Kr. 337. 33. 1-Hr«. flKonnemcnts-Bedingungm: «donnemenls• Prel» trinmnfrmbo »ierleljährl. 8.90 Mb. monolL 130 Mb, wöcheuUich 80 Psg. ttei InS Hau«. einzelne Nummer ö Big. Sonmag«- nummer mit illullricrier Konnlag»» LeUage.Die Neue Welt' 10 Psg. Post- «bonnementt»30 Marl vro Monat. eingetragen in die Post< Zeitung»- «reiSIisie. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 230 Mar», für da» übrige Ausland i Marl pro Monat. Postabonnement» nehmen an Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. men. Schweden und die Schwei». erfdldiit tägDA. Verlinev Dolksblcrkt. 5 Pfennig) Die Inlertions-Gcbülir betrügt für die sechSgespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum 00 Big. für »olitfsche und gewcrlschaftliche Verein»- und Versammlung»-Anzeigen 30 Psg. „Kleine Hnztigtn", das settgedrurlte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort»0 Psg. Stellengesuche und SchlaMellenan- zeigen da» erste Wort 10 Psg., jede» weitere Wort ö Psg. Worte über IS Buch- Ilaben zählen für zwei Worte. Inserat« für die nächste Nummer mülsen bi» 6 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Srpediiion ist bi»? Uhr abends geöffnet. Delegramm-Adreffe: .StzlaldtBioknt BtrOi". Zcntralorgan der rozialdemokrattfchcti parte! Deutfchlands. Neüaktion: EW. öS, �inüenstraße 2. Fernsprecher: Amt Moritzplati. Str. 151 30—151 97. «Expedition: EW. 08, Lindenstraße Z. Fernsprecher: Amt Morinplan, Nr. 15130— 15197. äm Kapitulation der Orfovagruppe. Ruf fifch-rumänif eher Rückzug. In Rumänien feindlicher Rückzug auf der ganzen Front.— Campina genommen. Deutscher Vorstoft bei Höhe 304 süd- östlich Malaneourt. Amtlich. Großes Hauptquartier, 7. De- zember 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz. Auf dem Westufer der Maas brachen nach Feuer- Vorbereitung Abteilongen des Westfälischen Jnfauterie- Regiments Nr. 15 an der aus den Sommerkämpfeo be- kannten Höhe 304 südöstlich von Malaneonrt in die französischen Gräben ein und nahmen die Kuppe der Höhe in Besitz. Fünf Offiziere, 190 Mann wurden gefangen zurückgeführt. Bon einem Borstoß in die feindlichen Linien am„Toten Mann" brachte«�St»ßtr«ppS'oelf'Gestalge«t"eitt.' westlicher Kriegsschauplatz. Front des G e n e r a l f e l d m a r sch a l l s Prinz Leopold von Bayern. Westlich von Luck drangen an der Luga deutsche und österreichisch-ungarische Abteilungen in eine russische Feld- wachstellnng. Die Besatzung von 49 Mann wurde ge- fangen. NachtS wurde die Stellung gegen fünf Angriffe gehalten. Auch westlich von Zalozee und Tarnopol konnten unsere Patrouillen 9(1 bezw. 20 Gefangene aus genommenen Teilen der russischen Linien bei Rückkehr abgeben. Front des Generalober st Erzherzog Joseph. In den Waldkarpathen und Grenzbergen der Moldau zeitweilig anschwellendes Artilleriefeuer und Vorfeld- geplänkel, aus denen sich nördlich von Dorna Watra und im Trotusul-Tal russische Angriffe entwickelten, die ab- gewiesen worden sind. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. Wuchtige Erfolge krönten gestern die Mühen und Kämpfe, in denen unter Generalfeldmarschall von Mackensen die Truppen der zielbewußt geführten neunten und Donau- Armee den rumänischen Gegner und die herangeholten russischen Verstärkungen in schnellen Schlägen zu Boden geworfen haben. Führer nnd Truppen erhielten den Siegerlohn: Bukarest, die Hauptstadt des zurzeit letzten Opfers der Entcnte-Politik, Ploesti, Eampina und Sinaia in unseren Besitz, der geschlagene Feiud auf der ganzen Front ostwärts im Rückzüge! Kampfesniut und zäher Tieiieswille ließ die vorwärts- stürmende Truppe die immer von neuem geforderten An- strengungen überwinden. Neben den deutschen Hauptkräften haben die tapferen österreichisch- ungarischen, bulgarischen und oSmanischen Truppen Glänzendes geleistet. Die neunte Armee meldet von gestern 106 Offiziere, 91(10 Mann gefangen! Die Operationen und Kämpfe gehen weiter. Mazedonische Front. Bei Trnava östlich der Cerna warfen daS bewährte masnrische Infanterie-Regiment Nr. 146 und bulgarische Kompagnien die Serben ans der Stellung, in der sich diese vorgestern eingenistet hatten. Sechs Offiziere und 5(1 Mann wurden gefangen genommen. In der Struma-Niederung fluteten im bulgarischen Abwehrfeuer englische Abteilungen zurück, die sich den Stellungen südwestlich und südöstlich von SereS zu nahern versucht' n Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorss. /Ibenübericht. Amtlich. Berlin, 7. Dezember, abends.(W. T. B.) Im Westen und Osten keine besonderen Ereiguiffe. Außer dem Verlust der Festung Bukarest und ihrer wichtigsten Handelsstädte kostete der 6. Dezember den Rumänen noch eine Division, die, am Alt gestellt, mit 8699 Mann und 26 Geschützen zur Kapitulation gezwungen wurde. Serbische Nachtangriffe bei Trnava östlich der Cerna find gescheitert. Der österreichische Dericht. Wien, 7. Dezember 1916.(W.T.B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Die in der walachischen Ebene vordringenden verbündeten Streitkräfte haben gestern Bukarest und Ploesti in Besitz ge- nommen. Oesterreichisch-ungarische Truppen gewannen Campina und verfolgten von Sinaia südwärts. Difc verbündeten Streit- kräfte des Generals v. qalkeiihami brachten gestern einhundert- sechs rumänische Offiziere und neuntausendeinhundert Mann ein. In den Karpathen ließ der russische Druck beträchtlich nach. Nur nördlich des Trotus-Tales und bei Dorna Watra kam es zu schwächeren russischen Borstößen, die glatt abgeschlagen wurden. Bei der Armee des Generalobersten von Tersztyanszky -drangen wieder Landwehr und deutsche Abteilungen, die russische Feldwachenlinie durchbrechend, bis in die feindliche Hauptstellung vor und kehrten nach Abwehr von fünf russischen Gegenstößen mit vierzig Gefangenen und einer Beute von drei Maschinen- gewehren und einem Minenwerfer zurück. Durch die Erfolge in Rumänien ist der 6. Dezember sinnfällig zu einem Tage der Vergeltung für schmählichsten Verrat geworden. Ein glänzender SiegeSzug hat die Verbündeten in das Herz Rumäniens geführt. Die vierte feindliche Hauplstadt ist seit Ausbruch des Weltkrieges bezwungen. Mit Stolz darf Oesterreich-llngarns Wehrmacht auf jene Truppen blicken, die— mit den deutschen, bulgarischen und osmanischen Streitkräften wetteifernd— an den Ruhmestaten gegen unseren jüngsten Feind Anteil haben; auf die rasch zu- sammrngerafften Abteilungen, die zu Beginn des rumänischen Krieges in Siebenbürgen den ersten Stoß auffingen, aus unsere GrbirgSbrigade, die in den tranSsylvanischen Alpen den schwersten Aufgaben gerecht wurden, auf die Truppen, die an der Offensive in der Walachei teilnahmen, aber auch auf die tapferen Ber- teidiger Ostsiebenbürgens und der Waldkarpathen, an deren Widerstand aller russischer Ansturm zerschellte, auf unsere be- währten Pioniere an der untere» Donau, die eine der größten krieg»technischen Leistungen der Geschichte vollbrachten, aus unsere Artillerie und auf dir Tonauflottille, dir sich auch jüugst— bei der Abwehr russischer Angriffe südlich von Bukarest— wieder hervorgetan hat. Ihnen allen gebührt unser Dank! Italienischer und Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. v. H o e f e r, Feldmarschalleutnant. «/ Ereignisse zur See. Eines unserer Seefluggeschwader belegte am 6. d. Mts. die Flugstation Beligna und dir Sdobba-Batterien trotz unsichtigen Wetters sehr erfolgreich mit Bomben, Drei Hangars wurden voll getroffen. Alle Flugzeuge sind trotz heitiger Abwehr unbeschädigt eingerückt. Flottenkommando. Der Gläubiger-Staat Amerika. Washington, 6. Dezember.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) In dem vom Schatzsekretär M c A d o v dem Kongreß vorgelegten Bericht heißt es: Der Wohlstand hat au Kraft und Ausdehnung der wirtschaftlichen Verhältnisse zugenommen und ist niemals gesunder gewesen. Amerika ist aus einem Schuldner- ein Gläubiger- Staat geworden. Der Goldbestand ist in 16 Monaten um 715 Millionen Dollar gewachsen. Der Bericht schätzt die Ausgaben für Heer und Flotte gemäß dem sogenannten ! Bereitschaftsprogramm für das nächste Steuerjahr auf 17(1 ! beziv. 197 Millionen Dollar. Das Jazit langer Reden. Ein landwirtschaftlich erfahrener Mitarbeiter schreibt uns: Die Herren Abgeordneten zum Landtage haben den auf- fälligen Ehrgeiz gehabt, für den Gehalt ihrer öffentlichen Behandlung der Ernährungspolitik unfern dürftigen Tisch von heute zum Muster zu nehmen. Die beiden„Bericht- crstatter" über die Ausschußverhaudlnngen haben entweder ihre Aufgabe schlecht gelöst, oder sie hatten sehr wenig zu berichten. Sowohl Herr L i p p m a n n wie Herr H o e s ch begnügten sich mit allgemeinen Bemerkungen, kritischen und auch unkritischen. Besonders auffällig ist das bei Herrn Hoesch, der unzweifelhaft zu den besten Kennern des Faches gehört, wofür er sogar Ehrendoktor geworden ist. Ihm muß man sonst nachrühmen, daß er dem ü l, t ist objektiv zu sein und Verständnis and) bei Gegnern zu finden, um Stadt und Land einander zu nähern. Doch auch er hat nicht einmal einen Versuch gemacht, ein klares Bild der Lage zu geben, sagen wir: eine Rechnung, eine Bilanz. Nichts dergleichen! Man muß zu dem harten Urteil gelangen, daß wir mit Redensarten abgefunden worden sind,— abgespeist kann man nicht-gsit, sagon,.. denn �dazu. würden doch:. Wenigstens einige Brocken oder Brosamen gehören.-Ermunternde Reden haben wenig Wistk�And Erfolg. Wenn wir auch entfernt nicht aus' l.Süppenlogik mit Knödelgründen, auf Argumente von Rinderbraten, begleitet mit Göttinger Wurst- zitatcn" unsere Erwartung gespannt hatten, so enttäuschen uns doch„die Wortgespinste der abgelebten Redekünste". Man streut erheblich zu viel Wortsaatcn aus,— nur der Acker, auf den man rechnet, ist dafür- steril geworden. Unsere Sachlichkeit ist gewachsen, wir wollen Tatsachen erfahren, keine Redensarten-hören, noch dazu nur solche, die wir bis zum Ueberdruß schon gehört haben! Auch nicht neu, aber immerhin wichtig ist der von mehre« ren Rednern unterstrichene Ausblick in die Frie- denszcit,— daß es nämlich dann nicht so bald wieder an die Fleischtöpfe Aegyptens gehen wird. Man kann sich selber wohl ausrechnen, daß ans: 1. Mangel an Weltvorrätcn, 2. Mängel an Schiffen, 3. Rücksicht auf den Auslandskurs unserer Mark und wegen 4. der Verringerung unserer eigenen Bestände, 5. der„Entkräftung" des ungenügend bearbeiteten und gedüngten Ackers Jahre vergehen werdcn.chis unsere Er- nährung wieder normal sein wird,— an die F r i e d e n s- preise ist bei mehreren landwirtschaftlichen Erzeugnissen (Butter z. B.) überhaupt nicht wieder, bei anderen erst nach Jahren zu denken. Kaum dies hat man im Landtage aus- einandergesetzt, während doch Herr Ockonomierat Hoesch in den Fragen so bewandert ist, daß er uns mit guten Zahlen ein Bild der Zukunft hätte geben können und'auch sollen. Denn wir haben alle keine Illusionen mehr nötig, um unfern Entschluß zur Ausdauer und zum Bewältigen der Entbehrungen bei Kräften zu erhalten. Wir sind alle vernünftig genug, um Tatsachen ins Gesicht sehen und das Unvermeidliche mit Würde tragen zu können. Wir wissen auch, daß eine deutsche Niederlage uns nicht nur die Butter ganz vom Brote nehmen würde, sondern das Brot selbst dazu. Diese Argumente der Tatsachen sind für uns sehr über- zeugend. Außer dem Blick in eine dürftige Zukunft nach dem Kriege ist uns— auch fast nur in allgemeinen Wendungen— gesagt worden, daß wir keine Verbesserung der Rationen zu erwarten haben, sondern daß sich die Schwierigkeiten noch vermehren werden, besonders nach Ostern. Zahlen hätten uns besser aufgeklärt und uns auch besser beeinflußt als so allgemeine Wendungen wie die von einer„schrecklichen Miß- ernte" in' Kartoffeln mit dem Trost dazu, daß diese Frucht gestreckt wird, nnd daß wir nicht hungern oder gar Per- hungern werden. Klarheit ist besser als alle nur andeuten- den Reden. Denn, wie gesagt, wir sind in der Verfassung, die man in den Worten ausdrücken kann:„was sein muß, muß sein!" Man sollte uns aber sagen, was sein muß und warum. Schweine sollen, wie Herr v. d. Osten sagte,„in abseh- barer Zeit eine ganz aiißerordentliche Hcrabmindcrung er- fahren". Das ist begreiflich, natürlich. Denn auch bei ihnen tnts die Menge nicht, sondern das Gewicht, und Schweine, die man nicht ordentlich mästen kann, sind schädliche Fresser. Anders aber will man mit dem Rindvieh verfahren: es soll durchgefüttert werden(mit dem sehr reichlich ge- wonnenen Ranhfntterl, damit wir nickst nach dem Kriege ganz übel daran sind. Sckiweine lassen sich in wenigen Monaten Wieder, züchten und mästen, wenn man nur genügend Sauen behält. Rindvieh bedarf mehrjähriger Aufzucht und vermehrt sich um ein Vielfaches langsamer als Borstenvieh. Die im„Vorwärts" am Mittwoch(Beilage) mitgeteilte Anregung des Gutsbesitzers Zielke aus Ostpreußen, die Kälber zu schlachten, uni die zu ihrer Aufzucht nötigen 300 bis 600 Millionen Liter Milch im Jahre zu sparen und daraus 40 Millionen Pfund Butter zu gewinnen, will die Zukunft (einen Zuchtjahrgang) preisgeben, um dem Mangel der Gegenwart abzuhelfen. Der Landtag hat sich für das Gegen- teil entschieden, und' alle Redner haben zur Begründung dieser Entscheidung auf die nach dem Kriege fortdauernden Schwierigkeiten des internationalen und nationalen Marktes hingewiesen. Ter Kälbermord ist in der Tat sehr bedenklich und nur zu rechtfertigen, wenn es sein muß. Darüber aber hat uns die Landtagsverhandlung eben nicht aufgeklärt, o b es nicht doch sein muß! Der andere Vorschlag des Herrn Zielke, minderwertige Kühe abzuschlachten, um die milchergiebigen besser zu füttern, ist bestechend. Ein leider noch sehr großer Teil unserer Rindviehbestände ist minderwertig, der Nationalwirtschaft wenig leistend, den: Einzelbetrieb Schaden eintragend. Es wäre ein Fortschritt von großer Bedeutung, wenn diese als Stammeltern künftiger Herden ausgeschaltet würden. Wenn das geschähe, um den guten Rest mit Schrot zu füttern, würde die Milchproduktion nicht leiden,—„die Stich milcht durch den Hals", heißt es. Sie gibt nur reichlich und fett- reiche Milch, wenn sie„Kraftfutter" bekommt. Der Vorschlag müßte ausgeführt werden, wenn wir für die knappen Jahre nach dem Kriege diese Stammeltern und ihre minderwertige Nachkommenschaft irgend entbehren können. Aber wir haben auch über solche Dinge durch den Landtag wenig oder nichts erfahren. Zahlen! Rechnen! Klärt uns auf! Die Schlach- tungsziffern, die Herr Lippmann vortrug, sagen wenig. Ist das deutsche Gründlichkeit? Nebenbei: Herr Hoesch erklärte, es sei ein Aberglaube, daß der Großgrundbesitzer der wesentliche Sartoffelbauer fei; ungefähr die Hälfte der Ernte werde allein von den Be- trieben zwischen 2 bis 20-Hektar(8—80 Morgen) geliefert. In seinem Buche„Die wirtschaftlichen Fragen der Zeit" (Seite 49) sagt aber Herr Hoesch: Der Krieg habe uns ganz andere Ansichten gelehrt„über die Bedeutung des Großgrundbesitzes als Produzenten des in Zuschuß- gebieten benötigten Brotgetreides und der dort gleichfalls begehrten Kartoffe l." Von einem Vorrang des Klein- grundbesitzers, den er in seinem Buche für die Viehzucht bc- tont, lesen wir da nichts. Im Gegenteil, er empfiehlt auch ivegen seiner Verdienste um unsere Kartoffelversorgung den Großgrundbesitz, der(wenn man die Betriebe von 200 Hektar an dazu rechnet) bei der letzten Betriebsstatistik nur etwas niehr als ein Sechstel der Kartoffelanbaufläche aufwies. Die Großbetriebe liefern allerdings verhältnismäßig mehr ab als die Kleinbetriebe, die einen größeren Teil ihrer Ernte selbst verbrauchen. Aber unsere Hauptkartoffellieferanten sind eine Million Klein- und Mittelbauern mit je 5— 20 Hektar Land, die beinahe den dritten Teil alles Kartoffellandes in Deutschland bebauen, Nämlich rund 3,8 Millionen Morgen von 12,7 Millionen. Unsere Bauern überhaupt— rund 2)4 Millionen Betriebe— bestellen weit mehr als zwei Drittel des Kartoffellandes: in das letzte Drittel teilen sich Großbesitz und Zwergbesitz: auf jenen kommt davon etwas mehr als die Hälfte, also reichlich ein Sechstel des Ganzen. Die Städter müssen mit diesen Bauern ihren Frieden machen, was nur durch wirtschaftliche Annäherung der Erzeuger und Verbraucher geschehen kann. Die Ge- meindeverwaltungen und die Konsumvereine müssen diese Verbindung herstellen. Die Gemeinde-, Staats- und Reichs- Wirtschaft im Kriege fördert sie leider kaum. Die Einnahme von Sukarest. Die Einnahme von Bukarest vollzog sich nach den Mit- teilungen, die amtlich gegeben wurden, unter bemerkens- werten Umständen. Von rumänischer Seite wurde begriffen, daß eine Verteidigung unmöglich geworden war, und nun Der Zelözug in öer vobruöstha. 3. Der Durchbruch. AuS dem Hauptquartier des Generalfeldmarschalls V. Mackensen erhalten wir folgende Zuschrift: Der Flügelschlag des siegreichen Verfolgungskampfes ist wie alles Irdische durch materielle Sorgen beschwert. Der Ungestüm der vorwärts drängenden Menschen entfernt sich immer weiter von den Vorratskammern, aus denen eine Armee täglich mit Nahrung und Eisen gespeist werden muh. Wenn der Nachschub dieses Betriebs- stoffeS unter den schwierigsten Verhältnissen leidet, wie sie auf dem Kriegsschauplatz hier in ungewöhnlichem Maße vorhanden sind, bleibt nichts übrig, als sich durch Sammellager den Rückhalt für neue Taten zu schaffen. Kein Wagnis ist zu groß, wenn sein Gelingen nur von der Fähigkeit der Truppe abhängt; es an Zufälligkeiten ausreichenden Nachschubs zu ketten, wäre der Keim des Verhängnisses. Schon bei den Vormärschen in Galizien, Polen, Serbien hatte sich ein gewisser Rhythmus der Vorwärtsbewegung herausgebildet. Auf mehrtägige Angriffsgefechte folgten Pausen, in denen das Netz der Nachfuhr in Ordnung gebracht, unterdessen die feindliche Stellung erkundet und die eigene Gruppierung ihr angepaßt wurde. Erst die spätere Geschichtsschreibung wird ein getreues Bild der Nachschubschwierigkeiten zeichnen können, mit denen eine größere Armee in diesem unentwickelten Lande zu kämpfen hatte. Der vor- übergehevde Stillstand unseres Vormarsches hatte den hoffnungs- bereiten Gegner zu dem frohen Glauben verleitet, daß sich unsere Truppen nicht die Kraft zumaßen, die befestigte Eisenbahn- linie Constanza— Cernavoda in ihre Hand zu bekommen. Die Ententepresse vergaß rasch die soeben erlittene Niederlage und jubelte. Die rumänischen und russischen Divisionen hatten sich von ihrem Schrecken erholt und unternahmen mit Verstärkungen in stän- dig wiederholten Angriffen den Versuch, ihrerseits die Offensive wieder aufzunehmen. Sie wurden an allen Stellen unserer schnell befestigten Front mit schweren Verlusten immer wieder abgelviesen. Die Schwächung, die sie sich auf diese Weise selbst bereiteten, konnte unserer Führung nur erwünscht sein. Die Vorbereitungen für den geplanten Durchbruch wurden in gewohnter Sorgfalt getroffen. Vor dem Stützpunkt Cobadinu wurden bewährte bulgarische Regimenter, gegenüber dem starken Boll- werk Toprai sar eine neu eingetroffene deutsche Division zu- sammen mit der Brigade B. eingesetzt. Land- und Seeflieger über- wachten in unermüdlichem Pflichteifer den feindlichen Aufmarsch, sie störten durch fast tägliche Bombenwürfe und Maschinengewehrfeuer den Truppen, und Materialienverkehr über die Brücke bei Cernavoda, die TruppenauLladungen im Hafen von Constanza und griffen mit gutem Erfolgen die Biwaks und Munitionslager an. Die Nachricht suchte man nach emer Form Her Aufgabe der Stabt, bie bem Triumph des Siegers die Wirkung nach außen hin schmälern sollte. Die Uebergabe sollte keine Kapitulation nach großem Kampf werden: deshalb wurde zunächst erklärt, Bukarest sei gar keine Festung. Gleichwohl kam es zu einigem Wider- stand. Er ist nicht erheblich gewesen. Aber das kann die Be- deutung der Einnahme dieser Hauptstadt natürlich nicht herabsetzen. Sie ist eine klar gestempelte Bescheinigung, daß der Stand der Dinge des Weltkriegs im Osten für die Gegner der Zentralmächte abermals durch ein glänzendes Fiasko be- zeichnet wird. Die amtliche Meldung über die Einnahme von Bukarest lautet: Am S. Dezember, 10 Uhr 30 Minuten vormittags, wurde Hauptmann im Generalstab Lange als Parlamentär mit einem Schreiben des Generalfeldmarschalls von Mackensen, das die Uebergabe der Festung forderte, an den Kommandanten von Bukarest entsandt. Ein weiteres Schreiben gab dem Komman- danten bekannt, daß das Feuer auf die Festung eröffnet werden würde, wenn der Parlamentär nicht binnen 24 Stunden zurück- gekehrt sei. Hauptmann Lange, der an der rumänischen Vorpostenlinie von einem General empfangen und mit verbundenen Augen im Kraftwagen nach Bukarest geführt wurde, ist am 6. Dezember früh vor Ablauf der gestellten Frist zurückgekehrt. Die Annahme des Briefes des.Generalfeldmarschalls von Mackensen ist von dem Oberbefehlshaber der rumänischen Donau- armee verweigert worden unter der Begründung, daß Bukarest keine Festung, sondern offene Stadt wäre; es beständen weder armierte Forts, noch zu ihrer Verteidigung bestimmte Truppen, es gäbe weder einen Gouverneur noch einen Kommandanten. Hauptmann Lange hat auf den Charakter von Bukarest als Festung hingewiesen und darauf, daß ein solches Ausweichen die deutschen Operationen nicht behindern werde. Am Morgen des 6. Dezember setzten Teile deZ Kavallerie- korps Schmettow sich in Besitz eines Forts auf der Nordfront, Teile des 54. Armeekorps drängten nach und nahmen die Forts- linie von Chiajua(Westfront) bis Odaile(Nordfront). Der Geg- ner leistete mit Infanterie Widerstand, der schnell gebrochen wurde. Von der Südfront her drangen Teile der Donauarmee durch den Fortsgürtel in die Stadt; sie fanden keine Gegenwehr. Die in Bukarest«inrückenden Truppen wurden begeistert emp- fangen und mit Blumen geschmückt. Generalfeldmarschall von Mackensen begab sich im Kraftwagen vor das königliche Schloß, wo er mit Blumensträußen begrüßt wurde. » Das Aufgeben der Festung Bukarest stellt nicht nur einen strategischen Erfolg des Zangenangriffs auf Rumänien dar, sondern ist eine Nachwirkung des mächtigen Beweises, den in den letzten zwei Jahren die deutsche Kriegskunst in bezug auf die sehr veränderte Bedeutung der Festungen im modern- sten Kriegsringen geführt hat. Das bestätigt eine militärische Betrachtung des„T e m p s". Das französische Blatt schrieb vorgestern, ehe noch der Fall Bukarests geschehen war: Die Rumänen haben mit Recht die eventuelle Aufgabe der Hauptstadt ins Auge gefaßt. Ein Verteidigungsversuch würde nur damit endigen, daß in Bukarest Truppen gefangen genommen würden. Man hat in Lüttich, Namur und Antwerpen gesehen, was die Festungen BrialmontS wert sind. Man braucht kein großer Stratege zu sein, um zu begreifen, daß die rumänische Armee, wenn sie die in Titu angekommenen Deutschen nicht aufhalten kann, nur einen Entschluß zu fassen hat, nämlich, sich auf die russische Armee zurückzuziehen und an diese anzulehnen, um mit ihrer Hilfe den Feldzug fortzusetzen. •• • Der russische Heeresbericht vom 3. Dezember meldet: Rumä- nische Front: An der siebenbürgischen Grenze dauern die Kämpfe in den Tälern der Flüsse Trotus, Sulta, Tschebruisch, Ussa ustd Raitz Dostiach an. In der Walachei dauern die Angriffe des Feindes fort. Der Feind hatte Erfolge bei Tarybrirte und Ploesti, ebenso in der Gegend von Zokaneschti, an der Eisenbahn von Titu nach Bukarest, wo die Rumänen infolge Durchbrechung ihrer Front gezwungen waren, sich zurückzuziehen. In anderen Abschnitten wurden die Angriffe abgewiesen. von dem stellenweisen Ausbruch der Cholera in feindlichen Quartieren gab zu vorbeugenden Maßnahmen Anlaß. Deutsche Unterseeboote hielten sich bereit, unsere rechte Flanke von See aus zu decken. In mehrlinigen, weit ausgedehnten, schon in Friedenszeiten mit allen Befestigungsmitteln ausgebauten Stellungen stand ein an Zahl erheblicher Feind gegenüber. Auf einer Front von etwa 70 Kilo- meiern waren, vier voll aufgefüllte rumänische, zwei russische, eine serbische Division, ferner eine russische Kavalleriediviston und ewe rumänische Kavalleriebrigade teils vorne, teils in Reserve in gefechts- bereiter Verteidigung. Eine weitere russische Schützendivision und ein weiteres russisches Armeekorps trafen kurz vor dem Durchbruchs- tag im Kampfgebiet ein. Ernste, harte Tage standen bevor. Aber mit sicherer Zuversicht legten die verbündeten Truppen ihr Schicksal in die Hände ihre? begeistert verehrten, sieggewohnten Führer?. In der Anlage und genauesten Vorbereitung war alles Erdenkliche geschehen. So konnte auch die Führung mit gutem Mute hoffen, daß die Durch- führung der Befehle den Erfolg erzwingen würde. Am Morgen des IS. Oktober wirbelten im klaren Herbstlicht auf der ganzen Front die schweren Eisenschlägel zum Sturm. Der Feind war zunächst aus seinen teilweise erst in letzter Zeit mit Draht umsponnenen Vorstellungen zu werfen. Der Angriffsbefehl forderte den Vormarsch auf der ganzen Linie. Von einer kleinen Anhöhe, die einen weiten Ueberblick über die Ebene gewährte, leitete General- feldmarschall v. Mackensen mit seinem Generalstabschef, General Tappen, die Kampfhandlung. Auf dem rechten Flügel führte die bulgarische Kavallerie, die sich schon auf dem Vormarsch bewunderns- wert geschlagen hatte, ihre Aufgabe schneidig durch. Auch auf der übrigen bulgarischen Front arbeitete sich die Infanterie todesmutig an die feindlichen Gräben heran. Der bulgarische Kronprinz weilte unter seinen Soldaten, ein Vorbild hingebendster Pflichterfüllung. Die türkischen Divisionen, denen Russen gegenüberstanden, gingen in guter Ordnung, wie auf dem Exerzierplatz, vor. Sie stürmten noch am ersten Tage die feindlichen Stellungen, machten 1500 Gefangene und erbeuteten zwei Geschütze sowie mehrere Maschinengewehre. Die schwerste Aufgabe fiel einer deutschen Division zu, die gegen Topraisar angesetzt war. Die rumänischen Stellungen waren vor dem Dorfe, teilweise tief einzementiert, wie ein Spinnennetz aus- gebreitet und mit starken Kräften besetzt. Das konzentrische schwere Artilleriefeuer, das auf den Gräben und Zugangswegen lag, konnte naturgemäß nur gegen einen Teil der weitverzweigten Anlagen wirken. Der Jnfanterieangriff hatte vor der feindlichen Stellung kilometerweit flachen, steppenartigen Boden zu überwinden. ES war somit dem Teil der feindlichen Verteidigungswerke, der von unserer Artillerie nicht gefaßt war, ein leichtes, sich der ungedeckt nähernden Schützen zu erwehren. Zweieinhalb Tage hat ein pommersches Re- serveregiment hier dem Feuerhagel des verschanzten Gegners getrotzt und ihm mit zähester Verbissenheit im schrittweisen Vorrücken die Vorstellung und dann die Hauptbefestigungen entrissen. Der ge- der bulgarische Kriegsbericht. Die Schlacht am unteren Argeful. Sofia, 3. Dezember. Generalstabsbericht vom 0. Dezember. Rumänische Front: In der Dobrudscha beiderseits zeit- weiliges Artilleriefeuer. An der Donau bei Tutrakan, Oltina, Rahova und Cernavoda Artilleriefeuer. In der Walachei brachten unsere Truppen am Unterlauf des Argesul verzweifelte Versuche der Russen und Rumänen, einen Gegenangriff gegen uns zu unternehmen, durch machtvollen Vorstoß zum Scheitern. Besonders heftig waren die Gegenangriffe der Russen auf der Linie Falastoca— Ogeni. Sie wurden mit schweren Verlusten für den Feind zurückgeschlagen. Zahlreiche tote und verwundete Feinde blieben auf dem Schlachtfeld. Di« Brücken über den Argesul sind vom Gegner vollständig zerstört. Unsere Truppen überschritten den Argesul auf einer Furt bei Copaceni-Staivan. Wir besetzten einen Brückenkopf. Unsere Truppen befinden sich schon sechs Kilometer von den Forts von Bukarest. In den Kämpfen a n d e n Flüssen Neajlow und Argesul brachte die tapfere erste Division vom 28. November bis heute 16 Offiziere, 840 Mann, zwei schwere Geschütze, sechs Haubitzen, 26 Feldgeschütze und sieben Kanonen kleinen Kalibers, 31 Munitionswagen, 8 Maschinen- gewehre, Gewehre, Granaten und anderes Kriegsmaterial ein. In dem Dorf Dahilgr wurden zehn Flugzeuge und siebzehn Panzer- türme gefunden. Mazedonische Front: Im Cernabogen zeitweise heftiges Artilleriefeuer. Durch Gegenangriff warfen wir feind- liche Infanterie zurück, die sich unseren Stellungen östlich der Cerna bei Gradesnica genähert hatte. Auf beiden Seiten des Wardar lebhaftes Feuer der feindlichen Artillerie, besonders gegen die deutschen Stellungen südlich von Bogoroditza. An der Front der Belasitza Ruhe; an der Struma Artillerietätigkeit. Wir zerstreuten ein Bataillon, da? auf dem Nordufer des Tahinos- Sees vorzurücken suchte, die englische Krise. Lloyd George mit der Kabinettsbildung beauftragt. Auf den Rat Bonar Laws hat der König Lloyd George ersucht, die Regierung zu bilden. Lloyd George hat eingewilligt und wird sich bemühen, ein nationales Mini- sterium, ohne Rücksicht auf Parteiunterschiede zu bilden. Der entscheidenden Besprechung wohnten Asquith, Lloyd George, Balfour, Bonar Law und der Arbeitsminister Hmderson bei. Nach einer Meldung des„Nieuwe Rotterdamschen Courant" aus London tritt„Manchester Guardian" für Lloyd George ein, verteidigt sein Auftreten und sagt, er habe mit dem, was er tat, nur seine Pflicht zu erfüllen geglaubt. Auch sonst glauben die Blätter, wie Reuter meldet, allgemein, daß Lloyd George die Bildung eines Kabinetts mit Hilfe der Libe- ralen, der Konservativen und der Arbeiterpartei gelingen werde. Man erwartet, daß er der Arbeiterpartei eine ausgiebigere Vertretung im Ministerium einräumen wird, und daß es Asquith und die wichtigsten der früheren liberalen Minister vorziehen werden, eine freund- fchaftliche Opposition zu bilden.„Daily Chronicle" schreibt, das neue Kabinett werde wahrscheinlich nur aus sechs Mit- gliedern bestehen. Lloyd George lege großes Ge- wicht auf die Unterstützung der Arbeiter- Partei. Er habe u. a. den Plan, alle Kohlenbergbautcn unter Staatsaufficht zu stellen. Vor allem strebe er eine euer- gischere Weiterführung des Krieges an.„Daily News" erfährt, daß Lloyd George derArbeiterpartei drei oder noch mehrSitze im Kabinett einräumen werde, das im übrigen stark eingeschränkt werden soll. Die Haltung öer Gewerkschastsverbänöe. Amsterdam, 7. Dezember.(W. T. B.) In«wer Versammlung der Parlamentskommission der Gewerkschaftsverbände, die am 5. Dezember abgehalten wurde, wurde folgende Entschließung ein- stimmig angenommen:„Wir bedauern aufrichtig, daß gewissen Staatsmännern unter Leitung und Einfluß einer Preßbewegung in feierte Sturm bei St. Privat hat hier seine Auferstehung gefunden. DaS Gelände war hier bei Topraisar freilich noch ungünstiger als dort, die Verteidigungskraft des FeindeS durch die neuzeitliche Technik verstärkt. Nachts arbeiten sich die Kompagnien an die Hindernisse heran. Sie versuchen, Sturmgassen in die Drahtverhaue zu schneiden. Der Gegner bemerkt die Annäherung und streut die Feuergarben über den Boden hin. Von den 24 Mann einer vorgeschobenen Offi- zierSpatrouille bleiben drei Mann übrig. ES sind Stunden höchster Nervenanspannung. Der Tag bricht an. Die vordersten Schützen krallen sich regungslos m der schwarzen Erde fest. DaS Feuer flutet über sie hinweg. Sie können nicht vorwärts, nicht rückwärts. An Munitionsnachschub und Nahrung ist nicht zu denken. Ader dem Feind steckt ihre sprungbereite Nähe lähmend in den Gliedern. Am dritten Vormittag wird das Dorf von den Nachbar- regimentern im Osten umfaßt. Zwei Kompagnien sind schon am öst- lichen Dorftand. Da bricht die feindliche Mauer zusammen. Erst laufen einzelne weg, dann kriechen ganze Gruppen aus den Gräben, schließlich reißt alles aus, was Beine hat. Nun springen die Pommern auf, durchschneiden den Draht und nehmen die Verfolgung auf. Ein gestriegelter rumänischer Offizier in lackierter Eleganz wird von dem gedeckten Tisch eines tiefgelzgenen Unterstandes hervorgeholt. Die Gefangenen berichten von der verheerenden Wirkung unserer Granaten. In den Gräben laufen mit irren Blicken Rumänen auf und ab, die den Verstand verloren haben. Unsere Artillerie fährt vor. Dünne deutsche Schützenketten treiben den geschlagenen Feind vor sich her, der in etwa 20 Linien, dicht wie ein Ameisenhaufen, kopflos vor ihnen flüchtet, Artillerie und Bagage zwischen den Reihen. Seine Verluste sind in dem Übersicht- lichen Gelände überaus schwer. Was nicht mitkommt, wird im Stich gelassen. Plötzlich stockt das flichende Heer. Am Horizont taucht russische Kavallerie auf. Sie haut auf die Ausreißer ein und will sie zurücktreiben. Aber die.Kugeln unserer Musketiere haben mehr Gewalt über ihre Seelen als die Kosakenpeiffchen. Nach einem kurzen, hilflosen Zaudern geraten die Massen wieder in Fluß, und die ftind- liche Kavallerie hat ein Einsehen und kneift mit ihnen aus. Unter den 3300 Gefangenen der ersten beiden Tage waren 3000 Russen. Die Rumänen ließen sich lieber auf der Flucht aus nächster Nähe erschießen, als daß sie sich ergaben. Man hatte ihnen erzählt, daß sie in der Gefangenschaft grausam umkämen. Die rumänische Heeresleitung hat durch diese Schauermärchen selbst verschuldet, daß die Niederlage ihrer Dobrudscha-Armee zu einem so blutigen Aderlaß am rumänischen Volke wurde. Auffällig ist ferner, daß sich unter den Gefangenen nur zwei Offiziere befanden. ES werden durch diese Tatsache die Aussagen ihrer Soldaten bestätigt, daß sich die vor dem Krieg so ruhmredigen Offiziere während des Kampfes bescheiden im Hintergrund hielten und die Kompagnien durch Feldwebel oder Unter- offiziere befehligen ließen. Doch als es nach rückwärts ging, waren sie die Vordersten. der Stunde einer nationalen Krise die Treue und Selbstaufopferung zu beweisen versäumt, die sie während des Krieges den Arbeitern wiederholt als erste Pflicht vorgehalten haben. Ferner sprechen wir die aufrichtige Hoffnung aus, der unpassende Zwist zwischen einigen von den Personen, auf denen große Verantwortung lastet, sofort bei- gelegt werde, damit den Arbeitern, die, wie wir vertrauen, dabei bleiben werden, ihre besten Kräfte für das Wohl des Landes einzu- setzen, ein besseres Vorbild gegeben werde." Ein Vorspiel. Die„Morning Post" hatte, wie jetzt W. T. B. meldet, schon am 24. November einen Artikel veröffentlicht, der im Hinblick auf die jetzige Krise von besonderem Interesse ist. Unter der dreifachen Ueberschrift:„Die müde Koalition.— Ist eine Rekonstruktion möglich?— Ernährungsprobleme und Admiralität" führte das konservative Blatt u. a. folgen- des aus: Man unterhielt sich gestern viel in den Wandelgängen oes Parlaments über den Leitartikel in der gestrigen„Morning Post" bezüglich Mr. Lloyd Georges Stellung in dem Kabinett und der Notwendigkeit, seine Hände im Interesse einer energischeren Fort- führung des Krieges zu stärken. Es fällt mit einer anderen jener periodischen krampfhaften Anstrengungen der Unruhe in der politischen Welt zusammen, für die die Saumselig- keit und Schlaffheit der Koalitionsregierung verantwortlich sind. Die neueste von ihnen scheint tiefere Ursachen zu haben, als ihre Vorgängerinnen, und schon seit einigen Tagen spricht man von einer möglichen ministeriellen Rekonstruktion während der Weihnachtsferien und von beunruhigenden Gerüchten über die Haltung gewisser Kabinetts-Mitglieder bezüglich einzelner Kriegsstagen. Einiges davon ist zweifellos direkt durch die unzufrieden- stellende Lage der Dinge in Rumänien verursacht worden, denn sobald die Sache auf einem der Kriegsschauplätze nicht so recht geht, so ist es das erste für den gewöhnlichen Politiker, nach einem „Sündenbock" auszuschauen, aber die Wurzeln der gegenwärtigen Beunruhigung liegen sicherlich tiefer. Mr. Runcimans Rede in der letzten Woche, w der er die Ernennung eines Lebensmittel- diktators ankündigte, hatte eine Wirkung, die gerade das ent- gegengesetzte von dem war, was er vermutlich vorausgesehen hatte. Sie lieh'das Volk den Ernst des Problems erkennen, aber sie zeigte auch die Langsamkeit der Regierung, damit fertig zu werden. Als weitere Ursachen der Beunruhigung werden der An- 'griff der deutschen Flotte im Kanal und die Tätigkeit der deutschen U-Boote angegeben. George Lambert habe eine Anfrage an Asquith angekündigt, ob er, bezüglich der ängstlichen Bedenken, die man hinsichtlich unseres Transport- dienstes und unserer Lebensmittelzufuhr durch Schiffe hegt, dem Haus entweder durch eine geheime Sitzung oder durch ein anderes Mittel die Versicherung„geben kann, daß man die Bedrohung durch feindliche Unterseeboote gut in der Hand hat". Das Unterhaus hat sich vertagt. London, 7. Dezember.(W. T. B.) Reutermeldung. Das Unterhaus hat sich nach einer stark besuchten formellen Sitzung, in der 20 Minister anwesend waren, ohne Diskussion bis zum 12. Dezember vertagt. Griechen gegen öen vierverbanö. Amsterdam, 7. Dezember.(T. U.) Daß der Streich des Vierverbandes, den er gegen das kleine königstreue Griechen- land führt, fehlgeschlagen ist, geht aus einem Telegramm der Havasagentur aus Athen hervor. Aus Paris wird berichtet: Im Lmife des Montag und Dienstag, heißt es in dem Bericht, habe die gesamte französische Kolonie Athen verlassen. Die Untertanen der fremden Nationen wohnen in den Hotels am Piräus. Eine große Anzahl von ihnen sei bereits an Bord der Schiffe gegangen und abgefahren. Es fanden keine Unter- Handlungen irgendwelcher Art zwischen dn Vierverbandsge- sandten und dem griechischen Kabinett mehr statt. Aus vcr- schiedenen Städten der Provinz, namentlich aus Rinsa und Janina, werden ernste Unruhen gemeldet. Die Reservisten haben in Larissa die Herrschaft an- sich gerissen. Alle Läden find geschlossen. In der Stadt herrscht eine Panik. Wie groß die Wut der griechischen Bevölkerung gegen den Vierverband und gegen sein Werk, Venizelos und dessen Anhang ist, erhellt aus folgendem Bericht aus Saloniki: In Trikala haben die Reservisten die französischen Offiziere verhaftet und sollen jeden mit dem Tode bedroht haben, der sich für Venizelos er- klärte. In Volo drangen 150 bewaffnete Reservisten in das Bureau eines venizelistischen Blattes ein, warfen die Möbel auf die Straße und steckten das Bureau in Brand. Der sozialistische ßrieöensantrag in üer italienischen Kammer. Rom, 6. Dezember.(W. T. B.) Gegen Schluß der Kammersitzung wurde die Friedensresolution der offiziellen S o zi a l i st e n zur Debatte gestellt. Ministerpräsident Bosell, führte aus: In dem die Kammer die Erklärungen der Regierung erörterte, trat sie bereits vollständig in die Beratung der Friedensstage ein, und die Regierung kann in keiner Weise die Frei- hcit, diese Beratung auszudehnen, beschränken. Aber die Reso- lution der Sozialisten würde notwendigerweise zu einem Beschluß führen, der in diesem Augenblicke unzweckmäßig sein würde, da die Kammer ebensowenig, wie fiir einen voreiligen und unsicheren Frieden, gegen den Frieden stimmen kann.(Sehr gut!) Die in der Resolution dargelegten Grundsätze sind zweifellos des Lobes würdig, aber wir wissen nicht, ob diese Grundsätze von den Mittelmächten anerkannt und angenommen werden. Ueberdies muß man auch den leisesten Verdacht ausschließen, daß Italien, da es keinen Sonderfrieden will, sich von der Seele und den Bestrebungen seiner Alliierten getrennt habe.(Sehr lebhafte Zu- stinimung.) Die Kammer darf keine Wünsche äußern, die auch nur im allergeringsten den Eifer unserer Kämpfer schwächen und die Tatkvaft des Landes verringern könnten.(Sehr lebhafter Beifall.) Man kann nur den Sieg beschleunigen, dies bedeutet den Frieden beschleunigen.(Lebhafter Beifall.) Nur auf diese Weise wird der Friede dauerhaft sein, nur auf diese Weise wird Italien sich zum sicheren Herrn seines ganzen Gebietes und seines Meeres machen, nur auf diese Weise wird die Grundlage für die Politik Europas wäbrhaft fest sein, denn sie beruht nicht auf Verträgen, sondern auf dem Grundsatz der Nationalitäten.(Zustimmung.) Es ist der Sieg, der den Frieden sichern muß.(Sehr lebhafte Zu- stimmung und Beifall.) Wenn die Resolution aus diesen Beweg- gründen aufrechterhalten wird, schlage ich die Vertagung auf sechs Monate vor.(Sehr lebhafter wiederholter allgemeiner Beifall.) T u r a t i und T r e v e s bestanden auf der sofortigen Be- ratung. Der Reformsozialist Marchesano trat für die Ver- tagung ein. Deno unterstützte ebenfalls die Vertagung und er- klärte: Tie Resolution ist eine Falle für den natio- nalen Widerstand. Die italienische Kammer darf sich dazu nicht htrgeben. kSchr lebhafter Beifall.) (Die berühmte„Fripdensfalle" ist irun auch ins Jtalie- nische übersetzt, nur scheint Herr Boselli vor ihr nicht so große Angst zu haben wie Herr Deno.) Die Besprechung des Friedensantrags der Sozialisten wurde schließlich mit293 gegen47 Stimmen auf ein halbes Jahr vertagt. Ein weiterer Antrag auf Abhaltung einer geheimen Sitzung wurde zurückgezogen. Italiens tzanöelspolitik nach öem Kriege. Auf die im Schöße der Entente ausgeheckten Bestrebungen, den Wirtschaftskrieg über den Krieg hinaus zu verewigen, konnte sich Rußland aus Respekt vor dem Strangulieren mit eigener Faust nicht einlassen. Nun hat Herr Boselli in seiner Kammerrede mitgeteilt, daß auch Italien sich das kulturfreundliche Experiment hinreichend weit vom Leibe gehalten habe. Er erklärte: Die italienische Regierung hat die Beschlüsse der Pariser Wirt- schaftskonferenz betreffend die Wirtschastspoiilik im Kriege ange- nommen, ist dagegen keine Verpflichtungen bezüglich der Handelspolitik nach dem Kriege eingegangen. Die Freiheit deS Parlaments auf diesem Gebiet ist daher für künstige Beratungen vollständig gewahrt. Alle Handelsverträge Italiens mit anderen Staaten laufen 1917 ab. � Die französischen Geheimsitzungen. Eine Genfer Havasmeldung von gestern sagt: Die sran- zösische Kammer wird heute die Erörterung der Interpellationen in geheimer Sitzung zu Ende führen und morgen mittag gleichfalls in geheimer Sitzung die eingebrachten Tagesordnungen prüfen. Sodann wird die Kammer eine öffentliche Sitzung abhalte», in welcher die Abstimmung über die Tagesordnungen stattfindeer wird. Gustave H e r v 6 graut es vor den Geheimsitzungen der Kam- mer. In der„Victoire" vom 2. Dezember schreibt er: Die geheime Kammersitzung dauert bereits den fünften Tag. während die Deut- schen sich Bukarest immer mehr nähern und es einzuschließen drohen. Mit Schrecken fragt man sich, wieviel Tage dieser Wort- schwall noch anhalten soll? In Gedanken zieht man Vergleiche zwischen unseren Methoden und denen Deutschlands, wo man in kürzester Zeit Falkenhayn durch Hindenburg ersetzte, wie man seinerzeit Moltke durch Falkenhayn ersetzt hat, und wo man gleich- zeitig mit der Zertrümmerung Rumäniens Zeit findet, die Zivil- dienstpflicht vorzubereiten und einzuführen. Wenn die Regierung und das Parlament nicht begreifen, daß die Stunde der großen männlichen Entschließungen, der äußersten Maßnahmen für das öffentliche Wohl gekommen ist, so kann man ihnen voraussagen, was uns erwartet.... Das weitere hat die Zensur durch eine Lücke unterbrochen. Aber der Schrei nach dem starken Mann ist ja schon vernehmlich genug. » HervS prophezeit eine Kriegsregierung. Rotterdam, 7. Dezember.(T. U.) Nach Meldungen an den „Nieuwe Rotterdamsche Courant" aus Paris scheint es, als ob heute die Gehcimsitzung zu Ende gehen soll, worauf öffentliche Sitz- ungen abgehalten würden. Das Land wird dann vier wichtige Matznahmen und Veränderungen auf politischem, militärischem, administrativem und wirtschaftlichem Gebiete vernehmen. Eine tatkräftige Kriegsführung zur Vorbereitung des Feldzuges 1917 werde als Beantwortung der Einführung der Zivildienstpflicht in Deutschland und der augenblicklichen Erfolge der Mittemächte in Rumänien eingeleitet werden. Die Blätter sind noch nicht er- mächtigt worden, die neuen Maßnahmen und Namen, welche damit zusammenhängen, zu nennen. Gustave Herve prophezeii«ine Kriegsregierung. Der v-Soot-�lngriff auf Zunchal. Ein neuer Angriff. London, V. Dezember. Die Zeitungen berichten aus Lissabon vom 6. i Ein neuer Untrrseebootsangriff wird ge> meldet. Einzelheiten fehlen. Die erste bereits gemeldete Beschießung war hauptsächlich gegen die englische Unterseekabel-Station und andere öffentliche Gebäude gerichtet. Nach amtlichen Nachrichten aus Madeira wurden vicrunddreißig Personen getötet, darunter einige portugiesische Seeleute. Die Unterseeboote beschossen die Küste zwei Stunden lang. » Eine neue Aera der U-Boot-Schiffnhrt. Zu dem U-Boot-Angriff in Funchal lchreibt„TempS": In gewisser Hinsicht beginnt damit fiir die U-Boot-Schiffahrt eine neue Aera, denn zum ersten Male haben Tauchboote eine r r g e l- rechte Operation gegen eine Küste unternommen. Wenn bisher ähnliche Unternehmungen nur als Zwischenfälle angesehen werden konnten, so muß man heute mit Artillerieangriffcn von Tauch- booten rechnen und Gegenmaßregeln treffen. Der Borstoß gegen Funchal beweist, daß die neuesten deutschen U-Boote viel stärkere Ge- schütze führen, alS die älteren. Die Tauchboote nehmen immer mehr den Charakter von Kreuzern an, da sie immer häu- figer ihre Geschütze verwenden, die ursprünglich auf U-Booten nur ausnahmsweise gebraucht wurden. Die �Sremet�. Der Präsident der Deutschen Ozean-Reederei in Bremen der- öffentlicht in der„Köln. Ztg." folgendes:„Die zahlreichen Anfragen, welche die Zeitungen und wir hinsichtlich der„Bremen" erhalten haben, beweisen die warme Teilnahme weiter deutscher Kreise an dem Ergehen unserer Handels-Unterseeboote. Ein starkes, wenn auch ganz anders geartetes Interesse daran bezeigt ebenfalls der Feind, indem er infolge des Ausbleibens jeder Nachricht von unserer Seite über die„Bremen" alle möglichen Enten der wilde st en Art losläßt. Einmal soll die„Bremen" in Amerika torpediert worden sein, ein andermal soll sie aufgebracht sein und in Dover liegen. Alle diese Mitteilungen sind glatt erfunden und sollen nur dazu dienen, von uns eine Antwort herauszufordern. Dieser Versuch wird jedoch wie bisher vergeblich bleiben. Mir liegt daran, unseren deutschen Mitbürgern mitzuteilen, daß die Deutsche Ozean- Reederei angesichts unserer Feinde lediglich eine Mitteilung ver- öffentlicht: die jeweilige Ankunft der Boote hüben und drüben. Alle sonstigen Nachrichten, wie sie in Zeitungen erscheinen, stammen nicht von uns. Ich zweifle nicht daran, daß jeder gute Deutsche die Gründe für unser Verhalten verstehen und sich demgegenüber auch nicht wundern wird, wenn wir selbst den wildesten Gerüchten nicht entgegentreten."_ Die Zrieöensbewegung. Kopenhagen, 6. Dezember. Die Dänische Friedens- Vereinigung hält um Weihnachten im ganzen Lande Versammlungen für den Frieden ab und fordert 3000 andere Vereine zur Unterstützung auf, um so die Friedenslvünsche des dänischen Volkes klar zum Ausdruck zu bringen. Das neue polen. Verordnung über Errichtung eines Staatsrats. Auf Grund einer Vereinbarung der deutschen und österreichisch- ungarischen Regierung ist, wie aus Warschau gemeldet wird, eine Verordnung über die Errichtung eines Staatsrats im Königreich Polen veröffentlicht worden. Die Verordnung schafft ein Provi- sorium. Der aus ernannten Mitgliedern gebildete Staatsrat soll vor allem die Wahl einer für die beiden Verwaltungsgebiete des Königreichs gemeinsamen Volksvertretung vorbereiten. Nach Artikel 7 hat der Staatsrat in allen Fragen der Gesetz- gebung, in denen die beiden Verwaltungen gemeinsam oder einzeln an ihn heranzutreten, sein Gutachten abzugeben. Er ist berufen, an der Schaffung weiterer staatlicher Einrichtungen im Königreiche Polen mitzuwirken. Zu diesem Zweck hat der Staatsrat s) die Entwürfe der Verordnungen auszuarbeiten, durch welche die gemeinsame Vertretung der von dem Deutschen Reiche und von der österreichisch-ungarischen Monarchie verwalteten Teile des Königreichs Polen geregelt wird; d) die Einrichtung einer polnischen Staatsverwaltung vorzubereiten. Außerdem hat der Staatsrat 1. Initiativanträge und An- regungen in Landesangelegenheiten vorzubringen, 2. an der Bildung der polnischen Armee mit dem hiermit betrauten höchsten militärischen Befehlshaber der verbündeten Mächte mitzuwirken; S. Beschlüsse über die Behebungen der Kriegsschäden und über die wirtschaftliche Belebung des Landes zu fassen und die hierzu erforderlichen Mittel aus den von den beiderseitigen Verwaltungen zur Verfügung ge- stellten Krediten anzuweisen oder durch Zuschlag zu den direkten Steuern oder durch Aufnahme von Anleihen aufzubringen. Der Vorstand des Staatsrats heißt Kronmarschall. Der Seekrieg. Amerikanischer Dampfer versenkt. New Jork, 6. Dezember.(W. T. B.) Amerikanische Mitglieder der Besatzung des amerikanischen Dampfers„John Lamber t", die aus Bordeaux hier eingetroffen sind, berichten, daß ihr Schiff am 22. November von einem deutschen U-Boot durch Granatfeuer versenkt worden sei. Der englische U-Boot-Jammer. Amsterdam, ö. Dezember.(W. T. B.) Wie auS London gemeldet wird, hat dort am 2. Dezember eine Versammlung in der City von London eine Resolution angenommen, daß die Ad- miralität sofort Matzregeln ergreifen müsse, um der Bedrohung des britischen Ueberseehandels durch U-Boote und Minen entgegenzu- treten, daß ferner die britischen Handelsschiffe wirksam gegen see- räuberische Angriffe bewaffnet und eine effektive Blockade hergestellt werden müsse. Lord Beresford führte unter s'»rrfen Angriffen auf die Regierung aus: Gegenwärtig verlieren wir wöchentlich an 79 999 Tonnen Schiffsraum, und deshalb steigen die Preise der Lebensmittel. Die Regierung kommt immer zu spät. Seit dem Beginn des Krieges sind 1479 Schiffe ver- senkt worden und seit dem 3. November 189. Reicht das nicht aus, um von der Regierung eine Erklärung zu verlangen, wie man in eine solche Lage gekommen ist, obgleich man die See beherrscht? Die Bedrohung durch die U-Boote sei schlimm und könne noch schlim- mer werden. Das hauptsächlichste Ziel der britischen Operationen sei Zeebrügge. Man sollte tausend Flugzeuge dorthin senden. Irgend etwas sei in Dover nicht in Ordnung. Ernsthafte Dinge würden dort enthüllt, die er nicht nennen dürfe, aber die, welche unterrichtet wären, hätten an die Admiralität geschrieben und eine Untersuchung verlangt. Gidson Bowles sagte, die Verluste der englischen Handels- marine bedeuteten, daß die englische Seeherrschaft be- droht sei. England könnte ebenso von Deutschland blockiert werden, wie Deutschland von England. Die Lage sei sehr ernst. Bowles schloß: Wir haben einen Lebensmittelkontrolleur eingesetzt, aber der wirkliche Lebensmittelkontrolleur ist jetzt das deutsche U-Boot, » 990ll-Tonnendampfer versenkt. Der italienische bswaffneit Dampfer„Palermo"(9203 Tonnen), der mit Kriegs- Material aus New Aork unterwegs war, ist gegenüber Kap Sebastian(Katalonien) durch ein deutsches Tauchboot versenkt worden. Zwei Mann der Besatzung sind getötet, 3 verwundet, 98 landeten in Booten in Palanios. Versenkt. Lloyds meldet als gerüchtweise versenkt den nor- w e g i s ch e n Dampfer Harald.„Petit Parisien" meldet a»«» Barcelona: 96 Schiffbrüchige des italienischen Dampfels Palermo(9203 Br.-R.-T.) der Navigazione Generale, der ver- senkt worden ist, sind in Palafrugell(Provinz Gerona) ausgeschifft worden.— Nach einer Meldung des„Petit Parisien" aus Brest hat der spanische Dampfer„Tom" die Besatzung des versenkten g r i e ch i- schen Dampfers„D i m i t r i o" ausgeschifft. Die Besatzung des versenkten norwegischen Dampfers„Gurth" wurde ge- landet.— Als versenkt werden gemeldet der französische Segler „Auguste Marie" und der Fischkutter„Hendrik" sowie die englischen Fischkutter„R. 256" und„R. 21", ferner das griechische Dampf- schiff„Fofe". Ein französischer TorpcbojSgcr gesunken.(W. T. B.) Bern, 7. Dezember. Nach einer Meldung des„Petit Journal" hat der englische Transportdampfer„Teviot" den Torpodejäger„Data- gan" versenkt.(?) Uatagan ist ein französischer Torpodojäger von 300 Tonnen aus dem Jahre 1999. Offenbar handelt es sich um einen Zu- sammensioß._ Lette Nachrichten. Belgien und die Schweiz. Berlin, 7. Dezember.(W. T. B.) Der hiesige fchwcize- rische Gesandte hat bei Gelegenheit einer Unterredung mit dem Reichskanzler zur Sprache gebracht, daß die in der Schweiz verbreiteten Gerüchte über die F o r t f ü h r u ng belgischer Arbeits! os er nach Deutschland unter der schweizerischen Bevölkening Beunruhigung hervor- gerufen haben. Die schweizerische Regierung ist daraufhin über den Sachverhalt und die völkerrechtliche Grundlage der Verfügung aufgeklärt worden. Dabei ist ihr mitgeteilt wor- den, daß der kaiserliche Generalgouverneur in Brüssel bei Durchführung der Maßnahmen auf etwaige schwci- zerische Interessen Rücksicht nehmen werde. Der Zusammentritt des rumänischen Parlaments. Basel, 7. Dezember.(T. U.) Agence Havas meldet: Die Zusammenkunft des Parlaments in Jassy wurde auf den 8. Dezember vertagt. Die Polizeipräfektur von Bukarest forderte die Bevölkerung auf, strikte Ruhe zu beobachten. Die Behörden sind an ihren Posten: nichts rechtfertige den Mangel an Vertrauen seitens der Nation in die Verteidigung des Landes.(„Franks. Ztg.") J\n öie gewerkschaftlich organisierten Arbeiter unö Angestellten Oeutschlanös! DaZ Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst, das der Reichstag am L. Dezember mit 233 gegen 19 Stimmen angenonr men hat, verlangt die Hergabe jeder entbehrlichen Llrbeitskraft für den Dienst der Landesverteidigung. Das Gesetz hat durch Einführung der Arbeitspflicht den festen Baden für die Organisation der Arbeit im Dienste der Nation ge- schaffen. Aber das Wert kann nicht durch j-jioangsarbcit gelingen, sondern es muß der Erfolg freiwilliger Mitarbeit des ganzen Volkes aus eigener Uebeczeugung und freudiger Hingabe sein. Namentlich bedarf es für die Arbeiter und Angestellten nicht des Arbeitszwangcs, denn ein jeder von ihnen ist von Jugend an in Arbeit aufgewachsen und in Pflichtbelvußtscin geschult und wünscht nichts sehnlicher als ausreichende Beschäftigung. Die Organisation des vaterländischen Hilfsdienstes bedarf der Arbeiter und Angestellten in hervorragendem Matze, vor allem derjenigen, die früher in einem der für den modernen Ztriegsbe- darf tätigen Berufe gelernt oder gearbeitet haben. Sie werden aufgefordert loerden, sich den vom neuen Kriegsamt bezeichneten Stellen als Facharbeiter zur Verfügung zu stellen. Aber auch die Angehörigen der übrigen Berufe dürfen nicht abseits bleiben, son- dern ein jeder mutz in der heimischen Arbeitsarmee einen Platz einnehmen, wo er der Landesverteidigung unmittelbar nützlich sein kann. Ein Mangel an weiblichen Angestellten und Arbeiterinnen ist zurzeit nicht vorhanden, weshalb es sich nicht empfiehlt, den Hilfsdienststellen mit dem Ueberangebot solcher Kräfte die Arbeit zu erschweren. Es würde auch erschwerend für die Regelung der Lohnverhältnisse wirken, wenn Arbeitskräfte ohne Bezahlung den auf Lohnarbeit angewiesenen Arbeitern und Angestellten die Ar- beitsplätze streitig machen würden. Der Hilfsdienst verlangt weit- gehende Opfer von allen, nicht zum wenigsten auch Verzicht auf wichtige Rechte. Dem freien Arbeitsvertrag, der Freizügigkeit sind Schranken gesetzt. Das neue Gesetz bringt aber nicht blotz Pflichten für die Arbeiterschaft, sondern es ist durch die tatkräf- tige Mitarbeit des Reichstags auch gelungen, die Rechte der Ar- beiter und Angestellten in Formen, die für die Interessenvertretung während des Krieges ausreichend sind, sicherzustellen. Für alle Münsche, Anträge und Beschwerden der Arbeiter sind zunächst Betriebsausschüsse zuständig, die zur Wahrung der Interessen der Arbeiter in jedem Betrieb mit mindestens 39 Arbeitern bzw. An- gestellten errichtet werden müssen. Kommt hierbei eine Einigung mit dem Arbeitgeber nicht zustande, so kann entweder mit Zu- stimmung beider Parteien das Gewerbe-, Berggewerbe- oder Kaufmannsgericht angerufen werden, oder es entscheidet eine paritätische Schlichtungskommission, die für jeden Bezirk einer Er- satzkommission zu errichten ist. Auch die Landwirtschaft ist dieser Rechtsprechung unterstellt. DaS sind ganz erhebliche Verbesserungen de? seither geltenden Rechtszustandes, die ohne die energische Tätig- keit aller Gewerkschaftsgruppen nicht erreicht worden wären. In Fragen der Heranziehung von Personen zum Hilfs- dienst fungieren die Ausschüsse bei den Ersatzkommisstoncn erst- instanzlich und als Beschwerdestellen Ausschüsse für den Bezirk jedes stellvertretenden Generalkommandos. In Fällen der Heran- ziehung von Betrieben und Berufen zum Hilfs- d i e n st entscheidet zunächst ein Ausschust für den Bezirk des Gene- ralkommandos und über Beschwerden ein Ausschuß beim Kriegs- amt. Ferner wird das Krjrgsamt zur Leitung- des mir der Rege. lung der Arbeiterfragen betrauten Ressorts einen Gewerk- schaftsvorsitzcnden berufen, der das Vertrauen der deutschen Ge- werkschaften in weitestem Matze besitzt. Endlich ist auch das Brr- Berlin, 8. Dezember 1919. eins- und Versammlungsrecht für alle im vaterländischen Hilfs dienst beschäftigten Personen durch das Gesetz selbst geschützt und darf in leiner Weise beschränkt werden. Die Ausführungsbestim mungen zu dem Gesetz bedürfen der Zustimmung eines vom Reichs- tag hierzu gewählte» Ausschusses. Diese Rcchtsgarantien können aber nur dadurch wirkliches Leben erhalten, datz die Arbeiterschaft sich cinniütig und ohne Unterlatz für die gewerkschaftliche» Organisationen einsetzt. Ohne die Mitwirkung im Sinne gewerkschaftlicher Grundsätze würde die Umgestaltung der freie» Privattvirtschaft zur geregelten Bedarss Wirtschaft des Staates lediglich die Arbeiter und Angestellten be nachteiligen und nicht die freudige Anteilnahme Und die großen Leistungen erwecken, deren das Reich so dringend bedarf. Ohne gewerkschaftliche Interessenvertretung wären auch die Aus s ch ü s s e und S ch l i ch t u n g s k o m m i s s i o n e n nicht imstande, ernste Differenzen zu verhüten und die Arbeiter und Angestellten zu ihrem Recht kommen zu lassen. Deshalb müssen die Arbeiter und Angestellten zunächst daraus bedacht sein, gewerkschaftlich organisierte Arbeiter in die neu zu wählenden Ausschüsse zu ent senden, und sie müssen weiterhin dafür tätig sein, datz möglichst alle in vaterländischem Hilfsdienst Beschäftig- ten der gewerkschaftlichen Organisation als Mit glicder zugeführt und über ihre Pflichten und Rechte in kameradschaftlicher Weise ausgeklärt werden. Der vaterländischen Arbeitspflicht mutz die gewerkschaftliche Organisationspflicht gleich- gestellt werden, wenn das große Werk der Mobilisation aller heimr scheu Kräfte dauernd Nutzen bringen soll. Die erste und wichtigste Aufgabe der Arbeiter und Angestellten allerorts ist die Wahl gewerkschaftlich organisierter Vertreter aus ihrer Mitte zu den Betriebsausschüssen. Die Wahl ist unmittelbar und geheim Und erfolgt nach den Grundsätzen der Verhältniswahl. Für Betriebe mit mindestens 39 Angestellten sind besondere Am gestelltenausschüsse zu errichten. Solche Ausschüsse sind auch für Staatsbetriebe, mit Ausnahme der Eisenbahnbetriebe, zu wählen. Weiterhin obliegt es den gewerkschaftlichen Organisationen(Ge Werkschaftskartellen bzw. Gauleitern), Vorschläge fiir die Berufung der ständigen Beisitzer zu den Schlichtungskommissionen für den Bezirk jeder Ersatzkommission zu machen, damit auch in diesen wich- tigen Berufungsinstanzen gewerkschaftlich geschulte Kräfte, zu denen die Arbeiterschaft volles Vertrauen hat, nach Recht und Billigkeit entscheiden. Ueber diese Wahlen werden den Kartellen bzw. Gauleitern besondere Verhaltungsregeln übermittelt werden. Bei diesen Wahlen und bei der Organisationsarbeit während des Krieges sind Streitigkeiten mit den übrigen Gewerkschaftsgruppen zu vermeiden und ein gemeinsames Vorgehen aller Gewerkschafts- richtungen, die unabhängig von den Arbeitgebern bestehen, herbei- zuführen. In dem Existenzkampf, den Deutschland um sein Bestehen und seine Zukunft führt, hat sich die Wahrheit glänzend durchgerungen, daß die Arbeiterklasse der bedeutsamste Teil des Volksganzen ist und ohne deren Opfersinn der geregelte Aufbau der Kriegswirt- schaft nicht möglich wäre, der für die Selbstbehauptung unseres Volkes in diesem Kriege von entscheidender Bedeutung ist. Aber ohne ihre feste Organisation hätte die Arbeiterschaft auch diese Anerkennung nicht erreicht, und diese Organisation mutz nach Be- endigung de« Krieges dasür sorgen, daß die Wiedergeburt Deutsch- lands sich im Zeichen der politischen Gfeichberechtigung und der Anerkennung der Arbeiterorganisationen sowie der Sozialpolitik erfolgt. die GeneraltommiPon öer Gewerkschaften deutschlanös. Gewerkschaftliches. Der Boykott als gewerkschaftliches Kampfmittel. Am 18. Oktober 1911 wurde vom Zweigverein Nürnberg des BauarbeiterverbandeS gegen den Steinmetzmeister Georg L e i t a m in Nürnberg wegen Zahlungsunfähigkeit die Sperre verhängt. Es sollte dadurch eine Schädigung der Arbeiter durch den zahlungs- unfähigen Unternehmer vermieden werden. Die Sperre wurde in der.Fränkischen Tagespost" vom 18. und 29.» Oktober in folgender Weise bekanntgemacht:„Achtung, Steinhauer und Runterputzer! Ueber den Betrieb des Steinmetzmeisters Leikam ist wegen Zah- lungsunfähigkeit die Sperre verhängt. Deutscher Bauarbeiterver- band, Zweigverein Nürnberg-Fürth." In einigen anderen Num- mern der„Tagespost" wurden d'e näheren Gründe angeführt, die zur Verhängung der Sperre geführt hatten. In einem Versamm- lungsbericht in der„Fränk. Tagespost" war außerdem gesagt, datz eine Versammlung der Runterputzer und der Steinarbeiter(Mit- glieder des Zentralverbandes der Steinarbeiter) beschlossen habe, die Sperre für immer bestehen zu lassen. Wegen dieser Tatsachen erhob Leikam im Juli 1912 Klage gegen den Bauarbeitcrverband. Zweigverein Nürnberg, den Zentralverband der Steinarbei- ter, Gau Nürnberg, und die Fränkische Verlags- an st alt und Buchdruckerei in Nürnberg, nachdem er gegen den Bauarbeiterverband zuvor schon die Tarisinstanzen wegen Vertragsbruchs in Bewegung gesetzt hatte. Die Klage lautete auf Aufhebung der Sperre und Zahlung von wöchentlich 59 M. Per dien st entgang vom 18. Oktober 1911 an auf Lebenszeit nebst 4 Proz. Zinsen seit Klagezu- st e l l u n g. Er behauptete, die Beklagten hätten sein Geschäft durch ihr„gegen die guten Sitten verstoßendes, seinen Kredit, Erwerb und sein Fortkommen gefährdendes Verhalten" vollständig ruiniert. Durch die öffentliche Bekanntmachung der Sperre und die damit zusammenhängende Aufforderung an die Arbeiter, bei ihm nicht in Arbeit zu treten, sei es ihm unmöglich gemacht worden, weiterhin als selbständiger Meister seinen Verdienst zu finden, so daß er jetzt als Arbeiter seinen Verdienst suchen müsse. Die Verhängung der Sperre sei„für immer" geschehen, sie sei als „ewige Sperre" gedacht und deshalb ohne weiteres eine unsittliche Handlung. Sie würde aber auch dann eine unsittliche Handlung sein, wenn man annehmen könnte, datz es sich nicht um eine ewige Sperre gehandelt habe, denn der Bauarbeiterverband sei dem Ar- beitgcberverband, dem der Kläger angehöre, gegenüber vertraglich verpflichtet, solche Matzregeln nicht anzuwenden,»»cshalb auch die Verhän'guna der Sperre von der tariflichen Schlichtungskom- Mission für unzulässig und vertragswidrig erklärt worden sei. Eine Matznahme aber, die in unzulässiger und vertragswidriger Weise und in bewutztem Verstotz gegen die zum Schutze der beider- seitigen Verbandsangehörigen unternommenen Verpflichtungen ge- troffen werde, sei als eine gegen die guten Sitten verstotzende Handlungsweise anzusprechen. Die Beflagten, die durch Rechtsanwalt S ü tz h e i m vertreten wurden, machten geltend, datz eine ewige Sperre nicht verhängt und datz den Verbandsmitgliedern nicht verboten worden sei, beim Kläger zu arbeiten; verschiedene Mitglieder hatten auch bei ihm gearbeitet. Die Behauptung des Klägers, es sei durch die Sperre arbeitslos geworden, sei also unwahr. Im übrigen sei die Ent- scheidung dieser Streitfragen nicht Sache der bürgerlichen Gerichte, sondern der tariflichen Schiedsinstanzen. Die Klage beschäftigte in jahrelanger Tauer mehrere Gerichte. Die Einrede des Bauarbeiterverbandes, datz die Entscheidung dieses Rechts st reits durch die tarif- lichen Schiedsinstanzen, nicht aber durch die bür- gerlichen Gerichte zu erfolgen habe, wurde vom Oberlandesgericht Nürnberg als unbegründet verworfen. In der Sache selb st aber wurde der Kläger mit seinem Anspruch am 2 9. Oktober 1919 vom Landgericht Nürnberg abgewiesen. In den Gründen wird gesagt, die Klage sei gegen sämtliche Beklagte unbe- gründet. ES sei keine ewige Sperre über den Kläger verhängt worden. Tie diesbezügliche Mitteilung in der„Fränk. Tagespost" sei falsch gewesen Nach den Zeugenaussagen hätten, als der Kläger wieder kreditwürdig erschien, die Verbandsmitglieder wieder bei ihm gearbeitet oder bei ihm arbeiten dürfen. Im übrigen habe das Gericht bezüglich des Bauarbeiterverbandes nur darüber zu entscheiden, ob er sich einer unerlaubten Handlung schuldig ge- macht, nicht aber, ob er sich einer Vertragsverletzung schuldig ge- macht babe. Die Frage sei zuungunsten des Klägers zu entschei- den. Die Verhäng ung der Sperre sei ein erlaub- tes Kampfmittel, das nicht als unerlaubte Handlung an- zusehen sei. Eine unerlaubte Handlung liege auch nicht deswegen vor, weil der Bauarbeiterver- band die zeitige Sperre entgegen dem Tarifver- trag ausgesprochen habe. Das sei lediglich eine Vertrags- Widrigkeit, deren etwaige Folgen der Prüfung des(tariflichen) Schiedsgerichts, nicht aber der des Landgerichts unterstünden. Es könne allerdings ein Vertragsbruch zugleich eine unerlaubte Hand- lung darstellen, im gegebenen Fall sei aber, da nur von einem sonst erlaubten Kampfmittel Gebrauch gemacht worden sei, ausschließlich eine Vertragsverletzung gegeben.— Bezüglich der beiden anderen Beklagten führte das Gericht ans: Der Steinarbeiterverband habe weder die zeitige noch die ewige Sperre über den Kläger verhängt, so datz alle Klagegründe von selbst entfielen. Würde er aber wirk- lich die zeitige Sperre verhängt haben, so würde dies, da ein stich- haltiger Grund hierzu vorlag, nicht g-gen die guten Sitten ver- stoßen und hätte den Steinarbeitervertx nd auch nicht schadenersatz- pflichtig machen können, da die Sperre nicht widerrechtlich gewesen wäre. Die Veröffentlichung, die die„Fränk. Tagespost" gebracht habe, würde selbst dann nicht gegen die guten Sitten verstoßen, wenn tatsächlich die ewige Sperre ausgesprochen worden wäre. Denn nur die Beschlußfassung, nicht aber die Veröffentlichung des Beschlusses könnte gegen die guten Sitten verstoßen. An sich wäre allerdings nach§§ 823 und 824 des Bürgerlichen Gesetzbuchs eine Inanspruchnahme des Zeitungsgeschäfts denkbar und möglich. Allein der Kläger habe in keiner Weise betviesen und auch nicht den Beweis dafür angetreten, datz ihm gerade durch die Artikel der „Tagespost" in seinem Gewerbe und Fortkommen Schaden entstan- den sei. Es fehle also der Nachweis oder auch nur der hohe Grad der Wahrscheinlichkeit des ursächlichen Zusammenhanges zwischen den Veröffentlichungen und dem dem Kläger angeblich entstandenen Schaden. Tie Klage mutzte daher, ohne datz es noch des angebotenen Beweises bedurft hätte, gegen sämtliche Be- klagte abgewiesen werden mit der Folge, datz der Kläger die Kosten des Rechtsstreits zu tragen habe. Keine Krkestslohnzulage für die in den Charlottenburger Gasrevieren beschäftigten grauen? Wir berichteten kürzlich, datz den städtischen Gasarbeitern zu ihren bisherigen Teuerungszulagen eine sogenannte Kricgslohn». zulage von 19 Pf. pro Stunde ab 15. November gewährt worden ist. Bei der ersten Lohnzahlung zeigte es sich, datz die Frauen in den Gasrevieren davon ausgeschlossen sind. Aus welchem Grunde? Der Grundsatz, wonach für gleiche Leistung der gleiche Lohn zu zahlen sei, hat gerade in der Kricgszeit seine Geltung behalten und es liegt gewiß kein Grund vor, davon abzuweichen. Tie in den Gasrevieren beschäftigten Frauen haben die im Felde stehenden Männer vollständig zu ersetzen. In einigen Gasrevieren haben die Frauen in ihrem Arbeitseifer vielfach höhere Leistungen vollbracht als vorher die Männer. Soll nun die Zurücksetzung als Belohnung für den übermäßigen Arbeitseifer gelten? Berücksichtigt man die Höhe des den Frauen gewährten Stundenlohnes von 49 Pf., waS bei einer täglichen Arbeitszeit von 9 Stunden einen Wochcnver- dienst von 21,99 M. ausmacht, so kann man es getvitz nicht als unbillig bezeichnen, wenn die Frauen, die vielfach von ihrem Ver- dienst ihre Familie erhalten müssen, gleichfalls den Anspruch auf die ihren Kollegen gewährte Kriegszulage erheben. Darüber, daß die bisher gewährten Teuerungszulagen auch nicht im entferntesten einen Ausgleich gegenüber den gestiegenen Lebensmittelpreisen dar. stellen, ist weiter kein Wort zu verlieren. Obwohl wir durchaus nicht verkennen, datz den Gemeinden durch den Krieg ganz ungeheure Lassen aufgebürdet worden sind, so können wir es doch nicht Unterlassen hervorzuheben, daß schon im Interesse der Erhaltung der Arbeitskräste— ganz zu schweigen von der Arbeitsfreudigkeit— die Verpflichtung für die Stadtver- waltung vorliegt, auch den Arbeiterinnen die zeitgemäße Kriegs- lohnzulage, wie sie die Männer erhalten, zu gewähren. Wir hoffen, datz die Stadtverwaltung sich diesem berechtigten Verlangen der in den Gasrevieren beschäftigten Frauen nicht verschließen wird._ Weihnachtsunterstützung im Schuhmacherverband. Den Angehörigen der Milglieder des SchuhmacfierverbandeS wird, wenn das Mitglied bis einschließlich 39. November dieses Jahres eingezogen ist, eine Weihnachtsunterstützung von 19 M. gewährt. Tie Unterstützung kann vom 15. Dezember ab im Bureau Engeluser 13, vorn parterre, vormittag« von 19 bis 12 Uhr er- hoben werden. Die Unterstützung muß bis zum 31. Dezember ab« gehoben sein._ Mus öer Partei. Sabotieruug der Gewerkschaften. Man muß den Zerstörern der Arbeiterbewegung lassen, daß sie konsequente Leute find. Nach der Beitragssperre in der Partei wird jetzt der Gedanke propagiert, den Gewerkschaften keine Beiträge mehr zu zahlen. In der Kreiskonferenz des 3. Berliner Kreises tauchte der Gedanke zum erstenmal auf, jetzt hat er auch schon seinen schriftlichen Niederschlag gefunden und ein Blatt, das sich Parteiblatt nennt, öffnet ihm bereitwillig seine Spalten. Der Braunschweiger.Volksfreund" erwirbt sich den Herostratenruhm, dem Elaborat eines gewissen X. A., der Mitglied des Deutschen Metallarbeiterverbandes Berlin zu sein behauptet, zu weiterer Ver- breitung zu verhelfen. X. A. sucht das arbeiterverräterische Gesicht seiner Machenschaften unter der Maske heuchlerischer Naivität zu verbergen, indem er.den Doven markiert", würde der Berliner sagen. Nachdem daS Hilfsdienstgesetz angenommen ist, jagt X. A., hätten die Gewerkschaften ja doch keine praktische Bedeutung mehr, er macht deshalb den Vorschlag: Mit Ab- lauf der 53. Woche dieses Jahres endigen alle Rechte und Pflichte� in den Gewerkschaften.■„....------„-. Niema�H�b.ezahlt mehr im neuen Jahre Bei« träge, die Ilnterstlltzungen hören auf, die Gewerkschaftsangestellten bekommen keine Gehälter mehr und gehen wieder in die Fabrik zurück(merkste waS?!> und in dieser.selb st gewählten Narkose" sollen die Gewerkschaften bis Friedensschluß schlummenr. Dann könnte man wieder anfangen. Man muß zugestehen: Wenn ei» Goldknecht drS Scharfmacher« tums den Auftrag hätte, ein teuflichcs Mittel zu erfinucn, das die Gewerkschaften bis zum Kriegsende gänzlich vernichtete, dann könnte er vielleicht auf den Gedanken verfallen, unter der MaSke eines Ge« werkschaftsmitglirdes den Arbeitern solche Ratschläge einzuflüstern. Daß ein wirkliches Gewerkschaftsmitglied seine Kollegen zu einer solch wahnwitzigen Zerstörung deS mühevoll geschaffenen stolzen Werkes der Arbeiterschaft zu verleiten sucht, gegen«ine solche An« nähme sträubt sich alles in unS. Kann man wirklich unbewußt in diesem Grade die Geschäfte der Arbeiterfeinde besorgen! Dir Bremer Beitragssperre. Die.Bremer Bürger« Zeitung" veröffentlicht einen Brief de» Paneivorstandes an den Borsland des Sozialdemokratischen Verein» Bremen. Unter Bezugnahme auf die von der Bremer Generalversammlung beschlossene Beitrag»« sperre erklärt der Parteivofttand, daß dieser Beschlutz im Wider« spruch zum Organisation» st atut der Gesamiparlei steht. Damit hat sich der Berein Bremen bewußt außerhalb der a r t e i gestellt. In dem Schreiben heißt e» sodann: Wir haben deshalb heute den Borstand unserer Bezirks« organisation.Nordwest" beauftragt, für Bremen eine Partei- organisalion zu schaffen, die den im Organi- sationSstatut fe st gesetzten Pflichten gegen die Gesamtpartei gerecht wird. Zugleich teilen wir mit, daß mit dem Ausscheiden deS So- zialdemolra'ischen Be'einS Bremen aus der Parteiorganisation auch die mit der.Bremer Bürger-Zeitung" verbundenen Funk- tionen der Zeitungskommission erloschen sind. W.e wir einem uns übersandten Flugblatt entnehmen, ist der auf dem Boden des Organisallonsstalul» stehende Verein jchon tn der Konstituierung begriffen. Eine sehr gewundene Erklärung erlätzt der auf dem Boden der Arbeitsgemeinschaft stehende Vorstand deS alten Vereins in dem gleichen Blatt. Tie Annahme des von den Spartakusleuten gestellten Antrags auf Beitragssperre hat ihn so aus der Fassung gebracht, datz er jetzt gar den Mehrheitsanhängern vorwirst, diese Annahme verschuldet zu haben. Es geht ihm halt mit den Spar- takusleuten wie dem Zauberlehrling:„Die ich rief die Geister, werde ich nicht los." Der Vorstand erklärt sich außerstande, den Beschlutz der Generalversammlung durchzuführen und legt seine Aemter nieder unter gleichzeitiger Einberufung einer neuen Gene- ralversammlung. Ader wie die Redaktion der„Bremer Bürger- Ztg." in ihrem Schlußwort zutreffend konstatiert, verwirft die Vorstandserklärung die Beitragssperre nicht prinzipiell, sondern nur aus taktischen Gründen, weil sie keinen Erfolg verspreche, olange sie nur von einige» Organisationen ausgeübt würde. Die Redaktion schließt mit den Worten: Es sind also nur taktische Bedenken, die die Unterzeichner der Erklärung leiten und nicht der Gedanke, datz mit der Bei- tragssperre das organisatorische Gefüge der Partei und damit diese selbst zusammenbrechen mutz. Daß das verhindert werden mutz, sollte für jeden Sozialdemokraten selbstverständlich sein. Wir betrachten es als unsere heiligst« Pflicht, dagegen mit allen Kräften zu wirken. Damit ist die Auseinandersetzung über die Beitragssperre für unS geschlossen._ ZvetterauSilchtcn für daS mittlere Norddeutschland dt» Sonnabend mittag. Borwiegend trübe oder nebelig bei wenig ver« änderten Temperawren. Oestlich der Oder größtenteils trocken. Im Nord« weiten geringe, im Südwesten etwa» stärkere Niederschläge. Verantw. Redakt.: Herm. Müller, Tempelhof. Inseratenteil verantw.Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanst. Paul Singer& Co.. Berlin SM. Hierzu 1 Beilage und UntrrhaltungSbl. Kr. 337. 33. Iatnaavg. SkilM des JamMf Iftliiitt WKsdlM. Frettilg.8.A�kMw1M Mbgeorönetenhaus. 4t. Sitzung. Donnerstag, den 1. Dezember ISIS, mittags 12 Uhr. Am Ministcrtisch: Dr. Lentze. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Beratung des Antrags V. Bockelberg(I.) und Genossen, betreffend Teuerungszulagen und Kriegszulagen für Staatsbeamte. StaatSarbeiter und V o l k S s ch u l- lehret. Die Kommission(Berichterstatter Abg. Dr. Schroeder- Kassel(natl.) beantragt: 1. Die nach dem Erlaß des Finanzministers vom 15. November 1916 gewährten Teuerungszulagen für die verheirateten Beamten so zu erhöhen, daß jeder Beamte bis 5160 M. Gehalt 166 M, und für jedes Kind von 15—18 Jabren, soweit es nicht ein eigenes auskömmliches Einkommen besitzt, 36 M. erhält. 2. Die in dem Erlaß vorgesehenen Teuerungszulagen für Staatsarbeiter in allen Staatsverwaltungen durch- zuführen. 8. Die laufenden Kriegsbeihilfen den Teuerungs- Verhältnissen entsprechend zu erhöhen, auf weitere Beamtenklassen auszudehnen und iür alle Orte gleichmäßig zu gestalten unter Be- rücksichtigung der Kinder bis zum 18. Lebensjahre. 4. Den Ruhegehaltsempsängern und den Hinter- b l i e b e n e n von Staatsbeamten einmalige Kriegs- teuerungSzulagen nach Maßgabe ihrer wirtschaftlichen Be- dürftigkeit zu bewilligen. 5. Eine entsprechende Fürsorge auch den Volks- fchullehrern zu gewähren. 6. Dem Abgeordnelenhause möglichst bald statistische Mitteilungen über die Zahl der berücksichtigten Beamten und über die finanzielle Wirkung dieser Maßregeln zugchen zu lassen. Ein weitergehender Antrag Braun(Soz.) u. Gen., der für verheiratete Beamte allgemeiir Teuerungszulagen von 156 M. und für unverheiratete bis 3666 M. Gehalt 160 M. verlangt, für die StaatSarbeiter dieselben Teuerungs zulagen wie für die Beamten, und für pensionierte Beamte und Arbeiter sowie deren Hinterbliebene ebenfalls Kinderzulagen fordert, jindet nicht die genügende Unterstützung. Finanzminister Dr. Lentze betont, daß es der Regierung fern gelegen habe, durch den Erlaß vom November das Abgeordnetenhaus beiseite zu schieben oder vor vollendete Tatsachen zu stellen. Die Anträge der Kommission gehen nun über die von der Negierung beabsichtigten Teuerungs- zulagen weit hinaus. Für die kinderreichen Unterbeamten ist die von der Regierung vorgesehene Regelung weit günstiger als der ursprüngliche Antrag der Parteien dieses Hauses. Ich kann heute noch keine Erklärung darüber abgeben, ob die Re- gierung den noch weitergehenden Beschlüssen des Ausschusses zu- stimmen kann, da dieie erst gestern gefaßt worden sind. Die Ziele und Absichten der Regierung stimmen jedenfalls mit denen dieses Hohen Hauses überei».(Bravo!) Die Regierung ist sich voll bewußt, von welcher Bedeutung es ist, daß unser Beamtenstand nicht zu stark in Schulden gerät. Sie ist den Beamten dankbar für ihre treuen Dienste, die sie unter Anspannung all ihrer Kräfte während des Krieges geleistet haben(Bravo!> und wird alles tun, was notwendig ist, um der Not der Beamten abzuhelfett.(Beifall.) Abg. Oelze(k.): Wir stimmen den Beschlüssen der Kommission zu. Die Be- amten gehören zu den gesunde st en Schichten des Volkes; es wäre ein Unglück, wenn gerade diese Schichten der B e r- elendung anheimfallen würden. Gewiß werden unsere Anträge erhebliche Mehrauswendungen bedingen, aber es handelt sich hier um absolut notwendige Kriegsausgaben. Das gute Beispiel, das die Siaatsregierung hier gibt, wird hofsentlich Nachfolge finden bei den Städten und der Kirche.(Bravo I rechts.) Abg. Schincdding(Z.): Die gestrigen Verhandlungen über die Ernährungsfrage waren die beste Begründung für unsere Heuligen Anträge.(Sehr richtig I) Es ist gut, daß der sozialdemokratische Antrag nicht zur Verhandlung gekonimen ist. Er hätte natür« lich leicht von unS noch übertrumpft werden können, aber ob ein solches Vorgehen der Sache der Beamten genützt hätte, niöchte ich bezweifeln.(Sehr richtig! im Zentrum.) Abg. Ströbel(Soz.): Der Krieg hat zwar für einen kleinen, aber sozial und politisch sehr einflußreichen Teil des Volkes ungeheure Gewinne ge- bracht, für die Masse des Volkes aber ungeheures Elend. Dazu gehören auch die Arbeiter in den Staatsbetrieben und die Beamten. Aus ihren Petitionen erhält man eine» geradezu erschütternden Eindruck von dem krassen Elend, dos in weiten Kreisen der Beamten und Arbeiter herrscht.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) In einer Petition des Verbandes Deutscher Eisenbahn-Weichensteller ist z. B. davon die Rede, daß bei diesen Beamten nicht mehr Schnialhans Küchenmeister ist. sondern derHunger. In einer anderen Petition wird hingewiesen aus die Unter- er nährung der heranwachsenden Jugend der unteren Beamtenschaft, die zu den ollergrößten Besorgnissen Anlaß gebe. Bei vielen Beamten reichen die Einnahmen nicht einmal aus,»m die rationierten Lebensmittel zu kaufen. Dieser Zustand herrscht ja auch in zahlreichen Proletarierfamilien. Dabei ist es klar, daß ein normaler, noch dazu angestrengt arbeilender Mensch von den geringen rationierten Onanien der Lebensmittel nickt bestehen kann, sondern daraus angewiesen ist, andere zuzu- kaufen, wenn er nicht langsam verhungern oder in seiner Ge- sundbeit aufs schwerste geschädigt werden soll. Wir müssen daher die Teuerungszulagen so hoch bemessen, daß die Beamten und StaatSarbeiter sich das nötige Quantum anderer Lebensmittel z u den rationierten hin zu kauten können.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten)' Diese Notwendigkeit gebeir auch die Aerzte zu, die feststellen mußten, daß z. B. die Tuberkulose unter den Kriegszuständen bereits eine beträchtliche Steigerung erfahren hat. Daß die wohlhabenden Kreise nicht nur von den rationierten Lebensmitteln leben, wissen wir doch alle.(Widerspruch rechts, Zu- ruf: Karlen.) Nun, Sie werden doch nicht bestreiten, daß die reichen Leute sich Gänse, Hasen, Obst, Käse uiw. für ihr Geld zukaufen können.(Sehr wahr! bei den Soz.) Tie Besoldung der unteren Veamicn hat auch früher schon nickt ausgereicht. Deshalb haben lvir bei jeder Ge- legenheil höhere Zulagen für sie geiordert, nicht etwa aus agitalo- tischen Gründen, sondern weil die Notwendigkeit vorlag. Wir haben damals die Beamten gelvarnt, sich auf die Zukunft vertrösten zu lassen. Jetzt fordern die Beamten selbst ganz allgemein Zu- lagen von 25 Proz. des Gehalts neben den Kricgszulagen. Ihre Forderungen gehen alio noch weit selbst über die Anträge der Kommission hinaus. Wir fordern, daß nicht wieder ciu Flickwerk, sondern ganze Arbeit geschaffen wird. Die in dem Ministerialerlaß vom November festgelegten Sätze genügen bei weitem nicht den Wünschen und Bedürfnissen der Beamten. Ganz unbegründet ist, daß man d»n Staatsarbeitern nur 16 M. Zulage für jedes Kind gibt, während die Beamten 36 M. erhallen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Mindestens in diesem Punkte sollten Sie daher unseren Antrag, den Sie nicht genügend unterstützt haben, selbst aufnehmen. Weiter ist auch unbegründet, daß die Arbeiter nur Teuerungszulagen erhalten sollen, soweit sie bisher keine wesentliche Lohnerhöhungen erhalten haben. Damit ist es ein eigen Ding. Man sagt, manche Arbeiter seien in eine höhere Lohnklasse gekommen und hätten durch Ueberstunden mehr verdient. Nun, auch eine ganze Anzahl Beamten sind doch in höhere Gchaltsklassen auf- gerückt, gehen aber deshalb doch der Kriegsunterstützung nicht ver- lustig. Außerdem haben doch diese Arbeiter auch eine entsprechend höher bewertete Arbeit zu leisten. Nach unserer Meinung müßten die Arbeiter, selbst wenn ihre Löhne um 56 bis 75 Pro- zent gestiegen wären, woran ja nicht zu denken ist, eine einmalige Teuerungszulage erhalten, da ja die Lebens- mittelpreise prozentual um viel mehr gestiegen sind.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Löhne der fiskalischen Berg- arbeitcr sollen sogar„riefig" gestiegen sein. Nach den amt- lichen Nachweisen betragen aber die Lohnsteigerungen bei den Berg- arbeitern nur etwa 26 bis 35 P r o z e nt, stehen also eben- falls in keinem Verhältnis zur Lebensmittelteuerung, und noch viel weniger im Verhältnis zu den enorme» Gewinnen der Bergherren, die um über 266 Proz. gestiegen siud.(Hört! hört! bei den Soz.) Das erklärt ja auch, warum in diesen Kreisen eine so s a n a t i s ch e Kriegsbegeisterung herrscht. Ich erinnere an den Witz, der sich auf diese Kriegsgewinne bezieht:„Das Geschäft geht glänzend, wenn nur kein Unglück dazwischen kommt, ein vorzeitiger Friede". (Hört! hört! bei den Soz.) Das ist ein sehr blutiger Witz.(Sehr wahr! bei den Soz.) Solange die Beamten und StaatSarbeiter diese Zusammenhänge nicht erkenneu, wird dieses wahnsinnige Völker- morden kein Ende nehmen.(Sehr wahr I bei den Soz.) Auch die laufenden KriegSbeihilsen müßten wesentlich erhöht werden. Wir beantragen, die monatliche Teuerungs- zulage für jedes Kind auf 16 M. zu normieren. Jetzt beträgt sie i M. 16 M. bedeutet S3ll2 Pf. pro Tag, das reicht gerade aus, um einen Heringsschwanz öder 1/3 Pfund Aepfel zu kaufen. Ich appelliere also an Ihr soziales Gewissen, daß Sie unsere Anträge wieder aufnehmen. Jetzt sind die Unterstützungen nur ein Tropfen auf den beißen Stein. In der'Kommission hat sich ja mancherlei Verständnis für die trostloie Lage der Beamten gezeigt. Leider ist es aber bei den guten Wünschen geblieben. Da- von werden die Arbeiter und Beamten jedoch nicht satt. In anderen Ländern ist man vie l weiter ge gangen, als bei uns, Oesterreich- Ungarn z. B. hat den Beamten 366— 666 Kr. zugelegt. Daß die Beamten von dem Ministerialerlaß sehr enttäuscht find, beweisen ihre erneuten Petitionen. Auch die Forst- und Wasferbauarbeiter leiden natürlich sehr unter diesen Notständen. Die finanziellen Bedenken können hier keine ausschlaggebende Rolle spielen. Diese Teuerungszulagen bilden einen Teil der Kriegs- kosten, die jetzt schon etwa 76 Milliarden ausmachen. Was bedeuten da 56 oder 166 Millionen. Wir brauchen nicht nur Granaten, sondern auch eine ausreichende Bolkscrnährung.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Gewiß sind es geradezu grauenhafte Aus- gaben, die uns nach dem Kriege bevorstehen, aber schließlich ist doch gerade die Volkskraft und die Volksgesundheit das einzig reale Kapital, das uns dann übrig bleibt, das wir also unter allen Umständen erhallen müssen.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) 266 oder auch 366 Millionen sind nickt zuviel, wenn eS sich um die Gesundheit von Millionen und aber Millionen handelt. Wenn der Finanzminister solche Ausgaben vor sich sieht, dann wird er vielleicht eher seinen Einfluß geltend machen im Sinne einer Begrenzung der Kriegsdan er. Ich erinnere an die neuliche Aeußerung des Herrn v. d. Osten: „Wir verbitten uns jede Friedensvermittlung." Nein, wir ersehnen »nd erhoffen sie gerade, auch iin Interesse unserer Beamten und StaatSarbeiter, die weiter mit leiden, je länger der Krieg dauert. (Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Eisenbahnminister v. Breitenbach: So schlecht ist die Lage der Eisenbahnarbeiter nicht, wie sie der Vorredner schilderte. Verheiratete Eisenbahnarbeiter mit zwei Kindern bekommen etwa 26—25 Proz. mehr als im Frieden. UebrigenS ist erst kurz vor dem Kriege eine erhebliche Erhöhung ihrer Löhne erfolgt. Der Vorredner hat von den hohen Kriegs- gewinnen der Industrie gesprochen, und hat gefolgert, daß die Kriegsindu st r ie ein Interesse an der Verlange- rung des Krieges hätte.(Hört! Hörtl und Pfuirufe rechts.) Das ist K l a s s e n h a tz schlimmster Art, den Sie(zu den Sozialdemokraten) in dieser schweren Zeit doch unterlassen sollte». Gegen ein solches Vorgehen lege ich im Namen der Negierung Ver- lvahrung ein.(Lebhaster Beifall bei der Mehrheit, Abg. Ströbel: Das ist bezeichend!— Zuruf rechts: Für Sie!) Abg. Dclius(Vp.): Wir hätten gerne den Beamten und Arbeitern noch mehr be willigt, aber es war nicht mehr zu erreichen. Die Verbesserungen sind nicht so unwesentlich wie Herr Ströbel behauptet. Wir haben allerdings weitergehende Wünsche. Achnliche Verbesserungen wie in Preußen müssen auch iin Reich geschaffen, insbesondere muß den Lehrern sofort geHolsen werden, auch den Allpcnsionären. (Bravo! links.) Abg. Just(natl.); Die Beamtenschaft ist die stärkste Stütze unseres Staates. (Bravo I) Die Mittel zur Linderung ihrer Not nrüffen wir bewilligen. Die Beschlüsse des Ausschusses bedeuten eine wesentliche Verbesserung, die Gefahr der Unterernährung der Beamten wird da- durch beseitigt. Unsere Beamten werden uns für unsere Beschlüsse danlbar sein, dem Vaterlande erweisen wir damit einen Dienst. (Bravo! bei den Natl.) Abg. Dr. Wagncr-Breslau(fk.) spricht sich ebenfalls für die Kom- inissionsbeschlüsie aus. Die Debatte wird geschloffen. Die Anträge der Kominission werden e i n st i in in i g a n g e- n o nt m e u. Hierauf wird das Gesetz betr. Abänderung deZ preußischen G e richts koste n gesetzeS sowie der Gebührenordnung für Notare und der gesetzlichen Bestimmungen über die Ge- bührcn der Rechtsanwälte und Gerichtsvollzieher, das lediglich eine Konsequenz deS entsprechenden kürzlich vom Reichstag angenommenen Gesetzes ist, in e r st e r Lesung er- ledigt. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung Sonnabend 11 Uhr: Hiberniavorlage, Wob nungSge setz. Schluß 4'/� Uhr.__ politische Uebersicht. Abgeordnetenhaus. Das preußische Abgeordnetenhaus verhandelte am Donnerstag über den Antrag seiner verstärkten Staatöhaushaltokommission be- treffend Teuerungszulagen und Kricgsbci Hilfen für Staatsbeamte, StaatSarbeiter und Volks- schullehrer. Im Gegensatz zu den bürgerlichen Parteien, die. auf Abänderungsvorschläge verzichtet hatten, beantragten die So- zialdernokraten eine Reihe von Verbesserungen insbesondere für die Unterbeamten, Hilfsbeamten und Lehrer, sowie eine höhere Be- Messung der für jedes Kind in Aussicht genommenen Beihilfe. Be- dauerlicherweise fand der Antrag wieder nicht die erforderliche Unterstützung. Während alle Redner der bürgerlichen Parteien sich auf zu- stimmende Erklärungen zu den Anträgen des Ausschusses be- schränkten, denen auch die Regierung nicht ablehnend gegenüber- steht, begründete Genosse Ströbel in längerer Rede die sozial- demokratischen Forderungen. Er entrollte ein. anschauliches Bild von der Lage der Beamten und Staatsarbeiter, um am Schluß aufs neue der Friedensgoneigthcit des übergroßen Teils des deutschen Volkers Ausdruck zu verleihen. Obwohl sich unser Redner in durchaus sachlichen Betrachtungen erging, hielt es der Vizepräsident des Staats- Ministeriums v. Breitenbach doch für angezeigt, ihm den Vor- Wurf zu machen, daß er Klassenhaß der schlimmsten Art gesät habe. Wie nicht anders zu erwarten, endete die Debatte mit der ein- stimmigen Annahme der Kommissionsanträge. Das Haus erledigte dann noch in erster Lesung den Gesetzeut- wurf betr. Abänderung des Gerichtskostengesetzes und der Gc- bührenordnung für Notare, Rechtsanwälte und Gerichtsvollzieher. Die Beratung der H i b e r n i a- Vorlage und des W o h- nungsgesetzentwurfs wurde auf Sonnabend vertagt. Herrenhaus. D e r M ä n ii c r st o l z d e s D. H. V. Nach kaum airderthalbstündiger Sitzung ist das Herren- haus gestern in die Wechnachtsserien gegangen. Es war eine wirkliche Sitzung, denn außer dem Präsidenten und den Be- richtcrstattern hatte es niemand— oder wie der verstorbene Präsident Manteuffel zu sagen pflegte:„kein Mensch"— nötig, sich zum Reden zu erheben. Debattelos erledigte man noch ein paar Notverordnungen, die Wasserbautendenkschrist, die Regierungsvorlagen über den Vorsitz im katholischen Kirchenvorstand der guten Stadt Frankfurt am Main und über die Abkürzung des juristischen Vorbereitungsdienstes für den Verwaltungsdienst, soweit es sich um Kriegsteil- nehmer handelt. Tebattelos wurden auch die Petitionen er- ledigt, nachdem der Breslauer Oberbürgermeister M a t t i n g den Uebergang zur Tagesordnung über das Verlangen des Deutsch nationalen Hand- l u n g s g e h i l f e ii v e r b a n d e s um N i ch t u n t e r- st e l l u n g in ä ii ii l i ch e r unter weibliche Beamte und um Schutz der Angestellten nach dem Kriege vor der Frauenkonkurrenz kräftig befürwortet hatte. Die Petition, sagte Herr Matting, wolle der Entwicklung in die Speichen fallen; wir hätten jetzt auch dringendere Sorgen. Herr Matting hatte Beifall, und die Petition versank in den Papierkorb. Der Deutschnationale Handlungs- gehilsenverband aber hat jetzt die Bescheinigung, daß er der Entwicklung in die Speichen fallen will, und daß er diese Be- scheinigung just vom preußischen Herrenhaus bekommen hat, ist überaus reizvoll. Wollte man wirklich durch Gesetz bestimmen, daß nur Männer Vorgesetzte von Frauen, nie aber Frauen Vorgesetzte von Männern sein dürfen, so müßte man die Männer zunächst einmal gesetzlich verpflichten, k l ü g c r zn sein als die Frauen. Eine solche Verpflichtung darf aber den Vorstairdsmit- gliedern des D. H. V. nicht auserlegt werden. Sic würde gegen den Rcchtsgrundsatz verstoßen, daß niemartti über das K ö n n e n hinaus verpflichtet werden darf. TVas sagen die französischen Sozialisten zu Trepow'i Die„ B e r n e r Tagwacht" setzt sich in einem Leit- artikcl, betitelt„Russische Kriegsziele", mit der Eroberungs- rede des russischen Ministerpräsidenten Trepow auseinander. Fetzen uni Fetzen, meint sie, siele der Schleier, der anfangs über die Eroberungsziele der Kriegführenden gebreitet war: Als erste, die ihre Ziele leilweise, wenn auch nur in all- gemeiner Form zu erkennen gab. tritt die deutsche Regierung auf, die durch den Mund des Kanzlers verkünden ließ, daß sie Sicherung der Grenzen fordert, wozu territoriale«Ab- rundungen" gehören. Die territorialen„Abrundungen" sind eine kleine— Er- findung der„Berner Tagwacht", denn davon hat der deutsche Kanzler kein Wort gesprochen. Aber ohne diesen eigenmächtigen Zusatz hätte man ja kein„Eroberung'sziel" der deutschen Regierung konstruieren können; und das geht doch nicht an, daß in einem so neutralen Blatte, wieder „Bcrner Tagwacht" die deutsche Regierung besser dastände als die feindlichen Staaten. Davon abgesehen, legt der Artikel der„B. T." ganz richtig dar, daß die Rede Trepows dem heuchlenschen Gerede der Entente vom„Schutz der kleinen Staaten" ein Ende mache und nackt ihre Eroberungs ziele zeige. Namentlich gelte das von der Forderung auf Konstantinopel. Aber Trepow habe sich, als er Konstantinopel verlangte, aus ein Abkommen zwischen den Ententeregierungcn von 1915 berufen, es handle sich also nicht um einen einseitigen, selb- ständigen Akt Rußlands, sondern Trepow verkünde das Programm der Entente. Aber von diesem Programm kenne man jetzt nur einen Teil: das Kriegsziel Rußlands, und auch das wahrscheinlich nicht vollständig. Und nun fährt die„B. T." fort: Selbstverständlich beruht das Ilebercinlommen auf gegen« seiligen Konzessionen der Entente-Regierungen, mag es sich vorläufig auch nur uni das Fell eines unerlegren Bären handeln und mag das Vordringen der Zentral mächte auf rumäni- ichcm Gebiet einen etwas schrillen Kommentar zu der Rede Trepows bilden. Was aber haben sich die Entente-Regie- rungen zugesichert? DaS ist die große Frage des Tages. Was bekommt Frankreich, was England? Was in Europa, was in den Kolonien? Was ist der Inhalt deS ganzen Programms der gc- meinsamen Kriegsziele? Diese Fragen haben ihre besondere Be- deutung siir die französische s o z i a l i st i s ch e Partei. Wird sie nun ihre Versprechungen, die sie feierlich ablegte, ein- lösen? Wird sie sich der Verantwortung für den Krieg enticklagen, der nach der Dumarede des russischen Ministerprästdenlcu auch vom Standpunlt des französischen Sozialpatrioten aus ans- gehört hat ein Verteidigungskrieg zu sein und offen als Eroberungs- krieg gekennzeichnet ist? Nicht nur, daß Trepow sprach von dem 1915 abgeschlossenen Uebereinkommen— das Programm der Er- oberungen ist also zwischen den Entente-Regierungen schon längst pereinbart worden— in einer dieser Regierungen sitzen drei Sozialisten, zwei als vollgültige M i n i st e r I Haben diese Minister, haben Sem bat. Guesdc und Thomas Kenntnis von de» Eroberungs- >>I5neH gekavt? Häven sie der fran�vsischen Parie� davon Mt- teilung gemacht? Und wie stellt sich die Partei jetzt, nachdem die Erodcrungsziele des Krieges offiziell verkündet und die Mitwirkung Frankreichs an der Eroberung Konstantinopels zugunsten Rußlands bestätigt wurde, zu diesen Tatsachen? Uns scheint die Antwort gar nicht so schwer. Es genügt, daran zu erinnern, daß die französischen Minister-Sozialisten ja schon seit Jahr und Tag offen für ihr eigenes Land die Annexion E l s a ß- L o t h r i n g e n s als Kriegs- ziel erklärt haben. Wenn sie die russischen Annexionspläne auf Konstantinopel unterstützen, handeln sie nur konsequent. Dietrich Schäfers Lockungen. In der„Täglichen Rundschau" veröffentlicht der durch seine �U-Boot-Petition zu größerer Bekanntheit gelangte Professor Dietrich Schäfer einen Artikel„Verteidigungs- krieg", der den offensichtlichen Zweck verfolgt, die Sozial- demokratie für sein alldeutsch-annexionistisches Kriegsziel zu gewinnen. Wir sollen davon überzeugt werden, daß dieses Kriegsziel durchaus nicht mit unserem Programm und unseren Prinzipien in Widerspruck steht. Wir müssen Herrn Schäfer trotz aller einschmeichelnden Höflichkeit, mit der er uns begegnet, ein glattes„Nein" entgegensetzen. Seine Argumentation ist keineswegs neu für uns; sie lautet: Wir sind die Angegriffenen. Haben wir unserer Selbst- erfialtungspflicht genügt, wenn wir nickits tun, als den Angriff ab- schlagen? Wer so urteilt, der muß des Glaubens leben, daß die An- greiser, einmal«bewehrt, nie auf den Gedanken kommen werden, den Versuch zu wiederholen... Muß man aber erneuten Angriff in Rechnung� stellen, so erwächst auch die unabweisbare Pflicht, ihm nach Kräften vorzubeugen. Möglich ist das nur, wenn man dem Angreifer tunlichst die Waffen aus der Hand nimmt. Ach, wie oft haben wir das gehört und wie oft darauf erwidert, daß erst durch solche Annexionen„zur Schwächung des Gegners" das Gespenst des Revanchekrieges mit Gewalt heraufbeschworen, die neue Koalition gegen Deutschland unseren Feinden fast aufgezwungen wird. Und daß andererseits auch das ausschweifendste Annexionsprogramm die vereinigte Macht Englands, Rußlands, Frankreichs, Italiens und der kleineren Satelliten nicht so schwächen könnte, daß diese aufhörte, furchtbar zu sein. Wir wollen nicht den nächsten Weltkrieg vorbereiten, sondern ihm vorbeugen. Mit Belgien sucht uns Prof. Schäfer weiter zu ködern. Was denn,— wer wolle denn Belgien gleich annektieren? Hat daran irgend jemand in Deutschtand im Ernste gedacht? Wohl aber hat der Reichskanzler erklärt, daß Belgien nicht als Vorwerk gegen Deutschland ausgebaut werden, nicht ein Ein- sallstor für die Feinde bleiben solle, dem reichbegabten vlämischen Volke auch die Möglichkeit gegeben werden müsse, sich in seiner alten und reichen Kultur neu auszuleben. Und nun malt uns Prof. Schäfer das Zukunftsbild eines besonderen Vlamenstaats als westliches Pendant zu dem neu errichteten Königreich Polen, um dann triumphierend auszurufen: Es ist hier nicht zu untersuchen, warum die Vertreter der Sozialdemokratie zugleich treue st e Kampfgenossen sind und doch glauben,„Annexionen" ablehnen und vom„Ver- teidigungskriege" reden zu sollen. Geht man von den Worten auf die Sache, so schwindet der Gegensatz dahin wie ein Schatten. Gemach, Herr Professor Schäfer, so schnell schwindet der Gegensatz nicht. Es ist ein Unterschied, ob man ein Volk, das seit 125 Jahren mit immer erneuten Opfern um die verloren gegangene staatliche Selbständigkeit ringt, wieder auf seine Beine stellt und damit seinen heißesten Wunsch erfüllt, oder ob man ein Volk, das sich trotz einzelner Zurücksetzungen im ganzen durchaus nicht als geknechtet und unterdrückt fühlt, gegen seinen Willen aus dem bisherigen Staatenverband her- ausreißt. Mehr wollen wir hier nicht sagen. Aber Herr Schäfer hat noch ein letztes Lockungsmittel, er lvinkt uns mit der innerpolitischen Freiheit, die nur zu erreichen sei, wenn sein Programm der nationalen Erweiterung siegreich bleibt: Es kommt darauf an, daß wir aus diesem Kriege hervor- gehen als ein anerkannt starkes Volk, das anzugreifen auch un- versöhnliche Gegner nicht so leicht wieder wagen möchten. Sind wir stark, so sind wir auch frei. Das Volk, das diesen Krieg siegreich durchfocht, kann auch im Frieden nur nach seinem Willen regiert werden. Eine Niederlage aber begräbt uns alle; der Freiheit, die wir nach ihr etwa genießen möchten, wird sich keiner freuen können. Eine Niederlage aber wäre es, wenn wir in den alten Grenzen fortleben sollten, gedrückt von der ganzen Last der Kriegskosten und in steter Gefahr, von der unaufhaltsam wachsenden Macht der Weltreiche völlig zermalmt zu werden. Also Verteidigung, auch in der Zukunft, außerhalb, nicht innerhalb der eigenen Grenzen. Auch die demokratische Lockflöte verlockt uns nicht. Ge- wiß, auch uns Sozialdemokraten reizt nicht die Aussicht auf freiheitliche Zustände in einem zertrümmerten, ohnmächtigen Deutschland. Wir wissen ebenso lange, wenn nicht noch länger als Herr Schäfer, daß wirkliche innere Freiheit äußere Unabhängigkeit voraussetzt. Das ist ja der Hauptgrund, warum wir energisch und aktiv an Deutschlands Verteidigung nütwirken. Aber wenn Herr Schäfer erklärt, dieses Verteidi- gungsziel, das uns vorschwebt, wäre nicht erreicht, es be- deute vielmehr die komplette Niederlage, wenn wir in unseren bisherigen Grenzen fortleben, so richtet sich die Maßlosigkeit einer solchen Behauptung von selber. Wir, Herr Schäfer, halten eine solche Abwehr der feindlichen Eroberungs- und Vernichtungsgelüste, erkämpft gegen die ganze Welt in Waffen, für einen herrlichen unvergänglichen Sieg, gleich ruhmvoll dem Sieg Friedrichs im Siebenjährigen Kriege I Und noch eins: Was Herr Schäfer verheißt, ist erst die Möglichkeit einer innerlich freiheitlichen Regierung, nicht diese selber. Und da meinen wir, daß der Kampf für die Freiheit um so leichter zu gewinnen ist, je weniger das Staats- ganze belastet wird durch Nationalitätenstreit und ewigen Hader mit fremdländischen Gebietsteilen. Deswegen erscheint unser Weg zur Freiheit uns als der richtige. Stich gelassen, indem sie allein gegen das Gesetz betreffend den vaterländischen Hilfsdienst gestimmt hat. Gegen verschiedene Mitglieder der sozialdemokralischen Arbeitsgemeinschaft hat der Staatssekretär des Innern Dr. Helfferich den vernichtenden Vorwurf erhaben, daß sie die Geschäfte unserer Feinde besorgten! Dazu kommt endlich noch, daß sich das sozialdemokratische Wahl- komitee des Kreises sogar für die Aufstellung eines Kandidaten der sogenannten Spartakuspartei, d. h. eines Vertreters der- selben Richtung, der Dr. Liebknecht angehört, entschieden hat, ohne den Einwänden, die seitens der sozialdemokratischen Mehr- heitsgruppe erhoben wurden, Beachtung zu schenken. Unter diesen Umständen könnte es nicht wundern, wenn für den Fall der Aufrechterhaltung einer Kandidatur der sozialdemokrati- scheu Arbeitsgemeinschaft von der bisherigen Uebung abge- wichen und ein gemeinsamer Gegenkandidat der anderen Par- tcien aufgestellt wird." Die„Berliner Politischen Nachrichten" sollten wenigstens ihren Appetit so lange zügeln, bis die Frage der Kandidaten- aufstellung definitiv seitens der Partei entschieden fft. Gesetz über de» Kriegszustand. Der„Reichsanzeiger" veröffentlicht das vom Reichstag be- schlossene Gesetz über den Kriegszustand, dessen einziger Artikel lautet: Bis zum Erlaß des in Artikel 68 der Reichsverfassung an- gekündigten Gesetzes über den Kriegszustand wird gegenüber den Anordnungen der Militärbefehlshaber eine militärische Zentralinstanz als Auffichtsstelle und Beschwerdestelle errichtet. Die näheren Anordnungen ergehen durch kaiserliche Verordnung. Diese kaiserliche Verordnung wird gleichzeitig mit- veröffentlicht, und sie besagt in ihrem§ 1: Aufsichts- und Beschwerdestelle gegenüber den Anordnungen, die die Militärbefehlshaber auf Grund des Kriegszustandes treffen, ist ein Obermilitärbefehlshaber mit dem Sitze in Berlin. § 2 sagt: Für die Beschwerden an den Obermilitärbefehlshaber gilt folgendes: Die Beschwerde ist zulässig gegen Verfügungen, die im Einzelsall zum Gegenstand haben: a) Beschränkungen der persönlichen Freiheit, soweit nicht das Gesetz, betreffend die Verhaftung und Aufenthaltsbeschränkung aus Grund des Kriegszustandes und des Belagerungszustandes vom 4. Dezember 1916 Anwendung findet. d) Zensurmaßnahmen gegenüber der Presse sowie gegenüber den Theatern, Lichtspieltheatern und anderen Schaustellungen; c) Beschränkungen der Vereins- und Vers cnnm lungSfteiheit. Das Beschwerderecht steht dem zu, gegen den die Verfügung des Militärbefehlshabers gerichtet ist. Die Beschwerde wird bei dem Militärbcfehlshaber eingelegt, der die Verfügung getroffen hat. Erachtet er die Beschwerde für begründet, so hat er ihr ab- zuhelfen, andernfalls ist sie sofort dem Obermilitärbefehlshaber vorzulegen. Die Beschwerde hat keine auffchiebende Wirkung, jedoch kann der Vollzug der angefochtenen Verfügung sowohl vom Militär- befehlshaber, als auch vom Obermilitärbefehlshaber ausgesetzt werden. Erachtet der Obermilitärbefehlshaber die Beschwerde für be- gründet, so kann er die erforderliche Verfügung selbst treffen oder dem Militärbefehlshaber übertragen. Der Lmidesrat nahm gestern den Entwurf einer Verordnung, beireffend Erhebungen über'Trocknungseinrichtungen mr Kabinettsänderungen in Bayern. Der Staatsminister des Innern Dr. Freiherr von Soden- Fraunhofer und der Kriegsminister Freiherr Kretz von Kressen st ein haben um Enthebung von der Leitung ihrer Ministerien gebeten. Der König hat ihrem Ansuchen entsprochen. Zum Staatsminister des Innern wurde der derzeitige Präsident der Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg, Staatsminister a. D. Dr. Ritter von Brettreich ernannt. Mit der einstweiligen Führung der Geschäfte des Kriegsministeriums wurde der General der Kavallerie z. D., Staatsrat Freiherr von Speidel betraut. Sie wittern Beute! Die konservativ gerichteten„Berliner Politischen Nach- richten" schreiben zu der bevorstehenden Nachwahl in Span- öou-Poisüam-Osthavelland: „Die seltsamen Vorgänge bei der Aufstellung eines Kandi- baten für die Nachwahl, welche in dem Wahlkreise Osthavelland- Potsdam-Spandau wegen MandatSerledigung infolge des gegen Dr. Liebknecht ergangenen Strafurteils notwendig geworden ist, legen die Frage nahe, ob gegenüber der sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft von einem Verzicht der anderen Parteien noch ernstlich die Rede sein darf. Die sozialdemokratische Ar- bcitsgemeinschäft hat sich nach der Auffassung großer Teile unseres Volkes durch die Ablehnung der Kriegs- kredite außerhalb der vaterländischen Gemeinschaft gestellt. Ebenso hat diese sozialdemokratische Gruppe da» Vaterland im werden, damit künftighin solche Unglücksfälle ausgeschlossen werden. Der Interpellant sowie das Abgeordnetenhaus nahmen die Antwor des Handelsministers zur Kenntnis. Sozialdemokratische Interpellationen. Im württembergischen Landtag, der am b. Dezember z» einer kurzen Tagung zusammengetreten ist, hat die sozialdemokratische Fraktion folgende Interpellationen eingebracht: Welche Maßregeln gedenkt die Regierung zu treffen,«n 1. den wilden Handel mit Nahrungsmitteln aller Art und die dadurch bewirkten Preistreibereien zu verhindern; 2. eine stärkereAnlieferungvonLebenSmi tt ein -nS an deren Bundes st aaten zu erreichen, auf die Württem- berg im Austausch gegen die von ihm abgelieferten Produkte An- pruch hat; 3. die Gemeinden zu einer umfassenden Organisation .er Massenspeisungen anzuhalten und bei der Beschaffung der erforderlichen Einrichtungen und Lebensmittel zu unterstützen? Ist die Regierung bereit, im Bundesrat für eine Erhöhung er Brot- und Mehlrationen zum Ausgleich für die ehlenden Kartoffelmengen einzutreten? Ist die Regierung bereit, 1. den staatlichen Beamten, Unterbeamten und Arbeitern vor dem Weihnachtsfest einmalige Zuschüsse im gleichen Umfange zu gewähren, wie solche von der Reichs« und der preußi- chen Regierung gewährt werden; 2. die den Familien der Arbeiter und nicht etatsmäßigen Unter- beamten des Staates, die zum Heeresdienst eingezogen find, ge- währten Beihilfen in Rückficht auf die hohen Lebensmittelpreise zu erhöhen? Die Interpellationen werden erst in der nächsten Woche be- handelt werden. Die Gewährung einer WeihnachtSzulage an die Arbeiter, Unterbeamten und geringbesoldeten Beamten ist, wie nach Einreichung der Anfrage bekannt wurde, in Aussicht genommen. Außer diesen Fragen hat der Landtag in der Hauptsache einen Nachtragsetat zu beraten, der vier Millionen Mark für die Zwecke der Kriegswohlfahrtspflege und zur Gewährung von Darlehn an hilssbedürftige Kreise des Mittelstandes anfordert. Das Eisenbahnunglück bei Herczeghalom. Interpellation im ungarischen Abgeordneten- Hause. Budapest, 7. Dezember. Im Abgeordnetenhaus erklärte Handelsminister Baron Harkanyi auf eine Interpellation wegen des Eisenbahnunglücks bei Herczeghalom, wenn behauptet werde, er habe zur Herbeisühnmg des Unglücks beigetragen, da auf einer Zwischenstation angeordnet worden sei, der zweite Teil es aus Wien in zwei Teilen abgelassenen Zuges sollte den r st e n überholen, so müsse er feststellen, daß er, der im weiten Teil gefahren sei, eine derartige Weisung .. i ch t erteilt habe. Man habe auch behauptet, daß eine allzu- große Anzahl Eisenbahner zum Frontdienst einberufen worden sei, wodurch Ueberanstrengungen der Zurückgebliebe- >. e n eingetreten seien, welche die gegenwärtig ungemein hohen An« ordcrungen des Transportdienstes kaum bewältigen können. Der Minister bemerkte hierzu, daß letzthin ein nicht unerheblicher Teil der Einberufenen wieder zum Eisenbahndienst rückbeordert worden sei und daß der Dienst mit der größten Hingebung versehen werde. Was eine Entschädigung der An« gehörigen der Verunglückten betreffe, so werde entsprechende Vor« 'vrge getroffen werden. Eine umfassende Untersuchung über die Ur- fache der Katastrophe sei eingeleitet und es werde alles aufgeboten Mus Groß-öerlin. Tiphtherievcrbreitung durch die Schule. Au der Weiterverbreitung ansteckender Krankheiten des Kindesalters ist die schule stark beteiligt. Die Aerzte wußten das seit langem, und immer wieder haben sie durch ihre Be- obachtungen und Untersuchungen den Beweis dafür erbracht. So nianche Mutter von schulpflichtigen Kindern ist erst durch eigene und bitterste Erfahrungen darüber belehrt worden. Zu sorgsamster Vorsich! mahnt die Gefahr, die den Kindern aus den in Berlin sich jetzt wieder häufenden Diph- therieerkrankungen droht. Ein Fall von Diphtherie- Übertragung, die in diesem Herbst sich in einer Berliner Gemeinde schule unter besonderen Umständen vollzogen hat, wird bekannt aus einer kürzlich ergangenen Verfügung der städtischen Schuldeputation. Am 24. November dieses Jahres richtete die Schuldcputation an alle Gemeindeschul- rektoren folgendes Schreiben: „Das städtische Medizinalamt hat uns mitgeteilt, daß in einer Schule eine größere Anzahl von Kindern dadurch an Diphtherie erkrankt ist, daß mehrere von ihnen hintereinander aus einer der Milchflaschen ge- trunken haben, die für sie zum ersten Frühstück bereit gehalten werden. Es ist mit Sicherheit anzu- nehmen, daß eins von den Kindern Bazillenträger gewesen ist und die übrigen Kinder angesteckt hat; bedauerlicherweise sind hier- durch sogar zwei Todesfälle zu verzeichnen gewesen. Um derartige Vorkommnisse für die Folge nach Möglichkeit zu ver- meiden, ersuchen wir. dafür Sorge zu tragen, daß die Kinder, die des Morgens Milch erhalten, sich von Hause einen Trinkbecher mit- bringen; ein Trinken aus der Flasche ist unter allen Umständen zu verbieten." Es handelt sich hier um bedürftige Kinder, denen in der Gemeindeschule vor Unterrichtsbeginn ein warmes Frühstück unentgeltlich verabreicht wird. Der Mißgriff, daß dabei mehrere Kinder einfach aus der Milchflasche tranken, hätte bei hinreichender Aufsicht nicht vorkommen können. Die Ver- fügung der Schuldeputation erinnert an den Brunnen, der zugedeckt wurde, nachdem das Kind hineingefallen war. Daß die Diphtherieübertragungen tatsächlich auf die geschilderte Art zustande gekommen sind, wird man gegenüber der vom Medizinalamt so bestimmt ausgesprochenen Annahme kauni bezweifeln dürfen. Die Gefährlichkeit der als Bazillen- träger bezeichneten Personen, die mit Austeckungs- keimen behaftet sind und sie auf andere Personen übertragen, ohne selber zu er- kranken, wird noch viel zu sehr unterschätzt. In dem Kampf gegen Diphtherieverbreitung durch die Schule, den seit Jahren das Medizinalamt der Stadt Berlin führt, wird alles Mögliche getan, auch eine rechtzeitige Erkennung und schleunigste Aussonderung der Bazillenträger zu erreichen. Das Ende des Kartoffelbrots und anderes. Vom 1. Januar ab soll das Brot keinen Kartoffel- z u s a tz mehr erhalten. Die Brotstreckung soll durch stärkere Ausmahlung des Roggens: 93 statt 81 Proz., erreicht werden. Infolge der jetzigen Kartoffelknappheit verliert die Streckung des Brotes durch die rarer gewordene Erdfrucht ihren Sinn. Wie das Kriegsernährungsamt mitteilt, wurde die ur- sprünglich umfangreich in Aussicht genommene Kartoffel- trocknung bereits wesentlich herabgesetzt. Auf Brotstreckung mit Trockenkartoffeln soll ganz verzichtet werden, und die Fabriken sollen möglichst unter Verwendung anbrüchiger Kartoffeln nur so viel herstellen, wie für die Heeresverwaltung und einige technische Bedürfnisse nötig ist. In den Monaten Januar bis Mai soll die Bevölkerung größere Mengen der aufgestapelten Vorräte von Teigwaren, Grieß, Graupen und Haferpräparate erhalten. Die Neuerung ist zuerst von Herrn Stegerwald bei einem Vortrage in Recklinghausen mitgeteilt und dann auf Anfrage der Presse vom Kriegsernährungsamt be- stätigt und ergänzt worden. Warum überläßt man derart wichtige Bekanntgaben dem Zufall oder dem Gut- dünken der im Ernährungsamt sitzenden Herren, die von ihrer Wissenschaft bei mehr oder weniger privaten Veranstaltungen Gebrauch machen? Herr Stegerwald versicherte, daß die Lage des Lebensmittelmarktes im allgemeinen so sei, daß wir mit dem Vorhandenen' auskommen könnten. Auch wir sind der Ansicht, daß der Fehler bei weitem mehr in der mangel- hast organisierten Verteilung und Heran- schaffung liegt. Wie wäre es sonst denkbar, daß jetzt wieder bei manchen Berliner Bäckern zahlreiche Familien mit vier Köpfen nur ein Brot und die mit mehr als vier An- gehörigen zwei Brote bekamen. Kartoffeln gab es nur auf eine Karte für jede Familie oder gar keine. Viele Familien haben Kartoffelkarten verfallen lassen müssen, obwohl die Frauen stundenlang gestanden haben. Dabei kann nicht bestritten werden, daß die Versorgung der von den ärmeren Schichten bewohnten Viertel schlechter ist als die der anderen. Wie lange noch wollen die Konsuln ge- warnt werden, bis sie mit dem dem bitteren Ernste der gegenwärtigen Zeit angepaßten Maß von Tatkraft und lieber- legung handeln werden?!_ Keine Freigabe des Verkaufs von Gemüsekonserven. Durch einen Teil der Presse ging dieser Tage die Nach- richt, daß von Mitte dieses Monats ab der Handel mit Spargel- und Erbsenkonserven fteigegeben werden solle. Wie wir mitteilen können, ist diese Nachricht verftüht. Wir möchten aber bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen, daß eine unbeschränkte Freigabe des Gemüsekonservenverkaufs zu den bereits festgesetzten Höchstpreisen zweifellos belebend auf die H a m st e r i n st i n k t e gewiffcr Bevölkerungskreise einwirken wird. Den hieraus entstehenden Gefahren vorzu- beugen, gibt es keinen anderen Weg als den von der sozial- demokratischen Partei seit nunmehr 21/ä Jahren immer wieder empfohlenen: geregelte Verteilung auch der Gemüsekonserven durch Lebensmittel- karten. Durch den Aufschub der Freigabe des Verkaufs ist hinlänglich Zeit gewonnen, die hierfür notwendigen Maß- regeln zu treffen. Wir erwarten außerdem mit Bestimmtheit, daß nichts versäumt werden wird und daß die zuständigen Behörden es uns ersparen werden, neben den anderen ge- wohnten Reigentänzen vor den Lebensmittelläden später auch noch das Schauspiel des AnstchenS nach Gemüsekonserven zu erleben. Der„Vorwärts" auf Bahnhöfe«. Einer unserer Leser schreibt uns, daß auf seine An- regung die Bahnhofsbuchhandlungen von nun an besser als bisher mit Exemplaren des„Vorwärts" sich versorge» werden, so daß also nicht mehr in den frühen Vormittagsstunden der „Vorwärts" ausverkauft sein wird, was seit Monaten auf vielen Bahnhöfen regelmäßig der Fall war. Leser, die den„Vorwärts" auf Bahnhöfen zu kaufen Pflegen, bitten wir, hiervon Notiz zu nehmen und uns zu be- richten, wonn sie ihn nicht mehr vorrätig finden sollten, damit wir für Abhilfe sorgen können. Tie Teuerungszulagen an städtische Arbeiter und Angestellte. Vom Magistrat Berlin wird uns geschrieben: schritt haltend mit der ständig steigenden Verteuerung der Lebenshaltung hat sich der Magistrat von Berlin veranlaßt gesehen, die während des Krieges gewährte fortlaufende Kriegszulage zu den Friedenslöhnen,-Vergütungen,-gehältern seiner Arbeiter, Ange- stellten, Lehrer und Beamten weiter auszubauen. Es sind einerseits die bisher gegebenen einzelnen Sätze wiederum erhöht, und ander- scits ist der Kreis der Einkommen, die an der Kriegszulage teilhaben sollen, erheblich erweitert worden. Die der Stadtverordnetenver- sammlung unterbreitete Vorlage sieht vor: bei Ledigen mit einem Gesamteinkommen bis zu 3M0 M. eine Zulage von 18 M. für Ledige über 13 Jahre(12 M. für Ledige unter 18 Jahren); für k i n d e r- los Verheiratete und solche Ledige, die in einem eigenen Haus- stand Angehörige unterhalten, bis zu einem Einkommen von 4500 M. monatlich 25 M.; für Verheiratete mit Kindern für jedes Kind 5 M. monatlich mehr, also 30, 35 M. usw.; es werden hierbei berücksichtigt Kinder bis zum vollendeten 16. Lebensjahre; bis zum 18. Lebensjahre jedoch außerdem diejenigen Kinder, die während ihrer Ausbildung in Schule und Beruf ohne eigenes Einkommen sind und deswegen unterhalten werden müssen. Im übrigen bleibt es bei den bisherigen Grundsätzen über die Kriegszulage, insbesondere hinsichtlich der Einkommens-Grenzfälle. Die neue Kriegszulage soll mit dem Beginn des neuen Jahres in Kraft treten._ Tie Auszahlung der Kriegsunterstützung. Aus dem Rathause wird uns geschrieben: Die Krieger- angehörigen haben in letzter Zeit die Auszahlung der Halbmonats- raren der Kriegsunterstiitzung in ungleicher Höhe irrrümlich auf- gefaßt und häufig der Meinung Ausdruck gegeben, daß ihnen die Beträge nicht voll gezahlt werden. Der in letzter Zeit herrschende Mangel an Kleingeld nötigte die Untersiützungskassen, die Zahlungen in der Weise auszugleichen, daß bei einem gahltermin ein etwas höherer als der fällige Betrag, bei dem nächsten Zahltermin ein etwas geringerer Betrag zur Auszahlung gelangte. Nachdem ab 1. November d. I. die Kriegsunterstützungssätze für die Kinder auf monatlich 7,SlZ 7,50-=- 15 M. festgesetzt sind, werden alle Beträge in der fälligen Höhe ausgezahlt. Sollte indessen bei etwaiger Ver- änderung der Unterstützungssätze durch Erhöhung der Mindestsätze Mangel an Kleingeld wieder eine andere Zablungsweise notwendig machen, so sind Besorgnisse vor einer etwaigen Kürzung nach wie vor unbegründet._ DaS Palast-Theater am Zoo nimmt die Traditionen des Winter- gartens geschickt und mit Erfolg auf. Merkwürdig überhaupt, daß das Variets von dem Kriege in die Flucht geschlagen wurde. Bieten denn die abwechslungsreichen Künste der Akrobatik und der Dressur, die Höchstleistungen des gut geschulten menschlichen Körpers, die Ueberraschungen der Trickleute, die Lustigkeiten unserer Humoristen nicht mindestens soviel Unterhaltung wie die KriegSstücke, Operetten und Kinos? Das Dezemberprogramm des Palasi-Theaters ist jeden- falls geeignet, die Freude am Varietö wieder zu beleben. Man erfreute sich an der erstaunlichen Kraftleistung der Handstandlünstler Alex und Hermann, lachte über die grotesken Fangkünstler Tato und May und bewunderte die Gewandtheit der Schwestern Meley imLeiterakt. Eine recht gute komische Nummer boten die Parodisten Läpp und Habel, die die großartigsten Kunststücke zu Wege bringen und— gleichzeitig die Tricks preisgeben. Mehr durch prachtvolle Gewänder (besonders die chinesischen waren ein Augenschmaus) und schönen Körper denn durch ihren Tanz wirkte die„deutsch-chinesische" Tänzerin Mabel May Dong. Ihre lebenden Bilder gefielen besser als die bewegten Tänze. Bei allem Talent fehlt irgendwie das Zündende. Den Höhepunkt des Abends bildete Robert Steidl, der mit seiner unerschöpflichen guten Laune und den vielen guten Einfällen wirklich ausgiebig unterhält. Seine„sättigenden Phantasien" ließen einen das Wasser im Munde zusammenlaufen, und seine Schützengraben- ercignisse und zum Quietschen lustigen Duetts mit Anna Müller- Lincke spotteten aller harten Zeiten. Den Liebhabern dressierter Tiere tat F. Steffin mit dem Pferde-Hundezirkus volles Genüge. Im Lustspielhause feiert„Der selige Balduin" am Montag das Jubiläum der 250. Aufführung. An diesem wie am nächsten Sonntagnachmittag finden die letzten Wiederholungen der„Pension Schöller" statt. Als Schülervorstellung gelangt an diesem Sonn- abendnachmittag„Der Widerspenstigen Zähmung" zur Darstellung. Laubend icbe verhaftet. In Moabit boten drei Männer einem Schankwirt 27 frisch geschlachtete Hühner und ein Kaninchen zum Kauf an. Der Wirt schöpste Verdacht und benachrichtigte heimlich einen Schutzmann. Die Verhafteten sind gewerbsmäßige Kleintierdiebe, die die Laubenkolonien der südlichen Vororte unsicher machten. Sie er- brachen dort alle Ställe und brachten ihre Beute mit der W-Bahn nach Berlin, um sie hier zu verkaufen. Die Eigentümer können die be- schlagnahmten Tiere auf der Wache des 100. Reviers abholen. Zirkus Busch. Am Sonnabend und Sonntag nachmittags sind wieder Vorführungen der neuen Märchen-Pantomime„Beim Weih- nachtsmann". Auch hierbei hat, wie bisher, ein angehöriges Kind freien Zutritt und jedes weitere Kind zahlt nur den halben Ein- trittspreis. Als Schluß der Abendvorstellungen die große Pantomime „Die Geierprinzessin" mit der pompösen Ausstattung. Merkblatt für Klcingartcnbau. Zur Förderung des Kleingarten- baues hat die Königliche Gärtnerlehranstalt in Berlin-Dahlem eine besondere Anleitung herausgegeben. Dieses Merkblatt wird umsonst an Kriegsteilnehmer abgegeben, die auf eigener oder gepachteter Scholle Obst- und Gemüsebau betreiben wollen. Es ist auch sür die Teilnehmer der zahlreichen Kurse an der Anstalt bestimmt. Die Vereine der Laubenkolonisten erhalten sie ebenfalls umsonst, wenn die Merkblätter durch den Vorstand gegen Einsendung der Post« gebühren verlangt werden. Das Merkblatt enthält allgemeine Regeln sür die Herbst- und Frühjahrsbestellung. In umsichtiger Weise werden Arten, Aussaat, Samenbedarf, Pflanzzeit, Pflanzweite. Ernte- zeit und empfehlenswerte Sorten angegeben. Beispiele erleichtern ein schnelles und sicheres Arbeiten. Zeitweise Nichtbcförderimg von Fcldpostpäckchcn. Privatbriefsendungen im Gewicht über 50 Gramm(Feldpostpäckchen) nach dem Feldheere, mit denen Weihnachtsgaben nach dein Felde gesandt werden sollen, müssen, damit sie rechtzeitig den Empfängern zugehen, bis s p ä t e st e n s zum 18. Dezember zur Post eingeliefert sein. In der Zeit vom 19. bis� einschließlich 24. Dezember werden wegen der in diesem Jahre für den heimischen Weihnachtspaket- verkehr bestehenden besonderen Schwierigkeiten keine nicht amt- lichen Feldpostsendungen im Gewicht über 50 Gramm von den Post- anstalten angenommen oder befördert. Die gleiche Verkehrs- be schränkung tritt mit Rücksicht auf den Neujahrsbriefverkehr in der Zeit vom 2S. Dezember bis einschließlich 2. Jnnuar ein. Bureaukratischcr Geschäftsgang. 4500 Pfund Sülze, Schinken, Leberpasteten, Eisbeine, Würste usw. in Dosen waren von der Firma Klähn, Gonwrdstratze 4, dem Magistrat und der Reichs- fleischstelle vorschriftsmäßig angemeldet worden. Nach mehreren Wochen wurde einmal angefragt, wie es denn mit diesen Waren stehe. Die Neichsfleischstelle erhielt die Auskunft, die Ware sei in- zwischen verkaust. Es erfolgte diesmal prompt Anzeige und Ver» urteilung zu 50 M. Strafe, weil K. die Ware ohne Genehmigung' verkaust hätte. Die Strafkammer hat K. dann freigesprochen, weil die Sülze als leichtverderbliche Ware hätte schnell verlauft werden müssen und die Dosen von dem Gewicht der übrigen Fleischwaren in Abzug kommen. Danach veMeibe ein Reingewicht von weniger als 40 Zentner. Dieses rechtferttge den freihändigen Verkauf und die Freisprechung.— Wieviel Waren mögen schon bei diesem Ge- schäftsgang verdorben sein. Der Ladenpreis für Schweizcrkäsc. Die Zentral-EinkaufSgesell- schaft m. b. H., Warenabteilung 18, Käse, gibt bekannt, daß der Ladenhöchstpreis für Schweizer Hartkäse(Emmenthaler Käse) auf 2,50 M. für das Pfund festgesetzt worden ist. Auch kürzlich lasen wir eine Mitteilung der„Warenabteilung 13, Käse," wonach der Preis des EmmenthalerS von 2,30 auf 2,40 M. erhöht worden sei. Das war am 25. November. Seitdem haben wir aber weder Emmenthaler noch anderen Hartkäse erwischen können. Schluß der Barbierläden an Sonntagen. Das Polizeiprässdium teilt mit t Die Bestimmung über die Betriebsruhe in den offenen Geschäftsstellen des Barbier- und Friseurgewerbes, wonach der Be- trieb an den Sonn- und Festtagen nur bis 2 Uhr nach- mittags stattfinden darf, werden hierdurch in Erinnerung ge- bracht. Von seinem Ivjährigcn Bruder erschossen wurde gestern nach- mittag der 9 Jahre alte Sohn Willi des AushilfsschaffnerS Lange aus der Falckensteinstr. 26. Lange steht im Felde. Seine Frau arbeitet den Tag über außerhalb des HauseS. Gestern spielten die beiden Knaben, die allein in der Wohnung waren, Soldat. Dabei fiel dem älteren Gustab der Revolver des Vaters, der irgendwo in der Wohnung lag, in die Hände. Ohne daß er wußte, daß er ge- laden war. zielte er auf die Stirn des jüngeren Bruders und drückte ab. Von einer 5ttigel tödlich getroffen, brach der Kleine zu- sammen und starb auf der Stelle. Aus Gram über den tödlichen Unfall ihres ManncS versuchte sich gestern eine Kaufmannsfrau aus der Wilsnackerstratze das Leben zu nehmen. Der Mann, der ein Spitzengeschäft betrieb, wurde, wie schon berichtet, an der Ecke der Wilsnacker- und Birken- straße von einem Straßenbahnwagen überfahren und getötet. Seine Frau war über das Unglück ganz gebrochen. Gestern nachmittag fiel es Hausgenossen auf. daß die Zeitung vor der Tür liegen blieb. Der Verwalter, ein Schutzmann, ließ die Tür öffnen und fand die Frau besinnungslos auf dem Sofa liegen. Sie hatte die Gashähne der Lampe geöffnet. Samaritern der Feuerwehr gelang es, die Unglückliche mit dem Sauerstoffapparat inS Leben zurückzurufen. Sie wurde dann ins Krankenhaus gebracht. Ei» Raubüberfall im Laden. In der Neuen Königstraße über- gab der Musketier Hans With, der sich auf Urlaub hier befindet, vor einigen Tagen dem Uhrmacher Leo Braun eine Uhr zum Aus- bessern. Gestern morgen kam er wieder, und während Braun einige Uhren hervorholte, ergriff With einen Hammer, der auf dem Laden- tisch lag, und versetzte ihm einen so wuchtigen Schlag auf den Kopf, daß er zusammenbrach. Auf die Hilferufe der Frau, die sich im Hinterraum befand, ergriff der Räuber die Flucht, wurde aber ergriffen und der Wache des Alexander-Negiments übergeben. Er hatte einen kleinen Ständer mit mehreren Brillantringen geraubt. Ms öen Gemeinden. Charlottenburg. In der jüngsten Stadtverordneten- s i tz u n g wurden zunächst die beiden neu gewählten Stadtverord- neten Prof. Dr. B r i x und Genosse H o f e r, der an Stelle des zum Stadtrat gewählten Genossen Ahrens tritt, eingeführt. Ober- bürgermeister Dr. Scholz betonte, daß beide neu gewählte Stadt- verordnete bekannte Männer seien, von denen Mitarbeit an den städtischen Aufgaben nur Gutes zu ertvarten sei. Hofer habe als Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses an der Regelung der Ernährungsfragcn die auch für die städtische Verwaltung zu den wichtigsten Aufgaben gehören, erfolgreich mitgewirkt; in seiner Doppcleigenschaft als„Agrarier" und Vertreter der Arbetterinter- essen verkörpere Hofer in seiner Person gleichsam den Willen des gesamten Volkes zu einheitlichem Wirken in dieser ernsten Zeit. Von dem Jahresabschluß der Stadthauptkasse für 1915, der einen F e h l b e t r a g v o n fast IVi M. aufweist, wurde Kenntnis genommen. Er ist zunächst in das Rechnungsjahr 1916 übertragen worden. Debattelos wurden für die Krankenanstalten 205 200 M. nachbewtlligt. Eine kurze Diskussion rief die Vorlage betreffs Er- richtung einer Wohlfahrtsschule für Fürsorgerinnen hervor. Das Bedürfnis nach sachverständig ausgebildeten Fürsorgerinnen, für die die bloße Vorbildung als Krankenpflegerinnen heute nicht mehr als ausreichend gelten kann, ist während des Krieges besonders stark hervorgetreten. Die in Charlottenburg geplante Schule, die am 1. April 1917 ins Leben treten soll, soll mit der Kaiserin- Augusta-Viktoria-Anstalt, in der alle Unterrichtsmittel für die wich- tige Säuglings- und Kleinkinderfürsorge in reichem Maße vor- Händen sind, gemeinsam geleistet werden. Für die Vorbereitungen beantragt der Magistrat jetzt einen Betrag von 2000 M. und vom 1. April ab sür die Verwaltung und Unterhalttmg einen jährlichen Betrag von 4000 M. zu gewähren. Genosse Katzenste n hob nachdrücklich das Interesse und die Pflichten der Gemeinden her- vor, solche Bestrebungen wie die hier in Rede stehenden nach allen Kräften zu fördern. Die Vorlage wurde einem Ausschuß von 15 Mitgliedern überwiesen.— Eine weitere Vorlage verlangte 510 000 M. zur Erweiterung der Ofenanlage auf Gas- anstatt II. Schon vor ernetn Jahre hat die Leitung der Gaswerke den Antrag auf Erweiterung der Ofenanlage gestellt, doch konnte die Gasdeputation sich damals mit Rücksicht auf die durch den Krieg geschaffene Lage zu einer so großen Ausgabe nicht entschließen; jetzt aber darf der Bau der Ofenanlage nicht länger zurückgestellt werden, zumal das Gas- werk schon jetzt ohne Ofenreserve arbeitet, während erfahrungsge- mäß eine solche von 15 bis 20 Proz. vorhanden sein soll. Aller- dings soll nach einer Verfügung des Oberkommandos im Interesse der Kohlenersparnis die Beleuchtung eingeschränkt werden. Hier- sür kommt aber in erster Linie die elektrische Beleuchtung in Frage, eine Einschränkung der Gaserzeugung würde vor allem zu einer Einschränkung des Kochens mit Gas führen und im Verfolg davon eher zu vermehrtem Kohlenverbrauch. Auch wird die neue Anlage erst in neun Monaten in Betrieb genommen werden können, wo hoffentlich schon wieder wenn auch nicht normale, so doch friedliche Zustände eingetreten sein werden. Der Referent Stadtv. D u n ck (lib.) empfahl aus allen diesen Gründen, trotz des hohen Betrages die Annahme der Vorlage ohne Ausschußbcratung, die auch ohne weitere Debatte erfolgte.— Zur Erörterung kam dann noch ein von allen Parteien eingebrachter dringlicher Antrag:„Der Magi- strat wird ersucht, eine Vorlage betreffs Gewährung erhöhter Teuerungszulagen der Stadtverordnetenversammlung so zeitig vorzulegen, daß die Empfänger sie noch vor Weihnachten er- halten können." Oberbürgermeister Dr. Scholz erklärte, daß der Magisttat mit der Angelegenheit sich bereits beschäftigt habe; eine Vorlage habe er nur deshalb noch nicht gebracht, weil er die Be- schlüsse des Abgeordnetenhauses und eine Besprechung mit den Vertretern der Nachbargemeinden abwarten wollte. Die zu er- wartende Vorlage des Magistrats schon jetzt einem Ausschuß zu überweifen, sei im Interesse des zu erreichenden Zweckes ein durchaus glücklicher Gedanke. Der Antrag wurde einem Ausschuß von 15 Mtt>liedern überwiesen. Schöneberg. In der S t a d t v e r o r d n e t e n s i tz u n g fraßte Genosse Küter an, wieviel Schweine auf dem städtischen Rieselgut bei Deutsch-Wusterhausen gemästet würden und wann der erst« Abtransport nach hier vor sich gehe. Stadtrat Jacobs teilte mit, daß die Mästung sehr gut von statten geht und auch inehrere Zuchteber angekauft wurden, so daß an hundert Schweine vorhanden seien. An eine Einfuhr ist vorläufig nicht zu denken. Der Haus- imd Grundbesttzerberein hatte um Aufhebung des Mietnachlasses an Frauen von Kriegstcil- n e h m e r n petittoniert. Der Magistrat erklärte, eine Ucbernahme des von den Hausbesitzern zu tragenden Teils des Mietnachlasses würde für die Stadt eine monatliche Mehrbelastung von 45 000 bis 55 000 M. ergeben. Ter Hausbesitz habe, je länger der Krieg dauert, schwer zu leiden. Es sei leider nicht möglich, einen indivi- duellen Matzstab anzulegen. Um ein Entgegenkommen zu zeigen, solle der Mietnachlatz, soweit es sich um Kriegerfamilicn oder Hinterbliebene von Kriegsteilnehmern handxlt, ab 1. Januar aus 10 Proz. herabgesetzt werden. Das Mieteinigungsamt kann die Mietunterstützung entziehen oder ablehnen, wenn ein höherer Miet- zins verlangt wird als vor dem 1. August 1914 für die betreffenden Räume zu zahlen war, ferner, wenn der Vermieter sich ohne triftige Gründe weigert, Kriegerfamilien in leerstehende Wohnun- gen aufzunehmen. Stadtv. Friedrich(Fr. Fr.) wünscht, daß der Mietnachlaß über- Haupt wegfalle, denn der Magistrat babe die Obdachpflicht. Ter Hausbesitzer muß auch für seine vollen Zinsen aufkommen, und es muß ihm überlassen bleiben, wen er als Mieter aufnehmen will. Auch der Hausbesitzer ist Geschäftsmann.— Genosse Küter erklärte, daß den Kriegerfrauen und-witwen in jeder Hinsicht ge- nügend Schutz gewährt wrrden müsse. So mancher Hausbesitzer gehe Kriegerfrauen gegenüber rücksichtslos vor. Den Hausbesitzern sei insofern entgegengekommen worden, als der von der Allge- meinheit zu tragende Mietuachlaß den 25 auf 15 Proz. und nunmehr 10 Proz. heruntergesetzt wurde. Es muß auf diejenigen Hausbesitzer ein Druck ausgeübt werden, die den Krieger- familten leerstehende Wohnungen verweigern.— Stadt- syndikus Dr. Loh meyer lehnte die Ausführungen � des Stadtverordneten Friedrich ab.— Genosse Hoffmann führte aus, daß die Hauswirte in guten Zeiten keinen Pfennig zuviel an die Stadt abgeführt haben. Und jetzt, wo sie etwas nachlassen sollen, regen sie sich auf. So manche Kriegerfrau habe vergebens geweint und gejammert, als sie die Wohnung räumen mußte.— Die Vorlage wurde hierauf einem Ausschuß überwiesen, dem die Genossen Eichelhardt, Bäumler und Rottländer angehören. Soziales. Wcthnachtsgratifikationen. Mit dem bor der Tür stehenden Weilmachtsfeste ist die Frage wieder aktuell geworden: Besteht ein Rechtsanspruch auf die Weih- nachtsgratifikation? Sobald sie vereinbart oder vom Prinzipal zugesagt ist, ist daran kein Zweifel. Wie aber, wenn sie aus freien Stücken gewährt wurde? Die ordentlichen Gerichte gehen im wesentlichen von der Ausfassung aus, daß. wenn der Prinzipal die Gratifikation aus freien Stücken ohne vertragliche Verpflichtung gewähre, dem Angestellten selbst dann kein Anspruch auf die Graii- fikation zustehe, wenn sie talsächlich längere Zeit hindurch gezahlt Ivorden sei. Dadurch werde der Charakter der Freigebigkeit, der dieser Gratifikation anhafte, nicht beseitigt. Es sollten nicht etwa besondere Leistungen mit der Gratifikation abgegolten werden, sondern nur sein Ausharren im Betriebe belohnt werden. Nur wenn das feste Gehalt so gering sei, daß es nicht ausreiche, ein der Berufs- stellung und dem Lebensalter entsprechendes Leben zu führen und sür diese Lebenshaltung auf die Gratifikation gerechnet werden müsse, müsse die Gratifikation als ein Anteil des Gehalts angesehen lverden, auf den ein Rechtsanspruch bestehe. Auch das Reichsgericht sieht im allgemeinen auf diesem Standpiinkt, doch hat es in einer neueren Entscheidung— Aktenzeichen: III. 154/13— ausgesprochen, daß in Ermangelung besonderer gesetzlicher Bestimmungen die Voraussetzungen für oie Entstehung des Anspruches auf die Weih- nachtsgratifikation dem einzelnen Tienstvertrag und dessen er- gänzender richterlicher Festsetzung gemäß des Grundsatzes von Treu und Glauben unter Berücksichtigung der Verkehrs- sitte zu entnehmen seien. Nach der Auffassung des Verkehrs seien die Weihnachtsgratifikationen keine reinen Freigebigkeiten der Dienstberechtigten, deren Gewährung ihnen anheimgestellt wäre, sie stellten vielmehr eine besondere Vergütung neben dem Gehalt dar, deren Zweck es sei, den Angestellten für das Ausharren im Dienst zu belohnen und ihn zur Fortsetzung der Dienste anzuspornen. Deshalb sei auch regelmäßig die Euistehung des Anspruchs davon abhängig, daß der Angestellte bis Weihnachten im Betriebe verbleibe. Weiter geht die Rechtsprechung der KaufmannSgerichte. die jedoch auch nicht ganz einheitlich ist. Diese Gerichte— darunter auch das Kaufmanns gericht Berlin— stellen sich auf den Standpunkt, daß bei der Gratifikation keine Schenkung vorliege, welche der Arbeit- gebcr seinen Angestellten regelmäßig gewähre. Es fehle das Ein- Verständnis der Vertragstcile, daß die Zuwendung unentgeltlich erfolge. Im allgemeinen liege es nicht im Willen der Angestellten, sich von dem Dienstberechngten für geleistete Dienste regelmäßig beschenken zu lassen. So sehe auch ein großer Teil der selbständigen Kauflcute die Sachlage an. Zudem auch müsse zu einer Schenkung au die Angestellten ein besonderer Anlaß vor- liegen, was man bei regelmäßigen Zuwendungen nicht sagen könne. Die Angestellten sehen in der Gratifikation eine Vergütung, auf die sie rechnen. Eine Vereinbarung, daß der Angestellte einen ver- dienten Anspruch deswegen verlieren soll, weil er in gekündigter Stellung stehe, sei nichtig, demr darin liege einmal eine verbotene Beschränkung dcS Kündigunasrcchtes der Angestellten, anderer- seit-Z sei es eine auffällige Benachteiligung deS Angestellten, wenn er eines so erheblichen Betrages wegen, wie sie im allgemeinen die Weihnachtsgratifikation darstelle, die Ausübung eines erlaubten Rechtes verlieren solle. Wenn ein Angestellter in der Notlage seilte Unterschrift unter Anstcllungs- bedingungcn gebe, die die Gewährung der Weihnachtsgratifikation ganz'ins Crmessen des Prinzipals stellen, gebe er sie in der Er- Wartung ab, daß der Fall der Nichtzahlung der Gratifikation nicht eintreten werde. Eine solche in der Notlage abgegebene Willens- erklärung sei daher nicht rechtsverbindlich. In neuerer Zeit liegen nun eine Reihe von Entscheidungen bor, die solche Fälle betteffen, in denen bor Fälligwerden der Grati- fikation ein Ausscheiden aus dem Dienst erfolgt ist. Am 24. Januar d. I. hat sich das Landgericht n Berlin— Aktenzeichen 29. S. V./15.— auf den Standpunkt gestellt, daß ein nach fast 15 jähriger Beschäftigung am 1. Oktober geschehener Austritt aus dem Dienstverhälbüs keinen Anspruch auf die Gratifikation begründe. Das KaufmannSgericht hatte einen solchen Anspruch angenoinmen. Dadurch, daß die Gratifikation Jahre hin- durch vom Prinzipal gewährt worden s«, sei der Anspruch be« gründet. Das Landgericht hat anders entschieden. Durch die all- jährliche Bewilligung der Weihnachtsgratifikation habe der Prinzipal keine Verpflichtimg sür die Zukunft übernommen. Andererseits hat aber auch das Landgericht ausgesprochen, daß, wenn ein rechtlicher Anspruch auf die Gratifikation gegeben gewesen sei, grundsätzlich auch das Recht bestehe, den der Beschäftigung im letzten Jahre ent- sprechenden Teil der Gratifikation zu fordern. Nur wenn der Dienst- verpflichtete durch sein Verhallen zur Auflösung des Dienstvethält- nisses Anlaß gegeben habe, sei es nicht der Fall. In der Novembernmnmer der„Blätter für Rechtspflege" im Bezirk des Kammergerichts wird jetzt ein ähnlicher Fall mitgeteilt, der vom Kammergcricht am 25. September 1916 entschieden ivurde. Nach Löjähriger Dienstzeit war ein Bankangestellter gestorben und seine Erben forderten den auf die Zeit der noch im Jahre ge« leisteten Dienste entfallenden Anteil der die ganzen Jahre hindurch gewährten Gratifikation. Selbst bei der Annahme, daß ein klagbares Recht auf die Gratifikation bestanden habe, könne im bor- liegenden Falle kein Anspruch anerkannt werden. Davon könne nur dann die Rede sein, wenn der kaufmännische Angestellte zur Zeit der Verteilung oder wenigstens allgemeinen Bewilligung der Gratifikation noch im Dienste sei. Dem Willen der Vertragschließenden entspreche es, daß die Gratifikation nur dann zu gewähren sei, wenn er bis zu Wethnachlen beziehungsweise Neujahr, der üblichen Zeit der Bewilligung und Verteilung der Gratifikation, die Dienste auK geleistet dade und dadurch den Prinzipal der Notwendigkeit eines Personalwechsels im Laufe des Jahres überhoben habe. In diesem Sinne gäbe es also keinen Anspruch auf teilweise Gratifikation, sondern nur einen An- spruch auf unteilbare Gratifikation, der davon abhängig sei, dah der Angestellte sich zur Zeit der Verteilung noch im Dienste be- finde. Diese Entscheidung ist also den Angestellten überaus ungünstig. Mit ihr ist noch nicht die Frage entschieden, ob nicht unter Um- ständen ein Schadenersatzanspruch, der dem Betrage der Gratifikation gleichkommt, gegeben ist, wenn das Ausscheiden aus den Diensten auf Verschulden deS Arbeitgeber? zurückzuführen ist. Wir meinen sie bejahen zu müssen. Im vorliegenden Fall kam sie allerdings nicht in Betracht._ Gerichtszeitung. 3600 Anzeigen wegen Kriegswuchers mit Sticfelsohlcn. In der schlimmsten Weise hatte der Kaufmann Leopold Du- kalski KricgSwucher getrieben und das Publikum mit seinem Fabrikat„Schuhsohlen-Ersatz" geschädigt, das gestern der Begut- achtung durch das Schöffengericht Berlin-Mitte unterlag. Der An- geklagte hatte in zahlreichen Anzeigen„wasserdichte und haltbare Schuhsohlen, das Paar nur 1.25 M., die ganze Platte ausreichend für 5 Paar Stiefel, nur 5 M." dem Publikum angeboten. Be- stellungen liefen in großen Mengen ein. Sämtliche Besteller aber, die nicht gerade Filzschuhe für den Hausgebrauch damit versehen hatten, erlebten bei diesen Sohlen ihr blaues Wunder. Schon eine Stunde, nachdem sie in frischbelohlten Stiefeln auf die Straße ge- treten waren, merkten sie, daß die Sohle zerbrach und immer mehr zerbröckelte, daß das Wasser in Strömen eindrang und sie so gut wie auf Strümpfen liefen. Bald liefen so zahlreiche Anzeigen ein, daß binnen kurzem ihre Zahl die erstaunliche Höhe von 3 6 0 0 erreicht hatte. Der Angeklagte, ein geborener Russe, wurde schließlich in Schutzhaft genommen und die Beschlagnahme seiner Ware erfolgte. Die Verhandlung ergab, daß ihm eine Platte, die er mit 5 M. verkaufte, etwa auf 1 M. zu stehen kam. Das be- deutete einen Gewinnaufschlag von 400 Proz., während nur 20 Proz. gestattet sind. Da sein Gewinn sich im ganzen auf etwa 5300 M. in wenigen Monaten belaufen hatte, beantragte der Staatsanwalt 10 000 Geldstrafe und ein Jahr Gefängnis. Der Gerichtshof er- kannte auf 10 Monate Gefängnis und 10 000 M. Geld- st r a f e, da der Angeklagte in der krassesten Weise Wucher getrieben, direkt eine allgemeine Beunruhigung hervorgerufen und gerade die kleinsten Leute auf das schmählichste getäuscht habe. 15 Jahre Zuchthaus für einen Paletotmarder. Tin gemeingefährlicher Paletotmarder, der fast sein ganzes Leben hinter Zuchthausmauern verbracht hat, stand gestern in der Person des Kürschners Karl Winterfeld vor der 3. Straf- kammer des Landgerichts I. Der Angeklagte ist ein unverbesserlicher Dieb, der stets, sobald er für kurze Zeit sich in Freiheit befindet, in gleicher Weise auf Paletotdiebstähle ausgeht. Der Schauplatz seiner dadurch zuweilen sehr lohnenden Tätigkeit sind stets bessere und feine Weinrestaurants sowie Kaffees, insbesondere in der Leip- ziger Straße und am Kurfürstendamm. Jetzt standen wieder sechs Fälle gegen ihn zur Anklage. Für gewöhnlich wurden die Sachen von ihm unter dem Namen West versetzt, unter welchem Namen er zurzeit in einem Hospiz in der Auguststraße gewohnt hatte. Das wurde ihm zum Verräter, ebenso wie in anderen Fällen die bei ihm vorgefundene Visitenkarte der Bestohlenen. Trotzdem leugnete der Angeklagte, der Täter zu sein. Der Staatsanwalt hielt ihn jedoch für vollkommen überführt und beantragte für jeden Fall vier Jahre Zuchthaus, also im ganzen 24 Jahre, die er auf 15 Jahre Zuchthaus als höchstzuläfstg zurückzuführen beantragte. Das Ge- richt erkannte auf 11 Jahre Zuchthaus zusätzlich zu einer gegenwärtig von dem Angeklagten zu verbüßenden Zuchthaus- strafe von vier Jahren, so daß er im ganzen zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Mus aller Welt. Weitere Getrcideschicber verhaftet. In der bekannten Posener Getreideichieberangelegenheil ist nunmehr auch Graf Mielzynski auf Sckloß Jwno in der Provinz Posen verhaftet worden. Die Ver- Haftung erfolgte in Graud enz. Vor mehreren Tagen hatte auf Schloß Jwno eine Haussuchung stattgefunden, die sehr belastendes Material ergab. Berbaflet ist auch der Kaufmann Filisiewicz in Posen, der ebenfalls stark bei den Getreideschiebungen be- teiligt war. Explosion einer englischen StaatSfadrik. Amtlich wird gemeldet: Bei einer Explosion tn einer staatlichen Fabrik in Nord-England wurden 26 Arbeiterinnen getötet und 30 verletzt. Der Schaden in der Fabrik ist nur leicht. Der Beirieb wird aufrechlerhalte». Die Wirkung des Unglücks auf die Munitionserzeugung ist geringfügig. Spanischer Dampfer in Seenot.„Petit Journal" meldet aus Cadix, der spanische Dampfer„P i o IX." habe funkentelegraphisch Hilfe verlangt. Der Grund sei jedoch unbekannt. Jugenöveranftaltungen. Arbeiterjugend Schöneberg. Freitag: Vortrag im Dilmcrs- dorser Jugendheim. Mannheimer Str. 51. Ansang 8 Uhr.— Sonntag: Fahrt nach Zehlendorf-Machnow. Treffvunkt 8 Uhr, Kaiscr-Wilhelm- Platz. Fahrgeld 20 Pf. Abends: Spielabend be! Henkel, Meiningcr Straße 8.— Dienstag 8 Uhr: Mädchen- Le'eabend bei Frau Dr. Roeder, Tempelhoser Str. 21.— Mittwoch 8 Uhr: Abonnenten- Versammlung. Neukölln< Britz. Sonntag, 10. Dezember,>/,2 Uhr: Spaziergang Buckow— Nudow. Treffpunkt Boddln-, Ecke Mainzer Straße.— M i t t- m 0 ch, 13. Dezember, 8 Uhr: Turnabend Donaustraße. Abonnenten der „Arbeiter-Jugend* haben Vorzugsrecht.— Voranzeige! Mittwoch, 20. Dezember, 8 Uhr, Donaustraße 104: Vortrag über„Jugend und Alkohol-._ Märkische Spiel-Vereinigung. Sonntag, 10. Dezember: Lücken« walde II— Luckenwalde I. Wilmersdors I— Jahn-Oberspree tn Wilmers- darf. AdlerShos— Luckenwalde III in Adlershof. Velten I— Weißens» I in Velten. Neuenhagen— Wilmersdorf II in Neuenhagen.— Resultate und sämtliche Zuschriften find von jetzt ab zu adressieren an Ed. Jurlun, Berlin dl 112. Carmeii-Sylvastr. 123. Humanistische Gemeinde Berlin(E. VI. Sonntag, 10. Dezember. abends 5 Uhr, in der Aula der Friedrich-Werderschen Oberrealichule, Niederwallstr. 12: Vortra, des Herrn Dr. Rud. Penzig über:„Deutscher Friede oder MenschheitSsriede?•' Gäste, Damen und Herren, willkommen. Dirslrtion: Max Reinhardt JDentaches Theater. Deutscher Zyklus. VI, Uhr: Kabale nndlilebe. Sonnabend: Soldaten. Sonntag 3 Uhr; jDer Biberpelz. Kammersplele. 8 Uhr; Gespensteraonate. Sonnabend; Gespenetersonate. Sonntag nachm. 2'/, Uwe(kLPr): Wetterleuchten. Yolkabtthne. Thealer a.BDIowpl. S1/, Uhr: Roae Bernd. Sonnabend: Ein Sommernaohtstraum. Nachm. 3 Uhr(kl. Preise): Minna von Barnhelm. Der Beinertrag der Vorstellung ist zur Beschaffung von Weihnachtsgaben für das aktive 2. Qardereg. zu Fuß bestimmt. Tiieater I, d. Königgrätzerstr. 8 Uhr: Panl J.ango und Tora Paraberg;. BComddienhaus 8 Uhr: Der 7. Tag. Berliner Theater 8 Uhr: Auf Flügeln des Gesanges. Sessing-Iheatei*. Direktion: Victor Barnowsky. 3 Uhr; Die beiden Klingeberg. Sonnab., Sonnt: Jolina Cttaar. Bentseh. Künstler-Theater. Kurfürstend., E. Nürnberger Str. Allabendlich 8 Uhr: Moral. Komödie von Ludwig Thoma. URANIA Tanhenstraße 48/49. 8 Uhr: Skagerrak. llDsere Hoehseellotte im Weltkrieg. T olgt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. Täglich t Die Toelitep des km Faörieiiis. Kaffeneröffnung 8 Uhr. Ansang 7 Uhr. Sonnt. 3 Uhr: Oer LBwe des Tages. Ab Montag: Wenn die Sleges- srlocken Hinten. Theater für Freitag, den 8. Dezember, Deutsches Opernhaus, Cbarlotfenb. 8 Uhr: Rigolotto. Frledrich-Wllbelmstadt. Theater. Zum 300. Male: s uhr: Das Drelmäderihaus, Kleines Theater. s uhr: Am Teellscli. Gebr. HerrnfeW- Theater sv, n.: Der doppelte Buchhalter, Posse mit Gesang und Tana. Komische Oper. sv, uhr: Der Puszta-Kavaller. Sonntag 4 Uhr: Der Hüttenbesitzer. Lustspielhaus. ev,u.: Der selige Balduin Sonnab. 8'/,� O.Widerspensi. Zähm. Metropol-Theater s uhr: Die Gsardasfürstln. Sonntag 8 Uhr: Die Kaiserin. Neues Operettenhaus Kassentelephon; Norden 281. s uhr: Oer Soldat der Marie. Residenz-Theater X4:0ifl Warschauer Zitadelle. Schiller-Theater O. s uhr: Seine einzige Frau. Sehiller-Tb.Charlottenbc. 4 Uhr: Schneewittchen. I lm.; Novella d'Andrea. Thalia-Theater. s uhr: Das Vagabundenmädel. Theater am Xollendorfpl. S1/, Uhr: Der Kaufmann von Venedig. 81/, Uhr: Diane Jnngcna. Theater de» Weilten» 3'/, Uhr: Die KarlsachUler. s uhr: Die Fahrt Ins GlQsk mit Guido Thielsoher. Trlanon-Thoater. sv, u.t..... als Gast. Rose-Theater 8v,u; Das GIüeksmAdel. Walhalla-Theater 8 uhr: Die Dollarprinzessin. Reicbsbaiien-Theater. Stettiner Sänger. ÄFrledetisgloto Zeitbild von Meyiel. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachmittag 3 Uhr: (Ermaß. Preise) Weihnachtsabend I. Schützengraben idmiraispaiast. Das herrliche Eisballett �fran �fantasie. Anf.«>/, Uhr.», 8, 4 M. Casino-Theater. Lothringer Str. 37. Täglich 8'/, Uhr Einzig in seiner Art! Die Schlagcr-Poffe dieser Spielzeit Zwei kslls SerUner Berliner Hguren! Berliner Humor! Vorher erstklassige Spezialititten. Sonntag 4 Uhr: Vätern» Wunderhur. 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Posten Holländisch« Fetthühner...„ 3,50—4,00 0,25 2,00 2,00 1,50 Steyerische Pute...... 2,50 Rlnversastbraten...... 2,50 Kompott oder Salat.... 0,25 Speise 0,30 Tfeeelc der Freidenker im lör Feuer- ' beslattung zn Berlin. Am 4. Dezember verstarb unser Mitglied, Herr Eridi Bollwahn Göbenstr. 7 im 53. Lebensjahre. Ehre seinem Zlndenken 1 Die Einäscherung findet heute vormittag 10 Uhr im Krema- torlum zu Treptow-Baumschulen- weg statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Vorstand. veiikcher Trausportarheiter-Verliand. Bezirksverwaltung Groll-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Wilhelm l�eh am 0. Dezember im Alter von 5t Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet am Montag, den 11. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Dankes-Friedboses, Rei> uickendors, Blantestraße, aus statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Lagerarbeiter Ernst Damm von der Firma Borchers u. JürgeS. GrelsSwaldcr Straße, am 5. De- zember im Alter von 53 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andentenk Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 9. Dezember, vormittags HUhr.von derLeichen- halle des Bartholomäus- Kirch- Hofes tn Weißensee, Faltenberger Straße, aus statt Um rege Betelligung ersucht 70/3 Die Bezirksverwaltung. Danksagung. Für die innige Teilnahme beim Heimgange meine» lieben Manne«, unseres guten Vaters 140A Fritz Eberl sagen wir allen Freunden und Be- kannten, insbesondere Herrn Manasse, dem Vorstand der Allg. Ortskranken- lasse zu Weißenlee und allen Ver- bänden unseren herzlichsten Dank. Witwe Ehert und Kinder. Statt Karten. Für die aus Anlaß der Beisetzung unserer lieben Tochter .Anim Müller bewiesene rege Anteilnahme sagen wir allen Erschienenen unseren herz- lichsten Dank. Berlin, Mühlenstr. 42. 15S5d Familie E. Httller. Möbelfabrik Hob. 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Barm« sage ich allen, welche ihr die letzte Ehre erwiesen, Insbesondere dem Ge- nossen Manasse für die trostreichen Worte am Sarge, meinen herzlichsten Dank. 145?! Der trauernde Gatte Friedrich Katzorke, Berlin-Schineberg, Gustav-Müllerst. 8 «nföerl üDcmii Stoffe für Maß• Anzüge, Paletots, Damen■ Kostüme, Mäntel, Meter 10.-, 14.-, 16.-, 20.-, Seiden-Seal, Astrachan. T ochlager Koch& Seeland 0. m b. H., Getraatetr. 20-21, i «trlklrohe. der Skvtwlu- QtuXitL 15 Centrai-Haus Jagerstr. 13 Coric. Leihhaus. UWamtes OelegeiMaftios rar»um-«. ■8 rrK«i;„V.„„ VArVfUlf vr.n 1.' 1. 1 i u-„.1 wfmi£- frnt.rfiirAr, ai*_l Kr I*„ r.- Prac tc- Anzlk a-m.|..il.-><. ,a Täglicher Verkauf von Kavalieren wenig getragener J ockett- Kock-, Frack- AnzUge, Puletots und Elster, auffallend billig. Großes Lager in neuer Maßgarderobe, in erstklassiger Verarbeitung. Große Auswahl in Dnmcn-Kleldern, Kostümen. Elstern und Hanteln. Gelegenheitskaufe in Pelzkragen, Pelerinen, MufTen, Alaskaf uclix. Skunks. 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