Ar. 333. flbonncmcnti'Bcdingungen: ESonttetncnlä» Ustc.l stftr.ucietattbo Siietteljä�rL 8,90 SKt, monaiL ILO M!, wöchentlich 80 Pfg, frei in? Hau!, einzelne Nunimer 5 Pf?. Eonnlny». n Ii nun er mit illusirierie: Sonnnig�. BeUage.Die Nene Well" ZO Ug. Poll- klbonneinem: 1.30?Nark vre Monat. ieingelragen m die Post.Zeinin?S- Vrcieliiic. Unter Urenzdand für Dcmichland und Oesterreich. Ungarn 2.50 Mark, für da- übrige Ausland « Marl rro Monat. Pofladonnemenls nelnnen an Belgien. Däneniarl, Holland. Italien, Uuxeniburz. Portugal. Auuiätiicu, Schweden und die Schweiz. CrldKlnt tsgNch. TS ♦ Vevltnev VolKsblstt. 33. Jahrgang. I)!e snkeriisns-Ledgh? betrögt für die fechsgeipaltene Kolonel- zeilc oder deren Kaum 00 Pfg., für doiitifche und geiverlfchaftliche TereinS- und BersaumiUtiigK» Anzeigen 80 Pig. „Uicine Anrergen". da- fettgcdrullie Wort 20 Pig. lzuiäifig 2 setigedrinlie Wonei. jedes weinre Wort lli Pig. Stellengesuche und Schlafslelleiian- zeigen da- erste Wort 10 Pfg.. jede- weitere Wort ö Pfg. Worte über 15 Buch- siabcn zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachnuitag- in der Exdediiion rdgegedeu werden. Tie Erveditton iji bis 7 Uhr abends gedssnet. lelegrainm-Adresse: .xoriitlilcmokfiU llcrlio" Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. ivcdaPtion: SW. H8, Änöenstraße Z. Iserniurecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1S1»0— 131 97 kxpeüitlon; EW. H8, Linöenstraße Z. Kernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1S1SV— ISl. 97. �roelttra zum Friedensangebot. Weihnachtsgeöanken 191b. Von P. I. T r o e l st r a. „rT, L... Haag, 17. Dezember. .... �Ulerortcn rüstet man sich zil hartnäckigerem Äampf. zu höherem Kraftaufwand. Das bürgerliche Wirtschaftsleben wirb mehr und mehr den militärischen Zwecken bicnstöar ge- rnacht: Munition probuzieren und den Hunger aus dem Lande halten, das sind die Hauptzwecke des �ebcns geworben. Millionentod und-Verstümmelung; Mil- tiarbenvernichtung bis zur finanziellen Erschöpfung; Himmel, Meer und Erde ei n Schauplatz gegenseitiger Verwüstung. Tie Welt eine Hölle, die Menschen wilde Teufel, wisseufchaft- liche Fortschritte uild technische Möglichkeiten in den Dienst eines noch nie dagewesenen Barbaricanus gestellt! Wie schön erscheinen uns, jetzt die Jahrzehnte nach 1870. Welch eine gewaltige Entfaltung der wirtschaftlichen und pcistigen Fähigkeiten, welch ein Ausstieg in jedem Sinne. Der Kapitalismus revolutionierte Verhältnisse und Anschau- ungen; die Erhöhung der Produktion ermöglichte eine Er- höhung der Lebenshaltung in allen Kreisen, und wider seine verelendenden Tendenzen erhob sich mit wachsendem Erfolg «die politische Partei, die gewerkschaftliche Organisa tio n der arbeitenden Klasse. Neue Tugenden der Solidarität, der Menschenwürde, der Hingabe an große Menschheitsideale entstanden in der Klasse, die früher, von Not und Sklaverei blind und taub und stumm genmcht, dahin- siechte. Der stillstehende Pfuhl wurde vom Orkan großer, heiliger Leidenschaften ausgepeitscht und rollte alsbald als un- tviderstehlicher Strom durch die Welt, aus seinem Rücken die höchsten Ideale der Zeit, die Schöpfungen neuer Organisa- tionsarbeit tragend, einer neuen Gesellschaft entgegen. Uebcr- all c i n dauernder Siegeszng des Proletariats, von Position Zu Position. Sogar seine Niederlagsn wurden zur Vorbe- reitung neuer Siege ausgebeutet, Nöt wurde umgeschmiedet Zur Vesreiungswaffe, aus Drangsal und Unrecht wuchs stolz der Kampfes- und Machtlville der Millionen empor. Und während wir noch lebten in Kapitalismus und Lohndienst, hörten und fühlten wir in den großen Momenten des Kamp- scs� den Flügelschlag des herannahenden Sozialismus über unseren Häuptern. Eine g r o ß e Z e i t, voll Wachstum und Verheißung; eine Zeit, fruchtbar an Organisation sür heute und sür die Zukunft; eine Zeit neuen Glaubens, jugendlichen Uebermuts, die Jugend- und Jllnglingszeit der sozialistischen Internationale. Glücklich, wer sein Leben in der Wärnie, dein Licht, in der Hoffnung und dem immerwährenden Wachstum jener Zeit verbracht hat. Jetzt ist alles für uns verdunkelt. Das neue Ideal ist vom Blutdunst und dem Pulverdampf des Krieges verhüllt; die proletarischen Truppen des Klassenkampfes demobilisiert. Das alte— deshalb nicht weniger reelle!— Ideal der N a- t i o n s g e m e i n s cha f t nimmt alle Klassen in Anspruch: die Internationale ist wie ein Rohr in: Sturm, wartet auf bessere Zeiten. Wankelmut, Enttäuschung, Mißstimmung, Erbitterung gegen die eigene Partei statt jene, welche die Not- läge schufen, der die Partei unterliegt; Desorganisation und Spaltung— das sind die Qualen, welche der Kriegszustand in den Parteien jedes Landes hervorrief. Alle Versuche, die Parteien der kriegführenden Länder zu gemeinsamer Be- ratung über den Krieg und seine Beendigung durch einen Frieden im sozialistischen Sinne zu versammein, sind bis heute gescheitert. Und hüben und drüben wird die Last des Leidens unerträglicher und erklingt dringender und drohender stöh- nend der Ruf:„Wie lange noch, wie lange?" Durch dieses Dunkel drang das jüngste Wort ans Deutschland wie ein Strahl neuer Hoffnung. Es war keine Friedensbotschaft, wie sie in der ersten Christnacht von Engeln, unter heiligem Gesang, aus reinem Himmel der- kündigt ward. Wie nicht anders zu erwarten, war sie von Scknvertgeklirr und Kanonendonner begleitet und enthält sie nicht nur die Bereitschaftserklärung zum Frieden, sondern auch die zur Fortsetzung des Krieges. Die Völker aber haben ausgehorcht aus ihrer Not und ihrem Elend mit nicht weniger Rührung, als damals die Hirten in Bethlehems Gefilden, und wir Sozialisten, wir zerstreute und voneinander geschiedene Glieder der Internationale, wir fassen neuen Mut zum Frie- denswerk, das unser harrt. Der Friede, den wir begehren, soll kein„deutscher", kein „französischer", sondern ein sozialistischer Friede sein. Nicht in dem Sinne, daß er uns gleich in die sozial!- stische Gesellschaft hinüberführen sollte, sondern� in dem, daß er auf den Hauptforderungen unserer internationalen Kon- greste beruht. Es ist wohl„die Kriegskarte" gewe'en, welche es Deutschland ermöglicht hat. diesen Schritt zum Frieden zu tun; wenn aber die Verhandlungen uns den dauerhaften Frioden, den wir begehren, bringen sollen, so kann die Kriegs- karte dabei weiter von keinem Nutzen sein. Hüben und i drüben fordert man„Garantien" gegen weitere Angriffe und I Vergewaltigung; wenn diese nicht wieder zu neuen Konflikten und Kriegen führen sollen, so dürfen diese Garantien nicht in territorialen Abänderungen und neuen militärischen Werken bestehen, sondern in Minderung der Gefahr, angegriffen zu werden, also in Zurückdrängung des Militarismus und in der Stärkung und im Ausbau des internationalen Rechts. Alle Völker brauchen Entwickelungs- und Bewegungsfreiheit zur Entfaltung ihres Wirtschaftslebens; die Erfüllung dieser Forderung ist das wesentliche Moment eines dauerhaften Friedens. Wenn die'e Erfüllung aus dem Wege der Besitz- ergreifung fremder Landstriche, Häfen usw. erfolgen sollte und nicht ans dem der Vereinbarung über Handelsfreiheit und gemeinsame Eröffnung von Häfen, Meeren und Kkolonialgebietcn, so würde das heutige System des bewafs- neten Imperialismus die Welt mit stets neuen Schrecken be- drohen. Wenn der„preußische"— und andere— Militarismus, dessen Züchtung unter dem Einflüsse imperiali- stischer� Bestrebungen diesen Krieg verschuldet,„niedergc- schlagen" werden soll, so kann dies nur auf dem Wege der internationalen Abrüstung zu Lande und zu Wasser, mir Herstellung der wirklichen Freiheit der Meere, ge- schehen, wenn nicht der Teufel mit Beelzebub ausgetrieben und die Welt gänzlich dein Militarismus und Marinismus ausgeliefert werden soll. Wenn nicht aufs neue Staaten- bündnisse zur gegenseitigen Erdrosselung oder Vernschtiing eine Verschärfung der Gegen'ätze vorbereiten sollen, so soll man die Gründung der Vereinigten Staaten E n r opus vornehmen, wobei Vereinbarungen über die wirtschaftlichen Interessen der verschiedenen Staaten den Krieg mehr und mehr ausschalten und das Gegenstück zu der allmählichen Abrüstung und dem internationalen Rechts- Wesen bilden werden. Und was die Lage der kleineren Staaten betrifft, deren Selbständigkeit und Sicherheit durch die gegen- sätzlichen Bündnisse der Großstaaten immerwährend bedroht werden, so kann sie nur durch ihre Teilnahme als vollberech- tigte Mitglieder an einem allgemeinen europäischen Staaten- bund gesichert werden. In diese Richtung weisen die Lehren dieses Krieges, die Bedürfnisse der Völker, die internationalen Grund- sätze der Sozialdemokratie. Ein Frieden, der die neue Weltordnung ans diese Grundlage aufbaut, wird ein sozialistischer Frieden sein. Er wird aber auch diesem Kriege eine historische Bedeutung gegeben haben, wert des unsäg- lichen Elends, das er über die Menschheit gebracht hat! Er wird dieser Schreckenstragödie der modernen Völker sein aus- söhnendes Ende bereiten und die Menschheit aus diesem düsteren Traum zu neuem Glauben,. Hoffen, Schaffen und Glück erwachen lassen. Die großen Fortschritte der Menschheit sind wohl viel mehr das Werk der Logik der Tatsachen, als bestimmter Par- teien und Gedankenrichtnngen. Dennoch sind in jeder Phase der Geschichte immer bestimmte Klassen und Parteien die Träger der Hauptforderungen ihrer Zeit. Von ihrer Ziel- bewußtheit, Tatkraft, Geschlossenheit und Zuversicht hängt es ab, in welchem Maße diese Forde- rungen erfüllt werden. Das internationale sozialistische P r o I e- t a r i a t hat jetzt die Aufgabe, jedes in seinem eigenen Lande und alle zusammen in ihrer internationalen Organisation, das Frie- densangebot der Mittelmächte zu unter- stützen und darauf hinzuarbeiten, daß es zu einem Frieden führe im Geiste der Internationale. Dazu bedarf es vor allem: Frieden zwischen den Genossen und den verschiedenen Strömungen jedes Landes und zwischen den Parteien der kriegführenden Staaten. Der gewaltige histo- rische Augenblick erfordert unbedingt Konzentration alles proletarischen Willens. Vis heute waren alle Gedanken konzentriert auf den Krieg: die 5treditbewilli- gung im August 1914 war der Punkt, der vereinigte oder schied. Ucber diese Frage, welche stand und noch immer steht , unter dem Druck der Zwangslage, welche der Krieg schuf, fort- während weiter zu streiten, erscheint kleinlich und unpolitisch, sobald ein Friede, wie wir alle ihn wünschen, spruchreif ge- worden, in den Bereich der Möglichkeiten gerückt ist. Nationale und internationale Differenzen stallen durch diese Tatsache mit einem Ruck in den Hintergrund gedrängt und alles proletarische Denken und Wollen in jedem einzelnen Lande und über die ganze Welt darauf gerichtet sein, den imperialistischen Tendenzen, die> setzt in allen Ländern die Regierungen, die Presse, das Volksempfinden, zugunsten der Fortsetzung des Krieges oder eines Friedens zur Verewigung von Militarismus und Imperialismus zu beeinflussen suchen, die zum neuen Leben erwachte Internationale des Proletariats als einzigen Sieger in diesem Weltkrieg gegenüber zu st ellen. „Incbe auf Eröen!" Von Hermann Wendel. Das dritte Weihnachten im Weltkrieg! � Das dritte Weihnachten, an dem der sanfte Hall der Christglocken von dem rauhen Gebrüll des schweren Geschützes überdröhnt wird, das von allen Fronten wo nicht zu unseren Ohren, so doch zu unseren Herzen dringt! Heute, da von sämtlichen Kanzeln der Christenheit das: Friede ans Erden und den Menschen ein Wohlgefallen! vcr- kündet wird, kommt es uns grausamer denn je zum Bewußt- sein, daß Christentum und Krieg auf ewig unVerein- bare Gegensätze sind, Tie Staatskirchcn aller kriegführenden Länder tragen schwer an dieser Erkenntnis und mühen sich, eine Brücke über den klaffenden Abgrund zu schlagen. Hinter der englischen Front treibt die Heilsarmee mit ihrem ganzen bunten Brimborium ihr Wesen und sucht zur Anwartschaft für die himmlischen Heerscharen Seelen wcgzufangcn, die eben erst den Werbern seiner großbritaninschcn Majestät ins Garn gelaufen sind. Von der französischen Front hören mir, daß Soldaten die„Kirche Unserer Lieben Frau der Schützengräben" errichtet haben:„zwei Granathülsen," Heiist es schier gotteslästerlich in per Meldung,„sind Glocken ge- worden und läuten ihrer neuen Bcstimniung froh". Aber auch ein deutscher Bischof hat sich gefunden, der der„modernen Krämermoral Englands" hochgemut„den Heldengeist und die Heldennrt Jesu Christi" gegeuübersttellre, und ein Jesuitenpater durfte gar in einer gleichgesinnten Zeitschrist schreiben: ' Verurteilt dasiEvongelimn mit seinem Gebet der allgemeinen Menschenliebe- jeden ötrieg? Ist der jetzige Weltkrieg wohl gar ein Bankrott des Evangeliums, wie man schon vc« haupiet bai? Gerade das Gegenteil ist der Fall. Denn wenn e s a u f Erden keine Kriege mehr gäbe, d a n n w ä r e die Weissagung des Evangelium? falsch, die viele und grotze Kriege bis zum Ende der Zeiten prophezeit hat,(!'.) Das freilich kommt heraus auf Bodenstedts„Christentum, gepredigt auZ Kaiionenschlünden", und jenes Bischofs„Helden- hafter" Christus, vielleicht mit der Handgranate statt dein Del- zweig in der Rechten, ist vollends eine undenkbare Vorstellung. Nein, alle Auslcgungsknnst und jeden UmdcutungSversuch macht das in seiner Schlichtheit so erhabene Wort zuschanden: Friede ans Erden! Friede auf Erden— das Christentum in reiner, ursprünglicher und unverfälschter Gestalt birgt den Weltfrieden und nicht den Weltkrieg im Schoß. Auch die Millionen in all den vom Kriegsbrand ergriffe- neu Ländern, die zum dritten Male vernehmen müssen, wie der weihnachtliche Friedensruf kraftlos über ein Europa hin- hallt, das wüster Schädelstätte gleicht, auch sie lverdcn sich nicht mehr bereden lassen, daß dieses Grauenhafte und lln* faßbare göttliche Schickung sei. Als im Hochsommer 1914 allenthalben dM rüstigen Männer Pflug und Schraub- stock, Ladentisch und Schreibpnlt im Stich ließen, nni zur Flinte zu greifen, schworen die meisten, daß die Weihnachts- glocken des gleichen Jahres die Friedensglocken sein würden. Aus den Schützengräben sandten sie in der Christnacht heiße Wünsche in die Heimat, in der festen Ueberzeugung, daß das nächste WeihnachtSsest als Fried enssc st kommen werde. Als auch die Wintersonnenwende 1915 keine Wende der trüben Zeitläufte brachte, ließ doch keiner die Hoffnung auf Weih- nachten 19!>i sinken: da konnte nicht mehr Krieg, da mußte Frieden sein! Nun wölbt sich der gestirnte Himmel auch über dieser.ersehnten, Christnacht, aber immer noch durch- ziehen Drahtverhaue ganz Europa, und ob diesseits und jenseits von ihnen Millionen von Augen verziveiselt nach dem Stern von Betlehem ausspähen, so steigen doch nnr Leuchtkugeln unheimlich ans und übergießen mit gleichgültigem Schein Grauen und Entsetzen, Verwüstung und Verwesung. Aber die Millionen in allen kriegführenden Ländern be- gehen dieses Weihnachten doch nicht ganz in dem Ge- misch von unbestimmter Verzweiflung und unbestimmter Hoffnung wie die beiden vorangegangenen Christfeste. Ein Neues wirkt wie Gärstoff in den Gemütern. Denn indem die deutsche Negierung mit ihren Verbündeten am 12. Dezember mit ihrem Untcrhandlungsangebot die„ M e n s ch h e i t s- f r a.g e,d es Fr i e d en S" aufwarf, hat auch sie eine Weih- uachtsbotschaft an die sich zerfleischenden Völker ergehen lassen. Wenn dieses Angebot von dem Wunsch redet,„Ivcitercs Blut- vergießen zu verhüten und den Greueln des Krieges ein Ende zu machen, so können gerade wir Sozialisten unbefangen an- erkennen, daß der Geist des Bibelwortes: Friede auf Erden und den Menschen' ein Wohlgefallen! aus diesem Anerbieten spricht. Der Zeitpunkt dieses Angebots aber war nicht nur deshalb besonders günstig gewählt, weil die militärische Lage der Mittelmächte auch beim Zweifler von Berus den Gedanken an Schwäche nicht auskommen ließ, sondern auch, weil das Wort des Reichskanzlers just in die von weihnachtlichen Stimmungen bewegte Advcntszeit fiel. Siimmungen mSgcn noch so sehr Sauch ,md Rauch sein. unterichätzen soll man die Wirkung nicht, das; gerade in dem .lugeublick, da es in den Herzen Iviederklingt: Friede auf Erden!, dcr� britische Wort- und Geschäftsführer der Entente niir einem höhnischen: Krieg auf Erden! das deutsche Angebot von der Hand ivcist. Alte kunstvolle Rhetorik Lloyd Georges und alle spitzfindige Tialektik?lristide Vriands vermag darüber nicht hinlvegzutäuschen. da allenthalben die Tcelcn mehr denn aufnahmebereit sind für den Friedensgedanken.„Vernichtung des preußischen MilitürdespotiSmuS"— daS wird Millionen auch jenseits der französischen Gräben und jenseits des Kanals ivie eine blecherne Phrase klingen, wenn diesmal die Weihnachts- glocken von der Votschaft des Friedens zu künden anheben. Und diese Weihnachtsstimmung in all den Ländern, die in den schauerlichsten Totentanz der Weltgeschichte hingerissen sind, wird sich durchsetzen. Vielleicht heute nicht, vielleicht morgen nicht. Daun desto sicherer übermorgen. Einen je größeren Stimmen- und Kraftaufwand ein leitender Minister der Ententemächte gebraucht hat. das deutsche Friedens- angebot höhnend in den Wind zn schlagen, desto tiefer ist ja, kann man mit Sicherheit schließen, die K r i e g s m ü d i g- kci t in seinem Lande, die eS zn überschreien gilt. Darum folgten sich in der Tonstärke von laut zu leise hin Pokrowski, Vriand, Lloyd George. In Rußland, wo es unter der Decke zweifellos am gefährlichsten gärt, gefiel sich der neue Mann am Ruder in der wüstesten Krajtsloffelei, während sich der neue Diktator Englands, dessen Volk noch immer am wenigsten des Krieges Härte spürt, den Luxus einer verhältnismäßig gelassenen Geste leisten kann. Aber auch in England wandelt sich die Stimmung. Tie Weihnachtsbotschaft läßt sich nirgends aufhalten. Wer Ohren hat zu hören, dem klingen darum an diesem dritten, an diescin letzten Kriegsiveitmachten die Glocken trotz allem heller und zuversichtlicher in Ohr und Herz. Sic rufen es nichts nur als bange Frage in die Lande: Friede auf Erden? Sie tönen es auch als eherne Mahnung in die Welt: Friede auf Erden! Sie ZrieSensbervegung. Von drei Stellen au» kreisen Wogenringc gegeneinander und treffen und durchschneiden sich. Das deutsche Friedens- angebot, die ablehnende Haltung der Entente und Wilsons Anregung zur Friedensaussprache beherrschen gemeinsam das Feld und drängen alle anderen Vorgänge zurück. Die Be- wegung, die sie schassen, bedeutet zunächst, daß noch nie wäh- rcnd des Weltkrieges die Friedenvsrage so gewaltig wie jetzt über den Tag verfügte. Dieser Eindruck ist geradezu weit- allgemein. Auch in den Stimmen, die nichts als den Krieg wollen, den Krieg bis ans Ende, ist er zu fühlen. Aber auch nur das ist vorerst gewonnen, und wer ruhig wägt und alle Jllnsioneil von sich fern hält, der lveiß. wie viel noch fehlt, bis der entscheidende Punkt gewonnen ist, der zu dem Rufe berechtigt: Der Friede schreitet I Sie müssen verhandeln! Denn daraus kommt im jetzigen Stadiuni der Angelegenheit alles an. Daß die erste Etappe des Sieges, den der Friede zu erkämpfen hat, besetzt ist, das wird die Botschaft melden: Sic müssen verhandeln! Tics ist heute daS Ziel. Die Schweiz für Wilsons Anregung. Ter schweizerische Bundesrat a» die Kriegführenden. Kern, 2J. Tczeiiibcr. Mcldun« der Tchweijerischen Depeschen- agcntur. Gesler», den 22. Dezember 1910, bat der Schweizerische amildeorat an die Sie«ier»n«rn der kriegführende» Staaten folgende Note gerichtet: Ter Präsident der Prreinigtcn Staaten von Amerika, mit welchem der Schweizerische Bundesrat, grleitct von seinem hnfiesten Wunsche»ach einer baldigen Beendigung der neindselig- teiien, vor geranmer Zeit in Fühlung getreten ist, hatte die Freund- lichkeit, dein Bundesrate von der den Regierungen der Zentral- und Ententemächte zngestrlltr» Frirdeiisiiolc Kenntnis zu geben. In dieser Note erörtert Präsident Wilson die hohe Wünschbar- kcit internationaler Abniachungen zum Zwecke sicherer und daucrndcr Brrmeidnn« von Katastrophen, wie diejenige es ist, unter der heute die Völker leide». Er betont im Zusammenhang damit vor allem die Rottvciidigkeit, das Ende des gegenwärtigen Krieges herbeizu- sühren. Ohne selbst FricdenSvoeschlägc zu machen oder die Brrmitte- lmig anzubieten, beschränkt er sich darauf zn sondiere», ob die Mensch- heit hoffen darf, sich den Segnungen des Friedens genähert zn haben. Tie überaus verdicustliche pcrsenliche Initiative von Präsident Wilson wird rine» mächtigen Widerhall in der Schweiz sinde». Treu den Berpflichiungen, dir sich aus der Einhaltung strengster Neutrali- tat ergebe», in gleicher Freundschaft mit den Staate» der beiden im Kriege stehenden Mächtegruppen verbunden, wie eine Insel inmitten der Brandung des schrecklichen Bölkeekrieges gelegen und in seinen ideellen und maiericllcn Interessen auf daS empsiudlichste bedroht und vcrleht, ist unser Land von einer tiefgehenden Frirdenssrhiisucht erfüllt und bereit, mit seinen schwachen.steilsten mitzuhelfen, um den unendlichen Leiden des Krieges, welche ihm durch tägliche Berührung mit den Juternirrtr», Tchwerverwundeten und Evakuierte» vor Augen geführt werde», ein Ende zn bereiten und die Grundlage» zu einem segensreichen Zusammenwirken der Böller zu schaffen. Der Schweizerische Bundesrat ergreift daher freudig die Ge- lcgcuhcit, die Bestrebungen des Präsidenten der Bereinigten Staaten von Amerila zn unterstützen. Er würde sich glücklich schaben, wen» er in irgendeiner auch noch so brschridciicn Weise für die Annäherung der im Kampfe stehende» Böller und für die Erreichung rineS dauerhaften Friedens tätig sein könnie. Wilsons A» reg Uli Z im Ko»ffrcft. Auö New 2Jork wird der„Frankfurter Zeitung" vom 23. Dezember geinelSet: Im Kongreß wurde die Initiative der ameeika- nischen Regierung ausgezeichnet ausgenommen. Ohne Unterschied der Parteien begrüßen sämtliche republikanische und demokratische Mitglieder die von Wilson eingeleitete Friedensbewegung. Sach- verständige glauben, daß die Kriegführenden sich dahin einigen werden, zn einem vorläufigen FriedenSge sprach zusammenzukommen. Die eigentlichen Friedensverhandlungen wür- den dann folgen. Es sei denn, daß mau zu einem Ergebnis komme, daß eine Grundlage für eine Verständigung unmöglich zu finden sei. Wilson und Lansing. Wie der„Frantfuctcr Zeitung" weiter aus New Aork gemeldet wird, hatte Präsident Wilson niit Lansing nach dessen Ncußcruvgcii, daß Amerika in den Krieg hineingezogen werden könnte, eine Unterredung. Naäzdcm beide konferiert halten, erklärte Lausing, daß Amerika neutral bleiben werde und daß alle Befürch- tungen, die sich an der Börse schon ernstlich geltend machten, unbe- gründet seien. Wann war Wilsons Note in London? Der Londoner Korrespondent des„Manchester Guardian' er- fährt, daß die Wilsonsche Rote am Dienstagabend auf der amcrika- nischen Botschaft empfangen wurde, so daß sie abgesandt sein muß, vcvor Lloyd George seine Rede gehalten hat. Sozialistische Stimmen über Wilsons Jrieöensvermittlung. Tie Kommentare der italiemschen Presse zu Wilsons Nole sind nur zum Teil und keineswegs schroff ablehnend. Der sozialistische „Avanti" steht diesmal nicht allein, wenn er schreibt: „Niemandem kann die Wichtigkeit des Vorgehens des Präsi- deiiteu der großen amerikanischen Konföderation entgehen. ES be- deutet einen erheblichen Schritt zum Abschluß des entsetz- lichen Konfliktes sowie einen Schritt zum Frieden, wenn dieser auch nicht sofort erreicht werden sollte. Wir sind nunmehr unver- rückbar auf einer neuen Straße. Wilson, das Haupt der größten neutralen Nation, würde diesen Schritt gegenüber allen Welt- mächten nicht unternommen haben, wenn er auch nur von weitem angenommen hätte, schlecht aufgenommen zu werden. Wir glauben, daß der Ausgangspunkt Wilsons der sicherste, genaueste und einzige ist, der zu einer ernsthaften Friedensbesprcchung führen kann." „Soci aide mo traten", das Organ der dänischen Partei, sührt aus: Wenn England als führende Macht der Entente nun beide entgegengestreckte Hände— Deutschlands und Wilsons— zurückweist, so wird von dem Idealismus, mit dem England sich seit Kriegsausbruch umgibt, im Urteil der neutralen Staaten viel verschwinden und die Ueberzeugung sich festigen, daß England durch die Grcy-Eduardsche Einkreisungspolitik shstrmatisch den Krieg mit Teutschland um die Weltherrschaft vorbereitet hat. wie England im Laufe der Jahrhunderte jedesmal Portugal, Spanien, Holland, Frankreich niedergeschlagen hat, wenn diese Länder zu gefährlichen Konkurrenten sich cmpor-schwangen, wie England stet« bemüht war. den Norden uneinig und schwach zu halten durch den Uebersall aus Dänemark 1807, durch Begünstigung der Trennung Norwegens von Schweden 1805, wie England rücksichtslos Indien niederzwang, Aegypten annektierte, mit China Krieg führte, um das Recht der freien Opimneinsuhr aufrechtzuerhalten zur Vergiftung des Chi- nesenvolkes, wie es die freien Burcnrepubliken eroberte, wie Ena- laird Missionare auSsandte, mit Branntwein, Pulver und Svvhilrs im Kielwasser, als Pioniere der Handelsmacht, die Millionen Menschen relativ glücklicher„wilder" Völker aussog und vernichtete. ja so will England nun auch Deutschland niederschlagen, nicht den deutschen Militarismus, denn diesen eignet sich gerade das England Lloyd Georges als neues Mittel im Kampfe um die Weltherrschaft an, sondern daS Deutsche Reich und die deutsche Nation mit ihren gefahrdrohenden Eigenschaften, wie Fleiß, Tüchtigkeit und Organi- sationstalcnt. Die Wiener„Arbeiterzeitung" sagt: Die Tatsache allein, daß zum ersten Male eine neutrale Macht gesprochen, ist im Interesse des Friedens aufs innigste zu begrüßen. Sicher ist, daß ihr Ruf auch die anderen Neutralen erwecken wird. Freilich dürfte, was Wilson will und sagt, den Harrenden wenig erscheinen, den Zweifelnden sogar gefährlich. Allerdings, wenn eS Wilson gelänge, die jetzigen Kriegführenden zu Mitgaranten des Friedens zu machen, wäre das der Allgemeinheit gewonnene Gut so groß, daß daneben der Gewinn und Verlust von Landstrichen für den einzel- nen nur eine geringe Rolle spielen könnte. Es wäre kein deutscher, kein englischer Frieden, sondern der Weltfriede selbst. Sie Zerstörung im rumänisthen petroleumgebiet. Rumänien unter der Diktatur der Enteute. Telegramm unseres Kriegsberichterstatters Dr. A d o I f K ö st e r. Plocsti, 19. Dezember. Der Brand in den Rasfinerien von Ploesti, der heute noch nicht ganz erloschen ist, stellt sich immer mehr als unerhörte Vergewaltigung der rumänischen Regierung durch England dar. Von einem hervorragenden neutralen Jndu» stnelleir in Plocsti erfahre ich über diesen nur halb geglückten englischen Anschlag auf Rumäniens Natioualindustrie folgendes: Schon drei Wochen vor der Einnahme der Stadt rich- tete die rumänische Regierung an die Direktoren der ein« zelncn Gesellschafie» einen Befehl, im Falle der Ankunft der Deutschen nicht» zu zerstören, sondern vorher lediglich die wert- vollsten Maschinenteile zu demontieren und abzutranSportien, das vorhandene Oel in Gruben laufen und dort verbrennen zu lassen. Ungeachtet dieses Befehls erschienen bald darauf zwei englische Majore, CliffordS und Thompson, mit einer Schar von Handlangern und trafen Vorbereituiigen zur Vernichtung der gesamten Werke. Die rumänische Regierung erließ noch einmal strikten Befehl, alle Betriebe im Gange zu lassen und auch mit der Sbmontieruug so lange zu warten, bis ausdrückliche Anweisung käme. Dieser telegraphische Befehl aus dem nimänischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten hat mir hier heute im Original vorgelegen. Trotzdem begannen die beiden Engländer, die selber frühere Petroleumexporteure waren, damit am 5. Dezember vormittags einzelne Raffinerien an- zuzsindeu. Auf Proteste neutraler Fabrikdirektoren hin antworteten sie, daß die Entente zahlen könne und werde. Major Thompson zündete hierauf eigenhändig ein voll Oel gepumptes MaschincnhauS an. Hinter ihm stand ein Kinooperateur, der diesen sinnfälligen Akt englischer.Hilfe' für Rumänien filmen»nutzte. Wie die Engländer die rumänische Pctrolemnindustrie, so suchten die Franzoieu die rumänische Mühlcnindustrie zu vernichten, lediglich, »veil sie dein deutschen Sieger zu gute käme. Nur da« energische Austreten des Präfckten von Craiova, der einigen französischen Emissären einfach die Tür wies, hat verhindert, daß die walachi- scheu Gctreidevorräte angezündet, die reiche Mllhlenindustrie de« LmrdeS durch Legen von Tynamitbornben in die Fabriken auf Jahre hinaus zerstört worden ist. Heut« ist die rumänisch« Regierung zu einer Puppe iu der Gewalt der Entente herabgesunken, und die ehe« »»als stolzen Minister au« Bukarest müssen in Jassy zuschauen,>vie die Russen ihnen systematisch daSLand, seine Brücken, seine Fabriken, Tunnels. Borräte vernichten. Trotz des Brandes in Ploesti, der einigen Gesellschaften emp- sindlichen Schaden zusi'igte, sind die erbeuteten Borräte an Benzin, Oel, Petroleum sehp groß, aber nur der schnelle Anmarsch der Truppen des Generals Morgen hat verhütet, datz der angerichtete Schaden irreparabel ward. Mitten iu der ZersiorungSarbeit mutzten die Engländer fliehen. Wer heute die Brandstätte besucht, sieht zwischen verkohlten Tanks, welche eingetriebenen Zylindcrhüten gleich am Boden liegen, völlig unversehrte Maschinenhäuser. Kesselhäuser, Kraftanlage» und Reihen unbeschädigter Benzinvorräte, die bis oben hin gefüllt sind. Die unterirdischen Röhren und Kabelleitungen sind vollkommen intakt. Ucberall sind eifrig Hände von Fachmännern am Werke, die Grund- logen für baldige Wiedcraufnohine des Betriebes zu sichern. Schon heute bedeutet da» eroberte rumänische Oelgebict für uns eine neue Kraftquelle, die uns mancher Sorgen enthebt. Nicht Deutschland, sondern Runiänien wird den dauernden Schaden der englischen Brandstiftung zu tragen haben. « In Bukarester Blättern wird auf Grund von Angaben, die der deutsche Kommandanl des Petroleumgebiets in Ploesti gab, laut „Lokal-Anzeiger" noch folgende« mitgeteilt: Die Reservoire der Gesellschaften.Americana' und „Franeo-Romana* brennen heute noch. Die Engländer be- zahlten jeden Schaden, den sie anrichteten. In Ploesti allein zahlten sie einer Gesellschaft acht Millionen Frank Schadenersatz. Viele Arbeiter wurden unter lebensgefährlichen Drohungen gezwungen, an dem VerhcenuigSwerk teilzunehmen. Glücklicherweise gelang e- Thompson keineswegs, das Ziel auch nur annähernd zu crrcichcu. Allerdings wurde großer Schaden verursacht, aber nicht in dem Matze, datz er nicht in kurzer Zeit wieder gut« gemacht werden lönnte. Selbst die Vorräte konnte»» nicht ganz vernichtet werden, und Oberst Thompson wird sich »ich» freuen, wenn er ersährt, datz wir an Petrolenin, Benzin und Paraffin große Vorräte unversehrt vorfanden. Am 12. Dezember besetzten»vir Ploesti, und am 13. Dezember übernahm ich das von Predeal bis zum Ialomitafluß reichende Gebiet. Viele Reservoire fand ich unversehrt, aber auch viele Brunnen verstopft. Das englische Zerstörungkwerk wird un« in unserer Arbeit nicht stören. Wir waren darauf vorbereitet. Tee Komps tobte noch in Predeal, als in K r o n st a d t schon Bohr- Maschinen und Raffinerieapparate bereit st anden, um an Ort und Stelle geschasit zu werden. Hier weilt auch schon ein deutscher Geologe, nach dessen Ralichlägen wir neue Bohrungen vornehmen werdein Tie kopflos zurückziehenden Rumänen konnten selbst Hunderte von Zisternen-AaggonS nicht wegschaffen. Sobalv die Eisenbahn hergestellt ist. und daran wird fieberhaft gearbeitet, beginnt der Abtrausport des Petroleums und der Benzinvorräte. Die Englängcr haben Millionen geopfert und auch Ruinänicii un- erinetzlicheu Schaden zugefügt. Trotzdem ivcrden»vir so viel Petroleurn und Benzin haben, lvie wir brauchen. Die Herrschaft über üie Donaumünöungen. Tic Besetzung von Tulcca. Berlin, 23. Dezember. Wolffs Bureau meldet: In raschem Vorstoß haben die Bulgaren die russischen Nochhutstellungen in der Dobrudscha überrannt und die Stadt Tulcea bc- setzt. Im Besitz der Hügcllinie von Tulcca beherrschen die Sieger den unteren Donauarm, den Suftna-Kanal und den St. Georgs-Arm. Die Donauschiffahrt ist somit völlig unter- Kunden, und den Russen stehen für Transporte nach Galatz und deinSereth nur noch die Bahnlinien von Reni und Jassy zur Verfügung. Der äußerste östliche Flügel der Heere der Verbündeten hat mit der Einnahme von Tulcca einen festen, äußerst wichtigen, nicht zu flankierenden Stützpunkt erhalten. Im Osten macht das breite Tonaudelta jede Annäherung un- möglich. Gegen Norden ist Tulcea durch die 15 Kilometer breiten Donausümpfe gedeckt. Die russischen Verbände Sacha- rofss sind in die äußerste Nordwestecke der Dobrudscha ge- drängt, und als rückwärtige Verbindungen stehen ihnen nur noch Jsaccea und Braila zur Verfügung. Ob sie einen letzten Versuch machen werden, sich auf der Hügelkette Turccia—- Greci—-Fei lor— Jsaccea zu behaupten, ist höchst zweifelhaft. Italien unö HriechentanS. Im italienischen Senat dankte Ministerpräsident B o s e l l i für die VertrauenStageSordnuilg und erklärte die griechische Frage für heikel.„Unsere Ziele sind einfach und klar. Wir»vollen mittels der nötigen Vorsichtsmaßregeln die Sicherheit der alliierten Truppen in Majedonien bewerkstelligen,»vir wollen auf Griechen- land keinen Druck ausüben, um es zur Aufgabe seiner Neutralität zu veranlassen und uns in die inneren Parteikämpfe dieses Landes nichr einmischen.' Der Senat votierte darauf einstimmig sein Vertrauen. Ein ßrieöensruf aus öem englischen tzeere. Christiania, 22. Dezember. Ter Berichterstatter der Zeitung „Aftenposten" meldet aus London: Auf die Aeußerung, die der liberale Abgeordnete Professor LeeS Smith im Unterhaus tat, der als Korporal in der englischen Armee in Fiaickreich Dienste ge- tan hat, datz alle englischen Soldaten in Frankreich ein- st immig für die Einleitung von Friedcnsver- hbandlungen seien, entgegnete Bonar Law, falls diese Auffassung im ciiglii'chcn Volk Boden gewänne,«vurde alles Blut. das England im Krieg geopfert habe, vergebens vergoffcn worden sein. Rotterdam, 22, Dezember..Nieuwe Nottcrdamsche Courant" meldet aus London: Bonar Law antwortete gestern im Unterhause auf eine friedenösreundliche Rede von LeeS Smith, einem Kor- poral bei dem Sanitätskorpö der Armee. Dieser hatte gesagt, daß die Soldaten einstimmig für eine billige Beratung überden Frieden sein würden. Sir John Simon sprach seine vollständige Uebereinstiinmung mit der Rode Lloyd Georges ans und legt« dabei Nachdruck auf die Tatsache, daß Lloyd George nicht die Tür für den Frieden zugeschlagen habe. Die„Times" sagt in ihrer Uebersicht über die ParlamentSvcr- Handlungen: Allgemein habe die Auffassung geherrscht, datz der Premierminister das letzte Wort über das Friedensangebot ge- sprachen habe, bis der Abgeordnete Lees Smith darauf hinwkes, daß die Tür noch offen stände. Irieüeneftimmen in üer Duma. Der Bericht über die Sitzung, in der der frischgebackene ruffische Außenminister Pokrowsky das deutsche Friedensangebot»nit einer wüsten Hetzrede beantwortet hat, meldet einstimmige An- nähme der Tagesordnung, die die Auffassung des Ministers billigt. Wie»vir schon mitteilten, ist jene Einmütigkeit der pure Schwindel gewesen. Der fortschrittliche Block hatte die Aussperrung jener sozialistischen Abgeordneten beschlossen, die Trepotv am 2. Dezember mit einem solchen Höllenlärm empfangen halten, daß er dreimal die Tribüne verlassen mußte, ehe er zu seiner Rede kam, in der er die allerdings vorläufig nur diplomatische Auslieferung Konstantmopels und der Meerengen durch die Westmächte an Rußland verkündete. So konnte denn die Duma Pokrowsky ihr Vertrauen votieren, nach- dem sie selbst die einzig ernste Opposition durch rücksichtslose Aus- Übung des parlamentarischen HauSrechtes auS dem Sitzungssaale gedrängt hatte. Als die Sozialdemokraten wieder an den Sitzungen teilnehinen durften, gab eS sofort die energischsten Protesterklärungen gegen die brutal« KriegLrede PokrowSkys. Tuljakoff erklärte rund heraus: Wir Hütten zweifellos die Abjoeisungsformel (PokrowSkys) abgelehnt, und zwar auS folgenden Gründen: Wir stehen mehr als je auf dein Standpunkt, daß wir den Frie- den brauchen. Aber durch die schädigenden Manöver des Duma- Präsidenten(die erwähnte Ausweisung) ist uns jede Meinung»- äußerung abgeschnitten gewesen. Wir legen darum Protest ein und verlassen den Saal, zum Symbol, daß uns nichts mit der kriegshetzerischen Duma verbindet." Januschkewitz legte ebenfalls schärfste Verwahrung gegen die Verletzung der Dnniastatuten ein, deren er den Präsidenten und den fortschrittlichen Block anklagte, und beschuldigte die Duma, sie hätte in fre»ndem Auftrage die Opposition gehindert, zu den Grundfragen der Politik Stellung zu nehmen. Mit aufrickstiger Freude wird der deutsche Sozialdeuwkrat das mannhafte Auftreten der russischen Gnmssen begrüßen. Niemals aber darf vergessen werden, daß die russischen Sozialdenwkraten eine verschwindende Minderheit in der Duma sind, und daß der bis aufS Blut deutschfeindliche Fortschrittsblock Bürgertum und Intelligenz, kurz die ganze„Gesellschaft" hinter sich hat. Jene Eleinente, die die Verbürgerlichung und Parlamentarisierung Rußlands anstrebe»», sehen in dem deutschen Kaufmann und Industriellen den übermäch- tigen Konkurrenten, nach deffen Niederwerfung erst Rußlands In- dustrie und Handel den erträumten Aufschwung in amerikanischen Dimensionen nehmen könne. Enösieg in öer Vobruösiha. Einnahme von Tulcea. Tulcea au der unteren Donau genommen — Artilleriekampf und englischer Angriff bei Npern— Französische Angriffe an der Boxesenfront. Amtlich. Großes Hauptquartier, 23. De- zcwbcr(W. T. S.) westlicher Kriegsschauplatz. ArmecdcsGcneralfeldwarschallsHerzog Albrecht von Württemberg Im Zpern-«ud Wytschaete-Bogen erreichte gester» der Artilleriekampf erhebliche StSrte. Südöstlich von Aperu griffen englische Abteilungen an; sie wurden durch Feuer an einer Stelle im Nahkampf zurückgetrieben. Südlich von Boesinghe drangen mehrere Patrouille« in die feindlichen Gräben und brachten Gefangene, Maschinengewehre und Beutestücke zurück. Heeresgru-ppeKronprinz. An der Champagne-«nd Maas-Frout nur geringe Feuertätigkeit. In den Bogeseu, nordwestlich von Münster, hoben deutsche StreifkommandoS einen franzSjischen Sappcu- postcn auf. Bei Frapelle, östlich von St. Dick, und südlich deS Rhcin-Rhonc-Kanals wurden nach starker Artillerievorberei- tuug angreifende französische Abteilungen abgewiesen. Oestlicher Zkricgsschauplatz. Front des Generalfeld Marschalls Prinz Leopold von Bayern. Nichts Wesentliches. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph. In den Waldkarpathen mehrfach Patrouillen- Unter- nehmungen, bei denen Gefangen« und Maschinengewehre eingebracht wurden. Hurlans Rücktritt- Czernins Berufung. Burian gemeinsamer ffiuauzmtnister— Hohenlohe zurückgetreten. Ministcrwechsel ohne Ende in Oesterreich? Der gemeinsame Minister des ZsuSwLrtigen Baron Burian ist am Freitag von diesem Posten zurückgetreten und zum gemeinsamen Finanzminister ernannt worden. Zu seinem Nachfolger als Minister deS Aus- wärtigr« ist Graf Czerni», der frühere k. und k. Gesandte in Bukarest, ernannt worden. Der gemeinsame Finanzminister Prinz Hohenlohe ist zurückgetreten. Bei der gestern erfolgten Einführung in sein Amt betonte Graf CTzernin in der Antwort auf die Begrübung durch den Ersten EektionSchef Botschafter Frriherrn von Macchio, daß rr nicht die Absicht habe, jetzt ein politisches Programm zu entwerfen, daß er ober an den Richtlinien der Politik deS Barons Bn- rian unverändert festhalten werde. Insbesondere identifi- zierte sich der Minister völlig mit den von den Mittelmächten und deren Verbündeten gemachten letzten Vorschlägen, da die Siege des vierbnndcs jede Mißdeutung seiner Friedensbotschaft ausschlössen. Tic innere Lage streifend, erklärte Graf Czernin, rr stehe selbstverständlich voll und ganz auf dem Standpunkt des vier Ausoleich« und betrachte die strenge Parität zwischen Oesterreich und Ungarn als das Fundament seiner Tätigkeit. *» * Ohne daß der Oeffentlichkeit irgendwie die Gründe unigeteilt worden wären, sind in der Donaumonarchie gewaltige Verände» rungen in den höchsten Aemtern vollzogen worden, sowohl in der österreichischen Regierung wie in der zwischen Oesterreich und Ungarn gemeinsamen Leitung der äußeren Politik— nur Ungarn steht ruhig und unbetvegt im Strudel der Ereignist«. Baron Burian. der nach der italienischen Kriegserklärung den Grafen Berchtold im Ministerium de? Aeußeren und des kaiserlichen Hauses abgelöst hat, kehrt in sein Reichs-Finanzministerium zurück, das Prinz Hohenlohe verläßt— jener zugleich fort schrittlich und staats-Lsterreichisch gesinnte Man», den Körber zu allgemeinem Erstaunen nicht in sein kurzlebiges Ministerium über nahnr. Und an Stelle Burians wird Graf C z e r n i n Außen- minister, der bis zum Kriege Gesandter in Bukarest war. Weder Burian noch Czernin wird der Abfall Rumänien? von den Zentralmächten zum Vierverband verübelt oder zur Last gelegt. Burian wird besonders ausgezeichnet und bleibt an hoher Stelle. Czernin rückt überraschend schnell vom Gesandten bei einem zwar wichtigen, aber doch nur mittleren Staat zum Leiter der Reichs- Politik auf. Als das groß? Rätsel raten betrieben wurde, was Herr v. Beth- mann Holltveg in dem so plötzlich einberufenen Reichstag sagen würde, spielte auch die Angabe oiue größere Rolle, der Kanzler würde etwas über die Lösung der südslawischen Frage be- richten. Das hat sich nicht bestätigt. Aber Tatsache ist, daß zu den südslcuvischen Gebieten der Donaumonarchie, die trotz ihrer tcrri- wrial«! Einheit heute in drei Teile getrennt sind— die südslawischen Teile der österreichischen Provinzen Kärnten, Krcnn, Küstenland, Jstrien, Dalmatien, das zu Ungarn gehörige König« reich Kroaticn-Slawonien und das Reichsland BoSnieu-Herzego- vina— die besetzten südslawischen Gebiete Serbiens mit Montenegro und einem Teil Albaniens gekmumen sind. Wird irgendeiiw Aenberung in der staatlichen Gliederung deS Südslawentums innerhalb der Monarchie angestrebt, so wird Ungarn, wie rmmer so auch hier, sehr nachdrücklich auf der Wahrung seiner Jirter- esse» bestchen. Nun, dem ReichSfinanzminister, dem Bosnien. Herzegowina untersteht, wird dabei naturgemäß eine wichtige Rolle zufallen— und Baron Burian ist Ungar, während sein Vorgänger Hohenlohe Oesterreicher war. Vielleicht ist auch hierin ein nicht unwesentsicher Umstand zu erblicken. Merkwürdig ist die Ernennung des Grafen Czernin, dem man übrigens nachsagt, daß er kein zünftiger Diplomat sei und der zu dem Kresse Franz Ferdinands gehört hat, auch deshalb, weil seit Menschengedenken der Minister des Aeußern nicht mehr aus dem konscrvatwcu böhmischen Fcudaladcl gcuoumieu wurde. Zumeist Südlich von MestccaucSci«ahme» österreich-ungarische Abteilungen eine jüngst aufgegebene Borstellung den Rnffe« wieder ab. Heeresgruppe des GeueralscldmarschallS von Mackeusc«. I» der Dobrudscha stürmte» die verbündete» Truppe» »uhrere rassische Nachhatftcllnngea»ud besetzte« Tulcea a» der«utere« Donau. Die Gefangenenzahl hat sich auf über 1600 erhöht; mehrere Maschinengewehre Ware« die Beate. Mazedonische Front. Am Dojran-See Artilleriefeucr, iu der Struma-Edene Borpostengefcchte. Der Erste Geueralquartiermeister. Ludeudorf f. * �tbenöbericht. Amtlich. Berlin, 23. Dezember abends.(W.T.B.) Im Weste« wegcu nngüuftiger Witternug nur geringe Gefechtstätigkeit. Auf der Ostfront nichts Wesentliches. Die Dobrudscha ist bis auf das Geläude zwischen Mari««nd Zsaccea vom Feinde gesäubert. Am Dojran-See vorübergehende Artillerietätigkeit. * Die beiden Orte Marin und Jsacrea bezeichnen ein schmales Gebiet im großen Knie der Donau, Galatz und Rem gegenüber. -i-* Der österreichische Sericht. W i e n, 23. Dezember 1916.(28. D. 25.) Amtlich wird »erlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Im Mcsticauesci« Abschnitt haben österreichisch- nngarische Truppen mehrere russische Verstöße abgewiesen. Rtalieuischcr und Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts zu berichten. Der Stellvertreter des Chefs des GcueralstabcS. v. H o e s c r, Feldmarschallcutnant. waren es Ungarn, die auf dem Ballplatz, zwei Schritte von der Hoch- bürg, amtierten: Andrassy. Kaluoky, Burian; einmal ein Pole: Goluchowski, zweimal Augehörige des sogenannten.verfasiungs- treuen" Großgrundbesitzes, der» man politisch immer auf deutsch- bürgerlicher Seite sah: Aehrenlhal und Berchwld, während die Familie Czernin ebenso wie die Grafen Clam-Martinitz stets zn den Führern der tschechisch-feudalen Richtung gehörten. Wir haben bereits mitgeteilt, daß Graf Clam-Martinitz aus der Parteiführung der Rechten des Herrenhauses ausgeschieden ist; es besteht kein Grund, anzunehmen, daß Graf Czernin tschechischer sein sollte als sein Standesgenosse Slam. Aber auf der anderen Seite glaubt man vielleicht doch, der unausbleiblichen Regelung des Zusammenlebens der österreichischen Nationen dadurch vorzuarbeiten, daß man Männer zur Vorbereitung holt, deren Namen durch jähr- zehntelange Gewöhnung den Tschechen eine gewisse Bürgschaft zu geben scheint. Eine neue russische Anleihe! Ter„Frankfurter Zeitung" wird aus Amsterdam go meldet: Der russische Finanzminister reichte eine Gesetzes- Vorlage ein zur Ermächtigung der Staatsbank, weitere drei Milliarden Ztubel auszugeben. Die letzte Er- mächtigung war für zwei Milliarden Rubel bestimmt, von denen 310 Millionen noch umlaufen. Der Finanzministcr teilte anläßlich der Gesetzesvorlage mit, daß die Kriegsausgaben jetzt täglich 4ö Millionen Rubel betragen. Ohne Auslandsanleihe ist natürlich die Niesensumine nicht zu haben. Aber der Augenblick dürfte günstig sein. Die russischen Staatsbanken suchen sich für ihre Aktion gerade den Moment aus, wo England sich beeiferte, mit tönenden Worten seinen Willen zur Russentreue hervorzuhcbeu. Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 22. Dezember. Bericht d es GcneralstabS Mazeddnifchc Front. Es ist nichts Besonderes zu melden. Rumänische Front. In der Dobrudscha wurde der Feind nach erbittertem Kampf auf der Linie Babdag See— Baschkoe— Kameeara— Tuerkvatza auf der ganzen Front z u r ü ck g e»v o r f e n. Die bulgarischen, deutschen und türkischen Truppen machten weitere 985 Russen zu Gefangenen und erbeuteten drei Maschinengewehre. Sofia, 23. Dezember. Bericht des Generalstabs. Mazedonische Front: Nur im Wardartal heftigeres feindliches Artilleriefeuer. Eine feindliche Kompagnie, die nordöstlich vom Dojransee vorzu- rücken versuchte, wurde durch ArtÄleriefeuer vertrieben. In den anderen Frontabschnitten nichts von Bedeutung.— Rumänische Front: In der Dobrudscha ist der geschlagene und von den Vcr bündeten Truppen hart verfolgte Feind im Rückzug gegen die unterste Donau. Wir haben Tulcea besetzt. Ein türkisches Korps hat vier Kanonen c ,eutct. • Der französischer Bericht meldet von der Orientarmee (Bericht vom 2r Dezember): Patrouillengcfecht an der Struma- front. Der Artilleriekampf nördlich von Monastir hält an. Laut Hava? wird aus Larissa gemeldet, daß ein Flugzeug Kalarasi überflogen hat. Es wurde von französischen Flugzeugen verfolgt. Unsere Flugzeuge belegten die Bahnhöfe von Gradez und Belcs mit Bombe». Der russische Heeresbericht vom 21. Dezember meldet von der rumänischen Front: Auf dem linken Ufer der Donau nördlich von Buzeu Tätigkeit unserer vorgeschobenen Ab- teiiungen. Zwischen der Straße von Buzeu nach R y m n i c u l bis zur Straße I n s u r a z e i nach V i z i r u Feueraustausch der Artillerien und der Vorhuten. Auf beiden Seiten der Straße Nsurazei nach Viziru machte der Feind mit ungefähr einem infanterie- und einem Kavallerie-Regiment einen Angriff. Wir behaupten uns durch unser Feuer. An der Front S t a n l u z drängte der Feind unsere vorgeschobenen Abteilungen um ein weniges zurück. Dobrudschafront. Der Feind ergriff an der Front von der Donau bis Baschkivi die Offensive. In der Gegend von Balabantsche und Baichkivi gelang es dem Gegner, eine Reihe von Höhen zu nehmen. Durch einen Gegenangriff ver- trieben wir den Feind von einigen Höhen. Wir setzen den Kampf zur Wiedergewinnung der anderen fort. Der russische Bericht vom 22. Dezember meldet von der rumänischen Front: Auf dem linken Donauufer wurden un- bedeutende Versuche des Feindes, die Offensive zu ergreifen, durch Feuer abgeschlagen. In der Dobrudscha griff der Feind mit überlegenen Kräften unsere Abteilungen an der ganzen Front an. Nach hartnäckigem Widerstände begannen unsere Abteilungen den Rückzug gegen Norden. Durch einen glänzenden Angriff cincS unserer Regimenter wurden die Bulgaren, die östlich des B a b a- d a g s e e s, von dem Dorfe E u i s a l a kommend, vorrückten, in den See und die Sümpfe zurückgeworfelt. Die meisten ertranken. IU Mann wurden zu Gefangenen gemacht.— Im Schwarzen Meer versenkten wir in der Gegend des Bosporus zwei türkische Motor« kanonenboote.____ Der türkische Kriegsbericht. Konstantinopel, 22. Dezember. Amtlicher Heeresbericht. Persische Front: Im Norden von H a ni a d a n wurden überraschende Angriffsversuche der Ruffen mit Vcr- lusten für sie zurückgeschlagen. An der Fellahiefront und in den Stellungen südlich von Fellahie dauern die Artilleriekämpfe an. Von den übrigen Fronten ist nichts Bemerkenswertes zu melden. Der Stellvertretende Oberbefehlshaber. Der russische Heeresbericht vom 21. Dezember meldet von der K a u k a 1 u s f r o n t: In der Gegend des Dorfes Telme nordwestlich von Kalkit vertrieben unsere Aufklärer die Türken au« ihren Schützengräben und zerstörten ihre Verteidigungsanlagen und Unterstände. Sturm und Schnee wüten in den Bergen. Schwarzes Meer. Eines unserer Unterseeboote versenlte in den Gewässern des Bosporus einen Dampfer und ein Dutzend Segelschiffe. Persische Front. Fünfzig Werst nordwestlich von H a- m a d a n besetzten russische Abteilungen den Engpaß von Subaki._ Der Seekrieg. U 46 verloren'i Nach Mitteilungen in der feindlichen Presse soll da» deutsche Tauchboot U 46 im Gols von Biscaya versenkt worden sein, nach einer Verston durch feindliche U-Boote, nach einer anderen durch ein« Anzahl von Zerstörern. Dem„Loi.-Anz." wird darüber berichtet: Es ist nicht ausgeschlossen, daß nach den allgemeinen Instruktionen ein deutsche? U-Boot in der dortigen Gegend sich betätigt haben kann. Wenn auch U 46 noch nicht zurückgekehrt ist, so darf man doch emstweilen den feindlichen Meldungen mit Mißtrauen begegnen. Die Torpedierung der„Rufst an". Basel, 23. Dezember. HavaS meldet: Der„Herald' vernimmt aus New Jork, daß L a n s i n g in der Angelegenheit der amerika- nischen Matrosen, die bei der Torpedierung des„Rnssian" umS Leben gekommen sind, dahin entschieden hat, daß diese Leute als solche anzusehen feien, die aus den Schutz ihrer Regierung verzichtet hatten. Die amerikanischen Bürger, die an Bord eines befrachteten Trans- poptdampfers einer kriegführenden Macht in Dienst treten, begeben sich in«me ähnliche Lage wie diejenigen ihrer Mitbürger, die in die Armee einer fremden Macht eintreten. Holländische Dampfer in England. Haag, 28. Dezember. Der Minister des Auswärtigen Amtes macht bekannt, daß in Eugland die Ladungen von sieben holländffchen Dampfern angehalten worden sind. In der Nordsee aufgebracht. Hamburg, 23. Dezember. Der schwedische Dampfer..Malcolm"(1188 Tonne») nut Grubenholz von Schweden nach England, ist in der Nordfcc angc- halten und als Prise nach Hamburg ausgebracht worden. Auf eine Mine gelaufen. Das französische Torpedo- boot Nr. 300 lief am 1. Novcmbere 1910 vor Lc Hav« auf eine Mine und sank. Versenkt. Lloyds meldet: Der b r i t i s ch e Dampfer„Mur-x" (8564 Brutto-Registertovnen) ist wahrscheinlich versenkt worden. Der norwegische Dampfer. A V o n a"(2896 Br. 91. T.) ist versenlt worden. Die Mannschaften der als versenkt gemeldeten Dampfer „Chassie Maerskam"(dänisch) und„Bayhall"(englisch) wurden gerettet. Letzte Nachrichten. Was die Alliierten Deutschland antworte» werden. L o n d o n, 23. Dezember.(W. T. B.) Meldung des Reutcrschen Bureau«.„Daily Ehrouicle" schreibt:«Wir nehmen an, daß die Alliierten Deutschland antworten werden, indem sie es a u f f o r- dern, feine Bedingungen z u nennen, und wir nehmen nicht an, daß Wilson gegen die Logik und die Billigkeit einer solche« Antwort etwas einwenden könnte." Eine Kundgebung des Bremer ScchaudclS. In der diesjährigen Jahresversammlung des bremischen Kaufmannskon von ts am 23. Dezember hielt der Präses der Handelskammer, Herr Ed. Achelis, eine Ansprache, in der er u. a. den Uebergang aus der Kriegs- iu die Friedenswirischaft behandelte. Er führte auS: Je tiefer die während des Krieges notwendig gewordenen Zwangsmaßregeln in alle Verhältnisse des täglichen Lebens, in Handel, Industrie und Verkehr jetzt eingreifen, um so kräftiger muß die Forderung ihre» rechtzeitige» Abbaues und endgiiltizen BerschwindenS nach dem Kriege gestellt iverden. lieber die Zukunft der Seeschiffahrt führte der Redner n. a. aus: Die Entwickelung der neutralen Reederei ist durch die hohen Kriegsfrachtcn für diese Länder günstig gewesen und hat ihnen große Mittel in die Hand gegeben für die kommenden Friedens- jähre. Tic EntWickelung und Rentabilität der deutschen See- schisfahrt nach dem Kriege ist zurzeit nicht übersehbar. Wenn irgend ein Erwerbszlveig nach dem Kriecge die Sympathie des Reiches fordern darf, so ist es die Reederei. Am Schluß seiner Ansprache pries Herr Achelis da» deutsche Friedensangebot als„eine st a a t s m ä n n i s ch e Tat von höchster Bedeutung". Tie Deutschen in Patrnl. Berlin, 24. Dezember.(W. T. B.) Nach einer dem kaiser- lrchen Botschafter in Washington zugegangenen Mitteilung de» dortigen Staatsdepartements sind alleDeutschcninParral (Mexiko) anr 26. p. M. w o h l b e h a l t e n uich inFrclheit ge- Wesen.___ Die Erhebung in Portugal. Bern, 23. Tczembeer.„Temps" meldet aus Lissabon: An Bord des Dampfers„Porto" wurde» zusammen mit dern Führer Machado dos Santos 33 des Aufruhrs augeschuldigic Personen bcrnommcn. 2ö wurden freigelassen. Gewerksthastlichss. veutsches Nezch. Buchdruck�cwerbs»»d Hilfsdienstgesetz. TaS Tarifamt der Buchdrucker veröffentlicht einen vom Pnnzipalsvcrtretcr, Gehilfenvcrtreter, Geschäftsführer des Tarif- amts und vom Direktor des Kriegsarbeits- und Ersatzdepartcments unterzeichneten Aufruff worin eS heißt, die Kriegslage erfordert, daß, wie in allen Bcrufszweigen, so auch im Buchdruckgewerbe die kräf- tigen, gesunden Männer für Heeresdienst und schwere Arbeit freigemacht werden müssen unter Ersetzung durch schwächere Männer, Kriegsbeschädigte und Frauen. Das Tarifamt stimmt diesem Grundsätze rückhaltlos zu und wird den entsprechenden An- trägen auf Ersatz der männlichen Kräfte, soweit sie aus dem Ge- werbe an das Tarifamt herantreten, keinerlei Hindernisse in den Weg legen. Für die Kricgszcit wird nun also auch die Frauenarbeit im Bnchdrilckgewcrbe zugelassen, deren Eindringen in das Gewerbe die Tarifinstanzen in normalen Zeiten bisher stets mit Erfolg abgewehrt haben. Serttn unö Umgcgcnö. Heimarbeit für Militärnäharbeiten. Für eine Reihe Arbeiten, die für den Heeresbedarf hergestellt werden, bestehen keine tariflichen Lohne. Es liegt dies nicht daran, daß es sich um neue Arbeiten handelt, die noch uichttariflich geregelt sein können, sondern daran, daß die große Masse der Heim arbeite« rinnen n i ch t o r g a n i s i e r t st st und daher auf die Ge staltung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse keinen Einfluß aus zu ü b e n vermag. In letzter Zeit sind für einige Arbeiten noch die nachstehenden Löhne sestgesetzr: Windbandschuhe— ,45, Deckenbezüae aller Art — ,30, Kopfpolsterbeziige aller Art— ,16V> Bettlaken ohne l'cafit— ,7'/. Handtücher—.3�, Leibstrohsack—cht1/-:, Leiümatratzenhütse— ,27, Letbmatratzenhülse, einteilige—,30, Leibmatratzenhülse. zweiteilige — ,36, Kopspolstcrsack und Kopfmatratzenbül''s— ,12, Krankenröcke aller Art i.86, gewöhnliche Kran kenb ose 1,11, Schürzen aller Art — ,21, Taschentücher aller Art—,03, llntersacko von Barchent— ,72, Hemden aller Art Halstuch—,06 M. Dagegen sind für Granatkappen. Tränkeimer, Zeltbahnen, Fnttcriäcke und Brillcnbänder tarifliche Löhne nicht festgesetzt. Für Granatlappen ivcrden gegenwärtig noch Löhne von 10 Pf. gezahlt, wogegen die Artillericwerlstätten in Spandau und die' Handwerks- kammer in Berlin übereinstimmend für Granatkapven aus leichtem Stoff 20 Pf. und für solche aus schwerem Sloff 25 Pf. als an- gemessenen Lohn bezeichnen. Diese Löhne sind jedoch nicht vor» geschrieben und kann daher aus Grund eines Gutachtens, daß dieser Lohn gezahlt werden solle. leine Klage erhoben Ivcrden. Für Tränkeimcr werden Löhne von 26 bis 33 Pf. be- zahlt. Für Zeltbahnen ist die Stepparbeit rnit 21 Pf, die Handarbeit niil 1,15 M,. Knöpscannähen 35 Pf., Üiiegellcgen 6 Pf., Kopflöcher 75 Pf., Knopflöcher vorriegeln 5 Pf. und der Zelt- bahnbeutel mit 26 Pf. in einem hiesigen Betriebe bewertet. Derselbe Betrieb zahlt für Stepparbeit an Rciterfiltteriäcken 60 Pf. und für die Handarbeit 40 Pf. Demgegenüber zahlen andere Betriebe iür diese beiden Arbeiten zusammen 85 Pf. bis 40 Pf. Für kleine Tränkeimer werden 17— 25 Pf. bezahlt. Brillenbändcr wurden gelegentlich einmal in Berlin angefertigt und differierten die Löhne zum Teil um das Dreifache. Seit einiger Zeit werden von einzelnen Ersatztruppenteilen Reparaturen an alten Uniformen her- ausgegeben und zahlen die Unternehmer hierbei nicht den tcriifmäßig vorgeschriebenen Arbeitslobn. Sie behaupten, daß die Ersatztruppen- teile ihnen nicht die vom KnegsbeilsidungSamt des Gardewrvs festgesetzten Arbeitslöhne gewähren und sie daher nicht in der Lage seien, die vorgeschriebenen Löhne zu zahlen. Für Arbeiten dieser Art hat das KriegsbekleidungSamt des Gardekorps vorgeschrieben, daß durch eine Kommiision beurteilt werden soll, wieviel Stunden etwa die Reparatur in Anspruch nimmt. Für die so ermittelte Reparaturstunde sollen dem letzten Arbeiter 60 Pf. gezahlt iverden. Der Unternahmer erhält 80 Pf. Hierbei handelt es sich nickt um eine Zeitstunde, sondern eS ist so aufzufassen, daß, wenn ein Arbeiter eine mit zivei Stunden ein- geschätzte Arbeit in einer Stunde leistet, ihm der Lohn für zwei Stunden gezahlt werden muß. Vor der Schlichtungskommission sind letzthin öfter Klagen vor- gebracht worden, bei denen sich zuletzt herausstellte, daß die Unter- nehmer tatsächlich von einzelnen Truppenteilen die vom Be- ktndungSamt vorgeschriebenen Arbeitslöhne nicht erhielten. Bei all diesen Arbeiten, die bisher iariflich nicht geregelt sind, schwanken die Löhne zum Teil ganz erheblich und sind auch an sich zu niedrig. Die Klagen wegen ungleicher Lohnzahlung oder niedriger Löhne würden sich ohne Zweifel abstellen lassen, wenn die Arbeite- rin n e n e i n s e h e n möchten, daß dies mit Hilfe der Organisation möglich ist. Die einzelne Arbeiterin wird nicht in der Lage sein, diese Dinge zu ändern, sie wird aber in Ge- meinschaft mit den anderen ihren berechtigten Ansprüchen Gellung verschaffen könne». Anregungen, die wegen der tariflichen Ordnung der Löhne für die erwähnten Arbeiten bei den einzelnen Vergebungsstellen gegeben wurden, haben bisher zu keinem Erfolg geführt. Die Bekleidungsämter haben den Anregungen, die Löhne tarif- lich festzusetzen und genaue Bestimmungen wegen der Einhaltung der Tarifs herauszugeben, Rechnung gelragen. Auch das Kriegsministerium hat wiederholt den Bekleidung ämtern empfohlen, genaue Bestimmungen zu erlassen, damit die von den Acmtern vorgesehenen Löhne den Arbeilern auch bezahlt werden müssen. ES wäre daher sehr erwünscht, wenn das Kriegsministerium auch die andern Abteilungen veranlassen würde, ähnliche Bestimmungen zu erlassen, wie solche von den Bekleidungsämtern herausgegeben sind. Vielleicht besteht auch die Möglichkeit, daß die Heimarbeiterinnen vor� den Ausschüssen, wie solche durch das Gesetz be- treffend den Vaterländischen Hilfsdienst vorgesehen sind, sür zu schlecht bezahlte Arbeit angemessene Löhne erzielen können. Es ist ihnen daher zu empfebleii, sich mit ihrer Organisation ins Benehme» zu setzen, um Tariflöhne für die hier erwähnten Arbeiten zu er- zielen._ Mus der Partei. Die Sozialdemokratische Fraktion der Bremische» Bürgerschaft veröffentlicht folgende Erklärung: Da die Parteivcrhältnisse in Bremen durch den wiederholten Beschluß des Sozialdemokratischen Vereins Bremen, der Gelamt- Partei die Beiträge zu sperren, zu der Abkehr des genannten Ver« eins von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands geführt haben, erklärt die Sozialdemokratische Fraktion der Bremischen Bürgerschaft: Die Sozialdemokratische Fraktion übt ihre Tätigkeit als Ver- tretung der Sozialdemokratischen Parrei Deutschlands aus und betrachtet sich daher als Beauftragte des Sozialdemokra- tischen P cht t e i V e r e i n S Bremen, der die örtliche Organi- sation der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands darstellt. Die Fraktion erkennt nur diesem Verein gegenüber eine Ver- antwortlichkeit für ihr Tun und Handeln an. Die Sozialdemokratische Fraktion der Bürgerschaft. Von der Fraktion, die bisher 16 Mitglieder zählte, haben die vorstehende Erklärung unterschrieben: Behls, Blome, Donath, Junge, Kruse, Rhein, Rieke, Rose, Schröder, Stvxen, Tiedermann, Voigt, Waigand und Wellmann. Dagegen haben Henke und H o l z m e i c r die Erklärung nicht unterzeichnet. Ter Kummer des Gescholtenen. Als das Friedensangebot der deutschen Regierung herauskam, konnten wir konstatieren, daß es von dem größten Teil der Partei- presse warm begrüßt wurde. Kein Parteiblatt ging hierin aber so weit, als die aus feiten der Minderheit stehende Erfurter„Tri- büne", die unbeschadet ihrer republikanischen und demokratischen Auffassung den„Monarchen und ihren Beratern in den Mittel- mächten" persönlich ihre„Anerkennung und ihren Dank" aussprach. Wir hatten geglaubt, dieses immerhin nicht uninteressante Faktum unfern Lesern nicht vorenthalten zu sollen, und hatten deshalb den betreffenden Passus unter unserer Sanimlung von Preßstimmen zum Abdruck gebracht. Wenn wir auch nicht damit gerechnet haben, von der„Tribüne" besonderen Dank für die Weiterverbreitung ihrer Ansichten zu ernten, so muß es doch befremden, wenn sich jetzt darob ein spaltenlanger Wuterguß über uns wälzt. Das sieht ja beinahe aus, als wollte die Redaktion der„Tribüne" einen erhaltenen Rüffel auf uns abwälzen? Man wirft uns vor, nicht den ganzen Artikel abgedruckt zu haben. Wenn man, wie wir, an diesem Tage die Stimmen von etwa 30 Parteiblättern zusammenstellte, so ist das doch eine etwas starke Zumutung Im übrigen stand in dem ganzen Artikel nichts, was dem von uns zitterten Passus zuwiderlief; auch was jetzt die„Tribüne" noch abdruckt, bestätigt und unterstreicht diese Auffassung nur und ändert keinen Deut an der Tatsache, daß das Blatt der Nrbcitsgcmcinschast siiki bei den Nlonarihcn der Zentral- mächte für das Fricdcnöangcbet bedankt hat. Die Magdeburger Versammlung. Zu unserer Rotiz in Ar. 340 werden wir vom Vorsitzenden des sozialdemokratischen Vereins Magdeburg daraus aufmerksam gemacht, daß für die Jtesolution, die sich zugunsten der Mehrheit aussprach, nicht 140, sondern 110 Ge- Nossen stimmten. Wir stellen diesen Druckfehler— um einen solchen handelt es sich— um so lieber richtig, als sich bei dieser Gelegenheit auch gleich eine Verleumdung des„Gothaer General- anzeigers" aufdeckt, der behauptet, wir hätten über die Ver- sammlung nicht zu berichten gewagt. Denunziailtenausflüchte. Wir wiesen jüngst auf eine vom..Braunschweiger Volksfreund" ausgehende Denunziation hin, der einem ihm unbequemen Mehr« heitsgeriossen � öffentlich seine Militärfreiheit vorwarf, wobei das Spartacusorgan noch irreführende Angaben über das Alter des Betreffenden machte, indem es ihn zu Unrecht mit dem Attribut„jugendlich" versah. Wir nannten dies Vorgehen mit Recht eine Denunziation, denn es konnte doch nur der Zweck obwalten, die Militärbehörden zur Einziehung des Betreffenden sdcr nebenbei bemerkt bisher aus körperlichen Gründen nicht sür kricgs- verwcnduligssähig erachtet wurde) aufzufordern. Jetzt will uns der „Volkssreund" erklären, ein solches Gebaren, nämlich seine Dentin- ziation zu kennzelchneii, stände uns schlecht an. Die Leute, die Denunziationen machten, säßen der„Vorwärts"-Redaktion viel näher als er. Unseres Wissens ist bisher kein Fall von der Minderheit nam- hast gemacht worden, in dem irgendwelche zur Mehrheit stehende Genossen Minderheitsanhängcrn ihre Militärfreiheit öffentlich vor- gehalten haben, obwohl uns genug Fälle bekannt sind, in denen man mit größerem Recht aus auffällige Militärfreihcit von Minderheitsanhängern hätte hinweisen können, als der Braunschweiger„Volkssreund" dies in seinem Falle getan hat. IK. Nur ein Sozialist im amerikanischen Kongreß. Nach den jetzt vorliegenden endgültigen Ergebnissen der amerikanischen Kongreß« wählen konnte von den sozialdemokraliscken Kandidaten nur Meyer« London sin New Uork) gewählt werden. Morris Hillguilt blieb um nur 100 Stimmen hinter seinem Gegner zurück. Die Sozialisten behaupten, den Beweis führen zu können, daß Hillguilt Stimmen gestohlen worden seien. An der Wahl Eugene W. D e b S zu einem Landtage fehlten 1500 Stimmen. Gerichtszeitung. Im Daucrprozeß Schiffmann, mit dessen Vcrhaudlungsberichten wir unsere Leser sonst nicht zu behelligen pflege», kam es gestern zu derartigen Sturmszenen, wie sie vor deutschen Gerichten selten sind. Der Angeklagie warf dem Vorsitzenden nichts weniger vor. als daß er Protokolle getülschl und„in bewußt wahrheils« widriger Weise" verschiedene Sachen in die Verhandlung hinein- gebracht babe. Als der Vorsitzende das Austreten des Angeklagten als„Frechheit" bezeichnete, verbat sich dieser jede Beleidigung. Die Verhandlungen wurden schließlich bis nach Weibnachten vertagt. Ein Ende ist noch nickt abzusehen und von sachkundiger Seile eriahren wir, daß der Weklkrieg. selbst wenn er nach den Herzens« wünschen der amerikanischen'Munitionslieferanten weitergeführt werden sollte, doch noch wesentlich früher als der Prozeß Schiffmann beendigt sein werde.__ Jugenüveraüftaltungen. Schölleberg. Arbeiterjugend. 2. Feiertag: Weihnacht?« ziitammcnkliri't im Lokal von Lbst, Martin. Luthcr-Straße 69.(Nczi- tationen, Musik, zum Schluß gegenseitige Beschenlung.) Ansang 5 Ilhr. Jugendliche Freunde und Freundilmen sind freundlichst eingeladen. Der Jugcndausschnß. Köpenick. Das Jugendheim bleibt Sonntag, den 24. Dcz„ ge/.<, schloßen. Am 4. und 2. Feiertage ist dasselbe von 4 bis g'/� Uhr abends geöffnet. Am 1. Feiertags findet eine gegenseitige Betchcrung der Jugendlichen stall. Von» 1. Januar 1917 ist das Heim außer Sonntags auch jeden lliltttwoch von B/z bis 91/, Ubr abends geöffnet. Das Arbeiter« Jugendheim befindet stich nur Schönerlindcr Str. 5, Hos parterre. Friedrichshagen. In unserem Jugendheim, Scharnweberstraße 59, finden an den drei Wcihnachtsjeiei tagen folgende Veranstaltungen statt: ?!m 1. Feiertag Weihnachtsfeier, am 2. Feiertag Unter» baltungsabcnd und am L. Feiertag Lichtbildervortrag. Beginn am 1. und 2. Feiertag abends 6 Uhr, am 3. Feiertag 8 Uhr. Die Ellern der Jugendlichen und die Parteigenossen mit ihren Familien werden gebeten, diese Veranstaltungen zu»mterstühen. Hohe«-Neiie»dorf. Arbeiterjugend. Montag, den 25. d. M. fl. Feiertag): Wcibnachtsscier im Restaurant.Bürgcrhos«(Jnh. Stöbr», R ubwaldsträße. Ansang 6 Uhr. Eintritt frei. Die Eltern, Freunde und Gönner der Arbeiterjugend sind willkommen. iair �ördemng des ha r geldlosen bmgsverkeh rs eröffnen wir in unserem£Hause leipziger Stva ße am 2. Januar 1917 eine Gutschriften"Abteilung. Weher die geleisteten Sinlagen, welche mit 40lo p. a. verzinst werden, kann jeder SKonto�Sfnhahev verfügen: 1. tSeim Sinkauf von'Waren in allen Abteilungen unserer EHäuser durch Stählung mittels Sntn ahm escheine an sämtlichen SKassen. 2. Durch tägliche cSar= Abhebung an der ffutschriften=£Kasse, Jceipzigev Straße._ Die �Bedingungen der Gutschriften' Abteilung sind an sämtlichen EKassen zu haben und werden auf Wunsch durch die EPost eingesandt. SYähere Auskünfte an der Gutschriften' Abteilung. fHermmn£fietz leipziger Straße. ff V, ff1 ßerliner Scimeiierei-Genossenselialt(EIbIII.) gegründet von organisierten Solineidergehilfen Berlin N. Bfslr. 185[m Boseiiteler Tori. Grrofles fertiger ra-y-Urtn Winter-Paletots* Ulster Bozener Mäntel«Pelerinen Joppen und Anzüge Arbeiter-Berufskleidung aller Art. Elegante Maß=Anfertigung. Lieferant der Konsurn-Genossenscbakt und der Ortsgruppe Berlin d. Arbeifer-Radfahrer-Bundes. Heute von 12-4 Uhr geöffnet. Telephon: Amt Norden 1591. 104/ i* Berantw. Redakt.: Herm. Müller. Tempelhof. Inseratenteil vercmtwTh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag �Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanst.Paul Singer& Co„ Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen und Unterhaltungsbl. lir 353 33 j.§{\\� �0 LgWllck" Kttlilltt WlliSblsttt. »i W»WII>I>>i!>II II>I>>!I>>M>WWW>W>W>W>>>W!>>>IIMW>I>i>I!I>W>III IU>W!lI>!III»I»»I»» I!IIW»«1 1 II» TMkiM�MIIWWMTIVIsUTl I'■ 1'' ra,PCTl warum sollte Frankreich Zrieöen schließen l Von Heinrich Cunow. Herr Aristide Briand, Äer einst für Generalstreiks schwär- meuiie hyperrevolutionäre Sozialist und jetzige Ministerpräsi- dcnt Frankreichs, hat in der französischen Senatssitzung das Friedensangebot der Mittelmächte abgelehnt. Wer die Be- dingungen kennt, unter denen Briaud vorläufig noch als Diktator das französische Staatsruder lenkt, und zugleich in Betracht zieht, in welche politische und vor allem Wirtschaft- liche Llbhängigkeit Frankreich im Laufe des Krieges von Eng- laiw geraten ist, den kann die Stellungnahme Briands kaum Wundern. Solche Antwort war von vornherein zu erwarten, ist doch Frankreich mehr und mehr zu einem Vafallenstaate Englands geworden, der nur noch in nebensächlichen Dingen eine gewisse politische Selbständigkeit besitzt, in allem für den Krieg entscheidenden Fragen aber dem Diktirm der englischen Regierung untersteht. Wie dennoch gerade die ftanzösische Regierung dazu kommt, gleich der russischen von vornherein das Friedens- angebot abzulehnen und durch den Mund Briands verkünden zu� lassen, daß Frankreich noch völlig„a u f r e ch t" dasteht, wäre unbegreiflich, handelte es sich nicht bei den heutigen Machthabern Frankreichs um ihr eigenes Wohl und Wehe, u IN d i e e i g e n e Z u k u n f t. Sie wissen nur zu wohl, daß. wenn sie heute� nach all den von ihnen bis in die letzte Zeit erweckten Hoffnungen, Erwartungen und Siegesträumen offen erklären, Frankreich sähe sich leider gezwungen, jede Hand zu ergreifen, die ihm einen einigermaßen annehmbaren Frieden bietet, sie vor der öffentlichen Meinung als Gaukler daständen und für alle Zukunft ihre politische Rolle crusge- spielt hätten— falls nicht vielleicht die erregte Volkswut noch weit härter mit ihnen umspringt. Es ist also ein Kampf um das eigene Ich, den die Briand, Viviani und Genossen führen, ein Sichwehren gegen eine dunkle Zukunft. Und doch müßte seine traurige Mrtschaftslage, die drohende völlige� Verwüstung seiner reichsten Departements, die Aufreibung seiner männlichen Jugend, die für das ohne- hin in seiner Bevölkerungsvermehrung immer mehr hinter den anderen europäischen Großstaaten zurückbleibende Land noch weit mehr ins Gewicht fällt, als für die anderen krieg- führenden Staaten, gerade Frankreich dazu bestimmen, jede Möglichkeit eines halbwegs günstigen Friedensschlusses zu er- greisen. Seine Finanzlage ist in Anbetracht der Tatsache, daß Rußland zwar kapitalistisch schwächer ist, aber in seinem weiten Gebiet ungleich größere Naturreichtümer birgt, fast noch trauriger als die des Zarenreichs. Nach dem jüngst von Herrn Raoul Päret, dem Berichterstatter der französischen Budgetkommisfion, gegebenen Finanzbericht beläuft sich mit Einschluß der für das erste Quartal 1917 angeforderten Summen(der Krieg kostet Frankreich jetzt fast täglich 95 Mil- lionen Frank) der Gesamtbetrag aller bisheri- gen Kriegskredite auf 72� Milliarden, ge- n au er 72671 Millionen Frank. In dieser Suinnie find die Vorschüsse an verbündete Staaten, die ungefähr 3876 Millionen Mark betragen dürften, noch nicht niit inbe- griffen. Da bisher nur ein kleiner Teil dieser Kriegs- schulden durch neue Steuern, Abgaben usw. hereingebracht werden konnte, erhöhen sich die Ausgaben des französischen Budgets allein durch die Zinslast für die bisher ausgenom- menen neuen Schuldbeträge um jährlich 2312 Millionen Frank. Dabei kommt in Betracht, daß nur ungefähr ein Drittel dieser Schuldsumme durch Kriegsanleihen aufgebracht worden ist; die anderen zwei Drittel sind größtenteils durch ?lusgabe von Nationalvertcidigungs-Bons und-Obliga- tionen, durch Ausgabe von Schatzwechseln, durch Bankvor- schüste, durch Inanspruchnahme in- und ausländischer Hau- delskredite usw. beschafft. Wie hoch sich die Summe der Schatzwechsel beläuft, gibt Päret nicht an, doch läßt sie sich ungefähr nach dem Zinsbetrag berechnen. Danach müssen in Frankreich selbst mindestens für 13 Milliarden Frank, im Auslande für 7 Milliarden Frank untergebracht sein, und hierzu kommen noch die von der Re- gierung für ihre Rechnung im Auslände aufgenommenen Handelskredite von ungefähr 856 Millionen Frank, so daß sich die schwebende, ungedeckte Schuld ohne dieBankvorschüsseaufungefährlllMilliar- den Frankbeläuft. Recht begreiflich, daß das amerika- nische Federal Reserve Board sich veranlaßt gefühlt hat, die Banken der nordamerikanischen Union zu warnen, weiterhin größere flüssige Kapitalien in fremden Staatsschuldwerten, besonders in Schatztvechseln, anzulegen. Dazu kommen ferner die ungeheuer angeschwollenen Schulden vieler Gemeinden, die unbezahlten einheimischen Kriegslieferungen— und vor allem die enovmen Milliarden- betrage, die der Wiederaufbau der verwüsteten Gegenden nach dem Kriege erfordern wird. Und meist sind die industriell entwickeltsten, reichsten Departements von deutschen Truppen besetzt, lieferten diese besetzten Gebiete doch z. B. vor dem Kriege ungefähr 68 Prozent der ganzen französischen Kohlen- Produktion. 96 Prozent der Eisenerzförderung, über 86 Pro- zent der Roheisen- und 70 Prozent der Rohstahlerzeugung Frankreichs, so daß heute dieses Land auf enorme Zufuhren der genannten Artikel aus dem Auslande angewiesen ist und doch nie aus der Kalamität herauskommt. Vor allem fehlt es an Kohle. Die Eigenproduktion Frankreichs wird für das laufende Jahr auf ungefähr 12 Mil- lionen Tonnen, ein Fünftel des normalen Verbrauchs, ge- schätzt. Der Krieg hat aber den Bedarf derart gesteigert, daß 76 bis 75 Millionen Tonnen nötig sind. Da die Zufuhr ans Deutschland und Belgien unterbunden ist. sieht sich Frankreich fast ausschließlich auf den Bezug ans England angewiesen. Die englische Regierung hatte die Lieferung von 2 Millionen Tonnen pro Monat zugesagt, doch erfolgt diese so langsam und unregelmäßig, daß fortgesetzt starke Störungen der indu- striellen Betriebe und des Bahnwesens eintreten. Und welche Preise muß dafür Frankreich an England zahlen! Das Dura- foursche Gesetz setzt für den Import einen Mittelpreis von 66 Frank pro Tonne fest! dafür sind jedoch nirgends englische Kohlen in den französischen Hafenstädten zu habe». Frank- r c i ch m u ß 8 6 F r a n k u n d m e h r z a h l e n. Im Pariser- Kleinhandel aber kosten englische Steinkohlen durchweg 18 Frank pro Doppelzentner. Ebenso schlimm wie mit den Finanzen steht es mit der Handelslage. Frankreich ist zwar nicht in gleichen! Maße vom Weltmarkt abgeschnitten wie Deutschland, aber während die französische Handelsausfuhr immer weiter zurückgeht, steigt die Einfuhr in solchem Maße, daß Frankreich jetzt in jedem Monat eine Unterb ilanz von mehr als einer Milliarde Frank a n das Ausland zu zahlen hat. Für die ersten zehn Monate 1916(1. Januar bis 31. Oktober) hat die Einftrhr(worin noch gewisse Importe für Kriegszwecke nicht enthalten sind) 8316 Millionen Frank betragen, die Ausfuhr nur 2859 Millionen Frank. Diesen Berechnungen liegen aber die Normalwarenwerte von 1911 zugrunde, stellt man die von der Gencralzollvenvaltung er- unttelten Durchschnittspreise ein, ergibt sich eine Einfuhr- summe von 15 816 Millionen Frank, eine Ausfuhrsumme von 1288 Millionen Frank. Frankreich hatte also in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres 11558 Millionen Frank mehr für er- halteneWarenan das Auslandzuzahlen. als zu fordern. Zudem kommt in Betracht, daß nach den An- gaben des Generalzollanits die Ausfuhrwaren durchschnittlich nur um zirka 56 Prozent, die Einfuhrwaren hingegen um 96 Prozent im Werte gestiegen find, Frankreich also seine Einfuhr niit ungeheuren Preisen bezahlen muß. Und trotz dieser enormen Einfuhr steht es um die Leben?- mittelverforgung in Frankreick reckt mißlich. Nach den jüngst vom„Journal offiziell" veröffentlichten Ernteschätzungen be- trägt beispielsweise der diesjährige Weizenertrag(Roggen kommt für Frankreich als Brotgetreide nicht in Betracht) nur 5,81 Millionen Tonnen, in früheren guten Erntejahren über 9 Millionen, so daß Frankreich, wenn man den Mehrbedarf für Kriegszwecke mit in Rechnung stellt, ungefähr üy» bis 4 Millionen Tonnen Weizen hinzukaufen muß. Nun mußte aber die französische Regierung, die die Weizenbeschaffung Einfahrt in Bukarest. B u k a r e st, im Dezember. Auf der Straße von Schloß B u f t e a nach Bukarest. Wo die Automobile des Prinzen Stirbey hin und her sausten— die Automobile der rumänischen Generalstabsoffiziere, die eine Zeitlang in Buftea ihr Hauptquartier aufgeschlagen hatten— und zuletzt die Automobile, die die flüchtende Königin vom Schloß in der Stadt hinaus aufs Land brachten. Bukarest ist vor einigen Stunden gefallen. Einfahrt in Bukarest. In langer Reibe kommen die Batterien uns entgegen, die die Festung beschießen sollten, als sie schon keine Festung mehr war. So nahe der ersehnten Stadt— enttäuscht trotten die Fahrer jetzt müde in ihren langen Schafs- pelzen neben den Pferden wieder rückwärts. Uns Glückliche aber, tausendmal Glückliche, reißt der Wagen vorwärts. Durch die loeite starre Ebene— mit ihren dürftigen Hütten— mit ihren Herden und Sümpfen, aus denen die quirligste Stadt Europas plötzlich und unorganisch— eine künstliche Treibhauspflanze— emporschießt. Links von uns wird noch gekämpft. Unsere Batterien geben Rollsalven ab Das Auto zwitschert aufgeregt und gierig durch die Pfützen. Man schl-eßt die Augrn. Ter s. Dezember. Ant- werpcn— Warschau— Belgrad— und jetzt Bukarest. ES ist 5 Uhr. Jetzt weiß es die Heimat, jetzt läuten die Glocken an der Niederelbe. Jetzt schwirrt es durch die Drähte um Verdun und Peronncs. Jetzt läuft es in den Gräben der Champagne weiter. Bukarest gefallen. Der kleine Wagen rattert durch den Abend. Zwischen toten Pferden und verlassenen Hütten. Das Herz wird weit. Wir fahren dur chdie große Weltgeschichte. Ein bleicher Feuerschein am Horizont wird größer, röter. „Die Blaugasfabrik," sagt der Fahrer. Ueber den Bahnstrang von Ploeschti hüpfen die Räder. Vorbei an der Station C h t i l l a, die vor wenigen Stunden erst den Maschinengewehren unserer Ostpreußen erlag. Rechts die dunkle niedere Silhouette eines verlassenen Forts. Ueber die Gürtelbahn hinweg sausen wir in das stolze Werk des alten Brialmont hinein, das sich jahrzehnte- lang in den Büchern blähte, aber in der Stunde der Gefahr ab- montiert wurde wie eine Blechrüstung aus der Villendiele eines Kommerzienrats. Durch die dicken Rauchwolken der brennenden BlaugaSfabrik, die rußig schwarz über die Straße nach Westen ziehen, stoßen wir zwischen die ersten Häuserreihen. Es ist ganz dunkel geworden. Ab und zu eine klägliche Laterne. Aus den elenden Bauern- Häusern, die nach nicht Vorstadt, aber auch nicht Torf mehr sinv, treten scheue Gestalten hervor und verschwinden. Tie Gleise einer Straßenbahn erscheinen— halb unter Wasser, halb im Dreck be- graben— aber doch anheimelnde Spuren europäischen Lebens— nach diesen nomadenhaften prähistorischen letzten Wochen in der Walachei. Plötzlich stecht in einer Weiche— dunkel und verlassen — ein gelber Straßenbahnwagen. Jetzt sind wir in der Stadt. Die ersten blauen Laternen beginnuen. Etwas Niederdrückendes geht von ihrem gedämpften furchtsamen Lichte aus. Rechts das Schienengewirr des Norddahnhofs. Auch er im Halbdunkel. Aber freudig gleitet ein kurzer Blick an den schwarzen Reihen der erbeuteten Wagen entlang. Run laufen die ersten unserer Sol- daten über die Straße, rauchend, Arm in Arm. Die ersten er- leuchteten Kneipen tauchen aus. Durch die offenen Türen sieht man Frauen und Männer um einen Soldaten stehen, der mit den Hände» großspurig in der Luft fuchtelt. Langsam fahren wir i» das Innere der Stadt ein. Zwei Knaben springen hurtig in den Wagen. Tentsche� Bengcls mit schwarz-weitz-roten Schleifen. Schulze— stellt sich der eine vor. Sie halten unsere Hände fest und wollen uns mit nach Hause schleppen. Dabei reden sie große Töne von Gefängnis und Jnternierung. Durch die blauen Lichtcrreiben fahren wir in die S t r a d a Crivitiei ein. Blauerleuchtetc Pferdebahnen rasseln uns en!- gegen. Die Kutscher schlagen auf die kleinen Gäule ein, als ob sie Eile Hütten, dabei sitzt kein Mensch im Wagen. Wir biegen in die Calea Victor iei. Das Asphaltpflaster beginnt. Eine enge Straße mit niedrigen Häusern und mittelmäßigen Geschäf- ten. Ist dies das weltberühmte Zentrum dieser Stadt? Ein Mittelding zwischen dem Hamburger Steindamm und der Franken- straße in Smhrna. Klein— unansehnlich— stillos— so ist der Anfang. Aber vielleicht— nein, sicher müßten hier Menschen gehen. Es ist alles leer. Nur zwei braune Polizisten mit kurzen Holzknüppeln wandern über einen großen Platz, der rechts ein paar grüne Bäume trägt. Und an einigen erleuchteten Fenstern, die ihr blaues Schutzpapier heruntergerissen haben, zeigen sich ab und zu neugierige Köpfe. Einen Augenblick ergreift uns ein Gefühl von Enttäuschung. Wie Gleichgültigkeit gegenüber diesen glatten toten Steinhaufen. Wie eine kleine Sehnsucht nach da draußen, wo unsere Fahrer im Stroh bei Buftea liegen. Aber dann kommt plötzlich der Schloß- selbst in die Hand genommen hat. in letzter Zeit die Tonne amerikanischen Weizens durchlveg mit 166 bis-126 Frank be- zahlen, während der von ihr festgesetzte Großhandelshöchstpreis nur 36 und 31 Frank pro Doppelzentner beträgt. Sic verliert also an jeder Tonne ungefähr 166 Frank. Wenn trotz solcher Wirtschaftslage Herr Briand sich hin- stellt, von eineni aufrecktstehenden Frankreich spricht und das Friedensangebot von oben herab abweist, so zeugt das ent- weder von einer Frivolität, die rücksichtslos das Landesinter- esse dem eigenen Machtdünkel aufopfert, oder von einer mibe- greiflichen Selbsttäuschung. Gerade Frankreich bat bei der Fortsetzung des Krieges am meisten zu verlieren, denn die Folge weiterer Zertrümmerung seiner Wirtschaftskrast kann nur sein, daß es völlig zu einen! Vasallenstaat Englands herabsinkt.__ politische Uebersicht. Jetzt ist's raus! Das Bemühen der Alldeutschen, den Genossen S ch e i d e m a n n zum Vertrauensmann des Reichskanzlers in der Friedensfrage zu stempeln, ist durch die gestern von uns veröffentlichte Erklärung Scheideinanns zu Wasser gc- worden. Derweil aber haben die Alldeutschen eine noch mehr Aufsehen erregende Entdeckung gemacht: Scheidemann ist der Vertrauensmann— des Präsidenten Wilson!— Ernst Reventlow schreibt in der„Deutschen Tageszeitung": Wilson nimmt, wie ivir gestern feststellten, als selbst- verständliche Grundlage für etwaige Verhandlungen an:..die Unabhängigkeit, die territoriale Integrität, sowie die politische und wirtschaftliche Freiheit der an dem Kriege beteiligten Nationen sicher zu gewährleisten".— Beiläufig bemerkt sind, abgesehen von den Worten„sicher zu gewährleisten", diese Wen- düngen genau die gleichen wie die der Kriegsziele.Herrn Scheidemanns und in weiterer Folge der sozialdemokrati- fchen Partei. Diese Fernwirkung ist vielleicht schon nicht mehr erstaunlich, aber mich deshalb um so bemerkenswerter.— Wir hegen nunmehr die ernste Befürchtung, daß, wenn nun auch noch der Pap st einen Friedensvermittlnngü- versuch machen sollte. Scheidemann alsdann zum V e r- t r a u e n ö m a n n des P apste S gestempelt werden wird. Tie Niederkämpfer Englands. Der„Volksausschuß für rasche Niederkämpsung Englands" in München erscheint wieder auf dem Plan! Er verbreitet einen„Aufruf an die deutschen Volksgenossen", aus dem diese erfahren, daß unser Friedensangebot von den Feinden abgc lehnt worden ist.(An amtlichen Stellen und anderswo ist diese Tatsache bis heute noch nicht bekannt.) Aber der England vernicktende Volksausschuß weiß noch mehr. Er lveiß. daß dieses Friedensangebot zwar nicht unser erstes war,„abcr es wird nach der Art der Aufnahme bei den Feinden unbedingt unser letztes sein". Und was nun? Furcklbarer wird sich der Krieg erbeben alS� je zuvor i Jetzt giltö Kampf bis zum Sieg, rücksichtslosen Kampf, besonders gegen unseren Todfeind England. Jetzt gillS schonungslose Ein- sehung aller, aber nnch aller Kampsinittel, zu Lande und zu Wasser. in' der Luft und unter der See. Jetzt gilt es Per- bannug aller edlen Träume von europäischen F r i e d e'n s b ü n d e n bis zu den Zeiten, in denen der Per- nichtnngswille unserer Feinde gebrochen ist. Wir nehmen als selbstverständlich an, daß bei der„Ein- setzung aller, aber auch aller Kampfcsmittel" mit in Betracht gezogen ist. daß sich sämtliche Mitglieder des„Volksaus- schusfes für rasche Niederkämpsung Englands" zur Front melden._ Eine Mahnung Batoekis an die Landwirte. Herr von Batocki verbreitet durch die Korrespondenz d.'S Kriegsernährungsamts einen Artikel über Fleischerzeugnng, der namentlich vczwcckß die Landwirte von der Vcrfütterung der Lebensmittel zurückzuhalten, die für die menschliche Ernährung gebraucht werden. Es heißt in ihm unter anderem: Nicht nur„wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vaterlande", wie es seit zwei Jahren in den Blättern steht, so»- dern heute gilt: wer gesunde Kartoffeln oder Getreide oder Hülsenfrüchte oder sonstige Erzeugnisse irgendwelcher Art, die er»ach den Bestiinniungen abzuliefern hat, verfüttert, versündigt platz. Rechts ein niedriges Palais mit zwei eisernen Toren. An dem linken Tore unsere Grenadiere— zwei verdrcckte graue Pickelhaubcngestaltcn. Im Schlosse oben brennt ein gelbes Licht. Da sitzt ein simpler Oberleutnant für diese Nacht als Herr der Riesenstadt. Die beiden Grenadiere erzählen von dem Einzug. Sie tragen Blumen am Helm und am Rock. Sie erzählen von dem Jube! der Menschen, als sie einrückten— den niemand von ihnen begreifen konnte, bis sie merkten, daß die Leute alle deutsch sprachen. An einer Ecke traf um 12 Uhr niittags ein deutscher Musko seine Frau, die hier in Bukarest interniert war. Sie flog an seinen Hals und marschierte neben ihm ans dem Schloßplatz ein. Tie beiden Posten stehen und sagen das, als ob es gar nicht? wäre. Als ob sie an irgend einem gleichgültigen Orte Mittet» europas Wache hielten. Und dabei stehen sie an einer Stelle, aus der die Blicke der ganzen Welt jetzt ruhen. Und ihre beiden grauen Figuren sind aus immer verbunden mit dieser geschicht- lichen Nacht. Und ihre Söhne»och werden erzählen von dieser Stunde und von diesem Eiscngitter, und daß ihre beiden Alten mit dabei waren, damals, als jener große Krieg die ostpreußischen Grenadiere hinunter in die Walachei warf. Plötzlich stehen wir in einem großen Hotel. Lichtgeblcudet. Vor eleganten Kellnern. Eck Direktor verbeugt sich. Unsere dreck- bespritzten Rucksäcke werden vorsichtig auf den roten Plüsch gclegi. Im Vorraum sitzen elegante Damen in Pelzen auf nackten Schul- lern, mit Schminke und Diamanten. Beleibte, weiche junge Herren rekeln sich im Ledersessel und sehen blasiert auf unseren Fahrer, der sich die Hände an der Heizung wärmt. An der Wand neben dem Spiegel klebt der letzte rumänische Heeresbericht. Die letzten Anordnungen des Polizeigewaltigen Mustaza blicken drohend auf uns nieder.„War schon ein Deutscher vor uns hier?"—„Nein," sagt der Direktor mit wienerischem Akzent. Er führt uns in Zimmer, die wie Schlösser anmuten—- wo Wasser fließt und be- bagliche Wärme die kaltgefrorencn Glieder durchrieselt. Von: Fenster sehe ich hinab auf die Calles Victoriei. Zwischen den blauen Lichtern wandert ein junger Offizier, der seine Hände in die Manteltaschen wühlt und ein Licdchen vor sich hinpfeift. Das Nationalthcaier drüben liegt dunkel und trauernd da. In den Pfützen spiegelt sich das trübselige Laternenlicht. Weit im Nordwesten der Stadt grollen unsere Batterien. Dr. Adolph Köster, Kriegsberichterstatter. sich nm Vaierlaiid. Tie dadurch vermehrte Lieferung van fleisch und anderen tierischen Erzeugnissen vildct keinen Aus- gleich für den Schadens der unserer Volksernährung durch svlche Ilebcrtrctungcn zugefügt wird. Tarum gilt es die Gewissen zu schärfen, sonst wäre alle Mühe der verantwortlichen Stellen, durch richtige Einteilung der Vorräte die Volksernährung zu sichern, schließlich vergebens. Leider sind bisher solche Ermahnungen ganz ungenügend bc- folgt worden.__ Herr<5laas verzichtet auf Marseille. Ter Vorsitzende des Alldeutschen Verbandes, Rechtsanwalt Claas, sendet an verschiedene Blätter, die den Bericht des Stuttgarter„Beobachters" über die alldeutsche Tagung in Stuttgart benutzt haben, eme Berichtigung, wonach dieser Be- richl nicht zutreffe. Insbesondere habe er. Rechtsanwalt Claas, nicht gefordert, der Krieg dürfe nicht eher abgebrochen werden, bevor Calais u n d Marseille in deutschem Besitz seien. CS wird nun zunächst der Stuttgarter„Beobachter" zu hören sein. Erhöhung der Teuerungszulagen und Kricgsbcihilfe«. Zwischen den Fmanzverwaltungen des Reichs und Preußens ist vereinbart worden, daß für die Beamten mit einem Dienstein- kommen bis zu �tSiXt M. einschließlich zu Anfang Januar 1317 eine Erhöhung der im Dezember lölti gewährten einmaligen Äriegstcuerungszulagen und zum 1. Februar 1917 eine Erhöhung der laufenden Kricgsbeihilfen er- folgen soll._ Hecresentlassung der Staatenlosen dänischer Abstammung. Das„Armeeverordnungsblatt" teilt mit: „Ten staatenlosen Personen dänischer Abstammung ist durch dänisches Gesetz vom 27. November 1910 die dänische Staatsangehörigkeit zuerkannt worden. Derartige im Heere befindliche Per- sonen sind zwecks Entlassung unverzüglich ihren Ersatztruppenteilen zu überweisen/die in zweifelhaften Fällen die Prüfung der Frage der Staatsangehörigkeit herbeizuführen haben. Sollten diese Personen den Wunsch haben, im Heere zu verbleiben, so kann ihrem Wunsche entsprochen und ihre Einbürgerung beantragt werden. In diesen Fällen hat eine Ueberwcisung zu den Ersatz- truppcnteilcn nicht zu erfolgen." Ter Lippeschc Landtag ist nach kurzer Tagung wieder ausein- andergegangen. Tie wichtigsten Beschlüsse sind: Weitere Verschic- bung der Gemeindewahlen, Bewilligung einer Kriegst eue- r u n g s z u l a g c an die Staatsbeamten und Arbeiters lcinmalig und laufend), Bereitstellung eines Kredits von 699 999 M. fstr die Unterstützung von zurückkehrenden Kriegern aus dem„Mittel- stände, dem Angestellten- und Arbeiterstande", Bereitstellung der Mittel für die Gründung und Förderung von Kleinsiedelungen und der„inneren Kolonisation" im allgemeinen, lieber die ge- nauerc Erfassung bon Kriegsgewinnen und der landwirtschaftlichen Konjunkturgewinne wird später noch verhandelt werden. Tie Einberufung des bäuerischen Landtags ist nach einer Be- sprechung der Fraktionsvorstände mit der Regierung auf den 39. Januar vorgesehen. Ter Landtagsabgeordnete Frh. v. Ehnattcn(Zentruni) ist einer Lungen entzüNdlitig im Alter von 69 Iahren erlegen. Er vertrat seit 1899 den Wahlkreis Geilenkirchen-Erkelenz im preußischen Ab- geordnetenhause. Mus Industrie und Handel. Einfuhrverbot iu Testcrreich Ungarn. In Oesterreich-Ungarn wird die Einfuhr entbehr- lich er Gegenstände zur Verminderung der Nachfrage nach ausländischen Zahlungsmitteln verboten. Dem Ein- fnhrverbote unterliegen u. a. Gewürze, Südfrüchte Tafelobst, Schaumweine, Schokolade, hochivertige Textilwaren, ganz- und halbseidengewebte Konfektionsartikel aus verbotenen Textilwaren, feines Pelzwerk, Galanterie- und Spielwaiwn, Edclmetallivaren, Juwelierwaren, Musikinstrnmentc, Par- fümeriewaren. Mit Edelsteinen oder echten Perlen besetzte Schmuckgegenstände dürfen auch im Reiseverkehr als angelegter Schmuck nicht eingebracht werden. Reisende werden daher gut tun, auf der Hiu- oder Rückreise nach Oesterreich- Ungarn solche Schinuckgegenstände nicht mitzusühren, um Beanstandungen an der Grenze zu vermeiden. In Deutschland bat man sich noch zu keinem Einsnhrverbot ent- bchrlicher Waren entschließen können und sich damit begnügt, daß die von der Reichsbank kontrollierten Banken leine ausländischen Zahlungsmittel für diese Zwecke abgeben. Nicht verhindert wurde ober, daß in deutschen Bmilnolen gezahlt wurde, die der ausländische Empfänger verlaufte, wodurch die deutsche Währung in der bedauer- lichsten Weise geschädigt wurde. Daß man trotzdem in Deutschland lein Einfuhrverbot erlassen hat, erklärt sich aus der Scheu, die Handelsverträge zu vcr- letzen, die Einsuhrverbote im allgemeinen verbieten und nur für wenige genau bezeichnete Fälle zulassen. Steuer auf die Heimkrieger. Tie französische Kammer nahm die Kriegs st euer auf die nicht zum Heer Eingezogenen an, die einen festen Satz von zwölf Fvawt nwd einen Zuschlag von fünfundzwanzig vom Hundert zur Einkommensteuer festsetzt. Von der Steuer ausgenommen sind jiriegsverletzte mtd Fanrilienväter, von denen ein Sohn einge- zogenist._ Japan im Kriege. Nach denr„Economista d'Jtalia" hat die' japanische Regierung beschlössen, alle Farbenfabriken unter der einzigen Bedingung zu subveiltiouieren, daß die Mehrzahl der Altieu oder Anteile japanischen Untertanen gehört. Die Subvention wird auf zehn Jahre gewährt und so gehalten, daß 8 Proz. Dividende verteilt werden kann. Die japanische Baumwollindustrie erlebt eine große Blüte. Von den 48 Fabriken vor dein Kriege sind infolge einer Neigung zum Zusammenschluß nur noch 88 im Gange, die aber über eine verdoppelte Spindelzahl und Erzeugung verfügen. Das Gesamtlapital beträgt Milliarde Lire, doch ist eine weitere Aus- dehnung nickt nnwahrscheinlick. Die Zahl der Spindeln betrug im Juni 2.763 Millionen. Die Erzeugung von Baumwollgelveben stieg in den ersten fünf Monaten um 99 Proz. und erreichte einen Werl von 100 Millionen Lire, die Ausfuhr von Geweben in derselben Zeit um 24 Millionen auf 72 Millionen Lire. Die Häfen von Callao und Valparaiso sind voll Sckiffe unter japanischer Flagge und die Eisenbahn über die Anden führt mehr japanische als andere Waren nach Argentinien. Japanische Geickästs- Verbindungen mit Brasilien, Peru, Chile, Argentinien und Mexiko sind ans der Grundlage der Einräumung langer Kredite eröffnet, ganz besonders liberal sind die Japaner mit solchen in Columbien, Ecuador und Venezuela vorgegangen. In Mexiko legen die Japaner viel Kapital ait� Jetzt dehnen sie ihre kausmännische Tätigkeit auch aus Haiti und San Domingo aus. Soziales. Besondere Maßnahme» für hirnverletzte Krieger. Wolfss Bureau schreibt: Eine Fürsorge für hirnverletzte Krieger erweist sich immer mehr als eine unabweisbare Notwendigkeit. Es erscheint in der Tat auffällig, daß die große Zahl der hirnverletzten Soldaten das Interesse der Allgemeinheit noch wenig gewonnen l al.- Mchreres trägt daran Schuld. Der durch Hirnschuß in der willkürlichen Beweglichkeit gelähmte, der der Sprache, des Wort- oder Sehverftändnisses beraubte, der in der Auf- sassung, im Erinnerungsvermögen und anderen seelischen Eigen- schaffen schwer geschädigte Hirnverletzte bleibt wegen der Schwere des Zustandes im Krankenhausc, und so kommt das Bild dieser Hilflosen dem Publikum wenig vor Augen. Besonders aber mag der verbreitete Glaube an die Aussichtslosigkeit aller Heil- bestrebungen bei diesen Kranken energischer privater Hilseleistung bis jetzt im Wege gestanden haben. Dieser Glaube ist irrtümlich, darauf muß nachdrücklich hingewiesen werden. Es ist eine wichtige Erfahrung dieses Krieges, daß auch diesen schwersten Kranken off sehr weitgehend' geholfen werden kann. Die Erholungsfähigkeit der Gehirne ist offenbar erheblich größer, als nach den Friedenserfahrungen bei Hirnkrankheiten angenommen worden ist. Der Weg, auf dem die Wiederherstellung der verlorengegangenen Funktionen zu erreichen ist, ist der der syste- matischen Wiedererweckung durch Hebung in Sprach-, Gedächtnis» und Anschauungsschule, in Werkstatt und Landwirtschaft. Der Weg ist mühsam und zeitraubend; innerhalb der gewohnten Lazarett- behandlung ist die Aufgabe nickt zu lösen. Es sind Sonderinstitute mit eigens dafür eingearbeiteten ärztlichen und pädagogischen Kräften erforderlich. Da die Zahl der in Betracht kommenden Kranken sehr groß ist, sind große Mittel nötig. Ein Ausschuß zur Förderung dieser Bestrebungen ist in der Bildung begriffen. Diese von Wolffs Bureau verbreitete Mitteilung scheint wieder einmal einen großen Appell an die private Wohliätigkcit vorbereiten zu sollen. Wir möchten demgegenüber jedoch von vornherein mit aller Entschiedenheit betonen, daß es sich hier um Aufgaben handelt, die dem Reiche zustehen und auch nur von diesem in be- friedigender Weise gelöst werden können. An den dazu erforderlichen Mitteln darf es nicht fehlen und wird es nicht fehlen._ Aufhebung des alten Weitlingschen Ausnahmegesetzes im Kanton Zürich. Mit der Annahme des Krankenversichermrgsgesctzcs vom 19. Dezember ist iu aller Stille, ohne daß darüber noch ein be- solideres Wort gesagt worden wäre, ein altes reaktionäres, avbeiter- feindliches Gesetz aufgehoben worden. Der Z 28 des angenommenen neuen Gesetzes lautet: „Das Polizeigesetz für Handwerksgesellen, Lehrlinge, Fabrikarbeiter, Tagelöhner und Dienstboten vom 16. D ez e m b e r 1844 wird als aus- gehoben erklärt." Dieses alte und endgültig aufgehobene Polizeigesetz enthält Bestimmrungen über die Krankenversicherung der angeführten Pro- letarier, aber es war zugleich auch ein bösartiges Aus- nahmegesetz gegen die Arbeiterschaft. Es enthält nämlich auch das Koalitionsv erbot, mit dem sich drei Para- graphen beschäftigen. Sie lauten: „Z 26. Untersagt sind alle Verbindungen von � Gesellen, . welche in der Absicht versucht oder vollzogen werden, Zugestand- _ niste irgendeiner Art zu. erzwingen,..dem Behörden zu trotzen, die Meister in ihren Rechten zu beeinträchtigen oder überhaupt un° sittliche oder ordnungswi'drige Zwecke zu erreichen. 8 21. Der Ätatthaltcr des Bezirkes ist ermächtigt, da, wo unerlaubte Verbindungen oder Verabredungen von Gesellen statt- finden, die Anstifter oder Teilnehmer an solchen oder solche Ge- sellen, welche ihren Verhältnissen unangemessene Schulden machen, oder wiederholt durch unsittliches Betragen Anstoß erregen, wenn sie kantonsfremd sind, aus dem Kanton und, insofern sie Kan- tonsangehvrige sind, ans einzelnen Gemeinden oder nötigenfalls aus dem Bezirke, innerhalb welcher sie nicht verbürgert sind, auszuweisen.— Er kann diesekben aber auch dem kompetenten � Gerichte seines Bezirkes zur Bestrafung überweisen. 8 22. Im letzteren Falle sind die nach 8 29 untersagten Verbindungen mit Gefönguis von 2 bis 14 Tagen zu bestrafen; insofern sie jedoch Trotz gegen die Behörden zum Zwecke oder bereits Störungen'der öffentlichen Ordnung zur Folge gehabt baben, tritt Gefängnisstrafe von 8 Tagen bis auf 3 Monate ein. In beiden Fällen kann mit der Gefängnisstrafe auch Verweisung verbunden werden." Der Urheber dieses Ausnahmegesetzes gegen die Arbeiterschaft des Kantons Zürich war der berühmte Staatsrechtslehrcr Dr. Bluntschli. der als Universitätsprosessor in Heidelberg starb; seine 'Staatsrechtspraxis war allerdings nach der Probe mit dem obigen Ausnahmegesetz mehr berüchtigt als berühmt. Das Gesetz war die Frucht der Angst vor der kommunisti- scheu Agitation Wilhelm Weitlings, der zu zehn Monaten Gefängnis und zur Ausweisung aus dem Kam ton Zürich verurteilt worden war mid dann nach London übersiedelte. Nun verschwindet auch dieser reaktionäre Schutt vergangener Zeiten."_ Mus aller Welt. Schnecke oder Kamel. Auf einer Bahnhofskommandaniur im Westen, so erzählt der„SimplicissimuS", erschien dieser Tage ein Offizier, um sich nach einer Dienstsache zu erkundigen, die nach seiner Berechnung längst hätte erledigt sein müsten. Dieses Gefühl ließ er auch in dem Gespräch mit dem Adjutanten deutlich durch- blicken.„Sie kennen doch wohl, Herr Kamerad," sagte ihm der Adjutant,„die Geschichte von dem Wettlaus zwischen dem Kamel und der Schnecke? Wer, glauben Sie wohl, hat die Wette ge- Wonnen?" Der Gefragte wußte nicht, worauf der Frager hinaus- zielte, erinnerte sich aber dunkel einer solchen Geschichte aus seiner Jugendzeit und entgegnete, um sich nicht zu blamieren:»Ich weiß wohl: Die Schnecke gewann. Aber was soll das hier?"—„Ganz richtig," entgegnete der Adjutant,„das Kamel schlug den Dienst- weg ein!" Lob der roten Fahne von unerwarteter Seite. In einem russischen Blatte lesen wir folgende recht kuriose Mitteilung: Für die rote Fahne trat neuerdings der extreme sibirische Reaktionär Woschodow ein. Woschodow gehört der Organisation der Schwarzen Hundert an, und hat schon mehrere Pogroms organisiert. Das Recht der roten Fahne auf staatliche Anerkennung begründete er mit folgenden Argumenten:„Die rote Fahne ist die Fahne des russischen Volkes. Die moskowitischen Zaren kannten keine andere Fahne, als die rote, und daher haben nur die Anhänger des Zarismus einen Anspruch ans sie. Und daher schlage ich vor, daß fürderhin alle patriorischen Manifestationen unter Vorantragen roter Fahnen mit den Auf- schliffen:„Gott, Zar und Volk!" stattfinden sollen." Solange sich Woschodow damit begnügte, zu reden und zu schreiben, wurden sie von den Behörden nicht beachtet. Als aber neulich aus den Straßen Wladiwostocks eine Gruppe Monarchisten mit roten Fahnen auftraten, wurden sie von Polizisten umzingelt und verhaftet.(IK.) Sriefkaften üer Redaktion. Die nächste Sprechstunde findet am Mittwoch, den 37. Dezember, statt. G. SS. 20. Nach der neuen Bundesratsverordnung hätle Ihre Frau noch Alisvruch aus die Unterstützung bis zum 10. Januar,— P. 33. 341. 1. Der Anstellungsschein soll dann gewährt werden, wenn der Kriegs« beschädigte in seinem alten Veruse sein Fortkommen nicht mehr nndcn laiin. Das liäle alw für Sic zu. Es besteht aber iein ZicchtSansprnch aus diesen Schein, die Erteilung kann dcsbalb nicht erzwungen werden. Uebrigcns gibl der Anstellungsschein tein Anrecht auf ciuc Unterbcamtenslellc, er ge- währl nur das llicchl. sich um eine solche zu bemühen. 2. Sie baben für jeden Tag 1,50 M. BcrpstcgungSgcla zu beanspruchen. Mahnen Sie noch- nials wegen Auszahlung.— H. S1. 23. Der Wirt hastet nur, wenn der idut in der Garderobe zur Siufbcwabrung abgegeben worden ist. Der Ihnen angcbolcnc Schadenersatz erschein! uns angemessen, weshalb ivir zur Annalnne des lAcldbetrages raten würden.— M®. 19. Erhallen Sie in jeder größeren Musikalienhandlung.— Edmund Verenizy. Darüber läßt sich eine bestimmte Zeitspanne absolut nicht angeben. Selbst von denselben Ausgabestellen aus treffen die Sciidungcn in sehr vcr- schiedenen Terminen ein. Bielleicht erkundigen Sie sich bei Ihrer Feldpost- annabmestellc nach dem Verbleib des Pakets.— I. H. 102. Das liegt im Ermessen Ihrer Vorgesetzten. Feste Bestimmungen bestehen dafür nicht. ZvetterauSnchten kür das mittlere Norddeutlchlnnd bis Montag mittag. Sehr wild, zunächst vorwiegend trübe mit wiederholten RegenjüUen, später im Westen beginnende tangsame Aujheitcrung und etwas Abkühlung. �IIIlI>I»M>lIIIII!It»lI!ll!IIII,lII!»«tI!Ihsi>iI,!»I!»t,IIj,sI>tMt!!itlI!>I!ilItt»«IlU!lIl!MtlIIWII,I»»»lIIMIIII>I»IliI!II� l Vorwäris-Kalender I ©ieser einzige sozialdemokratische Tagesabreißkalender verzeichne! alle für die Arbeiterschafi wichtigen Ereignisse, bringt ilebersichten über den Stand der gesamten modernen Arbeiterbewegung und enthält außerdem einen reichen Schah an Gedichten, Sprüchen, Auszügen aus Reden und Gchrifien und dgl. Das künst- lerisch ausgeführte Äild der Rückwand verleiht dem Kalender vornehmes, seinem Zwecke würdiges Aussehen. = preis-1,50 M.| | Buchhandlung Vorwärts| | Berlin SW. 68, Lindenstraße 3.| �lllllllllllllllllllillllllllllllllllilllllllllilllllllllllllllllllllll lIlllllilllllllililllinillllUlllllllMllllllllülllllllllllllllllllllllllllllllIll� MonatsgarcSerobanhaus 51. Türkischer. PrinzcnstraUc 79, nahe Moritzplatz, offeriert in großer Auswahl Jackett-, Rockanzüge, Paletors, Ulster. teils aus Seide, von Kavalieren kurze Zeit getragen(auch sür korpulente Figuren), zu billigen Preisen. Abteilung II. Ersati für Mast:""�12 Durch vorteilhaften Aulaus eines erstklassigen Warenlagers offeriere ich elegante neue Jackett-, Rock-, Smoking° Zlnzügc, Paletots, Ulster trotz großer Preissteigerung sür nur 25— 7.4 Mark._ Klempner sür leichte Blecharbeiten(Heeres- artikel) sucht, sosort Berliner Mctallwaren-Fabrik kl. A. 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Dienstag 8 Uhr: Die Batten. Nachm. 3 U.(kk Pr.): Fuhrmann Kensohel. Mittwoch; Rose Bernd. Theater i. d. Königgrätzerstr. Heute geschlossen. 1. Peiertag 7'/2 U.: Paul Dange und Tora Parsberg. 2. Feiertag P/z Uhr: Erdgeist. An beid. Feiertag, nachm. 3 Uhr: Baria Stuart. Komödienhaus Heute geschlossen. 1. tmd 2. Feiertag 7'/» Uhr: Der 7. Tag. An beid. Feiertag, nachm. 3 Uhr: Eilmzanber. Berliner Theater. Heute geschlossen. 1. nnd 2. Feiertag P/z Uhr: Anf Flügeln des Gesanges. An beid. Feiertag. Nachm. 3 Uhr: Wenn zwei Hochzeit machen. Wsttd der Freien Volkshöhnen Montag, de» 25., und Dienstag, den 2S. Dezember 1316: Nachmittags 3 Übt: ZZoilsdüHne, Schettler am Bülowplatz: Fuhrmann Henschel. Schiller-Theater, Charlottenburg: Tie gelbe Nachtigall. Lelsing-Theater: Die gidgeschniltenc Ecke. Künsiler-Theater: Schwarzer Peter. Deutsches Opernhaus: 25.: Hofs inanns Erzählmtgen, 26.:'Die Fledermaus. Abends 8 U h r: Volksbühne, Theater am Bülowplatz: Mittwoch und Freitag: Rose Bernd. Donnerstag: NachlasYk Sessing-Theater. Direktion: Victor Bamowsky. Heute geschlossen! Montag; 7 Uhr: Jnltns CSsar Nehm. ä'/.U.: Die gutgeschn. Ecke. Dienst. 7 tf.; Die beiden Klingsberg. Nehm. 2i/!U.: Die gutgeschn. Ecke. Deutsch. Künstler-Theater. Heute geschlossen! Montag P/» Uhr zum I.Male; Wölfe in der Vacht. Nachm. 3 Uhr: Schwarzer Peter. Dienstag P/» Uhr: Moral. Nachm. 3 Uhr; Schwarzer Peter. URANIA Tat£<:Ar.tr- Sonntag: Geschlossen. Montag 4 Uhr(halbe Preise): Die Bagdadbahn. 8 Uhr: Binde nburgs Bauer. Dienstag 4 Uhr(halbe Preise): Die Bagdadbahn. 8 Uhr: Hlndenbnrgs Bauer. Theater für Sonntag, 24. Dezember. Residenz-Theater Deutsches Opernhaus, Cbarlottenb. Heute geschlossen. Montag 7 Uhr: Die toten Augen. Friedrich-Wilbelmstädt. Theater Heute geschlossen. Montag 8 Uhr: Das Dreimäderlhaus. Gebr. HCFFDfßld-Theater Heut© geschlossen. An den Weihnachtsfeiertagen 3�4 Uhr: Der Hüttenbesitzer. 8 Uhr: Oer doppelte Buchhalter. Kleines Theater Heute geschlossen. Montag 8 Uhr: Am Teetisch. S1/. Uhr: Jettchen Gebert. Komische Oper Heute geschlossen. An beid.Fciert. 8; D. Pusztakavalier Mont. 3'/, U.: Das Glück im Winkel. Dienst, 3lli U.: Der Hüttenbesitzer. Lustspielhaus Heut© geschlossen. An beid. Feiert. 7; Oer sei. Balduin. Montag 8 Uhr: Nora. Dienst. 3 U.: Deutsch. Kleinstädter. Metropol-Theater Heute geschlossen.— An beiden Feiertag. T'/z U.; Die Csardasfürstin. 3 Uhr: Die Kaiserin. Neues Operettenhaus Heute geschlossen.— An beiden Feiertag. 8 U.: Der Soldat d. Marie. 3 Uhr: Der Vogelhändler. Heute geschlossen,— An beiden Feiertag. 8'/,: Warschauer Zitadelle. J'/z Uhr: Jugend. hchillcr-Theater O Heute geschlossen. Montag 4 Uhr: Sneewittcheu. 8 Uhr: Seine einzige Frau. Schiller-Tb. Cbarlottenb. "Heute geschlossen. Montag 3 IL: Die gelbe Nachtigatl. 8 Uhr: Novelia d'Andrea. Thalia-Theater An den Feiertagen 8 Uhr: Das VagabundenmSdel. 3 Uhr: Blondinchen. Theater am Vollendortpl. Heute gescblosseu.— An den Feiertag. o'/j'U.: Immer feste druff! p/, Uhr: Bläue Jungens. Theater des Westens Heute geschlossen. An beiden Feiertagen 8 Uhr; Die Fahrt ins Glück mit Guido Tbielscher. 3s/. Uhr: Das Fräulein vorn Ami. Trlanon-Tbeater Heute geschlossen.— An den Feiertag 8 U.: Willis Hochzeitstag. 3>/z Uhr; Heimat. Bose-Theater Heute geschlossen.— An den Feiertagen P/» U.: D. Glücksmädel. Montag 3 U.: Des Königs Befehl. Dienstag 3 U.: Schuldig. Walhalla-Theater Heute geschlossen.— An den Feiertag. 3'/. U.: Musikantenmädel. Montag 3 U.: Seemannsliebchen. Dienstag 3 U.: Oollarprinzessin. Friodrichstraße 216. Montag, den 25. Dezember 1916 Dienstag, den 26. Dezember 1916 An beiden Tagen: Zwei Vorstellungen Nachmittags 3 Abends 8 Uhr Grcßss VaFiülü-PFogramm Vorverk.: Theaterkasse 10— 1, A. Wertheim u. Invalidendank. Casino-Theater. Lothringer Str. 37. Täglich 81/. Uhr Die Schlager-Posse dieser Spielzeit Zwei kette Zerttner Berliner Figuren! Berliner Humor! Bother critklassige Spezialitäten. Am f. und 2. Feiertag Nachmittag 4 Ubr; Weihnachtsurlauh. Possen- Thealer. An allen drei Feiertagen: Des Löwen Erwachen Ent oder weder Holtmann'» Schmnö. ßEMia-Praelitsälfi,' Chaussee- str. 110. C. Richter. An allen drei Wcibnachtisfclcrtajgcn: Paul Bantheys Lustige Sänger Großes Weihnaohtsprogramm. Am 1. u.2. Feiertag Anlang 7 Uhr, am 3. Feiertag Anfang 8 Uhr. Für Militär ennäß. Eintrittspr. Voigt-Theater. Badstr. 53. Badstr. 53. Heule 1. Feiertag: 8 U.: Die Rückkehr am Weihnachfs- 3 lt.; Das goldene Buch.[abend 2. Feiertag, 8 U.: Spottvögel. 3 U.: Mädel ohne Geld. 3. Feicrlag, 8 lt.: Wenn die Sieges glocken läuten. Ab 28, Dezember: Die Löwcnbraul. PaKasi Heute geschlossen. Montag, d 25, u.Dienstag, d. 26 Dez. je 2 Vorstellungen 31/ Nachm. jed. Erw. TM/ '2 1 Kind frei.■'2 In allen 4 Vorstellungen das vollständ. Dez.- Programm. Berliner Konzerthaus. Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. An allen 3 Feiertagen: Gastspiel von Oscar Petras, Komponist. Berliner Konzerthaus- Orchester. Leiter: Komponist Frz. v. Blon. Anfang-1 Ubr. Anfang 1 Ubr. Cfrcus M Jsmsciil Heiligabend geschlossen. 1., 2., 3. Feiertag und während der Weihnachtswoche täglich 2 Vorstellungen Nachmittags Abends o�/z Uhr 8 Uhr Beim Die Wcihiiachts- Geier- mailu Prinzessin In allen Verstellungen verlier: daSgr.überraschcndeWeihilachts- Programm: Dir. Wille jr. b crstklass. neuartige fj Freiheits-D ressnr. � 12 Schecken, bin. niedliche Ponys usw. Re!ler-Fa..TavcrLrlttnbach: 1 gr.Fahrs ch.2D.2. H.8 Pserde s) ijachsiockey 2D.2H.2Pserde . C-delhirsch„Mockc' in Freih. vorgcsiihrk II «,. Rcizcildc Kakadus. �« l U wundcrb. Dressur u.a. I u II E Kunstrads. a. d. Drahtseil! n Fatme Suleika G UtüiT. Schulreiterin a. ihren II arab. Schiinmelbengst D. allerk Kiinstl. Max».Moritz. Die ilbermük Geschw. Schenk. Die komischen holländ. Nett. Mairs Peters, Menne, Marzelli, Spatz- macher, u. Afra, die ZSnnder- bare— die Rätselhafte. Lnin Schlug: ßie GeiSFpFivzesLill. .Kind KS frei keiehshaheo-IlieateF. Btettiner Bänger. Heule lciuc Vorstclluilg. Am 1. und S. Feiertag nachmittags 3 Uhr u. abends 8 Uhr: WeiiinacMsaliem! iinScliiilzeBgraliEn Nachmittags ermätzigte Preise. Voraneielge! Am], Weitinachtsfeiertag Anfang 7'/, Uhr Das große, in allen Teilen völlig neue Variete- Programm Joseph Plaut (Nur kurzes Gastspiel) Helene Baüot und die neuen Spezialitäten. „Die grüne Flöte" ßallottpant. Musik v. Mozart. Inszenierung von Max Reinhardt. Hauptdarsteller: killcbil Christensen, Kalla Sterna, Ernst Matray, Ernst Lubitsch. Am 2. Feiertag Nachm. 3 U. u. abends P/, U. S Vorstellnngen. In d. Nachmittagsvorstellnn g ermäßigte Preise, Kinder d. Hälfte. Die Aufführung der Ballettpantomime: „Die gFüne Flöte" findet auch nachm. statt Y orverkauf täglich ohne Aufgeld im Wintergarten, an den Theaterkassen von A. Wertheim und im Invaliden dank. r Aümiralspalast. Heute Sonntag keine Vorstellung, nur für SchliUschnhläufer und Zuschauer geöffnet. An beiden Festtagen nachmittags u. abends das wundervolle, erfolgreiche Eisballett �rau �Jantasie mit seiner herrl. Farbenpracht und den herrlichen Wasserspielen. Ferner z. 1. Male a. d. Eise! ler- a. d. Oper„Der Prophet". H n|ang nach m. 4L, abd?. 8Vj U. Vorzügliche Küche. 5udeF?erein Vorwärts! Unseren Mitgliedern zur Kenntnis, datz am ersten Wethnachtsfeter- tage, abends 6 Uhr, eine Kleine Feier im Bootshause stattfindet. 1655b Lin neues Wum-Hlttel Sollten Sic, sei es dauernd oder nur von �jeit zu Zeit au Leib. schmerzen, Uebelfeit, Kucken in der Nase, Appelttlosigkett, unruhigen Schlaf leiden, so sind diese Erscheinungen in den meisten Fällen aus das Vor- daudeusein von Baden oder»pnlwürmern zurückzufilbrcn. Versuchen Sie das absolut nnschädliche, bis hellte das einzig bckannlc und wirtsame Mittel Vlalonga- Wurm- Perlen. 1665b Erhältlich in allen Apoiheken und Drogerien zu 1,7» BK. 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Tapezierer-Meister Albert Gleiserl BERLIN C 33 AleXanCSSiFIplStl Alexanderstr.42 Weihnaelisfeiei* am 26. Dezember(2. Weihnachtsfeiertag), im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Saat 1. Mitwirfende: Fräulein.Barle Schäptmuiin— Rczttaüonen, Fräulein 4.gnc!>> üichalz— Lieder zur Läute, Frau Agn c« Fahrcnwald— Festrede. Freunde' und Bekannte ladet Herzlich ein Die OrtsleitaDs, Zahlstelle Berlin. 48/; Unfern Mitgliedern zur Kenntnis, das) das Bnreau am M i t t w o ch, den'£7. D e z e m d e r(3. Feiertag), von 1 Uhr mittags ab geschlossen bleibt. 25/3 vis Oi-tsvcrwaltung. DeutschJetallarbeiter-Vertiand Ortsverwaltung Berlin. Dem Andenken nnserer im �felde gefallene» und verstorbenen Mitglieder gewidmet. Ksrl Ackermann, Kernmacher, geb. 15. April 1881 iu Zicbigk. Otto Bartel, Gürtler, geb. 11. Februar 1873 in Berlin. Georg Debschütz, Arbeiter, geb. 5!0. Lanuar 1883 in Breslau. Richard Fahrenholz, Schl-sscr, geb. 4. April 1883 In Greisswald. Max Grauhering, Bohr«-, geb. 6. Oktober 1897 in Berlin. Otto Herold, Feiltnhauer. geb. 8. August 1885 in«chwiebirs. Willi Heuer, Metalldreher, geb. 6. Ottober 1869 in Berlin. Hermann Kanold, Gürtler, geb. 1. Zlpril 1877 in Berlin. Wilhelm Klepsch, Arbeiter, geb. 17. September 188-1 in Berlin. Willi Langen, Mechaniker, geb. 4. Mai 1896 in Berlin. Karl Löhnwitz, Schlosser, geb. 1. März 1897 in Rüdersoors. Paul Michalski, Arbeiter, geb. 14. Juli 1897 in Betschc. Max Sander, Schleifer, geb. 18. Februar 1888 in Ueckermllnde. Alfred Schübe, Dr-her, geb. 21. November 1896 in Neulölln. Franz Schulz, m-mpner, geb. 8. Januar 1876 in Labuhn. Otto Trzebinsky, Schlosser, geb. 26. März 1879 in Berlin. Ernst Walter, Monteur, geb. 12. April 1897 in Berlin. Richard Wölk, Helfer, geb. 20. Februar 1881 in Nüven. Ehre ihrem Andenken! 127/13 Deutscher Bauarbeiterverhand. Zweigverein Berlin. Im Felde sind folgende Kollegen gefallen: Bamsck, Erich, Maurer, Sez. Moabit. (minclniLtm. Ewald, Maurer,. Hoffraann, Karl, Hilfsarbeiter, Jaeckel, Herrn., Rabitzspanncr, Kahle, Paul, Isolierer, Karl, Hermann, Einschaler, Kuntze, Max, Isolierer, Lahrsow, Kurt, Hilfsarbeiter, Lehmann, Rieh., Fahrstuhlarbcitcr, Lutter, Richard, Putzer, Mewes, Ernst, Staker, Oliszewski, Karl, Hilfsarbeiter, Ollnow, Wilhelm, Maurer, Pollnow, Hermann, Putzer, Schwan, Max, Steinholzleger, Thiede, Karl, Rohrer, Tietze, Otto, Putzerträger, Weise, Wilhelm, Manrer, Ehre ihrem Andenke»! 143/13 IMe örtliche Verwraltnnsr. Steglitz. Neukölln. Charlottenburg. Neulölln. Fichtenau. Moabit. Wilmersdorf. Wedding. Lichtenberg. 17. II. Moabit. Gesundbrunnen. Südwest. Schöneberg. Wedding. Neukölln. Verbanil der Fabrikarbeiter Deutscblands Verwaltung Groft-Berliu. Gefallen find folgende Mitglieder: August Waskow, Bezirk Nordwest. Heinrich Schiller, Bezirk Köpenick. Hermann Borowski, Bez. Tharlottenburg. Otto Henschel, Bezirk Adlcrshof. Reinhold Graul, Bezirk Oberschoneweide. Robert Guhn, Bezirk Schönbauscr Vorsiadi. Marcel Szafranski, Bezirk Schönh. Lmsiadt Georg Grauel, Bezirk Tegel. Robert Richter, Bezirk Neukölln. Paul Steg, Bezirk Norden. Ludwig Schröder, Bezirk Neukölln. Richard Spalleck, Bezirk Osten. Richard Dietrich, Bezirk Erkner. Richard Behrendt,«.zirk srkn». Ehre ihrem Andenken! 56/12 Tie Ortsoerwaltung. Zum 19. Geburtstage (am 25. Dezember 19161 des Musketiers Cito Pobl Jns.-Neg. 48, gefallen am 8. Oktober 1916. Da Dn kaum zur Knospe warst eylsprossen, Nahm Dich das Vaterland den Eitern weg. i Da Du kaum oaS Feindesland betreten,— 1 Traf Dich, so früb, des Feindes heißer Strahl!— UnS ist es nicht vergönnt— Wenn einst die Fr.edensglocken läuten lind alle» nach der Heimat kehrt, Dich freudig zu begrüßen 1— Dein Ptatz bleibt ewig leer! Die irdische Heimal die schaust Dn nicht mehr. Die Kugel des Feindes traf Dich so schwer. Es war nicht Dein Wille, doch ist es geschehen; Nun liegst Du aus dem Kamps- Platz zur ewigen Ruh. Gewidmet von Deinen tiefbetrkbten Eltern und Geschwistern und Deinem seit zwei Jahren nach der Freiheit sich sehnenden, in der Gefangenschait weilenden Bruder Karl.-j- l.d.2. Bert. Reicbstagswatilkreis.j Bezirk 133. Im September 1916 fiel aus j '■ dem Schlachiselde unser Genosse, I der Schristsetzer 207/6 f Alfred Braun Kottbuser Damm 18/19. Ehre seinem Andenken! Hierdurch die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn und Bruder Adolf Piotrowski am 7. Dezember 1916 gesallen ist. Die tiefbetrübten Eltern und Geschwister Töpfer f. A. Piotrowski nebst Frau und Eltern A Frau Schreier als Schwester Paul Piotrowski 1 zurzeit im Georg Piotrowski/ Felde Fritz Piotrowski. yerhand der Fabrikarbeiter Deutschlands. Verwaltung GroB-Berlln. Nachrat. Am 6. Dezember verstarb unser Mitglied Miittiu! Müntz. Am 13. Dezember verstarb unser 1 Mitglied Sermsonllmmerling. Am 16. Dezember verstarb unser i Mitglied Karoline Zeiske. Ehre ihrem Andenken! I öö�B���Bw�fis�wrwaitun� Am Donnerstag, den 21. De- zember, verschied nach kurzem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter und Großmutter Gertmd Teuert geb. Ebeler. Im Namen der Hinterbliebenen der trauernde Gatte 16640 Wilhelm Xenert, Berlin O 34, Romint euer Str. 10. Die Einäscherung findet am Mittwoch, den 27. Dezember 1916, nachmittags 4 Uhr, im Krema- ioriiim Berlin N, Gerichtstr., statt. Bezirk Grotz-Berli». Verband der Maler, Lackierer etc. ___ Filiale Berlin. De» Mitgliedern zur Nachricht, das, folgende Kollegen auf de» Schlachtfeldern gefalle« find: Der Lackierer Paul Scholz(S-ttion der Lackierer» am 2. November 1916. Der Maler Georx BoSSCft(Bezirk Steglitz) am 9. November 1916, im Lazarett gestorben. Der Maler EritZ Kirchner(Bezirk Eharlottenburg) am 18. November 1916. Ehre ihrem Andenken l 136/19»lc OrtHTerwaUnnff. Folgende Kollege» find im Felde gefallen: Richard Heer, Geschsftsdiener. T�uxust Braun, Industriearbeiter. Max Drescher, Industriearbeiter. Hermann Durack, Gefchsftskutfcher. Max Flemer, Spedition! arbeite?. Otto Händschke, Industriearbeiter. Paill Jacob, GefchäftSdiener. Felix Klix, Kohlcnkutfcher. Max Kujath, GefchäftSdiener. Karl Liesch, Droschken chanffeur. Johann Lindemann, GefchäftSdiener. Karl Pöschel, Industriearbeiter. Richard Rosinski, GefchäftSdiener. Karl Sprung, Warenhausdiener. Franz Schoppe, Industriearbeiter. Hermann Schrammel, Kohleuarbeiter. Paul Schröder, GefchäftSdiener. Friedrich Venzke, Kohlenarbeiter. 70/13 Ehre ihrem Andenken! Ute Bezirksilcitune. am Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Tcitnabme beim Heimgänge meines lieben ManneS sage ich allen Ver- ivandien, Freunden und Bekannten, sowie dem Gesangverein.Geiund- druniier Harmonie" und den Kollegen und Kolleginnen der Firma Berg. mann, Lampcnabteilung, meinen innigsten Dank A Frau Ida Trzcbinski geb. Gartmann nebst Ktuderu. Für die Beweise herzlicher Teil- »abm« bei der Beerdigung meines lieben ManneS BficIi Kuhle sage allen Verwandten, Bekanulen und Kollegen, sowie dem Deutschen Tiansvortarbeiler-Verband und der Samariter- Kolonne Groß» Berlin meinen herzlichsten Dank. A vmi Witwe Kuhle. DM- Kaufe""3560 fifbraud)tf pte ZMorke 20 Pf. das Stück, grbralichte% iOrinborbf 2 Ps. das Stück, semer alte und neue Korke • aller Art, Korkabfälle, a!te Fliiiie, Leltuloid lilid Abfälle, alle Crammoptionplalteu und(tnidj. Zahle Fracht und Porlo. 226/491* Nachemstein, Cbarlottenburg, Windscheldstr. 30. Tel.: Wichelm 5676. ßotkeblchen Zeisige, Stieglitze, Buchfinken, Kreuzschnabel, Hänflinge, nur eingewöhnte Vögel kommen zum Verkauf. Fritz KrBpr.'ÄT Pcstalozziotraße 87, a.d. Kirche. Frnsp. Steinpl.13495 Kauflimmiische Kranke«- und Sterkekajse von 1885. V. V. a. G. Geschäftsstelle 30 16, Neanderstr. 4. Generalversammlung am Montag, den 22. Januar 1917, abends Punkt 8 Uhr, Im Restaurant Schultheitz. Brückenslr. bb. Tagesordnung: 1. Jahres- und Kanenbericht. 2. Bericht des AussichiSratS und Eni- lastung des Vorstandes. 0. Wahl deS Vorstandes, des Aus. stchtSrals und der Ersatzmänner. 4. Festsetzung der Enlichädtgung für die Vorstands- und AusfichisralS- ZZ 29 und llö der 288/12* miiglieder. 5. Anträge laut Satzungen. 4. Verschiedenes. Slugust Penn. Vorsitzender. Wilhelm Boelcker. Kassierer. veKlNIIill'! Inuemiitlilii Größte..uswain. Billigste Preise. L MotirsnstraDo 37a (Kolonnaiefiii IL Or. Frankfurter Str. 115 (nana Andreasstr.) «uswahlssndunper solort Amt Zentruai 7890. Sonntar 12— 2 Uhr osillnst. 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ZK. 353. 33. Jadegang. AKeilU im.Amiirts" Knlimr AlkchlR Sonntag, 2�. Dtie«btt t916. Durch Verfügung des Oberkommandos können am 1. und Ä. Feiertag die Zeitungen nicht erscheinen. Die nächste Nummer unseres Blattes erscheint daher am Mittwoch, den 37. Dezember. /tos Groß-öerlin. Das war eine köstliche Zeit! Man schreibt uns: Beim Durchblättern von Zeitungs- jahrgängen fiel mir eine Notiz auf, die von der Versteigerung »gänzlich unbestellbarer Pakete" handelt, wie sie von den Postbehördcn von Zeit zu Zeit vorgenommen wird. Neben vielen anderen Gebrauchsgegenständen standen auch Lebens- nnttel zum Verkauf— leicht verderbliche Ware— die sofort geräumt werden mufi. ES ist ein wehmütiges Vergnügen, einmal die Preise zu betrachten, die dabei erzielt wurden— und es war nicht allzulange vor dem Kriege. Ein Hase wurde auf 3,22 M.„getrieben", 4 M. erzielte ein anderer Vetter Lampe, an dessen Hinterläufen ein Pfund Speck— man höre: Speck! ein ganzes Pfund!— zum Spicken hing! Und beides brachte 4— in Buchstaben: vier— Mark I Was würde es heute für einen Preis erklettern? Die Gänse, die durchschnittlich 11— 14 Pfund wogen, wurden zu Preisen von 5,20 M. bis 6,75 M. losgeschlagen. Eine Kalbs- kcule von 14Pfund fand für 8,60 M. einen Abnehmer. So ging es mit Schinken, Schmalz und dergleichen. Und für solche Schätze aus dem Schlaraffenlande fand die Post damals— die findige Post— keine Adressaten! Märchen- Haft! wird heute mancher denken. ÜKrderwünsche zum dritten Kriegsweihnachten. Einen interefianteu Einblick in das kindliche Gemüt liefert eine in der 4. Klasse in einer Neuköllner Mädchenschule veranstaltete Umfrage. Eine jede Schülerin sollte ohne alle Umschweife auf einem Zettel aufschreiben, was zum diesjährigen Weihnachlssest i h r 'innig st er Wunsch sei. Fünf Mädchen wünschten sich eine neue Puppe, während sich zwei mit der Wiederherstellung der alten begnügen wollten. Neun Schülerinnen sehnten sich Heist nach einem Märchenbach, das bei einer„recht viel rührende Ge- schichten" enthalten sollte. Auf reale Genüsse gerichtet sind die Wunsche zweier Mädchen, von denen die eine„Gänsebraten" und die andere„eine lebendeZiege" auf ihr Wunschzettelchen schrieb. Bescheidenheit hingegen verrät ein Zettel mit der Aufschrift „Ein Pfesferkuchenherz" und ein zweiter, der den Wunsch „Ein Weihnachtsbaum mit Kerzen" enthält. Im Zeichen des Bezugscheines steht ein anderer, der de» Vermerk trägt:„Ich wünsche mir einen Bezugsschein für eine Eislauf» jacke". Neben diesen vereinzelten Wünschen steht aber doch die groste Mehrheit im Zeichen des Völkerkampfes. Wie tief hier die Geschehnisse in die Kindesseele eindringen, zeigt sich in zahlreichen Antworten. Achtzehn Mädchen wünschen nichts sehnlicher, als dast „Batey auf Urlaub komme", fünf wünschen, dast„Vater bald zurückkehre", und drei, dast„Vater bald gesund wir�i", während fünfzehn Mädchen„Frieden" herbeisehnen. Old Judge, der Weihnachtsman«. Man schreibt uns: So haben wir mrs ja im allgemeinen den Weihnachtsmann nicht vorgestellt: glattrasiert und mit einem Kneifer, statt langbärtig und höchstens noch mit einer Brille. Und dast der Weihnachlsmann englisch spricht, haben wir auch nicht gedacht. Aber es ist lvahr: für die Kinder mag der gute Alle mit dem Sack weiter in Amt und Würden bleiben— für uns Erwachsene ist er, zunächst für ein paar Tage, vielleicht für immer, verdrängt und abgesetzt durch den Dankee mit der Aktenmappe. Letzthüi wars, in einem Zigarrenladen, der noch einige wenige gelbe Pakete echten amerikanischen Tabaks hinter Glas und Rahmen „zu" stehen hat— so etwa 100 Gramm für 4,00 M. mit Kriegs« aufschlag. Da klingelte, während ich Prolet mir von dem Zeug kaufle, daS man jetzt eben raucht, das Telephon und irgend ein Kriegslieferant oder sonstiger Krösus bestellte ein paar Pakete„Old Judge"—„Alter Nichter", wie sich diese Firma überm grotzen Teich nennt. Hast uns weidlich geärgert und gepiesackt, würdiger Old Judge Wilson, hast den anderen Munition und uns— keine Lebensmittel liefern lassen. Aber wenn du'S jetzt ausrichtig meinst und Dampf dahmtersetzen willst, dann sollst du uns geehrt und wirst in der ganzen Welt hochgepriesen sein l „Jedermann ein Ei" hieß es vorige Woche— aber wie es den Anschein hat, ist man in den Mitteilungen an die Presse etwas vor- eilig gewesen, denn in Wirklichkeit hat ein groster Teil der Bc- Völkerimg bis heute noch nicht das ihm versprochene Ei bekommen. Es scheint überhaupt, als wenn die Eierzuteilung in Berlin nicht recht klappen will. Einzelne Geschäfte sollen allerdings regelmäßig und auch pünktlich versorgt worden sein, andere dagegen beklagen sich über ständig ungenügende Zuteilung. Wir haben nicht die Möglick�eit der Nachprüfung; wenn das aber der Fall sein sollte, so würde es bedeuten, daß die Eierzuteilung eine willkürliche ist, wogegen im Interesse der Verbraucher entschieden protestiert werden müßte. Dast heute noch die Abschnitte 12 nicht eingelöst werden können, soll nach Mitteilungen, die uns geworden sind, an der Z. E. G. liegen. Wir halten eine Aufklärung des Publikums für dringend geboten. Achtung! Kartoffclkarte betr. Der Magistrat bittet uns, erneut daraus hmzuweisen, dast die groste zweiteilige Kartoffclkarte mit Ablauf des 24. Dezember außer Kraft tritt und dast die Abgabe und Entnahme von Kartoffeln vom 20. Dezember an nur aus die neue Karte zulä'ffg ist. Wo bleiben die Höchstpreise für Pferdefleisch? Zu unserer gestrigen Notiz wird uns mitgeteilt: Die Höchstpreise für Pferdefleisch sind allerdings bereits durch eine„Bekanntmachung über Pferdefleisch" vom 13. Dezember im „Roichsanzeiger" veröffentlicht und betragen für Lendenbratfleisch, Leber, Frischwurst oder Fett 1,80 M., für Muskelfleisch ohne Knochen 1,W M., für Herz und Eingeweide, Äopfsleiich und andere geringere Sorten Flefich 1,40 M., für Knochen 0,20 M. pro Pfund. Diese Verordnung tritt aber er st am 2 7. Dezember, also nach den Feiertagen, in Kraft. Daraus erklärt sich auch der Plötz- lich aufgetretene Ueberflust an Pfevdewurst. Die wohl in Er- Wartung noch steigender Preise zurückgehaltene Ware wird nun mit Hochdruck zu Phantasiepreisen an den Mann gebracht. Wenn dann am 27. Dezember die Höchstpreise in Kraft treten, wird wahrscheinlich der gesamte Vorrat ausverkauft und auch das Pferdefleisch vom Markt verschwunden sein. Aus dem Hauptausschuh für Kriegsfürsorge. In der letzten Sitzung deS Ausschusses wurde beschlossen, für die der Landwirtschast angehörigen Kriegsbeschädigten, soweit fie im Lazarett Buch untergebracht sind, einen landwirtschaft" lichen Lehrer anzustellen. Ferner wurde mitgeteilt, dast der Magistrat beschlossen habe, einen Beirat für kriegsbeschädigte Arbeiter einzusetzen. Eine Art Arbeitsgemeinschaft, wie sie in anderen Berufen bestehen, soll da- durch gebildet werden. Der Beirat besteht aus drei Magistrats- Mitgliedern und drei von den Vorsitzenden der Arbeiterausschüsse gewählten Vertretern der städtischen Arbeiter. Die Wahl dieser Ver- treter ist bereits vollzogen worden. Einen weiteren wichtigen Verhandlungsgegenstand bildete die erlegung des Arbeitsnachweises für Kriegsverletzte von der Rückerstraste nach der Poststraste, dem Sitz der Geschäfts- stelle des Hauptausschuffes für Kriegsverletzte. Der Geschäftsstelle soll eine Auskunftsstelle angegliedert werden, in der die Kriegsverletzten Rat und Hilfe in allen mit ihrer Verletzung zusammenhängenden Unterstützungssachen erhalten. Die Arbeitnehmer- Vertreter haben schon vor Jahrzehnten die Errichtung derartiger Stellen gefordert, um Rechtsbelchrung und Hilfe den weitesten Kreisen des Volkes zugängig zu machen. Obwohl gegen die Verlegung des Arbeitsnachweises mancherlei Bedenken sprechen, kam man doch zu dem Ergebnis, dast die Zusammenlegung aller mit der Frage der Kriegsbeichädigtenfürsorge beschäftigten Institutionen in ein Haus etwaige Nachteile überwiege. Es wurde daher beschloffen, die Aus- kunslsstelle definitiv und den Arbeitsnachweis zunächst probeweise im Haute Poststr. 5 unterzubringen. Arbeitgeber, hie Kriegsverletzte einstellen wollen, müssen sich dorthin wenden, desgleichen Kriegs- verletzte, fiir deren Berus Arbeitsgemeinschaften und gut sunktio- nierende Facharbeitsnachweise nicht bestehen. Der Ausschuß schloß sich einer Eingabe an das Kriegsministerium an, in der ein Verbot der gewerbsmäßigen' Tätigkeit von vrivaten Vereinen und Privatpersonen auf dem Gebiete der Kriegsfürsorge gefordert wird. Nach der gegebenen Geschäfts Übersicht sind bei der Ge- schäslsstelle bis zum 19. Dezember 21 013 Fälle von Kriegsverletzten anhängig gemacht worden. Davon sind 4777 einfach zu den Akten genommen, 7301 durch die Berufsberater erledigt, 2703 durch den Arbeitsnachweis vermittelt, 1293 zur Beschulung gekommen, während für 473 ärztliche Behandlung, Unterbringung in ein Krankenbaus oder Heilanstalt angeordnet wurde. Als erledigt wurden 3390 Fälle gebucht. Eine lebhafte Debatte entspann sich über die B e s ch a ffu n g von Mitteln für die Arbeiten des Hauptaus- s ch u s s e s. Zum Ausdruck gebracht wurde, dast die Kosten der Kriegsfürsorge vom Reich zu tragen wären und daß höchstens die Gemeinden bezw. Städte ergänzend einzugreifen hätten. Es gewinne aber den Anschein, als ob in der Hauptsache die Last den Kommunen aufgebürdet werden sollte. Da die von der Stadtverordnetenversammlung am 17. Juni 1910 bewilligten 190 000 M. verbraucht worden sind, vom Reich nur 100 000 M, überwiesen wurden, wird beschlossen, von der Gemeindebehörde weitere 200000 M. zu fordern. Der Vorsitzende erhält den Auftrag, bei der Reichsregicrung um Bewilligung weiterer Mittel vorstellig zu werden. Die Bevölkerung und die Kriegsgefangenen. Der Oberbefehlshaber in den Marken macht bekannt: Auf Grund des 8 9b deS Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1801 bestimme ich hiermit für das Gebiet der Stadt Berlin und der Provinz Brandenburg: 8 1. Die Bevölkerung hat ihren Verkehr mit den Kriegs gefangenen auf die durch deren Arbeit, Unterbringung und Ver- pflegung unbedingt notwendigen Verrichtungen zu beschränken. Jede darüber hinausgehende Annäherung, insbesondere ein gegen die guten Sitten verstoßender Verkehr weiblicher Personen mit Kriegsgefangenen ist verboten. Mit Kriegsgefangenen in Gefangenenlagern irgendwie in Ver- bindung zu treten, ist verboten, es sei denn mit Ge- nehmigung des Kommandanten des Gefangenenlagers. 8 2. Verboten ist, den Kriegsgefangenen Geld, Waffen aller Art, echte Goldwaren, Landkarten, Reisehandbücher, Pläne, Eisenbahnkursbücher. Kompasse, elektrische Lampen, Streich- Hölzer, Feuerzeuge, Röcke, Hosen, Mäntel, Kopfbedeckungen, Fahr- räder sowie sonstige Gegenstände, welche geeignet sind, den Kriegs- gefangenen das Entweichen zu erleichtern, entgeltlich oder unent- geltlich zu verschaffen. 8 3. Die Kriegsgefangenen, welche außerhalb der Ge- fange nenlager arbeiten, haben entweder stets in ihrer Uniform zu gehen oder an ihrer Kleidung(Zivilkleidung) die vor- geschriebenen Abzeichen zu tragen. Die Arbeitgeber haben, sobald ein Kriegsgefangener diese Abzeichen nicht trägt, unverzüglich den nächsten militärischen Gesangencnkommaiidoführcr, Lagerlomman- danten oder die nächste Polizeibehörde davon zu benachrichtigen. Ausgenonunen von der Verpflichtung, die Abzeichen zu tragen, sind diejenigen deutsch-russischen Kriegsgefangenen, die zur Arbeit be- urlaubt sind und denen das Tragen von Zivilkleidern erlaubt ist. 8 4. Die Bewegungsfreiheit der Kriegsgefangenen bleibt, außer bei Verrichtung ihrer Arbeit, auf den Bereich des Ortes beschränkt, in dem sie beschäftigt werden oder untergebracht sind. Wenn im Einzelfalle die Arbotts- oder Unterbringnngsver- Hältnisse eine Einschränkung oder Erweiterung dos BewegungS- bercichs der Kriegsgefangenen erfordern, ist dazu von dem Lager- kommandantcn oder dem mit der Aussicht betrauten Offizier oder dem Führer der Kompagnie, zu der die Gefangenen gehören, eine schriftliche Genehmigung einzuholen, aus der der Bewegungsbcreich des Kriegsgefangenen ersichtlich ist. Verboten ist den Kriegs- gefangenen, den ihnen zur freien Bewegung zugewiesenen Orts- bereich eigenmächtig zu verlassen. Der Versuch ist strafbar. 8 0. Der Verkauf von alkoholartigen Geträn- ken aller Art, wie Bier, Wein, Branntwein, Spiritus, Likören, Kognak, Rum, Arrak, Grog, Sherry, Madeira, Cincano, Wermut und dergleichen an Kriegsgefangene ist verboten. Verboten ist ferner, für Kriegsgefangene mit deren Mitteln und in deren Auf- trag Getränke der erwähnten Art zu beschaffen. Ausgenommen ist der Verkauf und die Beschaffung der genannten Getränke nur in- soweit, als er durch die vom königlichen Kriegsministerium er- lassenen Anordnungen ausdrücklich gestattet wird. Verboten ist den Kriegsgefangenen der Besuch der S ch a n k r ä u m e von Wirt- schasten, Gartenwirtschaften sowie der öffentlichen Lustbarkeiten. i Den Gast- und Schankwirtschaften sowie den Veranstaltern von öffentlichen Lustbarkeiten ist es verboten, den Kriegsgefangenen den Besuch der Schankräume ihrer Wirtschaften einschließlich Wirt- schaftsgärten sowie der öffentlichen Lustbarkeiten zu gestatten. 8 3. Alle P.o stsendungen der Kriegsgefangenen, sowohl die eingehenden als auch die ausgehenden, niüffen der Post- Prüfungsstelle des zuständigen Gefangenenlagers vorgelegt werden, soweit nicht die zuständige Inspektion der Kriegsgefangenenlager im Einzelsalle andere Anordnungen trifft. Verboten ist, Briefe, Postkarten oder Sendungen irgend welcher Art für einen Kriegs- gefangenen unter Umgehung der Postprüfungsstelle zu befördern. Der Versuch und die Beihilfe sind strafvar. § 7. Verboten ist, Kriegsgefangene zur Flucht zu bestimmen, ihnen zur Flucht Beihilfe zu leisten öder ihre i Flucht zu begünstigen. 8 8. Bestraft wird, wer es unterläßt, die Entweichung von: Gefangenen, welche ihm anvertraut sind, oder den ihm bekannten Aufenthaltsort eines entwichenen Kriegsgefangenen sofort zu melden oder wer von der Absicht eines Kriegsgefangenen, zu entweichen, in einer Zeit, in welcher die Verhütung der Entweichung möglich ist, glaubhafte Kenntnis erhält und es unterläßt, dem j nächsten Gemeindevorsteher oder der nächsten Polizeibehörde zur rechten Zeit Anzeige zu machen. � § 9. Vorstehende Vorschriften gelten in gleicher Werse für das Verhalten der Bevölkerung gegenüber allen denjenigen feindlichen Ausländern, die von den Militärbehörden im Interesse oder aus Anlast der Kriegführung festgehalten werden. 8 10. Wer den Vorschriften der 88 1'bis 9 dieser Verordnung zuwiderhandelt oder zu deren llebertretung auffordert oder anreizt» wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. Sind mildernde Umstände vorhanden, so kann auf Hast oder auf Geldstrafe bis zu 1000 M. erkannt werden. 8 11. Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündung in Kraft. Zugleich treten meine Bekannt- machungen vom 10. Juli 1910— O. Nr. 34 728— und vom 20. August 1910— O. Nr. 35 349— außer Kraft. Der Oberbefehlshaber, v. Kessel, Generaloberst. „Irreführende Fragen". Zu der Notiz in Nr. 349 des„Vorw." erhalten wir zahlreiche Zuschriften, die darauf hinweisen, dast ähn- liche Zustände wie in der Spandaner Gewebrfabrik auch in anderen Betrieben herrschen. In der Charlottenburger„Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik" kann, wie man uns mit- teilt, die Kantine z. B. nur einen geringen Bruchteil der bc- schäftigtcn Personen mit Mittagessen versorgen, und während der Nacht ist überhaupt nichts zu haben. Die bejahende Beantwortung der Frage, ob Gelegenheit zu einem Mittagessen vorhanden sei, muß also ein absolut faljches Bild von den tatsächlichen Verhältnissen geben und ist geeignet, die Schwerarbeiter, die Zusatzbrotkartcn dringend nötig haben, aufs schwerste zu schädigen. Zwangsentladung von Massengüter«. Das Oberkommando in den Marken erläßt folgende Bekannt- machung: Auf Grund des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1801 bestimme ich hiermit: Auf folgenden Bahnhöfen(einschließlich der Freilade- und An-/ schlustgleise) Berlin Anhalter-, Potsdamer-, Hamburg-Lchrter«, � Stettiner-, Nord-, Ost-, Schlesischer- und Görlitzer Bahnhos, Berlin-Osthafcn, Berlin Frankfurter Allee, Neukölln-Treptow, Neukölln, Tempel- Hof, Wilmersdorf-Friedenau, Halensee, Charlottenburg, Berlin- Moabit, Berlin-Wedding, Gesundbrunnen, Weitzcnsee, Lichten- berg-Friedrichsfetde, Rummelsburg bei Berlin, Äioderschönc- weide-Johannisthal. Adlershof. Marienfelde, Ruhleben, Span- dau, Staaken, Reinickendorf, Tegel, Hennigsdorf, Magerviehhof und Köpenick tritt für den Empfänger von Massengütern, vornehmlich Kohlen, Briketts, Koks, Baumaterialien aller Art, Eisen aller Art. inSbc- sondere Eisenknüppel und Granatenrohlingc, bei Ueberschreitung der eiscnbahnseitig festgesetzten Entladefrist sofort die Zwangscut- ladung und Zwangszuführung ohne weitere Androhung ein. Bereits entladebereit gestellte Wagen mit den genannten Massengütern dürfen nach anderen Berliner Bahnhöfe» und mit Genehmigung der Eisenbahn weitergesandt werden. Zuwiderhandlungen gegen die Vorschrift des Absatz 2 werden auf Grund des 8 9b des Gesetzes über den Belagerungszustand�mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. Sind mildernde Umstände vorhanden, so kann auf Haft oder auf Geldstrafe bis zu 1090 M. erkannt werden.. Diese Verordnung tritt am 27. Dezember 1918 in Kraft. Der Oberbefehlshaber in den Marken. gez. von Kessel, Generaloberst. Einmalige Zulagen unterliegen nicht dem Sparzwang. Das Oberkommando in den Marken erläßt folgende Bc- kanntinackning: Znr Behebung von Zweifeln über die Auslegung meiner Bekanntmachung vom 18. März 1318— 0. Nr. 69514— über den Sparzwang für Jugendliche bestimme ich hienult: Einmalig gezahlte Teuerungszulagen und WeihnachtS- gratifikationen gehören nicht zum baren Arbeitsverdienst im Sinne des§ 1 jener Bekanntmachung und sind daher ui voller Höhe auszuzahlen. Ter Oberbefehlshaber in den Marken. gez. von Kessel, Generaloberst. Keine Feldpostpäckchen vom SV. Dezember bis 2. Januar. Es wird nochmals amtlich darauf hingewiesen, daß in der Zeit vom 29. Dezember bis einschliesslich 2. Januar keine nicht amtlichen Briefiendungcn über 00 Gramm nach dem Felde(Päckchen) ange- nommen werden. Im weiteren ist es mit Rücksicht aus die glatte Abwickelung des wichtigen NachrichtenvcrkehrS nach dem Felde un- bedingt erforderlich, daß der Aus tausch von Neujahrs- glückwünschen zwischen Heimat und Heer unter- bleibt. Die Bevölkerung wird daher dringend gebeten, zum be- vorstehenden Jahreswechsel von der Versendung solcher Gluck- wünsche an Angehörige, gute Freunde und Bekannte im üClde 51 fest and zu nehmen._ Sparsamkeit mit Licht. In Anknüpfung an die Bundesratsvcrordnung vom 11. De- zember d. I. über die Ersparnis von Brennstoffen und Beleuchtungsmitteln wird in einem Rundschrei- ben des Ministers des Innern an die Regierungsprasi- deuten darauf hingewiesen, daß die für die Durchführung jener Verordnung erforderlichen Mastnahmen getroffen werden müssen. Um den Lichwcrbrauch in gewünschtem Umfange einzuschränken, ist aber nicht nur der durch die Bundesratsverordnung begründete Zwang, sondern auch die bereitwillige Mitwirkung aller Privatpersonen, der Hausbesitzer und des ganzen Publikums unerläßlich. Ein unmittelbarer Zwang zur Sparsam- keit wird ans sie vorläufig nicht ausgeübt werden, man setzt aber voraus, daß jeder einzelne die im Interesse der Allgemein- heit ergangenen Richtlinien zu einer sparsamen Verwendung der Beleuchtungsmittel und Brennstoffe beherzigt. Volksbühne:„Die Ratten«. Nahe beim Alexanderplatz, im düstern Gemäuer der alten Kaserne, hanst von unten bis oben das Groststadtproletariat in� all seinem Elend, in seiner sündigen Pein, von dem diese Tragikomödie Gerhart Hauptmanns voll ist. Ob ehrliche Arbeiter oder licht- scheue Tagediebe, ob Frauen und Mädchen in sinnlicher Begehrlich- keit oder Dumpfheit und Stumpfheit, ob Kunstzigeuner oder „bessere" Leute, wie sie in der ehrenwerten Gestalt des Theater- direktocs und einiger Novizen vom„Bau" hierher sich verkrümeln: — sie alle sind nagende Ratten. Diese Typen sind echt, wie der Der- liner Bouillonleller-Dialelt, der über die Koniödie hinschwemmt. Immer, wir wissen es ja von allen anderen schlesischen Heimatdramen Hauptmanns, schwingt in ihnen eine schars-duinpfige soziale Atmosphäre mit. Man„wittert" sie gleichsam beim ersten ge- sprochenen Wort, bei der ersten Zustandsschilderung. So war c» einst vom Alexanderplatz bis zum„Schcunenviertel" selffamcn An- gedenkens, wo heute an edler Kunststätte auch dieses„Ratten'» Drama ein so buntfarbiges Leben versprüht. DaS darf gesagt werden: so, wie Ferdinand Bonn den Theater- direktor Hassenreuter verkörpert,— ganz hingegeben seiner eigenen Künstle rpersönlichkeit, oder jo hartkantig und gesühlSweich, uu Sucic Höflich bic Frau JJbljrt giöf, nicht zu rrfsan dun Eduard von Winterstein als Maurerpolier John, Hermine Körner(Frau Kiwbbel, Elfe Bäck(Schauspielerin Rütterbusch), Otto König(länd- lichpa stört icher Moralist und.Christ" Spiita), nebst den meisten Vertretern der anderen Typen— so hat sie der Dichter geschaut und so mögen sie wohl seinen Anforberunaen entspreche». _ Es genügt also, den durchschlagenden künstlerischen Erfolg zu bestätigen, den das Ratten-Drama gestern abend gefunden hat. Schon am Schlusj des zweiten Aktes und so bei allen weiteren wurde der anwesende Dichter wieder und immer wieder stürmisch gerufen.___ ck. Die nächste Sprechstunde findet am Mittwoch, den 27. Dezember, statt. Wie die Verteuerung des Omnibus wirkt. Die Berliner OmnibuSgesellichaft suhlte ihre Fahrpreiserhöhung am 1. Oktober 1010 ein. Eine Teilstreckenfahrt kosleie statt bisher b Pf. fortan 7V2 Pf., dagegen blieb der Preis längerer Fahrten unverändert aus tO Pf. Wie die Vertcueruiig der Tcilstrcckenfahrten gewirkt bat, erfährt ma» seht. Im Oktober dieses Jahres wurden auf den PferdeomnibuSlinien(von den KraslomnibuSlinien können wir in dieser Betrachtung absehen) 4 713 815 Personen befördert, gegen- über 0 537 232 Personen in, vorjährigen Oktober. Der Rückgang ist zum Teil— aber nur zum Teil!— daraus zu erklären, dah die Omnibusgesellschaft inzwischen ihreir Beirieb noch weiter einschränken mußte. Zu der Gesamtzahl der im Oktober beförderten Personen lieferten die Teilstreckenfahrten in diesem Jahr nur 3 087 933, gegenüber noch ö 031 744 im vorigen Jabr, die längeren Fahrten in diesem Jahr 1925 377, gegenüber nur 935 533 im vorigen Jahr. Hiernach war die Zahl der Tcilstrcckeiibcnutzcr im diesjährigen Oktober um 1 913 806 geringer als im vorjährige», das ist über ein Drittel des ErgebnisieS vom vorjährigen Oktober. Unmöglich kann das barauS allein erklärt werden, daß inzwischen der Pferde- omnibuSbctrieb,>vie schon gesagt, noch weiter eingeschränkt worden ist. Hat doch die Betriebseinschräiilung nicht zu hindern vermocht, daß die längeren Fahrten im dies- jährigen Oktober gegenüber dem vorjährigen sogar eine Mehrung brachten. Man wird die starke Minderung der Teil- streckcnsahrten und die mäßige Mehrung der längeren Fahrten in der Hauptsache auf die Erhöhung des TcUstreckeiipreiieS zuriicksühren müssen. Wer früher den OmnibuS für ganz kurze Fahrten benutzte und dabei seine mit 5 Ps. bezahlte Teilstrecke nur halb abfuhr, de- bält jetzt lieber seine 7'/, Pf. in der Tasche und käust. Wer früher sich nur ein Stück seines längeren Weges durch eine Fahrt im Om- nibuö erleichterte und dabei die Teilstrecke voll ausnutzte, legt jetzt zu 7l/z Pf. noch 21/2 Pfennig zu und hat dann für seine lO Pf. ein Recht aus ganze Fahrt. Ob dabei die Omnibusgesellschaft besser wegkommt als früher? Mancher seßhafte lO-Psennig-Fahrgast, der sonst durch seine Dauerfahrt dem OinuibuS zivei oder drei 5-Pfennig«Fahrgästs entzog, schädigt ihn jetzt um ebenso viel 7>A,-Pfennig-Fahr(jliste. Bei dem jetzigen Bestreben der Fahrgäste, ans Teilfahrlen wie auf Gauzfahrten ihr gezahltes Geld möglichst weit ausznnutzen. werden sicherlich auch die Pferds stärker als sonst 'emisprucht. DaS steigert wieder die Aufwendungen für Pferde, so mß die Gesellschaft, was sie mit der rechten Hand mehr einnimmt, mit der linken mebr auSgebeir muß. Vielleicht wird sie bald selber stnden, daß eine Rückkehr zu den früheren Fahrpreisen nicht nur der Bevölkerung sehr willkommen sein, sondern auch dem eigenen Vor- teil der Gesellschaft dienen würde. Sie hat es schon vor Jahren einmal erlebt, daß sie eine Tariserhöhung wieder zurücknehmen mußte, weil sie dabei keine Seide spann. Tie Bierprcise. Die PreisprüfungSstelle Groß-Berlin hält den im Jahre 1915/10 festgesetzten Preis von 32 M. für den Hekioliler für reichlich Koch, um so mehr als eine sehr erhebliche Streckung des Bieres in den Brauereien slaltgelundeii hat. Sie hält den Preis für so hoch, daß jede weitere Erhöhung für unzulässig er- achtet wird. Der bestehende Vertrag zwischen den Branereien und dem Gast- wirtSgewerbc bedroht die Gastivirie siir den Fall, daß sie sich an den festgesetzten Mindestpreis nicht binden, mit der Entziehung der Bierlisferung. Ein solches Vorgehen>o i d e r s p r i ch t den Interessen der Konsumenten und ist daher unzulässig. Ebenso unzulässig ericheint auch die Bestimmung, daß bei der Er- rechiiung sich ergebende Beträge unter 5 Pf. auf 5 Pf. nach oben abgerundet werden müssen._ Ramschware. Im vierten Berliner Wahlkreise werden, wie uns mitgcteilr wird, unter falscher Voripicgelung Broschen vertrieben, die künstlerisch wertlos sind. Sie haben die Form von zwei gekreuzten Fahnen, von denen eine aus rotem Grunde zwei verschlungene Hände zeigt und dazu die Ausschrtst»Einigkeit macht stark!", während die andere nach der Behauptung der Verkäufer„das Bild des Volks- manneS Paul Hvfsmann" enthalten soll. Das stimmt aber nicht. Denn da» Bild ist daS LvmelburgS. Die Brosche» scheinen oe- ramscht zu sein. Der verstorbene Bömelburg kann sich gegen diesen Schwindel leider nicht inehr wehren. Auf 1949,5 Kilometer ist die Gesamtlänge deS Straßenrohr- nctzeS der Berliner städtischen Gaswerke im Geschäftsjahr 1914/lS gestiegen. Diese Länge entspricht ungefähr der Entfernung von Berlin nach Madrid! Lebensmittclpakcte aus den N i e d e r l a n d e it und Däne- mark, die Butter, Margarine, Fleisch und Fleischwnren, Speck, Schmalz, Käse, Dauermilch aller Art oder Eier— allein oder in gemischten tzendmigen— enthalten, werden vom 1t Januar a b durch die Zeutrnleinkaufsgeiellschast ausnahmslos b eich lag- nahmt. Es loll dadurch die Bevorzugung Einzelner aus Kosten der Allgemeinheit verhindert und einer mLgt'ichst gleichmäßigen Ge- samtversorgung der Bevölkerung gedient werden. ll-Boot-Post. Gewöhnliche Briefe und Postkarten nach den Ver- einigten Staaten von Amerika und nach den neutralen Ländern im Durchgang durch die Vereinigten Staaten(Mexiko, Mittel- und Südamerika, Westindien, China. Nicderländiscki.Jndien usw.) können in nächster Zeit durch Handeistanchboote befördert werden. Die Versendungsvedingungen werden in Kürze amtlich bekanntgegeben werden. Ter AdmiralSpalast hat den Ehrgeiz gehabt, das Schlittschuh- läufer-Ballelt aus MeyerbeerS Oper»Der Prophet", da« sonst nur ans Rollschuhen ausgeführt zu werden pflegt, auf dieser Eisbahn anfzuführen. Die effektvolle Musik, das bunte Bild und die Kunst der Sckilittschuhkünstler, unter denen sich besonders Erna Kersten, die kleine Dora und Else Dirksen durch Schwung und Grazie aus- zeichnen, gestaltet die Wiederbelebung des halb verickiollene» Ballens zu einer erfreulichen Ueberraschung. Man kann wohl sagen, so vollendet und wirksam ist es noch nie aus einer Bühne gegeben worden. Uns scheint überhaupt das Eisballett vor dem Bübncn« ballett große Borzüge vorauszuhaben. Ein Ballett mit dem Licht- und Farbenzauber, der wirklich ans Wunderbare und Berauschend- Verwirrende grenzt, mit solch prachtvollen Gruppenbildern und hohen Korps« und Einzelleistungen, wie sie das Ballett»Frau Fantasie" bietet, ist auf einer Tbeaterbübne nicht zu erzielen. Das Gleiten, das Schwingen und Schießen mit flatterndem Gewände erzeugt auf der großen Fläche prächtige Wirkungen. Und sogar die Futzipitzentanzerei ist auf dem Eise erträglicher. DaS Eisballett bat die 309. Aufführung, die cö jetzt erlebte, wohlverdient.— Auf der Höhe sind wie inimer Marg. Ehrich und Eharl. Echesfler im ge- ichmeidigen Paarlaufen; die schwierigsten Bravourleistungen voll- bringt der Meisterläufer Kreckow. Ter Wintergarten eröffnet am 1. Feiertag abends T'/g Uhr seine Wiuterspielzeit mir einem in allen seinen Teilen vollständig neuen Varietvprogramm, das der Aufführung der Ballcttpantomime»Die grün« Flöte' in der Inszenierung von Max Reinhards vorangehen wird. In letzterer werden Lillebil Christeilsen, Katta Sterna, Ernst Matray und Ernst Lubttsch die Hauptrollen darstellen. Im Variete- teil wird außerdem Joseph Plaut mit seinen neuesten und lustigsten Parodien sowie Helene Ballot auS Wien, daS ehemalige beliebte Mitglied des hiesigen MetropoltheaterS, auftreten. In der ersten NachmitlagSvoritellliltg am 2. Feiertag 8 Uhr wird ebenfalls im zweiten Teil»Die grüne Flöte' bei den üblichen NachinittagSpreisen gegeben. Die Leiche unter dem Eise. Ein mysteriöser Leichenfuiid be- schäftigt seit einigen Tagen die Staatsanwaltschaft des Landgerichts II. Am 2l. Dezember mittag» haben in Teltow Schullmder beim Spielen auf dem Eise in einem Wiesengraben die Leiche einer etwa 39 Jabre allen Frauensperson unter dem Eile liegend bemerkl. Die Leiche lag auf dem Rücken, der Kopf war bintenüber gebeugt, die eine Hand ragte über die Eisdecke hiniveg. Da die Vermutung, daß hier ein Verbrechen vorliegt, Platz griff, hatten sich Sonnabend ein Amtsrichter und ein Vertreter der Staatsanwaltschaft noch Teltow begeben, um die erforderlichen Feststellungen zu treffen. Die Leiche wurde au» der 3 Zentimeter dicken Eisdecke heranSgeschlage», der Graben ielbst ist nur ungefähr 59 bis 09 Zentimeter lief. An der Leiche selbst sind keinerlei Merkmale äußerer Gewalt zu sehen. Tie Stiefel der Unbekannten hatten ganz schief gelretene Absätze, auf der Sohle des linke» Stiefels war ein Mililärnagcl eingeschlagen, der eine Stiefel war mit Bind- faden, der andere mit Draht zugebunden. Die Kleidung war sonst ordentlich, wenn auch ärmlich. Da» einzige, was man in der Rock- tasche der Leiche fand, war ein Zettel über den Besuch des U-T.» Kinos, Hasenheide 29, zur Vorstellung am Freitag, 15. Dezember 1910 Die Leiche kann,«he sie ausgekunden wurde, etwa drei Tage lang am Fundorte gelegen haben. Die Staatsanwallschaf! ist jetzt damit beschäftigt, festzustellen, ob ein Verbrechen oder ein UnglückS'all vor- liegt, der vielleicht einer geisteskranken Person zugestoßen sein mag. Sachdienliche Auskünfte nimmt die SlaatSanwaklschaft beim Land- gericht II in Berlin und die Polizeiverwaltung Teltow entgegen. Das Opfer eines seltsamen Unglücks ist ein noch nicht ein Jahr alles Kind in der Steinmetzstraße geworden. Die Kleine lag in der Küche in einem Schlafkorb, der an der Wand stand. Während einer kurzen Abwesenheit der Mutter gab ein Nagel, an dem gerade über dem Korbe ein Salzgefäß hing, nach, das Gefäß fiel herunter und dem Kinde auf das Gesicht. Als die Mutter wieder herbei kam. war es erstickt. Vermißte Krankenschwester. Seit dem 13. Dezember ist die 44iahrige Krankenschwester H e r t a D v r f l e r, die im Schwestern- Hein, in der Luthersir. 33 in C h a r l o t t e n b u r g lvobnte, ver- schwunden. E« wird vermutet, daß sie Selbstmord verübt hat. Die Vermißte trug Schwesterntracht. Die Mmil- und Klauenseuche ist unter dem Viehbestände der Molkereibesitzer Oeffuer, Bergstr. 21, und Ncytalewicz, Ruppiner Str. 27, ausgebrochen. Arbeiter< Samariterbu«?! STTTtui c Groß-Berlin. Mit« wach. 27. Dezember, abends 7 Uhr: Milgliederversammlmig in Wieskes VcrcinShauS, Köpenicker Straße 02. Tagesordnung: Vortrag und Geschäft- lichc». Teilnehmer und Gäste haben Zutritt. Die Mitglieder werden dringend gebeten, pünktlich zu erscheinen. Sammellisten find mitzubringen. I. 31.: Gustav Dietrich, Vors.. NW 23, KlopswMr. 25. Mus öen Gemeinden. Verteilung von Kohlrüben in Charlottenburg. In der Woche vom 25. bis 31. Dezember werden in Charlottenburg auf Ab- schnitt 29 der roten Nahrungsmittelkarte 2 Pfund Kohlrüben ab- gegeben. Wilmersdorf. Die Brotkommissionen sind Sonntag, den 24. Dezember, DienSiag, den 20. Dezember und Sonntag, den 31. Dezember, von 10—12 Uhr vormittags geöffnet. M i l i t ä r u r l a u b e r ivcrden vom 23. Dezember(einschiießttib) ab nicht mebr durck die Brotkommissionen, sondern nur noch durch die Bahnhosskommandrm» turen abgefertigt. Steglitz. Die Gemeindevertretung bewilligte einstimmig fol- gende einmalige Teuerungszulagen: den Beamten. Angestellten und Lehrern an den höhere» Lehranstalten mit einem Diensteinkommen bis 0499 M., sofern sie ledig sind, 49 M., Ver- beiraielen ohne Kinder 199 M., mit einem Kinde 130 M., für jedes weitere Kind 30 M. mehr. Arbeiter und Kriegshilss-Vureauarbeiter, letztere jedoch nur sofern sie seit 1. April d. I. bei der Gemeinde be- schäftigt sind, erhalten: Ledige ebenfalls 49 M.. kinderlos Verheiratete 60 M.. Verheiratete mit einem Kinde 89 M., für jedes weitere Kind 29 M. mehr.— In geheimer Sitzung wurde be- schloffen, den AniangSlohn der Arbeiter bei der Straßenreinigung von 4 M. auf 4.25 M. zu erhöhen. Tcmpclhof, Mariendorf Maricnfclde. Di« Partei- und Gewerk- ickaslsmiigtieder obiger Orte werden darauf aufmerksam gemachr, daß om Donnerstag, den 28. Dezember, abends O'/z Uhr. in Marie ii dort, Chaussee st ratze 283, in Herold» F e st s ä I e n eine Versammlung stattfindet. Genosse A. Cobei, spricht über»Die Bedeutung deS H i l f s d i e n st g e s e tz e S für die Arbeiter". ES ist Pflicht der Gewerkschafts- und Parteimitglieder, sür einen guten Besuch dieser Versammlung Sorg» zu tragen. NowaweS. In der letzten Gemeindevertretersitzung erfolgte die Einführung deS zum zweiten besoldeten Schöffen auf zwölf Jahre gewählten'und bestüligten Kämmerers Schmidt. Unter Hinweis auf die notwendige Fortsührung der Sozial- und Wirt- schastSpolitik stellte der neue Schöffe u. a. auch eine Reform de» StcuerweiciiS in Aussicht.— Durch einen früheren Beschluß batte die Gemeindevertretung das Schulgeld sür den Besuch unserer Schulen durch auswärtige Kinder von 49 auf 75 M. erhöht. Die Gemeinde Nikvlassee hat nun gebeten, in dem am I.April neu aus« zustellenden Vertrage den gleichen Satz wie die Gemeinde Wanniee, nämlich 09 M., festzulegen. Da nur etwa 49 Kinder aus NikolaS» ice in Betracht kommen, stimmte die Vertretung der Herabsetzung zu. — Der Verlängerung der ablausenden Gemeindevertreiermandate um ein iveiteres Jahr wurde zugestimmt.— Genosse Osmer be- schwer!« sich darüber, daß trotz ausdrücklicher Zulage in der letzten Sitzung auf der heutige» Tagesordnung die Aussprache über Leben»« fragen fehle._ Eingegangene Druckschristen. Fachblatt für Holzarbeiter. Hest 12. Herausgegeben vom Deul- scheu Hvlzarbcttcrocrband. Erscheint am 15. jedes Monat». Ißiertilj. 1,20 M. — Selbstverlag in Berlin, SO. 16. DEUTSCHE BANK BERLIN W. 8 ZentraHeitung der Depositenkassen: W, Mauerstrasse 28 Aktienkapital und Reserven 430 000 000 Mark Im letzten Jahrzehnt(1906-1915) verteilte Dividenden: 12 12, 12, 12'/,, 12'/� 12'/«. 12V» 12'/,, 10, 12'/t0/o. Filialen) Aachen, Barmen, Bremen, Brüssel, Crefeld Dresden, Düsseldorf. Elberfeld, Frankfurt a. M„ Hambun, Köln, Konstantinopel, Leipzig, London, München, Nürnbcr«, Saarbrücken. Zweigstellen) Augsburs, Bagdad, Berncastel-Cues, Bielefeld, Bocholt. Bonn, Chemnitz, Loblenz, Cronenberg, Darmstadt M.-Oladbach, Hagen. Hamm, Hanau. Köln-Mülheim, Meissen, Neheim, Neuss, Ofienbach a. M., Paderborn, Remscheid, Rheydt, Solingen, Trier. Wiesbaden. Depositenkassem Bergedorf,, Deubcn. Goch, Idar, Lippstadt, Opladen, Potsdam, Radeberg, Ronsdorf, Schlebusch, Schwerin, Soest, Spandau, Vegesack, Velbert, Wald, Warburg. W.« Mauerstrasse 26-27..... Kasse ,4* Potsdamer Strasse 134a.. Kasse C Budapester Strasse 6,... Kasse CD (t Z». eorshkusen) Potsdamer Str.96(«.(i.B0io*w.) Kasse P NW.: AU Moabit 129(eck« Wirintr.) Kasse K Turmstrassc 51, Kasse FC* Deposkenlcasscn in Berlin; SW.: Krausenstrasse 38-39.... Kasse //* Belle-Akflance-Platz 15... Kasse O RittcrsKasse 48....... Kasse EF BeUe-Allianoe-Strasse 21.. Kasse FiJ* Frledrlchstr.2Ü9(Ecke Kcdistr.) Kasse FQ S.: Oranienstrasse 140-142... Kasse D* N.: Chausseestrassc 17..... Kasse L Schönhauser Allee 8.... 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Stahlkammern. Die Slahlkammerfächer der Depositenkassen stehen unter eigensm Verschluss der Mieter Mick eignen sich zur Aufbewahrung von Wertpapieren, Hypofheken-Dokumenten, Urkusden, Wertgegenstäwden und Schmucksachen, Die Vermietung dieser Schrankfächer erfolgt Je nach Waasch auf beliebige Zeit. Bedingungen für den Depositenverkehr und die Benutzung der Stahlkammern werden an den Schaltern der Kassen ausgehändigt.- Die Deutsche Bank ist mit Ihren sämtlichen Niederlassungen amtliche Annahmestelle von Zahlungen für Inhaber von Scheck-Konten bei dem K.K. Oesterreichischen Postspareassen-Amt. Die Deutsche Bank ist auf Wunsch bereit, zu Zwecken der Steuererklärungen die Ausrechnung von Wertpapierbestlnden und deren Erträgen gegen eine geringe Gebühr zu übernehmen.