Ar. 322. 33. Jahrg. g vonnemenls- keckinqungen- HbonneNient-- LrelS pränumerando ülertcljSbrl Z.W Ml. monotl lL0 Ml. wöchenlüch S0 Z-jg. trc,>nZ HauZ. Eu�clne Siuuuner S Vig. SonnlagS- numnier mii>llusni«rlei SonnragS» Beilage.Die Neue Well" l0 Lift. Lojt» Wonnemenl: l.Z0 Mari pro Monal. Eingerragen in die Lokl-ZeiNrngS» Lreie-ime. Unter Kreuzband tür Deulichland und Oesterreich. Ungarn 2ÄO Mar!, tür das übrige Ausland i Marl pro Monat Lostabonnctnentg nehmen an Belgien. Tänemarl Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien. Schweden und die Schwerz. erftfccint tägflü. ( 5 Pfennig) vis Infertions-Gcbüftr beträgt ißt die sechsgespaltene floloncl. »eile oder deren Raum 60 Lsg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und Jersammlungs- Anzeigen R> Llg. „kleine �rnreigcn Z das leitgedrUlire Wort CO Big.(zulässig C ieiigedruckie Worte), jedes weitere Wort 10 Lsg. Stellengesuche und Schlaiilelleiran- zeigen das erste Wort 10 Lsg., jedes weitere WortSVfg. Worte über 15 Buch- stoben zählen für zwei Worte. Jnierme für die nächste Nummer Müllen diZ K Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Exvesition ist btS 7 Uhr abend- geöffnet Berliner Bolksblnkt. Tentralorgan der rozialdemohratifcbeti Partei Deutfchlands. relegramm-Adrefse: .Sozialdemokrat RcrllD". Neüaktion: EW. HS, Linöenstraße Z. Fernsprecher: Ami MoriNvlan. Nr. ISlSV— ISIS?. Expedition: EW. HS» Linüenstraße Z. Fernsprecher: Amt MoriNPlatt. Nr. 1S1 SV— 151. S7. Einnahme von Eraiova. Zlrtilleriekämpfe im Westen.— Nacht- ttn«ff der Rumänen bei Campulung. Die deutfche Infanterie vor Craiova.— Zwifchen Cerna und Prespa-See. Amtlich. Großes Hauptquartier, 21. Ro-- vember 191K.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprccht. Unsere Artillerie bekämpfte mit beobachteter Wirkung feindliche Batterie» und Stützpunkte. Lebhaftes feindliches Feuer lag auf unseren Stellungen beiderseits der Ancre und am St. Pierre-Baast-Walde. Kein Jnfanteriekampf. Heeresgruppe Kronprinz. In der Champagne und im Maas-Gebiet lebte während einzelner Tagesstunden die Artillcrietätigkeit ans. Oestlichcr Kriegsschauplatz. Front des Gencralfcldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Nichts Wesentliches. Front des Generaloberst Erzherzog Carl. Im Lndowa-Gebict(Waldkarpathens wurde ein Patrouillen Unternehmen von deutschen Jägern plangemäß durch- geführt; 4V Gefangene wurden eingebracht. Ein EntlastungS- Vorstoß der Russen im Nachbar-Abschnitt scheiterte blutig. Am Ostraud Siebenbürgens nur kleine Gefechtshand- luugeu.' Die deutsche» und österreichisch ungarischen Trnppeu nördlich von Campulung wiesen auch bei Nacht wiederholte rumänische Angriffe ab. Am Alt wurden den Rumänen einige wichtige Ort- schaftcn und verschanzte Höhen in hartem Kampf entrissen. Unsere Infanterie steht vor Craiova, dem bisherige» Sitz des Oberkommandos der l. rumänischen Armee. Balkan-Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. Bon Artilleriefeuer abgesehen keine besonderen Ereignisse. Constanza und Ceruavoda wurden beschossen. Unsere Fliegergeschwader bewarfen BerkrhrSanlage» bei Bukarest mit Bomben. Mazedonische Front. Zwischen Prespa-See und Cerna fühlt der Gegner au die deutsch-bulgarischeu Stellungen mit Bortruppen heran. Serbische Borstöße an einzelnen Stellen der Moglena- Front, durch starkes Feuer vorbereitet, scheiterten. In der überschwemmten Struma-Ebene Zusammenstöße von Aufklärungsabteilungen. Der Erste Eeneralquartiermeister. Ludendorff. Berlin, 21. November. Amtlich. Im Monat Oktober sind hundcrtscchsundvicrztg feindliche Handels- fahrzeuge von insgesamt dreihundertsechstausendfünfhundcrt Brutto-Registertonneu von Unterseebooten und Torpedo- booten der Mittelmächte aufgebracht, versenkt oder durch Minen verloren gegangen. Ferner sind zweiundsiebzig neutrale Haudelsfahrzcoge mit insgesamt fiebenundachtzig- tausend Brutto-Rcgistertonnen wegen Beförderung von Bannware zum Feinde versenkt worden. Seit Kriegsbeginn sind durch kriegerische Maßnahmen der Mittelmächte 3 322 000 Tonnen feindlichen Handels- schiffsraumcs verloren gegangen; davon sind 2 550 000 Tonnen englisch. DrrChefdesAdmiralstabeSderMariue. * Menöbericht. Amtlich. Berlin, 21. November 1916 abends. (W. T. 8.) Im Somme-Gebiet starker Nebel, GcfechtStätigkeit heute geringer. Craiova ist genommen. «-» 4- Der österreichische Dericht. Vi««, Ll. November 1916.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. HeerrSfront dcS Generalobersten Erzherzo» Carl. Die beiderseits des Schyl kämpfenden verbündeten Streitkräfte trieben den Feind weiter zurück. Sie nähern sich Craiova. Oestlich des Olt-(Alt-) Flusses haben wir auf den Höhen südlich von Scaueni Fuß gefaßt. Nördlich von Campolung setzte der Feind seine Angriffe fort; seine Anstrengungen waren abermals vergebens. Bei der Armee des Generals von Köveß vollführten im Ludowa-Gebiet deutsche Jäger eine erfolgreiche Streifung. HeereSfront des Generalfeldmarfchalls Prinz Leopold von Bayern. Geringe GefechtStätigkeit. Jtalirnischrr Kriegsschauplatz. Sin tiefgrgliederter Gegenangriff auf den von unseren Truppe» unlängst eroberten Graden südlich von Bigiia wurde abgewiesen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Bei den K. und K. Truppen nichts von Belaug. Ter Stellvertreter des ChefS des GencralstabrS. v. H o e f e r, Feldmarfchalleutnant. Kbenäbericht. Wir«, 21. November.(W. T. B.) DaS Armee-Oberkommando teilt amtlich mit, Craiova, der Hauptort der westlichen Walachei, ist heute in Besitz genommen worden. Jagow zurückgetreten— Zimmermann Staatssekretär öes Auswärtigen. Berlin, 21. November.(W. T. B. Amtlich.) Wie wir hören, hat der Staatssekretär des Auswärtiarn?r»ts, Staatsminister von Jagow, aus Gesundheitsrücksichten um seinen Abschied gebeten. Zu seinem Nachfolger ist der Unter- staatssckrctär Zimmermann in Aussig t genommen. Dazu erfahren wir von privater Seite, daß über die weitere Verwendung des bisherigen Staatssekretärs noch nichts verfügt ist. Sein Nachfolger Zimmerntann ist der erste Bürgerliche in diesem Amte, der auch nicht aus der hohen diplomatischen, sondern aus der Konsulatskarriere kommt. Für den Wiener Botschafterposten, der durch den Tod de? Herrn v. Tschirsckky erledigt ist, ist der bisherige Personaldezernent im Auswärtigen Amt, Graf Botho W c d c l. in Aussicht genonimeu. � Weltteilungsziele üer Irieüenskonserenz. Japans Forderungen. New Iorl, 9. November.(Funkspruch vom Vertreter des SS. T. B., verspätet eingetroffen.)„Associated Preß', hat aus Tokio er'ahren, Japan habe sich einverstanden erklärt, in leinen Forderungen aps der Friedensronferenz den ständigen Besitz der S ü d s e e i n s« l u nicht mit einzuschließen. Wie bekannt werde, hätten die Vcr- einigten Staaten inoffiziell den Wunsch ausgesprochen, daß diese Inseln kein ständiger Besitz Japans werden möchten. Die Ver einigten Staaten besprachen die Frage zuerst mit England und England und die Bereinigten Staaten gaben gemeinsam eine An regung, daß Japan nicht auf der ständigen Besitznahme der Inseln bestehen möchte. Man hält cS für wahrscheinlich, daß Japan auf der Friedenskonferenz in anderer Richtung eine Kompensation suchen werde, vielleicht in der Bestätigung der Rechte Japans in S ch a n t u n g. Drohender Drotmangel in Schweden. Höchstpreise für Brotgetreide. Stockhol«, 21. November.var dieses Menschen- leben tticht. Die geschichtliche Bedeutung des Lebens Franz Josephs für Europa liegt darin, daß es die Weltpolitik der Habs- burger abschließt infolge der Entstehung des Deutschen Reiches und der Einigung Italiens. Die Schlacht von Königgrätz ward zur Bilanz der habsburgischen Histoxie, mit ihr endet die habsbnrgische Hauomachtpolitik in Deutschland. Es beginnt die zweite Phase dieses Regentendaseins, und so sind es eigentlich zwei Monarchen, die dieser eine Kaiser darstellt: Bis 1866 der weltgeschichtliche Kampf um die Vor- Herrschast in Teutschlaitd, der auf dein Frankfurter Fttrstetttag ebenso wie auf den Schlachtfeldern Italiens geführt wurde, und von 1867 an der Aufbau des dualistischen Oesterreich- Ungarns, die allmäbliche Konsolidierung des ZtatipnalitAen- staates, die Herrschaft unter neueni Namen und mit neuen Aufgaben. Seine Bedeutung empfängt Franz Joseph durch den Besitz einer für einen Monarchen großen Tugend, die darin bestand, daß er die EntWickelung gewähren ließ. Die Tugend, dem Nottvendigen, wenn auch oft widerstrebend, doch immer noch rechtzeitig Rechnung zu tragen, hat Franz Joseph besessen und geübt. Er hat den Einheitsstaat verwirklichen wollen und hat der stärkeren Gewalt, die die Loslösung Ungarns gebot, doch gehorcht. Er war persönlich ein frommer, gläubiger Katholik, aber was der bürgerliche Liberalismus als Macht durchsetzen ivollte, das hat er doch erreicht: das Konkordat wurde gekündigt, die staatliche Schule errichtet, die bürgerliche Ehe in Ungarn eingeführt. Wenn' Oesterreich trotzdem zunieist noch�klerikal und nicht fortschrittlich regiert wurde, so ist daS die Schuld des Bürgertums, dem es an Kraft und Mannhaftig- kcit allzu sehr gemangelt hat. Franz Joseph kam aus der ab- solutistischen Zeit, aber er ist dann doch ein konstitutioneller Monarch geworden, soweit sein persönlicher Einfluß in Frage kommt. Er unterließ es, aus dein Rahmen des Staatsober- Hauptes herauszutreten. Freilich die Verfassung erlag zuerst dem Kampf der Nationen um den Staat, und für das einmal angefangene bequeme Regieren mit dem§ 14 war der Krieg eine Versuchung, der Gras Stürgk nicht widerstehen konnte. Der Kaiser hat die Bedingtheiten der monarchischen In- stitution in einem von Enttäuschungen überreichen Leben gründlich erfahren; seine Entivickelung ward es, daß er sich chr?r bewußt wurde. Und so hat nian das Gefühl, daß die Irrtümer uiw Fehler der inneren österreichischen Politik weit mehr die Schuld der regierenden Bureaukratie als des Monarchen sind. Tie wichtigste Reform, die in den späten Regierungs- jähren des Kaisers durchgeführt wurde, war die Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts. Es wäre eine gründlich falsche Bewertung dieser Reform, sie als das Werk des Kaisers, als die„Königsidee" seines Alters zu bezeichnen. so war es nicht. Die österreich'dbe Wahlreform ist die Frucht nicht einer, sondern vieler Kräfte, und soweit der Kaiser bewußt eingegriffen, bat ihn natürlich weniger das Recht des Volkes— aber wohl auch dieses!— als wie die Lebensnotivendigkeit seines Staates geleitet. Was jedoch Franz Josephs kaiser- licher Anteil an der fruchtbaren und gewaltigen Um- wälzung, in der Wahlresorm ist, war und bleiben wird, das ist die Bereitwilligkeit, einer politischen und sozialen Notwendigkeit zu gehorchen, obgleich diese Not- wcndigkeit mit den überlieferten, den vertrautesten Vor- stellungen brach und Kräften zum Turchbruch verhalf, die sonst Wohl in diesen Regionen nur mit Besorgnis betrachtet wurden. Es war immerhin etwas, mit den Grasen im Parla- ment auszuräumen und die Arbeiter an ihre Stelle zu brin- gen: an sich eine staatsniännisch-schöpferische Tat und für einen alten Herrscher eine— rein menschlich betrachtet— unMwöhnliche Leistung. Auch unter der Regierung Franz Josephs hat man mit Ausnahmegesetzen und Verfolgungen die Entwickelung der modernen Arbeiterbewegung hemmen wollen. Aber der Monarch selbst stand den sozialen Kämpfen fern, er hat zu den Einanzipationsbestrebungen der Arbeiter nie Stellung genommen, und darum auch niemals gegen sie. Man scheidet von diesem Monarchen, dessen Ende zurückführt in seine Anfänge, uin dessen Reich jetzt noch ganz anders wie damals Kriege tosen, mit ruhiger Gelassen- heit. Den letzten Abschnitt der Herrschaft Franz Josephs, von dem Tage an. da in dein annektierten Bosnien der Thron- folger ihm Plötzlich und geivaltsain entrissen ward, wie lang zuvor der einzige Sohn und dann auch die Gattin, diese von ungeheurem Geschehen erfüllten allerletzten Jahre zu würdigen und Oesterreich-Ungarn und seines Kaisers An- teil— das muß späterer Zeit vorbehalten bleiben. Wir glauben, daß sie naht, noch aber sehen wir sie nicht tagen. das Zivilöienstgefetz unö öer Reichstag. In der gestrigen Sitzung des Bundesrats wurde dem Entwurf eines G e f e tz e« betreffend den vaterländischen Hilfsdienst die Zu» st i m m u n g erteilt. Tie s ozial dem akratische Reichstagsfraktion, die am morgigen Donnerstag zur Beratung des Gesetzentwurfs über den„vaterländischen H i l f s d i e n st" zusammen- tritt, hat seit zwei Jahren vor keiner ernsteren Entscheidung gestanden, als diesmal. Und diese Entscheidung ist durch die merkwürdige Art, wie die wichtige Angelegenheit von der Regierung behandelt worden ist, sicher nicht erleichtert worden. Am 4. November hat man den Reichstag nach Hause ge- schickt— für drei Monate. Am 13. November, neun Tage später, wurde die Welt nnt der Nachricht überrascht, daß die Einführung der allgemeinen Zivildienstpsiicht in Vorbereitung sei. Einen Augenblick schien man zu schwanken, ob man die Gesetzgebung zu dieseni Zweck überhaupt bemühen oder nicht lieber alles durch eine Bundesratsverordnung erledigen sollte. Aber dieser ungeheuerliche Gedanke wurde, kaum gefaßt, auch zurückgewiesen, und inan entschloß sich, den für drei Monate vertagten Reichstag schleunigst wieder einzuberufen. Regieren heißt voraussehen, sagt ein altes Wort. Weniger Voraussicht kann man so leicht nicht beweisen, wie die Re- gierung in diesem Fall. Sie hat am 4. November noch nicht gewußt, was sie am 13. tun würde: sonst hätte sie ja den Reichstag nicht für drei Monate vertagt. Sie hat aber auch, als sie sich entschloß, den Reichstag schleunigst wieder zusammen- zuholen, noch nicht einmal gewußt, was sie ihm eigentlich vorschlagen würde, denn der Entwurf war ja noch nicht durch den Bundesrat. Noch ehe der Bundesrat beschlossen hatte, stand aber schon fest, daß die Sache im Reichstag in größter Eile erledigt werden müsse— man sprach von e i n e r Sitzung— und der Hauptausschuß wurde einberufen, noch ehe der Bundesrat fertig war. noch ehe die Vollversammlung des Reichstages selbst die erste Lesung vollzogen hatte! Da erhebt sich denn doch die Frage: Wenn die Notwen- digkeit eines solchen Gesetzes vorlag, warum hat man sie nicht früher erkannt? Warum hat man den Entwurf nicht in aller Ruhe mit der entsprechenden Gründlichkeit� vor- bereitet? Warum hat man nicht zwischen seine Veröffent- lichung und die Beratung ini Reichstag eine Anstandspause gelegt, in der die Oeffentlichkeit zu ihm Stellung nehmen konnte? Warum hatte alles so lange Zeit, und warum muß es jetzt aus einmal so schnell gehen? Die Regierung stellt sich die Sache wohl so vor: Der Entwurf wird gedruckt, die Presse jubelt, der Reichstag nimmt ihn, noch ehe die Druckerschwärze trocken ist, an und geht darin wieder nach Hause. Das ist aber nicht die Art, eine Angelegenheit zu behandeln, die Millionen arbeitender Menschen an die Nieren geht. Und so können wir sagen: Wenn wir auch noch nicht wissen, wie daS Stück ausgehen wird, das da gespielt wird— wir wissen ja kaum noch, wie es anfängt— so wissen wir doch schon eins. Nämlich, daß die Regie aber nicht hervor- ragend ist. Ueber die Annahme des Entwurfes durch die b ü r g e r- l i ch e n Parteien besteht kein Zweifel; die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wird aber nicht um den Versuch heruni- kommen, dem Entwurf durch praktische Mitarbeit etwa vor- handene Giftzähne auszubrechen. Von dem Gelingen oder Mißlingen dieses Versuchs dürfte ihre endgültige Stellung- nähme abhängen. » Schon heute muß auch auf einen anderen Punkt hinge- wiesen werden, dessen Bedeutung zu offensichtlich ist, als daß er nicht gleich bei der Verabschiedung des Ge- s e tz e s mit geregelt werden müßte. Das ist die Frage nach Ersatz des körperlichen Schadens, der als Folge deS Arbeitszwanges in vielen Fällen zu verzeichnen sein wird. Schon jetzt ist die Zahl der Betriebsunfälle in- folge der Beschäftigung nicht eingeübter Arbeiter eine ganz ungemein hohe. Konimen nun weitere ungelernte Schichten zum Teil in höherem Lebensalter an un- gewohnte Arbeit, wird die Zahl der Körperbeschädigungen wahrscheinlich noch mehr zunehmen. Auch für die Mitarbeiter wird die Betriebsgefahr sich erhöhen. Das bedarf keines weiteren Nachmessest die Friedenserfahrungen in allen Bc- triebszweigen lassen gar keinen Zweifel an dieser Tatsache. Wir betrachten es als selbstverständlich, daß alle dem neuen Arbeitszwanggesetz Unterstehenden dem V e r s i ch e- rungsz wange unterworfen werden, und daß insbeson- dere die Vorschriften der Reichsversicherungsordnung, wonach der Bundesrat auf dem Gebiet der Kranken- und Invaliden- Versicherung vorübergehende Dienstleistungen für versichc- rungsfrei erklären kann, keine Anwendung findet. Soweit keine Versicherungspflicht begründet ist, muß den unter das Arbeitszivanggesetz fallenden Personen ein der Versicherung gleichstehender Schutz dem Reiche gegenüber gewährleistet iverden. Das muß auch auf dem Gebiete der Unfallversiche- rung gelten. Auch in nicht unfallversicherungspflichtigen Bs- trieben sind natürlich Betriebsgefahren wirksam, denen die Beschäffigten erliegen können. Bisher bat man von der Der- sicherungspslicht dieser Betriebe mit Rücksicht auf die gerin- geren Unfallgefahren Abstand genommen— ein schlechter Trost für die schließlich doch einer solchen Gefahr Erlegenen. Jetzt wird man diesen Einwand nicht gelten lassen können. Zwingt der Staat zur Arbeit, muß er auch Fürsorge zum Ersatz eines aus dieser Arbeit erwachsenden Körperschadens, soweit dieser die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt, treffen. Auch für die Schäden, die nicht Folge eines Betriebsunfalles, son- dern der langsam wirkenden schädigenden Einwirkung der Betriebsarbeit sind. Tie sogenannten Berufskrankheiten müssen den Betriebsunfällen gleichgestellt werden. Für alle nicht der Unfallversicherung unterstehenden Berusszweige muß der Staat als Versicherungsträger gelten. Die Lastendeckung kann, da es sich um ini Staatsinteresse notivendige Arbeit handelt, nicht besonders schwierig sein. Die Konsequenz solcher Regelung wird dann aber auch für den oder doch wenigstens im Frieden gezogen werden müssen. Für die Berechnung des Jahresarbeits» Verdienstes darf unter keinen Umständen der Ortslohn(ortsüblicher Togelohn) zur An» Wendung kommen, wo es heute das Gesetz vorschreibt. Er ist unter Verhältnissen festgesetzt, die sich in keiner Weise mit den jetzigen vergleichen lassen. Wir brauchen nur daran zu erinnern, daß er für erwachsene männliche Arbeiter bis zu 1,20 M. pro Tag herabgeht und selbst in Berlin nur 3,60 M. beträgt. Dasselbe muß gelten für die Berechnung der land- wirtschaftlichen Unfallrenten. Hier erfolgt die Berechnung nach einem behördlich festgeletzten Durchschnittslohn, der in einzelnen Kreisen bis zu 420 M. heruntergeht. Die Voll- rente würde hier also nur 280 M. pro Jahr betragen. Wo nach dem geltenden Recht für die Berechnung des Jahres- arbeitsverdienstes der Ortslohn oder behördlich festgesetzte Durchschnittslohn ganz oder zum Teil in Anrechnung kommen muß, hat an seine Stelle der Verdienst gleicharfiger Arbeiter zu treten. Auch die geltenden Arbeiterschutzbesti mm u n- gen müssen in ollen auf das Arbeitszwanggesetz gegründeten Arbeitsverhältnissen Anwendung finden. * Zur Frage der Gewinnbeschränkung schreibt uns ein volkswirtschaftlicher Mitarbeiter: Kaum wird jemand die moralische Notwendigkeit zu be- streiten wagen, den Zwang, der den Arbeitern auserlegt wer- den soll, nicht zu einem Vorteil für die Unternehmer werden zu lassen. Aber so leicht sich die Gewinnbeschränkung als im Prinzip notwendig anerkennen läßt, so schwer läßt sie sich m der Praxis durchführen, da der»Staat heute auf die Liefe- ranten angewiesen ist und ihm als Gegenmittel gegen Preis- überbietungen nur polizeiliche und steuerliche Maßregeln zu Gebote stehen, so lange die Produktionsnuttel nicht v e r- st a a t l i ch t sind.. �. Zu verwerfen ist der Vorschlag einer Dividenden- beschränkung. der den Staat nicht vor Preisopfern schützt, sondern die Industrie nur zur Aufschatzung ihrer Konjunkturgewinne zwingt— eine Maßregel, die bei der in Deutschland vorherrschenden vorsichtigen Bilanzierung sehr unnötig ist. In Italien ist diese Idee verwirklicht worden. hat aber weder die Ausplünderung des Fiskus noch auch nur die Ausschüttung von Konjunkturgewinn an die Aktionäre verhüten können. Die Gesellschaften haben einfach ihr Kapital erhöht und ihren Aktionären wertvolle Bezugsrechte einge- räumt. Eine Reederei ist sogar liquidiert worden, um den Mitgliedern die erzielte hohe Verkaufssumme der Schiffe zu- fließen zu lassen. � �. Es werden drei weitere Vorschlage gemacht. Das Kriegsministerium will, wie aus dem veröffentlichten Schreiben hervorgeht, die Berechnung der Preise auf die ein- bekannten Selbstkosten basieren. Ganz offenbar ist. daß die bloße Versendung von Fragebogen nicht genügt, die es in das Belieben des einzelnen Unternehmers stellt, o b er überhaupt undoberwahrheitsgemäß nnbekennt. Die Aufforde» rung, diese Fragebogen in den Papierkorb wandern zu lassen, ist zwar nicht patriotisch, aber am Ende verständlich. Andere haben auf den Vertrag der Hainburg-Amerika-Linie mit dem Bremer Vulkan als Muster verwiesen. Darin wird für die zu erbauenden Schisse kein fester Preis ausbedungen, sondern es werden die Selbstkosten und ein vereinbarter Gewinnzuschlag bezahlt. Artur Norden im„Berl. Tagebl." legt wieder das Hauptgewicht darauf, daß viele Gesellschaften einen im Verhältnis zu ihrem Umsatz großen�Gewinn erzielen und daß sich deshalb eine Steigerung der Steuersätze nicht nur nach deni Verhältnis des Mehr gewinnes und des Gesamt- gewinnes zum Kapital, sondern auch nach dein des Gewinnes zum Umsatz empfehle. Keiner dieser Vorschläge kann das Uebel hellen, das tief im Wesen unserer Gesellschaft verankert ist. Gegen die Ab- ficht des Kriegsministerinms werden besonders die Gefahren einer Schemafisierung ins Feld geführt. Junge Unter- nehinungen brauchten andere Abschreibungen als alte, deren Maschinen schon mit einer Mark zu Buche ständen. Auch sei die Ucberprüfung der Angaben über die Selbstkosten ganz un- möglich. An dieser abfälligen Kritik ist viel Wahres. Aber trotzdem bieten die Angaben der Selbstkosten einen unzweifel- haften Vorteil für den Fall, daß Preiserhöhungen verlangt werden, weil die Rohmaterialien teurer geworden sind. Liegen die Kalkulationen vor, so ist der Einfluß der preisbildenden Faktoren leicht genau zu untersuchen. Gegen falsche Angaben können Stichproben vorgenommen werden, sei es, daß sich große Unterschiede in der Kalkulation derselben Waren durch andere Unternehmen oder Staatsbetriebe ergeben, oder daß hohe Gewinnzisfern zum Nachdenken reizen. Sehr wichtig scheint uns aber, daß die Aktiengesellschaften durch zwingende Gesetzesvorschrift verpflichtet werden, ihre Kriegs st euerrücklage, aus der sich zwar kein absolut sicherer, aber doch annähernder Rückschluß auf die Höhe des Gewinnes ziehen läßt, inderBilanzge sondertauf- zuführen. Denn so hoch die Gewinns scheinen, die die Gesellschaften gemacht haben, entsprechen sie doch lange nicht den wirklichen Tatsachen. Die Steuerbehörden, denen gegen- über.die Gesellschaften zu größerer Bilanzwahrheit verpflichtet sind, bekommen ganz andere Bilanzen zu sehen, ohne daß da- für gebürgt werden könnte, daß die Steuerbilanzen nicht eben- falls den Gewinn zu niedrig erscheinen lassen, indem in den zu hohen, von der Steuerbehörde nicht kontrollierbaren Ab- schreibungen stille Reserven versteckt werden, die später zur Freude der Aktionäre ans Licht der Sonne gezogen werden/ So haben die Daimler-Werke bei einem Aktienkapital von 8 Millionen Mark über 6 Millionen Mark Gewinn ausge- wiesen und eine Dividendevon 28 Proz. gezahlt, was auch schon ganz schön ist. Aber was will das dagegen sagen, daß nach einer unwidersprochenen Angabe die Rücklage für die Kriegsgewinnsteuer, die natürlich auch unter den„Kreditoren" verborgen ist, fünfzehn M i l- lionen Mark, fast das Toppelte des Aktienkapitals,� be- trägt, woraus auf einen das Grundkapital um fast 900 Proz. übersteigenden Reingewinn eines Jahres zu schließen wäre! Sobald die Verpflichtung statuiert wird, die Rücklage in der Bilanz gesondert aufzuführen, haben die Aktionäre einen Anhaltspunkt für den wahren Gewinn ihres Unternehmens, die S t e u e r z a h I e r für Umfang und Höhe der Preisüber- bietungen.._ Der Durchbruch am Szurüut-paß. 90 Kilometer jenseits der Grenze! Telegramm unseres Kriegsberichterstatters Dr. Adolf Köster. X. Armee. 20. November. Alach wochenlangen Gebirgskämpfen von unerhörten Schwierigkeiten bei wachsendem feindlichen Widerstand haben die Sturmschare nFalkenhay n s nunmehr die rumä- nische Ebene in breiter, fester Front betreten. Gerade an der Stelle, wo der Gegner einen Durchbruch großer Truppen- massen für am wenigsten wahrscheinlich hielt, hat die deutsche Führung überraschend und wuchtig den Einmarsch in sein Land erzwungen. Durch die 30 Kilometer lange, bahnlose Szurduk-Schlucht wälzten sich, nachdem auch der Vulkan- Paß endültig geöffnet war, in wenigen Tagen nach einer meisterhaft organisierten Marsch- o r d n u n g stockungslos unsere Massen an Infanterie, Kavallerie und Artillerie. DaS Tempo dieses Ein- bruchs kam dem Gegner so überraschend, daß er kaum Zeit fand, die Brücken und die Kunststratzen zu zerstören. So schnell eilte die fechtende Truppe durch den Paß, daß einige unserer Nachschubkolonnen Gefechte mit feindlichen Abteilungen zu bestehen hatten, die seitswärts der Paßstraße noch auf dem Vormarsch an ihre vermeintliche Grenzsront begriffen waren. Aber schneller noch breiteten sich nach der Durchbrechung der letzten starken rumänischen Befestigungslinie beiderseits Bum- besti unsere siegreichen Truppen in der nunmehr gewonnenen Ebene aus. Wie eine wilde Jagd fegten sie das I i u l- T a l hinab. Erst nachdem Targu Jiu, das nördliche Zentrum der kleinen Walachei, schon genommen war, sammelten sich die schnell verstärkten Rumänen auf den Höhen, die der Eisenbahn von Targu Jiu nach Carbunesti südlich vorgelagert sind. Hier entspann sich zwischen den Tälern des Jiul und des Gilortul vom 15. ab eine heftige Schlacht, in der Nebel und Schnee die Mitwirkung unserer Artillerie außer- ordentlich erschwerten. Nach langem, zähem Ringen wurden die Höhen genommen, die feindlichen Linien durchstoßen. Ter Gegner erlitt gemäß der Zähigkeit seiner Verteidigung schwere blutige und unblutige Verluste. Nach- dem seine Schlachtlinie durchbrochen war, bog er die bisher gegen Norden gerichtete Front gegen Westen, und gleichzeitig versuchte er noch einmal durch eine Umfassungsbewegung seines rechten Flügels uns in der linken Flanke und im Rücken zu bedrohen. Auch diese Versuche brachen blutig zusammen. Rücksichtslos setzten unsere Truppen den Weitermarsch nach Süden fort. In den drei Tälern des Jiul. des Motru und des Gilortul drangen unsere Kavalleristen und die ihnen hurtig folgende Infanterie so stürmisch vor. daß sie heute am 19. November schon dicht vor Filiasu stehen. Filiasu ist der Kreuzungspunkt der Bahnen von Crajova nach Orsovo und von Targu Jiul nach Crajova. Damit st e h e n wir fast 100 Kilometer tief in Rumänien. Durch den Einbruch unserer Heere in daS Herz der kleinen Walachei ist zunächst die Orsova-Gruppe des Feindes ihrer rückwärtigen Bahnverbindung beraubt. Sckon am JO. November. dem Tag, da unsere Heeresmaffen sich am Szurduk- Paß in Bewegung setzten, begannen die Banken und Behörden der kleinen Walachei abzubauen. Heute besinden sich große Scharen der Bevölkerung in wilder Flucht nach dem Osten. Aber auch die ganze geschlagene feindliche Gruppe. die unseren Einmarsch südlich des Szurduk-Passes zu verhindern suchte, ist durch unser Vorrücken bis an die Bahn Erajova-Orsova empfindlich getroffen, denn diese Eisenbahn bildet ihre einzige rückwärtige Bahnverbindung. Abgeschnitten von jeder Bahn. steht sie jetzt östlich deS Jiul-Tales in einer von Norden nach Süden laufenden Linie. In ihrem Rücken liegen die von den Transsylvanischen Alpen in die Walachei hmstteichenden langen GevirgSrippen. Diese und die zwischen ihnen befindlichen Rinnsale si»id gute natürliche Verteidigungslinien, die ostwärts bis an den Qlt reichen. Dr. Adolf Köster. Kriegsberichterstatter. »« « Tie Sommeroffenfive der Entente. Amsterdam, 20. November.(W. T. B.) Der militärische Mit- arbeitcr der„Tijd"' behandelt in einem Artikel die Ergebnisse der Sommeroffensive der Entente. Er schreibt: Die versprochene Ein- beit des Auilretens sei bei der Entente noch immer zu vermissen. Mit Ansang Juni seien die Russen zum Angriff übergegangen, einen Monat später die Franzosen und Engländer an der Somnie, wieder einen Monat später die Italiener bei Görz und schlietzlich habe Ende August Rumänien eingegriffen. In Saloniki bei General Sarrail babe sich überhaupt nicht? ereignet. Jniolge dieser mangel« baiten Kriegführung seien die Zentrolmä-bte imstande gewesen, ihre Truppen nach Bedarf von einem Kriegsschauplatz nach dem anderen zu werfen und dte ihnen drohenden Gefahren abzuwenden. Im W e st e n habe die Entente an der Somme zwar taktische Erfolge erzielt, nicht aber strategische. Im Vergleich zum ganzen besetzten Gebiet Frankreichs und Belgiens sei der von ihnen er- reichte Geländegewinn gleich Null. Im Osten sei es den Russen zwar gelungen, einen wichtigen Teil von Galizien wieder zu be- 'stzen, aber auch hier sei das strategische Ziel, der Durchbrach durch die österreichische Front und die Erobernng von Lemberg, nicht erreicht worden. Auch das Eingreifen Rumäniens habe nur ein negatives Resultat ergeben. Rumänien habe nickt durch Umfassung des südlichen österreichischen Flügels die ruffiiche Offensive gestärkt, sondern die unbeholfene Strategie der Rumänen habe im Gegenteil russische Slreitkräsle absorbiert, die dazu verwendet werden mußten, Rumänien vor dem Untergänge zu bewahren. Die russische Offensive sei vollständig zum Stlllstand gekommen. Auf dem i t a- lie nischc n Kriegsschauplatz'sei Jstrien und Triest das strategische Ziel gewesen, und die Italiener hätten auch Görz erobert, aber dabei sei es geblieben. Auf dem Bal- k a u endlich müsse das vorläufige Ziel der Entente die Durch- schneidung der Verbindungslinie Wien— Konstanlinopel sein. Der Versuch der Russen und Rumänen, durch die Dobrudscka vorzu- dringen, habe aber vollständig Schiffbruch erlitten, und mit der Durchführung der Offensive von Soloniki aus habe man nicht ein- mal begonnen. Alles in allem seien die Ergebnisse der Somurcroffensive der Alliierten sehr kläglich, und wenn es so weiter gehe, würden die Alliierten auch in lZ Jahren noch nicht an den Rhein gelangt sein, obwohl Joffre geglaubt habe, daß er keine IS Monate dazu brauchen werde. Die Athener Hesanüten-Vergewaltigung. Athen, A). November.(W. T. B.) Meldung des Reuter- schcn Bureaus. Der deutsche, der österreichisch-ungarische, der bulgarische und der türkische Gesandte müssen sich auf einem Dampfer einschiffen, der zu ihrer Verfügung gestellt worden ist; andernfalls lviirden sie mit Gewalt entfernt werden. Fournct hat ihnen das direkt mitgeteilt. Der König hat jede Verantwortung abgelehnt. Die spanische Gesandrschast übernimint den Schutz der deutschen Untertanen, die amerikanische Gesandtschaft den der österreichischen und ungarischen, sowie der türkischen und bulgarischen Untertanen. Der Athener Korrespondent der„Times" meldet. daß Admiral Fournet am Sonntag abend um 1 Uhr eine Note an die Gesandten der Mittelmächte richtete, in der er sie ersucht, die Stadt vor Mittwoch zu verlassen. Sie werden vermutlich au Bord eines Kriegsschiffes der Alliierten nach Dedcagatsch gebracht werden.— Notiz von W. T. B.: Da Deutichlaud seit geraumer Zeit von jeder telegraphischen und brieflichen Verbindung mit Griechenland abgeschustten ist, kann die Nichtigkeit dieser Moldungen hier nicht nachgeprüft werden. An sich wäre es der Entente durchaus zuzutrauen, daß sie der langen Kette fortgesetzter Vergewaltigungen des Völker- rechts und der Freiheit der kleinen Staaten in der angegebenen Weise die Krone aufsetzt. Nach einer Meldung des„Eorriera della Sera" aus Athen vom 20. nachmittags beschloß der Kronrat, die Ford erun gen des AdmiralS Fournet zu verwerfen. B i e l l e i ch t werde noch eine andere Sitzung statt- finden. Die Lage ist unsicher und bewegt. «.Die Zeit, Zrieüen zu schließen/ „Asquith' Worte gelten." Amsterdam» 2l. November. sW. T. B.) Der Londoner „Times" wird von ihrem Korrespondenten in New Jork ge- meldet, die„New Jork Times" vertrete offen die Ansicht, daß die Zeit, Frieden zu schließen, gekommen sei.„New Jork TimeS" druckt eine Reihe von Artikeln ab, die, wie das Blatt sich ausdruckt, aus der Feder von Leuten stammen, die auf beiden Seiten der Erdkugel als zuständig anerkannt werden. Die Londoner„Times" bemerkt dazu, daß für die Engländer nach wie vor die Worte gelten, die Asguith in der Guildhall gesprochen habe. Tie„Times" bezieht sich auf die Worte:„Wir werden niemals eher das Schwert in die Scheide stecken, bis Belgien nicht alles, was es geopfert hat, und mehr noch als das, voll- ständig wiedererhält, ehe nicht Frankreich gegen die Gefahr eines neuen deutschen Ueberfalls gehörig geschützt ist, die Rechte der kleinen Nationen in Europa nicht auf einer gesetz- lich unerschütterlichen Grundloge festgelegt sind und Preu- ßens Militärherrschaft nicht vollständig und für immer ver- nichtet ist."_ Die Bewaffnung der englischen Handelsschiffe. R-ttrrdaiu, 2t. November. sW. T. B.) Der Londoner Kor« respondeni des.Manchester Guardian' schreibl über die Bewaffnung von Handelsschiffen, die jetzt in englischen Blättern viel besprochen wird: Es ieie» nicht viele Schiffe so gebaut, daß sie aus Deck ein« Kanone iübren könnten, die groß genug sei, um gegen die modernen U-Boote wirk'am zu sein. Es sei auch verlangt worden, daß nicht nur out dem Achterdeck, sondern auch an anderen Stellen der Schiffe Ge'chütze aufgestellt würden. Die amerikanische Regierung habe zwar vor einiger Zeit mitgeteilt, daß bewaffneten Handelsschiffen nicht der Zugang zu den amerikoniichen Häfen verweigert werden würde, wenn sie nur zu Verleidigungszwecken ausgerüstet seien, aber eine Bewaffnung wie die vorgeschlagene würde die amerikanisch« �tigieruna wahr'cheinlich nicht als eine reine Berteid, gungStewaffnung betrachten._ Schweden an Norwegen. Stockholm, 21. November.(W T. B.)„Stockholms Tag- b/uo veröffentlicht einen Leitartikel, der sich deutlich an die Adresse Norwegens richtet. Das Blatt betont zunächst, daß wirklichen Krise zwischen Teutschland und Norwegen das schwedische Volk unter allen Umständen keine andere als eine rem schwedische Politik treiben werde. Dann heißt es weiter: l .AuS leicht einleuchtenden Gründen mußte es seit Anfang des Krieges in Schwedens Interesse liegen, Norwegen ein« Stütze zu leihen, die ein Gegengewicht gegen die übermächtigen Einflüsse einer kriegführenden Partei in Norwegens Politik bilden konnte. Hierin liegt schwedischerseits der Hauptgrund zu einem politische,: Zusammenwirken zwischen den beiden Staaten der slandinavi scher, Halbinsel während des Weltkrieges. Dadurch sind aber zugleich Ziel und Grenzen dieses Znsammenwirlens bestimmt. Nirgends bei uns dürft« man sich der Illusion hingeben, daß unser Streben, Norwegen eine solche Stütze zu sein, von besonders großem Erfolg gekrönt war. Die äußeren Hindernisse für die skandinavische Neutralitätspolitik zeigten sich hier viel zu stark, und man kann leider nicht sagen, daß gewisse Erscheinungen im Erwerbsleben und in der allgemeinen Meinung Norwegens geeignet waren, diese Hindernisse zu beseitigen. Um so weniger kann also Norwegen in seinen jetzigen Schwierigkeiten Anspruch auf eine schwedische HUfe erheben, die sich über die durch Schwedens eigene Interessen vor- geschriebenen Grenzen hinaus erstreckt. Diese Interessen können niemals verlangen, daß Schweden sich von Nor- wegen unter die gleiche fremde Sch u tz he r r sch a f t ziehen läßt, der die schwedische Initiative zu einer gemeinsamen skandinavischen Neutralitätspol i- t i k gerade in bezug auf Norwegen womöglich entgegen- arbeiten wollte. Ebensowenig kann Schwedens Interesse jemals erlauben, daß wir aus Rücksicht auf Norwegen oder über- Haupt irgend jemand unser Verhältnis zu der einzigen Macht gc- fährden, bei der wir in einer gewissen lebensgefährlichen Lage auf Unterstützung rechnen können. Angesichts der hoffentlich noch nicht unvermeidlichen Möglichkeit eines Bruches zwischen Deutschland und Norwegen muh Schweden sich vor allem auf seine Pflichten gegen sich selbst besinnen. Zum Schluß wird noch die Warnung ausgesprochen, daß Norwegen sich in bezug auf schwedische HUfe kernen falschen Hoffnungen hingeben soll. Der Aufsatz erregt wegen seines ruhigen und bestimmten Tones allgemeines Auf- sehen. Der Seekrieg. Ter Prozest wegen Bark„Elicoa". Ehriftiania, 20. November. Meldung des Norwegischen Tele- grammbureauS. Nach einen, Telegram», au Nordisk SkibSreder- iorenign ist der Prozeß betreffs der Bark.Elicon' vor dem deutschen Oberprisengericht gewonnen, das Urteil des UnierprisengerichtS damit umgestoßen und der Reederei Schadenersatz zuer- ka n n t worden. Seine Höhe wird in üblicher Weile festgesetzt werden. Die Bark„Elicon" war am l. November 1gl4 bei Juan Fernande, aufgebracht worden. Das Schiff hatle am 3. Mai Cardiff mit Kohlen noch Chile Verlasien. Trotz des Ein- fprucheS des Kapitäns hatten deutsche Kriegsschiffe die Bark nach der Insel Mesafuera gebracht, wo der größle Teil der»kohlen auf deutsche Kriegsschiffe umgeladen wurde..Elicon' hatte dabei Schaden gelitten. lW. T. B.) H.-U.„Teutschland". Amsterdam, 2l. November. sW. T. B.) Die Zeitungen melden aus New Aork, daß die Eigentümer der.Teutschland' für die Frei- gäbe des Schiffes 87 000 Dollar hinterlegt haben, nachdem auf Grund des scklvebendei, Prozesses ein Zurückhaltungsbefehl gegen das Schiff ergangen war. Die.Deutschland' darf demnach jeder Zeit den Haien von New London verlassen. Tie Schiffsverluste bis zum SV. September. Haag, 21. November. Die niederländische Versicherungsfirma Blomund van der Aa in Amsterdam meldet für die Zeit vom Kriegs« ausbruch bis 30. September folgende durch den Krieg hervorgetretenen Schiffsverluste und schweren Schiffsbeichädigungen: 1840 Schiffe mit 8 881 100 Tonnen, von denen Sti Schiffe mit 268 682 Tonnen wieder hergestellt wurden. Hiervon verloren die Neutralen 402 Schiffe mit 624 540 Tonnen, von denen 40 Schiffe mit 160 718 wieder her- gestellt wurden. England verlor 571 Eck, sie 1 826 537 Tonnen, von denen 29 Schiffe mit 117 047 Tonnen repariert wurden. Außerdem verlor England 422 Trawler mit 57 497 Tonnen. Frankreich verlor lIK Schiffe mit 207937 Tonnen, Deuiichland 86 Schiffe mit 213185 Tonnen, von denen 10 Sckiffe mit 24 397 repariert wurden. Italien verlor 114 Schiffe mit 196 011 Tonnen. Norwegen 157 Schiffe mit 208 876 Tonnen. IHierbei ist zu bemerken, daß die Verluste an eng- liichen und französischen Schiffen gerade seit dem 30. September er- heblich zugenommen haben und mehr als eine weitere halbe Million Tonnen betragen dürften).' sFrkf. Ztg.). » ll-Boot-Eifer im Kanal. B e r li n, 21. November.(W.T.B.) Eins unserer U-Booi« versenkte am 14. November im englischen Kanal ein fr a n z ö i i sch e s Bewachungsfahrzeug, anscheinend Zer- störe r der Are- oder Sope-Klasie; außer sechs feindlichen Handelsschiffen wurde von demselben U-Boot der nor- w e g i s ch e Dampfer.Ullvang', der Kriegsmaterial für die französische Regierung an Bord iiibite, versenkt. Bersenkte Schiffe. Lloyds meldet: Die Fischdampfer.Hetsuse' und.Beronica" wurden versenkt.(W. T. B.) Amsterdam, 20. November. Die Dampfer.PrinfeS Juliona' (Amsterdam— Ostindien),.Boston'(Batavia— Amsterdam) und ,Ce- lebeS'(Balavia— Amsterdam) haben ihre Post in England zurücklassen müssen.ung des Wiener K. K. Telegr.» Äorresp.-Bureaus.) Der Senat verhandelte über die vom Kriegs- minister eingebrachten Wehrvorlagen, welche die Reorganisation der spanischen Armee bezwecken. Sobald die Vorlagen vom Senat an- genommen sind, wenden sie an die Kammer weitergelertet. In diesen Vorlagen ist die Einteilung Spaniens in acht Militärterri. iorialbezirk« beibehalten. Die Friedensstärke der Armee beträgt 110 000 Mann, von denen aus Afrika 50 000 entfallen. Die gesamte Kriegsstärke beträgt 700 000 Mann.(W. T. 23.) Gswerksthastiiches. Öerün und Umgegend. 2Iud dem Kriegöausschuh für die Metallbetriebe Gro�-Berlins. Der Vorzeichner B. von der Firma B. will den Kriegsschein, w e il ihm der Lohn zu gering ist. Da jedoch festgestellt wird, daß zurzeit gerade wegen Lohnaufbesserung für alle im Betrieb beschäftigten Vorzeichner Veichandlungen schweben, wird dem Vorzeichner B. gesagt, er solle das Ergebnis der VerHand. lungeu abwarten. Tie Schlosser F. und H. von der Firma Fl. wollen den Kriegs- schein wegen zu wenig V e r d i e n st. Das Ergebnis der Ver- Handlungen war, dag die Firma sich freiwillig bereit erklärt, beiden den Kriegsschein zu geben. Der Arbeiter O. von der Firma F. will seinen Kriegsschein wegen z u w e n i g L o h n O. ist als Giestereiarbciter beschäftigt. Die Firma erklärt sich bereit,£). sofort 10 Pf. Zulage zu geben. Damit war die Sache erledigt. Der Schlosser K. bei der Firma D. will einen Kriegsschein wegen zu geringem Lohn. Die Firma erklärt sich bereit, sofort eine Zulage zu geben und ist damit die Sache erledigt. � Ter Bohrer V. von der Firma D. T. will einen Kriegs- schein, weil er sich über eine Lohnaufbesserung nnt der Firma nicht verständigen kann. Eine Verhandlung über die Sache selbst erübrigt sich, da festgestellt wird, daß B. seinerzeit ohne Kriegsschein eingestellt ist. Tie Firma S. hat deshalb keinen An- spruch auf einen Schutz durch den Kriegsschein, und erhält der Mechaniker B. deshalb ohne weiteres den Schein. Von der Firma K. in Lichtenberg erscheint eine Kommission der Werkzeugmacher und Einrichter, die den Kriegsschein wün- schen, weil sie sich mit der Firma über etnc Lohnaufbesse- r u n g nicht verständigen können. Die Verhandlungen schweben bereits mehrere Wochen. Das Ergebnis der Beratung ist, daß die Firma sich bereit erklärt, 28 Mann eine Zulage von 10 Pf. zu geben, und 90 Mann erhalten lö Pf. Zulage pro Stunde. Mit Rücksicht darauf, daß die Verhandlungen sich schon seit mehreren Wochen hinziehen, erklärt sich die Firma weiter bereit, die Lohn- erhöhung vom 1. November an zu zahlen.(Obige Abmachung ist am 9. November getroffen) In den J.-Werken, Pankow, ist der Schmied Ä. beschäftigt Und will derselbe wegen zu wenig Lohn den Kriegsschein. Der Schmied erhalt eine sofortige Zulage und ist damit die Diffe- renz erledigt. Ein Kriegsschein wird nicht erteilt. Der Hilfsarbeiter K. von der Firma G. will einen Kriegs- 'chcin wegen zu wenig Lohn. Mit Rücksicht darauf jedoch, dast für diesen wie für alle anderen Betriebe derielben Branche erst vor wenigen Tagen eine allgemeine Regelung stattgefunden hat, kann das Verlangen des Hilfsarbeiters K. nicht als berechtigt anerkannt werden. 11 Mechaniker der Firma M. u. G. wollen einen Kriegsschcin, weil sie sich über den Verdienst mit der Firma nicht ver- ständigen können. Da sich herausstellt, daß die Verhandlungen im Betrieb noch gar nickt erschöpft sind, vertagt der Kriegsaus- schust die Sache um eine Woche, um zunächst einmal das Ergebnis der endgültigen Regelung im Betrieb abzuwarten. W. Mit der Frage neuer Teuerungszulagen für Buchbinder und Buchbinderri-Ardeitcrinnen beiatzte sich am Montag wieder eine Branchenverl ammlung der in Buchbindereien, Buckdruckcreien und Gesckäftsbückerfabriken be- fchäitigren Mitglieder der Filiale Berlin des Deutschen Buckbinder- Verbandes. Sowohl an den Berein Berliner Buckdruckerebesitzer, als auch an den Verein Berliner Buchbindereibesitzer war von der Organiiation nainenS der erwähnten Arbeiterschaft die Forderung gestellt worden, eine neue Teuerungszulage zu gewähren. Sie hatte 18 Proz. der bestehenden Löhne und Akkordpreise betragen. Nach dem von R ü g e r erstatteten Bericht ist vorläuftg nur zwischen der Vertretung der Organiiation der Buchbinder und dem Verein der Buchdruckereibesitzer eine Vereinbarung zustande gekommen, die die Buchdruckereien und die Geichäflsbücherfabiike» betrifil. Eine Anerkennung der Forderung, so wie sie gestellt ist, war allerdings nichl au erreichen. Dagegen wurde folgendes vereinbart: Die in der Sitzung vom 12. Mai 1916 vereinbarten monatlichen TeuerungS- Zulagen der Gehilfen werden um 78 Proz. erhöht. Bei den ver- schiedencn Lohnstaffeln des Tarifs beträgt danach die TeuerungS- zulage für Verheiratete nionatlich 17,80 M.(bisher 10 M.), 1t M.(bisher 8 M), 10,50 M.(bisher 6 M.), 8.75 M.(bisher 8 Ml. 7 M.(bisher i M.i. Die Ledigen erhalten jetzt an TeuerungS- zulage Ii M.(bisher 8 Ml. 10,50 M.(bisher 6 M.). 7 M.(bisher i M.). 5.25 M.(bisher 3 Ml. 3,50 M.(bisher 2 M.) Akkordarbeiter. die im Monatsdurchichnitt, der geleisteten Arbeits, eit entsprechend, nicht mehr als 70 Pf. pro Stunde verdient haben, erhallen den- ienigen Teuerungszuichlag, der sich für die betreffende Klaffe der Lohnarbeiter versteht. Arbeiterinnen in Wochen« lohn erhalten jetzt: die geübten 10,50 M., die ungeübten 7 M. nionatlich. Akkordarbeilerinnen, die im Monatsdurchschnitt nicht mehr als 2 M. über dem Minimum verdient haben, erhalten den obigen TeuerungSzm'chlag gleichfalls.— Für Handfalzarbeiten werden Ätkordarbetterinnen 10 Proz. auf die tariflichen Akkordlöhne zugeschlagen.— Autzerdem wird für alle Kinder unter 14 Jahren eine Kmdcrzulage von monatlich 2 M. an Verheiratete und Ledige gezahlt, ungeachtet der Lohnhöhe und Beschäftigungsart.— Lohn- erböhungen' die seit dem 1. April 1916 gewährt sind, ebenso die seit dieser Zeit gezahlten Kriegszulagen, können auf den TeuerungS- zuichlag in Anrechnung gebracht werden. Wo bisher bereits höhere, als die obigen Teuerungszulagen gewährt sind, dürfen diese infolge der neuen Vereinbarung nickt gekürzt werden, können aber gleichfalls in Anrechnung gebracht werden. Die zugestandenen TeuerungS. zuschlüge gelten mit Wirkung vom 1. Oktober ab und sind stets in der ersten Wocke de-Z nächsten Monats zahlbar.— In G.'lchäftsbücher- fabriken mit Werkstubentarifen ist es zulässig, datz die Arbeiter- auSicküsse durch besondere Verhandlungen neue Teuerungszuschläge crwi'.ken. Soweit der Verein der Berliner Buchbindereibesitzer in Frage kommt, schwebt die Sache noch, da dieier Verein die An- gelegenheit nicht lokal regeln will, sondern eine zentrale Regelung für'das Gebiet des sogenannten Dreistädtetags, also für Berlin. Leipzig und Stuttgart, für erforderlich hält. Wolf als erster Diskussionsredner befürworte folgenden, von einer Werkstubenveriammlung beschlossenen Antrag: „Sollien die Unternehmer den berechtigten Wünschen der Arbeiterichast nicht entsprechen und eine den gegenwärtigen Ver- Hältnissen rechnungtragende Teuerungszulage ablehnen, so sind bis zu einer endgültigen Regelung alle Ueberstnnden zu vermeiden.� Dieter Antrag wurde noch kurzer Disston entgegen dem Wider- spruck der Leitung, die ihn wegen deS Tarifs für unstatthaft erklärte, angenommen. Eine Abstimmung über die Vereinbarung mit dem Verein der Buchdruckereibesitzer ergab, datz die M e h r- heit der Abstimmenden sich nicht damit einvcr- standen erklärte._ Die Teuerungszulage der Geschoftkorbmacher. Vor einiger Zest haben die Korbmacher eine Bewegung zur Erlangung einer Teuerungszulage von 25 Proz. eingeleitet. Ver- suche, über diese Forderung mit dem Jnnungsvorstande sowie mit der LieferungSveveiuigung selbständiger Korbmacher zu ver- handeln, hatten keinen Erfolg. Dann wandten sich die Arbeiter der einzelnen Betriebe an ihre Arbestgeber. Zinn kam es zwar zu Besprechungen und Verhandlungen, die aber damit endeten, datz die Unternehmer erklärten, es sei ihnen nicht möglich, eine Lohnzulage zu bewilligen. Die Organisation der Arbeiter ver- suchte dann, die zuständige Milstärbehörde als Auftraggeberia zu einem vermittelnden Eingreifen zu bewegen. Auch dieser Ver- ��Berantw. Redakt.: Horm. Müller, Tempelhof. Inseratenteil veranl such hate keinen•Erfolg. Das Ersuchen der Arbeiterorganisation wurde dahin beantwortet: An eine Preiserhöhung sei jetzt nicht zu denken, also erübrige sich die nachgesuchte Aussprache. In- zwischen ist die Teuerung immer drückender und das Verlangen nach einer entsprechenden Lohnausbesserung immer dringender ge- worden. Die Arbeiter haben deshalb vor einigen Wochen ihre Forderung direkt an die einzelnen Unternehmer gestellt. In den Betrieben, in denen die Arbeiter mit der nötigen Entschiedenheit für ihre Forderung eintraten, sind Zulagen bewilligt worden. Aber in anderen Betrieben wurde nichts erreicht. Den Arbeitern ist eS natürlich darum zu tun, datz eine allgemeine Verftändi- gung über die dringend notwendige Lohnaufbesserung zustande kommt. Diese Möglichkeit liegt jetzt vor. In den letzten Tagen sind wieder Verhandlungen angebahnt worden, die diesmal mit den gesamten Geschotzkorbfabritanten geführt werden. Eine Branchenversammlung der Korbmacher, die sich am vorigen Mitt- woch mit dieser Angelegenheit beschäftigte, befchlotz: In allen Betrieben sind Ende der Woche die gestellten For- derungen zur Durchführung zu bringen. Die Branchenkommission wird ermächtigt, eventuelle Verhandlungen mit den Unternehmern inzwischen weiter zu führe:!.(z) Teuerung, Stadtverwaltung und städtische Arbeiter Neuköllns. Im Frühjahr 1915 hatten die städtischen Körperschaften Neu- köllns beschlossen, den Arbeitern eine Teuerungszulage in der Weise zu gewähren/daß im Mai und im Oktober je eine-einmalige Zu- butze zum Lohn in Höhe pon 25 M. gewährt werden sollte. Tie erste Zahlung ist prompt erfolgt. Im Juli und August machte sich aber die Teuerung bereits in so drückendem Matze geltend, daß die Arbeiter eine Lohnerhöhung von 1 M. pro Tag beantragten. Die Erlediguing dieser Anträge zog sich jedoch hm bis zum Oktober, also bis zu der Zeit, wo die zweite Teuerungszulage von 25 M. fällig war. Man bewilligte den Arbeitern ab 1. Oktober eine Teue- rungszulage von 50 Pf. pro Tag und— d i c 25 M. entzog man ihnen. Alle Vorstellungen hiergegen und auch die An- träge, wenigstens vom 1. August ab die 50 Pf. pro Tag nachzuzahlen oder die 25 M. nun autzerdem noch auszuzahlen, blieben fruchtlos. Seit dieser Zest wurden die verschiedensten Versuche unternommen und entsprechende Anträge durch den Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter gestellt, die eine Besserstellung der städtischen Ar- bciter bezweckten. Alle diese Anträge wurden von der Stadtver- waltung abgelehnt mit der Begründung, datz während des Krieges an eine Aenderung der Löhne nicht gedacht werden kann und daß außerdem die finanzielle Belastung der Stadt schon eine sehr er- hebliche sei. Das ist nicht zu leugnen. Aber sollen denn die Ar- bester bei der Teuerung in diesem Matze die Leidtragenden sein? Am 20. September d. I., nachdem also die Arbeiter ein volles Jahr den Druck der ungeheuerlich gestiegenen Teuerung getragen hatten, richtete eine Versammlung der Arbeiter aller städtischen Betriebe an die Stadtverwaltung den Antrag, die Löhne allgemein um 10 Pf. pro Stunde zu erhöhen. Ganz gewiß ein billiges Ver- langen; denn nicht entfernt hätte die Bewilligung dieser Forderung einen Ausgleich zwischen Geldlohn und Kosten für den Lebensunter- halt berbeigeführt! Aber dieser Antrag fand keine Berücksichtigung. Die Kriegs-Notstandskommission wurde mit der Erledigung betraut, und sie beschloß nach heftigen Debatten, nur den ver- heirateten Arbeitern 10 Pf. pro Tag„Teuerungszulage" zu gewähren. Die Arbeiterinnen und die ledigen Arbeiter gingen vollständig leer aus. Für die Kinder hingegen wurden gleichfalls pro Kind und Tag 10 Pf. bewilligt. Demnach beträgt nun die Kinderzulage pro Kopf und Tag 20 Pf. Wie wenig diese verbesserte Kinderzulage die Stadtverwaltung kostet, zeigt eine durch Fvage- bogbn ermittelte Feststellung. Von 366 städtischen Arbeitern hatten 201 überhaupt keine Kinder, 77 Arbeiter je 1, 47 Arbeiter je 2, 22 Arbeiter je 3, 9 Arbeiter je 4, 5 Arbeiter je 5, 1 Arbeiter 6 und 1 Arbeiter 8 Kinder im Alter von unter 16 Jahren. Also nur 38 Arbeiter hatten mehr als 2 Kinder unter 16 Jahren. Die erdrückende Mehrzahl der Arbeiter erhall also nur zu den im vorigen Jahre bewilligten 50 Pf. pro Tag noch lv Pf. hinzu, insgesamt also eine Teuerungszulage zu den FriedenSlöhnen von 60 Pf. pro Tag. Damit vergleiche man die finanzielle B e l a st u n g der Arbeiter durch die gestiegenen Kosten des Lebensunterhalts! Die Arbeiter waren über diese„Erhöhung" ihrer Bezüge außerordentlich aufgebracht. Trotzdem unternahmen sie noch einem Versuch zur Verständigung. Eine an die städtischen Körperschaften gerichtete Petition wurde in zwei Tagen von 447 städtischen Ar- beitern und Arbeiterinnen unterzeichnet. In der Petition heißt es unter anderem: „Wir vermögen in der gewährten Teuerungszulage eine unsere Notlage auch nur annähernd berücksichtigende Maßnahme nicht zu erblicken. Die vollständige Richtberücksichtigung der Reinigungs- frauen wie auch der ledigen Vollarbeiter und-arbei- t e r i n n« n ist uns unerklärlich und daher für uns auch unan- nehmbar. Die Erhöhung der Teuerungszulage für verheiratete Arbeiter und Arbeiterinnen ohne Kinder unter 16 Jahren im Be- trage von 10 Pf. pro Tag können wir unter den jetzigen Teue- rungSverhältnissen und der dadurch so ungeheuerlich gesunkenen Kaufkraft des Geldes als eine merkliche Erhöhung unseres Ein- kommenS nicht bezeichnen" Diese Petition wurde am 3. November dem Magistrat wie auch den Stadtverordneten unterbreitet. Bis jetzt hat sich unseres Wissens nur der Stadtverordnetenvorsteher Herr Sander zu dieser Petition, und zwar in entgegenkommendem Sinne, geäußert. Vom Magistrat liegt eine Gegenäutzerung noch nicht vor. Wir hoffen und wünschen, daß die Anträge der Arbeiter schleunigst Berücksich- tigung finden werden. Sind Mittel nicht vorhanden, so müssen sie eben beschafft werden. Das ist eine bittere Notwendigkeit. Denn nach dem Kriege werden voraussichtlich die Mittel auch nicht reich- licher vorhanden sein als jetzt. Den städtischen Arbeitern aber können wir nicht dringend genug ans Herz legen, weit mehr noch als bisher sich ihrer Organi- sation, dem Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, anzu- schließen. Nur eine fest und gut organisierte Arbeiterschaft wird sich Lohn- und Arbeitsbedingungen schaffen können, die ihnen eine erträgliche wirtschaftliche Existenz gewährleisten. Das war vor dem Kriege so, das ist während deS Krieges nicht anders geworden, und das wird nach dem Kriege so sein. flus der Partei. Ei« italienisches Schrcckensurtcil. Wie das Züricher„Volks- recht" berichtet, hat das Kriegsgericht in Rom in dem Prozeß gegen die jugendlichen Sozialisten Toscani, Sardelli, Morara und Ma- rinozzi den ersten zu sechs, die übrigen zu je fünf Jahren Kerker verurteilt. Es handelt sich um die seinerzeit beschlagnahmten Flugblätter, die zu einer Jugendkundgebung gegen den Krieg am 3. September aufforderten. Eine Verbreitung dieser Flugblätter soll den Angeklagten gar nicht zur Last fallen, sondern lediglich der Besitz einer Anzahl Exemplare. Gleich nach der Beschlagnahme und Verhaftung setzte eine wüste Pretzhetze ein, die jetzt einen so traurigen Erfolg gehabt hat. Was der„Avanti" zu dem Urteil sagen wollte, wurde von der Zensur gestrichen. Die ersten Sozialdemokraten im Neuruppincr Stadtvcrord- nctentollrgium. Bei den Stadtverordnetenwahlen in Neu- r u p p i n, die n i ch t im Zeichen deS Burgfriedens stattfanden, haben die Sozialdemokraten einen Sieg davongetragen. Alle vier sozialdemokratischen Kandidaten wurden gegen die Kandidaten der vereinigten bürgerlichen Parteien gcivählt. Damit erhält Neu- ruppin die ersten sozialdemokratischen Stadtvätcr. >.TH. Glocke, Berlin. Drück u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanst. Mus Industrie und Handel. Die Schultheist-Brlmcrci. Die Schultheitz-Brauerei, A.-E., hat für 1915/16 einen für die Aktionäre durchaus befriedigenden Abschluß veröffent- lichen können. Die Roheinnahmen sind zwar von 22,7 Mill. Mark auf 19 Mill. Mark gesunken, dafür aber auch die A u S- gaben von 17,8 auf 13,8 Millionen Mark, so daß sich nach Ab- schreibungen in der ungefähren Höhe deS Vorjahres(2 Millionen Mark) ein höherer Reingewinn als im Vorjahr ergibt �— 3,6 Mill. Mark gegen 3,3 Millionen Mark, wovon 16 Proz. Dividende ge- zahlt und 0,6 Millionen Mark vorgetragen werden. Die Dividende ist so hoch wie im Borjahr— 16 Proz.— und höher als 1913/14, wo nur 12 Proz. gezahlt wurden. Im Geschäftsbericht wird zwar gewaltig über die Teuerung der Rohmaterialien geklagt, aber nur die Biertrinker, nicht die Aktionäre leiden darunter. Der Malzverbrauch ist bekanntlich auf 48 Proz. eingeschränkt, und von dem erzeugten Bier müssen 10 Proz. an die HccreSver- waltung geliefert werden. Ter Absatz an Faßbier wird nach Mög- lichkeit hochgehalten, dagegen ist der Verbrauch von Flaschenbier auf 50 Proz. verringert. Beliefert werden mit Flaschenbier besonders die Munitionsarbeiterkantinen. Die Hypotheken und Darlehen sind von 3,46 auf 2,6 Millionen Mark gesunken, da keine neuen Kunden erworben werden und die alten ihre Schulden zahlen. Die bedrängte Lage der Gastwirte geht daraus hervor, daß die Ein- lagen der Kunden und Arbeiter von 6,97 auf 5,99 Millionen Mark, also um eine ganze Million, gesunken ist. Der Bericht betont, daß diese Abnahme auf den Verdien st rückgang. der Gastwirte und nicht etwa auf die Zeichnung von Kriegsanleihe zurückzuführen ist. Die deutsche Elseniudustrie und der Krieg. Auf der kürzlich abgehaltenen Mrtgliederversmnmlung des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustricller wurde die Lei- stungSfähigkcit der Industrie für die Erzeugung von Kriegs- Material gerühmt. Der Geschäftsführer Dr. Reichert führte aus, daß die Notwendigkeit, die Eise-.- und Stahlausfuhr zu kontingen- tiercn, die Bildung vieler Ausfuhrverbändc angeregt habe. Die gute Konjunktur spiegelt sich darin wider, daß noch niemals so viele Konventionen zustande gekommen sind wie im lausenden Fahre. „1916 ist das Jahr der Shndizierung, das Jahr des Zusammen- schlusses!" In der Grotzeisenindustrie wurden gebildet Verbände für Stab-, Band-, Universaleisen, Grob-, Mittel- und Feinbleche, gezogenen Draht, Walzdraht, Drahtseile, schmiede- und gußeiserne Röhren, kaltgezogenes Stangeneiscn und Wellen sowie laltgc- walztes Bandeisen. Mit der Ausfuhrregelung befassen sich Ver- bände für Eisenbahnwagenbestandtetlc, Fässer. Feilen, FittinAs, Flanschen, Herde, Oefen, Schaufeln, Spaten, Schlösser, Schlüssel, Sensen und Sicheln. In der Handelspolitik soll für die Zukunft eine Einigung der ganzen eisenerzeugenden und verarbeitenden Industrie angestrebt werden. Bekanntlich haben bisher die weiterverarbeitenden, reinen Werke darüber geklagt, daß die Großindustrie, die im Jnlande, gestützt auf die Zölle, höhere Preise verlangte, ins Ausland schlenderte, um nur die Werke in vollem Gang zu erhalten und so die ausländischen Wettbewerber der weiterverarbeitenden Industrie in den Krisen kräftigte. Soziales. Die Krankenverstcherungspflicht der Militäriuvaliden. Nach§ 3 des Gesetzes betreffend Erhaltung von Anwartschast aus der Krankenversicherung vom 4. August 1914 haben Versiebe- rungsberechtigte, deren Mitgliedschaft erloschen ist. weil sie die Mit- gliedschaft während der Dauer des Krieges nicht freiwillig fort- gesetzt haben, das Recht, binnen sechs Wochen nach ihrer Rückkehr in die Heimat in die Krankenversicherung wieder einzutreten, wenn sie während des ge>zenwärtigen Krieges Kriegs-, esanitäts- oder ähnliche Dienste geleistet haben. Das gilt naiäclich auch für Knegsinvalideii, und zwar sowohl für die, die gänzlich crwerbS- unfähig infolge des Krieges geworden sind, als auch für die, die nur einen Teil ihrer Arbeitskraft eingebüßt baben. Für die, die über- Haupt nicht mehr arbeiten können, bat der Wiedereintritt in die Versicherung allerdings nur einen bedingten Wert. Aber trotzdem ist auch für sie empfehlenswert, von dem Recht Gebrauch zu machen und wieder Mitglied ihrer Krankenkasse zu werden. In all den ErkrankungS fällen, die mit der Ursache ihrer Invalidität zu- sammenhängen, wird in der Folge zwar die Militärbehörde stets einzutreten haben. Aber auch bei diesen Leiden wird die Juan- spruchnahmc der Kasse vielfach zweckmäßig sein, und dann können sich auch zahlreiche andere Krankheiten einstellen, für die diese Le- Hörde nicht zu leisten braucht. In diesen'Fällen muß dann die Krankenkasse, bei der sie sich wieder versichert haben, einspringen. Nun hat zwar das ReichsvcrsicherungSamt letzthin entschieden, datz Leute, die gänzlich erwerbsunfähig sind, im Falle einer neuen Er- krankung, auch wenn diese sie an sich erwerbsunfähig gemacht hätte. keinen Anspruch auf Krankengeld haben. Bestehen bleibt aber der Anspruch auf ärztttche Behandlung, Medikamente usw., und das ist doch soviel wert, daß die Fortsetzung der Mitgliedschaft nur anzu- raten ist, zumal sie in der niedrigsten Klasse fortgesetzt werden kann und die damit verbundene geringe Beitragsleistung an der Art der ärztlichen Bebandlung usw. nichts ändert. Halbinvalide, die eine Beschäftigung aufnehmen, werden zwar schon auf Grund dieser Beschäftigung versicherungspflichtig. Aber wenn sie in der Zwischenzeit mehr als sechs Wochen nach ihrer Rückkehr in die Heimat haben verstreichen lassen, dann leben die alten Rechte, die sie durch ihre frühere Mitgliedschaft erworben hatten, nicht wieder auf, und das kann in all den Kassen Bedeu- tung haben, in denen inzwischen über die Mindestleistungen wieder hinausgegangen ist. Es sollten deshalb die Halbinvaliden inöglichst bald in die Versicherung eintreten, gleichviel, ob sie Arbeit haben oder nicht. Ihnen mutz natürlich, wenn sie von neuem erkranken, die Krankenkasse in jedem Falle die vollen Kassenleistungen zu- kommen lassen, und zwar auch da, wo eigentlich die Militärbehörde aufzukommen hat. Das hat für sie den Vorteil, datz sie sehr rasch einen Arzt gestellt bekommen. Daneben beziehen sie auch das Krankengeld, falls ArbeitSunfähigkett eingetreten ist. Betriebsunfall bei Verrichtung der Notdurst. Soweit der Betrieb selbst am Zustandekommen eines Betriebs- Unfalles mitgewirkt hat, ist ein Betriebsunfall immer gegeben; auch bei der Verrichtung der Notdurft, die im Gefahrenbereich des Betriebes erfolgen muß. In manchen Fällen können jedoch Zweijel auftauchen, ob der Betrieb beim Zustandekommen eines Betriebsunfalles bei solcher Gelegenheit mitgewirkt bat. Ein Arbeiter war in einer Arbeiterkaserne eines größeren Werkes auf einem Gang zur Verrichtung der Notdurst verunglückt. Berufs- genossenschaft und Oberversicherungsamt hatten angenommen, daß es sich hier lediglich um einen zu rein persönlichen Zwecken unter- nommenen Gang gehandelt habe. Das Reichsversicherungsamt hat jedoch hier einen Betriebsunfall für gegeben erachtet. Der Arbeit- geber habe die Arbeiterkaserne im Interesse des Betriebes auf dem Fabrikgrundstück errichtet gehabt; er hatte die Arbeiter auf dem Grundstück stets zur Hand habcn� wollen und sich dadurch, daß er den Arbeitern dort eine billige Schlafgelegenheit bot, einen festen Arbeiterstand geschaffen. Einer aus dieser BetnebSein- richtung erwachsenen Gefahr sei der Kläger erlegen gewesen. Die Berufsgenossenschaft hatte deshalb für die Folgen des Unfalls aufzukommen. Aktenzeichen: In 10 482/13. TSc»rerauSitch»cu tnr das mrnlrre Norddeutschlaad vis Tonnerstag mittag. Vorwiegend trübe mit weitverbreiteten, besonders im Nordwesten vielfach üarken Regensällen. langsame weitere Erwärmung. PernlSinger& CoMSerlin SDT�Hierzu I Beilagc und UnterHalwngsbl. Iii. 322 33. Mrnßiig. des Joninirts" berliner Wlksblck. Mittwoch, 22. November 1916. pariamentarifches. Ltcuerpflicht der Hecresanachörigen. Abgeordnete i> Hause ist außer audcrm ein An- ....,4-ugrgangeu, den§ 42 des Kommunalabgabengesehcs dahin zu ändern, daß während der Zugehörigkeit zu einem in der Kriegs- farmalian bcsiirdlichcu Teile deS Heere» oder der Viarine das Militäreinkommcn von der Besteuerung ausgeschlosien ist. Er soll eine recht empfindliche Lücke der Steuergesetzgebung beseitigen. Die gegenwärtige Rechtslage aus dem Gebiete der Einkommensbesteue- rung in Preußen ist die folgende: A. Staatseinkommensteucr. Nach dem Einkommensteuergesetz ist das Militäreinkommcn der Unteroffiziere und Gemeine» im Kriege und im Frieden von der Besteuerung ausgeschlossen. Ein anderes als Militäreiniommen unterliegt dann der Besteuerung, wenn es den Betrag von 9 M. erreicht. Doch ist für Unteroffiziere und Mairnschaftc» deck Beur- laubtenstandes, die mit einem Einkommen von nicht mehr denn ÜOOO M. veranlagt jiird, die Steuer nicht zu erheben für die Monate, in denen sie in den aktiven Dienst einberufen werden. Zu den Personen de» Bcurlaubtcnswndes gehören die Reservisten, Land- wehr- und Landsturmmänner. Die Freistellung von der Steuer beginnt am Ersten de» Monats, in dem der Eintritt in den Heeres- dienst erfolgte. Von der Freistellung sind ausgeschlossen diejenigen Steuerpflichtigen, die mit einem höheren Einkommen wie llOOO M. veranlagt sind, und zwar auch dann: wenn ihr Steuersatz etwa mit Rücksicht auf die Kiirdcrzahl auf einen einem geringeren Ein- kommen entsprechenden ermäßigt wurde. Weiter kommen diese günstigen Vorschriften auch nicht für die Kriegsfreiwilligen in Be- tracht, da sie nicht zu den Personen des Beurlaubtenstandes ge- hören. Haben diese Personen jedoch durch den Eintritt in den Heeresdienst den Wegfall einer Einnahmequelle zu verzeichnen, etwa den Verlust oder die Aufgabe einer Arbeitsstelle, so kann vom Beginn des auf den Eintritt der Einkommenmindcrung folgenden Monat ab eine dem verbliebenen Einkommen entsprechende Er- Mäßigung beansprucht werde». So das Recht aus dem Gebiete der staatlichen Einkommensteuer. It. K o in m u n a l a b g a b e n. Auf dem Gebiete der kommunalen Einkommensteuer ist die Rechtslage anders. Die eben erwähnten Vorschriften des Staats- cinkommensteuergesetzes gelten nicht für die kommunale Ein- kommensteuer. Zugunsten der„servisberechtigten Militärpersonen des aktiven Dienststandes" ist bestimmt, daß sie nur zu Kommunal- abgaben vom Grundbesitz, vom stehenden Gewerbe und dem aus diesen Quellen fließenden Einkommen beizutragen haben. Nun gehören Reservisten, Landwehr- und Landswrmlcute nicht zu den Militärpcrsonen des„aktiven Dienstjtandcs", da im aktiven Dienste nur Berufsoffiziere, Kapitulanten, Freiwillige und ausgehobcne Mannschaften stehen. Es kann sich also der Fall ereignen, daß Unteroffiziere zur Kommunalsteuer nicht nur mit ihrem Privat- cülkommcn, sondern auch mit ihrem Militäreinkommen zur Steuer herangezogen werden, lind dieser Fall ist auch tatsächlich zu ver- zeichnen. Zwar haben der Minister des Innern und der Finanz- minister in einem gemeinsamen Erlasse vom 24. April 1S1& ihre Meinung dahin ausgesprochen, daß das Militäreinkommen der An- gehörigen des aktiven Heeres während des Krieges auch gemeinde- cinkonunenstcuerfrci sei, aber das preußische Oberverwaltungö- gericht hat in einem die Stcüerpflicht eines Land Wehroffiziers betreffenden Falle b.sc Ansicht als falsch bezeichnet. Daß diese Rechtslage, wenn sie auch für die Mannschaften gilt, überaus uner- fceulich ist, bedarf keiner weiteren Ausführung. Aus dieser Er- kenntnis heraus haben auch viele Gemeinden, so die G r o ß- B e r- lincr, eine lokale Regelung dahin getroffen, daß das Militär- etnkommcn der Unteroffiziere und Maiinschaften des Beurlaubten- ftandcs ganz als Dienstaufivandsentschädigung betrachtet uud des- halb bei der Gcmcindeeinkommenfteucrvcranlagung unberücksichtigt gelassen werden soll. Aber andere Städte verfahren anders; sie sehen daö Mlitärcinkommen nicht at» DiciiftaufwandSentschädigung an und ziehen die Unteroffiziere zur Steuer heran, wenn ihr Militäreinkommen die Steucrgrenze erreicht. Diese Steuergrenzc kann viel tiefer liegen als bei der staatlichen Eiukoinmensteucr und bis 420 M. hcrabgeheu. Dieser Heranziehung will der eingangs erwähnte Antrag einen Riegel vorschieben. Zunächst ist dringend zu empfehlen, gegen jede derartige Heranziehung den Rechtsweg z» beschreiten. Für Mannschaften liegt bisher eine höchstrichterliche Entscheidung nicht vor. C Kirchensteuer. Aktive Bkanuschastcn und Unteroffiziere gehören zur Militär- gemeinde und sind weder im Frieden noch im Kriege der Kirchen. slcucr unterworfen. Angehörige des Beurlaubtcnstandeö gehören zur Parochie ibres Wohnorte« und unterliegen an sich der Kirchen- stcucr. Tic Kirchcnfteuergesctze schließen sich jedoch bezüglich der Stcuerbesreiungen dem staatlichen Einkommensteuergesetz an und alle gesetzlichen Befreiungen von der Staatseinkommensteucr haben die entsprechende Befreiung von der Kirchensteuer zur Folge. Das tägliche 6 rot. Herrn v. Batockis Llnordnungc». Der„Ncichsbote" hatte kürzlich in einem offenen Briefe an Herrn v. Aatocki allerhand Wünsche geäußert, auf die setzt der Leiter deS KriegSernahrnilgsauttc», Herr n. Batoeki, wie folgt antwortet: „Nach metner Anordnung sind von der neuen Gersteernte samt- liche Graupenfobriken belieiat und in Belrieb gei'etzi, ebe Geiste an die Brauereien geliefert war. Die Frühdruswprämie für Gerste ist trotz erheblicher Bedenke» hauptsächlich eingeführl worden, um Graupe-, Grütze- und Malfiaffeesabriken, die wegen frühzeitiger Erschöpfung der ollen Gcrttenernle lange still- gestanden hatten, raich in Betrieb zu setze». Mit der Ver- tcilung von Graupe, Haierflocken»iw. ist schon i» erheblichem Umfange begonnen. Daß sie nicht überall so schnell in die Klein- handelSstellen gelangen, wie es erivüiischl wäre, ist zn bedauern, aber leider nicht zu verhindern. Für Graupe- und Haferflockenfabriken ist so viel Getreide bereiigestcllr, daß sie das ganze Jahr über voll orbeilen lönnen. Dos Blerkoiilingent wird, wie schon be- kanntgegeben, ganz erheblich Weiler herabgesetzt werde». Die Her- sicllung von K o r n b r a n n r w e i» ouS der iieucn Ernle ist ver- boten. Kartoffelipiritu« wird ausschließlich in Höbe der An« sorderungen deS KriegSministerimnS und nicht zu Trinkzivecken hergestellt. Eine kleine Menge Getreide ist zur Anmaiichnng deS Kartoffelipiritus unentbehrlich. Ich habe mit Bezug auf Bayern, wo fast die ganze Bevölkerung das Bier als unentbehrliches Nahrungsmittel belrachiel und wo Angehörige aller Parteien und Berussstände diese Auffassung noch neuerdings aufs entschiedenste vertreten haben, erklärt, daß solche seit Jahrhunderten bestehen- den Bolksgewohnheiteii nicht ohne Schaden für die Entschlossen- beit zum Durchhalte» plötzlich geändert werden könnten. Rücksicht aus die Alkoholindustrie kann, wie Sie zutreffend bemerken, in Zeiten wie der jetzigen in leiner Weise maßgebend sein. Ein völliges Verbieten der Bierherstellung für die Zivilbevölkerung ist im Reichstage von keiner Seite gefordert worden. Ebenso hat der Gedanke, Bier nur auf Brotkarten zu verabfolgen, in der Volks- Vertretung nur ganz vereinzelt Zustimmung gefunden. Die c n e r- gische Bekämpfung jedes Mißbrauches geistiger Getränke im Frieden und erst recht im Kriege halte auch ich für nötig, mit Ueberireibungen wird aber nach meiner Ueberzeugung der Sache nicht gedient."_ Tie �ettversorgung. Die Bezirksfettsielle Kassel hat die wöchentliche Gesamt- fettmenge auf höchstens 62'/.. Gramm festgesetzt. Der Kasseler Landrat v. Pappenheim ersucht die Bürgermeister und örtlichen Sammelstellen, bei HauSschlachlungen den Schweine- besitzern zu empfehlen, ein oder mehrere Pfiinde Speck an die Sammelstelle zu verkaufen. Ob die Empfehlung ausreichen wird? Die pommerschc L a n d w i r t s ch a ft» ka m in c r leitet eine Sammlung von Speck und Schmalz als pommersche Hindenburgipende unter Uebernahme der Patenschaft für bestimmte Fabriken und Bergwerke ein. Der Regierungspräsident v. Merveldt erklärte auf einer Tagung landwirtichastlicher Bereine Westfalens, er habe die feste Ueberzeugung gewoniien, daß bei einem großen Teil der Landbevölkerung kein Verständnis herrsche für den schweren Ernst der Lage. L a n d r a t Dr. zur Nieden(Gelsenkirchen) führte au§, daß man in Jndustriekreisen nicht die Ueberzeugung habe, daß die westfälische Landwirtschaft das leiste, wa» sie in der Fettfrage leisten könne. Der Vorsitzende der LandeSfettstelle Berlin, Landrat Graevenitz, bat, jeder einzelne möchte an seinem Teil dahin wirken, daß die Milch und die Butter auf dem Lande in möglichst weitem Umfange zur Ablieferung komme. Die Landwirte dienten damit ihren eigenen Interessen und bewahrten unsere gesamte Landwirtschast und jeder einzelne seine eigene Wirt- schast vor sonst möglichen schweren Eingriffen, wenn es anders nicht möglich sei, die Ernährung dos deutschen Volkes sicherzustellen. Die einzelnen Landwirtschaftskammern erlasien nach dem Vor- bild des Deutschen LandwirtschaftsrateS Aufrufe im Sinne Hindenbnrgs. Vergrabene Kartoffeln. Bon der pfälzisch-preußischen Grenze wird der„Pfalz. Post" berichtet, daß ein bemittelter Landwirt den ganzen Karloffelvorrat in den Wald schaffic, an einer Blöße ver- g r u b und die Stelle mit jungen Fichten bevflanzte. Ein anderer Menschenfreund, der gleich an Ort und Stelle seine Ernte verbarg, s ä t e auf die K a r t o f f e l n Korn. Kriegsteuerung. Oestcrreichische bürgerliche Blätter veröffentlichen folgende Preis tabelle: August 1014 Oktober 1010 Steigerung Kronen Krone» um Prvz. Rindfleisch.... 1.80 8,60 388 Schweinefleisch... 1,00 10.80 4SI Kalbfleisch..... 1,00 10,00 410 Schöpfenfleisch... 1,60 8,80 387 Schweinefett.... 1,60 16,00!>00 Unschlitt..... 1,20 0.60 700 Eier per Schock... 4,80 21,60 3ü0 Bulter...... 3.20 18,00 462 Reis....... 0,67 16,00 2288 Gänse...... 6.60 60,00 808 Kartoffel..... 7,00 18,00 157 Zucker...... 79,50 118,00 48 Kaffee...... 4.20 14,00 233 Tee....... 10,00 28,00 180 Knackwurst.... 0,10 0,36 260 Bier....... 0.14 0,58 314 Seife...... 0,76 8,00 053 Herrenanzug minderer Dualität.... 70,00 160,00 129 Schuhe...... 16,00 60,00 275 Kohle...... 1,28 5,20 307 Mus Groß-öerlin. Grauer gerbst. Lange hat die weiße Schnceherrlichkcil nicht gedauert. Die Küiderschlitlen sind wieder verstaut, die kahlen Aeste stechen schivarz in den Dunst, durch den Nebel schaue» griesgrSinig die Mielkosernen über Bahneinschnitt und Laubengelände herüber. Es trommelt a» die Scheiben, und unterm Regenschirm huscht nur ab und zu ein wohlvermummelier Mensch vorüber. Der Winter hat sich erinnert, daß er noch einen vollen Monat Zeit hat und ist vor dem in Amt und Würden sitzenden Herbst be- scheiden zurückgetreten. Regen und Nebel haben rasch die letzten schnell verschmutzten Schneeflecke von den weniger betretenen Wiesen- Plänen weggefressen. An den Bahnhöfen aber warten gleichmütig die hochbepackten Feldgrauen auf ihre Elektrische. Was ist für sie das bißchen Wasierl Sie kennen andere WitterungSunbildcu von Flandern und Polen her, von Serbien und Mazedonien; morastige Gräben und überschivemmte Unterstände sind noch was anderes als nasses Pflaster und spiegelnder Asphalt.__— n. Das Gewicht der Feldpostbriefe. Bon den Postanstallcn müsien häufig Feldpostbriefe wegen Ileberschreilui.g der Gewichtsgrenze den Absendern zurückgegeben werden. Bei den Erörterungen hierüber geben die Absender viel- fach der Auffassung Ausdruck, daß die Zurückweisung der Sendungen mil Ucbcrgcillicht auf eine engherzige Auslegung der Bestimmungen und ans mangelndes Entgegenkommen der Beamten zurückzuführen sei. oder sie bemängeln die Festsetzung der Gewichtsgrenze auf 550 Gramiii. Sie vergessen ganz, daß das verordnnngsinäßige Höchstgeivichi für die gebührenpflichtigen Feldpostbriefe 500 Gramm beliägi, und daß gerade infolge von solchen Klagen, wie man sie jetzt erheb!, in weitgehendem Entgegenkommen gegenüber Jrrlümern des Publikums in bezug auf die Gewichts- crmillelung eine llevcrschrciluug des vcrordnuugsmäßigen Höchst- gewicht» um 10 Broz. bis zu 550 Gramm zugelasicu worden ist. Würden die Po l- und Heeresverwaltung nun wieder darüber hinaus Gewichtsübciichreitlnigen letwa 5 oder 10 Gramm) zulassen, so würde der Vorgang sich wiederholen; auch das neue Ausnahme- gewicht würde als Regel angesehen und bei geringfügiger lieber- schreilung würde über llcmliche Handhabung der Bestimmungen ge- klagt werden. In der Tal muß ober mit Rücksicht aus die mit der Ausdehnung der KricgSichanplätze ständig zunehmenden Schwierig- keilen in der Zufübnmg der Feldpost an die Truvveii an der Ge- wichtsgrenze von 550 Gramm unbedingt sestgehalteu werden;. weitere als die bereits zugelassenen Gewichtsüberschreitungcn können nicht»achgegeben werden. Die Schalterbeamte» usw. müssen bei der Prüfung deS Gewichts und der Zurückweisung von Sendungen mit llebergewichl nach den Bestimmungen verfahren, weil erfahrungsgemäß in überaus zahlreichen Fällen immer wieder der Versuch gemacht wird, diese zu umgehen. Dem Publikum kann zur Vermeidung von Weiterungen nur empfohlen werden, bei der Fertigstellung der Feldpostbriefe besonders sorgfältig darauf zu achten, daß das Gewicht unbedingt in der zugelasseileir Uebcrschreilungsgrenze bleibt. Für die Sendungen im Gewichte von mehr als 550 Gramm ist der M i I i t ä r« P a l e t v e r! e h r ein- gerichtet worden, wodurch allen Absendern möglich ist, auch schwerere Sendlliigen ihren Angehörigen im Felde gegen eine äußerst gering bemessene Gebühr zu überweisen. HciratSmut. Die vom Berliner Statistischen Amt jetzt veröffentlichten Monats- tabellcn für September 1016 entbalten in ihren Angaben über die Eheschließungen eine Seltenheit. Unter den heiratenden Frauen war eine Witwe, die bereiis die fünfte Ehe einging, diesinal mit einen: Witwer, der zum zweiten Male heiratete. Weiter werden aufgeführt eine Witwe und eine Geschiedene, die beide zum vierten Male hetrareteii, und zwar schlösse» beide diesen Bund fürs Leben init Witwern, die ihre zweite Ehe eingingen. Unter den heiratenden Männern waren drei, die zum vierten Male heiraietcn. nämlich ein Wilwer, der eine zum zweiten Male heiratende Witwe heimführte, und ein anderer Witwer und ein Geschiedener, die jeder noch Herz und Hand einer Jungfrau gewannen. Heiratslustige, die erst zum dritten Male den Weg nach dem Standesamt antreten. sind häufiger, noch häufiger die zum zweiten Male Heiratenden. Jnr September heirateten zum ersten, zweiten, dritten, vierlen. fünften Male 1002, 241, 28, 3, 0, zusammen 1334 Männer und 1143, 175, 13, 2, 1, zusammen 1334 Frauen. Regelmäßig sind unter den Männern die Wiederhciratenden zahlreicher als unter den Frauen. MietSvertragsrecht und Siennuhr-Hausschlust. Zu dieser Frage schreibt im Anschluß an die von uns berichtete Abweisung der gerichUichen Klage eines Treptower Mieters durch da« Amtsgericht Neukölln in der«Vossiichen Zeitung" der Geheime Justizrat R o t h e nb e r g, daß die Begründung der amtögerickt« ticken Entscheidung augenscheinlich fehlgehe. Nach§ 535 B.G.B, werde„durch den Mitsvertrag der Vermieter verpflichte:, dein'Mieter den Gebrauch der vermieteten Sache während der Miets- zu gewähren." Diese Vorschrift umfasse auch die Verpflichtung des Vermieters, dem Mieler das Hau» bis 10 Uhr offen zu halten. Denn Verträge und deren Erfüllung seien so auszulegen,„wie Treu und Glauben mil Rücksicht aus die Verkehrssilte es erfordern." Es dürste aber keinem Zweifel unterliegen, daß zurzeit in Groß-Berlin, von Ausnahmen abgesehen, noch die allgemeine Bcrkehrssitte bcrrsche, die Mietshäuser nicht vor 10 Uhr zu ichließcn. Sonach ständen die angezogenen Gesetzes- Vorschriften sehr wohl dem Neunuhr-HauSschluß entgegen. Die nach- trägliche Einwendung des beklagten Hauswirtes, daß durch Mehr- heilSbeschluß der Mieler die Bestimmung des MietSvertrageö über den Zehnuhrschluß aufgehoben worden sei und die Minderheit sich der Mebrheit zu fügen habe, sei völlig rechlSirrig. Aach geltendem Recht(§§741 ff. B.G.B.) können wohl die Mieter unter sich durch Snmmenmehrheit sich auf den Neunuhrschluß einigen, aber dem Hauswirt stehe daraus eine Einrede, ein Rechlsanspruch unter leinen Umständen zu. Bielmehr greife die Einrede mit daraus her- geleiteten Ansprüchen und Maßnahmen ganz unzulässig in die Rechte dritter Personen ein._ Kriegsschädenamt Berlin. In den einzelnen Städten werden jetzt KriegSschädenäinter errichtet. Dabei handelt eS sich nicht nur um die Feststellung von solchen Schäden, die direkt durch den Krieg verursacht worden sind, sondern auch um die Feststellung von Schäden, die durch lokale, mit dem Kriege in Berbindung stehende Ereignisse hervorgerufen wurden. Für die Stadl Berlin hat jetzt der Oberpräsident einen Ober- ausschuß und einen Ausschuß ernannt. Mitglieder des Ober- auSschusfes sind: OberregierungSral Feizel, Kammergerichtsrat Dr. Schreiner, Rcgierungsrat v. After, RillerguISbesitzer v. Klitzing. Fabrikbesitzer Dr. James Simon, Architekt Gestrich und Privai- beamler Gleichaus. Zu den Stellvertreter:: gehören: Ober- regierungsrat Haaselau und Justizrat Dr. Waldschmidt. Dem Aus- schuß gehören an: Regierungsrat Dr. Lindemann, Amtrat Wredc. Kaufmann Edwin Steinerl, Stadtverordneter Leopold Rosenow, Schlosserobermeister Marcus und Privatbeamtcr Mathias Schumacher. Waren-Einkaufsstellen für Groft-Berlin. Ddni Vorgehen Neuköllns, das eine besondere Waren- Einkaufsstclle unter der Leitung des Stadtsekrctärs Brix geschaffen hat, werden sich die übrigen Grotzberliner Gemeinden anschließen. Die Neuköllner Einrichtung, über die der„Vor- wärts" gestern berichtet hatte, hat sich sehr bewährt, weil der leitende Beamte sowohl mit kaufinännischen wie wirtschaftlichen Fragen vollkommen vertraut ist. Der Neuköllner Be- trieb gleicht heute dem eines großen Warenhauses, und zwar auch hinsichtlich der Entschluß- und Bewegungsfreiheit im selbständigen Handeln seiner Mitglieder. Berliner Lcbenömittelnachrichten. In dieser Woche werden durch die Kleinhändler Heringe an die Einwohner Berlins zur Verteilung gelangen, und zwar handelt es sich um holländische Nordiceheringe und norwegischen Fetthering. Während früher im wesentlichen nur eine Sorlc geliefert ivar, sind diesmal verschiedene Sorte» und Größen geliefert worden. Dein- gemäß mußten die Preise verschieden festgesetzt werden. Der Klein- Handelspreis für holländische Nordseeheringe beträgt für ein Stück 28 Pf., für 2 Stück 55 Pf. Bei Fetlhcringen schwanken die Preise. Sie betragen, falls 3 bis 10 Srück aus ein Kilogramm gehen, für ein halbes Kilogramm 1.30 M. Wiegen 10 bis 12, 14 bis 10, 17 bis 20 Stück ein Kilogramm, so beträgt der Preis 1 20 M. sür vaS halbe Kilogramm. Kommen 20 bis 22 oder 22 bis 25 Slück aus ein Kilo- gramm, so beträgt der Preis 1,10 M. für ein halbes Kilogramm. Wiegen 30 bis 40 Stück ein Kilogramm, so ist der Kleinhandelspreis auf 1 M. festgesetzt. Die Abgabe dieser Heringe erfolgt nur gegen Vorlegung der für jeden Berliner Haushalt ausgestellien Ausweis- karte für den städtischen Lebsnsmittelverkauf. Auf diese Karte dürfen für den ganzen Mona: höchstens zwei bolländrsche Heringe oder von den Fetlheringcn etwa V« Kilogrannn abgegeben werden, lieber die Abgabe der Heringe ist auf der Rückseite ein Vermerk zu machen. ES ist nickt zulässig, holländische und norwegische Heringe aus eine Karte zu beziehen. Am Donnerslag findet in allen städtischen Markthallen auf den durch besonderen Aushang kenntlich gemachten Verkaufsstellen ein Verkauf inländischer, von der Stadt bezogener Dorsche statt. Der Preis beträgt 75 Pf. für das Pfund. Die Abgabe erfolgt gegen Vorlegung der AuSwciskarte für den städtischen LebenSmittelverkauf. Mehr als 5 Pfund dürfen auf eine Karte bei einem Verkaufe nicht abgegeben werden. Zur Empfangnahme der M e h I k a r t e n durch die Bäcker werden in Berlin die Brotkommisfionen am Bußtag vormittags zwis-ben S'/.j und O'/p llhr geöffnet gehalten. Der Magistrat bittet uns daraus hinzuweisen, daß die Kranken bei ihrer Ausnahme in ein Krankenhaus sämtliche Nahrung» n: ittelkarte i: abzugeben oder soforr durch An« gehörige nachzuliefern baben, da den Krankevbäusern Lebensmittel nur aus Grund dieser Karten verabfolgt werden. Milchkarten abbolen! Neuanmcldnnge« zur Kundenliste! In den Tagen vom 26. bis 2g. November findet eine all- gemeine Ncuanmeldung den Kundenllsten für den Vollmilchbezug fiatt. Die Bezugsberechtigten miiffen zum Zwecke dieser Neu- anmeldung ibre Milchkarten für Dezember alsbald, tpAtesiens aber bis zum 2ö. November(Sonnabend), bei den B r o t k o m Missionen abhole». Die Zuicndnng der aus Krankenzeugnisse von der Zentralstelle für Krankenernährung gewährten Milchkartc ersolgt gleichfalls in den nächsten Tagen. Dasz die Anmeldefrist eingehalten wird, ist dringend erforderlich, weil andernfalls vom Tage des Inkrafttretens der neuen Kunden- listen ab dem Karteninhaber keine Milch gewährt werden kann. Die K u n d e n l i st e n werden in allen Milcdgeschästen und auf den Milchwagen ausliegen. Der Karteninhaber hat darauf zu achten, dafi der Milchhändler die Milchkorte und den Anmeldeabichnilt mit seinem Firmenstempel versieht und den Anmeldeabschnilt abtrennt. Der Milchhändler muß alsdann den Anmeldeabschnitt verwahren und reicht ihn mit der Kundenliste der Fcttstelle Grosz-Berlin ein. Der Bevölkerung wird dringend geraten, es nicht zu versäumen, Namen und Wohnung auf den Anmelde- abschnitt zu schreiben, weil dies zur Kontrolle der Anmeldung nötig ist. Zur Vermeidung von Irrtümern wird daraus hingewiesen, daß die allen Kundenlisten trotz der Neuanmeldung zunächst ihre Geltung iveiterbehalten. Erst am 18. Dezember treten die neuen Kunden- listen in Kraft. Ein Milchkarleninhaber, der bisher noch in keine Kundenliste eingetragen ist. weil er erst jetzt zum ersten Male eine Milchkarte erhält, muß also von dem Milchhändler sowohl in die alte, wie in die neue Liste eingetragen werden. Höchstpreis für Salz. Der Oberbefehlshaber der Marken hat bestimmt: Der Höchst- preis für den Verkauf im Kleinhandel wird für ein Pfund Salz auf 14 Pf. festgesetzt. Diese Anordnung tritt am 1. Dezember 1916 in Kraft. Die Berliner Säuglingssterblichkeit. Heber die Bevölkerungsbewegung inBerlin bat das Statistische Amt der Stadt aus den eingegangenen Meldungen die Tabellen für September 1916 jetzt zu- sammengestellt und bekanntgegeben. Sie unterscheiden sich von den bisherigen Monatstabellen dadurch, daß von nun an bis auf weiteres über die Meldungen der Zu- und Abzüge und über die durch Fortschreibung gewonnene Bevölkerungs- zahl keine Angaben inehr gemacht werden. Die September- tabellen teilen auch die durch Vergleichung der Geborenen- und Gestorbenenzahl mit der Gesamtbevölkerung berechneten Ge- burten- und Sterbeziffern nicht mehr mit, die übrigens in- folge der zunehmenden Unsicherheit der Bevölkerungs- fortschreibung schon lange ziemlich wertlos waren. Dagegen bringen sie zum ersten Male— endlich!— eine besondere Sterbeziffer für die Säuglinge. Diese ist berechnet durch Erhöhung der Säuglingssterblich- keit des Monats auf das ganze Jahr und Vergleichung mit der Zahl aller Lebendgeborenen aus den letztsn zwölf Atonalen. Dabei erhält man von der jeweiligen Höhe der Säuglingssterblichkeit und ihrer Zu- oder Abnahme ein zu- treffenderes Bild als bei dem bisherigen Brauch, für die Säuglingssterblichkeit die Ziffer ihres Anteils an der Gesamt- sterblichkeit zu berechnen, was in einer Zeit jähen AbsinkenS der Geburtenzahl nur irreführend wirken konnte. Das Ergebnis für«September zeigt denn auch sogleich sehr deutlich, welchen Einfluß die größere oder geringere Geburten häufig- keit auf die Säuglings st erblichkeit hat. In Berlin starben lohne die Totgeborenen) im September 1916 überhaupt 1932 Personen, darunter nur 212 Säuglinge. während im September 1913 unter 1943 Gestorbenen noch 262 Säuglinge waren. Der Anteil der Säuglingssterblichkeit an der Gesamtsterblichkeit wäre für den diesjährigen September knapp 11 Proz., weniger als in dem vorjährigen September, wo er sich auf etwa IS'/s Proz. stellte. Dagegen ergibt die jetzt angewendete Berechnungsweise, die Vergleichung der Säuglingssterblichkeit mit der Geburtenhäufigkeit, daß die Säuglingssterbesälle im September dieses Jahres etwa 11-7z Proz. der Lebendgeborenen, aber im September v. I. nur etwa 9% Proz. der Lebendgeborenen ausmachten. Somit war die Berliner Säuglingssterblichkeit im September 1916 nicht niedriger, sondern verhältnismäßig höher als im September 1913— trotz Rückganges der Stcrbcfall- zahl an sich von 262 auf 216. Nebenbei bemerkt: selbstverständlich dürfen aus dem Ergebnis eines einzelnen Monats keine weit g enden Schlüsse gezogen werden, weil gerade für die Säuglingssterblichkeit die Zufälle der Witterungsgestaltung von großem Einfluß sein können. Im September vorigen Jahres lvar in Berlin die Säuglingssterblichkeit ungewöhnlich gering, so daß gegenüber ihr diejenige des diesjährigen Sep- tember ungünstiger erscheinen muß, als sie ist. Dafür hatten August und Juli im vorigen Jahr eine verhältnismäßig höhere Säuglingssterblichkeit als in diesem Jahr. Neue Beitragsmarken für die Invaliden- und Hinterbliebenenversichernug. Im„Reichsanzeiger� vom 21. November erläßt das Reichs« verficherungsamt, Abteilung für Kranken«, Invaliden- und Hinter- bliebenenversicherung. ausführliche Bestimmungen über die Ausgabe neuer Beitragsmarken. Danach sind von jeder Versicherungsanstalt vom 1. Januar 1917 ab in jeder der fünf Lohnklasien Marken für eine Woche, für zwei Wochen, und für dreizehn Wochen auszugeben. Der Geldwert der Marken beträgt für eins Woche 18, 26, 34, 42 und 59 Pf. Für die Zeit nach dem 1. Januar 1917 sind aus- schließlich die neuen Marken zu verwenden. Nur zum Zwecke der nachträglichen Beitragsleistung für die vor dem 1. Januar 1917 liegenden Zeiten können die alten Marken noch verwendet werden. Amerikanische Kriegshilfe. Die.Amsricau Association of Commerce and Trade in Berlin lAmerikamiche Handelskammer) teilt uns folgendes mit: In den Berliner Zeitungen erschien neulich ein Artikel über die segensreiche Tätigkeit der amerikanischen Hilfsaktion, der den Anschein erwecken könnte, daß die Hilfsiüche nickt mehr im Gange ist. Wir�möckten darauf aufmerksam machen, daß die Hilfsküche seit dem März 1916 wieder eröffnet ist und jeden Tag 200 bis 300 deutschen Krieger- stauen und Waisen ein warmes Mittagessen gibt. Von amerikanischen Freunden sind ganz erhebliche Summen zur Verfügung gestellt, die uns ermöglichen, dieses Werk der Wohltätigkeit fortzusetzen. Die Amerikani'sche HilfSkücke, Alexandrinenstraße 110, hat ihr Heim in schönen und großen Lläumlichkeiten, welche die Rolophot-Gesellschaft hochherzigerweise der Assoziation zur Verfügung gestellt bat. Speise- larten werden, wie bisher, durch den Nationalen Frauendienst verteilt.__ Am Totenfest, wo eine größere Wanderung nach den Friedhöfen stattfindet, hat sich die A r b e i t e r- S a m a r i t e r k o l o n n e Berlins entschlossen, auch in diesem Jahre mit ihren Mitgliedern die Friedhöfe zu besetzen, um bei Unfällen zur Hand zu sein. Die Arbeiter-Samariter und-Samariterinnen find erkennbar an weißer Armbinde mit weißem Kreuz auf rotem Grund mit dem Zeichen A.«s. B. Wir ersuchen die Berliner Arbeiter und Arbeiterinnen, bei etwaigen Unfällen sich an diese zu wenden und im übrigen ihnen bei ihrem schweren freiwilligen Beruf zur Seite zu stehen. Die Kolonne Rosenthal— Reinickendorf wird im Norden Berlins die Fried- Höfe besetzen. Selbstmord und Selbstmordversuch. Den Tod gesucht hat ein 46 Jahre alter Dreher aus der Marienburger Straße. Eine An- gehörige fand ihn tot daliegen. Er hatte sich mit einer Schnur an der Decke erhängt und eine Kugel in die linke Schläfe geschaffen. Die Schnur lvar gerissen. Die Veranlassung zu der Tat ist unhcil- bare Krankheit. Eine unbekannte Frau von etwa 30 Jahren sprang gegen 1 Uhr nachts vor dem Hause HallescheS Ufer 33 in den Landwehrkanal. Leute, die ihr Beginnen sahen, holten sie aus dem Wasser heraus und brachten sie nach dem Krankenhaus in der Gitfchiner Straße. Die lebensmüde ist außer. Gefahr und bei Bewußtsein, weigert sich aber, irgend eine Auskunft über ihre Person und die Veranlassung zu dem Selbstmordversuch zu geben. Ein Ladcilkasscndieb, der mit einem neuen Trick„arbeitet", macht seit einiger Zeit die Schankwirlschaflen in verschiedenen Stadtvierteln unsicher. Ein Mann von 25 bis 30 Jahren, der stets feldgraue Uniform, aber bald von diesem, bald von jenem Truppenteil trägt, besucht Wirtschaften, in denen die Frau allein tätig ist, wartet ab, bis er der einzige Gast ist, und wenn dann die Wirtin einmal zur Küche geht, sperrt er die Tür hinter ihr zu und gewinnt so Zeit, die Ladenkasse zu plündern und zu verschwinden. Der falsche Feldgraue erbeutete so in der Graun-, Perleberger, Veteranen-, Heim- und Breitestraße und in der Kastanien-Allee Beträge von 25 bis 100 M. Der Dieb ist ein ziemlich kleiner dunkelblonder Mann mit dunkel- blondem Schnurrbart und blassem, hagerem Gesicht. Betriebsunfall in der Zentrale RummelSburg. Am 20. November ereignete sich bei einer Montage der Firma Klose im Keffelhaus der Zentrale Rummelsburg der St. E.-W. ein Unfall. Der Verunglückte zog sich eine tiefe Slirnwunde und anscheinend innere Verletzungen zu. Die erste Hilfe wurde ihm von einem Samariter des Werkes zuteil. Unbegreiflicherweise ließ man den Verletzten etwa fünf Stunden im Maschmensaal auf einer Krankenbahre liegen, ehe er ins Krankenhaus geschafft wurde. Das Oberschöneweider Kranken- haus wäre in 20 Minuten zu erreichen gewesen. Anscheinend ist aber der Verletzte, da er noch im Militärverhältnis steht, dem Gar« nisonlazaretl überwiesen worden. Brände. Die Berliner Feuerwehr wurde am Dienstagabend nach der Alexcmderstr. öl gerufen, wo vor dem Hause ein Last- automobil in Flammen stand und der Kraftwagenführer Lüdtke beim Versuch, die Flammen zu löschen, Brandwunden an der linken Hand erlitten hatte. Der Kraftwagen erlitt große Beschädigungen.— Ein größerer Kellerbrand beschäftigte am Dienstag die 1. Kompagnie in der Kommandantenstr. 84. Dort brannte besonders Packmaterial in größerer Ausdehnung unter Oualmentwickelung.— Zwei Küchen brande mußten in der Wcberstr. 59 und Neue Wilhelmstraße 8a gelöscht werden. Selbstmord. In der Schliemannstr. 27 hat sich am Dienstag- mittag eine Person mit Gas vergiftet. Wiederbelebungsversuche waren ergebnislos. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Zirkus Busch. Des Bußtags wegen finden heute keine Vor- stellungen statt. Dafür ist für Sonnabendnachmittag eine große Sonder-Jugendvorstellung vorgesehen, in welcher die beiden reizenden Pantomimen„Die schöne Gärtnerin" mit dem hübschen Gärtnerinnen- Ballett und den lebenden Blumenbeelen und der„Listige Barbier" gegeben werden, die bisher bei der Jugend sowohl wie auch bei den Erwachsenen stets großen Jubel erregt haben. Es empfiehlt sich, für diese Vorstellung mit ihren Vergünstigungen für angehörige Kinder Einlaßkarten schon im Vorverkauf zu lösen. Gebrüder Herrnfeld-Thcater. Direktor Emil Berisch hat die drei- aktige Posse mit Gesang„Der doppelte Buchhalter" zur Urauf« führung erworben. Der Text ist von Tbeo Halton, dem Mitautor von„Loge Nr. 7", die Musik von dem Kapellmeister des Lessing- Theaters, Friedrich Berman. /lus öen Gemeinden. Neukölln. Seit dem 12. November ist die Iljährige Charlotte Schröter aus der Wanzlickstr. 18 in Neukölln verschwunden. Das Mädchen bat einen stankhaften Hang zum Umhertreiben. Aus Furcht vor der Bestrafung hat es sich heimlich aus der Wohnung entfernt. Bisher waren Nachforschungen vergeblich. Die Schülerin ist 1,10 Meter groß, von schwächlicher Gestalt, hat blondes Haar, dunkel« blaue Augen und war bekleidet mit dunkelblauem Fallenrock. Wcißcnscc. Beim Spielen mit Streichhölzern verbrannt ist der 2�/zjährige Pflegeiohn Ernst Langner etner Frau Krieg aus der Kuglerstr. 84 zu Weißensee. Während die Frau Milch holte, verließ der Kleine sein Bett, fand in der Küche Streichhölzer und spielte damit und verbrannte sich so schwer, daß er auf dem Wege nach dem Krankenhause starb. Friedrichshagen. Fast alle östlichen Vororte Berlins haben sich im Laufe der Jahre zu ansehnlichen Jndustrieorten entwickelt. Zu den wenigen Vororten, die sich bisher den Charakter eines reinen Wohnortes bewahrt haben, gehört vor allem Friedrichshagen. Diese Vorortgemeinde will nun auch für die Zukunft die Industrie ausschließen. Vor einiger Zeit haben zwar die AlbatroSwerle in Johannistbal die Genehmigung crbalten, auf Friedrichshagener Ge- biet eine Zweignrederlasiurig zu errichten, die Gemeindevertretung hal aber die Genehmigung nur mit Rücksicht aus die KriegSverhält- niste ausgesprochen und nur sür die Dauer bis zu drei Jahren nach Beendigung des Krieges. Spandau. Eine arge Enttäuschung mußte ein Berliner Ein- b r e ch e r erleben, der sich Spandau zum Schauplatz seiner Tätigkeit auserwählt hatie. Als er gegen 1 Uhr nachts die Breite Straße auf« und abschritt, um eine Gelegenheit auszubaldowern. sah er vor einem Schaufenster einen Mann stehen, der sich sehr angelegentlich die Auslagen betrachtete. Da das Aeußere des Mannes auf den Einbrecher einen„vertrauenswürdigen Eindruck" machte, sprach er ihn, in der Meinung, einen Zunftgenossen vor sich zu haben, an. Seine Erwartung schien ihn nicht getäuscht zu haben, denn der neue Bekannte erw'eS sich als ziemlich unterrichtet und ging auch sofort auf den Vorschlag ein, gemeinsam„ein Ding zu drehen". Erfreut, einen Helfershelfer gefunden zu haben, wurde der Berliner ge- sprächig und plauderte viel aus seiner bewegten Lausbahn aus. AIS er gerade mehrere Einbrüche in Spandau, die er vor kurzem verübt hatte, in allen Einzelheiten geschildert hatte, bereitete ihm der neue Freund eine böse Enttäuschung, indem er sich als Kriminal- beamler auswies und ihn festnahm. Gerichtszeitung. Die Klage des Zeitungsjungen. r. Einer der kleinen Zeitungsverkäufer, die ihre Blätter in den SIratzenbahnwagen feilbieten, erschien unter dem Beistand seiner Mutter als Kläger vor dem Gewerbegertcht. Die Firma„Straßen- bahn- Zeitungsvcrtrieb" halte den Jungen entlasten und seine Kaution im Betrage von 5 M. sowie 75 Pi. von seinem Lohn ein- behalten. Den Lohnabzug begründete der Vertreter der beklagten Firma damit, daß der Kläger eines Nachmittags nicht ge- arbeitet habe. Für die Behauptung konnte sich die Firma nur darauf berufen, daß der Kläger die gefüllte ZeitungStaiche von der Tour zurückgebracht habe. Das Gericht erachtete diesen Umstand nicht als Beweis, da doch die Angabe des Klägers, er habe trotz Angebot nichts loswerden können, nicht widerlegt werden könne. Aus dein schriftlichen Arbeitsvertrags wurde festgestellt, daß keiner von den im Vertrage angegebenen Gründe für die Rückbebaltung der Kaulion vorliege. Der Vertreter der Firma begründete die Ein- behallung der Kaution damit, daß der Kläger ohne Kündigung aus- gehört habe. Festgestellt wurde dagegen, daß der Kläger, weil er einmal kurze Zeit den Dienst versäumt hatte, entlassen worden ist. — Nach Lage der Sache erschien die Verurteilung der Firma so sicher, daß der Vertreter aui Anraten des Vorsitzenden nach längeren Verhandlungen die Forderung des Klägers im Vergleichswege bc- zahlte. r. Verloren oder unterschlagen? Diese Frage spielte in letzter Zeit öfter eine Rolle in Prozessen vor dein Geioerbegericht gegen die Paketsahrtgcsellschaft Starke u. Co. Dieie RechtSstreilig« leiten sind in letzter Linie darauf zurückzuführen, daß die Firma infolge des gegenwärtigen Mangels an zuverlässigem Personal sehr junge Leute als Schaffner beschäftigt, die auch Gelder von der Kundschaft einzukassieren haben. Da ergeben sich bei der Abrechnung mit der Firma oft Fehlbeträge, welche die Firma auf Unterschlagung zurückführt, während die Angestellten behaupten, daS Geld verloren zu haben. Ein Fall dieser Art beschäftigte die Kammer 7 des Gewerbegerichts in ihrer letzten Sitzung.— Der Kläger, ein losäbriger Jüngling, hatte bei der Abrechnung einen Fehlbetrag von 100 M. Die Firma, die ohne weiteres Unierschlaguna annahm, behielt Kaulion und Lohn des Klägers ein. Dieser versicherte, er habe das Geld verloren. Ein Beweis dafür, daß der Kläger das unterschlagen Würde, lag nicht vor, konnte auch durch Vernehmung einer Zeugin, die den Verlust des Geldes als möglich bezeichnete, nicht geführt werden. Das Gericht kam hiernach zu der Ansicht, daß eine Unterschlagung nicht erwiesen sei und nicht erwiesen werden könne.— Auf Anraten des Gerichts ging der Vertreter der beklagten Firma eincit Vergleich mit dem Kläger ein. W. Ueberschreitung dcs Höchpreiscs. In der Lichten- b e r g e r Filiale des Herrn Ackermann, der im Felde steht, hatte eine Verkäuferin T i l f i t e r Käse das halbe Pfund mit 80 Ps. berechnet, während der Höchstpreis für das halbe Pfund Tilsitcr Käse zur fraglichen Zeit 70 Pf. betrug. Frau Ackermann, die ihren Mann vertritt und die Aufsicht und Oberleitung der adft Geschäftsfilialen hat, war gerade zugegen, um Inventur zu machen. Al-S Käufer trat ein Krnnnmlschutzinann auf. Nachdem die Verkäuferin 80 Pf. für das halbe Pfund Tilsiter verlangt hatte, fragte der «Schutzmann: 80 Pf.? Tie Verkäuferin antwortete: Ja, 80 Pf. Nunmehr legitimierte sich der Schutzmann. Darauf mischte sich Frau Ackermann ein und sagte zur Verkäuferin: Fräulein, Sie irren sich; das Pfund kostetet nur 1,40 M., also das halbe Pfund 70 Pf.� Mit der Verkäuferin, die durch eine falsche Zeitungsnotiz irregeführt sein wollte, wurde auch Frau Ackerniann wegen lieber- schrei tu iig des Höchstpreises angeklagt und verurteilt. Das Äammcrgericht pcnvarf die von Frau Ackermann gegen ihre Verurteilung eingelegte Revision und führte aus: Das Landgericht habe als festgestellt angenommen, daß Frau Ackermann aufgepaßt und von vornherein gewußt hätte, um was es sich han- dele. Sie sei trotzdem solange nicht eingeschritten, als sich der Schutzmann nicht legitimiert hatte. Deshalb fei Frau Ackermann mit Recht verurteilt worden. Sic fei die Vertreterin ihres Mannes im Hauptgeschäft sowohl als auch in sämtlichen Zweiggeschäften ge- wesen. Somit fei sie selbstverständlich haftbar auch für Unterlas- sungen, die sie bei Beaufsichtigung der Zweiggeschäfte sich zu- schulden kommen lasse. Durch Ueberschreitung des Höchstpreises für Blutwurst sollte Frau Wiukler in Berlin die Verordnung dcs Berliner Magistrats vom 9. März 1916 und das Höchstpreisgesetz übertreten haben. Das Landgericht als Berufungsinstanz erkannte auf eine Geldstrafe von 450 M. Es handelte sich um folgendes: Frau W., die in Berlin ein Fl« schwa renges ch äft betreibt, hatte von der Firma Weidner in Stettin Blutwurst bezogen, die mit einigen Stücken Zunge durch- fetzt war. Sie selber mutzte die Wurst mit 3,20 M. für das Pfund bezahlen. Der Vertreter der Stettiner Firma sagte ihr, sie dürfe diese Wurst das Pfund mit 3,80 M. in Berlin als pommerfche Teli- katetzwurst verkaufen, wenn sie mit Plomben verschen sei. Tie Stettiner Firma lieferte auch Plomben dazu. Frau W. hat nun die Wurst mit 3,80 M. verkauft. Ihre Verurteilung wurde vom Landgericht damit begründet, daß die Wurst lediglich als Blutwurst zu gelten habe, für die nach der Berliner Magistratsverordnung der Höchstpreis 2,50 M. pro Pfund betrug. Auf die Ausnahmebestim- mungen der Magistratsverordnung, die feinere Fleischwaren be- treffen, könne sich die Angeklagte nicht berufen. Jene Ausnahmen bezögen sich nur auf Schinken und Dauerwurst. Hier käme es daher lediglich darauf an, ob die fragliche Blutwurst mit einigen Stückchen Zunge als Dauerwurst anzusehen sei. Das müsse verneint werden. Also sei der Höchstpreis sür Blutwurst von Frau W. durch das Verlangen eines Preises von 3,80 M. überschritten worden. Die Angeklagte hätte sich auch nicht auf die Aeußerungen des Vertreters der Stettiner Firma vcrlaffcn dürfen. Sie hatte sich über die geltenden Besthmirungen der Mayistratsverordnung, die übrigens ganz klar feien, informieren müssen, eventuell unter Jnanspruch- nahm« des Rates sachverständiger Leute. Indem sie eS nicht getan habe, hätte sie fahrlässig gehandelt. Das Kanunergericht v e r w a r f die von der Angeklagten gegen dies Urteil eingelegte Revision, weil ohne Rechtsirrtum Fahrlässig- keit und Ueberschreitung des Höchstpreises festgestellt sei. Ob die verhängte Strafe angemessen war, unterliege nicht der Nachprüfung des Kammergerichts. Im gesetzlichen Rahmen aber halte sie sich. Ueberschreitung der Höchstpreise bei dem Verkauf von Kalbs- schnitze! wurde der Schlächiermeistersfrau Adele N a u k e aus der Mommsenstraße in Cbarlottenburg vor der 1. Strafkammer des Landgerichts HI zur Last gelegt. Die Angeklagte halle, als ein Kunde ohne jeden Zusatz„Schnitzel" verlangte, von ihm 8 M. sür das Pfund Kalbsschnitzel gefordert, während der Höchstpreis nur 6 M. dafür beträgt. Die Angeklagte erklärte sich zu dem Preise von 8 M. berechtigt, da das von ihr zu verkaufende Fleisch aus einem besonderen und bevorzugten Teile, dem Filet oder sogenannten„langen Slück" bergestammt habe. DaS Schöffengericht erkannte auch deswegen aus Freiiprechung, wogegen der Amtsanwalt jedoch Berufung einlegte. Die Strafkammer kam auch zu einer anderen Ansicht und erkannte auf 509 Mark Geldstrafe. Wenn die Angeklagte auch nach dem Gulackien der Sachverständigen berechtigt sei, 8 Mark sür das Pmnd Kalbsschnitzel zu nehmen, iallS es aus den genannten Teilen berrübre, so sei sie doch verpflichtet, diesen Umstand den Käufern besonders mitzuteilen, und dürie nicht ohne weiteres diesen Preis fordern, wenn jemand einfach„Schnitzel" verlange. Hierunler seien die gewöhnlichen Teile aus der Keule zu derstehen, für die der Höchst« preis von 6 M. in Betracht komme. Masscuprozessc gegen den„Deutschen Kurier". Die zuständgie Abteilung des Amtsgerichts Berlin-Mitte hatte sich in der gestrigen Sitzung ausschließlich mit Prozessen gegen den„Deutschen Kurier" zu beschäftigen. Den erschienenen Gläu- bigern bot sich gleich zu Beginn der Verhandl-ung eine unangenehme Ueberraschung. als der erschienene Liquidator Schick erklärte, daß schon im Jahre 1915 der Verlag des„Deutschen Kiirier" an den Abgeordneten Wachhorst de Wente übergegangen sei. Die Em- pörung darüber unter den Gläubigern, zu den«: auch eine große Anzahl von Schriftstellern gehört, war um so größer, als noch im Mai 1915 die pretzgesetzlich vorgeschriebenen Vermerke den Anschein erwecken mußten, als ab die„Deutsche-Kurier-Aktiengesellschaft" Teilhaberin sei. Durch diese irreführenden Angaben sind Schrift- steller mit Beträgen von 30 M. an geschädigt worden.— Auf Vorschlag des Richters nahmen sämtliche Beteiligten sofort die Klage gegen die Deutsch-Kurier-Aktiengesellschaft zurück und erhaben sie gleichzeitig gegen den Abgeordneten Wachhorst de Wente, dessen Vertreter die Forderungen anerkannte. Wegen einer fehlen- den Vollmacht können die Anerkenntnisurtcile erst am 24. Novcm- der verkündet werden. Ms aller Welt. Sturmschäden. Von der schweizerischen Grenze, Lt. November.(?. U l Infolge des in der Lucht von Marseille wütenden Sturmes ist die italienische Brig.Maria Jberia* gescheitert. Auch an der französischen W e st k ü st e herrschte am Sonntag ein gewaltiger Sturm. Toulouse wurde schwer beim- gesucht. Auäi auS den Garonnegebieten sowie von der spanischen Küste sind Depeschen über ungeheure Stumschäden eingelaufen. Mehrere Schiffe sind gescheitert. Die Hasen sind von schutzsuchenden Dampfern überfüllt.(Köln. Ztg.) Hochwasser. Frcderiksberg, 21. November. Ein sehr starker Oststurm verursachte ein starkes Hochwasser an der Südküste von S e e l a nd. Die Ostsee hat groste Strecken der unbeschützten Insel Hyllekrog überschwemmt. Einige Hafenplätze sind bedroht. Ecks. Ztg.) Schisfbruch. D st a d, 20. November.(W. T. B.) Heute nach- miltag sind hiesige Lotsen mit 11 Mann des Hamburger Dampfers .Fritz Hugo jötinnes 5" hier eingetroffen, der infolge Kesselexplosion südlich von Sltndhamn untergegangen ist. Er war mit Erz von Lulea nach Hamburg unterwegs. Der Kapitän und sechs Mann be- stiegen das erste Rettungsboot. 11 Mann das zweite: ersteres kenterte, und inan sah zwei Mann sich an den Trümmern an- klammern; ihr weiteres Schicksal ist unbekannt. Der schwedische Dampfer.Bore� hat die 11 Mann des zweiten Bootes aufgenommen und die Vsiader Lotsen herbeigerufen. Laromctcrsturz und Springfluten. B e r n, 20. November.(W.T.B.) Aus einem grossen Teil Frankreichs wird ein starker Barometersturz gemeldet, der teilweise über 4t) Millimeter beträgt und sich auch in Paris unangenehm bemerkbar machte. Besonders aus Marseille und Bordeaux wird gemeldet, dass gewaltige Springfluten die Strasse überschwemmt und den Strassenbahnverlehr unmöglich gemocht haben. Hunderte kleiner Fahrzeuge wurden vernichtet. Auch grössere Schiffe scheiterten vor der Einfahrt. Hilfeleistung war wegen der Heftigkeit des Wellenganges unmöglich. Fcldpvstmardcr. Der 18j2hrige Karl Staudenraus, der int Bahnhof Würzburg als Ausbelfer in der Sammelstelle beschäftigt war, hat eine Reihe Diebstähle an Feldpostsendungen begangen. Meist waren e§ Zigaretten, denen er seine Aufmerksamkeit widmete, und was St. nicht selbst verpaffte, schenkte er seinen Freunden. In einem Falle eignete er sich auch ein Eisernes Kreuz 1. Klasse als Vorschusslorbeer an. Staudenraus, der den Reigen für mehrere solcher Aushelfer eröffnete, die demnächst voe Gericht kommen, wurde vom Schöffengericht zu vier Monat Gefängnis verurteilt. Wchluot in Stockholm. Kopenhagen, 20. November..Berlingske Tidende" meldet aus Stockholm: Den Mchlhändlern ist von dem amtlichen Bureau mitgeteilt worden, daß sie bis auf weiteres kein Mehl erhalten könnten; infolgedessen ist Stockholm fast ohne Mehl. Alle Hausbäckerei ist verboten, die Brotvorräle sind knapp; man meint, dass binnen kurzem Brot- und Mehlkarten eingeführt werden müßten. Die Pariser Kohlcnnot. P a r i s, 20. November. Wie.Journal"' ausführt, ist das S t e i g e n der Seine dieses Jahr sehr ftüh eingetreten, was neue Schwierigkeiten für die Kohlenversorgung von Paris bedeutet. Ungefähr zehn niedrig««rücken verhindern zwischen Rouen und Paris bei Hochstand deS Flusses den Schlepperverkehr. Zurzeit können auf der Seine statt der geplanten 20 000 nur 7 bis 8000 Tonnen befördert werden. Die Behebung der Schwierigkeiten ist sehr schwer.(W. T. B.) Russischer Ricscnkauf in Amerika. Kopenhagen, 20. November. Wie„Berlingske Tidende" aus Petersburg meldet, hat der Ackerbau- minister in Amerika für vierzig Millionen Rubel landwirt- schaftliche Maschinen bestellt. Beim Rodeln ertrunken. Görlitz, 21. November. Gestern nachmittag sind im benachbarten Ebersbach zwei Kinder des Bäcker- meisters Kotz, ein drei- und ein neunjähriges Mädchen, beim Rodeln in den Dorfbach geraten und ertrunken. Die Leichen sind ge- borgen. Cholera in Korea.„Nowoje Wremja" vom 5. November berichtet nach der Zeitung„Ossaka Assachi'j, daß in Südkorea die Cholera der- art wütet, daß an der Küste im ganzen Gebiete der Präfektur Fufan der Fischfang völlig verboten ist. Infolgedessen sind 270 000 Fischer arbeitslos geworden und mehr als 40 000 Fischerboote liegen un- benützt. Außerdem ist wegen der Cholcra-Epidcmic die Ausfuhr des schon eingebrachten Fangs verboten, weswegen die Fischprcisc stark fallen._ Iugenöveranftaltungen. Schntzverbaud der Schwerhörigen. Morgen Donnerstag, 8'/, Uhr: Abseh-Uebungsabend, unter Leitung des Herrn Reinfelder, im Lehrer. vercinshauS, Alexanderstr. 41, III. stock, Zimmer 4. Friedrichshagcn. Bei schlechtem Wetter wird am Busstag nicht ge- lausen. Treffpunkt 2'/. Uhr im.Jugendheim". Absahrt 3.04 Uhr bis Treptow. PeterShagen< Fredersdorf. Heute nachmittag S Uhr Im«Allen Dcffaucr" UnterhaltungZabcnd. Gäste willkommen. Sriefkaften öer Neüaktion. Die inriMlche Eprechtwnde findet für elbonnenlen Linden»». B, IV. Ho> rechts, parterre, am Montag bis Freuag von 4 bis 7 Unr, am Sonnabend von b bis S Uhr statt. Feder für den B r i e t l a st e n bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Labt als Merlzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird Nicht erteilt. Anfragen, denen leine Abonnementsauitiung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilig« Fragen trag- man in der Svrechsmnde bor. venrige, Schrtfiftücke»ad dergleichen bringe mar in dle Svrcchünnde mit. I. M. 10. Sie müssen die Miete sür Dezember bezahlen, auch wenn Sie das Zimmer nicht benutzt haben.— W. K. 100. 41 bedeutet: leichte Kropsanlage, 14: Ehronischer Gelenkrheumatismus; dicnstsähig.— M. 500. Sie müssten Ihr Leiden dem Arzt mitteilen.— F. P. 94. 1. Nein. 2. Herzlcidcnd, dienilsähig,— I. W. 83. Sie könnten sich bcschwerdc- sührend an den KreisauSschuss deS Kreises Niederbmnim in Berlin, Friedrich. Karl-Ufer S wenden.— O. G. 189. Wenden Sie sich mit Jbrcm An- liegen an den Buchdruckerverband, Berlin, Engeluser 15. D. U. 1. Von einer solchen Bersügung ist uns nichts bekannt. 2. Ja.— Zeuthen C R. 0. Das berechtigt Sie nicht zur sosorti�cn Lösung des Vertrages, Sic würden für die Miete bis zum Ablauf desselben basten müssen. E. H. 17. Der Vater ist in diesem Falle verpflichtet, mehr als 10 M. wöchentlich für den Unterhalt zu zahlen.— I. fl. 1. Ja. 2. Die Eltern muffen sich von ihrem Sohne eine Vollmacht zur Abhebung der Rente aus- stellen lassen. 3. Gegen die Frau kann, da sie den Vertrag mit unter. schrieben hat. Klag« erhoben werbe». DaZ Prozehb erfahren gegen den Ehemann muss. da er im Felde ist, ausgesetzt werden. 4. Das Verfahren kann sortgesetzt werden, da zur Vertretung der Parteien vor dem Land- gericht die Verhandlung durch Rechtsanwälte geführt werden mutz.— F. G. 123. Wenn Sie oder Ihre Braut noch minderjährig find, be- dürsen Sie der Eiwilligung des Vaters oder Vormundes, wenn Sie aktiv dienen, auch die Einwilligung deS Regimentskomnian- deurs; ausserdem muffen Sie die Geburtsurkunde vorlegen.— A. 9. Ja. — D. Ii. 49. Otto. Die�Beibringung eines Attestes würde in diesem Falle wenig Wert haben. Sie können trotzdem eingezogen und zur Ope- ration verpflichtet werden, da diese nicht lebenSgesähriich und wahrscheinlich mit Sicherheit Hellung zu erwarten ist.— Gnadenlöhnnng 22. Sie haben aus die Gnadenlöhnung keinen Anspruch.— B. S. 50. Der Wechsel kann protcsiicrt werden. Gegen den Ebcmann muss aber ein Prozessvcr» fahren ausgesetzt werden, da er sich im Felde befindet.— R. B. 32. Die Berechnung in der Art halten wir nicht iür zulässig. Der Wochenlohn kann nur aus die sechs Arbeitstage, nicht auch aus den Sonntag umgerechnet werden. Sie hätten infolgedessen sür 3 Tage 11 M. zu beanspruchen. Wenn die Firma die Nachzahlung nicht gewährt, erheben Sie Klage beim Gewerbe- gericht in Berlin, Zimmcrfwasse 00/91. Aus die Bezahlung sür den Butz- tag haben Sie nach der mit der Firnm getroffenen Vereinbarung keinc-i Anspruch.— M. B. 10. Lungen« und Herzleiden; landstuimpflichtig. Darunter ist zu verstehen, dass Sie nicht zum Kriegsdienst eingezogen werden können, sondern nur zur Arbeit Verivcndung finden.—®. 5. Ja. LS. Sch. 00. Mittcuttialdc. Sie sind nicht verpflichtet, die Kündigung des Hauswirts am 10. d, M, alizunehmeu; bei inonallicher Mietezahlung nintz die Kündigung am 15. erfolgen. Wegen der anderen Beschwerden, die Sie gegen den Hauswirt haben, wenden Sie sich zunächst an die Orts- Polizei.— G. M. An das Stellvertretende Generailommando dcS V. Armeekorps in Posen.— H. St. 8. Die Firma würde Ihnen den Kriegsschein verweigern lönnen. Die von Ihne» gehegten Besürchtungeu könnten dann eintreten. Die von Ihnen angegebene Höhe des Stunden. lohncs würde nicht als ausreichender Grund sür die Niederlegung der Ar- beit angesehen werden.— Havel berg 100. 1. Lugenteidcn und Stottern, zurückgestellt. 2. Das können wir nicht wissen.— O. H. 70. Wenn der Vater des KindcS vor seiner Einberufung zum Militär Unter- haltSgeider gezahlt hat, so kann Ihnen die Untastützung für das Kind jetzt nicht entzogen werden. Führen Sie Beschwerde beim Magistrat.— Z. 11. 13. Da§ kommt aus die Abmachungen beim Kauf an. Wenn Sie dem Käuser nur das Wiesen« und Ackerland vertaust haben, kann er leinen Anspruch aus den Zaun erheben. Eingegangene Druckschristen. Ecwaffneter des Kaisers. Von H. Steiger. 1,20 M., geb. 1,40 W. VolkSvcrcins-Verlag, M.-Gladbach. Die Kricgsfürsorgc in Mannheim. Herausgegeben und bearbellel von Prof. Dr. S. P. Allmann. 324 S. I. Bensheimer, Mannheim. Das deutsche Musitlebc«. Von P. Vetter, 0 M., geb. 7,50 M. Schuster u. Locsfler, Berlin IV 57. Deutsches Dheater-Adrcffbuch. 1310/17. Herausgegeben vom Deutschen Bühnenverein. 2 M. Oeslerheld u. Co., Bertin XV 15. Weltwirtschaftliche Möglichkeiten. Von F. Eulenburg. Geb. 1 M. S. Fischer, Berlin, Büiowilr. 90. Ratschläge für die Berufswahl im Rechts-, Wirtschafts- und Berwaltuiigsleben. Herausgegeben von der Rechts- und EtaatSwissen- schaftllchcn Fatuität der Schlcflschen Friedrich-WllhclmZ-Univcrsilät. 83 S. I. C. B. Mobr, Tübingen. „Wissenschaft und Bildung.-- Bd. 108: Geschichte der Philosophie vom Beginn der Neuzeit bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Von Pros. Dr. A. Messer.— Bd. 140: Niederdeutsche Bolkskunde. Von Pros. Dr. O. Lauffcr. Einzelb. 1,25 M. Quelle u. Meyer, Leipzig. Die Greuzboteu. Nr. 40. Zeitschrift sür Politik, Literatur und Kunst. Hcrausg.: G. Cleinow. 00 Pf. Verlag in Berlin 8 XV 11. Als Opfer des XXreltkrieges fiel am 6. November 1910 1 mein über alles beißgeliebter Mann und treuer, nnersetz- liober Lebensgefährte, mein innigstgeliebter Sohn, unser| guter, unvergeßlicher Bruder, Schwager und Onkel Ernst Spießhofer Landsturmmann im Inf.-Keg. Nr. 143, im blühenden Lebensalter von 30 Jahren. In tiefstem Schmerze EliKabctb Spießhofer geb. Klemp, Gattin. Sophie Spießhofer geb. Herr, Mutter. 1530b Emma Spießhofer, Rosa Jäckel geb. Spießhofer, Schwestern. Gustav Jäckel, zurzeit im Leide, Schwager. Deulsciier Transportarbeiter-VeFliaiii. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. dass unser Kollege, der Geschäfts. kulscher Ilieoliof öiebei'ZMt von der Firma Lietzmann, Neu. lölln, am 18. November im Aller von 57 Jahren verstorben ist Ehre scinew Andenke«: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 22. November, nach- miitagS 2 Uhr, von der Leichen- balle des Jerusalems-Kirchhoses lnZlcutölln.Hcrmannslr., aus statt. I 09/15 Oie Bezirksverwaltung. Martha Daenzer Am Montag, vormittags UUbr verschied nach kurzem, schwerem Leisen meine geliebte Frau, meine berzensgute Mutter, unsere liebe Schwiegertochter, Schwester, Tante und Schwägerin 148a geb. Hohenstein mi 42. Lebensjahre. Dies zeigen liesbetrübt an Adlersbos, den 20. Novbr. 1310. Max Daenzer u. Wallt. Die Beerdigung findet am Don- nerstag, den 23. d. Mts., nach- mittags 3 Uhr, von der Kapelle des Friedhofes in Adlcrshof aus statt. DieVefforgungder Kriegsteilnehmer ihrer Angehörigen und ihrer Hinterbliebenen Bearbeitet v.Paul Hirsch, Landtagsabgeordneter preis 30 pf. Ein unentbehrlicher Ratgeber für Kriegsteilnehmer u. deren Hinterbliebene. Z n» a l t: Fürsorge für dteFanNIlen der tkrtegsletlnehmer Die Wer. sorgung der Mannschaften«rieg«. Versorgung. Jnvalidenverstcherung von Kriegsteilnehmern und deren Ltnterbltebenen Buchhandlung Vorwärts ts Berlin SW. 68, Lindenstr.Z Orts- Krankenkasse für das Maurergewerbe zu Berlin C 25, Hankestraffe 4 I. Bekanntmachung Aus Antrag des Kassenvorstandes bat das VersicherungSamt der Stadt Berlin in der Sitzung vom 13. No- vcmber 1910 beschloffen: .Es wird genehmigt, daß der Vorstand erkrankten Kassemnll- gliedern Krantenlojt gewähren dars, wenn die hierfür eigens bestimmte Kontrollstelle die Derabjolgung der Krankenkost genehmigt bezw. gut- heisst. 15331) Die Mehrleistung tritt mit dem Tage der Zustellung des Beschlusses in Kraft.' Tgb. Nr. 1138 Bers.-A. K. 10. Zugestellt am 2t. November 1910. Bekanntgegeben Berlin, den 22. No- vember 1910. Der Borstaud. «ug. Daehne, vorfitzender. R. Freund, Schristsührer. Vorstehende Bekanntmachung kann von den Mitgliedern gegen Vor- zeigung der Mitgliedslatte im Kaffenlotal in Empsang genommen werden. Orts- Krankenkasse sür die Gewerbe der Tischler und NlllvosortearbkittrznKerlin Am Donnerstag, den 30. No- vember 1919, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftöhause, Engeluser 15, Saal 3, findet die Ordentliche Ausschutz-Sitznng statt, zu welcher die Vertreter der Arbeitgeber und der Versicherten hierdurch eingeladen sind. Tagesordnung: 1. Beratung und Festsetzung des Voranschlages sür das Rcchnungs- jähr 1917. 2. Wahl des RechnungsauSschuffes sür die Prüfung der Rechnung des lausenden Jahres 1910. 3. Antrag deS Vorstandes ans Ab- önderung deS tz 57 der Satzung. Der Borstand. 272/10 llmil ESske, Fritz Zinke, Vorsitzender. Schristsührer. Sfaemcrrfactden {w Boh�vind. schnell iLSGhmerzl. durch A B Myrobalannm, sicher bewähr- H B teste äasserL Anwendung: M. 2,50.■ B 0tteReichel,Berlin43Eisenbahnstr 4. m Berlln C fej Wallstr. 13 ardinen I Spezialfirma: Gardlnenhaus Bernhard Schwarlz Wesimcnn's Tmuemsszin Größte-us wah.. BUligate Preise. L MonrenttraBa 37« (Kolonnaden (L Or. Frankfurter Str. 115 (nahe Andrcasstr.) Auswahisendungen sofort Ami Zentrum 7890. 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November 1916, abends pünktlich 8'/z Uhr, in den Musikcr-Festsälen, Kaiser-Wilhelm-Straße 31: Grnppen-Persammlung der Zigarettenmaschincnführer. Tagesordnung: 1.»ruppcnangelegcnheiten. 2. BctricbSangelegcnheiten. Z. Verschiedene». Da beim Punkt 1 der TageSordmmg für die Gruppe außerordentlich wichtige Fragen behandelt werden, ist daS Erscheinen aller Kollegen un- beding: notwendig. Die ttruppcnleitang. Zeniralverband der Kandlungsgehilfenl Tonnerstag. den 23. November, abends SVs Uhr, in den Musikersälen, Kaiser-Wilhelm-Ttr. 31: venersl- Versammlung. Tagesordnung:, 1. Geschästs- und Kassenbericht für daS 3. Quartal. 2. Ergänzungswahl zum Hauptvorstand. 3. Verschiedenes. Eintritt nur gegen Borzeignng des Mitgliedsbuches. .8/14 Die Ortsvcpwaltuiig. 9. Abteilung. Heute Mittwoch, den LZ. November, abends 5 Uhr, im Cafö Bellevue, Hanptstr. 3; MztAliscket*-Vcr�fnmlune der 29,, 30., 31., 32., 47., 84., 123. Verkanfsstelle. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen bliru» über:.Die Koniumgenossen- schaft während der SiriegSzeit". 2. Wahl des Genvsscnschaftsrats. 3. Vcrkaussslcllenangelegenhcitcn. 104/12 Zahlreichen Besuch erwartet Tie Abteilungsleitung. Zentral verband d. Hansangestejl(en Ortsgruppe Berlin. 48/1 Am 58 nfi t a g, den 22. November, abdS. 7 Uhr, im Graphischen BereinshanS, Zllexaudrinenstr. 41: WG� V v r s n m m 1 vi in g. Lortrag von Frau Gertrud Lodahl. Mitglied des Frauenbeirats im Kriegscrnährungsamt, über:»GinheitSttichcn und Maffenspeisuug«. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortslettung. Pflanzt fliisfääüme! GroSe Auswahl aller Eaun'ormcn von Aepfeln, Birnen, Pflaumen, Kirschen, Stachel- und Johannisbeeren, Pfirsichen usw. im Hof unteres Geschäfts. fapr- KäBige Preise. E.BOESE&CS nur Landsberger Straße 645. Riessn-Vorr&te in Harl. Blumenzwieb. ! �15 S'lj. 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Z.)(VachdruS verboten! 92 219 24» 408(SOCO) 843 1038 3C9(800) 87 408(1000) 688 798 11000! 2)22 60 2S7 814 73 87(JOOO) 767 S003 69 107 267 76 67! 744 90 805 10 4062 82 232 302 24 622(1000) 04 674 76 780 86 S60 3015 259(600) 688 437 660 es 768 967 «202 340 673 661 64 780 815 949 71 1600) 7132 288 429 69 807(600) 606 13000) 65 8003 89 129 363 673 77 862 73 L04S 86(500) 121 13000) 67 205 421 655 866 970 10014 112 222 627 29 83 84 82 11046 91 183 628 65 991 (600) 12017 19 190 292 466 670 730 952 1 3146 394 4.2 48 74 618 68 661(600) 740 4 2 60(3000) 838 1 4298 624 783 (1000) 880 1 5031 104(£00) 12 18 262 74 327 434 48 608 91 765 834 42 934 67 1 0333 457 657(10001 05 600( 600) 3 20 752 917 17067 136 636 763 18000 108 223 366 485 604 74 722 835 10106 37 438 43 624 813 82 21)04» 108 16 219 305 864 948 21164(3000) 522 601(600) 789 2 2144 600) 269 649 73 60 669 741 66 607 48 84 905 33 36 28079 90 204 8 324 964 93 24125 2.5 68 i.97(3000) 812 Sil 41 72 2 3044 63 174 287 358 449 65 67(3000) 7.5 52 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Für den Inseratenteil vcrantw,: Th. Molle, Berlin. Druck u. Berlag: Vorwärts Äuchdruckerci und LerlagSanstalt Paul Singer i Co.. Berlin SW. Ls.