Ar. 881* 33. Jahrg. flbonnements-Bedlngnngoi: iUsonnementS• BrctS sr&tumctanb« Siertetjätirl 8,90 MI, monatL 130 MI, wöchenUich 30 Big, frei ins Hau». Einzelne Kummet 5 Big. Sonntags- Rummct mit illuftncitci SonmagS- BsUage.Die Reue Weif 10 Big, Bosl- ilbonnement: 1,30 Marl Uta Monat. Eingettagen in die Boll-Zeitung»- Bteisliile. Untet Kreuzband iür Deun'chland und Oesterreich. Ungarn 230 Marl, iür das übrige Busland i Marl uro Munal Bostabonnemems nahmen an Belgien, Dänematch Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, BiiTHömen. Schweden und die Schweis cilchiim täglich. Vevlinev Dolksblnkt. f 5 Pfennig) Die InkrtionS'Gcbüljr deträgt iür die lcchsgelvalienc kolonel- teile oder deren Raum K0 Blg,, lür politische und gewerischastliche Lercins- und Versaminlungs- Anzeigen 30 Big, „Kleine Sn-eig-n", das ,cttgedniclie Wort»0 Psg,(zulässtg 2 ietlgedruille Worte), jedes weitere Wort 10 Big, Stellengesuche und Schlalsiellenan- zeigen das erste Wort 10 Bsg„ jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über lü Buchstaben züblen sür zwei Worte, Inscrule stir die nächste Nummer niüjjen bis s Ulir nachinitiags in der Exveditiou abgegeben werden. Die Expedition lit bis? Uhr abends gebjinet. Delegramm-Adreste: .Soiszstlewssiisl Rcrllo". Zentralorgan der rozialdemokratifcben Parte» Deutfchlands. Neöaktion: SW. SS» Linüenstraße?. Feruivrecher: Ami Moritzpla«, Nr.»S» SO—»Kl 97. Sonnabend, den A. Dezember 1818. Expedition: EW. HS, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morittplatt, Nr.»Kl 90—»5» 97. In Richtung auf Bukarctt! Siegreiches Vordringen in der Walachei und gegen Bukarest.— Russische Entlastungsstürme in den Karpathen und in der Dobrudscha. Amtlich. Großes Hauptquartier, 1. De- zember 1916. �W. T. B.> Westlicher Kriegsschauplatz. Keine besondere» Ereignisse. Oestlichcr Kriegsschauplatz. Front des Generalfeld Marschalls Prinz Leopold von Bayern. Au der Zlota Lipa wiesen ottomanische Truppen mehrere russische Augriffe ab, stießen dem zurückflutenden Feinde nach und brachten ihm dabei schwere Verluste bei. Zahlreiche Gefangene wurden zurückgeführt. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph. Russen und auf dem Südflügel Rumänen setzte« ihre Eutlastnngsvorstöße in den Karpathen fort. Zwischen Jablouica-Paß und den Höhen östlich des Beckens von Äezdivasarhely(Luftlinie 30V Kilometers griff der Gegner erbittert an; auch gestern brachte hoher Einsatz von Blut und Munition an kaum einer Stelle der langen Front ihm Vorteile. Vielfach gingen unsere Truppen zum Gegenangriff über und entrissen dem Feind Gelände, das er tags zuvor erobert hatte. Besonders zeichneten sich am Smotrec die Marburger Jäger aus, die vorstoßend sich über 40 Gefangene und 2 Maschinengewehre aus der feindlichen Stellung holten. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. In Westrumänien suchen die von ihrer Armee abge- schnittenen rumänischen Truppen durch Einschlagen wechseln- der Richtungen sich ihrem unvermeidlichen Schicksal zu entziehen. Gestern nahmen ihnen die deutschen und öfter- reichisch-ungarischen Verfolger über 300 Gefangene ab. Die über Campulnng und Pitefti längs der Flußtäler in der Walachei vordringenden Kolonnen machten reiche Beute an Gefangenen, Geschützen und Fahrzeugen, ins- besondere Bagagen. Gegen unsere vom Alt her vorgehenden Kräfte setzte sich der Feind an den zahlreichen Flußabschnitten zur Wehr; er wurde geworfen. Auch der Offcnsivftoß einer rumäni- scheu Division, der unsere Kavallerie auswich, konnte unser Borgehen nicht aufhalten. Die Donau-Armee erkämpfte den Uebergang über die Reajlov-Niederung und nähert sich dem Unterlauf des Argesul in Richtung auf Bukarest. Außer den hohen Verlusten haben die Rumänen gestern — die gemeldeten Zahlen ausschließlich— über 2500 Gefangene, 21 Geschütze, dabei 3 Mörser, eingebüßt. In der Dobrudscha griff der Feind den bulgarischen linken Flügel an; im Feuer brachen die angreifenden Massen� zusammen. An dem Fchlschlag konnten auch eng- lische Panzerkraftwagen nichts ändern, deren 2 vor den Hindernissen zerschossen liegen blieben. Mazedonische Front. Die Truppen der Entente stießen wieder vergeblich gegen die deutsch-bulgarischen Stellungen nordwestlich von Monaitir nnd bei Gruniste(östlich der Cerna) vor. Ter Erste Generalquartiermeister. Lude ndorf f. * flbenöbericht. Amtlich. Berlin, 1. Dezember, abends.(W. T. B.> Im Sommc-Gebiet Feuer auf beiden Flußuferu zeitweilig auflebend. In der Walachei Fortschritte. Am linken Flügel der Dobrudscha-Armee scheiterten wiederholte Angriffe des Feindes, der erneut Panzer- kraftwageu ohuc Erfolg verwandte. Nordwestlich Monastir und bei Gruniste wurden Vor- stoße des Gegners abgewiesen. Der österreichische Sericht. Wien, 1. Dezember 1916.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlichcr Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des GencralfeldmarschallS von Mackensen. Die Donau-Armee dringt südwestlich von Bukarest gegen den unteren Argesul vor. Südöstlich von Pitefti und südlich nnd östlich von Campulnng wurde durch die siegreichen Kolonnen der Verbündeten erneuter rumänischer Widerstand gebrochen. Die Einbuße des Feindes an Gefangenen betrng auch gestern mehrere Tausend, die Beute an Geschützen und Kriegsgcrät ist groß. HecrcSfront deS Generalobersten Erzherzog Joseph. Die Russen setzen nach wie vor alles daran, gegen die tapferen Truppen der Generale von Arz und von Kocveß durch- zudringeiu Die Schlachtfront erweiterte sich gegen Süden, da sich im Grenzgrbirge östlich von Kezdivasahrhely die Rumänen dem Augriffe anschlössen. Der Kampf wurde wieder mit größter Erbitterung geführt. An zahlreichen Stellen ging der Verteidiger zum Gegenangriff über. Der Erfolg war auch gestern ganz auf unserer Seite. Heeresfront de» G e n e r a l f e ld m a r s ch a l l» Prinz Leopold von Bayern. Au der Zlota Lipa schlugen ottomauische Truppen einen russischen Vorstoß ab; sie folgten dem geschlagenen Gegner bis an seine Gräben. Italienischer Kriegsschauplatz. Der Geschützkampf südöstlich von Görz und auf der Karst- Hochfläche hielt in wechselnder Stärke an. Unser Feuer brachte mehrere Munitions- und Minendepots der Italiener zur Ex- plofion. Auch in einzelnen Kärntner und Tiroler Abschnitten herrschte lebhaftere Artillerietätigkeit. Feindliche Flieger warfen inS Etsch- tal Bomben, ohne Schaden zu verursachen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Der Stellvertreter deS ChefS des Gcncralstabe». v. H o e f c r, Fcldmarschallcutnant. Trepow gelobt Bsquith üen endgültigen Triumph. Nach der Petersburger Tel.-Agentur hat Mitiisterpräsident Trepow an Asqnith ein Telegramm gerichtet, in dem es heißt, er sei glück- lich, Asqnith erneut die Gefühle der russischen Regierung ausdrücken zu können, die mit Gottes Hilfe und im Zusammenwirken mit den Alliierten auf den endgültigen Triumph über den gemeinsamen Feind rechne, ebenso auf die unlösbare Frenndschaft zwischen den beiden Ländern, die für immer durch das für dieselbe Sache gemeinsam der- gossene Blut geschlossen sei. « Unruhen und KricgSmüdigkeit in Rustland. Stockholm, 30. November. iW. T. B.)»Svenska Dagbladet" erfährt von Augenzeugen aus Rußland, daß die Lebensmittel- frage immer brennender wird. Die Unruhe der Massen lvackse ständig. In den Vorstädten von Petersburg fändeii oft Z u s a m m e n st ö ß e zwischen Kosaken und Einwohiiern statt. Das Blatt sagt fernerhin: Streikunruhen sind in letzter Zeil an der Tagesordnung, obwohl jetzt Streikende sofort in die Schützen- grüben geschickt werden. Die allgemeine Kriegsmüdigkeit greift von den Städten aus das Land über. Die Unzufriedenheit kann nur durch das Mittel unterdrückt werden, das in Rußland in kritischen Lagen immer angewendet wird, nämlich die harte Hand, die zu- schlägt. Die jetzige Lage in Rußland, so schließt der Bericht des Schweden wörtlich, mutz zu der Annahme bestimmen, daß man während des Winters und vielleicht ziemlich bald recht überraschende Neuigkeiten von dort hören wird. Trotz aller Ableugnungen steht Rußland vor einer Enticheidung: denn man ist sich allgemein darüber klar, daß der jetzige Zustand unhaltbar ist. Nach einer Stockholmer Meldung der„Voss. Ztg." besagt ein Tagesbefehl des russischen Gcneralstabschefs vom 9. November, daß „der dem Stabe des höchsten Befehlshabers zugeteilte Senator Trebugow nach Petrograd behufs Revision der dortigen Arbeiter- bevölkerung im Zusammenhang mit den Vorgängen während der jüngsten Tage abkommandiert wird I" Ich muß ein bischen revidieren— mag sich Trebugow mit Mephistophelcs sagen. W a S— das sagen etwa die vorstehend ab- gedruckten Mitteilungen. das Opfer der Mrbeitsfteiheit. Es wäre eine Vergeudung von Zeit und Druckerschwärze. wollte man erst lange über die Tatsache debattieren, daß die Wirkungen des Dienstpflichtgcsetzcs für alle von ihm Betroffenen zunächst unangenehme sind. Es ist ein Gesetz, das dem einzelnen Zwang und Pflichten auferlegt, und eine Beschränkung der persönlichen Freiheit nimmt niemand gern hin. Also ist das Gesetz abzulehnen?— Wenn man Flug- blättcr und Artikel der Arbeitsgemeinschaft und der noch Radikaleren liest, so wird da von nichts weiter geredet, als den Verdrießlichkeiten, den Nachteilen, die es den Arbeitern in Aussicht stellt. Und nachdem diese, selbstverständlich in der schwärzesten aller Tinten gemalt, aufmarschiert sind, kommt wie von selber der Schluß, daß auch nur ein Ertnägen der Möglichkeit, ob man das Gesetz annehmen dürfe, Verrat der Arbeiterinteressen sei. Diese Argumentation erscheint zunächst ungeheuer ein- leuchtend, sie ist ja auch so einfach und verständlich. Aber bitte— einen Augenblick nachdenken! Ist es wirklich Aufgabe des Volksvertreters, jedes Gesetz abzulehnen, das seinen Mandatgebern nur Lasten, nur Verpflichtungen bringt? Da fällr uns gleich eine Reihe von Gesetzen ein, die nur Pflichten bringen und gleichwohl als unentbehrlich von jedermann an- erkannt Wersen. Steuergcsctze, Wehrpftichtgesetze usf. Wie der Staatsbürger Rechte einerseits, Pflichten anderer- seits hat, so zerfallen auch die Gesetze in zwei Klassen: die, ivelche Rechte gewähren, nnd die, welche Pflichten auferlegen. Wann ist ein Gesetz der letzten Klasse mizunchmcn? Sicher, wenn man erkannt hat, daß die Opfer, die es vom einzelnen erheischt, im Interesse der Gc- s a m t h e i t n o t>v e n d i g sind. Und da kommen wir auf einen Punkt, der in jenen Flug- blättern mit keiner Silbe erwähnt wird. Nirgends stoßen wir auf die Frage:„Wie ist man denn eigentlich darauf verfallen, der Bevölkerung dieses neue Gesetz aufzuerlegen? Etwa aus llnterdrückungsivillcn, aus Herrschergelüsten, aus Freude ani Drangsalieren? Hat wirklich eine Regierung im Jahre 1910 plötzlich den perversen Wunsch verspürt, im deutschen Lande die Leibeigenschaft neu zu errichten? Ach nein, jetzt fällt es uns plötzlich wieder ein. Da draußen an der Somnie, mctertief in den lehmigen Boden eingegraben, harren mutig und ungebeugt viele hnnderttausend der Unserigcn ans, unsere Brüder, unsere Söhne, Freunde, unser liebstes Fleisch und Blut. Uni sie bebt und berstet die Erde unter dem Trommelfeuer aus zehn- tausend Schlünden, jenem Tromnielfeuer, das heute die Welt- geschichte hämmert. Wohl bietet der Graben ersten Schutz, aber der Granatenregen ebnet ihn ein, Beton und Eisenschutz- tvehrcn zerstäuben wie Kalk, gegen Granaten gibt es auf die Dauer nilr eine Abwehr— selber Granaten! Auch die Arbeitsgemeinschaft hat oft genug erklärt, daß sie die Niederlage Deutschlands nicht wolle, sie wünscht einen „Frieden ohne Sieger und Besiegte". Glaubt jemand, daß solch ein Frieden dann tioch etwa diplomatisch erreicht werben kann, wenn eine Partei militärisch niedergerungen nnd z e rs ch m c t t e r t w o r d e n ist? Und dies Schicksal droht heute jeder Partei, der die Granaten ausgehen. Man komme uns nicht mit dem bequemen„Das ist un- möglich", tiämlich, daß Deutschland in jener Weise zu Boden gezwungen wird. Wer sich auf diesen billigen Gemeinplaß zurückzieht, dem empfehlen wir die Lektüre jener kleinen imd feinen Zschokkeschen Novelle, in welcher der Hofrat Stryck niü seinem ständigen„Es ist sehr möglich" allemal gegenüber der Mitwelt im Rechte bleibt, jener Mitwelt, die nie für mög lich halten will, was ihr unangenehm werden könnte. Es ist nicht imr möglich, ja, es ist sicher, daß es zu jener uns wie der Arbeitsgemeinschaft höchst nncrtvünschteil vernichtenden Niederlage Deutschlailds konimen muß, ivenn DeutschlanS in der Btunitionserzengung mit den ungeheuren Anstrengungen seiner Gegner nicht Schritt halten kann. Ein gleiches gilt natürlich, wenn infolge Mangels an Arbeitskrästen die Land Wirtschaft noch unter ihre jetzige Erzeugtlngsmcnge herunter- sinkt und somit der englische Anshungerungsplan gelingt. Es kann gar nicht oft genug betont Iverden, daß eine deutsche Niederlage auch der Arbeiterschaft noch ganz andere Lasten und Beschiverden auferlegen würde als sie die zivile Dienstpflicht— leider— init sich bringt. Um das größere Uebel abzuwenden, stimmen wir dem kleineren zu. Wir unterstellen uns der Dienstpflicht wie wir den Beitrag zur Gewerkschaft zahlen: gewiß nicht mit überwallender Freudigkeit, sondern in dein ernsten Bewußtsein, daß die s Opfer notwendig ist. Freilich überhebt uns dies Bewußtsein nicht der Pflicht. das Gesetz nach allen Richtungen hin darauf zu prüfen, vb es nicht in der Freiheitsbeschränkung unnütz weit geht, ob nidit Kauielen gegeil Mißbrauch zu schaffen sind, ob nicht Schädigungen des einzelnen verhindert oder vergütet werden müssen. Hierin jjat der Reichstag am Donnerstag unter Voran- gang der Sozialdemokratischen Fraktion ein gutes Stück Arbeit geleistet. Er hat die Garantien, welche die Regierung dem Gesetz in unverbindlichen„Richtlinien" beigab, in vermehrter und verstärkter Form in das Gesetz selber hineingearbeitet. Der 30. November wird vielleicht ein- mal in der Geschichte als einen Siegestag der Ge- lo c rksch asten verzeichnet werden. Nicht um der Aeußer- lichkcit willen, daß sie vom Regierungstisch eine schmeichel- hafte Anerkennung ihrer früher sooft verkannten und ver- lästerten Tätigkeit erhielten. Nein, weil im ganzen Reichstag — mit Ausnahme vielleicht der wieder einmal isolierten Rechten— nur das eine Gefühl herrschte: Gegen die Gewerk- ichaften, ja auch nur ohne die Gewerkschaften können wir das Gesetz wohl machen, aber nicht durchführen. Die wachsende materielle Macht der Gewerkschaften trat zum erstenmal im Parlament greifbar in die Erscheinung. Das„Nein" der Gelverkschastsführcr wog der Reichstags- Mehrheit— seltenes Schauspiel-f- mehr als das„Nein" vom Regierungstischc. Herr Helfferich, der es in seiner jetzigen Ressorttätigkeit als Hauptaufgabe betrachtet, jedem gesetzlich festzulegenden Fortschritt bureaukratisches Mißtrauen, ministerielle Bedenken und juristische Spitzfindigkeit entgegen- zustellen(man kann auch sagen: er läßt sich jede Konzession an den Fortschritt fetzcnweise aus den Zähnen ziehen), sah sich mehr und mehr in die Defensive gedrängt und beschwor schließlich das hohe Haus händeringend, das mit Sozial- Politik bcladene Schiff nicht vollends zu überlasten. Aber es half ihm nichts. Während man in früheren Zeiten ge- wohnt war, daß 90 Proz. der sozialdemokratischen Verbesserungs- anträge unter den Tisch fielen, wurde diesmal der weitaus größere Teil der im Arbeiterintcresse gestellten Anträge mit überwältigenden Mehrheiten angenonimen. Dies Resultat war freilich nur möglich, weil die Sozial- dcmokratie und die Gewerkschaften sich nicht von vornherein von der Mitarbeit an dem Gesetz ausschlössen. Eine bloße Demonstrationspolitik hätte es nie erreicht. Das Gesetz wäre trotz alledem angenommen worden, aber mit einer Unzahl von Fallstricken, Freiheits- und Rechtsminderungen für die Arbeiter, die jetzt dank unserer wachsamen Tätigkeit aus- geschaltet sind. Der Entwurf muß wohl noch die dritte Lesung passieren, und es ist nicht ausgeschlossen, daß die Re- gierung inzwischen die Parteien zu veranlassen sucht, hier oder da ein paar Pflöcke zurückzustecken. Aber die feste Erklärung der Gewerkschaften„Ohne weiteste Garantien machen wir nicht mit!" wird hoffentlich eine solche Rückwärts- rcvidierung in letzter Stunde noch vereiteln. Bei alledem liegt kein Anlaß zu lautem Jubel vor, weil in diesem Gesetz sozialpolitische Forderungen zum erstenmal durchgesetzt wurden, die jahrzehntelang Gegenstand erbitterter nnd für uns vergeblicher Kämpfe waren. Denn in seiner Gesamtheit bleibt das Gesetz bei allen Schutzmaßnahmen ein Opfer. Aber ein Opfer, das gebracht werden muß, damit wir uns nicht selbst zum Opfer unserer Feinde bringen. Sringt Gerarö Sie Irieöens- vermittlung l Sethmann über ihre Aussichten. Der amerikanische Botschafter, Herr Gerard, verläßt am 2. Dezember seine Heimat, um sich nach Berlin zurückzu- begeben. In der„Deutschen Tageszeitung" versichert Graf Reventlow, Herr Gerard bringt einen Friedens- Vermittlungsvorschlag der Vereinigten Staaten mit auf einer Grundlage, die vorher in ihren wesentlichen Teilen zwischen Washington und London vereinbart worden sei. Diese Nachricht, die den meisten Deutschen, aber auch den meisten Engländern, Russen, Franzosen usw. gar nicht unangenehm in die Ohren klingt, versieht der alldeutsche Publizist mit folgenden Bemerkungen: Herr S ch e i d e m a n n hat sich ja neulich in der Lage ge- sehen, in einer langen Funkendepesche den Amerikanern mitzu- teilen, er, mitbin auch das deutsche Volk und dessen Regierung, seien bereit, alles, was belgisch gewesen sei, belgisch und alles,' was französisch gewesen sei. französisch werden zu lassen. Es sei in diesem Zusammenhange daran erinnert, daß Herr Scheide- m a n n schon vor Wochen in positiver Form im„Vorwärts" er- klärte, neutrale Friedcnsvorschläge wurden nicht auf sich warten lassen. Diese beiden Tatsachen seien nur zur Beleuchtung der höchst eigentümlichen Situation erwähnt, welche durch die Scheide» nrannsche Schreibe» und Depeschiertätigkeit im Vereine mit der amerikanischen antideutschen Politik entstanden ist, und für welch erstere die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bis zur Stunde kein Wort gefunden hat. Die Voraussetzung für den Friedensschluß auf Grund- läge der bekannten Formel Scheidemanns sei nach amerika- nischer Ansicht anscheinend gegeben,„habe doch selbst Herr Scheidemann, der Führer der allmächtigen sozial- demokratischen Partei, jedenfalls auch ini Einver- ständnisse mit der Regierung, die unbedingte Rückgabe Belgiens und Nordfrankreichs als selbstverständlich bezeichnet." Graf Reventlow sieht aber in allen Friedensbestrebungen nur die berühmte„Falle" für Deutschland. England pfeife auf dem letzten Loch und wolle sich durch die Vermittlung Aashingtons retten. Nicht viel mehr Gefallen als der Scheidemannsche Funk- spruch dürfte bei unseren schreibenden Bis-ans-Ende-Kriegern eine Unterredung finden, die der Reichskanzler mit dem Berliner Vertreter der„New York American" gehabt hat und über deren Verlauf die„Kölnische Ztg." ausführlich be- richtet: Der amerikanische Journalist machte darauf aufmerksam, daß die Rede des Reichskanzlers vom 9. November in der Verwirrung der Präsidentenwahlen dem amerikanischen Volke nicht genügend zur Kenntnis gelangt sei und er betonte mit Entichiedenheit, daß seine Landsleute an den Auslassungen des Kanzlers über eine inter- nationale Vereinbarung zur Sicherung des Friedens ein ganz besonders hervorragendes Interesse hätten. Der Kanzler zitierte darauf die Erklärungen, welche die ver- antwortliSen Staatsmänner von drei Großstaaten zur Frage der künftige» Friedenssicherung abgegeben haben; die schon bekannten Stellen aus seiner Rede vom 9. November, die markantesten bezüg- lichen Aussprüche Asquilh' und des Präsidenten Wilson. Der Kanzler bemerkte dazu:„Ich möchte wissen, ob irgend je- m and, der diese Reden nicht kennt, sagen konnte. von welchem StaatSmanne diese Aeußerungen st a m m e n."„, Was die Kommentare der englischen Presse zur letzten Kanzler- rede betrifft, so meinte der Kanzler, es scheine, als ob diese Presse pen Auftrag erhalten habe, seine Worte über die Bereitschaft Deutschlands, sich einer Friedeiisvereinigung anzuschließen, a b- sichtlich falsch zu d e u l e n, als ob sich hinler diesen Worten irgendwelche verwerfliche politische Absicht verberge. Der Kanzler betonte, daß seine Worte nichts anderes bedeuteten, als die aufrichtige Bereitschaft Deutschlands, an der Sicherung des Weltfriedens mitzuarbeiten. Die Unterredung wandte sich darauf dem neuen Hilfsdienst- gesetz zu. Der Kanzler sagte:„Ich glaube, nie zuvor ist eine Mobilmachung nationaler Energie in diesem gewaltigen Maßstäbe erfolgt. Das deutsche Volk ist absolut entschlossen, diesen Krieg zu Ende zu führen, und in diesem Entschluß rufen wir die ganze Kraft eines einigen Volkes aus. Jedoch dieser Entschluß, so gewallig in seinem Umfange und so sicher in seinem Ergebnis, bedeutet in keiner Weise eine Zurücknahme meiner Worte vom 9. November oder eine Veränderung der Anschauung, die ich seit über einem Jahr im Namen der deutschen Regierung und des deutschen Volkes ausgesprochen habe. Wieder und wieder haben wir unS bereit erklärt, in Friedens« Verhandlungen einzutreten. Unsere Aeußerungen haben niemals einen Widerhall gefunden, an manchen Stellen sind sie sogar als Aeußerungen der Schwäche und Furckt gcdeutel worden. Sicherlich beweisen die Ergebnisse des vergangenen Jahres genügend, daß wir damals nicht aus Schwäche oder Furcht sprachen Die Ergebnisse des kommenden Jahres werden zeigen, daß, wenn wir an unserer Bereitschaft, eine Beilegung des Streites zu erörtern, festhalten, wir lediglich dem Gebot der Mensch- lickikeit folgen, nicht aber dem der Furcht. Ich spreche ohne jede Befürchtung hinsichtlich des Ausgangs des großen Kampfes, wie lange er auch noch dauern möge, aber in dem ernsten Bewußtsein der Heiligkeit des Lebens, das uns von einer höheren Macht geschenkt wurde, und das nicht leichthin zerstört werden darf infolge menschlicher Mißhelligkeiten, die gemeinsame Be- mühungen zu beseitigen imstande wären. Der Kanzler schloß:„Wenn unsere Feinde nicht einsichtig find und ihre hoffnungslosen Anstrengungen fortsetzen wollen, so können wir nur fortfahren, sie den schweren Preis ihrer Torheit zahlen zu lassen. Die deutsche Seele ist entschlossen und nicht niederzudrücken. Gegen unsere feste, weit hingezogene Linie stürmen die Wellen der Angreifer vergeblich. Auf keiner Stelle der Front brauchen wir irgendwelche Besorgnis zu hegen. Morgen beginnen wir eine Ver- teidigungsmaßrcgel von überwältigender Größe. Indessen während das deutsche Volk mit unerschütterler Entschlossenheit den Kampf weiterführt, solange er nötig ist, um die Sicherung unserer nationalen Bestimmung zu erreichen, war und ist es stets unser Wunsch, die Betätigung des Friedeus sobald wieder«mszu- nehmen, als es uns möglich ist." Wenn eS also wahr sein sollte, daß der Botschafter Gerard Vorschläge zur Friedensvermittlung über den Ozean mitbringt, so wird er darauf rechnen können, in Berlin reundliches Gehör zu finden. Daß solche Vorschläge vrgfältig geprüft werden müßten, daß Deutschland nicht be- reit und nicht gezwungen ist, Frieden um jeden Preis zu erkaufen, ist selbstverständlich. Aber der Wunsch besteht, daß die Prüfung von Vermittlungsvorschlägen auf beiden Seiten zu einem Ergebnis führen möchten, das den Beginn von Verhandlungen ermöglicht. Leider aber ist in England und Frankreich die Richtung Reventlow noch stärker vertreten und in ihrem Einfluß auf die auswärtige Politik mächtiger als bei uns. Darum wird man sich über die Aussichten einer Friedensvermittlung keinen Illusionen hingeben. Man wird aber noch weniger aufhören, für sie zu arbeiten._ Deutschlanü nnd Norwegen. D r. Micha hell es über die U-Bootfrage. Kristiania, 30. November.(W. T. B.) Der kaiserliche Gesandte Dr. Michahellcs hat dem Mitarbeiter von„Dag- bladet" und„Stavanger Aftonbladet" eine längere Unter- redung gewährt, in der nochmals der deutsche Standpunkt in den U-Bootfragen dargelegt wird. Der Gesandte betonte besonders, daß Deutschland keinerlei Sonderbehandlung, weder der Kriegs- noch der Handels- U-Boote dulden könne. Norwegen habe als einziger neutraler Staat durch Sondervorschriften für U-Boote beider Art im Sinne der Ententenote den Anschein er- weckt, als wolle es sich der Auffassung der Entente anschließen. Die Note sei deshalb in Deutschland als eine gegen deutsche Inter- essen gerichtete unfreundliche Handlung aufgefaßt worden. Die norwegische Regierung habe jedoch inzwischen weitere Aufklärung gegeben. Die Verhandlungen dauerten fort, über die er Aufschluß nicht geben könne. Vor allem unterstrich der Gesandte fernerhin den Umfang und die Bedeutung des Bannwaretransports durch nor- wegische Schiffe, durch die der Krieg verlängert werde. Dagegen müsse sich Deutschland mit allen völkerrechtlich erlaubten Mitteln wehren, um auch dadurch auf das große Ziel hinzuarbeiten, den Krieg durch einen lttldigen für Deutschland günstigen Frieden zu beenden zum Heil auch der neutralen Staaten. Die neuesten Lebensmittel- und Transportkrisen in England, Frankreich und Rußland zeigten die scharfe Waffe, Deutschland werde sie sich nicht nur nicht aus den Händen winden, sondern auch nicht entschärfen lassen. Eine Hauptlinie der deutschen auswärtigen Politik sei, daß die deutschen Kriegs- und Handels- U-Boote ungehemmt durch Ausnahmebe st immun. gen irgendeines SeestaateS die Wogen aller Meere befahren können. Bezüglich der Norwegen besonders interessierenden Frage nach der Rettung von Menschenleben bei Versen- k u ii g von Schiffen sei alles Menschenmögliche getan worden, was sogar von norwegischen Seeleuten öfter öffentlich anerkannt loorden sei. Etwaige neue norwegische Vorschläge, die Rettungs- mittel zu verbessern, würden deutscherseits sicherlich gern in Er- wägung gezogen werden. Die norwegischen Behörden müßten aber ihrerseits eine schärfere Aufsicht über die Seetüchtigkeit und Aus- rüstung von Rettungsbooten besonders der älteren Schiffe aus- üben als bisher. Weiter äußerte der Gesandte, daß, falls die norwegische Regierung Rücksicht auf die deutschen grundsätzlichen Gesichtspunkte für die Behandlung der U-Boote nähme und positive Beweise gäbe, daß sie auf die Erhaltung freundschaftlicher Be- Ziehungen mit dem Deutschen Reich Gewicht lege, dann die jetzige deutsche Mißstimmung gegen Norwegen wieder verschwinden werde. Teutschland werde die schwierige Stellung Norwegens in Betracht ziehen, müßte aber energisch von einem wahrhaft neutralen und unabhängigen Norwegen erwarten, daß es die deutsche Krieg- führung und Volkswirtschaft nicht unbilligermaßcn schlechte: be- handele, als die Gegenseite. Der Gesandte schloß: Wenn Deutschlands Gegner endlich ein- gesehen haben werden, daß sie unS den Sieg nicht mehr zu cnt- reißen vermögen und eine Fortsetzung des Krieges ihr: Lage immer nur noch mehr verschlechtert, dann wird auch dieser Krieg sein Ende nehmen. Möchten dann nach Beseitigung der äugen- blicklichen Schwierigkeiten und Mißstimmungen das deutsche und das norwegische Volk unter den Segnungen des Friedens wieder gute Freunde fein und bleiben. Ein solcher Zustand wird beiden Rationen zum Vorteil gereichen. die /lenöernng in öer englischen /lömiralität Die gesamte englische Presse beschäftigt sich naturgemäß mit der Aenderung in der Admiralität und besonders die konservativen Blätter sind äußerst zufrieden, daß hiermit einer ihrer Haupt- wünsche erfüllt wird, denn sie erwarten von den neuen Män- nern ein aggressiveres Vorgehen der Flotte. Auf gestern wurde eine große Versammlung von Geschäftsleuten der Londoner City angesetzt, die die Forderung einer energischeren Folttenpolitik festlegen soll. Vor allem wird die Beseitigung der U-Bootnot gefordert. Das ging deutlich aus einer Aeußerung der„Daily Mail" hervor, die vor etwa Wochenfrist aus Anlaß des „Britannic"-Unterganges, den das Blatt einem U-Bootangriff zur Last legte, schrieb:„Das britische Volt muß sich auf solche tragische Vorfälle vorbereiten und auch auf viel teuerere Lebensmittel, wenn das gegenwärtige Regime bei der Admiralität fortdauert. D e r Unter seebootfelozug mutz unterbunden werden, bevor er uns zerbricht, und zwar schnell. Dafür brauchen wir die äußerste Kraft und Energie bei der Admiralität und dem Auswärtigen Amt— eine Energie, die in dieser bedauernswerten Angelegenheit nirgends gezeigt wurde. Wird nichts unsere Re- gierung aufwecken?" Der widerstand Griechenlands. London, 39. November.(W. T. B.) Unterhaus. In Be- antwortung einer Anfrage betreffend die neue Lage, die durch die Weigerung der griechischen Regierung geschaffen sei, gemäß der Forderung der Alliierten die Waffen auszuliefern, er- klärte Lord Robert Cecil: Admiral Fournet hat die griechische Re- gierung davon in Kenntnis gesetzt, daß er, sofern ihm nicht die Artillerie im Lause des morgigen Tages ausgeliefert werde, ge- zwungen sein werde, gewisse Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Die Natur dieser Gegenmaßnahmen kann nicht im voraus bekannt- gegeben werden. Athen, 39. November.(W. T. B.) Reuter meldet abends: Die Regierung hat dem Admiral Fournet geantwortet, daß sie sich endgültig weigere, die Waffen auszuliefern. London, 1. Dezember.(23. T. 25.)„Daily Telegraph" meldet aus Athen vom 39. November: Der König hat angeordnet, daß das 1. Armeekorps gegen die Besetzung griechischer Gebäude, die bereits von griechischen Truppen besetzt sind, Wider st and leisten solle. London, 1. Dezember.(W. T. B.) Der Athener Korrespon- dent des„Daily Telegraph" hatte am Mittwoch eine Unterredung mit Admiral Fournet auf dessen Flaggschiff. Der Admiral setzte dem Korrcspondenien auseinander, warum er in seinem Brief an die Regierung einen langen Termin bewilligt habe. Die Waffen befänden sich nicht in Athen und deshalb sei es notwendig gewesen, zur Ueberbringung der Waffen nach Orten, wo die Ab- lieferung stattfinden könne, entsprechend viel Zeit zu gewähren. Der Admiral sagte, er müsse auf der Ablieferung aller Waffen bestehen. Die Ententeregierungen seien sich über die Notwendig- keit, sie zu besitzen, einig. Man habe ihn gefragt, ob er auch den Soldaten die Gewehre aus der L>and reißen wolle: er sei aber der letzte, so etwas zu wünschen. Der König sei für eine friedliche Lösung. In seiner Umgebung befänden sich aber einige über- spannte Personen, die„plus roxsliste que>e roi" feien. Wenn die Regierung bei ihrer Weigerung bleibe, werde er Truppen landen lassen und die Punkte, die in Betracht kämen, besetzen. Fournet schloß: Ich verfüge über Marinesoldaten und Truppen und über das beste schwere Geschütz Ich hoffe, daß kein Blut fließen wird. Was mich betrifft, fo habe ick die Versicherung gegeben, daß kein Matrose oder Soldat der Entente den ersten Schutz lösen wird. Wie die„Köln. Volksztg." auZ Sofia berichtet, sagte der bul- garische Gesandte in Athen, Masaro w: Unsere Ausweisung hat uns kaum überrascht, denn wir wußten, daß der Vierverband alles aufbieten werde, uns zu entfernen, um weiter rücksichtslos ohne Zeugen arbeiten zu können. Der Eindruck der rumä- nischen Katastrophe sollte unbedingt abgeschwächt werden, und da konnte uns der Vierverband nicht brauchen. �mmer noch." London, 39. November.(W. T. B.) Unterhaus. Bei Erörte- rung der Wirksamkeit der englischen Blockade Deutschlands sagte Lord Robert Cecil: Ich kann sagen, daß im großen und ganzen jetzt keine überseeischen Zufuhren mehr Deutschland durch neutrale Länder erreichen, wenn auch Beispiele von Schmuggel und gelegent- lichem Durchschlüpfen durch die Seepatrouillen inmer noch vorkommen. Diese Beffpiele liefert vor allem das Handelstauchboot„Deutsch- land", das„immer noch" die Blockade zu brechen versteht. Aber die Seeblockade tut'S durchaus nicht allein. Denn eben jetzt, wo Lord Cecil mit Wohlgefallen feststellt, daß der Würgring geschlossen sei, geht der Vollkommenheit des AushungerungsplaneS mit der Walachei ein schwerwichtiges Stück verloren. Und wahr- scheinlich nicht bloß„gelegentlich". Das österreichische volksernährnngsamt (Genosse Dr. Renner im Direktorium) beginnt am 1. Dezember seine Wirksamkeit. Sein Statut sieht die Schaffung eines den beteiligten Bevölkerungskoeisen entnommenen Direktoriums und Ernährungsrates vor sowie die Heranziehung fachmännischer Beiräte. Dem Direktorium werden angehören u. a. die Reichstagsabgeordneten Fink(christlich-sozial), Freißler(deutsch- national) und Dr. Renner(Sozialdemokrat), sowie Generalstabs- oberst Wallenstorfer. Der Präsident trifft die Entscheidungen aus eigener Machtvollkommenheit, ohne an die Zustimmung anderer Zentralstellen gebunden zu sein. Das Amt für Volksernährung verkehrt unmittelbar mit allen staatlichen autonomen Be- Hörden und Aemiern. Dem Präsidenten steht bei der Leitung der Geschäste ein Direktorium zur Seit«. Als Vermittlungsorgan zwischen Amt und Bevölkerung dient ein aus mindestens vierzig Mitgliedern bestehender Ernährungsrat. Für die Schaffung des neuen Amtes war nach einer halbamtlichen Mitteilung folgende Erwägung maßgebend: verläßliche Sicherung des DurchHaltens im Kriege. Ein Kops mutz denken, ein Arm handeln. Eine Vermehrung der vorhandenen Vorräte ist augenblicklich und unmittelbar nicht möglich. Der Schwerpunkt der Tätigkeit des Amtes wird jedenfalls auf dem Gebiete der Verteilung der Nahrungsmittel zu suchen sein, wobei es sich hauptsächlich um folgendes handelt: Verläßliche Erfassung der Vorräte, Verhinderung ihrer Zurückhaltung von Vorräten, planmäßige Verteilung im Großen an die Konsumplätzc wo Bedarf herrscht, und an diesen gerechte Aufteilung an die Konsumenten: angemessene Preisregelung; die Zwischengewinnc müssen eingeschränkt werden. Die anstralische Regiernng für kräftige Kriegspolitik. Melbourne, 39. November.(W. T. 23.) Reuter meldet: Im Repräsentantenhause erklärte heute Bundes- Premierminister HugheS, die Negierung werde alles einer kräftigen Kriegspolitik unterordnen. Um die Hilfsquellen der Vereinigten Staaten von Australien bis zum äußersten auszunutzen und den Ersordernissen oe-Z Krieges zu begegnen, würden die ordentlichen Ausgaben ein« gcschränlr und strenge Sparsamkeit beobachtet werden. Die Bundesminister und die Minister der Eiirzelstaaten sowie Parlamentsmitglieder sind zusammen mit Hughes an der Aus« arbeiiung eines RekrutierungSsystems beschäftigt. Der Seekrieg. Schwedischer Protest. Kopeshage», 30. November..Nationaltidende* meldet aus Malmö: Der schwedische Gesandte in Berlin erhielt von seiner Regierung Anweisung, bei der deutschen Regierung gegen die Ausbringung des schwedischen Dampfers. R e s e r v" Einspruch zu erheben. Dieser stützt sich darauf, daß das Schiff sich nach der Ausbringung mehrere Stunden vor Malmö aus schwedischem ötebiet befunden habe, wodurch die Aufbringung ihre Geltung ver- loren habe. * Ein Hospitalschiff vogelfrei. Tie bulgarische Regierung hat den Regierungen der krieg- führenden Staaten mitgeteilt, daß der Dampfer„B u l g a r i a" der bulgarischen Schwarz-Meer-Gesellschast in ein Hospitalschisf umgewandelt worden ist. Nu ß l a n d hat mit förmlicher W c i g e- r u n g geantwortet, daß sie das Schiff nicht als Hospitalschisf) o f t h e Lake".„Echo de Paris" meldet aus Marseille die Ver- scnkung des italienischen Dampfers„Deila Belli". ttloyds meldet, daß der Dampfer„R e a p w e l l" versenkt wurde. Ein großes feindliches U-Boot griff am Nachmittag des 28. 11. die Fischerflotte von Brixham an. Zwei Fischdampfer wurden durch Geschützfeuer und Bomben zum Sinken gebracht. Ein ande- rcr war� als er zuletzt gesehen wurde, in sinkendem Zustande. Das U-Boot feuerte aus die Boore, nachdem die Fischdampfer ver- lassen worden waren. Die Geschosse gingen über die Köpfe der Besatzung hinweg. Die Kapitäne und Besatzungen der drei Fischer- fahrzeuge wurden gelandet. Tie Versenkung der„Blommersdvk". Aus Amsterdam meldet W. T. B.: Der S ch i f f a h r t s r a t hat in der Angelegenheit der Versenkung des Dampfers„B l o m m e r s d y!" dahin erkannt, daß der Kapitän des Dampfers berechtigt war. die Reise von New Vork nach Rotterdam zu unternehmen, und daß er alles ihm .Mögliche getan hat, um die Versenkung zu verhindern, daß er aber der gegen ihn angewandten Gewalt weichen mußte. Kleine Kriegsnachrichten. Gemüseausfuhr aus Holland verboten. Haag, 30. November. d' und Ozean für die Anfuhr indischer Produkte zur Ernährung von Rienschen und Vieh requiriert. 25 Proz. des Raumes der Postdampfer werden für denselben Zweck beansprucht werden. Der freibleibende Schiffs- räum ivird für Tee, Kaffee, Tabak. Ehinarinde und kleinere Pro- duktc des indischen Marktes reserviert werden. Dwse Maßregel war wegen der Schwierigkeiten beim Bezug der nötigen Futter- stosfe aus Nord- und Südamerika nötig geworden. Rcutcr-Bureau verkauft. Reuters Telegram Company ist für den Preis von oMOOo Pfund Sterling an Mar! Napier, Lord Glenconnor, Lord Peel und Sir Star Iamel'on verlauft worden. (W. T. B.) politische Hebers, cht. Aus dem Reichstag. Gegen Steuerdrückeberger.— Kleine An- fragen, verschiedene Antworten. Im Gegensatz zu der seltenen Länge der zwölsstündigcn Dauersitzung am Donnerstag war die Freitagsitzung des N eicht ages von einer seltenen Kürze. In einer guten halben Stunde war die Sitzung beendet. Auf der Tagesordnung stand allerdings nur ein einziger Beratungs- gegenständ, ein von Mitgliedern aller größeren Parteien eingebrachter Gesetzentwurf, der das Kriegs st euergesetz in einem notwendigen Punkt ergänzen soll. Es wird von Steuerpflichtigen der geschickte Versuch unternommen, die Höhe ihres kriegssteuerpflichtigen Vermögens durch Vorausbezahlung ihrer Steuerbeträge, durch hohe Lebensversicherungen und aus andere Weise zum bevorstehenden Veranlagungstermin am 31. Dezember herabzudrücken und dem Reiche dadurch erheb- liche Steuerbeträge vorzuenthalten. Diesem Mißbrauch schiebt das neue Gesetz unter Schonung der kleinen Versichcrungeil einen Riegel vor. Es wurde fast debattclos durch alle drei Lesungen hindurch verabschiedet. Im übrigen wurde eine Reihe von Anfragen aus dem Hause erledigt, von denen besonders zwei eine kurze Betrachtung verdienen. Eine Anfrage des Herrn Basscrmann erkundigte sich nach den näheren Umständen der Vertreibung der Vierbundgesandten aus Athen. Der neue Staatssekretär des Auswärtigen. Herr Dr. Zimmer- mann, beantwortete die Anfrage persönlich und benutzte die Ge- legenheit, sich nach der Beantwortung der Anfrage dem Reichs- tage in seiner neuen Eigenschaft als Staatssekretär vorzustellen und versicherte zugleich, daß er seinerseits stets alle Anregungen und Wünsche des Reichstags gern berücksichtigen wolle. Um so unangenehmer stach dagegen das Verhalten des Reichsamts des Innern ab, obwohl dafür dieses- mal nicht der Staatssekretär selber, sondern einer seiner wich- tigsten Mitarbeiter, der Ministerialdirektor Dr. L e w a l d, das Wort führte. Es handelte sich um eine Anfrage des Genossen Cohn von der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft, die Auskunft über die Rcchtsbeschränkungen verlangte, die man dem in Schutzhaft befindlichen, zugleich aber auch unter eine Anklage gestellten Genossen Dr. Franz Mehring auserlegt. Die diesem als Angeklagten zustehenden Rechtsgarantien werden aufgehoben oder doch in unglaublicher Weise verkürzt, indem man ihn in der militärischen Schutzhaft festhält. Als Gen. Cohn seine Anfrage ergänzte, hatte Herr Lewald inzwischen seine beiden Hände in seine beiden Hosentaschen vergraben und er brachte sie auch nicht heraus, ais er auf die Ergänzung der Anfrage eine schroff verneinende Antwort gab. Als Genosse Cohn eine weitere berechtigte Ergänzung seiner Anfrage ein- brachte, ließ Herr Lewald auch jetzt die Hände noch immer in ihrer erwärmenden Umhüllung und antwortete mit verletzender Rücksichtslosigkeit:„Ich verzichte auf eine weitere Antwort!" Was hatte Herr Lewald überhaupt zu verzichten? Die Anfrage ging an den Herrn Reichskanzler. Diesen so festzu- legen war nicht sein Recht und es entsprach auch wohl kaum — so wollen wir wenigstens hoffen— den Absichten des Reichskanzlers selbst. Am Sonnabend steht die dritte Lesung des Hilfsdienstgesetzcs auf der Tagesordnung. Dagegen ist dem Reichstage keine Vertagungsvorlage zugegangen. Er wird dieses Mal also nicht aus kaiserliche Verordnung beendet werden, sondern sich auf eigenen Beschluß vertagen, so daß er auch jederzeit durch seinen Präsideuten wieder zusammen- berufen werden kann. Die Sitzung beginnt ungewöhnlich früh: morgens um 9 Uhr. Industrielle, Sozialdemokratie und der Hilfsdienst. In Berlin hatten sich dieser Tage, wie die„Rat.-Ztg." erfährt, 600 Vertreter der Fachverbände der deutschen In- dustrie versammelt, um die Wirkungen des neuen Hilfsdienst- gesctzes zu besprechen. Im Verlause der Aussprache Ivurde auch dem Bedauern Ausdruck verliehen, daß bei einer Wirtschastsfragc von solcher Bedeutung, wie sie der Zivildienst darstelle, die Sozial- demokratie dicGe legen heii benutze, uni polt- tische M a ch t f r a g e n ins Spiel zu bringen. In diesem Bedauern liegt zugleich die Anerkennung mit eingeschlossen, daß die Sozialdemokratie bei der Beratung des Hilfsdienstgesetzcs die Interessen der Arbeiterklasse ver- fochten hat. Aber dazu ist sie doch da I Wunschzettel an den Weihnachtsmann. Dietrich Schäfer schreibt in der„Unabhängigen National- korrespondcnz" über„unser französisches Kriegsziel": Den Gebieten, die wir besetzt halten, gehört ein Zehntel der Bevölkerung des Landes an. Für Frankreichs wirischastlicheS Leben fallen sie noch viel schwerer ins Gewicht; sie sind seine in- dustrierreichsien Teile und steuerkräftig erheblich über den Durch- schnür hinaus. Frankreich entbehrt sie schmerzlichst. Sie schließen in sich die an Metz nnd unser lolhrmgisches Industriegebiet an- grenaendeir Erzbecken von Brich und Longwy, deren k ü n s t i g e r Besitz für uns eine wirtschaslliche Notwendigkeit ist. Ob und wie weil sonst noch Teile des henle von uns be- setzten französischen Gebietes beim Friedensschluß festzuhalten sind, isr eine mitilärische Frage, ebenso, ob LandcSieile, die »och nicht in unserem Besitze sind, wie B e l f o r t, der Westabhang der Vogcien, Toul, Vcrdun und Teile der Kanalküste genommen werden müssen. Singen wir doch lieber gleich: Das ganze Frankreich soll es sein l_ Nach dem Willen deS„Vorwärts"! Die„Kreuzzeitung' be- schäfligt sich mit unserem gestrigen Artikel«Durch Wahrheit zum Frieden" und meint dabei, daß auch der Reichskanzler„die Möglichkeit eines FriedensschlusieS reichlich optimistisch beurteilt." Eine kurze Wiedergabe unserer Ausführungen schließt sie dann mit der Bemerkung: „St ach dem Willen des„Vorwärts" werden wir also die Milliardenlast dieses Krieges für die nächsten Generationen niil uns zu schleppen haben. Wie dabei die wirtschaftliche Eni- Wickelungsmöglichkeit gewahrt werden soll, die auch die Sozial- demokralie als ihr Kriegsziel vertritt, ist das Geheimnis des „Vorwärts". Das ist ein gewolltes Mißverständnis. Der Krieg ist doch nicht nach dem Willen des„BorwärtS" entstanden. Nicht»ach dem Willen des„Vorivärts" iämpfen wir gegen vielfache Ueberzahl. Und der beste Wille weder des„Vorwärts" noch der.Kreuzzeitung" kann etwas an den Tatsachen ändern, die allein—.und nicht unser Wünschen und Wollen— wir unseren Aussiihrungen Hugrunde gelegt hatten. Die wirlschastliche Entwickelungsmöglichkeit Demschlands nach diesem furchtbaren Aderlaß wird aber durch sozialistische Organisation aller wirtschaftlichen Kräfte gewährleistet werden. Und wieder Helffcr'tchs Zu einer Anfrage des Zentrums- abgeordneten Dr. Trendel, die mehr als nur einen Ver- trctcr der Landwirtschaft bein: Reichskommissar für Heber- gailgswirtschaft fordert, erklären die„Berliner Pol. Nachrichten": „Mit Rücksicht auf die Zweckbestimmung, die e« erforderlich erscheineu läßt, daß als Mitarbeiter nur solche Personen tätig sind, die auf den genannten Gebieten praktisch e Arbeit zu leisten vermögen, hat der Staatsselretär des Innern gebeten, von der Zuziehung von Angestellten und Arbeitern bei dem Rcichskommissariat Abstand zu nehmen." Nach Dr. Helfferichs Meinung könnten danach also An- gestellte und Arbeiter bei der Vorbereitung deS Uebergangs zur Friedeuswirtschast nicht praktische Arbeit leisten. Daß der Staatssekretär des Innern noch immer nicht seine Zeit ver- stehen will! Das Herrenhaus hält am 8. Dezember Sitzung. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Verschiebung der Wahlen zu den Gemeindevertretungen und Handelskammern und eine Petition v. Hertzberg-Lolin, dahin zu wirken, daß 1. das Kriegs- ernährungsam t bei allen Anordnungen für die Volks- ernährung in Zukunir mehr wie bisher die Erzeugung von Lebens- Mitteln berücksiclitigen möge und 2. das Einfuhrmonopol der Zentral- Einkaufs-Gesellschaft beseitigt oder doch er- hcblich eingeschränkt werde. Studenten im Hilfsdienst. Der Rektor der S t r a ß b u r g e r llniversitäi hat an die Sludcntenichast einen Aufruf zur freiwilligen Meldung zum Hilfsdienst erlasien und gleichzeitig bestimmt, daß die UniversitälSbehörde die Arbeitsvermittlung zu übernehmen habe. Eisenbahnkatastrophe in Ungarn. 36 Tote, 30 Schwerverletzte. In der Nacht zum Freitag ist auf der Strecke Wien— Budapest, in der kleinen Station Herczeg-Halom, ein furcht- bares Unglück geschehen. Der Wiener Eilzug, der manchen ungarischen Teilnehmer vom Begräbnis des Kaisers Franz Joseph zurückführte, fuhr in einen Personenzug. Der Zu- sammenstoß erfolgte bald nach Mitternachts Die Nachricht kam erst um%2 Uhr an die Budapester Oberstadthauptmann- schaft, nach kurzer Zeit ging eine Rettungsexpedition in Auto- mobilen ab, der ein Sonderzug folgte. Eine W. T. B.-Depesche meldet aus Budapest: Die Zahl der bei dem Eisenbahnunglück Verunglückten be- trägt 68 To t e, z u m e i st Soldaten, und 159 Verwun- d e l e, darunter 69 Schwerverletzte. Der Ziviladlatus Serbiens, Exzellenz Ludwig Thalloczy, der in dem Salonwagen fuhr, wurde getötet, sein Sekretär, eine verwandte Dame nnd ein Oberleutnant, die sich gleichfalls in dem Salonivagen befanden, blieben unversehrt. Die Verwundeten wurden in einem Sp-ital- zuge zumeist nach Budapest gebracht. Die Ursache deS Unglücksfalls ist die, daß infolge der verspätet abgegebenen Haltesignale der Wiener Eilzug in den Grazer Personen- zng hineinfuhr, wobei mehrere Wagen zertrümmert wurden. Nach einer Meldung der„Kriegszeiwng" waren bis 12 Uhr mittags sogar schon 70 Leichen geborgen. Dabei war der Wiener Eilzug noch schwach besetzt, weil für die Teil- nehmer an der Leichenfeier vorher drei Sonderzüge gefahren waren, in denen sich auch zahlreiche Mitglieder des ungari- schen Reichstages und der Regierung befanden. Der Eilzug hatte eine Stunde Verspätung. Der Sta- tionsvorstehcr von Herczeg-Halom erwartete die Ankunft des so stark verspäteten Eilzuges nickst zu der kriiischen Zeit und stellte das Signal ans„F r e i e F a h r t". Als er dann das Signal des Eilzuges erhielt, war es schon zu spät, um die Strecke wieder freimachen zu können. Nackrichten. Oestcrreichischcr Abcndbcricht. Wien, 1. Dezember.(W. T. B.) Aus dem Kriegs- presscquartier wird am 1. Dczember abends gemeldet: Russischer Ansturm in den Karpathen dauert unvermindert heftig fort. Der Feind holte sich, wie an den Vortagen, blutige Köpfe. Aus Rumänien ist die Meldung noch ausständig. Kaiser Carl über Parlament und Frieden. Nach einer W. T. B.-Meldung aus Wien sprach Kaiser Carl beini Empfang des Präsidiums des Abgeordnetenhauses die Hoffnung aus, daß das Parlament bald wieder zu ersprießlicher Arbeit gelangen werde und daß baldigst ein ehrenvoller Friede werde erreicht werden. Bukarest wird geräumt. Basel, l. Dezember. Wie Havas meldet, hat der Polizeichef der Stadt Bukarest und der französische General Berthelot an die Bevölkerung Bukarests die Aufforderung gerichtet, mit Frau und Kind das Gebiet des verschanzten Lagers von Bukarest zu verlassen.(„Frkf. Ztg.") Das verweigerte Freigeleit. Basel, 1. Dezember. Agcnce HavaS meldet aus Washington: Die Regierung richtete Noten an Großbritannien und Frankreich, worin sie diese beiden Regierungen ersucht, von ihrer Verwcige. rung eines GelcitbricfcS für den österreichisch-ungarischen Bot- schafter Grafen Tarnowski abzugchen.(„Frkf. Ztg.".) Selbstmordseuche im russischen Roten Kreuz. Bern, 1. Dezember.(W. T. B.) Der„Bund" bringt folgende russische Meldung: Die Hauptverwaltung des russischen Roten Kreuzes hat dcjchlosscn, Erkundigungen über die Ursachen der Selbstmorde unter dem Personal des Roten Kreuzes einzuziehen. Tic Leiter der Südwalcs-Lcrgarbeitcr protestieren. Rotterdam, 1. Dezember.(W. T. B.)„Nieuwc Rotterdamsche Eourant" meldet aus London: Die Leitung des Bergarbeiter- Verbandes von Südwalcs hat gestern die Forderung nach einer Lohnerhöhung von 15 Proz. wiederholt und dagegen protestiert, daß nur das Kohlenbecken von Südwales unter Regierungsion- trolle gestellt werde. Die Auffassungen der neuen Maßregel sind geteilt, und es wird viel davon abhängen, welchen Beschlutz die Regierung bezüglich der Lohnforderung fassen ivird.„Times", bisher in der Lohnfrage für die Arbeiter, warnt sie jetzt davor, um jeden Preis in den Ausstand zu treten, denn die Staats- kontrolle habe die Lage verändert, und sie würden sich als schlechte Patrioten bloßstellen, wenn sie streikten.„Daily News" sagen, daß zwar hauptsächlich die Arbeitgeber für die Krise verantwort- lich seien, daß aber der Protest der Leitung des Bcrgarbeitcrvcr- bandes trotzdem unberechtigt sei. Er könne der Regierung in dieser Frage keine Vorschriften machen. Gewerkschaftliches. Die Lohnverhältnisse der Stellmacher. In der letzten Branchenvcrsammlung der Stellmacher murde ausgeführt: Da die Stellmacher nicht unter den Tarifvertrag der Holzarbeiter fallen, so haben die Stellmacher nicht zu verlangen, daß ihnen ohne weiteres die Teuerungszulagen gewährt werden, welche die Vertragsparteien vereinbart haben. Jedoch können sich die Stellmacher auf diese Vereinbarungen berufen, wenn sie selbst von den Unternehmern eine � Teuerungszulage fordern, was durch Vorgehen in den einzelnen Betrieben geschehen mutz. Bis jetzt haben die Stellmacher weder auf die Getvährung von Teuerungs- zulagcn noch auf Erhöhung ihres Zeitlohnes besonderen Wert gelegt. Das erklärt sich daraus, datz jetzt meistens in Akkord ge- arbeitet wird und dabei Verdienste von ichl)— 1,70 M., ausnahmsweise auch bis 2 M. pro Stunde erzielt werden, was als aus- rcichard angesehen wird. Es ist aber zu bedenken, datz mit dem Aufhören der Kriegsarbsiten diese verhältnismätzig günstigen Akkordlöhne aufhören und wieder mehr in Zeitlohn gearbeitet wird. Deshalb ist es durchaus notwendig, jetzt, während der gün- ftigen Konjunktur, für eine angemessene Aufbesserung der Stunden- löhne zu sorgen, denn sonst würden die Kollegen in die Lage kommen, nach dem Kriege unter den dann noch herrschenden Teuerungsverhältnissen zu den Löhnen arbeiten zu müssen, die vor dem Kriege galten, wo die Lebenshaltung doch erheblich billiger war. Die Bürsten- und Pinselmacher arbeiten im allgemeinen nach einem Akkovdtarif, den sie im Jahre 1910 aufgestellt haben, der aber nicht mit den Unternehmern vereinbart ist. Ein Vertrags- Verhältnis der Parteien besteht also nicht. Die Löhne, die im Jahre 1910 als angemessen galten, entsprechen den heutigen Ver- hältnifsen natürlich schon längst nicht mehr. Da die Konsnnktur auch für die Bürsten- und Pinselmacher günstig ist, so konnten während des Krieges in verschiedenen Betrieben Lohnaufbesse- rungen durchgesetzt werden. Aber es gibt auch noch Werkstätten, in denen nicht mehr als der Tarif von 1910 bezahlt wird. Allge- meine Teuerungszulagen haben die Bürsten- und Pinselmacher bis jetzt nicht erlangen können. Demnach stehen also die Löhne derjenigen, die nur nach dem Tarif von 1910 bezahlt werden, in einem schreienden Mißverhältnis zu den gegenwärtigen Lebens- mittelpreisen. Doch auch in den Betrieben, tn denen die Löhne von 1910 aufgebessert worden sind, wird der Arbeitsverdienst den jetzigen Teuerungsverhältnissen bei weitem nicht gerecht. Aus diesen Gründen beschloß am Mittwoch eine Branchenversammlung der Bürsten- und Pinselmacher, dem Jnnniigsvorstand die Forde- rung einzureichen: Auf den Lohntarif von 1910 eine Teuerungs- zulage von 50 Proz. zu gewähren.— Zur Begründung der For- dcrung wurde noch ausgeführt, daß die Unternehmer wegen der erhöhten Materialpreise die Preise ihrer Waren erheblich gesteigert haben. Ein Lohnaufschlag von 50 Proz. würde also ohne Nachteil für die Unternehmer bewilligt werden können und die Löhne kämen �dadurch auf eine den gegenwärtigen Tenerungsberhaltmffcn eürigermatzen angepaßte Höhe. Teuerung szulagen für die Arbeiter der Kaualisations- werke und Bauverwaltung. Eine sehr gut besuchte Versammlung der in den städtU�-n Kanalisationswerken und in der Bauverwaltung beschäftigten Ar- beiter und Handwerker befaßte sich ausschließlich mit der Frage der Teuerungszulagen. Während in den meisten städtischen Be- rrisbeu Berlins bereits seit Juni bzw. Juli eine Erhöhung der Teuerungszulagen stattgefunden hat, warten die Arbeiter der Kanalisationswerke und die der Bauverwaltung bis jetzt vergeblich auf die so notwendige Aufbesserung ihrer Bezüge. Da der Ver- treter des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeitcr, Fritz Müntner, den Versammelten mitteilte, daß die Gewährung einer weiteren Teuerungszulage nahe bevorsteht, er aber über deren Höhe noch nichts Bestimlntcs sagen könne, da er eine amtliche Mit- teilung noch nicht erhalten habe, beschloß die Versammlung, noch bis zur nächsten Lohnzahlung abwarten zu wollen. Sie beauf- tragten zugleich die Verbaudslcituug, dann aber sofort Schritte zu unternehmen, die geeignet sücd, die sofortige Durchführung einer Erhöhung der Teuerungszulagen zu gewährleisten. Außerordentliche Erbitterung machte sich geltend darüber, datz die Arbeiter der Banverwalwng auch jetzt wieder in dieser Zeit furchtbarster Teuerung bei bis auf 714 Stunden täglich gekürzter Arbeitszeit und ebenso gekürzten Löhnen beschäftigt werden. Reicht schon der normale Lohn im Somnier zum LebenSunterlwlt nicht aus, so zwingt der gekürzte Lohn bei den höheren Anforde- rungen des Winters an die Ernährung, Heizung, Kleidung und Licht direkt zur Entbehrung und führt zu erheblicher Schädigung der Gesundheit. Es wurde darauf besonders hingelviesen, daß viele Städte bereits Sommer und Winter für Außenarbeiter den gleichen Lohn auch bei gekürzter Arbeitszeit zahlen. Auch nicht alle Betriebe der Stadt Berlin stehen auf einem so engherzigen Standpunkt. Es wurde beschlossen, noch eine besondere Versammlung der Arbeiter der Bauverwaltung einzuberufen, die nochmals zu dieser Frage>stelluiig nehmen soll. Zum Smluß wurde ein- mutig zum Ausdruck gebracht, datz nur eine Stärkung der Organi- sation mit all diesen Mißständen aufräumen könnte und jedem wurde zur Pflicht gemacht, sich dem Verbände anzuschließen. Weihnachtsunterstützung der Gewerkschaften. Zu der von uns unter diesem Titel in Nr. 324 gebrachten Notiz wird uns mitgeteilt, daß eine Weihnachtsunterstiitzung nur von einem Teil der Zentralverbände gezahlt wird. Viele Gewerkschaften sind dazu wegen Mangels an Mitieln leider nicht in der Lage, weil sie durch die Kriegszeit und durch die Abnahme des Mitgliederbestandes finanziell geschwächt worden sind. Im Interesse der energischen Vertretung gewerlschafllicher Forderungen nach dem Kriege liegt den Gewerkschaften die Verpflichtung ob, mit ihren Mitteln recht haushälterisch umzugehen. Mus öer Partei. Gemeindewahlcn. In Kiel sind die fünf sozialdemokratischen Kandidaten zur Stadtverordnetenversammlung mir 800 resp. 900 Stimmen gewählt worden. Die Bürgerlichen hatten in diesen Bezirken keine Kandi- baten aufgestellt. In den anderen, den Bürgerlickien überlassenen Bezirken kam eS aber unter diesen selber zu einem erbitterten Wahl- kämpf. In Frankfurt a. M. war gleichfalls ein Abkommen zur Sicherung deS Besitzstandes zwischen den Parteien geschlossen worden, wobei das Zentrum übrigens ein weiteres Mandat erhielt. In zwei Bezirken war das Abkommen von sozialdemokratischer Seite nicht anerkannt worden; dort kandidierten Parteisekreiär Dißmann und ReichStagsabgeordneicr Hüttmann, indessen wurden auch sie fast einmütig gewählt. Insgesamt verteilen sich die neu besetzten Mandate auf 19 Bürgerliche und sieben Sozialdemo- Iraten._ WetterauSstchtcn für das mittlere btorddeutfebland bis Sonntag mittag. Im Küstengebiet zeitweise austlarend,; im Binnen- lande vorwiegend trübe oder neblig ohne erhebliche Niederschläge. Tcm- peratur wenig verändert. Mus Inöustrie unö kanöel. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Nach der.Vvssischen Zeitung" werden die Siemens- u. Halske-Werke wie im Vorjahre 12 Proz., die Siemens- Schuckerl-Werke 10 Proz. Dividende zahlen. Wie in Düsseldorf ist auch in Berlin eine Eiscnhandels- orgamsation zur Versorgung der ostdeutschen Werke mit Alteisen ge- gründet worden. Die Allgemeine Berliner O m n i b u s- A.- G. hat im November 353 044 M. gegen 392 637 M. im November 1915, in den elf Monaten 1916 4313 553 M., gegen dieselbe Zeit des Vorjahres um 1445 46t M. weniger vereinnahmt. Die Gesellschaft für elektrische Hoch- und tlnlergrundbahnen hat im November 1916 7 286 992, im November 1915 6 301225 Personen befördert. Die Belriebsein- nahmen stiegen von 826 988 auf 967 721 M. Profit an der Umsatzstencr. Die Elektrizitäts- und Slraßenbahn-A. G. in Königsberg, eine Tochkergeselljchast der Allgemeinen Elellrizitätsgesellschaft, teilt ihren zahlreichen Kunden mit: Am 1. Ollober 1916 ist das Gesetz über den Warenumsatz- siempel in Kraft getreten. Wir werden Ihnen den auf Sie enifallenden Betrag in Rechnung stellen und erstmalig von Ihrem Stromverbrauch vom 1. Okiober bis 31. Dezember d. I. mir je 0.10 M. zusammen mit der Dezember- rechnung erheben. Teilbeträge werden auf 0,05 nach obenabgerundet." Ganz abgesehen davon, daß diese Abwälzung der Steuer aus die Verbraucher nicht berechtigt ist, bedeutet die Abrundung der Teil- betrüge nach oben noch ein Geschäft kür die Gesellschaft. Einer Nachahmung sollte rasch vorgebeugt werden, böse Beispiele verderben gute Sitten._ Weitere Steigerung der Devisenkurse. Die starke Preissteigerung ausländischer Zahlungsmittel setzt sich fort. Es wurden geboten für 1. Dezember 100 holländische Gulden... 233>/� M. 100 dänische Kronen.... 159, 100 schwedische Kronen... 1653/4, 100 norwegische Kronen... 162, 100 schweizer Franken.... lll'/g- Dagegen ist der Kurs der österreichisch-ungarischen Krone neuerlich, und zwar von 67,93 M. auf 67,45 M. gesunken. 30. November 2321/4 M. 158Va. 164ä/4. 161,5. 110'/«. Zementkartclle. Ein norddeutscher Zementvcrband, der sich am 30. November gebildet hat, hat sich mit dem s ü d- deutschen Zementverband verständigt und steht mit dem rheinisch-westfälischen in Unterhandlungen. Es werden Preis- aufschlage von 29 Proz. geplant. Wieder eine Kapitalverwässeruug. Die Motorenfabrik O b e r u r s e l, die die Fokker-Flugzeuge herstellt, verdoppelt ihr Kapital auf 4,5 Millionen Mark. Die letzte Dividende hat 35 Proz. betragen. Europas Verschuldung a« die Vereinigten Staaten. Das Bundesreserveamt veranschlagt den Besitz der Vereinigten Staaten an europäischen Werten auf 1627 Millionen Dollar. KON* LINON | Sezng/scheinstei! Summi Regenmäntel 1 : in echter Gummierung i Sezugsscheliistoi! Geh. peize/ pe.z.Zoppen- Winter. Ulster Winter-Uebirzieher Winter- Ioppen Wetter- Mantel für Herren» Jünglinge» Knaben Schla röct«/ Morgenjoppen/ Saint- Jackett« Große Auswahl!— Billige preise! 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Sachse sSoz.) vermißt Sirasbestimmungen gegen Nnter- nehiner, die ihnen zugewiesene Arbeiter nicht einstellen. Gcncrallelilnanl Gröncr: Selbstverständlich wird da? Kriegs- anrt darauf hinivirleu. daß jeder Arbeitergeber, dem vom Ausschuß Arbeiter zugewiesen sind, sie auch einstellen muß. Eine Ablehnung solcher ArbeitSkräste ist nach dem Sinn des ganzen GeleyeS ausgeschlossen. Bei Streitigkeiten kann der Unternehmer lediglich das SchlichiungSverfahrcii in Anspruch nehmen. ?laħ 17 erläßt der Bundesrat die zur Ausführung des Gesetzes erforderlichen Bestimmungen, ist aber bei allgemeinen Ver- ordnungen an die Zustimmung eines vom Reichstag gewählten Ausschusses von 12 Mitgliedern gebunden; das Kriegsam: muß den Ausschuß über alle wichtigen Dinge aus dem laufenden halten. Abg. Ebcrt sSoz.j: Dem Reichstag muß eine Mitwirkung auch bei Ausführung dieses wichtigen Gesetzes eingeräumt werden. Sein Ausschuß muß in enger Fühlung mit dem KriegSami arbeiten, er »ruß auch das Recht haben, die Lieferungsverträge nachzuprüfen. Wir bitten dringend, diesem§ 17 zuzustimmen.(Bravo 1 bei den Sozialdemokraten.) Abg. Graf Westarp(k.) lehnt für seine Freunde diesen Para- grapbcn ab. Wir wollen die Befugnisse zwischen Bundesrat und Reichstag nicht verschieben lassen. Staatssekretär Dr. Helfferich: Die Regierung hat natürlich noch nicht Stellung nebnrei, kvinicn Persönlich bemerke ich: Die Ein- richtung dieses Ausschusses schafft einen neuen gesetzgebenden Körper, der au die Stelle des RcichStagS tritt. In der Bcrfassniig findet rinc solche Einrichtung keine Grundlage. Sie schaffen damit eine unklare staatsrechtliche Institution. Abg. Dittmann(Soz. Arbg.): Die Ausführungen des Staats- sekrclärs eröffnen ja schöne Perspektiven für die Rechte, die dem Ausschuß eingeräumt werben sollen. Nach den bisherigen Berhand- luirgen war diese schroffe Ablehnung der Regierung nicht zu er- warten. Unsere Erwartungen für die Neuorientierung nach dem Kriege sind dadurch erst recht auf den Nullpunkt gesunken.(Sehr richtig! bei der Soz. Arbg.) Ich bitte Sie, gerade nach dieser Er- klärung des Staatssekretärs unserem Antrag zuzustimmen: Die zur Ausführung dieses Gesetzes erforderlichen Bestimmungen erläßt der Bundesrat unter Zustimmung des Reichstages. Das Volk versteht cS überhaupt nicht, daß der Reichstag in dieser wichtigen Zeil sich so oft und lange vertage» läßt. Er müßte mit angemessenen Pausen und angemessener Arbeitszeit in Permanenz tagen. Dann wäre die Mitwirkung des Reichstags bei allen wichtigen Maß- nahmen gesichert. Slaolssekrelär Dr. Helfferich: Wenn der Bundesrat den Para« graphen annimmt, wird er ihn selbstverständlich auch loyal ausführen. Abg. Schiffer(natl.j: Da« balle ich auch für selbstverständlich. Aber ich»luß auch»leine Berwimdcrung ausspreche», daß in diesem Stadium noch eine solche Erklärung des Staatssekretärs möglich ivar.(Sehr gut! links.) Glaubt der Staatssekretär wirklich, daß das Gesetz ohne diese Bestimmungen in die Welt gehen wird V lieber die Schranke dieser Bestimmungen wird die Selbst�ntäußerung des Reichstags nicht hinausgehen.(Lebh. Beifall links.) Abg. Stadthagen(Soz. Arbg.): Die Berordnungen, um die e« sich hier handelt, sind nur der Form nach Pcrordnungen, materiell sind eS wirtliche Gesetze. Deshalb ist die Mitwirkung de« Reichs- tags nötig, und zwar nicht eines Ausschusses, sondern de« ganzen Reichstags, wie es unser Antrag verlangt.— Unhaltbar ist auch die Bestimmung, Ivonach der Bundesrat einseitig Strafbestimmungen wegen Zuwiderhandlung gegen die AuSsührungSbestimmungen festsetzen kann.— Beweisen Sie Ihre ArbeitSsrische, indem Sie hier beschließen, nicht inehr den alten Trott zu gehen, sondern dem An- trag der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft zuzustimmen. Unter Ablehnung des Antrag« der Sozialdemokralischen Arbeit?- gemcinschait(für den auch die Sozialdemokraten stimmen) wird 8 17 gegen dir Stimmen der Konservativen a n g« n o in m e n. ssu§ 18 befürwortet Abg. Keil(Soz.) kurz einen Antrag, wonach das Gesetz am 1. Juli 1917 anßcr Kraft treten soll, falls der Reichstag nicht vorher da» Außerkrattireten beschließt. Abg. Dittmann(Soz. Arbg.): Wir beantragen dasselbe, damit der Reichstag auf jeden Fall nach halbjähriger Wirksamkeit des Ge- setze« vollständig neu darüber beschließt. Außerdem wünschen wir, daß cS bei früherem Friedensschluß sofort beseitigt wird. Die Anträge werden abgelehnt, Angenommen wird der Vorschlag der Kommiision. wonach der Bundesrat den Zeitpunkt dcS Außerkrafttretens bestimmt, da« Gesetz aber auf jeden Fall einen Monat nach Friedensschluß außer Kraft tritt. Hierauf vertagt sich das Haus. Präi. Kaempf schlägt vor, die nächste Sitzung abzuhalten �srei- tag 2 Uhr mit der Tagesordnung: Kleine Anfragen, dritte Lesung des Gesetzes über den Baterländischen H i l s s d i e n st, erste nnd zweite Beratung dcS Gesetzes zur Er- gänzung des KriegSsteuergesetzeS. Abg. Ledcbour(Soz. Arbg,) erhebt Widerspruch gegen die dritte Lesung, da die gcschästSordnungSmähige Frist von zwei Tagen damit nicht eingehalten sei. Da die Unterstützung dieses Widerspruchs mit 1b Stimmen der Soz. Arbg. nach der Geschäftsordnung ausreicht, zieht Präs. Kaempf diesen Teil seines Borschlages zurück. Schluß 11°/« Uhr. 78. Sitzung. Freitag, den 1. Dezember, nachmittags 2 Uhr. Am Vundesratstisch: Helfferich, Zimmermann. Auf der Tagesordnung stehen zunächst Anfragen. Die Abgg. Carstens(Vp.) und Dr. B l u n ck(Vp.) fragen an, ob der Reichskanzler beabsichiigr, als Eegeuwirkung gegen den ge- planten Wirtschaflskiicg der Eutenteländer tiacd dem Friedensschluß im Rcichsaml dcS Innern eine Zentralstelle etwa in Form eines besonderen Handelsamls zu schaffen, welche Handel und In- dustrie in allen den Außenhandel betreffenden Fragen wirksam unterstützt. Direktor ini ReichSamt de? Innern Müller: Elnesolche Zentral- stelle ist im ReichSamt de« Innern bereits vorhanden. In welcher Weise sie den Bedürfnissen dcS Außenhandels am besten an- gepaßt werden kann, darüber werden die sorgsamsten Erwägungen gepflogen. Abg. Ulrich(Soz.) kragt an, was der Reichskanzler zu tun ge- denkt, um die durch Beschlagnahme der Ziegen-, Schaf- und Kalbfelle in den Lederfabrilcn für die P o r l e f e u i l l e- I n d u st r i e drohenden Gefahren möglichst auszugleichen. Direktor Müller erwidert, daß die notwendigen Maßnahmen nur allmählich und unter tunlichster Vermeidung von Härten für die Porteteuille-Jndustrie durchgeführt werden sollen. Abg. Basserman»(natl.) bittet um nähere Auskunft, über die Vorgänge bei der Entfernung des deutschen Gesandten durch den französischen Admiral Fournet aus Athen und über die Haltung der griechischen Regierung gegenüber dieser Völkerrechts- widrigen Gewalttat. Staatssekretär des Auswärtigen Amts Zimmermann schildert zunächst die durch die Presse belauii'.c» Vorgänge. Deutsch- land hat bei Griechenland schärfsten Protest gegen dies neu- tralitälSwidrige Verfahren eingelegt, nnd der griechische Gesandte hat das lebhafteste Bedauern der griechischen Regierung über dielen Vorgang im Auswärtigen Amt zum Ausdruck gebracht. Die griechische Regierung habe unter dem Druck der Gewalt aber nichts dagegen tun können; sie sei von den Ereignissen ebenfalls schmerzlich betroffen und hoffe, daß Deutschland der Zwangslage Rechnung tragen wird. Ich bin überzeugt, daß diese Bitte bei Ihnen und beim deutschen Volke freundliche Aufnahme finden wird. Nicht Griechenland, sondern unsere Feinde tragen die Verauiwortimg für diesen unerhörten Vorgang, der an Stelle der primitiven Grundlagen einer gesetzlichen Ordnung zwischen den Völkern den Urzustand der Anarchie setzt und das nationale Empfinden eines alten Kulturvolkes mit Füßen tritt. Der Mund unserer Feinde fließt über von Phrasen über das Selbstbestimmungsrecht der kleinen Staaten, über die Heiligkeit des Völkerrcchls usw. Das hindert sie nicht, unter Verhöhnung all' dieser hehren Begriffe gegen Griechenland eine Politik der Erdrosselung zu betreiben, die in der Weltgeschichte ohne Beispiel dasteht,(Sehr wahr!) nur um sich neue HilsStruppen zu sichern. Gestatten Sie mir noch einige Wort« persönlich. Nachdem der Kaiser mich mit der Leitung des Auswärtigen Amts betraut hat, benutze ich heute die e r st e G e l e g e n h e i t, um mit Ihnen in dieser neuen Eigenschaft in Beziehungen zu treten. Ich habe ja bereits die Ehre gehabt, eine lange Reihe von Jahren mit diesem Hohen Hause bei wichtigen Angelegenheiten zusammenwirken zu können. Ich bin Ihnen daher nicht fremd nnd ich glaube sagen zu dürfen, daß Sie mir auch in der Vergangenheit bereits mancherlei Vertrauen bewiesen haben. Wenn ich Sie bitie, mir auch in meiner neuen Stellung mit Vertrauen entgegenzukommen, so kann ich ver- sichern, daß ich es an mir nicht fehlen lassen werde, um zwischen diesem Hoben Hauie und dem mir unterstellien Amt vertrauensvolle Beziehungen zu pflegen.(Bravo!) Im tiefsten Gefühl der schweren Verantwortung, die mir mein neues Amt auf- erlegt, gehe ich an die Arbeit. Die Aufgaben des Aus- wältigen Amtes und seines LeilerS sind in dieser schweren Zeit gewaltig, ja ungeheuer. Sie können nur einer besrie- bigenden Lösung cntgcgengcsührt werden, wenn ich auf Ihre ver- ständnisvolle Mitarbeit rechnen darf. Seien Sie über- zeugt, daß alle Ihre Anregungen, Vorschläge und Wünsche bei mir und meinem Amt offenes Ohr und bereitwilliges Entgegenkommen finden werden. Ich bitte Sie nochmals, mir mit vertrauensvoller Unterstützung und wohlwollender Hilfe zur Seite zu stehen, nicht in meinem Interesse, sondern zum Heil de-Z Vaterlandes, für das wir alle unsere ganze Kraft einsetzen(Lebhafter Beifall.) Abg. Dr. Mayinger(Z.) fragt an, wie der Reichskanzler an- gesschts des W a g c n m a n g e l s' den iiir die Landwirtschaft nötigen Kalidünger zur FrübiabrSbestellung sicherstellen will. Unterstaalsselretär Richter erklärt, daß alle geeigneten Maß- nahmen getroffen sind, um den Wagenmanael bald zu beheben. Abg. Bnffermann(nall.) fragt, ob der Reichskanzler nähere Mit- tellungen über da« dänische Gesetz machen will, da« den Staatenlosen dänisches Staatsbürgerrecht gewährt. Geheimrat Kriege: Bis zum Jahre 1898 besaßen die außerhalb Dänemarks ge- borenen Kinder von Dänen nicht die dänische Staatsangehörigkeit. Erst im März 1893 wurde ein entsprechendes Gesetz gemacht, aber ohne rückwirkende Kraft, so daß die vor 18L3 geborenen Kinder von Dänen nicht Dänen sind, wenn sie außerhalb Dänemarls geboren sind. Diese Lücke ist jetzt durch das neue dänische Gesetz vom 27. November 1916 auSgesüllt. Es ist von besonderer Be deutung für die Provinz SchlcSwig-Holsiein, in der sich eine nickt unbeträchtliche Anzahl von Staatenlosen befand, die in reckt unbequemer Lage waren und anck Anlaß zu politiscken Scklvierigkeiten gaben. Durch das neue Gesetz ist eine glückliche Lösung der Siaatenloscnfrage herbeigeführt worden, die nicht nur im Interesse der Beteiligten, sondern auch in dem de? freundnachbar lichen Verhältnisses zu Dänemark auf das freudigste begrüßt werden kann. Abg. Dr. Cohn-Nordhausen(Soz. Arbg.) bringt die Behandlung zur Sprache, die den Schriftsteller Franz Mehring zuteil wird, der in militärische Sicherheitshaft genommen ist. ES ist ihm nicht einmal daS im§ 148 Ttr.-P.-O. gewährleistete Recht auf ungestörten Verkehr mit seinem Verteidiger gewährt worden. Er fragt, ob der Reichskanzler beabsichtigt, das Oberkommando in den Marken zur Beobachtung der Gesetze anzuhalten. Ministerialdirektor Lenxild: Der§ 148 der Slrasprozeßordnung findet auf einen Untersuchungsgefangenen Anwendung, bezieht sich aber nicht auf die militärische Schutzhait. Danach hat der Reichs- tanzler keinen Anlaß, sich mit dem Oberkommando in den Marken in Verbindung zusetzen.(Große Unruhe bei den Soz. und der S o z A r b g.) Abg. Dr. Cohn-Nordhausen(Soz. Arbg.) zur Ergänzung: Die Aufrechierhalluiig der Maßnahmen des Oberkommandos ist mit den Bestimmungen der Strafprozeßordnung unvereinbar. Ministerialdireklor Lewald: Der Abg. Dr. Cohn geht von der Annahme au», daß die Bestimmungen der Straiprozeßordnung auch Anwendung finden auf Personen, die in militärische Schutzhaft ge- Nammen sind. Diese Auffassung trifft nicht zu. Abg. Dr. Cohii-Nordhausen(zur Ergänzung): Dann frage ich, ist der Reichskanzler bereit, dem Schriftsteller Dr. Frani Mehring das Recht zu verschaffe», mit seinem Verteidiger iineiiigeschränkt zu verkehre». Ministerialdirektor Lewald: Ich verzichte auf die Veant« Wartung dieser Frage.(Große Unruhe bei den Soz. und Soz. Arbg. — Zurufe: Das glauben wir, Feigheit, Schamlosigkeit.) Präsident Dr. Kaempf ruft den Abg. K u n e r t(Soz. Arbg.), der das Wort Feigheit gerufen hat, zur Ordnung. (Unruhe und Zwischenrufe.— Abg. Stadthagen: Es bleibt dabei!) Präsident Dr. Kaempf ruft den Abgeordneten Stadt- Hagen ebenfalls zur Ordnung. Abg. Simon(Soz.): In wiederholten Fällen sind Personen trotz fest- ge st eliter Krankheit zum Militärdien st eingezogen und wie gesunde Männer als Soldaten ausgebildet worden. Wenn sie infolge de« Dienstes Invalide wurden oder st a r b e n, sind Anträge auf Versorgungsgebührnisse abge- wiesen worden, weil das Leiden, dem sie zum Opfer fielen, schon beim Dienstantritt bestanden habe, und daher keine Dienst- besckädigung vorliege. Was gedenkt der Reichskanzler zu tun. um auch in solchen Fällen den Betroffenen oder deren Familien den Bezug einer Rente zu sichern? General v. Langermann: Als Dienstbcschädigungen haben GestindheilSstörungen zu gelieu, die als Folge einer Dienstverrichtung, einer Krankheit oder eines Unfälle« während der Ausübung des Dienstes verursacht oder ver- schlimmert worden sind. Personen, die mit körperlichen Gebrechen zur Einstellung gelangen, haben also einen gesetzliche» Anspruch auf die Militärrente, wenn sich ihr Leiden durch den militärischen Dienst verschlimmert hat. Jeder vor oder bei der Entlassung oder nachher fristgemäß erhobene VersorgungSanspruch muß geprüft werden und in jedem Falle ist dem Antragsteller schriftlicher Bescheid zu geben, in dem zum Ausdruck ge- bracht sein muß, daß er daS Recht des Einspruchs bei der nächsthöheren Behörde hat, so daß er die Entscheidung des Kriegsministeriums herbeisühren kann. Die Stellvertretenden Generalkommandos sind ausdrücklich angewiesen worden, daß es nicht angängig ist, die durch die hervorgerufene Verschlimmerung bestehende Erwerbsunfähig- keit unter Ausschaltung der bei d er Ein st el lu n g bestandenen der Versorgung zugrunde zulegen. ES ist vielmehr die Gesamteinwirkung des fraglichen Leidens zurückzuver folgen nnd das Gesamtbild zu r G r u n d l a g e zu macheu Auch wo ein Anspruch nicht für begründet gehalten wird, muß er bei der Entlassung von Amts wegen geprüft werden. Bei der Bewilliguu g einer Rente und beim II ebergang in bürgeliche Vor h ä l t n i s s e sollen Erleichterungen gewährt und imHinblick aui die durch den Krieg hervorgerufenen schwierigen wirtschaftlichcu Verhältnisse soll besonders wohlwollend verfahren werden. Abg. Schmidt-Meißen(Soz.) fragt an, was der Reichskanzler zur Beseitigung des WagenmangelS und der dadurä- hervorgerufenen Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Kohlen in manchen Bezirken Deutschlands zu tun gedenkt. Ministerialdirektor Müller: Die Kohlen- und Transport- ichwierigkeiten sind dem Reichskanzler bekannt und er ist unablässig bemüht, alle Maßnahmen zu treffen, die zur Beseitigung diescc llebelstände dienen können. Ergänzung deS KriegsstenergefetzeS. Abg. Zehnter Proz. Diese Reute von 66)4 Prozent ist im Dezember 1916 vom RcichSversicherungsamt be- stätigt worden, indem Gewöhnung angenommen wurde. Durch Bescheid vom 11. Juni 1915 setzte die Berufsgenossenschaft die Rente auf 53 Proz. herab, wobei weitere Getvöhrung geltend ge- macht wurde. Das Kgl. Obervcrsichernngsamt Groß-Berlin änderte den Be- scheid dahin ab. daß R eine Rente von 66 Proz. zugesprochen wurde. Zur Begründung wn'-de angeführt, daß sich der Verletzte an die Folgen des Unfalles gewöhnt habe, da er fast denselben Lohn ver- diene wie vor dem Unfall.,.~ Gegen diese Entscheidung wurde Rekurs eingelegt. DaS Reichs- versicherungsamt verueteilte die Genossenschaft zur Weiterzahlung der bisherigen Rente von 66)4 Proz.. indem es erklärte, daß der Zustand der Hand nach den ärztlichen Feststellungen unverändert geblieben sei. mithin der Zustand der Hand dem Verluste gleich zu erachten würde. �.,... Das RichSversicherungsamt betonte, daß der Verletzte auf�dem allgemeinen Arbeitsmarkt immer noch um 66)4 Proz. geschädigt ist. Wenn er auch den Lohn von 28,46 M. wöchentliche verdiene. so würde er wenn er diese Stelle verlöre, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine andere Beschästigun« nur schwer und zu einem wesentlich schlechteren Lohn finden. Die jetzigen Lohnverhaltnisse des R. sind also nicht als Matzstab für feine Erwerbsfahtgkeit au- �"�Der Verletzte hat Glück gehabt. Obgleich daS Urteil eigentlich selbstverständlich ist, muß festgestellt werden, daß das Reichsver- sicherungsamt schon sehr oft anders entschieden hat. Noch öfter allerdings lassen sich die Oberversicherungsämter und insbesondere .. �. t.-v npi.<___ rc. 1.» i\ � 7 X V»? i.-V. TrtSi/vTiA un|üu uezieyr. u. � e � Verletzten aus; ist er. geringer� so. erklärt man. daß andere Ursachen hierbei in Frage kommen._ DeotseherUgtallaplieiter-Verlianil Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht daß unser Mitglied, der Gießerei-' arbeitcr Hermann Lckvl? am 28. November an Nervenleiden gestorben ist. 125/13 Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet beute Sonnabend, den 2. Dezember, nachmittags 26, Uhr, von der Leichenhalle des St. Thomas- Kirchhoses in Neulölln, Her- mannsiraße, aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Den Kollegen ferner zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Revolverdreher Ksr! am 25. November an Zuckerkrankheit gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Den Kollegen serner-zur Nach- � licht, daß unser Mitglied Me jauuscliewskij am 14. November a« Bauchscll- cntzüiidung gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! IMc Ortsvorwaltnnff. Verliand der Bureauan gestellten Deutschlands. Ortssriippc tiroll-Berlln 81m 28. November verstarb unser Mitglied, Kraiikciikasscnangcstcllter Franz Breska (Allgem. OrtSkrankenkasse Berlin) im 65. Lebensjahre. Ehre scinci» Andenken! Die Becrdiglliig findet beule Soilnahcnd, den 2. Dezember, nachmilragS 3'/, Uhr, aus Dem Zcntialfricdbos Fricdrichsscldc von der Leichenhalle aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 46/11 Die Ortsverwaltung. Verband der Maler, Lackierep. Äustreicbep nsw. Filiale Berti». Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Maler Xart Frank am 28. November verstorben ist. Ehre seinem Andenke» I Die Beerdigung findet heute Soniiabcud. den 2. Dezbr., nach- mittags 3'/, Uhr, aus dun Thomas- Kirchhof in Neulölln, Hermann- straße, statt. 136/16 Die OrtSverwaltung. Beerdigungsverein der fimmerlenle Groß-Berlins. Am Donnerstag, den 36. No- vcmdcr, verschied an Herzschwäche im Silier von 67 Jahren unser langjähriges Mitglied, Kamerad kerliinaiu! Riemaim Gubener Straße 11. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, den 4. Dezember, nach- mittags 3 Ubr, von der Leichen- halle des Zciitralfricdhoscs in Friedrichsseide aus statt. 1568b Der Borstand. Allen Verwandten, Bekannten l und Freunden die tieftraurige | Nachricht, daß unsere ältesteTochtcr Ctwlotte Zubeil am 30. Novbr., nachm. 41/, Uhr, im Aller von 22 Jahren plötzlich verstorben ist. Die llcsbcttübten Eller» lviax Znbetl, zurzell t« Felde, Therese Znbcil. Als Geschwister: Grete. Ha»ö und Fritz. Der Tag der Beerdigung wird noch bekanntgegeben. 1576b Nsctirui. Ganz uncrwarlct verstarb unser lieber Kollege, der Mechaniker Frich Meißner im 18. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Abteilung Drahtlose der Firma C. Lorenz. GMS Seines Mm i Jedes Werk kostet 5 Mk.! l und ist einzeln zu haben i 3n je drei geschmackvollen Bänden erhält der Arbeiter all das, was unsere großen Dichter und Denker an Unvergänglichem und Wertvollein geschaffen haben, und diese unversiegbare Quelle geistiger Erquickung, Erhebung und Bildung sollte in keiner Arbeiterwohnung fehlen. WaS früher nur dem Besitzenden zu erlangen möglich war, kann sich hier auch der Arbeiter erwerben. And schon mit Niicksicht auf die heranwachsende Zugend sollte auf keinem Weihnachtstisch wenigstens eines der hier aufgeführten Werke fehlen. Dem Wunsch, billige Klassiker» ausgaben für die Arbeiter zu schaffen, ist unser Parteiverlag im Einverständnis mit dem Parteivorstand nach- gekommen. Arbeiter, macht hiervon ausgiebigen Gebrauch. wattäni Eskwemra 8. Vrettsiljch-Kiiddentsche KSnigi. Prenst.) Klasseulotterke B. Luisse 21. ZUHmtflstne 1. Dezember ISIS VormUtaz »Inf i«d» N«zo,;«n» oixmm«» flu» ,««» nteliti höh« OUuilmic ArfKlItH,»lud Ütunv j««turr auf die Löf« nlelrt)« Nuiiimc« in d«u beide» Slbtiiluii««»> u.>1. Nur die Wewinn« über 240 M. sind in Klauimcrn beigesÜLt. (Ohneck verboten) 22« SSZ SIZ 71» lbM) 7g IZ10 egg so»«s 7«« l?00> gg» (Sggi Las« SS ISS«SZ Mg) aa eo« 7a 739 ss eax SZ 025 3019 flOOOi 22 174 11000) 375 459 611 73» 303»20 32 3003 J24 264 352 84 642 62 89 97(92 346 49 1600) 60(3000) 73 73 0184 271 367 698 627 76 83 790 878 82 918(30001 6092 (1000) 237 362 400 834 862 7023 62 68 208 10 390 421 mos 284 86 419 680 629 964 0108 81 881 654 733 809 73 940 10209 92 468 63 605 661 900 11123 S9 251 620 42 70 798 866 63 71 074 12134 388(1000) 79 631 83(600) 686 942 1 3048 180 274 77 872 445 602 861 908 36 14045 874 61 349 028 742 84(600) 884 78(IS 00 0) 111003 64 339 403 603 32 99(300) 824 30 1Q270(600) 008 16 1 7133 335 44 736 86? 907 39 65 79 18010 260 78 366 661 6 61£66 826 933 16039 66 163 492 520 660(600) 80 728 27 68 Li) 041(600) 217 888 625 55 729 820 TO 91300 807 22001(1000) 69 374(8000) 691(47 82(1000) 626 64 2 8121 819 38 430 32 81 87 526 69 681 793 805 63«<245 97 8)8 762»1 912 28011 Ol(1000) 154 784 868 014 2 0170 472 7(3 61(39 47 60 68 2 7)30 233 344(3000) 7)0 83 82(-28 2 0002 (600) 100(600) 20 171 672(500) 029 LLL00 402 63 60 658 (600) 717(3000) Stil(6 376 469(500) 694 742 968 81000 31 199(3000) 209 86 708 49 961 76 32)83 350 406 83 96(6001 633 723 78 88 33083 102 34 303 473 83 688 8S2 OB 837(600) 34113 40 270 82 616 610 94(1000) 967 8 6313 69(600) 467 860 841 744 ,10001 876 924 61 86» 0106 69 267 603 19 719 20 «0 0 0 0) 66 93 923 90(600) 94$ 7011 271 72 369 412 46 615 820 37 341034 482 007 737 843 83043(IOOOJ 02(600) 243 348 810 895 1000) 766 840 62 2 1 8074 Hl 206 81 361 453 691 615 2, 875 214121(5001«l 242 867«11 62 651 637(0000) 963 2 1 0084 119 65 80 539 609 779 21 0053 1)2 303 420 665(600) 624 34 749 894 985 3) 7224 809( 600) 67 507 669 723 58 0,3 21(1163(500) 273 326 69 410 49 78 827 71 8, 671 744(3000) 804 804 8 14 2 1 0003 232 346 627 639 854(1000) 64 2200C8 10» 28'211(3000) 61 84 402 737 72 02 868 921047 151 78 289 495 619 7,2(500) 93 95 964 63 I30OO) 97 <600) 2 2 2061 129 263'04 33 2 9 3 017 40 233 52? 464 87 694 774(30001 93 2 2 4 091 161(1000) 218 62 99£37 675 909 9 2 5056 91 178 83(1000) 254 319 438(1000) 90 85 538 663 613 833 2 2 6004 53 108 373 486 609 746 928 37 227)01 14 18 4 4 70 210 87 07(18 0 0 0.1 SU 602 20 2, 44 67 83 94 631 789 82 98 82« 81 931 83 2 2 8 033 103 26(3000) 36 37 70 20» 449 640 738 850 021(1000) 62 96 2 2 8 376 49« 625 621 6« 2 3 0142 239 68 8 7 94 566(UIOO) 771(500) 813 231033 797 763 339 46 413 42 64 693 793 811 38 43(600) 93« 98 232030 200 47 834 44» 667 661 2 3 3176 229 33 93 623 773 92 987 !Btrl4t(]nng. 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C.ii BorUli'r. 5, FVrntp.Kpat. 15708 i-knaiäfT«n — issi¥ifrnr Aozongrubentr, [EDfoffl Diana-Bau äWä.,. Natlonal-Ilnd, Brunnanatr. I. Passage- Bad Km?"- Reform-Back, Wlanar Btr.«8 Erscheint 2 mal wSehcntilch. Eezugsquellen-Verzeichnis. Untonstehend» Geschäfte empfehlen»loh b.Elnkäuf. F. Kl« Wcrder-Oroferic, BrUi.Hn«i)werii. ü» "Tut Wösten, ► f Timoer�Esslg Oberall arhlltlichl ��TTiaiacl.. u. Wuratv« wTBecR Inh.i Harm. Qerbech Charlottenbur j, Barlinarat. 08-69 Flaiaoh- nnd miratwacenfnbrik ierallerh01 3 C. Habels Brauerei! hall-|tebe|!)r>if-.»»"''cij MOnctiener Brauhaus Berlin und Oranienburg WUlyOBrldke.Peterahurgeratr.Kl Otto Kong.l, Alta Jaoonstr.»« 4 TUenTStahlw, Wafftn.WerüiTV CaB iung. btroraatr. 51. KflhliT)aan.P.,MI\llerat.40b.E.8e»a( ■�TärT'on-u.KiiaberiBne'rf� JE" fö««na Bndatr. 20, Kcke «B.JUbatTX- i-rinz.D.AIlea. LaakadSlDpeckl. ScMiL-AIImT FaMaeysSr U�cd�Tlr Kottbuser-. «f E-I nammis/lö 4 Me!)lliBndluna«ji_> IBsthke, Georg, ST«". iNentällo, Elbtitr.33, Kaiior-Prlelr. 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Es waren Fragen der Kriegsfürsorge und Uebergangswirtschaft, mit denen sie sich in erster Linie zu beschaftiaen hatte; aber auch innere Streitfragen der Arbeiterbetvegung gehörten zu ihren Beratung«« punkten. Tie Rücksicht auf die Behandlung dieser Fragen in der Presse hatte Veranlassung geboten, auch die Getverkschaftsredaktcurc zur Teilnahme an dieser Konferenz einzuladen, und so war die Konferenz doppelt so stark besucht, wie die früheren Konferenzen. An erster Stelle wurde die Monopolfrage erörtert, die durch ein instruktives Referat von W. JanssoN eingeleitet wurde. Die Beratung dieser Frage nahm Bezug auf diejenigen Arbeiter« forderungen, die bei einer nach dem Kriege zu erwartenden Ver- staatlichung größerer Zweige der Privatwirtschaft im Interesse der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter zu erheben seien. Der Referent legte dar, daß die Bcstrvbungen der Monopolisierung michtiger Jirdustrien und Erwerbsquellen zugunsten des Finanz- bcdarfS von Reich und Staaten nach dem Krieg« sich kreuzen mit Strömungen in Unternehmerkreisen, dem Reiche im Wege der Zwangsstindizierung größere Stcuererträge zur Verfügung zu stellen, ohne deshalb mit dem System der Privattvirtschast zu brechen. Die Gefahr liege nahe, daß solche Zwangsshndikate sich zu Privittmonopolen entwickeln, die sich für ihre öffentlichen Auf- Niendungen ungleich mehr an Abnehmern und Arbeitern bereichern. Es seien deshalb für Zwangssyndikate die gleichen Forderungen im Interesse der Arbeiterschaft zu erheben, wie für Reichs- und Staatsmonopole. Der Redner wies auch daraus hin, daß das „Correspondenzblait der Gencralkommission' als führendes Srgan der Arbeiter die Monopolfrage hinsichtlich der einzelnen Erwerbs- zweige von sachbernändigen Mitarbeitern behandeln lasse, und daß weiterhin eine wissenschaftliche Bearbeitung dieser Materie bereits im Druck sei, die m Kürze erscheinen werde. Tie Beratung dieses Problems füllte fast den ganzen ersten Verhandlungstag aus. Neben Anschauungen, die der Monopolisierung bedenkenlos zu- stimmten, traten auch solche hervor, die sich vom Standpunkte der Arbeiterklasse sowohl als Lohnarbeiter wie auch als Verbraucher ernste Bedenken nicht verhehlten. Einig war man sich jedoch in der Auffassung, daß man der Verstaatlichung von Industriezweigen nicht ohne bestimmte Garantien für die rechtlichen und Wirtschaft- lichen Interessen der Arbeiter zustimmen dürfe. In diesem Sinne verständigte mau sich über die zu erhebenden Forderungen und über die Art ihrer Gelleudmackutng durch die Gencralkoutinissioii, wie im Bedarfsfalle durch die Organisation der von Monopolplünen betroffenen Arbeiterbevufe. Den nächsten AeratungSpuiikt bildete ein Antrag des Ver- baudStages der Schuhmacher vom 22. Juli d. I., auf die Tages- ordnung der Konferenz der Vertreter der Verbandsvorstände die Frage der„Feruhaltung d e S Partei st rettS von den Z c n t r a l v e r b ä n d c n" zu sehen. Ter Referent des Verbands- tages der Schuhmacher, Genosse Simon» hatte an der Haltung der Generalkommission sowie des„Correspoudcnzblattes" in dem Partei» streit leb basten Anstoß genommen und eine neutrale Haltung ver- langt. Der Vertreter der Generalkommission, Genosse Silber- schmidt, hatte dargelegt, daß die Generalkommission und ihr„Tom- spondenzblatt" nicht bloß berechtigt waren, zu dem in der Spaltung der Reichstagsfraktion gipfelnden Partcistreit im gewerkschaftliche» Interesse Stellung zu nehmen, sondern daß sie sich auch völlig im Einverständnis mit der Stellungnahme der Vorstände, sowohl zu Ansang des Krieges, als auch tu der Konferenz vom ö. bis 7. Jnl! 1915 befänden, wie Genosse Simon recht wohl wisse. Er hatte nahe- gelegt, keine Enikheidung des Verbandstagcs über die General- kommission und ihr Blatt zu fallen, sondern diese Angelegenheit aus einer der nächsten Vorständekonferenzen zur Erörterung zu bringen» womit sich Referent und VerbandStag cmverstanden erklärt hatten. Die Verhandlung dieses Antrages auf der Vorständekonferenz nahm eine volle Sihnng in Anspruch.� Der Stmidpunkt de« Genossen Simon und des Redakteurs vom Dchuhmacherfachblatt» Genossen Bock-Gotha, daß die G«verisck«ften die Vorgänge in der Fraktion und Partei nicht? angehen dürfe, wurde von keinein der zahlreichen Redner geteilt. Vielmehr wurde l»ctont, daß es sich hier auch»m ganz wesentliche Gewerkschastsintercssen handele, zu denen die Gc- wertschaften noch vor der RcickistagSfraltton(nämlich in der Konfc- renz vom 2. August 1914). Stellung genommen haben, daß die Haltung der Mehrheit der Reichstagsfraktion sich durchaus mit den Interessen der Gewerkschaften decke, und daß es Pflicht der Geiverk- scharten und ihrer Presse sei, im Sinne ihrer bisherigen Beschlüsse zu wirken. Nicht das Eintreten für die MehrheitSfraktion wirke gewerkschaftsschädigend, sondern der Disziplinbruch der Fraktions- Minderheit und deren FraktionSspaltung, die die Vertretung der GewerkschaftSfordernngcn im Reichslag entkräftet. Mit allen gegen drei Stimmen wurde folgender Beschlutz gefaßt: „Die Konseveuz der Vertreter der VerbandSvorständc ist sich nach wie vor völlig einig in der wiederholt festgestellten Auffassung, daß die Haltung der sozialdemokratischen Fraktion im Reichstage zum Krieg allein den Interessen der Gewerkschaften entsprochen hat und»och entspricht. Sie lehnt die gegen die Generalkommission und gegen die GewerkschaftSprcsse gerichteten Angriffe und Vorwurfe als durchaus unbegründet ab und geht zur Tagesordnung über." An dritter Stelle beschäftigte sich die Konferenz nach einführen- den Darlegungen mit den schon jetzt überhandiichmenden Be- strebungen, die Kriegsteilnehmer als Krieger zu organisieren, wofür neben kameradschaftlichen Anknüpfnngs- punklen auch das Unterstütznngswesen und die Kriegsfürsorge in den Werbedienst gestellt ivürden. Man solle diese Strömung nach dem Kriege nicht untevschZtzen, sondern rechtzeitig geeignete Maß- nahmen treffen. Der Verlauf der Diskussion zeigte, daß diese Frage noch eingehenderer Erwägungen in den Vorständen der Ge° werkschaften bedürfe. Doch ergab sich darin Uebereinstimmung, daß die Gewerkschaften sich auch nach dem Kriege der Fürsorge für die Kriegsteilnehmer nicht entziehen können. Die Angelegenheit soll nach Rückäußcrnng der Vorstände nochmals eine spätere Konse- renz beschäftigen. Zu dem bedeutsamsten Tagesordnungspunkte dieser Konferenz gestaltet« sick> die Stellungnahme zur Einfübrung einer Vaterländischen Hilfsdienst Pflicht, über welche Legien und Barler von den Vorverhandlungen mit den zuständigen Re- gierungsstellen Bericht erstatteten. In diesen Verhandlungen, wie solche auch mit Vertretungen von Arbeitgebern stattgefunden haben, wurden die rechtlichen und wirtschaftlichen Wirkungen» die sich außer für alle Volksgenossen, insbesondere für die Arbeiter ergeben, auf das Eingehendste erörtert und die Kantelen verlangt, die eine Schädigung der Arbeiterinteressen ausschließen. Das neu« Gesetz solle kein einseitiger Arbeitszlvang für Angehörige der Arbeiter- klaffe werden, sondern unterschtedslos alle männlichen Staatsbürger vom 17. bis zum 69. Lebensjahre zu Arbeiten im Interesse der Landesverteidigung bzw. Volksernährung heranziehen. Auf Frauen solle keinerlei Arbeitszwang ausgeübt werden. In Verhandlungen mit den zuständigen Stellen sei kein Hehl daraus gemacht worden, daß man einem solchen Gesetz nur dann zustimmen könne, wenn ausreichende Garantien zum Schutze der rechtlichen und wittschaft- lichen Arbeiterinteressen geschaffen würden. Arbeiter, die nach anderen Orten verpflanzt würden, müßten Familienzuschüsse und Freifahrt für den Besuch ihrer Angehörigen crlxiltcn. lieber Diffc- rsnzen nuS örtlichen Verlegungen müßten paritätische Schlichtlings- kommissionen entscheiden. Die Lohnfrage müsse durch paritätische Ausschüsse, sowie durch Berufungsinstanzen geregelt und das Koalitionsrecht der Arbeiter bedingungslos anerkannt werden. Die AnssührnngSbestimui.ungen könnten nicht dem Bundesrat allein überlassen bleiben, sondern müssen durch den Reichstag festgesetzt werden, denn auf die Durchführung komme cS hauptsächlich an. Es wurde berichtet, daß die Arbetterfordenin�en bei den militärischen Behörden stet» ein weitgehenderes Verständnis gefunden lxitten als bei den Zivilbehörden, weshalb es besser sei, die Durchführung des neuen Gesetzes auf militärische Basis zu stellen. Die Konferenz stimmte nach kurzer Debatte den Grundsätzen für die Sicherstellung der Arbeiterrechte in dem neuen Gesetzentwurf zu. Ter Bericht der Generalkommission, der am dritten Tage gegeben wurde, gliederte sich in drei Abschnitte. Legien berichtete über die allgemeinen Angelegenheiten, Bauer über eine Reihe von Spczialfragen und R. Schmidt über ErnährungSsragen. Der allgemeine Bericht erstreckte sich auf daS Zusammenwirken mit sozialpolitische» Organisationen in Erziehungs- und Unterrichts-, WohnnugSreform- und Arbeiterrechtö- sowie Hcimarbcitsfrngen, auf den Empfang einer skandinavischen Delegation von Arbeiterver- tretern. sowie den Besuch einer Anzahl auSländtscher Pressevertreter, auf die Kriegsbcschädigtenfürsorge, Koalitionsrechtsfragen, Kriegs- ernährungsamt und Kriegsanleihe, auf dai Sekretariat des Jnter- nationalen Gewcrkschaftsbundes und auf einige interne GeWerk- schaftSfragen. In dem Spczialbericht wurden Verhandlungen mit dem Zentraloerband der Konsumvereine, ArbeitSnachwetSfragen, der Sparzwang für Jugendliche, LevölkerungSpolitik und Mutterschutz, Fürsorge für Kriegerfamilien, Zensurangelegenheiten und Organi- sationsfragen behandelt. Der Bericht von Robert Schmidt endlich gab eine eingehende Darstellung der gegenwärtigen Er- nährnngsschwierigkeiten und der zwar aufreibenden, aber doch nicht erfolglosen Arbeit der Gewerkschaftsvertreter auf diesem Gebiete. Daran schloß sich eine Erörterung der„U e b e r f ü h r u n g der Kriegs, in die Friedenswirtschaft", die durch ein Referat von Bauer eingeleitet wurde. Der Redner schilderte die Ailsgaben, denen die Volkswirtschaft nach dem Kriege gegen- überstehe, und die bislang getroffenen Vorbereitunaen im ReichSamt für Uebergangswirtschaft. Eine Reih« von Mitarbeitern für Spczialfragen sei bereits herangezogen. ES müsse auch eine direkte Vcrtvetung der Gewerkschaften in dem zu schaffenden ReichSamt gefordert tverden. Weiter stellte der Redner eine Reihe von Arbeiterfordcrungen auf, wie die Gewährung eines Anrechts auf Wiedereinstellung beim früheren Arbeitgeoer, Einsetzung von Schlichtungskommissionen, Einführung der Arbeitslosenversicherung, Regelung der Einwanderungssrage und Sicherung deS Arbeiterschutzes und der Arbciterverstchcrnng. Molkenbuhr ergänzt« diese Ausftlhrungen und empfahl, die Forderungen der Arbeiterschaft in den Geivcrkschasten zu sammeln und an den Ausschutz des Reichs- tagS für Handel und Gewerbe einzusenden. In der Debatte Wurde diese Anregung dahin erweitert, nicht bloß die ans die Uebergangs- Wirtschaft, sondern auch die für die sogenannte Neuorientierung in Arbeiterschutz-, Arbcitervcrsichcrungs-, Arbeitcrrechts-, Arbeitsvcr- mittlungs-, KoaltionSrechtS-, Arbeitervertretungs- und sonstigen Fragen geltenden Forderungen, nicht minder die in das Gebiet der künftigen WirtschastS- und internationalen Vertragspolitik ein- schlagenden Wünsche der Sozialpolitischen Abteilung der General- kommission zu übermitteln, die dieselben sichten und für eine ge- ordnete Vertretung derselben sorgen wird. Hiermit fand die reich- haltige Tagesordnung der Konferenz ihre Erledigung. )?us aller Welt. DaS Kriegsdasein d°S russischen Bauern. Unier der Neberschrift: „DaS Budget des Bauern" schreibt„Rutzloje Slowo": Wenn die Frage nach dein Brot an die erste Stelle gerückt ist, und Rußland 73 Proz. des Getreides vom Dorf erhält, so mutz auch die Stimme des Dorfes gehört werden. Folgendes schreibt ein Bauer:»Vor dem Kriege kostete bei uns das Mehl 93 Kopeken. Für 20 Pud erhielten wir 10 Rubel und machten davon unsere Ein« käufe. Ein Paar Stiesel kosteten 3 Rubel, Halbschuhe für die Frau 3 Rubel, 30 Arschin Zitz für die Kinder 3,60 Rubel, 10 Pfund Zucker 1,30 Rubel. 3 Pfund Süßigkeiten S0 Kopeken. 5 Pfund Brezeln 40 Kopeke», eine Flasche Wein 40 Kopeken, 10 Heringe 50 Kopeken Und eS blieben noch 5 Rubel für Stenern übrig, Jetzt sind Höchstpreise eingeführr worden, und der Bauer erbälr für 20 Pud Mebl im ganzen 31 Rubel. Die Stiefel koste» jetzt 26 Rubel, und was soll man für die übrig bleibenden 3 Rubel kaufen? Wie viel Getreide mutz man berknnfe», um davon daS zu erhalten, was früber 20 Rudel kostete? Stiefel iostci, 20 Rubel. Halbschuhe 20 Rubel, 30 Arschin Zltz 13,30 Rubel, 10 Pfund Zucker 2,30 Rubel. 3 Pfund Slitzigkeiten 4.30 Rubel. 3 Pfund Breyell! 1 Rubel, zehn Heringe 3 Rubel, in Summa 72,30 Rubel. Wie soll der Bauer. der schon früher halb und halb hungerte, jetzt leben könne»? Das zwingt UNS. ans das Ackern zu verzichten und in das Proletariat abzuwandern." Ein Duell mit tödlichem Ausgang. Wie der„TempS" aus Madrid meldet, fand zwischen dem Prof. Gay. einem begeisterten Bewunderer deutscher Kultur, und dem Publizisten Hermoda, dem Organisator der Ausstellung AacmackerS. ein Duell mit tödlichem Ausgang statt. Gay hatte sich gegen die Wiedereröffnung in Aus- drücken gewandt, durch die sich der. Publizist beleidigt fühlte. Er forderte eine Erklärnnq' und Gay erwiderte, die Angelegenheit könne nur mit den Waffen erledigt werden. In dem Duell fiel Gay mit durchstochener Kehle; er starb bald darauf. Gcsirai>dct.„Corricre dclla Sera" meldet, daß der englische Dampfer.Nestor", der mit Kohlen nach Livorno unterwegs war, vor vier Tagen an der dortige» Küste gestrandet ist. DaS Schiff sei wahrscheinlich verloren, da es wegen des hohen Seegang» nicht habe flott gemacht werde» können. Eingegangens Druckschriflen. „Not,«ufklärung. Hilfe« iür Kriegerfraum, KciegSt-llnchmer und Angehörige dcriclbc». Aach amtlichen Quelle» bearbctiet von H. Sublc. 30 Pf. Selbstverlag l» Berlin, Raumcrstr. 34. (ycscyliche Zulagen für jeden Hanshalt. Plan und Begründung elner Belhilsenordnung von A. geller. 1.20 M.— I. Hetz, Stuttgart. „Die zappelnde Leinwand«. Sin Jllmbuch vonM. Mack. L.dvM.— Dr. Ehsler u. Co., Berlin SSV 63, Ter kleine Peter. Lustige und ernste Erlebnisse, von F. Hanusch. Acbd. 80 Pf.— Stciies Puch der Jugrnd. Bon Emma Adler.(Erzählungen und Gedichte.) Gebs 1,50 M.—?>. Brand u. Co., Wien 6. clancholie. Gedichte von Eh. Morgenstern. 2,50 M., gebd. S.SO M. B. Eaiftrer, Berlin W 85. Trümmer. Erzählungen von E. Hahnewald. 00 Pst, gebd. 1,80 28.— Kaden n. Co., Dresden. „Blut und«isen«. KrtegSnovellen von Taver Kappus. 1,50 M.— J. HossiNann,«luttgart. DaS ülmitiichcn, seine Zucht, Pflege und Verwertung, von A. Schumann. Geh. 1 M.— Frankd, Stuttgart. 15m die Svnneiiwcndc. Kleine Geschichten von Jda Alimann-Bronn. 46 S.— Der Besuch bei der Berustetiisce. Bon Ida Altmann- Broun. 20 Pf.— Selbstverlag in Rombach, Lothringen. 7>u der Heimat, in der H eimat... Kricgsbilderalbmn von B. Wennerberg. Ganzleinen 10 M.— A. Langen, München. Montsttscher Taschrnkalender 11U7. 80 Pf.— 8. Reinhardt, München. Der Krieg 1»W/i0 in Wort und«ild. Heft 103—105. Jede Woche ein Heft.— Wie wir unser Viseru Kreuz erwarben. Selbsl- erlebnisse, vearbeilet von F. Freiherr v. Dincklage-Campe. Heft 17—20. Einzelheit 30 Pst GesamtprelS 10 Pt.— Bong«. Co., Berlin W 57. öriefkasten der Reüaktion. Die lurlstlfche Evrechllunde find« für Kkonnemen Ltndenftr. 8, IT.®o) rechts, porrerrc. am Moniaa bis grcilaa von 4 dl? 7 Uvr, am Sonnabend von s die o Uli» statt. Jeder für den Betet lasten bestimmten vnl'.ag, tft ein Buchstade und eine Ladt als Merkzeichen beizufügen. Brieflich» Antwort wird»ich: erteilt, ilnfragen, denen keine llbonnemenlsauiiiung beigefügt ist, werden nicht beanlworict. Ellig« Kragen trage man in der Kdrechfiunde vor. Bertragc,«qetftftttckc und dcrglriche» iringc mar in die errcchsiundr mit. H. Kr. Sie haben keinen Attfpruch aus Nachzahlung der Unterstützung, da die Verordnung erst später erlassen ist.— Ost. 13. Wegen allgemeiner Körperschwäche zeiiig IriegSvcrivrndungiiUiilühig.— W. K. 42. Die Er- Ilärung zur Fenerbestatlimg kann vor einer Person, die ein össentlicheS Sieget führt(z. B. BezirlSvorsteher. Schiedsrichter usw.) abgegeben werden. — Alter Avonuent III. 1. Ihnen wird die Unterstützung gewährt, da nach der Verheiratung sich Ihre Verhältnisse wesentlich verändert haben. 2. und 3. Fa. 4. An die znständlae Steuerkasse unter Vorlegung des Familicimnicrstützungsschcins.— H. W. 2. 1. Der Pak wird Ihnen von der Polizeibehörde nusgestellt. 2. Unkosten sind damit nicht verknupst. U. Sie werden sich sosorl darum bemühen müssen.— 31. H. 47. Anspruch auf Unlerslützung besieht nur, wenn die nach dem Gesetz vorgeschriebene Bcdürstiglcit vorhandeii ist. Ihre Tochlcr mützte sich nochmals an de» Negieruiigsprästdenien Niendc» und um Belcheldcrteilung ersuchen. Eine event. Beschwerde Ist dann noch beim Minister de» Innern zulässig. Preiswerte gute Schuhwaren in eleganter und solider Qualität bietet ihnen mein heutiges Angebot, daher ist dasselbe besonders beachtenswert Herrenstiefel,...... 17'° Damen-Schnürstiefel,«..«* 1590 Damen-Schnürschuhe, Damen-Lederhausschuhs mit Spange, Leder- C45 lohle und Flcoic. gj 17'° Damen-Lederhausschnhe, Ledersohle und Fleck, warm gelUttert Kinderstiefel ri- 0,00. vi, ,00».- Schwane Kinderstiefel ohne Spange, 3 27—80 31—33 TOTSIO 11.45 Rii» dan Winter. Imitierte Kamelhaarschuhe---a 2" iiiwMÄMMMW'Ä? w w schwarze Rizsclmalleiistiafel tit w w Alles wird nach Schuhwaren in allen Ausführungen, die sich hier nicht alle einzeln aufführen lassen. Schuhhaus Kuntze Hchfg. nur Gr. Frankfurter Str. 83y Ecke Marsiliiisstraßey fahren. Um jedem ermöglichen zu kommen, vergüte ich jedem Käufer 20 Pf. Fahrgeld. 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