Ar. SU. 33. Jahrg. flbonnementS'Btdlnauiigah Kbonnunenlä• Stttä pränumerando Cicaclifiötl 8,90 Mi. monoU. U30 Ml. wöchenllich 30 Lsg. frei in? HauZ. Einzelne Nummer ö Pfg. KonnlagS« nummer mit Mustrrcrler EomuagZ- BeUage.Die Neue Welt' lO Vfg Lost» Abonnement: ILO Marl pro Monat. Eingerragen m die Loil-Zeitungs- vreisliile, llmer Kreuzband für Deurichlan» und Oeslerreich. Ungarn �50 Marl, für das übrige Ausland t Marl pro Monat, Postabonnements nehmen an Belgien. Tänemarb Holland, Italien. Luxemburg. Ponugal, Rumänien, Schweden und die Schweis OMKiot täan«. s w Vevlinev Volksbl�K. ( 5 Pfennig) Die InfertlonS'GebQbr betrügt für die sechsgeshaliene Kolonel» seile oder deren Raum 00 Pfg,, für politische und gewerlschaftliche Vereins- Und Berfammlungs» Anzeigen 30 Pfg, „Kleine Hnrtigtn", das letigedruliic Wort 20 Pfg.(zulässig 2 feilgedruckte Wartet, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellena»- »eigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über IS Buch- stabcn zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition »bgegeden werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geäftnel. »elegramm-Adresi«: .smiutnioKrit Bcmi" Zentralorgan der rozialdcmohratifchen Partei Deutfchlands. Keüaktion: SW. tS, Linöenstraße 3. Feruivrecher: Amt Morihplatz, Nr. ISI SV— ISI S7. Sonnabend, de« 11. November 1916. Expedition: EW. 0S» Linöenftraße 3. itzerniprecher: Amt Moritzplatz, Nr. ISISV— IS1S7. Hsqnitb' GuildKall-R-ede. Adriegserfabrungen- frkdensfragen. . Zrieöen- aber nur wenn. Alle Staatsmänner Europas sind für den Frieden. Aber alle sind sie für ihn„nur wenn.. Die folgende Lücke wird von ihnen je nach Laune, Temperament, Meinung und Kriegslage verschieden ausgefüllt. Am beliebtesten sind all- gemeine Redewendungen gleich jenen, die der englische Minister- Präsident A s q u i t h am Donnerstag in seiner G u,i l d- h a l l r e d e gebrauchte. Man lese den schon stereotyp ge- wordenen Schlutzpassus seiner Rede nach, und man wird finden, daß von deutscher Seite schon unzähligemale dasselbe gesagt worden ist. „Ja den Frieden wollen wir, aber nur unter der einen Bedingung, daß der Krieg mit seinen ungeheuren Opfern, unsagbaren Leiden und ruhmvollen und unsterblichen Beispielen von Mut und Selbstlosigkeit nicht vergeblich gewesen sein soll." Wie oft haben auch wir genau dasselbe gehört I Opfer sind gebracht, Leiden getragen, Beispiele von Mut und Selbstlosigkeit gegeben worden auf beiden Seiten! Alle Völker haben unter diesem Krieg Unsägliches erlitten und alle wünschen Lohn für ungeheure Leistung. Wenn aber dieser Lohn nicht im innern freiheitlichen Aufbau der Staaten, nicht in sozialer Fürsorge für die Besitzlosen, nicht in der raschen Beendigung des Kriegs und der dauernden Sicherung des Friedens gesucht wird, wenn er gesucht wird in Eroberungen und Kriegsentschädigungen, so heißt das, einem Teil zu den Opfern, die er schon gebracht hat. neue auferlegen wollen; es heißt also, eine unerträgliche Zumutung an ihn stellen, es heißt, nicht dem Frieden, sondern dem Kriege dienen. „Der Frieden wird ein solcher sein müssen, der aufgebaut ist auf einer sicheren Grundlage und Bürgschaft: für die Schwachen, für die Freiheit Europas und die zukünftige Freiheit der Welt." So sagt Herr Asquith, wir aber glauben, Herrn v. Bethmann sprechen zu hören. Den Frieden wollen sie alle, und die Freiheit auch. Leider ist auch bei der Freiheit ein„Wenn" dabei, das zwar nicht ausgesprochen wird, das aber doch jedem Staatsmann als selbstverständ- lich gilt. Jeder spricht von Freiheit, und jeder denkt dabei an die machtpolitischen Interessen seines Staates. Auf der einen Seite erwärmt man sich mehr für die Freiheit der Polen, der Türken, der Bulgaren, auf der anderen mehr für die der Belgier, der Serben, der Armenier usw. Darüber sollte man endlich einmal in voller Ausrichtigkeit miteinander reden! Man sollte nicht immer wieder sich selber die Rolle des Weltbeglückers und Weltbefreiers und dem andern die des blutigen und finsteren Tyrannen zuschieben. Und auf beiden Seiten sollte man aus diesem Kriege lernen, daß die Macht eines Staates durch Unterdrückung nicht vermehrt, sondern erschüttert wird. Auch die Idee ist eine Macht, und nicht die geringste von allen; warum würden sonst die Staats- männer aller Länder der Idee der Freiheit fortgesetzt ihre Huldigungen bringen? Mögen die Staatsmänner Europas häufiger den Rousseau lesen und seltener den Macchiavell! Herr v. Bethmann hat am Donnerstag ausführlich von den Eroberungsplänen der Gegner gesprochen, in der Rede, die Herr Asquith an demselben Tage hielt, findet sich kein Wort davon. Dafür wird den Zentralmächten die Absicht unterstellt, Serbien zu annektieren. Vorwurfsvoll sagt der englische Ministerpräsident, England sei auch zur Wieder- Herstellung Serbiens verpflichtet, von deutscher Seite habe aber niemanv„auch nur angedeutet, daß Deutschland bereit sei, diesem Verlangen entgegenzukommen". Diese Andeutung ist bisher wohl nur deshalb unterblieben, weil noch kein Mensch in Deutschland auf den Gedanken ge- kommen ist, daß die deutschen Soldaten an der Somme, am Stochod, in der Dobrudscha und in den Karpathen bluten könnten, um Serbien für Oesterreich zu erobern! Für Oesterreich, das gleich bei seinem ersten Einmarsch in Serbien erklärte, es wolle von diesem Lande gar nichts haben! Man denke sich, der deutsche Reichskanzler würde heute sagen:„Ja, wir wollen Frieden, aber nur wenn Serbien an Oesterreich fällt!" Millionenfach käme ihm die Antwort:„Was geht uns Serbien an?!" Kein Mensch in Deutschland würde den Krieg auch nur einen Tag weiterführen wollen, um Oester- reich zu seinem übrigen Völkergemisch noch ein paar Millionen Südslawen zu bescheren! Gerechterweise wird man anerkennen müssen, daß die Friedensbeteuerungen von deutscher Seite oft mit dem- selben„nur wenn"— geschmückt sind, wie die Guildhall� Rede des Herrn Asquith. Die Reden, die von verschiedenen hervorragenden Volksvertretern in der Donnerstagsitzung des Hauptausschusses des Reichstags gehalten worden sind, geben reiche Beispiele— nur die sozialdemokratischen Reden waren frei davon. Im übrigen ist die Donnerstag- debatte kein Ruhmesblatt in der Geschichte des Reichs- tags. Das Verhalten der bürgerlichen Parteivertreter gegenüber Herrn v. Bethmann Hollweg erinnert allzu sehr an jene Bäuerin, die den Bauer von hinten am Rock zupft, damit er die Kuh nicht zu billig verkaufen soll. Nach solchen Gesichtspunkten und mit solchen Methoden läßt sich nicht „große" Politik treiben, am allerwenigsten eine Politik, wie sie das Volk verlangt, eine Politik des festen, zielsicheren Friedenswillens. Herr Asquith hat recht, wenn er die„Beispiele von Mut und Selbstlosigkeit" rühmt, die die Völker in diesem grauen- haften Ringen gegeben haben. Es wäre gut, wenn sich die Staatsmänner und führenden Politiker an solchen Beispielen nicht nur erbauten, sondern wenn sie ihnen auf dem ihnen eigenen Gebiet nacheiferten. Es gehört Mut dazu, weniger mutig zu erscheinen als andere, deren Tapferkeit hinter dem Schreibtisch und dem Rednerpult gar keine Grenzen kennt, es gehört auch Mut dazu, offen auszusprechen, daß geile Sprossen beschnitten und verschiedene Pflöcke zurückgesteckt werden müssen, wenn die Welt wieder zum Frieden kommen soll. Aber nur der Staatsmann, der den großen Mut zum Frieden hat, wird Staatsmann und V o l ksm a.nu "unlaii+i fpin t kerne antidtinsstischen Ziele Verfölgen. Das einzige Ziel seines � � �' Strebens ist, baß in dieser Welt des Kampfes Griechenland eine /Isquith' Rede. Premierminister Asquith hat auf dem Bankett in der Guildhall die folgende Rede gehalten: Ich entsinne mich des Beifalls, den bei einer früheren Ge- legenheit hier mit vorzeitiger und, wie die Ereignisse bewiesen haben, unbegründeter Genugtuung der Triumph dessen, was man die jungtürkische Bewegung nannte, über die von Spionen ge- tragen« und blutbefleckte Tyrannei des Sultans Abdul Hamid gefunden hat. Wir hofften in jenen Tagen auf eine Wiedergeburt des osmanischen Reiches von innen heraus. Ilnsere Hoffnungen sind getäuscht worden und sind zu- nichte geworden, und wir erkennen jetzt alle, daß die Fortdauer türkischer Herrschaft in Europa, wo der Türke immer ein Fremder und ein Eindringling gewesen ist, schon dazu geführt hat, und, wenn man ihr gestattet fortzudauern, in noch höherem Maße dazu führen wird, daß der Türke nur ein Vasall und unterwürfiger Agent der deutschen Interessen und Ansprüche ist. Lassen Sie mich ein praktisches Beispiel anführen. Zu den versklavten Rassen, die am meisten unter der osmanischen Herrschaft gelitten haben, ge- hören die Armenier, deren unterschiedslose Hinschlachtung die ganze zivilisierte und christliche Welt in unserem Lande, in Rußland und vielleicht noch nvehr in den Vereinigten Staaten entsetzt hat. Die Leiden dieses Volkes haben großes Mitleid erweckt, und alle drei Länder haben große Summen aufgebracht, um ihm in seiner gegenwärtigen Lage zu helfen und ihm in Zukunft wieder ein Vaterland zu geben. Ich brauche nicht zu sagen, daß die britische Regierung diese Bemühungen mit großer Sympathie sieht und entschlossen ist, daß eine Zeit der Freiheit und Erlösung für dieses alte Volk anbrechen soll. Aber Deutschland, das als Herr der Türkei mit einem Wink diesem organisierten Feldzug von Vergewaltigung und Metzelei gegen ein christliches Volk hätte Einhalt tun und, wenn es ge-. wollt hätte, ihn verhindern können, Deutschland hat unbewegt und ergeben und— können wir es wissen— vielleicht beifällig zugeschaut. Die? ist ein Beispiel, und ein bezeichnende» Beispiel für die wahre Bedeutung einer germanisierten Türkei. Ich will heute abend nicht versuchen, eine« Ueberblick über die Kriegslage zu Lande und zur See zu geben. Unsere Flotte, die fern von der Oeffentlichkeit und ohne Reklame arbeitet- aber wachsam und all- gegenwärtig ist, hält die Wege, auf denen der Feind seine Vor- räte bezieht, in immer fester werdendem Griff und ist bereit, und mehr als bereit, eine Entscheidung auf offener See zu suchen, wenn immer sich die Gelegenheit bietet. Unsere tapferen Heere auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen haben niemals ausfallender ihr Anrecht bewiesen, die besten llebcr- licserungen unserer Vergangenheit zu erhalten und glänzen zu lassen. In dem Titanenkampfe an der Somme. mit seinem tag- lichen Rekord unvergeßlicher Beispiele von Heroismus des ein- zelnen und der Allgemeinheit gewinnen sie ständig Boden und weichen niemals einen Zoll zurück. In Saloniki. Aegypten, Mesopotamien und Ostafrika ist ihr Rekord der gleiche.. Frankreich kämpft Schulter an Schulter mit uns an der Summe und hat im Laufe von wenig mehr als 14 Tagen das ganze Ergebnis der gewaltigen, dem Feinde äußerst teuer zu stehen kommenden achtmonatigen Anstrengung bei Verdnn vernichtet. Italien rückt stetig und sicher nach Trieft vor. Ruß- land erfüllt mit unverminderter Tatkraft und Stärke seine.kolossale Aufgabe, und unserem rumänischen Verbündeten zollen wir einen. besonderen Tribut der Bewunderung und Dankbarkeit für die hartnäckige Aufrechterhaltung seiner Front. Die Serben spielen eine wertvolle Rolle und entfalteten niemals ehrenvoller die un bezwingbaren Eigenschaften ihrer Rasse. Auch Portugal, unser ältester Verbündeter, trägt seinen Teil für die gemeinsame Sache bei. In bezug auf Griechenland spreche ich mtt Hoffnung, ich wünschte, ich könnte sagen, mit Vertrauen. Wie alle Welt weiß, gingen wir und unsere französischen Verbündeten nach Saloniti nicht als Eindringlinge und Rechtsverletzer, sondern wir gingen dahin mit Zustimmung der griechischen Regierung als Freunde so- wohl Serbiens als Griechenlands. Wir haben keinen und hatten nie einen Streit, im Gegenteil, wir haben tiefe, aufrichtige Freundschaft für Griechenland. Ills eine der Garantiemächte seiner Unabhängigkeit und Freiheit wünschen wir gleichzeitig zu verhüten, daß es in das germanische Netz verstrickt wird, und es vor innerem Hader zu bewahren. Was auch für Matzregeln offenbar drastischer Art von den Alliierten ergriffen worden sind, so sind sie nur von der Notwendigkeit ein- gegeben worden, zu verhindern, daß Athen der Brennpunkt und Mittelpunkt deutscher Werbetätigkeit und Intrigen wird oder vielmehr fortfährt, das zu sein. Ich erkläre ganz offen, daß wir für diesen großen griechischen Patrioten Venizel»s herzliche Sym- pathie haben. Er hat uns versichert, und wir nehmen seine Ver- sicherung voll an, daß seine Anstrengungen und seine Organisation würdige Rolle auf der Seite der Freiheit und in der fortschritt- lichen Entwickelung mit der Richtlinie der Unabhängigkeit und Freiheit der Balkanvölker und der osteuropäischen Gemeinschaften spielen woge. � L Dies ist ein Krieg für die Befreiung der klciitcn Staaten. Wie kann Griechenland in einem solchen Kampfe beiseite stehen? Eins der Ziele der Alliierten und namentlich derer, die, wie wir, zu den Garantiemächten gehören, ist, daß wir noch einmal in der Lage wären, in der wir uns befanden, als Venizelos Mi- nisterpräfident war und wir zuerst nach Saloniki gingen. Hellas war es, das als erste unter den Nationen in Europa das Licht der Freiheit anzündete und dem Einbruch östlicher Bar- barei und Tyrannei Widerstand leistete. Barbarei und Tyrannei sind ewige Feinde des Besten im Menschen, ob sie von Osten oder von Westen kommen, ob sie unverhüllt und schamlos einHerkommen oder behangen und verhüllt in. dem Kleide der Kultur. Möge Griechenland sein Licht wieder anzünden und sich seiner unsterblichen Vergangenheit würdig erweisen. Lassen Sic mich, che ich schließe, einige Worte über die all- gemeinen Aussichten der Lage sagen. Wir wollen uns über unsere Feinde keine« Fklttfiime« hingeben. Sie sind große Organisatoren und vortreffliche Kämpfer aus dem Schlachtfelde. Sie sind auch, ich will nicht sagen kunstvolle, aber doch unermüdliche Arbeiter auf einem ganz anderen Gebiete. auf dem Gebiete der Werbetätigkeit. Und in dieser Beziehung sind ihre Bemühungen auf zwei Ziele gerichtet, darauf, die Alliierten zu veruneinigen, und darauf, die öffentliche Meinung der Neutralen für sich selbst einzufangen. Um von dem zweiten zuerst zu sprechen: Es wird in nenttalen Ländern die Behauptung ausgestreut, daß wir, die Alliierten, die finstere Absicht hätten, uns nach dem Kriege gegen sie zusammen- zuschließen und eine uyübersteigbare Steinmauer gegen ihren Handel zu errichten. Denn, wenn das wahr wäre, so würde es bedeuten, daß wir alle zusammen auf wirtschaftlichen Selbstmord ausgingen. Es sollte überflüssig sein, zu versichern, daß, wenn die Zeit für Frieden gekommen sein wird, die Alliierten vom Standpunkt ihrer eigenen Interessen aus auf nichts mehr Gewicht legen werden, als daraus, die besten industriellen und finanz'ellen Beziehungen mit den neutralen Mächten herzustellen. Das erste erwähnte Ziel der deutschen Werbetätigkeit besteht in c der Beeinflussung der öffentlichen Meinung in jedem der krieg- ' führenden Länder zugunsten eines Sonderfriedens, und es werden verschiedene Gründe hierfür an den verschiedenen Stellen ausgestreut. Beispielsweise wird hier in Großbritannien angegeben, Deutschland sei bereit, die Unabhängigkeit Belgiens wiederherzustellen und ihm Entschädigung zu leisten, und daß a»f dieser Grundlage ein billiger Friede erlangt werden könnre, soweit der besondere britische Kriegsgrund in Frage käme, und daß ivir von unseren Alliierten iin Kriege weitergezerrt lvürden, um besondere Ansprüche Frankreichs oder Rußlands oder Italiens zu befriedigen, an denen wir kein unmittelbares Interesse oder Anreil hätten. Lassen Sie mich beiläufig bemerken, daß wir ebenso zur Wiederherstellung und Unabhängigkeit Serbiens verpflichtet sind, und, soweit ich sehe, hat niemand, der die deutsche Werbetätigkeit betreibt, auch, nur angedeutet, daß Deutschland bereit wäre, diesem Verlangen entgegenzukommen. Ich möchte jedoch ohne Zögern oder Zurückhaltung erklären, daß die Alliierten für eine gememsame'.aache fechten, daß für das Ziel de» Kriege» fthre Interessen auch die unsrigen sind, wie wir auch glauben, daß; unsere Interessen die ihrigen sind, und daß ein Sieg, der sie alle erfüllt, unserer Meinung nach die wesentliche Bedingung eines dauernden Friedens ist. Das System, das die deutsche Prop.i- ganda gegen unsere Alliierten, insbesondere Rußland, anwendet, ist gerade entgegengesetzt. Dort werden'.vir als die Macht yingestellt. der es Jtarum gu tun ist, den Krieg fortzusetzen und die Möglichleit eines Sonderfriedens wie eines allgemeinen Friedens zu hinter- treiben. Wir werden hingestellt als ein Volk, das Geld zu Wucher- zinsen ausleiht, das aus der Munition und anderem Bedarf, den tvir liefern, und aus der Verschiffung, die wir besorgen, gewaltige Ge- Winne zieht. Wir werden hingestellt, als erfüllten wir die uns von V'apoleon zugeschriebene überlieferte Aufgabe einer Nation von idokern und Händlern, als beuteten wir skrupellos und ohne Mag die Notlage unserer Brüder im Streit aus. Ja, Frieden wollen wir, aber nur unter der einen Bedingung, daß der Krieg mit seinen un- geheuren Opfern, unsagbaren Leiden und ruhmvollen und unsterb- lachen Beispielen von Mut und Selbstlosigkeit nicht vergeblich ge- wesen sein soll. Ein Separatfrieden kann nicht in Frage kommen, und der Frieden, mag er früher oder später kommen— ich will keinen Nugcnblick meine Ueberzeugung verhehlen, dag der Kampf alle unsere Hilfsquellen und alle unsere Geduld und Entschlußkraft in Anspruch nehmen wird— wird ein solcher sein müssen, der aufgebaut ist auf einer sicheren und festen Grundlage und Bürgschaft: für dir Schwachen, für die Freiheit Europas und für die zukünftige Freiheit der Welt. » »» öalfours Reöe. Nach ASquith sprach Balfour. Er sagte: Die Engländer und ihre Bundesgenossen haben die unbe- jirittene Herrschaft auf der Tee. Vom britischen Standpunkt aus betrachtet weist diese Stellung aber einige Unzulänglichkeiten auf. Wenn der Handel des Feindes von der See vertrieben ist, können keine Schiffe mehr zu Prisen gemacht werden, und, wenn die feindliche Flotte in der Nähe ihrer verstärk- ten Operationsbasen bleibt, können keine Siege errungen werden. Einige Kritiker denken deshalb, daß die englische Flotte zu einer passiven Nolle verurteilt sei. Das ist unrichtig. Sie hat eine viel ielstvierigere Aufgabe, als die bloße Verteidigung der Küsten. Sie hat für die Sicherheit der Verbindungslinien der Arnicen über See zu sorgen, die an allen Punkten Europas kämpfen. Sie muß bei gutem und schlechtem Wetter die Blockade ailfrcchterhalten,-die die Hilfsquellen des Feindes verstopft. Ich kann versprechen, daß die Pflichten, die auf der Flotte ruhen, so- wohl was den Angriff als was die Verteidigung betrifft, in Zu- tnnst ebenso erfolgreich erfüllt werden, wie in der Vergangenheit. Aber ich will nicht:»ersprechen, daß die Sorgfalt in der Wachsamkeit und Zusammenziehtrng der Kampfmittel vorübergehende, allerdings vergebliche Angriffe unmöglich macht, wie den jüngsten Anar"' im Kanal, der übrigens keinerlei militärisch oder maritim ins Gewicht fallende Ergebnisse hatte. Ich glaube nicht, daß der Angriff wieder- Volt werden wird, da er die große Gefahr, die der Feind in einem solchen Falle laufen würde, nicht rechtfertigen würde. Derartige Üeberfälle haben mit dein großen Probleme der Beherrschung der See nichts zu tun. Deutschland hat jetzt die Hoffnung aufgegebmi, unsere Seeherrschaft durch eine Aktion der Flotte anzufechten. Es ist zn erbärullichereu, verbrecherischen Methoden übergegangen. ' Balfour verlas sodann folgenden Auszug aus der deutschen Prisenordnung, die am Tage vor der Kriegserklärung neu ausge- fertigt worden sei:..Bern Anhalten und Durchsuchen eines Schiffes unter neutraler Flagge muß der Kommandaiit soviel wie möglich zu vermeiden trachten, daß es den Kurs verändern muß. Er muß l rächten, es so wenig wie möglich zu belästigen." Bor einigen Tagen würbe der norwegische Dampfer„Navu" während eines heftigen Sturmes angegriffen und versenkt. Die Besatzung erhielt fünf Mi- nuten Zeit, in die Boote zu gehen. Von einem dieser Boote hat man feither nichts gehört. Ein anderes hat die Küste erreicht, aber von vhn Insassen waren zwei infolge der Anstrengungen gestorben. Zwei gingen aus den Felsen zugrunde. Eine glückliche Illustration der Vorschrift, soviel wie möglich zu vermeiden, daß Schiffe aus dem Kurs gevrawt werden liiidem man sie versenkt). Eine glückliche Illustration der Bemühungen, so wenig wie möglich lästig zu fallen. ' Sodaun verlas Balfour Auszüge aus der Rede, die Baron "karschall auf einer der Haager Konferenzen gehalten hat. Ter Konferenz lag die Frage vor. wie mit Minen zn verfahren sei. Sic Briten erhoben Einspruch gegen die deutschen Methoden mit der Begründung, daß sie für die Neutralen hart sein würden. Scr deutsche Vertreter sprach wie folgt:.Militärische Aktionen werde» allein durch das Völkerrecht beherrscht. Daneben gibt es andere Faktoren wie das Gewissen und Gerechtigkeitsgefühl(wärt- Kch fnxxl sensc). Das Gefühl für die Pflichten, die durch die ihrundsätze der Menschlichkeit auferlegt werden, werde der sicherste Führer für das Verhalten der Seeleute sein und die wirksamste Gewähr gegen einen Mißbrauch bieten. Die Offiziere der deutschen Flotte, ich verkünde es laut, werden die Pflichten, die das unge- ichriebene Gesetz der Menschlichkeit und der Zivilisafton auferlegt. immer genau erfüllen."(Heiterkeit.)..... m,. Was sollen wir von einer Nation sagen, die durch den Mund ihres auserkorenen Vertreters diese Rede hält und schon zwei Jahre später Medaillen auf die„Lusitania" prägen läßt.(Hört! hört!) Wir alle wissen, was das heißt: Es bedeutet, daß dre Deutschen .um wohlüberlegten Schlüsse gelangten, daß der beste Weg zum Er- folge der ist, Schrecken einzuflößen. WaS sie einem schwachen Neutralen, wie Norwegen, im letzten Monate tun, ist einfach die Wiederholung dessen zur See, was sie in Belgien taten oder anderswo getan haben und uberall tun werden, wo sie die Macht haben. Wilson gewählt! Berlin, 1». November.(W. T. B.) Der Berliner Ver- ! reter der„Associated Preß" hat folgendes Telegramm er- halten: Wilson ist mit 272 Stimmen wiedergewählt worden. Der Senat wird nach den bisherigen Ergebnissen mit einer Mehrheit von 12 Stimmen demokratisch sein. Die Zu- iammensetznng des Repräsentantenhauses ist noch zweisel- hast, es wird eine demokratische Mehrheit nur erhalten. wenn fünf Bezirke, die gegenwärtig noch zweifelhaft sind, Demokraten wählen sollten. � London, 10. November.. September 1912 Nr. 2tS0 Stadt Warschau Eilt An den Kommandeur des VI. Armeekorps I In Abänderung aller früher erfolgten Anordnungen bezüglich des operativen Teiles, teile ich Ihnen auf Befehl des Komman- dierenden der Truppen nachstehende leitende Gesichtspunkte mit: Allerhöchst ist befohlen, daß die Verkündung der Mobrlifation zugleich auch die Verkündung des Krieges gegen Deutschland ist. Die deutsche Armee kann bei voller Kriegsbereitschaft ihren Ausmarsch im Räume der Masurischen Seen am 13. Tage der Mobilmachung beenden. Allerdings ist die Ueberschreitung der Grenze durch die vorderen deutschen Korps schon am zehnten Tage vollkommen möglich. Die bewaffneten Kräfte Rußlands werden in einige Armeen zerlegt, die vorher bestimmt find zu Operationen gleichzeitig sowohl gegen Deutschland wie auch gegen Oesterreich-Ungarn. Die Armeen, die vorher bestimmt sind für Operationen gegen Deutschland werden zu einer Gruppe zusammengefaßt unter dem Kommando des Oberbefehlshabers der Gruppe der Armeen gegen- über der deutschen Front. Tie 2. Armee, zu deren Bestand das VI. Korps gehört, tritt zur Gruppe der Armeen der Nord- West- Front. Der Stab des Oberbefehlshabers der 2. Armee befindet sich bis zum siebenten Tage der Mobilisation in Warschau, darauf in Wolkowisk. Die allgemeine Aufgabe der Truppen der Nord- West- Front ist: Nach Beendigung der Konzenirierung, Uedergang zum Vormarsch gegen die belvaffneten Kräfte Deutsch- lands mit dem Ziele, den Krieg in dessen Ge« biet hinüberzutragen. Die Aufgabe der 2. Armee ist: Berdeckung der Mobilisation und der allgemeinen Konzentrierung der Armee. Den Raum Bialystock-Grodno muß die Armee auf jeden Fall in ihren Händen behalten. Zur Erfüllung dieser Aufgabe der- sammelt sich die 2. Armee in der Front Sopockiuie— Lomza". tFolgen Einzelanordnungen über Aufmarsch und Ausstellung der Divisionen, Transporte usw.) Zum Schluß wird auf die gewichtige hochpolitische Bedeutung der Anordnungen hingewiesen mit den Worten:„Der Inhalt dieser Anweisung bildet ein st r e n g e s iotaats geheim nis." Es folgen die Unterschriften: .General-Leutnant Kljujew General-Major Postowski Aelterer Adjutant Oberst Daler.' Dieser Befehl vom Jahre 1912 ist nichr aufgehoben worden, war mithin bei Ausbruch des Krieges im Juli 1914 noch gültig: er ist zweifellos bei dem engen Zusammenarbeiten zwischen dem russischen und französischen Generalslab auch der französischen Regierung und durch diese auch der englischen bekannt gewesen, da während der letzten Jahre vor dem Kriege eine dauernde Verbindung zwischen dem französischen und englischen Generalstab bestand, was durch die häufigen Reisen des Generals French nach Frankreich auch äußerlich zum Ausdruck gekommen ist. DruPlow über öie Kriegslage. London, 9. November.(W. T. B.) Der Sonderbericht- erstatter der„Times" hn russischen Hauptquartier an der Südwestfront hat eine Unterredung mit General B r u s j i- l o w gehabt, der unter anderem sagte, die Russen hätten den Höhepunkt ihrer Macht noch nicht erreicht. Sie würden ihn erst im nächsten Jahre erreichen. Die Niederlagen Ruinä- niens hätten nicht die geringste Bedeutung. Die geringfügi. gen Fortschritte des Feindes in der Tobrndscha seien zwar bedauerlich, würden aber die größeren Kriegssragen nicht be- einflussen. Ernst wäre die Lage gewesen, wenn es den Deut- schen gelungen wäre, über die Karpathen in Rumänien ein- zufallen. Rumänien müsse einsehen, daß seine Fehlschläge nur untergeordnete Kriegszwischenfälle seien, und daß es das große Rußland hinter sich habe. Schweöens Sperre gegen ßinnlanö. Stockholm, 19. November.(W. T. 53.) Mit Wirkung vom 39. November hat die schwedische Regierung besondere Bestimmun- gen zur Einhaltung der Ausfuhrverbote an der Grenze nach Finnland erlassen. Diese Bestimmungen bezwecken eine verschärfte Kontrolle über den Handel mit gewissen Waren, für den sich die gewöhnliche Kontrolle als unzureichend erwiesen hat. Zu solchen Waren gehören vor allem Arzneimittel, verschiedene Chemikalien und Farbstoffe sowie Waffen, Munition und anderes Kriegsmaterial. Die Volksabstimmung in Dänemark. Kopenhagen, 19. November. Folkething und Landsthing setzten gestern endgültig die Volksabstimmung über den Ver- kauf der Westindischen Inseln auf den 14. Dezember fest. Sarrail salonikimüöe? Aus ivasel wird der„Frankfurter Zeitung" gemeldet: Nach An- beimmgen der französischen Presse sind neue Meinungsverschieden- heiten zwischen General Sarrail und der französischen Regierung aufgetaucht. Die Reise des Kriegsministers Roques nach Saloniki hängt mit diesen Mißstimmungen zusammen. Allem Anschein nach hat General Sarrail diesmal selbst seine Demission angeboten, weil er die zur Fortsetzung seiner Offensive für nötig erachteten Verstärkungen nicht erhalten kann. Nach einer Meldung de»„Temps" aus Saloniki erklärte General Paraskevopulos, der Kommandant der griechischen Armeen in Mazedonien: Die revolutionäre Arinee wird bis zum nächsten Frühjahr Zeit haben, ihren Bestand zu organisieren, da der Winter nicht für Operationen geeignet sei. Nachdem«arrail feine Offensive zuerst wegen des Sommers und des Sumpffiebers verschoben bat, scheint man nunmehr die Ohnmacht die Salonikiarmee mit dem Winter entschuldige« zu wollen. MW»es Ml! SWlWlMS. Amtlich. Großes Hauptquartier, 19. No- vcmber 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Bei günstigen Bcobachtungsverhältnisien war an viele« Stellen der Front die beiderseitige Feuertätigkeit lebhaft. Im Sommegebiet erfolglose feindliche Teilangriffe bei Eauconrt L'Abbayc, bei Gueudecourt, bei Lesboeufs und Pressoire. Stärkere französische Kräfte gingen beiderseits von Sailly vor; sie wurden, zum Teil im Nahkampf, ab- geschlagen. Die Flieger setzten ihre tagsüber sehr rege Tätigkeit in der mondhellen Nacht fort. I» den zahlreichen Luft- kämpfen haben wir im ganzen 17 feindliche Flugzeuge, die Mehrzahl beiderseits der Somme, abgeschosien. Unsere Geschwader wiederholten ihre wirkungsvollen Angriffe auf Bahnhöfe, Truppen- und Munitionslager, besonders im Ranme zwischen Peroune und Amiens. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Unter Führung des Generalmajors v. Woyna stürmten brandenburgische Truppen und das Jnfanterie-Regiment Nr. 491 in der Gegend von Skrobowa in etwa 4 Kilo- meter Breite mehrere russische Verteidigungslinien und warfen den Feind über den Skrobowa-Bach zurück. Unseren geringen Verlusten stehen bedeutende blutige Opfer des Feindes und eine Einbuße an Gefangenen von 49 Offizieren 3389 Mann gegenüber. Die Beute beträgt 27 Maschinengewehre, 12 Mincnwcrfer. Der Russe hat auch hier wieder eine schwere Niederlage erlitten. Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Carl. Unsere Angriffe im Gyergyo-Gebirge nahmen einen günstigen Fortgang. Gelände, das in den seit dem 4. No- vember hier im Gange befindlichen Kämpfen verloren ge- gangen war, wurde bereits fast vollständig zurückgewonnen. Im Prcdcal-Abschnitt wurden westlich von Azuga neue Fortschritte gemacht und rumänische Gegenangriffe beider- seits der Paßstraße abgeschlagen. 188 Gefangeue und 4 Maschinengewehre blieben in unserer Hand. Beiderseits des Alt erfolgreiche Gefechte, in denen sich neben bayerischer Infanterie und österreichisch-ungarischen Gebirgötruppen auch unser Landsturm besonders aus- zeichnete. Balkan-Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Gcneralfeld Marschalls von Mackensen. Bei Ginrgiu erbeuteten Monitore 2 rumänische mit Petroleum beladeue Schlepps. An der Dobrudscha-Front keine wesentliche« Ereignisse. Mazedonische Front. Die Lage ist««verändert. Der Erste Gencralquartiermelster. Ludeudorf f. »» Sek HemiMt AmMMerW. Wien, 10. November 1816. sW. T. B.) Amtlich wird vcrlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Carl. Westlich der Dulkanpaßstraße blieben rumänische Angriffe er- folglos. Beiderseits deS Alt-Talcs und südwestlich von Predeal gewannen die verbündeten Truppen erneuert Gelände, warfen den Feind in Stürmen aus seinen Stellungen und behauvteten diese gegen feindliche Gegenangriffe. 188 Gefangene und 4 Maschinen- grwehre blieben in unserer Hand. Auch im Gyergoy-Gebirge macht unser Angriff günstige Fortschritte. Heeresfront des G c n e r a l f e ld m a r f ch a ll» Prinz Leopold von Bayern. Bei Skrobowa stürmten deutsche Truppen in etwa 4 Kilo- meter Breite mehrere russische Bcrtcidiguugslinicn und warfen den Feind über die Niederung zurück. Außer große» blutigen Verlusten verloren die Russen 49 Offiziere, 3339 Mann an Ge- sangenen, 27 Maschinengewehre und 12 Mincnwerfer wurde» er- beuter. Balkan-Kriegsschauplatz. Monitore der k. und k. Donauflottillc erbeuteten bei Ginrgiu zwei rumänische mit Petroleum bcladenc Schlepper. Italienischer Kriegsschauplatz. Lage unverändert. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Au der Vosusa-Front gesteigerte feindliche Artillerietäligkoit. Der Stellvertreter des Chef? des GeneralstabcS. v. H o e f e r, Feldmarschalleutnant. Der Ententetruft gegen Sie Schweiz. Bern, 19. November.(T. U.) Der„Berner Bund" macht die Aussehen erregende Mitteilung, daß die S. S. S., der von der Entente geschaffene Einsuhrtrust, in einem Rund- schreiben an alle Syndikate die Bestimmung ausgestellt hat. daß S.S.cS.-Waren zur Ausfuhr einer Bewilligung der S. S. S. bedürfen, gleichviel, ob sie unter� den: bmrdesrät- ,lichen Ausfuhrverbot stehen oder nicht. Die Schweizerische Gesellschaft für chemische Industrie hat bereits in einer Ein- gäbe an den Bundesrat nachdrücklich gegen diese Neuerung protestiert, die auch eine unerträgliche Ausdehnung der Han- dclsspionage mit sich bringen müßte. ßrankreichs Jahrgang 191S. Bern, 19. November.(W. T. B.)„Temps" zufolge hat der radikale Abgeordnete Abel Ferry, Berichterstatter für die Regierungs- Vorlage betreffend die Ausmusterung des Jahrgangs 1918, in einer gemeinsamen Sitzung der vier großen parlamentarischen Kommissionen beantragt, die Vorlage bis auf weiteres zu vertagen. Die Begründung des Antrages ist von der Zensur gestrichen worden. FnKlscher Ruf nach Autonomie. London, 8. November.(W. T. B.) Reutermeldung. Neun- zehn eingeborene Mitglieder des Kaiserlichen Gesetzgebenden Rats von Indien haben dem Vizekönig eine Denkschrift überreicht, in der sie Reformvorschläge machen, die nach dem Kriege ausge- führt werden müßten, wenn nicht eine bittere Enttäuschung ein- treten solle. Die Denffchrift fordert, daß in den RegierungS- kollegien(Executive Councils) die Hälfte der Mitglieder Inder feiet:. In den gesetzgebenden Beiräten(Eegisletive Councils) solle die Mehrheit aus gewählten Vertretern bestehen. Indien müsse fiskalische Autonomie erhalten und auf gleiche Stufe mit den autonomen Kolonien gestellt werden, und die Inder müßten hinsichtlich des Rechts, Waffen zu tragen, und des Anspruchs auf Offizierstellen in der Armee, ebenso behandelt werden, wie die Europäer. Kleine Krlegsnachrichten. Genf, 9. November.(Havas.) Der französische Minister des Innern hat in der Kammer einen Gesetzentwurf eingebracht, durch den Gastwirtschaften und ähnlichen Betrieben des Departements Seine eine Steuer von über 5 Francs pro Kopf auserlegt wird. Das Ergebnis der neuen Steuer wird für Kriegszwecke bestimmt wer- den. Aehnliche Steuern werden außerdem von den Gemeinden auferlegt werden können. Genf, 8. November.(Havas.) Der französische Finanzminister Ribot hat in der Kammer mitgeteilt, daß die Anleihe 11 Wil- l i a r d e n 399 Millionen Frank ergeben habe. Rom, 19. November. Stefanimeldung. Marquis Saluago- raggi ist zum italienischen Botschafter in Paris ernannt worden. Kopenhagen, 19. November.-(W. T. B.)„Nationaltidende" zufolge hat die schwedische Handelskommission wegen des �schiff»- mangels in Schweden und wegen der hohen Kohlenfrachten von England beschlossen, in Zukunft den schwedischen Schiffen die Er- laubniS zu verweigern. Frachtfahrten für Norwegen, Dänemark oder Finnland anzunehmen. Bern, 19. November.(W. T. 53.) Dem„Temps" zufolge ist die Patronenfabrik Sevres durch Explosion vollkommen zerstört' worden. Letzte Nachrichten. Wegen eines größeren Brandes wurde am Freitagabend die Berliner Feuerwehr nach der Rosenthaler Straße 62, Ecke der Mulack- und Kleinen Rosenthaler Straße gerufen. Dort stand der Keller in großer Ausdehnung in Flammen. Diese hatten an dem Inhalt der Verschlüge und Vorräten der Ladeninhaber so reiche Nahrung gefunden, daß die Feuerwehr mit mehreren Schlauch- leitungen längere Zeit Wasser geben inußte. Das Haus war eine Zeitlang so verqualmt, daß überall Luft gemacht werden mußte. Die Entstehung des Feuers wird auf Fahrlässigkeit zurückgeführt. Der Schaden ist bedeutend und soll nur zum Teil durch Versiche- rung gedeckt sein. Erst nach mehrstündiger Tätigkeit konnte die Wehr wieder abrücken. Ein Kricgsruf an die Polen. Lnblin, 3. November.(W. T. B.) 5Das Verordnungsblatt des Militärgeneralgouvernements für das österreichisch-ungarische Ok- kupationsgebiet in Polen veröffentlicht folgende von den beiden Generalgouverneuren General v. Beseler und Feldzeugmeister Kuk, unterzeichnete Proklamation: An die Bewohner des General- gouvernemeuts Lublin und Warschau. Die Herrscher der ver- bündeten Mächte Oesterreich-Ungarn und Deutschland haben Euch ihren Entschluß kundgetan, aus den von der riffsifchen ZwinHerr- fchaft befreiten polnischen Landen ein neues selbständiges König- reich Polen aufzurichten. Euer heißester, mehr als ein Jahrhundert hindurch vergeblich gehegter Wunsch wird dadurch erfüllt. 5Der Ernst und die Gefahr dieser schweren Kriegszeit und die Fürsorge für unsere vor dem Feinde stehenden Heere zwingen uns einst- weilen, die Verwaltung Eures neuen Staates noch selbst in der Hand zu behalten. Gern aber wollen wir ihm mit Eurer Hilfe schon jetzt allmählich die staatlichen Einrichtungen geben, die seine feste 53egründung, seinen Ausbau und seine Sicherheit ver- bürgen sollen. Dabei steht allem voran ein polnisches Heer. N»ch ist der Kampf mit Rußland nicht beendet. Es ist Euer Wunsch, daran teilzunehmen. So tretet denn freiwillig an unsere Seite, um � unseren Sieg über Euren Unterdrücker vollenden z« helfen. Tapfer und mit hoher Auszeichnung haben Eure Brüder von der polnischen Legion neben uns gefochten. Tut es ihnen gleich in neuen Truppenkörpern, die dereinst mit jener vereinigt das pol- nische Heer bilden sollen. Es wird Eurem neuen Staat festen Halt geben und ihm Sicherheit nach außen und Innen gewähren. Unter den von Euch über alles geliebten Farben und Fahnen Eurer Heimat sollt Ihr Euer Vaterland schirmen. Wir lernten Euren Haß und Eure glühende Vaterlandsliebe und rufen Euch auf zum Kampf an unserer Seite. Sammelt Eure wehrhaften Männer nach dem Beispiel der tapferen polnischen Legion. Legt zunächst in gemeinsamer Arbeit mit dem deutschen und dem ihm verbündeten österreichisch-ungarischen Heere den Grund zu einem polnischen, in dem die ruhmvollen Ueberlieserungen Eurer Kriegs- geschichte in der Treue und Tapferkeit Eurer Krieger wieder lebendig werden. �• Von: U-Boot-Krieg. Bern, 19. November.(W. T. B.) Nach einem Telegramm deS „Petit Journal" aus Bukarest geht dort ein Gerücht um, wonach das russische Kriegsschiff„Jmpcratriza Maria" nach einer Explosion untergegangen ist. Bern, 19. November.(W. T. B.) Nach einem Telegramm des „Petit Parisien" aus Toulon hat der Warinemtnister eine gericht- liche Untersuchung über den Verlust nachstehender Schiffe angeordnet:„Porvence", versenkt durch den Twmpser„Gallia", kleiner Kreuzer„Rigel", versenkt durch ein feindliches U»Boot, Kanonen- boot„Saint Louis 4", versenkt durch einen englischen Dampfer. Bern, 19. November. jW. T. B.) Wie„Temps" meldet, ist der norwegische Kohlendampfer„Furuland" versenkt worden. Ein holländischer Postdampfer aufgebracht. Vlisfingen, 19. November.(W. T. 58.) Der Postdampfer„Koningin Regentes", der heute früh um sechs llhr von hier ausgefahren war, ist nach Zeebrügge aufgebracht worden. Die Aufbringung erfolgte ungefähr um 11 Uhr, um welche Stunde der Tampser sich dicht beim Noordhinder Leuchtschiff befunden haben dürfte. An Bord befanden sich 93 Passagiere; 19 davon waren englischer Na» tionalität, darunter zwei Kriegsgefangene aus Groningen und acht Internierte aus Ruhlebcu. 2ö waren Belgier und zwei Italiener. Ferner waren der englische, der belgische und der ameri- kanische Kurier an Bord.__ Der Fall des„Blommersdijk". Hoek van Holland, 19. November.(W. T. B.) Der Dampfer „Rhndam" der Holland-Amerika-Linie ist mit dem Kapitän, den Offizieren und der Mannschaft des versenkten holländischen Dampfers„Blommersdijk" hier angekommen. Der Kapitän und die Offiziere haben bor Marineoffizieren, die an BoÄ> des„Ryn- dam" kamen, Erklärungen abgelegt. Frankreichs Llricgsausgaben. Bern, 19.� November.(W. T. B.)„Temps" zufolge enthalten die Budgetzwölftel für das erste Quartal 1917 neben 8ch Milliarden ordentlichen Ausgaben 900 Millionen außerordentliche Ausgaben. Der Monatsdurchschnitt für die eigentlichen Kriegsausgaben beträgt 2846 Millionen. Gewerksthastliches. Serlin und Umgegend. Tie Berliner Zimmerer. Einer Generalversammlung der Zahlstelle Berlin des Zimmerer- Verbandes lag der Kassen- und Geschäftsbericht für das dritte Ouartal vor. In dieser Versammlung gab auch der Vorsitzende Witt einen Situalionsbericht. Die Bautätigkeit lag nach demselben schon mebrere Jahre vor dem Kriege im allgenieinen sehr danieder. Während des Krieges wurde dann Sie Bautätigkeit, soweit es sich um die Herstellung von Wohnhäusern handelt, fast ganz eingestellt. Es fehlte an den notwendigen Kapitalien. Dazu kam die Beschlag- nähme wichtiger Nobmalerialien besonders für den Jnnenbau. erheb- liche Steigerungen der Baustoffpreise, sowie die allgemeine Un- sicherheit, für die neu zu errichtenden Neubauten die erforderliche Anzahl zahlungsiähiaer Mieter zu finden. Auch die öffentliche Bau- tätigkeil ist während des Krieges in Berlin und den Vororten fast ganz zum Stillstand gekommen. Trotz dieser erheblichen Einschränkimg der allgemeinen Bau- tätigkeit hat sich die Arbeitsgelegenheit für die Zimmerer Berlins und der Vororte recht günstig entwickelt. Dabei kommen zum Teil in Betracht die Einziehungen zum Militärdienst, hauptsächlich aber die AuSsühruug umfangreicher Arbeiten für die HeereSveiwaltung. Ferner wirken günstig die Errichtung einer Anzahl Fabrik- bauten, zum Beispiel in Moabit, am Nonnendamm, in Tegel und in Wittenau, sowie die Errichtung einiger größerer Betonbauten am Westhofen, in Telrow und an der Untergrundbahn. Infolge dieser Unistände sank die Arbeitslosigkeit im Zimmer- gewerbe erfreulicherweise stark herab. Davon gibt auch die von der Organisation gezahlte Arbeitslosenunterstützung ein Bild. An Arbeitslosenunterstützung wurden gezahlt 87 226 M. im Jahre 1913: öI248 M. im Jahre 1914; 6217 M. im Jahre 1915 und 1264 M. in den verflossenen drei Quartalen des Jahres 1916. Es wurden also im Jahre 1913 an Arbeitslosenunterstützung 20 496 M. mehr gezahlt, als in den nachfolgenden Jahren zusammen- genommen. Was die Lnhnverhältnisse betrifft, so ist die Erhöhung der Tarif- löhne vom 5. August von 95 Pf. auf 98 Pf. pro Stunde ohne Störung von statten gegangen. Zu Lohndifferenzen ernsterer Art kam es besonders in den letzten Monaten bei einigen Berliner Großfirmen. Dabei trat dann die im § 8 des Tarifvertrages vorgesehene Unlerkommission in Tätigkeit, um die Ursachen der Streitigkeiten zu ergründen und diese selbst nach Möglichkeit zu schsichten. Diese Differenzen, die in ähnlicher Weise sich auch bei den Maurern und Bauhilfsarbeitern einstellten, nahm der Verband der Baugeschäfte zum Anlaß, Ende September eine Besprechung mit den Leitern des Zentralverbandes der Zimmerer, Zahlstelle Berlin und Umgegend, und des Deutschen Bauarbeiterverbandcs, Zweigverein Berlin, herbeizusühren. Die Arbeitgebervertreter wandten sich bei der Gelegenheit dagegen, daß vielfach höhere Löhne gefordert würden, als der Verlrag vorschreibe. Sie verlangten, daß die Vertrags- Parteien Machtmittel ergriffen, um auf allen Arbeitsstellen die Löhne auf den tariflichen Stand zu bringen. Die Arbeitnebmervsrtreter erwiderten darauf: Die Differenzen wären nicht zu bestreiten. Die Schuld hieran läge aber aus beiden Seiten. Daß die Berliner Bauarbeiter hier und da Wünsche auf Erhöbung ihres Einkommens äußerten, sei infolge der maßlosen Preistreibereien auf dem Lebensmittelmarkt veiständlich. Um die Situation wieder zu beherrschen, sei eine neue Lohnzulage das geeignetste Mittel. Von diesem Vorschlage wollten aber die Arbeitgebervertreter nichts wissen. Sie meinten, durch eine neue Lohnzulage würden die Wünsche der Berliner Bauarbeiter nur noch mehr gesteigert, auch würde solche Zulage eine Bestrafung der taristreuen Firmen zugunsten der Tarifbrecher bedeuten. Darum hielten sie eine gemeinsame Kundgebung zugunsten der Tariflöhne für nötig, sowie die Aufnahme einer Statistik über die zurzeit gezahlten Stunden- löhne und sonstigen Vergünstigungen, um an der Hand dieser Er- Hebungen dann bei den einzelnen Firmen Remedur zu schaffen. von den Arbeitervertretern wurde demgegenüber bemerkt, daß die Vorschläge der Unternehmer nicht dazu angetan seien, in der Frage selbst auch nur einen Schritt weiter zu kommen. Grnnd- sätzlich sei daran festzuhalten, daß jede Vertragspartei selber ihre Mitglieder über die Pflichten des Vertrags aufklärt. Das sei aber ausgiebig geschehen. Wenn wieder Ordnung in die Lohnverhältnisse hineinkommen solle, dann sei eine der Teuerung entsprechende Lohn- zulage unerläßlich. Ferner wäre dem Verbände der Baugeschäfte zu empfehlen, der Arbeiterpartei mehr Agitationssreiheit auf den Bauten und Plätzen zu gestatten zwecks Hineinführung der In- differenten in die Tarifvertragsorganlfalionen, sowie die Schaffung eines gemeinsamen Arbeitsnachweises auf paritätischer Grundlage. Diese Vorschläge lehnten die Arbeitgeberverlreter mit der Er- klärung ab, daß sie dann lieber die Zustände ließen, wie sie seien. Damit war die Aussprache beendet. Zum organisawrischen Stand der Zahlstelle ist festzustellen, daß die 36 Bezirke der Zahlstelle nach wie vor ihre Verbandstätigkeit ausüben. Am Schluß des dritten Quartals 1916 hatte die Zahl- stelle 1163 Mitglieder, ohne die zum Heere eingezogenen. Bei Vergleichen der einschlägigen Zahlen ergibt sich, daß in der Zeit vom Schluß des Jahres 1914 bis zum Schluß des dritten Quartals 1916 rund 265 Mitglieder als Erfolg der gemeinsamen Agitations- tätigkeit für die Organisation neu gebucht werden konnten. Auch die Kassenverhältnisse der Zahlstelle haben sich in den letzten Jahren ganz merklich gebeffert. Der Bestand der Lokalkaffe betrug rund 29 181 M. am Schlüsse des Jahres 1913; 30 495 M. Schlüsse des Jahres 1914; 38 884 M. am Schlüsse des Jahres 1915 und 43 816 M. am Schlüsse des dritten Quartals 1916. Es hat sich also gegenüber dem Jahre 1913 der Bestand der Lokalkasse um 19 635 M. als Folge der besseren Berufsverhältniffe erhöht.— Kann man somit nach Loge der Verhältnisse mit dem organisatorischen Stand der Zahlstelle noch zufrieden sein, so ist doch in agitatorischer Beziehung zu verlangen, daß die Kameraden der Werbetätigkeit mit größerem Eifer obliegen möchten. Denn es gibt immer noch eine größere Anzahl Indifferenter. Einen wunden Punkt bildet im Verbandsleben die häufige Nichtanmeldung der vom Militärdienst zur Berufsarbeit freigestellten Kameraden sowie die Nichtanmeldung der aus anderen Zahlstellen hier beschäftigten Verbandsmitglieder. Hier muß Remedur geschaffen werden.— Notwendig ist es auch, alle Berufsangehörigen darauf aufmerksam zu machen, daß sie bei eintretender Arbeitslosigkeit den Arbeitsnachweis des Verbandes s Engelufer 15) benutzen. Im Anschluß an diesen Bericht, zu dem niemand das Wort nahm, machte der Gauleiter K n ü p f e r folgendes bekannt: Für die Erweiterungsbauten großer Fabrikanlagen in der Provinz Brandenburg würden 200 Zimmerer gebraucht. Der Stundenlohn betrage 1,20 M. Fahrgeld werde vergütet. Alle Nebenfragen, sowie Logis und Beköstigung seien vertraglich geregelt. Die Vermittelung erfolge durch den Gauleiter H. Knüpfer, Engel- ufer 15. Es sei dringend zu wünschen, daß alle Kameraden dabei mithelfen, daß die genügende Anzahl von Arbeitskräften für jene Baustelle sich zur Verfügung stellen. Die Versammlung beschloß dann auf Antrag der Verwaltung, für die Lokalkasse wieder, wie in früheren Jahren, die so- genannten Winterbeiträge obligatorisch mit 50 Pf. pro Woche zu erheben. Es handelt sich um die zehn Winterwochen, die nach Verbandsbeschlüssen beilragsfrei sind.— Arbeitslose und Kranke werden von den lokalen Winterbeiträgen bekrert. Ferner wurde beschlossen: Falls der Verband wieder den Familien der zum Militärdienst eingezogenen Mitglieder eine Weih- nawts-Uiiterstützung gewährt, ist aus der Lokalkasse ein Zuschuß von 2 M. zu leisten._ Generalversammlung der Sattler. In einer am Donnerstag abgehaltenen Generalversammlung der Verwalmngsstelle Berlin des Verbandes der Sattler und Porte- feuiller erstattete der Vorsitzende Hauptmann den Geschäfts- berichl für das zweite und dritte Ouartal. Ausführlich besprach er die Bewegung in der Flugzeugindustrie, die das Ergebnis halle, daß eine Zulage zum Stundenlohn von 22 Pf. für Verheiratete und 16 Pf. für Lcdige erlangt wurde, die durch erneute Verhandlung in den letzten Tagen aufs. neue um 12 Pf. für Verheiratete und 8 Pf. für Ledige erhöht worden ist und den Jugendlichen eine Zulage von 4 Pf. pro Stunde gewährt wurde. Die Kollegen der Miliiäreffekten- brauche fordern eine Teuerungszulage von 20 Proz. Die hierauf bezüglichen Verhaiidlungen sind schon im April eingeleiiet worden, sie haben auch die beiderseitigen Zentralvorstände beschäftigt, aber ein abschließendes Ergebnis ist noch nickt zustande gekommen. Wenn ein solches vorliegt, wird eine Branchenversammlung der Militär- effektenarbeiter dazu Stellung nehmen.— Der Geschäftsgang, der im ersten Ouartal etwas ins Stocken geraten war, hat sich im zweiten und dritten Ouartal wieder gebessert, so daß gegenwärtig eine günstige Konjunktur herrscht.— Die Arbeitsgemeinschaft zur Unterbringung der kriegsbeschädigten Kollegen hat sich bisher gut bewährt. Der vom Kassierer W e h h e r r gegebene Kassenbericht zeigt im allgemeinen ein günstiges Bild, namentlich ist der Eingang der Bei- träge durchaus befriedigend.— Die Miigliederzahl belief sich am 1. April auf 3170, am 1. Juli auf 2740 und am 30. September auf 2542, darunter sind 438 weibliche Mitglieder. Der Rückgang der Mitgliederzahl ist zum größten Teil auf Einberufungen zum Heere zurückzuführen. Da zwei Sitze im Verbandsausschuß freigeworden waren, wählte die Versammlung in den Ausschuß die Mitglieder Zech ui�d Döring. Als Revisor der Ortsverwoltung wurde Weiß gewählt. Hinsichilicki einer Weihnachlsunterslützung der Kriegerfrauen und der Arbeitslosen nahm die Versammlung einstimmig den folgenden Antrag der Ortsverlvallung an: Die Generalversammlung der Verwaltungsstelle Berlin de? Verbandes der Sattler und Porlefeuiller beschließt, zur Weihnachts- Unterstützung dcS Zentralvorslandes an die Ehefrauen der zum Heeresdienst eingezogenen Kollegen aus den Mitteln der Lokal- kaffe einen Zuschuß zu zahlen. Unlerstützungsberechiigt sind die Ehefrauen derjenigen Kollegen, die vor ihrer Einberufung mindestens ein Jahr der Berliner Verwaltungsstelle angehörten und für diese Zeit Beiträge ent« richtet haben. Die Unterstützung beträgt in den Fällen, wo das Mitglied vor dem 1. August 1914 in den Verband eingetreten ist 9 M., wo der Eintritt erst nach dem 1. August 1914 lalso während des Krieges) erfolgt ist, 6 M. Voraussetzung zur Zahlung dieser Unterstützung ist aber, daß das Mitglied bereits vor dem 1. Oktober 1916 zum Heeresdienst einrücken mußte. Des weiteren beschließt die Generalversammlung, den arbeits« losen Kollegen und Kolleginnen zu Weihnachten die bisher übliche Unterstützung zu zahlen. Diese Unterstützung beträgt bei einer Mitgliedschaft und Beitragszahlung von 26 Wochen 6 M., bei einer Mitgliedschaft und Beitragszahlung von 52 Wochen 10 M. Anspruch auf diese Unterstützung haben diejenigen Kol« legen und Kolleginnen, welche bis einschließlich Mittwoch, den 20. Dezember 1916 im Arbeitsnachweis als arbeitslos einge- schrieben sind._ Ausland. Ein katholisches GewerkschaftshanS in Paris. Die klerikalen Arbeiterorganisationen haben in Frankreich in den letzten Jahren sehr bedeutende Fortschritte gemacht. So ist der klerikale Eisenbahnerverband nach dem verunglückten General- streik und unter der Gunst der Bahndirektoren rasch emporgc- schwollen. Jetzt haben die klerikalen Vereinigungen auch ein Ge- Werkschaftshaus bekommen, das der Erzbifchof von Paris vor chnigen Tagen eingeweiht hat. Es steht mitten im Stadtzentrum, in der Rue Cadet. Die Wahl dieser Straße, wo die Freimaurer- zentrale, der Grand Orient de France, ihren Sitz hat, ist vielleicht nicht rein zufällig. Bcrgarbeiterstreik in Australien. „Times" erfährt aus Sidnep: Weder Arbeitgeber noch Arbeiter zeigten eine Neigung zur Versöhnung. Die öffentliche Meinung verlange ein Eingreisen der Bundesregierung oder der Regierung der EinAelstaaten. Spesialarzt Dr. med. Wockenfaß, �'riedrichstr. 125(Oranienb. Tor), fir Syphilis. Harn- u Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Knr(Dauer 12 Tage), Blutuntersuchung Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufs- 222(0* Störung. Teilzahlung. Spreohstunden: 10— 1 und 5— 8 IZarengeipel Sturmschreie aus hundert Jahren r. Herausgegeben , von Dr. Franz Diederich In festem Umschlag geheftet 60 Pfennig u i Das Thema dieses Buches ist ' der Kampf gegen denZarismus, der Rußland blutig knechtet u. 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Herrn, meyer&co. ca.SSOVertanMell. Gn-ßerL Wahlspruch: Semper idem. Welt-Bittcr. s-«' Keilllge des„Wrwmts" Kerliller NolksblM. 1916 Fürsorge für Kriegerfamilien. Von Paul Hirsch. Je länger der Krieg dauert, desto schwieriger wird natnr- gemäß die Lage der Familien der zum Heere eingezogenen Mannschaften. Nicht nur, daß ihre geringen Ersparnisse aufgezehrt sind, haben sie auch von Tag zu Tag mehr unter der zunehmenden Verteuerung aller Lebensmittel zu leiden. Von diesen Erwägungen ausgehend hat der Reichstag in seiner letzten Sitzung beschlossen: 1. daß die Familtenunterstützungen der 5kriegsteilnehmer im Monat Dezember 1916 in doppelter Höhe aus Reichsmitteln gewährt, 2. daß die Reichsmindestsätze für Ehefrauen auf 20 M. und für jede sonst unterstützungS- berechtigte Person auf 10 M. monatlich erhöht werden sollen und 3. daß eine Bestimmung in das Gesetz aufgenommen wird, nach der die Gemeinden und Gemeindeverbände ver- pflichtet werden, aus ihren Mitteln Zuschläge bis zur Be- Hebung der Bedürftigkeit zu gewähren und daß sie zur Er» füllung dieser Verpflichtung durch die Aufsichtsbehörden an- gehalten werden. Zum besseren Verständnis dieses Beschlusses mutz man sich vor Augen halten, daß das Gesetz bettessend die Unter- stützung von Familien in den Dienst eingettetener Mann- schaften zwar Mindestsätze vorsieht, unter die nicht herunter- gegangen werden darf, sobald im einzelnen Falle daS Be- dürfnis zur Verabreichung einer Unterstützung überhaupt an- erkannt worden ist, daß aber im übrigen die Verpflichtung der Gemeinden, in den Fällen deS Bedürfnisses daS über die Be- träge hinaus Erforderliche zu verabreichen, daneben besteht. Nach der Begründung des Gesetzentwurfs handelt es sich leider nicht darum, Vettäge auszuwerfen, welche den vollständigen Unterhalt der zu unterstützenden Personen sicherstellen sollen. Die Mindestsätze sind im Laufe des Kriegs schon einmal erhöht worden. Während sie durch die Novelle vom 4. August 1914 für Ehefrauen auf 9 M. in den Sommer- monaten und 12 M. in den Wintermonaten, für jede sonst unterstützungsberechttgte Person auf 6 M. monatlich festgesetzt wurden, bettagen sie seit dem 1. November 1915 für Ehe- frauen 15, für die übrigen Personen 7,50 M. monatlich. Mit dieser Erhöhung ist die Regierung hinter dem zurück- geblieben, was der Reichstag im Frühjahr 1915 beschlosien hatte, denn in dem Gesetzentwurf, den er damals der Re- aierung als Material überwies, waren Sätze von 20 bezw. 10 M. vorgesehen. Auch sonst hat daS Gesetz, daS auf einen Krieg von so langer Dauer und von so gewaltigen wirtschaftlichen Um- wälzungen nicht zugeschnitten ist, wiederholte Aenderungen er- fahren. Nicht nur, daß der Kreis der Mannschaften, deren Familten im Falle der Bedürftigkeit eine Unterstützung er- halten sollen, ausgedehnt ist auf Mannschaften, die ihre ge- setzliche aktive Dienstpflicht erfüllen, auf Kriegsfreiwillige und auf Reichsangehörige, die an der Rückkehr aus dem Ausland infolge feindlicher Maßnahmen verhindert oder vom Feinde verschleppt worden sind, ist auch der KreiS der Personen, die Anspruch auf Unterstützung haben, erweitert worden auf eitern- lose Enkel, Stiefeltern, Stiefgeschwister, Stiefkinder, schuldlos geschiedene Ehefrauen, uneheliche mit in die Ehe gebracht« Kinder der Ehefrau, auch wenn der Ehemann nicht der Vater ist, Pflegeeltern und Pflegekinder. Ferner ist der Begriff der Bedürftigkeit fester umgrenzt worden. Nach dem Beschluß des Reichstages sollten als anspruchsberechttgt jene Angehörtgen anzusehen sein, deren Unterhalt bisher im wesentlichen von dem Einkommen aus der Arbeit deS zur aktiven Dienstleistung Herangezogenen nachweisbar abhängig war, und ferner die Angehörigen der selbständigen Gewerbetteibenden und Landwirte. die regelmäßig nicht mehr als zwei Lohnarbeiter beschSstigen. Soweit ist die Regierung nun nicht gegangen, aber immerhin hat sie die Bestimmung getroffen, daß Bedürftigkeit im Sinne des Gesetzes stets anzunehmen und wenigstens der Mindestsatz zu zahlen ist, wenn nach der letzten Steuerveranlagung das Einkommen de» in den Dienst Eingetretenen und seiner Familie in den Orten der Tarifklasse E 1000 M. oder weniger, in den Orten der Tarifklassen L! und V 1200 M. oder weniger, in den Orten der Tarifklassen A und B 1500 M. oder weniger bettägt. Trotz dieser Aenderungen weist das Gesetz noch genug Mängel auf, deren Beseitigung unumgänglich notwendig ist. Der Reichstag hat durch seinen Beschlutz selbst zu erkennen gegeben, daß auch dann, wenn die Regierung die Mindestsätze in dem von ihm gewünschten Sinne erhöht, nach wie vor Zuschläge der Gemeinden erforderlich sein werden. Ob eine entsprechende Bestimmung ausdrücklich in das Gesetz aufge- nommen wird oder nicht, erscheint unS Nebensache. Haupt- fache ist, daß die Aufsichtsbehörden die Gemeinden anhalten, im Sinne des Gesetzgebers vorzugehen. An Erlassen, die die untergeordneten Organe verpflichten, in jedem einzelnen Falle die Verhältnisse wohlwollend und nicht etwa nach den Grundsätzen der Armenpflege zu prüfen, hat es nicht gefehlt, aber nicht immer und nicht überall ist nach diesen Grundsätzen verfahren worden. Wir sind die letzten, die die Aufwendungen mancher Gemeinden, insbesondere der großen Städte, aber auch zahlreicher kleiner und mittlerer Städte, verkleinern wollen. Wir erkennen unumwunden an, daß mehr als eine deutsche Gemeinde Mustergültiges in der Kriegsfür- sorge geleistet hat. ohne Rücksicht darauf, daß ihre Etats da- durch auf Jahre hinaus erheblich belastet werden. Aber auf der anderen Seite fehlt es auch nicht an solchen Gemeinden— das gilt insbesondere von ländlichen— die sich mit der Zahlung der Reichsmindestsätze begnügen, ja oft genug in Widerspruch zu dem Gesetz die Mindestsätze nicht einmal für alle, sondern nur für einzelne Personen einer Familie gewähren, unbe- kümmert darum, daß ausdrücklich bestimmt ist, daß die Unter- stützungen einheitliche Leistungen für die einzelnen Familien sind und nicht wahlweise für die Eheftauen oder die Kinder bewilligt werden können, sondern daß, wenn die Unterstützungs- bedürftigkeit einmal anerkannt ist, wenigstens die Mindestsätze sowohl den Ehefrauen als auch den Kindern gewährt werden müssen. Ein solches gegen das Gesetz verstoßendes Verfahren der Gemeinden ist um so schärfer zu verurteilen, als ihnen etwa ein Drittel ihrer eigenen Aufwendungen vom Reich erstattet werden, wozu in dem größten Teile Deutsch- lands noch die gleiche Summe aus Staatsmitteln gewährt wird, so daß die Gemeinden aus eigenen Mitteln nur einen Bruchteil zu zahlen haben. Angesichts dieser Zustände ver- dient der Beschluß des Reichstags unsere volle Billigung. Vielleicht hätte der Reichstag weitergehen und entsprechend Idem sozialdemokratischen Anttage die Gemeinden verpflichten können, Zuschläge in Höhe von mindestens 60 Proz. zu den Reichsmtndestsätzen z« gewähren. So sehr ein solcher Beschluß zu begrüßen wäre, so darf man doch anderer- seitS nicht verkennen, daß er die Gefahr in sich schließt, daß dann auch solch« Gemeinden, die heute schon 100 und mehr Prozent Zuschlag gewähren, sich dadurch verleiten lassen könnten, in Zukunft die Grenze von 50 Proz. nicht zu über- schreiten. In der Praxis kommt e« weniger darauf an, daß die Zuschläge bestimmt normiert werden, als vielmehr darauf, daß die Organe der Gemeinde von sozialem Geiste erfüllt sind. Wo dieser Geist herrscht, haben die Gemeinden bisher schon ihre Pflicht erfüllt, wo eS an sozialer Einsicht fehlt, werden auch die schönsten Beschlüffe nichts nützen. Wenn die Regierung, wie wir hoffen, dem Beschluß des Reichstage» Folge leistet und die Sätze erhöht, dann muß natürlich in erster Linie dafür gesorgt werden, daß die höheren Unterstützungen auch wttklich den Familien der KriegSteil- nehmer zugute kommen, nicht aber zu Ersparnissen bei den Aufwendungen der Gemeinden verwandt werden. Diese Ge- fahr ist nicht von der Hand zn weisen. ES gibt nämlich eine Reihe von Gememden, die keine Zuschläge in bestimmter Höhe zu den Reichsmindestsätzen zahlen, sondern sogenannte Be- darfssätze festgelegt haben, die nach ihren Ermittelungen zum Unterhalt einer Familie ausreichen sollen. Wo das der Fall ist, zahlen die Gemeinden au» eigenen Mitteln so viel hinzu, daß die Bedarfssätze erreicht werden. Ist z. B. der Bedarf für eine einzelstehende Frau— abgesehen von der Wohnungsmiete— auf 30 M. monatlich bemessen, so zahlt die Gemeinde heute zu dem Reichsmindestsatz von 15 M. noch 15 M. aus eigenen Mitteln hinzu. Wird nun der Reichs- Mindestsatz auf 20 M. erböht und die Gemeinde würde sich mit der Zuzahlung von 10 M. begnügen, anstatt die von ihr ermittelten Bedarfssätze entsprechend zu erhöhen, so würde das ein ganz offenbarer Verstoß gegen den Sinn deS Reichstags- beschlusseS sein. Die Regierung müßte deshalb, um solchen Mißbräuchen zu begegnen, von vornherein entsprechende An- Weisungen an die Gemeinden ergehen lassen und auf strenge Durchführung derselben halten. Wir verkennen nicht die schwierig« Lage mancher Se- meinden, die ja nicht mw aus eigenen Mitteln Zuschüsse zu leisten, sondern auch die ReichSmindestsätze vorläufig auS ihrer Tasche auszulegen haben. Zwar wird ihnen auf Grund deS§ 12 de» Gesetzes hierfür Entschädigung au» Reichs- fonds gewährt, aber der Zeitpunkt der Zahlung dieser Entschädigung wird durch ein Spezialgesetz de» Reichs bestimmt. Nach dem abgelehnten Anttage der Sozial- demottattfchen Arbeitsgemeinschaft sollte die Rückzahlung der von den Gemeinden bis zum 1. Februar 1916 geleisteten Unterstützungen bis spätestens zum 1. Februar 1917 erfolgen. Da die Reichsminbestsätze bis zum 80. Juli bereits die Höhe von rund 2 Milliarden Mark erreicht hatten nnd seit dieser Zeit infolge der größeren Zahl von Einberufimgen sich nicht verringert, sondern noch vermehrt haben, so kann man mit einer Ausgabe von mindestens 2V, Milliarden rechnen. So sehr wir eS auch im Interesse der Gemeinden begrüßen würden, wenn sie ihre verauslagten Gelder möglichst bald zurückerhielten, so dürfen wir doch andererseits auch die schwierige Finanzlage des Reiche» nicht verkennen. Bi« zu einem gewissen Grade hat die Regierung dem Anttage ja schon vorher Rechnung getragen, indem sie den Gemeinden 25 Proz. der bis zum 30. Juni 1916 verauslagten Summen zurückzuerstatten beschlossen hat. Auch wenn die BeschMsie deS Reichstage» Gefetz werden. ist noch keineswegs allen Bedürfnissen entsprochen worden, daS Gesetz ist vielmehr auch dann noch in mancher Beziehung verbesserungsbedürftig. DaS gilt einmal für die Bestimmung deS § 11, wonach die Familien solcher Personen, die sich der Fahnenflucht schuldig machen oder durch gerichtliches Erkennt- nis zu Gefängnisstrafe von längerer als sechsmonatiger Dauer oder zu einer härteren Ettafe verurteilt werden, der Unter- stützung verlustig gehen. Eine weitere Härte liegt darin, daß die Unterstützungen nur btS zur Entlassung aus dem Heeresdienste gezahlt werden. Auch bann, wenn der Eni- lassene nicht sofort wieder Arbeit findet, hat seine Familie keinen Anspruch auf Unterstützung, sie gerät also in die bitterste Skot und fällt unter Umständen der Armenpflege anheim. Es wäre wirklich nicht zu viel verlangt, wenn gesetzlich festgelegt würde, daß die Unterstützungen mindestens noch einen Monat nach der Entlassung zn zahlen sind. Eine fiihlbare Lücke ist eS, daß nur die Familien der Eingezogenen, nicht aber die Eingezogenen selbst vom Reiche unterstützt werden. Die Folge davon ist, daß zahlreiche kleine selbständige Existenzen, die keine Angehörigen besitzen, durch ihre Einberufung wirtschaftlich völlig zugrunde gerichtet werden. Ilm ihnen ihre Existenz zu erhalten, zahlen manche Gemeinden in solchen Fällen schon Mietbeihilfen auch für Junggesellen, aber daS ist nur ein kleiner Notbehelf. Wir wollen wünschen, daß die Regierimg nicht nur den Beschlüssen deS Reichstage» Folge leistet, sondern daß sie darüber hinaus auS eigener Initiative das Familienunterstützungsgesetz so gestaltet, daß e» wirklich den berechttgten Anforderungen der Kriegsteilnehmer entspricht, damit daS Wort deS preußischen Ministers des Innern zur Wahrheit werde, daß von den Angehörigen der vor dem Feinde stehen- den Familienväter alles ferngehalten werden muß, waS niederdrückende Empfindungen w ihnen auszulösen ge- eignet ist. Das neue polen. Die Polenfrage vor de« Landtag? Wenn die„Deutsche Tageszeitung" recht hat, wollen die Konservativen im Landtag Rechenschaft über die polnische Proklamation fordern. Das Blatt antwortet nämlich dem „Leipz. Tagebl.", das empfohlen hatte, der Landtag möge sich mit der Sache nicht befassen: „Wir möchten eS doch für unwahrscheinlich halten, daß der Landtag der preußischen Monarchie in einer Lebensfrage des preußischen Staates eine solche Verzichtrolle spielen könnte; und wir glauben auch kaum, daß der Gewährsmann des Leipziger Blattes die Vollmacht besitzt, die Oeffentlichkeit auf eine Ab- dankungSurkunde des preußischen Landtages vorzubereiten." Wenn man diese Verhandlung nicht in geheime Ausschuß. sitzunge» verlegt, werden wtt ja bald sehen, ob es sich dabei nur um dt« ferner« Zuweisung polnischer Landarbeit« od« mn mehr handeln wird. Der Ostmark enderei». Aar Proklamation de» KS» ig reich» Polens erklärt der Haupt- vorstand de» Deutschen Ostmaekenvevein»: »Mit dieser neuen Tatsache muß der Deutsche OstmatSen- verein rechnen und seine ferne« Tätigkeit darauf einrichten. Er hält den Zeitpunkt skr rückläufige und kritische Bettachtungen jetzt nicht für geeignet. Die Art seiner Aribeit wird wesentlich davon abhängen, in welcher West« da» Poletttum innerhalb und außer- halb unserer Brenden die großen Pflichten anerkennt, die ihm av.i der unvergleichlichen Gabe erwachsen, die Deutschland ihm heute mit seinen Verbündeten als da» Ergebnis namenloser Opfer bieten Wtt dürfen in Deutschland die destimmtt Erwartung hegen, das; die Pole» nach solcher Erfüllung ihr« heißesten Wünsche den- jenigen Korderunge» werden gevöcht werden, die Deutschland ini Interesse seiner nrtlitarischer Sicherheit und sein« einheitlichen politischen nnd wirtschaftlichen Entwicklung stellen muß, und das; unsere polnischen Mitbürger dem Natt onalitä teilst reit in ansereu Ostmarken dadurch et« Ende bereiten, das; sie sich auf de-n Boden der geschichtlich gegebene« Verhältnisse stellen und an der gemeinsame» Wohlfahrt deS Reiche» mitarbeiten. Jc unzweideutiger sie dies« Erkenntnis i» Wort und Tat AuSdrue gebe», desto schnell« wird diese» Ziel erreicht verde«, und um so reich« wird sich die Zukunft gestalte«, die de« neue« Staate er- blühe» kann/ Wenn ei» Kampf eingestellt verde« soll, so kommt e» natürlich immer auf beide Teile an. Zentrm»»md Polenfrage. D« Berlin« Vertrettr d«.Kölnische« Volkszeitung" schließt eine Betrachtung üb« die.Staatwerdung Polens", die wir in d« Nnnnn« AN vom 9. Rovemb« finde«, wie folgt: .Wir m Deutschland ab« werden bedenke« müssen, daß Polen et« nm so stärk«« Grenzwall gegen Osten bleibt, j e b e s s e r w i r mit Polen stehen imd je mehr wir für sein Erstarken uni Wachsen tun..Hakativmu»', nm diese» schon unangenehm empfundene. hoffentlich d« Vergangenheit angehörende Wort der Kürze ivegen, wir möchten wünsche« ein letztes Mal, zu gebrauchen, ist m' Zukunft ebensowenig nützlich und möglich, wie d« alles negierende RadikaliSmn» der Mehrheit unserer Pole« in Deutschland. Rene» Lebe« soll auS den Ruinen blühen! Wir n» Deutschland müssen unter unsere bisherige offizielle Polen Politik ewen Strich machen, wie auch die radikale« Polen mit ihrem zersetzenden, negierenden und nur kritisierenden Radikalismus der Vttgangenheii brachen müssen. Die radikalen Polen Deutschlandmüsse» bedenken, wie leicht eS kommen könnte, daß ihre Brüd« im Königreiche Pol« die Scheid« bezahlen müssen, die sie etwa tu Deutschland nnd sonst w der Welt einw«fen. In diesen Sätze» find die ganz« Erwartung« niedergelegt, dir der deutsche KlerikaliSmu» an daS künstige V«hältniS de» neuer Polen z» Deutschland knüpft..Je bess« wir mit den Pol« stehen.." Die Polen find ein«zkatholischeS Volk, dessen Nationalismus sich vorwiegend an die Kirche anlehnt. Sie folg« ihr« priesterlich« Füb re» mit d« ihn« anerzog«« Ergeb«heit. Ander« Einflüssen ist die Masse de« Volke» besonder» mn deswillen nicht sonderlich aus gefetzt, well die Pol« zn etwa achtzig Prozent de» LesmS nicht kun dig find. Da» künftige Verhältnis Deutschland» zu dem neu« polnisch« Staate wird also sehr abhängig sew von d« katholischen Kirch«, von der Stimmung ihr« Hierarchie. Und daran» ergibt sick. daß Prmß«-Deutschland viel mehr Wert al» bish« gu leg« hat «mf ein gute» Verhältnis zmn KlerikaliSumS. Tin solches ist ab« nur zu Hab« auf Grund von neu« Zugeständnissen auf dm für das Zen- trom wichtigst« Gebiet«: Schulpolitik und„paritätische* Berück- fichtig« ng de» katholisch« Bolle» bei der Besetzung der Aemttr und Stell« im«eich, Staat und Gemeinde, an gelang« beim Nachtwächter nnd«den» bei de* Spitz« der ReichSämtrr nnd bundes- staatlich« Ministerien, AuS dem«n« Heriling müssen Hertlingr werden. In frühen» Jahr« hat da» Zentrum mst d» polnisch« Kral- twnm des«eich», and de» preußisch« Landtage» gute Wafstn- brüderschast gehaste». Damals erhielt die.Kölnische Volkszeitung" den Spottnamen.Gazeta BachemSka". DaS wurde anders nrit der Radikal! siernn, d« Denffch-Pol« al» Folge der trotz eine» Aufwände» von mehr al» ein« halb« Milliarde gänzlich fehlgeschlagenen Ostmarkenpolitik. Die Germamsierung»- und Protestantisierungs- bestreb ung« im Ost« Preußen» Hab« mir eine nationalistische und wirtschaftliche Stärkung des Polen tum» und seine beispiellose politische Radikalisierung herbeigeführt. Damit ab« verschlecht«!? sich von Jahr zu Jahr da» V«hältni» d« Pol« zum Zentrum, bis es schließlich in heillose Femdseligkett ausartete, wie e» sich bci Wahl«, parlammtarischm Mtionm und im ZeitnngSkriege oft geuun auch dem gemstehmdm geoffenbart hat. D« Einfluß des Zentrums auf die katholisch« Pol« sank bi» in die Nähe de» Gefrierpunktes. Von den neu« Ding« erhofft da» Zentrum eine grundlegmde Besserung, weil e» glaubt, daß durch die nunmehr völlige Aussicht»- lostgkeit der grvßpolnifchen Ziele und infolge de» unabweisbar« Verschwind«» der Hakatistenpolitik der radikalpolnisch« Agitation d« Bod« entzog« werde. Da» Zentrum sieht deshalb sowohl Partei- politisch wie mnerpolitisch zurzeit d« Himmel voll« Geig«. «« « Der Erzbtschof von Posen- Gncseit, Dr. Dalbor, hat dem Kaiser für die Wiederherstellung des selbständigen polnischen Königreiche? telegrnphisch gedankt. Er hofft zuversichtlich, daß der Entschlus, .seine«fchlchüiche Miffton erfüllen wird, ein Schutzwall d« abend landischm Kultur uns Träger de» katholischen Gedankens im Oft« z» sew". Der Kaiser hat für diese Kundgebung gedankt: .Sie soll Mtt m diesem historischen Augenblick eine Gewähr dafür siein, daß d« gefaßte Entschluß zum Segen de» Deutschen Reiche? und des neu« Staate», wie zur dauernd« Sicherung der«ro- päisch« Kultur gereichen wird." Petersburger Aerger. Die offiziöse Petersburger Telegraphen-Agentur meldet: Sämtliche Mitglieder der Duma, sowohl die russischen wie die polnischen, haben das von Deutschland und Oesterreich-Ungarn veröffentlichte Manifest betreffend die Wiederherstellung Polens mit lebhafter Mißbilligung aufgenommen. In ein« gestern abgehaltenen Versammlung des Slawi- schen HilfSvereins in Petersburg wurde nach warmen An- sprachen der anwesenden Pol« und Russen eine Entschließung angenommen, die den Schritt Deutschlands und Oesterreich- Ungarns al» einfache Herausforderung bezeichnet. Diese Betonung der polnischen Entrüstung ist zu auffällig. als das vnas. die Mache nicht«regeneg würde, England über Polen. London, 10. Novencher.(SS. T. SB.)„T i m e S" schreibt über Polen: Man mnh sich erinnern, daß die Polen seit der deutschen Okkupation von allen Nachrichten über den Fortgang des Krieges abgeschnitten sind. Sie stehen seit Monaten unter der deutschen eisernen Verwaltung. Sie wissen, was ihre Tyrannen von ihnen cdvcirten und einige mögen es für zweckmätzig halten, eine Unter- würfigkcit zu heucheln, die sie im Herzen verabscheuen. Die Deut- schcn und ihre Verbündeten, die russischen Reaktionäre, werden natürlich eine solche Verstellung bis zum äußersten ausnützen, aber wir vertrauen, daß die anderen russischen Parteien so einsichtig und edelmütig sind, daß sie auf die Ausflüchte Rücksicht nehmen, zu denen die polnischen Brüder gezwungen werden könnten. Sicher ist, daß in ihren Augen wie in den Augen Europas und Amerikas die Proklamation des Großfürsten Nikolaus die Verfassungsurkunde aller polnischen Völker bleibt. Die SSochenschrift»T r u t h" schreibt: Wird jedermann, wenn es zu einer Auseinandersetzung kommt, den Vorschlag machen, daß Polen, das Deutschland unabhängig machen will, an Rußland zurückgegeben werden soll? Werden Frankreich und England einen solchen Vorschlag unterstützen? Der schlaue Deutsche hat einen hübschen Zankapfel für die Alliierten hingeworfen. „Morning Post" schreibt: Rußland kann sicher sein, daß, solange ein Fußbreit russischen Bodens von den Deutschen besetzt ist, England und die anderen Verbündeten Rußlands nichts von einem Ende des Krieges hören wollen. „Westm inster Gazette" erklärt: Es würde uns sehr überraschen, wenn die polnischen Führer und das polnische Volk durch das Angebot, das ihnen SDeutschland und Oesterreich jetzt machen, angezogen würden. Auf die Polen als Ganzes wird dieser Edelmut, der über fremdes Gebiet verfügt, schwerlich Ein- druck machen. Wie immer die augenblickliche Kriegslage sei, so wird die künftige Stellung der polnischen Provinzen doch nur durch das Allgemeinergebnis des Krieges bestimmt werden, und die Polen sollten sich nicht durch augenblickliche Versprechungen von der Richtung, in der ihre wahren Interessen liegen, ablenken lassen. pslitische Ueberftcht. Nachklang der Kanzlerrcde. Einstweilen liegen nur deutsche und österreichisch-ungariiche Prefsestimmen über die Rede des Reichskanzlers vom Donnerstag vor. Man liest sie mit mäßigem Interesse, denn, wie die Dinge nun einmal liegen, ist's in diesem Falle das Ausland, das das wichtigste Wort zu sagen hat. Die Blätter der Rechten bis zur alldeutschen„Tägl. Rundschau" variieren alle dasselbe Thema: Belgien. Sie betonen einstimmig. daß der von Beihmann ausgesprochene Verzicht auf die Annexion Belgiens noch keinen Verzicht auf die berühmten „Garantien" bedeuten solle, könne und dürfe. Etwas erregt zeigt sich die„Deutsche Tages-Ztg." darüber, daß der„Vorwärts" gestern schrieb, Bethmann habe � mit anderen Worten dasselbe gesagt wie Scheidcmaim: Frankreich französisch, Belgien belgisch, Deutschland dculich! Das agrarische Blatt fordert kategorisch eine RegierungS- crilärimg. daß der Reichskanzler weniger vernünftig denke als der Sozialdeniokrat. Mag die„Nordd. Allg. Ztg." dem agrarischen Blatt diesen Gefallen tun, wenn sie dabei nur kein Porzellan zer- schlägt. Wenn man wie der Neichskanzler der Meinung ist, daß der Schrei nach dem dauernden Frieden sich durchsetzen werde, so braucht man auf Sicherungen für einen künftigen Krieg nicht mehr ängstlich be- däckit zu sein, wie die Presse der Rechten ist. Da Belgien nicht annektiert wird, ist es selbstverständlich, daß es ein freier Staat bleibt, lieber seine äußere politische Stellung wird bei den Friedens- Verhandlungen mit ihm und den anderen gegnerischen Staaten unter- handelt werden müssen. An diesem Punkte kann aber die Einigung nicht scheitern, wenn man auf allen Seiten auf die über- staatliche. Organisation und auf das allgemeine Schiedsgericht ein- geschworen ist. Verhältnismäßig verständig äußern sich die Nationalliberalen. Die„National-Zeitung" nemrt die Rede einen Schritt zum Frieden und die„Börscn-Zcitung" tritt lebhaft für die Schieds- gcrichte ein. Siecht merkwürdig mutet die Haliuug de? Zentrums— im Hauptausschuß wie in der Presse— an. Die„Germania" klammert sich an die belgischen Garantien und äußert sich in recht unchristlicher Weise über die Idee der Schiedsgerichte, die doch dem Katholizismus ganz besonders willkommen sein müßte: „In der Tat, wer seit Jahren so aggressive Politik getrieben hat, wie unsere Feinde, wie vor allem England mit seiner Ein- kreisung unter skrupelloser Ausnutzung der französischen Revanche- gelüste und der russischen Expansionsabsichten, der paßt wohl zum Bock, aber nicht zum Gärtner im Treibhause des Völker- friedcnS." � Tie„Germania" ist in diesem Fall viel unpäpstlicher wie der Papst. Die fortschrittliche Presse stimmt im wesentlichen dem Reichs- kanzler zu und tritt lebhaft für die Schiedsgerichte ein. Die österreichische und ungarische Presse ist mit der Rede sehr zufrieden. Die Wiener„Arbeiterzeitung" hat den Eindruck, daß sie „ein ernstliches Friedensangebot sein will".„Pesti Hirlap" meint, die Rede des Reichskanzlers müsse den Frieden mächtig fördern, wenn den Feinden nicht jede sachliche Erwägung geschwunden sei, und „Alkotmonh" fügt hinzu, der Kanzler habe durch die Erklärung, er habe nie die Annexion Belgiens gefordert, der Entente eine Waffe entwunden,>nit der sie die Leidenschaften gegen Deutschland wegen dessen angeblicher Annexionkpläne geschürt bat. Man darf aus der feindlichen Auslandspresse natürlich kein so freundliches Echo erwarten. Man wird schon zufrieden sein, wenn sich in ihrer Haltung eine Wendting zum Bessern bemerkbar machen sollte! Ein Urteil über den Staatssekretär Tr. Hclfferich. Dr. Julius Bachem kommt im„Tag" auf die Schutzhast- und Zensurdebatte im Reichstag zurück und äußert sich besonders zu der Haltung, die der Staatssekretär des Innern, Dr. Helfferich, zu diesen Auseinandersetzungen eingenommen hat. Es ist im Reichstag schon so. ziemlich bei allen Parteien unangenehm aufgefallen, daß der Staatssekretär grundsätzlich für die Zensur und die Schutzhaft eintrat und daß er sich den erhobenen Angriffen gegenüber daraus beschränkte, zu erklären, die einzelnen Angaben sollten untersucht werden, obwohl offenkundig zutage lag, daß die einzelnen Behörden sich schwere Mißgriffe hatten zuschulden kommen lassen. Daran an- knüpfend sagt nun Dr. Bachem: „Vor allem ist bei der erdrückenden Mehrheit des Reichstages und des deutschen Volkes die Empfindung sehr lebhaft, daß das Auftreten des Staatssekretärs Dr. Helfferich in der Sitzung des Reichstages vom 28. Oktober ein, gelinde gesagt, wenig glück- l i ch e s war, daß der Staatssekretär, wenn er auch alle Veranlassung haben mochte, eine Prüfung der Angaben des Abg. Dittmann von der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft sich vorzubehalten, doch wenigstens konditionaliter für die ungeheuerlichen Dinge, welche da zur Sprache kamen und alles menschliche Gefühl erregen mußten, den Ton der Entrüstung hätte finden sollen. Und was die Ausschreitungen der Zensur anbelangt, bezüglich deren ein sehr ausgiebiges, völlig einwandfreies Material vorliegt, so herrscht auch darin nahezu allgemeine Uebereinslimmung daß in militärischen Dingen die Zensur zwar nicht zu entbehren ist daß ober hinsichtlich der Erörterung politischer Auffassungen nicht nur die Parität gegenüber allen politischen Richtungen streng zu wahren ist, sondern auch ein viel größeres Maß von Freiheil ge- währt werden könne und gewährt werden müsse, nicht zum wenigsten im Interesse der politischen Stellen, welche die Zensur vielfach ungeschickt und übereifrig zu schützen sich hat angelegen sein lassen." Verlängerung der Amtsdauer der Stadtverordneten- ruandate in Preuhen. Durch eine königl. Verordnung wird den Gemeinden die Befugnis gegeben, durch Gemcindebeschlutz zu bestimmen, daß die Amtsdauer derjenigen Gcmeindevertreter, die Ende 1916 auszuscheiden hätten, um ein Jahr verlängert wird. Der Ge- nehmigung der Regierung bedarf ein solcher Beschluß nicht. Die Regierung hat den Weg der Verordnung gewählt und nicht den Weg der Gesetzgebung beschritten, weil die Wahlen nach der Städteordnung im N o V e m b e r zu erfolgen haben, bis zu diesem Termine aber das Gesetz nicht verabschiedet werden kann.— Die Verordnung sieht weiter vor, daß, wenn später eine Neuwahl stattfindet, die Amtsdauer des neugewählten Stadtverordneten nicht sechs, sondern nur sünf Jahre be- trägt.___ Tie„Deutsche Nachrichten-BerkehrSgesellschaft" wendet sich mit einer Erklärung gegen die„Unabhängige Nanonal-Korrcspondenz", die behauptet Halle, die Gesellschaft mit dem langen Namen sei ein offiziöses Organ. Die„Deutsche Nachrichten-Verkebrsgesellschaft" will das nicht sein und weist die Kennzeichnung als osfiziöses Bureau entschieden zurück._ Das tägliche Srot. Dr. Heims Bauernprcdigt. Anläßlich der Ncgensburger Bauerntagung rief der bayerische Baucrnführer Dr. Heim den Bauern ins Gewissen, daß eS un- gerecht und um jede Stunde, die er sich für den Bauernstand abgemüht habe, schade wäre, wenn es die Bauern dazu brächten, in ihrer Mehrheit aus dieser Zeit der Not Ka- pital zu schlagen und sich am Blutgeld zu be- reichern. Wer es aber tue, mache sich einer himmelschreienden Sünde schuldig. Zum gleichen Thema wird in der katholischen„Westdeutschen Arbeltcrzeiiung" berichtet: „Ein Zufall führte mich aufs Land in eine Versammlung von Landwirten, Gemüseinteressenten und dergleichen. Vom rationellen Gemüsebau und anderem war die Rede. WaS mir auf- fiel, war der vollständige Mangel an Beziehung zu den Kriegs- notverhältatssen der städlischen Bevölkerung in den gepflogenen Be- ratungen. Die Frage der Erzeugung von Lebensmitteln erschien einzig und allein in der Betrachtung des zu erlangenden Gewinnes, die Ermutigung der Landwirte zum Anbau von diesem und jenem erfolgte immer nur unter Hinweis auf die unter den obwaltenden Verhältnissen sicher zu erwartende hohe und noch höhere Rentabilität." Rcichsrat und Ernährungsauit in Oesterreich. Der„Vosstschen Zeitung" wird aus Wien berichtet: In Parlamentskreiscn erwartet man die baldige Aufnahme der Verhandlungen Koerbers mit den Parteien wegen Einberufung des Parlaments. Ein Haupthindernis dafür ist mit dem Kabinetts- Wechsel weggefallen. Das Parlament dürfte Ende Februar oder Anfang März zusammentreten. Zunächst soll eine kurze Reichs- rats-Session stattfinden, dann soll eine ausgiebige Delcgations- Session stattfinden. *• ♦ Wie der„Voss. Ztg." weiter gemeldet wird, hat der frühere Ministerpräsident Frhr. v. B e ck die ihm angebotene Leitung des Ernährungsamtes abgelehnt. In einer Denkschrift hierüber äußert er verfassungsrechtliche Bedenken und fordert, daß eine Ernährungszentrale für Oesterreich, Deutschland und Ungarn geschaffen werde. Nunmehr soll der Ministerpräsident Dr. v. Körber selbst die Leitung des ErnährungSamtes übernehmeir wollen. Er verwaltet bisher kein Einzelrcssort. Gemüse:Ausfuhrvcrbot in Dänemark. Kopenhagen, 9. November.(W. T. B.) DaS dänische Justiz» mMisterium erließ heute ein Ausfuhrverbot für alle Gemüsearten diesjähriger Ernte, sowohl in frischem als in getrocknetem oder anders zubereitetem Zustande. Die bisher erlassenen Ausfuhr- bestimmungen für einzelne Gcmüsearten verbleiben in Kraft. Mus öer Partei. Die früheren„Vorwärts"- Redakteure Leid, Stadthagen und Ströbel senden uns eine Erklärung, in der sie dem„Vorwärts"- Verlag das Recht der Kündigung bestreiten. Sic erachten den Be- schluß der Groß-Berliner Generalversammlung, der sie auffordert, auf ihrem Posten auszuharren, fiir bindend, bis die Gcrichte über den ,Vorwärts"-Konflikt entschieden hätten. Die Prcßkommission deS„Vorwärts" sendet uns eine E r- k l ä r u n g, in der sie gegen die Entlassung der Redakteure Leid, Stadthagen und Ströbel durch den Verlag Einspruch erhebt. Tie Entlassung sei ftatuten- und rechtswidrig, weil die Preßkommission ihre Zustimmung nicht gegeben habe und auch nicht geben würde. Der Parteivorstand hat der Preßkominission am 19. Ro- vember ans eine Anfrage folgendes mitgeteilt: „Der Partcivorstand ist bereit zu Verhandlungen mit der Preßkominission, kann diese Verhandlungen aber erst dann auf- nehmen, wenn die Preßkommission, die mit dem Parteivorstand die Interessen des„Vorwärts" wahrzunehmen verpflichtet ist, Siek- lnng genommen hat gegen den Boykott des„Vor- w ä r t s" durch die Berliner Körperschaften." Gesterreichischer Mrbeitertag. Auf Einberufung durch die deutschösterreichische Partei- leituug, die Gewerkschaften, Genossenschaften und Kranken- lassen tagte in Wien ein von etwa 1996 Delegierten und den Vertretern aller Ministerien besuchter Arbeitertag._ Ueber die Ernährungsfragen referierte Genosse M. E l d e r s ch. In der Resolution wird vor allem Durchfüh- rung der G l e i ch h e i t in der Ernährung aller Volksklassen, von allen Fachministerien unabhängige Ernährungsämtcr in Oesterreich und Ungarn, Vertretung der Verbraucher auch in den Kriegsernährungszentralen gefordert und eine Reihe von Einzelforderungen aufgestellt. Darauf beschäftigte sich der Arbeitertag mit der recht- lichen Stellung der Arbeiter im Kriege. Dar- über referierte Abg. Domes- Wien(Metallarbeiter). Der Bericht der„Wiener Arbeiterzeitung" über diese VerHand- lung ist zum allergrößten Teil der Zensur zum Opfer ge- fallen. An der Spitze des Blattes prangen in Fettdruck fol- gende Worte aus der Antrittsrede des neuen Justizministers Dr. Klein: Sofern aber gegen einzelne Institutionen im Bereich der Rechtspflege oder gegen deren HandlMung in der Oesfenttichlcit im großen Stile Beschwerde geführt wird, wird man um so weniger sorglos daran vorübergehen dürfen. Es wird vielmelw nach dem berechtigten Kern zu forschen und ihm tunlichst Rech- nung zu tragen sein, um, wo es verhütet werden kann, über- flüssige Unzufriedenbeiten sich nicht ansammeln zu lassen. Das gilt zumal für die Klagen über die Behandlung der Presse. Referat und Debatte behandelten zumeist die höchst be- denklichen Wirkungen der Unterstellung privatkapitalistischer Betriebe unter„staatlichen Schutz" und militärische Diszi- plin. Hierbei werden vielfach die Privaten Interessen des Unternehmers mit dem Staatswohl verwechselt und überdies wird Arbeitern, die dagegen remonstrieren, gedroht, sie als „Kriegsleister" oder gar als„Lcrndsturmarbeitcr" einzuziehen. Schlichtungskommissionen. Militär- arbeittarife usw. gibt es nicht, init Ach und Krach wurde_ die Einsetzung einer Beschwerdekommission für die Metallindustrie Niederösterreichs erreicht, die aber tvegen ihrer völligen Machtlosigkeit fast gar nicht niehr angenifen wird. In der Debatte ergriff, stürmisch begrüßt, Abg. Dr. Viktor Adler das Wort. Er zog aus den Mitteilungen der einzelnen Branchenverttcter den Schluß, daß der„staat- liche Schutz" Schutz für die Unternehmer bedeute und appellierte in der eindringlichsten Weise an die anwesenden Re- gierungsvertreter, im Interesse des Staates und seiner Zu- kunft schleunigst die Anstellung werblicher Gewerbe- ins Vektoren zn� veranlassen. In der Resolution zu diesem Punkt finden wir, soweit sie nicht aus einem weißen Fleck besteht, folgende Forderungen für alle unter dem Kriegsdienstleistungsgesetz stehenden Arbeiter: 1. Staatlichen Schutz der Lohnrecht« und der Tarifverträge. Gleichstellung der Löhne der Frauen bei gleicher Leistung. 2. Strenge Beaufsichtigung der Betriebe zum Schutze der Gesundheit der Arbeiter, vollständiges Verbot der Arbeit von Kindern unter vierzehn Jahren, Vermehrung der Gewerbe- Inspektoren und SBerustrng von fachlich gebildeten Frauen für dieses Amt. 3. Wahrung der Organisationsrechte der Arbei- ter, Schutz ihres Versammlungs- und Vereinsrechtes sowie aller ihrer staatsbürgerlichen Rechte. 4. Genaue Feststellung der Kompetenz der mili- tärischen Leiter der Betriebe als Organe, die ausschließlich zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Disziplin berufen sind, Anhörung beschuldigter Arbeiter vor Verhängung von Strafen, Einspruchsrecht mit ausschiebender Wirkung und Beseitigung aller Strafarten, die geeignet sind, die Arbeiter zu demütigen und zu entehren. Schaffung einer besonderen SBeschwerdeinstanz gegen die Strafverfügungen. 5. Errichtung von Beschwerde- und Lohnkom- Missionen, die aus SZertretern der Arbeiter und der Unter- n ei m er und aus Delegierten der zuständigen Behörden zu bilden sind. Die 3nöienMeljung öer rujsifthen Emigranten in England. Man schreibt uns: Die englische Regierung hat durch ihren Minister des Innern Herbert Samuels vor mehreren Monaten im Unterhause erklären lassen, daß sie die hoercspflichtigen russischen Staatsangehörigen, die in England leben, ausfordert, sich der englischen Armee,„die für ihre gemeinsame Sache kämpft", anzuschließen, widrigenfalls sie an Rußland ausgeliefert werden würden— mit Ausnahme der wirklichen politischen Flüchtlinge, denen gegenüber England das geheiligte Asylrccht nicht anzutasten bestrebt sei; die Identität dieser Flüchtlinge würde vor speziellen Gerichtshöfen festgestellt werden müssen. Im Unterhause hat diese Slnkündigung seinerzeit zu stürmischen T>ebatten geführt, auf die hier nicht näher einge- gangen werden kann. Zum„freiwilligen" Eintritt in die englische Armee hat Mr. Samuels für die russischen Emigranten bereits zweimal einen„letzten" Termin angesetzt— aber auch zum zweitenmal ohne Erfolg. Keine einzige zwangsweise Aus- lieferung an Rußland ist bisher durchgeführt worden. Allerdings wurde ein der russischen Kolonie unbekannter Mann, wie Mr. Sa- muels erklärte, auf sein eigenes Ersuchen auf einem englischen Kreuzer nach Archangelsk abtransportiert. Aber nach Vermutungen der Londoner Flüchtlingspresse soll es ein gefügiges dunkles Subjekt gewesen sein, das sich hergab, um einen— für die englische Ver waltu ngspraxis so wichtigen— Präzedenzfall herstellen zu können. Der Stand dieser Angelegenheit ist heute der folgende: Der zweite„letzte" Termin läuft in' kurzem ab. Obgleich im jüdischen Viertel Londons, Liverpools, Glasgows, Edinburgs und Man- chesters(es handelt sich fast ausschließlich um polnische, litauische und baltische Juden, die in diesen Städten ansässig sind), die Werbetrommel eifrig gerührt wird(und zwar von Juden selbst, wovon später die Rede), ließen sich nur vereinzelte dazu anlocken, deS Königs bunten Rock„freiwillig" anzuziehen. Was die eng- lische Regierung nach?ll>laus dieses Dermins vornehmen wird, läßt sich beute nicht entscheiden. Tie Initiative zum Zwangsdienst der russischen Emigran- ten gehört weder der russischen Regierung, wie dies mehrfach be- hanptet wurde, noch mich der englischen Regierung selbst. Der �Initiator ist der russisch-jüdische liberale Publizist SSladimir S h a b o t i n s k h. Shabotinsky ist Z i o n i st. In seinem zioni- stischen Hirn entstand nun die fixe Idee, die gegenwärtige„gün- stige" Weltlage zur Verwirklichung des Zionismus zu be- nutzen, d. h. bei„Verteilung" der Türkei— einen I n d e n st a a t unter englischem, letztenfallS auch unter russischem(!!) Protektorat zu gründen. Zu diesem Zwecke agitiert er für die Schaffung jüdischer Legionen zur Eroberung Palästinas. Ihm zur Seite steht der russische politische Flüchtling Peter Rutenberg. Bald nach dem Eintritt der Türkei in den Krieg sammelten diese beiden Herren in Alexandrien(Aegypten) unter den aus der Tür- kei geflüchteten, obdachlos gewordenen jungen russisch-jüdischen Kolonisten Palästinas eine jüdische Legion, die sich den englischen Truppen anschloß und bald daraus bei der Dardanellen- Operation fast restlos hingemäht wurde. Nachdem diese(etwa 999) jungen Menschenleben aufgeopfert worden waren, begab sich Nutenberg zur Agitation nach New Dork, wo er aber tauben Ohren predigt; Shabotinsky ging nach London und ließ sich Grey als „Führer" der russischen Juden empfehlen. Grey fragte nun Herrn Shabotinsky nach den Wünschen des von Herrn Shabotinsky„ge- führten" jüdischen Volkes.„Wir wollen Palästina" war die Antwort. Bll rigbt, soll äußerst verbindlich Mr. Grey erwidert haben, gehen Sie hin und holen Sie es sich! Shabotinsky ging nun wirk- lich hin— ins englische Kriegsministerium und entwarf dort den Plan der Schaffung jüdischer Legionen, die sich zur Eroberung Palästinas für die Juden der englischen Heeresmacht unkerstellen sollen. Das Ministerium fand diesen Plan teilweise gar nicht übel, und zwar hatte es nichts gegen den letzten Teil des Vor- schlags einzuwenden. Und so gab Shabotinsky der englischen Re- Gerung den Anstoß zu ihren späteren Maßnahmen. Allerdings ist heute weder von einem Judenstaat, noch von besonderen Juden- lcgionen im Bestände der englischen Truppen die Rede, was aber Herrn �-habotinsky nicht hindert, seine„Arbeit" fortzusetzen. Seine vertrackte Idee nennt er jüdischen bzw. zionistischen„Aktivismus". Daß er in den Räumen des Londoner Kriegsministeriums arbeitet— also wohl im Dienste der englischen Regierung steht—, hat Mr. Samuels im linterhause selbst zugegeben. Im übrigen trifft es sich zufällig, imß Mr. Herbert Samuels, der.englische Minister, der unmittelbar den Zwangsdienst der russisch-jüdischen Emigranten einleitet, ebenfalls Jude ist. Auf einer von den russischen sozialistischen Gruppen Kopen- Hägens einberufenen Protest Versammlung gegen die englische Regierung wurde hierzu folgende Resolution gefaßt: „... Wir brandmarken das Bestreben der englischen Regie- rung, die russischen Flüchtlinge, die in England eine Zuflucht suchten,... an das unmenschliche Leiden auszuliefern, das sie in ihrem Geburtsland erwartet. Nichts macht die wahren Ziele dieser „Kämpfer für Freiheit und Recht der unterdrückten Völker" beut- licher, als das Bündnis des„freien" England und des republi- kauischen Frankreich mit dem russischen Zaren und die Bereitwillig- ieit der englischen Regierung, das Asylrecht, auf das sie so stolz toar, aufzugeben, dem russischen Absolutismus zu Gefallen..... Wir appellieren an alle, denen die Grundsätze der Freiheit und der Demokratie noch heilig sind." S. K. Verfehlte öefthwichtigungs- versuchet llitS wrvd aus Kreisen der Minderheit geschrieben: Am Vorabend der Reichskonferenz unserer Partei brachte unser Kölner-Parteiblatt, die„Rheinische Zeitung", einen Klageartikel über eine im Verlage des Polksvereins für das katholische Deutschland zu M.-Gladbach erschienene Schrift eines Dr. rer. pol. Richard Berger, welche die„Fraktions- spaltung und Parteikrisis in der deutschen Sozialdemokratie" behandelt. Obgleich die Broschüre eine angeblich objektive Sammlung von Tatsachen sein soll— der Verfasser erklärt, daß er nur das Material zusammenstellen wollte und deshalb mit Bedacht von jedweder parteipolitischen Ausnützung des Stoffes, ganz abgesehen von dem Gebote des Burgfriedens, Abstand genommen habe—, so sah die„Rheinische Zeitung" in ihr doch das erste Anzeichen schweren Unheils, das für die deutsche Sozialdemokratie heraufsteigt. Sie betitelte ihren Artikel„Nummer eins" und wollte damit zu verstehen geben, daß die Bergersche Schrift nur der Auftakt einer mit dem Fall des Burgfriedens, und vor allem bei den nächsten Wahlen zu erwartenden Serie von antisozialdemokratischen Zentrums- agitationsschriften sei, in denen der Kampf zwischen der Rechten und der Linken, der sich jetzt in unserer Partei ab- spielt, in skrupelloser Weise ausgenützt werden würde. Und es war doch nach dem 4. August 1914 alles so gut und schön gewesen. Den Gegnern war die stets mit Vorliebe gegen die Sozialdemokratie gebrauchte vergiftete Beschuldigung der Vaterlandslosigkeit aus der Hand gewunden, als betrübte Loh- gerber sahen sie ihre Felle fortschwimmen, mit verdutzten Mienen fragten sie einander, woniit sie nun in Zukunft ihre Agitation gegen die Arbeiterpartei bestreiten sollten. Aber da kam die böse Opposition und zerstörte das herrliche Werk, das die sozialdemokratischen Staatsmänner errichtet hatten. Beinahe sollte man glauben, daß die Gegner an der Sozialdemokratie nichts anderes auszusetzen gehabt hätten und in Zukunft haben würden, als ihre an- gcbliche Vaterlandslosigkeit: als gäbe es sonst nichts, was uns von den Bürgerlichen trennte, weder die großen Gegen- sätze auf wirtschaftlichem und wirtschaftspolitischem Gebiet, noch die der Weltanschauung, aus der die politischen Grund- sätze fließen. Vielleicht meint die„Rheinische Zeitung", daß diese Gegensätze sich in konsequenter Weiterentwicklung der Politik des 4. August immer mehr abgeschliffen hätten, daß die Partei auf diesem Wege zur Bewilligung des Budgets, der Militär- und Marineforderungen und der Mittel für die Kolonialpolitik kommen und auch ihre Ablehnung der Schutz- Zollpolitik ausgeben müßte. Das mag stimmen, und Zweifel- los würde das unseren Gegnern viel Agitationsmaterial cnt- ziehen, das sie jetzt eifrig wider uns verwenden. Aber schließ- lich treiben wir doch nicht Politik zu dem Zwecke, anderen kein Stein des Anstoßes zu sein und ihnen keine Angriffs- fläche zu bieten, sondern, um die Interessen der Arbeiterklasse zu wahren und für sie politische Macht zu gewinnen. Mit stetem ängstlichen Schielen nach dem Gegner wird man nur den eigenen Weg verlieren und die Mannschaft dazu. Dabei würden wir die Gegner doch niemals völlig entwaffnen, sosern wir nicht unser eigenes Wesen total aufgeben. Selbst wenn wir hinfort militär-, marine- und kolonialfromm werden wollten und trotz aller indirekten Steuern und aller anderen Schönheiten des bür- gerlichen Staats das Budget bewilligen und uns für Hoch- schutzzölle begeistern wollten, wir blieben doch innner noch die Enteianer des Privateigentums und die Republikaner unse- rem Ziele nach— von unserer angeblichen Religionsfeind- schast gar nicht zu reden—, und es hieße unseren Gegnern wirklich zu wenig zutrauen, wenn wir vermeinen wollten, sie vermöchten mit diesen Ingredienzien nicht annähernd ebenso gefährliche Tränke zusammenzubrauen, als sie bislang ge- könnt. Die„Rheinische Zeitung" und die Rechte überhaupt— von den Revisionisten der äußersten Rechten, wie Kolb u. a. abgesehen— werden bestreiten, daß sie eine solche Fortsüh- rung und Weiterentwicklung der Taktik des 4. August wollen, wie wir sie hier skizziert haben. Wir tvollen es dahingestellt sein lassen, ob sie nicht durch die bittere Logik der Tatsachen, durch die Konsequenzen, die sich aus ihrer bisherigen Haltung ergeben, dahin gedrängt werden würden, wenn sie sich nicht noch zu einem Bruch mit dieser Haltung aufzuraffen ver- möchten. Aber wenn jener Gedankengang, daß man die Geg- ner entwaffnen müsse, indem man ihnen möglichst wenig Angriffsfläche bietet, anstatt daß man sie durch energische Be- tonung der der Sozialdemokratie eigentümlichen Ziele und Bestrebungen überwindet, wirklich keine weitere Folge haben, wenn die Handlung vom 4. August eine Vereinzelle bleiben sollte, so waren die oben-dargelegten Ueberlegungen doch nicht überflüssig. Denn sie zeigen, daß mit der Wegräumung der einen Beschuldigung gegen unsere Partei noch nicht viel er- reicht ist, daß die Gegner noch Ersatzmaterial genug behalten. Und wenn wir auch anerkennen wollen, daß der Vorwurf der Vaterlandslosigkeit ein besonders eindrucksvoller ist und von vornherein starke Vorurteile gegen alle Werbearbeit der Sozialdemokratie wecken mußte, so will es uns doch scheinen, *) Anm. Dieser Artikel befindet sich seit längerer Zeit in unseren Händen, mußte aber bisher wegen Raummangels zurückgestellt werden, daß unser Bekenntnis zum Republikanismus und zum Kollek- tivisnws gerade in jenen Kreisen der Bevölkerung, die von der angeblichen Vaterlandslosigkeft der Sozialdemokratie ab- gestoßen wurden— große Schichten der Station sind auf den Schwindel je länger je weniger hereingefallen, wie das Wachstum der Partei lehrt—, unserer Agitation kaum ge- rmgere Hindernisse in den Weg legen wird. Solche Hinder- nisse sind nicht unübersteiglich. Sie werden überwunden, wenn die Partei einen guten Fonds politischer Arbeit hinter sich hat. Und so kann denn auch trotz aller Unkenrufe der Rechten die sozialdemokratische Linke den kommenden Abrech- uungen mit Zuversicht cntgegenseheu. Sie braucht die Prü- fung, ob ihre Haltung im Juteresse der großen Massen des Volkes war, nicht zu scheuen. Gerade die Erfahrungen, die das deuffche Volk in diesem Weltkriege macht, werden da sehr stark mftsprechen, und die sozialdemokratische Rechte kann in dieser Hinsicht noch allerlei unerwartete Erfahrungen machen. Die„Rheinische Zeitung" dürfte behaupten, daß sie weniger den Kampf in der Partei an sich, als die„Maßlosig- keilen" und„Entgleisungen" verurteile, die er zeitigt. Sie sieht diese Uebel, wie sie zwar nicht direkt sagt, aber doch ziem- lich deutlich zu verstehen gibt, bei der Linken. Wie glauben, daß die Linke einen Vergleich ihrer Aeußerungen mit gewissen Kundgebungen des Parteivorstandes und anderer Instanzen, die die Rechte vertreten, schon aushalten kann: die Frage, wer den Gegnern durch„Maßlosigkeiten" und„Entgleisungen" mehr Material geliefert hat, ist keineswegs so glatt im Sinne der Rechten zu beantworten, wie das Kölner Blatt sich das vorstellt. Dafür liefert unter anderem die Schrift des Dr. Berger selbst ein paar interessante Beweise. Einer davon geht die Berliner Genossen näher an und sei deshalb hier an- geführt. Aus den Seiten 72 und 73 gibt der Verfasser fol- gende Charakteristik des Berliner Genossen: „Der Berliner Genosse ist ein besonderer Typ. Von dem Arbeitsernst der Organisationen und dem Pflichtbewußtsein in denselben, dem wir im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, im Saargebiet und in Oberschlesien begegnen, wo große Macht- faktoren auf Unternehmer- und Arbeiterseite einander gegenüber- stehen, ist er nie so durchdrungen gewesen wie die tiefen West- falen, die selbstbewußten Saarleute und die gemütvollen Schlesier. Die anders geartete Industrie Berlins, der die Riesendimen- sionen des Westens abgehen, die brandenburgische Umgebung und das Berliner Milieu färben ab, und die Riesenmassen der all- jährlich zugewanderten Arbeiter unterstreichen noch den Grund- ton alles menschlichen Strebens, innerhalb seiner Art sich möglichst viel Geltung zu verschaffen. Es läge nahe, einen Ver- gleich zwischen den Berliner Arbeitermassen und der römischen Plebs in der vorzäsarischen Zeit zu ziehen. Politische Seusatio- neu und radikale Neigungen gäben eine interessante Parallele. Natürlicher und ungeschliffener, wenn vielleicht auch noch wankel- mütiger waren die römischen Volksmassen auf alle Fälle. Die moderne Stadt der Intelligenz und Wissenschaft aber, die dem Bildungsfimmel wahre Hekatomben brachte und dabei die Willcnserziehung, ohne die Organisationen nicht zusammenzu- halten sind, doch allzusehr beiseite ließ, schneidet ungünstiger ab und zeitigt heute ihre schlechten Früchte, obwohl die Berliner Ge- Nossen mehr Gelegenheit zur politischen Urteilsbildung haben, als ihre Genossen in Rheinlands und Westfalens Industriegebiet. Sie haben allerdings auch ihre eigene Presse, die Berliner; wir kennen sie, den„Vorwärts". In der Gesamtpartei hatte man sich verständigt, während der Kriegszeit nur notwendig gewordene Ersatzwahlen vorzu- nehmen. Auch die Berliner hatten sich noch im Juni des letzten Jahres auf diesen Standpunkt gfftellt, dann aber war Liebknecht aufgetaucht, die erste große Berliner Sensation. Eine schlug die andere:„Kleine Anftagen",„Geschäftsordnungsdcbatten",„Per- sönliche Bemerkungen". Geyer kam und Haase und Ledebour und Stadthagen und die Hoffmann. Im preußischen Landtag, im Dreiklassenparlament, gab es gleichfalls interessante und pikante Fälle. Der„Vorwärts" sorgte schon für schmackhafte Zurüstung dieses wohlgekochten Futters, das die Praktiker auf dem Felde parlamentarischer Tätigkeit immer wieder so hoff- nungsgrün zu schneiden wußten. Dann die Theoretiker mit Kautsky an der Spitze und Mehring, dem Historiker, zur Seite, auch sie kannten ihre Berliner und wußten wohl, daß von den alten revolutionären Platten und aus den traditionellen Schüsseln die Kost am besten munden würde. Die Berliner, die Prinzipienfesten, die Hüter der Tradition, die Vertreter der großen Gedanken, die Vorbilder für das Reich! Und das in schwerer Zeit! Wenn alles weicht und schwankt, wenn der Partei- vorstand und Parteiausschuß die Beschlüsse der Parteitage und die Abmachungen der Internationale nicht achtet, die Reichs- tagsfraktion dem Staate Kredite bewilligt, dem sie früher keinen Mann und keinen Groschen gegeben, die Polksvertreter zu Volks- Verrätern werden und dann, als sie befürchten müssen, daß die Massen sich dagegen sträuben, zu den Zwangsmitteln der Orga- nisation greifen! Alan stelle sich das einmal wirklich bor, und dann die durchhaltende und durchgeknetete Bearbeitung der Massen mit ungezählten Flugblättern und Handzetteln, die Auf- peitschung der durch den Krieg an sich nervös gewordenen Ge- müter in geheimen Konventikeln, und dann wundere man sich nicht, wenn die Revolution gegen den Parteivorstand und die alte Fraktion, die wohl weiß, um was es sich handelt, und ziel- bewußt ihre Wege gehend, alle Mittel in ihren Dienst stellt, zum Siege, zu ihrem Siege kommt— in Berlin----" WaZ der Herr Dr. Bergcr über die Berliner Genossen zusammenschreibt, ist mm freilich sehr gleichgültig. Minder gleichgültig aber ist der Umstand, daß der Verfasser, dem„in keinem Punkte absichtliche Unrichtigkeit vorgeivorsen" werden kann, diesen Ausführungen hinzufügt: „So ungefähr machen die sozialdemokratischen Parteiblätter der Provinz ihren Lesern tsie Berliner Wirren klar." Die Farben für sein Zerrbild sind dem Verfasser also von der sozialdemokratischen Rechten geliefert worden, die Vor- bilder für seine Figuren erhielt er eben von dort. Und wenn er die Farben auch dicker und krasser aufgetragen und die Linien vergröbert und noch weiter ins Karikaturenhafte ver- zerrt hat, die Behauptung, daß er nach Material gearbeitet hat, das ihm sozialdemokratische Blätter geliefert haben, ist weder eine absichtliche, noch eine unabsichtliche Unlvahrbeit. Die sozialdemokratische Rechte hat wirklich keinen Anlaß, sich pharisäisch über die Linke zu entrüsten ob ihrer„Maß- losigkeiten" und„Entgleisungen". Wir lieben solche Aus- wüchse des Kampfes gewiß nicht und sähen es sicherlich gern, wenn die Gegner sie nicht in ihre Agitationsmappe sammeln könnten. Aber wir wissen auch, daß Temperamentausbrüche und Ungerechtigkeiten im Kampfe'der Ueberzeugungen nie zu vermeiden sind, daß man sie in Kauf nehmen muß, wenn man nicht viel Wertvolleres als die würdige Außenseite der Partei gefährden will. Und deshalb halten wir es für angebracht, den Kampf nach Möglichkeit sachlich zu führen, uns aber über „Maßlosigkeiten" und„Entgleisungen" nicht übermäßig zu entrüsten. Das erscheint uns ehrlicher, als die beweglichen Klagelieder der Beschwichtignngspolitiker. Jedenfalls dürfen die Genossen sich durch solche Litaneien in ihrem Kampf wider die Rechte, um die- Mehrheit in der Partei nicht einen Augen- blick irremachen lassen. Soziales. Krugswochenhilfe bei Entlassung des Ehemannes aus dem Heeresdienst. Nach den Bundesratsverordnungen über die Kriegs- wochenhilfe wird die letztere auch den Ehefrauen solcher wegen Verwundung oder Erkrankung entlassenen Kriegsteil- nehmer gewährt, die an der Wiederaufnahme einer Erlverbs- tätigkeit durch Verwundung oder Erkrankung verhindert sind. Diese Vorschrift hat vielfach zu Zweifeln Anlaß gegeben. Das Reichsamt des Innern hat sich jetzt aus gegebener Ver- anlassung hierüber dahin geäußert, daß die Absicht der Vor- schrift offenbar dahin gehe, die Wohltat dieser Wochenhilfe nicht auch solchen Personen zuzuwenden, die selbst wieder für sich und ihre Familie sorgen können, bei denen also der ur- sprüngliche Grund für die Bereitstellung jener Hilfe fortge- fallen ist. Daraus folgt jedoch, daß nicht schon jede gering- fügige Erwerbstätigkeit oder die Möglichkeit einer solchen das Recht auf Wochenhilfe ausschließen soll. Es muß vielmehr eine Erwerbstätigkeit vorhanden sein, die zwar der normalen oder der früheren des betreffenden Ehemannes nicht gleich oder auch nur sehr nahe zu kommen braucht, die aber immer- hin noch für die Möglichkeit ausreicht, für die eigene Person und für die Familie den Lebensunterhalt zu beschaffen. Ob diese Voraussetzung gegeben ist. wird sich jedesmal nur nach den Umständen des Einzelsalles beurteilen lassen. Es läßt sich nicht im voraus angeben, wie groß in Prozenten der vollen Erwerbsfähigkeit die Beeinträchtigung sein muß, um die Gewährung oder Nichtgelvährung der Wochenhilfe zu rechtfertigen. Dem freien Ermessen der für die Bewilligung zuständigen Stellen ist hier ein gewisser Spielraum gelassen. Dabei dürfte es als selbstverständlich anzusehen sein, daß hier- bei wohlwollend verfahren wird und daß in Zweifelsfällen die Entscheidung der zuständigen Spruchinstanzen(Versicherungs- amt und Oberversicherungsamt) anzurufen ist. Gegen den Sparzwang. Das Generalkommando des sechsten Armeekorps hat an die Grubenverwaltungen des Waldenburger Bezirks das Er- suchen gerichtet, zur Frage der Einführung des Sparzwanges für Jugendliche Stellung zu nehmen. Die Grubenverwal- tungen haben die Arbeiterausschüsse befragt. Soweit bis� jetzt zu übersehen ist, haben alle Ausschüsse mit größter Entschie- dcnheit der Einführung des Sparzwanges widersprochen. Selbst die reichstreuen Bergleute der Fürstlich-Plcß- scheu Gruben haben sich gegen den Sparzwang ausgesprochen. In dieser Zeit der allgemeinen riesigen Teuerung sei der Verdienst der Jugendlichen ein so nötiger Zuschuß im Ar- beitechaushalt, daß auf keinen Pfennig verzichtet werden kann._ Kriegsteilnehmer und Reichsvcrsicherung. Ueber die Versicherungspflicht aktiver Soldaten herrscht noch große Unkenntnis. Die Rechtslage ist folgende� Bei Beurlaubungen in Arbeitsbctriebe— Fälle, die während des Krieges zu Tausenden zu verzeichnen sind— unterliegen die Soldaten in vollem Umfange der reichsge- fetzlichcn Versicherung, und haben im Versicherungssalle gegen die Versicherungsträger Anspruch auf die gesetzlichen Leistungen. Sie werden also in versicherungsrechtlicher Be- ziehung wie Zivilpersonen behandelt. Soweit bei Krankheit die Militärverwattung für Krankenpflege einzutreten hat, entfällt dieser Anspruch gegen die Krankenkassen, die dann nur Barleistungen(Kranken- unh Sterbegeld) zu gewähren haben. Die Rechtslage ist also insofern ganz klar. Wer auch im aktiven Dienst stehende Soldaten können unter Um- ständen, beispielsweise gegen Unfall, versichert sein. Die Unfallversicherungspflicht eines Soldaten ist während des Friedens zum Beispiel angenommen, der beim Halten eines Privatluftschisfes zu Schaden kam. Er lvar zu dieser Arbeit nicht befohlen worden. Der Vorgesetzte hatte die Soldaten lediglich gefragt, ob sie freiwillig die Tätigkeit ausüben wollen. Es ist angenommen, daß die vorgesetzte Dienst- behörde den Leuten nur die Erlaubnis zu einer außerdienst- lichen Verrichtung erteilt und ihnen so die Möglichkeit ge- geben habe, sich einen kleinen Verdienst in ihrer dienstfreien Zeit zu verschassen. Die Tätigkeit des Verunglückten konnte deshalb auch nicht als militärischer Dienst und somit die ihm dabei zugestoßene Verletzung nicht als Dienstbesckiädigung angesehen werden. Da es sich auch um eiuen unfallversiche- rungspftichtigcn Betrieb gehandelt hatte, ist der Kläger als im Interesse des versicherten Betriebes tätig gewesen und als gegen Unfall versichert angesehen worden. Auch während des Krieges ist die Rechtslage die gleiche geblieben. Wenn jedoch Kriegsbeschädigte in Betrieben beschäftigt werden, so sind sie von der gesetzlichen Versicherung dann befreit, wenn diese Beschäftigung einen Teil der sogenannten Arbeits- therapie darstellt. Sofern sie also aus Gründen der Heil- behandlung zur Betriebsbesckmftigung kommandiert wurden, und wenn während dieser Beschäftigung eine gewisse ärzt- liche Aufsicht in einer der Sachlage angepaßten Form Platz grefft, bleiben sie ini Heeresdienst und ein während dieser Kommandierung erlittener Unfall würde als Dicnstbcschädi- gnng angesehen werden. Bus Znöustrie und Handel. Ein neues System des Hypothekeuschntzes. Unter dem Namen„Deutsche Hauptbank für Hypothekenschutz Akt.-Ges." ist in Berlin vom Arbeitgebcrverband für das Baugewerbe in Gemeinschaft mit den führenden Organisationen des deutschen Hausbesitzes eine Rückversichcrungsgesellickast mit-drei Millionen Stark Kapital begründet worden, welche bestimmt ist, nach einem neuartigen System Zinsen und Kapital der Hypotheken zu verbürgen. Die Ausbreitung des Unternehmens über ganz Deutschland ist in Vorbereitung. Arbeiter- Snmariterbiind. Kolonne Greß-verlin. Lehr» stunde haben nächste Woche, abends S'/j Uhr: 1. bis 6. Abteilung Montag, den 13. November, Köpenicker Straße'iZL: Vortrag. Nach dem Vortrag praktische Vcrbandübungcn. Gäste haben einmaligen freien Zutritt. — Vorstandssihung am Mitliooch, 15. November, abends 81/, Uhr, Lichtenberg. Scharnwcbcrstr. 60, Restaurant.— Sonntag, 19. November, nachmittags 1 Uhr: Ländliche Ucbung, Pichelsberge(Alter Freund.) Das zweite VolksunterbaltungSkonzert in Schöneberg findet am Sonntag, den 12. November, nachmittags tsi, Uhr, in der Aula der Hohenzollernschulc. Beiziger Straße 18, statt. Ihre Mitwirkung haben zu- gesagt: Eva v. Skopnik, Konzertsängerini Piroska-Hcvefi, Pianistin: Schmid« Kahser, Lieder zur Laute. Eintrittskarten sind zu haben bei Bäumler, Meminger Straße 9, und in der Konsumgcnvsscnjchast, Apostei-PanIuZ- Straße 40. Todes-Anzeigen Demseöer Netillarlielter-VeM Verwaltungutdlt Barila. Nachruf. Dm Kollrqm zur Nachricht, dajz unser Mitglied, der Klempner Xclolk Qürsäork am 31, Oktober an Gehirnleiden gestorben ist. Ehre seine« Andenke«! 125/11 Die OrtSverwaltung. rBTFE DERl Ztutral.»torde.: BranBeaatraaa* 1 nil*« 0■ t• a; Franktnr1 1 Wand.ibkr. tmslp.üsoh-, ä.ld.nplQiehmin».) am I» bstUa ror/ihri js* QaslitStaa. llotta a.nasta JformsD,«rstklassig. Mod.Ua mtS ashlwi Pslabaelts.ii, nuca gUts, dsnsQt.r PrMhtstHok., 800,— 280,- 200,- 160,- KnUSsksnd. 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J t Danksagung Für die vielen Beweis««erzniger Teilnahme anläßlich de» HinicheidmS meines geliebten Manne» und VaterS lZeorg V»Itsr spreche ich hiermit allen verwandten und Beiannten, insbesondere den Angestellten der OrtSkrankmkaff« so» wie dem Verband der Burrau-An- gestellten, dem Fabrikarbeiter-Ver- band, den Sängern und Herrn Rein siir die trostreichen Worte unseren herzlichen Dank aus. 60S1 Witwe Klara Walter und Kinder. ■•Ina Kaatam-3Io«all«! t Samt mit Palib.s&laso, faiaa rainwollaaa Taak- •»offa mit SDtaflrksndsn HasarooTarsobadraagaa, •cbta PslaTsrbr&muDg.a, glatte Kammgaraa, Ja Wiatarstofta, arsta Vararbailoagaa, Origiaul-Modalls 75,— > Lodm, I WlBt.rkosliija� Cbsrlot, KammgBB,: licheidens asasst. foriTSD, g.dl.grasU 51 Co ff s 86,- 56,—" 32.- ■Mrtoksnd. Torfthrig. Med.U-kosMna Sotnm.r and Wiat.r 26,- 22,— 18,- Godlogcoao Vlgtertl Mofflgo Btaff., dioka, waiobe QÖaUtStsB, SBi- ■4 okaada aaaaata Pomna salbst für dm stroagstm Prof. mlS Mbt«. PslsbstAts.D, aaob utmkwwa. 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Die Gültigkeit der Wahl kann innerhatb eine» Monat» nach dieser Bekanntmachung angefochten werden. Anfechtungen stnd bei dem Vorstand oder dem verficherungsamt de» Kreise» Teltow anzubringen. Der Toratand. 271/18 8.■.{ R. Kraati, 1. Vorsitzender. Potsdam. Sonntag. 19. November 1916, nachmittags 2 Uhr: Ordentl. ßeneral-Yersamnilung im Restaurant Yriedrichsgarten, Potsdam. Alte Lutsenstr. 37. Tagesordnung: 1. SeschSstSbericht. 2. Bericht des AujfichtSrateS. KU/S 3. Beschlußsaffmig über die Gewinu- Verteilung. 4. Entlastung de» Vorstände». 5. Ersatzwahlen zum AusfichtSrat. 6. Genoffenschastliche Angelegenheiten. v«p AlltaIot>tap»t. Paul Wolter, vorfitzender. IVIarkeni lUfsrl»si» 1879- cmmmm; ssambowc., i x L Oeschäffc Mohrenstrasse 37a (Kolonnsden). ll. OeschlR: Qr. Frankfurter Str. IIS (aaha Aadrsasstr.), Westmann Möbel-Angebot. 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Z.)(Nachdruck veriotw) 057 032 413 637 954 1119 262 914 418 88 88 863 609 TS 729 9C9 3030 147(8000) 203 662 833 937 8000(6001 IIS 64 214 382 895 794 4103(1000)«8 64 68 881 660 702 23 910 »281 622 70 658 789(600) 831 0404 81 800 603 778 697 926 7200 64(600) 408 86(600) 640 42 804 8108 86 234 823 479 93 862 76 843 8117 242 64 68 317 46 896 1O07B(600) 303(1000) 76 481 678«4 2t 32 997«092 220 673 761 96(600) 836 984 1 3042 IIS 62 426 34 31 890 892 929 1 3026 201(1000) 20 336 419 618 SO 710 87(600) 14013(1000) 43 173 298 366 667«»604 122 386 664(600) 762 904 1 6039 343 64 630(1000) 72 871(600) 818 30 46 94 17008 62 204 34 43 482 639(6001 41 707 10 823 990 1 8281 364 83(600) 401 739(600)>»119 24 269 69 330 401«6(800) 733 976(1000) SO 2 0 054 313 37(600)(60 64<89 97(1000) 868 99 901 20 21073 137 307 437 92 701(1000) 848 66 2 2038 84 123 73 263(600) 76 368 81 427 714(3000) 61 67 943 2 3114 346 63 607 676 24029 169 311(3000) 87(600) 479 666 70 706 969 2 6 077 34 192 462 669 840 44 20167 262 36? 728 631 926 64 37165 327 461 690 749 663 72 2 8 007 273 302 63 466 96(600) 642 61 624 926 61»0149(1000) 368(1000) 74 449(1000) 67 80 666 801 »0139 210 410 40(600) 71 603 876 667(600)»1116 62 224 305 566 89 666 961»2009 24 31 83 103 74 366 71(3000) 396 404 63 67 666(600) 666 617(3000) 966»»667 768 607 923 80 84294 380 420(600) 96 606 766 961»5057 207 314 67 436 662 92?»»036-169 348 460 643 770 76(£001 900» 7110 260 69 336 489 611 874»8060 164 78(6001 428 67 746 943(1000) 61 SB3S0 68 706(1000) 604 801 22(600) 29 34(1000) 40)05 206 74 342 464 642 44 87 648 800 61 78 41011 63 68 217 87 350 421 77 80 656«2 83 878 4 9112 45 207 23 386 900(3000) 43102 14 408 63(1000) 634 91 863 932 44163 203 367 88 464 624 81 865 96 4 5369 79 418 636(600) 44 (10 ODO) 761 880 4 6 062 IIB 243 332(3000) 67 497 648 020 649 4 7)19 23 67 94 332(600) 600 721 81 624 36 067 4 8108 20 230 417(600) 47 99 399 937 4 9073 266 426 41(6000) 600 Bö3 973 50120 61 360 460 79 695 033(600) 600 934(800) 81072 670 790 894 1600) 993 5 9 272 410 630(£00) 62 722 631 40 6 3086 166 296 614 46 617 752 82 866 938 41(1000) 5 4028 196(1000) 446 663 606 703 939 5 5040 211 319 68 628 81 820 79 93 738 867 5 8106 382 889 5 7 271 414 683 731 34 984 6 8 031 269 379 96 632 831 68 783 309 24 77 921 70 5 8278 349 435 78 676 676 863 8 0012 60 75 428 623(600) 33 92 703 71 828 968»1015 19 29 294 394 400£76 700 836 8Ü 976 6 2048(1000) 272 445 653 906 37 75 6 8 042 171 290.834(600) 67 72 941 71 B404 568 232 488(600) 552 740 947 68 0 8013 373 430 48 545 81 770 822(3000) 48 86(1000) 6 6088 120 SO 228(3000) 307 678 795 (600) 862 69 964 6 7134 379 87(3000) 836 926 48 88 6 6252 99 309 62 447 62 602 36 62 38 161 837(500) 6 8082 80 321 (600) 643 761 7O0E6(600) 97 169 571(1000) 473 91 719 834 993 71081 81 624 727 1600) 41 84 990 7 2086 237 464 641 720 871 84 908 73101 248 307 923 77 93 7*004 8 63 189 817 748 909 7 6 070 175 617 27(1000) 678 601 41 599 7 6133 41 68(600) 71 200 75(600) 466 63( 3000) 673 88 802 933 67 7 7389 663 754(1000) 924 78391 893 805 902 7»07V 253 90(3000) 383 424(1000) 580 751 388 99( 500) 00610 55 243 7 2 320 58 427(«00) 53 534 71 711 350 54 79 81013 132(3000) 436 95 848 728(600) 936 54 84 8 2013 368 445 58 132 81 88140 81 203 751 8 6061 66 155 62 78 831 761 804 41 8 8 014 169 229 319 485 813 18 48 11080) 02 72 811 8 6015 21 164 335 60 466 695 647 819 921 86 8 7 661 602 14 712 902 16 81 8»128 278 505(6001 13 OU 63»»413 57 74( 00 IS 38 97 784«04 19(500) 47(1000) »0275 96 312 407 10 94 633 60 610 856(600)»1008(3000) 31(3000) 181 206 387 453 625(1000) 90 851 77 80 9 2201 608 66 769 813 9 3068 290 369 16000) 607 49 703 29 848 925 1600) 69 89» 4312 428(1000) 738 863» 8122 334 88 487 618 760 890» 8026 273 488 614 0 000) 715 328 60 966 81 B7069 89 164 313 77 466 535 585» 8040 46 88 234( 500) 367 623 641 961 08183 387 621 601 37 78 733 321 818(£00) 46(600) 100195 213 377 420 312 90 379 899 1 01969 237 300 400 70 602 3 99 760 811 61 970 1 02174 279 462 90 528 91 002 907 72 I0»"S6(200000) 185 211 706 66 835 800 87 104011(3000) 43 436(5001 648(3000) 720 933 105066 230 324 656 83 824(1000) 739 13000) 96 804 22(1000) 939 80 10 0049 293 693(1000) 806(500) 10(5000) 928 1 07157 281 63 432 620 88(3000) 626 081 10 0211 22 67 494 633 07 78 317(600) 74 007 67 1 08066(600) 69 497 828 913 110039 110 204 73 442 674 717 61 76 111001 320 333 SS aar 734 112043(500) 91 132(500) 370 673 746 113318 410 •14 21 827 Ol 784(1000) 822(600) 954 114098 120 64 374 91 426 680 661 69 732 098 73 115263 65 339(15 000) 499 603 677(1000) 663 72 927 II 5123 SSO 404(600) 43 701 642 »82 tnu» 422 82 90 614 78(560) 790 816 ST 118104 229 66» 770 80 844 020 34 84 119073(1000) 239 399 637 769 B63 120063 160 86 265 308 666 666 70 716 33 77 804 1 21220 (1000) 810 732(1000) 98 931 77 1 22109(600) 281 390 469 n 783 1 2 8 011 122 623(600) 96 077 876 1 2 4 014 276 319 ) 572 606 721 607(6001 971 12 5 094 201 9 19 496 572 623 764(500) 12 5226 387£80 91(1000) 648 731 866 I2731B 419 60 618 626 964 87 1 28160 206(500! 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Im Berliner Osten, wo einst die Cisterzicnsermönche den dürftigen Boden der Mark urbar machten, da findet man sie wohl noch, die Schlag-, Heide- und Mönchsmühlen. Längst hat manche ihren Betrieb ein- gestellt. Nur noch als Sehenswürdigkeit, als Ruine steht sie da. Das Mühlrad geht nicht mehr, oder der nagende Zahn der Zeit hat es in Trümmer gelegt. Heute wandert der Berliner am schönen Sonntag vor die Tore mit gemischten Gefühlen. Auch im Herbst und Winter kann er sich von der Vorliebe für den Sonntag- uachmittagsspaziergang im Freien nicht trennen. Er wandert? Ach nein, er muß ein großes Stück fahren. Die Freude fängt erst da an, wo das stickige Häusermcer aufhört und sich erfrischend löst in Wald und Flur, in Villenkolonien und einzelne Gehöfte. Setzt ein einziges Mietskasernen- ungetüm in diese Pracht hinein und das Idyll ist mit einem Schlage zerstört. Ob es eine mit den einfachsten Mitteln geschaffenen Laubenkolonie ist oder das vornehme Rührmichnichtan der Kolonie Grunewald— der Berliner bewundert, weil er die Freude am Schönen, am harmonischen Zusammengefüge nie verlernt. Wo einst traut das Mühlrad klapperte und ein schmuck- loser Fachwerkbau zur Atzung lud, sind stolze, Pracht- strotzende Restaurationslokale entstanden, mit weiten, hohen Hallen und Fluten elektrischen Lichtes. Wer von uns Alternden, die wir in der Jugendzeit mit dem Fünfgroschenstück in der Tasche und dem Stullenpaket unter dem Arm leicht- beschwingt nach dem Grunewald pilgerten, kennt Hundekehlc noch wieder! Rur zögernd will der Fuß über die glänzende Schwelle. Man fühlt sich nicht wohl in dieser zusammen- gekeilten, schnatternden Menschenfülle, die sich hier aus ganz Berlin Wild-West ein Stelldichein gibt, stürzt hastig den Kriegskaffee hinunter und eilt befreit wieder zwischen die Wiesen und Waldbäume. So geht es dem Natur- freunde auch schon in den entlegenen Lokalen des Südens, Ostens und Nordens. Die großen, lockenden sind auf glänz- volle Ausstattung, Weinabteilungen und hohe Zechen zu- geschnitten. Die kleineren, urgemütlichen verschwinden immer mehr. Mit der Mühlradpoesie wird aufgeräumt. Fast jede dieser Sonntagspilgerstätten, in denen der jetzt freilich nicht lieblich duftende Kaffee seinen alten Zauber übt, hat ihr besonderes Publikum. Es wechselt mit den Himmels- richtungen, mit den Tagen und Stunden. Aber davon er- zählen wir ein ander Mal... wenn der Krieg zu Ende ist. Starker Rückgang der Erstgeburten. Schon seit einer Reihe von Jahren konnte man in Berlin die Beobachtung machen, daß der andauernde Geburtenrückgang der- hältniSmätzig weniger stark bei den Elstgeburten als bei den Zweitgeburten, den Drittgeburten, den Viertgeburten usw. war. Beispielsweise verringerte sich in dem Zeitraum von 1900 bis 1913 das Jahresergebnis für die ehelich geborenen Kinder im ganzen von 48 94S auf 32 462, um 11463, d. h. um 26 Proz., aber im einzelnen für die ersten Kinder von 13 105 auf 11 861, um 1244, nur 9'/z Proz., für die zweiten Kinder von 10 561 auf 8177, um 2384, rund 22l/s Proz., für die dritten Kinder von 7020 auf 4729, um 2291, etwa 33 Proz., für die vierten Kinder von 4360 auf 2733, um 1627, etwa 37 Proz., für die fünften Kinder von 2910 auf 1693, um 1217, rund 42 Proz., für die sechsten, fiebenten, achten, neunten, zebnten usw. Kinder zusammen von 5989 auf 3239, um 2700, rund 45 Proz.(Alljährlich kommen selbst in Berlin einzelne Fälle vor, wo die Geburtenzahl einer Ehe sogar über 20 hinausgeht. In 1900 war 23 das Höchste, in 1913 nur 19.) Wie man aus der obigen Znsammenstellung ersieht, ist die Verhält- niszifser des Geburtenrückganges um so größer, je kinderreicher die Ehen bereits sind. Diese be- trächtliche Minderung der Zweitgeburten und mehr noch der Dritt- Geburten, der Viertgeburten usw. haste die Wirkung, daß für die Erstgeborenen der Anteil an dem gesamten Jahresergebnis der ehe- lich geborenen Kinder sich ziemlich ununterbrochen steigerte. Er war in 1900 nur 298 auf 1000 Geborene, in 1913 aber 365 auf 1000 Geborene. In der K r i e g s z e i t ist es nun zu einer merklichen Ein- schränkung des Uebergewichtes der Erstgeburten gekommen. DaS zeigt die unten folgende Zusammenstellung, die wir aus den vorläufigen Ergebnissen gemacht haben.(Durch die nachträglichen Meldungen können noch einzelne Fälle hinzukommen, doch das ist ohne Einfluß auf das Gesamtbild.) Nach unseren Berechnungen brachte zwar das Jahr 1914 noch eine weitere Steigerung des Anteils der Erst- gcburten: an den 30 005 ehelich Geborenen des Jahres waren die ersten Kinder beteiligt mit 11 117, also mit 370 an 1000. Aber in 1915 verminderte sich bei nur noch 24 962 ehelich Geborenen des Jahres die Zahl der ersten Kinder auf nur 8333, das sind nur 334 von 1000. Von der Regel, daß der Geburtenrückgang bei den Erst- geborenen geringer als bei den Zweitgeborenen, den Drittgeborenen usw. ist, macht das Jahr 1915 eine sehr deutliche Ausnahme. Von 1914 zu 1915 verminderte fich das Jahresergebnis für die ehelich Geborenen im ganzen von 30 005 auf 24 962, um 5043, etwa 17 Prozent, im einzelnen für die Erstgeborenen von 11 117 auf 8333, um 2784, rund 25 Proz., für die Zweitgeborenen von 7644 auf 6497, um 1147, nur 15 Proz., für die Drittgeborenen von 4202 auf 3729, um 473, rund 11 Proz., für die Viertgeborenen von 2383 auf 2264, um 119, nur 5 Proz., für die Fünflgeborenen von 1580 auf 1399. um 181, etwa ll'/g Proz., und so weiter. In 1915 hatten, wie man hier sieht, gerade die Erstgeburten einen ganz außerordentlich starken Rückgang. An dem im Jahre 1915 eingetretenen Rückgang der Gesamtzahl ehelich geborener Kinder um 5043 sind die Erstgeborenen mit einem Ausfall von 2784 beteiligt, der allein mehr als die Hälfte des gesamten Ver- lustes ist. Es ist selbstverständlich, daß diese plötzliche und bedeutende Minderung der Erstgeburten ihre besondere Ursache hat. Aus dem Kriegszustand erklärt eS sich, daß in 1915 dielen jungen Ehen der erste Familienzuwachs versagt blieb. Bezugsscheine für Textilwaren. Im Verein der Textildetaillifien Groß-Berlins gab der Vor- sitzende, Herr O. Heimann, eine llebersicht über die neue Verord- rnmg betr. Bezugsscheine für Web-, Wirk- und Strickwaren. Während bisher bei manchen Gegenständen von gewissen Preis- lagen an ein Bezugsschein nicht beigebracht zu werden brauchte, ist nun die Unterscheidung nach den Preisen auf- gehoben. Für Herren- und Damenoberlleidung ist die Er- leichterung getroffen worden, daß jemand, der ein ge- tragenes, gebrauchsfähiges Oberkleidungsstück an einer von der Behörde bestimmten Stelle abliefert, einen Bezugsschein für einen gleichartigen Gegenstand, in allerdings hoher Preislage, erhält, ohne daß eine Prüfung des Bedarfs staltfindet. Die Bestimmung, daß Damenkonfektion, die sich am 10. Juni im Besitz der Kleinhändler befand, ohne Bezugsschein verkauft werden kann, ist aufgehoben. Nun darf aber nicht angenommen iverden. daß nun alle Textilwaren der Bezugsscheinpflicht unterliegen. So isteinBezugsschcin nicht erforder- lich bei seidenen und halbseidenen Stoffen, Sammeten, auch VelvetS, Stickereistoffen und sog. undichten Kleiderstoffen(Voile, Tüll usw.) Ebenso sind die daraus gefertigten Bekleidungsstücks bezugsscheinfrei. Ferner mit Pelz gefütterte oder mit Pelz überzogene Kleidungsstücke und imirierle Pelgarnituren aus Plüsch, Krimmer oder Astrachan. Soweit Korsette am 31. Oktober fertiggestellt waren, dürfen sie ohne Be- zugsschein verkauft werden. Frei sind ferner unter anderem Säuglingsbekleidung für Kinder bis zu einem Jahr, Kragen und Manschetten, Krawatten, Spitzentaschentücher. abgepaßt gewebte Gardinen und Vorhänge und so weiter. Eine Erleichterung gegen den bisherigen Zustand sieht die neue Verordnung insofern vor, als Stoffe bis zu Längen von 30 Zentimeter ohne Bezugs- schein verkauft werden dürfen, wenn der Preis nicht mehr als eine Mark beträgt. Ebenso können Gegenstände, die nicht mehr als eine Mark für das Stück kosten, mit Ausnahme von Strümpfen, Hand- schuhen, Taschentüchern, Scheuertüchern, ohne Bezugsschein abgegeben werden. In beiden Fällen darf aber zu gleicher Zeit an dieselbe Person nicht mehr als ein Stück von der Ware veräußert werden. Tie Bestimmung der alten Verordnung, daß der Berkauf der bezugs- fcheinpflichtigen Ware an das Publikum allen Personen verboten ist, die nicht gewerbsmäßig Alleinhandel mit diesen Gegenständen be- treiben, ist aufrecht erhallen ivorden. Fabrikanten und Grossisten dürfen daher ihre Waren nur an Kleinhändler, nicht aber direkt an die Verbraucher verkaufen. Zum Schluß gab der Vorsitzende eine Darstellung der Schritte, die vom Verein beim Berliner Magistrat und den Magistralen der Nachbarorte unternommen worden sind, um eine Verein- fachung der Ausgabe des Bezugsscheins herbei- zuführen. Im Publikum ist noch vielfach die Meinung verbreitet, daß man zur Erlangung deS Bezugsscheines wenigstens das erste- mal unbedingt eines polizeilichen WohnungsauSweiscs bedarf. Diese Ansicht trifft nicht zu. Es genügt jede Legitimation, aus der die augenblickliche Wohnung deutlich hervorgeht, so ein Mietsvertrag mit der letzten Mietszahlungsquiltung, die letzte Gas- rechnung, bei Kriegerfrnuen der Unterstützungsschein, sowie über- Haupt jedes amtlich abgestempelte Schriftstück, auf dem die Wohnung vermerkt ist. Zündholzwucher in Sicht! Die Feststellung, daß auf Anregung der zuständigen Stelle die Vertretung der deutschen Zündholzindustrie eine Verständigung unter den Fabriken über einen Kleinhandelspreis von 45 Pf. für das Paket Streichhölzer herbeigeführt hat, hat die Wirkung gehabt, daß plötzlich deutsche Streichhölzer ans dem Klein- Handel nahezu verschwunden sind. Wir haben uns damit wiederholt befaßt. Die Händler suchen diese Erscheinung da- durch zu erklären, daß die Fabriken infolge starker Knappheit an Rohstoffen nicht imstande wären, zu liefern. Diese Begründung wird, wie die»Deutsche Tagesztg.� schreibt, durch die Tatsache aus das bündigste widerlegt, daß noch vor kurzem die Zündholzfabriken eine Heraufsetzung ihrer Kontingente beantragt baben. Ein solcher Antrag wäre unmöglich gewesen, wenn tatsächlich ein derartiger Rohstoffmangel vorliegen würde. Das plötzliche Verschwinden der Zündhölzer im Kleinhandel hängt mit der Lage der Erzeugung durchaus nicht zusammen, es beruht vielmehr lediglich auf einem absichtlichen Zurück- halten der Ware. Wer dafür verantwortlich ist, läßt sich im Augenblick nicht klar übersehen. Kleinhändler, die unmittelbar vom Fabrikanten beziehen, und solche, die durch den Großhandel versorgt werden, erklären übereinstimmend, leine Streichhölzer erhalten zu können. Man wird sich erinnern, daß die Vereinbarung zwischen den Zündholzfabriken über die Preise für den Klein- Handel und über den Verkaufspreis an den Verbraucher den Zweck verfolgte, ein Eingreifen der amtlichen Stellen zu verhindern. Die Vereinbarung hat, wie der gegenwärtige Zustand zeigt, den erhofften Erfolg einer Absatzregelung zu einem angemessenen Preise nicht gehabt. Das genannte Blatt fordert, daß die Reichsregierung sich sofort der Angelcgenbeit annimmt. Dem Vernehmen nach seien bereits die ersten Schritte dazu getan. Hoffentlich wird dabei auch der zwischen den Fabrikanten vereinbarte Preis und der Aufschlag für den Kleinhandel daraufhin nachgeprüft, ob er mit der Lage der Erzeugung voll im Einklang steht. Sach- verstäudige Kreise halten es sehr wohl für möglich, daß der bis- herige Kleinhandelspreis von 45 Pf. für das Paket noch er- mäßigt wird._ Die Groß-BertriebS-Gesellschaft für Obst G. m. b. H., Berlin, hat unter Zustimmung der Reichsstelle für Gemüse und Obst sowie im Einvernehmen mit der Preisprllfungsstelle, Groß-Berlin, nach Anhörung der beteiligten Interessenten folgende Verkaufspreise im Großhandel für das auf Kähnen verkaufte und aus Oesterreich kom- mende Obst festgesetzt: Klasse l: Goldparmänen. Ananas, Sternrenettcn(Kanada), Purpurrenetten, Goldrenelten, Punschäpfel, Anisäpfel, Glockenäpsel, rote, grüne und weiße Stettiner BoSkoop, steyrische Acpfel, Pfann- kuchenäpfel 40 M. für 50 Kilogramm. Klasse II: Graue Renetten, rote Renetten, rote Hähne, Bonn- äpfel, Schafsnasen, große Kochäpfel 32 M. für 50 Kilogramm. Klasse HI: Pelzäpfel, graue Süßlinge, Malvasieräpfcl und an- dere Aepfel, welche namenlos gehandelt werden 25 M. für 50 Kilo- gramm. Ausschußäpfel 15 M. für 50 Kilogramm. Die vereinbarten Preise treten sofort in Kraft und bleiben bis einschließlich den 18. November in Gültigkeit. Die Wurstfabrikation in Berlin. Die Bestimmungen des Magistrats über die einheitliche Her- stellung und den einheitlichen Verkauf von Blut- und Leber- wurst in Berlin treten am kommenden Montag in Kraft. Der Magistrat verfolgt mit der Zentralisierung den Zweck, im Interesse der Streckung eine gewisse Aufsicht ausüben zu können. Durch die Neuordnung wird sichergestellt, daß in ganz Berlin die Herstellung von Blut- und Leberwurst einheitlich geschieht. Ueberall werden die gleichen Teile in dem gleichen Verhältnis verarbeitet, genau wie es vom Magistrat vorgeschrieben ist. Sollten sich Mängel herausstellen, so sollen Aenderungen und Verbesserungen vorgenommen werden. Im übrigen bezieht sich die einheitliche Herstellung einzig auf die Blut- und Leberwurst. Es ist den Schlächtermeistern nach wie vor freigestellt, die kleinen Abfälle die sich hier und da ergeben, in den eigenen Betrieben als Brühwurst, Bratwurst oder dergleichen zu ver- arbeiten. Das gleiche Recht steht den Gastwirten zu, die in ihren Betrieben mancherlei Abfälle haben, die sonst unverwertet bleiben würden. Allerdings sind bei der Herstellung dieser Wurstarten die früheren Verordnungen des Magistrats der Stadt Berlin nicht außer acht zu lassen._ Kriegsbekanntmachungen. Arn 10. November 1916 ist eine neue Bekanntmachung betreffend Beschlagnahme, Verloendung und Veräußerung von Flachs- und Hanfstroh, Bastfasern(Jute, Flachs, Ramie, europäischer und außereuropäischer Hanf) und von Erzeugnissen aus Bastfasern erschienen. Ferner ist eine Bekanntmachung betreffend Herstellungsverbot von Garneu und Geweben aus Mischungen von Papier und Wolle oder Kunstwolle in Kraft getreten. Durch diese Bekanntmachung wird die Verwendung von Wolle oder Kunstwolle oder Mischungen von Spinnstoffen, in denen Wolle oder Kunstwolle enthalten ist, zur Herstellung von Garnen oder Geweben unter Mitverwendung von Papier verboten. Ein Nachtrag ist zu der Bekanntmachung betreffend Beschlag- nähme und Bestandserhebung von Web-, Wirk- und Strickwaren vom 1. Februar 1916 erschienen, der im wesentlichen den Kreis der von der Beschlagnahme betroffenen Gegenstände auch auf diejenigen Waren ausdehnt, die unter Mitverwendung von Papier hergestellt sind. Der Wortlaut der Bekannimachungen ist bei den Polizeibehörden einzusehen._ Kleinhandelspreise für frische Seefische bester Qualität für Sonnabend, den 11. November 1916. Schellfische, klein(bis 3/4 Pfund) 2,00 M., mittel(von 3,'4 bis 1 Pfund) 2,30 M., großmittel(von 1 bis l1/- Pfund) 2,40 M., große(von!'/-> Pfund und mehr) 2,60 M.: Kabeljau, klein(bis i'/s Pfund) 2,10 M.. mittel(von W, bis 4 Pfund) 2,80 M.. große (von 4 Pfund und mehr) 2,40 M., ohne Kopf(im Ausschnitt) 3,25 M.; Schollen, kleine(bis zu Pfund) 1,25 M.(Zufuhr ungenügend.) Zugvcräuderungeu auf der Strecke Berlin— Dresden. Die Zug- einschränkungen, die Mitte November eintreten, treffen auch die Strecke Dresden— Berlin. So wird der D- Zug 51, ab Dresden 7 Uhr 20 Minuten vormittags, an Berlin(Anhalter Babnhof) 10 Uhr 20 Minuten vormittags, und der D-Zug 198, ab Berlin 10 Uhr 10 Minuten abends, an Dresden 1 Uhr 6 Minuten nachts, vom 15. November ab wegen verhältnismäßig geringer Benutzung s o r t- fallen. Der Anschluß von Chemnitz an den D-Zug 51 nach Berlin wird dadurch hergestellt, daß dieser Zug von Riesa statt nach Nöderau nach Elsterwcrda geführt wird, wo er Anschluß an den D-Dug 197 Wien— Berlin findet, der 11 Uhr in Berlin eintrifft. Dieser D-Zug 197, der voraussichtlich künftig 8 Uhr aus Dresden abfahren wird. bietet einen Ersatz fiir den sorlsallenden D-Zug 51, der nur 33 Mi- nuten früher in Berlin eintrifft. Eine„Girozentrale der Provinz Brandenburg" ist vom Giro- verband der kommunalen Verbände der Provinz Brandenburg er- richtet worden. Sie bat bereits einen solchen Umfang angenommen. daß nunmehr die Geschäftsstelle von Forst(Lausitz) nach Berlin W. 8, Kronenstr. 61/03 verlegt werden mußte. In diesen: Jahre sind bereits über 800 Millionen Mark umgesetzt. Stadl- kämmerer Machoivicz-Schöneberg bat die Leitung übernommen. Zu seinem Stellvertreter ist der Erste Bürgermeister Fischer-Forst gewählt worden. Erleichterung des Verkaufs von Webwaren auf Märkten. Die Regelung des Verkehrs mit Web-, Wirk- und Strickwaren bat für die bürgerliche Bevölkerung den Verkauf dieser Waren auf Messen und Märkten sowie im Umherziehen fast gänzlich unterbunden. Der Reichsverband reisender Gewerbetreibender Deutschlands hat hier- über Klage geführt. Der Grund dafür wird nicht in der Einführung der Bezugsscheine überhaupt gesehen, sondern darin, daß es zu lange dauert, bis ein Antragsteller einen Bezugsschein ausgefertigt erhält, um ihn beiin Einkauf auf Messen und Märkten sowie beinr Wandergewcrbetreibenden verwenden zu können. Im Sinne dieser Gewerbetreibenden haben deshalb der Handelsminister und der Minister des Innern den Oberpräsidenten zu Potsdam und die Regierungspräsidenten ersucht, dafür zu sorgen, daß die Behörden etwaige Wünsche des Publikums um eine Beschleunigung des Ver- fahrens für Messen und Märkte oder bei Wandergewerbetreibenden nach Möglichkeit berücksichtigen. Es gilt dies für die Stellen, die die Notwendigkeit der Anschaffung prüfen, wie auch für die, die die Bezugsscheine ausstellen. Die Sorgfalt bei der Prüfung soll dadurch aber nicht leiden. Znr Nntcrsti'chnng bei der Ermittelung unbekannt Verstorbener werden vom Zentral- Nachiveisbureau des königlichen Kriegs- Ministeriums Photographien solcher Verstorbenen in zeitweilig herausgegebenen Sonderverlustlisten veröffentlicht. Diese Sonder- perlustlisten werden den Ortspolizeibchörden ständig übersandt und können dortsetbst von Interessenten eingesehen werden. («attenmordversuch in der Gartenstrafie. Wegen versuchten Mordes verhastet wurde die 30 Jahre alte Barbierfrau Anna Rickel geb. Werner aus der Gartenstraße 11. Frau N:ckel, die aus Deuben stammt, lebte mit ihrem Manne, dessen dritte Frau sie ist, fast sieben Jahre in glücklicher Ehe. Wie sie be- Häuptel, wurde dieses Glück von ihrem Manne dadurch zerstört, daß er mit ihrer jüngeren Schwester, die im letzten halben Jahre eine Zeitlang bei der Familie wohnte, ein Liebesverhältnis anknüpfte. Seit der Zeit vernachlässigte Nickel, der im Nachbarhause Nr. 9 ein Barbiergeschäft betreibt, seine Frau immer mehr. Sie hatte den Eindruck, daß es ihm nur darum zu tun war, sich ihrer zu entledigen und sie auf irgend eine Weise zu zwingen, die häusliche Gemeinschaft mit ihm aufzugeben. Wie sie sagt, miß- Handelle er sie wiederholt und gab ihr zuletzt auch so wenig Wirt- schaftsgeld, daß sie nicht zurechtkommen konnte. Schon vor acht Tagen faßte Frau Nickel nach einer Mißhandlung den Plan, ihren, Mann einen Denkzettel zu geben. Sie kaufte sich damals bei einem Eisenwarcnhändler in der Nachbarschaft einen Revolver mit vielen scharfen Patronen. Allmählich jedoch beruhigte sie sich wieder und nahm von ihrem Plan Abstand. Am Donnerstag jedoch lebte der Gedanle in ihr wieder auf, nachdem Nickel ihr den Tranring und die Ohrringe abgenommen und sie aufgefordert hatte, die Woh- nung zu verlassen. Gestern morgen, als ihr Mann noch schlief, stand Frau Nickel heimlich auf und schoß im Dunkeln fast die ganze Trommel ihres Revolvers auf ihn leer. Zwei Schüsse trafen den Mann an der rechten Stirnseite, ein dritter an der linken Kopfseite und ein vierter an der linken Hand. Nickel wurde so schwer verletzt. daß er sich nicht mehr erheben konnte. Die Frau verließ nach dem letzten Schuß die Wohnung, begab sich zu dem nächsten Schutzmann, den sie auf der Straße traf, und teilte ihm mit, daß sie auf ihren Mann geschossen habe. Die Revierpolizei, der sie zu- geführt wurde, sah sofort in der Wohnung nach und fand Nickel erheblich verletzt aber bei vollem Bewußtsein. Sie brachte ihn nach der Klinik in der Ziegelstratze, wo festgestellt wurde, daß die Gc- schösse noch im Kopfe stecken. Der Verletzte konnte von der Kriminal- Polizei bereits vernommen werden, weil die Verletzungen nicht lebensgefährltch sind. Er bestreitet, daß er seiner Frau Ver- anlassung z» Eifersucht oder überhaupt zu Klagen gegeben habe. Sein angebliches Liebesverhältnis zu seiner Schwägerin bestehe nur in der Einbildung seiner Frau. Er habe nicht diese, sondern sie ihn hintergangen, während er im Felde stand. Seine Frau habe auch die Wirtschaft und die Kinder vernachlässigt. Darüber sei eS nach seiner Rückkehr alls dem Felde zum Zwist gekommen. Seine Frau, die lungenleidend ist, habe ihm auch gedroht, daß sie ihr Ende vor sich sehe, daß er aber noch eher sterben müsse als sie. AuS diesem Grunde habe er auch Vorsichtsmaßregeln getroffen. Nach dem ersten Schuß sei er erwacht. In diesem Äugenblick habe ihm aber seine Frau Pfeffer in die Augen gestreut und dann wieder geschossen. Das muß Frau Nickel zugeben. Angeblich hatte sie den Pfeffer schon vor einigen Tagen für die Wirtschaft gekauft. Die Frau leugnet die Absicht ihren Mann zu töten, erscheint aber so schwer belostet, daß sie gestern wegen versuchten Mordes dem Unter- l suchungsrichter vorgeführt wurde. Strlöngcrtmg der Anmeldefrist fftr»uSlindische Wertpapiere. In der Presse ist wiederholt darauf Hingelviesen worden, datz viele Eigenliiiner ausländischer Werlpapiere der ihnen durch Bundesrats- verordluing von« 23. August ISlS auferlegten Verpflichtung, ihren Besitz in solchen Papieren der� ReichSbank anzumelden, um d«S- willen nicht nachkonime» werden, weil sie diese Papiere ohne Eut- richlung der NeichSftempelabgabe in das Inland eingefühn haben und glauben, sich durch die Anmeldung derartiger, den deutschen Reichsstempel nichtiragende» Papiere der Gefahr auszusetzen, in Stcmveli'lrafe genominen zu werden. Um dieses Hindernis für eine tunlichst genaue Ermittelung des inländischen Besitzes an aus« ländischen Wertpapieren zu beseltigen, haben sich die Regierungen aller deutschen Bundesstaaten entschlossen, von der ihnen zustehenden Strafbefugnis insoweit keinen Gebranch zu machen, oder die etwa wegen Richtversteuerimg verwirkten Strafen nicht zum Bollzug zu bringen, als solche Wertpapiere der Reichsbank mit dem Bermerk .Unversienerl' angemeldet werden und die geschuldete Abgabe nach« entrichtet wird. Auf die mit der Nichtanmeldung verknüpften Straffolgen(Geldstrafe bis zu 1503 M. oder Gefängnis bis zu drei Monateu) sei hingewiesen. Die AmneldungSfrift ist bi» zum 15. No vember verlängert. Heute keine Kt-achtstnckgntirnnghme. Es sei daran erinnert, daß am heutigen Soimabend im Bereich Berlin Frachtstlickgut nicht an» genommen wird. Trei Berliner Einbrecher sind kurzlich in PotSdmn verhaftet worden. Einem auf dem dortigen Bahnhof vostierten Schutzmann sielen drei fein gekleidele junge Leute auf. die einen gewichtigen Reisekorb und einen schweren Karton mit sich führten. Der Beamte stellte die drei zur Rede, die zunächst sehr entrüstet taten. Der Schutzmann lieh sich jedoch nicht täuschen und öffnete den Korb. Der Inhalt bestand aus geschlachteten Gänsen. Hühnern und Kaninchen; in dem grohen Karton befanden sich neben geschlachtetem Geflügel auch lebende Kaninchen. Wäbrend der Beamte diese Fest- stellnilgen, nachte, versuchten die Burschen zu entfliehen, wurden je doch nnt Hilfe von Bahnbeamten festgenoninien. Die Verhafteten sind Berliner Einbrecher. Ihre wertvolle Beut« stammte au» einem Einbruch bei dem Besitzer Stapel in Geltow. Tto» Ken Gemeinöen. Städtischer LebenSmittelverkaus in Renkölln. Bei der allgemeinen Knappheit verschiedener Produkte ist cS nicht immer leicht, neben der laufenden Beschaffung von Gemüse und dergl. auch ander« Lebens- mittel, die bekanntlich bei der in den meisten Haushaltungen vor- bandenen wenig abwechslungsreichen Beköstigung sehr erwünscht ji»d, zu möglichst niedrigen Einkaufspreisen der Bevölkerung zu- gänglich zu machen. Die Wareneinkaufsstelle der Stadt Neukölln ist deshalb dauernd bemüht, insbesondere günstige Angebote für Liefe- rung von Fleischersatzwaren zu erlangen. So sind neuerdingö fol-> gende Produkte zum Berkauf in den zehn städtischen Verkaufsstellen ausgenommen worden: 1. Sardinen in Oel 1,10 M. 2. Sardinen in Tomaten 1.— M. 3. Makrelen, Dose 1,25 M. 4. Freschherinae, Dose 1,65 M. 5. Räucherheringe, Stuck 0.50 M. 6. Pflanzenfleisch'/.Pfd. 2,80 M, '/« Pfd. 1,50 M.. V« Pkd. 0,80 M. 7. Aal in Gelee I. per Dos« 2 35 M. 8. Aal in Gelee ll, per Dos- 2.80 M. 9. Aal in Gele« III. per Dose 2,10 M. 10. Seelach» per Dose 1,70 M. 11. Fisch- larbonade, per Dose 1.85 M. 12. Nährhefe, Pfund 1.50 M. Tödlicher Unfall in Neukölln. AI» sich gestern vormittag mehrere Schüler auf dem Wege zur Schule in der«irckhofSgasse befanden, bog plötzlich ein Fuhrwerk des Postkonsumvereins in Berlin in die sehr schmale Gasse ein. Der Kutscher hatte sich aber wohl verfahren. denn er bog sofort wieder uin. In diesem Augenblick befanden sich die Knaben gerade neben dem Fuhrwerk und vermochten nicht mehr auszuweichen. Sie drückten sich eng an einen Zaun, während da» guhrwerl mit uuverminderter Schnelligkeit fuhr. Der siebenjährige Schüler Max Scboller au» der Äaiser-Friedrich-Str. 160 würbe von dem schweren Kastenwagen gegen den Zaun gedrückt und erlitt einen Schädelbruch und schwere Quetschungen. Der Kutscher brachte den Verunglück»!, zur Unfallstation. Dort konnte jedoch nur der in« zwischen eingetretene Tod des Kindes festgestellt werden. SchSneberg. Die sozialdemokratische Fraktion hat folgende Anträge im Stadtparlament eingebracht. Der Ragistrat wird ersucht: 1. Dahn, zu wirken, daß die ReichSunterstützuna der«ngehöriaen der Kriegsteilnehmer den erhöhten Lebensmittelpreisen angepaßt wird. 2. Dafür zu iorgen, auch die Krieger-Witwen- und Waisenrente entsprechend der Teuerung zu erhöhen. 3. Allen Kriegerfrauen und-Witwen Lebensmittel sowie Feue- rung unentgeltlich bezw. zu ermäßigten Preisen zur Verfügung zu stellen. Ferner: 1. Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sicher zu stellen und gleichmäßig unter die Bevölkerung zu verteilen. 2. DaS KriegSernährungSamt aufzufordern: die Höchstpreis« herabzusetzen und dafür zu sorgen, daß Brot. Fett. Fleisch. Kartoffeln. Milch ulw. durch Einfuhr gefördert und zu ermäßigten Preisen ge- nügend zur Verteilung gelangt. Die» Anträge stehen am Montag, den IS. d. M. abend» 3 Uhr, im Reuen Rathaus zur Beratung. Wilmersdorf. Bei den Stadtverordnetenwahle» in Wilmersdorf wollen die Bürgerlichen auch diesmal wie 1014 den Burgfrieden halten. Der Sozialdemokratie bleibt dl« Neubesetzung des 7. Bezirks überlasten. Als Kandidat wird von unserer Seite Dipl.-Jng. Genosse Lüdemann aufgestellt. Bezirk 7 umfaßt: Am Seepark 13-84. Augustastt. 30—38, Badcnsche Str. 26-32, Berliner Str. 17—41 und 150—146, Branden- burgische Str. 1 und 2. Gasteiner Straße. Gllntzelstr. 34—51, Hohen- zollerndamm 188, Holsteinische Str. 1—19 und 40—60, Kaiser- allee 48—50, Landhauistr. 8—25 und 26a— 28, Laucnburgrr Straße, Mehlitzstraße, Nassauische Str. 16a— 57, Pfalzburger Str. 28—65. Platz B, Sigmaringer Str. 1—17, Straße 1, Straße 55, Straße 69, Uhlandstr. 74—127, Wilhelmsaue 6— 28 und 110—138. Stegliv. Am 7. d. M. hielt der Sozialdemokratische Ortsverein Steglitz eine gulbesucht« Mitgliederversammlung ab. in der der Genosse Wels- Berlin in einem Bortrag über das Thema:.Die letzten Vorgänge in der Partei" zu Wort kam. Die Versammlung faßte ihre ssustimmung zu den eingehenden Ausführungen des Redners in einer Resolution zu- sanunen. die da» Verhalten des Parteivorstande» in der.Vorwärts'- Angelegenheit billigte, e« begrüßte, daß der.Vorwärts' wieder als Zeniralorgan der Partei erscheinen kann. Die Versammlung gab der Erwartung Ausdruck, daß im„Vorwärts' auch weiterhin die verschiedenen Richtungen innerhalb der Partei in sachlicher Form zu Worte kommen und verurteilte daS gegen da».Vorwärts'- Unternehmen gerichtete Vorgehen der gesamten Opposition. Eine KriegSkiiche in ffriedena». Die Friedenauer Gemeindevertretung hat infolge der starken Bewegung in der Bürgerschaft für Besserung der ungenügenden LebenSmiltelversorgnng die Errichiung einer KriegSküche beschlossen. in der zunächst 2000 Personen ü-speist werden können. Für die Zweck« der Küche wurden 20 000 M. bewilligt. Die erforderlichen Räume werden in der Turnhalle der zweiten Gemeindeschule in der Goßlerstraße zur Verfügung gestellt. Die Leitung der Küche besteht auS Mitgliedern des Gemeinderats und auS Bürgerdeputierten. Der Sozialdemokratische Wahlverein Köpenick hielt am Dienstag, den 7. d. M., eine von fast 300 Personen besuchte Versammlung ab. Reichstagsabgeordneter Genoste Dr. Landsberg sprach über «Weltkrieg und Sozialdemokratie'. In der Diskussion vertraten die Genossen Lorenz und Kern den Standpunkt der Opposition. Ihre Einwendungen wurden vom Ge- nossen Krüger und vom Genossen Landsberg im Schlußwort unter lebhaftem Beifall der Versammlung widerlegt. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung wies Genosse Wißler darauf hin, daß am 13., 14. und 15. d. MtS. die Stadtverordneten- Wahlen der dritten Abteilung staltfinden. Von der sozialdemo kratii'chen Partei find wieder die bisher bewährten Stadtverordnete«, die Genossen Rudolf Finger, Gustav Müller, Hermann Silderfchmidt, Aldart Stippekohl und Fritz Woick aufgestelli. Es ist unbedingte Rolwendigkeit, daß alle Parteigenossen und Arbeiter zur Wabl gehen und für diese Kandidaten eimreten, da eine kleine Sondergruppe versucht. Zersplitterung auch in die Stadtverordnetenwahlen hinein- zutragen. Spandau. Die Stadtverordneten haben gestern einen Initiativantrag der Stadtvv. Grätschel und Genossen über die Tarif- erhöhungen im Verkehrswesen von Groß-Berlin usw. beraten und nach einer eingehenden Erörterung und ausführlichen Darlegungen de» Stadtv. Dr. Kantorowicz einmütig beschlossen, in der nächsten Vollversammlung des Verbandes Groß-Berlin gegen jede Tarif- erhöhung im Groß-Berliner Verkehrswesen und gegen den Erwerb der Großen Berliner Straßenbahn zu stimmen. Das Vorgehen des Verbandes Groß-Berlin in dieser Verkehrsfrage wurde von allen Seiten scharf kritisiert. Es sei den Interessen der Vororte, besonders von Spandau und den übrigen industriellen Städten nicht nur ab- träglich, sondern geradezu schädlich und müsse bekämpft werden. ES wurde ein Zusammengehen mit den übrigen Vororten und der Stadt Berlin dringend empfohlen. Einer, der sich nichts vormachen läßt. Der Gemeindeborfieher von Neutrebbin(Mark) erließ folgende amtliche Bekannt- machung:.Ich ersuche die Kuhhalter dringend, die Wahr- h eit bezüglich der Milchproduktion anzugeben und nicht mit solchem Schwindel zu kommen, daß zwei Kühe, darunter eine frisch- milchende, nur vier Liter Milch geben. Ich werde diesen Fall dem Kommunalverband anzeigen und müssen diese Kühe abge- schlachte! werden. Ueber die Magermilch kann jeder Besitzer frei verfügen. Es wird streng bestraft, wer Butter nach außerhalb liefert. E» muß unser Bestreben sein, so viel Butter zusammen zu bringen, daß wir 60 Gramm Butter verteilen können. Ich besitze zwei altmilchende Kühe und kann noch 3 Pfund Butter abgeben. nachdem ich für acht Personen Butter zurückbehalte.' Parteiveranstaltungen. Der Arbeiter-Duruderein Berlin-Pankow veranstaltet am Sonn- tag, den 12. Novembei. nachmittag» 4 Uhr, m der Turnhalle der VII. Ge- metndeschule, Kaiser-Friedrich. Straße, ein öffentliches Schauturnen. Gäste sind hierzu herzlich eingeladen. Jugenöveranstaltungen. «rbeiter-Jugend verlin Süd-Südoft. Westen, Margen Sonn- tag, abends 6'/, Uhr, in den Arminhallen, Kommandantensir. 58/53: Lichtbildervortrag über das interessante Thema: Die Donau von der Quelle bis zur Mündung.(Referent Herr Dittmer.) Im Anschluß daran Geselliges Beisammensein unter Mitwirkung jugendlicher Kollegen und Kolleginnen. Einlaßkarten zu 10 Ps. find bei allen Funktionären zu baden. Gaste, besonders Eltern und Angehörige der arbeitenden Jugend, sind willkommen. Ardeiter-Jugend Weistensee. Sonntag, den 12. November, abends 7 Uhr, im Restaurant AtbrechtShos, Parkstr. 16: Feier de» zweiten SliswngS- este» deS Arbeiter.JugevdbeimS Weißensee. Altdeutscher Kunstabend. Prolog. Festrede, Rezitalion, Volkslieder zur Laute, Theateraufführung und Volkstänze. Eintritt 35 Pf. eile Iii welle SpSAisIsisus für Pelzwaren WiUMMMiMM Eokhaua am Oranianplata.= dtr neuesten Muster Nur Prachtstttcke w Echt SkaiüLS „ Fachs „ Marder „ Skunks-Oppossum •owie ia allen«äderen Feizarten sn wirklich billigen Freisen. Pelz-Hüte Eigana KUrsohnorel Reparaturen Umarbeitungen. ■•loht und aohlok. 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