Kr. 4. 34. Jahrg. flbonnemtiitS'Bedlngunsen: BticrmcmeiuS-®rcl3 vrünllmcrmidl» STCtleljfi�tL 3.90 MI, moitolL 1,30 Mk, wöchcmlick, 80 Ug.(td ins HauZ. einzelne Nummer 8 Pfg. konnlagö- nununcr mit illulirierter konmagS- Bcllsge.Die Neue Wein 10 Pf«. Polt- Nbonnement: ILO Marl rro Monat. angetragen in die Posi-ReitungS- PreiKliile. Unter Kreuzband für Z eutichland und Oesterreich- Ungarn iböO Marl, für das übrige biu-Iand i Marl vro Monat. vostabonnementS nehmen an Belgien. Dänemarl, «oband. Italien. Luxemburg. Pormgal, «umamen. Schweden und die Schweiz. eilditini täfln». ( 5 Pfennig) Die Infertions-Gebaitr SetrSgt für die scchbgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Pfg.. für holitische und gcwerlschasiliche BereinZ- und BersammlungS- Anzeigen 80 Psg. ..steine ZZnrcigen". bat- ,eirgedruckie ZSoct 20 P,g.(zuläsfig 2 setigedanlie B'ertc). jedcb weitere Wort 10 Pfg. Siellengeinchc und Schlan'lellena»- zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes »euere Wort ö Psg. Warle über lä Buch- sieben zählen iür zwei Warle. Inscrarc siir die nächsie Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Exbeditian libgegebcn werden. Die SrvcdUion iil bis 7 Uhr abends geöffnet. Verlinev Volksblslt. Zentralorgan der foztaldem okrati f eben Partei Deutfchlands. r-!egranim>Äd reffe: �siiaWcBistrai Btrlla". Neüaktion: EW. HS, �tnöenstraße Z. A-rnsprecher: Zlmt Moridpla«. Nr. 151 SO— 121 37. Freitag, den 5. Januar- 1917. Expedition: Elv. HS» Lintcnstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritrvla«, Str. 151 SO— 151 S7. l>ie Kampfe längs des Teretk. Russischer Widerstaud in den Wald- karpatheu— Höhen bei Soveja am Susita erstürmt— Vordringen über Mera aus Qdobesci— Russische Reiterei im Winkel Vuzaul-Serech geschlagen— In der Do- brudscha bis zum Vorland von Galatz. Amtlich. Großes Hauptquartier, dru Ja� jtugr 1917.('». 2.2?) Westlicher Kriegsschauplatz. Sri Regen und Nebel geringe GefechtStötigkctt. westlicher Kriegsschauplatz. Front drS GcneralfeldmarschallS Priuz Leopold von Bayer». Stordwestlich von Düuaburg drangen Kompagnien deS Olden- burgischcn Rcscrve-Fufantcrir-Regimcnts Nr. 259 über das Tüna-EiS und entrissen den Russen eine Insel. Ueber 49 öc- sangcnc und mehrere Maschinengewehre wurden zurückgeführt. Front dcs Generaloberst Erzherzog Joseph. In den Waldkarpaihen gelang rS russischen Abteilungen, sich in der vorderen Stellung nördlich von MestccancSci festzu- srnen. Deutsche und österreichisch ungarische Truppen nahmen nörd- Ii» der Ljtoz Strasse und beiderseits von Sovesa'im Susita- Tal) mehrere Höhen im Sturm und hielten sie gegen starke Angriffe der Gegner. Heeresgruppe drS GeneralfeldmarschallS s> v a« M a ck e u s e«. Oberhalb von OdodeSci(nordwestlich von Focsani) ist der Milcovu-Abschnitt überwunden. Westlich der Buzaul-Mündung versuchte starke russische Kavallerie vorzudringen; sie wurde zurückgeschlagen. Schulter an Schulter haben ungarische und deutsche Regimenter die hartnäckig verteidigten Orte Maein und Jijila gc- stürmt. Bisher find etwa 1999 Gefangene und 19 Maschinengewehre eingebracht. Tie Dobrudscha ist damit bis auf die schmale gegen Galass verlaufende Landzunge, auf der noch russische Nachhnten halten, vom Feinde gesäuberl. Mazedonische Front. - Keine besonderen Ereignisse. Ter Erste Gcneralquartiermcificr. Ludcudorff. « flbenöbericht. Berlin, 4. Januar. Amtlich. I« Osten und Westen keine besondere GefechtStätigkcit. In Rumänien find längs des Serrth die Kämpfe aufgelebt.' -s: *;....... der österreichische Bericht. Wien, t. Januar 1917.(W.T.B.) Amtlich wird vcrlautbart: westlicher Kriegsschauplatz. Die Dobrudscha ist mit Ausnahme der schmalen gegen Gala* ziehenden Landzunge vom Feinde gesäubert. In der rumänischen Ebene außer erfolglosem Vorfühlen russischer Kavallerie keine besonderen Ereignisse. .Westlich~ 7' S-ii Hesse» wir t-n Mike,» öder schritte», bei Sovel« und an der E i« o z- Straße feindliche Stellungen gestürmt. Westlich von B a l c p u t n a bemächtigten sich die Russen eines unserer Gräben. Sonst im Nordosten nichts von Belang. Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Unverändert. Ter Stellvertreter de? Chefs des Gencralstadck. v. H o e f c r, Fcldmarscholleutnaut. die Antwort an Wilson. Amsterdam, 3. Januar. Wie istmter erfährt, wird die Antwort der Alliierten au Wilson vielleicht erst einige T ag c, n a ch de m das Dokument den Präsidenten er- reicht hat, veröffentlicht werden. Zurzeit unter» liegt es noch einigen leichten redaktionellen Acnde» r u n gcn. Während die Antwort an Teutschland nochmals die Bedingungen aufzählte, die nicht angenommen werde» würden, kann erwartet werden, dgst die Antwort an Wilson weitergehen und in genauerer Fassung die ein» zigen Präliminarien angeben wird, unter denen die Alliierten bereit sind, zu unter- handeln. ..» Amsterdam, 4. Januar. Aus London wird dem„Allgemcea Handclsblad" gemeldet, die Tatsache, daß Präsident Wilson Schritte zu untcruehmen beabsichtige, um seine Friedensaktion durch eine Resolution des Senats unterstünen zu lassen, müsse als ein Beweis dafür ausgesasst werben, daß Wilson u o» weiter zu gehen beabsichtige. ES scheine ebenso sicher zu sein, daß die Antwort der Alliierten an Wilson, die wahrschein- lick am Freitag abgesandt werden wird, als eine not- wendige Folge der Tatsache, daß die Antwort der verbündeten Mächte on die Zentralstoaten ablehnend lautete, gleichfalls in diesem Geiste abgefaßt sein wird. * -Die„Westmrnstcr Gazette" hofft, die Antwort der Alliierten an Wilson werde von dem Geiste getragen sein, daß sie die öffentliche Meinung in Amerika überzeugen werde. Eine einfache nega- tive Antwort würde nicht genügen. Die Amerikaner interessieren sich hauptsächlich für die Mittel, welche nach dem Kriege angewandt werden sollen, um einer Wiederholung eines solchen- WeltbrandcS vorzubeugen, und sie glauben, daß ihr Präsident mit seiner Empfehlung eines Völkerbundes einen Gc- danken ausgesprochen habe, der für die Welt einen wirklichen Wert basten könne. Ter Wink, den Lord Grcy den Neutralen gegeben habe, diese Idee schon während deS Krieges auszuarbeiten, werde in Amerika warm willkommen geheißen. » Der„Sccolo" will nach einem Telegramm des*3. T." auS Lugono wissen, die Note setze in großen Umrissen die Bedingungen der Entente auseinander, die die R ä u m u n g B c l g i e n s, S c r- bisns, Rumäniens, Montenegros und Frankz r e i ch S fordeve, ehe die Friedenskonferenz überhaupt möglich sei. Ferner verlange man die Rückgabe Elsaß-Lothtingcns und die Umgestaltung der europäischen Karte auf Grundlage des NationalitätcnprinzipS. Tie Zentral- mächte kennen, so wird gesagt, diese Bedingungen heute schon genau, aber auch die Neutralen sollen darüber ausgeklärt werden. London» 1. Januar. Der New Docker..Times"-Korrespondent meldet, daß Wilson seine zukünftige Politik noch nicht bestimmt habe; cr gründe sie jedoch schon so gut wie vollkommen auf eine Fortsetzung des Krieges, da die Antwort der Alliierten an Deutschland bereits habe vermuten lassen, daß man Amerika auf gleiche Weise antworten werde. der Vertrauensmann öer westmächte. Sasonows Rehabilitierung. Immer neue Umbildungen vollziehen sich im Ministerium Drepow. Seit einer Reihe von Tagen wird auch Safonows Name in Verbindung mit diesen Vorgängen genannt, mtd jetzt ist die Form gefunden, wie cr sich dem Trcpow Kreise angliedern läßt, zu dem er wie das Blut zur Ader paßt. Kopenhagen, 3. Januar. Wie Petersburger Zeitungen bc- richten, hat der Zar dir Zuziehung Safonows zn den Bc- ratungrn des Ministerrats über Auswärtige Angelegen- b citeu angeordnet. Ferner wurde Sasonow in feierlicher Sitzung der rnssisch-cnglischcn Handelskammer in Anwesen- bcit des englischen Botschafters B n ch a n a n zum Ehrenvorsitzenden dieser Kammer gewählt. Wie die Petersburger Zeitungen melden, erklärte Sasonow» tatsächlich die Leitung der Kammer übe-r nehmen zu wollen. Buchanan habe unlängst die Demission von deren Vorsitzenden Timirasow gewünscht, weil dieser nach Bekanntgabe der Beschlüsse der Pariser Wirt- schaftskonfcrrnz dieselben in der Presse kritisiert und erklärt habe, daß Rußland auf einen Handelsvertrag mit Teutschland keinesfalls verzichten könne. Als der Krieg iu Sicht kam, hat Sasonow bewiesen, daß cr Englands Mann war. Jetzt beweist England, wie sehr es ihm vertraut. Und Herr Buchanan schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Safonows Name muß herhalten, das Mißtrauen zu beschwichtigen, das aus französischer Seite bestanden haben wag in bezug auf den Glauben an Rußlands Bereit- schaft, den Krieg in jeder Hinsicht— auch als Wirtschaftskrieg — rücksichtslos bis zu Ende durchzuhalten. Da Timirasow hinter SasonowS dienstwilligem Rücken verschwindet, wird bald genug zu hören sein, daß der von Frankreich propagierte Zusammenschluß der Ententcläudcr zur weltwirtschaftlichen Aussperrung der Mittelmächte nunmehr auch von Rußland mitgemacht werde. Rußland hat keinen selbständigen der- nünstigen Willen mehr. Es muß gegen fem eigenes Fleisch wüten und Sasonow leistet ihm diesen Patriotendienst. Was ist jetzt zu tun! Tie Ablehnung des deutschen Friedensangebots hat die Regierung und alle Kreise des deutschen Volkes vor eine neue politische Situation gestellt. Was auch immer die Gegner über die Schuld am Kriege sagen mögen, so läßt sich doch die Tatsache nicht aus der Welt schaffeu: an dem Kriege, der seit dem 12. Dezcmhcr 1916 tobt, tragen sie die Schuld. Die Mittelmächte haben Frieden geboten, der Zchnverband lehnt ihn ab. So ist seit dem 12. Dezember jeder Zweifel daran geschwunden, daß Deutschland einen Verteidigungskrieg führt, und die Pflichten jedes deutschen Sozialdemokraten gegenüber seinem Lande sind noch viel klarer als je zuvor. Der Partcistreit, ob wir einen Verteidigungskrieg führen oder nicht, ist dannt, mag cr auch nach dein Gesetz der Träg- hcit weiter fortdauern, durch die Weltgeschichte selbst erledigt. Dafür drängen sich dem arbciteudcu Volke Teutschlands andere Fragen auf, cröftnen sich ihm neue Wirkungsmöglich- leiten. Jetzt>Md drüben, hinter den feindlichen Schützen- graben und in ihnen selbst die Frage laut: Ist das noch der- selbe Krieg? Jetzt sieht man auch drüben die Möglichkeit. ohne weiteres Blutvergießen zu einem Frieden zu kommen, der Dasein, Ehre und wirtschaftliche EristenzstxiHcit des eigenen Landes sichert, jetzt können vielleicht endlia) doch die Arbeiter aller Länder an die Aufgabe herantreten, durch gemeinsames Wirken der Welt den ersehnten Frieden wieder zu bringen Las ist das politische Ziel, aus das die Aromertlaste Teutschlands setzt alle ihre Anstrengungen koilzentricrcn muß. Ganz unbegründet ist die Sorge, daß darüber die nationale Verteidigung zu kurz kommen könnte.- Niemand wird von der sozialdemokratischen Fraktion jetzt ernstlich verlangen, daß sie fernere Kriegskrcdite ablehnen soll, lind die Sozial- demokraten an der Front wissen ganz genau, daß es der Wille nicht der eigenen Regierung und des eigenen Volkes, sondern jener der Gegner ist, der sie in Not und Gefahr ihren Lieben fernhält. Ebenso wird die Zustimmung der sozialdemokratischen Fraktion zum Hilfsdicnstgefctz keine w strengen Kritiker mehr>me früher finden, denn alle Bc- schwcrdcn, die es dem Volk des Hinterlandes bringen mag. sind nicht zu vergleichen mit den Leiden der Soldaten draußen, wenn ihnen die Munition ausgeht. Eiserne Pflichterfüllung ist für das ganze deutsche Volk zur Selbstverständlichkeit geworden. Und es wäre kaum notwendig. diese Selbstverständlichkeit noch besonders hervor- zuhcben, wenn nicht gewisse Stimmunacu darüber hinaus etwas Großes, Neues, Unerhörtes fordern würden, wovon man einstweilen nicht genau weiß, was es ist, das aber vielleicht doch nicht so groß, neu und unerhört ist, wie der Lärm anzukündigen scheint, der ihm vorhergeht. Indes stehen wir" wohl, wie gesagt, vor' cincr neuen politischen, aber' vor keiner neuen militärischen Situation. Tic Aufgabe, um die sich unsere Kriegführung. ihrem eigenen Gesetz folgend, seit zweieinhalb Jahren bemüht. ist die, den Gegner physisch zum Fyedcn zu zwingen. Die Politik aber setzt neben diesen physischen Zwang den moralischen, und so war das deutsche Friedensangebot nur das ErgänzungSftück zu den Siegen in Rumänien: m einem Krieg, der, militärisch offensiv geführt, doch politisch ein Defensiv- krieg bleibt. Das Bestreben, diese zusammengehörenden Stücke aus- cinaudcrzurcißcn, u u r n o ch den Krieg- und Siegeswillen rpü evcrl vernünftiger Uebcrlcgung. Dieses Bestreben darf am aller- wenigsten in der Sozialdemokratie einen Platz finden! Tie Regierung kann einstweilen nichts anderes für den Frieden tun, als an der Formel festhälten:„Zum Kampf entschlossen, zum Frieden bereit!" Die Gegner sollen wissen, daß die Fricdcnsbcrcitschaft als ruhende Kraft immer noch vorhanden ist und daß sie an dem Tage wirksam werden wird, an dem auch sie zu einem Frieden ohne Ver- gcwaltiguug deS deutschen Volkes bereit sein werden. Mehr kann die Regierung jetzt nicht tun. ihre Mittel sind erschöpft. Die Mittel der Sozialdemokratie sind es nicht! Ganz im Gegenteil! Gerade durch das dcnischc Friedensangebot und seine Ablehnung ist eine Situation ge- schaffen, die der Sozialdemokratie Gelegenheit gibt, auf dem ihr eigensten Gebiet ihre Kraft zu cutfaltcu. Sie wird um den Frieden nicht flennen und betteln, aber sie wird nun und nimmer— jetzt erst recht nicht— aufhören, auf das große, gemeinsame Interesse hinzuweisen, das die Arbeiter aller Länder zwingt, für die Beendigung des Krieges ihr äußerstes zu tun! So wenig die deutschen Arbeiter selbst einen Frieden an- nehmen tvollen, der ihnen den Weg zur politischen Freiheit dersperrt und ihnen die wirtschattliche Entwicklung unier- bindet, so wenig werden sie von ihren Klassen gen offen jenseits der Fronten verlangen, dag sie sich'zu einem solchen Frieden zwingen lassen. So wenig sie selbst an ihrem Baterlandc Verrat üben, werden sie von ihren Kameraden drüben ver- langen, dag sie es tun sollen. Wären die Sozialisten der feindlichen Länder zu einer ruhigen Würdigung der Politik der deutschen Sozialdemokratie im Kriege schon reif, so müßten sie erkennen, das; diese Politik— von einigen Entgleisungen nach rechts und links abgesehen— in ihrer engen Per- bindung von Verteidigungswillen und Friedensbereitschaft m u st c r g ü l t i g gewesen ist, und daß sie ihnen auch jetzt noch richtunggebend sein kaum Etwas anderes, als wir selber tun, verlangen wir auch von den aitsläudischen Sozialisten nicht. Und wir wünschen, dag ihnen auf den: gleichen Wege bald dieselben Erfolge be- schieden sein sollen, wie wir sie verzeichnen dürfen. Mögen fte nun an die Arbeit gehen, um ihr ganzes Volk bis in die leitenden Schichten mit Friedenswillen zu durchdringen und den Weg frei zu machen für die Fried enSliga der N a t i o n e n! Nein, wir werden um Frieden nicht flennen und winseln, aber wir werden nicht aufhören, dem eigenen Volk und allen anderen Völkern eindringlich die Vernunft des int er- nationalen Sozialismus zu predigen, der allein imstande ist, die europäische Kultur vor dem Unter- gang zu retten. Das ist's, was jetzt für uns zu tun ist! Alles andere versteht sich von selbst! Sturm in Rußianö. Bei den innerrüssischen Ereignissen handelt es sich seit Fahr und Teig immer um die Erscheinung, daß die bürger- lichen Schichten, die den Krieg wollen, zugleich Verfassungs- rechte fordern, die vor allem in einer Stärkung, der parla- mentarischen Macht bestehen und also eine Schwächung der zaristischen Selbstherrschaft bedeuten. In diesen Kampf spielt die Angst vor den Massen hinein, dio von den Sachwaltern des zaristischen Systems ausgenutzt wird. Man macht Gesetze gegen den Radikalisrnns der Massen und schlägt' dann mit dieser Waffe auf die Bürgerlichen los, die selbst an der Waffe duldsam mitgcschmiedet haben. Es ist schon eine recht alte Geschichte: Rechte möchte man durchaus gewinnen, aber die Revolution nach oben soll ohne Hilfe der revolutionären Massen, die von unten drängen, gemacht werden. Als vor Jahresfrist die. innere Krise unter den Keulenschlägen, die in Galizien, Polen und Kurland auf die russischen Heere niedergingen, zum Sieden kam, rollte sich das Schauspiest bei dem politische Torheit die Fäden zu halten schien, in einer Fülle charakteristischer Szenen ab. Der fort- ichrittliche Block kehrte sich gegen den Linksradikalismus und der Zarismus schlug der Duma ins Antlitz, indem er sie im Augenblick der höchsten Steigerung der Belveuung durch Per- tagung beiseite schob und den ihr verhaßtm Goremykin in seiner Ministerpräjidentschaft bestätigte. Als sich die Moskauer Liberalen stürmisch zu Protesten anschickten, fluteten die Massen auf die Straßen und zeigten schnell genug, wie kurz der Schritt zur Stimmung der Re- Volution war. Aber nun schwoll ebenso schnell die liberale Angst, mit der ganzen Revolution gxmeinsäme Sachv,zu machen. und die Wortführer des Moskauer Lsberälismüs mühten sich. den Sturm der Straße zu beschwöten..Das. war die.Schluß, szone in dem Akte, der loieder einmal' die'Rettung des Zarismus besiegelte. Eben der Moskauer Bürgermeister Tschelnokow, der jetzt verhaftet wurde, tat sich in diesem Kampf gegen den Einsatz der äußersten Energie hervor. Tie Gutschkow und andere bürgerliche Linke wurden ausgeschaltet, und das Ergebnis der ganzen Kampagne war schließlich, daß die Kadettenpartei mit dem Haß der Volks, massen beladen dastand. Was damals geschah, muß an das heute Geschehende an- geknüpft werden. Das Regiment Trepow hängt mit den Er- fahrungen zusammen, die der Zarismus vor Jahresfrist in seiner Auseinandersetzung mit bxr bürgerlichen Revolution machte. Diese will Krieg und Verfassung, aber in den breiten Volksmassen mächst der Wille, der nach Volksrechtcn und Frieden schreit. Der Zarismus hingegen will vor allem keine Volksrechte. weder bürgerliche noch proletarische, und den Krieg muß er heute mehr als je wollen, weil er sich finanziell seinem Verbündeten an der.Themse bis zur vollkommensten Botmäßigkeit verschrieben hat. Er hatte Ende 1915 zwischen dieser Finanzsklaverei und der Revolution zu wählen und entschied sich für jene Fessel, die mit dem Blut der Massen aus europäischen Schlachtfeldern bezahlt werden muß. Wenn Rußland auch keine Siege erficht, für England leistet es schon einen Dienst, den man berechnend willig mit Milliarden auf- wiegt, wenn er nur den 51ricg verlängert und hinhält. Wenn jetzt die russischen Massen sich gegen den Krieg auflehnen, so hat dip Mauer, die gegen, ihren Willen aufwächst, den Namen England. Etiglische Fäden wurden sichtbar, als die Kadettenpartei gegen den der Friedens- neigung verdächtigen Stürmer auftrumpfte. Aber als Stürmer erledigt war. kam Trepow, der zwar den Krieg bis ans Ende will und ein Füllhorn Wirtschastsprofite auszuschwenken bereit ist, von dem aber kein Tropfen Revolution zu er- warten ist. Rechts das herrschende Regime, das dt»-»Duma durch deutliche Taten sagt, daß es von seiner Macht nichts an bürgerliche Klaffen abgeben will, und links die Massen, die des Kriegsopfers müde sind— wollen die bürgerlichen Schichten gegen den Zarismus vorwärts kommen, so bleibt ihnen nur die Wahl, sich mit der Linken ins Einvernehmen zu schicken. Was jetzt in Moskau geschehen ist, scheint abermals ein blutiger Wink gewesen zu sein, der das, was heute, geschicht- lich praktisch ist, erweist. Daß die bürgerliche Mitte sich in Kriegshurra ergeht, sichert sie nicht vor den Kugeln und Kerkern'der militärisch kommandierten Polizei, Sie haben ihr selbst das barbarische Spiel bereitet und leicht gemacht. Was muß geschehen, sie endlich zu anderer Entscheidung zu zwingen? Von welcher Seite wird das Ereignis kommen, das den Wagen der EntWickelung in das rechte Geleise rückt? « Zum Angriff Tjcheakelis gegen die Regierung und die Dumamehrheit. Stockholm, 1. Januar. Die liberalifieiende Mehrheit der Duma. die sich seinerzeit in dem sogenannten Tumablock vereinigte, um gegen die Regierung Front zu machen, verliert immer mehr die Fühlung mit den Wünschen und Forderungen des arbeitenden Belkes, wie der breiteren Schichten der Bevöllerung überhaupt. Es ist dies eine unvermeidliche Folge ihrer vollständig unbestimmten Politik und der falschen Haltung, die sie einerseits gegenüber der Regierung und andererseits gegenüber den arbeitenden Massen von Anfang eingenommen hat. Gegenüber der Regierung war sie nicht scharf und präzise genug, weil sie in vielen Fragen der nutzeren und in manchen wichtigen Fragen der inneren Politik mit dieser von ihr anscheinend bekämpften Regierung Hand in Hand ging und gehen mutzte. Auf dem Gebiete der äutzerni Politik gibt eS zwischen Miljukow, dem Vertreter des russischen Liberalismus und Tropow, dem Wer» treter der russischen Reaktion tast gar keine Meinungsverschiedenheit, hier sollen ihre Wünsche vollständig zusammen. In diesem Punkte herrscht zwischen dem Zentrolorgan der Kadetten, der„Rjelsch", und dem ultrqreakiioiiären„Rutzkoje Snamja" völliger Einklang,>vas immer auch die„Rjetsch" gegen den Patriotismus der Konservaiiven und reaktionären Blätter einzuwenden hat. Aber dieser Umstand konnte und kann unmöglich ohne Einfluß auf die Stellungnahme zu den inneren Angelegenheiten deS Landes bleiben, da die äußere Politik mit der inneren durch tausend Fäden verkniipst ist. Der russische Liberalismus, der vor dem Kriege jede Gärung und jedes selbständige Auftreten innerhalb der arbeitenden Massen, wie den breiteren Schichten der Bevölkerung überhaupt begrüßen konnte, hat jetzt ein lebendiges Jnleresse daran, daß sich die Arbeiterschaff möglichst ruhig verhält und ihre gerechten Forderungen ja nicht zum Ausdruck bringt. Noch mehr, der rasche Prozeß der Industrialisierung, den die russische Bourgeoisie gegenwärtig in aller Eile durchmacht, treibt sie fatalerweise in solche Konflikte mit dem arbeitenden Volk hinein, die sie früher in diesem Matze nicht kannte. Dies alles gräbt eine immer tiefere Klust zwischen dem russischen Liberalismus und den breileren Schichten des russischen Volkes. Und dabei tun die russischen Liberalen so, als handelten sie im Interesse dieses Volkes, jedenfalls reden sie immer in dessen Namen. Die impcria- listischen Zwecke, die der Masse des Volkes fremd sind, und die nur einer im Bergleiche zum gesamten arbeitenden Volle verschwinden- den Gruppe von Großindustriellen zugute kommen können, geben sie für diejenigen der breiten Massen au-S. Ts ch e n ke l i war daher vollständig im Rechte, wenn er neulich gegen die Duma- Mehrheit die Klage erhob, daß sie sich eine Fälschung der russischen öffentlichen Meinung zuschulden kommen ließ, indem sie bei der Ab- lehnmig des Friedensangebotes die imperialistischen Bestrebungen ihrer Klasse dem ganzen russischen Volle andichtete. Die griechische Regierung gegen öie Ententenote. Die griechiche Angelegenheit nimmt zunächst nach nicht den Verlauf, auf den die Entente bei Ueberreichung ihrer durch die strengste Blockade verschärften Gewaltnote gerechnet haben mag. Die Regierung hat sich der Note bisher nicht gefügt, sie stellt viel- mehr ihre Bedingungen: Milderung gewisser Punkte. Folgendes Telegramm zeichnet die Lage: Paris, 4. Januar. Dem„Journal" wird aus Athen gemeldet: Die früheren Ministerpräsidenten und die Parteiführer wurden vom König empfangen. Alle waren der Ansicht, daß di�Note der Entente unannehmbar sei. Der amerikanische Kongreß und Wilsons Zrieüensnote. Washington, 3. Januar. Rcvterw'ldung. Heut« würde im Senat der Antrag Hitchcock, in dew Wilsons Rote zustimmend begrüßt wird, behandelt. Nachdem einige Redner für den Antrag eingetreten waren, sprach Senator L o d g e dagegen. Er sagte,»er Kongreß dürfe in einer Angelegenheit von so großer Bedeutung nicht handelnd austreten. Ein jetzt geschlossener Friede würde weiter nichts bedeuten als eine Ruhepause, die die Völker dazu benutzen würden, »cnc Kräfte zu sammeln, um einen Kampf wieder aufzunehmen, in den dann auch Amerika verwickelt werden könne. Tic Gegner dcS Senators Lodgc führten an, daß für das Auf- treten des Präsidenten Wilson ein Präzedenzfall in der Roosevclffcken Vermittlung während des Russisch-Japanischen Krieges vorliege. L o d g r machte dagegen geltend, daß es sich hier nicht um das Recht auf Vermittlung, das durch Haager Konventionen anerkannt sei, handele. Die Note des Präsidenten sei mehr als ein Borschlag, der bezwecke, die kämpfenden Parteien miteinander in Fühlung zu bringen. Der Präsident habe unzweifelhaft back Recht, eine Note auszusenden, nm versnchsweise festzustellen, wie weit cS möglich wäre, dir kriegführenden Parteien zusammenzu- bringen. Dieser Bersuch fei aber bei einer der beiden krieg- führenden Parteien bereits gescheitert. Wenn die falsche Auffassung der Rote, die aus dem Antrage des Senator Hitchcock spreche, all- gemein würde, so würde Amerika Gefahr laufen, in der ganzen Welt den Eindruck zu rr»>cckrtt, daß der Kongreß sich auf die Seite einer der beide« Parteien stelle. Hierauf wurde die Debatte auf Ersuchen des Senators Hitchcock neuerdings vertagt»_____ Die kriegsziele im östlichen Mittelmeer. Ein Abbröckeln in der Entente? London, 3. Januar.(W. T. B.)„Manchester Guardian" schreibt in einem Leitartikel über Italien und den Osten:.Die Note Italiens an Griechenland sei daS erste diplomarische Dokument, worin einer der Alliierten sich von den anderen lvSmache. Italien habe keine Sympathie für die jetzige Regierung in Griechenland, cS habe aber auch niemals Be« wundernug für Benizelos an den Tag gelegt. Italien brauche weder ein offizielles noch ein unoffizielles Bündnis mit Griechen- land, es wünsche nur, daß Griechenland neutral bleibe. Für Italien sei der Krieg in erster Linie eine Frage dcS Balkans und deS östlichen Teiles des MittelmeerS. Die italienischen Staatsmänner feien der Ansicht, daß die diesbezüglichen Forderungen Italiens zu einem Konflikt mit Griechenland führen könnten. Es sei vielleicht kein Zufall, daß Italien den gegenwärtigen Augenblick wähle, um offen den Unterschied zwischen seinen eigenen Interessen und denen Griechenlands am Balkan und im östlichen Mittelmeer zu betonen. Ueber die Zukunft derTürkei sei nochkein Bertrag der Alliierten bekannt geworden, außer dem einen, nach dem Rußland Konstantinopel und die Meerengen bekommen solle, wenn es sie erobern könne. Die Alliierten mützten aber möglichst rasch ihre Pläne bezüglich der Türkei näher um- schreiben. Die Anzeichen mehrten sich, daß die Türkei an den letzten Phasen deS Krieges aufs engste beteiligt sein werde. ES sei also lelbstverständlich, daß Italien beizeiten feine Ansprüche, geltend machen wolle. Bern, 4. Januar. Mailänder Blätter melden aus Rom: Briand, Lyauteh, ThomaS, Lloyd George, Lord Milner. General Robertson und der russische General Galitzin werden morgen in Rem ein- treffen. Rußland und Venizelos. Saloniki, 4. Januar. Wie dst Blätter melden, bat Rußland einen Geschäftsträger bei der Nationalen Regierung ernannt. .. ♦ Italien und Griechenland. Lugano, 4. Januar. Wie dem„Secolo" aus Paris gemeldet wird, beurteilt die französische Presse die Zurückhaltung der italienischen Regierung gegenüber der Ententcnote an Griechen- land ungünstig und mit großem Mißtrauen. Die„Trifmna" spricht zur Beschwichtigung der Ententeleute die Versicherung aus, die italienische Reserve wegen der BeHand- lung der Venizelisten beeinträchtige in keiner Weise die Solidarität Italiens mit seinen Verbündeten. Es sei absurd, anzunehmen, der Ententeblock könne durch die v e n i z e l i sti sch e Frage gesprengt werden. Wilson und Mexiko. Amsterdam, 4. Januar. Nach einem hiesigen Blatte er- iährt die„Times" aus New Jork: Jetzt, wo Caranza das Protokoll der amerikanisch-mexikanischen Kommission, in dem für die Grenzdistrikte eine Regelung getroffen worden war. verworfen hat. stößt die Politik, die Wilson Mexiko gegenüber eingeschlagen bat. auf viel Kritik. Earanza hat die bedingungslose Abberufung des Generals Pershing und Truppen vorn mexikanischen Gebiete gefordert und Wilson hatte es für ratsam gehalten, diesem Ersuchen nachzugeben, obwohl Villa, zu dessen Gefangennahme Pershing aus- geschickt worden war. noch immer aktiv auftritt und die Lage in Mexiko keineswegs auf eine friedliebende Stimmung hindeutet. Wilsons politische Anhänger erklären, daß der Präsident/ nur das ernste Verlangen habe, Mexiko jede Gelegenheit zu geben, seine Angelegenheiten selbst zu regeln. * New Uork, 3. Januar.(Reutermeldung.) Ter hiesige mexi- konische Generalkonsul wurde unter der Beschuldigung verhaftet, in Verletzung von Wilsons Ausfuhrverbot vom Ok- tober 1913 an einer Verschwörung teilgenommen zuhaben, die sich die Verschiffung von Waffen und Munition nach Beracruz zum Ziele setzte. fflUgemeitie Konferenz öer französischen Gewerkschaften. Vertrancnsvotum für Jouhaux. Keufers Bekenntnis. Aus M e r r h e i m s Anklagen, die jedoch sowohl von der französischen Zensur wie von der Redaktion der„Batcnlle" unterdrückt worden sind, antwortete Jouhaux in längerer Rede, aus der hervorgeht, daß Bderrheims. Anklagen gegen den„Sozialpatriotismus", die Klassensolidarität, die Regie- rungsfreundlichkeit und das autoritäre Austreten und Hau- dein Jouhaux' und der Mehrheit der Verwaltung der C. G. T. geriästet waren. Jouhaux sagte: _„Auf die weben vernommenen Anklagen antworte ich mit der Stellung der Vertrauensfrage. Soll die Konserenz entscheiden, yb ich noch des Vertrauens des Gewcrkschaftsbundes würdig bin. Habe ich Fehler gegangen., fp werde ich mein Amt niederlegen. Die Stn- klagen gegen mich beruhen jedoch' nicht. auf Tatsachen, sonder» auf Schlußfolgerungen aus meiner Stellung �zund> Kriege. Meine Handlungen gehen von der lleberzeugung aus, daß Frankreich wicht der Urheber dieses Krieges fei und.dass es keine Eroberungs plane habe. Deshalb haben wir uns an den verschiedenen amtlichen Kommissionen beteiligt, die /den Zweck haben, das K r i e g s e l e n d der Ar b et te r kl qJ f e zu: lindern oder deren Interessen wahrzunehmen. Wir waren Delegierte der Nation. Ich wollte damals von meinem Posten als Sekretär des Gewerischaftsbundes zurücktreten, aber die Berwal- tung lehnte es ab, meinen Rücktritt zu bestätigen. Man hat mir ferner borgeworfen, daß ich nach Italien fahren wollte, um dort Kriegspropaganda zu treiben. Es ist wohl tvahr, daß ich aus Italien die Einladung erhalten habe, um in Mailand über die internatio- nale Lage zu sprechen, aber der GewerkschastsbundeSauSschuß sprach sich gegen die Reise aus, und ich bin zu Hause geblieben. Aller- dings fuhr ich zur Londoner K o.nferenz der alliierten Sozialisten(Februar 1915), an der die englischen Gewerk- lchasten nicht teilnahmen, aber ich befand mich dort unter Sozia- listen und arbeitete dort an der Resolution mit, die die Grundlagen des Friedens emulierte. Nicht ich, sondern Ramsah Maedonald hat den Satz in- die Resolution hineingebracht, daß„ein Sieg dos deut- 'chen Imperialismus das Ende der europäischen Demokratie be- deuten würde". Dann habe ich die Organisierung der Leedser Konferenz in die Hände genommen, die von der C. G. T. gut- geheißen wurde. Diese Konserenz bezweckte keineswegs, die Arbeiter- internationale zu spalten, sondern nur die Arbeiterklauseln für den Friedensvertrag, vorzubereiten. Merrbclm und Bourderan werfen mir vor, daß ich die internationale proletarifckie Solidarität und den Klassenkampf verleugnete. Genossen! Wir sollten doch endlich auf- hören, die Opfer, schöner Worte zu sein. Habe ich mich je gegen die Organisation der Arbeiterklasse ausgesprochen? Allerdings bin ich dafür, daß die Arbeiter in den Fabriken und Werkstätten ihre Ausschüsse haben, um mit den Unternehmern über alles, was die Arbeiterinteresscn betrifft, zu diskutieren. Aber hindert denn eine Diskuffton mit den Unternehmer» die nötige Aktion der Arbeiter? Und soll nur deshalb gestreikt weichen, um den Klassenkampf zu, dokumentieren? Keine einzige Organisation ist auf eine derartige Idee gekommen. Der Klassenkampf ist nur heftig, wenn man mit Unternehmern zu tun hat, die gar nicht verhandeln wollen. Der Klassenkampf nimmt einen ruhigen Charakter an, wenn beide Par- teien Vernunftgründen zugänglich sind. Der Klassenkampf ist kor? truktiv, wenn er den Arbeitern dazu verhilft, einen Anteil an dtd Fabrikleitnng zu erhalten. Auf dieses Ziel müssen wir hinarbeiten. Die Arbeiterklasse ist reif dazu. Das habe ich auf dem Bankett der Unternehmer, bei dem Andre Lcoon präfidiertc, auSein- andergesetzt. Dieses Ziel wird auch in anderen Ländern sormuliert. ES läßt sich mit ehtem Worte erklären; Wirtschaftliche Demokratie. Uns daraus einen Strick drehen zu wollen und uns anzuklagen, daß wir die Arbiter vom Wege des Klassenkampfes ab- lenken und sie ins Schlepptau der sozialistischen Partei nehmen lassen, ist ein Unsinn. Die Arbeiterbewegung muß selbständig bandeln oder sie wird verschwinden. Und sie kann nur wirken, wenn sie mit den wirklichen Verhältnissen rechnet. Die Aroeiterklasse muß sich von Formeln, großen Worten und Parolen befreien. Wir handeln im Sinne von I a u r e s. der einmal im Parlamente. sagte:„Der französische Arbeiter ist politisch souverän, Wirtschaft- lich ein Sklave. Wir streben nun dahin, ihn auch wirtschaftlich souverän zu machen." DaS heißt: die politische Demokratie muß auf daS Wirtschaftsleben ausgedehnt werden." . Noch Jouhaux sprach K e u f e r. der Sekretär der fran- zdsischen Buchdrucker. Seine Rede erregte großes Aufsehen: „Während einer langen Reihe von Jahren yaben unsere Kon- grosse antimilitaristische univ antiparlamentarische Entschließungen angenommen und nach Mitteln zur Verhinderung des Krieges gc- sucht. Jch� fr�gie mich, warum die revolutionärsten Syndikalisten nicht im Sinne dieser Entschließungen gehandelt haben. Was mich anbetrifft, so hat sich in meinem Elsässer Schädel ein Umschwung vollzogen. Ich war Anhänger der Re- vanche. aber angesichts der Entwickelung des Militarismus und der fürchterlichen Schlachte- reicn, habe ich meinen Revanchcgedanken aufgegeben. Unsere revolutionären Syndikalisten haben ihre Meinung ge- ändert, weil sie den Angriff gegen Frankreich gerichtet sahen. Aber sie hätten schon früher gegen die kolonialen Eroberung Z Pläne auftreten sollen, die viel- leicht eine der Ursachen des gegenwärtigen Krie- g e s sind. Ucbcr unseren bäuslichen Streit läßt sich manches sagen. Tie Mehrheit des E. G. T. ist der Ansicht, daß man über den Arbeiter- kämpfen nicht Frankreich vergessen dürfe. Wir müssen jedoch da- nach streben, die Arbeiterorganisationen zusammenzuhalten und die Streitigkeiten möglichst zu dämpfen, sonst verlieren wir alles An- sehen bei den Arbeitern sowohl wie bei den Unternehmern. Immerhin müssen wir am Grundsatze festhalten, daß das Wirken der Arbeiterklasse unabhängig von den Unternehmern sein muß. Jedes Zusammenwirken mit ihnen soll nur vorübergehend sein." Es erfolgte sodann 4»ie Abstimmung über die Haltung Iouhaux' und der Mehrheit der Verwaltung der C. G. T. während des Krieges. Das Ergebnis war: 99 Organisationen billigten sie, 26 stimmten gegen, 12 enthielttzn sich, 3 waren abwesend._ Die Sozialdemokratie und üer Zrieöe. Besch tust der italienischen sozialistischen Kammerfraktio«. Lugano, 25. Dezember. Beim Abschluß der diesmaligen Kam- mersession, die in diesen Tagen zu Ende ging, faßte die sozialistische Abgeordnctengruppe folgenden Beschluß: ..In Uebereinstimmur.g mit den Grundsätzen und Gesichts- punkten, die bisher schon ihre Stellungnahme gegen den Krieg leiteten und gegenüber den Verdrehungen und Aeußerungcn�ihrcr Redner, bekräftigt die Fraktion noch vintnal nachdrücklichst ihre sowohl grundsätzliche wie spezielle Kritik, die sie auch den K r i e als unfähig erkennen ließ, die p o l i t is cfj e n und wirtschaftlichen Probleme zu lösen, die ihn angeblich recht- fertigen..Die Täuschung hierüber kann nicht und darf nicht die Friedensverhandlungen hinauszögern. Tie Fraktion konstatiert, daß die Kammerreden dieser letzten Session vom sozialistischen FriedcnSantrag beherrscht waren, der zwar von vornherein abgelehnt, doch sich fernerhin allen Reden der Abgeordneten soivohl wie der Regierung aufdrängte bis zur schwer verständlichen Advcntsrcde Sonninos, in der die von den sozialistischen Abgeordneten aufrechterhaltene These, daß Fric- .deusanträge nicht ohne weiteres abzulehnen seien, betont wurde. Die Fraktion setzt große Hoffnungen aus den in allen krieg- tiibrenden Ländern anwachsenden moralischen Druck der Massen aus die Regierungen, auf daß alle Kräfte der Einsicht, der Vernunft und Verständigung die Oberhand gewinnen undäns Werk gesetzt werden, zu eineist baldigen Ende des Kon- fliktS, das gleicherweise von allen Völkern ersehnt und erstrebt wird, die Furchtbares an Trauer, Zerstörung und Kriegselend er- litten und erleiden."(I. K.) Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 3. Januar. GeneralstabSbericht vom 3. Januar. Mazedonische Front: In einzelnen Abschnitten der Front lebhafteres Artilleriefeuer. Für uns günstig der- lausene Patrouillengefechte nordwestlich von B i t o l i a. wo- bei wir Gefangene machten. Zwischen dem Wardar und dem Doiransce lebhafte Tätigkeit der feindlichen Artillerie. Zwei Kriegsschiffe beschossen ergebnislos unsere Stellungen bei O r f a n o. Rumänische Front: In der Dobrudscha zog sich der Gegner auf die mächtig befestigte Stellung längs der Straße Macin— Jisila— Va'careni zurück. Der Vormarsch gegen diese Stellung dauert fort. Wir besetzten die Höbe 108 östlich von Jijila. Feindliche Monitore be- schössen Tulcea. Sofia, 4. Januar.(W. T. B.) Generalstabsbericht vom 4. Januar. Mazedonische Front: Im Ccrnabogen und an der Struma lebhaftere Artillerietätigkcit. Eine feind- liche Kompagnie mit einem Zug Kavallerie versuchte zweimal gegen das Dorf Kupri in der Serresebene vorzu- rücken, wurde aber durch unser Feuer verjagt.— Rumänische Front: In der Dobrudscha wurde noch einem äußerst erbitterten Kampfe der vorzweifelte Widerstand der Russen im Abschnitt Macim— Jijila gebrochen. Teile der vierten Preslav-Tivision nahmen Jijila im Bajonett- kämpf. Die verbündeten bulgarischen, deutschen und türki- ichen Truppen zogen nach blutigem und erbittertem Kampf in M a e i n ein. Bisher wurden zehn Offiziere und sieben- hundert Mann als Gefangene und sechs Maschinengewehre als Beute gezählt._ Die Kämpfe an der Tignsfront. London, 3. Januar. Amtlich. Seit dem 26. Dezember hindert schwerer Regen, der den Boden in Morast verwandelt, die Kämpfe an der Tigrisfront. Trotzdem wurden weitere Fortschritte auf dem rechten Ufer des Tigris östlich und nord- östlich von Kut el Amara erzielt. Was der türkische Bericht gestern meldete, war mehr das Gegenteil von englischen Fortschritten. Der Seekrieg. Die„Berits". DaS franzöfischc Marine«i»isterium erklärt, daß die„Berits, die zn einem«ach Griechenland entsandten Ge- schwader gehört, sich gegenwärtig in einem französischen Flattenstütz» punkte befindet und daß ihm nicht das geringste zugestoßen sei. Seit der Torpcdicrnng des„GauloiJ" am 37. Dezember 9 Uhr morgens fei kein französisches oder alliiertes Kriegsschiff im Mittelmeer torp» Viert worden. Durch diese Richtigstellung wird die von deutscher Seite amtlich gemeldete Torpedicrung eines französischen Liuienschiffes am 13. Dezember in der Nähe von Malta nicht betroffen. Es wird sich dann eben«m ein anderes Schiff der„Berit«"- Klaffe handeln. Auf der Fahrt Archangelsk— London versenkt. Kopenhagen, 4. Januar. sW. T. B9..Bcr'ioöke Tidenbe" meldet aus Bergen: Hier trafen heute Offiziere des rnssi- s ch c n Dampfers„T u s k a r" ein, der auf der Fahrt Archangelsk— London von einem deutschen Unterseeboot versenkt worden war. Das Schiff sank bei schwerem Wetter sofort. Das eine Rettungsboot kenterte, anch die Lage der übrigen Boote war gefährlich. Schließlich wurden die Schiffbrüchige» von dem norwegischen Motorschiff„Talkvard" aufgenommen und in Bergen gelandet. Versenkt. Lonkm, 4. Januar. Lloyds meldet, daß der f r a n- z ö si s ch e Dampfer„Leo n" versenkt wurde. Die Besatzung wurde an Land gebracht. Ferner wurden durch U-Boot versenkt die französischen Segler„Quo V a d i s"(100 Br.-R.-T.), „M a r i e Louise"(168 Br.-R.-T.s und„C o u r I i s"(181 Br.-R.-T.) sowie der Fischdauipscr L. R. 2162 und der Fischkutter L. R. 1007. Lloyds meldet ans Oporto vom 2. Januar: Ter nor- wegische Dampfer„Mopildfirst" traf in Leixoes ein und landete einundzwanzig Mann der Besatzung des versenkten n o r w e g i- s ch e n Dampfers„B r i t a n n i c"(2289 Br.-R.-T.). Der eng- l i s ch e Dampfer ,.B a y e r a i g" und der norwegische Dampfer»©Iii£"(602 Br.-R.-T.) sind gesunken. Die Mann- schaft des letzteren ist gerettet. Der französische Paketdampfer „Ronen", der durch Funkspruch um Hilfe rief, ist torpediert und durch Explosion in zwei Teile gespalten worden. Das Heck des Dampfer wurde in den Hafen von Dippe geschleppt.— Lloyds meldet, daß der f r a n z ö s i s ch e Dampfer„Leo n" versenkt wurde. Die Besatzung wurde an Land gebracht. kleine Kriegsnachrichten. Deutscher Borschuß an die Türkei. Ter türkische Senat ge- nehmigte das vorläufige Gesetz, durch das die Regierung ermächtigt wird, ein Vorschutzgeschäst mit der deutschen Regierung in Höhe von 38781400 Pfund abzuschließen und Papiergeld in Höhe von 35 Millionen Pfund auszugeben. Es handelt sich um einen bereits im Sommer des Vorjahres gewährten Borschuß der deutschen Re- gierung. Luxemburg. An Stelle Walters übernimmt Obergerichtsrat Ledere, der unter dem Ministerium Eyschen Generaldirektor des Innern war, das Ministerium für Ackerbau, Handel und In- dustrie. Konadas KriegshUfe. Aus Ottawa verlautet: Nach einer Be- sprechung mit dem kanadischen Finanzminister beschlossen die kana- dischen Banken, einen weiteren Kredit von 50 Millionen Dollar zum Ankauf von Kriegsmaterial für die Reichsregierung zu gewähren. Dies ergibt eine Gesamtsumme von 250 Millionen Dollar, die von kanadischen Banken und von der kanadischen Regie- rung für diesen Zweck beschafft worden ist. Zusammenkunft mittelmächtlicher Parlamentspräsidenten. Ter Wiener„Reichspost" zufolge begibt sich der Präsident des österreichi- schcn Abgeordnctcnbauseö nach Berlin, um einer Einladung des Präsidenten Dr. Kacmpf zu einer am 19. Januar stattfindenden Zusammenkunft der Präsidenten der Parla- mente der verbündeten Mächte Folge zu leisten. Tschechische Sozialdemokratie und Königskrönung. Die offizielle Einladung zur Teilnahme an den Krönungsseierlicksteiten in Buda- Pest wurde von der deutschen Sozialdemokratie Oesterreichs in ab- lehnendem Sinne beantwortet. Die tschechischen Sozialdemokraten beschlossen dagegen, der Einladung Folge zu leisten und sich durch ihren Borsitzenden, den Abgeordneten Nemec, in Budapest ver- treten zu lassen. Der tschechische Verband, der fast alle tschechischen Parteien umfaßt, wählte für den gleickjen Zweck u. a. auch den sozialdemokratischen Abgeordneten Dr. schmeral. Belgische Auswanderung �nach Südamerika. Die„Agenzia Americana" berichtet, daß das argentinische Landwirtschasts- Ministerium Schritte getan bat, flüchtige belgische Bauern, die jetzt in Frankreich oder England leben, in Argentinien anzusiedeln. Es ist der belgischen Regierung mitgeteilt worden, daß das Landwirt- schaftSministerium 30 000 Hektar kultiviertes Land den flüchtigen Bauern zur Verfügung stellt und daß die Auswanderung sofort beginnen kann. Die englische« Berluste im Monat Dezember betrugen in der Armee 053 Offiziere(250 gefallen) und 39 711 Mann, in der Flotte 60 Offiziere(47 tot) und 2577 Mann. K-Brot in England. Am 1. Januar wurde in England mit dem Backen von Kriegsbrot begonnen. Der Rückgang des englifch-hölländischen PostvcrkehrS. Im Jahre 1016 wurden mit den Poslbooten der Gesellschaft Zeeland 20 ld0 Personen gegen 102 150 Personen im Jahre 1015 befördert. Reue Unruhen in Riederländisch-Jndien. A m st e r d a m. 3. Januar. AuS Batavia wird gemeldet, daß wieder Ausstände auf der Insel Flores ausgebrochen sind. Die Aufständischen griffen da? bewaffnete PolizeikorpS an. Es sind sofort Truppen zur Bcr- stärkung abgegangen.__ Kriegs-Kurszettel. Zum Zwecke der Steuerveranlagung ist an verschiedenen Stichtagen Ende November und Anfang Dezember die Her- stellung eines S t e ue r k u r s zc t t e l s erfolgt. Die breite Oessentlichkeit ist heute von der Kcnrntnis der an der Börse spielenden Vorgänge so gut wie ausgeschlossen, weil die Kurse nicht veröffentlicht werden dürfen, um spekulative Ge- lüste zu unterdrücken und um den Feinden nicht Gelegenheit zu geben, an dem kapitalistischen Barometer die Stimmungen in Deutschland abzulesen. Die Spekulation wird freilich nur in sehr unvollkommener Weise unterdrückt. Leute, die jobbern wollen, jobbern, nur hängen sie völlig von der Vertrauens- Würdigkeit ihres Bankiers ab. So wird der neue Steuer- kurszettel eine aufmerksame Leserschar finden. Man darf sich über den Einfluß der Kriegskonjunktur auf die Börsenkurse keinen phantastlichen Vorstellungen hin- geben. Wenn eine Reihe deutscher Gesellschaften riesige Ge- Winne erzielt und große Dividenden ausgeschüttet haben, so ist doch sowohl da« Risiko gestiegen, das der Aktienbei�er ans sich nimmt, wie der allgemeine Zinsfuß für langfristige An- läge, zu dem die Dividenden der Jndustriegesellschaften unter Einrechnung einer gewissen Risikoprämie kapitalisiert werden. Der Kurs weitaus der meisten Papiere mit großen Kapitalien, sowohl im Bankgewerbe wie in der Elektrizitäts- oder Montanindustrie ist nicht oder nicht wesentlich über den Friedensstand gestiegen. In die Höhe sind nur geschnellt die Kurse der Rüstungsunternehmen, wobei der Begriff der Rüstungsindustrie recht weit gefaßt werden kann. Das sind Unternehmen, die oft mit einem verhältnismäßig sehr ge- ringen Aktienkapital arbeiten, deren wirklich werbendes An- lagekapital aber infolge der vorsichtigen Ausschatzung von Reserven schon in Friedensjahren sehr viel größer ist. Wir erinnern z. B. an die Daimler-Motoren-Gesellichast. deren Aktien 1911 zu 228 Proz. eingeführt wurden, die im Kurs- zettel mit 636 Proz. ausgewiesen sind und die heute noch höher notieren. So„sckMcr" das Papier auch ist— das Unternehmen hat � so viel verdient, daß nach der Börsen- Meinung die Liguidationsquote noch inimer höher als der heutige Wart wäre. Eine anders Kategorie van Gesellschaften haben ihren Kursstand verbessert, weil sie ihre Vorräte aus dem Frieden— häusig ehemals unverkäufliche Ladenhüter— zu wahrhaft glänzenden Preisen verwerten konnten und auch zur Zeit der milderen Blockadeübung sich vorstchtigerwcise ein- gedeckt haben. Auf dies/ Unternehmen ist das Wort gemünzt, das wie jedes Paradoxon Wahrheit und Dichtung vermengt, „daß die im Frieden notleidenden Unternehmen im Kriege gesund geworden sind". Wieder eine andere Gruppe von Ge- sellschaften— und was von den im Kurszettel ausgewiesenen Gesellschaften gilt, gilt natürlich auch von den darin nicht ausgewiesenen Einzelbesttzern— hat von der wundervollen Maxime der Behörden profitiert, durch Prcisstciaerungcn die Erzeugung von Lebensmitteln anzureizen und zugleich ihren Verbrauch einzuschränken. Eine letzte Gruppe endlich— wir denken z. B. an die ehemals kleinen und mit großen Wider- wärtigkeiten kämpfenden Viktoriawerke in Nürnberg— bat durch eine rasche, umfassende und elastische Anpassung an die Bedürsniste des Krieges ganz ungemein verdient. Wir lassen zur Orientierung einige Kurse folgen: Reichsschatzanweisungcn. 5 proz..... 90 Proz. Kiiegsanlethe....5„.,..08„ ReickiSschatzanweisungen. 4'/,,.... 05„ Reichsanleche.... 4. ,,..86„ do.»..» 6�/2„....'3„ öo.».» 3„.•.. 66„ Berl. Stadtanleihe.. 4,.... 91, Die auf ausländische Währung lautenden Schuldver- schreibungen und Aktien sind in der Regel infolge der Valuta- Verschlechterung ungeheuer gestiegen. So werden z. B. 3tygvrozentige Züricher Stadtobligationen mit 116, 3� pro- zcntige Kopenhagcner mit 116 bezablt. Dagegen hat sich, weil die Krone gegenüber der Mark fast um soviel entwertet ist als die Mark gegenüber den ausländischen Währungen, der Preis der vierprozentigen österreichischen Kroncnrente auf 37, der der ungarischen auf 56 gesenkt. Ter Steuerkurs der Deutschen Bank ist mit 244, der der Diskonto- Kommandit-Gescllschaft mit 182 festgesetzt. Phönix notiert 245, Deutsch- Luxemburger 144, Gelsenkirchcn 197. Stark ge- stiegen sind die 0 b e r s ch l e s i s ch e n Werte: Die Over- schlesische Eisenbahnbedarfs-Gesellschaft aus 194, die Ober- schlesische Eisenindustric-Gesellschost Caro-Hegenscheidt auf 146: Laurahütte notiert 189. Bismarckhütte hat sich ebenso wie T h a l e von den mageren Jahren vor dem Kriege kräftig erholt. ,2)ie Kurse sind 275 bezw. 380. Auch Maschinenwerke aller Art haben kräftige Steigerungen erfahren. Die Automobil-Jndustrie hat in dem Kriege glänzend prosperiert. Ter Kurs von Daimlcr-Motoren ist bereits genannt worden. Horch- Motoren notieren 268. Auch Fahrradfabriken, wie die erwäbnten Viktoriawerke. deren Kurs 276 beträgt, haben glänzende Geschäfte gemacht. Unter den Elektrizitäts- unternehmen seien folgende Kurse hervorgehoben: Die A. E. G. 226, A c c u m u l a t 0 r e n fa b r i k 366, Berg- niann-Elektrizitäts-Werke 182, Siemens u.>» H a l s k e 225. Auch die kleineren Elektrizitäts-Gcsellschaften baben� glänzend prosperiert: Sachsenwcrk(296), Hermann Pöge(183) oder Mix u. Genest. Rüstungswerte schneiden natürlich glänzend ab. Allen voran Rcinmetall (Rheinische Maschinen» und Metallwarenfabrik), die vor dem Kriege den Nennwert nicht erreichten und deren Vorzugsaktien mit 401 im Steuerkurszettel figurieren. Der Kurs von Deutsche Waffen- und Munition s- f a b r i k e n ist mit 416, der von Ludwig Löwe u. Co. mit 410 ausgewiesen. LeSte Nachrichten. Behandlung tuberkulöser und skorbutkrankcr Kriegs- gefangener. Nach einer Meldung des Dibwedischen Telcgranimvureaus be- ziehen sich die wichtigsten Entschlüsse der Roten Krenzkonferenz auf die Behandlung mit Tuberkulose und Skorbut be- hafteter Kriegsgefangener. Erstcrc sollen in b e s 0»- deren in gesunde» Gegenden befindlichen Kranken- lagern gepflegt werden. Die Regierungen sollen verpflichtet sein, einander von den gewählten Orten zu benachrichtigen und diesen Speziallagern die Tuberkulosekranken zu übersenden, die erst dann in ei« gewöhnliches Lager zurückgesandt werde« dürfen, wen» sie von eine« Arzt für ganz gesund erklärt worden sind. Für die Kontrolle werden besondere medizinische Kommissionen eingesetzt, zwei in Deutschland, zwei in Oesterreich-Un- garn und vier in Rußland. Die Ntitglieder der Kowmissionen sind ein neutraler Arzt, ein höherer Militärarzt und ei» Vertreter des Roten Kreuzes. Sendungen von Liebesgaben und NntcrstüG» t ungc» für die Kranken werden kostenlos befördert. Skorbut- kranke solle« bessere abwechselnngSreichere Kost erhalten. Schwer- kranke solle» in ein Krankenhaus gebracht werden. Strömungen gegen Tisza. Budapest, 4. Januar.(T. 11.) Die Opposition kündet für die am 11. dieses Monats beginnende Session einen heftigen Ansturm gegen TiSza an. Dia Ereignisse im Schöße der gemeinsamen Ministerien und der Wechsel des österreichischen Kabinetts sollen hierfür Anhaltspunkte bieten. Repressalien wegen der skandinavischen FricdcnSnote? Kopenhagen, 4. Januar.(W. T. B.) Da» wcitverbrei- tcte südschwcdifche Blatt„ShdswcnSka Tagblad" führt in einem Artikel, überschrieben„England und Norwegen" folgendes aus: Daß die norwegische Regierung sich„erdreistete", sich der schwcdi- scheu und dänischen Ariedensnote anzuschließen, hat bei den leiten- den Kreisen Englands angestoßen und in verschiedenen englische« Zeitungen erregte Auslassungen veranlaßt. Das ist ganz«atnr- lich, denn die gleichlautende Friedcnsnote der skandinavische« Lön- der bildete eine wenig angenehme Illustration zn der Behauptung der Entente, daß sie gerade für das Wohl der kleinen Nationen den Kampf bis zum„äußersten" fortzusetzen gedenke, aber niemand hätte doch wohl geglaubt, daß dieses einen Anlaß zu wirklichen Repressalie« gebe« würde. Das ist aber doch Tatsache geworden, denn die englische Regierung erklärte sämtliche für Norwegen erteilte K« h l e« a u s f u h r b e w i l l i- gungen von Beginn dieses Jahres für»«gültig. Tic Wirkung dieser Maßnahme ist bereits eingetreten. Tie neue englische Kriegsanleihe. Amsterdam, 4. Januar.(T. U.) Nach Meldungen aüs London wird die neue Kriegsanleihe, welche in der folgenden Woche emittiert werden wird, ungefähr SK Proz. Zinsen abwerfen. Die- jenigen, welche auf die Kriegsanleihe zeichnen, werden zu wählen haben zwischen einem Zins von 4 oder 414 Proz., frei von Ein- kommensieuer. und einem ZinS von 514 Proz., die dann aber der Einkommensteuer unterworfen sind. Die Höhe der neuen Anleihe ist unbegrenzt. Die Inhaber alter Kriegsanleihen und von Exchequerbonds werden ein Konverfionsrecht haben. Gewerksthastliches. Deutsches Neich. Tee Baumarkt und das HilsSdienstgcsetz. 5iu manche Zweige der Industrie des Handels und auch für die Laudwirtschafk erweist sich der Krieg als ein Gewinnspcnder. Tie Kriegsinduiirie schürtet reichlich kiohere Dividenden aus als irülier. Dieser Legen setzt sich Mn Teil auch in Bautätigkeit um. Viele Hrbriken erweitern ihre Anlagen, errichten Neubauten, loo&ei 'chon oft eine Vorarbeit für die Uinftcllung der Erzeugung in die ??riedcnSorbeit geleistet wird. Eine Reihe van Unternehmungen der neugcgründetcii Gesellschaften in den Zudustriegebieten und in großen Slädlen läßt weiter Vcrwaltungs- und Lagerräume bauen, die ebenfalls erhöhte Baulätigkeit er- iardcrn. Auch viele GroßhandelSsirinen. besonders in den Liächeil Rheinland- Westfalens hatten mit dem Neubau von Geschäftshäusern verschiedener Art begonnen. Endlich nahmen die Wiederaufbauarbeilen in Ostpreußen mehr Arbeitskräfte aus dem Baugewerbe in Anspruch, zunächst vorwiegend in den Städten. während man auf dem Lande. Ivo die verfügbaren Arbeitskräste für landwirtschaftlichs Tätigkeit gebraucht wurden, sich damit begnügte. zunächst die unumgänglich notwendigen Bauwerke zu errichten. Der Dauniarkr, der vor ÄriegSbegmn sehr stark daniederlag. sing an, sich in der Kriegszcil neu zu beleben. Berichte der Arbeits- nachweise aus verschiedenen Landcsteilen liesern hierfür ausreichende Belege. Vielfach konnte dem großen, durch Erweiterungsbauten in der Industrie verursachten Bedarf an Maurern, Bauhilfsarbeitern, Bautischlern, Dachdeckern und Klempnern nicht entsprochen werden. Ein starkes Nachlassen des Angebotes von Bauarbeitern war er- kennbar. Während im Juni 1915 noch auf 1 offene Stellen 110 Arbeitsuchende kamen, meldeten sich im gleichen Monat des Jahres 1916 nur 71'� im August 1916 kamen auf 100 offene Stellen nur noch 62 Arbeitsuchende. Der Umstand, daß im Baugewerbe verhältnismäßig mehr Bc- schästigte sich in dienstpslichtigon Jahresklasien befinden als in vielen anderen Berufen, deren Arbeiterschaft einen größeren Kreis von Lehrlingen. Jugendlichen, älteren Leuten und weiblichen Arbeits- kcäften umfaßt, erklärt es, daß diesem Gewerbe-durch die Einberufungen ein größerer Teil des Arbeiterstammes entzogen wird als anderen Berufen. Die Kriegführung verlangt aber auch eine intensive Tätigkeit hinter der Front. ES wurden viel Reu- und Um- bauten erforderlich. Um diese ausführen zu können und die bau- gewerblichen Arbeitskräfte hierfür frei zu bekommen, wurde von den stellvertretenden Generalkommandos die öffentliche wie die private Bautätigkeit verboten. Jetzt unter der Herrschaft deS Hilfsdienstgesetzes wird von einem Banmarkt kaum noch die Rede fein können. Für alle Arbeitskräfte nn Baugewerbe dürfte sich während dieser Zeit Verwendung finden. Anders wird sich die Lage des Baumarktes nach dem Kriege ge- stallen. Tie gleichen Ursachen, die den Mangel an Arbeitern hervorgerufen, nämlich der Krieg und die Einberufungen, werden mit Beendigung des Krieges zum Nachteil der Bauarbeiter um- schlagen. Der Andrang von Arbeitskräften auf dem Bau markt wird besonders stürmisch werden. Um den dadurch ein- getretenen üblen Folgen entgegenzutreten, ist bereits Fürsorge getroffen, daß die mit Beendigung des Krieges zurückstrmnendcn Arbeitskräfte ordnungsgemäß für die Friedensarbeit übergeleitet werden sollen. Dazu ist die Mitwirkung der GewerkschaftSorgani- ialionen sehr vonnören, und das Organ des Verbandes der Zimmerer fordert daher schon jetzt seine Mitglieder am, in anbetrachl dieses UmstaudeS der Organisation die Treue zu bewahren, damit würden die Zimmerer nicht allein ihre eigenen Interessen schützen und wahren, sondern auch die Interessen ihrer unter den Waffen stehenden Kameraden, nämlich: geordnete und geregelte, und vor allem möglichst günstige Arbeitsbedingungen sich sichern. „Kriegsbudcu" i« der Tabakindustrie. Eine Einschränkung der Herstellung von Zigarren, Kau- und Rauchtabak, sowie Schnupstabak ist amtlich verfügt. Gerade zur Zeit, als diese amtliche Anordnung erlassen wird, veröffentlicht das Ver- bandsorgan des Tabakarbeiterverbandes eine Zuschrift, in der dar- ans hingewiesen wird, wie durch eine gewisse Schundfabrikation, die sich während des Krieges etabliert hat. eine'Unmasie Tabak der Bolkswirtschaft verloren geht. Von Grossisten oder Händlern sind während der KriegSzeit �Fabriken" errichtet worden, die offenbar dos Gepräge des Hastigen und Provisorischen tragen und die in skrupelloser Weise nur unter dem Gesichtswinkel produzieren, um recht viel zu verdienen Ein Etikett„Hindenbnrg" oder „Ludendorff" genügt, um ihrer minderwertigen Ware Absatz zu verschaffen. Die in diesen KriegSbuden hergestellten Waren sind vielfach ungenießbar und daher ohne jeden Gebrauchswert. Dazu kommt, daß die sanitären Zustände in diesen Betriebsstätten alles zu wünschen übrig lassen, von der Beachtung der Bundesrats- Verordnungen gar nicht zu reden. Auch mit den Arbeitslöhnen wird es wohl sehr hapern. Die Militärbehörden, die jetzt auch für die Tabakindustrie viel Aufträge vergeben, sollten sich daher diese Kriegs- buden einmal etwas näher ansehen. Arbeiterausschüsse und Kriegshilfsdienst. Der„Bergarbeitcr-Zeitung" entnehmen wir: »In Bayern wie im Königreich Sachsen sind bisher die Wahlen der Arbeiterausschüsse in einer Weise vorgenommen worden, die den Bestimmungen des neuen Kriegshilfsdienstgesetzes widersprechen. In Sachsen sind daher auf den meisten Werken die Gelben am Ruder, die aber das Vertrauen der Mehrzahl der Belegschaften nicht be- sitzen, auch sind Ausschüsse von den Werkbesitzern ernannt worden. Aehnlich steht rZ in Bayern. Um diesen unhaltbaren Zustand zu beseitigen, und um den Bergleuten eine ordentliche und arbeitsfähige Vertretung ihrer Jntereiien zu sichern, hat der Bergarbeilerverband Eingaben an die zuständigen Ministerien in Bayern und Sachsen gerichtet. Welches Ergebnis diese Eingaben haben werden, darüber werden wir noch berichten." Mus Znöustrie unö hanöel. Aus dem Berliner Wirtschaftslebeu. Die am Donnerstag abgebalte nc auhcrordenllichc(Seneral- Versammlung der Kriegstredrtbank für Groß-Berlin batte sich mit einem Antrage auf Ausdehnung des Wir- kungstreises der Gesellschaft aus nicht in das Handelsregister eingetragene Kaufleute zu bc- fassen. Ferner war über einen Antrag aus Begrenzung der Dauer der Gesellschaft auf 5 Jahre nach Kricgsbecndi- gung zu beschließen. Der Vorsitzende der Diskonto-Gesellschaft, Dr. Arthur Salomon, erklärte, der Handels minister habe das Ersuchen gestellt, auch für die Kreditgewährung nach dem Kriege ausreichende Vorsorge zu treffen, und zwar auch für nicht ins.Handelsregister eingetragene Kauf- l e u t e, die nach Beendigung des Krieges heimkehrten und zur Wiederaufnahme ihrer Geschäfte einer Kreditgewährung bedürsten. Der Handelsminister habe auch dcu genossenschaftlichcu Organi- sationen cutsprechende Anregungen gegeben. Die letztgenannten Organisationen kämen für Handwerker usw. in Betracht. Tie Kricgskrcditbank Groß-Berlin habe bisher Kredite nur an Fir- m e n, das heißt solche Kaufleute, die in das Handelsregister ein- getragen sind, gewährt; um die Kreditgewährung auch auf nicht in das Handelsregister eingetragene Kaufleuto eintragen zu können, sei es iwtwcndig, im Statut das Wort„Firmen" durch„Kauf- leute" zu ersetzen. Die Berliner Handelskammer, die Potsdamer Handelskammer und die Aeltcsten der Kaufmannschaft hätten sich mit dieser Aenderung einverstanden erklärt, ihre Zustimmung - jedoch dabon abhängig gemacht, baß der Gesamtbetrag der an nicht in das Handelsregister eingetragene Kausleute zu gewährenden Kredite die Summe von 10 Millionen Mark nicht über- steige, und daß solche Kredits nur an Kausleute gewährt würden, die nachweislich vor Kriegsbeginn ein Einkommen von wenig itens 1000 Mark gehabt hätten und auch sonst nach allgemein kaufmännischen Grundsätzen kreditwürdig seien. Mit den crwähirten drei Organisationen sei ferner eine Verständigung dahin erzielt worden, daß-die Auflösung der Kriegskrediibank spätestens fünf Jahre nach Beendigung des Krieges in Aussicht genommen werde. Mach diesen 2 Jahren soll das Unternehmen in Liquidation treten. Neue Kredite dürfen während der Zeit der Liquidation nicht mehr gewährt werden. ES sei jedoch zulässig, soweit es im Jntercffe einer ruhigen Abwickelung erfordecllch erscheint, bereits eingeräumte Kredite über den Zeitpunkt der ursprünglichen Fälligkeit hinaus weiter zu gewähren. Die Anträge wurden einstimmig genehmigt, ebenso die damit im Zusammenbang stehenden Satzungsänderungen. Der Geschäftsgang des Instituts ist auch weiter sebr ruhig geblieben. Von den der Bank zur Verfügung stehenden Mitteln, nämlich des eingezahlten Kapitals von-1 573 000 Mark und der Reserven von 95 000 Mk.. seien nur 4 075 000 Mk. ausgeliehen worden.— Es scheint sehr fraglich, ob der Höchst- betrag der zu gewährenden Kredite nicht zu niedrig bc- messen ist. Die Löwenbrauerei Akt.-Ges. in Berlin erzielte ein Roherträgnis von 1 856 093 Mk.(1914/15: 1998 381). wovon 1 792 764 Mk.(1939 854) aus dem Verkauf von Bier und ?lebcnpradukten stammten. Im Geschäftsbericht bemerkt die Ver- waltung, daß sie durch Ankauf ausländischen Malzes und Uebernahme von Kontingenten ihre Malzbezüge erhöhen konnte, wodurch sie in der Lage war, den Bedarf ihrer Kundschaft zu decken und die beträchtlichen Heercslieferungen zu bewältigen. Trotzdem ist der Absatz hinter dem des Vorjahres ziemlich erheblich zurückgeblieben, was durch die Verminderung der Steucrausgaben von 689 303 R. auf 426 222 M.. in denen bei der Gesellschaft die Brausteucrn enthalten sind, bestätigt wird. Die Abschreibungen werden von 548 615 M. auf 632 592 M. erhöht. Gesteigert wurden die Abschreibungen aus Maschinen und Appa rate von 85 660 M. auf 158 203 M. sowie aus WirtschaftS- und Ntederlageneinrichtungen von 64 256 M. auf 146 754 M. Die lctzt- erwäbntc Abschreibung wird von der Verwaltung damit erklärt. daß eine große Anzahl der Abnehmer des Unternehmens infolge der langen Tauer des Krieges in seinen Geschäften geschädigt sei. Die Abschreibungen auf Außenstände wurden-dagegen von 160 000 Mark auf 98 812 M. verringert. Es verbleibt ein Uebcr schütz von 137 418 M.(117 638), aus dem eine fünfprozentigo Dividende gezahlt wird. Die Beamten erhalten eine Tantieme von 16 230 M. (11 600), ferner werden einem Unterstützungsfonds 15 000 M.(0) zugewiesen und 46188 M. 146 038» auf neue Rechnung vorgetragen. Tie Börse war am Donnerstag auf die Reutermeldung abge schwächt, daß die Verbandsmächte in ihrer Antwort an Wilson„in genauerer Fassung die einzigen Präliminarien angehen werden, unter denen die Alliierten bereit sind zu unterhandeln". Auch hat der Reichsbankausweis zur Zurückhaltung gemahnt. «iegharts Schwanengesang. Dr. Sieghart hat bei scinßf Verabschiedung vom Ver »valtungsrat der Bodcnkreditanstalt in ausgezeichneter Weise die von ihm erfolgreich angewandten Methoden des modernen Finanzmanncs auf die kürzeste Formel gebracht: .Mit Stolz dürfen alle Organe der Bodenkreditanstalt und ihres Konzerns darauf hinweisen, daß sie stets ihre patriotische Pflicht erfüllt haben, wo es galt, staalliche oder gemeinwirtschafl lichc Zwecke und Interessen zu fördern. Sieghaft geblieben ist vor allem der bis in die jüngste Zeit vielumstrittene, von mir während meiner Amtswirksamkeit festgehaltene Grundgedanke unserer finanziellen Organisation, der Gedanke der sin an- ziellen Bereinigung der technischen Kräfte. die Verknüpfung der Produktionsbetriebe mit den Zirkulationsmittelpunkten des Kapitals, eine Verknüpfung, die es möglich macht, alle jeweils freigewordenen Mittel sofort aus einen Punkt zu werfen, aus den es ankommt. hier Betriebe aus dem Boden zu stampfen, dort bestehende Betriebe� dem stärk st en Bedarf ge- maß zu erweitern. Spätere Jahre werden darüber richtig urteilen." Dr. Sieghart hat daS Pulver der modernen Finanztcchnik nicht erfunden, aber mit wahrhast glänzendem Erfolge ange- wandt. Sein stolzes Bekenntnis zu seinen Werken ist die beste Antwort an die Esel, die den toten Löwen mit ihrem Fußtritt beehren._ Soziales. Doppeltes Stillgeld. Die Frage, ob bei Mehrgeburieu erhöhtes Stillgeld zu ge- währen ist, spielt noch immer eine Rolle und die Krankenkassen stehen fast durchgängig aus dem Standpunkt, daß Mehrgeburten die Erhöhung des Süllgeldes nicht im Gefolge zu haben brauchten. E§ ist das ein Irrtum. Das Reichsversicherungsami hat in der Entscheidung: IIu. X. 223/13 sich ganz eindeutig dafür auSge- sprachen, daß sich das Stillgeld nach der Zahl der geborenen Kinder zu richten habe. Es ist das zwar geschehen in einer Streilsoche, die auf Grund der Verordnungen über die Wochenhilfe während des Krieges cnstanden war. aber die Entscheidung hat darüber hinausgehend sich ganz allgemein zu der Frage des doppelten Slillgeldcs geäußert. Sie hat ausdrücklich Bezug ge- nommen aus die ReichSversiwerungsordnung, und zwar auf die Be- gründung des Entwurfs zu§ 213, in der gesagt wird, daß die Kranlenlassen, die sich in günstiger Vermögenslage befinden, sich auf dem wichtigen Gebiet der Säuglingsfürsorge in zweckmäßiger Weise betätigen sollen. In der Säuglingsfüriorge sei aber die zweckentsprecbende und ausreißende Ernährung des Säuglings von besonderer Wichtigkeit. Das Stillgeld insbesondere soll die Mutter durch geeignete EniährungSweise in den Stand setzen, den Säug- ling selbst zu stillen, da die Muttermilch anerkanntermaßen die beste Ernährung für den Säugling ist. Bei MehrlingSgeburten werde zur Erzeugung einer möglichst großen Milchmenge eine besonders reichhaltige und zweckentsprechende Ernährung der Mutler er- forderlich sein. Wenn sie trotzdem nicht ausreiche, werde die Zuführung einer ergänzenden anderweitcn guten Säuglings- crnäbrung notwendig werden. Es entspräche daher dem Wesen und Zweck der SäuglingSfürsorgc. daß in solchen Fällen das Stillgeld entsprechend der Auzabl der Säuglinge erHöhr werde. Demgegen- über' könne auch der Wortlaut des ß 200 der RVO., wonach die Satzung ein Stillgeld bis zur Höhe des halben KranlengeldeS zu- billigen könne, nicht ausschlaggebend in Betracht kommen. ES lasse sich auch nicht entgegenhalten, daß bei doppelter Gewährung deS Stillgeldes eine zu starke Belastung der Krankenkassen eintrete, denn abgesehen von der verhältnismäßigen Seltenheit der Zwillings- geburten haben cS die Krankenkassen in der Hand, da es sich um eine Mehrleistung handele, durH eine ausdrückliche Bestimmung in der Satzung die Gewährung des doppelten SüllgeldcS bei Zwillings- geburten auSzuschllcßen. Diese AuSsührungen löuneu gar leinen Zweifel daran auskommen lassen, daß daS ReichSverficherungSamt grundsätzlich auf dem Stand Punkt steht, baß in ben Fällen, wo die Kassen Stillgeld gewähren, und wo ibre tsatzung nicht ausdrücklich bei Mehrgebuiten die Gewährung höheren Stillgeldes ausschließen, Stillgcld für jcbcS der geborenen Kinder zu zahlen ist. Ergänzung des Knappschafts-KriegsgesetzcS. Seit Kriegsbeginn hat der preußische Landtag bereits zwei Ge- setze aus dem Gebiete des Knappschaftswesens verabschiedet. Das erste, daS sogenannte Knappschasts-Kriegsgesetz vom 26. März 1913 regelt die Ausrechlerhaltung der Ansprüche der Mitglieder der Knappschastsvereine an diese während des Krieges, schreibt die An- rechnung der in Kriegs-, Saniläls- oder ähnlichen Diensten ver- brachien Zeit sowie der ans die Entlassung aus diesen Diensten folgenden zwei Monate auf die Wartezeit und auf das Dienstaller vor. untersagt die Anrechnung der Militärpenjionen, die aus Anlaß deS gegenwärtigen Krieges gezahlt werden, aui die Jnvaliden- vensionen der Knappschastsvereine und debnr die Geltungsdauer oller dieser Bestimmungen nicht nur auf den Krieg, sondern'auch auf die Zeil ouS, in der klnappichaftsmitglieder zu einer Uebung vor der Mobilmachung einberufen waren, aber nicht mehr zur Arbest zurück- kehren konnten, sondern im Anschluß daran Kriegs-, eranitäts- oder ähnliche Dienste verrichtet haben. DaS zweite Gesetz ver- vollsländigt das KnappichaftSkriegsgesetz dahin, daß nicht nur die Anrechnung von Militärpensionen auf Jnvalidcnpcnstonen der Knappichaftsvereinc. sondern auch die von Militärhinterbliebenen- geldern, die auS Anlaß des gegenwärtigen Krieges gezahlt werden. aus die Pensionen der Witwen und die Beihilfen zur Erziehung der Kinder untersagt ist. Es regelt weiter die Angelegenheiten der im Kriege verschollenen Mitglieder und trifft endlich Bestimmungen über die Wablperioden der KnapvichaftSältcsten und der Vorslandsniil- glicder der Knappichastsvereine während des Kriege-. Nachdem bereis während der Beratung deS Landtages über die KnappichastSkriegSgcietze seitens des Vorstandes des Verbandes der katholischen Arbeitervereine wesentliche Erwcüerungcn verlangt waren, die zum Teil auch bcrücksichligt worden sind, bat sich der Verband nunmehr mit einer neuen Eingabe an das Abgeordnetenhaus gc> wandt, worin u. a. eine Bestimmung dabin verlangt wird, daß die ein- berufenen Bergleute wäbrend der Zeit ibrer militärischen Dienst- lcistungen auch wirklich Mitglieder der Pensionskasien bleiben und daß auch den Hinterbliebenen solcher>m Kriege gefallener oder im Kriegsdienst verstorbener Knappschaslsniitglieder, die vor AuS- bruch des Krieges zum Militärdienst eingezogen wurden und keine Anerkcnnungsgebühren bezahlten, die Hintcrbliebenenbezüge gewäbrt werden. Nach eingehenden Beratungen hat die Handels- und Gcwerbckommission beschlossen, die Petition der Regierung zur Erwägung zu überweisen und die Regierung gleichzeitig zu ersuchen, tunlichst und zwar baldmöglichst dem Abgeordnetenhaus eine Denk- ichrsir über die mit den Knappschaflskriegsgesetzcn und in deren Ergänzung mit der Durchführung der Petition voraussichtlich ver- bundene sinanziellc Belastung der KnappschaftSpensionskäffen vor- zulegen._ Arbeitsmarkt im Monat November. Im Monat November zeigte sich, was wohl auf die erhöhte Geschäftstätigkeit kurz vor Weihnachten zurückzuführen fein wird, Arbeilermangev in Berlin. Auf 100 offene Stellen entfielen nur 82 Arbeitsuchende gegen 101 im Borjahre und 85 im Monat Oktober. Bei den Frauen war namentlich Nachftage nach Schwer- arbciterinncn. In den Krankenkassen Berlins stiegen die Mitglieder- zahlen der Frauen im November um rund 11000, während sich dlc der Männer um 4000 verringerten. In der dritten Dezemberwoche war das Bild ein anderes. Bei 234 Berliner Krankenkassen nahm die Zahl der versicherten Arbeilcr um 2479 zu, während die der Arbeiterinnen um 452 sank. Von den 1 192 042 versicherungspflichtigen Mitgliedern, die diese Kassen am 23. Dezember 1916 hatten, waren 475 079 Arbeiter und 716 966 Arbeiterinnen._ Gerichtszeitung. Ein Taubstummer auf der Anklagebank. Am Abend des 27. Juni 1916, an dem Tage, an dem gegen den Genossen Dr. Karl Liebknecht zum erstenmal vor dem Kriegs- gcricht verhandelt wurde, fanden bekanntlich in verschiedenen Stadt- teilen Demonstrationsansammlungen statt. Gegen 10 Uhr abends passierte der 20 jährige taubstumme Schuh machcrgeselle Stephan Göbel die Alte L-chönhauser Straße» An der Ecke der Linienstraße Ivaren aus Anlaß der erwähnten Demonstratio» mehrere lausend Menschen� versammelt, so daß Göbel nicht weiter gehen konnte. Schutzmann Weiß forderte ihn zum Weitergehen auf. Göbel vermochte dieser Aufforderung nicht Folge zu leisten, verstand auch die Aufforderung nicht. Der Schutzmann schlug daraus den Taubstummen mit dem Säbel über den Kopf, so daß er an der Stirn heftig blutete. Wiederholt zum Weitergehen aufgefordert, klammerte sich G. an den Arm deS Schutzmannes, so daß dieser, wie er als Zeuge aussagte, „an der Ausübung seines Amte» behindert" war. Er führte deshalb den jungen Mann, dest'en Gebrechen er zu spät wahrnahm, zur Polizeiwache. Göbel wurde auf einige Wochen in Schutz- Haft genommen und hatte sich Mittwoch vor der drillen Strafkammer des Landgerichts Berlin I wegen Teilnahme an einer Zusammenrottung, Widerstandes gegen die Staatsgewalt und unbefugten WaffentrogenS zu verantworten. Er erklärte durch den Mund der gerichtlichen Dolmetscherin für Taubstummen-Geberden- spräche, er sei weder Sozialdemokrat, noch wisse er, wer Liebknecht ist. Er habe auch keine Ahnung davon gehabt, daß er in eine Demonstrationsmenge gerate» sei. Der Aufforde- rung d«S Schutzmanns vermochte er wegen der Menschenmenge nicht Folge zu leisten, und er habe, nachdem ihn der Schutz- mann geschlagen, sich nur dessen Nummer ansehen wollen.— Der Vertreter der Staatsanwollschoft. Gerichtsassessor Dr. Goltz, ließ die Anklage wegen der Zusammenrottung fallen und beantragte wegen der beiden anderen Bergeben zehn Tage Gefängnis.— Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Eoßmann plädierte für Freisprechung, da dem Angeklagten offenbar, wenn er eine strafbare Handlung bc- gangen baben sollte, das Bewußtsein der Strafbarkeit gefehlt habe. — Der Gerichtshof erkannte auS den vom Verteidiger angeführten Gründen auf Freisprechung. Verkehr mit Kricgsgciaiigeilen. Frau B. in Hagen arbeitete iir einem gewerblichen Betriebemit einem Kriegsgefangenen zusammen in demselben Raum. Der Wachtposten beobachtete durch ein Loch, daß sich Frau V. von dem KriegSgefangeneir umarmen und küffen ließ, nachdem sie ihn zu sich herangewinkt hatte. Auch sonst deutete das Verhalten des Gefangenen gegenüber der Ar- beiterin auf ein intimeres Verhältnis. Die Slraftammcr in Hagen verurteilte Frau V. auf Grund des§ 9b des Belagerungsgesetzes zu einer Gefängnisstrafe von 6 Woche». Es wurde eine Ueberlretung der Anordnung des Kommandierenden Generals des Armeekorps angenommen, welche jeden»christlichen oder münd- lichen, unmittelbaren oder mittelbaren Verkehr mit Kriegsgefangenen verbietet, soweit er nicht ausdrücklich zugelassen wird. Die Verurteilte legte Revision beim K a in m e r g e r i ch t ein und ihr Vertreter machte folgendes geltend: Ein solcher Fall, wie hier, werde nicht durch die Verordnung getroffen. Seit Monaten bälten die Angeklagte und der Gefangene in dem Betriebsraum Hand in Hand gearbeitet. Für das Zusammenarbeiten habe die Genehmigung vor- gelegen. Somit könne nicht davon die Rede sein, daß die Angeklagte nicht berechtigt gewesen wäre, mit dem Kriegsgefangenen zu ver- kehren. Ein mündlicher mittelbarer und unmittelbarer Verkehr sei hier gestaltet gewesen.— Das Kammergericht verwarf jedoch die Revision der Angeklagten mit der Begründung: Die Anordnung des Kommandierenden Generals bringe zum Ausdruck, daß jeglicher, nicht zur Sache gehöriger Verkehr zwischen Privatperionen und Kriegsgefangenen ver- boten sei. Dagegen habe sich die Angeklagte gröblich vergangen. Sie sei darum mir Recht bestraft worden. "Vcrantw, Rcdakt.: Hrrvi. Müller, Tempclhof. Inseratenteil verantw-TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Berlagsanst,Paul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 1 Beilage und llnterhaltnngSbl. St. 4 34. KkilW des.Fmiick" KMer WsdlÄ. Freitag, 3. Immer tR7. Der flusgang öes Lahres 7H1H. Von Richard Gädle. Tie Woche zwischen Weihnachten nnd Neujahr Hai nirgend- Scnderungen der kriegerischen Lage gebracht.. Auf dem östlichen wie auf dem westlichen Kricgstheatcr herrscht die gleiche Ruhe bc- reits seit fünf Wochen, in Italien scheint die Unternehmungslust Cadornas noch immer auf dem Nullpunkte zu verharren, in Maze- donien ist SarrailZ Offensive überall ins Stocken geraten, und auch in Asien rücken sich die Linien der Gegner kaum merklich vom Flecke. Wenn die Engländer in Mesopotamien eine gewisse Nei- gung zeigten, gegen Fallahie und in weiterer Folge auf Bagdad erneut vorzugehen, so scheint sich dieser Drang nach einigen leich- ten Mißerfolgen sehr bald wieder� gelogt zu haben. Nur im Südosten auf dem rumänischen Kriegsschauplatz herrschte lebhafte Bewegung; die Ausmaße des dort geführten Bc. wegungskriegcs find sogar zusehends größere geworden. Nachdem d'.e Trümmer des am Argesul geschlagenen RumänenheereS hinter die russischen Linie» zurückgenommen waren, suchten starke Kräfte der Russen, der Verfolgung durch die S. und die Tonauarmee in breiter Front vom Gebirge bis zur Donau ein Ziel zu setzen. Deren Verteidigungsstellung haben die beiden Heere Mackensens vom 22. Dezember an angegriffen und in täglichen harten Gefech- ten Schritt für Schritt überwunden.?lm 26. Dezember war sie südwestlich Rimnicul— Sarai bereits in 17 Kilometer breiter Front größten Gewalt steigerten und sie auch im Oktober in immer wiederholten wilden Stößen durchführten. So suchten sie einer- scits unsere Front zu durchbrechen und zugleich die Verstärkung unserer Kräfte im Südosten zu verhindern. Verspätet erst schloß sich das italienische Heer am 1, November diesen Versuchen an, dann aber ebenfalls mit sehr starken Streitkräften; trotzdem waren seine Erfolge nur geringfügig, nach großen Verlusten stellte es schon nack wenigen Tagen seine Angrisse völlig ein. Verspätet traten auch die Russen in den rumänischen Feldzug ein; allmählich aber lösten sie Korps für Korps und ganze Armeen von ihrer West- front los und warfen sie in die Moldau und Walachei zur un- mittelbaren Unterstützung des Bundesgenossen. Auch sie erschöpf- ten sich in mächtigen, durch zwei Monate fortgesetzten Angriffen gegen den Gebirgswall der Karpathen, um die linke Flanke und die Verbindungen des Falckenhaynschen AngriffSheercS zu ve- drohen. Endlich suchte auch die Salonikiarmee von Süden her einen starken Angriff gegen den bulgariscken rechten Flügel durch- zuführen; es gelang ihr, ihn in hartnäckigen Kämpfen zurück- zudrücken und am 18. November zur Aufgabe von Monastir zu zwingen. Aber am setbcn Tage schlug Falkenhayn die Rumänen in der Schlacht von Targa Ii» und gewann den Austritt aus dem Gebirge in die walachifche Ebene. Der abseits liegende und geringe Erfolg Sarrails konnte die unmittelbare Wirkung des großen und entscheidenden Sieges nicht abschwächen. Außerdem schob alsbald ein frisch eintreffendes deutsches Heer allen weiteren Zielen einWi kräftigen Riegel vor. Man darf nicht sagen, daß unsere Verbündeten Gegner nicht ungeheure Anstrengungen gemacht hätten, um den Eintritt Ru- durchbrochen, und auch die Donauarmee hatte südlich deS unteren BuzeuflusseS mehrere stark verschanzte Ortsckasten dem Gegner entrissen. Am folgenden Tage wurde der Sieg vervollständigt, Rimnicul— Sarai im Siratzeniampfe erobert und eine rückwärtige Stellung des Feindes in sofortigem Nachstoße übcrrannt. Auch weiter südöstlich wurden die russische Front durchbrochen, während in der Dobrudscha der Angriff» gegen die Höhenstellungen von Matschin, östlich Braila vorgetragen wurde. Ter gesamte Gewinn der siegreichen Schlacht betrug rund 13 000 Gefangene, eine An- zahl von Geschützen und Maschinengewehren. Es fällt immerhin «alf. daß die Russen neuerdings verhältnismäßig wenig Geschütze verlieren, vielleicht weil sie sie von vornherein weit zurückhalten, damit natürlich aber auch eines Teils ihrer Wirtsamteil berauben. Tie deutsche Verfolgung setzte am nächsten Tage sofort ein und führte zu fortwährenden scharfen Gefechten, da die feindlichen Truppen sich immer wieder zu setzen suchten. Der linke Flügel der 0. Armee drang im Gebirge vor und gewann Fühlung mit dem rechten Flügel der Armee von Arz. die bis dahin den südlichen Teil der Ostfront Siebenbürgens gegen die Angriffe der noch ziemlich unversehrten 4. rumänischen und emeS Teils der russischen 0. Armee geschützt hatte. Jetzt nun gerieten auch die der- bündeten Trupven deS Generals von Arz, Deutsche und Oester- rcich-Ungarn, in Bewegung und drängten vom 27. Dezember an in den Tälern des TrotuS. Uz, Cito», der Putna, der Zabala gegen die Moldau vor. Sie überwanden in siegreichen Kämpfen die verschneiten Höhen des Hochgebirges und warfen die Russen bis zum 31. Dezember gegen die Linie Heerogztrau— Ungureni— Okna zurück, indem sie sich dem Srreth und der Festung Focsani bis aus etwa 30 Kilometer näherten. Gleichzeitig verfolgte auch der rechte Flügel die Donauarmee; sie gelangten am 30. Dezember bis auf 18 Kilometer an Braila heran und warf den Gegner am folgenden Tage in den Brückenkopf hinein. Zugleich wurde er au? der Dobrudscha'heraus in die Befestigungen deS rechten Donauufers. von Matschin, gedrängt. Bis auf diesen einen Punkt war die Dobrudscha nunmehr frei vom Feinde. Im Donaudelta selbst hielten sich noch Rumänen und Russen, die-im 31. eine mit ibrer Vernichtung endende Streife auf das südliche Stromufer unter- nahmen. Indem die Russen in breiter Front mehr und mehr gegen die befestigt« Serethllnie zurückgeworfen werden, endet da» Jahr 1vl6 auf diesem KricgSgebiete mit günstigen Aussichten für die Zukunft. Einer der glänzendste» und erfolgreichsten Feldzüge, die unter der Leitung des Feldmarfchall» v. Hindenburg geführt woxden find, liegt hinter unS; eine Lage die um die Wende des August zum September nicht ohne Gefahr schien, hat sich zum vollen Schaden für die Gegner in ihr Gegenteil verkehrt. Gleich- lnohl hattest diese mit aller Kraft versucht, auf den Gang der Tinge in Rumänien Einfluß zu gewinnen: vor allen Dingen im Westen, indem sie im September ihre Angriffe an der Soiymc zur mäniens in den Wellkrieg zum entscheidenden Ereignis zu gestalten. Sie haben den neuen Genossen ihrer Eroberungspläne nicht kalt- herzig in seinem Unglück zusammenbrechen lassen, sondern in«in- sichtiger Selbstsucht ihre Anstrengungen mit den seinen zu einer machwollen einheitlichen Offensive verbunden oder doch zu vcr- binden gesucht. Ob sie immer und an jeder Stelle die richtigen Mittel ergriffen haben, ist dann eine andere Frage. Der Hauptgrund, an dem die gewallizen und gemeinschaftlichen Angriffe unserer überlegenen Gegner gescheitert sind, ist doch der unübertreffliche Opfermut des deutschen Kriegers, der unter schwierigsten Verhältnissen, in unerschütterlicher Standhastigkeit auShiel! und dort, wo seine Führer ihn zum Angriffe einsetzten, mit unwiderstehlicher Kraft den stärkeren Feind zu Boden warf. Sodann aber war es die ruhige Entschlossenheit und Zuversicht der deutschen Heeresleitung, ihr Augenmaß für Zeit und Art und Wirkung, ihre überlegene Tatkraft und unbeirrbare Zielsicherheit ihrer Maßnahmen. Weil Heer und Volk und Führung einander würdig waren, konnten wir da« unmöglich scheinende möglich machen und aus der schwierigen Lage als-Sieger hervorgehen. Tie augenblickliche Ruhe an dem größten Teil unserer Fronten darf unS aber über die Ansichten unserer Gegner nicht täuschen. Wenn sie soeben in schroffer Form unser Friedensangebot zurück- gewiesen haben, so geht daraus allein mit voller Sicherheit hervor, daß sie an ihren fchlietzlichen Sieg noch glauben; ob mit Recht oder Unrecht ist hier nicht zu erörtern. Wenn sie die Besetzung großer feindlicher Gebiete durch uns nicht als endgültige Entscheidung beirachien, so folgt daraus für sie politisch, moralisch, militärisch der Zwang, uns aus jenen Räumen wieder hinauszuwerfen, in die Länder der Mittelmächte selbst einzubrechen und hier uns ihren Frieden aufzuerlegen. Sie müssen uns also angreifen, werden dazu alle ihre Kräfte, auch die letzten zusammenraffen und noch einmal von ollen Seiten einen großen, einheitlich geführten Stoß versuchen müssen. So liegt«s wenigstens in der zwingenden Logik ihrer Entschlüsse. Der wieder lauter ertönende Ruf nach noch größerer Einheitlichkeit der Front kann uns außerdem als ein Fingerzeig dienen. Darum ist die Kampfpause am Jahresende in West und Ost, im Südwesten und Süden, nur eine vorübergehende Erscheinung. die mit dem Augenblicke ein Ende nehmen wird, wo unsere Gegner sich stark genug glauben. Vorläufig liegt die Tätigkeit hinter der Front und in den HeimatSgebieten. auch auf der See, über die Kriegsgerä!« aller Art h« angeschafft werden soll, die Zeit wird kommen, wo die. Fronten selbst wieder von wildem KampfeSlärm wrdcrh allen werden. DaS Jahr 131? wird aller Wahrscheinlichkeit! nach das Jahr der großen Entscheidungen werden. Gehen wir ihm mit fester Entschlossenheit und Zuversicht entgegen.(z) politische Uebersicht. Woz«? Die Konferenz der Partciopposition. die für den 7. Januar angesagt ist, könnte nur dann einen Wert haben, wenn sie beschließen wollte, den McinungLkampf in der Partei auf das zulässige, auch in fsriedenszeiten übliche Maß zu beschränken, alle Sonderbestrebungeu aufzugeben nnd auf alle die Einheit der Arbeiterbewegung gefährdenden Kampfmittel zu vcr- zichten. Die Gründe der auswärtigen Politik, die für ein solches Verhalten der Parteiinindcrhcit sprechen, haben wir im heutigen Leitartikel auseinandergesetzt. Die Parteimehrheit hat mit ihrer FricdcnSnrbeit erreicht. was zu erreichen war. Ob dieses Ergebnis früher erzielt werden konnte, ob es vielleicht noch günstiger zu gestalten war, wenn die Partei die Methoden der Minderheit an- wandte, das ist eine historische Streitfrage, deren Er- örterung die Mehrheit nicht ans dem Wege geht, wenn sie beliebt wird, von der sie aber nicht glaubt, daß MeinungS- Verschiedenheiten, die über sie immer noch herrschen möchten. für die Zerreißung de» PartcikörpcrS einen hinreichenden Rechtscrtigungsgrund bilden. Für die Zukunft aber sind die Aufgaben der Gesamtpartei so klar vorgezcichnct, daß das unbewaffnete Auge nicht einmal die Möglichkeit einer Quer- treiberei zu erkennen vermag. Da kein Grund zu übermäßig scharfen MeinungS- Verschiedenheiten hinsichtlich der nächsten Zukunft mehr besteht, bliebe nur noch die P a r t c i z e r st ö r u n g als Selbst- zweck. Daß es in der Opposition Leute gibt, denen es nur noch darauf ankommt, die Partei zugrunde zu richten. kann keinem Sehenden entgangen sein. Für sie ist es schon ein Erfolg, wen» unter den gegenwärtigen Umständen die Opposition überhaupt noch als politische Sondcrgruppicrung auftritt, und eS ist ihr Geist, der bei der Einberufung der Sonderkonferenz gesiegt hat. Jetzt gilt es für sie „durchzuhalten" und dafür zu sorgen, daß sich der Spalt. der in der Arbeiterbewegung klafft, durchaus nicht vcr- engert. Die üblen Reste elncs aufgeregten MeinungS- streits, die Ouisquilicn des Kampfes der Parteikompetcnzen bieten ja immer noch Gärungsstoff genug, wenn man sie pfleglich behandelt. Was da übrig bleibt, ist dann freilich nur noch ein Froschmäusckrieg um Dinge, die, so wichtig sie den Rächslstehendeu erscheinen, im Verhältnis zu den großen Wcltereignissen doch nur Nichtigkeiten sind. Solche Verirrungen kann man bedauern, aber man wird ihre Bedeutung für die Zukunft der deutschen Sozialdemokratie nicht mehr zu überschätzen geneigt sein, Auch für die Politik gilt das Wort," daß jedes Genre, erlaubt ist, ausgenommen das langweilige. Daß aber die Masse dew Arbeiter dem inneren Streit längst schon gänzlich Verständnis- los und gelangwcilt gegenübersteht, wird aus ihrem teil- nahmslosen Verhalten diesen Dingen gegenüber hinreichend klar. Man wird ihr Interesse nur dann wieder erwecken, wenn man ihren Blick ans hohe und weite Ziele lenkt. Und sie werden sich in dem Lager zusammenfinden, das die. Fahne der o r g a n i s a t o r i.s ch e n E i n sie i t entfallet hat. Daruber sollte man sich auch im Lager der Minderheit nicht täuschen. Man sollte sich vielmehr beeilen, die not- wendigen Folgerungen daraus zu ziehen. Herr v.(Äraefc knirscht. In der„Mecklenburgischen Warte" schreibt der konser- vativc RcichstagSabgeordnetc v. Graefe-Goldebec— derselbe. der die Ablehnung des deutschen Friedensangebotes als „das größte Glück" bezeichnete— das Folgende: Ja, in der„letzten Hütte" flaunnt jcdes� beutsche Herz schon längst auf G:und der siechen Ablehnungen der Feinde,— aber „flammt eS" noch immer nicht in der Willielwstraße zu Aerlip?... Knirschend empfinden weile Kreise deS deustchen Volles als das demütige und dciniitlgei.de Leitmoli» unserer derzeitigen Politik, inmitten eines sieghaften Helden kämpfe- unserer todesmutigen Söhne, da» sicherlich von seinem Urheber nicht für diese Zwecke geprägte Morl:.Werdich schlägt au seinen Backen. dem biete den andern auch dar!" In dein Bewußtsein aber, daß mit einem weggeworfenen Selbstvertrauen und gc- demüligter Ehre die ganze wirlichastliche Zukunft unseres Deutschtum» auigegeben würde, ringt sich au» der besorgten Brust unzähliger Patrioten heute der warnende Seufzer zu den verant- ivorilichen Stellen:„Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr alles freudig setzt an ihre Ehre!" AuS dem Artikel geht hervor, daß Herr v. Graefe sehr aufgeregt ist. Es wird aber nicht klar, was er eigentlich will. Auch sein klassisches Zitat kommt zweieinhalb Jähre zu spät." Denn welches Opfer hätte das deutsche Volk noch nicht gebracht?___ Ter Berliner Freisinn für„Gebietserweiterungen". Die Fortschrittspartei für Groß-Bcrlin hielt am Mittwoch eine außerordentliche Sitzung ab. in der nach einem Referat des Abg. Wiemer folgende Entschließung angenommen wurde: Ter Parkeilag der Fortschnttlichc» Volkspartei für Groß- Vcrlin sprickt der Reichslcitung warmen Dank für die hochherzige und tatkräftige Förderung dcö Friedensangebotes der Mittel- mächte aus. Er gibt lebhafte Entrüstung kund über die mit nichtigen Vor« wänden begründeic Ablehnuyg des Angebots durch die alliierten Regiertingen der seilidlicken Mäckte und legt insbesondere schärfste Verwahrung ein gegen die leichtserlige Unterstellung, daß der Vor- schlag der Mittelmäckle nur ein KriegSmanöver, ohne Aufrichtigkeit und ohne Bedeulung sei. Der Parteitag gibt der festen Zuversickt Ausdruck, daß die Ablehnung deS Friedensangebots da» deutsche Boll in dem Enl- schlutz bcstäiken wird, in den Kämpfen an der Front wie bei den Arbeiten in der Heimat die volle Kraft bis zuin letzten Hauche einig und ohne Wanken einzusetzen zur Erringung eine' FriedeilS. der daS Reich durch militärische und wirtschaftliche Maßnahmen wie durch notwendige Gebier» erweitern n gen für die Zukmist sichert und für den friedlichen Wettstreit der Völker Bedingungen schafft, die in der Heimat wie aus dem freien Meere die Enlfalrung aller Kräfte des deutschen Volke- gewährleisten. Die Berliner Fortschrittler haben nicht gesagt, welche Gebietserweiterungen sie wollen. Vielleicht lassen sie noch darüber mit sich reden._ Ter Vundcsrilt siimmie gestern folgenden Vorlagen zu: a) über den Verkehr mit Schuhsohlen, Sohlenschoner» usw.;. b) Entwürfe von Betannlmachunge», betreffend Geltendinackung von Ansprüchen von Personen, die im Ausland ihicn Wohufttz haben, sowie beireffend die Fristen des Wechsel- und ScheckrechlS für Elsäß-Lrihrmgen; o) Vorlage betreffend fflateitfieffung von ReichSmitteln für die Monate Januar, Februar. März 1317. zur Unterstützung der Gemeinden und Gemeindeverbände auf dem Gebiete der Kriegs- Wohlfahrtspflege. Aufhebung der Arrcststrafe als Tifziplinarmittel. Dem preufzifchcn Abgeordnetcnyanie ist von nationalliberaler Seile ein in Form eines Gesetzentwurfes gekleideter Initiativantrag zugegangen, wonach alle gesetzlichen Lcfliinmungen, welche die Vcr- bangung der Arreststrafe als zulässiges Disziplinanuittel gegen untere Beamte der istaatz-- und Gemeindebehörden innerhalb der Man« orchic vorsehen, ausgehoben werden sollen.— Mit der gleichen Frage bar sich der Landtag schon seit Jahren beschäftigt; es sind auch wiederholt entsprechende Beschlüsse vom Abgeordnetenhaus gekasit worden, denen aber die Regierung bisher noch keine Folge gegeben hat. Wäre es jetzt nicht vielleicht doch Zeit l Neuregelung der Milchprcise in. Sicht. Auf eine Eingabe der Konsumenteuverbände der Regierungsbezirke Köln und Düsseldorf an das KricgsernähruugSamt, in der um eine ein- heitlichc Festsetzung von Milchprcisen ersucht wird, antwortete Präsident v. Batoeki u. a.: Für einen großen Teil der preußische« Monarchie wird ver- mutlich in Bälde eine neue gesetzliche Regelung der Preise erfolgen. Die von der Ncuregelniig betroffenen Teile umiaffen ein großes geschlossenes Wirtschaftsgebiet mit einigermaßen gleich- liegenden wirtschaftlichen Berhältniffen. Die westlichen Bezirke der Monarchie werden von dieser Neuregelung nicht erfaßt. GZ darf aber erwartet werden, daß die erwähnte Neuregelung amb auf die westlichen Gebiete nicht ohne Einfluß bleibt und das Problem einer Festsetzung von Milchhöchstpreiscn in diesen westlichen Ge- . bieten günstig beeinflußt werden. Ich werde veranlassen, daß die beteiligten Stellen dieser Angelegenheit ihre ganz besondere Auf- mcrksamkeit widmen.__ Mus Groß-Serlin. Die Lebensmittelversorgung üer Städte. Die Berliner Stadtverordneten-Ber- s a m m l n n g saß gestern zu Gericht über die Organisation unserer Lebensmittelversorgung. Ten sozialdemokra- tischen Antrag, der dazu den Anlaß gab, begründete Genosse Wurm in einer die Lebensmitteftiolitik des Reiches scharf beleuchtenden Rede. Er zeigte die ungerechtfertigte Bevorzugung des Landes gegenüber den Städten, die dort betriebene wucherische Zurückhaltung der Lebensmittel und die vollständige Machtlosigkeit der Städte, denen man oben- drein die Verantwortung für die Mißstände zuschieben möchte. Dem Urteil, das der sozialdemokratische Redner über das System Batocki fällte, stimmten die freisinnigen Fraktionen durch ihre Redner L e V y und Kuhlm a nn und auch der Oberbürgermeister Mermuth rückhaltlos zu. Ter Ma- giftrat wird die Grundgedanken des sozialdemokratischen An- träges, der eine �gleichmäßigere Verteilung der Lebensmittel auf Land und Stadt fordert, sowie eines freisinnigen An- träges zur Lebensmittelversorgung sich zu eigen niachen. Beide Anträge wurden einstinimig angenommen. Arbeiter und Nachtverkehr.' Die Behörden befassen sich immer noch mit Feststellungen nach vollbrachter Tat, statt gleich nach den ungeheuerlichen Begebenheiten der' ersten und zweiten Nacht der Verkehrs- beschränkungen sofort Aenderungen vorzunehmen. Eine Äor- refpondenz, die in nahen Beziehungen zum Verband Groß- Berlin steht, behauptet über die Nacht zum Donnerstag kühn und keck:„Trotz der gewiß noch immer bestehenden Schwierig- kellen, wozu das schlechte Wetter das seinige beiträgt, war der Stoßverkehr im Innern Berlins gegen 12 Uhr abgewickelt. Unkefördert ist, soweit die amtlichen Beobachtungen her Behörden und Straßenbahngesellschaften ergeben haben, überhaupt niemand gebliebe n." Damit vergleiche man die auf umfassende Erbebungen begründeten Angäben der Berliner Gewer kschafts- . k o m m i s s i o n, die am gestrigen Donnerstag an dos Polizeipräsidium zu Händen des Obsrregierungsrats Haaselau folgendes Schreiben gesandt hat: Zu unserer Eingabe vom 18. Dezember 1316 erlauben wir uns beiliegend die Betriebe anzugeben, in denen der Schicht- Wechsel in solche Zeit fällt, daß die beschäftigten Arbeiter nachts nicht mehr ihre Wohnungen erreichen können. Im übrigen bedauern wir. daß wir zu unserer Vorstellung bei Ihnen nicht geladen worden sind. Wir müssen annehmen, daß die Vertreter der Arbeiter nicht als in Betracht kommende Faktoren angesehen werden. Wir erlauben uns unsere Eingabe noch einmal beizufügen. Hochachtungsvoll Ausschuß der Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend. Die Rundfrage erstreckt sich auf 40 Betriebe, bei denen mehr als 58 000 Personen ihre Wohnungen nachts gar nicht oder doch nur sehr schwer erreichen können. Es handelt ffich durchweg um Betriebe der Metallindustrie, die für wichtigen Heeresbedarf täti a sind. Diese 58 000 Personen sind aber nur ein geringer Teil der großen in Betracht kommenden Gc- sämtzahl von Arbeitern, zu denen noch unzählige Angehörige aller möglichen anderen Berufe hinzugerechnet werden müssen. Das„Verl. Tagebl." berichtet am Donnerstagabend: „Auch in der letzten Nacht kam es infolge der polizeilichen Berkchrseinstellungen fast auf ollen Straßenbahnlinien zu wüsten Szenen. Taufende und aber Taufende von Nachtarbeitern, die die Verkehrsgelegelcheiten benutzen wollten, mußten wieder in Sturm und strömendem Regen stundenweite Wege nach Hause zu Fuß zurücklegen. Die wenigen, die noch uillcr förmlicher Lebcnsgefabr eine Fahrgelegenheit erreichen konn- ten, haben sich die Plätze in den Wagen im wahren Sinne des Wortes erkämpfen müssen." Das Blatt wundert sich, daß noch keine Katastrophe eingetreten sei. Die Stadtbahnzüge nach Spandau beispielsweise sind d c r m a ß e n ü b e r f ü l l t. daß d i e T ü r e n nicht mehr geschlossen werden können. Die Arbeiter springen bei Abfahrt des Zuges noch auf die Trittbretter und Loko- Motiven, um noch mit dem letzten Abcndzuge nach Hause zu gelangen. In der elektrischen Straßenbahn einen Platz zu erkalten, ist nur noch Sache der Gewalt. Anstatt wie vor- geschrieben, etwa 30 Personen aufzunehmen, zählen viele Wagen 70 bis 80 Fahrgäste. Es hat bereits eine große An- zabl von Arbeitern erklärt, sich diese Zustände nicht mehr ge- fallen zu lassen. Der Magistrat von Charlottenburg hat gemein- sam mit bem Zweckverbond mit der Direktion d�r Großen Berliner Straßenbahn verhandelt, und ihm.ist dabei die Zu- sicherung gegeben worden, daß für die glatte Wwickelung des Berufsverkebrs„unter allen Umständen" Sorge getragen Wird. Der Magistrot wird darauf achten, daß die Rückfahrt> der außerhalb Charlottenburgs beschäftigten Bürger unter allen Umständen ermöglicht wird. Der Magistrat Wilmersdorf hat an den Polizei- Präsidenten von Berlin das dringende Ersuchen gerichtet, die Einschränkungen der Str.aßenbahnfahrpläne den berechtigten Bedürfnissen des Nächtverkehrs anzupassen; die Erfahrungen hätten gezeigt, daß schwere Unzuträglichkeiten bei dieser Regelung sich ergeben hätten, und daß diese un- bedingt baldigst abgestellt werden müßten. Im Polizeipräsidium fand gestern eine Sitzung von Vertretern der Aufsichtsbehörden und der beteiligten Verkehrsbetriebe statt, in der über die Mißstände im Groß- Berliner Verkehrswesen beraten wurde. Die Folgen der durch die unselige Anordnung der Bc- Hörde herbeigeführten Zustände machten sich gestern a u ch i m Tagesverkehr bemerkbar. Morgens feblten viele Strätzenbahnangestellte, so daß etwa fünfzig Wagen nicht rechtzeitig oder überhaupt nicht fahren konnten. Zahlreiche Leute warteten vergebens auf Fahrgelegenheit. Das weibliche Personal erklärt zum Teil, den Anstrengungen des Dienstes, den Unbilden der Witterung und nicht zuletzt den Auf- regungen bej- heraufbeschworenen nächtlichen Tumultszencn nicht gewachsen zu sein.__ Neue Verkchrsvcrbinduugcn zwischen Grost-Berlin , und Spandau. Die Verbesserung des Verkehrs zwischen Groß- Berlin und Spandau soll jetzt verwirklicht werden. Die gegenwärtigen Ver- kehrsmittcl reichen schon seil langem nicht aus, um da-Z stark wachsende Heer der in Spandau beschäftigten Arbeiter zu und von ihren im engeren Groß-Berlin belegenen Wohnstälten zu befördern. Es ist daher beabsichtigt, einmal die Hochbahnzüge bis zum Stadion durchzuiühreu und von dort aus die Fahrgäste mit der zmn Sradiou heranzuführenden Spandauer Straßen- bahn weiter nach Spandau zu befördern, zum andern vom Nonnen dämm aus eine unmittelbare Verbindung vom Bahnhof Jungiernheide nach Spandau zu schaffen und ferner die Straßenbahnlinien vom Svandauer Bock au? über daS jetzige Endziel binaus ohne Umsteigeverkehr nach Spandau zu ver- längern. Die Verhandlungen über die endgültige Gestaltung dieser Verbindungen sind noch im Gange. Um jedoch wenigstens eine Verbindung sobald wie möglich in Betrieb setzen zu können, hat der Verband Groß-Berlm vorbehaltlich der Zustimmung der maß- gebenden Beschlußorgane zunächst eine vorläufige Zu- st i in m u n g zum Beginn der Bauarbeiten am Spandauer Bock zur Verbindung der Spandaucr Straßenbahn mit den Gleisanlagen der Berlin— Eharlolienburger Straßenbahn erteilt. Man hofft den Betrieb auf dieser Strecke schon vom 1. Februar ab aufnehmen zu können._ Aus der Berliner Fürsorgeerziehung. An einem der Sonntage vor Weihnachten sahen wir die Ber« liner Erziehungsanstalt zu Lichtenberg im Festtags- schmuck. Sie hatte die Eltern ihrer Zöglinge zu einem anregenden Unterhaliungsabend versammelt und zeigte zugleich die Leistungen der in ihren- Werkstätten tätigen Zöglinge durch eine Ausstellung reckt hübscher LehrlingSarbeiten. Wir haben vor einigen Tagen der Anstalt einen nochmaligen Besuch gemacht, diesmal zu dem Zweck. sie und ihre Jungen bei der Wsrklagsarbeit kennen zu lernen. Der Eindruck, den wir empfingen, bestärkt nnS in der Hoffnung, daß dieses ErziehuugShaus jetzt in guten Händen ist. Manches ist da draußen in neuerer Zeit getan worden, um die FürsorgeerziehungSarbeit auf eine andere Grundlage zu stellen. Wir dürfen der Berliner Waisen- Verwaltung nicht die Anerkennung versagen, daß sie aus schlimmen Erfahrungen Heilsame Lehren zu ziehen gewußt und Unter lassungs- iünden gut zu niachen sich bemüht- Hai. Räch dem Entsetzlichen, waS man in dem Füriorgesiifl Mieltschiv hatte erleben muffen, kam die Reform des Berliner FüriorgeerziehungSweienS raich in Fluß. Auch Berlins eigene Alisialt zu Lichtenberg hatte es nötig, daß sie mit eisernem Besen ausgefegt wurde. Das Ergebnis sehen wir nun: sie hat aus einer BcwahrungSanstalt, die einem Gefängnis glich, sich in ein wirkliches Füriorgeheim umgewandelt. Tie Anstalt, die wir unter Führung rhres Direktors Rake besichtigten, bietet in ihrem Innern ein freundliches Bild. Daß Licht und Lust ungehinderten Zutritt finden und überall Reinlichkeit und Ordnung herrscht, ist selbstverständlich. Doch über dem Nötigen und Nützlichen wird, auch daS Schöne nicht vergeffen. Anheimelnd wirkt der Wandschmuck, der in den Wohnsälen reichlich an- gebracht ist und sogar in den Schlafiälen nicht fehlt. Die Jungen selber und auch chcinalige Zöglinge haben manches beigetragen, die Räume zu schmücken. Je ein Wobniaal nebst Schlafräumen und Zubcbör gehört einer der süni.Fanzilieu", in die man die Gesamt- heit der Zöglinge eingeteilt hat. In den Familien find Knaben und Burschen aller Alterskiaffen vereinigt. Jede Familie hat ihr Oberhaupt in einem Hausvater, der aus den Erziehern genommen wird. Ihn unterstützt der Saalälteste, ein älterer und zuverläisiger tögling aus der Familie. Hier in den Wobnsälen genießen die öglinge ihre ErbolungSstunde, wenn nicht das Wetter sie zum Spiel auf den Hof Hinauslockt. Elnen Teil des TageS bringen die Zöglinge in den Werk- ä t t e n zu. DaS Erziehungshaus Lichtenberg nimmt nur Knaben auf. die schon ans der Schule entlasten sind. Für sie ist Arbeit ein wirksames Erziehungsmiitek. nicht zwecklose Beschäftigung, son- der» schaffende Tätigkeit, die dem Zögling zur Freude wird. In Werkslätien für Tlschlerei, Schuhmacherei, Schneiderei, Buchbinoerei, Korbniachererei, Buchdruckerei erhalten die Zöglinge unter Leitung von Handwerksmeistern eine Vorbildung, um später außerhalb der Anstalt zu einem Meister in Familienpflege gegeben werden zu können. Wenn sie für Familienunterbringung sich nicht eignen, bleiben sie in der Anstalt und werden in ihr vollständig ausgebildet. Gearbeitet wird hauptsächlich ftir den eigenen Bedarf des Erziehungshauies, so daß die Zöglinge sehen, wie die Erzeug- niste ihres Fleißes verwendet werden. Dabei liefern die Werk- stätlcn auch für andere Anstaiteu der Stadt. Zur Unterweisung in leichten Garten- und Landarbeiten, die manchem schwächlichen Jungen ei» Kräftigungsmittel sind, bietet sich Gelegenheit aus dem zu der Anstalt gehörenden Gelände.— Wichtiger als dieser Rahmen, in dem das Answltsleben sich abspielt, ist der die Anstalt erfüllende Geist. Wir glauben, daß besonders hierin das Erziehungshaus Lichtenberg gegenüber den früheren Zuständen eine erfreulich« Wandlung zum Bessern durchgemacht hat. Einzelheiten auS den jetzt dort geltenden Erziehungsgrundsätzen hier wiederzugeben. wollen wir uns versagen. Es widerstrebt uns, ins Licht der Ocffentlichkeit die still geleistete Erziehungsarbeit zu zerren, die unauffällig bleibe» will und muß. Für die Anstalt wie für ihre Zöglinge ist es ein ehrendes Zeugnis, daß Direktor Rake zu Weihnachten wagen konnte, 165 Zöglinge nach Hause zu beurlauben. Zu den wertvollsten Einrichtungen deS ErziehungshauseS Lichtenberg gehört die Verteilungs stelle für die Reuauf- gen ommeuen. über deren Unterbringung erst noch entschieden werden soll. Ob ein Zögling sich mr Unterbringung in einer An- statt oder in einer Familie eignet, dmüber kann man nur nach längerer Beobachtung ein Urteil haben. Dabei spricht dann auch der Arzt mit, der überhaupt in Lichtenberg ständig zu Rate ge- zogen wird und auch zur Beguiacbtung deS geistigen Zustandes von Zöglingen leider oft nötig ist. Die BerteilungSstelle schafft die Möglichkeit einer- Sonderung der Zöglinge, einer ihre Eigen- art berücksichtigenden Behandlung, wie sie so oft als Vorbedingung erfolgreicher Fürsorgeerziehungsarbeit gefordert worden ist. In den Räumen der Verteilungsstelle, die übrigens von denen des Erziehungshaus«» getrennt find, berührte uns die Freundlichkeit der A u Z st a t tu n g. besonders angenehm. Auch für Erziehungsanstalten gilt der Satz, daß der erste Eindruck oft em bleibender ist. Pflege der Beziebungerr z w i s�ch e>r Anstalt und F a m i l r e ist jetzt in Lichtenberg etwas Selbstverständliches. Wir haben in der Härte, mit der manche Anstalten die Eltern zurück- stießen, stets ein schweres Hindernis des Erfolges der Fürsorge- erziehung gesehen. Voraussetzung ist natürlich, daß Eltern sich gegenüber der Anstalt nicht unverständig zeigen. Direktor Rake hält in jeder Woche an zwei Tagen seine Elternsprechstunden ab. Sie gewähren nicht nur ihm manchen Einblick in die Seele der Eltern seiner Zöglinge, sondern geben auch den Eltern manchen Aufschluß über Fragen der Erziehung. Das hat er jetzt nicht nötig! Au dem Verhältnis zwischen Händlern und Käufarn hat sich in der Kriegszeit vieles geändert. Während sonst der Händler von Gunst und Laune des Käufers abhing, sieht jetzt der Käufer sich dem Händler auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Besonders im Handsl mit Nahrungsmitteln hat man infolge der Knappheit an Waren und des Zudranges der.Kauffähigen manches erlebt, was früher wohl niemand für möglich gehalten hätte. Seit einiger Zeit herrscht nun auch Köhlen! nappheit, so daß die Kunden- Polonäsen jetzt auch vor Kohlengeschäften zu beobachten sind. Hoffentlich kommt es nicht dahin, daß die Kohlenhändler ihre guten Sitten im Verkehr mit der Kundschaft durch die bösen Beispiele jener oben gekennzeichneten Nahrungsmittelhändler verderben lassen. Ein Kohlenhändler in einem südwestlichen Vorort hat sich aller- dings schon ein Stücklein geleistet, das geeignet ist. solche Bcfürchwn- gen zu wecken. Aus der benachbarten Kolonie Grunewald kam zu chm eine Frau herüber, die bisher noch nicht in seinem Geschäft gekauft hafte, und sie bestellte bei ihm Kohle und Koks mit der Bedingung, daß die Ware ins Haus zu liefern sei. Der Händler nahm den Auftrag an, fuhr auch bald mit einem Wagen vor und trug zusammen mit seinem Sohn das FeuerungSmaterial hinauf nach der eine Treppe hoch gelegenen Wohnung. Nebenbei bemerkt: die Frau, deren Mann seit Kriegsausbruch im Heeresdienst ist, wobnt nicht in einer Grunewaldvilla, sondern in einem kleinen und bescheidenen Hofgebäude. Als der Kohlenhändler vor der Wohnung angelangt war und— so schildert uns die Frau den Hergang— nun die Lieferung noch ein Stück weiter hinauf nach einem Lager- räum tragen sollte, erklärte er:„Das habe ich jetzt nicht nötig." Da die Frau schwächlich ist, konnte sie sich nicht darauf verlassen, selber die Last hinauf, zuschleppen. Nach kurzem Wort- Wechsel nahm der Händler seine Ware wieder aus den Buckel und zog mit ihr davon, indem er zu seinem Sohn, die Treppe hinab- steigend, räsonnierte:„Unseren Dreck werden wir auch so los." Getviß, er wird ihn auch so los werden. Darum braucht ja- ein Kohlenhändler jetzt ebensowenig Sorge zu haben wie der NahrungSmtttclhändler. Solche Leute sollten sichs aber gesagt sein lassen, daß sie mal sehr böse anlaufen könnten, wenn sie es zu arg treiben. Wir nehmen an, daß es sich bei dem geschilderten Ver- fahren des Kohlenhändlers um einen Einzelfall handelt. Möge es keine Nachahmung finden.__ Wohnungsfürsorge und Reichsvcrsichernngsauit. DaS ReichsversicherungSomt hat an die ihm untetttellten LandeSversickerunaSan st alten einen Runderlaß hinaus- gegeben, worin zu der Wobnungsfürsorge aus Mitteln der Ver- sicherungSanstalten Stellung genommen wird. �DaS Reichsversiche- rungsamt ist der Ansicht, daß auf Grund de«§ 1271 der Reichs- versicherungSordnung Mittel für die WohnungSsürsorgc zunächst nur in mätzigem Umfange hergegeben werden sollten. Dieter zurück- haltenden Stellungnahme widerspreche es nicht, daß das Reichs- versicherungSamt bisher bei der Kriegswohlfahrtspflege den Ber« sichernngsanstalten die Hingabe höherer Beträge nach§ 1271 der R.L.O. bereitwillig gestattet habe. Bei der Frage der Beteiligung der Versicherungsanstalten an der Wohnungsfürsorge dürfe nicht außer acht gelaffen werden, daß an der Erhaltung und Stärkung der Volkskraft durch umsaffende Maßnahmen aus diesem Gebiete andere Stellen, wie Reich, Staat. Provinzen, Gemeinden uiw. in noch höherem Maße als die Versicherungsanstalten beteiligt seien. Ihnen würden deshalb die Versicherungsanstalten hier unbedenklich den Vortritt überlasten können. Im Asyl-Berein für Obdachlose nächtigten im Monat Dezember im Männer-Aiyl 3339 Peisonen. wovon 2169 badeten, im Frauen« Asyl 2723 Personen, wovon 573 badeten. Arbeitsnachweis wird er- beten für Männer und Frauen Wiesenstr. 55/53. Besserung der Gesundhett gegen Weihnachten. Die GesündbeitS- verbältnisie haben sich in der Woche vor Weihnachten in vielen deutschen Städten gegen die Vorwoche gebessert, indem die Sterb- lichkeit, zum Teil recht beträchtlich, zurückgegangen ist. Auf 1000 Einwohner und aufs Jahr berechne: betrug sie in Aachen 19,1/ Altona 12.3. Augsburg 12.3. Berlin 12,0, B e rl i n- L i ch t e n« berg 3,7, Berlin-Schöneberg 13�7, Berlin-Steglitz 7,0, Berlin-Wiliner�orf 10.6, Braunichweig 19,6, Bremen 15,9, Breslau 16,6, Charlottenburg 14,2, Chemnitz 15,3, Cöln 16,5, Danzig 15,1, Dresden 14,7, Düsseldorf 13,2, Esten 11,8. Hamburg 11,4, Ka lsruhe 16,1, Kiel 9,6, Königsberg 17,1, Lübeck 19,0, München 15,0, Neukölln 8.2, Nürnberg 10,4, Spandau 15,2, Stettin 12,7, Wiesbaden 10,0. Stadtverordnetenwahlen. Im 7., 5. und 14. Berliner Gemeinde- Wahlbezirk finden demnächst Stadtverordneten-Neuwahlen bezw. Ersatzwahlen� statt. Die dritte Abteilung im 7. Bezirk wählt am Sonntag, den 2 8. Januar. Postsendungen an Kriegsgefangene in Rußland. Die Aufschriften der Kriegsgejangenensendungen müssen genau, deutlich und mit großen lateinischen Buchstaben geschriebensein. TerBestimmungs» ort muß, ebenfalls in lateinischer Schrist, besonders deutlich angegeben sein. Außer Vor- und Zunamen ist auch der Dienst- grad des Gefangenen, Unierbringungslagcr oder Lazarett und dio frühere Truppenzugehörigkeit lKompaonie, Eskadron, Batterie und Regiment) anzugeben. Die Angabe größerer Einheiten iBrigade, Division. Armeelorps) ist zwecklos und daher zu unterlasien. Die Postanstalten werden den Absendern auf Wunsch gern Rar und Hilfe bei der Anfertigung der Aufschriften erteilen. Derselben Ausgabe widmen sich die zahlreich verbreitete» Wohlsahrtsstcllen für Kriegs- gefangene, insbesondere auch die vom Roten Kreuz. Uuermittelte Heeresaugehörige. Dio 4. Nummer der Sonderliste:„Uuermittelte Heeresangehörige. Nachlaß- und Fundsachen" ist am 29. Dezember als Beilage zur Deutschen Verlustliste erschienen. Der Liste liegt auch diesmal eine Bildertafcl bei. die außer den Photo- graphien wieder einige besonders auffällige Nachlaßsachen wie Uhrketten, silberbeschlagene Zigarettenspitze usw. bringt. Ver- vollständigt wird die Liste durch ein Namensverzeichnis von Gefallenen, deren Erben nicht zu ermitteln waren, sowie durch Mitteilungen über angefundene Gepäckstücke.— Die Lrstc ist zuni Preise von 20 Pf. einschließlich Porto im Einzelverkauf von der Norddeutschen Buchdruckerei, Berlin, W i l h e l m st r. 32, zu beziehen. Eine Drahtseilbahn Berlin-Bagdad. Eine Drohlieilbabn von Berlin über Konsianlinopel nach Bagdad Hai Prof. Dr. L. v. Slbmidl vorgeschlagen und einen Plan daiür dem Würltembergiichen Bezirks» verein Deulicber Ingenieure in Slurrgarl vorgelegt. Wegen seiner verhältnismäßig niedrigen Bau- und Betriebslosten und der großen Leistungsfähigkeit würde eine solche Bahn mir dem Seeweg erfolg- reich konkurrieren können und einen von englischen Einflüssen unab« hängigen Verkehrsweg nach Vorderafien schaffen. Ein ähnlicher Plan ist der des Direktors Ellinger von Köln-Lindenthal. Es ist dies ein« Msttelland-Großgüterbahö, die durch StationSentfernungeu bon mindestens 200 bis 250 Kilometer, durch Selbstladewagen und durch eleltrischcn Betrieb den Wettbewerb mit dein Seeweg auf- nehmen soll. Ein schweres Braadunglück hat sich am Donnerstag ig dem Haufe Annen st ratze 21 zugelragen. Die dort wohnende Ar- beiterin Neher wollte nachmittags die Petroleumlampe anzünden und stietz diese dabei um. Das Petroleum entzündete sich und er- gotz sich über die N., deren Kleidung in wenigen' Augenblicken lichterlob brannte. Laut um Hilfe rufend eilte die Bedauernswerte auf die Stratze. Ein vorüberkommender Magistratsbeamter hatte die Geistesgegenwart, von einer in der Nähe haltenden Droschke eine wollene Decke herbeizuholen und mit dieser die Flammen zu ersticken. Die Arbeiterin hatte aber leider inzwischen so schwere Brandwunden davongetragen, datz sie in bedenklichem Zustande nach dem krankenbause geschafft werden mutzte. Dem braven Helfer wurde während des Rettungswerkes der Regenschirm, den er an das Haus gelehnt hatte, g e st o h I e n! Sturz aus dem Fenster. Auf schreckliche Weise versuchte die neunzehnjährige Anna S. sich das Leben zu nebmcn. Das junge Mädchen war in einer Villa in Pichelsdorf tätig und zeigte in der letzten Zeit ein schwermütiges Wesen. Als es Mittwoch allein zu Hause war. stürzte es sich aus einem Fenster deS zweiten Stock- Werkes auf die Stratze hinab. Die Lebensmüde erlitt schwere äutzere und innere Verletzungen und wurde in hoffnungslosem Zu- stände nach dem Spandauer Krankenhause gebracht. Der Mordversuch einer Krankenpflegerin, über den vor einigen Tagen berichtet wurde, ist jetzt zum Teil ausgeklärt. Im Diakonissenheim in der Genthiner Stratze erschien eine Frau, die angab, datz sie in Breslau und dann hier in Berlin in der Kranken- pflege tätig gewesen und augenblicklich ohne Beschäftigung sei. Sie versprach, ihre Ausweispapiere über die bisherige Tätigkeit bald beibringen zu wollen, und erhielt daraufhin eine Nachtwache bei einer kranken Greisin in der Bülowstr. 67. Während die Kranke am nächsten Morgen noch schlief, stahl ihr die angebliche Pflegerin, die sich Meta Stahr nannte, bares Geld und Nahrungsmittel. Sie öffnete dann die Gashähne, um einen Selbstmord der Bestohlenen vorzutäuschen und verschwand. Zum Glück erwachte die Kranke bald darauf und konnte selbst die Hähne wieder schlietzen. Wie die Ermittelungen der Kriminalpolizei ergaben, ist die gefSbrliche .Krankenpflegerin" eine 40 Jahre alte aus Falkenberg im Kreise Reitze gebürtige gewerbSmätzige Schwindlerin und Schlafstellen- diebin Meta Stahr, die erst vor einigen Monaten das Ge- fängnis vcrlasien hatte. Sie stahl ckach ihrer Freilassung sofort weiter und verschaffte sich zuletzt die Kleidung einer Kranken- Pflegerin. Von ihrem Verbleib nach dem versuchten Mord hat man noch keine Spur gefunden. Schlecht belohnte Gastfreundschaft. Die Villa des Apothekers Werner bei Neue Mühle war von Spitzbuben wiederholt erbrochen worden. W. hatte deshalb einen Zettel angebracht mit der Bitte, nichts zu demolieren; Zigarren und Getränke seien zurückgelaffen worden, damit auch ungebetene Gäste nicht u m s o n st arbeiten mutzten. Bei einem Einbruch wurde nun der 30 jährige Schlosser M e I ch e r t, der sahnenflüchtig ist, festgenommen, während sein Genosse entkam. Er hatte einen Zettel zurückgelassen mir der Bemerkung,.datz nicht jeder so gesonnen sei wie der Villenbesitzer W. Wenn er das vorher gewußt hätte, dann wäre der schöne Spiegel ganz geblieben." Melchert hatte tagelang in der Villa gehaust und die neue WohnungS- rinrichtung zum größten Teil schon verschleppt— Die freundliche Einladung hatte also wenig genützt. Ein Weinkork und Lumpen fanden sich in» einer Blutwurst. die eine Frau bei einem Ficischermeisier in Moabit am 13. De- zcmber v. I. gelauft hatte. Die interessante Delikatesse wurde dem Zentralviebbof zur Untersuchung übergeben, von dem jedoch bis heute— also»ach ungefähr drei Wochen— noch kein Bescheid er- gangen ist. Mus Ken Gemeinüen. Kundenlisten für den Kartoffclbezug. Für Charlottenburg hat die Eintragung in die Kundenliste für den Karloffelbezug vom Montag, den 8. bis Donnerstag. den 11. Januar, zu erfolgen. Die Eintragung erfolgt derart, datz sämtliche zu einem Haushalt gehörenden Kartoffelkarlen vor- gelegt werden und der Kleinhändler die zu den Karten gehörenden Abschnitte an sich nimmt. Die mit den Kartoffeln für längere Zeit versehenen Haushalte sind erst dann berechtigt sich eintragen zu lassen, wenn ihre Vorräte nach den geltenden Vorschristen verbraucht sein dürfen. DaS Datum, von dem ab die Belieferung nach der neuen Liste erfolgt, ist nocb nicht bekannt. Für Neukölln mutz die Anmeldung zum Kartöffelbezug bis zum Sonnabend, den 6., abends erfolgt sein. Bei der Anmeldung ist der Abschnitt P der Neuköllner HauShaltungskarte abzugeben. Den Anmeldenden wird auf der Rückseite der von ihm für seilten Haushalt vorgelegten Kartoffelkarten die Eintragung i>/ die Kundenliste bescheinigt. Aus Karten, die diesen Vermerk auf der Rückseite nicht tragen, dürfen Kartoffeln nicht abgegeben werden. Auch in Neukölln" sind die Einwohner, die mit Kartoffeln vor- versorgt sind, erst dann berechtigt sich anzumelden, wenn ihr Vor- rat zu Ende sein darf.__ Ersatz von Lebensmittelkarten in Neukölln. Der Ersatz von LcbenSmüiellarlen ist jetzt einheitlich geregelt. Die Anträge auf Ersatz abbanden gekommener Lebensmiltelkarten sind unter Vor- legung der polizeilichen Vei lustanzeige lvom zuständigen Polizei« revier auszustellen) bei der zuständigen Brolkommiision zu stellen. Bon der voistebenden Regelung sind ausgeschloffen Ecsatzanträge aus Haushaliungskorten. Die Antraostellung hierfür erfolgt im Rathause. Zimmer 452. BolkStümlichc Vorträge in Neukölln. Dienstag, den 9. Januar 1917. abends 8 Uhr. veranstaltel die Stadlgememde in der Aula der Realschule. Boddinstr. 34 41, einen Lieder- und RezitationS- abend mit der Opern- und Konzerliängerin Frl. Rosa Eberhardt und der Reziialorin Frl. Gerlrud Nube. Einlatzkarlen sind vom 3. Januar ISll ab im Ralhause. Zimmer 212. während her Dienst- stunden von 9—8 Ubr und iu beichränklem Umfange auch an der Lbendkaffe von T/t Uhr ab erhältlich Kunflhalle Wilmersdorf lParis«r Stratze 4 5). Die Weidi'ochlSaussiillung der Kunsiballe Wilmersdorf bleibt auch den Monal Januar über geöffnet. Freier Eintritt werkräglich 10— 6 Uhr, Sonntags 12— 2 Ubr. Krankenkasscnzwcckverband in den südlichen Borortgcmeinden. Der von den Bororigememden Maricndorf, Lankwitz. Marienfelde, Buckow, Grotzzieihen, Lichtenrade und den Gutsbezirken Grotzzielhen. Kleinzielben und Osdorf gebildete Krankenkasseuzweckverband hat jetzt die behördliche Bestätigung gefunden. Ausgabe des Verbandes ist eS, für einen etwaigen Vermögensfeblbetrag bei Auflösung der für den Bezirk errichteten Allgemeinen Oitskrankenkasse für Marien- dorf und Umgebung einzutreten; ferner sieben ihm die sonstigen den Krankenkaffen gewährten Rechte und Pflichten zu. Da er auch Beihilfen aus eigenen Mittel» gewähren kann, so können die zu« sommenge'chloffenen Gemeinden dem Zweckverband auch für die Durchfübruna sozialer Matznabmen Mittel iiberioeiien. Marmeladenverkauf in Ncinickendorf. Die Gemeinde verkauft vom Sonnabend ad drei Sailen Marmelade durch die Lebensmittel- geichäne, in denen die Hausbaitungen in die Zuckerliste eingetragen sind. Verkaufspreis 60 Pf. bis 1.20 M. Ani jeden Abschnitt der Lebensmittelkarten werden 250 Gramm verabiolgt. Marmeladeuverkauf iu Weitzensce. Die Gemeinde bat jetzt mit dem Verkauf der ihr zugeleitten Marmcladenvorräte begonnen. Den in Betracht kommenden Kolonialwarenhandlungcn können gegen Ab- lieferung de» Brotkartenmittelstückes der 97. Woche 170 Gramm zum Preise von 20 Pf. entnommen werden. die Zehnverbanösnote im Spiegel öer parteiprefse. In der Partcipresse ringen Empörung über den hochfahrenden Ton der ZehnberbandSnotc mit Wunsch und Hoffnung, datz sich hinter dem Dorncngestrüpp böser Worte eine offene Türe und ein freier Weg zu Friedensverhandlungen zeigen. Das Urteil ist daher nicht durchaus gleichmähig nuanciert. Tie„Dresdener Bolkszeitung" sagt bedauernd:„Das deutsche Volk nimmt die brutale Antwort der Gegner mit tiefstem Bedauern, doch nicht mit Klagen und Seufzen entgegen. Wenn irgend etwas geeignet sein konnte, um den Willen ganz Deutschlands zur einmütigen Abwehr der drohenden Gefahr zu stählen und zu erneuern, so diese schmählich verbrecherische Ablehnung des Friedens durch die gegnerischen Mächte." Die „Frankfurter B o l k S st i m m e" sieht vor allem das Nein in der Note.„Unsere Friedensbereitschaft wurde verschmäht; jetzt heißt die Parole„weiter kämpfen"!" Das Harburger „Volksblatt" begnügt sich nicht mit dem Entschluß, das Reich gegen die drängenden und dräuenden Feinde verteidigen zu wollen, sondern glaubt feststellen zu müssen, datz die, die bei uns „eine schonungslose Nieder kämpfnng Englands" befürworten, jetzt Oberwasser gewonnen haben. Die Chemnitzer„Bolksstimme" schreibt:„... Wir haben also wieder die Empfehlung des uneingeschränk- tcn Unterseebootkrieges, gegen den wir uns stets ge- wendet haben, nicht aus humanitären Gründen, für die unsere Feinde wirklich kein Verständnis an den Tag gelegt haben, sondern aus nüchternster politischer Erwägung.... Man braucht gar nicht verkennen, datz, wenn heute die Feststellung der Stimmung bei jedem einzelnen Deutschen möglich wäre, sich eine sehr große Mehrheit dafür aussprechen würde, nicht nur mit äußerster Eni- schlossenheit den Verteidigungskrieg fortzusetzen, sondern auch die Gegner beim Frisdensschlutz, wem« unsere Position es gestattet, gehörig büßen zu lassen. Der Politiker, der auch an die fernere Zukunft zu denken hat, darf sich von solchen Erwägungen und Stimmungen nicht leiten lassen." Eine große Reihe von Parteiblättern ziehen aus der groben Antwort der Entente nicht nur den einzigen Schluß auf den bitteren Zwang zum Kampfe bis zum Ende, sondern suckien auch im Dornen- gcstrüpp der Briandschcn Rhetorik nach einer Friedensblume. Die „Rheinische Zeitung" schreibt:„Zwar wird das deutsche Angebot abgelehnt— daran ist nicht zu deuteln—, doch ist nicht diese Ablehnung das Entscheidende bei der Note, sondern datz dennoch die Türe zu Verhandlungen offen gelassen worden ist. Nur in der vorliegenden Form wird da- Friedensangebot abgelehnt, nicht aber grundsätzlich, nicht ein für allemal." Die„Schleswig-Holsieinische Volkszeitung" findet die Tonart deS Schriftstücks„anständiger als die Kundgebungen, welche wir bisher aus dem Munde feindlicher Staatsmänner zu per- nehmen hatten". Derselben Ansicht ist das Bochumcr„Volks- b la! t":„Man ist einigermaßen verwundert über die B o r st ch t, die man bei der Abfassung des Wortlauts hat walten lassen, wie über die weise Mäßigung des Tones. Die Note bedeutet bei allen Hintergedanken keine glatte Ablehnung unseres Friedens. angcbotes, noch des Konferenzvorschlages. Nichts stecht darin von der Niederzwingung Deutschlands, nichts von Zerschmetterung des deutschen Militarismus, nicht» mehr von„keinem F r i e- den ohne Sieg", wovon in den vielen offiziellen und inoffiziellen Verlautbarungen bis in die lebten Tage, besonders noch im letzten Tagesbefehl deS Zaren vom 28. Dezember so schwungvoll ' die Rede war. Auch die bisher geforderte Kriegsentschädigung ist auf„Wiederherstellung" herabgemindert worden."— Die Bielefelder„V o l k s w a ch t" stimmt der Wiener Presse zu. die die Note, gemessen an den Reden der Entente-Minister,„im ganzen sehr zahm" findet. Tie Mainzer„VolkZzeitung" glauSt, datz sich sehr wohl an das neueite Schlagwort des Zehnverbandes anknüpfen lasse: Anerkennung des Grundsatzes der Nationalitäten. „WaS die Note sagt von der„Gewähr" für die Wiederherstellung der verletzten Rechte und Freiheiten, für Anerkennung des Grund- satzeS der Nationalitäten nnd des ferneren Bestandes der kleineren Staaten könnte ganz diskutabel scheinen. Bieten aber die Ententemächte selbst auch nur im geringsten eine solche Gewähr?.. Diese Frage stellen, heißt die ganze verbrecherische Heuchelei der Entcnte-Antwort enthüllen." Am energischsten vertritt die„Wiener Arveiter- z e i t u n g" die Ansicht, daß die Entcntenotc eine Frie- densantwort sei. Nach einem glücklichen Vergleiche des gegenwärtigen VcrhandlungSstadiumZ mit dem Zivilprozetz und der Ententenote mit der„Einlassung in den Streit" fährt das Or- gan der österreichischen Sozialdemokratie fort:„Ter Schriftsatz der vereint vorgehenden Mächte Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Montenegro, Portugal, Rumänien, Rußland und Serbien— die Liste ist nicht gerade kurz— befleißigt s i ch eines Matzes, wie es bisher noch keine Kund- gebung der Entente gehalten hat. Der matzvolle Ton vor allem begründet die Hoffnung, datz auch dieser Streitteil dem Frieden näher kommen will. Ausgemerzt ist jede Anspielung auf die phantastischen Kriegs ziele, die seit dem August 1914 von Amts wegen oder wenigstens von der feindlichen Presse so laut verkündet worden sind. ES ist keine Rede, ja kein« Anspielung mehr auf Elsah-Lothringen, auf die österreichischen und deutschen Gebiete des ehemaligen Polen, auf die Dardanellen und auf Kon- stanttnopel. Der Armeebefehl des russischen Generalissimus ist von der Diplomatie des Zaren nicht aufgenommen und in den Entwurf eingeschaltet worden. Auch von Vernichtung ist keine Silbe zu lesen, weder von der Vernichtung und Aufteilung ganzer Reiche noch von der Vernichtung des preutzischen Militarismus. Weder die Stimme beleidigender Geringschätzung, mit der sonst der deutsche Name bedacht wurde, noch auch der Ausdruck hysterischer Angst vor tollwütigem Welteroberungsdrang und überwältigender Gewalt, einer Ueberschätzung Deutschlands, die zeitweilig die Ge- ringschätzung abgelöst hat, wird in den Worten vernehmbar. Die Streitteflc haben sich zu lange und zu ernst gemessen und die fest- gestellte Begrenztheit aller Hoffnung und Befürchtung, alles Siegeswillens und aller Angst vor der Niederlage leiht endlich auch den Worten ihr Matz." StaKtverorSnetenversammlung. 1. Sitzung vom Donnerstag, den 4. Januar 1917, nachmittags 5 Uhr. Tie Versammlung nimmt zunächst ihre Neukonstituie- r u n g vor. Der bisherige Vorstend. bestehend au? M i ch c l e t lFr. Fr.). Cassel lLinke) und H e i m a n n(©oz.) wird durch Zuruf wiedergewählt. Die bestehenden Ausschüsse werden neu bestätigt. Auch im Jahre 1917 werden die ordentlichen ösfcnt- i lichen Sitzungen der Versammlung am Donnerstag abgehalten werden und um E> Uhr beginnen, � 1 Wohnungsgesetz Selbstverwaltung. Ein Antrag von den bürgerlichen Stadtvv. Cassel. Mommsen und Gen„ am 16. Dezember 1916 eingebracht, geht dahin, den Magistrot zu ersuchen, durch Vorstellungen bei der StaatSregierung und beim Landtage auf Beseitigung der Gefahren hinzu- wirken, welche der Selb st Verwaltung der Gemeinden da- durch drohen, datz das beim Landtage eingereichte WohnungS- g e s e tz durch Ausdehnung der Befugnisse der Ortspolizeibchördc die bisherigen Rechte der Gemeinden bei Festsetzung der Strotzen- und Bausluchtlinie und in der Wohnungsfürsorge wesentlich bc- schränkt und einengt. Stadtv. Cassel: Die Bestimmungen über die Zuständigkeit in dem neuen Entwurf bergen geradezu eine Gefahr für die Durch- führung einer gesunden Wohrnings- und Stedelungspolitik durch die Kommunen. Die Gemeinden werden gehindert, über da» Wob- nungsbedürfnis nach eigenem Ermessen zu entscheiden; jetzt soll auch in dieser Beziehung die Polizei daS letzte Wort haben. Die beabsichtigte Aufhebung des BauvcrbotZ an noch nicht regulierten Straßen kann in der Konsequenz direkt zum finanziellen Ruin einer Kommune führen, wenn es sich um die Deckung der Kosten der späteren Regulierung handelt. Wo der Grund für diese neue Entmündigung der Gemeinden liegen mag. ist unerfindlich; tatsäw lich hat die kommunale Wohnungspolitik bisher ganz überwiegend Anerkennung, auch bei d«c Regierung, gefunden. Die geplante Ausdehnung der Polizeibesitgnisie macht unsere Hoffnung, die Bau- Polizei als einen Teil der Wohlsahrtspolizei übertragen zu be- kommen, völlig zu nickte. Oberbürgermaister Wermuth: Gegen �den Entwurf bat im Sinne des Antrags der Vorstand des Stäitetages bereits Stellung genommen. Mit dem Wesen der Selbstverwaltung ist die Einengung der Kommunen bei der Fluchtlinienfestsetzung nicht in Einklang zu bringen, und die spezifisch berlinischen Interessen an der Uebertragung der Wohnungspolizei erfahren durch den Eni- Wurf eher alles andere als eine Forderung., Stadl v. Körte lFr. Fr.) äußert sich unter den gleichen Gestcht»- p unkten kritisch über den Entwurf, obgleich er ihm auch manchen Fortschritt nochrühmen müsse. Stadtv. Adolf Hoffmann(Soz.): Ter Entwurf ist der draswche Beweis für die„Neuorientierung". Man denkt gar nicht an eine noch so geringe Ausdehnung der Selbstverwaltung, auch nicht in einer Zeit, wo den Eemeinde» nie dagewesene Opfer zugemutet werden. Der Spreepräfelt Steiniger rückt in greifbare Nähe, und beim preußischen Landtage dagegen Schutz suchen, hieße den �-eufe. bei seiner Großmutter verklagen. Auf Kosten der Gemeinden will man die Polizei allmächtig machen, die Gemeinden endgültig unter Polizeiaufsicht stellen. Man muß an die Wurzeln des lieb eis gehen: man übertrage die Baupolizei den Gemeinden, man hebe endlich das veraltete Hausbesitzerprivileg auf! Hätten wir ein gleiches Wahlrecht, dann wäre ein solcher Entwurf dem Landtage gar nicht vorgelegt worden. Da» Volk wird sich auch em gutes WohnungSgesetz erkämpfen müssen, geschenkt erhält es nichts. Ter Antrag wird hierauf angenommen. � Die Lebensmittclanträge. Tie Sozialdemokraten Stadtv. Barkowski und' Genosse» haben am 26. Dezember folgende Anfrage eingereicht: Ist der Magistrat bereit, beim KriegSernährungSamt für eine gleichmäßige Verteilung der vorhandenen Lebensmittel auf Land und S.tadt. insbesondere auch dafür zu wirken, daß Milch, Fett, Gemüse und Kartoffeln nicht bei den Erzeugern zum Zweck der Preistreiberei zurückgehalten werden, so daß die Versorgung Berlins ausreichender und billiger als bisher geschehen kann? Der Wortlaut der„Richtlinien", die zum Zweck der gleichmäßigen Lebensmittelversorgung gesetzlich festzulegen sind, ist von uns bersil» mitgeteilt worden, ebenso der von den beiden bür- gerlichen Fraktionen zu demselben Thema eingebrachte D r i n g l i ch? e i t s a n t r-a g V Stadtv. Wurm sSoz.ft Die Not der Umstände zwingt uns erneut,, öffentlich gegen' die Mißstände auf dem Gebiete der Nab- rüngSmittelbersörgüny Stellung zu nehmen. Die Preise sind immer, weiter gestiegen, die Zufuhr ist nicht sichergestellt, die Gemeinden bleiben aus dem Gebiete machtlos und rechtlos, während Bundesrat und Kriegsernährungsamt von ihren weitgehenden Befugnissen keinen genügenden Gebrauch machen. Das verfehlte System Delbrück, die Produktion durch höhere Preise anzureizen, ist unter Batocki nicht verlassen worden; er hat sich darauf be- schränkt, den Landwirten gut. zuzureden. Die Staatsgewalt der- sagt, und die jüngste Erklärung des Herrn v. Batocki ist geradezu eine Bankrotterklärung. Am 15. Februar springt der Preis für den Zentner Kartoffeln von 4 aus 5 M., Grund genug für die Erzeuger, möglichst bis dahin zurückzuhalten. Tie Konsumenten werden aber noch darüber hinaus belastet, wenn der jetzt von Reich, Staat und Gemeinden getragene Zuschuß von 50 Pf. wirklich in Fortfall kommt. Man droht mit Zwangsmaßregeln, aber von einer Durchführung hört man nichts. Die Belieferung der Städte ist und bleibt ungenügend, die Selbstversorger haben Ucberfluß. Höchstpreise für Gemüse sind festgesetzt, aber niemand sorgt da- für, daß der Erzeuger auch zu diesen Preisen liefern muß; Berlin konnte zu diesen Preisen kein Gemüse bekommen. Das gleiche gilt vom Obst; seit die Richtpreise von„Tafeläp�feln" reden, wachsen überall nur noch Tafcläpfel. Tie Preisprüfungsstellcu sind dagegen ohnmächtig. Schuld an der Pucherei ist das Kriegs- ernährungsamt. Ebenso unerfreulich steht eS mit der Eierversorgung, und ein wahres Meisterstück der Nahrungsmittelpolitik ist die Versorgung mit Milch. Hier hat es die Milchoersorgungs- stelle lediglich verstanden, den Preis immer höher zu treiben, während die Versorgung mit Vollmilch sehr zu wünschen übrig läßt und nur Kinder und Kranke sie jetzt bekommen. Die Uebcl- stände, die sich aus der Beibringung ärztlicher Zeugnisse für die Bevölkerung, zumal die Arbeiter ergeben, sind übrigens immer noch nicht abgestellt. Daß auch die Milch von den Erzeugern zurückgehalten wird, steht amtlich fest, sie wird verwendet, um Mastkälbcr zu füttern, und die Selbswersorger versorgen sich. um die Milch zu verbuttern, mit Handzentrifugcn, deren Absatz nach dem Zeugnis des Landrats v. Grävenitz„unheimlich" zuge- nommcn bat. Am schlimmsten wird den Konsumenten beim Zucker mitge- spielt; den Rübenbauern macht man neue Millionengeschenlc, den Konsumenten aber sagt Herr v. Schorlemer kühl, auch sie müßten Opfer bringen— als wenn sie nicht schon unter den von ihnen gebrachten Opfern nahezu zusammenbrächen! Der Hinweis des Herrn v. Batocki auf den„freien Handel" macht sich in dieser Äriegszeit fast wie ein Hohn! In diesem Zusammenhabe stimmen wir dem Antrage Cassel in seinem ersten Punkte zu. Aenderung des Systems»st unbedingt notwendig; daß Herrn v. Batocli an- gesicht» dieser Notwendigkeit angst und bange wird, ist nur zu begreiflich. Zu welchen Auswüchsen der bisherige Bureaukratismus führen tonnte, hat ja die Gemüsekonservcnverftigung vom 16. Tc- zember gezeigt; nachher macht man kurzerhand Berlin dafür der- antwortlich. Abhilfe bieten unsere„Richtlinien", die schon i n der ersten Kriegswoche von den Gewerkschaften den ober- ften Reichsinstanzen vorgeschlagen worden.sind; sie gipfeln in dem Vorscklage des Produktionszwangs, der in seinen Anfängen trotz Herrn v. Schorlemer schon vorhanden ist und im„Ober-Osr"- Bezirk völlig durchgeführt ist und sich nach dem Zeugnis der „Kreuzzeitung" vorzüglich bewährt. Der Produktionszwang ist nicht weniger berechtigt als der vaterländische Hilfsdienst; er ist aber auch notwendig, weil die jetzigen Ernährungsverhältnisse noch lange Jahre nach dem Kriege fortdauern werden. Batocki hat vor den Agrariern die Waffen gestreckt und sucht jetzt die Ge- meinden zu.Prügeltnaben zu machen; dagegen protestieren wir. und zugleich bringen wir unsere Anfrage als Antrag ein, um Heyen Annahme'wir Sie bitten. Stadtv. Dr. Levy II(L.): Die Milchversorgung Berlins ist sehr mangelhaft: hier söllte auch für die Landwirtschast das Wort peTfen, Saß 5er fttteft feine Konjunktur sein botf. Die Milchprodu zenten mutzten schärfer kontrolliert, und es mutzte festgesetzt werden wieviel Magermilch verfüttert werden darf. Tie Buttererzeugung sollte auf die Molkereien konzentriert werde». Von dem Gemüse werden die Mohrrüben tatsächlich von den Erzeugern zurück gehalten; da mutz Abhilfe erfolgen, denn Berlin kann ohne Mohr rüben nicht bleiben. Die Landwirte haben vielfach die abgeschlossen »en Lieferungsverträge nicht innegehalten. Berlin mutz mit Ge müse und Obst durchweg reicher beliefert werden. Die Kartoffel- ration ist zurzeit unzweifelhaft zu niedrig. Dem Antrage Wurm stimmen wir zu; die Richtlinien sollten zunächst in der Lebens milteldeputation erörtert werden. Stadtv. Dr. Kuhlmann sFr. Fr.) Hot zu der in den„Richtlinien" verlangten gleichmäßige n" Versorgung von Stadt und Land kein Vertrauen und freut sich, daß in dem treuen An- trage der Interpellanten das„gleichmäßige" in„gleichmäßigere" verändert wintdcn ist. Fn dem Produktions zwang erblickt Redner eventuell eine Gefahr fiir die Volksernahrung. lLebhafter Wider spruch und Zurufe bei den Sozialdemokraten.) In puncto Milch Versorgung Berlins appelliert er an die Einsicht der Produzenten. Ten Antrag Cassel solle man als Antwort auf das jüngste Rund- ichreiben des Herrn v. Batocki einstimmig annehmen. Hätte Berlin freie Hand gehabt, es hätte die Obst- und Gemüseversorgung be- sdedigend geregelt, während die betr. Kriegsgesellschaft gänzlich Fiasko gemacht habe. Den Konsumenten könne man für ihr nmsterhaftes Verhalten und ihre unendliche Geduld nur dankbar seiir. Oberbürgermeister Mermuth: Die Grundgedanken beider An träge wird sich der Magistrat zu eigen machen; er hat in ihrem Sinne auch bereits gehandelt. Der Reichsfettstelle ist es nicht ge- lungvn, die Milchversorgung Berlins irgendwie befriedigend zu regeln; die Milchzufuhr ist andauernd gesunken und zu einem Tief- >>nnkt gelangt, bei dem wir uns unmöglich beruhigen können. Planmäßig müssen die erforderlichen Milchmengen auf den Dörfern angesammelt und Berlin zugeführt werden.(Zustim- mirng.) Mit dem Anreiz durch höhere Preise abermals zu operieren, erscheint doch recht gewagt. Bei dem Städter strengste Ration, bei dem Landwirt Freiwilligkeit und eigenes Ermessen— diesem Prinzip kann der Städter auf die Dauer unmöglich folgen.(Sehr richtig!) Van einer Bevorzugung Groß-Berlin-Z gegenüber anderen Städten kann nicht die Rede sein; vielmehr droht uns eine neue Benachteiligung aus der Ueberkpannung des Begriffs„Schwer" und„Schwerstarbeiter". Es wäre unerträglich unbillig, uns nach rechnen zu wollen, wieviel Schwerarbeiter wir haben oder eine solche Unterscheidung überhaupt zu statuieren. Tie Butterzufuhr hat sich ebenso vermindert wie die Milchzusuhr. Die Kartoffel- Versorgung wird vielleicht auch, wie wir fürchten müssen, bis zum 15. Februar schwer zu leiden haben. Tie Obst- und Gemüsesrage hat unS schlimme Tage gebracht; es sind auch unsere Schweine- mastberträge schwer davon betroffen worden. Noch alledem war es für uns geradezu atemraubend, zu hören, daß das Heil der Zukunft in dem Abschluß der Lieferungsverträge seitens der Städte liege. Mit dem Hinweis auf die„Frühkartoffel" scheint dabei ein Systemwechsel angedeutet zu werden, gegen den wir durchaus Ein- spruch erheben müssen; Frühkartoffel und Winterkartoffel müssen i» derselben Hand bleiben. Das schlimmste ist ein Schwanken zwischen verschiedenen Systemen; dann können auch die Gemein- den keine fruchtbare Arbeit leisten. Beide Anträge gelangen darauf einstimmig zur Annahme. Schluß der öffentlichen Sitzung 9 Uhr. Gerichtszeitung. Sie beklagt sich, daß ihr Mann noch nicht eingezogen ist! Vor dem Potsdamer Schöffengerrcht hatte sich wegen Be« leidigung des Potsdamer Bezirlsfeldwebels die GastwirtSfrau Henriette B r. ouS Rehbrücke zu verantworten. Frau Br. richtete am IS. September an das Potsdamer Bezirkskommando einen Brief, der die Unterzeichnung„Eine unglückliSe Frau" trug. In diesem Briese erhob sie allerlei Beschwerden über ihren Mann und schließlich beklagte sie sich darüber, daß er noch nicht eingezogen sei. Sie gebrauchte im Zusammenhang damit die Wendung:»Er steht wohl mit Ihrem Bezirksfeldwebel gut!" Diese Stelle wurde ihr verhängnisvoll und führte zur Anklage. Vor Gericht legte sie die Beweggründe ihres BcrzweiflungSfcknitteS dar. DaS Gericht nahm auf ihren erregten Gemütszustand Rücksicht und verurteilte sie wegen Beleidigung zu 20 M. Geldstrafe. vorsätzliche Berschweigung von Kartoffelvorräte» wurde dem Rittergutsbesitzer Kurt Pottzsch in Klein-Opitz zur Last gelegt. Das'Landgericht F r e i b« r g hat ihn an, Z. Oktober v. I. für schuldig befunden und zu 6 00 M. Geldstrafe verurteilt. Nach der Verordnung des Bundesrats vom 4. April 1016 war er verpflichtet, seine Kartoffelvorräte genau an- zugeben. Am 26. April zeigte er an, er habe einen Vorrat von lÄM Zentnern, von denen 40v Zentner zum Verbrauch in der eigenen Wirtschast bestimmt seien, Hl» Zentner aber als Saatgut für die eigene Bestellung gebraucht würden. In Wirklichkeit hatte er einen Vorrat von 2260 Ztr., hatte also reichlich 700 Ztr. zu wenig angegeben. Daß seine Angabe unrichtig war, hat er in der Hauptverhandlung zugegeben, nur hat er bestritten, wissentlich und vorsätzlich gehandelt zu haben. DaS Gericht hat jedoch auS verschiedenen Umständen ge- folgert, daß er vorsätzlich gehandelt hat, da er ohne große Mühe ausrechnen konnte, wie groß seine Vorräte waren. Tie Revision de« Angeklagten wurde vom Reichsgericht als unbegründet verworfen.__ Mus aller Welt. Gin Parkes Erdbeben hat in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch in den L b r u z z e n stattgefunden, An Avezzano, Ecina und Ljelli, die vom Erdbeben im Januar 1015 am meisten betroffen waren, wurden die Neubauten beschädigt. Eine aufregende Kängeruhjazd spielte sich dieser Tage in Wittenberg ab. Dort war ein vom Grafen V. Milamowitz- Godow der Stadt geschenktes großes Kängeruh aus seinem Käfig entwichen. Die in den aufgeweichten Straßen deutlich fichtbaren Spuren führten nach den Schrebergärten, wo das Tier denn auch entdeckt und von städtischen Parkarbeitern umstellt wurde. Der Stadtsörster Dohms versuchte nun. da? Kängeruh einzufangen. Kaum hatte er sich aber dem Tiere genähert, als er einen so Hefligen Stoß erhielt, daß er zu Boden stürzte. Mehreren Arbeitern gelang es dann aber doch, stck des Tiere» zu bemächtigen. Der Transport des Flüchtling« gestaltete sich sehr schwierig, denn bei jedem Sprunge, den das Kängeruh machre, wurden die Arbeiter zu Boden geriflen. Mit vieler Mühe konnte schließlich das Tier auf -inen Wagen geschoben und so seinem Gewahrsam wieder zugeführt werden.'_ Ter Appetit der Schuljunge«. Daß der schier unersättliche Magen der Schuljungen tatsächlich nicht eine Angewohnheit, sondern etwas physiologisch Begründetes ist, haben unlängst einige amerikanische Aerzte im Wege des Ver- suche» festgestellt, bei dem 355 Knaben eine» amerikanitwen Colleges als Versuchspersonen dienten. ES stellte sich heraus, daß bei ihnen innere chemische Vorgänge 26 Proz. mehr an Stoffen verbrauchen. als bei Erwachsenen. Bei jeder der. drei Mahlzeiten, die in der Anstalt verabfolgt werden, wurden durchschnittlich 1460 Kalorien IWänneeinheite») dem Körper zugeführt. Di« 4SS0 Kalorien, die jedem Schüler täglich geliefert wurden, genügten aber dem Bedarfe nickt. Vielmehr kauften die Schüler täglich noch an Schokoladen und anderen Süßigkeiten soviel, daß sie nock weitere 650 Kalorien brauchten. So verbrauchte jeder rund 5000 Kalorien, also an- nähernd 1 Vz mal s o viel, wie ein Erwachsener. Aber die Gans! Kameraden haben dem Dichter Richard D e h m e I eine WeihnochtSgans gestiftet. Aber nur da« Begleit» schreiben mit der frohen Botschaft, nichr die Gans selbst traf im UrlaubSquartier des Dichters ein. Jetzt haben die Spender von Dehme! folgende Antwort erhalten: Schon lange drückt mich Dankespflicht; aber die GanS, die kam noch nicht. Ich tat meine Pflicht von Herzen gern; aber die Gans, die hält sich fern. Ich möcht' ihr meine Liebe beweisen; ober die Gans, die ist aui Reisen. Ich möcht' sie wirklich fressen vor Liebe; aber die Gans hat andere Triebe. Ich seh' im Bilde mich knien vor ihr; ober die Gans sieht ob von mir. Ich flüsterte zärtlich: Komm doch. Schatz! aber sie rührt sich nicht vom Platz.. So knie ich denn aus Dankbarkeit nieder, ich aller Sünder, und fühle wieder das selige Los des jungen Manns: er blickt voll Sehnsucht nach de: GanS. Eisenbahnunglück bei Ediuburg. Ein vollbesetzter Zug der Linie Cdinburg— Glasgow fuhr in eine aus der Strecke stehende Maschine. Elf Personen wurdsft getötet, dreiundvierzig verletzt. Jugenüveranstaltungen. Vtärtische Spiclvcreiniqunq. Bezirk Kroh-Berlin A.-T.-v. Am Sonntag. 7. Januar, finden solgcnde Sviele statt: Gruppe A. Lichtenberg— Neukölln I, Platz flriedrichsselde. Valderiec. straße 49, Schicdsr. Velten ll. Oberivrec-Jabn— Vilmersdors I, Platz LbeAchöneweide, Köpcnickcr Chaussee. Schiedsr. Luckenwalde. S. Velten l— Luckenwalde V, Plas Velten, Ichiedr. AdlerShos. Moabit— Weitzensce I, Platz Remickendors-Wes!. Augusta-Liltoria-Allee 2l, Schiedsr. Sldlershoi. Luckenwalde IU— Fichte 16, Platz Luckenwalde, JchiedSr. Luckenwalde. 0. Neukölln II— Neuenhagen. Platz Neukölln, Städtischer Sportplatz, Grenzallee. Schiedsr. Luckenwalde. Lsitzensee II— Fichte 7, Platz Beißen- Icc, Falkenberger Straße 152, Schiedsr. Velten II. Wümersdors II— Fichte 13, Platz Wilmersdorf, Hildcgardllr. 14, Schiedsr. Luckenwalde. Montag, 8. Januar, Fußballvenretersstzuug bei Stein, An der Stra- lauer Brücke 3, pünkllich um 8 Uhr. Da wichtige Beschlüsse über die Bett« spielbellimmunaen vorliegen, muß jede Waumchaft, auch die zweite und die Schiedsrichter, unbedingl vertreten sein. Alle Zuschriften sind nur zu richten an Ed. I u r k u n, Berlin 113, Earmm-Syloa-Str. 128. Eingegangene Druckschristen. ist soeben daS 14. Heft vom 1. Band des deS»Wahren Jacob» ist soeben er- Von der„Neuen Zeit» 35. LahrgaugS erschienen. Di« Neujahrsnnmm er schienen. Von der„Gleichheit«, Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterinnen, ist unS soeben Nr. 7 deS S7. Jahrganges zugegangen. KriegS-Jamilienunterftützung mit den Aussübrungsbestimmungen des Reichs und der Bundesstaaten zum Gebrauch der Behörden systematisch dargestellt von Heinrich Schneider. SS S. II. Aufl. 1,80 M.— Selbst- o erlag, Straßburg L ffi., Postschließfach Nr. 91. öriefkasten üe? Reöaktion. rle turtstlsche evrechsnmde sindet tlrr SDomiernen KixfitnK;. 8, IV. rechts, parterre, am Montag d'.S Sccitog von t dts 7 Nor, am Sonnadend von 5 m 8 Uhr statt. Jeder tür den s r I e r l a st e n bestimmten ilnt.ag» tst ein Suchstab« und ein« Lab! als Merlzeichen beizulSzen. Bnefltl* iliMvort wird nicht erteilt, itntrasen, denen keine AbonnementsaulZlliuz öeigctüst ist, werden nicht dcantwvrtcl. Silize grasen trage man rn vor Lvrech'tund« vor. tSerlräge, echrtstftuitc und dciglcichcn bringe mar i» dir eprechttunoe mit. 00. Sie find zur tztbgabe des Schlüssels an den Hauswirt verpsiichtct, sonst könnten Sie bei Nichlvcrmietung der Wohnung für den erenluellcn Schaden haftbar gemacht werden.— Cf. B. 23. I. Sie müssen siw zu- nächst unter Angabc der Personalien mit einer Anfrage über den Verbleib der Eltern an das Einwohner-Meldcamt ihres damaligen Wohnortes Pots- dam wenden und dann evcnt. weitere Nachsorschunzen holten.?. Das Wort scheint nicht richtig wiedergeacbcn zu lein, ist uns h nickt bekannt. .Trimera-' wird eine Sorte Käser benannt. 3. und 4. In beiden Fällen müssen wir Sie an einen Arzt oerweiiev.— Zl. K. 3. DaS Geluch ist an das DivisionSIommando zu richten.— X. Nein. — F. K. Lichtenberg. Gärtncrstr. ZI. Denn Sic dort nicht iui Arbcitsvertragsoerhältms stehen, steht Ihrer Ucbersicdelung nach Berlin natürlich nichts im Wege.— E. B. 40. Mein, ein Anlvruch aus Schadenersatz würde in diesem Falle aussichtslos sein.— C>. 89. Denn der eine Sohn noch aktiv dient und für dw anderen Söhne eine sechs- jäbrige Dienstzeit nachgewiesen werde» kann, bätte der Vater Anspruch auf Auswandsentschädigung. Ist das nicht der Fall, dann könnte er mir Unterstützung jür einen der Söhne beantragen.' der nachweislich vor Ein- ziebung zum Heeresdienst überwiegend zu seinem Unterhalt beigetragen bat.— 21. E. 12. Wenden Sic sich zunächst an den Vorsitzenden der vrotkommission.— 12!. N. Eüie Kapüalabfindung kann bewilligt werden zum Erwerb oder zur wirtschaftlichen Stärkung eigenen Grundbesitzes. Die Absiudung wird nach dem Aller bemessen; da Sie das nicht an- gegeben haben, tonnen wir Ihnen die Summe nicht nennen.—®. 4. Ja. — W. 15. Bix, Leichenverbrennung. Preis 40 Pf. Zu beziehen von der Buchbandlung Vorwärts, Linden ftr. 3.— Nr. 1000. Ja. aber während der Kriegsdauer unterbrochen. Teilnahme erfolgt durch Vorschläge der KreiSorganisationen an den Parteivorstand. Schristlichcr L-brkursuS ist nicht vorgesehen.— 3. 44. Fragen Sic an bei der GrschüslSslelle deS Deutschen Arbeitcr-MandolincnbundeS, Robert Rieger. Berlin 0, Gubener Straße 57.— Steuern 45. 1. Nein. Sie sind jetzt noch zur Zahlung verpflichtet. 2. Ja.— 51. O. 53. Ein höhere? Geholt kann die Be- treffende nicht bcansvruchcn. wohl aber kann sie Leistungen für Personen außerhalb des Hausstandes verweigern.— B. H. 230. Da Sie nicht angeben, um was es sich bandelt, können wir Jbre Frage nicht bcantwortcn. — Wiffenhuseu 20. Auch die staatliche Unterstützung kann verweigert werden, wenn Bedürftigkeit nicht als vorliegend erachtet lviid. CS steht Ihnen noch eine Beschwerde an das Ministerium des Innern zu. die aber in Ihrem Falle erfolglos sein wird. itz. N. 17. DaS Gesuch ist an daS DivisionSIommando zu richten. — R. Steter 40. t. Nur bis Ende November, da die Bundesrats- Verordnung erst mit Wirkung vom t. Dezember in Krast getreten ist. 2. Sie haben Ansdruch auf die Erböhung sur November. 3 Sie mtisscn Ihren Anspruch erst bei der Steuerkafle geltend machen. Wird Ihnen oie Nachzahlung verweigert, müßten Sie Beschwerde beim KrciSauSIchuß de! K reffe« Nicderbarnim. Berlin, Fricdrich-Karl-Uscr S, erheben.— K.®. 34. Diese Bescheinigung nutzt Fbncn nichts. Da Sie erst nach dem Austritt des BaterS aus der LandeSIirche gebore» sind, muß für Sie die Aus. trittSerklärung besonder» erfolgen. Sic sind alio Mitglied der Kirchen- gemeiiischast und müssen die Steuern zahlen.— W. B. 37. Wenn Sie verurteilt sind, müssen Sie auch die Kosten tragen. — Dich. 9. Die Altersrente wird gezahlt, auch wenn' Sie noch in Be- ichäsligung stehen; Sie können den Antrag auf Gcwäbrung der Rente schon jetzt unter Vorlegung der Ausrechnungibescheinigungen und der letzten OuittungSlart« beim LersicherungSamt, Klosterftr. 65/67, einreichen.— SSetterauSiicktcn für daS mittlere Norddeuts-Hland bis Sonnabend mittag. Etwas kälter, zeitweise heiter, jedoch sehr un- beständig mit öster wiederholten Regen- oder Schncefchauern. | Todes-Anzeigen| Deutscher Transportarheller-yertMl Bezirktverwaltung Groß-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Droschken- sührer �uxust Krause am 31. Dezember im Alter von 58 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Zlndenken! Di« Beerdigung findet heute Freitag, den 5. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des JerusalemS-KirchhofeS. Neukölln, Hermannstraße, aus statt. 70/18 via Bezlrkaverwaltun|. Zisch kurzem, schwerem Leiden starb am t. Januar unser innigst- geliebtes Töchtcrchen fit Vers. DieS zeigt tiefbetrübl an MII! Metzner und Frau, Gubener Straße 59. Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 6. Januar, von der Leichenhalle deS Zentral-Frieb- hofcS in Friedrichsfelde aus statt. Arbeiter- Aoiiz-Kalendrr �»9»�»7 Mit dem Porträt de« v». storbenenivenoitevTSiae geschmllSt. reiht sich der dl»«jähr. tkalender seinen Porgängerv würdig an. Der vielseitige Inhalt ist selbstverständlich den Bedürfnissen de? Ar. »eiter und der«riegszeU angepaßt. Äußer einem reichhaltigen ftalsstsschen und«dressen- Material und sanft wlssenswerre« Nortzen verdienen de- sonder« hervvrgehoden zu werden:«apitalad. ftudung an Sten««VN Kriea».Bc,sorguvg.—: Bücher zur«riegefür. j - sorge.— So,tald«mo-Z : trotte nnd Bolt««r»äh.- - rung in der«riegazcit.| :— Wa« tat die deutsche I -«»ziaidewokratie f. den j - Ariedeut— Di««ewert- s - ichafte« i» 2.«rieg«. j Z iahe.— Der au««ihte. Z preis geblluden 60 pf. Kuchhandlmta Borwärt« Lindenstr. 3. 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Konzert des Berliner Konzcrtbaan-Orchcnters Leiter: Komponist Frz.». Blon. Anfang 7'/, Uhr. Eintritt 30 P». Anfang 7% Uhr. An aden Wochentagen; Haclimittagfi-Konzert bei freiem' Eintritt und voller Orchesterbesetzung. Oewerkschaftshlttts. Am Sonntag, den 7. Januar 1017 veranstalten die BureaunngeutelUen einen Kabarett- Abend mit ersten Kräften: Willi Scbilirera, W' alter Ritter. TUTy Halpern, 0c(chmistct Relcluuann u.bic Casanowa-Kapcllc. I« Mahagoni Saal: Herr und Frau pepi Lclieuert die musttalische» KlownS. Sonntag mittag: 500 L. Hühnerbrühe a 60 Pf. in Terrinen nub 100 darin gekochte Hühner. '!4 Huhu 2,50,'/, Huh» 4,50. Ei» ganzes Huhu 8,50 M. 100 z�ettenten. '/, Ente mit Rotkohl 3 M. Eine ganze Ente 10 M. Heute und morgen: Ein sehr billiger Schnellverkauf: Ein großer Posten junge Vratgänse........ von 5,00 ctt. Ein großer Posten HoUäuder Fefthühner.. a Pfund 3,50—1,00. Gau, schwere fett« Ganserümpfe....... da» Psund 7,00 nnd andere Gä«fea»titel zu den billigsten Preisen. 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