( 5 Pfennig) Monwgsausgave f 5 Pfennia) Ur. 347. Abonnements-Bedingungen: vbonnements- Preis vränumerando: Lierteljährl. 3,S0 MI. monatl. l,Z0 MI. wöchentlich so Pfg. frei WZ Haus> Eilizelne Nummer ö Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrierter Sonntags. Vellage.Die Neue Welt- 10 Psg. Post- Wonnenienl: 1,30 Marl vro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband tür Deutschland und Oesterreich< Ungarn 2�0 Marl, für das übrige Ausland i Marl Uro Monat. Postabonnements nehmen an Belgien. Dänemarh Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien. Schweden und die Schweiz. kltchtllil lZgllch. 33. Jahrg. vle Inlertions- Gebühr »«trägt für die sech-gesvaU-n- Kolonel- »elle oder deren Raum 00 Pfg. für politische und gcwerlschastliche Vereins« und Versammlnungs-Anzeigen 30 Psg. .kleine Anreigen". das settgcdruckte Wort A> Psg. lzulässig 2 fettgedruilte Worte), jedes wittere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg. jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buch- Naben zählen für zwei Worte. Inserat« für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition tjl bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adrefs«: „Sszlaldtmokrat Btrlln". Zcntralorgan der roztaldcmokratifcbcn Partei Deutfchlands. Redaktion: SV. 68, �inüenstraße Z. Fernsprecher: AmtMoripplatz. Nr. 1S1 90— 12197. Expedition: SV. 68, Lindenstraße 3* Fernsprecher: Amt Morikplat?. Nr. 121 99— 121 97. ßuzeul und Galmatuiul überschritten! Harte Kämpfe östlich der Maas.— Ruf- fische Stellung nördlich Kowel-Luck ge- stürmt.— Tentscher Vorstoß in den Wald- karpathen und im Uz-Tal.— Rasche Verfolgung in der Dobrudfcha. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 17. Dezember 1916. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Bei Hanneseamps nördlich der Ancre versuchten englische Abteilungen unter dem Schutz starken Feuers in unsere Gräben zu dringen; sie sind blutig zurückgewiesen worden. HeereSgruppeKro'n Prinz. Auf dem Ostufer der Maas haben die Franzosen gestern ihren Angriff fortgesetzt. Nach hartem Kampf ist ihnen Bezonvaux und der Wald westlich des Torfes verblieben. Ihre nordwärts weitergeführten Stöße sind vor unseren Stellungen auf dem Höhenrücken nördlich Torf Bezonvaux zusammengebrochen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Nach starker Feuervorbereitung griff der Russe bei Jlluxt(nordwestlich von Tünnburg) an; er wurde abgewiesen. Nördlich der Bahn Kowel— Luek stürmten Teile des Brandenburgischen Reserve-Jnfanterie-Regiments Nr. 52 die russische Stellung in etwa 666 Meter Breite. 5 Offiziere, 366 Mann konnten gefangen, mehrere Maschinen- gewehre und Minenwerfer als Beute zurückgesandt werden. Front des Generaloberst Erzherzog I o s e p h. An der Cimbroslawa Wk(Waldkarpathen) und im llz-Tal stießen deutsche Truppen über die eigenen Linien vor, machten einige Dutzend Gefangene und Vertrieben den sich zur Wehr setzenden Feind. Auch südlich von Mestecanesci(an der Bistritz) Vorfeldgefechte. Heeresgruppe des Geueralfeldmarschalls von Mackensen. Ter Buzeul-Abschnitt ist in breiter Front überschritten. Unseren Truppen fielen außer 1156 Gefangenen (9 Lokomotiven und etwa 466 Eisenbahnwagen, zumeist beladen, sowie eine Unzahl von Fuhrwerken in die Hand. In der Tobrudscha hat rasche Verfolgung des nur vereinzelt Widerstand leistenden Feindes unsere ver- bündeten Truppen bis dicht an das Waldgebiet im Nord- teil des Landes geführt, wo Gegenwehr erwartet wird. Mazedonische Ffront. Keine größeren Gefechtshandlungen. Ter Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. » fibenöbericht. Amtlich. Berlin, den 17. Dezember, abends. An ganzer Westfront und im Osten nur mäßige Ge- fechtstätigkeit. Unsere Armeen haben mit der Masse den Buzeul und unteren Calmatuiul überschritten. Tie Dobrudscha-Armee hat nordwärts Boden ge- Wonnen. In Mazedonien Ruhe. » Berlin, 17. Dezember 1916. Amtlich. Deutsche Seeslugzeuge haben am 16. Dezember russische Seestreit- kräfte im Hafen von Sulina(Schwarzes Meer) mit Bomben beworfen und.ein feindliches Flugboot durch Maschinengewehrfeuer zum Absturz gebracht. »» ♦ Der österreichische öericht. Wien, 17. Dezember 1916. jW. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des G e n e r a l f e l d m a r f ch a l l» von Mackensen. In der östlichen Walachei überschritten die Truppen des Generals der Infanterie von Falkenhayn den Buzeul-Abschnitt an mehreren Stellen. Im Laufe des gestrigen Tages wurden HSV Mann gefangen, 18 Lokomotiven und etwa 40V beladen« Eisenbahnwagen erbeutet. HeereSfront de» Generaloberste» Erzherzog Joseph. Südlich von Baleputna wurde ein Angriff von zwei rufst- schen Bataillonen durch eine» energischen Gcgenstost öfter- rcichisch-ungarischer Truppe» abgewiesen. Hierbei wurden ein Fähnrich und KS Mann als Gefangene eingebracht. Im Nz- Tale und westlich des Cibo-Tales sticstcn deutsche Abteilungen Über die eigene Linie vor und nahmen einige Tuvend Mann gefangen. HeereSfront d e S Generalfeldmarschall» Prinz Leopold von Bayern. Südlich von Bol. Porsk stürmten deutsche Kompagnien die feindliche Stellung und eroberten diese in einer Breite von 606 Metern. 5 Offiziere, 300 Mann, 3 Maschinengewehre und 3 Minenwerfer blieben in der Hand des Angreifer». Itnlienischer und Südöstlicher Kriegsschauplatz. Lage unverändert. Der Stellvertreter de» Chef» de» Generalstabe». v. H o e f e r, Fcldmarschalleutnant. Amerika unü öer ßrieöen. Washington, 16. Dezember.(Melomig des Neuterschen Bureaus.) Tie Friedensnoteu Teutschlands, Oesterreich- Ungarns und der Türkei sind heute nach den Hauptstädten der Entente o h n e j e g l i ch e n Z u s a h der Vereinigten Staaten weitergesandt worden. New Nork, 4. Dezember.(Funkspruch Pom Vertreter des W. T. B.) Bei einem Essen am Sonnabend aus Anlaß der feierlichen Beleuchtung der Freiheitsstatue in New Nork sagte Wilson: Es liegt eine große Verantwortlichkeit darin, die Freiheit zu nusereiii Ideal gemacht zu haben, weil wir sie in dem, was wir tun, illustrieren müssen. In den vergangenen zwei Jahren hat sich mehr und mehr in unseren Herzen die Ucberzeugung festgesetzt, daß der Friede nur mit der Freiheit in die Welt wiederkehrt, mit aller schuldigen offenen Rücksicht für jene, die andere Regierungsformen ver- treten, als unsere es sind. Eine Depesche der World aus Washington besagt: Es ist keineAenderung in derauswärtigen Politik erfolgt, weder in der U-Bootfrage mit Deutschland und Oester- reich-Ungarn, noch in den Handelsfragen niit England und seinen Verbündeten. Die Nachricht wurde von einem hohen Beamten bestätigt. Diese Erklärung wurde durch eine in einem New Aorker Blatt veröffentlichte drahtlose Meldung aus Berlin hervorgerufen, in der darauf hingewiesen wird, führende Berliner Schriftsteller seien der Ansicht, daß Wilson eine unfreundliche Politik gegen Teutschland angenommen habe. Tie amerikanische Regierung habe aber nur verlangt, daß Deutschland den Unterseebootkrieg innerhalb der Regeln des Völkerrechts führe und die Zusicherungen beobachte, die es den Vereinigten Staaten gemacht habe. Washington, 16. Dezember.(Meldung der Associated Preß.) Graf Bernstorff hat mit Lansing eine Besprechung gehabt. Der Botschafter stellte später in kurzen Worten in Abrede, daß er dabei über Friedensbedingungen gesprochen habe. Er sagte:„Ich habe keine formellen Friede nsbe- dingungen erhalten, und die amerikanische Regierung weiß, daß amtlich keine formellen Friede nsbe- dingungen in Vorschlag gebracht worden sind. Mein Besuch galt einzig allgemeinen Besprechungen." polen und öle Juden. Von Max Cohen- Reuß. Die Wiedererrichtung des Königreichs Polen ist eine Tat- fache geworden, mit der sich auch die abfinden müssen, die der nunmehr getroffenen Lösung nicht ohne große Bedenken gegenüberstehen. Auch Sozialdemokraten sind unter diesen. Nichtsdestoweniger ist es notwendig, sich auf den Boden der gefällten Entscheidung zu stellen, in der Hoffnung, daß es bei den Friedensverhandlungen, die den augenblicklichen Zustand erst zu einem dauernden machen werden, gelingen möge, weitere Sicherungen zu finden, so daß wir mit Vertrauen die weitere Entwicklung erwarten können. Freilich wird man fordern niüssen, daß für die Folge keine wichtige, die zukünftige Friedensgcstaltung betreffende Maßnahme von der Regierung endgültig angeordnet wird, bevor man nicht zumindest mit der deutschen Volksvertretung beraten hat. Aber auch nachträglich hätten die im Hauptausschuß des Deutschen Reichstags vertretenen Abgeordneten diese Unterlassungssünde viel schärfer rügen müssen, als es geschah; denn in diesen Dingen ist feste Entschiedenheit vonnötcn, wenn sie sich nicht wiederholen sollen. Das darf man aber nun wohl annehmen, denn der Reichstag hat ein Recht darauf, nicht mit der russischen Duma verwechselt zu werden. Doch das nur beiläufig. Der Hauptzweck dieses Artikels ist, die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf eine Angelegenheit zu lenken, die für das neue polnische Königreich von der größten Bedeutung ist: auf die Stellung der mehr als zwei Millionen starken polnischen Inden. Man weiß von ihnen in Westeuropa nicht eben sehr viel, meist nur. daß sie zum über- wiegenden Teil in großem Elend und in strenger Abgeschlossenheit leben. Beides ist richtig. Die Lebensgewohn- hciten des Ostjudentums, die Art in der es denkt und fühlt, bilden in der Tat eine Welt für sich. Die jüdische Bevölkerung Polens ist ein besonderer und selbständiger Volksteil, nichts anderes als eine nationale Minderheit. Die unglaub- lich schlechte soziale Lage des größten Teils der polnischen Juden, zugleich aber ihre Bedeutung für die Wirtschaft des Landes, haben die Erörterung des Ostjudenproblems nie ganz von der Tagesordnung verschwinden lassen, und auch der „Vorwärts" hat sich verschiedentlich mit ihm beschäftigt. Die Auferstehung des polnischen Königreichs läßt die Wieder- aufnähme der Debatte dringlich erscheinen. Es ist die Absicht dieses Aufsatzes, sie hervorzurufen. Wenn schon im Frieden die Unterdrückungsmaßnahmen einer unfähigen russischen Bureaukratie und die Feindschaft der Polen schwer auf dem Judentum lastete und ihm die Auswärtsentwicklung so gut wie unmöglich machten, so hat die Kriegskatastrophe auch den winzigsten Ansatz zur Besserung erstickt und die Masse der jüdischen Bevölkerung in ein Elend geivorfen, das jeder Beschreibung spottet. Gute Kenner dieser Zustände, die die Lage der Ostjuden seit Jahr und Tag studiert und sich während des Krieges durch den Augenschein unterrichtet haben, behaupten, daß die schlimmsten Teile von New Aork und London wahre Lichtblicke seien verglichen mit den schauerlichen Verhältnissen, in denen hier Menschen dahin- vegetieren. Wer die Erzählungen derer hört, die dort gearbeitet und zu helfen versucht haben, wird, gleichviel wie er politisch steht, im Tiefsten erschüttert sein über soviel menschlichen nier— obgleich der Krieg uns alle miteinander etwas abgestumpft hat. Und wie ein Wunder muß es erscheinen, daß der Lebenswillen dieses Volkes noch nicht vollständig zerschlagen ist, sondern daß er sich immer wieder erhebt, um Herr zu werden dieser tiefen Not und gegen seine Verwaltigung anzukämpfen. Alle Völker müssen gegenwärtig viel Kriegselend auf sich nehmen. Aber es ist ein Unterschied zivischen dem, was unvermeidbar ist und dem. was nicht zu sein braucht. Und vieles brauchte dort im Osten nicht zu sein, wenn die Polen mehr guten Willen zeigten und die eben erst für sich selbst errungene Freiheit nicht der jüdischen Bevölkerung ihres Landes vorenthielten. Es ist merkwürdig: mit Jngrinim haben die Polen die preußische Ausnahmegesetzgcbung gegen die polnische Minorität bekämpft. aber' sie selbst haben sich keinen Augenblick gescheut, Ausnahmebestimmungen gutzuheißen, die sich gegen die jüdische Minderheit ihres eigenen Landes richteten. Ist es nicht unerhört, wenn man in Warschau die Kriegs- Unterstützung an die Frauen der jüdischen Soldaten im russi» scheu Heere nicht mehr auszahlt, obwohl sie aus allgemeinen Stenern aufgebracht werden? Ist es nicht unerhört, daß diese Auszahlung urplötzlich an die Bedingung der Vorzeigung eines offiziellen Trauscheins qeknüpft wird, den die jüdischen Frauen nicht besitzen? Tie weitaus grötzte Zahl der jüdischen Ehen(und nicht die schlechtesten) ist in der gebräuchlichen jüdisch-rituellen Form(kirchliche Trauung), aber ohne diesen Schein geschlossen worden, man kennt das einfach nicht. Und nun stehen diese armen Frauen und Kinder da, der Not und dem Elend, buchstäblich dem Verhungern preisgegeben. In Deutschland, wo Unterstützungen bezahlt werden, vermag man zu beurteilen, was ihr plötzliches Aufhören bedeutet, und in Deutschland wird die gesamte öffentliche Meinung verlangen, daß diese Schmach aufhört. Ist es zu glauben, daß die Polnische Stadtverwaltung in Warschau den Mut fand, im Jahre 1916 eine Art modernen Ghettos einzurichten? Im Oktober wurde nämlich beschlossen, daß in den städtischen Verkaufshallen die Stände der Kauf- leute nach Konfessionen abzusondern sind, den jüdischen Ge- schäftsinhabern wurden dabei die Hinteren Gewölbe zugeteilt. Von hier aus ist es nur ein Schritt, den Juden bestimmte Viertel auch zum Wohnen anzuweisen, und das Mittelalter tväre wieder auferstanden. Daß der Warschauer Magistrat den Inden, die nahezu die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, keine besonderen Schulen bewilligt, soll nicht gerügt werden, aber mich dünkt, daß die polnische Minorität der deutschen Ostmark stets be- sondere Schulen für sich verlangt hat. Umso eher wird man vielleicht in Warschau dazu konimen, besondere jüdische Bänke einzurichten, verlangt wird es bereits. Ist es zu glauben, daß man in Warschau der jüdischen Gemeinde 30 900 Rubel monatlicher Unterstützung für die— ach so bitter nötigen— billigen Küchen verweigerte, den nicht- jüdischen dafür in derselben Sitzung eine halbe Million be- willigte. Daß man es fertig gebracht hat, den Juden das Wahlrecht zu verkürzen ist selbstverständlich, und in den anderen größeren Städten Polens sowie in der Provinz liegen die Dinge ganz ähnlich, die Zahl der Uebelstände ist Legion. Hier muß die deutsche Verwaltung unbedingt eingreifen, sie kann nicht ruhig zusehen, wie das Zusammenleben der Polen und Juden von Grund aus vergiftet wird. Es ist eine der nötigsten Aufgaben, dafür zu sorgen, daß die nun einnial auf demselben Boden in enger wirtschaftlicher und politischer Gemeinschaft lebenden Volksteile in ein gedeihliches Ver- hältnis zueinander kommen. Es geht nicht,' daß die Polen, selbst zur Freiheit gelangt, die Freiheit der anderen nicht dulden wollen. Die Polen müssen einschen, daß eine gute zukünftige Entwicklung ihres Landes(die ohnehin genug Hindernisse finden wird) aufs schwerste gefährdet ist, wenn die brennende Frage des polnischen Judentums nicht in freiheitlichem Sinne geregelt wird. Aber auch das Deutsche Reich hat ein beträchtliches Interesse daran, daß die fürchter- lichen Mißstände beseitigt und die Rechte nationaler Minder- heiten garantiert werden. Das Ostjudentum ist durch mancher- lei Fäden mit dem deutschen Leben verbunden. Wie es schon vor dem Kriege der Hauptträger der wirtschaftlichen Verbin- dung mit Rußland war, so wird es dies nach dem Kriege wiederum sein, es wird außerdem für die gar nicht leichte Auf- gäbe, Polen wirtschaftlich den Mittelmächten anzugliedern, wertvolle Hilfe leisten. Deutsche Offiziere und Beamte, die im allgemeinen einer besonderen Vorliebe für polnische Juden nicht verdächtig sind, aber mit offenem Auge die Dinge betrachten, sprechen mit mehr Achtung von ihnen, als nian vielleicht erwarten könnte. Sie erkennen an, daß das jüdische Element für Wirtschaft und Handel unentbehrlich ist. Gewiß, es steckt— begünstigt durch die fürchterlichen Verhältnisse eines dauernden Kriegsgebiets— in diesem Handel noch viel Unredlichkeit. Die ist aber zum größten Teil eine Folge der allgemeinen Unterdrückung: nehmt sie fort und die Entwicklung wird sich nach und nach westeuropäischen Zuständen nähern. Es ist nicht uninteressant, daß der Berichterstatter der „Frankfurter Zeitung" ein ganz ähnliches Urteil in einem Bericht aus Kurland fällt. In einer Artikelreihe über eine Reise durch Kurland vom Dezember vorigen Jahres schreibt er u. a.:„Aber der dadurch(durch die Revolution von 1903) geschaffene Gegensatz(zwischen Balten und Juden) verschwand- doch sehr rasch wieder in den folgenden Jahren des gemein- samen Kampfes gegen das Nnssentum, und wo Stachel zurück geblieben waren, da sind sie ganz allgemein durch den heroischen Auszug der Juden bei der Vertreibung'im jetzigen Krieg beseitigt worden. Die wahre Heldengröße dieses Aus- zuges hat einen tiefen, unauslöschlichen Eindruck auf den deutschen Bürger und Edelmann gemacht, und wo man heute vom Juden spricht, geschieht es in ehrlicher Betrübnis, daß das tüchtige und solide Handelsclement fehlt und dem Lande dadurch großer Schaden entstanden ist." Es wird für die deutsche Verwaltung gewiß keine leichte Aufgabe sein, den schweren Mißständen abzuhelfen, indes, das ist eine Aufgabe, der sie sich unmöglich entziehen kann. Auch sie begeht manchen Fehler, meist aus Unkenntnis der Verhält- nisse, selten auS bösem Willen. Aber eines müßte sie sich grundsätzlich sagen, daß man nämlich auf dem Wege strenger Verordnungen, die sür die Verhältnisse der Heimat passen mögen, nicht eine Bevölkerung, die bis dahin das Gegenteil gewöhnt war, in richtige Bahnen bringen kann. Hier muß langsam begonnen und am Vorhandenen angeknüpft werden, nur so läßt sich Ersprießliches erreichen. Wenn man Altgewohntes einfach umstülpt, so ordnet man gar nichts oder doch nur scheinbar. Man verwirrt die Bevölkerung und stellt im besten Falle alles auf den Kopf. Gute Kenner des Landes behaupten, daß auch für die Beschaffung der Ernährung und sonstiger Gebrauchsgegenstände des Heeres viel niehr erreicht worden wäre, wenn man die getroffenen Bestimmungen den vorhandenen Zuständen besser angepaßt und sich der zur Ver- fügung stehenden Hilfsmittel geschickt bedient hätte, denn für die wirkliche Durchführung aller Vorschriften fehlt es in Polen von vornherein an den nötigen Beamten. Und gerade die jüdische Bevölkerung, die bereit und in der Lage gewesen wäre, der Verwaltung gute Dienste zu leisten, hat die Härte vieler Maßnahmen infolge der nun einmal vorhandenen Berufsgliederung und der allgemeinen sozialen Verhältnisse doppelt und dreifach gespürt. Was für diese Bevölkerung vor allem nottut, sind jüdische Beamte. Ebensogut wie man Dutzende von deutschen Polen als Beamte in das besetzte Gebiet geschickt hat, so muß mau eine der jüdischen Volkszahl entsprechende Menge jüdischer Beamter, die jiddisch wirklich verstehen, nach Polen senden. So weit mir bekannt ist, gibt es deren heute kein Viertel- dutzend, in höherer Stelle aber nur den einen Dr. Ludwig Haas. Dieser hat bereits Außerordentliches geleistet, aber der Arbeit ist allzuviel. Es gibt in Teutschland genug Juden, die guten Willen? wären, und die die Dinge am richtigen Ende anzupacken verstehen, die aber vor allen Tingen wissen, wie man es nicht machen darf. In Polen so gut wie anderswo kommt man mit bloßer Wohltätigkeit nicht weit, auch dort ist die Organisierung der Selbsthilfe das beste Mittel, lind es spricht für den guten Kern der polnischen Juden, daß sie keine bloßen Almosenempfänger sein wollen, sondern vorziehen, sich mit den vorhandenen Hilfsmitteln zu organisieren und von unten herauf die Kräfte zu sammeln, die sie für ihre Weiter- entwicklung und Gesundung brauchen.„Nie sind in Polen— so schreibt Julius Berger im 3. Heft des„Juden"— so viel jüdische Schulen gegründet worden, nie so viel Lesehallen und Bibliotheken, wie gerade jetzt, mitten im Kriege. Und nicht durch fürstliche Schenkungen einzelner Großer. Aber mit 100 Rubeln Anfangskapital haben z. B. die Zionisten in Warschau ein Schulsystem gegründet, das heute beinahe dreitausend Kinder umfaßt, Kinderheime, Volksschulen, Mittelschulen, Hand- fertigkeitsschulen für Mädchen." Diese Bewegung und diesen Geist zu unterstützen ist Pflicht der deutschen Verwaltung. Und wenn bei einem Empfang durch den deutschen Reichskanzler Professor Brudzinski u. a. die Forderung stellte, daß ein provisorischer Staatsrat aus einheimischen polnischen Elementen zu bilden sei, der die Ausarbeitung einer Ver- fassung und die Organisation der polnischen Staatsverwaltung vorzubereiten habe, so muß die weitere Forderung erhoben werden, daß diese Verfassung eingehende Bestimmungen zum Schutz und der Entwicklungsfreihcit der jüdischen Minderheit in Polen enthält. Das erfordert nicht nur das wohlverstandene Interesse des polnischen Staates selber, es ist auch ein Jnter- esse Deutschlands. Das Deutsche Reich hat viele Gründe, di� Unterdrückung nationaler Minderheiten in den von ihm be- setzten Gebieten nicht zu gestatten.(z) *• * Anmerkung. Der Artikel des Genossen Cohen wurde bereits vor mehreren Wochen geschrieben. Inzwischen ist der Staatsrat, von dem am Schlüsse des Artikels die Rede ist. bereits gebildet worden. Die von ihm gemachten Verfassungsvorschläge sind indes nicht derart, daß die jüdische Bevölkerung die von ihr gewünschte politische Vertretung finden kann. Sie wollen es haben. Wieder ein großer französischer Truppendampfer versenkt. Berlin, 16. Dezember. sW. T. B.) Eines unserer Unter- sccboote hat am 12. Dezember 55 Sccmcilen Ostsüdost von Malta ein französisches Linienschiff der Patrie-Klasse durch Torpcdoschuß schwer beschädigt. Ein anderes Unterseeboot hat am 11. Dezember südöstlich der Insel P a n t c l l a r i a den bewaffneten französischen Truppcntransportdampfcr„Maghcllan", 6627 Tonnen, mit über 1666 Mann weißer und farbiger Truppen an Bord durch Torpedo- schuß versenkt. » In schneller Folge sind den Franzosen mehrere jähe und schwere Verluste dieser Art zugefügt worden. Das Saloniki-Aben- teuer— auch in den Ländern der Entente beginnt dieser Name Fuß zu fassen— fängt an, seinem blutigen Vorgänger, dem Galli- Poli-Unternchmen, zu ähneln. Von Botschaften wie dieser neuen Katastrophe aus dem Mittelmeer geht aber ein gesteigertes Grauen in diesen Tagen aus, wo das deutsche Friedensangebot unS endlich die Möglichkeit näher zeigte, das schonungslose Vernichten von Menschenmasscn hinter uns zu bringen. Der Friedensruf flog über die Länder, die Völker grüßten ihn, aber die Völker entscheiden nicht. Der Widerstand gegen den Frieden setzt sich zur Wehr und beginnt abermals den endlosen Krieg zu verkünden. Sie könnten den Frieden haben, aber sie scheuen selbst den Versuch, ihn zu gewinnen, und aufs neue sollen die Botschaften des Massentodes das menschliche Fühlen verge- waltigen. Sie könnten den Frieden haben, aber sie zögern, verdächtigen, höhnen. Sie wollen immer noch das andere. Was wieder jetzt dort unten im Mittelmeer geschah, das soll abermals täglich in einer der Schreckcnsformen, die der Krieg bestimmt, über uns kommen. So und furchtbarer noch. Des blutigsten Weltelends soll es. noch immer nicht genug sein. Was von dem Elend bisher über Frank- reich kam, ist vor wenigen Tagen im ftanzösischen Parlament in einem Aufschrei der Volksqual gezeichnet worden. Als die Kredit- Vorlage besprochen wurde, rief der Abgeordnete Brizon der toben- den Kammer zu: „Europa hat bis heute 6 bis 7 Millionen Tote zu be- klagen. Hunderte von Milliarden wurden in den Abgrund geschleu- dert. Und das ist das einzige endgültige Ergebnis dieses höllischen Krieges. Wenn am 31. März 1917 die letzte Stunde des Krieges noch nicht geläutet hat, wird Frankreich seit dem Monat August 1914 73 Milliarden verausgabt haben. Von diesen 73 Mil- liarden hat der Krieg allein 58 Milliarden verschlungen, mit welchen man in Frankreich die Unwissenheit und das Elend hätte ausmerzen können. Die Regierung fordert von uns neuerdings 9 Milliarden für die drei ersten Monate des Jahres 1917, also drei Milliarden pro Monat, beinahe 166 Millionen pro Tag. Wir brauchen, so meint es, für 36 666 Franken Munition, damit die Artillerie einen einzigen Feind töten könne. Gestern waren es die vom Militärdienst Befreiten, die Ausgemusterten und die Jugend der Klasse 1918, die die Regierung vom Lande fordert. Z u w a s diese 9 Milliarden, zu was diese neuen Männer, zu was diese neuen Opfer, die zu den bisherigen ungeheuren gebracht werden sollen?! Weil im vorigen Jahre die Regierung, ohne die Kammer zu befragen, einen neuen Ge heimvertrag unterzeichnet hat (System Delcasse), der Konstantinopel mit dem Bosporus und den Dardanellen Rußland gibt. Die französisch-russische Allianz hat die Prüfung des Blutes mit„EKre" bestanden, so sagte die„Nowoje Wremja" am 3. Mai 1916. Dieses Geschenk an das allzu kleine Nußland wurde zweifelsohne im Namen„des Rechts", „der Zivilisation" und des„Nationalitätenprinzips" gemacht. Die Russen sollen eS sein, die in Konstantinopel wohnen, Viviani und Briand haben dem Land, der Kammer und den Schützengräben während achtzehn Monaten dieses genievolle Geschenk verheimlicht. Als ich vor sechs Monaten dieses Ge- heimnis auf der Tribüne lüften wollte, hat der Präsident meine Stimme erstickt. Erst am 3. Dezember 1916 ist die Wahrheit ans Licht gekommen... Und zwar in Rußland, in der Duma, durch den Mund eines Russen, durch den Ministerpräsidenten Trepow hat Frankreich endlich diese Nachricht erhalten. Wir müssen dem russischen Minister für seine Offenheit danken. Die Franzosen wissen heute endlich, für was sie ihr Blut vergießen und das Gold des Landes opfern. Das g r o ß e K r i e g s z i e l, das ist der g r o ß e Eisenbahnweg Berlin- oder Moskau-Konstantinopel-Bagdad. Er geht aber nicht über Frankreich.. Hekatomben von Menschen hat das Geschenk der westlichen Ententemächte an Rußland gekostet und immer wieder sollen solch unerhörte Opfer fallen. Vor Saloniki, bei Monastir geht kostbares Leben in Massen zugrunde, und eben in diesem Dienst, von dem Brizon sagte, daß er Frankreich im Grunde nichts angehe, wurden j wiederum die tausend Menschen auf einen Schlag geopfert, deren Ertrinken im Mittelmeer der Telegraph meldet. Sie wollen es haben! schreit die Anklage auf. Mitten in den Tagen, wo die Hoffnung der Völker um das Friedensangebot bangt, tönt in Schmerz und Wut der Schrei: Sie wollen es haben! Hrianö nahe üem Sturz. Nach privaten Meldungen hatte die Sitzung der französi-« scheu Klammer am 13. Oktober einen überaus stürmischen Verlauf. Es kam dabei sogar zu Tätlichkeiten. Milou gab die Besprechung des Regierungsantrags, dem Ministerium diktatorische Vollmachten zum Erlaß von Maßregeln zu über- tragen, die sich auf die Landesverteidigung beziehen. Ein großer Teil der Abgeordneten lief gegen diesen Versuch der Regierung, das Parlament auszuschalten und sich selbst dikta- torische Vollmachten zu verschaffen, Sturm. Gegen die Re- giernng sprachen u. a. der Vorsitzende des Budgetausschusscs Klotz und der Sozialist Compäre-Morel, für sie der Sozialist Renaudel. Ein Antrag, die Regierungsvorlage an den Ver- waltungsausschuß zurückzuverweisen, wurde mit nur 278 gegen 209 Stimmen abgelehnt. Bei einer folgenden Teil- abstimmnng stieg die Opposition sogar auf 245 gegen 248 Stimmen. Man nimmt an, daß der nächste Dienstag, der eine Senatssitzung bringt, für Briand ein kritischer Tag erster Ordnung wird und nennt schon als seinen Nachfolger, den einst„freien", jetzt„gefesselten Mann", Clämenceau. Eine internationale Kundgebung für das Friedensangebot. Der Bund für Menfchheitsinteressen(Sitz Bern) sendet uns einen Aufruf, der mit den Worten beginnt: „Die großzügige, von wahrhaft staatsmännischem Geiste getragene Initiative der Zentralmächte, ihr Friedensvorschlag ge- rade im Augenblick des höchsten militärischen Triumphes, hat bei all denen, welchen die dauernden Menfchheitsinteressen am Herzen liegen, lebhafte Befriedigung geweckt. Der moralische Wert dieses Friedensangebotes bleibt bestehen, auch wenn die Gegner es zurückweisen sollten. Vom praktischen Standpunkt wieder wäre es naturgemäß �ntscheidungs- voll, daß die Friedensbedingungen Deutschlands und Oesterreichs einerseits ihren schwergeprüften Völkern einen gewissen Ausgleich für alle Opfer des Krieges dringen und ihren militärischen Er- folgen Rechnung tragen, andererseits jedoch so geartet seien, um auch den Gegnern annehmbar zu erscheinen. Auch diese eskomp- tieren ja den Endsieg im Vertrauen auf ihre Ueberlegenheit an Menschenzahl und Kriegsmaterial." Es wird dann die Möglichkeit eine? alle Beteiligten defriedi- genden Ausgleichsfrieden näher dargelegt und zum Schluß gesagt: „Es ist darum zu hoffen, daß da? von den Zentralmächten ge- reichte Blatt nicht unbesehen zurückgewiesen werde, sondern zu einem fruchtbaren Meinungsaustausch Anlaß gebe." Das Begleitschreiben, das noch einmal von der„verhei- tzungsvollen Friedensinitiative" der Zentralmächt« spricht, nennt vom Schweizer Komitee de? Bundes u. a. Professor F o r e l- Zürich, Regierungspräsident T s ch u m i- Bern und Ratio- nalrat Loch er- Bern. Vom internationalen Ehrenausschuß: Jean Longuet, ftanzösischen Deputierten, A. Naquet, ehemaligen französischen Senator, Ramsay Macdonald, Mitglied de? eng- tischen Unterhauses, und NeichstagSabgeordneten Ed. Bernstein. Interne in englischen Schützengräben. London, 16. Dezember. Meldung des Reuterschen Bureaus. Aus dem britischen Hauptquartier in Frankreich wird vom 14. berichtet: Die Nachricht von dem deutschen Friedensangebot drang erst gestern spät abends bis i n d i e britischen Laufgräben durch. Man hatte in vielen Fällen schon vorher von deutscher Seite davon erfahren da- durch, daß die NeuigkeitmitKreideaufBr eitern geschrieben und so den britischen Soldaten mitgeteilt worden war. Als die Nachricht von britischer Seite bestätigt wurde, wurde sie natürlich mit dem größten Interesse auf- genommen. Die Offiziere und Mannschaften schienen aber absolut kein Vertrauen zu haben, daß die Vorschläge wirklich zum Frieden führen würden. So Reuter. Wenn die Tommies in den Schützengräben erfahren, daß ihnen die Minister in den Klubsesseln befehlen weiter zu frieren und weiter zu bluten, werden sie— nach Reuter— gewiß sehr erfreut sein. Gefährlich, sich zu weigern! London. 16. Dezember. Der Herausgeber der„Daily News" Gardiner schreibt, er wisse nicht, ob der deutsche FriedenSvor- schlag ein Verzweiflungsschrei oder ein diplomatischer Schachzug sei; wahrscheinlich sei er ein Gemisch aus beiden. Es sei von aller- größter Bedeutung, daß die Entente die strategisch richtige Antwort gebe. Wilde Preßleute, die ihre Gefechte in den bequemen Zimmern von Fleetstreet lieferten, erniedrigten sich freilich nicht zu strategi- scheu Erwägungen. Die neutrale Welt wünscht natürlich ein Ende des Krieges herbei, und die Entente muß darüber wachen, daß die Neutralen ihre Sympathie nicht auf Deutschland übertragen, sie braucht deswegen keine von den Bedingungen fallen zu lassen, die erfüllt werden müssen. Es würde gefährlich sein, sich zu weigern. über die Friedensbebingungen zu sprechen, wie in der Presse emp- fohlen wird. Diese Empfehlung wird aber wahrscheinlich nicht be- folgt werden. Wird sie doch befolgt, dann würde England vor der ganzen Welt verurteilt dastehen. Vielleicht kann die Entente jetzt ihre Bedingungen noch nicht durchsetzen. Ist das nicht möglich und sind die Bedingungen gerecht, dann müssen wir durchkämpfen, bis wir sie durchsetzen._ die strategische Lage aus üer Perspektive üer Entente. Der Berner„Bund" betrachtet die strategische Lage aus der Perspektive der Entente und kommt zu dem Schluß, daß die Verbandsmächte heute mit einem starken militärischen Rückhalt in Friedensverhandlunge neintreten könnten, obwohl ihre Offensiven nicht zum Ziele geführt hätten. Die deutschen Kolonien sind nahezu restlos in der Hand der Entente. Ruß- land stehe in der Bukowina, an der Narajowka, in Armenien und Persien, England hält Aegypten, hat eine Armee auf dem Festlande und seine Flotte hat noch ihr volles Gewicht. Frank- reich besitzt eine stolz das Feld haltende Armee, deren An- griffsmut' noch keineswegs gebrochen ist. Italien hat Gra- desca mit Görz und Palona erstritten und auch die kleinen Slaakn stehen noch in Waffen. Weiter schreibt der Militärkritiker deZ„Bund", daß der Krieg nicht mehr tauglich sei, die ihm zugrunde liegenden der- wickelten politischen Probleme zu lösen, da er die Komplika- tionen eher vermehren als vermindern werde und militärisch nachgerade Aufgaben stelle, die am Ende doch von keiner Mächtegruppe völlig gelöst werden könnten. Das Europa des 18. Jahrhunderts habe den Siebenjährigen Krieg besessen. Das des 20. Jahrhunderts möge daraus lernen, daß man ein ähnliches strategisches Problem schon nach 2� ��ren zur Ruhe legen sollte, um eine allgemeine Verständigung zu suchen.(T. U.)_ Frontverkürzung. Sofia, 17. Dezember.(T. U.) Infolge bei Vorrücken? der D o n a u a r m e e ist jetzt mit der D o b r u d s ch a f r o n t eine ge- rcrde Linie hergestellt worden. Durch das schnelle Vorrücken der bul- garischen Truppen sah sich Sacharow zum Rückzug gezwungen. Der linke Flügel der v. Armee gewinnt täglich Raum. Der Widerstand des Feindes nimmt in dem Maße ab, als unsere Truppen der Linie B r a i l a— B u z e u l sich nähern. Durch die Fortschritte auf diesem Frontabschnitt wird die ganze Front bedeutend verkürzt. Dieses Manöver ist von größter Wichtigkeit für die weiteren Er- eignisse. Der bulgarische Kriegsbericht. Verfolgung in der Tobrndscha.— Vorrücken nördlich der un- tcrcn Jalomita.— Tie Eiscnbahnbcute von Fctcsti. Sofia, 16. Dezember. Amtlicher Heeresbericht. Mazedonische Front: Vom PreSpasee bis zur Struma schwaches feindliches vereinzeltes Artilleriefeuer. Längs der Struma und in der Ebene von Serres Artillerrefeuer. An der Strumamündung Artillerietätigkeit und Patrouillenunterneh« «rungen. Rumänische Front: In der Dobrudscha verfolgen wir den Feind, der sich auf dem Rückzüge befindet. In der östlichen Walachei rücken unsere Divisionen in den Gegenden nördlich vom Unterlaufe der Jalomita vor. Im Bahnhof von Fetesti er- beuteten wir 116 und im Bahnhof von Tschulnitza 41 Eisenbahn- wagen, 4 Lokomotiven und außerdem 11 mit Petroleum beladene Eisenbahnwagen. Der türkische Kriegsbericht. Gefecht bei Fcllahie.— Ruffendesertion an der Kaukasusfront. Konftantinopcl, 16. Dezember. Amtlicher Heeresbericht. Im Süden unserer Stellung bei Fellahie schlugen wir starke Äavallerietruppen de? Feindes zurück und brachten durch unser Feuer in diesem Augenblick einen feindlichen Flieger zwischen den Reihen der Kavallerie zum Absturz. Gleichzeitig wurde ein Angriff feindlicher Infanterie erfolgreich zum Stehen gebracht. Wir mach- ten einige Gefangene. Kaukasusfront. Die Zahl der russischen Soldaten, die sich zu uns flüchten, nimmt täglich zu. Von den übrigen Fronten kein wichtige? Ereigni?. Der Stellvertretende LSmanische Oberbefehlshaber. • Mesopotamien. Amtlicher englischer Heeresbericht. Am 14. Dezember befestig- ten wir während des Tages energisch die am Vortage errungenen Vorteil«. Wir gingen längs der beiden Ufer deS Flus- feS nach Norden vor und stellten einen Vorposten südlich von K u t auf. weniger als% Meilen Horn Tigris entfernt.— In der Nacht voin 14. zum 15. Dezember griffen britische Flugzeuge Pon- tonbrücken auf dem Tigris an, die von den Türken stromaufwärts geschleppt wurden. Die Brücken wurden auSeinanderaerissen und zerstreut. Die feinölichen Heeresberichte. Ter Kampf östlich der Maas. Französtscher Bericht vom 16. Dezember nachmittags. Auf dem rechten Maasufer unternahm der Feind im Laufe der Nacht keine Gegcnunternchmnng. Das Artillcriefeuer war auf unserer ganzen neuen Front lebhafter. Es bestätigt sich, daß die vier fran- zosischen Divisionen, die den Angriff zwischen Maas und Woevre gestern ausführten, mindestens fünf deutsche Divisionen geschlagen haben, von denen alle Regimenter in den Kampf verwickelt waren. Von allen diesen Regimentern wurden Gefangene gemacht. In der Gegend von Chauvoncourt gestattete uns ein Handstreich, Gefan gene zurückzubringen. Sonst war die Nacht überall ruhig. Bericht vom 16. Dezember abends. Auf dem rechten Ufer der Maas machten unsere Truppen beim Ausbau ihre? Erfolges Fortschritte im Walde von Caurieres und nahmen das Dorf Bezonvaux. Gestern abend wurde ein heftiger deutscher An- griff auf die Stellungen am Pfefferrücken durch unser Feuer glatt abgewiesen; wir bewahrten unsere Front unversehrt. Der Zustrom von Gefangenen dauert an, ibre Zahl übersteigt gegenwärtig 9606, darunter L50 Offiziere. Eine abschließende Zählung des in unsere Hände gefallenen Materials hat noch nicht gemacht werden können, immerhin hat man bis jetzt einundachtzig eroberte oder zerstörte Geschütze gezählt. Auf der übrigen Front das ge- wohnliche Geschützfeuer. Englischer Bericht vom 16. Dezember abends. General Haig meldet unbedeutende Kämpfe von der Front. Amtlicher englischer Heeresbericht aus Salo- niki vom 16. Dezember. An der Strumafront wiesen wir einen vereinzelten bulgarischen Angriff ab, der sich gegen eine kürzlich von uns eroberte Stellung richtete. Unsere Marine beschoß Schützengräben östlich von N e o ch o r i. Sonst nur Artillerie- tätigkcit. Die englische Admiralität meldet: Ein Geschwader von See- flugzeugen hat am 15. Dezember Razlovoi, 66 Kilometer öst- lich von Jstip, angegriffen; es wurden zahlreiche Bomben abge- warfen und viele Treffer beobachtet. Kampf an der Bahnstrecke Zloczow-Tarnopol. Russischer Bericht vom 15. Dezember. Westfront. In der Ge- gend von Z u b i l n o eröffnete der Feind südlich von dem Weiler Kiszelin zweimal Trommelfeuer und versuchte aus seinen Gräben vorzubrechen. Seine Versuche wurden jedesmal durch das Feuer unserer Gewehre, Maschinengewehre und Artillerie ange- halten. In der Gegend von Grabkovce bemerkten unsere Auf- klärer in der Nacht eine feindliche Kolonne vor ihren Drahtver- hauen. Nachdem sie den Feind mit Handgranaten beworfen hatten, zwangen die Aufklärer ihn, in seine Gräben zurückzuweichen. Gegen 5 Uhr nachmittags griff der Feind nach einem konzentrierten Geschützfeuer auf die Gegend von Batkup— Gehölz von Gukalowce sowie gegen den Abschnitt Karabowce— Meinowce einen Angriff vom Dorf Grabkowce ans beiden Seiten der Bahnstrecke Zloc- zow— T a r n o p o l. Er wurde aber von dem vereinigten Feuer unserer Infanterie und Artillerie empfangen und legt« sich auf dreihundert bis vierhundert Meter vor unseren Gräben nieder. Indessen gelang es dem Feinde in der Gegend von Mlonooce f?) in die Gräben einer unserer Kompagnien einzubrechen. Herbei- geeilte Reserven vertriebn den Gegner aber daraus. Unter dem Schutze der Dunkelheit und des Nebels griff der Feind zwei unserer Feldwachen östlich von dem Dorfe Konchiuchow an und zwang eine von ihnen, sich auf die erste Grabenlinie zurückzuziehen. In dem Abschnitt einer anderen Feldwache legte sich der Feind vor den Drahtverhauen nieder. Gestern bestanden unsere Flugzeuge drei Luftkämpfe in den Gegenden von Zabjce, Nußce, Mlynovce. In allen drei Fällen zwangen sie den Feind, sich auf seine Stellungen zurückzuziehen. Der russische Heeresbericht vom 15. Dezember meldet von der rumänischen Front: Die rumänischen und die rufst- scheu Truppen ziehen sich in der Gegend von B u z« u unter dem Druck des Feindes zurück und decken sich durch Nachhuten. In Ver- bindung mit diesem Rückzug ziehen sich ebenfalls die Truppen zu- rück, die eine Stellung am Jalomitafluß innehatten. Die Unruhen in Portugal. Lissabon, 16. Dezember. Reutermeldung. Die Regierung hat vier geringe Aufstandsversuche in den Provinzen schnell unterdrückt, ohne daß ein Schuß abgefeuert wurde. Der Rädels- führer Machado Santos wurde verhaftet. Madrid, 17. Dezember.(Funkspruch des Vertreters des Wiener K. K. Telegraphen-Korrespondcnz-Bureaus.) In Portugal sind revolutionäre Unruhen ausgebrochen, an denen sich auch ver- schieden? Truppenkörper beteiligten. Die Bewe- gung ist als Protest gegen die Absendung von Truppen auf den europäischen Kriegsschauplatz anzusehen. Infolge zeitweiliger Un- terbrechung der Verbindungen ist der Umfang der Unruhen vor- läufig nicht festzustellen. Spanische Blätter geben eine offizielle Erklärung der portugiesischen Regierung wieder, wonach die revo- lntionäre Bewegung unterdrückt, ihr Führer Machado dos Santos verhaftet sei und in Lissabon Ruhe herrsche. Die Lage in Portugal gilt jedoch als äußerst kritisch. Die Armee ist einer aktiven Beteiligung am Kriege abgeneigt. Die Not um Saloniki. Tie„unglücklichen Fehler" Fourncts. > Die„Times" hofft, wie der„Frankfurter Zeitung" aus dem Haag gemeldet wird, daß die neuen Kriegskabinette von England und Frankreich die unglücklichen Fehler von Fournet nicht wiederholen werden. Weiter schreibt das Blatt, daß die Alliierten ihre ganze Aufmerksamkeit auf Mazedonien richten und sich dort nicht eher für sicher halten, bis das königstreue griechische Heer und feine deutschgesinnten Anführer nach Orten verbracht worden seien, wo sie keinen Einfluß auf die militärische Lage ausüben könnten.(T. U.) Der Seekrieg. Versenkt. AuS London wird gemeldet: Der Kapitän des hol- ländischen Dampfers„Agamemnon", der Ferro! anlief, meldete, daß er einen Petroleumdampfer passierte, der in Brand war. Lloyds meldet, daß die englische Bark„Holt Hill" (2398 Tonnen) gesunken ist. Das Segelschiff„C o n r a d" wurde versenkt._ politische Uebersicht. Die„Witterung" des„Vorwärts." Zahlreiche Blätter beschäftigen sich mit der Haltung, die der„Vorwärts" in den Tagen vor dem Friedensangebot der Mittelmächte eingenommen hat und schließen aus ihr, daß wir von den Absichten der Regierung früher 5benntnis gehabt hat- ten als die übrige Presse. Diese übereilte Schlußfolgerung macht sich auch die„Kölnische Volkszeitung" zu eigen, indem sie schreibt: „Die offiziöse Angabe, wonach der Reichskanzler Mitteilungen über die militärische Lage in Rumänien machen wolle, war inso- fern schwer verständlich, als über die günstige militärische Lage in Rumänien kaum etwas Neues, jedenfalls aber schwerlich ettvaS, das die Einberufung des Reichstages erfordert hätte, zu sagen war. Kein Wunder, daß alsbald die verschieden st en Ge- rächte umliefen, die aber naturgemäß von Rumänien aus- gingen und von dieser Grundlage aus zumeist die Neuregelung der Dinge dort und auf dem Balkan überhaupt im Auge hatten. Sie alle gingen fehl, irregeführt durch die Fassung der offiziösen Mitteilung. Auch der führenden Presse waren im Gegensatz zur bisherigen Uebung keinerlei An- deutungen über den eigentlichen Zweck der außergewöhnlichen ReichstagSsitzung gemacht worden; übrigens wäre sie, auch wenn sie etwas erfahren hätte, zu schweigen vevpflichtct gewesen. Wir sagten eben: für einen Teil der sozialdemokratischen Presse gab es kein Geheimnis und keine Geheimhaltung. Wir haben schon vor der Reichstagssitzung darauf hingewiesen, wie der„Vorwärts" von dem Reichskanzler ein neues Friedensangebot, förmlicher und feierlicher als bisher,„verlangte". Wickelte aber der„Vorwärts" seine gute„Witterung" noch in die Form einer eigenen Forde- rung ein, so verzichtete ein anderes sozialdemokratisches Blatt selbst auf diese Vcrbüllung, kündigte vielmehr gerade heraus an: der Reichskanzler wird ein offizielles Friedensangebot machen." Den Irrtum bezüglich bieses anderen Blattes, der Chem- nitzer„Volksstimme", haben wir bereits aufgeklärt. Was den „Vorwärts" betrifft, so müssen wir erklären, daß die Schluß- folgerungen der„Kölnischen Volkszeitung" und anderer bürgerlicher Blätter in einem Geiste gezogen werden, der nicht der unsere ist. Es ist richtig, daß wir schon am Tage nach dem � Fall von Bukarest ungefähr das gefordert haben, was dann am 12. Dezember zur Tat geworden ist. Aber seit wann wäre es die Art der sozialdemokratischen Presse, sich für bestimmte For- derungen erst dann zu erwärmen, wenn sie den Regierungs- stempel tragen? Die Forderung, die der„Vorwärts" am Tage nach dem Fall von Bukarest erhob, ergab sich ganz von selbst aus der Politik, die er in den letzten Monaten verfolgt hat. Zur selben Angelegenheit schreibt die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung": . In der Presse finden sich bei den Erörterungen über daS Friedensangebot Beschwerden darüber, daß die Negierung sich mit der sozialdemokratischen Partei und ihrer Presse früher als mit anderen Parteien in? Benehmen gesetzt hätte. Zum Beweise werden Aeußerungen sozialdemokratischer Blätter angeführt. Wir stell en fest, daß keine amtliche Stelle mit dies en Aeußerungen in Verbi ndung zu bringen i st. Ob eine Indiskretion vorliegt, wird geprüft. Die Regierung hat Wert darauf gelegt, die Parteien gleichmäßig und gleichzeitig zu unterrichten. Demgemäß ist verfahren worden. Alle anderen Annahmen sind unzutreffend." Wir sind in diesem Fall in der Lage, die Nichtigkeit der offiziösen Notiz bestätigen zu können mit dem Hinzufügen, daß uns von einer Indiskretion nichts bekannt ist. Dauernder Frieden oder Untergang. Im„Berliner Tageblatt" schreibt der Staatssekretär a. D. Dernburg: „Es klingt reichlich vermessen, in diesen Zeiten des grim- migsten Hasses und auf der Höhe des Völkcrgcmetzcls von einer Wiederberständigung der Völler ga sprechen. Aber sie ist notwendig und unvermeidlich. Kommt kein Friede von Dauer, der nur auf Vertrauen basiert sein kann, so kommt un- ausbleiblich ein neuer Krieg, und dieser neue Krieg kann nur enden mit der wechselseitigen Vernichtung des zivilisierten Europa. Nicht Mannesmut und Mannesarm ist jetzt das Ausschlaggebende; leider ist es die Maschine. Noch zehn Jahre weiteren Nachdenkens der Menschheit über Leben und Eigentum vernichtende Maschinen wird beim heutigen Stand der Technik einen neuen Krieg zum Ende Europas machen. Ueberdies sind Kriegsziele, über die die ganze Welt(vielleicht mit Ausnahme von England) einig ist, nur aus dem Wege einer überstaatlichen Vereinigung, eines Staatenbundes, zu erreichen." So macht der Krieg viele zu Friedensfreunden. Aber nicht alle. Ein Gegenstück zu dem Staatssekretär bildet z. B. gleich der Admiral a. D. Graf B a u d i s s i n, der am gleichen Tage in der„Kreuzzeitung" erklärte, Teutschland würde in Zukunft nur ein lebender Leichnam sein, wenn nichts der Osten so gut wie der Westen„mit Geld, Land und Bodenschätzen herhalten" würde. Wäre es übrigens nicht vielleicht gut, aus solchen Herren einen Kriegsrat zu bilden? Dann könnten sie ver- suchen, einmal erst die realen Grundlagen zu schaffen, ohne die alle Annexionspläne doch nur überflüssiges Stamm- tischgerede bleiben._ Kaufvertragsauflösung als Vergeltungsmaßnahme. Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 16. Dezember 1916 eine Verordnung erlassen, durch welche der Reichskanzler oder eine von ihm bezeichnete andere Stelle ermächtigt wird, aus Gründen der Vergeltung einen Vertrag, den ein Deutscher mit einem Angehörigen Englands, Italiens oder Frankreichs oder der Kolonien und auswärtigen Besitzungen dieser Staaten geschlossen hat. auf Antrag de? Deutschen für auf- gelöst zu erklären. Die AuflösungSerklärung wird zugelassen für Kaufverträge mit Ausnahme der Börsentermingeschäfte, ferner für Werkverträge, Seefracht- und Charterverträge. Ob der Vertrag vor oder nach dem Ausbruch des Kriege» geschlossen ist, begründet keinen Unterschied. Von einer Ausdehnung auf andere Verträge, insbesonder auf Miet- und Pachtverträge über unbewegliche Sachen sowie auf Anstellungsverträge ist vorläufig Abstand genommen. Die Auflösungserklärung kann entweder den ganzen Vertrag oder nur einen Teil betreffen. Bei einer Inanspruchnahme der Zentral- stelle wird eine angemessene mit den Werten des Gegenstandes steigende Gebühr erhoben werden. Die Vergeltungsmaßnahme richtet sich zunächst nur gegen England, Frankreich und Italien. Sie kann erforderlichenfalls durch Bekanntmachung des Reichs- kanzlerS aufanderefeindlicheStaatenfürauwend. bar erklärt werden._ Jugendfürsorge. Der preußische Kultusminister hatte aus Anlaß der bevorstehen- den Verhandlungen im preußischen Landtage die Regierungen und Provinzialschulkollegien angewiesen, Berichte einzufordern über die Fürsorge für eine ausreichende Ernährung und Erholung der Schul- linder. Wie ein Berliner Blatt hierzu mitteilt, ist man in den hier- für in Frage kommenden Kreisen bereits seit einiger Zeit mit der Sammlung und Sichtung des Materials beschäftigt. Weiter hat der Kultusminister von den zuständigen Stellen Be- richt darüber verlangt, ob und wieweit eS gelungen ist, unter der Schuljugend gute Sitte und Zucht aufrechtzuerhalten. Hierbei sind allgemeine und. soweit angängig, zahlenmäßige Angaben erwünscht über das Maß der Beteiligung der Volksschuljugend bei kriegSwirt- schaftlichen Arbeiten(Landwirtschaft, Sammlungen. Kriegsanleihe usw.). Sofern die Fälle der Ueberweisung von Schulkindern in die Fürsorgeerziehung sich vermehrt haben sollten, ist nach Möglichkeit auch festzustellen, ob die Ursache dafür in der Novelle vom 7. Just 1915 zum preußischen Fürsorgeerziehungsgesetz zu suchen ist, die«S er- möglicht, noch nicht verwahrloste, aber in der Gefahr der Verwahr- losung befindliche Kinder in Fürsorgeerziehung unterzubringen Frauen als Gerichtsschrciber. Der„ReichSanzeiger" veröffent- licht eine Verordnung des Bundesrats über die Verwendung Weib- licher Hilfskräfte im Gerichtsschreibcrdienste. Danach kann die einstweilige Wahrnehmung von Amtsgeschäften der Gerichtsschreiber Frauen übertragen werden. Die Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft. Der Reichskanzler bestimmt den Zeit- Punkt des Außerkrafttretens. Rückgang der Einnahmen au» Eisenbahnen. Die sächsische Staatsbahn hatte im Jahre 1915 im ganzen 171.1 Millionen Mark Einnahmen und 173,3 Millionen Mark Ausgaben, so daß ein Fehlbetrag von 2,2 Millionen Mark vorhanden ist. Ein Siegestag der schweizerischen Sozialdemokratie. AuS der Schweiz wird uns geschrieben: Der 19. Dezember war für die schweizerische Sozialdemokratie ein wahrer Siegestag. Der beveits gemeldete Proporzsteg im Kanton Zürich ist in der Hauptsache der umfassenden und inten- siven«lgitationsarbeit unserer Genossen im ganzen Kanton herum zu verdanken. Seine große Bedeutung wird von der ganzen übri- gen Schweiz vollauf gewürdigt und als geradezu entscheidend für den Nationalratsproporz anerkannt. Von den 25 Kantonen haben nun 12 mit zirka 2 Millionen Eintvohnern den Proporz, da�u der Kanton Bern den freiwilligen Gemeindcproporz, der bereits in allen größeren Gemeinden, so Bern und Biel, eingeführt ist. In der Gemeinde Altstetten bei Zürich ist im Kampfe mit den Gegnern unser Genosse Schriftsetzer Dürr mit 546 gegen 450 Stimmen zum Gemeindepräsidenten gewählt worden. In den beiden Gemeinden Bolligen und Münster im Kanton Bern errangen unsere Genossen ebenfalls schöne Erfolge, in der ersten Gemeinde die Mehrheit im Gemeinderat mit drei Sozialdemokraten und zwei Bürgerlichen und in der anderen Gemeinde überhaupt zum ersten- mal die Mehrheit bei einer Wahß durch die eine Vertretung im Gemeinderat mit 258 gegen 235 Stimmen erobert wurde. Ein zweiter Genosse kommt mit 245 Stimmen in die Stichwahl. In der Stadt Bern eroberten unsere Genossen von den herrschenden Frei- sinnigen einen weiteren Sitz im Kantonsrat(Landtag) und endlich in der Stadt Schaffhausen drei weitere zu ihren bisherigen Sitzen im Großen Stadtrat(Stadtverordnetenversammilung). Ein sozialdemokratischer Siegessonntagl Gewerkschaftliches. Ter Streik der Liverpooler Kesselschmiede. Haag, 17. Dezember. Der„N. R. C." meldet au? London: Arbeitsminister Hodge gab in Liverpool eine Erklärung, in welcher gesagt wird, daß die Kesselmachcr am Montag die Arbeit wieder aufnehmen müßten und daß er nur dann bereit sei,«ine Abordnung der Kesselmachcr zu empfangen. Im anderen Falle würden gesetzliche Maßnahmen getroffen werden. Eine Versamm- lung wurde angesagt, in der die Arbeiterführer den Arbeitern an- raten werden, die Arbeit wieder aufzunehmen. Liverpool, 17. Dezember.(W. T. B.) Die Kesselschmied« haben eingewilligt, die Arbeit am Montag in vollem Umfange wieder auf- zunehmen. Mus Groß-öerlin. der silberne Sonntag. Ein häßliches, naßkaltes Wetter gab dein gestrigen Silberne» Sonnlag sein Gepräge. Fortwährend regnete und schneite es, die Straßen tvaren für Fuhrwerk und Fußgänger nur schwer passierbar. Trotzdem flutete am Nachmittage ein nach vielen Zehntausenden zählendes Publikum durch die Hauptgeschäftsstraßen Berlins. Wer das Bedürfnis empfand — und wer hat dies nicht—, seinen Angehörigen draußen in den Schützengräben oder in der Heimat zu dem bevor- stehenden Wcihnachtsfest eine kleine Freude zu bereiten, der scheute das schlechte Wetter nicht. Die Läden, ganz besonders aber die großen Warenhäuser waren zeitweilig überfüllt. Mehrere Warenhäuser mußten des öfteren polizeilich gesperrt werden. Tie Bezugsscheinbestimmungen machten wohl beim 5taufen einige Schwierigkeiten, aber im allgemeinen gingen die Einkäufe recht flott von statten. Gekauft wurden zumeist nur � Bedarfsgegenstände, während Luxusartikel wenig beachtet wurden. Fast ausverkauft waren die Läden, in denen Pfefferkuchen und Süßigkeiten feilgeboten wurden. Die sehr geringen Vorräte gingen zu enorm hohen Preisen fort. Zum Bedauern des kleinen Mannes fanden diesmal keine Weihnachtsmärkte statt. Nur an der Petrikirche und am Potsdamer Platz waren noch einige Briden aufgebaut, in denen Spielzeug verkauft wurde. Die Weihnachtsbäume, die sonst am Silbernen Sonntag ganz besonders erstanden wurden, waren in den Straßen Berlins fast gar nicht mehr zu sehen. Nur hie und da ein solcher Stand, deren Verkäufer bereits mittags ausverkauft hatten. Die Weihnachtsbaumhändler haben augenscheinlich den Handel von vornherein aufgegeben, da die meisten Familien wegen Lichtmangel— Kerzen und Wachsstücke sind nur schwer erhältlich— diesmal auf ihren Weihnachtsbaum verzichten._ Bei den Fnrsorgezöglingen zu Gaste. In dem bei Lichtenberg gelegenen Erziehungshaus der Stadt Berlin hat sich in neuerer Zeit vieles geändert. Am gestrigen Sonntag hatten wir die Freude, an einem U n terhaltungsabend teilnehmen zu können, den die Anstalt den Eltern ihrer Zöglinge gab. Solche Veranstaltungen können ein Mittel sein, das Band zwischen dem Erziehungshaus und der Familie enger zu knüpfen. Es ist noch nicht so sehr lange her, daß man in den meisten Anstalten leider den Grundsatz hatte, sich die Eltern möglichst vom Leibe zu halten. Gestern saßen die Eltern, meist die Mütter, aber auch viele Väter, mit ihren der Anstalt überwiesenen Söhnen in der zum Fgstraum eingerichteten Turnhalle und lauschten den musikalischen und deklamatorischen Darbietungen. Der Beifall, den sie spende- tcn, war verdient. Nicht nur die mitwirkenden Erwachsenen, teils Berufskünstler, teils Dilettanten, trugen durch tüchtige Leistungen zum Gelingen des Abend» bei. Auch die Z ö g l i n g e, die sich mit Vorträgen eines gemischten Chors und eines Quartetts unter Lei- tung ibreS Direktors und einer Musikkapelle unter Leitung eines ihrer Lehrer beteiligten, zeichneten sich durch lobenswertes Können aus. Es war ein Vergnügen, zu sehen, mit welcher Hingabe die Jungen ihre Aufgabe lösten. Lehrerschaft und Zög- linge dürfen mit dem Verlauf dieses Untcrhaltungsabends ebenso zufrieden sein, wie die beifallsfreudige Zuhörerschar. Unter den Gästen waren Mitglieder der Waisenverwaltung und ihr Vorsitzen- der, auch Vertreter des Jugendgerichts Berlin-Mitte, der-Jugend-! gerichtshilfc usw. Vor dem Konzert besichtigten wir in der Aula des Erziehungs- hauseS eine Ausstellung von Lehrlingsarbciten. Sic sind hervorgegangen aus den eigenen Werkstätten, die in der Lichten- berger Anstalt jetzt als wertvolles Erziehungsmittel dienen. Unter den Arbeiten aus der Schuhmacherei, Schneiderei, Drechslerei, Tisch- lerci, Korbmachern, Buchbinderei und Gärtnerei sahen wir manches Stück, das uns durch Gediegenheit der Ausführung über- raschte. Der Weg, den die Enttoickelung des Fürsorgeerziehungswesens der Stadt Berlin in neuerer Zeit genommen hat, scheint uns der richtige zu sein. Man kann nur wünschen, daß auf ihm fortgeschrit- ten wird. Tie Eile der Schnestbah». Der Direktor des Verbandes Groß-Berlin hat bei der HochbahngesellsKaft gegen die plötzliche Einschränkung des Verkehrs entschiedensten Einspruch erhoben und darauf hingewiesen, daß sich die Gesellschaft damit über die Vertraasrechte des Verbandes Berlin hinwegsetze, wonach der Verkehr zwischen 12 und 1 Uhr nachts aufrechtzuerhalten ist. Die Hochbahngesellschaft teilt dazu in der Presse init, daß sie glaubte, den Anweisungen der Behörde schnellmöglichst nachkommen zu sollen. Die Eile der Schnellbahn im Rückschritt ist bemerkens- wert, und es ist gut, daß der Verbandsdirektor sie gebremst hat. Jedem Mann ein Ei. Es hat sich ermöglichen lassen, in dieser Woche jedem Ein- wohirer der Stadt Berlin wieder ein Ei zu gewähren. Ferner kann in der Zeit vorn 23. bis 31. Dezember die Umschreibung auf eine neue Kundenliste vorgenommen werden. Zu diesem Zweck ist von der zuständigen Brotkoimnisnon ein Formular(Bescheinigung) zu fordern und dem bisherigen Lieferer vorzulegen. � Nachdem von diesem die Löschung bescheinigt ist, bat der neue Lieferer die Ein- tragung in seine Kundenliste vorzunehmen. Kein Gierhändler darf einen Antrag aus Löschung im Kundenverzeichuis ablehnen. Die Kleinhändler werden darauf aufmerksam gemacht, daß sie die ausgefüllten Eintragungsbescheinigungen am 2. Januar ihrem Großhändler zuzustellen und diesem dabei die Zabl ihrer Kunden anzugeben haben. Tie neue Eierkarte wird demnächst ausgegeben. Tie Mittelstandsgans. Die kleinen Millionäre haben alle Ursache dem Polizeipräsiden- ten eine Dankdeputation zu senden. De»» durch seine Warnung an die Gänsehändler hat er ihnen die Weihnachtögans gerettet. Qhne sein Eingreifen hätte der merkwürdige Vogel, von dem Fritz Reuter sagt, für einen sei er zu viel und fiir zwei zu wenig, in den nächsten Tagen einen Preis erklommen, der nur noch für die großen Millionäre erschwinglich gewesen wäre. Da greift der Polizeipräsi- dcnt zum Schutze des Mittelstands ein— der heute doch erst bei der ersten kleinen Million anfängt, alles andere ist Proletariat— und rettet ihm die Gans, die Mittelstandsgans. Wir haben den Vor- gang schon gestern registriert und stellen nur noch das rein akade- mische Interesse fest, das unsere Leser und der Großteil der Ber- liner Bevölkerung au ihm nehmen. NnS gewöhnlichen Menschen kann es ja im Grunde genommen gleich sein, ob eine Gans 50, 00 Mk. oder 500 Mk. kostet. Verantwortlicher Redakteur: Hermann Müller, Tempelhof. Für den Inseratenteil vcrantw Allgemeine Speisung in Eharlottenburg. Tie Teilnahme an der allgemeinen Speisung in Cbarlottcuburg ist künftig auch allen den Bewohnern der Nachbarstädte gestattet, die in Cbarlottcuburg ibre Arbeitsstelle haben, und zwar unter den gleichen Bedingungen wie den Charlottenburger Einwohnern. Bei der Anmeldung ist die Vorlegung der Fleisch- und Kartofselkarte und die Angabe des Wohnorts und der Charlottenburger Arbeitsstelle erforderlich. Tcn Teilnehmern an der allgemeinen Speisung in Charlottenburg ivcrden vom 26. Dezember ab von der Kartoffel- karte für eine ganze Portion t ganzer Unterabschnitt über Vs Pfund Kartoffeln, für l-b Portion entsprechend ein halber Unterabschnitt abgetrennt. Die Teilnehmer, die bereits die ihnen zustehenden Kartoffeln von der Stadt bezogen haben, müssen für jede an der Speisung teilnehmende Person 25 Pfund.Kartoffeln au die Küche der Speisung zurückliefern. Für je 25 Pfund wird 1.25 M. ver- gütet. Die Ablieferung der Kartoffeln kann vom 18. d. Mts. ab an den Wochentagen niit Ausnahme des Sonnabends von 11— 3 Uhr erfolgen.__ Abgabe von Kohlrüben in Eharlottenburg. Die Abgabe von unzubereiteten Kohlrüben in Charlottenburg darf nur auf Gruird von Charlottenburger Ausweiskarten erfolgen. Welche der Nabruugsmittelkarteu bei der Entnabme vorzulegen ist, wird vovl Magistrat bestimmt. Ebenso wieviel Kohlrüben auf den einzelnen Kartenabschnitt abgegeben werden. Für die Woche vom 18.— 24. Dezember werden gegen Abgabe-des Abschnitts 19 der roten NahruiigSmittelkarte bis zu 2 Pfund Kohlrüben abgegeben. Die Kohlrüben dürfen nur in geputztem Zustande an den Verbraucher abgegeben werden, der Preis darf 6 Pf. für das Pfund nicht über- steigen. Biel Sonutagsarbeit der Feuerwehr. Die Berliner Feuerwehr wurde wegen� eines Ladenorandcs nach der Friedrichstr. 13 gerufen, wo Regale, Schachteln u. a. in einem Schuhwarengeschäft-brannten. Der 9. Löschzug hatte längere Zeit in der Katzlerstr. 15 zu tun, wo in einem Keller Kohlen und Hausrat in Verschlägen brannten. Bei einem Brande in der Webcrstr. 42 erlitt der Wohnungsiiihaber Brandwunden im Gesicht und au beiden Händen. Dem Brande fielen u. a. Möbel, Kleider und Decken zum Opfer. An der Swine- münder Str. 65 stand ein-fiskalischer Kohlenplatz in Flammen. Vor dem Hause Auguststr. 17 war ein Arbeiter mit einem Bein in den Kanalisationsschacht geraten und so fest eingeklemmt, daß die Feuerwehr ihn befreien mußte. Wegen eines Kellerbrandes in der Simons-Apotheke, Spandauer und Probst-Straßen-Ecke, wurde der 4.- Löschzug alarmiert. Ein Backstubenbrand entstand Brunnen- straße 70. Ferner wurden Brände aus der Boxhagener Str. 25, Hedemannstr. 5, Fontane-Promenade 5, Blumenstr. 59 und ande- ren Stellen gemeldet. Vom Heiratsmarkt». a. Im Inseratenteil eines großen Ber- liner Blattes finden wir hintereinander in derselben Spalts folgende bemerkenswerte Anzeigen: 1. Für Witwe, Anfang der 30, große, statttiche schöne Frau usw. sucht Heirat mit Herrn in guter Position. 2. Trabcrstutc, 170 Zentimeter groß, modelt schöne Figur, sehr starkknochig usw., abzugeben. 3. la. F e t t g ä n s e, Pfund 5 M., zirka 12— 14 Pfund schwer, gegen Eichendung franko. Hoffentlich verwechselt niemand die Chiffern, sonst könnten Zchchriften, wie z. B.:„Wo ist die Stute zu sehen?" oder„Schicken Sie mir die Gans!" zu recht unange- nehmen Beleidigungsprozessen führen. Ter„Herr Sekretär der LandwirtfchaftSkammer". Zwei geriebene Gauner, ein Handelsmann Alfred K e p p l e r und ein Schlächtcrgeselle Karl Müllxr, die mit einem neue» Kniff den Bauernfang betrieben, wurden von der Kriminalpolizei unschädlich gemacht. Die beiden besuchten alle Pferdeversteigerungen, die von den Laudwirtschaftskammern veranstaltet wurden, in Berlin, Stettin, Braunschweig, Stendal, Breslau usw. Müller spielte dort den mißmutigen Landwirt, der nichts Passendes gefunden hatte. Er klagte sein Leid irgend einem„Kollegen", den er für geeignet- hielt, bemerkte dann aber, er hoffe jetzt immer noch auf den Sekretär der Laudwirtschaftskammer, durch den er schon einmal unter der Hand ein gutes Pferd für 2000 M. gekauft habe. Es kam immer so, daß der Landwirt ihn bat, ihn doch zum Herrn Sekretär mitzunehmen und auch für ihn ein Wort einzulegen. Müller sträubte sich in der Regel etwas, ließ sich endlich aber zureden und versprach dem Land- Wirt, ihn in einer besseren Wirtschaft mit dem Sekretär bekannt zu machen. Hier saß Keppler, der nun als Sekretär der Landwirt- fchaftskam-mier vorgestellt wurde und sich auch herbeiließ, auf den Wunsch des Landwirts einzugehen. Der Herr Sekretär betonte aber, daß das Geld sofort im voraus an die LandwirtfchaftSkammer eingeschickt werden müffe. Müller zog darauf ohne weiteres seine Brieftasche und übereichtc einige„Tausendmarkscheine". Es waren Blüten. Ter Landwirt folgte seinem Beispiel und entnahm seiner Tasche echte Scheine. Der Herr Sekretär aber lehnte es ab, da« Geld persönlich anzunehmen, verlangte vielmehr, daß es in einem Brief an die Landwirtschastskammer gesandt werde. Er machte selbst den Brief zurecht, um ihn auf die Post zu geben. Sobald er aber, nachdem man sich gestärkt hatte, auf der Straße einen Kasten sah, gab er ihn dem Landwirt zurück mit der Bitte, ihn lieber selbst einzustecken. Das geschah dann auch. Die Kammer erhielt jedoch nie Geld, sondern immer nur einen Brief mit irgend einem wert- losen Inhalt. Kepler hatte diesen stets bereit gehabt und ver- tauscht, ohne daß der betrogene Bauer etwas merkte. Die überein« stimmende Beschreibung des„Hern Sekretärs" lenkte die Spur der Kriminalpolizei auf Keppler. und nun wurden beide festgenommen, als sie wieder einmal nach Berlin gekommen waren. Ei» raffinierter 12jährigcr Schwindler treibt in den östlichen Vororten mit Erfolg sein Unwesen. Namentlich sind es die Frauen von Beamten unid Lehrern, die von dem Burschen heimgesucht wer- den. Im Laufe des Vormittags, wenn sich die Männer im Dienst befinden, erscheint bei deren Ehefrauen ein etwa 12jährigcr Knabe. der vorgibt im Auftrage des Gatten zu kommen. Er soll 15 Mk. und die Markttasche abholen, da der Herr Lebensmittel billig habe einkaufen können, aber nicht genügend Geld zum Bezahlen bei sich hatte. Die Frauen übergeben dem unschuldig dreinschauenden Burschen gern den Betrag und die geforderte Markttasche, und wenn dann der Mann mittags zu Haufe erscheint, muß die Gattin die Erfahrung machen, daß sie einem Schwindler in die Hände ge- fallen ist. Eine große Anzahl von derartigen Betrügereien ist den Behörden bereits gemeldet, doch konnten die Betrogenen eine ge- urniere Beschreibung des jugendlichen Schwindlers nicht geben. Das Opfer einer Gasvergiftung ist in der Nachts zum Sonntag die 80 Jahre alte Witwe Rosalie Kreuz geb. Scbäfer in der Solmstr. 33 geworden. Am Sonntagmorgen wurden Hausgcnosicn durch einen starken Gasgeruch auf die Wohnung aufmerksam. Sie öffneten und fanden Frau Kreuz, die nur mit Nachtjacke und Rock bekleidet war, auf dem Sofa und ihren Söhn in seinem Bette regungslos daliegen. Der Hahn der Gaslampe war geöffnet. Man nimmt an, daß der geistig beschränkte Sohn Paul in der Nacht auf- gestanden war, sich an der Lampe zu schaffen gemacht und dann wieder hingelegt hatte, ohne zu wissen, daß der Hahn nicht wieder geschlossen war. Veranlassung zum Selbstmord liegt nicht vor. Den Tod im Wasser suchte vorgestern abend eine unbekannte Frau von etwa 45 Jahren an der Oranienbrücke im Luisenstädtischen Kanal. Ein Schutzmann und andere Leute holten die Lebensmüde aus dem Wasser und brachten sie nach dem.Krankenhaus am Urban. Die Unbekannte, die noch nicht wieder zu sich gekommen ist, scheint den besser gestellten Kreisen anzugehören. Sie hat graugcmischteS Haar und trug eine weiße Bluse, schwarzen Rock und Strümpfe und Stiefel mit Lackkappen und Wäsche, die A. H. gezeichnet ist. Gedächtnis-Ausstellung für Bruno Schmitz. Aus Anlaß deS hier stattfindenden Bundestages der Vereinigung Deutscher Archi- tekteu wurde am Sonntagmittag in den in der Bellevuestratze be- lege neu Ausstellungsräumen von Keller und Reiner die G-eidächtnis- ausstellung für Bruno Schmitz feierlich eröffnet. WctterauSsichtcn für das mittlere Norddeotschland bis Dienstag- mittag. Vorwiegend trübe und etwas neblig, mit weitverbreiteten, besonders im Nordosten vielfach starten Niederschlägen. Tempera» tur in der Nähe deS Gefrierpunktes. Mus aller Welt. Das Jeuer i« der Telephonzentrale im Haag. Wie aus Amsterdam gemeldet wird, ist das Feuer um ungefähr 4 Uhr nachts ausgebrochen. Hier verlautet, daß ein Monteur, der mit Reparaturen beschäftigt- tvca, mit einer Stichflamme den Brand verursacht habe. Während die Telephonzentrale vollständig nieder- gebrannt ist, scheint das Telegraphenamt weniger schwer beschädigt worden zu sein, so daß man hofft, daß heute abend wieder telegra» phische Verbindungen möglich sein werden. Vorläufig besteht nur mit einem Nebenamt telegraphische Verbindung; die Linie darf aber nicht für Privattelegramme benutzt werden.— Wie gestern rniS dem Haag verlautete, sollte der telephonische Fernverkehr gestern früh wieder aufgenommen werden. MlWSlZpSlSZt. Das herrliche Eisballett �fran �antasie. Anf. 8»/, Uhr. 2, S, 4 H. »--> lDleVersorgimgden Kriegsteilnehmer| ihrer Angehörigen und| ihrer Hinterbliebenen j t ♦ Bearbeitet v. Paul Hirsch, � Landtagsabgeordneter« preis 30 pf. EinunentbehrlicherRatgeber* für Kriegsteilnehmer u. deren f Hinterbliebene. Inhalt-FlirsorgifürdteFamMen s der griegSXNlnehmer Die Vrr. svrgung der Mannschaften. Krteg«. Versorgung. Invalidenversicherung von griegsteilnebmern und deren Hinterbliebenen Buchhandlung Vorwärts Berlin EW. 68, Lindenstr. 3 Lombard-Haas■ »si H. ttralT, Leipzigerst. 75 II to Volle normale Beleihung<- Diskretion, Reellitlt u = Gelegenheitskaufe � Uhren" Brillanten£ Schmucksache« Ü, 10—50°/, unter Uhren- Goldwaren Plltr A Co.. 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