ilr. 31 7. 33» ÄltlskA» Ndonnemtntt-Kecklngungt»: EdonnemenlS. Prei» prünumerando Lierleijährl� s.go Ml. monaU. l£0 Ml, wöchenUich 80 Vlg. frei in« Hau«, Einzeln« Slummet 6 Big, SonnlagS» numrner mit lllustrieriei Sonnlag«- Vellage.Die Neue Well'>0 Pig vojt- lllxmnenlem: ILO Marl vro Manat. Eingerragen in die Doli- ZeuungS- Preisliste. llnler«rcuzbanl» lür Deullchlan» und Oeslerrcich. Ungarn ESO Marl, für das übrige Ausland t Marl vro Monat. Poslabonnemenls nehmen an«elgien. Dänemarl Holland, Jwlien. Luxemburg, Ponugah Rumänien. Schweden und die Schweis «cht»» lZgllch. Verlinev Volksblelkk. ( 5 Pfennig) Die lnlertlonz-eebaiir betrügt für die icchsaeipallene jlolonel- zeile oder deren Raum 60 Pig.. für dolitische und gewerlschastliche Lersins- und Versammlungs- Anzeigen SO Kg. „kileine Znoeigen", das rellgedrurtie Wort 20 Kg, lzulässig 2 fettgedruckte ISortc), jedes weitere Wort>0 Kg, klcllengefllche und Schlafilcllenaii» zeigen das ersle Wort 10 Kg., jedes «euere WortöBfg. Worte über IS Buch- liaben zählen für zwei Worte. Jnferaic für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Exveoitiou ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Desegramm-Adrefle: »LoiidiäemoittZl Sillio". ZcntrzXorqxn der fozialckm okrati fehen partei Dcutfchlands. Reüaktioa: EW. HS, Linüenstrahe 3. fsernivrecher: Amr Moritzvla«,- Nr. lSl S«— 1SI S7. Freitag, den 17. November 1313. Expeüition: Ell). SS, Linöenstraße 3. a-ruivrecher: Am» Morivvlaq. Nr. löl»0-151»7. llm Granäeourt und SaiUifel. Saillisel-Ost zurückerobert. Gräbengewinn bei St« Pierre-Vaast.— Ablaincourt- Pressoire. Campulung, Roterturmpaß, Szurdukpatz. Amtlich. Großes Hauptquartier, 16. No- vember 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Teilvorstöße der Engländer au der Straße Maitty— Serre sowie östlich und südöstlich von Bcaumont scheiterten im Haudgrauatenkaulpf, stärkere Angriffe gegen Grand- conrt brachen in nnserem Feuer zusammen. Den Franzosen entriffen wir den Ostteil von Saillisel in hartem Häuserkampf. Abends stürmte das hannoversche Füsilier-Regimeut Nr. 73 zäh verteidigte französische Gräben am Nordraud des St. Pierre Vaast-Waldes. 8 Offiziere, 324 Mann und 5 Maschinengewehre sind ein- gebracht. r Bei den gestrigen Kämpfen im Abschnitt Ablaiucourt- Pressoire ist keine Aenderung der beiderseitigen Linien ein- getreten._ Einem feindliche» Fliegerangriff fielen in Ostende 39 Belgier zum Opfer. Als Vergeltung für Abwurf von Bomben auf fried- liche lothringische Orte wurde Nancy in den letzten Tagen , von der Erde und aus der Luft beschossen und beworfen. Oestlicher Kriegsschauplatz. " Front, des Geueralseldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Am Brückenkopf von Dünhof(südöstlich von Riga) wurde eine angreifende russische Jnfanterieabteilung zurück- getrieben. FrontdesGeueraloberstErz herzog Carl. Im Sndteil der Waldkarpathen lebte die beiderseitige Artillerietätigkeit auf. An der siebenbürgischen Ostfront scheiterten östlich de» Putna-Talcs starke russische Angriffe; nördlich Snlta unter- nahmen ungarische Truppen eine Erkundung auf den Mt. Alunis. Bei SoSmezö(am OjtoS-Paß) blieben rumänische Bor- stöße ohne Erfolg. Die Kampftätigkeit nördlich von Campulung hat sich verstärkt; auch an den über den Roten-Turm- und Szurduk- - Paß nach Süden führenden Straßen verteidigt der Rumäne zäh seinen heimatlichen Boden. Wir machten Fortschritte und nahmen gestern 5 Offiziere und über 1290 Manu ge- * fange«. Balkan-KriegSschauPlatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. In der Dobrudscha kleine Gefechte vorgeschobener Ab- teilungen. Die rumänische Meldung der Besetzung von Bouascic ist erfunden. An mehreren Punkten der Douan-Linie Feuer von Ufer zu Ufer. Mazedonische Z?ront. Die vorbereiteten neuen Stellungen im Cerna-Abschnitt sind bezogen. An der Struma Patrouillcngeplänkel. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorsf. » �benübericht. Berlin. Amtlich. 16. November, abends. Auf nördlichem Aucre-Ufer ist Kampf bei Graodconrt in» Gange. Au fiebeubürgischcr Sndfrout erfolgreiches Vordringen. Vom Balkan bisher nichts Neues. »» ♦ Der österreichische Dericht. Wie«, 16. November 1816.(W. T. B.) Amtlich wird verlantbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. HeereSfront des Generalobersten Erzherzog Carl. Die Kämpfe beiderseits des Tchyl und deS Olt-(Alt») UusseS schreiten günstig vorwärts. Es wurden über 1399 Gefangene/ eingebracht.' Nördlich von Campolung und bei SooSmczi wehrte« wir starke rumänische Angriffe ab. Nördlich von Sulta unternahmen österreichisch» ungarische Abteilungen eine Erkundung auf den Monte Alunis. Südöstlich von Tölgyes blieben russische Air- griffe erfolglos. Auf den Höhe» vou Mestckancsti Borposten- grfcchte. HeereSfront de» Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayer». Bei den österreichisch-ungarischcu Truppe» keine Kampfhand« langen von Belang. Italienischer Kriegsschauplatz. Die gestern gemeldete Unternehmung östlich von Görz fort» setzend, eroberten unsere Truppen wieder einen feindliche» Graben, nahmen 69 Italiener gefangen und erbeuteten zwei Maschinengewehre. EineS unserer Flugzeuggcschwader belegte die militärischen Anlagen bei der Station Per La Carnia auögicbig mit Bomben. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Der Stellvertreter deS Chefs deS GcneralstabcS. v. Hoefer, Feldmarschallcutnant. Rußlands polen-protest. Petersburg, 15. November.(W.T.B.) Die Petersburger Telegraphenagentur meldet: Die diplomatischen Vertreter Rußlands sind angewiesen worden, den Regierungen, bei denen sie beglaubigt sind, folgenden Protest zu überreichen:„Ich bin von meiner Rc- gierung beauftragt, folgendes zur Kenntnis Euerer Exzellenz zu bringen: In Mißachtung des Völkerrechtes habe» die deutschen und öfterrcichisch-ungarischen Militärbehörden in Warschau und Lublin so- eben eine Kundgebung erlassen, wonach die russischen Provinze« von Polen künftig einen gesonderten Staat bilden sollen. Die kaiserlich russische Regierung erhebt Einspruch gegen diesen Akt, der eine neue Verletzung internationaler Beitrage darstellt, die feierlich von Deutsch- land und Oesterreich-Uugarn beschworen sind, und erklärt ihn für null und nichtig. Ich stelle fest, daß die Provinzen des Königreiches Polen nicht aufgehört haben, einen integrierenden Bestandteil des Russischen Reiches zu bilden, und daß ihre Bewohner durch den Eid »er Treue, de» sie Seiner Majestät dem Kaiser, meinem erhabenen Herrn, geschworen haben, gebunden sind. Kopenhagen, 15. November.(W. T. B,)„Rustkoje Slowo' meldet: Im Hinblick auf die neuen Verbälmisse in Polen hielt Mnisterpräfident Stürmer am 7. November mit dem englischen Lotschasler Buchanan und dem französischen Botschafter Palvologue eine Konferenz ab. die länger als eine Stunde »auerle. Nach der Konferenz äusterte Buchanan zu einem Jour- aalisten: Deutschland bietet Polen ein verkleinertes Königreich. Aus »ie Frage des Journalisten, ob die Polen selber sich mit eineni kleineren Staate befriedigt erklärt hätten, antwortete Buchanan, nach seiner Ausfassung sei dies nicht der Fall. Ferner verbreitet die Petersburger Telegraphenagentur heute folgende amtliche Kundgebung: Die deutsche und die österreichisch- ungarische Regierung haben die zeitweUige Besetzung eines Teiles des russischen Gebietes durch ihre Heere dazu benutzt, die Trennung der polnischen Gegenden vom russischen Reiche und ihre Um- Wandlung in einen unabhängigen Staat zu verkünden. Unsere Feinde verfolgen offensichtlich den Zweck, in Russisch-Polen Re- kruten auszuheben, um ihre Heere zu ergänzen. Die Kaiserliche Regierung erblickt in diesem Akt Deutschlands und Ocstcrreich-Un- garns eine neue schwere Berletzung der grundlegenden Grundsätze des Völkerrechts, welche verbieten, daß die Bevölkerung der mili- tärisch besetzten Gebiete gezwungen werden, die Waffen gegen das eigene Vaterland zu brauchen. Sie betrachtet diesen Akt als null und nichtig. Rußland hat sich schon zweimal seit dem Ausbruch des Krieges über das Wesentliche der polnische» Frage ausge- sprachen. Seine Absichten umfassen die Schaffung eines Gesamt- Polens, das alle polnischen Gebiete in sich begreift und das bei Kriegsschluß das Recht haben wird, frei sein nationales, kultu- rclles und volkswirtschaftliches Leben auf den Grundlagen der Selbstverwaltung unter dem Szepter der russischen Herrscher zu stellen und das den Grundsatz der Staatscinhcit bewahrt. Diese Hitschließung unseres erhabenen Herrn bleibt unerschütterlich. Englische Schiffsverluste feit Kriegsbeginn. London, 15. November.(W. T. B.) Der Parlaments- sekretär der Admiralität erklärte, von dem gesamten Tonnen- aehalt der britischen Handelsdampfer von 1090 Tonnen und darüber zu Beginn des Krieges seien bis Ende September 1916 etivas über 2'/z Prozent verloren gegangen. Diese umfaßten alle Verluste, sowohl durch Kriegs-, als auch durch Seegesahr.[ der öeutfihe Sieg. Auf ein Ersuchen des radikalen Unterhausmitgliedes Mason, einen Tag zu bestimmen, an dem man sich mit der Frage des K r i e g s c n d e s und mit den Vorschlägen des deutschen Reichskanzlers beschäftigen lollte, antwortete in Vertretung des englischen Premierministers Bonar Lmv:„Ich kann nicht zugeben, daß der deutsche Reichskanzler irgend- welche Friedensbedingungeu gestellt hat, die nicht die An- crkennung eines deutschen Sieges zur Voraussehung Ijaben, und ich bin überzeugt, daß die überwältigende Mm jorität des Hauses mit mir darin eins ist, daß es keinen Ruhen haben kann, im gegenwärtigen Augenblick eine derartige Er- örterung stattfinden zu lassen." Herr v. Bethmann hätte nun die beste Gelegenheit, noch einmal, und womöglich noch etwas klarer als bisher, auszu- sprechen, ob er es in der Friedensfrage mit Mason und der deutschen Linken oder mit Bonar Law und der deutschen Rechten hält. Konservative und nationalliberalc Blätter fordern ja schon seit Tagen aufgeregt— und nach jedem Ar- tikel des„Vorwärts" immer aufgeregter—, der Kanzler möge eine, solche Erklärung abgeben. Damit würde auch der sehr bemerkenswerte Streit iin englischen Unterhause zur Ent- schoidiing gebracht werden: der Streit darüber, ob der deutsche Reichskanzler einen Verständigungssrieden abzn- schließen bereit ist, wie Mason annimmt, oder ob er von den Gegnern, bevor er sich mit ihnen an den Verhandlungstisch seht, die Anerkennung eines deutschen Sieges verlangt, wie Bonar Law behauptet. Der Reichskanzler, hat nach der Schlacht am Skagerrag 'den deutschen Erfolg gefeiert— die Ratten können beißen!— er hat aber damals hinzugefügt:„England ist nicht ge- schlagen, ist nicht besiegt." Darum können wir, solange er nicht widerrufen hat, nicht glauben, er wolle mit England erst dann verhandeln, bis es sich geschlagen gibt. Mit einer, solchen Absicht würden alle seine öffentlichen Erklärungen im Wide:- spruch stehen. Wenn man gesagt hat:„Ich bin j e h t bereit zu verhandeln!" und wenn man weiter gesagt hat:„Der Gegner ist j e h t nicht besiegt," dann kann man unmöglich meinen:„Ich verhandle mit dem Gegner erst dann, wenn er sich für besiegt erklärt." Trotzdem verlangen, wie gesagt, konservative und natio- nalliberale Blätter unter heftigen Ausfällen auf den„Vor- wärts", der Kanzler möge sich augenblicklich in der Friedens- frage auf ihren— und Bonar Laws— Standpunkt stellen. Die„Deutsche Tageszeitung" allein widmet dieser Angelegenheit nicht weniger als vier volle Spalten ihrer gestrigen Morgen- und Abendausgabe. Eine dieser Spalten ist in der Hauptsache dem wieder- gewählten Präsidenten Wilson gewidmet, der mit dem „Vorwärts" und mit Scheidemann in die gleiche Verdammnis geraten ist. Kaum hatte nämlich Scheidemann im„Vorwärts" neutrale Vermittlungsversuche angekündigt, so erschien— tags darauf— die Mitteilung, daß Präsident Wilson in einigen Monaten in der Lage sein werde,„eine Friedens- bewegung in Gang zu bringen". Eine andere Meldung sagt, er werde„unverzüglich bestimmte Schritte unternehinen, um den Frieden herbeizuführen, auch die Kriegführenden er- suchen, Vertreter zu einer Konferenz nach Washington zu ent- senden, wo jede der beiden Parteien ihre Mindestforderungen stellen würde". Damit sei dann der Weg für Anknüpfung von Friedensverhandlungen geebnet. Für den hellseherischen Grafen Reventlow ist es klar, daß Wilson, Schcidemann und der„Vorwärts" unter einer Decke stecken und„keinen deutschen Frieden" wollen. Aber der alldeutsche Recke schlägt dieser Hydra mit einem Federstreich alle drei Köpfe ab und erklärt zum Schluß triumphierend: „Deutschland aber braucht einen deutschen Frieden und will siegen trotz Herrn Scheidemann." Wir möchten in aller Höflichkeit gebeten haben, solche Unterstellungen zu unterlassen! Und zugleich wollen wir den Herren in aller Ruhe erklären, daß auch die Arbeiter den dent- schert Sieg wollen— nur daß ihr nüchterner praktischer Sinn seine Siegesziele nicht in den Wolken baut. Das und nichts anderes hat Genosse Scheidemann in seinem viel umkämpften Aufsah„Verteidigung und Frieden" (Nr. ,315 des„Vorwärts") auseinandergesetzt. Im Kampf gegen eine ungeheure Ucbermacht ist Behauptung Sieg, ist S e l b st e r h a l t u n g Sieg! Diesen Sieg wollen und müssen wir haben, den hatten wir mit blutenden Händen, fest, den werden uns die Gegner nie entreißen. Da wir aber nur unr diesen Sieg kämpfen— denn„uns treibt nicht Erobc- rungslust"—, können wir jeden Tag Frieden schließen, an dem die Gegner bereit sind, die einfache Tatsache zu erkennen, daß wir nicht besiegt sind. Die arbeitende Masse des Volkes ist seit/dem ersten Tag dieses Krieges in ihrem Entschluß, eine Niederlage zu verhüten, ebenso fest, wie in ihrem Willen, den Frieden sobald als möglich herbeifuhren zu helfLN. „W:r fordern, daß dem Kriege, sobald das Ziel der Sicherung erreicht ist und die G c g n e r z u in F r i e d e n bereit sind, ein Ende gemacht wird durch einen Frieden, der die Freundschaft mit den Nachbarvölkern ermöglicht"— so hieß es am 4. August 1914 in der vom Genossen Haase der- Icsencn Erklärung, mit der die sozialdemokratische Fraktion ihre einstimmige Annahme der Kriegskredite begründete. Damals gab es nach diesen Worten lebhaften Beifall auf allen Bänken des Hauses. Heute aber sagt Graf Reventlow, weil Scheidemann an dieser Erklärung festhält:„Das deutsche Volk will siegen trotz Herrn Scheideinann I" In einem anderen Artikel bemüht sich die„Deutsche Tageszeitung" nachzuweisen, daß ein Frieden der Verständi- gung, wie wir ihn fordern, einer Niederlage gleichzuachten seit. Sie schreibt: Wenn er(Scheidemann) versuchte, sich sachlich in diese Fragen zu vertiefen, so würde er finden, daß dem Deutschen Reiche politische Selbständigkeit und wirtschaftliche Entwicke- luligsfreiheit verloren, und zwar ohne einen neuen Krieg unwiederbringlich verloren sein würden, wenn das Deutsche Reich aus diesem Kriege nichts als die Unversehrtheit des Reichsgebietes zurückbrächte. Also, wenn Deutschland den einzigen Sieg erringt, der in diesem Krieg möglich ist— den Sieg der Verteidi- gung—, dann soll diesem Krieg ein neuer Krieg folgen müssen! Die„Deutsche Tageszeitung" kämpft hier, sei es auch gegen ihre Absicht, wieder auf der Seite Bonar Laws und der anderen Leute von drüben, die den„Krieg bis ans Ende" fordern init der Begründung, nur durch die völlige Niederwerfung Deutschlands sei die Sicherung des künftigen Weltfriedens möglich I Wir erlauben uns zu bezweifeln, ob es im deutschen Interesse liegt, zu dieser feindlichen Theorie von deutscher Seite die Begründung zu liefern. Jeder Artikel der„Deutschen Tageszeitung"— und „Hannoverscher Kurier",„Nationalliberale Korrespondenz" usw. folgen diesem Beispiel— schließt mit einer flammenden Aufforderung an den Reichskanzler, öffcut. lich zu erklären, daß die Auffassungen Scheidemanns und des „Vorwärts" über den Frieden nicht die scinm wäern.„Das halboffiziöse Mundspitzen erzielt nicht mehr die nötige Wir- kung. es müßte schon reckt deutlich gepfiffen werden."„So wie bisher geht's nicht weiter!"— Wir wissen nicht, wie lange der Reichskanzler diesem konzentrischen Angriff standhalten wird. Solange er sich nicht öffentlich und feierlich auf die Kriegsziele des Grafen Reventlow verpflichtet, bekommt er doch keine Ruhe! Ob ihm das helfen würde, steht dahin. Die beliebte Taktik des„Man-so-duhn oder„mit den Wölfen zu heulen" kän?e hier kaum zum Ziel. Denn Herr v. Bethmann ist den Ganzen und Unentwegten schon längst verdächtig, und ein solcher Verdacht wird durch eine diplomatisch gewundene Er- klärung nicht weggewischt. So hat denn auch der ganze Lärm die Stille der Wilhelmstraße bisher nicht gestört. Warten ivir ab! Vielleicht begreift man in der Wilhelmstraße doch, daß die kleine Anfrage im englischen Unterhaus und die kurze Meldung von Wilsons Vermittlungsabsichten wichtiger sind als das lange Gerede in gewissen deutschen Zeitungs- blättern, und daß man diesen Blättern nicht den Gefallen hm darf, wider Willen das Spiel des sehr ehrenwerten Herrn Bonar Law zu spielen. die vierverbanüsarbelt in Griechenlanü. Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant" demerkt in einem Ar- tikel- zu den letzten Meldungen der englischen Korrespondenten auS etzrieckenland: Die Deutschfreundlichkeit der griechischen Regierung, die ihre Kriegsflotte der Entente anSgeliefert hat usw., besteht lediglich darin, daß sie es trotz ihrer wohlwollenden Haltung gegen- über der Entente für ein Lebensinteresse hält, neutral zu bleiben. In einem Telegramm aus Athen wurde gesagt, die Entente habe der griechischen Regierung vorgestellt, daß das Kriegs- Material für Griechenland doch nutzlos sei, da sie ja entschlossen sei, neutral zu bleiben. Diese Auffassung verdient die Aufmerksamkeit aller Länder, die noch neutral sind. Wenn man so argumentiert, so gehört nur wenig dazu, von allen Völkern, die neutral bleiben wollen, die Auslieferung ihrer Waffen zu verlangen. Die Tagung der griechischen Kammer entspricht � dem Stande der griechischen Dinge. Staat und Berfassnng sind ein Schemen geworden und das Parlament nur noch ein Schaum-> vläschen. HavaS meldet aus Athen: In der Kammer tvarcn t!0 Deputierte zugegen. Die Tribünen waren überfüllt. Nachdem der Metropolit die Gebete gesprochen hatte, verlas Mimsterpräsi- dent Lambros das Dekret über die Eröfftrnng der Session. Der provisorische Präsident erklärte, die Kammer werde zusammen- treten, wenn das Quorum erreicht sei. Die Kammer ging darauf■ unter Hochrufen auf den König, auf die Verfassung und auf die 1 Nation auseinander. Es heißt, das Haus werde sich auf eine un- � l'estimmte Zeit vertagen. Inzwischen ist die Entente bemüht, die Venizelistenarmee zu � sichern und aufzupäppeln. Wie Reuter aus Athen meldet, hatte � der französische Kriegsminister General Rogues bei König Konstantin eine Audienz. Der Hauptgegenstand der Unterredung war die Errichtungein erZone, die Reibereien zwischen der A r m e e des Königs und der der Venizelisten verhüten soll. Zugleich wird einiges getan, um die Lust zum Abtrünnigwerden] zu mehren. Nach Meldungen aus Athen haben, wie T. U. ans> Amsterdam berichtet, die Regierungen von Frankreich und Eng- land der vorläufigen Regierung in Saloniki folgendes mitgeteilt:; Der Vierverband wird die Interessen der Offiziere und Beamten, welche in den Dienst der Regierung von Saloniki übergehen, nicht � aus den Augen verlieren und dafür Sorge tragen, daß sie auch in Zukunft keinen Schaden erleiden werden. AuS Bern werden noch folgende Vorgänge mitgeteilt(unterm 13. November): Mailänder Blätter melden aus Athen, mit der i Verbriugung griechischer Truppen nach dem PeloponneS würden die( französischen Abteilungen nach und nach wieder auf die Schiffe i zurückgezogen werden. Eine Athener Depesche de«„Matin" be-: iagt, ein leichtes griechisches Geschwader werde im Laufe der nächsten! Woche noch Saloniki abfahren, um den Schiffsverkehr durch> griechische Postdampfer zwischen dem PiräuS und Saloniki j sicherzustellen._ I i Das englisch- norwegische Handels-! abkommen. Kristiania, 13. November.(W. T. B.) Die Verhand- lungen, die länger als einen Monat in England zwischen! englischen maßgebenden Persönlichkeiten und Vertretern der norwegischen Importeure und des norwegischen Staates ge- � führt wurden, sind jetzt abgeschlossen. „Morgenbladet" teilt mit, laut Auslassungen des ProviantierungS-! direkiorS Pederscn seien Einfubrübercinkommen abgeschloffen worden i jür Getreide, Kolonialwaren, Fettwaren und Futterstoffe: außerdem, sei die Frage bezüglich der staailichen Einfuhr geregelt. Die Heber- einkommen gelten für ein Jahr vom 1. Okiober ab und sind schon in Krafi getreten; die Einfuhr findet jetzt regelmäßig stau. Der Direktor meint, die Einfuhr für das kommende Jahr sei gesichert. Privatmeldungen besagen, daß die Verhandlungen bezüglich der Frei- gäbe der beschlagnahmten Kaffeesendungen abgeschlossen seien, teilen aber nichts über das Ergebnis mit. Zum zweiten Saralongfall. London, IS. November.(W. T. B.)(Reuterineldung.) In bezug auf die deutsche Darstellung über den sogenannten zweiten Baralongsall erließ die jildmiralität eine weitere Erklärung, in der voller Unwillen ausgedrückt wird, es sei ein für alle Mal voll- kommen unwahr, daß ein Befehl der Admiralität bestehe, wonach cS nicht nötig fei, die überlebende Mannschaft deutscher Unter- seeboote zu retten. Zur Widerlegung der deutschen Veröffent- lichungen in dieser Angelegenheit gibt die Admiralität«ine lange amtliche Erklärung des Kommandanten des Schiffes, das U. 41 versenkt hat, bekannt. Dieser sagt, es sei unwahr, daß er das Boot überrannt habe, in dem sich die Ueberlebenden befunden hätten. Sie seien über Bord gesprungen, als das Schiff sich dem unbeschädigten Boote genähert hätte. Als sie aufge- nommen worden waren, wären sie so behandelt worden, wie es die Verhältnisse des Schiffes zuließen. Aus den Schiffsbeständen seien sie mit trockener Kleidung versehen worden. Em Arzt sei nicht an Bord gewesen, trotzdem seien die Wunden der verwunde- ten Gefangenen gewaschen und verbunden worden. Sie seien alle mit Matratzen, Kopfkissen und genügend Bettdecken versehen worden. Aerztliche Hilfe sei den verwundeten Gefangenen zuteil geworden, als das Schiff am folgenden Tage im Hafen ange- kommen wäre. Der deutsche Offtzer habe zugegeben, er habe keine Erinnerung daran, auf welche Weis« er aus dem Untersee- boot herausgekommen wäre und was er dann getan hätte. Der unverwundete Unteroffizier schien mit seiner Behandlung völlig zufrieden zu sein. Er lächelte immer, wenn man ihn anredete, und sagte in gebrochenem Englisch: Nicht mehr kämpfen! Anmerkung der Redaktion des Wolffschen Bureaus: Diese Darstellung von englischer Seite trägt den Stempel der Unwahr- heit an der Stirn; denn, wenn sie wahr wäre, dann hätten die Engländer Oberleutnant Trompton nach der Schweiz entlassen. Die Schiffsnot unü der Lebensmittel- kontrolleur in Englanö. London, 15. November.(W. T. B.) Unterhaus. Im Laufe einer Besprechung der hohen Lebensmittelpreise hob Nun- ciman die Wichtigkeit der Transportfrage hervor. Er er- wähnte, daß wenn die Schiffswerften in voller Tätigkeit wären, England jährlich zwei Millionen SchiffStonncn herstellen könne, während eS seit Beginn dcS Krieges nur zwei und eine Viertel- Million verloren habe. Schritte seien unternommen worden, um den Bau von Schiffen zu beschleunigen, und er rechne mit einer Fertigstellung von einer halben Million Tonnen während der letzten sechs Monate dieses JahrcS. Runciman hob hervor, wie wichtig eS sei, daß alle Stellen, die mit Lebensmitteln zu tun hätten, Hand in Hand arbeiten, und kündigte die bevorstehende Ernennung eines Lebcnsmittelkontrolleurs an, der große Vollmachten be- sitzen solle, die ihn in den Stand setzen, Personen, die Lebensmittel verschwenden oder vernichten, zu verfolgen, die Zwecke vorzuschreiben, für die Nahrungsmittel verwendet werden dürfen, die Herstellung gewisser Lebensmittel wie Mehl zu regeln, den Handel und die Ver- tcilung der Waren zu beauffichtigen, die Borgänge auf dem Markte zu regeln und den Aufkauf zu Spekulationszwecken zu verhindern. Bis zur Ernennung de« LebenSmittelkonttolleurS würden diese Vollmachten dem Handclsamt zustehen. Rotterdam, 16. November.(W. T. B.)„Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet aus London, daß die Absicht Runcimans, eine Kontrolle über die Lebensmittelversorgung einzuführen, von der Presse im ganzen günstig aufgenommen wurde. Das einzige Bedenken, das dagegen geäußert werde, sei, daß die Maßregel zu spät komme und nicht praktisch genug sei.— Die Minister sollen auf Grund des ReilbsverteidigungsgcsetzeS ermächtigt werden, gegen Personen, die Nahrungsmittel vergeuden, aufzutreten und vorzuschreiben, wieviel einzelne Lebensmittel verwendet werden oder nickt verwendet werden dürfen. Ferner sollen sie die Voll- macht erhalten, die Produktion gewisser Lebensmittel, namentlich von Mehl zu regeln und wenn nötig in den Verkauf und die Ver- teilung von Lebensmitteln sowie in die Transaktion der Märkte regelnd einzugreifen. Man erwartet ferner eine Verordnung über die Verwendung von Nahrungsmitteln, die auch für den mensch- liehen Gebrauch in Betracht kommen und für die Viehmast. Die Herstellung von Kartoffelmehl wird wahrschcinlick verboten werden. Es sollen noch im Laufe dieser Woche vorläufig Schritte unter- nommen werden, um einer weiteren Erhöhung des Mehl- und KarwffclproiseS vorzubeugen. Die v-Boot-Abwehr. London, IS. November.(W. T. B.) Oberhaus. In seiner Antwort auf die Bemängelung der Wirksamkeit der Maßnahmen der Admiralität gegen feindliche Unterseeboote sagte Marquis E r e w e: Die Admiralität hat in der Zerstörung von Unterseebooten entschieden Erfolg gehabt, und trotz der größten Schwierigkeiten infolge der vermehrten Größe, der schwe- rcren Bewaffnung und der stärkeren Wände der neuen Unterste- boote wäre eS ein Irrtum anzunehmen, daß nicht auch diesen gegen- über Erfolge erziett worden wären. Eine Geheimsitzung deS Parlaments. London, 16. November.(T. U.) Die.Times" vernimmt, daß die Regierung wahrscheinlich dem Wunsche de? Parlaments nach- geben und eine geheime Sitzung anberaumen wird, in welcher die Frage der Reserven, die Lage der Marin« und andere wichtige Kriegsproblcme geregelt werden sollen. Es wird ersucht werden, die Dauer der Reden in dieser Sitzung festzusetzen und dafür zu sorgen, daß nur Fragen behandelt werden, welche nicht in öffent- lichen Sitzungen behandelt werden können. Die Kriegsgefangcnenarbeit in England. London, 16. November.(T. U.) Im englischen Obrrhause wurde die Frage der Arbeitsbeschaffung für deutsche Gefangene in der Landwirtschaft erörtert. Lord New- t o n antwortet auf eine Anfrage GrehS, daß drei Schwierigkeiten dem Plan einer Jndeinststellung von Gefangenen entgegenständen, daß nämlich erstens die G e w e r k v e r e i n e sich dem widersetzen würden, zweitens wären zu viel Wachen notwendig und drittens seien Schwierigkeiten infolge der antideutschen Sympathien in Eng- land zu erwarten. Was die Zivilgefangenen betrifft, so steht eS ihnen frei zu arbeiten; aber sie müßten dann die gewöhnlichen Ge- Werkvereinslöhne verdienen. Eine Schwierigkeit dagegen ist nun, daß viele Gefangene für die Arbeit, welche ihnen übertrafen wird, nicht geeignet sind und somit den vollen Lohn nicht wert seien. Nieüer!änüisch-portug!eftscher Gebietstausch. Haag, 14. November. iW. T. B.j Amilich. Vom General« gouvernement von Niederländisch-Ostindien ist Bericht eingetroffen. daß am 1. d. Mls. zwischen den niederländischen und portugiesischen Behörden auf der Insel Timor der Austausch der Distrikte stattgefunden hat, die in den Artikeln 1 und 2 des mit Portugal ge- fchlossentn GrenzvertrageS vom Jahre 1904 erwähnt find. Parlamentseröffnung in Kenftantinopel. Konstantinopcl, 14. November.(W. T. 58.) Das Parlament wurde heute' nachmittag eröffnet. Ter Sultan hielt die Thronrede. Er wies darin auf die türkischen Siege an den Dardanellen, bei Kut el Amara und in Persien hin, wo die türkischen Soldaten Kermanschah und HamadNn von den Russen befreit hätten und sich Teheran näherten. Er sagt«: Eines der Ziele, das wir in diesem Kriege verfolgen, besteht darin, Persien alle Be- dingungen für eine von Hemmungen freie Entwicklung gewinnen zu sehen. Die Thronrede hob die Abschaffung der Kapitulationen hervor und sagte dann: Ebenso haben wir die Verträge von Paris und Berlin gekündigt, die im Grundsatz werttos ge- worden waren, nachdem die Signaturmächte ihre allgemeinen und wesentlichen Bestimmungen zu unserem Schaden allezeit verletzt haben. Diese Verträge hatten vollkommen ihre Daseinsberechtigung verloren und dienten nur als Vorwand zur Einmischung in innere Angelegenheiten.— Hadji Adil Bey wurde zum Präsidenten de« Parlaments, Husein Dschahid Bey und Achmed Feizi Pascha zu Vizepräsidenten gewählt. französische Kritik an englischer Krieg- sü'hrung. London. 14. November.(W. T. B.).Daily Cbronicle" bekämpft in einem Leiiariikel die Forderung des französischen Hauptmanns Philippe Millet in einem Londoner Morgenblatie, daß die britische Armee einen viel größeren Teil der Westfront in Frankreich übernehmen müßte, und die ungünstigen Vergleiche, die er zwischen der militärischen Leistung der Engländer und der Franzosen anstellt. Die Unterlagen dieser Vergleiche, sagt das liberale englische Blatt, seien ungerecht und beleidigend. Der Verfasser habe sich auf das robe Argument der Meilenlänge der Front beschränkt, ohne die besonderen Schwierigkeiten der englischen Front und die starken deutschen Truppenanbäunrngen gerade ihr gegenüber zu berück- sichtigen. Solche Artikel könmen nur eine Wirkung ausüben, nämlich böses Blut zwischen den Verbündeten machen..Daily Chronicle" legt Herrn Millet nahe, er sollte die Arbeil tun, zu welcher ihn seine Regierung nach England geschickt hat, und nicht für englische Zeitungen schreiben. Die deutschen Fortschritte südlich des Vulkanpasses. Von der italienischen Grenze, 16. November. halten. Die Frage der Anrechnung der gewerki'chastlichen Krankenunter> stützung bei der Unterstützung der 5!rankenkassen nach§§ 189 und 673 der Reichsversicherungsordnung kann endgültig erst vom nächsten Verbandstag erledigt werden. Bis dahin vorkommende Fälle sollen von der Zentralleitung entschieden werden. Zugestimmt wird, dast der Zeniralvorstand über das Statut hinaus Notfallunterstützung auch an die Angehörigen der im Heeresdienst Befindlichen bewilligte. Auch in diesem Jahre sollen den eingezogenen Mitgliedern Weih- nachtSliebesgaben zugestellt werden, die Erledigung erfolgt wiederum von den örtlichen Verwaltungen. Ueber die Teuerungszulagen im Berufe fand eine eingehende Aussprache statt. Die Konferenz einigte sich dahin, dast in allen Verwaltungsstellen unter Beihilfe der Bezirkskommissionen nichts unversucht gelassen werden darf, um den Mitgliedern die so not» wendigen Lohnerhöhungen, und sei es in Form von TeuerungS- zulagen, zuzuführen.'In der Holzbranche dürste in den weitaus meisten Fällen ein gemeinsames Vorgehen mit dem Holzarbeiter- verband zu empfehlen sein. Zur Durchführung sei aber regste Agitation nötig, da leider zirka 300 Mitglieder(bis Ende September d. I. ausgeschloffen werden mußten, die meisten in der ersten Be- stürzimg nach Kriegsausbruch. Für die Frage:.Kriegsbeschädigtenfürsorge und ArbeitSgemein- schaften" zeigte die Konferenz das lebhafteste Interesse. Sie erklärte sich zustimmend zu den Ausführungen der Zentralleitung, nur wurden nock weitere Anregungen im Jntereffe der aus dem Heeresdienst Entlassenen gegeben. Die Notwendigkeit einer Teuerungszulage an die Angestellten des Verbandes wurde anerkannt; vom März d. I. ab sollen ihnen 16 M. pro Monat und vom Juli d. I. ab 26 M. Zulage gewährt und nachgezahlt werden. Die statutarische Generalversammlung(Verbandstag) wäre schon im vorigen Jahre fällig gewesen, sie soll bis nach Beendigung des Krieges vertagt werden. Sie hat sich mit wichtigen Angelegenheiten zu beiaffen: Tariffrage. Uebertrittsfrage(im Sinne des in München 1912 gefaßten Beschlusses) in Verbindung mit einer Erhöhung der Unterstützungssätze und dann natürlich auch des Beitrages. Die Vorarbeiten sollen so gefördert werden, dast die Einberufung der Generalversammlung sobald als möglich nach Beendigung des Krieges erfolgen kann; allerdings hängt das mit davon ab, wie die Mitglieder aus dem Heeresdienst entlassen werden. fkuslan». Kriegsfürsorge für die österreichischen Eisenbahner. (IX) Die von den österreichischen Eisenbahnern unter Führung des Abgeordneten Toumchik beim Eiicnbahnministerium beantragte Erhöhung der Zehrgelder für exponierte Bedienstete und Arbeiter der Staatsbabnen ist nunmehr zum Teil von der Verwaltung ge- währt worden. Nach einem Erlast des Ministeriums vom 28. Ol- tober beträgt dieser außerordentliche Zuschuß zu den normalen Diäten und Zehrgeldern für die IV. Dienstklaffe 36 Proz., für die V. bis VLH Klasse 40 Proz., für die IX. und X. Klasse 60 Proz., für Unterbeamten, Diener, Aushilssunterbeamtcn 50 Proz. Ferner hat das Ntlnisterium einen großen Posten von leistungsfähigen Schuhsohlen angeschafft, um ihn der Beamtenschaft zum Selbstkostenpreis zur Verfügung stellen zu können, und schließlich mit dem Ackerbauministerium erfolgreich der- handelt, um den Tierzucht betreibenden Eisenbahnern Futtermittel zu beschaffen._ Konferenz skandinavischer Gewerkschaftsführer. (HO Kopenhagen, 15. November. In Fortsetzung der vorigen Monat zu Stockholm abgehaltenen skandinavischen Gewerkschafts- konserenz trafen sich die Gewerkschaftsführer der drei nordischen Länder am 10. und 11. d. M. in Kopenhagen. Als Vertreter des Internationalen Sekretariats war Genosse Wilhelm Janffon aus Berlin erschienen. Aus Schweden und Norwegen nahmen teil Herman Lindquist und Ole Lean, die Führer der beiden Landes- zentralen. Die dänische Landeszentrale war durch Carl F. Madien, I. A. Hansen, Hedebol und Stanning vertreten. Zur Erörterung gelangle außer inneren Angelegenheiten die Frage der geplanten internationalen Konferenz; es wurde folgender Beschluß gefaßt: .Da es unter den zurzeit herrschenden Verhältnisien als schwierig angesehen werden muß, eine internationale gewerk- s ch a f l l i ch e Konserenz mit der Vertretung, die wünschenswert wäre, abzuhalten, da ferner die auf einer solchen Konserenz zu be- handelnden Fragen noch nicht vorbereitet sind, beschließen die Ver- treler der skandmavische» Landeszentralen, nach eingehender Be- ralung der Sachlage mit einem Vertreter des internationalen Sekre- tarialS. dieses aufzufordern, die auf den 11. Dezember nach Bern einberufene Konferenz zu verschieben. Zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die Verbällniffe sich derart verändert haben, dast mit größerer Aussicht auf allgemeine Beteiligung gerechnet werden kann, möge eine Konferenz einberufen werden, in welcher die Frage der Forderungen der organisierten Arbeiter beim kommenden Friedensschluß ebenfalls zur Verhandlung gelangen sollte." Dieser Beschluß wird dem internationalen Sekretariat zu- gestellt. Es dürste, fügt der„Socialdemolrat" bei, als wahrscheinlich anzusehen sein, daß die Konferenz in Bern bis auf weiteres verschoben wird. flus der Partei. Bei de» Stadtverordnetcuwahle» in Altona wurden im Zeichen des Burgfriedens vier Bürgerliche und vier Sozialdemokraten, die Genossen Gauleiter Harkelberg. GewerkichaftSangestellter Ostertag, Genossenschaftsangestellter Brauer und Journalist Stoll gewählt! Harkelberg und Ostertag gehörten dem Stadtverordiretenkollegium schon an._ Aus den Organisationen. In der Fortsetzung der Sleneralveriammlung des Sozialdemo- kratischen Vereins in Bremen wurde, wie das Sozialdemokratische Pressebureau mitteilt, eine von linksradikaler Seite eingebrachte Re- solution, die auf eine Spaltung der Jugendorgani- s a t i o»i hinauslief, abgelehnt. Im Anschluß an den am Dienstag erstalteten Bericht der Zeilungskommission wurde von den Links- radikalen beantragt, den aus dem Boden der Fraktions- Mehrheit stehenden Redakteuren Sonnemann und Donath zu kündigen. Ueber den Antrag ist noch nicht abgestimmt. Angenommen wurde ein von Henke bekämpfter Antrag, dem Vorstand des Ortsvereins 200 M. zur Förderung der Opposition zu bewilligen.— Die Versammlung wird nächste Woche fortgesetzt. Mus Industrie und Handel. Kohlenmangcl und Kohlcngcwiune. Aus dem Nuhrgebiet wird uns geschrieben: Wir lesen im„Vorwärts", daß die Kohlenhändler in Berlin über Mangel an Zufuhren klagen und durch diese Klage der Eindruck erweckt wird, als ständen wir vor einer winterlichen Kohlennot. Demgegenüber kann zur Beruhigung des Publikums konstatiert werden, daß die Kohlenförderung im rheinisch-westfälischen Industriegebiet in den letzten Monaten nicht unerheblich gestiegen ist. Die zur Verfügung stehenden mineralischen Brennstoffe aus dem größten deutschen Kohlenrevier sind in diesem Jahre jedenfalls größer als vorjährig. In den anderen deutschen Kohlenzcchcngcbietcn ist die Förderung diesjährig auch höher. Mithin kann der gemeldete Kohlenniangel im Berliner Bezirk nicht auf eine zurückgehende Förderung zurückzuführen sein. Wir möchten behaupten, daß es sich nur um eine schnell vor- übergehende Materialknappheit handelt, die behoben ist, sobald der Wagenumlauf wieder anders geregelt werden kann. Mehrere Zechen haben in den letzten Wochen wiederholt Feierschichten wegen Wagenmangel eingelegt, in einem Falle sogar mehr als drei im Monat Oktober. Nicht wenig andere Zechen legen keine Feierschichten ein, aber ein Teil der Förderung wird„gekippt" auf den Werksplätzcn, weil es an Eisenbahawagen zum Abtransport fehlt. Die Eiscnbahy ist stark belastet mit Nahrungsmitteltransportcn 'Kartoffeln, Rüben usw.), eine Erfahrung, die wir fast w jedem Herbst machen. Diesmal ist naturgemäß die Kalamität wegen der Inanspruchnahme des Maschinen- und Wagenparks durch die Heeresverwaltung nicht geringer. Aber ein Kohlenmangel herrrscht in Deutschland nicht! Darum soll sich das Publikum nicht änstigen und so den Interessenten an einer abermaligen Kohlenpreiserhöhung die Hasen in die Küche jagen. Daß keine weiteren Kohlenpreissteigerungen Volkswirt- chaftlich nötig, im Gegenteil die Ueberschüsse der Zechen sehr reichlich sind, weisen die Fachblätter der Bergarbeiter leicht nach. Die neueste Nummer der„Bergarbeiter-Zeftung" ver- öffentlicht die Tonnenüberschüsse einer großen Zahl von Steinkohlenzechen. Durchweg haben alle im dritten Viertel- jähr 1916 und im ersten Halbjahr 1916 höhere Tonnenüberschüsse als vorjährig, sie sind sogar meistens noch höher als in dem glänzenden Hochkonjunktur- jähr vor dem Kriege. Ganz besonders gut geeignet für die Untersuchung des Verhältnisses zwischen Selbstkosten und Betriebsertrag ist die A.-G. Harpen.„Zu ihr", so schreibt das genannte Fachblatt,„gehören 22 Zechen im rheinisch-westfälischen Gebiet, und zwar solche undurchschnittlicher, mittlerer und bester Qualität. Es ist die größte„reine" Kohlenbergwerks- gesellschaft Deutschlands. Bei dieser Gesellschaft betrugen die Ein Gesamt- Ueber- ."S",™ Ort«.?-d Briketts Betriebe För de- in in in in rungin 1000 M. 1000 M. 1000 M. 1000 M. M. 1915/10: 7 302 363 10 034 7818 2216 3068 4,20 1913/14: 8 206 664 9 524 7358 2168 2836 3,46 Trotz der Erhöhung der Materialkosten, Löhne und onstigen Selbstkosten, trotz geringerer Ausnutzung der Betriebsanlagen ist doch der von der gegebene Ueberschuß 1915/16 sogar oro Tonne als selbst in dem auch 1913/14. Die Durchschnittserlöse pro Tonne betrugen 1916/16 1913,1914 Kohle«...... 14,86 M. 11,85 M. Kok«...... 17,99, 17,18, Briketts..... 16,17, 13,38„ Als durchschnittliche Selbstkosten pro Tonne Kohlen sind angegeben: 1916/1916 1913/1914 1912/1913 11,81 M. 9,86 M. 9,41 M. Unterschied zwischen Selbstkosten und Erlös: 3,06 M. 2.05 M. 1,93 M. Die Herstellungskosten Pro Tonne werden werksseitig wie Ilse(Niederlausitz).... Eintrachl(Niederlausitz).. Niederlausitzer Kohlenwerke Riebeckfche Montanwerke. Werschen-Weißenf. A.-G.. Rh. A.-G. f. Brannkohlenb. Hallische Pfännerschaft.. Hubertus Braunkohlen-A.-G. Roddergrube A.-G.(Brühl). Braunk.-J,-A.-G. Zukunft. Bruckd.-Niedlebencr Bergb,-V. Prehlitzer Braunk,-W. A.-G. Anhalt. Kohlenw. in Halle. Ueber urteilte die 1916/16 oder 1916 11 611 404 4 641 917 6 454 367 11 327 696 3 880 491 8 800 593 1 658 942 634 000 6 208 668 976 829 587 076 678 666 1914/16 oder 1914 9 753 510 4 270 492 4 515 359 9 073 737 3 163 405 7115 383 1 226 384 633 700 6 026 264 363 941 532 086 424 246 2 080 320 1912/13 oder 1913 8 998 969 4 437 908 4 657 562 8 384 189 3 509 690 6 065 722 1 012 737 546 870 6 304 387 689 314 328 412 282 442 2097 024 Förderung Tonnen Gesellschaft bekannt- noch erheblich höher guten Geschäftsjahr bei Harpen: 1912/1918 11,34 M. 16,98. 12,82. 1918/14 1912/18 1.86 M. 1.22 M. 3,47. 3.25. bis inkl. 1915/16 gestiegen folgt angegeben: 1916,1« Koks.. 1,60 M. Briketts. 4,16. Mithin sind von 1912/13 bis inkl. 1915/16 gestiegen pro Tonne die Herstellungskosten die Erlöse bei Koks.... 0.38 M. 2,01 M. bei Briketts... 0.91 M. 3.35 M. Sind da noch weitere Kohlenpreiserhöhungen Volkswirt- schastlich zu rechtfertigen?"_ Keine Erhöhung der Brauukohlenbrikettpreise notwendig! Die Braunkohlenbriketts sind der hauptsächliche Haus- brandstoff für die Berliner Bevölkerung. Seit Kriegs- beginn sind die Preise schon ganz bedeutend gesteigert worden. Nun ist wieder eine intensive Agitation für eine neue Preis- treiberei im Gange. Auch die Besitzer der Braunkohlengruben und Brikettfabriken können es angeblich ohne eine weitere Preiserhöhung„nicht länger mehr aushalten". Dabei be- trugen die Ueberschüsse bei: 2 359 223 die Lage der Braunkohlen- und Brikettindustrie „Industrie", ein Untcrnehmerorgan(Nr. 3, 1916), sie sei 1915 schon gut gewesen; die Förderziffern gingen„fast ausnahmslos in die Höhe", die„Einstellung weiblicher Ar- beiter bewährte sich". Das Blatt nennt einige erheblich er- höhte Gewinnziffern kleiner Werke und schreibt, weil es sich um kleine Betriebe handle,„gerade deswegen... sind sie (die Gewinnziffern) für die gute Entwicklung der Braunkohlen- industrie im letzten Jahre doppelt wertvolle Belege; denn was von ihnen gilt, wird in noch höherem Maße für die bekannten Großwcrke im Braunkohlenbergbau zutreffen." Trotzdem macht das Blatt für eine neue Preiserhöhung Stimmung. Die starke Ueberschußzunahme der Werke und die allgemeine Nahrungsmittclteuerung müssen der Regierung doch sagen, daß sie Kohlen- keine weitere Preissteigerung auf dem und Brikettmarkt zulassen darf. Soziales. Zur Versicherung feindlicher Ausländer. Die in der Nr. 260 des„Vorwärts" erwäbnle Entscheidung des ReichsverficherungSamtS, wonach feindliche Ausländer gegen Unfälle nicht versichert sind, liegt jetzt im Wortlaute vor(„Kompaß", Nr. 21). Sie läßt erkennen, dast das Oberversicherungsamt die Berufsgenossen- schalt zur Zahlung der Unfallrente verurteilt hatte, wobei es von den Tallachen ausging, dast der Kläger sich an seinem Aufemhalts« ort ftei bewegen und über seinen Arbeitslohn verfügen durfte, dast die Versicherungsbeiträge für ihn gezahlt worden sind und dast ihm gegenüber die Ortspolizeibehörde von einer wiederholten Meldung abgesehen hatte. Diese Umstände erklärte das Rcichsversicherungs« amt als von untergeordneter Bedeutung gegenüber den allgemeinen Anordnungen, die den bei Kriegsausbruch in Deutschland weilenden russisch-polnischen Arbeitern gegenüber getroffen worden seien und die eine derartige Einschränkung der persönlichen Freiheit mit sich gebracht hätten, daß diese Arbeiter versicherungs- technisch als unfrei anzusehen seien.„Als unfreie Arbeiter unter- liegen sie aber nicht der Versicherungspflicht, denn auf allen Ge- bieten reichsgesetzlicher Versicherung ist Voraussetzung, daß sich die Arbeiter bei der Uebernahme und Ausführung der Arbeit im Besiy der persönlichen Freiheit befinden und keinem obrigkeitlichen Zwange unterliegen."(In, 769/16§?) Dieses Urteil wurde gefällt einem Manne gegenüber, der seit 16 Jahren in Deutschland wohnt und höchstwahrscheinlich während all dieser Jahre in versicherungs- vflichtiger Beschäftigung war. Hätte dieses Urteil kommen müssen? Nein! Wenn auch der Beschlustsenat der Abteilung füi Kranken-, Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung in verschiedenen Ent- schcidungen dahin ausgesprochen hatte, daß keine Kranken- und Jnvalidenversicherungspflicht für die zurückgehaltenen russisch- polnischen Arbeiter bestehe, so waren die Spruchsenate an diese Be- schlüffe nicht gebunden. Es darf dabei auch daran erinnert werden, daß ein anderer Senat der Unfallabteilung kürzlich andere Grundsätze vertreten hat. Dabei handelte es sich allerdings um solche russisch-polnische Arbeiter, die während des Krieges nach Deutschland gekommen sind, um hier zu arbeilen. Obgleich auch diese weitgehenden Aufenthaltsbeschränkungen unterliegen, wurden sie für versicherungspflicdtig erklärt. Dieselben Grundsätze hätten sich auch hier, ohne den Verhältnissen Zwang anzmun, ruhig anwenden laffen. Es werden nun die früher in Deutschland gewesenen und hier gebliebenen russisch-polnischen Arbeiter anders behandelt als die während des Krieges zugereisten. Sie sind minderen Rechts als ene. Ein ganz unhaltbarer Zustand, der um so widersinniger ist, weil die früher hier gewesenen sich schon Rechte erworben halten in den verschiedenen Versicherungszwcigen. Da wirkt die von lins schon abgedruckte Bekanntmachung des Bundesrats vom 2. No- vember(siehe Nr. 260) wie eine Erlösung. Aber sie geht nickt weit genug. Sie erstreckt sich nur auf die Kranken- Versicherung. Sollen nun bei Betriebsunfällen nur die Kranken- lassen in vollem Umfange belastet werden, die Berufsgenossenschaflen aber befreit bleiben? Soll die Invalidenversicherung, die unter Umständen jahrzehntelang Beiträge einnahm, mit einem Schlage all' ihrer Verpflichtungen ledig sein? Sollen all' diese Arbeiter, da der Krieg nun schon länger als zwei Jahre dauert, ihre erworbenen Anwartschaften verloren haben? Hier must der Bundesrat ganze Arbeit machen. Er muß die Versicherungspflicht auf alle Gebiete der Arbeilerversicherung und auch auf die Angestelllenversicherung ausdehnen und er muß, abweichend von seiner Bekanntmachung vom November, seinen Maßnahmen auch rückwirkende Kraft verleiben vqm Tage des Kriegsbeginns an. ES kann nicht angehen, daß den Unternehmern, die in den Ausländern schon besonders willige Ar- beitSkräfte haben, auch noch einen Extragewinn in die Taschen gcsteckt wird, dadurch, daß sie die Versicherungsbeiträge sparen. Unter Um- ständen kann daS sogar für die Unternehmer ein recht kostspieliges Geschenk werden, nämlich dann, wenn nachgewiesen wird, daß sie bei einem Unfall ein Verschulden trifft und ihnen dann der Schaden- eriatz auferlegt wird. UebrigenS können die Angehörigen des neuen Königreichs Polen doch tatsächlich nicht mehr als feindliche Ausländer angesehen werden._ Eingegangene druckschristen. Die öffentliche Ktnderfürsorge eine Kulturaukgabe unseres Volkes. Vier Aufsätze von Pros. Dr. Chr. I. Klumker. 50 Pf. ß. Schcllcr, Frankfurt a. M. Vor?)peru. Gedichte von A. R. Meyer. 95 S. Falkcn-Verlag, Darmstadt. Im Kricgsflugzcug. Von R. Ncguadt. Geb. IM.— Das Abendbrot. Novellen von H. Stehr. 3,50 M., geb. 4,50 M. S. Fischer, Berlin, Bülowstr. 90. Tie Lösung der sozialen Frage durch„Lebenslust und Sorgen- frei". Von E. Heinrich. 1 M. Selbstverlag in Berlin-Karlshorst, Henlig- straße 19, Huscher un anner Vertellsels. Von G. Droste. 1,20 M. Quickborn- Verlag, Hamburg. Pantheo« der bildende» Kunst. Herausgegeben von G. ßeyßncr. Geb. 12 M.— Die Liebe des Severin Jmbode». Roman von E. Zahn. 4 M,, geb. 5 M.— Franziska. Roman von Liesbeth f ill. i M., geb. 5 M. Deutsche Verlagsanslall, Stuttgart. evetterauSstchten f«r das»ilttlere Rorddeutlchiand v»s Sonnabend mittag. Ziemlich kalt, zeitweise neblig, sonst vielfach heiter; leine oder unerhebliche Stiederschläge, auch in der Nacht zu Sonnabend überall Frost._____ Qi-rmiHn Redalt.: Hcrm. Müller, Teulp-Ihof. Juserateutefl verautw-TH. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanst-Paul Sütger& Co„ Berlin SW. Hierzu 1 Beilage und Uutcrhaltungsbl. Nr. 317. 33. Iahroaug. 1. Kcilaze des Jurastts" ßttlintt UslksM Irrifat!,!?. Doomber 1916. die Zrage öer allgemeinen Arbeitspflicht. das englische Munitionsgesetz. In der Organisierung der Munitionsindilstrie ist Eng- l a le d Deutschland vorangegegangen. Im Mai t915 brachte die englische Negiernng eine Vorlage ein, die die Schaffung eines MunitionLimmsteriuniS bezweckte. In ihrer ursprünglichen Fassung schien die Vörlage auch den industriellen Arbeitszwang vorgesehen zu haben. Sie stictz deshalb auf Opposition und wurde umgeändert, aber die Negierung behielt sich vor, eine besondere Vorlage einzubringen, un» auch den Arbeitszwang durchzusetzen. Zum Munitionsmiuistcr wurde Lloyd George ernannt, der im Juni mehrere geheime Konferenzen mit den Gewerkschafts- führern abhielt und ihre Zustimmung zu einer MunitionS- Vorlage erlangte, die sofort im Parlament eingebracht und ohne lange Debatten angenommen und zum Gesetz sMnaition» of War Act) erhoben wurde. Das Gesetz ist sehr unifangreich. Ter erste Teil handelt von der Beilegung von gewerblichen Streitigkeiten. In allen Mnnitionswcr'kstätten und in allen mit diesen in Verbindung stehenden Fabriken und Arbeitsplätzen sind Streiks und Aus- spcrruugen untersagt. Kommt keine Einigung zwischen Slrbeitgebern und Arbeitnehmern zustande, so werden die Streitpunkte vor ein S ch i e d S a m t gebracht, dessen Urteil endgültig ist. Der zweite Teil des Gesetzes gibt dem Munitions- minister die Befugnis, alle zur Geschobherstellung geeigneten Fabriken und Werkstätten unter staatliche Aufsicht zu stellen und sie dem Munitionsgesetz zu unterwerfen. Sie tvcrden zu„Controlloü Establishments", in denen sämtliche Geiverkschaftsgebräuche, die den Produktionsprozeff beschränken, beseitigt werden. Dieser Paragraph lautet:„Alle Regeln, Gebräuche und Gepflogenheiten, die keine gesetzliche Sanktion haben und die die Tendenz haben, die Produktion oder die Beschäftigung zu beschränken, sollen anfgehobcn»Verden (suspendod); wer einen Unternehmer oder einen Arbeiter anreizt oder erinutigt, diese Regeln, Gebräuche und Gepflogenheiten aufrechtzuerhalten, macht sich strafbar". Ebenso soll in diesen„kontrollierten" Fabriken der Unter nehm erProfit beschränkt»Verden: er darf nur um ein Fünftel den früheren Durchschnittsprofit über- steigen. Die Arbeitsordnimg in diesen Fabriken»vird vom MunitionSmintsterium festgesetzt. Zuwiderhandlungen gegen die Bcstiminungcn der Arbeitsordnung sind strafbar. Der Unternehmer hat jedoch die Macht, den Betrieb zu ordnen und für die Erhöhung der Ausbeute zu sorgen. Kein Ar- bciterdarfinder Regel seine Arbeits st eile ohne E i n»v i l l i g u n g des Unternehmers k ü n- d i g e n. Kein Unternehmer darf einen Arbeiter beschäftigen, der in den vorhergegangenen sechs Wochen eine MunitionS- fabrik ohne Einivilligung deS Unternehmers— also ohne Abgangszeugnis—- verlassen bat. Will ein Arbeiter seine Stelle »vechseln und kann er die Einwilligung des Unternehmers hierzu nicht erhalten, so darf er beim Mu»litionstribnnal(lokale Munitionsämtcr) Beschivcrde führen und einen G e r i ck» t S- entscheid verlangen. Aus Anordnung des MunitionS- Ministers sollen die Munitions- und sonstigen Kricgsarbeiter gewisse Abzeichen tragen. Die u n i t i o n s g e r ich t s h v f c bestehen auS min- bestens drei Personen. Eine»vird vom Munitionsminister er- »rannt; die übrigen»Verden zur Hälfte von den Unternehmern und den Arbeitern auf besonderen Listen vorgeschlagen und vom MunitionSininistcr ernannt. Was die Strafe anbetrifft, so wird ein Unternehmer, der seine Arbeiter aussperrt, für jeden Tag mit 6 Pfund Sterling(100 Mark) bestraft, ebenso jeder Arbeiter für jeden Strciktag. Zuividerhandlungen gegen die Arbeitsordnung werden mit 3 Pfund Sterling(00 M.) und im Nichtzahlungsfalle mit Gefängnis bestraft. Nach FriedenSschluh sollen die alten Geivcrkschastsrcgeln tvicdcrhcrgestellt»vcrdcn. Auf Grund dieses Gesetzes»verde» sämtlicbe Beschränkungen über Zahl der Lehrlinge, Ausübung gewisser Berufe und Arbeitsprozesse durch gelernte Arbeiter, Nichtzulassung von »veiblichen Arbeitern usiv. aufgehoben. Auf Anordnung der Unternehmer»vcrdcn gelernte und nichtgelcrnte Arbeiter sotvie männliche und weibliche Personen nebeneinander an Maschinen gestellt, um die Herstellung von Munition und sonstigem Kriegsmaterial aufs höchste zu steigern. Die Sonntagsruhe sotvie sämtliche zweiten Feiertage und die besonderen„holidays"(Ruhe- und Bclustigungstage) sind aufgehoben.(z) * Der Kriegsarbeitszwang in Gesterreich. Im Spätherbst 1912 wurde in Oesterreich das Gesetz über die Kriegöleistungen erlassen, und zwar, da Oesterreich da- »nals verfassungSmässia regiert tourde, unter Mitwirkung des Parka» ments. Die sozialdemokratischen Abgeordneten haben an dem Gesetz, dessen Anlas; die damals vom Ballan her drohenden kriege- rischeu Verwickelungen tvaren, sehr tatkräftig mitgearbeitet; sie haben zlvar einige Verbesserungen durchgesetzt, blieben aber in wichtigen Frage» gegenüber dem Einspruch der Regierung in der Minderheit. Der jüngst in Wien abgehaltene Arbcitertag hat in dem Referat des Abg. Domes vom Metallarbciterverband und in der eingehenden Diskussion eine grosse Fülle von Beschwerden gebracht, die zum Teil in der Fassung, zum weitaus grössten Teil aber in der Handhabung des KriegSleistungsgesctzcs ihren Grund babeit. Das Gesetz selbst regelt auch die sachlichen Kriegsleistungen, wie Hergabe von Transportmitteln, Materialien und Betrieben für die Kriegführung. Dies ist im Deutschen Reich längst gesetzlich geregelt und wir wollen deshalb nur die auf persönlrche Kriegs- leiftungcn sich beziehenden Bestimmungen des österreichischen Ge- letze« vom»7. Dezember 1912 und der(im Mai 1915 unwesentlich ibgeänderten) Durchführungsverordnung des k. u. k. Ministeriums für Landesverteidigung, die erst einige Feit nach Ausbruch deS Weltkrieges erschien, hier darstellen. Das Gesetz bestimmt, dass alle arbeitsfähigen Män- ner vom 17. bis 50. Lebensjahr(diese Grenze wurde vor einigen Monaten durch eine 8-14-Verordnung bis zum 55. Jahr hinaus- geschoben) zu Kriegsleistungen sowohl für die Zwecke der Kriegs- »nacht, als auch im Interesse her Kriegführung in Anspruch ge- nommcn werden können, insofern diese Erfordernisse nach den im Frieden üblichen Modalitäten nicht rechtzeitig oder aber nur mit unverhältnismäßig grösserem Kostenaufwand zu beschaffen wären. Tie Anforderungen haben sich auf den unbedingten Bedarf zu beschränken. Die Verpflichtung dazu besteht in allen Fällen nur nach Massgabe der Leistungsfähigkeit. Es ist für die Leistungen entsprechende Vergütung zu gewähren. Wenn irgend tunlich, sind nur solche Personen, die vermöge ihrer gewöhnlichen Beschäftigung zu den betreffenden Ar beitSleistungen geeignet sind, dazu heranzuziehen. Unbedingt befreit sind die geistig und körperlich lliigeeignetcn, die Staats� und öffentlichen Beamten, Gemeindevorsteher und Kraf! anderer Gesetze vom Landstiirmdienst enthobenen Stclleninhaber, endlich Personen, die durch internationale Verträge oder nach Völkerrecht- lichem Herkommen befreit sind. Von längerdauernder Arbeit und solcher ausserhalb des AufenihaltsorteS sind befreit! selbstän- dige Unternehmer und solche, deren besonders rücksichtswürdige Familienverhältnisse eine Gefährdung der Existenz ihrer Familie erwarten lassen würden. Daß Personal von Kriegslei st nngSbetrieben ist d e r p f l t ch i e t, im Arbeitsverhältnis zu bleiben, bis die KriegSlcistung des Betriebes aufhört oder sie persönlich enthoben werden; die anderen Angehörigen dieses Personals kön- nen im Falle rechtmässiger Lösung ihre? Arbeitsverhältnisses vom Unternehmer nicht gehalten werden; Arbeiter erhalten für Abnutzung und Beschädigung mitgebrachten Werkzeugs bei der Entlassung eine Entschädigung. Erkrankte Kriegsleister haben Anspruch auf unentgeltliche Behandlung in einer MilitärsanitätS- anstalt. Hilfsbedürftige Familien erhalten die gleiche Ange- hörigenunterstützung, wie bei zum Heeresdienst einge- zogencn Richtaktivcn. Die KriegSleifter sind zu unbedingtem Gehorsam gegen die militärischen Betriebsleiter verpflichtet; über Verletzungen dieser Pflicht entscheidet die Militär- gerichtSbarkeit, dem militärischen Leiter steht die Disziplinarstrafgewalt zu. Zur Entscheidung über Ansprüche der Kriegsleister sind ge- mischte Bezirks- und Landeskommissionen eingesetzt. Alle Schrift- stücke in KriegSleistungSangelegenHeiten sind gebührenfrei. Der Dutchführungverordnung entnehmen wir: Die Krieg?- lcister sind, sofern eS sich nicht um Leistungen im Gefolge der bewaffneten Macht handelt, tunlichst dem VerwendungSort oder seiner nächsten Umgebung zu entnehmen. Bei der Jnanspruch- nähme von Betrieben ist der Unternehmer vertraglich zu vre- pflichten, ohne Einverständnis de? Arbeiter« weder bcstcheude Löhne, Dienst- oder ArbritSbedingniffc abznändern, noch Mehr- leist, ingen ohne angemessene Bergütung zu fordern.(DaS steht aber nicht im Gesetz selbst! D. Red.) ES wird weiter bestimmt, dass, wenn der Arbeiter nach den gesetzlichen Vorschriften (Gewerbeordnung) berechtigt ist, das Arbeitsverhältnis sofort zu lösen, der Unternehmer ihn nicht halten darf. Die für Zivilrecht- lichc ArbeitSstreitigkeitcn eingesetzten Gerichte(Bezirks- oder Ge- wcrbegerichte) bleiben aufrecht. Die Vergütung besteht in barem Tagelohn und allfälligcm Kostenersatz für Dienstreisen; wird Naturalverpflegung gewährt, deren AuSmass festgelegt ist, so wird der vorschriftsmässige Betrag dafür von der Vergütung abgezogen. Die Vergütung, die nach dem über Arbcitcrlöhnc vor- her Gesagten sich nicht auf requirierte Betriebe beziehen kann, beträgt höchstens die Leutnantbezüge u. zw. für solche Dienste, die beim Militär von Offizieren versehen werden; hoch- stenS 8 Kronen täglich für Krankenpfleger, 5 Kronen für Verkehrs- Unterbeamte usw., 8 Kronen für Fährmänner, Tierführcr, Trei- ber usw. Die Vergütung soll jedoch den ortsüblichen Tage- lohn nicht überschreiten, solange der Kricgsleister in seinem ordcntlick?en Aufenthaltsort ist. 8 Kronen täglich ist über- Haupt als Höchstmass der Vergütung genannt. Ausdrücklich wird gesagt, daß das Personal requirierter Betriebe so >v ie bisher z u entlohnen und Mehrleistung ange- messen zu vergüten ist.(ES fehlt aber eine Bestimmung darüber, was diejenige» bekommen, die aus anderer Beschäftigung in solche Betriebe eingestellt werden I D. Red.) Die Verordnung bestimmt endlich, dass Kricgsleister nicht auf die Kriegsartikel dcrpflichtet werden; sie unterliegen daher nicht dem Militär strafrecht über Militärvcrbrcchcn und -vergehen; wohl aber tun das die auf Kriegsschiffen Dienenden, auf den Flaggeneid verpflichteten Kriegßlcistcr. Bei Disziplinarstrafen ist zu beachten, dass Kriegs- leister von Offizierdiensten den Offizieren, Werkmeister und Unter- bcamte den Feldwebeln, Maschinisten usw. den Zugführern(Ter- geanten), Schmiede usw. den Korporalen und ungelernte Arbeiter und Knechte den Gemeinen gleichsteht. Dasselbe gilt für die Gewährung von Unterkunft.(r) Eine Woche öer Vorbereitung. Bon Richard Gädke. In der vergangenen Woche haben weder im Westen noch im Osten grosse Schläge von weittragender Bedeutung stattgefunden. An der Somme sticht die verhältnismässige Ruhe merkwürdig ab von dem gewaltigen Andrang der Franzosen und Engländer am 5. November. Jetzt, nachdem er mit gewaltigen Verlusten missglückt ist, wollen sie eS freilich nicht wahr haben, dass eS sich an jenem Tage um einen neuen grossen Durchbruchsversuch gehandelt hat, sondern sprechen nur von einzelnen Teilangriffen, die ihren Zweck völlig erreicht hätten— eine Redensart, die über den Miss erfolg hinwegtäuschen soll. Die ungeheuere Zahl ihrer Toten, die in Reihen übereinairder vor unseren Stellungen lagen, predigt mit stummer Eindringlichkeit das Gegenteil. Wir dürfen also an- nehmen, dass bei unseren Gegnern zunächst ein« grosse Erschöpfung und ein Mangel an Schiessbcdarf eingetreten ist. Der letztere wohl noch vermehrt durch die Zerstörung ihres umfangreichen MunitionS- lagerS von Eörish, bei Bray an der Somme, die unserem Flug- geschwader am ö. November gelang. Bei der grossen Ucberlegen- heit unserer westlichen Gegner konnte sie ihre zeitweise Ermattung natürlich nicht hindern, in zahlreichen Teilangriffen eine örtliche Verbesserung ihrer Stellung anzustrcbe»». Nur zum allgemeinen Massenangriff und zum Trommelfeuer auf breiter Front langten die Kräfte, und langten auch die Verfassung der Truppen nicht mehr. Noch ruhiger war eS im Osten, wo die Unternehmungslust seit einigen Wochen fast nur bei unseren eigenen Truppen zu spüren war, während die Russen gegen ihre glücklichen Vorstösse wohl Gegenangriffe versuchten, aber ohne Erfolg. Wir werden aus dieser seit einer Woche anhaltenden Lage nicht schließen dürfen, dass ihr eine längere Dauer beschieden sein wird, oder daß wir uns etwa gar im Beginn einer Art von Winter-. � ruhe befänden. Die Erfahrungen der ersten beiden KriegSjahrc sprechen dagegen. Sowohl der Winter 1914/15 wie besonders der i von 1915/10 Ivaren durch sehr lebhajte Kämpfe im Osten wie im � Westen auSgesüllt, die tvenigstcnS auf dem russischen KriegSgebicte im ersten Jahre, auf dem Balkan im zweiten Jahre die Lage auch»lecklich heeinflussi haben. Für die Gegenwart aber würde eS noch verkehrter sein anzunehmen, dass die Anstrengimgen unserer Gegner in absehbarer Zeit erlahme» könnten, weil sie bereits vor einer beginnenden Erschöpfung ihrer Kräfte standen. Das ist nicht einmal für Frankreich zutreffend, das doch die ungeheuere Last des Kriege» am sühlbarfien an seinen» eigenen Körper spürt. Ich berechne die französischen Verluste im allgemeinen, und besonders in der Sommeosfcnsive höher, als gewöhnlich bei uns geschieht. Trotzdem halte ich die Annahme für voreilig, dass Frankreich be- reiis im Laufe dieses Winters durch Mannschaftsmangel an der Fortsetzung seiner Ossensive verhindert sein könnte. Schon die grosse Wucht und die Entschlossenheit seiner Angriffe an der Somm. und bei Verdun, die in nicht» eine Erschlaffung der Willenskraj> merken läßt, spricht dagegen. In dieser einen Beziehung können »vir den Franzosen, als unserem tapferste» Gegner, nur unsere Hochachtung aussprechen. Ich darf vielleicht darauf hiniveisen. dass ich bereits iin Jahre 1999 geloarnt habe, die Tüchtigkeit des französischen Heeres zu unterschätzen. Durch Heranziehung aller Niannschaften, die irgendwie noch als diensttauglich gelten können, oder unter normalen Bedingungen es nicht einmal mehr könnte». auS ihren Beschäftigungen hinter der Front, durch Aushebung der ältesten wie der jüngsten Jahrgänge und endlich durch immer steigende Verwendung gelber, brauner und schwarzer Franzosen. die mit Gewalt gepreßt werden, wenn sie nicht mehr freiwillig kommen, werden sie ihre grossen Lücken nicht decken können. In »veit höherem Masse gilt daS für die Engländer. Sie sind cnt- schlössen, diesen Krieg, ohne sich um besondere Kriegsziele viel zu kümmern, fortzusetzen bis zum vollen Sieg oder bis zur nnabwend baren Niederlage. Sein oder Nichtsein ist ihre Losung, und so setzen sie ihre ganze grosse staatliche Kraft an die Gewinnung der erforderlichen Menschenmengen, wie an die Herbeischasfiing eines Kriegsmaterials, dessen Grossarligkeit aller bisherigen Vorstellun gen spottet, so führe» sie nicht nur die freigebig gespendete Mann- schaft ihrer Kolonien, sondern Portugiesen, Berber, Inder gegen uns heran, opfern kalkherzig die Reste des serbischen Heeres, wer- ben Amerikaner an, suchen die Griechen in ihren Dienst zu zwingen, die misshandelten Iren nutzbar zu machen uud auch di: Spanier zu verführen. AuS ihrer eigenen nationalen Kraft werden sie»nit angelsächsischer Rücksichtslosigkeit noch immer wieder Hunderttausende gewinnen, und sie zu Hause mehr und mehr durch Frauen ersetzen. Es ist die Ueberzeugung, die ich durch Beobach hing deS Gange? der Dinge gewonnen habe, dass sie nicht nur di Lücken ihre? HeereS werden decken, sondern noch neue Streitkräfte Iverden aufstellen können. Nachdem sie sich einmal entschlossen haben, für den schwersten Krieg ihrer Geschichte zum ersten Male ihr eigen Blut wie Wasser zu verspritzen, werden sie diesen Weg bis zum äussersten Ende gehen. ES wird grosser und gewaltiger Anstrengungen unseres eige nen Volkes, deS gesamten Einsatzes unserer Volkskraft an Menschen. Geld und Industrie bedürfen, um demgegenüber unseren Vcrteidi- gungSkrieg zum siegreichen Ausgang zu führen. Der vicrundeinhalbmonatige Angriff der Engländer und der Franzosen an der Somme Hai ihnen zwar einen nicht nnbcdeutcn den Raumgewinn eingetragen, ihnen aber zugleich»ngeheucrc Opfer gekostet und sie ihrem Ziele, die Deutschen zu schlagen und aus Frankreich zu verdrängen, kaum irgendwie näher gebrach!. Aber gerade die Grösse ihrer blutigen Einbuße»ötigt ihre Heere»- leitung zur hartnäckigen Fortsetzung der Angriffe; denn nur der volle Erfolg kann die Höhe der Verluste in den Augen ihres eigenen Volkes rechtfertigen. Darum werden wir am sichersten gehen, wenii wir mit neuen Anstrengungen der Gegner rechnen und die vcr hältnismäßige Ruhe der letzten Woche nur als eine Zeit der Vor bercitung betrachten. Sofern es ihre Kräfte irgend gestatten, tver- den unsere Gegner eher noch daran denken, den limfang ihrer Angriffe zu erweitern, als sie aufzugeben. Das gleiche gilt übrigens von den Italienern. Wir wissen. dass ihre neunte, mit starke» Massen angesetzte Offensive im wcscnl lichen ein grosser Misserfolg war, der sie zwang, bereits nach Vier- Tagen von der Fortsetzung der Angriffe Abstand zu nehmen. Allein der vergebliche Kampf um das Dorf Castegrevizza soll sie 15 999 Mann gekostet haben. Gleichzeitig aber hören wir, dass grosse Men- gen neu ausgebildeter Rekruten den gelichteten Reihen ihrer Heerr zugeführt werden, und dass mit einer baldigen Erneuerung ihrcr Offensive gerechnet werde. Der Opfer sind auch hier noch immer nicht genug gebracht. Wir verlassen uns darauf, dass durch das mit furchtbarer Treffsicherheit arbeitende Trommelfeuer unserer Ver bündcten und die niedermähende Kraft ihrer zahlreichen Ma- schinengetvchre auch in Zukunft die verzweifelten Versuche Ca- dornas vereitelt werden. Die Lage auf dem weiten östlichen KnegSgebiei wird dadurch gekennzeichnet, daß die russischen Kräfte offenbar stark in Anspruch genommen sind durch die Hilfeleistung, die sie dem schwer gefähr- deten Rumänien bringen mußten. Hauptsächlich auS diesem Grunde verhalten sich ihre Heere zwischen Ostsee und Karpathen seit geraumer Zeit untätig. Hingegen haben unsere Truppen am 9. November bei Skrobowa, in der Gegend von Varanowitschi und am 19. abermals an der Narajowka, in Ostgalizien glückliche Vorstösse gemacht, denen an den folgenden Tage»»nissglückie russische Gegenangriffe folgten. Auch hier aber dürfen wir an- nehmen, dass der Gegner hinter der Front mit allen Kräften tveitec rüstet, schon jetzt verspricht er unS für daS nächste Frühjahr eine neue große Offensive. Auf dem rumänischen Kriegsschauplatz hat sich daS Ein greifen russischer Verstärkungen an zwei Stellen bemerkbar gemacht. An der Ostgrenze Siebenbürgens ergriffen sie die Offen sive und machten vom 4. bis zum 7. November Fortschritte, die sie erneut auf ungarischen Boden führten. Am 8. griffen dann deutsche Kräfte ein und warfen sie in glücklichen Gefechten auf die Grenze zurück. In der D o b r u d s ch a trat ein russisches Heer unter de,» Befehl des Generals Sacharowauf, das am 6. oder 7. Noveurbcr seine Vorbewegung in südlicher Richtung antrat. Am 8.»vichen die deutsch-bulgarischen Truppen planmäßig aus und gaben auch Harsova an der Donau wieder auf. Vom Westen her fühlten russisch-rumänische Kräfte gegen Ccrnawoda vor, wo wir die bc- rühmte große Donaubrücke sprengten. Am 12. November war der Vormarsch vor unseren Stellungen zum Stehen gekommen. Inzwischen herrschte in der ganzen vergangenen Woche an der siebenbürgischen S ü d f r o n t lebhafte Gefechtstätigkeit. In zähem Vordringen gewann die Armee Falkenhayn allmählich an allen Pässen, die aus rumänisches Gebiet führen� mehr und mehr Vodcn gegenüber dein erbitterten Widerstand der Rumänen. Im ganzen fielen Über cilWO Gefangene in die Hände unserer Truppen. Ohne Mühe erkennen wir, daß die feindlichen Heeresleitung«! dem Balkan ein steigendes Interesse zuwenden. Der französische Kriegsminister Roques ist selber nach. Saloniki geeilt, um den zaudernden Sarrail vorzutreiben, vielleicht auch die Mitwirkung der Italiener von Albanien her zu erlangen. Jedenfalls hat sich der linke Flügel der Salonikiarmee am 7. November erneut in Bewegung gesetzt und hat auch im Verna- bogen bei dem Dorf PoGg einige Fortschritte gegen die Ebene von Monastir hin gemacht. Am 12. November ist aber sein Angriff hier ivic weiter westlich in der Gegend von Brod und Kenali ab- gelviesen worden. Auch auf dem Balkan befinden wir uns wohl mehr oder weniger noch in einer Zeit der Vorbereitungen. Die EröMung öer rustlschsn Duma. lieber die Eröffnung der Duma konnten wir dem größten Teil unserer Leser bereits gestern Mitteilung machen. Wie zu erwarten ivar, spielte daZ polnische Ereignis gleich in der ersten Sitzung eine Nolle. Die Rede des Präsidenten R o d z i a n k o, mit der die Tagung begann, behandelte fast ausschließlich den Krieg und die Leistungen der russischen Verbündeten. Der Präfident sagte nach dem Bericht der„Times", daß Rußland, wie immer, bereit wäre, durch- zuhalten bis zum siegreichen Ende, eine Erklärung, die von den Ab- geordneten beifällig aufgenommen wurde. Dann ersuchte der Prösi- dent das Haus, dem neuen Bundesgenossen Rumänien zu huldigen, ivorauf sich sämtliche Abgeordneten von ihren Sitzen erhoben und sich nach der Loge des rumänischen Gesandten wandten und ihn durch begeisterte Beifallsäußerungen begrüßten. Aehnliche Szenen ivielten sich auch gegenüber den Gesandten der anderen Verbündeten Mächte ab. Nach der Rede des Präsidenten sprach G a r o u s s e v i c im Namen des polnischen Volkes zu allen verbündeten Mächten. Er protestierte gegen die Tat Deutschlands und Oesterreichs und sprach dann die Hoffnung aus, daß eine dauernde Lösung der polnischen Frage da-Z Resultat diescS Krieges sein möge. Auch die Verbündeten müßten ihre Ansicht über die polnische Frage dazu klarlegen. Nach ihm sprach StublofSki im Namen deS fortschrittlichen Blocks, welcher die progessiven Nationalisten, daS Zentrum, die Oktobristcn, die Semstwo-Oktobristen und die Kadetten um- faßt. Die sechste Partei, die Progressistcn, hatten sich am Tage zuvor von dem Block getrennt, da sie im Gegensatz zur Meinung der Mehrheit des Blocks behaupteten, daß es notwendig wäre, im besonderen die Forderung nach einer parlamentarischen Regierung aufzustellen. Stublofsky richtete einen brüderlichen Gruß an die polnische Nation. Er mißbilligte das Schweigen der Regierung in der polnischen Frage und sprach die Hoffnung auS, daß die Polen, welche in den Gliedern der Verbündeten kämpften, ihre Freiheit und Einheit zugesichert erhalten. Er befürwortete Weiler die Bildung einer Regierung, welche von einer einigen Mehrheit in der Duma unterstützt wird und ihr Programm auch in die Tat umsetzen könne und wolle. Die Erklärung der Polengrnppe. In der von dem Führer der polnischen parlamentarischen Gruppe G a r o u s s e v i c in der Duma verlesenen Erklärung heißt es nach Meldung der Petersburger Telegraphenagentur: In dem Augenblick, wo der Krieg im vollen Gang ist, hatten die deutschen Muchte die Kühnheil, das Geschick nicht nur Polens, sonder« von ganz Mitteleuropa vorwegzunehmen. Das durch die Deutschen geschaffene Königreich Polen wird in vielen Be- ziehungen abhängig sein von deutschen Mächten. Das polnische Volk wird nichl dieser deutsckcn Löiung der Frage zustimmen, die allen seinen Bestrebungen widerspricht. Laßt uns kräflig Ein- spruch erheben. Es war ein Deutscher, der die Teilung Polens betrieb, es ist ein Deutscher, der die historische Notwendigkeit der polnischen Einigung zu verhindern strebt. Die Folgen der deutschen Handlungsweise drohen den wirklichen Willen des polnischen Volkes zu entstellen Diese Handlungsweise sucht augenscheinlich einen Zwist zwischen Polen, Rußland und seinen Alliierten zu erzeugen, und in den Augen der zivilisierten Welt die empörende Rekrutierung zu rechtfertigen. Wir sind sicher, so schloß Garousseme, daß in dieser tragischen Lage daS polnische Volk nicht verlassen sein wird, daß das Vorgehen der deutschen Kaiserreiche nicht ohne Nachwirkung bleiben wird, daß Nußland und die alliierten Mächte vor der Welt Einspruch erbeben werden und daß die polnische Frage in ihrer Ge- jamtbeit gelöst werden wird. Wolffs Bureau bemerkt zu dieser Erklärung: Es handelt sich hier offenbar um eine bestellte Arbeit der russischen Regierung, die das polnische Volk gebührend einzuschätzen wissen wird. Rcichsrat und Polen. Nach Meldung der Petersburger Telegraphenagentur vom 5. No- vember verlas im russischen Reichsrat das RcichSratsmitglicd S ch e b e k o eine Erklärung zur Polenfrage, in der er sagte, die blutigen Hände des uralten Feindes Polens reichten ihm jetzt eine falsche Unabbängigkeit dar, aber das polnische Volk werde sich durch ein so unwürdiges Spiel nicht betrügen lasten, und die polnische Frage werde durch Rußland und seine Verbündeten gelöst werden. Das ReichSratsmUglied iLchtscheglowitow erklärte im Namen der Rechten deS Neichsrats, es gebe keine Worte, der Entrüstung Ausdruck zu verleihen, die man bei dem Anblick der schmerzlichen Prüfung empfinde, die der grausame und alles Heilige verachtende Feinde Polen auferlege. In diesen Tagen der Prüfung, sagt der Redner, müsse der ritterliche Ausruf, den der Generalissimus auf Anordnung des Kaisers am 14. August 1914 an die Polen richtete, hell in den Herzen der Polen widerstrahlen, die sich im feindlichen Lager befinden. Damals ertönte der erste wirk- liche Aufruf, der die Polen aufforderte, sich unter dem Zepter des russischen Zaren zu einen. Die Ereignisse des ersten Kriegs- jahreS hätten die Reorganisation Russisch- Polens unmöglich gemacht. Trotzdem habe beim Kanonendonner Polen aus Anordnung des Kaisers die Selbstverwaltung der Gemeinden erhalten. Die Polen müßten jeden Verdacht aus ihren Herzen bannen, daß ihre Wiedererstehung absichtlich verzögert worden seil Die von den deutscheu und österreichischen Generalgouverneuren verkündete Unabhängigkeit sei für die Polen ein Weg zum Grabe, ein Weg, den sie noch in einem Blutstrom durchmessen müßten. Ihr Heil liege in den Händen Rußlands, des angestammten Verteidigers der Slawen. Die Lösung der polnischen Frage könne nur aus der groß- mütigcn Güte des russischen Zaren hervorgehen. Andere Redner drückten sich ähnlich aus. Am Schluste der Sitzung gab der Minister des Innern, Protopopoff, im Namen der Negierung eine Erklärung zu den über die Polen- frage gehaltenen Reden ab. Protopopoff sagte, die Negierung bleibe jetzt wie früher unverändert auf der Grundlage des Ausrufes des Generalissimus und der 191b vom ehemaligen Ministerpräsidenten Goremykin gehaltenen Rede. Die Regierung stüye sich ebenso sicher ans diesen Aufruf, als das Blut der stolzen Völker einzig aus dem Felde und einzig für die heilige Sache der Verteidigung der Integrität des Zarenreiches gegen den Anschlag eines grau- samen Feindes, der keine Freiheit und Gerechtigkeit kenne, vergossen würde. Tic Zersplitterung des fortscljLittlichen Blocks. Petersburg, 14. November. sW. T. B.) Meldung des Neuterschen Bureaus. Als die Duma sich heule wieder versammelte, traten 70 Mitglieder des fortschrittlichen Blocks, der auch Nationalisten, Oktobristen und Kadetten einschließt, aus dem Blocke aus. weil er nichl scharf genug gegen die diktatorischen Voll- machten protestiert habe, die der Minister des Innern sich in der Lebensmittelfrage angemaßt hätte. Tic Verfolgung Kerenskys. Kopenhagen, 15. November.(W. T. B.) Die Petersburger Zeitungen berichten: Unter den Tumaabgeordneten herrscht Er- regung infolge des Beschlusses der Regierung, gegen den Führer der Arbeiterpartei, Kerensky, wegen seiner Teilnahme an einer M a i s e i e r, die vor dem Kriege in der Provinz stattgefunden hat, einen Prozeß einzuleiten. In Dumakreifen glaubt man, die Regierung wolle auf diesem Wege Kerensky seines Mandates verlustig erklären, um ihn aus der Reichsduma zu entfernen. politische Ueberftcht. Er stand auf seines Daches Zinnen. — und schaute mit vergnügten Sinnen auf das beherrschte Tamos hin. Nämlich der Freiherr Oktavio v. Zedlitz, der im„Tag" schreibt.' „Was im übrigen die Neuorientierung der innern Politik anlangt, so hat der Vorsitzende der sozialdemokratischen Fraktion Abg. Hirsch einen Generalangriff seiner Partei im„Vor- w ä r t s" angekündigt. Es soll namentlich die Einführung des gleichen Stimmrechts bei den politischen und kommunalen Wahlen, die Neuordnung des gesamten Schulwesens und das Streikrecht für alle Staatsarbeiter gefordert werden. Ob die Forderungen sich zu Anträgen verdichten werden, erscheint fraglich. Bisher haben die Polen manchmal die den Sozialdemokraten zur Stellung selbständiger Anträge fehlenden Stimmen gestellt.... Die Einführung des Reichswahlrechts in Preußen wünscht nur eine kleine Minderheit. Auch bei der V o l k s p a r t e i wird wohl nicht bei allen großer Eifer dafür bestehen, die grundsätzliche Forderung der Partei in die Tat umzusetzen. Das Zentrum hat aus naheliegenden Gründen praktischer Politik die Frage längst in das Wolken kuckucksheim reinster Grundsätzlichkeit der- wiesen. Tie Rechte und Nationalliberalen sind grund- sätzliche Gegner." Dies alles ist ihm untertänig, und doch können wir nicht ge- stehen, daß er glücklich ist. Aber dankbar können wir ihm für die Er- klärung sein, daß er und seine Untertanen denen, die aus den Schützengräben heimkehren werden, kein gleiches Recht gewähren wollen mit jenen, die unter denen im Hinterland durch einträglichen Handel mit Speck, Schinken, Räucherfischen und Zündhölzern ihre Steuerkraft erhöhen— was die armen Teufel draußen natürlich nicht können.... Mir grauet vor der Götter Reidel Die Juden in Polen staatlich organisiert. Warschau, 16. November.(W. T. B.) In dem heute erschie- neuen Verordnungsblatt für das Generalgouvernement Warschau 3h. 53 wird eine Verordnung veröffentlicht, durch die eine Organi- sation der jüdischen Religionsgesellschast im Generalgouvernement Warschau geschaffen wird. Die wesentlichsten Punkte sind folgende: Die jüdischen Gemeinden werden zu Kreisgemeinden unter einem Verwaltungsrat vereinigt, der auf Grund des Pro- portionalwablrechts von den Gemeindevorständen gewählt wird. In den Verwaltungsrat delegiert außerdem die staatliche Auffichts- behörde drei Mitglieder. An der Spitze der Religionsgesellschast steht der O b e r st e R a t. Er besteht aus 14 weltlichen und 7 rabbinischen Mitgliedern. Vier weltliche und zwei rabbinische Mitglieder werden durch die Staatsverwaltung ernannt, die übrigen auf Grund des Proportionalwahlrechts von den Verwaltungsräten der Kreis- gemeinden gewählt. Gemeinden, Kreis gemeinden und Oberster Rat haben Korporationsrechte. Die Organisation soll geordnete Beziehungen der Staatsvcr- waltung zur Religionsgesellschast ermöglichen. Ein Fortschritt ist sie auf alle Fälle, denn bisher fehlte den Juden jedes Recht zu dieser oder einer anderen Organisation. Bundesrat. Berlin, 16. November. sW. T. B.) In der Sitzung deS Bundesrats vom 16. November 1916 gelangten zur Annahme der Entwurf einer Bekanntmachung über die Bearbeitung der Volkszählung vom 1. Dezember 1916, der Ent- Wurf einer Verordnung über Saatkartofseln, der Ent- Wurf einer Bekanntmachung über Erhaltung von Anwart- schaften aus der Krankenversicherung, sowie eine Ergänzung der zum Gesetz über die Feststellung von Kriegs- schäden erlassenen Ausführungsbestimmungen. Abgeordnetenhans. Die erste Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses am Donnerstag nahm nur ganz kurze Zeit in Anspruch. Nach einer Ansprache des Präsidenten Graf Schwerin, die sich auf die gegenwärtige Kriegslage bezog und einem stark U-Boot freundlichen Beigeschmack hatte, und nach einem Nachruf für die seit der letzten Tagung verstorbenen Mit- glieder wandte sich das Haus der Erledigung des einzigen Punktes der Tagesordnung, der neuen Diätcnvorlage, zu. Entsprechend der zwischen den Parteiführern getroffenen Vereinbarungen wurde der Entwurf ohne Debatte einer bc- sonderen Koinmission von 28 Mitgliedern überwiesen, in der die sozialdemokratische Fraktion durch den Genossen L e i n c r t vertreten ist. Die Tagesordnung der Freitagssitzung ist umfangreicher. Ans ihr stehen außer den Notverordnungen drei Initiativ- antrüge, und zwar zwei von allen Fraktionen unterzeichnete, die sich auf die Gewährung von Teuerungszulagen für die unteren und mittleren Staats- b e a m t e n und auf die Versorgung derBevölke- rung mit Kartoffeln, Fleisch, Fett und Zucker beziehen. Der dritte Antrag geht von den National- liberalen aus und betrifft eine Ergänzung des Einkommensteuergesetzes. Es besteht die Absicht, diese Tagesordnung am Freitag aufzuarbeiten und dann bis Anfang Dezeniber keine Plenarsitzungen abzuhalten, damit die Kommissionen Zeit zur Arbeit haben. ** * Wie wir hören, ist von einem freikonservativen Abgeordneten der zunächst noch erfolglos gebliebene Versuch gemacht worden, die anderen Parteien, die die bekannte Polenpolitik vor dem Kriege unterstützt haben, zu einem gemeinsamen Vorgehen wegen des Manifestes von Warschau-Lublin zu gewinnen. Antrag auf allgemeine Volksspeisung. Im Mllnchener Magistrat wurde von sozialdemokratischer Seite ein Dringlichkeilsantrag gestellt, wonach der Reichskanzler ersucht lverdcn soll, eine allgemeine B o l k s s p e i s u n g zweckmäßig sofort rcichsgesetzlich zu organisieren. Landtagsersatzwahl Marienwerdcr. Amtliche Meldung. Bei der heutigen ersten Ersatz- Wahl zum Hause der Abgeordneten im WahlbezirkMarienwerder erhielt von 221 abgegebenen Stimmen Goe rdeler(sk.) 221 Stimmen, Rittergutsbesitzer v. Doniemerski-Hohendorf (Pole) erhielt drei Stimmen- Goerdeler ist somit geivählt. Jraucnstilnmrccht in Frankreich Wie die„Neue Zürcher Zeitung" meldet, wird die französische Kammer nächstens eine Gesepesvorlage über die Einsübrung des Frauensiimmrechls beraten. Danach soll jeder französische Slaals» angehörige, gleichviel welchen Geschlechts, das politische Stimmrecht erhalten. Die verheiratete Frau soll die Stimme durch ihren Mann abgeben. Es wäre, die Wabrheit dieser Meldung vorausgesetzt, von größler Bedeutung sür alle Länder, wenn Frankreich wirklich das Frauenstimmrecht einführte. Internationale Fortschritte des Fraucnstimmrcchts. Wenn auch naturgemäß Fehlschläge sür die Frauenstimin- rcchtsbewegung nicht ausgeblieben sind— so zum Beispiel die ab- lehnenden Volksabstimmungen im lebten Jahr in einigen Staaten der Vereinigten Staaten Nordamerikas—, so ist doch im ganzen gerade der Fortschritt in den letzten Jahren recht bedeutend ge- Wesen. Seit dem 1. Januar 1319 ist das Frauenstimmrecht neu eingeführt worden in Washington,'Kalifornien. Kansas, Oregon, Arizona, Illing:-, Alaska, Montana, Nevada, Manitoba, Alberto, Safkatchewan. Das sind alles Staaten bzw. Provinzen in den Ver- einigten Staaten und Kanada. Aber auch Europa weist Fortschritts auf in Dänemark und Island; Norwegen und Finnland hatten den Frauen schon vor 1919 das Stimmrecht gegeben. Mdgeorönetenhaus. 38. Sitzung. Donnerstag, den 16. November, nachmittags 2 Uhr. Am Ministertisch: v. L o e b e l l. Das Haus ehrt das Andenken des im Felde gefallenen Ab« geordneten D u m r a l b(natl.) durch Erheben von den Plätzen. Präfident Graf Schwerin-Löwitz: Nach fünsmonaliger Unter« brechung unserer Verhandlungen treten wir in eine neue Tagung ein. Noch immer tobt der furchtbare Weltkrieg um uns her, in den wir trotz aller Friedensliebe unseres Volkes hineingezogen worden sind. Zu den alten Feinden ist noch ein neuer hinzugekommen, der der unerschöpflichen Bestechungs- und Erprcssungslunst der Entente zum Opfer gefallen ist. Unter Anspannung ungeheuerlicher, immer erneuter Kräfte und militärischer Mittel haben unsere Feinde uniere Front im Osten und Westen und Süden zu durchbrechen versucht. Aber bombenfest, wie Hindenburg sagt, steht auch heule noch die Front unserer herrlichen Truppen im Westen wie im Osten und bombenfest wird sie stehen bleiben, mögen unsere Feinde dieses nutz- lose Blutvergießen auch fortsetzen, so lauge sie wollen.(Lebhafte Zustimmung.) Immer größere Opfer erfordert von unserem Volke auch der schwere Wirtschaftskampf, Opfer nicht nur der Ein- schränkung und der Entsagung, sondern auch Opfer der äußersten Anspannung aller Kräfte unseres Volkes zur Ueber- Windung all der Schwierigkeiten. Aber auch diese Opfer werden. wenn auch mit einem stillen, so doch darum nichl minder großen und schönen Heldentum wie die Blutopfcr unserer Helden au der Front von unserem ganzen Volke getragen und weiter gelragen werden.(Lebhafte- Bravo I) Wenn in dem vergangenen Jahre durch ciiic besonders ungünstige Ernte unsere Versorgung bedroht schien, so ist in diesem Jahre durch den beispiellosen Rückgang der ganzen Getreideweltprodullion die Vorratsversorgung unserer Feinde wcsent« lich stärker bedroht als die un'rige.(Sehr richtig I> Fehlen doch schon heute an der Vorratsversorgung der Ententemächte allein mindestens ein Drittel der dazu erforderlichen Mengen Brotfrucht und die übrigen zwei Drittel einzubringen, wird hoffentlich der En- tenle durch unsere U-Boote recht sauer gemacht werden.(Lebhafter Beifall.) So haben wir nicht die mindeste Veranlassung, uns in der unerschütterlichen Zuversicht auf unseren endgültigen vollen Sieg er- schüttern zu laffcu. Ich hoffe, daß auch die Verhandlungen dieses Hauses wieder ganz getragen sein werden von diesem uncrschütter« lichen Siegeswillen, welcher gottlob noch heule wie in den ersten Kriegstagen unser ganzes Volk bis zum letzten Mann beseelt.(Leb- hafter Beifall.) Hieraus tritt das Haus in die Tagesordnung ein. Einziger Gegenstand ist daS Diätenge setz. Abg. Frhr. v. Zedlitz(l.) beantragt debattelosc Ueberweisung der Vorlage an eine Kommission von 28 Mitgliedern. Abg. Dr. Porsch(Z.) schließt sich dem Antrag an. Abg. Dr. v. Hrydcbrand00) 309 45 417$63 612 19 94 769 812 948 8 4 065 204(60Ö) 48 73 463 88(3000, 620 704(1000) 31 910» 5126 82 281 496 692 840 47(600) 916 6 6127 844 480 609 35 744 364 71 79 9.4(3000) 6 7623(1000) 42 659 94 808 991 6 8693 968 »9390( 3000) 406 809 821 35 992 7Ü047 52 70 71033 107 323(600) 417 68 820 7811# 82 207 478 91 832 760 845 04 7 3030 261(3000) 394(8001 409 627 724 7 4068(6001 166 76 84 269 80 801 414 24 82 636 746(1000) 810 81 67(5001 936 41 43(1000) 7 5428 93 7 6076 123 82 34 207(600) 97( 500) 303 750 7 7012 76(1000) 162 270 631(1000) 7? 820 26 47 97' 98 73088 84 688 909 73061 165 SO(1000) 245 67 418 37 768 88 606»39 8 0 06 97(3000) 129 67 84 218 379 467 8 6 618 969 81033 (600) 79 619 99 647 768 811 16001»S"02(500) 100 384 88 45« 641658 743 8-154» 65 73 636 669 3 4169 130001 277 98 367 443 76 522 47 636 762 85 829(600)»5011 23 317 717»1 695 976 »»01 8 99 352 401 82 606(1000, tl 84 684 728 34 42 82 907 CO 1300-1) 68 8 7 006(.000) 169 208(-00' 65(1000) 406 879 <500 914 SB 88004 35 103 202 74 302(1000) 496 534 64 87 720 66P»»24« 343 463 »»090 163 217 36 418 600 748 31122#23 410 812 758 32090 102 268 71 462 683(1000) 640 801 79 863 8 3026 140 232(1000) 81 378 64 422 56 831(3000) 984»4134 5« 348 67< 600) 476 660( 6001 77 629 731 835» 8111 19 62 257 67 442 50 96 611 46 13000) 91 716» 6291 397 688 612 17 798 •71«94 87004 88 800 38038 282 800 89186 212 699 618 100196(500) 224 306 60(1000) 401 083 857 804(3000) 101-93 474 635 628 849 10 2409 77 99 617 49 70 836 10 3063 220 393 416 66 78(600) 530 989(1000) 10 4006(500) 17 273 300 684 774 888 68 66 960 76 88 1 05146 268 379 447 666 612 768 89« 9« 893 1 0 6007 26 30 126 64 337 73 460 70 653 632 734 816 36 43 954 83 107100 28 331 71 421 66 616 62 883 eis 78 93 1 08114(10001 23 317 606 41 65(600) 638 40 73 948 96 1 0 9444 673 776 929 64(3000) 110249 368 773 827 47 929 34 111163 317 439 112013 30 34 U3 66 68 27X 631 616 760 883 64(600) 113062 243 488 69 84 76 880 788(1000) 883 948 114388(880) 701 17 76 87 115451 672 643 74 731 38 946 11B06U 124 470 858 117291 337 62 626 043 86 746 63 806 94 118037 42 62 118 201 37 406 612 21 47 98 665(1000) 964 110411 656 697(600) 766 661 906 74 99 120107 42 269 93 897 690(6001 778 1 21181 244 80 601 78 1 2 2 022 94 113(1000) 270 88 311 69 600(500! 606 40 736 830 75 86 978 I2S3U 68 448(600) 601 646 64 1 2 4 066 296 358 490 550(600) 747 48 62 888(600) 963 1 2 6228 29 328 407 <8000) 660(600) 940 80 1 2 6012 268 366(600) 764 1 2 7 064 389 494 11000) 620 603 701 926 43 1 2 8007(S0C3) 61 108 213 426 73 77 603 741 12 9062 196 402 664 65(3000) 87 661 737 69(600) 130018 122 87 349 80 614 181368 IS2083 186 64 81 (6000) 267 367 608 862 807 24 927 1 8 8378 84(3000) 88(1000) 452 97 586 816 779 837 1 8 4022 163 434 63(600) 641 42 79 629 706 II 44 1 8 8 214 323 408 76 6(8 88 894 1 8 8010 23 301 22 66 418 952 66 1 8 7900 63 82 1 3 8013 391 618 31 40 79 (3000) 674 783 1 80027 1X9(600) 273 360 404 625 772 612 900(600) 14 0082 231 355 425 93(3000) 655 667 766 73 1 41109(600) 229(8 0 0 00) 40 631 77 732 901(1000) 19 24(600) 14 200!! 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Vrenhisch Südd-utsch- (234. KLnigi. Vrenh.) Kiassruiotterke 6. Klaffe S. ZtehungStag 16. November 1916 Nachmittag Ans jede gezogen» Nummer gud zwet gleich dod« Gewinn««efnlleu, uud zwar je einer aus dt« Los, gleicher Nummer tu deu beide» Abteiluuge» I u. II. Rur die Gewinne über 240 SN. find tu Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr ll. 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Lxymtvortpcher Al«daVeur.: fietpum* Müller, Xnnprshot. Zur d«J»ßernt?ntS Scnwtla.:. Th-Glock«. Söctjm, Bruck».Verlag:. Vorwärts Anchdruckcrri tnch VerlagSanstalt Paul Singer 4 Co» Safw SW.ös. Hr. 317. 83. Jahrgang. 2. KtW des Lswärts" Kniiin MllisdlÄ Freitag, 17. November 11)16. Mus Groß-Serlm. - Die Krankenhausverteuerung. Aus der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Für die Krankenhäuser der Stadt Berlin ist nun die Erhöhung des Kurkostensatzes bc- Ichlossen. Gestern nahm die Stadtverordnetenversammlung den Bericht des Ausschusses entgegen, der den Magistrats- antrag� schmackhafter zu machen versucht hatte. Der höhere Kostensatz soll nicht, wie der Magistrat gefordert hatte, sofort in Kraft treten, sondern erst mit dem 1. April 1917. Die s o z i a ib emokratischcFraktion hielt daran fest, daß sie dse'er für die Volksgesundheit bedenklichen Maßregel unter keinen U m st ä n d e n z u st i m m e n könne. Welche Wirkung für die minderbemittelte Bevölkerung uno namentlich für die Mitglieder von Krankenkassen zu erwarten ist, wurde nochmals von unserem Genossen Kob- le n z e r dargelegt. Er brandmarkte die geplante Vcrteuc- rung der Krankenhausbcnutzung als unsozial. Die Frei- sinnigen machten kurzen Prozeß. Nur die Freie Fraktion äußerte sich noch: ihr Redner Stadtverordneter Dr. Ritter behauptete, die Erhöhung des Kurkostensatzes sei„frei von jeder Härte". Die große Fraktion der Linken hielt nicht für nötig, noch ein einziges Wort hinzuzufügen. Sie wußte, daß die Annahme gesichert war. Nur die sozialdemokratische Fraktion stimmte dagegen. In derselben Sitzung war über die der Förderung dsZ bargeldlosen Zahlungsverkehrs dienende S p a r k a s s e n r e f o r m zu beschließen. An den Ausschuß- bericht knüpfte sich eine Erörterung, in der die Befürchtungen des Bankiergewerbcs durch den Stadtverordneten L o e s e r zum Ausdruck gebracht wurden. Die Banken wittern in der reformierten Sparkasse die zukünftige Bank des„klci- n e n Mannes". Diese Sorge zu zerstreuen bemühten sich neben Stadtkämmercr B ö ß noch mehrere Redner. Für die sozialdemokratische Fraktion erklärte Genosse M a n a s s e den Magistratsantrag für annehmbar. Die Annahme geschah nahezu einsthmuig. Der vom Magistrat vorgelegte Antrag auf Errichtung einer Kriegshilfskasse fiir Berlin soll in einem Aus- s ch u ß vorberatcn werden. Genosse Fröhlich begründete den Antrag auf Einsetzung eines Ausschusses mit dem Hin- weis auf manche Mängel der Vorlage. Bedenklich sei vor allem die Einschränkung, daß die Hilfskasse nur dem selb- ständigen Mittelstand zugute kommen solle. Auch Angestellten kaufmännischer und technischer Betriebe fei Hilfe bei der Wiederherstellung ihrer wirtschaftlichen Existenz zu wünschen. Brotzulagen. Da» KriegSernährungSamt teilt mit: Neben den Zulagen an Brot oder Mehl, die die einzelnen Kommunalverbände für die körperlich schwer arbeitende Bcvölke- rung ausgeben, ist bisher schon bestimmten Gruppen von besonders schwer beanspruchten Arbeitern gschwerstarbeitern) eine höhere Zulage gegeben worden. Dies Verfahren soll, wie schön früher mit- geteilt worden ist, im wesentlichen beibehalten werden. Die Kom- munalverbände werden also imstande sein, für die Zahl der in ibren Bezirken tätigen Schwerstarbeiter Zulagen zu gewähren; da aber die hierfür verfügbaren Vorräte begrenzt sind, war es nötig, bei den Vorschriften, nach denen diese Zahlen zu ermitteln sind, Maß zu halten. Im Anschluß an die bisherigen Bestimmungen sind bei der Aufstellung der neuen Einteilung in der Hauptsache folgende Gesichtspunkte beobachtet worden: Zu berücksichtigen war in erster Linie die Bergarbeit unter Tage, die auch bei den mittleren und unteren unter Tage beschäf- tigten Grubenbeamten vorliegt, ferner die Arbeit am Feuer oder unter der unmittelbaren Einwirkung der strahleirden Hitze deS beißen Metalls, oder unter dem Einfluß schädlicher Gase in der Eisenindustrie und in anderen Metallhütten und Metallgießereien, in der Waffen- und Munitionsindustrie und, soweit Kriegsbedarf in Frage kommt, in der Maschinen-, Metall- und Kleineisenindustrie, in Eisenbahnwerkstätten, Brückenanstalten und Seeschiffswerften. Ferner ist berücksichtigt die Arbeit in der che- mischen und Sprengstoffindustvie, soweit sie unter besonderem Ein- fluß von großer Hitze, schädlichen Gasen oder giftigen Stoffen steht und, soweit Kriegsbedarf in Frage kommt, die entsprechende Arbeit in der keramischen und Glasindustrie. Darüber hinaus sollen aber im Bergbau und in den erwähnten Industrien auch diejenigen Ar- bciter, bei denen an sich nicht diese besonderen Arbeitsbedingungen vorliegen, die aber regelmäßig in Tag- und Nachtschicht tätig sind, für die Zeit der Nachtschichtleistung mitgezählt werden. Endlich kommen neben gewissen Gruppen des Heizerpersonals der beteiligten Gewerbe auch die Lokomotivführer und Heizer auf Dampflokomotiven sowie das Maschinen- und Heizerpersonal der Schiffahrt in Betracht. Die bisher verschieden beantwortete Frage, ob auch Arbeite- rinnen, auf die die maßgebenden Merkmale zutreffen, unter die Schwerswrbeiter zu rechnen sind, ist bejaht worden, auch sollen freie ausländische Arbeiter den Inländern gleichstehen. Die Zulagen oder die entsprechenden Brotmarken sind bisher regelmäßig den Arbeitern von den Arbeitgebern auSgehän- digt worden, und es ist dabei nicht selten innerhalb des einzelnen Werkes so verfahren worden, daß die nach der Zahl der Schwerst- arbeiter überwiesenen Zulagen innerhalb eines Kreises von Ar- beitern verteilt worden sind, der sich mit den Schwerstarbeitern in- dividucll nicht vollkommen deckte., Auf diesem Wege ist es möglich gewesen, die technischen Verhältnisse des einzelnen Betriebes zu berücksichtigen und auch einige andere Arbeiter an den Zulagen zu beteiligen, die nach der Art ihrer Arbeit den Schwerstarbeitern gleich oder annähernd gleichzustellen wären. Ein solches Ver- fahren wird auch in Zukunft beibehalten werden können, wenn über die Art des Ausgleichs Einverständnis zwischen dem Arbeit- geber und den bei ihm beschäftigten Arbeitern herrsckst und wenn für eine gleichmäßige Bebandlung auf den verschiedenen Arbeits- 'tätten innerhalb wirtschaftlich gleichgeartcter Bezirke gesorgt wird. Hei den Brotzulagen wird das Ausgleichsverfahren auch um deS- oillen unschwer durchgeführt sein, weil im allgemeinen die volle Schwerarbeiterzulage lllill Gramm Mehlj und die volle Schwerst- -rbeiterzulage<200 Gramm Mehlj nicht nebeneinander gemährt verdcn sollen; wo dies vereinzelt geschehen ist, hat es sich in der >Iegel als unnötig und wegen der dabei eingetretenen allzu starken Bevorzugung geradezu als schädlich erwiesen. Besonderen Wert egt das KriegsernährungSamt darauf, daß die mit der Durchfüh- nng betrauten Verwaltungsbehörden enge Fühlung mit Arbeit- wbern und Arbeitnehmern halten; die dafür nötigen Vorkehrungen sollen getroffen werden. Vom Gemüsemarkt. Der Berliner Markt zeigt gegenwärtig eine sehr starke Zufuhr besonders von Weifefohl und Kohlrüben, so daß der Bedarf mit Leichtigkeit gedeckt werden kann. Die Dörrauftalten habe» vollauf zu tun und reichliche Zufuhren erhalten, ebenso die Sauerkraut- fabrikcn. Die Preise für Gemüse sind reichlich hoch; der Handel vcrstcbt es, trotz der großen Zufuhr, einen Preisdruck aufzuhalten. Die PreisprüfungSstclle hat für angemessene Preise im Kleinhandel erachtet für Weißkohl 8 bis 10 Pf., Wirsingkohl 17 bis 20 Pf., Not- kohl 20 bis 23 Pf.. Kohlrüben 6 bis 8 Pf., Grünkohl 18 bis 19 Pf. das Pfund. Da nunmehr auch vom Generalkommando bestimmt ist, daß der Verkauf für Gemüse nach Gewicht vollzogen werden muß, wird die Unsicherheit in der Preiskontrollierung endlich zu einem erheblichen Teil beseitigt. Auffallend ist die Preislage für Kohlrüben, die im Großhandel nach den amtlichen Markthallen- berichten der Zentner mit 4,50 bis 6 M, gehandelt werden, obwohl ein Höchstpreis von 2,£50 M. für den Erzeuger besteht. Es wird von Beteiligten behauptet, daß dieser Höchst preis überschritten wird. Ist das der Fall, so wird die Behörde Anlaß nehmen müssen, gegen diese Treibereien einzuschreiten. Das gleiche gilt für Mohr- rüben. Hier sind Großhandelspreise von 8 bis 14 M. pro Zentner im Großhandel gezahlt. Der Höchstpreis für den Landwirt beträgt 4 M. Auch hier liegt aller Anlaß vor, einmal nachzuprüfen, wie diese hohen Preise Zustandekommen. In Jnter- essentenkrcisen soll, wie uns berichtet wird, ein starker Anlauf be- stehen, diese Höchstpreise wieder hinaufzuschrauben. Vom Preußi- scheu Landwirtschaftlichen Ministerium wird diesem Verlangen-, wie in ähnlichen Fällen, die eifrige Unterstützung zuteil. Wir wenden uns mit aller Entschiedenheit dagegen, daß diese Höch st preise schon wieder hinausgesetzt werden, denn der Preis von 4 M. für Mohrrüben enthält ungefähr das Bier- fache dessen, was in Friesenszeiten gezahlt wurde. Es fehlt jeder berechtigte Anlaß, diese Preise zu erhöhen, und auch vom Landwirt- schastsministerium müssen wir verlangen, daß eS darauf achtet, daß den Höchstpreisen Geltung verschafft wird. Zwiebeln sind nach der Höchstpreisfestsetzung nicht zu haben. Offenbar halten Produzenten und Händler die Bestände zurück. Außerdem ist aber anzunehmen, daß bereits sehr viel im Haushalt aufgekauft ist und große Bestände überhaupt nicht mehr in Frage kommen. Der PreiS beträgt gegenwärtig 15 Pf. pro Pfund, ftei- gend jeden Monat um einen Pfennig. Wenig befriedigend ist die Zufuhr am hiesigen Markt, die durch die Reichsstelle für Obst und Gemüse herbeigeführt wird. ES ist zwar gelungen, in einigen Fällen zu niederen Preisen �u kommen und auch beim Einkauf im Ausland die wüsten Preistreibereien zu unterdrücken, aber es fehlt hier am Ort die nötig« Organisa» tion und Regelung, die es ermöglicht, dieses Gemüse an den Konsumenten zu bringen. Die städtische Verwaltung zögert leider mit ihren Maßnahmen seit Wochen und kommt zu keinem Abschluß. Man sollte den Verkauf so vornehmen, daß die Stadt in besonderen Verkaufsständen die Zufuhr von der Reichsstelle im Kleinhandel an den Markt bringt. Geschieht das nicht, so fällt jede Kontrolle fort, daß dieses Gemüse zu angemessenen Preisen in den Handel kommt. Dabei möchten wir auf eine weitere Unterlassung des Berliner Magistrat? hinweisen. Die Preisprüfungsstelle hat wiederholt verlangt, daß fiir den Abschluß von Einkäufen im Groß- Handel die Lieferscheine ausgestellt werden. Solche Liefer- scheine bieten die einzige Möglichkeit einer Kontroll«, zu welchem Preise eingekauft wurde und ob unangemessene Aufschläge ge- »ommen werden. Leider ist dem Berliner Magistrat bisher das Urteil eines kleinen Kreises der Interessenten maßgebend gewesen. während die Preisprüfungsstelle mit ihren Ansprüchen abgewiesen wurde. Es sei hervorgehoben, daß an anderen Orten, vor kurzem auch in München, der Lieferschein eingeführt wurde. Verhältnismäßig gut bewährt sich der Verkauf von KoN und Kohlrüben durch die Markthallenverwaltung in der Berliner Zen- tralmarkthalle. Die Preise sind hier erheblieb unter die üblichen Kleinhandelspreise herabgesetzt. Leider ist die Menge, die zum Ver- kauf kommt, gering. Wir hoffen, daß sicks die Markthallenverwal- tung recht eifrig bemüht und größere Zufuhren verlangt. Die Ab- nähme zu angemessenen Preisen wird sicher keine Schwierigkeiten bieten. Für Obst ist die Festsetzung von Höchstpreisen bei den verschie- denen Sorten recht schwierig. Die PreiSprüftingSstelle hat deshalb nur einen Preis für Tafeläpfel von 35 bis 65 Pf. das Pfund gegen- wärtig für angemessen erachtet. WirtfchaftSäpfel sind entsprechend billiger zu verkaufen, und Aepfel, die eine besondere Auslese bilden, auch über diesen Preis gestellt. Der Handel versucht natürlich, möglichst die Grenzen zu verwischen, um über diese Preiste hinaus- zukommen. Wichtig ist für den Konsumenten, daß die Groß» Vertriebsgesellschaft für böhmisches Obst jetzt ihre Ware an den Markt bringt. Der Verkauf geschieht auf den Obst- kühnen an den der Bevölkerung bekannten Anlegestellen. Die Ge- sellschaft hat ihr Obst in drei Klassen geteilt; für die erste ist ein Großhandelspreis von 40 M., für die zweite 32 M., für die dritte 25 M. der Zentner festgesetzt. Für den Kleinhandel soll im Ein- Verständnis mit der städtischen Verwaltung ein Auffchlag von 25 Proz. genommen werden, so daß das Pfund Aepfel entsprechend den Klasseneinteilungen 50 Pf., 40 Pf., 32 Pf. betragen wird. Die Bevölkerung wird gut tun, ihren Einkauf gleich von diesen Kähnen zu bewirken, statt die Ware über den Kleinhandel aufzunehmen. Denn eS ist zu befürchten, daß, sobald die Ware in den Kleinhandel kommt, die Aufschläge viel höher sind. Die vorhin genannten Preise werden dann wöchentlich der Zentner in Klasse 1 und 3 um 1 M., in Klasse 2 um 1,50 M. gesteigert, dementsprechend auch die Klein- Handelspreise. Gegenüber den sonst üblichen Obstpreisen wird somit das böhmische Obst uns wohlfeiler zum Verkauf gestellt. Zur Grost-Bcrliner Stratzenbahnangelegenheit. Die Stadtverordneten in R e u k ö l I n faßten Donnerstagabend auf Grund eines von unseren Vertretern eingebrachten Antrag» einstimmig diesen Beschluß:'„Die Stadtverordnetenversammlung steht auf dem Standpunkt, daß 1. von einem Erwerb des Straßen- bahnunternehmens zurzeit abzusehen ist und daß 2. auch jede Art einer geplanten Tariferhöhung abzulehnen sei. Die Versammlung hält es für richtig, daß die Weiterbehandlung der Angelegenheit durch eine Kommission deS Zweckverbandes erfolgt." Tie Versorgung mit Speiseöl. In den letzten Tagen erschien in der Presse eine Notiz, worin scharfe Kritik an der Unzulänglichkeit der Oelverteilung geübt wurde. Zur Klarstellung wird amtlich darauf hingeweisen, daß der Kriegsausschuß für Oele und Fctte monatlich ein größeres Quantum Speiseöl zur Verfügung stellt. Die Verteilung erfolgt auf Grund eines von der Reichsstelle für Speisefett« aufgestellten Verteilungsschlüssels, lediglich an Landes- und Kommunalbehörden, und zwar zum Preise von 4,50 M. für das Kilo. Wenn Klage darüber geführt worden sei, daß in den Delikateßwarengeschäften usw. exorbitante Preise für Speiseöl verlangt worden seien, so könne es sich bei diesen Mengen lediglich um aus dem Jahre 1915 übernommene Vorräte handeln, die den Beschlagnahmeverfügungen nicht unterlagen und infolgedessen im freien Markt gehandelt wer- den dürfen. Es könne sich hierbei jedoch nur um ganz geringe Mengen handeln. Keine Brikcttnot. Aus der Niederlausttzer Braunkohlenindustri« wird der Ber- liner Presse geschrieben: Infolge der schon seit vielen Wochen Herr- schenden Knappheit an Leerwagen sind die Zufuhren an Briketts nach Groß-Berlin und auch nach der Provinz sehr gering gewesen. Es tauchen deshalb in Berlin schon allerhand Gerüchte auf, welche besagen, daß die große Knappheit in Briketts«ruf eine Beschlag- nähme der Produktion zurückzuführen sei, und daß man deshalb auch bald mit Brikettkarten zu rechnen habe. Mose'Gerüchte ent- behren zwar jeglicher Begründung, doch wird infolge der großen Nervosität, welche durch die Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Lebensmitteln entstanden ist, auch schon in Briketts gehamstert. Es muß deshalb darauf hingewiesen werden, daß eine Brikettnot nicht zu erwarten ist, denn die Niederlausttzer Brikettwerke, welche Groß-Berlin fast ausschließlich mit Briketts versorgen, haben in den letzten Wochen infolge der großen Wagenknappheit ganz be- deutende Mengen gestapelt, und es werden die Läger heute schon auf etwa 300 000 Tonnen geschätzt. Wenn die Eisenbahn erst in der Lage ist, die Wagenzusührung so reichlich zu gestalten, daß neben der täglichen frischen Produktion auch noch die Bestände all- mählich abgestoßen werden können, wird die Brikcttknappheit sehr bald überwunden fein. Das Publikum kann deshalb nicht drin- gerid genug davor gewarnt werden, sich größere Vorräte in Briketts hinzulegen als unbedirigt nötig sind, denn sonst kann ein Mangel eintreten und wenn letzterer erst einmal vorhanden ist, macht sich dieser auch sehr bald in den steigenden Preisen bemerkbar. Not- wendig ist es allerdings, daß eine wesentliche Besserung in den Zufuhren schnellstens eintritt, damit nicht Tausende von kleinen Existenzen, die sogenannten Kellerhändler, ruiniert werden. Die Hälfte dieser kleinen Kohlengefchäfte haben schon heute tagelang ihre Geschäfte geschlossen, weil legliche Vorräte in Briketts fehlen. Lohnbewegung der Heizer in den städtischen Elekrizitäts- werken. Die in den Berliner Elektrizitätswerken bestehenden Arbeiter« auSschüsse und die Vertrauensleute hielten eine gut besuchte Ver- sammlung ab, um zu den Lohnverhältnisscn Stellung zu nehmen. lieber unleidliche Veihältnisse innerhalb der städtischen ElektrizitätS- werke wurde berichtet: Schon im August sei in der Zentrale Rummelsburg von einem Meister bekanntgegeben worden, daß der Höchstlohn für Heizer nach Iftz Jahre» Dienstzeit 80 Pf. die Stunde betrage. Drei Wochen lang haben dies die Heizer bekommen, dann wurde eS rückgängig gemacht und der Lohn auf 77'/, Pf. herabgesetzt. Die Direktion gab bekannt, daß 80 Ps. gezahlt seien, beruhe auf einem Verseben de« Schreibers. Einer der Heizer legte die Arbeit nieder, während ein anderer, um trotz dieser Abzüge einen höheren Lohn z» haben. 15—16 Stunden täglich gearbeitet habe. Diese unsinnigen Ueberstunden bei schlechter, mangelhaster Ernährung hätten dazu geführt, daß der Heizer nach einigen Tagen vor dem Kessel an Entlräftung zusammenbrach und noch heute daniederliege. Ein dritter Heizer hatte gekündigt. Nach Ablauf seiner KündigungSzeit sei ihm von der Direktion der Kriegsschein verweigert worden. Die Verweigerung de« KriegSscheineS wurde vor den Kriegsausschuß gebracht. Dieser stellte nach Kenntnisnahme den Kriegsschein sofort aus und betonte: 77>/z Pf. Stundenlohn sei«in Lohn, wofür heute kern Heizer arbeiten könne. Die Zeit, die der Heizer infolge Verweigerung des Kriegsscheines arbeitslos war, muß die städtische Direktion eiitschädigen. Der Ausschuß wurde beauftragt, wegen einer allgemeinen Lohnerhöhung von mindestens 10 Pf. die Stunde sowie einer monatlichen Kinderzulage bei der Direktion eine gemeinsame Sitzung zu beantragen. Ebenso wurde der Ausschuß beauftragt, unter keinen Umständen unter diese Forderung herunterzugehen. Sollte sich die Direktion ablehnend verhalten, so sind die Beteiligten gezwungen, sich schleunigst andere, besserbezahlte Arbeitsstellen zu suchen. Arbeitslosenfürsorge der Stadt Berlin. Bei den 23 städtischen Geschäftsstellen sind in der Woche vom 30. Oktober bis 5. November 133 Gesuche eingegangen; eS wurden abgelehnt 40, an die LandeSvcrsicherungSanstall Berlin verwiesen 6, bewilligt 120. Ausgeschieden aus der Unterstützung(überwiegend wegen Wiedereintritts in Arbeit oder Erwerb) sind 81 Personen. 113 männliche und 1848 weibliche Personen bezogen Unterstützung im Gesamtbeträge von 8002 M» davon je 4 M. 1828 Personen, je 5 M. 188 Personen. Bon der Stadt wurden an 191 Mitglieder von 15 Arbeiter- und Angestelltenorganisatiouen, die selbst satzungs- gemäß Unterstützung gewähren, Zuschläge im Gesamtbetrage von 651,20 M. gezahlt. Hiervon trafen auf die freien Gewerktchaften 165 Mitglieder mit 552.55 M.(und zwar Metallarbeiter 77,05 M., Holzarbeiter 54 M. usw.). Die Landesversicherungsanstalt Berlin hat von 22 445 bei ihr überhaupt bis 4. November eingegangenen, teils von den städtischen Unterstützungskommissionen ihr überwiesenen, teils von den Organi- sierten ihr eingereichten Gesuchen 15 491 genehmigt. Ein Pfund Kunsthonig SV Pf. Die Verwendung von Kunsthonig als Streichmittel hat im Laufe des Krieges an Bedeutung sehr gewonnen. Es hatte sich im vorigen Jahre der Kettenhandel ganz besonders auf diese Ware geworfen, so daß Kunsthonig, der von Fabriken zu etwa 85 M. für den Zentner abgegeben wurde, im Zwischenhandel auf 30 M. und mehr hinauf- getrieben wurde. Der Preis im Kleinhandel kam daher oft auf über eine Mark da» Pfund zu stehen. Sobald die amtliche Bewirtschaftung des Zucker» einsetzte, fand naturgemäß eine Bindung der Preis« für Kunsthonig, der zu vier Fünfteln aus Zucker besteht, statt. Für ein Pfund in Papierpackung wurde ein Preis von 0,55 M. bei Abgabe an den Verbraucher im Kleinverkauf festgesetzt. Da durch die Bindung an diese Vertrags- preise aber nicht sämtlicher Kunsthonig getroffen wurde, also eine Kontrolle sehr erschwert war. hat sich das KriegsernährungSamt nunmehr zu Höchstpreisen für Kunsthonig entschlossen.(Bekanntin. d. St-llv. d. Reichst v. 11. November R.G.Bl. S. 1271.) Trotz der Steigerung des Preises für Fabrilzucker ist es möglich gewesen, die bisherigen Vertragspreise zu halten, so daß ein Zentner in der ge- nannten Packung beim Hersteller höchstens 40 M., im Großhandel 44 M., im Kleinvcrkauf 55 M. kostet. Beerdigung der Opfer von Rahnsdorf. Achtzehn Opfer des Eisenbahnunglücks bei Rahnsdorf wurden am gestrigen Donnerstag auf dem Gemeindefriedbof in Rahnsdorf unter Teilnahme der Einwohnerschaft bestattet. In der Friedhofs« kapelle, wo die achtzehn eichenen Särge aufgebahrt waren, fand eine stimmungsvolle Trauerfeier statt. Bürgermeister Köhler(Rahnsdorf) hatte sich besonders um eine würdige Bestattung bemüht. Ver- wundete Krieger ans Lazaretten in Fricdrichshagen trugen die Särge zur gemeinsamen Gruft, wo der katholische KuratuS Fiedler (alle getötete Müschen gehörten zur katholischen Kirche), die Ge- däwiiiisrede hielt. Die 40 Meter lange und 1,80 Merer»eie Gruft mußke in ihrer ganzen Länge mit Bohle» abgesteisl werden weil das sandige Erdreich immer wieder»octigtilt. Die ganze Nacht bin- durch wurde unter Leitung des Büigermeisters geoibeiici. Vormittag« kamen viele Leute aus allen Richtungen herbei. Die Mittags- züge brachten neue Scharen aus Bertin. Zinnerne Bierdeckel sofort anmelden. Nach Mitteilung der Steuerkassen sind die Meldungen an BierglaS- und Bierkrugdeckeln auS Zinn in auffallend geringer Zahl eingegangen. Es wird nochmals darauf aufmerksam gemacht. daß alle Brauereien(Brauerei-, Gastwirtschafts- und Schank» betriebe, z. B. Brauereien, Bicrverlage, Gastwirtschaften, Kaffeehäuser und Konditoreien, überhaupt Bier- auSschänke aller Art), ferner Vereine und Gesellschaften, Kasinos und Kantinen, die in ihrem Besitz befindlichen beschlag- nahmten Zinndeckel zu melden haben, gleichgültig, ob der Besitzer zu gleicher Zeit Eigentümer ist oder nicht. ES sind daher auch Gast- und Schankwirte, die von ihren Lieferanten(Brauereien, Brauereivertreter ztjw� Gläser mit Zinndcckcl leihweise erhalte« SuBeif, zur Meldung verpflichte!. E5 wird dringend geraten, etwa versäumte Meldungen sofort nachzuholen.®ie Lordrucke sind bei den Steuerkassen erhältlich. Kleinhandelspreise für frische Seefische bester Qualität für Freitag, den 17. November 1916. Schellfische, klein(bis Pfund) 2,00 M., mittel(von bis 1 Pfund) 2,10 M., groszmittel(von 1 bis IVz Pfund) 2,20 M., große(von IVe Pfund und mehr) 2,30 M.; Kabeljau, klein(bis IVs Pfund) 1,70 M., mittel(von l'/z bis 4 Pfund) 1,80 M.. große (von 4 Pfund und mehr) 2,00 M., ohne Kopf(im Ausschnitt) 2,7ö M.? Schollen, kleine(bis zu Va Pfund) 1,25 M.(Zufuhr etwas reichlicher.) Bei Ausfüllung der Bezugsscheine wird vielfach, wie uns der Verband Deutscher Waren- und Kaufhäuser, c. V., mitteilt, gegeu die Vorschrift verstoßen, daß für jede Ware ngattung ein besonderer Bezugsschein auszufüllen ist. Da Waren nur gegen Empfang des� Bezugsscheines ausgehändigt werden dürfen, kann es bei Ausstellung eines Bezugsscheines für mehrere Warsngattungen bei der Knappheit der Vorräte leicht vor- kommen, daß nur eine dieser Wareng altungen in einem Geschäft vorrätig ist, so daß der 5iäufer entweder die zweite Warengattung nicht mehr erhalten kann, oder daß der Ver- käufer, weil er nicht beide Warcngattungen abzugeben in der Lage ist, auch nicht einen Teil der auf dem Bezugsschein bewilligten Waren verkaufen koim. Es muß darum Aufgabe der intercisicrten Betriebe sein, ihr Personal immer wieder auf diese Vorschrift auf- merksam zu machen, auch bei den Bczugsschcinstcllcn darauf hinzu- wirken, daß die ohnehin schwierigen Verhältnisse dnrch Außer- achtlassung dieser Vorschriften nicht noch weiter erschwert werden. Die strenge Durchführung der Vorschriften liegt ebenso im Interesse des laufenden Publikums wie des gesamten Detailhandels in Web-, Wirk- und Strickwaren. Berliner Lebensmittelnachrichte«. Nach einer Bekanntmachung des Magistrats entfallen auf'Ab- schnitt 4 der Lebensmittelkarte 100 Gramm Maisgrieß oder 100 Gramm Maismehl, auf Abschnitt b der Karte 100 Gramm Grütze oder 100 Gramm Graupen. Die Abschnitte sind von heute bis Montag, den 20. November, in den durch besondere Verkaufsschilder gekennzeichneten Kleinhandelsgcschäften gegen Empfangs- bescheinigung abzugeben. Tic Ware kann dann vom 2. Dezember ab bei den betreffenden Kleinhändlern gegen Rückgabe der erwähn- tcn Empfangsbescheinigung abgeholt werden. Das Märkische Museum. Im Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht behandelte Prof. Dr. Pniower am Mittwoch unser Märkisches Museum. Er begann mit einem kurzen Ueberblick über die Geschichte des Museumswesens von der Zeit der Raritätenkabinette, Kunstkam- mern, der Gemälde- und Skulpturcngalerien bis zur Schöpsting von kulturgeschichtlichen und Heimatmuseen. Er ging dann näher aus die Gründung des Märkischen Museums ein, die im Jahre 1574 erfolgte. Das Verdienst, es geschaffen zu haben, gebührt dem ehe- maligen Stadtkämmerer Runge, Rudolf Virchow und dem Stadtrat Ernst Friedet, der heute noch an der Erforschung der Heimat den regsten Anteil nimmt. Es war die höchste Zeit zur Errichtung. Denn eben damals begann für Berlin und die Nachbarorte jene ungeheure Umwälzung, die mit dem Altüberlieferten rücksichtslos aufräumte. Die späte Gründung erwies sich vorteilhaft, insofern Vorbilder vor- Händen waren, nach denen man sich richten konnte. So war für die Anlage und Organisation der Sammlungen das Germanische Mu- seum in Nürnberg maßgebend, nur daß auch die Naturwissenschaften mit in den Bereich der Ausgabe gezogen wurden, was für die Groß- stadt Berlin unumgänglich war und sich auch als sehr segensreich erwiesen hat. Mehr als dreißig Jahre war das Museum in völlig unzuläng- lichen Räumen untergebracht. Erst im Jahre 1908 kormte das neue Heim eröffnet werden. Auch das war von Vorteil. Denn nun fand es in Ludwig Hoff mann einen Architeften von den höchsten künstlerischen Eigenschaften. Mit Hilfe von Lichtbildern wies der Redner die Absichten Hoffmanns auf, dem es darauf an- kam, ein Werk im Geiste der bodenständigen Baukunst zu schaffen. Art und Wesen der Bauanlage wurden von außen und innen ge- zeigt, wobei die Gesichtspunkte erläutert wurden, nach denen die Gegenstände ausgestellt sind. Wie kaum in einem zweiten Museum wurde danach gestrebt, den Besucher durch eine gefällige Anordnung zu fesseln und vor Ermüdung zu bewahren. Die Aufbewahrung von Fcldfrüchtcn. Eine recht bedenkliche Tatsache ist die in diesem Herbst zutage tretende schnelle Ver- derblichkcit von Kartoffeln und Kohl. Wer heute Gemüse und be- sonders Kohl aufspeichert, muß gewärtig sein, daß ihm ein großer Teil davon bald verdirbt. Es ist deshalb dringend allen Personen, die sich mit Wintervorräten versehen haben, zu empfehlen, unaus- gesetzt ihre Vorräte zu überwachen und sie nicht an feuchten Stellen in Kellern zu lagern, auch nicht dem Licht auszusetzen. Zwiebeln verderben besonders leicht, und zwar faulen sie von innen heraus, weshalb die Bollen, besonders die größeren, hin und wieder durch- geschnitten werden müssen. Nur dann kann man beobachten, ob sie verderben. Zum Aufbewahren von Kohl eignen sich Hänge- matten. Man spannt sie von einer Wand zur anderen auf, legt den Kohl zwischen Papier und bedeckt die Kohlköpfe noch mit Papier oder dergleichen gegen Licht und Feuchtigkeit. Das Oberverwaltungsgcricht hat entschieden, daß der Verdienst von Kindern aus Arbeit dem Vater, auch wenn er darüber als Kostgeld usw. verfügt, bei der Steuer bzw. Berechnung als Ein- kommen nicht angerechnet werden kann. Dieses Kindereinkommen ist im Gegensatz zu dem aus Vermögen, Nutznießungen st euer- frei. Bon einem Straßenbahnwagen angefahren und geötet wurde der 29 Jahre alte Tischlergeselle Wilhelm Rothenburg aus der Kronprinzenstr. 20 zu Lichtenberg, als er in der Graetzstraße zu Treptow den Damm überschreiten wollte. Großfcuer kam am Donnerstagabend aus noch nicht ermittcl- ter Ursache auf einem Fabrikgrundstück in der Berliner Straße Nr. 69/69a in Pankow, nahe der Weichbildgrenze von Berlin, zum Plusbruch. Die Flammen fanden schnell Nahrung, und als die Berliner Feuerwehr erschien, stand ein großer Schuppen mft Inhalt völlig in Flammen. Eine angrenzend« Wohnung hatte schon Feuer gefangen. Den vereinten Anstrengungen der Wehren gelang es, den Brand zu lokalisieren. Einen Kampf mit Einbrecher» hatten in der Nacht zu Donners- tag ein Schutzmann und ein Wächter der Wach- und Schließ-Gesell- schaft zu bestehen. Vier Einbrecher hatten abends Abschied gefeiert und beschlossen, dem Kontor einer Lederbandlung in der Stralauer Straße 45 einen Besuch abzustalten. Mit einem Kahn, den sie an einem Landungssteg an der Waisenbrücke fanden, fuhren sie die Spree entlang bis in die Nähe des Hauses. Während sie in den Kontorräumen am Geldspind arbeiteten, sah der Wächter einen Lichtschein und hörte dann auch das Geräusch, das sie ver- ursachten. Er Holle einen Schutzmann und als beide den Kassenraum betraten, sprangen zwei Einbrecher sofort auf sie ein. Der Schutzmann schoß durch die Schalterscheibe hindurch. Das veranlasste die beiden Einbrecher, deren Kumpane in dem Kahn warteten, die Flucht zu ergreisen. Als sie in den Kahn hineinsprangen, kenterte dieser, und alle vier fielen ins Wasser. Sie konnten sich aber leicht retten. Schutzmann und Wächter eilten unter- dessen nach der Waisenbrücke, weil sie richtig vermuteten, daß die Einbrecher von dort hergekommen seien und dorthin zurückkehren würden. Als sie ankamen, halte einer bereits den Kahn verlassen. Er wurde sofort festgenommen. Die anderen stießen gleich wieder ab und ruderten nach dem entgegengesetzten Ufer, wo sie aber von herbeigeeilten Beamten ergriffen wurden. Der eine, der durch den Schuß verwundet worden war, riß sich los und entkam. Auch er wurde gestern festgenommen, als er sich auf einer Unfallstation ver- binden ließ. Tödlicher Eisend ahnnnfall. Von dem Bahnhof Sommerfeld wollte der Kanonier Wilhelm Schulz aus Klein-Tauchel nach Berlin fahren. Er hatte sich verspätet und traf erst ein, als der Zug be- reits in Bewegung war. Trotz dringender Warnung der Bahn- beamten sprang er auf, glitt jedoch vom Trittbrett ab und geriet zwischen Zug und Bahnsteig. Als der Zug zum Halten gebracht werden konnte, hatte er bereits so schwere Verletzungen erlitten, daß er nach wenigen Stunden starb. Mus den Gemeinöen. Lichtenberg. Zu den S t a d t V e r o r d n e t c n w a h l e u schreibt man uns: Die Stadtverordnetcnwahlen, die in Berlin-Lichtcnbcrg am 12. d. Mts. unter dem Burgfrieden stattfanden, halten folgendes Ergebnis. Es wurden in den einzelnen Bezirken für unsere Genossen 3, 7, 10, 12, 14 und 27 Stiniuicn abgc- geben! Hierbei soll auch folgender Vorgang nicht unerwähnt bleiben. In einem der Wahlbezirke war auf sozialdemo- kratischer Seite bis gegen 6 Uhr noch keine einzige Stimme abgegeben worden, so daß sich der b ü r g e r- liche Wahlvorsteher veranlaßt sah. telephonisch unsere Ge- nossen zu benachrichtigen, daß zwar schon bürgerliche, aber noch kein sozialdemokratischer Wähler zur Wahl erschienen war. Erst dann gelang es, n o ch d r e i G e n o s s e n zu.s ch l e p p e n', die unsere Kandidaten wählten. In der Hauprsache ist das obenerwähnte Re- sultat ohne Zweifel darauf zurückzuführen, daß weder ein Aufruf, noch eine sonstige Veröffentlichung im .Vorwärts' über die Wahlen erfolgt war. so daß eine große Anzahl der Genossen von der Wahl keine Kenntnis halte. Charlottcnburg. Von allgemeinem Interesse ist eine Vorlage, die die Charlottenburger Stadtverordneten am Mittwoch einmütig angenommen haben. Die Stadt besitzt in Beetz- Sommerfeld eine An st alt für Lungenkranke, das WaldhauS Charlottenburg. Die Verpflegung der hier untergebrachten Patienten bereitet wäh- read des Krieges erhebliche Schwierigkeiten. Gerade bei den Lungen- kranken ist aber eine gute und reichliche Verpflegung für den Kur- erfolg von besonderer Wichtigkeit. Die von dem zuständigen Land- ratsamt des Kreises Osthavelland überwiesenen Mengen an Lebens- mittein(namentlich an Fleisch und Fett) reichen bei weitem nicht aus. Auf seine Anträge auf Erhöhung der Fleischmengen ist dem Magistrat anheimgcstellt worden, dem Mangel möglichst durch Schlachtungen von selbstgezogenem Vieh abzuhelfen. Auch der Mi- nister des Innern hat bekanntlich vor kurzem durch die Regierungs- Präsidenten die Landräte angewiesen, dahin zu wirken, daß die in ländlichen Bezirken belegenen Krankenanstalten in größerem Umfange Sclbstwirtschaft(Mästung von Schweinen, Haltung von Milchkühen, Ziegen und Geflügel) treiben, da auf diese Weise den Ernährnngs- schwierigkeiten am besten begegnet werden kann. Im Wald- Haus Charlottenburg wurde schon früher in beschränktem Umfange Viehhaltung betrieben. So konnten im Jahre 1915 27 Schweine geschlachtet und im Küchenbetriebe der Anstalt verwertet werden. Die Schweine wurden fast ausschließlich aus den Küchenresten ge- nährt, nur geringe Mengen an Kraftfutter sind dazu gekauft worden. Ein Teil der Küchenabfälle mutzte sogar noch verlauft werden, weil infolge des beschränkten Raumes nicht mehr Schweine eingestellt werden konnten. Um die Schweinemästerei zu erweitern, müssen weitere Stallräume geschaffen werden, wozu ein Betrag von 10 000 M. erforderlich ist. Ist der Bau vollendet, so wird die An- stalt dauernd 50 bis 60 Schweine halten können und imstande sein, wöchentlich ein Schwein zu schlachlen. Die angeforderte Summe wird also reichliche Zinsen tragen. Ja, wenn man den heutigen Schlachtwert eines Schweines in Rechnung zieht, ist sogar schon für das erste Jahr ein Uebcrschuß von 5000 M. zu erwarten. Im übrigen erklärte die Versammlung noch einige Wahlen von Stadtverordneten, die als Ersatz für ausgeschiedene Mitglieder ge- wählt sind, darunter die unseres Genossen Hofcr, für gültig. Neukölln. Um�denjenigen Einwohnern, denen Einrichtungen zur Aufzucht von Schweinen zur Verfügung sieben, den Ankauf lebender Tiere zu ermöglichen, ist die Stadt Neukölln im Begriff, 200 Jungschweine aus Schleswig-Holstein einzuführen, die aus die einzelnen Bewerber zur Verteilung kommen sollen.— Der Verkauf von Heringen in den städtischen Verkaufsstellen ist derart geregelt worden, daß zunächst auf jede Brotkarte der Woche vom 5. bis 12. November zwei Slück so lange verkauft werden, bis alle Einwohner Heringe aus diese Karte erhalten haben. Darauf werden zunächst auf etwa 3 Wochen Salzmakrelen ausgegeben und zwar nicht Pfund-, sondern stückweise.— Die Stadt will ferner die vorhandenen Be- stände an Haferflocken sofort zum Verkauf bringen und zwar so, daß auf je einen bestimmten Abschnitt der Haushaltungskarte ein Pfund abgegeben wird.— Bei dem nächsten Verkauf von Talg sollen, solange der Vorrat reicht, zunächst die Familien mit vier Personen berücksichtigt werden. Sie erhalten eine ganze, Familien mit zwei und drei Personen nur eine halbe Tafel. In den städti- scheu Verkaufsstellen soll für eine übersichtliche Lagerung sowie bessere Beleuchtung gesorgt und im übrigen alle Verbesse- rungen getroffen werden, die gesundheitlich erforderlich sind. Wegen der beengten Räumlichkeiten wird demnächst eine Verlegung der Verkaufsstellen Steinmetzstr. 12 und Hermannstr. 22 erfolgen. Zur Lagerung von Obst- und Gemüsevorräten hat die Stadt Lagerräume angemietet. Pankow. Die Gemeindevertretersitzung nahm am Dienstag zur Stratzenbahnfrage Stellung. Der stell- vertretende Bürgermeister Beigeordneter S t a w i tz vertrat den später zum Beschluß erhobenen Standpunkt. In der Debatte betonie Genosse Schmidt, daß wir Sozialdemokraten zwar von jeder sich bietenden Gelegenheit, öffentliche VcrkehrSunternchmen aus dem Privatbesitz in Gemeinderegie überzuführen, grundsätzlich Gebrauch zu machen bestrebt seien, daß aber im vorliegenden Falle bei den zurzeit völlig ungeklärten Verhältnissen hiervon vorläufig Abstand genommen werden müsse. Auch müsse jede Tarif- erhöhung, habe sie nun einen Staffel- oder Einheitstarif zur Grund- läge, aufs entschiedenste bekämpft werden.— Die Aussprache ergab die einstimmige Annahme folgender Entschließung:„Die Gemeindevertretung erklärt sich gegen jede Tariferhöhung, ins- besondere auch gegen die Einführung eines Staffeltarifs. Sie steht auf dem Standpunkt, daß von einem Erwerb des Straßenbahn- Unternehmens zurzeit abzusehen ist, daß jedoch das Nichtinkrafltreten des im Berliner Vertrage zum 1. Januar 1920 vorgesehenen Staffel- tariss erstrebt werden muß. Zur Erreichung dieses Zieles bälr sie es für richtig, daß rechtzeitig vom Zweckverband mit der Großen Berliner Straßenbahn verhandelt wird.' Weiter wurde von der erneuten Inangriffnahme der R e g u- lierungsarbeiten der Berliner Straße Kenntnis gegeben. Die Große Berliner ist jetzl zur Verlegung der Gleise und der Herstellung der Endhaltestellen in der Kissingenstraße und Lindenpromenade bereit.— Auf aus der Milte der Vertretung vor- gebrachte Beschwerde gegen hiesige Aerzle, wegen zu hoher Honorarforderungen bei Ausstellung von Attesten für Kranke und Wöchnerinnen zum Bezüge von Sondernahrungs- Mitteln und Milch wurde Verhandlung mit den Aerzten zum Zweck eines Uebereinkommens zugesagt. Bei dieser Gelegen- heit regte Genosse Struck Anstellung eines Gemeindearztes an, was für spätere Zeit in Aussicht gestellt wurde.— Eine lebhafte Erörterung entspann sich über die sehr im argen liegende Karrofselversorgung Pankows. ES wurde nachgewiesen, daß die Gemeindeverwaltung an der mangelhaften Zufuhr schuldlos ist und daß.trotz lebhafter Bemühungen des GememdcvorstandeS bei der Versorgungsstelle leine reichlichere Anfuhr zu erlangen fei. Es sind daher schon boriorgeud 60 000 Zenlucr Kohlrüben angekauft. Die Vertretung beschloß, dem Gemeindevorstano auszugeben, un- verzüglich beim Landral die Freigabe der selbständigen Kartoffel- Versorgung zu erwirken. Das Verschwinde» zweier Gcschwistcrpaare aus Charlottenburg hat seine Aufklärung gefunden, Die 14 und 12 Jahre alten vier Kinder, die gemeinsam heimlich nach Filehne gefahren und von dort am 30. August die Rückfahrt aiuralcn, waren in Berlin anSgeftiegen und wagten sich aus Furckit bor Strafe nicht nach Hause. Sic trieben sich in Berlin umher und sind hier von Polizeibeamten angehalten und in Schutzhaft genommen worden. Inzwischen sind die Kinder ihren Eltern wieder zugeführt worden. Alt-Glienickc. Die Bibliothek des hiesigen Wahlvereins befindet sich im Lokal von Bahr, Köpenicker Str. 45. Die Ausgabe der Bücher erfolgt von heute ob jeden Freitag von 8—9 Uhr abends und zwar völlig kostenlos. Da jetzt für eine regelmäßige Ausgabe gesorgt ist, bitten wir, die Bibliothek fleißig zu benutzen. Zur Entnahme sind alle politisch, gewerkschaftlich oder genosscnschaft- lich organisierten Personen berechtigt. Es sind etwa 350 Bände vor- handen. Wcißensee. Eine schwere Explosion, der zwei Mensch e n leben zum Opfer fielen, hat sich in der Deichmann« schcn Fabrik in Malchow ereignet, in der auch Explosivstoffe ver« arbeitet und Feuerwerkskörper hergestellt werden. Der 16jährigs Arbeiter Walter Thon aus der Renubahnstr. 26 in Weißensee wurde auf der Stelle gelötet. Der Arbeiter Paul KiotoioSti aus Linden- bcrg erlitt so schwere Brandwunden, daß er in dem Weißenseer Krankenhause, wohin er gebracht wurde, bald nach der Aufnahme starb. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht festgestellt. Mus aller Welt. Ter Kampf gegen die Zwerge. Kopenhagen hat, wie von dort geschrieben wird, als allcrneueste Sensation den Kampf um die Zwerge. Es hat nämlich ein Unternehmer draußen auf Svanholm eine lustige Budenstadt errichtet. worin er dem p. t. Publiko seine Zwerge vorführen will. Das sind fünf Herren und zwei Damen, übrigens ganz wohlgebildcte Ge- schöpfchen, aber eben nun einmal Zwerge. Das ist der Sachverhalt. der in gewissen Kreisen der Hauptstadt einen wahren Sturm von Unwillen hervorgerufen hat. Ganz besonders sind es die Twmen, deren Gefühl sich gegen diese Schaustellung empört. Die Kopen- hagenerinnen sind sehr entschlossenen Charakters und alsbald ver- anftalteten sie in aller Form eine Einspruchsvcrsammlung. Als der Unternehmer mit seinem Zwergvolle Zutritt zu dieser Versammlung verlangte, um sich zu rechtfertigen, wurde ihm, obgleich die Ver- sammlung als öffentlich ausgeschrieben war, die Türe vor der Nase zugeschlagen. Er aber, nicht faul, mietete alsbald den oberen Saal im selben� Hause und veranstaltete dort eine Gegenvcrsammlung. Dort erklärte er, daß sein kleines Völkchen kein anderes Recht be- anfprncbc, als das, zu leben, und da sie nun einmal als Artisten ausgebildet seien, so müßten sie auch als solche verbraucht werden. Inzwischen folgte ein Stockwerk tiefer eine flammende Rede der anderen. Es wurde behauptet, selbige Zwerge seien gar keine Nawrzwerge, sondern künstliche Erzeugnisse grausamer Behandlung. Andere Teilnehmerinnen wandten sich gegen die Eltern der kleinen Leute, denen sie unverzeihliche Herzlosigkeit vorwarfen, und alle waren darin einig, daß die Schaustellungen in der Zwergcnftadt unter allen Umständen anstößig seien und verboten werden müßten. Ja, eine besonders temperamentvolle Dame ging so weit, es für einen Bankerott der Demokratie zu erklären, wenn die Vorstellungen auf Svanholm erlaubt würden. Uebrigens wiesen einzelne Stim- men auch darauf hin, daß in einer Zeit, wo Kopenhagen an bit- terster Wohnungsnot leide, die Baumaterialien besser zum HauS- bau als zu einer Vergnügungsanstalt zu verwenden seien. Das ist der Stand der Sache. Zwerg oder nicht Zwerg: das ist jetzt die Frage, die Kopenhagen in zwei Lager teilt. Frankreichs Schlachtfelder als Touristenzentren. Unter dem Vorsitz des Ministers Marcel Sembat war in diesen Tagen im Ministerium der öffentlichen Arbeiten zu Paris der Hauptausschuß des Vereins des„Nationalen Touristcndicnstes" ver- ammelt. Der Minister gab zunächst eine kurze Uebersicht über die bis jetzt vom Touristendienst geleistete Arbeit. Um den Freunden Frankreichs im neutralen Auslände(gemeint ist ersichtlich vor allem Amerika) die Erfüllung ihres sehnsüchtigen Wunsches eines Be- üches der französischen Schlachtfelder zu erleichtern und sie gleich- zeitig dazu zu verlocken, bei dieser Gelegenheit auch die anderen Sehenswürdigkeiten und Kunststätten Frankreichs in Augenschein zu nehmen, empfahl der Redner eine rührige Propaganda im Aus- lande, die Erbauung neuer Hotels und die Modernisierung der alten. Der Deputierte David berichtete, daß beim Kriegsmimstc- rium bereits die erforderlichen Schritte getan seien, um nach dem Kriege den Touristenverkehr in der Kampfzone zu organisieren. Ein anderer Abgeordneter machte Vorschläge über die Bemessung der Aufenthalts- und Bcsichtigungsgebührcn zum besten des Pro- pagandakomitees, während ein dritter Redner die Mittel erläuterte, die dazu führen sollen, das französische Hotelwesen zu einer großen nattonalen Industrie auszubauen. Es ist auch bereits eine Studienkommission eingesetzt, die die Frage der Aufbringung des hierfür notwendigen Kapitals erörtern soll. Man sieht: die Frau- zosen sind nicht willens, ihre Schlachtfelder brach und unvcrzinst liegen zu lassen.__ Erdbeben in Oberitalien. Bern, 16. November.(W. T. B.) „Secolo" meldet: Heute früh wurde um 7 Uhr 45 Minuten in An- cona ein ziemlich starker Erdstoß verspürt, der eine Panik unter der Bevölkerung hervorrief. Angeblich ist kein Schaden angerichtet. Der Erdstoß wurde auch in Ravenna, Teramo, Äacerate und in anderen Ortschaften der Gegend verspürt. Tod eines griechischen Majors. Am Sonntag ftüh wurde in Görlitz in seiner Wohnung in der Reichenberger Straße der griechische Major des 23. Infanterieregiments Melitios Zacharias tot aufgefunden. Die Feststellungen ergaben, daß ein Unfall vor- liegt und der Tod infolge Gasvergiftung erfolgt ist. Sriefkasten öer Neüaktion. Die lurtsttl»« Eprechttunde lindet für ilbonnenlen Lmdenftr.», lv. vof ceSts, vanerre. am Wontag bis Freitag von t bis 7 Unr, am Sonnabend von 5 bis K Übt statt. Jeder für den D r r e t l a st e n bestimmten Antrag« ist ein Buchstabe und-ine Zahl als Merl, eichen beizufügen. Brietliche Antworl wird nlch! erleilt. Anfragen, denen keine AbonnemeniSauitlung beigefügt ist, werden Nicht beantwortet. Eilige Fragen Nage man IN der Sprechstunde vor. Verträge, Schristsiücke und dergleichen bringe mar iu dt« Sbrechstuude mit. — W. W. 18. Auf der Polizei.— G. N. 81. Sie haben nur noch .Kirchenstcuenr für die Kalenderjahre 1914 und 19lö zu zahlen.— S. 18. Eine gesetzliche Bestimmung gibt es dafür nicht. Sie würden nach unserer Meinung pro Tag etwa 5 Mark beanspruchen können.— K. R. 300. Für Berlin beucht solche Einrichtung, ob eine solche auch sür Köpenick besteht, ist uns unbekannt: wenden Sie sich mit einer Ansrage an den Magistrat.— M. 100. Wenn der Sohn die Mutter vor seiner Ein- berusung zum Militär übcriviegend unterstützt hat. so steht der Mutter An- spruch aus Knegselterngetd zu, das in Höhe bis zu 250 Marl jährlich gewährt wird. Antrag ist aus dem Polizeirevier zu stellen.— W. F. 100. Da nach Ihrer Angabe über die Kündigungszeit teinerlei Vereinbaruna getroffen ist, so können Sie am 15. jedes Monats zum Letzte» des Monats" kündigen.— R. B. 1. Plattsutz.— K. U. 124. Zur Schenkung aus dem eingebrachten Ehegut bedürfen Sie der Einwilligung Ihres Ehemannes. Sie können aber durch Testament über Ihren Nachlaß verfügen: Ihr Ehemann hat aber einen Erbanspruch auj das gejetzliche Pflichtteil.— P. 78, Für sechs Wochen.