Ur. 354. fl bonnemcn ts-Bedlngungw: HbontiftnenlS• Prei» prSmonerando' »ierleljährl. S>S0 MI, monatl. 120 Ml. «öchenllich 80 üffl. frei In» Hau». Einzelne Nummer ö Sfg. Eonniag»- nummer mit Multriener Sonntaflt« Beilage.Die Neue Weif 10 Pfg. Post. Nbonnement: ILO Marl pro Monat. Eingelragen in die Post. Zeitung». BtciSIinc. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich. Ungarn 2,50 Marl, für da» übrige ilusland « Marl vro Monat. Postadonnemem» nehmen an Belgien, Dänemarl, bolland. Italien. Luxemburg, Portugal nänien, Schweden und die Schweiz. Crfchtlnt tlgn*. Verlinev VolllSblcrkk. 88. Jahrgimg. Dlt Tnlertlons-GcbQlir »«trägt für die fechSgestiallenc Kolonel- zeile oder deren Raum SO Pfg,, für »olitffche und gewerlschaflliche Verein»- und Perfannnlung»> Anzeigen 80 P!g „Kleine Hnrcigen". das leUgedrucku Wort 20 Pfg.(zuläifig 2 feligedruili Worte), jede» weitere Wort tO Pfg. Stellengesuche und Schlafslellenan zeigen da» erste Wort lO Pfg,, jede- «euere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buch- Naben zählen Mr zwei Worte, Infcrat, für die nächste Nummer müssen bis b Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bi» 7 Uhr abend» geöffnet Xelegramm.tlbreff«! �wlaläcmolirai Rerll»". Zentralorgan der fozialdemottratifchen Partei Deutfchlanda. Neüaktion: Sv). 68, �inöenstraße 3. Kerufprecher: Hmt Moritzplaf», Nr. 151 90— 15197. Mittwoch, de« 27. Dezember 1916. ExpeSltton: SM. 68, �inüenstraße 3. üernfvrrcher: Amt Morttzpla«, Nr. 151 90—151 97. Die deutfche Hnt wortnote an Mlton. Vor fehl ag einer friedenshonferenz. Bei Rimnicul-Sarat 5500 Russen gefangen— Filipesti erstürmt— Jfaccea genommen— Angriff auf den Brücken- köpf von Maein. Amtlich. Großes Hauptquartier, de» 26. Dezember 1316.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. I» einzelnen Abschnitten der Apern-Front, beider- seits des Kanals von La Bassse und westlich von Lens nahm die Artillcrietätigkeit zu. Vorstöße starker cngli- scher Patrouillen sind mehrfach abgewiesen worden. westlicher Kriegsschauplatz. Front des Generalfeld Marschalls Prinz Leopold von Bayern. Am unteren Stochod war die russische Artillerie rühriger als sonst. Nordwestlich von Luck brachte eine Unternehmung deutscher Abteilungen 16 Gefangene ein. Front des Generalober st Erzherzog Joseph. An der Ludowahöhe in den Waldkarpathen zeitweilig starkes Geschützfcucr. Am Neagratal, südlich von Dorna Watra, scheiterte ein Vorstoß russischer StreisabteUungen. Heeresgruppe des Generalseldmarschalls von Mackensen. Bei den Kämpfen in der Groß-Wallachischen Ebene und am Rande des Gebirges südlich von Rimnicül-Sarat sind in den letzten Tagen 5366 Russen gefangen genom- men worden. Gestern stürmten oft bewährte deutsche Divisionen mit zugeteilten österrcichisch-ungarischen Bataillonen das zäh verteidigte Torf Filipesti(an der Bahn Buzan- Braila) und beiderseits anschließende stark verschanzte Stellungen der Russen. Mazedonische Ffront. Erfolgreiche Patrouillenvorstöße bulgarischer In- fantcrie nordwestlich von Monastir. Im Cernabogcn wechselnd heftiges Artilleriefeucr. Der Erste Generalquartiermeistcr. Ludendorff. �lbenöbericht. Amtlich. Berlin, 26. Dezember, 1916. Abends. (W. T. B.) Auf dem Nordufcr der Somme zeitweise starkes Feuer. Sonst im Westen und Osten nichts Wesentliches. In der Großen Walachei ist der Russe aus mehreren Stellungen geworfen worden. In Mazedonien herrschte Ruhe. -i- O * Amtlich. Großes Hauptquartier, den 25. Dezember 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Im Wytschaetc-Bogen zeitweilig starker Artillerie- kämpf; bei den übrigen Armeen ging die Gefechtstätigkeit über das gewöhnliche Maß nicht hinaus. Die Nacht verlief in den meisten Abschnitten still. westlicher Kriegsschauplatz. Front des Gcneralfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Südwestlich von Stanislau wiesen österreichisch-unga- rische Vorposten bei Lysicc mehrere russische Vorstöße ab. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph. Im Gebiet der Cimbroslawa Wk. warfen unsere das Vorfeld beherrschenden Patrouillen mehrfach russische Streifabteilungcn zurück. Nördlich von Sosmczoe im Oitoz-Tale zwang unser Abwehrfeuer zweimal angreifende Russen, zurückzu- weichen. Heeresgruppe des G e n er a l f e ld m a r s ch al I s von Mackensen. In der Großen Walachei haben sich neue Kämpfe entwickelt. Tie Dobrudscha-Armce nahm Jsaccea und steht im Angriff auf den Brückenkopf von Macin. Mazedonische Front. Nichts Wesentliches. Der Erste Generalquarticrmeister. Ludendorff. /lbenübericht. Amtlich. Berlin, 25. Dezember 1316. Abends. (W. T. B.) Im Westen und Osten keine größeren Kampfhand- lungen. In Rumänien Fortschritte. An Mazedonischer Front nichts Wesentliches. *« « Amtlich. Großes Hauptquartier, den 24. Dezember 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Beiderseits von Wieltjc im Apern-Bogen griffen eng- lische Abteilungen nach starker Feuerwirkung im Morgen- grauen unsere Stellungen an; sie wurden abgewiesen. Auf der übrigen Front herrschte bei meist schlechtem Wetter nur geringe Feuertätigkeit. westlicher Kriegsschauplatz. Front des Generalseldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Keine besonderen Ereignisse. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph. In den verschneiten Waldkarpathen nahm zeitweilig im Lndowa- und Kirlibaba-Abschnitt das Gcschützfeuer zu. Nördlich des Uztales ging der Russe wieder zum An- griff über. Nach einem fehlgeschlagenen Vorstoß gelang es ihm, am Höhenkamm des Magyaros sich festzusetzen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. Durch die Operationen der Tobrudscha-Armee ist der Feind in den Nordwestzipfcl des Landes gedrängt wor- den. Das nördliche Tonau-Ufcr beiderseits Tucca liegt unter dem Feuer unserer Geschütze. Mazedonische Front. Zwischen Wardar und Tojran-See lag starkes eng- lischcs Feuer auf den deutschen und bulgarischen Stel- lungen; in den Abendstunden angreifende Bataillone wur- den blutig abgewiesen. Der Erste Generalquartiermeister, Ludendorff. �lbenübericht. Amtlich. Berlin, den 24. Dezember. Abends. (W. T. B.) An der West- und Ostfront im allgemeinen ruhiger Tag. In der Dobrudscha ist Jsaccea genommen. Bei Tulcca hält das Feuer an. In Mazedonien nichts Besonderes. „Die delegierten mögen zusammentreten." Vorschlag des alsbaldigen Zusammentritts der Delegierte». Amtlich. Berlin, 26. Dezember. Der Staatssekretär des Aus- wärtigen Amtes hat heute dem Botschafter der Vereinfigten Staaten von Amerika in Beantwortung des Schreibens vom 21. Dezember folgende Note übergeben: Tie Kaiserliche Regirrung hat die hochherzige Anregung deS Herrn Präsidenten der Bereinigten Staaten von Amerika, Grund- lagen für die Herstellung eines dauernden Friedens zu schaffen, in dem freundschaftlichen Geiste aufgenommen und er- wogen, der in der Mitteilung des Herrn Präsidenten zum Aus- druck kommt. Ter Herr Präsident zeigt das Ziel, das ihm am Herzen liegt und lüsft. die Wahl des Weges offen. Der Kaiser- lichen Regierung erscheint ein unmittelbarer Gedanken- a u S t a u s ch als der geeignetste Weg, um zu dem gewünschten Er- gebnis zu gelangen. Sic beehrt sich daher, im Sinne ihrer Er- klärung vom 12. Dezember, die zu Friedensverhandlungen die Hand bot, den alsbaldigen Zusammentritt von Delegierten der kriegführenden Staaten an einem neutralen Orte vorzuschlagen. Auch die Kaiserliche Regierung ist der Ansicht, daß das große Werk der Verhütung künftiger Kriege erst nach Be- endigung deS gegenwärtigen BölkerringenS in Angriff genommen werden kann. Sic wird, wenn dieser Zeitpunkt gekommen ist, mit Freuden bereit sein, zusammen mit den Ber- einigten Staaten von Amerika an dieser erhabenen Aufgabe mit- zuarbeiten, Eine— von stilistischen Abweichungen abgesehen gleichlautende Antwortnote ist von der österreichisch-ungari- schen Regierung abgesandt worden. Frankreichs Weigerung. Senat und Kammer., Paris, 23. Dezember.(Havasmeldung.) Um 6 Uhr abends beendete der Senat seine Geheimsitzungen zur Besprechung der Interpellationen. Eine Viertelstunde darauf wurde die öffentliche Sitzung wieder aufgenommen. ES wurden mehrere Tagesordnungen eingebracht. Ministerpräftdent Briand erklärte, die Regierung werde nur die Tagesordnung Cheron-Mougeot an- nehmen, die der Regierung das Vertrauen ausspreche. Der erste Teil, der der Regierung das Vertrauen ausspricht, wurde mit 19 4 gegen 69 Stimmen angenommen, der zweite Teil und die ganze Tagesordnug durch Handhochheben. Darauf wurde die Sitzung geschlossen. Die vom Senat angenommene Tagesordnung Cheron hat folgenden Wortlaut: Der Senat versichert, daß Frankreich mit einem Feinde, der fein Gebiet besetzt hält, nicht Frieden schließen kann. Er ist entschlossen, den Krieg, der Frankreich aufgenötigt worden ist, zu einem sieg- reichen Ende zu bringen, das würdig ist der Heldenmütigkeit der französischen Soldaten, deren unsterblichem Rrchm der Senat von neuem seinen Grutz sendet. Der Senat nimmt von den Erklärungen der Regierung Kenntnis, gewäbrt ihr Vertrauen, damit sie im Einverständnis mit den großen Kommissionen und unter � der Kontrolle des Parlaments die energi schsten Maßregeln ergreife f e i e s, u m F r a n k r ei ch s materi- elle Ueberlegenheit über den Feind sicherzustellen, sei es, um unter einer einheitlichen und tätigen Leitung die Gesamcheit der Anstrengungen der Armee und des Landes zu organisieren, sei es, um im Auslande mit Klugheit und Festigkeit die Würde und das Prestige Frankreichs zu verteidigen, und geht zur Tagesordnung über. Paris, 24. Dezember.„Petit Parisien" meldet: Die Kammer- kommission für die auswärtigen Angelegenheiten prüfte gestern abend die Note Wilsons und ernannte eine Abordnung, die sich zum Ministerpräsidenten begeben wird, um ihn aufzufordern, auf die Note nicht zu antworten. Deutschlanö für Irieöen Frankreich für Krieg! Zwischen Berlin und Paris ist die Frage„Krieg oder Frieden? auf eine dramatische Formel gestellt. Der fran- zösische Senat hat in einer Resolution, die von der Regierung gebilligt ist, es für unmöglich erklärt, die Verhandlungen mit einem Feind, der im Lande steht, aufzunehmen. Der Kammerausschuß für auswärtige Angelegenheiten ver- langt von Briand, er solle auf Wilsons Note überhaupt nicht antworten. Indessen haben die deutsche und die österreichische Regierung die Note Wilsons nicht nur begrüßt, sondern auch den sofortigen Zusammentritt der Friedens- konfercnz vorgeschlagen. Die deutschen Sozialdemokraten gehören nicht zu den Leuten, die geneigt sind, der eigenen Regierung gegenüber einer fremden immer recht zu geben. In diesem Fälle kann aber kein deutscher Sozialdemokrat, ohne gegen sich selber un» aufrichtig zu sein, dein Vorgehen der deutschen Regierung seine Synipathie versagen, während es ihm schwer fallen wird, für das Verhalten der Franzosen auch nur Entschuldi- gungsgründe zu finden. Gewiß, der Standpunkt, daß man mit einem Feind, der im Lande steht, nicht verhandeln dürfe, verdient respektvolle Würdigung, aber zugleich auch kritische Wertung. Würde dieser Standpunkt allgeinein aufrechterhalten, so könnte über- hanpt kein Krieg zu Ende gehen, denn einmal muß ja doch eine Regierung mit einem Feind unterhandeln, der im Lande steht, sonst gibt es keinen Frieden. Teutschland, Oestcrreich-Ungarn und die Türkei haben doch auch den Feind im, Lande— Deutschland im Oberelsaß (von den Kolonien nicht zu reden), Oesterreich in Galizien und im Küstenland, die Türkei in Armenien— also müßten auch s i e nach der französischen Doktrin erklären: Solange der Feind in unserem Lande steht, verhandeln wir nicht! Das wäre aber ein maßlos törichter Standpunkt: denn wenn sich die Kriegskarte im Laufe des Krieges noch so sehr ändern sollte, so wird die Frontlinie wahrscheinlich doch immer an den Grenzen herüber und hinüber wechseln. Die Mittelmächte haben sich darum auch der Don Ouichoterie, die im französi- schen Standpunkt liegt, nicht schuldig gemacht. Sie haben nicht erklärt:„Erst müssen die Franzosen aus dem Elsaß heraus, die Italiener aus dem Küstenland, die Russen aus Galizien und Armenien," sondern sie haben sich bereit erklärt, jeden Tag zur Friedenskonferenz zu kommen, obwohl sie doch auch den Feind im Lande haben. Der zum Fanatismus überspannte militärische Ehrbegriff des französischen Senats bedroht ganz Europa, in erster Linie Frankreich selbst, mit dem Untergang. Die Franzosen haben es in der C h a m p a g n e, an der S o m m e, vor V e r d u n erfahren was es kostet, die Deutschen auch nur ein paar Kilo- Nieter zurückzudrücken. Glauben sie überhaupt an die Mög- lichkeit, die Deutschen gewaltsam vom französischen Boden zu vertreiben, so können sie sich mit dem Stift in der Hand aus- rechnen, wieviel französische und englische Menschenleben jeder eroberte Quadratkilometer Nordfrankreichs und Belgiens kosten müßte: sie würden dann zu einer Ziffer kommen, in deren Spiegel der Kriegswahnsinn sein eigenes verzerrtes Gesicht erkennen müßte: H i n s ch l a ch t u n g der g e s a m- ten männlichen Bevölkerung— das wäre wohl das Endresultat. Und lver wagt zu behaupten, daß dieser französisch-cnglische Ehrenselbstmord sein Ziel— die Vertreibung der Deutschen �— auch wirklich erreichen würde? Alle verniinftig denkende Menschen ohne Unterschied der Nation werden zugeben müssen, daß aller Wahrscheinlichkeit nach bis zum Friedensschluß, mag er noch so spät kommen, doch noch Deutsche auf französischem Boden stehen werden. Es ist absolut unsinnig zu sagen:„Jetzt schließe ich keinen Frieden, mag er f ii r mich n o ch s o g ü n st i g sein, erst muß ich meinen militärischen Sieg haben!" Wer weiß, ob Frankreich später einen ebenso günstigen Frieden erhalten wird wie es ihn jetzt haben kann— einen noch günstigeren wird es sich doch nicht erkämpfen, wie lange der Krieg auch noch dauern mag. Das französische Volk weiß gar nicht, wie gutd erFried ei st, denesjetztbekommenkann, und es wäre vielleicht besser, ihm das offen und öffentlich zu sagen, statt sich dieses Geheimnis für die vorgeschlagene Frie- denskonferenz'auszusparen. Einstweilen können wir nur sagen, daß der Standpunkt der führenden Franzosen einen Exzeß des Militarismus darstellte, für den wir„militaristischen" Deutschen kein Verständnis haben, und wir können nur hoffen, daß auch in Frankreich das praktisch vernünftige Denken über ein blutdürstiges Bedürfnis nach„Gloire" bald den Sieg davontragen wird. Der österreichische Sericht. Wien, 26. Dezember.(W. T. B.) Amtlich wird ver- lautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. In der großen Walachei dauern die Kämpfe an. Deutsche und österreichisch-ungarische Truppen erstürmten beiderseits der von Buzen nach Braila führenden Bahn vorgehend die starken russischen Stellungen bei Filipcsti. Auch im Räume von Rom- nicu-Sarat wurden Fortschritte erzielt. Die Zahl der in den lebten Tagen in der Walachei eingebrachten gefangenen Russen beträgt über 5566. Heeresfront des Generaloberst Erzherzog Joseph. Südwestlich von Sulta und südlich von Dorna Watra fühl- ten russische Streifkommandos erfolglos gegen unsere Stellun- gen vor. In den Waldkarpathen vielfach neu auflebender Gcschützkampf. Heeresgruppe des G e n e r a lfe lb m a r sch all» Prinz Leopold von Bayer». Nicht? von Belang. Italienischer und Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Der Stellvertreter des Chefs deS GeneralstabcS. v. H o e f e r, Felbmarschalleutnant. m• « Wie», 25. Dezember.(W. T. B.) Amtlich wird der- lautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des G e n c r a l f eld m a r sch a ll» v. Mackensen. Die Kampftätigleit nimmt in mehreren Frontabschnitte» an Lebhaftigkeit zu. HeereSfront des Generaloberst Erzherzog Joseph. An einigen Stellen wurden russische Aufllärungsabteilun- gen zurückgewiesen. Heeresgruppe des G e n e r a lf e l d m ars ch all S Prinz Leopold von Bayern. Bei Lysiec hat ein Jagdkommando des vielbewährten k. u. k. Jnfanterie-Regiments Nr. 16 in einem nächtlichen Vorposten- kämpf den vierfach überlegenen Feind mit dem Bajonett zurück- geworfen und ihm schwere Verluste zugefügt. Auch alle weite- ren Angriffsversuche der Russen sind gescheitert. »» Wie«, 24. Dezember.(23. T. B.) Amtlich wirb ver- lautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. HeereSfront des Generaloberst Erzherzog Joseph. Nördlich des Nztalcs hat sich eine feindliche Abteilung auf der Höhe Magyaros festgesetzt. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. EinS unserer Jagdkommandos übersetzte die Bystrzyca Solotwinska, drang durch die Hinderniszone in eine feind- liche Borstellung südwestlich Bohorodczany vor, kämpfte die Be- satzung nieder und rückte nach Zerstörung der Berteidigungs- anlage vollzählig ein. Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Auf der Karsthochfläche zeitweise lebhafteres Artillerie. fcuer; sonst unverändert. Der Stellvertreter deS Chefs des GeneralstabeS. v. H o e f e r, Felbmarschalleutnant. Die Einnahme von 3saccea. Sofia, 25. Dezember. Bulgarischer General- st a b s b e r i ch t vom 25. Dezember: Mazedonische Front: Von der ganzen Front ist kein Ereignis von Bedeutung zu melden. Rumänische Front: In der Dobrudscha besetz- ten wirdieStadtJsaccea. Nachhuten des Feindes halten sich bloß vor Macin. Der türkische Kriegsbericht. Konstantinopel, 25. Dezember. Amtlicher Bericht. Im Jrakabschnitt wurden unbedeutende englische An- grisfsversuche gänzlich abgeschlagen und dem Feinde ziemlich schwere Verluste beigebracht. An den anderen Fronten hat sich nichts von Be- deutung ereignet._ Der russische Rückzug in Walachei unü Dobruüscha. Russischer Bericht vom 23. Dezember. R uln ä n i s ch e Front: Nordwestlich, westlich und südwestlich von Rimnicul— Sarai warf der Feind unsere Bortruppcn zurück. Lebhafte Kämpfe in der Gegend von Rasoviteni und Vadul Seresti. Ist der Gegend von Balaceanul drang eine unserer Kompagnien nächtlicherweile in das Dorf Rosiori ein. Ein feindliches Bataillon eilte von Cochrlcanca herbei und umzingelte die Kompagnie. Aber diese bahnte sich den Weg und nahm die toten und verwundeten Kameraden mit. Schwache gegnerische Abteilungen, die ein» Offen- sive versuchten, warfen wir durch unser Feuer zurück und zerstreuten namentlich Infanterie bei Bisani und Kavallerie bei Stonoic(?). In der Dobrudscha setzten unsere Llbteilungen ihren Rückzug nach Norden fort. Der Feind setzte die Offensive fort und blieb in Be- rührung mit unseren Nachhuten. Russischer Bericht vom 24. Dezember. Rumän ische Front. Im Laufe des Tages war der Feind in der Gegend zwischen dem Hassanatal und dem Zaballatal fort- gesetzt tätig. In der Gegend von Galbanzul und Drogul griff der Feind unter dem Schuhe seiner starken Artillerie unsere Abtei- lungen mehrmals an. Der Kampf war erbittert und dauerte den ganzen Tag an. In der Gegend von Batogul und Vizirul schlugen wir durch Feuer schwache Angriffsversuche feindlicher Abtei- lungen ab. Dobrudscha. Der Gegner fuhr fort, unsere Truppen an- zstgreifen, die sich in der Richtung auf Jsaccca zurückziehen. Feind- liche Flugzeuge warfen Bomben auf die Gegend von Perisorul und Braila. In der Gegend des Bahnhofes Janka, an der Strecke Buzeu— Braila, ging ein deutsches Flugzeug nieder; seine Insassen, ein Offizier und zwei Mann, wurden gefangen genommen. Kriegskonferenz ües britischen Weltreiches. London, 26. Dezember. Nach einer Mcdlung der„Times" sinb alle Premierminister der Dominions nach London berufen worden, um in einer Reihe von Kriegsratsbesprechungen die Kriegsorganisation und die für die Zeit nach den: Kriege sich ergebenden Pro- blcme zu erörtern. Die Premierminister werden möglicher- weise auch über die Friedensbedingnngen befragt werden. Ein„Nen-Englänöer* gegen Wilson. Amsterdam» 23. Dezember. Nach Meldungen aus New Uork sagte das Kongreßmitglied Gardner in einer in Cincinati gehaltenen Rede, daß es der feste Glaube des neuen England sei, daß Menschen und Nationen ihre Freveltaten büßen müßten, weil sonst das Uebel die Oberhand erhalten würde. Präsident Wilson habe seine Vermittelung im europäischen Konflikt angeboten, und dies verkehrterweise. Unbewußt aber trägt Wilson nach der Ansicht Gardners dazu bei, daß Deutschland seiner Strafe für seine Schlechtigkeit entgeht. Lpauteps Machtstellung. Paris, 24. Dezember.(Havasmeldnng.) Der Kriegsrat trat am Sonnabendabend zusammen. Es wurde beschlossen, daß über alle die Vorbereitung und Wciterführung des Krie- ges betreffenden Fragen unter Leitung des Generals Lyantcy beraten und berichtet werden soll. General Lyantey ist be- auftragt, den beteiligten Ministern und dem Oberbefehlshaber die gefaßten Beschlüsse zu übermitteln und das bei ihrer Aus- führung notwendige Zusammenarbeiten sicherzustellen. Der Papst für üen Zrieöen. Rom, 25. Dezember.(Meldung der Agenzia Stefani.j Der Papst hat das Heilige Kollegium, das ihm seine Wünsche darbrachte, in feierlicher Audienz empfangen. Der Kardinal-Doyen Bann- telli verlas eine Adresse, in der er Menschen und Völkern den Friedcnswunsch ausdrückte, den Wunsch, der auch der liebste des Papstes sei. Vanutelli rühmte das Werk des Papstes, das Schmerzen zu lindern, Mut einzuflößen. Recht und Gerechtigkeit zu lehren und Rechtsverletzungen zu verdammen bestimmt sei. Da die Welt einen endgültigen gerechten Frieden wünsche, so sei es gerecht, daß die ganze Welt zu diesem Ziele zusammenwirke. Der Papst erwiderte, er freue sich über die Anerkennung des Heiligen Kollegiums für sein Werk, das die Leiden des Krieges zu lindern trachte, und über die Einmütigkeit in den Gedanken und Be- strebnngen der Kardinäle und des Oberhauptes der Kirche. Er er- innerte an seine früheren Fricdcnsmahnungcn und schloß mit dem Wunsche, daß die Erde zum Wcihnachtsseste erkennen möge, was zu ihrem Frieden diene, daß die Mächtigen der Welt, um den Lauf der Zerstörung der Völker aufzuhalten, die Stimme des Heiligen Kol- legiums hören möchten und daß die Völker nachdenken möchten, damit das Wort des alten Psalmisten, daß Gerechtigkeit und Friede sich küssen, in unseren Tagen eine neue Anwendung finden möge. Der französische Parteitag. Reden für Kriegsverlängerung. Paris, 26. Dezember. Die Agence Havas meldet: Zu der Sitzung des soziali st ischen Ratio nalkon- g r e s s e s waren, wie üblich, einige Führer der sozialistischen Parteien des Auslandes eingeladen. Abg. Mistral be- grüßte die Genossen Bande r Velde, Henderson, Roberts und Rubanowitsch, den Vertreter der Par- tei der revoutionären Sozialisten Rußlands. Der englische Minister Henderson uwd das Unter- hausmitglied Roberts hielten Reden in englischer Sprache, die der Versammlung verdolmetscht wurden und in denen sie erklärten, daß der Krieg bis zur Sicherung eines dauernden Friedens weitergeführt werden müsse. Vandervelde überbrachte dem Kongreß den Gruß der belgischen Sozialistenpartei, sowohl der Sozialisten, die eine Zuflucht auf französischem Boden suchen mußten, wie der- jenigen, die in dem besetztem Belgien geblieben sind. Der Redner erklärte, man müsse den Kampf fortsetzen, bis zur Befreiung Belgiens. Serbiens und der französischen Provinzen und bis man einen endgülftgen Frieden ohne erzwungene Annexionen haben könne, der den klei- nen Nationen die Freiheit gebe, über ihr Schicksal zu ent- scheiden, einen Frieden, der die Niederlage des Cäsarentums bringe und die Wiederherstellung der Arbeiter-Jnternationale ermögliche. Nach diesen von häufigem Beifall aufgenommenen Reden ging d« Kongreß zur Erörterung der finanziellen Berichte über. Turati beharrt auf /lenüerung üer Grenzen Mailand, 26. Dezember. In einer Zuschrift an den„Avant! wendet sich der sozialistische Abgeordnete T u r a t i, dessen Rede i der italienischen Kammer neulich solches Aussehen bei den Krieg! Hetzern hervorgerufen hatte, gegen die Unterstellung seiner parlamei tarischen Gegner, daß er seine bisherige Meinung geändert und ei Anhänger der„Imperialistischen Partei" geworden sei. Turati sag er habe k e i n e s i ch e r e n Grenzen(?) für Italien verlangt. Nu auf einen Zuruf Barzilais habe er gesagt, nachdem der Krieg trv der Haltung der Sozialisten ausgebrochen sei und so viel Blut scho gekostet habe, sollte man wenigstens versuchen, Friedensbedingnnge zu erlangen, welche neben einer Aenderung der Grenze eine bessei Anerkennung des Nationalitätenprinzips und einige Garantien fü die Freiheit des Adriatischen Meeres für Italien brächten. Di Gegner der Partei der offiziellen Sozialisien sollten sich kein falschen Hoffnungen auf eine bestehende Spaltung innerhalb de Partei machen.— Also„wenn der Krieg einmal ausgebrochen ist' dürfen auch prinzipienfeste Anti-Anncktionisten Grenzänderungs verlangen? Die österreichische sozialdemokratische Reichstagsfraktion war am Donnerstag voriger Woche zu Beratungen in Wis versammelt. Die Fraktion verlangte mit der größten Ent schiedcnheit die Wiederherstellung des gesetzlichen Znstands in Oesterreich. Das Parlament müsse ungesäumt wieder eii> berufen werden. Gegen die Oktroierung einer Geschäfts ordnnng erhebt die Fraktion Protest. Der Ausgleich mi Ungarn dürfe nicht als eine vollendete Tatsache vorgeleg Iverden; dem Parlament müsse das Recht bleiben, über dies« Ausgleich zu beraten und zu entscheiden. Die„Wiener Ai beiterzeitung" berichtet dann weiter: „Im Brennpunkt aller Wünsche und Lebensnotwendig keilen des Proletariats steht ielbstverständiich die Herbeifüh rung des Friedens, und die Abgeordneten brachten diese Tal fache in der lebhaftesten Weise zum Ausdruck. Wenn st? auch in diesem Augenblick die Wirkung des Friedensangebote der Mittelmächte noch nicht genau ermessen läßt, so erschein dadurch doch ein bedeutungsvoller Anstoß gegeben." Der Seekrieg. Erfolgreiches Gefecht österreichischer Torpedoboote. Wien, 24. Dezember. �W. T. B.) Amtlich wird verlautbarl Ereignisse zur See. In der Nacht vom 22. aus den 23. Dezember haben bei«inei Vorstoß vier unserer Zerstörer in der Otrantostraße zwei armierl Ueberlvachungsdampfer im Artilleriekampf versenkt. Auf der Rüä fahrt wurde ihnen der Weg durch wenigstens fccks feind liche Zerstörer eines mächtigeren und schnelleren Typs, sovii aufnehmbar„Jndomito" verlegt. Beim Turchbruch kam es zl einem heftigen Geschützkampf, wobei ein feindlicher Zerstörer r Brand geschossen liegen blieb, wenigstens drei andere auf Nahdistan vielfach getroffen und in die Flucht gejagt wurden, darunter cu Zerstörer eines noch stärkeren unbekannten Typs. Von unsere» Zerstörern erhielt einer zwei Treffer im Kamine, ein zweiter eina in die Slufbauten. Ein Mann tot, kein Verwundeter. _ Flottenkommando. Die italienische Darstellung. Rom, 25. Dezember. Das Marineministerium gib bekannt: In der Nacht zum 23. Dezember machten einige feindlich Einheiten einen Angriff auf einige kleine Wachtschiffe im Kano von Otranto. Sie wurden aber alsbald von französischen Torpedo bootszerstörern bemerkt. Nach sehr lebhaftem und heftigem Feue auf beiden Seiten gelang es dem von anderen zur Verstärkung cnl sandten italienischen und alliierten Einheiten verfolgten Feind unter dem Schutze der nächtlichen Dunkelheit zu entkommen die Schäden beim Gegner sind unbekannt. Ein französischer Zer törer und eines unserer Wachtschiffe im Kanal von Otranto trüge» nur einige unbedeutende Sachschäden davon. Zwei englische Torpedobootzerstörer gesunken. London, 25. Dezember.(Reuter.) Die Admiralität teilt mid ?lm 21. Dezember sind in der Nordsee zwei Torpcdobootzerstöre« infolge Zusammenstoßes bei sehr schlechtem Wetter gesunken 6 Offiziere und 49 Mann sind ertrunken. Versenkt. London, 25. Dezember. Lloydsmeldung. Di, Mannschaften der versenkten Dampfer„Dansborg" un! „M arques de Urguijo" sind gerettet. Ferner sind 9 Man, des dänischen Dampfers„Hroptatyr" cm L«nd gebracht; eine» ist verwundet. Eine Prise. Hamburg. 23. Dezember. Der schwedisch« Dampfer„Malcolm"(1188 Brutto-Register-Tonnen), mit Grubew holz von Schweden nach England, ist in dsg Nordsee angehaltei und als Prise nach Hamburg aufgebracht worden. Kleine Kriegsnackrickten. Die italienischen Verluste im Luftkamps. Wien, 25. Dezember Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Die italienischen Vev luste an Luftfahrzeugen in dem Zeitraum vom l. September bil 1. Dezember 1916 sind ein Caproni und ein Farman, die von uni erbeutet wurden, und weiterhin 8 Flugzeuge, die nach einwandfreie! Feststellung durch unsere Beobachter hinter den feindlichen Linie« abstürzten. Wir büßten in derselben Zeit 6 Flugzeuge ein un! zwar blieben 3 innerhalb der feindlichen Linien, während ebensovieb durch feindliche Einwirkung zur Notlandung innerhalb unsere! Linien gezwungen wurden. Die Meldung der„Times" von 11. Dezember, wonach in den letzten drei Monaten an der italienische« Front 20 österreichische Aeroplane im Luftkainpf abgeschossen worde« seien, dagegen nur 4 italienische, ist demnach unrichtig. Eine französische Falschmeldung. Berlin, 24. Dezember. Nichb amtlich. Der französische Bericht vom 21. Dezember meldet den Ab- schuß von 4 deutschen Flugzeugen. Es wird festgestellt, daß wir an» 19. Dezember kein Flugzeug, am 20. Dezember eins verloren haben Man scheint es in Frankreich nötig zu haben, die gute Laune durck erlogene Lustsiege auftecht zu erhalten. Lette Nachrichten. Anschlag gegen Venizelos. Saloniki, 26. Dezember. Meldung der Agence Havas.) Eine kurz nach Venizelos in Saloniki angekommene unbc- kannte Persönlichkeit ließ beim Arsenal ein Paket mit einer Bombe fallen, die eplodierte und den Unbekannten tötete. Man glaubt, daß die Bombe zu einem Anschlag gegen Venizelos bestimmt war._ Kopenhagen, 26. Dezember. Nach einer Blättermeldung aus Petersburg geht die Reichsduma am 36. Dezember in die Weihnachtsferien. Die Sitzungen sollen am 22. Januar wieder aufgenommen werden. Ms Groß-öerlin. Ins neue Jahr! An den letzten Tagen des Jahres sollen jeder Leser und jede Leserin des„Vorwärts" daran denken, ihrem Blatt neue Leser zu werben. Wer Gelegenheit hat, auch andere Blätter zu lesen, der wcitz, daß der„Vorwärts" heute das meist zitierte und am heißesten umstrittene Blatt der deutschen Zeitungswelt ist. Sein unermüdlicher Kampf für den Frieden, sein um- sichtiges Eintreten für alle Interessen der breiten V o l k s m a s s e n, der Soldaten draußen wie ihrer Familien, der Arbeiter, Angestellten und Beamten daheim, hat ihm viele Neider und Gegner, aber auch viele Freunde und Anhänger geschaffen. An diesen aber ist es, für ihr Blatt einzutreten, damit seine Macht sich mehrt, sein Einfluß wächst, damit er für seine Leser und für das ganze Volk noch viel mehr leisten kann als bisher. Es ist freilich verständlich, daß gedankenlose Leser und Leserinnen andere Lektüre dem„Vorwärts" vorziehen. So bequem wie jene kann er es ihnen nicht niachen. Er kann sich nicht darauf beschränken, Neuigkeiten zu bringen und Unterhaltungsstoff zu bieten— obwohl er darin keinem Blatte nachsteht—, sondern er sieht seine Aufgabe darin, seinen Leserkreis mit dem Geiste des Sozialismus und derDemokratie zu erfüllen, jeden und jede aus ihm zu Kämpfern und Kämpferinnen für die große Sache zu machen, für die er selbst mit aller Kraft eintritt. Das Jahr 1917 wird uns, wie wir zuversichtlich hoffen dürfen, den ersehnten Frieden bringen. Neue ungeheure Aufgaben werden dann an die politische, geWerk- s ch a f t l i ch e und genossenschaftliche Bewegung herantreten, Aufgaben, die sie ohne ein großes vielgelesenes Organ in der Neichshauptstadt nicht lösen kann. Alle aufgeklärten und Aufklärung der- langenden Männer und Frauen aus dem Werktätigen Volk Groß-Berlins solltenvom 1. Januar1917abden„Vorwärts" lesen! Neue Maßnahmen der Reichsbcklcidungsstelle. Schuhzeug gegen Bezugsschein. Die in letzter Zeit beobachtete übermäßige Versorgung des Publikums mit Schuhwaren hat den Bundesrat veranlaßt, auch die Schuhwaren der Regelung durch die Rcichsbcklci- dungsstelle zu unterstellen. Dies ist durch eine Verordnung betreffend Aenderung der Bekanntmachung vom 19. Juni 1916 über die Regelung des Verkehrs mit Web-, Wirk- und Strick- waren für die bürgerliche Bevölkerung geschehen, die die Schuhwaren aus Leder, Web-, Wirk- oder Strickwaren, Filz oder filzartigen Stoffen der Vezugsscheinpflicht unterwirft. Für bestimmte Luxusschnhware, deren Neuanfertigung nur noch in sehr beschränktem Umfange möglich ist, ist eine ähn- liche Regelung wie für die hochwertigen Kleidungsstücke vor- gesehen; gegen Abgabe eines Paares getragener gcbrauchs- fähiger Schuhe oder Stiefel mit Lcdcruntcrbodcn wird eine Abgabcscheinigung erteilt, die zur Erlangung eines Bezugs- schcincs auf ein Paar Luxusschuhe ohne Prüfung der Not- wendigkcit der Anschaffung berechtigt, jedoch nur auf zwei Paar bis Ende 1917. DieSchuhreparatur ist nicht bezugsscheinpflichtig. Ferner sind folgende neue Bestimmungen wichtig: Die Bewirtschaftung der getragenen Kleidungs- und Wäsche st ücke und der getra- tcnen Schuhwaren wird den Kommunalvcrbänden vertragen, die das Ein- und Verkaufsmonopol für diese Gegenstände erhalten. Niemand darf mehr an andere als an behördlich zugelassene Stellen getragene Kleidungs- und Wäschestücke und getragene Schuhwaren entgeltlich veräußern; der gewerbsmäßige Erwerb solcher Gegenstände ist nur noch solchen Stellen erlaubt. Für den Althandel sind Uebergangs- bestimmungen vorgesehen. Den behördlichen Annahmestellen ist gleichzeitig die Ausstellung von Abgabebescheinigungen zur Erlangung von Bezugsscheinen für hochwertige Kleidung oder Luxus-Schuhwaren übertragen. Während bisher nur der Kleinhandel und die Maß- schneidern der Bezugsscheinpflicht unterworfen war, wird diese jetzt auf jede Ueberlassung zu Eigentum oder zur Be- Nutzung erstreckt, wenn diese Ueberlassung durch einen Ge- werbctreibcnden mit Web-, Wirk- und Strickwaren oder Schuhwaren erfolgt. Demnach fallen jetzt auch die sogen. Garderobeverleihgeschäfte sowie die Schenkung seitens der Gewerbetreibenden unter die Vezugsscheinpflicht. Nur bei W ä s ch e v e r l e i h g e s ch ä f t e n ist für ihren der- zeitigen Bestand eine Ausnahme gemacht; sie dürfen jedoch ihren Bestand nicht vermehren. Desgleichen ist allgemein jede Ueberlassung sonstiger Gegenstände für nicht mehr als drei Tage bezugsscheinfrci. Ferner ist das bereits früher von der Reichsbckleidungs- stelle ausgesprochene Verbot, den Preis ganz oder teilweise vor Empfang des abgestempelten Bezugsscheins zu fordern oder anzunehmen, wiederholt. Weiter wird vom 15. Januar 1917 ab die V e r m i t t e- lung der Bezugsscheine durch die Geschäfte oder W a n d e r g e w e r b e t r e i b e n d e n verboten; nur das Auslegen der Bczugsscheinvordrucke und deren Aus- füllung in den Geschäften kann von den Kommunalverbän- den weiter zugelassen werden. Endlich wird jeder Hinweis auf die Bezugsscheinpflicht oder die Bezugsscheinvergebung zu Zwecken des Wettbewerbs in einer für die Oeffentlickckeit erkennbaren Weise verboten. Die Str. 22 der regelmäßig erscheinenden Mitteilungen der Reichsbekleidungsstelle, die die Bundesratsverordnung und die ausführlichen dazu erlassenen Bekanntmachungen des Reickskanzlers und der Reichsbekleidungsstelle enthält, ist von der Preßabteilung der Reichsbekleidungsstelle, Berlin W. 56, Markgrafenstr. 42, gegen Voreinsendung von 39 Pfennig zu bezichen. Hierzu verbreitet W. T. B. noch folgende Meldung: Als Schuhwaren gelten dabei solche, die ganz oder zum Teil aus Leder-, Web-, Wirk- oder Strickwaren, Filz oder filzartigen Stoffen bestehen. Der Beirat der Reichs- Bekleidungsstelle wird durch Sachverstän- digcdesSchuh fachsergänzt: die Zahl der Branche- Vertreter im Beirat ist von drei auf fünf erhöht worden- Weiter wird'eine Bewirtschaftung der getragenen Kleidungs- und Wäschestücke und Schuhwaren eingeführt. Sie ist not- wendig, um eine gleichmäßige Verteilung der begrenzten Vor- räte sicherzustellen und den unangemessenen Preissteigerun- gen im Altkleidcrhandel Einhalt zu tun. Künftig dürfen getragene Bekleidungsgegenstände nur an behördlich zugelassene Personen und Stekken entgelt- lich veräußert und nur von diesen gewerb s- mäßig erworben und abgesetzt werden. Aus- nahmen kann die Reichsbekleidungsstelle zulassen.— Ferner ist das Verleihen von Bekleidungsstücken zur Benutzung für einen Zeitraum von mehr als drei Tagen nunmehr ebenso an die Beibringung eines Bezugsscheins gebunden wie der Verkauf. Die Vorschrift soll einer naheliegenden Umgehung der Bezugsscheinpflicht vorbeugen. Aehnlichen Zwecken dient die neue Bestimmung, daß der Gewerbetreibende den Preis für die bezugsscheinpflichtige Ware erst nach Empfang des Bezugsscheins ganz oder teilweise fordern oder annehmen darf. Die neue Verordnung enthält ein Verbot, zu Zwecken des Wettbewerbs in Zeitungsanzeigen oder anderen Bekanntmachungen, die für einen größeren Personen- kreis bestimmt sind, insbesondere durch Aushang im Schau- fenster oder in den Geschäftsräumen, auf die Bezugsschein- sreiheit oder Bezugsscheinregelung hinzuweisen. Tie Verordnung tritt am 27. Dezember 1916 in Kraft. NrlaubScrtcilung. W. T. B. teilt mit: Wie wir hören, sind sämtliche Truppenteile erneut ersucht worden, mit allem Nachdruck darauf hinzuwirken, daß Mannschaften, die ein Jahr und länger ununterbrochen im Felde ge st an den und in dieser Zeit noch keinen Urlaub gehabt haben— vor allem den Verheirateten— ein Urlaub erteilt wird. Es wird angestrebt, diesen Leuten auch ohne amtliche Bescheinigung einen kurzen Urlaub zu gewähren, soweit die militä- rischen Interessen es irgend zulassen. Mit zunehmender Uriegsdauer hat eine zweckmäßige gleich- artige und gerechte Berücksichtigung aller Heeresangehörigen bei Erteilung von Urlaub erhöhte Bedeutung gewonnen. Wenn aus volkswirtschaftlichen Gründen Angehörige einzelner Berufsklassen zu bestimmten Zeiten vorzugsweise berücksichtigt werden müssen, so soll doch in gleicher Weise den' Erfordernissen aller übrigen Er- werbszweige,— besonders genannt sind auch die Angehörigen des kaufmännischen und gewerblichen Mittelstandes— in möglichst weitem Umfange Rechnung getragen werden, Schleunige Entladung der Eisenbahnwagen. Das Kriegsamt ersucht alle industriellen Werke und Fabriken, auch die in den Feiertagen zugeführten beladencn Eisenbahnwagen schleunigst zu entladen, da sonst nach den Feiertagen eine auch nur einigermaßen genügende Wagcngestellung ganz unmöglich ge- macht wird. Ter heftige Sturm während der Feiertage hat viel Schaden verursacht. Mehrere Kähne, darunter auch ein vollbeladener Kohlenkähn einer hiesigen Firma sind gesunken. Dächer und Schorn- steine wurden beschädigt, eine Menge Bäume entwurzelt. Die Feuerwehren von Groß-Berlin hatten während der Feiertage an sehr vielen Stellen zu tun. Unter anderem in der Tiergarten- straße, wo vor dem Hcnise Nr. 29a die Umwickelung eines Kraft- Wagens brannte und der Wagenführer schwer verletzt worden war. Man schaffte ihn nach dem Elisabeth-Krankenhause, wo man indes nur noch den Tod feststellen konnte. Der 11. Löschzug wurde nach der Alten Jakobstraße 156/157 alarmiert. Dort wurde der Wächter Ernst Behrendt von der Wach- und Schließgesellschaft in einer Pförtnerstube frühmorgens leblos aufgefunden. Die Wehr brachte ihn nach dem Krankenhaus in der Gitschiner Straße, wo nian vergeblich Wiederbelebungsversuche an- stellte. Er war einer Gasvergiftung erlegen. Ein größerer Brand beschäftigte die 2. Kompagnie in der Löpe- nicker Straße 148. Hier brannte ein Lager von Lampen und Kronen usw. und in der Greisswaldcr Straße 146— 141 ein Keller mit Vorräten. An beiden Stellen hatte die Wehr tüchtig zu löschen. Ferner mußten Brände gelöscht werden in der Jagaiv- straße 13, Lohmühlcnstr, 34, Grünauer Straße 27, Reinickendorfer Straße 1. Kreuzbergstr. 32—33, Birkenstr. 56, Mittcnwaldcr Straße 46, Besselstr. 26, am Kottbuser Ufer 33, Michaelkirchplatz 26, Pintschstr. 16, Bernauer Straße 98, Schmidstr. 15a, Kochhannstr. 33. Von mehreren Seiten wurde die 2. Kompagnie nach dem Schlesischen Bahnhos alarmiert, wo in einem Keller des Personen bahn- Hofs Papier in Brand geraten war. Ter heftige Sturm veranlaßte zahlreiche Alarme. Unter anderem nach der Wilhelm- straße 55, Zorndorfer Straße 43, Petersburger Straße 28 usw., wo Fahnenstangen abzustürzen drohten, nach der Schönhauser Allee, Friedenstr. 92. Kruppstr. 7. Reichenbcrgcr Straße 154, Spittel- markt 14a, Hollmannstr. 21, Badstr. 14, Weißcnburgcr Straße 1 usw., wo Schornsteine, Firmenschilder und Gesimse infolge des Unwetters herabzustürzen drohten. An der Ecke der Grünthaler und Badstraßc war der elektrische Leitungsdraht der Straßenbahn gerissen. In der Prinzenstraße 19 drohte ein Taubenboden vom Dache abzustürzen. Gasvergiftungen veranlaßtcn das Ausrücken von Samaritern nach der Fennstr. 35, Hufelandstr. 42, Kirchstr. 11 und anderen Stellen. Wegen eines Wasscrrohrbruchs der städtischen Wasserleitung wurde die Wehr nach der Albrechtstraße alarmiert. Vor dem Hause Nr. 11 sprudelte eine Wasserquelle, weshalb die Leitung gesperrt werden mußte. An Arbeit hat es demnach nicht gemangelt. Einen Mordanschlag auf seine Frau verübte am Heiligabend der 27 Jahre alte Schneider Hennemann in der Lützowstraße 113 aus Eifersucht, obwohl sie ihm dazu keine Veranlassung gab. Die Frau hatte sich von dem Manne getrennt und wohnte seitdem An der Apostelkirche 3. Ter Mann versuchte wiederholt eine Wieder- annäberung, wurde jedoch immer abgewiesen. Vor einiger Zeit zum Heeresdienst einberufen, crbielt er kürzlich Urlaub und wohnte bei seinen Eltern in der Linienstraße. Auch diese Gelegenheit be- nutzte er wieder, seine Frau zu einer Wiedervereinigung zu über- reden. Abermals zurückgewiesen, lauerte er ihr am Sonntagabend gegen 9 Uhr auf dem Hausflur des Grundstücks Lützowstraße 113, wo sie beschäftigt war, auf und gab aus einem kleinen Taschen- revolver einen Schrotschuß auf sie ab. Der Schuß traf so Unglück- lich, daß die Sehkraft beider Augen gefährdet ist. Hennemann itellte sich selbst auf der Revierwache. Der Raubmord in der Mattcrnstraße ist, wenn nicht alle Zeichen trügen, jetzt aufgeklärt. Unter dem dringenden Verdacht der Täterschaft ist der am 25. September 1895 zu Kahlisch geborene Kohlenarbeiter Valentin Nowack, Neue Baruchstraße 22 zu Lichten- berg, von der Kriminalvolizet verhaftet worden. Der Verdächtige bat zwar noch kein Geständnis abgelegt, erscheint aber durch einen Indizienbeweis überführt. Der Verhaftete, der mit einer unvcr- heirateten Schwester zusammen eine Stube und Küche bewohnte, hat bei Fräulein Küßncr wiederholt als Kohlenträgcr gearbeitet, kannte daher ihre Räumlichkeiten und Gepflogenheiten und war selbst ihr so gut bekannt, daß er jederzeit zu ihr Zutritt finden konnte. Durch vier einwandfreie Zeugen wurde nun festgestellt, daß er am Sonnabend abend, an dem später der Mord verübt wurde, eine Stunde lang in der Türnische des Hauses Matternstraße 16 gegenüber dem Laden der Ermordeten gestanden und fortgesetzt nach diesem Laden hinüber gesehen hat. Er lauerte augenscheinlich auf den Augenblick, in dem der Schneider Kühner, der an jedem Tage der Kohlenhändlerin aushalf, Feierabend machte und den Laden verließ. Tann ging er gegen 9 Ubr in den Laden hinein. Damit stimmt wieder eine andere Wahrnehmung übcrein. Nach dem Weg- gange Küßners wurde in dem Laden noch ein Mann gesehen. Er stand im Hintergründe und konnte bei der mangelhaften Belcuch- tung nicht genauer beobachtet werden. Trotzdem bekunden Leute, die ihn sahen, eine Aehnlichkeit mit Nowack. Dieser gibt seinen Aufenthalt in der Türnische zu der von den Zeugen angegebenen Tageszeit zu, verlegt ihn aber aus Freitag, den Tag vorher. Die Zeugen können sich dagegen aus besonderen Gründen in dem Tage nicht irren. Dieser Belastung versuchte Nowack mit seinem Alibi- beweis zu begegnen. Ter gelang aber nicht nur nicht, sondern wurde ihm zwingend und vollständig widerlegt. Ein schweres Unglück durch Gasvergiftung ereignete sich am zweiten Feiertage in einem Hotel in der Jnvalidenstraße. Dort waren der 57 Jahre alte Bademeister Gustav Abs aus Hamburg mit seiner Frau, einer Tochter und einem Sohn abgestiegen, um während der Feiertage einen bei einem hiesigen Regiment stehenden Sohn zu besuchen. Die Eltern und die Tochter schliefen m einem, der Sohn in einem anderen Zimmer. Gestern kamen die Gäste aus ihrem Zimmer nicht heraus und liehen nichts von sich hören. Als man endlich nach ihnen sah, lagen das Ehepaar und die Tochter regungslos in ihren Betten in dem mit Gas� angefüllten Znntncr, während in dem anderen der Sohn noch schlief. In dem Eltern- zimmer war durch ein Versehen der Hahn der Gaslampe picht ganz geschlossen worden oder zum Teil wieder aufgedreht, als die �amilic: sich schlafen legte. Mit Hilfe des Scmerstoffapparates gelang es, Mutter und Tochter in das Leben zurückzurufen, der sWann war tot. Frau Abs und ihre Tochter wäre» aber so schwer mrtge- nommen, daß sie nach der Charite gebracht werden mußten. Mord- und Selbstmord. Mit Strichnin vergiftet hat in der Nacht zum ersten Feiertage der 39 Jahre alte Arbeiter Franz Schuch seine Geliebte, eine Arbeiterin Helene Manz und sich selbst. Spat in der Nacht stieg in einem kleinen Fremdenlogis in der Elsasscr Straße ein Paar ab, das sich Zapscr Max Prede und Frau nannte. Die Leichen wurden beschlagnahmt. Schüch war ein verheirateter Mann, der von seiner Frau getrennt lebte und mit Helene Manz, die bei ihren Eltern�lvohnte, ein Verhältnis unterhielt. Das Mädchen wollte sich von ihm lossagen. Ein geftthrlichcr Erpresser, der in 14 Tagen 8 5 666 M. ex- beutete und auch gleich wieder durchbrachte,� wurde von der Kriminalpolizei in der Person des früheren Hausdieners Max Jahnke aus Regensburg, eines wiederholt vorbestraften Fledderers und Erpressers, der in Verbrccherkreisen unter dem Spitznamen der „Regensburger Max" bekannt war, unschädlich gemacht. Jahnke, der schon im Jrrcnhausc war, ging wieder frei umher und suchte im Tiergarten Opfer zur Erpressung. Sein Opfe war ein Großkaus- mann._ Zugentlfteisung auf Bahnhof Schönholz. AufdemBahnhofSchönholz-Rcinickendorf wurde am 25. d. M. um 6 Uhr 15 Minuten vormittags der Vorortzug 363 nach Velten von dem Fahrdienstleiter fälschlich in Richtung auf Oranienburg geleitet. Als der Lokomotivführer�den Irrtum wahr- genommen und den Zug zum Halten gebracht hatte, drückte er ohne Weisung des F a h r d i e n st l e i t e r s den Zug zurück. Hierbei entgleisten in der inzwischen umgelegten Weiche 42 die vier letzten Wagen des Zuges. Menschen sind nicht verletzt worden._ Erplosion in Fllrstcnwalde.— Ein Arbeiter sofort tot. Trotz strengen Verbots rauchten Eisenbahnarbeitcr beim Entladen eines Güterwagens auf dem Kleinbahnhof F ü r st e n w a l d e Zigaretten. Plötzlich erfolgte eine Explosion. Ein Arbeiter wurde sofort getötet, einer lebensgefährlich verletzt und ein dritter fiel in Ohn- macht. Die Untersuchung ergab, daß der eine Arbeiter mit seiner brennenden Zigarette einem leeren Benzinbehälter zu nahe ge- kommen war und daß sich die Benzindämpfe entzündet hatten» wo- durch dann die folgenschwere Explosion verursacht wurde. Deutsches Opernhaus:„Das Testament'� Seit der Uraufführung seiner letzten, vierten Oper, da? war vor vierzehn Jahren, hat Wilhelm 51 i e n z l geschwiegen, obgleich sein„Evangelimann" sich dauernd auf der Bühne behaupten sollte. Jetzt endlich löst er sein Schweigen mit einem neuen Werk: der vor- gestern zum erstenmal gegebenen„musikalischen Komödie. Allzureich an dieser immer wieder stark begehrten Gattung ist ja die Musik- literatur nicht. Und wenn nun einer kommt, von dem man mit Recht einen Treffer erwarten durfte, so könnte es Wilhelm Kienzl sein. In der Tat hat er sich eine richtige komische Handlung er- sonnen. Die spielt in seiner steiermärkifchen Heimat, und zwar in dem Dörfchen Fopphausen. Zwei bekannte Motive bilden den Knotenpunkt. Einmal ist der schwerreiche Gemeindevorstand Holzer ein alter Junggeselle, der mit Wohlgefallen auf sein hübsches Mündel sieht. Eigentlich wär's gar so übel nicht, wenn Vroni sein Weib sein könnte. Man wird hierbei an Wagners Hans Sachs erinnert. Vroni liebt aber schon einen anderen, nämlich Florian, den Müller- burschen. Hölzer mag ihn nicht leiden, denn er ist arm. Nur wenn Vroni den Habenichts nicht heiratet, soll ihr ein beträchtliches Erbe zufallen. So steht's im Testament des Holzer. Alles andere hat er Leuten im Torfe vermacht, die er, gutgläubig wie er ist, für seine wirklichen Freunde gehalten. Zwei bäuerliche Galgenstricke haben es sich vorgenommen, ihn von seiner falschen Anschauung abzu- bringen. Hier setzt das andere Motiv ein. Wie Molieres Harpagon soll Holzer zum Schein sterben, um auf solche Art die schlechte Mci- nung jener angeblichen Freunde über sich zu erfahren. Das ge- schieht denn auch sehr drastisch. Plötzlich, während sie sich beim „Leichentrunk" des großen Erbes freuen, tritt der Notar auf und er- klärt namens des Erblassers das erste Testament für ungültig. Ein großer Spektakel hebt an, bis der Totgeglaubte zwischen die Leute springt und sie samt und sonders zur Tür hinaus peitscht. Der Um- schlag kommt jetzt von selbst. Holzer gibt Vroni mit Florian zu- sammen und außerdem schenkt er dem glücklichen Pärchen sein Hab und Gut. Kienzl ist kein Meisterdichtcr wie Wagner. Man wird daher schlecht gebaute Verse und deplazierte Redewendungen in Kauf nehmen müssen. Manches klingt so, als seien seine steirischen Salz- kammcrgutleutchen lateinische Bauern. Als Komponist enttäuscht Kienzl. Es läßt sich ans seiner Partitur eine erkleckliche Sieche von Motiven herauslesen, die Gounod, Smctana, Johann Strauß und anderen, vor allem Wagner, eigen- tümlich sind. Die bewußte Parodie anderer Musik mag in Operetten am Platze sein. Vom Autor einer„musikalischen Komödie" erwartet man füglich eigene Musik durchweg! Indes— Kienzl ist doch auch ein fröhlicher Steiermärker und im Mischen der Farben ein Meister. Am glücklichsten gelingen ihm allerlei Humore im Orchester unten und in der dörfischen Musikantengruppe auf der Bühne. Zum Schluß nimmt seine Musik einen ernsten Anlauf zur Höhe eines wirk- lichen Musikdramas. Was vorher so ulkig und gespaßig war, klingt beinahe feierlich-pathetisch aus. Nur eben, daß der Schlußaufzug mehrere tote Stellen aufweist und straffe Zusammenzichung recht sehr ertragen könnte. Die Charakterisierung einiger Gestalten, bei- spielsweise des Liebespaares, nebst anderen ist ziemlich farblos. Er- giebiger sind Holzer jJulius vom Scheidt!, namentlich aber„der Gaderer"(Eduard Kaudl) und„Vitus Umschlag"(Harry Steter) bedackit. Die Aufführung konnte sich hören und sehen lassen. Der an- wesende Komponist wurde mit den Hauptakteurs oftmals vor die Rampe gerufen._ ek. Ms aller Welt. Stürmische Weihnachten. Hamburg, 24. Dezember. Die Stadt ist in der Nacht zum Sonntag von einem orkanartigen Südweststurm heimgesucht worden, der in der Stadt wie auch aus der Elbe und im Hafen vielen Schaden angerichtet bat. Durch die Gewalt des Windes wurden Seeschiffe von ihren Vcrtäuungcn losgerissen, beladene und leere Schuten, Kähne und Leichter sind ins Treiben gekommen. Der zeitweise mit Stärke 12 auftretende Wind trieb das Wasser bis auf 14 Fuß 2 Zoll in die Höhe, so daß stellenweise die Ufer überflutet wurden. Die Signalgeschühe warnten während der ganzen Nacht die in den niedriger gelegenen Stadtvierteln Wohnenden vor der Hochwasser- gefahr. Am Sonntagvormittag fing der von starkem Siegen be- gleitete Sturm an, abzuflauen. Wetteraussichtrn für das mittlere Norddeutschlanb bis Donners. tag mittag. Kühl, überwiegend bewölkt und etwas neblig, mit ge- ringen, nur im Küstengebiet etwas stärkeren Niederschlägen. Da- zwischen zeitweise aufklarend. Direktion Max EeMiarät. Deutsches Theater. Deutscher Zyklus. I'lt Uhr: Ikanton* Tod. Kammerspiele. T'/s Uhr: Ciespenstersonate. Volksbühne. Theat. a.BBIowplatz. S'l.ühr: Rose Bernd. Theater i. d, Königgrätzerstr. TVi Uhr: Erdgeist. Komüdlenhans. 7Vi Uhr: Der 7. Tax-. Berliner Theater 7'/: Uhr; Auf Flügeln des Gesanges. Heute b. Sonnab.: Xachm. 3'/t UhrJ EisU» Wttrchenrelse. URANIA Taubenstraße 48/49. 4 Uhr(halbe Pr.); Die Bagdadbahn. 8 Uhr: Hindenbnrgs Baacr. Hörsaal 5 Uhr; Prof. Dr. Donath: Optische Tituse bongen. Reiehshallen-Theater. Stettiner Sänger. Weihnaehts-Programin! Anfang 8 Uhr. Sonntag, 31. 12. Montag, I. 1. 17 nachmittags zu ermäS. Preisen: Weibnacbtsab. i.Schützengrab. Theater für Mittwoch, 27. Dezember. Residenz-Theater rt'Mie Warschauer Zitadelle. Das große, in allen Teilen ▼ölllg neue Variete-Programm Joseph Plaut (Nur kurzes Gastspiel) Helene Bailot Pepl 8 euere, Seifenblasen Scharff, der ,. geniale" Musiker Vier Merkels, akrobat. Akt Sun»Slang Jung, chin. Gaukler Alfons B. Alfrede, Excentriks BaUettpantomime. Musik von Mozart. Inszenierung von Max Reinhardt. Hauptdarsteller: Lillebll Christensen, Katta Sterna, Ernst Matray, Ernst Lubitsch. Deutsches Opernhaus, Charlottcnb. 7 uhr: Das Testament. Frledricb-Wilhelmsfadt. Theater. s uhx: Das Drelmäderltiaus. Gcbp. Herrnfeld-Theater S'/.U.: Der doppelte Buchhalter. Kleines Theater s uhr: Am Teetisch. Komische Oper s uhr: Der Puszta-Kavalier. Lustspielhaus s'/.u.- Der selige Balduin mit Henry Bender. Metropol-Theater ti. u.: Die Csardasfürstin. S'/jU.; Frau Holle. Märchenauff. Neues Operettenhaus Kassentelephon: Norden 281. 8 uhr: Der Soldat der Marie. Uhr SchlHep-Theatep O. 4 Uhr: Sneewittchen. s uhr: Die Räuber. Schlllor-Th.Chaplottenbg. 3 Uhr: Wilhelm Teil. 8 uhr: Freund Fritz. Thalia Theater. 4 Uhr: Asehenbrttdel. 8 Uhr: Das Vagabundenmädel. Theater am Vollendorfpl. S'/j Uhr: Schneewittchen. 7'/] Uhr: Blaue Jnngens. Theater des Westen« 8 uhr: Die Fahrt ins Glück mit Guido Thielscher. 4 Uhr: Dornrüttchen. Trlanon-Theater 4 Uhr: Schneewittchen. 8 Uhr: Willi« Hochzeltstag Kose-Theater 3'/, Uhr: Max und Moritz. 7>/]Uhr: Das Glttcksmüdel. Walhalla-Theater 3'/, Uhr: Schneewittchen. 7'/, Uhr: Mnslkantenmiidel. Casino-Theater. Lothringer Str. 37. Täglich 81/. Uhr Die Schlager-Posse dieser Spielzeit Zwei helle Berliner Berliner Figuren! Berliner Humor! vorher erstklassige Spezialitäten. Am 3t. Dezember und 1. Januar, Nachmittag 4 Uhr: Weihnachtsurlaub. ßessing-Theater. Direktion: Victor Bamowsky. 7 Uhr: Peer Gynt, Musik v. Grieg. Donnerstag, Freitag: Die beiden Klingsberg. Sonnabend: Jnlins t'lisar. Deutsch. Rünstler-Theater. 7'/, Uhr: Wölfe In der Xaeht. Komödie von Thaddäus Rittner. Priedrichstraße 218. Täglich abends 8 Uhr Das große erfolgreiche Eröffnungs- Programm 1 7 erstklassige ' Varietö-Xummem Vorverkauf; 10—1 Thealerkasse, sowie A. Werthelm und Invalidendank. Jt Berliner Konzerthaus. Mauerstr. 82. Hente Zimmerstr. 90/91. Gastspiel von Oscar Petras, Komponist. Berliner Konzerthaus- Orchester. JSiisck Mittwoch 2 Vorstelliingen Belm Q 1 �Weihnachtsmann� 1°n- Gfttth aus allen geh.«VlNo Sitzplatz, 80 Die Q U Geierprinzessin 0 In beiden Vorstellungen vorher: Das groBart.Weihnachtsprogramm Preise: 50, 89, 119, 149, 199 excL �Steuer. Vorverkf.tägl.ab IQUhr� Sozialdemokratischer Ortsverein Neukölln. Im Älter von 57 Jahren starb am 23. Dezember, nach kurzer Kranfhet unser Genosse, der Steinbildhauer Dito Polischenski Stuttgarter Str. 15. (fhrc seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 28. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Neutöllner Gemeindesriedhoss, Äariendorser Weg. aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Amiieu- und f.ronjlmibfrri von Roberl Meyer,' Jnh.: 1». Golletz Mariannenftr. Z. Toi. Mpl. 10 303 Anfang 7'/, Ende IG/, X'np noch 5 Tage! Niel in Yons n. d. gp. Dez.-Ppogr. 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Zentral-Kranken- u. Sterbekasse der Tapezierer. Zahlstelle Berlin-SchSnebeni. Am Sonnabend, den 23. d. M., verstarb unser Mitglied derKasfierer Emil Winter. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 28. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des II. Slädtilchen Schöneberger .vriedhoscs, Eithstratze(Blanke Hölle) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht. Der Vorstand. Am 23. Dezember, starb nach langem schweren Leiden meine gute Frau Johanna. Um stille Teilnahme bittet Angnst Kohleder, Schenfendorsstratze 3. Die Beerdigung findet ani 27., vormittags 11 Uhr, aus dem Städtischen Friedhof, See« und Müllerstrafie, statt. Verkaufe Staunciierregend! Riesenauswahl neuer Pclzgarniturcn, spottbillig! Stuntskragen! FuchSgarniluren! Oposiumslolas! Muffen allerlei! Bettenvcrtaus! Prachttepviche! Gar- dincnauswahl! Plüschdecken! Diwan- decken! Herrcngarderodel Uhren- verkaus! Schmucksachen! Leihhaus WarschauerstraBe 7. 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Verlag: Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& So« Seilitt SW. 68.