Jltf* 3o6* 83. BbenncmentS'BedlngBnfeii: Hlrnrnfmcntä• Stet« pt4innnetanb» Vietteljähtl. 3,90 MI, monatl. 130 MI, wöchcnllich 80 Sfz, frei in« Hau«. Einzelne Nummer ö Ssg. konmag». nummct mit itluftriertet Konmag«, Beilage.Die Neue Welt' 10 SI». Soft. Abonnement: 1,30 Marl pro Monat, Eingetragen in die Soft. Zeitung«. Sretslifie. Unter Kreuzband tflt Deutschland und Oesterreich» Ungarn 2,50 Marl, siir da« übrige Ausland « Marl bro Monat. Sosiabonnemem« nehmen an Belgien. Dänemark Holland, Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien. Schweden und die Schwei«, OfdiODt tltM. 5 Pfennig) Ol« Tnlcrtlons-Gcbülir Mtflgt für die s-chsgesv-ltene Kolonel- «eile oder deren Raum 60 Psg„ für Politische und gewerlschasiliche Vereins- Und Versammlungs< Anzeigen 30 Pig, .Alein« Snreigen", das settgedruliie «gort 20 Psg,(zulässig 2 setigedruckie Worte), jedes weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlassiellenan- «eigen das erste Wort 10 Psg, jedes «eitere Wort S Psg, Worte über IS Buch- laben zählen für zwei Worte. Inserate 'r die nächste Nummer müssen bis . Uhr nachmittags in der Expedition rbgegeben werden. Die.Exvebiiion ijt bis 7 Uhr abendS geöjjnet. Vevlinev Volksblerkk. Tentralorgan Äer fosialclemokratifcken Partei Veutscklanclg. Delegramm-Adresie: �»»IlliltwsllNIl»illll", Neüaktion: EW. HS, Linöenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Str. litt SV— 151 97. Freitag, de« 29. Dezember 1916. Expeöitioa: Sw. öS» Linüenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morihpla«, Nr. IM SO— 151 37. 10 220 Gefangene bei Mmnicul. Die Durchbrüche in der Walachei- Vordringen über beide Durchbruchsstellen hinaus— Fortschritte bei Maein— Kämpfe in den Waldkarpathen und am Oitoz- und Putna-Tal. Amtlich. Großes HouptqRartier, 28. De- zember 1916.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Einzelne Abschnitte der flandrischen Front und dcZ Somme-BogenS lagen zeitweilig unter starkem Feuer. Die Tätigkeit der Luftstreitkräfte war sehr rege. Der Gegner verlor im Luftkampf und durch Abwehrfeuer 8 Flugzeuge. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des Generalfeldmarschalls Priuz Leopold von Bayern. Au mehreren Stellen der Front wies unsere Graben- besatzung Borstöße russischer Streifabteilnngeu ab. Frout des Generalober st Erzherzog Joseph. An der Ludowa in deu Waldkarpatheu vertriebe« deutsche Jäger starke Patrouillen der Russen im Hand, granatenkampf. Mestecanesci-Abschnitt mehrfach lebhaftes Gefchätzfeuer. In deu Bergen am Oitoz- und Putna-Tal hat sich die Ztampftätigkeit erhöht. Heeresgruppe des G e» er a lf e ld m ars ch al l S von Mackensen. Der 27. Dezember brachte der 9. Armee deS Generals der Infanterie von Falkeuhayn deu vollen Sieg in der Schlacht bei Rimnicul Sarat über die zur Verteidigung Rumäniens herbeigeführten Russen. Der am 26. Dezember geworfene Feind suchte durch Gegenstöße starker Masseu deu verlorenen Boden zurück- Zugewinnen. Die Angriffe scheiterten. Preußische und bayerische Jnfanterie-Divisionen stießen dem zurückflutenden Feinde nach, überrannten seiue in der Nacht ne» an- gelegte» Stellungen und drangen über Rimnicul Sarat hinaus vor. Gleichzeitig durchbrachen weiter südöstlich deutsche und österreichisch-ungarische Truppen die stark verschanzten Linien der Russen, wehrten auch hier heftige gegen die Flanke geführte Gegenangriffe ab und kamen kämpfend in uord- östlicher Richtung vorwärts. Wieder erlitt der Gegner bei seiner Niederlage schwere blutige Verluste. An Gefangenen wurde» gestern 3000 Mann, an Beute 22 Maschinengewehre eingebracht. Die Zahl der von der 9. Armee in den Kämpfen bei Rimnicul Sarat gemachten Gefangenen beträgt im ganzen 10220 Russen.« Bei der Douau- Armee fanden gestern«ur Teil- kämpfe statt. In der Dobrudscha gelang eS bulgarischen und oS- manifchen Truppen, die Russen auS befestigten Höhe«- stellungen östlich von Mari» zu werfen. Mazedonische Front. Nordöstlich des Dojran-Sees griffen nach starker Feuer- Vorbereitung mehrere englische Kompagnien die bulgarischen Vorposten vergeblich an. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. flbenöbericht. Amtlich. Berlin, 28. Dezember abends. fW.T.B.) An der Westfront nur auf dem linken Maas-Ufer ge- steigerte Gefechtstätigkeit. Im Osten keine besonderen Ereignisse. In Verfolgung der Russen hat die 9. Armee Boden gewonnen. AuS Mazedonien nichts NeueS. Der österreichische Bericht. Wie«, 28. Dezember 1S16.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des G e n e r a lf e l d m a rsch all» v. Mackensen. Die verbündeten Streitkräfte des Generals von Falkenhayn habe« den Russen bei Romnicul Sarat eine schwere Niederlage bereitet. Der Feind versuchte gestern noch einmal südwestlich und südöstlich der Stadt standzuhalten; er unternahm mehrere Maffenstöße, um sich Luft zu schaffen. Seine Linien wurden an mehreren Stellen durchbrochen; der Feind wich. Die Verfolgung drang über Romnicul Sarat hinaus. Auch auf den Höhen nord- westlich der eroberten Stadt gingen die Russen vor den Bajonetten österreichisch-ungarischer und deutscher Truppen zurück. ES wurden gestern 3000, seit Beginn der Schlacht über 10 000 Gefangene eingebracht. Heeresfront des Generaloberst Erzherzog Joseph. Bei SooS— Mezö und im Gebirge südöstlich davon ist der Kampf in stärkerem Anwachsen. Unsere Flieger schössen in diesem Grrnzraume zwei feindliche FarmanS ab und zwangen zwei andere feindliche Kampfflieger zur Notlandung. Auf unseren Stellungen im Westicanesti-Abschnitt lag russisches Grschützfeuer. HeereSfront deS Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Nichts NeueS. Italienischer und Sudöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse.- Der Stellvertreter deS EhefS deS GeneralstabeS. v. H» e f e r, Feldmarfchalleutnant. die Entente und üer§rieöensvorschlag. Der Ton der Antwort. London, 28. Dezember. Reutermeldung.„Daily Telegraph" erfährt, daß die Antwort der Alliierten auf die deutsche Note in Paris verfaßt und von allen beteiligten Regierungen gebilligt worden ist. Wilson«erde wahr- scheinlich den Text bald besitzen und ihn den Mittelmächten über- mittel» können. Sowohl die kriegführenden als die neutralen Staaten würden dann erkennen, daß keine Hoffnung bestehe, die Alliierten jemals bestimmen zu können, auf die Möglichkeit ihres Sieges zn verzichten zugunsten eines Friedens, der, solange die deutsche Militärmacht bestehe, nur ein deutscher Frieden sein könne. DaS Blatt sagt, die Antwort sei sehr ausführlich und lege deutlich dar, wofür dir Alliierten kämpften, und daß sie, um der von Deutsch- land aufgerichteten Gewaltherrschaft ein Ende zu machen, Be- dingungen stellen werden, die von den alten papier« nea Garantien durchaus verschieden seien. Es wäre ein Irrtum, anzunehmen, daß der Aufschub in der Erteilung der Antwort durch daS Zögern einer Regierung veranlaßt worden sei. Mau habe Zeit gebraucht, damit sich die zehn verbündeten Regierungen ins Einvernehmen setzen konnten. „Morning Post" schreibt: Die Eiligkeit nnd der Inhalt der deutschen Antwort beweisen, daß Deutschland die Note Wilsons als ein Instrument betrachtet, das bestimmt ist, seinen Jnter- essen zu dienen. Teutschland ergreift die Gelegenheit mit der Girr eines Ertrinkenden. Dir Alliierten haben sich nicht den Augen- blick ausgesucht, den Krieg zu beginnen, aber sie werden den Augen- blick wählen, wo man den Frieden macht. „Times" schreibt: Die Rückgabe der besetzten Gebiete und Entschädigung sind Bedingungen, die nicht nur dem Friedensschluß, sondern allen vorläufigen Erörterungen über den Frieden voransgehen müssen. Die französische Regierung verhinüert internationale �rbeiter-Zusammenkünste. Kopenhage«, 27. Dezember.(W. T. B.) Dem Chef des Blattes„Socialdemokraten". Folkcthingsabgeordneten Borgs- bjerg, Frau Nina Bang und K«rl Madsen, die als Ver- treter der dänischen Sozialdemokratie an dem Kongreß der französischen Fachverbände teilnehmen sollten, sind laut„Socialdemokraten" von der französischen Regierung die Pässe verweigert worden. Als die englische Regierung im Sommer vorigen Jahres englischen Sozialisten die Auslandspässe verweigerte, wurde sie deswegen im Parlament zur Rede gestellt und.fertigte dann die Anfrage mit einer kurzen Antwort ab, die nicht mehr als eine Bestätigung des Geschehenen war., Was Asquith damals wagen konnte, wird Briand sich heute ver- mutlich verkneifen müssen. In Frankreich und zur Stunde liegen manche Dinge anders. Sieg und Grieben. Eine wissenschaftliche Beleuchtung von Richard Gädke. An die Schicksalsfrage, ob wir imstande seien, einen Sieg über unsere der Zahl nach so überlegenen Gegner zu erfechten, haben sich umfangreiche und zum Teil erregte Er- örterungen geknüpft. Wie gewöhnlich konnte man zu einer Einigung schon darum nicht gelangen, weil die Standpunkte, von denen die Streitenden ausgingen, von vornherein zu ab- weichende waren. Es ist klar, daß die Antwort ganz anders sein wird, je nach dem Begriff, den man mit dem Worte „Sieg" verbindet. Die gleichen Worte einer Sprache gc- Winnen ja in verschiedenen Hirnen und ans verschiedenen Zungen ganz ungleiche Bedeutungen: sind sie doch nur Sym- bole für die Begriffe, die der Sprechende mit ihnen verbindet. Man muß sich also zunächst über den Begriff einigen, sich über die Tragweite dessen verständigen, was man unter einem„Siege" zu verstehen hat oder seinerseits ver- stehen will. Ursprünglich wird es von dem Ausgange eines rein körperlichen Kampfes verstanden. In diesem Sinne hat man einen Sieg offenbar erst dann errungen, wenn man den Gegner getötet oder gefesselt, mindestens aber wenn er sich durch die schnellste Flucht dem weiteren Kampfe entzogen hat. Es ist klar, daß schon in diesem nächsten Sinne die Trag- weite des Sieges eine sehr verschiedene sein wird. Ist der Gegner tot, dann ist der Streitfall überhaupt erledigt; ist er gefesselt, so ist er entwaffnet und muß sich allen meinen Be- dingungen fügen; ich mag ihn töten, ihn verknechten oder ihm leichtere Strafen auferlegen. Ist er aber geflohen, so ist die Sache nur beiläufig beigelegt. Er mag bei günstigerer Ge- legenheit, vielleicht verstärkt durch einen Freund, wieder- kommen und den Kampf von neuem beginnen. Einen Sieg hatte ich trotzdem in jedem Falle errungen. Man sieht ohne Mühe, welche Fülle von Abstufungen sich unter dem Worte „Sieg" verbergen kann. Wenn schon der Sieg in der Schlacht keineswegs immer, ja in Wirklichkeit nur in seltenen Fällen, ein völliges Niederkämpfen des Gegners bedeutet, wenn man es in manchen Fällen bereits als einen Sieg ansehen darf, sich nur behauptet zu haben(z. B. in der Sommeschlacht). so liegt die Sache noch viel verwickelter dort, wo es sich um den Ausgang eines ganzen Krieges handelt. Ich darf mich ausnahmsweise einmal auf den größten militärischen Denker Deutschlands, auf C l a u s e w i tz, be- rufen, der gegenwärtig leider so oft gemißbraucht wird, um den Mangel eigener Gedanken zu verdecken. Aber in diesem Falle kommt es mir darauf an, mein eigenes Ansehen durch das größere von Clausewitz zu verstärken, der das Wesen des Krieges mit zwingender Logik dargestellt hat. Er bestimmt ihn zunächst als einen„Akt der Gewalt" und fügt hinzu, daß es a n s i ch in deren Anwendung keine Grenzen gibt.„Solange ich den Gegner nicht niedergeworfen habe, muß ich fürckten, daß er mich niederwirft."� In der Theorie muß diese Wechselwirkung zum äußersten führen. Aber alsbald fügt er hinzu, daß die Wirklichkeit diese theoretische Folgerung erheblich modifiziere.„Der Mensch mit seiner unvollkommenen Organisation bleibt immer hinter der Linie des absolut besten zurück, und so werden diese von beiden Seiten in Wirksamkeit tretenden Mängel ein ermäßi- gendes Prinzip."„Die Wahrscheinlichkeiten des wirklichen Lebens treten an die Stelle des äußersten und absoluten der Begriffe." In diesem Zusammenhange fällt dann auch das berühmte Wort:„Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln." Freilich muß sich dieser politische Zweck der Natur des Mittels fügen nnd kann dadurch seinerseits wieder verändert werden. Aber die politische Natur des Krieges be- wirkt es doch, daß sein abstrakter Zweck„das Wchrlosmachen des Gegners" keineswegs„die notwendige Vorbedingung zum Frieden ist".„Es gibt eine zahllose Menge von Friedens- schliissen, die erfolgt sind, ehe einer der beiden Teile als wehr- los angesehen werden konnte." Das„Niederwerfen des Gegners" würde besonders dann„ein unnützes Spiel der Vorstellungen" sein, wenn dieser bedeutend mächtiger ist. Die Geschichte der menschlichen Kriege erhärtet diese Auf- fassung auf jedem ihrer Blätter und verstärkt sie noch dahin, daß ein„Niederkämpfen des Gegners" derart, daß er sich schlechthin jeder vom Gegner gestellten Bedingung zu fügen hat, nur in den seltensten Ausnahmefällen stattgefunden hat.-Solche Fälle waren etwa der Siegeszug Alexanders des Großen gegen Persien oder die Niederwerfung Karthagos im dritten Punischen Kriege durch die Römer. In diesen beiden Fällen war die Ueberlegenheit des Siegers über den Bc- siegten in der Tat so groß, daß sie mit des letzteren politischer Vernichtung endeten. Aus der ganzen späteren Geschichte kann man vielleicht nur die drei Teilungen Polens nennen, wenn man sie, die ein einfaches Schlachten und Verzehren waren, als Kriege bezeichnen will. Sonst käme etwa nur die Zerstörung des byzantinischen Reiches durch die Türken in Betracht. In diesen Fällen handelt es sich um Staaten, die schon vor dem Kriege innerlich zerrüttet, zum Untergange reif waren. Aber nicht einmal der ungewöhnlich siegreiche Krieg Napoleons im Jahre 1806 gegen Preußen bedeutete ein völliges Wehrlosmachen des Gegners, weil der nieder- geworfenen Heeresmacht Preußens das zwar geschlagene, aber nicht zusammengebrochene Heer Rußlands zur Seite stand. Und ebensowenig konnten in dem noch ruhmvolleren Feld- zngc von 1870/71 dem besiegten Frankreich beliebig harte Be- dingungen auferlegt werden. Rein zahlenmäßig war das französische Feldheer immer noch stärker als das deutsche. So entschloß sich Bismarck denn auch zur Zurückgabe Belforts. � Zwei Dinge können nach Clausewitz als Motive zum Frieden an die Stelle der Unfähigkeit zum ferneren Wider- stände treten: l.die U nwah rs ch e i n l i ch ke i t des Erfolges, 2. ein zu großer Preis des Erfolges. Fügen wir hinzu, daß beide Motive auch in umgekehrter Richtung dahin wirken können und meistens wirken werden, die Friedensbedingungen des Siegers zu mildern. Dazu wird dann als weitere Erwägung noch die Möglichkeit treten, daß bisher neutrale Staaten in den Krieg verwickelt werden und das zurzeit vorhandene Kräfteverhältnis ändern könnten. Als Rußland im Jahre 1905 den Fried enzuPorts- m o u t h schloß, war es in keiner Weife militärisch durch das weit schwächere Japan niedergeworfen. Im Gegenteil stand dieses im Herbst 1903 vor einer Aufgabe, die es militärisch nicht zu bewältigen vermochte— nämlich das verstärkte russische Heer nochnials anzugreifen und entscheidend zu schlagen. Trotzdem blieb es der Sieger in dem Kriege, hat ihn endgültig gewonnen, weil Regierung, Intelligenz und Volk in Rußland es herzlich überdrüssig hatten, um entlege- ner und für wenige Spekulanten nutzbringender Gebiete willen den ausnahmslos unglücklich geführten Krieg fortzu- setzen, um seinetwillen weitere Geld- und Blutopfer zu bringen, und weil durch ganz Rußland, durch Volk und Heer, ein revolutionärer Wind wehte. Um einen Krieg zu gewinnen, bedarf es also in den meisten Fällen nur einer relativen militärischen Ueberlegen- heit, keineswegs aber einer völligen Wehrlosmachung des Gegners. Aber desien Neigung, sich dem Gesetze des Siegers zu unterwerfen, wird offenbar zunehmen oder sich vermindern mit der geringeren oder größeren Schwere der ihm aufer- legten Bedingungen. Daher handelt es sich beim Friedensschluß fast nie allein um die bestehende militärische Lage, sondern um ihren Vergleich mit den vom Sieger ge- stellten Forderungen. Nur äußerst selten trifft es zu, daß dieser einfach zu gebieten, der andere einfach zu bewilligen hat; fast stets vielmehr ist der Friedensschluß ein Markten und Feilschen, ein Drohen, Bluffen und Widerstandleisten, ein richtiger Kuhhandel, und die Geschicklichkeit des Staats- mannes komtsit in ihm ebenso zum Ausdrucke wie vorher die Kriegskunst des Feldherrn. Der Sieger muß seine Forderungen, wenn er sich ein richtiges Augenmaß und kühle Besonnenheit bewahrt hat, ab- passen nach der Größe seiner kriegerischen Erfolge, nach dem Maße der dem Gegner gebliebenen Widerstandskraft, aber auch nach den Gefahren, die eine Verlängerung des Krieges für ihn selbst zur Folge haben kann, und er muß zu beur- teilen wissen, ob die Schwächung, die ein weite- rer Krieg ihm zufügen würde, noch im Ein- klänge stehtmitden größeren Vorteilen, die ew dadurch vielleicht gewinnen kann. Die meisten Siege der Weltgeschichte sind und können nur sein: unvollkommene Siege. So kommt es, daß der wirkliche Sieg in den allermeisten Fällen nicht auf dem Schlachtfelde, sondern erst an dem Kon- ferenztische erfochten wird. Er wird auch nicht etwa dadurch zu einem absoluten, aufs äußerste gesteigerten, daß man die feindliche Haupt- stadt erobert hat. Napoleon hatte 1812 Moskau besetzt und hat den Feldzug, und in seiner Folge seine Krone, dennoch verloren. Es ist fast sicher, daß eine Eroberung von Paris im Jahre 1914 den Frieden mit Frankreich noch nicht herbei- geführt hätte, besonders dann nicht, wenn inzwischen russische Heere siegreich bis an und über die Weichsel vorgedrungen wären. Auch die Fortnahme von Bukarest bedeutet so wenig wie vor einem Jahr die von Belgrad, die Niederwerfung Rumäniens oder Serbiens. Unbedingt niedergekämpft und willenlos unter das Gesetz des Siegers gebeugt ist ein Staat erst dann, wenn die Summe seiner militärischen, finanziellen und wirtschaftlichen Kräfte zertrümmert am Boden liegt. In jedem anderen Falle spricht die Härte der Friedensbedingungen das letzten Endes entscheidende Wort. Wo also die Kräfte der beiden Gegner von vornherein nicht sehr ungleich sind, oder im Verlaufe des Krieges sehr ungleich werden, kann niemals von einem Niederkämpfen des einen, von seiner Wehrlosmachung die Rede sein: die meisten Friedensschlüsse stellten einen Vergleich dar, zwischen dem Sieger und dem Unterlegenen auf Grund billiger Er- wägung der Gesa m t l a g e. die französischen Sozialisien zur Zrieöenssrage. Eine«nentschlofsene Entschließung. - Aus Paris meldet HavaS, daß der Nationalkoichreß der f o z i a l i st i f ch e n Pa r t e i am 27. Dezember folgende Entschließung angenommen hat: Die französische Abteilung der Arbeiter- Internationale erinnert erneut an die sozialistische Auf- fassung vom Frieden, wie sie die am 14. Februar 191S in London abgehaltene Konferenz festgestellt hat, und die nicht die politische und wirtschaftliche Zerschmetterung Deutschlands und den Krieg gegen die Völker proklamiert, sondern den Krieg gegen die Regierungen, die Unterdrücker der Befreiung, und die Snt- fchädigung Belgiens, die polnische Autonomie und daS Recht, für die annektierten Bevölkerungen von Elsaß- Lothringen und am Balkan, über sich selbst zu verfügen. Diese Grund- sätze sind als notwendiger Ausgangspunkt jeglicher ernst- hafter Friedenserörterung aufgestellt. Die Partei stellt fe st, daß die Note der Mittelmächte keinen wahrhaften Friedensvorschlag darstellt. Sie enthält keine genauen Formeln für einen Frieden, der kein Sonderfrieden wäre, und die allein erlauben würden, den Grad der Wichtigkeit zu be« urteilen, den man der Initiative des Feindes beizumessen habe. Mögen diese Formeln nun vorhanden sein oder nicht, so ist die Partei der Ansicht, daß die Alliierten ihre kriegerische Anstren- gung für die nationale Verteidigung in kräftiger Weise fortführen, die materiellen Kräfte beleben und die moralischen Kräfte unterstützen müssen, deren Schwächung den Widerstand und die Tat- kraft des Landes zu entnerven drohe. Die Alliierten müssen für ihre eigenen Friedensbe- dingungen die Einheit der Auffassung verwirklichen, die nicht weniger unentbehrlich ist als die Einheit der militärischen Handlung, und die sie feierlich in der Antwort auf die Noten der Vereinigten Staaten und der Schweiz kundgeben können. Wilson verlangt von den Kriegführenden, daß sie ihre Ansichten über die Bedingungen für Beendigung des Krieges und über die Garantien gegen die Wiederkehr eines ähnlichen Konfliktes bekanntgeben. Als einzige Antwort sollen die Alliierten den klaren Beweis dafür erbringen, daß sie im Jahre 1914 durch das Anerbieten von Ver- mittelu ngs- und Schiedsgerichtsverfahren die Katastrophe vermeiden wollten, daß diese Anerbieten zurückgewiesen wurden und daß sie bereit sind, den Krieg unter der Bedingung zu beenden, daß von den Mittelmächten gerechte Wiedergut- machungen(kieparations) gewährt und Bürgschaften für einen festgefügten und dauerhaften Frieden geschaffen würden. Der Beschluß des Kongresses besagt weiter, daß der Sieg, wenn auch noch nicht durch die Waffen errungen, dennoch nahe sei, da die Mittelmächte dazu gebracht worden seien, zu versichern, daß sie bereit seien zur Anerkennung des Rechtes der schwachen Völker auf Selbstbestimmung überzugehen und die Ordnung künftiger Konflikte den Gesetzen einer recht- sprechenden Organisation der Völker zu überlassen. Die Genossenschaft der Völker, gestern noch ein Trugbild, werde morgen möglicherweise eine Tatsache sein. Der Beschluß verurteilt die kapitalistische Gesellschafts- o r d n u n g und erklärt, daß die Meeresstraßen als inter- national zu erklären seien und das Recht des freien Verkehrs auf dem freien Meere festgelegt werden müsse. So werde die Genossenschaft der Nationen mit ihrer Achtung vor internationalen Verträgen, mit der Unter- drückung der geheimen Diplomatie, mit der Errichtung eines für alle verbindlichen Schiedsgerichtes, mit ihren inter- nationalen Gesetzen und mit der Beschränkung der Rüstungen notwendig die Herrschaft der politischen Demokratie, welche sich in wirtschaftlicher Demokratie auswirken werde, im Innern der Staaten herbeiführen. Zum Schluß heißt es: Die sozialistische Partei fordert die alliierten Regierungen auf, dem Präsidenten Wilson zu antworten, daß sie, nachdem sie den Frieden gewollt, aber de» Krieg auf sich genommen und tapfer durchgekämpft haben, bereit sind, ihre Ansichten über die Bedin- gnngen der Wiederherstellung des Friedens bekanntzugeben, und mit jeder Lösung sofort einverstanden sein werden, welche den Nn- gerechtigkeiten der Macht ein Ende setzt und mit Hilfe der Neu- tralen die Genossenschaft der freien Völker in der zivilisierten Menschheit herstellt. Dieser Beschluß wurde von dem Kongreß mit den Stimmen von 2703 vertretenen Körperschaften gegen 109 bei 20 Stimmenthaltungen und 6 nicht vertretenen Stimmen angenommen. » Der Beschluß der französischen Sozialisten, den wir gern etwas entschiedener gesehen hätten, gehört immerhin zu den Dingen, über die man unter verständigen Menschen verständig reden kann. Die Ueberschrist, die verschiedene bürgerliche Blätter dem Parteitagsbeschluß gaben:„Die französischen Sozialisten für den Krieg", ist irreführend, die Ueberschrist: „Die französischen Sozialisten für den Frieden" wäre es aber vielleicht nicht weniger. Auf alle Fälle handelt es sich um einen ehrlich gemeinten, wenn auch sehr vorsichtig unter- nommenen Versuch, dem Frieden etwas näher zu kommen. Die Resolution tadelt es, daß die deutsche Note keine genauen Formeln aufstelle, und sie gibt selbst solche genaue Formeln, Entschädigung Belgiens. Autonomie Polens, Selbst- bestimmungsrecht Elsaß- Lothringens und der Balkanvölker, aber sie fügt sofort mit diplomatischer Feinheit hinzu, diese Grundsätze seien der„notwendige Ausgangspunkt jeder ernsten Friedenserörterung". Ausgangspunkt ist ein sehr gut gewähltes Wort. Es ist klar, daß die Entente und der Mitte- verband bei den Friedensverhandlungen von verschiedenen Ausgangspunkten ausgehen werden, und erst die Verhand- lungcn müssen ergeben, ob man sich und an welchem Punkte der verbindenden Linie man sich findet. Leider besteht der in der Resolution festgesetzte Aus- gangspunkt einstweilen nur im Willen der französischen Sozialisten, bei den bürgerlichen Parteien Frankreichs und Rußlands herrscht die offenkundige Neigung, ihn noch viel weiter rückivärts zu verlegen. Auch sonst enthält die Reso- lution manches(über Freiheit der Meere, politische und Wirt- schaftliche Demokratie usw.), was uns deutschen Sozial- demokraten sympathischer ist als den Machthabern der feind- lichen Staaten. Diesen wird nun zugemutet, mit einem fertigen und zuvor veröffentlichten Programm auf die Friedenskonferenz zu kommen. Das heißt, wie es mit dieser Friedenskonferenz überhaupt werden soll, ist nicht ganz klar. Die französischen Sozialisten können aber unmöglich meinen, daß jenes Pro- gramm den Mittelmächten mit dem Motto überreicht werden soll:„Friß Vogel, oder stirb." Denn auf diese Weise kommt kein Frieden zustande. Uns scheint die Absicht der Mittelmächte, ihr Friedens- Programm erst auf die Konferenz mitzubringen, richtiger. Werden die Friedensbedingungen durch öffentliche Diskussion fe st gelegt, so behalten zu leicht die„Unbedingten" von der einen wie von der anderen Seite die Oberhand, die Re- gierungen sind gebunden und bewegen sich um den„Ausgangs- Punkt" wie die Ziege um den Baum. Ein Zusammenkommen wird unmöglich. Die französischen Sozialisten hätten ihrem Volk einen viel besseren Dienst erwiesen, wenn sie den Regierungen der Entente einfach zugerufen hätten:„Geht zur Kon- ferenzl"_ Die Entente und üer§rieüensvorfthlag. Die Vorbereitung auf die Antwort der Entente, die die englische Presse gibt und die wir auf der ersten Seite mit- teilten, redet deutlich genug. Sie wird durch eine Reihe Auslassungen, die von anderer Seite kommen, bestätigt. Dem Amsterdamer„HandelSblad" wird laut Telunum aus London gemeldet, daß die Antwort der Alliierten auf die Friedenseinladung Deutschlands nicht mehr lange aus- bleiben könne, da die Regierungen in London, Petersburg und Rom mit der Regierung von Paris in Verbindung stehen, welche der Wortführer des Vierverbandes sein werde. Die Antwort der Alliierten liege bereits in großen Zügen vor. Wenn man sich über die endgültige Form geeinigt haben wird, wird sich die französische Regierung im Namen aller Alliierten erklären. Die Antwort Rußlands ist bereits Anfang dieser Woche in Paris eingegangen. Welcher Art sie sei, erhebe sich klar aus den Worten des Armeebefehls des Zaren an seine Truppen, in welchem eine absolute Ablehnung ausgesprochen wird, zu einer Zeit zu unterhandeln, welche für Deutschland günstig und mit Ueberlegunz gewählt worden sei, sowie aus der Erklärung, daß Rußlands Kriegs- ziele Konstantinopel, die Dardanellen und eine vollständige Wieder- Herstellung Polens umfassen, d. h. auch derjenigen polnischen Gc- biete, welche Teutschland und Oesterreich einverleibt sind. Mit der Beantwortung der amerikanischen, schweize- r i s ch e n und schwedischen Note werde bis nach der Beant- Wartung der deutschen Note gewartet werden. Bisher sei noch keine Entscheidung bezüglich der verschiedenen Anregungen, Frieden zu schließen, getroffen worden, welche von den Neutralen eingegan- gen seien. Diese Entscheidung werde natürlich durch die Antwort an Deutschland bestimmt werden. Daß die Ententekobinette zwei verschiedene Noten aus- arbeiten, eine an die Mittelmächte und eine an Amerika und die anderen Neutralen, meldet auch der„Mcssaggero", und wenn der„Corriere della Sera" sagt, nach Ueberreichung der Antwort an die Mittelmächte würden die Neutralen sofort jede Illusion verlieren, so darf man zunächst wohl ver- muten, derartige Winke seien in der Hoffnung unter- nommen, den Mut der Neutralen, die noch nicht den Weg Wilsons und der Schweiz betreten haben, zu dämpfen. Sodann ober läßt sich aus der Trennung der beiden Ant- Worten in ein zeitliches Nacheinander immerhin der Schluß ziehen, daß die Entente einsieht, sie könne die Anregung Wilsons nicht so bequemen Sprunges erledigen, wie sie über das deutsche Friedensangebot hinwegzuturnen Willens ist. Die Trennung wird nicht bloß der andern Form und des andern Tones wegen geschehen, die die zweiten Noten for- dern. Hier dürfte vielmehr die ungeheure Verantwortung, die mit einer Ablehnung verbunden ist, sich noch bedrücken- der fühlbar machen. Denn es handelt sich dabei nicht bloß um ein letztes Wort, sondern um das zukünftige Verhältnis zu einer Macht, die sich zumal während des Krieges als Weltmacht erwiesen hat und ohne die die Entente längst am Boden läge. Bulgariens Antwort an die Schweiz. Mittwoch nachmittag sprach im Berner Bundeshaus der bul» garische Gesandte in Bern, Radew, vor, um die Antwort der bul- garischen Regierung auf die FrirdenSnotr der Schweizer Regierung zu überreichen. Die Neutralen unö üer ßrieöe. Verhandlungen in Skandinavien! Die Blättermeldungen über die Beteiligung der nordischen Reiche an dem Friedensschritt der neutralen Staaten widersprechen sich.„Bcrlingske Tidende" meldet aus Stockholm, das schwedische Ministerium des Aeußern gebe heute amtlich bekannt, daß Schweden bisher keinen Schritt zur Herbeiführung des Friedens unternommen habe;„Elstra- bladet" dagegen berichtet von einem in Kristiana umlaufenden Gerüchte, daß zwischen den Regierungen der skandinavischen Länder über ein gemeinsames Borgehen zugunsten eines Friedens verhandelt werde. „Stockholms Tidningen" und„Svenska Dagbladet" er- klären aus offizieller Quelle zu wissen, daß die skandinavischen Länder sich bisher der Friedensnote Wilsons nicht angeschlossen hätten. Beide Zeitungen lassen jedoch deutlich die Möglichkeit von Berhandlnngen mit Norwegen und Dänemark über einen gemeinsamen Schritt der drei Länder durchblicken. Keine holländische Fricdensnote? Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant" sagt, der Bericht der„Neuen Zürcher Zeitung", als sollte die holländische Re- gierung wahrscheinlich eine gleiche Note wie die Schweiz an die Kriegführenden senden, treffe nicht zu. Der norwegische Storthingpräsiöentz um üeutschen Friedensangebot. Berlin, 28. Dezember. Herr Johan Ludwig M o w i n ck e l, der Präsident des norwegischen Storthing und einer der angesehensten Schiffsreeder Skandinaviens, hat einem Vertreter des deutschen Transocean-NachrichtendiensteS eine Unterredung in Bergen ge- währt. Bei seinen Mitteilungen, die der amerikanischen Presse durch Funkspruch übermittelt wurden, ging Herr Mowinckel davon aus, daß er in erster Linie als Norweger sich äußern könne, da- neben aber auch als Bürger von Europa für Europa fühle: „Deshalb hat der ganze skandinavische Norden und die ganze neutrale Welt die Rede des deutschen Reichskanzlers vom 12. Dezember begrüßt, wie man den jungen MorgenbcgrüßtnachschwererSturmnacht. Ich will dabei nicht über die Form dieser Rede sprechen, ebensowenig wie über den Inhalt der angefügten Note. Wir Neutralen haben nicht zu entscheiden, ob Rede und Note brauchbar sind als direkte Grund- läge für Einleitung von Friedensverhandlungen. Aber das Wort„Frieden" ist nun einmal gefallen, und der Vorschlag, in Friedensverhandlungen einzutreten, gemacht worden, und schon das allein gibt Hoffnung. Der Wortlaut der ersten Kanzlerrede vom 9. November hat gezeigt, daß die Auffassung des Reichskanzlers vom künftigen Zusammenleben der Nationen den Meinungen ver- wandt ist, die ihren Ausdruck auch bei anderen führenden Staats- männern gefunden haben, wie Präsident Wilson, Lord Grey und Briand. Weil ich von diesen Betrachtungen ausgehen muß, kann und will ich die Hoffnung nicht aufgeben, daß die Möglichkeit, eine gemeinsame Grundlage für die Friedensverhandlungen zu finden, trotzalledem nicht fern ist. Aus den allerdings ziemlich unvoll- ständigen Berichten über Lloyd Georges erste Rede als Premier- minister, wie die Presse Norwegens sie gebracht hat, habe ich per- sönlich den Eindruck bekommen, daß die Antwort auf die deutsche Note so ausfallen wird, daß sie die Eröffnung eines näheren Mei- nungsaustausches nicht ausschließt." Die ungarischen Sozialiften an Wilson. Budapest, 28. Dezember. Nepszava meldet: Die Leitung der ungarischen sozialdemokratischen Partei richtete an den Präsidenten der Vereinigten Staaten Wilson ein Telegramm, worin die Solidarität der Partei mit der Friedensaktion Wilsons ausgedrückt und gesagt wird, die so- zialdemokratische Partei betrachte Wilson seit seinem letzten Auftreten als den berufenen Dolmetsch der immer stärker werdenden Friedenssehnsucht der ganzen Welt. Die Durchbruchssthlacht in öerOftwalachei Wolffs Bureau äußert über das neue große Er- eignis in Rumänien: Die große Durchbruchsschlacht in der Osttvalachei ist gewonnen. Da die durch die vielen Nieder- lagen demoralisierte rumänische Armee zu jedem Widerstand unfähig war. mußten starke russische Heereskräfte zu ihrem Schutze und zur weiteren Verteidigung des rumänischen Bo- dens eingesetzt werden. Tie an Gebirge und Donau gleich- mäßig stark angelehnte Stellung auf der schmalen Front Rimnicul-Sarat— Filipesti— Donausümpfe schien geeignet. den Abschub der geworfenen rumänischen Armee hinter den �ereth zu ermöglichen. Gestützt auf das Festungssystem der Serethlinie sowie auf Straßen und Bahnnetz, Häfen und Ma- gazine der Städte Braika, Galatz und Focsani gab sie dem ge- fährdeten Südflügel der russischen Gesamtfront einen an- scheinend völlig sicheren Halt. Ihr ganzer Ausbau, sowie die Art der Verteidigung bezeugen, daß sie nicht als eine vor- übergehende Aufnahmestellung gedacht war, sondern daß in ihr ein starker und dauernder Widerstand geleistet werden sollte. Die russische Heeresleitung fühlte sich anscheinend stark genug, hier dem Vordringen der Verbündeten Halt zu gebieten. Im Vertrauen auf den Wert seiner Truppen wagte Mackensen kühn den kürze st en Weg des frontalen Angriffs. Er stieß gegen den stärksten Punkt der Ver- teidigungsfront vor: die ausgebauten Stellungen bei Rim- nicul— Sarai. In fünftägigem erbitterten Ringen schlug er südwestlich Rimnik eine Bresche von 17 Kilometer Breite, drückte zugleich am 25. Dezember in der Mitte der Front die stark befestigte Linie Filipesti Liscosteanca ein, während er im Tale des Cilnau westlich Rimnicu— Sarai vordringend, die dortige russische Verteidigung zurückwarf. Im Verfolg dieser Kämpfe wurde der Angelpunkt der ganzen Stellung, die Stadt Rimnicu-Sarat am 27. Dezember genommen. Eiligst herangezogene Truppen Sacharows sollten die Nieder- läge noch in letzter Stunde abwenden. Sie warfen sich den längs der Donau vorrückenden tapferen bulgarischen Di- Visionen entgegen, konnten aber das Schicksal der Schlacht nicht mehr wenden. Mit der Bezwingung der Rimnicu-Sarat— Donaustellung ist wiederum ein gewaltiger Schritt in der Eroberung Ru- mäniens vorwärts gemacht._ Das Ringen um üie Dobruöscha. Ter bulgarische Heeresbericht. Sofia, 27. Dezember. Gencralstabsbericht vom 27. De- zember. R u m ä n i s ch e F r o n t: In der Dobrudscha beschosien feindliche Vionitore Jsaccea.Tulcea und M a h m u d i a. Die vierte Division(Preslaw) hat nach äußerst hartnäckigem und erbittertem Kampfe den Höhenkamm von T a i l o r er- obcrt und in Verfolgung des sich zurückziehenden Feindes den Ausgang aus den Wäldern südlich von Lukawitza ge- Wonnen. Im Verlauf der letzten Kämpfe hat diese tapfere Division 1230 russische Gefangene gemacht und vier Maschinen- gewehre, sowie über 2500 Gewehre erbeutet. Mazedonische Front: An einigen Abschnitten der Front starkes Artilleriefeuer. Im Wardar-Tale und in der Ebene von S e r e s wirkungslose Tätigkeit der feindlichen Artillerie. Ter russisch-rumänische Rückzug. Kopenhagen, 27. Dezember. In einem halbamtlichen Petersburger Telegramm heißt es über die Auffassung russi- scher Militärkreise bezüglich des russisch- rumänischen Rück- zugcs: Die russisch-rumänischen Truppen ziehen sich nach Norden zurück und lassen in der Dobrudscha nur Nachhut- truppen zurück. Das Hauptheer vermeidet Pein- licy einen vorzeitigen Zusammenstoß mit dem Feind, da der Plan des russisch-rumänischen Oberkommandos darin besteht, die Streitkräfte intakt zu erhalten, damit die Operationen unter günstigen Bedingungen wieder aufgenommen iverden können. » Der russische Heeresbericht meldet von der rumänischen Front: Im Laufe des Tages machte der Feind auf fast der ganzen Front eine Reihe von Angriffen auf unsere Stellungen. Am Ober- laufe des R y m n i c flusses gelang es dem Feinde etwas nördlich von Megura, unsere Kavallerieabteilungen sowie Abteilungen rumä- nischer Infanterie zurückzudrängen. Auf der Straße von R y m n i- cul wurden unsere Abteilungen, nachdem sie eine Reihe von An- griffen abgeschlagen hatten, gezwungen, die erste Linie der von Ge- schützfeuer zerstörten Schützengräben aufzugeben. Die Angriffe des Feindes in den anderen Abschnitten wurden unter großen Verlusten abgeschlagen und bei dem Dorfe Baleaseltsche nahmen wir bei Gegenangriffen mehrere Maschinengewehre. Der Kampf geht auf der gesamten Front weiter. In der Dobrudscha Gefechte kleiner Abteilungen. Der türkische Kriegsbericht. Türkischer Kriegsbericht vom 27. Dezember. Unsere im Verbände der Donauarmce kämpfenden Truppen jagten den Feind nach glücklichen Kämpfen von den Höhen von V i z j r u l. Auf den anderen Fronten kein Ereignis von Bedeutung. Der Seekrieg. Versenkt. Der belgische Fischdampfer„N e p t u n e" und der englische Schooner„A g n e s" sind gestern versenkt worden. Die Besatzungen sind gelandet. Eine dänische Bark wurde versenkt. Die Mannschaft wurde durch den holländischen Dampfer„Nordwyk" gerettet._ Kleine Kriegsnachrichten. PrSsidcnlciiwcchscl im österreichischen Abgeordnetenhaus. Wie die Wiener Blätter nielden, richtete der Präsident des Abgeordneten- Hauses S y I v e st e r an den Obmann des deutschen National- Verbandes Groß ein Schreiben, in dem er die Absicht kundgibt, die Wieder ivahl zum Präsidenten des Abgeordnetenhauses wegen Arbeitsübcrbürduna nicht anzunehmen. Die Liga der Frcindvölker- Rußlands hat am 22. Dezember aus Vern ein Telegramm an Lloyd George abgesandt, in dem dieser„im Namen vieler Millionen Unglücklicher" gebeten wird, seine„auf- opfernde Menschenliebe nicht einseitig zu beweisen, sondern auch auf die Nationen auszudehnen, die viel größeres Unrecht erlitten haben", nämlich auf die Frcmdvölker Nußlands.„An ihnen, die Jahrhun- derte hindurch mißhandelt, entrechtet wurden, sind während dieses Krieges Greueltaten begangen worden, wie sie entsetzlicher die Welt- geschichte nicht kennt: die Vergewaltigungen und Rechtsausbrüche in Finnland, die Plünderungen und Evakuierungen in den baltischen Provinzen, Litauen, Polen und Wolhynien, die Knebelungen der na- tionalen Einrichtungen in der Ukraine, die Mißhandlung GalizienS, die Metzeleien vieler Tausender von Georgiern und Muselmanen und die scheußliche Vertreibung und Vernichtung von Hunderttausenden von Juden," Im Luftkampf ffek im Westen am 27. Dezember der Leutnant der Reserve Leffers. Seine Unermüdlichkeit als Jagdflieger wird gerühmt. Zwei Tage, nachdem ihm der Pour le Merite verliehen worden war, schoß er sein neuntes feindliches Flugzeug ab. Brot- und Mehlkarten werden laut Meldung des„Ekstrabladet" am 15. Januar in Schweden eingeführt. Berkchrseinschrönkungen wegen Kohlenersparnis werden von der italienischen Regierung angekündigt. Die italienischen Bahnen werden dann täglich nur noch 1200 Kilometer fahren, während sie vor Ausbruch des Krieges auf 206 000 Kilometer täglich kamen. politische Ueberstcht. Einberufung des Reichshaushaltsausschusses. Wie wir erfahren, besteht die Absicht, den Haushalts- ausschuß des Reichstages für Mitte Januar einzuberufen. Eine Berichtigung. Herr Rechtsanwalt Claß- Mainz sendet uns folgende Berichtigung: .Es ist unwahr, daß ich auf dem Alldeutschen Gautage in Stuttgart die Verhältnisse unseres Vaterlandes schwarz in schwarz geschildert hätte." „Es ist unwahr, daß ich gefordert hätte, der Krieg dürfe nicht eher abgebrochen werden, bevor nicht Calais und Marseille im deutschen Besitze seien." „Cs ist unwahr, daß ich angekündigt hätte, der Alldeutsche Verband werde, sobald die englische Antwort auf das Friedens- angebot eingetroffen sei, mit einer Flugschrift zu agitieren be- ginnen, in der die Forderungen des Verbandes vertreten und der Reichsregierung der Prozeß gemacht wird." „Es ist unwahr, daß ich gegen den Reichskanzler und Staats- sekretär Dr. Helfferich.in wegwerfendem Tone polemisiert" und gefordert habe, die Krone müsse aus den Krallen des Mammons befreit werden." „Unwahr ist endlich, daß ich gefordert hätte, entweder Falkenhayn oder Tirpitz müsse an die Spitze der Regierung ge- rufen werden." „Ebenso unwahr ist eS, daß der Verband eine Flugschrist dieses Inhalts vertreibt." Hochachtungsvoll Claß. Wir hatten einen Bericht des Stuttgarter„Beobachters" wiedergegeben und sogleich hinzugefügt, daß Herr Dr. Claß seine Richtigkeit bestreitet. Im übrigen ist es uns angenehm zu wissen, daß sich der Alldeutsche Verband auch ohne Calais und Marseille zu bchelfen gedenkt. »» Wie es im übrigen auf der alldeutschen Versammlung in Stuttgart zugegangen ist, kann man aus der Erwiderung ersehen, die der Stuttgarter„Beobachter" auf die Berich- tigungen des Herrn Claß bringt. Der Stuttgarter„Beobachter" stellt nunmehr fest, daß Herr Claß gesagt hat: „Mit dem bisher erreichten Vaterlandsschutz ist es nicht getan. Man kann viel mehr erreichen, wenn man nur will. Zu diesem Zwecke muß man, anstatt vom Frieden zu reden, den Krieg fortsetzen bis zur Erreichung der Kriegsziele, die die All- deutschen der Regierung gewiesen haben, und die auch heute noch uneingeschränkt feststehen. Sonst wird es schlimm gehen." Ferner richtet der Stuttgarter„Beobachter" an Herrn Claß die Frage, ob er leugnen wolle, in seiner Rede gesagt zu haben: die alldeutschen Ziele, für die er in Wort und Schrift arbeite, und bis zu deren Erreichung der Krieg fortgesetzt werden solle, reichen im Osten bis Narva, 100 Kilometer vor Petersburg und bis vor Kiew, im Weste» noch über Calais hinaus bis Bologne und Abbsville.— Das Blatt hält außerdem an seinen Mitteilungen fest, daß schon jetzt eine neue Broschüre verteilt wird, die sich gegen den Reichskanzler richtet. Aus der alldeutschen Tagung sind sogar zwei derartige Druckschriften verteilt worden. Aus einer von diesen werden einige Stilblüten gegen den Kanzler wiedergegeben, so�zum Beispiel:„Was hat uns denn bis jetzt alle weichmülige Moralpolitik genützt hinsichtlich des Friedens? Auf allen Gebieten ein glänzendes Versagen. Bethmann genießt nicht das Vertrauen, und das ist ihm mit dürren Worten und rückhaltlos im Reichstage zu sagen. Auch daß das Volk seinen Kaiser endlich aus den Fängen der Finanz-Oligarchie befreit wissen will, in die ihn der Kanzler, Helfferich und ihr Klüngel immer tiefer ver- strickt haben. Es ist schrecklich, glauben zu müssen, daß bei uns auch heute noch das Geld auf dem Thron sitzt." Wir geben diese Darstellung natürlich unter Vorbehalt der Richtigkeit der Ouelle wieder. Falls aber Herr Claß wieder Lust zu Berichtigungen empfindet, niöchten wir ihm doch nahe legen, wenigstens gleichzeitig mitzuteilen, w a s er denn in Stuttgart als Kriegsziel gefordert zu haben behauptet. Auch ein Kriegsziel. Eine Friedensbedingung ganz eigener Art stellt im„Reichs- boten' ein Dr. Z e i t s ch e l auf. Er verlangt K r i e g s e n t- s ch ä d i g u n g für die dem deutschen Volk während des Krieges zu- gefügten— Verbalinjurien: „Darum muß das deutsche Volk Genugtuung fordern für die Beschimpfungen. Beleidigungen, Lügen und Verleumdungen, mit denen uns unsere Feinde im häß- lichen Wettstreit überschüttet haben. Diese Schimpfworte wie Boches, Hunnen, Barbaren, die man nicht bloß aus hysterischem Haß, sondern klar und zielbewußt täglich aus uns anwandte, sollen nicht ungestraft von den Völkern gebraucht worden sein."... Ueber die Art der Entschädigung macht der Verfasier leider keine genaueren Vorschläge. Der„Reichsbote" selber erklärt in einem Nachwort Herrn Dr. Zeitschels Ausführungen für„durchaus zu- treffend", verzichtet aber resigniert auf ihre Durchsetzung, weil er zu der Fähigkeit und der Willensstärke unserer politischen Leitung kein volles Vertrauen hat, und froh sein will, wenn das Mindestmaß de? Notwendigen erreicht wird. Alle Wünsche darüber hinaus will der .Reichsbote" mit schmerzlicher Geste„einsargen". Damit würde Herr Dr. Zeitschel um seine Genugtuung kommen, aber er nimmt äe wenigstens schon zum Teil vorweg, indem er in seinem Artikel— kräftig wiederschimpft._ Herr v. Oldenburg für ein Reichsgetreidemonopol. In einem Briefe, den die„National-Ztg." veröffentlicht, schreibt der bekannte Führer des Bundes der Landwirte, Herr v. Oldenburg- Januschau über das Getreideproblem nach dem Kriege: „Ich halle in bezug auf das Brotgetreide unter Umgestaltung der jetzigen diesbezüglichen Organisation eine dauernde Ein- richtung für notwendig, welche diese Früchte— Roggen und Weizen— monopolisiert und vom Auslande nur soviel hereinläßt, wie gebraucht wird. Es entspricht dies ungefähr dem„Antrag Könitz". Da nämlich jetzt, umgekehrt wie in der Caprivi-Zeit, die Preise zunächst enorm hoch sein werden, bleibt nichts übrig, wie das Brot im Jnlande auf der Höbe zu halten, aus der es sich jetzt ungefähr befindet und die es in den Siebziger Jahren dauernd hielt, und aus dem Auslande zuzulaufen und zu Preisen, die dort verlangt werden, um die Portion beliebig zu erhöhen. Bei Durch- führung meine» Gedankens würde das deutsche Volk infolge dieser Leistung seiner Landwirtschaft das billigste Brot der Welt essen und der Staat dabei dennoch verdienen Aendert man nämlich den Verdienst der Mühlen und Zwischen« Händler, der jetzt zu hoch ist, durch Vereinfachung der Organisation, so könnte der Brotpreis so bleiben wie er jetzt i st, auch wenn ein geringer Teil des Auslands- getreides zu Preisen gekaust werden müßte, wie das Ausland sie jetzt zahlt und noch lange nach dem Kriege zahlen wird. Die'e Einrichtung müßte als dauernd gedacht sein, um der Landwirt- schaft für diese Leistung eine Stabilität der Preise zu garantieren." Herr v. Oldenburg will also, kurz gesagt, die jetzigen Kriegs« preise der Landwirtschaft für die kommende Zeit des Friedens erhallen._ Soziale Steuerpolitik. Ter neue Finanzminister Oesterreichs, Dr. V. Sp i tz- m ü l I e r, hat eine sehr schöne Rede an feine Beamten ge- halten, von der nur zu wünschen ist, daß dem verheißenden Worte bald die gestaltende Tat folgt. Solche Reden, die zu lesen ein reines Vergnügen war, hat das Publikum schon öfter aus Oesterreich hören dürfen. Der frühere Justiz- minister Dr. Klein hat schöne Worte und Gedanken geliebt und mit Verheißungen die Herzen erfreut, die zu ersüllem er auch gewillt und fähig war, an deren Erfüllung ihn aber fatale äußere Umstände hinderten. Herrn v. Spitz- niüller bleibt, so hoffen wir, ein ähnliches betrübliches Schick- sal erspart. In seiner Antrittsrede ging der Minister von der Notwendig- keit aus, den großen Finanzbedarf durch Steigerung der Pro- duktivität der Wirtschaft und durch Sparsamkeit im privaten und öffentlichen Leben zu decken. Die breiten Massen dürfen nur be- lastet werden, wenn kein anderer Ausweg zur Wiederher st ellung des Gleichgewichts des Staatshaushalts führe. Der Minister verhieß Tilgung der Kriegsanleihe. Ueber den österreichisch-ungarischen Ausgleich sagte Dr. Spitzmüller, der bewußt die Verantwortung für ihn als für sein Werk übernommen hat, daß er die Beziehungen zu Un- garn auf eine gesunde Basis stellen und verinnerlichen werde. Inhalt und Bedeutung der zollpolitischen Abmachungen werde „zur Gänze" durch die Handelsverträge bestimmt werden— eine Bemerkung, die die Befürchtungen über neue höhere Zölle auf Lebensmittel nur teilweise zerstreuen kann, weil der Ausdruck „zur Gänze" zeigt, daß sich die österreichische Regierung bereits in weitem Umfange festgelegt hat. Schließlich erklärte der Minister: Alle Probleme müßten mit einem aufs höchste gesteigerten sozialen Sinn erledigt werden, besonders werde die Steuer- Politik in hohem Maße sozial sein müssen. Lette Nachrichten. �Nieder mit üem Krieg!" Bern, 28. Dezember. Nach den letzten Havasmeldungen sollen Hcnderson nnd Roberts auf dem Pariser Sozialistcnkongrcs! starken Beifall gefunden haben. Nach der Berichterstattung ver- schiedener Pariser Blätter, wie„Petit Parisicn",„Petit Journal" und„Rappel", ist diese Meldung jedoch dahin zu vervollständigen, daß bereits beim Eintritt der beiden Genannten die Bersammlung in zwei Lager gespalten war. Während das nationalistische Lager unter Führung von Sembat und Guesde starken Beifall zollte, wurden von der revolutionären Richtung laute Gegcnkundgebungen veranstaltet. Tiefe wurden während und nach den Reden Hender- sons und Roberts unter den Rufen:„Nieder der Krieg!" minutenlang fortgesetzt. Der Ruf nach den Bedingungen. Rotterdam, 28. Dezember.„Nieuwe Rotterdamsche Eon- rant" veröffentlicht folgende Ausführungen der„Westminster Ga- zette": Die deutsche Regierung kann kaum so naiv sein, anzunehmen, daß die verbündeten Regierungen die Feindseligkeiten einstellen und eine Konferenz mit einem Feinde beginnen werden, der sich so- eben als Sieger proklamiert hat, ohne daß sie durch die üblichen indirekten Kanäle in Erfahrung brächten, welche Bedingun- gen er stellen will. Die Lage wird in dieser Hinsicht be- herrscht durch die deutsche Note, die Wilsons Note vorausgegangen ist. Das Teutschland, das Unterhandlungen vorschlägt, ist dasselbe Deutschland, das sich in einer überlegenen Lage betrachtet und dem Krieg ein Ende machen will. Darum muß es ihm, das die Initiative ergriffen hat, auch überlassen bleiben, in allgemeinen For» men die Grundlage, auf der es unterhandeln will» anzugeben. Wenn umgekehrt die Verbündeten die Initiative ergriffen hätten, so wäre es ebenso angemessen und billig gewesen, dasselbe von den Verbündeten zu fordern. Wir haben das Vertrauen, daß Wilson und das amerikanische Volk einsehen werden, daß wir eine starke Position einnehmen, wenn wir jetzt diese Forderung an Teutschland richten. Finnischer Truppentransportdampfer gesunken. Frankfurt a. M., 28. Dezember. Ein von HelsingforS soeben zugereister, dem Korrespondenten der„Franks. Ztg." genau bekannter Seckapitän berichtet: Der finnische Dampfer„O Y h a n a", der ein zeitweilig bei den Aalandsinseln stationiertes K ü st e n- artillerieregiment nach HelsingforS zurückbringen sollte, stieß auf eine russische Mine und sank in wenigen Minute». Die gesamten an Bord Anwesenden— nicht einmal 50 Mann wurden gerettet— gingen unter, ebenso über 1000 Pferde sowie bedeutende Artillrriemengen.— Ein gefährliches Unglück traf wenige Tage später den r e g u, l ä r e n P o st d a m p f c r, der zwischen Aob» und Mariehamm verkehrt. Auch hier ist die Zahl der Ertrunkenen bedeu- tend. Diese auffallenden Unglücksfälle werden auf schlecht ver- ankerte Minen des neuen russischen Minenfeldes im Finnischen Meerbusen zurückgeführt. Eine Millioncnstiftung für den Neckarkanal. Stuttgart, 28. Dezember. Dr. Robert Bosch hat zur Fördc- rung der Neckarkanalisierung eine Stiftung von 13 Millionen Mark gemacht. Sic sollen einen Beitrag zu den staatlichen Baukosten der Kanalstrcckc Hcilbronn— Eßlingen bilden. Die Zinsen sollen in der Zwischenzeit für die KriegSwohlfahrtspflegc der Stadt Stuttgart zu- gewendet werden. Wenn der Neckarkanal bis 31. Dezember 1926 nicht begonnen sein sollte, so fällt die ganze Stiftung an das Deutsche Reich zur Erforschung und Bekämpfung verheerender Bolkskrank- hcitcn. Brand im Dresdener Artilleriedcpot. Dresden, 28. Dezember. Beim Sortieren von Munition hat sich heute vormittag im Artilleriedcpot Tresdcn-AIbertstadt, v e r m u t- lich durch Explosion, ein Brand entwickelt, der auf das um- liegende Magazingrlände übergegriffen hat. Vorläufig hat sich die Ausdehnung des Brandes noch nicht feststellen lassen. Bis jetzt ist e i n A r b e i t e r an den Folgen der Verwundung gestorben, weitere Verwundungen sind nur vereinzelt vor» gekommen. Gewerkschaftliches. von der Zukunft der chriftlich-nationalen Arbeiterbewegung. Seit im Jahre 190� auf einem gemeinschaftlichen Kongreß der christlichen Gewerkschaften, der katholischen und evangelischen Arbeiterverbände und einer Anzahl Privat- und Staatsangestelltenverbände ein Kartell der chriftlich-nationalen Arbeiterbewegung mit großem Applomb geschaffen wurde, hat man von diesem Kartell nicht mehr viel gehört. Selbst bis zur Kriegszeit war es merklich still in dieser kartellierten Arbeiterbewegung. Jetzt kommt dieses Kartell mit einem Programm heraus, das die Aufgabenverteilung für die einzelnen dem Kartell angeschlossenen Verbände festlegt und das auch in der Presse besprochen wird. Wir verzichten auf eine nähere Besprechung dieses Pro- gramms, das auf dem„Bekenntnis zur Zusammenarbeit zwischen Unternehmer und Arbeiter in der Erhaltung und Förderung des Gewerbes" basiert, das in seiner umfangreichen Aufstellung Forderungen allgemeiner Natur enthält, wie auch solche für die Gleichberechtigung des Arbeiterstandes, für den Arbeiterschutz, für die Lebensmittelversorgung, für eine Wohnungsreform usw. und das schließlich auch jeder im Kartell vereinigten Gruppe ein bestimmtumgrenztes Arbeits seid zuweist. Die Zusammenfassung der verschiedenartigsten Organi sationsgruppen in dieses christlich-nationale Kartell war seiner zeit als ein Gegengewicht gegen die freien Gewerkschaften ge� dacht. Ein. Artikel von Dr..Grabowsky, der in der Zeitschrift „Das neue Deutschland" erschienen ist, enthält vorweg das Eingeständnis, daß, wenn auch diese christlich-nationale Arbeiter- bewegung befriedigende Fortschritte machte, doch geistig schwer gegen die Sozialdemokratie aufkommen konnte. Die Auf- stellung dieses neuen Programms, das erst nach der Kriegszeit verwirklicht werden soll, entspringt der bei den Christlich-Nationalen gehegten Befürchtung— wie das an anderer Stelle zugegeben wird—, daß die freien Gewerk- schaffen nach dem Kriege eine behördliche Bevorzugung finden und daher eine schwächliche Annäherung der christlichen Arbeiter an die sozialistische stattfinden könnte. Eine Befürchtung, die wir übrigens in keiner Beziehung teilen. Die Erkenntnis, daß die Gewerkschaftsbewegung des Rückhalts einer politischen Partei mit parlamentarischer Ver- tretung bedarf, ist trotz aller bisherigen Beteuerung des un- politischen Charakters ihrer Bewegung jetzt auch in diesen Kreisen zur Gewißheit geworden. Dr. Grabowsky sucht diesen politischen Anschluß für die christlich-natio- nalen Gewerkschaften sonderbarerweise bei den Konservativen. Er verlangt von der konservativen Partei allerdings, daß sie sich neuorientieren müßte an Haupt und Gliedern. Nicht die konservative Agrarpartei könnte der Freund der chriftlich-nationalen Arbeiter- bewegung werden, sondern der eigentliche militärische Adel, der sich an hohen Kommandostellen im Felde be- währt habe. Die Konservativen hätten sich zu viel mit den Gelben eingelassen. Von diesen Gelben rückt aber auch Dr. Grabowsky merklich ab. schon in Rücksicht auf die neueste Bekanntgabe, Wonach die Unternehmer zur Subventionierung der Gelben ausforderten. Ihn Interesse.der Konservativen liegend sei es, wenn es ihnen gelingt,, unter den Industrie- arbeitern Freunde zu erwerben, und.in der chriftlich-nationalen Arbeiterbewegung bietet sich den konservativen Parteien eine Arbeiterschaft dar, die für die konservative Sache gewonnen werden könne. Er hofft sogar, daß durch den Kampf in der Sozialdemokratie zwischen Radikalismus und rechtsstehenden Parteien für die chriAich-nationale Arbeiterbewegung Proseliten zu machen seien, und er ist so weitherzig, diesen von links kommenden Elementen die Bildung eigener Vereine inner- halb der chriftlich-nationalen Arbeiterbewegung zuzugestehen. Wenn auf diese Richtlinien die Zukunft der christlich- nationalen Arbeiterbewegung unter Führung und Vertretung der konservativen Partei aufgebaut werden soll, so befürchten wir bei dem bisherigen Verhalten der konservativen Partei nichts Gutes für diese Arbeiterbewegung. Daß die konser- vative Partei sich aber an Haupt und Gliedern reformieren würde im Interesse dieser Arbeiterbewegung, halten wir schon für gänzlich ausgeschlossen. Ebensowenig wird die christlich- nationale Arbeiterbewegung unter der hier verzeichneten Devise aus Arbeiterkreisen Zulauf haben. Auch die Hoffnung, daß die aus den Parteikämpfen in der Sozialdemokratie Ver- sprengten sich dieser neuen Arbeiterbewegung anschließen, er- scheint uns mehr als trügerisch, wobei doch noch zu beachten ist, daß die wirtschaftliche Vereinigung der in der Hauptsache sozialistisch denkenden Arbeiter die freien Gewerkschaften sind, die von den Parteikämpfen bisher nicht erheblich berührt wurden und es auch hoffentlich in der Zukunft nicht werden, — zu Nutz und Frommen der bisher in Deutschland einig und geschlossen dastehenden freien Gewerkschaftsbewegung. veutfches Rcicft. Lohn- und Tenerungszulagen in der Strohhutindustie. In der Slrobhulindustlie wurden in Friedenszeiten im vierten Vierteljahr, am Beginn der Saison, die Arbeitsbedingungen ge- regelt. In den ersten Kriegsjabren stellten sich der üblichen Rege- lung und Verbesserung der Lohnverbältnisse große Schwierigkeiten entgegen. Namentlich die umfangreiche und langandauernde Arbeitslosigkeit wirkle hemmend. Dessen ungeachtet gelang es in den Haupt- orten, Lohnerhöhungen zu erreichen und Abzüge abzuwehren. Trotz des Fortbestehens der erwähnten Schwierigkeilen, noch erhöbt durch teilweisen Mangel an Arbcitsmaterial, nötigte die unaufhörliche Lebensmittelverteuerung zur Saison tg16/17 eine allgemeine Lohnbewegung vorzubereiten. Der Verband der Hutarbeiter forderte in den für das Gewerbe in Frage kommenden Orlen ldarunter auch Berlin) Lohn- oder Teuerungszulagen oder beides bis zu 25 Prozent, für Arbeiterinnen die gleichen Akkordlohnsätze wie für Arbeiter, für Heimarbeiterinnen die gleichen Löhne wie für Betriebs- arbeilcrinnen und Beibehaliung der bisherigen Preise für Nähzwirn. Die Forderungen sind bis ans einige Fälle aus dem Ver- handlungswege bewilligt worden. Die Zahl der an den Errungenschaften Beteiligten läßt sich zurzeit nicht fest- stellen, weil die Einstellung des Personals zur Saison 1316—1917 noch nicht allgemein erfolgt ist. Während der letzten Slrohhutsaison Ivaren in den Orten, die von der gegenwärtigen Lohnbewegnng erfaßt sind, rund 1506 Ar« beiter und 866 Arbeilerinnen beschäftigt. Organisiert hiervon waren die Arbeiter zu 8ö Proz., die Arbeiterinnen zu 48 Proz. Die gleiche Anzahl Personen wird während der Saison 1316/17 Be« schäftigung finden nnd der durch den Hutarbeilerverband errungenen Lohnverbesserungen teilhaslig werden. Wollen sich die Arbeiterinnen die günstigeren Lohnposilionen erhallen, dann müssen sie sich eben auch ihrer Berufsorganisation anschließen. Das ist die notwendigste Vorbedingung dazu. Soziales. Vom Anstellungsscheiu. Der Gedanke, daß sie in ihren früheren Berufen nur teilweise leistungsfähig seien und daß eS ihnen deshalb schwer fallen wird, dort wieder unterzukommen, hat in vielen Kriegsverletzten die Hoff- nung erweckt, den Anstellungsschein zu erhalten, der den nicht zu Kapitulanten und Unteroffizieren gehörenden Gemeinen auf ihren Antrag neben der Rente verliehen werden kann.(Vergl. unsere Notiz vom 27. November.) Sie hoffen damit als Unterbeamte eine Anstellung zu bekommen. Diese Hoffnung wird sich in den allermeisten Fällen als trügerisch herausstellen, denn so viel Unlerbeamtenstellen als Re- flektanten hat es schon früher nicht gegeben und jetzt ist die Zahl der Bewerber durch den Krieg noch ganz bedeutend erhöht worden. Es ist deshalb richtig, daß die Beschädigten sich vor allen Dingen darum bemühen, in ihren früheren Beruf wieder hinein- zukommen. Das preußische Kriegsministerium steht auf dem Stand- Punkt, daß mit der Ausstellung der Anstellungsscheine nicht allzu freigebig verfahren werden soll. Es hat die Grundsätze, daß ein Generalkommando über die Verleihung des Anstellungsscheines auf- gestellt hat, an sämtliche stellvertretenden Generalkommandos weitergeben mit dem Bemerken, daß von ihm diese Grundsätze voll geteilt würden. In diesen wird von den berufstechnischen und militärärztlichen Gutachten die Berücksichtigung der Frage verlangt, ob nicht die Wahrscheinlichkeit dafür besteht, daß die Invaliden, wenn sie auch bei der Entlassung infolge der Gesundheits- störung in hohem Grade zur Verwertung besonders erlernter und wirtschastlich werlvoller Fähigkeiten behindert seien, diese Fähigkeiten später wieder ausnützen könnten. Stehe fest, daß der Kriegs- beschädigte seinem alten oder wenigstens einem ähnlichen Beruf nicht wieder zugeführt werden könne, dann möge weiter geprüft werden, ob er eine ihm angebotene unentgeltliche Gelegenheit zur Ausbildung für einen neuen Zivilberuf ausgenutzt� habe. Nur wenn diese Bedingungen erfüllt seien, insbesondere wenn der Antragsteller seinen guten Willen zur Wiederaufnahme seines alten oder zur Erlangung eines neuen Zivilberufs dargetan habe, sei der Anstellungsschein zu bewilligen. Dann empfehle sich aber, zugleich den Antragsteller darauf hinzuweisen, daß der Anstellungs- schein noch keinen Anspruch auf Anstellung gewähre und daß er ins- besondere nicht zu verwechseln sei mit dem Zivilversorgungsschein, daß also die Inhaber der Anstellungsscheine nur dann eingestellt werden dürfen, wenn Militäranwärter nicht vorgemerkt seien, oder sich keiner der vorgemerkten zivilversorgungsberechtigten Stellen- anwärter zur Annahme der zu besetzenden Unterbeamtenstelle bereit- gefunden habe._ Kriegsfürsorge. Immer und immer wieder stoßen wir auf die Notwendigkeit eines Ausbaues der staatlichen und städtischen Kriegsfü- sorge. Eine Fülle von Beispielen bringt der soeben erschienene Tätigkeitsbericht der Zentrale für private Fürsorge E. V., Berlin W. 35, Flotlwellstr. 4, die seit Kriegsbeginn auf all den Gebieten er- gänzend eingreift, wo noch Lücken in der Gesetzgebung oder Orga- nisalion der Gemeinden zu finden sind, oder wo die Selbsthilfe ein- zelner Berufskreise so wenig organisiert ist, daß mit dem Eintreten des Krieges der wirtschaftliche Zusammenbruch erfolgen mußte. So konnten die Angehörigen der sogenannten freien Berufe und die Zimmervermieterinnen, für welche beiden Gruppen keine bestehende Berussorganisation zuständig ist, bei Beginn des Krieges nur mit von privater Sekte zur Verfügung gestellten Mitteln vor der äußersten Not bewahrt werden. Auch gegen die Not der kleinen Gewerbetreibenden und Handlungsgehilfen mußten neue Hilfsquellen erschlossen werden. Die Füriorge für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen, die erst vor wenigen Wochen von der Stadt Berlin organisiert worden ist, wurde bis dahin von der Zentrale sllr private Fürsorge und dem Nationalen Frauendienst durchgeführt. Die aus diesem Gebiet im Bericht er- wähnten Beispiele zeigen, wie notwendig ein weiterer Ausbau der geietzlichen Fürsorge, besonders dem Berufseinlomnren der Gefallenen entsprechend, ist, lassen aber auch die Möglichkeit erkennen, wieviel im einzelnen Fall den individuellen Verhältnissen entsprechend er« gänzende Hilfe zu bringen ist. Angestelltenversicherung und Wohnungsfürsorge. Der Verwaltungsrat der Angestelllenversicherung hat in seiner letzten Sitzung dem Direktorium der Reichsversicherungsanstall empfohlen, soweit möglich durch Hingabe von Darlehen, Hypotheken, die Kleinwohnungsherstellung zu fördern. Es soll damit die nach dem Kriege drohende Kleinwohnungsnot lWohnungsmangel und -Teuerung) gemildert und in Verbindung damit den durch ungesundes Wobnen drohenden Schädigungen an Gesundben und Arbeitskraft der Versicherlen enigegeugewirkt werden. Neben privaten Bau- Unternehmern sollen grundsätzlich solche Körper'chasten sGemeinden, Stiftungen, Bauvereinigungen) mit solchen Darlehen berücksichtigt werden, die 1. die Kleinwohnungsbcschaffung auf gemeinnütziger Grundlage betreiben oder rrnser Wohnungs« und Siedelungswesen durch den Flachbau sGartenheimsiedelungen) fördern und 2. ihre Siedelungen gegen spekulative Veräußerungen sicher- gestellt haben. Ferner wurde dem Direktorium empfohlen, bei Stundung von Zinsen oder Fälligkeit von Hypotheken den Grundbesitzern tunlichst entgegenzukommen._ Mus Inöuftrie und Kandel. Valutamasinahmen in Oesterreich. Die österreichische Währung hat im Kriege arg gelitten, d. h. der Oesterreicher bekommt für die Krone weniger Mark oder Frank oder Dollar als im Frieden. In hundert Kronen ist soviel Gold wie in sünfundachtzig Mark. Da aber die Goldzahlung eingestellt ist, wird der Austauschwert der Münzen aller jener Länder, die im Kriege die Goldzahlung eingestellt haben, nicht mehr durch das Gold als Währungsmetall bestimmt, sondern durch das Verhältnis, in welchem die eigenen Zahlungsmittel auf den ausländischen Märkten angeboten und begehrt werden. Daraus erklärt sich, daß sich auch die deutsche Währung verschlechtert hat. Ungleich mehr mußte sich aber die österreichisch-ungarische Währung verschlechtern, weil es relativ noch viel mehr ein- und noch viel weniger ausführt als Deutschland, und außerdem Schuldzinsen ans Ausland zahlen mutz. Gegenwärtig erhält man für hundert Kronen nur 63,95 M. (im Frieden 84,5) oder 53 Fr.(im Frieden 166.)! Um die offensichtlichen Schäden der Währungsverschlechterung zu mindern, hat die österreichische Regierung endlich entschie- dene Maßregeln getroffen. Es ist einmal ein Einfuhrverbot für alle nicht unbe- dingt notwendige Ware erlassen worden, durch deren Bezug der Bedarf und daher auch der Preis von ausländischen Zahlungs- mittein gesteigert wird; dann ist eine B e standaufnahme aller auf ausländische Währung lautenden Guthaben und Wert- papiere von Oesterreichern oder Ungarn angeordnet worden. Durch den eventuellen Verkauf dieser Wertpapiere oder Einziehung dieser Guthaben soll, nach dem Vorhilde.) der Verbandsmächte die Mög- lichkeit zur Deckung der österreichischen Verpflichtungen im Aus- lande geschaffen.werden,, wobei. die Besitzer den. Gegenwert in österreichisch-ungarischen Werten angewiesen erhalten werden; und schließlich ist am 28. Dezember eine Verordnung ergangen, wo- nach in Oesterreich-Ungarn ausländische Gelvsorten und Anwei- sungen auf das Ausland nur von Banken erworben werden dür- fen, die die Verwendung der so beschafften ausländischen Zahlungs- mittel zu notwendigen Zahlungen prüfen und selbst kon- trolliert werden. Ueber Guthaben im Auslande darf zwecks Er- Werbung von Zahlungsmitteln oder Anweisungen in einer anderen Währung als der des Guthabens nur durch eine der kontrollierten Banken erfolgen. Die Verordnung verbietet weiter die Ausfuhr von Noten der Oe st erreich! sch-Unga- rischen Bank, sowie von Kassenscheinen der KriegsdarlehnS- lasse und auf Kronenwährung lautender Schecks und Wechsel, aus- genommen bei schriftlicher Zustimmung der Devisenzentrale. Im Reise- und Grenzverkehr ist die Mitnahme von Banknoten bis zum Betrage von 566 Kronen gestattet, ebenso ist mit gewissen Aus- nahmen die Ueberweisung von Kronenbeträgen nach dem Auslande und die Einzahlung an die schriftliche Zustimmung der Devisen- zentrale gebunden. Wer Waren im Werte von über 366 Kronen nach dem Auslande ausführt, ist, wenn er nicht aus wichtigen Gründen dessen enthoben wurde, verpflichtet, diesen Umsatz in der Währung des Bestimmungslandes sofort nach Eingang an eine der Devisenzentrale angehörende Firma abzugeben.(Auf den Post- anweisungs-, Postnachnahme- und Postauftragsverkehr findet die Verordnung, die am 1. Januar in Kraft tritt, keine Anwendung.) Freund warnte ihn! Die Augen schmerzten und tränten, die Lidränder waren dauernd etwas entzündet, das Lesen bei der Lampe ermüdete ihn schnell, Kopfweh und Nervosität setzten seine Arbeitsfähigkeit weiter herab. Ein Freund warnt« ihn und empfahl ihm, sich bei uns kostenlos die Schrift„Ratschläge eines Fachmannes � zu erbitten. Jetzt sind alle Beschwerden beseitigt, denn nur die Neberanstrenguug der Augen war die Ursache aller Beschwerden gewesen. Augen- fehler, angeborene oder durch schädliche Einflüsse erworbene, müssen durch passende Gläser au»- geglichen werden. Wir prüfen Ihre Augen kostenlos mit den mo« dernsten Hilfsmitteln der Wissenschaft. Wir garan- tieren für passende Gläser, für hygienisch richtigen Sitz und für Haltbarkeit aller Fassungen von 4.56 M. an 1 Jahr, von 8.50 M. an zwei, von 12 M- an drei Jahre und zwar erhalten Sie die bekannte� Aubnkc-Garantie d. h. wir garanlieren nicht nur für gute Arbeit und gutes Material, sondern wir garantieren, daß wir alle Reparaturen, auch wenn die Fassung durch Ihre eigene f Schuld zerbrochen ist, kostenlos ausführen. Ausgenommen sind davon Gläser, Schildpatt- und Hornteile. Wir garantieren ferner für Zufriedenheit, d. h. wir werden Ihnen nie mit Behauptungen wie„das muß so sein",„es geht nicht anders zu machen", oder ähnlichen bequemen Ausreden kommen, sondern wir werden Sie einfach zufiiedenstellen, einerlei, wieviel Mühe eS macht. Ein Paar stark gewölbte, punkwell abbildende Punktorik- Menisken kosten nur 3 M. daS Paar. auS SanoScop-GlaS 5 M. Besuchen Sie uns heute oder morgen, oder verlangen Sie, ehe Sie e« vergessen, durch Postkarte die Schrift„Ratschläge eines Fachmannes". Sie kostet nichts und sagt Ihnen, was Sie über Augen und Augengläser unbedingt wissen müßten. Sind's die Äugen, Geh' zu Rahnke l Optiker Ruhtike ÄtlfrÄ,,., Wilmersdorf: Berliner Skr. 132-3 o. d. uhlaud.Etr. Friedenau; »Hein-Str. 18, ccA ertrewresr. nrarsssS Thomas Morus' Mopia". Zum 40 0. Geburtstag des ersten kommunistischen Staatsromans. Erasmus von Rotterdam gab im Dezember IblS beim Buchhändler Martens in Löwen die Schrift seines englischen Freundes Thomas More:„Ein wahrhaft goldenes Büchlein vom besten Stand des Gemeinwesens und von der neuen Insel U t o p i a, nicht minder heilsam als ergötzlich, des ausgezeichneten, hochberedten Thomas Morus, Bürgers und Vizecomes der be- rühmten Stadt London" heraus, in lateinischer Sprache. Vier selbständige lateinische Ausgaben folgten innerhalb zweier Jahre. Die erste englische Uebersetzung erschien erst 1S51.— More regierie, ein Bahnbrecher auch darin, seine Muttersprache meisterhaft als Prosaiker. Daß er sein Buch lateinisch schrieb, eS im Auslande drucken ließ, ihm die Form des Berichts eines weltbefahrcnen, ge- lehrten Kaufmanns aus fernen Landen gab, hatte gute Gründe. Einmal plante er nicht eine demokratische Agitationsschrift, er zielte auf die Humanisten, auf die Gebildeten überhaupt und die Regierenden. Sodann aber mutzte er sich sichern, weil seine Utopie, zumal im ersten Teil, eine recht leicht zu durchschauende Satire auf die englischen Zustände darstellte. More war ein Vielerfahrener, als er sein ihm Unsterblichkeit bescherendes Buch schrieb. Nach humanistischen Studien zwang ihn sein Vater in den Rechtsberuf. Er wurde Rechtsanwalt. Mit 28 Jahren Parlamentsmitglied, opponierte er Hein- rich VII. bei dessen Steuerforderungen. Dessen Rachsucht nötigte ihn zum Rückzug aus dem Parlament. Aber er blieb Anwalt der Londoner Grotzkaufleute. Als deren Beauftragter, später auch mit einer Gesandtschaft Heinrichs VIII., war er in Frankreich und Flandern bei Handelsvertragsverhandlungen tätig. In Brügge enr- warf«r den Plan zur„Utopia". Das Buch erregte das größte Aufsehen. Heinrich VIII. suchte den Verfasser, zuerst vergblich, in seine Dienste zu ziehen, das eng- lische Bürgertum frohlockte, die Gebildeten Europas bewunderten More. Der Propst Buslidius. Mitglied des grotzen Rates von Mecheln, schrieb an ihn:„Du Zierde Deines britischen Vaterlandes und unseres Weltteiles. Du bist der wahre Netter nicht nur dieses und jedes einzelnen, sondern des ganzen Staates." DieS ist der Grundgedanke des Buches: Dauernde Gerechtig- kcit und dauerndes Glück sind nur in Ländern möglich, w o d a s Privateigentum aufgehoben wird wie auf der Insel Uwpia. So kommt nach der schärfsten Kritik an dem, was ist, die Darstellung dessen, waS sein soll: Das erste Bild eines rücksichtslos- kommunistischen Staatswesens, erbaut auf demokratischer Basis, manches heute Selbstverständliche fordernd, doch auch belastet mit der wirtschaftlichen Rückständigkeit seiner Zeit und mancher persön- lichen Schrulle. Viele Zeitgenossen glaubten an die Existenz des Landes Utopia, so plastisch wirkte diese Schöpfung. More selber wertete— mit Recht— durch die vorangestellten Verse des fingierten Hofdichters .Anemolius seine Utopia recht hoch: „Von altersher Utopia(Nirgendheim) heiß ich, kaum gekannt. Doch stell ich PlatoS Staat sogar in Schatten jetzt. Denn was als Theorie fein Schöpfer gab, Mit Menschen, Mitteln und gediegensten Gesetzen Stell ich in voller Wirklichkeit hier dar, Eutopia(Glückslaird) werde ich passender darum benannt." More meidet in seiner Darstellung keine Einzelheit. Sogar das merkwürdige, den griechischen Charakteren ähnliche Alphabet der Utopier wird dem Leesr nicht erlassen. Größe und Gestalt der Insel Utopia, die doch irgendwo bei Amerika liegen soll, erinnern ebenso verdächtig an England wie die Hauptstadt Amaurotum am Flutz Anhdrus an London. Alle Städte sind gleichartig gebaut und gleichmäßig über das Land verteilt, um die ihnen zugeteilten Ländereien durch ihre Einwohner gut bewirt- fchaften zu können. Abteilungsweise(in„Familien") werden die Utopier auf die ländlichen Wirtschaften kommandiert, zwei Jahre lang jeder. Jährlich wird eine Hälfte abgelöst, die verbleibende belehrt die Ersatzschar. Die Landwirtschaft wird rationell ausgeübt, sie kennt z. B. bereits Eierbrutapparate. werk. AuchdieFrauen erlernen einen Beruf. Drei Arbeits- stunden liegen vor-, drei nachmittags, acht Stunden gelten dem Schlaf, die anderen zehn Stunden unterliegen freier Verfügung. Man widmet sie oft der Beschäftigung mit den Wissenschaften in freien Kursen, sonst der Musik, Gesprächen, harmlosen Spielen. Die kurze Arbeitszeit genügt, weil jetzt jeder arbeitet, wäh- rend bisher Frauen, Mönche, Reiche und Bettler oft faulenzten. Nur gewisse bedeutende Gelehrte, aus denen man Priester, Ge- sandte, Obrigkeiten erwählt, werden von der Arbeit verschont. Die Arbeitsweise ist ökonomisch, weil beim gemeinschaftlichen Besitz rechtzeitig überall ausgebessert wird, also nichts verfällt. Zeitweise können viele freie Arbeitskräfte Straßenverbesserungen usw. vor- nehmen. In den einzelnen Stadtteilen liegen Märkte mit den Güter- hallen zur Vereinigung, Sortierung und Verteilung der Produkte. Jeder holt von dort seinen Bedarf ohne Entgelt. Da jeder vom Staate alles Notwendige erhält, es Geld nicht gibt, so fällt der Grund für Habgier und Hamsterei fort. Die g e- meinsamen Mahlzeiten finden in den Bezirkspalästen statt. Das Beste erhalten die in besonderen, mit Isolierbaracken versehenen Spitalvierteln vorbildlich verpflegten Kranken. Ter Ueberfluß an Produkten wird exportiert gegen — wenig— fremde Waren und— viel— Gold und Silber ein- getauscht, auch wird gegen die Bürgschaft ganzer Städte kreditiert. Gold und Silber gelten nichts, man macht aus ihnen Sklavenketten und Nachtgeschirre. Der angesammelte Schatz dient nur im Kriegsfalle zur Anwerbung fremder(englisch!) Soldaten und zur Aussetzung von Preisen auf das Haupt des feindlichen Fürsten. Die schmutzige, unangenehme Arbeit leisten die Sklaven. Das sind verurteilte Verbrecher, die schließlich begnadigt werden. können. Auch werden Ausländer zu freiwilliger bezahlter Arbeit herangezogen. Da es wenige Gesetze gibt, kennt diese jeder. Vergehen ans Ge- auf der ganzen Front fort, und die Franzosen holten sich bei Ginchh in immer wiederholtem Ansturm blutige Köpfe. Ter 8. September brachte ein vorübergehendes Nachlassen, während der 0. durch er- folglose Tcilangriffe der Engländer am Foureauxwalde ausgefüllt lvurde. Am 10. griffen die Engländer auf 1b Kilometer breiter Front bei Thiepval und Combles an, aber wiederum wurden sie im wesentlichen abgewiesen. In den fortdauernden Kämpfen am 11. und 12. fiel das Torf Gincky in die Hand des Feindes. So hatte diese erste große ScpteinbersMacht den Feinden Fortschritte auch im Nordobschnitt gebracht. Am 12. September ent- brannte der Kampf aufs neue zwischen Eomblcs und der Somme. Nach dem Fall von Clerh waren die Verteidiger in die sogen. Marrieres-Stellnng zurückgegangen. Diese wurde nach� stärkster Artillerievorbereitung am 12. September von den Franzosen über- rannt. Der Feind stieß bis Bouchavcsnes durch, nahm das Dorf in raschem Anlauf bis zum Ostrand und trieb so einen Keil in die deutschen Stellungen nach Osten hinein. Diesen Keil der- breiterte er am 14. durch die Erstürmung des Gehöfts Le Pricz westlich von Rancourt. So war das Städtchen EombleS von Süden her bereits fast vollständig umschlossen. Auch nördlich des Ortes gewannen dia Engländer in den Kämpfen der nächsten Tage Boden. Nach höchitnk Fcuerstcigerung griffen sie im Abschnitt von der Ancre bis östlich Combles an und warfen die Verteidiger durch die Dörfer Cource- Ictte, Martiistmich und Flers zurück, so daß nunmehr die Höhen- stellung, welche die Engländer als Angriffsziel für den ersten Tag der Offensive vorgesehen hatten, nach zwei und einem halben Monat endlich erreicht war. Combles mit den benachbarten Gräben war nun von allen Seiten umschlossen. Dennoch konnte die Stadt noch einige Tage gehalten werde», allerdings unter schweren Opfern der tapferen Verteidiger, welche ihren Stützpunkt in den verpesteten Katakomben gefunden hatten, die sich unter dem Orte hinziehen. Drei rheinische Regimenter boten hier in heldenmütigem Widerstand den Angreifern Trotz, obwohl das konzentrische Feuer der schwersten feindlichen Kaliber sie Tag nick Nacht mit eine,» Stahlorkan überschüttete. Ohne ein Grabenstück zu verlieren, hicl- ten sie die Stellung bis zu ihrer Ablösung am 20. September fest in der Hand. In den folgenden Tagen flaute die Nordschlacht sichtlich ab, ohne daß die örtlichen Teilkämpfe deshalb an Erbitterung verloren hätten. Der Gegner holte zu einem Hauptschlage aus. Nach dauernder Steigerung des Artillericfeuers griffen am 22. Sep. tember die Engländer bei Courcelettc an, während die Franzosen gegen die Linie CombleS— Rancourt vorstießen. An diesem und dem folgenden Tage mißlangen alle feindlichen Anläufe. Am 2ö. September aber trat die cnglijch-französische Infanterie nach furchtbarer zweitägiger Artillerieschlacht zu einem einheitlichen Angriff allergrößten Stils an. Dieser schlug fehl im Nordwest- abschnitt von der Ancre bis zu dem Kloster Eaucourt-L'Abbahe und ebenso südlich zwischen BouchaveSnes und der Somme, und zivar unter schwersten feindlichen Verlusten. Im Zentrum des Massenangrisss aber von Eaucourt— L'Abbaye bis nördlich Bouch- avcsnes hatte der Feind Erfolg. Er stieß bis zur Linie Gucude- court— Rancourt vor und gewann diese beiden Dörfer, das ganze Zwischcngelände mit Lesbocufs und Morval und das endlich voll- kommen unhaltbar gewordene Städtchen Combles. Dieses letztere war 24 Stunden lang unter Gasfeuer gelegt worden. Tie Ver- teidiger haben sich zum größten Teil zu den deutschen Truppen durchschlagen können. Dieser 25. September bedeutet in der Geschichte der Somme- schlacht einen Wendepunkt. Brachte er auf der einen�Seite dem Feinde bei einem Höchsteinsatze von Munition und rücksichtsloser Opferung seines Menschenmaterials einen in dieser Stärke seit dem Beginn der Offensive nicht mehr dagelvesenen Erfolg, so strahlte doch schon an dwsem Tage die erstarkte Widerstandskraft unserer Trupe» im hellsten Lichte. Der Feind, der sich am Abend dieses großen SiegestageS sicherlich dem Glauben hingab, der Durchbruch sei nun so gut wie gelungen, erfuhr in den nächsten Tagen eine schwere Enttäuschung. Wohl gelang ihm am 26. September ein weiterer heißbegehrter und seit langem mit allen Mitteln angestrebter Erfolg. Die Ecke bei Thiepval hatte bisher dank dem ausgezeichneten Ausbau, wcl- fetzeSunkenntnis kommen also nicht vor. Anwälte sind überflüssig. Ehrgeizigen sind die Beamtenstellen verschlossen. Die Ehe geht die Frau mit 18, der Mann mit 22 Jahren ein. Voreheliche Lust wie Ehebruch Iverdcn mit lebenslänglicher Sklaverei, Ehr- und Ehelosigkeit bestraft, um zur Heirat, trotz der chelichen Lasten und Beschränkungen, zu reizen. Vor der Heirat stellen Ver- trauenSleute die Brautleute einander nackt vor, damit jeder Betrug fortfällt. Alle Kosmetika sind verboten. Der Krieg Ivird verabscheut, aber Männer und Frauen werden in soldatischer Zucht für den Fall der Not ausgebildet. Bei Verteidigung«- und Repressalienkriegcn vermeiden sie mög- lichst die blutigen Siege und suchen den Erfolg durch List zu erlangen. Niemand ist zuni Kriege außerhalb der Landcsgrcnzen ge- zwungen. Nach dem Siege verschonen sie die Zivilbevölkerung. Die Beute fällt allein den Hilfstruppen zu. Mores meint! Das sei der beste Staat. Keiner rafft, betrügt, sorgt, klagt, bettelt. Keine Sorge um Mitgift, Rente und Alter. Vernunft und Christentum müßten zu den Zuständen UtopiaS führen. „Manches Gute," schließt More.„könnte bei unS verwirklicht werden. Doch wünsche ich dies mehr, als ich es hoffe." More hatte recht mit seinem Zweifel. Er wollte ein d« m o- kratischeS Staatswesen, aber er wollte cS durch den Willen des Fürsten von oben her schaffen. Es war an sich ein unmöglicher Traum, denn die Zeit des JndustrialismuS und des Welthandels schloß solche in sich ruhende Staatswesen mit handwerklicher Produk- tion lvie„Utopia" aus. Aber auch der ersehnte Fürst mit dein guten Willen fehlte. Heinrich VIII. ward vielmehr Mores Vcrdcrber. Er zwang ihn in seinen Dienst und ließ ihn in schnellem Aufstieg bis zum Lordkanzler steigen. Als seine Don Juaunatur der bisherigen Ehe überdrüssig wurde und seine Lust nach Klostcrgütern wuchs, er die„Reformation" in England einführte, sich zum Papst semes Landes erhob, um seine Begierden befriedigen zu können, weigerte sich Mores, der in seiner Utopia ja wirkliche Umwälzungen weit- greifcndsten Inhalts für Staat und Kirche verlangt hatte, die Ver- antwortung für diese Scheinerncuerung zu übernehmen. Er kannte die Kirche als den Armenpfleger und noch relativ sozialsten Arbeit- gebcr seiner Zeit, ihre bloße Enteignung nützte nichts. Es kam ihm nicht auf eine leere Form, sondern auf eine grundsätzllche Rc- form an. Darum legte er sein Amt nieder und lehnte es aufrecht auch später stets ab, das königliche Vorgehen als rechtgemäß zu er- klären. Heinrich VIII. ließ ihn töten, und Mores brachte es des- halb 350 Jahre später als angeblicher Vorkäinpfer des Katholizismus sogar zur Kanonisierung. Dieser„Heilige", der charaktervolle Mensch, der unermüdliche Kämpfer für den Fortschritt und der glänzende Utopienschrciber. er wird uns allen— gleichgültig welcher Kon- fession— wohl als einer der anziehendsten Idealisten der Welt- geschichte erscheinen. Sein unsterbliches Werk aber, die„Utopia", studieren wir vielleicht erneut*.) Es steht auch für uns noch viel Nachdenkliches darin. I. M.—O. *) Das grundlegende Buch: Karl Kautskh:„Thomas More und seine Utopie" ist als Band 3 der„Internationalen Bibliothek" bei I. H. W. Dich Nachf. in Stuttgart erschienen. Geb. s Mk. (Een eins würktembergifche ResenvsKvifion Ser �oriigcn Stellung battc angedeihcn lassen, unt> dank dem ssarwäckigen Widerstand der tapferen Schwaben gehalten werden können, einer Ueberflu- tung mit feindlichen Geschossen und den immer wieder erfolgenden Anstürmen zum Trotz. Am 26. September ging sie verloren, und auch östlich anschliessend machten die Engländer Fortschritte bei Conrcclette. Im übrigen aber gelang es, die heftigen Angriffe, welche der Feind auf der ganzen Front des gestrigen Ansturmes zwischen Lesboeufs und Bouchavesnes vortrug, zu blutigem Schei- lern zu bringen. Auch in den beiden nächsten Tagen rannte der Feind sich in vergeblichem Ansturm gegen die von uns bezogenen rückwärtigen Stellungen immer wieder den Schädel ein, und auch die stärkeren Angriffe, welche nach einem vorübergehenden Ab- flauen vom 28. September in den letzten Septembertagen angesetzt wurden und wiederum teils auf die Thiepvalecke, teils auf das Zentrum der Nordschlacht zielten, konnten entweder im Nahkampf abgeschlagen werden oder aber sie erstickten bereits in unserem Sperrfeuer,_(W. T. B.) Mus Groß-öerlin. Tie sozialdemokratischen Stadtverordneten für aus- reichende und billigere Lebensmittelversorgung. Von den Stadtverordneten Barkowski u. Gen.0 Mark Geldstrafe. Nachdem durch Bundesratsverordnung vom 14. Februar 1916 für Schweine die Stallhöchstpreise(Höchstpreise für Produzenten) ein geführt und die Schweinehöckstpreise für Viehmärkte aufgehoben worden wa:e», erließ am 29. Februar 19(6 der Verein Berliner Vieh- lommiisionäre an seine Mitglieder ein Zirkular, Won» naw Hinweis auf die Aufhebung der Schweinehöchstrcise für Schlachtvieh(Markt- böchstpreiie) gesagt wurde:»Wir bitten, vom ni orgigen Tage an zu nehmen, was zu nehmen ist." Daraus schnellten zum nächsten Markttage am Berliner Viehhos die Schweinepreiie außerordentlich in die Höhe. Zu den beim Schweinehandel beteiligten Viehkommissionären gehörte die Firma Ehestädr u. Komp. Für sie handelte dabei ganz selbständig der bei der Firma seit 40 Jahren angestellte Herr Dörre. Er schloß die Schweineverläufe ab, mit denen die Viehhändler seine Firma betraut batten, Dörre wurde nun wegen acht solcher Verkäufe vom Landgericht in Berlin zu einer Geldstrafe von insgesamt 8000 M. verurteilt. Das Landgericht crachlete Preiswucher>ni Sinne der Verordnung des Bundesrats vom 23. Juli 1916 für vorliegend. Begründend wurde u. a. ausgeführt: Wenn man die von den von 7 6 P r o z. und von 8 2 Pr oz. erzielt worden. Der recht mätzige augemessene Gewinn sei demgegenüber IVg bis 2 Proz. Objektiv liege ganz zweifellos ein Verstoß gegen die Preiswucher- Verordnung vor. Denn der Rcinverdicnst sei nn g eh e nc r li ch, ivenn man bedenke, datz es sich um eines der wichngsten Voltsnahrungsmittel handele. Nun sei geltend geinachl worden, datz bei Feststellung eines übermäßigen Gewinns nach§ 6 der Bundesralsverordnung auch die Marktlage zu beriicksichligcn wäre. Das treffe aber nur zu bei einer gesunden Gestaltung der Marktlage. Hier habe aber ein ganz ungesunder Marktpreis vorgelegen, der wider die guten Sitten in Handel und Verkehr zustande gekommen wäre.(DaS Landgericht verweist auf das erwähnte Zirkulär.) Unerheblich wäre, datz das Zirkular zu- gleich die Mitglieder der Bereinigung der Berliner Vichkomniissio- näre darüber unterrichten wollte, datz Markthöchstpreise nicht mehr beständen. Der sinnlos in die Höhe gegangene Markt- preis habe bei der Beurteilung ausscheiden müssen.— Auch subjeltiv sei der Angeklagte Dörre verantwortlich. Das K a in m e r g e r i ch t verwarf die vom Angeklagten gegen dies Urteil eingelegte Revision mit der Begründung, datz das Urteil frei vom RechtSwrtum fei. Gleichgültig wäre, datz Dörre nicht für sich selber wirkte. Nach dem§ 5 der Preiswucherverordnung mache sich auch strafbar, wer den übermäßigen Gewinn andern gewähren läßt. Hier seien die andern in dem Sinne teils die Händler gewesen, die die Firma Ehesiädt u. Ko. mit den Verkäufen beauftragten, teils diese Firma selbst, die durch ihre prozentuale Provision daran beteiligt war. Bestrafte Milchpautscher. Sechs Monate Gefängnis, 3000 M. Geldstrafe und drei Jahre Ehrverlust beainragte der Staalsanwalt sür einen Milcbpainscher, der sich gestern in der Person des Molkcreibcsiyers Ge 0 r g T h ü m m l c r wegen Vergehens gegen das Nahrungsmitlelgesetz und Ueberschrcitniig der Höchstpreise vor dem Schöffengericht Bertin-Milte verantworten mutzte. Der Angeklagte hatte es fertig gebracht, den Wasserleitungs- hahn so ergiebig in Tätigkeit zu setzen, datz die von ihm ent- nommeuen Proben nicht weniger als 60 Proz. Wasserzusatz aufwiesen. Er entschuldigte sein Vorgeben in der bekannten Weise mit der Ungunst der gegenwärtigen geschäftlichen Verhältnisse und mit der Not, die ihn dazu gezivungen babe. Seine Handlungsweise wurde jedoch als derart schlimm angesehen, daß der Staatsanwalt den oben erwähnten Antrag stellte. Das Gericht nahm aber noch einmal von dem Ehrverlust Abstand und erkannte im übrigen auf drei Alouate Gefängnis und 3000 Mark Geldstrafe. — Vor dem gleichen Gericht und unter derselben Anklage stand dann noch der Milchhändler Hermann Schulz. Er hatte sich mit etwas weniger begnügt und„nur" 26 Proz. Wasser hinzugesetzt. Das Urteil fiel deshalb gegen ihn auch milder aus und lautete auf zwei Monate Gesängnis und 1000 Mark Geldstrafe._ Eilt merkwürdiges Motiv zum Diebstahl machte der Ackerer Franz D. geltend, der am 6. Ollober vom Landgericht Saargemünd wegen forlgeietzten Diebstabls zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt worden ist. Der Landwirt C. in Nellingen batle wahrgenommen, daß der an seiner Scheune aufgestapelte Heuvorrat sich in verdäch- tigcr Weise verringerte. Nachforschungen ergaben, datz jemand in der Scheune eingedrungen war. Der Verdacht siel auf den An- aeklagten, dessen Täterschaft schließlich festgestellt wurde. Vor Ge- richt bestritt der Angeklagte, die Absicht der rechtswidrigen Zu- eignung bei Wegnabme des Heues gehabt zu haben. Er behauptete vielmehr, es sei ibm lediglich daraus angekommen, mit C. vor Ge- richt zu kommen, um festzustellen, ob dieser in unlauteren Beziehungen zu seiner, des Angeklagte» Ehefrau gestanden habe. Das Gericht hat diesem Einwände den Glauben versagt und die Revision des Angeklagten wurde vom Reichsgericht als unbegründet verworfen. Mus aller Welt. Wasserflugzeuge für eine Nordpolfahrt. Der Nordpolfahrcr Am und sen beabsichtigt in Amerika Wasserflugzeuge sür seine Nordpolfabrt anzukaufen. Die Maschinen sollen so gebaut sein, datz sie sich über ebenes Eis ebenso gut wie über Wasser bewegen tönnen. Sie sollen bei Expeditionen vom Schiffe aus zur Verwendung gelangen, zu welchem Zwecke das Expeditionsschiff mit Abflug- und Landungsbrücke aus dem Dock versehen werden wird. Bekanntlich hat sich Amundsen selbst als Flieger ausgebildet, doch liegt es nicht in seiner Absicht, die Flüge auf der Nordpolsahrt selbst zu unternehmen. Vielmehr will er einen norwegischen Flieger mitnehmen, und die Absicht ist dann, wenn das Schiff weit genug nach Norden vordringt, einen Flug zum Nordpol zu unternehmen. Natürlich wird Amundsen gegebenenfalls an diesem Fluge als Beobachter teilnehmen. Das Flugzeug soll dann nur den nötigen Mundvorrat und wissenschaftliche Instrumente mit- führen._ Grubenbrand in Oberschlesicn. Beutheu(Obcrfchlcsien), 28. Dezember. Auf dem Hilde- brandtfchacht der Owttes-Segen-Grube in A n tv n i e» h ü tt e crcigucte sich gestern ein Grubenbrand. Zur Zeit des Unfalles waren gegen 120 Mann an der Unfallstelle beschäftigt. Durch Einatmen giftiger Gase sind 12 Mann ums Leben gekommcn. Eine städtische Tchuhsohlerci hat die Gemeinde Mülhausen im Elsaß errichtet. Dort werden Besohlnugen für die Bezieher von 5krieaerfamilicn-, Arbeitslosen- und Almenunterstützung zum halbe 11 ortsüblichen Preise und sonstige Flickarbcitcu zum Selbstkostenpreise hergestellt. Sie werden nicht ausgehungert! Dafür ist Beweis die Speksen- folge für die Uebernahmelommission eines schweren Skodageschützes. vom 20. Oktober 1916. die die„Wiener Arbciter-Zeitung" vcr- öffentlicht: Feiner Jmbttz Kraftbrühe Fogosch mit Tatareutunke Lendenschnitten mit Gemüse Sieirische Poularde mit Dnnstobst und Salat Gefrornes Käse, Obst, Kaffee Sherry. Pilsner Urquell Weißwein, Rotwein, Schaumwein. Wetterkatastrophen in der Schweiz. Bern, 27. Dezember. Immer neue Nachrichten treffen aus allen Teilen des Landes, besonders ans der Westschweiz, über Erdrutsche und Ucberschmcmntnngen ein. Die Bahnlinie Berit— Schwarzeuburg ist eine Strecke weil umerbrocheu. In Ehmupery ist die Lage noch immer gefährlich. In einem Hotel liegt der Schlamm bis ,n den zweiten Stock. Beim AnSgana des Simplontmmelö ritz eine Lawine mehrere Hütten weg. Der Mnrtensee est an einem emzrgen Tage 86 Zentimeter gestiegen. Das untere BroYstal ist ein einziger See. Bei Romont ist eine Mauer auf 30 Meter eingestürzt; die Srratze Roinonl— Bouloz ist auf große Länge verschüttet. Die Sanne ,,r ebenfalls über die User getreten; der Schutzdamm wurde weg- geschwemmt._ Schiffsbrand. Bern, 28. Dezember.„Sccolo" meldet mis Kairo: An Bord eines großen englischen Schiffe? brach ein Brand aus, der trotz der Hilseleismug herbeigeeilter Schiffe nicht gelöscht werden konnlc. Das Schiff wurde fast vollständig zerstört; 21 Eingeborene wurden schwer verwundet, 80 verbrannten. Eingegangene vruckfthristen. Wie spart man beim Hausbau die Hälfte der Vkaurerkosten? F. Paur. 1,80 W., geb. 2,50 W.— H ewikulwrv crlagsgesclls ch aj l, Wie Von Wiesbaden. Das Buch der 1000 Wunder. Von A. Fürst und A. Moszkowöti. G M.. Ret). 8 M.— A. Laugen, München. Mit.Kapitän König iu souuigcu Breiten. Von A. Rchbcin.— Deutsche Zeüimgsgeiellschast, Berlin. Aimanach illuftrt de la Gazette de? RrdenncS ponr 1917. 80 Pi.— Voickinnr. Leipzig. Gereizte Reime. Weis- und Bosheiten ciueS D. U.. von E. Kaiser. 47 S.— Salin-Verlag, Köln. Das Kunstlerwäldche». Maler-, Bildhauer- und Zlrchilcltciiaucldoten von A. vi. Hartmann. 210 S.— B. Cassircr, Berlin IV. LZ. Geistesnahrung in Kriegszeiten, gegeben durch Adclma u. Elise. 60 Pi., geb. l.10 M.— E. Abigt, Wiesbaden. Handbuch der Bcrtretcrwahlcn in der Kraukenverfichcrung. Kommentar zu den Wahlordnungen sür Kranlcnlasscn. Von Friedrich KleeiS, Arbeiteisekrctär in Halle a.'S. 145 S. 2,60 M.— Pcrlag der volkstümlichen Zeitschnst sür praktische Arbeiterversicherung, BerlinI»IIIIIlIII»ll»lllIIIIfIIIIlIll»lIlIfIIIIIll»UIIIItzI>lIII!llIIIllgf!fllIIIIlIIIIIIggIiIIIlltlllIßf/� l Vorwäris-Katender I HemesWerke 3 Bände 5 Mar»» Buchhandlung vorwärt» 239/14 Aerztlioh geleitete Heilanstalt für naturgemäße Heilweise; Licht- u. Elettro-Therapte. 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Druckm Verlag: Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin£28.83,