Ar. 339. flbflnnements-Bedlngnng«: ßotmfmentä• Stm pränumerand« BifttcIiöörL 8,90 Ml. monatL ILO MI. wSchenllich SO Btg, frei in« Hau«. Einzelne Nummer S Big, Konnlag«. nummei mil illullrierler Konnlag«. Beilage.Die Neue WelN 10 Big. Soft« Ktonnemcnt: 1,30 Marl pro Mo not Eingelragen in die Posi. Zeitung«. Prcibliiie, Unler Kreuzband lür Deulichland und Oeilerreich- Ungarn 2.50 Marl, für da« übrige Ausland « Marl vro Monat Voslabonnemenl« nehmen an Belgien, Dänemark Holland, Italien. Luxemburg. PonugaL «umänicn. Schweden und die Schwei» Otoeint tignu Verltnev Volksblskk. 83. Jahrgang. Me TnTfrflons'GrtOIif tetrigt für die fechSgespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum KO PIg„ für Politische und gewerlschaftliche Verein«- »nd Berfammlungs» Anzeigen 30 Big, �Aleine Anreisen", da« lettgedrurlte «ort 20 Big,(zulSIfig 2 fettgedruckte Bode), jede« weitere Bort 10 Big, Stellengesuche und Kchlafstellenan- »eigen da« erste Wort 10 Vsg„ jede« »euere Wort 5 Vfg, Worte über 15 Buch. Itaben zählen für zwei Wone. Jnseraie mr die nächste Nummer müssen bi« fi Uhr nachmittag« in der Expedition »baegcden werden. Die Exveditum ist bit 7 Uhr abend« geöffnet Desegramm-rdrefs«: »eea»". ZcntrzXorgxn der rozialdcmokrat» fd�en Parte» DeutfchlandQ. Redaktion: SW. 08, Linüenstraße Z. ffernsvrecher:, Ami Moritzplan, Nr. ISl»v— liil S?. Sonntag, den 10. Dezember 1918. Expedition: SW. 08, Lindenstraße Z. Nernsvreche«: Am« Moritzvlatz, Nr. tKI SO—»Kl VT. Der Keichstsg zum Dienstag einberufen. Bcthmann fpricbt über Rumänien. Russische Angriffe bei Torna Watra.— Die rnmänische Predealpasi Gruppe auf- gerieben.— Riesenbeute der Schlacht um Bukarest.— Auflösung des rumänischen Heeres. Großes Hauptquartier, 9. De- (W. T. B.» Amtlich. zember 1916. Westlicher ZtriegSfchauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupp recht Im Somme-Gebiet war zu einzelnen Stunden der Geschützkampf heftig. NachtS gegen unsere Stellungen bei Le Transloy vor- gehende starke Patrouillen wurden durch Feuer und Nah- kämpf vertrieben; eine Anzahl vou Australiern blieb dabei in unserer Hand. O estlicher Kriegsschauplatz. Front des G e» e r al f e l,d m,a r s ch a II S Priuz l L e o p o l d v o n B ah e rn. Nirdlich des Narvcz-Sees, in der Sköry-Euge» griffen »lach Feuervorbereitung mehrere russische Kompagnie» ver- geblich uusrre Stellungen an. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph. Zwischen Kirlibaba-«nd Bistritz-Tal setzte der Russe gestern starke Angriffe an. Zumeist scheiterten sie Verlust- reich in unserem Feuer. Nördlich von Dorna Watra ver- lorener Boden wurde vom Angreifer teuer erkauft. Auch bei in der Hauptsache fehlgeschlagenen Augriffen südlich des Trotusul-Talrs errang der Russe bei erheblichem Kräfteverbrauch nur geringeu örtlichen Erfolg. Heeresgruppe des Generalfeldmarschall» von Mackensen. Der linke Flügel der neuuten Armee hat die rumänischen Divisionen, die von deu Pässen nordöstlich von Sinaia sich nach Südosten durchzuschlagen versuchten, aufgerieben; mehrere tausend Mann wurden gefangen, viele Geschütze erbeutet. Bor dem rechten Armceflügel und vor der rasch vor- dringenden Donau-Armee ist der Feind in vollem Rückzüge. Seit dem 1. Dezember hat der Rumäne an die beide» Armeen— soweit die zunächst flüchtige Ausräumung der Schlachtfelder um Bukarest ergab— über 7t) 006 Mann, 184 Geschütze, 120 Maschinengewehre verloren. Die Höhe der Zahlen läßt einen klaren Rückschluß auf die Größe des Erfolges der verbündeten Truppen zu und zeigt deu Grad der Auflösung des rumänischen Heeres, dessen Ber- luste an Toten und Verwundeten zur Gefangenenzahl im Verhältnis stehen. Die Beute an Feldgerät und Kriegsmaterial ist uu- absehbar. Mazedonische Front. Auf den Höhenstellungeu nördlich von Monastir und nordöstlich vou Paralovo lag starkes Artilleriefeuer, dem «leicht abgewiesene Angriffe im Cerna-Bogen folgten. Oestlich des oberen Tahinos-Sees schlugen bulgarische Borposten eine englische Kompagnie zurück. Der Erste Gcneralquartiermeister. Lndrndorfs. fidenübericht. Amtlich Berlin, O.Dezember, abends. tW. T B.) ftm Westen und Osten nichts Wesentliches. Rumänien vollzieht sich die Verfolgung plan- gcuivtz. Im Cerna- Bogen haben sich nach Artillerirkampf keiudliche Anguiffe entwickelt, die noch im Gange find. Der österreichische Bericht. Wien, 9. Dezember 1916.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeld Marschall» von Mackensen. Der Feind ist vor der Donau-Armee und dem rechte» Flägel der Armee des Generals der Infanterie von Falkenhayn in vollem Rückzüge. Rumänische Kräfte, die rS noch versuchen wollten, vom Gebirge her den Anschluß an die zurückgehende rnmänische Armee zu finden, wurden gönzlich aufgerieben. Die Beute der Heeresgruppe seit 1. Dezember beträgt über 70 000 Mann, 184 Geschütze, 120 Maschinengewehre und unüterseh- bares Kriegsmaterial. HeereSfront des Generalobersten Erzherzog Joseph. Im Trotusul-Tale, dann zwischen Kirlibaba und de« vistritz- Tale griff der Feind gestern abermals nnsere Stellunge» mit starken Kräften au. Bon einigen örtlichen Erfolgen abgesehen, blieben die Angriffe erfolglos. HeoreSfroot de» G e n c r als e ld m» r fch> ll« B r i n z L c« p« l d v» n B a y e r». Südlich des Pripjat keine Ereignisse. Italienischer und Südöstlicher Kriegsschauplatz. - Lage unverändert.-;-,,, t' Der Stellvertreter des Chefs beS GeaeralstabeS. , v. H o e f e r, Fcldmarschallcutnant, Einzug in Bukarest. (Telegramm unseres Kriegsberichterstatters Dr. Adolf Köster.) B u k a r e st, 9. Dezember 1916. Am 6. Dezember 1916, mittags 12 Uhr, erreichte die vorderste Kompagnie, Grenadiere der Armee Falkenhayn unter Oberleutnant v. Dewitz, die Grenze der Stadt, von Chitila kommend. Ter Bataillonskommandant fuhr mit Offizieren des Arnifcstabes in die noch von rumänischen Versprengten erfüllte Stadt. Tic Offiziere erhielten vom Bürgermeister die schriftliche Bestätigung, daß die Stadt geräumt und dem Einzug der verbündeten Truppen kein Widerstand mehr ge- leistet werde. Tie Urkunde wurde an den Kommandeur der vor der Stadt harrenden Truppen gesandt, worauf gegen 2 Uhr der Einmarsch der ersten Bataillone der Armee Falken- Hayn von Nordwesten her erfolgte. Ter Empfang der Truppen war jubelnd; Blumen wurden geworfen, Hurrarufe,„Deutsch- land über alles" tönte es aus der von zahlreichen, eben erst entlassenen internierten Deutschen und Oester- reich- Ungarn durchsetzten Volksmenge. Die Stadt trägt völlig friedliches Gepräge. In ihr verblieben sind Peter Corp, Marghiloman und viele angesehene Persönlich- leiten der Antikricgspartei sowie der holländische und der amerikanische Gesandte. Dr. Adolf Köster, Kriegsberichterstatter. Das ferne Licht ües Friedens. In der Generalversammlung der Allgemeinen Elektrizitäts- gesellschaft hielt deren Präsident Dr. Walter R a t he n a u �eine Rede, die Wolffs Bureau ausführlich wiedergibt. Rathenau sagte unter anderem: Auch wer politische und militärische Lage nicht verwechselt, wird der Empfindung sich nicht verschließen können, dag jetzt nach langer Zeit zum ersten Male ein fernes Licht. das Licht des Friedens erscheint. Doch keine Hoffnung darf uns von unserer Aufgabe entbinden. Auch weiterhin werden wir unsere Einrichtungen verstärken, neue schaffen und den Umfang unserer Leistungen erhöhen. Sie wissen, daß das gewaltige Hin- denburg-Programm die ganzen Kräfte des Landes fordert.... Der Krieg ist nicht mehr allein ein Krieg gegen Waffen und Politik, sondern auch ein Kampf gegen Wahn und Un- Vernunft. Ich denke dabei nicht an Illusionen und übertriebene Wünsche, die bei uns auftreten können, sondern an die Meinungen unserer Gegner, die den Trost für Mißerfolge suchen, indem sie sich an das Wort klammern:.Time fixlit kor us."(Die Zeit kämpft für uns.) Das ist das unwahrste und verwegenste Wort, das in diesem Kriege gesprochen worden isi Die Zeit kämpft für nie- mand, sie kämpft gegen jeden. Wenn es aber einen Teil der Kriegführenden gibt, der durch die Länge und den Druck des Krieges wahrhaft Kräfte gewonnen und innere Fortschritte er- lebt hat. so ist e» Deutschland mit seinen kündeten, > die Einberufung des Reichstags Berlin, 9. Dezember.(SB. T. B.) Wie wir hören, hat der Präsident des Reichstags die Mitglieder zu einer Sitzung für Dienstag, den 12. Dezmbcr, nachmittags 1 Uhr, einberufen. Es wird angenommen, daß der Reichskanzler in dieser Sitzung über die neue militärische Lage in Rumänien Mitteilungen machen wird. Ter Reichstag ist zum Dienstag einberufen, und alle Welt fragt, was das bedeutet. Der Reichskanzler wird sprechen, wie es heißt, über Rumänien. Llber die deutschen Reichstagsabgcordneten brauchen doch nicht von Memel und von Konstanz nach Berlin reisen, um zu erfahren, daß Bukarest gefallen ist!? Es entspräche nicht der nüchternen Art deutscher Politik, Venn der Reichstag nur zur Abhaltung einer Siegesfeier ein- berufen würde. Die Vermutung liegt also sehr nahe, daß tiefere und bedeutungsvollere Gründe zur Einberufung des Parlaments— in so überraschender Weise und zu so ungewöhnlicher Zeit— geführt haben. Welcher Art' diese Gründe sind, wird' man am Dienstag erfahren. Und man wird mit Spannung''warten, bis der Schleier dieses Geheimnisses fällt. Bis dahin können wir nicht prophezeien, nichts kann uns aber daran hindern, Auffassungen und Wünsche zu äußern. Und da dürfen wir daran erinnern, was am Tage nach dem Fall von Bukarest an dieser Stelle zu lesen stand: „Jetzt sind die Völker jenseits der Schützengräben vor- bereitet, die Wahrheit zu hören. Sagen wir ihnen, daß man sie belogen hat, als man ihnen einredete, Deutschland wolle nur den Frieden, den es diktieren könnte. Sagen wir ihnen, daß Deutschland jetzt, gerade jetzt mehr denn je zu einem Frieden der Verständigung bereit ist, daß es ebenso bereit ist, die große Stärke seiner ver- einigten Gegner anzuerkennen, wie es auf Anerkennung seiner eigenen unüberwindlichen Tüchtigkeit Anspruch hat. Sagen wir, daß wir mit ihnen zu verhandeln bereit sind, nicht als Sieger mit dem Besiegten, sondern gleich auf gleich, daß wir nicht fordern wollen, ohne zu gewähren, nicht nehmen wollen, ohne zu geben, daß wir die Freiheit der Völker nicht mindern, sondern mehren wollen." „Wer will uns das als„Zeichen der Schwäche" aus- legen— am Tage nach Bukarest!?" „Die feindlichen Regierungen haben n ichtdenMutzu m Frieden. D rede utschekann u n d m u ß i h n h ad c n!" „... Der Versuch muß gewagt werden. SBenn er aber offensichtlich durch die Schuld der anderen mißlingt, dann werden wir mit gutem Gewissen� ausharren bis zum nächsten Mal." Acht Tage nach der Rede des russischen Ministerpräsiden- ten Trcpoff, zwei Tage nach der Uebernahme der britischen Ministerpräsidentschaft durch Lloyd George wird niemand glauben, daß der Frieden über Nacht kommen kann. Was die deutsche Regierung heute— wenn sie will— bieten kann, ist noch nicht der Frieden, aber es ist eine fürchterliche Ge- wis'sensmahnung an die Kriegsver längerer und eine entscheidende Vorbereitung des künftigen Friedens. Das kann sie, wenn sie will I Wird sie wollen? Das deutsche Volk, dessen Wunsch nach einer baldigen Be- endigung des Krieges ebenso stark ist wie sein Wille, sich in der Welt zu behaupten, erwartet eine Antwort, die alle früheren an Klarheit und Eindeutigkeit über- , trifft. Noch können Worte gesprochen werden, die von ent- scheidender Stelle nicht gesagt worden sind, können Schritte unternommen werden, die noch nicht getan sind, die aber getan werden könnten, wenn die deutsche, Politik mit der gleichen leidenschaftlichen Energie ihren Weg zum Frieden er- gehen wollte wie die deutsche Kriegführung ihren Weg: zum l Sieg der Selbsterhaltung gegen eine SMt in Waffen I Sozialimperialismus in Cnglanö Von M. Beer. Der romantische Traum Lord Beaconsfields, die Chartisten mit dem alten Adel zu versöhnen und eine große imperialistisch-sozialePartei unter Ausschaltung der kapitalistischen Bourgeoisie zu schaffen, scheint sich im gegenwärtigen Augenblick verwirklichen zu wollen. Er ist eigentlich das Vermächtnis jenes merkwürdigen Staatsmanns, dessen Geist in England noch immer lebt und abenteuerliche Politiker unter seinen Bann zwingt. Kaum war Beaconssield tot, da übernahm Josef Chamberlain die Aufgabe, der englischen Politik einen imperialistisch-sozialen Charakter zu geben. Vom linksliberalen Flügelmann Glodstones verwan- delte er sich zum Führer der konservativen Sozial» und Kriegs- Politiker. Wenige Jahre nach dem Tode Chamberlains machte Lloyd George, der linksliberale Flügelmann Asquiths, dieselbe Entwicklung durch. Während aber in der Blütezeit Chamberlains die Arbeiter noch keine aktive und selbständige Rolle in der Politik spielten und deshalb nicht zu fürchten waren, fällt Lloyd Georges Hin- und Aufschwung in eine Periode, in der die Arbeiter nahe daran waren, einen wich- tigen sozialpolitischen Faktor im öffentlichen Leben Englands zu bilden. Die Aehnlichkeit zwischen der Laufbahn Josef Chamberlains und Lloyd Georges ist schlagend. Sie sind Glieder in der traditionellen Kette Beaconsfieldscher Politik. Der Weltkrieg mit seinen kaum faßbaren Erschütterungen gab Lloyd George eine Gelegenheit, wie sie keiner seiner Vor- gänger hatte. Ein sehr großer Teil der englischen Ar- b e i t e r f ü h r e r wurde vom Kriegstaumel erfaßt. Dieselbe Arbeiterpartei, die im Jahre 1912 und 1913 die Diplomatie Lord Greys als kriegerisch und deutschfeindlich bekämpft hatte; dieselben Männer, die vor Greys geheimem Wirken gewarnt hatten; tiieselben Redner, die noch am 1. August 1914 einen Eintritt Englands in den Krieg an der Seite Rußlands für unmöglich gehalten hatten, wuvden in wenigen Tagen zu An- hängern Greys, bis sie im Mai 1915 sür ministerfähig gehalten wurden. Der Krieg fegt vieles im Menschen hinweg, aber er wühlt auch viel in ihm Verborgenes auf. Fast die ganze liberale Kultur, die die Cobden und Bright und Gladstone der nach- chartistischen Arbeitergeneration gegeben hatten, erwies sich als eine oberflächliche Politur. Sie war nur, wie die Engländer sagen:„ßllin-ckosp": sie reichte nicht tiefer als die Haut. Hin- gegen drang die s o z i a l p o l i t i s ch e Bildung, die sie aus den Schriften und Vorträgen Carlyles und Ruskins er- halten hatte, in ihr Gefühlsleben ein und verband sich mit ihren nationalen und kriegerischen Instinkten. Carlyle und Ruskin waren beide kriegerisch und national; sie waren so- zialkonservativ. Die meisten Führer der englischen Arbeiterpartei stammen aus dieser Schule. Als Arbeiter bildeten sie sich an Carlyle und Ruskin. In den Jahren des Friedens und des noch ein- flußreichen Liberalisnius waren sie sozialpolitisch-liberal. Der Weltkrieg hat aber dem englischen Wirtschaftsleben eine sozial- organisatorische Richtung gegeben und dem Staate Aufgaben zugewiesen, die sich mit dem Liberalismus nicht vereinigen lassen. Er schuf eine mächtige sozial-imperialistische Strömung und fand in der„Times" ein einflußreiches Organ, das seit Beginn dieses Jahres zum Fürsprecher der Arbeiter wurde und gleichzeitig Lloyd George, Lord Milner und ähbliche bekannte Politiker auf sein Schild hob. Die meisten Gewerkschaftsführer blickten auf diese neue Aera mit anderen Äugen als die sriedenssrenndlichen Sozialisten oder �die linksliberalen-Sozialpolitiker. Von den 49 Mitgliedern -der Arbeiterfraktion dürfte mehr als die Hälfte einem Mi- nisterium Lloyd George ihre Unterstützung gewähren. Friedensfreunde im streng pazifistischen Sinne gibt es in der englischen Arbeiterbewegung nur sehr wenige. Der Unter- schied zwischen den Kriegsanhängern und den Friedens- freunden ist derselbe wie in der ftcmzösischen Partei. Die Mehrheit verlangt einen Frieden durch Sieg, also durch einen Krieg bis ans Ende. Die Minderheit ist für einen Frieden durch Verhandlungen. Zur Mehr- heit gehören die meisten Arbeiterabgeordneten, die zugleich Gewerkschaftsführer sind. Eine bekannte Ausnahme bildet das Parlamentsmitglied I. H. Thomas, Organisator der Eisenbahner, der nicht Sozialist, sondern linkslibcral ist. Sein Kollege Wardle, Redakteur des Fachorgans der Eisenbahner und gegenwärtig Fraktionsführer, ist zwar Sozialist, aber Kriegsanhänger. Die parlamentarischen Ver- treter der Bergleute, sowohl die sozialistischen wie die libe- ralen, gehören zur Mehrheit. Hingegen ist der Präsident der Bergleute, Robert S m i l l i e, ein entschiedener Friedens- freund und Sozialist. Er und Fred B r a m l e y, der Orga- nisator der Möbeltischler, sowie Robert Williams, der Führer der Transportarbeiter, sind wahrscheinlich die ein- zigen entschiedenen Pazifisten unter den Gewerkschaftsfüh- rern. Sie gehören zur Minderheit und wirken zusammen mit den sozialistischen Parlanientsmitgliedern. wie Philipp S n o w d e n(pensionierter Staatsbeamter), Ramsay Mac Donald und Fred I o w e t t. die der Unabhängigen Ar- beiterpartei angehören. Die Metallarbeiter und ihre Führer, darunter Arftir Henderson und George N. Barnes, gehören zur Mehrheit. Ebenso die Textilarbeiter und deren Führer, mit Ausnahme von Ben T u r n e r, der zur Minder- heit neigt. Die Hafenarbeiter und ihre Führer Ben Til- lett und James Serton, sowie die Seeleute und ihr Führer Havelock Wilson sind geradezu chauvinistisch. Nichtsdestoweniger finden in England wöchentlich zahl- reiche F r i e d e n s v e r s a m m l u n g e n statt, die in ihren Entschließungen von der Regierung verlangen, in Friedens- Verhandlungen einzutreten, um aus diesem Wege das zu er- reichen, was durch Krieg nicht erreicht werden konnte. Ueber den Einfluß und den Wert dieser Versammlungen sind die Meinungen sehr geteilt. Unterstützt werden diese Kund- gedungen von einigen linksliberalen Parlamentsinitgliedern, wie Artur P o n s o n b y(Sohn des Privatsekretärs der Königin Victoria), Charles Trcvelyan(früher Unter- staatssekretär), Onthwaite(Vertreter des Arbeiterwahl- kreises Hanley) und attdere— leider nicht allzuviele! �squith über seinen Sturz. London, 8. Tezeniber. lReuter.) In der Versammlung der Liberalen Partei hat Asquith eine Erklärung über die Krise ab- gegeben, in der er sagte, er habe nicht auch die Leitung der Partei niedergelegt. Es sei eine sorgfältig organisierte Verschwö- r un g angezettelt worden, die hauptsächlich gegen ihn selbst und Greh gerichtet gewesen sei. Daran hätte aber weder Lloyd George noch ein' anderes Mitglied der Regierung teilgenommen. Er sei sich nicht bewußt, daß irgend eine Ursache zu Klagen über Tchlaff- heit der Regierung bestehe. Das Kabinett hätte kräftiger auf- treten können, wenn die Zahl seiner Mitglieder eingeschränkt würde. Lloyd George habe vorgeschlagen, einen dreigliedrigen Kriegs- rat zu bilden, dem er(Asquith) nicht angehören solle. Er habe darauf erklärt, daß er als Premierminister gleichzeitig Vorsitzen- der des Kriegsamts sein müsse. Lloyd George sei damit nicht ein- verstanden gewesen, und am Sonntag hätten die unionistischen Mitglieder des Kabinetts die Absicht ausgesprochen, zu demissio- niercn, wenn er selbst nicht demissioniere. Verhandlungen mit Lloyd George verliefen ergebnislos. Asquith schloß: Ich werde tun, was ich kann, um die große Aufgabe, die in den Händen des neuen Kabinetts liegt, zu er- leichtern. Auch G r e y forderte auf, sich durch die persönlichen Angriffe nicht davon ablenken zu lassen, daß das Land Stirn gegen Stirn einem unversöhnlichen Feind gegenüberstehe. »» » Das neue Kabinett. London, 9. Dezember.(W. T. B. Reuter.) Lloyd George hat Jjie Bildung seines Kabinetts so gut wie vollendet. Folgende Persönlichkeiten sollen ihm angehören: Bonar Law als Schatz- kanzler, Addison als Munitionsminister. Balfour als Staatssekrc- tär des Auswärtigen Amts, Lord Derbv als Staatssekretär des Krieges und Regierungsvertretcr im Oberhause, Henderson als Arbeitsminister mit einem Sitze im Kriegsrat, Barnes als Minister für Pensionen und Lord Robert Cecil als Unterstaats- sekretär im Auswärtigen Amt. Lloyd George, der Siegesbürge. Melbourne, 8. Dezember.(W. T. B. Reuter.) Ministerpräft- dent Hughes äußerte sich dahin, daß die Uebernahme der Regierung seitens Lloyd Georges im ganzen Reiche mit Genugtuung aufgenommen und von den Alliierten als Bürgschaft für die kräftige Fortsetzung des Krieges, bis der ent- scheidende Sieg erreicht sei, begrünt werden würde. Im Repräsentantenhause erklärte der Führer der Opposition Joseph Cook, alle Parteien sollten sich zur Organisation der Nation ver- einigen. Cook tadelte ferner scharf die Kriegsstreiks und trat für eine nationale Regierung ein. �uch örianü wankt. Die Enttäuschung hochgespannter Kriegshoffnungen findet ihren Niederschlag in inneren Krisen. Es ist kein Zufall, daß gerade jetzt, wo das Kriegsjahr 1916 zu Ende geht und der Entente statt des erwarteten„Endsiegs" die rumänische Kata- strophe nebst einer schweren Lebensmittelkrise beschert, bei unseren bedeutendsten Gegnern sich fast gleichzeitig schwere innere Erschütterungen einstellen. Stürmers Ersatz durch Trepoff, Asquiths durch Lloyd George sind Parallelerschei- nungen, zu der sich als dritte nunmehr eine wachsende Oppo- ition gegen das französische Ministerium Bnand gesellt. Briands Kammersieg mit 344 gegen 169 Stimmen ist alles andere als ein Triumph. Denn er bedeutet, daß zu der bishettgen Gegnerschaft der etwa 49 Mann starken sozia- listijchen Minderheit noch eine andere für ihn viel gefährlichere Opposition hinzugetreten ist: jene Opposition, die gekenn- zeichnet wird durch die 117 Stimmen, die für die Tages- ordnung T a r d i e u votierten. Tardieus Antrag aber war ein Mißtrauensvotum gegen die Regierung, er tadelte ihre Schwäche und klagte sie wegen ihrer Mißerfolge an. Es hat sich also auch in Frankreich— trotz der heiligen Einigkeit— eine extreme Kriegspartei gebildet, der die Re- gierung zu schlaff ist und die nach dem„starken Mann" schreit. In den Kriegsereignissen findet ihre Agitation gewaltige Nahrung; für das Scheitern der Sommeoffensive, für die Vernichtung Rumäniens, die Blamage in Griechenland, müssen natürlich Sündenböcke gesucht werden. Dazu beginnt man sich in Frankreich ernstlich Sorgen um Sarrail zu machen, der nach Rumäniens Ausscheiden auf isoliertem Posten steht. Im„Gaulois" ruft Arthur Meyer bereits offen nach dem Diktator, selbst an den vergötterten Joffrc wagt sich die Kritik heran. Noch ist Briand der Mißstimmung Herr geworden. Aber jedes ungünstige Kriegsereignis treibt der Opposition neue Stimmen zu. Die Agence Havas gibt eine Zusammenstellung von Preßstimmen wieder, nach der es so aussieht, als ob Briand am Ruder bleibt. Aber auch hier wird eine Um- bildung des Kabinetts in Aussicht gestellt. Briand wolle den größeren Teil der Kabinettsmitglieder entlassen und sich mit einem kleineu Erekutivausschuß umgeben. Gustave Hcrvs vollends schreibt in der„Victoire": „Es ist trotz dieses Ausgangs der Debatte kein Zweifel dar- über möglicki, daß auch Frankreich in kurzem die Neubildung des Kabinetts, die das Land einstimmig fordert, bekommen wird." „Humanits" betont, daß die Opposition, wie da? Ministerium erkennen müsse, immerhin im Zunehmen begriffen sei. Mit den Tagen der sicheren Herrschaft des Kabinetts Briand ist es jedenfalls vorbei. Das traurige ist, daß auch Briand, wie Stürmer und Asquith, nicht von den Friedens- freunden, sondern von den radikalen Kriegsverschärfern ge- stürzt und ersetzt werden wird. Die Deüeutung üer Einnahme Bukarests. (SB. T. B.) London, 8. Dezember. Dem„Daily Telegraph" wird au« Petersburg gemeldet, man habe dort nicht die ge- ringste Neigung, die Bedeutung des Falles von Bukarest zu ver- ileinern, im Gegenteil, in allen amtlichen Kreisen werde mit un- gewöhnlicher Offenherzigkeit zugegeben, daß der Feind einen Sieg von viel mehr al» örtlicher Bedeutung errungen habe, der. wenn er sich auf dem eroberten Gebiete halten könne, einen sehr großen Einfluß auf die zukünftigen Phasen des Krieges ausüben werde. Griechenlanü. Die Entcntebürger entfliehen der Hungerblockade. Funkspruchverkchr Athen— Konstantinopel. London, 9. Dezember.(W. T. B.) Reuter meldet aus Athen: Die Lage ist äußerst ernst. Die effektive Blockade beginnt Freitag- ftüh um 8 Uhr. Die russischen Untertanen sind an Bord eines Dampfers gegangen. Die diplomatischen Verhandlungen dauern fort. Heute hat die Regierung den Ententegesandten mitgeteilt, daß die militärische Bewegung, deretwegen sie gestern Schritte unternommen hätte, beendet sei. Die Bevölkerung der Stadt fürchtet eine Beschießung. Es herrscht große Besorgnis. Viele Leute fläch- ten nach sicheren Orten. Die anwesenden Italiener haben sich«ingeschifft. Im übrigen ist die Lage unverändett. Bern, 9. Dezember.(W. T. B.) Der Pariser Berichterstatter de»„Corriere della Sera" meldet, der ftanzösische und der englische Gesandte in Athen hätten sich nach dem PiräuS begeben unter Mitnahme der Archive. Das Gepäck de? Personals der englischen Gesandtschaft sei bereits im PiräuS eingeschifft worden. Bern, 9. Dezember.(W. T. B.) Eine Meldung de?„Sortiere della Sera" au» Athen besagt, das französische Admiralschiff „P r o v e n c e" sei aus dem Piräus ausgefahren, wo sich noch das italienische Kriegsschiff„Libia" befinde. Zldmiral F o u r- net weile aber immer noch im Piräus auf einem anderen sranzö- fischen Kriegsschiff, wo er vorgestern den englischen Gesandten sowie einige Venizelisten empfangen habe. Bei Haussuchungen in Athen in den Wohnungen von Venizelisten seien 39 Ovo Ge- wehre und reichliche Munitionsvorräte sür die Vorbereitung eines Volksaufstandcs beschlagnahmt worden.— Das Blatt meldet ferner, der beschlagnahmte griechische Torpedojäger„Pamphir" sei infolge Explosion eines Petrolcumbehälters in die Luft ge- flogen. Ein französischer Torpedojäger habe die Besatzung ge- rettet und dabei 2ö Äerletzte und ö Tote geborgen. Konstantinopel, 7. Dezember.(W. T. B.) Die funkentcle- graphische Verbindung zwischen Konstantinopcl und Athen ist wieder. hergestellt.— Nun wird man wohl auch einmal etwas Anderes hören, als den ewigen Entente-Reuter. Darstellung der Athener Regierung. Fournets Herausforderung. Bern, 9. Dezember. Der Bund meldet zu den Vorfällen vom 1. Dezember in Athen folgendes: Von autorisierter Seite erfahren wir, daß die griechische Regierung an ihren Vertreter in London eine Depesche folgenden Inhalts hat abgehen lassen: Nach einem Reuterberichte hat Lord Ceeil in Beantwortung einer Anfrage dcS Abgeordneten Dalziel erklärt, daß am letzten Freitag ein höchst verräterischer Angriff gegen die auf Befehl des französischen Admirals gelandeten Truppenabteilungen der- Alliier- ten gerichtet worden fei. und zwar ohne jede Herausforderung von ihrer Seite, trotz wiederholter formeller Zusagen sowohl von feiten des Königs von Griechenland als auch von seiner Regierung. Der griechische Gesandte in London wurde beauftragt, dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten zu erklären, daß die königliche Re- gierung den französischen Ndmiral durch zwei Briefe und mehrfache Erklärungen hat wissen lassen, daß eS ihr unmöglich sei, das geforderte Kriegsmaterial auszuliefern. Obwohl der Admiral davon unterrichtet war, hat er zahlreiche Truppen- abteilungen ausschiffen lassen, die in mehreren Trupps vom Piräus gegen die militärisch geschützte Hauptstadt marschierten und sogar einen Teil einer Vorstadt besetzten, aus dem sie die griechischen Truppen herausdrängten. Die königliche Slrmee beschloß dann nur, sich zu verteidigen, und zwang die Angreifenden zum Rück- zuge. Auf Wunsch des französischen Admirals wurde nach den Zu- fammenstötzen, die am Vormittag zwischen den Wteilungen der Alliierten und unseren Truppen stattgefunden hatten, ein Waffen. stillstand geschlossen. Trotzdem und nach Einstellung des Feuers begannen die Kriegsschiffe der Alliierten verschiedene Punkte der Stadt zu beschießen und schleuderten mindestens 38 Geschosse, davon 7 gegen das königliche Schloß. Unter diesen Umständen kann weder von Verrätcrei, noch von einem Angriff ohne Herausforderung die Rede sein._ Möwe� Nr. 2. London, 8. Dezember. Die Admiralität meldet, sie hätte einen Bericht erhalten, daß ein bewaffnetes und verkleidetes deutsches Schiff vom Handelsschiffstyp am 4. Dezember im nördlichen AtlantischenOzean gesichtet worden sei. Eine weitere Meldung sei nicht eingelaufen. Der Seekrieg. Ein mißlungener Rammversuch. Berlin, 9. Dezember.(W. T. B.) A m t l i ch. Am 4. Dezember versuchte im Mittelmeer der englische Passagier- dampfer„Caledoma"(9223 Brutto-Register-Tonueu) eines unserer Unterseeboote zu rammen, ohne daß er von diesem angegriffen war. Kurz bevor das U-Boot von dem Rammstoß getroffen wurde, gelaug es ihm, einen Torpedo abzuschießen, der den Dampfer traf und zum Sinken brachte. Das U-Boot wurde nur leicht beschädigt. Zwei als Passagiere auf dem Dampfer befindliche englische Offiziere, Generalmajor Ravenshaw, abgelöster Kommandeur der 27. Division der englischen Saloniki- Armee, und General st abshauptmann Vickerman, wurden ebenso wie der Kapitän des Dampfers, James Blaikie, von dem U-Boot gefangen ge- nommen. » Zwei Bannwarefahrer aufgebracht. Berlin, 9. Dezember. Amtlich. In der Nacht vom 8. zum 9. Dezember unternahmen unsere flandrischen Seestreitkräfte einen Vorstoß in die Hoofden, hielten den holländischen Dampfer„Caledonia" und den bra- sili anis ch en Dampfer„Rio Pardo, beide mit Bannware nach England unterwegs, an und brachten sie in den Hafen ein. » Wirkungen des U-Boot-KreuzerkricgeS. Kopenhagen, 9. Dezember. Die dänische Kriegsversicherung hat eine Erhöhung der Ver- sicherungSprämien für die meisten Schiffahrtslinien beschlossen. Versenkt und gesunken.„Lloyds" meldet als versenkt den belgischen Dampfer„K e lti v"<2369 Tonnen), den norwegischen Dampfer„Mete or'<42t1 Tonnen), als gesunken den norwegischen Dampfer.Nervion"(1920 Tonnen). Ferner wurde versenkt der norwegische Dampfer„Ella"(878 Tonnen, mit 640 000 Kronen kriegsversichert).— Nach einer Reutermeldung ist der Dampfer „Rindjani" nicht gesunken; er landete die Besatzungen des spanischen Dampfers„Gerona" und des holländischen Dampfers „Kediri", deren Versenkung früher gemeldet wurde. Nach einer Meldung aus Kopenhagen wurden der dänische Dreimasterschoner„Christine" und die dänische Bark„Robert". beide mit Grubenholz auf der Reise von Schweden nach England, von einem deutschen Unterseeboot angehalten und in Brand ge- schössen.— Der vermißte schwedische Dampfer„Tuba", von Archangelsk nach England unterwegs, ist nach Mitteilung der Reederei ebenfalls versenkt worden. Die Mannschaft wurde von dem Unterseeboot an Bord genommen, wo sie zwei Monate verblieb. Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 8. Dezember. Amtlicher Heeresbericht. M a z e d o n i s ch e F r o n t. In der Gegend von Bitolia und im Cernabogen schwaches Feuer der feindlichen Artillerie. In der Nacht zum 7. Dezember versuchte der Feind mehr- mals, unsere Stellungen östlich von der Cerna und südlich von Gradesnitza anzugreifen, aber alle Angriffe wurden von unseren Truppen abgewiesen. Auf beiden Seiten des Wardar schwaches Feuer der feindlichen Artillerie. An der Belasica Planina Ruhe, an der Struma Artilleriefeuer. Eine eng- tische Kompagnie, die sich Tschiflik Refik näherte, wurde durch unser Gewehr-, Maschinengewehr- und Artilleriefeuer ver- nichtet. Vor unseren Gräben liegen 129 feindliche Leichen. Rumänische Front. In der Dobrudscha unter- brochenes Attillenefeuer von beiden Seiten. An der Donau einzelne Kanonenschüsse bei Silistria und Cernavoda. In der Walachei verfolgen die Verbündeten Heere die sich östlich von Bukarest zurückziehenden russischen und rumänischen Armeen. Unsere Truppen haben bei Tutrakan die Donau überschritten. die feinülichen Heeresberichte. Französischer Bericht vom 3. Dezember nachmittags: Am linken User der MaaS warfen die Franzosen die Deutschen aus einem Teile der Schützengräben zurück, welche diese am 6. De- zember aus den Osthängen der Höhe 304 besetzt hatten. Anderwärts verlief die Nacht ruhig. O r i e n t a r m e e: In der Nacht vom 6. zum 7. Dezember machien die Deutschen und Bulgaren einen heftigen Gegenangriff aus die Siellungen der Serben im Abschnitt Staravina östlich der Cerna. Drei aufeinanderfolgende Angriffe wurden durch die Serben zurückgewiesen. Allgemein verhinderte das schlechte Wetter Unter- nehmungen während des gestrigen Tages. Vom 8. Dezember abends: An der Sommefront ziemlich starke Tätigkeit der Artillerie im Abschnitt von Bouckiavesnes und vor Biachas. Im Walde von Apre- monl hat der Feind bei einem Angriff am Vormittag in einigen Grabenstücken Fug gefaßt; ein lebhafter Gegenangriff unserer Truppen hat ihn sofort daraus zurückgeworfen. Von der übrigen Front nichts zu melden. Belgischer Bericht. Nichts Besonderes an der Front. Englischer Bericht vom 8. Dezember nachmittags. Von der letzten Nacvt ist nichts zu melden außer wechselseitiger Beschießung mit Unterbrechungen. Vom 8. Dezember abends. Der Feind beschoß heute unsere Front südlich der Ancre und im Gebiet Gueudecourt— Ransarl. Wir übten durch Beschießung verschiedener, hinter den feindlichen Linien liegender Punkte Wiedervergeltung. Russischer Bericht vom 8. Dezember. W e st s r o n t: An der Front Galubica— Paniaki beschoß der Feind unsere Stellungen mit Mine,», die eine st a r>t z e r st ö r e n d e Wirkung hatten. In der Gegend von Poiutora Dzikelana heftiges Gewehr- und Geschütz- feuer. Fn den Waldkarpathen unternahmen unsere Ab- teilungen«inen Angriff puf eine Höhe fünf Werst südlich von Jawornik. Der Kampi geht dort weiter. Das Ergebnis ist unbekannt. Acht Werst nordöstlich des Torongberges griffen unsere Aufklärer eine feindliche Feldwache an und zersprengten sie. Kaskasusfront: In Richtung von Sakkiz griffen unsere Abteilungen die Türken an, welche eine Höhe bei Sakkiz besetzt hielten, vertrieben sie und machten Gefangene. Rumänische Front: Im TrotuS-Tale wurden feindliche Angriffe abgeschlagen. In der Walachei setzten die rumänischen und die russischen Truppen nach Besetzung Bukarest« durch den Feind den Rückzug fort. In der Dobrudscha und an der Donau Ruhe. wie üie Duma Trepoff empfing. Wie die„Frkf. Ztg." nach russischen Blättern berichtet, kam es beim Austreten des neuen Ministerpräsidenten in der Duma zu Radauszenen, die ein bezeichnendes Schlaglicht auf die innerpolitische Lage in Rußland werfen. Als Trepoff sich auf der Rednertribüne zeigte, brach auf der Linken ein ohrenbetäubendes Lärmen loS. Nachdem der Lärm ununterbrochen eine Viertelstunde anhielt, ohne daß es Trepoff gelang, zu Worte zu kommen, verließ der neue Ministerpräsident die Tribüne, worauf die Sitzung unterbrochen wurde.— Ob man inzwischen die Störer hinausgeworfen hat, wird nicht gesagt. Oder sollte Trepoff« Rede gar nicht gehalten, sondern nur über sie berichtet worden sein? Ein englisch-hollänöisches Geheim- abkommen! Frankfurt a. M., v. Dezember. Dem»New Dork Financial Thronicle" zufolge bat man in Washington von einem geheimen Abkommen zwischen England und Holland Kenntnis erhalten, wo- nach England, um Deutschlands Nahrungsmittelzusuhr aus Holland unmöglich zu machen, sich verpflichtet. Holland alle überflüssigen Waren abzukaufen und über die Marktpreise noch hinaus das zu zahlen, was Deutschland willens war, mehr anzulegen. Holland habe sich verpflichtet, England 25 Proz. seiner Butlerproduktion, 7ö Proz. seiner KondenSmilcherzeugung. 50 Proz. der Schweine- und Hammelschlachtungen, 25 Proz. der Kartoffeln und 15 Proz. der Käseerzeugung abzutreten.__(.Franks. Ztg.') Kein hämisch im belgischen! Amsterdam, 8 Dezember.(W. T. B.) Dem.Limburgischen Courier' wird von der belgischen Front geschrieben, daß die Armee zwar zu 8» Proz. aus Flamen bestehe, daß aber trotzdem alle Armeebefehle französisch erscheinen und nie ins Flämische über- setzt werden. In einem belgischen UebungSlagcr wurden flämische Soldaten bestraft, weil sie die Uebersetzung einer französischen Mit- teilung ins Flämische verlangten. Sozialistischer wahlfieg in Lublin. Lublin, 8. Dezember. kW. Z. B.) Wie die Blätter mel- den, sind bei den gestrigen S t a d t w a h l e n aus der fünften Kurie acht Sozialisten, zwei Kandidaten des jüdischen und zwei Kandidaten des vereinigten polnischen Wahlkomi- tees gewählt worden. Bon 8483 Wahlberechtigten haben sich 5633 an der Wahl beteiligt. Aus die Liste der Sozia- l i st e n sind 3 5 61 Stiinmen entfallen, während die Liste der nationalen Arbeiterpartei nicht die erforderliche Stim- menzahl erhielt._ vom Aufstand in Arabien. Konstantinopcl, 4. Dezember.(W. T. B.)(Verspätet einge- troffen.) Wie hiesige Blätter melden, sind die südwestlich Medina operierenden türkischen Truppen bis zum Paß von Dschedaida vor- gerückt, ohne irgend eine Spur von Aufständischen zu treffen. Der Sohn des aufständischen Emirs von Mekka-Freisal, der sich in der Richtung nach Jambo im Rückzug befunden hatte, habe sich nun- mehr nach Llabieh, halbwegs westlich der Straße Medina-Mekka ge- wendet, um sich mit seinen Brüdern zu vereinigen. Viele seiner Anhänger hätten ihn verlassen. Zwei einflußreiche Scheikhs der Gegend von Dschedaida sind in Medina angekommen und haben sich dem rechtmäßigen Emir, Scheich Ali Haidar Pascha, unter- warfen.'_ Kleine Kriegsnachrichten. Der türkisck>e Senat bewilligte einen Kriegskredit von 15 Mil- lionen Pfund. Enver Pascha sprach über die Erfolge in Rumänien. Die verbündeten Truppen sind mit Fahne und Musik in Bukarest eingezogen. Die Stimmung der türtischen Bevölkerung sei opfcr- freudig und siegesgewiß. Fliegerbomben auf ein Lazarett.(W. T. B.) Berlin, st. Dez. Nachdem am 4. und 5. November feindliche Flugzeuge ein Reserve- Hospital in Drenovo, auf dem das Abzeichen des Roten Kreuzes deut- lich sichtbar war, mit Bomben großen Kalibers belegt und neben einem Materialschaden auch einen Todesfall verursacht hatten, hat die bul- garische Negierung gegen diese erneute Verletzung der Genfer Kon- vention durch die Entente, die behauptet, für die Aufrechterhaltung des Rechts und der Verträge zu kämpfen, energischen Protest ein» gelegt. Feuer km Hospktalschiff. London, 8. Dezember.(W. T. B.) Reutermeldung. Ein Hospitalschisf, das mit einer Anzahl deutscher Verwundeter cm Bord nach Blissingen fuhr, um dort englische Per- wundete abzuholen, mußte wegen Feuers im Schiff nach Dovcr zurückkehren. Die Verwundeten wurden auf ein anderes Schiff gebracht. Eine italienische Munitionsfabrik explodiert. Wie Mailänder Blätter melden, ereignete sich in der Provinz Aleffandria in einer Munitionsfabrik eine Explosion. Die Untersuchungen er- gaben, daß ein verbrecherischer Anschlag ausgeschlossen ist. Mehrere Fabrikschuppen liegen in Trümmer. Die Explosion for- derte 50 Opfer. In pgrtibus iailctelillm. In der katholischen Kirche gibt es Bischöfe ohne Bisium; ihnen wird dem Skamen nach ein im Gebiet der Ungläubigen liegender Ämlssitz z cgeteilt„in partidus infidelium''. Nun melden Krakauer Blätter, daß in Petersburg infolge des Rücktritts des früheren Oberpol zeimeisters von Warschau ein neuer Oberkosak namens Pjedlow ernannt worden sei. Damit die Leute glauben, Väterchen habe in Warschau doch noch wat to seggen. Frühere Sperrstunde überall. Konstantinopcl, st. Dezember. (W. T. B.) Einer Anordnung der hiesigen Polizeidirektion zu- folge, müssen alle kleinen Schenken um sechs Uhr nachmittags, alle Gastwirtschaften und großen Bierhäuser um neun Uhr, Kinos und Theater, Rauchtheater um Mitternacht, Milchlädcn und Zuckcrbäcke- reien um ein Uhr früh schließen.— Auch in Oesterreich ist eine entsprechende Verordnung ergangen. politische Ueberslcht. Abgeordnetenhaus. »Hibernia' und Wohnungsgesetz. Die Sonnabendsitzung des preußischen Abgeordnetenhauses wurde ausgefüllt durch die ersten Lesungen der„Hibernia'-Vorlage und deS Wohnungsgesetzentwurfs. Beide wurden Kommissionen überwiesen, die elftere der verstärkten StaatShaushaltSkommission, letztere einer besonderen Kommission. Die Vorlage über den Ankauf der„Hibernia' begegnete auf den verschiedensten Seilen de? HauieS einer scharfen Kritik. Zwar stellte sich Abg. Pappenheim namens der Konservativen ihr mit einem gewissen Wohlwollen gegenüber, aber im einzelnen brachte er doch zahlreiche Bedenken vor, und vor allem kam die Furcht vor einer Ausdehnung des SiaatSsozialismuS in seinen Worten nur allzu deutlich zum Ausdruck. Noch auffälliger urteille Abg. O e s e r(Vp.>, der nachwies, daß der Kauf unter höchst ungünstigen Umständen er- folge. Auf den gleichen Slandpunkt stellte sich Genosse H u e, der sich grundsätzlich als Freund der Verstaatlichung erklärte und gerade deshalb zu einer Ablehnung des Entwurfs kam, einmal weil der Ankauf so teuer ist. daß der Staat dabei ein schlechtes Geschäft machen würde, zweitens weil infolge dessen die Kohlenpreise hoch- gehalten werden würden und drittens weil er daraus eine Er- schwerung der staatlichen Verwallung und der Verstaatlichung des Kohlenbergbaus überbaupt befürchtete. Günstigere Aufnahme fand der Wohnungsgesetzentwurf. Wenn sich auch alle Parteien niit der endlichen Regelung des Wohnungswesen einverstanden erklärten, so wurde von den Rednern der bürgerlichen Linken Protest eingelegt gegen die Versuche einer Einschränkung des Selbstverwaltungsrechts �-r Gemeinden. Diesem Protest schloß sich namens der ozialdemokrateir Genosse Hirsch an, der unumwunden zugab, oaß der Entwurf in gewisser Beziehung einen Fortschritt bedeute, aber in anderer Beziehung selbst hinler den bescheidensten Anforde- rungen weit zurückstehe. Das gelte besonders von den Vorschriften über Wohnungsordnungen und Wohnungsaussicht. Wenn es sich hier um den ersten Schritt der Neuorientierung handle, so danke er für eine solche Neuorientierung, denn sie komme im wesentlichen darauf hinaus, die preußische Eigenart aufrecht zu erhalte», die Rechte der Gemeinden zu schmälern und das platte Land zu bevor- zugen. Seine Freunde würden sich bemühen, den Entwurf annehmbar zu gestalten. Sollte das nicht gelinge», so sei eS besser, die ganze Frage reichsgesetzlich zu regeln. Am Montag stehen kleinere Vorlagen und die zweite Lesung des Schätzungsamtsgesetzes und des Gesetzentwurf? über die Stadtschafteu auf der Tagesordnung._ Reichstagskoinmission fiir Licferungsverträge. Der Staatssekretär des Innern hat die Kommisston zur Prüfung von Verträgen über KricgSIieferungen zur ersten Sitzung auf Diens- tag, den IL. Dezember eingeladen. Die Kommission ist auf den Wunsch des Reichstag? hin ge- bildet worden, und die Sozialdemokraten haben auf ihre Ein- berufung hingedrängt. Zur Frage der KriegSgcwinne und ihrer Besteuerung kann die Kommission werlvollcZ Material liefern. „Sozialistische Sonderbestrebungen". Den tieferen Sinn der sozialdemokratischen Politik in dieser Zeit erkennt mitunter das geschärfte Auge des Gegners besser als das durch äußere Begleitumstände geblendete-manches Parteigenossen. So schreibt die„Deutsche Tageszeitung': Die soziale und demokratische Politik,»„feststehend auf dem Boden der Wirklichkeit', erstrebt„mit Hilfe klugen Handelns und Benützung der Tatsachen'„Einfluß und Herrschaft des Volkes'. Man bejaht keineswegs den gegenwärtigen Staat, nein, man benützt nur die gegebene Form des Staates, um ihn.auszugestalten', das beißt ihn durch positive Mitarbeit zu „erobern'. Hierbei versteht man alle? zu vermeiden, waS der Erwerbung politischer Macht im Wege steht. Mit diesen kurzen Strichen ist die sozialdemokratische Grundstellung zum Krieg und der Beteiligung an demselben gekennzeichnet. In gleicher Richtung bewegt sich die grundsätzliche und praktische Be- Wertung der wirtschaflspolitischcn Maßnahmen der Gegenwart. Die„Deutsche Tageszeitung' sieht dagegen in den Anleihen, die der Staat zum Zweck seiner Erhaltung beim Sozialismus machen mutz, nur etwa« Vorübergebendes. Sie schreibt zum Schluß: Wir halten es ebenso fiir pflichtmäßig geboten, keinen Zweifel darüber zu lassen, daß wir die gegenwärtigen Verhältnisse einer zcntralistischen Bedandlungsweisc als einen Notstand ansehe» und unS allen Versuchen, diesen Notstand als einen Dauerzustand oder gar zukünftigen Jdealzustand.auszugestalten' entschieden widersetzen werden. Und mit uns tut das gewiß der klar- blickende Teil der deutschen Nation, der daS Vaterland unter allen Umständen über die Partei und sozialistische Sonder- bestrebungen stellt. Die künftige Entwicklung unserer Wirtschaftsverfassung wird wohl von ganz anderen Faktoren abhängen als vom Willen der „Deutschen Tageszeitung'. Verwabrung möchlen wir aber gegen die häßliche Unterstellung einlegen, als ob wir„sozialistische Sonder» bestrebungen' über das„Vaterland' stellten. Für uns ist das Vaterland gleichbedeutend mit den Menschen, die diese» Land bewohnen, und ihren Juieresien dienen wir als Sozialisten, indem wir das Recht der Arbeit gegen Grundrente und Kapitalherrschaft verfechten. Wir verfolgen nicht„Sonderbesirebungen', sondern be- kämpfen sie I Zum Nücktritt des??rekherrn v. Soden. Ten bayerischen Ministcrwechsel begrüßt unser Münchener Parteiblatt mit einem„Endlich!" überschriebenen Leitartikel, dem wir folgende Ausführungen entnehmen: Herr v. Soden brachte für seine Tätigkeit einen solchen Wust reaktionärer sozialökonomischer Anschauungen mit, daß man mit diesen bequem ein Dutzend Reichsräte für die angemessene Erledi- gung der Geschäfte dieses hohen Hauses ausstatten konnte. Im Reichsrat selbst hat Herr v. Soden trefflich mit seinem Pfund real- tionärer Urväter-Weisheit gewuchert. Seine Scharfmachereien für den Eisenbahnerrevers in dieser hohen Körperschaft sind ein wertvolles Stück Zeitgeschichte. Mit seiner hier nur kurz angedeuteten geistigen Ausstattung mußte selbstverständlich Herr v. Soden überall wie ein Bleigewicht auf die EntWickelung der innerpolitischen Verhältnisse Bayerns wirken. In ängstlicher Rücksichtnahme auf die Wünsche reaktionär- agrarischer Kreise gab er z. B. dem Gemeindebeamtengesetz einen Zu- schnitt, dem die moderne Gemeinde mit ihren neuen sozialen Bedürf- nissen längst entwachsen war. Ja, teilweise erhielt diese? Gesetz direkt den Charakter eines Ausnahmegesetzes gegen die demokratisch- sozialistischen Elemente, die sich be- mühten, den Aufgabcnkrcis der Gemeinden sozial zu erweitern und die Existenzbedingungen der großstädtischen Massen hygienisch und kulturell zu festigen und zu stärken. Der Krieg kam mit seinen r-esenhaften neuen sozialen und Wirt- schaftlichcn Forderungen— aber der alte Herr v. Soden blieb. Die großen wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen der Kriegszeit ver- langten ein weitsichtiges, vorwärtsschauendes Auge, aber das des Herrn v. Soden war beängstigend kurzsichtig und ganz rückwärts ge- richtet. Es war ja schließlich nur aus die grotzagrarischen Interessen einer längst vergangenen Zeit eingestellt. In den Tagen, da man einen festen Eingriff in die Preistreibereien wuchernder Produzenten und Verkäufer erwartete, dachte der Berater des Herrn v. Soden, der Edle v. Braun, den erhabenen Gedanken von der Logik des Geld- beutels aus. Eine philosophische Theorie des Preiswuchers, die für die praktische Philosophie der Lebensmittelverteuerer wegweisend sein mußte. Den schlemmenden Pöbel konnte man ja nur dadurch zur Sparsamkeit, zum Haushalten mit den knapp werdenden Lebens- Mitteln erziehen, wenn man ihm diese möglichst hoch im Preise hin- auftrieb und so des Volkes wüste Völlerei in Brot, Kartoffeln, Feit und in anderen sybaritischen Genüssen kraftvoll steuerte. Und diese Lösung der Ernahrungsfrage stieß auf weitestes Verständnis bei den Kriegswucherern. Herr v. B r e t t r e i ch ist nun an die Stelle des Herrn v. Soden getreten. Er ist als Mann der Arbeit bekannt und findet jetzt ein riesiges Tätigkeitsfeld vor. Es bleibt abzuwarten, ob er die harten Widerstände, die unter dem System Soden von skrupellosen Speku- kanten und Profitmachern gegen eine durchgreifende Lösung der Lebensmittelversorgungsfrage aufgetürmt wurden, mit fester Hand beiseite schieben wird. Wir Sozialdemokraten, die wir nicht aus so» genannten„agitatorischen" Gründen— und ohne jeden materiellen Hintergedanken—, sondern im drängenden Interesse einer aus» reichenden Volksernährung immer wieder und wieder gegen die Sodensche Mißrcgierung Sturm laufen mußten, wollen ihm bei dieser Ausführungsarbeit behilflich sein. Wir müssen aber gerade in dem Augenblick, da Herr v. Brettreich sein Amt antritt, unsere Forderung erneuern: vollständige Kursänderung in der bayerischen WirtschaftS- und Sozialpolitik! Siegeslauf. Die„Kreuzzeitung" schreibt peinlich betroffen: Die Beratung des Hilfsdienstgesetzes ist bekanntlich benutzt worden, um große Erfolge einmal für die Gewerk- sch ästen und andererseits für das Mitbestimmungs« recht des Reichstages durchzusetzen, und jeder Versuch, diese» Siegeslauf zu hemmen— mochte solcher Versuch für den Vertreter der Verbündeten Regierungen noch so unumgänglich nötig sein—, war von vornherein verurteilt, sehr' ungeduldigem und ungnädigem Widerspruch zu begegnen. Bei dem großen Ein- fluß, der der Sozialdemokratie eingeräumt ist, werden ä h n» I i ch e Vorkommnisse sich, da die Regierung deren Forde- rungen doch nicht ohne Vorbehalt erfüllen kann, wohl noch so manches Mal wiederholen. Kann sein!_ Basscrinann will weiter kämpscn. In der„Nationall. Rund- schau" äußert Herr Bassermann seine Furcht, daß man uns„auf internationalen Kongressen um die Früchte des Sieges betrügen wird".„Diesen Weg aber wollen tvic nicht gehen. Dafür ist das deutsche Blut nicht geflossen. Wir müssen kämpfen und durchhalten, bis uns die Siegessrückte reifen, bis uns teuflische, in Jahrhun- dcrten erprobte Staatskunst nicht mehr betrügen kann, bis der deutsche Sieg das Werk krönt."— Etlms weniger Angst bor diplomatischen Verhandlungen und etwas mehr deutsche Staats- kunst wäre besser. Fürst Ott» Salm zu Horstmar fällt in der„GoSlarschen Zeitung" folgendes Diktum:„Ein Frieden nach Sccheidemannschem Rezept, der weder militärisch unsere Stellung verbessert, noch uns wirtschaftlich die Möglichkeit gibt, unsere Kriegskosten durch unsere Fe.inde zahlen zu lassen, bedeutet Deutschlands Untergang."— Wie aber, wenn die Feinde dem�von Goslar erlassenen Zahlungsbefehl nicht nachkommen? Müssen wir dann untergehen?__ Letzte Nachrichten. Dank an Hindcnburg. Der Kaiser hat Hinbenburg bas Großkrenz beS Eisernen Kreuzes verliehen. In dem Begleitschreiben heißt es: „Von neuem haben Sie große Operationen mit seltener Um- ficht, in glanzvoller Anlage und mit größter Energie in der Durchführung mustergültig geleitet und mir in vorausschauender Fürsorge die Maßnahmen vorgeschlagen, die den getrennt an- marschierenden Hceresteilen zu vereinigtem Schlagen den Weg wiesen. Ihnen und Ihren bewährten Helfern im Generalstabe gebührt dafür aufs neue der Dank des Vaterlandes." Vertrauen für Bosrlli. Rom, 9. Dezember.(W. T. B.) Nach einer viertägigen Diskussion der Regierungserklärung, die mit einer Antwort Bosellis an die verschiedenen Redner schloß, nahm die italic- nische Kammer in namentlicher Abstimmung mit 376gegen 4 5 Stimmen die Tagesordnung des Abgeordneten Ca- mera an, die der Regierung das Vertrauen ausspricht und sagt, daß die Kammer nach Anhörung der Regierungs- erklärnngen diese billigt. Tie„Times" ist zufrieden. Rotterdam, 3. Dezember.(W. T. B.)„Nieuwe Rotter- damsche Courant" meldet aus London: In einem Artikel spricht die„Times" ihre Zufriedenheit mit der neuen Regierung aus und schreibt: Zwei große Dinge sind bereits erreicht: Der Geist des Pazifismus ist verbannt und die Leitung des Kriege? wird auf einer kleinen Körperschaft von Männern ruhen. Wir wer- den nicht mehr von deutscher Seite zu hören bekommen, daß englische Staatsmänner auf Friedensgerede lauschen, und wir werden weder im eigenen Lande noch im Felde abwarten und zusehen, Gewerkschaftliches. Frauenarbeit in Berliner Kohlengeschäften. xiM �ransportgcwevbe, in dem es sich gemeinhin um Verrich- iung von körperlich sehr anstrengender Tätigkeit handelt, hatte die weibliche Arbeitskrast vor Ausbruch des Krieges sast gar keine Bcr- sollen die Teuerungszulagen für die Frauen vorläufig neben dem Tariflohn nur 10 M. wöchentlich, anstatt 14 M. sdas ist die Zulage für Kutscher), betragen; also 43,ö0 M. Gcsamtlohn. In der letzten Verhandlung erklärten sich die Unternehmer bereit, den Arbeitern und Kutschern die bisher gewährten Teuerungszulagen um je 2 M. zu erhöhen und den Arbeitern eine solche neben ihrem Stunden- �..._____„„ ö_._________ lohn von 1,50 M. wöchentlich zu gewähren. Die neuen Lohnverein- Wendung gefunden. Der durch den Krieg hervorgerufene Mangel barungen sind dem Transportarbeiterverband schriftlich formuliert an männlichen Arbeitskräften hat nun dazu geführt, daß auch'in zugestellt worden. diesem Gewerbe die weibliche Arbeitskraft in immer zunehmenderem!. Die Löhne nebst Teuerungszulage stellen sich jetzt für Arbeiter 2itr iJfnVrwMrSiirtr» jio l,-» v» os iXrt s>„.. r.____ s.�f= f'' Maße zur Anwendung gelangt. So auch in den Kohlenhandels- betrieben. In Verhandlungen, die der Transportarbeiterverband mit dem Verbände der Berliner Kahlengroßhändler wegen Gewäh- rung von Teuerungszulagen führte, war auch die Frage der tbin- stellung weiblicher Arbeitskräfte erörtert worden. Die Unternehmer erklärten, zur Einstellung von Frauen gezwungen zu sein, sie sollten aber nur zu leichteren Arbeiten auf den Kohlenplätzen, wie Aus- stapeln von Preßkohlen u. �gl., verwendet werden. Für diese Tätig- leiten wurde zunächst ein Stundenlohn von 40 Pf. bei zehnstündiger Arbeitszeit gewährt. Zunächst halten die Unternehmer mit der Heranziehung von weiblichen Arbeitskräften große Schwierigkeiten, weil sich nicht genügend Frauen. zu dieser Arbeit meldeten, und die sich hierzu bereit fanden, stellten dir Arbeit nach kurzer Zeit ein, weil sie ihnen nicht zusagte, so daß ein fortwährender Wechsel der weib- lichen Arbeitskräfte stattfand. Im Laufe der Zeit haben sich avcr nach und nach viele Frauen auch in diesen Betrieben eingearbeitet, so daß neben der ständig zunehmenden Zahl der Frauen auch eine Stabilität in der Beschäftigungsdauer eintrat. bci� zehnstündiger täglicher Arbeitszeit auf 30 M. wöchentlich, dazu 12,50 M. Teuerungszulage= 42,50 M., Ueberftunden werden wie bisher mit 07 14 Pf. vergütet. Verheiratete Kutscher er- halten 33,50 M., dazu 14,50 M. Teuerungszulage— 48 M. U n- �erheiratete Äulscher� erhalten 33,50 M., dazu 12,50 M. Teuerungszulage— 46 M. Sofern zur Aufrechterhaltung der Be-! triebe sich die Einstellung von weiblichem Personal notwendig\ macht, erhalten Arbeiterinnen bei zehnstündiger täglicher Arbeits- � zeit 30 M.. dazu 1,50 M. Teuerungszulage= 31,50 M. Weibliche Kutscher erhalten 33,50 M., dazu 10 M. Teuerungszulage- 43,50 M. Frauen begnügen sich bereits nicht mehr mit den leichten Arbeiten auf den Plätzen im Stundenlohn, sondern sie besorgen neben ihren männlichen Kollegen bei gleichem Lohn-das Abtragen von Koks und Kohlen im Akkord. Es darf aber nicht außer acht bleiben, daß die weitere Zu- nähme der Frauentätigkeit bei dieser schweren. Wind und Wetter ausgesetzten Tätigkeit in-der Not der Zeit ihre Begründung findet. Seit Anfang dieses Jahres zahlten die Unternehmer den Frauen bereits 45 Pf. Stundenlohn,-der nunmehr seit einigen Wochen auf 50 Pf. festgesetzt wurde. Jetzt sollen in den Kahlengeschäftcn auch Aus dem Kriegsausschuft für die Metallbctriebe Groft-Berlins. In einem Werk der A. E. G. fordern 220 Dreher. Kranführer und Maschinenarbeiter einen Kriegsschein, weil ihr Anspruch auf mehr Lohn ahzewiesen worden war. Der Kriegsausschuß ent- Kräftigere> scheidet, die Angelegenheit zur nochmaligen Beratung an den Betrieb Frauen..als Kutscher angelernt und beschäftigt werden. Der Vor-! Punkt erledigt. stand des Kohlengroßhändler-Verbondcs hat mit der Leitung des a"—' Transportarbeitcrverbandes in zwei Sitzungen über diese Sache verhandelt. Von den Händlern wurde auf-den Mangel an Kutschern hingewiesen; jugendliche Personen hätten sich in der Führung von Gespannen nicht immer als zuverlässig erwiesen. In letzter Zeit hätten viele Betriebe infolgedessen einen großen Teil ihrer Pferde untätig im Stalle zu stehen. Bevor sie jedoch zur Einstellung von weiblichen Kutschern schritten, wollten sie erst die Meinung der Ver- bandsleitung der Arbeiterorganisation hören. Nach voraufgegan- gcner Rücksprache mit Zcn zurzeit noch tätigen Kutschern erklärten die Vertreter der Organisation, daß, obwohl bei den Kutschern wie auch bei der Verbandslcitung in Rücksicht auf die Verkehrssicherheit Bedenken beständen, Frauen mit der Führung solch schwerer Ge- spanne, wie sie die Kohlenwagen benötigen, zu betrauen, so würden sie mit Rücksicht auf die bestehenden schwierigen Verhältnisse der Be- schäftigung von Frauen als Kutscher keine Hindernisse bereiten. Voraussetzung sei, daß die Frauen bei gleicher Leistung auch den üblichen Lohn der Kutscher bekämen und daß den zurzeit noch tätigen Kutschern ihre Errstenz nicht durch die Beschäftigung von Frauen für später bedroh würde. Die Unternehmer erklärten sich bereit, den Frauen, die als � zurückzuweisen. Aus demselben Betrieb erscheint der Revisor H. und will einen Kriegsschein, weil sein Anspruch auf mehr Lohn von der Direktion abgelehnt worden mar. Der Kriegsausschuß entscheidet, daß im Be- trieb nochmals verhandelt werden soll, und wenn keine Einigung erzielt werden kann, soll H. den Kriegsschcin erhalten. Die Einrichter K. und B. von der Firma B. wollen eine Lohn- zulage. Da ihnen diese abgelehnt wurde, fordern.sie den Kriegs- schein. Im Laufe der Verhandlung verpflichtet sich die Firma, beiden 10 Pf. Lohnzulagc zu geben. Damit war der Differenz- Werkzeugmacher Sch. der Firma B. will einen Kriegs- schein, er erhalte zu wenig Lohn. Der Kriegsausschuß stellt sich auf den Standpunkt, daß die von dem Werkzeugmacher geforderte Lohn- zulage durchaus angemessen ist und stellt der Firma anHeim, ent- weder eine Zulage oder den Kricgsschein zu geben.— Der Werkzeugmacher W. von derselben Firma will aus demselben Grunde den Kriegsschein. Die Firma verpflichtet sich, eine Lohnerhöhung zu zahlen und ist-damit die Differenz erledigt. Der Dreher H. von der N. A. G. wünscht den Kriegsschein; er erhalte z» wenig Lohn. Der Kriegsausschuß hält die Forderung des Drehers fiir angemessen und empfiehlt der Firma, entweder mehr Lohn zu zahlen oder den Kriegsschein zu geben. Der Modelltischler R. von der Firma A. will wegen zu geringem Lohn einen Kriegsschein. Der Kriegsausschuß empfiehlt der Firma, eine Zulage von 10 Pf. pro Stunde oder den Kriegsschein zu geben. Der Dreher N. aus einem Spandaucr Betrieb kann seiner Aussage nach das Nachtschichtarbeiten wegen Krankheit nicht ver- tragen. Der Kriegsausschuß gibt ihm auf, ein Attest hierüber beizu- bringen, dann wird er nur in Tagschicht beschäftigt oder, falls der Betrieb dies nicht bewerkstelligen kann, erhält er den Kriegsschein. Der Maschinenarbcitcr L. von der Firma E. Sp. C. in Steglitz Kutscher-beschäftigt werden, den vollen Tariflohn, den die mann- ist bei der Firma als Maschinenarbcitcr eingestellt, wird jetzt aber lichen Kutscher erhalten, zu zahlen. Jedoch mit Rücksicht darauf, � als Hofarbeiter beschäftigt. Die Firma wird aufgefordert, den daß die Frauen nicht Stallarbeiten und-das Putzen der Pferde be- � Maschinenarbeiter L. als solchen zu beschäftigen oder ihm den sorgen sollen, und da das Gefährt auch noch einen Begleiter be- Kriegsschein auszustellen. nötige und die Frauen auch einige Zeit zur Anlernung brauchten,! Die Droher G. und H. von der Firma T. hatten eine Lohn- zülage gefordert, und da ihnen d'ese abgelehnt, verlangen sie einen Kriegsschein. Die Firma lehnte jede Zulage ab. Der Kriegsaus- schuß verweist die Sache zur nochmaligen Verhandlung an den Be- trieb. Ter Firma wird aufgegeben, entweder eine Zulage zu ge- währe» oder den Kricgsschein auszustellen, da mit Rücksicht auf den allgemeinen Verdienst der Dreher die Lohnforderung durchaus angemessen ist. Der Einrichter Sch. aus einem Werk der A. E. G. will, weil er zu wenig Lohn erhalte, einen Kriegsschein. Da aber vor kurzem in diesem Werk ein Abkommen für alle Arbeiter getroffen worden und der Lohn des Einrichters diesem Abkommen gemäß ist, wird schon aus diesem Grunde das Verlangen des Einrichters als un- berechtigt abgelehnt. Hinzu kommt noch, daß der Vertreter der Firma erklärt, daß zu Ende Dezember die Betriebsleitung eine weitere Erhöhung der Verdienste für die gesamten Arbeiter in Aussicht gestellt hat und auch bereits die Vorbereitung zu Ver- Handlungen hierüber getroffen-st. Der Einrichter S. meinte, daß er mit den Arbeitern nichts zu tun habe, er wolle seine eigenen Wege geben, doch konnte dies vom Kriegsausschuß nicht berück- sichtigt werden und wurde deshalb He Ausstellung eines Kricgs- schcins verivcigcrt. Die Schlosser K und L. von der Firma A. in Johannisthal wollen einen Kriegsschein, weil sie eine Arbeit, an der abgezogen wurde, nicht mehr machen wollen. Da bislang schon der Kriegs- ausschuß sich auf den Standpunkt gestellt Chatte, daß bei Preisredu- zierungen es in das Belieben der Arbeiter gestellt werden müsse, ob sie das Arbeitsverhältnis fortsetzen wollen oder nicht, wurde den Schlossern grundsätzlich di- Berechtigung der Ausstellung des Kriegsscheins zugesprochen. Ter Einrichter Sch. von der Firma S. Sch. ist durch Ver- setzung zu einer anderen Arbeit in seinem Verdienst verschlechtert worden. Er will deshalb den Kriegsschein. Tie Firma verpflichtet sich, ihm soviel Zulage zu geben, daß er seinen früheren Verdienst erreicht. Der Maschinenarbeiter B. von der Firma B. will einen Kriegs- schein, er verdiene zu wenig. Da aber sein Ablöser, der an der- selben Bank dieselbe Arbeit macht, 50 Pf. die Stunde mehr ver- dient, kann der geringe Verdienst des Maschinenarbeiters B. nicht durch schlechte Preise begründet werden, sondern ausschließlich durch die Tätigkeit B.s; der Kriegsschein wird ihm deshalb ver- weigert. Der Dreher B. war von Luckenwalde der Firma Schw. zugewiesen. Hierbei hatte die Firma einen bestimmten Verdienst zugesichert. Diesen Verdienst erzielte B. nicht, und um festzu- stellen, ob dies in den von der Firma Schw. festgesetzten Preisen oder in der Person des Drehers B. liegt, wird dem Dreher auf- gegeben, zur nächsten Sitzung die Verdienste anderer Dreher, die unter den gleichen Bedingungen arbeiten, festzustellen, so daß der Kriegsausschuß in der Lage ist, sich ein Urteil bilden zu können. Stellt sich dabei heraus, daß die gesamten übrigen Dreher ebenfalls weniger verdienen, dann ist der Anspruch B.s auf einen Kriegs- schein gerechtfertigt, sonst nicht. Weihnachtsunterstützung im Verband der Schneider. Den Angehörigen der Mitglieder des Schnciderverbandcs wird, wenn das Mitglied vor dem 1. Oktober d. I. zum Heeres- dienst eingezogen ist, vom Verband eine Weihnachtsunterstützung je nach der Dauer der Mitgliedschaft gewährt, die im Laufe des Monats Dezember im Bureau, Scbastianstr. 37/38, Hof links 3 Tr., iverktäglich, außer Freitags, in der Zeit von 8—1 hlhr vor- mittags gegen Vorzeigung des Unterstützungsbogens vom Magi- strat erhoben werden kann. Bemühungen, das Geld am Freitag abzuheben, sind zwecklos. Tie Unterstützung muß bis zum 31. De- zember 1016 abgehoben sein. Räch diesem Zeitpunkt erfolgt keine Nachzahlung mehr. A-WEILTHEIM Galanteriewaren Schreibzeuge schwarz Glas, mit einem Tintenfaß............... 2.85 4.50 7.50 Schreibzeuge schwarz Glas, mit zwei,__.___ Tintenfässern. 7.................. 0.75 19.50 Löscher schwarz Glas............ 1.90 3.25 Kartenständer schwarze Glasplatte, mit messing-. färb. Metallbügeln...................... 4.25 Brieföffner und Petschafte schwarzer Glas-.. griff, mit messingtarbigem Metall............. 1.25 Feeglashalter nickeKarbig, mit Qlaseinsatz 0.50 1.10 Brotkörbe nickelfarb., mit gemustelt. Steinguleinlage 1,10 fdilitär-Beuerzeuge mit Lunie.......... 0.25 Für Liebesgaben; Metall- Zigarren und Zigaretten- faschen, Streichholzssülsen, labackspfeifen. Photographie-Rahmen aus polierten Hölzern, für Postkarten; 0.38« VisifgröQe; 0.50, Kabinettgröße 0.65 Postkarfengröße oval: 0.60, Visitgröße oval 0.80, Kabinettgröße oval..................... 0.95 Optische Artikel 18.00 Femgläser schwarz, für Theater u. Reise. Operngläser Perlmutter, in großer Auswahl. 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Kkilagt Ks„Üotiüirls" Dftliiitt Die privatangestellten und der vaterländische Hilfsdienst. Von Karl Giebel. Die Einstellung der ganzen Volkskraft auf die Ansprüche »er Landesverteidigung muß für die Privatangestellten aller Gruppen ebenfalls recht fühlbare Folgen auslösen. Die Stillegung ganzer Gewerbe, das Erlöschen von Betrieben wichtiger Industrien beseitigt viele Angestellte aus ihren Stellungen, mit denen häufig Anrechte aus Pensionen ver- bunden sind. Namentlich für ältere Privatange- stellte hat das seine recht ernsten Bedenken. Deren An- stellung ist ohnehin sehr unsicher; sie können sich vielfach nur dadurch in der Stellung halten, daß sie sich mit einem mit dem Alter sinkenden Gehalte zufrieden geben müssen. Nun kann diesen älteren, d. h. über 45 Jahre alten Angestellten, durch das neue Gesetz die Stellung zerstört werden, die ihnen die letzte Hoffnung ihres Alters ist. Was das bedeutet, welchen seelischen Sturz ein solcher Angestellter erlebt, das kann nur der nachempfinden, der einen Eiublick hat in die trostlose Lage älterer Angestellten. Sie bangen nun um die Zukunft, d. h. ob sie beim Uebergang in die Friedenswirtschaft lohn- bringende Beschäftigung wiedererlangen werden. Hier macht sich eine neue Aufgabe für den Gesetzgeber und eine Konse- auenz des neuen Gesetzes aus; der Gesetzgeber wird bei der Negelung der Uebergangswirfichaft den Grundsatz vom Recht aus die innegehabte Stellung aufrichten müssen: dieser Anspruch muß sowohl für den Kriegsteil- uehmer wie für den Hilfsdienstleistenden anerkannt werden. Diese zukünftige Sorge ist es aber nicht allein. Viel näher lagen all die allgemeinen Bedenken und Besürch- tungen, deren sachdienliche Behebung auch für die Arbeiter- schast die Voraussetzung bildete, um sich mit dem vaterlän- bischen Hilssdienst überhaupt abfinden zu können. Denn auch die Ange st eilten in den Kriegsindustrien hatten recht trübe Erfahrungen machen müssen. Für Rekla- mierte, freilich kamen fast nur Techniker in Frage, war der „Abkehrschein" in einer anderen Form ebenso gang und gäbe wie für die Arbeiter, nur daß jene gegen seine unberechstgte Vorenthaltung ohne jeden Schutz Ivaren. Das äußerte sich wiederum auch in der Gehaltsfrage. Reklamierte Angestellte werden zumeist geringer besoldet, man beschäftigt sie zu den in Friedenszelten ausgestellten Besoldungsbestimmungen, von den inzwischen gewährten Teuerungszulagen bleiben sie also verschont. Nun wird im vaterländischen Hilssdienst zwar der Ab kehrschein durch das Gesetz allgemein für sämtliche Angestellte eingeführt. � Diese Einschränkung des Rcchtesder Frei- zügigkeit hat jedoch für die Privatangestellten durch den § 9 Abs. 3 des Gesetzes an praktischer Tragweite erheblich eingebüßt. Danach soll durch den paritätisch besetzten Aus- schuß im Bezirk jedej�Ersatzkonimission der vom Arbeitgeber verweigerte Abkehrschein ausgestellt werden, wenn ein wich- tiger Grund für das Ausscheiden aus der Stellung vorliegt; als wichfiger Grund ist im besonderen eine angemessene Besserung der Arbeitsbedingungen im Vater ländischen Hilfsdienst gesetzlich festgelegt worden. Dcni An gestellten� bleibt somit das unbedingt nöfige Maß an Be tvegungssrcihest im Stellenwechsel; er kann also auch diesen Weg versuchen, um seine LebenAhaltung besser zu gestalten Auch sonst hat der Reichstag Bestimmungen in das Ge setz hineingebracht, durch die im besonderen den Bedürfnissen der Angestellten Rechnung getragen wird. So ist der 8 8, der bei der Ueberweisung'zu einer Beschäffigung auf das Lebensalter, die Familienverhältnisse, den Wohnort, darüber hinaus aber auch noch besonders auf die bisherige Tätigkeit Rücksicht genommen wissen will, für die Angestellten von Interesse. Nicht, daß ich meine, der Angestellte könnte an sozialer Wertschätzung einbüßen, wenn auch er einmal ini Interesse der Landesverteidigung Fabrikarbeit leisten müßte; es liegt aber im Interesse seines künstigen beruflichen Fort- kommens, aus seinem Berufe nicht herausgedrängt zu werden. Insofern in einzelnen Fällen das dennoch eintritt, muß dafür gesorgt werden, daß das aus die Angestelltenver- sichern ng ohne nachteiligen Einfluß bleibt. Die werwollste Schutzbestimmung enthält unstreitig der § 11 Abs. 3. Hiernach sollen in allen Betrieben, für die der Titel VII der Gelverbeordnung gilt, ständige Ange- stelltenausschüsse gewählt werden, sofern mehr als 50 nach dem Vcrsicherungsgesetz für Angestellte versicherungs- Pflichtige Angestellte beschäftigt sind. Diese Angestelltenaus- schüsfe haben die gleichen Befugnisse wie die Arbeiteraus- schüsse. Sie haben hiernach Anträge, Wünsche und Beschwerden der Angestellten, die sich aus die Betricbseinrich- tungen, die Lohn- und sonstigen Arbeitsverhältnisse des Be- tricbes_ und seiner Wohlsahrtseinrichtungen beziehen, zur Kenntnis des Unternehmers zu bringen und haben sich dar- über zu äußern. Damit ist endlich den Angestellten ein Mittel cm die Hand gegeben, sich als g l e i ch b e r e ch t i g t e n T e i l im Anstellungsverhältnisse durchzusetzen. Bisher hat das Unternehmertum in Handel, Industrie und Gewerbe, hat der Groß- wie Kleinbetrieb den Ange- stellten fast überall grundsätzlich jedes Mitbestimmungsrecht über die Arbeitsbe- d i n g u n g en rücksichtslos verweigert. Und da die gewerkschaftlichen Angestelltenverbände noch nicht ge- nügend erstarkt sind, hat somit das Unternehmertum völlig freie Hand. Das spiegeln die Gehalts- und Anstellungs- bedingungen der Angestellten aller Gruppen getreulich wieder! Nicht einmal die Kriegszcit vermochte dem Unternehmertum von seinem Herrenstandpunkt, den es gegen die Angestellten mit besonderem Nachdruck aufrecht hält, die kleinsten Zugeständnisse in diesem Punkte abzuringen. Der breiteren Oeffentlichkcit kann hierfür ein Schreiben der Generaldirektion der Versicherungsgesellschaft„V i k t o r i a" ein Beweis sein, das sie unterm 14. September 1916(?) an den Verband der Bureau ange st eilten Deutschlands gerichtet hat. Dieses unternehmerliche Selbstbekenntnis aus der Kriegszeit lautet: „Unser grundsätzlicher Standpunkt gegenüber bat Bemühungen des Verbandes, Einfluß auf unsere Entschei- düngen in Sachen unserer Angestellten zu gewinnen, ist Ihnen bekannt. Wir lehnen es daher ab, zu den mit dem Schreiben vom 11. d. M. Herrn Generaldirektor Dr. Utech vorgetragenen Wünschen allgemeiner Art Ihnen gegenüber Stellung zu nehmen. Nach wie vor werden wir die auf dem naheliegenden und richtigen Wege uns vorgetragenen Wünsche unserer Angestellten im Einzelfalle wohlwollend prüfen und gegebenenfalls berücksichtigen." „Wohlwollend prüfen und gegebenenfalls berücksich- tigen"— das ist die Redensart, hinter der sich die Macht- ausprüche der Unternehmer verbergen. In der Kriegs- industrie herrscht die gleiche Einslußlosigkeit der Angestellten. Es sei nur erinnert an die Vorgänge in der Berliner Elektrizitätsindustrie. Alle Versuche der Ange- stelltenverbände, mit der A. E. G., mit den Bergmann- Werken, Siemens-Schuckert und Siemens u. H a I s k i in Verhandlungen zu kommen über eine zeitgemäße Ausbesserung der Gehälter, waren jedesmal vergeblich. Nicht einmal der Einfluß hoher Militärbehörden reichte hin, um dieser Weltfirmen Unnachgiebigkeit zu erschüttern. Nun zwingt ihnen allen über Nacht das Gesetz die bisher stets grundsätz- lich verweigerten Angestelltenausschüsse auf! Für die Ge- schichte der Angestelltenbewegung und für ihre künftige Ent- Wickelung ist deshalb der 2. Dezember 1916 ein Gedenktag ersten Ranges. Ja, er bedeutet einen Wendepunkt in dem sozialen Kampf der Angestellten! Die Angestellten wenden ihre Ausschüsse um so höher bewerten, als sie ihre Bedeutung außer durch die wieder- gegebenen Befugnisse gerade durch den Umstand erhalten, daß der paritätische Ausschuß im Bezirk der Ersatzkommission als Schlichtungsstelle angerufen werden kann, sobald die Verhandlungen zwischen Angestelltenausschuß und Unter- nehmen nicht zu einem die Angestellten befriedigenden Er- gebnis geführt hoben. Der Schiedsspruch, den diese Schlichtungsstelle abzugeben hat, wird die bisher vermißte Nachgiebigkeit der Unternehmer herbeizuführen geeignet� sein. Dieser Fortschritt ist durch das s o l i d a r i s ch e E i n- treten der Arbeiter gewerkschaftcn für die An- gcstellteninteresscn erreicht worden. Für die Angestellten und für ihre Verbände sollte das eine Lehre sein, welche groß Bedeutung das praktische Zmammcnarbciten mit den Arbeiterorganisationen für sie hat. So hat im großen und ganzen das Gesetz eine Gestalt erhalten, die den Angestellten die Zustimmung um so mehr erleichtert, als sie sich grundsätzlich mit dem Ztvecke des Ge setzes, die Landesverteidigung zu stärken, rückhaltslos einver- standen erklären. Hierüber besteht, soweit zu sehen ist, nicht die allergeringste Meinungsverschiedenheit in der Ange stelltenbewegunq. Jetzt kommt es darauf an, daß die Prari- aller in Betracht kommenden Behörden von dem Geiste er füllt ist, der dieses Gesetz im Reichstage geschaffen hat. Aber auch die Angestellten müssen sich von solchem Geiste tragen lassen! Das aber ist der Geist der gewerkschaftlichen Organisation und das gesunde Selb st be w u ß t s e i n d e s u m s e i n e I n t e r e s s e n un d R e ch t e kämpfenden Arbeitnehmers! Trifft das zu- sammen, dann werden die AngestelltenmiSschüsse zu der Waffe werden, die sie ihrer Natur nach sein können. 5ountag, 10. Dtstmbtr t916. Eine öerichtigung. Unter dieser Ueberschrist schreibt uns Genosse Karl Kautsky: „Unter der Spitzmarke„Noch immer Kriegsursachen" schreibt die neue Redaktion des„Vorwärts" in ihrer Nummer vom 9. Dezember: � � „Die„Neue Zeit" hat in ihren letzten Nnmmevn das Problem der Kviegsnrsachen nochmals ausführlich— in Artikeln der Ge- nossen Hcilmann, Kautsky und Bernstein— behandelt und die Uebersetzung dieser Ausführungen füllt lange Spalten der „Humamte"! Inzwischen hat der„Vorwärts die Frage, wie Europa aus dem Kriege herauskommen kann für wichtiger gehalten als die Frage, wie es in ihn hineingeraten ist. Eine wirk- lich objektive Untersuchung wird ohnehin erst nach Schluß des Krieges möglich sein." „Hier werden die Leser des„Vorwärts" über die jüngsten Diskussionen in der„Neuen Zeit" auf ganz irreführende Weise informiert." s „E s i st nicht wahr, daß Bernstein und ich in den letzten Nummern der„Neuen Zeit"„das Problem � der Kriegsursachen ausführlich behandelt" haben. Das geschah dort vielmehr a u s s ch li e ß l i ch durch Heilma n n. Weder Bernstein noch ich haben ihm darauf erwidert, aus Gründen, die selbst der neuen Redaktion des„Vorwärts" nicht ganz unverständlich sein sollten." „Aber auch Heilmann hat nicht blas über Kriegsursachen gesprochen. Der Hauptinhalt seiner Ausführungen war viel- mehr eine schwere Anklage gegen unsere französischen Ge- nossen, denen er nichts Geringeres vorwarf, als skrupellose Kriegshetze, die sie in den entscheidenden Tagen vor dem Kriege mit den schurkischsten Mitteln betrieben haben sollen, wobei sogar die Anstiftung zur Ermordung Jaurvs' eine Rolle gespielt hätte." „Diese Anklagen, die die Wahrheit auf den Kopf stellten und die in lächerlichster Weise begründet wurden, hätten die internationalen Beziehungen vergiftet und die deutsche Sozialdemokratie allgemeiner Verachtung preisgegeben, wenn sie unwidersprochen blieben. Bernstein und ich haben eine Pflicht erfüllt, lvenn wir lue Nichtigkeit der Heilmannschen Anwürfe bloslegten und nicht abwarteten, bis die französi- scheu Genossen das besorgten. Damit haben wir wahrhafte Friedensarbeit geleistet, die in der Festigung und nicht der Vergiftung der internationalen Beziehung besteht." „Wenn der„Vorwärts" von dieser Diskussion Notiz nahm, war es seine Schuldigkeit, sich zu Heilmanns Anklagen zu äußern. Er drückt sich um diese ihm unangenehme Auf- gäbe dadurch hcnim, daß er unfern Kampf um die Ehre der französischen Sozialdemokratie seinen Lesern als eine überflüssige Erörterung der Kriegs- Ursachen vorführt. Damit hemmt er unsere Friedensarbeit. Nickt jeder, der das Wort„Frieden" im Mund führt, dient der Herbeiführung des Friedens in der Tat." ** » Genosse Kautsky hätte keinen Anlaß zu einer Be- richtigung gefunden, wenn er die„Neue Zeit" etwas aufmerk- samer gelesen hätte. Es. ist nur ein Streit um Worte, wenn er.meint, seine und Bernsteins- Artikel handelten nicht von den Kriegsursachen, sondern nur die Heilmanns. Das müßte ja auch eine fcfo komische Diskussion sein, bei de? einer über die Sache schreibt und die andern, die ihm antworten,, an ihr vorbeireden. Freilich, alles, was dazu zu sagen ist, kann heute nicht gesagt werden, wie wir gestern auch schon bemerkt hatten. Hätte Kautsky als treuer Abonnent und alter Leser auch dem„Vorwärts" etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt, so würde ihm der Sinn unserer Ausführungen nicht entgangen sein. Er meint, wir müßten es in jedem Falle auf ihn abgc- sehen haben, das war aber keineswegs der Fall, man kann wohl sagen im Gegenteil. Sowest � unsere Ausführungen polemischer Natur waren, richteten sie sich gegen die Auf- fassung H e i l m a n n s. Wir haben deutlich genug gesagt, daß uns Genosse Heil- mann bei seiner Beurteilung der französischen Sozialdemo- kratie in denselben Fehler zu verfallen scheint wie leider viele französische Sozialisten der deutschen Partei gegenüber. Wenn Kautsky„den Kampf um die Ehre der französischen Sozialdemokratie" aufgenommen hat, so ist das schön und löb- lich: wir möchten ihn aber bitten, darüber nicht den Kampf um die Ehre der deutschen Sozialdemokratie zu vernachlässigen. Die Ehre der deutschen Sozialdemokratie wird im Ausland seit Jahr und Tag in schamlos verleumde- rischer Weise heruntergerissen, und Mitglieder der deutschen Sozialdemokratie klatschen Beifall und liefern Material dazu! Lese- und Diskutierklnb vorwärts Noske und Bauer über das Hilfsdicnstgcsetz. In einer am Freitag abgehaltenen Versammlung des Lese- und Diskutierklubs„Vorwärts", die den großen Saal mit den Galerien in der Neuen Philharmonie bis auf den letzten Platz füllte, sprachen die Reichstagsabgeordneten Noske und Bauer über das Hilss- dienstgesetz. Noskc verwies darauf, daß das Gesetz durch die Mitwirkung der sozialdciuo- kratischen Fraktion eine wesentlich andere, und zwar für die Arbeiter- schast bessere Gestalt bekommen hat, als der RegierungScntwues hatte. Weiter führte der Redner aus: Nationalliberale und konscr- vative Blätter stellen mit Ingrimm fest, daß die sozialdemokratische Fraktion einen Erfolg gehabt hat, an den im Frieden gar nicht zu denken gewesen wäre.— Wir haben dem Gesetz zugestimmt, weil die harte Not des Landes und des deutschen Volkes, von dem doch die sozialdemokratische Arbeiterschart einen starken Teil bildet, und die Lage unserer an der Front kämpfenden Brüder das Gesetz zur ge- blcterischcn Notwendigkeit machen. Die Zustimmung konnte uns trotz- dem nicht leicht fallen, weil uns das Gesetz vor ganz neue Probleme stellt.— Von radikaler Seite ist verlangt worden, wir sollten gegen das Gesetz stimmen, weil es eine Knebelung der Arbeiter herbeiführe. Diese Ansicht geht von einer falschen Voraussetzung aus. Sie erklärt sich dadurch, daß auf jener Seite die mit dem Kriege zusammenhängenden Dinge wahrheitslvidrig dargestellt worden stnb._ Wahr ist, daß die Rechtslage der Arbeiter durch das Hilssdienstgesetz in mancher Hinsicht besser gestaltet wird, als sie unter der Herrschaft deS Belagc- rungszustaudeS für einen großen Teil der Arbeiter �geworden war. Vor allem ist zu bedenken: Wenn wir das Hilssdienstgesetz nicht be- kommen hätten, dann wäre die Hinaufsctzung der Alters- grenze für die Militärdienst Pflicht unabwendbar ge- ivcsen. Dafür hätte sich auch eine Mehrheit im Reichstage gefunden. Bei der Ausführung des Gesetzes können gewisse Härten vor- kommen. Von dem Geschick der A r b e i t c r v e r t r e t e r, die bei der Ausführung des Gesetzes milwirken, wird es abhängen, den Be- trofsenen diese Härten möglichst wenig fühlbar zu niachen. Jede von uns im Interesse der Arbeiter geforderte Verbesserring mußte der Regierung abgerungen werden. Hinter den Kulissen wirkte der Geist der Schlvermdustrie und des Eisenbahnministers. Gesträubt habe» wir uns dagegen, daß die Ausführung des Gesetzes in die Hände des Bundesrats gelegt werde. Zu ihm haben wir kein Vertrauen und haben es nie gehabt. Wir haben verlangt, daß bei der Aus- führung des Gesetzes der Reichstag mitwirkt und die Vertretung der Arbeiter in den verschiedenen Instanzen, die das Gesetz vorsieht. Das haben wir im großen und ganzen erreicht.— Hätten wir uns von vornherein auf den von der Opposition vertretenen Standpunkt ge- stellt: Wir lehnen zwar das Gesetz ab, fordern aber, daß es ver- bessert wird, dann wäre die Jolae die gewesen, daß wir die u r- s p r ü n g l i ch e Vorlage als Gesetz bekommen hätten ohne jede Verbesserung. Das Hilfsdienstgesetz stellt einen gewaltigen Eingriff in das Wirtschaftsleben dar. Nicht der Arbeitszwang ist die Hauptfachs. Der droht nur den Müßiggängern. Die Arbeiter haben ja immer ge- arbeitet, wo sie Gelegenheit dazu hatten. Viel bedeutsamer ist es, daß das Gesetz die Möglichkeit bietet, Zehntausende von Betrieben ihrer bisherigen Produktion zu entziehen und sie dem Zweck dienstbar zu inachen, dem jetzt die Arbeit des Volkes gewidmet sein muß. So werden Eingri'sse in'daS Privateigentum gemacht, die vor dem Kriege undenkbar gewesen wären. Eine Folge des Ausdrucks unseres Mißtrauens gegen die Re- giernng ist es, daß eine R e i ch s t a g s k o in in i s s i o n zur Ueber- wachuiig der Durchführung des Gesetzes eingesetzt worden ist. Das ist für Deutschland ein ganz neues Recht. Es bedeutet einen nicht un- beträchtlichen Schritt ans dem Wege zur parlainentarischen Regierung. So sind ivir aus politischem Gebiet während des Krieges vorwärts pekominen und werden nach dem Kriege noch weiter kommen. Neues Recht und neue Praxis ist es auch, daß im Kricgsamt nicht ein Bureaukrat, sondern der Vorsitzende einer der größten deutschen Ge- werkschafte» den bestimmenden Einfluß in Arbeiterangelegenheiten ausüben wird. � Von dem Gesetz erwarten wir, daß es uns im Verein mit den Leistungen unserer Truppen ein unversehrtes Deutschland erhalten wird, das wir für den Aufstieg des Proletariats dringend notwendig haben. Auf dieser Grundlage fußend, werde» wir entschlossen antreten zum Kanipf für politische nild wirtschaftliche Freiheit des Proletariats. An den Massen unserer Parteigenossen wird es liegen, dafür z u sorgen, daß nicht durch Zwiespalt und Hader unsere Stoßkraft geschwächt wird.(Lebhafter Beifall.) Bauer gab in einstündigem Vorkrage eine sachkundige Erläuterung der ein- zelnen Bestimmungen des Gesetzes, linier anderem sagte er: Es ist nicht richtig, daß sich das Gesetz lediglich gegen die Arbeiter richtet. Die Stillegung und Ilmänderung der Betriebe werden manchen Unternehmer schmerzlich berühren. Was die gesetzliche Regelung der Hilfsdienstpflicht betrifft, so soll jedem die möglichste Freiheit in der Wahl der Arbeit gelassen werden. Nur in Ausnahme- fällen lvird vom Zivang zur Arbeit Gebranch gemacht werden. Die Freizügigkeit wird'ja durch das Gesetz beschränkt, aber nicht absolut. Unter gewissen Bedingungen ist der Wechsel der Arbeitsstelle nach wie. vor statthaft. In der Hauptsache handelt es sich darum, zu ver- hindern, daß durch unbegründetes Feiern Tausende von Arbeitstagen pxrloren gehen. Eis Wechsel der KrbeitSLelse sst jedoch t n] c b c m Fakle z ulässig, w o 8 c r?s r L c!! c r? a 8 u r H seine wirtschaftliche Position o c r h e s s c r n kann. DaS ist sehr wichtig. Die Möglichkeit, während des KriegcZ bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu schaffen, ist also gegeben.(5s ist eine weitverbreitete, aber falsche Auffassung, dag die Hilfsdieiistpflichtigen wie Toldaten behandelt und irgendivo hin kommandiert werden,(ks ist nicht nur die Freiheit in der Wahl der Hilfedicnstarbeit gewährleistet, sondern auch die Möglichkeit kollektiver Lohnbewegungen ist gegeben. In den Sctä ichtungSkomm i ssionen sind ja die Organe dafür geschaffen.— In Betrieben mit mehr als öl) Beschäftigten müssen Arbeiter««?- s ch!i s s c eingesetzt werden. Das ist ein Fortschritt gegenüber den Aestiinniiliigen der Gewerbeordniuig, die es in das Beliebe» des Iluternehmers stellen, ob in seinem Betriebe ein Arbeiterausschuh gc- bildet wird oder nicht. Für die zur Wahrung der Arbeiterinteressen eingesetzten Instanzen: Arbcitcrausschüsse und Echlichtungikommis- swnen, sind snmtliche Betriebe, mit Ausnahme der Eisenbahn, zu- ständig. Wicht ig ist, dah auch die l a n Vw! r t s ch a s t I i ch e n Betriebe sich diesen Instanzen zu fügen haben. Das ist ein epoche- machender Fortschritt zugunsten der Landarbeiter. Wenn man al-Z Gewerkschaftler das Gesetz in seiner Gesamtheit betrachtet, dann muh man sagen, dah trotz mancher Mängel doch mehr Gutes darin steckt, wd ei auf den ersten Blick scheint. Angesichts der gegenwärtigen Ntachtvcrhältiiisse und der Avt des Landes kann es keinen Streit darüber geben, dah tvir richtig gehandelt haben, indem wir dem Gesetz zustimmten. Der Nedner wandte sich gegen den kürzlich im ,. Vorwärts" wicbergegebcnen Artikel des„Brannschweigcr VolkSfreund", welcher bw Gewerkschaften als durch das HilfSdienstgrsetz überflüssig ge- worden ansieht und deshalb für Einstellung der Beitragszahlung plädiert. Hierzu bemerkte er: llntcr dem HilfSdlellstgcsttz haben die Arbeiter die Gewerkschaften nötiger alS je! T:e durch das Gesetz vorgesehenen Instanzen können nur dann im Interesse der Arbeiter wirken, wenn die Organisationen der Ar- beiccr dahinter stehen. Tie grohe Mehrheit der Arbeiter wird dem Vorschlag des angeblichen Metallarbeiters im..Braunschweiger Vorschlag des angeblichen Metallarbeiters mit Verachtung ent- gegentreten und fortfahren, die gewerkschaftlichen Organisationen auszubauen und zu stärken, damit sie nach dem Kriege mehr Macht entfalten können, als es bor dem Kriege der Fall war. lBeifall.) Der Vorsitzende, Engen Ernst, schloß die Bersammlung mit einem Hinweis auf den Zweck des Vereins: Dein Boykott des „Vorwärts" entgegenzuwirken, und sagte:„Es ist nicht gelungen, dem„Vorwärts" so viele Leser zu nehmen, dah das Blatt dadrirch ernstlich geschädigt werden könnte. Der wahnsinnige B o» k o t t b e s ch l ri h wird an dem rechtlichen Sin» der Mehrheit der Berliner Arbeiter scheitern. Er ist ans dem besten Weg, m ehr Abonnenten zu bekommen, als er sie bor dein Boykott gehabt hat. Mus öer Partei. Vraimschweiger Parteileben. Der„Braunschweigcr Bolls sie und" ist mit der Rede, die Genosse Landsberg ain 0. Dezember in Neu- köllii bielt und über die wir in Ar. IM berichteten, sehr unzufrieden, weil Landsberg anr Schlüsse seiner Rede meinte, allen Meimmgs- Verschiedenheiten zum Trotz mühten beide N i ch t u n g e n der Partei im Interesse der Arbeiterklasse g e m e i n s a m a n unserer Zuknnfr baue n. Der„Br. Bolksfr." nennt das.Illusionen" inrd schreibt weiter:„Für uns steht henke schon fest, dasi es ein Paktieren mit denen m» Laiidsbrrg»nd Genosse» herum r» Znknirft nicht mehr geben kami." Räch den üblichen NuSiällen auf die „Patte'.onrcaulratcn" heiht es zum Schlug:„Tie Pseudosozialisien aber haben bei im? ausgespielt und man wird ihnen zeigen, Ivo der Zimmermann das Loch gelassen hat." Die Svarlakiisredalno» des Blattes gebt aufs Ganze. Auch die„T. A.-G." findet vor ihren Augen keine Gnade. In der gleichen Nummer wird ein Leitartikel über das Arbtitszwaiigsgesey aus der „So-. AuSl.-Korr." abgedruckt, aber durch folgende Vorbemerkung eingeleitet: „Ter nachstehende Artikel ist von einem Abgeordneten der Soz. Arbg. geschrieben. Wenn der Artikelschreiber zum Schlnh erwähnt, die Äbtrhiinng der Vorlage durch die Sozialdemokratische Arbeit?- gemeinschafc sei bedingt gewesen durch deren grndsätzliche Stellung zum Kriege, so müssen tvir bekennen, dah die grundsätzliche Stellung der Sozialdemokratischen Arbeits- gemeinschaft zum Kriege etwas llndcfinierbares ist. Denn diese grundsätzliche Stellung zum.Kriege ist ebenso ver- schwömme» wie die ganze Politik der Arbeitsgemeinschaft. Nicht einmal in der Frage der Jiriegskrediie ist die Haltung der Arbeits- gemeinschaft tlar, wie ihre verschiedenen Erklärungen bei den Ab- stiinmungrn über striegSkredite bewiesen, noch viel weniger in anderen Fragen, die mit dem Kriege zusammenhängen, wie wir wiederholt dargelegt haben. D. Red."__ Sozialdemokratische Wahlsiege in Kankasien. Neber Stockholm wird gemeldet: Die kaukasische Sozialdcmo- kratie bar bei den kürzlich stattgefiindeuen Komnrunalwahlen grohe Erfolgs erzielt. In Tiflis wurden sieben sozialdcmokratisckie Stadtverordnete gewählt. In Gori errang die Partei acht Mandate von 10. In Osurgoty erhielten die Sozialdemokraten die Mehrheit, die Wahl wurde aber von den Behörden nicht anerkannt. In de» Städte» Äatum und Snchiim wurden vier bezw. zwei Mandate er- obert. In Gori wurde der Partei von den Bürgerlichen das An- gebot gemacht, den Posten des Stadtpräseltcn mir einem Sozial- dcmokraten zu besetzen, sie zog es aber vor, cincm bürgerlichen Nadikalcn diesen Posten zu übertragen. Mus Industrie unö kanöel. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. In der Generalversammlung der Allgem. Elektri- zitäts-Gesellschaft führte Herr A u s ch ä d ß c r im Namen des Bundes tcchnisch-industriellcr Beamten Beschiverde über die Weigerung der Berivaltung, mit dem Bunde zu verhandeln. Ter Präsident Dr. Walter Lt a t h e n a u wies auf die Nielzahl der bestehenden Beamtenvereinefhiu und erklärte, dag die Verwaltung au der direkten Verhandlung mit den Beamten festhalten müsse. Im weiteren Verlauf wurden lebhaste Beschwerden über Ausschüttung zu niedriger Divi- dendcn vorgetragen. Dr. Walter Rathenau erklärte, dah die Verwaltung der Spekulationslnst der Börse keinen Vorschub leiste. Tie Unsicherheit der künftigen Handelsentlvicllnng zwinge zu großer Vorsicht, besonders da die A. E.-G. einen Icbhastcn Export treibe und große Kapitalien iiu Ausland, z. B. im feindlichen, angelegt habe. Dr. Walter Rathenau teilte noch mit, daß die A. E.-G. 250000 Quadratmeter Fläche überbaut habe und daß die Kriegsliefernngen tief in die neun- siclligen Zahlen(Hunderte von Millioiien) gewachsen seien. Die A. G. für Ctrumpsivarenfabrikation vor in. Max S e g a l l teilt mit, daß für das laufende Jahr ein guter Abschluß herauskommen werde, daß aber infolge Materialknappheit 1917 Betriebseinschränkungen möglich seien. Der Aufsichtörat der A k t i e n g e�s e l l s ch a f t H. F. E ck e r t beschloß, nach Absetzung von 207 123 M.(im Vorfahr 200 000 M.) für Abschreibungen eine Dividende von lOProz. si. V. 9 Proz.) vorzuschlagen. Zu den Abschreibungen ist zu bemerken, daß die Zugänge auf den mit 1 M. zu Buche stehenden Konten über Betriebskonto verbucht sind. Für das neue Geschäftsjahr liegen umfangreiche Bestellungen auf Ernte- Maschinen und Kriegsmaterial vor. Die französischen Kriegsstttanz««. Frankreich hat vorn 1. Angnst Iblä bis 31. März 1017 Schulden in der Höbe von 72 67'. Millivuen Frank gemacht. Nicht eingerechnet sind in diese Summe Vorschüsse an die Verbündeten in der Höhe von 3573 Millionen Frank. Der größte Teil diese? BeirageS dürfte verloren sein. Tie durchschnittliche tägliche Ausgabe beträgt 75,7 Millionen Fr. Für das nächste Vierteljahr lvird sie auf 058 Millionen Frank berechnet. Tie Ztiisenlasten der aufgenommenen Schulden betragen 2,5 Milliarden Frank. Die gesamte schwebende Schuld ohne die Vorschüsse der Bank von Frankreich wird aus 21 Milliarden geschätzt, wovon über 43 Proz. zu dem hohen Zins- sutz von etwa 6 Proz. im Ausland untergebracht sind. Air Zinsen sind für die schwebende Schuld allein jährlich 170 Millionen Frank ans Ausland zu zahlen. Tie italietsischen KricgSsinanzen. Die schwebenden Schulden Jlaliens haben am 30. Juni 1911 1170 Millionen Lire, am 30. Juni 1015 3003 Milliontn Lire, am 31. Oktober 1916 4708 Millionen L re betragen. Andererseits sind die Staatseinnahmen durch Zollerhöhungen stark gestiegen. Das jährliche Mehr wird auf 700 Millionen Lire geschätzt. Holland für die Holländer. Nach dem Kriege werden die jetzt neutralen Länder wahrschein- lich von Ausländern überschwemmt werden, die in ihnen bessere Geschäfischancen als in ihrer Heimat zu finden hoffe». Die Holländer »vollen sich dagegen die geschäftliche Frucht ihrer Nentralüät nicht durch fremde Nutznießer gefährden lassen. Der Amsterdamer Börsen- vorstand hat eine außerordentliche Versammlung zur Beratung über den Antrag einberufen, llinfttg nur geborene und nach zehnjährigem Aufenthalt auch eingebürgerte Holländer sowie nur Alliengesellichatteii zuzulassen, die in Holland gegründet sind und ihren Sitz haben und deren leitendes Personal iiberiviegend holländisch ist. So verlockend ein solcher Ausschluß der Fremden scheint, so verhindert er doch auch, daß sich Gesellschaften inrd Kapitalisten, denen die Steuerlasten ihrer Heimat zu drückend werden und die auswandern lönnsn, in Holland mederlasseii.— Nebenher sei erwähnt, daß nach eine»! Berich! der „Fr. Ztg." amerikanische n»d russische Wertpapiere in großen Mengen mir gefälschtem holländischen Stempel in den Handel gebracht wurden. Durch diese Fälschung wurde den Papieren das Recht auf Zinsen- bezug aus feindlichen Siaalen erworben und ihre Versendung über den Ozean ermöglicht. Die Papicrgarnspinncrei. Auf dein Balimwollgariimarkt ist, wie dem„A. L." ans München-Gladbach telegraphiert wird, infolge von Aufträgen der Verkehr etwas angeregter. Tie mannigfachen Be- sirebunge», die Papiergarn erzengnng auszudehnen, haben i m N h e i n l an d n n d Westfalen einen guten Erfolg gehabt. I in k o in nr e n d e n V i e r t e l j a h r w i r d eine Ä»zahl weiterer S p i n n e r c i e n P a p i c r g a r n- Maschinen a n s st e I l e n. Braunkahleiifelverkäuft in Sachsen. Wie dem„Lokal-Anzeiger" aus Dresden gemeldet wird, find große Ankäufe von Braunkohlen- seideru in der sächsischen Oberlausitz von Görlitz aus vorgenommen worden. Der Käufer ist bisher nicht belannt. Tie JiltercisengeMkinschnft in der chemischen Ilidustrir. Die im Frühjahr gebildete große Jntirisiengemeinschast der chemischen In- dustrre bar durch Hinzutritt der Firma Wuelsing Dahl n. Co.. Alt.« Ges. in Barmen, eine Eriveiterung erfahre». Die Aktienmajorität dieses Iliilernehineiis ist von dem Konzern Elberfeld-LndwigShafei!- Treptow erworben worden. Infolgedessen hat der gesamte Aufsicht- rat der Aktieugesellichast Wuelsing, Dahl u. Co. sein Mandat niedergelegt, inid der Generalversammlung wird die Neubesetzung des Aufsichtsrates durch Wählen von Persönlichkeiten des Anilin- konzernZ vorgeschlagen werden. Patente und Krieg. Im Lause der nächsten Tage findet nach dem Tageblait" eine Besprechung im Neichsamt des Innern über die Verlängerung der Patente nnr die Kriegszeit statt. An dieser Besprechung nehmen außer Beauftragten der Regierung u. a. teil der Deutsche Verein für den Schutz des gewerblichen Eigenruins, der Verein deutscher Ingenieure, der Verein deutscher Maschinenbau- anstnlten, der Bund der' techuisch-industritllsn Beamten. � Vörseiischwaiiimigc.l i» New Aort. Das tägliche Geld ist in den Vereinigten Staaten billiger geworden. Soziales. Ter hccrescntlasseue Privatangestellte. Unter den kaufmännischen und technischen Angestellten, die als Kriegsbeschädigte emlasien werden und au die Wiedcrausnahnie ihres alte» Berufs denken, sind viele, deren rechtliche Beziehungen zu ihrem früheren Arbeitgeber mancherlet Zweifel bieten. Wir sehen von den traurigen Fällen ab, in denen eine schwere körperliche Verletzung, der Verlust eines Gliedes oder eincS Sinnesorgans, die Fähigkeit zum alten Beruf aufhebt oder beeinträchtigt, sondern habe» nur die Fälle im Auge, wo die körperliche Eignung zur alten Tätigkeit nicht gelilien hat und allein die Fonwirkung des frühere» Anstellung- Vertrages in Frage sieht. Die Einziehung znnr Heeresdienst ist an sich ohne Eiiislaß ans den Vertrag eines Handlnngsgehitien oder Technikers mir dem Arbeitgeber; wohl erlischt die GehaUZzahUrngspflicht solange der Gehilfe seine Dienste nickt zu leisten vermag, der Vertrag selbst aber bleibt unberührt und lebt voll wieder mü. sobald der Angestellte in der Lage ist, seine Dienste in gewohnter Weise zu leiste». Anders ist es dort, Ivo eine Kündigung seitens eines VeriragsieilS erfolgt ist, Solche Kündigung kann ansdriicklüh bei der Einziehung oder später erfolgt sein, sei es fristlos, sei es znnr gesetzlichen oder verabredelen Termin; sie kann aber auch, obne daß das Wort„Kündigung" geradezu gebraucht worden wäre, durch entsprechende Handlungen bekundet worden sein, zum Beispiel wenn der Chef eine anfänglich geleistete Fanrilienunterstützung nach einigen Monaten ein- gestellt und in einem Schreiben erklärt hat. er wolle nichts mehr mit dem Angestellten zu tun haben. Solange freilich solch« Zah- lungen erfolgen, ist anzunehmen, daß beide Teile den alten Per- trag ausrechlerbalten wollen, wenn nicht etwa ausdrücklich etneKlln- digung„für alle Fälle" erfolgt ist und die Unterstützung alsdann einen reinen Schenlnngsckaraller erhält. Es hangt hier eben alle? vom einzelnen Fall ab. von den Uniständeu, unter denen solche Familierizahlung, Leistungen an die Angestelllen- oder Jnvalidender- sicherung oder an eine Krankenkasie erfolgen, von den Worten, die gelegentlich eines Urlaubs gebraucht worden sind, von den Schreiben, die vielleicht ins Feld nachgesandt sind. Besteht der Vertrag fort, so stehen dem Angestellten von dem Augenblick an seine Gebaltsansprüche wieder zu. in dem er seine Dienste erneut zur Bersügung stellr. Nur muß er sich, was er tu dieser Zeit de« Angebots'verdient oder zu verdienen böswillig unterläßt, anrechnen lassen.— Eigenartig gestaltet sich das Lerbällnis dort, wo ein kaufmännisches WettbewerbSverbot besieht. Hier gilt jetzt das neue Recht des Gesetze? vom 10. Juni 1014 auch für die vor dem In- kraftlreten des'Gesetzes(l. Januar ISlöj verabredeten Klauseln, nur der Mangel der Schriflsorm ist unschädlich. Dagegen ist das frühere Verbot unwirksam, wenn die gesetzlich vorge- schriebe»« Entschädigung für die Dauer des Verbots nickt zugesagt ist oder'das Gehalt 1ö00 M. jährlich nicht 'übersteigt, es sei denn, der Ohes hat sich noch re.jZtzeUig in den drei ersten Monaten nack dem Inkrafttreten schriftlich zur Zah« lung der Entschädigung verpflickter oder— in dem zweiten Falle— das Gehalt auf nrehr als 1500 M. erhöhh Ist de: Vertrag des heimkehrenden Handlungsgehilfen im Lanse der KriegSteilnahme oickgelöst worden, so gilt das alle Verbot fort, wenn nicht etwa die zwei Jahre, aus die es sich jetzt höchstens erstrecken kann, seil der Beendigung des Vertragsverhältnisses abgelaufen sind. Welcher Bertragstcit gekündigt hat, ist gleichgültig, die Ausnahme- voischriften, die bisweilen zur Umvirksamkeit der Klausel führen, treffen hier nicht zu. Ter Gehilfe muß sick also bei öer Annahme einer neuen Stellung danach richten und bekommt natürlich die ihm von der VertragSlösnng an zustehende Eni« schädigimg fort, soweit sie zusammen mit dem neuen Gehalt nickt 110 Proz. lbei irotwcildiger Verlegung des Wohnsitzes infolge des Wettbewerbs Verbots 125 Proz.) seines früheren Gehalts übersteigt. Alle diese Besonderheiten gelten für den Techniker nickt. Bei ihm kann höckstens der Richter das Verbot für ungültig Scllären, wen» cS den Angestellten allzusehr in der Verwertung seiner Arbeitskraft hindert und ihm das Fortkommen allzu unbillig erschwert. Soziale KriegSmastnahmen: früherer Feierabeud. Daß das Urbild des Zerstörenden. Vernichtende» und Nieder« reißende», der Krieg, soziale, d. h. auibauende, erhallende Maß« nahmen zeiligen kömite, erscheint eigentlich nicht denkbar. Soziale KriegSmaßnohmen sind zwei sich anscheinend ausschließende Worte, ist elwaS in sich Widerspruchsvolles, Gegensätzliches. Und doch können wir im Ernst von soziale» Kriegsniaßnohnien sprechen. DaS ans der Not des Krieges geborene Nachtbackverbot sür Bäckereien ist eine so überaus segensreiche soziale Maßnahme gewesen, daß unter den Beteiligten geradezu Einstimüiigkeit darüber besteht, sie in die FriedenSwirlschast mit hineinzunehmen. Von den durch den Bäckereiverband befragten Bäcker» haben sich über S0V„ vorn Hundert hierfür ausgesprochen, und nun ist's wieder eine Kriegsmaßnabmc. die in der gleichen Richtung liegt, die das gleiche Resultat zeitigtu wird. Um Brennstoffe und Beleuchtungsmirtel zu sparen, soll jede Art von Lichirellame verboten werben, ebenso die Erleuchtung von Aus« schritten, Namen und Firmen an Läden, Geschäften, Gastwirtichaflen. CasöS, Theatern, Llchtspielhäilsern und sämtlichen Vergnügung?- stätten. Schließlich auch die Rußenbeleleuchtiiug von Schaufenster� sowie überhaupt an Gebäuden zu gewerblichen Zwecken. Die Jmienbeleuchtung soll nach Möglichleit eingeschränkt, die Beleuchtung der vffenllicheii Straßen- und Plötze aus das im Interesse der öffenllichen Sicherheit unerläßliche Maß beschränkt werden. Die elektrischen Straßenbahnen sollen ihren Be« trieb, soweit es irgend mit den Verkehrsverhältniiien ver- einbar ist. einschränken. Endlich sollen sämtliche Läden und Geschäftslokale nur bis 7 Ilhr abends geöffnet sei«, mit Ausnahme der Lebensmittelgeschäfte und Apotheken, die um 8 Uhr, Gast->md Schankwirtschaften, EasvS, Theater lind Lichtspielhäuser sowie alle Vergnügungsstätten, die um 10 Ubr schließen. Ausnahmen können nur von den Landeszeniralbehörden zugelaffen werden. In den nächsten Tagen steht eine diesbezügliche Bundesrats« Verordnung zu erwarten. Mag man die Verkehrseim'chränkung be« dauern, mag mit Rücksicht aui die vielen, die ihrer Arbeitsverhäl:« nisie wegen die beiiöiigten Lebeniniittel sonst nicht würden kauscn können, die Offenhaltung der Lebensmittelgeschäfte bis 8 Uhr er» 'orderlich sein, der Schluß der Läden und Geschäfts« lokale um 7 I! b r wird für viele Angestellte die Möglichkeit einer weiteren Stunde häuslichen Lebens, der Betätig» ug nack eigenem Ermessen und Neigungen schasse n. Und darin liegt ein sozialer Fortschritt ganz weientlicher Art: ein Forlschritt auch, der niemandem, Schaden bringt. Wie nach Einführung der Sonntagsruhe und des Achtnhr-LadcnichlusseZ sich ergab, daß nickt weniger gelaust wurde, alle die bösen Prophezeiungen notorischer Schwarzseher zu schänden wurden, tvird auch jetzt nicht weniger gekauft werden. So wird auch diese KricgSinaßnahme nur gLiistig wirken, und im Jmeresie all der vielen Angestelllcn den Beweis ticsern, daß sie auch für den Frieden möglich sein wird. Senchtszeitung. Weltfremdheit des NrichsversicherlingsamtS. Nach der ständigen Rechtsprechung des Reichsvcrsicherungsamls kann auch angenommen werden, daß bei vorübergehenden Hil-e« leistungen eine Person in den Betrieb eintritt, dein diese Hilfe- leistung zugute kommt. Ist z. B. ein Pferd auf der Straße gefallen und ein vorübergehender Passant wird von dem Kutscher darum ersucht, ihm dabei bebitslich zu sein, das Tier wieder aus die Bein« zu bringen, dann gilt der Hilseleijtcnde als in den Betrieb ein- getreten, und wenn er dabei einen Unfall erleidet, gilt dieser als Betriebsunfall. Es wird immer angenommen, daß es dem mut- maßlichen Willen des Unternehmers entspricht, daß die Aufsordc- rung zu dieser Hilfeleistung ergeht, und daß diese Hilfe auch gc- leistet wird. Es ist ein alter Standpunkt des Amts, und es ist bis- her auch immer danach verfahren worden, wenn auch die Berufs- gcnossenschaftcn es in den meiste» Fällen erst zu einem Streitoer- fahren haben kommen lassen: das Amt bat immer daran festgehalten. In einer neueren Entscheidung ist es jedoel» davon in einem besonde- reu Falle abgewichen, dein folgender Tatbestand zugrunde lag: Ein Arbeiter war von seinem Arbeitgeber aufgefordert worden, in ciiiem anderen Geschäft Holzwaren abzuholen. Als er dorthin kam, fand er. daß die Zeit, die ihm gelassen war, zu der Arbeits- leistung überhaupt nicht ausreichte, und daß. selbst wenn sie aus- gereicht hätte, er gar nicht in der Lag« gewesen wäre, diese Arbeit zu bewältige». Er hat kurzerhand drei vorübergehende Personen, die er für arbeitslos hielt, angerufen und sie nm Hilfeleistung er- sucht. Die Leute haben auch gearbeitet. Der Unternehmer hat seinem Arbeiter dann auch ohne weiteres den Betrag ersetzt, den er als Eiltschädignng ausgegeben hat. Aber einer der Hilfelditeiiden ist bei dieser Gelegenheit von der Leiter gefallen und bat sich den Fuß verletzt. Es wurden von ihm Ansprüche geltend gemacht, die BcrusSgenossenschast hat abgelehnt, sie wurde jedoch vom Ober- verstchcnuigSamt in München zur EntschädigungSpslicht verurteilt. Dieses ging dabei von den Erwägungen aiiS, die dem betreffenden Arbeiter obliegende Arbeit sei derart gewesen, daß er sie ohne Hilfs- kräfte überhaupt nicht habe ausführen können. Er habe iniolze- dessen annehmen müssen, es entspreche dem mutmaßlichen Willen seines Arbeitgebers, wenn er Kräfte, die ihm sofort zur Verfügung standen, zur Arbeitsleistung herangezogen habe, und daß auch vom Standpunkte des Hilfeleistcnden aus gemutmaßt werden konnte, daß sein Eingreifen dem Willen des abwesenden Betriebsunter- nehmcrs entspräche. Die Hilfe habe sich somit als Beschäftigung im Betriebe dargestellt und der Unfall sei ein Betriebsunfall. Das ReichSversicherungsamt hat diese Entscheidung wieder auf- gehoben und den Ablehnungsbescheid wieder hergestellt.(Akten- Zeichen la 2637/15— 14B.) ES sagt in seinem Urteil: Der Angestellte, der d:s Arbeiter zur Hilseleistnng herangezogen habe, z'ei nur Ausgeher gewesen, hätte ein Vcrfügungsrecht zur Annahm« von Arbeitern also nicht be« sessen. Er sei auch in der Lage gewesen, da sich der Vorgang in einer Großstadt abgespielt habe, sich mit seinem Arbeitgeber tele- phonisch zu verständigen, che er eigenmächtig zur Einstellung der Hilfskräfte schritt. Es inüffe dem Unternehmer geglaubt werben, wenn dieser nachträglich erklärte, er würde, hätte er Kenntnis ge- habt, die Hilfskräfte geschickt haben. Diese Erklärung war für das ReichSversicherungsamt maß- gebend. Dabei ist aber zu berücksichtigen, daß der Weg vom Be- triebe bis zu der Stelle, wo die Arbeit zu leisten war. Dreiviertel- stunde betrug. Hätte der Arbeiter, wie das ReichSversicherungsamt von ihm verlangte, telephonisch bei dem Unternehmer ange- fragt, van der Voraussctzung ausgehend, daß der Unternehmer iqm Hilfskräfte schicken werde, dann hätte er denken müssen, dah er selbst zunächst, bis diese Hilfskräfte kämen, Dreiviertelstunde nichts zu machen brauchte, weil er allein nicht tätig sein konnte. Tie drei Hilfskräfte hätten jede auch Dreiviertelstunde Weg zurücklegen müssen, um an die Arbeitsstelle zu kommen, so daß viermal Drei- Viertelstunde gleich drei Stunden von dem Unternehmer bezahlt werden mutzten, ohne datz er dafür etwas hatte. Zu diesen drei Stunden hätte sich noch der Rückweg der drei Hilfskräfte gesellt, also wieder dreimal Dreiviertelstunde, so das; noch Zweieinviertel- stunde hinzukoMinen, im ganzen also, ganz knapp berechnet. Fünf- einViertelstunde Arbeitszeit geradezu versäumt worden wären, nur um eine Arbeit von eineinhalbstündiger Dauer auszuführen. Es ist lOVt) gegen 1 zu wetten, datz der Unternehmer, wenn er an- gerufen worden wäre, dem Arbeiter gesagt hätte, ja, hast Du denn dort niemand bei oer Hand, der Dir helfen kann, denn die Geschichte ist ja so umständlich, datz sie viel zu teuer wird, wenn ich Dir Hilfskräfte schicke. Datz der Unternehmer, der zunächst den Unfall nicht angemeldet' hatte, hinterher sagt, er würde doch die Arbeiter hingeschickt haben, ist erklärlich. Er bat gefürchtet, der verspäteten Unfallanzeige usw. wegen Unannehmlichkeiten zu habe». Aber uu- erklärlich ist, datz das Reichsversicherungsamt auf diese nachträgliche Aussage hin den Anspruch abweist. Es war dazu berufen, die Wahrscheinlichkeiten gegeneinander abzuwägen, und wenn es dabei den Verhältnissen nur einigermaßen Rechnung getragen hätte, dann hätte es sagen müssen, daß die nachträgliche Aussage des Arbeit- gebers ohne Belang sei. datz vielmehr der Arbeiter, der sich ohne n»?itercs Hilfskräfte annehme, im wohlverstandenen Interesse des Arbeitgebers gehandelt habe. Datz es anders urteilte, zeigt, datz auch eine Anzahl gelehrter Richter noch lange nicht soviel Mutterwitz zu haben brauchen, wie der einfache München»! Arbeiter. Verfehlte Jagd auf Drückeberger. Eine an das Bezirkskommando gerichtete Anzeige bildete die Grundlage eines in der letzten Sitzuna der 1. Kammer des Bcr- liner Kaufmannsgerichts verhandelten Prozesses. Ter bei der Beklagten, der Auer-Gesellschaft, tätig gewesene Kontorist Felix B. verlangt Weihnachtsgratifikation, Teuerungszulage und Abänderung des Zeugnisses. Eines Tages traf beim Bezirkskom- mando ein Schreiben ein, worin mehrere mit Namen aufgeführte Angestellte der Drückebergerei verdächtigt uno ihnen zum Vorwurf gemacht wurde, datz sie sich�die Rcklamicrung aus unerlaubte Weise versebasst hät'e». Ties Schreiben war mit sol- gendem Satze unterzeichnet:„Die Wahrheit verbürgt W. Sander." Eine auf Veranlassung deS Bezirkskoinmandos eingeleitete Untersuchung ergab, datz Sander, der auch Angestellter der Beklagten ist, niit der Anzeige in keiner Verbindiing stand, datz vielmehr der Kläger der Verfasser war, und schließlich ergaben sich auch die darin ausgesprochenen Verdächtigungen als völlig grundlos. Nach Auf- deckuiig� der Angelegeuheir gab B. freiwillig unter Gchaltsverzicht -seine Stellung auf iliid beschränkte sich aus die Forderung einer Wcihnachtsgralifikation und Teuerungszulage. Auch den Schluh- satz des Zeugnisses, in dein es heißt:„B. hat eine Anzeige beim Bezirkskommando erstattet, die nicht den Tatsachen entsprach," wollte er gestrichen haben. In der Verhandlung brachte der Kläger zu seiner Rechtferii- pnng vor, datz es sich nur um den Entwurf eines Briefes handelte. Diesen Eutivurf habe er einem Kollegen zu lesen gegeben und letzterer habe ibn unvorsichtigerweise in den Brieftasten geworfen. Im übrigen haben ihn frei der Abfassung des Schreibens nur patriotische Motive geleitet.— Das Kauftnannsgcricht billigte dem Kläger nur die Streichung des SchlutzsatzeS des Zeug- nisseS zu, da die Erwähnung der Denunziation in der Tat nicht in ein Dienstz-eugnis gehöre. Mir den übrigen Ansprüchen wurde 38. abgewiesen. Das Gericht sah sie für völlig unberechtigt an. Das gestvhlcne Hccrcsautomobil. Der frühere Kanonier Cohn, der inzwischen scldgcrichtlich ab- geurteilt ist, hatte es fertiggebracht, mit einem anderen zusammen im Felde ein der Heeresverwaltung gehörendes Automobil zu stehlen und es in Berlin unterzubringen. Er kam damals zu seinen beiden Tanten und erzählte ihnen, er habe das Auto von einem reichen Franzosen geschenkt bekommen, dessen Besitztum er in Schutz genommen' habe. LAS einfacher Soldat könne er c? schlecht verkaufen. Die Tanten interessierten nun de» Kaufmann Locwcntal für die Sache. Dieser vermittelte den Verkauf des Automobils. das übrigens mit der Aufschrist versehen war:„Stab der Munitionskolonne des 7. Armeekorps." Für die Verkaufsvcrmitt- hing erhielt Loewental 200 M. Locwcntal wurde demnächst ange- klagt und wegen Hehlerei vom Landgericht zu ö Wochen Gefängnis verurteilt. Die von ihm eingelegte Revision ist jetzt vom Kammer- gericht verworfen worden. Mus aller Welt. die ganze Welt ist müöe... Emile Verhacrcn war uns innerlich so nahe, datz auch sein Hatzgcsang des Krieges u»S ihn nicht ganz-entfremden konnte. Tr hat matzlos und' viel zu schnell eiitflammljeitie Wut an Deutschland ausgelassen. Aber auf der anderen Seite stand fest und un- verändert sein dauerndes Wert eines großen zeitgenössischen und sozialen Lyrikers, der die Kraft und Grötze, die Häßlichkeit und Schmach deS ungeheuer intensiv strömenden MassenlebenZ ge- sungen hat. Vor seinem Tode hat Verhaeren noch Zeugnis ablegen können von einem Wiedererstehen seiner alten Gefüble, die der Menschheit galten, und auch der deutschen Menschheit. Er hat durch holländische Vermittelung an den ihm befreundeten Dichter Paul Zech, der im Granatenfeuer an der Somme steht, einen Brief ge- richtet. Er lautet nach der„Voss. Ztg.": „Mein Freund, Aus der W-ellcn Bitternis, die mich umbranden, aus der Tiefe des Blutbrunnens hebe ich meine Hand, Sie zu grüßen. Ich höre, datz Sie in Flandern sind. O mein armes Flandern! Aber ich weiß, daß es zu grünen beginnt. Der gute Wind der Landschaft überschütte Sie mit der ganzen Fruchtbarkeit der hellen Ebenen. Nehmen Sie ibn gut auf und in meine„Wogenden Saaten" hinüber. Ich weih, datz sie gut ruhen in Ihren Händen- und Sie nicht bereuen, mir Dolmetsch zu sein.£) mein armes Flandctnl Vielleicht werde ich wiederkehren. Vielleicht werden wir- uns sehen. Die Galle schmilzt von meinem Herze n.i Ich bin müde des Kämpfens. Die ganze Welt ist müde. Alles was gewesen ist, war zlvischcn uns und nickt mit uns. Auf der ganzen Welt lvar nicht das Direkte laut. Der Tumult der anderen bcztvang uns. Aber die Galle schmilzt jetzt von allen Herzen. Bleiben Sie aufrecht nur noch diese kurze Zeit, mein Freund, auf daß wir uns sehen, wenn ich wiederkomme. Emile Verhaeren." Ein Soldat auf der Flucht tödlich verunglückt. Kurz hinter dem Bahnhof Genthin sprang ei» unbekannter Soldat, der wegen eines Vergehens verhaftet worden war und sich auf dem Transport befand, plötzliiy aus dem Inge, ehe er von seinem Begleiter daran gehindeit werde» konnte. Er stürzte so unglücklich, datz er einen Schädelbruch erlitt und fast auf der Stelle starb. Zum Tode verurteilt. DaZ Danziger Schwurgericht verurteilte die russischen Saisonarbeiter Josef und Ladislaus Andrcjcwski, die die Ehefrau des crstcrcii ermordet haben, zum Tode. EikgegQNgens Druckschriften. Werner ven Siemens, der Begründer der modernen Elellrolechmk. Pvn Artnr Fürst. Geh. ii M., geb. t J». Stuttgart, Deutsche Verlags- amm'l. � Stnrmiiozel. KrieaSnovcllcii von C. Dusse� Geb. 3,60 M.— Im Siegeofturr-r von Lihuch au die Marne. Von Lberleulnaut Tr. y. Lohnich.(tzeb. 0,40 SR. Quelle it. Me»e?. Leipzig. Tie TÄcitoednuna zur FSrScruug des Weltfriedens. i0 Ps. w. u. O. Vülow, Brunnschivrig. DaS lustige Salzerduck,. Bd. 3. Von Pros. M. Salzer. 3 M., geb. 4M. iL I. Ben st. min, Hamburg. Die neue Iutcriiationaie. Von A. Runds. 1 M. Verlag fite Tozialwisscnschasr, Berlin S\Y öS. Bus der KriegSzeit gegru Krirgslsid. 20 Federzeichnungeu von sl. Volkm-mu. ,.30 M.— Das Weiteeick, und sein Kauzler. Vom Verfasser de-Z„Fcneiswoss". 3,50 M.. geb. 4 80 M.— Tat-Flugschriften IG: RrbeiterbitdnngSfrageu im ururn Teutschland. Von Else Hilde- brandt, 80 Pf.— 17: Nene Slaatsgrstnimng. Von M. Maurenbreche!.'. 80 Pf.— ,8: Das Zötidst der Lehrerin. Von M. Meyer. 1 M. (i. TirderichS Verlag, Jena. Ja. ja. die Liebe. Novellen von Larara Ring. 3 M., geb. 4,50 M. ?l. Lange», Amichen.__ öriefkasten üe? Reöaktwn. Tie iarilUlche Evrechltunde findet fbr kidonnenten Lindrultr. 5. IT. Hof cechi»,»artcre«, am MsMag BIS ijrcitaa vou 4 bis 7 Uor, am Sonnabend bou ü bis S Ubr statt. Jeder fflt den B r i« t l a ft- n bestimmten Anstas« ist ein Buchstabe und ein« Zabi alS Mellzeichen beizufügen. LmefUch« Aniwoet loird nlchi erteilt. Sniragen, denen leine ilbonnementSauitlung beigefügt ist,»orrden nicht keaatioortit. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde der. Verträgt, echrifts-b-kr und drrgleiche» bringt mar t» dit evrechstunve«it. lS. S.%:i. Pankow. Wenn Sie seit Ihrer Verheiratung keine - Moiken mehr gellebt haben, haben Sic überhaupt leinen Anspruch an die Jnvalidenverfichernng.' Die LandeSversichrrnngsaiislalt laim auch nicht ver- pflichtet werden, Ihnen Zahnersatz zu grwäbrcn.-- Ä)i. H. Sbj. Die Rcichswochenhiife wird Ihnen, wenn Sie srtbst Kasicnmilglied sind, von Ihrer Kasse gewährt. Gebären Sie keiner Kasse an. und war Ihr Mann vor seiner Einziebinig Mitglied einer.Ürankenkasse, so mutz der Antrag auf Wochenhilfe bei dieser Kasse gcileül iwdctt. Wenn Sie uiid Ihr Ehemann keiner Kasse migehoren. so»lufi der Anlrag bei der zuständigen Steuerkaste geilelll werden. An Papieren find vorzulegen der iSeburtsschein des Kindes und das Kiniikcnkiistcnbiich. Als Reichsioochttthilse wird gewähr!: ein Wochengeld von l W. pro Tag auf die Dauer von 8 Wochen, ein Em- bindungSacld von 25 M. und ein coentueUeS Slillgdld von 50 Pf. pro Tag auf die Dauer von 12 Wochen. Krankengeld wird neben der Wochen- bilje nicht gewährt.— L. Z. 17. Eine Beschwerde ist an den Krcisau-sschutz des Kreises Tettoiu in Lerlin. Bikloriaitr. 17/18 zu richten. — A. Z. 77. 1. Das Mehl hat in jeder Verkaussitelle die gleiche Qua!!« tat und Mischung, da eS den Händlern von der MchloerteilungssteUe zu- gewiesen wird. 2. Führen Sie deswegen evil. Beschwerde beim Vorstand. — Wehrmaun 1175. Bei dem angegebenen Eiiikoimne» wird Bedürsiig- leit als nicht vorliegend erachtel und kann die Iwlerstiitzuiig deshalb eni- zogen werden. Eine Beschwerde bat reine Anssicht auf Erjoig.— Ä?. F. 23. Tie NeichSwochenhilse wird nur den Ehefrauen gezahlt, deren Männer in deulschen Heeresdiensten stehen. Tee Bescheid der Krankenlasi« ist daher richtig. Sie könnlen sich aber um Gewährung einer Uiilnstützung an das österreichische Konsulai lvendcn.— I. 5k. 7. Aller nicht unter 20 und nicht über 30 Jahre. Für Wohnung und Velüstignug sind 200 M.. für Bücher und Instrumente S7.,0 M. zn zahlen. itursuS in der Charttä vom 1. Oktober bis Ende März. Meldung beiin zuständigen Kreisarzt und beim Polizeiprästdiuni.— H. 9t. Glienicke. Eine Armee, wie Sie von Ihnen benannt ist. kennen ivir nicht. Wetteraiissichten kür das inittlere Rorddoutscklavd bis Montag mittag. Zeitweise misklarend. vorwiegend trübe. Im Westen etwas stärkere Niederschläge. Temperaturen durchschnittlich unverändert. z• FrUiertUcK „Alma" w.i ä lackiert. Holz m, bunt. Stoff betpount. Tisch mit Gla-ptolt«. Oewesiieher, erziel Feceucspiecel. 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Saf der Tagesordnung steht zunäwst die erste Beratung de» Ge- sctzenlwurfs belr. die Verstaatlichung der VergwerkSgesellschaft„Hibernia". Handelsmtnister Dr. Eydo«: Vor fast 12 Jabren bat die Regierung einen Gesetzentwurf auf Erwerbung von 27Vtz Millionen Mark Aknen der.Hibernia' vor- geiegt, um den staatlichen Eiuflust im rheinisch-westfölischen Kohlenrevier, namentlich auf die Preisgestaltung, zu verstärken und die Deckung deS staatlichen KohlenbedarfS zu sichern. Die Vorlüg« wurde angenommen, aber ihr Ziel wurde nicht erreicht, da die Besitzer der übrigens 32�2 Millionen Aktien den AuisichiSrat be- fetzten und in der Generalversammlung die Mehrheit hinter sich halten. Erst als die Verhandlungen über den Beitritt der Regierung zum Kohlensyndikat begannen, wurde der Regierung eine Vertretung im AussichlSrat bewillig». Inzwischen bat der Staat seinen Bditritt zu« Kohlensyndikat unter aewisfen Kautel«» erklärt. die ihm die Wahrung der öffentlichen �ntercffen innerhalb des Syndikats sichern. Für den Fall, dost öffentliche Interessen durch das Syndikat geschädigt würden, hat er sich das Recht des Auswins vorbehalten. Als Bedingung des Eintritts in das Kohleniyndikat hat der Staat von vornherein die Regelung der»Hibernia'- Angelegenheit im Sinne des Erwerb» der restiichen Aktien ftir den Staat bezeichnet. Billig waren die Aktien nicht z» haben, aber der Staat hat natürlich die Aktien auch nicht über ihren Wert bezahlt. Wir haben durch Sachverständige festgestellt, daß di« .Hibernta'-Gruben j» den besten Zechen heS rheinisch-westfällschen Reviers gehören. Vorbereitungen zur Stetgerung der Förderung sind getroffen. Es wird mit einer Steigetunq der Forderung im Durchschnitt der nächsten 2l> Jahre aus 6% Millionen Tonnen gerechnet. Das würde einen jährlichen Reingewinn von S.ll Millionen ergeben. Für die Aussichten in der Zeit Nack dem Krieg« ist man natürlich auf Vermutungen angewiesen. Die Köhlenpreiie richten sich nach dem Srlbkostenpreis, bei dem bekanntlich die Löhne eine große Rolle spielen. Wie sich die Löhne nach Beendigung des Kriege» gestalten werden, kann MaN jetzt nicht v o r a u§ f t y o u. Di» Löhne steigen natürlich bei einer glinstigen Konjunktur für Kohlen. Nach Beendigung des Kriege» wird auf der ganzen West- lichen Halbkugel dauernd«ine große Nachfrage nach Kohlen bestehen, die vor allem Deutschland und England zu befrledlgen haben werden. Die gut fundierten Zechen werden daher daraus rechnen können, daß ihr» Verhältnisse sich verbtsiern. Bon diesem Gesichts- punkte au< haben wir das an uns ergangene Angebot angenommen. Im übrtgen waren die Aktien nach allen Verhandlungen zu keinen niedrigeren Preisen zu haben. ES war die» die beste Gelegenheit, sie überhaupt für den Staat zu erwerben. Andere Erwerber standen schon im Hintergrund, die bereit waren,«inen höheren Preis zu zahlen.(Abg. Hu«: Bestellte Arbeit!) Auch ist der Et- werb der Aktie» nicht lediglich eine gtnanzfrage. die Hauptsach« ist, daß der Staat seinen Einstuß im Kohlensyndikat und Überhaupt auf dem Kohlenmarkt stärkt. Der Erwerb liegt önch im Interesse der Bergarbeiter, deren Interessen mit dem Gedeihen d«S Kohlenbergbau» parallel gehen. Die Hemmungen für ein vet- trauensvolles Zusammenarbeiten zwischen dem privaten und staat- ltchen Bergbau zu beseitigen, liegt im Interesse der All» gemstnheit, namentlich im Hinblick auf die wichtig« Rolle, die dem Kobienbergbau nach Beendigung desKtieges bei der Wieder- Herstellung unserer Wirtschaft zufallen wird.(Beifall.) Abg. v. Pappeuheim(f.): Di« Vorlage ist von so großer Bedeutung vor allem wegen ihrer Konsequenzen, daß wir eingehend« Beratung fordern müssen. Wir beantragen ihre lleberuietsuiig SN Vi« verstärkte Haushaltskommission. Im allgsmeiiien stehen wir der Vorlage wohlwollend gegenüber. ES ist ein Zeichen unseres un- verminderten StögeSvertrauens. daß der Staat den Altgenblick für günstig hält, um zu erwarten, daß sie Aktionäre für ihre Aktien Slaaispaviere erwerben.(Sehr richtig!) Wenn es sich nur um die wirtschaftliche Seite der Sache handelte, könme ich ohne weneres zusttmmen. Aber die Legren der Vergangenheit zwingen uns doch, zu prüfen, ob weitere derartige Berstaalltchungen im Kohlenbergbau für Staat und Volk wünschenswert sind. Wie stecken augenblicklich schon viel welle» im sozialistischen Staat, als wir wünschen könne». Wir wünschen vor allem stabile Verhältnisse. Wie die Kohl« da» täglich« Brot der Industrie ist. so wtkd-S such hier nicht nur saroui ankommen, billiges Brot zu haben, sondern sicher zu wissen: wb» kostet es? Abg. Oeser geht ausfüvklich auf die Vorgeschichte der»Hibernia'-Verstaatlichuiig ein. Der Widerstand gegen die damalige.Hibernia'-Voklag» lag an dem latschen Vorgehen de» Minister» M o e l l« r. Man besiikchtete damals weitere Versiaatlichuitgen, Der Kauf er« folgt jttzl zum selben Kurse wie tWS. Inzwischen ist aber der Zins- say in die Höhe gegangen. Di, Durckickniltsdividende seit tvll? be- trägt 11 Proz., bleibt also um 2.2 Proz. unter dem Dtvtdeuden- Nlinimum, da» zur Verzinsung und Tilgung de» von uns ge- forderten Kausprets notwendig ist. Warum will man dem Staat jetzt gewähren, wo» man tdm>90» versagte? Weil er«n hohen »ohlenprelsen«wmsfl«» werbe» soll. Es liegt hier ein K o n f l t k t vor zwischen dem ösfeiltticheil»Nd demfiskali« f ch« n Gewissen de» Staates. Für die Konsumenten ist so gut wie gar kein Schutz vorgesehen. Gegen oie Vorlag« in der heutigen Form haben wir di» s ch w e r st e n Bedenken.(Betfall links.) Kandxlsmtttsster Dr. v. Sydo« k Der Vorredtier meint«, der Staat bekomme durch den Erwerb der.HiderNia' ein Interesse an hohen Kohlenprcisen. Dies Interesse hatte der Staat schon bei seiner jetzigen Beketltaung. Man wird aber nickt behaupien können, Sah er deswegen die allgemeinen Interessen vernackläisigl und«Inseiltg ftstSlische INteitsseN wahrgenommen hätte. Das wird auch in Zukunft nicht der Fall lein. Abg. Hu«(Soz): Keine Parkst sseht bekanntlich der Erweiterung der Ktaatsbeirlebe und der Verstaatlichung des Bergbaus so sreUNdlich gegenüber, wie die EoztalSemskratls. Daher geben wir nattirlt« an die Prüfung eine» Vorlag«, die unseren Ideen auch nur zu entsprecheu scheint, mit besonders wohlwollendem Interesse heran. Mit diesem Interesse haben wir au» da« vorliegende Angeddt, die»tziberma' zu VirsiaailiSeN, studiert. Wem, wir die Vorlage aenebtnlgen, dann haben wir für die„Hibernia' rund 108,8 Millloaeu Mark bezahlt. Das mach« ein Anlagekapital von r«nd L2 M. pro Tonne Förderung, das ist doppelk s« viel als das Aniqzckopital der beiden guifundiertcn Gesellichaften Gelsenkirchen und Herpen. Ich stimnie ja Herrn v. Pgppenhkim darin zu, daß bei dieser Vorlage nicht in erster Linie der Fmanzftinkt entscheidend sein kann. Ader er spielt doch gerade in der gegenwärtige» Zeit-ins besonders besteutfant« Rolle, lieber die»Hiböri>ig"-Ak!i«>t t», Iahte 1901 ist jeinerzeil h'tt im Haiist und in der Press« sehr viel Hohn und Spott ausgegossen worden. Es ist deshalb verwunderlich, daß gegenüber dieser Vorlage, die keinen billigeren Preis von uns fordert, in der damals so ans- geregten Presse jetzt völlige Friedhofsruhe herrscht. Ob das daher kommt, daß bei dem Profi», der jetzt zu machen ist, die Berliner Handelsgesellschaft und Bleichröder beteiligt sind, weiß ich nicht. Nach der Verlag« sollen wir lOV« Proz. für die Verzinsung deS GrwerdSkapitalS der„Hibernia" ausgeben. Die Vetziniung der Kriegsanleihe beträgt bekanntlich g Proz. Diese IS'/» Proz, sollen au frühere Aktionäre gezahlt werden, die für dies Geld absolut nichts leisten. Die Kauf- bebingungtn und die Arbeitsbedingungen der„Hibernia' werden uns außerordentlich günstig geschildert. Wenn wir aber stüher mit den Herren der„Hibernia' über Arbeiterfragen ver- bandelten, so hat man uns die Loge der Zecke immer grau in grau gemalt.(Hört, hört! b. d. Sozialdemokraten.) Andererseits steht in der Vortag« nichts darüber, wi« seit 1904 das Objekt rntwettet worden ist. Es sind inzwischen rund SS Millionen Tonnen Kohlen aus der»Hibernia" gefördert worden, die nicht ersetzbar sind, und e» sind keine neuen Felder gekauft worden. Die Entwertung beträgt also rundweg 190 Millionen. Bon der vor« gesehenen Dividende von 15,g Ptoz. sollen die„Hibernia'-Aktionäre 12 Proz. bekommen, der staatliche» Berwaltung bleiben nur etwa 3 Proz. Die Aktien sind sicher von den Stammaltionären früher weil unter 100 gekauft und trotzdem sollen wir ihnen nun rundweg einen Kurs von 284 zahlen. Tun wir das. dann werden wir vom I. April 1917 ab ein»rwetbskapital von 16ö Millionen Mürk in der.Hibernia' zu verzinsen habe». Die Vorlage erwartet einen Rktugewinn von 4 Millionen Mark pro Jahr. Das sind rund �8 Proz. Verzitisttttg, während g Proz. Verzinsung des im Saar- I öergbau angelegten Kapitals den Herren Hirsck-Esien und Ober- ' bergbauptmann v. Velsen im Iabr« 1911 noch als zu niedrig erschien.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokrateii.) Trotzdem werden wir erleben, daß die prinzipiellsten G e g n e r des Staats- bergbaus diel« Vorlüge annehmen und die prinzipiellen Freunde des StaalSbetgböUS sie ablehnen. Der Abg. Marco, einer der hetvorrägendsteN Sackkenner dieser Materie, hat 1911 gesagt:„Wir haben bisher in uniereni staatlickcn Bergbau in den meisten Fällen viel zu hohe Summen für den Er- werb gezahlt.' Soll da» hier wieder geschehen, und wollen Sie dann vielleicht wieder wie seinerzeit eine Kommission zur liiner- suchung der ReNiabilitäl de» StaaisbergbaueS einsetzen, um daraus Material gegen den Staatsbetrieb überhaupt zu gewinnen?(Sehr gut! bei den Soz.) Es ickelnt fast, daß der eigentliche Bater dies« Vorlage nickt» anderes bezweckt als der doch kommende« Vcrstant- lichung des Bergt liues«ine« gehörig schwere« Stein in dt« Weg zu rolle«.(Sehr richtig I bei den Soz.) Wir Freunde der Verstaat- lichung können dieser Borlag« nicht zustimmen, weil wir dann Gefahr liefen, später aus Grund der Folgen aus dieser Borlage uns sagen lassen zu müssen I So sieht die Berstaotlickung aus. (Sehr wahr l bei de» Sozialdemokraten.) Der Minister versicherte uns, daß aus dieser Vorlage keine Erhöhung der Kohlen- preise folgen wird. Er mag de« guten Willen dazu haben, aber die Dinge sind stärker ais die Menschen. Wenn zum Bei- spiel die zu ekwattiNde Rente Nicht berausgewirtichait-t werden kann, dann wird ,S doch zu einer Erhöhung der Kohlenpreise kommen. Die Rente kann auch Nur herouSgewirtsckaftet werden. wenn kein nennenswertes Betriebsunglück vorkommt, während aerüde unter den zu kauienden Zecken zwei sich in dieser Hinsicht keines guten Rufes erfreuen, gerner oürften dann keine nenner.swetlen Betriebseinschtänkuttgen eintreten, In der Vorlage ist sehr optimistisch die Höckstförderung»IS DauerfSrderMtg angesetzt worden. Dabei haben wir vor dem Kriege Jabre gehabt. wo man im rheiniich-westsälisckeu Kohlensynvikat kaum SO Prozent der Beteilignngsziffer heranshoien konnte, weil der Absatz mangelte. Die Voranschläge solllen daher hier so vorsichtig festgesetzt werden wie beim Etat der Vekgdanverwaltung. Ferner fehlt in der Bor- läge iede S e l b N k o st e n b e r« ch n u n g. Wir müssen wissen, wie hock die Preise, die Löhne und die anderen llnkoss.en sind, um kon- trolllöten zu kbnnen, ob vi« ansgeröckneten Gewinn« zu erzielen sind. 5srnet ist Uns Nickt» niiigeseilt über die Bedingungen, unter eiten der Fiskus in das Kohlensyndikat eintritt. Die AussUSrnngen des Ministers über die Förderhöhe und di« AbsatzMögliKkeitSN sind auch von sehr gewicktigen Stimmen an» der Industrie selbst al» atitzerordöntlich opttniisllich bezeichnet worden. Die Jndiisitte macht durchweg riesige A b s ch t S i b U N g e N aus Besorgnis Vörden ungüllstigsn Wltlschafiszuständen nach dem Kriege. Der Minister sieht diese WirtschaflsZustände Nickt so dunkel. Wir können NM wiinicke», daß er reckt hat. Es ioll eine Dividende von 1<3 Proz. erzielt werden, Ein« solch« Dividende hat die»Hibernia' nur zwei- mal verteilt, und zioar gerade in Jahren, Wo das Publikum über viel ZII hohe«Ohlenpreis« klagte.'Hört! hört! bei de« Soz.) Wen» das Motiv dieser Vortage wirklick die VerHugerung der Syndikats macht ist, wie kam dann die Regierung dazu, durch ihre Beiordnung vom vorigen Iaht« die Zwangssyndikatsmackt so kolossal zu stärken? (Sehr richtig l bei den SsZialdeMotrateN.) Die Verttitet der Regie rung haben wiederholt selbst konstatiert, daß die ptivaikapitalisiische Monopol- und Trustbildung im Bergbau schon eine» solchen Umfang angenommen hat, daß ein Drilter eS Nicht wage» datf, dieseni grosikapitslistiichen Konzern«nigegenzuiieien. Trotzdem geschieht »IchtS,� um diSsSt gewaitigcn Zusammenballung privat kapitalisiischer Macht in dein Syndikat ein Paroli zu bieten. Im _________...._______....______„»WWW 2» Gegettkeil, durch eine besondere RegierutigSbetorbmmg werden die wisetslreßeuden Elemente unter de» Jndtiflriellen Rdeinland-West- salens förmlich z ll s a m IN S Ii g e t k i e o e n in ein einheiNiches Syndikat von einer«bergewaltlgöN Bedenlung in der ganzen Volks- wlliickaft. Sehr interessant ist di« veränderte Haltung der Konservakiben dem Kohlenshndttat gegenüber. Ich habe gemeinsam mit dem Grafen Kanitz ftiiger wiederholt die mono- polistiiche Gefahr im Bergbau bekämpft. Heute hat Herr v. Pappen- beim genau den entgegengesetzte» Standpunkt eiiigenomnisn- Dabei ist inzwischen die Konzentration»es Kopitals im Bcrgb»« Nock viel gewakliger geworden. In dem Kohlenshndikai werden afti t, April nächsten Iähre-z 92 Bergwerksgesellschafte» mit IIb Millionen Tonnen BeteiligUilgszisser vereinigt sein. Davon haiieN neu» GS- iellicharten allein eilt« Beleiligungsziffer von über 72 Millionen Tonne«.(Hött I hörtl b, d. Soz.l Eine solche KstizettitalioN des Pribaiköpltats finden SI« selb st im amerikanischen Betg- bau nicht. Dsk FiskuS wird zu diesem Zeltplinkl nur etwa tO Pior. Beteiligung höben- Der einzige Vorteil ons dem Beitritt deS Fiskus wird sein, daß dös Kohlensyndikat dann eine öffentlich- rechtlich« Gesellschast wird, bei der keine Geheimnis- klämerei mehr betrieben werden kann. Nack ZeitUngSnöchrtchien soll nun für den Fiskus ein sogenanntes Vetorecht gsichoffe« werden derart, daß wen» 30 ProZ. der Beteiligungsziffer Mit dtM Fiskus stiniMt, eilte KoblenpreiserböbUNg nichi sürchziistihreu ist Sicheres Wissen wir darüber nicht, well eben der Vertrag selbst»Ns Nicht mitgeteilt worden«st,. Jedenfalls würde auch ein solches Beta- recht wenig Nützen, denn Sie haben ja selbst vom Minister gehöri, wie harlnäckig die Herren der»Hibernia' bisher seinen Forderungen erngegengetreien stnd Es wird sich zeigen- daß der FiSlus im Syndikat nur den Prügelknaben für die Privatkapitalistc« abgibt.�(Sehr Wöhr I bei den Sozialdemokraten.) Darum wirb durch diese Vorlage der Slaotsbetrieb diskreditiert»Nd dem Streben nach weiteten Verstaatlichungen ein Hemmschuh in den Weg gelegt. Ein solches Veiorechk hat sich auch beim Kssisyndikat ms ganz wirltittg-ios»Kiesett, Ueber die A r b e i t e r l ö h n e werde Ich in der Kommission reden. Das würde hier zu weit führen. Jedenfalls können für die Arbeiterschaft aus der Annahme dieser Vorlage große Gefahren entstehen. Ich werde darauf noch beim Etat zu sprechen kommen. Das leitende Organ der christlichen Gewerkschaften schrieb am 8. Ro- dember Über die Wirkung des neue» Syndikats:„Auch für die Bergleute ist die jetzt mit Hilfe der Regierung erfolgte Stärkung des Bergwerkuittetnehmertums von besonderer Bedeutung. Je stärker das Unternehmertum im Bergbau ist, um so weniger wird cs ge- neigt sein, den Wünschen und Forderungen der Albeiter zu ent- sprechen und sie als gleichberechtigt zu behandeln. Bei den Behörden haben die Arbeiter gegen die Unternehmer im allgemeinen wenig Hilfe gefunden." Diese Besorgnisse bestehen in allen Kreisen der Bergarbeiter. Schmerzlich vermissen wir, daß bei der gewaltigen Verstärkung des Unternehmertums durch Regierungshilfe auch nicht die geringste K««tele geschaffen ist zu?« Schütze der Arbeiter- intereffen. In England hat die Regierung stn Süd-Wale« den Arbeitern zugestanden, daß die Unternehmer n» r mit g« w e r k s ch a f t I t ck organisierte« Arbeiter» zusammen schaffen wollen.(Hört! hört! bei den Soz.) Ich kann also die Rotwendlgkeit dieser Vorlage nicht anerkennen. Man spricht von einer Sicherung de» Kohlenbevarf» der Staats- und Reichsbetriebe. Glaubt man etwa, daß ohne diese Vorlage die Staats- und Reichsbetriebe wegen KohIenmangelS zum Stillstand kommen könnten? Wenn wir wirklich schon soweit wären mit der Kapitulation der Staatsmacht vor der Kapitalistenmacht, dann verstehe ich erst recht nicht, wie die Regierung das Einheit«- system schaffen konnte.(Sehr wahrl bei den Sozialdemo- traten.) Eine weitere Erschwerung der zukünftigen Ver slaatlickung des Bergbau» ist e°, wenn, wie im»Hibernia'- Falle förmlich ein Anreiz zu gewaltigen Kurs steige- rungen gegeben wird und man dann diese Kurse al» Unterlage für den Kaufpreis nimmt. Die Kohlenpretse werden durch die�Vor- läge aus eine» so hohen Stand gebrockt werden, daß die natürliche Folge die weitere Zermürbung des ohnehin durch den Krieg schwer leidenden Mittelstandes sein wird. Infolge der Kurssteigerungen lverden vi« Aktionäre, die zu den hohen Kursen gekaust haben, wieder aus höhere Dividenden drängen, und die sollen dann von den Arbeitern herausgeschunden werden. Es mag sein, daß einige Jahre nach dem Kriege dielleicht die K o h l o n n o t die Bergbauindnsirie günstig beeinflussen wird, aber gibt es denn nur Bergwerksbcsitzcr und BergwerkSarbeiter im Deutschen Reich? Die Kohlenindustrie wird, wenn sie a» den hohen Kohlenpreisen festhalten muß, ein großes Hemmnis des Wiederaufbaues des gesamten Wirtschaftslebens sein. Wir werden Nack dem Krieg«, um aus den ungeheuren Schulden- lasten herauszukommen, keinen anderen Weg haben, al« die Einführung von Reich»-»der GtaatSminchwltn! ThemistokleS Vewog seine Mitbürger, auf ihr« Privat- bezöge aus den Laurischen Bergwerken zu verzichten, um den Staatsschatz für die Verstärkung der Landesverteidigung zu fülle». Nusere Themfftoklesie schlagen nns vor, den StaalSschatz um wieder 9« Millionen zu erleichtern zugunsten einer kleinen An- zahl ungeheuer reicher Pr>vatkapitalifien.(Sehr wahr! V. d. Soz.) Das soll«ine nationale Finanz- und WirtsKaftSvolitik sein.(Sehr wahr! bei den Soz.) Die»Hibernia'-Aktionäre sind Leute, deren Familienvermögen auf Hunderte von Millionen zu be- messen ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Hat man überhaupt den Versuch gemacht, im Interesse unserer Staats- finanzen von diesen Herren zu verlangen, daß sie sich da- mit begnügen, das wirklich eingezahlte Kapital zurückzuerhaiten? Was wird nicht sonst von unS allen, von dein ärmsten Mann, im Interesse der �laatSnottoendigkeiten als Kriegs- erforseriits»erlangt! Wir sind gern bereit, Hunderte von Millionen zu bewilligen für Unter stützung Der Krtegsbeichädtgten. der Witwen und Waisen der Gefallenen, znr Anstichtnng durch den Krieg tllitiielier wirtschattiicher Existenzen, aber diese Votlage, in ihrer jetzigen Gestalt, bewilligen wir nicht.(Beifall bei den So- zialdcmokraten.) Slbz. Althoss sVp.): Wenn der Staat das Bergwerk kaufen will, so bleibt ihm nichts übrig, als zu zahlen, was die jetzigen Besitzer verlangen. Wir löttnkn die Vorlage nur annehmen oder ablehnen. Wenn der Staat ieitw 168 Millionen mit 6 Proz. verzinst, so macht er ein sehr gutes Ge- ickäfl. Die veränderte Stellung der Konservativen zu den Sylt- dlkaten begrüßen wir. Da» Syndikat hat es«rwöglicht, die der Industrie nötigen Köhleumengen zu liefern.(Sehr richtig I bei den Nöiionalliberalsn.) Die Löhn« sind unter seiner Preispolitik ge- stiegen. Abg. Brust lg.): Wir stehen der Vorlage mit aemlichten Gsfüylen, aber nicht un- sympathisch gegenüber und behalten«NS bor, t» der KoMMisfion das Material wohlwollend zu prüfen. Alach einer ähnlichen Erklärung des Abg. Schräder. Wilhelmincnhofstr. 18, abends S'j, Uhr. SpandaU* Bel Restaurant, Spandau, Kurstr. 21, abends Köpenick und Friedriehshagen: Biktoria-Straße 29, abends 8'), Uhr. Dienstag, den 1ä. Dezember 1916: MOrden: Fcankcs Festsfile, Badstr. 19, abends 81/, Uhr. Tagesordnung in alle» Versammlungen: Kerilht von dn Gtlieriil-stcrsllminlung. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zahlreiches und pünltlicheS Erscheinen wird erwartet. 128/19 Rle Ortsvcrwaltnng. Verband der Sattler nid fertefeniller. Ortsverwaltung; Berlin. »cinuiia! Jdilitärsattler!»*"9' Dienstag, den 12. Dezember 1916, abends 7 Uhr, im großen Saale des Gewerkschaftshanses, Engelufer 15: Versammlung. aller in den Militärbetrieben beschäftigte» Arbeiter U.Arbeiterinnen. Tagesordnung: 1. DaS Ergebnis der Verhandlungen mit den Arbeltgebern über die beantragte Teuerungszulage. 2, Diskussion. IM Anbetracht der äußerst wichtigen Tagesordnung erwartet zahlreichen Besuch 1öS/ Die Branchenleitung. Verband der Hut- nnd Tilzwarenarbeiter und Arbeiterinnen Sentsehtands. Ortsverwaltung Berlin. Am Mittwoch, den IS. Dezember, abends 8 Uhr, im Geworkschaftshause, Engelufer 15, Saal 1: SW Versammlung aller in der ftit- und Putzbranche beschäftigten Arbeiter nnd Arbeiterinnen. Tagesordnung: Der Abschluß unseres Lohutarifs. Zahlreiches Erscheinen ist dringend notwendig. 16/19 Die Ortsverwal tunff. Nerbind der Knch- und Sleininndtetti» Kilfsordeiter und-irbritmiin. Ortsverwaltung Berlin. Weihnachtsunterstütznng. Alle Familien derjenigen Mitglieder unseres Verbandes, deren Er- nahrcr bis zum t. Dezember 1918 zum Hecresdienst eingezogen sind und mindestens 26 Wochenbeiträge an unsere Organisation geleistet haben, erhalten eine Weihnachtsunterstütznng von 18 Mark. Die Auszahlung erfolgt für die Namen mit den Anfangsbuchstaben: A bis G am Dienstag, den 12. Dezember U.R.. Mittwoch, den 13. Dezember .M, 14, Donnerstag, den 14. Dezember S„ Z, Freitag, den 15. Dezember vormittags von 10 bis 1 Uhr an der Ortskasse, Alte Jakobstraße 5. Die Auszahlung erfolgt nur bei Vorlegen eines Ausweises über den Bezug von Kricgsunterstützung(Quittungsbogcn usw.). Wir ersuchen unsere Vertrauensleute und in Arbeit stehenden Mit- glleder, die Familien unserer eingezogenen Kollegen hierauf auimerksam zu machen. Spätere Reklamationen können nicht berücksichtigt werden. 27/20*_ Der Ortsvorstand. Garderobe auf bequemste Teilzahlung Kostüme, ülster. iffintel in Tuch, Samt u Astrachan. Blusen u. Rücke in gr. Auswahl, itfnr Neuheiten am liager. In allen Pelzarten und neuester Ausführung in jeder Preislage ?elzwaren Herren- Anzüge, Paletots und Ulster Große Auswahl! Knaben- u. Mädchen- Garderobe. Jeder Käufer erhält ein Weihnachtsgeschenk. 67 Lothräwger Str. 67 Sonntags v. 8— 10 n. 12—8 Uhr geöffnet.' 9 •J Bilanz am 31. August 1916. Alttlva. Grnndstücko und Gebäude.......... Wege- und Eisenbahn-Anlagen......... Brunnen-Anlagen.............. Kanalisations-Anlagen............ Lagerfässer und Bottiche........... Maschinen und Geräte............ Inventar.................. Inventar und Einrichtung der Ausschanklokale.. Lokal„Zum Sehultheiss� am Wannsoe...... Inventar und Einrichtung der auswärt. Niederlagen Eisenbahnwagen............... Pferde, Wagen und Kraftwagen........ Absatztonnen................ Kasse................... Wertpapiere................ Bankguthaben................ Hypotheken und Darlehen.......... Sonstige Schuldner............. Bürgschaftsverpflichtungen..... M. 316300 Warenbestände in den Hauptbetrieben...... Warenbestände in den auswärtigen Niederlagen.. Verschiedene Vorräte(Abgänge, Futter usw.)... Ausstehende Forderungen........... Lebensmittel-Verkauf. Verkaufe wieder einige Waggons(solange Borrat) Karotten, Mohr rübcn, Wirsing-, Weiß- und Grünkohl ad Dienstag oder Mittwoch nur a» Selbstvcrbrancher zu billigsten Tagespreisen. Boraussichtlich in einigen Dage» auch größere Menge» Kohl vorhanden, wodurch längere Zelt Ware haben dürste und das werte einkaufende Publikum sich nicht überstürzen und drängen braucht. Körbe uud sonstige Bebälter müssen mitgebracht werden, auch kann wegen Arbeitermangcl w. nichts ins HauS geliefert werden. 225/15 Schmidt Nfg., Berlin, Neanderstr. 4. _ Amt Moritzplatz 10 169. Restehandlnng Becker,SeydeIslr.lÄ Herren- und%unter Garantie für Damensto2e,% tadellosen Sitz. gr. Auswahl,% Sonst kein Äb- noeb nabmezwang. 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M. 316 300 Gewinn...................■ 53 616 507 i 16 Die Auszahlung der Dividende von 16 Proz.——— schäftsjahr 1915/16 erfolgt vom 11. Dezember d. J. ab in den gewöhnlichen Geschäftsstunden an der Kuponskasse der Deutschen Bank in Berlin W, Kanonierstr. 29/30. Berlin, den 9. Dezember 1916. Schultheiss' Brauerei Actien-Gesellschaft. Ij. B O« it Jtll 6. Für 2000« JH. kleines Landhaus mit Gelkgeuhkit;u Klemer LandwirtslliHst an der Börlitzer Vorortbahn. Offerten an Expedition d. Ztg. unier 14. 1. Oskar Wollburg Konfektionshaus für Damen- u. Mädchen-Bekleidung 56 u. 37 Bruxinenstraße 56 u. 37 In Duswalil in PlOjth-, Snmf- und BreltsdMz Hinteln direkt aus der Fabrik, ohne Zwischenhandel, daher konkurrenzlos. Fesche* Kostüm 54,00 M. Glocken» Pole tot 54,50 M Manlelkleld 36,75 M. ilaskafucbs- Garnitur elegant, neu, Spottpreis. Besichtigung auch Sonntag. 205/3 Frau Oronwald, Regensburger Str. 1 1a. Fahrstuhl. J. Baer, Bailstr.2BprintkAei.eB Herren- und Knaben- Moden, Berufskleidung, Eleg. 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November 1884 in Berlin. L�elinshi, Paul, Frsstr, geb. 13. April 1892 in Berlin. Berhite, Franz, Arbeiter, geb. 15. Juli 1883 in Berlin. Fisch, Felix, Fräser, geb. 16. Juli 1879 in Berlin. Gabler, Wilhelm, Dreher, geb. 13. August 1890 in Rummelsburg. Gebelein, Max, Arbeiter, geb. 2. August 1887 in Gr.-Machnolv. GrOth, MaX, �Rohrleger. geb. 10. Februar 1884 in Altona. Heine, Gustav, Kernmacher, ged. 16. Mai 1878 in Berlin. Isert, Hermann, Arbeiter, geb. 9. April 1884 in Grünberg. Jokisch, Bruno, Dreher, gcb. 10. Februar 1890 in Berlin. Klatt, Erich, Schlosser, geb. 3. Januar 1889 in Berlin. Marowsky, Wilhelm, Rohrleger, geb. 24. Juli 1884 in Köpenick. Bichter, Friedrich, Schlosser, geb. 18. Januar 1883 in Berlin. Runge, Hermann, Rev.-Dreher, geb. 19. Februar 1887 in Berlin. Schwartz, Karl, Dreher, geb. 3. November 1895 in LandZberg. Trapp, Willi, Arbeiter, geb. 8. August 1894 in Berlin. Unger, Otto, Heizungsmoatenr, geb. 10. Mai 1887 in Luckenwalde. Vetter, Wilhelm, Schlosse», geb. 10. Oktober 1888 in Britz. Wehner, Ernst, Mechaniker, geb. 22. März 1889 in Berlin. Wilke, Georg, Gürtler, geb. 25. Febrnar 1884 in Berlin. Ehre ihrem Andenken! 126/18 Die Ortsverwaltnng. Iii. Marli Filiale GroO-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß solgendc Kollegen aus dem Schlachtseide gefallen sind: Willi Wucherptennig, is. Rev..Jnsp. Gustav Consentius, Gasw.Gitschiner Str. Willi Kurth, 3t. Revier-Inspektion. Erich Hübner, Lichtenberg. Wilhelm Möhr, Parkverwaltung. Heinrich Dombrowe, Röhreusystem. Isidor Baunach, 38. Revier.Jnspektion. Otto Baschin, Wasserwerk Tegel. Hermann Brose, Schlacht- und Viehhof. Otto Klenke, Treptow. Wir werden ihnen ein ehrendes Andcnlen bewahren. 35/4 vie Ortlweinvaltaajx. Schmerzliches Gedenken zu seinem Geburtstage am 11. Dezember 1916, des Jnsanteristen Berthold Liebing Res.-Jnf.-Regt. Nr. 35, 2. Komp. gefallen am 24. Januar 1916 durch Lolltresfer einer schweren, feind- lichen Granate im Umerstand. 1598b In trauriger Erinnerung von all seinen Lieben, die ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren werden. Tcine Dich nie vergessende ilnna und Sohn. Ww. Anna Liebing. Z�ranz Liebing, dein Sohn. Berta Liebing, deine Mutter. Franz Eim und Frau, Schwiegereltern. Otto Eim und Frau. Schwager und Schwägerin. Paul Eim und Frau, Schwager, z. Z. im Felde. Dein Leben war nur Arbeit, Dein Leben war kurz und schlicht, Nur sür die Deinen streben War Deine höchste Pflicht. Lieber Papa, ruh in Frieden, unsere Liebe deckt dich zu. Deine Anna und Dein Sohn. Zentral-Verband der Steinarbeiter Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Als Opfer des Weltkrieges sielen unsere Kollegen: Karl 8etlert, Marmorschleifer, 32 Jahre alt. Oskar Birkholz, Steinmetz, 22 J-Hr-«». Erich Bergemann, Steinmetz, isJah«»». Möge ihnen die Erde leicht werden. Ill/l? Die Ortsverwaltnng. ZeniralverbaDil der Zimmerer Deutsehlands. | Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 16. Den Berufsgenossen zur Nach- | richt, daß unser Mitglied Karl Beins I am 4. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am ! Dienstag, nachmittag? 3 Uhr, aus dem Gethiemane-Kirchhos in | Nordend statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Verstand. Zemralverliantl der Steinarbeiter Deotscblamis. Zahlstelle Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, datz unser Kollege, der Steinmetz keioried Llegerieb verstorben ist. Die Einäscherung findet am Montag, den 11. Dezember 1916, nachmittags 3 Uhr, im Treptower Krematorium an der Kies- holzstratze statt. Um rege Betelligung ersucht 171/18 Die Ortsverwaltung. Beerdipgsvereiit der Zimmerleute Groß-Berllns. Am Montag, den 4. Dezember, verschied plötzlich im Alter von 61 Jahren unser langjähriges Mitglied, Kamerad Kari Reins Schönhauser Allee 72. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Dienstag, den 12. Dezember, nachmittag? 3 Uhr, von der Halle de? Gethsemane- Kirchhofe? in �Nordend au? statt. 16066 Der Borstand. Zum 39. Geburtstage meine? lieben Manne? und guten Vater?, de? Jäger? f20 Karl Hackemesser gefallen am 20. September 1916. Mög' auch die Zeit vorübereilen, Vergessen werden wir Dich nie! In treuem Gedenken Emma Hackemesser nebst Tochter Else. Spezialarzt Dr. med. Colcmanu f.Geschlechtskrankh., Haut-, Harn-, Frauenleid., nerv. Schwäche, Beinkranke, Bbrllch-Hata-Kuren (Dauer 12 Tage). Behandlung schnell, sicher u. schmerzlos oh.Berufsstör.i. Or.Homeyer & Co. konzess. Laboratorium f. Blutuntersuchungen, Fäden Spr. 10— 1 u. 5—8, Sonnt. 10—1. Honorar mäßig, auch Teilzahl. - Separates Damenzimmer.- Als Opfer des Weltkrieges fiel am 27. Juli mein lieber Mann und treusorgender Vater seiner einzigen Tochler, der Landsturm- mau» kterdmanlt Pollnow Res.-Jnf.-Reg. 12, 7. Komp. im Alter von Ä Jahren. In tiefem Schmerz Frau Auguste Pollnow. Ella Pollnow als Tochter. Franz Pollnow als Bruder, zurzeit im Felde. Bastian str. 3. f44 Du mutztest uns so früh verlassen, Mein innig tieugeliebtes Herz; Nun stehn wir einsam und verlassen In unserm grotzen, tiesen Schmerz. Well wir Dein Alles aus der Weit; Wir warteten in wehem Bangen Ans jede Nachricht au? dem Feld. Vorbei ist nun mein ganzes Hoffen. Seit mich die traurige Kunde traf Steh ich hier einsam und gebrochen Und wünsche mich zu Dir hinab. Wenn einstmals wird der Sieges- emzug kommen Und so mancher kehrt ins Heimat- haus zurück, Dann werde ich von ferne stehn beklommen, Denn der. den ich liebte, kehrt nie mehr zurück! So schlaf denn wohl in fremder Erde, Wenn es ein Wiedersehen gibt, Mutz sich dereinstens wiederfinden, Was sich aus Erden treu geliebt. Die Einäscherung unseres ver- storbenen Mitgliedes Herrn ttemrick hiexerick Steinmetz, findet am Montag, den lt. De- zember, nachmittags 3 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg- Treptow statt. 288/9 Ehre seinem Andenke«! Deutscher Bezirksverwaltung Groß-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Industrie- arbeiter Georg John von der Firma A. E. G., Gericht- stratze, am 7. Dezember im Alter von 45 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 11. Dezember, nach- mittags 2'/z Ubr, von der Leichen- balle de? Elisabeth- Kirchhofes, Wollantstr. 66, aus statt. 70/4 Die Bezirksverwaltung. Bei mir werden Sprechstunden regetmätzig abgehalten Von 3'/,— 10 und 5l/z— 7 Uhr. 192/12 Dr. F. Krämer, Arzt, Greifswalder Str. 165. Schmerzliches Gedenken zum 34. Geburistagc am 10. De- zember 1916. Als Opfer dieses Weltkrieges fiel durch Kopsschutz am 5. Zlugus! 1916, morgens'/z4 Uhr, nach 13 Monaten und 8 Tagen schwerem Kampfe mein über alles heitz- geliebter, unvergetzlichcr Mann, der Tischler Gustsv Depke 50. Rcs.-Dw., Ncs.-Jnfant.-Reg. Nr. 230, 3. Bat., 10. Komp. Er ist dahin, den meine Seele liebte, mein teurer Gatte und mem ganzes Glück. Er ist dahin, der einst mein Herz beglückte, und lägt im Trcnnungsschmerze mich zurück. Ich Hab ein schönes, kurzes Glück besessen, nun ruht's aus ewig, von mir unvergessen. Du warst meines Lebens Sonne, Du warst meines Daseins Glück. So schwer warst Du von mir gegangen, weil ich Dein Alles ans der Welt. Seit srüh'ster Kindheit hattest Du gelitten. Du mußtest stets nur unter Fremden weilen, dieweil Du keinen Vater hattest. Tagtäglich hast Du mir geschrieben, und immer war der Schluß in Deinem Brief:.Mein liebes, treues Frauchen, ans gesundes Wieder- sehn!" Wenn einstmals wird 5 der Siegeseinzug kommen, und so mancher kehrt ins Heimathaus zurück, dann werde ich von ferne steh'n beilommm, denn der, den ich geliebt, kehrt nie mehr zurück. So schlaf denn wohl in fremder Erde. Wenn es ein Wiedersehen gibt, mutz sich dereinst wieder- finden, was sich aus Erden treu geliebt. In tiefstem Schmerz Deine trauenide Gattin ätarle Depke gcb. Schaeter. Berlin- Lichtenberg, Boxhagener Ehaussec 4. 1602b Wer Dich gekannt, weiß meinen Schmerz. Wenn Frieden ist. bring ich Dir Blumen. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, datz unser lieber Vater 1T5 �Vilkelm Lcköpe nach langem, schwerem Leiden am Donnerstag, den 7. Dezember, verstorben ist. Die? zeigen tiesbetrübt an Oie trauernden Kinder* Die Beerdigung findet am Dienstag, den 12. Dezember, nach- mittags 2'/z Uhr, von der Leichen- balle des'ZcntralsriedhoseS in Friedrichsfelde aus statt. Danksagung. Herzlichen Dank allen denjenigen, die meinem Manne die letzte Ehre erwiesen haben. f53 Witwe Luise Bautz Wilhelmshavener Stratze 37. Tnnieriniigflzln Größte AnswahL Billigste Preise, l Mohrsnstraßs 37a (Kolonnaden) II. Or. Frankiurter Str, 11(5 (nahe Andreasstr.) Aaswahlsenduncen sofort Amt Zentrum 7890. Senntas 12— 2 Uhr goöttnm. Knahenanzllge, l'aletots und PyjacUs. Der Einzelverkauf zu Fabrilaireisen befindet sich jetzn Königslr. 65'■ Bezugsscheine vorrätig! ekwaren-Mrik. 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Kammersplole. s Uhr: tieanenstcraoaate. Nachm.'J1/. Ubr(kL Fr,): Wetterleuchten. Montag! fleipmtorttimt*. Tolkabdbn«. Tbeiter s. Bll*wpl. U Uhr: Kose Bernd. Nachm. 3 Uhr(kl. Freiie); Dir •Inge bildet« Kranke Montag t Rose Bernd. Theater i. d. Königgratzerstr. 8 Ohrt Urdgelst. Nachm. 0 Uhr: Maria Stuart KontOdlenliaas. 8 Uhr:»er?. T»*. Nachm. 3 Uhr: Filmzaubir. Berliner Theater. 8 Uhr: Auf Flügeln dt« eaiangti. 3 Uhr: Wenn twel Heohialt maehen. Sonntag, 10. Dezember 1916: Mittags 12 U&r: BslksSÜHn«, Thealer am MIsisplatz: Konzert. Nachmittag» S Uhr: Dolksdüdue, Theater am Bülowplatz: Der eingebildete Kranke. Ächlller-tbeater, Charlsttenburg: DI« gelbe Nachilgall. Giliiller-Theater vst: Gchtrtn und Gertraude. Lelllng-Theastr i DI« gutg»schnitt«n« Sck«. Künstler-Theaier l Schwarzer Peter. Abends Sllhr: Bslksbühn«, Tdeater am VSiowplag: Mamag, Dienstag und Freitag: Rose Bernd, Mittwoch, Donners- tag: Nachtatoi. HewesWerke 3 Sita«« 9 Wert- Vuchhandiung Vorwärts Theater für Sonntag« 10. Dezember. Ddutscbe« Opernttidr, CharlOttenh, 8 Uhr: MlBnon.�tÄSj Prisdfieb'WlIhtlfflgtfidt. Theildr. 3 Uhr: Bleoletto. 8 Uhr: Da* DraimSdernraa«. Kleine« Theater. 3'li) Lattohens Qebunil. Fat! u. Paula. s uhr: Am Teetisch. Qebr. Herrnfeld-Theater sv.ü.i Der doppelte Buohtialter. Po«*« mit d««äBg ufid Das«. Komische Oper. 4 Uhr: Ddf HBttenbeslücr. s'h m». Der Puezta-Kavalier. Lustspielhaus. S'L Uhr: Pension behbtler. S'/.Uhr: Bor seiigt« Baldnin »tt Renty Reader. Metropol-Theater 3 Uhr: Die Kaiserin. s m«: Die Cierdastorstln. Neues Operettenhaus L!tzO«sat»lsPhos: Korden 281, S Uhr: Der Voneililindlep. 8 Ü,: DerBnldat der Wwrje. Voigt-Theater. Dddstr. 58. Badstr. 58 Ttfgttd)< Die foebter des berrn Fabrieius. Kasl,n«rösi»u»!g 8 Uhr, Anfang t Uhr. Sonnt, g uhr: ose l.5«s det Tag««. 81» Montag: Wenn die Plleges- glocken lauten. Besldenz-Thealer 3'/, Uhr: D«l- gats itzenda Frack. ut'J* W&reohauer Zitadells. Schlllcp-Thcater O. 3 Uhr; Gvblrln n.« ertrnnde. suhr-8eiüs siüZigskrsu. »eblller.Tb.vharlottenb-. 3 Uhr: Dio gelbe Nachtigall. s uhr: No?ella d'Andrea. Tb nl ia-Thcater. 3 Uhr: HIOndlnohoB. 8 Uhr: Da« VAgabundsnmadal. Tbrater am Äollettdorfstl, 31/. Uhr: Immer teste druff! 8'h Uhr: Blatte«Jansens. Theater de» Westsna S'l, Uhr: Da» Fraulein vo/n Amt s uhr: Die Fährt int Glück mit Guido Thielscbsf. Trlnnon-Theater. 4 Uhr: Verlorene Ehr«. S'j, Uhr:... als«»st. SJoae-Tbeator 3 Uhr; QoldHarohin« Himmelfahrt 8>/, Uhr: Das«lUeksrnddel. H a! 1» nlla Theater s Uhr: Di« Dollaeprlazseeln. s Uhr:« ev mn n N sl z e beben. ssinoT�eater. l-ottirinxer Sie, 87. Täglich 81/, Uhr Einzig In feinet Art! Die Schlager-Pois« Die|«c Spielzeit Zwm helle Bsrllne? Bsrlinsr Flnurtnl Befltner Hamsel Tlothte erftklasstqe Spezlalttatca. Sonntag 4 Uhr: Vaterns Wunderkur. ■■ Ü'H*'. 41*%..'''•'.V \ // Ms � V> mgm JU Berliner Konzerthaus. Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/01. Heute: Grolles Konzert dt« Berliner Konzerthaus'Orchesters, Leiter: Khmponist Frz. v. Blon Sessing-Theater« Direktion: Victor Bamowsky, 7«/. uhr: Julius Cäsar. Nachm. 3 Uhr: Die gutgeschn. Eok«. Deutsch. Künstler-Theater. Allabendlich 8 Uhr: ItoMsl. Nachm. 3 Uhr; Schwarzer Peter. URANIA 4 Uhr(halbe Preise): Bie Bagdadbahn. 8 Uhr: bhatfnfpak, Unsere Hoohseeflatte im Wettkrieg. Montag; 8 Uhf: " mtah. Site im WeKkrfeg. 8b»m«>fat llneee« HedHeesflsl 2H6« fa«! Btsntbeys Lustläre SAftger ______ �_ t Anfang> Ukr. itflt 30 W., 10 W. Sieuee, Millflr 30 Pf, Konzert- und Festsäle Telephon:«liexanber 4314. Jnh. V«ni CbiplP, Koppenftr. SV- Den geehrten Verein«! und Gesell- 'chatten stehei, ab»«ihnachlen meine 'Smtllchen Ra»m« wietzek zur Vet- lSSSL' illltgivokl Hanl Qbiglo. b M dK Mb dbFbBBMberbD t AltJkSMLA- Wüchse Blau-, Silber-, Rot- u Kreuzfuchs- oarnituren,««nie cinrtl, edleren Felzerien In enfzBekpftden Ausführungen In msiner Werkstatt Kölln« PlHehiuarbt 1 11, ewleoh BreitOstraßo o. 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Auf der ganzen Strecke der Linden vom Brandenburger Tor und über dieses hinaus bis zur Spandauer Straße, also auf einer Strecke von nahezu zwei Kilometern, fehlte früher jede Straßenbahnverbindung zwischen dem Norden und dem Süden Berlins. Das Bedürfnis, eine solche zu schaffen. wachte sich aber bei dem regen Verkehr über die Linden schon lange fühlbar, und deshalb beantragte die Große Ber- l i n e r Straßenbahn, der die Stadt erstmalig im Ver- trage vom 26. Juni 1871 die städtischen Straßen und Plätze zur Ausbeutung überlassen hatte, bereits im Jahre 1873 die Genehmigung für einen Uebergang über die Linden, und zwar im Zuge der Charlottenstraße. Wenngleich ein grundsätzliches Bedenken gegen eine solche Verbindung von den staatlichen Instanzen nicht geltend gemacht wurde, wurde doch die Char- lottenstraße ihrer geringen Breite wegen hierfür für unge- eignet erachtet, zumal da auch die Friedrichstraße, die von der. Torotheenstraße an mitbenutzt werden sollte, ebenfalls eine Mehrbelastung durch eine Straßenbahn nach Ansicht der Bs- Hörden nicht wohl ertragen konnte. Im Jahre 1893 neugestellte Anträge führten zu einem greifbaren Ergebnis, doch bedurfte es noch längerer Vcrhand- Jungen, bis am 24. April 1894 die kaiserliche Genehmigung zu einer Straßenbahnverbindung von der Französischen Straße über den Opernplatz und durch das Kastanienwäldchen nach der Dorotheenstraße erteilt wurde. Am 22. September 1894, also nahezu 19 Jahre nach Einreichung des ersten Antrages, konnte dann der Straßenbahnverkehr über die Linden hinweg eröffnet werden! Die so geschaffene bessere Verkehrsverbindung zwischen den bisher getrennten Stadtteilen zog natürlich eine baldige Verdichtung des Verkehrs nach sich und ließ erwarten, daß der neue Weg bald den an ihn gestellten Anforderungen nicht mehr würde gerecht werden können. Es kam hinzu, daß die seit dem Jahre 1884 unermüdlich betriebene Agitation der sozialdemokratischen Fraktion für Bau und Be- trieb eigener städtischer Straßenbahnen, so sehr man solche Auffassung anfangs verlacht hatte, doch nicht erfolglos geblie- bcn war, und daß auch im Magistrat, insbesondere nach Ein- tritt des jetzigen Stadtbaurats, Geh. Baurats Krause, die Ab- sicht, eigene städtische Straßenbahnen zu schaffen, an Boden gewann. Für solche eigenen Linien mußte eine spätere Ver- bindung zwischen dem-Norden und dem Süden der Stadt nicht minder wichtig werden als für die Große Berliner Straßenbahn. Um rechtzeitig Vorsorge zu treffen, richtete daher auch die Stadt ihr Augenmerk auf eine Lindenüber- schreitung. Dieser Wunsch wurde drängender, als es der Stadt ge- lang, die Grundlage für ein städtisches Straßenbahnnctz zu gewinnen. Als im Januar 1991 die beiden nach Treptow und Pankow führenden Linien von Siemens und Halske er- worden wurden, konnte man auf Grund früher geführter Ver- Handlungen den guten Glauben haben, bei den Staatsbehör- den jede nur mögliche Förderung dieses von ihnen selbst vor- geschlagenen Projekts zu finden. Um so verblüffender wirkte es, als nach Vorlegung der bezüglichen Pläne am 23. April 1901 eine Kaiserliche Kabinettsorder erging, in der die er- betene Ueberqucrung der Linden im Zuge der Kanonierstraße abgelehnt wurde und die bekannte Verfügung kam:„Unten durch— nicht drüber weg!" Wie empfindlich städtische Interessen und städtische Fi- nanzen durch diesen Bescheid geschädigt wurden, liegt auf der Hand. Eine Unterfahrung der Linden ist eben wirtschaftlich und technisch ein ganz anderes Ding als eine Ueberführung. Jedenfalls galt es, nun alles daran zu setzen, die' Konzession für den verlangten Tunnel selber zu bekommen. Baurat Krause entwarf also eine Reihe von Projekten für die ver- anlagte Tunnelanlage, für die aus technischen Gründen nur der Opernplatz in Frage kommen konnte. Eines dieser Pro- jekte fand die Zustimmung des Kaisers. Die staatliche Ge- nchmigung wurde aber nicht erteilt, da das Polizeipräsidium erklärte, daß diese erst gegeben werden könne, wenn über den Opernhaus-Neubau, der inzwipften zur Erörterung gestellt worden war, Entscheidung getroffen sei. Es folgten die Kämpfe mit der Straßenbahn, die sich anheischig machte, bestimmte Hauptlinien im Stadt- Innern unterirdisch zu führen, falls ihr ein Vertrag für weitere 90 Jahre mit wesentlichen Tarifsteigerungen zugestanden würde! Daraufhin wurde vom Polizeipräsidium sofort an- geregt, den Tunnelbau doch zwcckmäßigerweise von der Straßenbahn im Zusammenhang mit deren anderen Tunnel- entwürfen ausführen zu lassen. Selbstverständlich nahm die Stadt gegen einen solchen Vorschlag auf das entschiendenste Stellung. Ihren Einwendungen wurde schließlich Folge ge- geben, und im Jahre 1907 konnte der Entwurf von der Stadt dem Minister der öffentlichen Arbeiten übersandt werden. Eine Entscheidung erfolgte zunächst nicht, da einmal die Frage wegen des Opernhauses noch schwebte, anderseits aber der Minister die Tunnelfrage nur im Zusammenhange mit den übrigen Plänen der Stadt zur Verbesserung der Verkehrs- Verhältnisse erledigt wissen wollte. Endlich im Mai 1912 konnten die Verhandlungen wieder aufgenommen werden, und es wurde zunächst vereinbart, den früher gewählten Weg zwischen Opernhaus und Prinzessinnen- Palais wieder aufzunehmen, da die Bedenken wegen des Opernhauses fortgefallen waren. Die Anlage eines viergleisi- gen Tunnels, der sich als notwendig erwiesen hatte, stieß indessen hier auf Schwierigkeiten. Der vicrgleisige Tunnel bc- dingte auch eine viergleisige Zuführung in der Straße hinter der katholischen Kirche, und für eine solche Anlage erwies sich die Straße als zu schmal. Da noch weitere Bedenken hinzu- kamen, einigte man sich mit den Staatsbehörden nach vielen Versuchen dahin, den Tunnel in seinem nördlichen Teile im Kastanienwäldchen, das genügend Platz bot. viergleisig auszu- bauen, ihn dann aber in zwei zweigleisige Tunnelstrecken auf- »ulZsen, deren eine die Linden unterfahrend nach dem che- maligcn Festungsgrabcn geht lind mit ihren Gleisen sich an die in der Straße hinter der katholischen Kirche anschließt. Die andere Hälfte schwenkt zunächst nach Westen ab, um dann auf dem Platz zwischen Opernhaus und Kgl. Bibliothek herauf- steigend, ihre Gleise in die Behrenstraße zu führen, von wo aus sie Anschluß an diejenigen in der Markgrafenstraße finden. Nachdem so die Vorfragen im allseitigen Einvernehmen erledigt waren, wurde der Entwurf endgültig fertiggestellt und im Februar 1914 vom Kaiser grundsätzlich genehmigt. Alle weiteren Formalitäten konnten, nachdem inzwischen auch die Frage der Umgestaltung des Königplatzes und des Neu- baues des Opernhauses endgültig geregelt war, im Sommer 1914 erledigt werden, so daß es möglich wurde, endlich ini Herbst 1914, also elf Jahre nach Einreichung des ersten Tunnelentwurfes, mit dem Bau zu beginnen. Die Fertigstellung, die nun erfolgt ist, wurde durch den inzwischen eingetretenen Kriegszustand störend beeinflußt. Trotzdem ist es gelungen, daß große Werk in verhältnismäßig kurzer Zeit glücklich zu Ende zu führen. Die Einrichtung des Tunnels. Mit Rücksicht auf die immerhin starken Neigungen in den Rampen und den Krümmungen im Tunnel selbst werden die Wagen der Sicherheit wegen nur mit einer Geschwindig- keit von 10 Kilometer in der Stunde fahren, so daß jeder Wagen auf wenige Meter Entfernung gebremst werden kann und wohl jede Gefahr eines Zusammenstoßes von zwei sich folgenden Wagen ausgeschlossen erscheint. Um aber allen Möglichkeiten einer Gefahr aus dem Wege zu gehen, ist im Tunnel, abgesehen von einem Sicherheitsdienst durch stän- dige Aussichtsbeamte, noch ein System von farbigen Lichtsig- nalen eingebaut, das von den Wagen selbst in Wirksamkeit gesetzt wird und so arbeitet, daß jeder Fahrer erst weiter- fahren darf, wenn der vorfahrende Wagen den nächstvorliegen- den Signalpunkt erreicht hat und dabei von diesem Signal ein grünes Licht zum Leuchten bringt. Bis dahin zeigt das Signal rotes Licht und gibt damit dem folgenden Fahrer das Zeichen zu warten. Die Benutzung des Tunnels ist so gedacht, daß der Großen Berliner Straßenbahn die östliche Tunnelhälfte ein- geräumt wird, die westliche Tunnelhälfte wird von der städti- schen Straßenbahn, der Berliner elektriscken Straßenbahn und teilweise noch von der Großen Berliner Straßenbahn befahren werden. In Notfällen soll selbstredend auch die Osthälfte der städtischen Straßenbahn und der Berliner elektrischen Straßenbahn offenstehen. Vorgesehen ist, daß bei Wiederein- tritt normaler Zeiten durch den Osttunnel stündlich 81 Züge der Großen Berliner Straßenbahn, durch den.Westtunnel 36 Züge dieser Gesellschaft und 41 Züge der städtischen Straßenbahn und der Berliner elektrischen Straßenbahn, im ganzen durch die Tunnelanlage also 138 Züge in jeder Rich- tung gehen. Selbstredend läßt der Tunnel noch eine erheb- liche Steigerung der Zugfolge zu. Die Baukosten des Tunnels waren auf 3 270 000 Mark veranschlagt, wovon allein auf Grunderwerb 1 100 000 Mark zu rechnen sind. Möchte das noch so viel Schwierigkeiten und Weiterun- gen zustande gekommene Werk die Erwartungen voll erfüllen, die für die Besserung der Verkehrsverhältnisse im allgemeinen und den Ausbau des städtischen Straßenbahnnctzes im besond- deren an seine Ausführung geknüpft werden. flus Groß-öerlin. Die trauernde Terpsichore. Sie trauert wirklich, die„Tanzfrohe", die Muse der Tanz- kunst, und die Saiten ihrer Lyra hängen schlaff und müde her- nieder. An der Stätte ihres Waltens herrscht eisiges Schweigen, und die einst sie mit ihrer überschäumenden Lebenslust erfüllten, sind vom wilden Kricgssturm auSein- andergeweht, oder sie stehen selbst mitten im schaurigen Tanz der würgenden Gewalten. Täglich, wenn ich vorübergehe, streift mein Blick die Fenster des Saales, in dem einst allwöchig die Paare sich wiegten und der vom Lachen und Jauchzen einer wogenden, wirbelnden Menge und von den prickelnden und schmetternden Klängen der Musik widerhallte.— Vorbei!— Seit Jahr und Tag schweigt die Klarinette, die Geige, die Trompete; eine drückende Stille lagert, wo vordem die Freude mit klingendem Schritt vorüberging.— Vorbei! Seit Jahr und Tag! Die Muse der Tanzkunst ist zur Untätigkeit verdammt; niemand kann sagen, wann die Stunde kommt, da sie wieder in ihre angestammten Rechte treten wird. Aber die Stunde wird kommen, und das lachende Leben sich mit ungestümer Kraft Geltung verschaffen. Alles hat einmal ein Ende; auch dieses unselige Völkerringen. Der Tag des Friedens wird strahlend schön erscheinen und die Gemüter entspannen von den schmerzenden Fesseln drückend langer Kriegsjahre. Dann wird die Tanzgöttin selig lächelnd ihre Saiten straffen; lebenshungrige, warmblütige Jugend wird sich um sie scharen; die Geige wird wieder schmeicheln, das Cello locken, die Klarinette jauchzen und die Trompete schmettern, bis die späte Nachtstunde kategorisch zur Heimkehr mahnt. Durch die abeudstillen Straßen aber werden Pärchen wandeln, engumschlungen, mit heißen Wangen und blanken Augen, und in weicher Zärtlichkeit das Leben preisen, nach- deni der Tod die schicksalsschwere Ernte eingefahren hat. Täglich, wenn ich vorübergehe, trifft mein Blick die Stätte des Frohsinns, wo jetzt die große Einsamkeit herrscht, wo Spinnen bauen und Mäuse knappern,— und mit drängender Kraft quillt die Hoffnung in mir auf: Bald wird sich alles, alles wenden!__ U. Oeffenttiche Beschwerdestellen. In normalen Zeiten bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis; damit komnien wir heute nicht mehr durch. Wenn eS sich um Gedeihen und Gesundheit Tausender handelt, dann ist es im höchsten Grade unmoralische und sollte es auch ge- setzlich strafbar sein, die Macht des Geldes zu mißbrauchen. indem man die Lebensmittel verteuern hilft. Das geschieht aber, wenn man so hohe Preise zahlt, auch wenn es Waren betrifft, für die kein Höchstpreis festgelegt ist, oder solche, die der Unbemittelte sich auch in Friedenszeiten nicht kaufen kann. Das„Hamstern" von Lebensmitteln wird allgemein ver- danimt und je nachdem auch bestraft; richtet der, der die strafbar hohen Preise zahlt, nicht das gleiche an: entzieht er den andern Verbrauchern nicht ebenfalls die Ware? Die Behörden gehen dem Lebensmittelwucher zwar zu Leibe; Verordnungen und Bestimmungen gibt es in Ueber- fülle— aber der Erfolg könnte ganz anders sein, wenn �dic Geschädigten, statt ihren Unmut in Schelten und Verdäch- tigungen umzusetzen, Selbsthilfe gebrauchten. Dabeiist aller- dings nicht zu verkennen, daß die Strafanzeigen viel Zeit- Verlust und Aergcr im Gefolge haben können, daß die amtlichen Stellen, bei dem Mangel an Beamten, vielfach überlastet sind. Abhilfe würde die Errichtung öffentlicher Be- schwerde stellen bringen. Solche Stellen würden in jeder Gemeinde, in jedem Stadtteile eingerichtet und mit drei oder fünf Mitgliedern ehrenamtlich besetzt werden. An sie würden alle Beschwerden über Wucherpreise, schlechte Beschaffenheit der verkauften Lebensmittel und dergleichen zu richten fein. Die Stelle würde die Beschwerde eingehend prüfen und, je nachdem, den Beschwerdeführer von der Grundlosigkeit über- zeugen oder die Bestrafung beim zuständigen Gericht bc- antragen. Selbstredend soll damit den Gerichten in keiner Weise vorgegriffen werden; die Stelle hat nur die Unterlagen zu prüfen, den Fall klar zu legen und würde so dem Gerichte eine Menge Arbeit abnehmen können. An zu diesem Amte befähigten und bereiten Männern wird es in keinen: Bezirke fehlen. Bedürftige Wöchnerinnen. Aus dem Bund für Mutterschutz wird uns geschrieben: Größer als in anderen Jahren ist diesmal die Zahl der Frauen und Mädchen, die zu uns kommen, um unseren Rat und unsere Hilfe zu erbitten; härter als sonst ist die Not, die sie treibt. In den meisten Fällen fehlt es an dem nötigsten. In früheren Jahren war es uns immer möglich, einen kleinen Vorrat an Kinderwäsche im Haus zu haben. Jetzt sind die Wäscheschränke unserer Gönnerinnen erschöpft; die Geschäfte, die uns sonst gern Gaben für unsere Mütter zu« kommen ließen, können dies unter der Herrschaft des Bezugs- scheines nicht mehr in altgewohnter Weise tun. Da müssen wir uns an die breitere Oeffenilichkeit wenden mit der herzlichen Bitte: möge doch jede Frau einmal in ihren Vorratsschränken nachsehen, ob sie nicht noch etwas Entbehrliches für uns hat. Es braucht nicht fertige Kinderwäsche zu sein; ivir stellen auch au? anderer Wäsche Windeln und anderes her, und auch für KleidungSgegenstände an- derer Art haben wir stets Verwendung. Auch würden wir gern, wie in früheren Jahren, unseren Mültern und Schwangeren, deren wir stets 12—15 in unserem Heim haben, eine kleine Weihnachtsfreude machen. Wer uns dabei durch Spenden irgend welcher Art— Geld, Lebensmittel, Bekleidungsgegenstände— mithelfen will, tut ein gutes Werk.— Wir bitten, die uns zugedachten Gegenstände an unser Heim— Uhlandstr. 134— zu senden oder uns telephonisch — Pfalzburg 2358— zu benachrichtigen, damit wir die Sachen ab- holen lassen können.— Die Sprechstunde unserer Auskunstsstelle ist täglich 10—1 Uhr und außerdem Dienstag und Freitag abends 7-0 Uhr._ Wer soll Vollmilch erhalte«? Die Milchvcrordnung für Groß-Berlin bestimmt, daß Vollmilch nur für Säuglinge(oder für die stillenden Mütter) und für Kleinkinder bis zum 6. Lebensjahr, für schwangere Frauen in den letzten drei Monaten und unter gewissen Vor- aussetzungen auch für Kranke abgegeben werden darf. Man hört aber immer wieder erzählen, daß auch andere als diese mit Recht bevorzugten Personen sich Vollmilch verschafft hätten, während Kinder und Kranke die notgedrungene Be- schränkung des für sie unentbellrlichen Nahrungsmittels ertragen müssen. Wir begreifen die Erregung eines Kranken, der uns klagt, daß er st a t t bis- her% Liter Vollmilch, seit dem 1. De- z e m b e r nur noch Vi Liter kaufen darf. Aus lU Liter für den Tag wurde sein Anrecht gekürzt, obwohl man dem Manne auf hundert Schritte ansieht, daß er krank ist. Er hat noch keine vierzig Lebensjahre hinter sich, gehört aber schon seit einigen Jahren infolge eines Herz- und Nierenleidens zu den Arbeitsinvaliden, die von einer bescheidenen Rente ihr Leben weiterfristen müssen. Mit der Kürzung feines Anrechts auf Vollmilch, die als Nahrungsmittel doch einem Herz- und Nicreuleidenden sehr dienlich wäre, scheint man einen argen Mißgriff begangen zu haben. Die Frau des Kranken setzte sich hin und schrieb dem Magistrat, sie könne bei solcher Einschränkung des Milchvcrbrauchs ihren Mann nicht mehr zu Hause behalten und werde ihn daher einem Krankenhause zuführen müssen. Diese An- kündigung hatte zur Folge, daß der Magistrat daS Schreibe« dem Armenkommisfionsvorsteher deS Bezirks übersandte, der dann den Kranken an den Armenarzt zur Untersuchung und Begutachtung wies. Einstweilen hat der Kranke den Armen- arzt noch nicht aufgesucht, weil er bei seinem jetzigen Zustand für besser hält, nicht auszugehen. Sein Verdruß über die Herabsetzung seines Vollmilchanspruches ist um so größer, weil gerade er zu wissen glaubt, daß gesunde Erwachsene von einem Kutscher eines Molkerei- Großbetriebes trotz aller Milchknappheit mit Vollmilch versorgt ivorden seien. Es ist sehr schwer, nachzuprüfen, ob die Beobachtung, auf die solche Vorwürfe sich stützen, zu- treffend ivaren. Man kann nur raten, bei Uebcrtrctungen der Milchverordnung rücksichtslos gegen die Schuldigen mit Anzeige vorzugehen. Wünschen muß man aber auch, daß die zuständigen Behörden schnell arbeiten. Auf eine der MilchvcrsorgungSstelle zugesandte Beschwerde, die über un- berechtigten� Vollmilchverkauf klagte, ist in drei Wochen noch nichts geantwortet Ivorden. Einschränkung des Schuhlcderverbrauchs. Die neuen Bestimmungen der Kontrollstelle für freigegebenes Leder Habetz eine weitere Einschränkung des Schuhlederverbrauchs zur Folge, die auch für die kaufende Bevölkerung von Bedeutung ist. Für weniger wichtige Sorten Schuhwaren und für diejenigen Teile der Straßenschuhc, die weniger abgenutzt werden, darf Kernledcr nicht mehr verwendet werden. ES ist für diese Schuhteile die Ver- Wendung von Ersatzstoffen und Spaltleder ausdrücklich vorgeschrieben. Lederne Doppelsohlen und Zwischensohlen dürfen bei Straßenschuhen überhaupt nicht mehr angebracht werden. Für die Neuanfertigung von Luxus- und Sportschuhen ist die Verwendung von Boden- ledcr jeder Art überhaupt verboten. Die Neuanfertigung von Sport« stiefeln dürfte wohl völlig aufhören. Da auch au Oberleder gespart Iverden muß. ist jetzt vorgeschrieben, daß die Schaflhöhe bei Damciisticfcln bis Größe 38 nicht mehr als IB/i Zentimeter betragen darf, während für andere Füße das entsprechende Verhält- nis gilt. Der Schuhhandel wird sich eben in stärkerem Ilmfange als bisher dem Absatz von„Kricgsschuhwerl", also Sliefelu mit Holzsohlen usw., zuwenden müssen. Bemerkenswert ist übrigens, daß, wie der.Schuhmarkt" mit- teilt, das Hamster» von Schuhware» bereit!«die Er- schelnung M treten veginnt. Der sollte doher, schrelöt da-Z genomne Fuctiblnll, schon jetzl dozu übergehen, au einen Kunde» nicht mehr als ein Paar Schuh» vi verlaufen, damit auf diese SScifc eine möglichst gleichmäßige Verteilung an die gesamte Be- völleruug erreicht wird. Ob nicht eines Tages das Bezugsschein- sysicm auch für Schtthlvaren eingeführt lvird, bleibt abzuwarten. Tas Mantclkleid. Aus KoiifeklionLlteisen erhallen wir eine Zuschrift, der wir folgendes eiitiiehmen; I» Icittem Kleidungsstück iviid mehr Stoff vergeudet als in den sogenamiten Mantelkleidern, die seit einigen Monaten modern geworden sind. Dieses Mantelkleid ist kein Ersatz für das Kleid, sondern nur für den Mantel. Aber während für einen Mantel.? Meter Stoff gebraucht iverdcn, erfordert ein Mantel- kleid etwa 4 Meter. Infolge der Verordnimg betr. StoffersparniS find feit dem 4. April zahlreiche Schneider und Schneiderinnen arbeitslos geworden. Vielen von diesen würde geholfen werden, wenn sie stall 3 6 Meter Stoff in 4 Mantelkleidern zu verarbeiten und damit 10 M. zu verdienen, von derselben Stoffmenge etwa 7—8 halblange Jacken arbeiten und einen Verdienst von 14—18 M. haben könnten. Und von derselben Stoffmenge, die jetzt 4 Frauen für sich beanspruchen, könnten sich 3 Frauen kleiden.— ES liegt uns fern, zu den bereits in genügender Anzahl bestehenden obrig- keitlichen Verordnungen auch noch eine„betr. Mautelkleider" provo- zieren zu wollen. Allen aber, die eS angeht, möchten wir doch dringend ans Herz legen, diese ebenso unzeitgemäße wie geschmacklose Mode nicht mitzumachen. Tie nene Polizeistunde und die Gastwirte. Am schwersten getroffen werden von der neuen Verordnung zweifellos, auch wenn, wie vermutet werden darf, die Polizei- ft un de für Berlin auf'/hl 2 Uhr festgesetzt wird, die großstädtischen, von der Lehewelt besuchten Nachtlokale. Für sie und ebenso für zahlreiche Cafes bedeutet die Bundesraisverordnung das Todesurteil. Weniger getroffen werden diejenigen NestaurantS, die hauptsächlich zur Stillung des Hungers nach dem Theaterbesuch ausgesucht werden. Schlimmer wird es den sogenannten Bürger- kneipen ergehen,' die dein geselligen Familienverkehr dienen. Diesen Lokalen bringt die Verkürzung der Polizeistunde einen großen Verlust, da die Länge der Geschäftszeit in gleichem Verhältnis zu dem Konsum der Gäste steht. Verhältnismäßig am wenigsten getroffen werden die kleinen Gastwirtschaften, die Destikla- t i o ne n usw. Diese sind allerdings bereits durck die Einschränkung des Braukontingents und der Spiriwslieferung so stark geschädigt, daß eine weitere Schädigung für sie kaum noch möglich erscheint. Jedenfalls steht fest, daß das Gastwirtsgewerbe einer trüben Zukunft entgegengeht,_ Berliner Lebensmitielnachrichten. Der Magistrat hat durch Verordnung vom 10. November 1916 die Verordnungen zur Regelung der Groß- und Klein- Handelspreise für Rind- und S ch w e i n c k r a in vom 14. April 1910 und für Kälber- und Hamm.elkram vom 5. Mai 1916 ergänzt beziehungsweise abgeändert. Es kostet jetzt ein Pfund: roher Rinder- oder Hammeltalg und rohes Rinder- oder Hammelknochcnmark 2,90 M.(früher 9 M.f, ein Pfund aus- gelassener Rinder- oder Hammeltalg 0,90 M.(früher 4 M.).— Die Großhandelspreise für frisches Rind- und Schweinefleisch sowie für Kalb- und Hammelfleisch sind aufgehoben worden, weil ein Großhandel in diesen Fleischsorten in Berlin nicht mehr besteht. Die Ii eher nähme des Schlachtviehfleiscbes durch die Fleischer erfolgt zu Preisen, die vom Magistrat festgesetzt sind. Nach der soeben veröffentlichten Bekanntmachung des Ma- gistrais entfallen auf Abschnitt 6 der Lebensmittelkarte 100 Gramm Teigwaren. Die Abschnitte sind ain 11., 12. und 13. d. M. in den durch besondere Verkaufsschilder gekennzeichneten Kleinhandels- gcschäften gegen Empfangsbescheinigung abzugeben. Die Ware wird dann etwa acht Tage nach Ablieferung der Kartenabschnitte bei den betreffenden Kleinhändlern gegen Rückgabe der obenevivähntcn Empfangsbescheiitigtmg zur Verfügung stehen. ES wird davor g e- warnt, die Abschnitte in Geschäften abzugeben, dienichtimBesitzder vom Magistrat herausgegebenen A u S- hängefchildcr sind, In der Woche vom 11. bis 17. Dezember dürfen auf die sieben Abschnitt« 83 der Kartoffelkarte zusammen nicht mehr als 6 Pfund Kartoffeln abgegeben und entnommen werden. Die EierAufuhren sind in letzter Zeit so gering gewesen, daß in der nächsten Woche der Eicrverkauf unter- bleiben muß.__ Tie alte Geschichte. Trotz der sehr guten diesjährigen Zwiebelernke gibt es in Berlin keine Zwiebeln zu kaufen— oder vielmehr zu kaufen gibt es sie schon, aber nur für„Eingeweihte", die die reckten Stellen zu finden wissen und bereit find, Preise zu zahlen, die den Höchstpreis erheb- lich übersteigen. Es ist eben wieder die alte Geschichte: sobald für eine Ware Höchstpreise festgesetzt werden, Verschivindet sie vom öffentlichen Markt und die Käufer können noch froh sein, wenn sie sie irgendwo unter der Hand zu Wucherpreisen erhallen. Die Füttszigjährige«. Zu einem amerilanischen Geschäftsmann kommt ein aus- gewanderter Deutscher:„Herr, nehmen Sie mich in Arbeit! Ich bin zwar schon über fünfzig Jahre alt. kann aber noch mindestens ebensoviel wie ein Junger leisten." Der Amerikaner steht erstaunt den Bittsteller an:„Ist das in Deutschland so Sitte, daß auf die Arbeit der Fünfzigjährigen verzichtet wird? Ich verlange eine be- stimmte Arbeit und bezahle sie. Könnt ihr die Arbeir leisten, so geht mich euer Alter nichts an l" In der Tat, es ist so, daß man in Deutschland dem mehr als Fünfzigjährigen, der Arbeit irgend welcher Art sucht, nicht mehr viel Leistungs kraft zutraut und ihn in neunzig von hundert Fällen abweist. Man ptiist gar nicht erst. waZ er kann, man weist ihn ab, weil er„zu alt" ist. Als der Weltkrieg sich in die Länge zog, schien das anders werden zu wollen. Mit einem Male erkannte man die Leistungsfähigkeit des Fünfzig« jährigen, weil man ihn nötig brauchte. Je mehr jüngere Leute zu den Waffen gerufen wurden und je mehr Lücken dadurch auf allen Arbeitsgebieten entstanden, desto lauter wurde der Ruf nach Ersatz, der nur in den älteren Jahrgängen gefunden werden tonnte. Können die Fünfzigjährigen oder die noch Aelteren überhaupt erhebliches leisten? Jener Amerikaner, frei von dem Vorurteil, das bei unZ lange genug und sehr tief eingerisien loar, sagte sich: »Traue ich dir nickls mehr zu, dann darf ich auch mir nichts mehr zutrauen, sobald ich dein Alter erreicht habe." Der prakiische Geschäftsmann weiß insbesondere zu schätzen, daß ältere Leute auf vielen Arbeitsgebieten erfahrener, zielsicherer, sorgfältiger und zu- verlässiger sind als jüngere Menschen. Natürlich wird es Fünfzig- jährige geben, die so gelebt haben oder so ausgenutzt sind, daß sie talsächlich mit ihrer körperlichen und geistigen Kraft ichon weit hinter dem Durchschnitt stehen. Die Mehrzahl der Fünfzigjährigen kann aber ohne jeden Zweifel auch sehr hohen Ansprüchen genügen. WaS haben die Fünfzigjährigen während des Weltkrieges geleistet? Air Monnschalieir ioie an Offiziere wurden ohne Rücksicht auf da? Alter die denkbar höchsten Anforderungen gestellt. Und dann blicke man auf die vielen Zehntausende von Aelteren hinter der Front, die Aerzte, Kranlenvfleger. Eisenbahner, Postbeamten,. Industriearbeiter, Handwerker und alle die ungezählten anderen, die an dem Riesenapparat des Vater- ländischen Hilfswerkes mitarbeiteten, die zahlreichen mehr als fünfzig Jahre alten Frauen nicht ausgenommen. Ungeheueres ist da im einzelnen und in der Gesamtheit geleistet worden. Viele, die Arbeit zu vergeben und bisher gedankenlos daS Vorurteil gegen Bejabrtheit mitgemacht hatten, waren ehrlich erstaunt, wie tapfer die ehedem„zu alten" ihre Pflicht erfüllten. Vielleicht regte sich hier und da auch das Gewissen. Wird man bieie ArbeiiSiüchilgkclt der Fünfzigjährigen auch in Ziikimfi niierkeiiiien? WaS an schönen Worten mitgebracht werdeii lonnie, daS haben wir bei uns im Wclikriege gehört. Nur zu leicht vergißt sich solche erhebende Svrache des Herzens und der— Not. In einem Staate, der die>e Erfahrungen gesammelt hat, darf daS sozial brutale„zu alt" in der früheren Form keine Berechtigung mehr haben. Wer mit fünfzig und mehr Jahren täbig ist, erhebliches zu Iciitkil, muß Gelegenheit erhallen, sein Kömien zu beweisen. Vor allem miisscri die Staats- und Gcmeindebetriebe gründlich um- lernen, nicht nur von sich aus, sondern auch mir ihrem Einfluß aus die große» Privatriiiierilehmeri. Sind die Fünfzigjährigen und noch Aelteren zur Arbeit gut t» Zeiten der Not, so soll man sie unter andere» Umständen nickt abschütteln und die noch Arbeilssähigcn und Arbeitswilligen aus törichten Vorurteilen oder aus roher Öie- winnsucht dem Elend preisgeben. Im anderen Falle muß Ion« seauenterwerie das Recht auf Altersrente— auf SO Jahre herabgesetzt werden. Cafö auf Abbruch. Die grellen Lichter de» Konzert-Eafö» mit dem schon im Friede» miserablen Kaffee und Kuchen brennen nicht. Nur bleichgrün die Kinolampen daneben. Hin zur Straßenbahirbaltesielle vor dem Eafö am Rande des weiten finsteren Nichts, dcS unbebauten Zuknniis- landcS. Da— schwacher Lichtschein im breiten Spiegclfensier: ein Mann hält in dem sonst lichtüberflutelen Raum eine schäbige Petroleulampe hoch uird bei ihrem kümmerlichen Schein zieht ein gebückt dastehender Arbeiter eine große Säge durch das heran- geschobene— Musikpodium. Jetzt hat eine Frau den Lampenträger abgelöst, und wie die Elektrische kommt, sägt jener immer noch. Man sieht cS nur, die dicke Scheibe dämpft den Schall. Wer Lust hat, mag sich zu Gleichnissen mit unserer Zeit angeregt fühlen. Für die meisten ist e» nichts Ungewöhnliches: Cafe auf Aboruch im Vorort. Die Eiserne Brücke. Im Zusammenhang mit der„L i n d en"- li n i er t un n e- l>l n g steht die Erneuerung der E i s e r n e n Brücke, die fortan ihren Straffeirbahnverkehr von der Dorotheeenstraße her empfangen wird. Diese Brücke, die gegen End« des 18. Jahrhunderts die „eiserne" benannt wurde, weil sie die erste eiserne Brücke in Berlin war, ist auch bei dem Neubau wieder in Eisen ausgeführt worden. Dem Beschauer bietet sie aber jetzt das äußere Bild einer Stein- brücke, weil zur Anpassung an die benachbarten MuscumSgebäude die Eisenteile mit einet Steinverkleidung umhüllt worden sind. Dachgärten. Der Polizeipräsident erläßt soeben«ine Verfügung, die den Zweck hat, die Anlage von Dachgärten in Berlin zu ermöglichen. Dadurch wird in gewissen Stadtteilen vielleicht eine teilweise Um- ivälzung in der Bauweise herbeigeführt werden, die vielen Ein- wähnern gewiß nicht unwillkommen iväre. Man denke sich Berlin als„hängende Gartenstadt" mit der Möglichkeit, oben auf den Dächern zu lustwandeln, anSzuruhen, Kleiirtiere und Gemüse zu züchten, zu turnen und zu spielen. Tausenden wird der Aufenthalt in Berlin dadurch angenehm und reizvoller gestaltet. Wenn mehrere Häuser i» gleicher Höhe hübsche Gärten mit blühenden Bäumchen und Tträuchern. Blumen und Lauben erhalten, können sogar Anlagen entstehen, die won den jetzigen recht trüben und reizlosen Aufblicken auf alte Dächer vorteilhaft abstechen würden. Wir haben in Berlin, besonders am Gendarmenmarkt und dessen Nähe, schon Anfänge von Dachgärtenanlagen und versprechen uns viel davon, wenn bei den Behörden und Unternehniern das Interesse für diese Gärten wächst. Bei den Mietern ist es längst vor- handen!_ Dir BerkrhrSemschränkung auf der Stadt-, Ring- und Borart- bahn ruft in hohem Maße Verärgerung hervor. Die auf Erwerb angewiesene Bevölkerung ist auf äußerste ZeitauZnutzung angc- wiesen, die Frauen, um daS Hauswesen und die Kinder zu be- sorgen, die Männer, weil sie vielfach neben dem Hauptberuf noch zu Nebenarbeiten gezwungen sind, um die Teuerung aushalten zu können. Wenn da die Züge vermindert werden, entstehen Zeit- Verluste, die schwer zu ertragen find. Und oft hört man jetzt die Anregung, die wahrhaftig befolgt zu werden verdient. Wenn die Bahn sparen will, warum beseitigt man dann nicht die meist halbleer fahrenden Wagen zweiter Klasse? Die Buchhandlung Vorwärts, Berlin LW. 68, Lindenstraße 3, teilt uns mit, daß infolge der fortgesetzt steigenden Herstellungskosten die bei unseren Lesen: so beliebten Bände der Vorwärts-Bibliothck leider nicht mehr für 1 M. abgegeben werden können. Der Verkaufspreis ist jetzt 1.20 M. Bisher sind in dieser Serie erschienen:„Erweckt.' Ein Roman aus dem Proleiarierleben von A. Ger.—„Der Ausweg." Eine Erzählung von Ernst Preczang.—„Das Land der Zukunft." Reisebeschrcibung von Leo Kolisch. Mit einer Einleitung von Paul Göhre.—„Verschrobenes Volk." Erzählungen von R. Grötzsch.—„Der Prinzipienreiter." Eine Erzählung aus dem Jahre 1848 von W. BloS.— „In den Tod getrieben." Zwei Erzählungen von Ernst Preczang.—„Der Pariser Garten und Anderes." Von Minna KautSky.—„Mutter." Ein Frauenschicksal von Joh. Ferch.—„Der Morgen graut." Erzählungen aus dem Proletarierleben von Andersen- Nexö.— „1000 Mark Belohnung". Kriminalroman von Hans Hyan. —„Die Heiteretei". Eine lustige Erzählung von Otto Lud- wig.—„Vom Waisenhaus zur Fabrik". Geschichte einer Proletarierjugend von Georg Dikreiter.—„Der Gotteslästerer". Roman aus dem Leben der erzgebirgischen Waldarbeiter. Von A. Ger.—„Die Marketenderin". Erzählung aus der Zeit der Revolutionskriege von Erckmann-Chatrian. —„Kriegsfahrten in Belgien und Nordfrankrcich". Von Dr. Köster und G. NoSke. Mit 8 Bildern und 1 Karte.— „Kriegsberichte aus Ostpreußen und Rußland". Von W. Düwell, Kriegsberichterstatter. Mit 8 Bildern und 1 Karte. —„Herzen im Kriege". Schilderungen und Geschichten. Aus- gewählt von Dr. Franz Diederich. 2 Bände, jeder für sich abgeschlossen.—„Als Zwischendecksteward nach Südamerika". Erzählung von Heinrich Neuenhagen. Posscutheatcr. DaS kleine, höchst primitive Theater am Oranicn- bnrger Tor, dessen Vorderhaus sich— wie lange noch?— wenigstens durch ein paar Bogenlampen von der übrigen Front der Linienstraße unterscheiden darf, war immer eine Stätte höchst erheiternder Laune. Das Ewig-Jüdische ist zwar beute noch Trumpf, aber nicht mehr ganz so ausschließlich wie damals, als der klein« Berisch die Zuschauer quieken ließ vor Vergnügen. Jetzt ist Herr HaSkel der Stückcschreibcr, Hauptdarsteller und Spielleiter, und auf seiner unglaublichen Ge- sichterkuust ruht das ganze Unternehmen. Da spielt er jetzt den Löwen, der nach langen schweren Röten und dank kühnem Zufall in einein geknechteten Pantoffelhelden erwacht und sich unter wuchtigen Prankenschlägen auf den angetrauten Drachen beinahe auf eine Varietidame stürzen würde— wenn das nicht finanziell bedenklich wäre. Gleich darauf sieht man ihn als östlichen Bräutigam, der nun einmal nicht mit der„Kalle" in den Tempel fährt, ehe er nicht die Mitgift bar in der Tasche hat—„Ent oder weder"— und zum Schluß ist Herr HaSkel gar ein rheinischer Parasit, in dessen Schmus sich eine junge Berliner Witwe ebenso unbegreiflich wie rettungslos verliebt. Drumherum tanzen noch ein paar urkomische Menschen beiderlei Geschlechi? und aller MerZgrade. Man berlerni dck draußen auf einen Abend den Ernst, den uns die Zeit aufgedrängt hat. Vieruhrfchluß am 24. Dezember. Das Polizeipräsidium bat ein Gesuch von Vereinigungell Berliner Geschäftsieute, die Geschäftszeit am Sonntag, 24. Dezember, zu verlängern, abgelehnt, weil die Lsfenhaltung bis 8 Uhr an den beiden vorherigen Sonntagen ge- inigen müsse. Es bleibt also bei dem Schluß um 4 Uhr am 24. Dezember. Andrang zur Bolksspeisung. Auch in dieser Woche sind die An» Meldungen zur Berliner städtischen V o I t s s p c i s u n g er- heblich gestiegen, und zwar um mehr als 13 000 Anmeldungen. Sie haben somir in den beiden letzten Wochen eine Zunahme von über 20 000 erfahren. Besonders groß ist die Steigerung der Anmeldungen in der Küche V, in der Zentralmarkthalle, nämlich von 8700 auf rund 14 000. Insgesamt hat jetzt die städtische Volksspeisung annähernd 80 000 Besucher aufzuweisen. Warnung für Kriegsbeschädigte! Ten Mitteilungen über die Kricgsverletztenfürsorge in der Provinz«Schlesien entnehmen wir: „Ter Kaufmann Friedrich Keil in Berlin S.O. 16, Engel, ufer 1, betreibt unter der Firma„Norddeutsches Bücherversandhaus" eine Kölportagebiichhandlung. Derzeit läßt er durch Reisende in der Provinz die im Berlage der„Union" in Stuttgart erschienene illustricte„Geschichte des Weltkriegs 1914 und 1915" vertreiben.. Als Reisende beschäftigt Keil mit Vorliebe Kriegsbeschädigte, die mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet sind. Diese müssen zn Werbezwecken dein Publikum erzähle», daß ein Teil dcS Erlöses dem Roten Kreuz zufließe oder daß vom Reinertrag der Krieg?- befchädigtenfürsorge Mittel zugewendet würden. Diese Bebanp- hingen entsprechen nicht der Wahrheit. Ueberdies sind das Vorleben Keils und die Grundsätze seines geschäftlichen Unternehmens nicht einwandfrei." Bcrmisit wird seit dem 25. November der 4Ijähnge Lagermeister August Ebel aus der Cranachstr. 50 in Friedenau. E. zeigte in letzter Zeit Spuren von Schwermut, und es besteht die Befürchtung, daß er sich ein Leid angetan hat. Bisher konnte eine Spur nicht gefimden werden. Ebel war mit dunklem Jackeitanzng, schwarzem Winterüber- zieher, schivarzcm Schlapphut und braunen Schnürschuhen bekleidet. Cr ist etwa 1,75 Meter groß, schlank, hat dunkelblondes Haar, läng- liches, Masses Gesicht, Schnurrbart, fehlerhaftes Gebiß. Als besonderes Kennzeichen wird eine Verkürzung des rechten Zeigefingers angegeben. Ein tödlicher Strasfciibahnunsall hat sich in Johannisthal er- eignet. Ter Monteur Weigel ans der Köpenicker Straße, der schwer- hörig ist, versuchte in der Friedrichstratze in Johannisthal kurz bor einem Straßenbahnwagen das Gleis zu überschreiten. Da der Bahn- wagen auf die kurze Entfernung nicht mehr zum Stehen gebracht werden konnte, wurde der Monteur erfaßt und umgerissen. Er erlitt eine schwere Kopfverletzung, an deren Folgen er bald darauf starb. Hilflos aufgefunden wurde gestern abend vor dem Hause Elisabethufcr 31 der 43 Jahre alte Arbeiter Otto Stamm a»S der Adalbertstr. 21. Ein Schutzmann brachte ihn nach der nächsten Rettungsstelle. Tort konnte der Arzt nur noch den Tod feststellen. Wer sind die Toten? Unter falschem Namen vergiftet hat sich in einem Hotel in Eharlottenburg eine unbekannte Frau von etwa 30—35 Jahren. Sie naiinte sich Geschäftsreisende Gerda Dietrich aus Magdeburg. Diese Angaben haben sich jedoch als falsch eriviesen. Die Tote, die ihrem Aeußerrn nach wohl dem dienenden öder Ar- bciterstande angehörte, ist kaum mittelgroß, schlank, hat graue Augen, vollständige, aber schlechte Zähne und eine erbsengroße Warze an der linken Nasenseite. Außer einem Hinterlegungsschein über einen Pappkarton mit Kleidern und Wäsche, der auf dem Lehrter Bahnhof in Verwahrung gegeben war, hinterließ sie keinerlei Papiere. Kein Wäschestück ist gezeichnet.— In der Jungfernheide erhängt aufgefunden wurde gestern ein unbekamitcr mittelgroßer Mann mit grauem. kurzem Haar und gestutztem Schnurrbart. Er trug einen schwarzen Winterüberzieher mit schwarzem Samtkragc». hellgrau kariertes Jackett und Weste, hellgrau gestreifte Beinkleider, einen braunen, weichen Hut, Schnallenschuhe und Bruchband und Brille. Ms öen GemeinSen. Schönebrrg. Der Magistrat Berlin-Schvneberg bat befchloss�q, dem Beispiele des Staates zu folgen und allen Beamten unv Angestellten der Stadt neben der bereits bestehenden laufenden Teuerungszulage eine einmalige Teuerung S- zulage zu zahlen. Es sollen dabei dieselben Sätze gewährt werden, wie sie die Regierung für die Staatsbeamten festsetzen wird. Die Ausführung des Beschlusses kann freilich erst erfolgen. wem: die Regierung endgülng zu den entsprechenden Beschlüssen des Abgeordnetenhauses Stellung genommen haben wird. Da voraus- sichilich viele Gemeinden ähnliche Beschlüsse fassen werden und eS im dringenden Interesse der Beamten liegt, wenn die Zahlung noch vor Weihnachten erfolgt, so ist eine schleunige Stellungnahme der Regierung dringend erwünscht. Schöneberg. Tie BellcidungSkommissionen, die während deS WeibnachtSfesies ihre tägliche Sprechzeit bereit» auf die Siunden vo» 4— S1/» Uhr verlängert hoben, werden an den beiden Sonntagen, 10. und 17. Dezember, auch von 8—10 Uhr vormittags geöffnet sein. Sieinickendorf. Die Gemeinde verkauft in der nächsten Woche lvom morgigen Montag bis Sonnabend) in ihren fünf Verkaufs- stellen F e i n t a l g zum Preise von 3 M. pro Pfund. Bei En:- nähme deö Fettes wird von der neuverauSgabtei: gelben Lebens- mittelkarte der Abschnitt 1 abgetrennt. Aus jeden Abschnitt werden 75 Gramm verabfolgt. Zum Kauf sind berechtigt die Inhaber der Lebensmittelkarten Nr. 1— 5700 und 36 300 bi» 41 000 in der Verkaufsstelle Residenzstr. 125. von 5701— 13 200 in der Verkaufsstelle Schillingstr. 3, von Rr. 13 201— 21 700 in der Verkaufsstelle Residenzstr. 75, von Nr. 22 001— 28 500 in der Verkaufsstelle Eichbornstr. 34. Da das für alle Bezugsberechtigten erforderliche Quantum vorbanden ist, ist ein vorheriges Anstellen vor den Verkaufsstellen nicht nötig und wird vom Gemeindevorstand untersogt, lieber Talg, der bis zum Sonnabenv, den 16. Dezember mittags, nicht abgefordert worden ist, verfügt die Gemeinde ander- weitig. Spandan. Die Svandauer Stadtverordneien haben in ihrer letzte» Sitzung eine Magistratsvorloge über die Errichtung einer städtischen Wur st fabrit auf dem Schlachthof an- genommen und die erforderlichen Kosten in Höhe von 50 000 M. bewilligt. NowaweS. Die Kriminalpolizei verhaftete einen Gärtnerei- besitzer, der zugab, im September von einem benachbarten Neubau- grundstück in der Eroßbeerenstraße elwa 300 Heizungsröhren mit Zubehör und einige Zeit später ungefähr 50 Obstvänmchcn im Werte von 100 M. entwendet zu haben. Die Röhren hal:e er zu einer HeizungSanlage in seinem Gewächshaus benutzt, mährend er einen Teil der Obstbäumchen verlauste. 26 Stück fanden sich bei der Ver- Haftung noch auf seinem Grundstück vor. Die Kriegs-Fa Milien Unterstützung wird von jetzt ab nur noch im Rathaus», und zwar von Nr. 1—1500 im Zimmer 12 und von 1501 bis Ende im Zimmer 14/15 ausgezahlt. parteiveranftaltungen. Zentral-Wahlverein Tcltow-BeeSkow. OrtSverei» Lichterfelde. Die nächste ordentliche MNglicderversammIung findet am Dienstag, den 12. Dezember, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Lenski, Hindenburg. dämm 55, statt._ Der Vorstand. FretreltatSle«emeittde. Heute Sonntag, vormiitags 0 Uhr, Pabfel-Allee 15/17; Neukölln..Jdeallasino-, Jdcalbafsage; Lberschöne- iveide,«Clatnilc. 2: Freireligiöse Vorlesung.— Vormiltags 11 llbr: Klein« Frankfurter Slraste lit Vortrag von Herrn Ernst Roller:(LoetHeS Faust, I. Teil.— Gäste willkommen.