AI?« 358» 33. Bbonnements-Bedlngungen: BbonnfmmtS• Preis ptüntanetnnbo- VierleljShrl. S,90 Ml, monatl. 1�0 MI, wöchenlttch SO Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer ö Pig. Konnmgs. nunimer mit MuiMerler Sonntags. Beilage»Die Neue Well' 10 Pia. Post- kibonncmciu: ILO Marl pro Monat. Eingelragen in die Poll. ZeimngS. Preisiiire. Unter Nreuzband lür Deutichiand und Oelierreich. Ungarn 2L0 SDtctf, für das übrige Stu-Iand « Marl pro Monal. PostabonnemenlS nehmen an Belgisn. Dänemarl, Holland. Italien. Luremburg. Pormgal, Nmnänicn. Schweden und die Schweiz. CrUKlnt lZgNch. Nevlinev Volksblskt. Die IntertionS'GebübP bsirägt jür die sechsgcspaltcne Kolonel- teile oder deren Ziauin eo Pfg.. iür politische und gewerljchaslliche Vereins- und VersammlungS- Anzeigen SN Pig. „Kleine ainrtigen", das teltgedcuckie Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedrucklS Worte!, jedes weitere Wort IN Psg. Stellengesuche und Schlantcllcnau- zeigen das erste Wort 10 Psg, jedes »euere Wort ö P-g. Worte über 15 Buch- Iiadcn zählen für zwei Worte. Znieraie lür die nächjie Nummer Müllen bis 5 Uhr nachmittags in der Exreditien abgegeben werden. Tie Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. relegramm-Zldreff-t .5«p>Z>lIem»lilill liclült" 2entra1organ äev foÄaläemoKratifcken Partei OeutfcKlancks. Reüaktion: EW. HS» �tnüenstraße Z. Fernsprecher: Amt MoritzPlaN. Nr. ISI»«— läl S7. Sonntag, de« 31. Dezember 1913. Expeüition: EW. HS» Linüenstraße 3. Kernivrecher: Amt Moritiplati, Nr. 131 30— 131. S7. Das Es gehört immer noch Mut dazu, diese Worte herzusetzen: das FriedenSjahr 1917! Aber wir brauchen diesen Mut, weil er ein Stück jenes Willens ist, der Frieden schafft. Schwer, vielleicht schon tödlich getroffen, brüllt die Bestie kkrieg noch einmal laut auf; in Wochen. Monaten sehen wir sie vielleicht schon röchelnd verenden. Aber, wenn die Welt noch einmal um ihre Hoffnung betrogen wird, was ist dann zu tun? Dann heißt es, den Kampf in doppeltem Sinne wieder aufnehmen für die Verteidigung des Reiches und für den Frieden I Dann kann es aber nur noch einen kurzen Endkampf geben, und das Jahr 1917 wird dennoch das große Jahr der Weltgeschichte sein, das uns den Frieden bringen wird. Wenn es zu Verhandlungen kommt, so erwarten wir von der deutschen Regierung, daß sie die Ohren steif hält. Das Volk weiß, daß in dem kommenden Friedensvertrag für Generationen über sein Schicksal entschieden wird; darum will es nicht Frieden um jeden Preis, sondern einen guten Frieden. Ein solcher läßt sich nur schaffen auf Grund der Erkenntnis, daß Vcrtragsrechtc wichtiger sind als Bositzrechte. Für schlechte Handelsverträge, für die wirtschaftliche Absperrung von der Welt könnte uns kein Landgewinn entschädigen. Wir wollen ein Deutschland, das frei unter freien Völkern seine Kultur entfalten kam:, Ivir wollen kein weniger deutsches Deutschland, kein Deutschland, das sich durch eine plump materialistisch gedachte.Macht Politik" dauernde Feinde im eigenen Hanse und auf allen Seiten schafft. Auch diejenigen, die im Widerspruch zu uns den ewigen Frieden für einen Traum halten, werden zugeben, daß ein neuer europäischer Krieg in den nächsten dreißig Jahren eine UnWahrscheinlichkeit ist. In dreißig Jahren aber werden wir Zeit haben, uns auf der einen oder anderen Seite— nach sozialistischem Wunsch auf beiden Seiten— neue Freunde zu schaffen, sodaß wir nicht fürchten müssen, jemals wieder in einen so furchtbar schweren Krieg wie diesen verwickelt zu werden. Die„Machtpolitiker" haben weder innen noch außen die Kraft, ihre Ziele durchzusetzen. Hütten sie sie, so würden sie durch ihren Uebcrmut den Untergang des Reiches herauf beschwören. Wir aber wollen durch Schaden klug werden, wollen das Schicksal, das wir diesmal noch mit ungeheuren Opfern abgewehrt haben, nicht noch einmal freventlich heran fordern. Die Welt nach Friedensschluß wird eine andere sein als die vor Kriegsbcginn. Sind die Umstürze der auswärtigen Politik erst zur Ruhe gekomnien, dann werden die Um- wälzungen der Wirtschaft und die der inneren Politik in den Mittelpunkt des staatsbürgerlichen Bewußtseins treten. Ungeheure Aufgaben harren der Lösung. Heute sind wir ein geschlossener Handelsstaat, dessen männliche Bevölkerung, in wirtschaftlichem Sinn, zum allergrößten Teil feiert. Von dem Heimatshcer der Wirtschaft erzeugt wiederum der größere Teil Kriegs güter, die im Frieden keine Verbrauchsgütcr sind. Das Gold ist in der Reichsbank eingesperrt, eine un- geheure Masse von Papier geld ist— im Ausland zu bc- denklich niedrigem Kurse— im Umlauf. Die öffentlichen Schulden haben eine Höhe erreicht, vor deren Ziffer auch ein phantasiebegabter Kriegsromandichter vor deni Kriege zurückgeschreckt wäre. Der Markt ist von Rohstoffen des Aus- lands entblößt, mit Naturprodukten des Inlands nur schwach besetzt, die Accker sind ausgesogen, die Bautätigkeit ist still- gelegt. Die noch vorhandene Einfuhr ist zentralisiert, der Lcbensbcdarf ist durch Kartensystem rationiert, die Preise für die wichtigsten Bedarfsartikel sind durch Verordnungen fest- gesetzt. Kurz: wir haben eine— unvollkommene aber auS Rot- wcndigkeit erwachsene und während des Kriegs unentbehrliche— Wirts chaftlicheKriegsordnung. Und das Problem, von dem in den nächsten Jahren alles, die ganze Volks- zukunft abhängt, besteht darin, aus dieser loirtschaftlichen Kricgsordnung in eine wirtschaftliche Friedens- o r d n u n g hinüberzukommcn. Noch haben wir eine kapitalistische Wirtschaft. Aber der Kapitalismus herrscht nicht mehr über den Staat, sondern der Staat herrscht über den Kapitalismus. Die Wirtschaft ist nicht vergesellschaftet, aber sie ist durchstaatlicht: vom Zentrum bis in ihre Endfunktionen ist sie durchsetzt mit öffentlicher Gewalt. Würde die öffentliche Gewalt beim Kriegsschluß auf ihren wirtschaftlichen Einfluß verzichten, wäre niit einemmal dem laisse� faire, laissez aller, dem Gehen- und Gehenlassen, freier Spielraum geschaffen, so wären Chaos und Katastrophe die sichere Folge. Die Staatsgewalt wäre nachher dennoch genötigt, wieder einzugreifen. Nicht um den Abbau des im Kriege geschaffenen Wirtschaftssystems kann es sich handeln, sondern nur um seinen Umbau und Ausbau. Der Weg vom Krieg Ssozialismus zu vi Friedenssozialismus muß gefunden werden! Dazu werden wie überall die Erfahrungen daS meiste tun. Trotz- dem fällt auch der sozialistischen Theorie eine ungeheure Aufgabe zu. Marx' Kapital wird das Buch der Zeit sein! Wir brauchen einen wissenschaftlichen Sozialismus, der, auf Marx fußend, die Wirtschaft, wie er sie jetzt findet, analysiert und alle praktischen Uebcrgangsprobleme— der Währung, des Bankwesens, der Rohstoffbeschaffimg, des Arbeitsprozesses, der Staatsschulden, der Steuern, der MonoPole— im einzelnen durcharbeitet. Leider finden wir dasür vielfach nur einen„wissenschaftlichen" Sozialismus, der seine Auf- gäbe verkennt und politisch dilettiert, während er auf seinem eigensten Gebiet unftuchtbar bleibt. Wo sind die Sozialisten. die, vom eigentlichen Tageskamps abgelöst, in der Ruhe ihres Studierzimmers diese gewaltige, unermeßlich wertvolle Geistes- arbeit vollbringen? Theoretiker des sozialen Aufbaues an die Front! Die kämpfende Sozialdemokratie bedarf neuer geistiger Rüstung, lvenn ihre wissenschaftliche Habe nicht zurück- bleiben soll hinter ihrer wuchsenden politischen Macht. Bringt uns dieses Jahr den ersehnten ehrenvollen, guten Frieden, dann kann die Sozialdemokratie mit Stolz auf de» Weg zurückblicken, den sie niitteu im Trümmerfall des Welt- kriegs zurückgelegt hat. An der mangelnden Reife ihrer Nicht- anhänger und Gegner ist ihre große Aufgabe, den Weltfrieden zu erhalten, gescheitert. Sie hat darum nicht den Kopf per- loren. sondern sie hat sich mit der Fülle ihrer jungen Kraft der doppelten Aufgabe gewidmet, das Reich zu er- halten und den Frieden z u c r k ä m P f c u. Heute können lvir hoffen, daß sie in absehbarer Zeit auf dieses Werk als auf ein vollbrachtes zurückblicken darf, lind das gibt ihr Recht zum höchsten Stolze, wenn sie auch nicht vcr- kennt, daß auch andere starke Kräfte mit ihr zum großen Ziel zusammengewirkt haben. Nun aber heißt es, die gewonnene politische Kraft der Arbeiterklasse umzusetzen in wirtschaftliche Kraft. Tie Arbeiter haben ihr Vaterland geschützt, nun Vaterland schütze du deine Arbeiter vor politischem Unrecht, vor wirtschaftlicher Ausbeutung! Millionen kehren beim, die sich ein Recht auf ein besseres Dasein erkämpft haben. Was lvird das Vater- land ihnen bieten? Etwa ein Pluralwahlrecht in Preußen und die Aussicht, auf dem„freien Arbcitsmarkt" frei zu vcr- hungern? Das darf nicht, das wird nicht sein! Schenken wird man uns nichts! Wir stehen vor schweren Kämpfen, in denen der Geist, die politische Klugheit, die ge- dankliche Durchdringung des umkämpften Stoffes entscheiden wird. In der äußern wie der innern Politik kann die Gc- walt nur Vorentscheidungen treffen und leere Formen gießet, deren Inhalt durch die Arbeit und den Kamps des un- dramatischen Alltags bestimmt wird. Staatsverfassungen kann man— daS lehrt uns die Ge- schichte auf der Straße an einem Tage stürzen, wenn die Umstände günstig sind.(Sie sind es selten). Wirtschafts- Verfassungen kann man nur in unendlich mühevoller Arbeit reorganisieren— das aber ist's, worauf alles ankommt. Wir brauchen die große Begeisterung, die nicht nur von einem Tage träumt, sondern die auch in der Klcinarbcft ihre Befriedigung findet, weil diese Kleinarbeit ein Stück Arbeit an einem herrlichen Ganzen ist. Diese Begeisterung hatten wir einst für die Kleinarbeit, als es galt, die Arbeiter- klaffe zu organisieren. Wohlan denn, jetzt geht es um mehr! Jetzt gilt es, nicht nur die Arbeiterklasse, sondern die nicn schliche Gesellschaft zu organisieren! Zu dieser weltgeschichtlichen Arbeit brauchen wir alle Kräfte! Wir wollen keine missen, jede ist uns lvillkommen. Das gilt für jene, die vor dem Krieg unserer großen Volks- und Menschheitssache zögernd und mißtrauisch gegenüber- standen. Sie, die uns vor dem Krieg„Vaterlands- lose Gesellen" nannten, haben an uns, an der ganzen Bewegung, deren Wesen sie verkannten, ein Unrecht gut zu mache», mögen sie es tun, indem sie aufhören. Feinde unserer Sache zu sein. Und zugleich ist noch ein anderes Vorurteil reif zum Verschwinden: das ist die Vorstellung, daß die Sozialdemokratie weiter nichts als eine Vertretung materieller Handarbeitcrinteressen wäre, während sie in ihrem eigenen Bewußtsein die Vcr- t r e t e r i ii aller Kulturinteresscn des ganzen schaffenden Volkes i st, die Vertreterin wie des Arbeiters in der Werkstatt und auf dem Acker so auch des Gelehrten, des Künstlers, des Bcanitcn, des A n g e st e l l t e n, die Vertreterin all' derer, die mit Hirn und Hand Werte schaffen! Sie alle sind Arbeiter im hohen Sinn dieses Wortes und berufene Bundesgenossen im Kamps gegen feudalen wie kapitalistischen Herrschaftsgeist. Von dieser Konzentration aller tätig aufstrebenden Kräfte sollen aber auch diejenigen sich nicht ausschließen, die ihr Leben lang im Kampf für die Befreiung der Arbeiterklasse mit uns Schulter an Schulter standen, bis uns der Streit der Meinungen, der aus dem Kriege entstand, auseinander riß. Dieser von dem Hauptstrom der Bewegung abgezweigte Arm ist zu hoffnungslosem Versumpfen und Versanden be- stimmt, lvenn er nicht den Weg zum breiten Strombett zurück- findet. Die Rechthaberei der rückwärts Gewandten, der mit dem Lauf der Weltgeschichte Unzuftiedeiien kann der Arbeiter- klaffe nicht den Weg nach vorlvärts weisen. Los von diesem Legitimismus des Prinzips, von diesem zum Absterben verurteilten Geist der Absondemug und Zersplitterung! Wie denn? Wir wollen die Welt verändern und sollten diese Arbeit damit beginnen, daß wir unsere Striiste in sinnlos gewordenen Kämpfen um Vergangenes aufreiben und vergeuden? Wir sollten die Kraft von vier Fünfteln un- serer Abgeordneten, drei Vierteln unserer Schriftsteller, neun Zehnteln unserer Gewerkschaftsvertreter brachlegen, weil sie in schwerer Zeit nach ihrem besten Wissen und Gemissen zu ihrem Volke standen und dann? Um wieviel Schritte wird dann wollt die leidende Menschheit ihrem Glück näher gekomnien sein? Noch einmal ganz von vorne anfangen? Niinmerniehr! Wir schreiben nicht 1817, sondern 1917! Wir wollen die siebzig Jahre Entwicklung, die hinter uns liegen, nicht noch einmal zurücklegen. Schwager Kronos peitscht die Rosse vor- wärts, dem Frieden zu, in die Freiheit hinein, einer neuen Zukunft der menschlichen Gesellschaft entgegen. Denen draußen aber, die jetzt nichts von uns wissen wollen, die uns Boches und Barbaren nennen, werden wir zeigen, wie das deutsche Volk im Frieden für eine bessere Zu- kunft der ganzen Menschheit kämpft. Wir wollen sie zwingen, zu uns zu kommen, um von uns zu lernen, und uns zu holen, daniit wir ihnen helfen! Frei unter freien Völkern, ihnen allen den Weg zu gemeinsamem Aufstieg weisend, so wollen wir deutsche, internationale Sozialdemokraten das deutsche Volk. Dafür sind sie alle gestorben, Deutsche und Franzosen. Engländer und Oesterreicher, Russen und Bulgaren, Italiener, Türken, Serben und Rumänen, daß aus ihren Gräbern eine bessere Zukunft für ganz Europa erblühen soll. Dasür laßt uns kämpfen und arbeiten! FricdrichStampfer. Eine Initiative, öie gewirkt hat! Viktor Adler über das Friedensangebot. Wien, M. Dezember. Die Wiener Arbeiterschaft veranstaltete am Donnerstag abend eine Friedens Versammlung, in der Biltor Adler der sichere» lleberzcugniig Ausdruck gab, day daS Friedensangebot der Mittelmächte eine Initiative war, die gewirkt hat, und daß sich trau allem, waS i» Petersburg und Paris gesagt wurde, seine Wirkung verstärken wird. Daß auch in den gegnerische» Ländern die llrberzeiignng besteht, daß sie nicht lange inchr dem Friede» werden widerstehe» können, sei klar. Adler bezeichnete es als Pflicht deS Proletariats, seine Anstrengungen zn vermehren, damit der'Wille zum Frieden in de» Massen wachse. Er erbat sich die E r m ä ch- lignng, im Raine» der Versammlung dem Präsidenten Wilson t c l e g r a p h i s ch Gruß n u d Dank zu entbictrn. lLcbhaster Beifall.) Biichiugcr iiberb, achte die Grüße der ungarischen Sozial- d c m o k r a t i c, die alle Krast daran setzen werde, dem Friedens- willen des Proletariats auch in Ungarn Gehör zn verschaffen..Hierauf wurde die Sitzung unter lebhaftem Beifall geschloffen. Sevorftehenöe Antwort öer Entente an öie MitteZmachte? Ter Pariser K«rreid»n,dcnt der Kopcnhagencr„Politiken" teilt, wie dem„B. T." telegraphiert wird, seinem Blatt unter dem 3!1. mit, daß die Antwort der Alliierten auf die Note der Zentral- mächte wahrscheinlich morgen den Regierungen Amerikas» Spaniens und der Schweiz überreicht werde» wird. Man werde Wert darauf legen, sie den Zeit n„gen nicht sriiher als den Rcgierungsvertretern zu übergebe», im Gegensati zu dem angeb- lichcn Vorgehen Teutschlands, das die für den Präsidenten Wilson bestimmte Antwort zuerst den Bättern habe zukommen lassen. Tic Note werde voraussichtlich von allen Ententemächten unterzeichnet sein und auch eine Darstellung der Entstehung deS Krieges enthalten, um damit die Ablehnung b e S Arie- densangebots zu erklären. Tie Antwort auf die Note W i l s o n s und der Schweiz werde wenige Tage später erfolgen. £[i sie auch eine glatle Ablehnung bringen werde, sagt der Be- richt nicht. London, 29. Dezember. zccudcr 1916. fW. T. B.> Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz R u p p r e ch t Aorduicstlich von Lille, an der Tomine— vornehmlich ans dem Nordnser— und in einzelne« Abschnitten der Aisnr- Front»ahm zeitweilig das Feuer zu. Mehrfach wurden Vorstöße englischer und frouzösischer Patrouillen abgewiesen. Heeresgruppe Kronprinz. Auf dem linken Maas-User führten die Franzosen gegen die von uns gewonnene» neuen Linien am„Toten Mann" im Laufe des Tages mehrere, durch starke Feuer- wellen eingeleitete Angriffe, die sämtlich abgewiesen wurden. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des G e n e r n l f e l d in a r s ch a l l s Prinz Leopold von Bayer». Bei nugüustige? Witterung die gewöhnliche Graben» kampstätigkeit. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph. In den verschneiten Waldkarpathe» erfolgreiche Patrouillengänge deutscher Jäger. Im flcbenbürgischen Grcuzgebirgc drangen die deutsche» und österreichisch-uiigarischen Angriffötruppen trotz hartnäckigen Widerstandes in verschanzte» Stellungen nnd trotz starker Gegenstöße, bei denen der Nussc 10 Offiziere, 650 Man» und 7 Maschinengewehre in unserer Hand ließ, weiter vorwärts. Heeresgruppe des Grncralfeld Marschalls von M a ck e n s e n. Unsere unermüdlichen Truppen folge» dem auf der ganze» Front zwischen Gebirge und Donau weichenden Feind. Sie stehe» in fortschreitendem Kampf in der Linie nordöstlich Lizirul— Sutesti lam Luzau!)— Slobozia shalb- wegS Rimnicul Sarat— Plagiucsti). annähernd 30 000 Bleibarrcn. clwa 0000 Fcldeisenbahnschicucn, 200 Ballen Sohlenleder, 000 Olollen Stachcldrahl. An Teck hatte das Schiff außerdem eine größere Anzahl(l-n Stück) Stahlflaschen mit Flüssigkeit zur lZrzcngnng giftiger Gase gelade». Die Sprengstoffladung war in Kisten mit der Aufschrift „High explosive"(höchst explosiv) verstaut. Es ist jedenfalls bemerlcnSwert. daß amerikanische Firmen a u ch g i f l i g e G a s c in die Liste ihrer Lieserungen für Deutsch» lauds Feinde aufgenommen haben und diese Gifte fabrikmäßig im Großbetriebe herstellen. Welche hervorragende seemännische und militärische Leistung es ist, einen mit hochgradig explosiven Stoffen überladenen Dampfer mit einer im höchste» Grade unzuverlässigen, aufsässigen, an Zahl mehrfach überlegenen Besahung weit über 1000 Seemeilen hinweg über ein von feindlichen Kriegsschiffe» und Wachtfahrzeugen Wim- Niel udes Gebiet in einen deutschen Hafen einzubringen, wird der Leser selbst ermessen können. Der absolute Wert der MunitionSladung de» „Suchaii" beläuft sich auf ungefälsr 20 Millionen Mark; der relative Wert für Nußiand und damit auch der Verlust ist jedoch ein weit böhcrer. Dr. Dillon, der bekannte englische Publizist und sehr gu:c Kenner der russischen Verhältnisse, erklärte kürzlich, daß in ganz Nußland bisher nur etwa 30 000 Geschosse am Tage hergestellt wer- den können; mithin würde die an Bord des„Suchan" befindliche Geschoßniunition allein der Wochenproduktion der gesamten russi- scheu Kriegsindustrie gleichkommen. Kaiferlichs? Erlaß an ffeer unö Narine. Wie amtlich gemeldet tvird, ist an Heer und Marine folgender Neusahrscrlaß ergangen: Wiederum liegt ein Kriegsjahr hinter uns, hart an Kämpfen und Opfern, reich an Erfolgen und Siegen. Die Hoffnungen unserer Feinde auf das Jahr IvllZ sind zu» schänden geworden. Alle ihre Anstürme in Ost und West sind an Eurer Tapferkeit und Hingabe zerschellt!. Der jüngste SiegeSzug durch Rumänien hat durch Gottes Fügung wiederum unoerwelktiche Lorbeer» au Eure Fahnen gc- heftet. Die größte Seeschlacht dieses Krieges, der Sieg am Skagerrak, und die kühnen Unternehmungen der U-Boote haben Meiner Marine Ruhm und Bewunderung für alle Zeiten gesichert. Ihr seid siegreich auf allen KriegSschanplätzen zu Lande wie zu Wasser! Mit unerschütterlichem Vertrauen und stolzer Zuversicht blickt das dankbare Vaterland auf Euch. Der unvergleichliche kriegerische Geist, der in Euren Reihen lebt, Euer zäher, nimmer ermattender Siegeswille. Eure Liebe zum Vatcrlande bürgen Mir dafür, daß der Sieg auch im neuen Jahre bei unseren Fahnen bleiben wird. Gott wird auch weiter mit uns sein! Großes Hauptquartier, den 31. Dezember 101g. Wilhelm. Auch der König von Bayern hat einen Tagesbefehl erlassen. Es heißt darin:„Wenn der Feind die Hand, die wir im Gefühl unserer Stärke dargeboten haben, zurückstoßen sollte, so werden wir den Frieden, den er uns vcr- weigert, erzwinge n." Der deutsche Angriff in Siebenbürgen und Rumänien. Der russische Hoaresiericht vom 28. Dezember meldet von der � M o l d a u- F r o n t: Der Feind nahm mit beträchtlichen Kräften die L s f e n s i v e aus der Front vom Torfe Glashütte bis«oosmczö auf und desehte, nachdem er unsere Mannschaften zurückgedrängt hatte, einen Teil der Höhen nördlich und südlich des Dostiany, und L'.tuztalcs östlich von Soosmezö. Ter Kampf geht dort fort. Die feindliche Offensive wurde südlich Soosmezö durch unser Feuer zum Stehen gebracht. Eine unserer Batterien schoß ein feindliches Flugzeug ab, das in der Gegend von Tkue zur Erde fiel. Führer und Beobachter wurden gefangen genommen. Von der rumänischen Front wird berichtet: Nach hart» nackigem Widerstand wurden unsere Truppen unter dem Drucke überlegener feindlicher Kräfte auf dem Abschnilt längs der Bahn- linie in der Gegend Ltimnicu-Sarat zurückgedrängt und ge», zwungen, sich auf den Nymnik-gluh zurückzuziehen. Feindliche An-j Mazedonische Front. Nur kleine Gefechte von Streifabteilungen in der Struma-Ebenc. Ter Erste Generalquartiermeistcr. Ludendorff. « Snlcni liegt am Buzcu. zwischen Braila und Rimnicul Sarai, in Luitlini« etwa gleichweit von beiden entiernt. Bizinil liegt südöstlich von Suiesti, nach der Donau zu. Plaginesti liegt nöidlich von Rimnicul Sarah halbwcgS ztvischen diesem Ort und Focsani. » �bcnübericht. Amtlich. Berlin, 30. Dezember abends.(W.T.B.) Bisher keine besvndere» Ereignisse gemeldet. Der österreichische Hencht. W ien, 30. Dezember 1010.(VJ. T. B.) Amtlich wird vcrlautbart: Ocstlichcr Kriegsschauplatz. Die in der walachischen Ebene vordringenden verbündeten Streitkräfte haben in iiiiiinterbrochencm Kampfe die Linie Bizirnl— Svtessi nud zwischen Romniciil-Tarat und PlaincSci de» Oianm von Slobozia gewonnen. Westlich von PlaineZci nähert sich die Kampfgruppe des Generals von Krafit de» Berg- süße». Ocstcrrcichisch-uiigarische Bataillone»ahmen hier dem Feind zwei 10-Zeiitimctcr-Hauhitze» ab. Der Südflügcl der Heeresgruppe des Generaloberst Erz» herzog Joseph hat trotz dem zähen feindlichen Widerstand er» neuert beträchtliche Forrschritte erzielt. Russische Gegenstöße wurden abgeschlagen, 10 Offiziere, 050 Mann und 7 Maschinen- gewchre als TagcSbcute eingebracht. Nördlich des Uz-TaleS scheiterte ein schwächerer russischer Angriff. Nordwestlich vo» Zalosce fühlten uiiscre OffizicrSPatrouillcn mit Erfolg gegen die feindlichen Stellungen vor. In Wolhynir» hat«ine» unserer Luftgrschwader das Wald» lagcr östlich von Sadow mit Bomben belegt. Jtnlicilischcr und Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts von Belang. Der Stellvertreter des Chef» de» Gcneralstabe». v. H o e f e r, Fcldmarschalleutnant. griffe an der Donau wurden mit großen Verlusten zurückgeschlagen. Westlich von V i z i r u nahmen englische Panzcrautomo- b i l e hervorragend Anteil an der Abweisung der feindlichen An» griffe. Ter tapfere Kommandant der englischen Automobilabtei- lung wurde am 26. Dezember im Laufe des Gefechts verwundet, als er die Angriffe der Feinde abwies. Jedoch schon am 27. De- zember leitete er von neuem den Kampf seiner Panzerautomobile, die den Feind veranlaßtcn, die Flucht zu ergreifen. Der Vormarsch oufBroi/o Aus der D o b r u d f ch a wird gemeldet: Angriffe des Feindes auf unsere Front wurden überall durch unser Feuer abgeschlagen, außer an den Stellungen bei dem Dorfe Rachel, das vom Feinde in Besitz genommen wurde. Von der rumänischen Front heißt cS: Der Feind griff die Ru- mäncu auf der Front nördlich und südlich de» Kasinflusses nahe der rumänischen Grenze sowie westlich von Soveje an und drängte sie eine Werst osttvärts zurück. In der Gegend von Kipj- dem und Kostomiru, 80 bzw. 15 Werst nördlich von Rimnicul Sarai werden die Kämpfe sortgejctzt. Me Angriffe wurden durch die Oiumäncn abgeschlagen. Rumänische Abteilungen und die uusrigcn, die eine Stellung auf dem linken User des R i m- n i c u besetzten, schlugen alle Angriffe des Feindes tapfer im Gegenangriff zurück. Ebenso wurden alle Angriffe im Abschnitt von der Eisenbahn bei Viimincu Sarai bis Boldu südöstlich von Rimnicu Sarat abgeschlagen, wo der Feind durch unseren euer- gischen Gegenangriff zurückgedrängt wurde. Im Laufe des Tages machte der Feind in Starte von etwa 2 Divisionen einen Angriff in der Richtung auf das Dorf Amara, 10 Werst südlich von Boldu, aber gegen Ende des Tage» flaute der Kampf ab. Bei dem Dorf I i l i p c ft i schlugen wir einen feindlichen Angriff«b. In den übrigen Abschnitten Artilleriefeuer. In der D o b r u d s ch a machte der Feind auf der ganzen I Front Angriffe auf unsere Posten.' Englanös militärische Mehrleistungen. London, 30. Dezember.(T. II.) Ter Militärkritiker der „Times", Oberst Ltepington, spricht in einem längeren Artilel über die Aufgaben, welche England im Landkriege noch obliegen. England müsse sich bereithalten, in den letzten Operationen des Krieges eine wichtigere Rolle zu spielen als bisher. Die Armeen Frankreichs seien noch in voller Stärke, aber die noch Vorhan- denen Lieservcn seien nicht mehr so groß als England es wünschen könnte. Rußland habe noch große Reserven an Menschenmale- rial, aber alles komme auf die Ausrüstung, auf die Anzahl der schweren Kanonen und das technische Material an; denn Armeen, die in dieser Hinsicht so schlecht ausgerüstet seien wie die russische bisher, hätten nicht den halben Wert, den sie haben könnten. Eine gebrechliche innere Organisation, ein ziemlich armeS Eisenbahnnetz ständen der schnellen Entwickelung der Vollkraft'Rußlands im Wege, und man müsse die Leistungen Rußlands nicht übertreiben. I t a- l i e n falle es nicht leicht, die Anzahl seiner Felddivisionen bedeutend auszubreiten und obwohl die Mobilisation seiner Industrie große Fortschritte mache und die Anzahl seiner schweren Geschütze schon zunehme, so sei wegen der Beschaffenheit seiner Grenzen«in Offen- sivkrieg eine langsame und schwere Operation. Rumänien, Serbien und Belgien könnten nicht mehr tun, al» sie bereits getan hätten, und von Portugal dürfe man keine großen Truppenkontingente erwarten. Deshalb sei es England» Aufgabe, eine wichtigere Rolle alz bisher im Landkriege zu spielen. Wäh- rcnd England seine meisten Truppen für die Entscheidung auf den Hauptkriegsschanplätzcn heranziehe, sei e» die Aufgabe der i n d i- scheu und-a fr i k a n i s ch en Truppen- die Macht der Türken zu vernichten. » Der Oberst Rcpington ist in England mit seiner Kritik ost al» Schreckenskind empfunden worden. Die Einschätzung, die er jetzt den Bundesgenossen Englands zuteil werden läßt, dürfte wieder zu ähnliche» Wirkungen führen. � Englische Arbeiter gegsn farbige Arbeit. Der„New EtateSman", das Organ der Fabicr, stellt fest: Der Gedanke einer Einfuhr schwarzer Arbeitskräfte in großem Maßstabe aus den englischen afrikanische» Besitzungen nach England ist bis auf weiteres aufgegeben. Organisierte Bataillone solcher Arbeiter sind von der englischen piegierung schon für den Dienst hinter der englischen Front in Frankreich aufgestellt worden und beträchtliche Nachschübe sind unterwegs. Ein Plan für ihre Verwendung in England war in Einzel» Helten ausgearbeitet und gegen Zusicherung der Geheimhaltung ver» schiede»«» Ausschüssen von Gewerkschaftsführern unterbreitet>vor- den. Der Vorschlag führte zu hitzigen Erörterungen und sehr nach- drücklichcn Warnungen vo- einem Aufruhr der.'l r- beiterklasse. der darauf folge» würde. Der Plan fand bei der parlanwutorischen Arbeiterpartei keine Unterstützung; man konnte sie sogar nicht davon zurückhalten, ihren einstimmigen ablehnenden Beschluß zu veröfscntlichcii. Als schließlich Lloyd George die Arbeiterpartei aufforderte, die sechs Stellen in seiner biegierung einzunehmen, versicherte er den Anwesenden ausdrücklich, daß jeder Gedanke an die Einführung farbiger Arbeiter nach England cndgültig�anfgegcbcn sei. Der„New Statesman" fügt hinzu: Solange die wohlhabenden Klassen zu Ausgaben für ihr eigenes Wohlbehagen«in sich auf mehrere hundert Millionen Pfund Slerling belausende» Einkommen- behalten dürfen, halten sie tatsächlich mehrere Millionen weißer Männer und Frauen, die die Regierung sonst für Kriegsarbeit vcr- wenden könnte, in ihren Diensten, sei es zur persönlichen Bedienung, sei es zur Befriedigung ihrer LuxnSbedürfnisse. Solange nicht die Regierung jedes Priuateiniomme» über 500 Pfund beschlagnahmt hat und dennoch die vorhandenen Arbeitsträfto unzureichend findet, darf eine so ernste gesellschaftliche und wirtschaftliche Neuerung wie die Einfuhr farbiger Arbeitssklaven nicht einmal in Betracht gezoge» werden._ Neue? Ssenbahnerstrei? in Amerika. Amsterdam, 30. Dezember.(T. lt.) Aus Newyork wird berichtet: Ein Arbeiterführer erklärte, daß 400 000 Eisen- bahnnrbeiter zusammenkommen und beschließen werden. welche Maßnahmen ergriffen werden sollen, falls daL neue 8-Stunden-Arbeitsgesetz aus irgendeinem Grunde später als am 1. Januar in Kraft trete. Man erwartet bestimmt, daß eine � Resolution zugunsten eines Streiks angenommen werden wird.__ Em Teuerungskongreß in Stockholm. In Stockholm wurde am Freitag ein Teucrungskongreßer- öffnet, auf dem die Gründe der ständig zunehmenden Tcne- rung in Schweden und die Mittel zur Abhilfe besprochen werden sollen. Arn Kongreß nehmen ungefähr fünfhundert Pertrctcr der Konsumvereine und die Lebensmittelämter des ganzen Landes teil._ Letzte Nachrichten. Frankreichs KriegSfiuanzen. Im französischen Senat gab. wie die„Frkf. Ztg." meldet, Ribot bei der Diskussion der provisorischen Kredite für das erste Bierteljahr 1017 ein Exposö über die finanzielle Lage Frankreichs, verglichen zu den anderen kriegführenden Län- ocrn. Unsere Schuld, sagte der Minister, erhöht sich um 4 g M i l I i a r d e n. Die konsolidierte Schuld beträgt 73 Milliarden. Das Ergebnis der letzten Anleihe beträgt genau 11,608 Milliarden, davon 10,100 Milliarden eingezahlt mit 54 Proz. Bargeld. Obwohl diese Ergebnisse befriedigend seien. müsse man die ausländische Schuld aufmerksam überwachen. Die schwebende Schuld(Bons des Staatsschatzes und der nationalen Verteidigung) beträgt 12 Milliarden. Die größten Schwierigkeiten bestehen in der Bezahlung der Ankäufe im Auslande, zu deren Deckung England und Frankreich die größten Anstrengungen machen. Alkoholmonopol in England. London, 30. Dezember. Die„Pall Mall Gazette" sagt in ihrer Ausgabe von gestern abend, daß, nachdem der Staat die vollständige Kontrolle über die Eisenbahnen, die Kohlenzechen nnd die Schiffahrt sich angeeignet habe, jetzt auch der Plan besteht, ben Handel mit a l k o h o I i- scheu Getränken in eigene Verwaltung zu nehmen. Man ist allgemetn der Meinung, daß der Plan besteht, wonach alle Brauereien, Brennereien, Wirt'chaften usw. durch den Staat verwaltet werden sollen. Dies werde eine dc�r ersten Gesetzes- vorlagen im neuen Jahre bilden. Im vorigen Jahre wurde von Lloyd George bereits ans die Notwendigkeit dieser Maß- nahmen hingewiesen. Ter Wert aller Brauereien, Brenne- rcien und Wirtschaften in England und Wales allein wird auf 250 Millionen Pfund Sterling geschätzt. Wie man sagt, werden die Anteile gegen den Marktwert in Rcgicriings- effekten von gleichem Werte nnd mit festen Zinsen einge» tauscht werden. GewsrksihaMches. Hjlfsöienstgefetz und �rbeiterausschü�e. Eine im Hilfsdienstgesetz bestehende Bestimmung wird nr Arbeiterkreisen vielfach noch nicht genügend beachtet. Es ist das der Zwang zur Bildung von Arbeitcrausschüsscn in den Betrieben. Nach den Bestimmungen der Gewerbeordnung§ 134Ir waren Avbeiterausschüsse in den Betrieben bisher schon zu- lässig. Es war aber in das Belieben des Unter- n e h m e r s gestellt, ob er in seinem Betriebe Arbeiter- a u s s ch ü s s e anerkennen wollte oder nicht. Mit dieser Willkür hat das Gesetz jetzt insofern aufgeräumt, als nach§ 11 des Hilfsdienstgesetzes bestimmt ist, daß in Be- trieben mit mindestens 50 Beschäftigten ein A u s s ch u tz eingesetzt werden muß. Dadurch sind alle die Unternehmer, die mindestens 50 Personen beschäftigen, verpflichtet, Ausschüsse zu schaffen. Wo solche Ausschüsse schon bestehen, werden sie nun durch das Gesetz zu anerkannten Einrichtungen, in denen alle Arbeiter- angelegenheiten zu erledigen sind. Diese gesetzliche Ver- pflichtung zur Bildung von Ausschüssen ist gegenüber dem früheren Zustand ein unverkennbarer Fortschritt. Nach 8 12 des Gesetzes gehört es zu den Obliegenheiten der Arbeiter- ausschüsse, das gute Einvernehmen innerhalb der Arbeiter- schaft des Betriebes und zwischen den Arbeitern und den Unternehmern zu fördern. Das soll dadurch geschehen, daß die Ausschüsse Anträge, Wünsche und Beschwerden, die sich für die Arbeiter� aus den Betriebseinrichtungen, den Lohn- und Arbeitsverhältnissen des Betriebes usw. ergeben, zur Kenntnis des Unternehmers bringen und sich darüber zu äußern haben. Dem Unternehmer ist die Ver- pflichtung auferlegt, auf Verlangen von mindest enseine mViertelderMitgliederdes Ausschusses eine Sitzung anzuberaumen, zu der die von den Arbeitern gestellten Anträge als Beratungs- gegenstände auf die Tagesordnung gesetzt werden müssen. Kommt es in einem Betriebe über Lohn- oder Arbeitsbe- dingungen zu Streitigkeiten und kann darüber eine Einigung zwischen dem Unternehmer und dem Arbeitermisschuß nicht zustande kommen, so kann der Unternehmer sowohl wie die Arbeiter den für den Bezirk der zuständigen Ersatzkommission geschaffenen Ausschuß als Schlichtungsstelle anrufen. Zu diesen Arbeitcrausschüssen haben auch die Arbeite- rinnen, sofern sie über 21 Jahre alt sind, das Wahlrecht, ebenso können Arbeiterinnen als Mitglieder des Ausschusses gewählt werden. Ein öffentlicher Hinweis auf diese Neuschaffung im ge- werblichen Arbeitsvertrag erscheint uns nochmals notwendig, um Arbeiter und Arbeiterinnen zur Wahl der Arbeiteraus- schüsse aufzufordern.__ veutschcs Neich. Tie Königsberger Gewerkschaften für das Hilfsdienst- gesetz. Während der sozialdemokratische Wahlverein in Königsberg i. Ostpr. nach einem Referat des Reichstagsabgeordneten Haase die Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft zum Hilssdienstgesetz billigte, hat sich die größte Königsberger Gewertschaftsorganisation, der Bauarbeitervcrband, der ein Drittel der gewerkschaft- lich organisierten Arbeiter Königsbergs stellt, bsdingnngslos auf die Seite der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion gestellt. Nach einem Referat des Bezirksleiters Lübbring nahm die gutbesuchte Versammlung gegen eine Stimme eine Resolution an, in der sie der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion für ihre wirksame Ver- tretung der Arbeiterinteressen bei der Beratung des Hilfsdienst- gefetzcs sowie für ihre Stellungnahme zu diesem Gesetz Dank und Anerkennung ausspricht. Die Versammlung gab aber auch der Meinung Ausdruck, daß die durch das Hilfsdienstgesetz erhoffte Wirkung nur erzielt werben kann, wenn in der Kriegsernährungs- Politik andere, der Arbeiterschaft freundlichere Wege eingeschlagen werden. Der Lebensmittelwucher müsse unmöglich gemacht, die Ernährung der Arbeiter zur Steigerung ihrer Arbeitsleistung sichergestellt werden. Die Versammlung erklärte, daß sie zur Reichstagsfraktion das Vertrauen habe, daß sie ihre in dieser Richtung liegende bisherige Tätigkeit mit der gewohnten Energie weiter ausüben werde. Einige Tage vorher hatte eine Sitzung des G e w e r k- schastskartells den gleichen Standpunkt eingenommen. Eine Ausnahme machten die Vertreter zweier kleiner Organisationen, die der Tapezierer und der Handlungsgehilfen. Serlin tmö Umgegend. Hilfsdienstpflicht und Erwcrbslosenfürsorge im Schneidcrgewerbe. Vielfach wird die Ansicht ausgesprochen, daß das Hilfsdienst- Pflichtgesetz im Echneidergewerbc Aenderungen herbeigeführt hätte, wonach die Erwerbslosenunterstützung nicht mehr zu zahlen sei. Demgegenüber muß darauf hingewiesen werden, daß die Erwerbs- losenfürsorge nach wie vor weiter besteht. Es kann auch keine Rede davon sein, daß dieselbe aufgehoben werden kann, da ja die Voraus- setzungen für ihr Fortbestehen weiter gegeben sind. Die Erwerbslosenfürsorge soll bezwecken, daß den im Schneider- gewerbe ganz oder teilweise Arbeitslosen eine Unterstützung zuteil wird. Die Erwerbslosigkeit tritt als Folge der Stossbeschlagnahme, der Verkürzung der Arbeitszeit oder-der Bezugsschxinpfticht ein. In diesem Falle ist dem oder der Betreffenden unbedingt Unter- stützung zu zahlen. Durch das Hilfsdienstgesetz ist eine Aende- rung im Beschäftiggunsgrad im Schneidergewerbe nicht zu er- warten, da hier vorwiegend weibliche Arbeitskräfte in Be- tracht kommen, die dem Hilfsdienstgesetz bekanntlich nicht unter- stellt.sind. Es besteht daher nach wie vor die Voraussetzung für die Gewährung der Erwerbslosenunterstützung. Was etwa als durch das Hilfsdieustgcsetz herbeigeführte Aenderung angesehen werden könnte, besteht für das Schneidergewerbe auch ohne das Hilfsdienst- gesetz. Personen, die erwerbslos werden, sind nach dem Gemeinde- beschluß der Stadt Berlin verpflichtet, jede für sie geeignete Arbeit anzunehmen. Auf Grund dicher Vorschrift würden also auch die ohne Beschäftigung Gebliebenen in der Kriegsindustrie nnterge» bracht werden. Wer trotzdem ohne Beschäftigung bleibt, ist zu unter- stützen. An dieser Sachlage dürfte sich auch dann nichts ändern, wenn etwa die beschränkte Arbeitszeit im Schneidergewerbe aufge- hoben werden sollte, wie dies neuerdings angekündigt wird. Die Arbeitslosen find jedoch verpflichtet, sich auf den Arbeits- nachweisen regelmäßig zu melden, um Arbeit zu bemühen und jede geeignete Arbeit anzunehmen. Es ist in letzter Zeit auch vorgekommen, daß jemand freiwillig die Arbeit aufgab und dann Anspruch auf Gewährung der Erwerbs- losenunterstützung stellte. In diesem Falle wird die Erwerbslosen- Unterstützung nicht gewährt. Falls bei der betreffenden Firma keine Arbeitsgelegenheit besteht, so sind die Arbeiter in den Listen weiterzuführen. Hören sie in solchem Falle selbst auf oder werden entlassen— was an sich nicht erfolgen soll—, so stsht ihnen die Erwerbslosenunterstützung zu. Nur in den Fällen, wo trotz vor- handener Arbeitsgelegenheit die Arbeit frei- willig aufgegeben wird, erhält der Betreffende keine Er- werbslosenunterstützuug. Den Unterstützungsbeziehern wird gewöhnlich ein bestimmter Arbeitsnachweis vorgeschrieben, bei dem sie sich regelmäßig zur Kon- ' trolle zu melden haben. Sie können jedoch auch die FacharbeitZnach- weise besuchen und von dort aus Arbeit annehmen. In diesen Fällen gilt aber der Besuch des Facharbeitsnachweises nach als Er- satz dafür, daß die vorgeschriebene Arbeitsnachweisstelle zur Ab- stempelung der Erwerbslosenkarte nicht ausgesucht wurde. Der Be- such des_ Facharbeitsnachweises soll dem Betreffenden nur leichter möglich machen, eine Arbeitsstelle in seinem Gewerbe zu finden. Es schließt dies aber nicht auS, daß er auch eine geeignete Arbeit außerhalb feines Berufes, die ihm von einem anderen Arbeitsnachweis angewiesen wird, annehmen mutz. Es sei nochmals betont, daß die teilweise Ar- beitSlosen, die entweder während der 4l>stündigen Arbeitszeit einen Lohnausfall gegenüber dem Durchschntttsverdienst, der für ihre Lohnberechnung maßgeblichen Zeit haben, oder infolge zu geringer Besckäftigung weniger verdienen, Anspruch darauf haben, daß ihnen der Lohnaussall bis zu 18 M. die Woche vergütet wird. In allen diesen Fällen müssen sich die Arbeiter und Arbeiterinnen wegen Zahlung der Unterstützung an ihren Arbeitgeber wenden. Weigert sich der Arbeitgeber, die Unterstützung zu zahlen, so ist Beschwerde an den Magistratskommissar für die Erwcrbslosenfürsorgs im Schneidergewerbe, Berlin, Stralauer Str. 3— 6, zu richten. Gerichtszeitung. Tie Probezeit. Ein Mechaniker, der von einer Firma.auf Probe" eingestellt war, wurde, nachdem er neun Wochen im Betriebe der Firma beschäftigt war, ohne Kündigung entlassen. Als er vor dem Gewerbegericht Bezahlung der Kündigungsfrist forderte. meinte der Vertreter der Firma, bei einer Probezeit gebe es doch keine Kündigung.—.Tagegen stellte sich das Gericht auf den Stand- Punkt, daß man bei einer Arbeitsdauer von neun Wochen nicht mehr sagen könne, das sei noch eine Probezeit. Nach einer so langen Arbeitsdaucr müsse das Zustandekommen eines festen Arbeitsver- hältnisses angenommen werden. Der Anspruch des Klägers sei des- halb berechtigt.— Dem Rat des Vorsitzenden folgend, zahlte die Firma dem Kläger die Hälfte seiner Forderung. Ein Ingenieur als WarenhauSdieb. Zu einem förmlichen Kampf zwischen Aufsichtsdame und WarenhauSdieb kam es eines Tages in einem Warenhause in der Leipziger Straße. Die Angc- stellte war aus ein verdächtiges Paar, einen Herrn und eine Dame, aufmerksam gemacht worden und hatte dann beobachtet, daß der Herr ein seidenes Kleid in die Tasche seines über dem Arm hän- genden Mantels hineinstopfte. Als sie jetzt hinzutrat, hörte sie noch die Dame die Worte sprechen:..Jetzt kommt sie"; jedoch kam diese Warnung zu spät, denn die Verkäuferin konnte das Kleid noch rasch aus der Tascke herausziehen. Zunächst gingen beide aus ihre Aus- forderung auch ruhig mit der Angestellten mit; kurz daraus zog es aber die unbekannte Dame vor, plötzlich zu verschwinden. Das gleiche versuchte dann auf einer Treppe der Herr. Die Aufsichts- dame hielt ihn jedoch fest, indem sie ohne Rücksicht zupackte und den Dieb gerade noch bei der Krawatte erwischte, die sie nicht mehr los- ließ. Es entspann sich nun ein Handgemenge, in dessen Verlauf sie einen so kräftigen Stoß vor die Brust erhielt, daß sie in Ohnmacht fiel. Trotzdem hatte der Mann mit der Flucht kein Glück, denn auf den Lärm herbeigeeilte Verkäufer nahmen ihn fest. Aus der Wache entpuppte er sich dann als der In g e n i e u r Richard T a u s ch e r, der Vertreter verschiedener Fabriken sein will. Sein Geschäft schien jedoch nicht sehr einträglich zu sein, denn er hatte nur eine söge- nannte„Gerichtsvollzieherwohnung" und wurde deshalb in Hast gc- nommen. Trotz seines ganz energischen Streitens und des Hin- weises auf seine bisherige Unbescholtcnheit verurteilte ibn dann das Schöffengericht Berlin- Mitte zu vier Monaten Gefängnis. Er legte dagegen Berufung ein und behaupteie nun vor der 5. Strafkammer des Landgerichts I, es sei gar nicht möglich gewesen, ein ganzes Kleid in die Tasche zu stecken. Auf Veranlassung des Gerichts ließ aber die Aufsichtsdame eine Richter- robe in der Tasche des zur Stelle befindlichen Mantels gewandt und sicher verschwinden. Die Strafkammer verurteilte ihn daher wieder, ermäßigte aber die Strafe auf z w e i M o n.a t e G e s ä nan i s. LEIPZIGER STRASSE ALEXANDERPLATZ FRANKFURTER ALLEE Damenbekleidung «7» IS15 19« 2950 39™ l,Ä»Ä!eii,et 49-° 59°° ggoo 7300 'IS6" 4900 690° 8500 9800 Kleiderröcke moderne Macharten.... 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Hierzu 3 Beilagen und vntrrhaktungsbl. »t. 358 33. Z.KM,. j. KeillM des„Psmillts" Kerlilltt Nöldsdlatt. s...-'. r.Mtt.St« Sozialistische Zrieöensarbeit. Von Philipp Scheidemann. Das Jahr 1917 soll uns den Frieden bringen. Von der größten Bedeutung ist es natürlich, daß der Krieg möglichst bald zum Abschluß kommt. Das Frühjahr ist die Zeit der neuen Offensiven: das sagt genug. Gelingt es, den Frieden bereits im Frühjahr herbeizuführen, so heißt das Hundert- taufenden daS Leben retten, Millionen Müttern, Frauen und Kindern die Söhne, Männer und Väter er- halten. Das ist wahrhaftig Grund genug, alle Kräfte anzuspannen. Was können wir Sozialisten für den baldigen Frieden tun? Genosse Troelstra hat es in seinem WeihnachtS- artikel im.Vorwärts' klar und deutlich zum Ausdruck ge- bracht: „Der gewaltige historische Augenblick erfordert unbedingt Konzentration alles proletarischen Willens." Das Wort ist gut, es erinnert an eine der besten Lehren, die Lassalle unS hinterlassen hat. Der Jahreswechsel zwingt auch den Politiker, Rechen- schaff abzulegen, die Bilanz des Jahres zu ziehen. Haben wir deutschen Sozialisten im abgelaufenen Jahre unsere Pflicht und Schuldigkeit getan? Haben wir alle unsere Kraft auf den einen Punkt, den wichtigsten, konzentriert? Ich glaube diese Frage mit einem lauten I a beantworten zu dürfen, soweit die Politik in Betracht kommt, die von der Reichstagsfraktion, dem Parteiausschuß und dem Partei- vorstand vertreten worden ist. W i r s i n d uns treu geblieben. Wir haben zu unserem Lande gestanden, um feine Verteidigung sicherzustellen, und wir haben unseren Grundsätzen entsprechend nach besten Kräften für den Frieden gewirkt. Als das neue Jahr begann, an dessen Ende wir jetzt stehen, wirkte noch die Aussprache über den Frieden nach, die wir im Dezember 1915 durch unsere Friedens-Jnter- pellation im Reichstage veranlaßt hatten. Das Jahr klingt jetzt aus mit dem Friedensangebot der Zentralmächte, das wir seit Jahr und Tag gefordert hatten. Und dazwischen liegen unsere geschlossenen Willenskundgebungen für einen baldigen Frieden auf der Grundlage einer Verständigung. unsere bestimmten Abweisungen aller EroberungS- und Ver- gcwaltigungSabsichten.„Wenn der Herr Reichskanzler sich nachträglich zu den Zielen des Grafen Westarp bekennen sollte, zu Ziüen, deren Verwirklichung einen vielleicht mög- lichen baldigen Frieden hinausschieben müßte, dann— das kann ich mit Bestimmtheit sagen— wird der Herr Reichs- kanzler mit Herrn Dr. Spahn und dem Grafen Westarp den Krieg allein fortsetzen müssen." So erklärte ich am 6. April als Redner der Fraktion im Reichstage. In bestimmter Form wurde dann die Politik der deutschen Sozialdemokratie auch von der Reichskonferenz, die Ende September in Berlin tagte, gutgeheißen: „Die Reichskonferrenz anerkennt die Pflicht der Landesverteidigung... Sie weift alle gegen das Deutsche Reich und seine Verbündelen gerichteten Vernichtung«- und Croberungsztele der feindlichen Mächte zurück. Ebenso ent- schlössen aber wendet sich die Sozialdemokratie auch gegen die Treibereien und Forderungen derer, die dem Kriege den Charakter eines deutschen Eroberungskrieges geben wollen. Sie verwirft grundsätzlich diese Politik... Die Sozialdemokratie tritt für alle« ein, was geeignet ist, die europäischen Staaten auf den Weg zu einer engeren Rechts-, Wirtschaft«- und Kulturgemeinschast zu führen. Das Ideal eines dauernd gesicherten Weltfriedens bleibt der Leitstern ihrer Politik... Getreu dieser grundsätzlichen Auffassung hat die deutsche Sozialdemokratie ihre Friedensbereitschaft während des Krieges bekundet und betätigt. Die Reichskonferenz bedauert, daß diese Veniiihungen bei den Gegnern nicht den erhofften Widerhall gefunden haben. Nicht nur, daß die leitenden Staatsmänner der feindlichen Mächte jeden Gedanken an Frieden bis jetzt schroff zurückgewiesen und mit Zerschmetlerungs- und Eroberungsdrobungen beantwortet haben, auch die offiziellen Vertreter der französischen Sozialdemokratie und der englischen Arbeiter- Partei haben sich in dem gleichen friedens- feindlichen Sinne immer wieder ausgesprochen!" Um es immer wieder zu betonen: Wir standen und st e h e n für die Verteidigung unseres Landes ein: wir be- kämpften und bekämpfen noch jegliche Eroberungsabsicht: wir waren und sind jederzeit bereit zu einem Frieden der Verständigung. Für den französischen Sozialismus begann das Jahr mit den Berichten über den Pariser Weihnachtskongreß. Dieser hatte die Erwartung ausgesprochen, daß die deutschen Sozialdemokraten die Kriegskredite ablehnen und noch mehr tun müßten. Den französischen Abgeordneten wurde es dagegen zur Pflicht gemacht, die Kriegskredite zu bc- willigen„als Mittel zum Siege". Mit anderen Worten: die deutschen Sozialdemokraten sollten alles tun, um ihrem Lande die Niederlage zu bereiten, die französischen Genossen dagegen sollten alles tun, um der Entente den Sieg zu sichern. War es wirklich so gemeint? Wir konnten es keinesfalls anders verstehen! Und was hörten wir dann im Laufe deS Jahres?„Ich halte mir die Ohren zu. wenn einer vom Frieden spricht!" sagte V a n d e r v e l d e, der als Minister des Königs von Belgien noch immer an der Spitze der sozialistischen Jnter- nationale steht. Und R e n a u d e l, der Nachfolger von Jaurss in der„Humanitö" sowohl wie in der Deputierten- kammer, höhnte über die vom deutschen Reichskanzler bekundete Friedensbereitschaff:„Vom Frieden sprechen, heißt das nicht um Frieden bitten?" ES soll nicht verschwiegen werden, daß auch von ein- zelnen deutschen Sozialdenrokraten ungereimtes Zeug, das sich weder sozialistisch noch demokratisch rechtfertigen läßt, geredet und� geschrieben worden ist. Aber waS bedeuten die Entgleisungen einzelner im Vergleich mit den offiziellen Kund- gedungen der Parteien! Und da vergleiche man die Friedens- interpellation der deutschen Sozialisten mit dem vorjährigen Weihnachtskongreß der französischen, die Entschließung der deutschen Reichskonferenz mit dem neuesten Weihnachtskongreß der Franzosen! Es in wahrhaftig nicht angenehm, auf solche Vergleiche hinweisen zu müssen, aber wenn wir nicht klar sehen, lausen»vir Gefahr, selb st unklar zu handeln. Und das»väre das verhängnisvollste, was wir beginnen könnten. Was uns zur Stunde bekannt ist über die Beschlüffe des Sozialistenkongresses, der Weihnachten 1916 zu Paris unter Teilnahme der englischen, belgischen und französischen sozia- listischen Minister Henderson, Vandervelde und Thomas ab- gehalten worden ist, ermangelt leider der wünschenswerten Klarheit. Allein, hält man sich an den amtlich übermittelten Wortlaut, dann geht aus der mit ungeheuerer Mehrheit be- schlosienen Resolution hervor, daß mehr von der Fortsetzung des Krieges„bis zum Aeußersten", als vom Friedenswillen gesprochen worden ist.„Der Kongreß stellt fest, daß die Note der Mittelmächte keinen wahrhaftigen Friedcnsvorschlag dar- stellt." Wie kam der Kongreß zu dieser Feststellung? Mit demselben Recht hätte er„feststellen" können, daß wir nie- »nals eine Friedensinterpellation eingebracht haben; daß Bethmann Hollweg niemals erklärt hat, er denke nicht an die Annexton Belgiens; er sei bereit, einem Internationalen Völkerbund beizutreten, der Störenftiede im Zaume halten soll. Usw. usw. Aber wir gehen wohl nicht fehl in der Annahme, daß avf Grund dieser„Feststellungen" die große Mehrheit nicht zustande gekommen ist, vielmehr auf Grund der Sätze, in denen die Bereitschaft ausgesprochen wird, der An- regung Wilsons näher zu treten. Und das ist immerhin ein Lichtblick! Wir dürfen nicht vergessen, daß die Franzosen sich doch in wesentlich anderer Lage befinden, als wir, daß sie also auch manches anders sehen und beurteilen als wir. Dazu kommt der unheilvolle Einfluß Vanderveldes, der erst dann vom Frieden etwas hören will, wenn ganz Belgien vom Feinde befreit ist. Das Unmögliche einmal als Tatsache angenommen: was glaubt denn Vandervelde, wie sein Vaterland aussehen würde, wenn die deutschen Soldaten schließlich auS Belgien vertrieben wären, nachdem sie Graben für Graben bis an die deutsche Grenze mit der Zähigkeit und Tapferkeit verteidigt hätten, die ihnen doch wohl auch ihre Feinde nicht abstreiten werden? DaS Verhalten der Sozialisten in Frankreich und Belgien ist ebenso schwer verständlich,>vie das der englischen Arbeiterpartei. Daß an eine Annexion Belgiens nicht gc- dacht wird, ist bekannt. Daß Frankreich eigentlich seine Soldaten nur noch verbluten läßt, damit die Russen Kon- stantinopel bekommen, könnte das französische Volk auch längst wissen. Ja, und vor welcher Vergewaltigung fiirchtet sich eigentlich England? Nimnit man die Leitartikler der all- deutschen Zeitungen jenseits der schwarz-weißen Grenzpfähle ernster, als das in Deutschland geschieht? Das können wir nicht glauben. Deshalb bleibt nur diese Annahme übrig: man will den Krieg fortsetzen in der Hoffnung, die eigenen Pläne Deutschland gegenüber noch durchsetzen zu können. Daraus ergeben sich sowohl Konsequenzen für die Sozialisten in den Ententeländern als für diejenigen in den Ländern der Mitte- mächte. Die ersteren müssen Front machen gegen ihre Kriegs- Hetzer, wie wir es mit Erfolg getan haben. Wir aber müssen der Erklärung unseres Willens zum Frieden ergänzend und mit aller Bestimmtheit hinzufügen, daß wir notgedrungen bis zum letzten Mann zur Verteidigung unseres Landes stehen werden, wenn die anderen den Frieden nicht wollen. Rückkehr zur Krieöenswirtschast. Bon Heinrich Cunow. Der Krieg hat unser ganzes Wirtschaftsleben umgewälzt und in neue Bahnen hineingezwängt. Daher kann auch nicht nach dein Friedensschluß sofort die frühere Friedenswirtschaft wiedererstehen. Wie alsbald nach dein Ausbruch des Krieges sich eine allgemeine Umschaltung des ganzen deutschen Wirt- schaftsgetricbes, eine Anpassung an die neuen Anforderungen des Heeresbedarfs wie an die veränderten Erzeugungs- und Absatzbedingungen des inneren Marktes nötig machte, die im weiteren Verlauf des Riesenkampfes zu einer immer stärkeren Ausschaltung des Spiels der sogenannten freien Kräfte führte. so erfordert auch die Rückkehr zur Friedenswirtschaft wieder eine Umschaltung. eine allmähliche Ueberleitung des unter dein Druck der Kriegsverhältnisse Gewordenen in den nor- malen Friedenszustand. Nicht alle kriegswirtschaftlichen Em- richtungen werden zwar wieder verschwinden; manche werden sicherlich, wenn auch nicht genau in derselben Gestalt, wie sie die Kriegsnot hervorgetrieben hat, mit in die Friedenszeit hinübergenommen werden; aber zweifellos werden die Wirt- schaftlichen Lebensbedingungen nach dem Kriege wesentlich andere sein, wie sie heute sind, vielfach auch andere, wie sie vor dem Kriege waren, und diesen neuen Bedingungen muß sich notgedrungen das wirtschaftliche Leben anpassen. Aber solche Neuanpassimg kann nicht dem plan- lose», Nebeneinander- und Gegeneinander- wirkendereinzelnenwirtschaftlichen Kräfte überlassen bleiben. Die kapitalistische Wirtschafts- weise kennt kein einheitliches Gesamtintcresse; ihre Trieb- feder ist der Eigennutz, das Einzelinteresse; und ihre„Lrd- nung" setzt sich durch verinittels stetiger Ueberwertung und Unterwertung der Waren, eines ständigen Ueber- und Unter- angebots unter fortwährenden Produktions, und Markt- scbwankungen. Führt diese Eigenart der kapitalistischen Wirt- schaff trotz ihrer angeblichen inneren Harmonie schon in Friedenszeiten iminer wieder zu heftigen Wirtschaftskrisen. zur Vernichtung zahlreicher Existenzen, zu Betriebsein. stellungen, Arbeitslosigkeit, Vermöycnsverlustcn usw., so wür- den sich solche Folgen erst recht einstellen in einer Zeit der erzwungenen Umwechslnng aller Produktionsverhältnisse, des Rückströmens massenhafter bisher im Heer gebundener Ar- bcitskräfte in ihre alten Betriebe, der Wiedereröffnung des uns zurzeit fast völlig verschlossenen Weltmarktes für den deutschen Aus- und Einfuhrhandel.— Es ist nicht nur nötig, daß bei der Entlassung der ans dem Felde zurückkehrenden Truppen in einer Weise verfahren wird, die eine Ueberfülliing der Ar- beitsmärkte mit unbeschäftigten, brachliegenden Arbeitskräften möglichst ausschließt und diese dahin leitet, wo sie gebraucht werden, sondern daß auch die Wiederaufnahme der Waren- erzeugiing für den inneren und äußeren Markt, die Einfuhr der nötigen Rohstoffe, der Bezug fremder Nahrungsmittel. die Wiedereröffnung der Seeschiffahrt usw. in planvoller Weise erfolgt unter sorgfältiger Berücksichtigung des Jnter- esses der gesamten Bevölkerung. Das Profitinteresse einzelner Berufsschichten, auch solcher, die während des Krieges Zweifel- los gelitten haben und nun gerne die sogenannte Friedens- konjunktur zur Ausgleichung ihrer Verluste ausnutzen möchten. darf in keinem Fall maßgebend sein. In Betracht koinmt allein das Wirtschaftsinteresse der ganzen Staatsgemeinschaft. Es kann deshalb auch nicht dem Belieben der einzelnen Industriezweige und Betriebe überlassen werden, sich sofort nach dem Kriegsende R o h st o f f e zu verschaffen und das zu fabrizieren, wofür die Nachfrage günstig scheint. Die Folge würde nicht nur ein weiteres Hinauftreibeil der Preise für die knapp gewordenen oder ganz aufgebrauchten aus dem Auslände zu beziehenden Nohmaterialien sein, sondern cS würde auch die Herstellung von mancherlei Luxuswaren, für die zwar in den Kreisen der durch den Krieg reich gewordenen Erwerböschichten eine gewisse Nachfrage besteht, die aber keineswegs zur Befriedigung irgendwelcher dringenden Ge- samtbedürfnisse nötig sind, in den Vordergrund geschoben. während die Fabrikation anderer nützlicher Waren gestemmt würde. Der einzelne Produzent fragt sich bei der Wiederaufnahme seiner industriellen Tätigkeit natürlich nicht: was ist am nötigsten für den Gesamtbedarf und was hilft den dringendsten Bedürfnissen ob, sondern was findet den besteil Absatz und verspricht den höchsten Profit. Im Interesse der Volkswirtschaft liegt hingegen, daß nach dem Kriege der reine Luxuskonsllin möglichst eingeschränkt wird, schon deshalb, da- init neues Kapital akkinnuliert wird, und ferner, daß zunächst jene Produktionszweige wieder flottgemacht werden, deren Erzeugung der Deckliixg des Massenbedarfs dient und i n denen ein möglich ff großer Teil der ans d c m Felde zurückkehrenden Arbeiter lohnende Beschäftigung zu finden vermag. Und weiter konimt in Betracht, daß jene exportierenden Industriezweige wieder bald ihre Tätigkeit aufnehmen müssen, deren Erzeug- nisse im Auslände ans vorteilhaften Absatz rechnen können, damit wir möglichst schnell die während der Kriegszeit ganz oder halb verloren gegangenen Auslandsmärkte zurückge- Winnen und die nötigen Mittel zur Bezahlung der massenhaften Rohstoff- und Lebens- m i t t e l e i n f u h r e r b a l t e n, die sich alsbald nach dem Friedensschluß als eine der allerdringendsten Aufgaben der Uebergangswirtschaft erweisen wird.. Soll der zur industriellen Wiederumschaltung nötige Im- Port nicht zu einer weiteren Verschlechterung der Zahlungs- bilanz und des Wechselkurses führen, so ist erforderlich, d a s; diesem Import ein vorteilhafter Export gegenübergestellt und überdies durch Ab stoßung eines großen Teiles der zurzeit noch in deutschen Händen befindlichen ausländischen Wertpapiere sowie durch Verkauf deutscher Kriegsanleihen eine stärkere Nachfrage nach deutschen Iah- lungsmitteln auf den ausländischen Geldmärkten hervorge- rufen wird. Denn solange der deutsche Wechselkurs nicht den früheren Stand vor dem Krieg, die sogenannte Parität. wieder erreicht hat, muß Teutschland für alle Lebensmittel, Rohstoffe. Halb- und Fertigfabrikate, die es vom Ausland bezieht, diesem ein Aufgeld zahlen. Es produziert also auch entsprechend teuerer als das Ausland und vermag daher mit diesem auf den auswärtigen Exportmärkten schlecht oder gar nicht zn konkurrieren. Zunächst ist demnach nötig, daß die Landwirtschaft die nötigen Arbeitskräfte zurückerhält und mit Dungmitteln, Ge- raten und Maschinen usw. versorgt wird, um ihren Betrieb wieder voll aufnehmen zu können, ferner, daß die Erzeugung von Kohlen, Eisen- und Stahlwaren, Maschinen, chemischen Fabrikaten usw. erweitert, kurz die Ausdehnung jener In- dnstriezwcige gefördert wird, die nicht nur den anderen In- dustriezweigen Produktionsmittel liefern, sondern deren Pro- dukte auch das Ausland in seiner jetzigen Lage dringend begehrt. Nicht minder wichtig ist eS, dem Rohstoffmangel, der heute in manchen Industriezweigen, namentlich der Textil- industrie, herrscht, abzuhelfen. Auch diese Rohstoffversorgung kann nicht einfach in das Belieben des Einfnhrhandcls ge- stellt werden, denn die Folge würde keineswegs sein, daß die Importeure einführen, was die betreffenden Industriezweige zunächst am nötigsten zur Wiederaufnahme ihrer industriellen Tätigkeit gebrauchen und was zur Herstellung solcher Gc- brauchsartikel erforderlich ist, die der innere Markt am meisten entbehrt. Sie würden vielmehr jene Rohmaterialien einführen, die ihnen ans den Auslandsmärkten am vorteil- haftcstcn angeboten werden und bei deren Einfuhr in Deutsch- land sich zunächst am meisten profitieren läßt. Ihr Jnter- esse würde sich naturgemäß jenen fremden Märkten zuwenden, wo sie zunächst wieder am besten Geschäfte anzuknüpfen ver- mögen und wo sich zugleich die Aussicht auf Erziclung außer- gewöhnlich hoher Gewinne bietet. Wird auch nach und nach in der Konkurrenz miteinander und mit den fremden Import- Händlern ein gewisser Ausgleich der Gewinnraten und damit auch eine gleichmäßigere Verteilung der Märkte hergestellt, so kann doch die unter Rohstoffmangel leidende deutsche In- dustrie nicht warten, bis sich nach und nach, früher oder später, eine solche Ausgleichung vollzogen hat. Tie Rohstoffbc- schaffung muß von einer Zentralstelle auS planmäßig unter Berücksichtigung des für die Wiederumschaltung nötigen Bc- darfs geschehen. Ebenso kommt für die L c b e n S m i t t cl e i n s uh r vor allein in Betracht, was zur Deckung des gewohnheits- mäßigen dringlichen Nastrungsbedarfs erforderlich ist und in Teutschland selbst nicht in genügender Menge erzengt wird: neben Brotgetreide vor allein Reis, Oele, Heringe, Käse, Milch, Butter, Eier, Kaffee usw. ReineLuxusartikel und Delikatessen sollten vorerst fast ganz von der Einfuhr ausgeschlossen sein— schon deshalb, um nicht das unnötige Abströmen»veitcrer Zahlungs- mittel an das Ausland und damit eine weitere Verschiebung der Zahlungsbilanz zuungunsten des deutschen Außenhandels zu fördern.— Soll aber der Außenhandel in dieser Weise planmäßig geleiiet werden, so kann and) die Wiederaufnahme des See- srachtdienstes nicht dem Gutdünken der Reedereien überlassen bleiben. Es muß diesen vielmehr auferlegt werden, den Passagiervcrkchr zunächst einzuschränken und statt dessen den Frachtverkehr auf bestimmten Routen die erforderlichen Schiffsräume— nötigenfalls gegen entsprechende staatliche Vergütungen— zur Verfügung zu stellen. Außerdem muß das Eisenbahnwesen, z. B. durch Einführung bestimmter Aus- nahmefrachttarife, den wirtschaftlichen Ansprüchen angepaßt werden. Nichts ist verkehrter als die Annahme, wenn nur erst der Krieg vorbei sei, werde sofort alle Not ein Ende nehmen und das Wirtschaftsleben sich wieder Don s c l b st regeln. Sollen sctiwerc Erschütterungen vermieden werden, so kann nicht das Wiedereinrenken dem freien Konkurrenz- und Gc- winnspiel überlassen werden— es muß nach Wohl- erwogenem Plan staatlich durchgeführt wer- d e r. Durch die am 3. August lebten Jahres erfolgte Bc- rufung eines Neichskommissars für Uebergangswirtschaft und die geplante Einführung eines entsprechenden behördlichen Apparates mit Sachverständigenausschüsscn sind dafür die nötigen Schritte getan— freilich erst die„vorbereiten- den" Schritte, denn eine eigentliche feste Organisation fehlt. soweit sich ersehen läßt, noch immer, und doch wird sich der Reichskommissar mit seinem Mitarbeitcrstab vor sehr schwie- rigc, große Aufgaben gestellt finden, von deren richtiger Lösimg außerordentlich viel für die baldige Wiedererstarkung des deutschen Wirtschaftslebens abhängt. Die tzeimkehr. Von Erich Kuttner. Wird das Jahr 1917 die Heimkehr aus den Schützen- graben bringen? Nach den fehlgeschlagenen Hoffnungen von 191~> und 191ü scheint es fast vermessen, sie mit Bestimmtheit voraussagen zu wollen. In einem schönen Liliencronschen Gedicht steht über den Stundcnziffern einer Sonnenuhr die Inschrift:„Una ex hisce morieris"(In einer von diesen wirst du sterben). Eine sichere Prophezeiung über das Ende des Krieges dürfte auch kaum deutlicher werden, als daß sie diesen Spruch über die kommenden Jahreszahlen schreibt. Aber der Optimismus will die Hoffnung auf ein baldige Aufhören der europäischen Selbsizerfleischung nicht fahren lassen. In unfern besten Erwartungen bleibt 1917 die Jahresziffer des europäischen Friedensschlusses. Doch mit dem Ende des Krieges hören die Sorgen des Politikers nicht auf. Die Heimkehr, deren heute Millionen als einer Erlösung harren, stellt ihn vor neue, schwere Probleme. Jni Reichstage wurde unlängst von Regierungsseite die Versicherung abgegeben, daß der Plan der Wirtschaft- lichen Dcmobilisatiou bereits fix und fertig vorläge. Eine gewisse Beruhigung liegt hierin insofern, als das Zurückfluten von vielen Millionen Arbeitskräften in die Heimat die Volkswirtschaft nicht in gleichen! Maße unvorbereitet treffen wird wie seinerzeit der Kriegsausbruch. Tie Arbcitslosenkrise der ersten Kriegsmonate ist noch in böser Erinnerung. Ilber täuschen wir uns nicht darüber, daß ein so gewaltiges Problem im voraus kauni ohne Fehler und irrige Berechnungen zu lösen ist. Die Wünsche der Heimkehrenden sind sehr verschieden. Die ini Felde stehenden P r i v a t a n g e st e l l t e n zum Beispiel fürchten den Verlust langjähriger fester Stellungen und haben durch ihre Organisationen deshalb eine gewisse Unkündbarkeit ihrer vor dem Kriege geschlossenen Dicnstvcrträgo beantragt. Den Ivenigcr au eine bestimmte Stelle gebundenen Arbeiter trifft diese Sorge nicht so sehr, ihm ist es um die Arbeitsgelegenheit über- Haupt zu tun. Vor beiden Schichten genicinsam aber er- hebt sich ein weiteres Problem, das aus der Besetzung ihrer Arbeitsplätze durch Frauenarbeit entstanden ist. Aller- dings steht zu erwarten, daß weuigsteus ein großer Teil der Frauenarbeit mit der Rückkehr des- FanstlieneruäHrerS aus dem Kriege von selbst verschwinden wird. - Doch es gibt eine Schicht— und sie ist keineswegs klein— die dem Tage der Heimkehr mit weit größeren Sorgen entgegensieht: das sind die Kriegsbeschädigten und Kriogsinvalidcn. Für sie persönlich ist wohl der Tag der Heimkehr schon dagewesen, heute bereits begegnet Man Tausenden von heereSentlassenen Kriegsbeschädigten in .ivileu Stellungen. Aber gerade diese haben Grund, für den Tag der allgemeinen Heimkehr dunkle Befürchtungen zu hegen, denn an diesem erwächst ihnen, den Verbrauchten und Mindertauglicheii, die Konkurrenz der Gesunden und Starken. Heute niacht es der allgemeine Mangel an Arbeitskräften den nicht allzu schwer Verletzten noch leicht, eine Arbeitsstelle zu erlangen. Aber wie wird daS später sein? lieber die voraussichtliche Zahl der Kricgsinvaliden bei Friedensschluß läßt sich heute noch nichts sagen. Aber sicher wird sie so erheblich sein, daß die Frage der Kriegsvcrletzteu nach diesen! Kriege ivenigcr denn je die Frage einzelner Un- glücklicher bedeuten wird, denen etwa Wohltätigkeit und private Fürsorge helfen könnte, sondern sie wird eine M a s s c n f r a g c im vollsten Sinne des Wortes sein. Nirgends wie hier springt gleichzeitig die P f I i ch t des Staates so deutlich in die Augen, sich der Verletzten und Invaliden anzunehmen. Alle diese haben sich für das Wohl der Gesamtheit aufgeopfert, und es ist nur billig, daß die Gesamtheit ihnen jetzt jede mögliche Hilfe und Entschädigung angedeihen läßt. Wenn wir den Staat hier als den Haupt- verpflichteten hinstellen, so geschieht das allerdings nicht in dcni Sinne, wie jener aus Spartakusleutcn bestehende Kon- sumvereinsvorstand in Bremen es tat, der den Frauen seiner im Felde stchcndcu Angestellten und Arbeiter die bisher gezahlte Kriegsuntcrstützung entzog mit der Begründung, die Arbeiter hätten nicht die Aufgabe, sür die Opfer des Krieges zu sorgen. Wir sind vielmehr über- zeugt, daß auch die Arbeiterschaft als Klasse gern und freudig helfen wird, was au ihr liegt, das Los ihrer unglücklichen Kameraden zu mildern und zu er- leichtern. Als eine solche Hilfe würden wir es beispielsweise auf- fassen, wenn die gesunden Arbeiter bei der Besetzung ge- cigneter Arbeitsstellen ihren kriegsvcrlctzten Käme- raden freiwillig eine Art Vorrang einräumten. Gewiß— die Kriegsbeschädigten haben ihre Rente und gerade die organisierte Arbeiterschaft wird aus eine reichliche Be- Messung und Gewährung ohne Engherzigkeit drängen. Aber deshalb wird man die vielen Halb- und Vicrtelinvaliden nicht gänzlich von der Arbeit ausschließen wollen. Sie selbst werden es nicht wünschen— sind doch unzählige jüngere Leute darunter, denen ein jahrzehnte- langes Dahinleben ohne Tätigkeit eine qualvolle Vorstellung nst—, und auch für die Allgemeinheit wäre es schädlich. Ganz zu schweigen davon, daß von Halb- und Vicrtelrentcn niemand leben kann. Aber andererseits besteht die Gefahr, daß diese Verletzten, wenn sie sich zur Arbeit nielden, entweder wegen ihrer ge- ringeren Verwendungsfähigkeit keine Stelle erhalten oder aber infolge schlechter Bezahlung und Anrechnung ihrer Rente auf den Lohn zu Lohndrückern werden. Hier könnte — ich habe das in der„Soz. Feldpost" näher ausgeführt— nur ein staatlicher Eingriff helfen, der die Arbeitgeber zwingt,— am besten würde das in Verbindung mit den! obligatorischen paritätisckieu Arbeitsnachweis er reicht werden— Kriegsbeschädigte bis zu einem gewissen Prozentsatz vorweg und zu g l e i ch e m L o h n wie ge- suude Arbeiter einzustellen. Für die übrigen Arbeiter bc- deutete diese Bevorzugung der Invaliden gewiß ein Opfer, aber ich bin überzeugt, daß sie den Opfern des Krieges gern Opfer mit Opfer vergelten werden. Die Gewerkschaften haben sich mit den Fragen der Kriegsbeschädigten schon eingehend befaßt. Auf der Kölner Tagung haben die drei Richtungen der Freien, Ehristlichen und Hirsch-Dunckerscheu gemeinsam über die wirtschaftlich- soziale Unterstützung der Kriegsverletztcn beraten und in einer warmherzig gehaltenen Resolution zuin Ausdruck gebracht, daß sie die Fürsorge für die kricgsinvaliden Arbeiter als Ehrenpflicht betrachten. Die Kriegsinvaliden werden hoffentlich ihrerseits in den Gewerkschaften ihre berufene Interessenvertretung erkennen und diese Erkenntnis, soweit angängig, in die Tat des Beitritts umsetzen. Aber nicht nur wirtschaftliche, auch politische Forde- rungcn stellen die Kriegsverletzten an den Staat. Wer für die Gesamtheit des Volkes ein Bein oder einen Arm geopfert, dauernde Beschwerden und Kränklichkeit fürs ganze Leben auf sich geuommen hat, der wird auch nicht das mindeste Ver- ständnis dafür haben, daß ein anderer mehr Recht im Staate hat, weil er etwa— höhere Steuern zahlt. Er wird jeden Augenblick hinausschreien:„Ich habe jahrelang in feuchten Gräben gehaust, ungeheure Märsche mitgemacht, tags gehungert und nachts im Schlanim gelegen, von Gefahr zu Gefahr bin ich gezogen, schließlich riß mir ein Granatsplitter den rechten Arm weg; von dem, was ich durchgemacht habe, bis Hilfe kam, will ich schweigen--- aber ist nun Herr T. mehr als ich, weil er während jeuer Zeit zu Hause saß und K r i e g s g e w i n n e e i n st r i ch?!" Jener Schrei aus Millionen Kehlen erhoben, darf nicht verstummen, bis er sich Geltung verschafft hat. Daß dies ge- schiebt, dafür hat die p o l i t i s ch e Vertretung der Arbeiter- schaft zu sorgen. Der Kämpf uni die Volksrechtc wird eine ungeheure moralische Verstärkung erfahren, wenn sich alle Kriegsteilnehmer und namentlich auch alle Äriegsver- letzten hinter ihn stellen. Man hat das Problem der Kriegsverletztcn auf die Formel zu bringen gesucht: Ihre wirtschaftliche Interessen- Vertretung sollte den Gewerkschaften, ihre politische der Partei obliegen. Das ist meines Erachtens insofern nicht ganz erschöpfend, als sich die Vorstellung daraus ergeben könnte, daß die Verletzten selber tatenlos beiseite stehen und zuschauen, wie man hier und dort für sie sorgt. Die Kriegsverletzten sollen und wollen nicht nur Objekte, sondern auch Subjekte der Kriegsverletztenfürsorge und ihrer sonstigen Interessenvertretung sein. Schon heute besieht in den Kreisen der Kriegsbeschädigten der feste Wille, sich gegen Verhältnisse zu wehren, wie sie zu unserer Schande nach 1879 kamen. Bei der großen Masse der Kriegsverletzten dieses Krieges würde auch ein gemeinsames Handeln größere Aussicht auf Erfolg bieten. In welcher Form die Kriegs- beschädigten ihre Interessen vertreten sollen, ob im Rahmen der bisherigen Organisationen oder durch engeren Zusammen- 'chluß unter sich, das ist eine Frage der Zweckmäßigkeit. Der Grundgedanke, daß die Kriegsbeschädigten selber mit der größten Energie ihre Sache in die Hand nehmen müssen, sollte jedermann in der Partei einleuchten. D»r Staat als pfiichterbe. Von Leo A r o n s. Einkommen, und Vermögenssteuer werden nach ein- 'tinimigein Urteil aller Sachverständigen beim Wiederaufbau unserer Wirtschast nach dem Krieg eine hervorragende Rolle spielen müssen, sei es, daß man sich für diese Besteuerung auf die Bundesstaaten beschränkt wie bisher oder daß man auch d e ni R e i ch diese wichtigste Steuerquellc erschließt. Auf alle Fälle scheint es angebracht, daß die Veranlagung durch das ganze Reich von Reichsbehörden geschieht; selbst wenn das Reich auf Einkommen- und Vermögenssteuer verzichten müßte, wäre die Erhebung seitens der Bundesstaaten auf Grund der Veranlagung durch das Reich zweck- mäßig, wie bereits von vielen Seiten anerkannt ist. Als Beispiel für diese Einrichtung kann die Veranlagung zur Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer in Preußen durch den Staat dienen. Auf Grund dieser Veranlagung erheben die Gemeinden die genannten Steuern, während der Staat davon ausgeschlossen ist. Wäre hiermit ein erster Schritt zu einer gleichmäßigeren und gerechteren Veranlagung geschehen, so hat der zweite, der hier vorgeschlagen werden soll, nicht nur eine tärkere Wirkung in der gleichen Richtung, er würde auch sonst zur unbedingten Klärung der wirtsckwftlichen Verhältnisse beitragen. Bisher ist für die Veranlagung Schweigepflicht der Beamten geboten. Unser Vorschlag geht dahin, in Zu- kunft die Rollen für die Vermögens- und Einkommensteuer geradezu zu veröffentlichen. Auch für ein derartiges Vorgehen fehlt es nicht an Beispielen. So werden in einigen chweizer Gemeinden die Steueranschläge für das kommende Jahr sogar durch den Druck veröffentlicht. Vor mir liegt z. B. der Jahresbericht des Gemeinderates über das Jahr 1901 für die Gemeinde Oberwil(Kanton Basel-Land). Er enthält auf 11 Seiten das Gemeindesteuerregister für 1902 mit folgenden Spalten: erstens die laufende Nummer von 1— 431, zweitens die ausführliche Bezeichnung des Steuer- Pflichtigen, beginnend mit den juristischen Personen, es olgen die steuerpflichtigen Einwohner nack; dem Alphabet ge- ordnet, mit vollständigem Namen und Stand, endlich unter Nr. 431 ein zusammenfassender Posten: Auswärtige. Tie olgenden Spalten sind überschrieben: Vermögen, Erwerb (gleich Einkommen), Steuer. Die Vermögen � bewegen sich zwischen 0 und mehr als 200 000 Frank eines Privatmannes, dessen Fabrik noch einmal mit dem Betrage von 130 000 Frank aufgenommen ist. während das Einkommen mit 17 000 Frank dem Besitzer allein zugeschrieben ist. Die Verhältnisse der Gemeinde Oberwil in jener Zeit waren mir Wohl bekannt. Die Beziehungen unter den Einwohnern waren trotz politi- scher Gegensätze durchaus gute. Irgendeine Schädigung durch sie Offenlegung der Vermögcnsverhältnisse war nirgends er- ichtlich. Ob die Drucklegung überall erforderlich ist, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls müßten die Stcuerlisten für einen bestimmten Kreis oder Bezirk zur Einsicht offen liegen, auch müßte jedem steuerpflichtigen Einwohner des Bezirks Abschrift der Steuerliste auf seine Kosten erteilt werden. � Eine dritte Maßregel, die als eine Sicherstellung richtiger VcrmögenSangaben oder wenigstens des Ausgleichs für frühere falsche anerkannt ist, besteht in der Einführung e i n c r N a ch l a ß st c u c r. bei deren Erhebung der Nachlaß durch die Behörden geprüft wird. Aber über diese hockist wünschenswerte Sicherstellung der Vermögens- und Ein- kommenstcucrvcranlagung sollte ein Nachlaßsteuergesetz zur Verstärkung der Einkünfte des Reichs herangezogen werden. In den„Sozialistischen Monatsheften" 1909 habe ich seiner- zeit den Vorschlag gemacht, unter Aufhebung des bestehenden ReichserbschaftSsteucrgesetzes eine Reichsnachlaßsteuer einzu- führen, deren Grundlage in einen Satz zusammengefaßt wer- den kann:„Bei jedem Nachlaß erscheint das Reich als auf Pflichtteil gesetzter Erbe erster Ordnung." Zur Begründung schrieb ich damals: „Aus dieser einsachen Bestimmung lassen sich die Sätze für die Nachlatzbeilcnerung in den einzelnen Fällen leicht berechnen, rvemi nion berücksichtigt, daß nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch l. als Erben erster Ordnung die lebenden Kinder des Erblassers und solche, von denen Abkömmlinge leben, in Betrack't kommen(im folgenden soll unter der Zabl der Kinder immer die Summe der hiernach erbberechtigten verstanden Werdens: daß 2. neben Erben erster Ord- nuiig nur noch der überlebende Ehegatte des Erblassers als gesetzlicher Erbe berufen ist, und zwar mit einem Viertel; daß 3. der Pflichtteil in der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils bestellt. War der Vcriwrbene nicht verheiratet, oder ivar er vcrlnitlvet, so erhält, wenn keine Kinder vorbanden sind, daS Reich 50 Proz. des Nachlasses. Beträgt aber in diesem Fall die Zahl der Kinder 1 2 3 4 n so erhält das Reich 25% 16%% V%% 10°/. y• �%• Die allgemeine Formel ist leicht verständlich und leickt anzuwenden: Sind zum Beispiel 11 erbberechtigte Kinder vorbanden, so beträgt der Steuersatz°°/,z gleich 41/a%- Lebt der Ehegatte de-Z Erblassers noch, so scheidet sür diesen zunächst ein Viertel'des Nachlasses aus. Nunmehr gil! für den Rest von 75°/. die gleiche Rechnung wie oben. Ist kein Kind vorhanden, so erhält da-Z Reich 37.5°/., bei 1 Kind 18°/�°/o, bei 2 Kindern 12lU%, bei 3 Kindern 93/8%, bei 4 Kindern 37.5% 7%% usw., allgemein: bei n Kindern; also zum Beispiel bei 11 Kindern 3stg°/.. Tie Steuer beträgt durchweg drei Viertel des Satzes für den ersten Fall. Diese Sätze erscheinen aus den ersten Blick recht hoch, und hoch zeigt eine einfache Ueberlegung, daß dem nicht so ist. Könnten sich Seiterwerwandte oder gar Eltern oder Großeltern darüber bc- klagen, wenn der Erblasser statt kinderlos zu sein in glücklicher Ehe ein Kind gezeugt hätte? Und doch wären sie in diesem Fall weit mehr geschädigt als durch die Nachlaßsteuer, selbst in der oben angenommenen Höhe. Daß dabei von einer Untergrabung Wirt- schaftlicher Existenzen, von einer Schwächung des Familiensinnes gesprochen werden kann, ist doch gänzlich ausgeschlossen. Und Ivenn Kinder vorhanden sind, dürften diese in Deutschland, das voll Stolz auf Frankreich mit seiner allgemein üblichen Beschränkung der Kinderzahl zu blicken liebt, sich beschwert fühlen, wenn die Ge- schwisi erzähl um ein Haupt vermehrt Ivürde? Und doch würden sie dadurch in höherem Grad geschädigt als durch unsere Nach- Icrßsteuer, wenn nicht gerade ihr Familiensinn cS durchzusetzen ge- tvußt hätte, daß etlva das Letztgeborene aus Pflichtteil gesetzt werde. Gewissen Härten kann man wie bei jeder anderen Normierung der Sätze begegnen. So durch Freilassen eines bestimmten mäßigen Grundbctragcs bei jedem Nachlaß, durch Festsetzung der Hälfte des Satzes für einen noch höheren Betrag, durch Zahlungsaufschub und Ratenzahlung für den Fall, daß ein erheblicher Betrag Vermögens nicht flüssig sondern in einem Betrieb festgelegt ist uff». Auch die besondere Natur der Festsetzung in unserm Fall erlaubt Milderungen, zum Beispiel doppelte Anrechnung von Kindern unter einem bestimmten Alter. Eine Berücksichtigung des Verwandt- schaftSgradeS der vorbandcncn Erben, soweit es sich nicht um Ehe- gatten und jlindcr handelt, sowie der Höhe des dem einzelnen zn- fallenden Erbteils erübrigt sich bei einer Nachlatzsteuer: sie ist Auf. gäbe der Erbanfallstenergesetzgcbrrng, dic h l er de n ci nzelne N w u nde S» staaten vorbehalten gedacht wurde." Gerade im Augenblick wird das Verständnis für diese Gründe leichter fein. Ueberaus zahlreiche Familien haben den allzu frühen Tod eines oder gar mehrerer Söhne zu bc- tranern. Den Geschwistern oder, im Fall solche nicht vor- Händen, Fcrncrstehenden fallen infolgedessen beim Ableben der Eltern Erbeinkommen zu, die unter glücklicheren Ver- hältnissen gar nickt zu erwarten gewesen wären. Die hier vorgeschlagene Nachlaßsteuer erfaßt immer nur einen Teil dieses Zuwachses, der gewiß wegen seiner Ursache von den meisten bedauert wird, von dem aber zu steuern trotzdem oder gerade deswegen sittliche Pflicht bleibt. politische Ueberstcht. SPicdervcrlcihung der Hceresfähigkcit. Eine allgemeine Verfügung des Justizministers, des prcußi- scheu Ministers deS Innern und des preußischen Kriegsunnistc- riums vom 25. Dezember 1016 ordnet eine Prüfung darüber an, welchen Personen, die infolge von Verurteilung zu Zuchthausstrafe oder Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte die Fähigkeit zum Dienste im deutschen Heer nicht besitzen, die Möglichkeit eines Wiedereintritts geboten werden kann. In Betracht kommen nur kricgsverwendungSfähige Personen im lpehrpflicktigen Alter, die— abgesehen von der den Mangel der Heercsfähigkeit begründenden Verurteilung— keine oder nur verhältnismäßig geringe Strafen erlitten und in ihrem Verhalten während der Strafhaft oder nach der Strafentlassung das ernste Bestreben gezeigt haben, ihre Schuld durch gute Führung und ehrenhaften Lebenswandel zu sühnen. Grundsätzlich ausgeschlossen sind insbesondere Per- sonen, die zu einer zweiten oder ferneren Zuchthaus- oder Ehren strafe verurteilt worden sind oder die nach Art oder Umständen der von ihnen begangenen Straftat als gcwcrbs- oder gewohnheitsmäßige Uebeltäier erscheinen. Zur Berücksichti- gung sind vorzugsweise geeignet Verurteilungen wegen Straftaten, die sich als eine Auswallung der Leidenschaft oder als eine durch sonstige Umstände verursachte einmalige Verwir- r u n g kennzeichnen. Bedarf es neben der Äicdcrverleihung der HecreSsähigkcit oder der bürgerlichen Ehrenrechte auch einer Beurlaubung aus der Straf- Haft, so kann die Erwirkung eines Gnadcnerweises erst dann in Aussicht genommen werden, wenn der Verurteilte bereits einen erheblichen Teil seiner Strafe verbüßt hat. Handelt es sich um Personen, welche die Heeresfähigkeit dauernd verloren haben(§ 31 RStrGB.,§8 31, 32, 42 Abf. 1 MStrGB.) und zugleich unter der Wirkung des Verlustes der bürgerlichen Ehrenrechte stehen, so kommt Wiederverlerhung der Heeresfähigkeit nur in Verbindung mit einer Wiederverleihung auch der bürgerlichen Ehrenrechte in Frage. Es sind nur solche Personen vorzuschlagen, die sieb freiwillig um die Zulassung zum Heeresdienst bewerben. Den für geeignet gehaltenen Personen ist Gelegenheit zu geben, ihren Wunsch vorzubringen. Von zuständiger Seite wird uns noch einiges über die Ur- fachen der Verfügung mitgeteilt. Danach befinden sich unter den Hccrcsunfähigcn nicht wenige, die cs mit brennender«cham, ja mit Verzweiflung empfinden, in dieser KricgZzcit doppelt ge� brandmarkt hinter Gefängnismauern oder daheim sitzen zu müssen. Beweis hierfür sind erschütternde Fälle, die von berufener Seite berichtet werden, und zahlreiche, oft mit den inständigsten Bitten gefüllte Gesuche um Wiederaufnahme in das Heer. Tictrich Schäfer stimmt Schcidemann zu. In einem Artikel des„Neichsboten* über FricdcnSbcrcitschaft erörtert Professor Dietrich Schäfer, der Erstunterzeichncr der bekannten Untcrseebootpetition, u. a. auch die Frage der Wirtschaft- lichcn Zustände nach dem Kriege. Er ist der Ansicht, daß es auch bei dem glücklichsten Ausfall des Krieges nicht leicht sein wird, unseren Außenhandel und unsere Friedensindustrie wieder in Gang zu bringen. Weiter sagt er: „Alle diese Jahre haben wir unseren Weg zu wandern, gedrückt von der ungeheueren Last der Kriegsschulden, der un- ablösbaren Verpflichtungen gegenüber den Millionen von Ge- schädigten, der Instandsetzung alles dessen, was für friedliche imd kriegerische Betätigung unseres Reiches und seiner Einzel- scaaten unentbehrlich ist. Bon den Gegnern haben wir nicht allzu viel Zubuße zu erwarten. Die Zuverstcht, mit der zu Anfang des Krieges der Leiter unserer Reichssinanzen seine Geldlasten auf die Feinde abzuwälzen hoffte, ist längst g c- sch wunden. Es läuft auf Schridemanns Weisheit hinaus: Jeder trage seine Lasten." Wegen dieses Satzes ist Genosse Scheidcmann von der all- deutschen Presse bekanntlich mit einer Flut von Angriffen, teil- weise Anpöbclungcn gehässigster Art, überhäuft worden. Man hat ihm u. a. nachgesagt, er wolle die deutschen Arbeiter mit Gewalt verelenden. Was wird nun diese Presse jetzt für ein Gesicht machen, da ein Bannerträger des Alldeutschtums Scheidemann in der Sache recht gibt?! Wie sie dem Frieden dienten. Als das deutsche Friedensangebot bekannt wurde, waren es die„Leipziger Volkszeitung" und der„Braunschweiger Volks- freund", die sich von der Parteiopposition am ablehnendsten ver- hielten und in langatmigen Auseinandersetzungen zu beweisen suchten, daß dies Angebot vollkommen wertlos, unaufrichtig und nichtssagend sei. Mit dem größten Geistesauswand wurden die Argumente hcrausdestilliert, auf denen etwa die gegnerischen Dip- lomaten fußen konnten, um eine schroffe Ablehnung der deutschen Rote zu begründen. Das Ziel ist erreicht, Braunschwcig und Leipzig haben die Ehre, von der„Humanite" in der Nummer vom 25. Dezember als Kronzeugen dafür zitiert zu werden, daß die deutsche Note ein sachliches Eingehen nicht verdiene.— So hat man aus der Minderheitsseite einmal wieder trefflich dem Frieden gedient! In derselben Nummer der„Humanite" stellt übrigens Bracke eine Theorie auf, die ganz dem französischen Einseitigkeitsstand- Punkt entspricht: Deutschland habe zwar die Pflicht, seine Kriegs- ziele zu nennen, die Entente brauchte das gleiche aber nicht zu tun. „Die Alliierten haben den wahren Sachverhalt auszu- zusprechen: Unsere jtriegsziclc? Wir haben den Krieg nicht an- gefangen? wir haben ihn, einer nach dem andern, aus uns nehmen müssen, als man ihn uns erklärte, oder wo er notwendig tvar, um die Unabhängigkeit der Nation zu schützen (das geht lvohl besonders aus Italien, Rumänien, Portugal!). Was die Kriegsziele anbetrifft, so haben und hatten wir keine anderen, als die Pläne des Angreifers zu ver- bindern und ungeschehen zu machen, was er in einer Reihe von 'Jahren verwirklicht hatte: Unterjochung freier Völker, Verletzung neutralen GcbictcZ, Besetzung und.Annexion von Ländern gegen den Willen ihrer Einloohncr." Ter gute unwissende Bracke hat also von dem russischen Kriegszicl: Äonstantinopel-Posen-Danzig noch gar nichts gehört, obgleich doch Trcpow laut genug geredet hat. Wahlkampf in Spandau-�sthavelland. Eine Anzahl bürgerlicher Blätter überninimt die gestern bon uns gebrachte Erklärung des Bezirksvorstandes der Provinz Brandenburg znr?kach>vahl in Spandan-Osthavclland und knüpft hieran die Bemerkung, daß cS nunmehr zuni W a h l k a m p f in Spandau-Osthavclland kommen ivcrde. Die„Vossische Zeitung" schreibt, daß bei einer Kandidatur Mehring an eine Wahrung des Burgfriedens nicht zu denken sei. Ebenso hält cS das„Berliner Tageblatt" für wahrscheinlich, daß nun auch die bürgerlichen Parteien mit Kandidaten hervortreten werden. Konzentrischer Angriff auf Belgien. Tie„Kreuz-Zeitung" sieht sich in der für sie erfreulichen Lage, ein Kleeblatt von Stimmen abzudrucken, die für eine mehr oder weniger unverhüllte Annexion Belgiens Propa- ganda machen. Ter eine von diesen ist Ulrich Rauscher, der vor kurzem in der„Vossischen Zeitung" eindringlich gegen die„belgische Gefahr" Propaganda gemacht hat, dieweil er in einem nenerstandenen Belgien eine Lebensgefahr für Deutschland erblickt. Der zweite ist ein leibhaftig preußisches Herrcirhausmitgliod, Professor Dr. H i l l e b r a n d t, der die selbst in der Zeit der Ersatzmittel originelle Entdeckung macht, daß Antwerpen ein� guter Ersatz für— K i a u t s ch o n sei. Ter dritte schließlich ist der nationalliberale Führer Ernst B a s s e r m a n n, der unlängst in den„Deutschen Stimmen" u. a. folgendes schrieb: Für die Sicherung Deutschlands ist es notwendig, daß wir Belgien militärisch in der Hand haben, daß insbesondere die Maaslinie mit Lüttich und Namur fest in unserer Haird ist. 1914 waren wir gezwungen, durch Belgien zu marschieren.„Not kennt kein Gebot!" sprach der Reichskanzler aus. Daß uns diese Verletzung der Neutralität bei den Neutralen schwer geschädigt hat, wird niemand bestreiten. Einer Wiederholung in künftigen Kriege», die nicht ausbleiben werden, ist es vorzuziehen, daß Belgien bei Kriegsbeginn militärisch fest in unserer Hand ist. Der zweite Faktor ist die flandrische Küste. Gelingt es uns nicht, diese in der Hand zu behalten, dann hat England seinen Krieg gewonnen. Unsere Kolonien sind verloren, unser Welthandel wird systematisch von den neidischen Krämern jenseits des Kanals zerstört, die Nordküste Frankreichs ist dauernd in englischer Hand. Gelingt es uns nickt, die flandrische Küste als strategische Basis für unsere Flotte festzuhalten und dadurch, daß wir gegenüber der englischen Küste feste Stützpunkte für niaritime Unter- nehmungen haben, aus Großbritannien einen Druck auszuüben. dann ist Englands überragende Seemacht als Ergebnis dieses Krieges dauernd festgelegt, dann lohnt es nicht,. die deutsche Kolonialpolitik wieder aufzunehmen, da wir in jedem Augenblick von unseren Kolonien abgeschnitten sein können, dann sitzen wir in dem nassen Dreieck fest. Jedenfalls ist zu ersehen, daß die Annexionisten eifriger alz se an der Arbeit sind, um für einen Erwerb Belgiens im Volke Stimmung zu machen. Gegen die Prozcsssucht. In der„Deutschen Juristenzeitung" wendet sich ein von 63 prounncnten deutschen Persönlichkeiten unterstützter Ausruf des Herausgebers, Dr. Liebmann, an das rcchtsuchendc Publikum mit der Mahnung, die Prozesse ein- z u s ch r ä n k e n und die Justiz. zu entlasten, damit sich die Juristen den jetzt höherstehenden Aufgaben des vaterländischen Hilfsdienstes widmen können.— Die Einstellung wirklich überflüssiger Prozesse ist nicht nur im Kriege,«sondern auch im Frieden sehr empfehlenswert. Leider ist hier nicht nur vom Publi- kum, sondern gerade von den Behörden, zum Beispiel der Staats- a n w a l t s ch a f t bisher am meisten gesündigt worden. Konsumenten und Laudwirtschaftsminister. Berlin, 39. Dezember. Der Kricgsausschuß für Konsumenten- intcressen teilt mit: Landwirtschastsminister Freiherr v. Schor- lemcr■empfing gestern eine Abordnung des Kriegsausschusses für Konsumenteninteressen, bestehend gus den Reichstagsabgcordneten Giesberts, Prof, Zimmermann, Dr. Höfle, Becker und Richter. In dreistündiger Aussprache, an der auch Unterstaatssckretär von Falken- bansen teilnahm, wurden die Fragen des möglichst umfassenden Anbaus landwirtschaftlicher Produkte und einer g l e i ch m ä ß i- gen Verteilung der bauptsächlichsten Nahrungsmittel in Stadt und Land erörtert. Die Besprechung führte zu weitgehender llebercinstimmung betr. die zu ergreifenden Maßnahmen. Czernin und Ungarn. Zum östcrrcichischen Ministcrwcchsel wird uns noch gc- schnoben: Als der jetzige k. und k. Minister des Aeußcrn seinerzeit, ohne vorher im diplomatischen Dienst gestanden zu haben, zum Gesandten in Bukarest ernannt wurde, gab es in Ungarn großen Sturm. Im Gegensatz zu seinem scharfen Wider- spruch gegen die Einführung des gleichen Wahlrechts in Oester- reich, hatte Czernin nämlich das allgemeine Wahl- recht für Ungarn gefordert und zwar im Interesse der dort wohnenden Rumänen, deren Stellung in Ungarn er scharf kritisierte. Tisza erklärte damals, daß Czernin seine inner- Politischen Ansichten nicht auf den Gesandtenposten mitnehme. Mus öer Partei. Kncgsfolge». Aus dem Parteibureau wird uns gc- schrieben: Ter Partcivorstcmd hat die dem Z e n t r a l b i l d u n g s- a u s s ch u ß angegliederten Einrichtungen während der Kriegszeit mit sehr großen Opfern tvenigstens teilweise aufrecht zu erhalten gesucht, obwohl die Tätigkeit des Zentralbildungsausschusses schließ- lich auf ein Minimum reduziert war. Die ganz unverhält- nismäßig großen Opfer weiter zu bringen in der Ge- wißheit, daß aus Jahre hinaus an die Wiederaufnahme des Be- triebes in dem früheren Umfange nicht gedacht werden kann, war der Parteivorstand nicht imstande. Er hat deshalb in Ueberein- stimmung mit dem ZentralbildnngZanSschuß die erforderlich gewordenen Maßnahmen beschlossen.— Das Pressebureau, das eben- falls sehr hohe Zuschüsse erfordert, soll bei erheblicher Ein- schränkung seines Dienstes auf andere Grundlage gc- stellt werden. Die notwendigen Maßnahmen sind in Ueberein- stimmung mit dem Pressebeirat getroffen worden. Die Redaktionen der Parteipresse werden rechtzeitig über die beabsichtigte Neuregelung unterrichtet werden. Ein Veteran. Genosse Arbeitersekretär Albert Paul in Han- nober vollendet am 1. Januar 1917 sein 79. Lebensjahr. Der Jubilar diente der Arbeiterbewegung von der Pieke auf. In Berlin gebore», erlernte er das Maurerhandwerk und schloß sich schon in den sechziger Jahren der Arbeiterbewegung an, in welcher er nun über l'/z'Jahrzehnt gewirkt. Besonders in der BerusSorganisalion der Maurer entfaltete Paul schon früh eine äußerst rege Tätigkeit. Jahrelang hat er Deutschland als Agitator für leine Berussorgani- iaiion durchreist. Aber auch politisch hat sich Genosse Paul— be- sonders unter dem Sozialistengesetz— rege betätigt. Seiner Aus- Weisung aus Berlin folgte die Ausweisung aus Hamburg. In Hannover sich niederlassend, bekam Paul das Redeverbot. Manchen Strauß hat Genosse Paul mit politischen Gegnern ausgefochten. Er kandidierte zum Reichstag in verschieden Wahlkreisen. Seit 1993 ist Paul im Arbeitersekretariat Hannover tätig. Der Jubilar begeht seinen 79. Geburtstag in seltener Frische. Unsere Glückwünsche be- gleiten ihn. Tic Hand in der Hosentasche. Ter verantwortliche Redakteur der„Schleswig-Holstcinischen Zeitung", Genosse Hey, wurde von der Kieler Straskamuier zu 599 Mark Strafe verurteilt, weil er einen Gerichtsassessor beleidigt haben soll. Ter Assessor hatte bei einer auf einer Brandstätte vorgenommenen Vernehmung von Zeugen den einen Zeugen in eine Ordnungsstrafe von einem Tage Haft nehmen und ihn sofort abführen lassen, weil er bei der Vernehmung die Hände in den Hosentaschen hielt und sie auch auf Aufforderung nicht herausnahm. Die„Volkszeitung" hatte dar- über berichtet und die Verhastnug als ungerechtfertigt bezeichnet, worin die Beleidigung gefunden wurde. Erfolgreiche Werbearbeit für die Partciprcffc. Die Breslauer „Volkswacht" beendet das Jahr 1916 mit einer gegen de» Jahres- ansang um 7909 gesteigerten Auflageziffer. Zu Anfang deS Krieges, als die plötzlichen Einzrchungen und die Arbeitslosigkeit eintraten, hat auch unser Breslauer Parteiblatt wie alle übrigen gelitten und sank in seinem Bestände von 26 299 auf 22 699, alio um 3699 Leser. Aber schon im Laufe des Jahres 1915 fand sich ein Teil der Kricgerfainilien und der im Felde befindlichen Genossen zur Parleipresse zurück, so daß am 1. Januar 1916 die Scharte beinahe ausgewetzt war, es wurden wieder 25 999 Exemplare gedruckt. Zu der weiteren Steigerung bat dann das Feldpostaboiinemern und der Straßenkauf erheblich beigetragen. Von den 32 999 Exemplaren, die jetzt gedruckt werden, geben täglich 4599 ins Feld tieit dem 22. November 1916 wieder eine Zu- nähme um 599) und fast die gleiche Anzahl lotrd im Straßenhandel verkaust, doch steigt diese an manchen Tagen auf 6999 bis 7999 Exemplare: uni soviel erhöh: sich dann auch die Auflage. Daß ein Teil der kaufenden Leser nach und nach zu den ständigen Abon- ncnten übergeht, erscheint die Tatsache zu bestätigen, daß im letzten Vierteljahr die Abonnentcnzahl in der Stadt um 329 zunahm. Aus alledem ist zu ersehen, daß die Genossen auch im Kriege in der Werbetätigkeit für ihr Parteiblatt nicht zu erlahmen brauchen, sie verspricht gerade jetzt guten Erfolg. Bor der eigenen Tür fegen. Einen seltsame» Kampf für die Wahrheit führt der Gotha«„Generalanzeiger". Ilm dem„Vorwärts" Mangel an Wahrheit vorwerfen zu können, berichtet er seinen Lesern Unwahrheiten. Nachdem er ihnen vor kurzem vor- erzählt hat. wir hätten nickt gewagt, über eine Magdeburger Ver- samlung zu berichten, druckt er jetzt eine von uns sckon abgetane Polemik der gesinnungsverwandten Erfurter„Tribüne" ab, die uns unvollständige Zitierung bei der Zusammenstellung von Preß- stimmen zum■deutschen Friedensangebot vorwarf. Aber wie eS bei dem Kampf ü,n die Wahrheit so geht, der biedere„Generalanzeiger" zitiert selber sehr lückenhaft und läßt aus dem Erfurter Original vorsichtig jene Stelle weg, die den Kernpunkt des ganzen Streites bildete, nämlich den Dankeserguß der„Tribüne" an die Monarchen der Mittelmächte. Offenbar war ihm das doch zu blamabel und deshalb unkerschlug er es seinen Lesern. So gehts mitunter im Kampfe für die Wahrheit... Mus Industrie und Handel. Tic rumänischen Pctroleumqucllcn. Die Meldungen über Zerstörung rumänischer Petroleum- quellen durch Engländer und Russen lenken die allgemeine Auf- nierlsainkeit aus das rumänische Erdölgebtet, an dessen Erschließung deutsche Ingenieure und Kaufleuke hervorrc�enden Anteil genommen haben. Von diesen nationalen und Wirtschafts- geschichtlichen Erinnerungen abgesehen, interessiert aber vor allem die zetzige Leistungsfähigkeit für den deutschen Bedarf. Tic rumänische Erdölprodukiiou war von 1999 bis 1915 von 259 999 auf 1899 999 Tonnen gestiegen. Davon gingen nur un- gefähr 19 Proz. nach Deutschland. Diese auffällige Tatsache er- klärt sich aus den Schwierigkeiten, denen die Schiffahrt auf der Donau begegnete. Die rumänischen Petroleumgesellschaften fanden aber schon im nahen Orient und in den Mittelmeerländern Absatz, so daß ihr Wunsch nicht allzu stark war, in Deutschland mit der wohlausgebauten Organisation der nordamerikanischen Standard Oil Company einen kostspieligen und für sie vielleicht ruinösen Wettbewerb aufzunehmen. Außerdem war das deutsche Kapital, das in Rumänien arbeitete, durchaus nicht auf die gleichen Ziele gerichtet. Die eine Gruppe vertrug sich mit der Standard Oil Company, die andere, die durch die von der Deutschen Bank ge- gründete Steaua Romana repräsentiert wurde, ging ihre eigenen Wege. Wie die deutsche Tatkraft die Schwierigkeiten für die Einsuhr rumänischen Getreides in erstaunlich kurzer Zeit Überwunden hat, so wird auch das Petroleum in großen Mengen nach Deutsch- land gebracht werden. Eine der an der rumänischen Erdölgewin- nung interessierten Gesellschaften wurde schon genannt: die Steaua Romana init 129 Millionen Frank Kapital. Danach kommt die Deutsche Erdölgesellschaft, die an der rumä- nischen Erdölproduktion durch Tochtergesellschaften beteiligt ist. Da- neben ist holländisches, amerikanisches, englisches, französisches und belgisches Kapital tätig. Die Gesamtanlage von Kapital in der ru- mänischen Erdölproduktion wird ans 590 Millionen Frank geschätzt. Der reichste Bezirk ist der von Prahova. Die deutschen Unternehmer haben sich mit der Erschließung des rumänischen Erdölgebietes keineswegs den Dank der Rumänen verdient, die den Fremden mit neidischer Mißgunst den reichen Schatz ihres Landes heben sahen, während sie selbst im Hintergründe stehen mußten. In Rumänien hat sich genau so wie in Rußland und in Italien ein Nationalismus entwickelt, der einen antikapi- talistischen Charakter trägt, weil er sich gegen den ausländi- scheu Kapitalisten richtet. Eine programmatische Forderung rumänischer Nationalisten war deshalb, daS ausländische Kapital durch Verstaatlichung der Erdölquellen auszusckließen. Einer der bedeutendsten Führer dieser Bewegung war der Bruder des Ministerpräsidenten Bratiann. Nun sind diese Träume zerstoben. Die deutsche Militärverwaltung geht mit aller Energie an die Wiederherstellung der vollen Produktions- fähigkeit. Die Maschinen müssen infolge der englischen Blockade aus Deutschland bezogen werden, wofür die ausländischen Gesell- schaftcn entweder in Gold oder in ausländischen Zahlungsmitteln zu zahlen haben..(*) Aus London wird gemeldet, daß England und seine Bundes« genossen übereingelommen seien, der rumänischen Regierung den Schaden zu vergüten, der durch Vernichtung der Oelvorräte an- gerichtet wurde._ Die Wareuiunsatzstempelsteuer. In der Anmeldung zur Entrichtung des Warenumsatzstempels mutz der Jahresumsatz für 1916 nicht augegebeu werden, wenn der Jahresumsatz nnziveifelhaft 290 999 M. nicht ü b e r st c i g t. Es genügt die Angabe, daß der Gesamtbetrag der Zahlungen(Liefe- rungen) des Kalenderjahres 1916 sich auf nicht mehr als 299999 M. beläuft. Ist der Umsatz größer, so darf er geschätzt werden,.wenn seine genaue Nachweisung zu viel Zeit erforderte.— Das Reichsschatzamt hat den Aeltesten der Kaufmanuschaft von Berlin mit- geteilt, die den Umtausch der Weihnachtsgeschenke steuerfrei wissen wollten, daß die Gewerbetreibenden nur dann den ersten Verkauf von ihrem Gesamtumsatz absetzen dürften, wenn die Waren vor dem 1. Januar 1917- umgetauscht werden. Nach der Ansicht des Reichsschatzamtes ergibt sich aus dem Gesetz, daß in der Steuer- anmeldung des nächsten Jahres das Umtauschgeschäft nochmals, und zwar in voller Höhe ohne Abrechnung der zurückgegebenen Ware, berücksichtigt werden muß. Eine Abhilfe lasse sich deshalb auch nur durch cine'Gesetzcsänderung erzielen. Soziales. Zur Wohnungs- und Arbeitsnot kinderreicher Familien. Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Bevölkerungs- Politik hat zu den vielen Stellen- und Wohnungs a n geh ote n für Kinderlose Stellung genommen und die nachstehenden Leitsätze aufgestellt: 1. Die Bedingung der Kinderlosigkeit für die Vergebung von Stellen ist als unsittlich und vatcrlandsfeindlich im Prinzip aufs schärfste zu verurteilen. 2. Bei Einfamilienhäusern, insbesondere bei dogrenztcm eigenem Grund und Boden, wo Portierleute im selben Hause oder in unmittelbarer Nachbarschaft des HcrrschaftShauses wohnen, ist es verständlich, daß das Ruhebedürfnis, um deswillen vielleicht das Einzelhaus bezogen wurde, so wenig wie möglich gestört werden soll. 3. Bei größeren Grundstücken fällt dieser Gesichtspunkt weg, und auch in Häusern, die von Behörden, Geschäften, Anstalten usw. bewohnt werden, wird es in der Regel nicht ins Gewicht fallen. 4. Bei Mietshäusern kann die Forderung der Kinderlosigkeit niemals berechtigt sein, da die Kinder einer— der Portier- Familie— gar nicht ins Gewicht fallen können im Verhältnis zur Gesamtheit. 5. Wem: in Mietshäusern der Großstadt Portiers mit Kindern abgelehnt Werden, so hat das dieselben Gründe, wie die Ablehnung kinderreicher Familien und unterliegt daher der gleichen sittlichen und sozialen Beurteilung. 6. Die Ablehnung kinderreicher Familien erfolgt weniger aus einem wirklichen Ruhebedürfnis als aus der absolut unsoliden schalldurchlässigen Bauweise der Häuser, bei der jede Etage alle Geräusche der Ober-, Unter- und Nebenbcwohner mitanhören muß. 7. Es muß also mit einer Abkehr von der Kinderscheu eine Verbesserung der Bauweise Hand in Hand gehen. 8. Besonders zu verurteilen ist die Forderung der Kiirder- losigkeit insbesondere bei ländlichen Stellen und bei allen Stellen, bei denen es sich um größeres Terrain handelt, wie Gärtnereien. 9. Vielleicht können die Zeitungen, evtl. durch den Verband Deutscher Zcitungsverleger, dahin gebracht werden, daß sie Annoncen, in denen kinderlose Ehepaare gesucht werden,' zurück- weisen. In gleicher Weise muß versucht werden, die paritätischen Arbeitsnachweise zu beeiuslusscu. 19. Ebenso ist zu erstreben, die Arbeitsnachweise der Arbeit- geber-Organisationen zu beeinftussen. 11. Es wird nicht verkannt, daß es trotz alledem eine Anzahl von Stellen geben wird, in denen nach den zurzeit vorliegenden und zunächst nicht zu beseitigenden tatsächlichen Bedingungen über- baupt nur kiickerlose Ehepaare tätig sein können. ES wird ein Segen sein, wenn solche dann ausschließlich älteren Ehepaaren, bei denen die Kinder bereits aus dem Hause sind, oder bei denen Nachwuchs mit Sicherheit nicht mehr zu erwarten ist, vorbehalten bleiben. Als ein Versuch, dem Unfug zu steuern, gewisse Stellen und Wohnungen nur an kinderlose Ehepaare zu vergeben, sind diese Leitsätze zu begrüßen. Hoffentlich begnügt.sich die Gesellschaft für Bevölkerungspolitik aber nickt nue mit deren Ausstellung, sondern geht auch an die praktische Durchführung heran. Nicht t'erständtich ist uns, daß der Leitsatz Ziffer 2 aufgestellt worden ist, die Fälle, die er betrifft, erfaßt dock auch die Ziffer 11. Jetzt hat es den Anschein, als solle den besseren und allerbesten Häusern doch■eine Ausnahmestellung eingeräumt werden. IM Bezirköverwaltun« Groh-Berlin. Folgende Kollege» sind im Felde gefalle«: Paul Arendsee, Bierfahrer. Otto Dofondoitj) Industriearbeiter. Gustav GUrschner, Geschästskutschcr. Karl Holtz, Warenhansdiencr. Fritz Kuhnert, Industriearbeiter. Walter Leidhold, Geschsftsdicner. Wladislaus Lodyya, Industriearbeiter. Franz Nagel, Geschsstsrutscher. Max Struwe, Kellerarbeiter. Ernst Walent, Gerüstbauer. 70/17 Ehre ihrem Andenken! ____ Ple BeglrksleltnwK. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Den Berufsgenossen zur Nachricht, daß folgende Mitglieder im Felde gefallen sind: Altred Oerger, Bezirk ib. Otto Hannemann, Bezirk 8. Karl Krause, Bezirk 24. Wilhelm Krüger, Bezirk is. Max Oberlein, Bezirk 33. Otto Weigt, Bezirk 24. Karl Zastrow, Bezirk 24. (Trsterer und Letzterer find im Felde erkrankt und Im Lazarett verstorben.) Ehre ihrem Andenken! 255/6 Der Vorstand. Allzusrüh— fern von der Heimat und seinen Lieben, fiel am L. November 1916 infolge Kopfschutz als Opfer des Welt- kriege» unfer innigstgeliebter, herzensguter Sohn, lieber, guter Bruder, Schwager, Onkel und Bräutigam, der Kanonier Walten* Huck Nes,«FeId-Artillerie»Negt. Nr, 28 im blühenden Alter von 25 Labren. Im tiefsten Schmerz die ticslrauernden Eltern, Keschwister und seine tiesbetrüble Braut sseilia Keitmann und Muller. Neukölln, �Kaiscr-Friedrichstr. 19. ISLKb Mit der Sehnsucht im Herzen nach Deinen Lieben, mit der Sehnsucht im Herzen bist Du geblieben. So ruh' nun fanst Du teures Herz, wir denken Dein mit Schmerzen. DaS Blei, daS Dich zu Tode traf, zerreitzt daheim die Herzen. Geliebt, beweint und nnvergesten. UmlZedekbtiHüfdeileMel'tiüiill Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht. datz unser Mitglied, der Schleifer Karl Sponkolz Franfeckistr. 19, am 28. Dezember gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 2. Januar 1917, nachmittag» 81/, Uhr, von der Leichenhalle de» St. Georgen- Kirchhofes In Weitzensee, Rölcke- stratze, au» statt. Rege Beteiligung wird erwartet. �focdruk. Den Kollegen ferner zur Nach- acht, daß unser Mitglied, der Schletser Konrad Budnick am 24. Dezember gestorben ist. Ehre seinem Slndenten! Nachruf. Den Kollege» serner zur Nach- richt, datz unser Mitglied, der Schloff er Ernst Salzmann Admiralstr. 186, gestorben ist. Ehre seine« Andenken! 127/16 Die OrtSverwaltuug. Nach mit Geduld ertragener Krankheit verstarb am 28. De- zember 1916 mein lieber Man» Henmum Petzolö im 40, Lebensjahr. Die» zeigt tiesbetrübt an Fran Johanna Petzow geb. Nasarek. Bitte um stille Tellnahme.-sl4 Die Beerdigung findet am Dienstag, den 2. Januar, nach- mittag»>/z4 Uhr, von der Leichen- Halle des Friedhofes in Marzahn aus statt. Als Opfer de» Leitkriege« fiel am 19. Dezember mein lieber Mann und Vater seiner liebe» Kinder, der Gefreite �uZust Klein Landw.-Jnf.-Rcgt. 883, 5. Komp., Jnh. de» Eisernen Kreuze» 2. KI., im Alter von 47 Jahren.-s32 In tiefstem Schmerz Justine Klei» geb. Mörgel als Gattin. Erich, Ella und Georg als Kinder nebst allen Verwandte«. So ruh' denn fanst den letzte» Schlaf,— wir denken Dein mit Schmerzen,— die Granate, die Dich zu Tode traf,— fie traf auch unsere Herzen. Ruhe fanst in fremder Erde. AI» fünfte» Opfer dieses Krieges! beklagen wir unseren lieben s Sangesbruder (kstav Naujokat. Sein ruhige» Lesen, seine gute Stimme imd sein stete» Pfiicht- gesühl macht ihn uns unvergessen. Stumm schläft der Sänger! Sllinner- n. Franenchor Lichtenberg. 1683b Donnerstag früh lü1/. Uhr enl- schltes nach langem, schwerem Lei- den, welches er sich im Felde zu- gezogen, mein lieber Mann, unser herzensguter, treusorgender Bater, Bruder, Schwager und Onkel, der Landfturmmann 1684b tugllsl Schulze Im 40. Lebensjahre. In tiejstem Schmerz Helene Schulze nebst Kindern. Berlin, Eamphausenstr. 1. Die Einäscherung findet am Dienstag, 2. Jan., nachm. 3 Uhr, im Krcmatorwm Gerichtslr. statt. TodesauDeixe. Am 27. Dsiember verstarb unser lieber Mitarbeiter, | der Packer» Bernhard Lohr I an einer Krankheit, die er sich im Felde zugezogen hat. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Gesclräftsleitung der Buchhandlung Vorwärts Paul Singer 6. m. b. H. Am 18. Dezember starb in einem Feldlazarett an den Folgen eines Kopfschusses unser lieber Mitarbeiter, der 1 Packer Karl Forsch Musketier im Infanterie-Kegiment 41, | im jugendlichen Alter von 20 Jahren. Wir werden auch diesem Opfer des Krieges ein dauerndes Andenken bewahren. Personal und Geschäftsleitung der Vorwärts- Buchdruckerei. | SozialdEinokratlschEr WahlvEPBln Ld.2. Berl. Reichstagswaiilkreis, Bezirk 133. Am 80. Dezember 1918 verstarb nach langem Leiden unier langjähriges Mitglied, der Gast- wirl(frühere Buchbinder) Karl Zacharias. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Mittwoch, den 3. Januar 19le, nachmittags 2 Uhr, im Krematorium Gertchtstratze statt. 207/8 ■■»>■■■■IIIWII IMIIIIB I ZentralvEiiiand der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin n. Umgeg., Bezirk I. Den verussg-noss-n zur Nach- richt, datz unser Mitglied Karl Ohlsen verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Neu- jahrstag, nachmittags 2>/, Uhr, aus dem Gemeinde- Friedhos in Reinickendorf statt. 235/5 Um rege Beleiligung ersucht Ter Vorstand. trdelter- Radlalirer- Bund „Solidarität". Ortsgruppe Tegel. Allen Mitgliedern zur Nach. richt, daß unser SvortSgenofie Paul Musol! am 26. November 1916 gefallen ist. 9/16 Ehre seinem Andenken! Die OrtSgrnpPenleitnng. Den Heldentod sürS Balerland starb am 20. Dezember 1916 mein inniggelicbter, unvergetzlicher Gatte, treusorgender Valer seiner beiden Kinder. derLandsturnimann Otto Fischer im 35. Lebensjahr. 16696 In tiefstem Schmerz Die trauernde Gattin «A. Fischer geb. Sandke nebst Kindern Artur und Klara, Mutter und allen Verwandten, Berlin-Marienselda Mit der Sehniucht im Herzen nach seinen Lieben, Mit der Sehnsucht Im Herzen ist er geblieben. ES kann nun nicht mehr gescheh'n, wie Du uns immer schriebst: Aus baldiges, srvheS Wicdersehn l Ruhe sanft in fremder Erde. Am 30. Derember verstarb nach langein. schwerem Leiden mein lieber Mann, der Gastwirt und Buchbinder 168Sb Karl Zacharias im 48. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bittet Fllse Zacharias geb. Marten», Dieffcnbachstr. 54. Die Einäscherung findet am Mittwoch, den 3. Januar, nach- mittags 2 Uhr, im Krematorium Gcrichlstratze statt. Am 27. Dezember starb im 43. Lebensjahre nach schwerer Krankheit, die er sich im Felde zugezogen hatte, der Packer kenihard Lohr. Der Verstorbene war uns allen ein guter Freund. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Angestellten der Buchhaudlnug Vorwärts. Die Beerdigung findet DienS. tag, den 2. Januar 1917. nach- miltags 31/, Uhr, von der Leichen- Halle des" städtischen Friedhofes in Friedrichssclde aus statt. Allgemeine Orts- krankenkaffe für Berlin-Steglitz. Bekanntmachung. Aus Grund des Kriegsnolgcsetzes betreffend die Sicherung der Leistung»- sähigkeit der Krankenkassen vom 4. 8. 1914 wird hiermitbestimmt, dag mit Wirkung vom 1. Januar 1917 ab die Beiträge für die unständig Beschäs. figten mit 4'/, vom Hundert de» Ortslobn-Z berechnet werden(K 70 der Kassensatzung). Die Beiträge betragen: in Klaffe I Tt III IV V VI 0,48 M. 0,33. 0,81. 0,63. 1,03. 0,81. Die unständig Beschästigsen haben ihren BeitragSlcU in Höhe von zwei Dritteln der angegebenen Beträge bei der Kasse ielbst einzuzahlen. Die in Berlin-Stcglitz wohnhaften unständig Beschäftigten, welche der Kaste noch nicht als Mit- glieder angehören, werden hier- mit aufgefordert, sich zur Ein- tragung in das Mitgltcvervcr- zeichnis z« melden. Wer die Meldung unterläßt, kann zur Feftstclliliig seiner Berstcherungs- Pflicht von der Kaste geladen und durch Geldstrafe bis zu Iv M. angehalten werden, der Ladung zu folgen. 273/13 Berltn-Slegiitz. 30. Dezember 1916. Der Borstand: W. Aisermann. Emil Schulze, Vorsitzender. Schristtllhrer. ReutersWerke z Bände 5 m-rt. Buchhandlung Vorwärts Denkt SN unslsendet GalemÄleiLum (HoWmondstüciK) GtckemGolö (QoldtmunclsfücK) Willkommensie Liebesgabe! PrpivNrati 4 5 e a io.., 4 5 6 6 10 12 Pf.dStÜck einschließlich Krieqsaufschlaq JnhJlu&D Trustfrei S KonsiiDi-, Produktiv- und Sparvereiu Zehiendorl und önigegeä Eingetragene Genossenschaft mit beschr&nkter Haftpflicht. Zehlendorf, Wannseebahn. Bilanz vom 30. Juni 1916. Passiva. Aktiva. BetriebsbeftStide Warenbestand... Jnventarkonto.. Fuhrwerkskonto. Angelegte Werte: Stammeinl. KEG Anteil bei der Ver- lagsgeselllchast. Kautionsdinlerleg.- Konto I.....' KautionShinterleg.- Konto II.... Mark 60847,24 4712,90 1292,80 66852,91 2715,25 397,88 850,— 200,— Eigene Betriebsmittel: Mitglieder. Mark gutbabenkonto. 13235,36 RcservesondSkonto 6634,86 Disposttionssondsk. 1200,— Banksondskonto. 1000,— NotsondSlonto. 557,— 22627,23 Aufgenommene Betriebsmittel: Sparmartenlonto 33,50 SOar.inlaaannsnta QOtUft.iU HauZanteilkonto. 9400,— 39283,34 Grundschuldc»...... 68950,— Verbindlichkeiten: Liescrantenkonto. 9843,69 RückvergütungSkonio 278,88 Sparravattlonto.• 8271,75 Kautionslonlo.. 1806,36 Konto-Noch zu zah- lcnde Unkosten. 1191,55 21391,73 8967,35 Reingewinn....... 6629,78 153882,07 163882,07 Mitgliederbewegung. Ausgeschieden find........... 28 Eingetreten sind............ 148 Bestand am 30. Juni 1916........ 698 Die Geschästsguthaben vermehrten sich um..... 1116,25 M. Die Hastiunime verminderte sich.......... 3600,—„ Die Hastsumme beträgt am 30. Juni 1916..... 26940.—. _ 4163,13 Grundbesitz........ 73898,65 Verfügbare Werte: 5162,92 3383,— Kassenkonto.... Baukgirokonto I. Bankeiniagenk. II Bankkonto III.. Wechsclkassenkonto 53,68 137,75 230.— Zchlcndorf, W.-B. Jod Dezember 1916. ver Verstand. Krekeler. G. Paarmann. 104/15 A. Kutta. Lungen 1 und Halskranke. Verlangen 1 «Sie kostenl. Prospekt über« jbewährt.Heilmetnod. ohne! 3 Berufsstörung. Sanitätsrat 1 |0r. Welses Ambulatorium, f l Berlin 118, Zimmerstr. 96., Kranzspenden sowie sämtliche ßlumenarrangcmcntQ liefert schnell und billig Panl Gross, Llndenstr. 69, Tel.Mvl.7203 (destinimn's Tramisazin Größte riaswahl. Billigste Preise. k llohranttrale 37a (Kolonnaden) IL Or. Frankfurter Str. 115 (nahe Andreasstr.) Aiawahlstndungen sofort Amt Zentnini 7890. Eonrtaf! 12— 2 Uhr coöffnot Verein für Kindervolkskiicfien und VolkskinderMe Berlin. Wir bringen hierdurch Nachstehendos zur öffentlichen Kenntnis: Wir unterhalten 105 Anstalten und zwar: 84 Volkskinderhorte, 2 Kleinkinderheime, 34 Suppenkdchen für Kleinkinder und 36 Mittelstands- und Beamtenküchen. Die Erhaltung der Volkskindorhorte und Kleinkinderheime, für die wir jährlich zirka 100 000 Mark aufwenden, sowie die tägliche Freispeisung von mehreren tausend bedürftigen Kleinkindern, wird uns duroh die Beiträge unserer Mitglieder und Spenden unserer Mitbürger und duroh den Verkauf unserer Zeitung.Die Kinderfürsorpe"(Büchsensammlung) ermöglicht Unsere Mittelstands- und Beamtenküchen sind keine Wohltätigkeitsanstalten, sondern „Kriegswohlfahrtsemrichtungen", für die keine Zuschüsse erforderlich sind. Das Bisiko dos Betriebes trägt der Verein. Das Vermögen des Vereins darf nur zu Wohltätigkoits- oder Wohlfahrtszweoken Verwendung finden. Sowohl der Vorsitzende als auch die Mitglieder des Vorstandes wirken ehrenamtlich und beziehen keinerlei Entschädigungen aus Vereinsmitteln. � Der Vorstand des Vereins für Kindervolksküchen und Volkskinderhorte. Berlin E. V. Hermann Abraham, Bentier, Frans Hahn, Justizrat, Hohle, Geh. Eechnungsrat Vorsitzender. Schriftführer. im Finanzministenum, Schatzmeister. für Sohlalzlmmep, Speise- Zimmer, Herrenzimmer, Wohnzimmer, Küehen usw. direkt an Private. üeber- raachenda Anawahl und Preis- eraparula, daher Laeerheeuch sehr lohnend Billige, teste Preise, lesbar an Jedem Oegen- »land FUr Auswärtiee lohnt selbst weite Heise Abbildunren kostenfrei flMher Mdtoel-Qrosshäuser, BerH»1 kLW Vetcranenstr 11-18 HötfneraHof 45 t){%■ -�WvjrrsiAtA/ 15 Franz��de�ch�Weden����dm Jstseratenteil verantw.:. TH, Glocke, Äerlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerci und LcrlagSanstalt Paul" Singer& Co., Berlin SW. 63. l!r. 358. 33. Jahrgang. 2. WIM des, Ärmels" Kcrlim WksdlÄ Sonntag, 31. Dezembkt 1916. Sei ein neu?ahr...l Sei ein neu Jahr!— Unb nimm von uns bie Vurbe, Die uns ben guken Glauben schier erbrückt: Gib uns ben Tag ber gütig-starken Würbe, Die allen Wahnsinn überbrückt! Sei ein neu Jahr! Loh uns bie Slunbe schauen. Da sich bas Grab bes Krieges enblich schließt! Sei ein neu Jahr ber ZNütter unb ber Frauen, Hemm bu ben Strom bes Blutes, ber jetzt fließt! Sei bu bas Jahr bes reuigen Verbrennens Der eflen Götzen ber Vergangenheit! Sei bu bas Zahr bes schluchzenben Erkennens, Des Bruberfühlens reiner Menschlichkeit! Sei ein neu Jahr— unb lösch bie alten Fehle! Sei bu bas Jahr ber neuen Heilsgebanken! Sei bu bas Jahr ber jauchzenben Choräle— Des Erbenvolkes Zukunft wirb bir banken! Artur ZilH'Cii. Bus Groß-Serlin. Neujahrsfeiern in der guten alten Zeit. Man hat sich oft über die Art und Weife entrüstet, in der die Berliner— damals, als noch Frieden war— das Fest des Lahreswechsels zu feiern pflegten. Und man braucht wahrhaftig weder Moralist noch Aesthct zu sein, um das viehische Gebrüll, das Hüteeintreiben usw. auf den Straßen in der Silvesternacht ge- schmacklos und widerwärtig zu finden. Aber eine Entschuldigung kann nian doch zugunsten der Berliner anführen, nämlich die gc- schichtlich nachweisbare Tatsache, daß dem Neujahrsfest offenbar die geheimnisvolle Kraft innewohnt, überall die am wenigsten schönen und liebenswürdigen Instinkte in der Menschenseele zu entfesseln. Schon im alten Rom feierte man den ersten Tag des Jahres in der Weise, daß die Männer Frauenkleider anlegten und sich die Gesichter mit Hefen beschmierten, oder daß man sich in die Häute von Kälbern, Bären, Hirschen und anderen Tieren hüllte und in dieser Vermummung die gröbsten und gemeinsten Scherze trieb. Die ersten Christen übernahmen die Sitte und konnten erst durch strenge Kirchenstrafen davon abgebracht werden. Aber sie wußten sich zu helfen, und wenn die römische Ncujahrsfcier als heidnisch verpönt war, so erfanden die christlichen Geistlichen— ausgerechnet die Geistlichen— als Ersatz dafür das sogenannte„N a r r e n- f e st", das am 1. Januar begangen wurde und in seiner Hahne buchenen Derbheit mit den antiken Neujahrsbelustigungen durchaus erfolgreich konkurrieren konnte. Das Narrenfest wurde nämlich folgendermaßen gefeiert: Die Priester und Weltgeistlichen der Stadt versammelten sich an einem geweihten Orte und erwählten aus ihrer Mitte unter parodistischen Zeremonien einen Narrenbischof, der mit großem Pomp in die Kirche geführt wurde. Auf dem Zuge und im Gotteshause selbst tanzten sie und trieben, als Frauenzimmer oder Tiere verkleidet und mit beschmierten Gesichtern, allerhand Possen. Der Narren bischof hielt dann einen feierlichen Gottesdienst und sprach den Segen, während die vermummte Geistlichkeit dazu Zotenlieder sang. Sie aßen auf dem Altar, vor den Augen des messelesenden Priesters, Würste, spielten Karten und Würfel, und warfen statt des Weihrauchs alte Schuhsohlen und Exkremente in das Rauchfaß, wodurch ein pestilenzartiger Gestank erzeugt wurde. Nachdem die heilige Handlung beendet war, erlaubte man sich in der Kirche alle denkbaren Ausschweifungen, wobei sich die Priester zuweilen bollständig entkleideten. Dann setzten sie sich auf Karren, die mit Kot beladen waren, ließen sich durch die Stadt fahren und be- warfen das sie begleitende Publikum mit Unrat. Oft wurde still- gehalten und der jubelnde Pöbel durch unzüchtige Ansprachen ergötzt. Es läßt sich denken, daß diese Art, das Neujahrsfest zu be- gehen, nicht allenthalben ungeteilten Beifall fand. Aber die mittel- alterliche Geistlichkeit wußte der Opposition zu begegnen. Sehr interessant sind die Verteidigungsgründc, die die theologische Fakul- tät in Paris zugunsten des Narrenfestes anzuführen wußte. Sie sagte:„Unsere Vorfahren, darunter große Leute, haben dieses Fest erlaubt, warum soll es uns nicht gestattet sein? Wir feiern es nicht im Ernst, sondern bloß im Scherz, damit die Narrheit, die dem Menschen angeboren zu sein scheint, dadurch wenigstens alle Jahre einmal austobe. Die Weinfässer würden platzen, wenn man ihnen nicht manchmal das Spundloch öffnete. Wir treiben einen Tag Possen, damit wir hernach mit desto größerem Eifer zum lauteren Gottesdienst zurückkehren können." Trotz dieser Fürsprache von maßgebendster Stelle auS konnte das Narrenfest der fortschreitenden Kultur auf die Dauer doch nicht standhalten, und seit dem 16. Jahrhundert ist es sogar im urwüchsigen Bayern verschwunden. den Herren, die die Verkehrseinschränkungen angeordnet haben, die Mahnung zurufen, zu den vielen Ursachen begründeter Erbitterung nicht eine neue hinzuzufügen. Die Große Berliner Straßenbahn läßt die letzten Wagen abgehen: auf dem Stadtring um l,4S, auf Linie 6 um 2,11 vom Spittelmarkt, Linie 10 um 1,45 Uhr. Magistrat, Aerzte und Kriegerfamilien. Ter Berliner Magistrat ist, wie mitgeteilt wird, bereit, mit dem Aerzteausschuß für Grotz-Berlin wegen des Ab schlusses eines neuen Vertrages über die Behandlung der Kriegerfamilien in Verhandlungen zu treten. Der jetzt von den Aerzten gekündigte Vertrag läuft erst am 31. März ab Die Aerzte verlangen eine Vergütung von einer Mark für jede Behandlung. Diese Forderung glaubt der Berliner Ma gistrat nicht bewilligen zu können, da sich hiernach eine jähr liche Ausgabe in Höhe von 1�4 Millionen Mark statt jetzt 600 OVO M. ergeben würde. Der Magistrat ist der Ansicht, daß sich für eine derartige Summe besondere Krankenab teilungen für die Kriegerfamilien in den städtischen Kranken� Häusern einrichten ließen. Nun ist aber wahrscheinlich, daß anläßlich der bevorstehenden Verhandlungen über die Honorar erhöhung auch zugleich die ärztliche Versorgung der Krieger familien für ganz Groß-Berlin einheitlich geregelt wird. Bis. her herrschte für die Angehörigen der Kriegsteilnehmer freie Arztwahl nichts sie waren vielmehr an die ortsansässigen Aerzte gebunden. Gegen die Entlastung der Arbeiterinnen. Das Kriegsamt veröffentlicht folgende Mahnung:„Es ist bekannt geworden, daß die Kriegsindustrie vielfach die Ent lassung weiblicher Arbeitskräfte ins Auge faßt, weil man hofft, aus den Reihen der Hilfsdienstpflichtigen kräftigere, aus- dauerndere und anstelligere Hilfen zu erhalten. Ein solches Vorgehen würde dem Hauptzweck des Gesetzes, eine ausgiebige Vermehrmig der Arbeitskräste zu erzielen, zuwiderlaufen und muß verhindert werden. Das Amt ersucht, durch die Sach verständigen, durch mündliche und schriftliche Belehrung in diesem Sinne zu wirken und überhaupt zu verhindern, daß irgendwelche Arbeitskräfte durch Hilfsdienstpflichtige von ihrer Arbeitsstelle verdrängt werden. Tie Einschränkung des Strastenbahnverkehrs. Die Große Berliner Straßenbahn und die von ihr milverwälteten Vorortbahnen werden vom 1. Januar ab ihren Belrieb einschränken. Die letzten Wagen werden im allgemeinen gegen 12 Uhr auS dem Stadtinnern verkehren. Auf einigen Linien, und zwar aui den Linien 1, 11, 43, 47, 48 und 69 wird der Betrieb bis gegen 1 Uhr aufrechterhalten bleiben. Der neue Fahr- Plan, der auch einige Aenderungcn der Fahrzeiten beim Betriebs- beginn vorsieht, wird in den Wagen zum Aushang gebracht werden. Die BerkehrSeiiilchränkungen haben die Zustimmung des Ver- bandes Groß-Berlin gefunden. Es handelt sich um Ivo Straßenbahnlinien, deren Spälbetrieb eure Verkürzung um «in bis zwei Stunden gegenüber dem jetzigen Fahrplan erfährt. Der Verband Groß-Berlin hat in Wahrung, der Interessen des beruflichen NachlverkebrS zur Bedingung gemacht, daß der Berufsverkehr durch Einsetz züge bedient wird, soweit ihm nicht fahrplanmäßig entsprochen werden kann. Er hat ferner über die ursprünglichen Anträge der Straßenbahngesellschaft hinaus «ine Reihe von Verbesserungen im Einvernehmen mit der Gesell- schaft festgesetzt. Ob die E i n s e tz z ü g e in einer dem Bedürfnis der erwerbs- tätigen Kreise gerecht werdenden Weise verkehren werden, wird sich ja schon in den allernächsten Tagen zeigen müssen. Wir möchten Vaterländischer Hilfsdienst. Zur Durchführung des Gesetzes betreffend den vaterländischen Hilfsdienst hat das Oberkommando in den Marken einen Auftuf zur freiwilligen Meldung erlassen und angeordnet, daß die Arbeitsstellen bei dem nächsten Polizeirevier, Magistrat oder Gemeindeverwaltung zu erfragen find. Die im Gemeindebezirk Berlin wohnhaften Hilfs- dienstpflichtigen können Auskunft erhalten: a) bei dem nächsten Po- lizeirevier, b> beim Militär-Bureau des Magistrats zu Berlin,<3. 2, Klosterstr. 68(Fernruf: Magistrat Berlin Nr. 86, 536 und 586). Schriftliche Anfragen sind nach Möglichkeit zu unterlassen. Berliner Lebensmittelnachrichten. In der kommenden Woche gibt es wieder 66 Gramm Butter und- 36 Gramm Margarine. Mit der E ier v er i 0 rg un g von Groß-Berlin wird eS auch in der kommenden Woche nicht gut bestellt sein. Die Zufuhren sind so knapp, daß einstweilen nur die Eier für KrankenbehandlungS- zwecke bereitgestellt werden können. Voraussichtlich werden die Verhältnisse sich bis etwa Milte Februar nicht günstiger gestalten. Später ist wieder mit. einer besieren Versorgung zu rechnen. Nach einer Bekanntmachung des Magistrats dürfen in der Woche vom 1.— 7. Januar aus die zehn Abschnitte 36 der n e u e n K a r- toffelkarte höchstens je ein halbes Pfund, also zusammen höchstens 5 Pfund abgegeben und entnommen werden. Ferner können in der Woche vom 1.— 7. Januar auf Abschnitt 13 der Berliner Lebensmittelkarte 2 Pfund Kohlrüben abgegeben und entnommen werden._ Wann sind die Wohnungen z« räumen? DaS Polizeipräsidium teilt mit: Bei dem nächsten Vierteljahres- Wohnungswechsel im Stadtbezirk Berlin sind zu räumen: kleine, aus höchstens 2 Wohnzimmern und Zubehör bestehende Wohnungen bis zum 6. Januar abends; mittlere, auS 3 oder 4 Wohnzimmern und Zubehör bestehende Wohnungen bis zum 8. Januar abends; große, mehr als 4 Wohnzimmer umfasiende Wohnungen bis zum 12. Januar abends. Die Inhaber der aus 1, 2 oder 3 Wohnzimmern und Zubebör bestehenden Wohnungen müssen jedoch 1 Wohnzimmer und die Mieter von Wohnungen mit mehr als 3 Wohnzimmern und Zu- behör 2 Wohnzimmer schon am Dienstag, den 2. Januar, voll- ständig geräumt den künftigen Wohnungsinhabern zur Verfügung stellen._ Ter falsche Husarenoberleutnant. In vexschiedcncn großen Städten des Rheinlandes wandte sich ein angeblicher Husarenoberleutnant Hellermann an große Firmen der LebcnSmittelbrcmche und erbot sich, ihnen durch seine guten Beziehungen große Mengen von Lebensmitteln zu beschaffen. Er gab die Waren aber nur waggonweise ab und stellte stets die Bedingung, daß der Kaufpreis, der für den einzelnen Waggon 126 666 bis 136666 Mark betrug, auf einer Bank hinterlegt werden mutzte. In mehreren Fällen hat Hellermann auch derartige Ge- schäfte abgeschlossen, die Waren aber nicht geliefert. Er fertigte dagegen falsche Frachtbriefe über die verkauften Waren an und ließ sich daraufhin die hinterlegten Summen auszahlen. Auf diese Weise hat der Betrüger bereits etwa eine halbe Million Mark er- beutet. Nachdem es dem Gauner gelungen war, eine Firma in Düsseldorf um einen erheblichen Betrag zu prellen, erfolgte die Anzeige bei der dortigen Kriminalpolizei. Diese stellte fest, daß Hellcrmann dort in einem Hotel gewohnt hatte, aber am Tage vorher abgereist war. Die Spuren führten nach Berlin. Die Polizeibehörden Groß-Berlins nahmen sofort umfangreiche Nach- forsch, ungen nach dem Betrüger vor und der Schöneberger Militär-Kr iminalpatrouille gelang es, festzustellen, daß H. in einem Hotel am Zoologischen Garten einen Tag lang gewohnt hatte. Von dort aus hatte er ein Telegramm nach Bonn abgesandt. Dieses Telegramm wurde dem Gauner zum Verhängnis; denn durch die Depesche konnte ermittelt werden, daß Hellermann sich nach Greiz gswandt hatte. Dort wurde er denn auch festgenommen. Die Mutter mit dem toten Kind im Arm. Der M a g i st r a t schreibt uns: In einem Artikel Des„Lokalanzeigers" und des „Vorwärts"(6. Dezember) wurde berichtet, daß eine Frau Kacz- niarek aus der Gegend von Magdeburg von verschiedenen Kranken- Häusern, bei denen st« um Aufnahme ihres kranken, einige Tage alten Kindes nachsuchte, wegen Platzmangel abgewiesen worden sei, und daß am nächsten Tage, als sie nach Verschlimmerung des Zu- standes zur Charit« kam, nur noch der Tod des Kindes festgestellt werden konnte. Der Artikel des„Vorwärts" spricht außerdem die Befürchtung aus, daß die Bestimmungen des Magistrats, nach denen schon der Verdacht einer Infektionskrankheit zur unverzüg- lichcn Aufnahme von Kindern genügen solle, nur auf dem Papier stehen und nicht in die Tat umgesetzt würden.— Die Berliner Stadtverwaltung ist bisher stets bemüht gewesen, auch auf dem Gebiete der Krankcnfürsorge den Anforderungen der Berliner Bürgerschaft, trotz der durch den Krieg hervorgerufenen außer- ordentlichen Schwierigkeiten gerecht zu werden. In diesem Falle haben die polizeilichen Ermittelungen ergeben, daß Frau Kacz- marek, wie sie selbst zugibt, überhaupt kein städtisches Krankenhaus aufgesucht hat und nirgends zurückgewiesen worden ist. Damit erledigen sich die in den Zeitungsberichten aus dem Vorfall gezogenen Schlußfolgerungen, soweit sie sich gegen die städtiche Verwaltung der Krankenhäuser richten.— Wir hatten in dem vor drei Wochen erschienenen Bericht, den alle hiesigen Blätter gleichlautend brachten, gewünscht, daß die- jenigcn Anstalten, bei denen die Frau abgewiesen worden sei, er- mittelt werden möchten; nun erfahren wir lediglich, daß städtische Krankenhäuser nicht in Frage kommen. Der Verkehr in der Silvesternacht. Die letzten Hochbahn- züge werden den Bahnhof Friedrichstraße in beiden Richtungen erst um �42 Uhr verlassen. Auf den Linien der Städtischen Straßenbahnen ver- kehren die letzten Wagen wie folgt: Linie„Moabit— Her- m a n n p l a tz" ab Moabit um 1.61 Uhr, ab Hermannplatz um 1.67 Uhr. Linie„Städtischer O st- R i n g" ab Stettincr Bahnhos in beiden Richtungen um 1.66 Uhr. Außerdem ver- kehren Einsetzwagen nach Bedarf bis 2 Uhr zwffchen War- schauer Brücke uud Kniprodestratze. Das Passierscheinburcau, die Abteilung la S(Ausstellung von Passierscheinen � für deutsche Staatsangehörige ans dem Landes- polizeibezirk Berlin) befindet sich vom 3. Januar ab in der Char- lottenstraße 48 III. Sprechstunden 16 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags. Am 2. Januar bleibt das Bureau wegen deS Umzuges geschlossen. Die Kricgsuntcrstütziing muß, wie der Berliner Magistrat uns mitteilt, infolge der Erhöhung der Mindestsätze und mit Rücksicht auf den herrschenden Mangel an Kleingeld bei einem Zahltermine mit einem etwas Höberen, als dem fälligen Betrage, bei dein nächsten Zahltermine mit einem entsprechend geringeren Betrage jjur Auszahlung gelangen. Hiernach besteht kein Anlaß zu Besorgnissen vor einer Verkürzung der Ansprüche der Empfänger. Das Stammseidel muß dran glauben! Nach einer ergänzenden Bekanntmachung fallen auch die Zinndeckel der„S t a m m s e i d e l", die sich in Verwahrung von Schankbetrieben, Kasinos, Vereinen usw. befinden, der Beschlagnahme anheim. ZirkuS Busch. Vom 1. Januar ab beginnen die Abend- Vorstellungen bereits um 714 Uhr, um das umfangreiche Programm früher beenden zu können. Bis zum 3. Januar ein« schließlich, dem Schluß der Schulferien, finden täglich zwei Vor- stellungen statt: um 314 Uhr die Nachmittagsvorstellung mit der Weihnachtspantomime„Beim Weihnachtsmann" und abends 714 Uhr die große Abendvorstellung mit der zugkräftigen Pantomime„Die Geierprinzessin". Aus dem in beiden Vorstellungen den � Pantomimen vorausgehenden brillanten neuen Programm verdient an dieser Stelle noch besondere Erwähnung die türkische Schulreiterin Fatme Suleika. Diese Orientalin wird, das darf schon heute aus- gesprochen werden, ein interessanter Anziehungspunkt sein. Für die Nachmittagsvorstellungen hat auch jetzt jeder Erwachsene die- Berechtigung, ein angehöriges Kind auf allen Sitzplätzen frei ein« zuführen, während weiter« Kinder nur halbe Preise zahlen. ZirkuS Albert Schumann bringt mit seinem Neujahrsprogranun eine Fülle Neuheiten. Vor allein das Ausstattungsstück„Die Seeräuber", bei dem zwei Orchester und 366 Personen mitwirken. Heute, Sonntag, und morgen, Montag, je zwei Vorstellungen. In allen vier Vorstellungen gehen„Die Seeräuber" in Szene. Aus dem reichhaltigen Spielplan ragen die Reiterfamilie Cardinale,'das Sellotsche Konservatorium, die Geschwister Kaiser zu Pferde uud Direktor Schumanns Originaldrcssuren hervor. Wintergarten. Am heutigen Sonntag und am NeujahrStag sind Nachmittagsvorstellungen, in denen außer den Varietenummern auch die ungekürzte Ballettpantomime„Die grüne Flöte" in voller Be- setzung zu Nachmittagspreisen(Kinder die Hälfte) gegeben wird. Es empfiehlt sich, Plätze zeitig zu besorgen. Palast-Thcater am Zoo. Heute Silvester und morgen Neujahr, nachmittags 3Vz und abends 7'/2 Uhr je zwei Vorstellungen. Nach- mittags darf jeder Erwachsene ein Kind frei einführen. In allen vier Vorstellungen Robert Steidls neue heitere Revue„Berliner Bilder". Neben Robert Steidl und Anna Müller-Lincke tritt jetzt auch Otto Reulter mit seinen neuesten zeitgemäßen Vorträgen aus. Heute ist der letzte Tag des Dezember-Spiclplanes, von morgen ab treten die neuverpflichteten Januar-Spezialitäten auf. � Im Zoologischen Garten findet am Silvester und Neujahrs- tage großes Konzert von 4 Uhr nachmittags bis 16 Uhr abends statt. Eintritt 56 Pf., Kinder unter zehn Jahren die Hälften ebenso für das Aquarium, das an beiden Tagen von 9 Uhr morgens bis 8 Uhr abends geöffnet ist. Jeden Donnerstag sind wieder die be- liebten Künstler- und Solfften-Konzerte. Der billige Eintritt an jedem ersten und dritten Sonntag im Monat wird auch 1917 bei- behalten. Der Hochbahntourist. Zu der satirischen Plauderei in Nr. 355 des„Vorwärts" teilt uns die Direktion der Hochbahngesellschaft mit, daß ihre Dividende, die im Jahre 1915 4 Proz. betrug, trotz der zeitweise stark gefüllten Wagen sich auch in diesem Jahre sicher nicht erhöhen werde. Der„Leutnant von Treptow", der da? Treptower Telegraphen- bataillon um einen Militärgaul prellte, entpuppt sich als ein Mann, der schon vor der Tat in Treptow bekannt war und mehrfach in einer Gasttoirtschaft an der Karpfenteichstraße verkehrte. Er trug dann, wie auch am Tage der Tat, stets eine unvorschriftsmäßige Uniform, die derjenigen der Offizierstellvertreter glich, und erzählte von seinen angeblichen Kriegserlebnissen. Bald nach der Tat er- schien er in derselben Gastwirtschaft mit stark beschmutzter Uniform, forderte einen Kognak und bat. ihm ein Paar Stiefel zu leihen, da er sich beim Reiten den einen Stiefelabsatz abgerissen habe. Er wurde zu einem benachbarten Schuhmachermeister geschickt. Offen- bar ist der Gauner ein aus dem Heeresdienst entlassener Mensch, der mit den Verhältnissen in der Kaserne des Tclegraphcnbataillous gut Bescheid wußte. Die Leiche unter dem Eise. Der mysteriöse Leichenfund in Teltow, über den wir kürzlich berichteten, ist jetzt aufgeklärt worden. Es handelt sich um eine nervenkranke Person, die wahrscheinlich nach längerem Umherirren an der Stelle, wo die Leiche aufgefunden wurde, zusammengesunken und zu Tode gekommen ist. Mus öen GemeinSen. Eharlottcnburg. Die Einführung der Kartoffelkarte fiir das Verzehren von Kartoffeln in Gast- und Schankwirtschasten sowie der Abgabezwang der Kartofsclkarte bei der Teilnahme an der Massenspeisung bat es erforderlich gemacht, den Haushaltungen. die Kartoffeln zum Wintervorrat erhalten haben, den Vorrat nicht auf sämtliche Haushaltungsmitglieder anzurechnen, ihnen also nicht die Kartoffelkarten für alle Familienmitglieder zir entziehen, fern». dein ihnen einen Teil der Kartoffelkaxten zu verabfolgen. Der Magistrai stai Sic iTnrciTumng so angrarduci, daß für fcdr Vcrfon tvährcud drr Taucr der �crsorgungsperiodc Ui Zentner Kartoffeln angerechnet Ivcrden. Tie üvrigeii Haushaltungsniitgliedctz iür die diernach eine Anrechnung nicht in Frage kommt, erkalten weiterhin Kartoffelkartcn, die vom S. Januar ab bei der zuständigen Brot- konimission zur Abholung bercitlicgen. Die betreffenden Haus- Haltungen werden noch besonders von der Brotkominission benach- richtigt werden. Diese Benachrichtigung ist bei der Abholung der Karten als Ausweis vorzulegen. Für die Verteilung von Magermilch soll zunächst eine Vor- anmcldung vorgenommen werden. Für diese werden Anmelde- karten ausgegeben an die Haushaltungen, wo Kinder sind, die in den Jahren 1007, 1908, 1900, 1910 geboren sind! und zwar erhält jeder dieser Haushalte ohne Rücksicht auf die Zahl der Kinder eine Karte. Die Abgabe dieser Anmeldekarte erfolgt bei der zuständigen Brotkommission in der Zeit vom 2. bis 5. Januar. Bei der Ab- bolung ist das Alter deS jüngsten in Betracht kommenden KindeS durch Vorlegung einer amtlichen Urkunde nachzuweisen. Die Ein- tragung in die Kundenliste hat bis zum 8. Januar zu erfolgen. Die Zusatzzuckerkartcn für Kinder bis zum voll- endeten 6. Lebensjahre werden diesmal ausnahmsweise nicht durch die.Hausbesitzer ausgegeben, sondern sind durch die Haushaltungen selbst von den zustäningen Brotkommissionen gegen Vorlage von Urkunden(Geburtsschein usw.) in der Zeit vom 2. bis S. Januar abzuholen. Die Eintragung in die Kundeuliste, in der Zeit vom 2. bis 7. Januar, ist auch für diese Zusatzkarten erforderlich. In der Woche vom 1. bis 7. Januar werden auf Abschnitt 22 der roten Nahrungsmittelkarte je 2 Pfund Kohlrüben abgegeben. Schöncberg, Ein Paket schwindler treibt in Scfimieberg sein Unwesen. Der etwa 17jährige Bursche erscheint bei Portier- lcutcn mit einem angeblich von einer bekannten chemischen Wasch- und Reinigungsanstalt abgesandten Paket und erklärt, daß die Fa- milie, an die er die Sachen abzuliefern habe, nicht anwesend sei. Seiner Bitte, ihm doch die Sendung abzunehmen und den kleinen Beirag, 4 bis 6 M., zu verauslagen, kommt die Porticrfrau fast immer nach. Will die Frau dann oie Sachen abliefern und den ver- auSlagtcn Betrag einziehen, so muß sie erfahren, daß sie einem Schwindler zum Opfer gefallen ist. Oberschönweide. Die Spedition des..Vorwärts" über- nimmt vom 1. Januar der Genosse Otto Freidank, Bis- m a r ck st r 25. Wir bitten, alle Bestellungen und Umbestellungcn an ihn zu richten. AdlccShof. Der Genosse Johannes Feuerstein, Bis. m a r ck st r. 82, übernimmt die„V o r w ä r t s"- S p e d i t i o n für Adlershof vom 1. Januar ab. Wir bitten alle Bestellungen an ihn zu richten. Neukölln. Die von der Stadt Neukölln eingerichteten Wohlfahrts- ausschüsse, die bisher die Ausnahme- und Zahlstellen für die all- gemeine Arbeitslosenunterstützung sowie die Anfnabme- tellen sür die M i e t S u n t e r st ü tz u n g der ÄriegSwohlsahrtSpslege bildeten, stellen mit dem 31. Dezember ihre Tätigkeit ein. Ihre Aufgaben erledigt das KriegSsüri'orgeamt, Rathaus, Zimmer 109, wo auch die emsprechenden Anträge zu stellen find. Sprechzeit: vormittags 9�12 Uhr, außer Sonnabends. f- parteiveranstaltungen. .Vorwärts*, Letc-»nd DiSkutierklub für Grost-Berli«. Mitt« Woch, 3. Januar, abend» 8 Uhr: Sektio» I bei(»laue, Kommandanleustr. 88, am Dönhostplatz. Sektion tV Sitzung im Lokal von Heinrich, Große Franksuder Straße 30. Vortrag des ReichstagSabgeordncten Krätzig über:„Die Friedenspolitll der Sozialdemokratie im Reichs- tage*. Gäsle können durch Mitglieder eingesührt werden. Sektion VI Versammlung bei Sachse, Lindow«; Slr. 25. Tages- ordnimg: 1. Vortrag. 2. Diskussion. Sektion VIII, Korlsliorii. Dienstag, 2. Januar, abends 8'/, Ubr, im Lokal Poser, Dönhofsstr. 8, Ecke Henligstraße: Versammlung. Vortrag des Genossen Paul Müller über:.Die Fricdeussragc-. Gäste willkomwer. Paiikow-Nicderschönhaiisen. Mittwoch, 3. Januar, abends 81/, Ubr im Lokal.Ziiiii Pankgrajen*(Jnh. Haedrich), Pankow, Schtoßstx. 6. Vortrag deS ReichSIagsabg. Karl Giebet:.tiomint cS zum Frieden Gäste willkommen. Nowawes. Mittwoch. 3. Januar, abends 8',', Uhr, im Lokal von Singer(ttcincr Saat): Versammlung des WahlvereinS. 1. Gelchäsitiches. 2. Vortrag:„Die Internationale im Weltkriege*. Zlejerent: NeichstagS- Abgeordneter Dr. L e n s ch. 3. Stellungnahme zu der am 21. Januar stalljüidcndcn Krc!sgcneralvcrsammlung und Wahl von Äelcgierlcn. Jugenüveranftaltungen. Neukölln-Britz, Buckow. Neujabrstag: Spaziergang mit Besuch der Jugend von Buckow und Rudow. Zreffpuntt sür Neukölln: Boddin-, Ecke Hermannstraße 12 Uhr: sür Britz 12h« Uhr am Rathaus.— Sonntag, 7. Januar: Besichtigung des Vertehrsmuseums. 12 Uhr Nathans, Ecke Schönstedtstraße._ Mus aller Welt. Im Danrrschlaf. In der letzten Sitzung der chirurgischen Gesell- schafl zu Bordeaux berichtete Professor Berger von der medizinischen Fakultät der dortigen Universität über einen ungewöhnlich inler- essanten Fall eines Dauerschlafes. Der Schläfer ist ein llljähriger Opernsänger, der, nachdem er an der M a r n e s ch I a ch t teil- genommen hatte, am Abend der Schlacht eingeschlafen war und seinen Schlaf seither nicht einen Augenblick unterbrochen hat. Puls und Atmung sind während der ganzen Zeit durchaus normal geblieben, und wiederholte Untersuchung hat ergeben, daß der Körper des Schläfers auch nicht die geringste Wunde aufweist. Professor Berger glaubt durchaus sicher zu sei«, daß der Kranke eines Tages aus seinem Schlafe auswachcn und seine normale Lebenstütigkeit wieder aufnehmen wird. Sriefkasten der Redaktion. CK wdlllsch« evr-chftunv«(Indel für Hoonnenten 8Ubt»«t. 5, IT. vo, cechlZ, parterre, am Moutag bis grenag von s siS 7 Nor, am Eonnabenb von i dt« 6 UN statt. Jeder wr den Brietlasten bestimmten«nstag« ist ein Buchstabe und«ine gabt als Merl, eichen beijusilg-n. Brieflich« ilnlwort wird nicht erteilt,«nsragen, denen teine Adonnemenlsauitrune beigesügt ist. werden nicht deantworlet. Eilige Fragen trage man in der kvrechstund» vor. Vertrage, echrtflfttutc nn»»crglciche»»ringe«»» l» die «»rechst«»»,«it. Else M. 43. 1. und 2. Mit Beginn der 27. Kranlbeilswochc kann dl« Krankcninvalidenrente gewähd werden, wenn zeitweilige Invalidität als vorliegend erachtet wird. Antrag ist unter Einreichnng der Ausrcch. nungSbeschelnlguugeii und der letzten OnittimgSlarte beim Verstcherungs- amt Berlin, Kloslerslr. 55/57. zu stellen.— W. 73. Wemi der Hauswirt sich der Komniission gegenüber zum Nachlaß verpflichtet bat, kann er den Betrag nicht zurückverlangen.— Urban 28 1. Bei der Versteigerung wird nur ein lolches Gebot zugelassen, durch welches die dem Anspruch des Gläubigers vorgebet, den Rechte sowie die aus dem Versteigerungserlös zu entnehmenden Kosten des Verfahrens gedeckt werden. 2. Die Forderung braucht nicht ausgeklagt, sie kann durch Pfändung beigetriebc» werden. 3. Nur die Anleihezeichner. 4. Sie könnten die Rückgabe durch Klage beim Amtsgericht erwirken, auch Anzeige wegen Diebstahl erstatten. — M.«. 7«. 1. Ter Testamentsvollstrecker kann sür die Führung seines Amtes eine angemessene Vergütung verlangen. Daneben hat er noch An- spruch aus die von ihm gemachten baren Auslagen. 2. und 3. Da Sie uns nicht angegeben haben, wieviel er oerlangt, können wirjricht beurteilen, ob die Vergütung angemessen ist.— P. 38. 1. Das Stammregiment hat seinen Standort in Straßburg(Elsaß). Di« Standode der Ersatzrcgimrnter sind uns nicht bekannt. 2. An das Rot- Kreuz, Warkgrasenslraße 40. 3. Ein begründeter Antrag aus Auszahlung des Sparguthabens ist unter Angabe der Sparkassenbuchnummer und der Sparkasse an das Vormund- schajtSamt d>r Stadt Berlin, Landsberger Straße 43/47 zu dchteu.— N«. Z. 391». Ter Antrag aus Ailszahkung der Löhnung Ihres gesaugenni Sohnes ist an das Eiiapbatnillon des Jusanterieregiments 42 in Stralsund zu richten.— D. U. 31. 1. Die Fainüseniinterstützuiig wird bis wenn eine Besserung eintritt.'—£Ö., Vaumschuleuiveg. Nein. — ft. L.<5. Rem, wenn Sie das Zimmer an die Tochter nicht mit» vermietet baben.— Allianco 1. Die Verstcherungögesellschast laiin zur Zahlung des Krankengeldes nicht verpflichtet werden. Eine Klage wäre deshalb misfichlSlos.— C. L. 27. Wenn die Ebe»ach lüOO geschlossen ist, erbt der Vater. die Kinder 3« des Nachlasses.— ir B. 20. 1. Rein.•>. Sic mü--ten 1200 Marken nachweisen. Nach Ihren Angaben sehien Ihnen noch 108 Marken.— Gertrud 42. 1. Es siebt Ihnen die staatliche Unterstützung in Höhe von 20 M. monatlich und der kommunale Zuschlag zu. Mictsunterstntzung kann in Hohe biS-u 18 M. gewährt werden. 2. Rein, Sie erbaiteii nur sür Ihren zum Militär iinaczogciicn Ehemann die Kriegsunterstützuiig. 3. Ist in jeder Apolbcle erhäiltich.— M. K. 100. 1. Ja. 2. Ja, wenn Sie eine eigene Wohnung haben.— K. K. 32. Der Lehrvedrag kann ans den von Ihnen angesüdilen Gründen nicht gelöst werden.— M. K. 40. Sie haben noch Anspruch auf die liiiierstützung bis zum 15. Januar.— H.K.III. Wir sandten Jdr Schreiben an die Wiener„Arbeiterzeitung*, die in diesem Falle mehr de- Wirten laiin._ Eingegangene Druckschristen. Ter Deutsche Krieg. Hest 86: Vaterländischer Hilfsdienst. Hest 50 Ps.— Deutsche Vedagsanstalt, Stuttgad. Antikes Leben nach den ägssvtischcn Paphrt. Von Proscssor Dr. F. Prcisigke. Aus Natur und Geisiesmelt. Land 565. Geh. 1,20, geb. 1,50.— Verlag B. ffl. Tcubner, Leipzig. Schöiicbcrgcr Arbeitcr-Durnveretn. Vom Januar ab: Turn- übungr» jeden Dienstag und DonnerSIag in der Turnhalle der 14. Ge- meindeschule, Berchtesgadener Straße.— Nächste Turnstunde: 2. Januar. Gäste willtomme». Besonders machen ivir am unsere Knaben- und Plädche nableilungeti ausmerksam.— Sllocstcr bei Gen. Fintel. Wcttcrangstchtrn für das mittlere Norddeutschland bis Montag mittag. Mild und zeitweise aujklareud, doch noch vorwiegend t rüde mit öfter wiederholten NiederschlSgen, hauptsächlich Negensällen. Allgemeine Orts-Krankenkaffe sür Kerliu-Warielldgrs und Utugegend. Geniäß si 1 Abs. 2 des Gesetzes vom 4. August 1914 betrcsscnd Eiche- rung der Leislungssähigkeit der Krankenkassen bat das Verjicherungs« amt des Kreises Teltow am 30. Sep- tember d. IS. auf Antrag des Kassen- Vorstandes vom 16. August 1916 ver- fügt, daß den als Mitglieder der Kasse Erkrankten vom 1. Januar 1917 ab die satzungsgemäß vorgesehenen Mcssrleistnngen mit Ausschluß der im tz 31 der Sahung angegebenen Leistungen zu gewähren sind. Berliti-Mariendors,(273/12 den 30. Dezcinber 1916. Ter Kassenvorstand flog. l.e!p, st. Baechler, Vorsitzender. Schristjührer. Klmuen- lind Cuaniiiiuiirm voll Robert Meyer,' Jnh.: I'.(«ollotz Marianneustr. 3. Tel. Mgl. 10 303 o Habe» Sie empfehle nach Muß passend gearbeitete Silltroinisgen jowi« UracklmiKluxcn aller Art, Leibbinden, Stütztorsetl! usw., Adite, zur Gesundheits- u. Krankenpflege.• Pollmann, KavdaM, Berlin N, Lothringer Str. 60, Lieferant für Krankenkasten. Urfllt?-11 �eospeniien UKfe schnell und billig. IS» 56 Laders Das mueja�r wird uns nach wie vor auf dem Posten finden, in dem Bestreben, unsere Kund- schafi durch rastlose Be« mühungen zu befriedigen. Was immer Sie an Oamem, Backfisch- oder Kinder-Klei- dung benötigen, Sie werden es bei uns in reicher Aus- wähl finden und zu preisen, die Lhnen das Kaufen wesenttich erleichtern werden. 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