Ur. 320. C 5 Pfennig) C Pfennig) HbonnementS'Redingungen: Lboimemems- Preis rränuuier LierleljäbrI. 3,S0 MI, monall. l,M MI. wöchenilich 30 Pig. frei ins Haus. einzelne Nmmncr K Psg. Sonntags. nuinmer mit illullrierler Sonntags» LeUage.Die Neue Seil'>0 Pfg. Posl- Wonnemenl: ILO Marl vro Monat. Sinyerragen t» die Posl-Zeimnas. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich' Ungarn 2,50 Marl, für daS übrige Ausland i Marl dro Monat PostabonncmenlS nchnien an Belgien. Dänemark Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. Crfdldnt tZgllch. 33. Jahrg. Vit InlertlonS'Gebübr Jetiägt für die fechSgcspaltene Kolonel. zeile oder deren Raum M Big, für poliNlche und gewerlichaftliche Vereins. und Berlaminlnungs-Anzeigen'M Pl'g. „Kleine Sn-eigen". das setlgedrutlte Wort 20 Psg. iZUlässig 2 fettgedruliie Wortes. ledeS wtitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstellenan- »eigen das erste Wort 10 Psg. jodeZ weitere Wort 5 Psg. Worte.über 15 Buch- [toben zählen für zwei Worte. Anscrate für die nächste Nummer müssen b>S K Uhr nachmittags in der Exvcdition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Delegramm> Adresse: „Sozlaldcinolirat Rtrili". Zcntralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlanda. Neüaktion: SW. öS, Linöenstraße Z. Fernsprecher:'AorlMorinplaN. Nr. läl SV— läl»7. Montag, den 20. November liHO. Expedition: SV. öS, �inöenstraße Z. Zyernfprechrr: Amt Moritzplatz, Nr. l.ä1 Sv— l.51 S7. Durchbruch an der Ancre gescheitert vie Stadt l�lonattir aufgegeben. Bedeutungsloser Gelände- ewinn der Engländer.— Russenvorstoh am Putnatal gescheitert.— 19 338 Rumänen gefangen. Amtlich. Großes Hauptquartier, 19. Nu- vcmber 1916.(38. T. B.s Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Das seit Tagen auf unseren Stellungen beiderseits der Ancre liegende Feuer machte dort die Fortsetzung des englischen Angrjffs wahrscheinlich, gestern hinter der feindlichen Front austretende Kavallerie und frühmorgens einsetzende, gewaltige Fenerstcigcrung kündeten einen neuen großen Durchbruchsversuch an. Er endete in einer blutigen Schlappe für die Eng- läudcr und gab ihnen nur an wenigen Stellen beben- tungsloscn Geländegewinn. Tic unter dem Befehl der Generale Fuchs und Frhr. v. Marschall kämpfenden Truppen haben in zäher Gegenwehr dem englischen Zlnsturm getrotzt. Wir sind südwestlich von Sem, in Grandcourt und au wenigen Punkten südlich des Dorfes zurückgedrängt und stehen in einer vorbereiteten Riegelstellung auf dem Suduser der Ancre; alle anderen Stellungen der wiederholt angc- griffenen, 12 Sulometer breiten Front wurden von unsc- ren braven Truppen gehalten oder im Gegenstoß zurück- gewonnen. Starkes Feuer der französischen Artillerie im Ab- schnitt südlich von Sailly-Sailliscl leitete Angriffe ein, die am Nordwcstrande des St. Pierre Vaast-Waldcs Verlust- reich zusammenbrachen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des G e n e r a l f e l d m a r s ch a II s Prinz Leopold von Bayern. Nichts besonderes. Front des Generalober st Erzherzog Carl. Oestlich des Putna-Tales im Gyergyo-Gebirge wiesen bayerische Regimenter Vorstöße starker russischer Kräfte südlich des Hcgycs ab. Unsere Operationen seit Ende Oktober an der sieben- bürgischcu Südfront haben den beabsichtigten Verlauf genommen. Ter Austritt aus den Gcbirgsengen in die walachische Ebene ist trotz zähen Widerstandes der Rumänen von deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen erkämpft worden. Starke rumänische Kräfte sind zwischen Jiul und Gilort in der Schlacht von Targu Jiu durchbrochen und unter ungewöhnlich hohen blutigen Verlusten geschlagen: Versuche des Feindes, mit neu herangeführten Kräften uns von Osten zu umfassen, scheiterten. Im Nachdrängen haben unsere Truppen die Bahn Orsova— Craiova erreicht: südlich des Roten-Turm» Passes ist der Weg Calimanesti— Suici überschritten, Die Gesamtbeute der 9. Armee in den Tagen vom 1. bis 18. November beträgt 189 Offiziere, 19 338 Mann, 26 Geschütze, 17 Munitionswagcn und 72 Maschinengewehre. Balkan-Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Gencralfeldmarschalls , v o n A! a ck e n s e n. An der Dobrudscha-Front Patrouillcngefcchtc, bei Silistria wieder lebhafteres Infanterie- und Artillerie- fener. Mazedonische Front. Nachdem es dem Gegner gelungen ist, au der Höhe 1212 nordöstlich von Cegel Fortschritte zu machen, haben die dcutsch-bulgarischen Truppen eine Stellung nördlich von Monastir eingenommen. Monaftir ist damit auf- gegeben worden. Ter Erste Gencralquartiermeistcr. Ludendorfs. « Mbenübericht. A m t l i ch. B e r l i», den 13. November 1316. Äciderseits der Ancre und am St.-Pirrre-Vaast. Wald zeitweillg starker Artilleriekampf. In der Walachei Fortschritte. * ♦ * Der österreichische Dericht. Wie«, 19. November 1916.(W. T. B.Z Amtlich wird terlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Der Südflügcl der unter dem Oberbefehl des General- obersten Erzherzog Karl stehenden verbündeten Streitkräfte hat in den letzten Tagen einen vollen Erfolg erkämpft. Truppen der Armee des Generals v. Falkenhayn bahnten sich in der Schlacht bei Targujiu den Austritt aus dem Gebirge und ge- wannen gestern mit der im Motru-Talc vorrückenden Kolonne die von Bercicrova nach Craiova führende Bahn. Zähestcr rumänischer Widerstand, der vielfach, namentlich östlich und süd- östlich von Targujiu, in erbitterten Gegenstößen Ausdruck fand, war vergebens. Auch die beiderseits des Olt-lAlt-)FluffcS vordringenden österreichifch-ungarifchen und deutschen Kräfte er- reichten in fortdauerndem zähen Ringen den Gebirgsfuh. Sie überschritten gestern die Linie Caliinanesci— Suici. Rumänische Angriffe scheiterte» hier ebenso wie nördlich von Campolung.— Seit 1. November sind in der Walachei 189 rumänische Offiziere, 13 338 Mann, 26 Geschütze, 17 Munitionswagen und 72 Ma- fchinengcwehre eingebracht worden. An der siebenbürgäschen Ostfront, südöstlich von Toelgyes, schlugen bayerische Truppe» der Armee des Generals v. Arz einen russischen Borstoitz ab. Weiter nördlich krmr besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Im Wippach-Tal südlich von Biglia wurde ein italienischer Graben genommen und besetzt, i Offiziere, 120 Mann gefangen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Der Stellvertreter des Chefs des GeneralstabeS. v. H o e f e r, Feldmarfchalleutnant. Klage gegen II. �Deutschland. ) New Häven sConnccticut), 18. November.(38. T. 23.) Reutermeldring. Die Eigentümer des Schleppdampfers, mit dem die„Deutschland" zusammenstieß, haben gegen die „�Deutschland" Klage erhoben, die sie für den Untergang des Schleppdampfers und das Ertrinken der Mannschaften ver> antwortlich machen._ Unruhen an üer inöischen Grenze. London, 18. November. l'W. T. B.) Der Staatssekretär für Indien teilt mit, daß die indische Regierung am 14. November die Ansammlung großer, aus 6000 Mann geschätzter Stroitkräfte der Mohmands an der Grenze gegenüber von Chubkadr bekannt gab. Die englischen Truppen griffen sie am 16. November an. Der Feind war zu zerstreut, um ein gutes Ziel für die Kanonen abzugeben Zum erstenmal in den indijchen Kriegen wurden Flugzeuge mit sehr großem Nutzen angewandt. Die feindlichen Verluste sollen an 160 Tote oder Schwerverletzte betragen. Die Verluste der Eng- länder sind ein Mann tot. zehn verwundet. Die Streitkräfte der Mohmands scheinen zurückgezogen worden zu sein, denn am nächsten Morgen fand man bei der Erkundung nur noch eine sehr kleine Gruppe. Die englisch-fchweöischen Verhandlungen. Stockholm, 18. November. �„Albehanda" bezeichnet die neueste an Amerika gerichtete Betonimg des englischen Standpunktes bezüg- lich der schwarzen'Listen, sowie die beginnenden eigenen Lebensmittel- schwierigkeiten Englands als kein gutes Vorzeichen für ein Nachgeben Englands bei den Londoner Verhandlungen über Schwedens eigene Lebensmiltelzufuhr. Gedenke England trotz seines starken Bedarfs an schwedischem Eisen, Holz, und Papier Schweden trotzdem Schwie- rigkeiten zu machen, so sei dies ein Akt'reiner Feindseligkeit. In diesem'Falle müsse aber Schweden'alle Bedenken fallen lassen, seine Industrie für' besonders lahnende Arbeiten(wie Munitionserzeugung) umzulegen. �(.Frkf. Ztg."). Gott allein weiß! Tic Rede, die der russische Kriegsmimster Schuwajew am 17. November in der Duma gehalten hat, klingt Ulis auch in der Uebersctzung fremd. Sic tappst gleichsam auf schivera: Bauernstiefeln daher, es dröhnt etlvas aus ihr, wie., die dumpf-gewaltigen Klänge der Zarcrihymnc, sie ist voll ein- fältigen Glaubens. Schuwajew sagte: 27 Monate eines harten, blutigen und grausamen Welt. trieges! Unser vtelgeliebter Herrscher hat diesen Krieg nicht gelvünsckit und seinen Ausbruch nicht gewollt. Wir wissen alle, daß weder der K'aiser noch unsere tapferen Ver- bündetcn bei ihren Bemühungen, diesen Weltbrand zu ber- meiden, im Lager des Gegners Unterstützung fanden. Im feind- lichen Lager ist während etwa 10 Jahren der Gedanke gepflegt worden, daß man sich mit Gewalt der Vorherrschast und des ersten Platzes unter allen Völkern bemächtigen müsse. In dieseui feindlichen Lager sind etwa 10 Jahre. lang die Schwerter ge- schliffen und die Waffen bereitet worden. Man wartete nur auf die festgesetzte Stunde, um. die Nachbarn zu überfallen und sie. anzugreifen, um sie mit einem, zermalmenden Schlage zu Boden zu. strecken nnd. fie zu zwingen, sich seinem Willen zu unterwerfen. Diese zermalmenden Schläge- sind verschwunden wie der Rauch. 27 Monate dauert der Krieg! Gott allein weitz. tpie lange er noch' de u er n wird.' Als alter Soldat bin- ich im Innersten davon üb-rzeugt, daß jeder Tag uns. dem Siege nähe;: bringt. Jeder Tag bringt unseren bösen und frechen Feind der.Niederlage naher. Welches ist die Wand- lung, die sich in der Welt vollzogen hat? Was ist denn geschehen? Es ist gerade oas geschehen, lvas gewisse Persönlichkeiten im August 1914 voraussahen. Das, was nicht nur in Rußland, sondern in allen Ländern der Alliierten einen Akt der Treue darstellt, daß nicht das Heer allein den'Krieg führt, sondern der ganze Staat. Alle möglichen Menschen wurden zur Nkunilionsherstellung genommen, nicht nur Männer und Kinder, sondern auch Frauen und junge Mädchen. Die Zahlen zeugen für die Ergebnisse dieser allgemeinen Bewegung. Ich werde nicbt alles aufzählen, sondern mich darauf beschränken, festzü- stellen, daß die Zunahme in gewissen Fällen das vierzig- fache betragen hat. Ich werde die Aufmerksamkeit der Duma auf die Artilleriemunittvn lenken, die Frage der Verpflegung aber nicht berühren und offen heraussagen, daß es Mängel gibt, daß die Lage aber erträglich ist. Die Schwierigkeiten, mit denen wir bezüglich der Kraftwagen zu kämpfen haben, sind nicht unsere Schuld. Auch das Flugwesen entwickelt sich. Das ist, was die allgemeine Arbeit betrifft. Möge es mir gestattet sein, auch in der Zukunft aus Sie und Ihre Hilie für die allgemeine Arbeit für unsere tapfere Armee zu zählen. Der Feind ist gebrochen. Er wird nicht davonkommen. Ich wiederhole: Jeder Tag bringt uns dem Siege und den Gegner der Niederlage näher, und, wie der Präsident der Duma gesagt hat, wir müssen siegen, koste es was es wolle. Das ist der Befehl des obersten .Kriegsherrn unseres tapferen Heeres. Dies erfordert die Wohlfahrt unseres Vaterlandes. Alles andere kommt erst in zweiter Linie. Ich lege Wert darauf, noch einmal die volle Sicherheit eines alten Soldaten auszusprechen, daß wir nicht nur siegen müssen, daß wir auch den Sieg davontragen werden, koste es was es wolle. Keine Macht der Welt ist im» stände, Rußland zu besiegen. Also, so einfach ist die Sache. Rußland wird siegen, denn der oberste Kriegsherr, der vielgeliebte Herrscher, hat es be- fohlen. Wie lange das aber noch dauern wird? Gott allein weiß! Nachdem noch der Marinemirnster erklärt hatte, daß „der Krieg bis zum Ende geführt werden" wird, sagte Roditschew,„daß selten so beweiskräftige und nützliche Worte in einem so geeigneten Augenblick ausgesprochen worden seien".„Der Vertreter des Zaren erklärt entsprechend dein Willen des Zaren, daß das Heer bis zum Ende kämpfen werde. Die Duma wünscht nichts anderes und hat- sich nur zu diesem Zweck versammelt." Dürfen wir über die Naivetät dieser Erklärungen spotten? Vielleicht doch nicht! Sie sind mit großer Kunst auf die russische Agrarseele eingestellt und werden wirken, wo sie wirken sollen. Kein Staat, kein Volk ist im Ertragen von Mißwirtschaft, Niederlogen, Znsammenbrüchen zäher, lieber allem schwebt das große„Nitschewo!"„Macht nichts!" Dannenberg nitschewo, Gorlicc nitschewo, Rumänien nitschewo! Der Zar hat befohlen, der Feind ist bös und frech(wir sind gut und fromm).„Keine Macht der Welt ist imstande, Ruß- land zu besiegen." Nein, wir sollen nicht spotten, sondern nachdenken. Wir kämpfen nicht nur gegen Menschen, auch Wasser und Erde sind unsere Feinde. Das Wasser, das für uns seit zw« Jahren aufgehört hat, ein völkerverbindendes Element zu sein, und die Erde, die unabsehbare russische Erde, die sich von der deutschen Ostfront bis zum Stillen Ozean hinstreckt. Rußland ist nicht weniger groß, weil sein Kriegsminister redet wie ein einfältiger Bramarbas. „Die eigene Macht soll man nicht unterschätzen. S i c w ä ch st mit dem Willen." So sagt Graf Neventlow in der„Deutschen Tageszeitung". Als ob dieser Wille nicht vorhanden wäre in jedem einzelnen von uns. Wäre er nicht vorhanden, so hätte Teutschland nicht 27 Monate lang im Kampf gegen siebenhundert Millionen Menschen stand- gehalten. Würde er erichlaffen, so bräche Furchtbares über uns herein. Es wächst nicht nur die Macht mit dem Willen, auch der Wille wächst mit der klaren Einsicht in die Gefahren, die uns umgeben. Darum darf auch der Sozialdemokrat, muß der Sozial- demokrat erst recht dem russischen Kriegsminister sagqn, daß der..böse und freche Feind"(der es an Moral mit einem durchschnittlichen russischen Kriegsminister noch ausnimmt), nicht niedergebrochen ist und nicht niederbrechen wird, niag auch der Krieg„Gott allein weiß" wie lange dauern, und daß der Frieden, so spät er geschlossen werden mag, nur ge- schlössen werden wird auf der Grundlage der Erkenntnis, daß Deutschland nickt zu besiegen ist. Drei Aufgaben sind bis dahin zu erfüllen: Die Kriegführung muß alles tun. um den Sieg an ihre Fahnen zu heften, die Wirtschaft alles, um dem Volke das Standhalten zu ermöglichen, und die Politik alles, um den Frieden herbeiz u- führen. Erst dann, wenn diese drei Faktoren in engem Zusammenwirken den unausbleiblichen Erfolg herbeigeführt haben, wird Zeit sein, über Herrn Schilwajew zu spotten. Früher nicht!_ Erweiterung üer inöuftriellen Dienstpflicht in Englanü. Mau schreibt uns aus Amsterdam: Ter„Manchester Guardian" vom 7. November berichtet aus London:„Ein voll ausgewachsenes Programm industrieller Tienstpflicht ist vom Vertreter der Militär, behörde beim Tribunal von Shoredit bekanntgegeben worden. Er legte dar, daß die bei der ärztlichen Untersuchung zum Armee- dienst für untauglich erklärten Männer, wofern sie nicht«inen An- spruch aus Befreiung vom Dienst aus anderen Gründen haben, nicht ins bürgerliche Leben zurückgesandt, sondern bei der Arbeits- zuweisungsstrlle eingetragen werden und im gegebenen Augenblick, wenn möglich, die diensttauglichen Munitionsarbeiter ersetzen sollen. Unter den geltenden Militäraushebungsgesetzen hat nun weder das Gericht noch sonst jemand die Macht, irgendjemand in «ine Munitionsfabrik zu kommandieren. Ein solches Vorhaben ist von der Regierung bei der Verhandlung über das Dienstpflichtgesetz ausdrücklich bestritten worden. Was der militärische Vertreter in Shoredit nun auseinandergesetzt hat, bedeutet aber, daß man einen in die Arbeiterliste eingetragenen Mann vor die Wahl stellen würde, enttveder die für ihn ausfindig gemachte Stelle in einer Munitions- fabrik anzunehmen oder ins Heer einzutreten. Gleichviel ob er fiir Heereszwecke brauchbar wäre oder nicht. Falls er die Muni- ttonsarbeit vorzieht, wird er ein ihm vorgelegtes Schriftstück.frei- willig" zu unterzeichnen haben." Der Artikel gibt dann den Text des Formulars wieder. Im ersten Abschnitt verpflichtet sich der Unterzeichner,„Arbeit für Kriegszwecke bei jeder vom Munitionsminister ange- wie jenen Firma anzunehmen und dort während der Kriegsdauer solang« zu bleiben, als es der Minister fordert". Es folgen dann die Arbeitsbedingungen: 7 Pence für die Stunde oder der in dem betreffenden Beruf übliche Lohn— ohne Rücksicht darauf, welcher Höchstlohn dort bezahlt wird. Weiter erhält der Arbeiter«inen Unterhalts- b e i t r a g von 2 Schilling 6 Pence wöchentlich, wenn er mindestens t und 5 Schilling, wenn er mindestens 6 Kinder(Knaben unter 14, Mädchen unter 16 Jahren) hat; freie Eifenbahnfabrt nach und von der Werkstatt; einen Unterhaltsbeitrag von 2"Schilling 6 Pence täglich für sieben Wochentage, wenn die angewiesene Ar- öem Wege zur wolhzmisthen Zront. Von unserem Berichterstatter Hugo Schulz. (Vom Kriegspressequartier genehmigt.) Standort der IV. Armee. Anfang November. Wladimir Wolhnsk hat ein paar stattliche und eindrucksvoll emporgegiebelte Kirchen, dazwischen aber liegen Armut. Verkümmerung und knietiefer Kot, den eben der Frost ein wenig bärtet und den die Gleisfurchen der bis zur Nabe einsinkenden Wagenräder wild zerklüften. Einige städtisch anmutende Gebäude gab es früher noch, die sind aber jetzt auSgekohlte Brandruinen, hobl und starr wie Totenschädel. Auf stolzer Höhe blinken die Turmknäufe herab auf niedrige zerbröckelnde Häuser und vermorschende Hütten, die aber in ihrer Gesamtheit doch den Anspruch erheben. ein Stadtbild zu bieten, das sich in charakteristischer Weise von den dörfischen Siedelungen der Umgebung unterscheidet. Die Männer von der Front wissen das zu würdigen und sehen Wladimir Wolynsk mit ganz anderen Augen als unsereiner. Für sie ist es ein kleines Paris, denn es gibt zwei oder drei Teeschenken dort, wo man auch Backwerk erhält und an weiß gedeckten Tiswen fitzt, dann»in Feldkino mit den neuesten Detektivicblagern und schließlich kann man sich auch von einenr wirklichen Barbier rasieren lassen. Die Straßen allerdings sind menschenleer, und auch die dürftigen Kaufläden find verödet bi« auf einige, in denen ganz minderwertiger Kiam feilgehalten wird. Die Bevölke- rung ist weggewandert bis auf einige wenige Familien meist polnischer Herkunst und«in paar Hundert Juden. Wovon die leben, ist rätsel. Haft, jedenfalls aber werden sie mit ihrer Armut und ihrem Elend irgendwie fertig. Die schrecklichen Dinge, die in ihrer un- mittelbaren Nähe vorgehen, scheinen sie kaum zu berühren. Auch als das Ungewitter unmittelbar über ihren Köpfen raste, hielten sie stand. Sie duckten sich wie die Gräser, wenn der Sturm über die Wiesen fegt, vergruben sich in ihre heiligen Bücher, murmelten ihre Gebete und zündeten ihre Sabbatliwte an wie sonst. Ich hatte Quartier bei solchen völlig weltfremden, w sich ein. gesponnenen Ostjuden. Abends versammelte sich die Familie und unterhielt sich mit lebbait durweinanderquirlendem Geplauder. Da« vierjährige, blondlockige Nesthäkchen mutzte ein Jargonlied vorsingen. Wie ich merkte, ein Volkslied, das es eigentlich in allen Sprachen gibt: Mädele will a Kledele hoben? Muß nia gehn dem Schneider sogen. Nein. Mutter nein, Du kannst miach nischt versteihn. Natürlich stellte sich zum S»luß heraus, daß das„Mädele weder ein„Kledele" noch ein„Schubchele", sondern einen Bräutigam haben will. Nesthäkchen hat sich aber gerode die ihm unverständliche Strophe nicht merken können und stockt und verzieht dann den Mund, um zu weinen. Die Alten aber lachen und lachen und hören nickt die fernen, dumpfen Kanonenschläge, die bekunden, daß der Russe noch immer auf Durchbruch sinnt und daß der wilde Orkan da« Schneckengehäuse dieses sich so zähe behauptenden Kleinlebens noch immer polternd und rüttelnd umwogt. Ganz so nahe an der Front, wie man nach dem nächtlichen Donnerrollen meinen möchte, liegt die Stadt allerdings nicht. Selbst beit ihn zwingt, von seiner Familie getrennt zu leben. Diese Bei- träge smd von der Firma zu zahlen. Schließlich erklärt sich der Arbeiter für verpflichtet, jederzeit zum Militärdienst zurückzu- kehren, sobald seine Beschäftigung bei der angewiesenen Firma auf- hört oder die Militärbehörde ihm einen diesbezüglichen Befehl gibt. Der„Manchester Guardian" erklärt, daß diese Bestimmungen eben jene„industrielle Konskription" darstellen, gegen die sich Libe- rale und Arbeiterparteiler in der Dienstpflichtdebatte wandten. Es sei eine offenbare Verletzung des Geistes und der offenbar gemachten Absichten des Gesetzes, aber ob ein wirklicher Gesetzesbruch im tech- nischen Sinne vorliege, sei fraglich. DaS Gericht kann die Dienst- befreiung von der Uebernahme einer bestimmten Arbeit abhängig machen. Die neue Maßregeln ist nur eine Erweiterung des Prin- zips, aber sie ist infolge des dem Befreiten vorgelegten Kontraktes von vitaler Bedeutung. Sie bedeutet den Verzicht auf die Freiheit während des Krieges.— Der Berichterstatter meint, daß das, was die Arbeiter vor allem befürchtet hätten, nicht die Arbeitspflicht an sich gewesen sei, sondern die Gefahr, daß die Drohung mit dem Heeresdienst den Arbeiter dem Unternehmer aus- liefern würde. Und eben diese Furcht scheine durch den Schlußsatz des Kontraktformulars gerechtfertigt. Ein Mitglied des Tribunals habe gesagt, die Verfügung bedeute wohl die industrielle Konflrip- tion, aber die Sache sei gut arrangiert. Ter Berichterstatter be- merkt dagegen, jedenfalls sei es ein Arrangement, gegen das die Regierung die ausdrücklichsten Versprechungen geleistet habe. Wie der„Sheffield Telegraph" mitteilt, soll das„Ersatz- Schema"— so betitelt sich die neue Arbeltspflichtordnung— nicht nur auf Munitionsarbeit beschränkt bleiben, sondern auf landwirt- schaftliche und andere Arbeit ausgedehnt werden, wo ein Bedarf an männlichen Arbeitskräften besteht. Der„Manchester Guardian" erklärt, daß eine solche, im größten Maßstabe durchgeführte industrielle Dienstpflicht jedenfalls eine Sache sei, die zuerst dem Unterhaus vorgelegt werden und al» Gesetz beschlossen werden müßte.(z) Einschränkung der Militäröienstbefreiungen in England. Rotterdam, 18. November.(W. T. B.)„Nieuwe Rotteodamsche Courant" meldet aus London: DaS Local Government Board hat eine neue Liste über die Befreiung vom Militärdienst in den ver- schiedenen, bisher sroigestellten Berufen herausgegeben. Außer in den wichtigsten Produktionszweigen, wie beim Landbau, in den Maschinenfabriken und auf den Schiffswerften wurde die Alters- grenze für die Befreiung vom Militärdienst erhöht. Die Ange- hörigen mehrerer Industriezweige werden in Zukunft überhaupt auf keine Befreiung vom Militärdienst mehr rechnen können. Zu Neujahr wird die Liste neuerdings revidiert und werden die Be- freiungen noch mehr eingeschränkt werden. Deshalb wird den Ar- beitgebern empfohlen, rechtzeitig Mahregeln zur Reorganisierung ihres Personals zu treffen. Die Leute in den Bäckereibetrieben, mit Ausnahme der Luxusbäckereien, bleiben vom Militärdienstbefreit. der Eindruck der englischen Lebensmittel- organisation in Amerika. London, 13. November.(T. U.) Nach Mitteilungen an die „Times" haben die neuen englischen Matznahmen betreffend die Lebensmittelversorgung in Amerika großes Interesse hervorgerufen. Man sehe darin eine neue Antwort an diejenigen, welche von einem baldigen Frieden reden und leite diese Maßnahmen weniger aus dem Erfolge der deutschen Unterseeboote und dem Mangel an Schiffs- räum her, als vielmehr aus den sogenanntne normalen Kriegsverhält- nissen. Auch die Vereinigten Staaten litten fast ebensosehr wie die Engländer darunter. Während der letzten zwei Jahre sei eine be- merkenswerte Preissteigerung aller Waren, von den Steinkohlen bis zu den Eiern herab, festzustellen gewesen. Diese Preissteigerung werde in allererster Linie durch den Krieg erklärt. Die Entziehung so vieler Arbeiter der produktiven Arbeit hat, wie man glaubt, die ganze Welt gezwungen, sich mehr einzuschränken., bis zu den Elappensialionen zieht sich der Weg noch belrächilich. und man fährt mit der Bollbabn noch«ine gute Stunde, bis man Ortschaften erreicht, die nur noch l0 Kilometer von den Stellungen entfernt sind. Die rasche Gegenoffensive im Juni hat— da» siebt man auf dieser Fahrt— ganz tüchtig Raum gegriffen und den Feind, dessen Vor- truppen schon die Bahnlinie Kowel— Waldimir fast erreicht halten, weil zurückgeworfen. Ick fuhr von der Endstation dann weiter aus der Feldbaim. die in beträchtlichem Abstand von der Front parallel zu dieser nach Süden ziebt. Recht unbehaglich war die Reise, denn auf den offene» Rollwagen, die obendrein mit Hakerkäcken beladen waren, bot sich nicht der kleinste Sitzplatz. Dafür währte die Fahrt an meinen Bestimmungsort bloß zwei Stunden, und ich wurde dann in einer großangelegten Elappenstation mit den Hafersäcken au«- geladen. Geichästiges Treiben herrschte dort. Unter die Soldaten. die da arbeiteten, mengte» sich auch Bauern aus den umliegenden Ortichafien, die gegen Taglohn und Menage bei den Arbeiten balfen. Fast nur ganz junge Burschen oder ältere Männer. All« in der landesüblichen, Neinrusfifchen Tracht mit weiten Mänteln aus selbstgefenigiem Loden und mit bunten Stickereien. In ruhigen Zeilen mag es den wolhy- nischen Bauer» ganz gut gegangen sein, denn die Leute � machen einen durchaus behäbigen Eindruck. Die jungen Burschen sind alle kraftstrotzende Kerle mit hübschen pausbäckigen Gesichtern. Sie haben auch Schulbildung und erweisen sich, wenn man mit ibnen spricht, als geweckt und intelligent, sie baben auch den Soldaten schon manches deutsche und uiigmische Wort abgelauscht. Ein Vierzehn- jähriger erzählt meinem sprachkundigen Begleiter, wie eS zuging, als sich die„MoSkali" hier in der Gegend noch zu behaupten suchten, zeichnet mit dem Finger einen Strich durch da» Gelände und sagt: Dort war die österreichische„Schwarmlinia". So gut weiß er schon Bescheid in der Terminologie unserer Soldaten. Bei dieser Feldbahnstalion gibt es übrigens noch manches, worauf der Blick des modernen Hinterlandsmenschen mit Wohl- gefallen verweilen würde. Eine stattliche Anzahl von Speichern, die voll find mit Lebensmitteln, sieht dort und man wandelt zwischen ibnen wie zwischen Pavillons einer Ausstellung köstlicher Schätze au» einer glückseligen Vergangenheit. Mächiige Holzschuppen bergen hochauigeschichtere Stapel von prallen Mehl- iäcken, große Kisten voll gelben Zwiebacks türmen sich über- einander, der Dust frischen Lipiauer Käses strömt in die Nase, der liebliche Anblick ganzer Speckseilen bietet sich dar, Wein- fäsier rollen über die jskampe in das geöffnete Tor einer Barocke, neben dieser aber auf freiem Felde erhebt sich ein Berg von eingeialzenen Rinderbäuten. Wer vermöchte eS beutzmage, an solchen Dingen, die sonst dem Ideologen bloß des Leben« Niedrigken bekundeten. achtlos vorüberzugehen! Einer von den Soldaten, die hier im Berpflegungsdienst arbeiten, spricht mich deutsch an. Er war kürzlich noch in Wien, in einem Relonvaleizenienheim, um von seiner Verwundung zu genesen.„In Wien ist'S jetzt gar nick» schön," sagt er.„dort stehen die Weiber Vergatterung."— Bloß die Weiber von Wien? dachte ich. Rem. die ganze Welt steht jetzt Ver- gatwrung und obendrein auf dem Kopf«. Wann wird sie sich wieder auf die Füße stellen? Und wann wird endlich da« erlösende Kommando erdröhnen: Doppelreihen abfallen— rechts um— Direktion die Heimat— Ruht! japanisches Handelsverbot. Stockholm, 18. November. Laut..Rjetfch" beabsichtigt die Vi gierung in Tokio ein Verbot an deutsche und österreichisch-ungarischt Untertanen, in Japan Handel zu treiben.— Das Parlament wird am 12. Dezember eröffnet. Die Mitglieder der Kansukai-Parte: veranstalten auf dem Lande zahlreiche Versammlungen gegen das Kabinett Terautscht— Nach einer Meldung aus Mukden pro- testierte der Landtag der drei mandschurischen Provinzen gegen die Abtretung der Polizeirechte an Japan und die Berufung japanischer Instrukteure.(„Frankfurter Zeitung".) Der bulgarische Kriegsderla>». Sofia, 17. November.(W. T. 33.) Bericht des Genera» stabes vom 17. November. Mazedonische Front: Ein feindlicher Angriff bei dem Torfe Pozstek, zwischen dem Malik- und Prespa-See, wurde abgeschlagen. In der Ebene von Monastir wurde ein starker feindlicher Angriff aus die Linie Vcluschina— Kanina durch deutsche Artillerie blutig abgewiesen. Im Cernabogen schlugen wir durch Gegenangriff einen feindlichen Sturm aus Höhe 1212 und auf das Torf Brnik zurück und erbeuteten drei Maschinengewehre und einen Minenwerfer. Auf beiden Seiten des Wardar und am Fuße der Belasica Planina schwaches Artilleriefeuer. An der S t r u m a f r o n t schwache Kämpfe zwischen vorgeschobenen Abteilungen und lebhaftes Artilleriefeuer. An der Küste des Aegäischen Meeres Ruhe. Rumänische Front: Längs der Donau Ruhe. In der Dobrudscha keine Veränderung in der Lage. An der Küste des Schwarzen Meeres Ruhe. Sofia, 18. November.(W. T. B.) Bericht des General- stabes voni 18. November. Mazedonische Front. Im Abschnitt Veluchina- Noleven lebhaftes Artilleriefeuer. Im Cernabogen wieder- holte der Feind seine Angriffe, wurde aber blutig zurückgc- schlagen. Ebenso scheiterten Angriffe, die der Feind in de? Nacht zum 18. November in der Gegend des Torfes Grunichte und bei Nonte unternahm. Westlich des Wardar schwaches und östlich des Flusses lebhaftes, aber zeitweilig aussetzendes "Artilleriefeuer. Am Fuße der Belasica Planina und an der Strumafront schwache Artillerietätigkeit. Versuche kleiner feindlicher Abteilungen, unter dem Schutze des Nebels vorzu- rücken, scheiterten. An der Küste des Aegäischen Meeres Ruhe. Rumänische Front. Es ist kein wichtiges Ereignis zu melden._ Der türkische Kriegsbericht. Äonstantinopel, 18. November.(W. T. 33.) Bericht des Generalstabes vom 18. November. Von der E u p h r a t- und Tigrisfront sowie aus V e r s i e n kein wichtiges Ereignis außer Erkundungstätig- keit. Ein Teil unserer Streitmacht, die aus Hamadan ab- geschickt war und auf das löst Kilometer südöstlich von Hama- dan gelegene Sultanabad vorrückte, vertrieb russische Ka- vallerie, auf die sie stieß, und gelangte bis 15 Kilometer vor Sultanabad. Ein Angriff, den die Russen mit einem Teil ihrer Streitkräfte nordöstlich von Revanbuz gegen unsere Grenze zu unternehmen versuchten, wurde mit Verlusten für die Russen abgeschlagen. Kaukajusfront. Der Feind, dem es gelungen war, unter dem Schutze heftigen Maschinengewehrfeuers in eine unserer Vorstellungen von 100 Meter Ausdehnung einzudringen, wurde durch einen Gegenangriff wieder daraus vertrieben. Die Stellung blieb ganz in unseren Händen. Kein wichtiges Ereignis von den anderen Fronten. Der stellvertretende Generalissimus. Die feindlichen Heeresberichte. Französischer Heeresbericht vom 18. November nachmittag?. (W. T. B.) Südlich der Somme wurde eine starke deutsche Abteilung. die sich einem französischen Graben im Abschnitt von Biaches zu Gebetsmühlen in englischen Schützengräben. Unter den indischen Hilssvölkern der Engländer befinden sich viele Anhänger der lamaisttschen Religion, einer besonderen Form des Buddhismus. Die Vertreter der in erster Linie von den Man- golen ausgeübten Gottesverehrung brachten nun aus ihrer Hei- mat eine Vorrichtung mit in die europäischen Sckn.yengräbcn, die zunächst das Staunen, dann die Heiterkeit ihrer weißen Mitkämpfer erregte. Es handelt sich um einen Apparat, der nicht nur das Hersagen von Gebeten erspart, sondern der sogar ihre Ver- vielfälttgung übernimmt. Zu dem Zwecke greift man zu den zum Beispiel in Tibet sehr bekannten.Gebetsmühlen". Sie� werden entweder mit der Hand gedreht oder durch natürliche Kräfte, wie Wasser oder Wind, angetrieben. Bei den indischen Bundcsge- nassen der Briten— stellen weis« auch bei den Mongolen in den russischen Regimentern— sind alle drei Arten der Gebetsmühlen in Gebrauch. Sie repräsentieren— so darf man wohl sagen— die genialste Erfindung, die man je zur Uebung mechanischer Rc- ligiosität machte. An sich stelle» diese Gebetsmühlen oder-räder einfache senk- recht« Zylinder von verschiedener Größe dar, die sich um ihre Achse drehen und deren Außenseite vielfach mit Goldschmuck und farbigen Schristzeichen verziert ist. Im Innern des Zylinders ist meist um die Achs« ein langer Papicrstreisen ausgewickelt, auf dem das eine oder andere der beliebtesten Gebete f*e6t. Ter Papierstreifen ist nun so aufgewickelt, daß sich beim Drehen die Gebete stets mit dem Zylinder drehen. Bei � GebetSmüblen mit Stangenacbsen dreht sich dagegen nur das Gehäuse; demnach dreht sich bei solchen mit am Gehäuse festgemachter Achse der ganze Zy- linder mit Achse und Gebetsstreifen. Di? elftere.Art ist, wie der bekannte Reisende Dr. Wilhelm Filchner, der jetzt als Hauvt- mann im Felds steht, schreibt, vorherrschend. Bei den am meisten verbreiteten Gebetsmühlen, die mit der Hand gedreht werden und die man naturgemäß auch am häufigsten in den Schützengräben antrifft, ist der Gebetsstreifen dem Gang eines UbrzeiaerS entsprechend auf der Achse aufgewickelt. Je öfter das Gebet aufgewickelt ist, um so vorteilhafter soll c3 für den Betenden sein. Denn bei einmaliger Umdrehung der Ge- betSmühle steigt das Gebet, entsprechend der Umwicklungszahl und der Menge der Ausschreibungen der Gebete aus einer Drehung bei Papierstteifens, in tausend- und aber tausendfacher Auflage gen Himmel. Das einmalige Herumdrehen der Mühle gilt ebensoviel als das Hersagen aller m dem Zylinder aufgewickelten Gebest«. In ungefähr 95 Prozent der Fälle lautet die Aufschrift der Gebetsstreifen: „Om mani padme hum". Die Worte, deren Aussprechen unberechen- bares Heil bringen soll, bedeuten— wenn man vom ursprünglichen tieferen Sinn absieht— nichts weiter als:„O Kleinod im Lotos! Amen." Während eine HandgebetSmühle sozusagen zum eisernen Bestand des Reise- und Feldgepäcks der Lamaisten zählt, sind die oft riesigen, durch die Kraft des Wassers oder des Windes angetriebenen „Räber" seltener. Im Westen befinden sich eine Reihe kleinerer Wasser- Gebetsmühlen an versteckt liegenden Waldplätzen am Rande von Bächen. Eine gewaltige, durch den Wind in Rotation versetzte Gebetsmühle von„nur" 3% Meter Durchmesser erhob sich bi» zur „großen Offensive" der Engländer an einem idyllisch gelegenen Ge- Host bei Arras.(?) nähern versuchte, mit Handgranaten mühelos zurückgewiesen. Heberall sonst war die Nacht ruhig. Das schlechte Wetter behinderte die Operationen auf der ganzen Front. Flugwesen. Leutnant Loste und Feldwebel Bitalis schössen am 1t>. auf der Sommesront ihr fünftes deutsches Flugzeug ab. Zwei deutsche Flugzeuge wurden am 17. abgeschossen. Das eine stürzte brennend bei Hallu, das andere bei Manancourt ab. Das letztere ist das 8. von Feldwebel Tarascon abgeschossene. Zwei andere deutsche Flugzeuge wurden nördlich von Fmiquescourt zum Absturz gebracht; ein weiteres südwestlich von Vouziers in der Gegend von Narvaux, dessen einer Flügel von einem französischen Maschinengewehr zertrümmert worden>var. Endlich wurde ein k. deutsches Flugzeug von einem französischen angegriffen. ES stürzte brennend in der Gegend von Vieville-en-Haye ab. Orientarmee. Auf dem linken Strumaufer wiesen die Engländer einen heftigen bulgarftchcn Gegenangriff auf Barakli ab. Oestlick der Cerna nahmen die werben einen feindlichen Graben in einer Tiefe von ungefähr 800 Meter. Im Bogen des Flusses dauert der Kampf in für uns günstiger Weise fort. Die Höhe 1212, nord- westlich von Jwen, wurde von den Serben im Sturme genommen trotz des Widerstandes der Deutschen und Bulgaren, die blutige Ver- luste erlitten, als sie mehrere fruchtlose Gegenangriffe auf diese Stellung unternahmen. In der Ebene von Monastir sind wir gegen Monastir vorgedrungen und bis in die Umgebung von Kamina ge- langt trotz der Ueberschwemmung, die die Truppenbewegungen be- träcbtlich hindert. Vom 18. November abends. Südlich von der Eomme wurde ein Versuch der Deutschen gegen unsere Gräben östlich von Berny durch unser Sperrfeuer und unsere Handgranatenwerfer abgeschla- gen. An der übrigen Front zeitweiliges Geschützfeuer. Flugwesen. In der Nacht vom 1ö. zum 17. warf eines unserer Geschwader 157 Granate» auf die feindlichen Flugzeug- selber von Golancourt(Oise) und von Grisollcs(Aisnest 22 bri- tische Marineflieger bombardierten am 17. November bei Tages- anbruch die Elektrizitätswerke und Marinewerkstätten in Ostende. Sie warfen 180 Bomben ab. von denen viele ihr Ziel erreichten. Ein anderes Bombardement wurde von Wasserflugzeugen auf den .Hafendamm von Ieebrügge ausgeführt. Alle Flugzeuge sind zu- rückgekehrt. Belgischer Bericht. Leichte Artillerietätigkcit in den Ab- schnitten von Tixmude, Steenstraete und Hetsas. Englischer Bericht vom 13. November nachmittags.(W. T. B.) Wir haben unsere Stellungen nordöstlich von Beaumont— Hamel weiter vorgeschoben und sind nördlich von Beaucourt weiter vor- gedrungen. Beaumont, Hamel und Hebuterne wurden vom Feinde heftig beschossen. Während der Nacht machten wir einen erfolg- reichen Ueberfall auf eine feindliche Schanze nördlich von Dpern, machten zwanzig Gefangene und erbeuteten ein Maschinengewehr. Vom 18. Novemher abends. Trotz stürmischen Wetters rückten wir heute nördlich und südlich der Ancre vor und gewannen Gc- läyde, besonders südlich des Flusses, wo wir den Rand von Grand- court erreichten. Bisher wurden 258 Gefangene gezählt. Gestern fanden viele Luftkämpfe statt. Fünf britische Flugzeuge zerstreuten acht feindlich« Flugzeuge; in langandauerndem Kampfe wurde eines der letzteren zerstört. Bei anderen Kämpfen wurden sieben feind- liche Flugzeuge beschädigt zum Niedergehen gezwungen. Drei bri- tisch« Flugzeuge werden vermißt. Russischer Bericht vom 18. November. lW. T. B.) W e st f r o n t. Feueraustausch zwischen Aufklärungsabteilun- gen auf der ganzen Front. In den Waldkarpathcn wurde in der Gegend nördlich von Chibeni die Offensive des Feindes, der stellen- weise unsere kleinen Abteilungen zurückgedrängt hatte, durch un- seren Angriff zurückgewiesen und die Lage wiederhergestellt. Der gefallene Schnee hat die Wege beträchtlich unwegsam gemacht. Äaukasusfront. Versuche des Feindes, in der Gegend von Sultanabad vorzurücken, wurden durch unser Feuer zurück- geschlagen. R u in ä n i s ch e F r o n t. 1. In Siebenbürgen dauern in den Tälern des Alt und des Jiu die hartnäckigen Angriffe des Feindes an. 2. An der Donaufront fahren unsere vorgeschobenen Abtei- lungen fort, nach Süden vorzurücken. Rumänischer Bericht vom 18. November. lW. T. B.) Nord- und Nordwe st front. An der Westgrenze der Moldau bis ins Prahova-Tal einschließlich nichts Neues. In der Gegend von Dragoslavle griffen unsere Truppen an; es gelang ihnen, den Feind sowohl in der Mitte wie auf dem linken Flügel zurückzudrängen, wobei sie merkliche Fortschritte machten und 300 Gefangene einbrachten. Im Alt- und Jiu-Tale dauern die Kämpfe mit Heftigkeit an. Wir haben ein wenig Gelände aufgegeben. In der Gegend der Cerna nichts von Bedeutung. S ü d f r o n t. An der Donau Feuerkampf. In der Dobrud- scha nichts Neues. London, 18. November.(W. T. B.) Amtliche Meldung über die Operationen in O st a f r i k a. Am 8. November machte der Feind drei Angriffe auf einen kleinen britischen Posten bei Malangali. Alle wurden abgeschlagen. Eine britische Abteilung vom Rufidjifluß traf ein. Die Feinde wurden geschlagen und zer- streut. Acht Europäer und 13 Eingeborene wurden gefangen ge- nommen, 11 tot aufgesammelt. Tic englischen Verluste betragen einen Toten und fünf Verwundete. Italienischer Bericht vom 13. November. lW. T. B.) Auf dem Karst mannigfache Artillcrietätigkeit und kleine Fort- schritte unserer Front. Im Abschnitt östlich von Vertoibizza iFri- gido) griff der Feind gestern machtvoll unsere Stellungen auf Höhe 102 südöstlich von San Pietro(Görz) an. Er wurde unsererseits durch genaues, anhaltendes Schnellfeuer empfangen und zog sich in Unordnung zurück, wobei er zahlreiche Tote auf dem Gelände und einige Gefangene zurückließ. Auf dem übrigen Teile des Kriegsschauplatzes behinderten starke Schneefälle die Tätigkeit un- screr Truppen. Von einigen höher gelegenen Punkten der Berg- gegcnd meldet man eine Temperatur von 20 Grad. C a d o r n a. Kleine Kriegsnachrichten. Stockholm, 18. November.(W. T. B.) Nach privaten Mel- düngen von„Nya Dagligt Allehanda" soll der Schaden infolge der Explosion in Archangelsk viel größer sein, als amtlich zugegeben wurde. Danach wird die Zahl der Schwerverletzten auf 7 3 8 angegeben. Amsterdam, 18. November.(W. T. B.) Beim letzten Flieger- angriff auf Bukarest sind über zehn Menschen getötet worden. Bern» 18. November.(W. T. B.)„Temps" erfährt aus Kairo. daß weitere sieben Personen ihren bei dem Fliegerangriff erhaltenen Verletzungen erlegen sind. London, 18. November.(W. T. 58.) Lloyds meldet, daß der psrtugiesische Segler„Emilia" und die dänische Bark„Fenja" versenkt worden sind. Kristiania, 18. November.(W. T. B.) In den heutigen Blättern macht sich bereits eine bedeutend ruhigere Auf- fassung wegen der Versenkung des Postdampfers „V e g a" geltend. Nur„Tidcns Tegn" unterstreicht, wie gestern auch„Movgcnbladet", daß der Fall nicht zu einer gegenseitigen Verständigung zwischen Norwegen und Deutschland beitragen werde. Bern, 18. November.(W. T. 59.) Wie„Petit Parijien" au? Haore meldet, ist der englische Dampfer„Saint Leo- nardS"(2860 Tonnen) vor dem Hafen gestrandet. Die Bc- satzung konnte sich retten, doch sind die Schiffsschäden äußerst schioer. Nach einer Meldung desselben Blattes aus Brest ist der englische Dampfer„Lake Michigan" auf eine Mine g e- laufen und im Schlepptau nach Brest gebracht worden. politische Uebersicht. Beurlaubungen zu den Sioungeu des Reichstages. Mitglieder des Reichstages, welche dem Heere angehören, find nach einem Erlaß des Kriegsministeriums für die Dauer seiner Tagungen zur Ausübung ihrer parlamentarischen Tättgkeit zu bc- Urlauben. Desgleichen sind auch die Mitglieder des Ausschusses für den Reichshaushaltsetat für dessen Tagungsdauer zu be- Urlauben. Aolgen der Unklarheit. Es ist interessant, zu sehen, wie sich die„Humanitö", die noch immer nichts vom Frieden wissen will, mit der letzten Rede des Reichskanzlers auseinandersetzt. In ihrer Nummer vom 12. November schreibt sie; „In seiner Rede vom 9. November klagt der Kanzler die Ententemächte an, auf Eroberungen auszugehen,„während ich," so fügt er hinzu,„bei der Besprechung unserer Kwiegsziele die Annexion Belgiens niemals als unsere?lbsicht bezeichnet habe". Das kann sein. Aber er hat mehr als einmal versichert, daß die Rückkehr zum alten Stand der Dinge unmöglich sei und daß in Zukunft Belgien nicht mehr als Glacis für Frankreich und als Brückenkopf für England dienen dürfe. Diese Sprache ist klar genug. Auch diesmal übrigens scheint der Kanzler seine Hörer in diesem Punkte bcfriodigt zu haben. Ein'Vertreter des Zen- trums hat seine Erklärung(daß Belgien nicht annekttert werben würde), gebilligt, indem er hinzufügte, daß„Belgien politisch, nnlitärifch und wirtschaftlich in deutscher Hand bleiben müsse. Wie sähe es wohl aus, wenn die Deutschen es annektierten." Die„Hurnanitö" nennt dann Bethmanns Worte„naiv und heuchlerisch zugleich". Sic sucht also, weil sie den Kriegs- willen im französischen Volke aufrechterhalten will, mit Ge- lvalt den Anschein zu erwecken, als wäre die Erklärung des Reichskanzlers nichtssagend, ja, als bedeute sie das Gegenteil dessen, was in ihren Worten ausgesprochen ist. Die„Humamt6" weiß genau, daß ihr? ganze Position mit einem Schlage zusammenbräche, wenn sie sich nicht mehr auf Gröber als authentischen Ausleger der Kanzlcrerklärung berufen könnte, sondern zugeben müßte, daß Scheidemanns Auslegung die richtige ist. Sie weiß, daß sich die Friedensstim- mung im französischen wie im englischen Volke Bahn brechen muß, sobald über Belgien volle Klarheit geschaffen ist! Tie Alldeutschen gegen Bethmanu. Die„Alldeutschen Blätter" nennen Bethmanns Erklärung, er habe nie die Annexion beabsichtigt,„verhängnisvoll" und sagen weiter; Jedenfalls gescfiieht es unseres Wissens zum ersten Male in der neueren Geicbickite, daß der leitende Minister eines siegreichen Staates eroberte Bcsiywerle nicht nur ohne Zwang, sondern so- gar obne ersichtlichen Grund aus reiner Freude am Emgcgen- kommen preisgibt, und eS ist durchaus verständlich, wenn angesichis dieier Tatsache in einzelnen Blättern die Frage auigewor'cn wird, ob das deutsche Volk aus dem Kriege denn nichts anderes. als seine Toten und die Riesenlast seiner Schulden heim- bringen solle. Leider würden die Toten auch durch eine Annexion Belgiens nicht wieder lebendig werden. Und ebenso bleibt es das Geheimnis der„Alldeutschen Blätter", wie man die Deckung für die Riesenlast der Schulden aus dem kleinen Belgien herausholen wollte._ Weitere Polenproteste. Genf, 19. November.(W. T. B.) Nach einer HavaSmeldung haben die italienische, die britische und die französische Regierung im Anschluß an die in Paris abgehaltene Konferenz beschlossen, ihre Vertreter bei den neutralen Regierungen zu beauftragen. diesen einen P r o t e st gegen die Erklärung Deutschlands und Oesterreich-UngarnS betreffend Polen zu überreichen. Der Protest entspricht inhaltlich dem von der russischen Regierung veröffentlichten. Austritt aus dem Kriegscrnährungsamt. Geheimrat Professor Dr. Abel in Jena teilt mit, daß er seinen Austritt aus dem Beirat des KricgSernähruiigsamtcö er- klärt habe, weil er mit der Tättgkeit deS Äriegsernährungsamtes in wichtigen Fragen nicht einverstanden sein könne. Krankenversicherung und Kriegsteilnehmer. Amtlich meldet WolffS Bureau: Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 16. d. MiS. eine Bekanntmachung er- lassen, welche die nach den bisher geltenden Bestimmungen be- siebende Ungleichheit in der Behandlung von Kriegsteilnehmern bei freiwilligem Wiedereinirilt in die Versilberung beseitigt. Fortan haben sämtliche Kriegsteilnehmer auch für Krankheiten, die beim Wiedereintritt in die Ver- sickerung bereits be standen, den Anspruch auf die K a s s e n l e i st u n g e n. Weiterhin sorgt die Bekanntmachung dafür, daß auch denjenigen Kriegsteilnehmern, die nacki Rückkehr in die Heimat zu- nächst wieder versicherungspflichtig arbeiten, dann aber bald aus der Versicherung ousicheiden. kein Nachteil auS der Kriegsdienstzeit erwächst, indem diese nicht zu ihrem Un- gunsten auf die in den ZZ 214 und SIS der ReicbsvcrsicherungS- ordnung vorgesehenen Zeiträume angesetzt werden soll. Scbließlich berücksilbtigt hierbei die Bekanntmachung auch den Umstand, daß der Versicherte vielleicht nicht sogleich nach der Rückkehr Arbeit findet. Sie bestimmt deshalb, daß eine bis zu sechs Wochen unmittelbar nach der Rückkehr bemessene Zeit, während der kein Vcrsichcrimgsvcrhäliiiis besteht, eben- sowenig zuungunsten des Kriegsteilnehmers in Ansatz gebracht werden darf, wie die Zeit deS KriegSdiestes ielbst._ Soziales. Familienunterstützung der Militärentlassenen. Mit der mißlichen Lage der Familien derjenigen Äricgstoil- irebmer, die zur industriellen ArheitSleistung entlassen sind, bc- schästigt sich eine Eingabe des Vorstandes des Deutschen Städtetages. Sie betont, daß in solchen Fällen, wo mit der Entlassung aus dem Heeresverbairdc die Familienunterstützung grundsätzlich fortfällt, der Arbeiter daraus angewiesen ist, mit seinem Lohn einen doppelten Haushalt zu bestreiten, daß aber zu einer solchen doppelten Hausbaltführung bei der gegen- wärtigen wirtschaftlichen Lage die von den industriellen Betrieben gezahlten Löhne in den weitaus meisten Fällen nicht hinreichen. Es seien deshalb an zahlreichen Orten große Schwierigkeiten ent- standen. Bei einer Besprechung von Städtevertretern aus allen Teilen des Reichs sei man sich einig gewesen, daß Abhilfe dringend geboten ist. Die Schwierigkeiten cm sich würden ent- fallen, wenn die militärischen Entlassungen zur Jndustriearbeit regelmäßig nur in den Heimatsort des Arbeiters erfolgten. So- weil Enttassungen zur Arbeit außerhalb des Heimatortes auch in Zukunft noch unumgänglich notwendig seien, müsse jedoch künftighin der auswärtige Arbeitgeber zu einer besonderen reget- mäßigen Leistung für die Bestreitung des Familienunterhalts herangezogen werden. Am zweckentsprechendsten sei ein besonderes Familiengeld, das nicht dem Arbeiter, sondern unmittelbar der Familie uberwiesen wird. Wenn auch die dauernde Zahlung eines Familiengeldes durch den auswärtigen Arbeitgeber seitens der Militärbehörde berbei- gesührt wird, hesteht doch die Möglichkeit, daß die Familie mit dem Familiengeld ihren Unterhalt nicht wird voll bestreiten können. In solchen Fällen dürfe nicht die Armenpflege vorzunehmen, son- dem nur die Fürsorge durch das Reich in Frage kommen, und es werde deshalb alles, was die Gemeinden über die getroffene Regelung hinaus etwa noch weiter an Unterstützungen gewähren müssen, ihnen in vollem Umfang aus Reichsmitteln zu erstatten sein. Auf diese Gingabe, die zugleich cm den preußischen Minister des Innern, an das Reich samt des Innern, das Reichsichatzamt und das Kriegsministerium gerichtet ist, hat der Minister des Innern geantwortet: „Zunächst soll ohne Rücksicht auf den Grund und Zweck der Enttassung eines Heerespftichttgen seiner Familie die Familien- Unterstützung noch auf die Dauer eines �halben Monats vom nächsten Fälligleitstage der Unterstützung ab weiter- gewährt werden. Ferner soll, um die Bereitwilligkeit von Heeresangehöriaen zur Uebernahme von industrieller Arbeit für Rüstungszwecke zu fördern, in den Fällen eine Unterstützung gezahlt werden, in welchen die niilitärischen Bezüge(Löhnuiig, freie Verpflegung und Bekleidung) sowie Familienunterstützung einen höheren Gesamtbetrag ergeben, als der dem Arbeiter in dem industriellen Betriebe gezahlte Lohn ausmacht. Die Unterstützung besteht in dem Unterschiede zwischen beiden Beträgen. Sie erhöht � in den Fällen, in welchen Arbeitsort und Wohnort der Familie sich nicht decken, um den Betrag von 2 M. für den Tag, der als Mehr- ausgäbe für den Arbeiter in Ansatz zu bringen ist. 5Die hiernach zu gewährenden Unterstützungen werden von den Liefern ngk- verbanden gezahlt und vom Reiche voll erstattet." Die Eingabe hat also den Erfolg gehabt, daß die erforderlichen Unterstützungen fortan vom Reiche übernommen werden. DaS bedeutet nicht nur eine Entlastinig der LieferungSverbändc, sondern auch einen wesentlichen Vorteil für die Kriegerfamilien. Genchtszeitung. Kricgswuchcr mit Schweinefleisch. Mit 43 und 33 Prozent Ge- winnauffchlag statt der im Großhandel erlaubten IIb Prozent hatte der Großschlächtermeister Max C l e w i tz aus Berlin-Lichicnberg ge- arbeitet, der sich gestern zusammen mit dem Ladenschlächter Josef Gründet vor dem(Schöffengericht Berlin-Mitte wegen übermäßiger Preissteigerung verantworten mußte. Im März und April d. I. hatte CIcwitz zu verschiedenen Malen an den Angeklagten Grundei halbe Schweine, die er nach seiner Angabe im ganzen mit 1,95 bis 2 M. pro Pfund Lebendgewicht erstanden hatte, zu den Preisen von 2,50 bis 2,70 M. pro Pfund weiterverkauft. Zu dieser Preisforde. rung führte nun Schlachthofdirektor Goltz als gerichtlicher Sachver- ständiger aus, daß zur fraglichen Zeit Höchstpreise für den Groß- Händler in Fleisch noch nicht bestanden hätten, sondern nur erst Stall- böchstprcise, also solche für den Produzenten festgesetzt gewesen wären. Die Preisprüfungsstclle habe jedoch sogenannte Richtpreise aufgestellt gehabt, die für den Fleischgrohhandel 188 M. pro 100 Pftind damals betrugen, sotocit schwerste Schlveine in Betracht kamen. Nach diesen Richtpreisen berechnet stelle die Preisforderung von 2,50 und 2,70 M. eine übermäßige Preissteigerung dar, denn sie ergäbe einen Gewinn- Zuschlag von 33 und sogar 43 Prozent statt des im Großhandel üb- Ii che» Aufschlages von 11- Prozent. Großschlächtermetster Lenz schloß sich als zweiter Sachverständiger diesem Gutachten an und führte noch aus, daß ein Einkaufspreis von 1,95 M. niemals bestanden hätte, sondern nur ein solcher von 1L5 bis IM M. für schwerste Schweine. Das Gericht kam daher gegen Elewitz zu einem Schuldig und erkannte auf 1560 Mark Geldstrafe. Grundei dagegen wurde freigesprochen, da er in einer Zwangslage gehandelt hatte und vom ihm, um Fleisch zu erhalten, jeden Preis, der gefordert wurde, bezahlt werden mußte. Letzte Nachrichten. Ein neuer Hinöenburg-örief. „Ohne Ztvaug geht cs nicht ab!" Berlin, 19. Novenrbcr.(W. T. B.) Der Generalfeld- Marschall von Hindcnburg hat an den Reichskanzler das nach- stehende Schreiben gerichtet: „Großes Hauptquartier, den 19. November 1916. An den Herrn Reichskanzler! Eure Exzellenz haben mein Schreiben voni 27. Septem- ber dieses Jahres, in dem ich die schwere und dankenswerte Arbeit des Kriegsernährungsaints zu unterstützen beabsich- tigte, den deutschen(Bundesregierungen mitgeteilt und dabei die von mir geäußerten Wünsche unterstützt. Zu meinem Erstaunen sehe ich jetzt, nachdem das Schrei- bcn in die Presse gelangt ist, daß es in Zeitungserörterungen so ausgelegt wird, als ob ich die Verordnungen auf dem Gebiet der Volksernährung als überflüssig und schädlich schlecht- hin verurteilte. Das entspricht nicht meiner Anschauung. O h nee i n e n Zwang gehtcsnichtab. Das gilt wie für die Lösung der Ernährungsfrage, so auch für die Beschaffung von Kriegs- gerät und die Ausnutzung unserer Arbeitskräfte. Für den Erfolg auf all diesen Gebieten ist aber entschei- dend, daß zu dem Zwang die tatkräftige, nur vom vater- ländischen Pflichtgefühl geleitete Mitarbeit jedes einzelnen tritt. Im besonderen kann auf dem Gebiet der Volks- ernährung erst eine selbstlose Pflichterfüllung der gesamten Landbevölkerung den staatlichen Anordnungen eine lebendige Wirkung verleihen: joder an seiner Stelle muß über die gesetzlichen Vorschriften hinaus zur Ernährung der Truppen und Kriegsarbeiter hergeben, was irgend entbehrt werden kann. Das hatte ich bei meiner Bemerkung über die großzügig zu organisierende Werbearbeit durch die Führer der Landwirtschaft im Auge. Ich vertraue zu fest auf den bewährten patriotischen Sinn der deutschen Landwirte, als daß ich an dem Erfolg Ihrer Aufklärungsarbeit zweifeln könnte. Eure Exzellenz würden mich zu Dank verpflichten, wenn Sie meine Ansicht der Oeffentlichkeit zur Kenntnis bringen würden. von Hindenburg." Ms Groß-Serlin. Die Katastrophe von Rahnsdorf und die Rottenführer. DaS gräfliche Eisenbaknunglück von Rahnsdorf, dem neunzehn junge Menschenleben zum Opfer gefallen sind, lenkt die öffentliche Aufmerksamkeit auf eine Gattung des Bahnpenonols, die sonst kaum Beachtung findet:dte Rottenführer. Ohne irgendwie zu der Schuldfrage von Rahnsdorf Stellung zu nehmen, feien folgende allgemeine Mitteilungen gemacht: Ganz am Ende der Gebaltsordnuitgen der Eisenbabnve» Wallungen befinden sich die Rmtenfübrer. Wer der Anschauung ist, dag die Rottenführer nichts anderes zu tun ballen, als ihre Arbeiter zu beaufsichtigen, der kann sich durch Augenschein leicht eines Besseren belehren. Jedem Rottenführer sind durch- schuittlich öb— Ii) Arbeiter zugeteilt, für deren sachgemäße Arbeit er verantwortlich ist. Die Aniangsstellung vieler Eisenbahner besteht im Arbeiten beim Babnbau. Kommen sie weiter in andere Stellen, als Weichenwärter. Bahnwärter, in Werkstätten usw., so sind sie naturgemäß schon viel anstelliger. Da ist es nun Sache des Rotten- siihrers oder Vorarbeiters, sie anzuweisen. Daß die Schwierigkeiten für den Rotleniüdrer jetzt im Kriege mit neu einzuarbeiten- den Frauen nicht geringer sind, bedarf keines Beweise». Dem Rottenführer kommen aber noch ganz andere Arbeiten zu. Er ist für die richtige Entlohnung seiner Rotte verantwortlich. Er fertigt die Einträge in die Weikdücher, auf Grund derer die Ent- kohnung der Arbeiter statifindet. Die kleinste Unrichtigkeit der Ein- träge bringt Unzuträglichkeiten zwischen Verwaltung und Personal mit sich. Die Hauptlätigkeit der Rotten besteht im Regu kieren der Strecken. Hier muß der Rottenführer sein Hauptaugen merk darauf richten, daß der Lauf der Züge in keiner Weise durch diese Arbeiten gestört wird. Auf Hauptstrecken mit dichter Zug- folge ist die» nicht einfach. Wehe dem Rottenführer, der einen Schnellzug wegen nicht beendeter Arbeit zum Anhalten bringen würde. Noch schlimmer ist es. wenn er einen Zug vergißt und dieser über halb regulierte Gleise und Weichen fährt. Wie leicht ist da ein Unglück. Wer ist dann der Verantwortliche? Der Roilemübrer. Die Sorge für die Sicherheit der arbeilenden Rotte gebt diesen Geschäften neben- her. E» wäre verfehlt anzunehmen, als" beschränke sich die Tätigkeit der Rottenführer und Vorarbeiter darauf, mir dem Hubborn aus- gerüstet, an beiden Enden der Rotte darüber zu wachen, wann ein Zug fällig ist, um dann die Arbeitenden zu warnen. Nicht geringe Kenntnifie werden vsn einem Rottenführer der- langt. Es sei darauf hingewiesen, daß dem Rollenführer hierzu keine besondere Diensimstruktion zur Berillgurig steht. Er muß seine Kenntnisse aus den praltifchen Erfahrungen schöpfen. Der Bahnmeister hat soviel andere Tätigkeit, daß er nur allgemeine An- Weisungen geben kann. Er muß" sich auf seine Roirenführer in jeder Beziehung Verlasien können. Wenn es an der Weiche fehlt, heißt'» für den Rottenführer, das richtige Material auszuwählen und ohne langes Besinnen an den Umbau zu geben. Die vielen Arten von Weichen bedrngen Kennt- nisie. Der Rottenführer muß genau berechnen können, wie weit die Spurenerweiterung sein muß. DieS richtet sich nach dem Ra- diuS und der Fahrgeschwindigkeit. Ebenso ist eS mir der Erhöhung des einen Schienenstranges. Es kann hieraus ersehen werben, wie schwierig das Aufmontieren der Gleise ist.— eine Tätig- keit, für die der Rottenführer einzig und allein veramwort- lich ist. Fehler, die in dieser Hinsicht von dem Rottenführer ge- macht werden, können die schwersten Folgen nach sich ziehen. Ein tüchtiger Rottenführer kann den Verwaltungen viel Geld sparen. wenn er versteht, das Material richtig auszunützen. Das ertorderl natürlich, daß er die Beschaffenheit dc§ Materials genau kennt und über die Verwendbarkeit der verschiedenen Schienenarten genau unterrichtet ist. Bei Entgleisungen darf er nicht lange säumen. Je früher die Gleisanlagen wieder fahrbar sind, umso bester. Wer ein- mal so eine Verkehrsstockung durch Gleisstörung und ihre Be- seitigung mitgemacht hat, der weiß, was ein tüchtiger Rottenführer wen ist. Vielleicht werden diese Gesichtspunkte, die ja bei den kommenden Gerichtsverhandlungen wegen der Schuldfrage des Rahns- dorfer EitenbabnunglückeS im Vordergrund stehen müssen, auch die Ei'enbawrverwaltungen ermuntern, ihre Ansichten über die Bewertung der Leistungen der Rottenführer einer.Revision zu unter- ziehen. Man bedenke: solche verantwortungsvollen Posten werden mit einem durchichnnilichen Gcbalt von 1600— ITW M bewertet. Wo ist rn Pnvatgeichästen eine ähnliche, ebenso verantwortungsvolle und ebenso gering bezahlte Stellung beute noch zu finden? Die Tragweite der Beramwonung der Roilcnsührer ist ja nun durch das schreckliche Eisenbahnunglück von Rahnsdorf vor aller Augen mit grausigster Deutlichkeit erwiesen worden. Neue Erkennungsmarken. Um die Persönlichkeit eines im Kriege Gefallenen auch nach der Abnahme der Erkennungsmarke, auch noch längere Zeit nach der Bestattung zweifelsfrei feststellen zu können, werden die Marken künftig so eingerichtet, daß sie in der Milte durchgebrochen werden können und sowohl auf dem bei der Leiche bleibenden wie auf dem abzunchmenden Teil die entsprechenden Bezeichnungen stehen. Vom Sparzwaug für Jugendliche. Der Sparzwang rür Jugendliche, der mr Bereicki des Ober- kommandos in den Marken durch Erlaß' vom 18. März 1916 an- geordnet wurde, hatte bei der Sparkasse der Siadt Berlin die Wirkung, daß in dem Vierteljahr April bis Juni 1916 für die dem Sparzwang unterworfenen Jugendlichen 25 544 Sparbücher auSzu- fertigen waren. Nack dieser Flut, die für die erste Zeil naÄ In- kraftlrelen des SparzwangeS nicht verwunderlich war, sank in den nächsten Monaten die Zahl der neuhinzukommenden Spar- bücher jugendlicher Zwangs'porer auf einen Stand, den man ungefähr als den normalen wird ansehen dürfen. Von der Berliner Sparkasse wurden für Jugendliche, die dem Sparzwang unterworfen find, in dem Vierteljahr Juli bis September 1916 nur 10 293 neue Sparbücher ausgefertigt, nur noch zwei Fünftel der Zabl des ersten Vierteljahres. Fü- das erste Halb- jabr stellt sich der Zugang auf zu'ammen 35 837 Sparbücher, ein Ergebnis, da» immerhin von erheblichem Einfluß auf den Bslrieb der Sparkasse war und gegenüber dem sonstigen Zugang von c;e- wohnlichen Sparbüchern freiwilliger Sparer stark inS Gewicht stet. Die Gelamt zahl der neu hinzugekommenen Sparbücher war in dem Vierteljahr April bis Juni 43 251, in dem Vierteljahr Juli bis Sep- tember 28 671, in dem Halbjabr April bis September zusammen 71922, nach Abzug der Sparbücher für die Jugendlichen bleiben Mithin im ersten Vierieljabr 17 707. im zweiten Vierteljahr 18 378. im ersten Halbjahr zusammen 36 085. das ist nur rund die Hälfre des Gekamt zuganges aus dem ersten Halbjahr. In den'elben beiden Vierieljahren wurden 18 718 und 21 107, zusammen 39 825 Spar- bücker nach gänzlicher Abhebung der Guthaben eingezogen, so daß ohne die Sparbücher der Jugendlichen ein Rückgang der Geiamizahl zu verzeichnen wäre. Mir den Sparbüchern der Jugendlichen belief sich die Gesamtzahl der Sparbücher Ende September 1916 auf 849 703. Welchen Anleil die Jugendlichen an dem Gesamibetrag der Einzahlungen hallen, ist aus den der Sladtverordnelenveri'amm- lung vorgelegten BierteljahreSberichten des SparlasienkuratoriumS nicht zu ersehen._ Hausfrauensorge«. Ans Zuschriften, die wrr auS dem Kreise unserer Leserinnen er- halten, geben wir das folgende wieder: Ich jucke den vierren Mann, nämlich, um meinen Käie- a n t e r l bekommen zu können. In dieser belagarmen Zeit, wo man nur Bücklinge und Räuckerheringe hat. möchte man als be- scheidene Abwechslung doch das Stückchen Käse haben, daS einem zugeteilt ist. Wir sind drei Perionen. Mein Mann und mein Sobn müssen ickwer arbeiten. Aber wie sollen wrr die erforderliche Vierte Person finden? Soll ich von Haus zu Haus gehen, oder soll ich aus der Straße ausrufen:„Ich suche den vierten Mann zum Kasel"? Es wäre doch einfacher, wenn jeder leinen Anteil Käie bekommen könnte; so aber werden viele Familien verzichten müsten. Bei uns wohnt keine einzelne vierte Peison: habe ich eine aus- findig gemachr, i'o ist sie nicht in dem Geschäft eingetragen, wo ich die Bnlter beziehe. Eine andere Zuschrift: Meinem Manne ist die Zuiatzkarte ent- zogen worden, zur selben Zeil, wo man den Jugendlichen 300 Gramm mehr bewilligr. Wenn man den älieren Leuten Brot entzieht, wieso brauchen Säuglinge ein Bröl die Woche? Es sei den Jugendlichen und den� Familien mir kleinen Kindern von Herzen gegönnt; aber jeder möchte doch zuerst kommen. Meiner blurarmen.' lungen- und herzkranken Tochter ist vom Arzt auf drei Monate täglich>/z Liter Milch, wöchentlich eine Butterkarte sowie ein Pfund' Grieß oder Haferflocken verordnet worden. Nach einigen Tagen bekam sie den Bescheid, daß der Vertrauensarzt der Krankeneinährung ihr statt dessen für sechs Wochen Pfund Grieß bewilligt habe. Da mir die Milch versagt ist. möchie ich winen, womit ich den Grieß kochen soll. Die Krankenernährung bedarf dringend der besondere'.! Beachtung. Nickst Miegerleutnant aber Luftikus Am Stammtisch verhaftet wurde ern falscher Fliegerleuinant im Westen der Stadt. Hier verkehrte in einer größeren Wein- Wirtschaft regelmäßigem feinauftretender Mann, der sich Dr. Willi Schreiber nannte. Er hatte angenehme Umgangsformen, plau- derte interessant und war so bald auch am Stammtisch gern gc- sehen. Wie er erzählte, war er als Megerleutnant im Felde gc- Wesen und hatte viel mitgemacht, bi» er mit seinem Flugzeug ab- stürzte und sich mehrere Rippen und das Nasenbein brach. Jetzt mußte er seinen Abschied nehmen. Ein Knorpel auf der Nase schien sein Mißgeschick zu bestätigen. Man glaubte ihm deshalb auch alles andere, was er sonst noch erzählte, auch sein Mißgeschick in der Ehe. Das machte ihn noch ganz besonders interessant. Denn wenn man ihm glauben wollte, und das tat man, so hatte er seine Frau in den Armen eines Studiengenosien und Freunde» überrascht und diesen, einen Amtsrichter, niedergestochen. Trotz dieser unlieb- samen Erfahrung zeigte sich der Fliegerlcunant a. D. nicht abge- neigt, eine neue Ehe einzugehen,.seine Häuser und Liegenschaften in Äottbus, von denen er viel sprach, schienen auch eine sichere Grundlage für einen Hausstand zu bieten. Freilich brachten die Häuser jetzt in der Kriegszeit auch Aerger über Aerger. Dr. Schreioer zeigte der Tischrunde oft Briefe seines Sachwalters, der sich beklagte, daß dieser Mieter nicht zahle, jener unangemessene Ansprüche stelle und dergleichen mehr. Die Briefe, die Dr. Schrei- ber den Stammgästen gern zeigte oder vorlas, zeigten jedenfalls, daß er ein reicher Mann sein mußte. Deshalb hatte ein Herr der Tafelrunde mich nichts dagegen, daß der verunglückte Fliegerlcut- nant seiner Tochter den Hof machte. Der angehende Schwieger- Vater trug auch kein Bedenken, ihn hin und wieder mit 7—800 M. aus augenblicklicher Verlegenheit zu helfen. Die Scherereien mit den Mietern� erklärten ja hinreichend diese Zwischenfälle. Die Dar- lehen des Schwiegervaters genügten aber„Dr. Schreiber" noch nicht. Er borgte zugleich auch noch eine Filialvorsteherin, die er kennen lernte, wiederholt an. Als da» bekannt wurde,.schöpfte man Verdacht. Jetzt sah sich auch die Kriminalpolizei den interessanten Mann einmal näher an und erkannte in ihm einen alten Schwind- der wieder, einen 39 Jahre alten, aus Kottbus gebürtigen Kellner Willi Schreiber, der früher in großen Wirtschaften tätig war, bis er die Lust zur Arbeit verlor. Ein Beamter nahm ihn vorgestern am Stammtisch fest._ Schwarze und weifte Heiratöschwiudkr. Der 43 Jahre alte Artist und Mechaniker Zliver au» Point a Pikre wurde nach Kriegsausbruch interniert, später aber wieder enklaffen. Er arbeitete auch wieder eine Zeitlang, wie er ver- sprochen hatte, verlor dann aber die Lust und legte sich auf den Hciratsschindel, den er ftüher schon einmal betrieb. Er gewann besonders Mädchen für sich, denen er als Mechaniker die Näh- Maschinen ausbesserte, versprach ihnen die Ehe und nahm ihnen die Ersparnisse ah. Auf viele Anzeigen hin wurde er im-Norden der Stadt, wo er wohnte, ermittelt und festgenommen.— Der 38 Jahre alte Musiker und Heilgehilfe Mar Witte betörte heiratslustige Mädchefl'durch'sein, gewandte»'Aufträte«"und' feine" Prahlereien mit seinem großen Vermögen.. Er ließ sie im Stich, sobald sie ihm mit ihrem Gelde„aus der Verlegenheit" geholfen hatten. Vor einiger Zeit schon einmal festgenommen, schwindelte er sich heraus und setzte sein Treiben fort. Gestern wurde er mit dem Neger dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Spivnagels Kettenhandel. Schiebungen mit Seife, die einer Großhandlung über 50 000 M. kosteten, wurden von der hiesigen Kriminalpolizei aufgedeckt. Ein Kauftnann, der sich Paul König nannte, bot einer Firma einen Waggon Seife unter der jetzt, üb- kichen Bedingung an, daß der Kaufpreis oder wenigstens ein Teil bei Eingang des Duplikatfracktbriefes an den Absender eingeschickt werden sollte.„Herr König" hatte, im Gegen- satz zu anderen Schwindlern, wie dem Bohnendirektor Kremser, wirklich Ware und sandte sie auch ab. So er- hielt er_ auch die zweite Ausfertigung des Frachtbrieses ohne jede Fälschung. Der�Käufer aber lam trotzdem nicht. Es lag ihm wohl auch nicht am Empfang der Ware. Denn er verkaufte sie im voraus unbesehen weiter.„Paul König" aber ließ seinen.Waggon Seife nach der Äbsendung auf irgondeiner Station anhalten. Er hatte ihn unterdessen an eine zweite Firma verkauft, wie» sich auf. der Anhaltestation als Absender ans und sandte ihn nun an das zweite Haus weiter. Während der Waggon dem neuen Bc- stimmungsorte zulief, hatte der zweite Käufer ihn auch schon wieder verkauft. König hielt ihn wieder an und verkaufte ihn zum drittenmal. So wäre es wohl noch eine ganze Weile weitergegangen, wenn nicht endlich ein Abnehmer die Seife hätte haben wollen, um sie wirklich seinen Kunden zuzuführen. Dieses Geschäftshaus, das den Waggon ernstlich für sich beanspruchte und mit über 50 000 M. bezahlt hatte, suchte vergeblich nach ihm. Der Waggon blieb irgend- wo„in�der Weltgeschichte umher". Endlich entdeckte man ihn auf dem Güterbahnhof in Moabit. Ein hiesiger Kriminalschutzmann verfolgte rückwärts seine Spur, stellte'fest, daß er in Stuttgart, Kottbus, Gleiwitz, Hannover usw. gewesen war und fand den ersten Verkäufer und Absender in Stuttgart in einem Kaufmann Spitz- nagcl, der dort ein größeres Geschäft betrieben hatte, aber Wirt- schastlich zurückgegangen war. Spitznagel wurde verhaftet und dem Amtsgericht zugeführt. Er hatte am meisten„verdient". Aber auch die Zwischenkäufer waren bei dem„unbesehenen" Handel gur auf ihre Kosten gekommen. Die Ware wurde beschlagnahmt. Aus seiner Arbeitsstelle in den Tod gegangen ist vorgestern der 3ö Jahre alte Maschinenarbeiter Wichelm Viertel aus der Fasanen- stratze 15, der in einer Dampfmühle in der Stromftraße beschäftigt loar. Der Mann erhängte sich an einer abgelegenen Stelle de» Betriebes und war schon tot, als man ihn auffand. Was ihn dazu veranlaßte, weiß man nicht. Der Tod im Treppenhaus. Im Dienste vom Tode überrascht wurde gestern morgen die 48 Jahre alte Zeitungsausträgerin Pau- line U h l e aus der Grünthaler Straße 66. Als sie in der Bad- straße früh tnorgens bestellte, brach sie im zweiten Stock plötzlich zusammen und fiel einige Stufen hinab. Hausbewohner, die auf ihren Aufschrei herbeieilten, fanden sie tot daliegen. Die Todesursache konnte nicht festgestellt werden. Wem gehört der Pauke-Schwan? Von der Feuerwehr geborgen wurde kürzlich ein Schwan, der plötzlich auf der Panke erschien. Man glauble. daß er zu den Tieren des königlichen Parks gehöre, die von Potsdam au» olljährlich zur lleberwinterung eingeiangen werden. Der Oberfischermeister erkannte jedoch, daß eS kein könig- licher Schwan ist. Der Privateigentümer kann daS Tier beim Tiet- fchutzverein abbolen. Arbeiter-Samariterbund, Kolonne GroH-Bcrlin. Am Mittwoch, den 22. November(Bußtagh Mitgliederversammlung. Ansang abends 6 Uhr. Vortrag, nach diesem Geschäftliches. Teilnehmer als Gäste haben Zutritt.— Nachmittags 4 Uhr: Ausgabe der Taschen und Armbinden zum Dienst am Totenfest. Mus aller Welt. Grubenkatastrophe bei Beutheu. Gleiwitz, 19. November.(T IL) Auf der Heinitzgrube bei Beuthen ereignete sich eine Grubenkatastrovhe. Die Ursache ist in einem Grubenbrand zu suchen. Es gab viele Tote. Einzelheiten fehlen noch. Die größte Fnnkcnstalio« der Welt. Der Erfinder des dänischen drahtlosen Systems Poulsen teilt der schwedischen Presse mit, daß gegenwärtig yuf den P h i l.i p.p i nett die.. größte Funkenstation der Welt'gebaut wird,-die in Größe und Aussehen dem E.iffelturm in Paris'ähnelt. Der Aktionsradius der neuen drahtlosen Station ist soweit wie von Kopenhagen bis San Francisco. Wetterbericht bis Dienstag mittag. Zeitweise aufklarend es, auch vorwiegend trübes Frostwetter mit weitverbreiteten, im östlichen Küstengebiet meist geringen, sonst starken Schneefällen. I Admiralspalast. I Das herrliche Eisballett § 7rau [ kni 8'/s Chr.»,», 4 M. Einrichter für Ziukzünder KZ 14 gesucht. «. Kärsrer A.-G., 189/8* Krautstr. 53. Olireo- Goidwaren Piltz& Co., Lindeuftr. 109. ,5� i QeuXaik»ScUvwicA/'IS SwttscA/— 15 5� 9 Lombard-Haus fl H. Gr afT. Leipzigers t. 75 II 5 Volle normale Beleihung — Diskretion, Reellilät Gelegenheitskäufe Ihren Brillanten N Schmucksachen >W 10— 50% unter Ladenpreis.B •»••••—••••••••••• | Für Schuhmacher! i Ausgestanzte Oberlleoke! i sortiert In Damen- Herren- und 1 KindergröBe, Pfnnd 5 Mark, 'sowie Ober- u. Uuterlederabfälie Sruno Senslüß. ÄÄ""0; ( i l/ Die Bekanntmachung des Oberkommandos in den Marken, belreffend BeltandserHebuna von Natron-iSulsat-sZellsloff. ganz oder teilweise aus Natron-(Sutsat-)Zellstoff gergestelllem Papier. Spinnvapier, Papiergarn, serner von Arbeiks Maschinen, welche zur Herstellung, Bearbeitung und Ber- arbeitung von Sprniwapier in Gebrauch sind, tritt am 20. November 1916 in Krask. Die vollsiöndrge amiliche Bekannlmachung erfolgt an den Anschlagsäulen und in der.Norddeukcheir Allgememen Zeitung*. Berlin, de» 20. November 1916 Der Potizeiprästdent. 478. 1. Mü. 16. Spezialarzt I>r. med. Karl Iteisitiardt. Potsdamer Str. 117" d- L