Ar. 329. 33. Jahrg. Nbonnementt-ZZeSIngungn»: Admmcmeius.'Ctrtä stämimetcmbo Lierleljährl. 3,90 2J!l, monatl. 1,30 MI. wöchenlllch 30 Big, nci ms Haus. Einzelne Nummer ö Pig. SonnlagS- nunimer mil illultrierier SonnlagS» Leilagc.Tie Neue Welt'>0 Pfg. Pöil- AbonncmeM: l.M Mark Uro Monat. Eiligelragen in die Post-ZeitungS- Preisliiie. Unter Kreuzband tür DcuUchland und Oesterreich- Ungarn L.öv Mark, für das übrige Ausland « Mark xro Monar. Vostabonnemems nednicn an Belgien. Dänemark, Holland, Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweis üldieiDt täglich, Verlinev VolksblÄtk. f 5 Pfennig} Die InlerlionS'GebQljr »etrklgt für die sechSgespaltene Kolonel- Zeile oder deren Raum 00 Psg., für »olitilche und gewerkfchafiliche Vereins» und Versainmlnngs- Anzeigen SO Pig, „Kleine Hnseigen", das scttgedrmile »Sort 20 Psg.(zuläsfig 2 iettgedruckte Worie), jedes weitere Wort 10 Psg. ktellcngesuche und Schlasslellenan» zeigen das erste Wort 10 Psg. jedes weitere WortöPsg. Worte über 15 Blich- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis & Uhr nachmittags in der Expedition »tgegeden werden. Die Exvedüio» ijt bis 1 Uhr abends geoffn«, »elegramm-Adrefse: .S«iitlllel»»>i»t Okklli". 2entralorgan cler fosialäemokratifcken Partei Veuttcklanäs. NeüaMon: EW. HS, Linöenstraße S. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 131 9«— 131 97. Donnerstag, den 30. November 1910. Expedition: SW. HS, �inöenstraße 2. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 131 99—131 97. Das ftlfsdlenftgdetz im Keichstag. Wicht unö Recht öer Arbeit. Tie große grundsätzliche Bedeutung des Kampfes, der sich � jetzt im Reichstag abspielt, ist durch die Reden des Reichskanzlers und des Genossen Dr. David in Helles Licht gerückt. Herr v. Bcthmann sprach von einer Organisation der Arbeit, die sich aufbauen miisse ans der freien Uebcrzcngung des ganzen Volkes. Der Sozialist kann dieses Ziel nur loben, es ist ja das seine, aber er kommt nüt allgemeinen Formulierungen über die große Aufgabe nicht hinlveg, sondern dringt in alle ihre Einzelheiten ein, um auch das Recht der Persönlichkeit neben den Forderungen des Ganzen sicherzustellen. Wir leben, auch im Burgfrieden, nicht in einer Welt der sozialen Harmonie. In unserer Wirtschaft reiben und stoßen sich die Gegensätze. Neben dem Vordringen der sozialistischen Gedanken, deren Träger die Arbeiterklasse ist, beobachten>vir als Folge kriegswirtschaftlicher Entwicklung auch ein mächtiges Erstarken des Kapital»?. Und zugleich hat die Staatsgewalt einen Höhepunkt der Macht erreicht, der schlechthin n�lst zu überbieten ist. So sehen wir zwei Tendenzen gegeneinander wirken. Die eine drängt zum Bund zwischen Staatsgewalt und Kapital und bedroht die arbeitende Menschheit mit dem härtesten Schicksal. Tie andere strebt zur Demokratisierung des Staats, zur Eroberung der politischen.>t durch das Proletariat und zur wirklichen Einstellung der gesamten Volkswirtschaft auf den großen Zweck der Allgemeinheit. Diese Tendenzen kämpfen nnieinander um das neue Gesetz. Was au»? ihm wird, das wird weniger durch die Bc- dingungen seiner einzelnen Paragraphen, als durch die tat- s ä ch ki ch e n Machtverhältnisse entschieden werden. In seiner Form kann es nur ein ktompromiß sein, aber der Kampf ist damit nicht zu Ende, er fängt damit vielmehr erst an. Mögen die Wirkungen, die es entfalten wird, von den Massen noch so hart empfunden werden, so trägt es doch Zu- kunftssaat, den Kern einer großen Neuerung in sich. Die Arbeiterklasse wird wahrscheinlich aufatmen, ivenii das Gesetz einmal außer Kraft gesetzt werden wird. Ten Grundsatz der allgemeinen Arbeitspflicht tvird sie nicht ausgeben, sie wird an ihm festhalten und ihn fortentwickeln zum allge- meine» Recht auf Arbeit, dessen Anerkennung nach dem Krieg nötiger sein wird als je. Die Pflicht zur Arbeit und das Recht der Arbeit müssen einander ergänzen. Mit dem Krieg hört die Notwendigkeit des gemeinsamen Kampfes nicht auf. Auch wenn der Ansturm der Gegner abgeschlagen sein wird, werden Feinde genug im Lande bleiben: Arbeitslosigkeit, Unter- ernährnng, Volkskrankheiten. Unbildung und der schändliche Goldhunger, die Sucht der Menschen, andere Menschen aus- zubeutcn. Auch dann noch wird das Wort des Kanzlers gelten:„Wer daheim feiert, Hilst dem Feind!" Auch dann tvird es heißen, Menschenökonomie zu treiben, jede Krait auf den Platz zu stellen, an dem sie am besten zu brauchen ist, und aus der Gesamtheit der Kräfte die möglich größte Nutzwirkung für die Allgemeinheit herauszuholen. Die„Ärbcitgeber-Zcitung" hat dieser Tage über den „wahren" und den„falschen Sozialismus" philosophiert und dabei die Entdeckung gemacht, daß der„falsche" Sozia- lismuS„einem starken Recht eine geringfügige Pflicht" ent- gegenstelle. während der„wahre Sozialismus" vom einzelnen die Hingabe seines Letzten an die erhabene Idee des Staats- ganzen verlange. Wir finden diese Formulierung ausgezeichnet und bekennen uns ohne weiteres als Anhänger jenes„wahren Sozialismus", der von allen, auch von den K a p i t a l i st e n, die Hingabe ihres Letzten an die erhabene Idee des Staats- ganzen fordert. Wir erkennen zugleich die erhabene Idee des Staatsganzen in der möglich höchsten Förderung der geistigen und körperlichen Wohlfahrt aller: das allein ist das Ziel, für dessen Erreichung von allen einzelnen auch das letzte und höchste Opfer gefordert werden darf. Das Gesetz betreffend den„vaterländischen Hilfsdienst" wäre unnötig geivesen. wenn unsere soziale Organisation vor dem Kriege jene Höhe erreicht hätte, der die Arbeiter- bewegung zustrebt. So wie es wird, kann es nur ein Be- helf sein, der aus der nationalen Not geboren ist. Die Or- ganisation der Arbeit ist aber ein sozialistischer Gedanke, dessen gradlinige Ausführung in dem vorliegenden Gesetzentwurf durch den kapitalistischen Einschlag und durch den undemokratischen Charakter des Staats verbogen wird. An dieser Organisation mag und muß sich bewähren, was der Vater der politischen Wissenschaften, Aristoteles, vom Staate im allgemeinen gesagt hat: er ist ent- standen dem nackten Dasein zuliebe, er wird fortbestehen, um ein besseres Dasein zu gewährleisten. die erste Lesung. „Eine Arbeitsgemeinschaft ohne politischen Anstrich" soll nach einem Worte des Chefs des neuen Kriegsamtes, des Generalleutnants Gröner, in der gestrigen Sitzung des Reichstags das neue Hrlfsdienstgesetz aus der Gesamtheit des deutschen Volkes zu machen suchen. Heer und Heimat sollen zusamnumwirken zu dem gemeinsamen Zwecke, möglichst bald den Sieg und damit den Frieden herbeizuführen. Aus den gleichen Ton waren die Reden gestimmt, mit denen der Reichskanzler und sein Stellvertreter sowie der neue Kriegsminister v. Stein beim Beginn der Sitzung den neuen Gesetzentwurf begründeten. Wohl seien wir die ersten und die einzigen, so führte Bethnian« Hollweg aus, die bereit waren und bereit sind, den Krieg durch einen unser Dasein und unsere Zukunft sichernden Frieden zu beenden. Aber unsere Feinde wollen den Frieden noch nicht. So bleibt uns nichts übrig, als entschlossen weiter zu kämpfen und dem Ver- nichtnngswillen unserer Gegner gegenüber unseren Willen der nationalen Selbsterhaltnng erneut durch eine geivaltige Kraft- anstrengung zu bekunden. Der Reichskanzler rechnet dabei besonders auf die Hilfe der Arbeiter und ihrer „bewährten Organisationen"; durch die gegen- seitige Hilfsbereitschaft im Kriege solle sich Deutschland eine Zukunft bauen: stark nach außen, frei n a ch i n n e n. Der Kriegsminister sprach sodann vom Standpunkt des Feld- soldaten ans, denen durch die Hilfe der Heimat soivvhl die nötigen materiellen Notwendigkeiten als auch moralische Kräfte zugeführt werden sollten. Auch Dr. Helsferich spann in langer und längerer Rede denselben Faden weiter. In diesem Hauptpunkte stimmt auch die sozialdeniokra- tische Fraktion dem Gesetze zu. Genosse David als ihr Wortführer definierte als Zweck des Gesetzes die„Nutzbar- machung aller Kräfte im Dienst zur Verteidigung des Vater- landes". Diesen Zweck wollen auch wir. Unsere wackeren Feldgrauen sollen nicht einen Mangel an Geschützen und Mu- nition mit noch mehr Opfern an Gut und Blut bezahlen. Aber David stellte dann die Frage, ob der vorliegende Gesetz- entwurf in jeder Weise geeignet sei. den wichtigen Zweck zu erreichen. Man rechnet in erster Linie auf die freiwillige Mitarbeit des Volkes. Freiwillige und bereitwillige Arbeit wird aber nur von den Arbeitern verlangt werden können, wenn die Bestimmungen des Gesetzes danach angetan sind. Ist das Gesetz jedoch mit Spitzen und Widerhaken versehen, so wird der gute Wille und die Opferbereitschaft der Massen zuni Schaden des Zwecks des Gesetzes daran hängen bleiben.„Mit widerwilligen Arbeitern kann man die große Arbeit nicht leisten." Der Widerhaken und Stacheln zählte Genosse David dann eine erhebliche Anzahl auf. Mit be- sonderer Schärfe, die auf der linken Seite des Hanfes leb- hafte Unterstützung erfuhr, kritisierte David in diesem Zusammenhange den unerhörten Erlaß des preußischen Eisen- b a h n m i n i st e r s. Er knüpfte dabei an das von Helfferich zitierte Wort Arndts vom Gott, der Eisen wachsen ließ, an: der Gott habe dem freien Mann auch den kühnen Mut und den Zorn der freien Rede gegeben, der Gott, derpreußischeEisenbah neu wachse n lasse, wolle das gerade nicht, er wolle Knechte. Bei solcher Gc- sinnung der mächtigsten Männer im Bundesrat könne dieser kein Vertrauen, wie es Helfferich für ihn beansprucht hatte, verlangen, und bei solckier Gesinnung in leitenden Kreisen. die mit entschiedenen Bekundungen de-z Reichskanzlers in scharfem Widerspruch stehen, könne auch die Neigung, dem Gesetze zuzustimmen, bei uns nicht gestärkt werden. Man mutz die Erwartung aussprechen, daß die ernsten Worte Davids ihren Eindruck auf die entscheidenden Stellen nicht verfehlen und dazu beitragen, daß an dem Gesetz im Fortgange der Beratung noch gebessert wird, was nur irgend zu bessern ist. Auf die bürgerlichen Parteien scheint die Fraktion dabei freilich nicht allzuviel rechnen zu können. Wohl gaben ihre Redner zu erkennen, daß auch sie mancherlei Aenderung an dem Gesetz gewünscht hätten, im großen und ganzen aber wollen sie sich mit dem Entwurf, so wie er vor- liegt, zufriedengeben. Herr Bassernkann benutzte die berechtigte Zurück- Weisung der Entstellung einer Scheidcmannschen Acußerung, die Genosse David seiner Rede cingeflochten hatte, ganz un- nötigcrwcise zu einer kleinen Kriegszieldcbätte und zu einer Herausforderung des Reichskanzlers. Es war selbstverständ- lich, daß auch Graf W c st a r p mit Vergnügen diese Gelegenheit benutzte, um einige Knüppel in den Weg der Debatte zu werfen, die entweder Scheidemann oder dem Reichskanzler zwischen die Beine geraten sollten.— Genosse Scheide- m a n n behielt sich in einer persönlichen Bemerkung vor, später auf die Angelegenheit zurückzukommen. Für die Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft sprach Genosse V o g t h e r r, und zwar erklärte er, daß seine Fraktion das Gesetz rundweg ablehne, weil es ein Gesetz der Unfreiheit und des Zwanges sei. Inmitten der Debatte über das Hilfsdienstgesetz nahm der Staatssekretär des Innern Gelegenheit, dem Reichstage mitzuteilen, daß der Bundesrat in seiner Sitzung am Mitt- woch den beiden vom Reichstag in seiner letzten Tagung an- genomnienen Gesetzentwürfen über die Schutzhaft und über den Belagerungszustand zugestimmt habe. Die Zustimmung ist erfreulich, daß sie erst in zwölfter Stunde erfolgt, gleichsam unter dem Druck der Beratung des gegenwärtigen Gc- setzes, ist weniger erfreulich. Am Donnerstag steht die zweite Beratung des Gesetz- entwurfs über den Vaterländischen Hilfsdienst auf der Tages- ordnung.___ das Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst. Im Anschluß an unseren gestrigen Kommiffionsbericht geben wir den Wortlaut des vom Haushaltsausschuß umgearbeitcten Ent- Wurfes: 8 t..,_ Jeder männliche Deutsche vom vollendeten siebzehnten bis zum vollendeten sechzigsten Lebensjahre ist, soiveit er nicht zum Dienst in der beloafsneten Macht einbernsen ist, ist zum Vaterländischen HikfSdicnst während des Krieges verpflichiet. Als im Vaterländischen Hilfsdienst tätig gelten alle Personen, die bei Behörden» behördlichen Einrichtungen, in der Kricgsindn- strie, in der Land- und Forstwirtschaft, in der Kranken pflege, in kriegswirtschaftlichen Organisationen jeder Art oder in sonstigen Bernsen oder Betrieben, die für Zwecke der Kriegführung oder der Volköversorgnng unmittelbar oder mittelbar Bedeutung haben, be- schäftigt sind, soweit die Zahl dieser Personen da» Bedürfnis nicht übersteigt. Hilfsdienstpflichtige, die vor dem 1. August 1916 i« einem land- und wirtschaftlichen Betriebe tätig lvaren, dürfen aus diesem Berufe nicht zum Zwecke der lleberweisung in eine andere Beschäftigung im Vaterländischen Hilfsdienst herausgezogen werden. Die Leitung de» Vaterländischen Hilfsdienstes liegt dem beim Kgl. preußischen Kriegsministerium errichteten Kriegsamt ob. 8 4. lieber die Frage, ob und in welchem llnifange die Zahl der bei einer Behörde beschäftigten Personen da» Bedürfnis übersteigt, entscheidet die zuständige Reichs- oder Landeszcntralbehörde im Einvernehmen mit dem KricgSamt. lieber die Frage, was als behördliche Einrichtung anzusehen ist, sowie ob und in welchem Umsang die Zahl der bei einer solchen beschäftigten Personen das Bedürfnis übersteigt, entscheidet daS Kriegsamt nach Benehmen mit der zuständigen Reich»»- oder Landeszcntralbehörde. Im übrigen entscheiden über die Frage, ob ein Beruf oder Veirieo im Sinne des§ 2 Bedeutung hat, sowie ob und in welchem llmfang die Zahl der in einem Beruf, einer Organisation oder einem Betriebe tätigen Personen das Bedürfnis übersteigt. Aus- schüsse, die für den Bezirk jedes stellvertreieiiden Genrralkvmman» doö oder für Teile de» Bezirks zu bilden sind. 8 9. Jeder Ausschuß 4 Abf. 2) besteht ans einem Offizier als Vorsitzenden, zivei höheren Staatsbeamten, von denen einer der (Gewerbeaufsicht angehören soll, sowie ans je zwei Vertretern der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer, Den Offizier sowie die Ver- treter der Arbeilgeber und der Arbeitnehmer bestellt das Kriegsamt, in Bayern, Sachsen und Württemberg das Krirgsministeriuin, dem in diesen Bundesstaaten auch im übrigen der Vollzug des Gesetzes im Einvernehmen mit dein Kriegsamt zukommt. Die höheren Staatsbeamten beruft die Landeszentralbebörde oder die von ihr zu bestimmende Behörde. Erstreckt sich der Bezirk eines stcllvcr- tretenden Generalkommandos auf die Gebiete mehrerer Bundes- staate», so werden die Beamten von den zuständigen Behörden dieser Bundesstaaten berufen; bei den Entscheidungen des Aus- schufses wirken die Beamten des Bundesstaates mit, in dessen Gebiet der beteiligte Betrieb liegt. 8 6. Gegen die Entscheidung des Ausschusses(8 4 Abs. 2) findet Beschwerde an die beim Kriegsamt einzurichtende, Zentralstelle statt, die aus zwei Offizieren des Kriegsamts, von denen' det eine den Vorsitz führt, zlvci vom Rcichskanzlcr ernannten Beamten und einem von der Zentralbehörde desjenigen Bundesstaates zu ernennenden Beamten, welchem der Betrieb, die Organisation oder der Berussausübcnde angehört, sowie je einem Vertretr der Arbeit- geber und der Arbeitnehmer besteht; für die Bestellung dieser Ver- treter gilt 8 b Satz 2. Werden Marineinteressen berührt, so ist einer der Offiziere vom Neichsmarineamt zu bestellen. Bei Be- schwerden gegen Entscheidungen bayerischer, sächsischer oder lvürt- tembergischer Ausschüsse ist einer der Offiziere von dem Kriegs- Ministerium des beteiligten Bundesstaates zu bestellen. 8 7. Tie nicht im Sinne des» 8 2 beschäftigten Hilfsdienstpflichtigcn können jederzeit zum Vaterländischen Hilfsdienst herangezogen Jtie Heranziehung erfolg!!n der Neael?,nnnckst durch eine Aufforderung zur freullillige» Meldung, die das Kriegsamt oder erne dn�rch � Perinittelung der Landeszentralbehördcn zu bestim- mende Stelle erläßt. Wird dieser Aufforderung nicht in aus- reichendem Masse entsprochen, so wird der einzelne Hilfsdienst- Pflichtige durch besondere schriftliche Aufforderung eines Aus- irfnni'p� TiPVftMrtj»irtrt£»iT Söi- i»,>,»»- k,".»» cu.. � cz.-i. ■ � � uuv 1 w 1 VtV vi Lvb uyc f C t. und der Arbeitnehmer besteht Bei Stiininengteichheit gibt die Stiinme des forschende» den Ansschlag. Zetir die Bestellung des Offiziers sonne der Bertreler der Arbeitgeber und der Arbeit- nchrucr gitt � 5 Sah 2] den höheren Beamten beruft die Landes- zrutraibehördc oder die öon ihr zu bestimmende Behörde. Jeder, dem die besondere schriftliche Ausforderung zugegangen ;.u4,.— jicuti. ucm-u nie ueocrivenuna euisanwcr ocr bei denn stellverlretenden Generalkommando gebildete Ausschuß i Abs. 2). Tie Beschwerde hat keine ausschiebende Wirkung, � f. Bei der Neberweisnng zur Beschäftigung ist auf das Lebens- aller, die Familienverhältuisse, den Wohnort und die Gesundheit sowie auf die bisherige Tätigkeit des Hilsödienstpfltchtigen nach Möglichfeit Rücksicht zu nehmen. Üi 9. Niemand darf einen Hilfsdienstpflichtigen in Beschäftigung nehmen, der bei einer der in Z 2 bezeichneten Stellen beschäftigt ist oder in den letzten zivc! Wochen beschäftigt gewesen ist, sosern der Hilfsdienstpflichtige nicht eine Bescheinigung seines letzten Arbeitgebers darüber beibringt, dag er die Beschäftigung mit dessen Zustimmung ausgegeben hat. Weigert sich der Arbeitgeber, die van dem Hilfsdienstpflichtigen beantragte Bescheinigung auszustellen, so steht diesem die Beschwerde an einen Ansschus; zu, der in der Regel für seden Bezirk eine Ersatzkommission zu bilden ist, und ans einem Beauftragten des Kriegsamts als Vorsitzenden sowie ans ie drei Vertretern der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer besteht, sie zwei dieser Ver- treter sind ständig, die übrigen sind aus der Bernfsgruppe zu eut- nchiiien, welcher der beteiligle Hilfsdienstpflichtige angehört. Er- keimt der Ausschuh nach Untersuchung des Zvalles an, dag ein wichtiger Grund für das Ausscheiden porliegt, so stellt er eine Bescheinigung aus, die in ihrer Wirkung die Bescheinigung des Arbeitgebers ersetzt. Bei der Entscheidung der Frage, ob ein wichtiger Grund vorliegt. ist aus die Bedürfnisse des Vaterländischen Hilfsdienstes Rücksicht zu»ehmen. Als wichtiger Grund soll insbesondere eine angemessene Berbesscrnng der Arbeitsbedingiiiigeii im Baterlän- dischcn Hilfsdienst gelten. 8 10, Tic Anweisung für das Versahren bei den im I s Abs. 2, S? 7 Abs. 2. tz 0 Abs. 2 bezeichneten Ausschüssen erläßt das Kriegsamt. Für die Berufung der Vertreter der?lrbeitgeber und der Arbeitnehmer in die Ausschüsse lijS 5, 0,§ 7 Abs, 2,§ 0 Abs. 2) durch das Kriegsamt sind Vorschlagslisten wirtschaftlicher Organi- sationen der Arbeitgeber und drr Arbeunelnner eiiizuholen. Soweit zur Wahrnehmung der Obliegenheiten der im 8 9 Abs. 2 bezeichneten Ausschüsse bereits nhnl'che Ausschüsse sKriegS- misschüsse usw.) bestehen, tonnen sie mit Zustimmung des Kriegs- ainis an die Stelle jener Ausschüsse treten, ä U. Fn allen für de» Valcrlaudischeu Hilfsdienst tätigen Be- trieben, für die Titel Vit der Gelverbeordnung gilt und in dcneil in der Regel mindestens einhundert Arbeiter beschäftigt werden, müssen ständige Arbeiterausschüsse bestehen. Soweit für solche Betriebe ständige Arbeiterausschüsse nach § 1.3-tli der Gewerbeordnung oder nach den Berggesetzen nicht bestehe u. sind sie zu errichten. Tie Mitglieder dieser Arbeiteraus- schüsse werden von den volljährigen Arbeitern des Betriebes oder dcr Betriebsabteilung aus ihrer Mitte in unmittelbarer und gc- licimer Wahl nach den Grundsätzen dcr Berbälinistvahl gewählt. Tas Nähere bestimmt die Landeszentralbebörde. Untere den gleichen Voraussetzungen sind für die Zlngestclltcu besondere Angcstelltenausschiljse zu errichten. 6» 12. Dem Arbeilernusschuß liegt ob, das gute Einbernehuieu inner- halb der Arbeiterschaft des Betriebes und zwischen der Arbeiterschaft und dem Arbeilgeber zu fördern. Er bat Anträge, Wünsche inid Bcschloerdeu der Arbeiterschaft, die sich ans die Betriebes- cinrichtuiigcil, die Lohn, und sonstigen Arbeitsverhältnisse des Be- triebeS und seiner Wohlfahrtseinrichtungen beziehen� zur Kenntnis des Unternehmers zu bringen und sich darüber zu äußern, Aus Verlangen von mindrstens einem Viertel der Mitglieder des Arbeiteransschlisses nillß eine Sitzung anberaumt und der ve- antragte Berntnugsgegellstand alif die Tagesordnung gesetzt werden. 8 13. Kommt in einem Beiriebe, der im§ 11 bezeichneten Art bei Streitigkeiten über die Lohn- oder sonstigen Arbeitsbedingungen eine Einigung zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeiteraus- schusz nicht zustaude. w taun, lucirn nicht bride Teile ein Gcloerbe- geeicht oder ein Berggcwcrbegericht oder ein Einigungsamt einer Innung als Einigungsamt onrnse», von sedem Teile der iin � 9 Abs. 2 bezeichnete Ausschuß als Schlichtungsstelle angerufen werden. In diesem Falle finden die ÜO. US— 7;j des Gewerbcgerichls- gesetzes entsprechende Anivendung mit der Maßgabe, daß ein Schiedsspruch auch dann abzugeben ist. ivenu einer der beiden Teile nicht erscheint oder nicht verhandelt, iowie daß Personen, die all der einzelnen Streitsache als Ärbeitaeber oder als Mit- glied des Arbeiterausschüsse» beteiligt gewesen sind, bei dem Schiedsspruch nicht mitwirken können. Bestellt in einem für den Vaterländischen Hilfsdienst tätigen Betriebe, für den Tilet Vit dcr Gewerbeordnung gilt, ein stän- diger Arbcitcransschllß weder nach der Gewerbeordnung oder den Berggesetze», noch nach Ü H Abs. 2 dieses Gesetzes, so kann bei -treitigkeiten zwischen der Arbeiter, chatt und dem Arbeitgeber über Arbeltsbedillgungen der nn is g Ab,. 2 ic Unterwirft sich der Arbeitgeper oem scnieoslprua, N!a,l. ,o nt den beteiligten Arbeitern auf ihr Verlangen die zum Aufgeben der Arbeit berechligeude Bescheinigung lf, 9. zu ertc.len Unterwerwn sick die Arbeiter dem Schiedsspruch»'cht. w dar,'hnen aus der dem Schiedsspruch zugrunde liegenden Veranlassung die Beichern:- gllng nicht erteilt werden. � � i Für die industriellen Betriebe der Heeres- und Marineber- waltung sind durch die zuständigen �.icnstbchordeii Vorfchristen im Sinne der � 11—13 zu erlassen, §13. Tie durch össentliche Bekanntinachuna oder unmittelbare An- frage des KriegsamtZ oder der Ausschüsse erforderten Auskuinte über Beschäftigung und Arbeitssragen sowie über Lohn- und Be- iriebsvcrhältnisse sind zu erteilen.,,„ Tas Kriegsamt ist befugt, dcil Betrieb durch einen �cauf- tragten einsehen zu lassen. � Ib. Mit Gefängnis bis zu eiiiein Fahr und mit Geldstraw bis zu 10 000 Mark oder mit einer dieser Strafen oder mit Haft wird vcstrast: 1. wer der ans Grund dc-Z z 7 Abs. 3 angeordneten liebet» jrciiuim zu einer Beschäftigung nicht nachkommt, oder sich ohne dringenden Grund beharrlich weigert, die ihm zugewiesene Arbeit zu verrichieu; , 2. wer der Vorschrift im£ 9 Abs. 1 zuwider einen Arbeiter beschäftigt: 3. wer die im 8 13 vorgesehene Auskunft iiiucrhalb der fest- gesetzten Frist nicht erteil- oder bei der Auskunfterteilung lvisscnt- lich unwahre oder unvollständige Angaben macht. � 17. Ter Bundesrat erläßt die zur Aussührnng dieses Gesetzes erforderlichen Bestimmungeli: allgemeiiie Verordnungen bedürfen der Zustimumiig eines vom Reichstag aus seiner Mitte gewählten Ausschusses von fünfzehn Mitgliedern. Tas Kriegsamt ist verpflichtet, den Ausschuß über alle wich- tigen Vorgänge auf dem Laufenden zu halten, ihm auf Verlangen Auskunft zu geben, seiitx Vorschläge eiitgrgenzuilehme» und vor Erlaß wichtiger Anordnungen allgemeiner Art seine Weiimngs- änßernng einzuholen Ter Ausschuß ist zum Zukammcnirttt während der Ullier- brechung der Verhandlungen des Reichstags berechtigt. Der Bundesrat kniiii Zliwiderhcmdlungen gegen hie Zlusfüh- rungsbestliliiiiungen mit Gefängnis bis zu cincni Jahr imd mit Geldstrafe bi» zu 10 000 Mark oder mit einer dieser Strafen oder mit Hast bedrohen. 8 18. Tas Gesetz tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft. Dcr Buildesrat besttwint den Zeitpunkt des Außerkrafttretens. Macht der Bundesrat von dieser Befugnis binneil eines Monats nach Friedensschluß mit den europäischen Großmächten keinen Ge- brauch, so tritt das Gesetz außer Kraft. Die ruPsche Kabinettskrise. Tie Kabinettskrise löst sich tröpfelnd. Tem Rücktritt Stucr- incrs folgt jetzt das Ausscheiden des Landwirt schaftsministerS Graf Bobrinski. Er wurde, wie Wolfss Bureau meldet, vom Amt nthobeu und zum Tberhofmeistcr ernannt, erfreut sich also ebenso wie Stucrmer auch weiterhin der Gunst des Zaren und der Mög- lichkeit, in dessen engerem Kreise zu wirken. Tie einstweilige Führung de» LandivirtschaftSministeriums ist dem Gehilfen im Landwirtschaftsministerium, N i t t i ch, über- tragen wvrdeu. Ter Zurückgetretene gehörte als LandwirtschaftSminister natür- lich zu den Mitglieder» des Kabinetts Stuermer, deren Name nicht aus dem Schußselde blieb, wenn nach den Sündenböcken des ver- fahrenen Verpflegungsweselis gesucht wurde. Tie Mißstände auf diesem Gebiet waren arg genug. Laut dcni„Rußkoje Sslowo" hat der Minister des Innern Protopopow Mitteilungen von Gou- venteuren erhalten, wonach die Lebcnsmittelkrisis sogar die all- gemeine Ruhe bedrohe. Infolgedessen entstanden, wie der„Berner Bund" berichtet, in dcr letzten Zeit mancherlei Gegensätze in der Regierunfl selbst, die beinahe zu einem Ministerkrieg geführt hätten. Jeder wollte die Schuld von sich abweisen und gleichzeitig als Retter auftreten, bis es zu einem Kompromiß kam, wonach Trepow Protopopow und Bobrinski eine besondere Kommission zur Be- kämpfluig der Lcvensmitteikrisis bildeten. Tie Reichsduina in lbrcr Mehrheit soll aber dieser Kommission kein Vertrauen geschenkt haben. Sie verlangte mehr. Daß auch Protopopow ans der Liste der Minister steht, deren Verschwinden dcr Dumamehrheit genehm wäre, erfährt man aus der„Rjetsch", die, wie die„Times" aus Petersburg hört, nac� Sturrmers Abgang und Trepows Ernennung zu verstehen gab, Daß„die Wünsche der Mehrheit in betreff der Llabiiictisänderungen noch lange nicht erfüllt seien" Tas Kadetteiiorgan äußerte— ohne von der Zensur gehindert zu werden— die Vermutung, von den kommenden Aenderuiigen dürfte die wichtigste der Rücktritt dcS Ministers de» Innern und die Ernennung eines befähigten Mi- nisters des Aeußeren sein. Ter letztgenannte Posten hat bereits seinen Mann gesniiden, und Neratows in der Presse gerühmte beson- dere Kennerschaft in allen Fragen des nahen und des fernen Ostens trifft vielleicht mit Wünschen des liberalen Fortschritts zusammen. Protopopow aber sitzt einstweilen noch im Amte. Wird er der nächste sein, an dem sich zeigt, wie daS Kabinett Trepow bei seiner Ge- staltung die Wünsche der Dumamehrheit im Auge hält? Trepow wird als ein energischer Manu geschildert. Er ist ein weit echter Vertreter seines Stammes: seine Laufbahn begann somit selbstredend im Pagenkorps deö Zaren. Aus seinem Leben sind zwei Februardaten bemerkenswert: er ist der Sohn jenes Peters- burger Stadthauptmanns Fedor Trepow, den Wera Sassulitschs Attentat am 3. Februar 1878 tödlich verwundete, und im Revo- lutionsjahr 1903 nahm er an der Ausarbeitung des„ülllerhöchsten Febrnar-Reskripts" teil. Bald danach— noch während der Re- Volutiouörvehen— wurde er zum Studium der ausländischen gesetz- geberischen Jnstitutioilen ausgeschickt. An Unternehmungsmut fehlt es ihm jedeiifalts nicht; er wagt sich sogar an schivierige Aemter» von denen er nach eigenem Geständnis keine Ahnung hat. Als er 1913 das Berkehrsmiiiisterium übernahm, nannte die„Rjetsch" diese Erneniiung eine Sensation, und er selber verschwieg nicht, daß er bisher vom Eisenbahnwesen nicht» wußte. Aber er rübrte sich und läßt jetzt vor der Lesscntlichkeit seit einiger Zeit mächtig aus- greifende Bahnbaupläne auffahren. Heute berichtet Wolfs wieder ans Kopenhagen, das russische Bureau„Nord und Süd" melde aus Petersburg:«Tas Vertehrsiiiinisterium vollendete einen Plan zur Anlegung eines neuen Wasserstraßennetzes. Die Arbeiten sollen sich über fünf Jahre 1918— 1922 erstrecken und zwei Milliarden Rubel erfordern, die jährlichen Betriebskosten werden 30 Millionen Rubel betragen." Dieser Plan dürfte mit politischer Berechnung als letzte Tat de» Verkehrsmintsters Trepow präsentiert werden. Dieser Man», der jetzt berufen ist, ein nicht eben zweifelsfrei fugenfestes Staatsgebäude so zu sichern, daß die Vertreter eines alten Systems damit zufrieden seili können, weiß ganz genau, welche polilischen Wunder sich mit Milliardenprofiteu vollbringeu lassen. Inzwischen geht die neuntägige Schweigefrist der Duma zu Ende. Wie der„KAnischen Zeitung" von der schweizerischen Grenze gemeldet wird, glaubt nach der Petersburger Telegraphenagentur die„Rjetsch" zu wissen, die Erklärung, die Trepow Sonnabend bei Wiederaufnahme der Sitzungen verlesen wird, werde folgende drei Punkte umfassen: 1. die Notwendigkeit der Weiterführung des Krieges bis zum Endsieg im vollkommenen Einvernehmen mit den Alliierten, 2. die Notwendigkeit und Ermöglichung einer ersprieß- lichen Zusammenarbeit, 3. Darlegung der Maßnahmen zur Organi- sierung des inneren Lebens des Landes. Also voran steht der Zarenwille: der Krieg wird bis zum End- sieg weitergeführt. Man hat von einem'Trepow natürlich nichts anderes erwartet._ Die Zrieüenskonferenz. Eine Amsterdamer Meldung der konservativen„Schlesi- scheu Zeitung", die von T. U. lveiterverbreitet tvird. tvill über die Haltung dcr neutralen Staaten zur Friedensbewegung unterrichtet sein. Tie Bewegung bricht iir allen Ländern hervor, aber die Neutralen schreiteir zu keiner Aktion. Wes- bald das nicht geschieht, deutet die Amsterdamer Meldung an. Sic lautet: „Zu den jüilgsten Meldungen schtveizerischcr Blätter über FriedensvermittlnngSvcrsuchc der Neutralen wird in den hiesigen Regierimgskreiscn versichert, daß zwischen den neutralen Staaten Europas hierüber weder Bor- Handlungen noch Besprechungen stattgefunden haben. Die Neutralen wissen, daß man in London und Paris von keiner FriedenSverinittlnng etwas wissen will." Mit anderen Worten: sie werden warten, bis der Kriegswille aller kriegführenden Mächte gebrochen ist. Der Präsident der„United Preß vs America", Howard, ver- öffenilicht in der„Times" einen Artikel über den Frieden tind die FriedenSaiissickiten. Nach einer Reise von vier Monaten, wobei er die führenden Persöntichkeiten in England, Frankreich und Deuisch- land gesprochen habe, ici er nach New Uork zurückgekehrt. Er habe deren persönliche Meinung über den Krieg und die Friedens» aussichieu gehört. Nirgends, so ichreibt Howard, weder in Frankreich. noch in England oder in Teutschland sind Anzeichen von einem nahen Ende des Krieges wahrzuliehmen. Was Frankreich angehl, so ist die Meinung, daß diese» Land für eine neue Offensive bereits zu schwach sei, grnndio» optimistisch. Demgegenüber sieht, daß cuich die Meiitung, die in den Länder» de» Vierverbande» gang und gäbe sei, daß Deutschland dem Ende nahe sei, sei c» durch eine Niederlage oder Erschöpfung, völlig unbegründet sei. Teulschland wünscht den Frieden, verlangt sogar den Frieden, und gibl dies zu. Das französische imd primche Volk haben diesen Wunsch ober verkehrt ausgelegt. Die Wahrheit ist, daß Deutschland nach Frieden Veriangl, nicht weil es sich besiegt fiihle, sviidcrii. weil es glaube, daß es näher an einem militärischen Siege siebe, als je, oder als eine der anderen kriegführendeil Mächte jemals kommen werde. Die Deutschen geben zu. daß sie den Frieden wünschen, aber sie behaupten, daß dies mit den Frau- zosen und Russen ebenso sei. Howard schreibi dann über die Snm» numg in den großen Hauptstädten Berlin, London und Paris. Pari» habe sich in den letzten 18 Monaten wenig verändert, in Berlin bertsche eine grimmige Entschlossenheit. Auch London sei viel veräudett. Man spreche liier nicht mehr über Frieden, ton- der» über die Auftreibung der Triippenkonlingeiile, über die Mn» nitionsfabrikalion und über die Geldfrage. * Ter �riedcnsantrag der italienischen Sozialdemokratie. Wie die„Franks. Ztg." über Lugano berichtet, will nach der„Stanipa" die italienische Negierung die Beratung des sozialistischen Friedcnsantrages n i 6) t zulassen, da- gegen eine Debatte über die auswärtige Politik bei der Be- ratllng des Budgetprovisoriums im kommenden Monat er- laubeu._ �ümiralitätswechsel in Englanö. Iellicoe er st er Seelord— B e at t i e Oberbefehlshaber. London, 29. November.(W. T. B.) Reutermeldung. Unterhaus. Balfour teilte mit, daß der Admiral Iellicoe au Stelle von Sir Henry Jacksen zum ersten Seelord und Präsidenten der Marineakademie in Grcenwich ernannt wor- den ist. Beattie wurde zum Befehlshaber der großen Flotte ernannt.(Beifall.) Balfour teilte weiter mit, daß man s ch o ii feit längerer Zeit den Beschluß gefaßt habe, die Ernennungen vorzunehmen, daß die Verlautbarung davon aber aus militärischen Griindeu verzögert worden sei. Tie Erneunungen würden noch weitere Verändc- r u n g e n in der Admiralität zur Folge haben. » ES fei daran erinnert, daß in Englapd die Ilnznfricdeu- heit über die Tätigkeit der Flotte sich in letzter Zeit inuner heftiger in öffentlicher Kritik Luft machte ttnd daß die beiden Ernanten in der Schlacht am Skagerrak die Führung hatten: Iellicoe als Befehlshaber des Gros, Beattie als Befehlshaber der Schlachtkreuzer. Jetzt ist Beattie an Jellicoes Stelle aus- gerückt._ Sn Nachspiel üer Somme-Schlacht! Reibungen mit General Haig. Rotterdam, 20. November.(W. T. 23.)„Nieuwe Rotterdamfche Courant" meldet aus London: Im Lberhause hat gestern im Auftrage von Lloyd George Lord Derby nachdrücklich die Gerüchte in Abrede gestellt, daß man General Haig dazu gedrängt habe. Vcrän- derungeu in den Kommandos vorzunehmen, und daß man ihm, ohne ihn zu fragen, Personen aufgedrängt habe. Der Armee- rat, sagte Derby, habe absolut Vertrauen in Haig und glaube, daß die beste Art, dieses Vertrauen zu beweisen, die sei, allen feinen Vorschlägen möglichst entgegenzukommen. Die Gerüchte, daß zwischen dem Armeerat oder einigen Mitgliedern dieser Körperschaft und Ge- neral Haig Reibungen bestanden, seien unwahr. England besitze in Haig als Oberbefehlshaber und Roberisen als Gcneralstabsches eine Vereinigung, die nicht zu ersetzen und noch weniger zu verbessern lvüre. Kein ßreigeleit für üen österreichischen öotschaster. Lvudvii, 29. November.(W. T. B.) Die Blätter melden ans New York, daß das Staatsdepartement Mitteilung von der formellen Weigerung Englands empfing, dem für die Vereinigten Staaten ernannten österretdhiich-ungartichen Botschafter Grafen Tarnowskt ein Freigeleit zuzugestehen. Man glaube, daß die Vereinigten Staaten bei Oesterreich- Ungarn anfragen werden, was es in dieier Angelegenhelt gc» tan zu haben wünsche. cm• m...», London, 23. November.„Mormng Pog erfahrt aus Washington, daß das Staatsdepartement wegen der Wei- gerung der britischen Regierung, dem neuernannten österreichisch- ungarischen Botschafter-in Jreigeleit zu gewähren, verstimmt ist.„New York World" schreibt, die Haltung der britischen Ne- gierung sei zwar keine Beleidigung für Washington, wohl aber eine neue britische Dummheit. Auch„New York Times" erklärt diese Weigerung für unveritünftig.. Rumänien und Mazeüonien. Tie Schlacht bei Tarnova und im Wardartake.— Einnahme von Giurgiu. Der bulgarische Heeresbericht. Sofia, 29. November.(W. T. B.) G en era lst ab s- b c r i ch t vom 28. November.„, Qf..„. Mazedonische Front: Nach sehr starker Artillerie- Vorbereitung griff der Feind mehrmals auf der Front Tar- nova— nordivestlich von Monastir— Hohe 1�48(nördlich von Monastir in der Ebene von Monastir) � und Höhe 1050 (im Cernabogen in der Umgebung des-vorfes G r u n i st e) an. Die wiederholten Angriffe auf der ganzen Front wurden Von den bulgarischen nnd deutschen Gruppen unter kräftiger Mitwirkung dcr Artillerie blutig abgewiesen. Die Verluste des Gegners sind ungeheuer. Vor unseren Stellungen liegen Hunderte von Leichen.� Vor dem Abschnitt eines ein- zigcn Bataillons des tapferen ol. Jnfanteric-Ncgimcnts zählten wir dreihundert gefallene Feinde. Nicht minder stark waren die Angriffs des Feindes und das Artilleriefeuer im SSar&arfale. hier griff bor �ctnb unsere vorgeschobenen Stellungen beim Dorfe Zirschteli, südwestlich vom Dvjran-See, verzweifelt an, würbe jedoch blutig zurückgeschlagen und liest viele Tote auf dem Schlachtfelde. Wir erbeuteten sechs Maschinengewehre, zahlreiche Gewehre und anderes Kriegs- uiaterial.� An der Front von der B e l a s i c a P l a n i n a bis zur Struma lebhaftes Artilleriefeuer, auch hier zählten mir 125 feindliche Gefallene. Mit einein Worte, dieser Tag kann infolge seiner grostartigen Kampfhandlungen als einer der heftigsten K'ampftage an der mazedonischen Front gelten. R u m ä n i s ch e Front: In der Walachei setzt die Donauaruiee ihren Vormarsch ohne Unterbrechung fort und hat mit den verbündeten Truppen, die aus den Karpathen herabgestiegen sind, enge Fühlung genommen. Unsere auf dem linken Donauufer vorrückenden Truppen griffen Giur- g i n an, und eroberten, unterstützt von unseren Einheiten, insbesondere der Artillerie, der Garnison von Rnstschuk, sowie von österreichisch-ungarischcn Monitoren die Stadt nach er- bittertem Kampfe, der von elf Uhr vormittags bis vier Uhr nachmittags dauerte. Tie rumänischen Truppen und die Ae� völkerung flohen, von Panik ergriffen, gegen Bukarest. An der Donau, stromabwärts von Rustschuk bis Eernavoda, Artillerie- und Jnfanteriefeuor. In der D o b r u d s ch a Artilleriefeuer. Feindliche Heeresberichte. Rumänischer Bericht vom 28. Aoveniber. N o r d f r o u t: PI:i der LlZestgreiize der Moldau leine Beräiiderung. Im Buzeu» Tale bis in die Gegend von Dragoslavle Patrouillen-Unier- nehmungen. Ariilleriefeuer besonders im Prahova-Tale, wo der Feind Geschosse mit erstickenden und träneneusgenden Gasen verwendete.— W e st f r o n t: Im allgemeinen verlief der gestrige Tag ohne Kämpfe außer ans dem äußersten rechten Flügel, wo der Feind mit schwerer Artillerie sckioß, und auf den, linken Flügel, wo sich unbedeutende Kämpfe abspielten.— Süd front: An der Donau Artilleriefeuer. In der Dobrudscha keine Veränderung. R u s s t s ch e r Bericht vom 28. November. Rumänische Front: Siebenbürgen, tr» sind keine Angaben über eine Aenderung der Lage eiiigegaiigen. D o n a u f r o n t. Es ist nichts von Bedeutung zu melden. Französischer Bericht vom 28. November nachmittags: Orrentarmee: Am 26. machte uns ein von Znaven in Gemein- schaft mit serbischen Truppen glänzend durchgesührier Angriff in der Gegend nordwestlich von Monaslir zu Herren der Höhe 1626. Es gelang dem Feinde irop seiner Anstrengungen nicht, uns von dieser Slelliing, die er starl befestigt halte, zu vertreiben. Bier von Deutschen und Bulgaren ausgeiührte Gegenangriffe wurden der Reihe nach durch unsere Truppen abgeschlagen, die den Gegnern blutige Verluste beibrachien. EngltscherBericht aus Saloniki vom 23. November. An der DoIrali»Front griffen unsere Truppen nach der nötigen Artillerie- Vorbereitung die jeindlichen Gräben nordöstlich von Mazukovo an. Der Angriff war durchaus erfolgreich. Viele Feinde wurden ge- löictz eine Anzahl zu Gefangenen gemacht und die Gräben zerstört. * Kopenhagen, 23. November.(23. T.©•) Die hiesigen Blätter dcröffenllichen folgendes Petersburger Telegramm: Die O p e- r a i i o n e n in der S ii d w a l a ch e i haben für die Rumänen eine ernste SBcndnng genommen. Im Westen bedrängen die Deutschen die Rumänen von Eraiova ans. Südlich der Eisenbahnlinie hat der Feind sich noch nicht besonders ausgebreitet, sondern manövriert baupisächlich nur in östlicher Richtung, während die Rumänen am Oltczstusie, einem Nebenflüsse des Alt, unter dem feindlichen Druck weichen. Ter Oltez bedeutet kein besonderes Hindernis iür den Feind. Ter Alt ist ganz gewiß von größerer Bedeutung. In dieser Beziehung bildet er aber auch keine eittscheidende Schranke gegen den fortgesetzten deutschen Vormarsch. Es zeigt sich nun klar, daß die Operationen in der Dobrudscha nur eine'Slblenkung dar- stelle« zu dem Zweck, die ruistich-rumänischen Streitkräfte zu zerstreuen und dadurch die Operationen Falkcnhayns zu erleichtern. Indessen hofft man in Petersburg, daß das rumänische Ober- kommondo durch geeignete Gegenangriffe imstande sein wird, den linken Flügel ans der gegenwärtigen ichiviengeii Lage zu befreien, und komit sein Beste» zu tun, um den Vormarsch des Feindes auf rumänischem Boden zum Stehen zu bringen. Der Lustangriff auf Englanü. Neber den Lustangriff auf England wird laut T. U. noch über Amsterdam geiweldet, daß das Luftschiff, welches bei der Küste von Turham verunglückte, das erste war, das man um Mitternacht ankommen sah. Binnen fünf Minuten wurde es von den Kanonen getroffen. Tie Flammen des brennenden Luftschiffes sah rno» in einem Umkreis von 30 Meilen; kurz nachdem die Granaten es ge- troffen hatlen, sah man das Luslschiff entzweibrechen, die Trümmer fielen ins Meer. Das zweite Luftschiff, das bei der Küste von Norfolk verunglückte, sah man zuerst vor 6 Uhr morgens. Es bewegte sich sehr langsam fort und in großer Höhe. Zehn Minuten später, nachdem die Flugmaschinen eS gesichtet hallen, sab man daS Liifpchiff. welches nun verschiedene Meilen von der Küste entfernt sich befand, mitlen nitzweibrechen und wie einen Stein ins Meer stürzen. Das Luftschiff haiie ungefähr ein Dutzend Bomben über einen kleinen Umkreis im Norden der MidlandS abgeworfen. An einem Orte, wo die meisten Bomben abgeworfen wurden, wurde keine Pcrion gelötet. Ueber ein drittes Luftschiff, welches gesehen wurde, ist wenig bekannt geworden. Auffallend ist die Schnelligkeit, womit sich die Flammen von dem einen Ende des Luftschiffs nach de», anderen verbreileten; sobald das Luftschiff ge« troffen wurde, fast»nmiltelbar darauf erschien an dem Ende des Schisses eine rote Glut, welche sich ausbreitete, bis die ganze Hülle eine einzige Fcuermasse war. Fast dasselbe Schauspiel sah man in beiden Fällen. Ein Korrespondent der«Daily News" beschreibt die Nacht als eine helle, kalte Stcruennacht, die besonders sür Beobachtungen ge- eignet ivard. Kanni halte man das Lustschiff bemerkt, da wurde es von einem Scheinwerfer eingeholt. Nachdem das Schiff von den Kanonen getroffen war, schien es, als ob der Kom- Mandant einen Ausweg nach dem Meere suche. Doch die Schein- werter liexen das Schiff leinen Augeiiblick los, und nach kurzer Zeit konnte man wahrnehmen, daß eine neue Granate den Slngreifer gesoffen balle._ lyafi unmittelbar darauf sab man Feuer an demeinen Ende dcS Luftlchiffcs. da» sich ungeheuer schnell ausbreitete, bis alle» in Feuer und flammen stand. Die oanzx Hülle wurde, wie eS schien, verzehrt. Taraus fiel da» Lllitichiff langsam ins Meer. Weiter wird gemeldet: AIS die Schiffe ans der See nach dem Luftschiff suchten, war nichts mehr davon zu sehen, als eine Oelfläche auf dem Wasser. Amtlich wird durch das Reuteriche Bureau gemeldet: Nach den letzten Berichten über den Zeppelmangriff ist der Schaden sehr ge- ring, obwohl mehr al» hundert Bomben abgeworsen wurden. Eine Frau starb vor Schrcck. Fünf Männer, sieben Fronen und vier .niiider wurden verivmidet. Es wurden 3S Häuser beschädigt. Es wurde kein Schaden von strategis»er Bedeutung angerichtet. « Flie.;er über London. Amsterdam, 20. November. ch a l l S Prinz Leopold von Bayern. Nichts Wesentliches. Front des Generaloberst Erzherzog I o s e p h. In den Waldkarpatheu und an der sicbeiibnrgischcil Ostfront führte der Russe gestern an vielen Stellen gegen die deutschen»nd öfterrcichisch-ungarischen Linien Angriffe. Er erlitt eine Niederlage; kleine örtliche Erfolge hat er mit blutigen Opfern erkauft. Die Armee des Generals der Infanterie von Falken- Hayn ist auf der ganzen walachischen Front in siegreichem Lordringen. Vor ihr weicht der geschlagene Feind in Unordnung nach Osten. Balkaii-KriegSschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeld Marschalls von Mackensen. Tie Bewegungen der Tonan-Armec stehe» in lieber- eiustimmuug mit den weiter nördlich operierenden Kräften. In der Dobrudscha nur geringe Gefechtstätigkeit. Mazedonische Front. Nach dem Scheitern der EntlastungSossensive der Entente von Süden her führte der Feind gestern nur Tcilvorstößc nordwestlich von Mouastir und bei Gruniste söstlich der Cerua) aus. Auch dabei hat er keine Borteile erringen können. Der Erste Generalquartiermcister. L u d e n d o r f f. �benöbedcht. Amtlich. B c r l i», 29. November, abends. sW. T. B.) Nördlich der Somuic bei Sem und Sailly lebhaftes Feuer. An Ostfront Siebenbürgens griffen Russen erneut an, Abschlnsiinclduiig fehlt. Pitesti ist genommen. Au Mouastir Front Ruhe. ** * Der österreichische Sericht. Wie», 28. R-vcniber mii.(W. T. B.) A m t l i ch wird verlautbart: Oestlichcr Kriegsschauplatz. HecrcSfroiit des Generalobersten Erzherzog Joseph. Tie Zlrmcc General der Infanterie v. Falkenhayn ist in der Walachei in siegreichem Bordringcu. Starke russische Zlngriffe in de» Waldkarpatheu irnd an der Siebenbürgischen Ostfront scheiter- tc» an der zähen Ausdauer der östcrrcichisch-ungarischcn und deutschen Truppe». Unsere Stellungen sind behauptet, um einzelne Grabcnsliickc wird noch gekämpft. Heeresfront des Generalfeld marsch all» Prinz Leopold von Bayern. Keine besonderen Ercigiiisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Lage unverändert. Der Stellvertreter des Chefs de? Gcncralstabes. v. H o e f e r, Feldmarschallentnant. Der türkische Kriegsbericht. Konstantinopcl, 29. Nobeinber. Amtlicher Heeresbericht vom 28. November. � K a n ka s u s front: Scharmützel zu unseren Gunsten. Dobrubschafront: Unsere Truppen warfen durch Artillerie- und Jnfanteriefeuer feindliche seit einigen Tagen mit Verschanzungsarbeiten beschäftigte Truppen aus ihren stellungcn, wobei sie ihnen schwere Verluste zufügten. Donau front: Unsere Truppen, die die Donau über- schritten haben, besetzten am 27. November Alexandria, wo sie eine Lokomotive, t 19 Eisenbahnwagen und eine große Menge Lebensmittel erbeuteten. Ter Stellvertretends Oberbefehlshaber. Feindliche Kriegsberichte. Französischer Bericht vom 2s. November nachmittag». Ein nächt- licher Angriff auf einen unserer kleinen Posten östlich von Maisons de Champagne wurde mühelos zurückgeschlagen. Die Nacht war sonst überall ruhig. Vom 28. November abends. Miitlere Arlillerietätigkeit in der Sommegegend und im Abschnitt von Douauniont. Auf der übrigen Front Ruhe. Englischer Bericht vom 28. November nachmittag?. Letzte Nacht wurde unsere Linie nördlich von Apern andauernd vom Feinde schwer beschossen. Unsere Verluste lind klein. Wir ließen südwestlich von S o u ch e Z eine Mine springen und richteten uns in dem Trichter ein: drei feindliche Bombeiiaiignffe gegen ihn wurden zurückgeschlagen. Von, 2h. November abends. Au der A n c r e erhebliche feiud- liche Arlillerieffiligkeit. Wir erwiderten sofort und wirkioni. Der Feind beschoß den Süden von Sonchez; wir belegten die Gegend von La Basjoe sehr erfolgreich mit Feuer.— Luftkrieg: Gestern haben unsere Flugzeuge wichtige Plätze beschossen. Nnifischer Bericht vom 28. November. Westfront: Westlich von Riga machle» ungefähr zwei deutsche Komvagnien einen An- griff auf unsere vorgeichobenen Abmlungen. Sie wurden durch unser Feuer zurückgeschlagen. Südlich von Riga trieben die Dem- s»en eine Gasmolle vor, die wegen des Wassers des Mlssaflusses unsere Gräben niwl emickie. Außerdem verschossen sie tränen- erregende Granaten. Ju Gegend des Dorfes Dzvmialich und der Bystrica griffe» unsere Ausliärcr eine feindliche Kompagnie an, zer- streulen sie und machten Gckangene.— KaukasuSsront: Eine ieindliche Abteilung besetzte Adraured und Kochicheogly, zehn Wen. südlich von W a n. In Richtung auf H a m a d a n waren Er- kmidungsabteilungen iälig. Italienischer Bericht vorn 28. November. Vom Sarcn bis zum Ast ach feindliche Truppeubeweglliigen und Artillerieiärnpse. An der Front der I u l i s ch e n Ll l p e» war die feindliche Artillerie läliger im Gebiet von P l a v e und östlich von G ö r z. Einige Granaten fielen in die Stadt und beschädigten einige Fabriten. liniere Artillerie beschoß in Erwiderung kräftig die feindliche!: Batrericn.__ Cadorna. Der Seekrieg. Tio Versenkung des„Vraemav Castle". Amsterdam» 28. November.(W. T. 58.) Dem„Algemeen Handelsblad wird aus London berichtet: Nach amtlichen BerichUv. aus Syra erfolgte die Versenkung des Dampfers„Braemar Castle" mittags zwischen Tinos und Mykouoö, als das Schiff mit Verwiin- deteu nach Malta unterwegs war. Torpedojäger der Alliierten, die rasch an Trt mid Stelle waren, brachten die Verwundeten nach Syra. * Tie Bewaffnung der Handelsschiffe. London, 29. November.(W. T. B.)„Times" schreibt, daß feie Schiffsversichcrer sehr erstaunt sind, daß die Frage der lSewafsiiung der Handelsschiffe noch immer den Gegenstand von Unterhand- l ii ll g e u zwischen Admiralität und Reedern bilde i. Wenn mau eine Abstimmung veranstalte« würde, so t miede die übergroße Mehrheit der Persichcrcr für die Bern äff- ii ii n g sein. Es scheint aber, daß die Admiralität in gewissen Fälle,! de» Reeder» empfahl, ihre Frachtdampfer zu bewaffnen und sich erbötig machte, Kaiionen und Mannschaften zu liefern, ivenn die Reeder die Kosten für die Ausstellung der Geschütze und die Ber- stärkuug der Decks trügen. Es hat sich dabei herausgestellt, daß in eiuigeil Fällen, ovivohl die Kosten nur wenige hundert Pfund betragen hätten, die Schiffseigcntümer mit dieser Ausgabe zögerten. * Dampfer„Chcnuug". Amsterdam, 29. November.(T. U.) Reuters BureanS meldet aus Washington: Das Ministerium des Auswärtigen ist vom ameri- konischen Konsul in Paleneia benachrichtigt worden, daß der Dampfer „Chenung" verloren gegangen sei. Man glaubt, daß dieser Fall eine Aehnlichreit mit dem des«William P. Frey" habe. Da das Schiff Bannware an Bord hatte, und keine Menschenleben verlorengegangen seien, sei es wahrscheinlich, daß die Frage auf diplomatischem Wege erledigt werden könne. * Post in England zurückgelassen. Amsterdam, 29. November. (518. T. 58.) Die Dampfer„Hollandia"(Süd-Amerika— Amsterdam v „Noordam(Nord-Amerika— Rotterdam) und„Nijndam"(Rotter- dam— New shork) mußten ihre Post in England zurücklassen. Versenkt, erbeutet, gesunken. Lloyds meldet: Der Dampfer ,.V i I l e ui v e s, von Esbjerg nach Grimsby, wurde erbeutet, die französischen Segelschiffe„Alfred de C o u r e h"(164 58t.« R.-T.) und„M a l v i n a, der amerikanische Dampfer „C h e» u n g"(2615 Br.-R.-T.) und der norwegische Dampfer „58 eile I l e"(1886 Br.-R.-T.) wurden versenkt. Die Besatzung des letztgenannten Schiffes ist gelandet. Der Dampfer„R a m s- garth"(1553 Br.-R.-T.) ist gesunken. Ferner sind nach einer Lloydsmeldung drei Fischdainpfee ans Swansea und Cor- diff, die Dampfer„Ali so n"(286 Br.-R.-T.) und„Alert", der britische Dampfer„lli h o n a"(640 Br.-R.-T.) und der g r i e- ch i s ch e Dampfer„C h r i st o p h o r o s" gesunken. Reuter meldet aus Kairo: Der griechische Dampfer„Margharita"(1112 To.i wurde von einem U- 58 o o t versenkt. Passagiere und Besatzung wurden in Alexandrien gelandet. Amerika und Mexiko. Wie der„Frankfurter Zeitung" gestern aus Basel berichtet wird, meldet HavaS aus Atlantic City, daß das Protokoll über die Zurück- nähme der amerikanischen Truppen aus dem mexikanischen Gebiet vorgestern unterzeichnet wurde. Kleine Kriegsnachrichten. Wetterte. Ter Schweizerische Bundesrat bat einen Vortrag des ehemaligen, bei Kriegsausbruch auf französische Seile übergetretenen elsässischen Reichstagsabgeordneten Abbs Wetterls in Genf verboten. Präsident Steyn. B l o e m f o n t e i n, 29. November.(Reuter- Meldung.) Ter frühere Präsidcirt des Orange-Freiftaates Steyn ist g e st o r b e n.__ Letzte Nackrichten. Ter Kaiser an den Reichskanzler. Wie die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet, hat der Kaiser dem Reichskanzler folgendes Glückwunschtelegramm gesandt: „Mit wärmstem Glückwunsch gedenke ich Ihres heutigen Geburtstages, den Sie nun schon zum dritten Male in ernster Kriegszeit begehen. Von Herzen danke ich Ihnen für alle treue, mit der Sie mir in schwerster Zeit mit Rat und Tat erfolgreich zur Seite stehen. Gott schenke Ihnen auch im neuen Lebensjahr Gesundheit und Kraft zu weiterem Schaffen und Wirken im Dienste Ihres Königs und des geliebten Vaterlandes und gebe Ihnen und uns allen den endlichen siegreichen Abschluß dieser sturmbeweg teff Kampfeszeil. All- zeit Ihr dankbarer Kaiser und König. Wilhelm I. R.— Als Geschenk des Kaisers wurde dem Reichskanzler eine kostbare Vase überreicht. Ungültiges Stadtpervrduetcnmandat. Tor StadtberordiieteuauSschuß zur Vorprüfung der Gültigkeit der Berliner Stadtverordnetenwahlen hat gestern die im 7. Gr- meindewahlbezirk der 3. Abteilung vollzogene Wahl des Redakteurs Emil Eichhorn für ungültig erklärt, weil der Gewählte nicht Hausbesitzerqualität hat. Tor Stadtverordnetenversammlung wird vorgeschlagen werden, in diesem Bezirk eine Ersatzwahl anzube- räumen. Tie Berufung des österreichischen Parlaments. Wien, 29. November. Die Zusammeiibenifung de» österreichischen Parlaments erfolgt, wie nunmehr feststeht, Mitte Januar. Die eigentlichen parlamentarischen Verhandlungen werden aber erst Mitte März beginnen.____(„Franks. Ztg.") Niederlage des holländischen Kabinetts. Haag, 29. November.(W. T. P.) Die Gesetzvorlage zur Ab- ändcruiig der Erbschaflsstcucr wurde, obwohl Finanz- minister van Gijii daraus eine Kabinettsfrage machte, mit 22 gegen 18 Stimmen abgelehnt. Auf Ersuchen des Ministers wurde hierauf die weitere Debatte über die neuen Steuergesetze vcrschobcu. Ter Bcrgarbciterstrcik in Australien. London, 29. November.(T. U.) Aus Sidney wird der„Times" gemeldet, daß die Bergleute erklärten, daß ihre Forderungen voll- ständig bewilligt werden müßten; andernfalls wäre eine llutcr- snchnng durch die Spezialkommisfion. welche Minister Hughes ein- fetz. werde, völlig nutzlos. Es wird Einspruch gegen die Ernen- nung de» Richters Edmandc zum Vorsitzenden der Kommission auf Grund früher von ihm abgegebener Erklärungen erhoben. GewerksihaMches. Verlin und Umgegend. Ein Retter in der Not im �risenrgewerbe. Vom Verband der Friseurgehilfen wird uns berichtet: Was die Berliner Barbiere und Friseure gegenwärtig bewegt, ist ein vorübergehender Mangel an Rasiert eise und ein Mangel an Gehilsen. Da infolge der Einberufungen üiim Heeresdienst viele kleine Barbiergeschäste geschlossen werden muszten, deren übrige Kundschaft sich den offen gebliebenen Betrieben �u- wandte, ein anderer Teil der Geschäfte von den Frauen der In- haber mit Hilfskräften weiterzuführen versucht wird, entstand eine iiligewvhnlich starke Nachfrage nach Hilfskräften. Als ein weiterer Mangel wird jetzt das unnütz lange Offenhalten der Friseurgeschäfte empfunden. Diese Situation sucht nun der Schankwirt Wesche in der Schillingstraße auszunützen. Wenn man in den Lokalredaktionen der Berliner Tagesprcsse gewußt hätte, daß die von ihm einberufene Versammlung ein Privat unteriiehmen des Herrn Wesche war und daher in keinerlei Beziehung zur Organisation der Friseure stand, dann würde die kostenlose Einladung zu dieser Veranstaltung sicherlich nicht erschienen sein. Ju der Ankündigung. die Herr Wesche in die Zeitungen brachte�2.20 Kostproben Leipziger Str. Postversand 7 Dosen 1 Paket. Sellerieknollen.. Pfund 30 pl Schwarzwurzeln Pfund 40 pt Teltower Rübchen Pfund 45 pt Kohlrabi....... Pfund 16 pl Chikorree...... Pfund 30 pl Rosenkohl...... Pfund 68 pl Zitronen____ Dutzend 70 Pf. an ' Lerantw. Siedakt.: Herrn. Müller, Tempelhof. Inseratenteil verantw-TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanst.PaulSmger k Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen und üntcrhaltungsbl. S*--s Schlafröcke in vielen Ausführungen 18.50 25m. 31 m. 40m Morgenjacken in weichen Flausch-Arten 14.50 21m. 33m. 43m. v____ A. WERTHEIM üt. 329 83. Jawang. i. Driltte Ks Joniättü" KM« WlksdlR Aomtkrstag. 39. November 1916. Die erste Lesung öes Hilfsöienstgesetzes. 76. Sitzung. Mittwoch, den 29. November, nachmittags 3 Uhr. Am Bundesrotstisch: v. Bethmann Hollweg, Dr. Helfferich, Zimmermann, v. Loebell, Gras Roedern, Sydow, Krätke, v. Stein, v. Grüner, Dr. Sols, Lisco. Die Tribünen sind übersüllt. Ans dem Platz des Reichskanzlers, dessen 69. Gebnristag heute ist, besindet sich ein voin Reichstag gespendeter Blunienstrautz. Präsident Dr. Kaemps begilljzr den Reichskanzler und beglückwünscht ihn im Namen des Reichslags. Reichskanzler v. Bethmann Hollweg dankt für die freund- lichen Worte und nimmt die Blumen als ein glückverheißendes Symbol für das deutsche Volk an. sErneuter lebhafter Beifall.) Ter Vaterländische Hilfsdienst. Auf der Tagesordnung steht die erste und eventuell zweite Be« raiung des Gesetzes betreffend den Vaterländischen Hilssdienst. Reichskanzler v. Bethmann Hollweg: Der unersättliche Krieg rast weiter. Unsere Feinde wollen es so, sie feiern diesen Sommer als einen für sie siegreichen. Aber haben sie etwa ihren Willen durchgesetzt? Unsere Linien sind unge- brachen. sBeisall.) Rumänien, das den großen Umschwung bringen sollte, zahlt seine Buße.(Erneuter Beifall.) Gott hat bis hierher geholfen, er wird weiter helfen.(Bravo!) Die fast Übermensch lichen Talen unserer Truppen, an die kein Wort des Dankes hermv reichl(allseitiger lebhafter Beifall), und das gute Gewissen, daß wir als die ersten und einzigen bereit waren und bereit find, den Krieg durch ciucn unser Dasein und unsere Zukunft sichernden Frieden zu beenden, geben uns das Recht zu solcher Zuversicht.(Sehr richtig!) Aber darüber sollen- wir unsere Pflicht nicht vergessen. Unsere Feinde wollen den Frieden noch nicht. An Zahl der Menschen sind sie uns weit überlegen und fast die ganze Welt liefert ihnen Kriegs- Material, was das heißt, zeigen die Kämpfe an der Somme. Industrie und Organi'alion werden mit jedem Tage, den der Krieg länger dauert, entscheidender für das Ende. Jede Hand, die daher Geschütze und Geschosse schafft, ersetzt einen Mann, schützt ein junges Leben im Schützengraben. Jede Hand, die daheim feiert, hilft dem Feind. Die Motive zu dem Gesetz sind nicht am grünen Tisch erdacht, sie sind draußen im Trommelfeuer der Front geboren. Den Grundgedanken des Gesetzes und die Lrgani- sation, zu der es führt, haben wir mit Vertretern der beteiligten Berufskreise und mir dem Hauptausschuß dieses Hauies durchge» sviochen und beraten. Der hingebenden und gründlichen Arbeit des Hauplausschusses verdanken wir wertvolle Vorarbeiten, die uns zu einein baldigen und erfolgreichen Abschluß führen mögen. Je tiefer die Arbeit in den Gegenstand eindrang, um so klarer trat die Größe der Ausgabe hervor, die gesanue Volkskraft für die Kriegs- Wirtschaft zu organiiiercn. Gewaltig sind die Eingriffe in das Wirt- schaftsleben. Aber sind sie nichr gering gegen die Gewaltsamkeit dieses Krieges?(Sehr wahr!) Die Möglichkeit des Zwanges mußte vorgesehen werden. Tie eherne Notwendigkeit verlangt eisernen Willen. Die Möglichkeit des Zwanges soll den festen Boden geben, aus dem wir stehen müssen, um hinter den kämpfenden Armeen organisch eine Armee der Arbeit aufzubauen. Gelingen aber kann das Werk nur, wenn es sich datstelll als ein Ergebnis nicht des Zwanges, sondern� der freien Ucberzeugung des ganzen Volkes(Lebhafter Beifall.), wenn In- duftrie und Landwirtschaft, Arbeiter und Unternehmer, und wenn vor allem ihre bewährten Organisationen(Lebhafter Beifall links und im Zentrum) sich ihm freiwillig hingeben und widmen. Daß dies eintreten wird, dürfen wir mit Zuversicht er- hoffen, dafür bürgt uns der Sinn, mit dein sich das ganze Volk auf den Krieg eingestellt hat, dafür bürgen uns die großen Leistungen, die dieser Krieg schon bisher hervorgebracht hat, dafür bürgt der Geist, der alle im Lande zu Beginn des Krieges beflügelt hat, mitzuwirken und miizuhclfen, wo eS auch sei. Dieser Geist wird aufs neue aufgerufen und jeder von uns weiß, daß er sich dem Rufe nicht versagen darf.(Beisall.) Wenn draußen Hunderttausende in der Verteidigung des Vaterlandes dahinbluten, dann tvird der Mann daheim nicht die letzten Opfer gebracht zu haben meinen, wenn er tatenlos die Mühen erträgt, die der Kriegs- zustand mit sich bringt, da wird er es als seine Pflicht vor dem Varerlande, vor den Kämpfern, vor den gefallenen Helden betrachten, seine Krafr an dem Platz einzusetzen, wo sie für den Kriegszwcck am nützlichsten tvird. Ueber die Einzelheiten des Gesetzes mögen die Meinungen aus einander gehen. Der eine mag dies verurterlen, der andere jenes vermissen— aber dieses Gesetz, für die Kriegszeit geschaffen, soll doch ein Zeugnis dafür sein, daß wir für alle Zeit festhalten wollen den Geist gegenseitigen Vertrauens und gegenseitiger Hilfsbereit- schaft, der uns in der schwersten Not unseres Volkes zusammen- gesührt hat. und auf dem allein sich eine Zukunft mlSbauen kann. stark nach außen und frei nach imicn.(Beifall.) Im Namen der Verbündeten Regierungen bitte ich Sie: Helfen Sie an diesem Werk, das uns neue Kraft und damit dem Siege und dem Frieden zuführen soll.(Lebhafter Beifall.) Kriegsministcr v. Stein: Das vorliegende Gesetz soll unseren schwerkämpfenden Truppen Unterstützung und Stärke bringen. Am schwersten betroffen sind die Truppen, denen eS nicht vergönnt war, die seelische Erhebung zu erleben, die ein siegreiches Gefecht mit anschließender Verfolgung mit sich führt, die vielmehr gebannt an eine Stellung gegen eine liebermacht kämpfen müssen und neben denen sich all die Opicr voll- ziehen durch das Fallen ihrer nächsten Kameraden und Freunde; dieser Eindruck verwischt sich nicht! Wer als Führer draußen mit seinen Truppen gelebt und gefühlt hat, dem ist es außer- ordentlich schwer gewesen, wenn ihn überall und zu jeder Zeit bei Tage und bei Nacht, während der Arbeit und in der Ruhe immer nur der fast zur Eintönigkeit gewordene Donner der Geschütze begleitete. Da kann man sich das Hirn zermartern: wie willst du helfen? Die Hilfsmittel zu verslärlen und auf ein solches Maß zu bringen, um zu versuchen. die kostbaren Blutverluste zu vermindern, ist der Zweck dieses Geietzcs. Nicht nur wir haben gelitten, auch der Feind litt durch unsere Tat. Mir hat lange ein sehr energischer französischer General gegenüber gestanden. Befehle von ihm, die wir durch Gefangene und Tote erhielten, lauteten für uns unverständlich. Wir ersehen daraus, wie- viel Todesurteile an den eigenen Leuten vollzogen wurden. (Hört l hört I> Bei den vielfachen Angriffen auf den oft genannten Ort Thiepval lauierete ein französischer Befehl: .Ich habe den Wald von Thiepval mit einem Drahtzaun umzogen und dahinter Maichinengewehre aufgestellt; wer beim Angriff zurück- geht, wird von ihnen empfangen iverden."(Hört! hört!) Bei den Angriffen auf die Höhen südlich von Grantcourt ist nach Aussage von englischen Gefangenen ihnen vorher ein Befehl bekanntgemacht worden: Wer beim Angriffe zurückginge, der würde erschossen,(Hört! hört!) Uns wären derartige Befehle unverständlich.(Bravo!) Die Tapferkeit,� Treue und das Pflichtgefühl unserer Leute be- rechtigt uns. fest darauf zu vertrauen, daß überall, wo wir nicht nur unter gleichen, sondern nur unter allenfalls erträglichen Verbätlnissen uns mit dem Feind zu messen haben, unsere Leute niciitals versagen werden. Tiefe Sclbstentäußcrung unserer Truppen erwidern Sie, wenn Sie dieses Gesetz annehmen. Jedes Gesetz braucht Dauer, bevor es wirkt. Die Truppen draußen sehnen sich danach, daß ihnen bald dieser Beweis ihrer Heimat und ihres Volkes starke und ausreichende Hilfe bringt. Weil es ohnehin Zeit kosten wird, ehe die Wirkung des Gesetzes sich zeigt, bitte ich Sie im Namen der draußen kämpfenden Truppen: Nicht nur, nehmen Sie das Gesetz an, sondern nehmen Sie es bald an.(Bei- sall.) Staatssekretär Dr. Helfferich: Heimat und Feldheer reichen sich in diesem Gesetz der Not die Hand zu unauflöslichem Bunde, zu Kampf und Sieg. Neben die organisierte Armee draußen tritt die organisierte Armee in der Heimat. Kanonen, Granaten, Maschinengewehrs, Minenwerfer, Unterseeboote, Torpedos wachsen uns nicht auf der flachen Hand, sie müssen geschaffen werden. Unsere heimatliche Erde führt in ihrem Schoß die Schätze, die wir für die Kriegführung brauchen, aber diese Schätze müssen gehoben und geformt werden. Das alles heißt Arbeit, Arbeit und noch einmal Arbeit. Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte. Dies Wort gilt heute wie vor hundert Jahren im deutschen Volk. Dieser Krieg um unser Dasein ist nicht nur ein Kampf der Waffen, sondern auch der Wirtschaft. Die hundertjährigen Bestrebungen edelgesinnter Geister aller Nationen, den Krieg von der nicht- kämpfenden friedlichen Bevölkerung fernzuhalten, sind zunichte geworden durch die Verachtung alles Völkerrechts, mit der England den Hungerkrieg eingeleitet hat und bis heute führt. Auch die kleinen neutralen Völker, deren Schutz England im Munde führt, werden durch Unterbindung der notwendigen Zufuhr, durch Postiperre. sckwarze Listen usw. schlimmer geschädigt als je ein Feind vom Feinde geschädigt worden ist. In diesem Hunger und Wirtschaftskrieg sieben wir mit unseren Verbündeten allein, während für unsere Feinde die halbe Welt arbeitet. Sie läßt es sich gut und teuer bezahlen, aber sie steht ihnen zu Diensten. Was wir für unsere Kriegführung und Volkserhaltung brauchen, müssen wir durch unsere eigene Arbeit täglich schaffen. In der Mobilmachung der Arbeit stehen wir eigentlich vom ersten KriegSjahre an. Es ist nicht wenig, was geleistet worden ist, aber eS ist jetzt nicht mehr genug. � DaS Außergewöhnliche dieser Zeit, für das sich der Blick durch die Gewöhnung des TageS verliert, möchte ich Ihnen kurz vor Augen rücken. Wir haben einen Außenhandel von jährlich 23 Milliarden verloren, der uns die notwendigsten Rohstoffe zuführte und Millionen von Händen ernährte. Wir erleben eine fortgesetzt steigende Entziehung von Arbeitskräften, wogegen � der st ä r k st e General st reik ein Kinderspiel wäre. Diesen. un- gebeuerlichen Verschiebungen haben sich die Grundlagen unserer Wirtschaft durch eine gewaltige, noch nie gesehene Umgruppierung der Arbeitskräfte angepaßt. In der Land- Wirtschaft ist die Arbeit der Frau längst das Rückgrat der ganzen Betriebe geworden. Die Frau, die heute einen Mann ersetzt, der im Schützengraben steht, ist so viel wert als der Soldat an der Front. (Bravo I) Heute gibt es für uns nur eine Rücksicht, wie schaffen w i r M u n i t i o n und Proviant? Auf dem Wege der Frei- Willigkeit allein ist nach unserer Ueberzeugung MeS sogenannte Hindenburg-Programm nicht zu lösen..Es darf in dieser Zeit nie- mand müßig gehen, weil er nicht arbeiten will oder auf. Grund seiner Einkommensverhältnisse' nicht zu arbeiten braucht. Heute ge- hört jeder Arm und jeder Kopf dem Vaterjand, Die B�ürmiise des Vaterlandes fassen wir nickt eng materiell' ältfl' son'dern wir begreifen darunter zum Beispiel auch die Presse, die Geistlichkeit, die Lehrerschaft, die vielbewährten Berufs- organisationen, die Organe der Sozialversicherung und ähnliches. Alle diese Berufe werden als Hilfsdienst angesehen werden. Den Frauen wird die gesetzliche Verpflichtung aus physischen Gründen nicht auferlegt und weil die Bedürfnissrage anders liegt. Alle Maßnahmen zum Ersatz der Männerarbeit durch Frauenarbeit müssen weitergeführt und ausgebaut werden.— Die vaterländische Pflichtersüllung eines jeden einzelnen bleibt die Hauptsache. Erst wenn� jemand Arbeit im Sinne des Gesetzes nicht ausübt, kann ihm eine solche zugewiesen werden, die er annehmen muß. Den gegen- wärtig arbeitslosen Textilarbeitern usw. soll die Ilnterstützung nicht entzogen werden, solange sie nicht andere Arbeit haben. Bei der Zusammenlegung und Stillegung solcher Betriebe, die etwa jetzt schon für das Heer arbeiten, wird das Kriegsamt es leicht haben, bei anderen Betrieben, aber, insbesondere bei Einzelexistenzen und kleineren Unternehmern, wird das Kriegsamt sehr genau prüfen, ob die Vorteile der Aenderung im Verhältnis stehen zu den Wirt- schaftlichen Schäden durch Zerstörung wirtschaftlicher Existenzen. In vielen Fällen wird es leichter und einfacher sein, die Arbeit zu den Leuten zu bringen, wie die Leute zur Arbeit. Das Gesetz mutz so schonend wie irgend. möglich für die Ar- b e i t c r d�u r ch g e f ü h r t werden. Die Beschränkung der per- sönlichen Freiheit macht einen sorgfältigen Ausbau der Einrichtun- gen notwendig, die zu ihrem Schutze dienen sollen. Die Regierung hat zu den Wünschen des Reichstags noch nicht Stellung nehmen können. Ich hoffe aber, daß das Gesetz eine Fassung erhält, die dem Bundesrat die Zustimmung ermöglicht, und die persönliche Freiheit möglichst gering beschränkt. Die Stimmung, aus der dieses Gesetz geboten ist, ist die siegesgewisse Kraftanstrengung eines siegesgewissen Volkes. Unsere Leistungen aus eigener Kraft haben unsere Feinde mit den Hilfsmitteln der ganzen Welt nicht über- winden können. Unsere Steinkohlenerzeugung hat wieder 90 Proz., unsere Flutzstahlerzeugung wieder 8ö Proz. erreicht, die Braun- kohlenerzeugung ist weit über das Friedensmatz gestiegen. Eng- lands Stahlerzeugung ist im Kriege erheblich zurückgegangen. Die Schule der Jnnenwirtschaft wird dauernd unsere innere Selb- ständigkeit stärken. Die Landwirtschaft hat durch Anspannung aller Kräfte unsere Ernährung sicherstellen können.(Beifall.) Trotz der schlechten Kartoffelernte können wir angesichts der guten sonstigen Ernte zuversichtlicher in die Zukunft blicken als im Vorjahre. Die weiteste Sparsamkeit ist nach wie vor geboten. Wenn auch vom Hunger der andern noch niemand satt geworden ist, so ist es doch nicht gleichgültig für uns, zu wissen, daß unsere Feinde darben. Der Mangel an Kali hat die Ernte in den Bereinigten Staaten und Kanada von 37� Proz. Millionen Tonnen auf Ll Millionen Tonnen Weizen herabgedrängt. In Argentinien erwägt man ein Ausfuhrverbot. Wollen die Westmächte die fehlende Menge aus Indien und Australien heranschaffen, so wird durch den zwei- bis dreimal längeren Weg erschreckend mehr Schiffsraum verlangt; auch kann sie den Ausfall nicht wettmachen, es bleibt ein Fehlbetrag vou 9 bis 10 Millionen Tonnen. Der Hunger, den England gegen uns mobil gemacht hat, crhebi� dort selbst seine dürre Hand. (Hört! hört!) Aus dieser Sachlage heraus tun wir den großen Wurf des Vaterländischen Hilfsdienstes. Das deutsche Volk ist auf eine Probe g e st e l l t, wie nie ein Volk. Wir müssen und werden sie bestehen(Bravo!). wenn jeder in der Heimat � in jeder Stunde derer gedenkt, die draußen im Trommelfeuer und im Schützengraben mit ihren Leibern für unsere Zukunft Wacht halten. Jede Arbeit, jedes Opfer und jede Entbehrung wird geheiligt durch den Ge- danken, daß wir Bausteine herbeischaffen für eine bessere und stärkere Zukunft unseres Volkes.(Bravo!) Abg. Dr. Spahn(Z.): Es handelt sich bei der Vorlage nicht um ein Zwangs- gcsctz gegen die Arbeiter,»icht einmal zur Arbeit. Es handelt sich um eine gewaltige Umstellung des ganzen Wirt- schaftlichen Lebens. Alle Arbeit soll dort eingestellt werden, wo sie am besten im Interesse unserer Landesverteidigung ausgenützt wird. Die Ziele des Gesetzes sind so begründet, datz ein ernsthafter Widerspruch dagegen unmöglich ist. Auch die Landwirtschaft soll als Hilfsdienst aelten. In der Hauptsache soll das Gesetz auf Frei- Willigkeit aufgebaut sein, nur in den seltensten Fällen �soll vom Zwange Gebrauch gemacht werden. Unnötige Härten müssen vcr- mieden und Instanzen eingeführt werden, die bei Differenzen ent- sckeiden. Ein Entwurf mit inlcben Bestimmungen wird voraussichtlich morgen zur zweiten Lesung vorgelegt werden.(Bravo! im Zentrum.) Staatssekretär Dr. Helfferich: Ich freue mich, mitteilen zu können, datz der Bundesrat heute vormittag den vom Reichstag beschlossenen Gesetzentwürfen über die Schutzhaft und den Belagerungszustand dre Zustimmung erteilt hat.(Lebhafter Beifall.) Abg. Dr. David(Soz.): Der Zweck des Gesetzes ist die Nutzbarmachung aller Kräfte im Dienst der Verteidigung des Vaterlandes. Die Sozialdemokratie hat schon in den Vorverhandlungen keinen Zweifel gelassen, daß sie diesen Grundgedanken des Gesetzes billigt. Freilich hätten wir gewünscht, das Gesetz wäre nicht mehr nötig, der Krieg wäre schon beendet. Aber die harte Notwendigleit zwingt uns, weirer zu kämpferi und auszuhalten, bis auch die Gegner zu einem Frieden bereit sind, den wir im Interesse Deutschlands annehmen können. Bei der Inangriffnahme dieses Gesetzes muß als Ergänzung mit aller Energie betönt werden, daß das Gesetz nicht einer Kriegsverlängerung dienen soll, daß die Bereitschaft der deulschen Regierung zu einem Frieden, der den Lebensinteressen des Landes entspricht, vor aller Welt kundgetan und bestehen bleiben muß. Der Reichskanzler hat wie früher auch heute seine Bereitschaft zum Frieden betont. Das ist um so notwendiger, als in der letzten Zeit in der Presse der Anschein erweckt wurde, als ob die Friedens- bcreitschaft in Deutschland nicht in allen Kreisen der politischen Welt vorhanven ist. Man hat sogar denen Vorwürfe gemacht, die diese Friedensbereitschast klar und deutlich zum Ausdruck gebracht haben. Die Worte meines Freundes Sckeidcmann sind in einer Weise an« gegriffen und entstellt worden, die aufs entschiedenste zurückgewiesen ioerden mutz. In einem Ausruf des deutschen LandwirtschaftSratS und des Bundes der Landwirte wird behauptet, Scheidemann hätte verkündet, nur ein Narr tönne noch an den Sieg Deutschlands glauben.(Lebh. Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Scheide- mann erklärt hat. daß wir selbstverständlich die Eroberungs- und Zer- schmetierungspläne der Feinde zurückiveisen und daß, wenn wir einen Frieden erkämpfen, der Deulschland politische Unabhängigkeit, seine territoriale Unversehrtbeit, seine wirtschaftliche Entwicklung ge- währleistet, dies einen Sieg Deutschlands bedeutet. Und er hat gegen- über den phantastischen Welterobernngsplänen � jener Herren gesagt, nur ein Narr könne einen Sieg in ihrem Sinne erwarten.(Sehr richtig I bei den Soz.) Daß unsere Gegner zu einem Frieden nicht bereil sind, den Deulschland annehmen kann, ist unbestreitbar. DaS ist noch in den letzten Tagen aus dem Munde eines englischen leitenden Staatsmannes verkündet worden. Die seindlicken Staatsmänner würden sich aber täuschen, wenn sie aus unserer Friedensbereitschast den Schluß � ziehen, daß wir nicht mehr ausharren können. hSehr richtsg. Lei den Soz.) � Den Zweck des Gesetzes, unsere Volkskräfle zu konsolidieren, billigen ww also, unsere braven Feldgrauen, die im Trommelfeuer an der Somme liegen, sollen unter keinen Umständen Mangel an Munition oder Geschützen mit Blut und Leben bezahlen, unsere Feld- grauen sollen wissen, daß das ganze Land entschlossen ist, mit voller Kraft hinter ihnen zu stehen.(Lebhaftes Bravo.) Aber die Billigung des Zieles des Gesetzes überhebt uns nicht der Notwendigkeit einer sehr e r n st e n Prüfung, ob die ergriffenen Mittel und Wege auch gut und zweckmäßig sind. Sonst wird das Gesetz nicht zum Heil, sondern zum Unheil Deutschlands ausschlagen, es würde wachsende Mißstiinmung und stalt Förderung Hemmung erwecken. Der leitende Gedanke deS Gesetzes ist nur erreichbar, wenn die Massen des Volkes aus sich heraus pflichtbereit und opferwillig mit« machen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Mit widerwilligen Arbeitern kann man die große Arbeit nicht leisten. Der Enlwurf der Regierung entspricht in keiner Weise den An- forderungen an ein solches Gesetz. Diese Arbeit war wirklich kein Glanzstück. Die herbe Kritik war notwendig und� ist ja auch in der Kom« Mission geübt worden. Dieser Lorentwurs der Regierung wird ja vermutlich bald von der Bildfläche verschwinden. Die Arbeit der Kommission ist noch nicht ganz abgeschlossen und kann daher im einzelnen nicht zur Diskussion stehen. Die Kommission hat einen wirklichen Gesetzentwurf, nicht nur die Form eines solchen, eine Ermächtigung an die Regierung, aus- gearbeitet. Auch qualitativ ist die Arbeit der Kommission besser als die der Regierung; aber befriedigend ist sie auch nicht, es bleiben noch große Mängel und ernste Bedenken.(Sehr wahr!) Daher können wir heute noch nicht ein bestimmtes Wort über unsere endgültige Haltung zu der Vorlage aussprechen. Jedenfalls ist eine Ueberstürzung bei � der Fertigstellung dieses Gesetzes nicht am Platze. Es soll nicht ver- zögert werden— die Sache selbst leidet das nicht—, es darf aber auch nicht überhastet werden. Deshalb erwarten wir eine gründ- liche und ordnungsmäßige zweite Beratung, in der man auf die Einzelheiten näher wird eingehen können. Das Gesetz bedeutet einen ungeheueren Eingriff in die Existenzgrundlagen von Millionen. Die wirtschaftliche Existenz wird der Selbst- bestimmung der einzelnen völlig entzogen, dadurch wird auch das persönliche Selbstvcrfügungsrecht für Mil- lionen aufgehoben. Alle nicht Heerespflichtigen Männer vom 17. bis zum 60. Lebensjahre werden mit einem Schlage unter mi- litärischc Befehlsgewalt gestellt. Das ist ein Umsturz aller seit- yerige» Begriffe Ha» dem staatsbürgerliche» Recht a»f persönliche Freiheit»»d Selbst best,»»» miß. Ei» folcbcr Eingriff in die wirtschaftliche Existenz und persönliche Rcchtssphäre fast des gesamten Volkes fordert dringend, daß in dem Gesetz Garantien gegen Mifibrnnch gegeben werden, und zwar nicht bloß Worte vom Regierungstisch, sondern reale Garantien in der Weise, daß sie Teile des Gesetzes selbst sind.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der neue Vorschlag versucht das zwar, aber nicht in allen Punkten hinreichend. In erster Linie sind Sicherungen für den Lohnarbeiter notwendig, denn die Lohnarbeiter trifft das Gesetz vor allen an- deren mit seiner ganzen Wucht.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo-' kraten.) Theoretisch trifft es zwar auck die reichen Müßiggänger, aber praktisch wird es für sie nicht so fühlbar werden, sie werden schon eine Stelle finden, bei der sich auch leben läßt, sie werden nicht in der Fabrik, an der Drehbank oder im Hammerwerk arbeiten. Gewiß ist zu begrüßen, daß einmal der Gedanke der allgemeinen Arbeitspflicht in einer Vorlage der deutschen Reichsregierung erscheint.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Einführung der allgemeinen Arbeits- Pflicht war eine Forderung der Sozialdemokratie, die im Gothaer Einigungsprogranini ausgesprochen wurde. Freilich dachte man damals daran, daß jeder zur Arbeit verpflichtet sein soll im Jnter» esse der Gesellschaft und nicht m kapitalistischen Betrieben. Abex fmmcrWtt:?:r tt!cda»?c de» Gesetzt» ist. daß in dieser'Zcik großer nicinaud dns Necht l�t!, vhne Äriicit am Äoktskörvcr zu schuia- rotzen, und das ist' ein sozialistischer Gedanke. man kann es begrüßen, daß er marschiert. Tie Lobnarbeiier und Ungestellten aller Richtungen baben durch ihre Perbände Sicherung»- farderungen der erwähnten Art der Kammiision vorgelegt. Bor einer solchen gcnicinsamen Arbeit der«crbandslciter sollte die Regierung und dies Hohe Haus doch einen gewissen Respekt haben, denn das sind die Männer der Praxis, die die gange Unsumme von Schwierigkeiten und Ungerechtigkeiten, die im Lohnverhältnis zwischen Arbciiern und Kapitalisten vorkommen können, genau �uncn und daher auch richtige Vorschläge machen können, wie solchen Mißständen vorzubeugen ist. sSchr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) Wir werden bei der Spezialberatung aus die einzelnen Dinge eingehen. Ebenso wichtig ist. daß im Gesetz festgelegt wird. das; eine ständige Kontrolle und Mitarbeit des Reichstages erfolgt, die nach Möglichkeit verhütet, daß Ungerechtigkeiten und unsinnige Maßnahmen getroffen werden. Wir tragen die Verantwortung an allem, was aus diesem Gesetz folgt. Deshalb haben wir auch die Pflicht zu verhüten, daß Mißbrauch mit dem Gesetz getrieben werden kann,('«ehr richtig!) Gegenüber dein Meer von Beschwerden, das uns Abgeordneten in dieser Zeit zugeht, sind wir in einer unhalt- baren Lage. Wir könllen die Beschwerden nur an die Instanzen weitergeben, aber einen entscheidenden Einfluß auf die Handhabe der Gesetze und Verordnungen haben wir nicht. Durch das Er- mächtigungsgesetz vorn August 1914 haben wir uns unserer eigenen gesetzgeberischen Geivalt entäußert und uns zu nachträgliche» Kritikern und ziemlich ohmnächtigen Kontrolleuren der Bundes- ratsverordnungen gemacht. Staatssekretär Helsferich sagte, man müsse mit gegenseitigem Vertrauen arbeiten. Nach den gemachten Ersahrungen können wir aber dem Bundesrat dies Vertrauen nicht mehr eilkgegenbriiigcn.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Haben wir doch die Erfahrung gemacht, daß starke Widerstände im Bundesrat ihr Spiel treiben, sobald es sich darum handelt, wirklich gute Fortschritttejm Interesse der Gesamtheit durchzusetzen.(Sehr wahr! bei den �ozialdemokrateii.) Wir sind noch in den letzten Tagen vor dein Vertrauen, das man von uns verlangt, gewarnt worden, durch den E r laßeincsdc r mächtig st cn Mann er i in Bundesrat, des preußischen Eisenbahn- Ministers von Breitend ach. Ter Geist, der aus diesem Erlasse spricht, ist wahrhastig nicht der neue Geist, von dem der Reichskanzler heute gesprochen hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Im Gegenteil, er gehört zu dein Schutt und Moder, von dem der Reichskanzler auch einmal geredet bat. Er macht den Eindruck, als ob man mitten im Kriege einen Haken sucht, um daran den alten Faden gegen die Gewerkschaften weiter zu spinnen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte, zitierte Herr Helsferich Nein, er wollte kühnen Mut und Zorn der freien Rede. Aber der Gott, der in Preußen Eisenbahnen wachsen läßt, der will Knechte.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Er ist empört, wenn Arbeiter das lliecht der freien staatsbürgerlichen Persönlichkeit in Anspruch nehmen. Ter ganze Streit ist vom Zaune gebrochen, es lag keinerlei Absicht vor, irgendwie unseren Verkehr zu hemmen, es ist eine rein bureaukratisch formalistische Maßnahme, um dem Arbeiter fühlbar zu machen, daß er kein freier Mann sei. Darum sind meine Freunde unter keinen Umständen bereit, dem Buirdcsrat eine solche Blankovollmacht zu erteilen wie der Rcgicrungsentwurf sie verlangt, und ich hoffe, daß sich auch im Reichstag dafür keine Mehrheit findet, tvkit der Forderung der Mitarbeit des Reichstags durch einen Parlamentsausschuß soll keine Erweiterung der Rechte des Reichstags erstrebt werden, sondern es gilt die ungeheure Summe der Reichstagsrechte, die wir seit Kriegsbeginn verloren haben, wieder zu gewinnen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es muß eine laufende Kontrollinstanz geschaffen werden, die gleich mitarbeitet bei den Bestimmungen und nicht hinterherläuft, wenn nichts mehr zu ändern ist. Was die Frage der Aufhebung des Gesetzes anlangt, so will eS nicht Viel bedeuten, wenn festgelegt wird, daß das Gesetz etwa einen Monat nach Friedensschluß außer Kraft gesetzt werden mutz. Glaubt dein, jemand, der Bundesrat könnte dies Gesetz einfach als Friedensgesetz tveiterlanscn lassen. Viel wichtiger wäre eine feste Frist in das Gesetz selbst aufzunehmen, wie das auch bei anderen Gesetzen geschehen ist, so das; die Regierung genötigt wäre, eine Verlängerung ihrerseits zu beantragen. Das wäre eine weitere sehr starke Kontrolle des gesamten Reichstags über die Ausführung des Gesetzes. In den Bestimmungen über die Betriebe, die als solche an- erkannt werden, in denen vaicrländischcr Hilfsdienst geleistet wird, ist zum Beispiel die Landwirtschaft genannt, es fehlen aber die Arbeiterorganisationen mit ihren Einrichtungen, die Arbeitersekretariate usw. Diese bilden aber für die Masse der ärmeren Bevölkerung eine außerordentliche Stütze in den Nöten dieser Zeit, und Millionen würden schwer darunter leiden, wenn sie aufgehoben würde». Tagegen müssen wir also bestimmte Ga- rantien erhalten. Daß der Landwirtschaft auch hier wieder eine Bevorzugung eingeräumt wird, ist charakteristisch für unsere ganze Gesetzgebung im Frieden und im Kriege. Der Landwirt ist im Kriege ohnehin im Vergleich zu anderen Leuten in einer beneidens- werten Lage, soweit er nicht heeresdienstpflichtig ist. Die Familie hat eine feste Existenz unter den Füßen, im wahrsten Sinne des Wortes festen Boden, hat ein Haus, Heizung, Kleidung und emp- findet auch den Mangel an Nahrung oder doch nicht annähernd in der Weise wie die städtischen Arbeiter und Mittelstandsbevölkerung. Jetzt gibt der Gesetzentwurf der Landwirtschaft einen weiteren Vor- zug, indem er ihr auch noch Arbeitskräfte zuführt. Wir halten es gewiß für durchaus notweiiiig, daß kein Fetzchen Lairö unbenützt liegen bleibt. Aber hier ist doppelt und dreifach nötig, daß Siche- rnngen geschaffen werden, damit nicht landwirtschaftliche Unternehmer diesen Hilfsdienst, den ihnen das Gesetz leistet, ausnutzen, um ihre Gewinne zu erhöhen. Das wäre der gewissenlose st e Mißbrauch dieses Gesetzes (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Gewiß gibt es auch anständige sozial gesinnte Landwirte, aber wir wissen, daß bei sehr vielen keine Spur solchen sozialen Empfindens vorhanden ist. Deshalb haben wir kein Recht zum blinden Vertrauen auf ein soziales Verständnis, das nicht da ist uiiiZ müssen Sicherungen verlangen, daß die Arbeiter, die in landwirtschaftliche Betriebe überführt werden, wo Arbeitcrmangel ist, volle Garantie haben, daß ihre Verhältnisse als Arbeiter, als freie Staatsbürger nicht verschlechtert werden. Es darf nicht vorkommen, daß sie unter Lohnbedingungen, Wohnungsverhältnissc, Erilührungsverhältnisse oder eine Behandlung kommen, die sie nicht annehmen können. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn es richtig ist, daß die Nahrungsmittel so wichtig sind wie die Munition, so begeht der- jenigc, der der Heimatsbevölkerung die Nahrungsmittel, d. h. die Munition, die sie nötig hat, entzieht, Landesverrat schlimmster Art.(Sehr wahr! beiden Sozialdemokraten.) Weiter muß über- Haupt verhindert werden, daß die Inhaber von Betrieben, die für das Reich liefern, daraus höhere Gewinne herausziehen als seit- her schon. Wir dürfen nicht dulden, daß der Hilfsdienst in diesen Betrieben nicht ein Hilfsdienst für das Reich, sondern für die Kassen -dieser Unternehmer wird.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Das ist ja das empörendste, daß Millionen von Existenzen wtrt- schaftlich ruiniert werden, während einige wenige Leute Ntillionen auf Millionen häufen und aus der Not des Landes und des Volkes ihren Vorteil ziehen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Kriegsgewinnsteuer ist kein ausreichendes Mittel, um diese An- Häufung von Millionen auf Kriegslieferungen zu verhüten. Daß das immer noch gestattet wird, erzeugt im Volke täglich neue Miß- stimmung. Stellen Sie sich vor, die Soldaten stünden im Dienst für Oberste und Generäle, die durch den Krieg Millionengeschäfte machten. Das würden Sie nicht ertragen. Hier aber wird in der Tat so eine Kriegsdicnstpslicht konstruiert. Dagegen muß Abhilfe geschaffen werden. Ter Ausschuß will sa insofern dieser Frage naber treten, als er seine Kompetenz auch auf die Prüfung von Geschäftsabschlüssen, Liefcrungsverträgen usw. erstrecken will. Das wird nicht reichen. Notwendig wird sein, eine staatliche Kontrolle geschäftlicher Art über diese Betriebe, die feststellt, welche Gewinne gemacht werden. Unsere Forderung der Verstaatlichung der Rüstungsindustrie marschiert. Wenn sie jetzt auch nicht generell durchgeführt werden kann, so wäre es doch bei einzelnen Betrieben möglich.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Unternehmern, die ihre Pro- f i t i n t e r e f s e n über das L a n d c s i n t c r e s s e stellen, muß der Betrieb aus der Hand genommen werden.(Sc!>r wahr! bei den Sozialdemokraten.) Darüber hinaus bleibt die Verstaat- lichung der Rüstungsindustrie das allgemeine Ziel. Dieser Krieg hat uns die Erkenntnis gebracht, daß für die Eni- icheidung draußen oer Zustand der Kriegsmaschine von größter Be- dentung ist, daß die technischen Einrichtungen der Waffen zu Lande, zu Wasser, unter dem Wasser und in der Luft, daß auch das Ver- kehrswesen, dieser ganze ungeheuer komplizierte Apparat auf der Höhe sein muß. Au» dieser Erkenntnis ist das Wort vom Nie- gierungstisch von militärischer Seite gefallen: Dieser Krieg ist eine Arbeiterfrage. Ich sage: Dieser Krieg ist eine Facharbeiterfrage. Die moderne Webrhafti gleit des Volkes steht und fällt mit der Leistungsfähigkeit der industriellen gualifizierten Arbeiterschaft. Früher beruhte die Wehrhaftigkeit in erster Linie auf dem Bauer und daraus zog er auch seine Rechte im Staat. Neben den Bauer ist jetzt ein neuer unbedingt notwendiger Faktor der Wehrhaftigkeit getreten, die In- dustriearbeiterschaft. Auf dieser Grundlage baut die industrielle Ar- beiterschaft auch ihre neue Rechtsgrundlage im Staate auf. Der Mann, der diese Bedeutung im Staate hat, wenn der Staat an- gegriffen wird, der sollte nicht auch im Frieden die gleichen Rechte haben? Das ist undenkbar. Die Arbeiterschaft hat ertaunt, welche Bedeutung sie für die Durchführung des Krieges hat. sie ist sich des Verantwortlichkeitsgefühls, das auf ihren Schultern für die Existenz des Staates ruht, bewußt geworden und hat das durch die Tat ge- zeigt. Noch heute hat der Kriegsmimster v. Stein anerkannt, wie tüchtig gerade die Arbeiter auch als Soldaten sind, und der Staats- sekretär Dr. Helsferich hat ausgeführt, welche gewaltige Leistungs- fähigkcit unsere Industrie im Kriege gezeigt hat. Wem verdanken wir das? Dem tüchtigen Mitarbeiten der Arbeiterschaft.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Will man noch fernerhin dieser Arbesterschaft die staatsbürgerliche Gleichbcrcchtiung in Staat, Reich und Gemeinde vorbehalten? Nein! Die Lehre ziehen Sie ans diesem Kriege, daß die Stunde gekommen ist.�wo die Forderungen der Arbeiter auf volle Gleichstellung im Staate und auf volle Berechnung zur Mitarbeit an allen Stellen anerkannt werden muß. Es gibt schwere Widerstände, das wissen wir. Widerstände von den Interessenten des Kapitals. Die Herren fühlen sich als beati pcwsiäenle�(glückliche Besitzende) und können die neue Zeit nicht begreifen. Sie müssen aber begreifen lernen. Tie neue Zeit erfordert einen neuen Geist, eine neue Rechtsgrundlage für das Ver- hältnis der Bürger zueinander; das ist die Anerkennung der Arbeit als soziale Leistung, als Grundlage für volle Anerkennung im Staat. Nur die Arbeit ist eine solche Leistung, sonst nichts. Das ist die neue Grundidee, die muß sich im neuen Deutschland durchsetzen. Es darf nicht sein, daß Arbeit knechtet und Geld frei macht, sondern Arbeit muß der Schlüssel sein zu voller Gleichberechtigung. Das sollten eigentlich alle Arbeiter einsehen. Die Angestelltenverbände arbeiten bereits Schulter an Schulter mit den Lohnarbeiterverbänden. Aber auch die geistigen Arbeiter sollten sich dieser Erkenntnis nicht verschließen, die geistigen Arbeiter in allen Bernsen. Nur dann wird Deutschland diesen Krieg zu einem glücklichen Ende führen, nur dann geht Deutschland einer glücklickieil Zukunft entgegen. Nur wenn in diesem Geist an diesem Gesetz gearbeitet wird, wird es so ausfallen, wie es ausfallen must Wir hoffen, daß wir nicht tauben Ohren predigen werden, daß Sie sich der Erkenntnis nicht verschließen werden, daß unsere Vorschläge die guten und richtigen sind im Interesse des Volkes, im Interesse des Landes.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Basscrmann(imtl.): Tie Notwendigkeit des Gesetzes erscheint uns ausreichend be- gründet. Unsere Soldaten dürfen nicht einem Uebennaß feindlicher Munition preisgegeben sein. Mit der Zustimmung zu dem Gesetz bringen wir dem Kriegsamt und seinem Leiter großes Vertrauen entgegen. Gleichwohl müssen wir gegen eine mißbräuchliche Aus- Übung des Zwangs Kautelen schaffen. Wir wünschen Gleich- stellung der wirtschaftsfriedlichen Arbeiterorganisationen mit den Gewerkschaften. Auch die Angestellten sollen im Kriegsamt vertreten sein. Abg. David hat sich über Angriffe auf den Abg. Scheideinann beschwert. Ich glaube nicht, daß aller Jnterpretationskunst des Herrn Scheidemann es gelingen wird, zu beweisen, daß in der Frage Annexion oder Nichtaniiexion Uebereinstimmung zwischen ihm und dem Reichs- kanzler besteht. Der Reichskanzler hat wiederholt erklärt, daß dec status quo ante(der frühere Zustand) nicht wi oderhergestellt werden könne. Es mag sehr gut gewesen sein, einmal auszusprechen, daß wir den Krieg nicht unbegrenzt aus Eroberungsavsichten fortführen wollen, aber die ständige Wiederholung würde uns im Ausland nur als Zeichen der Schwäche ausgelegt werden.(Lebhafte Zustimmung rechts und bei den Nationalliberalen.) Mehr als jedes Gerede von Friedensbereitschaft bringt uns ein solches Gesetz, das die volle Energie unseres Willens dokumentiert, dem Frieden näher. In dem Geist des festen Willens, den Krieg siegreich zu beenden, be- grüßen wir die wirtschaftliche Mobilmachmig unseres Volkes. Wir sehen in rascher Bewilligung und entschlossener Durchführung� des Gesetzes ein weiteres Mittel, das uns zur Erringung des deutschen Friedens führt.(Lebhafter Beifall rechts, im Zentrum und bei den Nationaliberalen.) Abg. v. Payer(Vp.): Dem Rufe der Heeresleitung nach dem Aufgebot aller Volks- kräste Folge zu leisten, hielten wir in der Voltspartei für selbst- verständlich. Das Gesetz in gewöhnlicher Weise zu beraten, würde Monate erfordern, und damit wäre der Zweck des Gesetzes nicht vereinbar. Auch alle Einzelheiten lassen sich nicht gesetzlich fest- legen. Es schien also übrig zu bleiben nur eine Ermächtigung der Regierung nach dem Vorgang vom 4 Au.gust 1914. Aber es handelt sich hier um eine viel weiter gehende Vollmacht. Hier kann der Reichstag sich nicht ausschalten lassen, zumal bei der langen Dauer des Krieges. In diesem Sinne haben wir an dein Entwurf mit- gearbeitet. Freilich wird man bei diesem Aiilatz die ausgefahrenen Gleise verlassen müssen. Um die Rechte des Reichstages zu wahren, soll an seine Stelle eine logliedrige Kommission treten, eine Kommission, aus die der volle Anteil des Reichstages an der Gesetz- gebung übergeht und die daher auch nur dem Reichstag selbst ver- antwortlich ist. Diese Kommission soll aber auch beim Kriegsamt selbst mitarbeiten. Das ist ein noch größerer Umsturz der bestehen- den staatsrechtlichen Begriffe, denn es wird dadurch die Grenze zwischen Kontrolle und Verwaltung verwischt. In bezug auf den Rechtsschutz muß in das Gesetz hineingearbeitet werden, was nötig und irgend möglich ist.— Daß der Offizier als Gewerberichter auftreten soll, ist ein Gedanke, der nur im Kriege auftauchen konnte. Aber vielleicht härten der Offizier und der Gewerberichter aus ein- ander ab. das könirtc der Arbeit nur sromalen.(Zustimmung links.) Bedenken erregt uns, daß eine Reihe bisher strittiger sozialer Fragen durch dieses Gesetz seine Lösung rinden soll, wenn auch nur während der Kriegszeit, zumal die Lösung im Sinne der Arbeiter geschieht. Wir stellen diese Bedenken aber zurück, um den einmütigeii Siegeswillen unseres Volkes zum Ausdruck zu bringen.(Bravo I b. d. Vp.) Vielleicht wäre es überhaupt möglich gewesen, mit der Freiwilligkeit ohne die Androhung des Zwanges auszukommen. Deshalb ist eS auch nicht notwendig, die Frauen in das Gesetz mit einzubegreifen.— Opfer müssen gebracht werden von allen, auch in staatsrechtlicher Beziehung, und was wir in dieser Beziehung heute vom Regicrungstisch gehört haben, erfüllt unS mit Stolz und Dankbarkest. Mer auf manche Wünsche müssen wir verzichten, Opfer muß auch der Reichstag bringen; es geschieht im Interesse der Verteidigung des Vaterlandes.(Beifall b. d. Vp.) Abg. Graf Wcs« rp(k.): Die Erfahrungen des Sommers haben uns gelehrt, was eS beißt, Gegnern mit vier- bis fünffacher Volkszahl gegeiiüberzustchen. Tcshalv ist die Anspannung aller Arbeitskräfte zur Erzeugung von Munition und von Kricgsmitteln notwendig. Von der Einbeziehung der Frauen mag nach der Lage auf dem Arbeitsmarkt zurzeit ab- gesehen werden, aber der Appell zur freiwilligen Nlitarbeit ist auch an die Frauen und Mädchen gerichtet, auch an die Kriegerfrauen. Das Prinzip des Gesetzes ist die Freiwilligkeit, doch wird es ohne Zwang nicht abgehen, genau wie bei der allgemeinen Wehrpflicht. Wir werden alles tu», das Gesetz so schnell wie möglich zur Ver- abschiedung zu bringen, um den Kriegern draußen zu beweisen, dax in der Heimat noch der Geist des 4. August lebendig ist.(Lebhafter Beifall rechts.) Aber die Hauptsache ist der Zweck des Gesetzes. Am besten entspricht die Regierungsvorlage den in Betracht kommendeil GestchtSpunkten. Die Mehrheit teilt diese Anschauung aber nicht, und ivir wollen uns daher von der Mitarbeit an der Ausgestaltung in der zweiten Lesung nicht ausschalten. Wenn wir da auch nicht mit unseren Anschauungen durchdringen, werden wir doch in der dritten Lesung dem Zustandekommen des Gesetzes keine Schwierigkeiten bereiten.(Bravo!) Chef des KriegSamts General Gröuer: Heber die Notwendigkeit des Gesetzes brauche ich nichts zu sagen. Wir wissen, alle unsere Industrie steht im Konkurrenzkampf mit der ganzen Welt. Neuerdings wollte uns die Entente überwinden, indem sie noch die Massen der Rumänen gegen unS aufmarschieren ließ. Was ist daraus geworden? So soll eS den Engländern und der ganzen Gesellschaft gehen.(Heiterkeit und stürmisches Bravo!) Bei diesem Gesetz wird alles auf die Aus- führung ankommen. Es ist ein Mantelgefetz, Sic mögen den Mantel mit allem möglichen schönen Zierat, mit Tressen usw. t (Heiterkeit) ausschmücken, das nützt Ihnen alles nichts, wenn wir es nicht vernünftig ausführen.(Sehr wahr!) Wenn Sie auch mit größter Umsicht versuchen, alle möglichen Sicherungen für die Ar- bester usw. zu schaffen, die Materie ist doch so außerordentlich vielseitig und gefährlich(sehr richtig! bei der Soz. Arbg.), daß wir nichts erreichen, wenn nicht das Kriegsamt und all die vielen Organe, die geschaffen werden, vernünftig arbeiten. Eine mili- tärische Aushebung ist da ganz ausgeschlossen, wir denken nicht daran, überhaupt nicht an ein gewaltsames Zugreifen. Zu jedem Organisieren braucht man Freiwilligkeit, die Menschen müssen sich selbst in den Dienst der Sache stellen. Es wäre schlimm, wenn wir erst alle heranholen müßten, die Leute müssen uns kommen, vom ersten bis zum letzten freiwillig. Wenn man die Produktion steigern will, so gehört dazu der Unter- iiehmuiigögeist der Unternehmer und die Arbeitsfreudigkcit der Ar- bester.(Sehr gut!) Die Ausführuiig denke ich mir so, daß wir uns mit den Verbänden, mit Fachausschüssen usw. auf Grund frei- williger Verständigung über den Zweck des Gesetzes unterhalten, daß diese uns Vorschläge machen, die wir gemeinsam prüfen und aus Grund deren dann die Entscheidung getroffen wird. Auf Grund dieser Entscheidung gehen dann die Richtlinien an die Or- ganffationen im Lande. Damit dort vernünftige Arbeit geleistet wird, müssen auch in diesen Ausschüssen draußen Sachverständige fitzen, die auch verstehen, wie wir es meinen. Selbstverständlich muß die Einzelexistenz insbesondere im Mittelstand geschont werden. Existenzen zu vernichten ist nicht der Zweck des Gesetzes. Auch eine Verpflanzung der Arbeiter kann nicht so erfolgen, daß etwa morgen der Befehl berausgeht, von Pirmasens gehen soundso- viel Schuhmacher da und dahin. Auch diese Verpflanzung kann erst als ultima ratio in Betracht kommen. Wir werden natürlich in erster Linie bestrebt sein, die Arbeit zu den Arbeitern hinzu- bringen. Es kommt nur darauf an, daß die Werkzengindu- st r i e es fertig bringt, die nötigen Maschinen zu schaffen. Erst wenn das nicht gelingt, muß zur Verpflanzung geschritteil werden.— Ein Hauptzweck des Gesetzes ist auch, daß Wehrpflichtige aus den Stellen herausgenommen werden, wo dieselbe Arbeit Kriegs- dienstpflichtige leisten können, um die Wchrpflichtigcn an die Front zu bringen. Dabei muß ich allerdings die Facharbeiter ausnehmen. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Denn ohne die Facharbeiter können>oir die ganze Sache überhaupt nicht machen. Man fürchtet. geivaltsame Eingriffe in die Volksivirtschaft. Aber Ivas hat uns er- möglicht, diesen Krieg so gut durchzuhalten? Unsere gesunde Volks- ivirtschaft! Sie zu schwächen wäre also Torheit.(Sehr wahr!) Daß der eine.oder andere Industriezweig dabei Not leidet und Opfer bringen muß. liegt tn der Natur der Sache. Aber insgesamt muß unsere Volkswirtschaft im Kriege gestärkt werden, denn wir wissen ja noch gar nicht, ivas die Zukunft bringt, welch neue Schändlich- leiten die Feinde ersinnen iverden, um uns zu schaden.(Sehr wahr!) Es handelt sich bei dem Gesetz darum, erstens die materiellen Kräfte, Munition, Waffen, Heeresersatz zu schaffen und ziveitens die Willens- kraft des Volkes zu stärken. Das Heer muß wissen, daß tu der Heimat ein Volk hinter ihm steht, das einmütig eintritt für das Ziel: die Erringung des Sieges.(Lebhafter Beifall.) Das Volt will die allgemeine Arbeitsgemeinschaft— ohne politischen Anstrich! (Stürmische Heiterkeit.) Sollte dem Heldenmut unserer Feldgrauen hier in der Heimat nicht das bißchen Entschlossenheit gegenüber- stehen, das wir von ihnen verlangen? Dann müßte man an UN- serem Volke verzweifeln. Wir machen keine Zwangsarbeit in diesem Kriege, es geht um die höchsten Güter unseres Volkes. Also weg mit diesem Ausdruck von Zwang! Das Gesetz will die Freiheit im höchsten sittlichen Sinne: jedem einzelnen Deutschen muß cs in Herz und Kopf gehämmert werden, daß er seinen eigenen Willen unterzuordnen hat unter den Willen des Vaterlandes.(Bravo!) Es ist also ein sittliches Gesetz, kein Zwangsgesetz. Sorgen Sie dafür, daß es im richtigen Geiste hinauszieht, dann machen Sie mir die Arbeit leicht.(Lebhafter Beifall.) Abg. Vogtherr(Soz. Arbg.): Der Reichskanzler sagte, unsere Feinde wollen den Frieden noch nicht. Er hat aber unterlassen, zu erklären, daß er Borschläge sür einen für alle Beteiligten annehmbaren Frieden inachen will. Noch immer fehlt die Erklärung, daß er zu einem Frieden obne direkte oder verschleierte Annexionen bereit ist.(Sehr wahr! bei der Soz. Arbg) Da darf man nicht erstaunt sein, daß die vielen Worte über den Frieden bei dem Gegner kein Echo finden.(Sehr richtig!) Herrn Basserinanns Ausführungen beweisen, wie notwendig es ist, daß der Reichskaiuler selbst dem Rälielipiel über seine Absichten ein Ende macht.(Sebr wahr!> Im Gegensatz zu Gras Westarp erkläre ich namens meiner Freunde, daß wir an ein Ende des Krieges ohne Sieger und Besiegte glauben.(Sehr richtig!) Wir kommen daher nicht zur Zuftiminuiig, sondern zur Ab- l e h n n n g dieses Gesetzes. Der Staatssekretär Helffcrich sagt zur Einsührung dieses Gesetzes,„der Galt, der Eisen wachsen ließ, der wollte leine Knechte". Dabei ist das ein Gesetz der Unfreiheil und de« Zwanges.(Sehr wahr! bei der Soz. Arbg.) Tie Situation ist für den Reichstag nicht schmeichelhast. Schon am 2. November standen in der„Daith Mail" ziemlich genaue Nachrichten über die Absichten unserer Regierung. Am 4. wurde der Retchstag verlagt, am 8. fanden bereits die ersten Konferenzen mit einein Vertreter der Gewerkschaflen statt. Tie Regierung wollte das Gesetz in der Budgelkommlssion serligstellen lassen. Die Kömmission hat den Reichstag vor eine vollendete Tatsache gestellt. Die Beschlüsse sollen nur den geschästsordnungsmäßigen Schein wahren. Gegen eine derartige objektive Täuschung der öffenllichen Meinung legen wir Protest ein. Es wird hier über einen Entwurf geredet, der noch gar nicht existiert und der nicht auf der Tages« ordnung steht.(Sehr richtig! bei der Soz. Arbg) Das Gesetz sollte ursprünglich ein Rahmengesetz sein. Woher hat die Regierung den Mut genommen, dem Reichstag zuzumuten, ans jede praktische Mitwirkung zu verzichte!,. DaS ist das Stärkste wa-s wir erlebt haben(Sehr wahr!) »on dieser Regierung, die schon wnürend 6c5 Krieges Versprechungen gemocht und nicht ertfiüt hat.(Präsident Mac m p f rügt diese Aeuverung, lebhafte Unruhe b. d. Soz. Arbg.) Es handelt sich um da-Z BelageruttgSrnstandSgesetz, um die Zusage des Staatssekretärs Helfscrich, ivährcnd der Mriegszeit tollen Steuern aus die notwendigsten Lebensmittel dem Volke nicht zugemutet -werden. Und diese Regierung konnte daran denken, eine derartige Alanlovollntacht zu verlangen, zu den schwersten Eingriffen in das Leben von LU Proz. der deutschen Bevölkerung. Diesen Mangel an Orientierung ist eine neue Beleuchtung der vcrheiszcncn sogenannten Neuorientierung,(«ehr wahr! bei der Soz. Llrög.) Tie Frauen sind vorläufig nicht in das Gesey einbezogen, doch sind schon Stimmen laut geworden, die das wünschen, auch im iteuett„Vorwärts". Ivo gesagt wird, der Erfolg des Gesetzes könnte seht, daß deshalb im Interesse der Frauen wäre, sie einzubeziehen. t.�ört! hört! bei der Soz. r'lrbg.) Unter den Kricgsmaßnahmcn leiden die rlrbeiter am meisten. Formell erstreckt sich das Gesetz auch auf die bürgerlichen Kreise. Für sie werden die Entrechtun- gcti aber wenig Bedeutung haben, höchstens werden die drei Monate Fabrikarbeiter aus nationalsozialent Sport und einer gewissen Koketteric zu eincr� Tragödie eines verkannten Genies werden. («ehr gut! bei der«oz. Ärbg.) Äber die Arbeiter werden zermürbt rmd früher erwerbsunfähig werden. Und der Arbeitszwang geht u> auch«un noch nicht weit genug, die„Magdeburger Zeitung" wollte alle männlichen Personen von 14 bis 70 Jahren unter das Gesetz stellen, weil ja die 14jährigen leider schon. im Frieden vielfach arbeiten müsse und weil mit 70 Jahren erst die natürliche Grenze der Arbeitsfähigkeit erreicht fei.(Hört!>bört! bei der Soz. Arbg.) Süci der Erweiterung des Wahlrechts werden die Menschen ttuders gewertet. Die Bestimmungen über das, wa? Hilfsdienst sein soll, öffnen der Willkür Tür und Tor. Tie Erklärung der gewerkschaft- lichen Tätigkeit als zum Hilfsdienst gehörig wird bewirken, daß sich dort solche in Sicherheit bringen können, die heerespflichtig > obren. Durch dieses Gesetz wird das Volkswoh! geradezu verwüstet, der letzte männliche Arbeiter wird der Gefahr der Verelendung und Berkrüppelung ausgesetzt. Tie Presse ist in die hilssdienstsähigen Betriebe nicht allgemein atrsgenoinuien, sondern die Behörde soll don Fall zu Fall entscheiden. Tas muß zur Korrumpierung der öffentlichen Meinung führen,(«ehr wahr! b. d. Soz. Arb.s Gegen die Frauen, namentlich die Kriegerfrauen, wird jetzt schon sehr rigoros vorgegaitgen. Ein Erlaß des 3. Armeekorps will sie unter Androhung der Entziehung der Unterstützung zur landwirtschast- lichen Arbeit zwingen.(HörtI Hort! b. d. Soz. Arb.) Tas gibt uns einen Vorgeschmack, wie man verfahren wird, wenn erst durch dieses Geietz noch_ weitere unbegrenzte Möglichkeiten gegeben sind.— Die größte Aufmerksamkeit verdient die Frage der Ernährung. Tie Arbeiter und große Kreise des Mittelstandes arbeiten nicht nur, sondern hungern für das Vaterland. Wer bezahlen kann, hat Fleisch, Milch, Fett, Delikatessen, die Besitzlosen haben nicht einmal Kartoffeln. Mit diesem Gesetz wird der Zwang zur Arbeit proklamiert; wir aber vertreten im Krieg und im Frieden das Recht ans Arbeit. Im Frieden werden sehr bald die Scharen hungernder Arbeitsloser wieder umherziehst, die durch die kapiwlistische Wirt- fchaftsweise von Tür zu Tür gewiesen werden. Nach der Erklärung des Staatssekretärs in der Kommission sollen die Besiimmungen über die Freizügigkeit sich an das anlehnen, tvas bereits in B a y e r n durch stellvertretende Oberkommandos geschaffen ist. Also plötzlich geht Prcutzcn nach Bayern zu lernen. Aber Ivie sind denn die Tinge in Bavem? In München ist eine Munitionsfabrik vollständig militärisch eingerichtet. Tie Ar- bester werden sogar nach der Arbeitszeit in der Kniist unterrichtet, die Offiziere zu grüßen.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- traten.) In Rheiuland-Westsalen ist Bergarbeiter», wenn sie gegen den Willen der Unternehmer die Arbeitsstätte aufgeben, mit dein Abkehrschein gleichzeitig die militärische Gestellungsorder ausgehän- digt worden.(Hört! hört! bei der Soz. Arbg,) Es wird beabsichtigt, Arbeiter, die vorher in der Landwirtschast beschäftigt'varen, sir die Dauer des Krieges a» diesen Berus zu fesseln.(Hört! hört! bei der Soz. Arbg.) Das ist ei» Zustand der Hörigkeit, wie wir ihn nur noch aus dem schwärzesten Mittelalter kennen. Tas Streike recht soll den Arbeitern vollständig illusorisch gemacht werden. Das Zivildieitstgesttz bedeutet nichts anderes, als die Einreihung der Zivil- Personen in das Militärverhältnis. Das Strcikrecht wird mit diesem Gesetz begraben ganz nach dem Muster des preußischen Eisenbahn- Ministers, dessen Standpunkt Herr Helfscrich in der Kommission zu dem seinigen gemacht hat. kHort! hört! bei der Soz. Arbg.) Es ist also keine Entgleisung des Herrn v. Breitenbach, sondern ein wohlüberlegtes System, die Arbeiterinassen unbedingt in die Hände zu bekommen. Tas Wort des höheren Eisenbabiibeamteii!„Tie Er- regung der Belegschaft läßt sich durch den Schützengraben besänftigen", bestätigt, daß man ivilleiis ist, mit aller Rücksichtslosigkeit diesen preußischen Hcrrschafts- und Beamtenstandpunkt anzunehmen. Wie es sich mit der Lohndrückerci gestalten wird, beweise» mich die heutigen Verhältnisse. Werkzeugmacher und Einrichter bei Siemens u. Halske am Nonnen dämm, wo die Herrschaft der Gelben fast unbeschränkt ist, fast ausschließlich Leute aus GenesungS- kompaanien und aus dein Felde reklamierte, erhalten jetzt statt l,öO M. bis 2 M., dem sonst üblichen Lohn, mir Löhne von 88 Pf. bis 1 M. zuzüglich 13 Proz.(Hört! hört!) Frauen 25 bis 43 Pf. plus 13 Proz.(Hört! hört!) Arbeitern, die sich gegen diese unerhörte Lohndrückerci wenden, ist gesagt worden, das sei immer»och besser als im Schützengraben oder neuerdings: ES ist man nur gut, daß jetzt das Zwangsgcsctz kommt, dann wird man Euch schon damit heimleuchten.(Hört! hört! hei der Soz. Arbg.) Aber auch eine etwaige Steigerung der Löhne genügt nicht. Die Bergarbeiter haben die höchste Skeierung mit 33)� Proz. erhalten, die Lebensmittelpreise sind aber um 133 bis 233 Proz. ge- stiegen. Studenten usw. werden natürlich erst recht zu Lohndrücke- reien benutzt werden. Mit Hilfe dieses Gesetzes werden alle Mittel in Bewegung gesetzt jverdeil, die Arbeiter noch mehr zu Arbeits- willigen unter allen denkbaren Verhältnissen zu machen. Die Zwangsaushebung belgischer Arbeiter nach Deutschland hat in Hol- land zu Interpellationen in der Kammer geführt. ES befinden sich darunter Belgier, die nach Holland geflüchtet waren, denen aber die holländische Regierung seinerzeit die Rückkehr nach Deutschland emp- fohlen hat iiii Vertrauen auf einen Erlaß des Gouverneurs von Antwerpen, worin versprochen wurde, daß belgische junge Männer nicht nach Deutschland geführt werden würden.(Hört! hört! bei der Soz.�Arbg.) In den besetzten polnischen Gebieten ist in Wilna ein Erlaß erschienen, durch den die männlichen Arbeiter von 17 bis 63� Jahren•— also eine Vorahnung des jetzigen Gesetzes— auf- gefordert werden, sich zur Untersuchung ihrer Arbeitsfähigkeit zu stellen.„Reiche Einwohner, die sich die physische Arbeit abgewöhnt haben," heißt es,„sind von der Stellung zwecks Untersuchung ihrer Arbeitsfähigkeit wie ebenfalls von der Arbeit selbst ans die Dauer von 3 Monaten befreit, falls sie dem deutschen Siadthauptmagn an dem Tage, wo sie sich zu stellen haben, 633 Mk. zahlen."(Lebh. hört! l-ört! und Pfuirufe bei der Soz. Arbg.) Das ist die politische und wirtschastlichc Angliederung Polens; für diese Entrechtung verlangt man ncch Dankbarkeit von den Polen. So werden moralische Eroberungen im Ausland und in den besetzten Gebieten gemacht.(Vizepräsident Dove bittet den Redner, nicht vom Thema zu weit abzuweichen.— Abg. Haas«(«oz. Arb.): Ein Vorgeschmack, wie es bei uns sein Wird!)— Man Ivill nun diese Zustände mildern durch ein Rechts- und Berusungsvcrfahren. Aber dies Verfahren ist durchaus ungenügend, einseitig und partcüsch. In dem Gesetz feblt ferner jede Andeutung, ob und wie die Schutzbcstjmmungcn der Genwrb? ordmmg gichandhabt werden, jeder Schutz für Jugendliche. Tie Betriebsunfälle häufen sich mit der zunebnsenden Verwendung ungeschulter und unerfahrener Arbeitskräste.(Sehr richtig! bei den SoUaldemakraten.) Gestaltet man das Gesetz so, wie man eS im Interesse der Ar- lritcr gestalten müßte, wollte dann die Regierung es ablehnen und etwa wagen, durch Verordnung das zu oktroyieren, worin sie daS ganze Volk gegen sich hat? Das wird sie nicht wagen. Deshalb muß der Reichstag alles in das Gesetz hinempackcn, was die Arbeiter mit Fug und Recht verlangen können. In Kiel wurde ein Arbeiter, der gegen die Zeichnung von Kriegs- anleihe agitiert haben soll, wegen Landesverrats vor ein Kriegs- geeicht gestellt.(Hört! hört! bei der Soz. Arbg.) Er wurde frei- gesprochen, und obwohl der Werkmeister ihn für den besten Schlosser der Fabrik ertlärte, bekam er sofort seine G e st e l I u» g s-- o r d e r. Ter Bundesrat konnte heute sehr gut das Gesetz über die Schutzhaft annehmen. Er hat ja ein viel tvirksameres Mittel in der Hand durch dieses Gesetz. So hat das Unternehmertum es sich schon längst gewünscht. Polizei und Gendarm als Schutzenget des Unter» iiehmerlunis sind in den Schatten gestellt durch den Schutz der Unter- uehmer seitens des ganzen Militarismus. Die mißliebigen Arbeite: kommen zum Heeresdienst, befreit werden die Zutreiber einer gewissen Politik und die, die 633 M. zahlen. Die Großindustrie, die im Krieg und vom Krieg profitiert, hat Riesengewinne, für sie war das verflossene Jahr ein Rekordjahr. Diese Geivinne sollen nach dem Sinn und Wortlaut des Gesetzes unangetastet bleiben. England hatte zu Beginn des Krieegs nur drei staatliche Munition«- fabriken, jetzt dagegen mehr als 133. Dort hat man sich vom Unter- nehmertum einigermaßen emanzipiert. Auch für uns wäre das Richtige die Verstaatlichung nicht nur der Rüstungsindustrie, sondern aller in Frage kommenden Betriebe.(Sehr ivahr! bei der Soz. Arbg.) Statt dessen militarisieren Sie die Gesellschaft. Der Sozialdemokratie machen Sie'so hausig den Porwurf, wir wollen die Menschheit in eine einzige Kaserne sperren. Wir haben den Ar- beitszwang nie so aufgefaßt, sondern nach unserer Absicht soll jeder die Arbeit- wählen können, die ihm Lebensinhalt, Freude und Be- dürfnis ist. Gegenüber diesem Gesetz haben wir nickt das Vertrauen, daß bei seiner Handhabung gleichmäßig gereckt und unparteiisch ver- fahren ioird. Tie Erfahrungen mit der Zensur und dem Belage- rnngszustand rechtfertigen unser Mißtrauen. Ist doch die..Leip- ziger Voikszeitung" verwarnt worden, gegen das Gesetz zu schrei- den.(Hört! hört! bei der Soz. Arbg.) Um für das Gesetz zu schreiben besteht Preßfreiheit. Noch mehr wie bisher schon wird durch dieses Gesetz ein unerhörter Zustand der Sklaveret ge- schassen.(Ironisches Huhu! rechts.) Tas Volk ist überhaupt noch inchl zum Wort gekommen und soll nicht zckm Wort kommen, weil man genau weiß, ivie es urteilen würde. Inzwischen haben wenig- stens einige Organisationen zu dem Gesetz Stellung genommen. Am Montagabend hat hier eine össcntliche Sckuhmachervcrsamm- liing eine Resolution gegen das Gesetz angenommen, ebenso eine Holzarveitcrversammlung, und die Vertrauensleute der Metall- arbeiler Groß-Bcrlius haben in ihrer Generalversammlung vom 26. d. Mts. beide sozialdemokratische Fraktionen ersucht, das Gesetz abzulehnen. Wer also glaubt, sich aus die Zustimmung der Ar- beitcr berufen zu können, täuscht sich oder andere. Wenn d i e Feinde selbst im Lande wären und die Bevölkerung rekru- lierten, wie wir sie jetzt rekrutieren, sie könnten auch nickt anders mit der Bevölkerung umspringen.(Unruhe rechts. Pfuirufe. Präsident tiaempf ruft den Redner zur Ordnung, ebenso den Abg. Graf Westarp wegen eines Zwischenrufs: Frechheit!) Wie wird die Wirkung des Gesetzes im Auslände fein? Es dient nicht dem Frieden, sondern der Verlängerung des Krieges.(Rufe rechts: Ihre Rede!) Man richtet sich mit dem Gesetz leider auf eine lange Tauer des Krieges ei», das beklaacn wir am meisten dabei. Schon höir man davon, daß Rußland dem deutsche» Beispiel folgen werde. So ist die Wirkung eine kriegsverlänaerndc. Tas Prole- lariat hat schon jetzt alles gegeben, was es bat. Die Not zwingt die Arbeiter ohnehin zur Arbeit und ebenso die Untcrernährulig ihrer Frauen und Kinder. Was tut demgegenüber die Regierung. Anstatt Belageruiigszustaiid und Schutzhaft anfzuhebem kommt sie mit neneii Beschränkungen. Halbe Kinder, Frauen, Männer bis ins hohe Alter sollen in ei» Zwangsarbeitsverhältilis gebracht werde». Aber das Voll will keine Verlängerung, es will die Beendigung des Krieges. Möge die Regierung hier den richtigen Weg gehe». Auf die- Anfrage Snowdens im englischen Unterhaus hat Bonar Law geantwortet, der deutsche llicichskanzlcr habe immer nur unter der Voraussetzung von Teutschlands Sieg gesprochen. Also wenn der Reichskanzler die Voraussetzung von Deutschiands unbedingtem Siege ausgeben würde, dann würde England z.: Friedensverhandlungen bereit sein.(Stürmisches Ge- lächter. Rufe: Unerhört!) Ihr Gelächter beweist, daß Tie den Krieg bis zum blutigen Ende führen wollen!(Zurufe: Zum sieg- reickeii Ende!) Wenn man den Frieden haben will, kann man ihn vielleicht leichter haben als man denkt. Erklären Sie sich bereit zu einem Frieden ohne offene oder versteckie Annexion. Das wäre die erste Bekundung des Friedenswillens, wie ihn das Volk ver- langt. Das Volk will Freiheit, Brot und Frieden! (Lebhafter Be'foll bei der Soz. Arbg.) Staatssekretär Tr. Helfscrich: Ich will ebenso kurz sein, wie der Vorredner lang war: aber eine Antwort kann ich mir nicht versagen. Tic angebliche Aeuße- rmig des höheren Elsenbahnbeamten von der Besänftigung der Er- regung der Belegschaft durch den Schützengraben wurde auch in der Komm'.ssion angeführt. Ter Unterstaatssekretär im Eisenbahn- Ministerium hat sofort geantwortet, daß eine solche Aeußecung im Munde eines preußischen Beamten nach seiner Ansicht vollkommen unmöglich sei und hat mifgeiorderfi den Namen des Beamten zu nennen. Tas wurde unterlassen und ist auch nicht nachgeholt wor- den(Hört! hört!), wie mir scheint, mit gutem Grunde. Ich halte es für ausgeschlossen, daß der Beamte anders als in der Phantasie existiert. Tann hat der Abg. Vogtherr eine sonderbare Quittung auf die Annahme de« Sckutzhastgcsetzes durch die Regierung er- teilt, indem er sagte, der Bundesrat habe gut dem Schutzhaftgesetz zustimmen tönlien, da er als Ersatz über den Schützengraben ver- füge.(Zuruf xeckts: Pfui Deibel!) Diese Aeußeruiig schiebt der Regierung eine Gesinnung von solcher Niedrigkeit zu. daß mir die Möglichkeit fehlt, in parlamentarischer Form darauf zu antworten. Im übrigen hat der Abgeordnete von diesem Gesetz, bei dem die größten Interessen des Vaterlandes aus dem Spiele stehe», ein Zerrbild entworfen, das zu dem Ulialaublichsten gehört. was ich je in meinem Leben gehört habe.(Sehr wahr!) Ich mng darauf verzichten, dies richtigzustellen. Wenn aber Herr Vogtherr sich gegen dieses Gesetz ausgesprochen hat. weil es unser Heer stärkt und uns damit die Möglichkeit gibt, unsere Feinde, die doch nicht über Frieden mit uns sprechen wolle», die nötige Antwort zu geben, sie zum Frieden zu ztvingen, das ist mir von seinem Standpunkt aus begreiflich, denn er will nicht unseren Sieg, er ivill das Gegenteil.(Lebhafter Beifall rechts. G r o ß e Unruhe bei der Soz. Arbg.) Er sieht das einzige Mittel, zum baldigen Frieden zu kommen— den wünschen wir ebenso wie er— darin, daß Deutschland besiegt wird. (Erneuter Widerspruch bei der Soz. Arbg.) Da aber da? deutsche Volk nicht besiegt werden will, sondern sein Dasein, seine Ankunft behaupten will, so wird dies Gesetz angenommen werden und das deutsche Volk wird damit einverstandeu sein. (Brave!) Abg. Vogtherr(Soz. Arbg.): Der Staatssekretär hatte nicht d a s g e r i n g st e Recht, mir zu unterstellen, ich und meine Freunde wollen das Gegenteil eines Sieges. Er weiß genau, daß es nicht bloß die beiden Möglichkeiten Sieg oder Niederlage gibt, er weiß genau, daß wir die vernünftige Verständigung wollen, die aber außerhalb des militärischen Horizonts des Staatssekretärs liegt. Abg. Graf Westarp(kons.): Ich wundere mich, daß der Abg. Vogtherr in Abrede stellt, daß seine Partei die Niederlage Deutsch- lands wolle und zu behaupten wagt, sie treten für den Sieg ein— eine Partei, die dem Heere die Mittel versagt, um weiter zu kämpfen.(Unruhe bei der Soz. Arbg.) Abg. Haase(Soz. Arbg.): Graf Westarp sollte doch wissen, daß die Verweigerung der Kredite eine ganz andere Bedeu- tung hat. Wir lehnen damit die Verantwortung für die Kriegs- Politik der Regierung ab. Wir verweigern es. auch nur einen Teil derjenigen Verantwortung zu übernehmen, die zum Kriege geführt hat und die die �Verlängerung deS Kriege? hedingi.(Lebh. Sehr richtig! bei der Soz. Arbg.) Damit schließt die Debatte. Abg. Scheideniann(Soz., persönlich): Auf die Ausführungen der Herren Bassermann und Gras Westarp kann ich im Nahmen der persönlichen Bemerkungen nicht antworten. Ich behalte mir vor, bei erster Gelegenheit darauf zurückzukommen. Tas Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Donnerstag 12 Uhr.(Rest� der heutigen Tagesordnung, dann Entwurf eines Gesetzes zur Ergänzung de« Krsegssteuergesetzes.) Schluß?l13 Uhr._ die Politik öes fih ob. Von Eduard B e r n st e i n. Eine Antwort des Genossen Philipp Scheide- mann werden wir in der nächsten Sonntag- nummcr de«„Vorwärts" veröffentlichen. T. Red. 8.). Wie sich die Politik der offiziellen Leitung der deutschen Sozialdeinokrotie herausgestaltet hat. das kann man mit Fug als die Politik des opportunistischen Als oh bezeichnen. Ttese Politik arbeitet immer mehr mit Fiktionen einer g e- ioollten Begrenzung des Erkennens, zu denen man seine Zuflucht nimmt, weil man nicht sehen will, was ist, weil man es für zweckmäßiger findet, den Tingen nicht aus den Grund zu gehen oder sogar sie bewußt in einem anderen Lichte darzustellen als der Wirklichkeit entspricht. Mit krasser, ja man kann sagen, mit grauenhafter Tcut- lichkeit zeigt sich das an den Tänzen, die im gegenwärtigen Augenblick Philipp Scheideniann um Herrn v. Bethinann Hollweg herum vollzieht. Ich ivill ihm die ehrlichen Ab- sichten nickst bestreiten, es ist immer richtiger, der Kritik einer Politik die günstigsten Annahmen für die Absichten ihrer Verfechter zugrunde zu legen, als ohne weiteres auch die Absichten in Frage zu stellen. Also mag Scheidemann die besten Absichten haben, wenn er bald vor, bald hinter dem deutschen Reichskanzler einhertänzelnd, so tut, a l s o b dieser in bezng auf die Kriegsziele ihm und der Sozialdemokratie näherstehe als den eigenen Partei- und Klassengenossen, so bleibt dieses Spiel darum doch ein ebenso verwerfliches wie es seinen Zweck notwendig verfehlen muß. Man vergegenwärtige sich die Vorgänge. In Breslau hält Scheideniann im Frühjahr eine Rede, worin er als quasi in die Absichten des Kanzlers Eingeweihter verkündet, dieser sei Gegner von Annexionen. Sofort ruft ihm der Kanzler durch den Mund der offiziösen„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" zu;„Grundfalsch. Ter Kanzler hat sich im ver- trauten Kreise gegen maßlose Annexionspläne ausgesprochen, aber das bedeutet noch lange nicht das, was Herr Scheideniann unterstellt." Tas war, sollte man meinen, eine sehr deutliche Abweisung. Statt sie sich aber zur Lühre dienen zu lassen, führt Scheidemann den umgekehrten Faust ans. Auf das „Tu gleichst dem Geist, den du begreifst, nickst mir," lautet seine Antwort:„Erhabner Geist, wie nah fühl ich mich dir." Oder, etwas derber ausgedrückt:„Tu ivillst mich bloß Unter den Linden nicht kennen, kleiner Schäker, im Kämmerlein verstehen wir uns schon." Er tischt am 11. Oktober ini Reichs- tag die zurückgewiesene Behauptung in einer neuen Formel auf, und weil er es in einer Rede tut, die dem Kauzler sonst sehr angenehm ist. schweigt dieser. Darob großer Jubel: Her Kanzler hat geschwiegen, also hat er zugestimmt. Ehedem nannten wir in der Sozialdemokratie diese Folgcrungsweise Bcdientenlogik und forderten klare unzweideutige Erklärung. Jetzt ist man mit Schweigen zufrieden, das um so vieldeutiger ist, als es auch auf Erklärungen von Konservativen bezogen werden konnte, die genau das Gegenteil der Scheideiuaniischeu Formel besagten. Also Jndianertanz. Indes, es kommt der 9. November heran. Von einem Abgeordneten gestellt, erklärt der Kanzler im Hauptausschuß des Reichstags, er müsse sich ausdrücklich dagegen verwahren, daß sein Schweigen zu den Ausführungen Scheidemanns als Zustimmung gedeutet werde. Er halte alles aufrecht, was er seinerzeit über die Notwendigkeit realer Garantien im Osten und Westen gesagt. Nun sollte man niemen, daß jetzt endlich das«:pu'l aufhörte. Aber»ein, die Politik des Als ob läßt von ihrer Fiktion nicht ab.„Ich lasse mir das Recht nicht nehmen," er- klärt Scheidemann im„Vorwärts" vom 19. November,„Fol- gerungen zu ziehen, die nach meiner Ueberzeugnng gezogen werden müssen, wenn man die Ausführungen des Kanzlers loyal auslegen will." Ausführungen loyal auszulegen ist kein beliebiges Recht, sondern eine Pflicht, aber eine Pflicht im vorliegenden Fall nicht nur gegenüber dem, der die Ausführungen gemacht, sondern mehr noch gegenüber der£5 e f f e n t l i ch k e i t. Diese, und insbesondere die Partei, zu deren führenden Mitgliedern Scheidemann ge- hört, hat ein Recht, von ihm zu verlangen, daß, wenn er sich über den Sinn von Erklärungen des Kanzlers äußert, er nickst über Sätze hinwegvoltigiert, die mit dem in direktem Wider- spruch stehen, was er ihn sagen lassen möchte. Tatsächlich hat der Kanzler es vermieden. Hinsicht- lich Belgiens so bestimmte Erklärungen abzugeben, daß man aus ihnen mit absoluter Sicherheit folgern kann, welches seine positiven Absichten und Forderungen in bezng auf Bei- gien sind. Das begreift man ans seiner Stellung: wenngleich gerade wir als Sozialdemokraten uns nicht dabei beruhigen dürfen. Der Kanzler will sich bzw. der Regierung freie Hand vorbehalten, erstens mit Rücksicht auf die Entwicklung der Kriegslage und zweitens mit Rücksicht auf die Druckkraft der maßgebenden Elemente im eigenen Land. Welches die An- und Absichten derjenigen Parteien sind, welche die Forde- rnngcn der Oberen im Deutschen Reiche widerspiegeln, hat sich in der Sitzung des Hauptausschnsses des Reichstags vom 9. November niit vollster Deutlichkeit gezeigt, und der Kanzler hat sich nur dagegen verwahrt, daß man aus seinein Schweigen seine absolute Zustimmung zu den betreffenden Ansfüh- rungen des Grafen Westarp usw. folgere. Mit viel größerem Recht als Scheidemann könnte daher der Graf Westarp ans den Kanzler sich für seine Ziele hinsichtlich Belgiens berufen. Aber dazu ist der Führer der Konservativen, das muß ihm auch der Gegner zugestehen, zu stolz. Er stellt seine Fondc- rung ans und vertritt sie mit Kraft, gleichviel wie der Kanzler verstanden sein möchte. Er spielt nicht den Herold des Kanzlers, wo er weiß, daß er auf diesen nicht mit Sicherheit rechnen kann. Er täuscht seine Mannen nicht, sondern macht sie scharf zur Verfechtung derjenigen Politik, die ihren Grund- sätzen entwricht. Wie kläglich sticht dagegen die Politik des Als ob ab, deren Posaunenbläser Scheidemann ist. Mit der Fiktion vom Kanzler, der„nichts von Belgien will", hat sie sich zum Ge- fangenen des Kanzlers gemacht, statt die ganze Kraft der Sozialdcniokralie für die demokratische Politik mit Bezug Rnl SWfltcn ettiäufeEctt, Sic oITefn ihrer wiirSii? ist unL Senl ni o r a I i s ch e n wie den: materiellen Interesse des deutschen Volkes einzig und allein entspricht. Wo die Partei, soweit sie durch die alte Fraktion vertreten ist, heute ernschast kämpfen niüßte, treibt sie Spiegelfechterei. Wohl hat Scheideinann vor etlichen Wochen ini„Vorwärts" Worte vernehmen lassen, die wie Drohung mit bitterer Gegnerschaft aussahen, falls der Lianzler nicht so handele, wie er solle, und Fernerstehende haben das einen Augenblick für bare Münze genonnneu. Aber sie sind schnell eines anderen belehrt wor- den. La die Drohung mir auszuführen war. wenn man die Fiktionen fallen ließ, auf die die bisherige Politik der Frak- tion sich gründete, man aber nicht den Mut hat, mit jenen Fiktionen zu brechen, bleibt es bei der jannnervollen Politik des„Als ob". Und zu welcher kläglichen Rolle die Sozialdemokratie sich bei ihr verurteilt sieht, verrät unter anderem eine Notiz in der Nnmmer des„Vorwärts" vom 20. November. Sie ist gegen die Pariser„Humanitä" gerichtet, welche die Absichten Teutschlands in bezug ans Belgien gemäß den Erklärungen der Mehrheitsparteien des Reichstags besprach, und gipfelt in dem Sah: „Tie„Humanite" Iveiß genau, baß ihre ganze Position mit einem Schlage zusammenbräche, wenn sie sich nicht mehr auf Gröber ass authentischen Ausleger ber Kanzlererklärung berufen könnte, sondern zugeben müßte, daß Scheidemanns Auslegung die richtige ist." Ist eine haltlosere Sprache möglich? Der„Vorwärts" wagt nicht zu sagen, daß der Zentrumsmann Gröber, der sagte, daß Deutschland Belgien militärisch, tvirtschastlich und politisch in der Hand behalten, d. h. zu seinem Hörigen machen müsse, die Kanzlererfläruirg nicht authentischer auslegt als Scheidemann, er sieht sich nicht einmal in der Lage zu be- haupten, daß die„Humanite" zugeben muß, Scheidemanns Auslegung sei die richtige und behält nur zuletzt die Form der positiven Aussage für seine Fiktion bei. Der Satz ist so ans lauter Widersprüchen zusamniengesetzt, das rechte Pro- dukt der inneren Widersprüche der ganzen Politik der gegen- wärtigen Parteileitung der deutschen Sozialdeniokratie. Auf toelchem Punkt man diese Politik untersucht, überall wird man auf das Abweichen oder Abrutschen von den alten Grundsätzen nnd den besten Ueberlieserungen der Sozial- demokratie stoßen. In keiner Frage vielleicht schmählicher als in der Frage Belgien. Selbst die dänische Sozialdemo- kratie nicht ausgenommen, die unserer Partei doch so vieles nachsieht, gibt es keine einzige Sektion der sozialistischen Internationale, in der man nicht über das Verhalten unserer Partei in dieser Frage entsetzt oder entrüstet wäre. Der Gc- schwätzigkeit, wo. man Ursache hätte zu schweigen, entspricht das Schweigen, wo es die Pflicht Wäre, laut zu reden. Je mehr die Politik des opportunistischen Als ob regiert, um so mehr verliert die Partei ihre alte, kühne und edle Sprache. Im Reiche der politischen Fiktionen gibt es kein politisches Gewissen.__________ Mus Industrie und Handel. Ei« Schlag für die Alliierten. Reuter meldet aus Washington: Die AussicktZbehörde der Bundesbanken gab einen Bericht heraus, in dem die Biwdesbmiken unter anderem davor gewarnt werden, Fonds in langfristigen Obligationen fremder Regierungen oder angeblich lurafristigen Anlagewerten, die sväter eventuell wieder enieuert weroen. anzusmnmeln. Die Aufsichtsbehörde er- klärt, die finanzielle Sicherheit irgend eines Stagt�S durch diese Maßnahme einer Kritik nicht unterziehen zu wollen. Damit ergeht eine Warnung an die amerikanischen Bauken, dem Ausland keinen unbeschränkten Kredit zu ge- währen. Tie Alliierten werden also mit einer Einschränkung und Verteuerung des amerikanischen Kredits zu rechnen haben. Schon wieder eine Aapitalsberwisserung. Die Verwaltung der vereinigten Glanzstoffabriken in Köln schlägt einer außerordentlichen Generalversammlung die Ver- doppclung des Aktienkapitals auf 13 Mll. Mark vor. Die neuen Aktien sollen bereits für das laufende, am 31. De- zcmber endende Geschäftssahr dividendenberechtigt sein. Für das Vorjahr wurden 30 Proz. Dividende ausgeschüttet. Tritt auch infolge der Kapitalsverwässerung eine Beschränkung der Dividende em, so ist doch der an sich niedrige Preis der neuen Aktien um die auf sie entfallende erste Dividende verringert. Zweck der Hebung ist, Arbeiter und Oeffentlichkeit nicht durch allzu hohe Dividenden nicht zu einer unerfreulichen Kritik zu reizen._____ Die Stahlkönige verdiene« nicht genug. Der Düsseldorfer Avrrespoodent des„Berl. Taaebl." berichtet, daß der Roheisenverbcmd den Preis um 20 M. pro Tonne erhöhen will, mid sich darauf beruft, daß die Kohlenpreise mit«enehmigung des preußischen HandelSminisiers erhöhl werden und daß die aus- ländischen Erze teurer geworden sind. Die betelligteu Kreise erzählen bereits, daß die Regierung diesen Forderungen ein geneigtes Ohr leihe. A»ch der Stcchlwerksverband verlangt Preiserhöhungen und zwar nicht nur unter Berufung auf gestiegene Rohkosten, sondern auch daraus, daß die weilerverarbeitenden Werke ihre Preise sehr stark eiböht haben, so daß zwischen Halbzeug_ einerseits, Draht, Blechen. Röhr« usw. andererseits zu große Preis- spanrmngen beständen. Uns will daraus nicht folgen, daß die Preise für Halbzeug zu erhöhen, sondern vielmehr die für Stahlserligwaren zu erniedrigen seien. Das Verlangen nach höheren Eisen- und Stahlpreisen wirkt besonders provozierend, ivrnii man sich die glänzenden Juniabschlüsse und die enorm gestiegenen Dividenden in Erinnerung ruft nnd daran denkt, daß die Oberlchlesische Eisen- bahnbedarfs-Altiengesellschoit. die vor dem Kriege höchstens 9 Proz. und in der Regel l'/»— 3 Proz. verteilt hat, für das am 3l. Dezember ablaufende Geschästssahr eine Dividende von nicht weniger als 18 Proz. verteilen soll._ gleich mit dem Geschnsissahre 1913/14 gewonnen. In diesem Fahre, das nur zu einem kleinen Teile durch den Krieg berührt worden ist, hat der Ueberschuß nur 858 510 Mark betragen. Das Rekord- ergebnis des Vorjahres erklärt sich aus der ausnahms- lveise günstigen Verwertung großer Malz- und Biervorräte. Daß die Brauereien unter den heutigen Verhältnisien noch sehr gut proiverieren, zeigt aber der Vergleich mit l9'.3/14. Es werden 18 Proz. ans die Borzugsallien und 16 Proz. auf die Stammaktien verieilr. Die Brauerei Fri edrichsharn verteilt aus einem von 135 843 aus 205 038 M. gestiegenen Ueberschuß eine Dividende von 5 gegen 3 Proz. Im Geschäflsbericht wird erklärt, daß die Heeres- lieferungen und der Anlauf von Auslandsmalz das Geschäfts- ergebnis günstig beeinflußt haben. Handelsagenten und Krieg. Zahlreiche Geschäflsvertreler haben durch den Krieg die Mög- lichkeit, Geschäfte für ihre Firma abzuschließen und Provisionen zu verdienen, eingebüßt oder eingeschränkt gesehen, teils weil sich der Friedensabsatz verringerte, teils weil sich die Firmen auf die Her- stellung von Kriegsmaterialien warfen. Fragt sich nun, ob alle HecreSlieferungen in dem Bezirk deS Agenten provisionspflichtig sind. To? Landgericht Magdeburg und das Oberlandesgericht Naumburg haben diese Frage bejaht. Das OberlandeSgericht urteilte:... Hier- »ach sind die streitigen HeereSliefernngen als unter den Vertrag fallend anzusehen, und eS kann dahingestellt bleiben, ob sie niit oder ohne Einwirkung des Klägers zustande gekommen sind." Das Reichs- gericht hat sich dieser Auffassung angeschlossen und die Revision der beklagten Finna zurückgewiesen�_ Aus dem Berliner Wirtschastslrde». Zu den wenigen Brauereien, die das Rekordergebnis des Jahres 1915 nicht ausrecht erhalten konnten, gehört die Berliner K_indl- Brauerei. Der Ueberschuß ist von 2.25 Mill. auf 1,175 Mill. Mark gesunken. Ein ganz anderes Bild aber wird mit dem Ver- 'Heraiüwvrtlichcr Redakteur: Hermann Müller, Tcmpclhof, Soziales. Kein ursächlicher Zusammenhang. Am seidenen Faden hängt oft der Entschädigungsanspruch eines Unfallverletzten Arbeiters und der Hinterbliebenen eines solchen. Ein Schulsall dieser Art ist jetzt vom Rcichsversichernngsann erledigt worden. Der Arbeiter K. erlitt am 5. Okiober 1909 dadurch einen BetriebSuniall. daß er von einem Mitarbeiter durch einen unglück- lichen Zufall mit einem 59 Pfund schweren Hammer gegen den Kopf getroffen wurde. Nach etwa achttägiger Krankenbebandlung nahm K. die Arbeit wieder aus und arbeitete, wenn auch unter Klagen über Kopsschmerzen, weiter. Am 27. Oktober 1912 brach K. bei der Arbeit zusammen und starb am 19. Dezember 1912, wie die Leichen- ösftilmg ergeben hat, an den Folgen einer etwa taubeneigroßen Gehirngeschwulst. Die Witwe wurde von der BerutSgenosienschast und mich vom Oberversicherungsamt mit dem Anspruch auf Hinter- bliebcnenrenie abgewiesen, da nach dem ärztischen Guiachten der be« handelnden Aerzte und des Geh. Med.-Rats Prof. Dr. v. H. ein ursächlicher Znsammenhang nicht bestehen sollte. Nach weiterer Beweisaufnahme holte das angerutene Reichs- versichcrungSaml Obergulachlen von dem Geheimen Medijsilialrat Prosesior Dr. O. ein. Dieser kam zu dem Ergebnis, daß mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit der ursächliche Zusammenbang zwischen der zmn Tode führenden Geschwulst und dem Betriebsimfall bestehe. Die Berussgenossenschaft Hörle nun nochmals Herrn Professor v. H., der bei seinem verneinenden Standpunkt verblieb. Der Rekurs halte Erfolg. Die BerufSgenossenschaft wurde verurteilt, der Witwe die Witwenrente zu gewähren. In den Gründen der Entscheidung heißt es: „Unter Berücksichtigung des gesamten Sachverhalts hat der erkennende Senat das ersiatteie Gutachten des Geheimen Medizinalrats Professor Dr. O. seiner Entscheidung ziw Grundlage ge- nomnien. Abgesehen von der wissenschastltchcn Bedeutung dieses Sachverständigen, gewinnen seine Ausführungen auch dadurch UcberzeugiinflSkroft, daß sie die abweichende Beurteilung des Falles durch die anderen Aerzie eingehend würdigen und in einer nach Ansicht deS Senats schlüssigen Beweisführung widerlegen." Der Verband Deutscher Gewerbe- und Kaufmannsgerichtc und der Kriegsteilnehmerschutz. Die Frage der Wiederem stellung der Kriegsteilnehmer unter- lag auf der dieser Tage in Weimar stattgehabten Ausschusitzung des Verbandes Deutscher Gewerbe- und Kauftncninsgerichte einer lebhaften Erörterung. Nach einem Vortrage des Rechtsrats Dr. Erdel hielt der Ausschuß zwar eine Ergänzung des Gesetzes nach Art der österreichischen Bestimmung,.nach welcher in gewissem Umfange Handlungsgehilfen als Kriegsteilnehmer nicht gekündigt werden können, für uns in Deutschland nicht für wünschenswert, beschloß aber, in einer Eingabe die Reichsregierung zu ersuchen, daß„für die aus dem Kriege heimkehrenden Handlungsgehilfen in irgend- einer Form etwas geschehe". Insbesondere möge die zweifelhafte Rechtsfrage gesetzgeberisch entschieden werde», ob durch die Einbe- rufung ohne besonder Kündigung sich das Dienstverhältnis ohne weiteres auslöst. In bezug aus den GehaltSverschiebungsvertrag(früher 1500= jetzt 2009-M.-Vertragj beschloß der Ausschuß, in einem Antrag an die gesetzgebenden Körperschaften die Unterbindung derartiger Ver- träge durch eine Gesetzesbestimmung und gleichzeitig eine sofortige Reform des Lohnbeschlagnahmegesetzes zu fordern. Gleich den Be- amten soll auch bei allen privaten Arbeitnehmern nur der dritte Teil des die Uiipfändbarkeitsgrenze übersteigenden Lohubetrages der Beschlagnahme unterliegen.— In der in der Rechtsprechung der deutschen Kausinannsgerichte am meisten schwankenden Frage der Auslegung des 8 63 des Handelsgesetzbuchs sprach sich der Aus- schuß dahin aus, daß das dem Handlungsgehilsen im Krankheits- falle zu zahlende Gehalt bis zur Höchstdauer von sechs Wochen durch gegenteilige Vertragsabrede nicht geraubt werden dürfe. In einer Eingabe an die gesetzgebenden Körperschaften forderte er darum, daß 8 63 Abs. l zum zwingenden Recht erklärt werde, daß aber das Krankengeld der Kasse ans das Gehalt angerechnet werden solle.— Magistratsrat von Schulz wurde erinächtigt. eine Konserenz in die Wege zu leiten, auf der über die vorbezeichneten Fragen alle be- teiligten Jnteressenverbände der Arbeitgeber, Angestellten und Ar- beiter zu Worte kommen sollen. Zum Verständnis dieser Forderungen sei bemerkt, daß von Handlungsgehilfenscite in einer Denkschrift gefordert wurde, daß entsprechend einem österreichischen Gesetz die Handlungsgehilfen von ihrem früheren Arbeitgeber nach ihrer Entlassung aus dem Heere wieder eingestellt werden müssen, wenn vorher ein festes Anstellungsverhältnis bestand. Den gleichen Anspruch sollen die Handlungsgehilsen haben, die das 30. Lebensjahr beim Friedens- schluß überschritten haben und vor ihrem Eintritt in den Kriegs- dienst mindestens ein Jahr hindurch bei ihrem letzten Arbeitgeber beschäftigt waren. Das Verlangen nach einer Reform des Lohnbeschlagnahme- gesetzes läuft aus eine Gleichstellung aller Arbeitnehmer mit_ den Beamten hinaus, bei denen nur der dritte Teil des 2000 M. übersteigenden Gehalts der Pfändung unterworfen ist. Die dritte Forderung läuft darauf hinaus, daß die Vorschrift des§ 63 des Handelsgesetzbuchs, wonach die Handlungsgehilfe, der durch unverschuldeates Unglück an der Leistung der Dienste ver- hindert wird, Anspruch auf Gehalt und Unterhalt bis zur Dauer von sechs Wochen behält, nicht mehr durch freie Vereinbarung be- seitigt werden kann. Gerichtszeitung. Die Erlebnisse deS„Liebhaber-Detektivs". Eine sonderbare Deteitivgeschichte besibästigte gestern in mehr- stündiger Sitzung die 3. Kammer des Berliner Kaufmann s- g e r i ch t S. Der bellagte Kaufmann Mattiske unterhält unter der Firma„Bremer Havanna-Kompagnie" in Berlin eine Anzahl Zweig- geschäfte, von denen eines von der Klägerin P. geleitet wurde. Diese Filiale befand sich in der Potsdamer Str. 35. wo auch der Beklagte seine Wohnung hatte, während die Filialistin in einer ganz anderen Stadtgegend wohnte. Nach etwa sechswöchiger Tätigkeit der Klägerin ereignete sich nun in dem Hause der Filiale in einer mondhellen Nacbt etwas sehr Merkwürdiges: Ein junger Mann meldete sich bei der Portierfran und bat, aus dein Haufe gelassen zu werden. Der Frau kam die Sache verdächtig vor, sie rief ihren Mann herbei, und dieser holte einen Schutzmann. Der Eindringling, der sich als der Ingenieur Horn zu erkennen gab, erzählte auf die Frage des Beamten, was er Nachts im fremden Hause zu tun habe, folgende wundersame Geschichte: Am Abend vorher habe er in einem Schanklokal zwei schwere Junge» dabei belauscht, wie sie sich ver- abredeten, in der nächsten Nacht„bei MattiSke ein Ding zu drehen". Da er mit M. gut befreundet sei, wollte er die Einbrecher in Haxraniä fassen. Der Schutzmann ließ den freiwilligen Detektiv lmisen, dajiian aber bald darauf ein Hos- Für den Inseratenteil vcrantw,: Th. Glocke, Berlin. senfter der FMalrZume offen fand, so benachrichÄ*t««um den im Haute wohnenden Beklagten M. Dieser begab sich darauf in den Geschäftsraum und hielt sich dort bis zum frühen Morgen aus. Draußen harrte ein Schutzmann und mehrere Wächter der ange- meldeten Einbrecher, die sich aber nicht blicken ließen. Am nächsten Morgen ergab eine Bestandaufnahme ein Manko von 70 M, für das nun die Klägerin einstehen soll. In der Verhandlung vor dem Kausmannsgericht blieb der als Zeuge vernommene freiwillige Detektiv bei seiner phantasiiicheu Schilderung. Auf die Frage des Richters, warum er den Tatbestand nicht der Klägerin und nicht seinem Geschäftsfreunde Mattiske, in dessen Wohnung er sogar verkehrie, im Lause des Tages mitgeteilt batle, erwiderte er, er hätte ihn am Tage nicht erreichen können. Der Beklagte selber will die ganze Nacht auf der Lauer nach den Einbrechern gelegen haben.— Das Kausmannsgericht vertraute der Klägerin den Eid darüber an, daß sie bei der Affäre un- beteiligt sei und sich nichis angeeignet habe. Nachdem sie dielen Eid geleistet hatte, wurde Beklagter antragsgemäß zur Zahlung der 70 M. verurteilt. Nur in Rücksicht auf diese nächtlichen Ereignisse brauche Klägerin für das Manko nicht einzutreten. Der Prozeß Ctoers. Aus der Aussage der Zeugin Frau Martha M., der Klientin des Angeklagten, ist noch benierkenswert, wie sich dieser bei ihr ein- führte. Bei ver gemeinsamen Fahrt in der Eisenbahn von Ebers- walde nacv Berlin stellte sich der Angeklagte der Zeugin zunächst als Kriegsgerichlsrat vor und gab ihr dann seine Visitenkarte mit dein Bemerken, er sei der berühnrte Anwalt für Ehescheidungen. Die Zeugin spracb daraushin mit ihm über ihre unglückliche Ehe und äußerte den Wunsch, entweder sich von ihrem Manne zu trennen oder wenigstens nach Berlin übersiedeln zu können. Justizrat JverS ersuchte sie daraus, ihn am nächsten Tage in seinem Bureau zu besuchen, vielleicht könnte er eine geeignete Lösung finden. Eine Scheidung habe weder sie noch ihr Mann gewollt, der sie als seinen letzten Halt bezeichnet habe. Sie habe sich nicht an ihren Mann, sondern an ihre Schwiegermutter als Bittende wenden wollen, weil diese einmal gesagt habe, sie wolle für ihren Sohn und auch für seine Frau sorgen, möge kommen, was wolle. Ibers erzählte ihr dann gelegentlich, daß ihre Schwiegermutter geneigt sei, sür sie Geld zu geben, nannte aber erst später eine bestimmte Summe, und zwar 120 000 M. Einen Teil davon habe er in der schon geschilderien Weise für sie in eigene Verwaltung nehmen wollen. Er begründete dieie Absicht mit den Worten, die Zeugin sei zu gutmütig; er wolle dasiir sorgen, daß sie genügend Zinsen bekomme. Wenn sie mal 1000 M. brauche— mehr werde es wohl nie sein—, so solle sie dann sich an ihn wenden, er würde den Betrag ihr dann immer von dem Kapital geben. Im übrigen könnte sie bei ihm als Detellivin eintreten und viel Geld, 2000 bis 3009 Mark jährlich. verdienen. Auch erzählte der Angeklagte ihr, die Mutter ihres Mannes wolle sie in einer Irrenanstalt unterbringen. Von dem fraglichen Brief hat die Zeugin nach ibrer Angabe nur eine Ab- schrift gesehen, die der Angeklagte eines Tages nach Swinemünde mitbrachte und ihr dort zeigte. Der Brief dagegen wäre schon, was von dem Angeklagten bestritten wird, abgeschickt gewesen. Sie will gegen seinen Inhalt gleich Bedenken geltend gemacht haben: der Angeklagte jedoch habe diese einfach beiseite geschoben und zu ihrer Beruhigung gesagt:„Kein einziger Anwalt in der Welt ichreibt solchen Brief; das kann nur Jvcrs. Ich habe schon imr Königen verhandelt und an Prinzessinnen geichrieben und weiß, was ich tue!" Der Angeklagte hat später das Mandat für sie in ihrer Ehesache niedergelegt, nach seiner Angabe ihr gegenüber, weil der gegnerische Auiöalt sein Todfeind sei. Ob diese Niederlegpng mit dem Scheitern ver Kapitalsabfindung zusammenhängt, wurde nickt festgestellt. Ter Zeugin ist der Angeklagte auch oft seltsam vor- gekommen, namentlich weil er seine Mandanten, auch Damen, häufig in seinem Schlafzimmer empfing, eine Erscheinung, die von dem Verleidiger, Justizrat Wronker, mit der Krankheit des Angeklagten erklärt wird. Einmal bemerkte der Angeklagte zu der Zeugin, das ibm verliehene Eiserne Kreuz und andere Ehren- zeicken würden ihin„wegen ihrer Sache" nicht ausgehändigt. Zum Sckluffe ihrer Vernehmung richtete der Angeklagte mehr« fach heftige Augriffe gegen die Glaubwürdigkeit der Zeugin. So gibt er an. ihm sei berichtet loorden, die Zeugin habe gesagt, sie habe bisher alle Male, wenn sie vernommen wurde, gelogen. was solle sie also jetzt nur aussogen. Ebenso habe sie von einer Reitpeitsche gesprochen, mit der sie ihre Schwiegermutter traktieren wolle. Beides wird von der Zeugin heilig bestritten. Dagegen be« kündete sie noch folgenden Vorgang: Als sie ihre erste Vorladung in dieser Sache erhalten und deswegen den Angeklagten ausgesucht hatte, soll ihr dieser gesagt haben, sie solle gar nicht hingehen, er sei auch das erste Mal nicht hingegangen; er habe sich krank ge- meldet, dann aber habe er sie eriucht. auszusagen, daß sie seine Bekonnlschast durch ihre Schwester gemacht habe. Sie möge ihie Bekundung nur gut gesialten, denn er sei ein alter Mann und zum Eide käme sie ja doch nickt. Weiler wurde Rechtsanwalt Jonas, der Sozius de» An- geNagten. als Zeuge pernommen. Er habe den fraglichen Brief vorher nicht gesehen. Als er von ihm Kenntnis erbielt, will er sofort gesagt haben, der Brief, den er sich nicht erklären könne und den er ans das schärsste verurteile, sei ja ganz verrückt und die Maschiuenschrciberin hätte ihn nicht duichlassen sollen. Weiler macht der Zeuge, der ebenfalls unvereidigt bleibt, eine Reihe von Angaben. die in ihm mit der Zeit die Meinung hervorriefen, der Angeklagte sei nicht normal. Das Benehmen sei zuweilen kindisch gewesen, und er habe ihm oft geraten, sich in ein Sanatorium zu begeben. Nervenarzt Dr. F ö r st e r« Cbarlottenburg bezeichnet den An- geklagten als einen chronischen Alkoholisten, bei dem der Wegfall der Hemmungserscheinungen durchaus typisch ist. Sein Fall sei außerordentlich schwer zu entscheiden und liege für ibn insofern un- günstig, als positive Beweise für eine Getsteskrankheit nicht vor- liegen. Nach den örtlichen Belastungen und nach dem chronischen Mißbrauch von narkotischen Mitteln sei eS möglich, daß sein Be- wußlsein so stark beeinträchtigt war, daß seine freie Willens- bestimmung ausgeschloffen war, oder richtiger gesagt, daß ihm nicht nachgewiesen werden kann, er sei für seine damaligen Handlungen verantwortlich zu machen. Geh. Medizinalrar Dr. Leppmann bezeichnete den An- geklagten als einen chronischen Alkoholisien, bei dem jedoch keine Spuren einer beginnenden Paralyse zu erkennen seien. Er verneine aus ärztlichen Gründen die Frage, daß eine Aus« schließmig der fteien Willensbeflimmung vorhanden war. sowohl für die gesamte Zeit wie für die Zeit des fraglichen Brieses. Auch glaube er nicht, daß derartige Zweifel vorbanden sind. Doch sei bei den Motiven zur Tat zu berücksichtigen, daß man es nicht mrt einem vollwertigen Menschen zu tun habe. StaatSanwaltschaslsrat H o f st ä d t beantragte nach längerem Plaidoyer ein Jahr Gefängnis. Jusiizral Wronker be- antragie Freisprechung, weil der Angeklagte nicht daS Bewußtsein der Reckiswidrigkeit aus Mangel an sittlichem Empfinden babe. DaS Urteil lautete auf neun Monate Gefängnis. Das Gericht habe den Angeklagten im Sinne der Anklage für schuldig befunden und ihn auch sür strasrechtlich verantwortlich gehalten. Mus aller Welt. Zwei Kinder verbrannt. Ein entsetzliches Brandunglück hat sich in Fürstenwalde zugetragen. Die Arbeiterfrau Zorn balle eine Besorgung zu machen und mußte ibre beiden Kinder, einen Knaben von sunt und ein Mädchen von drei Jahren allein in der Wohnung zurücklassen. Die Kinder zündeten an der Küchenmaschine Papier und Holz an und kletterten ins Bett. Die Betten fingen Feuer und beide Kinder verbrannten. Tödlicher Eisenbahnunfall. Von einem Eisenbahnzuge über- fahren und aetöiet wurde in der Nähe des Bahnhofs Rathenow der AuShilfSbahnwärter Karl Schmidt aus Rathenow, als er gegen zehn Uhr abends die Gleise überschritt. Berlin EW. 68. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckcrei und Pcrlagsanstalt Paul Singer& Co., Ar. 329. 33. Jahrgang. 2. Srilogr des Jornulrls" Knlim WlksdlR Danuttstag, 39. Navembtt!9!9. Der wichtigste Kriegsschauplatz. Von Richard Gädke. Ter Generalstab nennt den rumänischen Kriegsschau- platz— im weitesten Sinne verstanden— den zurzeit wichsten. Man kann dem nur zustimmen. Der große Wert der Entschlußfreiheit tritt darin zutage, die unbekümmert um die Pläne der Feinde sich Zeit und Art ihrerseits wählt, wo sie die Entscheidung suchen will. Das ist der letzte und tiefste Grund, der uns immer wieder zu großen Erfolgen über die Uebernmcht der Gegner verholfen hat. Natürlich darf man dabei nie vergessen, daß unsere Heeresleitung zu dieser Eni- schlußfreiheit nur gelangen konnte, weil unser deutsches Volks- Heer, die Verkörperung der besten Eigenschaften des deutschen Volkes, ihr ein so unvergleichliches Kriegswerkzeug in die Hand gibt. Von allen unseren Gegnern kommt ihm keiner an opferwilliger Zähigkeit der Verteidigungskraft noch an siegbewußtem Angriffswillen gleich. Wir dürfen es ruhig dem volkstümlichen Feldherrn der Befreiungskriege auch heute glauben, daß die Welt nicht sicherer auf den Zinnen des Atlas niht als Deutschland auf den Schultern dieses Heeres. Und glänzend haben wir sein prophetisches Wort erfüllt: ..Nie wird Preußen-Deutschlaud untergehen, solange Eure Söhne und Enkel Euch gleichen werden." Wenn wir ihnen nicht glichen, könnte fürwahr Deutschland in diesem schiversten Streite seiner Geschichte nicht siegreich bestehen. Während ein tapferer Gegner an der Somme nach monatelanger Anhäufung gewaltiger, überlegener Kampfes- mittel in immer wiederholten Anstürmen mit zunehmender Wucht unsere Linien zu durchbrechen suchte, während die Russen 1% Millionen Menschen in rohen Massenangrifsen opferten, um die ihnen entrissenen Gebiete, und Galizien da- zu, wieder zu erobern, fand unsere Heeresleiwng die Mittel an der Stelle eine kraftvolle Offensive zu ergreifen, die einen Augenblick lang als besonders gefährdet gelten konnte und nach dem Willen unserer Gegner unsere endgültige Nieder- läge herbeiführen sollte. Das ist vielleicht wieder einmal ein Treppenwitz der Weltgeschichte. Mit welcher Besorgnis die Weiterentwicklung der Tinge dort unten im feindlichen Lager verfolgt wird, geht aus den Aeußerungen der angesehensten englischen Blätter hervor, die sich eine große Freiheit des Urteils bewahrt haben...Fort- nightly Review" schildert die wirtschaftlichen Vorteile, die eine völlige Eroberung Rumäniens für uns haben würde, und betrachtet dann die strategische Lage, die daraus entstehen könnte.„Deutschland könnte Saloniki umzingeln, so daß w i r die Balkaneroberung aufgeben müßten. Dann hätten die Mittelmächte anstatt der langen rumänischen Grenze nur die bessarabische gegen Rußland zu halten und würden Odessa, Nikolajew, Cherson in Rußlands fruchtbarsten Teilen bedrohen. Rußland müßte Odessa decken und vielleicht Ar- menien mit samt dem Ziel der Niederzwingung der Türke! aufgeben. Die schwankenden Neutralen, wie Griechenland, würden durch Rumäniens Niederlage beeinflußt. Das Prestige der Verbandsmächte als Schützer der Schwachen(!!) würde leiden." Der„Manchester Guardian" aber gesteht offen ein:„Die Aussichten sind heute sicher nicht so gut, wie sie beim Eintritt Rumäniens vielleicht schienen." Und er schreibt das, noch ehe Falkenhayns Einbruch in die Walachische Tiefebene und der Donauübergang Mackensens zur Tatsache geworden waren: er sieht schon jetzt mit Angst auf die Anstrengungen Hinden- burgs im nächsten Frühjahr und mahnt die eigene Heeres- leitung mit den Worten:„Aeußerste Eile tut not." Sehr besorgt schreibt auch Marcel Hutin im„Echo de Paris", er hoffe und glaube, daß die drohende Schlacht w e st- l i ch von Bukarest vermieden werden könne. Die bisher eingesetzten russischen Armeekorps haben das Schicksal des Feldzuges nicht zu wenden vermocht: einen merk- baren Einfluß hat die Entsendung dieser Kräfte nur auf das Verhalten der russischen Hecreöführung an ihren eigenen Grenzen ausgeübt. Ihre Offensive hat seit einem Monat vollkommen gestockt, von ganz kleinen Unterbrechungen abge- sehen, die eine rein örtliche Bedeutung hatten und ausnahms- los mißglückten. Dagegen haben die an der Ostfront Siebenbürgens ge- worfenen Korps sich in eine aussichtslose Offensive durch die Gebirge verstrickt. Nach Eintreffen deutscher Verstärkungen war die dort fechtende Armee vollkommen imstande, an dieser Front den sicheren Flankenschutz für die im Süden vorgehende Armee Falkenhayn zu übernehmen. Uebrigens waren deren Einbruchspunkte so weit westlich gewählt, daß schon die Ent- fernung sie gegen unzeitige Bedrohung sicherte. Auch auf dem entgegengesetzten Flügel der rumänischen Front, in der Tobrudscha, wurde eine stärkere russische Armee eingesetzt. Nach chrem zögernden Verhalten scheint es fast, als ob ihre Aufgabe hauptsächlich in dem Schutz der unteren Donau bestanden hätte, anstatt in einem starken und mächti- gen Vorgehen gegen Bulgarien. Diese Kriegführung hätte nur dann ihren Zweck erfüllen können, wenn es an den starken Schutzwehren der Karpathen und der Donau zu einem Stellungskrieg gekommen wäre. Schlechtes Zusammenarbeiten der Verbündeten, falsche Offensive mit zu schwachen Kräften an der nördlichen Front, Unentschlossenheit in der Dobrudscha: das waren die Fehler auf der einen Seite. Starke Ansainm- lung von Truppen, höchste Tatkraft, gutes Ineinanderspielen der Heere von�Nord und Süd: das waren die Leistungen auf der anderen Seite, die den für uns günstigen Stand der Dinge in Rumänien herbeigeführt haben. Unter diesen Umständen konnte die Armee Sarrail keine besondere Bedeutung gewinnen, obwohl jetzt auch italienische Truppen auf ihrem linken Flügel eingegriffen haben. Selbst der Erfolg von Monastir mußte unfruchtbar bleiben, weil die deutsche Heerfllhrung, auf der inneren Linie und im Be- sitze genügender Bahnverbindungen, in der Lage blieb, recht- zeitig Verstärkungen auch auf diesen Kriegsschauplatz zu werfen. Daß sie trotz der zahlenmäßigen Ueberlegenheit der Gegner im allgemeinen gleichwohl immer wieder verfügbare Kräfte fand, um sie auf wichtigen Punkten nach den Not- wendigkeiten der kriegerischen Lage einzusetzen, hat ihr die Möglichkeit verschafft, olle noch so fein gesponnenen Pläne der Gegner immer wieder zu entwirren. Natürlich gehört dazu auch ein Wagen an anderen Stellen, und das kann nur der, der seiner Truppen sicher ist. Sarrail bat das Wagen zur rechten Zeit nicht vorstanden, und darum hat er sich jetzt, am 27. November, auf der 36 Kilometer langen Front nörd- sich Monastir, von Tonowo bis Makowo, eine blutige Abfuhr geholt. Seine Angst vor König Konstansin ist schließlich größer gewesen als sein kraftvoller Wille, auf Sosia und die Donau vorzudringen. Freilich kommt sein bunt zusammen- gewürfeltes Heer und die Verschiedenheit der Anschauungen innerhalb des Vierverbandes, die sich gerade für diesen Kriegs- schauplatz besonders bemerkbar macht, wagemutigen Ent- fchlüssen nicht besonders entgegen. An der Somme hat seit acht Tagen eine Ruhe ge- herrscht, wie noch niemals seit dem 1. Juli dieses Jahres. Es hat natürlich nicht an starkem Feuereinsatze des Gegners gefehlt und auch nicht an gelegentlichen örtlichen Vorstößen. Bezeichnend ist, daß die Franzosen in der letzten Zeit öfters versuchen, ohne Feuervorbereitung gegen einzelne nahe- gelegene Stellen unserer Gräben überfallartig vorzugehen. Glück haben sie damit niemals gehabt, sie haben die Aufmerk- samkeit unseres Fußvolkes und unserer Batterien unterschätzt. Ihre Berichte werden darum sehr schweigsam und tun merk- würdigerweise auch der Wahrheit wenig Gewalt an. Das alles dürfen wir als ein Zeichen ansehen, daß nach dem letzten großen Sturm der Engländer vom 18. November ihre An- griffskraft einer gewissen Erschöpfung gewichen ist. Nach den letzten englischen Verlustlisten bis zum 24. November ist ihr« Einbuße seit dem 1. Juli auf 668 560 Mann aestiegen, darunter 36 666 Offiziere. Aber diese Listen umfassen be- stimmt nicht den November, da sie mindestens vier Wochen im Rückstände sein müssen, sie schließen ferner nicht alle Ver- luste der Kanadier, Australier und anderer Kolonialtruppen ein. Und endlich stehen die sehr bohen Offiziersverluste in keinem richtigen Verhältnis mit den Mannschastsverlustcn. Wir dürfen ihren wirklichen Verlust bis zum heutiaen Ta-'e auf mehr als hunderttausend Mann höher schätzen. Dazu koinmen noch die großen Verluste der Franzosen: das wird alles in allem eine Einbuße zwischen 966 666 und einer Mil- lion Menschen ergeben. Wir wollen uns aber hüten, weitere Folgerungen daraus zu ziehen.____ politische Ueberstcht. Maßnahmen zur Einschränkung des Kohlenverbrauchs. Schon mehrfach wurde in der Ocffentlichkeit angedeutet, daß eine Reihe bundesrätlicher Verordnungen bevorständen, die auf eine Einschränkung des Kohlenverbrauchs hinzielen. Die Sparsamkeit ist in diesem Falle natürlich nicht bedingt durch einen Mangel an Rohstoffen— 51ohlenlager besitzt Deutschland in Hülle und Fülle, ganz abgesehen von den be- setzten belgischen, nordfranzösischen und"polnischen Kohlen- distrikten. Wie ein offiziöses Berliner Blatt erfährt, sind als Maßnahmen zur Einschränkung des Kohlen- Verbrauchs namentlich geplant: Beseitigung der Licht- r e k l a m e, Einschränkung der Beleuchtung von Namens- und Firmenschildern vor Läden usw., ebenso die Beleuchtung von Schaufenstern und Straßen. Dazu käme eine Verminderung des Umfanges, den jetzt noch der Straßen- und Kleinbahnverkehr aufweist, und ein früherer Schluß der Gastwirt- s ch a f t e n. Ebenso werden Theater und Kinos den Beginn ihrer Veranstaltungen auf eine frühere Stunde der- legen müssen, an eine Schließung dieser Unternehmungen wird jedoch nicht gedacht. Nach der genannten Quelle ist man in maßgebenden Kreisen der Ansicht, daß die Neuordnung der Dinge nicht so erhebliche wirtschaflliche Nachteile mit sich führen wird, wie man vielleicht auf den ersten Blick anzu- nehmen geneigt sein könnte.— Unseres Erachtens wird das wesentlich von den Einzelheiten der Ausführung abhängen. Das Publikum wird sich ja mit diesem Kriegsopfer leichter abfinden als mit manchem andern. Was aber die in Betracht kommenden Gewerbe anlangt, so handelt es sich hier größtenteils um solche, die schon durch das zivile Dienst- p f l i ch t g e s e tz erhebliche Einschränkungen befürchten. Hier müßte eö Aufgabe des Gesetzgebers sein, dafür zu sorgen, daß beide Maßnahmen sich nicht in ihrer Wirkung gegenseitig über- steigern._ Ein Narr, wer glaubt... Der Bund der Landwirle hat anläßlich de? Hindenburg-BriefsS einen Aufruf veröffentlicht, in dem es heißt:.Zwar hat der Ab- geordnete Scheidemann verkünden zu müssen gealaubt, daß nur ein Narr noch an den Sieg Deuifchlands glauben könne. In vollem, bewußtem Gegensatz zu diesem verwerflichen Worte werden die deutschen Landwirte mit aller Kraft und in freudiger Begeisterung mitwirken, um den Sieg Deutschlands zu erringen, in Ueber- einstimmung mit dem Siegeswillen des FeldmarschollS v. Hinden- bürg." Demgegenüber stellen wir fest, was Scheidemann wirklich am IS. d. Mts. im.Vorwärts" geschrieben hat: Gibt eS wirklich noch einen io kurzsichtigen Menschen, der in der Einbildung lebt, der einen Mächiegruppe werde eS doch noch gelingen, die ander« so vernichtend zu schlagen, daß sie den Frieden diktiert und dauernd die Sicherheit gegen eine Wieder- holung des Kriege» geschaffen werden kann? Ein Narr, wer das glaubt, nachdem der Kampf im 28. Monal lobt.... Für Deutschland ist die Abwehr einer ungeheuren Ucbermacht Sieg genug. Die Verdrehung deS Sinne? von SchcidemannZ Ausführungen ist ebenso augenscheinlich wie ihre tatsächliche Berechtigung. Der deutsche Sieg kann nur ein Sieg der Verteidigung sein Daß eS möglich fei, England, Rußland. Frankreich, Italien usw. vernichtend zu schlagen und uferlose Kriegsziele zu verwirklichen. glaubt ernstlich doch auch der Bund der Landwirte nicht._ Das Schutzhaftgesetz vom Bundesrat angenommen. In der gestrigen Sitzung des Bundesrats wurde dem vom Reichstag in seiner Sitzung vom 4. November einstimmig angenommenen Entwurf eine» Gesetzes, betreffend die Verhaftung und Aufenthaltsbeschränkung auf Grund deS Kriegsund Belagerungszustandes die Zustiinmung erteilt. Da» neue Gesetz sieht vor, daß jemandem, der in Schutzhaft genommen wird, der Grund seiner Verhaftung mitzuteilen ist, daß ihm die Beschwerde zusteht, daß er darüber, ob er Einwendungen hat, richterlich vernommen werden muß, daß er sich des Beistandes eines Verteidigers bedienen darf, der das Recht der Alteneinsicht hat, daß ihm auf Verlangen ein Verteidiger bestellt werden mutz, daß ihm Entschädigung zu gewähren ist, wenn sich erweist, daß die Voraussetzungen der Anordnung der Schutzhaft nicht gegeben waren. Dem Entwurf hatten beide sozialdemokratischen Fraktionen als einem„Notbehelf" ihre Zustimmung erteilt. Geheimrat Abels Ffchdebrief an das K. E. A. Die Gründe, die Pros. Abel. Jena, veranlaßt haben, seinen Austritt aus dem Beirat des KriegSernährungsamtes zu begründen, bilden schon seit einiger Zeit Gegenstand der öffentlichen Erörterung. Wir gaben am Dienstag eine Erklärung Prof. Abels an die Presse wieder. Weit deutlicher als in dieser, wird Prof. Abel jedoch in einem an das KiiegSernährungSamt selber gerichteten Briefe, den dieses jetzt im Wortlaut bekannt gibt. Nach einem Hinweis auf die geringe Inanspruchnahme seiner Mitarbeit und die Nichtbeachtung der von ihm gegebenen Anregungen schreibt Prof. Abel: „Unmittelbar gezwungen, meinen Austritt zu erklären, werde ich aber dadurch, daß ich nach gewissenhafter Ueberzeugung die Art und Weise, wie das KriegSernährungSamt seine Aufgaben aus- faßt, und die Maßnahmen, die es getroffen hat, in vielfacher Hin- ficht nicht mir als verfehlt, sondern geradezu alS gcmeinschödlich und»oltsfcindlich erachten muß. Ich unterlafie es, auf Einzel- heilen einzugehen, weil ich mir bei der Verschiedenheit der grund- iätzlichen Anschauungen leinen Erfolg von ihrer Erörterung ver- spreche. Verkennen will ich nicht, daß die immer unbefriedigender werdenden Zustände ihre Ursache zum Teil in dem passiven Widerstände, der VerständniSlosigkeit und Schwächlichkeit der ausführenden Behörden haben. Aber daß große Teile der Bevölkerung heute in Wahr- heit unterernährt werden, während andere Teile, auch unter der feindlichen Bevölkerung in den besetzten AuslandSgebietcn, sowie ein großer Teil der Kriegsgefangenen mehr haben, als sie brauchen;' daß der Mittelstand systematisch zugrunde gerichtet lvird; daß jüdische Gaunerei und agrarische Habsucht das Volk in unerträalicher Weise auspowern: daß insolgedefien immer schärfere Erbitterung weite Kreise erfaßt und auf gewaltsame Ent- ladung zum Schaden des Staatsganzen hindrängt— alles das ist im wesentlichen Schuld des Kriegsernährungsamts, das nicht nach meiner Meinung allein sich seinen Ausgaben in keiner Weise gc- wachsen gezeigt hat. Die jede freie Aeußerung knebelnde Zensur und die von mir übernommene Schweigepflicht hindern mick, jetzt öffentlich die Kritik zu üben, die durw die Wichtigkeit der Sache geboten wäre. Nachdem ober mein Eintritt in den Beirat seiner- zeit ohne mein Zutun öffentlich bekannt geworden ist, kann ich nicht verabsäumen, meinen Austritt aus dem Beirat wenigstens mit kurzer Begründung bekannt zu geben, soweit die Zensur cS zuläßt. Denn ich muß mich vor der meinen guten Namen schädi- genden Mißdeutung sichern, als heiße ich etwa die Tätigkeit des Kriegsernährungsamts gut und als habe ich irgend welchen Teil an ihr." Die sachlichen Einwendungen, die Geheimrat Abel gegen die Tätigkeit des K. E. A. und die heutigen Zustände erhebt, sind keineswegs unbeachtlich, sie berühren sich in vielen Punkten mit der Kritik, die wir selber an dem jetzigen System gc- übt haben. Der offiziöse„Lokal-Anznger" bemüht sich zwar, indem er sich an die temperamentvolle Form deS geharnischten Schreiben« klammert, Geheimrat Abel durch Beschimpfungen, die die Heftigkeit dieses Kküreibens bei weitem übertreffen, obzutun, aber der sachliche Kern der Abelschrn Angrisse wird dadurch nicht widerlegt. Wir ge- stehen allerdings zu, daß Prof. Abel durch Uebertreibungen und böie Entgleisungen seinen Gegnern die Sache sehr erleichtert, wir können ihm ebensowenig zugestehen, daß das K. E. A. schlechthin „gemeinschädlich und volksfeindlich" wirkt(was nicht ausschließt, daß wir genug an ihm auszusetzen haben), wie wir Redewendungen von„jüdischer Gaunerei und agrarischer Habsucht" nicht billigen können. Geheimrat Abel sollte lieber auf die Gesamtheit deS schäd- lichen Kriegswuchers hinweisen, statt gegen bestimmte Volksklassen zu hetzen, von denen durchaus nicht erwiesen ist, daß sie in höherem Maße hieran beteiligt sind als andere. Aber das ist unS nicht die Hauptsache. Wir fragen uns: Wäre cS nicht bester gewesen, Prof. Abel hätte auf seinem Posten ausgeharrt, trotz aller MeinungSdiffcrenzen? Mit zäher posi- tiver Arbeit für eine bessere Ernährung der Massen hätte er dem Volke doch letzten Endes mehr nutzen können, als durch den temperamentvollsten Entrüstungsbrief. Nachklänge zu Oschatz-Grimma. In der Partciprcsse, namentlich der sächsischen, wird daS Wahlergebnis von Oschatz-Grimma eifrig besprochen. Gegen die„Leipziger VolkSzeitung", welche die für Lipinski ab- gegebene Stimincnzahl als einen Beweis ansieht, daß die ., Sozialdemokratische Arbeitsgenieinschaft" die Massen hinter sich habe, wendet sich das Dresdener Parteiblatt. Nachdem es zunächst festgestellt hat, daß der Wahlkampf nicht mit der Politik der Arbeitsgemeinschaft gc- führt worden ist, daß Lipinski und seine Wahlhelfer aus Arbcitsgcmeinschaftskreisen weit entfernt, das Banner der Kreditvermcigcrung zu entfalten, im Gegenteil von dieser Frage möglichst wenig gesprochen und stets versichert haben, alles zur Verteidigung des Vaterlandes tun zu wollen, fährt das Blatt fort: Vor allem aber ist zu berücksichtigen, daß, nachdem einmal der Wadlkampf entfesselt worden lvar, von der Mehrheitsseite nicht da? geringste unternommen worden ist, die Arbeitsgemein- ichaft zu isolieren. An den Wahlarbeiten haben fich Genossen der Mehrheit ivie der Minderheit beteiligt. zur Wahlurne sind die Genossen beider Richtungen gegangen. Da- durch konnte freilich nicht verhindert werden, daß in den breiten Massen der Wählerschaft da« gegnerische Argument der Kredit» Verweigerung großen Einfluß ouSüble, aber nun und nimmer kann deshalb die Arbeitsgemeinschaft die 6000 Stimmen für sich in Anspruch nehmen. Wieviel davon übrig geblieben wäre, wenn die Mehrheit nach dem von der„Leipziger Volkszeitung" ver- teidigtcn Vorgängen in Württemberg eine besondere Kau- didatur aufgestellt oder auch nur Stimmenthaltung empfohlen hätte, läßt sich allerdings nicht ziffernmäßig nachweisen, daß aber dann s e h r v i e l w e n i g e r Stimmen für den Kandidaten der Arbeitsgemeinschaft gewesen wären, dürfte wohl auch für das Leipziger Parieiblatt nicht zweifelhaft sein. Ganz ähnlich urteilt die Chemnitzer„VolkSstimme', die sich gleichfalls gegen die Behauptung' der„Leipziger Volks- zeitung" wendet, daß alle aus Lipinski entfallenen Stimmen der Arbeitsgemeinschaft zuzurechnen seien. Die Sckmmen. die Lipinsli bekommen hat. hat er lediglich deshalb bekomme», weil er sozialdemokratischer Kau- didar, nicht weil er Arbeitsgemeinichaftler war; nur die er verlor, verlor er ganz auf Rechnung der Arbeitsgemeinschaft. DaS ist ja überhaupt das Bedenkliche an dem ganzen Borgehen der Arbeiis- gemeinichafi, daß wir sie aus parteigenöffischem Pflichtgefühl bis zum Wahlloge decken mußten, daß sie mit ihrem Verhalten die ganze Partei engagierte, mit ihrer Niederlage die ganze Friedens- sacke schädigt, aber zugleich nicht das Parteiprogramm vertritt, sondern lediglich die Sacke der Arbeitsgemeiuswaft führt und eine„Volks'undgebung für KriegSlreditverweigerung" herbei- führen will. Im gleichen Sinne äußert sich in einer Zuschrift an-das- selbe Blatt Genosse Schöpflin.der schreibt: JCKe meSerlttfe H Sc« Cwfttfeemflftdert, sondern cinjig und allein dem Kreditverweigercr und Arbeitsgemein- schafller zuteil geworden. Jeder sozialdemokratische, zur Politik der FraktionZ- und Parteimehrhcit stehende Kandidat liätte einen glatten Sieg bei dieser Nachwahl erfochten. Die erste Probe auf das Urteil der Massen, die die Arbeitsgemeinschaft wagte, ist zu einem völligen Mißerfolg für sie geworden, ös ist der erste, es wird aber nicht der letzte Mißerfolg sein; die Zeche bezahlen leider die Arbeiter. Schöpflin schließt mit dem Hinweis, daß die Mehrheit 'auf die Dauer nicht sozial denl akratische Niederlagen mit buchen wolle, die sie nicht ver- schuldet hat. Eine ähnliche Auseinandersetzung findet sich in den Spalten der„Fränkischen Tagespost". Auch dort stimmt ein offenbar ganz auf dem Minderheitsstandpunkt stehender Be- richterstatter aus dem Wahlkreise den Trostgesang an: Ueber 6000 Wähler haben sich— bei großer Verminderung der Wählerzahl— für den.Landesverräter" LipinSki, für die Politik der Sozialdemokratischen Arbeits-- gemein sckaft, für die Verweigerung der Kriegs-- kredite, für den annexionsloien Frieden er- klärt... So darf man nach alledem sagen, daß die Sozial- demokratische Arbeits gemein schalt mit dem Aus- gang ihres ersten Wahlkamvies aus ungünstigem Gebiet, unter besonders erschwerenden Umständen zufrieden sein darf. Demgegenüber sieht sich die Redaktion der„Fränk. Tages- Post" doch genötigt, in einer Anmerkung festzustellen, daß diese Darstellung einseitig sei. Lipinski habe in seiner Agitation entschieden betont, daß er Kandidat der Gesamtpartei, nicht einer Richtung sei. Wir haben unsere Ansicht bereits am Sonnabend klargelegt. Es genügt hier nochmals festzustellen: für Lipinski haben auch die sozialdemokratischen Mehrheitsanhänger, welche die Äreditverweigerung nicht billigen, gestimmt: es geht deshalb unter k e i n e n U m st ä n d e n an, die reichlich 6000 Stimmen Lipinskis einfach als„Demonstration für die Kreditverweige rung" hinzustellen oder kurzerhand der Arbeitsgemein s ch a f t zuzurechnen. Andererseits haben wir einen Widerspruch gegen die Behauptung, daß ein Anhänger der Mehrheit eine größere Stimmenzahl als Lipinski erhalten, ja den Wahlkreis glatt erobert hätte, auch von feiten der Arbeitsgemeinschaft nicht gefunden. Die „Leipziger Volkszeitung", die in ihrer Montagnunimer aus- giebig gegen die zitierten Stimmen polemisiert, begnügt sich damit, diese Auffassung mit verächtlichem Achselzucken als „Wahlpolitik" abzutun. Womit ihre Richtigkeit zugegeben wird._ Tirpitz regt sich. Aus seine Ernennung zum Ehrenmitglied des Flotten- Vereins antwortet der Großadmiral von Tirpitz in einem Schreiben an den Vereinspräsidenten, das folgende Sätze enthält: Es handelte sich nicht darum, das Erbe Englands anzutreten, sondern um unsere gleichberechtigte Stellung in der Welt. Erreichen wir nach diesem furchtbaren Krieg diesen Erfolg nicht, wird uns vielmehr die Möglichkeit abgeschnitten, die schweren Schäden, die wir erlitten, wieder auszugleichen, so muß das Deutschtum verkümmern. Das ist ja ziemlich vorsichtig ausgedrückt, aber die Getreuen wissen schon, wie ste's zu verstehen haben. Die Frauen und die zivile Dienstpflicht. Verschiedene bürgerliche Frauenverbände fordern eine mehr oder weniger weitgebende Einbeziehung der Frauen in das Hilfsdienst- gesetz. Der Verein der liberalen Frauen von Groß- Berlin bittet den Reichstag, dem§ 1 des Hilfsdienstgesetzes die Worte hinzuzufügen:„Die gleiche gesetzliche Ver- pflichtung kann im Notfalle den Frauen auf- erlegt werden." Der Deutsche Verband akademischer Frauenvereine verlangt in einer Eingabe an den Reichstag die Ausdehnung der Zivildienstpflicht auf die Studentiuuen. Beleidigungsklage Coßulann gegen Valentin. Vor dem Münchener Schöffengericht gelangt' am Donnerstag die Be> leidigungsklage des Professors Paul Nikolaus Coßmann gegen den Professor Veit Valentin zur Verhandlung. Der Fall beginnt damit, daß Prof. Coßmann in den„Süd- deutschen Monatsheften" einen Briefwechsel zwischen dem Reichs- kanzler und Großadmiral v. Tirpitz veröffentlicht hatte. Groß- admiral v. Tirpitz hatte am 6. August dieses Jahres an den Reichs- kanzler ein Schreiben gerichtet, in dem er mitteilte, daß Valentin am 21. Juli 1917 Coßmann iu München in Gegenwart anderer Herren Verdächtigungen über ihn in bezug auf angeblich falsche Angaben in der U-Boot-Angelegenheii ausgesprochen habe. Da ähnliche Verdächtigungen feiner Person mit Bezug auf Angaben seines(v. Tirpitz) Vertreters im Bundesratsausschuß bei Beratung des Etats 1916 über die Zahl der verfügbaren U-Boote ihm von verschiedensten Stellen zum Teil unier Berufung auf amtliche In- formation zu Ohren gekommen feien, so habe er sich bereits ge- nötigt gesehen, sich unmittelbar an den Kasier zu wenden und bitte auch ben Reichskanzler, gegen Prof. Veit Valentin, der nach einge- zogenen Erkundigungen seit längerer Zeit diätarisch bzw. kommissa- rsich im AnS-wärngen Ami angestellt fei, Mahregeln zu veranlassen. In der Erwiderung des Reichskanzlers wird in erster Linie betont, daß er Pros. Valentin habe mitteilen lassen, dah die Angaben des Herrn v. Tirpitz mit denen des Staatssekretärs v. Capelle überein- stimmen. Prof. Valentin habe erklärt, daß seine vor seinem Dienst- antritt in München gemachten vertraulichen Unterhaltungen in keinem Zusammenhang mit seiner Tätigkeit bei der Zentralstelle ständen. Es folgt nun eine lange Reihe von Erklärungen zwischen den Beteiligten über den Inhalt der Unterredung in München. Valentin bestritt, in dieser Form, wie Coßmann in seiner Zeit- schrift behauptet habe, sich geäußert zu haben, während Coßmann sich auf seine Zeugen: den Fabrikbesitzer Theodor Heuß und Pro- fessor Erich M a r ck s berief? Letzterer erklärte, daß er sich nicht erinnern könne, daß von einem Diebstähl von Material seitens des Auswärtigen Amtes, wie es Prof. Valentin nach der Darstellung von Coßmann behauptet haben soll, die Rede gewesen sei. Valentin richtete dann an Coßmann ein Schreiben, durch das sich Cotz- mann beleidigt fühlte und Klage anstrengte. In diesem Brief schrieb Valentin cm den Privatkläger, und das ist Gegenstand der Beleidigungsklage, von bewußter und niederträchtiger Verdrehung der Wahrheit, raffinierter Verbindung von Wahrheit, Mißverständ- nis, bösartiger Entstellung'und positiver Lüge.— Ein zweiter Klagepunkt stützt sich auf eine Erklärung Valentins im„Berliner Lokalanzeiger" vom 2b. September(Morgenausgabe 491). Zu der Verhandlung, die von Oberlandgerichtsrat Mayer geleitet wird, sind 4 Zeugen geladen. Regelung des Fischverkaufs. Die ständig wachsenden Preise für Seefische, Räucherwaren und Fischkonserven machen, wie man nach W. T. B. auch an amtlicher Stelle einsieht, energische Maßnahmen notwendig. Die Einfuhr von Fischen aus dem Auslande ist bereits unter Aufsicht der Zentral- Einkaufsgesellschaft zentralisiert worden. Um nunmehr auch die Preise für den einheimischen Fisch zu ermäßigen und zugleich Preisbildung und Verteilung im inneren deutschen Verkehr dauernd zu überwachen, hat der Reichskanzler eine Verordnung erlassen, durch die ein Reichskommissar für Fischversorgung eingesetzt wird. Diesem Reichskommissar sind weitgehende Befugnisse zur Regelung des Absatzes und des Preises von Fischen und Fischkonserven beigelegt worden; er hat u. a. das Recht. Fischer und Händler zu Verbänden zusammenzuschließen. Zugleich sind die Anordnungen der Landeszentralbehörden oder der von ihnen bestimmten Behörde, die über Fische und Fischkonserven auf Grund der Verordnung über die Versorgungsregelung vom 4. November 1915 erlassen werden, an eine Zustimmung gebunden, so daß es ihm möglich ist, Aus fnhrverbote und ähnliche Matzregeln zu hindern. Die Fischpreise werden nun zwar nicht sofort wieder auf ein angemessenes Maß gesenkt werden können, es soll jedoch zu hoffen sein, daß dieses Ziel sich in nicht allzulanger Zeit erreichen läßt. Zum Reichskommissar für Fischversorgung ist der kgl. preußische Regierungsassessor von Flügge ernannt worden. Die Geschäftsräume des Fischkommissars befinden sich zunächst Behrenstraße 64. Hoffen wir also!_ Die polnischen Sozialisten zur Unabhängigkeits- erklärung. seiner Landtagsrede vom 29. d. Mts. hat Genosse Ströbel erklärt,„die Sozialdeniokraten Polens lehnen es kühl ab, von Deutschland in der bekannten Weise befreit zu werden". Von polnischer Seite wird uns dagegen geschrieben, daß die überwiegende Mehrheit der polnischen Sozialisten die Be- freiung ihrer Heimat von der russischen Herrschaft mit Jubel aufgenommen habe. So wurde am Nachmittag des 5. No- vember in Warschau unter freiem Himmel eine große Versamm- lung abgehalten, in der von drei Tribünen aus zahlreiche Ge- nossen begeisterte Ansprachen hielten. Sodann wurde eine Dele- gation aus 39 Teilnehmern, vor denen eine rote Fahne getragen wurde, in die Zitadelle entsandt: auf dem grauenhaften Platze, wo vor zehn Jahren die Genossen Montwill, Okrzeja, Kopis, Kasprzak hingericdter wurden, legte die Delegation Kränze nieder. Nachher wurde ein Umzug in der Stadt ge- halten, an dem sich gegen 29999 Arbeiter beteiligten. Die Aufrufe der polnischen Sozialistenpartei sowie die letzte Nummer des„Robotnik" bezeichneten das Manifest als ein für das Vaterland und für die Arbeiterklasse glückliches Datum. Am 12. d. M. fanden in Warschau abermals Volks- Versammlungen und Straßenumzüge statt, an denen sich un- zählige Arbeitermassen beteiligten. In Mus Gross- öerlin. Berkehrseinschränkungeu. In letzter Zeit machen sich im Verkehrswesen Einschränkungen bemerkbar, die aus den gegebenen Veibältnisien heraus wohl ver- ständlich sind, ober doch solche Schattenseiten aufweisen, daß man diese nicht länger unbeachlel lassen darf. Um an Arbeitskräften und Malerial zu spare», um auch einem zweisellos zutage tretenden Sinken des Verkehrsbedürfnisses gegenüber keine unnötigen Ausgaben zu machen, schränkt man den Güterverkehr sowohl als auch den Personenverkehr ein. Besonders bemerkbar macht sich seit einiger Zeit die Einschränkung der Verkehrsgelegenheiten für den Personenverkehr in den grösseren Städten. Es trifft zu, dass eine Einschränkung der Berkehrsgelegenherten während bestimmter Tagesstunden sehr wohl tunlich ist, um io strenger mutz aber vermieden werden, den Ver- kehr in den Zeiten einzuschränken, in denen die erwerbstätige Be- völkerung den Weg von Häuie nach der Arbeitsstelle oder umgekehrt zurücklegen mutz. Wie schädlich eine Einschränkung der Verkehrsgelegenheiten in diesen Zeilen ist, das läßt sich sehr leicht an einer angenommenen Schätzung zeigen. Durch die erwähnten Einschränkungen verlieren die in Frage kommenden Arbeiter in Groß-Berlin zum Beiipiel etwa 20 Minuten täglich. 10 auf der Hin« und 10 auf der Rück« ahrt. Bei sehr vielen, die Mittagszeit haben, kommt ein Geiaml- oerlust von 40 Minuten heraus. Daran mag man den großen Zeit- Verlust und die grosse Zeitverschwendung ermessen, die aus der systematischen und mechanischen Einschränkung der Verkehrs- gelegenheiten entsteht. Zur nämlichen Zeit, da man die Arbeits- j'räne für den notwendigen Bedarf mit allen Mitteln zu mobilisieren nicht, sehen wir alio, wie die Verwaltungen von Eisen- und Strassen- bahnen die Ausnutzung und Verwertung der ArbeilSkräfie durch die Einschränkung der VerkehrSgelegenbeilen erschweren. Man wende nicht ein, dass den in Frage kommenden ErwerbSiäligen nicht die Arbeitszeit, sondern die Ruhezeit durch dieie Einschränkungen ver- kürzt' werde. Als ob gerade diese Ruhezeit gegenwärtig nicht die Voraussetzung für die Leistungsfähigkeit der Arbeiter bildete. Und ob die 20 Minuten Versäumnis nicht an der Arbeitsstelle, vorausgesetzt, dass die Ruhezeit durch sie nicht beein- träldtigt wurde, viel nützlicher verwertet werden könnten als an den Bahnhöfen und Wartestellen. WaS die Bahnverwaltungen an Per- ional und Material sparen, mag von ihrem Standpunkt miS gesehen, sehr erheblich sein, es verschwindet aber gegenüber der Schä- digung, die durch die Zeilverschwcndung bei vielen Zehntausenden von erwerbstätigen Personen angeriwret wird. Da neuerdings ver» lautet, dass die Einschränkung der Verkebrsgelegenheiten noch einen grösseren Umfang annehmen soll, so ist eS Zeit, darauf hinzuweisen, dass damit schliesslrib nickts anderes herbeigciübrt wird als eine sehr unangcbrachre Herabm-nderung der LerstungStähigkeit einer grossen Masse erwerbstäliger Perionen. Vom Gemüse- und Obstmarkt- Die Wirkung der Höchstpreise für Kohlrüben und Möhren macht sich bisher in der Preisbildung noch nicht bemerkbar, es wird ganz offen zugestanden, daß beim Ein- kauf auf dem Lande die Höchstpreise umgangen werden. Der Uebelstand ist wieder durch das späte Eingreifen des Kriegsernährungsamtes hervorgerufen. Die Versorgung des Marktes mit Kohl zeigt ganz un- erträgliche Zustände. Es kommen hier Sendungen Weißkohl an, die bis zur Hälfte verfault stnd. Beim Ausladen in der Zentralmarkthalle sind zahlreiche Frauen tätig, um die faulen- den Kohlblätter zu entfernen und es sammeln sich hohe Berge von Abfällen an, die nur noch zum geringen Teil als Vieh- futter verwendet werden können. Diese Vorgänge erklären sich auS dem Mangel der Organisation. Weshalb kann es die Reichsstelle nicht erreichen, daß der Kohl besser verpackt wird? Warum müssen die Sendungen an der Grenze tage- und wochenlang stehen? Die Reichsstelle für Gemüse und Obst hindert geradezu die schnelle Erledigung der Transporte. In Berlin sieht es nicht besser aus. Die Verteilung erfolgt hier von einer Stelle, die die große Anfuhr nicht übersehen kann, es sind Wagen mehrere Tage liegen geblieben. Verkauf und Abladen stockte vollkommen. Dazu kommt, daß der Handel über lang- same Regelung der Zahlung klagt. Der ausländische Abnehmer wartet vergeblich auf die Regulierung des Ge- schäfts und die Folge ist, daß die Abschlüsse mit der Reichs- stelle sehr bald einen Rückgang aufweisen werden. Weshalb haben wir heute noch nicht die Einrichtung m ' Berlin, daß der bisher vom Ausland billiger eingeführte Kohl in besonderen Verkaufsstellen der Stadt feilgeboten wird? Jetzt hat man es endlich erreicht, daß der Auslands- kohl im Preise gleich steht, sogar etwas höher hinauf- gegangen ist. Die einzige Aenderung, die eingetreten ist auf dem Großmarkt, besteht darin, daß die Provision für die städtische Verkaufsvermittlung von 6 Proz. auf 3 Proz. herabgesetzt ist. Wir kommen zu keinen gesunden Verhält- nissen. wenn nicht die Stadt den Vertrieb in Groß- und Klein- Handel selbst übernimmt. Auf dem Ob st markte sieht es nicht besser aus. Die Richtpreise, die die Preisprüfungsstelle festsetzt, werden in der Regel nur für minderwertige Waren gefordert: andere Sorten sind weit darüber in Ansatz gebracht. Die böhmischen Obst- Händler, die auf ihren Kähnen einen wohlfeilen Verkauf zusicherten, halten sich an die Preise für den Kleinverkauf nur, soweit Obst geringer Qualität in Frage kommt. Die besseren Sorten verschwinden im Großhandel zu höheren Preisen und tauchen dann im Kleinhandel als aus- erlesene Ware mit besonders hohen Preisen auf. Hier wird dringend eine Kontrolle notivendig sein, schon um die reellen Händler unter den böhmischen Importeuren zu schützen gegen den Verdacht gleicher Geschäftspraktiken. Wir verkennen nicht die Schwierigkeiten in der Versorgung des Marktes, aber s o geht es nicht weiter. Ter Weihnachtsteller wird diesmal so dürftig wie noch nie aussehen oder in zahlreichen Familien auf dem Weihnachtstisch überhaupt nicht zu finden sein. Selbst die minderwertigsten Aepfel werden, obwohl die Apiel- ernte gar nicht schlecht ausgeiallen ist, als„Tafelobst" zu aus- verschämt hoben Preisen verkauft. Allerdings fehlen gänzlich die früher in Massen für Weihnachten aus Amenka eingeführten Aepsell Nüsse waren schon vor Jahresfrist sehr reuer. Von H o n r g- k u ch e n kann erst recht nicht viel die Rede sein. Zwar ist in den letzten Monaten offenbar erheblich Honig zurückgeballen worden, um die Honigkuchenpreise in die Höhe zu lrerben, aber gerade wegen dieser Preistreiberei, für die sich schon Proben rn den Schaufeniiern bemerkbar machen, wird man auf guten Honigkuchen in den meinen Familien verzichten müssen. Der früher in Massen hergestellte yrupspfefferkuchen wird ebenfalls nur in ganz mässigem Umiange zu haben sein. Schokolade, Marzipan und ähnliche Leckereien sind gar nicht oder nur zu sehr hohen Preisen aufzutreiben. Wenigstens wird man sich auf diese Weise zu Weihnachten nicht den Magen verderben. Ein Berichterstatter schreibt uns: Für Haselnüsse wurden in den letzten Tagen 3,60 M. für ein Pfund verlangt und— bezahlt. Schokoladenfabriken tollen die Preise so in�die Höhe getrieben haben. Auch für Walnüsse werden tolle Preise verlangt. In einem Geschäft vorm Halleschen Tor kosteten ganz gewöhnliche Feigen, die man noch im ersten Kriegsjahr für einige Groichen kaufen konnte, gestern 5,20 M. das Pfund. Wer hat den Preis so in die Höbe getrieben? Die Polizei sollte 'ich die letzte Rechnung zeigen lassen und dann dem Handel nach- geben, bis sie an den Wucherer kommt. Unterwegs liessen sich ge- wiss etliche Schieber und Kettenhändler dingfest machen. Die orge' wachsen. Die Jugendfürsorge in der Kriegszeit. „Deutsche Zentrale für Jugendfür- sieht in der Kriegszeit ihre Arbeit rascher als sonst Ein paar nackte Zahlen mögen zeigen, wie das Be- dürfnis zugenommen hat und wie die Zentrale den gestiegenen Anforderungen ihre Leistungen anpaffen mutzte. In der Ab- teilung Groß-Berlin hatte die Beratungsstelle eine 'tarke Mehrung der Fälle und unter ihnen war eine große Anzahl solcher, bei denen der Einfluß des Krieges, die Ab- wesenhcst des Vaters, die außerhäusliche Erwcrhstätigkeit der Mutter eine eingreifende Hilfe nötig machte. Für die Jahre 1913, 1914, 1915 wurden hier 2757, 3159, 5914 neu ein- gegangene Fälle gezählt, das sind für 1915 annähernd doppelt so viel wie für 1913. Ebenso hat bei der Jugend- gerichtshilfe— infolge Stcigens der Kriminalität ugendlicher Personen, besonders der 12— 14jährigen Knaben— die Arbeit stark zugenommen. Nachdem in 1914 die Jugend- gerichtshilfe mit einem noch etwas günstigeren Ergebnis� als im letzten Fricdensjahr abgeschlossen hatte, brachte 1915 ihr eine plötzliche und bedeutende Verschlechterung. Gezählt wurden hier für die letzten drei Jahre 1723, 1792, 2927 neue Fälle, wieder für 1915 annähernd doppelt soviel wie für 1913._ Gegen die Abschaffung der Jrauenabteile. Zu der Mitteilung, dass die Frauenabteile in den Personenzügen nicht mehr geführt werden sollen, weil sie erfahrungsgemäss oit gor nicht, meist aber nur sehr schwach besetzt wären, schreibt der Kölnischen VolkS-Ztg." ein Leser: Ich reise sehr viel, besonders weite Strecken mit den v-Zügen. Ich habe die Frauenabterle stets besetzt gesunden. Sie stnd und bleiben eine Notwendigkeit besonders für Frauen mit kleinen Kindern. Ich habe sehr oft Frauen in dem Gange stehen sehen, weil kein Platz mehr frei. Erfahr ungSgemäss sind besonders die D-Züge derart besetzt, dass sehr häufig nicht alle Reisenden Platz finden und stehen müssen. Es wäre ja möglich, dass auf kleinen Nebenstrecken in Lokalzügen die Frauenabteile weniger besetzt find, aber bei den grosse Strecken durchfahrenden Houptzügen ist entschieden das Gegenteil der Fall, und zwar rn der zweiten sowohl als in der vritten Klasse. Dass verwundeten Soldaten in der ersten Klasse Platz angewiesen wird, wert die zweire und drille Klasse besetzt waren, ist nur recht und billig. Frauen aber, besonders wenn sie mit Kindern reisen, oder alt und unbehilflich find, die Frauenabteile zu nehmen, ist mehr als unbillig und hat bei den stets vollbesetzten Zügen doch auch keinen Sinn._ Die Volkszählung vom k. Dezember kSl.6. Nachdem die Haushaltungslisten den HauShattungSvorständen nun- mehr zugegangen sein dürsten, iei aus die besondere Wich- tigkeit der diesmaligen Volkszählung, die höchst bedeutiamen wisienschaftlrchen und Verwalmngszwecken, insbesondere der weiteren Regelung unserer Volkswirtschaft und Volks- ernährung dient, noch besonders hingewiesen. Für jede ein- zelne zur Haushaltung gehörige Person ist eine besondere Zeile auszufüllen. Dabei ist darauf zu achten, dass Kinder, und wären sie eben erst geboren. nicht übergangen werden, wie auch Zimmerabmieter, Schlafleute. Dienstboten und sonstige Mitbewohner auszunehmen sind. Auch die in den An- stalten jeder Art, wie in Krankenhäusern, Lazaretten, Kasernen, Straf« und Besserungsanstalten, Hotels, Herbergen. Asylen usw. vor- handenen Personen sind einzeln aufzuführen. Es ist also jede Person aufzunehmen, die in der Na-dt vom 30. November zum 1. Dezember in der Wohnung des Haushaltungsvorstandes und in den dazu gehörigen Räumen anwesend war. lieber Nacht ausserhalb ihrer Wohnung beschäftigte Arbeiter. Wächter usw. werden in ihrer Wohnung gezählt. Die vorübergehend Abwesenden dürfen dagegen nicht mitgezählt werden, wohl aber müsien die vorübergebend An- wesenden. wie Hotelgäste. Besuch oder zurzeit anwesende Urlauber usw. mit aufgerührt werden. Die Ausfüllung bat in allen Teilen sorgfältig zu erfolgen, namentlich find die Berufsangaben möglichst genau vorzunebmen. Frauen, die den Betrieb von zum Militär eingezogenen Männern weiterführen, sind als berufstätig anzusehen und haben diesen Bc- ruf ebenfalls genau anzugeben. Im Gegensatz zu früheren Volks- Zählungen find diesmal die Verweigerung der Eintragung oder wlssemlich wabrheilswidrige Angaben mit Strafe bedroht, so daß es im Jnteresie eines jeden Haushallungsvorstandes liegt, die auf der ersten Seite der Haushallungslifte befindliche Anlenung sowie die Erläuterungen aus Seite 4 durchzulesen und zu befolgen. Tie Kartoffelversorgung. Von städtischer Seite wird uns folgendes mitgeteilt: Leider haben sich am Schluß der vergangenen Woche erheb- liche Stockungen in der Kartoffelzufuhr ergeben, so daß das unerfreuliche Bild des Stehens nach Kartoffeln und eine Beunruhigung an verschiedenen Stellen unserer Stadt wieder sehr bemerkbar wurde. Der starke ssrost bei Eingang der ver- gangenen Woche und der Feiertag in der Mitte der letzten Woche geben wohl eine Erklärung für ein zeitweiliges Aus- setzen der Kartoffelvcrladungen, immerhin hätte man erwarten können, daß Ende der vorigen und Anfang dieser Woche die Eingänge an Kartoffeln nach Berlin wieder so reichlich würden, daß unschwer die Versorgung der Bevölkerung aus den laufen- den Eingängen gedeckt werden konnte. Daß nicht einmal dies erreicht worden ist, muß schwere Bedenkeu erregen, zumal in sämtlichen Lieferungsverbänden gerade mit Rücksicht auf die eingangs erwähnten, die Verladung hindernden Umstände auf eine schleunige verstärkte Verladung für das Ende der ver- gangenen Woche hingewirkt war. Die Stadt hat, um den laufenden Bedarf zu decken, bei den schwachen Zufuhren un- verzüglich auf die geringen Vorräte in den Kellern zurück- gegriffen, trotz des Bedenkens, daß die Kellerreserve durchaus nicht für den Bedarf im November, sondern vielmehr für die Zeit strengen Frostes im Januar und Februar bestimmt war. Hoffentlich werden die erneuten Vorstellungen bei den Liefe- rungsverbänden unverzüglich eine Besserung zur Folge haben. Die neuen Eisenbahnfahrpläne. Der neue Fahrplan, der, wie ichon mitgeteilt, auch für die Effenbahnlinien der Eisenbabndireklion Berlin große Veränderungen enthält, tritt, wie wir von zuständiger Seile erfahren, am Morgen des 4. Dezember in Kraft. Bei dem derzeit durch die Ein berufungen sehr geschwächten Personal ist es der Eisenbahndireklion nicht möglich, die Veränderungen der Abfahrtszeiten schon vorher bekannt zu machen. Das Publikum wird deshalb damit rechnen müsien, daß ihm kleine Unbequemlichkeiten erwachsen, deren Ver meidung die Kriegszeit leider unmöglich macht. Die Berliner Arbeitslosenfürsorge. Geschästsstatistik der Arbeitslosenfürsorge der Stadt Berlin für die Woche vom 6. bis 12. November: Bei den 23 städtischen Ge- schäflsstellen find 131 Gesuche eingegangen; es' wurden abgelehnt 33, an dre LandeSversicherungsanstalt Berlin verwiesen 8, bewilligt 115. Ausgeschieden aus der Unterstützung(überwiesen wegen Wieder- eintritts in Arbeit oder Erwerb) sind 89 Personen; 115 männliche und 1955 weibliche Personen bezogen Unterstützung im Gesamt- betrage von 8421 M., davon je 4 M. 1929 Personen, je 5 M. 141 Personen. Von der Stadt wurden an 189 Mitglieder von 15 Arbeiter- und Angestelltenorganisationen, die selbst satzungs« gemäß Unterstützung gewähren, Zuschläge im Betrage von 695,45 M. gezahlt. Hiervon trafen auf die freien Gewerkschaften 162 Mitglieder mir 536,49 M.(und zwar Metallarbeiter 86,75 M., Holzarbeiter 48,95 M usw.).— Die Landesversicherungsanstalt Berlin hat von 22 452 bei ihr überhaupt bis 11. November eingegangenen, teils von den städtischen UnterstützungSkvmmlssionen ihr überwiesenen, teils von den Organisierten ihr eingereichten Gesuchen 15 492 genehmigt._ Städtische Fürsorge für Textilarbeiter. Zu der unter dieser Spitzmarke am Montag in hiesigen Blättern) auch im Vorwärts" erschienenen Mitteilung einer Lokälkorrespon- denz schreibt man uns aus dem Verbandsbureau: Es heißt in der Notiz, daß der Magistrat Berlin beschlossen hat, neben der Für- sorge für erwerbslose Angehörige der Berliner Bekleidungs- Industrie nunmehr eine Sondererwerbslosenfürsorge für Textil- arbeiter der Stadtverordnetenversammlung vorzuschlagen. Tat- sächlich besteht eine Sondererwerbslosenfürsorge für Textilarbeiter schon seit dem 1. Mai laut Gemeindebeschluß. Diese Sondererwerbs- losenfürsorge galt auch für die Filzhutarbeiter. Die Sonderfürsorge für die Angehörigen der Berliner Bekleidungsindustrie wurde von der Stadt Berlin erst am 29. Oktober beschlossen. Es kann also von einer Neueinrichtung für die Textilarbeiter nicht die Rede sein, wohl aber von einer Aenderung in der Berechnung der Unter- stützungssätze, worüber ein ausfuhrlicher Bericht im.Vorwärts" vom IL. November im Gewerkschaftstcil veröffentlicht worden ist. Zu späte Hausöffnung. Die Zeitungsfrauen klagen stark darüber, daß sie namentlich in den Vororten und am Weichbild nicht pünktlich die Morgenblälter bestellen können. Selten ist hier ein HauS, wie es ordnungsmäßig geschehen soll, schon bald nach 6 Uhr morgens geöffnet. Viele Haus- Witte öffnen daS Haus aus Bequemlichkeit nicht oder verweigern überhaupt die Oeffnung, indem sie diese Pflicht den Mietern zuschieben. Namentlich Sonntags sind zahlreiche Vororthäuser und deren Vor- gartentüren n o ch u m 8 U h r geschlossen. Die Zeitungsboten rütteln an den Türen und verursachen notwendigerweise Störung, versäumen in Wind und Wetter viel Zeit und werden grob angefahren, wenn sie zu spät bestellen. Die Schuld liegt aber an den Hauswirten oder Hausverwaltern. In vielen Mietsverlrägen steht nichts über die Hausöffnung; in anderen ist vorgesehen, daß das HauS von 19 Uhr abends bis 6 Uhr morgens geschlossen sein muß. woraus die Pflicht zur Oeffnung um 6 lihr folgt. Es gibt in den meisten Berliner Vororten keine Ottsstatuten, durch die die Hausöffnung geregelt wird. Daher können die Polizeibehörden nicht einschreiten. Aber es können die Mieler gemeinsam auf allzu be- queme Hauswirte einen Druck ausüben. Die„schwarze Liste" der Bühnenleiter. Einen ungewöhnlichen Umfang hat die vom Rechtsschutzbureau der Bühnengenosienschaft herausgegebene.schwarze Liste" ange- nommen. Nicht weniger als 73 Theaterdirektoren sind eS, vor deren Verbindung die Schauspieler in der letzten Nummer des Genossen- schaflsorgans gewaint werden. Die meisten der Aufgesübrlen sind solche Persönlichkeiten, die in der Provinz mit ihrer Direklions- führung Schiffbruch litten und die Künstler dann mittellos sitzen ließen. Bezeichnenberweiie sind dieie zweifelhaften Elemente mit zwei bis drei verschiedenen Namen aufgeführt, da sie nach jedem Schiffbruch sich ein neues Pseudonym zulegen. Vier der auf der .schwarzen Liste" Stehenden waren auch bereits in Berlin Leiter größerer Bühnen. Erfahrungen eines FleischlartenbcsitzerS. Ein Leser schreibt unS: Ich Halle, um wenigstens am Sonnlag ein Stückchen Fleisch zu haben, meine Karte bis dahin aufgehoben. Trotzdem mein Schlächter am Sonnabend Fleisch erhalten halte, wurde am Sonntag das Geschäft nicht geöffnet. Bei meiner Frage, ob eS kein Fleisch gäbe, wurde mir erwidert: Erst zum Montag, aber aus die neue Katte I Auf dem Polizeibureau wurde mir gesagt, es wäre eine Verordnung des Magistrats, kein Fleisch zu verkaufen, da nicht genug vorhanden sei. Ick hatie nun fast die ganze Woche von Brot und Kartoffeln gelebt; am Sonntag aber ging es mir nicht besser, da ich nirgends frischen Fisch austreiben konnte. Ich bin Metallarbeiter, und meine Arbeit ist nicht gerade leicht.__, Wucher. In den Marktballen wurde gestern für eine Flunder a normaler Griße 8 M. und für einen Bückling 1 W. verlangt. DaS rechnet sich besser, als wem, man drei Stück für SS Pf. nach alter Weise verlangt. Die Preise für Blumenkohl find un- erschwinglich. Für einen kleinen Kopf verlangte man 1,89 M. und für größere entsprechend mehr. Schwerverletzt und Hilfiis aufgefunden wurde ein unbekannter Mann vor dem Hause Münzstr. 29. Man brachte ihn nach dem Krankenhaus am Friedrichshain, wo die Aerzte einen Schädelbruch feststellten. Der Mann liegt immer noch bewußtlos danieder. Es handelt sich um einen Mann etwa in den Fünfziger Jahren. Er ist klein und untersetzt, hat grau gemischtes Haar und Schnurrbart und trug einen Arbeitsanzug mit blauer Schirmmütze. Tödliche Unfälle. Von einer Drehbank erschlagen wurde der 17 Jahre alte Schlosserlehrling Reinhold Wittkamp aus der Grün- thaler Straße 66. Der junge Mann stand auf einem Kraftlastwagen, mit dem eine Drehbank von einer Reparaturwerkstatt in der Turm- straße nach einer Fabrik gebracht wurde. In der Liebenwalder Straße fiel die Bank vom Wagen, riß Wittkamp mit sich und begrub ihn unter der Last. Der Verunglückte erlitt so schwere Brust- quetichungen, daß er bald starb.— Der 22 Jahre alte Arbeiter Gustav Howe aus Charlotienburg fiel, wie schon mitgeteilt wurde, in der Biegung an der Burgstraße und Friedrichsbrücke von dem Triebwagen emes Straßenbabnzuges der Linie 54 und geriet so un- glücklich unter die Räder eines Anhängewagens, daß ihm beide Beine an den Unterschenkeln abgefahren wurden. Der Unglückliche starb gestern im Hedwigs-Krankenhause. Sofort getötet wurde am Mittwoch abend in der Köpenicker Straße vor dem Hause 113 ein Kutscher Fr. Schmidt, der mit seinem schwer beladenen Rollwagen mit Eisen usw. in das Haus Köpewicker Straße 113 einbiegen wollte. Ein Straßenbahnwagen vom Stadtring I, von der Neanderstraße kommend, fuhr dem Roll- wagen in die Flanke. Der Kutscher flog im Bogen vom Bock und war gleich tot. Er hat anscheinend einen Schädelbruch erlitten. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. Beim Spielen mit einer Patrone wurde in Wannsee der l9jährige Knabe Erich Hoffmann schwer an beiden Händen verletzt. Sechs Finger wurden förmlich abgerissen. Der Knabe fand im Oberlin-Kreiskrankenhaus Nowawes Aufnähme. Die Patrone will -er gesunden haben. Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich gestern nachmittag in Weitzensee. Der 59 Jahre alte Kutscher Wilhelm Bötcher kam aus Blumenberg mit einer Fuhre Heu die Berliner Straße dort entlang gefahren. Hinter ihm folgte in kurzer Entfernung ein WagenderLinie7 2. Die Führerin, eine 29 Jahre alte Frau Anna Bogdan, aus der Friedrichstratze zu Woißensee, übersah eine Weiche und fuhr direktinden Heuwagen hinein. Durch den heftigen Anprall wurde der Wagen umgeworfen. Der K n t scher geriet so unglücklich zwischen Heu- und Straßenbahnwagen, daß er sofort starb. Die Führerin, Mutter von drei Kindern, wurde zur Feststellung des Tatbestandes festgenommen, später aber wieder freigelassen. Straßensperre. DaS Polizeipräfidinm teilt mit, daß die Sperrung des westlichen Teils der Dirckienstraße aufgeboben und der östliche Teil der Dircksenstraße sür den gesamten Fuhrwerks- verkehr gesperrt ist. Sriefkaften der Redaktion. P. W. 28. 1. Darüber sind wir leider nicht unterrichtet, 2. Nord. westlich von Neustrelitz, aus dem Dambecker See.— Gertrud 79. sowohl von der freireligiösen Gemeinde, als auch der hiesigen Parleiinstitulion werden derartige Feiern sür die SchulenUassenen veranstaltet. Im ersteren Falle wenden Sie sich an daS Bureau der sreireligiösen Gemeinde, Pappel- allee 15—17. Für den letzteren Fall an das Bureau des Verbandes der Wablvereine, Lindenstr. 3, 3. Hos, 3 Treppen,— W. K. 1897. 1. Du Berliner Wahlsortbildungsschnlen geben auch Schönschreibunterricht, Tic Schule Lange Str. 31 wäre nach Ihrer Wohnung, die bequemstgelegcne sür Sie. 2. Vermutlich. Fragen Sie dort mündlich an. 3, Die Kurse haben im Ollober begonnen Das Schulgeld beträgt sür zwei Wochen- stunden 9.59 M. im Halbjahr. 4. Die Konsumgenossenschast Berlin und Umgegend hat in Kamsdorf und in Mahlsdors keine Verkaufsstellen, aber zum Beifoiel in Friedrichsseide(Caprivi-Allee 44) und in Köpenick(Berliner Straße 5, Bergmannstr. 5, Müggelheimcr Straße 48,, — P. H. 23. Die Firma ist nickt verpflichtet, schon jetzt den Lehrbrie, auszuhändigen, da nach der vettraglich eingegangenen Bedingung die Lest.- zeit von 4 Jabren noch nicht ersüllt ist.— Lotte 9. Sie müssen zunächst den Bescheid des Magistrats aus Jbren Antrag abwarten, evcnt. um eine Bescheiderteilung mahnen. Wahrscheinlich aber wird Ihr Antrag abgewiesen werden, da bei dem angegebenen Emkommen des Sohnes eine Unter- stützung sür diesen nicht mehr gewähtt wird.— Cote. Ja.— Elli 12. Nur die Kttegs Unterstützung soll erhöht werden, die Witwen- und Waisen rente nicht.— M. C. 40. Das Gesuch mutz von Ihrem Manu an seinen Truppentest gerichtet werden und ausreichend begründet sein.— (£. H. 23. Da Ihr Mann zum Militär eingezogen ist, sind Sie zur Zahlung der Steuern nicht verpflichtet.— M« 91. 66. Nein — K. D. 38. Die Familienunlerstützung soll bei der Entlassung des' Eb-mannes zur Arbeit noch auf die Dauer von einem halben Monat, vom nächsten Fälligkeitslage der Unterstützung ab gerechnet, gewährt werden, Somit hätte ihre Frau noch Anspruch aus die Unterstützung bis zum 15 Mai gehabt. Wegen der Rückzablung der Unterstützung würden wir Ihnen empfehlen, sich mit einer Beschwerde an das Mllitärbureau des Magistrats Berlin, Klostersw. 68. zu wenden.— P. M. 16. Wenn sich nach der Eheschließung in den Nerhältnisseil der Ehesrau gegen früher nichts geändert bat, so wird die nach dem Gesetz vorgeschriebene Bedürstigkeit ver- neint und die Unterstützung verweigert. Wird Bedürftigkeit anerkannt, daiin wird gewöhnlich auch die Gemeindeunterstützung gezahlt,— Otto. Die Erllärung muß von einer Person entgegengenommen sein, die ein össent liches Siegel sühtt, z, B. vom Bezirksoorsteher.— Treptow 199. Land- sturmvflichlig; Herzleiden, garnisonverwendungsfähig. Wann Ihre Ein- ziehung erfolgt, können wir nicht wissen.— O. G. 39. L Ja. 2. Der TcstameMvollstrecker ist zur Herausgabe der Werlpapiere vor dem genannten Tage nicht oerpflichtet. Nach dem Testament kann der Testamentsvollstrecker seine Forderung nur an die Erbin des Grundstücks geltend machen. 3. Die von Ihnen ausgeführten Gegenstände gehören unseres ErachtenS zum Grund- stück und lönnen deshalb von der Grundstückscrbin beansprucht werden. 4 Ja — Günther 69. 1. Ja, wenn Sie kein anderes Vermögen besitzen, 2, Der Antrag kann mündlich oder schriftlich gestellt werden. 3, Landsturm- pfl ichtig! die Zahl bedeutet Verkrümmung der Wirbelsäule; sür Herzsebler kommt dre Zahl 49 in Frage.— A!. K. 44. Sie könnten nur noch durch Klage die ordnungsmäßige Herstellung der Sachen erwirken. Eine Klage ist sür Sie aussichtslos, da sechs Monate nach dem Kauf der Sachen Ver- jährung eingetreten ist._ Mus öen Gemeinden. Tempclhof. In der jüngsten Gemeindevertreter- s i tz u n g kam eS zu Auseinandersetzungen über die Frage, ob der Bürgermeister veipflickilel ist, einen von unserem Genossen Ewald gestellten Antrag auf die Tagesordnung und somit zur Beratung zu stellen. Ewald hatte am 29. Oktober schriftlich beim Bürgermeister beantragt, die L e b e n s m i t l e l f r a g e auf die Tagesordnung der nächsten Gcmeindeverlreterfitzung zu setzen. Ties lehnte der Bürgermeister mit Hinweis auf die§K 88 und 194 der Landgemeindeordnung und mit dem Bemerken ab, er verspreche sich von der Er- örterung dieser Frage keinen Erfolg. Wenn Ewald irgendwelche An- regungen habe, so würde er diese gern prüfen und fie geeigneten- falls der Nahrungsmittelkommission unterbreiten. Hiergegen wandte sich Ewald in einem Antwortschreiben mit dem Hinweis darauf, daß der von dem Bürgermeister angezogene§ 88 Ziffer 2 nur davon spreche, daß.der Gemeindevorsteher die Beschlüsse der Gemeindeversammlung(Gemeindevertretung) vorzubereiten" hat, während Z 194 Absatz 2 besage:.Die Zusammenberusung(der Gemeindevertretung) erfolgt unter Angabe der Gegenstände der Be- ratung durch den Gemeindevorsteher; fie muß erfolgen, wenn es von einem Biertel der Mitglieder verlangt wird." Hier wie im§ 88 Ziffer 2 sei von Anträgen und Festsetzung der Tagesordnung gar leine Rede. Wenn der Bürgernreister K 88 Ziffer 2 zur Geltung bringen wolle, so bleibe eS ihm ja unbenommen, auch für diesen Punkt.Anträge vorzubereiten". Der Z 194 Absatz 2 komme schon gar nicht in Frage, da ja gar keine.außerordentliche Sitzung" be- antragt sei. Aber der§ 4 der der Gemeindevertretung gegebenen Geschäftsordnung spreche klar aus, daß der Bürgermeister verpflichtet war, den Antrag Ewalds auf die Tagesordnung zu setzen, indem darin gesagt werde:.Derselbe(der Gemeindevorsteher) hat auf die Tagesordnung zunächst diejenigen Gegenstände zu setzen, welche usw. und fährl dann zum Schluß fort:„die elwa von Mtgliedern der Gemeindevertretung rechtzeitig eingegangenen Anträge und die übrigen Gegenstände". Also auch hier sei keine Rede davon, daß der Antrag, um auf die Tagesordnung zu kommen, der Unterstützung von einem Viertel der Mitglieder der Gemeindevertretung bedarf, wie eS der Bürgermeister verlangt.— Luch in der Geschäfts- ordnungsdebalte vertrat der Bürgermeister wieder seinen Stand punlt, so daß es dabei blieb, daß der Antrag nicht aus die Tages- ordnung gesetzt wurde. Hierauf wurde die Errichtung einer Mittelschule für Mädchen beschlossen. Diese soll Ostern 1917 eröffnet werden, und zwar mit der 6. und 5. Klasse. In jedem ferneren Jahre soll eine weitere Klaffe eingerichtet werden. Vorläufig ist die Schule in der Luise-Henrieite-Schule untergebracht. Genosse Burgemeister sprach den Wunsch aus. daß möglichst viele Freistellen geschaffen werden, damit es befähigten armen Kindern ebenfalls möglich wird, diese Schule zu besuchen. Wilmersdorf. Zu den.einzigen Vororten', in denen ohne Sang und Klang die wöckentliche Fleiichralion auf 299 Gramm verkürzt wurde, gehören auch wir. Man hat aber bei uns auch gleich noch eine.Reform" eingeführt: eS gibt für jeden Haushalt nur einmal in der Wocke Fleisck und dann gleich die ganze Menge auf einmal, das heißt, nur einmal in der Woche eine kräftige Mahlzeit. Am Dienstag abend und Mittwoch morgen wurde die Gegend zwischen Friedenau und Schmargendorf zum zweitenmal innerhalb 14 Tagen mit einem Brot mangel beglückt. In langen Reihen standen Mittwoch früh die Frauen vor den Bäcker- lüden, die oft in der ersten halben Stunde ausverkauft waren. Solche Verteilungsfehler dürsten doch nicht mehr vorkommen. Die Plakate in den HauStoren, daß man nur innerhalb der Gemeinde laufen soll, müsien unter solchen Umständen geradezu als Hohn empfunden werden. Uebrigens sind auch wieder mal die Kartoffeln so knapp, daß die Händler den Nach- weis des Wohncns in Wilmersdorf von den Käufern verlangen, Friedenauer kriegen nichts. Nicderschönhausen. Preßkohlen zu bedeutend ermäßigten Preisen kommen durch den Krtegsausschuß für die Angehörigen der Kriegsteilnehmer zur Verteilung. Anträge find im Rathaus, Zimmer 31/32, von 9—3 Uhr zu stellen, und zwar auf Unterstützungs- karte 1—599 vom 29. November bis 2. Dezember, 591—1999 vom 4. Dezember bis 9. Dezember, von 1991— 1599 vom 11. Dezember bis 16. Dezember, über 1599 vom 18. Dezember bis 23. Dezember. Die Unterstützungskatte ist als Ausweis mitzubrurge«. i Orts-Kr ankenkasse für die Gewerbe der Tischler und Pianofortearbeiter zu Berlin. Bekanntmachung. Auf den Antrag deS Vorstandes der OrtS-Krankenkasse sür die Ge- werbe der Tischler und Pianosortc- arbeiter vom 12. Ottober 5 I. hat das VeisicherungSamt. Beschlußaus- schuß, in der nichlösscntlichen Sitzung vom 13. November 1916 gemäß§ 1 Absatz 2 des Gesetzes vom 4. August 1914, betressend Sicherung der LefflmigSsäbigkcit der Lrauleukassen, folgendes beschlössen: Folgende Mehrleistungen werden vom 2. Montage nach erfolgter Zu- stellnng dieses Beschlusses ab ge- währt: 4. DaS nach§ 18 Abs. 2 der Satzung zu zahlende Krankengeld lm Betrage von einem Zehntel des Grund- lohns(vergl. Beschluß deS Versichc- rungsamls vom 6. Dezember l91b) sür Versicherte, für die kein Hausgeld zu zahlen ist, wird ohne Wattezeit gewährt. 2. Ist bei Beginn der Erkrankung eine scchsmonatliche Wartezeit zurück- gelegt, so wird gewährt: a) für Verheiratete, denen von der Kasse KrankenhauSpstege ge- wädrt ist und die bisder An- gehörige von ihrem Arbeitsver- dienst ganz oder überwiegend unterhallen haben, ein Hausgeld im Betrage des vollen Kranken- gcldeS. l>) Sterbegeld beim Tode des Ehe- galten eines Mitgliedes oder eines Kindes unter 15 Jahren. Das Sterbegeld wird sür den Ehegatten aus die Hälfte, sür ein Kind bis zu 4 Jahren aus ein Achtel, darüber aus ein Viertel des im§ 29 der Satzung fest gesetzten Mitglieder-Sterbegeldes bemessen und um den Betrag des Sterbegeldes gekürzt, aus das der Verstorbene gesetzlich ver- sichert war. Sind beide Ehegatten Mtglicd der Kasse, so wird das Sterbe- geld sür ein Kind nur einmal gewährt. Gehören die Ehegatten verschiedenen Kassen an, die Fam lienhilse gewahren, so wird bei dem Tode eines Kindes Sterbegeld nur gezahlt, wenn das Mitglied, welches der Orts- Krankenkasse sür die Gewerbe der Tischler und Pianosortc- arbeiter zu Berlin angehött, den Unterhalt sür die Familie über- wiegend bestritten hat. 2. Ist bei Beginn der Erkrankung eine sechsmonallgc Wartezeit zurück- gelegt, so tan» der Vorstand ge- währen: a) Größere Hellmittel bis zum Höchftbelrage von 59 Mark oder einen Zuschuß bis zu dieser Höhe und in geeigneten Fällen auch Krankenlost, b) tzilssmittel gegen Verunstaltung und Verkrüppellmg, die nach beendetem Heiwersahren nötig sind, um die ArbcitSfähigkett des Kassenulllglicdes herzustellen oder zu erhalten, bis zum Höchstbettaze von 199 MI. oder emen Zuschuß bis zu dieser Höhe. Gegen diesen Beschluß kann binnen einem Monat bei dem Königlichen OberversichcrungSamt Groß< Berlin, welches endgültig entscheidet, Beschwerde erhoben werden. Die Zustellung deS Beschlusses deS Versscherungsamts ist am 23. No- vember 1916 erfolgt; demzufolge wird die Mehrleistung vom 4. De- zember 19l6 ab gewähtt. 272/13 Der Borstand. EmtlBoeske, Fritz Zinke, Vorsitzender. Schttftsührer, Für die anläßlich meines 70.(Sc- burtstageS mir dargebrachten Glück« wünsche sage ich ans diesem Wege meinen herzlichsten Dank. Ferdinand Ewald. | Todes-Anzeigen Am 2S. November, früh 8 Uhr, cntschlies sanst nach qualvollem Leiden an der Zuckeisrnntheit Im Vb. Lebensjahre mein lieber Mann. mein guter Vater, Schwieger« und Großvater, der Krankenkassen- beamte zö63b Franz Breska DieS zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme hiermit an Berlin M), 29. November 1916, Hcinersdorfer Straße 7 HL Julie Breska geb. Kohl, Hedwig Sommerfeld gb.Breska, Max Sommerfeld, zurzeit im Felde, und Enkel. Beerdigung: Sonnabend, nach. mittags 3'/, Uhr, von der Leichen« halle des Zentral-Frtcdhoses in Friedrichsfclde aus._ DeotsehErMsrteiter-fErbaüijS Verwaltungsstella Berlin. Naebruf. Ten Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Kern- macher WcKgrä Scheibner am 29. November an Nervenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Ten Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß nnser Kollege, der Rohrleger (iustav KfilZner am 28. November an Magenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 4. Dezember, nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Heiljg«5treuz«Kirchbofes in Mariendors, Maricndorser Wea, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 126/9 Tie Qrtsverwaltung. ZtablstsUs Berlin. Freitag, de» 1. Dezember 1916, abends 7 Uhr, im Saal 4 des Gewerkschaftshauses, Engelufer IS: Versammlung: siir die in den Kuchbindenikn deschnstizten Arbeilcr und Ardeiterinnen. Tagesordnung: 1. Bericht über die Verhandlungen mit den Buchbinderei- Besitzern. 2. Verschiedenes. Die außerordentlich wichtige Tagesordnung erfordert baS Erscheinen aller Mitglieder. 24/13 Dt« OrtsvvrwaUuB�. WB. Für die in den Buchdrnlkereie» und Geichiiftobuch« fadrtken beschäftigten Arbeiter findet die Versammlung erst am � � PW Montag, den 4. Dezember Universal-Briefsteller 3 Mark, Rammler. Otto Friedrich. Nni. Buchhandlung BorwäitS, Linden« versal-Briessteller. Geb. 3 M. Buch« straße 3(Laden). s Handlung Vorwärts, Lindenstraße 3 Wutiiiimn'! IrauwmaSflzin Größte ntuwahl. Billiget« Preise. L Menrenstrele 37« (Kolonnaden! II. Or, Frankfurter Str. IIS (nahe Atidreasatr.J «■swahlsendunoen tolort Amt Zentrum 7890. Sonntag 12— 2 Uhr ceiftnat. Düren- Goldwaren Plitz& Co., Lindenftr. 109. 259/14 Aerztilch geleitete Heilanstalt für naturgemäße Heilweiie; Licht« u. Eleltro-Therapic. Homöovalbie. Pflanzen« sowie Sauersloss-Heil- verfahren. Erfolgreiche, sachgemäße Behandlung frischer u. veralteter Krankheiten jeder Art k Innerer und äußerer, mögl. ohne Berufs- störung. Sprech- u. BehandlungS- zeit 9",— 1 u. 4—7'/.. Sonntags und Feiertags 9—1 Uhr. Kösiin 80 IL Brückenslr. 10� II am Jannowih-Bahnhof. ReutersWerke . 3 Sias« S Morl- Buchhandlung vorwärts Kopenhagener Kautabak dars nicht mehr einaesübrt werden. Bester Ersatz ist Kapitän-Kopen- Hagener feinster Omalität in dentclben Gcspinlten.* Erhälllich in den meisten Geschäften. C. Röcker, Bvrlin, Grüner Weg III.(Kgst. 3861.) Hauptniedertage d. Kapitän-Dabate sowie Nordbäuier u Mühlh. ����Nautabake�Ki�arreetenzuOriginaUFabritvreiseu��. 8. �84. KSuigl. Kreutz.) Klassenlotterl« ö.Klasse 19. Ziehnngstag 29. November 1916 Vormittag Slnf jede gezeaene Stummer Nu»»w,i nlein, hol,, Gemlnne g-fall«», nn»»war je einrr ans vi» Lose alrtcher Stummer in den beiden Abtellnnaen 1». II. Nur die Gewinne über 240 M. find w Klammeni beigeiügt. (Ohne Bewähr kl, St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) n eso so vag ss Iis« es 22« sgz ss«rs 7IS ss ses ss (5001 991 2'91 174 9« 727 85 677 3078 188(SM) 201 30 69 83 4 60 674 959 61 85 4 037(1000) 64) 04 21 316 658 76 864 62 937 6013 ICO 478 617 6)8 760 940 6f0« 37 81 91 141 60 363 637 739 66 694 9>9 7C67 286 386 642 780 967 8028 364 (3000) 439 670 69 773 990 8026 209 60 323(10C0) 310 46 537 876 91 10268(3000) 64« 726 11081 109 22 28 47(500) 73 370 485 (1000) 612 772 817 49 908 1 2082 181 333 72 468 72 618 SC 789 921 13)18 63 85 92 207 33 47( 600) 346 414 20 603 14(500) 81(1000) 85 734 94 926 1 4018 30 93 127 67 77 364 61 616 80 738 848 1 6034 36 117 228 479 776 855 909 1 8067 92 127 63 312 46 405 20 31 606 30 87 91 860 65 13000) I70J4 70 128 69 371 432 640 626 81 63 79 1 8171(3000) 226 46 167 444 680 97 618 742 64 19133 441 200)0 160 469 644 636 834 903 21081 92 113(600) 4g 229 85(600) 311 60 1600) 469 570 6»0 92 766 903 1600)«4 (1000) 2 2024 164(1000) 363 408(8000) 33 803 903 2 3IB1 £60 83 323 46 417 43 63 623 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Geöfinel von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr.! » IVsliIkrei«-: Lt. Fritz. Prinzenstr. 31, Hos rechts pari. Geöffnet) ' u_ ii/. und von 4'/,— 7 Uhr. Wahlkreis: C fl c u; Noberl ZS e n g e IS. MarkuSstr. 36. Geöffnel ran 11— IV. und VON 4'/,— 7 Uhr.— Karl Meli-, PelerSburgerpiatz 4. ("adenl Geöffnet von Ii— l'lj und von 41/, 7 Uhr. Wahlkreis,® üd osteni Paul Böhm. Laufitzerplatz 14, IS. Eröffnet von 11- l1/, und von 41/,— 7 Uhr. 5T Wahlkreis: Leo F u ch t Fmmanuelkirchstr. 12(Hof). Geöffnet «.'Wahlkrein�B�aMt): Solomon Losep�h. Wilhelmshaven« W'-uV.-*>->- ILalistraße 9. Geöffnet von 11—1'/, und von 4 /,—( uyr. CeHundbrunncn: Fischer. Bastianslr. 6. Laden. Geöffnet von 11—1'/, und von 4>/.— 7 Uhr.„ ISchttnhanser Vomtatit: Karl Mar? Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/*— 7 Uhr. /» dlertihot: Karl Schwarzlo)«. BiSmarckstr. L3. 7 Uhr morgen« bi» 8 Uhr abend». �«t A It-C 1 ieniekc, Palkcnborg: Wilhelm Dürre, griedrichftr. 46. liaimt&ehaieiivzex: H. Hornig, Marienthaler Str. 13, 1. Ii vi na», libntfiental, Zepernick,!Sch«ino*»c brück und Bach: Heinrich iörojt, Mühienstr. 6, Laden. Bohnsdorf: Paul Gens ch. Bohnsdorf. GenoffenschaitShauS. .Paradies'. Aeitungs-Msgabeftellen und Inseraten-Annahme. 174, am Koppenplatz. Geöffnet, Charlottenhar«:: Gullav Scharnberg, Sesenheimer Ltr. 1. Ge-I Xieder-8eh»ne*rei«ie: 8 Greifenhagener Str. 2S. Geöffnet von Zrtchstr. 46 i. Schön» Verantwortlicher Redakteur: Hermann Müller, Tempelhof. Geöffnet> Oharlottenharir: Enllav S charnberg, Sesenheimer Ltr. 1. s öffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. kciehTraliie, Schmöckwitz: Däfnr Mahle Grünauerstr. 37. Erkner, Xen-Zlttnn: g. Pauli ßt, Kurzestr. 10. Freder«dorf-Peter«ha|cen: Usfenwalser, Petcrshagen. Frledenan, ktesrlitz,»tidende; H. Cerniee, iUfenstr. 5 in Steglitz. Geöffnet von 11— l'l, und von 4'/,— 7 Uhr. Frlodrichichojren, Flchtenan, Rahnsdorf. SchOnelehe. Kl.-Schönebeck: Ernst Werlmann, Friedrtchshagcn, Köpe- Nicker Straße 15. Vriinan: Franz Klein, griedrichftr. 10. Johannisthal, Rndow; Max K o N I ch u r. Parkstr. 23 KarI»hor*t: Hermann® Illing, Dönhoffftr. LS. Königs-Wnsterhansien. Wildau, Sloderlehmo: Friedrich B a u m a u n. Luckenwalde? Straß« 5. Köpenick: Emil Sitzler. Kietz-rftr.«. Laden. Geöffnet von morgens 7 Uhr bis abends 8 Uhr...... � Lichten bei-K 1, Erlcdrlchsfelde, HohenechöahanBon: Ctto Seilet, Warlenbergslrage 1(Laden). Geöffnet von 11— 1 /, und von 4'L— 7 Uhr._ Lichtenberg 11, Rnmmelabnrg, Stralau; J i"* l r a n z, KlU-Boxbagen ös. Geöffnel von 11— s I, und von 4 7 Ucc. nahlsdorl, Kaulttdorf, Bi©0dorli P. Hetzberg,«auts- n ar�Vd orT" Rarlenfelde:»ugust Letp. Ehausseestr. 29. heaenha�eiitz Hoppe�artcn: x»oiijcio®fC, Dottt- Neukölln: M. Heinrich, Neckarftr. 2. im Laden. Geöffnet von 0-2 und oon4-7U.hr: Neutölln. Britz: Rohr. Siegiriedstratze 25/29. Geöffnet von 11—1�/, und von*'/,— 7 Uhr._____.-—-— �, Für dcn Inseratenteil verantw,: Th.Glocke, Berlin. Dnicku. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei und VerlagSanffalt i-aul \leder-8chönewelde: Wilhelm Unruh, vrückenftr. 10. II. V owawes: Karl Krähnberg, Eisenbabnitr. 10. t»her.»ehönewetde Alfred Bader. Wilbelminenhofstr. 17, Laden. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 3 Uhr abends. Pankow, Nledernchönhannon, Nordend, Prz.-Buch, holz, Blankenburg: Stißm ann, Mühienstr. 39. Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. Reinickendorf- Ost, Wilhelmeruh und Schönholz: V. G u r i ch. Provinzftr. 5«. Laden. Geöffnet v. hl— 1'/,». 4'/,— 7 Uhr. löchenkendort b.KönigS-Wufterhausen: Chr. Ha utf ch l e, Dorsstr. 19. vchöneherg: WUbelm v ä u m l e r, Meiningt: Straß« 9, im Laden. Geöffnet von 11—1'/, und oon i'1,—7 Uhr. (Spandau,\ onnendamm: Schumacher. Lretteftr. 84. Geöffnel von 8 UM morgens bis 8 Uhr abends..., Degcl, Boretgwalde, Wittenau, WaldmanneloBt, Hermsdorf, Hohen• Xeuendorf. Birken werder, Erole tScholle u. Reinickendorf- W est: Baui rt itn ait, Borfigwalde, Kämchiirase 10. Geöffnet von 11—1 /, tt. oon 4 7 Uhr. Teltow: L e n f ch n e r, tzavelstr. L. Tempelhof: Rud. Ueckermauu, Kaiser-Wilhelmstr.>L Treptow: Rod. Gramen,, �-fholzstrag« 413. Lasen. Geöffnet von 7 Uhr morgens bi» 8 Uhr abenvs.«n ,, Weiüeattee, Ueln©p»dopf: R o v t o p!, V«lmer iUle« 11. Wiimersdork, Halensee, Schmargendorf; Paul Schildert, ZeiUhea?Miersdopf: Wilh. Schulz, Zeuthen. Ztethenftr. 1«. Zossen s Fr. R atsch- verltner Str. 24. Sr. Sämtliche ParleüUeratur iowte alle wissenschaslltcheu Werte werden geliesert. gönnte«» find die Ausgabestellen gefchloneu.__ mger 4 So, Berlin SW. Ks.