Nr. 344. 33. Jahrg. Zidsnaemeatz-Secklnsmisot Kiormtmenti• Prel« tTfinimtetanis Siertcljö�ü. 3,90 Mk, monaü. L30 Mk. wöchcnMch 80«fg. tio tn» Hau!, Einzelne Nummer 5 Pfg. konnlag!. nummer mir illustrierier Sonnlag!. LeUage.Die Neue Welt' 10 Ptg, Post. SbonnemeM! 130 Marl pro Monat iinoelragen m die Post. ZeitunyS- Preisliste, Unter Kreuzband lür Dculichland und Oesterreich. Ungarn 230 Marl, für da! übrige iwsland t Marl vro Monat Postabonnemenl» nehmen an Belgien, Dänemart Holland. Italien. Luxemburg, Portugal, Numänien. Schweden und die Schwelt kllchel»! lZgNch. Verlinev Volksblstt. ( S Pfennig) Die TnferflonS'GebQbr Aetrllgt für die lech?gest>altcne Kolonel- Zelle oder deren Raum K0 Psg,. sllr tzolitilche und gewerlschastliche PercinZ. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Psg, „kleine Znrcigen", das sctlgcdruclie Wort 20 Psg,(zulässig 2 teltged ruckte Wortes, jede! weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort lO Pfg„ jedes «euere Wort ö Psg, Worte über ib Buch. staken zählen sllr zwei Worte, Jnscraie für die nächste Nummer mllnen bis b Uhr nachinittags in der Expedition abgegeben werden. Die Exvcditioa ist bis 7 Uhr abends gcössnet Delegramm-Udrefsei .SgiUldeinolu'at Btlll«". Zentralorgan der rozialdcmokrati fchcn Partei Deutfcblands. Neöaktion: EW. 68, Linöenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moripplas. Nr. 131 gv— 151 97. Freitag, den 15. Dezember 1916. Expedition: EW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzpl»«. Sir. 131S0-151S7. Briand und Gonnino zumFriedensangebot örianös Manöver. Hcrr Briand hat am 13. Dezember in der französischen Kammer das amtliche Friedensangebot als ein Manöver bc- zeichnet, um unter den Alliierten Uneinigkeit zu erregen. Nach der Rede Briands niuß man sich fragen, ob dieser Versuch nicht schon gelungen ist. Denn während Lloyd George, obtvohl er am Mittwoch dem Kricgsrat präsidiert hat, seine Stimme schont, und während der italienische Minister des Auswärtigen Sonnino auf eine Anfrage Baslini mit diplomatisch nichtssagenden Redewendungen antwortete, hat sich Herr Briand beeilt, der Welt zu zeigen, daß von allen Kricgsrcgierungen der Entente— trotz Trcpow und Lloyd Georg— die seine, die neu umgebildete, doch die aller- stramniste ist. Auf diese Weise hat er noch immer ein Vertrauensvotum mit 314 gegen 163 Stimmen herausgcwirtschaftet, und hat sich damit als der Meister des kleinen parlamentarischen Schachspiels erwiesen, als den ihn die Welt kennt. Aber auch als Meister der großen Politik? Die Rede des klugen Sonnino liest sich geradezu wie ein Verweis an den vorlauten Briand:„In einer so. heiklen Angelegenheit ist es sehr wichtig, daß die Alliierten in vollem Einvernehmen vorgehen, nicht allein in bezug auf Kern und Wesen dessen, was mitzuteilen sein wird, sondern auch hin- fichtlichdev Schattier ungunddcrFor m." So Herr Sonnino. Herr Briand hat aber„Schattierung und Form" seiner Rede so gewählt,-daß ihm die im Hintergrunde lauernden Elemenceau und Tärdieu' keinen Strick drehen konnten. Aber jetzt findet sich einer vielleicht anderswo! Herr Briand kann freilich zn seiner Entschuldigung sagen, daß bei ihm alles nur„Schattierung und Forin" war und nichts„Kern und Wesen". Er hat uns verraten, daß er über das Friedensangebot der Mittelmächte höchst ausi gebracht ist, nnd das er die Klärung der politischen Lage, die damit eingetreten ist, äußerst peinlich empfindet. Er hat nicht gesagt, daß die Alliierten das von ihm heruntergerissene Angebot von der Schwelle zurückiveisen werden. Ja, wenn man Optimist sein lvill(und wer hätte in dieser Zeit nicht das Bedürfnis danach?) kann bemerken, daß die stehende Redewendung vom„Krieg bis zum Endsieg" fehlt. Auch der Passus:„Dies ist das, was man dem ruhmreichen und a u f r e.ch t st e h e n d e n Frankreich zu bieten hat!" läßt vielleicht auf den Wunsch schließen, mehr zu er- fahren. Kein Mensch in Deutschland bestreitet, daß sich die Fran- zosen glänzend geschlagen und daß sie sich mit heroischer Kraft aufrechterhalten haben. Man glaubt aber in Deutschland hinzufügen zu dürfen: die militärische Lage ist trotz alledem nicht so, daß sie die Aufstellung französischer Erobcrungs- ziele rechtfertigte, und sie wird nach menschlichem Ermessen auch nie so sein. Denn nicht nur Frankreich — auch- Deutschland steht aufrecht, die Deutschen haben sich gegen eine ungeheuere Uebermacht ruhmreich behauptet, und sind nicht in der Lage, werden nie in die Lage kommen, sich die Friedensbedingungcn von einem übermütigen Sieger diktieren lassen zn müssen. Wollte man bloß dies in Frankreich anerkennen, so wäre schon unendlich viel erreicht. Daß man sich gegen diese Erkenntnis sträubt, ist ein Un- glück für die Welt im allgemeinen und für Frankreich im be- sonderen. Herr Briand behauptet immer noch— trotz des russischen Geheimbcfehls von 1912— daß Deutschland allein schuld am Ausbruch des Krieges trage. Solche patriotische Legenden werden nicht leicht zerstört.'5!un aber bietet dieses Deutschland, das die alleinige Schuld an dem 5lriege tragen soll, einen Frieden auf Grundlage der Erkenntnis,„daß seine Rechte und begündeten Ansprüche in keinem Gegensatz zu den Rechten der anderen Ratio- neu st e h e n."(Note voni 12. Dezember.) Weder Briand noch irgend ein anderer Wortkünstler der Welt kann bestreiten, daß alle künftige Blutschuld auf die Entente fallen würde, wenn diese den Eintritt in Verhandlungen ablehnen sollte. Herr Briand ist nicht so weit gegangen, die Ablehnung offen auszusprechen. Immerhin sieht er in dem Vorschlag der Mittelmächte nicht nur ein Manöver, um unter den Alliierten Uneinigkeit zu säen, sondern auch„einen Versuch, die Ge- wissen zu verwirren und die Völker zu demoralisieren". Wirklich und wahrhaftig: die Völker zu d e m o r a l i- sierenl Wenn ein Volk, das den Frieden will, demoralisiert ist, dann ist das- deutsche Volk längst„demoralisiext". Es hat den Krieg satt bis über die Ohren, aber, � merkwürdig!— es versteht ihn trotzdem bis über Bukarest hinaus zu führen, wenn die Gegner es dazu zwingen. Wollten doch alle Völker bald auch so unmoralisch sein, Frieden zu verlangen! - Indes, Herr Briand sagt am Schluß:„Man muß nachdenke n." Dieser Zwang zum Nachdenken, den die Mittelmächte ihren Gegnern auferlegt haben, ist entschieden besser als der Zwang, den Krieg endlos weiterzuführen. Zwei- einhalb Jahre lang hatte die Vernunft in Europa keine Stätte. Wenn man jetzt nachzudenken anfängt, so ist das schon ein erster Erfolg._ Hrianüs Neüe. Paris, 14. Dezember.(Agence Havas.) In der gestrigen Nachmittagssitzung der Kammer gab Ministerpräsident Briand folgende Erklärungen ab: Im Laufe der zehn Geheimsitzungen wurden zwei Fragen ab» getrennt und in der von der Kammer angenommenen Vertrauens- tagesordnung ausgedrückt. Erstens die Frage betr. die Kriegs- leitung, d. h. die Leitung unter Mitwirkung des Kriegsaus- schusses, sodann die Frage betr. Abänderungen des Oberbefehls. Dieser K r i e g s a u s s ch u ß wird alle Vollmachten zu raschen Eni- scheidungen mit den entsprechenden Mitteln zur Ausführung er- halten.' Er wird fast dauernd tagen und wird darüber wachen, daß die Erzeugung gesteigert, die Verproviantierung gerogelt und eine gerechte Verteilung unter die Zivilbevölkerung und das Mi- litär gesichert wird. Ohne einen übertriebenen Optimismus zu nähren, der heute mehr als je darin besteht, die Ueberzeugung von der Gewißheit des Sieges zü fördern, dürfen wir nicht ver- gcssen, daß sich die deutschen Truppen fast auf uns allein gleich zu Heginn gestürzt habev. Frqnkreich hat den Stoß ausgehalten und einen entscheidenden Sieg möglich gemacht. Nirgends sind die Erfolge der Deutschen, entscheidend gewesen. Es ist wahr: das tapfere Rumänien mußte weichen. Das ist traurig, aber seine auf die russischen Heere gestützte Armee wird sich wieder aufraffen, denn die orientalische Frage ist noch weit von einer Regelung entfernt, und morgen wird sich eine neue Front bilden, die die feindliche Front in Bewegung setzen wird. Man wird sagen: Tos Jahr 1916 hat den Tieg nicht gebracht, aber man muß den Tatsachen ins Gesicht sehen. Nun aber hat die deutsche Armee den Sieg nicht errungen. Denn nach acht Monaten haben wir den Sieg von Verdun zu unseren Gunsten gebucht. Der Kriegsausschutz wird keine Störung im Lande hervor- rufen. Wir werden requirieren, was notwendig ist. Wir werden die Regelung gewisser Fragen durch Dekret verlangen; denn die Gesetze würden für die Regelung zu langsam sein. Wir werden das Alkoholverbot verlangen. Aber es ist gewiß, daß sich der diktato- rische Wille des Feindes kundtut, der Wille, sich im Frühjahr den Sieg zu sichern, dadurch, daß er seine ungenügenden Mannschafts- bestände durch sein Kriegsmaterial ergänzt. Auf das Friedensangebot der Mittelmächte und die Rede des deutschen Reichskanzlers anspielend, sagte Briand: Ich habe die Pflicht, mein Land vor einer möglichen Ver- giftung zu warnen.(Lebhafter Beifall.) Wenn ein Land sich bis zn den Zähnen bewaffnet, wenn es unter Berlebung der Völker- rechte überall Menschen aushebt, um sie zur Arbeit zu zwingen,— wenn ich in diesem Augenblicke meinem Land nicht zuriefe: Achtung! Seid auf der Hut! so wäre ich sehr strafbar.(Bcifall und Zurufe.) Man macht uns den Borschlag, über den Frieden zu verhandeln in einem Augenblick, wo Belgien, Serbien und zehn französische Departements vom Feinde beseht sind. Unbestimmt und dunkel, aber mit feierlichen Worten sucht man die unruhi- gen Gewissen und die Herzen in Ländern, die um so viele Tote trauern, zu bewegen.(Beifall.) Was sehen wir in dieser Rede? Zu allererst cinrn Schrei, um die Neutralen und das deutsche Volk zu täuschen:„Nicht wir sind es, die diesen schrecklichen Krieg gewollt haben; er ist uns aufgezwungen worden." Auf diesen Schrei will ich zum hundertsten Male antworten:„Nein, ihr wäret die Angreifer! Was ihr auch sagen mögt, es sind Tatsachen vorhanden, die es euch beweisen. Das Blut kommt über euer Haupt, nicht über das unsrige."(Lebhafter Bcifall.) Ich habe das Recht, auf diese plumpe Falle hinzuweisen. Bcth- mann sagte:„Wir wollen unseren Völkern alle Mittel zur Wohl- fahrt, die sie nur wünschen können, geben. Und den anderen Völkern bietet er als Almosen, er wolle ihnen gern zugestehen, sie nicht vernichten zu wollen. Nach der Marne-Tchlacht und nach Bcrdun ist die» das, was man dem ruhmreichen, dem aufrecht stehenden Frankreich anbietet.(Lebhafter Beifall.) Ein derartiges Dokument— man muh nachdenken und sehen, welchen Zweck es verfolgt. Bon dieser Tribüne herab habe ich das Recht zu sagen: es ist ein Manöver, ein Versuch, unter die Alliier- ten Uneinigkeit zu säen, die Gewissen zu ver- wirren und die Völker zu demoralisieren. Die Kammer nahm mit 314 gegen 165 Stimmen eine Vertrauenstagesovdnung an. Ioffre oberster Kriegsberater. Genf, 14. Dezember.(W. T. B.) Aus Paris wird gc- meldet: Ter Präsident der Republik unterzeichnete auf Grund eines Berichts des Kriegsministers folgenden Erlaß: General Joffre, Oberbefehlshaber der französischen Armee, übernimmt bei der Regierung die Rolle eines fachmännischen Beraters betreffend die Leitung des Krieges. Sonnino über öas Friedensangebot. Wie„Tribuna" meldet, hat sich der schweizerische Gesandle am 13. d. nachmittag auf die Consulta be- geben. Er wurde von Sonnino empfangen, dem er vermutlich die Note mit dem Friedensangebot der Mittel- mächte übergeben hat. Rom, 14. Dezember.(Meldung der Agenzia Stefani.) Am Ende der Kanimersitzung vom Mittwoch erklärte Sonnino inmitten gespanntester Aufmerksamkeit als Antwort auf eine Anfrage Baslini.: Es ist wahr, daß der schweizerische Gesandte mir eine Note der deutschen Negierung und der drei mit ihr verbündeten Mächte über- geben hat, die besagt, daß Friedensverhandlungen begonnen werden sollten.(Zeichen der Bewegung.) Der schweizerische Gesandte fügte bei, daß er diese Vermittlung in seiner Eigenschaft als Vertreter der deutschen Interessen in Italien übernommen und keineswegs die Absicht habe, irgend welche Vermittlung zu unlcr- nehmen, sondern nur zn übermitieln. Ich asttwortele, indem ich. Akt davon nahm und dankte. Nur auf das in der Anfrage Baslini gestellte Verlangen zu antworten, erkläre ich schon jetzt, daß in der Note keine einzige genaue Bezeichnung der Friedensbedingungen enthalten ist, auf Grund deren man versuchen wolle, iir Friedensunterhandlungen einzutreten. Im übrigen wurde der Text der Note durch die„Agenzia Stefani" in Uebersetznng wiedergegeben.(Sonnino verlas sodann die auf die Friedcnsbedingungen bezüglichen Worte der Note und fuhr fort:) Das ist alles. Im übrigen handelt es sich uin Kriegs- berrachtungen. Ich antwortete dem schweizerischen Gesandten, das; ich natürlich mich zuerst mit meinen Kollegen und mit den ver- b ü n d e t e n Regierungen verständigen müsse, hinsichtlich der Antwort auf diese Note, die ebenfalls zwischen den vier feindlichen Mächren vereinbart worden ist. Ich möchte den Abgeordneten, der mich interpelliert hat, sowie die anderen Abgeordneten, welche dies ebenfalls vorhaben sollten, darum ersuchen, diese Debatte nicht in die Länge zu ziehe»(allgemeine Z u st i m m u n g) und zwar aus folgenden Gründen nicht: In einer so heiklen Angelegenheit ist eS sehr wichtig, daß die Alliierten in vollem Einvernehmen vorgehen, nicht allein in bezug aus Kern und Wesen besten was mitzuteilen fein wird, sondern auch hin- sichtlich der Schatlicrnngcn der Form, l Allgemeine Zustimmung.! Das wäre»nn unmöglich, wenn jeder feine besonderen Eindrücke von vorn- herein bcknnntgcbcn wollte. Ich habe nichts weiteres beizufügen. (Sehr lebhafte und allgemeine Zustimmung) Baslini dankte dem Minister für die sofortige Be- anwortung seiner Anfrage. Um der berechtigten Einwendung Sonninos Folge zu geben, verlange er keine weiteren Er- klärungcn.(Sehr gut!) Die Sitzung wurde aufgehoben. der Regierungswechsel in Wien. Seine Ursachen. Tie Wiener Blätter erklären einer Wolff-Meldung zufolge, daß her Rücktritt des Kabinetts Koerber zum Teil auf den Widerstand zurückzuführen sei, den ein Teil der d e il t s ch e n. A b g e o r d n c t e n. d e r W i e d e r c r- ö f f n u ng des Parlamentes entgegengestellt habe; andererseits stehe vermutlich im Zusammenhang mit der Lösung der von dem Ministerium Stuergkh vorbereiteten Ausgleich f. rage mit Ungarn. Uebercinslimmcnd gelangt in den Blättern das Bedauern über den Rücktritt Koerbers zum Ausdruck, der lieber seine Person als seine Grundsätze zum Opfer gebracht habe. Den neuen Ministerpräsidenten v. S p i tz m ü l l e r, der als Handelsminister im früheren Kabinett großen Anteil an den Verhandlungen Stuergkhs mit Ungarn über die Frage des Ausgleichs hatte, bezeichnen die Blätter als geeigneten Mann, das Ausgleichswerk zu Ende zu führen. Es ist kaum anzunehmen, daß über die Eignung des Herrn v. Spitzmüller, das Ausgleichswerk mit Ungarn zu Ende zu führen, volle Uebereinstimmung herrscht. Man sah vielmehr in Wien das Hauptverdienst Koerbers darin, daß er eine Revision dieses von Spitzmüller als Handelsminister im ü Kabinett Stuergkh eingeleiteten Ausgleichs anstrebte. Kurz gesagt: Koerber wollte Oesterreich eine günstigere Stellung im Verhältnis zu Ungarn sichern als Spitzmiiller sie ihm verschafst hatte. Wenn Koerber geht, Spitzmüller kommt. so beweist das, daß alles wieder so werden soll, wie Tisza und. Spitzmüller gewollt haben. Der Teil der deutschen Abgeordneten, der dieses Er- gebnis mit herbeigeführt hat, sind die radikalenNatio- rialisten, die durch Quertreiberei gegen die Wiodereinbe- rufung des Parlaments und übertriebene Forderungen nach „realen Garantien" im Innern die Stellung Oesterreichs gegen iiber Ungarn schwächten. Das Echo des Friedensangebots. Die Neutralen. Das Aufsehen, das ims deutsche Friedensangebot bei den Neutralen macht, die teils unter dem Kriege mitleiden(das betrifft namentlich Arbeiter rind Mittelstand), teils unge- heure Profite aus ihm ziehen, ist natürlich ungeheuer. Die Presseäußerungen liegeil bisher erst in telegraphischen Aus- zügen vor. die naturgemäß kein völlig treues Bild bieten. Dennoch läßt sich mit Sicherheit sagen, daß der Eindruck des deutschen Schrittes ganz überwiegend ein vorzüglicher ist; er löst, wenn nicht Jubel und Fmide, zum mindesten Hoffnung und günstige Erwartung aus. Der Eindruck, daß die deut schen Sympathien seit dem 12. Dezember stark gestiegen sind, ist unverrückbar. Die Schweiz. Die Schweiz ist wohl der neutrale Staat, besten Leiden ani meisten die Gewinne überwiegen. Entsprechend ist die Freude hier am stärksten. Das„Berner Jntelligenzblatt" mißt dem deutschen Schritt„eine überragende Bedeutung" bei. Niemand könne die gewaltige Erschütterung der Ententestaaten leugnen, eben- sowenig den ungeheuren Vorsprung der deutschen Waffen vor den Alliierten. Weiter heißt es: Die glatte Ablehnung des Vorschlages wäre das größte Ver- brechen, welches die Geschichte aufzuweisen hat, da es sich hier nicht um unbewußte Entwicklung oder ein Spiel des grausamen Zufalls, sondern um den auszusprechenden klaren Willen zum Guten oder Bösen handelt. Den Eindruck, den das Friedensangebot in Bern gemacht hat, bezeichnet der„Bund" als„außergewöhnlich tiefgehend". Die Optimisten schen schon den Friedensengel am Himmel schweben, aber selbst die Pessimisten könnten„ein freudiges Gefühl nicht ganz unterdrücken". Der bekannte Militär- kritiker des„Berner Bundes" betrachtet den deutschen Schritt im Lichte der Kriegslage und kommt zu folgendem Schluß: Er ist nicht in einem Augenblick vorübergehender Erfolge, sondern in einem Zeitpunkt erfolgt, da die strategische Entwick- lung sich zu kristallisieren beginnt, obwohl bei einer Nichtannahme noch unendlich riesenhafte Kämpfe Platz greifen müssen, um ihn in allgemeiner Zerrüttung ersterben zu lassen. Das„Berner Tageblatt" schreibt: Wenn nicht, dann laden sie eine unsühnbare Schuld auf sich, ohne darum die Entschließung der Vierbundsstaaten wirkungslos zu machen, denn der bisher schüchtern gehegte Friedensgedanke ist nicht mehr umzubringen. Ebenso geben die„Basler Nachrichten" zu, daß die Er- klärung der Friedensbereitschaft im Augenblick imponieren- der Waffenerfolge„etwas Großes an sich hat". Man habe den Neutralen oft Schweigen anempfohlen, aber heute sei es Menschheitspflicht, der Ablehnung des Friedensvorschlages auch mit den schwächsten Mitteln entgegenzuarbeiten. Charakteristisch für die Stimmung der Schweiz ist schließ- lich der Umstand, daß selbst das extrem franzosenfreundliche welsch-schweizer„Journal de Gendve" sich in feinem Leit- artikel für einen Kompromißfrieden ausspricht und meint, daß man mit Unrecht in dem deutschen Schritt„einen Beweis dafür sehen würde, daß sich das Deutsche Reich am Ende seiner Kräfte fühlt". Es nennt dann das deutsche Vorgehen „die härteste Probe fiir den Londoner Vertrag" und fährt fort: Es geziemt sich fiir ein Organ eines neutralen Landes nicht, Wünsche für Fortsetzung des Kampfes zu äußern. Der Triumph des Unrechts und der Unterdrückung, der Verlust der Unabhängigkeit der cxistenzberechtigten kleinen Völker würde uns allecbingö noch ein größeres Unglück scheinen, als die Fortsetzung des Krieges, aber der Friede erscheint uns wünschenswerter als ein vollständiger Triumph für die Völker, die ihn verdienen. Die Stiederlande. Auch in den Niederlanden ist der Ausdruck der Hoffnung und Freude ganz überwiegend. Das„Allgemeen H a n d e l s b l a d" meint, daß alle, die Verlangen nach dem Ende dieses schrecklichen Kampfes zeigen, Ursache zur Freude, haben.„N i e u w R o t t e r d a m s ch e C o u- r a n t" zweifelt an dem Gelingen der deutschen Initiative. Es könne aber in England die Zeit kommen, wo die Re- gierenden, die jetzt vielleicht geneigt seien, die deutschen Friedens- Vorschläge hochmütig zurückzuweisen, den Tag des Friedensschlusses und den Augenblick, wo sie ihrem Volke gegen- über Nechenschafi abzulegen haben werden, scheuten. Dies würde für den Frieden die größte Gefahr sein, und es wäre gut, wenn in den Ententeländern eine Partei entstünde, die dagegen ein Gegengewicht bildete. (Heber die Stellung von„Het Volk" siehe unsere eigene Meldung.) Eine sehr scharfe Kritik an der Haltung der französischen und englischen Presse übt„Nieuws van den Dag": Die Sprache der französischen und der engl:- schen Presse habe jede Befürchtung noch über- troffen. Das sei die Sprache von Besessenen. Diese Helden der Foder begingen jeden Tag, den ihnen Gott schenkt, ein Ver- brechen an der Menschheit. Dänemark. Mehr als Worte spricht die Tatsache, daß die Kanzlerrede auf der Börse einen allgemeinen Kurssturz ver- ursachte, einzelne Papiere fielen gegen 100 P r o z.(In Dänemark machen gewisse Kriegsindustrien geradezu phanta- stische Gewinne.) Trotzdem ist die Aufnahme des deutschen Friedensanerbietens sehr freundlich, wenn auch daran ge- zweifelt wird, daß die Ententemächte es annehmen werden. „Politiken" spricht von einem„Lichtpunkt in dem Kriegs dunkel". ,.N a t i o n a l t i d e n d e" führt aus, daß der Kaiser und der Reichskanzler seit langem zum Frieden bereit gewesen seien und schließt: � Werden die Ententemächte das Angebot des Deutschen Kaisers und seiner Verbündeten zu dem Versuch benutzen, den großen Weltkrieg abzuschließen, der droht, Europa für unabseh- bare Zeit zu vernichten? Das ist die wirklich weltgeschichtliche Frage, auf deren Beantwortung die ganze Welt jetzt in furcht- barer Spannung wartet. Bei dem großen Einfluß der dänischen Sozialdemokratie können die Ausführungen des„Sozialdemokraten" als besonders wichtig angesehen werden, der schreibt: Ter 12. Dezember wird sicher in der Geschichte als einer ihrer größten Marksteine eingetragen werden. Deutschland und seine Verbündeten haben die Hand dem Gegner zur Verhandlung entgegengestreckt. Sie taten damit den ersten Schritt zum Frieden, nach dem sich die ganze Menschheit sehnt. Man muß hoffen, daß dieses den Anfang zum Ende des furchtbaren, zer- störenden Krieges ist. Das Blatt meint, daß man in den Entente- ländern es der Mühe wert halten werde, zu hören, was die Mittelmächte wollen, und sei erst einmal der erste Schritt auf dem Wege der Verhandlungen getan, so lasse sich die Bewegung zum Frieden nicht mehr aufhalten. Schweden und Norwegen. Auch in Schweden hat das Friedensangebot der Mittel- mächte einen guten Eindruck gemacht, die liberale wie kon- servative Presse begrüßt den 12. Dezember einstimmig als einen �Markstein in der Geschichte des Weltkrieges". Stockholms„Tidningen" schreibt: Einer der Kämpsenden hat gesagt: Ich bin bereit aufzuhören. Millionen Menschen warten in Spannung auf die Antwort. „Svenska Dagbladet" meint: Was die Mittelmächte anbelangt, so ist die Sachlage jetzt klar. Sie heißen eine Ver- mittlung willkommen. Wird man jetzt erleben, daß sich die ganzen Bemühungen der Ententemächte darauf richten, die An- nähme des Vcrmittluugsauftrages durch die neutralen Staaten oder durch einen Neutralen zu verhindern? Das wäre ein unzweideutiger Beweis dafür, daß man auf dieser Seite erst mit einem zu Boden geschlagenen, der Willkür des Gegners unterworfenen Deutschland verhandeln will. Stockholms„Dagblad" bemerkt: Zweifellos wird die Ententepresse versuchen, das Angebot der Mittemächte als Zeichen der Schwäche auszulegen. Tie Mittemächte können darauf mit dem einen Wort„Bukarest" antworten. Noch schärfer heben ,.D a g e n s N y h e t e r" die starke Stellung der Mittemächte hervor. Branting in„Socialdemokraten" vermißt in der Rede des Reichskanzlers klare Bedingungen, aber selbst er muß zugeben, daß der Friedenswille der Mittemächte aufrichtig sei. „Nya Dagligt A l l e h a n d a" schreibt: Deutschland ge- bührt jetzt der Ruhm, laut der Welt kundgetan zu haben, daß es den Krieg nicht länger fortzusetzen wünscht, als die Hinte Not- wendigkeit,„für die reale Sicherheit seiner Grenzen zu kämpfen", verlangt. „A f t o n b l a d e t" meint, man könne sich nur schwer denken, werde, wie es das Reutertelegramm mit seinem wenig passen- den höhnischen Ton tut. In Norwegen scheint der Eindruck ähnlich zu sein, doch fehlen hier einstweilen noch Einzelheiten. Vereinigte Staaten von Amerika. Die Stellungnahme der Vereinigten Staaten bleibt, wie bisher in ähnlichen Situationen, zunächst für uns ein un- gelöstes Problem. Da wir keine direkte Verbindung mit Amerika baben, kann das, was Renter und Havas uns zu übermitteln für gut befinden, ebenso gut Stimmungsmache wie Wahrheit seiw. Nach Stimmungsmache schmeckt es, wenn Londoner und Pariser Blätter den Versuch machen, auf Grund eines Satzes ans einer Rede Wilsons zu erklären, daß dieser sich für die Alliierten erklärt habe; ebenso, wenn Havas meldet, daß offizielle Kreise der Ansicht seien, Deutschland sei nicht in der Lage, den Frieden auf einer für die Alliierten annehm- baren Grundlage abzuschließen.. Einzelne ganz kurze Blätter- auszllge erwecken den Eindruck starker Englandfreundlichkeit, so wenn„Globe" das deutsche Friedensangebot mit dem ver- gleicht, das Napoleon im Jahre 1812 aus Moskau an den Zaren Alexander richtete. Aber schon manchmal ist der erste Eindruck der amerikanischen Stimmung falsch gewesen, man tut gut, das weitere abzuwarten. Troelstra und �et Volk'". Amsterdam, 12. Dezember.(Eigene Meldung.) Tie übergroße Mehrheit der Presse begrüßt das deutsche Friedensangebot mit Aus- drücken der lebhaftesten Freude. In seltsamem Gegensatz dazu steht „Het Volk", das neben der klerikalen„Tijd" die skeptische Note repräsentiert. Das ist um so auffallender, als sogar der deutsch- feindliche„Telegraas" verhältnismäßig gedämpfte Töne anschlägt. „Het Volk" bemängelt vor allem das Fehlen formulierter Friedens- bedingungen. Ein großer Teil der Menschheit mißtraue dem osfi- zielleu Deutschland. Einstweilen ständen die Entente und die Neutralen der Erklärung Deutschlands, seine Gegner nicht zer- schmettern zu wollen, zweifelnd gegenüber, da das oifizielle Deutschland von Recht und Menschlichkeit bisweilen Auffassungen babe, die himmelweit von den normalen anderer Länder abweichen. Sei das Angebot vielleicht nur ein politischer Schachzug? Wenn die Friedensbedingungen zeigen würden, daß Deutschland die Welt- Herrschaft anstrebe, werde ein Entrüstungsschrei durch die Welt gehen. Jedenfalls sei die Entente verpflichtet, ange- botene Unterhandlungen anzunehmen. DaS deutsche Angebot beschleunige zweifellos den Frieden und stärke die Friedens- Parteien. In direktem Gegensatz zu diesen verdroffeuen Auslastungen stehen Troelstras gestrige Kammerworte, die wörtlich lauten: „Das Angebot ist durch das ganze niederländische Volk mit tiefer Bewegung begrüßt worden. Es ist ein Lichtstrahl in der Finsternis. Ich hoffe, daß die Entente daS Angebot annimmt, und bin gewiß, daß meine Partei herzliche Sympathien dafür hat." Das steht in direktem Gegensatz zur Behauptung von„Het Volk", daß man in den Massen keine tiefe Bewegung spüre. Die ganze Situation erinnert an den August 1914. wo die Redaktion im Gegensatz zu Parteivorsiand und Fraktion war und desavouiert wurde. Ich weiß auch, daß im morgen erscheinenden „Soeialiste beige" ein mehr optimistischer Grund- ton klingen wird, als im holländischen Zcntralorgan. Unsere Gegner. Ucber die Regierungsstimmung in England verbreitet Reuter folgendes Communiquö: „D i e m i n i st e r i e I l e n Kreise werden sich wahrschein- lich nicht über den deutschen Friedensvorschlag auslassen, ehe sie sich mit den Bundesgenossen beraten haben. Inzwi- schen kann wohl erklärt werden, daß die vollkommene Einheitlich- kcit in allen britischen Blättern nichts anderes ist, als eine Widerspiegelung der Einheitlichkeit, welche unter den Regie- rungen der Verbündeten wie unter ihren Völkern selbst besteht. In den eingegangenen Noren werden die deutschen Porschläge noch nicht angegeben, doch da die Mittelmächte sich als Sieger hinstellen, so lasse sich einigermaßen vermuten, wie diese sein werden. Die deutsche Note werde, so meldet Reuter, auf den richtigen Wert untersucht und wenn die Borschlüge wirklich sein, wie man vermutete, dann seien sie zum Scheitern verurteilt. Diese Tat der Deutschen müsse man von zwei Seiten betrachten: Einmal sei sie ein Versuch, Zwietracht unter die Per- bündeten zu säen; ein Teil der zu stellenden Bedingungen würde den einen gut, den anderen tadelnswert erscheinen können. Gleichzeitig aber bestätige dieser Schritt die Tatsache, daß man auf der Gegenfeite überzeugt sei, daß die Mittelmächte den Krieg niemals gewinnen können, und daß sie ihre höchste Kraft bereits eingesetzt haben. An der Front der Verbündeten mögen noch Perioden kommen, wo große Anforderungen an ihre Kräfte ge- stellt werden; doch die einzige Antwort aus die zu erwartenden Friedensvorschläge könne nur die erneute Erklärung sein, daß die Verbündeten den Krieg als beendet ansehen, wenn die Ziele, für welche sie in den Kampf gezogen sind, erreicht sind. Eine andere Antwort sei nicht möglich." Ein Teil der englischen Hetzpresse fährt in der bereits berichteten Tonart fort, Teutschland zu schmähen und her- unterzureißen.„Morning Post" spricht von„einem schlauen und verzweifelten Versuch, der Strafe für den militärischen Bankrott auszuweichen".„Daily Telegraph" gibt zu, daß Deutschland den Höhepunkt seiner Macht erreicht hat, uni daraus den„logischen Schluß" zu ziehen, daß jetzt der unver- meidliche Rückgang folgen muß.— Das haben wir schon 1915 gehört. Doch beginnt sich auch in England nach den ersten Aus- brüchen hysterischer Kriegswut die Stimme der Vernunft ver- nchmbar zu machen. Namentlich die Blätter des g c- stürzten Kabine tt s Asquith führen eine ruhige Sprache. So schreibt„Manchester Guardian": „Es besteht durchaus keine allgemeine Neigung, Deutschland den Friedensvorschlag als A rg l i st auszulegen. Ebensowenig sieht man die Anerkennung seiner Niederlage in dem Vorschlag. Anscheinend bietet Deutschland keine Friedensbedingungen be- sonderer Art an, sondern schlägt einfach vor, in Friedensunter- Handlungen zu treten. In diplomatischer Hinsicht und gegen- über den Neutralen ist es schwierig, das Zlngebot zu beantworten."' An anderer Stelle sagt das Blatt: „Das Angebot ist aufrichtig. Es muß durch die Regierung und die vernünftige öffentliche Meinung nicht als Angebot zum formellen Waffenstillstand oder als Vorschlag zur Intervention einer dritten Partei behandelt werden. Aber es mnß sofort ein Gedankenaustausch stattfinden. Tie direkte Verweigerung würde der Entente in den Augen der Neutralen hoffnungslos Unrecht geben." Tie ofsiziös-libcrale ,.W estm i n st e r Gazette" sieht zwar in dem deutschen Schritt einen Versuch, die Alliierten zu entzweien, und ein ermutigendes Zeichen in militärischer und wirtschaftlicher Hinsicht, „aber wir wären voreilig, wenn wir glauben würden, daß wir das ruhig damit erledigen könnten, wenn wir es einfach als einen Notschrei zurückweisen, der uns nichts angeht. Teutschland weiß, daß der Krieg große Unruhe unter den Neutralen hervorgerufen hat, und es hat seinen Appell in erster Reihe mehr an sie als an uns gerichtet. Die Alliierten dürfen sich deshalh nicht weigern, einen Vorschlag anzu- hören, der ihnen in regelrechter Weise vorgelegt wird, aber sie müssen rückhaltlos sagen, daß ihre Verpflichtung, gemeinsam zu handeln, unwiderruflich ist". Aehnlich schreiben„Daily News": „Die Alliierten dürfen nickt den verhängnisvollen Fehler be- gehen, dem Reichskanzler von Bethmann Hollweg Anlaß zu der Erklärung zu geben, Deutschland habe seine Vorschläge gemacht. diese seien aber mit Verachtung zurückgewiesen worden, und nun müsse es bis zum bitteren Ende durchkämpfen.... Die Friedens- bedingungen könnten so hoch gegriffen werden, wie die Missetaten Deutschlands es verdienten, jedenfalls müßten sie der Erklärung Asguiths über die Kriegsziele der Alliierten Geniige tun. Ein einfaches Non possnirnis(unmöglich!) würde der größte diploma- tische Sieg für Deutschland sein; England dürfte ihm diesen Sieg nicht gönnen." Das Bild in Frankreich hat sich nicht wesentlich ge- ändert. Tie wichtige Erklärung B r i a n d s bringen wir an gesonderter Stelle. Daneben liegt nur noch eine Erklärung des„Petit Journal" vor, die in dem deutschen Schritt ein Manöver sieht, das darauf abziele, die Stimmung in den alliierten Ländern zu beunruhigen und die Alliierten zu ent- zweien. Nicht direkt im Zusammenhang mit dem deutschen Friedensangebot dürfte stehen, was die„HumanitcS" unter der Uebcrscbrift..Moral im Lande" schreibt: „Die französische Presse ist gespickt voll von Lügen. Die erste Pflicht der neuen Regierung wird daher sein, das Recht auf Wahrheit und Klarheit wieder herzustellen. Man darf nicht glauben, daß in der gegenwärtigen Stunde in Frankreich nicht große Aufregung herrscht. Eine solche Annahme wäre grober Selbstbetrug. Unser Land ist in Sorgen, besonders deswegen, weil es nichts weiß. Wir verstehen allerdings, daß es schwer ist, von der Zensurherrschaft zur Herrschaft der Offenheit überzugehen. Dies muß jedoch geschehen." tzinüenburg an Oethmann. Wie Wolff meldet, sind zwischen Hindenburg und dem Reichskanzler am 13. d. M. folgende Depeschen gewechselt worden:. Hindenburg an den Herrn Reichskanzler. Euer Exzellenz beglückwünsche ich zu Ihrer gestrigen Reichstagsrede. Mit tiefer Bewegung und großer Ge- n u g t u u n g habe ich sie gelesen. Euer Exzellenz haben auf Befehl Seiner Majestät mit dieser Rede eine tiefe sittliche Kraftäußerung unseres deutschen Vaterlandes eingeleitet, die sich würdig anschließt und sich gründet auf die Stärke des deutschen Volkes daheim und im Felde. Wir Soldaten wissen, daß es für uns gerade in diesem Augenblick keine höhere und heiligere Pflicht gibt, als den Sieg mit äußerster Tatkraft weiter zu verfolgen und für Kaiser und Vaterland zu leben und zu sterben. Der Reichskanzler an Hindenburg. Euer Exzellenz danke ich aufrichtig für den mich tief be- wegenden Glückwunsch zu meiner gestrigen Rede. In den Worten des Mannes, dem unser Kaiserlicher Herr das deutsche Schwert anvertraut bat, und der es mit sieghafter Kraft führt, vernehme ich die Stimme unseres deutschen Volksheeres. Seine Taten zu Lande und zu Wasser haben die Bahn freigemacht für den hochherzigen Entschluß. den Seine Majestät der Kaiser mit seinen hoben Verbündeten gestern ausgeführt bat. Tie todesinntige Pflichttreue und die unerschütterliche Tapferkeit der Männer, die für Denlsch- land fechten, bürgen uns dafür, daß wir. wenn es uns ren Feinden heute noch nicht gefällt dem Kriege ein Ende zu machen, unserem Paterlande erst recht einen starken und dauerhaften Frieden erkämpfen werden. Tie politische Bedeutung des Telcgranimwcchscls besteht darin, daß jeder Versuch, den Feldmarschall v. Hindenburg gegen den„weichen" und„friedensseligen" Reichskanzler aus- zuspielen(wie man etwa andere Persönlichkeiten gegen ihn ausgespielt hat), erledigt ist. Deutsche Versenkungsnote an Amerika. Die Antwort wegen des Dampfers„Lanas". Washington, 13. Dezember. Deutschlands Antwort auf die amerikanische Anfrage betreffend die Versenkung des Dampfers„Lanas" am 28. Oktober ist beim Staatsdepartement eingegangen. Deutschland erklärt die Versenkung für gerecht- fertigt, weil das Schiff Bannware an Bord führte, und behauptet, das S ch i f f sei i n n o r w e g i s ch e m B e- s t tz gewesen. DielaMta auch von der Donauarmee überschritten Feindlicher Rückzug an der unteren Ja- lomita.— Günstige Fortschritte auf der ganzen rumänischen Front.— Vergebliche Russenangriffe an der Siebenbnrgi- schen Ostfront.— Kampf in den Argonnen. Amtlich. Gropes Hauptquartier, 14. De- zembcr 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. In einzelnen Abschnitten der Somme-Front vorüber- gehend starker Fenerkampf. Heeresgruppe Kronprinz. Bei Le Four de Paris in den Argonnen nach heftigem Vorbcreitungsfeuer vorstoßende französische Patrouillen wurden abgewiesen. Ans dem rechten MaaS-Ufer war nachmittags die Ar- tillerietätigkcit gesteigert. Lestlichcr Kriegsschauplatz. Front des Gencralfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Nichts Wesentliches. Fyont des Generaloberst Erzherzog Joseph. In den Waldkarpathcn vielfach Artilleriefeuer. Im Gyergyo-Gebirge und im Trotnsul-Tal sehten die Russen ihre verlustreichen, aber ohne jeden Erfolg ver- laufenden Angriffe fort. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. Günstige Fortschritte auf der ganzen Front trotz sehr großen Wrgcschwierigkciten. Die Große Walachei südlich der Bahn Bukarest-Cer- navoda ist vom Feinde gesäubert. Mazedonische Ffront. Die östlich der Ccrna von Serben geführten Angriffe sind unter schweren Verlusten vor den bulgarischen Stel- lungen zusammengebrochen. Der Erste Generalquarticrmeister. Ludendorff. /lbenöbericht. Berlin, 14. Dezember, abends. Somme lebhaftes Feuer in einzelnen Amtlich. An der Somme lebbaftes Feuer in einzelnen Ab- schnitten. Vorstöße der Franzosen auf Ost- und Westufer der Maas haben abends eingesetzt. In Rumänien ist die I a l o m i t a auch von der Don au- Armee überschritten. ** * Der österreichische Dericht. Wien, 14. Dezember 1916.ehen und dabei offenbar in so starle Bedrängnis geraten, daß nur der Abschluß eine» Waffensullstandes sie vor einer Katastrophe retten konnte. Es war vo» vornherein ein versehlleS Manöver, Athen mit einem ge- mischten Landungsdeiachement zu besetzen, um die griechischen Kanonen zu holen, denn dieses Delachement konnte nie- mal« stark genug sein, um sich den Zutritt zu erzwingen. wenn die Griechen entschlossen waren, Widerstand zu leisten. Es kann sich also nur um eine G e st e gehandelt haben, von der inan sich im Bewußtsein und in der Einschätzung des eigenen Prestiges angesichis der mißlichen ökonomischen Lage des Landes und der inneren Zwistigkeilen Erfolg versprach. Ais die Drohung nicht genügte, die griechische Regierung einzuschüchtern und die venizeltiiische Opposition zur Macht zu bringen, war der Rückschlag von selbst gegeben. Gclviß tönneu die Schiffe der Alliierten Athen in Grund und Boden schießen, gewiß können sie auch eine vollständige Absperrung Griechenlands vom hohen Meere durchführen, es ist aber zweifelhast, ob die Entente zu diesen Mitteln greift, da sie dadurch die Griechen zur Verzweiflung und damit die Sa- lonittarmee in die größte Gefahr bringen würde Wird Griechenland ge- zwungen und ist es gesonnen sich nicht vollständig eniwaffnen zu lassen, und ist die griechische Armee bereit, den Kampf aufzunehmen, so würde die Entente zu einer Landung in Anika mindestens 50000 Mann brauchen, um sich den Besitz Athens zu sichern. Marschieren dann gegenhandelnd die beiden m Thessalien stehendeir Grieche» korps iir Serrails linke Flanke, so wird das Unheil, das der Enienle vor Saloniki droht, viel größer und folgenschwerer als die Gefahr, in die die griechische Hauptstadt gerät. Da indes beide Teile, Griechenland und die Entente, viel auss Spiel setzen, kann man sich eher auf ein dilatorisches Verfahren von beiden Seiten gefaßt machen. Ein annehmbares Ultimatum der Entente? Bern, 14. Dezember.(W. T. B.)„Corriere dclla Sera" mel- dct aus Athen: Die Abreise der Alliierten von Patras wurde ver- schoben. Auch die in Athen wohnhaften Italiener werden nicht ab- fahren. Ein Ultimatum der Entente wird heute abend oder morgen vormittag der griechischen Regierung übergeben werden. Man glaubt, daß es annehmbar ist. Trotz der Blockade sind zwei Dampfer und vier Segler mit besonderer Erlaubnis aus dem Piräus aus- gefahren. Auch der Verkehr der Postdampfcr wurde gestattet. Die griechische Regierung versichert, die kürzlich zu den Waffen beru- fenen Reservisten entlassen zu haben. Der neue rusii�e Minister Oes �eußern. Petersburg, 14. Dezember. Meldung der Peters- burgcr Trlrgraphcn-Agciitur. Der Rcichskontrollrur P o- kr o w s k y ist zum Minister des Acußcrn ernannt worden. Seilt Nachfolger als Reichokontrolleur wurde der Gehilfe im Finanzmiuistcriui» Fcodosicw. Das Aufrücken Ncratolvs aus der Stellung als Gehilfe des Ministers des Ausioärtigen in das Amt selbst ist also nur ein vor- übergehendes geblieben. ES sollte von Anfang an nichts anderes sein. Aeußeruugen der Presse, die Neratoto— zumal wegen seiner Kenntnis des nahen und fernen Orients— als willkommenen Mann lobten, blieben ohne Bedeutung. Das Provisorium spann sich aber über ein paar Wochen hin,— Frist genug für ein buntes Hin und Her von Vermutungen, und Namen wie der deS römischen Gesandten GierS und des Lissaboncr Gesandten Botkin tauchten nun in dem Fragespicl auf, das den kommenden Auslandsminister suchte. In den letzten Tageit noch schloß man auf Grund einer Unterredung, die Trepow nach Meldung der auf Kokowzew. Aber keine von diesen Personen, deren Name ein über Ruß landS Grenzen hinaus bekanntes Programm bedeutet, kam in Be- tracht; das Amt ist einem Manne zugefallen, dessen bisheriger Posten kaum auf feine Wahl raten ließ. In Rußland mdes sind die Lauf- bahnen vieler Minister so sehr im Zickzack gegangen, daß man sich über den Aufstieg des Reichskontrolleurs Pokrowsky nicht allzu sehr wundern darf. Wes Geistes Kind der recht Unbekannte ist, darüber dürften die jetzt gestellten Fragen bald genug Aufschluß bringen. Daß die Neubildung des russischen Ministeriums mit der Er- nennung Pokrowskys ihren Abschluß gefunden hat, wagt man nach neuerlich einlaufenden Mitteilungen, die das Ministerium Trepow wie ein Gewässer mit wippender Fläche erscheinen lassen, kaum zu glauben. Der Name des Ministers des Innern Protopopow erlangte eine merkwürdige Bedeutung. Trcpows erste Bedingung bei An- nähme seines Portefeuilles soll Protopopows Rücktritt gewesen sein. Trepow hat dessen Amt für sich selber beansprucht, aber die Demission, die Protopopow laut..Rußkoje Slowo" eingereicht hat, ist vom Zaren nicht genehmigt worden, und Trepow hat daraufhin an Nodzianko die Erklärung abgegeben, seine Stellung im Kabinett sei derart er- schwerst daß er an Rücktritt denke. Das und die Stürme, die der Ministerpräsident bei der Wieder- eröffnung der Duma auszuhalten hatte, sind in der Tat kein An- laß, das Ministerium Trepow schon für eine feste Größe zu halten. Den Alliierten Rußlands dürfte dieser Zustand, zumal jetzt, hart auf die Nieren drücken. Vermehrung öer Schweizer Dunüesräte! Bern, 13. Dezember. Meldung der Schweizerischen Depeschen- agentur. Der Nationalrat genehmigte heute einstimmig den von dem Genfer M i ch e l i begründeten Antrag, der den Bundesrat einlädt, die Frage zu prüfen, ob nicht die Zahl der Mitglieder des Bundesrats von sieben auf n e u n erhöht werden soll. Der Antragsteller und verschiedene Redner forderten eine Vermehrung der Bundesräte zum Zweck einer besseren Vertretung der ver- schiedenen sprachlichen Minderheiten mN> politischen Minderheit»- Parteien in der Regierung. Im Namen des Bundesrats gab Bundespräsident Decopet eine Erllärung ab, daß er den Antrag unter Vorbehalt näherer Prüfung der ganzen Angelegenheit an- nehme. Wie die»Frankfurter Zeitung' meldet, gehen die Ansichten des Bundesrats auseinander. « Bundespräsidentenwahl. Bern, 14. Dezember.(W. T. B.) Die vereinigte Bundes- Versammlung wählie zum Bundespräsidenten für das Jahr 1917 den Bundesrat Edmund Schultheß, den Vorsteher des Volks- wirtichaftsdepartements. Der neue Bundespräsident sieht im Alter von 48 Fahren; 1905 wurde er in den Ständerast 1914 in den Bundesrat gewählt. Zum Vizepräsidenlen wurde Bundesrat Calonder gewählt, Vorsteher des Departements des Innern. Er ist seit 1913 Mitglied des Bundesrats. Der Seekrieg. Die v-Boote gegen Kohlenschiffe für Frankreich. Berlin, 12. Tczcnibcr. sW. T. V.) In der Zeit vom 28. No- vcmber bis 8. Dezember wurbrii von unseren II-Booten vor der französische» Kanal- und Atlantic-Küstc unter anderem Kohlenladungrn im Gesamtbeträge von 17006 Tonnen englischer nach Frankreich bestimmter Kohle und ein englischer Dampfer mit 6000 Tonnen Kriegsmaterial von New Dork»ach Frankreich versenkt. Die Kohlennot ist vor allem auch eine Wirkung der schweren Verkehrsnot. Von dieser war am Dienstag in der französischen Kammer die Rede, wo der Abg. Bcdouce festslellle, daß infolge� der Verkehrsnot im Ha'cn La Pallure sechs Millionen Säcke Hafer durch Auskeimen zugrunde gegangen seien. Da« bedenke einen Verlust von 30 Millionen Frank. Nach Ansicht des Abgeordneten ist durcki die Mißstände des Wirtschaftsverkehrs in Frankreich bis jetzt ein Schaden von fünf Milliarden Frank verursacht worden._ Versenkte Schiffe. Aus Kristiania meldet W. T. B.: Der nor» wegiiche Dampfer„Bob" hol hier die Besatzung von 15 Mann des Dampfers„ B j ö r" aus Kristiania<3090 Brullo-Registertonne») gelandest der am Montagnachmitlag 4 Seemeilen von Ryvingen von einem deutschen Unterseeboot versenkt worden ist.— Aus Rotterdam meldet Wolff: Die französischen Segler.Caete" und „Madeleine", sowie drei englische Fischerfahrzeuge au? „Brixbam" wurden durch Unterseeboote verscnlt. HavaS meldet aus Marseille: Tie Dampfer„Mogellan"<6027 Tonnen) und „Tina i"<4624 Tonnen) sind von einem Unterseeboot versenkt worden.(Besatzungen und Fahrgäste von den sie begleitenden Schiffen gerettet.) Letzte Nachrichten. Drianös Diktatur-Vorlage. Paris, 14. Dezember.(Meldung der Agence Havas.) Ter Ministerrat entschied sich heute für eine Vorlage, die der RegierungdasRecht verleiht, durch Erlaß gewisse für die Landesverteidigung notwendige Maßnahmen zu veranlassen; so diejenigen, die die la nd wir tschaft- l i ch e und i n d u st r i e l l e Erzeugung sowie die V e r» p f I e g u n g betreffen. � Sobald diese Vorlage angenommen sein wird, beabsichtigt die Regierung, den Alkohol für die Bedürfnisse der Landesverteidigung zu beschlagnahmen und seine» Verbrauch zu unterdrücken. Bcrn, Die Regierung Tritte Frcigclcitnotx Amerikas. 14. Dezember.„Temps" meldet aus Washington: und richtete eine dritte Mitteilung an Frankreich England wegen der Verweigerung freien Geleits für den öfter- reichisch-ungarischen Botschafter. Nach der Begründung der ameri- kanischen Regierung ist die Versetzung des Botschafters ein diploma- tisches Recht. Auf die vorhergehende Note an Frankreich und England war nicht geantwortet worden. Minister Hughes zur deutschen Friedensnote. Melbourne, 14. Dezember.(Reutermcldung.) Der Premier- minister von Australien Hughes sagte in einer Rede: Friede ist unmöglich, ehe die Gebiete der Alliierten geräumt, eine Schadenver- gütung bezahlt, die zerstörten Städte wieder aufgebaut, die Jndu- strie wieder eingerichtet und die Personen, die Gewalttätigkeiten be- gangen haben, bestraft sind. Englischer Ergänzungsetat: eine weitere Million Mann. London, 14. Dezember.(Reutermeldung.) Ter heute bekannt» gemachte Ergänzungsetat sieht eine weitere Million Mann Rußkija Wjedomösti""gehäbst"ernst5ich: wr den Dienst in der Armee in dem mit dem 30. Mär» 1917 endigenden Jahre vor. Diese Zahl stellt den wahrichemlichen Ueberfluß über die schon im Jahre 1916/17 bewilligten Mannschaften dar. Der ursprüngliche Etat sah vier Millionen vor, mit den neuen Mannschaften werden es fünf Millionen sein. Gewerkschaftliches. Verlin und Umgegend. Die Lohnvereinbarung der Hutmacher. Ter i» unserer DienStagnuminer verössenUichle, zwischen den beidersciligen Organisalionen abgeschlossene Taris für die Berliner Strohhulindustrie, wurde ain Mittwoch in einer Versammlung des Hutinacherverbandes besprochen. Der Vorsitzende Mörtel teilte mit, dasi der vereinbarte Tarif auch den Nichtorganisierten Fabrikanten überiandt worden ist. Bis jetzt haben erst einzelne dieser Fabrikanten erklärt, datz sie den Tarif anerkennen. Für die organisierten Fabrikanten ist der Tarif natürlich ohne weiteres maßgebend. Trotz- dem sind selbst bei Verbandsfabrikanten Differenzen über die Durch- führung des Tarifs entstanden. Es loird versucht werden, derartige Differenzen durch Anrufung des Vorstandes des Fabrikanten- Verbandes zu beseitigen. Sollte das nicht helfen, dann werden die Arbeiter dafür sorgen, dah die allgemeine Durchführung des Tarifs sowohl bei den organisierten wie bei den Nichtorganisierten Fabri- kanten in vollem Umfang gesichert wird. Tie Militärsattlcr und die Kriegsteuerungsznlage. In einer stark besuchten Versammlung der Militärsattler Groff- Berlins erstattete Hauptmann Bericht von den Verhandlungen, wie sie in einer Ikotiz in der Mitllvochnummer des„Vorwärts" mit ihrem Endergebnis für das ganze Gewerbe spezialisiert sind. Unter andern, wies der Referent darauf hin, das; als„Haushaltungs- vorstände" auch Arbeiterinnen, sofern sie einen eigenen Haushalt führen, z. B. Witwen, zu gelten haben. Ferner können jene Arbeiter, die bei Mitgliedern der Fabrikantcnvereinignng beschäftigt sind und die Kinderzulage für die Zeit vom V6. November dieses I ahres bis 2. Dezember nicht erhalten haben, diese noch nachfordern. Laut einem früheren Versammlungsbeschlutz wird der Verband für Unorganisierte keine Forderungen vertreten. Der Verband habe große Summen von Nachforderungen für diese Leute gerettet, ohne daß diese dem Verband gegenüber ihrer Pflicht nackigekommen wären. Die Versammlung war mit den Vorschlägen einverstanden, Einwendungen wurden uicht erhoben. Nachdem noch Riedel einige Erläuierungen zum Tarif erteilt hatte, wurde noch mitgeteilt, daß der Zentralverband demnächst Fragebogen ausgeben werde, um die jetzt gezahlten Stundenlöhne in den einzelnen Orten festzustellen. Es sei anzunehmen, daß noch ein großer Teil der Berufskollegen zu Mindesistundenlöhnen arbeite und hierüber soll die Statistik zuverlässiges Material liefern. deutsches Neich. Teuerungszulagen im Buchdruckgcwerbe. Im Dezember 191S wurden sich die Tarifparteicn im Buchdruck� gewerbe auf Anregung des Geschäftsführers des Tarifamts darüber einig, daß der Tarif auf ein weiteres Jahr verlängert werden sollte. Der Tarifausschuß trat dieser Entschließung bei. Tie Vertreter der Gehilfen sind dieser Anregung jedoch nur unter der Bedingung gefolgt, daß sich die Prinzipale freiwillig zur Zahlung einer Lohn- erhöhung oder Teuerungszulage entschließen, die den außerordentlich veränderten Lebensbedingungen einigermaßen entspricht. Diese Be- dingung wurde von den Prinzipalen angenommen; den Gehilfen wurde darauf im März d. I. eine Teuerungszulage bewilligt. Die Prinzipale sahen sich aber auch infolge der enormen Preissteigerung der für Herstellung von Druckarbeiten notwendigen Materialien gezwungen, den Preistarif für Druckarbeitcn zu erhöhen. Beide Maßnahmen, die Gewährung der Teuerungszulage an die Gehilsen sowohl wie die allgemeine Erhöhung der Druckprcise, erwiesen sich bald als nicht mehr ausreichend. Die seit Anfang des Jahres noch weiter gestiegene Verteuerung der Lebensmittel hatte zur Folge, daß die �Gehilfen eine neue Erhöhung der Löhne forderten. Dieser Erhöhung ist von dem Tarifausschuß auf Vorschlag des Tarifamtes im Dezember zugestimmt worden. Die Ge- Hilfen erhalten vom l. Oktober d. I. an Lohnzuschläge und zwar in den Orten mit bis zu 10 Proz. Lokalzuschlag 2S Proz., in den Orten mit über 10—13 Proz. Lokalzuschlag 30 Proz. und in den Orten mit über 18 Proz. Lokalzuschlag 73 Proz. Aufschlag. Die Teuerungszulagen für die im Akkord arbeitenden Gehilfen soll jedes- mal nach dem Durchschnittsverdienst der letzten sechs Wochen fest- gelegt werden. Diese monatlichen Teuerungszulagen stellen sich für Verheiratete in den Orten bis mit 10 Proz. Lokalaufschlag je nach der Höhe des Lohnes auf 3—12,30 M., in den Orten mit 10 bis 13 Proz. Lokalzuschlag auf 6—13 M. und in den Orten von über 13 Proz. Lokalzuschlag auf 7—17,80; für Ledige werden dementsprechend 3,73—10 M., 4,30—12 M. und 3,25—14 M. gezahlt; dazu kommen für jedeS Kind unter 14 Jahren 2 M. monatlich. In einer Publi- kation sagt der Vorstand der Unternehmerorganisation, daß er die Schwierigkeiten nicht verkenne, mit denen auch die Prinzipale zu rechnen haben; er verweist aber auch darauf, daß der großen Teuerung aller Lebensmittel gegenüber diese gewährte Zulage an die Gehilfen nur einen minimalen Teil der Verteuerung deckt. Er spricht daher die Erwartung aus, daß die empfohlene Zulage als Minimum des zu Gewährenden zu betrachten sei und dort, wo die Verhältnisse es gestatten, wie es erfreulicherweise mehrfach geschieht, den Gehilfen eine höhere Entlohnung zugebilligt werden möchte. Die Teuerungszulage ist für jeden Gehilfen für die jeweilige Dauer des Arbeitsverhältnisses zu zahlen und zwar ohne Rücksicht darauf, ob im Falle der Lösung des Arbeitsverhältnisses der Prinzipal oder der Gehilfe gekündigt hat oder ob das Arbeits- Verhältnis durch Krankheit unterbrochen wurde. Zugleich gibt in dieser Kundgebung an die Mitglieder der Tarif- gemeinschaft der Buchdrucker der Tarifausschuß bekannt, daß eine Erhöhung der Druckpreise um 23 bezw. 30 Proz. anerkannt wird, und von allen tariftreuen Prinzipalen vom Tage dieser Be- kanntmachung an zu fordern ist. Ausland. Lohn- und Streikbewegungen in der Schweiz im Jahre Die„Gewerkschaftliche Rundschau" veröffentlicht die Statistik der Lohnkämpse der schweizerischen Arbeiter im Jahre 1913, wonach solche in 12 von 19 dem Gewerkschaslsbund angeschlossenen Verbänden vorgekommen sind, während die übrigen 7 Verbände keine Lohn- bewegungen zu verzeichnen hatten. An den �vorgekommenen 180 Lohnbewegungen waren 26 171 Arbeiter in 1475 Betrieben an 196 Orten beteiligt. Mit diesen Zahlen bleibt das Jahr 1915 wesentlich hinter jenen der Vorjahre zurück, auch binter 1914 mit 186 Be- wegungen; dagegen übertrifft es dieses mit der Zahl der beteiligten Arbeiter. An den 170 friedlichen Lohnbewegungen waren 24 616 Arbeiter in 1183 Betrieben an 183 Orten beteiligt; an den 9 Streiks 1234 Arbeiter in 253 Betrieben an 183 Orten und an 3 Aus- sperrungen 313 Arbeiter in 32 Betrieben an 13 Orten. Die Kämpfe erforderten 38 349 Fr. Unterstützung. Errungen wurden 3863 wöchentliche Stunden Arbeitszeit- Verkürzungen und 24 892 Fr. wöchentliche Lohnerhöhung. Die„Gewerkich. Rundschau" bemerkt zu der Statistik, daß sich in diesen Zahlen die gewerkschaftlichen Erfolge nicht erschöpfen. In Hunderten von Werkstätten haben die Arbeiter in direkter Unter- Handlung mit den Unternehmern Verbesserung der Arbeits- bedingungen erzielt, ihren Zentralvorständen aber keine näheren Mitteilungen darüber gemacht. Das gleiche gilt von vorgekommenen Abwehrbewegungen gegen Entlassungen, Lohnreduklionen und sonstige Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen. Angesichts der lebhaften und erfolgreichen Lohnbewegungen der .___; f jc.__ oc r,,; ♦„— Im* i n•) n s»;« 771 sfl" ihr» trachtungen mit vollem Recht mit den Worten schließen:„So hat sich die gewerkschaftliche Aktion, an der bei Kriegsausbruch viele verzweifelt sind, als sehr wirksam erwiesen. In noch viel höherem Matze wird sich das im Bericht von 1916 zeigen." Einberufung einer Konferenz durch die französischen Gewerkschaften. Vom französischen Gewerkschaslsbund erhielt die schwedische gewerkschaftliche Landeszcntrale eine Einladung zur Teilnahme an einem in den Weihnachtstagen staltsindenden Kongreß. In der Einladung heißt es u. a.. daß die Entsendung von Vertretern ein Beweis dafür' sein würde, daß der Kriegszustand die internationalen Verbindungen, die zwischen dem Proletariat der verschiedenen Länder bestehen, nicht zerrissen hat. Die schwedische Landcszentrale hat sich jedoch genötigt gesehen, die Einladung abzulehnen. Sie erklärt jedoch in ihrem Antwort- schreiben, daß sie mit größtem Interesse und mit allen Kräften für eine Wiederanknüpfung der Verbindungen nach dem Kriege wirken werde.— Dieser Bescheid der schwedischen gewerkschaftlichen Landes- zentrale erscheint uns sehr verständig, denn durch diese internatio- nalen Sonderkonferenzen kann die gewerkschaftliche Internationale doch nicht neu belebt werden. Mus der Partei. Die Bremer Opposition bleibt bei der Beitragssperre. Eine Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins in Bremen, die am Dienstag stattfand, beschäftigte sich mit einem Antrage des Vereins- Vorstandes, die beschlossene Beitragssperre wieder aufzuheben. Die von etwa 400 Mitgliedern besuchte Versammlung lehnte aber mit großer Mehrheil den Antrag ob. Der Vorstand des Sozialdemokratischen Parteivereins Bremen, d. h. der Organisation, in der sich nach dem Beschluß über die Beitragssperre die Genossen vereinigten, welche den Zusammen- bang mit der Gesamtpartei aufrechterhalten wollen, erläßt dazu eine Erklärung, in der es beißt: „Durch diesen Beschluß ist erneut bewiesen, daß die Spaltungs- Politiker unter der Führung Kniefs die Oberhand behielten; Die Genossen und Genossinnen, denen es ernst mit ihrer Zugehörigkeit zur Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ist, werden nun den Weg zum Sozialdemokratischen Parteiverein Bremen finden, wie ihn bis heute schon Hunderte gefunden haben. Nur durch diesen Schritt wird es möglich sein, wieder geordnete Parteiverhältnisse in Bremen zu schaffen."_ Totenlistc der Partei. Im Alter von 66 Jahren starb in M a n n h e i m Genoffe Stadlrat Herniann Barbe r. Von Geburl Oestcrreicher, der- lebte er seine Jugendjahre in Wien, wo er als Installateur lernte. Zu Beginn des Sozialistengesetzes siedelte er sich»i Mannheim an, wo er sich bald der Sozialdemokratischen Partei anschloß. Mit Dresbach wirkte er hauptsächlich in der Gemeindepolitik. 1893 wurde er in den Bürgerausscbuß, 1896 in den Stadirat gewählt. Seit vielen Jahren war Barber als Besitzer eines Jnstallationsgeschäfts selbständig. Gleichwohl blieb er ein tatkräftiger Vertreter der Sache des arbeilenden Volkes, bis die Zuckerkrankheit ihm die Amputation beider Beine und völlige Erblindung brachte. Soziales. Ter vreustische Minister des Innern über die Ausdehnung der Familienunterstützungen. Zu dem Beschlust des Bundesrats vom 3. Dezember'1916 hat der preußische Minister des Innern beachtenswertonAus führungsverordnungen erlassen. Nach dem Beschlust betragen bekanntlich die Mindestsätze für Ehefrauen von Ariegsteilnehmern vom 1. November ab 20 M.. die für sonstige Unterstützungsbercchtigte 10 M. monat- lich. Der Minister erklärt nun, dast zwar in einer Reihe von Fällen, vor allem auf dem platten Lande, die bisherigen Mindestsätze noch als ausreichend erachtet werden können, dast aber trotzdem mit Rücksicht auf die erhebliche Steige- rung aller Lebensmittel eine allgemeine Erhöhung erforderlich war. Er stellt es als ausdrückliche Bedingung hin, dast die Erhöhung der Mindestsätze den Famlien der Kriegsteilnehmer voll zugute kommen must und dast sie ins- besondere nicht etwa dazu führen darf, dast die Liefe- rungsverbände sich veranlaßt sehen, die von ihnen bisher gewährten Zufatzunterstützungen allgemein zu er- mästigen. Hat z. B. eine Gemeinde bisher einer Ehefrau zu dem Reichssatz von 13 M. aus Gcmcindemitteln noch weitere 13 M. gezahlt, so darf sie nun nicht etwa ihren Zufchust um die Erhöhung des Reichsmindestsatzes ermäßigen. Das würde der Absicht des Gesetzgebers nicht entsprechen. Der Minister bezeichnet es im vaterländischen Interesse unbedingt für ge- boten, daß die an der Front für das Vaterland kämpfenden Krieger ihre Familien ausreichend unte r st ü tz t lvissen. „Es Ivird erwartet, daß, nachdem durch die weitere Erhöhung der Mindestsätze für die Familien der Kriegsteilnehmer vom Reich in weitgehendster Weise gesorgt ist, die Lieferungs- verbände auch ihrerseits in allen Fällen, wenn auch nicht das erforderliche Maß überschreitende, so doch in jeder Hin- ficht ausreichende Zusatzunterstützungen bewilligen werden." Die zweite Aenderung, die der Beschluß des Bundesrats vorsieht, bezieht sich auf die Fortzahlung der Unter- stützung bei Entlassung der Kriegsteilnehmer aus dem Heeresdienst. Während nach dem Gesetz die Unter- stützung im Falle der Entlassung nicht weiter gezahlt werden darf, wird jetzt noch eine Halbmonatsrate nach dem Tage der Entlassung als außerordentliche Unterstützung, und zwar mit Wirkung vom 1. Dezember 1916 ab, gezahlt. Wir können dem Minister des Innern nur darin beipflichten, wenn er sagt, daß die zurückkehrenden Heerespflichtigen vielfach nicht sofort geeignete Arbeit erhalten können, und daß sie meist auch gezwungen sind, bei ihrer Rückkehr von der Front außer- ordentliche Aufwendungen für die Beschaffung von Kleidern. Schuhwerk, Handwerkszeug oder dergleichen zu machen. Daher die neue Regelung, die allerdings Ungleichheiten schafft, indem die einzelnen Familien je nach dem Tage der Entlastung die Familienunrerstützung für eine längere oder kürzere Zeit weiter beziehen. Die Neuregelung erschien aber angebracht, um Weiterungen in der Berechnung der Unter- ftützungsbeträge zu vermeiden, und uin den Lieferungs- verbänden die tageweise Berechnung der Untcrstützungs- betrüge zu ersparen. Wichtig ist es. dast da als Zahlungstag der 1. und 15. jedes Monats als grund- legend anzusehen sind, wenn auch die tatsächliche Aus- zahlung der Unterstützung vielfach an anderen Tagen erfolgt, eine Familie, wenn der in Frage kommende Kriegsteilnehmer am 14. Dezember 1916 zur Entlassung gekommen ist, noch die Unterstützung bis zum 31. Dezember erhalten muß. Die Familie eines Kriegsteilnehmers dagegen, dessen Entlassungs- tag der 15. Dezember 1916 ist, würde auch noch auf die Auszahlung der halbmonatlichen Rate am 1. Januar 1917 Anspruch haben. Der Minister ersucht, die Lieferungsverbände umgehend mit Anweisung zu versehen, damit die Nachzahlungen recht- zeitig geleistet werden können. Vom Sattlertarif abweichende Lohuvereinbarung. Gegen die Firma Lundershausen klagte ein Sattler beim Ge- Werbegericht auf Nachzahlung der Differenz zwischen dem Akkordsatz des Reichstarifs und dem ihm gezahlten niedrigen Satz. Es handelt sich um Teilarbeit an Patronentaschen. Der Beklagte wies durch Zeugnis des Werkstaltverlrauensmannes nach, daß, nachdem ein Teil der betreffenden Arbeit mit der Maschine ausgeführt wurde, die Sätze für die einzelnen Teilarbeilen auf Verlangen der Arbeiter anders geregelt wurden als es im Taris vorgesehen ist und daß sich mit diesen Anordnungen die Leitung des Sattlerverbandes sowie die Firma einverstanden erklärt haben.— Auf Grund dieser Feststellung wies das Gericht die Forderung des Klägers ab, weil eine vom Tarif abweichende Vereinbarung vorliege, die zulässig und auch für den Kläger bindend sei, da ihm bei der Arbeitsannahme mitgeteilt worden sei, daß er den vereinbarten Lohnsatz erhalte. Gerichtszeitung. AuS Liebe zum angenommenen Kind. Ein merftoürdiger Zwist zwischen Bruder und Schwester kam gestern vor dem Berliner K a n f m a n n s g e r i ch t zur Verhandlung. Die Klägerin Brigitte H. ist ein älteres, sehr gebrechliches und offensichtlich schwer krankes Fräulein, das mühselig in den Verhandlungssaal geschleppt wird und auf dem ihm auf Veranlassung des Vorsitzenden zur Verfügung gestellten Stuhl halb ohnmächtig zusammensinkt. Der Klägerin gegenüber siebt als Prozeßgegner ihr Bruder, der Inhaber eines Versandgeschäftes, für das die Schwester mit tätig war. Sie glaubt »och einen Anspruch von 163 M. zu haben, dem sich der Bruder auf das entschiedenste widersetzt. Die Klägerin hatte vor sieben Jahren aus Gutherzigkeit einen unehelichen Knaben zu sich genommen und führte mit mehreren Damen, die sich dem gleichen Werke der Nächstenliebe widmeten, einen gemeinsamen Haushalt. Die Geschwister der Klägerin sahen diese menschensreundliche Tätigkeit ibrer Schwester nicht gern, und als letztere an einem Magen- und Darmleiden schwer erkrankte, kam es zum offenen Konflikt. Der beklagte Bruder und seine anderen Schwestern wollten die vermögenslose Brigitte weiter unterstützen, wenn sie in ein Krankenhaus giuge. Sie aber lehnte das Anerbieten ab: sie wolle lieber hungern und Leiden erdulden, ehe sie sich von dem Kinde trenne. In der mündlichen Verhandlung bot der Bruder noch einmal seiner kranken Schwester an, sich in ein Krankenhaus aufnehmen und dort gründlich auskurieren zu lassen. Für diesen Fall wolle er die Kosten übernehmen. Zur Erklärung fügte der Beklagte hinzu:„Für die Schwester wollen wir gern bezahlen, aber nicht für fremde Menschen. Die Erziehung unehelicher Kinder mag sie reichen Leuten überlassen." Die Klägerin beharrte indessen auf ihrem Standpunkt und erklärte, sie werde sich von dem Kinde, da? sie sieben Jahre lang großgezogen habe, auf keinen Fall trennen. Die vom Bruder vergleichsweise angebotenen 50 M. nahm sie an, während sie auf die gleichfalls angebotene Uebernahme der Kosten einer Krankenhausbehandlung verzichtete. Schulkinder als Gewcrbcgchilfcn. Eine Mittwoch bor dem Ge- Werbegericht verhandelte Klage gegen einen Kinobesitzer zeigte, daß in Arbeitgeberkreiscn der Glaube verbreitet ist, für Schulkinder gelten nicht die Vorschriften der Gewerbeordnung. Der betreffende Unternehmer hatte den 13jährigen Kläger Fritz' G. als Radfahrer angenommen und entließ ihn eines Tages, als nichts mehr zu tun war. Der Beklagte glaubte, daß bei Anstellung eines Schulknaben Kündigungsausschluß selbstverständlich sei, auf die Klage der Mutler des Knaben empfahl aber der Voriitzends dem Kinobesitzer, freiwillig 18 M. zu zahlen, womit sich die Mutter zufrieden geben wollte. Er riet, in Zukunft auch mit einem Schulpflichtigen scbriftlichen Ver- trag zu machen, da nur bei Vorliegen einer festen Verkehrssitte in der Branche Kündigungsausschluß angenommen werden könne. Be- klagter zahlte auf diesen Vorhalt freiwillig die 18 M. Haftung des Unternehmers für gestohlene Arbeitergarderobe. Die Kammer 8 des Gewerbegerichts hatte sich am Mittwoch mit zwei Fällen zu beschäftigen, in denen Arbeiter Schadenersatz ver- langten für Kleidungsstücke, die aus dem ihnen im Betriebe zu- gewiesenen Garderobcnschrank abhanden gekommen waren. Im ersten Falle forderte eine Arbeiterin, die in der Fabrik von Prager u. Lojda beschäftigt war, 40 M. Schadenersatz für einen ihr gestohlenen Pelzkragen, den sie in den für sie bestimmten Schrank gehängt hatte. Die Garderobeneinrichtung � des Be- triebes ist so: Jede Arbeiterin hat einen besonderen verschließbaren Schrank. Der Raum, in dem sich diese Schränke befinden, wird nachdem sich die Arbeiterinnen umgekleidet haben, verschlossen. Den Schlüssel dazu nimmt eine Angestellte der Firma an sich. Die Schlüssel zu den einzelnen Schränken werden von den Arbeiterinnen an ei» Brett gebängt, das sich außerhalb des verschlossenen Garde- robenraumes auf einem Korridor befindet, der nach der Treppe zu auch abgeschlossen werden kann, aber nicht immer abgeschloffen ist. Hiernach ist also die Möglichkeit vorhanden, daß jeder, der den Korridor betritt, einen beliebigen Schrankschküffel vom Brett nehmen und den betreffenden Schrank öffnen kann, falls es ihm gelingt, in den von einer Angestellten unter Verschluß zu haltenden Raum zu kommen. Dies ist ohne weiteres möglich, wenn etwa eine Ar- beiterin vor Schluß der Arbeitszeit aufhört. DaS Gericht stellte sich auf den Standpunkt, die beklagte Firma habe dadurch, daß sie den Arbeiterinnen einen Raum zur Auf- bewahrung der Garderobe anwies, eine Berantwortungspflicht übernommen, diese Pflicht aber nicht in vollem Umiange erfüllt, weil die Schrankschlüsfel jedem zugänglich waren, der Zutritt zum Korridor hatte. Es hätte, wenn die Firma ihrer Verantwortungs- Pflicht gerecht werden wollte, eine Einrichtung getroffen werden müssen, die es ausschloß, daß ein Schrankschlüssel in die Hände eines Unbefugten kommen konnte. Aus diesen Gründen wurde die be- klagte Firma zur Zahlung von 40 M. verurteil� nachdem ihr Ver- treter einen Vergleich aus 20 M., womit die Klägerin einverstanden war,„aus prinzipiellen Gründen" abgelehnt hatte. Im zweiten Falle beanspruchte ein bei Ullstein u. Co. beschäftigt gewesener Bureaubursche 9 M. Schadenersatz für eine Hose, die an- geblich aus einem verschloffenen eisernen Schrank, der nur dem Kläger zur Verfügung stand, gestohlen sein soll. Der Kläger er- klärte, es sei möglich, die Tür des verschloffenen Schranke? soweit aufzubiegen, daß man Gegenstände herausnehmen könne. Der Vertreter der beklagten Firma bestritt diese Möglichkeit.— Das Gericht riet dem Kläger, die Klage zurückzunehmen, weil er den Diebstahl nicht nachweisen könne und, falls ein solcher vorliegen sollte, die Firma dafür nicht haftbar gemacht werden könne, weil sie durch Hergabe eines verschließbaren Schlankes ihre Pflicht erfüllt habe.— Die Klage wurde zurückgenommen. schweizerischen Arbeiter im Jobre 1913 kann die„G. R." ibre Be__._______________ "Perantw. Redakt.: Herrn. Müller. Tempelhof. Inseratenteil verantw-Xh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagsansNPaul Singer i Co„ Berlin SM. Die Eier der Frau v. Puttkamer. Frau v. Puttkamer aus Läwitz im Kreise Stolp war wegen Uebertretung der Eierhöchstpreise angeklagt worden, die der Landrat des Landkreises Stolp festgesetzt hatte. Sie lieferte von Lowitz aus nach Berlin-Wilmersdorf an das dortige adelige D a m e n h e i m jede Woche mehrere Postpakete mit Eiern und nahm sür die Stiege(20«luck) 50 Pfennig mehr, als im Kreise Stolp gestattet war. Deshalb wurde sie vom Landgericht in Stolp zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Kammergericht hob aber das Urteil auf und sprach die Angeklagte frei, weil die Höchstpreisfestsetzung nur für den Bezirk gelte, für der sie erlassen sei. Die im Bezirk gewonnenen Eier unterlägen ih> nicht mehr, wenn sie die Grenze des Bezirks überschritten bätlen. Hierzu 1 Beilage und Unterhaltungsbl. flt. B44 33. �übrrttflö. BSEKJ WM iiß„llotniitlö" ilftliiift ilollüililnlt. Irritög 15. 5f?fntbfr 1916. Viöer öen Kohlenwucher! Von Otto H ii c. Auf ftcm Berliner Kolilen- und Brikettmarkt herrscht gegenwärtig eine gewisse Materialknappheit, die schon zu .Angstkäufen" init erheblichen Mehrpreisen ausgenutzt wird. (rs heißt, in Groß-Berlin würden schon stellenweise 2 Mark pro l 0(j B r i k c t t s gezahlt,»in nur den nötigsten Bedarf einzudecken. Im November stand der Preis pro 100 Stück Briketts frei Haus bereits auf 1,50 M. für die„gewöhnlichen" Marken, auf 1,60 M. für„Ilse". Ob solche Preise gerecht- fertigt sind, soll nachfolgend untersucht werden. Zunächst aber möchte ich allen Geängstigten versichern, daß keine Veranlassung vorliegt, einen Mangel namentlich an Briketts zu befürchten. Die deutsche Braunkohlen- förder ung inar 1015 sogar noch über 1 Million Tonnen höher als in dem Jahre vor dem Kriege und ist 1016, nach einer Reihe von Werksberichten zu urteilen, weiter gestiegen. Die gegenwärtige Knappheit am Kohlen» u n d B r i k c t t m a r k t b e r u h t a u f d c in Wagcnmangrl, der fast joden Spätherbst eingetreten ist. Tic Eisenbahnver» waltung wird dieser Kalamität schnellstens Herr zu werden versuchen, dann ist auch wieder Hausbrand ausreichend am Markt. ES liegt also kein triftiger Grund vor, Brennstosf- mangel zu befürchten, und darum ist allen Konsumenten dringend zu raten, keine höheren als die ohnehin üblich gc- wordenen hohen Preise zu zahlen. In der letzten Generalversammlung der großen W-e r• s ch e n- W c i ß e n f c l s e r- A.- G. wurde dem- alten Auf- sichtsrat vorgeworfen, er habe einen für den Verkäufer zu un- günstigen Liefervertrag über inindestens jährlich 800 000 Tonnen Rohkohlen an die A. G. H i r s ch, Kupfer- und Messingwerke abgeschlossen. Die Verwaltung erklärte darauf (frankfurter Zeitung vom 26. November d. I.): Der Preis von 2U Mark ipto 10 Xonncni sei aut. Wenn jetzt während des Krieges Preise von 110 Mark und mehr ä n d l e r n st r c n g d i e V c r k a u f s p r c i s e i n k l. R a- batte vorschreibt. Uebertretungen mit Geldstrafen oder Liefeningssperren bestraft. Danach muß angenommen werden, daß die Zwischenhändler nicht nach eigenem Ermessen die Preise normieren. Die Händler sind ja im Grunde nichts anderes als Angestellte des und Arbeiter für daS Syndikat. Wenn die Preisprüfnngsstelleu der Preisbildung nachforschen, dann darf man sich nicht beschränken ans die Unter- stichung der gegenwärtigen Preisentwicklung zwischen„ab Werk" und„frei Keller". Es dürfte vielleicht festgestellt werden, daß den mittleren und kleinen Händlern die Arbeits. kosten währeyd des Krieges(Fuhrlöhne, Arbeiterlöhne usw.) so gestiegen sind, daß ihr Gewinn unter den jetzigen Verhält- nissen nicht wesentlich höher ist als vor dem Kriege. Man muß also ans die Quelle der Preisbildung zurückgeh e u! Darum weise ich nochmals darauf hin, wie außer- ordentlich niedrig die G e st e h u n g s k o st e n der W e r k s ii n t e r n c h m e r sind! Nach dem Gutachten be- treffend das Neuköllner Unternehmen betragen die Selbstkosten pro Tonne Rohkohlen nur 1,06 M., für pro Tonne Briketts nur 4,73 M. Der Uebrrschuß ober belauft sich bei Rohkohle auf 1,10, bei Briketts ans 4,26 Mark! Ter Ucbcrschuß geht also bis über 30 Proz. der Einnahmen ab Werk! Hierbei ist aber ja nicht zu bcrgessr», daß der für das Neuköllner Unternehmen angesetzte Verkaufspreis ab Werk 20 Mark pro Ladung Briketts niedriger ist als der in der fraglichen Zeit vom Brikettsynditat festgesetzte!!! ?lls ich gelegentlich an einer sehr beruslichen Stelle auf diese riesigen Gewinne der Industrie und mich auf das Neu- köllner Gutachten berief, erklärte man mir, diese Ziffern ent- sprächen nicht den tatsächlickstm Verhältnissen. Die Gc- stchilngskosten der Industrie seien viel höher. Diese sehr be- achtliche Beanstandung des Neuköllner Gutachtens hat es aber nicht erschüttern können. Tie Vcrantwort- liehen bürgten dafür mit ihiciu Ruf als hervorragende Jndustriepraktiker. Das Neuköllner Unternehmen verfügt zudem nicht einmal über die besten, sondern n»r über durchschnittlich gute Lansitzer Kohlenfelder. Die errechnete Bctriebsrente stellt also auch nur einen T u r ch schnitt dar. Dabei ist. wie gesagt, nur mit einem Brikettpreis von 00 M. ab Werk pro 10 Tonnen gerechnet worden, während der Syndikatspreis während dieser Zeit auf 110, der Jlsepreis sogar auf 120 M. stand! D i e B e t r i e b s- reute in u ß mithin eine g a n z a u ß e r o r d e n t l i ch hohe sein, und inzwischen ist noch ein Preisansschlag von 20 M. ab Werk erfolgt. Die dein Handbuch entnommene Selbstkostenrechnung zeigt besonders, wie a n ß e r- ordentlich gering die L o h n k o st c n pro Tonne s i n d. Auch wenn inzwischen die Löhne verdoppelt worden wären, schlüge das bei der großen Spannung zwischen Selbst- kosten und Erlös verhältnismäßig wenig zu Buch. Tatsächlich sind aber die Schichtverdienste der eigentlichen Braunkohlen- bergleutc im Oberamtsbezirk Halle(wozu die Lausitz gehört) von Kriegsbeginn bis Mitte 1016 nur usti 24 Proz.(Ge- dingmrbeiter!), die der übrigen männlichen Arbeiter nur um 23 bis 27 Proz. gestiegen! Diese geringe L o b n z n- n a h m c i n n c r h a l b z w e i e r b e i s p i e l l o s e r T e n e- r u n g s j a h r e kann natürlich nicht im entfern- testen die Selbstkosten s o g e st c i g e r t h a b c n. daß hierdurch die erfolgten PreiSerhöhun- gen gerechtfertigt wären. Das sei ausdrücklich fest- gestellt gegenüber der Behauptung, durch die Zunahme der Jndstricarbeiterlöhne sei die Verkqufsprcissteigcriing nötig geworden. Tie breite Volksinasse, die Arbeiter, Kleinbürger, niedrig- besoldeten Beamten wissen kaum, wie sie sich in dieser furcht- baren Tencrnngszeit durchschlagen sollen. Jede weitere Preiserhöhung verschlimmert d i c L a g e des Volkes. Wir haben festgestellt, daß in Groß-Berlin im r u n g c n! Mbgeorönetenhaus. 40. S i tz ii ii g. Donnerstag, den 14. Dezember. m i l l a g s 12 U h r. Am Minifterliscli: Frbr. v. Schorle in er. Auf der Tagesordnung siebt zunächst die ersic, zweite und diille Beratung eines Antrags Dr. K ii n i g(st.) auf Slcucrfreihcir für die während des Krieges bewilligien T c n c r u n g s z u l a g c n für Reichs- und Staatsbeamte und«Arbeiter. Bei Beginn der Sitzung gehen dazu AbänderungZonträqc der Freisinnigen und dtS AcntruinS ein, die die Ausdehnung der Sicuei- ireiheit auf die Kinderbeihilfen ieip. auf Angestellte und Arbeiter in Privalbetrieben verlangen. Abg. v. Bockclbcrg(i.) beantragt, aus diesem Grunde die ganzen Anträge zunächst der Sleucrkonnntisiou zu überweisen. Abg. Hirsch(Soz.): Da auch meine Fremide ein Interesse daran haben, an der Beratung der Anträge niiibcteiljgt zu sein, beantrage ich ihre Ilebeiwcisuiig an die verstärkte Budgellommiision. Dieser Antrag wird angenommen. Hierauf wird In dritier Lesung daZ S ch a tz u n g S a m t S- g c s e tz und ebenso das Gesetz über die Stndlsch asten nach kurzer Debatte geinätz den Beschlüssen zweiter Lesung angenommen. Damit ist die TaaeSordiiung erledigt. Präsident Graf Schwerin-Löwitz schlägt vor, die nächste Sitzung abzuhalien TicnSiag, den Iii. Januar, nachniiilags N Ilbr, mit der Tagesordnung; Einbringung des EiatS, und schließt die Sitzung mir folgender Ansprache: Bevor lvir auSeinandergeken, wünsche ich Ihnen allen ein glück- lichcS und gesegnetes WrihnachtSfest(Abg. Adolf Hofsmann: Frieda auf Erden 5 und gebe der Hosinmig und dem Wunsche Ausdruck, daß wenn wir uns im neucii Jahre wieder hier zusammcnsindcn. wir, iei cS durch das großzügige F r i c d c n s a n g c b o t unscrcs Kaisers und seiner Berbündeteli oder, wenn die Feinde cZ niwt anders wollen, durch weitere herrliche Siege unserer unvergleiä- lichen Truppen(Lebhaftes Bravo!) dem großen(fiele eines siegreichen d a n c r h a s t c n Friedens wieder c i n c n e r h e b I i ck c n S ck> r i t t n ä h c r g c k o in m c ii sein werden- (Erneutes lebhastes Bravo!) Schluß 2'/.} Uhr.________ politische Uebersicht. Antrag auf Einberufung des Rcichöhaubhalts- nusschufscs. Nach einer Mitteilung des nationalliberalen„Deutschen Kurier" ist beim Vorsitzenden der Hailshaltskominission des Reichstags ein Antrag des Abg. B a s s e r m a n n(natl.) ein- gegangen, der die Anberaumung einer Sitzung zur Besprechung der auswärtigen Lage fordert. Das Blatt bemerkt daz»: Wie wir hören, hat die nationallibcralc Fraktion einmütig beschlossen, in einem Schreiben an den Reichskanzler gegen die llebergehung des Reichstag in der Friedenssrago Ein- s p r u ch zu erheben. beim S ch � bringen will, die die Verbindung zwischen Regierung und Parlament ständig und besser aufrechterhalten sollen. Abgeordnetenhaus. Steuerfreiheit der K r i c g s t e u e r u n g S z u I a g c n. Ten ersten Punkt der Tagesordnung der Donnerstag- sihung deö Abgeordnetenhauses bildete die Beratung eines in die Form eines Gesetzentwurfs gekleideien Antrags des Zentrums betreffend Steuerfreiheit der Kriegs- t c u e r n>i g s z u l a g e U. Nach dem Entwurf sollen init rückwirkender Kraft vom Beginn des Steuerjahres 10t5 die während des Krieges bewilligten lausenden und einmaligen Teuerungszulagen der unmittelbaren und mittelbaren Beamten des Reichs und deS Staats sowie der im Dienste des Reichs, des Staats und der Kominunalvcrbände stehenden Arbeiter frei von Staats- und Gemeindceinkomnicnsteuer bleiben. Seitens der Zortschrittler lag ein AbänderungSantrag vor, der auch die Kinderbeihilfen steuerfrei lassen will. Ein weiterer Antrag des Abgeordneten Brust(Z) forderte die Freilassung der während deS Krieges den Angestellten und Arbeitern privater Betriebe von� deren Besitzern bewilligten laufenden und einmaligen TenerungSzulage. Es bestand ursprünglich die Absicht, den Gesetzentwurf sofort in allen drei Lesungen zu erledigen, aber die Abänderungs- antrage hinderten die Anssührnng dieses Planes, und so einigte sich das Haus denn ohne Debatte dahin, sämtliche Anträge der verstärkten StaatShaUshaltSkouimission zur Vor- beratnng zu überweisen. Nachdem dann noch der Entwurf eines Schätzung?-- amtsgesetzes und das Stadischaftcngesetz in dritter Lesung angenommen'waren, vertagte sich das Haus bis nach Neujahr. In der ersten Sitzung, die am 16. Januar stattfindet, wird der Finanzminister den Etat einbringen. Tic Hiberuiavorlage im Ausschuh angenommen. Ter vcrstärllc S t a a t S h a u S h a l t S a u ö s ch u ß dcS AbgcordneleiihauseS beriet am TomierStag die Hibcrniavvrlage und nahm sie mit allen gegen eine Stirn m c a n. Der Kommiision lag ein Antrag deS s o z i a l d e m o k r a« tischen Vertreters vor, der von der StaatSregicriiiig Auskunfl über verschiedene Einzelfragen und Vorlage des zwischen Staat Sregierung und K o h l e u s y N l» i k a t abgeichlossciieii Vertrages verlangle. Die konservative Pe.riei regle an. die Frage der gemischtwirtichafilichen Betriebe und die Syiidikalösrage auS der Verhandlung überhaupt auszuscheiden. Hiergegen legte die Linke energisch Prolest ein. Es wurde beschlossen, von dem sozialdemokratischen Antrag die auf die Beurteilnng deS HiberniakaufS bezüglichen Anfragen abzn- lehnen, die Regierung aber zu ersuchen, bei der Beratung des Berg- elalS die aus das Syndikat bezüglichen Fragen zu beantworten. Tie Vertreter der Konservativen. F r e i k o n s e r v a- tivcn. R a l i o u a l l i b e r a l c ii und der Zentrums- Partei stellten sich ohne weiteres auf den Boden der Vorlage. Der sozialdemokratische Vertreler wies auf die Höbe der K r an k h ei l ö z t f s c r in den Hiberniagruben hin. Er bemängelte die RemabUilätSberechmiug niid hob hervor, daß bei einer Einschräiikuiig der Förderziffer durch das Syndikat die Reulabitüät erheblich bceinftußl werden würde. Der f o r r s ch r i t i l i ch e Redner vertrat die Auffassung, daß die finanzielle Situation au sich zwar eine äußerst gespapute sei und insofern jede Koiijlliiktnreinschräiikuilg ungünstig ays den Staats- beirieb zurückwirken kviiile, daß aber diese Seite der Frage nicht zu einer Ablebmnrg veranlasjen könne. Wichtiger sei die wirtschafis- politische Seile: ein ungünstiger Einfluß des t e u r e n K a u ks auf die Stellung des BergfiskuS zu Leu K o h l e u p r e i s e u sei nicht von der Hand zu weisen. Cer Handelsminister gak jm derstehen, baß eine Ab- leb nun g der Vorlage ein neues Angebot nicht herbeiführen würde. Die Verwaltung glaubt, die vor» gesehene Verzinsung herausarbeiten zu können, lieber die Cfc- krankunstSziiscr bei den Hiberniagruben konnte der Minister eine bestimmte Mitteilung nicht inncbcu. sagte aber zu, das; alles ge- schehen lucrde, tvaS zu hygienifchen Zwecken notwendig sei. Außer- dem erllärte er, daß die Regierung nicht beabsichtige,' einzelne der Zechen bei ungünstiger Äonjunklur stillzulegen. Finanziell werde der Kauf dein Fiskus nichts kosten, er werde vicklelcht noch etwas bringen, aber das sei nicht die Hauptsache, dicS liege auf der ivirifchaftlicheu �oeitc in der Stärkung des Staates im Syndikat besonders für die Zeit, wenn ein neuer SyndikatSvertrag abzu- schließen wäre. Durch den Verkauf der Hibernia erlange der Staat größeren Einfluß auf den Markt, vor allen Dingen auch durch die bessere Ausstattung mit Sorten. Auf die Anfrage des fortschrittlichen Redners erklärte der Minister, daß der Staat seine B c r k a u f s o r g a n i s a t i o n in ihrer Selb- st ändi gleit innerhalb des Syndikats vorbehalten habe. Würde er aus dein Syndikat austreten, so würde alio diese Organisation alsbald in Tätigkeit treten können und insolgs der vermehrten Förderung durch die Hibernia könnte sie den Markt erheblich stärker beeinflussen als bisher. Auch darin liege eine Vermehrung des staatlichen Einflusses innerhalb des Syndikats. Wenn bei ihm die Neigung bestünde, nur auf den Geldwert zu sehen, werde das Schwer- gewicht demirach nicht viel größer. Auf die Interessen der Gesamt- heit zu sehen, toerde ihn- nicht schwerer, wenn er neben dem ungünstig gelegenen Recklinghauscn noch die gute Hibernia dazu bekomme. Auf die Frage eines Beirats für das Kohle n- s y n d i k a t wolle er nicht näher eingehen, der Vorschlag im Zwangssyndikatsgcsetz sei als reine Kriegsmaßregel gedacht. Im übrigen sprach sich der Minister in dieser Hinsicht ähnlich aus wie in, Plenum. Die Stellung der Beamten werde, so lange die Hibernia als Aktiengesellschaft weitergeführt werde, die der Privatbeamten in ähnlicher Lage sein. Wann die Hibernia in den vollen Staatsbesitz übergeführt werde, vermöge er nicht anzugeben. lleber die Höhe des Kauipreises machte der Minister noch verschiedene Angaben, aus denen insbesondere hervorging, daß die Herner G. m. b. H. die Aktien im Durchschnitt nicht unter dem vom Staat angelegten Preise erlangt habe. Zum Berichterstatter wurde Abg. Althoff(natl.) bestellt. Bundesrat. In der gestrigen Sitzung des Bundesrats ge- langten zur Annahme: der Entwurf einer Verordnung, betreffend Stcmpelpflicht ausländischer Wertpapiere, der Entwurf einer Ver- ordnung über Hülsenfrüchte, der Entwurf einer Verordnung, be- treffend did Krankenversicherung deutscher Arbeiter im besetzten feindlichen Ausland, der Entwurf einer deutschen Arzneitaxe 1917, eine Ergänzung der Bekanntmachung, be- treffend gesundheitsschädliche und täuschende Zu- sätze zu Fleisch und dessen Zubereitungen usw., der Entwurf einer Verordnung, betreffend den Verkehr mit Kraftfahrzeugen, der Entwurf einer Verordnung, betreffend die Anmeldung von A u s l a n d S f o r d e r u n g e n, den Entwurf einer Verordnung. betreffend die Verwendung weiblicher Hilfskräfte im Gerichtsschreiberdienste, und der Entwurf einer Ver- ordnung über die GeschäftSaufsicht zur Abwendung des Konkurses. Einstellung der Baute«. DaS Deneralloinmairdo des 7. Armeekorps in Münster(Wests.) hat die Einstellung aller Bauten, soweit cS nicht Kriegsbauten sind, binnen 11 Tagen angeordnet. AusnahmSbewilligungcn erteilt nur das Generalkommando.(z) Die Hamburger Bürgerschaft bewilligte einstimmtg. ohne De- hatte, weitere zehn Millionen Mark für die durch den Krieg er- wachienen Ausgaben, und erhöhte damit die bisher bewilligte Summe auf Iva Millionen Mark, von denen neunzig Millionen auf dieses Jahr entfallen. Für unvorhergesehene Ausgaben wurden zu den bisher bewilligten sieben Millionen Mark eine weitere Million bewilligt._ Ter Sieg der Proportionalwahl im Kanton Zürich. Nach heftigen Kämpfen ist am Sonntag im Kanlon Zürich in der Volksabstimmung mit 48 672 gegen 41 919 Stimmen die Ein- sührung der Proportionalwahl des Kantonsrates beschlossen worden. Dafür waren die Sozialdemokraten und Ebristlichsozialen geschlossen cingelrelen, offiziell auch die demokratische Partei und die Konter- vativen, während die Mehrheit der Liberalen sie bekämpfte. Die Hauptgegner waren die Bauernfübrer, die Sekretäre der bäuerlichen Verbände und Genossenschaften sowie die Lehrer der landwirlschast- lichen Schulen Im Jahre 1911 war un gleichen Kanton Zürich der Proporz mit 42 197 gegen 39 474 Stimmen verworfen worden und ebenso hatte im Oktober 1916 der KantonLrat die jetzt vom Volke mit 7000 Stimmen Mehrheit angenommene Proporzinitiative mit 102 gegen 73 Stimmen abgelehnt. Die Jnitiativvorlage, die in der Volksabstimmung angenoinnien wurde, bedeulel die gleichzeitige Re- Vision der Kantonsverfassung und des kantonalen Wahlgesetzes und zwar definitiv, nicht nur grundsätzlich, da sie bereits alle nolwendigen neuen Bestimmungen enthält. Auf jeden Fall handelt es sich um einen bedeutenden politisch- demokratischen Fortschrltt, der auch die SiegeSaussichlen sür den Nationalratsproporz bedeutend verbessert hat. hmöenburg über Sie Kriegslage. Generalfeldmarschall v. Hindenburg hatte mit dem Ver- tretcr der 3tew Iorker„World", K. v. Wiegand, eine Unter- redung, über die der„Tag" berichtet. Hindenburg sagte, die inilitärische Lage sei günstig an allen Fronten.„Wir sind dankbar für das Vergangene, zufrieden mit dem Erreichten, wir haben keine Angst vor dem nächsten Jahr und grämen uns nicht um die Zukunft." Die Prophezeiungen der Entente auf das Jahr 1917 würden ebensowenig eintreffen wie seue auf 1916. Auf die Frage, wozu der Krieg dann noch fortgesetzt werde, antwortete Hindenburg:„Fragen Sie die andere Seite!" „Soll"ich daraus entnehmen." fragt v. Wiegand,„daß Sie geneigt wären, Frieden zu machen?" „Sobald wir den Ententemächten unseren Willen klar gemacht haben," erwiderte Hindenburg. „Und dieser Wille ist-- fragt Wiegand weiter. Hindenburg antwortet:„Daß die vereinigten Entente- mächte sehen und sich klar darüber werden, daß sie Teutschland nicht zerschmettert haben, daß sie weder Deutschland noch seine Bundesgenossen je zerschmettern können, wie es seit langem geplant war, daß die nötige Sicherbeit gegeben werden muß für den zuküufti- gen Schutz des deutschen Volkes und seiner Verbiindeten gegen die Wiederkehr einer solchen Verschwörung mit ähn- lichem Ziel, und daß die Ententemächte das Recht Deutschlands und seiner Bundesgenossen a n e r k e n n c n w e r d e n, s i ch i n f r i e d l i ch c m W c t t- b e w e r b mit denselben Rechten und Vor» rechten, die andere Nationen genießen, zu e u t w i ck e l u."—„Jedoch, ich bin Soldat und nieine Pflicht ist. Schlachten z�t schlagen, wenn möglich hinzuweisen, wo gute Fricdensmöglichkeitcn entstehen, aber Frieden an sich machen, ist Aufgabe der Staatsmänner." Das Gespräch kam auf die militärischen Aussichten im Frühjahr. Herr v. Wienand berichtet darüber: „Aver sie machen herkuUsche Anstrengungen und gigantische Vorbereitungen für den Frühling," warf ich ein. „Wir auch," erwiderte.Hindenburg rasch. „Ist damit die neue Hilfsdienstpflicht gemeint?" „Diese gehört auch mit dazu." „Das Inetze also ein biblisches Armageddon im Frühling, im Vergleich zu dem die Sommeschlacht mit ihrer halben Million Verluste ein Kinderspiel war?" „Möglich, wenn Frankreich und England auf solchen Opfern bestehen, laß sie auf den Granit unserer Mauer im Westen beißen." „Nach meiner eigenen Anschauung waren die Deutschen in der Sommeschlacht an Artillerie den Alliierten unterlegen." „Das traf für einige Zeit zu, es war aber, wie die Eng- länder und Franzosen herausgefunden haben werden, während der letzten Wochen nicht mehr der Fall und wird es im nächsten Frühjahr noch weniger sein," erwiderte Hindenburg grimmig und legte besonderen Nachdruck auf die letzten Worte. „Wie ist das Stärkevcrhältnis zwischen Deutschland mit seinen Verbündeten und den Ententemächten?" wagte ich zu fragen. „Was die Zahl betrifft, ist die Entente den Zentralmächten natürlich überlegen, aber diese Ueberlegenheit genügte nicht, die kleinen Völker zu schützen, die für die großen Staaten kämpfen und sich für sie opfern müssen. Belgien, Serbien, Montenegro . und Rumänien sind solche Ententeopfer. Diese Namen sind charakteristisch für die heutige Lage, wie die Kriegskarten sie zeigen. Sie sind auch charakteristisch für die bittere Ironie und die Heuchelei Englands, zum Schutz der kleinen Völker in den Krieg gezogen zu sein. Und wenn es noch einer Aufklärung über die tatsächliche militärische Lage bei Jahresschluß bedürfte, blicken Sie doch nach Petersburg und London, wo die Kabinette stürzen oder zu stürzen beginnen, und auf die Zeichen der Un- Zufriedenheit und Unruhe in Rußland, Paris und Rom." Im weiteren Verlauf des Gesprächs bezifferte Hinden- bürg den Gesamtverlust der Entente an Toten, Verwundeten, Kranken und Gefangenen auf 15 Millionen. Unsere Verluste„sind nicht leicht gewesen, aber bleiben in den Grenzen des Erträglichen". Ueber die Notwendigkeit militärischer Vorbereitung führte der Marschall aus:„Tie Kriege sind Volkskriege geworden und nicht mehr Kriege gemieteter Söldner. Naturlich werden sie weniger häufig werden, weil die Völker selbst sie auszufechten haben und weil die Völker sich bemühen wer- den, sie zu vermeiden und sie abzuwenden. Jede praktische Methode, welche dem Zwecke dient, Kriege noch seltener zu machen, dadurch, daß man einen Weg des Appells an die Vernunft anstatt an die Waffen erfindet, sollte mit Synipathie begrüßt und unterstützt werden. Aber jede Regierung, welche sich dadurch in vollste Sicherheit einlullen läßt und sich auf die pazifistischen Ideen eines ewigen Friedens auf Erden Perläßt und es versäumt, sich auf eine V e r t e i d i» g u n g der Existenz, der Ehre und der Rechte ihres Landes vorzubereiten, sündigt schwer an ihrem Volk." Miliz oder stehendes Heer? „Deutschlands Heer wird nie eine Milizarmec sein können, sondern ein Heer von aufs höchste ausgebildeten Kriegern. Dieser Krieg hat auch die Wichtigkeit eines be- sonders großen und vorzüglich ausgebildeten Offiziers- korps bewiesen. Wo wäre Deutschland beute ohne es? Eine wenig ausgebildete Truppe von an sich guten und tapferen Leuten kann einem Heerführer im besten Falle als Notbehelf dienen, aber der Unterschied läßt sich sofort heraus- fühlen. Er weiß genau, was gut ausgebildete Truppen leisten können, bei flüchtig ausgebildeten ist er dessen dagegen nicht so gewiß." „Der Schweizer Soldat ist ohne Zweifel ausgezeichnet für die Zwecke, für die er erzogen ist und gebraucht wird," sagte Hindenburg.„Der Schweizer Soldat ist gut, jeder ein- zelne ein Scharfschütze, und ich habe große Hochachtung vor ihm. aber andere Nationen können sich trotzdem die Schweiz nicht zum Vorbild nehmen. Die Lage der Schweiz ist einzig. Ihre Neutralität ist verbürgt, ihre Armee vollkommen zur Verteidigung ihrer Grenzen und Gebirge ausgebildet, die allgemeine Topographie ist jener Verteidigung sehr günstig. Tasselbe kann von Teutschland nicht gesagt werden." Das Gespräch schloß mit der wiederholten Frage:„Und der Frieden?" „Fragen Sie die anderen," war des Feldmarschalls Ab- schiodsgruß._ Staötverorönetenversammlung. 26. Sitzung vom Donnerstag, den 14. Dezember.1916, nachm. 5 Uhr. Vorsteher Michelct eröffnet die Sitzung nach ö'A Uhr. Ter freihändige Verkauf des Grund st ücks Verna uer Straße 33/ Be rg st ra ß e 42 zum Preise von 130 000 M. frei von Straßenanliegerbeiträgen ist Gegenstand einer Ausschußbera- tung gewesen. Die Ausschußmehrheit hat den MagistratsvoZchlag zur Annahme empfohlen; die Versammlung beschließt demgemäß ohne Debatte. Ten Versanunlnngsbeschlüssen betr. die Erhöhung der Kur- und Verpslegungskosten in den städtischen Krankenhäusern ab 1. April 1917 und betr. die Abänderung der Satzung für die Sparkasse ist der Magistrat beigetreten. Dem Verband für erste Hilfe, der für das laufende Rechnungsjahr 1916 berests eine Beihilfe von 9000 M. bewilligt erhalten hat, ist um eine weitere Beihilfe von 6000 M. vorstellig geworden, die der Magistrat bewilligen will. Stadtv. Dr. Weyl(Soz.): Wir wünschten, es wäre das letzte Mal, daß wir eine solche Beihilfe leisten. Auf die Dauer kommen wir um die Uebernahme des Verbandes in städtische Regie nicht herum. Unser städtisches Rettungswesen, so sehr es aus der Höhe und vorbildlich ist, kann ebenfalls aus die Dauer ohne Verbindung mit dem städtischen Krankentransportwesen nicht bestehen; unsere Kollegen im Vorstand des Rettungswescns haben das schon 1913 betont und zugleich hervorgehoben, daß die Stadt bei angemessener Normierung der Kostensätze auch keine pekuniären Opfer dabei zu bringen haben würde. Ter Magistrat will nun sür den Fall der Bewilligung von dem Verbände fordern, daß er für ordnungsmäßige Rettungsstellen ständig bemüht bleibt.„Die Botschaft hör' ich wohl, allein nur fehlt der Glaube!" Die 6000 M. allein werden es nicht machen. Dem Verband fehlt es an Gummibereifungen, Benzol, Pferdcfutter, Chauffeuren und Bedienungsmannschaften. Es würde ihm von großem Nutzen sein, wenn der Magistrat sich entschlösse, zunächst diese Rohstoffe dem Verband zu beschaffen, dann aber auch dafür zu sorgen, daß der Dienst der Chauffeure und Hilfskräfte als eine Art Zivildienst betrachtet wird. Das Krankentransport- wescn liegt zurzeit sehr im Argen; der Verband kann sein Wagen- Material nicht ausnutzen und die Anforderungen an den Kranken- transport nicht bewältigen. Das ist eine schwere Gefährdung der öffentlichen Gesundheitspflege. Im»Berliner Tageblatt" vom 1. De- zembcr hat der Direktor der Berliner Ortskrankenkassc, Albert Köhn, migeteilt, daß ein an Masern erkranktes Dienstmädchen den ganzen Tag in der Wohnung des Dienstgebers hat bleiben müsseix, weil kein Wagen aufzutreiben war. Arbeiter, die an Lungenblutung erkrankt waren, konnten ans gleichem�Grnnde tagelang keine Hilfe finden. Wenn solche Dinge in die Oeffentllchkeit komme», haben wir die Pflicht, nach dem Rechten zu sehen. Vielleicht gelingt es durch meine Anregung, den Krankentransport über die Kriegszeit cinigerniaßcn durchzuhalten. Seldstverjtändlich muß aber darüber hinaus früher oder später bei der Verstadtlichung der Hebel ange» setzt werden. Stadtrat Runge: Wir haben vor 14 Tagen von diesen Vor- kommnijsen erfahren und sofort Vorkehrungen zur Abhilfe ge- troffen. Bei der Polizei ist nachgesucht worden, baß die wegen Pferdemangcl unbenutzt stehenden Wagen in die FeuerwehrdepoiS gebracht und bespannt werden, und die Feuerwehr sich erbietet, im Notfall zu fahren. Tie fahrbaren Tragbahren auf den Feuerwachen find so eingerichtet, daß je zwei Leute vom Verband, ein Mann und eine Frau, sie schnell jederzeit hinfahren und diese Bahren zur Aushilfe benutzen können» wo die Automobile nicht ausreichen. Ein Gesuch des Verbandes um Lieferung von Benzol haben wir unter- stützt; der Verband soll genügend Benzol erhalten, um den Auto- betrieb energischer aufnehmen zu können. Gegen den Mannschafts- mangel können wir nichts machen. Ob wir alte Mängel werden beseitigen können, bleibt die Frage; aber was geschehen kann, ist bereits in die Hand genommen. Die 6000 M. werden bewilligt. In gemeinsamer Sitzung beider städtischer Körper- schaften unter Vorsitz des Oberbürgermeisters werden die Stadtvv. Hallen sieben und Dr. Max L c v y als Ersatz- männer zur Verbandsversammlung des Zweckverbandes Groß- Berlin gewählt. Als Mitglieder der D e p u t a t i o n für die K r i e g s h i l f s- k a s f c sind vier Stadtverordnete und fünf Bürgerdeputierte zu wählen. Die Walst wird v* egen; unter den Gewählten befinden sich auch Fröhlich, H e i m a n n, Koblenzer(Soz.). Zur Bera'H" est sodann die Vorlage des Macfistrais wegen Erböhung der K r(eg s z n l n e. Stadv. Koblenzer(«oz.): Wir begrüßen freudig diese Vorlage, weil sie bezeugt, daß der Magistrat den Arbeitern Hilfe bringen will, weil sie die Teuerungszulagen und auch die Einkommcnsgrenze her- aufgesetzt; aber den bestehenden Verhältnissen trägt sie doch nicht genügend Rechnung. Es mutz bei weitem mehr geschehen. Die ko- lossale Steigerung der Lebensmittelpreise springt auch denen in � die iiiigen, denen es nicht darauf ankommt, jährlich ein paar tausend Mark für seinen Haushalt mehr auszugeben. Dieser Zustand währt nun schon jahrelang, die Notlage wird immer größer. Fast das ge- samte Einkommen muß für Nahrungsmittel und Unterhalt ausgegeben werden; auf Anschaffungen und Erneuerung von Wäsche, Kleidungsstücken und dergleichen kann aber wohl sür kurze Zeit, jedoch nicht jahrelang verzichtet werde». Dabei sind jetzt alle Ge- brauchsgegenjtände drei- bis viermal so teuer und gleichzeitig er- heblich schlechter gelvorden. Was hier gewährt wird, stellt nur eine kleine Beihilfe zu den Kosten der Ernährung dar. Dabei gibt der Magistrat selbst zu, daß die fortdauernde Teuerung zur Aufzebrung der Reserven geführt hat und daß Schulden gemacht werden mußten. Die Lage wird also schließlich unerträglich. Es kommt hinzu, daß Arbeiter und Angestellte der Stadt in solchen Zeiten schlechter ge- stellt sind als'andere erwerbstätige Personen. Sie können die Kon- junktnr nicht ausnutzen, sie sind auf die vom Magistrat gezahlten Gehälter und Löhne angewiesen, und Gehaltserhöhungen und Lohnzn- lagen zu erlangen ist sehr schwer. Die Sätze der Vorlage müssen eine Erhöhung erfahren. Tie Vorlage unterscheidet wie früher Lc- dige unter und über 18 Jahren; die ersteren sollen 12, die andern 18 M. monatlich erhalten. Hier sollte kein Unterschied gemacht wer- den; der junge Ledige unter 18 Jahren braucht die Lebensmittel gerade so sehr und vielleicht noch mehr als der über 18 Jahre. Wir wünschen eine Erhöhung der vorgeschlagenen Sätze für Ledige und kinderlose Verheiratete, aber auch höhere Kinderzulagen. � Das Per- sonal der Kranken- und Pflegeanstalten bleibt bei dieser Kriegszn- läge teilweise gänzlich unberücksichiitg, so die Jrrenwärter. Gewiß belastet unser Verlangen den Stadtsäckel ganz erheblich; aber es gilt hier, unsere Arbeiter und Angestellten vor Verelendung und Ver- schuldung zu bewahren. Darum müssen diese größeren Mittel her- angeschafft werden. Zahlreiche Vororte und Nachbarkommunen leisten mehr als Berlin hier geben will, so Lichtenberg, Reinickendorf, Tegel, Friedenau, Köpenick u. a.(Redner führt die einzelnen Sätze an.) Was diese kleinen Kommunen können, muß auch für Berlin möglich sein. Gewiß werden der«äadt damit sehr große Opfer zugemutet, aber unsere Arbeiter und Angestellten bringen auch an Opfern scbon gerade genug. Ter Zweck der Vorlage soll doch nicht bloß sein, ein Durchhalten in der Ernährung zu ermöglichen, sondern gegebenen- falls auch Neuanschaffnngen zu gestatten; das ist aber bei diesen Win- zigen Erhöhungen ausgeschlossen. Die laufenden Zulagen müssen ausgebaut und daneben muß eine einmalige außerordentliche Zu- läge gelväbrt werden, womit Reich und Staat vorangegangen sind. In dem Ausschusse, den wir beantragen, wird auch zu erörtern sein, ob nicht der Vorlage, die cnn 1. Januar 1917 in Geltung treten soll, rückwirkende Kraft um mindestens einen Monat ge- gebeii� werden kann. Stadtrat Frann legt Verwahrung dagegen ein, daß von einer völlig unzureichenden und winzigen Erhöhung gesprochen wird. Die Notlage werde anerkannt, die Mittel aber müßten ausgebrackit werden von einer Bevölkerung, der es zum Teil infolge des Kriege? wirklich recht schlecht gehe. Im ganzen werde gegen jetzt 60 Proz. mehr gewährt; die Gesamtleistung erhöhe sich von iV* auf 7 Mit- lionen jährlich. Hört! bört!» � Das sei eine ganz gewaltige Summe. Preußen und das Reich holten jetzt nur nach, was Berlin längst getan�habe. Stadtv. Cassel stellt sich im wesentlichen auf den gleichen Standpunkt. Man wolle der Notlage entgegentreten, aber man müsse auch bedenken, daß die Mittel von den Steuerzahlern aus- zubringen seien, die zum Teil in ihrem Erwerbe sehr zurück- gegangen seien und aus dem istadtsäckel nicbts erhielten. Die Zurückbeziehung auf den 1. Dezember 1916 wünscht auch der Redner und er stimmt auch der Einsetzung eines Ausschusses zu. Stadtv. Rosenow(Fr. Fr.) tritt lebhast für die Gewährung der erhöhten Kriegszulage ab 1. Dezember ein; die Arbeiter und An- gestellten hätten lange genug auf d-ie Vorlage gewartet. Stadtv. Koblenzer bleibt bei seinen Ausführungen stehen und stellt erneut fest, daß au laufenden Zulagen in anderen� Kam- munen mehr gezahlt wird und Charlottenburg, Lichtenberg, Schöne- berg auch eine einmalige Zulage zu gewähren beabsichtigen. Bürgermeister Dr. Rcicke erklärt die Heranziehung des Bei- spiels von Charlottenburg für irrtümlich. Die Vorlage geht an einen Ausschuß, der vom Vorstande sofort ernannt wird. Ihm gehören auch Glocke. Koblenzer, Manasse, Ritter, Wurm(Soz.) an. Zu der Vorlage über die Gewährung einer besonderen Kriegszulage an die ständigen H i l�fs a r b c i te- rinnen im Bureau- oder Kauzlcidienst bcautragt Stadtv. Rose- n o w Ausschußbcratung. Stadtv. Wurm(«oz.): Wir halten für nötig, die Anstellung?» Verhältnisse der Hilfsarbeiterinnen hierbei allgemein zu erörtern. Eigentümlich und veraltet erscheint die Praxis, diesen Personen keinen Vertrag, nicht einmal in Abschrift, auszuhändigen. Wenn die Damen jetzt enttäuscht sind, so waren es gerade die Deputa- tionen, die ihnen größere Hoffnungen gemacht hatten. Einstimmig verlangen wir in den Deputationen schon seit Jahren eine Er- höhung der ganz unzureichenden Gehälter. Für die betreffenden Damen beträgt z. B. im Statistischen Amt das Höchstgehalt nach 12 Jahren 150 M., und es bleibt 120 M„ auch wenn die Dam« 23 Jahre und noch länger ständige Hilfsarbeitcrin gewesen ist. Wenn es auch sehr schwierig sein mag, in so schweren Zeiten durch- greifende Reformen durchzuführen, so dürfen doch nicht die om schlechtesten Gestellten die Opfer sein. Diese weiblichen Hilfskräfte beziehen durchweg bei gleichen Leistungen geringere Gehälter als fcfe Männer.— In den„Grundsätzen für die ÄnnaHmc von Mo- scknnenschreiberiunen" findet sich der Satz:„Das Dienstverhältnis endet durch Eingehung der Ehe, ohne das; es einer 5iündiguug bedarf." t-o etwas mutet doch sehr eigentümlich und zopfig an. Bürgermeister Dr. Reicke: Mit dieser Anregung wird eine ge- fährliche Bahn beschritten. Ten Kriegsnötcn sind wir bisher mit Teuerungszulagen, nicht mit Gehaltserhöhungen begegnet. Man kann nicht eine Kategorie beliebig herausgreifen. Die neue Ge- baltsregeluug war schon fast zum Abschluß gelangt, als der Krieg kam; während des Krieges ist nicht die geeignete Zeit, damit borzugehen; das wird geschehen, sobald ruhige Verhältnisse cingc- treten sind. Die Vorlage geht ebenfalls an den soeben eingesetzten Ausschuß. Schluß%8 Uhr. Mus Inöustrie unö Kandel. Tic Börse und die Friedcnsdrohung. „Friedensdrohung"? Ja, doch! Es gibt Leute, denen es inr Kriege gut, ja glänzend geht, und zu diesen Glücklichen gehören auch viele Besucher der Börsen. Aller Börsen! Denn die Kriegskonjunttur zeitigt überall dieselben Erscheinungen. Diesen Leuten kommt der Frieden inS Geschäft. Wenn alle Menschen jubeln, verkaufen sie Hals über Kopf. Ge- wiß, nicht jeder Börsenbesucher denkt so ftivol, aber es gibt doch auch Kriegsspckulanten, die sich vor dem Frieden fürchten. Am nieistcn in den neutralen Ländern, ivo man sich des in ge- mächlicher Ruhe erworbenen Besitztums doppelt froh erfteut, da das Schicksal des Schlachtfeldes nicht droht. So darf es denn nicht wundernehmen, daß in Amsterdam, New ?)ork, Kopenhagen die Kurse stürmisch hinunterpurzelten. Erst die blindwütigen Kricgsartikcl der„Times" und„Daily Mail" haben das Vertrauen neu gekräftigt, daß die Naserei dcS Völkermordens fortdauern werde. Der Kurssturz wäre aber noch viel größer, wäre der Frieden wirklich schon„eine Gefahr". Aber schon keimt die Hoffnung wieder, die Rede Bethmann Hollwegs sei nur ein schreckhaftes Zwischenspiel gewesen. Die New Jorker Börse war am Mittwoch bereits wieder „stramm". Die Berliner Börse hat die Friedensdrohung recht gefaßt aufgenommen. Die meisten Kurse sind schon seit Wochen gedrückt wegen des Zivildienstgesetzes, der Kriegssteuerveranlagung nach dem Kurszustand vom 31. Dezember 1916 und den drohenden neuen Steuern. Daher hielten sich die Abschläge am Mittwoch in engen Grenzen und am Donnerstag stiegen Daimler-Aktien, weil wieder einmal Kapitalerhöhungsgcrüchte auftauchten. Erfreulich ist nur, daß der Kurs der Reichsmark im Aus- land eine sprunghafte Erholung erfahren hat: in Zürich von 79 auf 3ö Franken. Auf den amerikanischen Warenbörsen war Getreide sehr erheb- lich billiger, Baumwolle teurer. Mus Groß-öerlin. Teuerungsfolgen. Aus der Berliner Stadtvcrordneteuversammlung. Tie leidige Teuerung lvar iu der gestrigen Sitzung der Stadtberordneten Berlins lviedcr Hauptgcgenstand der Ver- Handlungen. Infolge der Teuerung mußte dem Verband für erste Hilfe, der das Krankentransportweseu besorgt, eine Er- höhung des Zuschusses aus dem Stadtsäckel bewilligt werden. Mit Rücksicht auf die Teuerung beantragte der Magistrat für die Arbeiter, Angestellten und Beamten der Stadt eine Er- höhung und Erweiterung ihrer Kricgszulagen. Wegen der Teuerung hielt er für nötig, den besonders ungünstig gestellten ständigen Bureauhilfsarbciterinuen eine besondere Kriegs- zulage zu geben. Und schließlich zwang die allgemeine Teuerung auch dazu, den neuen Vertrag über die Gestellung der Aktenwagen zu sehr viel höheren Preisen abzuschließen. Erörterungen knüpften sich an die drei erstgenannten An- träge. Daß der V e r b a n d für e r st e Hilfe jetzt nicht nur unter Geldknappheit, sondern guch noch unter anderen Erschwerungen der Kriegszeit leidet, zeigte unser Genosse Wehl. Er führte Fälle von Verzögerung des Krankentransportes an, die man in der Tat sehr bedenklich finden muß. Stadtrat Runge erwiderte mit Auf- zählung einiger Maßregeln, die Abhilfe bringen sollen. Man wird sehen, ob sie genügen. Zu dem Magistratsantrag über die Auf- bessern ug der allgenieincn j'iricgszulage trug Genosse Koblenzer die Wünsche der sozialdemo- kratischen Fraktion vor. Aus der vom Magistrat selber ge- gebenen Begründung folgerte er, daß auch die jetzt bcab- sichtigte Aufbesserung noch nicht genügt. Er forderte, daß außer der regelmäßigen Kriegszulage noch eine einnialige außerordentliche gewährt wird. Die Magistratsvertreter, Stadtrat Franz und Bürgermeister Reicke, versuchten diese Forderungen abzuwehren. Aus den Erklärungen der Redner des Freisinns ging nicht klar hervor, wie sie sich dazu stellen. Tie Vorlage soll in einem Aus- schich vorbereitet werden. Einem Ausschuß wurde auch die Vorlage wegen der besonderen Zulage für die st ä n ds�g e n Bureauhilfsarbeiterinnen überwiesen. Stadtverordneter R o s c n o w beklagte, daß sie zu gering ist. Genosse Wurm beleuchtete die Anstellungsverhältnisse dieser Hilfsarbciterinneu, geißelte die Zurücksetzung, die ihnen zuteil Ivird, weil sie F r a u e n sind, und forderte eine durchgreifende Gehaltsaufbesserung, die den Krieg überdauern soll. Bürger- meistcr Reicke erschrak bei dem Gedanken und warnte davor, diesen Weg zu betreten. Die Tribüne war stark von Frauen besucht, was man sonst im Rathaus nicht gewohnt ist. Es waren offenbar hauptsächlich Burcauhilfsarbcitcrinnen, die hören wollten, wie über ihr Schicksal verhandelt wurde. Brachliegende Aecker. Man schreibt unS: Auf Anordnung eines Gerichts bin ich zum ZwangSverwalter eines größeren Grundstücks im Kreise Nieder- barnim ernannt worden. Die Besitzerin, eine G. m. b. H., hat die Hypothekenzinsen nicht einrichtet, weshalb der Gläubiger die Zwangsversteigerung betreibt» Ich konnte nun folgendes feststellen: Der Geschäftsführer der Gesellschaft hatte keine Ahnung von diesem Grundstück. Es liegt seit mehreren Jahren total brach, ist infolgedessen verwildert und entwertet, während es unter dem früheren Besitzer reiche Erträge an Roggen, Kar- toffeln, Rüben usw. geliefert haben soll. Nun habe ich es billig auf mehrere Jahre verpachtet, damit es wieder iu einen leidlichen Zustand kommt. Bei dieser Verpachtung habe ich serner feststellen können, daß nicht nur im Kreise Niederbarnim, sondern auch i n anderen Kreisen um Berlin tioch Tausende von Morgen Acker, die früher Frucht getragen haben, brach liegen, weil sich niemand um sie kümmert. Ist das unter den heutigen Verhältnissen nicht ein Skandal? Richtung: Bergangenheit. Nach und nach schrauben uns die Lichteinschränkungen und früheren Sperrstunden in die Vergangenheit zurück. Stiller werden die Abende auf den Großstadtstraßen, der Verkehr schläft früher ein, Berlin wird kleinstädtischer— je gewaltiger die Kriegstechnik um sich greift, ohne daß mau doch außerhalb der Mauern der Kriegs- industrie und hinter den Grenzen des Kriegsgebiets etwas hiervon merkt. Die Kinos flammen nicht mehr in die Nacht, die Theater schließen eher und der Kneip- oder Cafötisch tnuß früher verlassen werden. Man könnte an Mark Twains Geschichte von dem Manne denken, den eine nachgehende Uhr immer weiter zurückbleiben läßt, bis er nur noch mutterseelenallein in der vorigen Woche herum- schwimmt. Eines schönen Tages erscheint gar ein Hilfsdienst- Nachtwächter mil Laterne und Horn und ruft— weil doch auch die Beleuchtung der Turm- und Normaluhren aufhören muß— die Stunden auS: „Hört, Ihr Leut' und laßt Euch sagen Die Glock' hat zwölf geschlagen. Berwahrl das Feuer iiud das Licht, Daß niemand nicht kein Schaden g'schiecht— Lobet Gott den Herrn!" Polizeistunde und Beleuchtungsbeschränkungen. DaS Polizeipräsidium teilt mit: 1. Aus Grund der in Z 3 Absatz 2 der BundeSratsverordnung betreffend die Ersparnis von Brennstoffen und Beleuchtungsmitteln vom 11 Dezember 1916 vorgesehenen Ermächtigung und des von den Herren Mmistern erleitlen Auftrages hat der Polizeipräsident von Berlin für den Landespolizeibezirk Berlin bestimmt, daß es für Speisewirtsckasten bei der bisherigen Schlußstunde(16 Uhr> bewendet daß in Gast- und Schankwirlschasten sowie in Konditoreien und Cafes, welche gegenwärtig der allgemeinen Polizeistunde (11 Uhr) unlersteheu diese auf 16 Uhr herabgesetzl wird: daß die- jenigen Belriebe vorstehend gedachter Art, welche jetzt bis 12 Uhr offen hatten dürfen, um 11 Uhr zu ichließen sind; daß endlich solche, welche bisher über 12 Uhr mitternachts Polizeistunde halten, von jetzt ab um llstz Uhr schließen müssen. Vereins- und Gesell- schaftsräume(Klubs, Kasinos), in denen Speisen und Getränke ver- nbreichl werden, haben ebenfalls um ll'/z Uhr zu schließen. Für Theater, Licht'pielhäuser, Räume, in denen Schaustellungen statt- finden, und öffentliche Vergnügungsstätten verbleibt es vorläufig bei den jetzt vorgeschriebenen Sckluß um 11 Uhr. 2. Der Polizeipräsident weist daraus hin. daß zu der verbotenen Außenbeleuchtung von Gebäuden zu gewerblichen Zwecken auch die Lampen und Laternen gehören, welche lediglich den Zweck verfolgen, die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden zu erregen. 3. Außenbeleuchtung von Schaufenstern will der Polizeipräsident allgemein in den Fällen zulassen, in denen eine Jnnenbelenchtung der Schaufenster unterbleibt und die vorhandenen Außenbeleuchiungs- körper die Einschränkung der Beleuchtung aus ein bescheidenes Maß gestalten. i. Bezüglich der Jnnenbeleuchiung der Schaufenster und der Läden, welche»ach der Verordnung auf das unbedingt erforderliche Maß einzuschränken ist, gibt sich der Polizeipräsident der Erwartung hin. daß die Ladenbesitzer es an einsicktsvollem Verhalten nicht werden fehlen lassen und er daher vorläufig von besonderen poli- zeilichen Vorschriften Abstand nehmen kann. Dieselbe Erwartung hegt der Polizeipräsident wegen der Jnnenbelenchtung der Gast- Speise- und Sckankwirischaflen. Caffös, Theater, Lichtspiele, sowie ähnlicher Schaustellungen und öffentlicher Vergnügungsstätten. Poli- zeiltche Nachprüflingen im einzelnen behält er sich vor. Kundenlisten bei Kartoffelbezug. Die Zustände am Berliner Kartoffelmarkt sind so mißlich ge- worden, daß man— wie wir hören— ernstlich die Eins ü h r tt n g von Kundenlisten, wie beim Butterbezug, erwägt. Höchstpreise für Pferdefleisch. Von zuständiger Seite wird der Presse ynlgeteilt: Die bestehende Fleisckknappheit und die Talsache, daß Karten- lwang für Pferdefleisch nicht besteht, haben die Nachfrage minder- bemiiielier Schichten der Bevölkerung, besonders in industriereichen Gegenden, nacli Pierdefleisch gesteigert. Die Folge ist gewesen, daß die Preise im Kleinhandel fortgesetzt sehr stark gestiegen sind. Es werden jetzt in einzelnen Teilen des Reiches, besonders in Mittel- deuiichland, 1266—1566 M. für ein«chlachipferd bezahlt und für ein Pfund Fleisch im Kleinhandel Preise gefordert, die bis zu 2.66 M.. für Fett, Leber u. dergl. aber sogar 3,66 M. ansteigen. Diese Preistreiberei widerstreitet dem Interesse der ärmsten Be- völkerung; sie hat auch die bedauerliche Folge, daß Nutzliere bei ihrem offenbar hohen Scklachtwert eher abgeschlachtel werden, als dies im nalionalvkonomischen Jnlereste nölig ist. Es ist deshalb aus Kreise» des Handels wie auS Verbraucher- kreisen die Festsetzimg von Höchstpreise» gefordert worden. Die Bundesregierungen haben sich sämtlich für die Höchstpreisfestsetzung für das Reichsgebiet ausgesprochen. Hierbei ist stets betont worden, daß die Festsetzung von Preisen für das lebende Schlachtpferd sowie ftir das Schlachifleisch im Großhandel untlmlich sei, weil die Güte der Ware stark nach Alter und Gebrauchsdauer der Tiere ichwankl. Es ist vielmebr für zweckmäßig erachtet worden, nur Kleinhandels- preise für das Pferdefleisch als Höchstpreise festzusetzen. Der Ein- kaufspreis wird sich diesen um so eher anpassen, als der Abiatz von Pferden zum Schlachten nicht beliebig verhindert werden kann. Ueberdies ist mit dem Kriegsministerium ins Vernehmen getreten worden, damit dieses durch entsprechende Verfügung die Abgabe- preise der einzelneit Stellen der Heeresverwattung den künftigen Kleinhandelspreisen anpassen kann. Die aus der Verordnung eisichtlichen Kleinhandelspreise stellen einen nicht zu niedrigen Durchschnitt der jetzt an den Wichligen Berbraucksplätzen bezahlten Preise dar. Da es noch erhebliche Ncichsieile gibt, in denen turzeft billigere Preise gezahlt werden, z. B. im Osten und Süden, soll§ 2 den Landeszeniralbebörden die Befugnis einräumen, diese niedrigeren Preise durch besondere Preis- sestietziingen festzuhalten. Ausnahmen von der Preisfestsetzung nach oben sollen nur dem Kiiegsernähruiigsamt vorhebalten bleiben. Ausländisches Pferdefleisch soll grundsätzlich dem Höchstpreis unter- liegen. Da die Preise Kleinhandelspreise sind, muß den Händlern Zeit gelassen werden, sich mit dem Einkauf auf sie einzunchlen, weshalb eine Frist für das Jnlrasllrelen vorgesehen wird. Die Gemeinden werden zweckmäßig den Abiatz bon Pferdefleisch bezw. den Ankauf der Scklachip'erde selbst übernehmen und Sorge tragen, daß Andrang zu den Verkaufsstellen sowie ungei echte Verleitung unterbleiben. Dies ist angängig durch Kommunalisierung oder lleberwachung der Schlachtungen, durch Einlührung einer Nummerfolge der Käuscr, wie vielerorts sür Freibanlfleisch üblich, und dergleichen. Die Befugnis der Gemeinden hierzu ist in§ 3 der Bekanntmachung besonders fest- gelegt. Die Landeszentralbehörden können die Gemeinden zur Aus« Übung dieser Befugnis anbatten. Das Verbot der Herstellung von Dauerwurst aus Pferdefleisch wird damit begründet, daß hierzu keinerlei Bedürfnis vorliegt und daß das Borhandensein solcher Wurst Anlaß dazu bieten kann, letztere unter irreführender Bezeichnung als Wurst aus anderem Tierfleisch in den Handel zu bringen. Die Höchstpreise stellen sich wie folgt: 1 Piund Lendenbratenfleisch, Leber, Frischwurst oder Fett 1,86 M. 1 Pfund Muskelfleisch(ausgenommen Lendenbratenfleisch) (ohne Knochen)............ 1,66„ 1 Pfund Herz und Eingeweide, Knochenfleisch und andere geringere Sorten........... 1,46„ 1 Pfund Knochen.............. 0,20,. Diese Preise stellen zwar eine erhebliche Herabsetzung der gegen- wältig in den großen Städten und den Industriegebieten gezahlten Sätze dar, sind, aber immer noch viel zu hoch, besonders deshalb, weil Pferdefleisch nur von der geringbemittelten Bevölkerung gekauir wird. Es muß erwartet werden, daß die Preise, nachdem man dem Handel eine ganz kurze Frist gewährt hat, eine weitere gründliche Herabsetzung erfahren._ Warnung vor dem Bezug ausländischer Pakete. In einer in den letzten Tagen veröffentlichten Warnung vor dem Bezug aus- ländischer Pakete mit Lebensmitteln wurde darauf hingewiesen, daß die eingesandten Waren, soweit sie zentralisiert sind, von den mit der Durchführung der Zentralisierung beauftragten Gesellschaften mit Beschlag belegt werden müssen. Die hierbei genannten Waren: Butter, Käse, Eier, Margarine, Schmalz, Hülsenirüchte, Fleisch und Fleischwaren, Heringe. Kaffee, Tee, Kakao, kondensierte Milch stellen kein pollständiges Verzeichnis der zentralisierten Waren dar, biet- mehr gehören zu den zentralisierten Arlikeln auch alle zubereiteten ausländischen Flicke und Zubereittingen von Fischen, wie geräucherte und gesalzene Fische, Fischklöße, Fischkonserven usw. Die Eröffnung des Lindentunnels abermals verschoben. Die Inbetriebnahme des Tunnels, die zuerst Dienstag, daim Donnerstag beabsichtigt lvar, ist nun auf Sonnabend ver- schoben worden, weil an einer Reihe der Wagen der Großen Berliner Straßenbahn Reparaturen vorgenommen werden müssen, die sie zur Fahrt durch den Lindentuuncl geeignet machen. Der Tunnel war bereits am Montag betriebsfähig: es ist jedoch zwischen den Leitungen der Städtischen Bahnen und der Großen Berliner Straßenbahn ein Abkommen ge- troffen Ivorden, den Betrieb gemeinschastlich am Sonnabend zu eröffnen. Treptow-Sternwarte. Im großen Hörsaal der Treptow-Stern- warte finden folgende Kinovorträge statt: Sonnabend, 16. Dez., 5 Uhr:„Walrosse. Eisbären und Atken". Sonntag, 17. Dez., 3 Uhr: „Mit Ozeandampfer von Bremen nach New Jork", um 5 Uhr: „liniere Marine" und um 7 Ubr:„Hinter der Front". Mittwoch, 26. Dez., ö Ubr:„An den Usern des Rheins". Am Dienstag, 19. Dez., abends 7 Uhr. spricht Herr Direktor Dr. F. S. Archenhold unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder über„Vewohnbarkeit der Welten". Kriegsverwundele haben zu allen Vorträgen freien Zu- tritt; ebenso ein Kind in Begleitung eines Erwachsenen. Mit dem großen Fernrohr werden am Tage die Sonne mit ihren Flecken, abends Jupiter und Mond. Doppelsterne, Sternhaufen usw. beobachtet. Das Institut ist täglich bon nachmittags 2 bis 16 Uhr abends geöffnet. Die Schiffahrt ist andauernd rege. Sowohl auf den märkischen Wasserstraßen sowie auf der Oder werden besonders Kohlen, Erze und Zucker beivrdert, auch Kallsieine und Preßkohlen werden be- sonders auf der Spree noch in größeren Mengen berangeschasjt, während es an Rüben- und Kartoffelsrachten im Gegensatz zu anderen Jahren leider fehlt. Fahrpreisermäßigung für Laubenkolonifien. Die für 1916 aus- gestellten, zur Lösung von Arbeiterkarlen berechtigenden Ausweis- karten zur Erlangung der Fahrpreisermäßigung sür die Lauben- kolonisten der Umgegend Berlins gelten, ivie die lgl. Eisenbahn- direltion mitteilt, unberändert. unter Vorbehalt jederzeitigen Wider- russ, längstens aber für die Dauer des Krieges, auch für das Jahr 1917. Auswciskarten auf Grund neuer Anträge werden ausgegeben beim amtlichen Reisebureau, Potsdamer Bahnhof, Auskunslsbureau Alexanderplatz und bei der Güterabfertigimg Wedding. Die Fahrkartenausgaben sind verpflichtet, Ausiunjt zu erteilen. Die Weihnachtspost in Groß-Berlin. Im Oberpostdirekiious- bezirk Groß-Bettin sind folgende Vorkehrungen getroffen: Am 24. Dezember sind die Paketannahme- und AuSgabeschaller von 8 bis 1 Uhr. geöffnet und es findet eine einmalige Paketbestellung statt.. Am 2». Dezember erfolgt eine einmalige Paket- und Geld- bcstellulig, am 26. eine einmalige Paketbestellung und nach allen Landorlen neben der Briefbestellung eine Paket« und Geldbestellung. Das Reichspostamt gibt außerdem dem Publikum für die Weih- nachtszeit folgende Raischläge; Die Emlieferung der Wertpakete sollte nicht zu den Abendstunden verschoben, sondern, wenn mög- lich, an den Vormittagen erledigt werden. Auch sollte es die Regel bilden, daß die Absender die einzuliefernden Weihnachtspakete durch Postwertzeichen selbst freimachen. Mit seinem Bedarf an Postwert- zeichen müßte sich ein jeder bald versehen. Zeitungen solllen nickt in den Tagen vom 19. bis 24. Dezember am Schalter bestellt werden. Der Polizeipräsident warnt vor Hausierern, die Waren mit der Angabe feilbieten, sie seien von erblindeten Kriegern angefertigt, und empfiehlt, sich in Zweifelsfällen an die städtische Blindenanstalt Orailienstr. 26(Fernruf Magistrat 260) oder die königliche Blinden- anstalt in Berlm- Steglitz zu wenden. Spurlos verschwunden ist seit dem 4. November die 23jährige Handels- und Gewerveschülerin Elisabeth Binder, die in der Bismarckstr. 19 in Potsdam gewohnt hat. Sie hatte sich am Nackmittag des genaniitcn Tages aus der Wohnung entfernt und eine Bootsfahrt auf der Havel unternommen. Dort ist sie etwa gegen 1/25 Uhr in der Nähe des LuftschiffhafenS gesehen worden. Das Boot wurde zwei Tage später am Luftsckiffhafen leer ausgc- funden. Eine Abmckung des Wassers und der Waldungen in jener Gegend sind ergebnislos geblieben. Nack den Bekundungen der An- gehörigen liegt ein Grund zu einem Selbstmorde auch nicht vor. ES wird von der Behörde ein Verbrecken für möglich gehatten. Die Vermißle ist etwa l,6ö Meier groß, schlank, bat dunkelblondes Haar, dunkelbraune Augen, rundes, gesundes Gesicht, an der Oberlippe kleinen Haarwuchs und eine Nmbe. Sie trug dunkelblaues Kostmn. dunklen Lodenmantel mit Aermeln, roie Bluse mir auSgeschnitleitem und mit sckwarzen Perlen besetzten Halsrand und riliide dunkle Pelzkappe. Ihre Wäsche ist E. B. gezeichnet. Die Mutter der Per« schwundenen hat auf die Ermtttelung ihrer Tochter eine Belohnung in Höhe von ö66 M ausgesetzt. In großer Lebensgefahr schwebten am Donnerstag die drei und sieben Jahre alten Kinder Hertha und Charlotte Neugcbaurc bei einem Brande, der nachmittags in Abwesenheit der Mutter in der Küche ihrer Wohnung Landsberger Straße 168 vermutlich durch Unachtsamkeit der Kleinen aufgekommen war. Die Hausbewohner bemerkten die Gefahr, als dicker Qualm aus der Wohnung drang und alarmierten die Feuerwehr, die die bewußtlosen Kinder herausholte. Zeugen gesucht. Am 18. November, 1.36 nachmittags, vor« unglückte vor dem Haute Ruppiner Straße 7 eine ältere Frau, indem sie von einem Omnibus der Linie 23 stürzte. Sie wurde ins Lazarus-Krankenhaus gebrockt. Zeugen des Vorfalles werden gebeten, ihre Adresse an Otto Pfeil, Berlin-Pankow, Steegerstr. 51, abzugeben._ Mus den Gemeinden. Schöueberg. Der Schöneberger Magistrat verteilt in der Zeit vom 14. bis 26. Dezember auf die Abschnitte 39—41 der Lebens» mittelkarte: 100 Gramm Graupen. 125 Gramm Grieß, 200 Gramm Teigwaren. Die Vorräte reichen zur Einlösung aller ausgegebenen Lebensmittelkgrlen aus. Ein Anstellen um die Ware ist daher zwecklos. Charlottenhurg. Zur Gründung cincS Vereins zur Förderung der Ferienspiele findet heute Freitag, S1/� Uhr, im Volkshause, Rosiuenstr. 4, eine Bespreckung statt. Freunde des bereits seit einigen Jahren in Charlottenburg gepflegten Ferienipiel- Wesens, um dessen planmäßigen Ausbau eS sich handelt, sind freund« lichst cingeladeit. Mnurnimeit TOOOOO M., iKägefaiRl 1 260 000 M. Witicnao Borsigirelde. In der l«tz!en Zchnnz de: K e n: e i n d e- berrreiung gab der Bürgermeister Wtt:e eine Uebersicht über die von der GeincindcverwaUuüg bejckastre» Lebendniittel u. dcrgl. Tanack ionrden während der Äriegsdauer 12ZZ000M. verousgabr; davon!0?4.' 18-WO R.. 1015: 050 000 M 1916: 558 000 SR.: ein- hmrbcn 1014: 2000 SR., 1015: 566000 SR., 1910: EZ ist noch ein Beirand in, Wcrle von rnnd 86 000 Li. vorbanden. Aar Mehl wurden 1914/16 nl.-gegcbtn 608000 M.. für Kartoffeln 1915/16 229000 M.. für �«üermittel 1915/16 115 000 M.— Die Geureindeverlretung bt» wiiiigle wie ivn Vorjahre abermals 10 000 M. �u»i Ankauf von Liebe-?,'.aben für Wirte nauer Kriegsteilncbnrcr, davon 1000 M. für die am Lrte siebende SRaichinen- geivehrabicilunz. Dukerdeur stehen noch die infolge Auftuf-5 des VürgerureisterS eingegangeliei: xablrerckcn ioNstiaen Spenden zirr Verfügung. Wdrer stimmte die Bertrelrmg der Nniwandlung einer Lebrer- in eine vchrcrinnerrslelle zu: der betreffende Lebrcr muffle p.'nfloniert werden. Tann wurde noch eine Lehrerin fest ongestelll vom 1. Oktober 1916 ab uns ein Lehrer nun 1. April 1917 gewählt. Ferner lagen einige Anträge auf Erwerb vem Hypolbekerr durch die Gemeinde zur Genehmigung vor. Es betraf die Grund- stücke der Te'stnschen Erben a» der Oranienburger Slraffe. am Bahnhoi Wiltenau. Nach Darlegung des Sachverhalts stimmte die Vertretung einigen Anträgen zu, bei anderen wurde dem Biirgcrnieisier in Gemeinschaft mit zwei Gemeindevertrriern Sinn Erwerb unter günstigen Bedingungen freie Hand gelofsen. Endlich lag noch ein Angebot auf Erloerb eines Grundstücks in der Triflstraffe durch die Gemeinde vor. Die Vertretung trat dem noch nicht näher, da hier erst noch Slraffeuänderungen zu erledigen find, auch eine Bodengescllschast noch mehr interessiert ist.— Wie der Bürgermeister mitteilre, ist es ihm gclringcn, auster den bereits flott abgenommenen Fettgäasen noch einen groffen Posten zu beschaffen, die noch im Dezember zur Verteilung gelangen werden. Die Per- sorgung der Genreinde mit Nahrungsmitteln fundioniert weiter gut. Telto». Ter Landrat hat mit Genehmigung des NegienrngS- Präsidenten die Bestimmung erlasse», dost, dem Milchmehl' lBrotmehlZ reines Weizenmehl bis zu weiteren 17 Gewichtsleiieil hinzugesetzt werden laun. Tie Verordnung tritt sofort in Kraft. Zlver Kinder gefahr. Auf wurden gelötet, zwei andere schweben in Lebens- dem Gotthard eireichte der S.'stuea eine Hohe flus aller Welt. Schneestürme in der Schweiz. Lern, 14. Dezember. Aus a l l e n G e g e n d c n der Schweiz treffen Siachrichten über aufferordcntlich st arlen Schneefall ein. Zahlreiche Unglücksfälle werden gemeldet. Eine Staublawine verschüttete die B e r n i n a b a h n. die Reisenden konnten jedoch gerettet werden. Zwei Arbeiter wurden verschüttet. In Pontresina wurde ein Kinderianatoriuin vom Schnee begraben. von o. SRc'.er. Tie TckePhonverbindung mir dem Tejjin ist uuler- brochen. Lern, 19. Dezember. Im E n g a d i n und im K a ir t o:i Wallis herrschen furchtbare Schneepnrrne. Zur SaaStal wurden 18 Ställe mit Vieh und das Hotel auf dem Monte Moro durch Lawinen zerstört. Bei den B e rnrn a-H ä u s e rn wurden acht Mann von einer Lawine begraben, sie konnte» gerettet werden. Durch eine Lawine wurde die Juli erpost mit vier Mann und fünf Pferden in den Iulierboch geworfen. Tie Vermiglücktcn konnten ebenfalls gerettet werden. Tie Malojapost ist un'.crbrochcn, die Rhätifche Bahn gesperrt._ Ci'fmi an der genuesischen Küste. Bern, 14. Dezember. Gestern verheerte ein orkanartiger Sturm die genuesische Küste des Mittelmeeres. Im Hafen von Genua ivurden viele Schiffe von den Ketten gerissen, aneinander geschleudert mid schwer beschädigt. Mehrere Hafenlähue und Barken versanken. In der Nacht wurden viele Gebäude beschädigt. Ter Dreimaster„Astrea*(1270 Tonnen) scheiterte vor Caomogli, vier Mann ertranken. In ganz Lignrien entstand schwerer Schaden. Die Eisenbahnlinie Genua— Ventimigkia ist unierbrochen. Eine Flutwelle riff zwischen Vcjime und Arenzano ein Stuck der Eisen- bahnlinie fort. In Bologna wurden erdbcbcnartige Erscheinungen deobachtcl. Kamme siiirzlen ein, viele Personen wurden verletzt- Aus Rom wird gemeldet: Infolge Sturmes sind Telegraphen- und Telcphonverbii'.dnngen mit Inland und Ausland unterbrochen. Ter Raubmörder Giert verhaftet. In Wismar wurde am Mittwoch der Mörder Ebert verhaftet, der am 23. August 1915 den dänischen Mater M orten s«n i» der Umgegend von Berge- darf erschlagen und beraubt hat. Zehn Monate danach ivurde die Leiche des Ermordeten aufgefunden und die Person des Täters fest- gestellt. Obwohl man seine Svnr inzwischen an zahlreichen Orlen bemerkt zu haben glaubte, ist eS jetzt erst gelungen, ihn dingfest zu machen. Sin angcuehmer Zeitgcnosse ist dieser Tage in Paris gestorben- Man nannte ihn dort den»König der Raufbolde", denn Zweikämpfe und Prügeleien waren sein eigentlicher Lebenszweck gewesen. Aleben- bei redigierte Herr Rouzier-DorciöreS die Rubrik»Vermischtes" in einem Pariser Blatt. Aus den Boulevards. Ivo er sich in den Muffe« stunden, die ihm sein Haupt- und Nebenberus lieff. in aufsollcnder Kleidung— Angslröhrc, Pelerinenmantel und Renstiesel— herumzutreiben pflegte, wurde er den Fremden als eine Sehenswürdigkeit der Wcltmelropole gezeigt. Vor sünfzehn Jahren gründete er mit einigen gleichgesinntcn Freunden die Geicllichaft der»Musketiere", die sich die Ausgabe stcllie, jeden ihnen Miffsallendeii auf Paris „herauSzuglaulen", Bei Beginn des Krieges ging er als Flieger ins Feld nnd doit hat setz? ein Blulsturz dem Leben dieser Zierde der Gesellschaft ein Ende gemacht. Jugenüveranftaltungen. Köpenick. Sonnabend, 16. Tczciirbcr, 8 llbr, im grohcn Saal des Sladlthcatcrs WcidnachtSicicr der Arbctlcrjugend. Durch ein rcichbaltiges Programm, das nur von Jugendlichen ausgeführt wird, ist für giile Unter- hallung gesorgt. Saalömiung 7 Uhr. Einlaßkarten zu 20 Pf. sind noch am Eingang zu haben.— Sonntag. 17. Dezember, abends, im.lugcndhcim, Schönerjindcr Str. 5, Vortrag über Fugend und Schundlileralur. Neiikölln�Brit». Sonntag. 17. Dezember. 1 Uhr: Treffen zu einem NochinillagSfpazicrganze nach der Kölligsheide, Rathaus. Ecke Erkslrafze.— Äiitwoch. 20. Dezember, 8 Uhr. Vortrag„Fugend nnd Allohol" des lik- nosscii Auguit Ncitinann vom Arbeiter-Abstiilenlenbund, Aboiilieniculs aus die„Arbeiterjugend" werden dort elllgegeugeuommeii. Sriefkaften üer Rsüaktion. Tie lurlMIWi Evrechslunde linde» für Abonnenten Lindenstr. 3, IV. Ho, cecküS. varierre. am Aiolilag bis Feenag von 4 bis 7 ltoe, am Sonnabend von 5»ii 6 Uli Itall. Jede: tür. den B r i e l l a st e n betnmmten Antrag« lil ein Buebltabe uno eine Lahl als Merl�euden beizulügen. Vrtelllev« illntwor» wird MW» erteUt. Aniragen, denen leme Abonnemenlsauitinng beigefügl ltl. werden nickt beanlwoetc». Eilige Fraze» rrage man in der Svrecklinnd« oor. Serträge, echrlMüSc-n» dcrzlc:chra dringe mar in die evrcckiiundr mit. — K. I. 13. Zum Abzug von der Miele sind Sic nicht berechtigt. Sie niüfflen die Kosten sür die Ofentür von der Wirtin cinjordern. eoent. durch Klage beim Amtsgericht.— W. 43. 1. und 2. Ja.— B. 98. Fijic Töchter ans erster Ehe haben leinen Erbanspruch an den Nachlah des Stiefvaters: Sie brauchen sie deSiialb auch nicht anzugeben.— M. 14. Sic illüsseil alle Ihnen gehörigen Sachen, dazu gehören auch die cvent. von der erste» Ehefrau geerbten, angeben, ferner auch die ausstehenden, nicht cingellagicii Forderungen und die auf Psandschcine versetzten Sachen. Die Einrelautsübruiig jedes kleinere» Gegenstandes wird nicht gcforderl, cS muff dafür der Gesamtwert angegeben werden. Die von Jhnci! gedachte Schlusmotiz ist nicht zuläisig.— P. D. 7. Wenn der Mietsziii« monatlich vereinbart ist. lönnen Sic am 15. zum letzten eines jeden Monats die Wohnung anfklindigen.— ft. B. 10. 1. Die Löhnung kann auch nur zum Teil bewilligt werden. 2. Ja. wenn in den Vcrhöltiiissen des Vaters nicht eine Besserung eintritt, die die Elilzichung der Löhnung gerechtfertigt erscheinen läfft. 3. Die Todes crtlärung taim ein Jahr nach dem Tage des Vermifftseins beim Amtsgericht beantragt werden. 4. A» das Ersatzbataillon desjenigen Regiments, von dem der Bermtffte seinerzeit eingezogen wurde. 5. Die Zahlung der Löhnung sür Veriinffte oder vlesangeiie ist nicht iiir Gesetz vorgesehen, jolldcrn durch eine kricgSministcricllc Verordnung geregelt. VLetteranSstchten für das mittlere NorddeutsckTlan!> bis Sonnabend mittag. Zeitweise heiter, jedoch vorwiegend bcwöllt, bei wenig veränderten Temperaturen geringe Niederschläge. Am 10. Dezember starb an Herz- lähmung mein lieber Mann und herzensguter Vater, der Schrift, setzer 193/4 Adolf AMam Kanonier im Fuhart.-Regt. 11, Thor». Dies zeigt tiesbetrübt an Martha Abraham und Tochter. Neulölln, den 13. Dezember 1310. Donauftr. 25. Tie Einäscherung findet Sonn- tag. den 17. Dezember, vor» miltags 11 Uhr. im Krematorium Bamnschuleniveg statt. Dentscbef Metaliariieiter-Verlianil Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht. daff unfer Mitgtied, der Schlosser Ulbert«ellweier am 7. Dezember an Herzleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken I 127/4 Tie OrtSverivaltung. r~ Am Mittwoch, den 13. Dezem- bcr, srüh 5 Uhr. entschlies laust nach kurzem, schwerem Leiden mein herzensguscr Mann und inniggeliedler Vater Mmch Merlke. Ties zeigen tiesbesrübt an ZleelHvts-.Ilvr-tliv nebst Kutdern. Tie Beerdigung findet am onnabend, den tii. Dezember, nachmittags 2'lt Uhr, von der Wohnung, Schliemannftrasie 48, auf dem EliaS-Kirchhoj in Nord- cnd um 4 Uhr statt. lOO.'l A | Nack langen, schweren Leiden vci schied am 13. Dezember unjer licber, guter Sohn Walter Oest im 21. Lebensjahre. 16166 Die tieibetrübtcn Ellern iMax«est und Krjiu. Berlin-Südende, HaiSkcstr. 11. Die Beerdigung iindet morgen Sonnabend, den 16. Dezember. nachmittags 0'l2 Uhr. von der Leichenballc des' Steglitzer Fried» hoses, Bergstraffc, aus statt. IjASIUA- Füchse Blau-, Silber-, Rot- u Kreuzfuchsgarnituren, sowie sämti. edieren Peizarien in entzückenden Ausführungen in meiner Werkstatt Ktilln. Flnchmnrkt 1 Tl. zwisch. BrcitestraCe u. Stadt. Sparkasse(Beer).— XB. Plüsch- Sachen, Kanin und Nasen führe Ich nicht.* Pelz- Bezirksverwallung GroB-Berlin. Nachruf. Ten Mitgliedern zur Nachricht, daff unser Kollege, der Biersahrer Franz Viehmaun von der Firma Biltoria-Brancrei, Stralau, am 7. ö. M. im Zlllcr von 60 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken i 70/8 Ole Bezirksverwaltung. Für ferWflerGeniEindE-u.Ms- arbeiter, Filiale GroB-BerliD. Den Mitgliedern geben wir hiermit Nachricht vom Tode des Kollegen Karl Mai von der Parlverwallung(Vit- toriapark). Ehre seinem Andeilke»! Beerdigung heule Freilag» den i ö. Dezember, nachmittags 80. Uhr, von der Halle des Nrenz-Kirch- hoscö in Maricndors aus. Um rege Beteiligung bei der Bestallung dcS Kollegen ersucht ar>/ä Tie Ortsvcrwattung. Nachruf. Zum Tode unseres unvcrgeg- I lichcn Sohnes und Bruders, des LaiidsturmuianneS Rudolf Lüders geb. am 28. April 1893, gest. am II. Dez. 1915. DicS alles nur ist ihm geblieben Vom Jiigeiidlcnze, vom Leben und Liebe». In trauriger Erlnnerunz Nelene Lüders als Mutter, Grete Czcsnat als Schwester, Fritz Czesnat als Schwager (zurzeit im Felde). Erich u. Grote als Nesse u. Nichle. Danksagung. die vielen Beweise hcrzlicher eilnahnie und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben ManneS und guten Vaters re-esn» Thons sagen wir allen Freunden und Bclannlcn, insbesondere den Kollegen der Firma A. Borsig, dem Deutschen Metallarbeiterverband, dem Ilntcrstützungsocrein d. Schmiede, dem Wabiocrcin sowie den Sängern des Gesangvereins»Jnlinergriin« unteren herzlichsten Dank. ISlSb Wwe. VUc Thon, nebst Tochter. Kragen, Muifcn, Mäntel i Fuchs. Nerz. Iltis. Sealbisam zu besond. billigen Preisen. I.clpzlgcr Str. (nahe Spittolmarkt), Kein I.ad. 1 Treppe. �onntag�lZ-S�ebttn Wer eerrissenes Sdiuhwrrk, (Geschirre, Leder, Eeltstoffc, Fahrradmäntel, Flk usw. selbst 1 aosbecsern will, verwendet vor. züglich die Nähaiiie Stepperin d.r.g.s. Solide, beste Konstruktion. NSht Steppstich wie Maschine. 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