Ar. ISA. 33. Jahrg. ildonnementt-keSInguns»: Ibonnemmts> Preis vrünumerrmda Pierteljöbrl. 8.S0 Mk. rnonall l.30 MI. «öchcnllich so Pjg� frei in- HauS> Einzelne Nunimer S Pig. Konmag». nuninier mil illuilrierler SonnlagS. Beilage.Die Neue Well'>0 Pjg. Poll- Lbonncmenl: I.Z0 Marl Uro Monat Emgelragen in die Poil- Zeitung». Preisliile. Unier Kreuzband iür Deiuichland und Oesterreich. Ungarn 2,60 Marl, für da» übrige itu-land i Marl vro Monat Poslabonnemeni» nehmen an Belgien, Dänemarl, Holland, Italien. Luxemburg, Poriugal. nänien. Schweden und die Schweis. kllchiltil täglich. N O S W Verlinev Volkesktlakk. f 5 Pfennig) Bt( Intmiens-Gcbütir MrSflt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 60 Psg,. für politische und gewerlschastliche Vereins- Und BersammlungS- Anzeigen 30 Psg, „Kleine Hnietgen", das settgedruckle Wort 20 Psg.(zuläisig 2 seitgedruckle Borte), jedes weitere Wort 10 Psg, Kiellengesuche und Schlasstcllenan- zeigen das erste Wort 10 Psg,, jedes wettere Wort S Psg, Worte über lö Buch. staben zählen sür zwei Worte, Inserate sür die nächste Nummer müssen bis d Uhr nachmittags in der Expedition »dgegeden werden. Die Exvedilion ist bis 7 Uhr abends geöffnet Delegramm-Ndreffe: «Stzlaldemoiirai Renn". Zcntralorgan der fozialdemokratirchcn parte» Deutfcblands. Nebaktion: EW. 68, Linöenftraße 3. Fernsprecher: Amt Morippla«,, Nr. 1S1 S0— 131 97. Sonnabend, den 23. Dezember 1916. Expedition: Sw. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moripplati. Nr. 13190—13197. Mltons Meibnaebtsbotkebaft. friedcnsnote an die Kriegführenden packte. Der friede marsthiert. Als die deutsche Regierung vor zehn Tagen den großen Schritt des Friedensangebotes tat, da drängte sich als erste Gefühlskundgebung einem Blatt des alldeutschen Kreises, der ..Post", der Ausruf über die Lippen: Jetzt sähe man, wie überflüssig die„Einmischung" der Neutralen sei. Wir haben diese Brüskierung sofort als unangebracht zurückgewiesen. Die Fricdensnote, die jetzt vom Präsidenten Wilson ausgeht, rechtfertigt unsere Haltung. Wir sind ganz lind gar nicht geneigt, sie mit Hinsicht auf das schon vor- liegende und von der Entente noch nicht beantwortete deutsche Friedensangebot für einen überflüssigen und nachklappenden Akt zu halten; im Gegenteil, wir begrüßen sie als einen zweiten positiven Schritt auf der Bahn zum Frieden. Denn es ist klar, daß für die Herbeiführung des Friedens auf keinen Fall zuviel geschehen kann. Der Krieg in seiner jetzigen Gestalt gleicht einem mit höchster Sprengladung ab- geschossenen Projektil, das unaufhaltsam seine Bahn dahinrast. Selbst die stärksten Hindernisse müssen gegenüber dem grauen- haften Selbstbcharrungsvermögen der Zerstörungskraft schwach und � unzuverlässig erscheinen, aber jedes neue Hindernis schwächt die Kraft der Granate, und wenn daher Versuch auf Versuch zur Herbeiführung des Friedens folgt, so muß doch einmal der Punkt eintreten, in dem die Vernichtungsgewalt der Kriegsfurie gebrochen ist. Dabei wollen wir die Aussichten und Stärke der'Wilson- schen Note nicht überschätzen. Das deutsche Angebot ging weiter, es strebte direkt die Einleitung von Verhandlungen an. Wilson ist sehr vorsichtig, er schlägt keinen Frieden vor, er bietet nicht einmal seine Vermittlung, an, sondern er sondiert lediglich, wie nahe der Frieden sein möge. Zu diesem Zweck regt er eine Vergleichung der Ansichten über die Bedingungen des Friedens an, die den endgültigen Friedensabmachungen vorausgehen müsse. Das ist gewiß nicht viel, aber es kann eine sehr wert- volle Ergänzung des deutschen Friedensangebotes werden. Unsere Gegner berufen sich darauf(wir halten das allerdings nur für einen Vorwand), daß Deutschland seine B e- dingungen nicht klar genug formuliert habe. Wenn aber die englischen Staatsmänner fortgesetzt behaupten, daß Englands Bedingungen bekannt seien, so trifft sie der Vor- Wurf der Unklarheit in doppeltem Maße. Die Aeußerungen des deutschen Reichskanzlers, der die Existenz und die EntWicke- lungsfreihcit Deutschlands gesichert wisien will, tragen jeden- falls einen defensiven Grundcharaktcr. Aber wie ist es mit der„Wiederherstellung",„Genugtuung" und den„Ga- rantien" Lloyd Georges, namentlich wenn man diese Worte im Lichte Briandscher und Trepowscher Kom- m e n t a r e betrachtet, wenn man die französische Forderung auf Elsaß-Lothringen, die russische auf Konstantinopel, Posen, Westpreußen usf. im Gedächtnis hat?! Wilson drückt die Ueberzeugung aus. daß die Ziele, welche beide kriegführenden Parteien im Auge hätten, mit- einander in höherem Maße im Einklang ständen, als gemein- hin angenommen wurde, daß der Gegensatz nicht unüber- brückbar sei. Soweit Deutschland in Frage kommt, darf er das tun. Hat doch der deutsche Reichskanzler erklärt, daß die eigenen Rechte und begründeten Ansprüche der Zentralmächte „in keinem Widerspruch zu den Rechten der anderen Nationen stehen". Wie weit Lloyd George von seinen Genugtuungen und Garantien dasselbe sagen kann, wissen wir nicht. Wir sind jedenfalls überzeugt, daß Herrn Wilsons Ermittlungen keineswegs zum Nachtet! Deutschlands ausschlagen werden. Aber eben deshalb stößt der Wilsonsche Vermittlungs- versuch auf den leidenschaftlichen Widerstand aller derer, die noch immer für ein aggressives Kricgsziel Deutschlands ringen. Die Freitag-Abendausgabe der Blätter, die uns seit Jahr und Tag die Lehre vom englischen„Hauptfeind" und der Notwendigkeit„realer Garantien" im Westen predigen, bringt zum Wilsonschen Verhandlungsvorschlag eigentlich nur einen einzigen Artikel, und es ist interessant, die Gedankengänge Georg Bernhards in der„Vossischen Zeitung" fast mit den- selben Worten von Heinrich Rippler in der„Täglichen Rund- schau" wiederholt zu finden. Was erfahren wir da? Wilsons Friedensnote ist ein hinterlistiger Streich, ein„diplomatisches Ränkcspiel"(Bern- hard), ein Versuch, das harmlos-ehrliche Deutschland zu über- listen und zu übertölpeln. England, so erfahren wir, steht am Rande des Abgrunds, Lloyd Georges starke Worte sind nur Maskerade, evenio die heftige Ablehnung Wilsons durch die englische Presse. Amerikas Schritt ist von England herbei- gesehnt, wenn nicht herbeigerufen worden, um es in letzter stunde vor der Zerschmetterung durch Deutschland zu retten. Amerikas Gründe sind nach dieser Darstellung folgende: Englands Bedrohung durch den l?-Boot-Krieg werde immer stärker, eine Katastrophe drohe einzutreten, und diese wolle Amerika verhindern, einmal aus allgemeiner Sympathie mit dem blutsverwandten Vetter jenseits des Ozeans, sodann, weil es England als Rückendeckung gegen Japan brauche. Ferner hätten die amerikanischen Kriegsgewinne ihren Höhe- Punkt überschritten, so daß Amerika kein materielles Interesse mehr an der Fortsetzung des Krieges habe, ja es leide direkt unter ihm infolge des entzogenen Absatzes von Baumwolle und der mangelnden Einfuhr von Kali, welche die amerikanische Landwirtschaft zu ruinieren drohe. Fangen tvir mit dem letzten an. Daß den Vereinigten Staaten auch wirtschaftliche Nachteile durch den Krieg entstehen, leugnen wir nicht. Wir gestehen sogar zu, daß dies ein Hauptgrund für Wilsons Friedcnsiuitiative sein mag. Un- erfindlich aber ist uns, warum sich hieraus für Amerika die Notwendigkeit eines gegcnDeutschland gerichteten Friedens ergeben soll. Was hat das Ende des Krieges, in diesem' Licht gesehen, mit dem Sieg der einen oder anderenParteizutun? Was die angeblich jc�t �o geringen Zsrieasgewinne an- betrifft, so genügt Wohl die eine Feststellung, oaß als erste Folge der Wilsonschen Friedensnote aus Amerika u n- geheure Kursstürze in Rüstungswerten, eine völlige Panik der Börse gemeldet wird. Selbst die„Kreuz- Zeitung", die doch bei den Alldeutschen steht, gibt zu, daß der Friedensschluß die amerikanische Rüstungsindustrie schmerz- lich treffen würde.- Bleibt also von der ganzen alldeutschen Argumentation die Errettung Englands aus stammesverwandter Sympathie vor einer schrecklichen Katastrophe. Um hierran festzuhalten, braucht man vor allen Dingen den Glauben an einen bei Fortführung des Krieges bevorstehenden völligen Ruin Eng- lands. Dieser Glaube fehlt uns. So wenig wir eine Niederwerfung der Zentralmächtc durch die Entente für möglich halten, so sehr halten wir es andererseits mit dem Worte Scheidemanns, daß nur ein Narr an solche Beendigung des Krieges glauben könne, bei der die eine Mächtegruppe der anderen ihren Willen diktiert. Freilich gibt es ja bei uns noch solche Leute. Falls der Zeitungsbericht zutrifft, wonach der Alldeutsche Ver- band auf seiner Tagung in Stuttgart Calais und Mar- seille als d e u t s ch e K r i e g s z i e le proklamiert hat(warum nicht gleich Paris und London?), so muß man allerdings bei einzelnen Leuten mit einer Geistesverfassung rechnen, welche für einen Politiker die allerschädlichste ist. Wir sehen wohl, daß England durch den Krieg bei weitem größere Schwierigkeiten erwachsen, als es selber in seinem Voranschlag eingesetzt haben mag. Aber daraus auf einen baldigen Zu- sammenbriich zu schließen, halten wir für ebenso fehlerhaft wie das Gebaren jener feindlichen Politiker, die seit Jahr und Tag aus unseren Schwierigkeiten den deutschen Zusammen- bruch prophezeien. Vergessen wir eins nicht: Wie die alldeutschen Blätter bei uns. so tobt heute in England die deutschfeindliche Hetz presse über Wilson. Die Alldeutschen sagen uns:„Das ist ein englisches Manöver", und die englische Hetzpresse schreibt: „Das deutsche Toben über Wilson ist nichts als eine Mute". Wir aber sagen: Beide dienen nicht dem Frieden. Wilsons Note aber dient ihm. Sie.ist auf alle Fälle eine neue und wichtige Garantie dafür, daß das Verhandeln über den Frieden nicht mehr aufhören kann, daß es an Intensität und Bedeutung ständig gewinnen muß, daß die Friedensfrage eine immer konkretere Gestalt anzunehmen beginnt. In Wilsons Note steht ein hoffnungsvolles Wort:„Der Frieden ist vielleicht näher, als wir glauben." Möchte es wahr sein l Jedenfalls ist der Frieden heute mehr als eine unbestimmte und vage Hoffnung. Einmal muß er werden. Heute aber sehen wir schon, wie er wird! Der Wortlaut üer Note. Der amerikanische Geschäftsträger I. C. GreS hat am 21. Dezember abends dem Staatssekretär des Auswärtigen Amts im Auftrage des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika eine Note überreicht, die in deutscher Uebcr- setzung wie folgt lautet: Berlin, den 21. Dezember 1916. Eurer Exzellenz beehre ich mich mitzuteilen, daß der Präsident der Vereinigten Staaten mir Weisung gegeben hat, durch Vermittlung Eurer Exzellenz bei der Kaiserlich Deutschen Regierung ein Ver- fahren mit Bezug auf den gegenwärtigen Krieg in Anregung zu bringen. Der Präsident hofft, daß die Kaiserlich Deutsche Regierung es in Erwägung ziehen werde, als eine Anregung, die in freundschaftlichster Gesinnung gemacht ist, und zwar nicht nur von einem Freunde, sondern zugleich von dem Vertreter einer neutralen Nation, deren Interessen durch den Krieg ernstlichst in Mitleidenschaft gezogen worden sind und deren Interesse an einer baldigen Beendigung des Krieges sich daraus er- gibt, daß sie offenkundig genötigt wäre, Bestimmungen über den best- möglichen Schutz ihrer Interessen zu treffen, falls der Krieg fort- dauern sollte. Ter Präsident hat sich schon lange mit dem Gedanken getragen, den Vorschlag, den ich Weisung habe zu übermitteln, zu machen. Er macht ihn im gegenwärtigen Augenblicke nicht ohne eine gewisse Ver- legenheit, weil es jetzt den Anschein ertoecken könnte, als sei er an- geregt von dem Wunsche, im Zusammenhang mit dem jüngsten Borschlag der Zentralmächtc eine Rolle zu spielen. Tatsächlich ist der ursprüngliche Gedanke des Präsidenten in keiner Weise auf diese Schritte zurückzuführen, und der Präsident hätte mit' seinem Vorschlag gewartet, bis diese Vor- schlüge unabhängig davon beantwortet worden wären, wenn seine Anregung nicht auch die Frage des Friedens beträfe, die am besten im Zusammenhang mit anderen dahinzielenden Vorschlagen erörtert wird. Der Präsident bittet nur, daß seine Anregung allein nach ihrem eigenen Werte und so beurteilt werde, als wäre sie unter anderen Verhältnissen gemacht worden. Der Präsident regt an, daß baldig st Gelegen- heit genommen werde, von a�llen jetzt krieg- führenden Staaten ihre Ansichten über die Bedin- gungen zu erfahren,' unter denen der Krieg zum Abschluß gebracht werden könnte und über die Vor- kehrungen, die gegen die Wiederholung des Krieges oder die Eni- fachung irgendeines ähnlichen Konflikts in der Zukunft zufriedenstellende Bürgschaft leisten könnten, so daß sich die Möglichkeil biete, sie offen zu vergleichen. Dem Präsidenten ist die Wahl der zur Erreichung dieses Zieles geeigneten Mittel gleich. Er ist gerne bereit, zur Erreichung dieses Zweckes in jeder annehmbaren Weise seinerseits dienlich zu sein oder sogar die Initiative zu er- greifen; er wünscht jedoch nicht, die Art und Weise und die Mittel zu bestimmen. Jeder Weg wird ihm genehm sein, wenn nur das große Ziel, das er im Auge hat, erreicht wird. Ter Präsident nimmt sich die Freiheit, darauf hinzuweisen, das« dir Ziele, die die Staatsmänner beider kriegführenden Parteien in diesem Kriege im Auge haben, dem Wesen nach die gleichen sind; sie haben sie ja in allgemeinen Worten ihren eigenen Bölkrrn und der Welt kundgegeben. Beide Parteien wünschen für die Zukunft die Rechte und Freiheiten schwacher Völker und kleiner Staaten ebenso gegen Unterdrückung oder Verneinung gesichert zn schen, wie die Rechte und Freiheiten der großen und mächtigen Staaten, die jetzt Krieg führen. Jeder wünscht sich neben allen anderen Nationen und Völkern in Zukunft gesichert zu sehen gegen die Wiederholung eines Krieges wir de» gegenwärtigen sowie gegen An- griffe und eigennützige Störungen jeder Art. Jeder glaubt der Bit- dung weiterer gegnerischer Vereinigungen, die unter wachsendem Arg- wohn ei« unsicheres Gleichgewicht der Mächte herbeiführen würde, mit Mißtrauen entgegensehen zu söffe«. Aber jeder ist bereit, die Bil. dung einer , Liga von Nationen in Erwägung zu ziehen, die de« Frieden und die Gerechtigkeit in der ganzen Welt gewährleistet. Ehe jedoch dieser letzte Schritt getan werden kann, hält jede Partei es für notwendig, zunächst die mit dem gegenwärtigen Krieg verknüpften Fragen unter Bedingungen zu lösen, die die Unabhängigkeit, die territoriale Integrität sowie die politische und wirtschaftliche Freiheit der an dem Kriege beteiligten Nationen sicherlich gewährleisten. Das Volk und die Regierung der Bereinigten Staaten haben an den Maßnahmen, die in der Zukunft den Frieden der Welt sicherstellen sollen, ein ebenso dringendes und unmittcl- bareS Interesse, wie die jetzt im Kriege befindlichen Regie- rungen. Ihr Interesse an den Maßnahmen, die ergriffen werden sollen, um die kleineren und schwächeren Völker der Welt vor den Gefahren der Zufügung eines Unrechtes und der Vergewaltig»»» zu schützen, ist ebenso lebhaft und brennend, wie das irgendeines anderen Volkes oder einer anderen Regierung. Das amerikanische Volk und die Regierung sind bereit, ja, sie sehnen sich danach, nach Beendigung des Krieges bei der Erreichung dieses Zieles mit allem ihnen zu Gebote stehenden Einfluß und Mitteln mitzuwirken. Aber der Krieg muß erst beendet sein. Die Vereinigten Staaten müssen es sich versagen, die Bedingungen vorzuschlagen, auf Grund deren der Krieg beendigt werden soll Aber der Präsident sieht es als sein Recht und als seine Pflicht an. das Interesse der Bereinigten Staate» anderBeendigungdee Krieges darzutun, damit es nicht einst zu spät ist, die große. Ziele, die sich nach Beendigung des Krieges auftun, zu er reichen, damit nicht die Lage der neutralen Staaten, die jetzt schon äußerst schwer zu ertragen ist, ganz unerträglich wird und damit bot allem nicht die Zivilisation einen nicht zu rechtfertigenden und nicht wieder gut zu machenden Schaden erleidet. Der Präsident fühlt sich daher durchaus gerechtfertigt, wem» er eine alsbaldige Gelegenheit zu einem Meinungsaustausch über die Bcdingunge» anregt, die den schlicßlichen Vereinbarungen für den Weltfrieden vorausgehen müssen, die jedermann wünscht und bei denen die neu» traten Staaten ebenso wie die kriegführenden bereit sind, in voll verantwortlicher Weise mitzuwirken. Wenn der Kampf bis zum unabsehbaren Ende durch langsame Aufreibung fortdauern soll, bis die eine oder die andere Gruppe der Kriegführenden er- schöpft ist, wenn Millionen und Abermillionen Menschenleben weiter geopfert werden sollen, bis auf der einen oder der anderen Seite nichts mehr zu opfern ist, wenn Erbitterung angefacht werden soll, die niemals abkühlen kann, und Verzweiflung erzeugt wird, von der sich niemand erholen kann, dann werden die Hoffnungen auf Frieden und freiwilliges Zu» fammenarbciten freier Völker null und nichtig. Das Leben der ganzen Welt ist tief in Mitleidenschaft gezogen. Jeder Teil der großen Familie der Menschheit hat die Last und den Schrecken dieses noch nie dagewesenen Waffenganges gespürt. Keine Nation in der zivilisierten Welt kann tatsächlich als außerhalb seine» Einflusses stehend oder als gegen seine störenden Wirkungen ge- sichert erachtet werden. Doch die konkreten Ziele, für die der Kampf geführt wirb, sind niemals endgültig festgestellt worden. Die Führer der verschiedenen kriegführenben Mächte haben, wie gesagt, diese Ziele in allgemeinen Wendungen aufgestellt. Aber in allgemeinen Ausdrücken gehalten, scheinen sie die gleichen auf beiden Seiten. Bisher haben die verantwortlichen Wortführer auf beiden Seiten noch kein einzigeSmal die genauen Ziele ange» geben, die, wenn sie erreicht würden, sie und ihre Völker so zufrieden- stellen würden, daß der Krieg nun auch wirklich zu Ende gefochten wäre. Der Welt ist es überlassen zu vermuten, welche endgültigen Ergebnisse, welcher tatsächliche Austausch von Garantien, welche politischen oder territorialen Veränderungen oder Verschiebungen, ja selbst welches Stadium des militärischen Erfolges den Krieg zu Ende bringen würde. Vielleicht ist der Friede näher als wir glaube». Vielleicht sind die Bedingungen, auf denen die beiden krieg- führenden Parteien es für nötig halten zu bestehen, nicht so unver- einbar, als manche fürchten; vielleicht könnte so ein MeinungSaus- tausch wenigstens den Weg zu einer Konferenz ebnen, vielleicht könnte so schon die nächste Zukunft aus ein dauernde» Einver- nehmen der Nationen hoffen und sich ein Zusammengehen der Nationen alsbald verwirklichen. Der Präsident schlägt keinen Frieden vor; er bietet nicht ein- mal seine Vermittlung an. Er regt nur an, daß man sondiere, da- mit die Neutralen und die kriegführenden Staaten ersahren, wie nahe wohl da» Ziel des Friedens sein mag, wonach die ganze Mensch. heit mit heißem und wachsendem Begehren sich sehnt. Der Präsi- dent glaubt, daß der Geist, in dem er spricht, und die Ziele, die er erstrebt, von allen Beteiligten verstanden werden, und er hofft und vertraut auf eine Antwort, die»in neue? Licht in die Angelegen- heiten der Welt bringen wird. Ich benutze diesen Anlaß, Euere Exzellenz erneut meiner aus- gezeichnetsten Hochachtung zu versichern. gez. G r e w. An Seine Exzellenz Herrn Zimmermann, Staatssekretär des Auswärtigen Amt». Die gleiche Note ist an die Regierungen sämtlicher krieg- führenden Mächte gerichtet worden. «« O Eine Erklärung LanstngS. Das Reutersche Bureau meldet vom gleichen Tage aus Washington: Staatssekretär L a n s i n g gab eine Erklärung ab, in der er mitteilte, die Note des Präsidenten Wilson sei nicht auf Grund materieller Interessen Amerikas ab- gesandt worden, sondern weil die eigenen Rechte Amerika» durch die Kriegführenden auf beiden Seiten mehr und mehr in Mitleidenschaft gezogen würden, so daß die Lage immer kritischer werde. „Wir treiben selbst näher an den Rand des Kriege?," sagte der Staatssekretär,„und deshalb haben wir ein Recht, zu erfahren, Was die Kriegführenden wollen, damit wir unsere zukünftige Haltung be- stimmen können. Weder das deutsche Anerbieten, noch die Rede Lloyd Georges sind dabei in Rücksicht gezogen worden." Später gab Lansing nach einer Besprechung mit Wilson»ine weitere Erklärung ab, mit der er, wie er sagte, über jeden Zweifel klarstellen wollte, daß in der Neutralitätspolitik der Bereinigten Staaten keine Acnderung eingetreten sei. «« O preßftimmen zu Wilsons Zrieöensnote. Bisher liegen aus Deutschland nur die Stimmen der Berliner Abendblätter vor, die zum größten Teil den all- deutschen, extrem englandfeindlichen Standpunkt vertreten. Der Wortlaut der Note war ihnen erst auszugsweise bekannt. Wir geben nachstehend eine Bütenlese der alldeutschen Zornesausbrüche über Wilson., „Berliner Neueste Nachrichten": „Apage"(»Packe dich")— ist unser einziges Wort darauf. In der„Deutschen Tageszeitung" schreibt G. R. unter der Ueberschrift:„Die Vereinigten Staaten mischen sich ein": Man ficht, daß die Einwirkungsversuche, wie erwartet, in durchaus logischer Weise einsetzen bzw. ihren Fortgang nehmen. Auch die wortreichsten Wendungen werden an diesen einfachen Zusammenhängen nichts ändern. Wir warten den Wortlaut der Wilsonschen Note im übrigen ab und stellen nur kurz fest, daß wieder, wie schon so oft, im Augenblicke, wo dem angelsächsischen Bruder Schlimmes drohen könnte, mit unfehlbarer Promptheit die Regierung zu Washington eingreift. Die„Post"(fk.) bringt nur die Telegramme, überschreibt diese aber ähnlich:„Wilsons Einmischung in die Friedens- frage." „Tägliche Rundschau"(alldeutsch): Wir erfahren also nunmehr den„amerikanischen Druck", den wir am 12. Dezember voraussagten. Werden wir uns durch ihn beirren lassen? Dann würde da? amerikanische Stadium das traurigste des Krieges werden. Wir haben auf unser Friedens- angebot eine glatte Ablehnung erhalten, wissen nunmehr, daß Frieds für uns nur unter Bedingungen zu haben ist, die unserer äußersten Demütigung und unserer Vernichtung gleichkommen. In der„V o s s i s ch e n Z e i t u n g"(freisinnig) verficht Georg Bernhard seinen bekannten extrem england- feindlichen Standpunkt: Selten ist wohl mit gleicher Geschicklichkeit ein diplomatisches Ränkefpiel eingefädelt und durchgeführt worden. Die Verab- rednng� dazu rührt noch aus den Tagen von Asquith her, der gleichzeitig auch nach Berlin Fäden spann. Deshalb durfte As- quith nicht bleiben. Ihm hätte niemand die starke Gebärde deS Zorns geglaubt. Daher die angebliche Verschwörung gegen den Weichherzigen. Aus ihr ging Lloyd George, der Starke, hervor. Er tobte sofort, daß er sich niemandes Einmischung gefallen lassen werde. Und kaum ist Wilsons Friedensangebot bekannt geworden, da tönt auch schon im Chor der gutgeschulben englischen Presse die Klage gegen Wilson� daß er dem starken Albion in den Arm fallen wolle. So ist alles herrlich vorbereitet, um den Frie- den als einen Akt der Vergewaltigung aus den Händen Amerikas entgegenzunehmen. Im ollgemeinen besonnener, aber im Gnmdton gleich- falls ablehnend schreibt die konservative„Kreuz- zeitung": Die Wilsons che Note kommt also stark post festum. Wenn sie von der Bereitschaft der Neutralen spricht, an den Friedensabmachungen vollen und verantwortlichen Anteil zu nehmen, so liegt darin trotz der Verwahrung Wilsons ein Ver- nüttlungsangebot, für das er bei seinem bisherigen Verhalten zu der Gruppe der Mittelmächte wirklich nicht auf besonderes Entgegenkommen rechnen kann. Noch weniger haben wir einen Anlaß. Amerika unsere Friedensbedingungen mitzuteilen, damit es, wie Lansing wünscht, seine Politik danach einrichten kann. Sollte bei den guten Beziehungen Amerikas zum Verbände Wil- sons Vorschlag dort aber auf größere Gegenliebe stoßen und der Verband seine Bedingungen bekanntgeben, so würde für unS kaum ein Bedenken vorliegen, diesem Beispiel' zu folgen. Spielver- derber wollen wir nicht sein. Dagegen wird die Wilsonsche Note begrüßt von Theo- dor Wolfs im„Berliner Tageblatt"(linksliberal): Den Sckritt de? Präsidenten Wilson heißen wir willkommen, wie jeden Schritt, der zur Herbeiführung des Friedens unter- nmnmen wird. Die Alldeutschen und die ihnen gerstesverwandten Kreise und Personen mögen Herrn Wilson nicht sympathisch sin- den— ernsthafte politische Erwägung hat mit Sympathien oder Antipathien nichts zu tun. Ganz abgesehen davon, daß man ja wohl Herrn Wilson nicht nach den Vorschriften derjenigen, die einen Krieg mit Amerika herbeiwünschen, zu beurteilen braucht, würde kein denkfähiger und seiner Verantwortung bewußter Politiker eine Friedenstaube nur deshalb zurückschicken, weil sie ans Washington kommt. Es handelt sich einzig und allein darum, zu prüfen, ob die Aktion, die Herr Wilson eingeleitet hat, zu einem praktischen Ergebnis, zur Anbahnung einer Aus- spräche führen kann. „Freisinnige Zeitung"(Fortschrittliche Volks- Partei): Selbstverständlich ist jeder neutrale Staat und jedes Ober- Haupt eines Staates willkommen, das sich um einen Frieden bemüht, der die Gewähr der Dauer in sich trägt. Ja, es genügt schon, wenn er den redlichen guten und unparteiischen Willen hat, dem unseligen Blutvergießen gegenüber die Stimme der Ver- nunft und Menschlichkeit zu erheben, um sich die Dankbarkeit der zivilisierten Welt zu sichern. Hauptbedingung aber ist, daß er nicht Partei ist, nicht nach der einen, nicht nach der anderen Seite.... Das große Amerika ist eigentlich der geborene Vermittler. Amerika an der Spitze der übrigen neutralen Staaten hätte schon längst das Bluwergießen verringern, die vielfachen Brüche des Völkerrechts, die durch das Verhalten der Gegner aufgedrungenen Verschärfungen des Krieges zu Wasser, zu Lande und in der Luft mildern können, es hat seinen großen Einfluß nicht in diese Wagschale gelegt. Wenn Präsident Wilson in weiten Kreisen Deutschlands wenig beliebt ist, so ist es aber nicht deshalb, weil er jenes unterlassen hat, sondern weil Amerika bisher wenig von wahrer Neutralität gezeigt hat. Trotzdem halten wir es für selbstverständlich, daß die Wilsonsche Friedensanregung objektiv und unparteiisch geprüft wird. der Zrieüensftuüien-Kongreß in Zukunft unbehelligt. In Bern tagte eine Versammlung des Schweizerischen Komitees des Internationalen Kongresses zum Studium der Grundlagen eines dauer- h a f t e n F r i e d e n s. In der Meldung der Schweizerischen Depeschenagentur heißt es: Seitdem verschiedene Staatsmänner die Neutralen direkt aufgefordert haben, auch während des Krieges eine zwischen st aatliche Or- g a n i s a t i o n zum Gegenstand ihrer Studien zu machen, wird dem Berner Kongreß in Zukunft keine Schwie- r i g k e i t erwachsen. Die Versammlung beschloß an der Re- solution vom 18. November 1915 festzuhalten und den Kon- greß im geeigneten Augenblick im Verein mit dem Exekutiv- Komitee der Internationalen Zentralorganisation zusammen- zurufen._ tzollanü gegen bewaffnete tzanüelsschiffe. Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant" wendet sich gegen die Bemerkung Lord Robert Cecils, daß er„einen unan- genehmen Eindruck" in England gemacht habe, daß Holland keine bewaffneten Handelsschiffe in seinen Häfen zulassen will. Das Blatt bemerkt, daß jene Bemerkung in Holland einen einigermaßen sonderbaren Eindruck machen müsse, da die Eni- scheidung der holländischen Regierung der englischen Regie- rung seit Jahr und Tag bekannt sei. Das Blatt erklärt diesen Entschluß der holländischen Regierung für völlig ge- rechtfertigt und durchaus im Einklang mit dem Völkerrecht. Das strenge Hafenregime, das sofort beim Ausbruch des Krieges in Holland eingeführt wurde, erkläre sich einfach aus der äußerst exponierten Lage des Landes. Das neue Hafenregime wurde ausdrücklich mit Rücksicht auf die Möglichkeit ein- geführt, daß die nach holländischen Häfen fahren- den britischen Handelsschiffe bewaffnet werden könnten. Das Blatt spricht die Erwartung aus, daß, falls die englische Regierung etwa einen Druck ausüben wollte, um das neue Hafenregime zu ändern, die holländische Regierung an ihrem Entschluß ebenso festhalten werde, wie sie eS bei der Jnternierung der britischen und deutschen Untersee- boote getan habe, die in holländischen Gewässern bettoffen worden seien._ �Der unerwartete Schritt Wilsons/ Die sehr überraschte„Times" sperrt sich. Amsterdam, 21. Dezember. Nach einem hiesigen Blatt schreibt die Londoner„Times" über die Note Wilsons, die Ententemächte würden sie zweifellos ebenso behandeln, wie Lincoln während des amettkanischen Bürgerkrieges alle Vorstellungen einer europäischen Vermittlung behandelt hatte. Die Alliierten könnten dem Plädoyer Wilsons kein Gehör schenken. Sie würden Wilson alle Höflichkeit erweisen, die er verdiene, aber er würde sie nicht verhindern können, die Freiheit der Völker zu verteidigen.„Times" betont, daß der unerwartete Schritt Wilsons sehr überrascht habe, zumal, da die wichtigsten amerikanischen Zeitungen Lloyd Georges Ab- lehnung der deutschen Vorschläge beifällig begrüßt hätten. Wilson scheine den besten Teil der amerikanischen öffentlichen Meinung nicht nach ihrem Wert zu würdigen. Llopö Georges /lüjutant. BonarLaw, der Schatzkanzler im neuen englischen Kabinett, hat sich im Unterhaus bemüht, die Wirkung der deutschen Friedensnote abzuschwächen, indem er die während des Weltttieges hundertmal gegen Deutschland ab- geschossenen Anklagen der Entente abermals auf den Bogen legte. Er operierte wiederum ausgiebig mit dem belgischen Exempel, rief alle Neutralen an, beschwor sämtliche Schrecken der Kriegsgreuel und stempelte Deutschland als den schweren Weltverbrccher. Nach Reuter sei eine Stelle aus der Rede initgeteilt. Bonar Law führte aus: Deutschland machte Friedensvorschläge. Auf welcher Grund- läge? Auf der Grundlage seiner siegreichen Armee. Was würde das für eine Lage sein, wenn der Friede zustande käme aus dieser Grundlage der siegreichen deutschen Armee. Gibt es irgend jeman- den in diesem Hause, der nicht nur die Bedingungen, unter denen der Krieg der Welt aufgezwungen wurde, sondern auch die Art und Weise, wie er geführt wurde, unparteiisch beurteilt und der ganz ehrlich glaubt, daß die Gefahren und das Elend, unter welchen die Welt leidet, durch etwas anderes geheilt werden können als da- durch, daß man die Deutschen zu der Erkenntnis bringt, daß Furchtbarkeit sich nicht bezahlt macht und daß Militarismus keine gute Herrschast bedeutet. Wir kämpfen nicht um Gebiet oder um die größere Stärke eines Volkes. Wir kämpfen für zwei Tinge. Wir kämpfen jetzt für den Frieden, aber wir kämpfen auch für die Sicherheit der Friedenszeit, die kommen soll. Als die deutschen Vorschläge uns vorgelegt wurden, so grün- deten sie sich nicht allein atlf die deutschen Siege, sondern sie er- hoben auch den Anspruch, daß sie es aus Gründen der Menschlich- keit tun. Wolle das Haus bedenken, was dieser Krieg für Greuel in Belgien, für Greuel zur See und zu Lande mit sich brachte, was für Hinschlachtungen von Menschen in Armenien, denen Deutschland hätte mit einem Worte Einhalt tun können. Lassen Sie uns in Rechnung ziehen, daß dieser Krieg ver- g e b l i ch ausgefochten werden wird, wofern wir nicht Sicherheit dafür schaff-n, daß es niemals wieder in der Macht eines einzelnen Mannes oder einer Gruppe von Leuten liegt, die Welt in das Elend des Krieges zu stürzen. Gibt es keine Wieder- gutmachung für geschehenes Unrecht? Soll der Friede kommen und das größte Verbrechen in der Geschichte dxr Welt ungesühnt bleiben? Er sei sicher, daß das Land zu jedem Opfer bereit wäre, wenn es sich über die Lage klar werde. Bonar Laws Ruf nach Sicherheit gegen bie Macht ein- zelncr oder einer Gruppe von Leuten ließe sich am besten durch obli�taorische Schiedsgerichte befriedigen, zu deren Ein- führung eine jetzt zu berufende Friedenskonferenz verhelfen könnte. Aber Bonar Law hat nichts Derarttges im Sinn: er will den Krieg, der gewisse einzelne oder Gruppen von Leuten niederschlagen soll, damit andere in ihren Monopol- prwilegien ungestört weiter herrschen können. die englischen Liberalen unü üas Friedensangebot des vierbunües. Die telegraphischen Auszüge aus der liberalen englischen Presse leiden an UnVollständigkeit. So ist zwar bekannt, daß die „Westminster Gazette" eine ernste Prüfung des deutschen Frie- densangeboteS fordert, nicht aber, daß sie darüber klagt, daß sich die Bereinigten Staaten nur an dem Schicksal Belgiens und Nordfrankreichs, nicht aber an dem de? Balkans interessieren.„Und so fand denn in Washington das Gerücht Glauben, die Westmächte würden sich mit der Herausgabe der im Westen von Deutschland okkupierten Gebiete begnügen und den Mittelmächten im Osten und auf dem Balkan Handlungsfreiheit einräumen. Einer derartigen Auffassung muß entschieden ent- gegengetreten werden." Die„Daily News" klagen besonders über die finanziellen Lasten, die England nicht auf unbestimmte Zeit tragen könne.„Wir haben den von Generattonen aufgehäuften Reich- tum ausgeführt, um unseren und den Verpflichtungen unserer Verbündeten gerecht zu werden. Noch gelingt uns das, aber e S gibt eine Grenze, und wenn diese erreicht wird, kann auch die weitest gehende Besteuerung und der lebhafteste Handelsverkehr die Kriegsmaschine nicht mehr im Gange halten." Diese ver- nünftige Betrachtung schließt mtt dem Ausdruck der Hoffnung. daß Englands Hilfsmittel diejenigen des Feindes überdauern werden. Der„Daily Chromcle", der lange als Blatt Lloyd Georges galt und der sich eine traurige Berühmtheit durch seine berüchtigte Antwort auf das Angebot der Mittelmächte erworben hat, ver- läßt sich darauf, daß Deutschland von einer Hungers- not bedroht ist und ernste Niederlagen im Jahre 1S17 fürchte. Ein Mitteleuropa unter deutscher Führung würde der Welt in wenigen Tagen Deutschlands Willen diktieren können. Darauf folgen die bekannten Worte:„Was uns betrifft, so haben wir stets darauf gedrungen und tun eS noch immer, daß die preußische Militärmaschine entwaffnet wird, was die Uebergabe oder Ver- nichtung der Flottte und ebenso der gesamten Artillerie bedeutet." Am ruhigsten ist der„Manchester Guardian", der einen Ge- dank maustausch zwischen den kriegführenden Mächten ver- langt und folgende Kriegsziele aufstellt:„Belgien muß nicht nur geräumt werden, sondern auch seine völlige Unabhängigkeit und Entschädigung für alles erlittene Unrecht erhalten. Serbien und Montenegro muß in gleicher Weise Gerechtigkeit widerfahren. Es ist an den Franzosen, zu erklären, ob sie auch das älteste Unrecht wieder gutgemacht sehen wollen. Rußland wird seine Ansprüche auf Polen darzulegen haben." Das Blattt verzichtet also auf die kategorische Forderung der Herausgabe Elsaß-LothringcnS, überläßt den Franzosen die Ent- scheidung dieser heiklen Frage und schweigt von den Ansprüchen Rußlands auf Konstantinopel, die dieser Tag« in der Duma mit soviel Tamtam auSgeschrien worden sind. Vergewaltigung und kein Ende. Wieder eine Knebelnote gegen Griechenland. London, 22. Dezember.(W. T. B.) Wie das Reutersche Bureau erfährt, erwartet man, daß eine weitere Note der Alliierten an Griechenland heute der griechilchen Regie- rung übergeben werde: es ist nicht sicher, ob sie eine F r i st b e st i m m u n g enthalten tterde. Tic Hauptforde- rungen der Alliierten würden sein: Verhinderung von Versammlungen von, Reservisten in Alt- Griechenland, Kontrolle über Po st und Eisen- bahn, Freilassung der verhafteten Veni- z e l i st e n und UntersuchungwegenderUnruhen am 1. und 2. Dezember durch eine gemischte Kommission. Von einer Aufhebung der Blockade, die von Griechenland mit dem Hinweis auf die Hemmung der Truppenverpflan- zungen nach dem Peloponnes gefordert war, ist also in der neuen Note vermutlich nicht die Rede. * Tie Ententediplomaten sind pessimistisch. Rotterdam, 21. Dezember.(W. T. B.) Laut dem „Nieuwe Rotterdamschen Courant" meldet der Londoner „Daily Telegraph" vom Montag aus dem Piräus, der R e- servistenbund und die Militärs suchten es dahin zu bringen, daß die griechische Regierung ihre Annahme des Ultimatums wieder zurück- nehme. Tie Lage scheine sich in einer Richtung zu ändern, wo die Behörden sie nicht mehr würden beherrschen können. Die Diplomaten der Ententemächte seien pessimistisch über die Aussichten. Wolffs Bureau stellt dazu die Frage: Sollten Reuter und Havas, als sie die bedingungslose Unterwerfung Griechenlands meldeten, etwa einer Mystifikation zum Opfer gefallen sein?_ Knegskreüit in tzollanü. Haag, 22. Dezember. Die ZweiteKammerhat ohne Beratung und ohne Abstimmung den Gesetzentwurf über einen außerordentlichen Kriegskredit von 135 Millionen an- genommen._ belgische Arbeitslose in deutschlanö. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt mrter dieser Ueberschrift: In der Ententepresse und in den von unseren Gegnern bedienten Zeitungen des neutralen Auslands sucht man immer wieder den Anschein zu erwecken, als würde bei der Auswahl der für die Wegführung nach Deutschland in Be- tracht kommenden belgischen Arbeitslosen rücksichtslos ver- fahren. Es ist ja bei einer so einschneidenden und umfassenden Maßregel nicht zu vermeiden, daß gelegentlich ein Irrtum mit unterläuft. Aber die zuständige Behörde hat es sich zur Pflicht gemacht, alle Reklamationen eingehend und auf das Gewissenhafteste zu prüfen. Allen nur irgend als berechtigt anzuerkennenden Reklamationen wird Folge gegeben und die in Betracht kommenden Personen sind ohne Ausnahme unver- züglich und mit der ihnen nach Lage ihres Falles gebührenden Rücksicht nach Belgien zurückbefördert worden. Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 21. Dezember.(W. T. B.) Bericht des Generalstabes. Mazedonische Front. In der Gegend von B i t o l i a vereinzeltes feindliches Artilleriefeuer. Im Cernabogen heftiges Artilleriefeuer. Ein Angriff des Feindes auf die Höhe östlich von Punkt 1050 wurde durch deutsche Truppen mittels Sperrfeuer und Handgranaten zurückgewiesen. Oestrich der Cerna lebhaftes Ar- tilleriefeuer. Zu beiden Seiten des Wardar und an der Bela- s i tz a front vereinzeltes Artilleriefeuer des Feindes. An der Struma Artillerietätigkeit und Patrouillengefechte. Feindliche In- fanterieabteilungen versuchten, sich südlich von Serres festzusetzen, wurden aber durch Feuer zerstreut. Rumänische Front. In der Dobrudscha ist es auf der ganzen Front zu Erkundungskämpfen gekommen. In der östlichen Walachei nichts Neues. ♦ Ter rufsisckie Heeresbericht vom 20. Dezember meldet von der rumänischen Front: Austausch von Artillerie- und Gewehr- feuer. In der Richtung Rymnicul-Buzeu gelungene Tätigkeit unserer Aufklärungsabteilungen. Auf dem linken Ufer der Donau wurden in der Gegend des Dorfes Pirlita Angriffe des Feindes zurück- geschlagen. Scharmützel vorgeschobener Abteilungen, die auf unserem rechten Flügel in der Gegend des Dorfes Cerna und im Zentrum in der Gegend des Dorfes Atm rgea lebhafter waren.— Schwarzes M e»e r: Am 16. Dezember warf ein Wasserflugzeug des Feindes, das von einem Kampfflugzeug begleitet wurde, erfolglos Bomben auf Sulin. Das Kampfflugzeug wurde durch unseren Flieger Ragozine abgeschossen und fiel ins Meer, aber bei dem stürmischen Wetter ge- lang es uns nicht, es zu erbeuten.(W. T. B.) Der türkische Kriegsbericht. Konstantinopcl, 26. Dezember.(W. T. B.) Heeresbericht vom 19. Dezember. Im H e d s ch a S find die Aufftändischen an der Küste von E l m u Barek zerstreut und in die Flucht geschlagen worden; sie flohen nach Jenbu el Bahre. Unsere Truppen in der Dobrudscha haben abermals über 166 Gefangene gemacht. An den anderen Fronten kein Ereignis von Bedeutung. Der Osmanische Stellvertretende Oberbefehlshaber. * Konstantinopcl, 21. Dezember.(3B. T. B.) Amtlicher Heeres- bericht. Tigrisfront. Am 26. Dezember warfen wir durch unser Feuer feindliche Kavallerie zurück, die versuchte, gegen Kut el Amara vorzurücken. Einer unserer Flieger zwang ein feindliches Flugzeug, in der Nähe seiner eigenen Linien zu landen. Am Gestade des W a n s e e s warfen wir einen Angriff des Feindes mit Verlusten für ihn zurück. Auf den anderen Fronten kein wichtiges Ereignis. Der Stellvertretende Oberbefehlshaber. » Englischer Heeresbericht aus Mesopotamien vom 21. Dezember. fW. T. B.) Westlich von Scham ran am Knie des Tigris wurden am 26. Dezember von englischer Seite Erkundungen vorgenommen. In den letzten Tagen wurden die feindlichen Stellungen bei S a n n a i v a t und Kut el Amara sowie der Schiffsverkehr des Feindes westlich davon mit befriedigendem Ergebnis beschossen. Die Brücke über den H a i f l u ß nahe seiner Mündung in den Tigris ist durch unser Feuer zerstört worden. Die feindlichen Heeresberichte. Franzöfifchcr Bericht vom 21. Dezember nachmittags. Per- hältnismätzig ruhige Nacht auf der ganzen Front. Flugwesen. An der Somme-Front wurden vier feindliche Flugzeuge von unseren Flregern abgeschossen, das erste bei Manan- court, das zweite in unseren Linien in der Umgegend von Clerh, f'as dritte 466 Meter vom Devise und das letzte südlich von Rojy le Grand. Dieses ist durch Nungesser abgeschossen worden, wodurch '(■ der von ihm abgeschossenen feindlichen Apparate auf 21 geöracht wird. Einer unserer Flieger stieß bei Verfolgung einer deuftchen Maschine mit seinem Gegner zusammen; die beiden .lpparate zerschellten am Boden. Am 26. Dezember wurden 46 Ge. schösse auf den Bahirhof von Amisy abgeworfen. Am Abend deS 26. L�zember warfen vier unserer Flugzeuge 426 Kilogramm Ge- Fortschritte der Dobrudscha- Nrmee— Russischer Nachtangriff im Trotus-Ge- biet— Deutscher Vorstoß bei Zalosce, russischer südöstlich Ri'a. Amtlich. Großes Hauptquartier, 22. De- zember 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Nahe der Küste, im Sommc-Gebiet und ans dem Ost- ufer der Maas war die Artillerietätigkeit in de» Nach- Mittagsstunden gesteigert. An der Jser wurde ein belgischer Posten aufgehoben. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des GencralfeldmarschallS Prinz Leopold von Bayern. LSngS der Düna und am Stochod hielt das russische Artilleriefencr längere Zeit an. Der Vorstoß von zwei feindlichen Kompagnien südöstlich von Riga wurde ab- gewiesen. Nordwestlich von Zalosce drangen deutsche Stoßtrupps in die beiden vorderen Stellungen der Russen und in das Dorf Zwyzyn ein und kehrten nach Sprengung von vier Minenwerfern mit 34 Gefangenen und zwei Maschinen- gewehren zurück. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph. Ein Nachtangriff des Gegners am Csnelcmer(nördlich des Trotusul-Talcs) scheiterte. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. In der Großen Walachei hat sich die Lage nicht ge- ändert. Die Dobrodscha-Armee machte Fortschritte und nahm den Russen 999 Gefangene ab. Mazedonische �ront. An der Struma Patrouillengeplänkcl. Ter Erste Generalquartiermeistcr. Ludendorff. « �lbenöbericht. Amtlich. Berlin, 22. Dezember.(W. T. B.) Bon keiner Front sind bisher besondere Ereignisse gemeldet. «» O Der österreichische Bericht. Wien, 22. Dezember 1916. fW. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des GencralfeldmarschallS von Mackensen. Keine Ereignisse von Belang. HeereSfront des Generalobersten Erzherzog Joseph. Beiderseits deS TrotuS-TalcS erfolglos« feindliche Unter- nchmungen. t HeereSfront des Generalfelbmarschall» Prinz Leopold von Bayern. Deutsche Truppen stießen durch zwei feindliche Stellungen bis Zwyzyn vor und kehrten mit Beute und Gefangenen zurück. Italienischer und Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine wesentlichen Ereignisse. Der Stellvertreter des ChcfS dcS GcneralstabeS. v. H o c f c r, Feldinarschalleutnant. schösse auf bie Bahrchöse von Brieulles-sur-Meuse, Charleville, Mc- zieres und Suop ab. Am gleichen Abend warfen elf Flugzeuge 47 12-Zentimeter-Geschosse auf den Bahnhof und die Barackenlager von Nesles, auf Lagerplätze und auf Transporte, die sich auf dem Marsch befanden, ab. Orientarmee. Am 26. Dezember ununterbrochener Ar- tilleriekampf auf der Strumafront und im Abschnitt von Babadag; heftiger in der Gegend der Höhe 16S6. Regen und Schnee wüten an der mazedonischen Front weiter. Bericht vom 21. Dezember abends. Der Feind hat unfern Linien im Abschnitt von L o u V e m o n t und V a u x heftig bc- schössen; unsere Artillerie hat geantwortet. Andere ziemlich leb- hafte Geschützkämpfe haben an verschiedenen Stellen der Front statt- gefunden; bei einem davon zwischen Berry-au-Bac und Reims ist ein feindlicher Gasapparat durch unser Feuer zerstört worden. Belgischer Bericht. Beiderseits lebhafte Artillerietäftgkeit in der Gegend von Dixmuiden, Staenstraete und Boesinghe. Englischer Bericht vom 21. Dezember. Gestern abend kam eine starke feiirdliche Abteilung an unsere Linien gegenüber L e n s. Nur wenigen gelang es, unsere Gräben zu erreichen, und diese wurden unmittelbar wieder hinausgeworfen. Wir führten einen erfolg- reichen Angriff auf die feindlichen Schützengräben südwestlich von Armentieres aus.— Bei dem gestern gemeldeten Angriff nördlich von Atrecht(A r r a s) haben wir mehr als fünfzig Ge- fangene gemacht. Russischer Bericht vom 20. Dezember. Westfront. In der Gegend südwestlich von Brody griff der Feind nach Feuer mit schwerer Artillerie, welches eine halbe Stunde dauerte, unsere Gräben bei dem Dorfe Ponikovica in Kolonnen an, aber unser Feuer jagte ikm in die Ausgangsgräben zurück. Ein erneuter Per- such, unsere Abteilungen anzugreifen, hatte ebenfalls keinen Er- folg. An der Bistryca in der Gegend von Jezupol, Sielec und Str. Bohorodczany kamen unsere Aufklärer durch die Draht- verhaue, griffen Posten des Feindes an und drangen in das letzt- genannte Dorf ein. Der Feind floh, nachdem er einige Tote ver- loren hatte, in Unordnung und ließ einige Gefangene in unseren Händen. In den Waldkarpathen führten unsere starken Er- kundungsabteilungen Aufklärungen in der Gegend westlich und südlich des Berges Botosul(acht Kilometer südöstlich Kirlibaba) aus. Der Seekrieg. Wachsende V-Bootbeute. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" sagt unter dieser Ueberschrift: „Unsere Feinde haben mehrfach versichert, der U-Bootkrieg Deutschlands habe das Höchstmaß seiner Leistungen be- reit? erreicht, von min an würden die getroffenen Abwehr- maßnahmen die Tätigkeit der deutschen Unterseeboote wenn nicht völlig lahmlegen, so doch bedeutend einengen und erschweren. Da- von ist bis jetzt jedoch nichts zu merken, ganz im Gegenteil sind innerhalb der letzten 24 Stunden nicht weniger als 16 Schiffe mit über 22666 Tonnen versenkt worden, darunter 16 feindliche. Die Zusammenzählung unserer U-Bootbeute in den letzten Wochen wird noch deutlicher erkennen lassen, daß die deutschen U-Boote die See beherrschen, nicht aber die britische Flotte."_ Bersenkt. Lloyds meldet: Die englischen Dampfer„Bay- hall" und„Liverpool", die zwei dänischen Dampfer „C hassie Maersk"(1367 Tonnen) und„Gerda"(775 Ton- nen) wurden versenkt. Der norwegische Dampfer„M o d i g" stieß auf eine Mine und sank; die Mannschaft wurde gelandet. Der norwegische Dampfer„F a l k" soll versenkt worden sein. Ein schwe- bischer Dampfer hat nach Frederiksstab signalisiert, er habe die norwegische Bark„Ansgar"(926 Brutto-Register-Tonnen) brennend in der Nordsee gesichtet und die Besatzung gerettet.„Ans- gar" war von Moß nach England mit Grubenholz unterwegs. Kleine Kriegsnachrichten. Die Gcntcr Flämische Hochschule. Brüssel, 26. Dezember. (W. T. 53.) Die von belgischen Flüchtlingsblättern verbreitete Nach- richt. die Genler flämische Hochschule sei aus militärischen Gründen durch die Elappenbchörde geschlossen worden, ist falsch. Vielmehr nehmen die Vorlesungen der Hochschule ihren regelrechten Fortgang. Die Anzahl der Studenten ist im ständigen Wachsen begriffen und hat das erste Hundert längst überschritten. Da im Frieden die Zahl der inländischen Studenten, die Wallonen einbegriffen, an der Universität etwa 466 betrug, so ist der Stand durchaus zufrieden- stellend. Flemmings Friedenskarten. Der Verlag Carl Flemtning in Berlin-Glogau beginnt eine Ausgabe von Friedenskarten mit drei unter dem Titel„Politisch-geographischeGrundlagen Europas für Friedensbetrachtungen" zusammen- gefaßte Karten, die den gegenwärtigen Kriegsstand nach Landver- lust und Landgewinnung, dann die Veränderungen der europäischen Staatengrenzen in den letzten Jahrhunderten, endlich die Vertei- lung der Völkerwohnsitze in Europa gut übersichtlich darstellen. Die drei in weitem Matzstabe gehaltenen Karten losten zusammen 2 M. Prof. I. I. Kettler hat sie bearbeitet. Lette Nackrichten. Die englische Presse und Wilsons Note. Haag, 22. Dezember.(W. T. B.)..Nieuwe Courant" schreibt: Wilsons Note ist in der Form sehr korrekt und, was den Inhalt be- trifft, sehr objektiv. Man kann Wilson und seinem Kabinett unmög- lich Sympathie für die eine oder die andere Seite andichten. Trotzdem mehren sich die Anzeichen, daß die englische Presse Wilson aufs entschiedenste entgegentritt und sein Eingreifen verdächtigt. Sie weist Wilsons Vermittelung mit ungewöhnlicher Schärfe ab, jedoch wäre es verfrüht, alle Hoffnung aufzugeben� und zu erklären, daß die verständige Tat des Präsi- deuten erfolglos bleiben müsse. Das„einzige Streben"— die„heilige Sache".. Die Thronrede, mit der das englische Parlament gestern ver- tagt wurde, ist natürlich eine Kriegsrede im Sinne Lloyd Georges. Es heißt in der Rede nach Meldung Reuters: „Ich habe die Zuversicht, daß der lange Kampf und ihre An- strenguligen, die durch die unbeugsame Entschlossenheit all meiner Untertanen in dem ganzen Reiche unterstützt worden sind, schließlich die siegreiche Verwirklichungder Ziele erreichen werden, für die ich in diesen Krieg gegangen b i n." „Eine energische Fortsetzung deS Kriege» muß unser einziges Streben sein, bis wir die Rechte, die unsere Feinde so rücksichtslos verletzt haben, wiederhergestellt und die Sicherheit Europas auf feste Grundlagen gestellt haben. In dieser heiligen Sache siihle ich mich der einmütigen Unterstützung aller meiner Völker sicher, und ich bete zu dem allmächtigen Gott, daß er uns seinen Segen gebe." Das Parlament wurde bis auf den 7. Februar vertagt. Die Vewasfitting von Handelsschiffen. London, 22. Dezember.(Reutermeldung.) Unterhaus. Marine- minister C a r s o n erwiderte auf Anftagen des Abgeordneten Peto, die Regierung könne keinen Unterschied zwischen den Rechten unbe- waffnetcr Handesschiffe und solchen anerkennen, die zu Ver- teidigungszwecken bewaffnet seien. Die deutsche Regierung verfolge zweifellos das Ziel, die Begriffe des offensiven und defensiven Vor- gehens zu verwirren, um die Neutralen dazu zu bringen, zu Ver- teidigungszwecken bewaffnete Schiffe als Kriegsschiffe zu behandeln. Die Stellung Englands sei vollkommen klar, nämlich daß Handelsschiffe seit undenklichen Zeiten das Recht besessen hätten, sich gegen Angriffe, Betreten oder Durchsuchung von Seiten des Feindes mit allen Mitteln, die sie hätten, zu widersetzen, doch dürften sie den Feind zum Angriff nicht aufsuchen, da dies den dazu be- stimmten Kriegsschiffen vorbehalten sei. Soweit er unterrichtet sei, teilten alle neutralen Mächte ohne Ausnahme diese Ansicht, die auch in den Prisenvorschriften der Deutschen selbst klar angedeutet sei. Tie beteiligten Negierungsämter widmeten der Frage der Be- waffnung zu Verteidigungszwecken in Theorie und Praxis fort- dauernd ihre Aufmerksamkeit. U-Boote bei Genua. Bern, 22. Dezember. Nach einer Meldung des„Petit Journal" aus Genua wurden in den letzten Tagen zwischen Genua, Nervi und Arenzano zwei U-Boote bemerkt. Der Uebersee- dampfer..Principe Tommaso" wurde versenkt. Nach einer Meldung desselben Blattes aus Cherbourg wurde die Goelette „Alerte versenkt. Die Besatzung durch den Dampfer„Tajo" gerettet, der jedoch im Nebel bei Cap Levi scheiterte. Schiffsuntcrgang. Amsterdam, 22. Dezember.(W. T. B.) Ein hiesiges Blatt meldet aus Batavia, daß die Bemannung des holländischen Schisfes„van A l s b r o e k" ertrunken ist. Das Schiff(1622 Tonnen) scheint untergegangen zu sein. Tie Unterschlagungen beim Schaaffhausenschen Bankverein. Köln, 22. Dezember.(W. T. B.) In dem heute nach fünf- tägiger Verhandlungsdauer zu Ende gegangenen Prozeß wegen Unterschlagungen beim Schaaffhausenschen Bankverein wurde heute das Urteil gesprochen. Es lauette gegen die Angeklagten August Eßmann und Johanne? Düx auf dreieinhalb bzw. fünf Jahre Ge- fängnis und je fünf Jahre Ehrverlust, und gegen den Angeklagten Karl SamlowSki auf fünfzehn Monate Gefängnis wegen Beihilfe. Der Vater Samlowskis sowie Frau Eßmann wurden fteigesprochen. Das Gericht hatte die Höhe der Unterschlagungen auf 2 666 666 M. angenommen. » gegeben, falls bis zum nächsten Verhandlungstermin die Tache noch nicht geregelt ist, nochmals zum Kriegsausschuß zu kommen, um dann über die Ausstellung eines Scheins endgültig entscheiden zu können. Die Schlosser von'zwei Abteilungen der Firma D. wollen einen Kriegsschein, weil ihr Verlangen nach Lohnaufbesserung von der Firma abgelehnt wurde. Die längere Auseinandersetzung, die sich in dieser Angelegenheit entwickelt, ergibt beiderseitig vielerlei Miß- Verständnisse. Nach deren Erledigung wird den Parteien anHeim- gegeben, am nächsten Tage im Betriebe nochmals zu verhandeln und, wenn keine Verständigung erzielt wird, wieder an den Kriegsausschuß heranzutreten. Wahrscheinlich ist aber eine weitere Verhandlung im Kriegsausschuß nicht mehr zu erwarten, da die gegenseitigen Miß- Verständnisse, die eine vorherige Regelung hinderten, durch die Aus- spräche im Kriegsausschuß beseitigt sind. Der Dreher W. von der Firma C. verlangt den Kriegsschein, weil ihm ein Abzug von 30 M. gemacht worden ist. W. hat drei Bänke bedient, wovon eine bei der Arbeit Schaden erlitten hat. Den Schaden beziffert die Firma aus 400 M.; sie will nun einen Abzug vom Lohn in Höhe von 30 M. in sechs Raten ä 5 M. machen. Der Kriegsausschuß steht auf dem Standpunkt, daß die Bedienung dreier Bänke für einen Dreher eine überaus große Inanspruchnahme ist und es ganz erklärlich erscheint, wenn dabei derartiger Schaden ent- stehen kann. Der Dreher erklärt sich damit einverstanden, daß ihm 5 M. abgezogen werden, weil er selbst zugibt, auch Schuld zu haben. 26 Maschinenformcr der Firma H. verlangen den Kriegsschein, weil sie zwei resp. drei Tage aussetzen mußten, ohne dafür eine Ent- schädigung zu erhalten. Die Firma begründet ihre Ablehnung damit, daß sie bei den gegenwärtigen Transportschwierigkeiten das Eisen nicht rechtzeitig heranbekommen habe und deshalb doch unmöglich für den Schaden verantwortlich gemacht werden könne. Der entgangene Verdienst wird von den Maschinenformern auf 1ö bis 16 M. täglicki veranschlagt. Es wird vereinbart, daß über die Angelegenheit noch einmal im Betrieb verhandelt werden soll, und zwar aus der Grund- läge,, daß jedem Former für den Tag, an dem er aussetzen mußte, mindestens 8 M. gezahlt werden muß. Ist die.Firma damit nicht ein- verstanden, hat sie den Kriegsschein zu erteilen. Gewerkschaftliches. veutsches Reich. Dreißig Jahre Zimuierervcrband. Der Krieg hat den Aufgabenkreis der Gewerkschaften wesentlich erweitert und ihnen Arbeitsgebiete zugewiesen, auf denen sie bislang noch�nicht Gelegenheit hatten, sich zu betätigen. Gleichwohl haben sie sich überraschend schnell in einer auch für sie gänzlich neuen Situation zurechtgefunden, mit Umsicht und Geschick die mannigfachen Aufgaben, die der� Krieg gebar, angegriffen und an ihrer Lösung nach Kräften mitgewirkt. Daß die Gewerkschaften daneben ihre speziellen Aufgaben nicht aus dem Auge verloren: das ist die Wahrung und Verbesserung der beruflich-wirtschaftlichen Lage ihrer Mitglieder, beweisen die zahl- reichen und mit Erfolg durchgeführten Teuerungszulagebewegungen. Damit war natürlich ihre Tätigkeit keineswegs erschöpft, denn ihr Arbeitsgebiet ist ein außerordentlich reiches. Zu eiuer für die Ge- werkschaften unentbehrlichen Einrichtung gehört insbesondere die Statistik, deren Pflege und Förderung selbst während des Krieges unerläßlich ist; denn die Statistik vermittelt die klare Einsicht in das, was ist, und diese Einsicht ist erste Vorbedingung erfolgreicher ge- werkschaftlicher Arbeit. Eine wertvolle Bereicherung gcwcrkschaftsstatistischer Arbeiten sind die kürzlich vom Zentralverband der Zimmerer Deutschlands her- ausgegebenen„Feststellungen über Arbeitszeit und Löhne sowie Mit- yliederzahl des Zentralverbandes der Zimmerer Deutschlands von 1885 bis 1915". Diese Schrift führt uns zurück bis in die Mitte der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts; in die Geburts- und ersten Lebensjahre sehr vieler unserer heutigen Zentralverbände. Damals lastete noch das Ausnahmegesetz auf den deutschen Arbeitern. Die geringsten Fortschritte erforderten unendliche Mühe. Die geWerk- schaftlichen Organisationen waren schwach, der Widerstand ihrer Geg- ner riesengroß. Und doch haben die Gewerkschaften sich gegen diesen ungeheuren Widerstand durchzusetzen vermocht. Zwar waren ihre Er- folge anfangs nur bescheiden, aber sie wuchsen mit dem allmählichen Erstarken der Gewerkschaften. Das zeigt uns auch die vorliegende Schrift des Zimmererverbandes, die für 1034 Orte, in denen während der dreißig Jahre eine Zahlstelle des Verbandes bestanden bat oder noch besteht, Nachweise erbringt über die durchschnittlichen Mitglieder- zahlen, die täglichen Arbeitszeiten und die Stundenlöhne. Das Jahr 1883 war das Gründungsjahr des Verbandes. Sein Mitgliederbestand betrug im Jahre 1885 ganze 3434. In den folgenden fünf Jahren his 1890 hatte sich diese Zahl bereits mehr als verdreifacht. Auf der ersten Hälfte. der neunziger Jahre lastete bekanntlich eine schwere Wirtschaftskrisis, der fast alle Gewerkschaften ihren Tribut zahlen mußten. Auch der Zimmerervcrband erlitt eine Mitgliedereinbußc. Der um das Jahr 1895 einsetzende wirtschaftliche Aufschwung belebte die gewerkschaftliche Agitation. Für das Jahr 1900 weist der Zim- mcrerverband 23 606 Mitglieder auf, und fünf Jahre später war die Mitgliederzahl auf 42 275 angeivachsen. In diesem Jahrfünft hatte der Verband seine organisatorischen Einrichtungen wesentlich aus- gebaut, die Gaueinteilung getroffen und die Anstellung von Gau- leitern vollzogen. Das nächste Jahrfünft läßt die Mitglicderzahl auf 55 028 ansteigen, und das letzte Friedensjahr 1913 schließt mit einem durchschnittlichen Bestand von 62 348 ab. Die Jahre 1914 und 1915 lassen die Spuren des Krieges erkennen, wie der Rückgang auf 48 365 resp. 22 916 beweist. Das Wachstum des Verbandes ist nicht ohne Einfluß geblieben auf die Stundenlöhne im Beruf. Es sind ganz beachtlickie Lohn- steigerungen festzustellen. So stieg der Stundenlohn für Zimmerer in Königsberg i. Pr. von 26 Pf. im Jahre 1885 auf 71 Pf. im Jahre 1915, in Marienburg in dem gleichen Zeitraum von 20 auf 56, in Berlin von 42 s4 auf 84, in Stettin von 30 auf 65, in Bromberg von 25 auf 57, in Breslau von 28 auf 65, in Magdeburg von 27 auf 65, in Kiel von 36 auf 80, in Hannover von 29 auf 73, in Bochum von 30 auf 64, in Kassel von 19 auf 65, in Köln von 30 auf 76, in Nürnberg vpn 23 auf 68, in Stuttgart von 25 auf 68. in Mannheim von 25' auf 72, in Hamburg von 50 auf 90'Pf. usw. Der durchschniktl liche- Stundenlohn stieg von.32,38 Pf. im' Jahre 1885 auf 64,21 Pr. im Jahre 1915; er erhöhte sichi' somit. um Heinahe 101» Proz. Nicht in allen Zahlstellen ist dieser Durchschnitt erreicht; andere Zahlstellen wieder gehen darüber hinaus. So wird für 38 Orte, in denen seit 1885 eine Verbandszahlstelle besteht, eine durchschnittliche Steigerung des Stundenlohnes um rund 127 Proz. nachgewiesen. Nicht in dem gleichen Maße, wie die Löhne gestiegen sind, dürfte allerdings die Lebenshaltung der Zimmerer eine bessere geworden sein. Die Preise für Lebensmittel sowie für die allernotwendigsten Bedarfsartikel sind seit der Zeit erheblich gestiegen, und auch die Wohnungsmieten sind teurer geworden. Das kann aber die gewerkschaftliche Tätigkeit auf dem Gebiete der Verbesserung der Löhne und Arbeitsverhältnisse auf keinen Fall verkleinern. Neben der Erhöhung der Löhne steht auch die Verkürzung der Arbeitszeit. Auch hier war die Tätigkeit des Verbandes von reichen Erfolgen begleitet. In den achtziger Jahren des vorigen Jahr- Hunderts gehörte eine tägliche Arbeitszeit von 12 Stunden durchaus nicht zu den Ausnahmen, während die 11 stündige Arbeitszeit noch sehr stark vertreten war. 1915 war in keiner Zahlstelle des Ver- bandes die tarifliche Arbeitszeit länger als 10 Stunden, in sehr vielen Zahlstellen beträgt sie jetzt Q'A und 9 Stunden. In den 30 Jahren, über die berichtet wird, wurde die tägliche Arbeitszeit ver- kürzt in Maricnburg von 12 auf 10, in Bromberg und Bochum von II auf 10, in Königsberg i. Pr., Breslau, Magdeburg, Kassel, Nürn- berg, Stuttgart und Mannheim von 11 auf 9!--, in Hannover und Köln von 1014 auf 954, in Berlin. Kiel und Samburg von 10 auf 9 Stunden usw. 1885 war für 46 Proz. des Mitgliederbestandes die tägliche Arbeitszeit nach länger als 10 Stunden, während für 54 Proz. die 10stündige Arbeitszeit bestand. 1915 hatten rund 44 Proz. des Mitgliederbestandes den Zehnstundentag und für 56 Proz. war die tägliche Arbeitszeit kürzer als 10 Stunden. Wenn diese Erfolge nicht völlig befriedigen, so ist das dem starken Widerstand verschuldet, den das organisierte Unternehmertum des Baugewerbes besonders der Arbeitszeitverkürzung entgegengesetzt hat. Einst gab es die Parole aus, daß die tägliche Arbeitszeit im Baugewerbe nicht unter 10 Stun- den verkürzt werden dürfe. Davon ist heute nicht mehr die Rede, wohl aber soll heute die Sstündige tägliche Arbeitszeit die äußerste Grenze nach unten bilden. Das wird so lange zutreffen, bis die Organi- sationen der baugewerblichen Arbeiter auch diesen Wall durchbrochen haben. Wann das geschehen wird, hängt davon ab, in welchem Matze nach dem Kriege die organisierten Arbeiter des Baugewerbes ihre Kraft für die Arbeitszeitverkürzung einsetzen werden. Aus dem reichhaltigen Tabellenwerk, das die Schrift de? Zim- mererverbandcs enthält, sind die hier erwähnten Angaben nur ein knapper Auszug. Ihr Inhalt faßt zahlenmäßig das Ergebnis einer 30jährigen, unendlich mühevollen Gewerkschaftsarbeit zusammen und stellt zugleich den Erfolg zahlreicher, ebenso hartnäckiger wie lang- wieriger Gewerkschaftskämpse dar. Verlin und Umgegend. Teuerungszulage für die Arbeiter in den städtischen Gas- und Elektrizitätswerken. Für die in den genannten Berliner Betrieben sJnnen- und Außenbetriebel beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen wurde zu den bisherigen Bezügen eine weitere Zulage in der Weise gewährt, daß an alle männlichen Arbeiter über 13 Jahre 10 Pf. pro Stunde und die Arbeiter unter 18 Jahren sowie die Frauen 5 Pf. pro Stunde mit rückwirkender Kraft ab 15. November zur Auszahlung gelangen....._. Für die Elektrizitätswerke ,st msofern eine Sonder- regelung getroffen worden, indem dort nur den Schwer- a rb eitern 10 Pf., den übrigen aber nur 7Vs Pf. Pro Stunde gewährt wird. �, Die vom Magistrat und den Stadtverordneten bewilligten a l l- gemeinen Teuerungszulagen sJugendliche 12—18 M.. Verheiratete 25 M. und für jedes Kind unter 18 fahren 5 M. pro Monat) kommen für die Gas- und Elektrizitätswerke �Lmantw. Redaktu Herm. Müller. Tempelhof. Inseratenteil verantw.Th7Gl-cke. Berlin." Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdrtui Verlagsanst.Paul Singer& Co., Berlin SW� Hierzu 2 Beilagen und UnterhaltungSbl. In Neukölln hat die vom Verbands der Gemeinde- und Staats arbeiter geleitete Lohnbewegung der städtischen Arbeiter und Ar. beiterinnen zu einem nach Lage der Sache annehmbaren Ergebnis geführt. Die Kriegsnolstandskommission chat beschlossen, daß alle Arbeiter und Arbeilerinen zu ihren bisherigen Bezügen eine be- sondere Zulage in Höhe von 75 Pf. pro Tag mit rückwirkender Kraft ab l. Dezember ausgezahlt erhalten. Für die nebenbei be- schäftigtcn sbalbbeschäftigten) Reinigungsfrauen der Schulen usw Imirde eine Teuerungszulage in Höhe von 15 Proz. des Lohnes be willigt. Die Teuerungszulage beträgt nunmehr insgesamt für die ledigen Vollarbeiter 1,25 M. und für die verheirateten 1,35 M. täglich, außerdem werden für jedes Kind unter 16 Jahren täglich 20 Pf. Kinderzulage gezahlt. Aus dem Kriegsausschust für die Mctallbetriebe Grost-Bcrlins. Ter Einrichter K. von der Firma L. u. Co. will einen Kriegs schein, weil ihm ein Paar Stiesel aus der Garderobe gestohlen sind. Ter Kricgsausschuß stellt sich auf den Standpunkt, daß dieser Grund keinen Anspruch aus einen Kriegsschein zuläßt. Wenn der Einrichter glaubt, daß die Firma ihm für die gestohlenen Stiesel ersatzpflichtig ist, mutz er die Firma verklagen. Ter Werkzeugmacher G. von der Firma A. will einen Kriegs schein, weil er zu wenig Lohn erhält. Er erhält 1,40 M. Stunden- lohn. Da dieser Satz dem. zurzeit üblichen Ver- dien st für Werkzeugmacher nicht entspricht, die Firma aber ablehnt, mehr Lohn zu zahlen, bekommt der Werkzeug macher den Kriegsschein. Ter Mechaniker P. von der Firma M. u. G. will einen Kriegs schein, weil der Verdienst zu niedrig ist. Da P. Versuche aus- arbeitet und infolgedessen nur im Lohn beschäftigt wird, kommt eine Verständigung dahin zustande, daß P. in eine andere Abteilung kommt, wo Akkord gearbeitet wird und der Verdienst ein nennens- wert höherer ist. Damit ist die Angelegenheit erledigt. Der Rundschleifer D. von der Firma E. u. Sch. will einen Kriegsschein, weil ihm die Arbeit zu schwer ist. D. weift nach, daß er kränklich und tatsächlich nicht in der Lage ist, schwere Arbeit ver richten zu können. Der Vertreter der Firma sagt zu. daß D. nur leichte Arbeit erhalten soll. Damit ist die Sache erledigt. Ter Schlosser H. von der Firma St. u. N. will einen Kriegs schein, weil er als kränklicher Mann schwere Arbeit nicht leisten kann. Es wird dem Schlosser aufgegeben, ein Attest beizubringen. und wenn dieses Attest seine Angaben bestätigt, erhält er den Kriegsschein. Ter Schlosser K. von der Firma A. E. G. in H. ist a l S Ma schinenschlosser reklamiert, wird aber als Reparatur schloss er besck ästig t. Die Beschwerde des Schlossers K. wird als berechtigt anerkannt. Ter Vertreter der Firma erklärt, daß K. in spätestens 14 Tagen seinem Wunsche gemäß in einer Kolonne als Maschinenschlosser beschäftigt wird. Damit ist die Angelegenheit geregelt. Der Dreher O. von der Firma W. will einen Kriegsschein; er erhalte zu wenig Lohn. Da jedoch bei derselben Arbeit andere Dreher erheblich mehr verdienen, wird der Kriegsschein abgelehnt, da augenscheinlich der geringere Verdienst nicht an den Preisen liegt, sondern daran, daß O. sich noch nicht eingearbeitet hat. Drei Dreher der Firma Schw.-M. sind seinerzeit von der Firma reklamiert. Es ist ihnen ein Verdienst von einer Mark und 45 Proz. Teuerungszulage zugesagt worden. Diese 45 Proz. Teuerungszulage sind später auf 60 Proz. erhöht, so daß der Stundenvcrdienst der Dreher zurzeit mindestens 1,60 M. betragen muß. Da jedoch mehrfach Iveniger verdient ist. verlangen die Dreher den Kriegsschein, weil die Firma ihr Versprechen nicht gehalten habe. Es wird der Firma aufgegeben, dafür zu sorgen, daß die Dreher bei jeder Arbeit mindestens 1 M. plus 60 Proz. Teuerungszulage verdienen. Wenn hei einer Arbeit mehr verdient wird als 1,60'M.. dann darf dies mit einer anderen Arbekt�bei der unter 1,60 M. verdient wird, nicht verrechnet werden. Die Firma sagt zu, entsprechend zu verfahren und in all den zurück- liegenden Fällen, wo so nicht gehandelt worden ist, den Ausfall nachzuzahlen. Damit ist der Tifferenzfall erledigt. Ter Revisor P. von der Firma St. in T. will einen Kriegs- schein: er erhalte zu wenig Lohn. Tie Firma ist der Meinung, daß P. nicht gelernter Arbeiter ist und deshalb nicbt mehr Lohn zu beanspruchen habe. Es wird jedoch festgestellt, daß P.�als Revisor durchaus selbständig arbeitet und infolgedessen auch auf Grund der allgemeinen Verdienste der Revisoren mehr Lohn zu beanspruchen hat. Da die Firma sich weigert, mehr Lohn zu zahlen, erhält P. den Kriegsschein. In der Sitzung am 15. Dezember hatte der K r i e g s a u S s ch u tz eine Angelegenheit zu e r l e d i- gen, die außerhalb der Metallindustrie lag, nämlich eine Differenz, die sich im Korbmacherberuf Berlins abgespielt hatte. Die Korbmacher, die Geschoß- körbe herstellen, haben vor einigen Wochen Lohnforderungen gestellt. Weil ihren Forderungen nicht entsprochen wurde, war es bereits zu einer Arbeitsniederlegung gekommen. Bei Inkrafttreten des Hilfsdienstpflichtgesetzes nahmen die Korbmacher die Arbeit wieder auf, um ihre Differenz entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen vor einem Ausschuß nach§ 9 des Gesetzes auszutragen._ Da aber bis jetzt noch kein Ausschuß nach 8 0 des Gesetzes konstituiert ist, hat das Kriegsarbeitsamt den Kricgsausschuß für die Metallbetriebe Grotz-Bcrlins ersucht, diesen Fall mit zu erledigen. Diesem Ersuchen wurde entsprochen. Bei der Beratung im Kriegsausschutz wurde folgendes festgestellt: Es verdienen die Korbmacher bei der� Herstellung von Geschoßkörben bei 51stündiger Arbeitswoche durchschnittlich 54 M. wödbentlich, soweit es sich um gelernte Arbeiter handelt. Ungelernte Arbeiter und Arbeiterinnen verdienen durchweg 35 M. Tie Unter- nehmer, die ihre Aufträge von Spandau erhalten, geben zu, daß die Anforderungen der Korbmacher an sich nicht unberechtigt sind. Sie, die Unternehmere, erhielten aber für die Geschoßkörbe selbst zu wenig, so daß sie nicht in der Lage seien, mehr Lohn zahlen zu können. Tie Unternehmer weisen an der Hand von zahlenmäßigem Material nach, daß ihre Angaben bei verschiedenen Arbeiten den Tatsachen entsprechen. Daraufhin beschloß der Kriegsausschuß, dem Kriegsarbeitsamt diese Tatsache mitzuteilen und das Kriegsarbeits- amt zu ersuchen, eine Sitzung der Vertreter der Unternehmer und Arbeiter des Korbmacherbcrufes unter Hinzuziehung der behörd- lichen Stelle aus Spandau einzuberufen, die die Lieferung �von Geschoßkörben ausgibt. Weiter soll das Kricgsarbeitsamt ersucht werden, die Sache so zu beschleunigen, daß diese Sitzung bereits in den nächsten Tagen stattfinden könne, um den Arbeitern so schnell wie möglich zu Helsen. Die anwesenden Unternehmer- und Arbeiter- Vertreter des Korbmacherberufs sind mit dieser Regelung einver- standen. (Es kann heute bereits berichtet werden, daß die oben als not- wendig erachtete Verhandlung mit einem Vertreter der Spandauer Behörde stattgefunden und folgendes Ergebnis zeitigte: Es wird für j ed.e n in Berlin hergestellten Ge- schoßkorb 10 Pf. mehr als bisher von der Militär- be Hörde bezahlt. Diese 10 Pf. sollen den Ar- heitern voll zugute kommen, und zwar in der Weise, daß die Gesamtsumme, die auf eine Werk- statt entfällt, und die sich ja nach der von der Werk- statt gelieferten Zahl von Geschoßkörben richtet, z u gleichen Teilen unter die Arbeiter der Werk- statt verteilt wird. Das Ganze ist also eine Teu- rungszulage. die die Militärverwaltung den Arbeitern und Arbeiterinnen zahlt.) Zwei Dreher von der Armeekonservenfabrik Spandau beschweren sich über zu wenig Lohn. Es wird festgestellt, daß die Dreher, die durchaus leistungsfähig sind, tatsächlich erheblich weniger Lohn be- kommen, als zurzeit allgemein üblich. Der Vertreter des Betriebes wird ersucht, veranlassen zu wollen, daß der Verdienst der Dreher der gegenwärtigen Zeit entsprechend erhöht wird. Den Drehern wird auf Mus Industrie und Handel. Fricdcnsaussichtcn steigen— Rüstungswcrte sinken! Börsen und Wilson-Botschaft. Für die Haussespekulation ist die von der restlichen Menschheit freudig begrüßte Weihnachtsbotschaft Wilsons eine schmerzliche Enttäuschung gewesen. Nach den Reden Prokowskys und Lloyd Georges war sie gerade eifrig am Werke, die Kurse zu treiben. Die New Yorker Mittwoch-Börse eröffnete auf die Unter- Haussitzung sehr fest, erlebte aber sodann eine regelrechte Deroute, da sie die Absichten Wilsons offenbar früher erfuhr. In Deutschland wußte man sich am Tonnerstag die flaue Haltung der New Dorker Börse so wenig zu erklären, daß die„Frankfurter Zeitung" annahm, Reuter hätte nach den Vereinigten Staaten einen anderen Text der Rede Lloyd Georges telegraphiert als nach Holland. In Berlin ließ man sich von der Haltung in New Dork nicht stören und setzte am Donnerstag die Kurse aller Rüstungswerte stark in die Höhe. Besonders die Aktien der Rheinischen Metall- und Maschinen-Fabrik(Reinmetall) und die Daimler Motoren- Werke zogen mächtig an, wobei bei der letztgenannten Gesellschaft die von uns schon frühzeitig erwähnte Hoffnung auf eine baldige Kapitalcrhöhung wirksam mitspielte. Um so verblüffter war die Berliner Finanzwelt, als das Wolff-Bureau am Freitag früh die ersten Auszüge der Wilson-Botschaft und die Erklärung Lansings verbreitete. Natürlich sanken a s l e R ü st u n g s- und M o n- tan-Papierö. Nur Haimler'hielten sich verhältnismäßig gut. In New Dork hat sich hie stzxrk�AhtpchAshewc�ung ber Kurse natür- lich auch am Donnerstag fortgesetzt. In der Panik fanden sie überhaupt keine Käufer mehr. Erst auf stark ermäßigtem Kstrs- Niveau zeigte sich Aufnahmebereitschaft. Nicht weniger als ,3 180 000 Aktien wurden umgesetzt, darunter 747 000 Aktien des Stahltrusts, von denen unter anderen ein Posten von 50 000 Aktien auf einmal auf den Markt geworfen wurden. Wie stark die Kursrückgänge sind, zeigen am besten das Beispiel vom Bethlehem-Steel Works und dem Stahltrust. Jene sanken von dem ungefähren Höchststande von 630 seit dem Beginne der„Friedenskrise" auf 475, diese von 126 auf 101 Dollars. Die stark gedrückte deutsche Währung hat sich im Aus- lande kräftig erholt. In New Dork erholte sie sich von ihrem tiefsten Stande, d. i. 65 Tollars für 400 Mark, auf 75 Dollars. Eine unangenehme Erscheinung des jetzigen deutschen Börsen- lcbens istdieverrückteHausseinsogenannten„Frie. denswerte n", das ist in den Aktien von Gesellschaften, denen man im Frieden eine gute Konjunktur voraussagt; dazu gehören insbesondere die Aktien der Deutschen Schiffahrtsgescllschaften. Die Börse cskomptiert(nimmt vorweg) die Gewinne, die die Schiff- fahrtsgesellschaften nach ihrer Meinung nach Friedensschluß erzielen werden, ohne sich im geringsten darum zu kümmern, ob die deutschen Sch�ffahrtsgesellschaften im Kriege nicht allzu schwere Verluste er- litten haben, ob die Uebergangswirtschaft mit dem Beginn ihrer Tätigkeit nicht noch recht weit hinausschiebt und ob sich schließlich nicht im Frieden der Frachtraum ebenso verbilligt wie er sich im Kriege verteuert hat. Sehr zur rechten Zeit erinnern die„Ham- burger Beiträge" an die Warnungen Ballins, die Kurse von Schiff- fahrts-Aktien-Gesellschaften nicht zu treiben. Deutsche Schiffahrtsgesellschaften sollen deutsch bleiben. Der Bundesrat hat den Verkauf von Aktien oder anderen Geschäftsanteilen deutscher Seeschiffahrtsgesellschaften an AuS- länder oder an Deutsche, die nicht im Deutschen Reiche wohnen, verboten, weil die Gefahr besteht, daß sich das Ausland einen ungebührlichen Einfluß auf diese Gesellschaften verschafft, die für den Wiederaufbau unserer Wirtschaft nach Friedensschluß von denkbar größter Bedeutung sind. Das Verbot erstreckt sich auch auf Verkäufe durch Mittelspersonen. Tie Schiffahrtsgescllschaften haben bereits aus eigenem An- trieb Bestimmungen über die Zusammensetzung des Vorstandes und Aufsichtsrates und über den Sitz der Gesellschaften getroffen, wodurch ein ungebührlicher Einfluß des Auslandes hintangehalten werden soll. Die deutsche Regierung hat diese Schutzmaßnahmen offenbar für ungenügend gehalten. Motiv mag gewesen sein, daß besonders Holland deutsche Schiffahrtsaktien gekauft hat, so daß sich z. B. an der Amsterdamer Börse ein Handel der Hamburg- Amerika-Linie entwickeln konnte. Verstaatlichung des englischen Wollhandels. Zur Sicherung des militärischen Bedarfs der Verbandsmächte hat die englische Regierung alle englische Wolle beschlagnahmt, für die sie um 35 Proz. höhere Preise zahlt als im Frieden üblich waren. Auch die neuseeländische und australische Wolle ist beschlagnahmt, der Preis ist 55 Proz. höher als 1914. Der freie Wollmarkt soll ganz aufgehoben werden. Darob große Entrüstung: „Zahlreiche Importeure, Großkaufleute und Kommissionäre werden aus dem Geschäfte vertrieben werden, die Industrie wird schwere Verluste erleiden und viele Jahre Friedensarbeit werden zu einem Wiederaufbau nötig werden." Liest sich genau so wie eine Jeri- miade über das angeblich gemeinschädliche Wirken der Zentral einkaufsgesellschaft._ Die Deutsche Bank errichtet in Sofia ein Filiale. Nr. 352 33. labwang. KeilU i>cs.lotüiiitls" finliiift VMlM. ZgNllbknd. 23. ümmber 1916. Die Verteilung öer Lebensmittel. Von RobertSchmidt. Zweieinhalb Jahre haben wir nun Zeit gehabt zu lernen. Aber immer noch zeigt die Verteilung der Lebensmittel Mängel, die auf eine unzureichende Organisation zurück- zuführen sind. Wir sind genötigt, bei dem Mangel an Kartoffeln nach einem Ersatz zu suchen. Dieser Ersatz kann nur in einer vermehrten Zuwendung von Nährmitteln aus Gerste, Hafer, Weizen bestehen. Es ist ganz selbstverständlich, daß die städtische Be- völkerung mit einem Quantum von 5 Pfd. Kartoffeln pro Kopf und Woche nicht auskommen kann, sondern eine Er- gänzung an Nährmitteln haben muß. Wie sieht es nun da- mit aus? Nach dem Verteilungsplan, den das Kriegs- crnährungsamt entworfen hat, sollen für Nährmittel 500000 Tonnen Weizen, 830 000 Tonnen Gerste und 370000 Tonnen Hafer zur Verfügung gestellt werden. Das würde insgesamt ein Quantum von 1 200 000 Tonnen ergeben. Rechnet man sehr ungünstig den Ertrag von Nährmitteln auSl diesem Material auf 66% Proz., so ergibt sich ein Quantum Nähr- mittel von 800 000 Tonnen. Diese Nährmittel werden auf ungefähr acht Monate zu verteilen sein, denn wir wollen damit rechnen, daß im Sommer der Bevölkerung an Frischgemüse und Frühkartoffeln ein Ersatz geboten wird. Notwendig wird es sein, diese Nährmittel in den Wintermonatcn in größeren Quantitäten zu verteilen, und langsam in den späteren Mo- naten mit der Ration herabzugehen. Würde man die Ver- teilung auf 65 Millionen der Bevölkerung vornehmen, so ergeben sich auf den Kopf der Bevölkerung pro Monat 1,53 Kilogramm Nährmittel. Rechnet man hierbei die Selbst- versorger ab, die mit einem geringeren Quantum bedacht werden können, da für sie aus der Eigenwirtschaft eine Ver- Wendung der Gerste sür Nährmittel möglich ist, so wird sich mit Leichtigkeit der Plan durchführen lassen, daß in den Wintermonaten ein Pfund pro Kopf und W o ch e fiir die städtische Bevölkerung verteilt werden kann. Leider ist nun die Verteilung, die bereits für den Monat Dezember notwendig gewesen wäre, noch nicht erfolgt, für Berlin sind nur zweimal 100 Gramm zur Ausgabe gelangt. Diese Verzögerung im KriegSernährungsamt ist ganz unverständlich, man vermißt an dieser Stelle den Eifer, der in dieser Situation nötig wäre. Gleich beklagenswert ist die Verzögerung in der Verteilung der Marmelade. Nach zuverlässigen Informationen sind die Bestände an Rübensaft, Kunsthonig und Marmelade ziemlich erheblich, so daß, wenn man diese Bestände auf 7 Monate verteilt, ein Quantum von 3Pfund proKopf und Monat der Bevölkerung gegeben werden kann. Leider ist man auch hier noch nicht über die Vorbereitung für die Verteilung hinaus- gekommen, obwohl in der Bevölkerung ein dringendes Bc- dürfnis nach Marmelade vorhanden ist. Man hätte erwarten sollen, daß wenig st ens zu Weihnachten die Bevölke- rung den so sehnlichst erwarteten Brotaufstrich erhält. In vielen Familien besteht nicht die Möglichkeit, Marmelade selbst einzukochen, weil die Hausfrau in die Fabrik eilt, um den Lebensunterhalt zu erwerben.— Für häusliche Arbeiten fehlt eben die Zeit. Sehr übel sieht cS nun mit der Verteilung aus. Soweit bisher kleine Bestäube herausgegeben sind, ist die Verteilung wiederum ganz in das Belieben der Gemeinde gestellt. Einige Gemeinden haben die Verteilung durchaus zweckmäßig durchgeführt, andere überlassen dies dem freien Handel und geben damit jede Kontrolle, wie die Ware an den Kon- fumenten gelangt, auf. Es kann nicht dringend genug ver- langt werden, daß diese unzweckmäßige Art der Ver- teilung aufgegeben werde. Es muß durch Verordnung den Gemeinden zur Pflicht gemacht werden, ein bestimmtes Verteilungssystem durchzuführen. Die Verteilung ist sehr einfach, wenn man eine allgemeine Lebensmittelkarte einführt, die fortlaufend numerierte Abschnitte enthält und nun durch Bekanntgabe der Gemeinde die Bevölkerung davon in Kenntnis gesetzt wird, welche Nahrungsmittel auf die Nummer des Abschnitts zur Verteilung gelangen. Sehr gut funktioniert die Einrichtung, wie sie auch in Berlin zur Durch- führung gekommen ist. daß der Käufer beim Kaufmann den Bezug der Ware vorher angeben mutz, und dieser meldet nun seinen Bedarf bei der Gemeinde an. Damit ivird eine Kon- trolle geübt, daß auch das überwiesene Quantum Ware zur Verteilung gelangt. Wird diese sehr einfache Art der Ver- teilung vorgenommen, so werden auch diejenigen zu dem Bezug der Ware kommen, die an die Arbeitsstätte gebunden sind und nicht von Geschäft zu Geschäft laufen können, um den Versuch zu unternehmen, niöglichsr viel in Besitz zu bc- kommen. Selbst bei kleinen Quantitäten ist die Verteilung so möglich, daß nach Nummern zunächst ein Teil der Bevölkerung versorgt wird, und bei der nächsten Lieferung die Reihenfolge fortgesetzt wird. Wie mangelhaft die Verteilung noch immer ist, ergibt wieder die unglückliche Art, wie die Gemüsekonserven jetzt vor Weihnachten zur Verteilung gelangt sind. Wäre hier die Abgabe auf eine Lebensmittelkarte erfolgt, so wäre der Ankauf auf eine größere Zahl von Käufern verteilt worden, während so mit Schnelligkeit die ganzen Bestände, die freigegeben waren, vom Markt verschwunden sind, und natürlich diejenigen, die ani eifrigsten zugreifen, die größten Quantitäten bekamen. Tie Reichsstellc verfügt die Freigabe und die Gemeinden erhalten erst durch die Veröffentlichung Kenntnis. Tie Ver- teilung darf aber heut nicht erfolgen nach der Schnelligkeit mit der dieser oder jener die Situation auszunützen versteht, sondern unter Berücksichtigung der Zahl der Familicniiiitglicder. Uebrigens sei bemerkt, daß auch m den Betrieben der R ü st u ngsindustrie die Klagen nicht verschwinden, daß eine wenig gleichmäßige Verteilung der besonderen Zu- Wendungen vorgenomnien wird. Auch hier wäre eS dringend notwendig, daß diejenigen, denen die Vergünstigung zu teil! werden soll, auch berücksichtigt werden, und nicht vorweg� Waren von denjenigen mit Beschlag belegt werden, für die sie! gar nicht bestimmt sind.* Durch alle diese Fehler in der Lebensmittelversorgung kommen wir in größere Schwierigkeiten, als bei einer peinlichen Ordnung und Regelung, wie wir sie heute notlvendig brauchten. Das Kriegsernährungsamt muß sich endlich von der Idee freimachen, als ob seine Aufgabe erfüllt wäre, wenn die vor- handenen, in öffentlicher Bewirtschaftung befindlichen Waren an die Kommunalverbände verteilt sind. Tie Klagen aus vielen Gemeinden bestätigen immer wieder, daß hier die Ab- gäbe an den Konsumenten ganz ungeregelt ist und damit Recht viel Erbitterung und Unwillen über diese Nachlässigkeit und den Mangel an sozialem Empfinden hervorgerufen wird. Am schwersten haben darunter diejenigen zu leiden, die tagsüber einer Beschäftigung nachgehen müssen, denen der Einkauf und das Herumjagen nach Lebensmitteln ungeheuer erschwert wird. Dieser KreiS der Bevölkerung hat aber vor allen Dingen einen Anspruch auf Versorgung, die nicht anders sichergestellt werden kann, als durch einen Zwang aus die Gemeinden, daß sie ein bestimmtes RationierungSsystem auf alle Waren zur Durchführung bringen. politische Ueberflcht. Bethmann und Scheidemann. Eine„f o r t b e st e h e n d e L a g e". Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: „Neuerdings begegnen wir wiederHollen LZersucheu in der Presse, aus Artikeln oder Reden des Abg. Scheidemann eine be- sondere Bertrauensstellung desselben zum Reichskanzler oder doch wenigstens eine Jdeengemeinschaft beider, namentlich in bezug auf die ftriedensziele, herzuleiten. Dabei waltet anscheinend die Ab- sicht vor, den Reichskanzler zu veranlassen, seine Stellung zu bestimmten Kriegszielforderungen einzelner Parteien öffentlich darzulegen. Was jeweilig über die Friedeiisziele gesagt werden konnte, hat der Reichskanzler in allgemeinen Umrissen öffentlich im Reichstage kundgegeben. Als er sich bei der letzten politischen Aussprache im Hauptausschutz des Reichstags zu programmatischen Dar- legungcn von Ausschutzmitgliedern über ihre Kriegs- ziele, insbesondere der Abgeordneten Scheidemann und Gröber, äntzerts, betonte er unter ausdrücklicher Bezugnahme auf seine Reden in den Vollsitzungen des Reichstags, datz, wenn er zu einzelnen ihrer Ausführungen schweige, dies weder als Zustimmung noch als Ablehnung gedeutet werden dürfe. Diese Lage besteht, wie wir ausdrücklich feststellen wollen, auch jetzt noch fort." In einer alten Zauberposse unternimmt ein Sohn wieder- holte Versuche, den Geist seines Vaters zu beschwören und ihn über verschiedene diskrete Familienangelegenheiten aus- zufragen. Die Beschwörung gelingt selten, wenn aber der Geist dennoch erscheint, muß sich der neugierige Sohn mit der stehenden Antwort zufrieden geben:„Ich bin dein Vater Zephyscs und sage dir nichts als diescS". Diese Lage„besteht auch jetzt noch fort" im Verhältnis zwischen den Alldeutschen und Herrn v. Bethmann. Der bewußte Sohn ist denn auch wieder recht unzu- frieden. Er schreibt in der„Deutschen Tageszeitung":.. so muß durch die ausweichende Erklärung der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" der Eindruck verstärkt werden, daß die Regierung entweder nicht die objektive Möglichkeit oder nicht die Kraft habe, den Abgeordneten Scheidemann zu desavouieren. Zu welchen Folgen dieser bedauerliche Tat- bestand führen muß, haben wir gestern mit hinreichender Deutlichkeit gesagt." Zur selben Scheide mann: Soweit meine Angelegenheit schreibt uns Genoffe Person in Betracht kommt, bestätigt die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" nur, was ich selbst schon vor mehreren Wochen öffentlich erklärt habe: Wenn ich der Vertrauensmann mächtiger Männer wäre, so würde ich nicht so geschmacklos oder dumm sein, es zu sagen. Allerdings müsse ich mir das Recht vorbehalten, aus Kundgebungen des Reichs- kanzlers meine Schlüsse zu ziehen. Ich habe in einer der Versammlungen, die ich kürzlich in rheinisch-westfälischen Städten abgehalten habe, erklärt, daß ich offensichtlich bei diesen meinen Schlußfolgerungen mich als der bessere Logiker erwiesen hätte. Beweis dafür ist Wohl das Friedensangebot der Zentralmächte. Der Vorstand der sozialdemokratischen Partei hat eine Petition in Umlauf gesetzt, in der unter entschiedener Ablehnung aller Erobcrungs- a b s i ch t e n in Uebereinstimmung mit den Beschlüssen der sozialdemokratischen Rcichstagsfraktion und des Parteiaus- schusses ein Frieden verlangt wird, der sicherstellt I. die terriwrialc Unversehrtheit des Reiches, 2.-die politische Selbständigkeit des Reiches, 3. die wirtschaftliche SntwickelungLfreiheit des Reiches. Damit vergleiche man die in dem Friedensangebot der Zentralmächte, in der Rede des Reichskanzlers und in der Mitteilung an den Papst aufgestellten Friedensbedingungen, und man wird finden, daß es sich um die gleichen, wenn auch in anderen Worten formulierten Forderungen handelt. Sie verlangen, daß sichergestellt wird: t. das Dasein des Reiches; 2. die Ehre des Reiches; 3. die Entwickelungsfreiheit des Reiches. Weiter: Daß ich mit meinen Behauptungen ganz beson- dcrs in bezug auf einen F r i e d e n m i t Frankreich das Richtige getroffen habe, icheint mir absolut unanfechtbar zu sein. Frankreich kann meiner unerschütterlichen Ueberzeugung entsprechend sofort einen seine nationale Ehre nicht im geringsten berührenden Frieden haben. Ich habe schon im Reichstag öetont, daß der Reichskanzler nur e i n in a l von Frankreich gesprochen hat. Und was hat er damals gesagt? Er anerkannte ausdrücklich die Tapferkeit der französischen Soldaten; jene traditionelle Tapferkeit, die sich auch glänzend bewahrte, als Napoleon seine Truppen gegen die Engländer führte zu Schlachten, die Lloyd George jetzt mit denen gleich- stellte, die die„Truppen Wilhelms II." führen. Ich bitte, es mir nicht als Unbeschcidenhert zu deuten, wenn ich mich heute auf Herrn Prof. Hans Delbrück beziehe, der im Dezember-Hcst der„Prcuß. Jahrbücher" folgendes göschrieben hat: „Ter sozialdemokratische Abgeordnete Scheidemann hat sich das Verdienst erworben, als Friedensformel auszustellen: Was deutsch war, soll deutsch bleiben, waö französisch war, soll franzö- fisch bleiben, was belgisch ist, soll belgisch bleiben..,, Was bedeutet alles das Geschrei der in und hinter der „Deutschen Tages-Zeitung" kämpfenden Daheimkrieger gegen- über der Autorität des in der ganzen Welt bekannten und ge- achteten Historikers Delbrück? Im übrigen: alles, was ich geschrieben oder gesagt habe. war diktiert von der guten Absicht, dem Frieden zu dienen, dem dauernden Frieden, der nach meiner Ueberzeugung nur erreicht werden kann auf Grund einer V e r st ä n d i- gung u Itter den kriegführenden Mächten." Konservative Verräter an Bismarcks Erbe. Die„Kreuzzeitung" veröffentlichte am Freitagabend den zweiten Teil ihrer schon besprochenen Schmähschrift gegen das H i l f s d i c n st g e s e tz. Sie spricht von einem„Stprmlaus gegen die ReichSversassung",„abgeschmackten und unwahrhaftigen Begründungen",„zitterndem Jubel der Reichsgouveruante tu Frankfurt",„Einbruch in die innerste Zitadelle des alten stolze» Bismarckbaus",„uiwerständigem IN achtdrang",„Degradieruug des Bundesrats" und„parlamentarischer SlegeSallre",«Aufsaugung der Regterungsgewalt durchperantwortungSloseParlamentSkonventikel", „kampfloser Preisgabe anvertrauten Gutes"(durch den Bundesrat), „rücksichtsloser Herrschsucht der Demokratie", und bringt es dann zu dem Kcrnsatz:„Wenn cS so weiter geht wie bisher, wird der Bundesrat mehr und mehr zu einem b c r f a s s u n g s r e ch t- l i ch e n Blinddarm. Und der Blinddarm reizt bekanntlich zur Amputation." Zum Schluß mahnt sie alle,„die sich nicht von den Herren Schda, Hautzmann und Tittmann regieren lassen wollen", warnend ihre Stimme zu erheben: Damit uns nicht das grausame Geschick ereile, datz wir den Sieg nach außen, den unS das Hindenburggesetz verbürgt, mit der Niederlage des Staates im Innern bezahlen. Davor behüte uns der Geist und Segen dessen, auf dessen machtvollen Schultern wir noch heute stehen! Sein Erbe verteidigen wir heute nach außen. Wollen wir dieses Erbe unterdctz daheim verraten? Nach alledem mutz man sich nur wundern, datz die Konserva- tiven für das Hilfsdienstgesctz stimmten, und damit die schon gewohnte Symmetrie der Abstimmung— äußerste Rechte, äußerste Linke— störten. Aber dafür müssen sie sich jetzt in der„Kreuz- zcitung" als„Verräter an Bismarcks Erbe" abmalen lassen! Die Rechte der andern. In seinem„Größeren Teutschland" zitiert der Abg- B a c m e i st c r den Satz der deutschen Friedensuote: „SteiS haben sie(die vier verbündeten Mächte) an der Ueber- zeugung festgehalten, datz ihre eigenen Rechte und begründeten Ansprüche in keine ni Wideripruch zu den Rechten der anderen Nationen stehen." Herr Bacmeister knüpft an diesen Satz folgenden etwas trübsinnigen Kommentar: Solche Sätze, wie sie in der Kundgebung deS Kanzlers vom 12. Dezember vorkamen, stehen in klarstem Gegensah zum Wesen der Machtpolitik. Worauf dem Boden dieser Polilik steht. vermag n i cki t anzuerkennen, datz unsere„begründeten Ansprüche in keinem Widerspruch zu den Rechten der anderen Nationen stehen". So haben wir unS den begründeten Anspruch aus eine starke Stellung an der flandrischen Küste in diesem Kriege erobert; wir können diesen Anspruch als durch die Erfahrungen des Krieges klar begründet erweise». Und doch können lv i r nicht g n t bestreiten. datz e r inr Widerspruch steht zu dem formellen Recht des belgischen StaareS. Ist unser Anspruch auf die belgische MaaSlinie, aus daS Erzbecken von Brich, auf Kur- land nicht durchaus begründet, begründet durch die Machl- Verschiebungen während deS Krieges und durch die gewonnene Erfahrung? Und doch steht dieser Anspruch in schroffem Widerspruch zu den Rechten anderer Nationen. Woraus hervorgeht, daß einerseits Herr Bacmeister, der „Machtpolitiker", nicht auf dem Boden des deutscheu Friedens- angebotes steht, und daß andererseits die Note der Mittel- mächte mit alldeutschen Machtansprüchen nichts zu tun hat. Brauche» wir auch Marseille? Am letzten Sonntag war alldeutsche Versammlung in Stuttgart, und da mau hochwichtige Staatsangelegenheiten zu erörtern hatte, war sie natürlich vertraulich. Trotzdem konnte der„Beochachter" darüber folgendes berichten: Der Vorsitzende des Verbandes, Rechtsanwalt C l a tz(Mainz) hielt eine Rede, Schwarz in Schwarz: Der Krieg darf nicht ab- gebrochen nicrdcn, ehe nicht Calais und Marseille in deutschem Bc- sitze sind. Sobald die englische Antwort(auf daö FciedcnSaiigebol) eingetroffen ist, wird der Alldeutsche Berband mit einer Flugschrift zu agitieren beginnen, in welcher die Forderungen des Verbandeö vertreten und der RcichSregierung der Prozeß� gemacht wird. Schon jetzt wurde eine neue Broschüre verteilt, in welcher ver- langt wird, datz entweder Falkenhayn oder Tirpitz an die Spitze der Regierung berufen werden müsse. Gegen den Reichskanzler und Staatssekretär Dr. Hclfferich wird in weg- werfen dsiem Tone polemisiert. Die Richtigkeit dieses Berichtes Ivird von alldeutscher Seite bestritten. Wir wissen also nicht, ob wir außer Calais, was ja eine ausgemachte Sache ist, auch Marseille haben müssen. DaS muß unbedingt aufgeklärt werden! Die Kriegszielc des FlotteuvercinS. Der Flottenverein veröffentlicht jetzt seine am ici. Juni d. I beschlossenen Kriegsziele. Das Schrislstück ist sehr lang, es genügt aber zu wissen, datz die dauernde Besitznahme der f I a n d r i s ch e n Küste und deS belgischen Landes gefordert wird, weil hier der Schlüssel zu Deutschlands Zukunft liegt. Ferner kann die Frei- heil der Meere nur aus der Möglichkeit erwachsen, England selbst anzugreifen, weshalb gleichfalls mit Belgien Schluß gemacht werden mutz und zwar„ohne sentimentale Anwandlungen". Sicherungen an der Westgrenze wie an der Ostgrenze sind auch notwendig, aber da dies eine Angelegsiiheit der Landratten ist, hält sich der Verein in dieser Frage nicht für kompetent.— In anderen glaubt er es wohl zu sein. Tie Hilssdienstausschüffe. Tie Einrichtung der Ausschüsse, die nach 8 9 des Gesetzes über dm Vaterländischen Hilfsdienst vom 5. Dezember 1916 über die Erteilung vom Arbeitgeber verweigerter Abkehr- scheine zu entscheiden haben, wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Deshalb bestimmt eine Verordnung, die vom Bundesrat mit Zilstiinmiing des gemäß Z 19, Abs. 1 des Gesetzes ge- wählten Reichstagsausschusses am 21. Dezember 1916 erlassen worden ist, daß die ObliejZenheiten dieser Ausschüsse zunächst, solange sie selbst noch nicht in Tätigkeit treten können, durch v o r I ä u f i g e A u s s ch ü s s e wahrgenommen werden. Die vorläufigen Ausschüsse werden in derselben Zusammensetzung wie die endgiiltigen nach Bedarf von den Stellvertretenden Generalkommandos errichtet; von der Einholung on Vor- schlagslisten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer kann bei ihnen iiu Interesse möglichst beschleunigten Zusammentretens Ab- stand genommen werden. Anstelle der vorläufigen Ausschüsse können bestehende Ausschüsse(Kriegsausschüsse usw.), die schon bisher die gleichen Funktionen ausgeübt haben, mit Zustim- mung der Stellvertretenden Generalkommandos ihre Ob- liegenheiten übernehmen. Spätestens bis zum 1. Februar sollen die o r d e n t° lichen Ausschüsse überall eingerichtet sein; mit diesem Tage tritt deshalb die Verordnung außer Kraft. Ministerium Clam-Matinitz. Tie Berufung eines tschechischen Feudalen zum öfter- reichischcn Ministerpräsidenten wird damit erklärt, daß der Graf mehr Oesterreicher als Tscheche sei und durch Front- erfahr un gen die Notwendigkeit gewisser staatlicher Re- formen eingesehen habe, die die Deutschen angeblich wünschen. Daher sind auch zwei Parteigänger des deutsch-bürgerlichen Nationalismus, v. Bacrnreither und Dr. llrban, in das Mi- nisterium eingetreten, der eine als deutscher Landsmann- minister, d. h. als Minister zur Vertretung der nationalen Bedürfnisse der Teutsch-Oesterrcicher, und der andere als Handclsminister. Von dem Ministerium wird weiter berichtet, daß es die wichtigsten Gesetze— A u s g l e i ch m i t U n g a r n, R c g e- lu n g der S p r a ch e n s r a g e— aus parlamentarischem Wege durchsetzen wolle. Nicht das Gleiche wird von seinen Absichten über die Sonderstellung Galiziens be- hauptct. Ob sich das Ministerium vorläufig mit einigen Re- serenzen vor dem parlamentarischen Gedanken begnügt oder das Parlament wirklich als ein unentbehrliches Instrument der Politik betrachtet, läßt sich noch nicht sagen. Ter tschechische Verband hält sich in vorsichtiger Reserve und hat beschlossen, gegenüber der neuen Regierung keinen definitiven Standpunkt einzunehmen. Das Verbands- Präsidium soll den Ministerpräsidenten erst um Auskunft über seine Absichten ersuchen. Der Verband ist der Ansicht, daß die Arbeitsfähigkeit des Abgeordnetenhauses durch eine gemein- same Aussprache der Parteien zu erzielen wäre und daß bei einer Reform der Geschäftsordnung an den in einem Sonder- ausschuß fertiggestellten Entwurf der letzten Sitzungsperiode angeknüpft werden kann. fin die vom Militärdienst zurückgestellten (reklamierten) Arbeiter und Angestellten!) Turch einen vom KricgZamt im Reichstage bekanntgegebenen Erlaß an die Stellvertretenden Generalkommandos ist angeordnet, daß die Reklamierten den Bestimmungen für den Vaterländischen Hilfsdienst unterliegen und unter denselben Voraussetzungen wie alle anderen dem Gesetze unterstehenden Arbeitnehmer die Arbeits- stelle zu wechseln berechtigt sind. Nach Mitteilungen, die dem ftricgsamt zugegangen find, soll es vielfach vorgekommen-sein, daß Reklamierte, dle'enkfernt von ihrem Heimatsorte beschäftigt wären, unter Berufung auf den Erlaß einfach die Arbeit niederlegten, um nach ihrem Heimatsorte überzusiedeln, um dort Beschäftigung anzu- nehmen. Ein solches Verfahren ist unzulässig und kann nicht nur die Wiedereinziehung der Reklamierten zum Heere, sondern auch ihre Bestrafung nach sich ziehen. Die Reklamierten müssen genau wie alle anderen Arbeitnehmer, wenn sie die Arbeitsstelle wechseln wollen, von dem Unternehmer die Erteilung eines Abkehrscheins verlangen. Weigert sich der Unternehmer, den Abkehrschein aus- zustellen, dann kann der nach 8 9 des Gesetzes betreffend den Vater- ländischen Hilfsdienst zu errichtende Ausschuß angerufen werden. Kann der Reklamierte nachweisen, daß ein wichtiger Grund zum Ausscheiden aus dem Betriebe vorliegt oder er insbesondere durch den Arbeitswechscl eine angemessene Verbesserung der Arbeitsbe- dingungen in einem anderen, dem Vaterländischen Hilfsdienst unter- stellten Betriebe, erreichen kann, dann mutz der Ausschutz ihm den Abkehrschein erteilen. Im letzteren Falle mutz er angeben können, in welchem Betriebe und zu toelchem Lohne er in seinem Hcimats- orte Beschäftigung finden kann. Tie zur Entscheidung über den Abkehrschein berufenen Aus- schüfse sind vielfach noch nicht errichtet. Die Stellvertretenden Generalkommandos sollen aber mit größter Beschleunigung überall solche Ausschüsse einsetzen. Im Interesse der Reklamierten liegt es, die gesetzlichen Bestimmungen zu beachten und wenn der Abkehr- schein ihnen vom Unternehmer verweigert loird, zu warten, bis der Ausschutz seine Tätigkeit im Bezirke ausnimmt. Wer dieses nicht genau beachtet, hat sich selbst es zuzuschreiben, wenn ihm Nachteile erwachsen. Tic Gcncralkommission der Gewerkfchaftcn Teutschlands. E. Legion. Gcsauitvcrbanb der christlichen Gewerkschaften Teutschlands. A. Stegerwald. Verband der Tcutschcn Gcwerkvereine(H.-T.). G. Hartmann. Polnische Berufsvereinigung. I. Rhmer. Arbeitsgemeinschaft der kaufmännischen Verbände. Eisncr. Arbeitsgemeinschaft für einheitliches Angestelltcnrccht. G. Aufhäuser. Arbeitsgemeinschaft für die technischen Verbände. Dr. Höfle. vaterländisther Hilfsdienst. Aufruf an die in Schiffahrts- und Hafcnbetricben beschäftigten Personen zur freiwilligen Meldung gemäß 8".Abs. 2 des Gesetzes über den vaterländischen Hilfsdienst. Es ist dringend notwendig, daß die Eisenbahnen j)urch vermehrte Inanspruchnahme der Binnenschiffahrt eine größtmögliche Entlastung erfahren. Diesen Zweck müssen die Kräfte, die auf Grund des Gesetzes für den vaterländischen Hilfsdienst zur Ver- fügung stehen, in erster Linie dienstbar gemacht werden. Es ergeht daher an alle hilfsdienstpflichtigen, nachstehend verzeichneten, in Schiffahrts- und Hafenbetrieben tätig gewesenen Personen, die zurzeit ihren Beruf nicht ausüben oder nichts i�n einem kriegswirtschaftlichen Betriebe beschäf- t i g t f i n d, die Aufforderung zur sofortigen freiwilligen f ch r i f t- lichen Meldung bei der 5tricgSamtstelle Berlin im Bezirk des Oberkommandos in den Marken, Viktoriastratzc lli. Die Meldungen müssen enthalten: a) Vor-' und Zuname,' d) Geburtsort,-tag und-jähr, c) Wohnort, Straße und Hausnummer, ä) Letzte Beschäftigungsstellc, e) Beschäftigungsart. In Betracht kommen: Kapitäne, Schiffsführer, Steuerleute, Motorbootführer und Maschinisten, Bergungsfachleute, Fischer, Heizer, Flösser, Terner, Matrosen, Schiffer, Schiffsmaschinisten, ?tufwartepersonal, Kanalschleuser, Brücken- und Fährpersonal, Treideldienstbeamte, Treideldienstpferdetreiber, Umschlag-, Lagerhaus- und Kaischuppenbeamte, Verwalter, Aufseher, Vorarbeiter, Schauerleute, Stauer, Zähler und Arbeiter, Kranführer für elek- irische und Dampfbetriebe einschließlich Hoch- und Schwebebahnen, Elcvatorfllhrer, Schiebebühnenführer, Transportgeschäftsinhaber, kaufmänische und technische Geschäftsführer und Angestellte. Berlin, den 22. Dezember 1916. Der Oberbefehlshaber in den Marken. gez. v. Kessel, Generaloberst. /tos öer Partei. Stelluugnahme der Parteiorganifationeu zum Hilfsdieustgesetz. , Zwei gutbesuSte Mitgliederversammlungen in Garden und in A l t- K i e l erklärten nach Referaten des Genossen Legten mit erheblicher Mehrheit, das Gesetz sei unter den gegenwärtigen Umständen notwendig; die Haltung der iofialdemokratischen Fraktion zu diesem Gesetz sei zu billigen. Den Gewerkschaftsvertretern wurde Dank dafür ausgesprochen, daß sie die Härten des Gesetzes ge- mildert und für erträgliche ArbeiiSverbältniffe unter dem Gesetz ge- sorgt hätten. Eine Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins in Königsberg billigre nach einem Referat des Genossen H a a s e die Ablehnung des Hilfsdiensigeietzes durch den Abgeordneten des Kreises, Genossen Haase._ Soziales. Neue Beitragsmarken für die Invalidenversicherung. Durch das Gesetz, betr. Renten in der Invalidenversicherung. vom 12. Juni 1916, das die Herabsetzung der Altersgrenze für den Bezug der Altersrente, eine Erhöhung der Invalidenrente für Empfänger mie mehr denn fünf Kindern und eine geringe Ver- besserung der Hinterbliebenenhezüge brachte, sind auch die Invaliden- Versicherungsbeiträge um 2 Pf. erhöht worden. Sie stellen sich vom 1. Januar 1917 an auf 18. 26, 34, 42 und S9 Pf. Vom 1. Januar ab sind ausschließlich neue Marken zu verwenden. Die neuen Marken sind für die Lobnklasie I in rotem Drucke, für die Lobnklasie II in blauem Drucks, für die Lobnklasie III in grünem Drucke, für die Lohnklosie IV in roibraunem Drucke, für die Lohnklasse V in gelbem Drucke hergestellt. Wie bisher werden Marken für eine, für zwei und für dreizehn Wochen verausgabt. Für Zwecke der nachträglichen Beitragsleistung sind für die bor dem 1. Januar 1917 liegenden Zeiten die alten Marken zu ver- wenden. Dieselben werden bis zum 1. Juli 1917 bei der Post noch erhältlich sein, von da ab nur bei den Versicherungsanstalten. Bis zum 31. Dezember 1918 können alle Marken bei den Markenverkaufsstellcn(Post) unter Berücksichtigung des veränderten Geldwertes umgetauscht werden. Die Zusatzmarken im Geldwerte von 1 M. behalten ihre Gültigkeit uud sind auch für die Zeit nach dem 1. Januar 1917 weiter verwendbar. Die Organisation des Arbeitsmarktes. TV. C. Mit Rücksicht auf die Zeit der Uebergangswirischaft vom Krieg zum Frieden verlangt Landesrat Dr. Freund, es müsse mit aller Energie daran gearbeitet werden, daß bis zum Friedensschluß ein dichtmäschiges Netz öffentlicher, allgemeiner Arbeitsnachweise über das ganze Deutsche Reich ausgebreitet sei. Dieses Verlangen ist nicht allein mit Rücksicht aus die Uebergangswirtschast, sondern schon mit Rücksicht aus die Kriegswirtschaft zu stellen. Denn wie soll das Kriegsamt seine Aufgabe erfüllen, wenn an den einzelnen Orten das Angebot und die Nachfrage auf dem Arbeits- markt nicht übersehen werden kann. Schon seit zwanzig Jahren wird der Ruf nach dem dichten Netz von Arbeitsnachweisen in Deutschland erhoben, aber gar viele Umstände haben dazu mit- gewirkt, daß wir bis zum Kriege noch nicht entfernt dem Ziele nahe kamen. Als dann der Krieg ausbrach, wurde alSbald wieder aus die dringende Notwendigkeit einer guten Organisierung des deutschen Arbeitsmarktes hingewiesen. ES wurden auch einige Schritte unter- nommen, die aber die Lösung der Ausgabe nicht bewirken konnten. Die Lösung der Aufgabe hat nämlich eine Voraussetzung, die immer und immer wieder übersehen oder unterschätzt wird. Die Arbeitsnach- nachweise können nur nützlich funktionieren, wenn eine gute Arbeits markt-Berichter stattung vorhanden ist. Gut heißt in diesem Fall vor allem für Arbeiter und Arbeitgeber brauch- bar. Auf die Ausgestaltung der Berichterstattung hat' man bisher viel zu wenig Wen gelegt. Die Berichterstattung, wie wir sie heute haben, ist praktisch unbrauchbar. In dieser Beziehung hat auch die Schaffung des„Arbeitsmarkl-Anzeigers" wenig geändert. Eine brauchbare Arbeitsmarkt-Berichterslatlung mutz das Angebot und die Nachfrage nicht für einen längeren Zeilraum, sondern an be- stimmten Stichtagen erfassen. Die' Erfassung und Veröffentlichung von Angebot und Nachfrage mutz aber für die einzelnen Stichtage so rasch erfolgen, daß auf Grund des sich ergebenden Materials die Arberter und Arbeitgeber ihre Dispositionen vornehmen können. Das ist bei der heutigen Art der Berichterstattung teilweise ganz unmöglich, teilweise sehr erichwert. Solange wir nun leine bessere und namentlich raschere Berichterstattung haben, solange wird auch eiu dichtes Netz von Arbeitsnachweisen keine durch- greifende Besserung herbeizuführen vermögen. Organi- siercn allein tutS eben nicht, kann im Gegenteil eine unnütze Kraft- und Zeitverschwendunti bedeuten. Wenn wir eine gute Arbeitsmarkt-Berichterstattung haben wollen, dann müssen alle größeren Orte und bis zu einem gewissen Grade auch das platte Land in die Berichterstattung einbezogen werden. Dazu ist natür- lick eine Organisation der Arbeitsnachweise nötig. Die Bericht- erstattung darf sich aber keineswegs nur auf den Verkehr an den öffentlichen Arbeitsnachweisen beschränken. sondern alle Nachweise, vor allem auch die_ gewerblichen und die Arbeiterannahmestellen der großen Betriebe, müssen zur Berichterstattung herangezogen werden. Das Kriegs- amt hätte sicherlich die Macht, eine solche Berichterstattung, zunächst für seine eigenen Zwecke zu schaffen, aber es will unS fraglich erschemen, ob man dort die wirtschaftliche Not- wendigkeit einer solchen Berichterstattung bereits erkannt hat. Die Organisationsarbeit als solche beansprucht die leitenden Personen in einer Weise, daß sie darüber den wirtschaftlichen Kern vergessen können. Die Folge ist, daß der Schaffung einer brauchbaren Arbeitsmarkt-Berichterstattung nicht entfernt der Wert beigelegt wird, der ihr tatsächlich zukommt. ES liegt hier die gleiche Erscheinung vor, wie auf anderen Gebieten der Wirtschafts- künde. Was würden wir heute darum geben, wenn wir eine brauchbare Erntestatistik hätten? Die ganze Verteilungspolitik steht trotz aller organisatorischen Maßnahmen auf einer gänz- lich unsicheren, ja sortgesetzt schwankenden Basis. Warum? Weil wir die wirtschaftlichen Tatsachen nicht kennen, weil wir nur mit ziemlich vagen Annahmen rechnen müssen. Würden wir schon vor dem Kriege der Ermittelung der wirklichen Verhältnisse des Wirtschaftslebens den Wert beigelegt haben, den sie verdient, so würden uns viele Schwierigkeiten erspart geblieben, viele Fehler würden vermieden worden sein. So liegen die Dinge auch aus dem Gebiete deS Arbcilsmarlles: ohne eine gute Arbeitsmarkl-Berichlcrstatiullg kann man keine erfolgreiche Arbeits- Marktpolitik treiben._ Unsoziales Versicherungsrecht. In bestimmten Fällen können die Krankenkassen Krankenhaus« pflege gewähren. Nach dem bisherigen Recht bestand eine Ver- pflichtung zu solcher nicht. Um die Kauen mehr auf diese Pflicht hin- zuweisen, schreibt§ 184 der ReichSversicherungsordinmg vor, daß die Kasse u. a. dann, wenn der Zustand eines Erkranken Krankenhaus- pflege erfordert, diese möglichst gewähren soll. Einem an Lungen- entzimdung erkrankten Lehrling wollte die zuständige Krankenkasse die Krankenhauspflege nicht gewähren, obwohl nach ärztlichem Zeugnis diese Krankenhausbehandlung erforderlich toar. Aus leinem Wege ist zu erreichen gewesen, daß das von ihr erfüllt wurde, was sie nach den Vorschriften des Gesetzes tun ioll. Schon früher hat die Rechtsprechung sich auf den Standpunkt gestellt. daß im Spruchveriabren durch die Instanzen der Arbeiterversicherung eine solche Verpflichtung der Kasse nicht auserlegr werden kann. Aber auch im Aussichtswege hat sich nicht ermöglichen lassen, die Kaste zu dieser Krankenbauspflege zu veranlassen. Das Versicheinngsamt als Auf- sichlsbehörde halte den Kastenvorstand bei Vermeidung einer Geld» strafe von 19 M zur sofortigen Ilebernahmc der Krankenhauskostcn angehalten. Aus Beschwerde der Kasse hatte das Oberversicherungs« amt dieser Beschwerde stattgegeben. Auch das ReichSvcrsicherunas- amt hat sich jetzt auf den Standpunkt gestellt daß ein Ein- greifen der Aussichtsbehörde in diesem Einzelfall rechtlich nicht begründet sei. Aus der Entstehungsgeschichte der fraglichen Vorschrift der Reichsversicherungsordnung laste sich ein solcher Zwang gegen die Krankenkasien nicht herleiten. Versicheiunas- leistungen, zu denen die Durchführung eines Heilverfahrens in einem Krankenhause gehöre, könnten den Versicherungsträgern nur durch Verurteilung im Spruchverfahren auserl?gt werden. Da aber im Spruchverfahren in Fällen der vorliegenden Art eine Verurteilung nicht zulässig sei, entfalle für die Versicherunasbehörden jede Mög- lichkeit, die Krankenkasse im Einzelfall zur Uebernahme des Heil« Verfahrens anzuhalten. Zwar habe in der Reichstags- kommtssion bei der Beratung dieser Vorschrift der Wunsch bestanden, die Kasten. mehr als bisher zu binden. Es seien aber die Hemmungen, die aus der Beschränkung der allgemeinen Befugnisse der Aufsichtsbehörde der Durchführung dieses Wunsches erwachsen, in ihrer vollen Tragweite nicht bin- reichend gewürdigt worden. Das habe nun zu dem allerdings kaum erwarteten Ergebnis geführt, daß durch die neue Fassung des Gesetzes gegenüber der früheren Rechtslage Wesentliches nicht ge- ändert sei. Die Kasten hätten nur die allgemeine Weisung erhalten. in allen notwendigen Fällen Krankenhauspflege zu gewähren und diese Weisung sei ihnen in besonders dringlicher Form nahegebracht worden. Diese Rechtslage ist eine überaus unerfreuliche, und es ist dringend zu wünschen, daß bei einer Aenderung der Reichsversiche- rungsordnung auch dieser Punkt eine derartige Regelung erfährt, daß in solch dringenden Fällen, wo Krankenbaus- bshandlung notwendig ist,' solche von der Kasse gewährt werden muß. Wir können der vorstehend erwähnten Entscheidung des Reichs- versicherungsamts nicht zuerkennen, den Erfordernissen unseres sozialen Lebens gerecht geworden zu sein. Es hätte sich lehr wohl das Eingreisen der Aufsichtsbehörde in einem solchen Falle recht- fertigen lasten. Was soll denn nun geschehen, wenn irgend eine Krankenkasse fortgesetzt und grundsätzlich die Gewährung von Krankenhauspflege ablehnt. Eine Entscheidung hierüber bat das Reichsversichernngsamt im vorliegenden Falle ausdrücklich abgelehnt. Wahrscheinlich wird es sich darüber selbst nicht klar geworden sein. Nur das ergibt sich aus dieser Entscheidung, daß das Reichsversiche- rnngSamt den Fragen der Krankenversicherung doch oft recht weit- fremd gegenüber steht.— Gerichtszeitung. Sie werden nicht alle! Wiederum ist eine Gesundbeterin wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden. Sie versuchte eine an Blind- darmentzündung erkrankte Frau durch ihre Künste zu heilen und verhinderte dadurch die rechtzeitige Operation der Patientin, die der Krankheit erlag. Das Münchener Landgericht verurteilte die Pfuscherin— M a g d a l e n e E s ch l e b e ck ist ihr Name— zu der milden Strafe von zwei Wochen Gefängnis, und das Reichsgericht bestätigte das Urteil. Mus aller Welt. Europas Uhl— Amerikas Nachtigall. Bei dem sährlichen Festessen des Instituts der Bücherrevisoren äußerte sich Charles H a e l i n, ein amerikanischer Millionär, wie folgt:„Nach meiner Schätzung ist der Reichtum der Vereinigten Staaten in den letzten Jahren um 49 Milliarden Dollar gewachsen. Die Bankeinlagen haben mn 6 bis 7 Milliarden Dollar zu« genommen, lind der Goldvorrat um mehr als 799 Millionen Dollar. Seit dem ersten Kriegsjahr ist die Goldeinfuhr aus 469 Millionen Dollar gestiegen. Kein Volk hat sich je eines solchen Wohlstandes rrfreut wie das unsrige in der letzten Zeit." Herr Hamlin sagte, er riete den amerrkaiiischen Geschäftsleuten, jetzt Vorsicht zu üben, um aus die unvermeidliche Reaktion vorbereitet zu sein. Reiscplänc der amerikanischen Pliitokratie. Dem ScnsatiouS- bedürfnis der Amerikaner winkt nach Friedensschluß em würdiges psicl. Schon heute sind, wie französische Blätter benchten, 129999 Teilnehmer angemeldet zu einer Europareise eigener Art. die sofort nach dem Krieg eine amerikanische Reisegesellschaft arrangieren wird. Und zwar soll diese Reise noch den sranzöfischen Schlachtfeldern gehen. Es werden zu diesem Zwecke„Feldhotels" bereitgestellt, die transportabel sind und binnen einem Tag errichtet, bewohnt und abgebrochen werden können, und doch allen Komfort an die Slälten des Todes und der Zerstörung tragen. Eine würdige, wahrhaft humanitäre Vergnügungsreise! Eine aiigenchme Verordnung. Die Direktion der dänischen Staatseisenbahnen hat eine Verordnung erlassen, wonach Reitende solcher Züge, die infolge der Schneefälle stecken bleiben, als Gäste der Staalseisenbahnen zu behandeln seien. Karl Marx und die freie Liebe. Der Sekretär der New Dorker .Antisozialistischen Liga" ist zu 199 Dollar Gelvstrafe verurteilt worden, weil er von Frauen, die Karl Marx lesen, be- hauptet hatte, sie wären alle„Anhängerinnen der freien Liebe". Als er vor Gericht die Stellen aus Marx angeben sollte, die zur freien Liebe auffordern, konnte er keine nennen. Städtisches Kriegsgrld aus Metall. Die Stadtverwaltung don Schneidemühl hat eiserne Kriegsgroschen prägen lassen, die zwar die Größe der eckten Groschen haben, zedoch eine achteckige Form aufweisen. Die Vorderseite zeigt wie die echten Groschen eine„19", umrahmt von einem Perlenkranz mit der In» schritt„Kleingeld-Ersatzmarke 1916", die Rückseite zeigt das Schneide« mühler Stadtwappen mit der Inschrift„Magisttat Schneidemühl'. Auch der Mogistrat don Landeshut lSchlesien) will metallenes Kriegsgeld prägen lasten und zwar außer ö-, 19- und 59-Pfennig« stücken auch 20-Psennigstücke. 32 Ehcschciduugcit werden ausgerechnet am Tage vor Heiligabend beim Landgericht Elbing verhandelt werden. Eine Zeitung für Sträflinge. Laut Verfügung dcZ Justiz» deparlemeuls wird demnächst in Norwegen eine Zeitung für Ge- fängnisinsassen erscheinen. In den Vereinigten Staaten gibt es bekanntlich eine Reihe solcher Blätter, die zum Teil von den Straf- lingcn selbst herausgegeben werden. Ter ruhcstörende Stelzfuß. Eine Hausbesitzerin in Wilhelms- Häven bat einem Kriegsbeschädigten gekündigt, weil«das Gehen mit dem Slelziutz rubestörenden Lärm im Hause verursache." Es würde sich empfehlen, diese zarte Dame einmal bei Trommelfeuer in einen Schützengraben zu schicken, damit sie ihre empsindlichen Nerven ein wenig abhärte und Mitgefühl mit den verstümmelten Kriegern empfinden lernte. Sriefkaften üer Reüaktion. DI« fnrtsltl»- Spr-chslund! findet für Adonnenlen Liitdenftr. 3, IV.$o| cechts.»ariette, am Menlrg bis Freitag van t bis 7 Ugr, am Sannabenb van 5 bis 3 Uhr statt. Jeder für den S r l e s l a st e n bestimmten Antrag« tfi ein Buchstabe und eine Zahl als Merlzeichcn beizusügen. Briefliche vntwart wird nicht erteilt. Ansragen, denen feine Aöannementsauitrung beigesügt ist. werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man rn der Evrechsrunde vor. Bcrtröge, Schriftstüikc und dergleichrn brsuge mar i» dl« ?br-chftunde mir Neukölln LF. l. Die Schadciiersntzllage lönncn Sie gegen die sfrau bei dem für ihren Wohnbezirk zuständigen Amtsgericht einreichen. 2. Eines Rechtsanwalts bedürfen Sie dazu nicht. Die Gerichtskosten sind gering. 3. In drei Jabrcn.— K. E. Wenn der Vater bis zu feiner Einberufung für das Kind Unterhaltsgelder gezahlt hat, können Sie Antrag auf Ge- Währung der Unterstützung unter Vorlegung des NnterstützungsscheineS bei der zuständigen Stcucrkasse stellen.— D. 2- 50. Wir können das nicht nachprüfen, da wir nicht wissen, wie doch der Einsatz ist.— Gertrud 17. Sie können sich bei der Gemeindebehörde nicldcn.— 100. P. P. Das ist nicht festgelegt, das liegt in der Kommandegewalt des Kaisers.— Ä. B. 100, Bremer Str. 10. Nein.— R. R. 1858. Sie sind zur Zahlung der Kirchensteuer sür das Kalenderjahr ISIK noch verpflichtet.— Alter Abonnent 36. 1. Ja. 2. Sie sind zur Nachzahlung vcrpslichtct. 3. An Privatpersonen nicht, nur an Behörden.—(£. B. 17. Nur wenn Ihnen die Geschenke als Verlobungsgeschcnle übergeben worden sind, sind Sie zur Rückgabe verpflichte�, sonst nicht.— M. M. 0009. Nein. — M. D. 1008. Melden«ie sich als Schreiberin bei einein Amtsgericht. — Günther. Der Wirt ist zum Mictsnachiasi deswegen nicht verpflichtcr. Seine Ersparnis aus der Belcuchlungseinschränkung ist auch übrigens sehr minimal.— R.}?. Potsd. 23. 1. Sie müssen sich zum Lebensmittelbezug und auch polizeilich in Potsdam anmelden. 2. Sie haben nicht ang-geben, ob der Vertrag zunächst etwa sür est: Jahr abgesiblossen ist. Jst'das der Fall, d-nn können Sie erst drei Monate vor Ablauf des Vertrages, das wäre zum 1. Oktober 1317, die Kündigung einreichen. Nachdem würde erst die vertragliche Bestiinmung, dasi der Vertrag aus ein weiteres halbes Jahr slill'chweigend sich verlängert, wenn keine Kündigung ersolgt, in Wirlsam- kbil treten. 3. a) Ja. b) Sie müsilen sich bei der Steuerbehörde be- sonders abmelden, c) Bis zum Tage des Wohnungswechsels. 4 a) u. b) In Potsdam befindet sich keine Ausgabestelle, Sie müßten den„Vorwärts- von NowawcS bei Fritz Krähnberg, Eiicnbahnstr. 10, beziehen. Tort bc- findet sich auch eine Konsumgenofsenschasr.— ZS. M. II. 9. Nein. — H. 2. 100. Diese Slistung ist unter Verwaltung der Allgemeinen Elektriziläts-Gesellschajt. Wo sich das Stistungsbureau befindet, konnten wir nicht in Ersahrung bringen.— Goltz, Reinickendorf. Wir empfehlen Ihnen eine städtische Wablsorlbitduiigsichüle. Albrcchtstr. 26. Privatinstilute können wir nicht empfehlen. Sollten Sic daraus reflektieren, so finden Sie deren Adressen im Berliner Adreßbuch, 2. Band, Teil 4, Seile 233.— R. Brombcrg. 1. In dieser Sache erhallen Sie beste Anslunst bei der Zcnhallommission der Kiankentasieil, Berlin, Aieranderslr. 33/40. 2. u. 3. Verein der Freidenker sür Feiierbcstottimg, Hermann Müller, Berlin XW 23, Cuxhavencr Str. 15.— B. i. Nein, nur 3,3 Proz.— Flickschuster. Ist alles unter Verwaltung der Kricgslcdergcsellschajl, Abteilung Üederlager, Friedrichssclde, Magerviehbof.— A. 2t. 34. Aluminium ist nicht leicht lölbar! Man mug ein besonders zujanimengesetzteS Aliiminiumlot dazu verwenden, das Sie durch L. Flörsheim, illlünchen, Waltherstr. 25, oder durch Ermisch u. Engelhardt m Saalseld(Saale) beziehen lönnen.— — A. F. III. Ihre Erkrankung muß als Kriegsbeschädigung angewhen werden und haben Sie deshalb Anspruch aus Rente. Der'Antrag ist beim Bczirtssetdwebel einzureichen.— No. 98.-)3l. 1. Sie gehören zu denen, die zur Einberufung zuerst beordert werden. T. Em weiteres Gesuch würde zwecklos fein. 3. Sie müsieu das beim Bezirkskommands melden mtd sogar üm Urlaub'nachsuchen.— Z. 47. Sie loiineu zur Artzeit ver« wendet werden im Felde, mich t. nur in der Garnison.— N. Sch, 13. Da der Miclsvcrtrag bis zum 30. September geschlossen ist, können Sie ihn auch nicht vorbei lösen. Ter Wirt lann Ihre vorzeitige Kündigung ablchnci,. A. 2. 35. Auch in den Berliner Wadlsorrbildungsichulen für weibliche Perjonen wird Unterricht in Stenographic und Maschinenichreiben erteilt. Je ein Halbjahrcskurius mit wöchentlich zwei Unterrichlsslundeir(zur Abend- zeit) kostet 2 M. Nach der Lage Ihrer Wohnung kämen sür Sie die Schulen in Gubener Str. 53 oder auch in Lange Str. 76 in Betracht. Fragen Sie abends dort persönlich wegen näherer Auskunft an.— TL. F. 16. Wir empschlen Ihnen das im Berlage der Buchhandlung Vorwärts, Berlin, erschienene Büchlein:„David. Reserentensührer-, Preis 1,50 M., in den Sie eine erschöpicnde Lileraturanzeige für Ihre Zwecke finden werden. Em Jnbaltsve:-c:chnis des Büchleins wird Ihnen aus Wunsch zugeschickt. Eingegangene Druckschriften. Universal-Bibliotbek 588l: Der Allerchristlichftc KriegSgott. Von G. W. Lcibniz.— 5882: Miiitürstrafgesetzbuch vom 20. Juni 1872. Herausgegeben von K. Elsner v. Gronow.— 5883—5885: Unsre lieben Nächste». Roman von Olga Waidow.— 5886: Des Königs Befehl. Lustspiel von C. Toepscr.— 5887; Gedtchie von K. Stieler.— 5888: Ledige Mütter. Volksstück von P. Zoder.— 5889: Lesterrcichiichos Kriegstagebuch. Von K. Marilaun.— 5890: Falsche Taktik u. a. hum. Geschichten von P. Nobiusohn. Einzelnummer geh. 20 Ps. PH. Reclam, Leipzig. Der Krieg 1914/16. Werden und Wesen des Weltkriegs. Heraus- gegeben von Dietrich Schäfer. 1. Teil. Geb. 10 M. Bibliographisches Institut, Leipzig. TaS Herz im Walde. Novellen von tz. v. Hossensthal. 3 M.— Heimkehr. Novellen von H.«tegemann. 2 M.— Das Haus zum Monde. Roman von Ina Seidel. 3,50 M.— Wcltwirbel. Gedichte von E. Steiger. 3 Al. E. Fleische! u. Co., Berlin, Linkstr. 16. Feststellungen über Arbeitszeit und Löhne sowie Mitglieder. zahl des Zentralverbaiides der Zimmerer Deutschlands�iür die Jahre I8S5— 1315. 175 S. Selbstverlag des Verbandes(Fr. Schräder) in Hamburg. Berliner Kalender 1917. Herausgegeben vom Verein für die Ge- schichte Berlins. Verlag M. Oldenbourg. Berlin. Die Frau in der öffentlichen«rmeufstrforge. von Httdegard N adomski. 3 M. W. Moeser, Berlin L 14. Internationale Ttndicn über den Stand des Arbeiterschutzcs bei Beginn des Weltkrieges. Von Prof. Dr. W. Schiff. Hest 1: Geltungsbereich des Arbeiterschutzes. Der Schutz der Kinder und Jugend- iichen. 1 M. I. Springer, Beriiii W 3. Der Gang durch de» Sand. Geschichten aus südafrifanischer Not von H. Grimm 5 M., geb. 7 M.— Heilige Nacht. Eine WeihuachlS« legende von L. THoma. Papvband 4 M. A. Langen, München. „Wieland.- Deutsche Mvnatsjchrijt. Hest 3. IM. Wieland-Derlag, München. Ter Krieg und die amerikanische Wirtschast. 1 M. Verlag der „Franksurter Zeitung-, Frankfurt a. M. Die Stellung der Kroiilander im Gefüge der österreichischen Berfassung. Von Dr. R. Edler von Lauu. Mauz, Wien, Max Beckmann, Briefe im Kriege. Gesammelt von Minna Tube. 75 S. B. Cassirer, Berlin W. 35. Ter Morgen. Tragödie von H. Ganz. 133 S.— Rascher n. Co., Zürich. Schimmernde Gelände. Gedichte von Lola Landau. 74 S.— G. Müller, München. Ucbersicht über wichtige Einrichtungen des Auslandes auf dem Gebiet der Berwaltungsrcchtspflege. Versaßt von Projessor R. v. Lauu. 3 t S.— Wien. iinü am E. G.m.b.H. Zentrale: Lichtenberg. Ritlergutstr. 16 26. Unseren Mitgliedern geben wir bekannt, da6 iülslai Oezember(ersten Feiertag) unsere Verkaufsstellen von 8-12 Uhr ununterbrochen geöffnet sind, dagegen Sonntag, den 24. Dezember, und am 26. Dezember(zweiten Feiertag) geschlossen bleiben. 104/14 Der Vorstand. 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Qes häft-( ir. Pranlcftirler Sft IIS. Rabalimarken der Kcnsumqonosse nscha(t Berlin und UmqegenJ Kraniten- und Sterbekasse der Schuhmacher und Kerufsgenglselt Kerlins B. a. G. Mitgliederversammlung Sonntag, den 31. Januar 1917, nachmittags 4 Uhr, im Englischen Garte», Alexanderstrasie 27 o, oberer Saal. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorsitzenden. 2. Bericht des Kassierers. 3. Diskussion. 1653b 4. Wadl des Vorstandes. 5. Wahl der Rechnungsprüfer, der Kraiikcnbcsucher, des Schieds- gerichts. 6. Innere Kasienangelegenheiten. ES ist Pflicht eines jeden Mit- gliedes, zu dieser Versauimlung zu erscheinen. Mstgliedsbuch legitimiert. Der Borstand. F. Lutz, Vorsitzender, Waterloouser 3. liLfert i r 10 7 9 � : pnr'Tfi'Hirim 1 HA.lViiaUKG., I E Uhren, Goldwaren reiche Auswahl in allen Preislagen. riltiE& Co., Lindeiistraste 109. Spezialarzt Dp. med. Wockenfnß. Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor), für Syphilis. Harn- u. Frauenleiden— EHrlich-Hata-Kui(Dauer 12 Tage), Blutuntersuchung. 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Moritz- Potooky- K eiken- Stiftung Kriegs-Reserve... Reir gewinn.... M. jpf 7200000'— 1 224000— 341500- 2200000— 2100000— 910000— 1873403 22 100000— 3132— 43980— 2635— 7.13180 64 5811412(14 702576 21 587902- 125000— 137439 j— 205510— 246303— 18337 600000 197974! 26156101 55 76 26156101�76 Berlin, den SO. September 1916. Die auf 14u/0 für das am 30. September a. er. abgeschlossene Geschäftsjahr 1915/16 festgesetzte Dividende wird von heute ab gegen Einlieferung des Dividendenscheines u. eines Nummemverzeichnisses gezahlt, mit M. 42,— pro Aktie von M. SOO,— „„ 168,-,, 12ÜO,— an der Kasse der Commerz- u. Disconto-Bank, hier u. in Hamburg, „,„ Xationalbank für Deutschland, hier „, von Marcus Xelken u. Sohn, hier und in Breslau, unserer Zentralkasse. Berlin, den 22. Dezember 1916. Actien- Brauerei-Gesellschaft Friedrichshöhe vormals PATZENHOFER Sht 68, 3 Garderoll® auf bequemste Teilzahlung n»rnonmnrfon Kostüme, Ulster. Hüntel in Tuch, UßllltlililijJul Samt u Astrachan. Blusen u. 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Januar, 8% bis 9'/z Uhr. ?n öieser Zeit großer Cntstheiöungen ist Sie Lektüre einer täglichen Zeitung unentbehr- licher Senn je. Unterbrechungen ües Sezugs werüen von öen Lesern höchst unangenehm emp- funöen. Wir ersuchen öaher unsere p o st- abonnenten, rechtzeitig für öle Erneue- rung ihres Mbonnements Sorge tragen zu wollen.»» Verlag öes»Vorwärts�. Teuerungszulage» und Magistrat. Zu dem gestrigen Bericht über die Verhandlungen in der Ber- liner Stadtverordnetenversammlung teilt uns Genoffe Ritter, der bei der Vorlage betreffend die Gewährung einer weiteren Teuerungs- zutage an städtische Arbeiter und Angestellte das Wort nahm, folgendes mit: Bei dem verheirateten Personal der Jrrenanstallen ist seit langem Erregung darüber, daß ihnen nicht die Sätze der Kinderzulage gezahlt werden, wie diese von der Stadtverordneten- Versammlung beschlossen worden sind. Nach dem Gemeindebestblutz von, 9. Juni. 6. und 7. Juli 1916 wird bei Verheirateten für jedes Kind eine Teuerungszulage von S M. biS zu fünf Kindern gezahlt. Nun gibt es einen Teil von Verheirateten, die in Allstalten, in der Klanken- und Jrrcnpflege usw. tätig sind. Diese erhalten einen Teil ihres Lohnes in Naturallohn, weil die Art ihrer Tätigkeit die dauernde Anwesenheit in den Anstalten er- forderlich macht. Diese Angestelllen werden den andern Ver- heirateten nicht gleichgestellt, was damit begründet wird, datz die Verheiraieten in der Anstalt, wo sie Verpflegung erhalten, nicht die bohsn Ausgaben haben, lote der Verheiratete, der auf die Kost iii seinem eigenen Hailswesen angewiesen ist. Mir will scheinen, datz der Unterschied in den Kosten des Haus- Halts doch nicht so erheblich ist, datz man bei diesem Personal eine ziemlick erhebliche Grenze nach unlen gezogen hat. Diese Gruppe von städtischen Angestellten wird den Unverheirateten unter acht- zehn Jahren gleichgestellt und erhält demnach eine Teuerungszulage von monatlich 10 M. Warum man sie nicht den Ledigen über achtzehn Jahre gleichgestellt hat, zu denen sie doch sicher eher ge- hören, ist das Geheimnis der vom Magistrat erlassenen Ausiührungs- bestimmungen.(Im letzteren Falle würden sie nämlich bisher 2 M. mehr erhallen haben, nach der am Donnerstag verabschiedeten Vorlage sogar 6 M. mehr bekommen. Es ist dringend zu wünschen, daß der Magistrat in seinen neuen AusführnngS- bestimmiliigen die Verheiraieten, selbst wenn sie Verpflegung in den Anstalten erhalten, wenigstens den Ledigen über 18 Jahre gleichstellt. Bei der Kinderzulage an diese Art städtischen Personals wird ebenso sonderbar verfahren. Die in den Anstalten täligen An- gestellten fühlen sich insbesondere darüber beschwert, daß ihnen die Kinderzulage, die init 5 M. sestgesctzl ist, uickl gezahlt wird, sondern nach den Ausführungsbestimmungen des Magistrats mit einem niedrigeren Satz. Es erhalten nämlich verheiraiele Angestellte in den Anstalten 10 M. für sich und nur 3 M. für das Kind, anstatt 5 M.; bei zwei Kindern werden gezahlt nicht 20 M., sondern nur 18 M. und so fort! Diese Kinder müssen also büßen, datz ihre Väter nicht zu Hause essen können, eine Logik, die wirklich nicht begriffen werden kaiin. Diese Tatsache wollte ich nur seslstellen, weil sonst aus dem Bericht herausgelesen werden lönnle, ich habe behauptet, datz der Magistrat für die Kinder der Anstaltsangestellten überhaupt noch keine Teuerungszulagen zahlt.— Zu wünschen wäre, datz die jeden- falls zu crlasiendeu neuen Ausführungsbestimniungen des Magistrats den geschilderten Absonderlichkeiten bald ein Ende machen. Wo bleiben die Höchstpreise für Pferdefleisch? Am 14. Dezember wurde der Presse von zuständiger Seite mit- geteilt, datz für alle Bundesstaaten Kleinhaiidelshöchstpreise für Pferdefleisch festgesetzt worden seien; für das Inkrafttreten sei eine Frist vorgesehen, um den Händlern Zeit zu lassen, sich mit dem Einkauf einzurichten. Wir schreiben heute den 23., ohne datz man weiteres erfahren hat. Wie lange soll denn die„Frist* noch dauern? Zu dem Gegenstand geben wir der folgenden Zuschrift Raum: „Früher nannte man das Pferdefleisch das Fleiscb der armen Leute. Heute ist das ein wenig anders geworden. Die Rotzschlächter haben ihr Geschäftslokal meist in wenig belebte Slratzen gelegt, weil es vordem verpönt war, beimPferdeschlächter gesehen zu werden. Jetzt aber sieht man in diesen unbelebten Straßen täglich einen Menschen- auslauf, und bei näherem Hinsehen entdeck! man, datz es sich um eine Ansammlung vor dem Rotzfleischladen handelt. Hier werden die Wartenden zu etwa fünf Personen von dem überwachenden Schutzmann in den Laden gelaffen, um mit teurem Gelbe das früher so verachtete Pferdefleisch zu erstehen. Vor einer Reihe von Tagen giug die Nachricht durch die Zeitungen, daß behördlicherseits Höchstpreise eingeführt werden sollten. ES hieb damals in der An- kündigung, datz der Höchstpreis 1,80 M. nicht übersteigen dürse. Statt dessen mutz es das kausende Publikum erleben, datz die Preis- tafeln täglich Steigerungen anzeigen. Die Rotzschlächter verlangen 3,20 M., eine Preisforderung, die die Höchstpreise von Rindfleisch noch übersteigt. Im Interesse aller Beteiligten läge es, � wenn der Magistrat ganz energisch dieser Preistreiberei entgegenwirkte. Die Schwerarbeiter brauchen unbedingt eine verstärkte Fleischkost, und dazu wäre hier ein Mittel geboten. Jede Preistreiberei wird als Knegswuchcr geahndet, warum darf bei Pferdefleisch noch un- gehindert ein Wucherpreis gefordert werden?" In der Friedrichstratze ist Rotzwurst zu 3.30 und 3,60 M. ausgelegt; die ersiere ist als Frischivurst zu bewerten,� für die als Höchstpreis 1,80 M. festgelegt ist. Dauerwurst darf für die Folge nicht mehr hergestellt loerden. Wie lange soll aber noch der Verkauf solcher„Dauerwurst" zu dem hohen Preis, der zur Umgehung reizr, zugelassen werden?___ Zum Kartoffelbezug. Alle diejenigen, die sich nicht rechtzeitig bis letzten Donnerstag in die K u n d e ü l i st e n eingetragen haben, können ihre nachträg- liche Eintragung nur erreichen, wenn sie einen schriftlichen Antrag unter Angabe der Gründe für die Veriäumnis um nach- trägliche Zulaffung beim Magistrat, Abteilung für Kartoffelversorgung, Schicklerstr. 7, einzureichen. Alle diejenigen, die von auswärts nach Berlin ziehen, können sich auf Grund einer Bescheinigung der Brotkommissionen, daß sie nach dem 21. Dezember 19k6, den Schluß der Eintragungssrist zugezogen sind, zur Kundenliste eintragen lassen. Ebenso ianii für Neugeborene eine Nacheintragung aus Grund der Bescheinigung der Brotkommission erfolgen. Soll endlich infolge Wohnungswechsels eine Ummeldung von einem Kartoffelkleinhändler zum anderen erfolgen, so mutz der bisherige Kleinhändler auf einem von den Brotkommimonen an die Klein- Händler auszugebenden Formular bescheinigen, datz er den Kunden in seiner Kundenliste gestrichen hat. Der Kunde mutz die Nmichreibung zum anderen Kleinhändler auf dem gleichen Formular beantragen, und der neue Kleinhändler mutz ebenfalls aus dem Formular be- stätigen, datz der Kunde in seiner Kundenliste eingetragen ist._ Der neue Kleinhändler reicht dann dieses Formular an die Abteilung für Kartoffelvcrsorgung des Magistrats, Schicklerstr. 7, ein. Der Kleinhändler kann jedoefi schon vor der Genehmigung des Magi- strats, soweit er ohne Beeinträchtigung seiner übrigen Klmden hierzu in der Lage ist, den neuen Kunden befriedigen. Lebensmittel in der Weinachtswoche. Auch in der nächsten Woche können in Grotz-Berlm nur zusammen 80 Gramm Fett zur Verteilung gelangen und zwar SO Gramm Butter und 30 Gramm Margarine. Die Zufuhr von Kartoffeln ist auch in den letzte» Tagen recht gering gewesen, so datz voraussichtlich in der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr wieder nur fünf Pfund aus den Kopf der Bevölkerung zur jöer- teilung gelangen werden und außerdem zwei Pfund Kohlrüben. Die Flcischration bleibt auf 250 Gramm stehen. Eine Besprechung im Zweckverbanv über die Verkehrs- ein schränkungen fand gestern nachmittag statt. An der Verhandlung nahmen teil: Vertreter der Städte Berlin, Charlotten- bürg, Schöneberg, Wilmersdorf, Neukölln, Lichtenberg, des Kreises Teltow, der Gemeinden Steglitz, Weitzeniee, Pankow und Lichterselde. sowie Vertreter der Gelverkschastskommissiou, des Verbandes der deutschen Gewerkvereine, der HandelSIamniern Berlin und Potsdam, des Verbandes der Berliner Zeitungsverleger, der Aeltestei! der Kaufmannschaft u. a. m. Im Laufe der Besprechungen ergab sich Einhelligkeit darüber, datz der Berussverkehr der für die Heeresverwaltung arbeitenden Betriebe unter allen Umständen eine richtige Verkehrsbedingung mittels E i n s e tz z ü g e n erfahren müL«.. Ferner wurde für notwendig erachtet, eine Anzahl H a u p t li n i e n, die namentlich dem Bahnhofsverkehr, dem Berufsverkehr des ZeitungS- gewerbeS und sonstiger Beamter, Angestellter und Arbeiter dienten, m bisherigen Umfang weiter verkehren müssen. Die Marinelade, die der Stadt Berlin zugewiesen war, ist zun: größten Teil bereits verteilt worden. Eine geringe Restmenge der Ware konnte bisher nicht zur Verteilung gebracht werden, da ein Teil der mit der Lieferung beauftragten Fabriten die Fristen ii i ch t i n n e g e h a l t e n hat. Es ist jedoch zu erwarten, datz die Marmelade in den Kleinhandelsgeschäften bis zum Ende dieses MonalS erhältlich sein wird. Militärnrlaubcr, die nach Berlin, Eharlotteuburg, Schöneberg, Wilmersdorf, Lichtenberg und Neukölln kommen, erhalten von heule ab ihre Brot- und Lebensmittelkarten nicht mehr auf den Brotkommissionen, sondern direkt durch Versicheruugsstellen, die den Kommandantur-Meldestellen auf den Bahnhöfen angegliedert sind. Eine Ausnahme bilden nur die sogenannten Entlassungs- Urlauber, die für den Tag ihrer Ankunft aus den Bahnhöfen versorgt werden, vom zweiten Tage ihres hiesigeir Aufenthalts ab jedoch durch die Brotlommissionen ihre Karten erhalten. Wildhüchstprcise. Wenn unzerlegteS Wild im Kleinverkauf durch den Jäger selbst an den Verbraucher abgegeben wird, dürfen die sür den Großhandel festgesetzten Preise nicht überschritten werden. Beim Verlaus von einzelneu Stücken zerlegten Wildes durch den Jäger an den Verbraucher gellen hingegen die Kleinhandelspreise. Die Weihnachts-BerkaufSzeit in de» Berliner Markthalle« bringt eine kleine Aenderung in der üblichen Verlaufszeit. Nach einer An- ordnung des Polizeipräsidenten ist in allen Markthallen am Sonn- abend, den 23. Dezember, eine ununterbrochene Verkaufszeit von 7 Uhr früh bis ö Uhr nachmittags. Am Sonntag sind die Markt- ballen sür den Kleinverkehr von 7 bis 10 Uhr früh geöffnet. Am ersten und zweiten Feiertag ist die übliche Sonntagsverkausszeit von 7 bis 9 Uhr früh. Mit Ablauf der Schlutzstunde, die durch Läuten angezeigt wird, ist jeder Verkauf einzustellen im Gegensatz zu der Weihnachts-Verkausszeit in den Bäckereien, wo»ach einer Anord- nung des Oberkommandos noch alle Kunden z» bedienen sind, die sich beim Ablauf der Verkaufszeit im Laden befinden. Der Deutsche Arbeitei'-Wanderluuid„Die Raturfreunde', Sitz Berlin, hielt am 17. Dezember im GelverkschasrshauS eine Bundes- koufercnz ab. Vertreten waren 10 Ortsgruppen mit den dazu gehörigen Abteilungen. Der Bund zählte am 1. Oktober 1916 1358 männliche und 426 weibliche Mitglieder. Von 54 Mitgliedern ist der Tod aus dem Scblachlfetde bekanntgeworden. Das Organ des Bundes, der„Wandcrfreund", erscheint in einer Auslage von 2500 Exemvlareu. Im 2. Punkt der Tagesordnung wurden die Auswüchse in der Wanderbewegung kritisiert. Ein großes Hindernis sür die Durch- führung von Wailderungen bilde die L e b e« s m i r te l- frage. Eine weitere Gefahr entstehe i» Grotz-Berlin durch die Verkebrsein schränkungen und die Einstellung der Sonnrags- karten. Eine F a h r p r e i S e r m ä tz i g u n g auf den kgl. preutzi- scheu Staatseisenbahnen, wie sie auf den österreichischen Bahnen seit langem bestehen, sei zurzeit leider noch nicht allgemein durch- geführt. Zum Schluß wurde beschlossen, mit dein Wiener Touristenverein„Die Rawrsreimde" in ein K a r t e l I v e r- hältnis zu rreren. AIS gemeinsames Organ ist der„Wandcr- freund* ausersehen. Tie Buchhandlung Vorwärts, Liudcnstraße 3(Laden), ist am morgigen Sonntag n a ch ni i t t a g L von 2—4 Uhr geöffnet. Sie bietet eine reiche AuZlvaht von Jugend- schriften, Klassikern. UnterhaltungS-. wissenschastlichcr und Parteikiteratur. Pasast-THlülter mtt Zos. Hn vekden Feiertage« fe zwei LZar- stcllungcn. In allen Vorstellungen das ungekürzte Weihnachts- Urogramm. NachmtltagS hat jeder Erwachsene ein Kind frei. Die lbendvorstellungen beginnen ab Weihnachten bereits um 7»/, Uhr .nid enden um 10'/, Uhr. Beginn der Nachmittagsvorstellungen Uhr. ZirkuS Busch, vm morgigen Tonnabend kommt wieder in einer Nachmittagsvorstellung neben dem glänzenden Programm die Märchenpantomime„Beim Weihnachtsmann'" znr Aufführung. Jeder Erwachsene hat in dieser Vorstellung ein Kind frei, jedes weitere >rind zahlt nur halben Eintrittspreis. Am Sonntag fallen die Vor- .cllungen auS, dafür bringen die WeihnachtSfeiertage wieder zwei Voistellungen mit den Märchenpantomimen täglich. Da der Andrang zu diesen Vorstellungen sehr groß sein wird, empfiehlt es sich, Karten im Vorverkauf zu lösen, der täglich vormittags 10 Uhr beginnt. Im Rase» und Walhalla-Thcater beginnen die Vorstellungen ab abends V'/j Uhr. 3 Uhr. ersten WeilmachtSfeicrtag nachmittags Märchenvorstcllungcn 3'/, Uhr. Silvester. Das Berliner Polizeipräsidium teilt mit, daß es nicht daran denkt, die Polizeistunde am Silvester zu verlängern. Im Barbier- und Friseurgewerbe darf der Betrieb an den Sonn- und Festtagen nur bis 2 Uhr nachmittags stattfinden. Der Todcssturz aus dem Stadtbahuzugc. Die Persönlichkeit des bei einem Sturz aus einem Stadtbahnzug zwischen Treptow und Baumschulenweg am Mittwoch tödlich verunglückten Mädchens ist jetzt festgestellt worden. Die Verstorbene ist die ISjäyrige Martha iilohlkc, die in der Scheiblerftr. 6 in Saumschulenweg in Stellung war. Der Unfall ist dadurch entstanden, daß die G. sich an die Tür dcS Abteils gelehnt und dabei vermutlich den nicht ordnungsgemäß bedienten Verschluß gelockert hat, so daß die Tür plötzlich aufging und das Mädchen rücklings aus dem Zuge stürzte. Der Tod trat infolge eines schweren Schädelbruches ein. Der Naubmord in der Mattcrnstraße. Die Ermittelungen zur Ausklärung des Verbrechens an der Kohlcnhändlerin Auguste Küßner haben gestern spar abends zu zwei Festnahmen geführt. Unter dem Verdacht der Täterschast und der Beihilfe oder Milwifierschafl wurden der(lb Jahre alte Schneider Friedrich Küßner aus der Mattern« straße 3 und dessen Braut, eine 42 Jahre alte Witwe Sophie Hoff« mann aus der Straßmannslr. 26 vorläufig in Haft genommen. Küßner ist mit der Ermordeten nicht verwandt. Mit Frau Hoff- mann hat er seit längerer Zeit ein Verhältnis, das demnächst zur Ehe führen sollte. Wie schon oft vorher, so half der Schneider der Händlerin auch am vergangenen Sonnabend wieder beim Vcr- packen und Abtragen der Kohlen. Auf ihn wurde schon bald der Verdacht gelenkt. Er wurde auch vernommen, aber einst- weilen wieder entlassen. Neuere Ermittelnngen verstärkten den Ver- dacht jedoch so. daß man Küßner wieder zum Verhör holte und jetzt mit seiner Geliebten m Gewahrsam behielt. Am schwersten belasten ihn Aussagen eincS Sohnes der Witwe Hoffmann, des 17 Jahre alten Schläckterdurschen Gustav Hoffmann. Dieser hat anderen erzählt, Küßner habe am Sonntagvormittag in der Hoffmannichen Wohnung geäußert, in der Matiernstraße sei ein Ding passiert. Nun konnte am Sonntag außer dem Täter von dem Morde noch niemand etwas wissen, denn er wurde ja erst am DienStagmorgen entdeckt. Der junge Hoffmann sagt jetzt allerdings, die Aeußernng sei nicht am Sonntag, sondern erst später gefallen. Er will den Tag nicht genau mehr wiffen, andereu jedoch soll er sie schon vor der Entdeckung des Mordes mitgeteilt haben. Tie Kriminalpolizei ist jetzt eifrig bemüht, Widersprüche, die hier noch bestehen, aufzu- klären. Ein abschließendos Urteil ist noch nicht möglich. Wie uns in später Stunde gemeldet wird, hat sich der Verdacht gegen Küßner und Frau Hoffmann nicht bestätigt. Beide sind daher wieder aus der Haft entlassen worden. Ms öen Gemeinden. Unseren Abonnenten in T c m p e l h o f und M a r i e n d o r f konnte infolge von TranSportschwierigkeiten durch Glatteis der„BorwärtS" am 20. und 21. d. M. nicht zur gewohnten Zeit zugestellt werden. Wir bitten um Nachsicht. Tie Expedition deS„vorwärts". Tegel. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung stand auch der Erlaß eines Onsstatutö über Erhebung eines Zu- schlages zur Zuwachssteuer zur Verhandlung. Man eM« schied sich jedoch dahin, die Angelegenheit bis nach Beendigung des Krieges zu vertagen.— Bei den Teuerungszulagen haben sich Acndcrungen nötig gemacht, um noch einigen Lehrerinnen, die übergangen waren, entgegen zu kommen. Auch sollen die Feier- tagsbezüge bezw. Zuschüsse zum Krankengeld bei den Gemeindearbcrlern bester geregell werden.— Auf Ver- anlassung der Stadt Berlin wurde über die Baufluchtlinien in der Bernaucr Straße lBerliner Wasserwerke) erneut beschlossen, wobei dem Einspruch Folge gegeben wurde.— Nachdem die ReichS- zuschiisse an Angehörige' von Kriegsteilnehmern erhöht sind, macht sich auch eine entsprechende Aendcrung der Grundsätze für die Gemeinde Tegel nötig. Die Vertretung stimmt zu, daß je nach der Bedürftigkeit und Kinderzahl gewährt werden sollen als Mindestsätze: 41, 57, 70, 33, S6 M. Betreffs der An- rechnung der Beihilfen von Arbeitgebern der Soldaten wird de- stimmt, daß 9 M. für die Frau und 2 M. für jedes Kind nicht an- gerechnet werden dürfen. Die Mehraufwendungen sind auf 400 bis 500 M. monatlich zu veranschlagen. Um die„Arbeiisffcudigkeil" der Kriegersrauen anzuspornen, sollen nach den neuen Bestimmungen nunmebr 50 M. Arbeitsverdienst für die Mutter und je 10 M. für jedes Kind von der Mitanrechnung freigelassen werden. Man hofft damit auch gewisse unliebsame Vorkommnisse der der Gewährung der Mietszuschüsse zu beseitigen.— Infolge der umfangreichen Er- Weiterungen der B orsig werke hat die Firma einen' Antrag auf Genehmigung eines zweiten GleisanschlnsseS über die Berliner Siraße hinweg nach dem neuen Werk gestelli. Die Vertretung stimmt dem vorgelegten Verlrage zu. der den ähnlichen derselben Firma enlsprichi. unler besonderer Betonung des noi- wendigen polizeilichen Sicherheitsdienstes und der gesteigerten Ver- kehrsb'ehindernngen durch dieses Doppelgleis.— Beim letzten Punlt wird die allgemeine Klage über allzu mangelhaftes Krankentransportwesen am One von neuem erörtert. Der Bürgermeister erkennt die Mängel an; eS soll Abhilfe geschaffen werden' die Vorarbeiten sind bereilS geschehen. Für später soll eine allgemeine Regelung des gesamten KrankcntransponwesenS statt- finden. Charlottrnburg. Tis Ausgabestellen der allgemeinen Speisung sind am 24. und 25. d. Mts. geschlossen. Am 26. d. MtS. erfolgt die Speisenausgabe zwischen 11 und 2 Uhr mittags. Am 31. Dc- zember und am 1. Januar findet keine Speisenansgabe statt. Das Abschneiden der Fleischkartcn kann nach wie vor am Tage der An- Meldung stattfinden. Neukölln. Die dauernd steigenden Aufgaben der Lebensmittel- kommission beschäftigten die letzte Sladtverordnetensitzung. Zur Bc- wältigung dieter Ausgaben wurde die Kommission erheblich ver- stärkt, so daß für die einzelnen Zweige der Lebensmittelbeschaffung besondere Unterkommisfionen gebildet werden können. Dcr�Kom- Mission gehören u. a. die Genossen Wutzky, Kloth, Heitmann, Scholz, Groger, Zepmeisel, Bytomski und Müller an. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 24. Dez., vormittags 11 Ubr. KI. Franlfnrter Str. 6: Vortrag von Herrn Ernü Däumig:„Wie das WeihnachtSfest entstand'.— Montag, 25. Dez.: Herr Dr. M, H. Baegc: „Menschwerdung".— Nächste sreircligiöle Vorlesung Sonntag, 7. Januar. Eingegangene Druckschriften. Drinmpb des Rationalismus in Aegypten. Entgegnung und Protest von Dr. M. M. Risat. 2ä Ps. S. Hermann, Berlin, Bcuthstr. 8. Neugriechische Märchen. Herausgegeben von P. Krctschmer. Papp- band 3,60 M. E. Diederichs, Jena. Brautschau. Dichters(Slirentag, Die kleinen Verwandten. Drei Einakter von 2. Thoma. 2,50 M, geb. i M. A Langen. München. Frauenberufsfrage und Bevölkcrungspolittk. Jahrbuch des Bundes Deutscher Frauenverein» für 1917. Herausgegeben und bearbeitet von Dr. Elisabeth Altmarm-Gotthciner. Geb. 4 M. B. G. Teubncr, Leipzig. Jnvalidenelend. Staat«ud Gesellschaft. Ein Ausruf zur Grün. dung von 5krtegZinvatiden-ErwcrbSgenossrnschasten von H. Paycr. 1,50 M. — Die Kinomenichheit. Von R. Gutlmann. 70 Pj.— Liebesgaben von Hias und HanS ausn Tchüyengrabcn. VortragSdichlungcn ü» österreichischer Mundart van F. Stcehauner. 1 M. Anzcngruber-Vcrlag, Wiea 10. MMN eigener Konfektion, gut sortierte* reichhaltiges Lager in allen Pelzarten, Reparaturen nach schicken Modellen. 'tÄritziiiaDtstr.SöÄ0 m Seiias- 'M lenster 9 Schan- lensler rV] m arl Zobel m Köpenicker Straße 12 1 Eckhaus Michaelkirchstraße 9— 10. Herren-, Jünglings- und " 1 1 Knabenbekleidung fertig und nach Maß. Anzüge° Paletots= Ulster Alle Größen, auch für sehr korpulente wie überschlanke Herren, stets am Lager. Sebr billige, aber feste Preise. Werkstatten Im Hause.— Ankleiderimwer In jeder Abteilung. Besichtigung meiner Läger ohne Kaufzwang. Gr. Stofflaser für Maß-Anfertigong. Staafsprelse. Goldene Medaille. Ehrenpreise. �rammopjüioiie *" in jeder Preislage.* Scbailpialten. 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KondHaralaa NUIa., Allerstr, 37a AeerkuilgilKHberr.M H ■ Flalaok- a. Warstwar. W BPaiil Möller, PriesiiKlr.a jü-Begliermtr�B lehlhdlg.>Relenlalw.| )hMeli,{}Deiseiiagst.!)7| pw«lag.Frucntg8tn.LiK8r.| [e. i m. LeiidicKe; jj Manatalnmtr. 4 (ek Uhren, Goldwaren za BS. Fenike.Kottbns.Damm Öifj Hatr.ng r«».l,«n.rkinnt blll-H ■ Heukolln"i C Dittmann B.rilDontr. U Wfld— Oefiaj.l— Fisch». BczugsMiieüen-UGrzeiGtinls Berlin-Westen B«l Eiitänfes«a|iftkl»a._ Da» Brauereien aac mm& Hoiimonn| Akt.-Brnaerel Potsdam j Eig. Niederlag. Bertis SW.-171 Kronibergstraase 23, Bron-p d.nbnrg a. H., WUhalms-l dorferßtrafie 72.| (■■T•Potsdam.Stanaen-l l"t.. bler gfirqerbrBu.) az Fleisch- u. Waratwaren ara Ovffl Baüelow �rg.jc'bä GeleBenbeltskfiufe aa MWWWIjlL __ iWeine, Frucliwälfte, Liköre�c> IE. L ID. Lem H Waiigtelngtr. 4 B 5 10.» : Chariattenbu_ IPnnnn Mehlhd!., Kolonw. uuüljti �VTUnerad. Str.aO II. Schuhw.-Lag., Bep. bill. LfltiowerStr. 7, Nowawes l Fried riehatr. 28 jjDam.n-, Klnder-Koalektlon I\. 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