Ar. 357. 33. Jahrg. RbenntmentS'Btdliwiiwi! KJonnfment»•*tft» trftmnnetmi«' «terlkljShrl. 8,90 Mk. monaJL L30 Ml. «vöchnllllch 80 Pig. fr« tnl Hau». Einzelne Nummer b Sfj. Konnlag». nummer mü iHuftriertet Konntag». Beilage.Die Neue Bell* 10 Pia, Post. Abonnement: ILO Marl pro Monat. Ainoelragen in die Posl. Zeitung». Preislisie, Unier Kreuzband chr Deutichland und Oesterreich, Ungarn UO Mark, für da» übrige Ausland » Marl vro Monat. Postabonnement» nehmen an Belgien. Dänemark nollanb, Italien. Luxemburg, Portugal. nänien. Schweden und die Schwei» erscheint UgNch. NOC W Verlinev VolklsblsK. ( 5 Pfennig) Die InfcrflonS'Gebaijr »efrSgt sür die sech»gest>altene Kolonel- »eile oder deren Kaum 60 Psg,, für »olitische und gewerlschasiliche Verein». und Versammlung»» Anzeigen 80 Psg, »Aleine Zn-eigen", da» leilgedruckie Wort 20 Psg,(zulSifig 2 seiigedruckie .Wortes, jede» weitere Wort 10 Psg. K:elleng«uche und Echlasstellenan- »eigen da» erste Wort 10 Psg,, jede» »«lere Wort b Psg, Worte über 15 Buch. Itaben zählen für zwei Sorte. Inserate für die nächste Nummer müssen hi» 6 Uhr nachmittag» in der Expedition »dgegeden werden. Die Expeditton ist bit 7 Uhr abend» geöffnet. Delegramm-Adreffe: .StxlaldtBOknl Btrlli". Zentralorgan der fozialdeniobratlfAen Partei Deutfcblands. Neüaktion: EW. 68, Linüeastraße 3. Kerniprecher: Amt Moriuvlau. Rr. 1S1 SV— 151 97. Sonnabend, de« 30. Dezember 1916. Expedition: EW. 68» Lindenstraße 3. Nerni'vrrcher: Amt Morttzplatz. Nr. 751 90—151 97. Erkolgc des Ö-Boot-Kreuzerhriegs. 408500 Conne« im ffovember. Erfolgreiche deutsche Vorstöße am„Toten Mann"— Russische Stellungen der fiebenbürgischen Ostfront gestürmt— Weiteres Vorstoßen über den Rimnieub Abschnitt— Rachel westlich Jsaccea genommen. Amtlich. Großes Hauptquartier, 29. De- zember 131K.(W. T. B.> Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz. Auf dem Westufer der Maas fährteu gestern an der Höhe 304 und am Südhang des.Toten Manueö" Teile der Infanterie- Regimenter Nr. 13 und 155 und des Füfilier-RegimentS Nr. 37. sämtlich von der Somme her rühmlichst bekannt, Borstöße in die französischen Stellungen ans. Eingehende Borbereitung durch Artillerie und die durch ihre Wirkung der Infanterie unentbehrlich ge- wordenen, bewährten Minenwerfer bahnten den Stoßtrupps den Weg bis in die zweiten und dritten Linien der feind- lichen Stellunge«, aus denen 222 Gefangene, dabei vier Offiziere, und 7 Maschiurugewehre zurückgebracht wurden. In den genommenen Gräben wurden mehrere, auch nachtS wiederholte Gegenangriffe �der Franzosen abge- wiesen. Am Walde von Cheppy uud Malancourt holten sich wackere Württemberger und Badener mehrere Gefangene auS der feindlichen Stellung. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des G e n e r a lf e l d m a r f ch a ll s Prinz Leopold von Bayern. Nichts Wesentliches. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph. Der Südflügel der Heeresgruppe nnter dem Befehl des Generals der Infanterie von Gerok hat sich in Ueber- rinstimmnng mit den Bewegungen in der Großen Walachei in dem Gebirge ostwärts vorgeschoben. Deutsche und österreichisch-ungarische Troppen haben in dem schwierigen Höheugeläode der Ostfront von Siebenbürgen mehrere hintereinander liegende Stellungen gestürmt. Dabei wurden 1400 Russen und Rumänen gefangen, 18 Maschinengewehre nnd 3 Geschütze erbeutet. Heeresgruppe des G e n e r a l f e l d m a r s ch al l s von Mackensen. Auf dem linken Flügel der 9. Armee brachen bayerische and österreichisch-ungarische Truppen nnter Führung de» Generalleutnants Krafft v. Telmensingen im Gebirge starken Widerstand der verbündeten Gegner und erreichten Dumitresti, 20 Kilometer nordwestlich von Rimnicul Sarat. Der rechte Armeeflügel stieß zwischen dem Rimnicul- Abschnitt und dem Lauf dcö Buzaul nach Nordosten vor, nahm mehrere zäh verteidigte Dörfer und ließ dem weichenden Rossen keine Zeit, sich in vorbereiteter Stellung am Seen-Abschnitt zu setzen. Lei diesen Kämpsen zeichnete sich das Westpreußische Jnfanteric-Regiment Nr. l48 ans. An Gefangenen vom 28. Dezember find über 1400 Russen, an Beute 3 Geschütze und mehrere Maschinen- gcwehre eingebracht. In der Dobrudscha ist Rachel genommen. Mazedonische zsront. Keine besonderen Ereignisse. Ter Erste Generalquarticrmeistcr. Ludendorff. » Die H-Doot-Deute im November. Berlin.?9. Tezcmber. Amtlich. I« M-nal Ro- vembcr sind 138 feindliche Handclsjahrzeuge von inj- gesamt 314 500 Brutto-Rcgisiertonnea durch kriegerische Maß- nahmen der Mittelmächte verloren gegangen; davon find 244 500 Tonnen englisch, Außerdem sind 53 neutrale Handels fahrzcuge mit 94 000 Brutto- Registertonnen wegen Beförderung von Bann» waren zum Feinde versenkt worden. DaS MonatScrgriniS de- trägt also insgesamt 408 500 Tonnen. Seit KrirgSbeginn find damit durch kriegerische Maßnahmen der Mittelmächte 3 636 500 Tonnen feindlichen Handels- fchiffSraumS verloren gegangen, davon find 2 794 500 Tonnen englisch. Der Ehef des AdmiralstabeS der Marine. » Damit ist die Rekordziffer vom Oktober noch übertroffen. In diesem Monat waren bekanntlich 306 500 Tonnen an feindlichen, 87 000 Tonnen an neutralen Schiffen, insgesamt also 393 500 Tonnen amtlich als versenkt gemeldet worden. Im September waren es 254 600, in den Monaten Juli-August 273 779, Mai-Juni 219 000, März-April 432 000, Januar-Februar 238 000 Tonnen gewesen. Der Gesamt- erfolg des Jahres 1916(ausschließlich Dezember) stellt sich also jetzt nach den amtlichen ivieldungen auf 2 229 379 Tonnen. Oer öfterreichische Bericht. Wien, 29. Dezember 1916. sW. T. B.) Amtlich wird verlautbe«: Oestlicher Kriegsschauplatz. Nordöstlich und nördlich von Romnicu-Sarat drängt die Armee des Generals von Falkenhayn den Feind von Stellung zu Stellung zurück. I« Hochgelände nordwestlich der genannten Stadt wurde er durch die österreichisch-nngarischrn und bayerischen Truppen de? Generals Krafft von Telmensingen erneuert ge- worfen. Die zu diesen gehörende Kampfgruppe des Feld- warschalleutnantS Ludwig Goldinger steht vor DeduleSci im Kampf. Auch der Südflügel der vom Generalobersten Erzherzog Joseph befehligten HcrrcSfrvnt hat sich dem Angriff ange- schloffen. Lestrrreichisch-ungarische und deutsche Kräfte entrissen dem Feind im Oberen Zabala-, Raruja- und Pulna-Tal eine Reihe stark auSgebanter Stellungen und erstürmten bei Harja, nordöstlich von SooS-Mezi feindliche Linien. Ter Feind ließ bei den gestrigen Kämpfen in der Walachei und im Gebirge westlich von Focsani 3V00 Gefangene, 6 Geschütze und über 2V Maschinen- gewrhre in unserer Hand. Weiter nördlich keine Kämpfe von Bedeutung. Ein österreichisch-ungarisches Flugzeuggcschwadcr belegte am 27. d. MtS. den von feindlichen Truppen stark besetzten Bahn- hos von Onrsri mit Bomben. Mehrere Gebäude gerieten in Brand. Italienischer Kriegsschauplatz. Auf der Karsthochfiäche war daS italienische Artilleriefeucr gestern ledhafter alS in den vergangenen Tagen. Im Wippachtale schoß einer unserer Kampfflieger ein feindliches Flugzeug ab. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unverändert. Ter Stellvertreter de? ChefS de? Gencralstobe«. v. H 0 c f e r, Feldmarschallcutnant. Schwere UoDoot-Dente im Eismeer. ©in deutscher Dampfer als russisches Munitionsschiff wiedererobert. Berlin, 29. Tezcmber. Eines unserer Unterseeboote hat vor einiger Zeit im nördlichen Eismeer östlich vom Nordkap den Dampfer „Suchan" der russischen Freiwilligen- Flotte aufgebracht. Ter Dampfer war mit Kriegsmaterial beladen und befand sich auf dem Wege von Amerika nach Archangelsk. Nachdem die russischen Schiffsoffiziere als Gefangene auf daS Unterseeboot genommen und ein deutscher Seevffizier mit einigen Unteroffizieren die Führung dcS Dampfers übernommen hatte, wurde dieser, begleitet von dem U-Boot, nach einem deutschen Hasen gebracht. Hier stellte sich heran?, daß eS der von den Russen bei Kriegs- ausbruch im Hafen von Wlabiwoftock beschlagnahmte Dampfer der Hamburg-Amerika-Linie„Sprzia" war. Die einen Wert von vielen Millionen darstellende Ladung des Dampfers bestand aus: 100 600 7,5 Zentimeter Schrapnells, 75 000 7,5 Zentimeter Sprenggranaten, 150 000 3,7 Zentimeter Patronen, 250 000 Zündern für Sprcnggranaten, 100 000 Zeitzündern, 125000 Zündschrauben, 150 000 Kilogramm Trinitrotoluol shochwertiger Sprengstoff, 175 006 Kilogramm Röhrenpulver, 40 000 Kilogramm Schwarzpulver, 127 30-Zentimeter> Geschossen, 150 Zylindern mit Säure, 1230 060 Kilogramm Blei in Barren, sieben Lastautomobilen, zweihundert Ballen Sohlenleder, fünfhundert Spul« Stacheldraht uud 6000 Stück Siseniahnschienen. die Kriegsernährung im neuen Erntejahr. Batocki und Mermuth. Ter Präsident des Kriegsernährungsamtes hat an sämt- liche Bundesregierungen ein Rundschreiben gerichtet, das namentlich der Lebensmittelversorgung der Per» b r a u ch e r- Gemeinden neue Aufgaben zuweist. Herr von Batocki geht davon aus, daß das nächste Erntejahr die Lebensmittelversorgung vor neue schwierige Aufgaben stellen wird. Neben der Förderung d e r E r- zeugung bedürfen namentlich die Zuführung ge- nügender Waren in die Städte und In» d u st r i e b e z i r k e vorausschauender Fürsorge. Die zen- trale Bewirtschaftung mit Beschlagnahme und Festsetzung von Höchstpreisen sei bei wenig verderblichen Lebensmitteln wie Getreide usw. gut durchführbar, bei leichter verderblichen wie Kartoffeln, Fleisch, Butter, Milch weit schwieriger. Hier solle ein besserer Ausbau der Organisation helfen, ebenso bei Fischen und Käse. Eine Reihe weiterer Lebensmittel dagegen entziehen sich qach Herrn von Batockis Ansicht ihrer Statur nach der Be- wirtschaftung durch die Zentralstelle. Die Versuche, sie durch Festsetzung— voir Hö�h st p r ei se n allein den Minderbemittelten zugänglich zu machen, seien gescheitert, weil durch die Höchstpreise die Waren den Städten und In- dustriebczirken ferngehalten wurden und aus- schließlich den Erzeugern und den in der Nähe der Erzeugungsorte wohnenden Verbrauchern zugute ge- kommen sind. Herr von Batocki kommt zu dem Schluß: Jeder Höchstpreis ohne, öffentliche Bewirtschaftung hält die Ware vom Bedarfsort fern. Läßt man dagegen, wo die öffent- liche Bewirtschaftung unmöglich ercheint, unter Abstandnahme von Höchstpreisen die Entwicklung frei laufen, so wird zwar— der diesjährige Gänsehand el gibt dafür ein deutliches Beispiel— die Ware den großen und verhältnismäßig zahlungs- fähigsten Städten zugeführt. Der Andrang der Käufer, die bereit sind, fast jeden Preis zu zahlen, zu solcher Ware wird dann aber so groß, daß die Preisentwicklung völlig ungesund wird und der Minderbemittelte die Ware über- Haupt nicht erhalten kann. Eine gänzliche Beseitigung dieser Mißstände hält Herr von Batocki während der Tauer der Kriegswirtschaft nicht für möglich. Er meint aber: Wesentlich� eingeschränkt können sse aber werden, wenn die Städte und größeren Landgemeinden das bei den Schweinemast- Verträgen schon mit Erfolg eingeführte System der frühzeitig zwischen Brdarfögcmeinde und Erzeugcrvrganisativn abzu- schlicsirndcn Licfcrungsvcrträge weiter ausbauen und auf Er- zeugnisse wie Frühkartoffeln, Gemüse, Kohl, Ob st, Geflügel, unter Umständen auch auf Vollmilch und Magermilch ausdehnen. Dadurch kann zugleich die wichtige Aufgabe besser als bisher gelöst wenden, die erzeugten Waren richtig zwischen dem Fvischverbrauch im Sommer und Herbst und der Konservierung für Winter und Frühjahr zu verteilen.... Durch solche frühzeitig abgeschlossenen Lieferungsverträge, die den Erzeugern die Abnahme ihrer Erzeugnisse gegen Barzahlung zu an gemessenem Preise sichern, kann die Erzeugung der für das nächste Jahr besonders wichtigen Waren, wie Frühkartoffeln, Ge- müse, Kohl, Beerenobst wesentlich gesteigert werden.. Ein Zwang zum Vorgehen in diesem Sinne kann von den Zentralstellen auf die Gemeinden nicht ausgeübt werden. Um die Vorbereitungen rechtzeitig treffen zu können, muß schleunigst mit der Arbeit be- gönnen werden. Dieses Rundschreiben ist von den Beteiligten mit etwoS gemischten Gefühlen aufgenommen worden. Wie die „Deutsche Städtc-Korrespondenz" erfährt, hat der Vor- stand des Deutschen Städtetages sofort vor- läufig Stellung genomnien, und zwar durch ein Schreiben seines Vorsitzenden, des Oberbürgermeisters Mermuth» an den Präsidenten des Kriegsernährungsamts, in dem es heißt: Ter Gedanke des Abschlusses von LieferungSverträgen hat schon bisher den deutschen Stadtverwaltungen nicht ferngelegen. Tie vielfach betätigten und bereits- in Ausführung begriffenen Verträge sind aber mehrfach gerade durch Maßnahmen des Kriegs- ernährungsamts oder der ihm unterstellten Rcichsstellen rechtlich oder praktisch aufgehoben worden, wie zum Hvispiel im Gebiet der Wcißkohlbeschaffung. Ein besonderer Erfolg zugunsten der städti- scheu Volkscrnährung könnte dann eintreten, wenn die Städte beim Abschluß der Verträge nicht ausschließlich auf die Bereitwilligkeit der beteiligten Landwirte angewiesen, sondern Matzregeln ergriffen werden, die den Vertragsabschluß zu angemepenen Preisen den Landwirten auch vom privatwirtschaftlichen Standpunkt aus als zweckmäßig erscheinen lassen. Aus diesem Grunde liegt unsere» Erachtens, ohne uns damit zum Abschluß von Verträgen über Lieferung von Gemüsen usw. äußern zu wollen, das Schwer- gewicht bei denjenigen Verträgen, wo das Reich, sei es durch di« Städte, sei eS unmittelvar, die«rforderltchen Futtermittel den Landwirten überläßt und mit der Vertragserfüllung als Gegen- leistung in Verbindung bringt. Weiter wird in dem Antwortschreiben darauf hinge- wiesen, daß gerade von städtischer Seite die Ausgestaltung der Schweincmästungsverträge stets nachdrücklich gewünscht worden ist, während die staats- behördlichen Stellen diese Lieferungsverträge erschwert haben. Eine eingehende Stellungnahme behält der Vorstand einer Erörterung in seiner Gesamtheit vor. Hier liegt ein neues Eingeständnis des Kriegsernährungs- amtes vor, wonach die Hauptschwierigkeit für eine gerechte Ver- teilung der Nahrungsmittel in dem passiven Wider- st and der Erzeuger liegt, die, wenn ihnen Wucher- gewinne durch Höchstpreise unterbunden sind und eine Be- schlagnahme nicht droht, nach Herrn von Batockis eigenen Worten dann einfach das gesamte Erzeugnis für ihren Verzehr behalten. Tie von sozialdemokratischer Seite im Reichstag gemachte Feststellung, daß man auf dem Lande noch immer reichlich lebe, wurde von der Rechten mit Entrüstung zurückgewiesen. Hier bringt das Kriegsernäh- rungsamt die Bestätigung. prastöent Wilsons Zrieöensaktion. Sympathieerklärung der skandinavischen Regierungen. Der schwedische Geschäftsträger, der dänische Gesandte und der norwegische Gesandte haben im Auftrage ihrer Re- gierungen gestern den auswärtigen Aemtern in Berlin und Wien gleichlautende Noten überreicht, die wir nachstehend in deutscher Uebersehung wiedergeben: Die Königliche Regierung hat mit dem lebhaftesten Interesse von den Vorschlägen Kenntnis genommen, die der Präsident der Ber- einigten Staaten soeben gemacht hat, um die Maßnahmen zur Her- stellung eines dauerhaften Friedens zu erleichtern. Wenn sie auch jede Einmischung zu vermeiden wünscht, die legitime Gefühle ver- letzen könnte, so würde die Königliche Regierung ihre Pflichten gegenüber ihrem eigenen Volke und gegenüber der gesamten Menschheit nicht zu erfüllen glauben, wenn sie nicht ihre tiefste Sympathie für alle Bestrebungen ausdrücken würde, die der fortgesetzten Steigerung von Leiden sowie von moralischen und materiellen Verlusten ein Ende setzen könnten. Sie gibt sich der Hoffnung hin, daß die Initiative deS Präsidenten Wilson würdig der hochherzigen Gesin- oung, von der ihr Urheber beseelt ist. » Wie der Kopenhagener Korrespondent der„Frankfurter Zeitung" aus guter Quelle erfährt, sollen von Neu- tralen Verhandlungen mit Holland und Spanien über die Unterstützung der Friedensaktion Wilsons im Gange sein. Auch Vertreter nichteuropäischer Neutraler werden informa- torisch über den Gang der Verhandlungen auf dem Laufen- den gehalten. Wie derselbe Korrespondent erfährt, würde sich die ch i- nesische Regierung von einer gemeinsamen Friedens- aktion der neutralen Mächte kaum ausschließen, Die Friodenssehnsucht in China sei stark. » Sozialdemokratische Sympathietelegramme. Kopenhagen, 29. Dezember.(Meldung des Ritzauschen Bureaus.) Die dänische Sozialdemokratie sandte gestern an Wilson folgendes Telegramm: Die dänische Sozialdemokratie wünscht ihre Sympathie mit Ihrer Friedcnsnote vom 21. Dezember und. ihre innigsten Wünsche auszudrücken, baß Ihre Bestrebungen für eine Beendigung des Welt- kriegrS und für die Herstellung eineS dauernden Friedens von Er- folg gekrönt werden. Kristiania, 29. Dezember.(Meldung des Ritzauschen Bureaus.) Die Hauptleitung des norwegischen Arbeiterver- eins sandte an Wilson folgendes Telegramm: Die norwegische Sozialdemokratie, die ein Drittel der nor- wegischen Wähler ausmacht, sendet ihre Zustimmung zu der ener- gischcn Arbeit deS Präsidenten für die Beendigung der Kriegsbarbarci und die Herstellung eines dauernden Friedens. Die deutsche Antwort an Wilson. Washington, 28. Dezember.(Reutermeldung.) Der Text der deutschen Antwort auf die Note Wilsons ist heute hier angekommen. Basel, 29. Dezember. Die Antwort an Wilson ist, wie der Pariser Korrespondent der„Basier Nachrichten" meldet, in Frankreich mit Befriedigung aufgenommen worden, weil man eine Ablehnung der wichtigsten Punkte des amerikanischen Vorschlages herausliest. Die? erleichtere der Ententcdiplomatie ihre noch nicht gelöste Auf- gäbe zur Beantwortung von Wilsons Rote. Eine erläuternde Note Wilsons für England. Der Londoner Korrespondent des Manchester„Guardian" meldet, daß in London eine zweite, erläuternde amerikanische Note eingetroffen sei. Der Korre- spondent erfuhr aus diplomatischen Kreisen, daß ihr Wort- laut nicht derart sei, um die Haltung der Entente zu ändern. Die Entente werde mit der Antwort nicht zögern; England dürfte die seinige am Sonnabend absenden. Diese Nacbricht von einer zweiten Note, die Wilson der ersten nachsandte, erinnert an ein ähnliches Verfahren, das die amerikanische Regierung unlängst anwandte, als man in London eine erste und sogar zweite Note nicht zu verstehen schien. Indessen handelte es sich dabei um eine Angelegen- heit, deren Wichtigkeit sich mit der jetzt in Frage stehenden durchaus nicht messen kann. Es fällt aber auf, daß neben der zweiten Mlson-Note, die zwar nach England, nicht aber nach Berlin erging, ein Artikel der sonst ententefreundlichen New Norker„Tribüne" bekannt wird, der die Ententeländer, besonders England, vor optimistischen Täuschungen über die Kriegsausfassung der Amerikaner warnt._ Die Verzögerung öer Antwort üer Entente. Lugano, 28. Dezember.(T. U.) Die„Stampa" drückt ihr Bedauern aus über die Verzögerung der Antwort der Entente auf das Angebot der Mittelmächte. Durch die geographische Lage sei die Entente allerdings benachteiligt, aber es existieren ja Telegraphen, die eine Verständigung er- möglichen. Auch für die Diplomatie sei die Zeit wertvoll, welche die Feinde bei den Neutralen zu ihren Gunsten aus- beuten. Deshalb sei größere Eile seitens der Entente sehr zn wünschen.„Corriere d'Jtalia" bedauert gleichfalls den Zmt- Verlust, welcher der Entente zwar erlaube, alle Karten des diplomatischen Spiels einzusehen, aber auch die D e u t u n g � zulasie, daß der diplomatische Organismus des Vierverbandes unter angeborenen Schäden, Langsamkeit und Unsicherheit leidet. Nach einer besonderen Information bereite es den Engländern peinliche Verlegenheit, daß der Zar als russisches Kricgsziel „K o n st a n t i n o p e I" betonte. Erklärung üer französischen Fraktion in üer Kammer. „Mehr Licht." Bei der Beratung und Annahme des Budgetzwölftels verlas Renaudel im Namen der Fraktion eine in der „Humanite" vom 23. Dezember abgedruckte Erklärung, in der es heißt: Der Feind hat soeben Verhandlungen angeboten. Ob das Angebot ein Manöver oder ein ehrlicher Appell ist, so dürfte es doch bei allen Völkern den Wunsch nach der Rückkehr zum Frieden,— zu einem dauerhaften und organisierten Frieden— erwecken. Tie Völker der Verbandsmächte, die die schwersten Opfer auf sich genommen, haben ein Recht, von ihren Regierungen eine klare Einsicht zu verlangen, die ihnen eine nutzlose Verlängerung der Geißel erspare und die Verbandsvölker sowie die ganze Menschheit vor einer Ueberraschung schützen würde, aus der ein neuer Krieg entstehen könnte. Je mehr wir von unserer Regierung verlangen werden, ein ge- naues Angebot, das noch gemacht werden mag, nicht ohne Prüfung und nicht ohne tiefe Gründe, die öffentlich bekannt zu machen sind, abzulehnen, desto mehr bestehen wir darauf, daß der Feind fein An- gebot so klar fassen soll, daß es weder eine Falle noch ein Manöver in sich birgt. Treu den republikanischen Ueberlieferungen, waren wir bestrebt, daß Frankreich im Jahre 1914 nicht angeklagt werden kann, daß es den Krieg provoziert habe, und die Verbandsmächte haben ein Eini- gungS- und Schiedsverfahren vorgeschlagen, das zurückgewiesen wurde. Es hätte die Katastrophe verhüten können. Diese tiefe Ueber- zeugung von der unmittelbaren Verantwortlichkeit für den Krieg ist derart, daß sie den einmütigen Schwung der Nation und die Begeiste- rung unserer Soldaten hervorrief und zu den Siegen an der Marne, in Flandern, an der Somme und bei Ver- dun führte. Tie Vcrbandsmächte können die Verantwortlichkeit für die Ver- längcrung des Krieges ebensowenig übernehmen, wie für dessen Ausbruch.(!?) Wir wünschen, daß sie für den Frieden ebenso einig bleiben, wie sie es im Kriege sind, und daß sie in Erfahrung bringen sollen, ob Deuffchland nicht nur in Worten, sondern auch in der Tat für die Sache der Menschlichkeit gewonnen ist. Deshalb sollten sie klar und laut antworten. Jetzt verlangt auch der Präsident der Vereinigten Staaten, daß die Kriegführenden ihre Ansichten über die Kriegs- ziele kundgeben sollen. Wir wollen den Absichten nicht vorgreifen. Wir wollen nur, daß die Kriegführenden sowohl wie die Neutralen, vom Streben nach Recht und Gerechtigkeit geleitet, zusammen ar- beiten möchten, um mehr Licht zu erhalten. Unsere Feinde können es nicht mehr bei bloßen Andeutungen bewenden lassen. Sie müssen ihre Worte vollständig aussprechen. Wir fürchten nicht, daß sie die Soldaten der Re- publik in Unruhe versetzen könnte, die, um den Frieden wieder zu erobern, den Ruhm des Vaterlandes gesichert haben. Möchten doch unsere Regierungen vor aller Welt kundtun, daß die verbündeten Völker, die immer den Frieden gewollt und den Krieg nicht gefürchtet haben, für jede Lösung zu haben sind, die, nachdem sie die Un- gerechtigkeit der Gewalt wieder gutgemacht hat, die Gesellschaft der Nationen organisieren wird zum Heile der Zivilisation und der freien Entwicklung der Menschheit. Tie Resolution schließt:„In diesem Geiste und für diese Ideen stimmen wir für die Kredite, die man von uns ver- langt!" Wir haben schon wiederholt gesagt, daß wir die Auf- stellung eines umfassenden Friedensprogramms durch einen der beiden kriegführenden Teile für unmöglich halten, da der Frieden eben nicht aus Diktat oder Unterwerfung, sondern nur durch gemeinsame Beratungen zustande kommen kann. Tie Fragen, die die Franzosen zunächst interessieren, sind aber so einfach, daß ihre Loslöfung vom Komplex des Gesamt- Problems wohl möglich wäre. Hätten die Franzosen etwas schärfer nach Teutschland herübergehört, so wüßten sie ohne- hin längst, woran sie sind und daß ein Grund, den Kriegfortzuführen, fürsienichtmehrbe st eh t. der Aar für öen Krieg. Konstantinopel muff russisch werden. Petersburg, 28. Dezember.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Der Oberbefehlshaber richtete am 25. Dezember an Armee und Marine folgenden Tagesbefehl: Mitten im tiefen Frieden griff Deutschland, das sich seit langer Zeit heimlich darauf vorbereitete, alle Völker Europas sich zu unterwerfen, vor nunmehr über zwei Jahren plötzlich Rußland und seinen treuen Verbündeten Frank- reich an, was England zwang, sich mit nnS zu verbinden und an dem Kampfe teilzunehmen. Die vollkommene Mißachtung der Grundsätze des internationalen Rechts, wovon Deutschland Proben ablegte und die sich in der Verletzung der belgischen Neutralität sowie in der unbarmherzigen Grausamkeit der Deutschen gegen die friedliche Bevölkerung in den von ihnen besetzten Ge- bieten ausdrückte, vereinigten allmählich alle großen Mächte Europas gegen Deutschland und das ihm verbündete Oesterreich. Unter dem Druck der deutschen Armee, die dank ihrer technischen Mittel außerordentlich stark war, wurden Rußland ebenso wie Frankreich im Laufe des ersten Kriegsjahres gezwungen, dem Gegner Teile ihre» eigenen Gebietes zu überlassen. Dieser zeitweilige Mißerfolg jedoch schlug nicht den Geist unserer treuen Verbündeten, noch den curigcn, meine tapferen Truppen, nieder. Gleichzeitig wurde dank der Anspannung aller Kräfte des Landes der Unterschied zwischen unseren technischen Mitteln und denen der Deutschen allmählich ausgeglichen. Indessen konnte der Gegner schon lange vor dieser Zeit, bereits im Herbste 1915, sich keines Stückchens russischer Erde mehr bemächtigen, während er im Frühling und Sommer 1919 eine Reihe furchtbarer Niederlagen erlitt und an unserer ganzen Front von der Offensive zur Defensive überging. Augenscheinlich erschöpfen sich seine Kräfte, während die Macht Rußlands und seiner tapferen Verbündeten unfehlbar andauernd wächst. Deutschland fühlt, daß die Stunde seiner endgültigen Niederlage, die Stunde der Vergeltung für alle Rechtsbrüche und die von ihm begangenen Grausamkeiten nahe ist. Deshalb denn schlägt Deutschland ebenso, wie es zur Zeit seiner Ueberlegenheit an Kampfkräften über die Kräfte seiner Nachbarn ihnen plötzlich den Krieg erklärte, jetzt, da eS sein Schwächerwerden empfindet, den alliierten Mächten, die sich gegen Deutschland Gefolgschaft leisten, indem sie eine unlösbare Gruppe bilden, plötzlich vor, FriedenSvorbesprechungrn zu beginnen. Natürlich will Deutschland diese Unterhandlungen beginnen, bevor der Grad seiner Schwäche vollkommen an den Tag kommt und vor dem endgültigen Verlust seiner Widerstandskraft. Gleichzeitig versucht es, um lügenhafte Vorstellungen über die Stärke seiner Armee zu schaffen, seinen zeitweiligen Erfolg in Rumänien zu benutzen, daS noch keine Zeit hatte, Erfahrung über die gegen- wärtige Art der Kriegführung zu erwerben. Aber wenn Deutsch. land die Möglichkeit hatte, Rußland und seinem Verbündeten Frankreich den Krieg zu erklären, und sie zu einer Zejt angriff, die für sie die ungünstigste war, so haben die Alliierten, unten denen sich jetzt das so mächtige England und das edle Italien befinden. nachdem sie sich im Laufe des Krieges verstärkt haben, gegenwärtig ihrerseits die Möglichkeit, Friedensverhandlungen zu beginnen in einem Augenblick, den sie als günstig für sich betrachten werden. Dieser Augenblick ist noch nicht gekommen. Der Gegner ist noch nicht aus den Gebieten vertrieben, deren er sich bemächtigt hatte. Die Erfüllung der durch den Krieg ge- schaffenen Aufgaben Rußlands, der Besitz K-nstantinopels und der Meerengen sowie die Schaffung eines in allen seinen drei gegen- wärtig getrennten Teilen freien Polens ist noch nicht gewährleistet. Gegenwärtig Frieden schließen, würde gleichbedeutend sein mit einer Nichtausnutzung der Früchte der unsagbaren heldenhaften Anstrengungen der russischen Armee und Flotte. Diese An- strengungen, und noch mehr die geheiligte Erinnerung an die tapferen, auf dem Schlachtfelde gefallenen Söhne Rußlands, lassen nicht einmal den Gedanken an Frieden zu bis zum endgültigen Sieg über den Feind, der die Kühnheit hatte, zu vermuten, daß, wenn es von ihm abhing, Krieg zu be- ginnen, eS in gleicher Weise von ihm abhänge, ihn zu beendigen, wenn er es wünsche. Ich zweifle nicht daran, daß jeder treue Sohn des heiligen Rußland, sowohl derjenige, der mit den Waffen in die Reihen meiner tapferen Truppen eintrat, wie derjenige, der im Innern deS Landes arbeitet, um seine Militärmacht zu ver- stärken, oder seine friedliche Arbeit verrichtet, von dem Bewußtsein durchdrungen ist, daß der Frieden dem Gegner erst dann auf- gezwungen werden kann, wenn er aus unserem Gebiete vertrieben sein wird und, endgültig zerschmettert, uns und unseren treuen Verbündeten feste Bürgschaften für die Unmöglichkeit der Wiederholung seines treulosen Angriffes und die feste Sicherheit geben wird, daß er durch die Kraft der Um- stände selbst gezwungen sein wird, die Verpflichtungen zu bc- obachten, die er gemäß dem Friedensvertrag wird auf sich nehmen müssen. Seien wir also unbeugsam in der festen Zu- verficht auf unseren Sieg, und der Allmächtige wird unsere Fahnen segnen und sie von neuem mit unvergänglichem Ruhme bedecken. Er wird uns'einen Frieden gewähren, welcher der Heldentaten meiner ruhmreichen Truppen würdig ist, einen Frieden, für den die zukünftigen Geschlechter euer Gedächtnis segnen werden, das für sie heilig sein wird. Die Weihnachtsschlacht bei Nimnic-Sarat. Telegramm unseres Kriegsberichterstatter? Dr. Adolf K ö st e r. Armee-Oberkommando Falkenhayn, 28. Dezember. Wie mehrere abgefangene Funksprüche beweisen, erhielt die russische Armee bis gestern abend andauernd Befehle, die Rimnic-Stellung unter allen Umständen zu hal- t e n. Durch die siegreiche Weihnachtsschlacht ist sie über den Rimnicflutz geworfen. Die wichtigste Vorstellung zu der be- festigten Sereth-Linie ist in unserer Hand. Die Mitte der 9. Armee steht 36 Kilometer, ihr linker Flügel schon bedeutend näher an Focfani. Der Schauplatz der Schlacht war die am Gebirge entlang� führende Heerstraße Buzeu-Rimnic. Am 26. mittags fand nach starkem Nebel ein erfolgreiches Wirkungsschießen statt. Der nachmittag erfolgende Angriff der 9. Armee beiderseits der Heerstraße überrannte die erste feindliche Stellung und warf den Gegner trotz starken Gegenangriffs durch zwei Re- gimenter aus seiner Stellung. Gegen heftigen Widerstand wurden am selben Abend noch Z o i t a und C o st i e n i genommen. In der Nacht zum 27. setzte sich der Russe nochmals in flüchtig ausgeholte Stellungen fest. Am Morgen wurde der Gegner in neuem Angriff geschlagen. Nachdrängende Truppen stürmten bis Rimnic-Sarat vor. Die wichtige Straßenbrücke am Eingang zur Stadt wurde in letzter Mi- nute vor feindlicher Sprengung gerettet. In den Straßen der Stadt setzte sich der Häuserkampf bis zum Bahnhof am Ortsausgang und den Höhen nördlich der Stadt, die besetzt waren, fort. Weiter südlich kämpfende deutsche Kräfte gewannen im Verein mit österreichisch-ungarischen Truppen ungeachtet schwierigsten Geländes und hartnäckigen Widerstandes stark befestigter Dörfer und Stellungen. Hier, wie rechts an- schließend an die Donau-Armee, ist augenblicklich die ganze Linie im Vorrücken begriffen. Dr. Adolf Köster. Kriegsberichterstatter. Der bulgarische Kriegsbericht. Tojranfee und Macin. Sofia, 28. Tezeniber. Bulgarischer Generalstabsbericht vom 28. Dezember. MazedonischeFront: Nordöstlich vom D o j r a n- s e e versuchte ein Bataillon des Feindes nach heftiger Ar- tillerievorbereitung, gegen die Dörfer B r e st und A k a n d- sali vorzurücken, es wurde aber durch unser Feuer zum Stehen gebracht. Auf den ü-rigen Abschnitten der Front schwaches Artilleriefeuer. Im Vardartale wirkungslos Tätigkeit feindlicher Flugzeuge., Rumänische Front: In der Dobnldscha lebhafter Kampf vor Marin._ Der türkische Kriegsbericht. Kaukasus— Hedschas Konstantinopel, 28. Dezember. Amtlicher Heeresbericht. Kaukasusfront: Auf dem rechten Flügel für uns gün- stige Scharmützel, bei denen wir dem Feinde Verluste zufügten. Im Zentrum wurde ein LngriffSversuch deS Feindes abgewiesen. Im HedschaS vertrieben wir am 23. Dezember die Aufständischen aus Beyar bin Haszany, 139 Kilometer südwestlch von Med i na. Der Stellvertretende Oberbefehlshaber. Ein Gefecht bei Sultanabad. Konstantinopel, 27. Dezember.(W. T. B.) Ter russische Heeresbericht vom 22. November meldet, daß Angriffe der Türken bei Sultanabad(Persien) mit großen Verlusten abgeschlagen und die Türken bis zum Einbruch der Nacht verfolgt worden seien. Demgegenüber erklärt die Agence Milli, daß es keine türkischen Truppen waren, die die Angriffe machten, sondern eine aus. den persischen Stämmen Korlar und Bodari bestehende Frei- Willigenabteilung, die infolge der russischen Grausam- leiten mit der osmanischen Armee zusammenwirkt. Bei allen Zusammenstößen zwischen Türken und Russen in Persien ergriffen diese stets die Flucht.— Der russische Heersbericht vom 30. No- vember meldet die Erbeutung eines Transports von 47 mit Mais beladenen Pferden in der Gegend von Sakiz(Persien). Diese Behauptung ist falsch und läßt keinen Zweifel daran, daß der Zug ein persischer war. Kämpfe liegen Entente-Piraten bei Adalia. Konstakltinopel, 2g. Dezember.(W. T. B.) DaS Kriegspresse- amt berichtet über einen überraschenden Angriff der türkischen Truppen auf eine Bande von etwa 300 griechischen, in französischen Diensten stehenden Piraten, welche die vor der südanatolischen Küste zwischen Adalia und Makri liegende Insel Kehori besetzt hielten und fortwährend Streifzüge und Plünderungen gegen die Bevölkerung der Umgebung unternahmen. Trotz der Bemühungen der Franzosen, Verstärkungen herbeizuschaffen, gelang es den tür- kischen Truppen, die Insel von der Bande vollständig zu säubern. Die Bande hatte 70 Tote und etwa 100 Verwundete. Acht Piraten fielen den türkischen Truppen in die Hände, der Rest entfloh unter Zurücklassung von Munition, Proviant und Vieh. Die französischen Torpedoboote 200 und 409 versuchten, der Bande zu Hilfe zu eilen, aber die türkischen Truppen konnten die ganze Beute zerstören und unversehrt nach der gegenüberliegenden Küste zurückkehren. Später beschossen französische Kriegsschiffe die Insel, sie wird aber gegenwärtig von den türkischen Truppen besetzt gehalten. Die Verluste der Türken betrugen nur drei Tote. Der Bericht besagt, daß die Franzosen seit einiger Zeit durch Banden und allerlei Individuen in einer einer Kulturmacht unwürdigen Weise unter dem Schutz ihrer Kriegsschiffe die türkische Küste angreifen und die friedliche Küstenbevölkerung drangsalieren. Die Schlacht an öer Somme In öen Monaten August bis November. in. Aus dem Großen Hauptquartier wird abschließend ge- schrieben: Diese letzte Erscheinung: das Wirksamwerden unserer artille- ristischen Verteidigung, bezeichnet die große Wendung in der E n t w i ck l u n g der Sommeschlacht. Nach dem Tiefpunkt, den der 2ö. September für uns bedeutet, kommt unser Anstieg um so be- beutnngsvoller zur Geltung. Beim Wiederbeginn der feindlichen Offensive um die Wende vom August zum September befand der Feind sich im Besitze sorgsam angesammelter ungeheurer Massen von Kampsmitteln. Die Ogani- sation unserer Verteidigung hatte mit der fortdauernden Steigerung der feindlicben Angriffskraft nicht gleichen Schritt halten können. Erst gegen Ende September war es gelungen, unseren artilleristischen Rückhalt so weit zu kräftigen und auszubauen, daß eine planmäßige Niedcrkämpfung der gesamten feindlichen Streitkräfte und inSbeson- dere ein Ineinandergreifen und Zusammenwirken der Artillerie aller Abschnitte zur Niederhaltung feindlicher Angriffsgelüste eingerichtet werden konnte. Es ist das Kennzeichen der Kämpfe des Oktobermonats, daß nunmehr auch die heftigsten feindlichen Angriffe unter ungeheuren Mcnschenverlustcn fast ohne jeden Erfolg an der erstarkten� Front unserer Sommelämpfer abprallen. Und dabei haben die feindlichen Anstürme im Oktober keineswegs nachge- lassen. � Ihre artilleristische Vorbereitung bat sich wo- möglich noch gesteigert und der rücksichtslose Ein- satz gewaltiger Truppenmassen, die vielfach in geschlos- senen Verbänden wider unsere Feuerlinie geworfen werden, be- kündet auks deutlichste die wilde Entschlossenheit unserer Feinde, um jeden Preis die Sommeschlacht zu dem gewollten Ziele zu bringen. Für die allgemeine Lage während des Oktobers ist kennzeich- nend, daß zunächst die Versuche, die Gesamtfront der Schlacht an ihrem nördlichen Flügel zwischen Gommecourt und T h i e p- val zu verbreitern, fortdauern, wenn auch erfolglos. Dagegen hat der Feind seine Versuche, Peronne zu erreichen, bisher nicht wieder aufgenommen, und im Abschnitt von BouchaveSnes herrscht ver- hältnismäßige Ruhe. Der Schwerpunkt der französischen Angriffs- abstchten liegt während des Oktobers bei dem Dorfe S a i l l h- Saillisel. Südlich dieses Dorfe? zieht sich der St.- Pierre- Vaast-Wald, der in eine Festung umgewandelt ist. Hier war nach dem Verlust von BouchaveSnes am 12. September das feindliche Vor- dringen durch die Kräfte derselben jungen Reservcdivisionen, welche jene Schläge empfangen hatten, zum Stehen gebracht worden. Seit- dem hat der Wald allen feindlichen Anstürmen getrotzt. Da weder hier noch weiter südlich an ein Durchkommen zu denken war, so hat der Franzose die ganze Kraft seiner Anstrengungen auf die nörd- sich dieses Waldes gelegene Ortschaft Sailly geworfen. Aber obwohl er diese im wesentlichen in seine Hand gebracht hat, ist es ihm bisher nicht gelungen, den Durchbruch zu erzwingen. Gleich heftig stießen während des Oktobers die Engländer in immer wiederholten Anläufen vor, deren Hauptkraft gleichfalls in nordöstlicher Richtung auf Bapaume zu den Durchbruch zu er- zwingen suchte. Im Abschnitt der Engländer wie der Franzosen hat fast jeder Tag bis zum 23. die schwersten Angriffe gebracht. Aber auch unsere Truppen haben sich im letzten Monat auf die erfolgreiche Abwehr der feindlichen Angriffe nicht mehr beschränkt, sondern sind in sehr vielen Fällen zur aktiven Führung übergegangen und haben dein Feinde öfter in schneidigem Gegenangriff die kaum gewonnenen Errungen- schaften wieder zu entreißen vermocht. Als.Großkampftage' ragen aus der Masse der feind- sichen Anstürme der 1., der 7., der 13.. der lö. und der 23. Oktober hervor. Die Zeiträume, innerhalb deren sich die ganz großen feind- Ilchen Anstrengungen folgten, waren also noch kürzer geworden als m den rtiiheren Monaten. Während aber im September jeder der- artige große Durchbruchsversuch dem Feinde erhebliche Fortschritte und auch Beute an Gefangenen und Material gebracht hatte, sind im Oktober alle, auch die gewaltigsten Anstrengungen des Feindes an der opferfrohen Hingabe unserer nunmehr selbst an die ungeheuer- lichste Artillerievorbereitung gewöhnten und ihr mit unerschütter- lichem Kampsesmut trotzenden Infanterie und der erstarkten Artil- lerieunterstützung mit allcrschwersten Verlusten für den Feind ge- scheitert. Die unbedeutenden Fortschritte, die der feindliche Massen- einsah an Mannschaften und Munition hier und dort erzielen konnte, stehen außer jedem Verhältnis zu seinen Opfern. Am 23. Oktober hatte der Feind noch einmal größte Kraftent- faltung eingesetzt, ohne etwas anderes als Verluste von bisher un- erhörter Höhe zu erzielen. Seitdem hat die letzte Oktobcrwoche ein deutlich erkennbares Nachlassen der feindlichen Anstrengungen gebracht. Wo Angriffsabsichten bemerkbar wurden, gelang es in den meisten Fällen schon unserer Artillerie, sie 'm Keim zu ersticken. Wo sie zur Durchführung kamen, wurden sie verlustreich abgewiesen. .Am 5. November indessen raffte der Feind die ganze Feuer- kraft seiner Artillerie und sehr bedeutende infanteristische Kräfte zu einem neu en gewaltigen Vorstoß gegen die Front der Armee Beiow zusammen. Aus einer 20 Kilometer breiten Front zw:'ck!cn L e S a r s und Bouchavesnes griffen Engländer wie Franzosen mit größter Heftigkeit an. Doch der Vorstoß scheiterte unter größten blutigen Verlusten. Von nun an setzte wieder ein Abschnitt starker örtlicher Kämpfe ein, die sich noch an zwei Stellen zu einer größeren Kraftanstrengung verdichteten. Die Franzosen wandten vor wie nach ihre gesamte Krastan- strengung an den Plan, nördlich des in seiner Gesamtheit doch als uneinnehmbar erkannten St.-Pierre-Vaast-Waldes, bei Sailly und bei Saillisel, durchzustoßen. Als einziger Vorteil blieb den Feinden das Eindringen in den Nordteil des St.-Pierre-Vaast-Waldes. In den beiden Dörsern entspannen sich endlose und ohne Unterlaß hin und her wogende Kämpfe, die bis zum 12. November beide Dörfer bis auf den Ostrand von Saillisel in die Hände der Franzosen brachten. Am 14. scheiterte ein umfassender Angriff der Franzosen auf den St.-Pierre-Vaast-Wald, am 15. wurde im Handstreich das Dorf Saillisel zurückerobert, und am Nachmittag nach größter Artillerie- Vorbereitung der von den Franzosen besetzte Nordwestrand des St.- Pierre-Vaast-Waldcs wieder gesäubert. Von nun an beschränkte sich die Tätigkeit der Franzosen auf bedeutungs- und erfolglose Vorstöße in der gleichen Gegend. Dagegen hatten um die Novembermitte die Engländer einen Erfolg an der Ancre. Von Beginn des Novembers hatten sie begonnen, unter Einsatz von Munition schwersten Kalibers durch andauerndes Wirkungsschießen einen großen Angriff vorzube- reiten. Am 13. November begünstigte starker Nebel den längst geplanten Vorstoß, der sich nun in überraschendem Vorbrechen von acht bis neun englischen Divisionen beiderseits der Ancre aus- wirkte. An je einer Stelle nördlich und südlich der Ancre stieß der Angriff durch und vermochte die zwischen den beiden Durchbruchs- stellen bei St.- Pierre-Divion tapfer kämpfenden Truppen in Flanke und Rücken zu fassen. An diesem Tage blieb das letztge- nannte Dorf und das nördlich der Ancre gelegene Dorf B e a u- m o n t, am folgenden das hart nördlich des Baches liegende B e a u- court in der Hand der Engländer. Am 18. November verdichtete sich die Angriffstätigkeit der Engländer zu einem neuen ausgesproche- neu Durchbruchsversuch. In der Frühe steigerte sich das Artillerie- feuer zu gewaltiger Heftigkeit. Hinter der feindlichen Front zeigte sich Kavallerie bereitgestellt, auch die englischen Grabenautos tauchten wieder auf, und auf der Front von Serre bis Eaucourt-L'Abbaye griffen fünf bis sechs Divisionen an. Während der Angriff nördlich der Ancre blutig zusammenbrach, erzielte der Feind südlich des Baches von Grandcourt bis Courcelette einige Vorteile; selbst in einen Teil des erstge- nanten Dorfes drang ein Teil der Engländer ein, wurde aber in einem Gegenstoß herausgeworfen. Im übrigen schlug der Angriff so vollkommen fehl, daß die Engländer es für angezeigt gehalten haben, diesen ganzen Durchbruchsversuch, an dessen furchtbarer Ernsthaftigkeit nicht der leiseste Zweifel ist, in ihren Heeresberichten völlig zu unterschlagen. Das war aber auch vorläusig der letzte Großkampftag der Sommeschlacht. Unbedeutende und völlig ergebnislose örtliche Vorstöße und planlose Artillerietätigkeit kennzeichnen den Rest des Novembers und auch, wie ergänzend hinzugefügt werden soll, die erste Dezemberhälfte. Dennoch darf die jetzige anscheinende Ruhepause in den ge- wältigen Anstrengungen der Entente an der Somme noch nicht als Abschluß betrachtet werden._ Die Spänen ües Schlachtfeldes. Eine Klage im englischen Unterhaus. Rotterdam, 28. Dezember.„Nieuwe Rotterdamsche Courant" enthält einen Bericht aus dem englischen Unterhaus vom Donners- tag. Danach klagte Generalmajor Sir Charles Hunter über zahl- reiche Dieb st ähle, die an gefallenen Offizieren begangen seien. In fast allen Fällen, wo die Ausrüstung nach England zurückgeschickt wurde, waren sämtliche Wcrtgegenstände ge- stöhlen. Redner hatte Hunderte von Briefen von Eltern erhalten, die über solche Diebstähle klagten; auch Generäle hatten ihm dar- über geschrieben. Ein General schreibt, daß in 75 Fällen die Leichen toter Offiziere vollständig ihrer Wertgegenstände beraubt worden tvaren.„Das muß durch unsere eigenen Leute ge- schehen sein,' sagte er.„Mein Blut kocht noch, wenn ich an meine toten Offiziere denke. Alles war von ihren Leichen weg- genommen, Feldstecher, Uhren, Geld und Schmuckgegenstände. Die Leichen waren keinen Augenblick in den Händen der Türken ge- Wesen. Kann man einen deutlicheren Beweis verlangen, daß unsere eigenen Leute diesen Raub begehen? Die Diebstähle scheinen zwischen der Zeit vorgekommen zu sein, wo die Offiziere in der Feuerlinie getroffen waren, und der Zeit, wo sie das Hospital hinter der Front erreichten.' Die Organisation ües französischen Oberkommandos. Von der schweizerischen Grenze, 29. Dezember. Wie der„Matin' berichtet, ist das französische Oberkommando nun- mehr endgültig wie folgt organisiert: An der Spitze befindet sich das Kriegskomitee, bestehend aus dem Ministerpräsidenten, dem Kriegsminister, Marineminister, Waffenminister und Finanz- minister. Der Kricgsrat berät unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik. Der K r i e g s m i n i st e r ist beauftragt, den in Frage kommenden Ministern und den kommandierenden Generalen die vom Kriegskomitee getroffenen Entscheidungen mitzuteilen, wie den nötigen Zusammenhang in ihrer Ausführung zu bewachen, außerdem läßt er unter seiner Leitung alle die Vorbereitung und den Unterhalt des Krieges betreffenden Fragen besprechen und dar- über berichten. Es gibt zwei kommandierende Gene- r a l e, General N i v e l I e s ist Oberkommandierender der Nord- und Nordostarmee; er wahrt außerdem die Verbindung mit den verbündeten Generalstäben. General S a r r a i l ist Oberkomman- dierender der Orientarmee. Rujsijche Soldaten erschießen geflohene deutsche Kriegsgefangene auf neutralem Soden. Wolffs Bureau berichtet: Nach einem Bericht des Kaiser- Ilchen Gesandten in Peking an das Auswärtige Amt sind drei aus russischer Kriegsgefangenschaft in Toroitzkossavsk nach Urga entkommene deutsche Offiziere: Max Graeff, Rittmeister im Husaren-Regiment König Humbert Nr. 13, Ludwig v. Werner, Oberleutnant im Jäger-Regiment zu Pserde Nr. 13, Hans v. Hoffmeister, Leutnant d. R. im Badischen Leibdragoner-Regiment Nr. 20, trotz chinesischer Eskorte von russischen Soldaten verfolgt und bei dem OrteTaolin in der Aeußeren Mongolei, nahe der Grenze der Inneren Mongolei, erschossen worden. Einzelheiten fehlen. � Ter chinesische Resident in Urga hat beim russischen Konsul Protest eingelegt. Der Protest ist ihm mit der Erklärung zurückgegeben worden, daß er sich um chinesische Interessen in der Aeußeren Mongolei zu' kümmern habe, deutsche Kriegsgefangene gingen ihn nichts an. Der Kaiserliche Gesandte hat gegen diesen russi- schen Völkerrechtsbruch, der eine krasseVerletzung der chinesischen Neutralität bedeutet, scharfe Ver- Wahrung eingelegt. Immer noch Kabinettskrise kn Rußland. London, 28. Dezember.„Daily Chronicle" meldet aus Petersburg, daß die Duma Sonnabend in die Weihnachts- ferien geht und daß die politische Lage sich bisher nicht ge- ändert hat. Trepow hat kein völlig homogenes Kabinett mit einem bestimmten politischen Programni bilden können. Man spricht fortwährend über Veränderungen im Kabinett. Die Minister reisen beständig von und nach dem Hauptquartier. Die Gesundheit von P r o t o p o p o w, die sich bald bessert, bald verschlechtert, bildet ein tägliches Thema in der Presse. Zwei Kongresse, die vorige Woche in Moskau stattfinden sollten, nämlich ein Kongreß der Semstwos und der Städte und ein Kongreß der Kriegsindustrie- kommissionen, wurden im letzten Augenblick ver- boten. Sie hatten die brennende Frage der Nahrungs- Mittelversorgung behandeln sollen. Nach dem„Daily Telegraph" verlautet in Londoner Börsenkreisen, daß auch die Stellung des gegenwärtigen Leiters der russischen Außenpolitik, des Ministers P o- k r o w s k i, erschüttert sei._ Schiffsbetriebseinflellungen gegen Kriegs- gewinnbesieuerung. Amsterdam, 29. Dezember. Die Fischdampfer in Amniden haben ihren Betrieb eingestellt. Die Kapitäne und Maschinisten der Fischdampfer haben beschlossen, nicht mehr auszufahren, da sie die Kriegsgewinnbesteuerung an- gesichts der Gefahren ihres Berufs im Kriege unberechtigt hoch finden. Rotterdam, 29. Dezember. Da die Maschinisten sich weigern anzumustern, beginnt sich die Stagnation in der Frachtschiffahrt auszudehnen. Umbildung des rumänischen Ministeriums. Jassy, 28. Dezember.(Meldung der Agence HavaS.) Das rumänische Ministerium ist durch ZuWahl mehrerer Mitglicdce der ehemaligen Oppositionsparteien umgebildet worden. Bratianu bleibt Ministerpräsident und Minister des Aeußern, Constantinescu übernimmt an Stelle von Mortzum das Ministerium des Innern, Take Jonescu tritt als Minister ohne Portefeuille in das Kabinett ein, auch Prinz Cantacuzene, Grecianu und Jstrati wur- den Mitglieder des Kabinetts. Vor einigen Tagen las man, Take IoneScu wolle ins Ausland gehen. Nun wird die Ratte auf dem sinkenden Schiff festgebunden. Vermutlich jedoch bei gutem Speck. Der Seekrieg. Versenkt.(Lloydsmeldung.) Der englische Dampfer „C o p s e w o o d"(599 Tonnen) und der norwegische Dampfer „Ida" sind versenkt worden._ Kleine Kriegsnachrichten. Unterbilanz des französischen Außenhandels. Bern, 28. De- zember. Nach der amtlichen französischen Statistik hat die Unter- bilanz des französischen Außenhandels für die ersten elf Monate des laufenden Jahres fast dreizehn Milliarden erreicht. Ein Kontrolleur für die Schiffahrt ist in England ernannt worden und ein beratendes Komitee von Sachverständigen ist ihm zur Seite gestellt. Ihre Aufgabe ist, die Vollendung der im Bau befindlichen Schiffe zu beschleunigen und die Ausführung eines neuen Bauprogramms von Handelsschiffen. Fürsorge für tuberkulöse Soldaten in Italien. Die ziemlich häufigen Fälle des Ausbruchs chronischer und auch akuter Tuberkulose unter den im Felde stehenden Truppen hat mehrere italienische Abgeordnete, darunter auch den Sozialisten M a f f i, bewogen, die Frage der Tuberkulosenfürsorge in der Kammer zur Sprache zu bringen. Von sozialistischer Seite wurde auf die häufig notgedrungen flüchtigen ärztlichen Untersuchungen bei der Aushebung hingewiesen und auf die Notwendigkeit, die Er- krankten rechtzeitig zu isolieren. Der Minister Bianchi erklärte, daß er eine größere Sorgfalt bei der ersten Untersuchung und bei der Beobachtung in den Hospitälern empfohlen hat und stellte ein Gesetz über obligatorische Krankenversicherung in Aussicht. Die Regierung erklärte weiter, daß Bestimmungen getroffen werden würden, um die an Tuberkulose Gestorbenen oder durch sie arbcits- unfähig gewordenen Soldaten, deren Krankheit während des Dienstes erworben wurde, den an den eigentlichen Kriegsseuchen Gestorbenen oder durch sie Geschädigten in bezug auf die Pensions- berechtigung der Hinterbliebenen oder der Invaliden gleich zu stellen. Tie zu der Frage eingebrachte Motion L u c c i(wild. Sozialist) wurde darauf mit geringen Abänderungen ein- stimmig angenommen._ Ein italienisches Gesetz über die Erbschaften.(Eigener Bericht.) Der Justizminister S a c ch i hat der italienischen Kammer einen Gesetzentwurf vorgelegt, der das Statthalterdekret vom 16. Novem- ber 1916 zum Gesetz erheben soll. Dieses Dekret setzt fest, daß alle Erbschaften über den sechsten Verwandtschaftsgrad hinaus dem Staate anheimfallen sollen, soweit nicht testamentarische Bestim- mungcn vorliegen. Lette Nachrichten. Bulgarischer Kriegsbericht. Sofia, 29. Dezember. Heeresbericht vom 29. Dezember. Mazedonische Front: Schwache Artillerietätigkeit auf der ganzen Front. Bulgarische und deutsche Artillerie beschoß bei Bitolia (Monastir) feindliche Trnppen, die vor der Stadt Bewegungen aus- führten.— Rumänische Front: Im nordwestlichsten Winkel der Do- brudscha dauert die Offensive entsprechend dem Kriegsplan fort. Wir besetzten das Dorf Rachel. Die russische Niederlage in Rumänie«. Stockholm, 29. Dezember./, effektive Arbeitsstunden ergibt. Da nichts gesagt wird in dem Berichte, daß diese interessante Neuerung wieder aufgegeben worden wäre, mutz man annehmen, daß sie bis auf weiteres beibehalten wird. Hoffentlich erfährt man darüber noch etwas Näheres, wo die Fabrik ist, wie ihre sonstigen Arbeits- und Lohnverhältnisie, wie die Arbeiterinnen damit zu- sriedeii sind usw. Der interessante Fall ist so wichtig, daß es dringend wünschenswert erscheint, seine näheren Einzelheiten kennen zu lernen.__ Bersicherungspflicht der Polen. Ueber die AersicherungSpflicht der während de» Krieges in Deutschland zurückgehaltenen russisch-polnischen Arbeiter hat das Reichsversicherungsamt am 2. Dezember folgenden Bescheid erlassen: „Seit dem 5. November 1916, dem Tage der Errichtung des Königreichs Polen, können die bisherigen rusfisch-volnischen Arbeiter nicht mehr als Angehörige eines feindlichen Staates angesehen werden. Demnach sind sie. soweit sie in Deutschland leben, ver- sicherungsrechtlich auch nicht mehr als unfrei zu betrachten. Sie unterliegen daher nunmehr der deutschen Sozialversicherung. Eine Aenderung ist damit übrigens nur für die seil Kriegsbeginn in Deutschland verbliebenen russisch-polnischen Arbeiter eingetreten, denn soweit sie später zur Arbeit hierher gelommen sind, fielen sie nach der Rechtsprechung des RVA. auch bisher schon unter die Versicherung. Die Vorschriften der ReichSversicherungs- ordnung über das Ruhen der Unfallrente im Ausland und den Ausschluß des Anspruchs auf Gewährung der Hinterbliebenenrente gellen für die in Betracht kommenden Personen nicht. Denn dieie verlin und Umgegend. Aus dem Kriegsausschuft für die Metattbetriebe Groß- Verlins. Bei der Z u w e i s u n g von Reklamierten an die ein- zelnen Betriebe wird der Wohnsitz deS Arbeiters in keiner Weise berücksichtigt. Und dock wäre das leicht zu machen. Ein Umziehe» des Arbeiters in die Skähe deS Betriebes ist untunlich, da er ja nur aus Zeil reklamiert ist und damit rechnen muß. daß er»ach erner bestimmten Zeil wieder zum Heeresdienst eingezogen wird. Auch sonst ist die Zuweisung der Reklamierten zu den einzelnen Be- trieben in vielen Fällen keine sehr glückliche, da auch auf die Qualität deS einzelnen Arbeiters und den Spezialbedarf des Be- tliebeS wenig oder gar keine Rücksicht genommen wird. EsistdeSbalb__________.___._______________......_____________...----------- ' Leroretw. Rivakt.: Dr. Fran, Dirdench. Friedenau. Inserate verantw.Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanst,Paul Singer t Co., Berlin TW. Hierzu 2 LeUage» und llnterhaltungSbl. UsrfchMen find_ Bereits durch den BundeSratsBefchkuß bo« 14. Juni 1916(Reichsgesetzblatt S. 515) zugunsten derjenigen AuS- länder und ihrer Hinterbliebenen außer Kraft gesetzt. worden, die vor ihrer Beschästigung im Inland ihren letzten gewöhnliche« Aufenthalt in Rusfisch-Polen hatten. Dieser Beschluß kommt jetzt auch den bereits seit Kriegsbeginn in Deutschland befindlichen Pole« zugute, da er in der Regel auch aus sie zutreffen wird." Durch diesen Bescheid sind die bei Kriegsbeginn in Deutschland zurückgehaltenen russisch-polnischen Arbeiter seit dem 5. November 1916 der Versicherung unterstellt. Für die Zeit vor diesem Tage gelten sie noch immer als unversichert. Wenn wir recht unterrichtet find. wird sich jedoch in Kürze der Große Senat des NeichsversicherungS- amts mit der Frage zu beschäftigen haben, ob sie nicht doch als versichert anzusehen sind, da einer der Spruchsenate von der bis- herigen Rechtsprechung abweichen will. Gerichtszeitung. Eine haltlose Tiebstahlsbezichtigung.' Seit Anfang Januar 1915 war beim Direktor Frank Eckelmann von der Golm er Flugzeugwerft die Wirt- schafterin Franziska W. in Stellung. Obwohl sie zu einem allein- stehenden Herrn� engagiert worden war. gesellte sich alsbald im Haushalt als ständige Begleiterin das 23jährige Fräulein Frieda Sehr, hinzu, das im Hause des E. Wohnung nahm und auch mit ihm seine Berliner Wohnung teilte. Alsbald stellten sich allerlei Unzuträglichkeiten ein. Als am 20. Januar E. mit der Schr. im Auto nach Berlin fuhr, hat die Schr. beim Waschen einen wertvdllen Brillantring im Zimmer liegen lassen, und als sie wiederkam, war der Ring verschwunden. Später vermißte Direktor Eckelmann eine Busennadel. Für beide Verluste wurde die W. verantwortlich gemacht. Als dann die W. am 31. Januar Knall und Fall entlassen worden war und ihr nur zirka 20 Minuten Zeit gelassen wurden, ihre Sachen einzupacken, entschloß sich der Dienstherr im Beisein der Schr., eine Revision ihres Gepäcks vorzunehmen. Dabei fand er unter ihren Sachen zwei Streichholzschachteln, in die er sein Mono- -zramm gezeichnet hatte, und ein Taschentuch, das dem seinen ähnlich ah. Nach diesem„überwältigenden" Befunde wurde der W. die Auszahlung ihres Lohnes verweigert und sie wegen des Diebstahls des Ringes, der Busennadel, einiger Wäschestück« der Schr. und der Streichholzschachteln und des Taschentuches angezeigt. DaS P o t S- damer Schöffengericht, dem zugegeben wurde, daß die Busennadel sich später in einer Jacke der Schr. vorgefunden hatte, verurteilte die Angeklagte, die bisher die glänzendsten Zeugnisse besaß und überall Vertrauen, genoß, wegen des Diebstahls der Streichholzschachteln und deS Taschentuches zu— einer Woche Ge- ängnis. Durch Berufung fochten der AmtSanwalt und die Ange- klagte das Urteil an. Di« Potsdamer Strafkammer nahm eine eingehende Beweisaufnahme vor, in der sich die Angaben der Zeugen nicht als so schlüssig und zuverlässig herausstellten, wie e» der ersten Instanz erschienen war. Die Schr. mußte zugeben, daß ihr das Abhandenkommen von Wäschestücken erst später durch die Waschfrau bekannt geworden sei und auch Direktor Eckelmann ver» mochte nicht mit Bestimmtheit zu sagen, ob die W. am 20. Januar nicht nach ihm, sondern vor ihm das Haus verlassen hatte und dem- nach der Brillantring der Schr. noch gar nicht vermißt sein konnte. Auch daß eine Lohnklage der Angeklagten gegen ihn schwebe, mußte er zugeben. Endlich ergab sich auch eine Aehnlichkeit der von der Angeklagten aus ihrem Besitz vorgelegten Taschentücher mit denen deS Zeugen. Dieses BeweisergebniS hinderte zwar den Staats» anivalt reicht, die Angeklagte auch als die Diebin deS Brillantringes und der anderen Gegenstände anzusehen und«inen Monat Gefängnis zu beantragen. Die Potsdamer Strafkammer folgte jedoch in allen Punkten den Ausführungen des Verteidigers, der die Aneignung der Streichholzschachteln und des Taschentuches als die Folge des schnellen ZusammensuchenS der Sachen der W. ansah. Die Angeklagte wurde freigesprochen, da gegen sie nicht die Absicht einer rechtswidrigen Znergnung-� ssjtzzi stellen war. Für da» Verschwinden der Kostbarkeiten könne sie kaum in Frage kommen und bezüglich der Wäsche sei eS wohl möglich, daß in dem doppelte« HauShM tncknchkS' verzettelt''wurde. Gestohlenes Werkzeug. Einem Mechaniker war nach Schluß -einer Arbeitszeit eine ihm gehörende Schublehre und eine Mikro» meterschranbe, die er ans seinem Arbeitsplatz hatte liegen lasten� abhanden gekommen. Er beanspruchte durch Klage beim G e- Werbegericht, daß ihm der Arbeitgeber den duöch Diebstahl des Werkzeuges entstandenen Schaden von 37,50 M. ersetze. Der Kläger berief sich darauf, daß ihm ein verschließbarer Werkzeug- kästen nicht zur Verfügung gestanden habe, auch habe er nicht ge- wüßt, daß nach Schluß seiner Arbeitszeit andere Arbeiter zur Nacht» chicht kamen. Wenn er das gewußt hätte, würde er sein Werkzeug mit nach Hause genommen haben.— Der Vertreter der beklagten Firma bestritt deren Schadenersatzpflicht, indem er ausführte: Der Kläger habe nicht nötig gehabt, sich eigene Werkzeuge zu halten, da ölche auf Erfordern von der Firma geliefert würden. Kästen zur Aufbewahrung der Werkzeuge seien vorhanden, aber infolge eines eben stattgehabten Umzuges der Fabrik noch nicht mit Schlössern versehen gewesen. Nachdem der Kläger den Diebstahl gemeldet hatte, sei ihm ein Schloß für den Werkzeugkasten zur Verfügung gestellt worden. Der Vorsitzende gab der Ansicht Ausdruck, daß beiden Parteien ein gewisses Verschulden de? Schadens zugesprochen werden müsse. Der beklagten Firma, weil sie nicht für verschließbare Werkzeug» kästen gesorgt habe, und dem Kläger, weil er trotzdem da? wertvolle Werkzeug auf seinem Platz liegen ließ, anstatt es mit nach Hause zu nehmen.— Aus diesen Gründen riet der Vorsitzende zu einm Vergleich aus die Hälfte der Forderung des Klägers.— Der Vergleich kam denn auch zustande. Tie Freundin des Gefallenen. Ein Baumeister N. unterhielt mit einem Fräulein K. seit neu« Jahren ein Verhältnis und hatte noch kurz vor dem Kriege für die Miete der ihr eingerichteten Wohnung die Bürgschaft gegenüber dem Hanswirt übernommen. N. zahlt« auch stet» regelmäßig die Wohnungsmiete: als er jedoch im Mai 1915 fiel, unterließen es die Erben. Frl. K. in gewobnter Weise weiter zu unterstützen. Da sie dem Wirte gegenüber als Mieterin galt, so war sie an den bi» 1. Oktober 1917 laufenden Vertrag gebunden und mußte selber die Miete bezahlen. Demgemäß klagte sie gegen den Testamentsvoll- strecker auf Rückerstattung der bereits gezahlten und Anerkennung der Verpflichtung zur Mietszahlung bis VertragSablanf. Während das Landgericht in dem Vertrage des Gefallenen mit feinem „Verhältnis" eine unsittliche Handlung� erblickte, der ein Rechtsschutz nicht zuzubilligen sei, hielt das Oberlandes- ericht das Begehren der Klägerin für gerecht- e r t i g t und gab der Klage gegen den Testamentsvollstrecker statt. In der Begründung heißt es u. a.: Es können zwar Per- sontn, die in einem sog.„Verhältnis" zueinander leben, gültige Rechtsgeschäfte miteinander eingehen, aber häufig werden auch Rechtsgeschäste zwischen solchen Personen als gegen die guten Sitten verstoßend angesehen werden müssen: z. B. wenn ein Darlehn ge- währt wird, um ein Mädchen gefügig zu machen. Hier liegen aber die Tatsachen durchaus anders. Bei dem Verhältnis beider zuein- ander verstand es sich ganz von selbst, daß N. für eine Wohnung sorgte. Beweggrund und Zweck dieses Tuns war, seine im Testa- ment bezeugte Dankbarkeit und Zuneigung zu der Klägerin und die seit Jabren bestehende tatsächliche Gestaltung, nach der er ihren Unterhalt bestritt. Das kann auch dann nicht sittenwidrig sein. wenn die Wohnung zugleich dem Berkehr der Klägerin mit N. dienen sollte. Dem allgemeinen Empfinden über das, was den zutcn Sitten entspricht, mag' es zuwiderlaufen, eine solche Verbin« dung zu haben und zu pflegen. Wenn aber solche einmal mit dem Gepräge der Dauerhaftigkeit vorhanden sei, so könne eS nicht als unsittlich gelten, die daraus sich ergebenden wirtschaftlichen Folgen aus sich zu nehmen. 5r. 357 33. Z-w..-.§t\\� 0 ,FgWW" KMltt WÄIlltt. Die öeherrschung öes kohlen- hanöels öurch öieZechenfpnöikate Bon Otto H u c. Gegeil den iil der?t'r. oü des„Vorwärts" veröffentlichten Artikel:„Wider den t>1ohlen>nucher" wendet sich in einer Zuschrift an die Redaktion d. Bl. der Verband der Ver- eine selbständiger Hol/!- und Koblenhändler von Berlin und Umgegend. In der Zusd)rist wird der Versuch gemacht, den von mir errechneten großen Preisunter- schied von etwa 128 M. pro 10 Tonnen Briketts zwischen dem Syndikatspreis ab Anhalter Bahnhof settva 172 M.) und dem KleinhandelsverkaufspreiS in Groß-Berlin(mindestens 1,50 Mark Pro 100 Stück freiKeller, oder mindestens 300 M.Pro Ladung von 10 Tonnen) zu erklären. Ein Vertreter des Kohlenhändler- Verbandes teilt in dem Schreiben mit, heute seien für die Ladung vom Bahnhof bis zum Händlerlagcr„45 Mark lind mehr Fuhrloh u zu zahlen"; für das„Hinschaffen" der Briketts zu den Verbrauchern müßten heute,„bei den hohen Arbeitslöhnen"...„mindestens 50 Mark pro 10 Tonnen" gerechnet werden, kämen noch hinzu 2 Mark Frachtbrief- st e m p e l und die W a r e u u ni s a tz st e u e r! Ich weiß nicht, wie hoch sich im Einzelfalle die Warenumsatzsteuer stellt: nehmen wir an 3 Mark pro 10 Tonnen, dann kämen wir zu einem Selb st kostenpreis für den Zwischenhandel von höchstens rund 272 Mark pro 10 Tonnen(ShndikatspreiS bis Anhalter Bahnhof höchstens 172 Mark, 100 Mark Abfuhr-, EinkellerungS- und Ctcucrkosten). Blieben noch 28 Mark pro Ladung oder 2,80 Pro Tonne Ucberschuß. Wie sich dieser verteilt, ist nicht angegeben. In der Zuschrift wird weiter gesagt, beim Selb st abholen vom Lager des Händlers stelle sich für den Verbraucher, wenn er 10 Zentner und mehr abnimmt, der Verkaufspreis für 10 Tonnen Jlse-Briketts auf 260, Kaiser auf 250, Krone auf 240. Vulkan auf 230 M. Dieser Erlös könne in Anbetracht der hohen LebenSmittelkostcn dem Händler gewiß nicht als„Wucherpreis" angerechnet werden. In meinem Artikel erwähnte ich schon, daß bei einer Nach- Prüfung der setzigen Brikcttpreise durch die Prcisprüfungs- stelle vielleicht festgestellt werden dürfte, daß der Gewinn der„kleinen Händler" unter den jetzigen Verhältnissen „nicht wesentlich höher" sei als vor dem Kriege. Man müsse auf die Quelle der Preisbildung zurückgehen, d. h. es sei zu untersuchen, ob die Preis st ellung des Syndikats und des mit ihm näch st ver wandten Großhandels in einem angemessenen Verhältnis z u den notorisch niedrigen Gestehungskosten in der Braunkohlen- und Brikettindustrie stünde! Darauf kommt es an, und eben diese syndikatSseitigc Preis- feststellung halte ich für übertrieben. Inzwischen ist dem Werkssyndikat regierungsseitig ab 1. Januar ein neuer Preisaufschlag von 10 M. pro Ladung zugebilligt ivorden, so daß dann der Syndikatspreis ab Werk auf 442 M.(vor dem Kriege 110 M.), der Jlse-Brikettprcis auf 152 M.(vor dem Kriege 120 M.) zu stehen kommt. Nur naive Seelen kennen annehmen, daß sich von dem genannten Zeit- Punkt an die Preise pro 100 Stück Briketts nur um 5 Pf. erhöhen würden. Nach amtlichen Preisangaben wurde» im Juni 1911 in Groß Berlin 100 Stück Briketts für 0,85 M. frei Keller geliefert. Im November 1316 war schon der Mindestpreis 1,50 M.(für Ilse 1,60 M.). Das war bc- reits eine Preiserhöhung von über 75 Proz. seit Kriegsbeginn, während der Syndikatsprcis ab Werk gleichzeitig 18—19 Proz. erhöht wurde. Wie erklärt sich dieser kolossale Mehrzuschlag zum Kleinhandelspreis? Einen Fingerzeig zur Erklärung dieses Mehrzuschlages gibt uns die Zuschrift des Kohlenhändlerverbandes. Darin heißt es nämlich über die Unkosten des Zwischenhandels: „Es konnnt ferner mit hinzu, 2 Marl Frachtbrief- si e m p e l(pro Ladung) und die W a r e n u in s a tz st e u e r einmal für den Großhandel, die der Klein- Handel zu zahlen hat(!!')— weil die Beiträge aus der Zeit vor dem Inkrafttreten des Gesetzes bestehen—.dann die eigene Umsatzsteuer...!" Diese Aufklärung ist außerordentlich lehrreich für den Gesetzgeber. Wir erfahren, daß einmal der Groß- Handel die U m s a tz st e u e r auf den Kleinhandel abwälzt und dieser muß dann nochmals die eigene U m s a tz st e u e r zahlen! Unsere Genossen im Reichstag haben vorausgesagt, daß die Warenumsatzsteuer zu Lasten der wirtschaftlich schwächeren Kleinhändler gehen und daß die Steuer mehrmals von derselben Ware erhoben werden ivürde, also eine mehrmalige Besteuerung des Konsumenten erfolge. Tie Zu- schrift des KohlenhändlcrverbandeS bestätigt die ausge- sprochenen Befürchtungen buchstäblich. Was uns die Zuschrift erzählt, ist aber keineswegs ein Ausnahmefall. Mir liegen im Auszüge die Verkaufs- und Lieferungsbedingungen des Nieder- lausitzer Brikettsyndikats für 1916/17 vor. Dort heißt eS generell: Frachturkundcnstenipel gehen zu La st en des Em p f ä n g e r S.... Die in dem Ver- trage festgesetzten Preise gelten bis auf weiteres. Werden den liefernden Werken oder dem Syndikat Lasten durch behördliche Anordnungen auf- erlegt oder bestehende erhöht, so erhöhen sich die Verkaufspreise dementsprechend. Nun kann der Gesetzgeber nur Steuern beschließen, soviel er will, erhöhen sie die„Lasten" des Syndikats oder der liefern- den Werke, dann ist durch eine automatische Preiserhöhung, die zunächst der Zwischenhändler, endlich der Konsument zu büßen hat, dafür gesorgt, daß die Gruben- und Fabrikbesitzer schadlos bleiben! In einem Lieferungsvertrog, der kurz vor dm Kriege abgeschlossen wnrde, befindet sich die Verpflichtung zur Steuer- bezahlung noch nicht. Es ist wichtig, so festzustellen und auf wen, die K r i e g s l a st e n abgewalzt werden. Opfern muß allein die Ko n sum en t e n m a ssel Diese Manipulation ist ivohl allgemein Syn- dikatsgc brauch geworden, denn auch das Rheinisch- Westfälische Köhlens yudikat hat in den neuen Lieferverträgen sich entsprechende Preiserhöhungen aus- bedungen, wenn neue Reichs- oder Laudessteueru die Selbst- kosten erhöhen sollten. Ferner heißt cS in dem normalen Licferungsvertrag. den daS Rheinische Brikettsyndikat(Köln) mit dem Zwischenhandel für 1916/17 abschloß: Die Preise verstehen sich für eine Tonne von 1000 Kilogramm frei Eiseiwabnwagen auf dem liefernden Werk... Sie erhöhen sich um den Betrag der Reichs- oder Landes st euer, mit dem die Erzeugung unserer Werke belastet werden sollte... Der Frachten» u r I u n d e n st e m p e l. die Gebühren für zollamtliche Abfertigung sowie alle etwa während der Ver- tragSdaucr gesetzlich zur Einführung kommen- den Verkehrs abgaben gehen zu Ihren Lasten!... Durch dieses Verfahren bürden die Syndikate dem von ihm abhängigen Zwischenhandel von vornherein alle neuen Frachten- und Steuerlasten auf; von dort wird natürlich alles auf die Konsumenten abgewälzt. Die Syndikate brillieren vor der Oeffcntlichkeit mit ihrer„mäßigen Preispolitik", indem mit den„Richtpreisen" operiert wird, von den höheren Verkaufs- preisen und der Abschiebung neuer steuerlicher usw. Lasten auf Weiterverkäufer und Verbraucher schweigt des Sängers Höflichkeit. Vielmehr ivird bei Kohlcnpreiserhöhungen auch auf eben die neuen Lasten verwiesen, welche die Grubenbesitzer und Syndikatsverwaltungen gar nicht bezahlen! Nun wird man fragen:„Ja. warum lassen sich die Weiterverkäufer diese Manipulation, durch welche sie in den Geruch von besonders rigorosen Preissteigerern kommen, ruhig gefallen?" Einfach deshalb, iveil Bien muß! Die, privatkapitalistische Monopol macht der Syndikatsherren hat sich so gewaltig entwickelt daß dieKohlen Händler auf Gnade und Ungnade den Zeche nkartellcn ausgeliefert sind. Und zwar so sehr, daß die Händler nicht einmal wagen, sich öffentlich über diese Abhängigkeit zu de- klagen. In einem Lieferungsvertrag beispiclsiveise des Nieder- lausitzer Brikett syndikats heißt eS, der Händler habe für rechtzeitige Begleichung der Rechnungen bis zum 10. des der Lieferung folgenden Monats„in Bar ohne Abzug" zu sorgen; er muß die bestellten Mengen unbedingt abnehmen und auf Wunsch ein Faustpfand hinterlegen. Dagegen ver- pflichtet sich das Syndikat nicht, die nicht rechzeitig abgelieferten Mengen nachzuliefern.„Höhere Gewalt"— darunter u. a. auch Streiks, Aussperrungen. Arbeiter- und Wagen- mangel— entbindet überhaupt für die Dauer der Unter- brechung und im Verhältnis zu ihr von der Lieferung, zur Nachlieferung besteht keine Verpflichtung. D i e neuen Lieferungen aber können zu höheren Preisen abgeschlossen werden! Also haben es die Syndikatswerke in der Hand, sich auch durch eine Arbeiteraussperrung von der Lieferungspflicht zu befreien und dadurch höhere Verkaufspreise zu erzielen! Der tändler muß sich das gefallen lassen, der Konsument auch. as Syndikat schreibt den Händlern die Preisaufschläge, die Rabatte für Weiter- Verkäufer, das Absatzgebiet, den Kreis der zu bedienenden Konsumenten genau vor. Mit einem Aufschlag von 5 M. pro 10 Tonnen auf den „Buchpreis" müssen die Briketts verkauft werden. In dem Liefervertrag des Rheinischen B r i k e t t s y n d i- k a t s heißt es: Sie verpflichten sich ausdrücklich, bei Weiterberkauf folgende festen P r e i s a u f f ch l ä g e auf die Einkaufspreise zu nehmen: 0,80 M. für die Tonne an Händler: t.SO M. für die Tonne an alle sonstigen Abnehmer. Soweit für Plätze Ihre? VerkaufSgebictS Vereinbarungen über Klernver- kauf s preise mit unserer Zustimmung(1) getroffen sind oder werden, sind sowohl Sie wie Ihre Abnehmer perpflichtet, die festgesetzten Preise und Verpflichtungen einzuhalten. Daraus gebt hervor, daß dos Syndikat den Zwischen- Handel bis auf die Festsetzung der Kleinhandelspreise dirigiert und kontrolliert. Sinngemäß ähnliche Vorschriften befinden sich auch in den uns sonst noch bekanntcil Lieferverträgen der anderen Kohlen- und Brikettsyndrkate. Demzufolge ist im Kohlen- und Briketthandel nicht etwa der Kleinhandel ohne weiteres für Preissteigerungen verantwortlich zu machen, sondern selb st die Kleinhandelspreise cnt- stehen durch die W e r k s s y n d i k a t e. Wer von den Weiterverkaufern gegen die Abnahme-, Ver- kaufs- und Preisvorschriften der Syndikate verstößt, h a t schwere Geldstrafen, im Wiederholungsfälle Materialfpcrrc, also Geschäftsruin zu a e- wärtigen! Co beftinmit das Niederlausitzer Brikett- fyndikot, daß der Weiterverkäufer für jeden nicht nach Vor- schrift verkauften oder angebotenen Waggon ä 19 Tonnen eine Vertragsstrafe von 10 M., m l n d e st e n s aber 5 9 Pf. und höchstens 5000 M. an das Syndikat zu zahlen hat! Sollte zweimalige Zuwiderhandlung vor- liegen und ist„eine fernere Vertragsstrafe von mindestens 1000 M. wegen vorsätzlicher Zuwiderhandlung" verhängt worden, dann kann das Syndikat sofort alle Lieferungen einstellen. Tann kann der Händler sein Geschäft schließen. Tie Vertragsstrafen werden unter Ausschluß des ordentlichen Gerichtsverfahrens durch von den Syndikaten eingesetzte Schiedsgerichte verhägt. Dagegen soll sich der Bestrafte nur einmal durch die Flucht an die Oeffent- lichkeit zur Wehr setzen! Dann ist er totsicher„fertig". Tie Syiidikatsvereinbarungen sind so weitgreifcnd, die Ver- abredungen zwischen den einzelnen Syndikaten sind so um- fassend, daß ein„renitenter" Händler sich vergeblich nach anderen Lieferanten umsehen ivird. Desto vergeblicher, je ein- heitlichcr die Syndikatsorganisation geworden ist. Solange es im rheiiiisch-westfälischcn Kohlenbecken noch NichtsyndikatS- zechen gab, vermochte sich allenfalls der Zwischenhändler dort einzudecken. Nachdem aber mit tatkräftiger Hilfe der Re- gierung sämtliche Zecken syndiziert sind, heißt cS für den Händler:„Vogel, friß oder stirb!" Entweder er unterwirft sich dem SyndikatSgcbot oder er kann seine Bude schließen. Das macht leicht begreiflich, warum die nun syndikatseigenen Kohlenhändler sich mit ängstlicher Sorgfalt hüten, das Syndikatsgebaren zu kritisieren, sich böchstens damit begnügen, ihre Schmerzen in vertraulichen Schreiben mit- zuteilen, ober um deS Himmels willen bitten,„keinen Namen zu nennen". Herrliche Zustände, nicht wahr! politische Ueberflcht. Die Nachwahl i» Spandav-Osthavelland. Wie schon berichtet, wurde in einer Generalversammlung d'e» Kreise» Spandau-Osthavelland Franz Mehring mit n e u n von einunddreißig gegen acht Stimmen, die auf den Arbeits- gemeinschastler Staad und vierzehn, die auf den MehrheitS- onhänger Stahl fielen, aber von der oppositionellen Majorität für„ungültig" erklärt wurden, zum ReichStagSkandidaten aufgestellt. Mehring hat dem Kreisvorstand nunmehr mitgeteilt, daß er die Kandidatur annehme. Der Bezirksvorstand der Probinz Brandenburg sendet dazu folgende Erklärung: Der Bezirksvorstand der Provinz Brandenburg nahm am 9. Dezember 191S Stellung zu den Borgängen bei der Aufstellung eines Reichstagskandidaten für den Reichstagswahlkreis Spandau- Osthavelland. Entsprechend seinem früheren Beschluß erachtet er die E r- Haltung des Mandats für die sozialdemokratische Partei, die unter der Beachtung deS Burgfriedens leicht erreichbar war, für notwendig. Ter Widerspruch des Vertreters des Bezirksvorstandes gegen jede Kandidatur, die den Burgfrieden aufheben und die Erhaltung des Mandats gefährden würde, erfolgte i» seinem Auftrag«. Dir Art, in welcher die Kandidatenaufstellung nun erfolgt ist, nahm den Anhängern der Fraktionsmehrheit dir MSglichkeit, für rinen Kandidaten der Mehrhrit zu stimmen. Si« steht im Wider- spruch mit jeder bisher übliche» Praxis, die in Fällen wie diesem nur die Abstimmung in zwei Wahlgängcn kennt, bei denen in der Stichwahl zwischen den beiden die meiste» Stimmen auf sich ver- einigende» Kandidaten die Anhänger der ausfallenden» also der schwächsten Gruppe, den Ausschlag geben. Im Gegensatz dazu hat man hier durch die Abstimmung, ob ein Kandidat der aus zwei Gruppen bestehenden Opposition oder einer der Mehrheit auf- gestellt werden solle, die stärkste Gruppe bei der Abstimmung über die Person des Kandidaten auSgeschattet. Dieses Verfahren, durch das zwei Gruppen eine dritte, die allein fast ebenso stark ist wie sie zusammen, vor der Wahl des Kandidaten des Stimmrechts berauben, bringt in dce Partei, bei den Vorbereitungen zur Rcichstagswahl, ein Wahlrecht zur Einführung, das nicht nur mit dem Wahlrecht zum Reichstag selbst in schreiendstem Widerspruch steht, sondern überhaupt in keinem Wahlrecht, und fei es so schlecht wie das prcu- ßische Dreiklassen Wahlrecht, etwas ähnlich Entrechten- des als Parallele austvelsen kann. Dazu kommt noch, daß die Anhänger der Opposition, mit 17 gegen 15 Stimmen, ihre zwei Stimmen betragende Mehrheit nur durch die Gültigkeitserklärung zweier unter allen Umständen ungültiger Mandate erreichten. Ter Einspruch des Bezirksvertrcters findet deshalb d i t volle Billigung des Bezirksvorstandes. In der Prüfung der Frage, ob der Parteivorstand zur Gut- scheidung der hierdurch entstandenen Differenz, laut§ 19 deS Or- ganisationsstatuts, angerufen werden soll, entschied der Bezirks- vorstand: Ter Entscheid des ParteivorstaudeS könnte nur zur Folge haben die erneute Einberufung einer Generalversammlung in der gleichen Zusammensetzung wie am 3. Dezember 1913. Die Herbeiführung eines Resultats durch diese, das unter Vermeidung eines Wahltampfes, durch Erhaltung des Burgfriedens, der Partei das Mandat sichert, ist aber unmöglich, nachdem die Vertreter der Opposition die bestlinmte Erklärung abgegeben haben, daß sie „das Mandat lieber einem Konservativen, wie einem Anhänger der Fraktionsmehrheit" überlassen würde». Tic Vertreter der Gruppe„Internationale", die in Spandau ihren Sitz hat, erklärten iveitcr, das) sie sich auch einer Kandidatur der„Arbeitsgemcinschast"«ichi sägen würden. Trotz dieser bestimmten Erklärung, einem Kandidaten der Mehrheit Minderheitslandidaten entgegenzustellen, kann der Bc« zirlsvorstand sich nicht dazu entschließen, die Ausstellung eine» Mehrheitskandidaten gegen den mit 9 gegen 22 Stimmen und einer Enthaltung aufgestellten Kandidaten der die Parterspaltung propagierenden Gruppe„Internationale" herbeizuführen. Er kann dies um so weniger, als dadurch die von der Opposition bewußt herbeigeführte Auslieferung des Mandats an die bürgerlichen Parteien— nach der oben erwähnten Erklärung— nickt verhindert würde. Der Bezirksvorstand lehnt im Einverständnis mit den Partei- genossen des Kreise», die auf der Kreisgeneralversammlung für die Erhaltung des Mandats in seinem Sinne wirkten, jede Ver- antwortung für dieses partcizer störende Trci- Den ab. Er verzichtet auf die Entscheidung deS ParteivorstaudeS und weist die volle Last der aus dem Beschlüsse der Generalvcr- sammlung vom 3. Dezember 1013 folgenden Ergebnisse denen zu, die ihn gefaßt habe». Ter Bezirksvorstand der Provinz Brandenburg. Eine dunkle Geschichte. Gegen Herrn v. Bethmann Hollwcg schwebt wieder einmal bei der„Kreuzzcitung" ein Disziplinarverfahren wegen Begünstigung sozialdemokratischer Umtriebe. Und zwar wird der Reichskanzler diesmal durch die Blume beschuldigt, entweder der Redaktion des „Vorwärts" die an Frankreich zu st c l l e u d e n F r i e d c n s. beding ungen zugesteckt oder sich doch gegen den Verdacht einer solchen.Handlungsweise nicht gewehrt zu haben! Würden wir nicht fürchten, die Lage des Angeklagten zu verschlechtern, indem wir ihm zu Hilfe kommen, so könnten wir auf Ehre und Gewissen versichern, daß alles, was über die geheimnisvollen Bziehungcn zwischen Regierung und„Vorwärts" gefabelt wird, eine ungc- wöhnliche Albernheit ist. Aehnliche Erklärungen haben wir aber schon öfter abgegeben, und es hat nicht geholfen. Eo bleibt uns nichts anderes übrig, als uns in die aufgedrungene Rolle mit Ergebung und Humor zu fügen. Wir halten cS aus. Herr v. Bethmann Hvllweg doch hoffentlich auch?! Die Wurzel deS Mifttrauens. In der„Neuen Züricher Zeitung" veröffentlicht der bc- kannte Prinz Alexander zu Hohenlohe einen Artikel über das Friedensangebot, in dm cS u. a. heißt: „... Denn darüber dürfen wir uns keinem Zweifel bin- geben, weinr eS jetzt nickt zu Friedensverhandlungen kommt, dann kann es lange dauern, bis eine ähnliche G s l e g e n h e r t wiederkehrt. Daö sollten sich alle sagen, wir sowohl als unsere Gegner. Der Krieg aber wird rücksichtsloser, blutiger, ver» nichtendcr denn je werde», und der Haß zwischen den Böllern von neuem aufflammen und die Völker»ock mehr als bisher ver- giften. Hunderitausende von blühenden Menschenleben, die jept noch verschont geblieben ivaren, werden zu den Millionen von Opfern hinzukommen, das Vermögen der Völker um weitere ungezählte Milliarden Schulden belastet werden, vielleicht desmitiv dem Bankerott verfallen: und daü alles, um— schließlich zu demselben Resultat zu konmicn. das man jetzt schon haben koiuttc, nämlich sich an einen Tisch zu setzen und verhandeln: überlegt man sich das. io wäre man versucht, c» Wahnsinn zu nennen, ein solches Friedensangebot zurückzuweisen." Der verfasier«rterfucht im wettere» die Srvnde, au» denen das deutsche Friedensangebot in Frankreich so großem Mißtrauen begegnet und meint unter anderm, es könne nicht dazu beitragen, in Frankreich Vertrauen für den Schritt des Herrn v. Bethmann Hollweg zu finden, wenn Herr Bassermann und seine Gesinnungsgenossen gleichzeitig mit der Rede des Reichskanzlers verkünden lassen, ohne reale Garantien sei ein Friede nicht möglich, und diese sollten wir uns verschaffen durch die Annexion des Kohlenbeckens von Briey und anderer Teile des von Deutschland okkupierten französischen Gebietes. Der Artikel schließt mit einem Appell an die Neutralen. bei der„ersten und vielleicht letzten Gelegenheit den Krieg unter für alle Beteiligten und Nichtbeteiligtcn annehmbaren Bedingungen zu beendigen," nicht schweigen und ängstlich beiseite zu stehen. Wofür Pastor Philipp? Gott da«N. Daß die Ansichten der Menschen über Gott und Welt sehr verschieden sind, daß z. B. auch ein Pfarrer ein sehr kriegslustiger Herr_ sein kann, das beweist der Berliner P a st o r D. P h i I i p p s, der frühere Vorsitzende des christ- lich-sozialen Vereins. In der„Reformation" veröffentlicht er folgendes Dankgebct für die Fortdauer des Krieges: „Gott sei Dank, daß der Krieg gekommen ist, ich sags auch heute noch im dritten Kriegsjahr. Und Gott sei Dank, daß wir noch keinen Frieden haben, ich sags auch heute noch trotz aller Opfer... Darum sage ich noch ein- mal: Gott sei Dank, daß wir den Krieg haben; er allein kann unser Volk noch retten, wenn es überhaupt noch möglich ist, wie wir zuoersichtlich hoffen. Er ist das große Operationsmesser, mit dem der große Arzt der Völker die furcht- baren, alle» vergiftenden Titerbeulen aufschneidet. Und Gott sei Dank, daß wir noch keinen Frieden haben. Die Wunden würden sich bald wieder schließen, und das Uebel würde noch ärger werden denn zuvor." Herr Pastor Philipps hat einen Stoßseufzer vergessen: Gott sei Dank, daß ich hier zu Hause sitze!— Wer selber draußen im Felde gestanden und das entsetzliche Wüten des Todes mit angesehen� hat, wer von den Frauen und Kindern zu Hause Gatten, Söhne oder Väter dem Kriege geopfert hat, den wird wohl bei diesen Worten des streitbaren Pastors ein ganz eigenartiges Gefühl beschleichen. Vielleicht denkt mancher auch unwillkürlich an ein Gebot, das vom Mißbrauch des Namens Gottes handelt. Denn, wie gesagt, die Ansichten der Menschen über Gott und Welt sind sehr verschieden. flus öer Partei. Genosse Dr. Franz Mehring ist seit einigen Tagen aus der Schutzhaft entlassen und konnte schon die Weihnachistage in Freiheit verleben. Die Entlassung erfolgte mit der Verwarnung, daß er erneut in Schutzhast genommen werden würde, wenn er während der Tauer des Krieges durch seine weitere Tätigkeit die Sicherheit des Reiches gefährden würde. Ein Gutachten des kgl. Medizinal- kollegiums hatte erklärt, daß keine augenblickliche Lebensgefahr be- stehe und hatte Unterbringung unter Aufsicht in einem kleinen, eine genügende Kontrolle gestallenden Orte in Anregung gebracht. Wir wünschen, wie dem Reiche Sicherheit, so dem Genossen Mehring rasche Erholung von den ausgestandenen Leiden. Mus Znöustrie unö Kanöel. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Tic Malzbicrbrauerci Groterjan u. Co. Akt.-Gcs. hat für das Jahr ISIS/lö einen Erlös aus Bier von 1361 906 M. (1914/15: 909 178 M.) auszuweisen. An Stelle von untergärigem ist mehr obergäriges, besonders Malzbier verbraucht worden. Es ver- bleibt ein Ueberschuß von 85 918 M.(12 979 M.), aus dem«ine Dividende, und zwar in Höhe von 6 Proz. vorgeschlagen wird. Die Berliner Zementpreisc sind um V/a M. für das Faß aus 9,30 M. erhöht worden. Das glückliche Amerika. In einer Versammlung der durch ihre Munitionslieferungen an die Verbandsstaaten weltbekannt gewordenen Bethlehem Steel Works in Baltimore erklärte nach der„Fr. Ztg." der Präsident der Gesellschaft Schwab, daß die Fabrikanlagen in Baltimore nach ihrer Vollendung vier neue Hochösen mit allem Zubehör, ferner Viev Plattenfabriken, ausgestattet nach den neuesten Grundsätzen, drei moderne Barrcnairlagen und 24 Zinnblechanlagen, eine große Draht- bahn und entsprechend viele Bessemer und Ofcnherdanlagen und dergleichen haben werden. Dazu kommen noch entsprechende Koks- anlagen, um den gesamten Bedarf zu decken, und schließlich ein Trockendock, das größer ist als irgend eines an der atlantischen Rüste und selbst den größten Treadnought ausnehmen kann; mit einem Wort: es ist geplant, die Anlagen in Sparrows Point zur größten Stahl- und Schiffsbauanlage in den Vereinigten Staaten zu machen. Gegenwärtig sind dort 5500 Menschen beschäftigt: nach Fertigstellung aber sollen 15 000 bis 20 000 Mann dort Arbeit finden mit einer Lohnsumme von 20 Millionen Dollar. Das ist aber nur ein Teil des großen Programms, denn daneben ist geplant, in Har- rtsburg noch erheblich größere Anlagen aufzubauen, und zwar mehr für die Verfeinerungsindustrie. Die für die Ausführung nötigen Kapitalien werden auf reichlich 100 Mil» lionen Dollar(500 Millionen Mark) geschätzt. Todes-Anzeigen Dentavei' Banartieiter-Yerliand. Zweieverein Berlin. Bezirk Wedding. Am 27. Dezember starb unser Mitglied, der Rabitzputzer Albert Kastner. Die Beerdigung findet heute, nachmittags 21/, Uhr, von der Halle des alten Pauls-Kirchhofes in der Seestraße aus statt. Ferner starb am IS. Dezember vom Bezirk Wilmersdorf das Mitglied, der Manrer Hermann Voxler. Ehre ihrem Andenken l 143/14 01» Setlledo Verwaltung. Deatseber Transportarheiter-Yerlifflil. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Haus- diener IBrnst Baumert von der Firma Wertheim, Leip- ziger Straße, am 25. Dezember im Aller von 67 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet h e n t e Sonnabend, den 30. Dezember, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Thomas»Kirch- Hofes. Neukölln, Hcrmannstraße. aus statt. Den Mttgliedern sexner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Packer Bernbard Löbr von der Firma.Vorwärts». Druckerei. Lindenstraße, am 27. De- zember im Alter von 42 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke» l Die Beerdigung findet am Dienstag, den 2. Januar, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichenkalle des stadtischen Friedhofes in Friedrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 70/16 Dia Bezirksverwaltung. Am Donnerstag, den 28. Dezember, verstarb nach schwerem Leiden unser Kollege, der Angestellte und Unterslützungsauszahler August Hentschel im Wer von 63 Jahren. Wir verlieren und betrauern in dem Dahingeschiedenen einen pflichttreuen Mitarbeiter, der durch sein stets aufrichtiges Wesen und kollegiales Verhalten uns allen ein guter Freund war. Sein An- denken wird uns immer in lieber Erinnerung bteibcn. Die angestellten Kollegen. Die Einäscherung findet am Sonntag, den 31. Dezember, nachmittags um 1 Uhr, im Krematorium in der Gcrichtstratze statt. Die Betanntmachung des Oberlommandos in den Marlen, betreffend Bestandserhebung von Nähsädcn tritt am 30. Dezember 1916 in Krast. Die vollständige amlliche Bekanntmachung erfolgt an den Anschlagsäulen und m der„Norddeutichen Allgememen Zeitung". Berlin, den 80. Dezember 1916. Der Polizeipräsident. 565. I. Mit. 16. Hiermit die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Sohn, Schmie zersohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Packer 1676b Bernhard üjbr am 27. Dezember nach kurzer. aber schwerer Krankheit, die er sich im Felde zugezogen, in einer Heilstätte im 43. Lebensjahre ge- ftorben ist. Dies zeigt, um stille Teilnahme bittend, tiesbetrübt an Elise Etthr geh Friedrich nebst allen Verwandten. Berlin, Waldemarst.2S. Plauen i.B. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 2. Januar, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle des ZentralsriedhoseS Friedrichs- felde, aus statt. ZlliialtalffaMerMvema LI 2.Berl.Reiehsta9Swaüreis. Bez. 120. Am 28. Dezember 1916 verstarb unser langjähriges Mitglied, der Kassenangejlellte August Hentschel Urbansir. 178. Ehre seinem Andenken: Die Einäscherung findet Sonn- tag. den 81. Dezember, nach- mittags 1 Ubr. im Krematorium Gerichtstraße statt. 207/7 Der Vorstand. E3 IviarR« ins u ffic H/\IVIBCIWO, I S «Jean Holze Niedrige Preise! Die kostbarsten Felsmäntel aas echtem.veal- Bisam, Persianer; Elektrik. Fohlen, Altrachan, Breitschwanz und anderen edelsten Ptlssorten, gediegenste Aibeu, beste Feile 2500.- 200p.— 1700.- 1200.- 950.- Fantuie-Pelzmäntel, lösche Modelle 600,- 400.- 250.— 195,- 150,— Fesebe Garnifcoren; Marder, Seal, Nerz. Bisam. 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HoheBschönhaasen: Ctio S«ifet, Warlenbergslrake 1(Laden) Geöffnet von U— 1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. lilchtenberg U, Uumnielsbnrg. Stralau: A. Rosen- l r a n z,>AU-Boxhagen öv. Geöffnet von 11— l'i, und von 4'/,— 7 Uhr Bahlsdorl, Kaulsdort, Biesdorf: P. Hegberg, KaulS- dorj, Ferdmandswage 17. Barlendorf, Ufarienfelde: August Leip, Chauffeestr. 29. Kenkölln: M. Heinrich. Neckar, tr. 2. im Laden. Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Ubr; Neukölln Britz: Rohr. Siegjried- straße 28/29. Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,-— 7 Uhr. Kleder-Schöneweide: Wilhelm Unruh. Brückenilr. 10. U. K" o wawes; Karl Krähnberg, Eisenbahnstr. 10. Idher-Sehönewelde: Otto Freidank, Bismarckstr. 25, l. Fankow, K'iederschönhaasen, Kordead, Frz.-Bnch- holz, Blankenburg: 9t ig mann, Mühlenstr. 30. Geöffnet von 11—!>/, und von 4'/,— 7 Uhr. Beinickendorf» Ost, Wilhelmsruh und Schönholz P. G u r s ch. Provinzstr. 56, Laden. Geöffnet v. 11—1'/, u. 4'/,— 7 Uhr Sehenkendorf b.KSnigS-WusterHausen: Ehr. H a n t f ch k e, Dorfstr. 16 Sehöneberg: Wilhelm B ä u m> er, Meiumger Straße 9, im Laden Geöffnet von 11— 1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. Spandan, K'onnendamm: Schumacher, Breitestr. 64. Ge- öffne: von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends.- feget. Borsigwalde, Wittena», Waldmannslust, Hermsdorf, Hohen• Kenendort, Birkenwerder, Freie Scholle u. lleinicbendorf- West: Paul fltieu oft, Borftgwalde, Räuichllrage 10. Geöffnet von 11—1'/, u. von 4'/,— 7 Uhr. Teltow; Pfeifer, Haoelstr. 2. Tempelhof: Rud. lleckermann, Kaiser-Wllgetmstr. 74. Treptow: Rod. Gramenz. skieihotzslrase 412, Lasen. Geöffnel von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Wellleusee, Uelnersdort: Gull. R o g t o p f, Berliner Allee 11. Wilmersdorf, Halcusee, Schmargendorf: Paul Schubert, Vtthetmsaue 27. Zossen: Fr. R atf ch, Berliner Stt. 24. 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Die letzten Jahrzehnte haben aufgeräumt damit, und wer sich den neu- zeitlichen Geschäftsgepflogenheiten nicht anpaßt, kommt unter die Räder, rettungslos, oder führt allenfalls in irgendeinem vergessenen Winkel ein kümmerliches Dasein. Die Kunst, das Publikum an die Waren heran- und ihm das Geld aus der Tasche zu locken, hat sich bis zur Virtuosität ausgebildet. Die Konkurrenz sucht sich gegenseitig zu überbieten, und ein ganz neuer Stand— die Schaufensterdekorateure und-dekorateurinnen— hat sich im Laufe der Zeit herausgebildet, der mit künstlerischem Geschmack und fein entwickeltevl Form- und Farbensinn die Warenauslage besorgt und die Schau lustigen mit unwiderstehlichem Zwang heran- zieht, auf daß sie sich in K a u f lustige verwandeln. Man sehe sich nur einmal die großen Seiden- oder Blumengeschäfte au, deren Schaufenster Farbenshmphonicn von entzückender Schönheit und auserlesenem Geschmack darbieten. Und mit welchem Raffinement wird die Kindesseelc bearbeitet! Die Spielwarenindustrie gibt das Leben in verklemertem Maß- stabc wieder und die Verkäufer verstehen es, aus all diesen Dingen für die Kleinen eine wahre Märchenwelt zu gc- stalten. Jedenfalls steht das eine fest: daß eS nicht mehr gleich- gültig ist, wie die Vcrkaufsware angeboten wird, sondern daß dieser Umstand für ein Geschäft geradezu ausschlaggebend wirken muß.— eine Erkenntnis, die der Mittelstand, be- sonderS der kleinere, mit schweren Opfern bezahlt hat. U. Magistrat, Aerzte und Behandlung der Kriegerfamilien. Zwischen dem Berliner Magistrat und den vereinigten Acrzten ist eS zu einem Konflikt gekomnien, der sich um die ärztliche Behandlung der Äricgerfamilien dreht. Es wird darüber mitgeteilt: Die Vereinbarung über die ärztliche Ver- sorgung der Kriegcrfamilien ist nicht ohne ernstliche Schwierig- kciten zustande gekommen, weil seinerzeit die Ansprüche der Aerzteschaft auf Summen gingen, die die Stadt zu leisten unmöglich sich verstehen konnte. Das Abkommen hat, soviel man erkennen kann, zur Zufriedenheit gearbeitet. Es ist deshalb bedauerlich, daß es letzt durch die von den Acrzten ausgesprochene Kündigung zum 15. März nächsten Jahres vollständig seinen Halt verliert und vielleicht nicht wieder auflebeu kann, denn wenn die von den Acrzten an die Stadt erhobenen Ansprüche die Grenzen überschreiten, die man vor einem Jahre unbedingt festzuhalten sich entschließen mußte, so würde nichts anderes übrig bleiben, als auf ein Aushilfs- mittel zurückzukommen, das schon damals als die letzte Mög- lichkeit angesehen wurde, nämlich die Kriegerfamilicn un- mittelbar mit finanziellen Beihilfen zu versehen, sofern sie leistungsunfähig und zur Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe gezwungen sind. Auf der anderen Seite wird von dem Vorsitzenden des Aerzteausschusses, Sanitätsrat Dr. Moll, u. a. mit- geteilt: Von Kriegsbeginn bis Mitte Februar 1915 wurden die Kriegerfamilicn von den Armenärzten unentgeltlich bc- handelt. Die Aerzte haben Bedingungen gestellt, nach denen statt dessen eine angemessene Bezahlung verlangt wird. Bisher erhielten die Aerzte für die Behandlung der Familien der Kriegsteilnehmer(es handelt sich um etwa 200000 Familien) jährlich eine halbe Million Mark, die in monatlichen Teil- betrügen bezahlt wurden. Da die Zahl der Familien natur- gemäß stark gestiegen ist, die Aerzte auch vollständig frei- willig die Familien der in Berlin befindlichen österreich- ungarischen Kriegsteilnehmehmer behandeln und ohne Be- zahlung Atteste für die Krankeuernährung ausstellen, verlangen sie jährlich 1'/« Million Mark. Wohnungen für Kriegsbeschädigte. Der am schieres Kalbfleisch ohne Knochen, auch Schnitzel 2,80 M.(bisher 3 M.) Die Preise der Klasse II(roter Stempel) bleiben un- verändert. Die für den Bezirk der Stadtgemcinde Berlin zugewiesenen Heringe kommen v o m 30. Dezember an bei den Kleinhändlern, bei denen bisher Heringe zu haben waren, gegen Aushändigung der Abschnitte 12 der Lebensmittelkarte und soweit der Vorrat reicht, zum Verkauf. Auf je zwei Abschnitte 12 der Berliner Lebensmittelkarte ent- fällt ein Sloefuelhering oder ein halbes Pfund Fettheringc. Der Kleinhandelspreis beträgt für den Sloefullhering 45 Pf. Für ge- kehlte Fettheringe sind, sofern 18 bis 20 auf zwei Pfund gehen, für ein Pfund 1,20 M. zu zahlen. Wiegen 20 bis 25 gekehlte Fett- Heringe 2 Pfund, so beträgt der Klein Verkaufspreis 1,10 M. für das Pfund. Machen 25 bis 30, 30 bis 35 gekehlte Fettheringc sowie 22 bis 25, 30 bis 35, 35 bis 63 ungekehlte Fettheringe 2 Pfund aus, so beträgt der Kleinverkaufsprcis für das Pfund 1 M. Trotz der großen Schwierigkeiten, die der Regelung deS Magcrmilchbezugcs entgegenstehen, soll nunmehr versucht werden, eine tunlichst gleich- mäßige Verteilung der vorhandenen Magermilchmenge vorzunehmen. Wegen des äußerst geringen Ouantums ist lediglich die Berück- sichligung der Haushaltungen mit Kindern, die nicht mehr Voll- milch erhalten, vorgesehen. Zum Zwecke der Anmeldung werden Anmeldekarten ausgegeben, und zwar erhält eine solche Karte jeder Haushalt mit Kindern, die in den Jahren 1907, 1908, 1909, 1910 geboren sind. Das geringe Milchquantum läßt aber die Berücksichtigung eines jeden dieser Kinder nicht zu, sodaß der Haushalt, auch wenn mehrere solcher Kinder in ihm vor- banden sind, nur eine Anmeldekarte erhält. Die Haus- Haltsvorstände müssen sich auf Grund der ihnen in ihrer Gemeinde ausgehändigten Anmeldekarten in die für Magermilch besonders anzulegende Kundenliste eines Milchhändlers(Laden oder Wagen) bis späte st ens zum 8. Januar eintragen lassen. Der Händler hat don Kontrollabschnitt abzutrennen und der Fett- stelle Groß-Berlin(Milch) bis zum 12. Januar einzureichen. Den Hauptteil der Anmeldekarten muß der Kunde behalten, weil nur gegen Rückgabe dieser Karte ihm später die Magermilchkarte ausgehändigt wird. Für Berlin ist angeordnet worden, daß die Anmeldekarten bei den Brot- kommiisionen in der Zeit vom 2. bis 5. Januar abgeholt werden müssen. Die Anm eldekarteu berechtigen nicht zum Bezüge von Magermilch, sondern dienen nur zur vor- läufigen Fe st st eilung des Bedarfs. Kohlenmangel in Bäckereien. Ucber 130 Berliner Backe- r e i c n haben an die maßgebenden Behörden die Mitteilung ge- richtet, daß sie ihre Geschäfte in allernächster Zeit schließen müßten, falls ihnen nicht umgehend die zum Betriebe notwendigen Kohlen geliefert würden. Mit Hilfe der städtischen Verwaltung wurde den Bäckereien aushilfsweise die nötige Kohlcnmenge zu- gestellt. Kartoffel« ia Wirtschafte««ur gegen Karte. Für die zur Kartoffelgemeinschaft Groß-Berlin gehörigen Orte. also Berlin, Eharlottenburg, Neukölln, Sckiöneberg. Wilmersdorf, Schmargendorf, Lankwitz, Grunewald, Dahlem. Tempelhof, Rei- nickendorf, Steglitz, Friedenau. Lichterfelde, Treptow, Britz, Marien- dorf,- Niederschöneweide � und-Zehlendörf steht eine'völligd Neuregelung in der Abgabe-von Kartoffeln in den Gastwirtschaften usw. unmittelbar bevor, die zugleich eine erbebliche Einschränkung in dem Kartoffelverbrauch darstellt. Vom 2. Januar ab dürfen nämlich in allen Restaurants, Schank- und Speisewirtschaften. Hotels, Pensionen usw. Kartoffeln nur auf Grund von Kar- toffelkarten verabfolgt werden. DaS gleiche gilt für Spei'en, zu deren Bereitung Kartoffeln in erster Linie verwendet werden, wie Kartoffelsuppe, Kartoffelsalat usw. Von den Kartoffel- karten sind immer die emiprecdenden Mengen in Abschnitten abzu- trennen. Da jeder Abschnitt 250 Gramm umsaßt, so ist, wenn dieses Gewicht nicht erreicht wird, nur die Hälfte des Abschnitts abzu- trennen. Vom 2. Januar ab muß auch auf den Speisekarten das Rohgewicht der verwendeten Kartoffelmenge angegeben werden. Reisende können Kartoffeln und Kartoffelgerichte auch ohne Kartoffel- karte erhalten, wenn sie im Besitze einer Reisebrotkarte sind. Bahn- hofswirtsckiaften dürfen Kartoffeln ohne Kartoffekkarte nur an Per- sonen abgeben, die eine für den Fernverkehr geltende Fahrkarte vor- legen können. Die Gastwirte usw. haben die Kartoffenkarten- abschnitte zu sammeln und alle vierzehn Tage an die zuständige Behörde zwecks Empfangnahme der neuen Kartoffelbezugsscheine einzureichen. Getragene Kleidungsstücke. lieber die Bedeutung der neuen reichsrechtlichen Bestimmungen zur Regelung des Verkehrs mit getragenen Kleidungsstücken herrscht noch vielfach Unklarheit. Um Mißverständnissen von vornherein zu begegnen, sei vor allem bervorgeboben, daß nach wie vor niemand gehindert ist, seine getragenen Kleidungsstücke zu verschenken, an wen er will. An die behördlichen zuzulasscnen Annahme- stellen ist nur derjenige gebunden,- der die Sachen entgelt- l i ch abzugeben oder, wemr unentgeltlich, jedocki eine Abgabe- beicheinigung zu erhallen wünscht, die ihm einen Anspruch aus Erlangung eines Bezugscheines ohne Prüfung der Notwendig- kcit der Beschaffung sichern soll(sogenannter Bezugschein 0, bei Schuhwaren Bezugschein v). Da indessen die Einrichtung solcher Annahmestellen, sowie die zur Desinsekiion, Bearbeitung und Wieder- verkauf der Sachen in Groß-Berlin erforderlichen Maßnahmen eine slbwierige und umfangreickie Organiialion bedingen, so kann in nächster Zeit noch niemand damit rechnen, eine solche Abgabe- beicheinigung zu erlangen. Für Bescbaffung notwendigen Bedarfs bleibt es natürlich bei dem bisherigen Verfahren, wonach die Bezugscheine nach Prüfung der Notwendigkeit von den zu- ständigen Stellen zu erteilen sind. Zuteilung des Leders an die Schuhmacher. In der letzten Sitzung des Aussichtsrals der Reichstedcrhandels- gesellschaft wurden unter Zustimmung der Regierungsbehörden und der Kontrollstelle für freigegebenes Leder in Rücksicht auf die ver» änderten Verhältnisse und zur rascheren Verteilung der freigegebenen Mengen Bodenleder nachstehende Beschlüsse gesaßt: 1. Der frühere Beschluß, für jede Bodenlcdcrverteilung eine so große Menge Bodenleder anzusammeln, daß auf jeden der i» samt- lichen Schuhmachercibctrieben beschäftigten Arbeiter mindestens drei Kilo Bodenleder entfallen, kann in Rücksicht auf die feit einiger Zeit erheblich verminderten Freigaben nicht mehr durch- geführt werden, weil dann höchstens nur alle zwei bis drei Monate eine Verteilung vorgenommen werden könnte. Die für jede Ver- teilung pro beschäftigten Arbeiter anzusammelnde Menge wird deshalb bis auf weiteres auf zwei Kilo Bodenledcr herabgesetzt. 2. Ilm ein Zerschneiden des Leders in zu kleinen Mengen zu vcrineideir und die Verteilungen zu beschleunigen, sollen Lederhand- lungen und Genosscnschaflcn. in deren Kundenlisten zurzeit nicht bereits Cchuhmachereibetriebc mit mindestens insgesamt zehn Arbeitskräften eingeschrieben sind, in Zukunft bei der Verteilung nicht mehr berücksichtigt werden. Die bei diesen Lederhandlungcn und Genossenschaften eingeschriebenen Schuhmachereibetriebe werden von der Kontrollstelle aufgefordert, sich bei einem anderen in der Nähe ihres Wohnortes gelegenen Lederhändler des gleichen Hand« werkskammerbezirks, bei welchem bereits Schuhmachereibetriebe mit 10 oder mehr Arbeitskräften eingeschrieben sein müssen, in dessen Kundenliste eintragen zu lassen. 3. Neuanmeldungen oder Veränderungen in den Meldelisien der Handwerkskammern oder den Kundenlistcn der Lederkleinhändler sind von den Hand Werks kannnern beziehungsweise den Lederklein- Händlern bis spätestens 10. Januar 1917 der Kontrollstelle für frei- gegebenes Leder zuzusenden. Nach diesem Termin können bor Ablauf von drei Monaten Veränderungen nicht mehr berücksichtigt werden. Die unter Berücksichtigung der bis zum 10. Januar 1917 eingehenden Meldungen aufzustellenden Listen gelten als Grundlage für die während der nächsten drei Monate vorzunehmenden Leder- Verteilungen. 4. Die von den Sammellägern derReichSlederhandelSgefellschaft vorzunehmenden Verteilungen werden nicht mehr wie bisher gleichzeitig an alle Bezirke erfolgen, fondern der Reihe nach. sobald für einen Bezirk eine genügende Menge Leder angesammelt ist, borgenommen werden. Hierdurch soll vermieden werden�daß infolge Ansammlung allzu großer Mengen Bodenleder an den Sammel- ISgern und durch die bei einer gleichzeitigen Verteilung an alle Bezirke zeitweilig entstehende Ueberlastung des Personals die Zu- fuhr von den Gerbereien an die Sammclläger der Reichsledcr- Handelsgesellschaft vor jeder Verteilung unterbrochen werden muß, wodurch bisher sowohl Verzögerungen in der Abnahme der Leder von den Gerbereien, als auch in der Verteilung unvermeidlich waren. 5. Nachdem daS Kriegsamt großen Wert darauf legt, eine Ent- lastung der Bahn und Post herbeizuführen, müssen die den einzelnen Gerbereien freigegebenen Leder in Zukunft dem den betreffenden Gerbereien näch st gelegenen Sammellager zugeführt werden, soweit hierdurch nicht die den Lederhändlern der betreffen- den Bezirke zustehenden Mengen überschritten werden. Etwaige überschüssige Mengen sind von der Reichslederhandelsgesellschaft einem anderen benachbarten Sammellager zuzuleiten. 6. Vorstehende Bestimmungen finden erst von der sechsten Verteilung an Anwendung, da die fünfte Verteilung bereits vor- bereitet ist. 7. Die Bezirkskommissionen werden aufgelöst. nachdem die von denselben zu leistenden Arbeiten nunmehr von der Kontrollstelle für freigegebenes Leder und der Reichslederhandels« gefellfchaft ausgeführt werden. Eine Unverfrorenheit. Der Großhändler P., einer der vier Gänsewucherer, die, wie wir berichteten, aus Veranlassung des Kriegswucheramts verhaftet und dann wieder auf freien Fuß gesetzt worden waren, hat, wie es scheint, seine durch eine Bürgschaft von 10 000 M. erkaufte Freiheit zweckdienlich auszunutzen gesucht. Um aus seinen Ankäufen, soweit sie das Amt nicht beschlagnahmt halte, doch noch etwas herauszu- schlagen, ließ er die gekauften Gänse auf einem anderen Wege als früher nach Berlin kommen. Ob der Inhaber selbst oder einer seiner Angehörigen oder Angestellten, dafür verantwortlich ist, ließ sich noch nicht ermitteln. Jedenfalls bezog die Finna des Großhändlers die Gänse jetzt nicht mehr waggonweise, sondern m Kisten, die unter den verschiedensten Deklarationen und Signierungen abgesandt wurden. Das KriegSwucheramt kam aber bald auch hinler diese Schliche und am Donnerstag beschlagnahmte eS auf dem Stettiner Güter- Bahnhof eine Kiste mit rund 400 Kilogramm Gänsen, die für den P.schen Großbetrieb einliefen. Die Gänse wurden dem Magistrat überwiesen. Nahrhafte Weihnachtsausflüge. Das KriegSwucheramt hat eine Familie auS BerlinIV. um die Früchte einer Hamsterreise gebracht. Die Familie bc- nutzte die Weihnachtsseiertage zu Ausflügen auf das Land, auf denen es in verschiedenen Orten Fleisch aller Art, Schinken, Speck, Kolonialwaren und dergleichen in größerer Menge aufkaufte. Sie ließ die Sachen in Körben als Paffagiergut von verschiedenen Eisen« bahnstationen au« nach ebenso verschiedenen Berliner Bahnhöfen gehen. Auch diesem Handel kam das Amt auf die Spur. Gestern fand und beschlagnahmte es auf dem Bahnhof Friedrichstraße zwei dieser wohlgefüllten Körbe und je einen auf dem Bahnhof Zoolo« gischer Garten, am Alexanderplatz und auf dem Schlesifchen Bahn« hos. Der Inhalt der Sendungen kommt wieder der Allgemeinheil zugute. Ein kleiner Hauptmann von Köpenick. Ein an den Streich deS Schusters Voigt erinnernder Vorfall hat sich am Heiligabend in Treptow abgespielt. Gegen 4 Uhr nachmittags erschien in der Kaierne des Telegraphenbataillons ein Offizier und forderte einen Burschen auf, ihm schnell ein Pferd zu satteln. Der Soldat befolgte den Befehl des Vorgesetzten, der dann stolz davonritt. Als andere Vorgesetzte des Burschen von dem Vor« fall hörten stiegen ihnen sofort Bedenken auf. Ihr Verdacht sollte sich denn auch bald bestätigen. Der„Herr Leutnant"' war nämlich schnurstracks nackt Baumichulenweg geritten und halle dort das Pferd an den Kohlenhändler Taubel in der Behringstraße für 1200 Mark verkauft. Er erklärte dem Händler, daß er in wenigen Tagen aus dem Heeresdienst ausscheide und daher das Pferd nicht mehr brauche. Der Kohlenhändler, der keinerlei Verdacht ichöpsre, kaufte daS stattliche Pferd. Da er das Kaufgeld nicht soiort verfügbar hatte, be« stellte er den angeblichen Offisier zuni anderen Tage zu sich. Der „Herr Leutnant" erschien auch pünklsich zur festgesetzten Stunde und nahm die 1200 Mark in Empfang, mit denen er sich dann schnell empfahl. Bisher ist es nicht gelungen, des Betrügers habhaft zu werden. Winter-Gartcn. Die Artisten sind in der Kriegszeit rar geworden, und eS mag jetzt nicht leicht sein, ein anständiges Varielsprogramm zusammenzustellen. Daher sucht man auch aus diesem Gebiete nach „Ersatz". Ein Berliner Zirkusdirektor prozetsierle jüngst mit dem Polizeipräsidium um die Erlaubnis zur Aufführung von Theater« stücken„höherer Gattung" und die Direktion des Winter-Gartens hat jetzt bei Reinhardt eine Anleihe gemacht, indem sie die chinesische Ballett-Pantomime„Die grüne Flöte" aus der wohtlemporierten Atmosphäre der Schumannstraße in ihr derberes und bewegteres Milieu verpflanzte. Der Ver- such ist geglückt. Die Jnszenierungslünste Reinhardts, die dem Variete ohnehin verwandt sind, die von E i n a r N i l s o n dirigierte M o z a r t s ch c Musik und dje entzückende, bei aller natürlichen Frische vollendet virtuose Kunst der jugendlichen Tänzerinnen Lillebil Christensen und Katta isterna gelangten auch in dieser grellen Uinrahmung zum vollen Eindruck. Wer die irüSe Gegenwart dergessen und olle Trdeuschwere für eine Stunde überwinden will, der �ehc i» den Wiiitergarlen und erfreue Sluge und Ohr an diesem graziös-phantastischen Zaubcrspicl. Wer aber handfestere Zerstreuungen sucht, der wird bei den chinesischen Gauklern Sun Hsiaug Jung, bei den� ausgezeichneten Varo- distrn Josef Plaut, den Seiscublascn-Spielercien der Pcpi ?! e u e r o und dein HanSIvnrstpoar»Zwei Bennos" reichlich auf seine Kosten kommen. „Ablehnung dcS deutschen Koiigrcßvirschlagcö iu Paris!"_ lautete der alarmierende 3!us, mit beut am Donnerstag abend eine vom ..ttokal- Anzeiger* herausgegebene Kricgszeituug auf den Stragen scilgcbotcn wurde. Zahllose Passanten sielen darauf hinein und opseiteu ihren Sechser, mir dann zu erfahren, das; es sich lediglich »m die Wiedergabe einiger Pariser Prejjstiimnen handelte. Scherl bat sich längst zur Ruhe gesetzt, aber sein munterer Geschäftsgeist lebt in seinen Ilachfolgern ungeschwächt fort. � Bestandscrhebung von Viahfaden. Berlin, 20. Dezember. Mit dem SO. Dezember tÜ16 tritt eine Bekanntmachung betreffend B e st a n d S c r h c b u n g v o n S! ä h- fäden in Kraft. Durch diese Bekanntmachung wird eine Meldepflicht für sämtliche am Z. Januar 1017 vorhandenen bauimvollenen Räh fäden,?>äh- zwirne. Nähgarne. Heftgarne, Reihgarne, Buchbindcrsäde», Kon. fektionsgarue, Tnkotagcnnähzwirne und sonstige Judustriegarne in handelsfertigcn Aufmachungen für den Klcinvcrkauf, sowie für samt- liche Flachs-. Hanf- und!>iamic-?!ähfäden in jeder?lufmachung für Groß- und Klcinverkauf augeordnet. Tie Meldungen haben bis zum 10. Januar 1017 an das Wcbstosfmcldeamt der Kriegs-Rohstofs- ?lbteilung deS Königlich Preußischen Kriegsministeriums, Berlin SW. 48, Verlängerte Hedemaunstraßc 10, zu erfolgen. Die gleiche Meldung ist für den am ersten Tage eines jeden Bierteljahres vor- bandenen Bestand bis zum zehnten Tage eines jedes Vierteljahrs zu wiederholen. Von der Meldepflicht ausgenommen sind bestimmte Mindest- mengen. So sind nicht meldepflichtig bei baumwollenen l'tähfäden, wenn sie nach der Länge aufgemacht sind, diejenigen Vorräte einer Lagerstclle. welche in einer Dualität, Zwirnung, Farbe und Auf- machung bei Längen bis zu 200 Metern weniger als 5 Groß, bei Längen über 200 Meter weniger als 1 Groß betragen; und lueuu sie nach dem Gewicht aufgemacht sind, diejenigen Vorräte einer Lager- stelle, welche in derselben Zwirnnng und Farbe, jedoch ohne Rücksicht auf Dualität und Aufmachung, weniger als 10 Kilogramm betragen. Bei Flachs-, Hanf- und Ramie-Nähfäden sind nicht mcldepflichiig, wenn sie nach der Länge aufgemacht sind, diejenigen Vorräte einer Lagcrstelle, welche in einer Sorte weniger als 50 000 Meter, und wenn sie nach dem Gewicht aufgemacht sind, diejenigen Vorräte einer Lagerstelle, welche in einer Sorte weniger als 10 Kilogramm bc- tragen. Die Bekanntmachung enthält außer der Anordnung zur Lager- buchführnng noch eine ganze Reihe von Einzelbestiinmniigen und ist mit Beispielen für die?lrt der Meldepflicht versehen. Ihr Wortlaut ist bei den Polizeibehörden einzusehen. Einziehung der Omnibuslinie 7. Die Allgemeine Berliner OmmbnS-Gesellschaft sieht sich wegen des Mangels an Personal und Pferden gezwungen, vom heutigen Tage ab den Betrieb auf der Linie 7 sOranienplatz— Stetiiner Bahnhof) einzustellen. Die Linie 7 diente besonders dem Verkehr zwischen dem Südosten, Zentrnm und Norden Berlins und stellte eine günstige Verbindung des Südostens nach dem Stettincr Bahnhof dar. Tie Einziehung dieser Verkehrs- Verbindung wird naturgemäß abermals eine Belastung der Straßen- bahn mit sich bringe». Für den Verkehr vom Südosten durch das Zentrum nach dem Stettiner Bahnhof kommen jetzt nur noch die Straßenbahnlinien 11, 28 und 20 in Betracht. Eine besonders fürsorgliche Gcmciudcvcrwallung scheint Hohen- s ch ö n h a u s e n zu haben. Sie hat schon vor längerer Zeit erheb- liche Mengen an Ruin, Arrak und Kognak beschasik, die sie jetzt zu Silvester an die Einwobncr abgibt. Allerdings sind die Preise ziem- lich boch, so daß den Hohenschönhausenerii die Silvester- und?!eu- sahrSfeier nicht allzu billig zu sieben kommt. Ein Liier Rum kostet 12 M.,'/{ Liter Kognak und Arrak kosten 9.2ö M. An jede Familie wird nur eine Flasche abgegeben. Aber auch sonst sorgt Hohen- schönhausen für seine Bewohner. So kommen in dieser Woche auf die Lebensmittelkarte'/< Pfund marinierter Hering zum Preise von 02 Pf.. Ve Pfund Salzhering zum Preise von 40 Pf., Va Piund Seelachs für 1.20 M., 100 Gramm Graupen für Ö Pf. und'/« Pfund Tee zu 1 M. zur Verteilung. Eßbestecke selbst mitbringen! Die Verwaltung der Volksspeise- ballen kann wegen des Metallmangels nur noch auSnabmSlveise Löffel, Gabeln und Messer an die Gäste liefern. ES ist daher jedem zu raten, das nötige Besteck selbst mitzubringen. Mehrere Tage tot in seiner Wohnung gelegen hat der 40 Jahre alte Zollsekretär Fritz Pfälzer aus der Jnnstraße 45 zu?! eu- lö lln. Er hauste für sich allein in einem Zimmer. daS er vom Wirt abgemietet hatte. Seit einigen Tagen kam er nicht mehr zum Vorschein. Als man sich gestern nach ihm umsah, weil er schon gc- kränkelt hatte, fand man ihn tot auf. Em reisendes Schwindkerpaar, das auch in Berlin eine Gast- rolle gegeben hat, wird von den Kriimnalbebordcn gesucht. Es handelt sich um einen S6 Jahre alte», aus Eisleben gebürtigen, früheren Güterdirektor Bruno Arends und eine Gertrud Göbel, die er für seine Frau ausgibt. In Berlin führte sich ArendS bei einer Zimmervcrmiercrin als Gutsbesitzer ein und erzählte, daß er hierher gekommen sei, um die Hnpothcten- Verhältnisse seines Gutes zu regeln. Einige Tage nach seinem Zu- zug kam auch die angebliche Ehefrau. Die Wirtin gewährte dem Paar Kredit für Miete und Kaffee. Sie dachte sich auch nichts da- bei, als es nach einem Aufenthalt von zwei Monaten nijt dem Be- merken verreiste, daß eS nach Breslau fabreu wolle, um die Gräber der Eltern zu besuchen. Die Rechnung für Miete und Kaffee war unterdessen auf 124 M. angelaufen. Der.Gutsbesitzer" ließ dann nichts mehr von sich hären. Aehnliche Streiche hat das Paar auch anderwärts verübt und in einem Falle wurde es wegen Betruges schon verurteilt. Arends ist kaum mittelgroß und untersetzt, hat volle? graues Haar und Schnurr- und Spitzbart, sieht gesund ans. geht etwa? gebückt und spricht sächsische Mundart. Seine angeb- liche Frau, die aus Breslau stammt und 04 Jahre zählt, ist viel größer als er und schlank, hat dunkles Haar, das sie glatt nach hinten gestrichen trügt und spricht schlesische Mundart. Dus öen Gemeinden. Tcnchclhof. Tie Gemeindevertretung beschloß in ihrer letzten Sitzung die Aimahme einer Spende der Firma Earotli zur KriegSwohIfahrtspjlege in Höhe von 20 000 M. Dieses Kapital soll iiir einen später zu bestimmenden KriegSlvohlfabrtSzweck Verwendung sinden. während die Zinsen schon jetzt dem lliiterstützungs- sonds für Kricgersamilien zugeführt werden.— Die in einer der letzten Sitzungen der Gcmciiidcverlretuug beschlossene Erhöhung der Mietu» terftü V u» g und die Erhöhung der Familiemmter- siützmig wird aui Beschluß der Gemeindepertretung den eingezogenen Angestellten. Arbeitern und Lehrpersonen der Gemeinde auf die ihnen gewährte TcilgebaltS« resp.-Lohn-ahlnng nicht in Anrechnung gebracht, so daß sie in den vollen Genuß der Erhöhungen gelangen. — Zur Prüfung der Frage der Erhöhung der TeuerungS- z u l a g e n für die Beamten, Angestellten, Arbeiter und Lehrpersonen loird eine Kommission eingesetzt, der auch Gen. Burgemeister angcbört.— Hierauf erstattete die Nah- r u n g S ni i t t e l k o in in i s s i o n einen Bericht über ihre Tätigkeit. Der Bürgermcistcr betonte, es sei müßig, über die LebenSmiitel- frage in eine Debatte einzutreten, da die kleinen Gemeinden im Gegensatz zu den Siadten bei der Lebensimttelziiteiluna mehr oder weniger vom Kreise abhängig und dadurch in ihrer Tätigkeit sehr beengt seien. Er berichtete dann über die Schwierigkeiten bei der Kartoffel-, Gemüse- und Fleischbcschaffnng. Bei dein Verkauf der Kartoffeln babe die Gemeinde im vonaen Jahre große Verluste gehabt. Bon der Bürgerschaft werde über zu geringe Fleisch- rationell geklagt im Vergleich zu Berlin. Die fficmeinde könne aber leider nicht mehr geben als ibr zur Versiigniig siehe. Da« kcieii 0,0 Proz. des dem Kreise jeweils zur Vcrsiigung stehenden«chlackt- vichS. Aufmerksam möchte er daraus machen, daß die durch die Gemeinde zum Verkauf gelangenden Eier, wenn schlechte darunter seien, durch die Händler umgetauscht werden müssen. AuS der KriegSküche werden setzt täglich 1200 Portionen entnommen. Genosse Ewald ging zunächst nochmals auf die in der letzten Sitzung gepflogene GeschästSordnungSdebatte ein und wies es zurück, daß der Bürgermeister bei einer io wichiigen Frage einen Formen- staiidpunlt cinnehme und cS unseren Genossen, die in geringer Zahl in der Gemeindevertretung säßen, unmöglich mache, Anträge zu stellen. Er sei im Gegensatz zum Bürger- meistcr der Ansicht, daß eS durchaus nicht müßig sei. über die Lebensmittelsroge zu debaitieren. durch solche Anssiirache könnten Mängel, i-chädcn inid lliigerechiigkeiten beseitigt werden. Er habe den Wunsch, daß sich die Gemetiiden insgesamt gegen die haiben Maßnahmen der Regierung den LebenSmittelwucherern gegenüber wie ein Manu auflehneil und Abhilfe heischen. Er möchte zu er- wägen geben, ob man nicht Weiler gehen sollte in der Kriegs- criiährung durch die allgemeine Sveisimg. Allerdings. Tempelhof allein könne dies nicht, aber auch hier müßten die Gemeinden wieder vorwärts drängen. Man tolle die Lofung solcher wichtigen Fragen nicht Privatleute» überlassen.— In der nichtöffentlichen Sitzung wurde ShndikuS Goliich eine ciinnalige Gehaltszulage von 1200 M. gegen die Stimmen der Sozialdemokraten bewilligt. tzteukölln. Ter Mogistrat hatte vor kurzem die Wablen der firns Mitglieder und fünf Stellvertreter des SleilerauSichusses der Ge- werbeklafie III ausgeschrieben. Da aber nicht ein einziger Wähler erschienen ivar, konilte der Wahlakt nicht statlfitiden und cS mußte ein neuer Terniin für den 0. Januar anberaumt werden. Tie Stadt hat einen Bestand von über 000 Zentner Sirup auf Lager genominen, der in kürze durch Vermittlung der Kolonial- warenhälidlcr anf Grund der HauShallungskarteii zum Verkauf gelangt. Der Preis ist für Verbraucher auf 32 Pf. je Pfund festgesetzt. In den städtischen Berkaufsstelleii Ivird gegen Vorlegung der Fleisch- karten für Erwachsene je eine Büchse kondensierte Milch ab- gegeben werden. Daneben soll in beschränktem Umfaiige Milch- v u l v e r zum Verkauf gelangen.— Der A c p f e l v o r k a n f er- folgt unter Beachtung folgender Grmidsützc: An Familien bis zu 3 Köpfen dürfen höchstenZ 2 Pfd., an solche mit 4»nd 2 Köpfen höchstens 3 Psd. und darüber höchstens 4 Pfd. abgegeben werden. — Als Ersatz für die urwrü»glick> in Aussicht genommene Ein- richtung einer Volksküche in der Mahlower Straße soll im K a r l s g a r t e il mit größter Beschlcunigiiilg eine derartige Küche bergerichlet werden. Der Magistrat hat ferner die Verlegung der Mittelstandsküche von der Bergstraße 130/137 nach den P a s sa g e- F e st sä l en beschlossen.— Ilm kranken P e r s o nen> den Bezug von Nahrungsmitteln zu erleichtern, ist unter den Groß- i Berliner Gemeinden ein Abkommen dahin getroffen worden, daß beim Verzuge kranker Personen die Akte» und ärztlichen Alteste der neilen Wohngemeinde zu überlassen sind, damit die Ausstellnng nener Atteste vermieden wird. Lichtenberg. Am 3. Januar wird in den Räumen de?„Krön- prinzengartenS" in der Frankfurter Allee die von den städtischen Be- bördelt Lichtenbergs eingerichtete KriegSküche eröffnet werden. Die Küche stellt eine Verbindung von Volks- und Mittelstandsküche dar, indem in ihr sowohl Eintovfgerichle zum Preise von 35 Pf. als auch aus mehreren Gäugeil bestehende Mahlzeiten zum Preiie von 70 Pf. ausgegeben werden. Für ein Eintopfgericht wcrdcir je � ein Abschnitt der Fleisch- und Kartoffelkarte, für ein sogenannles Mittelstandsesscil zwei Abschnitte der Fleischkarte und ein Abschnitt der Kartoffclkarte abgetrennt. DaS Essen kann an Ort und Stelle eingenommen oder auch nach Hause mitgenonime» werden. Die Küche wird vorläufig an allen Wochentagen von'/«IL bis 41lhr geöffnet sein. Chlirlettenburg. Mit Beginn der neuen Fleischkartenperiode, 23. Dezember, findet wieder der Umtausch der Fleisch- karten statt, und zwar werden auf eine Vollfleischkarle für je 220 Gramm Fleisch 372 Gramm Studeln. Grieß. Graupen und Haferflocken, auf eine Kinderfleischkarle für je 122 Gramm Fleisch 200 Gramm dieser Nahrungsmittel gelvährt.?!ur die vollen Fleisch- karten werden iimgelauschr. Der Ilmtausch erfolgt vom 2. bis 10. Januar liir Charlottenburger Rathause, Eingang Lützowcr Straße, Zimmer 44, unter Vorlage der FamilienauSweiSkarle. In der Zeit vom 4. Januar bis 13. Januar ivird auf Abschnitt Nr. 21 der roten ÄahrungSmittelkarte je 1 1 Pfund Teigware verabfolgt. Die Warenausgabe an die Händler am 30. für die An- fangsbuchstaben-1— 7l, am 2. Januar für die Buchstaben A— y und am 3. Januar für Ii—Z. Freireligiöse«Zemeinde. Tonntag. 31. Dezember, vormiüags II Uhr. illeine Franlmrter Straße 6: Vortrag von Frau Maria Kröche: „Tie Frau nach dem Weltendrama".— Montag. 1. Zanuar, vormittags 10'/, llbr, Herr Ernst Täuniig:„Rückblick und Ausblick".— Gaste will« kommen. Bus aller weit. Nick Carters Ende. Nick Carter ist tot. Er und seine Sippe sind als Opfer de« Wellkrieges gestorben. Freilich sind sie nichl auf den Schlachtfeldern des Weltkrieges gefallen, sondern in ihrer Heimat, in den Ver- einigten Staaten. Die in New?)ork erscheinende»Tribüne* ividmet ihnen einen webmlltig-humoristischen Nachruf. auS dem das Trum und Dran des Todes dieser Schuiidromanhelden zu ersehen ist: der Versasier eines?iick-Larter-RomaiiS fitzt eines Abends an seinem Schreibtisch an der soundsovielte» Fortsetzung; versteht sich, daß er gerade bei einem spannenden Höhepunkt ist:»... ES war ein Kampf anf Leben und Tod. Jack schleuderte das Mädchen zur Seile und erwartete mit zortifunkelitde» Llugen das Herannahen der Bande, in jeder Hand einen gespannten Lievolver. Zivei Schüsse unterbrechen die Stille der Nacht..." In diesem Slugenblick läutet der Fernsprecher� der Verleger linterbricht die spannende Handlung und befiehlt:„Sofort den Roman zu Ende bringen, das Papier ist wieder um 10 Prozent gestiegen. Aeußerster Umfang: 100 Seiten." Der Versasier begreift sogleich, worum eS sich handelt, schafft auf wenigen Seiten die noch übriggebliebenen Schurken aus der Wel:, führt das Liebespaar glücklich zusammen, schreibt darunter das Wort „Ende" und sieht sich nach einer anderen Beschäsligung um. So ist eS vielen von der Sippe?!ick Carters gegangen: von dein Augenblick an. wo der Papierpreis eine gewisse Höhe überstieg, waren die Nick-Larter-Roinaiie nicht mehr wirtschaftlich, und eS gibt nur noch wenige amenkanische Verleger, die mit dem Herausbringen solcher Schundromane fortfahren können, weil sie ans Grund lang- sristiger Verträge noch billiges Papier bekomineil. « r» iu m» p U« i»«&icJ?ApV«£te in jeder Preislage. Große» Lager SchallpiatteD. Alle Schlager aus den neuesten Operetten etc. Abgespielte Plauen soe.ie Bru�h .Verden bis AI. 1.50 pro Stück in Zablucg genommen. Bflr Eigene Reparatur-Werkslalt. Gesch'äft Clarlttttento, WilmersdorferStr. 127 1, Ecke Scbülorstraße(kein Laden;. li. 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Ufa fneicr« Vtrunotf»«j; Ci. W a. �o.aaztii«. n»aa.aaaa» w.wnMMjg------------------ W i—————— 1��——— B— W'_____'__________ Serantoortl. lHcbalJciu;- Dr. Franz Sieberich, Friedenau. Für den Inseratenteil verantw,:. Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag:. Vorwärts Buchdruckerci und.Verlagsanstalt Paul Eiliger& Co,, Berlin£5®, 63,