Ar. 333. 33. Jahrg. HbonncmentS'Bedingumjen: iwonnemsnt-» StEtä pränumerando vierleljährl. 3,90 Ml. monall. 1,30 Ml. loächcnllich 30 Pfg, frei inä HauZ. Sinzeine Nummer ö Pfg. Somuags. nunimer mil illustrierlcr Sonnlag». Vellage.Die Neue We!!' 10 Pfg. Poll» Kbonnement: 1,30 Marl Uro SDIonat Smgelragcn in die Post.Zeitung». Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerrcich. Ungarn 2,60 Marl, für das übrige Ausland « Marl pro Monat. Postabonncment» nehmen an Belgien. Dänemark Cind. Italien. Luxemburg. Portugal, änicit. Schweden und die Schweis. eNcheial lsgNch. Nerlinev DolltSl»lnkk. ( 5 Pfennig) Die Intcrtions-Gebübr teträgl für die fechsgcsvaltcne Kolonel- zeilc oder deren Raum 60 Pfg,, für »olitische und gcwcrlfchaftliche Perein». und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. „Klein« Anzeigen", das fettgedruckre Wort 20 Pfg. izuläisig 2 fettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafilellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jede» weitere Wort 6 Pfg. Worte über 16 Buch» slaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition ebgcgcdcn werden. Die Exveditioa ist bis 7 Uhr abends geässtlet. Delegramm-Adreffe: „Sozialdemokrat BcrlH". Zcntralorgan der fozialdemokrattTcben Partei Deutfcblands. Neüaktion: EW. 68, Linüenstraße 3. Fernsprecher; Amt Moritzpla«, Nr. läl, gv— IZI 37. Mittwoch, den iL. Dezember 1313. Expeöttion: EW. 68, Linüenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatt, Nr. 15130—15137. Vormarteb auk Lnkarekt und ploetti. Kämpfe am Tartarenpaft.— Bordringen ostwärts gegen Linie Ploefti und über den unteren Argesul.— 17 000 Gefangene.— Nene Gefechte östlich der Cerna. Amtlich. Großes Hauptquartier, 5. De- zember 1916.(W. T. B.> Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht Im Frühnebel stießen nach kurzer, starker Artillerie- Wirkung englische Abteilungen östlich der Straße Albert— Warleucourt vor; sie wurden durch Feuer zurückgewiesen. Bei nachmittags sich bessernder Sicht wurde der Ge- schützkampf an der ganzen Sommc-Front stärker und blieb auch während der Nacht lebhafter als in der letzten Zeit. westlicher Kriegsschauplatz. Front des Gcncralfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Südlich der Bahn Tarnopol Krasne stießen bei Augustowka vergeblich russische Abteilungen gegen ein ihnen züngst entrissenes Grabenstück vor. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph. Während erneute Angriffe der Russen am Eapnl, nord- östlich von Torna Watra, im Putna-Trotosul- und Ilz-Tale ohne jeden Erfolg blieben, haben deutsche und österreichisch- «ugarische Truppen in den Bortagen verlorene, für uns wichtige Höhenstcllungen im Sturm zurückgenommen. AuS diesen zum Teil sehr erbitterten Kämpfen blieben am Wcrch Debry(südlich des Tartarcn-Passes) über 199 Mann und 5 Maschinengewehre, am Mt. Nemira(nördlich des Ojtoz-Talesj 359 Gefangene mit 8 Maschinengewehren in unserer Hand. Heeresgruppe des Gcneralfeldmarschalls von Mackensen. In der Verfolgung den Widerstand feindlicher Nach- hüten brechend, hat die 9. Armee die Bahn Bukarest— Targovistc— Pietrosita ostwärts überschritten. Die Douau-Armee folgte nach ihrem am unteren Argesul gegen starke zahlenmäßige Uebcrlcgcnheit erfochtencn Siege, an dem insbesondere die 217. Jnfanterie-Division rühmlichsten Anteil halte, dem weichenden Feinde bis an den Abschnitt, mit dem linken Flügel kämpfend darüber hinaus. Ter Ostflügel wies in der Tonau-Nicdcruug russisch-runzänischc Angriffe blutig ab. Die gestern gemeldete Gesangcncnzahl vom 3. Dczem- ber erhöht sich auf 12 599; bei der 9. Armee sind noch 2990, bei der Donau-Armce 2509 Mann, letztere 22 In- santerie- und 6 Artillcric-Rcgimentcr» angehörend, hinzu- gekommen. In der Dobrudscha keine größeren Kampfhandlungen. Mazedonische Front. Oestlich der Cerna haben sich neue Gefechte entwickelt; serbische Vorstöße bei Bahovo und Nonte an der Moglena- Front sind gescheitert. Der Erste Gencralquartierincister. Ludendorss. * �lbenöbericht. Amtlich. Berlin, 5. Dezember, abends.(W. T. B.) In Ost und West nichts Besonderes. In Rumänien Fortschritte Richtung Bukarest und Ploefti. Au mazedonischer Front Artillcrickampf. ** * Der österreichische Dericht. Wien, 5. Dezember 1919.(W. T. B.) Amtlich wird »erlautbart: Ocstlichcr Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des G e n c r a l f c l d m a r s ch a l l s von Mackensen. Die in den letzte» Tagen errungenen Erfolge wurden aus- gebaut. Die Donau-Armce schlug mit ihrem rechten Flügel russische Angriffe ab und drang südwestlich von Bukarest über den Argesul hinaus. Die nordwestlich der Hauptstadt Rumäniens vorgehenden östcrreichisch-ungarischcn und deutschen Kräfte sind über die Bahn Bukarest— Tirgovist vorgerückt. Feindliche Nach- hüten wurden, wo sie sich stellten, geworfen. Die Zahl der am 3. Dezember eingebrachten Gefangenen beträgt mehr als 12 999; am unteren Argesul wurden auf verhältnismäßig engem Gefechts- fcld allein Soldaten von 28 Regimentern eingebracht. Heercsfront des Generalobersten Erzherzog Joseph. Die östcrrcichisch-ungarischeu und deutschen Truppen des Generals von Arz haben im Grenzgebiet westlich und nord- westlich von Dcna de» Russen durch Gegenstoß alle örtlichen Er- folge wieder entrissen, die sie in den letzten Tagen an einzelnen Stellen errungen hatten. Ebenso warfen Bataillone des General- obersten von Kocvcß den Feind in erbittertem Kampfe aus den kürzlich an ihn verlorene» Gräben auf dem Werch-Debr. Bei diesen Unternehmungen wurden 559 Mann, 13 Maschineiigcwchrc und vier Minenwcrfer eingebracht. Russische Angriffe nordwestlich von Soos-Mezö, südöstlich von Tölgycs und bei Dorna Watra wurden unter großen Fcindvcrlustcn abgeschlagen. Heeresfront des Gencralfeld Marschalls Prinz Leopold von Ballern. Außer einem rasch abgewiesenen russischen Borstoß bei Augustowka in Ostgalizien nichts von Belang. Italienischer Kriegsschauplatz. Trotz Regen und Nebel blieb das Gcschützfcucr im Karst- abschnitt auf glcichec Stärke. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Ter Stellvertreter des Chefs dcS GcneralstabcS. v. H o e f e r, Feldmarschallcutnant. » Ereignisse zur See. Linicnschiffslcutnant Banfield hat am 3. Dezember nach- mittags über dem Karstplatcau im Luftkampf mit italienischen Caproni-Landflugzeugcn einen derselben abgeschossen. Die vier Insassen, hiervon einer schwer und zwei leicht verletzt, wurden gefangen genommen. Flottenkommando. Deutsche I�-Doote vor Maöeira. Drei feindliche Schiffe im Hafen von Fnnchal versenkt. Lissabon, 5. Dezember. Meldung der Ngcnce Havas. Am Montag morgen drangen deutsche Unterseeboote in den Hafen von Funchal(Haupthasen der portugiesischen Insel Madeira) ein und griffen einen französischen Dampfer mit Kriegsmaterial und ein englisches Kauffahrteischiff an. Ein französisches Kanonenboot wurde versenkt. Die Landbatterien eröffneten das Feuer, worauf die Unterseeboote sich zurückzogen. Eine spätere portugiesische Meldung berichtet zu dem Au- griff der U-Boote: Der Marineministcr teilte niit, daß die im Hafen von Funchal versenkten Schiffe folgende sind: das französische U-Boot-Geleit schiff„Kau. g u r o o", der englische Dampfer„Daria" und das französische Kanonenboot„ S u r p r i s e". Nach der Torpedierung bombardierten die U-Boote die Stadt zwei Stunden lang. Sic befanden sich zwei Meilen vom Lande entfernt. Die Landbatterien erwiderten das Feuer und zwangen die Tauchboote sich zurückzuziehen. Der Sach- schaden ist wenig bedeutend. Bis jetzt wird kein Toter in der Stadt gemeldet. Es scheint, daß 31 Mann der Be- satzung des französischen Kanonenboots ums Leben gekommen sind, ivorunter sich auch der Kommandant befindet. Einige Portugiesen, die sich auf den versenkten Schiffen befanden, kamen ebenfalls ums Leben. Die Regierung hat Matzregeln ergriffen. Die„Kauguroo" ist ein englischer Torpedobootszerstörcr der Albatrotzklasse und verdrängte 480 Tonnen Wasser. Die „Dacia" könnte mit einem früheren deutschen bei Kriegsbeginn nach Brest aufgebrachten Dampfer identisch sein und würde dann 3544 Tonnen verdrängen.„Surprise" ist ein frau- zösisches Kanonenboot aus"dem Jahre 1895. Es verdrängte 630 Tonnen und führte zwei 10-Zcntimeter- sowie vier 6,5- Zentimeter-Geschütze. Der Name„Surprise" bedeutet„Ueber- raschung" und war in diesem Falle angebracht— allerdings in passivem Sinne. öeunruhigenöe Sefthwichtigung Wer den Vizekanzler Dr. Helfferich im Reichstag zu beobachten Gelegenheit hatte, der kann ihn von dem Charakter- zuge einer gewissen Rechthaberei nicht freisprechen. Oft genug kommt es vor, das; Herr Helfferich durch hartnäckigen Wider- stand gegen den Willen des Hauses eine kritische Situation hervorgerufen hat und in einer Versöhnungsrede umlenken mutz. Aber nach den ersten zwei Sätzen geht sein Temperament mit ihm durch, statt zu beschwichtigen, ist er plötzlich wieder mitten im Nachweis, datz er doch ganz allein recht hatte und der Reichstag unrecht... Geist von diesem Geiste, vielleicht noch schlimmerer Geist ist ein Rechtfertigungsversuch, den die offiziöse„Norddeutsche Allg. Ztg." für die Haltung des Staatssekretärs beim Zivil- dienstgesetz unternimmt. Der Widerstand Dr. Helfferichs gegen das soziale Verbesscrungswerk des Reichstags, nament- lich aber seine gegen Arbeiterausschüssc in den Staatscisenbahnbetrieben gerichtete Behauptung von einer Gefährdung des Gesetzes sind ebenso noch in frischer Erinnerung, wie die Erregung, die diese Haltung auf feiten des Reichstages verursachte. Wer meint, datz der Artikel der„N. A. Z."— er heitzt „Sozialpolitik im Hilfsdienstgesetz"— diese Herrn Helfferichs Popularität gewitz nicht förderliche Erinnerung zum Verblassen bringen solle, irrt sehr. Anfangs sieht es zwar so aus. Es werden die sozialpolitischen Fortschritte des Gesetzes gepriesen: Zum ersten Male schaff! ein deutsches Gesetz für die Gesamt« heit der deutschen gewerblichen Arbeiter und Angestellten eine obligatorische, aus sieier Wahl hervorgehende Vertretung in den Arbeiterausschüssen. Zum ersten Male wird die Fest- stellung der Arbeits-, insbesondere der Lohnbedingungen der un- bedingten Vertragsireiheit entrückt und betriebsfremden, paritätisch zusammengesetzien S ch l i ch t u n g s st e l l e n ein starker Einfluß auf die Gestaltung des Arbeitsvertrages eingeräumt. Das wissen wir, aber wir sehen darin kein Verdienst, sondern eben nur die dringenden Kautclcn gegen Mißbrauch einer zwar notwendigen aber andernfalls unerträglichen Beschränkung der Arbeitsfreiheit. Doch die Beschwichtigungsrede der„N. A. Z." dauert nur einen kurzen Absatz, dann schlägt sie um in den Geist Helfferichs: Einige von den seitens der Arbeitervertreter erhobenen Forde- rungen konnten allerdings nicht zugestanden werden; namentlich gilt das von denjenigen Wünschen, dte s ch e m a t i s ch und ohne Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse die neugeschaffenen Ein- richtungen auf die Arbeiter und Ange st eilten der Siaalseisenbahnen übertragen wollten. In diesem Punkte mußte der Staatssekretär mit dem größten Nach- druck die warnende Stimme erbeben. Nun folgt eine längere Abhandlung darüber, daß die Ocffentlichkeit die Sache falsch verstanden hätte. Gewisse Ausschüsse beständen bereits(deren Befugnis aber außer- ordentlich beschränkt ist. Red. d.„Vorw."). Der sozialdemokratische Antrag aber wollte die Wirksamkeit der in tz 13 allgemein vorgesehenen Schiedsstellen auch auf daS Staatsetsenbahnpersoital ausdehnen, und damit die Regelung der Arbeitsbedinguttgen der Eisenbahner einer dritten, außerhalb der Eisenbahn Verwaltung st c h e n d e n Instanz übertragen. Bei solcher Ordnung der Dinge wäre es möglich, daß Forderungen, die die Eisenbahn- Verwaltung— vielleicht schon aus etatsrechtlichen Gründen— nicht zu bewilligen vermag, die Billigung einer Schiedsstelle finden t datui hätten die Eilenbahner auf Grund dieses Spruchs der Schiedsstelle nach den Bestimmungen des neuen Gesetzes das Recht, in oorpors den Abkehrscbein zu verlangen und ihre Arbeit zu verlassen. Die Erslreckting der Schiedsstellen auf die Eisenbahtten könnte also geradezu den staatlich konzessionierten Eisenbahiiftreit zur Folge haben. Auf diese Konsequenz ist in den Vorberalttitgen tn aller Ausführlichkeit und Eindringlichkeit hin- gewiesen worden. Darin, datz die Eisenbahnverwaltuug mit einer außerhalb stehenden Instanz verhandeln soll, wird höchstens jener frei- konservative Abgeordnete etivas Schreckliches erblicken, der bei der Beratttng der Arbeiterausschüssc entsetzt ausrief:„Der Firma Krupp kann man doch so etwas nicht zumuten". Die „etatsrechtlicheu Gründe" riechen bedenklich nach jenen juristisch-bureaukratischen Finessen, mit denen Herr Helfferich gerne operiert, wenn materielle Gründe fehlen. Wem aber vollends mit dem„staatlich konzessionierten E i s e n b a h n e r st r e i k" graulich gemacht werden soll, können wir nicht erraten. Hier erwidern wir mit einem oft von Herrn Staatssekretär Helfferich gebrauchten Wort: „Meine Herren, dafür sind die Zeiten zu c r n st." Aber noch weit bedenklicher als dieser Passus der„N. A. Z." ist der darauf folgeude: Die Anttabrne des sozialdemokratischen Antrag« hätte also eine schwer eittwirrbare Lage geschaffen, einen Konflikt zwischen dem vaterländischen Jttieresie am alsbaldigen Zustandekommen des Hilfsdienstes und dem gleichfalls nicht preiszugebenden Interesse an der Aufrechterhaltung der Einheit und Geschlossenheit der Eisen- kahnberlvaltung heraufbeschworen. Die berbiindeten Regienmgen hätten sich vor die Frage gestellt gesehen, ob sie die Verant- Wartung für eine GeseveSbestimmung annehmen könnten, die für die Eisenbahnverwaltung und den Eisenbahnbetrieb eine solche Gefahr bedeutet hatte, und weiterhin vor die noch sckwerere Frage, ob nicht etwa die Verwirklichung des der Hilfsdienstpsticht zugrunde liegenden Gedankens auf anderem als dem im Vertrauen auf dir verstäudnisvolle Mitwirkung des Reichstags eingeschlagenen Wege gesucht werden müsse. Einen solchen Ausspruch sollte man allerdings nicht von dem offiziösen Blatt einer Regierung erwarten, die Wert dar- aus legt, das; während des Krieges der Burgfrieden b e st e h e n bleibt. Denn diese Aeufierung ist eine un- verhohlene Bekräftigung und Uiüerstreichung jener Andeutung �elfferichs, die im Reichstag den größten Unwillen hervor- rief. Klar und offen wird hier ausgesprochen: Wenn der Reichstag entgegen dem Wuitsche Dr. Helfferichs die Aus- fchüfse für Staatseisenbahnbetriebe in das Gesetz aufgenommen hätte(wozu bekanntlich nur zwei S t i m m e n fehlten), dann hätte die Regierung das Gesetz fallen lassen und die zivile Dienstpflicht dem Bolle ohne Mitwirkung des Reichs- tages auf dem Berordnmigswege auferlegt. Wir können nicht annehmen, daß die„N. A. Z." jetzt, da diese Gefahr vorüber, nur mit dem Gedanken spielt —„dazu sind die Zeiten zu ernst"—, wir müssen uns be« wüßt sein, daß Herr Dr. Helfferich sich von Anfang an mit diesem Gedanken getragen hat, daß, wenn zwei Stimmen mehr in die Wagschale der Ausschüsse gefallen wären, Herr Helfferich dem Reichstag erklärt hätte: D i e Regierung legt auf die Annahme des Gesetzes durch den Reichstag keinen Wert mehr, der Reichstag mag nach Hause gehen. Danach aber wäre im„Rcichsanzeiger" die Verordnung über die zivile Dienstpflicht erschienen, und zwar wahrscheinlich nicht jenes vom Reichstag jetzt beschlossene Gesetz, dessen beste Bestimmungen ja gegen den Wider st and der Regierung erkämpft werden mußten, sondern ein viel dürftigerer Entwurf, ähnlich den zuerst veröffentlichten 4 inhaltslosen Paragraphen. Generalleutnant Grüner, dessen Haltung im Reichs- tag selbst Genosse Ledebour von der Arbeitsgemeinschaft gegenüber der des Herrn Helfferich als sympathisch hervor- hob, hat laut und deutlich erklärt: Ohne den guten Willen der Arbeiter geht es nicht. Herr Helfferich war aber eventuell bereit, die Arbeiter durch eine unter Deckung des Belagerungszustandes aufoktroyierte Zwangs- Verordnung zu verärgern. Denn darüber ist sich doch jeder- mann klar, daß den Arbeitern der„Vaterländische Hilfs- dienst" gar nicht mehr hätte verleidet werden können, als wenn man ihn über die Köpfe ihrer berufenen Vertreter hinweg gemacht hätte. Glaubte Herr Helfferich, der sich so oft gegenüber den Arbeiterforderungen auf das vater- ländische Gesamtinteresse berufen hat, diese Gefährdung des Gesetzeszweckes verantworten zu können,— nur nm deswillen, daß die Staatseisenbahndirektion nicht„mit einer dritten, außerhalb der Eisenbahnverwaltung stehenden Instanz" zu verhandeln braucht? Welche Achtung vor Willen und Ansicht des Reichstages diese Auffassung eines Regierungsvertreters verrät, bedarf keiner Hervorhebung. Das„B. T.", das sich in seinem gestrigen Abendblatt mit Herrn Helfferichs Verteidigung durch die„N. A. Z." befaßt— es nennt sie„Be- kenntnisse eines Diktators"— urteilt: Man muß schon um sechs bis sieben Jahrzehnte in der preußisch-deulschen Geschichte zurückgehen, um eine Parallele zu diesem Borgang zu finden. Der gesamte Reichstag oder auch sein fünfzehngliedriger Ausschuß, der dem Kriegsamte zur Ausführung dieses Gesetzes beigegeben ist, wird es sich ernstlich überlegen müssen, ob er unter solchen Umständen mit Herr» Dr. Helfferich »och länger zusammenarbeiten will. Ob Herr Helfferich auf seinem Posten bleibt, hat der Reichstag ja nach dem Buchstaben der Verfassung nicht zu entscheiden. Aber er wird doch seinen ganzen Einfluß dahin aufbieten müssen, daß der Geist der Neuorientierung sich etwas anders äußert, als aus dem Munde Helfferichs. Trepows Kriegsschrei unü öer englische KriegswilJe. Der Kriegsschrei Trepows hat dem englischen Kriegs- willen wohlgetan. Eine Zentnerlast ist ihm vom Herzen weg- geglitten. Was Stürmers Neigung, Sondersriedensgedanken Raum zu geben, heraufbeschwor, ist der Hoffnung auf ein neues Kriegsjahr gewichen. Noch nie während des Weltkriegs hat die englische Presse wie jetzt in Jubel über Rußland gesckflvommen. Alles, was der Expansionsdrang Rußlands begehrt, wird begeistert zu- gestanden. Die Dardanellensehnsucht soll unbedingt und ganz und gar gestillt werden. Ein Blatt, wie der„Globe", versteigt sich sogar zur Erinnerung, daß Rußland nie geschlagen worden sei und aus verschiedenen Gründen als nicht eroberbar gelten müsse. Rußland ist die große ewige Hoffnung der englischen Kriegspolitikcr: an diesem Ungetüm, das alle Schläge aus- halten kann, soll sich die Schlagkraft der Feinde erschöpfen. „Globe" sagt:„Trepows Erklärung enthält eine ermuti- gen de Botschaft für alle Alliierten, die unter den heuffgen politischen Umständen besonders England will- kommen ist. Nämlich das Versprechen, daß Rußland und seine Bundesgenossen den letzten Mann mobilisieren werden und den letzten Pfennig opfern wolle n." Wie England den letzten Mann und Heller Frankreichs ver- braucht, so wird es auch noch den letzten Mann und Heller Rußlands auf seinem Blutrost liegen sehen. Mit dieser Hoff- nung begann der Weltkrieg, durch diese Hoffnung wird er fortgesetzt. Denn ohne Rußlaüd ginge die Arbert, dre Europa ver- wüstet, nicht mehr weiter. Deshalb hat England sich um Stürmers Sturz bemüht; deshalb hat man ein Recht zu der Frage: ob nicht die Rede Trepows bestellte englische Arbeit gewesen ist; und deshalb ergänzt Trepow seine Worte jetzt durch eine Verfügung, die jede Art von Friedenserörterungen in der russischen Presse verbietet. Der Kriegsschrei Trepows ist der erste Akkord der neuen wüsten Musik, die jetzt wieder den lauten Friedensruf der europäischen Völker in sein wildes Gegenteil verkehren soll. das da heißt: es ist nicht die Zeit, kriegsmüde zu sein. * Trepow als englischer Ordensritter. Der englische Botschafter in Petersburg, Sir George Buchanan. hat, wie wir französischen Zeitungen entnehmen, dem russischen Ministerpräsidenten Trepow— acht Tage vor seiner Röde die Jnsignien des Großkreuzes des St. Michael- und St. Georgs-Orden überreicht. Wenn es wahr ist, daß Sir George den Sturz des alten Herrn Stürmer herbeigeführt hat, liefert die Auszeichnung seines Nachfolgers ein recht niedliches Gegenstück dazu. /tequith unter Kuratel. Lloyd George der Vormund. Die englische Ministerkrise scheint sich nun endgültig da- hin geklärt zu haben, daß Asquith formell an der Spitze der Regierung bleibt, diese aber tatsächlich von einem Trium- v i r a t ausgeübt wird, dem Kriegsrat, in dem nicht Asquith sondern der 5kriegsheißsporn Lloyd George mit Hilfe des konservativen Führers Bonar Law das entscheidende Wort führt. Ursprünglich war noch an den Ulstermann C a r s o n als vierten Mann gedacht— Lloyd George wollte ihn sich nach Meldung der„Times" als wichtige Stütze sichern—, aber diese Majorisierung ging denn Asquith doch zu weit, er lehnte ab. Folgendes Telegramm kennzeichnet die Situation: London, 4. Dezember. Die Preß-Association teilt mit, daß die gefährliche Phase der Krise vorüber sei. Es stehe fest, daß Asquith Premierminister bleiben werde, und man nehme allgemein an, daß es ihm im Verein mit Lloyd George und Bonar Law gelingen werde, alle Differenzen aus dem Wege zu räumen. In den Wandelgängen des Unterhauses glaube man, daß Sir Edward Carson in das Kabinett eintreten und der Kriegsrat nur aus Asquith, Bonar Law und Lloyd George bestehen werde. Man nehme an, daß Bonar Law Erster Lord der Admiralität wird und Balfour das Kolonialamt über- nehmen wird. Die Stellung des neuen Kriegsrats stellt der politische Mitarbeiter des„Manchester Guardian" folgendermaßen dar: Der von Lloyd George vorgeschlagene Kriegsrat würde eine vollständige Kontrolle über alle Kriegsmaßregeln inner- halb und außerhalb Englands ausüben. Seine Beschlüsse würden nicht der Bestätigung oder Revision durch das Kabinett, auch nicht dem Premierminister unterliege». Dieser letztere würde aber von den Beschlüssen in Kenntnis gesetzt werden und alle Beschlüsse, die er verurteilt, dem Kabinett vorlegen können. In einem solcheu Falle würde entweder das Kabinett oder der Kriegsrat nachgeben oder zurücktreten müssen. Es ist kein Wunder, wenn danach anderen Blättern wie „Standard" Asquiths Stellung unhaltbar erscheint. London, S. Dezember. Der maßgebende parlamentarische Mit- arbeiter des.Star" schreibt, daß die Ursache der Krisis in der tief- gehenden Meinungsverschiedenheit über die Strategie zwischen der „östlichen und westlichen Schule" zu suchen sei. Die östliche Schule verlange eine große Armee, etwa von ö00 0(M) bis 1000 000 Mann nach Saloniki zu senden: die westliche Schule halte dies für einen verrückten Plan, da es England an Schiffsmaterial fehle und uner- fllllbare Forderungen stelle und die englischen Truppen der Vernich- tung durch deutsche Unterseeboote aussetzen würde.— Wie die gestri- gen Morgenblätter melden, hatte Lloyd George eine große Offensive von Shloniki aus verlangt. London, S. Dezember. Die„Westminster Gazette" teilt mit, daß Asquith endgültig abgelehnt hat, einen Kriegsrat zu bilden, dem er nicht selbst angehört. Wie verlautet, unterstützen Grey und die Diehrzahl der hauptsächlichsten Mitglieder des Kabinetts Asquith. Lloyd George verlangte einen kleineren 5lricgsrat mit tat- sächlich unbeschränkter Bollmacht. Ter Premierminister sollte davon ausgeschloffen sein und nur das Recht haben, gegen die Entscheidung sein Veto einzulegen. Asquith stimmte dem Vorschläge, einen kleineren Kriegsrat zu bilden, zwar zu, war aber im übrigen der Ansicht, daß der Premierminister den Vorsitz über den Rat führen müsse. Er würde eher zurücktreten, als sich irgend einer anderen Abmachung fügen. Asquiihs Entscheidung ist unwider- rnflich. Nach den letzten Meldungen hat es allerdings den An- schein, als ob Asquith sich der demütigenden Entmündigung nicht fügen will._ /lcht Milliaröen neue Kriegstreöite in England. Das Reutersche Bureau meldet amtlich: Die neu zu be- willigenden Kredite, welche dem Unterhaus in wenigen Tagen vorgelegt werden follcn, werden vierhundert Millionen Pfund Sterling betragen._ Der gordische Knoten der Entente. Die Lage in Griechenland. Im Untcrhause hat Lord Cecil eine radikale Lösung der Lage, die in Griechenland entstanden ist, auf das Programm ge- setzt, und zugleich hat er gesagt, daß die Verantwortung des griechischen Königs und der griechischen Regierung durch die Vorgänge in Mitleidenschaft gezogen sei. Eine radikale Lösung bedeutet— zumal in gegenwärtigen Zeitläuften— ein Durchhauen des unangenehmen Knotens mit dem Schwerte des Krieges. Eben das fordert auch der .Temps". Die Fournet-Phase, die darin bestand, die Diplomatenarbeit von der Aktion in Griechenland auszuscheiden, will das französische Blatt weiter gesponnen sehen. Es ist der Schicksalsfaden der Entente, und sie bringt ihn nicht mehr von den Händen los. Signale wie der blutige Freitag bedeuten da nichts mehr: die g a n z e Katastrophe muß riskiert werden, ob man will oder nicht. Der„Temps" verlangt dringend sofortige militärische Sicherheitsmaßnahmen und führt aus: Wir überschätzen zwar nicht die Mittel, über die der König, die Königin, Streit und Dusmanis verfügen, aber die Orientarmee, die auf der ganzen Front vom Prespasee bis zur Struma beschäfligt ist. braucht nicht nur materielle, sondern auch moralische Sicherheit. Sollte das Athener Vorgehen Nachahmung finden, und sollten in Thessalien sich Nachwirkungen zeigen, so müßte S a l o n i k i, der Grundpfeiler von Sarrails Armee, mindestens hinsiStlich der Verpflegung darunter leiden. Ohne die Frage der ftüheren diplo« malischen Verhandlungen anzuschneiden, müsien wir uns vergegen- wältigen, daß augenblicklich die Lage vor allem militäri- scheu Charakter hat, und daß diplomatische Verhandlungen sie nur noch mehr verwickeln könnten. Die heutige Lage darf nur vom operativen Standpunkt aus geprüft und angefaßt werden.< Admiral Fournet besteht also, obgleich er die im Piräus gelandeten Ententetruppen wieder einschiffen mußte, auf seinem Schein. Er fordert — allerdings unter Zurückstecken eines Pflockes— die Auslieferung griechischer Batterien und zwingt die griechische Regierung durch dies und anderes zu Schritten, die dem Sinn des eben erlebten und siegreich verlaufenen AusstandeS entgegenstehen. Wie die Dinge jetzt liegen, wahrt also die Athener Regierung den Schein, der Lord CecilS Behauptung, ihreVerantwortung sei durch die blutigen Borgänge in Mitleidenschaft gezogen, möglichst nicht bestätigt. Woran sich aller- ding» die Entente jetzt kaum mehr kehren wird. Sie ist auf ihrer Bahn so weit geglitten, daß sie, wie gesagt. eS auf die Katastrophe ankommen lassen muß. Folgende Telegramme geben die Lage: Erklärung der griechische« Regierung. London, 4. Dezember.„Daily Telegraph" erfährt aus Athen vom 2.: Die königStreue Presse veröffentlichte heute früh«ine Regierungserklärung, in der es heißt, daß Fournet zu- gestimmt habe, die Auslieferung von sechs Batterien Feldkanonen anzunehmen und daß er seine anfängliche Forderung bezüglich der übrigen Waffen fallen gelassen habe. Es wird gemeldet, daß die griechischen Reservisten mobili- s i e r t werden. Amsterdam, S. Dezember.„Times" meldet aus Athen: Am Sonnlag ist mit der griechischen Regierung ein Abkommen geschlossen worden, wonach sechs Batterien ausgeliefert werden sollen und die Alliierten die Kontrolle über die Eisenbahnen und die Zensur über den postalischen und telegraphischen Verkehr erhalten. Alle gefangen genommenen französischen Soldaten wurden in Freiheit gesetzt. Die französischen Truppenabteilungen sind nach dem Piräus abmarschiert. Die Ordnung ist wieder hergestellt. Die Stadt nimmt wieder ihr gewöhnliches Aussehen an. Nach einem anderen Telegramm der„Times" aus Athen heißt es, Gerüchte, daß die griechischen Truppen nach dem Piräus vorrücken würden, hätten neuerdings eine unruhige Stimmung in der Stadt erzeugt. Nach einer Konferenz Fournets mit dem britischen und dem französischen Gesandten wurden die Truppen der Alliierten wieder eingeschifft. Die Gesandten der Ententestaaten besuchten den griechischen Minister des Aeußern, und eine danach veröffemliche Bekanntmachung beruhigte die Bevölkerung. Oberst ZimbrakakiS, der frühere Chef der Athener Polizei, ist verhaftet worden. Die griechische Presse erklärt, offenbar durch die Regierung beeinflußt, das Vor- gefallene für bedauerlich und schreibt, sie würde es als ein großes Unglück betrachten, wenn es zu einem Konflikt mit den Staaten käme, mit denen Griechenland freundschaftliche Beziehungen zu unter- halten wünsche. Nach einer Meldung des„Secolo" habe Admiral Fournet der Entente den Rat erteilt, von der Forderung der Ueber- gäbe des weiteren Kriegsmaterials abzusehen. Die bisher Athen besetzt haltenden Truppen der Alliierten in Stärke von 3000 Mann marschierten angeblich unter Es- körte griechischer Kavallerie nach dem Piräus und wurden dort auf Kriegsschiffe verladen. Tie Kämpfe in Athen. Lugano, 6. Dezember. Nach einer Meldung deS„Corriere della Sera" aus Athen wurden bei den Zusammenstößen 137 Franzosen getötet und verwundet, weitere 40 wurden von den Griechen ge- fangen genommen, lö Schüsse sollen den Königspalast getroffen haben. Einige Anführer der Venizelisten wurden von den Königs- treuen verhaftet. London, 4. Dezember. Der Athener Korrespondent der„Daily News" berichtet seinem Blatte über die Kämpfe vom Freitag: Ich befand mich im Piräus, um die Ausschiffung der französiswen Truppen zu sehen, als plötzlich in den Hügeln südlich von Athen Schüsse gehört wurden. Ich entdeckte zugleich, daß die Eisen- bahnverbindung abgeschnitten war. Ein Wagen brachte mich den halben Weg nach Athen zurück, konnte aber nicht weiter- fahren, weil auf beiden Seiten gefeuert wurde. Ich war genötigt, den zweiten Teil des Wege? zu Fuß zurückzulegen, wobei ich durch das Kampfgebiet gehen mußte, das sich auf dem Mars- Hügel und bei dem Stadion befand. In der Hauptstadt an- gekommen, erfuhr ich, daß das Schießen um 10'/2 Uhr früh in der Geniekaserne begonnen hatte: zugleich wurde auf einer Linie, die vom MarShügel nach dem Denkmal von PhilipopoS südlich der Akropolis verläuft und sich bis zum Stadion erstreckt, gefeuert. Ab und zu wurde auch in der Gegend des Z a p p e i o n, wo die französische Abteilung einquartiert war, heftig geschossen. Das Ge- bäude war von den umliegenden Höhen, die es beherrschen, unter Feuer genommen worden. Beim Stadion waren Maschinengewehre und Gewehre in Aktion; auch die späteren Gefechte auf dem Mars- Hügel waren sehr heftig. Die griechischen Soldaten griffen dort die Franzosen vom Südrande der Akropolis und von den Abhängen deS Tbeseion aus an. Die von einem panischen Schrecken ergriffenen Einwohner suchen in Gruppen an den Mauern der Häuser Deckung, während die Kugeln durch die Straßen flogen. Tausende flüchteten auf die attische Ebene hinaus, wohin auch eine lang« Reihe von Wagen unterwegs war. Andere gingen nach Phaleron oder anderen Küstenplätzen. Am Freitag nachmittag wurden drei bis vier heftige Gefechte zwischen Griechen und Ententetruppen in den Vorstädten von Athen geliefert. Sie be- gannen, als eine frnnzösische Truppenabteilung versuchte. Waffen in der Geniekaserne zu beschlagnahmen, und dabei beschossen wurde. Da? Feuer wurde von den Franzosen beantwortet, wobei ein grie- chischer Offizier getötet wurde._ Die Verlufte üer norwegischen Zlotte. Kristiania, 4. Dezember. Meldung von Norsk Tele- grammbureau. Die Dampfer„Harald" und„Erich Lindoe" wurden von deutschen Unterseebooten versenkt und die Be- satzungen gelandet. Von Anfang des Krieges an bis Mitte November sind 242 norwegische Schiffe von zusammen 325415 Tonnen durch Kriegs- ereignisse vernichtet worden, darunter 182 Dampfer von 281 628 Tonnen und 66 Segelschiffe von 43 787 Tonnen Ge- halt. Die Schiffe waren für 145,7 Millionen Kronen ver- sichert, von denen 142,4 Millionen auf die Dampfer entfallen. In den letzten drei Monaten sind 93 Schiffe von 14 5 2 9 5 Tonnen, die mit 97,5 Millionen Kronen ver- sichett waren, vernichtet worden, nämlich im September 25, im Oktober 32, im November 36 Schiffe. Der bulgarische Kriegsbericht. Vormarsch in der Walachei.— Satisköj besetzt.— Constanza beschaffen. Sofia, 4. Dezember. Amtlicher Bericht vom 4. Dezember. Rumänische Front. In der Walachei dauert der Vor- marsch an. Der Feind versuchte unseren rechten Flügel anzu- greifen, wurde aber zurückgeworfen. An der Donau zwischen Tutrakan und Cernavoda Artillerie- und Jnfanteriefeuer. In der Dobrudscha Artillerietätigkeit an der ganzen Front. Nach dem völligen Scheitern der feindlichen Angriffe, die in den drei letzten Tagen gegen unseren linken Flügel zwischen Satisköj und der Donau gerichtet wurden, zog sich der Gegner heute endgültig in seine alten Stellungen zurück. Unsere vorgeschobenen Abteilungen besetzten Satisköj. Die eindlichen Verluste sind sehr schwer. Allein vor der Höhe 234 zählten wir 000 feindliche Leichen. Wir nahmen 80 Soldaten ge- fangen und erbeuteten vier Maschinengewehre. An der Front am Schwarzen Meere beschossen zwei Kriegs- schiffe Constanza; Menschen fielen der Beschießung nicht zum Opfer. Mazedonische Front. Der Feind eröffnete sehr heftiges Artilleriefeuer gegen die Höhen nordwestlich von B i t o l j a. Im Cernabogen schwache Tätigkeit der feindlichen Artillerie. Oestlich von der C e r n a sehr heftiges Artillertefeuer. An der Front zu beiden Seiten des W a rd ar schwaches Geschützfeuer. An der Front der Belasitza Planina Ruhe. An der Struma zeitweilig Artillerie» feuer und Patrouillengefechte. Der fcldzug in Ter Vormarsch. Aus dem Hauptquartier de» Generalfeldmarschalls v. Mackensen wird uns geschrieben: Rumäniens Kriegserklärung sollte Rußland das Tor nach Kon- stantinopel öffnen. Aus der süd- wärts gerichleten Mllhorngestalt der Dobrudscha sollten sich, un- gehindert durch den Wasserlauf der Donau, die rumänischen, russischen, serbischen Divisionen auf das bul« garische Küstenland ergießen. Ru- mänien fühlte sich seines Erfolges und der Kraft seiner Verbündeten so sicher, daß es sich mit seiner Hauptmacht zunächst der sieben« bürgischen Beute zu bemächtigen suchte. Einer aus 4 rumänischen, 1 russischen und 1 serbischen Divi« sion gebildeten wohlausgerüsteten Armee fiel die Aufgabe zu, Bul» garien von der Dobrudscha aus anzufallen. Weitere Divisionen sollten aus Rußland und je nach Lage aus Siebenbürgen in Bälde nachgeschoben werden. An: 27. August, abends 10 Uhr, erklärte Rumänien Oesterreich- Ungarn den Krieg. Am folgenden Tage übernahm General- feldmarschall v. Mackensen den Oberbefehl über die deutschen, bulgarischen, österreichisch-ungarischen und osmanischen Truppen an der Donau und an der Dobrudschagrenze. Die verbündeten Heeresleitungen hatten längst mit dem Eingreifen Rumäniens ge- rechnet und ihre Vorbereitungen getroffen. Gleichwohl lastete die Verantwortung einer schweren Aufgabe auf der Führung der neu- gebildeten Heeresgruppe. An Zahl weit unterlegenen eigenen Verbänden stand ein Gegner gegenüber, der sich sorgsam vorbereitet und ausgestattet hatte und sich dabei ohne Lehrgeldeinbutze die Erfahrungen zweier Kriegsjahre nutzbar machen konnte. Aber auch von Rußland waren große Kraftanstrengungen zu erwarten. Nur eine Ueberlegenheit der Führung und ein restloser Opfermut der Truppe vermochten das Mißverhältnis an äußeren Macht- Mitteln auszugleichen. Die zunächst zur Verfügung stehenden Verbände mußten auf die 700 Kilometer lange Front sorgsam verteilt werden. In äußerster Sparsamkeit war jeder Mann an seinen richtigen Platz zu stellen, in bedachter Voraussicht jede besonders gefährdete Stelle in genügender Stärke zu sichern. Größte Bedeutung kam der Auf- klärung über den Feind zu. Unsere Flieger wachten über der Donau, meldeten den Aufmarsch des Gegners, bereitgestellte Kähne, die Schanzarbeiten, den Wasserstand. Nachrichten aus anderen Quellen vervollständigten das Bild. Es ließ die Absicht unserer Führung, durch rasches, entschlossenes Handeln die Pläne des Gegners über den Haufen zu werfen, aussichtsreich erscheinen. Das Hauptziel war, im Aufmarsch befindliche feindliche Teilkräfte auf sich zu ziehen, zu schlagen und dadurch deren An- sammlung zu verhindern. Da die vorhandenen Truppen nicht aus- reichten, um an der ganzen Dobrudschagrenze offensiv vorzugehen, beschränkte man sich darauf, auf dem rechten Flügel nach der Wegnahme von Dobric zunächst defensiv zu bleiben, um mit ge- ringer Zahl in fester Stellung den erwarteten russischen Vorstoß an der Meeresküste abzuwehren. Der linke Flügel hatte durch beherztes Zugreifen zunächst die befestigten feindlichen Brücken- köpfe an der Donau, Tutrakan und Silistria, die Ausfall- Pforten der rumänischen Offensive, in seine Gewalt zu bringen. Gelang das kühne Unterfangen, so standen in einer erheblich der- kürzten Front die alsdann freigewordenen Verbände in der Flanke der feindlichen Hauptkräfte, die unterdessen bei Dobric in die Kämpfe mit unserer Defensivfront verwickelt waren. Der Plan glückte rascher, als man erwarten konnte. Der Gegner hatte offenbar nicht mit einer Offensive von Bulgarien aus gerechnet und sich mit seinen Vorbereitungen Zeit gelassen. Am 1. September trat zwischen Bulgarien und Rumänien der Kriegszustand ein. Am gleichen Tage erging an die 3. bulgarische Armee der Befehl: Um 12 Uhr nachts gehen sämt- liche Grenzposten auf feindliches Gebiet über uird werfen die Grenz- wachen möglichst weit zurück. Der Vorstoß hat, um die Gefangenen- zahl zu erhöhen, überraschend zu erfolgen. Ein Stickmuster von Einzelbefehlen setzte den Organismus in Bewegung. A m 2. S e v- tember waren die feindlichen Vortruppen auf der ganzen Front zurückgeworfen. Die eigenen Verluste waren bei zumeist schwachem Widerstand des Gegners gering, die der Rumänen erheblich. Heftiger waren die Kämpfe an der Küste, wo bulgarische Kavallerie ein rumänisches Regiment vernichtend schlug. Prompt, wie befohlen, wird die alte Bulgarenstadt Dobric, der Haupt- Handelsplatz der südlichen Dobrudscha, am 4. September ein- genommen. Der einziehende Befreier wird mit Jubelrufen und Blumen überschüttet. In den nördlich vorgelagerten Höhen graben sich alsdann befehlsgemäß die Truppen unseres rechten Flügels ein. Eine bulgarische Brigade hat sich hier in den folgenden Tagen der heftigsten Angriffe überlegener feindlicher Kolonnen zu feindliche Kriegsberichte. Nach dem französischen Heeresbericht vom 4. Dezember eroberten östlich von der Cerna die Serben eine Höhe nördlich von G r u n i st e. Der sseind zog sich in Unordnung auf Stravina zu- rück. Vom übrigen Teile der Front der Orientarmee sei kein wichtiges Ereignis zu melden. Der russische Heeresbericht vom 4. Dezember meldet von der rumänischen Front: Nördlich des Trotus griff der Feind unsere Truppen auf den neuerdings besetzten Höhen hartnäckig an, von denen wir zwei räumten. Südlich des Trotus dauern die er- bitterten Kämpfe an. Der Feind setzt hartnäckigen Widerstand entgegen. Im O i t u z- T a l schlugen die Rumänen Angriffe des Feindes zurück. In der Richtung Pictesti-Targoviste weichen die Rumänen unter dem anhaltenden Drucke des Feindes weiter zurück. In der Richtung Alexandria— Bukarest und weiter südlich dauern die erbitterten Kämpfe fort. Der Feind, der hier zur Verteidigung übergegangen war und den Rückzug an- trat, ergriff, nachdem er Verstärkungen erhallen hatte, die Offen- sive und es glückte ihm, sich des Dorfes Gradischtei südlich von B u k a r e st zu bemächtigen. Südwestlich von B u k a- r e st wurden rumänische Abteilungen, die hinter dem Feinde den Fluß überschritten hatten, angegriffen und zum Rückzug gezwun- gen. An der Donau wurden Gewehrschüsse gewechselt. In der Dobrudscha wurden Versuche des Feindes anzugreifen durch Artillerie- und Jnfanteriefeuer angehalten. DobriKlftba. erwehren. Zum ersten Male stoßen dabei Bulgaren mit russischen Regimentern zusammen. Wenn der Russe etwa glaubte, daß sich der bulgarische Soldat ihm gegenüber nicht bewähre, ist er in diesen erbitterten Gefechten gründlich enttäuscht worden. In den ersten Septembertagen traf bereits das erste Regiment der türkischen Divisionen ein, die Generalissimus Enver Pascha in waffenbrüderlicher Bereitschaft sofort nach Rumäniens Kriegserklärung zur Verfügung gestellt hatte. Es befanden sich darunter Regimenter, die bereits an den Dardanellen ihre Feuer- festigkeit erwiesen hatten. Mit rhrer guten Kleidung und AuS- rüstung, threr disziplinierten Marschordnung machten sie einen vorzüglichen Eindruck. Sie waren mit Feldküchen und Kolonnen und allen sonstigen Bedürfnissen neuzeitlich ausgestattet. In raschem Vormarsch hatten unterdessen deutsche und bulga- rische Kräfte die Donaufeswng Tutrakan so fest umklammert, daß bereits am 5. September der General stürm angesetzt werden konnte. Am Abend dieses Tages war mit den Forts 2— 9 die Hauptstellung genommen. Obwohl die an die Donau an- lehnende deutsche Abteilung im offenen Gelände vom Fluß her schwer unter feindlichem Feuer zu leiden hatte, hatte sie entschlossen jede Wankelmütigkeit des Gegners ausgenutzt, durch schnelles Heranarbeiten an seine Stellungen sein Selbstvertrauen erschüttert und während seines jeweiligen Zurückweichens eiligst die Artillerie nachgezogen. 41 Bataillone, 20 Batterien und 6 Eskadronen hatten diesem ungestümen Ansturm der an Zahl unterlegenen deutschen und bulgarischen Bataillone nicht standzuhalten vermocht. Bevor die rumänische Heeresleitung zur Besinnung kam, lvar ihr der mit allen modernen Befestigungsinitteln ausgestattete Brückenkopf Tu- trakan entglitten. Am Abend des 6. September rückten deutsche Kompagnien in die Festung ein. Eine schwere, blutige Niederlage des Feindes war mit ganz geringen eigenen Verlusten erfochten. Zwei rumänische Divisionen fielen unverwundet in unsere Hände, ein erheblicher Teil der rumänischen Offensivarmee war vernichtet. Unter den 28 000 Gefangenen befanden sich 400 Offiziere, darunter 3 Brigadegenerale. Von den 100 teilweise schweren Geschützen hatte allein ein deutsches Bataillon 1ö mit stürmender Hand genommen. Die Führung stand in den folgenden Tagen vor einer schweren Entscheidung. Bei Dobric verstärkten sich die feindlichen Angriffe. Der rumänischen und russischen gesellte sich eine serbische Division hinzu. Ein Mißerfolg auf dem rechten Flügel brachte den gesamten Offensivplan in Gefahr. Die Heeresgruppe tvar zu schwach, um den Defensivlinien bei Dobric genügende Stärke zu verleihen und gleichzeitig für eine Einschließung des weiter donauwärts gelegenen befestigten Brückenkopfes Stlistria eine ausreichende Truppenzahl freizubekommen. Aber auch hier durchhieben die Beherztheit des Entschlusses und der Führung, der Wagemut der Truppen den Knoten. Es wird den in rastloser Verfolgung nachgedrungenen Verbänden ein Handstreich auf S i l i st r i a befohlen. Ohne ernsten Widerstand ergibt sich die überrumpelte Festung. Bereits am 9. September reitet eine deutsche Offizierspatrouille in die Stadt ein. Wiederum werden zahlreiche Geschütze und viele Kriegs- gerätschasten erbeutet. Mit der Wegnahme von Silistria ist die Donau als Verbündete gewonnen. Den linken Flügel schützt der breite Strom mit seinen sumpfigen Nebengewässern. Der rumänische Plan, von Tu- trakan und Silistria aus gleichzeitig mit dem russischen Vorstoß nach Varna in Mittelbulgarien einzufallen, ist unter. bunden. Der weitere Vormarsch kann sich, seitwärts unge- hindert, in frontaler Richtung der Eisenba Imlinie Constanza— Cer- navoda zuwenden. Zwei bis drei rumänische Brigaden, die später bei Rahova über eine rasch geschlagene Pontonbrücke am bulgarischen Donauufer Fuß faßten�waren durch rasche, umsichtige Maßnahmen bereits von allen Seiten umschlossen, als eiligste Flucht sie unter schweren Verlusten dem drohenden Verhängnis entzog. Iarbige Arbeiter in Europa. In der Unterhaussitzung vom 2l. November wurden an den Ministerpräsidenten und den Kriegsminister Fragen über die Heran- ziehung schwarzer Arbeiter gerichtet. Auf eine Frage des Liberalen Pringle erwiderte ASquith, daß verschiedene Regierungsdeparte- ments die Frage der Einfuhr farbiger Arbeiter aus Südafrika von allen Seiten studieren. Pringle hatte gefragt, ob man Schwarze als Bauarbeiter beschäftigen wolle und ob nicht schon Farbige in Eng- land angekommen und an der Arbeit seien. Lloyd George besprach im Anschluß an Mitteilungen über die Beschäftigung Kriegsgefangener gleichfalls die Frage der farbigen Arbeiter. Er erklärte, daß die Absicht bestehe, diese bei der Ver- ladearbeit in den französischen Häfen und womöglich auch an der britischen Basis zu beschäftigen, um Soldaten für die Front frei« zubekommen. Die.Times' behauptet, daß sich die organisierte Arbeiterschaft der Einfuhr farbiger Arbeiter für diese Zwecke(d. h. für die Arbeit in Frankreich) nicht widersetze. Doch im Fall der Ausdehnung aus England würden die Gewerkschaftsführer eine Konferenz fordern, um den Beweis zu erhalten, daß es sich um Kriegsnotwendigkeiten handle. Charafteristisch ist folgende Mitteilung der„Times':.Manche Reeder sind der Meinung, daß die Verwendung der Ein- gevorenen aus dem ReichSgevtet nicht auf die jetzige Krisis beschränkt bleiben solle. Einer von ihnen sagte einem unserer Redakteure, daß die Admiralität zu tadeln sei. weil sie die Leistungsfähigkeit der britischen Marine durch die vom Mattosen« und Heizerverband geheischte Ausschließung der asiatischen Heizer beschränke. Er erklärte, daß diese Leute weit bessere Heizer seien als die Europäer, daß infolge der minderwertigen Heizung eine Fahrt länger dauere und daß darum von der Regierung mehr Schiffe als not- wendig auf Kosten deS Handels in LebSftSmitteln und anderen not« wendigen Artikeln abgefordert würden. Der sehr offen ausgesprochene Wunsch, die Beschäftigung fremd« rassiger Arbeiter in England zu einer dauernden Einrichtung zu machen, zeigt den englischen Arbeitern, wohin die Fahrt geht. Die Leistungs« fähigkeit der britischen Industrie wird der Vorwand sein, immer mehr Farbige kommen zu lassen, die, wenn nicht bessere, so doch sicher billigere Arbeiter sind. Die.Nation' warnt denn auch schon vor einer Entwicklung Europas, die Zustände des römischen Alter« tumS mit einer Staatsfkaverei kombinieren würde. « �» Manchester, 1. Dezember.(553. T. B.) Wie„Manchester Guardian" meldet, hat die Arbeiterpartei den Plan, farbige Arbeiter nach England einzuführen, entschieden verworfen._ Man dürfe also diesen Gedanken als erledigt betrachten, obwohl die Negierung sich noch nicht förmlich davon losgesagt habe. Der Seekrieg. Versenkt. Nach Lloyds Meldung wurden versenkt die Dampfer „Hitterog' und„Erich L i n d o e', der griechische Dampfer„DemetrioS Jnglessis', da« französische Segelboot.Therese', der norwegische Dampfer. S k i o l- d u l f'(Kapitän und Besatzung gelandet), die englischen Goe- leiten.Grace' und.Seeker', der dänische Dampfer „Aria'(Besatzungen der beiden Dampfer gelandet), der britische Dampfer.King Bleddin'(4387 Brutto«Reg.«T.). Von der Besatzung des schon früher als versenkt gemeldeten Dampfers .Nagatamaru' sind durch Geschützfeuer b Personen getötet und S verwundet worden. Der holländische Dampfer.Ko« d i r i', der vor einiger Zeit auf der Reise nach Marseille versenkt wurde, hatte eine Ladung Zucker für Frankreich an Bord.„Temps" meldet: Der norwegische Dampfer„Bossi'(1402 Tonnen), mit Grubenholz beladen, der englische Dampfer„M o e r a k i" und die französische Goelette„Robinson" wurden ver« senkt.(Besatzungen alle gerettet.) Ferner meldet das Blatt aus Brest: Der englische Dampfer„Eggesford'(4414 Tonnen) wurde von einem U-Boot angegriffen und schwer beschädigt, konnte jedoch im Schlepptau in ein Trockendock verbracht werden. Lloyds meldet: Der norwegische Dampfer.Drantner' soll ver« senkt worden sein._ Letste Nachrichten. Die„Norddeutsche" auf dem Rückzug. Wie W. T. B. meldet bringt die heute morgen erschei- mende„Norddeutsche Allgem. Zeitung" folgende E n t s ch u I- d i g u n g:„Unser gestriger Artikel über Sozialpolitik im Hilfsdienstgesetz hat von einer Seite eine Auslegung erfahren, die wir nicht unwidersprochen lassen können. Wir haben auf die schwierige Lage hingewiesen, die bei der dritten Lesung des Gesetzentwurfs zeitweise entstanden war, daß uns dabei die Möglichkeit vorgeschwebt hätte, als ob zur Ueberwindung dieser Schwierigkeiten die Bestimmungen, wie sie das Gesetz vorsah, ohne Mitwirkung des Reichstages hätten erlassen werden können, ist eine Vorstellung, die der Inhalt des Artikels in seinem Zusammenhange und besonders sein Schluß nicht zuläßt. Wir haben deutlich zum Ausdruck gebracht, wie unentbehrlich der Regierung das einmütige Zusammenwirken mit der Volksvertretung in dieser großen vaterländischen Sache wie bei allen Aufgaben, die der Krieg stellt, gewesen ist und bleibt." Der Inhalt des Artikels war e i n d e u t i g. Warum er jetzt umgedeutet wird, darüber wird noch ein Wort zu reden sein._ Asquith gegen Diktatur. Rotterdam, 5. Dezember.(W. T. B.) Einem hiesigen Blatt zufolge gibt der Parlameutskorrespondent der„Daily News" folgende Schilderung der gestrigen Sitzung des Unter- Hauses. Der Premier mini st er wurde, als er in das Haus eintrat, von den Liberalen mit lautem Beifall begrüßt. Auch C a r s o n wurde beifällig begrüßt, als er sich erhob, um eine Frage zu stellen, Bonar Law wurde ruhiger empfangen. Lloyd George war nicht anwesend. Dillon erinnerte Asquith daran, daß schon in der letzten Woche versprochen gewesen sei, den Namen des Lebensmitteldiktators bekanntzugeben. Er fragte, warum das immer noch nicht geschehen sei. Asquith antwortete mit der Frage, wieso der Abgeordnete dazu komme, von einem Lebensmitteldiktator zu sprechen? Es gebe keine solche Per- son und es habe etwas Derartiges nie gegeben. Er sei g e g e n das Wort Diktator. Diese Bemerkung löste einen Sturm von Beifall aus. Sodann gab Asquith seine bereits gemeldete Erklärung über die Umbildung der Rc- gierung ab. Der bulgarische Heeresbericht. Sofia, S. Dezember. Der bulgarische Heeresbericht vom 0. De. zember meldet von der rumänischen Front: In der Walachei haben die verbündeten Truppen die rumänifchen Truppen am ArgeS ge- schlagen. Längs der Donau und bei Tutrakan Infanterie- und Maschinengewehrfeuer. Bei Cernavoda Artilleriefeuer. In der Dobrudscha Artillerieseucr mit Unterbrechung und Gefechte zwischen Patrckuillen. Der Feind verschanzt sich und zieht Drahtnetze. Präsident Wilson über den Weltfrieden. Basel, S. Dezember.„Havas" meldet aus New Aork: Wilson erklärte bei Einrichtung der Beleuchtung in der Freiheitsstatue bei New Uork in einer Ansprache: Nach meiner Meinung kann die Frei« heit der Welt allein der Frieden bringen. Bei aller Achtung vor anderen Regierungsformen ist eS mir vielleicht gestattet zu sagen, daß der Frieden unmöglich sein wird, solange die Geschicke der Menschen von einer kleinen Gruppe von Personen bestimmt werden, die ihnen ihren eigenen Willen aufzwingen können.(„Frkf. Ztg.") Freilassung gefangener Südafrikaner. Haag, S. Dezember. Wie die„Times" vom 27. November au» Johannisburg meldet, hat Lord Buxwn die Freilassung von 19 Rebellen versuchsweise angeordnet; unter ihnen befinden sich General K e m p und General Wessels, Mitglied der gesetz- gebenden Körperschaft und von Serfontein.(„Frkf. Ztg.") Gewerksthastliches. Serlin und Umgegend. Eininütige Eutschliehung der Privatangestellten zur Durchführung des Vaterländischen Hilfsdienstes. Es wird uns geschrieben: Die in den drei Arbeitsgemeinschaften der Angestclltenorgani- sationcn vereinigten kaufmännischen und technischen Angestellten- verbände waren am 2. Dezember auf Einladung des Hansabundes zu einer gemeinschaftlichen Beratung, die unter dem Vorsitz des Reichstagsabgeordncten Gcheimrat Prof. R i e ß e r stattfand, zu- sammengetretcn, um die Turchführung des vaterländischen Hilfs- dienftcs zu erörtern. Einmütig in der Anerkennung der Notwendigkeit des gerade in der Stunde ihrer Zusammenkunft vom Reichstage verabschie- dctcn Gesetzes erklären die Erschienenen namens ihrer Verbände, welche die gesamte deutsche P r i v a t b e a m t e n s ch a f t repräsentieren, in patriotischer Opferwilligkeit ihre weit- gehendste Mitarbeit bei der Turchführung dieses Gesetzes zur Vcr- fügung zu stellen. Indem die Angestelltenvcrbände ihre bereits dem Reichstage zur Kenntnis gebrachten Wünsche wiederholen, erklären sie unter Zustimmung zu dem Bericht des Regierungsrats Prof. Dr. Leidig es weiterhin als dringend notwendig daß schon bei der freiwilligen Ueberführung der Angestellten in die Kriegs- Wirtschaft die Mitwirkung der Stellennadjtocise vom Kriegsamt in umfangreichster Weise in Anspruch genommen werde. Die Organisation der Ausschüsse in den Fällen der§§ 6 und 7 des Gesetzes müßte derart geschehen, daß die Arbeitnehmerbeisitzer Ersatzmänner erhalten. Dadurch allein würde die Möglichkeit ge schaffen, daß für jeden einzelnen Fall der der betreffenden Berufsgruppe ungehörige Vertreter, sei es als ordentlicher Beisitzer oder als dessen Ersatzmann, zu der Entscheidung des Ausschusses heran- gezogen wird, so daß über Angestellte auch nur Angestellte als Bei- sitzer urteilen. Die Versammlung war einmütig der Auffassung, daß der ausreichende Unterhalt, der als Arbeitslohn den im vaterländischen Hilfsdienst beschäftigten Angestellten gewährt wer- den soll, der standesgemäße Unterhalt sein muß. Die Ausdehnung der Tätigkeit der Kriegshiliskassen über den selbständigen Mittelstand hinaus auf die Angestellten, sei es. daß sie im Kriegsdienst, sei es, daß sie im vaterländischen Hilfsdienst tätig sind, erschien den Versammelten dringend erwünscht. Tie neuen Teuerungszulagen der in Buchdruckereien und Gefchäftsbuchfavriken beschäftigten Buchbinder. Das Mkommen über die neuer: Teuerungszulagen, das am 11. November zwischen dem Verein Berliner Buchdruckereibesitzer und den Vertretern des Buchibinderverbandes für dessen in Betracht kommende männliche und weibliche Mitglieder getroffen worden war, hatte bekanntlich nicht die Zustimmung einer Versammlung der Buchbindereiarbeiter und-arbeiterinncn gesunden. Es mutzte nun aufs neue verhandelt werden. Ueber das Resultat berichtete R ü g e r am Montag in einer zahlreich von Gehilfen und Arbeiterinnen besuchten Branchenver- sammlung. Bei den Verbandlungen konnte in den grundlegender. Punkten mehr wie am 1l. November nicht herausgeholt werden. Immerhin wurde für Akkordarbeiter und Akkord- arbeiterinnen erzielt, daß die Höchstgrenze ihres nach dem Monatsdurchschnitt zu bercchneiwen Verdienstes, bis zu der auch den Akkordarbcitern und Akkordarbeiterinnen die Teuerungszulage zu- stehen soll, hinaufgesetzt wurde.— Es bleibt dabei, daß die im Mai 1316 vereinbarten monatlichen Teucrungs- Zulagen der Gehilfen um 7ö Proz. erhöbt werden. Ferner er- halten Arbeiterinnen im Wochenlohn an monatlicher Teuerungs- zutage jetzt: die geübten 16.56 M,, die ungeübten 7 M. Für die Akkordarbeiter und Akkordarbciterinnen lauten die Ab- machungen nach der neuesten, jetzt erzielten Fassung folgender- maßen:„Mkordarbeiter, die im Monatsdurchschnitt, der geleisteten Arbeitszeit'entsprechend, nicht mehr als 85 Pf. pro Stunde vcr- dient haben, erhalten denjenigen Teucrungszuschlag, der sich auf die betreffende Klasse der Lohnarbeiter versteht, mindestens jedoch Verheiratete monatlich 7 M., Ledige monatlich 3,56 M.— Akkordarbeiterinnen, die im Monatsdurchschnitt, zu vier Wochen gerech- nct, nicht mehr als 25 M. pro Woche verdient haben, erhalten den Teuerungszuschlag von 16,56 M. monatlich gleichfalls." Die hier mitgeteilten Abmachungen für die Akkordarbeiter und Akkordarbeiterinnen gelten, da erst nachträglich in dieser Fassung festgesetzt, ab l. Dezember. Tie anderen Abmachungen über die Teuerungszulagen gelten ab 1. Oktober. Bezüglich der Kinderzulagen und de? zehnprozentigen Auf- schlags auf die tariflichen Akkordsätze für Handfalzarbeiten ist es bei der Abmachung vom November geblieben. Für Arbeiter an Maschinen' soll an zuständiger Stelle die Nahrungsmittelzulage lKartosfel, Brot, Fleisch, Fett) für Schwer- arbeiter beantragt werden. Auf Grund der Diskuffion konnte der Vorsitzende schließlich feststellen, daß diesmal die Versammlung nut den Abmachungen einverstanden ist. Ihre Unterzeichnung durch die Organi- sationsvertretcr wird nunmehr erfolgen. bei der Regelung der Zahl der einzustellenden Lehrlinge. Was die Gehilfenvertretcr der Chemigraphie mit guten Gründen den Unternehmern, in einem nach dem Kriege zweifellos wieder auf- blühenden Gewerbe, zugestehen konnten, das wollten auch die Steindruckunternehmer sofort für sich in Anspruch nehmen. Glück- licherweise blieb ihnen diesmal der Erfolg versagt, und zwar in- sofern, als die Frauen sich den an sie gestellten Anforderungen der Männerarbeit nicht gewachsen zeigten. Die Unternehmer mutzten daher auf die Einstellung der Frauen für Männerarbcit verzichten, da sie nach ihren eigenen Angaben nicht auf ihre Kosten gekommen wären. Gegen ein solches Verhalten mutzten sich aber auch die Ge- Hilfen mit Recht energisch zur Wehr setzen. Wer die Gehilfen sonst nicht als gleichberechtigten Faktor anerkennt, kann auch in dieser Frage von rhncn kein Entgegenkommen erwarten. Ausland. Textilarbciterstreik in Turin. Bern, 5. Dezember. W. T. B. Nach einer Meldung des „Corriere della Sera" aus Turin haben die Baumwollarbeiter den Generalstreik erklärt, 666Ü Arbeiter sind in den Ausstand getreten. Frauenarbeit im Stcindruckgewerbe. Weit über ein Jahrzehnt bemüht sich der Verband der Litho- graphen und Steindrucker, im Steindruckgcwerbe zu einer tarif- lichen Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältniste zu gelangen. Vergeblich. Mit Ausnahme einer größeren Minderheit der Unter- nchmer prallten alle derartigen Versuche bei ihnen wirkungslos ab. Selbst die Kriegszeit vermochte sie nicht zu einer anderen Haltung zu bewegen. Weder in der Fürjorge für die Arbeitslosen am An- fang des Krieges, noch für die Kriegsbeschädigten gelang es, mit ihnen zu einer Verständigung zu kommen. Was in anderen dem Gehilsenverbande gleichfalls angeschlossenen Berufen erreicht wurde, blieb im Steindruckgewerbe ohne Erfolg. Während die Unternehmer im Steindruckgewerbe den Gehilfen noch immer jedes Entgegenkommen verweigern, liegen sie förmlich auf der Lauer, um sofort jedes Zugeständnis, das die Gehilfen den taristreuen Unternehmern machen, für sich auszunutzen. Im Chemiegraphiegewerbe besteht seit dem Jahre 1963 ein gut ausge- bauter Tarif. Kaum hatte dort das Tarisamt wegen Mangel an Arbeitskrästen beschlossen, Frauen für den Beruf zuzulassen, sofort fanden sich Steindruckunternehmer, um für sich das gleiche Recht in Anspruch zu nehmen. Während aber jene sich verpflichteten, in jedem Einzelfall die gewählten Vertreter der beiden Parteien über die Notwendigkeit der Einstellung von Frauen entscheiden zu lassen, maßten sich diese an, ganz willkürlich und allein darüber zu be- finden. In der Chemigraphie sind peinliche Bestimmungen über die Bedingungen der Einstellung weiblicher Arbeitskräfte festgesetzt worden. Nichts von alledem in der Steindruckerei. Es ist Gefähr vor- Händen, daß die Einstellung der weiblichen Arbeitskräfte hier nur zu Lohndrückereien dienen wird. Es ist freilich nicht das erste Mal, daß derartige Anforderungen durch die Steindruckunternehmer vorkamen. Bei der Lohnbewegung im Jahre 1911 forderten die Steindruckcr die 8lhstündige Arbeitszeit. Weil aber die Buch- drucker in ihrer Tarifrevision mit der 53stündigen(bei durch- gehender Arbeitszeit 52stündigen) wöchentlichen Arbeitszeit einver- standen waren, bestanden auch die Steindruckunternehmer mit Hin- weis aus die Buchdrucker auf die 53stündige Arbeitszeit, allerdings ohne Berücksichtigung der Verkürzung der durchgehender Arbeits- zeit. Während des Krieges wiederholte sich ein gleicher Vorgang Mus Industrie und Handel. Papiergarn. Aus der Not des Mangels an den bisher gebrauchten Webfasern hat sich eine neue Industrie, die Papiergarn- i nd u st r i e, entwickelt/ die bereits für die Heeresverwal- tung große Lieferungen übernommen hat und von der er- wartet wird, daß sie sich auch nach Friedensschluß behaupten und Deutschland von dem Ausland, bewnders von Indien, als dem Hauptproduktionsland von Jute, unabhängiger machen wird. Ueber das technische Verfahren schreibt t>ie „Frankfurter Zeitung": „Der wichtigste Halbstoff für die neuen Gespinste ist die N a t r o n z e l l u l o s e, von der wir ursprünglich vorwiegend ausländisches, zuletzt auch deutsches Erzeugnis verarbeiteten, neuer- dings auch gemischt mit der uns geläufigeren Sulfitzellulose. Streifenschneidemaschinen, heute die gesuchtesten, fast nur in Darmstadt und Düsseldorf fabrizierten Apparate, zerteilen die Papierbahn; Imprägnierungen und Verfahren zur Erhöhung der Reißfestigkeit sind in Anwendung. Die Streifen werden äuf eigens konstruierten Papierspinnmaschinen gesponnen, aber auch vielfach auf vorhandenen Textil-Spinnmaschinen, wozu sich am leichtesten die Jutemaschinen, minder leicht die Flachs- und Baumwollspinn- Maschinen eignen; jüngst ist aber gerade die Baumwollindustrie mit grotzem Erfolge an die Umstellung herangegangen und hat sich an mehreren Neugründungen beteiligt, nachdem die Juteindustrie bereits seit langem auf verbandsmätziger Grundlage ziemlich all- gemein den neuen Zweig im Großen betreibt. Das gilt besonders für die Mischgespin st e und Mischgewebe, die in der ersten Zeit ausschließlich hergestellt wurden, aber in immer größe- rem Verhältnis durch das reine Papierversahren ersetzt werden sollen, weil die Rcstbestände an Pflanzenfasern, abgesehen etwa vom reichlicher gecrnteten Flachs, auch für andere Heeres- zwecke dienen müssen. Bei den Mischverfahren verspinnt man das Papierband zur Erhöhung der Haltbarkeit gemeinsam mit Baum- Wollabfällen zu„Textilose" nach dem Verfahren von Claviez-Adorf oder mit Flachs und Jutcabfall zu„Textilit", welche Methode vom Oesterreicher Steinbrecher erfunden und von der deutschen Jute- industrie, so sehr sie im Frieden die natürliche Gegnerin der Ersatz- stoffe war, in weitgehendem Maße aufgenommen worden ist. Neben diesen Mischgespinsten gibt es die Mischgewebe, bei denen die Kette aus Papicrsaden, der Schutz aus Naturfaser ist oder umgekehrt. Während der Organisation der neuen Industrie haben sich nun verschiedene Gruppen herausgebildet, indem die erfolgreichen ersten Unternehmer ihre Erfahrungen einer steigenden Anzahl von neuen Interessenten überließen." In München-Glaldbach bat sich bereits ein Markt für Papiergarn entwickelt. Es ist möglich, daß durch die neue Industrie eine Verringerung der Papiervorräte und eine teigcrung der Preise erfolgt. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. In der gestrigen Generalveriammlung der Aklienbrauerei F r i e d r i ch s h a i n ist der Kauf der Bierbrauerei H i l s e b e i n beschlossen worden, in der Generalveriammlung der Brauerei Hilie- dein wurde dem Ano.ebot zugestimmt. Die Aktien der Brauerei Hilse- bein wurden mir 68 Proz. bewertet. In der Generalversammlung der Aklienbrauerei FriedrichSbain wurde betont, daß großer Werl auf das Braukonlingent der Brauerei Hilsebein— ungefähr 26 006 Zentner Malz— gelegt werde, und das um so mehr, als auch in den ersten Friedensjahren die Braukoniingenlierung fortbestehen dürfte. Der Betrieb der Brauerei Hilsebein wird aufgelöst, der Brauereibelricb der Hilsebeinbrauerei soll gegen einen den Zinsen- dienst übersteigenden Miclbetrag zum Betrieb einer Malzfabrik an ein Konsortium verpachtet werden, bestehend aus der Schultheiß- Brauerei, der Patzenhoser Brauerei, der Schöneberger Schloßbrauerei und der Berliner Kindlbrauerei. In der Generalversammllmg der Hilsebein-Braucrei machte der Konsul Marx als Vertreter der E n q e l h a r d t- B r a u e r e i ein höheres Angebot. Er wollte die Aktien mit 73 Proz. bezablen. Die Generalversammlung war aber von den Interessenten der Aktien- brauerei Friedrichshain vollkommen beherrscht und nahm ohne Rück- sicht auf die nicht vertretenen unabhängigen Aktionäre das Angebot der Brauerei Friedrichshain �n. Die Theater- u n d S a a l b a u A.-G., die eine Gründling des verflossenen Fnrstenkonzerns ist, hat für das abgelaufene Ge- schäflsjahr eine Erhöhung ihres Verlustvortrages um 1062 M. auf 581 927 M. zu verbuchen. Die Hotelgesellschafr Ex z e l s i o r wurde zum Buchwert abgestoßen, das Thealer am Nollcndorfplatz und der M o z a r t s a a l sind auf mehrere Jahre verpachtet. Reichsbank und Devisenregulieruug. Der Reichsbankausweis vom 36. November bietet folgendes Bild: 1915 2 472 562— 2 435 254 668 621 9 154 4 671 790+ Gegen die Vorwoche 887 566 -j- 11187 — 11 180 15 748!+ 34 684+ 269 569— 4 996 3 094 3 211 9126 180 OOOj 80 5501 (unver.) (unver.) 412|+ 234 544 1587 8471— 135 500 294 3191+ 2 940 Aktiva in 1660 M. 1916 2 534 945+ .!2 518 488+ . 315 8321+ 2 838!— | Gegen die Vorwoche 428 257 33 934 16 095 8 075 687— 307 882 12 4681+ 1 682 75 482+ 3 691 674 938 i— 6 970 180 666(unver.) . � 85 471(unver.) .|7 333 660+ 206 644 .j3 661 917— 511949 . 4310821+ 20143 Metallbestand... Davon Gold.. Kassenscheine Noten anderer Banken Wechsel, Schecks u. Schatz anweisungen... Lombarddarlehen.. Estektenbestand... Sonstige Aktiva... Passiva in 1006 M. Grundkapital... Reservefonds.... Notenumlauf Depositen... Sonstige Passiva.. Die Golddeckung des Notenumlaufes beträgt 34 Proz., der ge- samten täglich fälligen Verbindlichkeiten(Notenumlauf und Depo- firen) 23,6 Proz. � Trotz der Goldsammlungen hat der Goldbestand nur eine un- wesentliche Vermehrung erfahren, offenbar, weil die Reichsbank Gold zur Deckung von Verbindlichkeiten ans Ausland abgegeben hat, damit die Nachfrage nach ausländischen Zahlungsmitteln und ihr Preis nicht mehr gesteigert werden. Die Hausse in ausländischen Zahlungsmitteln ist am o. Dezember zu einem Stillstand gekommen, der hoffentlich von Dauer sern wird. Die Parität mit der im AuSkand erfolgten Notierung der Reichsmark ist allerdings noch nicht erreicht. Nur der Kurs der österreichischen Krone ist weiter um eine halbe Mark gesunken. Der Notenumlauf hat trotz der Propaganda für den bargeld- losen Zahlungsverkehr eine Steigerung von 266 Millionen Mark erfahren; außerdem sind 168,9 Millionen Mark Darleh.Ts kästen scheine dem Verkehr übergeben worden. Tic Elektrisierung Württembergs. Die Vereinigungen württembergischer Elektrotechniker und Ingenieure beschäftigten sich auf einer Versammlung in Stuttgart mit dem Plane einer Vereinheitlichung den gesamten Erzeugung elektrischer Kraft in Württemberg. Zurzeit sind in Württemberg 273 selbständige Elektrizitätswerke vorhanden. Als Nachteile dieser Zersplitterung wurde das wesentlich kostspieligere Arbeiten kleine- rer Betriebe bei Kraftanlagen, das vorzugsweise Arbeiten mit Dampf wegen der großen Kosten der Wasserkraftaulagen und das bisherige Unbenütztlassen von noch etwa 66 666 Pferdekräften so- wie die sehr unvollkommene Ausnutzung der vorhandenen Ma- schinen angeführt, wozu als Folge dieser Nachteile ein Verhältnis- mätzig hoher Erzeugungs- und somit auch Bezugspreis der elek- irischen Kraft kommt. Nach dem Kriege werde ein erböhles Be- dürfnis nach Ersatz der teuren Menschenkraft durch Maschinen und damit eine Steigerung des Bedarfs an elektrischer Kraft auf mindestens das Dreifache erwartet. Daraus wurde die Notwendig- keit gefolgert, die Erzeugung elektrischer Kraft für ganz Württem» berg umzugestalten und zusammenzufasten. Es wurde ein allge- meiner Entwurf vorgelegt, in dem acht Mittelpunkte(Heilbronn. Ellwangen, Göppingen, Ulm, Aulendorf, Rottweil, Tübingen. Stuttgart) vorgesehen sind, von denen aus ganz Württemberg und Hohenzollern durch Hochspannungsstrom von 166 666 Polt mit Elektrizität versehen werden könnten. An drei Stellen sind Per- bindungsleitungen zu etwaigem Ausgleich mit zwei badischen und einem bayerischen Werk angenommen. Die Kosten der ganzen An- läge, einschließlich Erwerbung der vovhandenen Werke, sind auf 166 Millionen Mark veranschlagt, wozu 54 Millionen auf Wasser- kraftanlagen, 27,6 Millionen aus Dampfanlagen und der Rest auf Spannungswandler, Hochspannungsleitungen, Fernsprech- und Ausgleichsanlagen kämen. Bei Abnahme eines Bedarfs � von 460 Millionen Kilowattstunden im Fahr ist ein Betriebsüberschutz von 6 Millionen Mark und damit eine Verzinsung von etwa 6 Proz. berechnet. Die Mitwirkung des Staates wurde für die Durchfüh- rung der Sache als erforderlich bezeichnet; der Gedanke eines Staatsmonopols wurde abgewiesen; als die für die württembergi» scheu Verhältnisse günstigste Lösung wurde ein gemischt-wirtschaft- liches Unternehmen von Staat, Gemeinden und Privaten emp- fohlen._ Teueres Geld in den Bereinigten Staaten. Die sckion erwäbnte Geldtenerung in den Verciniglen Staaten hält an. An der New- Aorker Montagböne wurde als der Durcbicbnillsiatz für tägliches Geld 6 Proz., iür den Börsenschluß gar 7 Proz. notiert. Die Bank- ausweise zeigen eine starke Kreditanipannung. Die Börse war unter Einfluß der unbefriedigenden Geldverhältnisse flau. Die Aus- nähme von Anleihen durch die Verbandsstaaten wird dadurch der« leuert und erschwert._ Mus der Partei. Potsdam-Tpandau-Osthavclland. Wie uns berichtigend mit- geteilt wird, sind in der Kreisgeneralversammlung bei der Abstim- mung über die Frage, ob ein Kandidat der Mehrheit oder der Opposition aufgestellt werden solle, nicht 14, sondern 15 Stimmen für die Mehrheit abgegeben worden. Bei der Wahl der Kandidaten wurde ein Zettel unbeschrieben abgegeben. Gerichtszeitung. �Schöll war das nicht, Herr Meyer." Mit diesen Worten kennzeichnete ein Arbeitgeberbeisitzer der Kammer 2 des Gewerbegerichts das den Gegenstand der Verhand- lung bildende Verhalten des Beklagten Meyer, der Inhaber eines Putzgeschäfts ist. Nach dem in der Hauptsache nicht bestrittenen Vortrag des Klägers ist seine Tochter am 1. April als Lehrmatchen in das Geschäft des Beklagten eingetreten. Es wurde mündlich vereinbart, daß das Lehrverhältnis zwei Jahre dauern, die ersten vier Wochen als Probezeit'gelten, das Lehrmädchen in den ersten sechs Monaten nichts und in der Folgezeit monatlich 16 M. er- halten sollte. Tic Abschließung eines schriftlichen Lehrvertrags wurde in Aussicht gestellt, aber vom Beklagten nicht erfüllt. An- fang September sprach die Mutter des Lehrmädchens be,m Be- klagten vor und ersuchte um Ausfertigung des schriftlichen Vcr- trags. Tie Mutter wurde auch jetzt noch vertröstet, jedoch sagten bei dieser Gelegenheit Herr und Frau Meyer, daß sie mit dem Lehrmädchen zufrieden seien. Hierdurch beruhigt, drängte die Mutter nicht weiter auf den Abschluß des schriftlichen Vertrags. Doch bald darauf hatte sie Veranlassung, dieses Versäumnis zu bereuen. Ende September, also genau nach Ablauf der icchS Monate, für welche das Lehrmädchen keine Zahlung zu bean- spruchcn hatte und der Zeitpunkt eintrat wo sie monatlich 16 M. erhalten sollte, wurde sie entlassen mit der Angabe, sie ergne sich nicht für das Putzfach.. n � � � Auf die vom Kläger geforderte Fortsetzung des �.chrverhalt- nisses wollte sich der Beklagte nicht einlassen. Auch die Zahlung einer Entschädigung an die Entlassene lehnte der Beklagte ganz entschieden ab. Er berief sich darauf, daß ja das Gcictz verlangt, Lehrverträge müssen schriftlich abgeschlossen werden.-t« ein schriftlicher Vertrag nicht abgeschlossen sei, habe er, der Beklagte, keine Verpflichtung gegenüber dem entlassenen Madchen. Diesen Standpunkt des Beklagten kennzeichnete der Vorsitzende mit den Worten: Es ist weder moralisch noch entspricht es den guten Sitten, datz Sie sich auf das Fehlen der vorgeschriebenen Vcrtragsform berufen, welches Sie selbst herbeigeführt haben. Vater und Mutter des entlassenen Lehrmädchens verwiesen darauf, datz ihre Tochter in den nächsten Monaten, die für das Putzsach die stille Zeit seien, keine Möglichkeit habe, die Lehre in einem anderen Geschäft fortzusetzen. Deshalb wollten sie vom Be- klagten eine angemessene Entschädigung haben.— Eine solche konnte ihnen aber� da ein schriftlicher Lehrvertrag nicht abge- schlössen war, durch Urteil nicht zugesprochen werden. Deshalb begnügten sie sich mit einer Abfindung von 25 M., die ihnen der Beklagte nach langem Sträuben im Vergleichswege zahlte. Eingegangene Druckschriften. Universal-Bibliothek 58kl— 5663: Als Kriegsfreiwilliger nach Frankreich 1813. Von W. Alexis.— 5864: Kabarett. Bon®. Zh Kruse. — 5865; Tie Entgleisten und andere Novellen von J. Trmius.— 5866—5869; KrieasgefeNc des Teutichcn Striches. 4. Heft. Heraus. gegeben von K. Pannicr.'— 5870: Meine fixe Idee. Von Klara Blüthgen.— 5871: Gedichte von K. Stieler.— 5872: Das Rote Krenz. Dargestellt von Dr. W. Boethke.— 5873: Scbattian. Tragödie von K. Geucke.— 5874: Hönning, der Sturmer. Wittenseer Kriegs- geschichtet, von S>. F. Gerhard.— 5875: TaS deutsche Zeitungswefe». Von E. Feldhaus.— 5876—5880: Tie ewige Schmach: Gciielroman von Erica Grupe-Lörcher.— 5886: Tes Königs Befehl. Lustspiel von C. Toepjer— 5888: Ledige Mütter. Volksstück von P. Zoder.— Einzelnummer geh. 20 Ps.- Pb Reclam.� Leipzig Jndicnkahrt. Von V. BonselS. 5 M., gebd. 6,50 M.— Rütte» u. Loening, Franksurt a. M. � Programm und Organ, sation einer Heilschule für KnegS» 1 beschädigte. Von R. Bachmcier. 1 M.— E. Marhold, Halle a. S. Verantw. Red alt.: Herm. Müller, Tempelhof. Inseratenteil verantw-Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlogsanst.Paul Singer i Co., Berlin SW, Hierzu 1 Beilage und UnterhalwugStl. ütjss 33. Keilaße iles Lomarts"§n\m Wldsbllltt. politische Ueberslcht. Abgeordnetenhaus. Anträge zur Ernährungsfrage. Die Erörterung der Anträge zur Ernährungsfrage. die das preußische Abgeordnetenhaus am Dienstag begann, bildete nur einen schwachen Widerhall der langwierigen Debatten, die vor einigen Wochen im Ausschuß und im Zteichstag gepflogen sind. Die Mehrheitsparteien betonen zwar bei jeder Gelegenheit, daß sie infolge ihrer größeren Sachkenntnis weit eher berufen seien, über die Ernährungs- Politik zu urteilen, als die Mitglieder irgendwelcher anderen Parlamente, aber den Beweis dafür haben sie nicht erbracht. Gewiß kann man dem Ausschuß das Zeugnis nicht versagen, daß er fleißig gearbeitet hat, aber das Ergebnis seiner Beratungen erweckt doch den Anschein, daß er sich allzusehr von den Rücksichten auf die Interessen der Erzeuger hat leiten lassen. Diese Rücksicht kam auch zum Ausdruck in den Ausführungen des Konservativen v. d. Osten, der als erster Redner in der Debatte das Wort ergriff, die Landwirte gegen den Vorwurf der Zurückhaltung von Lebensmitteln in Schuh nahm und davor warnte, daß man auf die Preise allzu viel Gewicht lege. Allerdings, darin hat Herr v. d. Osten recht, daß es besser ist, es ist etwas da, als daß nichts da ist, aber eS wäre uns erwünscht gewesen, wenn er auch gleich angegeben hätte, wie denn die große Masse der Bevölkerung bei für sie unerschwinglich hohen Preisen ihr Dasein stiften soll. Auf den Hieb, den er am Schluß seiner Ausführungen nach dem Rezept der „Deutschen Tageszeitung" gewissen neutralen Friedens- Vermittlern versetzte, von denen er behauptet, sie wollen uns mit heuchlerischer Geste in die Arme fallen, lohnt eS sich nicht, einzugehen. Aus den Reden der Abgg. B r u st(Z.) und v. Campe (natl.) ging hervor, daß sie sich des Ernstes der Lage voll bewußt sind. Eine eigenartige Auffassung über das Wesen des Sozialismus trat dabei in den Worten des national- liberalen Redners zu tage, der anscheinend den Unterschied zwischen dem von uns angestrebten FriedcnssozialismuS und dem Kricgssozialismus der herrschenden Kreise nicht bc- griffen hat. Die Debatte wurde auf Mittwoch vertagt; auf der Redner- liste steht dann zunächst Genosse Braun. Ein prcnstisches Burgschaftssichernngsgesetz. In dem Einwurf eines Wohnungsgesetzes war angekündigt worden, daß die Regierung abgesehen von den 2t) Millionen Mark, die sie zur Förderung der gemeinnützigen Lauläligkeit verlangt, noch die Bereilstellung besonderer staailicher Miuel zur Üebernahme der Gewähr für zweite Hypotheken gemeinnütziger Bauvereine plant. Dieser Ankündigung hat sie nunmehr die Tat folgen lassen, sie hat den Entwurf eines Gesetzes über die staatliche Berbürgung zweiler Hypoiheken, das sogenannte Bürgschafls- sicherungSgesetz, eingebracht, das den Finanzminister ermächtigt, zwecks Förderung der Herstellung gesunder Kleinwohnungen die Bürgschaft für zweite Hypotheken namens des Staates zu übernehmen. Die Hypotheken müssen von anderer Seite an gemeinnützige Bauvereini- gungen unter Ausschluß der Kündbarkeit auf dieDauer von mindestens 1» Iahren gewährt sein. Das verbürgte Darlehen soll einschließlich vorgehender oder gleichstehender Hypotheken üb Proz. der Selbstkosten nicht übersteigen, die der Schuldner für den Erwerb und die bau- liche Erschließung des belasteten Grundstücks, für die Errichtung der auf ihm stehenden Baulichkeilen und die Beschaffung ihres Zu« behors auswenden, es muß mit mindestens IVs Proz. des ursprünglichen Betrages unter Hinzurechnung der ersparten Zinsen getilgt werden. In Ausnahmefällen kann die Bürgschaft auch bis zum vollen Betrage der Selbstkosten des Baues ohne Berücksichtigung des Wertes von Grund und Boden gehen. Zur Deckung der dem Staate aus den Bürgschaflsverlrägen erwachsenden Verpflichtungen wird der preußischen Zentralgenossenschastskasse ein Betrag von zehn Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Die Regierung hat sich also zu der Erkenntnis durchgerungen, daß die Beschränkung der staatlichen Wohnungssürsorge auf einen bestimmten Persvnenkreis nicht mehr der Bedeutung gerecht wird, die das Wohnungswesen für die Gesundheit der Nation nach den schweren Verlusten des Krieges gewonnen hat, sondern daß vielmehr alles daran gesetzt werden muß, damit unser Volk die ungeheure Einbuße an Kräiten möglichst rasch wieder weit macht. Dies soll dadurch geschehen, daß auch der Staat die unmittelbare Fürsorge für das Kleinwohnungswesen als seine Ausgabe anerkennt. Organisation des Hilfsdienstes. Nachdem der Bundesrat am Montag dem Gesetzentwurs über den Vaterländischen Hilfsdienst zugestimmt hat, bleibt ihm noch übrig, die Ausführungsbestimmungen zu beschließen. worauf der Reichstagsausschuß zusammentreten wird, um an der Ausführung des Gesetzes mitzuwirken. In dem Ausschuß sind alle Parteien entsprechend ihrer Stärke vertreten: das Zentrum durch Spahn. Gröber und den Fabrikbesitzer Müller- Fulda, die Sozialdemokratische Fraktion durch den ersten und zweiten Vorsitzenden der Generalkommission der Gelverk- schasten Deutschlands Legten und Bauer sowie durch den Parteivorsitzendcn Eberl, die Nationalliberalen durch Bassermann und den Präsidenten des Hansabundes Dr. R i e ß e r, die Konservativen durch Graf Westarp und den Rittergutsbesitzer und Fabrikbesitzer Schiele, die Freisinnigen durch den Bergrat G o t h e i n und den Fabrikbesitzer C a r st e n s, die Deutsche Fraktion durch den Ivelfischen Abgeordneten und Rittergutsbesitzer v. Wangen- heim, die Soz. Arbeitsgemeinschaft durch Dittmann und die Polen durch S e y d a. Auch sind Stellvertreter vor- gesehen worden, so daß auch Arbeitersekretäre aus den nicht- sozialdemokratischen Parteien für die Ausführung des Gesetzes herangezogen werden können. Blättcrmeldungen zufolge ist der Vorsitzende des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Alexander Schlicke, als Dezernent für Arbciterstagen in das Kriegsamt berufen worden. Ueblc Methode. Die.Köln. Volkszig.". das große ZenlrumSblatt am Rhein, hat neulich verlangt, daß Deutschland Antwerpen„in der Hand bc- halten" müsse, setz, verlangt es tu einer Nachschrift Zeebrügge und Ostende dazu, weil sonst.Antwerpen in der Luft schweben" würde. Am 3. Dezember hat Spahn in Bonn eine Rede gehalten, in der er Gebietserweiterungen und andere reale Garantien verlangte, (wobei er freilich hinzujügle, man solle die Frage der Grenzfest- setzung vorsichtig behandeln, um nicht unnötigerweise im Ausland Beunruhigung zu verbreiten). Auf der anderen Seite entwickelt Herr Abbü Wetterlö, unser gewesener ReichSmitbürger, in Frankreich eine Agitation, die nicht allen Franzosen gefällt. In der.Humanile" beschäftigt sich Pierre Renaudel mit ihr unter der Ueberschrift.Ueble Methode".„Herr Abbs Wetterlä", heißt es da,«sührt seine Beredsamkeit in zahl« reichen Versammlungen spazieren". Es wird dann ausdrücklich fest- gestellt, daß Wetterles Kriegspolitik.nicht die unsere", d. h. die der sranzösiscben Sozialisien, sei und daß sie dem Burgfrieden wenig diene. Renaudel klagt, daß andere nicht dieselbe Redefreiheit ge- nössen, wie dieser kriegerische Abba. Die Herren von beiden Seiten sollten öfter daran denken, daß der Krieg für die deutschen wie für die frazösischen Katholiken eine bittere Notwendigkeit darstellt, die der Papst tief beklagt. Der württembergische Ministerpräsident zur Lage. In der Zweiten württembergifchen Kammer, die am Dienstag ihre Beratungen begann, hielt Ministerpräsident Frhr. v. Weizsäcker eine Ansprache, in der er nament- lich an das G e m e i n g e f ü h l des einzelnen im Sinne des Hilfsdienstgesetzes mit warmen Worten appellierte. An jeben ergehe jetzt der Ruf, gemäß freiwilligem Entschluß und gemäß dem Gesetz auch seinerseits ohne Rückhalt alles für das Ganze einzusetzen, der Arbeit für das öffentliche Wohl zu leben und nur dieser allein. Jedes fertiggestellte Geschoß habe draußen in der Hand unserer Soldaten sein notwendiges Ziel. Jeder Ernteivagen, der eingebracht wird, sei für das allgemeine Durch- halten bestimmt. Industrie und Landwirtschast, Gewerbe in Stadt und Land finden sich zusammen in der einen Kriegsarbeit. Ueber die Friedcnsaussichten führte Herr Weiz- säckcr aus: „Kam alledem hohnsprechend, was man von menschlicher Vernunft erwarten mochte, der Friede noch nicht, so trifft die ungeheure Blutschuld wiederum die Staatsmänner der feindlichen Staaten. Aber macht sich ihre Bevölkerung nicht mitschuldig, wenn sie sich so leicht und so gern immer und immer wieder betören läßt über unsere angebliche Schuld am Aus- bruch des Kriegs, über die Tragweite der Niederlagen, die sie so offenkundig ringsum erlitt, über die venneintliche Aussicht, daß sich das Kriegsglück noch zu ihren Gunsten wenden könnte?" Herren und Händler. Heute lvird sich das preußische Herreuhaus mit einem Antrage v. H ertzberz-Lottin zu beschäftigen haben, der die Regierung auffordert,„im Bundesrat dahin zu wirken, daß das Einfuhrmonopol der Zentral-Einkaufs- g e s e l l s ch a f t beseitigt oder doch erheblich eingeschränkt wird". Es besteht keine Aussicht, daß diesem Verlangen statt- gegeben wird, auch wenn der Antrag einstimmige Annahme finden sollte, was freilich nicht zu erwarten ist. Zu besorgen ist höchstens, daß dieser Vorstoß gegen die mühsam durch- geführte Zentralisierung fast der gesamten Lebensmitteleinfuhr aus den neutralen Ländern die Agitation gewisser Handels- kreise fördert, die ohne Rücksicht auf die durch den Krieg und namentlich durch die englischen Absperrungsmaßnahmen geschaffene Lage bei jeder Gelegenheit die Freigabe des Einfuhrhandels fordern. Die breite Masse des Volkes, in- sonderhcit die Arbeiterschaft, hat hieran kein Interesse. Für sie kommt es vielmehr darauf an, daß die Waren, die gegenwärtig nach Deutschland eingeführt werden können. nicht durch das Dazivischentreten zahlreicher Händler im Preise getrieben und dadurch den Verbrauern verteuert werden. Die Z. E. G. ist im Volke nicht beliebt. Der Grund liegt in den Fehlern, die bei der Verteilung der Nahrungsmittel begangen worden sind. Dank einer übertriebenen Geheimnis- tuerei wissen nur sehr wenige Menschen, daß dies heute gar nicht mehr Ausgabe der Z. E. G. ist, sondern des Kriegs- ernährungsam tes und seiner Verteilungsstellen. Viel Aerger wird auch durch die oft allzu bureaukratische Hand- habung des Beschlagnahmerechtes, besonders gegenüber kleinen Postsendungen einzelner Privatleute, hervorgerufen. Dergleichen Ungeschicklichkeiten werden dann von den Handels- treibenden, denen durch das Einsuhrmonopol viele fette Kriegsgewinne entgehen, ausgenützt, um gegen das Prinzip Stimmung zu machen und den„bewährten Einfuhr- Handel" in Empfehlung zu bringen, der angeblich alles viel besser gemacht hätte. Es gehört aber nicht viel politisches Verständnis dazu, um einzusehen, daß diejenigen, die hatte in Regierung und Verwaltung— und ebenso in den kriegswirtschaftlichen Organisationen den maßgebenden Einfluß ausüben, sicher die Letzten sein würden, dem privaten Kapital eine aus der Friedenszeit gewohnte Tätigkeit zu verwehren, wenn auch nur die geringste Möglichkeit bestände, daß diese Tätigkeit heute noch ohne schwere Nachteile für die Versorgung des Volkes mit billigen Nahrungsmitteln ausgeübt werden könnte. Wir haben im Gegenteil den Vorwurf zu erheben, daß die weitsns meisten Einfuhrmonopole viel zu spät eingeführt worden sind, nämlich immer erst dann, wenn durch den Wettbewerb der viel zu vielen Aufkäufer die Preise auf eine unerträgliche Höhe getrieben waren. Viele Millionen Mark sind auf diese Weise zum Schaden der deutschen Volkswirtschaft aus den Taschen notleidender Verbraucher in die Geldschränke in- und ausländischer Händler geflossen, die bekanntlich das Ein- und Ausfuhrgeschäft nicht um der schönen Augen des deutschen Volkes willen betreiben, sondern um zu— verdienen. Jeder Arbeiter, Angestellte oder Beamte, auch der nicht sozialistisch geschulte, wird leicht begreifen, daß auf einem abgesperrten Mcirtt ein einzelner billiger in den Besitz der überhaupt verfügbaren Ware ge- langen kann, als eine Mehrzahl von Käufern, die sich not- gedrungen gegenseitig überbieten müssen, um möglichst große Anteile an dem Vorrat zu erhaschen. Aber die Leiter der Z. E. G.. die ja selbst Kaufleute sind, haben anscheinend kein Interesse daran, durch geeignete Aufklärung an der Ver- breitung dieser einfachen Wahrheit mitzuwirken. Herr v. Hcrtzberg spricht in der Begründung seines Au- träges auch von den„großen Gewinnen", mit denen die Zentral-Einkaufsgesellschast ihre Waren verkaufe. Möchte die Z. E. G. nicht wenigstens so iveit aus ihrer vornehmen Reserve heraustreten, daß in Zukunft jedes Mitglied des Herrenhauses Hussen kauu, daß die Z. E. G. eine gemein- n ü tz i g e Gesellschaft ist. die von der Reichsregierung über- wacht wird und satznngsgemäß gar keine Gewinne erzielen darf? Das Reichskommissariat für Uebergangswirtschaft und die Arbeiter. Auf eine Eingabe aller großen Gewerkschastszentralen und Angestelltenverbände jeder Richtung, ferner des Bureaus für Sozialpolitik und der Gesellschaft für soziale Reform, bc- treffend Zuziehung von Arbeiter- und Angestelltenvertrcterii zu der neuen Dienststelle für Uebergangswirtschaft hat jetzt der Reichskanzler folgende Antwort gegeben, die in der „Sozialen Praxis" veröffentlicht wird: „Berlin, den 2. Dezember 1916. Auf die gefällige Eingabe von, 1». v. MtZ. erwidere ich er» gebenst, daß die Aufgabe des Reichskommissars für Uebergangs- Wirtschaft dahin begrenzt ist, daß er für die Versorgung der Industrie mit den d r i n g e n d st e n R o b st o f f e n für die ersten Monate nach Friedensschluß betraut ist. Die Ueberführung unserer Kriegswirtschaft in den Friedenszustand umsaßt zweifellos ein sehr viel weiteres Gebiet. Dazu gehört, wie auch der Herr Staats- iekretär des Innern nach der in der Eingabe angezogenen Ausschuß- sitzung am 14. Oktober im Reichstage erklärt hat, in erster Stelle die Arbeiterfrage. Dieser Bedeutung entsprechend wird sie im Reichsamt des Innern schon bisher bearbeitet. ES läßt sich zurzeit noch nicht übersehen, ob auch hierfür eine bc- sondere Organisation geschaffen werden muß. Sollte dies der Fall sein, so wird der Herr Staatssekretär des Innern die großen Jnter- essenvereinigungen, also in erster Linie die Organisationen der Arbeiter und der Angestellten hieran beteiligen. gez. v. Bethmann Hollweg." Die Fragen der Arbeitsvermittlung und der Arbeitslosen- Versicherung können gar nicht früh genug in Angriff ge- nommen werden. Wie will man das aber mit Herrn Helfferich?_ Schnaps ist überflüssig. Herr v. Bawcki hat sich kürzlich im Reichstagsausschuß gegen Hie Beschlagnahme des im Konsum be- ftndlichen Schnapses in„Rücksicht auf die Versorgung der Bepölke- rung" ausgesprochen. Der Verein abstmenter Aerzte und gleich- gerichtet« Organisationen richten nun ein offenes Schreiiben an Herrn v. Batoeki, in dem sie ausführen, daß her Verzicht auf den Schnaps für die Arbeiter einen großen Vorteil bedeutet. Weniger Rindvieh— mehr �sett! In der KönigSberger„Hartungschen Zeitung" führt der oft- preußische Gutsbesitzer Zielte aus, daß bei Erhaltung des Rinderbestandes unter dürftiger Fütterung die Produktion an Milch und Fett ständig gesunken ist. Die Knappheit an Milch und Butter wäre nicht so groß geworden, wenn ein richtiges Verhältnis zwischen Futtermenge und Viehbestand von vornherein geschaffen worden wäre. Durch erhebliche Verringerung der Kuhherden würden wir mehr Fleisch erhalten, die Produktion an Milch aber nicht schwächen, da die leistungsfähigsten Tiere gehalten werden müßten. Noch größer wäre die Wirkung der starken Ein- schränkung der Aufzucht der diesjährigen Kälber, die uns doch erst nach zwei und drei Jahren einen Nutzen bringen. Die Schwierig- leiten des Fehlens dieses Jahrganges würden schon überwunden werden. Allein im preußischen Staat werden jährlich zwei Millionen Kälber zugelegt. Jedes Kalb braucht 259 bis 300 Liter Vollmilch. Aus dieser Milch könnten 20 Pfund Butter gewonnen werden. Ein Verzicht auf die Aufzucht eines Jahrganges bedeutet also, daß 4 Millionen Schwerarbeiter pro Kopf ein Mehr von 10 Pfund Butter erhalten könnten. Das Gros der Kälber sollte man opfern. Es sei das sicher eine sehr eingreifende Maß- regel, aber in der heutigen bitterernsten Zeit dürfe man vor nichts zurückschrecken._ Die Zuckerversorgung des Wirtschaftsjahres Für die Zuckerversorgung des Wirtschaftsjahres 1917/18 sind durch Bundesratsverordnung vom 2. Dezember 1916 ab die gesetz- licb«. Grundlag«, geschaffen worden. Zur Förderung des Rüben- anbaues ist ans drillenden Wunsch der Rübenbauer die zur Ruck- gäbe an sie frei gegebene Menge von nassen und trockenen Schnitzeln für 1917/18 um volle 10 Proz. auf 85 Proz. erhöht worden. Außer- dem dürfen ihnen künftig entsprechend ihren Nübenkieferungen 10 Proz. der Rohzuckermelasse zurückgegeben werden. Ferner soll dem Rübenanbau durch Zuweisuiu} von Arbeitern besonders von Kriegsgefangenen, ferner durch eine Sonderzuteilung künstlichen Düngers, jede mögliche Produktionserleichterung ge- währt werden. Eine Erhöhung des ZuckerrübenpreiseS auf 3 Mark, wie sie von Interessenten angeregt war, wurde nicht als gerechtfertigt aner- kcmnt; ein gesetzlicher Mindestpreis von 2 Mark ist als ausreichend, aber auch als unbedingt erforderlich erachtet worden, um den Rübenbau nicht nur der günstigst wirtschaftenden Gegenden auf der jetzigen Höhe zu halten. Aus der Gnmdlage dieses Rübenpreiscs ist der Rohzuckerpreis zum Herbst 1917 festgesetzt worden, dabei ist der den Fabrikanten für die Verarbeitung zukommeirde Betrag auf der Höhe des Vorjahres gehalten. Das Abkomme« der Schweiz mit Deutschland. Im schweizerischen Nationalrat erklärt« der Vorsitzende des Neutralttätsausschusses Spahn, das Abkommen mit Deutschland gewähre der Schweiz, was man billigerweise habe erwarten können, und wenn auch nicht alle Wünsche erfüllt worden seien, so sei das zu verstehen angesichts der schwierigen Lage, in der die Schweiz das Abkommen habe schließen müssen. Im Namen des einmütigen Ausschusses gab Spahn die Erklärung ab, daß er auf Grund der Eröffnungen des Bundesrats sowohl in bezug auf das Abkommen als in bezug auf die Note an den Viervevband da? Vorgehen des Bundesrats billige. Der österreichische Reichsrat. Aus Wien wird der„Franks. Ztg." gemeldet, daß die Vor- besprechungen der Regierung mit den Parteien in den nächsten Tagen ihren Anfang nehmen werden. Für den 9. Dezember ist eine Sitzung des gemeinsamen Ausschusses der Teutschnationalcn und Ehristllch-Sozialen geplant. Die Notwendigkeit des gemein- samen Vorgehens aller deuffchen Parteien auch mit den deutschen Sozialdemokraten werde sich von Fall zu Fall ergeben.— /lbgeorönetenhaus. 2. Sitzung. Dienstag, den 5. Dezember 1916, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Loebell, v. Schorlemer, v. S y d o w. Auf der Tagesordnung steht die Besprechung der Eruähruttgtzfragen. Die Kommission— Berili?terstatter Abgg. Lipp mann(Vp.) und Dr. H o e s ch(k.)— legt 24 Anträge vor, die Maßnahmen zur ausreichenden Versorgung mit Kartoffeln, Obst, Süßstoff, Milch. Fleisch, Felt usw. vorschlagen. Sämlliche» Geflügel ist danach u. a. von der Verbrauchsregelung auszunehmen. Weiter soll in den Vor- stand des Kriegsernährungsamles ein Vertreter des Kleinhandels und ein Vertreter de? Verbandes der preußischen Landkreise berufen werden und in die beim Reichskommissariat für Uebergangswirtschaft ?« Bflbettben SondermiSsKüff« f offen Vertreter bc5 Handwerks, de? Kleinhandels und der Arbeiter berufen werden. Die Abgg. Braun(Soz.) u. Gen. beantragen außerdem, die wöchentliche Fleischration auf 400 Gramm allgemein und auf 500 Gramm für die Schwerarbeiter zu erhöbe»; Herabsetzung der Preise für Fleisch, Fett. Fische, O b st; Ein- Beziehung aller Arten Fleisch, Wild, Geflügel und Fische in die öffentliche Bewirtschaftung: Sicherstellung der Kar- toffelzufuhr, Beschlagnahme der Zwiebeln und Zuführung an die Verbraucher zu Höchstpreisen durch die Gemeinden: recht- liche Gleich st eilung der ländlichen Arbeiter und Ar- bciterinnen mit den gewerblichen zwecks Hebung ihrer A r- b e i t S f r e u d i g k e i t. Abg. Dr. v. d. Osten(k.): Keinerlei Zurückweichen vor Strönrungen im Wolke, mögen sie so groß sein, wie sie wollen, dürfen uns der- bindern das zu tun, was wir nach unserem sachlichen Ermessen für richtig halten. Das Ende dieses Krieges wird uns sicher nicht vor das Ende der Ernährungsschivierigkeiten stellen. Es wird nach dem Kriege ein Wettlauf aller am Kriege beteiligten Nationen einsetzen, um die dann noch vorhandenen Güter an sich zu reißen. Wir werden da keinen leichten Stand haben, unsere Valuta wird uns Schwierigkeiten machen. Es muß daher vor allem Vorsorge für eine lange Ucbergangszeit nach dem Kriege getroffen werden. Es kommt darauf an, um jeden Preis Vorrat� zu schaffen und anzusammeln. Demgegenüber muß die Sorge für angemessene Preise, auch die Sorge für die Verteilung in zweiter Linie st ehe n.(Sehr richtig I rechts.) Die Landwirte sind ihren Pflichten in weitestem Maße nachgekommen.(Bravo I rechts.) Trotz des Mangels an Gespannen haben die Landwirte auch ihr Möglichstes zur Bergung der Kartoffelernte getan. In einzelnen Fällen mögen Zurück- Haltungen vorgekommen sein, räudige Schafe gibt es überall. Ein Pr o d u kt i o n s z w a n g ist in der Landwirtschaft undurch- sührbar, wir müssen an den Opfermut der Landwirte, der überall vorhanden ist, appellieren. Für die Zuckerversorgung kommt es darauf an, daß der Rübenbau lohnend gestaltet wird. Wird der Preis, um einer Stimmung entgegenzukommen, zu niedrig fest- gesetzt, so stehen wir im nächsten Jahre vor einer Katastrophe bei der Zuckerernte.(Sehr richtig! rechts.) Wenn man immer von den hohen Gewinnen bei den Zuckerfabriken spricht, liegt da wohl eine Verwechselung mit den Zuckerraffinerien vor. Sehr wichtig für die Landwirtschaft ist die genügende Gewinnung von Stick- st o f f. In beiden Fragen ist große Eile geboten. Die Rübenbauer müssen schon im Dezember in der Lage sein, eine bestimmte Rech- nung ausstellen zu können.(Sehr richtig! rechts.) Dringend not- wendig sind für den Rübenbau auch die geschickten polnischen Arbeiter.— Im übrigen verkennen wir auch nicht, daß alle ge- gebenen Mittel ergriffen werden müssen um im Interesse der Kon- sumenten die Preise nach Möglichkeit herabzusetzen.— Man sollte den Zwang nicht übertreiben. Wir schmecken jetzt ein bißchen von dem sozialistischen Zukunftsstaat. (Heiterkeit). Mir schwebt als Kulturideal vor eine Verbindung zwischen freiwilliger Unterordnung unter Slaatsnotwendigkeiten und Achtung des Staates vor persönlicher Freiheit des einzelnen. Eier und Gänse solltenderZwangsregelung nicht unterworfen sein resp. werden. Die vollständige Beschlagnahme der Wrukenernte scheint mir zuweit zu gehen; zur Streckung der Kartoffeln ist nur die Hälfte der Wrukenernte notwendig; das andere sollte zur Verfütterung freigegeben werden. Auch in der Kartoffelversorgung sollten die Beschränkungen gemildert werden, zumal eine absolut gleiche Ver- teilung ja doch nicht durchzuführen ist. Eine zu große Ab- schlachtung der Rinder, wie sie auch der Antrag Braun verlangt, ist die schlimmste A u g e n b l i ck s p o l i t i k. Wir müßten dann in einem halben Jahre überhaupt auf Fleisch ver- zichten. Die Preis- und Vorratspolitik unseres Landesfleischamts ist das einzig Richtige; da? wird mit der Zeit auch allgemein an- erkannt werden.(Sehr richtig! rechts.)— In den Entente- Ländern ist die Ernährungskrisis erbeblich größer als bei uns. jedenfalls wird sie es in nächster Zukunft werden. Es bedars vielleicht nur einer letzten energischen Anstrengung, um die dort vorhandenen Lebensmittel« und Transportschwieriqkeiten zu einer Katastrophe werden zu lassen. Bis dahin ist das Volk zu jedem Opfer bereit und wird sich durch keine Not des Augenblicks den festen Willen zum Durchhalten bis zum vollen und endgültigen Siege beugen lasten.(Bravv I) Sollte eine neutrale Macht in dieser kritischen Stunde mit heuchlerischer Geste uns in den Arm fallen und damit Deutschlands Zukunft aufs neue gelährden, so wird sich heute das Wort Friedrichs des Großen zu Beginn des Siebenjährigen Krieges gelten: die Preußen fragen nicht, wie viel sind ihrer Feinde, sondern sie fragen: wo stehen sie? (Erneutes lebhaftes Bravo!) Abg. Brust L.): Wir muffen weiter wirtschaftlich durchhalten, damit wir zu einem Siege kommen, wie ihn die herrlichen Leistungen unserer heldenhaften Truppen gewährleisten.(Bravo!) Die gegenseitigen Angriffe zwischen Stadt und Land sollten aufhören, sie sind dieser Zei'r nickt würdig. Der Worte sind genug gewechselt, wir wollen endlich Taten sehen. Abg. Dr. Campe(natl.): Auf dem schwierigen Gebiete der Nahrungsmittelversorgung ist keine Politik schlechter als eine schwankende. In der Kommission haben wir nähere Mitteilungen über die Danziger Gersten- schiebungen vermißt. Die Zwangswirtschast wird bei den notwendigsten Nahrungsmitteln nicht zu umgehen sein. Daneben ist eine möglichst weitgehende Dezentralisation notwendig. Wenn man gemeint hat, diese Regelung öffnet dem Sozialismus die Bahn, so bin ich anderer Meinung. Nach den Erfahrungen, die wir jetzt gemacht haben, wird, glaube ich, niemand wünschen, daß wir dauernd unter diesem System stehen.(Abg. H a e n i s ch (Soz.): Kriegssozialismus ist nicht Friedenssozialismus!) Etwas derartiges ist nur zu ertragen als Ausnahmezustand. Eine gleiche Verteilung wünschen Sie ja selbst nicht, Sie würden nicht zufrieden sein, wenn die Schwerarbeiter auch nur 6 Pfd. Kartoffeln bekämen. (Ab. Leinert: Die müffen ja auch schwer arbeiten I) Also ich gebe zu: gerettet hat unsi« Ausnahmezustand der Zwang, aber jeder Schluß daraus auf Ihr(zu den Sozialdemokraten) System ist fehlsam. Bei der Verteilung der großen Beute in Rumänien— ich meine den Weizenboden— sollten wir Deutsche unseren Bundes- genossen gegenüber nicht allzu bescheiden zurückstehen.(Sehr richtig l bei den Natl.)— Der Landwirtschaft müssen vor allem die nötigen Arbeitskräfte gesichert werden, damit sie dem Boden alles Mögliche abringen kann. Dazu gibt das Gesetz über den Vaterländischen Hilfsdienst die Möglichkeit. Daneben muß ihr genügend Dünger zur Verfügung gestellt werden. Dem einmütigen Wunsch der Kam- Mission nach gleichmäßiger Verteilung des Stickstoffes ist die Regierung bedauerlicherweise nicht nachgekommen.— Die Pteise haben vielfach eine Höhe erreicht, die kaum erträglich ist. Es ist doch nicht so gleichghltig. ob das Volk Anlaß zum Murren hat; wir haben vielmehr allen Gruud, ein möglich zufriedenes Volk zu haben.(Sehr richtig!) Die Höhe der Preise landwirtschaftlicher Produkte ist ja nicht immer Schuld der Landwirtschaft, sondern auch des Zwischenhandels. Die Milliarden, die das Reich an Unterstützungen zu zahlen hat, hängen ja auch zusammen mit diesen allzu hohen Lebensmittelpreisen. Deshalb sollte eine möglichste Herabsetzung der Preise erfolgen. Daß 400 Gramm Fleisch auf den Kopf der Bevölkerung verteilt wer.-n könnten, halte ich für eine falsche Berechnung. Die Verteilung ist keine rein arith- melische Aufgabe, sie muß erfolgen nach den Bedürfnissen in Stadt und Land.— Der Zuckerrübenbau sollte mit allen Mitteln gefördert werden, entsprechend dem großen Nährwert der Zucker- rüben. Dazu ist eine Erhöhung der Rübenpreise notwendig, die aber nur eine Erhöhung des Zuckers selbst von 32 auf 38—40 Pf. zur Folge haben würde. Das kann jeder Volksvertreter verant- worten. Das Vierteljahr nach Ostern wird in bezug auf die Ernährung sich wahrscheinlich besonders schwierig gestalten. Es wird darauf ankommen, daß das Volk sich willig in das Not- wendige fügt. Alle Energien im Volke müssen aufgerufen werden zu aktiver Tätigkeit, dann werden wir durchhalten.(Bravo!) Die Wciterberatung wird auf Mittwoch 11 Uhr vertagt. Schluß 5 Uhr._ parlamentarisches. Die Kriegsbeihilfen für Me preußischen Staatsangestellten beschäftigten eingebend den verstärkten Staatshaushalts- a u s s ch u ß des Abgeordnetenhauses. Der Berichterstatter Dr. Schröder- Kassel(natl.) kritisierte die Bekanntmachung des F i n a n z m i n i st e r s, die nicht das Richtige treffe. Der Finanz mini st er begründete das Vorgehen der Regierung, der eine Uebergehung des Abgeordnetenhauses ferngelegen habe. Die Regierung habe ihren Erlaß herausgegeben, damit die Beihilfen noch im Dezember ausgezahlt werden könnten. Beamte mit starker Kinderzahl werden f a st das doppelte Monatsgehalt bekommen. Neben dieser ein- maligen Beihilfe sollen die Kinderzulagen weiter ausgebaut werden. Mit Rücksicht auf die außerordemliche Belastung des Staatshaus- Halts dürfe man nicht allzu weit gehen, trotz allem Wohlwollen für die Beamten. Ein konservativer Redner drückt sein Befremden über das Vorgehen der Staatsregierung aus. Der Ausschuß habe sreie Hand und sei an den Erlaß des Ministers nicht gebunden. Der Finanz mini st er erwidert, daß die Regierung bei Be- soldungsfragen die Führung behalten müsse. Ob das b e- stehende Beamtenbesoldungssystem bei der nächsten Revision der Beamtengehälter eine grundlegende Aenderung erfahren solle, müsse der Zukunft überlassen werden. Eine Einbeziehung der M i t t e I s ch u I l e h r e r in die vorliegende Regelung müsse er ab- lehnen, da diese Beamten lediglich von den Gemeindeverwaltungen zu besolden sind. Ein nationallibcraler Abgeordneter bedauert gleichfalls, daß die Regierung einseitig vorgegangen sei, wodurch die Er- örterungen im Ausschuß nur akademischer Natur sein könnten. Er gibt die Anregung, künftig kinderreiche Familien ganz besonders zu berücksichtigen, um so eine gesunde Be- Völkerungspolitik zu betreiben. Ein fortschrittlicher Abgeordneter erklärte ebenfalls, daß durch das Vorgehen der Staatsregierung die Volksvertretung gewissermaßen beiseite geschoben sei. Durch die vorgesehene Teuerungszulage sei der Notlage der Beamten nicht genügend Rech- nung geiragen worden, eine Erhöhung sei dringend erforderlich. Die Beihilfen für Verheiratete seien entschieden zu niedrig. Der Redner frägt, ob die Beamten, die sich chargenlos im Heere be- rnden, mit der Zulage bedacht werden sollen, er wundert sich, daß man den Arbeitern nur 1(1 M. als Kinderzulage zahle und stellt einen Antrag, daß die Teuerungszulage nicht zur Steuer herangezogen werden solle. Ein großer Teil der größeren Städte sei mit den Teuerungszulagen viel weiter gegangen, auch werde bei unseren Bundesbrüdern für die Beamten besser gesorgt. Der Eisenbahnmini st er spricht über das Einkommen der Arbeiter. Eine Verbesserung sei in dem System der Teuerungszulagen zu finden. Die neuen TeuerungS- z u l a g e n der Arbeiter seien nicht unerheblich höher als die der Beamten. Die einmaligen Zuwendungen für die Arbeiter hätten große Befriedigung hervorgerufen. Bei den Schwerstarbeitern sei es gelungen, die Ernährungsschwierigkeiten herabzumindern._ flus Groß-Seelin. In ihren Armen das Kind war tot! Wir haben in den letzten Wochen wiederholt der gemeinde- amtlichen Aufforderung gern und sofort Raum gewährt, daß man, selbst bei bloßen Verdachtsfällen, von ansteckenden Krank- heiten ergriffene Kinder ohne Verzögerung den städtischen Hospitälern zuführen solle. In einer solchen aus den Magistrats- bureaus stammenden Mitteilung hieß es bezüglich der Diphtherie- bekämpfnng, daß hier alles von dem schnellen und recht- zeitigen Einsetzen der ärztlichen Hilse abhänge; in allen Fällen von Halserkrankungen,„auch wenn sie zunächst leicht und un- verdächtig erscheinen", sollte sofort ärztliche Hilfe in An- spruch genommen werden. Und am jüngsten Montag erst hat der Magistrat veröffentlicht, daß der Gemeindebeschlutz, wonach die Aufnahme„auch bei leichteren Fällen" von Diphtherie- erkrankungen„ohne vorherige Prüfung der Kosten- frage zu erfolgen hat", ausgedehnt werden solle auf die an Scharlach, Masern und Keuchhusten erkrankten Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahre.— Alles nur Papier und Tinte!— so muß man fürchten, wenn man liest, was nach den Angaben eines Lokalberichterstatters eine junge Mutter, die Frau eines im Felde stehenden Mannes, in der Haupt- und Residenzstadt Berlin er- leben muhte: Mit ihrem toten Kinde auf dem Arme ist am Montag eine Frau den ganzen Vormittag in Berlin umhergeirrt. Eine 23 Jahre alte Frau Katzniareck aus der Gegend von Magdeburg, deren Mann im Feld« steht, kam am 13. November nach Berlin, gebar hier in einer Anstalt ein Kind und nahm dann in der Marien- straße vorläufig eine Wohnung. Das schwächliche Kind erkrankte am letzten Sonntag so schwer, daß die Mutter es in ein Kranken- haus bringen wollte. Sie fragte an mehreren Stellen an, wurde jedoch überall wegen Platzmangels abgewiesen und mutzte un- verrichteter Sache mit dem Kleinen wieder nach Hause gehen. Montaginorgen verschlimmerte sich der Zustand noch weiter, und die Frau machte sich von neuem aus den Weg. Nachdem sie den ganzen Vormittag wieder vergebliche Wege gemacht hatte, kam sie endlich mittags auch nach der Charite. Hier erkannte man aber gleich, daß das Kind, das sie auf dem Arme trug, schon tot war. Was den tragischen Vorfall anlangt, der in seiner Un- geheuerlichifeit keines Wortes der Kritik bedarf, so wird man ja hoffentlich noch erfahren, in welchen An st alten und mit welcher Bcgründuiig die unglückliche Mutter abgewiesen worden ist. Aus den städtischen Hospitälern. Das Kuratorium für die städttschcn Hospitäler hielt am 4. De- zember eine Sitzung ab, die sich mit der Feststellung des Etats be- schäfttgte. Dem Etat entnehmen wir, daß für das Hospital in der Fröbelstraßc eine Ausgabe von 781 780 M., für das Hospital in der Palisadenstraße(Friedrich-Wilhelm-Hospiwl) 301 115 M. und für das Hospital Buch 810 568 M., insgesamt 893 463 M. in Betracht kommt. Dabei ist für das Hospital in der Fröbelstraße eine Beleg- ziffer von 1320, darunter 70 in Außenpflege, für das Hospital in der Palisadeiisiraße eine Belegziffer von 620, darunter 20 in Außenpflege, und für das Hospiial Buch eine solche von 1270, 70 in Außenpflege, angenommen worden. Eine lebhafte Debatte entspann sich über die Verpflegung der Hospitaltten. Für das Hospital Buch ist ein Verpflegungssatz von 83 Pf. pro Kopf und Tag, für das Hospital in der Fröbelstraße ein solcher von 74 Pf. und für das Friedrich-Wilhelm- Hospital ein solcher von 75 Pf. angesetzt worden. Seitens der sozialdemokratischen Mitglieder des Kurawriums wurde dieser ge- ringe Satz bemängelt und darauf hmgewiesen, daß vielfach Klagen über nicht genügende Beköstigung vorlagen. Eine Re- Vision habe ergeben, daß das Mittagessen wohl als ausreichend an- gesehen werden könne, daß aber bezüglich des Brotes eine Aende- rung eintreten müsse. Durch de» llinstand, daß das Brot in Buch Abgang aufweist und etwa 150 Hospitaliten, die Arbeiten verrichten, zum Frühstück doppelt Brot gegeben wird, ist das auf den Kopf der Insassen fallende Durchschnittsguanttim geringer. Von feiten des Magistrats wurde erwidert, daß alles geschehe, um die Beköstigung ausreichend zu gestalten, daß aber, den Kriegsver- hältnissen Rechnung tragend, auch die Insassen der Hospitäler nicht mehr als die gewöhnliche Brotration erhalten können. Zugesagt wird, nochmals in eine Prüfung einzutreten. Des weiteren wurde bemängelt, daß d« Satz der diätettschen Verpflegung der Kranken von Jahr zu Jahr in allen drei Hosp:- tälern zurückgegangen ist. So betrug er in d»r Anstalt Buch im Fahre 1S13 2523 M., 1914 2360 M., im Jahre 1915 2725 Mark und ist jetzt angesetzt mit 2760 M. Für die Anstalt in der Fröbelstraße betrug der Satz 1912 12 345 M.. 1913 11 572 M.. 1914 7134 M., 1915 6786 M. Da es sich in dieser Anstalt um sieche und äußerst schwerkranke Personen bandelt, sind wiederum 10 500 M. für das neue Etatjahr in Ansatz gebracht worden. Für das Friedrich- Wilhslm-Hospital betragen die Sätze 1913 1880 M., 1914 1278 M., 1915 613 M.; angesetzt sind wiederum 1200 M. Auf den Hinweis des Rückganges in den verausgabten Suunneu wurde erwidert, daß Stärkungsmittel, wie Milch und Eier, nur in äußerst beschränktem Umfange zu haben sind, demzufolge auch Aus« gaben nicht gemacht werden können. Es wurde erwidert, daß. als diese Stärkungsmtttel zur Verfügung standen, trotzdem von Jahr zu Fahr die Sätze zurückgegangen seien, so daß es den Eiirdruck erwecke, als solle hierbei inner allen Umständen gespart werden. Beschlossen wurde, einen Durchschnittsverpflegungssatz von 80 Pf. zugrunde zu legen. Ergänzend wurde folgende Erklärung an- genommen:„Das Kuratorium erwartet, daß die Verwaltungen der Hospitäler von einer Ucberschreitung der angesetzten Verpflcgungs- sätze nicht Abstand nehmen, wenn die Preissatze der Lebensmittel dazu zwingen. Die angesetzten Verpflegungssätze dürfen nicht dazu sichren, de» Gesundheitszustand der Pfleglinge zu verschlechtern." Aus die Frage, ob denn für die in Geltung befindlichen Löhne noch ausreichendes geschultes Personal zu heben sei, wurde er- widert, daß dieses der Fall, daß aber im allgemeinen der Magistrat bereits eine Erhöhung der Teuerungszulagen für alle städtischen Arbeiter und Angestellten vorgesehen hert. Die tägliche Entschädigung für diejenigen Angestellten, die die Beköstigung in der Anstalt aufgeben, wurde von 1,40 M. auf 2,— M. erhöht. Geraume Zeit nahm auch die Erhöhung der Sterblichkeitszfffer in den Hospitälern in An sprich. Seitens der ärztlichen Letter der Hospitäler wurde darüber Klage geführt, daß die Krankenhäuser kurz vor dein Ableben befindliche Personen noch auf das Siechen- haus abschieben, daß dadurch die Sterblichkeitszahl in den Kranken- Häusern geringer erscheint, während sie in den Hospitälern natur- gemäß dadurch anschwillt. Während noch vor 12 bis 14 Jahren die Sterblichkeitszcchl 30 bis 35 betrug, kommen jetzt bereits dreistellige Zahlen in Betracht. Bezeichnend sei, daß von den am letzten Sonn- abend gestorbenen vier Kranken drei eben erst eingeliefert worden sind. Der Vertreter des Mediziinalamtes, Professor Dr. Grotjan, erklärte, daß die Stadt Berlin stolz darmff sein iönne, Krankenhäuser und Hospitäler zu haben, daß aber nicht die Absicht vorhanden' ist, Sterbehäuser zu schaffen. Der Medizinalrat schlug vor, daß die Fälle, die zur Ueberweisung von dem Krankenhaus zum Hospital in Betracht kommen, persönlich vom leitenden Arzt des Kranken- bauses festgestellt werden müssen, des weiteren, daß nicht mehr die direkte Usberweßsung, sondern wie früher, auf dem Umwege über die Armendirektton in Betracht kommen könne. Auch die Armen- ärgte sollen ersucht werden, die Fälle genau zu prüfen. Bei Er- schn»erung der Ueberweisung ist anzunehmen, daß die Sterblichkeits- zahl der Hospitäler geringer werden wird. Von den sozialdemo-. kratischen Mitgliedern wurde eine Stattstik gefordert, aus der hervorgeht, nach wie langer Zeit des Ausenthaltes der Tod ein- getreten ist. Diesem Antrage wurde stattgegeben. Auf eine Anfrage, ob es wahr sei, daß in der Anstalt Buch das Pflegepersonal renitenten Pfleglingen Morphiumspritzen und Verona! gebe, wurde erwidert, daß das Pflegepersonal hierzu nicht das Recht habe. Nur bei den Pattenten, die vordem schon Spritzen er- halten haben, habe das Oberpflegepersonal das Siecht, Spritzen zu verabfolgen. Von dem Geschehenen ist spätestens am anderen Tage dem leitenden Arzt Mitteilung zu machen. Auch hier wurde von den sozialdemokratischen Vertretern dieses Verfahren bemängelt. Es berge eine große Gefahr in sich, wenn so verfahren werde, weil dann schließlich das Personal denjenigen Patienten, die viel Arbelt verursachen, solche Spritzen verabfolge; werde doch behauptet, daß nach Verabsolgung von Spritzen ein Patient verstorben sei. Dies wurde bestritten, der Fall selbst soll aber noch weiter verfolgt wer- den. Die Beschlutzsaffung über diese Angelegenheit wurde aus- gesetzt, bis nähere Erhebungen vorliegen. Der Lindentunnel. Einige der großartigsten Arbeiten mitten im Kriege haben die Hochbahn- und die Straßenbahn-Gesellschaft vollbracht. Die Untergrundbahn enttvickclt eine großzügige Erweiterungs- bautätigkeit. Im Zentrum Berlins— in der Friedrichstraße— und im Westen sah man lange Zeit hindurch friedliche Schützengräben, die heute bereits zugedeckt sind. Unter dem Pflaster aber wird weiter an den Stellen gearbeitet, die das Liniennetz der Schnellbahn um ein Erhebliches vermehren. Nicht minder bedeuffam ist die von der Straßen- bahn- Gesellschaft vollbrachte Leistung: die Unter- tunnelierung der„Linden". Der Verkehr der Straßenbahn quer über die Linden, den die Entwick- lung Berlins in ungehinderter, großzügiger Weise er- forderte, war schon seit langem ein vielfach erwogenes Problem. Die Leitung der Straßenbahnwagen über die Linden hätte aber einerseits das einheitliche Bild gestört, andererseits eine schnelle Abwicklung der Fahrten wohl kaum gestattet. Der Kaiser-Franz-Joscf-Platz vor dem Opernhaus, um den es sich handelt, bildet gerade durch seine ungestörte Flüche einen besonders schönen Abschluß der Linden. Darum entschloß man sich, zwei Tunnels unter den Linden zur Lei- tung der Straßenbahn hindurchzuführen. Dieses Werk, das ganz ohne Zweifel einen besonderen Merkstein in der Verkehrs- geschichte des modernen Berlin darstellt, wurde nunmehr voll- endet. Die eine Tunnelöffnung gähnt zwischen Singakademie und Universität, die andere an der Behrenstraße. Es handelt sich hier im vollsten Sinne des Wortes um ein Kriegswerk. Denn der Vau wurde erst nach Kriegsaus- bruch begonnen und ist nunmehr noch vor Friedensschluß vollendet worden. Er erinnert im übrigen an sehr lebhafte Auseinandersetzungen, die seinerzeit wegen des Projektes zwischen den Hauptbeteiligten— der Straßenbahn und der Stadtverwaltung von Berlin stattfanden. Heute aber ist von Meinungsverschiedenheiten keine Rede mehr, und man sieht weder Baumaterial, noch Staub und Arbeitergewimmel. Zwei dunkle Oeffnungen im Asphalt, zwei Gleisestrecken, die im Halbdunkel auf schräger Bahn auf- leuchten, um dann bald in jähem Absall in unsichtbare Tiefen zu verschwinden. Schmucke Rampen, einige veränderte, zum Teil gärtnerische Anlagen— das ist alles, was von dieser bemerkenswertesten Neuerung im Berliner Straßenverkehr auf- fallen könnte. Und doch sind die Tunnels bestimmt, eine sehr fühlbare Verkehrsleistung bewältigen zu lassen. Der östliche Tunnel hat neue Linien der städtischen Straßenbahnen aufzunehmen, die als„Großer Ring",„Ost-Ring" und„West-Ring" zu be- zeichnen sind. Der westliche Tunnel muß 36 Zügen in der Stunde freie Durchfahrt gewähren. Schon aus diesen knappsten Angaben vermag jeder zu erkennen, um wie wcit- wirkende Verbesserungen es sich hier handelt. Die Linden- tunnels hätten auch in Friedenszeit anläßlich ihrer Fertig- stcllung besondere Würdigung verdient. Daß sie sozusagen Kriegskinder sind, macht sie doppelt wertvoll. Die Stcuerpflicht der Groh-Berliner Dauerwälder. Mit der Frage: Dienen die Groß-Berliner Dauerwälder dem öffentlichen Gebrauch?, haben sich jetzt auch die Groß-Berl mer Verwaltungsgerichte zu beschästigen. In etwa 30 Fällen ist der Forstfiskus auch von dem Zeilpunkt ab für die fiskalischen Waldflächen zu Steuern und Abgaben herangezogen worden, seitdem die Wälder um Berlin von der Staatsregierung in wesentlichen Teilen der forstlichen Nutzung � entzogen und seitdem insbesondere große Teile von ihnen in die Verwaltung des Verbandes Groß-Berlin zur Erhallung als Dauerwälder übergegangen sind. Nach ß 24 des Kommunalabgabengesetzes unterliegen nicht den Steuern vom Grundbesitz die dem Staate, den Provinzen, Kreiien, Gemeinden oder sonstigen kommunalen Verbänden gehörigen Grundstücke und Gebäude, sofern sie zu einem öffentlichen Dienst oder Gebrauch be- stimmt sind. Solange der Forstfiskus die ihm gehörigen Waldungen um Berlin rein forstwirtschaftlich nutzte, wurden die Waldflächen nicht als zum öffentlichen Gebrauch bestimmt angesehen und unter- lagen daher der Besteuerung. Seitdem aber nach der bekannten Ka- binettsorder über die Erhaltung der wesentlichen Teile der Wälder in Groh-Berlin und nach dem Entschluß der preußischen Staats- regierung, den größten Teil der Wälder an den Verband Groß- Berlin zu verkaufen, die Wälder forstwirtschaftlich nicht mehr ge- nutzt wurden, also etwa 1314/15, bestritt der Fiskus, vertreten durch die Kgl. Regierung in Potsdam, die Grundsteuer- und Abgabe- Pflicht für diese Waldflächen. Als der Fiskus trotzdem von den Kreisen, Gemeinden und Amtsausschüssen zu Steuern und Amts- abgaben nach dem Stande vom 1. Januar 1315 herangezogen wurde, erhob er Einspruch und daraus Klage mit dem Antrag, ihn von den Abgaben freizustellen, da zu diesem Zeitpunkt bereits die Waldflächen für den öffentlichen Gebrauch im Hinblick auf die künftige Erwerbung durch den Zweckverband bestimmt gewesen seien. Der Verband Groß-Berlin ist diesen Klagen des Fiskus, von denen zunächst zwei im Verwaltungsstreitverfahren geklärt werden sollen, beigetreten. In der ersten Streitsache klagt der Forstfiskus gegen den Teltower Kreisausschuß wegen der Kreissteuer für die im Gutsbezirk Heerstraße belegenen Forstflächen für 1315 in Höhe von 17 835 M. Im Beschlutzverfahren hat der Bezirksausschuß Potsdam bereits den Antrag auf Freistellung abgelehnt, worauf der Fiskus den Antrag auf mündliche Verhandlung stellte. In der zweiten Klage, die durchgeführt werden soll, handelt es sich um die Amts- abgäbe Jür die fiskalischen Forstflächen im Amtsbezirk Köpenick-Forst für 1315 in Höhe von 44ö5 M. In beiden Fällen behaupten der Forstfislus und der Verband Groß-Berlin, daß die in Frage kom« menden Waldflächen schon damals, obwohl sie noch nicbt in die Verwaltung des Zweckverbandes übergegangen waren, im Sinne des § 24o des K A G für den öffentlichen Gebrauch bestimmt und daher steuerfrei waren. Der Bezirksausschuß zu Potsdam hat in seiner gestrigen Sitzung die beiden Klagen des Forstfiskus wegen Frei- stellung von Steuern und Abgaben für die als Dauerwald zu er- haltenden Forstflächen abgewiesen. Zur Begründung führte der Vorsitzende, Verwalrungsgerichtsdirektor von Usedom, u. ä. aus: Am 1. Februar 1315, dem Stichtag für die Steuerveranlagung, befanden sich die Wälder noch nicht im Besitz des Verbandes Groß-Berlin. Aber auch dann, wenn schon der Zweckverband damals Eigentümer der Wälder gewesen wäre, müßte im einzelnen geprüit werden, ob die Erhaltung der Wälder als Dauerwälder ein öffentlicher Ge- brauch im Sinne des§ 24o des KAG sei. Wenn z. B. Gastwirt- schaften errichtet und verpachtet werden, so sei das kein öffentlicher Gebrauch, sondern stellte einen steuerpflichtigen Gewerbebetrieb dar. Auch die Frage, ob die Wälder bereits in der Hand deS Fiskus zum öffentlichen Gebrauch bestinimt waren, hat der Bezirksausschuß ver- neint. Wenn der Fiskus die Wälder um Berlin dem öffentlichen Verkehr freigegeben hat. so hat er nicht mehr getan als ein privater Waldbesitzer. Er konnte die Wälder jederzeit wieder schließen. Die Anträge des ForsifiSkuS waren daher als unbegründet zurückzuweisen.— Wie wir hören, wird die Frage noch das Oberverwallungsgcricht beschäftigen. Rücksichtslosestes Vorgehen gegen Kriegswucherer. Ein wirksames Mittel gegen die Kriegswucherer wird seit einiger Zeit von verschiedenen deutschen Gerichten angewandt. In einer Anzahl von Kriegsgeietzen und KriegSvcrordnungen ist die öffentliche Bekanntmachung der Verurteilung des Schuldigen vorgesehen. Ge- wöhnlich erfolgt diese Bekanntmachung durch die Zeitungen. Dort lesen sie aber keineswegs immer diejenigen, für die es von besonderer Wichtigkeit ist. Die Gerichte haben deshalb das Urteil gegen die Kriegswucherer auf roten Plakaten an die Litfaßsäulen anschlagen lassen, die sich in der Nähe des betreffenden Geschäftes befinden, oder gar den Aushang roter Zettel mit dem Slrafurteil in den Schaufenstern der Läden dieser.Vaterlands- freunde" angeordnet. Wie wirksam dseses Mittel ist. geht daraus hervor, daß verschiedene dieser Kriegswucherer Widerspruch gegen diese Art der Bekanntmachung erhoben haben. Staatsanwall Dr. C. Falck weist in der Rundschau sür den deutschen Juiistcnstand „Das Recht"(Hannover, Helming) überzeugend nach, daß die Ge- richte hierzu nicht nur berechtigt sind, sondern daß die erwähnte Art der Bekanntmachung in schweren Fällen als die einzig wirksame ganz be'onders zu empfehlen ist. Auch wir sind der Ansicht, daß hierdurch, wenn gleichzeitg noch je nach der Schwere des Kriegs- Wuchers und dem Vermögen des Wucherers hohe Geldstrafen ver- hängt werden, diesen Hyänen des Lcbensmittelmarktes sehr rasch der Appetit vergehen wird._ Umsatzsteuer und Höchstpreis. Infolge der vielfachen Klagen aus Kleinhandelskreisen, daß auch bei Höchstpreisen dem Kleinhandel noch der Warenumsatz- stempel in Rechnung gestellt werde, wandte sich der Verband deutscher kaufmännischer Genossenschaften an den Präsidenten des Kriegsernährungsamtes mit der Bitte, zu bestätigen, daß alle Lieferanten, die bei den mit Höchstpreisen versehenen Waren den Umsatzstempel auf ihre Abnehmer abwälzen, sich der Ueberschreitung der Höchstpreise schuldig machen. Der Präsi- dent des Kriegsernährungsamtes erwiderte, daß im allgemeinen bezüglich der Abwälzung der Warenumsatzsteucr die vertraglichen Vereinbarungen maßgebend seien. Dann heißt es weiter:„Soweit indessen gesetzliche Höchstpreise festgesetzt sind, bezeichnet der Höchst- preis den Höchsttbetrag dessen, was vom Verkäufer gefordert und vom Käufer bezahlt werden darf. Ein gesondertes Jnrechnung- stellen des Umsatzstempels neben dem gesetzlichen Höchstpreis halte ich daher ebensowenig für zulässig, wie eine besondere Berechnung etwaiger anderer Steuern oder sonstiger Geschäftsunkosten des Ver- kaufes. Es würde darin meines Erachtens eine strafbare Höchstpreisüberschreitung liegen." Die Kleinhändler sind demnach nicht nur nicht verpflichtet, den Stempel zu zahlen, sondern sie machen sich mit strafbar, wenn sie es tun. Schuljugend und Kriegsernährung. Auf einem Elternabend der Elisabeth-Schule in der Kochstraße sprach Sanitätsrat Dr. B ehrend über Ernäbrungsfragen. Wenn auch bisher kein ungünstiger Einfluß der fettlosen Speisen auf den Gesundheitszustand unserer Jugend festgestellt worden sei, die Kinder sogar an Gewicht zugenommen hätten, so müsse doch die Frage ernstlich erwogen werden: Wie schützeich mein Kind vor Unterernährung? Dringend empfahl er allen Eltern die Benutzung derMassenernährung.Er habe 6 Wochen lang schon die allerbesten Erfahrungen damit gemacht. Der ästhetische Mangel der besonderen Zubereitung der Speisen werde aufgewogen durch deren Nahrhaftigkeit, Billigkeit und Schmack- haftigleit. Lebhast beklagte der Redner, daß zahlreiche Kinder nicht genügend Schlaf erhielten. Er verlangte mindestens zehn Stunden. Prof. Dr. Vogel sprach die Bitte aus, die Schulkinder in der jetzigen schweren Zeit nicht mir überflüssigen häuslichen Schularbeiten zu überlasten. Die Kinder der Großstädte seien gegenüber von Schülern auf dem Lande in bieler Beziehung im Nachteil. Sie dürften keine Opfer des Krieges werden, auf den Kindern beruhe die Zukunft unseres Volkes. Er warf die Frage auf: Was können unsere Kinder körperlich und geistig noch ertragen? Zum Schluß seiner eindrucksvollen Worte empfahl er allen Lebrpersonen tunlichste Nücksichtnahme aus alle Kinder auch hinsichtlich ihrer körperlichen Entwicklung. Große Aufmerksamkeit sei unumgänglich nötig.— ES sprachen auch mehrere Väter und Mütter sowie in Erwiderung der vielen Anregungen u. a. Direktor Kannegießer. Es wurde mitge- teilt, daß besonders das Singen jetzt mehr als sonst gepflegt würde und Kraftturnübungen nur noch in geringerem Ümfange vor- kommen. Die Kartoffelversorgung. Der Magistrat Berlm bittet uns, bekannt zu geben, daß er mit Rücksicht auf die außerordentlich geringen Kartoffelzufuhren in den letzlcn beiden Wochen von einer Belieferung der Haushaltungen mit Winierkartoffeln zu seinem Bedauern absehen muß. Der Magistrat hat immer noch die Hoffnung gehabt, daß, nachdem die Frostperiode in der vergangenen Woche vorüber gegangen war, die Zufuhren sich wieder so heben würden, daß neben Deckung des laufenden Bedarfs eine zentnerweise Belieferung der Haushaltungen mit guten, lager- fähigen Kartoffeln möglich sein würde. Diese Erwartung ist leider nicht in Erfüllung gegangen. Es mußte sogar die Wochen- kopfmenge von 7 auf ö Pfund herabgesetzt werden. Der Magistrat wird dauernd benüiht sein, wenigstens den laufenden Bedarf sämtlicher Bewohner zu decken und rechnet bei diesen Bemühungen mit Bestimmt- heit auf die Unterstützung der Lieferungsvcrbände und der Zentralstellen. Es darf also kein Kartöffelhändler an Verbraucher Kartoffeln zenmer- weise abgeben, andernfalls ihm Kartoffeln überhaupt nicht mehr zu- gestellt werden. Ebenso macht sich auch jeder Verbraucher strafbar, der zentnerweise Kartoffeln bezieht. Bei der Gelegenheit bittet uns der Magistrat, zugleich darauf hinzuweisen, daß sich bei der Prüfung der Aufbewahrung der für die Haushaltungen, sei es durch den Magistrat, sei es unmittelbar von Erzeugern vom Lande zentnerweise gelieferten Kartoffeln heraus- gestellt hat, daß in vielen Fällen trotz der Vorausbelieferung die entsprechenden Kartoffelkartcnabschnitte noch nicht an die Brot- kommissionen abgesührt worden sind. Um sich selbst Weiterungen und Unannehmlichkeiten zu ersparen, werden die so versorgten Ein- wohner nochmals dringend aufgefordert, unverzüglich ihre Kartoffel- kartenabschnitte bei der zuständigen Brotkommission abzugeben. Tie Hausschlachtnngen in den Groff-Berliner Landkreisen. In den Groß-Bcrliner Landkreisen sind in der Zeit vom 1. Oktober bis 1. Dezember bereits rund 16 033 Anträge auf Haus- schlachtungen genehmigt worden. Davon entfallen 3333 auf den Kreis Niederbarnim und 7333 auf den Kreis Teltow. Täglich laufen Hunderte von Hausschlachtungsanträgen der„Selbswer- sorger" ein. Die Ortsbeihörden haben die Richtigkeit der von den Schweinehaltern gemachten Angaben zu bestätigen, und wenn sich keine Anstände ergeben, wird von den Landratsämtern die Geneh- migung erteilt. Im Kreise Niederbarnim mußten etwa 153 An- träge abgelehnt werden, weil nachgewiesen wurde, daß die Schweine unberechtigterweise gekauft und nkcht sechs Wochen in der eigenen Wirtschaft gehalten worden waren. In beiden Landkreisen wurden mehrere Anträge abgelehnt, weil �es sich bei ihnen um die bekannten Pensionsschweine handelte, die nicht in eigener Mast gehalten wurden. Eine Reihe von Ablehnungen erfolgte, weil für die zu versorgenden Personen zu viel abgeschlachtet werden sollte und ein Verderben der Vorräte zu befürchten war. Im Kreise Teltow wird ein Hausschlachtungsschwein aus vier Personen ge- rechnet, so daß für acht Personen zwei Schweine geschlachtet werden können, nicht aber schon, wie es beantragt war, für fünf. Richtpreise für llmzüge. Man schreibt uns:„Die Umzugspreise sür Möbelwagen sind binnen zwei Jahren genau so gestiegen, wie die Preise für alles andere. Es soll anerkannt werden, daß die Möbelfuhrherren nicht zu den allen Preisen arbeiten können. Sie müssen höhere Löhne zahlen, haben höhere Futterkosten, können auch ihre Möbelwagen nicht genügend ausnutzen. Dennoch müssen die Umzugspreise als viel zu hock, bezeilbuet wcrven. Man muß durchschnitlich mindestens einen Hundertmarlschein opfern, um die Einrichtung einer Zweizimmer- Wohnung fortschaffen zu lassen. Das ist daS Dreifache des früheren Preises. Umzugsfuhren für größere Wohnungen sind nalür- lich noch viel teurer. Solche Preise mögen Leute bezahlen, dieauSVer- änderungssucht umziehen. Sehr viele Wohnungsinhaber sind aber in den gegenwärtigen Zeiten zum Umzug gezwungen durch Kriegstodesfälle oder durch Niedergang der wirtschaftlichen Berhälinisse. Die Leute werden dann neben threni Unglück durch die hohen Umzugspreise noch besonders empfindlich getroffen. Leider werden auch jetzt noch zahlreiche Mieter aus oft nichligen Gründen gekündigt, ohne daß man der schweren Zeiten Rechnung trägt. Ist es da nickt möglick und geboten, daß die Behörden auch in diese Ver- Hältnisse preisregclud eingrcisen? Dadurch dürfte natürlich lein Mangel an Wagen und Leulen entstehen." Zunahme der Einäscherungen im Krieg. Die Zahl der Einäscherungen in den deutschen Bestaitungeu wächst während des Krieges fortgesetzt. So sind im Oktober dieses Jahres wieder 134 Einäscherungen mehr vorgenommen worden, als in demselben Monat des vorigen Jahres. Die Zahl betrug dieses Jahr 332. Auf Berlin kamen die meisten mit gerade 133. Es folgten Leipzig mit 83, Dresden 58, Bremen 43, Gotha 46, Ham- bürg 45, Chemnitz und Stuttgart 34, München und Zittau 31, Jena 26, Koburg 24, Weimar 21. Gera 23, Mainz, Mannheim und Offenbach 18, Zwickau 16, Eiicnach. Nürnberg und Ulm 15, Heidel- berg 14, Treploiv 13, Frankfurt a. M. und Lübeck 12, Karlsruhe und Wiesbaden 11, Freiburg, Pößneck und Sonneberg 3, Braunichweig 8, Danzig, Görlitz und Meiniiigen 7. Eßlingen und Hagen 6, Dessau, Halle, Hirichberg, Kiel und Krefeld 5, Gövpingcn und Grcifswald 4, Tiistl 3. Baden-Baden und Darmstadt 2, Augsburg 1, Heilbronn und Reutlingen 3. Von den Eingeäscherten waren 513 männlichen, 383 weiblichen Geschlechts. Dem Bekenntnis nach waren 733 evan- gelisch, 59 katholisch, 11 altkatholisch, gl mosaisch, 33 gehörten einem änderen Bekenntnis au oder es war keins angegeben. Eine religiöse Trauerfeier in der Bestattung fand in 756 oder 84Proz. aller Fälle statt. Im ganzen haben bis jetzt in den deutschen Bestattungen 93 837 Einäscherungen staltgefungen. Keine Bezugsscheinfreihcit für bestellte Kleidung. Der Allge- meine Deutsche Arbeitgeberverband hatte an den Reichskanzler eine Eingabe um Verlängerung der auf den 33. November 1916 fest- gesetzten Ablieferungsfrist für die vor dem 31. Oktober be st eilte Kleidung gerichtet. Hierauf ist jetzt vom Staatssekretär des Innern ein ablehnender Bescheid ergangen. Der Höchstpreis für Sauerkraut. Eine amtliche Bekanntmachung der Kriegsgesellschaft für Sauerkraut sagt: Um Mißver- ständnissen vorzubeugen, wird wiederholt darauf hingewiesen, daß der Höchstpreis für Sauerkraut im Kleinhandel 16 Pf. pro Pfund beträgt. Verkäufer und Käufer machen sich strafbar, wenn dieser Preis überschritten wird. Städtischer Fischverkauf. Am heutigen Mittwoch findet in allen städtischen Markthallen ein Verkauf von der Stadt bezogener Dorsche statt. Der Pfundpreis beträgt 75 Pf. für den aus- genommenen, 65 Pf. sür den unausgenommenen Dorsch. Die Ab- gäbe erfolgt nur an Berliner Einwohner gegen Vorlegung der Aus- weiskarte für den städtischen Lebensmittelverkauf. Teuerungszulage. Den städtischen Arbeitern und Hand- werkern wird nach einem Beschluß des Magistrats Berlin zu der bisherigen Zulage eine neue in Höhe von täglich 53 Pf. gezahlt, und zwar mit rückwirkender Kraft vom 1. Juni d. I. ab. Berliner Asylvcrein für Obdachlose. Im November nächtigten im Männerasyl 8395 Personen, wovon 2373 badeten, im Frauen- asyl 2466 Perionen, wovon 573 badeten. Arbeitsnachweis wird erbeten für Männer und Frauen Wiesenstr. 55/59. KindeSmord und Selbstmordversuch. In der Müllerstraße 2 wohnte erst seit zwei Tagen im ersten Stock des Seitenflügels eine 27 Fahre alte Arbeiterin Martha Beier mit ihrer 5 Jahre alten Tochter Frida. Gestern nachmittag fand man beide in ihrer aus Stube und Küche bestehenden Wohnung, die ganz mit Gas angefülll war. bewußtlos daliegen. Die Mutter hatte den Gas- haijn geöffnet um gemeinsam mit ihrem Kinde in den Tod zu gehen. Es gelang, die Mutter ins Leben zurückzurufen, während bei dem Kinde nur noch der Tod festgestellt werden konnte. Die Mutter wurde verhaftet. Opfer einer Gasvergiftung geworden sind gestern nacht die Ehe- leute Flüge, Fasanenstr. 44, wo das Ehepaar die Portierstelle versah. Es wird Selbstmord vermutet. Der etwa 43 jährige Ehe- mann war vor einiger Zeit als Kriegsinvalide entlassen worden, konnte sich jedoch infolge der schweren Berwundung nur an Stöcken fortbewegen. Auch die wirtschaftlichen Verhältnisse des Ehepaares, das kinderlos war, scheinen sehr ungünstig gewesen zu sein. Schrift- liche Aufzeichnungen der Leute konnten bisher nicht gefunden werden, sodaß eine genaue Aufklärung des Todesfalles noch nicht möglich war. Tödlicher Unfall einer Straßcnbahnführcrin. An dem Triebwagen einer vom Stadtinncrn nach dem Svandauer Bock verkehrenden Straßenbahnlinie war unterwegs die Sicherung durchgebrannt. Die Fahrerin stieg vom Wagen, um eine neue Sicherung einzusetzen, vergaß aber die Kurbel abzunehmen. Während die Frau damit be- schästigt war, die Störung zu beseitigen, setzte sich der Triebwagen plötzlich in Bewegung. Die Fahrerin geriet unter den Wagen und wurde überfahren. Erst nach Anheben des Wagens gelang es, die Verunglückte zu befreien. Sie hatte jedoch so schwere Verletzungen erlitten, daß sie alsbald starb. Selbstmord oder Unfall? Im Hause Kirchbachstr. 12 hat eine Frau Sch. durch Sturz aus dem Fenster den Tod gesunden. Frau Sch., die schon das achtzigste Lebensjahr hinter sich hatte und kränk- lich war, soll durch Lebensüberdruß zum Selbstmord gekommen sein. Sie wohnte bei ihrem verwitweten Schwiegersohn und zwei er- wachsenen Enkeltöchtern, doch war sie, als sie die Tat beging, allein in der Wohnung. Vor dem Sturz wurde von einer Hausbewohnerin beobachtet, wie die Greisin in ihrer im vierten Stockwerk gelegenen Wohnuog mehrere Male an das offene Küchenfenster trat und sich über das Fensterbrett weit hinausbeugte. Danach wäre nicht un- möglich, daß es sich nicht um Selbstmord handelt, sondern die Greisin das Opfer eines Unfalles geworden ist. Selbstmord. Vermögensverluste haben den Privatier Richard B. aus der Bleibtreuslraße in Charlorteuburg in den Tod getrieben. B. betrieb lange Jahre die Gastwirtschast im alten Charlotlenburger Schiitzenhause, das später bei der Anlegung des KaiscrdammcS ab- geriiien wurde. Dann übernahm er das bekannte Berliner Restaurant„Klosterkeller" und wurde dort ein reicher Mann. Seit längerer Zeit lebte B. in Charlottenburg. Seit Ausbruch des Krieges halte er schwerere Geldverluste, die ihn schwermütig machten und schließlich in den Tod trieben. Er schoß sich in seiner Wohnung in Abwesen- heit seiner jungen Frau eine Revolverkugel in die rechte Schläfe und war sofort rot. Ms öen Gemeinden. Charlottcnburg. Die AuSkunfts stelle für Kranken- ernährung in Charlottenburg befindet sich im Hause Wilhelmplatz la parterre. Die Dienststunden sind mit Ausnahme des Sonn- tags von 8-3 und 6— 7 Uhr. Die Abteilung für Krankencrnährung beim Magistrat Charlottenburg. Lützower Str. 8a, ist für den Ver- kehr mit dem Publikum geschlossen. Wilmersdorf. Nach den mit der Stadtgemeinde Schöneberg und dem Kreise Teltow bestehenden Verträgen ist die Stadt WilmerS« dorf berechtigt, im Auguste-Viktoria-Krankenhause zu Schöneberg 153 Betten und in den Kreiskrankeuhäuseru zu Lichterselde und Britz zusammen 133 Betten zu belegen. Wegen Erneuerung des Vertrages mit dem Kreise Teltoiv liegt dem nächsten Kreistage eine Vorloge der Kreisverwaltimg vor, die voraussichtlich zu einem posiliven Resultat führen wird. Die Verhandlungen mit Schöne- berg gestalten sich, wie das Städtische Nachrichtenamt Wilmersdorf schreibt, schwieriger, da hier die Forderungen unannehmbar hoch sind. Kommt, wie anzunehmen, eine Einigung nicht zustande, so wird die Stadt Wilmersdorf sofort den Bau eines eigenen Kranken- Hauses zu 253 Betten in Angriff nehmen, der beim Ablauf des Ver- träges mit Schöneberg im Jahre 1323 fertig gestellt wäre. Neukölln. Der Stadtgemcinde ist es gelungen, größere Mengen Räucherheringe aus dem Auslande einzuführen. Dcr Verlauf findet werktäglich in der Zeit von 13—12 Uhr vor- mittags aus dem städtischen Eiswerk, Mittelbuschwcg 26/27, statt. Ter Verkaufspreis sür eine Kiste mit ungefähr 133 Stück Inhalt beträgt 66 M._ Soziales. Die deutschen Konsumvereine am Anfang des Jahres 1316. ssc. Im kürzlich erschienenen Jahrbuch des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine finden wir auch eine Berechnung über die Gesamtzahl den Mitgliedrbestand und die Geschästsergebnisse der deutschen Konsumvereine zu Beginn des Jahres 1916. Als Grundlage dienen ihr der Bericht des Zentralverbandcs für das Jahr 1315, der des Allgemeinen Verbandes dcr auf Selbsthilfe be- ruhenden deutschen Ertoerbs- und Wirtschaftsgenossenschasteu für 1914(da der für 1315 noch nicht vorlag) und die allerdings sehr unvollkommene offizielle deutsche GenosseuschaftSstatistik. Unter Annahme einer prozentual gleich starken Eutwickelung wie dcr des Zentralverbandes werden die Ziffern des Allaemeincn Verbandes um ein Jahr weiter geführt und endlich an der Hand der Ge- schästsergebnisse beider Verbände diejenigen der außerhalb stehen- den Vereine berechnet. Es handelt sich bei der vorliegenden Sta- tistik also nicht um eine Wiedergabe genau festgelegter Zahlen, sondern um eine allerdings mit Sorgfalt durchgeführte Schätzung, die aber immerhin in ihren Ergebnissen von der Wirklichkeit mehr oder weniger abweichen kann. Das Resultat ist folgendes: Die Gesamtzahl der Konsumvereine(eingetragener und nicht eingetragener) am Z. Januar 1916 war 2403. Diese Vereine zählten zusammen 2,6 Millionen Mitglieder(gegen 2,4 Millio- neu im Vorjahr), das ergibt unier Hinzurechnung dcr Familien angchörigen eine Bevölkerung von zirka 11 Millionen. Somit wäre also nahezu der sechste Teil der Reichsbevölkcrung gegen- wärkig an den Konsumvereinen mteressierk, neiviß ein erfreuliches Ergebnis. Der Umsatz der Vereine im e i a e n e n Geschäft be- trug 742{m) Millionen Mark, wovon 143(181) Millionen Mark, d. i. zirka der fünfte Teil, in eigenen ProduktionSwerk jt ä t t e n hergestellt wurden. Dazu kommt ein Umsatz im Liefe' rantengeschäft von 46,5(43.2) Millionen Mark. Der Wert des Grundbesitzes stand mrt 130(128) zu Buche; die G e- s ch ä f t s g u t h a b e n der Mitglieder hatten die Höhe von 56(46) Millionen, die aufgenommenen Anleihen und Spargelder die von 165(67) Millionen Mari erreicht. Unter Hinzurechnung der Rabattguthaben der Mitglieder erübrigten die deutschen Konsumvereine im Jahre 16SS 68(66) Millionen Mark. Ter wichtigste Teil der Gesamtbewegung ist im Zentralver- band deutscher Konsumvereine organisiert, auf den 1676 Konsum- vereine, 1 843 436 Mitglieder, 4 Millionen Mark Umsah inl eigenen und 26 Millionen Mark im Lieferantengeschäkt, 165 Millionen Mark Grundbesitz. 86 Millionen Mark Geschäftsguthaben, 5 Mit- lionen Mark Spareinlagen und 38 Millionen Mark Erübrigung kaineu. Die Bedeutung des Allgemeinen Verbandes für die Konsumberemsbewegung wird demgegenüber von Jahr zu Jahr schwächer, Vefreiung der Halbinvalldcn von der Krankenversicherung. Es ist schon kürzlich darauf hingewiesen worden(siehe„Vor. wärtS" vom 21, November), dast Militärversonen, die als Halb- invaliden entlassen worden sind, bei Wiedereintritt in eine ver- sicherungspflichtige Beschäftigung sofort der Versicherung wieder unterstellt sind. Sie sind im allgemeinen genau so zu behandeln wie ein Gesunder, der in die Arbeit eingetreten ist. Dies kann unter Umständen die Krankenkassen recht sehr belasten, und es ist nicht ausgeschlossen, daß sehr bald Bestrebunaen im Gange sind, auf die Halbinvaliden einzuwirken, von dem Recht deS§ 173 Gebrauch zu machen. Dort heißt cS. oaß auf seinen Antrag von der Versicherungspflicht befreit wird, wer auf die Dauer nur zu einem geringen Grade arbeitsfähig ist, solange der vorläufig unterstützungspflichtige Armeeverband einverstanden ist. Es wer- den höchstwahrscheinlich namentlich die Betriebskrankenkassen ver- suchen, auf die Militärinvalidcn einzuwirken, sich von der Ver- sicherungSpflicht befreien zu lassen. Es wäre natürlich sehr ver- kehrt, wenn diese aus ein derartiges Ansinnen eingehen würden, denn in all den Fällen, wo bei Erkrankungen nicht die Militär- behörde eintreten muß. was nur dann der Fall ist, wenn diese Erkrankungen auf den Krieg zurückzuführen sind, würde bei Mittel- losigkeit die Armenbehörde einzutreten haben. Ganz abgesehen von all den bekannten Unliebsamkeiten, die dies im Gefolge hat, würdeg dann auch die politischen Rechte der Invaliden verloren gehen. Für das Reich ist zwar durch das Reichsgesetz vom 15. März 1666 betreffend die Einwirkung von Armenunierstützung auf öffentliche Rechte ausgesprochen, daß durch die Gewährung von Krankenunterstützung diese Rechte nicht beeinflußt werden; aber dieses Gesetz gilt nicht für die aus der bundesstaatlichen Gesetz- gebung erwachsenen öffentlichen Rechte. In Preußen z. V. könnte ein Verlust der politischen Rechte eintreten. Es empfiehlt sich des- halb, daß derartige Anregungen von den Invaliden stets abgelehnt werden, und daß dann, wo im Anschluß an derartige Ablehnungen die Entlassung auS der Arbeit erfolgt, stets die Oeffentlichkeit an- gerufen wird. Die öffentliche Meinung ist in sehr vielen Fällen ein guter Erzieher. Sie wird sich als solcher auch hier bewähren, zumal es doch geradezu ein Hohn auf die vielen Versprechungen wäre, die den Leuten, die ihr Leben für das Vaterland in die Schanze schlagen, gemacht werden, wenn lediglich im Interesse der Krankenkassen die politischen Rechte der im Kriege schwer Beschä- digten verloren gehen sollten. fltts aller Welt. Tie Explosion im Hafen von Llrchangelsk. Eine Verhaftung in New Jork. New Derk, i. Dezember. Meldung des Reuterschen Bureaus. Ter Handelsattache der russischen Botschaft in Washington bat aus dem Hauptpolizeibureau angezeigt, daß die Explosion im Hafen von Archangelsk durch Bomben verursacht worden sei, die in der Ladung eines Schiffes verborgen worden seien, ehe dieses Amerika verlassen habe. Ein gewisser Samuel Gatter in Brook- lyn wurde unter der Beschuldigung, in die Angelegenheit verwickelt zu sein, verhaftet._ Ueberschwemmiingen in Spanien. Nach einem Telegramm der .Hrimanilö* aus Madrid sind in der Gegend don Valencia— also in» Gebiet des Guadalaviviar— Ueberfchwemmungen eingetreten, die sich auf ein Gebiet von 266 Ouadrallilometer erstrecken. Der Schaden wird auf mehrere Millionen geschätzt. Die Orangenernte soll fast vollkommen vernichtet sei». Ein Hilfözug ist in Alcira ein- getroffen, das mehrere Tage ohne Verbindung und ohne Licht geblieben war. Unter der Bevölkerung war bereits eine Hungers- not ausgebrochen. Das Lazarett im Wiener ReichSratsgebäude wird nun endlich geräumt. Lange hatte man das vergeben» verlangt, obgleich seit der Errichtung der großen Lazarett« in den Voronen dos Parlaments- gebäude gar nickt mehr für einen solchen„satzungswidrigen* Zweck gebraucht wurde und auch da« UniverfitSlslazarett längst geräumt wurde. Der Patriot. Ein Pferdehändler, der durch den Krieg ein reicher Mairn geworden ist, hal sich eine Villa gekauft, die er mit großem Auswand Herrichten läßt. Als alles nach seinen Wünschen fertig ge- stellt ist, bittet er den Baumeister, noch einen Spruch am Eingang anbringen zu lasien, Warauf dieser die Worte in Vorschlag bringt: Was ich bin und was ich habe. Dank' ich Dir mein Vaterland. Parteiveranstaltungen. „Vorwärts", Lese- und Tiskutierklub für Graft-Berlin Distussionsabende am Mittwoch, den 6. Dezember, abends 8 Ubr: Sektion 4 bei Huth, Warschauer Str. 61. Vorwag des Genoffen Karl Schräder:„Aus Vergangenheit und Gegenwart*. Settiou 6 bei Sachse, Lindower Str. 26. 1. Vortrag. Sektion 8, P a n t o w, Niederfchönbausen, »Zum Panlgrasen*, Inl». Hoedrich. Pankow, Lchtoßstr. 6. Tagesordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Max(Sroger:„Rückblick— Ausblick*. 2. TiSlusiion. ll Mitteilungen aus Berlin.— Gälte tonnen durch Mit« glieder eingesührt werden. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. «Vorwärts", Lese, und Diskutierklub für Groft- Berlin. Freitag, den 8. Dezember 1gl6, abends 8 Uhr: Versammlung im Saale der„Neuen Philharmonie*, ltöpenicker Straffe 98/97. Tagesordnung:„Das Hilfsdienstgesch". Reserenten: Neichslagsabgeordnete G. Nosle und Gustav Bauer. 2. Diskussion. B u ch h o l z, Srwfkssten öer RsüQktion. P. B. S. 293. 1. Sie erhalten Order. 2. Da Sie den MietS- vertrag nicht unterjchrieben habe», sind Sie für die bitiete nicht bastbar. 3. Sie könnten ein Gesuch an die Kriegsiindsrsvende deutscher Frauen, Privatlanzlei der Frau Kronvrinzessin in Potsdam, Neuer Garten, richte». — W. 83. Sie müsse» Ihren gesamten VermögmSdsstatid angeben. — ST. 100. 1. bis 3. Nein. 4. Wenn der Vater verstorben und die Mutter nicht imstande ist. für den Unterhalt des Kindes zu sorgen, könnte das Rind nur Unterstützung aus öffentlichen Mitteln beziehen.— G. BS. 4708. 1. und 2. Sie müssen den zweiten Unterstützungsschein unter Darlegung des Sachverhalts der Gemeinde vorlegen. 3. Ja. 4. Wenden Sie sich in dieser Angelegenheit an den Melallarbeiterverband, Berlin, Linienstr.»3/85.— F. 2rf). 2. 1. Die Schüler sind zum Schadenersatz sür die abhanden gekommene Schraube nicht vertzstichtet. 2. Rem. 3. Nein. Beschwerde ist zunächst beim Rektor, dann an die Schuldeputation zu richten.— M. P. 11. Aus dem Grunde wird kewe Nachmusterung er- solgcn.—ek:«ronSficdten Hit daS mittlere Norddeutickilaud dts Tonnerstag mittag. Zeitweis« austlarend, jedoch überwiegend bewöltt und vielsach nebelig mit geringen, nur im Süden etwas stärkere» Nieder- Ichlägen. Langsame weitere Abkühlung. veckeliki' HiictiäiniieiwiiagEl. (Zahlstell« Berlin.) Am Sonnabend, 2. Dezember, verstarb nach kurzem Kranken- lager unser Mitglied, der Etnis- aroeiter Walter Lckneiöer im Alter von 33 Jahren. Wir werden sein Andenken tn Ehren halten. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. d. M., nachmittags 2'/. Uhr. von der Leichen- Halle des Städtischen Friedhofs, Ecke Müller- und Seestraffe, aus statt. Um zahlreich« vetelligung wird ersucht. 3 Nach '»erstarb 1 Mitglied längerem Krankenlager am 4. Dezember unser kmwa Kroll Ilm 23, Lebensjahre. Wir werden ihr Andenken In , Ehren halten. i Die Beerdigung findet am • Donnerstag, den 7. d. SR., nach. j mittags 3»;, Uhr, aus dem Fried- ! hos der Simeons- Gemeinde in ! Britz, Tempelhoser Weg. statt. ZahlreicheBcteiligung erwünscht. 21(20 Tie vrtSverwaltuug. Als Opfer d-S Weltkriege« fiel| S am 21. November infolge Kopf- schuff mein innigstgelicbtcr Mann, guter Vater, Sohn, Bruder. Onkel und Schwager, der Landsturm- i mann ß4 1 Sfflax Jubelt (Jns.-Regt. 45) in» blühenden Alter von fieben, uiiddrelffig Jahren. In tiefem Schmer» vttüie Judelt geh. Hegen«« »ebst Sohn«nb Angeh»rtg«n. Ruhe sanft w fremder Erde. Zentrala Ncrien: Bruiinonsttrasae 1 flUalo Ofien: urler Allee SSO Filiald S Q d• n: Kottbusor Damm 103 Filiale Westen: Charlotlfe�.ySchArrerasIp.S l£cko Wilmersdorfer Straaee) offeriert iNrter gfeurflasfen XaEilursQsbedlxsaiuiffeii sisJ Teüsaftfustg nerren-'g-Demui-Mrobs Knten.firÄnKitidpns In(iFOKseir Acaswahl sehr preiswert Pwlx-Kragon und Pelz-Kiuften iu c in(sc Ii e r und el ogn n»er Auafübrung ' Anzeige Ditbrlngon, S M.'Wert! eigener Konfektion, gel sortiertes reichhaltiges Lagsr in allen Pelzartan, Reparaturen nach tohioke n Modellen. 'ssr Ii*«Misif.sirs finnaiimeitellei) für„Kleine anzeigen" llcrlln C. Ct. Hahnlich, Ackerstr. 174. O, Karl Melle, Vetersbnrger Viag 4. R.WengelS, Markusstraffe 36. HIV. L. Zucht, Llminanuelkirchstr. 12. Zt. Zl. Wolgast, Wattftraffe 9. H. bischer. Bastianstraffe 6. Karl Mars. Greisenhagener Str. 22. I. Hönisch, Müllerstr. 34a. H. Vogel, Lortzingitr. 8. RW. Salomo» Josevl), Wilhelmshavener Str. 48. is4V. G. Schmidt, Bärwaldste.42. hi. Tt. Beil!, Prinz emtr. 31, H. Lehmann, Kottbuser Damm 8. SV. Paul Böhm. Laufitzer Plag 14/15. P. Harsch. Engeluser 15. Acklerskof. Kart Schwarzlose, Bismarckstr. 28. liaamecbnlemn-cg. H. Hornig. Marienthaler Str. 13, l. Uorsijrnvalckc. Paul Kienait, Ztänichstr. 10. Charlottenbars. Gustav Scharuberg. Seienbeimcr Str. 1. KrleÄrlehehnsvn. Gruft BSerkmann. Köpenicker Str. 18. Cirnnnn. Ztzranz Klein, Friedrichstr. 10. Johannisthal. Max töouschiir, Partstr. 23 »».nrlshorst. Hermaui» Pilling. Dönhoffstr. 28. I».bpenlelt. Emil Wiftler, Kietzerstr. 6, Laden. I-lohtenberx l. Otto Seitei, Äarteildergnr. 1. I-lohtenberK II. A. gioseiiirairz. Slll-Boxdagen 56. XeuhOlln. M. Heinrich. Neckarstr. 2. E. Rohr. Siegsried- llrage 28/29. K!tedor-d»vh0netveltle. Wilh. 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Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. Dezember. nachinitlags 5 Uhr, von der Halle des Heilandi'Kirchhoses, Plötzen. see, ans statt. Witwe I-plse Bant*. lanaDiiHiiiiaiipB Wanderbare Pltteohmäntel aas �ealplftsoh, Bsideoplüsch, das Basl« Tom öostsn, Glocken- aud UJusenformon, glatt und mit#cht«o X'o'zbessitzea Lw.—«OD.— 150,— 180,— 03,- Kinzslo« Modella in Astrachan, Krimmtr, Wollpl flach •ehr biltigl Eatafloiende Ulster a. Mantelileider RUH bMt«n dtoCfen, dicke, mullis« Qualitäten mit«Ohles f«IshMSUea.«seh«Utt, reiz. Fotmta 150,- 100,- 75,— 60,- 88,- Vori&hrige Ulster l'raehtstüok«, darsotet Modell* 30,- 34- 28,- 18,- 15,- Uodell-Eostfliae n. Prachtvolle Pelzmäntel • ftetsilguebifte S ßchröter.N. 43 Perhaufaetetlen 43 empfiehlt OualiWiiei'e » ersten Rangas ].Habel8Örauere] he»— HabaihriM— dunlicl. Münchsner Brauhaus Berlin und Oranienburg Trinht mannlnger Bier! Wcmbier, C. Breithaapt, Palisaden» tr, 97 Tel. 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