heere früherer Zeiten und die Erinnerung an die tapfere« polnisckien Mitstreiter in dem großen Kriege der Gegenwart fortleben. Ihre Organisation, Ausbildung und Führung wird im gemeinsamem Einvernehmen geregelt werden. Die verbündeten Monarchen geben sich der zuversichtlichen Hoffnung hin, daß sich die Wünsche«ach staatlicher und nationaler Entwickelnug des Königreichs Polen nunmehr unter gebotener Rücksichtnahme auf die allgemeinen politischen Verhältnisse Europas und auf die Wohlfahrt und Sicherheit ihrer eigenen Länder und Völker erfüllen werden. Die großen westlichen Nachbarmächte des Königsreichs Polen aber werden au ihrer Ostgrenze einen freie», glücklichen«nd seines nationalen Lebens frohen Staat mit Freuden neu erstehen und aufblühen sehen. Auf Allerhöchsten Befehl Seiner Majestät des Deutschen Kaisers. Der Geueralgouvernenr. Eine Kundgebung gleichen Inhalts wird von dem K. und K. Militär-Generalgouverneur in L u b l i n, Feldzeugmeister Kuk, bekanntgegeben. Polens Schickfalsftunöe. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: /Deutschland und Oesterreich-Ungarn haben eine geschicht- liche Entscheidung getroffen. Sie haben die Bildung des polnischen Staates beschlossen. Hundert Jahre sind vergangen, seitdem die europäischen Mächte im Wiener Kongreß den Hauptkörper Polens aus dem westlichen Kulturkreis herausgenommen und Rußlands Händen anvertraut hatten. Nicht die„Beschützer der� kleinen Nationen" sind es, die jetzt dieses Land seiner nationalen Entwickelnug zurückgeben, son- dern die beiden Mächte, gegen die fälschlich im Namen der kleinen Nationen der Haß der ganzen Welt aufg«rufen wor- den ist. Die Westmächte haben Polen mancherlei platonische Sympathien bezeugt. Gar manches zu keiner Tat verpflich- tcnde„Viva la Pologne" erklang aus dem ZJesten. Jedes- mal, wenn sich die Polen im Vertrauen auf Hilfe aus London und Paris in den Kampf um ihre Unabhängigkeit begaben, zeigte es sich, daß sie auf leere Worte gebaut hotten. Von dieser Seite konnte ihnen die Freiheit nicht kommen. Wären heut die Entscheidungen anders gefallen, wären im Osten die russischen Waffen siegreich, so hätte wiederum für hundert Jahre ohne Einspruch der Westmächte die Bevölkerung Kongreßpolens ihre Ketten von Versprechung zu Versprechung geschleppt. Die Befreiung Polens ist mit dem Siege Dcuffchlands und seiner �Verbündeten verknüpft. Nur sie, nicht Rußland und nicht die Westmächte, haben an deni Bestand eines freien Polens ein eigenes Lebensinteresse. Die Erkenntnis dieses Interesses, zu der die EntWickelung Europas im zwanzigsten Jahrhundert drängt, ist— wir wissen es Wohl— noch nicht überall in Deutschland durchgedrungen. Und es wäre falsch, in dieser Stunde die Bedenken zu verhehlen, die manchen patriotischen Mann bei uns hindern, mit freudigem Herzen den kühnen Schritt gutzuheißen, der mit dem Manifest getan wird. Manche Erfahrungen mit den jetzt und in Zukunft unauflöslich zum preußischen Staate gehörigen Polen schei- nen dem großen Wurfe, den wir tun, nicht günstig zu sein. Ueber allem Für und Wider aber steht beherrschend der Satz, daß wir um unserer eigenen Zukunft' willen Polen niäst an Rußland zurückfallen lassen dürfen. Deutschlands Sicherheit verlangt für alle kommende Zeit, daß nicht aus einem als militärisches Ausfallstor ausgebautem Polen rufst- sche Heere, Schlesien von Ost- und Westpreußen trennend, in das Reich einbrechen können. Nicht immer wird ein gütiges Geschick uns einen Hindenburg zur Verfügung stellen, um trotz solcher Grenzen die Russcnflut einzudänunen. Um drei Mil- lionen wächst alljährlich die Bevölkerung des Riesenreiches im Osten. Kürzere, stark geschützte Grenzen werden das festeste Fundament eines ruhigen Verhältnisses zu unserem russischen Nachbar sein. Wir werden es als einen großen Ge- winn anzusehen haben, wenn wir auch bei den EntWickelungen und Aufgaben kommender Friedensjohre die Polen au unserer Seite haben, die nach Kultur, Religion und Geschichte in der Vergangenheit zum Westen gehörten und auch für die Zu kunft dorthin gehören sollen. Den von der russischen Herrschaft befreiten Polen bieten wir die Möglichkeit, sich in einem eigenen Staate an die Mittel- mächte anzulehnen und in festem Verbände mit ihnen ihr politisches, wirtschaftliches und kulturelles Leben frei zu führen. Dabei werden sie namentlich für die nächste Zeit auf unsere Hilfe starken Slnspruch machen. Die russische Herrschaft hat polnisches Beamtentum, polnische Lehrerschaft, polnische Wehrkraft nicht auskommen lassen. Sie hat das aufstrebende Land niederzuhalten, zu trennen, zu verwirren gewußt. 23ahn- bau und Wasserstraßen sind vernachlässigt. Ueberall sind die Grundlagen staatlicher Verwaltung erst zu schaffen. Mancherlei ist während der Okkupation bei verständnisvoller Mitarbeit der Polen bereits geleistet worden. Auch militärische Kräfte sind von den Polen für die Beffeiung vom russischen Joche eingesetzt worden. Die Polnischen Legionen haben bereits in mancher Schlacht an der Seite der Mittelmächte ruhmvoll gegen Rußland gestritten. Die Errickstung einer polnischen Wehrmacht ist also an sich nichts Neues. Indem die Mittel- mächte den Polen den allmählichen Ausbau einer eigenen Wehrmacht gestotten, erfülen sie ihnen einen brennenden Wunsch, der bei dieser militärisch so begabten Nation besonders begreiflich ist. Schritt für Schritt wird der Aufbau des Point» sehen Staatswesens weitergeführt werden. Harte mühevolle Arbeit wird zu leisten sein. Ueber alle Schwierigkeiten hin- tveg wird die alte staatenbildende Kraft unseres Volkes das große Ziel erreichen und erreichen helfen. So werden wir mit der Zeit im neuen polnischen Staate einen tüchtigen beffeun- deten Nachbarn erhalten, Deuffchland nach Osten sichern und der Zukunft Europas einen wertvollen Genossen gewinnen. (W. T. B.) ♦ Wir werden morgen unsere Stellung zu dem vollzogenen geschichtlich wichtigen 2lkt ausführlich darlegen. Red. d.„V.". Erhöhung öer Iamilien- Unterstützung. Der Reichstag hat vor seiner Vertagung die vom Haupt- ausschuß beschlossene Resolution über die Erhöhung der Fa- milienunterstühnng angenommen. Die Resolution fordert im Sinne des sozialdemokratischen Antrags 20 M. für die Frau des Kriegsteilnehmers und Ist M. für jeden weiteren Angehörigen als Reichsunterstühung. Die Gemeindezuschläge sollen nach dem Grade der Bedürftigkeit bemessen, also keine«. Wegs herabgesetzt, sondern in bestimmten Gemeinden erhöht werden. Die Regierung hat sich trotz Drängen des Reichstags nicht zu genauen Erklärungen über die Ausführung der Resolution bewegen lassen, sie hat aber eine wesentliche Erhöhung der Unterstützung in Aussicht gestellt. Wie verlautet, soll die Erhöhung nach den in der Re- solution geforderten Sätzen in Aussicht genommen sein. Die Reichsunterstützung würde dann also ab 1. Januar 2v M. für die Frau und Ist M. für jeden weiteren Angehörigen betragen. Am 1. Dezember soll ein außerordentlicher Zuschuß zu den Unterstützungen gezahlt werden, der voraussichtlich Ist M. für die Frau, 5 M. für jeden weiteren Angehörigen betragen dürfte. Damit wäre wenigstens ein Teil dessen, was der sozial- demokratische Antrag verlangte, erreicht. Mögen die Er- Wartungen unserer Krieger und ihrer Familien nicht getäuscht werden! (Näheres siehe Reichstagsbericht.) Liebknechts Revision verworfen. Amtlich. Berlin, 4. November.(W. T. 23.) In der heutigen Verhandlung des Reich smilitärgerichts wurde die Revision des Dr. Liebknecht gegen das oberkriegs- gerichtliche Urteil des Gonvcrncmentsgerichts Berlin der- warfen. Liebknecht war, wie berichtet, am 23. August vom Oberkriegs- gericht des Berliner Gouvernements wegen versuchten KriegSver- Kriegsberichte siehe 3. Seite. ratS, erschwerten Ungehorsams und Widerstand gegen die Staats- gewalt zu vier Jahren ein Monat Zuchthaus, Aus- st o st u n g aus dem Heere und sechs Jahren Ehrver- tust verurteilt worden. Auf Antrag des Reichsmilitäranwalts Steinberger wurde im Interesse der Staatssicherheit und militärdienstlicher Interessen die s effentlichkeit bis zur Urteilsverkündung ausgeschlossen. Nach zweistündiger Verhandlung verkündete der Verhandlungsführer Senatspräsident Twele in öffentlicher Sitzung: Der Gerichtshof hat die Revision des Angeklagten verworfen. „Der Angeklagte war wohl zur Neichstagsverhandlung bcur- täubt, er war aber zweifellos aktiver Soldat und unterstand der Militärgerichtsbarkeit. Der Angeklagte hat sich auch des versuchten Nriegsverrats schuldig gemacht. Kriegsverrat ist ein im Kriege be- -zangener Landesverrat. Wenn der Angeklagte auch vielleicht nicht oie Absich! hatte, dem Feinde Vorschub zu leisten oder die Heeres- macht Deutschlands zu schwächen, so hat er doch vorsätzlich gehandelt, und es genügt, dast die Handlungsweise des Angeklagten geeignet war, diese Wirkung hervorzurufen. Dem Angeklagten ist vom .berliner Bezirkskommando auf Grund eines Allerhöchsten Erlasses, wonach Unteroffizieren und aktiven Mannschaften verboten ist, an revolutionären oder sozialdemokratischen Versammlungen teilzu- nehmen, der Befehl erteilt worden, sich von derartigen Veranstal- luugen fernzuhalten." „Er hat sich nicht allein des erschwerten Ungehorsams schuldig gemacht, er hat auch Widerstand gegen die Staatsgewalt begangen. Die Exckutivbeamten waren genötigt, im Interesse der öffentlichen Sicherheit, Ruhe und Ordnung den Angeklagten auf dem Pots- damer Platz in Berlin zu verhaften. Er hat sich dieser Verhaftung widersetzt. Deshalb ist die Revision verworfen und dem Angeklagten werden die Kosten des Verfahrens auferlegt." Die sozialdemokratische Fraktion hat im Reichstag vergeblich die Rechte der Immunität für>den Angeklagten geltend zu machen versucht. Sie hat bei aller Differenz in den Anschauungen dort edutlich erklärt, daß Liebknecht ihrer Ansicht nach nicht aus ehrlosen Motiven gehandelt hat. Die griechifthen Wirren. Eine bulgarische Darstellung der Lage. Sofia, 3. November.(W. T. B.)(Von unserem Privatkorre- spondenten.) Alle Bemühungen der Entente, den Hast des griechischen Volkes gegen die Bulgaren zu schüren und dadurch Zwistigkeiten zwischen den Nachbarvölkern hervorzurufen, sind, wie ein bulgarischer Staatsmann erklärte, vergebens. Obwohl die griechische Negierung mit ihrem Ge- sandten in Sofia nur durch unchiffrierte Depeschen verkehren kann, bemüht sie sich, jeden Zwischenfall zu vermeiden. Sie hat vor einigen Tagen durch ihren Gesandten Naum versichern lassen, dast sie auch in Zukunft neutral bleiben werde, und erklären lassen, daß die Tätigkeit von Venizelos und seineg Freunden>daS offizielle Griechenland nicht engagieren kann. Wie der bulgarische Staats- mann erklärt, ist die Empörung in Griechenland über die Gewalt- streiche der Entente allgemein und beginnt bereits, die Venizelisten- l reise zu beeinflussen. Der erste, der seine Tätigkeit bereut, ist Ebristodulos, der offen erklärt hat, dast die gegen den König ge- richteten Maßnahmen Griechenland selbst träfen. Auch im Schoste der provisorischen Regierung in Saloniki sind Streitigkeiten aus- erbrochen. Die bulgarische Regierung erwartet noch immer das Ultimatum, das in Saloniki vorbereitet wird und von den Agenten der Entente vor über zehn Tagen angekündigt worden ist. Der bulgarische Staatsmann schloß seine Erklärung mit den Worten: solange König Konstantin in Griechenland an der Regierung v leibt, wird Griechenland nicht gegen uns die Hand erheben. Die Regierung in Saloniki aber befiirdet sich bereits im Verfall. Unzufriedenheit unter den Venizelisten. London, 3. November.(W. T. B.) Der„Daily Mail" wird aus Athen vom 2. berichtet: Es sei dadurch eine sonderbare Lage entstanden, daß Offiziere, die an der unter Aufficht der Alliierten gestellten Bahnlinie von Larissa Dienst tun, royalistiscken Offi- zieren gestatteten, Verstärkungen auszuschicken, um den Vormarsch der venizelistischen Streitkräfte in Ekaterini aufzuhalten. Daß die Alliierten zugestehen, daß militärische Mastnahmen gegen-ihre eigenen Verbündeten getroffen werden, werde für inkonsequent und unstatthaft gehalten, und die Venizelisten seien persönlich dar- über überrascht. Die Unzufriedenheit unter den Venizelisten mit den jetzt bestehenden Verhältnissen sei groß. Sie seien der Ansicht, daß die Anerkennung der Regierung in Athen durch die Alliierten ein Schlag gegen die Regierung in Saloniki sei. Der Angriff der Venizelisten ans Ekaterini. Bern, 3. November.„Secolo" meldet aus Athen: Die griechische Garnison von Ekaterini, in Stärke von 170 Sol- baten, die von dem Obersten Mitas befehligt wird, zog sich nach mrzem Gefecht mit den Revolutionären auf die umliegenden Höhenzüge zurück. Nach einer Rücksprache'des Königs mit dem englischen Gesandten Elliot wurden dem Obersten Mitas mit der Eisenbahn IbOO Soldaten mit Kanonen zur Verstärkung geschickt. „Daily Chronicle" teilt in einem Bericht aus Athen vom l. November über die Besetzung von Ekaterini mit: Infolge eines politischen Streites sei der Leutnant Kerffulis getötet worden, und darauf seien 600 Mann der nationalen Verteidigungsarmee gegen die Stadt vorgerückt. Diese Abteilung habe sich nach einem kurzen lampf gegen die griechischen Regierungstruppen der Nliacmon- brücke bemächtigt, das Dorf Coltndro besetzt und sei sodann, ohne auf Widerstand zu stoßen, in Ekaterini eingezogen. Nach einem späteren Bericht zählen die Truppen, die die Stadt besetzt haben, XIO Mann. Die Garnison flüchtete, ehe die Nationalen ankamen, mit Hinterlassung des ganzen Materials. Stach einem Bericht aus Saloniki zählt die nationale Armee ictzt 30 000 Mann, von denen 17 000 vollständig ausgerüstet sind und bereits im Felde stehen. » Bern, 4. November.(W. T. 53.)„Secolo" meldet aus Athen: Laut„Eloutheros Tipos" Hab«: die Ententegesandten die Frage der Besatzung Ekaterinis erörtert und beschlossen, eine neutrale Zone zu schaffen, um Zusammenstöße zwischen Athen und Saloniki zu vermeiden. Ekaterini wurde der Salo- nikicr Regierung zugeteilt. Zusammenstöße zwischen itevolutionären und Königstreuen haben jedoch schon begonnen. Das Blatt„Athenai" meldet, die Königstreuen von Litochori hätten die Revolutionären, die Ekaterini besetzt hielten, angegriffen. Das Gefecht dauere an. Die Königstreuen, die Verstärkungen erhielten, ! ätten 36 Tote und 20 Verwundete gehabt. Die Verluste der Re- volutionären seien unbekant. Zur Versenkung der„Angeliki". Athen, 3. November.(W. T. B.)(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Admiral F o u r n e t veröffentlicht einen Bericht, in dem er erklärt, die Dampfer„Angeliki" und„K i l i" seien tor- pediert worden oder auf Minen gelaufen, die von deutschen oder anderen feindlichen Schiffen herrührten. Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 3. November.(W. T. B.) Bulgarischer Ge- neralstabsbericht. Mazedonische Front. Ein Angriff schivacher seind- licher Einheiten westlich des Malik-Sees wurde zurückgeschlagen. Unsere Stellungen in der Ebene von Bitolia wurden von feindlicher schwerer Artillerie erfolglos beschossen. Schwache feindliche Angriffe gegen Tarnowa und Dobropoljc wurden abgewiesen. Im Vardartal schwache Artillerietätigkeit. Am Fuße der Belasica-Planina Ruhe. Ein feindliches Flugzeug warf wirkungslos Bomben auf die Dörfer Büjür- Mahle und Bursuk ab. Im Struma-Tale wirkungsloses Artillerie- feuer mit Unterbrechungen. Der Feind hat das Dorf Kakaraska preisgegeben. An der ßüste des Aegäischen Meeres Ruhe. Rumänische Front. Tie Lage ist unverändert. Zwei feindliche Kriegsschiffe bombardierten Constanza, wurden aber von den Küstenbatterien vertrieben. Längs der Donau schwaches Artillerie- und Infanterie- feuer. Die Meldung des türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 3. November.(W. T. B,) Amtlicher Heeresbericht. Aegyptische Front. Unsere Flugzeuge warfen am 1. November erfolgreich eine große Anzahl von Bomben auf Suez und den Hafen Tewfik sowie auf Eisenbahnanlagen der Engländer westlich des Kanals. K a u k a s u S f r o n t. Nördlich von Bitlis fanden für uns günstige Scharmützel statt. An den Gestaden des Ognott haben wir Erfolge davongetragen, die noch ausgebaut werden. Im Zentrum und auf dem linken Flügel Scharmützel, gleich- falls zu unseren Gunsten. Die Russen, die sich auf einem Wege, der von ihren für die Zivilisation und die Menschenrechte kämpfenden Ver- bündeten zuerst betreten wurde, nicht wollen übertreffen lassen, scheinen letzthin für ihre Marine im Schwarzen Meere eine ruhmreiche Aufgabe gefunden zu haben. Sie ahmen die Taten der Engländer und Franzosen an der Aegäischen Küste nach und landen unter dem Schutze ihrer Artillerie an verschiedenen Punkten der Küste Räuberbanden. Diese haben keine weitere militärische Aufgabe zu erfüllen, als das Hab und Gut unserer friedlichen unverteidigten Be- völkerung zu plündern und ihre Wohnstätten anzuzünden. Nach Vollendung dieser Gemeinheiten nimmt die russische Flotte die Raubritter der zivilisationsbringenden Entente wieder an Bord und zieht sich in ihre Häfen zurück. Dieses neue Ehren- und Ruhmesblatt, das die russische Flotte soeben der Geschichte ihres Landes hinzugefügt hat, muß die Russen stolz machen und wert, daß man sie dazu beglückwünscht. Der Stellvertretende Oberbefehlshaber. Opfer ihre? eigenen Lanösleute. Berlin, 4. November.(W. T. B.) Nach den amtlichen Ver- öffenllichuiigen der„Gazette des ArdenneS" sind im Monat Oktober unter der Bevölkerung im besetzten sranzösitch-belgijchcn Gebiet durch Artilleriefeuer oder Fliegerbomben unserer Feinde getötet 87 Männer, 16 Frauen, IS Kinder, verwundet 67, 66, 43„ Die Gesamtzahl der unschuldigen Opfer seit September ISIS ist damit auf 2348 gestiegen. Die feinölichen Heeresberichte. Der französische Tagesbericht. Vom 3. November nachmittags.(W. T. B.) Südlich der Somme war die Artillerietätigkeit in den Abschnitten von Lrhons und Chilly lebhaft. Ein Handstreich der Franzosen auf die Gräben östlich von Eaucourt ist vollkommen geglückt. Auf dem rechten Ufer der Maas war die Nacht verhältnismäßig ruhig. Im Laufe des gestrigen Tages haben die Deutschen das Fort Vaux unter der heftigen, seit mehreren Tagen anhaltenden Beschiehung nt, ohne den französischen Jnfanterieangriff abzuwarten, Druck stärker und stärker wurde. Im Laufe des Nachmittags wurden sehr starke Explosionen im Fort beobachtet. In der Nacht hat die französische Infanterie, die sich ganz dicht herangeschlichen hatte, dieses wichtige Werk besetzt, ohne irgendwelchen Verlust zu erleiden. Der Gürtel der äußeren Forts von Verdun ist daher wieder in seiner Gesamtheit hergestellt und wird durch die fran- zösischen Truppen festgehalten. Von der übrigen Front nichts zu melden. Orientarmee. Auf dem linken Ufer der Struma haben die Engländer, ihre Erfolge ausnützend, das Dorf Altitza im Sturm genommen. Auf der übrigen Front zeitweiliges Geschütz- euer ohne Jnfanteriegefechte. Flugwesen. An der Sommefront wurde ein französischer Dreidecker in der Gegend von Allaines von sechs deutschen Flug- zeugen angegriffen; es gelang ihm, ein Flugzeug abzuschießen. Ein Jagdgeschwader, das ihm alsbald zu Hilfe kam, schoß ein zweites deutsches Flugzeug ab und zwang die übrigen zu fliehen. Ein deutsches Flugzeug, das von Abwehrgeschützen getroffen war, ael im Wald von Nonnenbruch, westlich von Mühlhausen nieder. Von: 3. November abends.(W. T. B.) Auf dem rechten Ufer der Maas rückte unsere Infanterie nach der Besetzung von Fort Vaux bis an den Waldrand beim Dorfe Vaux weiter vor. Nördlich von dem Teiche haben wir auf der Höhe Fuß gefaßt, die das Dorf beherrscht. Der Feind macht keinen Versuch dagegen. Von der übrigen Front ist nichts von Bedeutung zu melden außer dem üblichen Artilleriekamps. Belgischer Bericht. Nichts zu melden. Die englische Meldung. Vom 3. November nachmittags.(W. T. B.) Bei einem überraschendeen Ueberfall eroberten wir einen feindlichen Graben östlich von Gueudecourt. Während der Nacht sicherten wir unsere Stellung. Wir machten einige erfolgreiche Ueberfälle auf feindliche Gräben bei Arras. Vom 3. November abends.(W. T. B.) Ein feind- licher Gegenangriff ans den gestern östlich von Gueudecourt von uns eroberten Graben ist heute nachmittag vollständig zurück- geschlagen worden. Zwei feindliche Flugzeuge sind gestern zerstört worden. Der russische Kriegsbericht. Vom 3. November.(W. T. B.) Westfront. Am Stochod gehen die Kämpfe in der Gegend von Witoniez und der Kolonie Alexandrowka weiter. Einem un- erer Bataillone gelang es, den Feind zurückzuwerfen, der einen Teil unserer Schützengräben auf dem Westufer des Stochod besetzt hatte. In der Gegend der Höhen östlich vom Dorfe Lipica Dolna drangen unsere Abteilungen durch die Drahtverhaue des Feindes und drängten ihn an einzelnen Stellen zurück. Dichter Nebel be- hinderte die Tätigkeit der Artillerie. An der Bystrica griffen un- sere Aufklärer und ein Zug in der Gegend des Dorfes Kriwitsch plötzlich eine feindliche Kompagnie von vorn und in den Flanken an, zerstreuten sie und machten 13 Gefangene. Kaukasusfront. Am 1. November bombardierten zwei unserer Flieger große türkische Lager bei Jchakreinani nordwestlich von Narik und bei Takolan südöstlich von Tscholik, sowie zwei Brücken über den Euphrat bei Sadan. In der Gegend von Sakkiz erbeuteten unsere Aufklärer fünfzehn mit Mais beladene Lasttiere. Rumänische Front. Von der siebenbürgischen Front sind keine Nachrichten eingegangen. Aus der Dobrudscha ist nichts zu melden. Meldung der italienischen Heeresleitung. Vom 3. November.(W. T. B.) An der Julischen Front ging gestern der erbitterte Kampf von Görz bis zum Meere weiter. Er brachte unseren Waffen neue Erfolge. Längs des steilen Nordkamms der Karsthochfläche haben wir während der Nacht heftige Gegenangriffe des Feindes abgewiesen. Die uncr- müdlichen Truppen des 11. Armeekorps griffen zahlreiche, feste Verteidigungswerke, die der Feind in der mit Hindernissen be- deckten Gegend östlich ncs Veliki Mribach und deS Berges Pecinka vorbereitet hatte, an. Die tapferen Truppen der 4. und der 45. Division erreichten, von Graben zu Graben den in Gehölzen. aus Hügeln und in Höhlen eingenisteten Feind vertreibend, unter heftiger Beschießung und unter Abweisung heftiger Gegenangriffe, die wichtige Linie, die sich vom Berge Faiti(Faiti Mrib) über die Höhe 319 zur Höhe 22g aus die Straße nach Konstanjevira bis 700 Meter westlich von diesem Ort, hinzieht. Aus der übrigen Front östlich von Görz und Boscomalo (Hudi Log) bis zum Meere haben wir die am 1. November er- reicksten Stellungen trotz hartnäckiger Angriffe des Feindes, die durch konzentriertes Feuer zahlreicher Artillerie unterstützt waren. gehalten. Wir haben 3498 Gefangene gemacht, darunter 116 Offi- ziere. Unter diesen befanden sich ein Brigadekommandeur, ein Rgimentskommandeur und drei andere höhere Offiziere. Wir haben zwei Gebirgsaeschütze, viele Maschinengewehre und reiche Beute an Waffen, Munition und Kriegsmaterial aller Art ge- nommen. Bei dem vom Feinde durchgeführten Luftangriff vom 1. No- vember aus dem unteren Jsonzo hat unsere Artillerie das Wasser- slugzeug„O 75" abgeschossen. Ter Fliegeroffizier wurde getötet. Gestern abend erneuerte ein feindliches Gescknoader den Einfall in dieselbe Gegend, wobei wir ein zweites Flugzeug abschössen. C a d o r u a. Der rumänische Bericht. Vom 3. November.(W. T. B.) Nord- und Nor d- w e st f r o n t. An der Westgrenze der Moldau keine Verände- rung. Im Buzeutale haben wir angegriffen und die Berge Sirinl und Tatarunie besetzt. Bei Tablabutzi rückten wir über die Grenze vor. Bei Pretelus ist die Lage unverändert. Im Pra- hovatale heftige Angriffe des Feindes auf unseren linken Flügel; unsere Truppep hielten ihre Stellungen. In der Gegend von Dragoslavle Patrouillenschannützel und schwächer gewordene Ar- tilleriebeschießung. Oestlich des Alt geht der Kampf mit Heftigkeit auf der ganzen Front weiter. Westlich des Jiu dauert unsere Verfolgung an. Wir erbeuteten noch vier Geschütze und viel Kriegsmaterial. Bei Orsova nichts Neues. Südfront. Die Lage ist unverändert. Somme und Siebenbürgen. il. Ter Verlauf der Sommeschlacht läßt sich in vier große Ab- schnitte einteilen, die im wesentlichen mit den Kalendermonaten ihrer Daner zusammenfallen: Der Juli brachte den ersten Ansturm. Obwohl wir diesen erwartet hatten, darf doch zugestanden werden, daß die Stärke und Dauer seiner artilleristischen Vorbereitung unsere Erwartungen um ein vielfaches übertroffen hat. Nur der beispiellosen Hin- gäbe und Aufopferung unserer- Truppen ist es zu verdanken, daß es gelang, den ersten wuchtigen Durchbruchsversuch aufzuhalten. Schon in der zweiten Julthälfte sah der Feind sich gezwungen, seine ursprüngliche Durchbruchsabstcbt aufzugeben und an Stelle des Durchstoßes in nordöstlicher Richtung, also in die Spitze des von ihm im ersten Anlauf erkämpften Gelänoedreiecks hinein, die bescheidenere Takttk des Austollen durch auseinanderstrebendcn Doppeldruck auf die Schenkel des Dreiecks zu setzen. Als auch diese neue Taktik bis Ende Juli nicht zum Erfolge geführt hatte, ging der Feind während des Monats A u g u st zu einer ziemlich planlosen Takttk des allgemeinen Drucks aus die Gesamtfront über. Sie brachte ihm trotz immer wiederholter höchster Kraftanstrengungen nur unwesentliche Teilerfolge. Wir wissen aus einer großen Reihe von Pretzäutzerungen und haben auch auf andere Weise in Erfahrung bringen können, daß gegen Ende August in den Reihen unserer Feinde, zumal der Frau- zosen, die Erkenntnis sich Bahn gebrochen hatte, daß die Somme- offensive ihr Ziel nicht erreicht habe und kaum jemals erreichen werde. Damals drängte sich unseren Feinden die Notwendigkeit auf, dem allgemeinen Sinken der Siegeshoffnung durch eine bedeutsame Neugestaltung der Dinge entgegenzuwirken. Durch kräfttgen Druck gelang es, den neuen Feind, Rumänien, auf den Plan zu bringen. Eine Reihe von schwerwiegenden Kriegsratssitzungen fand statt. Für den Fortgang der Sommeschlacht wurden ihre Beschlüsse von einschneidender Bedeutung. Die deutsche Führung hat diese Be- schlüsse und ihre Auswirkung voll erkannt und auch ihrerseits zum Ausgangspunkt wichtiger und heilsamer Entschließungen gemuckst. Von dem Septemberkriegsrat unserer Feinde datiert die wiederum völlig veränderte Takttk, welche in der Folge cingc- schlagen wurde, und die während des September auch zu einer unleugbaren Steigerung des feindlichen Vordrängens und zu ver- hältnismätzig bedeutenden Erfolgen geführt hat. In drei großen Anläufen, vom 3. bis 7. September, vom 12. bis 17. September und mit stärkster Anspannung und entsprechend bedeutsamem Er- folge am 25. bis 27. September, versuchte der Feind, seine neue Absicht zu verwirklichen. Man muß anerkennen, daß diese Taktik nichts anderes bedeutet, als entschlossene, nur den veränderten Um- ständen entsprechend etwas abgewandelte Wiederaufnahme der kühnen Anfangsabsicht: des strategischen Durchbruchs, der nun wiederum die Richtung auf die Spitze de? erkämpften Dreiecks be- kam. Da diese Spitze ncdrlich der Somme, im Abschnitt zwischen Somme und Ancre lag, so brach der neue Plan des September- beginns die endgültige Spaltung der Sommeschlacht in zwei im wesentlichen getrennte Schlachten. Die Südschlacht, im Abschnitt Biaches bis Vermandovillers, zeigte nach einem großen Dnrchbruchsversuch an der Gesamtfront von Mitte September an ein allmähliches Nachlassen der Gesamt- stärke. Trotzdem hat der Feind auch in der Südschlacht— zwar nicht auf Grund eines großen operativen Gedankens, wohl aber durch eine Reihe kraftvoller Einzelstöge— einen immerhin erkennbaren Geländegewinn erzielt, insbesondere in den Abschnitten zwischen Berich und Chaulnes, also an der Südecke des Dreiecks. Von einem weiteren Ausbau dieser Erfolge hat er, jedenfalls infolge der bereits erlittenen Verluste, Abstand nehmen müssen. Dafür verlegten unsere Feinde die Wucht ihrer gemeinsamen Angriffe ganz unverkennbar in den Nordabschnitt zwischen Somme und Anre, und hier ist es ihnen gelungen, das erkämpfte Dreieck nicht unerheblich zu erweitern. Den Höhepunkt ihrer Anspannung und ihres Erfolges bedeutet die Schlacht des 25. bis 27. September, welche den Feinden die Ort- schafteu Gueudecourt und Rancourt und das gesamte zwischen ihnen liegende Gelände, eingeschlossen die größere Ortschaft Combles, ein- trug. Das Ziel ihrer unerhörten Anstrengung aber, den strategischen Durchbruch cm der Spitze des Dreiecks, haben sie auch in dem un» vorstellbar gewaltigen und mörderischen Ringen des September nicht erreicht. Das beweist ein Blick aus die Karte der Lage zu Ende Sep- tcmber: Das Dreieck, welches zu Beginn des September mit der Spitze bei Longueval im wesentlichen im Sinne der Hauptangriffs- richtung lag und so die feindliche AnfangSabsicht des strategischen Durchbruchs wenigstens in der Anlage verkörperte, hat sich nach der gescheiterten Wiederaufnahme dieser Anfangsabsicht im Laufe des September zu einem flauen Vogen verwandelt. Tos feindliche iZiel konnte also nur in den Schenkeln des Dreiecks in stärkerem Maße erreicht werden. Gerade da. wohin die Gcsamtrichtung des Angriffs zielte, nämlich an der Spitze, ist der Feind nicht nennenswert vor- Waas gekommen. Der vierte Abschnitt, der im wesentlichen nnt dem Oktober- :nonat zusammenfällt, hat eine ununterbrochene Fortsetzung der feind- tichen Angriffstätigkeit auf der ganzen Front gebracht. Auch in diesem Zeitraum ballte der Feind seine Kräfte in Zwischenräumen von jetzt nur etwa fiinf Tagen zu gewaltigen Angriffshandlungen, ..Großkampftagen", zusammen, ohne daß in den Pausen der feind- Uche Ansturm völlig ausgesetzt hätte. Aber diese gesamte, ununterbrochene und höchst gesteigerte An- spannung hat dem Feinde im Oktober nur örtliche, auf Karten kleineren Maßstabes überhaupt unerkennbare Fortschritte gebracht. Der Ausbau der deutschen Widerstandskraft hat näinlich feit dem kritischen ttö.«eptember derartige Fortschritte gemacht, daß ivir heute dem Feinde in einer Stärke gegenüberstehen, welche seine zahlenmäßige Heberlegenbeit zum mindesten durch den höheren Kampfwcrt unserer Truppen aller beteiligten Waffengattungen ausgleicht. Dieser Stand der Dinge zu Ende Okwber beweist unwiderleglich, daß es der verbündeten Heeresmacht Englands und Frankreichs nickt gelungen ist, den an der«omme gebundenen Brucktcil der deutschen Streitkräfte zu zerreiben und damit unsere� Westfront zu erschüttern. DaS ist die Antwort der deutschen Sommekämpfer auf das eine der neuerdings verkündeten schon erheblich eingeschränkten Ziele der feindlichen Sommeoffensive. Die zweite dieser bescheidener gewordenen Fragen an das Schick- kal war: wird es gelingen, soviel feindliche Kräfte zu binden, daß Deutschland wenigstens außerstande ist, seinen tapferen Bundes- genossen im Südosten Europas genügend Hilfskräfte zur Verfügung zu stellen, um sie zur Abwehr oder gar zur Niederzwingung des neuen Balkangegners instand zu setzen? Vom Eintritt dieses neuen Verbündelen hatte sich die Entente e-ne entsprechende Wendung der Lage auf der gesamten Ost- und Südostfront versprochen. Hatte sie uns bisher an beiden Fronten unerschütterlich gefunden, so glaubte sie mit Bestimmtheit annehmen zu dürfen, daß das bisherige Gleichgewicht der Kräfte an der Ost- front durch Hinzutritt Rumäniens endgültig zu ihren Gunsten ver- schoben werden würde, während die Wiederaufnahme der Somme- mftnsive es unmöglich machen sollte, diese Verschiebung auszugleichen. Was im Westen bisher mißlungen war, sollte nun im Osten glücken. Und wie ist's geworden? Auf diese Frage war nur die Ant- wort: wir haben die Westfront unerschütterlich gehalten und trotz- d e in genügend Kräfte freimachen können, um nicht nur den russischen Massensturm zum Stehen zu bringen, sondern auch dem neuen Feind seinen tückisch errafften Gewinn aus dem Rachen zu reißen und die Bulgaren bei Rückeroberung des räuberisch ihnen abgepreßten Landes am Donaudelta zu unterstützen. Schon sind die Eingangs- Worten zum Herzen Rumäniens, die Balkanpässe, in. unserer Hand. Der Plan unserer Feinde, mit Rumäniens Hilfe unsere Verbündeten 'm Südosten einen nach dem andern zu vernichten, unsere Verbin- düngen mit Konstantinopel zu durchreißen, die Osmanenhauptstadt in ihre Hände zu bringen und damit die schmerzlich entbehrte Ein- hcit unserer Einkreisung herzustellen, ist gescheitert. Auf die zweite Schicksalsfrage der Entente lautet unsere bis- hcrige Antwort: die eroberte Dobrudscha, das befreite Siebenbürgen.____(SB. T. B.) vom U-Soot-Krieg. London, 3. November.(SB. T. 33.) Lloyds nieldet: Der eng« Iffche Dampfer. G I c n l o g a n ist wahrscheinlich versenkt worden. Der Fischdampfer.Floreal" wurde versenkt. Die Besatzung ist in Sicherheit. Stavangcr, 3. November.(SB. T. 33.) Ter Bergen er D a in v f e r.Saturn" von Liverpool nach Narvik unterwegs, ist 30 Seemeilen nördlich der Shctlandsinseln von einem deutschen U-Voot versenkt worden. Bern, 3. November.(W. T. B.) Nack einem Telegramm des .TcmpS" aus Lissabon sind an den p o r t u g i s i s ch e n Küsten verschiedene Dampfer von einem deutschen U-Boot angegriffen worden. Stockholm, 4. November.(23. T. 85.) Meldung des Schwedischen Telcgrammbureaus. Ein schwedisches Torpedoboot hat die Be- satzungen des M o t o r s ch i f fe S. F r a n s" und des Dampfers . R u n h i l d", die im Botinischen Meerbusen durch ein deut- scheS U-Boot versenkt worden waren, gelandet.„Frans" wurde gestern unweit Rauino versenkt. DaS U-Boot brachte un- mittelbar darauf„ R u n h i l d" auf, die mit einer Prisenbcsatzung in Richiung auf Libau fortgeführt wurde. Abends ankerte sie und deute moigen setzte sie die Fahrt fort. Etwa um S Uhr wurde sie in die Luft gesprengt. Sie sank wahrscheinlich durch einen U-Boot- Torpedo. Die Prisenbcsatzung. ein Offizier und zwei Mann, werden in Stockholm interniert. London, 3. November.(W. T. B.) Der britische Dampfer „Brierley Hill"(1168 Tonnen) aus Hull wurde versenkt. Für zweiten �lmerikafahrt ües U.„deutlchlenö"« London, 2. November.(23. T. B.)„Daily Telegraph" meldet aus New Aork vom 1. November: Kapitän Könrg hat einen Artikel über die Reise der„Deutschland" veröffentlicht. Das Schiff bar 8000 Seemeilen zurückgelegt, davon nur 1£K) unter Wasser. Er schildert lebhast die Schrecken des Golfstromes, der die Temperatur im Schiff aus 137 Grad Fahrenheit brachte, und erzählt von einem Bankelt auf dem Grunde des OzeanS. Einmal tauchte das Schiff zu schnell, so daß es ganz senkrecht stand; aber die Ladung blieb in der richtigen Lage. Die Erfahrungen der„Deutsch- land" unterscheiden sich sehr wenig von denen der letzten Reise. Sie entging mehrmals mit genauer Not feindlichen Kriegsschiffen. Kriegsfeagen vor öem Unterhaus. London, 2. November.(W. T. B.) Unterhaus.?luf Be- schwerden über die hohen Äartoffclpreisc sagte R u n c i- m an, der hohe Preis sei eine Folge von Arbeitermangel und schlechtem Wetter. In den nächsten Wochen würde die Ernte Fortschritte machen. Eine Einschränkung des Kartoffelverbrauchs sei indessen zu empfehlen. S u t t o n fragte, weshalb der Kartoffel- preis innerhalb einer Woche um 100 Proz. gestiegen sei. Runci- man antwortete, ein gewisser Teil der Kartoffelernte sei an die Front gegangen. Die Regierung mache alle Slnstrengungcn, um die Kartoffeln aus anderen Ländern zu beziehen. S t a n t o n Ivies darauf hin, daß große Fischsendungen aus Holland nach ihrer Ankunft in England vernichtet worden seien. In Liverpool seien am 20. Oktober 1000 Kisten und an den beiden folgenden Tagen 1400 Kisten mit Fischen ver- nichtct worden. Redner fragte, ob dies in der Absicht geschehen sei, die Preise in England in die Höhe zu treiben. Lord Robert C e c i l eNviderte. die aus Holland eingeführten Fische hätten wegen unvermeidlicher Verzögerung des Transportes vernichtet werden müssen. Lord Robert Cecil teilte mit, daß eine schwedische Mission, die über die Blockadcfragc verhandeln sollte, demnächst in England erwartet werde. In der Debatte wurde die Regierung heftig ange- griffen, weil im Indischen?lmt ein 70jähriger deutscher Ge- Ichrtcr namens Ethe mit der Katalogisierung persischer Manu- skripte beschäftigt Ivcrde, woran er seit dem Jahre 1872 arbeite. B o o t h(liberal) sagte, ivenn die Regierung nicht durchgreifende Schritte täte, so könnte sie über diesen Fall stürzen. Ei herrsche die Ucbcrzeugung, daß eine Anzahl von Dcutschfreunden in der Rc- «W Asw SWWllim. Amtlich. Großes Hauptquartier, 4. No- vembcr 1916.(W. T. B.): Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Nupprccht. Scharfer Artilleriekampf ging feindlichen Angriffen vor- an, die aber in unserem Feuer nur in beschränktem Um- fange zur Durchführung kamen, so nordwestlich von Cour- celettc und im Abschnitt Gucudecourt— LcsboeufS; sie wurden abgeschlagen. Neun feindliche Flugzeuge sind im Luftkampf und durch Abwehrgeschütze abgeschossen. Heeresgruppe Kronprinz. Gegen uuscre Höhenstellungcn östlich der Maas schwoll daS feindliche Feuer am Nachmittag erheblich au. Frau- zösische Vorstöße zwischen Touaumont und Vaux blieben erfolglos. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Unsere Erfolge links der Narajowka wurden durch Er- stürmung weiterer Teile der russischen Hauptstellung süd- westlich vvu Folw. Krasnolesie erweitert und gegen Wieder- crobermigsvcrsuchc des FciudeS behauptet. Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Earl. Auf dem Nsrdteil der siebcabürgischcn Ostfront ist die Gefcchtstätigkeit wieder reger geworden, ohne daß es bisher zu bcmcrrenswcrten Jnfanterickämpfcu gekommen ist. An der Südfront wurden einzelne rumänische Angriffe abgewiesen. Die Höhe Rosca(südöstlich des Altschanz- Passes) wurde vom Gegner besetzt. Südwestlich von Predeal gewannen wir ciue rumänische Stellung, die wir im Nachstoß am 2. November bereits besetzt, in der folgenden Nacht aber wieder verloren hatten; über 259 Gefangene fiele» hier in unsere Hand. Balkan-Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Gcncralfcldmarschalls von Mackensen. Bei einer Unternehmung österreichisch-ungarischer Moni- tore gegen eine Donauiuscl südwestlich von Rnstschu! wurden zwei Geschübe und vier Mincnwerfer erbeutet. In der Dobrudscha keine wesentlichen Ereignisse. Mazedonische Firont. Die Lage ist unverändert. Ter Erste Gcncralqnarticrmeister. Lndendorff. * Em englischer Kreuzer vernichtet. Berlin, 4. November.(W. T. B.) Amtlich. Am 23. Oktober hat eines nnsercr Unterseeboote einen englischen kleinen Kreuzer älteren Typs mit zwei Schornsteinen westlich Irland vernichtet. Der Chef des Admiralstabrs der Marine. ** * ZU KmeWW MMlWMW. Wien, 4. November 1916.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbari: Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Carl. Ter Feind setzte in der nördliche» Walachei seine An- griffe sort. Bon der Jinöcroberung der Grenzhöhe Rosca(im Räume südöstlich von Brasso) abgesehen, hatte er nirgends Er- folg. In den Kämpfen um eine gegen heftigste Angrisse be- hauptcte Höhenstellung südwestlich von Predeal wurden über 259 gefangene Rilinäne» eingebracht. Zln der s i e b e n b ü r g i s ch c n O st g r e n z c erhöhte rumänische Artillcrictätigkeit. Heeresfront des Generalfeld Marschalls Prinz Leopold von Bayern. Bei Bohorodczany überfiel ein k. und k. Jagdlommando die russischen Vorposten und ebnete deren Stellungen ein. An der Narajowka erstürmten deutsche Bataillone abermals einige russische Gräben und behaupteten sie gegen erbitterte Gegenstöße. Italienischer Kriegsschauplatz. Nach den schweren Kampjen des 1. und 2. November verlief der Vormittag dcS 3. an der S ch l a ch t f r o n t des Küsten- l a n d c s ohne größere Kampfhandlung. Zlm Nachmittag nahm jedoch die Angriffstätigkeit der Italiener wieder zu. Auf dem Karst wurden wiederholte Ansätze zu Angriffen durch unser Spcrrscucr niedergehalten. Der Feind konnte trotz zahlloser Versuche nirgends Raum gewinnen. Im Wippach-Talc stießen abends starke feindliche Kräfte bis in unsere Stellungen zwischen Brrtojba und Biglia vor. Durch Gegenangriff wurden kurz darauf alle Gräben von den Unsrigeu wieder zurückgewonnen. Bor den Hindernissen von So. Katarina und Dcmber verbluteten mehrere Bcrsaglicribataillonc in erfolglose» Augriffen. Die Zahl der seit 1. November gemachten Gefangenen ist auf 3599 gestiegen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besondere» Ereignisse. Der Stellvertreter des Chefs des GcncralstabcS. v. H o e f e r, Fcldmarschalleutnant. * Erciantsse zur See. ?lm 3. d. Mts� abends belegte ein Sccflugzcuggcschwader die militärische» Objekte von San Canziano, Monfalcone und die Adriawerkc ausgiebig mit Bombe». Flottenkomman d o. gierung sei. Viele vernünftige Leute seien überzeugt, daß sich unter den M i n i st e r n Verräter befänden. Viele hätten sich an ihn gcivandt, ob er persönlich versichern könne, daß gewisse hervorragende Männer nicht in deutscheni Solde ständen. Die Mi- nister seien selbst schuld an diesem Zustand. Die Skkinisterien gingen viel zu gut mit den Deutschen um. Sobald einmal ver- sucht würde, etwas von dem deutschen Einfluß zu verdrängen, so bätte man hauptsächlich mit einem Ministerium darum zu kämpfen. Irgendwo bestehe ein geheimer Einfluß, der zugunsten Deutschlands wirksam sei, und der die Ministerien lähme und hindere, diese Frage durchgreifend zu lösen. London. 1. November,'(SB. T. B.) Im Unterhaus hat die Re- gierung mit ihrem Gesetzentwürfe, betreffend Aufstellung neuer Wählerlisten für die Parlamcutswahlen. völlig Fiasko gemacht. Viele Abänderungsanträge waren einge- bracht, darunter einer, der den Soldaten an der Front und den Seeleuten ans den Kriegsschiffen die Ausübung ihres Wahlrechtes sichern wollte; der Sprecher entschied aber, daß diese 2lnträge gegen die Ordnung des Hauses seien. Infolgedessen verlor das Haus alles Interesse, und die Bill wird als erledigt angesehen. Englisches Unterhans unü Deutscher Reichstag. London, l. November.(SB. T. B.) Im Unterhause wandte sich Lord Robert Cecil mit erheblicher Schärfe dagegen, daß das Unterhaus beansprucht, aus die Leitung der auswär- tigen Politik Einfluß zu nehmen.>Es handelte sich um die Frage der Anerkennung der Regierung von Venizelos.) Cecil sagte: Wir haben nicht nur unsere eigene Regierung zu be- rücksichtigen, sondern auch die Regierungen unserer französischen. russischen und italienischen Verbündeten. Wir können nicht alles tun und sagen, ohne die Wirkung auf unsere Verbündeten, unsere Feinde und die neutralen zu bedenken. Wir können nicht zugleich Verhandlungen führen und das Parlament und die Nation völlig in unser Vertrauen ziehen. Ich halte es nicht für wünschenswert, eine neue Form der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten ein- zuführen, und ich zweifle, ob es wünschenswert ist. die Verantwortung der Regierung mit irgendeiner Kommission zu teilen. Wir sind uns der vielen Fehler, die wir machten, und der vielen Mängel, die uns anhaften, voll bewußt; aber wir müssen tun, was wir für richtig halten. Wir müssen die Regierung fortführen, wenn auch schlecht. aber so gut, als wir können. Wir können die Verantwortung nicht mit dem Unterhause oder sonst jemand während des Krieges tellen. Wenn da» Haus uns für so schlecht hält, daß wir entfernt und durch andere ersetzt werden müssen, so mag das geschehen. Das ist eine vernünftige Politik und wir machen es dem Unterhause gern leicht.— * „Manchester Guardian" schreibt über die Aeußerung Cecils in einem Leitartikel: Das englische Parlament erhalte jetzt weniger Informationen über auswärtige Fragen als die französische Kammer oder der Deutsche Reichstag. Der Haushaltsausschuß des Reichstages habe zwar keine soweit reichende Befugnis wie die fran- zösische Kommission für auswärtige Angelegenheiten, aber der Kanzler und seine Vertreter legten vor ihr die deutsche Politik dar, und der Ausschuß werde jetzt weiter tagen, wenn der Reichstag auseinander gehe, so daß eine enge Fühlung zwischen Regierung und Parlament bestehen bleibe. In England sei nichts davon der Fall. Die Entente soll Serbien schonen. Genf, 4. November.(W. T. B.) Unter dem Titel„Im Namen der Menschlichkeit verschont die Ueberreste des serbischen Heeres" veröffentlicht„Journal de Gcnvve" einen Brief des Serben Jlia M i l ki t ck,, der nach Aufzählung aller Prüfungen, die das Serbenvvlk im Wellkrieg durchgemacht habe, die Entente beschwört, die letzten Vertreter der serbischen Rasse, die wieder in der ersten Feuerlinie Mazedoniens kämpfen müßten, zu ver- schonen, und fragt wie die Entente die Wiederaufrichiung des Serbenreiches durcbführcn ivolle, wenn die letzte Manneskraft Serbiens in neuen Kämpfen falle. Die Ententeregierungen dürften sich dem nickt verschließen und sollten Serbien, das mehr als alle anderen geliilen habe, mindestens diese letzte Prüfung ersparen. Kleine Kriegsnachrichten. London, 3. November,(W. T. B.) Reuter meldet aus New Dork, daß die britische Anleihe von 60 Millionen Pfund Sterling voll gezeichnet worden sei. Kopenhagen, 4. November.(SB. T. 33.) Die dänische General« Postdirellion gibt bekannt, daß die gesamte P a k e i p o st der beiden dänischen Dampfer„Island" und„Ceres", die in inländischer Fahrt von Island nach Kopenhagen unterwegs waren, bei einer Durchsuchung in Leilh beschlagnahmt worden ist. Erweiterte /Autonomie Galiziens Wien, 4. November.(W. T. B.) Die morgige„Wiener Zeitung" veröffentlicht nachstehendes Allerhöchstes Hand» schreiben: Lieber Dr. von Koerbcr! Im Sinne der von mir mit Seiner Majestät dein Deutschen Kaiser getroffenen Verein- barungen wird aus den von unseren tapferen Heeren der russischen Herrschaft entrissenen polnischen Gebieten ein selbständiger Staat mit erblicher Monarchie und konstitutioneller Verfassung gebildet wer- den. Bei diesem Anlast gedenke ich bewegten Herzens vieler Beweise der Hingebung und Treue, die ich im Laufe meiner Regierung seitens des Landes G a l i z i c n erfahren habe, sowie der großen und schweren Opfer, die dieses Land iin gegenwärtigen Kriege, dem heftigen feindlichen Anprall aus- gesetzt, im Interesse der siegreichen Verteidigung der östlichen Reichsgrenzcn zu bringen hatte und die ihm den dauernden Anspruch ans meine wärmste väterliche Fürsorge sichern. Es ist daher mein Wille, in dein Augenblicke, in welchem der neue Staat zur Entstehung gelangt, Hand in Hand mit dieser Eni- Wicklung auch dem Lande G a l i z i e n das Recht zu verleihen, seine La ndcsan gelegen heiten bis zum vollen Mäste dessen, was mit seiner Zugehörigkeit zur staatlichen Gesamt- heit und deren Gedeihen im Einklänge steht, selbständig zu ordnen und dmnit der Bevölkerung Galiziens die Ge- währ ihrer nationalen und wirtschaftlichen Entfaltung zu bieten. Indem ich Ihnen diese meine Absicht kundtue, be- auftrage ich Sie, ihrer gesetzinüstigen Verwirklichung geeignete Vorschläge auszuarbeiten und mir vorzulegen. Lette Nachrichten. Zur Besetzung von Ekaterini. London, 4. November.(W. T. B.)„Daily Telegraph" erfährt aus Athen, daß in dem Gefecht vor der Besetzung von Ekaterini die Anhänger des Königs 13 und die Venizelisten 20 Mann ver- loren. Die Zeitung„Esperini", das Organ des königlichen Palastes, meldet, daß der König infolge des Vormarsches der Venizelisten beschlossen habe, den Befehl zur Verlegung der zwei thessalischen IlrmeekorpS zurückzuziehen. jB«„Times" wird ans Athen gemeldet: Venizelos habe erklärt, er sei mit der� tatsächlichen Unterstützung der Entente zu- frieden und die Slufschtebung der formellen Anerkennung der Regierung sei ihm gleichgültig. Streik australischer Bergleute. Bern, 5. November.Betrieben beschäftigt, dann aber aus militärischen Gründen an der Rückkehr in die Heimat ver- hindert und in der Wahl des Aufenthalts und der Arbeitsstelle in mehrfacher Hinsicht beschränkt wurden, den Vorschriften der Reichsvcrsicherungsordnung über die Krankenversicherung. Die neue Verordnung tritt am 20. November d. I. in Kraft. Sie gilt nicht nur für die russisch-polnischcn Arbeiter, sondern für die Angehörigen aller feindlichen Staaten, die schon bei Kriegsbeginn in Deutschland beschäftigt waren. Dabei ist unter„Knegsbeginn" der Beginn des Krieges je mit demjenigen Staate zu verstehen, welchem der betreffende Beschäftigte angehört, da für ihn dieser Zeitpunkt auch für den Beginn der ihm auferlegten Freiheitsbeschränkungen maß- gebend ist. AnSschluss des§ 63 H.G.B, ist sittenwidrig. Das Warenhaus Jandorf, gegen das vor der 2. Kammer des Berliner KaufMannsgerichts verhandelt wurde, schließt die dem Handlungsgehilfen gesetzlich gewährleistete Zahlung des Gehalts sär sechs Wochen im Krankheitsfälle durch eine be- sondere Vertragsklausel aus. Die Klägerin in dem Prozesie, eine Einkäuferin, war sieben Jahre bei der Bellagten läng und erkrankle so schwer, daß sie in eine Heilstätte übergeführt werden nnißte. Die Firma machte nun der Erkrankten das Anerbieten, für zwei Wochen das Gehalt zu nebmen und auf den Rest zu verzichten. Da auch sie den Gehalts- ausschließuiigsreveis bei Antritt unterzeichnet liatte, jo ging sie, um nicht alles zu verlieren, daraus ein. Als sie aber nach ihrer Ge- nejuug wieder antral, wurde ihr sofort gekündigt. Nunmehr erhob sie Klage auf Zahlung der ihr auf Grund des§ 63 des Haudelsgeietzbuchs noch zustehenden 247 M. Das Kaufmannsgericht verurteilte die Be- klagte antragsgemäß, indem eS die Ausschließung deS§ 63 als gegen die guten Sitten verstoßend ansah. Der Verzicht der Klägerin sei rechtsungültig, denn er sei zweifellos nur unter der stillschweigenden Bedingung abgegeben worden, daß nicht gleich hinterber gekündigt würde. a.wb:rtheim fCIcfdcFsfoffe Pelzwaren Damcnkleider Blusenstoffe In schönen Mustern.. Mtr. 1.30 1.75 2.40 Blusenstoffe mit Kunst- seid.-Streifen, Mtr. 2.75 3.50 4.50 Kleiderschotten in groß. Auswahl, für Kinderkleider, etwa 85 cm breit. Mir. 2.10 2.75 3.50 Kleiderschotten dunkel getimsiert, i. schön. Farben, etwa 105 cm breit, Mtr. 4,75 5.50 6.50 Gemust. Kleiderstoffe für Hauskleider u. Röcke, etwa 90 cm breit, Mtr. 3.25 3.60 4.25 Kostümstoffe schwere Winlerware, in Herrenstoffart, etw. 130-140 cm br.7.75 8.00 9.50 Mantelstoffe in modernen Farben und Webarlen, etwa 130cm br, Mtr. 8.50 10.25 13.50 Flauschstoffe für Morgenröcke u. Matinees, in verschied. Färb. ,etw.l30cmbr., Mtr. 6.50 7.75 Kleiderbarchent in verschiedenen stoffarten u schönen Mustern.. Mtr 0 65 1.10 1.40 Flausch-Barchent für Unterröcke u.Beinkleider 1.75 2.50 Seidenstoffe Diamantseide-- 0 0. schwarz....... Mfr. l.'O Z.Zj Messalin hellfarbig.. Mir. 1 90 Blusenseide kariert. Mtr. 2.65 Taft schillernd..... Mir. 3.75 Rippenseide(Halbseide) bedruckt.......... Mir. 4.00 Schleierstoff schwarz und farbig, 100 cm breit,., Mtr. 4.50 Mattatlas schwarz, etwa 90 cm breit.... Mtr. 6.00 7.00 China-Krepp eiwaioocm breit, farbig........ Mtr. 7.75 Taft farbig, etwa 100 cm breit, Mir. 8.75 Mantelseide etwa 125 cm breit, schwarz und farbig Mtr. 8.75 Schleierstoff bedruckt, Blumen-Muster für Blusen und Kleider......... 9.50 13.25 Juwelkrepp schwarz und färb., etwa 100 cm breit Mtr. 11.75 Sealkanin- Jacken- kragen Matrosenform. Silber- und Zobel- kanin-Jackenkrag. Matrosenform........ Silberkanin-Jackenkragen neust breit Form Fehwamm- Kragen Fuchsform......... Kid- Astrachan- Kragen mit Köpfen u, Schweifen garniert.... dazu passender Taschen-Muff.... Alaskafarb. Fuchs- Kragen........ dazu passender Taschen-Muff.... Ringtail- Kragen fn modern. Form, m. Köpfen und Schweifen garniert.. dazu passende Multen i.Tonnenform Fehkopf- Schulterkragen m. Stuartkragen dazu passender Taschen-Muff...> 11.50 12.50 15.56 21.66 24.66 12.06 68.00 68.00 90.66 87.50 45.00 38.00 Poplinkleid Halbseide, reich gestickt mit moderner Taschen- u. Lackgürlelgarnit., Mantelkleid aus Velour« mit Pelzkragen und Knopfgarnitur............. 67.00 Mantelkleid Wollserge rz: nf) neue Farben.......... JO\j\J Seidenkleid gut Perlseide, neue Form, mit Kragen und-n nn Knopfgarnitur, viele Farben. Jo.UU Taftkleid kleidsame Form, mit neuartiger Biesengarnitur u. Westchen aus Chinakrepp /5.Uu aus wuiiserge mit Samt-—_ klagen und Tressengarnitur /J.OU Mäntel u. Kostüme Mantelkleid aus gutem Stoff mit Satte!, einfarbig, verschied Farben, bis zur Taille_ n_ mit Halbseide gefüttert.... J J.UU Paletot lose Form,•/« lang, aus weichem Stoff, verschied. Farben, großer Kragen mit__ Pelz besetzt........... 5 J.UU Jackenkleid Malj-Abteilung: Jackenkleid aus ver- aus gutem Köper-Samt mitf)0_n_ Pelzgarnitur.......... ZJJ.Uu schiedenart. Wollstoffen, mit__ Pelzkragen, in neuest. Form 1/5.UU Blusen Bluse aus Taffet-Seide in verschiedenen Farben..... 8 90 Bluse aus karierter Taffet- Seide mit Qlas-Mullkragen.. 11.50 Bluse aus Helvetia Seide m. groß.Qlas-Mullkrag. u. Schleife 13.25 Bluse aus schottisch. Seide 14.75 Bluse a. gut. gestreift. Seide, mit schwarzem Velvet garniert 17.75 Bluse aus Cröpe de ebine, in verschiedenen Farben... 19.25 Alle vogi____ veran tw. Redakt.: Alfred Wielevv. Neukölln. JniCratenteil neranün. TV. Glocke. Berlin. Druck u. Verlas: Vorwärts Buchdr. u. Verlaasan,ralt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 4 Beilagen u. Unterhaltungsbl. Nr. 305. 33. IahrMg. I ScilU des Jwärts" Setlinct pMInlt Asmiag. 5. DovmbertRK. Vertagung! Bon Heinrich Schulz. Ter Reichstag ist gestern auf kaiserliche Verordnung vertagt worden. Aber nicht, wie es der sonst üblichen Arbeitsweise des Reichstags entsprochen haben würde, bis Ende November oder spätestens Anfang Januar, sondern gleich bis Mitte Februar; der Präsident hat sich obendrein das Recht ausgebeten, den Reichstag unter Umständen noch einige Tage später zusammenzuberufen. Dadurch entsteht eine parlamentslose Pause von mehr als drei Monaten, und das zu einer Zeit, in der schon unter normalen Verhältnissen der Reichstag sonst seine wichtigsten Arbeiten erledigt, die aber jetzt während des Krieges besonders in dem gegen- wältigen Stadium des Krieges und seiner außen- und inner- politischen Wirkungen von zehnfach hoher Bedeutung ist. Die beiden sozialdemokratischen Fraktionen haben des- halb diese Art der Vertagung bekämpft, auch der National- liberale Bassermonn äußerte starke Bedenken, hat aber schließ- lich doch mit seiner Fraktion der Vertagungsordcr seine Zu- stimmung gegeben, während die beiden sozialdemokratischen Fraktionen dagegen stimmten. Der Reichstag hat also mit großer Mehrheit seiner monatelangen Ausschaltung zuge- stinunt. Allerdings hat die Regierung ein Zugeständnis gemacht; der kürzlich erfolgte Beschluß des Reichstags, daß sein Hauptausschuß auch in Zeiten der Vertagung zusammen- treten soll, ist von ihr für die jetzige Vertagungsperiode anerkannt worden. Aber damit ist nur sehr wenig gewonnen worden. Ich habe vor einiger Zeit im„Vorwärts" die leider unbestreitbare Tatsache, daß die Ausschußberatungen deS Reichstags das Uebergewicht über die Plenarberatungen er- halten, als eine unerwünschte Erscheinung nicht lediglich be- jammert, sondern darin eine Nebenwirkung des im allge- meinen steigenden Einflusses des Parlaments gesehen, eine Nebenwirkung, die wir zwar der Ursache wegen mit in den jtauf nehmen muffen, die wir aber um keinen Preis als Selbstzweck betrachten und daher auch nicht ohne Auflehnung gegen ihre gefährlichen Konsequenzen entgegennehmen dürfen. Die gegenwärtige Vertagung ist ein typischer Fall dafür, wie es nicht sein soll, ein Fall, der die entschiedenste Auflehnung notwendig macht. Die neue Einrichtung soll fürtvahr nicht die Pausen zwischen den Togungsabschnitten noch verlängern und damit den Einfluß des Reichstags schwächen, sie soll im Gegenteil in den bisherigen Pausen den Reichstag auf dem laufenden erhalten, seinen Einfluß zur Geltung bringen und ihn damit als Organ des Volkes stärken. Sicherlich würde dieses Mal eine Vertagung bis Mitte Februar oder gar, wie rs anfangs geplant war, bis Ende Februar nicht gewagt worden sein, wenn die Regierung sich nicht durch das gelegentliche Zusammentreten des Hauptausschusses gedeckt fühlte. So aber war die Neuerung wahrlich nicht gedacht, so darf sie auch nicht ausgenutzt werden, und gegen solche mißbräuchliche An- Wendung in Zukunft müssen deshalb Vorkehrungen getroffen werden. Die Negierung hat freilich Gründe, mit denen sie der Mehrheit des Reichstags die lange Vertagung schmackhaft zu machen verstanden hat. Die Gründe scheinen auf den ersten Blick nicht ohne Berechtigung zu sein. Die Arbeiten der Reichsleitung sind durch den Krieg nicht verringert worden. für eine Reihe von Neichsämtern hat der Krieg im Gegenteil eine Fülle von Mehrarbeit gebracht. Andererseits sind den Reichsämtern zahlreiche Beamte durch den Kriegsdienst ent- zogen worden. Schließlich sind durch die gegenwärtige Ta- gung des Reichstags, die unter gewöhnlichen Verhältnissen nicht gewesen sein würde, die gesamten Reichsämter stark in Anspruch genommen worden, so daß ihre laufenden Arbeiten nickst in der üblichen Weise erledigt werden konnten. Soweit, so gut. Wie sieht aber die Kehrseite aus? Mehrere Reichsämter sind durch den Krieg entweder ganz oder zum größten Teile matt gesetzt worden. Die Kolonialverwaltung hat wenig zu tun, im auswärtigen Dienst hat der Krieg zahl- reiche Beamte von ihrer sonstigen Tätigkeit freigestellt, so daß sie gleichfalls anderweitig beschäftigt werden können, in anderen Reichsämtern kann jetzt während des Krieges manches ohne Schädigung der Allgemeininteressen unterbleiben, waS man in Friedenszeitcn gewiß nicht missen möchte. Dazu kommt, daß für viele neue Kriegsaufgaben auch völlig neue Organisationen mit eigenen Räten und Heeren von Beamten geschaffen worden sind. So ist fast die gesamte Ernährung während des Krieges Sache des neugeschaffenen Kriegs- crnährungsamts. Vor allem aber: der ordnungsgemäße Dienst in allen Aemtern kann und muß auch ohne erhebliche Störung iveitergehcn, selbst wenn der Reichstag noch so lange tagt! Sind dazu neue Einrichtungen nötig, wie etiva eine Erweiterung der persönlichen verantwortlichen Vertre- tung der Reichsämter im Reichstage, so ivären sie eben zu schaffen. Es geht nicht an, daß der Reichstag mit seinen starken Interessen, nnt seiner Bedeutung als Sprachrohr und Anwalt der vitalsten Wünsche und Anliegen des deutschen Volkes bescheidentlich zurückzutreten hat, weil die Bureau- kratie der Reichsregierung sonst etwas mehr und etwas un- bequemeres Arbeiten hat! Wie wird man übrigens in Ländern mit entwickeltem parlamentarischen System über solche Einwen- düngen der Regierungsbureaukratie lachen! Dort muß in- mitten der heißesten parlamentarischen Zeit unter Umständen ohne irgendwelches Zögern die ganze Regierung zurücktreten, wenn eine Abstimmung des Parlaments sie in die Minder- heit bringt. Und es kann vorkommen, und ist oft genug vor- gekommen, daß sich dieser Vorgang nach einigen Monaten, ja. nach Wochen einmal und öfter wiederholt hat. Wo bleibt da das Argument, daß die Geschäfte der Regierung leiden, wenn sie so oft ihre verantwortlichen Männer wechselt? Dort hat man sich bei der Führung der Verwaltungsgeschäfte eben auf das Parlament eingerichtet, nicht aber hat sich dieses ge- horsam nach den Wünschen der Regierungsbeamten zu richten. In Teutschland aber hat die Regierungsbureaukratie noch ihre starke Stellung, sie läßt sich den Reichstag gefallen, weil sie nmß, aber erschwert ihm eine Erweiterung seiner Rechte und seines Einflusses. Wir sind in Deutschland noch sehr weit vom parlamentari- schen System entfernt. Vom gegenwärtigen Reichstag ist auch nicht viel mehr zu erwarten, das kann nur durch zukünftige Wahlen, durch die Aufrüttelung des gesamten deutschen Volks, I durch seine Politisierung, durch die richtige politische Aus- Nutzung und Anwendung der von der Gesamtheit und von jedem einzelnen in diesem Kriege gemachten bitteren Erfahrungen geschehen. Und dann nur im Kampfe mit der Rc- gierung und den sie in allen ihren rückständigen Bestrebungen stützenden Parteien. Gutwillig wird sie von ihren Vorrechten nichts hergeben. Gesiftenkt aber will das deutsche Volk seine Freiheit auch nicht haben. Es war der preußische General Aorck, als er 1812 als erster die Befreiung Preußens von der französischen Fremdherrschaft praktisch begann, der damals an den General von Bülow schrieb:„Erkämpfen, erwerben wollen wir unsere nationale Freiheit und unsere Selbständig- keit; diese Freiheit und Selbständigkeit als ein Geschenk er- halten und annehmen, heißt die Nation an den Schandpfahl der Erbärmlichkeit stellen und sie der Verachtung der Mit- und Nachwelt preisgeben." Das wackere Wort gilt auch für die inneren Freiheiten und Selbständigkeiten, die sich das deutsche Volk neben der äußeren Freiheit deS Reiches in diesem Kriege und mehr noch nach diesem Kriege zu erkämpfen hat und erkämpfen wird. Der Reichstag hat für drei Monate auf diesen Kampf der- zichtet, obwohl ihm sein Erfolg in der Frage der militärischen Schutzhaft Mut zu weiteren und erheblicheren Taten hätte machen sollen. Um so mehr muß das Volk selber in dieser Zwischenzeit die Augen offen halten.— Die Sonnabenöfltzung öes Reichstags» Die letzte Sitzung vor der Vertagung zeichnete sich nicht nur durch ihre Länge aus— sie dauerte von 10 Uhr früh bis in die zehnte Abendstunde, also fast zwölf Stunden!—, sondern auch durch die schwerwiegende Bedeutung der gefaßten Beschlüsse. Erfreulicherweise war es dem Ausschuß, der den Gesetz- entwurf über die S ch u tz h a f t zu beraten hatte, trotz der Kürze der ihm zur Verfügung stehenden Zeit gelungen, seine Beratungen abzuschließen und der Plenarsitzung einen über die Anträge des Hauptausschusses hinausgehenden, der- besserten Entwurf vorzulegen. Für die sozialdemokratische Fraktion konnte Genosse Landsberg die Erklärung ab- geben, daß sie trotz ihrer weitergehenden, auf völlige Beseiti- gung der Schutzhast abzielenden Wünsche bereit sei, der durch den Gesetzentwurf angestrebten Verbesserung des gegenwärtig geltenden unerträglichen Zustandes zuzustimmen. Eine öhn liche Erklärung gab Genosse H a a s e für die Arbeitsgemein jchaft ab. Bei der dritten Lesung, die gleich an die erste und zweite Lesung angeschlossen wurde, nahm noch Genosse S ch c i d e m a n n das Wort, um sowohl ini Namen des Aus- schusses für den vorliegenden Gesetzentwurf, dessen Vorsitzen- der er gewesen war, als auch im Namen des Aeltestenaus- schusses, der auch vor Begimi der Sitzung getagt hatte, der Regierung dringend anzuraten, dem vom Reichstag ein- stimmig gewünschten Gesetzentwurf unverzüglich ihre Zu- stimmung zu geben, damit Fälle, wie sie vor einer Woche die größte Entrüstung des Reichstags erweckt hatten, nickst wieder vorkommen könnten. Diese ernste und dringende Mahnung Scheidemanns wurde von dem gesamten Reichstag sehr leb- Haft und eindrucksvoll unterstutzt. Man wird abwarten müssen, ob die Regierung aus der diesmaligen Tagung des Reichstags einiges gelernt hat und dies zunächst einmal durch baldige Jnkraftsetzimg des neuen Gesetzentwurfs zeigt. Für die Untersttitzung und Kräfttgung der Leipziger Messe, der das feindliche Ausland durch Konkurrenzunter. nehmungen für jetzt imd später den Wind ans den Segeln zu nehmen sucht, beantragt der Ausschuß des Reichstags für Handel imd Gewerbe die Einstellung einer Million in den Reichsetat. Die Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft ließ durch den Genossen D i t t m a n n erklären, daß sie von der Notwendigkeit, die Regierung zu einem solchen An trage aufzufordern, nicht überzeugt sei und dem Antrage daher nicht zustimme. Für die sozialdemo- kratische Fraktion erklärte dagegen Genosse M o I k e n b u h r, daß sie die Anregung gern unterstütze, weil sie darin ein Mittel sehe, den internationalen friedlichen Wettbewerb, der auch der deutschen Arbeiterschaft zugute komme, möglichst bald wieder in Bewegung zu setzen. Die Fortsetzung der Beratung über die Ernähr ungS- fragen beanspruchte den größten Teil der Sitzung. Die einzelnen Fraktionen nahmen noch einmal durch eingehende Reden, die die ausführlichen Berattm gen des Hauptausschusses je nach dem Standpunkt der Partei zusammenfaßten und kriti- sierten, Stellung zu den vielen Ernährungsschwierigkeiten, die dem deutschen Volke aus der langen Kriegsdaucr erwachsen und deren es doch in Zukunft ebenso, ja. wenn in den ver- flossenen zwei Jahren nickt schon zuviel versäumt worden wäre, noch entschiedener als bisher Herr zu werden bemüht sein muß. Die Stellung der sozialdemokratischen Fraktion legte Genosse Robert Schmidt, die der Arbeitsgemein- sckaft Genosse Wurm dar; beide sind mit den einschlägigen Fragen mifS beste vertraut und wußten die sozialdemokrati- scheu Wünsche nachdrücklich zu vertreten. Abends um 7 Uhr kam da? ermüdete und inzwischen stark gelichtete Haus noch an eine überaus wichtige Angelegen- heit. Der Hauptausschuß legte dem Hause einige Resolntio- neu vor, in denen Kriegsteuerungszulagen für bestimmte Gruppen von Reichsbeamten und Ruhegehaltsemvfängern, vor allen Dingen aber eine Erhöhung der Famiii enuntcr- stützungen der in Kriegsdienst eingetretenen Mannschaften gewünscht wird. Die Regierung ließ durch den Ministerial- direktor L e w a l d eine Erklärung abgeben, die eine Verbesserung der Unterstützungssätze in Aus- ficht stellte. Aber der Herr Ministerialdirektor ver- stand es doch— was ihm übrigens bei seiner ganzen Art nicht schwer fällt—, die bedingte Zusage so mit Wenn und Aber zu verklausulieren und einen so wenig warmherzigen Ton zu wählen, daß sich des Hauses eine starke Mißstimmung bemächtigte. Die Genossen Hier! von der sozialdemokratischen Fraktion und R y s s e l von der Arbeitsgemeinschaft gaben diesem Empfinden beredten Aus- druck und verlangten dringend das weitherzigste Entgegen- kommen der Regiernng, die nicht stets dann auf die teueren Kosten dieses Krieges abschreckend hinweisen solle, wenn es sich um die Unterstützung der Kriegerfamilien handle. Die Millionen, die hierfür aufgewendet würden, sind genau so notwendig für einen guten Ausgang des Krieges wie die Millionen, die ohne Bedenken für die eigentliche Kriegführung ausgegeben würden. Der Staatssekretär des Innern, Dr.> Helfferich, suchte seinen Ministerialdirektor zu decken, an- statt lieber nacksubolen, was dieser versäumt hatte: kurz und unzweideutig die Bereitwilligkeit auszusprecheu, im Bundesrat für die Anträge des Reichstags eintreten zu wollen. Der neue Staatssekretär des Innern weiß immer schnell einige staatsrechtliche Schwierigkeiten in den Vordergrund zu rücken, wenn er nicht so will, wie der Reichstag will. Die Reichs- leitung möge aber bedenken, daß die Mahnung, die ihr von einem bürgerlichen Redner zugerufen wurde: perlen Iura in inora, Gefahr ist im Verzug! noch über den Rahmen hinaus Bedeutting hat, den ihr der bürgerliche Redner gab. Mit den üblichen Formalitäten, die vor einem überaus schwach besetzten Haus abends um 9% Uhr erfüllt wurden, trat der Reichstag seine dreimonattge Vertagung an, Reichstagsausschuß für öen Reichshaushalt. Am Sonnabend war der Päsident der ReichZkxmk. Herr Havenftein, erschienen, um Stellung zu nehmen zu den An- trägen, daß der Goldwarrnindustrie das Gold entzogen werde. Er betont«.«S sei in der Tat wünschenswert, daß der Goldbestand der Reichsbank mogüchlst gror, werde. DieS müsse aber durch da» freiwillige Entgegenkommen �der Bevölkerung erreicht werden. Irgendein Zwang sei unmog- lich und könnte nur schädlich wirken. Außerdem gehe der Antrag von der falschen Annahme aus. daß die Goldwarenindustrie unbc- schränkte Mengen Gold zur Bearbeitung erhalte. In Wahrst sei schon jetzt der Verbrauch der Goldwarenindustrie sehr euigeschranki. Noch weitergehende Maßnahmen würden die Kontrolle sehr er- schweren. Endlich werden in der Goldwarenindustrce viele min- tärfreie Arbeiter beschäftigt, die an ihrer jetzigen Stelle wertvolle Dienste leisten, in anderen Industrien dagegen kaum beschaftlg! werden könnten. Trotzdem werde die ReichSlcitung die Angelegen- heit von neuem prüfen, um, wenn irgend möglich, weitere Ein- schränkungen eintreten zu lassen, ohne Schädigung der Gesamt- heit.— Auch käme in Betracht, ob nicht ein Höchstprer» sur Gold festzusetzen sei, um den wilden Wettbewerb von Altgold zu beseitigen.„ v... Infolge dieser Erklärung wurden die An trage hterzn zurückgezogen. Damit war die Angelegenheit erledigt. In der Fortsetz, mg der Aussprache über die Arbeitsverhältnisse in der MumtionSindnstrie wendet« sich Abg. Bauerv ir die Arbeiter um Wiederaufnahme der Arbeit ersuchten, wurde in der Versammlung erklärt, daß die Zustände un ertrag lick seien. Auch auf der Gewerkschaft „Deutscher Kaiser" sind Kommissionsmitglieder, nachdem sie ver- handelt hatten, eingezogen worden. Die Gewerbeaufsichtsbehörden boben ebenfalls versagt. Bei Differenzen auf den Westsälischen Stahlwerken in Bochum, bei welchen die zuständige Gewerbeinspek- tiou eingriff, ist den drei Arbeiterorganisationen für die Metall- Industrie überhaupt keine Mitteilung mehr zugegangen. In einem der Fälle, bei der Firma Gemdt in Lengerich, wo die Angaben der Beschwerden durch zwei Gewerberäte bestätigt wurden, hat es so- gar 11 Wochen gedauert, bis die Angelegenheit erledigt war, und das konnte auch nur mit Hilfe des Kriegsministeriums erreicht werden. Die Untersuchungen und Beschwerden find meist erfolglos. Die Arbeiter haben kein Vertrauen mehr. Es muß unbedingt eine Instanz geschaffen werden, die hier regelnd eingreift. Den qualifi- zierten Arbeitern werden Stundenlöhne von 45 bis 70 Pf. gezahlt; im Akkord verdienen diese Leute 60 Pf. bis eine Mark die Stunde. ES ist dies viel zu wenig für die jetzige Zeit; daher sind die Forde- rungcn der Arbeiter auf Lohnerhöhung durchaus berechtigt. Damit waren die Verhandlungen über diese Gegenstände und auch die Arbeiten des Ausschusses überhaupt beendigt. Die KommWon für Hevölkerungspolitik hielt am Sonnabend noch eine kurze Sitzung ab. Auf Grund von Besprechungen der Unterkommission mit Regierungsvertretern wurden die von der Regierung geforderten statistischen Auskünste betr. Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten im Heere endgültig festgestellt. Die Regierung hat zugesagt, daß die für Offiziere und Mannschaften getrennte Fe st st el- l u n g der Erkrankungsfälle, die für die Vergangenheit aber nicht möglich sei, für die Zukunft durchgeführt werden soll. Die Kom- Mission wünscht durch diese Trennung eine Prüfung darüber zu er- möglichen, ob und welche Wirkung die verschiedenartigen Vorschriften babcn, die für Offiziere und Mannschaften hinsichtlich Meldung und Behandlung von Geschlechtskrankheiten gelten. Ter stellvertretende Vorsitzende, Abg. Hitze(Zentr.), teilte mit, daß die Regierung einen Gesetzentwurf zur Bekämpfung des Prostitutiouswescns vorbereitet. Es sei zu hoffen, daß der Entwurf bei Wiederzusammentritt des Reichstags vorliegen wird. Zu empfehlen sei, daß die Kommission die Absicht der Regie- rung stärkt, indem sie, da eine Beratung der Frage selbst jetzt nicht möglich ist, die Regierung ausdrücklich zur baldigen Vorlegung eines solchen Gesetzentwurfs auffordert.— Gegen diesen Vorschlag wurde von sozialdemokratischer Seite lebhaft Einspruch erhoben: Eine solche Aufforderung sei ganz inhaltlos, könne aber sehr leicht den Anschein erwecken, als läge der Kommission vor allem daran, die Prostitution mit Polizeimitteln zu bekämpfen; die Kommission solle aber vielmehr die sozialen Maßnahmen gegen die Prostitution in den Vordergrund stellen. Der Entwurf der Regie- rung verspreche nichts Gutes, und die Kommission dürfe das nicht durch eine biesolution, wie sie vom Zentrum vorgeschlagen wird, fördern.— Auch ein Zentrumsredner äußerte Bedenken. Ein Red- ner der Deutschen Fraktion ersuchte, von einer Abstimmung abzu- sehen, da eine Einigkeit jetzt über diese Frage nicht zu erzielen sei. Demgemäß wurde� verfahren. Die Mitglieder der Unterkommission beabsichtigen, in unver» kindlichen Zusammenkünsten lvährend der Vertagung des Reichs- tags die Arbeiten der Kommission weiter vorzubereiten. politische Uebersicht. Das Preuhenwahlrecht nach dem Kriege. Im„Tag" erklärt der freikonservative Abg. v. Dewitz: Die Konservativen würden sich einer Mitarbeit an der Ausgleichung und Vcrbcffcrung gewisser Schwächen und Fehler des jetzt in Preußen bestehenden Wahlrechts nicht entziehen". Sie könnten aber nur einem Wahlrecht zustimmen,„das an den idealen Grundlagen fest- hält, auf denen Preußen groß geworden ist". Als solche Grundlagen bezeichnet Herr v. Dewitz ein starkes Königtum und eine„von echt christlichem Geiste erfüllte" gesetzgeberische Arbeit. Herr v. Dewitz, der ein Gegner des Reichswahlrechts fiir Preußen ist, meint also offenbar, daß die gesetzgeberische Arbeit des Reichstages wegen der geringen Zahl von Konservativen, die in ihm fitzen, nicht von echt christlichem Geiste erfüllt sei. Wir meinen, ein Parlament solle den Streit um das echte Christentum den Theologe» überlassen und be- strebt sein, das Nützliche und Rechte für das Volk zu tun. Das kann aber am besten ein Parlament des gleichen Wahlrechts! Herr v. Dewitz polemisiert gegen einen Artikel der„Frankfurter Zeitung", in dem daran erinnert wird, daß beispielsweise 1308 in der 3. Abteilung 82,2 v. H. der Urwähler, in der 2. Abteilung 13,9 v. H. und in der 1. Abteilung nur 3,9 v. H. derselben die gleiche Anzahl Wahlmänner wählten. Herr v. Dewitz schlägt demgegenüber auf den Geldbeutel der Besitzenden und weist darauf hin, daß noch 1904 63 v. H. der preußischen Bevölkerung überhaupt nicht, weitere 32 v. H. in den niedrigen Stufen von 900 bis 3000 M. Staats- steuern zahlten, während nur 5 v. H. der Bevölkerung 70 v. H. des gesamten Steuersolls aufbrachten. Herr v. Dewitz weiß nicht, daß die 95 v. H. schlechten Steuerzahler die besten Zahler der indirekten Steuern sind. Herr v. Dewitz denkt nicht daran, daß die hohen Steuerbeträge, die von den 5 v. H. guten Steuerzahlern aufgebracht werden, nicht von ihnen selbst, sondern von den 95 v. H. schlechten Steuerzahlern erarbeitet sind. Herr v. Dewitz denkt nicht im entferntesten daran, daß die besten Steuerzahler der Zukunft die Kriegs g e w i n n e r und die schlechtesten— leider zum großen Teil— big Kriegs t eil- nehmet sein dürften. Herr v. Dewitz hat sich nicht überlegt, wie wenig es einer„von echt christlichem Geist erfüllten" Gesetzgebung anstünde, den Kriegsgewinnern ein besseres Wahlrecht zu geben als den Kriegsteilnehmern. Es kann aber in Zukunft keinen bevorrechteten Stand geben, wenn er nicht von denen gebildet werden soll, die draußen an der Front für die Verteidigung der Heimat ihr Leben in die Schanze schlugen. Die werden, wenn sie heimkommen, kein Vorrecht für sich verlangen, sie werden aber auch nicht dulden, daß sie ein schlechteres Bürgerrecht haben sollen als irgendein Heimkrieger, der mit Feder und Papier für„preußische Grundlagen" kämpft. Das dürfte heute in Deutschland jedermann klar sein— ausgenommen Herrn v. Dewitz und wenige ihm Gleichgesinnte! Ein geheimnisvoller Bethmann-Bricf. Die Zeitschrift„Das größere Deutschland" veröffentlicht hinter einem Artikel des Fürsten zu Salm-Horstmar, des Ver- fassers der berühmten Immediateingabe gegen den Reichs- kanzler, eine Betrachtung des Herausgebers W. Bacmeister über Scheidemanns letzte Reichstagsrede. Darin findet sich folgende allgemein interessierende Bemerkung: „Schon mehrfach hat dieser Mann sich als besonders gut über die Absichten der ReichSregieruna unterrichtet darzustellen gesucht, ohne daß ihn die offiziöse Presse verleugnet hätte. In manchen Kreisen hält man ihn für einen der mächtigsten Männer im Reiche. Und im Ausland meint die Presse vielfach, Scheide mann habe die Wahrheit gesagt, die der Kanzler zu sagen noch nicht für zweckmäßig gehalten habe. Der sozia- listische Führer gebrauchte in seiner Rede auch den Satz: „Wir haben uns nie darüber getäuscht, daß dieser Krieg, selbst wenn er von diesem oder jenem als Eroberungskrieg ge- wollt wäre, in Wirklichkeit nur als Verteidigungskrieg geführt wird."(Soll heißen:...„werden kann". Red. d.„V.".> Man darfwohl verraten, daß es einen Brief d es R eich s ka n z le r s g ibt, in d em der gleiche Ge- dankengang mit fast den gleichen Worten zum Ausdruck kam. Hat Scheidemann, der ja so manchen Brief kennt, auch diesen Bries gekannt...?" Wir können zur Beruhigung des Herrn Bacmeister ver- sichern, daß der von ihm erwähnte Brief des Reichskanzlers dem Genossen Scheidemann gänzlich unbekannt ist. Schade, daß Herr Bacmeister diesen Brief, der nach seinen An- deutungen ja sehr verständig zu sein scheint, nicht in seinem Wortlaut veröffentlicht! Sollte sich der Reichskanzler darin zu ähnlichen Anschauungen bekennen, wie Scheidcmann, und würde dies allgemein bekannt, so wäre damit der Sache des Friedens ein wesentlicher Dienst geleistet. Anfragen im Reichstag. Abg. Dr. B l u n ck(Vp.) fragt: „Durch die Beschlüsse der Pariser Konferenz ist da-Z Bestreben unserer Feinde, auch nach dem Friedensschluß den Krieg auf Wirt- schaftlichem Gebiete fortzusetzen, offenbar geworden. Ist der Herr Reichskanzler bereit, im ReichSamt des Innern eine Zentralstelle, etwa in Form eines besonderen Handelsamts, zu schaffen, welche Handel und Industrie in allen den Außenhandel be- treffenden Fragen wirksam unterstützt?" Abg. M ü l I e r-Meiningen fragt: „Nach Art. II Nr. 10 Abs. 3 des Warenumsatzstempelgesetzes sind Lieferungen im Inlands bezogener Waren in daS Ausland vom Stempel befreit. Nach Auffassung weiter Kreise und gewisser Be- Hörden genießt derjenige Steuerfreiheit nicht, der zwar im Jnlande aufkauft, daraus aber Fabrikate herstellt, die dann zur Ausfuhr ge- langen— also die Ausfuhrindustrie. Ist der Herr Reichskanzler bereit, Ausklärung zu schaffen, ob die Ausfuhrindustrie von dem Stempel bestell ist oder nicht?" Bundesratsbeschlüsse. Amtlich. Berlin, 4. November.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurde zu den vom Reichstag an- genommenen Entwürfen eines Gesetzes betreffend Aenderungen des Gerichtskostengesetzes, der Gebührenordnung für Rechtsanwälte und der Gebührenordnung für Gerichtsvollzieher und eines Gesetzes über die F e st s e tz u n g von Kursen der zum Börsenhandel zugelassenen Wertpapiere Stellung genommen. Dem Entwurf einer Verordnung über die Vornahme einer Viehzählung am 1. Dezember 1916 wurde zugestimmt. Die angeblichen Verfehlungen in der Kriegsmetall- Aktiengesellschaft. Berlin, 4. November.(W. T. B.) Die Bemerkung in dem Sitzungsbericht des Reichshaushaltsausschusses vom 21. Oktober über angebliche Versehlungen in der Kriegsmetallaktiengesellschaft hat durch ihre gekürzte Wiedergabe bei einzelnen Stellen zu der Aufassung geführt, als ob in der Geschäftsführung der Ge- sellschaft Ordnungswidrigkeiten vorgekommen seien. Letzteres ist nicht der Fall. Es hat sich um Verfehlungen zweier unterer Angestellten(Nr- kundenfälschung) gehandelt, die mit den Geschäften der Kriegs- Metallaktiengesellschaft in keinem Zusammenhang standen. Sozialdemokratische Wahlbeteiligung an Stadtrats« wählen in Kiel. Demnächst läuft in Kiel die Wahlperiode zweier unbesoldeter Stadträte ab, die Neuwahl ist auf den 20. November angesetzt. Die schleswig-holsteinische Städteordnung schreibt vor, daß die Magistrats- Mitglieder(einschließlich der beiden Bürgermeister) von der gesamten wahlberechtigten Bürgerschaft unter demselben Wahlrecht gewählt werden, das fiir die Stadtverordneteuwahlen gilt. Eilzc aus sämtlichen MagistratSmitgliedern und einer gleichen Anzahl von Stadtverordneten bestehende Präsentationskommiffion hat der Bürgerschaft drei Kan- didaten zu präsentieren. Bei früheren Wahlen sind alle Versuche der sozialdemokratischen Vertreter in den Präsentationskommisstonen, auch einen Sozialdemokraten mit zu präsentieren, an dem geschlossenen Widerstande der bürgerlichen Stadtverordneten und der Magistrats- Mitglieder gescheitert. Bei den Verhandlungen in der Präsenlalions« kommisfion für die bevorstehenden Wahlen ist es nun den sozial- demokratischen Vertretern gelungen, durch energische Vorstellungen die bürgerlichen Stadtverordneten und die Magistratsmitglieder zu bewegen, dafür zu stimmen, daß auf die Kandidatenliste für das eine Stadtratsamt auch ein sozialdemokratischer Kandidat, der sozialdemokratische Stadtverordnete Rindfleisch gesetzt worden ist. Die letzte gutbesuchte Mitgliederversammlung des Sozialdemo- kratischen Vereins Groß-Kiel hat daraufhin einstimmig die Belei- ligung an den Stadtratswahlen beschlossen. Wenn die Kieler Arbeiter auf dem Posten sind, dürste die Wahl des sozialdemokratischen Kan- didaten sicher sein._ Der Lesestoff unserer Feldgrauen. Einige Verlagsanstalten haben es sich angelegen sein lassen, unsere Soldaten im Felde mit Lesestoff zu versehen, der zum erheb- lichen Teil als Schundliteratur bezeichnet werden muß. Diese Buch- Händler im Felde machen dabei allerdings glänzende Geschäfte, denn je größer der Schund, desto mehr wird daran verdient. Dieser Mißstand bot Vertretern verschiedener Parteien— darunter Abg. Schulz-Erfurt— Veranlassung, im Reichstag folgende Anfrage ein« zubringen: „Ueber die Feldbuchhandlungen werden fortgesetzt Klagen laut. Die von ihnen feilgehaltenen Bücher sind teilweise minderwertiger Art, in vielen Fällen ist den Soldaten offenkundige Schundliteratur verlauft worden. Eine weitere Klage geht dahin, daß die Bücherauswahl zum Teil einseitig bestimmte Verlage bevorzugt, was darauf zurück- geführt wird, daß der Feldbuchhandel in der Hauptsache in den Händen einiger weniger Buchhandlungen liegt. Bücher und Bücher« reihen, deren Feilhaltung im Interesse der Volksbildung dringend erwünscht ist, wenn sich ihr Vertrieb auch nicht so lohnt wie der Vertrieb von Sensationsliteratur, werden von den Feldbuchhandlungen nur mangelhaft oder gar nicht berücksichtigt. Ist der Herr Reichskanzler bereit, eine bessere Organisation des Feldbuckhandels unter Heranziehung sämtlicher für das deutsche Volksbildungswesen in Betracht kommenden Vereinigungen in die Wege zu leiten?" Die Fragesteller begnügen sich mit einer schriftlichen Antwort, die hoffentlich nicht lange auf sich warten läßt. Hier liegt in der Tat ein Mißstand vor, dessen Beseitigung nicht auf die lange Bank geschoben werden darf._ y\m öer Partei. Stelltliignahme zur Reichskonfcrcoz. Eine Kreiskonferenz des 5. schleswig-holsteinischen Wahlkreises tagte in Itzehoe. Dieselbe war zusammengesetzt aus Vertretern der Ortsvereine, dem gesamten Kreisvorstand, der Kontrollkommission, dem Reichstagskandidaten Genossen Winkel- mann- Bremen, dem Genossen Kürbis- Altona als Vertreter des Bezirksvorstandes und dem Genossen Fröhlich- Kiel als Ver« treter der„Schleswig-Holsteinischen Volkszcitung". Genosse Alps als Delegierter des Kreises vertrat diesen im Sinne der Mehrheils- bestrebungen und sprach sich auch in seinem Bericht für diese aus. Mit allen Stimmen(bei drei Stimmenthaltungen) nahm die Kon« ferenz folgende Resolution an:„Die Konferenz der Delegierten des 5. schleswig-holsteinischen Wahlkreises erklärt sich mit der Haltung ihres Delegierten einverstanden. Sie erklärt weiterhin sich mit der Haltung ihres Organs, der„Schleswig-Holsteinischen VolkZzeitung"„ einverstanden und weist Angriffe gegen deren Haltung zurück." Das tägliche örot. Kartoffelhöchstpreise. Aus dem Kriegsernährungsamt wird mitgeteilt: Bei dem Kriegsernährungsamt mehren sich die Anfragen, ob dl« Höchstpreise für Kartoffeln, die durch die Bekanntmachung des Kriegs« ernährungLamtS vom 13. Juli 1916(ReickS-Gefetzblatt S. 696) festgesetzt worden sind, sich auf alle Kartoffeln oder nur auf solche beziehen, die auf Anweisung der Reichskartoffelstelle als Speise- kartoffeln oder als Fabrikkartoffeln geliefert werden müssen. Es wird deshalb bemerkt, daß die Anordnung vom 13. Juli 1916 sich auf alle Kartoffeln bezieht, und daß es daher insbesondere unzulässig ist, Kartoffeln zu Futterzwecken zu höheren Preisen zu ver- kaufen, als 4 M. für den Zentner, d. h. als zu dem jetzigen gesetz« lichen Höchstpreis für Kartoffeln aus der Ernte 1916 beim Berkauf durch den Kartoffelerzeuger._ Die Wildhöchstpreise. ES sind Zweifel entstanden, ob die durch die Bekanntmachung über die Höchstpreise für Wild vom 17. September 1916 sestgesetztea Großhandelspreise Fracht« und Transportunkosten ein- schließen. Um in dieser Frage Klärung herbeizuführen, wird darauf hingewiesen, daß die Großhandelspreise im Sinne der ge- nannten Verordnung sowohl die Kosten derBeförderung zum Großhändler wie auch die der Beförderung vom Jäger oder Großhändler zum Kleinhändler ein« schließen._ Kaninchen-Fleischwurst für— 5,50 M. Die Notlage der Allgemeinheit will ein genialer Dresdener Nährmiltelfabrikant durch die Fabrikation von— Kaninchen-Fleischwurst beseitigen. Er kündigt die Eröffnung einer Fabrikniederlag« im Stadtinnern Dresdens an und will das neue Nahrungsmittel, das im Geschmack und Aussehen der feinsten Leberwurst gleichstehen soll(?), sogar als„delikaten, sparsamen Brotaufstrich" vertreiben. Der Fabrikant züchtet die Kaninchen selbst, und da das letztere in seinen Futlcrausprüchen beanntlich das bescheidenste und billigste Schlachttier ist, so müßte man erwarten, daß auch der Preis für diese.Kaninchenwurst" ein bescheidener und billiger sein würde. Aber in diesem Falle tritt der Kriegswucher in seiner kraffesten Form zutage. Der Fleischermeister darf für Schweine« und Kalbsivurst nicht mehr als 2,50 M. für das Pfund fordern. Verlangt er auch nur 5 Pf. mehr, dann wird er bestraft. Kürzlich wurde ein Meißener Gastwirt mit Recht angeklagt, weil er in wucherischer Weise für 100 Gramm Leberwurst 75 Pf. verlangt hatte. Der Dresdener Kaninchenwurslfabrikant aber darf für das zur Wurst verarbeitete Kaninchenfleisch sage und schreibe 5,50 M. für das Pfund verlangen. Er gibt sogar noch bekannt, daß er,„um die Speien des Zwischenhandels im Interesse der All- gememheit zu sparen", nur an Selbstverbraucher verlauft. Die Spesen des Zwischenhandels gleiten somit in seine eigene Tasche. Sollte es nicht im„Interesse der Allgemeinheit" liegen, daß sich einmal die amtliche Preisprüfungsstelle mit diesem neuesten Kriegs« Produkt des Nahrungsmitlelmarlles beschäftigte? Eingegangene vruckschristen. Die Krtegsfinanzen. Von Geh.-Rat Pros. Dr. K. Th. v. Eheberg. 2 M.— W. Scholl, Leipzig. Woher kommt das Geld im Kriege? Von Julian Borchardt. 60 Pt.— Verlag der Leipziger Buchdruckerei A. G., Leipzig. Kommentar zum Kapitalabfindungsgesetz. Herausgegeben und erläutert von Regierungsrat I. Krause. Geh. 2,50 M— J. Hetz, Stuttgart. Protest. Wir Unterzeichnete schließen uns dem am Freitag im„Vorwärts" veröffentlichten Protesi des Genossen Eugen Ernst an und erklären ebenfalls ausdrücklich, daß wir uns dem Be- schluß, den„Vorwärts" zu boykottieren, nicht fügen. Wir werden im Gegenteil nach wie vor für die weiteste Verbreitung des„Vorwärts" unsere ganze Kraft einsetzen. Karl Giebel, ReichstagZ-Abg. Otto WelS. OswaldSchumau«,. Georg Schöpfli«, Rod. Schmidt. Max Grogcr. Neukölln. Theodor jsisiticr. Scclower Str. 3. Emil Bodke. Neukölln. Heinrich Schröder. Hagclbcrger- stralle 53/54. Aug. Pohl. Naunhnstr. 30. Kranz Thurow. Neukölln. Alb. Hahiiisch, Ackcrstr. 1. Fritz Woirt, Köpenick. (Elf riebe Rh» eck, Laumschulcnweg. Franz Lucht, Lindenstr. 2. Anna Matichke, Niederschönhausen. Alexander Fröhlich, Wcitzenburgcr Straße 29. Alois Stieffcnhofer, Charlotten- bürg. Julius Jänicke. Solmsstr. 30. Kaipar PZenzel, Groji-Lichtersclde. Karl Albold. Lichtenberg. Alex Pagels. Lindenstr. 3. Gustav Schmidt. Bärwald str. 42. Hugo Poetzsch, Elbinger Str. 87. Alb. Baumeister. Karlshorsl. Georg Felöiuann.Oranienslr. 180. Karl Kliugler. Kochhannslr. 15. I. Hoppe, Torellstr. 1. H. äsZelker, Persiusstr. 1. Aug. Pattloch, Miillcrstr. IM. Hcrm. Rietz. Buchstr. 5. Heinrich Ilmlauf, Pultlitzflr. 17. Frau Busch, Rhinomer Str. 2. Richard Klose, GIcimstr. IS. Aug. Nenmaun, Neukölln. Joh. Schneider. Cbarlottcnburg. Wilh. Fritzsch. Schöncbcrg. Paul Tupont, Bildhauer. Alb. Muller, Niederschönhausen. Friedr. Stampfer, Mcinclcstr. 1£r Max Wardin, Hosemannstr. 11. Gerstmaun, Linienstr. 83/85. Lesser, Krausnickslr. II. Müller, Oranienburger Str. 8S. Fricdmann, Hosemannstr. 8. Rich. Schmidt, Jablonslistr. 33. Georg Lutz, Schreinerstr. 37. Paul Böhm. Lausihcr Platz 14/15 H. Mcis/ner. Mariannenplatz 23. Weitere Zustimmungs-Erklärungen bitten wir an Eugen Ernst, Lindensw. 2, zu richten. IM H ZitrmltungsKkllt Kerlin. N 54, Finirnstr. 83—85 Geschäftszeit von 9—1 Uhr und von 1—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 1287, 1233, 3714, 185. Montag, den November 1916: lSeÄrks- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: Nordkni PharnHsäle, Müllerstr. 142, abends 8'/3 Uhr. NOrdßO' Kü«■.. s. 5... Nr. 305. 33. Iahrgallg. 2. WM dkS Jwirtö8 Kttlim Jülliälilatt �-Ä. Sonntag, 5. Nonember 1916. Reichstag. 74, Sitzung. Sonnabend, den 4. November 1916, vormittags 19 Uhr. Am Bundesratstische: Dr. Helfferich. Auf der Tagesordnung steht zunächst der Antrag der Regie- rung, der Vertagung des Reichstages bis zum 13. Februar 1917 zuzustimmen. Abg. Ebert(Soz.): Meine Freunde bedauern diese in Aussicht genommene Regelung. Wir haben vielmehr eine Regelung befürworlet, die dem Reichstag die Möglichkeit belietz. zusammenzulrelen, wenn er es für zweckmäßig erachtet. Wir betrachten es als selbstverständlicki, daß die Regierung den Reickisiag auch vor dem im vorliegenden Antrag fest- gesetzten Termin zusammenberuft, wenn der Reichshaushalts ausschutz, der ja weiter tagt, es für notwendig erachtet. Abg. Basiermann(natl.): Auch meine politischen Freunde hätten gewünscht, daß eine Vertagung durch kaiserliche Verordnung nicht erfolgt, sondern, daß der Reichstag aus eigener Machtvollkommenheit auseinander geht mit dem Rechte, wieder zusammen zu treten, wenn wichtige Dinge vorliegen. Dieser Modus hätte auch den Vorteil, daß die Kommissionen unbehindert ihre Tätigkeit hätten fortsetzen können. Abg. Haasc(Soz. Arbg.): Mit der vorgeschlagenen Vertagung des Reichstages können meine Freunde sich nicht einverstanden erklären. Jeder Tag kann folgenschwere Ereignisse bringen und die Bedeutung des Reichstages wird herabgewürdigt, wenn er dazu nicht sofort Stellung nehmen kann. Will der Reichs- tag auf seine Stellung als mitbestimmender Faktor der Geschicke des Reichs nicht verzichten, so muß er gerade jetzt darauf achten, daß er nicht vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Nach den gemachten Erfahrungen haben wir gar keine Sicherheit, daß den hier erhobenen Klagen von der Regierung Rechnung getragen wird. Das baldige Zusammentreten des Reichstages ist noch unserer Auffassung schon deshalb erforderlich, um durch gesteigerten Druck das durchzusetzen, was der Reichstag bisher immer vergeblich ge- fordert hat. Wir sind der Ansicht, daß eine notwendige Pause der Präsident mit Zustimmung des Hauies hätte herbeiführen können. �Lebhafte Zustimmung bei der Soz. Arbg.) Staatssekretär Dr. Helfferich: Die Allerhöchste Order enthält eine Klausel, die das Zusammen- treten der B u d g e l k o m m i s s i o n während der Vertagung er« möglicht. Die Vertagung bis zum Februar ist aus dringenden Gründen der Geschäftsführung der Reichsleitung notwendig. Gründe, die so nahe liegen, daß ich nicht näher darauf eingehe. Für den Fall, daß dringende Ereignisse das frühere Zu- sammentreten des Neichsiagcs erwünscht erscheinen lasten, bat der Kaiier jederzeit die Möglichkeit, den Reichstag zuiammenzuberufen. Sollten solche Verhältnisse eintreten, so wird der Kaiser den Reichs- tag sicherlich zusammenberufen. Der Antrag auf Vertagung des Reichstages wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommem Es folgt die Beratung des Entwurfs, betreffend die Schutzhaft. Ministerialdirektor Lewald: Die Regierung kann im gegenwärtigen Moment keine Stellung zum Gesetzentwurf nehmen. Die vom Staatssekretär des Innern zugesagte Untersuchung der einzelnen im Reichstag vorgebrachten Fälle ist eingeleitet. Außerdem ist vom Reichsamt des Innern und vom Oberkommando eine Kommission mit Ausarbeitung einer Justruktioii über die Schutzhaft beauftragt, die von einer liberalen, weitherzigen Auffassung ausgeht. Wenn der Reichstag im Februar zusammentritt, werden solche Fälle, wie die hier zum allgemeinen Bedauern mitgeteilten, nicht wieder vorgekommen sein. Es wird sofort in die zweite Lesung eingetreten. Abg. Landsberg(Soz.): Wir sind nach wie vor der Ueberzeugung, daß der Belage- rungSzustand, diese Grundlage für die Schutzhaft, un« gesetzlich ist. Eine Verhaftung ohne richterlichen Beschluß ist mit dem Rechtsempfinden des Volkes unvereinbar. Mit unseren Anträgen auf Aufhebung des Belagerungszustandes sind wir leider nicht durchgedrungen. Im borliegenden Entwurf erblicken wir eine allerdings nur sehr bescheidene Reform. Daß dem Verhafteten der Grund der Verhaftung mitzuteilen ist, daß er ein Beschwerderecht bat, daß er vernommen sein muß, daß er ein Recht auf einen Verteidiger hat, sind Verbesserungen gegenüber dem gegenwärtigen Zustand. Daß bei einer Verhaftung ohne Begründung eine Schadenersatzvflicht besteht, ist selbstverständlich.(Sehr richtig!) Nach dem Entwurf>oll die Haft nur zulässig sein,„wenn sie zur Abwendung einer Gefahr für die Sicherheit des Reiches erforderlich ist." Damit wird zum Ausdruck gebracht, daß sie nicht bei einer Gefährdung der Ordnung, sondern nur bei einer ernsten, nicht anders zu vermeidenden Gefahr anzuwenden ist. Freilich wird auch diese Formulierung vor Mißbrauch kaum schützen. Immerhin be- deutet der Entwurf eine Verbesserung des bestehenden Zustandcs, und wir werden ihn deshalb annehmen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Haase(Soz. Arbg.): Der Belagerungszustand wird im Widerspruch mit der Ver- fasiung aufrecht erhallen. Seine volle Beseitigung ist nach wie vor dringendes Gebot. Die sogenannte Schutzhaft wird fast durchweg nicht aus militärischen, sondern aus politischen Gründen verhängt.(Sehr wahr! b. d. Soz. Arbg.) Auch nach dem vor- liegenden Gesetzentwurf werden die Gegner des gegenwärtigen Systems aus nichtigen Gründen verfolgt und der Freiheil beraubt werden. Die Worte„wenn sie zur Abwehr einer Gefahr für die Sicherheit des Reiches erforderlich ist", werden der Willkür den weitesten Spielraum gewähren.(Sehr wahr! b. d. Soz. Arbg.) Während die Willkür jetzt aber schrankenlos ist, werden ihr durch den Entwurf immerhin einige Schranken gesetzt. Als Ganzes bedeutet er daher eine Verbefferung für die unglücklichen Opfer der Schutzhaft, und deshalb werden wir ihm als einen Notbehelf zustimmen. Die Debatte schließt. Es wird sofort in die dritte Beratung eingetreten. Abg. Scheidemann(Soz.): Als Vorfitzender der Kommission und in ihrem Auftrage richte ich die dringende Aufforderung an die Verbündeten Regierungen, so schnell als möglich zu diesem Gesetz Stellung zu nehmen und Ihre Zu- stimmung dazu zu geben. Solche Vorkommnisse, die nicht nur von der Kommission, sondern von dem ganzen Reichstage und dem ganzen Volk auf das tiefste beklagt und verurteilt worden sind, dürfen unter keinen Umständen sich wiederholen. Die Regierung würde eine schwere Verantwortung auf sich laden, wenn sie auch nur eine Minute zögern würde, dieses Gesetz zur Verabschiedung zu bringen. (Bravo I) Der Gesetzentwurf wird einstimmig angenommen, die Verkündung dieses Resultats wird mit Bravorufen begrüßt. ES folgt die Beratung des Berichts des Ausschusses für Handel und Gewerbe. Er beantragt, die Verbündeten Regierungen zu er- suchen, eine angemessene Beihilfe für die LeipzigerMesse i« Aussicht zu nehmen. Abg. Dittmann(Soz. Arbg.): Meine Fraktion sieht keinen Grund, um die Regierung zu diesem Antrage aufzufordern. Sollte sie eine solche Position in den Etat aufnehmen, so behalten wir uns unsere sachliche Stellungnahme bei der Etaiberatung vor. Abg. Stresemanu(natl.): Wir bedauern die Stellung des Vorredners. Gerade eine Partei, die Arbeiterintcreffen vertreten will, sollte Verständnis dafür haben, welche Bedeutung dieser Antrag für die Industrie hat. Abg. Molkenbuhr(Soz.): Wir stimmen dem Antrag zu. Die Leipziger Messe war von jeher ein Sammelpunkt, wo Menschen aus allen Nationen zusammen- traten, um im friedlichen Wettbewerb ihre Produkte auszutauschen. Wir sehnen eine Zeit wieder herbei, wo Menschen aus allen Nationen friedlich zusammenarbeiten. Die Leipziger Messe ist ein solcher Sammelpunkt für Kaufleute aus allen Nationen gewesen. Es ist ja zu begreifen, daß die Leute, die den deutfchen Handel bekämpfen wollen, alle Anstrengungen machen, um Kon- kurienzunternebmungen gegen die Leipziger Messe zu schaffen, wie es in England und Frankreich geschieht. Wir stimmen dem Antrag namentlich deshalb zu, weil die Leipziger Messe Ge- legenbeit gegeben hat, einem Teil unserer Industrie einen Auslands- markt zu verschaffen. Das liegt im Interesse der deutschen Arbeiter- schaft. Wir sehen in dem Antrage eine Vorbereitung für den inter- nationalen Handel. Regierungskommissar Geheimrat Müller verspricht wohlwollende Prüfung des Antrages. Abg. Dittman«(Soz. Arbg.): Ich habe nicht sachliche Gründe gegen eine Beihilfe zur Leipziger Messe vorgebracht: eine sachliche Stellungnahme behalten wir uns für die Elalsberatung vor. Abg. Herold(Z.): In den Vorstand des Kriegsernährungsamts sollte auch ein Vertreter des Kleinhandels berufen werden. Der parla- mentarische Ernährungsbeirat war eine Notwendigkeit; wir müssen verlangen, daß er rechtzeitig vor jeder wichtigen Entscheidung gehört wird. Den Preissteigerungen immer mehr entgegen- zutreten, ist eine Hauptaufgabe des Kriegsernährungsamls. Mit Höchstpreisen allein ist da nichts zu erreichen gewesen, es mußte die Beschlagnahme, Rationierung und Uebcrnahme der Verteilung in die öffentliche Hand dazu kommen. In der Kartoffel- Versorgung ist in letzter Zeit einige Besserung eingetreten. Alle Kräfte müssen in der Zukunft zusammenwirken, um die ausreichende Versorgung mir diesem wichtigsten Nahrungsmittel des Volkes zu sichern. Wir erwarten bestimmt, daß die Kartoffelpreise diesmal nicht wieder erhöhl werden. Dieser Fehler des Vorjahres darf sich nicht iviedcrbolen.— Es sollten möglichst wenig Kartoffeln zur Spiritusbereitung verwandt werden. Der Spiritus für den Heeresbedarf muß natürlich sichergestellt werden, aber man sollle mebr zur Erzeugung von Spiritus aus anderen Stoffen übergehen. Bei den Fortschritten unserer Technik mutz da§ durchführbar sein.— Der Mangel an Kraftfultermilteln für tierische Ernährung wird sich in diesem Winter besonders be- merkbar machen. Um so sorgfältiger muß die Verteilung der vor- handenen Vorräte, die ja alle in die öffentliche Hand übergeführt sind, erfolgen. Die Anordnungen in bezug auf die Fe ttv ert eilung begrüßen wir. Die Viehhaltung befindet sich in günstiger Entwick- luiig. Vor der Abschlachtung nicht schlachtreifer Tiere warne ich. Wir werden gegen den Antrag stimmen, daß soviel Tiere abgeschlachtet werden sollen, daß die Schlachtungen die Höhe der letzten Friedens- jabre erreichen. Auch der von der Fortschrittlichen Volkspaitei weiter gestellte Antrag, die Höchstpreise für Rinder im Lauf dieses Winters in angemessenen Fristen stufenweise herabzusetzen, ist sehr bedenklich. Die Landwirte und auch die Abmelkwirtfchaften würden dann die Tiere in Massen vorzeitig auf den Markt bringen, um von den er- mäßigten Preisen nicht mehr betroffen zu werden. Die Hauptauf- gäbe für das nächste Jahr wird die Hebung der Produktion sein, damit mehr zur Verteilung gelangen kann. Dringend zu warnen aber ist vor dem P r o d u k t i o n s z w a n g, der in der Landwirt- schaft gar nicht durchführbar ist. Vor allem muß der Anbau der Kartoffeln und der Zuckerrüben erheblich vermehrt werden. Es müssen schon jetzt ausreichend genug Saatkartoffeln zur Verfügung gestellt werden. Der Zuckerrübenanbau kann leicht verdoppelt werden. Auch ein vermehrter Anbau von Hülsenfrüchten läßt sich leicht durchführen, ohne daß die Getreideproduktion beeinträchtigt wird. Für die Vermehrung der Düngemittel, insbesondere der Stickstoffproduktion muß noch viel mehr geschehen. Ohne aus- reichende Düngung ist keine intensive Produktion möglich. Die beste Organisation der Verteilung kann nichts nutzen, wenn nicht genug zu verteilen da ist.(Sehr richtig I) Die Frauen und die alten Männer auf dem Lande haben Bemerkenswertes geleistet, um die im Felde stehenden Söhne und Männer zu ersetzen. Ebenso werden die Leistungen unserer Industrie im Kriege ein Ruhmesblatt für Deutsch» land bleiben. Und ebenso hat das gesamte Volk die ihm auferlegten Entbebrungen mit dem größten Opfermut getragen. So können wir sicher sein, daß auch bei völliger Absperrung unsere Volkscrnährung gewährleistet ist. Ein Volk, das solche Opfer in dieser Weise trägt und in solcher Einigkeit zusammenhält, muß den Sieg davon- tragen. Gebe Gott, daß es recht bald geschehe!(Bravo! im Zentrum.) Abg. Robert Schmidt(Soz.): Eine Rückkehr zum freien Handel wäre sehr bedenklich. Hätten wir den Zwang nicht, so würden die Preise noch viel höher sein; in Luxeniburg z. B. werden auf dem freien Markt für den Zentner Kartoffeln 24 M. bezahlt. Das System der Höchstpreise, der Ratio- nierung, der Zwangsabgabe-war also unbedingt notwendig, sonst wäre längst der wirtschaftliche Zusammenbruch eingetreten. De» Produktionszwang lehnt der Vorredner und auch der Prä- sident des Kriegsernährungsamtes ab. In dem Sinne, daß der einzelne Grundbesitzer vorgeschrieben bekommt, was er anbauen soll, hat ihn wohl überhaupt niemand jemals gefordert, wohl aber muß ein Zwang da sein, den vorhandenen Boden auch wirklich auszunutzen und für den Anbau zur Versüguug zu stellen. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Recht unbefriedigend ist auch die Preispolitik des Kciegsernährungsamtes(K. E.) Es begann seine Tätigkeit mit der Heraufsetzung des Kartoffel- Preises über den vorjährigen Preis; es wollte dadurch einen Anreiz zur Beschickung des Marktes schaffen. Das war aber verfehlt, denn bei hohen Preisen wächst stets die Erwartung der Produzenten auf noch höhere Preise. Das hat sich gerade bei den Kartoffeln gezeigt. Auch das K. E. mußte sich schließlich überzeugen, daß das einzige Mittel, die not- wendigen Nahrungsmittel an den Markt zu bringen, der Zwang ist. Wir sehen ja, wie die Stadtverwaltungen klagen, sie bekommen keine Kartoffeln geliefert, obwohl doch jetzt die Möglichkeit dazu durchaus besteht. Mit der Frllhjahrsversorgung ist es freilich etwas anderes: wird ein ausreichender Vorrat nicht recht- zeitig sichergestellt, so werden wir im Frühjahr zu sehr bedenk- lichen Zuständen kommen. Auch die Höchstpreise für inländische Fische sind IS bis S9 Mark pro Zentner erhöht worden, obwohl die Preise schon weit über dem Friedenspreis standen. Geradezu un« erhörte Zustände herrschen hier, wird doch sür geräucherten Aal im Kleinhandel 8 M. pro Pfund verlangt. Gegen diese Preistreiberei hätte das K. E. längst einschreiten müssen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Für die weitesten Volkskreise bilden die Fische einen Ersatz für Fleisch, der jetzt auch wegsallen muß. Auch die Wildpreise sind erhöht worden, um Wild nach den großen Städten zu bringen. Dieser Zweck ist natürlich nicht erreicht worden. Bei Gerste und Hafer ist ja eine Erleichterung eingetreten, aber der Preis muß auf den sür Roggen herabgesetzt werden, damit das Korn nicht verfüttert, sondern in höherem Maße sür Graupen- und Grütz- fabrikation gewonnen wird. Welche Stellung hat das neugegründete Kriegsamt in der Lebensmittelversorgung? Soll es nur die in den Produktions- Werkstätten beickäfligten Arbeiter versorgen, oder greift seine Tätigkeit Weiler? Grundsätzlich kann man mit einer Einrichtung einverstanden sein, die das viele Durcheinander in der Versorgung unseres Volkes zu beseitigen geeignet ist, mit einer Stelle, die die Befugnis hätte, Sonderinleressen auszuschalten. Sehr geklagt wird über die Zurücksetzung des Handels in den Organisationen. Wir können dem nicht zustimmen. Der Handel hat sich in der Lebensmittelversorgung nicht bewährt. Preistreiberei und unerhörte Wucherpraxis hat er verschuldet, der Ketten« Handel ist nicht auszuschalten. Leider sind auch die Zwangs- organisationen vielfach bedenkliche Wege gewandelt. Im Vieh- handelsverbaud werden Provisionen gezahlt, die weit über das im Frieden übliche hinausgehen, obwohl doch die Vermittlung jetzt be- sonders einfach ist. Einzelne Herren beziehen dort Revenuen gleich einem Miniftergehalt.(Hört! hört!) Im ganzen bleiben in den Provisionen dort rund 79 Millionen Mark stecken.(Erneutes Hört! hört!) Die unlauteren Machenschaften im Viehhandel auszu- fchalten, liegt im Interesse der Produzenten und Konsumenten. (Sehr richtig I) Auch bei Futtergerste wird eine Vermittlungsgebühr von 29 M. pro Tonne gezahlt. Auch dort sollte man keine Summen ansammeln, um sie später wieder als Prämien bestimmten Kreisen zurückzugeben. Besonders erfolglos war die Reichs stelle für Obst und Gemüse. Noch bis heute ist die Nachprüfung der großen Lieferungsveriräge durch diese Stelle nicht erfolgt, und von der Be- fuguis zur Herabsetzung der Preise hat sie gar nicht Gebrauch ge- macht. Nur ein Beispiel für das Verfahren dieser Stelle: In Dresden beschlagnahmte sie bei einem Händler für 1299 M. Pflaumen, die er aus Prag eingesührt hatte, und verkaufte sie an denselben Händler für 1899 Mark.(Hört! hört!) Was soll sich der Händler sagen, der selbst der Gefahr der Bestrafung wegen Wuchers unterliegt? Der Vertreter der Reichssielle sagte, wir mußten doch den Marktpreis nehmen. Das ist aber gerade das Verkehrte, denn die Stelle soll ja gerade dafür sorgen, daß die Ware zum mäßigen Preise an das Publikum kommt. Die Stelle gewährt eine Verkaufsgebühr von 8 bis 19 Prozent, während bei dieser Ware ein Risiko für Schwund und Verderben ausgeschlossen ist. Diese Organisation hat sich eben von den Interessenten des Handels vollständig einwickeln lassen und jedes Augenmaß für das, was not tut, verloren.(Leb- Haftes Sehr wahr!) Die Herren vom Handel in solche Stellen hiiieinzunchmen, ist bedenklich, denn diese Herren suchen ja solche Stellen absichtlich zu diskreditieren, um auf die Not« wendigkeit des freien Handels hinzuweisen. In größerem Umfange muß die Nährmittelfabrikation aus Gerste und Hafer gefördert werden, die einen Ersatz für Kartoffeln gibt. Die Argumente des Präsidenten des K.-E. in bezug auf die Alkoholfrage tragen dem Ernst der Situation voll Rechnung. Eine befriedigende Zusicherung bezüglich der Gersteverwertung für Bier haben wir nicht erlangt. Bei dem Ernst des gegenwärtigen Zustandes der Volksernährung können wir lieber auf ein Gla§ Bier verzichten, als auf ein wichtiges Nährmittel. Ein OuaNtum von 999 999 Tonnen Gerste ist viel zu hoch.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn in Oberschlesien das Alkoholverbot durchführbar war, wird es im übrigen Deutschland auch möglich sein. Wäre das Schnaps« verbot die größte Unzuträglichkeit auf dem Ernährungsgebiete, so könnten wir ganz zufrieden sein.(Lebhafte Zustimmung.) Bei der F l e i s ch v e r s o r g u n g ist unbedingt zu fordern, daß ein gleichmäßiges Quantum von 259 Gramm für jeden gewähr- leistet wird. Die heute vielfach gewährten Nationen von 89, 99 und 199 Gramm sind völlig unhaltbar. Bei dem Stand unserer Vieh- Haltung ist die Gewährung von 259 Gramm möglich. Die Fleisch- karte ist viel zu spät eingeführt. Wir hätten sonst bei der Abschlach- lung im vorigen Jahre außerordentlich viel gespart und hätten in diesem Jahre nicht den plötzlichen schweren Sturz in der Fleisch- Versorgung. Das ist wieder ein Beweis für die mangelnde Voraussicht der Regierung.(Sehr wahr!) Die Zuckerproduzenten haben in der vorigen Woche in einer Zusammenkunft die Erhöhung des Nohzuckerpreises vvu 15 auf 25 M. gefordert.(Höit! hört! bei den Soz.) Dabei haben die Zuckerraffinerien ichon bei dem Preise von 12 M. das Drei- bis Vier- fache an Rohgewinn erzielt wie früher. Die Riesendividendcn von 29 bis 49 Prozent in dieser Industrie sind geradezu aufreizend sür unsere Bevölkerung, die den Zucker schwer entbehrt.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die geforderte Erhöhung würde den Kleinhandelspreis sür Zucker um mindestens 14 Pf. erhöhen. Wir fordern, daß die Regierung diese unverschämte Forde- rung der Interessenten absolut abweist. Der jetzige hohe Preis darf auch nicht um eine Mark erhöht werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die heutigen Preise ermöglichen eS den Massen der Bevölkerung nicht, sich wichtige Nahrungsmittel zu kaufen. Ich erinnere an die G ä n s e p r e i s e. Daher verlangen wir die Ratio« nierung aller wichtigen Nahrungsmittel. Die Leiden des Krieges sind schlimmer, als es notwendig wäre, wenn man überall recht- zeitig und richtig eingegriffen hätte, um die schwersten Uebelstäude zu beseitigen. Der freie Wettbewerb mutz jetzt aufgehoben werden. Eigennutz und Gewinnsucht dürfen in dieier Kricgszeit keinen freien Spielraum haben.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hoff(Vp.): Mit dem Präsidenten des ErnährungSamts sind wir überzeugt, daß der englische Aushungerungsplan zu schänden werden wird.— Die Ernte allein ist für unser Durchhalten nicht entscheidend, die Hauptsache ist die richtige Verteilung. Hier sind leider schwere Fehler gemacht worden; ich erinnere nur an die Kartoffel« k r i s i s im letzten Frühjahr. Wir verlangen, daß die menschliche Ernährung allen anderen Zwecken vorangestellt wird. In bezug auf die Spiritus- und Biercrzeugung kann ich mich dem Vorredner nur anschließen. Wir verlangen Einschränkung des Braukonlingents der Gerste auf 25 Prozent. Unsere Ernährung muß vor allem auf die Nährstoffe basiert werden: Kartoffeln. Getreide, Hülsenfrüchte, Gemüse usw. Ehe die menschliche Ernährung gesichert ist, darf nichts von diesen Nährstoffen verfüttert werden. Wir müssen die Viehbestände so hinrichten, daß sie mit den Futter« beständen in Einklang stehen.(Sehr richtig!) Es kommt nicht auf die Zahl des vorhandenen Viehs an, sondern darauf, daß das vor- handene auch richtig ernährt werden kann.(Sehr wahr!) Es muß dem Landwirt nur die Möglichkeit gegeben werden, das Vieh, das er nicht mehr ordentlich ernähren kann, los zu werden. Die Preise müssen vor allem in das richtige Verhältnis gebracht werden, sodaß die Landwirte sich nicht weit besser stehen,'wenn sie Brotgetreide verfüttern, als wenn sie andere Futtermittel kaufen. Jedes Getreide, das durch den Tiermagcn geht, verliert Dreiviertel an Nährwert. (Sehr richtig I) Eine weitere Erhöhung der Vieh-, insbesondere der Schwcinepreise wäre äußerst bedauerlich, denn es würde nur den Anreiz zur Versüllerung von Nährstoffen erhöhen, die für die menschliche Ernährung in Betracht kommen.— Unser Antrag will den Rindviehbestand nicht etwa herabsetzen, wir halten eS aber für bedenklich, wenn unser Viehbestand jetzt im Kriege noch über den Stand im Frieden hinaus erhöht wird. Heute ist unser Rindbiehkesicmd Köllig intakt, und dcskalö kann auch ebenso Kiel abgeschlachlct werden wie im Frieden.(Zehr richtig! links.) Eine Thesaurierungspolilik auf diesem Gebiete ist ganz unangebracht an- gesichts der geringen Fleischinengc, die jetzt auf den jlupf der Le- völkerung entfällt. Herr Herold meinte, man solle daS vorhandene Vieh erst mästen. Ich mochte ihn fragen, womit er diese lieber- �ahl von Lieh mästen will. Im übrigen hat man auch im Frieden immer eine erhebliche Zahl von Jungrindern abgeschlachtet. Die Nindvsehpreise sind jetzt mehr als doppelt so hoch wie im Friede»! daher ist ihre Herabsetzung im Laufe des Winters im Interesse der konsumierenden Bevölkerung dringend geboten. Auch viele Landwirte geben an, dag die jetzigen Preise viel i>u hoch und sachlich nicht zu begründen sind. Hier tönnte Herr v. Batocki sofort fühlbar eingreifen zur Linderung der Not der Bevölkerung. Ich bedauere auf das lebhafteste, daß er sich in dieser Beziehung schein« bar scstgelegt bar. Sollte, was ja zu hoffen ist, bald der Friede kommen, so müßte ja ein kolossaler Preissturz die Folge sein.(Wider- spruch rechts.) Jedenfalls würden wir uns allen Bestrebungen, auch dann noch die unerhört hohen Preise etwa durch Zölle aufrechtzuerhalten, mir allen Mitteln widersetzen.(Sehr richtig I links.) Nein, die Preise müssen allmählich im Hinblick auf den Frieden abgebaut werden.(Bravo! links.) Abg. Dr. Bochme(natl.): Ilnsere bisherige Wirtschastspolilik hat sich durch die Erfahrungen deS Krieges als richtig erwiesen. Die Notwendigkeit, die Produktion zu stärken, ist nie so klar zutage getreten.— Mit mehr Entschiedenheit als bisher sollte die Regierung gegen jeden Wucher � vorgehen und vor allem selbst nicht dulden, daß unter ihrer Führung— ich erinnere an die Vichbandelsverbände— sich solche Mißstände breit- machen.— In der Schweinezucht kommt es nicht auf die Zahl der Schwciire an. sondern darauf, daß möglichst viel feite Schweine auf- gezogen werden.(Sehr richtig!) Ten Anträgen der Volkspartei können wir nicht zustimmen.— Sehr berechtigt' sind die Klagen über die viel zu hohen Provisionen der Mehlhandclsverbände. 280 Millioncir werden an solchen Provisionen gezahlt.(Hört! hört!) Abg. Graf Schwerrn-Lvwitz(f.): Die deutsche Landwirtschaft hat ihre große nationale Aufgabe in diesem Kriege erfüllt. Es follte Pflicht des ganzen Volkes sein, die Schaffenskraft und Schaffensfreudigkeit der Landwirtschaft zu er- halten, ohne welche sie ihren ungeheuren Aufgaben nicht nachkommen kann.(Sehr richtig I recht?.) Die Aufgabe der Landwirte, dem Bolke die Lebensmittel so billig wie möglich zu liefern, haben wir stets betont. Wir selbst waren es, die sofort nach Kriegsausbruch Höchstpreise verlangten. Die Preisfrage ist in Deutschland denn auch glänzend gelöst; in keinem Lande sind die Preise für die not- wendigsten L c b e n s m i I t e l s o b i l li g w i e in Deutschland. In England sind die Preise viel höher. Aber nicht die Preisfrage beschäftigt dort Regierung und Presse, sondern die Vorratsfrage. Diese muß auch der Preisfrage überall vorangestellt werden, erst müssen die für die VolkSernährung notwendigen Vorräte geschaffen werden(Sehr richtig! rechts), dann erst kommt die Frage der Ver- tcilung und erst in dritter Linie die Preisfrage. Auch für den Aermstcn ist es besser, teuer als gar nicht ernährt zu werden.(Sehr gar! rechts.) Wir haben der Verteilungs- und Preisfrage zu viel Sorge zugewendet gegenüber der Vorratssrage. Auch die Erhallung der Vorräte ist wichtig, und es erscheint fraglich, ob die Ansainm« lung von Vorräten in den Städten praktisch ist, ob sie da vor Ver- derben bewahrt werden können. In den Preisen muß den unge- Heuer gestiegenen Produktionspreisen der Landwirte bis zu einem gcwisien Grade Rechnung getragen werden, wenn sie die Produktion aufrecht erhalten sollen. Viel ivichtigcr aber ist, die Freudigkeit der Landwirte an der Produktion nicht zu ertöten durch fortwährende behördliche Eingriffe, durch immer weiter fortschreitende Gemein- Wirtschaft. Davor kann nicht dringend genug gewarnt werden. (Sehr richtig! rechts.) Der Abg. Schmidt regte einen Zwang zur Bebauung gegen Landwirte an, die den Boden brach liegen lassen. So etwas kann nur ganz vereinzelt vorkommen. Wer nur eine Ahnung van der Landwirtschast hat, weiß, daß genaueste Kenntnis jedes Stückes Bodens notwendig ist, daß Wechsel der Produktion, wie er bei der ZwongSbewirtschaflung in großem Umfang eintreten würde, auch stets mit einer Einschränkung der Produktion verbunden sein würde. All diese Anregungen schaffen nur weitere Verärgerung bei unseren Bauern.— Der Bodenanbau zum gegenwärtigen Preise lohnt kaum noch. Die Erhöhung des Preises ist dringend not- wendig, wenn nicht ein erheblicher Rückgang des Anbaus und damit auch der Zuckerproduktion eintreten soll.— Unter den gegenwärtigen Verhältnissen müssen alle irgendwie verfügbaren Arbeitskräfte heran- gezogen werden zur Beschaffung von Munition und Waffen und zur Beschaffung von Lebensmitteln, dieser Munition für den WirlschaflS- kämpf.(Sehr richtig! rechts.) Ob unsere Höchstpreis- und Rationierungspolilik nicht zu weit ausgedehnt ist, ist mir von jeher zweifelhaft erschienen. Aber trotz aller Mängel unserer Ernährungspolitik besteht nicht der mindeste Zweifel, daß wir durchhalren werden, daß unsere Landwirtschaft auch weiterhin die Ernährung unseres Volkes leisten wird, mag der Krieg auch noch so lange dauern.(Bravo! rechts.) Freilich gehört dazu der Wille des Volkes, sich einzuschränken, und an der Unerschütterlichkcit des Siegeswillens unseres Volkes besteht für uns alle kein Zweifel. (Beifall rechts.) Präsident des Kriegscrnährungsamts v. Batocki: Nicht auf alle, aber doch auf einige Anregungen will ich ein- gehen. Graf Schwerin fürchtete, der Druck der öffentlichen Meinung könnte auf unsere Entschließungen zu starken Einfluß ge- Winnen. Diese Besorgnis ist unberechtigt. Weiter wurde nach der Bedeutung des neuen Kriegsamts gefragt. Sein Zweck ist, die wirtschaftlichen Aufgaben der Heeresverwaltung einheitlich und in enger Fühlung mit dem Kriegsernährungsamt zu erfüllen. Die Beschaffung der Lebensmittel für die Munitionsarbeiter läßt sich von unseren Aufgaben nicht loSlösen. Auch die Frage der Arbeiter- beschaffung wird eine Sorge beider Aemter bilden.— Die Vorrats- politik. deren Wichtigkeit ich mit dem Grafen Schwerin-Löwitz an- erkenne, findet ibre Grenzen an dem Bedarf deS Augenblicks. Dem Abg. Schmidt bemerke ich. wir werden den Winter bc- nutzen, um die nächstjährige Gemüse- und Obstverwertung auf rich- tigere Bahn zu stellen wie diesmal. Der gerügten Preisübertrei- bung auf verschiedenen Gebieten kann man ohne Beschlagnahme nur schwer entgegentreten. Eine Herabsetzung der Preise hilft nichts, weil dann die Gegenstände nicht in den Mittelpunkt des Ver- brauches kommen. Die hohen Provisionen der Viehhalterverbände können nicht so bleiben, wie sie sind.— Meine gestrigen ironischen Bemerkungen zur Alkoholftage richteten sich nicht gegen den Ernst der Frage, sondern gegen die Uebcrtreibungcn der Abstinenzler, die jetzt ihre Zeit für gekommen erachten. Von einem Verbrauch von 900 000 Tonnen Gerste zur Bierbcreitung kann jetzt— dessen darf Herr Schmidt versichert sein—, nachdem wir die Ernte völlig übersehen, gar keine Rede mehr sein.— In bezug auf die Viehhaltung möchte ich Herrn Hoff beruhigen, auch beim Vieh ist dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. (Heiterkeit.) Ter Zuckeranbau erfordert mehr Arbeitskräfte wie jeder andere und leidet daber unter dem Mangel an Arbeitskräften ganz besonders. Die Stickstoffabrikation wird auf das äußerste an- gespannt. Zum Schluß noch einige allgemeine Bemerkungen. Die Käme- radschastlichkeit, die im Schützengraben herrscht, wo der eine die Last des anderen trägt, ist Icidcr in der Bevölkerung hinter der Front nicht in dem Maße zu bemerken, wie man es wünschen möchte. Im Schützengrahen ist es ja auch viel leichter. Da ist die Gefahr, da sind die Mahlzeiten für alle gemeinsam, und da findet sich ganz von selbst schließlich, wenn es auch lange dauert, das gegen- seitige Verstehen. Aber ganz anders ist es in unserem komplizierten Wirtschaftsleben hinter der Front. Ter eine kennt die Bedürfnisse des anderen nicht. Die Städter kennen das Land einfach nur aus der Zeit, wo sie es als Sommerfrischler überschwemmt haben. Sie haben dort zum Teil mit Hilfe ihres gefüllten Geldbeutels den Landleuten das letzte w egge kauft und haben dann nicht einmal den Takt besessen, über das Vergnügen, da? sse genossen haben, der- schwiegen zu sein, sondern haben mit vielen Uebertreibungen er- zählt, was alles auf dem Land« zu haben ist. Die Beziehungen zwischen Stadt und Land sind durch diese Vorgänge nicht verbessert worden. Dabei macht sich der Städter von den Sorgen und Mühen des Alltags auf dem Lande keine rechte Vorstellung, und von den schweren Sorgen, die die ungünstige Witterung des Herbstes für das Land mit sich gebracht hat, auch nicht. Auf der anderen Seite hat sich der deutsche Bauer im jahrhundertelangen Kampf die Selb- ständigkeit und Sclbstherrlichkeit auf der eigenen Scholle errungen. Auch dem kleinsten Bauer ist es tief in die Seele gesetzt, daß er unter eigener Verantwortung über sein Land verfügt. Er soll jetzt umlernen. Das ist eine bittere Notwendigkeit, und daß es dem Bauer nicht gerade leicht wird, sollte der Städter auch einsehen. Er wird dann vieles verstehen und verzeihen. Ich kann dankbar an- erkennen, daß die Notwendigkeit des Umlerncns in der Landwirt- schaft gerade in der letzten Zeit immer mehr Verständnis gesunden hat. Ter Landmann beurteilt den Städter wieder vielfach nur nach den Sonntagsbesuchen, die er in der Stadt macht, nach den Hotels, den Abendvergnügungen, den Kleidern, die er auf der Straße sieht. Einiges, was er sieht, sind ja die Lebemänner und Lebeftauen, die leider auch im Kriege einen ganz besonders unerwünschten Ein- schlag in unserem Volksleben bilden.(Sehr wahr!) Aber die meisten anderen, die er sieht, haben am Tage angestrengt zu ar- betten, und auch von deren Leben hat der Landmann keine Ahnung. Auch über die Beamten herrschen vielfach ganz falsche Anschauungen. Wenn man sieht,'Mite so aneinander vorbeigeredet und-gedacht wird, wie die nötige Kameradschaftlichkeit fehlt, kann einem das Herz dabei bluten. Das darf nicht so bleiben, Ivenn das Durchhalten nicht außerordentlich erschwert werden soll. Die schweren Aufgaben, düf uns bevorstehen, erfordern volle Einigkeit. Jeder sollte sich am Abend wenigstens eine Viertelstunde Zeit nehmen, um aus der Misere des Alltags einmal herauszukommen und sich zu vergegen- wärtigen, was für unser Volk auf dem Spiele steht. Jedem ein- zelnen sollte ins Hirn eingehämmert werden, was alles darauf an- kommt, den Aushungerungsplan unserer Feinde nicht gelingen zu lassen. Wir können und werden ihnen widerstehen, aber nur, wenn wir einheitlich und geschlossen vorgehen.(Bravo!) Abg. Frhr. v..Gamp(D. Fr.) schildert die besonderen Schwierigkeiten der Landwirtschaft in Ost- Preußen, namentlich im Anfang des Krieges. Die pessimistische Auf- fassung des Herrn Präsidenten des Kriegsernährungsamtes, die er eben über die Anschauungen von Stadt und Land bekundet hat, teile ich nicht. Es wäre traurig, wenn es so läge. Wie sehr die Ansichten sich in diesen ganzen Fragen genähert haben, beweist die Tatsache, daß in der Kommission die verschiedensten Parteien sich auf viele Anträge geeinigt haben.— Bei der Rationierung der wichtigsten Lebensmittel sind die Interessen der Produzenten und Konsumenten gewahrt worden. Das ist ein Verdienst des Präsidenten des Kriegs- ernährungSamtes, daS selbst die Sozialdemokraten anerkennen.— Die Verwendung des Zuckers für Konfitüren sollte man nicht gestatten. Das ist doch reiner Luxus. Auch die Kuchcnbäckerei halte ich für unberechtigt in dieser Zeit. Das ist eine unnütze Vergeudung von Nahrungsmitteln. Dagegen sollte man zu Festen wie Weihnachten solche Sachen gestatten und auch die Versendung ins Feld. Das würde die Stlm- mung sehr heben.— Man hat angeregt, Kohlrüben als Ersatz für die Kartoffeln zu benutzen. Ich würde auch empfehlen, im nächsten Jahre die Anbaufläche für Kar« toffeln um 20 Pro z. herabzusetzen und diese Fläche mit Kohlrüben zu bebauen. Dadurch würde man einen erheblichen Teil von Saatkartoffeln für die menschliche Ernährung frei bekommen.— Die Regelung der Schlachtungen von oben berob, wie sie der frei« sinnige Antrag verlangt, ist ganz unmöglich, die Erhöhung der Fleisch- ralion würde dadurch nicht erreicht werden können, Abg. Wurm(Soz. Arbg.): In den letzten zwei Jahren sind die Interessen der verbrauchen- den Bevölkerung zurückgestellt worden gegen die der Produzierenden. (Sehr richtig!) Es ist anerkennenswert, daß der Präsident des Kriegsernährungsamts das bisher erzwungene Vertuschungssystem nicht aufrecht erhält. Die Bevorzugung der Produzenten hält aber trotz der geringen Vorräte an, die Selbstverbraucher bekommen mehr Kartoffeln, das Doppelte an Butler wie die Städter, beim Fleisch ist es noch schlimmer. Jede Lücke der Gesetze benutzen die Agrarier, um die Städte, namentlich Berlin zu benachteiligen. Und dabei wehren sie sich trotz ihrer erhöhten Einnahmen gegen eine Heran- ziehung dieser Gewinne zur Einschätzungssteuer.(Lebh. Hört I hört I) Die Korrespondenz deS Bundes der Landwirte derleidigt das noch mit dem Hinweis auf die großen nach dem Krieg zu erwartenden AuS- gaben.(ErneureS Hört I hört!) Das nennt man Kricgspatriotismus. Ein anderes Beispiel für den agrarischen Kriegspatrio- tismuS; das sächsische Proviantamt klagt darüber, daß es trotz der guten Heuernte nicht genügend Heu freihändig erwerben konnte, weil die Besitzer auf höhere Preise warteten.(Hört! hört! links.) Unter solchen Verhältnissen muß man energisch ans dem ProduklionS- zwang bestehen. Herr v. Batocki lehnt ihn ab mit einem Hinweis auf einen Artikel des Sozialisten Kaliski in den.Soz. Monatsh.*. Dieser Herr stellt den Staatszwang für jugendliche Arbeiter in eine Linie mit dem Produktionszwang, also den Eingriff in die persön- liche Selbstbestimmung des Arbeiter? in eine Linie mit dem Eingriff zugunsten der Gesamtheit. Einen solchen Sozialisten sollten Sie für sich behalten!(Sehr gut! bei der Soz Arbg.) Wir halten ganz energisch an der Forderung des Produklionszwanges fest. Herr v. Batocki wies auf das Versagen der Statistik hin. Das ist keine Blamage der Stalisiil, sondern der Verwaltungsbehörden, die zu eng mit den Landwirten verbunden sind. Unabhängige Reichs- behörden müßten die Statistik aufnehmen. Wir wissen, daß man mit der Statistik oft Unfug treibt. So Hot man gekrebst mit einem statistischen Ergebnis, daß in Deutschland vor dem Kriege der� Fleischkonsum pro Kopf selbst noch den Englands übertreffe. Diese Statistik benutzte für Deutsch- land Zahlen aus dem Jahre 1912, für die anderen Länder aus dem Jahre 1890.(Lebhaftes Hört! hört!> Unsere Schntzpolckik im Frieden hat versagt und unsere Landwirtschast nicht in den Stand gesetzt, unser Volk zu ernähren. Die Folge ist jetzt Knappheit, die dadurch nicht erträglicher wird, daß man sagt, im Ausland herrscht auch Mangel. Was uns der Agrarier, ist im eng- tischen Volk der Schiffsrecder, der es auch von den Lebendigen nimmt. Der Hunger braucht uns nicht niederzuzwingen, ivird ge- sagt, unsere Nahrungsmittel reichen.' Dann muß aber für eine bessere Verteilung gesorgt werden. Bei dem. waS jetzt geboten wird, muß weiten Kreisen der Bevölkerung der Magen knurren. Die Nahrung enthält kaum Zwerdrittel dessen an Nährstoff, was physiologisch notwendig ist. Ganz besonders muß dem Fett« maugel abgeholfen werden, und das kann geschehen, wenn man die dem Selbstverbrancher zugestandene Menge einschränkt. Zusatz- karten sind nicht nurffür die Schwerarbeiter, sondern auch für viele andere nötig, die sich zu Hanse nicht verpflegen können. Unsere Hoffnung aus Ersatzmittel aus Haser und Gerste dürfen wir nicht zu hoch spauneu, wie Präsident Batocki versichert. Dann muß man in der Alkoholfrage etwas Fanatiker sein. Ich spreche nicht als Abstinenzler, der ich nicht bin, sondern vom Ernährungsstandpunkt aus. Wer durchaus nicht auf Bier und Schnaps verzichten will, soll entsprechende Mengen seiner Brot- und Kartoffelkarlen dafür geben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Graf Batocki sagt, die Franzosen trinken so viel Wein und sind doch tapfere Kämpfer. Aber der Wein, den sie trinken, kann nicht für Nahrungsmittel verwendet werden, während bei der Bier- und Schnapsbereilung Gerste und Kartoffeln verwandt werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokralen.) Die Massenspeisungen haben nicht den geringsten Erfolg gehabt. Der Grund liegt einmal darin, daß sie nur als Brei herstellbar sind, und Brei ist nicht sehr verdaulich, weil er nicht gekaut wird; es müßte etwa 50 Gramm Brot dazu gegeben werden. Dazu reicht wieder die Brotkarte nicht. Zweitens aber kann auch für das wenige Geld, das der großen Masse der Bevölkerung nur zur Verfügung steht, eine wirklich gute Nahrung nicht hergestellt werden. Ganz Europa wird von einer Hungersnot bedroht, wenn diese wahnwitzige Kriegshetzerei noch länger dauert.(Lebhafte Zu- stimmung.) Wir fordern gleichmäßige Verteilung alleZ Vorhandenen an Arm und Reich.(Sehr richtig! bei der Soz. Arbg.) Die maß- gebenden Kreise mögen sich klar darüber werden, daß es so nicht weiter geht. In Dresden hat am Donnerstag das Volk gesprochen. 80 000 Menschen sind in Dresden vor das Minisierinm des Innern und vor das Rathaus gezogen.(Hört! hört!) Eine Deputation ist zum Minister gegangen und hat gesagt: Wir wollen Nahrung, wir wollen Frieden!(Hört! hört!) Die dortige sozialdemokratische Partei- leitung ging im Austrage der Volksmaffen zum Minister und nrachle ihn auf den Ernst der Ernährungsfragen aufmerksam. Die Massen wären am Ende ihrer Geduld, sagte F l e i ß n e r, die sächsische Regierung möge energisch in Berlin aus Herbeiführung eines bal- digen Friedens hinarbeiten. Der Minister erkannte die Berechli- gung der Klagen und Wünsche im wesentlichen an und erklärte, daß die Regierung alles tun werde, um in diesem«inne zu wirken. Die 80 000 Menschen find ruhig nach Hause gegangen. Hinter ihnen stehen im Deutschen Reich Millionen, die von denselben Gedanken bewegt sind.(Sehr wahr l bei der Soz. Arbg) Die Geduld des Volkes geht zu Ende. Sorgen Sie dafür, daß das, was vorhanden ist, dem Volke zuteil wird. Shrgen Sie dafür, daß nicht Habgier und Profitiucht das Volk auswuchern kann.(Leb- haster Beifall bei der Sog. Arbg.) Abg. v. Trampzyuski(Pole) führt Beschwerde über schamlose Ausbeutung der pol« irischen Saisonarbeiter, die zwangsweise in Deutschland festgehalten werden. Wenn Sie Arbeiter haben wollen, sorgen Sie für menschenwürdige Behandlung der Arbeiter. Ministerialdirektor Lewald betont demgegenüber, daß die Einrichtungen, die ftit Jahresfrist zur Anwerbung polnischer Arbeiter geschaffen seien, in der Äom- Mission auch vom Abg. Noske auf Grund seiner Informationen als einwandftei anerkannt seien. Es werde jeden- falls alles geschehen, damit diese Arbeiter human behandelt und aus- reichend ernährt werden. Ein Schlußantrag wird angenommen. Abg. Schirmcr(Z.): Mir ist es nun leider unmöglich gemacht, den schiefen Dar- siellungen über den Wert des bayrischen Bieres(Große Heiterlcit) — Sie lachen, die Norddeutschen haben eben kein Verständnis für süddeutsche Verhältnisse.(Heiterkeit.) Ich hoffe aber, daß Herr v. Batocki sie berücksichtigen wird. Abg. Dr. Cohn(Soz. Arbg.): Wäre die Debatte nicht geschlossen, so wäre ich in der Lage ge« wesen, der schönjärberijchen Darstellung des Ministerialdirektors Lewald entgegenzutreten und nachzuweisen, daß die Informationen des Abg. Noske sehr einseitig gewesen sein müssen. Die Resolutionen und Anträge der Kommission werden angenommen. Ein Antrag Mumm(D. Fr.) auf möglichste Einschränkung des Verbrauchs von Nährstoffen zur Alkoholbereitung wird a n g e« n o m m e n. Zur Fiimiliciiunterstützung schlägt die Budgetkommission eine Resolution vor, wonach vom 1. November 1916 ab die Unterstützung für die Ehefrau ans 20 M.. für jedes Kind unter 15 Jahren auf 10 M. monallich festgesetzt werden soll und die Gemeinden verpflichtet werden sollen, aus ihren Mitieln Zuschläge zu diesen Unterstützungen bis zur Behebung der Bedürftigkeit zu gewähren. Die Abgg. Bernstein(Soz. Arbg.) und Genoffen beantragen, festzulegen, daß diele Zuschläge mindestens in Höhe von 50 Prozent gewährt werden müssen; ferner Streichung der Beslimmuiig. wonach den Familien die Unterstützung entzogen wird, wenn der Kriegsteil- nehmer zu mehr als sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden ist, — Bedürftigkeit soll steiS anzunehmen sein, wenn daS Einkommen der Familie 1500 M. jährlich nicht übersteigt. Eine weitere Resolution der Kommission verlangt Gewährung einer einmaligen K r i e g s z u I a g e bis zur Höhe eine? Monatsgekalt oder Lohnes' für die Reichsbeamren und die in Reichsbetrieben beschäftigten Arbeiter und An- gestellten sowie einmalige KriegSteuerungszulagcn je nach der Bedürftigkeit für Ruhegehaltsempfänger und Hinterbliebene von Reichsbeamtcn. Für den Dezember beantragt die Kommission, die Familien- Unterstützung(Beifall bei der Soz. Arbg.) in doppelter Höhe zu ge- währen. Abg. Graf Westarp(k.) berichtet über die Kommissionsverhandlungen. Ministerialdirektor Lewald: Die finanzielle Wirkung der Resolution, wie sie vorliegt, würde sein, daß im Monat an Familienuntersiützungen statt 130 Millionen 175 Millionen ausgezahlt werden müßien, und lin Dezember 350 Millionen. Das ist natürlich nicht durchführbar. Daß die Gemeinden Zuschüsse gewähren, ist jetzt schon rechtens. Die KriegSsürsorge wird von 20 auf 30 Millionen erhöht werden, um besonders leistungsunfähigen Liefernngsverbändcn zu ermöglichen, ebenfalls Zuschüsse zw leisten. Im übrigen wird bei den Familien- Unterstützungen nach Möglichkeit individualifiert werden müssen. Gibt es doch auch eine ganze Anzahl von Fällen, wo die Familie im Kriege eine erheblich höhere Einnahme hat als zu der Zeit, wo der Ernährer noch zu Hause war. Abg. Cosman»(Z.) tritt für die Resolution der Kommission«in: der Bundesrat hätte die Initiative der Erhöhung der Unterstützung der Familien der Kriegsteilnehmer ergreifen sollen. Abg. Hierl(Soz.) bedauert die wenig entgegenkommende Erklärung des RegierungS» Vertreters— wird doch nur ein Teil von dem verlangt, was den Kriegerfamilien zusieht. Die Mehrausgaben, auf die der Regierungsvertreter hingewiesen hat, fallen gegenüber den ungezählten Milliarden, die der Krieg verschlingt, nicht mS Gewicht. Gerade diese Kriegsausgabe ist überaus richtig.(Sehr richtig I) Den Kriegerfamilien nutzt nichts das ihnen immer versprochene Wohlwollen, wenn man ihnen die Erhöhung der Unterstützung versagt. An allen Ecken und Enden spricht man von Patriotismus, da hätte die Regierung von selbst mit viel weilergehen« den Vorschlägen an den Reichstag herantreten sollen, im Interesse der Volkkernährung, im Interesse einer gesunden Volks- Wirtschaft nach dem Kriege.(Sehr richtig! bei den Soz.) Man wünscht, die Frau soll den Willen zum Kinde haben. Da muß man ihr auch die Mittel geben, die Kinder, die sie sich wünschen soll, auch zu ernähren.(Beifall bei den Soz.) Abg. Mcycr-Herford(natl.) tritt warm für die Beschlüsse der Kommission ein. Abg. Licschiug(Vp.) bittet die Regierung dringend, dem Wunsche des Reichstags mebr Entgegenkommen zu beweisen. Den Wert de? Geldes weiß der Reichstag auch zu schätzen, aber in diesen Dingen ist keine Sparsamkeit am Platze. Geben Sie im Weihnachtsmonat den Familien der Kriegsteilnehmer das Doppelte, so werden Sie nicht nur im Innern, sondern auch an der Front eine danlbar« Stimmung erzeugen.(Bravo.) � Staatssekretär Dr. Helfferich: Die Verbündeten Regierungen haben von gestern auf heute zu den Anträgen der Kommission nicht Stellung nehmen können. Ich kann nur wiederholen, daß der Reichskanzler die schwierige Lage der Kriegerfamiiien infolge der erbeblichen Verteuerung aller Verbrauchsgegcnstände seit dem letzten Jahre anerkennt und entschlossen ist, danach zu handeln. Abg. Nysscl(Soz. Arbg.): Die Anträge der Kommission gehen uns nicht weit genug. Das Reich hat die Pflicht, für die Familien, denen es den Ernährer entzogen hat, ausreichend zu sorgen. Der von uns gestellte Zusatzantrag ist absolut notwendige denn diele Gemeinden zahlen gar nichts, andere nur an die Frauen, wieder andere nur an die Kinder und zwar 60 Pt., nicht etwa pro Tag, sondern pro Monat. Mit den 2 Pf. pro Tag kommen sie ihren gesetzlichen Aerpflicbtungen nach. iHört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Die Leistungen der Wohlfahrt?- Pflege verkennen wir nicht, aber wir verurteilen da» System, das die Frauen auf die Woblläligkeit hinweist. Die Anträge der Kommission werden angenommen, die Zusatz- antrage der Sozialdemotratischen Arbeitsgemeinschaft abgelehnt. Nach den üblichen Srblusiworten des Präsidenten Dr. Kaenrpi verliest der Staatssekretär Dr. Helffcrich die Kaiserliche Verordnung, die den Reichstag bis zum 13. Februar verlagt. Danach soll dem bteichshaushaltsausschus; auch während der Per- lagung des Reichstags die Erörterung innerer und auslo artiger Fragen vorbehalten bleiben. � Hierauf erklärt Präsident Dr. Kaempf die Sitzung mit einem dreimaligen Hoch auf Kaiser, Volk und Vaierland siir geschlossen. Schlug VslO Uhr. ♦ Genosse Ouarck-Frankfurt a. M. schreibt uns: „In Eurem ReichslagSbericht vom 3. November ist bei der Wiedergabe meiner kurzen Rede gegen die„Judenstalistik* ein Berichtsirrtum unterlaufen, den ich im Interesse der Sache richtig zu stellen bitte. Dort heißt»?, ich hätte gesagt,„in dem Befehl des 18. Armeekorps heiße es. die unteren Stellen sollten die bisher beschäftigten Juden für die Zeit der Statistik periodisch ablösen.* In Wirklichkeit habe ich an dieser Stelle von dem Korpsbcfchl gar nichts gesagt; er enthält auch meines Wissens nichts, über eine solche Ablösung. Das stellvertretende Frankfurter Generalkommando des IL. Armeekorps, das ich ans zahlreichen Verhandlungen persönlich als objektiv und sachkundig kennen gelernt habe, wäre sicher auch gar nicht fähig, solch einen Befehl zu erlassen. Wohl aber habe ich behauptet und kann dies auch beweisen, daß die unteren Stellen auf ihre Initiative und Verantwortung bin, wenn man will, in mißverständlicher Ausführung des Korpsbefehls jene periodische Ablösung vorgenommen haben. TaS unkorrigierte Reichstags- stenogramm ergibt ganz deutlich diesen Sinn und Wortlaut meiner Mitteilungen, und ich bin ohne iveitercn Verkehr mit dem Frank- furter Generalkommando sicher, daß es für Abhilfe in dieser Richtung sorgen wird, sobald eS ans dein Reichstagsbericht von den stellen- weisen Matznahmen seiner Ausführungsorgane Kenntnis genommen haben wird.* NieSriger hängen! In ihrer Freitag-Abendausgabe druckt die„Deutsche Tages- zeitung* aus der„Unabhängigen Nationalkorrespondenz" einen Ar- trkel ab, der„von einem zufälligen Ohrenzeugen einer Verhandlung stammen soll, die sich an diesem Mittwoch vor der 133. Abteilung des Schöffengerichts Bcrlin-Mitte abgespielt* habe. Es Hemdelt sich dabei um den vom Genossen Dittmann im Reichstage vorgebrachten Schutzhastfall der beiden jungen Mädchen, die mit einer Prosti- tuierten zusammengesperrt worden waren. Weil die von den Mäd- chen verbreiteten Flugblätter nicht den Namen des Druckers und Verlegers trugen, hat sie das Schöffengericht zu ö Wochen Gefängnis verurteilt. Im Anschluß an die Mitteilung von dieser Verurteilung beißt es nun in dem von der„Deutschen Tageszeitung" abgedruckten Artikel, der die Ucbcrschrift trägt: Die„sittliche Entrüstung" des Ab- geordneten Dittmann: Aber bei der Verhandlung erfuhr man, daß die Polizei bei dem Tumult die Strey und Trobach zusammen mit noch vier an- deren,„demonstrierenden" Anhängerinnen des Herrn Liebknecht sc st genommen hatte und diese sechs Per so nen gemein- s a m in die sog. Schutzhaft verbringen ließ. Im Laufe der dort angestellten Verhöre und Personalfeststellungen wurde dann ermittelt, daß ci:w.dieser.tatkrcffkigdip.Borkämpsermnen der sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft zur Zunft der Prostituierten gehörte und also mi! den beiden Schützlingen des Abgeordneten Dittmann lediglich „mitgefangen, mitgebangen" worden war. Tie Tarstellung aber, wie sie Herr Dittmann im Reichstage gab, mußte den Eindruck erwecken und war sichtlich auch darauf berechnet, als habe die Polizei die Streb und Trobach willkürlich, etwa zum Zwecke der.Strafverschärfung", mit Prostituierten zusammengesperrt. welche sie bei anderer Gelegen- heit aufgegriffen hatte! Hiernach wird sich jedermann selbst ein llr- teil über die Echtheit der sittlichen.„Entrüstung" des Herrn Abge- ordneten Dittmann bilden können. Tie Handhabung der Schutzhaft ist gewiß nicht mustergültig und gibt zu schwersten Bedenken Zweifel- los reichlichen Anlaß. Nur wird man dem Al>geordnc!en Dittmann, der hier einen der beanstandeten Fälle nachweislich in tendenziöser Entstellung schildert und den Reichstag irregeführt hat, die Quali- fikation zum öffentlichen Ankläger am wenigsten zubilligen mögen. Von der ganzen Geschichte bleibt übrig, daß die Herren Liebknecht und Dittmann zu den Vorkämpferinnen ihrer Sache auch weibliche Prostituierte zählen—, eine Tatsache, die doch niemandem anders als nur ihnen selbst zum Vorwurf gereichen kann. Vom Genossen Dittmann nnd der Genossin Strey ist der „Deutschen Tageszeitung" hierauf unter Berufung auf§ 11 des Preßgesetzes folgende Berichtigung zugesendet:■ Berlin, 3. November 1016. An die Redaktion der„Deutschen Tageszeitung", hier. Unter Berufung auf Z 11 des Preßgesetzes ersuchen die Unterzeichneten um Aufnahme nachstehender Berichtigung in die nächste Ausgabe Ihres Blattes an derselben Stelle und in der- selben Schrift: Zu dem Artikel„Das Material des Abgeordneten Dittmann" in der Abendausgabe der„Deutschen Tageszeitung" vom 3. November 1916 stellen die Unterzeichneten fest: Die angeblich von einem Ohrenzeugen der Schöffengerichts- Verhandlung berichteten Behauptungen sind dort nicht einmal an- gedeutet, geschweige denn festgestellt worden. Sämtliche dieser Behauptungen sind unwahr. Wahr ist vielmehr, daß die Letztunterzeichnete uird ihre Freundin allein, nicht gemeinsam mit vier anderen Frauen, bei der Flugblattverbreitung verhaftet worden sind, daß dabei keinerlei Tumult entstand, daß die Verhaftung über- Haupt ohne Aufsehen erfolgte und der die Verhaftung vor- nehmende Schutzmann unauffällig etwa zehn Schritte hinter den Arm in Arm vorausgehenden Freundinnen herging, daß dieselben vom Polizeirevier auch allein zum Charlottenburger Polizei- Präsidium und von dort am anderen Morgen wiederum allein zum Berliner Polizeipräsidium gebracht wurden, daß sie dort an den beiden ersten Tagen voneinander getrennt in Einzelhaft gc- halten, und daß sie e r st a m d r i t t e n Tage mit vier anderen Frauen— von denen eine eine Prostituierte war— in eine gemeinsame Zelle gebracht wurden. Die Prostituierte hatte mit der Flugblattverbreitung nicht das allergeringste zu tun nnd war allen ihren Zellengenossinnen völlig fremd.—• Von „mitgefangcn, mitgehangen" kann also gar keine Rede sein. Wilhelm Dittmann, M. d. R. Hermine Strey. Selten ist wohl plumper und schamloser gelogen als von dem .Ohrenzeugen" der„Unabhängigen Nationallorrespondenz". Die Behauptungen des angeblichen„Ohrenzeugen" sind in der Vcrhanö' lung von keiner Seite aufgestellt oder auch nur angedeutet. Sie widersprechen aufs gröblichste der Wahrheit.„Ohrcnzeuge" der Verl Handlung kann der Einsender auch nicht gewesen sein, da der Per Handlung nur die Mutter der Angeklagten und ein Redakteur des �Vorwärts" beiwohnten.(r) SvetterauSslchtrn für da? mittlere?!ordbentscü!nnd bis Montag mittag. Mild und zeilweise aufklarend, jedoch überwiegend bc- wölkt mit leichten Regenfällcn. fius Industrie und tzanöel. Kricgsprofitc in Italien. Aus Rom wird uns geschrieben: Der„Avanti" benutzt die unlängst erfolgte Veröffentlichung der Jahresberichte des Jahres 1913 der großen italienischen Aktiengesell- schaften, um einige Angaben über die Kriegsprosite gewisser In- dustrien dem Publikum zu unterbeiten. Da ein Dekret des Statt- Halters die den Aktionären auszuzahlende Dividende auf 8 Prozent im Höchstsalle festsetzt, ist der Extraprofit in verschiedene Rubriken verteilt: als Abschreibungen, als Ueberweisung zum Reservefonds, Vermehrung des Aktienkapitals usw. In den Berechnungen des „Avanti" werden all diese Rubriken in eine zusammengefaßt, und dem ursprünglichen Aktienkapital gegenübergestellt. So ergibt sich für eine Aktiengesellschaft für die Bearbeitung der Kohle und ihrer Nebenprodukte ein Neinertrag von 33 Prozent. Die Mailänder Firma Bertelli, die Medizinalien und Parfümerie herstellt, hat von einem Aktienkapital von IM Millionen 1 247 000 Lire den Aktionären zurückerstattet, und hat außerdem 8 Prozent Dividende von dem nominellen Kapital bezahlt. Die Heereslieferanten Reina-Mailand und Gilardini-Turin erzielten 80 und 33 Prozent Reinertrag; die Getreidemühlen in Genua 40 Prozent usw. Auch die Webereien und Spinnereien, die so viel über die Verteuerung des Rohmaterials und der Kohle klagen, schließen nicht schlecht ab. Zwei Baumwoll- Webereien von Busto Arsizio erzielten 23 und 30 Prozent Reinertrag; die Wollweberei Targhetti in Mailand 40 Prozent. Aber die eigent- lichen Kriegslieferanten muß man in der Rtetallindustrie suchen. Tie Aktiengesellschaft„Ferriere Piemontesi" verzeichnet einen Reinertrag von 38 Prozent. Die für den Krieg ins Leben gerufene Aktiengesell- schaft„Socictä Proiettili", Turin, konnte von dem Jahresgewinn ihr Aktienkapital von 600 000 Lire auf 2 000 000 Lire erhöhen; die Eisen- gießerei„Fonderia Milanese" brachte es auf rund 30, die Eisenwerke Voltri auf rund 30 Prozent, die Hochöfen von Lovcre auf 36, die „Metallurgica Franchi Grifini" auf 64 Prozent Reinertrag. Auch die Schiffahrtsgesellschaften haben ihren Teil an dem Goldsegen der schweren Zeiten. Die Navigazione Generale Jtaliana gibt 24 Prozent Reinertrag zu; die Navigazione marittima 28 Prozent; die Sozieta Puglia 20 Prozent. Zu wiederholten Protesten in der Presse und zur Eröffnung einer gerichtlichen Untersuchung hat der Jahresab- schluß der Societä di Navigazione Atta Jtalia geführt. Diese Ge- sellschaft war mit einem Aktienkapital von 3 Millionen gegründet worden und hatte im Jahre 1913 einen Reingewinn von 230 Prozent erzielt; im laufenden Jahre verdiente sie in sieben Monaten weitere 12s4 Millionen, woraus sie es für zweckmäßig hielt, in Liquidation zu treten. Ihre sämtlichen Dampfer waren vom Staate requiriert. Dasselbe gilt von dem Material der Venetianischen SchiffahrtSgesell- schaft, die mit einem Aktienkapital von 4 Millionen einen Reinertrag von 113 Prozent einheimste. Die Angaben zeigen, daß sich auch in Italien, wie in allen kriegführenden Staaten, eine Verschiebung des Reichtums und eine ungeheure Beschleunigung in der Kapitalan- Häufung vollzieht; ein Prozeß, der in Italien besonders zum Schaden der südlichen Provinzen gereichen muß, die so gut wie vollständig vom industriellen Leben ausgeschlossen sind. Soziales. Ter Tod infolge Lebcnsrrttung eines anderen— kein Betriebsunfall. Der Arbeiter W. war als Aufseher in einem Betriebe beschäftigt, der das Abcisen deS Schlachtensees vornahm. Am 10. Februar be- trat den See ein Mann, der auf dem Eise einbrach und unterging. W. eilte zur Hilfeleistung herbei, brach jedoch selbst, ungefähr 10 Meter von der Unglücksstelle entfernt, ein, und erlitt herbei den Tod. Tie Lagerei-Bcrufsgenossenschaft wies den An- spruch der Hinterbliebenen auf Entschädiung zurück, weil ein Betriebs- Unfall, im Sinne der Unfallgesetzgebung nicht anerkannt werden kann. Die Genossenschaft erklärte, daß W. weder im Interesse, noch im Auftrage des Unternehmers sich von seiner direkten Arbeitsstelle hiiiwegbegebeii halte, und aus eigenem Antrieb einen in Gefahr des Ertrinkens geratenen Spaziergänger beistehen wollte. Das Oberversichcrungsamt Groß-Berlin wies die eingelegte Berufung zurück; auch da? Reichs- v e r s i ch e r u n g S a m t den gegen diese Entscheidung eingelegten Rekurs. TaS Reichsversicherungsamt sagt, daß sich W., als er dem Spaziergänger, der auf dem Eise eingebrochen war, zu Hilfe eiste, von dem Betrieb lotgelöst hatte. Die ganze Fläche des SceS war für W. kein Betriebsgebict, sondern nur der Teil mit nächster in Beziehung stehender Umgebung, wo er mit Eisbrcchen beschäftit war.(„Seine Hilfeleistung diente auch nicht dazu, Schaden vom Betriebe abzuwenden, sondern entsprang der all- gemeinen Menschenpflicht, dem in Lebensgefahr befindlichen Nächsten beizustehen. Die eingebrochene Person war ohne jede Beziehung zum Betriebe, in dem W. beschäftit war.") Der Hinweis, daß der Unfall des W. nicht eingetroffen wäre, wenn er nicht gerade auf dem See gearbeitet hätte, erschien dem Reichsversicherungsamt nicht geeignet, eine andere Entscheidung treffen zu müssen. Als Voraussetzmig für die Annahme eines Betriebsunfalles müsse gelten, daß der Per- letzte, als er der Gefahr erlag, im Betriebe beschäftigt war. So käme eine Gefahr des täglichen Lebens in Betracht; W. hatte sich, als er zu Hilfe eilte,— vm Betrieb losgelöst. Die Bestimmungen des Gesetzes sind hier zu eng aus- gelegt worden. Wenn es auch als Menschenpflicht angesehen werden muß, dem Nächsten zu helfen, der sich in Gefahr be- findet, so kommt doch im vorliegenden Falle in Betracht, daß W. zur Hilfeleistung besonders doch deswegen kam, weil er auf der Unfallstelle beschäftigt war. Die Entfernung von der Einbruchstelle nnd der direkten Be- triebsstelle kann hier nicht in Betracht kommen. Mit Recht weisen Kommentatoren der Reichsversicherungsordnung wie Moesle und Rabeling darauf hin, daß bei derartigen Fällen die Frage zu stellen sei:„Hätte der Verletzte nach menschlicher Voraussicht den Unfall auch erlitten, wenn er nicht zu der fraglichen Zeit im Betriebe beschäftigt gewesen wäre?" Sie sagen mit Recht, daß. wenn diese Frage zu verneinen sei, dann das Erfordernis des ursächlichen Zusammenhanges zwischen Betrieb und Unfall gegeben sei. Wiederholt haben wir an dieser Stelle dargelegt, daß die gesetzlichen Be- stimmungen möglichst weit, im Zweifelsfalle zugunsten des Verletzten oder ihrer Hinterbliebenen auszulegen seien. Auch dieser Fall dürfte aber geeignet sein, der Gesetzgebung als Material zu dienen. Mus aller Welt. Ein falscher Major. Fast unglaublich freche Schwindeleien leistete sich der Korb- macher Welheim Schulze aus Barmen. Der schon vielfach vorbestrafte Mensch trieb sich nach Ausbruch des.Krieges in den l verschiedensten Gegenden Deutschlands umher und kam dadurch an der Aushebung vorbei. Schließlich erwischte man ihn aber doch und machte einen Armierungsarbeiter aus ihm. Seaxe Vorgesetzten erkannten bald, daß er ein ganz befähigter Kops war und übertrugen ihm einen gehobenen Posten. Nach einiger Zeit wurde affenbnr, daß er eine bewegte Vergangenheit hatte, und entließ ihn infolge- dessen. Schulze befand sich damals in Ostpreußen. Er fuhr zu- nächst nach Königsberg und ließ sich dort eine Offizierstellvertreter- warb sich dort bei dem Fabrikanten B. um den ausgeschriebenen uniform bauen. In dieser kehrte er nach Barmen zurück iu:d be- Posten eines Leiters der Geschoßfabrikation. Auch in dieser Stel- lung bewährte er sich vermöge seiner Fähigkeiten und erwarb sich bald das Vertrauen seines Arbeitgebers. Als Leiter der Geschoß- abtcilung hatte er öfters Reisen nach Militärbehörden zu unter- nehmen und diese brachten es mit sich, daß er zunächst zum Feld- webelleulnant, dann zum Leuluant und Oberleutnant„befördert" wurde. Von diesen Auszeichnungen machte er B. von seinem je.» weiligen Aufenthaltsort jedesmal sofort telegraphisch Mitteilung. Da mit den„Beförderungen" Ausgaben verknüpft waren, bewilligte ihm B. wiederholt einige Hundert Mc-rk Vorschüsse, insgesamt 630 M., führte ihn auch in Bekanntenkreisen und seiner Familie ein. Von seiner nächsten Reise kehrte er als„Hauptmann" mis schließlich sogar als„Major" zurück. Seine Brust war inzwischen auch schon mit Orden und Ehrenzeichen geschmückt worden. Als „Major Schulze" bereiste cr dann noch mehrfach Ocstcrreich-Ungarn, wo cr ebenfalls in Offizierskreisen verkehrte, bis er eines Tages als ganz gemeiner Schwindler entlarvt wurde. Auch Spionageverdaefit schwebt noch gegen ihn. Die Elberfclder Strafkammer verurteilte den Herrn„Major" gestern wegen Betrugs im lltückfalle zu zwei Jahren Zuchthaus und 300 M. Geld st rase oder weiteren 20 Tagen Zuchthaus.(7.) Explosion in der Tcssancr Gasanstalt. Sonnabend mittag geriet ans bisher unaufgeklärte Weise Gas im Reinigerraume der Dessauer Gasansialt in Brand, worauf eine gewaltige Explosion erfolgte. In weilem Umkreise wurden alle Schaufenster und viele Fenster von Privaihäusern zertrümmert. Militär nahm sofort die erforderlichen Absperrungen vor. Nach ungefähr cinhalbstündiger Arbeit gelang es der Feuerwehr, den Brand zu löschen. Weitere Teile der Gasanstalt sind von der Explosion nicht in Mitleidenschaft ge- zogen worden. Der Betrieb ist zwar gestört, und wahrscheinlich wird ein größerer Teil der S t a d t am Abend ohne Licktt gewesen sein, aber man glaubt, daß in den nächsten Tagen die Folgen der Explosion bereits beseitigt werden. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Zwei Personen sind leicht verletzt. Das in der Nähe liegende Garnisonlazarett wurde sofort geräumt. Verdsnü der Sehneider. Schneiderinnen und Vfösehearheifer Sentsehiands. Filiale itcFlin. Scbasllanstr. 37/38. HerrenmaBschneider Berlins! Montag, den der Rußland blutig knechtet u. Europa barbarisch bedroht.— Die Zarcngclßcl ist ein Kampf- buchvollUncrbittlichkeit. Aus 1 dem Sturm des gegenwärligen i Kricgesisteshervorgcwachsen| Zu beziehen durch die; Buehhandiimg Vorurärts iigardten 1,8 Pf. la lOOOStcIr. M. 12,90 u. 14,- 3, IblOOO,„ 18,75, 20,- 4.2„ lo 1000„, 24,—, 27,— 0,2, IdlOOO„. 38,-„ 43,- Kigarillo« 100 Stück von Mark 4,00 bis 7,60. lElgnrrc n 100 Stück von Mark 7,50 bis 60,- Raaclilabuli: 50 Gramm-Pnket.. Mark 0,30. Alle Waren nur prima Qualität. Zigarettenfabriklager D. HalftrecSit Frankfurter Allee 76, a. cl. Jungstr. Warschauer Str. 7, a. d.Boxhag. Str. Vorsand; Boxhag. Chausse 19, It.Kt Telephon: Amt Alexander 900. Hcüxier Möbel-OroMhäuser, Berlin N.22 Yeleranetistr H-lSHöffnorsHof Kranzspenden sowie sämtliche ßlumcnarrangcimntö liefert schnell und billig l'anl Cirnn«. llndenstr 89, Tel.MvI.7S03 MIIhtdii taust stob. Ball Rckil.. Münzen- uiilMll hdlg.,3si IIa, Wilhelm, tr.4ö/47 ISaer, Ecke »rinr.-Allee Herren- und Knaben- i Kcten.Bcrulskleldung, j Eleg. Paletots, Ulster, j Joppen. Gr. Stofflagor 1 z.e leg. Maßanfertigung Billigste, feste Preise Fabrik und Lager fertiger Pelzwaren 1 jeder Art. von den ein- 1 | lachston bis zu den ele- gnnteston. Taufende Sachen auf Lager. Auch flinzui-| verkaut zu billig. Preisen. Garantiert streng reelle Ware.| HonntaarN gotiffnc't. Ferdinand Kaiman Kürschner-Meister | nur Kommandaiitonstr. 15, I. E. j Kein Lad. Gogenüb. Beuthstr. [Toi.: Zontr. 287.— Gegr. 1894, J Kriegsbeseträdigten' Eigenheime In jeder Gegend liefert unter dcnibar gäiistigiien Bedingungen auch befcheioen Lcr.iillcllcii 273/7 Hlike Sciinellbau A.-G. Charlottenburg, Steinplaiz. 3. S'lfttt gesch 117 t 36,— Miele, Abzahlung. Auskunft Cauerstr. 14, Zigarrengeschäst. 'Bekannte Qualität Siili S 100 St. 2,30. 500 et 11,28. 1000 et. 20.. Otto Reiche!. Berlin 43, Eisenbalmsl. 4 HeinesWerke 5 Bände 5 Mark- Buchhandlung vorwärts sogar besonders sorgfäliige Auswahl- ist iehi, da im allgemeinen Zniereste nur das Roiwendigste angeschafft werden soll, natürlich doppelt geVoten. Gorgsältige Wahl einmal des Kleidungsstückes, das Sie sich anschaffen wollen, und zweitens des Geschasts, in dem Sie Ihren Einkauf besorgen wollen. Ein sorgsames Vergleichen von preisen und Beschaffenheit der verschiedenen Angebote wird Ihnen die richtige Wahl leicht machen. a-'-r 6> / 97*1 JSl ve' w*- Jltx** rtctö* äääv" 49, -30 et Vf � � M 51.5° «««Ä'»- 3% 50 «trt 26 .50 n"■ a/n — i BRENNI N KM5YER G H.BiH K.. iÄ Königstraße 33 Am Bahnhof Alexanderplah Ehauffeestr.��3 Beim Etettiner Bahnhof Sonntags geschlossen! 'verantwortlicher Netlalteur:«ljred Wielepp, MeÄöll«. Für de«' LnierateuteU verantw.: TV. Glocke. Berlin. Druck u.Berlaa:iLorwart»Buchdruckerel u.«erlagoanitalt Paul Singer h. Co, Berlin SW, Nr. 305. 33. Iahrgallg. 3. IrilMt to Juwätls" Sttlim WllisM Souatag, 5� November 10!6. Mttivoch. äen 8. Nlovember: Zahlabenä in M-Mn. Mus Groß-öerlin. �lue der verbrauchsstatiftik der Konsum- genosjenschaft. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend macht in ihrem Jahresbericht für das Ge- schäftsjahr 1915/16 beachtenswerte Angaben über den Ver- brauch einiger wichtiger Waren. Eine Vergletchung des Geschäftsjahres 1915/16 mit dem vorhergehenden Geschäftsjahr 1914/15 und dieser beiden mit dem noch in die Friedenszeit fallenden Geschäftsjahr 1913/14 zeigt den Einfluß der Kriegszeit auf den Warenumsatz. Bei der Kon- suingenossenschaft beginnt das Geschäftsjahr immer mit dem 1. Juli, so daß die Jahre 1914/15 und 1915/16 sich ungefähr mit den beiden ersten Kriegsjahren decken. Die in dieser Zeit eingetretene Zu- oder Abnahme des Umsatzes gibt ein Bild der tiefgreifenden Aenderungen, die sich im Laufe des Krieges vollzogen haben. Dabei muß berücksichtigt werden, daß der Mitgliederbestand vom 36. Juni 1914 bis zun? 36. Juni 1915 und zum 36. Juni 1916 von 86 514 auf 94 295 und 116 467 stieg. Gegenüber dieser ansehnlichen Mehrung der Mitglieder fällt die beträchtliche Abnahme des Umsatzes Nloarcher Waren um so stärker ins Gewicht. Sehr bedeutend war die Umsatzverringerung bei den Fettwaren, deren Knappheit ja besonders fühlbar ist. Bon Butter lvurdcn in 1913/14 noch 1 168 384 Kilogramm verkauft, in 1914/15 aber nur 559 664 Kilogramm und in 1915/16 nur 555 416 Kilogramm. Daß gleichzeitig bei Margarine der Umsatz gegenüber den 123 519 Kilogramm des letzten Friedensjahres sich im ersten und im zweiten Kriegsjahr auf 194 975 Kilogramm und 181 239 Kilogramm belief, konnte den Ausfall an Butter nicht wett machen. Dazu kommt, daß von Schmalz i?n letzten Jahr fast nichts mehr zu haben war. In 1913/14 verkaufte die Konsumgenossenschaft 339 358 Kilogramm Schmalz, in 1914/15 betrug die verkaufte Menge nur 252 121 Kilogralnm und in 1915/16 konnten nur noch 36 557 Kilogramln verkauft werden. Bei W u r st- und Fleisch waren gibt der Bericht den Umsatz nicht nach den? Warengewicht, sondern nach den? Gelderlös an. Verkauft wurden in den drei Jahren für 2 264 474 M., für 1 472 916 M., für 1 199 167 M., so daß trotz starker Preissteigerung der Ge- sanitbetrag fast bis auf die Hälfte des früheren herunterging. Ziemlich gleich blieb der Unlsatz in Heringen mit 864 Tonnen, 799 Tonnen, 827 Tonnen in den drei Jahren. Anders als bei den Fett-, Fleisch- und Wurstwaren hat bei manchen pflanzlichen Nahrungsmitteln die Kricgszeit auf den Verbrauch gewirkt. Der Umsatz in K a r t o f f e l n belicf sich in 1913/14, 1914/15, 1915/16 auf 5 856 612 Kilogrmnm, 4 238 361 Kilograiun?, 8 566 716 Kilogramm, also für das zloeite Kriegsjahr auf etwa um die Hälfte mehr als für das letzte Fricdensjahr. Das ist eine sehr viel stärkere Zunahme, als?i?an sie nach der Mitgliederinehrung erwarten köirnte. Stark zugenommen hat auch der Mehlumsatz: verkauft wurden von Roggen lnehl 7 776 561 Kilogramm, 6 848 666 Kilogramm, 9 133 689 Kilogramm, von Weizenmehl 1 971 648 Kilogramm, 2 681993 Kilogramm, 2 636 945 Kilogramm. Lediglich ein Ergebnis der Kriegszeit ist die ganz außer- ordentliche Steigerung des Umsatzes in Kartoffelmehl von?mr 63 767 Kilogramm in 1913/14 auf 435 899 Kilogram»? in 1914/15 und 464 972 Kilogramm in 1915/16. Bei den Hülsenfrüchten fielen die Linsen im zweiten Kriegs- jähr vollständig weg, nachden? i?» letzten Friedensjahr 82 356 Kilograln??? und in? ersten Kriegsjahr nur noch 26 147 Kilo- gra?i?in verkauft worden waren. Der Umsatz in weißen Bohnen belief sich in den drei Jahren auf 79 717 Krlo- grau?»?, 41 469 Kilogra?n?n, 98 882 Kilograrnrn, er war also rm zweiten Kriegsjahr erheblich höher als im letzten Friedens- jähr. Von Erbsen wurden 276 556 Kilograinn?, 155 225 Kilogramm, 168 869 Kilogramm umgesetzt. Gemüsekonserven hatten eine bedeuter?de Umsatzsteigerung: die Konsuii?genossenschaft verkaufte 168 966 Dose??, 228 961 Dosen, 356 983 Dosen. Ter Uuisatz in Reis belief sich im letzten Friedensjahr auf 186 764 Kilogramm, im ersten Kriegsjahr auf 363 614 Kilogramin, aber im zweiten Kriegsjahr auf nur 76 144 Kilogran??n. Dagegen stieg im zweiten Kriegsjahr der Umsatz in G r i e ß beträchtlich: er war in den drei Jahren 166 518 Kilogramm, 113 844 Kilogramm, 166 326 Kilogramm. Sehr stark nahm der Verbrauch von Marmeladen zu, die ja bei dem Mangel an Butter und Fett den Brotaufstrich er- setzen müsse??. Verkauft wurden 87 865 Kilogramm, 117 581 Kilogramm, 188 671 Kilogranrm, im zweiten Kriegsjahr weit über das Doppelte der Menge des letzten Fricdensjahres. Eine ähnliche Steigerung hatte der Umsatz in Zucker mit 1965 848 Kilogramm, 2 311666 Kilogramm 3 329 893 Kilo- gramm. Auch die Produktivbetriebe der Konsumgenossenschaft wurden durch den Krieg sehr fühlbar beeinflußt, am meisten die Bäckerei. Wegen anda?lernder Steigerung der Nachfrage nach Brot mußte der Bäckereibetrieb bedeutend erweitert werden. In den drei Jahren verbrauchte er an Mehl(Roggen- und Weizei?n?ehl, in der Kriegszeit auch Kartoffelmehl usw.) 8 666 222 Kilogramm, 9 951 757 Kilogramm, 12 876 616 Kilogramm, und er vereinnahmte aus dem Umsatz in Brot(ein- schließlich Backware uslv.) 3 266 393 M.. 4 714 664 M.. 6 868 791 M. Der AnteU des Umsatzes der Bäckerei an dem Gesamtumsatz der Konsumgenossenschast war schon vor dem Kriege reckt groß und ist in der Kriegszeit noch sehr viel größer geworden. Er berechnet sich für die drei Jahre auf 18?� Proz.. 26� Proz., 28� Proz. des Gesamtumsatzes. Die oben gegebene Auswahl von Waren wird genügen, zu zeigen, wie bei der Kons??mgenossenschast die Kriegszeit auf den Lebensinitelverkauf eingewirkt hat. Me trockenen Zahlen lassen ahnen, welche Schwierigkeiten überwunden werden mußten, damit die Lebensmittelversorgung der Ge- nosfenschaftsmitgliedcr sich den wechselnden Verhältnissen immer wieder anpassen konnte. Zur Winterversorgung mit Kartoffel«. Der Berliner Magistrat teilt mit: Die späte und geringe Kartoffelernte und der Arbeitermangel auf dem Lande haben es unnuiglich gemacht, die Winterversorgung mit Kartoffeln so durchzuführen, wie dieS im September geplant und bekanntgemacht war. Es soll jedoch versucht werden, allen denen, die für die Winterversorgung Bezugsscheine erhalten haben, soi?>eit sie sich nicht etwa in der Zwischenzeit bereits Kartoffeln selbst aus der Provinz beschafft haben, wenigsten? einen Teil der als Vorrat bestellten Kartoffeln zu verschaffen. Der Magistrat beabsichtigt, denJnhabernvonBezugS- scheinen zum Verbrauch in der Zeit vom 18. De- z e in b e r lülö bis 13. März 1917 auf j e de n Bezugsschein einen Zentner Kartoffeln abzugeben. Der alte Bezugs- schein gilt also nicht für die Zeit vom LO. November 1910 bis 18. März 1917, sondern vom 18, Dezember 1916 bis 18. März 1917 und berechtigt nicht wie aufgedruckt zum Bezüge von 1(4 Zentner, sondern nur zum Bezüge von einem Zent- ner Kartoffeln. Mit dem Verbrauch dieser Kartoffeln darf also erst am 13. Dezember begonnen werden. Die Bezugsscheinsinhaber erhalten gegen Vorlegung ihrer Be- zugsscheine auf ihrer Brotkommission eine Zwischenkartoffel- karte für die Zeit vom 20. November bis 17. Dezelnber, damit sie bis zum Beginn der Winterversorgung, nämlich den 18. Dezember, ihren laufenden Bedarf decken können. Die Zeit für die Abholung der Zwischenkarten wird noch bekanntgegeben werden. Die Anlieferung der Wintervorratskartof- feln soll erfolgen in der Zeit vom Dienstag, den 7. November, an und wird sich bis Mitte Dezember e r st r e ck e n. Die Anlieferung geschieht, wie irn September be- kanntgemacht, hauptsächlich durch den Kleinhandel, der auf Grund der Kartoffelbezugsscheine die Wintervorratskartoffeln vom Großhändler zuin Preise von 4 M. für den Zentner erhält und bei Lieferung frei HauS des Verbrauchers nicht mehr als 4,7S M. zu fordern berechtigt ist. Entsprcche??d dem Aufdruck auf den Be- zugsscheinen hat der Kleinhändler die Kartoffeln für den Winter» Vorrat beim Grohhä?idlcr zu bestellen und wird sie dann all- mählich in den Wochen nach dem 7. November geliefert erhalten. ES wird der Bevölkerung nochmals eingeschärft, nicht auf Anliefe- rung in den ersten Wochen nach dem 7. November zu rechnen, da die Belieferung naturgemäß nur allmählich erfolgen kann. Wer die WilUervorratSkartofteln selbst auf Grund der Bezugs- scheine von einen? der drei Bahnhöfe Nordbahnhof, Bernauer Straße, Ostbahnhof, Fruchtstraße 12/13, oder Hamburg- Lehrter Güterbahnhof, Heidestraße, in eigenen Säcken oder mit eigenem Fuhrwerk abzuholen wünscht, kann dies tun und bezahlt dann ab Eisenbahntvagcn des Großhändlers 4,15 M. für den Zentner. Um eine Ueberfüllung auf den genannten Bahnhöfen zu ver- ineidcn, dürfen in der Woche vom 7. bis 12. November jedoch nur Personen, deren Zunamen mit den Buchstaben A— D beginnt, auf den genannten Bahnhöfen, und zlvar in den Tagesstunden von 19 bis 8 Uhr Kartoffeln auf Grund der WintcrkartoffelbezugSscheine abholen. Wer in den folgenden Wochen abholungS- berechtigt sein soll, wird noch bekanntgegeben werden. Die Befolgung der Anordnungen der Beauftragten deS Magistrats auf den Bahnhöfen, sowie der Eiscnbahnbeainten muß den Abholern im Interesse der Aufrechterhaltung der Ordnung drin- gend zur Pflicht gelnacht werden. Der Magistrat wird bemüht sein, an die Winterverforger nur wirklich lagerungsfähige Kartoffeln zu liefern; immerhin können in einer durchaus lagerungSfähigcn Eisenbahnladung angestoßene oder angefrorene Kartoffeln vorha??den sein, die dann in der Liefe- rung an die Haushaltungen mitenthalten sind. Deswegen ergeht an die Bevölkerung nochmals die Aufforderung, die gelieferten Kar- toffeln alsbald nach der Lieferung auszulesen und etwa vorhandene angefaulte Kartoffeln sofort auszusondern, damit die gefunden Kar toffeln nicht angesteckt werden. Wiederholt wird ferner darauf auf' merksam gemacht, daß die Kartoffeln dauernd beauffichtigt werden müssen, damit nicht durch Verderben übermäßiger Schwund entsteht. Eine Wintervorratslieferung an Inhaber von Hotels, Gast- und Schankwirtschaften, Pensionate us>v. kann erst geschehen, wenn die Belieferung der Haushaltungen beendet ist. Zur Beschlagnahme der Bierdeckel. Durch Verordnung des Oberkommandos in den Marken vom 1. Oktober 1916(Nr. bl. 1./10. 16. K. R. A.> sind alle in Brauerei-, Gastlvirtscbalt- und Sckmnkbetrlcben(z. B. Brauereien, Bierverlägen, Gasiivirtschaflcn, Kaffeehäusern, Konditoreien, Überhaupt Bierausschänken aller Art), ferner in Vereinen und Gesellschafte?,. Kan- tinen und KasinoS vorhandene?,, aus Zinn bestehenden Deckel von Biergläsern und Bicrkrügen, einschließlich der dazu gehörigen Schar- niere. desckilagnahint. Nach den AuSführungSbestimmungen des Magistrats Berlin vom 9. November 1916 sind dieie Gegenstände mittels des vorgeschriebenen Vordrucks zu melden. Die Mcldevordrucke sind bei den Stcuerkasien, in deren Bezirk sie sich befinden, zu entnehmen und nach vorschriftS- mäßiger Ausfüllung bei derselben Sleuerkasse bis zum 11. Novem- bor 1916 abzuliefern. Die Enleignung erfolgt auf Grund besonderer Anordnung, die jedem Besitzer solcher Gegenstände später zugehen ivird. ES wird ausdrücklich daraus aufmerksam gemacht, daß Vierglas- und Bierkrugdeckel in Privathaushallungen durch die Verordnung nichi betroffen werden, also noch nicht zu melden sind. Ebensoivcnig sind zu melden Deckel und Scharniere von zinnernen Krügen und Pokalen, sowie Ränder. Einfassungen und Scharniere aus Zinn,• sofern die dazu gehörigen Deckel nicht aus Zinn bestehen. Nachfrage nach Segeltuchen, Zelten usw. Berlin, 4. November. lW. T. B.) Die KriegS-Rohstoff-Abteilung gibt bekannt, daß zurzeit größerer Bedarf au Segeltuchen. Plan« und Zeltstoffen vorliegt. Auch fertige Plane und Zelte, un- gebrauchte wie gebrauchte, letztere jedoch nur in guterhaltenem Zu- stände, kommen in Frage. Angebot« find von den Eigentümern auf den hierfür bestimmten Vordrucken an das W o b st o f fm e l d e- a m t,-B e r l i n SV7 48, Verl. Hedemann st r. 11, zu richten. Vordrucke für Angebotschreiben sind bei der Bordruckverwaltung der Kriegs-Rohstoff-Ableilung und den zuständigen Handelskammern erhältlich. Sieben Pfund Kartoffeln pro Woche. In der Woche vom 6. bis 12. November dürfen auf jeden der Abschnitte 23 der Kartoffelkarte ein Pfund, zusammen also höchstens 7 Pfund Kartoffeln abgegeben und vxtaommax werben. Kleinhandelspreise für frische Seefische bester Qualität für Montag, den 6. November 1916. Schellfische, klein(bis'/« Pfund) 1,80 M.. mittel(von tli bis 1 Pfund) 2,00 M.. großmittel(von 1 bis 1'/, Pfund) 2,15 M., große(von l1/» Psund und mehr) 2,25 M.: Kabeljau, klein(bis ll/z Pfund) 1,55 M.. mittel(von 1'/, bis 4 Pfund) 1,70 M.. große (von 4 Pfund und mehr) 1,90 M.. ohne Kopf(im Ausschnitt) 2,55 M.? Schollen, lleine(bis zu'/, Pfund) 1,25 M.(Zufuhr ungenügend.) Arbeiter-Bildungsschule. Heute, Sonntag abend 3 Uhr, findet der zweite Vortrag der literarischen Vortragsserie „Dichter deS freien Menschentums" statt. Ge- nasse Heinrich S tröbel wird über Leben und Werke des englischen Dichters Shelley sprechen. Der Vortrag findet im Hörsaale der Schule, Lindenstr. 8, 4. Hof, 3 Treppen rechts, statt. Eintrittspreis 16 Pf. Erstochen hat in der Nacht zu Sonnabend der Bäcker Arno Schneider aus der Lothringer Straße 41 den Bergolder Emil Hering, der in der Anklamer Straße 22 eine Stube bewohnte. Schnelder war eingezogen zu einem Ersatzbataillon und erfuhr, daß seilte Frau in sei??er Abwesenheit eS mit Hering halte. Das ver- anlahte Schneider zu seiner Tat. Hering wurde gestern früh blut- überströnft in den letzten Zügen liegettd aufgefunden; ärztliche Hilfe lvar vergebens. Schneider stellte sich selbst der Polizei, die ihn der nächsten Militärwache übergab. Die Treptower Lauvenkoloniste« brauchen, wie man uns im Anschluß an ihre Protestverfamuvlung aus Treptow schreibt, uin ihr Laubenyelände für die nächste Zeit ilicht besorgt zu fein. Die Erregung ist wohl hauptsächlich dadurch entstanden, daß einer kleinen Anzahl von Laubcnkolonisten an der Parkstraße, dicht beim Treptower Rathause, ihr Gelände gekündigt worden war. Sie mußten im September abbrechen, weil hier die Gelncinde Treptow ihre Wintervorräte zur Nahrungsmittelver» sorgung bereits eingemietet hat. Dieses geräumte Gelände ver- schwindet aber neben der Gesa?ntfläche deS LaubengeländcS. An eine baldige Bebauung ist schon wegen des Krieges und auch für die ersten Jahre nach dem Kriege kaum zu denken. Wenn es wirk- lich soweit ist. werden die einzelnen Kolonien, deren Zahl lveit über hundert beträgt, auch nur nach und nach geräumt locrden müssen. Einmal mutz ja, da die Entluicklung auch hier nicht stehen bleibt, von der Scholle geschieden lverden, aber das liegt für die überwiegende Mehrheit der Treptower Kolonisten noch in der Ferne. An der Kiefholzstraße auf der Neuköllner Gcländeseile haben erst in diesem Herbst zahlreiche Landpächter neue, große und feste Wohn» tauben aufgerichtet, nachdem sie sich vergewisserten, daß das Ge« lande noch lange von der Bebauung frei bleibt. Ein Heiratsschwindler wurde wieder einmal festgenommen, der verschiedenen Bräuten erhebliche Sumlnen abgeschwindelt hatte. Hcrbstkonzrrt. Am Sonntag, den 12. November, abends 7 Uhr, veranstaltet der Gesangverein Männer- und Frauenchor O st(M. d. D. A.-S., Chormeister E. Thilo) in der Singakademie ein Herbstlonzert. Außer Männer- und Frauenchöre kommen auch gemischte Chorwerk« zum Vortrag. Zur Mitwirkung sind die Solisten Professor Otto Becker(Orgel), Konzertsängerin Gina Gvtz- Lcvy(Altistin) sowie Kapellmeister Eduard Levy(Flügel) gewonnen. Eintrittskarten a 75 Pf. inkl. Garderobe und Liederlexte sind bei P. Kupfer, Petersburger Str. 66 I, P. Schneider, Hufelandstr. 30, Zigarrengeschäft, und F. Masche, Kopernikusstr. 1, Zigarrengeschäft, zu haben. Kleine Nachrichte«. Ein Lcderdiedstahl ist bei der Firma BinS- wanger, Prinzessinnenstraße 18, verübt worden. ES wurden erheb- liche' Mengen Sasfianledcr enllvendet.— Ein werlvolles Leder lager wurde am Wedding bei einem Schuhmacher, der eine Besohlanstalt betrieb, entdeck?. Der Ledervorrat bestand größtenteils aus Treib- ricmen, die einem Diebstahl entstammen.— Laubendiebe haben in Grünau Lauben erbrochen und Hühner und Kaninchen mitge« nommen. Verloren wurde am letzten Sonnabenduachnnttag auf dem Wege von Neukölln bis zur Norweger Straße eine silberne Kette mit Medaillon, die ein Andenken darstellt. Der Finder wird um Ab- gäbe an Reimer, Neukölln, Teupitzer Str. 13/14, Hof 4 Tr., gebeten, Mus öen Gemeinöea. Die Strafienbahnfrage in Neukölln. Mit der Groß-Berliner Straßenbahnangelegenheit beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung die Verkehrsdeputation. Nach ein- gehender Behandlung der A?igelegenheit wurde einstimmig fol- gendcr Beschluß gefaßt, der der nächsten Stadtverordnetei?versamm« lung zur Beschlußfassung unterbreitet werden soll: »Die Verkehrsdeputation steht auf dem Standpunkt, daß von einem Erwerb dcS Straßenbahnunternehmens zurzeit abzusehen ist, daß jedoch eine Beseitigung des im Berliner Vertrage zum 1. Januar 1920 vorgesehenen Staffeltarifs erstrebt werden mutz. Die Deputation hält cS für richtig, daß sofort die Weiterbchand- lung der Angelegenheit durch eine gemischte Ko?nmission des VerbandSausschuffes und der VerbandSversammlung erfolgt." Aus dem Ausschuß in Lichtenberg. In Beantwortung einer Anfrage, die sich auf den Ankauf der Großen Berliner Straßen- bahn durch den Zweckvcrbcmd bezog, erklärte Oberbürgermeister Ziethen, daß die Angelegenheit im Ausschuß wohl besprochen sei, da nach den Verträgen die Kündigung 1917 erfolgen müßte; daß aber noch gar nicht ernstlich die Rede davon wäre, die Straßen- bahn unter den jetzigen Verhältnissen zu erwerben.— In der darauf stattfindenden Besprechung kritisierte Genosse Tempel das Verhalten des Verbandsdirektors in dieser Frage und weist nach, daß jetzt wohl die ungünstigste Zeit zur Uebemahme wäre. Nach sachverständigem Urleil müßten mindestens 10 Millionen Mark zur Instandsetzung der Schienenwege und des rollenden Materials in das Unternehmen gesteckt werden. Er sei überhaupt der Auffassung, daß das ganze Manöver bloß eingeleitet sei, um einen höheren Tarif durchzusetzen, damit die Gewinne der Aktiv- näre auf Kosten des fahrenden Publikums, vor allem der arbeiten- den Klassen gesteigert würden. Eine wirkliche Notlage der Straßen» bahn wäre gar nicht vorhanden, wie die gestiegenen Einnahmen und die zurückgelegten Wagenkilometer beweisen. Sollte eö trotz- dem zu einer Erhöhung der Tarife kommen, so würde die sozialdemokratische Fraktion immer noch den Staffeltarif einem erhöhten Einheitspreis vorziehen, da der größte Teil der Mitfahrenden nur eine 10-Pf.-Tour benutzt.— Mehrere bürgerliche Redner sowie Genosse John zeigte», daß die Verhandlungen im Ausschuß des Zweckverbandcs wohl doch nicht so harmlos seien, wie der Ober- bürgermeister die Sache Hinstelleu wollte. Dann wäre auch mit emflichrsichen äußer« Emsuttung« zu rcchueu. Bei ciaex fcte» leren Verhandlung behalten die Fraktionen sich vor, eine Kom- Mission zur Prüfung der ganzen Angelegenheit einzusetzen. Die Vorlage des Magistrats, zum Wiederaufbau der Stadt Jllowa(Kreis Neidenburg), für die Lichtenberg und Stralau die Patenschaft übernommen haben, 25 000 M. zu bewilligen, wurde mit der Aenderung, nur 10 000 M. statt 25 000 M. zu geben, an- genommen. Die sozialdmeokratische Fraktion lieh durch den Ge- nassen Tempel erklären, dah sie grundsätzlich die Vorlage ab- lehne, weil der Wiederaufbau der eingeäscherten Orte Aufgabe des Reiches sei. Persönlich wies der Redner zurück, seinen Namen unter einem Aufruf in dieser Angelegenheit zu setzen. Er habe nur versäumt, auf das ihm zugesandte Schreiben zu antworten, woraus die Urheber des Aufrufes nicht folgern könnten, dah er einverstanden fei. Aus dem der Stadtverordnetenversammlung vorgelegten Nach- weis über Kriegsausgaben Lichtenbergs bis Ende September 1910 ist hervorzuheben, dah die Stadt in dieser Feit an Gemeindeunter- stützung über 7 Millionen Mark, an Mietunterstützung für Kriegs- teilnehmer fast 2% Millionen Mark, an Wochenbeihilfen, Kur- und Verpflegungskosten% Million Mark und an Erwerbslose und Textilarbeiter in bar und Naturalien eine% Million Mark gezahlt habe. In der Sitzung vom 12. Oktober wurden auch zwei Sozial- demokraten zu Stadträten gewählt. Genosse Hermann Müller, Gewerkschfalssekretär bei der Generalkommission, erhielt 45 von 53 Stimmen und Genosse Theodor Ritter, Kassenrendant, erhielt 43 von 53 Stimmen. Zur Wahl standen 0 Stadträte.— Im weiteren wurde über eine Anfrage der sozialdemokratischen Fraktion verhandelt betr. der Lebensmittelversorgung und Herab- Minderung der Lebensmittelpreise. Genosse M i r u s begründete die Anfrage in eingehender Weise und legte namens der Fraktion nachfolgende Resolution vor: .Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln dahin zu wirken, dah die Ernährung der Lichtenberger Einwohner für die bevor- stehende Zeit sichergestellt wird. Da notwendige Lebensmittel wiederholt zurückgehalten wurden, empfiehlt die Stadtverord- netenvcrsammlung dem Magistrat, dafür einzutreten, dah die vorhandenen Lebensmittel beschlagnahmt und Höchstpreise für Produzenten, Grossisten und Tetaillisten festgesetzt werden, wobei jeder übermässige Gewinn unbedingt auszuschalten ist. Die zur Volksernährung notwendigen Lebensmittel sind untere Berück. sichtigung der besonderen Interessen der schwerarbeitendcn Be- völkerung rationsweise zu verteilen. Um die Innchaltung aller im Interesse der Volksernährung getroffenen Mahnahmen örtlich überwachen zu können, wolle der Magistrat besondere Revisionsbeamte anstellen und erwartet die Stadtverordnetenversammlung, dah gegen diejenigen, die die Verordnungen nicht beachten, rücksichtslos vorgegangen wird. Ferner wolle der Magistrat bei den in Betracht kommenden Behörden dafür eintreten, dah die gegenwärtigen Preise für Mehl, Brot, Fleisch, Kartoffeln, Obst, Gemüse, Eier usw. sofort herabgesetzt werden." Nach einigen zustimmenden Bemerkungen anderer Redner wurde die Resolution einstimmig angenommen. Ein Antrag auf Einsetzung einer Nahrungsmitteldcputation während des Krieges wurde angenommen. Die Gemeindevertretung von Reinickendorf wählte in ihrer letzten Sitzung an Stelle des zum Heere einberufenen Beisitzers Schliebener den Genoffen D e n e ck e in das Miet- einigungsamt. Bei dieser Gelegenheit machte der Vor- fitzende des Mieteinigungsamts, Rechtsanwalt Pinkus, der Versammlung Mitteilung von einem Vorkommnis, das in jetziger Zeit ganz besonders starkes Befremden erregen dürfte. Auf Vorschlag von sozialdemokratischer Seite wurde von der Gemeindevertretung bei Errichtung des Mieteinigungsamts der seit 23 Jahren bei der am Ort ansässigen Firma K ü b l e r ..... w.\" u. E o. beschäftigte Werkmeister Klamann gewählt und bewährte sich, wie der Vorsitzende betonte, durchaus in dieser Tätigkeit. Die Uebernahme dieses Amtes war ihm auf seine vorherige Anfrage von der Firma gestattet worden. Trotzdem schrieb diese eines Tages an den Borsitzenden des Mieteinigungsamts, dah sie ihrem An- gestellten die für die Ausübung der Funktion benötigte freie Zeit nicht mehr gewähren wolle und verlangte die Befreiung Klamanns von der Tätigkeit, die dieser im Interesse der Allgemeinheit aus- übte. Der Vorsitzende lehnte unter Hinweis auf die einschlägigen Bundesratsbestimmungen und aus moralischen Gründen diese Auf- forderung ab, erklärte aber, diesen Beisitzer nur möglichst schonend zu den Sitzungen heranziehen zu wollen. Trotzdem wurde Kla- mann von seiner Firma seines Postens als Werkmeister enthoben und wird nur als Lagerarbeiter weiter beschäftigt. Der Vorsitzende hielt mit seiner Entrüstung über das rücksichtslose, jeden Gemein- sinns bare Vorgehen der Firma K ü b l e r u. C o. nicht zurück und betonte gegenüber dem Fabrikbesitzer Becker, der die Tatsachen für so ungeheuerlich hielt, dah er glaubte die Richtigkeit der Mit- teilungen anzweifeln zu müssen, dah seinen Mitteilungen die von ihm mit der Firma gepflogene Korrespondenz zugrunde liege, die die volle Wahrheit seiner Mitteilungen verbürge. Malt sich in manchen Köpfen so wunderlich der Geist der.Neuorientierung"?— Durch Einziehung von Wachtbeamten ist deren Zahl so gelichtet, dah die Sicherheit des Rachtwachdienstes darunter gefährdet ist. Die nicht ganz von der Hand zu weisenden Klagen der Einwohner über Unsicherheiten zwingen zur Verstärkung des Nachtwachtpersonals. Es sollen 25 Beamte eingestellt werden.— Die Errichtung eines paritätischen kommunalen Arbeitsnachweises wurde— vorbehaltlich der Genehmigung des noch vorzulegenden Statuts des Nachweises— prinzipiell genehmigt.— Das der Gemeinde für Zwecke der Waisenvflege von dem Hoibuchhändler Eduard Müller ausgesetzte Vermächtnis von 150 000 M. beschlieht die Gemeinde- Vertretung mit Dank anzunehmen.— Bei Eintritt in die Ver- Handlung teilte der Gemeindevorsteher mit, dah der Gemeinde- Vertreter Schulze(Soz.) wegen Verzuges sein Mandat nieder- gelegt habe. Die Neuwahl findet nach Vereinbarung im Laufe des Winters statt._ Aus der Kopenilker Stadtverordnetenversammlung. Am letzten Freitag stand an erster Stelle die Vorlage einer Teuerungszulage für die städtischen Arbeiter und Angestellten. Der Kommissionsantrag fand einstimmige Annahme und werden rücklaufend vom 1. Oktober folgende Zulagen gewährt: bei Ledigen bis zu einem Einkommen von 4500 M. 20 M.- pro Monat, bei Verheirateten bis zu 2 Kindern 37,50 M. und bis zu 4 Kindern 45 M., für jedes weitere Kind 5 M. Die Grenze bei den Ver- heirateten beträgt 0000 M. Teuerungszulage und Gehalt darf jedoch 4500 bzw. 0000 M. nicht übersteigen. Lehrlinge erhalten eine Zulage von 5 M., städtische Pensionäre 20 M. und Witwen von früheren Pensionären 10 M., sofern sie im Stadtgebiet Köpenick wohnen. Als besonderer Erfolg der Bemühungen unserer Genossen in der Kommissionsberatung darf gebucht werden, dah auch die Frauen der städtischen Angestellten, die zum Heere ein- gezogen wurden, die Hälfte der Teuerungszulagen erhalten, sofern allerdings nicht das volle Gehalt gezahlt wird. Sämtliche Zu- lagen beziehen sich nur auf die ständigen Arbeiter und werden die Bezüge der während des Krieges eingestellten Personen von Fall zu Fall durch den Magistrat geprüft. Das städtische Gaswerk schlieht mit einem Ueberschuh von 45 901 M. ab, die Rechnung der Strahenbahn weist ein Defizit von 1085 M. auf.— Das im Juni d. I. hier verstorbene Fräulein Asseburg hat die Stadt zur Erbin eingesetzt. Die Erb- schaft beträgt 100 400 M., woraus etliche Legate zu decken sind. Die Zinsen sollen nach dem Willen der Erblasserin zu Unter- stützungszwecken verwandt werden. Die Versammlung beschloh die Annahme des Vermächtnisses.— Der Fach- und Fortbildungs- schule der Barbiere wurden 150 M. als Zuschuh bewilligt. Die Winterversorgung der Stadt Berlin-Wilmersdorf mit Kar- toffeln ist für die Allgemeinheit durch Einmieten bezw. Einkellern von aussorlierter Ware in elwa dreifachem Betrage des Vorjahres nunmehr abgeschlossen. Wenn die Stadt von der ursprünglich ge- planten Vorversorgung der Haushalle mil dort einzulagernden grösseren Mengen von Karloffetn absieht, so wird sie dazu durch die Erwägung beslimmr, daß bei dem frühen Emlrelen des Frostes in diesem Jahre einzelne Kartoffeln, die gelitten haben, grössere Haushallungsvorräle gefährden könnlen. Die augenblicklich von den Landwirten ongelieserlen Kartoffeln sind ja der täglichen Ernte, nicht elwa den vor Eintreten des Frostes eingemieteten Beständen entnommen. Dagegen erscheint es möglich und zur Ueberwindung vorübergehender Belieferungs- schwierigkeiten, wie sie bei plötzlichem Frost für Kleinbändler eintreten könnten, wünschenswert, allen Haushaltungen kleinere Be- stände für elwa 2—3 Wochen zur Verfügung zu stellen, die durch Unterbringung in den Räumen der Haushaltungen bequem kon- lrolliert und, soweit erforderlich, durch die laufend gctaune Ware ausgewechselt werden können. Die diese Massnahme im einzelnen regelnde Bekanntmachung wird Anfang nächster Woche erlassen werden. Parteiveranstaltungen. Karlshorst. Mitgliederversammlung Mittwoch, den� 8. November, abends>/,9 Ubr, im Filrstcnbad, an der Prinz-Adalberl-Strahe. Tages- ordnung: NechcnschaflSbcricht für das abgclausene Halbjahr. Bericht von der Veroandsgeneralverfammlung. Mitteilungen uiid Verschiedenes. Da die Versammlung bis 11 Uhr tagen darf, wird pünktlich begonnen. Mit- gliedsbüchcr vorzeigen I Friedrichsfelde. Am Mittwoch, den 8. November, abends 8ll, Uhr, Mitgliederversammlung bei Sudbrint, Berliner Strasse. Vortrag des Ge- nassen Fuhrmann über Verhandlungen in Gross-Bcrlin. Jugenöveranstaltungen. Schöneberg. Heute Sonntag, abends 7 Uhr, bei Henkel. Meimnger Strasse 8, spricht Herr August Ncumanu-Berlin über:„Jugend und Allohal". Jugendliche, erscheint pünktlich und bringt Eure Eltern mit. Sozialdemokratischer Ortsverein Steglitz. Ilm Diensiag, den 7. November, abends 8 Uhr, Mitgliederversammlung bei Clement, Düppel- slraße 7. Vorwag des Genossen Weis:„Die Vorgänge in unserer Partei". Dritter Kreis. Mittwoch, den 8. November, abends 8'/, Uhr: Ge- mcinjamcr Zahlabend im GewcrischastshauS, Engelufcr 14/15. Sriefkasten üe? Reüaktwn. Die lurtfltlw« Eprechllunde finde» tüc»Connentcn Lindenftr. 8. IV. H-q ceStS, parterre, am Montag bis Freitag von* bis 7 Ugr, am Sonnabend von ü dis L Uhr statt. Jeder für den Brietkasten bestimmten Antrage ist ein Buchstabe und eine Zahl a!s Merlzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nich: erteilt. Anfragen, denen leine AbonnementSguiriung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Brrträge, Schriftstücke und dergleichen bringe mar tu die Sprechstunde mit. 1000. Vorwärts. Der Termin wird vom Gericht festgesetzt. Wenden Sie sich an Ihren Anwalt mit der Bitte, dieser möge in Rücksicht auf Ihre Notlage einen baidigeu Verhandlungstermin bei Gericht beantragen.— A.(fc. 23. 1. Die siaalliche Untcrstützun i für ein Kind beträgt 7.50 M. monatlich, dazu kommt der kommunale Zuschlag, der nicht in allen Städten gleich boch ist. 2. Wciin die nach dem Gesetz vorgeschriebene Bedürftigkeit als vorliegend erachtet wird. 3. Nein.— 7.®. K. 20!». Sie haben Anspruch auf Jnvaiidcu- oder Kranlenreiile. Sie konnten während der Militärzeit gar keine Marlen kleben. Die Militärzcit wird Jbnen als Bei- tragSIeislung angerechnet.— St. T. 84. Zunächst kommt Ihr Ehemann als Erbe in Bewacht: nur� wenn er verstorben wäre, würden die Kinder erben, nicht aber Sie. Sic baben lein Erbrecht an dem Nachlass der Schwiegermutter.— St. K. 421. Der Antrag auf Stundung ist an den SlmlSvorsteher zu richten.— N. F. 25. Darüber sind noch keine Be- stimmungen getroffen. ALEXANDERPLATZ LEIPZIGER STRASSE FRANKFURTER ALLEE öcbmrw eDamm'9it$üie moderne kleine Formen...... T5 grosse Formen 5 25 Kleiderstoffe Gestreifte Blusenstoffe miwelfarbig.. Meter l65 Doppeltbreite Karos dunkel- Farben, Met« 265 Gestre Farben, schwarz, Bandskeifcn. 70 cm breit, in»erschledenen Farbe»........... 70 ca breit, schwarz und farbig............ 70 cm breit, schwarz und farbig............ 70 cm breit, schwarz und farbig, breit gerippt..... NichtbezugS' scheinpflichtig Meter 225 Heloetia-Seide in verschieden. Farben, Meter 390 Karos u. Streifen fchwarz-weiss...... Meter 650 Schotten Neine Seide in dunklen Stellungen, Met« Kettendruck-Seide(Chine)........ Meter 790 China-Krepp Met« 890 Kaschmir- Seide in oerschieden. Farben, Meter 8 99 Kleid er-Taft WfT?'. Nichtbezugsscheinpflichtig Met« l95 Meter 2 45 Meter 245 Meter 5 90 Meter 6 25 Met« 750 Meter 79° Nichtbezugsscheinpflichtig Doppeltbr. Kleiderseide 490 äqo äso 790 schwarz und farbig, bewährte Qualität..... Met« JS vJ- JL Lindener Rippen-Gammei 490«90 schwarz und farbig, 70 cm breit................ Meter JL und Vr Kinderbekleidung Herrenbekleidung Kinder-Mantel�� i gis gefüttert, 45- 70 cm lang...... 45 cm lang � jede weitere Größe 1.2» mehr Mädchen- Mantel ÄIä oioo offen». geschloff, zu trag., 70— 100 cm lg., 70 cm Ig. jede weitere Große 1.2» mehr Kwder- Kleidchen 075 45 CK laug..................., Deldet, jede wettere SeStze 7V Pf. wehe. Kinder-Kleidchen ÄÄ 1 950 besticktem Ued erKragen. 50—70 cm lg., 50 cm lg. jede weitere Größe 7» Pf. mehr Madchen-Kleider 1 075 aus guten kariert. Stoffe für 6— 12 Jahre, f. 0 Jahre jede wettere Größe 1.25 mehr Knaben-Anzüge ÄÄ 9075 Che»t»t m. SaL-Ueberkrag. fL- 10 Jahre, f.52ahre � jede wettere Größe 1.50 mehr. Knaben- Anzüge 1 425 gcrafttri» Stoffeu für S— 10 Jahre, für S Iahet jede weitere Srbße l.OO wehr. Knaben-Ulster�W. �50» ganz gelauert, fUr 4— 14 Jahre, sile 4 Jahre � � SR 3 Ve.£» R 3jr fede weitere Größe 78 Pf. mehr.\J W �* Ä�inter- Mäntel graue od« braune Ulsterfioffe, mod. Formen 55" 75" 93" Paletots dunkelgraue fchw. Cheviots mit Sammctkrag 8b99 81" 1 10" Jackett- Anzüge gemusterte Cheviotstoffe. einreihig....... 54" 65°° 85" Beinkleider haltbare Qualitäten, solide gcsweift...... 13 9 19" 24" Äünglings-Mäntel mit Rückengurt, in verschiedenen Farben 44" 55" Jünglings-Anzüge Gr. 38—43, in prakt. Färb., vcrfchied. Fassons 39" 02" Gummi-Mäntel, Oel-Mäntel, Aermel- Westen in großer Äuswahl. Gpielwaren-Ausstellung telpzizer Strasse: Bilder aus der gulen allen Zeil* Alexanderplatz: Sie Seeschlacht am Slagerral Ü Ü