Jjltf* 334* 33. flbonnemcntS'Bedingnnflei: «wonnnnent»- Vrei» Vttmmaanha Sietteljä�tL 8.90 Mk, mmtafl. t30 SRI, «»öchenllich 30 Psg. frei tnS Hau«. Einzelne Nummer ö Pfg. konntag«. Nummer mit illustrier! er Sonntags. Beilage.Die Neue Welt' 10 Psg. Post. vbonnement: ILO Mark pro Monat. Eingetragen in die Bost. Zeitung«. vreisliile. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich. Ungarn ZLO Marl, für da« übrige Ausland s Marl vro Monat. Vostabonnemem« nehmen an Belgien. Dänemark Holland. Italien. Luxemburgs Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweis OMlelnl flalM. Verlinev VolKsblnkt. s S Pfennig) vi« laleMonZ-Sedah? ««trügt für die sechsgefvaltene Kownet« »eile oder deren Raum 60 Psg, für »olitilche und gewerlschastliche Berein«. »nd Bersammlungs- Anzeigen 30 Psg. „Kleine anzeigen", das tcttgedruckte Wort 20 Psg. lzulässig 2 seltgedruckte Worte), jede« weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Echlasstellenan. zeigen da« erste Wort 10 Psg, jede« »euere Wort K Psg. Worte über Ib Buch. ' oben zählen sür zwei Worte. Inserate -------..«■------ Issel' die nächste Nummer müssen bi« . Uhr nachmittag« in der Expedition itgegeden werden. Die Exveditio» rjt bi« 7 Uhr abend« geöftnet. TUegramm-Adress«: �»xlZlätwoltM Nttti»-. �entvalorgan äer rozialdemokrati fehen parte» Deutfchlanda. Neöaktion: EW. 68, Linüenstraße Z. Fernsprecher:«mt Moritzplatz. 9tt. 151 90—151»7. Dienstag, den 3. Dezember 1313. Expeüition: Sw. 68, Linöenstraße 3. iyernsprecher: Amt Morttzplatz. Sir. 151 90—151 97. Die€titfcheidung am Hrgeful. Die Schlacht am Argesul: Targodiste genommen, Vordringen über Titu, über Neajlov«, starker ruffisch- rumänischer Widerstand gebrochen.— Rnsfische An- griffe am Dryswjaty-See, an der Bystrzyea scheitern. Amtlich. Großes Ha»ptq«artier, 4. De- zember 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. ArmeedeSGener.alfeldmarschallsHerzog ' A l b r e ch t v o n W ü r tt e m b e r g Im Aper«- und Wytschaete-Bogen gingen im Anschluß an Sprengungen englische Patrouillen gegen unsere Stellungen vor. Einzelnen gelaug eS, in de» vordersten Graben zu kommen; sie wurde» im Handgemenge über- wältigt oder zurückgetrieben. So« de« übrige» Armee» fi«d besondere Ereignisse nicht z» berichte«. westlicher Kriegsschauplatz. Front des Generalfeldmarschalls Prinz LeopoldvonBahern. Nördlich des DrySwjaty-SeeS gingen nach starker Fenervorbereitung rnsfische Kräfte gegen unsere Linien vor; fie wurden verlustreich abgewiesen. Ebenso scheiterte der Borstoß feindlicher Streifabteilungen an der Bystrzyea Solotwiuska. Eigene Unternehmungen westlich von Tarnopol und südlich von StaniSla» hatte« Erfolg. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph. In den Waldkarpathen hat gester« die Angriffstätig- keit der Raffen nachgelassen, nur zu leicht zurückgewiesenen, schwächlichen Vorstößen rafften fie fich an einigen Punkten noch ans. Gesteigertes Artilleriefener scheint das Abflauen der Angriffe verdecken zu sollen. Stärker war der russische Druck noch an der sieben- bürgischen Ostfront. Am Trotosul-Tale gelang es dem Feinde, kleine Fortschritte zu machen. Deutsche und öfter« reich-nngarische Truppen entrissen ihm weiter südlich eine jüngst verlorene Höhenstellung wieder. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. Der 3. Dezember brachte in der Schlacht am Argesul die Entscheidung; fie ist gewonnen. Die Operationen der Armee des Generals der In- fanterie v. Falkenhayn— Mitte November dnrch die sieg- reiche Schlacht von Targu Jin begonnen— und der auf das Nordufer der Donau gegangenen deutschen, bulgarischen und ottomanischen Kräfte sind von Erfolg gekrönt gewesen. Die unter Führung des Generals der Infanterie Kosch kämpfende Donau-Armee von Svistov her, die durch die westliche Walachei über Craiova vordringende Armeegruppe des Generalleutnants Kühne, die nach harten Kämpfen längs des Argesul aus dem Gebirge heraustretende Gruppe des Generalleutnants Krafft von Delmenfingen«nd die unter Befehl des Generalleutnants v. Morgen über Cam- pulung vorbrecheuden deutschen und österreichisch-nngarischen Truppen haben ihre Bereinigung zwischen Dona« und dem Gebirge vollzogen. Der linke Flügel«ahm gestern Targoviste. Die Truppen des Generalleutnants Krafft von Delmenfingen setzten von Pitesti her ihren Siegeszug fort, schlugen die 1. rumänische Armee vollständig und trieben ihre Reste über Titn, dem Gabelpunkt der Bahnen von Bukarest auf Campulung und Pitesti, in die Arme der bewährten 41. Jnfanterie-Division unter Führung des General- lentuants Schmidt v. Knobelsdorf. Auf dem linken Argesul-Ufer, nordwestlich und westlich von Bnkarest, blieb der Kampf in erfolgreichem Fort- schreiten. Südwestlich der Festung wnrde der Rumäne, der nach aufgefundenem Befehl die Absicht hatte, die Donau-Armee vereinzelt zu schlagen, während sein Nordflügel— die 1. Armee— standhielt, über den Neajlovu gegen den Argesul zurückgeworfen. Südlich von Bukarest waren starke rumäuisch-rusfische Angriffe abzuwehren. Auch hier wurde dem Feinde eine schwere Niederlage bereitet. Kavallerie und Flieger« gelange» Bahnuuterbrechungen im Rücken des rumänischen Heeres. Die Haltung»nserer Truppe» i» den siegreichen Kämpfen war über alles Lob erhaben, ihre Marschleistungen gewaltig. Das reiche Laud und die erbeuteten gefüllten BerpfiegungSfahrzeuge des Gegners erleichterte» die Ber- sorgung der Truppe. Die rumänische Armee hat die schwerste« blutige« Ler- luste erlitten. Zu den Tausenden von Gefangene« a«S den vorher- gehender Tage« kamen gestern noch über ZOG) Mann. Die Beute an Feldgerät und Kriegsmaterial aller Art ist unabsehbar. Es fielen bei der Donau-Armee 35 Ge- schütze, bei Titu, 13 Lokomotive« mit vielem rollende« Material in«usere Hand. Die Operatione« gehe»/ planmäßig weiter; neue Kämpfe stehe» bevor.________ In der Dobrudscha keine größeren Kampfhandlungen. Mazedonische Front. Ohne Einfluß auf die Entscheidung suchende» Schläge i« Rumänien bleibt der Verlust einer auf dem Ostufer der Cerna gelegeueu Höhe, die gestern von den Serben ge- «omme« wurde,«nd die damit verbuudeue Verlegung eines Teils unserer dortigen Stellung. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. » /lbenübericht. Amtlich. Berlin, 4. Dezember, abends.(W. T. B.) Früh scheiterte englischer Vorstoß östlich von Le Sars; sonst im Somme-Gcbiet nichts Wesentliches. Kämpfe südlich und westlich von Bukarest in für uns günstigem Fortschreiten. «« * Der österreichische Derkcht. Wien, 4. Dezember 1916. vrrlautbart: S. T. B.) Amtlich wird Oestlicher Kriegsschauplatz. HeereSfront des G e n e r a l f e ld m arsch allS von Mackensen. Die Schlacht am Argesul hat zu eiuem Sieg von entscheidender Bedeutung geführt. Der Borstoß der Donau-Armee an de« unteren Argesul war durch den von den Rumänen und ihren Bundesgenossen mit großen Hoffnungen begleiteten Gegenstoß nicht zu bannen. Die feindliche Angriff-gruppe wurde nordöstlich von Draganesci aufgefangen und durch umfassendes Borgehen über den Njaslow zurückgeworfen. An diesen Kämpfen nahmen an der Seite deutscher, bulgarischer und»ttomanischer Truppen auch österrcichisch-ungarische Grenzjäger und Batterien teil. Gleichzeitig erzwang sich westlich von Bukarest eine Armee- gruppe den Uebergang über den Argesul-Fluß. Sie drang gestern bis Titu vor und empfing hier Trümmer der rumänischen ersten Armee, die Tags zuvor von den österrcichisch-ungarischrn und deutschen Truppen des Generalleutnants Krafft von Delmenfingen südöstlich von Pitesti geschlagen worden sind. Starke rumänische Abteilungen wurden vernichtet. Weiter nördlich nahmen die Verbündeten Tirgovist in Besitz. Die seinerzeit in der kleinen Walachei abgeschnittenen ru- mänischen Truppenteile werden in fortdauerndem Kesseltreiben allmählich aufgerieben. Die Donau ist geöffnet. Uebcr die außerordentlich reiche Beute lassen sich noch keine annähernd zutreffenden Angaben machen, fie wächst stündlich. Heeresfront des Generalober st en Erzherzog Joseph. Während so in der walachischen Ebene der jüngste Bundes- genösse unserer Gegner entscheidend geschlagen wurde, mühten sich dir Russen vergebens, gegen die tapferen österrrichisch-ungarischen und deutschen Truppen der Generale von Arz und von Kocvcß einen auch auf Rumänien rückwirkenden Erfolg zu erringen. Wenn auch die Entlastungsversuche gewiß noch nicht abgeschlossen sind, so zeigte gestern doch das Nachlassen der russischen Angriffe in den Karpathen, daß der erschöpfte, stark hergenommene Feind dringend einer Kampfpause bedurfte. Nur beiderseits des obersten Trotus-Tales setzten die Russen ihre Angriffe in unverminderter Heftigkeit fort. Sie stürmten stellen- weise bis zu zehnmal, wurden aber, von unwesentlichen Schwan- knngen abgesehen, überall zurückgeschlagen.. I« Süden des Ab- schnittes entrissen wir dem Gegner eine kürzlich an ihn»er« lorene Höhe. HeereSfront de» GeneralfelbmarschallS Prinz Leopold von Bayer«. Stellenweise Kampfhandlungen untergeordneter Bedeutung. Italienischer Kriegsschauplatz. Das Geschützfeuer im Karstabschnitt dauert fort. Auch die. Minenwerferkämpfe haben wieder begonnen. Sin italienische? Flugzeuggeschwader warf auf Dutovlje, Groß-Rrpe» und Se- sana ohne Wirkung Bombe» ab. Unsere Flieger griffe» de« Feind an und zwangen bei Mavhinje einen Caproni mit vier Insassen zur Landung. In. diesem Luftkampfr zeichnete« fich Linienschiffsleutnant Banfield nnd Oberleutnant BrunowSki aus. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unverändert., Der Stellvertreter des Chefs de» GeueralstabeS. v. H o e f e r, Feldmarschalleutuant. « Ereiguisse zur See. Am 3. abends hat eines unserer Flugzeuggeschwadrr die feindlichen Stellungen bei Doberdv sehr erfolgreich mit Bombe» belegt»nd kehrte trotz heftiger Beschießung unversehrt zurück. g t»» t e n k o m m N» d». die Zrieöensblinöen. Woher kann der Frieden kommen? Wir stellen diese Frage realpolitisch nicht als Wunsch, sondern als Erkenntnis- frage unter Einsetzung der wirkenden Kräfte zu ihrem wirklich zutage tretenden Wert. Dann ist es nicht zweifelhast, daß der Frieden von den offiziellen Regierungen der kriegführenden Länder(was nicht besagen will: von den gerade jetzt am Ruder befindlichen Personen) geschlossen werden wird, wohl unter starker Mitwirkung der öffentlichen Meinung, aber kaum durch einen über die Regierungen hinwegflutenden revolutionären Volkswillen. An das letztere können nach der Erfahrung von 28 KriegSmonaten nur unheilbare Illusionisten glauben.; Aber was hindert die Regierungen? Ist es wirklich nur der Mangel eines geeigneten Vermittlers, mag dieser nun Wilson oder Papst Benedikt oder sonstwie heißen. Ach, unsere Staatsmänner sind doch schließlich keine schmollenden Schul- kinder, die aus Trotz nicht mehr miteinander reden und zwischen die man deshalb erst zartfühlend eine dritte Person einschieben muß. Wollten alle Beteiligten ernsthaft Frieden schließen, so wäre wohl ein Vermittler wertvoll, aber zur Not würde es auch ohne ihn gehen. Staatsmänner schließen Frieden, wenn sie entweder ihr Kriegsziel mit den Waffen erreicht haben, oder wenn sie ein- sehen, daß diese Erreichung unmöglich ist. Deutschlands Kriegsziel ist die Selbstverteidigung. Es ist seit mehr als Jahresfrist erreicht und deshalb kann der deutsche Reichskanzler immer wieder seine Bereitschaft zum Friedens- schluß zum Ausdruck bringen. Deutschlands Gegner erstreben Eroberungsziele, die zwar alles andere als bisher geglückt sind, vor deren Un- erfüllbarkeit sie aber einstweilen hartnäckig die Augen ver- schließen, deren Verwirklichung sie trotz aller trüben Erfahrungen noch nicht aufgegeben haben. Wenn je ein Kriegsereignis, so sollte ihnen der rumä- nische Zusammenbruch ein Grund zum Friedensschluß sein. Denn er bedeutet, daß das Balkanspiel der Entente mit den Zielen der Zertrümmerung Oesterreichs und Russisch-Konstantinopcls endgültig und unwiederbringlich ver- spielt ist. Man vergleiche die heutige Balkanlage mit der zu An- fang des Krieges. Damals hatte, die Entente Serbien und Montenegro für sich, alles andere war neutral. Dann schloß ich die Türkei den Mittelmächten an, Bulgarien folgte, die Wirkung war die militärische Vernichtung, und Besetzung der mit der Entente verbündeten Staaten. Dieser blieben als letzte Hoffnungen Griechenland und Rumänien. Griechenland wollte nicht, die brutalen Zwangsversuche, das kleine Land wider seinen Willen in den Krieg zu treiben, haben jetzt einen Zustand gezeitigt, der das Gegenteil des Ententewunschcs be- deutet: mit Wut und Haß setzt sich das gedemütigte Volk zur Wehr und die Schüsse der Athener Garnison richten sich gegen die heuchlerischen Unterdrücker. Aber Rumänien ließ sich verlocken— und ungeheurer Jubel der gesamten Ententepresse begrüßte sein Eingreifen. Jetzt liegt es am Boden, von seinen Bundesgenossen ebenso verraten und verlassen, wie all die anderen„beschützten" Kleinen. Noch einen Balkanstaat, den sie gegen uns auf- stacheln könnte, hat die Entente nicht mehr. Was bleibt ihr? — Die Saloniki-Armee SarrailS, ein kostspieliges und gefahr- volles Abenteuer, dessen letzte Stunde wenige Minuten nach dem rumänischen Untergang schlagen dürfte, trotz der örtlichen Erfolge, die Sarrail in dieser Galgenfrist noch erreicht. Und im übrigen? Eine trotz der viermonatlichcn Somme- schlacht unerschüttcrte Westfront und eine nach den Anfangserfolgen der Brussilowschen Offensive für die Russen wieder unüberwindlich gewordene Front im Osten. Einsichtige Staatsmänner würden hiernach sagen: Wir schaffen es nicht, weder 5konstantinopel, noch Oesterreichs Aufteilung, noch Elsah-Lothringen sind durch diesen 5lrieg zu er- reichen; wir schließen Frieden. Aber was sehen wir statt dessen? Noch einmal Auf- stachelung der letzten wildesten Kriegsleidenschaft, Aufpcitschung des gesunkenen Mutes bis zum äußersten, Ersetzung halb- Wegs einsichtiger, zur Verständigung neigender Staatsmänner durch extreme Kriegsfanatiker. Was 1915 fehlschlug, 1916 mißglückte� 1917 soll es bringen. Noch eine letzte ungeheure Anstrengung... wir kennen die Weise. In England wird A s q u i t h, der von den Kriegshetzern als Schlappschwanz ausposaunt wird, allgemach durch den streitlustige» Lloyd George verdrängt. Man wird den Premierminister vielleicht nicht stürzen, aber dafür b e- Vormunden. Eine„Neugestaltung der Negierung" soll vorgenommen, ein neuer Kriegsrat gebildet werden, in dem nach Angabe der„Daily News" Lloyd George etwa die Stellung des verstorbenen Lord Kitchener einnehmen soll. Ein Artikel der„Sunday Times" führt aus, daß Asquith, obwohl seine Unfähigkeit, rasche Entschlüsse zu fassen, ihn für den Vorsitz im Kriegsrat untauglich mache, politisch noch durchaus nicht verbraucht sei, und daß er an der Spitze des Kabinetts bleiben solle, daß aber die Leitung des Krieges einem energischeren Kollegen übertragen werden sollte, — womit natürlich Lloyd George gemeint ist. Ganz ähnlich vollzieht sich die EntWickelung in Rußland. Die so vielgestaltig ausgedeutete Entlassung Stürmers wird vom„Rjetsch" jetzt offen damit begründet, daß er für den Frieden gearbeitet habe. Er habe sich mit der so- genannten Friedenspartei am Hofe verbunden und auf die Verständigung mit Deutschland hingearbeitet. Diese Auffassung gewinnt an Wahrscheinlichkeit durch die Rede, mit der sich sein Nachfolger T r e p o w der Duma vor- stellte und die man kurz dahin charakterisieren kann: jedes Wort eine Kriegsfanfare! Nachdem Trepow Rußland hin- sichtlich des Kriegsausbruchs als Unschuldslamm hingestellt hat, erklärt er: Mehr als einmal ist im Namen der Regierung von dieser Tribüne herab laut verkündet worden, daß der Krieg bis zum völligen Siege durchgeführt werden wird, mehr als einmal ist ebenso erklärt worden, kein vorzeitiger Friede aus welchen Gründen auch immer/ kein Sonderfriede ohne unsere Alliierten geschlossen werden wird. Nichts kann diesen Entschluß umstoßen, der dem unbeugsamen Willen des erhabenen Beherrschers von Rußland entspringt, der sich eins weiß mir seinem ganzen treuen Bolle: Rußland wird die Waffen nicht niederlegen, ehe ein völliger Sieg errungen ist. Die ganze Welt mag tS noch einmal hören, daß. wie groß auch die Schwierigkeiten, wie groß die zeitweiligen Rückschläge auch seintttligen, Rußland, das große Rußland und seine tapferen Alliierten den letzten Soldaten aufbringen, alle Mittel des Staates zur Verfügung stellen werden, damit der Krieg zu einem entscheidenden Ende geführt und die Anschläge und die Gewalttätigkeit der Deutschen für alle Zeiten vereitelt werden. ... Augenblicklich besteht das Programm der Regierung nur a«S einem Punkt: daS ist der Sieg, koste er, was er wolle, ein voller und endgültiger Sieg I Der Krieg hat schon zahlreiche Opfer von uns gefordert, und er wird noch viele mit sich bringen. Dennoch sollte uns das nicht hindern. Weder Rußland noch seine Alliierten sind schuld am Kriege; aber nachdem der Krieg einmal vom Zaune gebrochen worden ist, werden wir ihn nicht eher be- enden, als bis der Feind völlig erschöpft ist und in Zukunft keine dauernde Bedrohung deS allgemeinen Friedens bilden kann. Wir müssen den Krieg bis zur Bernichtung des deutschen Militarismus führen, und bis es ihm unmöglich ist, sich in naber Zukunft wieder zu erheben. Es ist unerläßlich, die ständige Drohung mit Gewalt, die seit etwa zehn Jahren die ganze zivilisierte Welt mit Sorg- erfüllte, zu beseitigen. Und nach dieser Anhäufung von Vernichtungsdrohungen enthüllt der russische Ministerpräsident ein Eroberungs- Programm, vollbepackt mit Annexionen fremdländischer Gebiete, das in schreiendstem Widerspruch ebenso zu der eben beteuerten Unschuld Rußlands am Kriege wie zu der tatsächlichen Kriegslage steht: Ich wiederhole, meine Herren, uns erwartet ein Kampf, dessen Ausgang im voraus bestimmt ist, der aber unsererseits noch be- deutende Anstrengungen fordern wird. Der Feind hält noch immer einen Teil unseres Gebietes besetzt. Wir müssen es noch wiedererobern und von dort aus das zeitweilig durch Waffen- gewalt abgetrennte Königreich Polen wiedergewinnen. Das ist nicht genug, wir müssen dem Feinde die einst polnischen Gebiete jenseits der Grenze entreißen und wir wollen ein freies Polen in seinen ethnographischen Grenzen und in unlöslicher Ber- einigung mit Rußland wiederherstellen. Seit über 1000 Jahren strebt Rußlaud nach Süden, zum freien Ausgang in« offene Meer. Die Schlüssel zum Bvsporus und zu de« Dardanellen, der Schild des Oleg über dem Tor von Kon- ftantinopel, das sind die jahrhundertalten Träume, die dem russischen Volke zu allen Zeiten seines Bestehens vertraut waren. Diese Wünsche sind seit Kriegsbeginn der Erfüllung nahe. Um Menschenleben zu schonen, haben wir gemeinsam mit unseren Verbündeten alle« uns Mögliche getan, um die Türkei von einer Teilnahme an den sinnlosen Feindseligkeiten zurückzuhalten. Frankreich, England und Rußland hatten nicht die Ausgabe, die Türkei in den Krieg hineinzuziehen. Sie haben nur darauf be- standen, daß sie in ihrem eigenen Interesse neutral bleibe. Gleich- zeitig wurden der Türkei Verstcherungen und formelle Versprechungen gegeben, durch die ihr für ihr« Neutralität die Unverletzlichkeit ihre« Gebiete« und ihre Unabhängigkeit garantiert und ihr außer- dem noch gewisse Vorteile gewährt wurden,«ber die Anstren- gungen waren vergeblich, und geblendet durch die falschen Ver- sprechungen Deutschlands, besiegelte die Türkei, indem sie uns hinterrücks angriff, ihr Schicksal. Rußlands Lebensinteressen werden von unseren treuen Ver- bündeten gerade so gut verstanden wie von uns selbst. Deshalb bestimmte die Vereinbarung, die wir ISIll mit Großbritannien und Frankreich geschlossen haben und der Italien beitrat. endgültig Rußlands Recht auf die Meerengen und auf Konstantinopel. In Uebereinftimmung mit unseren Alliierten wird heute die Er- klärung über diese Vereinbarung von dieser Tribüne aus ab- gegeben. Ich wiederhole, die vollständige Uebereinftimmung über diesen Punkt ist unter den Alliierten fest begründet und es besteht kein Zweifel, daß Rußland, nachdem es die freie Zufahrt ins Mittelmeer souverän in Besitz genommen haben wird, der rumä« nischen Flagg«, die nicht zum erstenmal im Kampfe neben den russischen Bannern weht, freie Schiffahrt gewähren wird. sLang anhaltender Beifall.) Was ein„freies, untrennbar mit Rußland verbundenes Polen" ist, bedarf keiner Ausführung. Es ist dasselbe wie ein freier lebenslänglich eingekerkerter Mann. Wenn Herrn Trepows Pläne sich verwirklichen würden, nach denen er das deutsche und österreichische Polen dazuerobern will, dann liefe die russische Grenze statt 300 Kilometer vor dem Kriege keine 150 Kilometer mehr östlich von Berlin! Und die fanatischen Eroberungsworte bezüglich Konstantinopels fallen in demselben Augenblick, da mit dem Zusammen- bruch Rumäniens dieses Ziel in unerreichbare Ferne rückt. Mit den rumänischen Todesopfern vom Argesul wird Ruß- lands Dardanellentraum endgültig begraben. Ist das ein Staatsmann, der in diesem Augenblick so spricht wie Trepow? Ein wirklichkeitsfremder Kriegsfanatikcr, ein scheuklappengeschlagener Krieg-bis-zu-Ende-Prediger möchte man sagen, aber doch trotz allem— der leitende russische M i n i st e r. Wir müssen uns mit der bitteren Wahrheit abfinden, daß unsere Gegner zu sehr in ihre Ziele verrannt sind, um etwas anderes sehen zu können, sie sind friedensblind. Statt Asquith Lloyd George, statt Stürmer Trepow— den Völkern Europas soll das härteste nicht erspart bleiben. Ein Trost bleibt: Strenge Herren regieren nicht lange und je mehr die„starken Männer" jetzt den Mund vollnehmen, desto schneller wird die Enttäuschung eintreten, desto schneller müssen sie abwirtschaften. Wenn aber auch die starken Männer nichts erreichen, muß dann nicht unseren Gegnern— endlich— die Erkenntnis kommen? *• die englische Kabinettskrise. London, 3. Dezember. Reuter meldet: Amtlich wird bekanntgegeben, daß Asquith zum Zwecke der wirksamsten Durchführung des Krieges beschlossen hat, dem König zu raten, einer Neugestaltung der Regierung zuzu- stimme«._ Die Entente-Katastrophe in Hriechenlanö. Die von der balkandiplomatischen Kunst der Entente entfesselten griechischen Ereignisse kommen auf das Spezial- konto Frankreichs. Sie bedeuten eine Niederlage, und dem entspricht auch das Echo, das sie im Lande Briands auslösen. Wolfis Bureau meldet vom Sonntag aus Parts: Die Ereig- nisse in Athen werden hier mit lebhafter Entrüstung auf- genommen. Die Zeitungen erklären einhellig, es bestehe jetzt die Pflicht,„den Meuchelmördern und Verrätern eine unvergeßliche Strafe aufzuerlegen".„Echo de Paris" schreibt:„Keine Nachsicht, keine Zweideutigkeit mehr, laßt der Gerechtigkeit ihren Lauf!" Von diesem Schrei nach Energie sticht allerdings das, was Havas über das Verhalten der Entente zunächst meldet, erheblich ab. Die Meldung gibt nur die dünne allgemeine Wendung zum Besten: „Die Regierungen der Alliierten ergreifen gemein- schaftliche Maßregeln, um Genugtuung für den am 1. Dezember in Athen begangenen Anschlag zu erlangen." Die Genugtuung beginnt aber in der schon weltkriegmäßig gewordener Form mit einem vermutlich einträglichen Flottenraub. Wie„Matin" meldet, sind die griechischen Schiffe, die in Marseille und den übrigen Häfen Frankreichs und der alliierten Länder liegen, mit Beschlag belegt worden. Also nicht nur auf den militärischen, sondern auch auf den wirtschaftlichen Ruin Griechenlands war's ab- gesehen. Die bisher wichtigste Wirkung des Geschehenen ist sodann in der weiteren Havasmeldung vom Sonntag zu sehen, nach der im Hinblick auf die Ereignisse in Athen Romanos seiner Regierung seine Demission als griechischer Gesandter in Paris einreichte. Der griechische Gesandschaftsrat Kaklamanos demissionierte ebenfalls. Prinz Georg kam, wie die Meldung hinzufügt, am Vormittag in die Gesandtschaft und sprach lange mit Romanos. Ob der Prinz versucht hat, seinen Schritt rückgängig zu machen, erfährt man nicht. Aber der Umschwung, der sich in Athen voll- zogen hat, ist groß. DaS geht aus folgenden! Be- Sebnis hervor. Havas meldet, daß M a k u r i s, er ehemalige Bürgermeister von Athen und Führer der Rerservisten, an Stelle von Bcnakis seine Stellung wieder eingenommen hat und daß auch General Dusmanis und Oberst Metaxas ihre Stellungen an der Spitze des General- stabes wieder eingenommen haben. Kann das etwas anderes als den offenen Bruch mit der Entente bedeuten? « Der Aufstand in Althen. Tie Toten und Verwundeten. Athen, 3. Dezember. Reutcrmeldung. General EallariS be- richtet, daß in den Kämpfen am 1. Dezember 2» griechische Militärpersonen, darunter drei Offiziere getötet und 54 verwundet worden seien, während auf französischer Seite 47 Marine- sodatcn einschließlich zwei Offiziere getötet und 97 verwundet wurden. lWicvicl Zivilpersonen Opfer des Kampfes wurden, wird abrr nicht mitgeteilt.) Bern, 4. Dezember.„Seeolo" mcldrt aus Athen: Nach den ersten Zusammenstößen zwischen griechischen Truppen und Marine- soldaten des Bicrverbandcs wurde ein WaffcnstiUftand vereinbart, worauf sich die Truppenabtcilungcn deS BierverbandcS zurückzogen. Admiral Fournet soll erklärt haben, er wolle die Ucbergabc von sechs Batterien annehmen und bei den alliierten Rc- gicrungcn dahin vorstellig werden, daß sie von dem Bcrlangen nach Nrbrrlassung des andere» ArtillrrirmatrrialS abstünden. Bern, 4. Dezember. W. T. B.„Eorriere dclla Sera" meldet aus Athen: Tie Ententctruppen haben bei dem Zusammen- stoß hundert Tote und Verwundete und vierzig Gr- f a n g e n e eingebüßt. Auf griechischer Seite sollen ein Haupt- mann, zwei Leutnants und ungefähr vierzig Soldaten verwundet oder tot sein. Dir italienischen Marinesoldaten sollen verschont ge- blieben sein. Nach Abschluß des Waffenstillstandes um 3 Uhr nach- mittags wurde das Feuer eingestellt, um 5 Uhr aber, nachdem von der Folttc dreißig Kanonenschüsse abgegeben worden waren, mit vermehrter Heftigkeit wieder aufge- n o m m e n. Drei Gewehrschüsse sollen auf den Königspalast gc- fallen sein. Einige Oberhäupter der Vcnizelistenpartei wurden ver- haftet. Die Ententetruppen, etwa Z»00 Mann, zogen sich gestern nach dem PiräuS zurück, begrlritet von griechischer Kavallerie, und schifften sich alsdann ein. Amsterdam, 4. Dezember. W. T. B. Nach einem hiesigen Blatte meldet„TimeS" aus Athen vom 2. Dezember: Um 5 Uhr nachmittags haben drei französische TorprdobootSjäger den Hügel ArdettoS beschossen, von wo ein Geschütz auf das Zappeion, das Quartier der französischen Matrosen, gefeuert hatte. Eine Granate fiel in den inneren Hof deS dicht am Hügel gelegenen königlichen Palastes, in dem eine Konferenz stattfand. Die venizelistischen Blätter sind suspendiert, Athen, 2. Dezember, 6 Uhr nachmittags. Havasmeldung. DaS Feuer ließ nach und hörte am Abend tatsächlich auf. Tic Truppen der Alliierten wurden nach dem Piräus zurückgeführt. Tie Rc» gierung bot Admiral Fournet 6 Batterien Gebirgsartillerie an, aber die Gesandten der Alliierten erhielten von ihren Rc- gicrungcn die Weisung, zu erklären, die Frage sei viel ernster als die Abtretung von Kriegsmaterial, und die Regierung müsse eine der Schwere des Anschlags cnt- sprechende Genugtuung geben. Athen, 2 Dezember. Rcutermeldung. Zwanzig bewaffnete Kreter verschanzten sich im Haufe von Benizelos. Sie weigerten sich, das Gebäude zu verlassen und feuerten vom Dache auf jeden, der sich ihnen näherte. Ter Kriegsministcr befahl, Maschinengewehre aufzustellen. Währenddessen wurden die Kreter nochmals aufgefordert, sich zu ergeben, was sie nach längerer Be- ratung auch taten. Sie wurden unter starker Bedeckung nach dem Parlamcntsgcbäude gebracht, das zeitweilig als Militärgcfängnis dient. Auf dem kurzen Wege dorthin hatte die Eskorte große Mühe, sie vor der Menge zu schützen. Ilm 4 Nhr war die Ord- nung wiederhergestellt. Das Gewchrfeucr in den Straßen hörte auf. Starke Kavalleriepatrouillcn bewachen die Stadt. Bern, 2. Dezember. W. T. B.„Eorriere della Sera" meldet aus Athen: Aus der Hauptstadt und ihrer Umgebung haben sich rund 6000 Reservisten freiwillig gestellt und sich a n 5000 Mann der Athener Garnison angeschlossen. Der König ist gesehen worden, wie er in Generalsuniform auf dem Wege nach einer Kascrnr war, um dort der Ankunft der Reservisten beizu- wohnen. Gegen Mittag entwickelte sich in der Nähe des königlichen Palastes ein starker Tumult. Tie am Morgen erfolgten Zusammen- stoße waren bis 10 Uhr immer heftiger geworden. Am Abend be- gaben sich der französische und der englische Gesandte zu dem König und darauf ins Zappcion, um sich mit den Platzkommandanten der Alliierten zu besprechen. Noch später fuhren sie im Automobil nach dem Piräus, um mit Fournet sich zu beraten. Man glaubt, daß ein Wa ffcn still st and vereinbart worden ist und infolgedessen die Feindseligkeiten eingestellt werden. Basel, 4. Dezember. Aus Paris wird den„Baffer Nachrichten" telegraphiert: Man fragt sich hier, wo drr Grund zu der tragischen Wendung drr Ereignisse in Athen liegt, ob der König die Stelle rineS gegen die Entente gerichteten Manövers ist oder ob der Ber- band der Reservisten den König zu seiner Haltung zwingen will. Man neigt hier der crstrrcn Vermutung zu. Es scheint sehr wahr- scheinlich, daß die Verstärkung des griechischen Widerstandes zu- sammenhängt mit dem Erfolge der Zentralmächte in Rumänien. Man sieht darin in Frankreich einen Ausbruch der wirklichen Sympathien Konstantins, und da schon Blut geffossen ist, verlangt man die Bestrafung aller Schuldigen ohne Ausnahme. Schon sind Maßregeln zur Blockade getroffen. London, 4. Dezember. W. T. B. Die„Times" erfährt aus Athrn vom 2. Dezember: Im ganzen sind am Freitag früh dreitausend Mann Ententetruppen ausgeschifft worden und in drei Abteilungen nach Athen vorgerückt. Als sie an die Punkte kamen, die ihnen angewiesen waren, fanden sie sie von griechischen Truppen besetzt, die, als die Alliierten sich zurückzuziehen begannen, auf sie feuerten. Der Kampf begann vormittags um �11 Uhr und endete, nachdem ein Waffenstill st and geschlossen war, nachmittags um 2 Uhr. Die Alliierten hatten bedeutende Ber- luste, namentlich die Italiener litten schwer. Man glaubt, daß 100 Franzosen gefangen genommen wurden. Am Sonnabend be- ganncn die Unruhen aufS neue und dauerten stst den ganzen Tag fort. Matrosen feuerten von den Balkons und HotelS und von den Gebäuden der Zeitungen. Fast den ganzen Tag wurden Benizelistcn verhaftet. Die Athener Presse berichtet, daß eine Granate in den Garten deS Palastes, eine in die Palastküche und eine dritte in den inneren Palasthof fiel. Bern, 4. Dezember. W. T. B.„Eorriere della Sera" zufolge hat die griechische M i l i t ä r l i g a alles in den Athener Depots befindliche Material bei nacht auf Militärfuhrwcrken und Militär- automobilen in drr Richtung des Parraß weggeschafft. Athen, 3. Dezember. Reutermeldung. Der Tay war ruhig, aber es herrscht große Besorgnis. Abends findet im Palais ein Kabinettsrat statt. Der Krieg in Rumänien und Mazedonien. Die Schlacht am Argesul. Berlin, 4. Dezember. Amtlich wird mitgeteilt: Der Argesul, an dem am 3. Dezember die Schlacht stattfand, ist ein GrbirgSstrom von wechselnder Breite. Diese beträgt von Pitesti bis südwestlich Titu zwischen 2lr Volksernährung. Am Montag hielt das Preußische Abgeordnetenhaus nach längerer Pause»vieder eine Plenarsitzung ab, die aber trotz umfangreicher Tagesordnung nur etivas über eine Stunde in Anspruch nahm. Der Grund ist darin zu erblicken, daß die an letzter Stelle auf der Tagesordnung stehenden Anträge der verstärkten StaatdhauShaltskoinmisston betreffend Ernährnngs- fragen nicht mehr zur Beratung kamen. DaS HauS nahm in erster»md zlveiter Beratung den von unS inhaltlich bereits mitgeteilten Gcsetzciitlvurf betreffend die Ergänzung deS Einkommensteuergesetzes au und erteilte den auf Grund des Art. 03 der Verfassung erlassenen Ver- ordnungen betreffend Abänderung deS Verzeichnisses der Wasserläufe erster Ordnung und betreffend Verschiebung der regelmäßigen Ergänzungswahlen zu den Gemeindevertretungen seine Zustimmung. Mit der Beratung der Anträge über Ernährungs- fragen wird am Dienstag begonnen. Auch der Mittwoch ist für diese Frage in Aussicht genommen. Seitens der sozial- demokratischen Fraktion sind zu den Anträgen der Staats- hauShaltskommission acht AbänderitngSanträge eingebracht. Diese Anträge beziehen sich auf eine Erhöhung der wöchcut- lichen Fleischration auf 100 Gramm allgemein und auf 500 Gramm für Schwerarbeiter, auf Herabsetzung der Preise für Fleisch aller Art, Fett und sonstiger Erzeugnisse der Vieh- Haltung, auf Herabsetzung der Preise für Fische und Einbe- ziehung aller Arten Fleisch, Wild, Geflügel und Fische in die öffentliche Bewirtschaftung, auf Sicherstellung der Kartoffel- ernte durch reichlichere Zufuhren der Städte- und Industrie- bezirke, auf einheitliche Regelung und Herabsetzung der Preise für Kohl, Kohlrüben, sonstiges Gcinüse und Obst, auf Be- schlaguahme der Zlviebcln und endlich auch Gleichstellung der landwirtschaftlichen Arbeiter mit den gewerblichen Arbeitern in rechtlicher Beziehung.___ Eine Lehre. In der Generalversammlung des Kreises Spandau-Osthavelland soll ein Kandidat für die Reichstagswahl aufgestellt werden. Von 31 Vertretern stehen 14 zur Parteimehrheit, der Rest ist fast zu gleichen Teilen unter die Arbeitsgemeinschaft und die Spartakus-- gruppe gespalten. Das Resultat einer Abstimmung würde also zu-- nächst Stichwahl zwischen Mehrheit und einer der OppositionS« gruppen sein. Da verfällt die Opposition auf einen genialen Ausweg. Sie beschließt vorweg mit ihren gesamten 17 gegen die 14 MehrheitS» stimmen, daß kein Mehrheitskandidat aufgestellt werden soll. Dann erst stimmt man ab. und siehe, der Mehrheitskandidat erhält 14, der der Arbeitsgemeinschaft 8 und der der Spartakusgruppe S Stimmen. Letzterer soll nun, da die 14 Mehrheitsstimmen einfach nicht gc- rechnet werden, gewählt sein. Offenbar hält man es in Minder- heitslreisen für ein demokratisches Prinzip, daß ein Kandidat, der ö von 31 Stimmen, also etwa ein Viertel aller Stimmen erhält, dem Willen der Versammlung entspricht. Wir berichten über diesen seltsamen Wahlakt ausführlich o>r anderer Stelle. Hier heben wir ihn hervor, weil er im Kleinen ein getreues Spiegelbild dessen gibt, was die Parteiopposition im Großen taktisch erreichen will. Weder Arbeitsgemeinschaft noch SpartakuZgruppe können damit rechnen, für sich allein die Mehrheit in der Partei zu erhalten. Darum heißt für sie die Parole: zu- nächst einmal gemeinsam die alte Mehrheit beseitigen. Damit hat zwar dann noch leine der beiden Gruppen das Parteiheft in Händen, aber die Möglichkeit es zu bekommen— wenn sie nämlich nunmehr auch noch die rivalisierende Oppositionsgruppe aus dem Feld schlägt. Mit anderen Worten: die Taktik der Opposition läuft daraus hinaus, den Partcistrcit i» die Unendlichkeit zu verlängern. Denn angenommen, eS gelänge(lvas»vir nicht glauben), die bisherige Parteimehrheit zu stürzen, so wäre damit noch lange kein Partei- trieben da, sondern es würde nun erst ein»vüster Kampf um ihr Erbe zwischen Arbeitsgemeinschaft und Spartakusgruppe losgehen. Und das Rcsullat— Spandau-Osthavelland lehrt es, wo infolge dieser Taktik lZ Mann von 33 den Kandidaten aufstellen, also tat- sächlich g Mann 22 überstimmen: es heißt Herrschaft eines kleinen Bruchteils über die Gesamtpartei— im Namen der Demokratie! Der Weg ins größere Deutschland. Den Weg ins größere Deutschland haben die„Alldeut- scheu Blätter" gesucht und gesunden. An den Kanal müssen »vir so weit heran, daß für uns von dort aus„eine weit- gehende Freiheit des operativen Handelns" gesichert ist. Belgien soll angegliedert(nicht einverleibt) werden. Die Rückgabe des besetzten nordfranzösischen Gebiets schließt sich von selbst ans. Im Osten nehmen»vir die Ostseeprovinzen, Litauen, Polen und die Ukraine. Außerdem schaffen»vir ein »nittelafrikanischeS Kolonialreich und Flottenstützpunkte, für deren Auswahl sich der Alldeutsche Verband noch freie Hand vorbehält. Was Oesterreich und Bulgarien nehmen wolle»:, haben sie selbst zu bestimmen, die Türkei aber kriegt Aegypten, ob sie will oder nicht. Die„Alldeutschen Blätter" versichern, daß sie„keine deutsche Weltherrschaft" erstreben. Darum verlangen sie auch nur Kleinigkeiten._ Leichtfertige Ratgeber. Die„Arbciterpolilik". ein von der SpartakuZgruppe Bremen gegründetes Oppositionsblatt, befaßt sich in ihrer letzten Nummer ausgiebig mit der Haltung, welche die Arbeiterklasse im Kriege ein- zunehmen habe, und kommt zu dem Schluß, daß das Proletariat unemivegt den Klassenkampf gegen die cigeire Regierung fortsetze»» müsse, auch»venn dadurch die Niederlage des eigenen Landes verursacht wird. Selbst an der Verteidigung eines um die Existenz ringenden Landes dürfe sich die Arbeiterklasse nicht be- leiligcn. denn: Die Verteidigung der staatlich-nationalen Existenz eines imperialistischen SlaaleS, der im Kampfe zu unterliegen droht, ist unmöglich, ohne daß dieselbe Kraft, die ihm aus der Gefahr hinaushelfen würde, ihm die Macht verleihen würde, die imperia- listische» Zwecke zu verivirklichen. Dieser Standpunkt ließ« sich vielleicht begreifen bei Leuten, denen die Fremdherrschaft etwas ganz Gleichgültige» ist, die leugnen, daß der Arbeiterklasse unter einer sremdstaatlichen Unter- drückung schwere Nachteile erwachsen. Aber die»Arbeiterpolnik" steht ganz und gar nicht auf diesem oberflächlichen Stand- Punkt, sie beteuert ausdrücklich: „Wir stehen nicht auf dem Boden des naiven Jnternatio« naliSmnS, der behauptet, dem Arbeiter sei eS gleichgültig, was für Kapitalisten ihn beherrschen und ausbeuten. Die Fremdherrschaft bedeutet, daß zu dem ökonomischen Druck noch der nationale hinzu- kommt, daß die nationale Unterdrückung im Proletariat daS Ge- iübl der Solidarität mit den eigenen besitzenden Klassen stärkt. Wir»visse», daß jede Invasion ain härtesten die Proletarier trifft." Dieses Zrigeständnis ist»mgeheucr wichtig. Denn gerade aus dem Munde der»venigcr geschulten Spartakusanhänger kann man zu unzähligen Malen Phrasen hören»vie:„Für uns ist eS ganz egal, ob»vir russisch oder englisch iverdcn". Ihnen»vird man künftig mit ihrem eigenen Organ, der Bremer„Arbeilerpolitik*, den Mund stopfen können, die zugesteht, daß jede Invasion die Arbeiter nicht nur nebenher, sondern gerade am härtesten von allen Volksklasscn trifft. Also— fragt in»!» jeder— d a S wissen diese Leute und wollen gleich»vohl. daß die Arbeiter sich selber er Gefahr einer Fremdherrschaft ausliefern?— Iii der Tat, eS ist sol Man höre, wie fich Spartakus tröstet: Aber was dann, wenn es in einem Kriege zu keinen gleichzeitigen Kämpfen des Proletariats in allen Ländern koinmt oder wenn sein Kamps keine gleichen Erfolge zeitigt,»vcil die eingesetzten Kräfte ungleich sind? Auch in diesem Falle, dessen Eintreten in den ersten Zeilen der erst vor unS liegenden Kampfes- cpoche nicht ausgeschlossen ist, sind die dem Proletariat drohenden Gefahren Hehrer, als ht dem Falle, wenn eS vor seinen Klaffen- siegnern im vornherein kapituliert. Denn hat eS versucht, fich in internationaler Front zu verteidigen, hat eS im Kampfe für die eigenen Ziele auch die grötzten Opfer gebracht, so wird es auch fähig sein, sichgege« die Folgen seiner Niederlage zu wehren. Aus dein Nebel theoretischer Umschreibungen in klares Deutsch übersetzt heißt das: Wenn das deutsche Proletariat zu Beginn des Weltkrieges in Aufstand und Generalstreik eingetreten wäre, während die französischen, englischen, russischen Arbeiter gar nicht daran dachten, wenn weiter hierdurch eine vernichtende Niederlage Deutschlands herbeigeführt worden wäre, deren Folgen die deutschen Arbeiter selbst auf daS schwerste träfen— dann war' es eben auch gut! Die deutschen Arbeiter müßten sich damit abfinden, daß sie nach dem Sinne der großen spartakanischen Studierstubenwelt- Umstürzler ihre Pflicht getan hätten; im übrigen, so sagt man ihnen tröstend, wird eS euch ja ein Leichtes sein, nachdem ihr Deutschland ins Unglück gestürzt habt, euch eurer russischen, englischen, fran- zösischen Unterdrücker zu erwehren! DaS bedeutet: die Spartakusgruppe verlangt in diesen Aus- führungen der.Arbeiterpolitil" von der Arbeiterschaft nicht mehr und nicht weniger, als daß sie sich sehenden Auges ins Unglück stürze,— zur höheren Ehre des Prinzrps, wie es Spartakus auf- faßt. Das ist, um nichts Schlimmeres zu sagen, Leichtfertigkeit, aber keine Vertretung der Arbeiterinteressen. Minister V. Loebell an die Landwirte. In einem Erlaß des preußischen Mnisters des Innern an die Landräte toird sehr nachdrücklich die Bedeutung der Ernährung der Schwerarbeiter betont und nach einer Anerkennung des bisher Geleisteten gesagt: Jeder Deutsche kennt die Mahnung des Generalfeld- Marschalls von Hindenburg. Es gilt, sie zu befolgen. Was ein jeder, insbesondere jeder Landwirt an Nahrungs- Mitteln über die nach den Verordnungen ablieferungspflichtigen Mengen hinaus entbehren kann, namentlich Speck und Schmalz, Schinken, Wurst u.>dgl., für deren Abgabe die in dieser Jahres- zeit stattfindenden Hausschlachtungen die gegebene Gelegenheit bieten, soll für die Arbeiter der Kriegsindustrie gespendet werden. Soweit nicht bereits auf Grund der tele- graphischen Weisung die Oberpräsidenten abweichende Anovd- nungen getroffen haben, sind im Verein mit den Landwirtschafts- kammern an allen gegeigneten Orten Sammel- und An- Meldestellen einzurichten, die in den Landkreisen unter Leitung und nach Anweisung der von den Landräten einzurich- tenden Kreissammelstellen zu wirken haben. Diese werden die abgelieferten Vorräte zweckmäßig größeren Sammelstellen für die Provinz, dem Regierungsbezirk u. dgl. zuzuleiten haben. Das in allen schweren Zeiten erprobte preußische Pflichtgefühl wird, dessen bin ich sicher, alsbald dies frei- willige Qpferwerk zu höchstem Erfolge führen. Jeder Ort, jeder Kreis wird feine Ehre darein setzen, einen ersten Platz unter den Sammlungen in der Monarchie zu erringen. Ich werde dafür Sorge tragen, daß die namhaftesten Ergebnisse alsbald und laufend der Oeffentlichkeit bekannt gemacht werden. Den Landräten mache ich die Durchführung dieses Erlasses zur dringenden Pflicht. Die Landbevölkerung, heißt es zum Schluß, ist mit allem Nachbruck über die hohe vaterländische Bedentmig der Sammlungen für bie Hindenburgspcnde der deutschen Landwirte zu- gunsten der Jndustriearbeiterschaft aufzuklären. Amtliches Wahlergebnis. Bei der am 29. November abgehaltenen Reich stagsersatzwahl im Wahlbezirks Brieg- N a m s l a u wurden bei 14 116 Wahlberechtigten 3895 stimmen ab- gegeben, davon 17 ungültige. 3874 Stimmen fielen auf den Land- tag sckbgeord rieten Rittergutsbesitzer aus dem Winckel-Logau(1). Vier Stimmen waren zersplittert. Der bayerische Landtag. Die liberale Fraktion der Mgeord- netenlammer fordert die Einberufung des bayerischen Landtags zur Beratung der bayerischen Vollzugsvorschriften zum Hilfsdienst- gesetz. Unsere Genossen hatten schon vor dem Hilfsdienstgesetz die Einberufung gefordert, in der Hauptsache wegen der Volksernäh- ruvg. Für Konsumentenkammern tritt der(christliche) ReichZver- band deutscher Konsumvereine in Köln-Mülheim ein. Seine hierzu ergangene Denkschrift weist darauf hin, daß der „Kriegsausfchuß für Konsumenteninteressen" jetzt 82 Organisationen mit etwa 7,/a Millionen Mitgliedern, d. h. einschließlich der Familienangehörigen über ein Viertel der deutschen Bevölkerung, umfaßt. Eine Studiengesellschaft für Weltpolitik hat sich in München ge- bildet, die Anhänger aller Parteien zum Beitritt auffordert. Der Gründungsaufruf trägt die Unterschrift verschiedener Professoren, darunter Reinhard TraubS als Vorsitzenden. deS Zenlrumsabg. Pfeiffer, des Fortschrirtlers Kerfchen st einer und des Redak- lcurS der.Münchener Post" Genossen Paul Kampffmeyer. Die Offiziersgehälter. Es ist verfügt worden, daß die Offt- ziere im allgemeinen nur die Gebübrnifse der ihnen verliehenen Stelle bekommen, so z. B. ehemalige Regimentskommandanten, die bei Kriegsbeginn wieder eingetreten sind und jetzt ein Bataillon führen, das Gehalt eines Bataillonskommandeurs. Offiziere, die auf Grund der bisherigen Bestimmungen höhere als die mit der Stelle verbundene Gebührnisse bereits bezogen haben, bleiben hier- von unberührt, solange sie die betreffende Stelle wahrnehmen. Ein Erlast Körbers. Der österreichische Ministerpräsident schärst in einem Erlaß den Beamten ein, daß die bestehenden Gesetze strengstens zu beachten sind und daß vor dem Gesetz jedermann gleich ist. .Die Außerachtlassung dieser Forderung des Gesetzes wäre nicht bloß ein Unrecht, sondern eine Gefahr, denn sie würde das Rechtsbewußtsein erschüttern und damit die Achtung und die Anhäng- lichkeit an den Staat. Sie würde überdies von der Bevölkerung, deren Standhaftigkeit und großer Opfermut in diesem furchtbarsten aller Kriege eine verheißende Gewähr für die sittliche Wieder- geburt unseres Baterlandes verspricht, als Undank empfunden werden." Nach den Aeußerungen KoerberS über die Presse ist anzunehmen, daß er die von den zuständigen Bezirkshauptmännern verfügte Ein- stellung unserer Parteiblätter in Warnsdorf und Aussig nicht billigen wird. Selbstverständlich standen auch diese Blätter wie die gesamte österreichische Presse unter Vorzensur. Die«»geordnete« in der Wiener H-sturg. Genosse Pernerstorfer, der einer der sieben Vizepräsidenten deS österreichischen Abgeordnetenhauses ist, hat sich an dem Empfang deS Präsidiums durch das Kaiserpaar nicht beteiligt, wie die.Arb.-Ztg." mitteilt. Nach der gleichen Quelle fehlten auch der italienische Vizepräsident Frhr. v. Malfatti, der verhindert, und der Pole German, der krank ist. Unser Parteiblatt bestreitet der Audienz auch jede» staatsrechtlichen Charakter, weil das Präsidium des seit dem 13. Mär 1914° suS- pendierten Parlaments dieses nicht mehr vertrete; in der Teilnahme der Kaiserin an dem Empfang sieht die.Arb.-Ztg." eine Bestätigung des gesellschaftliche« Charakters des EmpsangS. Der Kampf um Liebknechts Nachfolge. Aus einem ausführlichen Berickt über die Generalversammlung des Wahlvereins Spandau-Porsöam-Osihavelland tragen wir zu unserer gestrigen Meldung noch folgendes nackj: Vor Eintritt in die Tagesordnung kam es zu einer fast zwei- stündigen Debatte über die Gültigkeit von vier Man- daten, von denen zwei der Parleiopposition und zwei der Parteimehrheit zugerechnet werden. Von der Opposition wurden zwei Delegierlenmandate für Kremmen und Kladow an- gesochten, weil diesen beiden Orten auf Grund der Beitragsabrechnung vom letzren Quartal— die nach einem Vor- standSbeschluß für die Delegiertenzahl maßgebend sein soll— kein Mandat zustände. Der Äreisvorstand berief sich dagegen auf eine statutenbestimmung, wonach den Orten, für welche ein Beitrags- kassierer bestellt ist, eine Delegation zur Generalversammlung zu- stehe. Andererseits wurden zwei Minderheilsmandate angefochten. Die Spandauer Genossen hatren außer den zwei ihnen zustebenden Delegierten noch eine besondere Vertreterin der Spandauer Frauen entsandt. Ferner war die Brandenburger Preß- kommiifion durch ihr früheres Mitglied Stab vertreten, der sein Mandat niedergeleat hatte, weil ibm die jetzige Haltung der„Brandenburger Zeitung" nicht paßt. Nach langen Erörterungen wurde ein Vermitlelungsvorschlag angenommen, wonach die vier bestrittenen Mandate gültig erklärt werden. Der Borstandsberichl ergibt, daß die Mitgliederzahl seit Kriegsausbruch von 3380 aus 690 zusammengeschrumpft ist. Der Stand der Parteipresse hat leider auch einen entsprechenden Rück- gang eriabrem Nun folgte der wichtigste Punkt der Tagesordnung: Auf- stellung des Kandidaten für die Reichstagswahl. Der Vorsitzende Stahl(Mehrheil) teilt mit, daß die Kon- servativen eine Anfrage an den Parteivorstand ge- richtet haben, aus der hervorgeht, daß sie die bürg- friedliche Wahl ihrerseits abhängig machen von der Person des Kandidaten, den unsere Partei auf- stellen wird. Weiter führte der Redner auS: Eine Wieder- auistellung Liebknechts könnte nur unter dem Gesichtspunkt einer Demonftrationswahl in Frage kommen Die Beteiligung an einer Dcmonstralionswahl würde— wie die Verhältnisse im Kreise liegen— so gering sein, daß sie eine demonstrative Wirkung nicht haben, aber den Koniervaiiven das Mandat sichern werde, denn die für Liebknecht abgcacbenen Stimmen werden ja nicht mitgezählt. Wir müßten politische Kindsköpfe sein, wenn wir jetzt, wo es uns möglich ist, ein früher erkämpftes Mandat der Partei zu erhalten, es den Konservativen in die Hände zu spielen. Das werden die Parteigenossen, die sich ihrer Verantwortung bewußt sind, nicht wollen. Auch unsere im Felde stehenden Genossen, die am Wahl- kämpf nicht teilnehmen können, werden verlangen, daß wir den'Weg einschlagen, auf dem uns die Erhaltung des Mandats sichergestellt ist. Mit einem Kandidaten der Arbensgemeinichaft würden wir daS Mandat nicht wiedergewinnen. Diese Annahme stützt sich auf die Erfahrungen bei der Rerchstagswabl in Oichatz-Grimma sowie bei den Stadtverordnelenwahlen in Wilmersdorf und in Spandau. Wir müssen bei der Reichstagswabl in unserem Kreise die Richtungsstreiligkeiten beiseile lassen und nur daraus bedacht sein, daß das Mandat unserer Partei erhalten bleibt. Das kann nach unserer Ueberzeugung nur dann erreicht werden, wenn wir einen Kandidaten der Parteimehrheit aufstellen. Stab(Arbeitsgemeinschaft) betonte, die Vertretung unserer Parteigrun dsätze sei die wichtigste Aufgabe, die wir bei den Wahlen zu erfüllen haben. Unter diesem Gesichtspunkt haben wir seither die Wahlkämpie geführt und dabei ist die Partei groß geworden. Die prinzipielle Auillärung war uns die Haupt- fache im Wahlkampf. Die Gewinnung von Mandaten kam erst in zweiter Linie in Frage. Wenn die Gegner Kandidaten autstellen wollen, kann es uns recht sein. Dann haben wir einen Wahllampf. Ohne Kampf kein Sieg. Und wenn wir bei dieser Wahl unterliegen sollten, dann haben wir doch die Borarbeiten gemacht, die uns bei der nächsten allgemeinen Wahl zugute kommen werden. P i e s e r(SpartakuSgruppe) befürwortete die Wiederauf- stellung Liebknechts und führte aus: 1000 Stimmen, die für eine Protestwahl abgegeben werden, haben mehr Wert als 19 090 Stimmen für einen Mehrbeitkandidaten. Die demonstrative Stimmenabgabe für Liebknecht soll ein Prolest sein gegen die Ber- urteilung Liebknechts und gegen die Fraktionsmehrbeit, die ihn auf 'einen Weg gedrängt bat. Wenn ein Mehrheitslandidat aufgestellt wird, dann geh: ein Riß durch die Partei im Kreise. Eine Protest- Wahl wird großen Erfolg haben, denn die Erbitterung über das Urleil gegen Liebknecht und über die Haltung der Fraktionsmehrheit hat die weitesten Kreise der Arbeiter ergriffen und geht bis in die bürgerlichen Kreise hinein. Auch aus diesen Kreisen würden Stimmen ur Liebknecht abgegeben werden. Den Ausführungen der drei Referenten folgte eine sehr auS- gedehnte Debatte, in der Redner aller drei Richtungen die Dar- legungen ihrer Referenten unterstützten. Genosse Wels(Bezirlsverband) betonte, daß weder die Politik der Mehrheit noch die Ausstellung eines Mehrheitskandidaten einen Verstoß gegen die Grundsätze unserer Partei bedeuten. Einer Demonstration für Liebknecht bedürfe es nicht, denn Liebknechts per- sönlicke Ehrenhaftigkeit werde von keinem Parteigenossen angezweifelt, auch nickt von denen, die seine Politik mißbilligen. Jetzt sei Einigkeit die Hauvt lache.— Hiergegen wurde seitens der Minderheit erklärt: Einigleit wollen auch wir. Wenn wir aber iehen, wie es der Parteivorstand mit dem„Vorwärts" gemacht hat, dann müssen wir doch sagen, daß von jener Seite die Einigkeit ge- stört worden ist. Bei rühriger Agitation können wir den Kreis für einen Vertreter der Arbeitsgemeinschaft gewinnen. Ueber den Abstimmungsmodus bei der Kandidatenausstellung kam eS zu einer GeichäftSdebatte, die den Beschluß zeitigte, zunächst nicht über die auszustellende Perion abzustimmen, sondern darüber, ob ein Kandidat der Mehrheit oder ein Kandidat der Opposition ausgestellt werden soll. Die Zettelabftimmung ergab 17 Stimmen für die Opposition und 14 Stimmen für die Mehrheit. Nachdem dies Resultat bekanntgegeben war, erklärte WelS: Durch diesen Abstimmungsmodus sind die Anhänger der Mehrheit gegenüber der aus zwei Richtungen bestehenden Opposition aus- gefallen. Das kann sich die Mehrheit nicht gefallen lassen. Dieser Abstimmungsmodus widerspricht dem Herkommen in der Partei. Ich schlage deshalb vor, daß die 14 Genossen, die sich für die Mehrheit entschieden haben, auch an der Abstimmung über die Person beteiligen und für ihren Kandidaten, den Genossen Stahl stimmen. Bei der dann erforder- lich werdenden engeren Wahl können fich die Genossen der Opposition aus einen gemeinsamen Kandidaten einigen und dann wird sich zeigen, ob dieser oder der Kandidat der Mehrheit die meisten Stimmen erhält. Wenn nicht nach diesem Vorschlage ver- fahren wird, dann liegt ein Konflikt zwischen der Bezirksleitung und der Kreisorganisation vor, über den der Parteivorstand zu ent- scheiden hat. Der Borschlag des Genossen WelS wurde von der Oppofitron bekämpft und betont, nach der vorliegenden Abstimmung dürfe nur ein Kandidat der Opposition gewählt werden, Stimmen, die für den Mehrheitskandidaten abgegeben würden, seien ungültig. Ein Vertreter der Spartakusgruppe erklärte. seine Anhänger verzichten auf die Aufstellung des Genossen Liebknecht und schlagen den Ge- nassen Mehring vor. Die hierauf vorgenommene Abstimmung über die Person des Kandidaten ergab 14 Stimmen für den Mehrheitskandidaten Stahl, 8 Stimmen für den Kandidaten der Arbeitsgemeinschaft Stab, 9 Stimmen für M e h r i n g. Der Vorfitzende Stahl erklärte, daß hiernach der Genosse Mehring als Kandidat der Opposition ausgestellt sei. da di» 14 Stimmen für den Mehrheitskandidaten als ungültig anzusehen seien. Wels erklärte, gegen diese Wahl namens der Bezirksleitung Protest beim Parteivorstand einzulegen. Genosse Walt er-Potsdam wurde in die Prcßkommission gewählt._ Mus öer Partei. Otto Hue und der Wahlkreis Bochum. Ter frühere Reichstagsabgeordnete und seitherige Kandidat für Bochum-Gelsenkirehen, Landtagsabg. Hue, hat, wie erst jetzt bekannt wird, seine Reichstagskandidatur niederge- legt, nachdem die Kreisgeneralversammlung mit kleiner Mehr- heit das Verhalten des Delegierten Windau gebilligt hatte, der auf der Reichskonferenz mit der Opposition stimmte. In dem Schreiben an den Kreisvorstand sagt Hue: „Ter Beschluß befürwortet nach meiner Ueberzeugung eine Politik, die die Interessen Deutschlands nicht fördern und darum auch nicht den Interessen der deutschen Arbeiterklasse dienlich sein kann. Eine solche Politik kann ich mit gutem Gewissen nicht ver- treten." Hue erklärt dann entgegen den Wortführern der Gegenseite, daß Konflikte unausbleiblich sein würden und fährt fort: „Ich mutz den Disziplinbruch(Nichtunterordnung der Minderheit unter die Mehrheit) als den Anfang der Organisationszer- störung und der Anarchie verurteilen und darf deshalb vor allen Dtngen selbst keinen Disziplinbruch begehen Das täte ich aber, wenn ich im Falle der Wiederwahl zum Abgeordneten dieses Kreises entsprechend meiner Ueberzeugung von der Unrichtigkeit und Schädlichkeit des gestrigen Beschlusses der Generalversammlung gegen dieses Votum handelte. Aus diesem Gewissenskonflikt be- freit mich die Niederlegung der Reichstagskadidatur." Die Entscheidung innerer Partcifragen zu einer Zeit, wo die Masse der Parteigenossen daran nicht teilnehmen kann, wird immer nur eine vorläufige sein können. Darum braucht man die Hoff- nung nicht auszugeben, das Bochumer Mandat mit Otto Hue wieder zu erobern. Unter Brüdern.„Wir wissen wohl, daß der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft tressliche, von uns hochgeschätzte Männer ange- hören, neben manchen unsicheren Kantonisten, wie dem Reichs- tagsabgeordneten von Teltow-Beeskow, der noch im vorigen Jahre als begeisterter Sozialpatriot amtierte und radikale Genossen, die durch die Schutzhast wehrlos gemacht waren, schmählich verdächtigte, bis er sachte zurücklernte, als er entdeckte, daß seine Wähler wesentlich anderer Anschauung waren, oder dem parlamen- tarischen Vertreter eines thüringischen Kleinstaates, der am 4. Au- gust 1914 das geflügelte Wort flattern ließ: Hätten wir gegen die Kredite gestimmt, so wären wir nicht lebend bis zum Brandenburger Tor gekommen", aber den alten Löwenmut wiederfand, als er da- hinterkam, daß er die Kredite verweigern könne, ohne sein kostbares Leben zu gefährden."— Wer fällt dieses grausame Urteil? Wir — o nein! Es ist zu lesen in dem auf der äußersten Parteilinken stehenden Braunschweiger„Volksfteund" und illustriert die von Bernstein und anderen entdeckte Geschlossenheit der Opposition. Jim Gross-öerlin. Verkehrsvcrdünnung. Gestern ist der einstweilen neueste Fahrplan auf den Berliner Stadt-, Ring- und Vororlbabnen in Kraft getreten. Jetzt brauwen sich die Schönschreiber, die die gelben Anschläge für die Bahnhof- hallen autographieren, den Platz nicht mehr ängstlich einzuteilen, jetzt können sie sich für jeden Zug hübsch Raum lassen. Vom Stand- Punkt des KunsigewerblerS betrachtet verdient der neue Fahrplan ent- schieden den Vorzug. Aber leider kommt es darauf entschieden sehr wenig an. Die starke Verringerung der Züge auch am hellen Tage und am ftühen Abend bat zur Folge, daß nun auch die Züge in den verkehrsscbwächeren Stunden sachte überfüllt sind, wenn auch nur in dem Maße, daß es jetzt auch in diesen Stunden Reisende gibt, die in ihrer Hoffnung auf einen Sitzplatz getäuscht sind. Da- mit und mit dem Zeilverlust, den die Benutzung eines Zuges be- deutet, der schon früher hin oder erst später zurückfährt, als man eS eigentlich brauchte, müssen wir uns eben abfinden. Der Pulssckilag des bürgerlichen Lebens scheint, am Fahrplan und am LiÄtaufgebot gemessen, abzunehmen. Aber daS ist nur die eine Seite: der Rhythmus der Arbeit wird immer noch rascher, und jetzt erst recht. Ueber das Hilfsdienstgesetz sprechen am Freitagabend in der„Neuen Philharmonie", Köpeiricker Straße, die Reichstagsabgeordneten Bauer und N o S k e. Eintrittskarten bei allen(in der letzten Sonntagnummer angegebenen) Vertrauensmännern des Vereins»Vorwärts". Preisfestsetzung für Brot und Futtergetreide. Das Kriegsernährungsamt gibt bekannt: Für Hafer und Futtergerste wird zurzeit 280 M., für Q u a l i t ä t s g e r st e van der Reichsgerstengesellschaft 340 M. für die Tonne im Höchst- falle bezahlt. In dem Satz von 280 M. für die Tonne ist neben dem endgültig festzusetzenden Preise ein Zuschlag für Frühlieferung (Frühdruschprämie) enthalten. Der endgültige Preis ist nunmehr festgesetzt. Er beträgt bei Futtergerste von jetzt ab 250 M. für die Tonne. Für Oualitätsgerste zahlt die Reichsgerslengesellschaft �don jetzt ab 320 M. für die Tonne. Für Hafer bleibt der Früh- lieferungspreis von 280 M. noch bis zum 31. Ja- n u a r 1917 einschließlich bestehen. Da für Brotgetreide die derzeitige Frühdruschprämie von 10 M. für die Tonne nach der geltenden Bundesratsverordnung nur noch bis zum 15. Dezember 1916 bezahlt wird, liegt es im Interesse der Landwirt«, in den nach st en zehn Tagen möglich st vrel Brotgetreide, das auch jetzt besonders nöttg ist, zu dreschen und abzuliefern._ Ausatz-Zuckerkarten für Säuglinge. Im ersten Lebenjahre ist für Kinder, die künstlich ernährt werden, Zucker ein wesentliches Nahrungsmittel. Namentlich für ältere Sauglinge ist die Zuckermenge von 750 Gramm, die in Berlin auf den Kopf der Bevölkerung entfällt, nur als sehr knapp bemessen zu erachten. Um diesem erhöhten Zuckerbedürfnis Rech- nung zu tragen, da andererseits eine allaemeine Erhöhung der Zuckermenge bis auf weiteres nicht möglich ist, vielmehr vom 1. Ja- nuar 1917 ab die Gesamtmenge eine Minderung erfährt— ohne daß übrigens die Rate für den Haushalt und die Einzelperson herabgesetzt wird—, hat fich nunmehr Berlin entschlossen, für alle nach dem 1. Dezember 1915 geborenen Kinder eine Zusatz- Zuckerkarte einzuführen, die Anspruch ans Bezug von je 14 Pfund Zucker im laufenden Kalendermonat gewährt. Um den Eltern bzw. Pflegeeltern im weitesten Maße entgegenzukommen, und um alle Weiterungen und Unbequemlichkeiten zu vermeiden, ist das Ver- fahren bei der Ausgabe der Zusatz-Zuckerkarten möglichst verein- facht worden. Es ist nichts weiter nötig, als daß sich der Vorstand bzw. Vertreter des Haushalts, in dem sich am 2. Dezbr. 1915 oder später geborene Kinder beftnden, zur zuständigen Brotkommission begibt und dort eine Geburtsurkunde oder eine sonstige Urkunde, aus der der Geburtstag des Kindes unzweifelhaft hervorgeht, vorlegt- Es wird dann sofort, die Zusatz-Zuckerkarte, die 6 Monatsabschnitte, gültig für die Zeit vom Dezember 1916 bis Mai 1917 enthält, ausgehändigt. Auch darin liegt eine Vereinfachung, daß der Zuckcr unter Vorlegung der Zusatz-Zuckerkarte und unter Abtrennung des jeweils gültigen Abschnittes von jebsm beliebigen Geschäft in Berlin bezogen werden kann, ohne daß eine vorherige Eintragung in die Kundenliste nötig ist. Im Genüsse der Zusatz-Zuckerkarten bleiben die Kinder auch dann, wenn sie in der Zeit vom 2. Dezember 1916 bis 31. Mai 1917 das erste Lebensjahr vollenden. Eine Rückgabe der Karte an die Brotkommission hat nur dann zu erfolgen, wenn der Aufent- halt des Kindes in Berlin dauernd sein Ende erreicht. Ausdrücklich sei hierbei nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die Zusatz-Zuckerkarte nur für die im Bezirk der Stadt Berlin wohnenden Kinder ausgegeben werden. Im übrigen wird auf die Verordnung des Magistrats Berlin über die Ausgabe von Zusatz-Zuckerkarten für Säuglinge verwiesen. Die Fischversorgung. Die Versorgung der Bevölkerung mit Süstwasser- und See- fischen, Fischräucherwaren und Marinaden liest bekanntlich in der letzten Zeit viel zu wünschen übrig. Die Fische, die einen wich- tigen Bestandteil der Volksernährung bilden, fehlten ganz oder es wurden unerschwingliche Preise gefordert. Hauptsächlich trat eine ganz unbegründet hohe Preissteigerung für Räucherwaren und Marinaden in Erscheinung, die um Hunderte von Prozenten teurer wurden als im Frieden. Wie einem Mitarbeiter des„B. T." vom Kriegsernährungsamt mitgeteilt wurde, sind nun die Vorarbeiten für eine grundlegende Regelung der gesamten Fischversorgung in vollem Gange. Unter Aussicht des Präsidenten des Kriegsernäh- rungsamts ist in Berlin, wie berichtet, die Rcichsstelle für den Fischhandel gegründet worden, deren Vorsitz der Reichskommissar Rcgicrungsassessor v. Flügge führt, dem ein zahlreicher Beamten- stab, der sich aus Fachkreisen zusammensetzt, beigegeben ist. Die Regelung erfolgt in der Weise, dast eine kleine Anzahl von Fisch- Handelsverbänden, bestehend aus Fischern. Fischereivereinen, dem Fischgrosthandel und den Fischverarbeitungsfabriken gegründet wird. Der gesamte Fischfang, der im Inland erfolgt, geht an diese Ver- bände, die den Fang je nach Bedarf an Frischfischen nach bestimm- ten Schlüsseln der Bevölkerung zuführen. Die Verbände haben ihrerseits wieder den Fischsabrikanten die notwendigen Fische zur Räucherung und Marinierung zu überweisen, die Fabrikanten erhalten aber nur bestimmte Löhne, die festgesetzt sind, dienen dem- nach als Lohnfabriken für das Reich. Tie Verteilung der Fisch- konserven und Räucherwaren wird ebenfalls nach einem Schlüssel durch die Kommunen, unter Mitwirkung des gesamten Kleinhan- dels, geregelt. Karten werden voraussichtlich auf die Fischfabrikate nicht herausgegeben. Die Preisregelung erfolgt nach genau fest- gesetzten Normen, die Prcisprüfungsstellen der einzelnen Bezirke werden den Händlern entsprechende Zuschläge als Verkaufsver- dienst bewilligen. Höchstpreise wird das Kriegsernährungsamt nicht festsetzen, da voraussichtlich eine so starke Verbilligung erfolgen wird, daß die Konsumentcnkreise befriedigt sein können. Der Fischfang wird gegenüber dem jetzigen Betrieb sehr stark ausge- dehnt, da auch die Fischer unter§ 1 des Zivildienstes fallen und daher ihre Zahl Ivesentlich vermehrt werden wird. Die Neuregelung dürfte spätestens in dm Wochen in Kraft treten. Keine Bierpreiserhöhung. Das»Berliner Tageblatr" meldet: Der Verein der Braue- reien Berlins und der Umgegend hat kürzlich bekannt- gegeben, dast die ihm angehörigen Bemebe infolge der weiteren sehr beträchllichen Beschränkung in der Zuteilung von Gerste und Malz, mit der sie für das neue Brauereijahr zu rechnen haben, ge- nötigt seien, den Ausstost sowohl in Fastbier als besonders auch in Flaschenbier von jetzt ab in einem der Braubeschränkung ent- sprechendem Umfange berabzu setzen. Während aber in der Provinz vielfach die Neigung besteht, aus diesem Anlast die Ver- kaufspreise aufs neue heraufzusetzen, beabsichtigen die Grost-Berliner Brauereien, wie uns auf Anfrage erklärt wird, eine solche Mast- nähme nicht, auch wenn die Malz- und Hopfenkontingente endgültig auf 2S Proz. des Friedensverbrauches herabgesetzt werden sollten." Angestchts der grasten Gewinne, die die Brauereien durch kräf- tige Streckung, will sagen- V e r w ä s s e r u u g, des Bieres erzielt haben, wäre eine Preiserhöhung nahezu aufreizend. Leider werden sich die Brauereien für die Einschränkung des Absatzes vermutlich durch weitere Streckung schadlos zu hatten suchen. Tie neuen Krankenhaus-Pflegesätze. Der Magistrat hat mit Zustimmung der Stadtverordneten be- schlössen,_aa Kur- und Verpflegungskosten in den städtischen Krankenhäusern vom 1. April 1917 zu erheben: 1. für einheimische Kranke 4 M., 2. für Kranke, die nicht'n Berlin wohnen, 4,69 M. für den Tag und Kopf. Ausgeschlossen von der Erhöhung sollen Kinder sein, deren Aufnahme vor oem beendeten 14. Lebensjahre erfolgt. Für Kranke, die nicht in Berlin wohnen und deren Wohn- sitzgemeinde für Berliner Kranke höhere Sätze berechnet, werden gleichfalls höhere Beträge erhoben. Die erhöhten Sätze werden von dem gedachten Tage ab auch dann erhoben wenn der Kranke bereits früher in der Anstalt aufgenommen war. Der Gemeindebeschluß, wonach die Aufnahme Diphtherie- kranker(auch leichterer Fälle) ohne vorherige Prüfung der Kostenfrage zu erfolgen hat, soll auch auf die an Scharlach, Masern und Keuchhusten erkrankte Kinder bis zum voll- endeten 14. Lebensjahre ausgedehnt werden. Die Entscheidung über die Kostendeckung in den gegebenen Fällen wird durch die zustandigen Dienststellen nachträglich getroffen werden. Die Gesellschaft für Volksbildung hielt am Sonntag im Abge- ordnetenhaus ihre Hauptversammlung ab. Nach dem Bericht des Vorsrhenden. Abg. Prinzen Schönaich. Carolath sind von 6 Brldrmgsvereinen 666 999 M. gesammelt worden, um dafür Bücher ins 511 schicken. Dns Vereinsvermögen I)ch.-cigi über eine Million. Der bekannte Pädagoge T cws sprach über die Schule. Er be- zeichnete eS als dringend notwendig, jedem Tüchtigen ohne Unter- schied deS Standes und des Glaubens freie Bahn zu schaffen. Dazu gehöre in erster Reihe, dast jedem Kinde, Knaben und Mädchen. gleichviel welcher sozialen Schicht es angehöre, jede Bildungsmög- lichkeit gewährt werde. Es sei nicht mehr an der Zeit, zu sagen: .Die Kinder der Armen gehören in die Volksschule, die der Reichen rn die höber« Schule." Nicht der Stand der Eltern oder deren Geld- beutel, sondern die Begabung der Kinder müsse mastgebend sein. Es müsse jedem Knaben ermöglicht werden, die höchste Bildungsstufe und das höchste Amt zu erreichen. Auch müsse für die Volksschulen mehr Geld aufgewendet werden. Ter Schüler einer Landschule koste dem Staat etwa 50 M.. der einer höheren Lehranstalt 49« M.. ein Landlehrer etwa 2900 M. jährlich. Ein Land- bzw. Volksschullehrer habe im Dnrchschmtt 120, der Lehrer einer höheren Lehranstalt in den oberen Klassen durchschnittlich 79 vis 89 Schüler zu unterrichten. Abg. Oberlehrer S i v k 0 v i ch führte diesen Gedanken weiter auS und wies darauf hin, dast in der katholischen Kirche jedem begabten Knaben die Priesterlaufbahn unterschiedslos fteistehe. Papst Pius X. sei der Sohn ganz armer Eltern gewesen. Notwendig sei auch, den Mädchen jede Bildungsmöglichkeit zu verschaffen. Nach dem Kriege werde das Volk, das am gebildetsten sei, die Herrschaft in der Welt haben. Die„Große" macht ein Bombengeschäft! Die Verkehrsentwicke- lung der Großen Berliner Straßenbahnen bat in den letzten Mo- naten sprunghaft zugenommen. Die von der Direktion der Großen Berliner Straßenbahn in ihrer Eingabe um eine Fahrpreis- erhöhung in sichere Aussicht gestellte Minderung der Einnahmen ist n i ch t eingetreten. Statt eines Rückganges ununterbrochen hohe Mehreinnahmen ohne größere Mehransgaben. Im September d. I. betrugen die Mehreinnahmen gegenüber dem vorigen Jahre schon 699 999 M., im Oktober d. I. über 799 999 M. und im November d. I. sogar über 899 999 M. Wenn diese Steigerung so fortgeht, ist ein ganz außerordentlich und unerivartet günstiger Abschluß für 1916 zu erwarten. Heute schon beträgt der Mchrertrag der letzten 8 Monate rund'414 Millionen Mark, Und man rechnet mtk rnnd 9 Millionen Mark bei einem Betriebsüberschuß von 9 Millionen M. im vrgangenen Jahre, d. h. also mit doppelt so viel als innerhalb des letzten Kriegsjahres. Unermittette Heeresangehörige, Nachlaß- und Fundsachen. Die dritte Nummer der Sonderliste:„Unermiftelte Heeresangehörige, Nachlatz- und Fundsachen" ist am 1. Dezember d. I. als Beilage zur deutschen Verlustliste erschienen. Der Liste liegt wieder eine Bildertafel bei, die außer Photographien auch die Abbildungen einiger besonders auffälligen Zigarettenetuis enthält. Die Liste ist durch ein Namensverzeichnis von Gefallenen, deren Erben nicht ju ermitteln waren, sowie durch Mitteilungen über gefundene Gepäck- stücke vervollständigt. Sie ist zum Preise von 29 Pf. einschließlich Porto im Einzelverkauf direkt durch die Norddeutsche Buch- druckerei, Berlin, Wilhelmstr. 32, zu beziehen. Neuregelung des Kartoffelverkaufs. Bei der setzt herrschenden Kartoffelknappheit hat sich der Mißstand ergeben, daß die Inhaber von Karten bemüht sind, die ihnen zustehende Menge sofort und vollständig zu erhalten. Die Folge ist ein starker Andrang zu den Verkaufsstellen, sobald dort nur ein paar Säcke von den Groß- Händlern angeliefert werden. Frauen, die keine Zeit haben, sich anzustellen, oder den Ansturm nicht mitmachen wollen, kommen zu kurz, wenn das angelieferte Quantum nicht zur vollen Befriedi- gung des Bedarfs ausreicht. Dieser Mißstand wird sich auch dann nicht beseitigen lassen, wenn mit dem 1. Januar die tägliche Kopsmenge von einem Pftmd auf dreiviertel Pfund herabgesetzt wild. Die Groß-Berliner Gemeinden wollen nun diesem Mißstände durch die Einführung von Kundenlisten, wie sie bei der Fleischversorgung bestehen, abhelfen In F.riedrichsfelde werden die Listen bereits am Montag ausgelegt werden. Die Karten- whaiber werden dann nummernweise abgefertigt, so daß niemand mehr ganz ausfallen kann. Gebranntmarktcr Milchfälscher. Ein wirksames Urteil hat das Landgericht II in Berlin über den Milchhändler Wilhelm Lau, Neukölln, Hermannstr. 18, verhängt. L. hatte stark verwässerte Milch verkaust und wurde deshalb vom Neuköllner Schöffengericht zu 199 M. Geldstrafe verurteilt. Auf die von der Staatsanwalt- schast gegen dieses Urteil eingelegte Berufung änderte die Straf- kammer das Urteil in 1599 M. Geldstrafe und Aushang des Urteil?- tenors für die Dauer einer Woche im Schaufenster des Geschäfts- lokales des 2. um. Außerdem ist die Verurteilung des L. zweimal öffentlich bekannt zu machen. Einen schaurigen Fund machten Sonntagnachmittag Ausflügler im Grunewald. In der Nähe der Schützenstärrd« bei Dahlem fcnr- den sie einen Mann an einem Baume hängen. Sie schnitten ihn ab, aber er war schon lange tot. Die Leiche wurde nach dem Fried- hos in Schildhorn gebracht. Der Unbekannte, der wohl dem Ar- beiterstande angehörte, ist etwa 45 Jahre alt und mittelgroß, hat graugemischtes Haar, dunkelblonden Schnurrbart, gebogene Nase und trug schwarzen weichen Hut, dunkelgestreiften Ueberzieher, dunkelgraugestreiftes Jackett und Hose, eine Hellgaue Weste �und gelbe geschwärzte Schnürsttefel. Bei sich hatte er drei Schlüssel. Etwaige Mitteilungen zur Feststellung der Persönlichkeit nimmt der Amtsvorsteher von Grunewald-Forst oder die Berliner Krim'nal- Polizei entgegen. I« schwere Lebensgefahr geriet nachts der 23 Jahre alte Buch- Halter Heinrich Witte aus der Elbestr. 39 zu Neukölln. Durch irgendein Versehen muß er, als er sich zu Bett legte und das Licht abgestellt hatte, den Hahn der Gaslampe wieder aufgedreht haben. Morgens fand man seine Stube ganz mit Gas angefüllt und ihn bewußtlos im Bette liegen. Die Neuköllner Feuerwehr hatte mit dem Putmotor fast 1% Stunden zu tun, um ihn in das Leben zurückzurufen. Der Gerettete wurde dann nach dem Krankenhaus gebracht. Ter Selbstmord eines Gutsbesitzers wird aus dem Westen der Stadt gemeldet. Im Toilettenraum einer großen Wirtschaft in der Potsdamer Straße erschoß sich in der Nacht zum Montag ein Mann. der nach den bisherigen Ermittelungen ein etwa 49 Jahre alter Gutsbesitzer v. B. aus Westpreußen zu sein scheint. Was den Gast zu dem Schritt veranlaßt hat, ist noch nicht bekannt. Die. Freiwillige Turncrsanitätskolonne vom Roten Kreuz Berlin eröffnet neue Bildnngskurse im Königstädtischen Real- ghmnasium, Elisabethstr. 57/58. Der Unterricht sindet zweimal wöchentlich abends von 8— 10 Uhr statt. Es werden aufgenommen Männer, die bei der jetzigen Musterung den Bescheid g. v.(garni- sonverwendungsfähig) oder a. 0.(arbeitsverwendungsfähig) er- halten haben; ferner der Jahrgang 1899 sowie die d. u. und die nicht mehr Wehrpflichtigen. G. v. und a. v. werden ans Antrag für den Dienst in der freiwilligen Krankenwflege freigegeben. Meldungen zum Ausbildungskursus sind schriftlich an Kreisturn- wart Kregenow in Berlin NO. 18, Elisabethstr. 57, zu richten. Der Zirkus Busch hat den Direktor des Hamburger Tatter- falls, Alfted Ott, zu einem Gastspiel verpflichtet. Der hervor- ragend gewandte und elegante Schulreiter errang lebhaften Bei- fall. Auch die rätselhafte Afra und Corth-Althoffs Pferdedressuren fesselten wieder sehr; ebenso das prächtige Märchenspiel:»Die Geierprinzessin." Für die Nachmittagsvorstellungen hat man eine Pantomime:»Beim Weihnachtsbaum" einstudiert, die einen hüb- scheu und farbenfrohen Kindertraum zum Leben weckt und in eine Weihnachtsfeier ausklingt. Sie fand bei der jugendlichen Zu- schauerschar eine fröhliche Aufnahme. Mus öen Gemeinden. Charlottcnburg. Grieß, Graupen, Teigwaren und andere Nahrungsmittel, die von der Stadt zur Verteilung kominen, dürfen in Eharlottewburg vom 15. Dezember ab nur in denjenigen Bsr- kaussstellen entnommen werden, in denen der Käufer in eine an- zulegende Kundenttste eingetragen ist. Als Ausweis gilt die rote Nahrungsmittelkarte von Charlottenburg, von der Abschnitt 17 als Anmeldeabschnitt abzugeben ist. Auf der Rückseite ist der Firmen» stempel des Händlers aufzudrücken und die Nummer der Ein- tragung zu vermerken. Wilmersdorf. Mittwoch, Donnerstag und Freitag findet die Ausgabe der neuen Brot- und Speisefettkarten auf die Zeit vom 11. Dezember bis 31. Dezember statt. Die Hausbesitzer haben den Hanshaltungsvorständen die Karten bis spätestens Sonntag mittags zuzustellen. Die Ausgabe der Zusatz-Brotkarten findet in der darauffolgenden Woche durch die Brotkommissionen an die Be- zugsberechtigten selbst statt. Die Ausgabe der auf Grund ärzt- lichen Attestes bewilligten Brot- und Speisefett-Zusatz- karten für Kranke und Rekonvaleszenten auf die Zeit vom 11. bis 31. Dezember erfolgt durch das Stattstische Amt, Gasteiner Straße 11, 2. Stock, Zimmer 14z, buchstabenweise vom 6. bis 12. Dezember, werktäglich in den Stunden von 9 bis 2 und 5 bis 7 Uhr._ Gerichtszeitung. Die„Milchwass er"-Fabrikantin. Mit einer gefährlichen Milchpantscherin hatte sich die fünfte Strafkammer des Berliner Landgerichts I zu beschäftigen. Die an- geklagte Milchhändlerin Ida Bialla war wegen Verkaufes ver- fälschter Milch vom Schöffengericht zu einem Monat Gefängnis verurteilt ivorden und hatte gegen dies Urteil Berufung eingelegt. Stach den Feststellungen des Schöffengerichts war die von der An- geklagten verkaufte Milch zu 35 bis 49 Prozent mit Wasser gemischt. Die Händlerin suchte die Schuld ans die Lieferanttn, die„Jnter- essen-Gemeinschaft märkischer Milchproduzenten", abzuwälzen. Die unmittelbar nach der Entdeckung bei der Jnteressen-Gemeinschaft vorgenommenen Proben ergaben, do� bork die Mflch einwandfrei war. Es' handelt sich bei der Angeklagten um wochenlang fori- laufende Verfälschungen. Der Vorsitzende bemerkte, daß die An- geklagte eine Schutzschrfft eingereicht hatte, die offensichtlich von derselben Hand geschrieben sei, wie die Schntzschrift_in einem zweiten Milchverfälschungsprozeß. Ein �„Spezialist für Milch- Verfälschungen" scheine sich an die Milchfälscher nach der Ver- nrteilnng heranzumachen und ihnen seine zweifelhaften Dienste an- zubieten. Wie der Mann heißt, wollte die Angeklagte nicht wissen. Die Straffammer sah in Rücksicht ans die bisherige Unbescholtcin heit der Angeklagten noch einmal von einer Gefängnisstrafe ab und verurteilte sie zu 459 M. Geldstrafe. stiegen das Hamstern wollte der Kaufmann Göbek in Berlin nur Front gemacht haben, indem er in seinem Geschäft die Abgabe von einem Pfund Malzkaffee von der Vorlegung von mehreren Brotkarten abhängig machte. Zwei Frauen, die je ein Pfund Malz- kaffee haben wollten, erhielten ihn nicht, weil sie nicht mindestens zwei Brotkarten vorweisen konnten. Erst hatte Göbcl gar die Be- dingung gestellt, es sollten je vier Brotkarten vorgelegt werden; dann wollte er sich mit dem Vorzeigen von zwei Brotkarten be- gnügen. Göbel wurde wegen Ueberwetung der Bundesratsvcr- ordnung vom 25. September 1915, betreffend die Preisprüfungi" stellen, zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Landgericht Berlin I nahm eine Uebertrettmg des 8 5 Absatz 2 an, wonach die Abgabe der im Kleinverlauf üblichen Mengen an Verbraucher zu dem an- gekündigten Preise gegen Barzahlung nicht verweigert werden darf. Das Kammergericht verwarf die vom Angeklagten eingc- legte Revision mit folgender Begründung: Die Frage sei nur, ob die Verordnung des Bundesrats vom 25. September 1915 durch den Angeklagten verletzt sei. Das sei aber mit dem Landgericht �zu be- sahen. Es könne dem Angeklagten nicht das� Recht zugestanden werden, die vielen Verordnungen und Gesetze, die wir schon hätten, noch zu erweitern durch Aufftellnng von Grundsätzen, durch die er angeblich das Hamstern beeinträchtigen wolle. Ein Millionär als Kricgswuchercr. Vor dem Dresdner Landgericht waren angeklagt der lang- jährige Inhaber des Dresdner Ausstellungspalastes. Kaufmann Paul Arthur Holfeld, der während der Internationalen Hygiene- Ausstellung 1911 in Dresden ein großes Vermögen erwarb und allgemein als Millionär gilt, ferner der Kaufmann Engel und die Kaufmannsfrau Sperling. Seit Kriegsbeginn versuchte sich Hol- seid in Kriegsgeschäften mancherlei Art, doch trat er nicht öffentlich auf, sondern ließ sie in seinem Auftrage durch Drifte betreiben und fungierte lediglich als Geldgeber, um mühelos Gewinne einzn- streichen. Im vorliegenden Falle handelte es sich um den Absatz von Speiseöl. Die Sperling, die vor dem Kriege mit ihrcin im Felde stehenden Manne die Herstellung von Fleischsalat im großen befticb, besaß einen Posten Speiseöl, gegen 4499 Kilo, da:- sie für 4,15 M. das Kilo eingekauft hatte. Diesen Oelvorrat kaufte Samuel Engel aus Stargard, nachdem er zuvor seinen Geldgeber Holfeld befragt hatte, für 8 M. das Kilo, so daß die Sperling einen Ü obergewinn von 18 269 M. erzielte. Das Oel wurde von Engel im Auftrage Holfelds weiter vertrieben und es wurde ein Ver- kaufspreis von 11 M. für das Kilo erreicht, so daß Engel und Hol- seid zusammen gegen 13 999 M. verdienten. Bemerkenswert isi, daß Holfeld sich in dem Engel eines Mannes bediente, der ihm aus früheren Geschäften gegen 59 999 M. schuldete und somft in seiner Hand ein gefügiges Werkzeug war. Unter Berücksichtigung dieses Unrstandes und in Anbetracht der Taffache, daß der Ha-uptcmeklagte über ein großes Vermögen verfügt, verurteilte das Gericht Holfeld zu drei Monaten Gefängnis. 12 999 M. Geldstrafe oder weiteren zwölf Monaten Gefängnis und zum Verlust der bürgerlichen Ehren- rechte auf die Dauer von drei Jahren. Engel erhielt zwei Monate Gefängnis und 12 000 M. Geldstrafe oder ein Jahr Gefängnis, während gegen die Sperling auf 13 999 M. Geldstrafe oder ein Jahr Gefängnis erkannt wurde. Mus aller Well. Die. Ursache des Eisenbahnunglücks bei Budapest. Wie bereits gemeldet, wurde bei dem jüngsten Eisenbahnunglück in Ungarn mit 64 anderen Reisenden auch der ZiviladlatuS für Serbien, SektionSchef von Thalloczy, gelötet. Wiener Blätter berichten, daß die dreiviertelstündige Verspätung deS Wiener Schnellzuges dadurch verschuldet war, daß man solange auf Herrn von Thalloczy gewartet hatte. Aus Interviews der vom Vc- gräbnis Kaiser Franz Josephs zurückreisenden ungarischen Minister ergibt sich serner, daß Thalloczy aus Besorgnis, den An- schlutzzug nach Belgrad zu versäumen, den Lokomotivführer zur Eile antrieb und daß der Zug geteilt und der eine Teil unterwegs zurückgehalten wurde, um den anderen Zugteil vorbeizulassen. So vergrößerte sich noch die Verspätung des Zuges und es kam überhaupt durch das Drängen Unberufener nach Ein- holung der Verspätung z» der Katastrophe. Der Untersuchungsrichter hat den La kam»ttd führ er des Wiener Schnellzuges in Verwahrungshast genommen. Es wäre in der Tat sehr zu wünschen, daß jeder Verdunkelung des Tatbestandes vorgebeugt würde. Der getötete«ektionschef(Ministerialdirektor) v. Thalloczy soll die Aufzeichnungen deS früheren österreichisch« ungarischen Bot- schafters in Berlin, Grafen Szögyeny-Marich, bei sich gehabt haben; sie sollen verschwunden sein. Gütcrziig-Zusammrastoß. München, 4. Dezember. Smtlichc Meldung. In der Statton Roehrmoos bei Dachau fuhr heute früh ein Gülerzug infolge UebersahrenS deS Einfahrtssignals aus einen bereits in der Station stehenden Güterzug. Ein Wagenwärtcr wurde getötet, zwei Bremser und ein Schaffner leicht verletzt. Der Materialschaden ist ziemlich erheblich. Jugenüveranftaltungen. Neukölln-Britz. Allen Wanderlustigen hiermit zur Kenntnisnahme, dast sich hier eine Slblcilimg des Touristenvercins»Die Naturfreunde", Ortsgruppe Grost-Berlin, Sitz Wien, gegründet hat. Gesellige Zusammen- tünste finden am S. und LI. Dezember in der Dvnaustr. 104, Restaurani Pfeiffer, statt. Jetzt Eintreiende zahlen erst 1917 ihren Beitrag. Nähere Auskunst auf den Veranstaltungen und w der Geschäftsstelle Boddtnstr. 43 1. Gäste herzlich willkommen._ Eingegangene Druckschriften. Arbeiter-Jugend. Die soeben erschienene?Ir. LS deS achten Jahr- gangS hat u. a. fotgendeil Inhalt: Die kapitalistische EntWickelung.— AuS tampsiroher Zeit. Von Paul Schiller.(Schlug.)— Heinrich Heine.— Vom Kunstgewerbe der alten Griechen. Von Asricde Schäfer.(Mit Ab- biidungcn.)— Die Kontinentalsperre. II. Von Ernst Däumig.— Der groste Augenblick. Erzählung von Manfred Khber.— Weiterleben. Gedicht von Klara Müller-Jahnke.— Die Gegner an der Arbeit.— Aus der Jugendbewegung._ Sriefkaften der Neüaktion. B. 3. 7. 40 M.— M. B. 7. 1. Der Nentenantrag ist beim BcziikSscidwcbel zu stellen. Die Höhe der Rente richtet sich nach der fest. gestellten Erwerbsbeschränkung. 2. Nein. 3. Entziehung der Invaliden- reute kann eintreten, wenn nach ärztlichem Gulachten Invalidität nicht mehr vorliegt.— C. K. 45. 1. Nur die VerlobungSgcschenkc. L. Wcirn die Verlobung ohne trisligen Grund gelöst ist, kann die Braut sür die ge- machten Auswcndungen Schadenersatz verlangen.— T. 2. Ja, wenn sie ihren Auscnthalt in Deutschland haben.— I. P. 1863. Die Invalide". rente wird. Ihnen weitergezahlt.— Jul. W. Weisiensec. Nein. — Gertrud IVO. L Ja, wenn ße von einem Krankenhaus angenommen ftrtrft, toal tetr iezweffekn.!. Jlritt. S. Od Ihr Sohn dort angmommm wird, wissen wir nicht; versuchen Sie es mit einer Anmeldung.— H. F. 30. Wir würden Ihnen dringend empfehlen, gegen daS durchaus unan> gemessene Verhalten deS Beamten Beschwerde bei dem Magistrat zu führen. — R. P. in R. An der ReichSwochenhiise ist nichts geändert. Auch die �-nidkrnnkenkasse ist zu der vollen Zahlung verpflichtet. Es müßte eventuell Beschwerde gegen die Kasse beim Vcrsicherungsamt in Jnsterburg erhoben werden.— B. B. 100. 1. Wenden Sie sich an das Militärbureau des Magistrats Berlin, Klosterilr. LS. 2. Wenn weiter kein Einkommen vorhanden ist a!S die Bnierstützunz, fo können auch die Kommunal- steuern nicht erhoben werden. Wenden Sie sich mit einer Beschwerde an den Vorfitzenden der Veranlagung»- Kommission. — Abonnent 177 Ä. Ohne Kenntnis beider Rentenfestsetzunge» können wir Ihnen darüber keine nähere Auskunft geben.— B. IS. Ansprüche an die Krankenkasse haben Sie in diesem ssalle nicht. Sie könnten es mit einem Antrag aus Einleitung eines vorbeugenden Heilve>sahrens bei der Landesveisichcrungsanstalt versuchen. Der Antrag ist an das Versicherung»- amt Berlin, Kloslcrstr. 65/67, zu richten.— ig. B. Heimtul tur-Berlag. WieSbaden-ZldoMhöhe, Rassauer Str. 3.— Schule. 1.„Weltliche Schule' ist uns nicht bekannt..sZreie Schule' kostet 4 iii. jährlich und erscheint in Wien. Zu beziehen durch Buchhandlung Vorwärts. 2.„Flamme". Feuer- bestattungsvereln, Berlin SW 11, Anhaltstr. 6.— H. B. In diese Kunst sind wir leider nicht eingeweiht. Jedenfalls ist aber fachmännische Bchaud- lung ersorderlich. Fragen Sie an beim Lederarbeiterverband, Fr. Burck- Hardt, Berlin-Pankow. Wollankstr. 102, II. Zlusgang, 2 Tr.— P. SB. 50. Wenden Sie sich in dieser Sache schleunigst an den Verband der Schneider, Scbastianstr. 37/38. Dienstag, den 5. Dezember Mittwoch, den 6. Dezember Donnerstag, den 7. Dezember Umasonsl i I Besorgen Sie Ihre WelhnaehfselnkSafe frühzeitig! yiipnm»mfnHn!»|li!ll»linniiiiiiiiiiiiii!iiiii!iiiiiiiiiiiiini�iiiiiiLaium[�iij�iii»iiniiiii]i]iiiii>iiitn!iiiiiimiiiiiiiiiiiimmiiiiiiiiiii!ni!initinni!iimiiirii!nmnn!uiim!mimii!tmMiinmuiiniii eT Eui« Grosse Spielwaren- Ausstellung . JOSBPH Umsonst erhält jeder Käufer beim Einkauf von 3 Mark an einen Wandkalender mit Tasche in künstlerischer Berliner Str. 51-55 MehermetMciter-lferbanit Verwaltungostelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Dreher dosei Petter am 30. November an Herzleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Einäscherung findet am Mittwoch, den 6. Dezember, nach- mittags 5 Uhr, im Krematorium Gerichtstrage statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Den Kollegen ferner zur Nach- richt, daß unser Mitglied der Schmied Paul Schubert am 1. Dezember an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke» I Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 5. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- halle deS Neuen Johannis-Krrch- hoseS in Plötzensee aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. , Den Kollegen ferner zur Nach- ! richt, daß unser Mitglied, der Metallarbeiter >Vükelm Böttner am J. Dezember an Schlagansall gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! DI« Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle de» Simeons-KirchhoscS in Britz, Tempelhoser Weg, aus statt. Reg« Beteiligung wird erwartet. Zkavdrrrk. Den Kollegen serner zur Nach. richt, daß unser Mitglied, der Klempner Pobert Kioake am 22. November an Nervenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Ifachruf. Den Kollegen serner zur Nach. richt, daß unser Mitglied, der Maschinenbauer Peinkold Wittkamp am 28. November tödlich ver. unglückt ist. Ehre seinem Andenken! ZIa«l»rak.. Den Kollegen serner zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Maschinenarbeiter Bruno Kosmszeck am 29. November an Unfall ge- starben ist. Ehre seinem Andenken! Jtzaehraf. Den Kollege« ferner zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Dreher Oskar Peter am 29. November an Bronchial- leiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! 126/14 Tie Ortsverwaltun«. Deutselier HoIzarbeiterveM. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Modell- tischler frlti! Longershausen Grenzstr. 14, im Alter von 85 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 5. Dezember, »achmiltagS 31/, Uhr, von der Halle des Frtedhoses der Dankes- Gemeinde, Reinilkendorf- West, Blankcstraße, aus statt. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Maschinenarbeiter »lax Vogel Litauer Straße 16, im Alier von 09 Jahren gc- starben ist. 93/20 Ehre seine« Andenken! ■ Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 5. Dezember, nachmittags 3'/, Uhr, von der Halle de» Zentral-Frledhoses in FriedrichSseibe aus stalt. De» Mitgliedern ierner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Mövelpolierer, spälile Kassen- bcamte ?rU2 Ebert Weißensee, Gürtelstr. 10, Im Alter von 37 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heule Dienstag, den 5. Dezember, nach. miltaaS 3'/, Uhr, von der Halle des Weißemeer Kemeindc-Fried- hos», Röllkestraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 94/2 Die Ortsverwaltung. Allen Bekannte» und Freunden die traurige Nachricht, daß unsere innig gellebte, gute T achter, Schwester, Schwägerin und Braut �ima Müller plötzlich am 1. Dezember, vormittags 6'/, Uhr, im 23. Lebens- jähre verstorben ist. In tieser Trauer 1586b Eduard Müller Auguste Müller geb. Lougino Ernst Lougino nebst grau Eduard 1 W}•"»•«»" MarteTscharntel«.Schwester August Tirharniel a. Schwager Witltve Adelheid'Müller als Schwägerin Erich Neist als Bräutigam nebst Eltern. Berlln, den 2. Dezember 1916. Mühlenstr. 42. Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den ö. Dezember, nachmiltaas 3 Uhr, von der Leichenhalle de, städtische» Zentrai-Friedhose» In griedrich». /elde au» statt. Nachruf. Am 19. November 1916 fiel auf dem Felde der Ehre unser lieber Kollege, der(Sesrnle 4a Oskar Opitz Ritter des Eisernen KreuzeS. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. vis Arbeiterschaft der Firma Trebesius& Knappe Köpenicker Str. 126. Den Heldentod fürs Vaterland starb am 11. November mein inniggeliebter Gatte, treusorgender Vater seweS einzigen Kindes, der Stellmacher-120 Franz Franke. In tiefstem Schmerz Frau Franke geb. Franke und Tochter. Mit der Sehniucht im Herzen nach seinen Lieben, Mit der Sehniucht im Herzen ist er geblieben. Schlummere sanft, du gutes Herz. «ywtu/M- vr~ wrulAt-Ue-tßif cDtio 56-|4-•W' Ki».n-raua-n Fußsohlenvechärtuna Honita�tbildunaentferiit mit«bselutee Sich«- h«Ii Zt-ichel» ,,»0S00". ttnilat« Ztadi- (odnltiel(üf elngewuiz-IIe und schmerzdast» beiden. Sei 25 g-chren bewsd«. Dose m» Bef-stiaungSpflast« Marl isrant» 1,25). Cito Reichel, Berlin 43 aisend-hnslratze 4. 259/14 Aerztlich geleitete Heilanstalt sllr naturgemäße Hellweile; Licht- u. Elektro-Therapie. Homöopathie, Pflanzen» sowie Sauerstosi-Heil- veriahren. Ersolareiche, sachgemÄße Behandlung Irischer u. veralteter Krankheiten jeder Art! Innerer und äußerer, mögt, ohne Berus«- störung. Sprech-«. Behandlungs. zeit 9",— 1 u. i—Tlr Sonntag« und Feiertags 9—1 Uhr. kerlin SO 16 Brfickenstr. 10b II am Jannowttz-Bahnhos. 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Um»nnStig«« Andrang z» vermeide», wird gebeten, diese Einteilung genau befolge» zu wollen. Sonnabend nachmittag wird nicht gezahlt. Tie Ortsverwaltung. Perantivortl. Redakteur:. Dr, Franz Diederich, Friedenau, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin«28. ÖS.