( 5 Pfennig) C 5 Pfennig) Ur. 7. nbonnementS'ßcdingungen: CToancmcüiS- PrciL lirLaumerando: Zi�crteljährl. SM M!., tnonaüf. l�SÜ VKf, WoctenHüfi 30 Pkg. frei inZ Hau?. Nnzelns Nummer ö Vq. Ecmuag?» uumuier mit illustriarrer Sonntags- Beilage»Di�Ncue Welt" IV Pfg. PostAbonnement: 1,30 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung?» Preisliste. Unter Krcugbanb iiir Deutichland und Oesterreich- Ungarn 2,ä0 Mark, für da? übrige Ausland 4 Marl vro Monat, Postabonnemems nehmen an Belgien. Tänemarh Holland. Italien. Luxemburg. Portugal viumänicii. Schweden und die Schweiz. Eridjtint ügiich. 34. Jahrg. vie Insertion!-Leviih? kelrllgt für die sechSgeshallene Kolonel- zelle oder deren ili'aum so Pig.. für dolltifche und gewerlschaftliche Verein?» und Ncrsamm'.nungs-Anzcigen 30 Big. „Ntcinc lZnreigcn", das fettgedruckie Werl 20 Big.(zulässig 2 fettgeduickls Worte). lede- wlitere Wort lO Pfg. Stellengesuche und Cchlasslellenan» zeigen da? erste Wort lv Psg,. jedes weitere Wort ö Big. Worte über 10 Buch» ftaben zählen für zwei Worte. Anscraig für die nächste Nummer müjfcit bis 5 Uhr nachmittags in der Exvedition abgegeben werden. Die Exbedilion ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm» Adresse: „Sozialdemokrat Rtrlin". Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutschlands. Reüaktion: SW. SS» Livüenftraße Z. »ernfvrechcr: Amt Morinplast. Str. 151 90—15197. Montag, de« 8. Januar 1917. W- Expeüition: SV. öS, Linüenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 151 90—151 97. vie Küssen in die Ifloldauebene zurilckgdrängt Englische Angriffe bei Attas, russische an der Düuasront gescheitert.— Weiteres Vordringen in den Karpathen.— Vergebliche russische Entlaftungsoffensive am Sereth.— Der Mgr. Odobesti im Sturm genommen. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 7. Ja- juiar 1917. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe.Ärouprin» Rupprecht. Nach mehrstündiger Frucroorbcrcrtuug griffen englische Bataillone südlich vou Areas au. Ter Angriff brach in unserem Artillerie- und Mafchinengewehrfcuer verlustreich zusammen. vugunst der Witlcruug schränkte die Gcfechtstätigkeit bei allen Armeen ein. westlicher Kriegsschauplatz. Arout des G e n rrals e ld m a r s ch a ll s Prinz Leopold von Bayern. Auch gestern erfolgten i« Abschnitt von Mitau starke ' vssischc Angriffe, die verlustreich scheiterten. Tie Zahl»er Gefangene» hat sich auf 1300 rrhSkit. Bei Kisielin lwestlich von Luck) überraschte eine deutsche Patrouille eine Feldwache der Russen und brachte sie gefangen zurück. Ter Berfuch russischer Kouipagnien. südwestlich vou Etauislau einen unserer Posten auszuheben, mißglückte. Front de? Generaloberst Erzherzog Joseph. In den verschneiten Waldkarpathr» kam rs bei strenger Stalte nur zu Patrouillentätigkrit und vereinzelt auslebendem Feuer. Zwischen Ljtoz- und Putuatal sind durch Wegnahme meh- rrrer Stüdpuntte die Russeu und Rumänen weiter gegen die Ebene zurückgedrückt worden. Ltarke Gegenstöße frischer Kräfte konnten uns den gewonnenen Boden nicht nehmen. Heeresgruppe deS GeueralseldmarschallS von Mackensen. Ter Gipsrl des Mgr. Odobesti wurde gestern durch das Müuchener Jnfanterie-Leibrcgiment im Sturm genommen. Zwischen Focsani und Fundeni führte der Russe aus einer Front von 25 Kilometern eine» großen Entlastungsangnss. Rur in Richtung Obilesti gewann er wcuig Raum: an der zähe» Widerstandskraft deutscher Truppen brach an allen an- deren Stelle» der russische Ansturm verlustreich zusammen. Mehrere hundert Gefangene blieben in unserer Hand. Mazedonische Front. Versuche von Engländer», sich nordöstlich des Tojransees in Besitz bulgarischer Bvrposteustellungen zu setzen, schlugen fehl. Ter Erste Generalquartirrmristcr. Ludendorss. flbenübericht. Berlin, 7. Januar, abends. Amtlich. lW. T. B.) An der Westfront im allgemeinen ruhiger Tag. An der Ostfront fanden auch heute südwestlich Riga Kämpfe statt. Der österreichische Stricht. Wien, 7. Januar.(W. T. B.) Amtlich wird berlautbart; westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generals oldmarschalls v. Mackensen. Südöstlich von Focsani versuchten gester« die Russen aus 20 Kilometer Frvntbreite eine» groß angelegten Entlastungsstoß. Es gelang itzntn nur nu einer Stelle nördlich von Obilec, efwoo Raum zu gewinnen: doch wurde auch hier der feindliche Angriff bald aufgefangen. Außer schweren blutigen Opfern büßte der Gegner noch mehrere hundert Gefangene ein. Nordwestlich vou Focsani erstürmte daS Münchener Jnfantqtir-Leibregiment den Gipfel des Mgr. Odobcsei. Heercöiront des Generaloberst Erzherzog Joseph. Tee Südflügel der von General Gerok befehligten öfter- reichisch-ungarischen und deutschen Truppen gewann unter Kämpse« über Eolacu an der Putna und gegen Eampuril an der Susita Raum. Die österreichisch-ungarischen und deutschen Bataillone des Generalmajors Goldbach schlugen beiderseits der Ojtoz-Straße insgesamt 9 russische Angriffe unter schweren Feindverlusten zurück. In den Waldkarpathen schränkten Schnee- fall und Frost dir Kampstätigkeit ein. Hreresfront des Gcneralseldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Bei Solotwina wurde ei« Uebrrsallversuch zweier russischer Kompagnien ans unsere Sicherungsgruppen durch rasch herbei- eilende Reserve vereitelt. Sonst bei den k. und k. Streitkrästeu nichts von Belang. Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Unverändert. Der Stellvertreter des EhefS des Geuerolstabes. v. H o e s e r, Feldmarschalleutnant. Die Heute m üer Dobruüscha. Sofia, K. Januar. Der Genrralstabsdericht dum 6. Januar meldet: Vom 14. Dezember bis beute wurden in der Tobrudscha 37 Offiziere und etwa klM Mann ge» fangen genommen, 1k Geschütze, 3ö Maschinengewehre und anderes Kriegsmaterial erbeutet. Türkische Erfolge bei �amaöan. Konstautinopel, k. Januar. Amtlicher B c r ich t. Jrakfront. Feueraustausch der Infanterie und Ar- tillerie. Persi'sche Front. Eine aus drei Kavallerie- eskadrons mit zwei Geschützen bestehende feindliche Streit- macht griff am 4. Januar unsere Vorposten östlich von Ha- madan an. Der Angriff wurde abgeschlagen. Am gleichen Tage machten Zwei Kavallcrieregintentcr einen Angriff auf unsere Truppen, die in der Umgebung von Bidjar lagerten. Ter Kampf dauerte den ganzen Tag an. Gegen Abend trafen unsere Verstärkungen ein und machten einen Angriff auf den linken feindlichen Flügel, wodurch der Kampf zu unseren Gunsten beendet wurde. Am folgenden Tage erneuerten unsere Truppen ihre Gegenangriffe und warfen den Feind zurück, der in die Flucht g e sch l o- gen wurde. Die Verluste des Feindes sind beträchtlich, während die unseren unbedeutend sind. An den anderen Fronten hat sich nichts von Bedeutung ereignet. Ter Stellvertretende Oberbefehlshaber. Griechenlanös Seörängnis. „Wahnsinnstaten." Amsterdam, 6. Januar. Der„Morning Post" wird aus Athen vom Mittwoch gemeldet, die griechische Re- gierungs plane offenbar die eine oder andere ,.W a h n- sinnstat": dieses könne man aus verschiedenen Anzeichen entnehmen, namentlich daraus, daß die Reservisten heimlich zum Dienst eingefordert und in Kennt» ms gesetzt würden, daß sie sich bereithalten müssen, binnen einer Stunde nach Empfang der Verständigung sich bei ibrer Truppe zu melden. Der Korrespondent der..Morning Post" ersäbrt serner. daß umfassende nt i I i t ä r i s ch e M a ß° regeln, namentlich mit Bezug aus die Artillerie, die Lebensmittolvorräte und die Munition getrossen werden. Aach Wahnsinn sieht das keineswegs aus. Höchstens für den Geisteszustand der Entente bedrückcr ist der Ausdruck charaktc- ristisch. Budapest, 7. Januar. Nach Meldungen, die aus Athen nach Sofia gelangten, ist dort die Erregung und Unzufrieden- heit nlit der Entente im Wachsen begriffen. Tie Kund- gedungen sind wieder an der Tagesordnung. Die griechische Regierung ist wohl geneigt.> der Entente Konzessionen zu inacheii. organisiert jedoch gleichzeitig die Armee.(Frkf. Ztg.) tzollanü schließt sich üer Irieüensaktion nicht an. »Haag, 6. Januar. Ter Minister des A e u ß e r n hat auf eine Anfrage eines Mitgliedes der Zweiten Kammer geantwortet, daß die niederländische Regierung keine Schritte zur Förderung des Friedens unter- nehmen werde, da sie davon überzeugt fei, daß derartige Schritte ihrerseits unter den gegenwärtigen Umständen dem beabsichtigten Ziel nicht nützlich sein würden. Wilson unö öie Zrieöens- beöingungen. Jene Leute, die das deuttchc Friedensangebot als eine �schiefe Bahn bezeichneten und feine Ablehnung für das > größte Glück erklärten, haben jetzt nur noch eine Sorge, daß 'nämlich die Friedensaktton des Präsidenten Wilson in Fluß geraten könnte. Dieselben Leute, die am Sonnabend bei, der Begrüßung des amerikanischen Botschafters zufälligerweise nicht zugegen waren, haben in ihrer Presse großen Lärm über eine Bndapester Neujahrsrede des Grafen Andrassy geschlagen, in der gesagt worden sein soll: wenn die Gegner die Friedensbedingungen der Mittelmächte zu erfahren wünschten, so könnten sie sich über sie bei Wilson Auskunft holen, dem sie mitgeteilt werden würden. Ein solcher Lärm ruft dann gewöhnlich, wenn nicht allzu schwere politische' Bedenken dagegen walten, die offiziösen Beschwtch» tigungshofräte an die Arbeit, die sich nun auch diesmal unter der Ueberschrift„Die wirkliche Sachlage" in der„Nord- deutschen Allgemeinen Zeitung" folgenderntaßen vernehmen lassen: AuS einer Aeußerung des Grafen A n d r a s s h. deren Wortlaut uns nicht vorliegt, wird in der Presse mehrfach geschlchsen, daß die deutschen F r i e d e n s h e d i n g u n g e n dem Prä- sidenten Wilson bekanntgegeben ivorden seien. Tie „Kölnische Volkszeitung", gibt dazu eine Meldung wieder, nach der die Mitteilung unserer Friedensbedingungen an den Präsidenten tatsächlich erfolgt sei. Das Blatt ist falsch unter richtet. Die wirkliche Sachlage ergibt sich aus unserer Antwort- uote aus die amerikanische Anregung. Also, die Friedensbedingungen sind Wilson bisher nicht mitgeteilt worden. Sollen sie ihm noch bekanntgegeben werden? Auf diese Frage erfolgt die etwas dunkle Antwort' „Die wirkliche Sachlage ergibt sich aus unserer Antwortnote aus die ainerikanische Anregung." Man muß also auf die Note Wilsons vom 21. Dezember und die deutsche Antlvortitote voin 27. Dezember zurückgreifen. In seiner Note vom 21. Dezember hatte der Präsident der Vereinigten Staaten ausgeführt, es möge„lnrldigst Gelegenheit genommen werden, von allen jetzt kriegführenden Staaken ibr>s Ansichten über die Bedingungen zu erfahren, unter denen der Krieg zttnt Abschluß gebracht wenden könnte und über die Vorkehrungen, die gegen die Wiederholung der Kriege.. in der Zukunft zufrieden stellende Bürgschaften leisten könnten, so daß sich die Möglichkeit ergäbe, sie offen zu vergleiche»". Daraus antwortete die deutsche Regierung am 26. De- zember, sie habe die hochherzige Änregtntg in dem freundschaftlichen Geiste aufgenommen, der in der Mitteilung selbst zum Ausdruck komme. Sie halte einen unmittelbaren Gedankenaustausch zwischen den kriegführenden Staaten für den geeignetsten Weg, um zu dem gewünschten Ergebnis zu gelangen. Dieser unmittelbare Gedankenaustausch ist mittler- weile bon den Gegnern abgelehnt worden. Für die gegenwärtige Situation ergibt sich also aus der deutschen Note vom 27. Dezember nichts. Weder ergibt sich daraus, daß nunmehr die Mitteilung der Friedensbedingungen an Wilson erfolgen, noch, daß dies nicht geschehen solle. Für das Verhalten der deutschen Regierung sind offen- bar diplomatische Erwägungen maßgebend. Sie will den Anschein vermeiden, als ob sie dem Frieden nachlaufen und durch die Vernnttelung Wilsons erbitten wollte� sie wird darum dem Präsidenten Wilson ihre Bedin- gungen nicht mitteilen, wenn er sie nicht danach fragt. Wenn er sie aber fragt— was dann? Da nun die offiziöse Mitteilung darüber keine Antwort gibt, können wir an ihre Stelle nur unseren Wunsch setzen. Und der ist, daß sich die Regierungen der Mittelmächte den Friedensversuchen Wilsons nicht unzugänglich zeigest möchten. Die Aktion Wilsons hat nur dann Aussicht ans Erfolg, weint man ihr keine Hindernisse in den Weg legt. Solche .Hindernisse unüberwindlicher Art würden aber an einem verstockten Schweigen beider Parteien über ihre Friedens- bedingungen heranwachsen. Allerdings gilt genau dasselbe wir für die Mittelmächte auch für ihre Gegner: auch sie dür- fcn sich dem Präsidenten Wilson gegenüber nicht zugeknöpft verhalten. Um ein fertig ausgearbeitetes Fnedensprograntm wird es� sich dabei aus keiner Seite handeln können, dieses wird erst durch die Friedensverhandlungen selbst in feste Formen gegasten werden. We in diesem Krieg alles ins Ungemessene gewachsen ist, so wird auch das künftige Friedensprotokell, in dem unzählM©inselfragen zu erledigen find, einen Lexikonband ausfüllen. Es kann sich also bei der Mit- teilung der Friedensbedingungen an den Präsidenten Wilson nicht um die plötzliche Ausschüttung eines unendlichen Para- graphcnwustes. sondern nur um ein fortgesetztes Frage- und Antwortspiel handeln, bei dem auch manche Frage gestellt werden mag. auf die es eine endgültige Antwort überhaupt noch nicht gibt. Man kann es vielleicht als eine Frage der diplomatischen Technik betrachten, inwieweit' dabei von den Befragten eine gewisse Reserve beobachtet und ihr eigenes Verhalten von dem der Gegner abhängig gemacht werden kann. Aber eine grundsätzliche Ablehnung jeder Ant° wort an Wilson kann aus keinen Fall in Be- f rächt kommen. Durch eine solche Ablehnung würden üch die Mittelmächte in direkten Gegensatz zu ihrem Friedens- angebet vom 12. Dezember begeben wie zur deutschen Note uom 27. Dezember, in der gesagt wird, daß die deutsche Re- gierung die„hochherzige Anregung" Wilsons in sreundschast- licher Gesinnung ausgenommen hat. Daß diese freundschaftliche Gesinnung keine bloße Redensart ist, zeigt der Empfang des amerikanischen Bot- ichasters, Herrn Gerard, am vorigen Sonnabend, bei dem in später Stunde auch nach der Staatssekretär des Auswärtigen. Herr Zimmermann, erschien, um das Vorhandensein freundschaftlicher und vertrauen s- o o I l e r Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika zu bestätigen. Vertrauensvolle Beziehungen kann man aber nicht dadurch sestigeu, daß mau ein faktisches Mißtrauen be- tätigt: hochherzige Anregungen kann man nicht entip reckend würdigen, indem man sie ignoriert: freundschaftliche Gefühle kann man nicht zum Ausdruck bringen, indem man aus Fragen, die im Interesse der Wiederherstellung des Friedens gestellt werden, grundsätzlich die Antwort verweigert. Darum hegen wir die feste Zuversicht, daß die Bemühun- gen Wilsons zur Wiederherstellung des Friedens von deut- scher Seite jede Förderung erhalten werden, die mit der Ab- ficht, einen Frieden der Verständigung auch wirklich SU erreichen, vereinbar ist. Es wird vielleicht nicht alles so schnell gehen, wie wir wünschen würden, aber es m u ß gehen, und die stärksten Hindernisse werden sicher nicht auf der Seite der Mittelmächte, sondern vielmehr aus der ihrer Gegner zu überwinden sein. Ein Erfolg der amerikanischen Friedensbestrebungen ist um so eher zu erwarten, wenn auch die Gegner sich bereit- zeigen* sich mit Wilson in eine Unterhaltung über ihre kon° treten Iriedensziele einzulassen. Die französischen Sozialisten fordern seit langem die V e r ö s f e n t l i ch u n g der Kriegsziele der Entente. Sie könnten, ohne diese grundsätzliche Forderung auszugeben, der Sache des Friedens einen wesentlichen Dienst erweisen, wenn sie auch die Enteuteregierungen dazu veranlassen könnten, wenigstens mit Wilsom über ihr Friedensprograiuiu zu verhandeln. Tann wäre für die Regierungen der Mittelmächte auch der letzte Grund oder Schein von Grund, sich anders zu verhalten, fortgefallen. Die Antwort der Entente auf die Friedensnote Wilsons ist noch nicht erfolgt, sie dürste aber in diesem Augenblick schon abgeschlossen vorliegen. Man darf gespannt sei.n, ob sich in ihr eine Spur srcmzösisch-sozialistischan Einflusses zeigen wird. Wer die Veröffentlichung der Friedensbedin- aungen wünscht, kann selbstverständlich auch nichts dagegen baben. daß sie einer neutralen Mach� unter der Hand mit- geteilt werden. Tie deutsche Regierung hat sich in dieser Beziehung noch nickt festgelegt, aber eine Festlegung in negativem Sinne ist nach dem vorher Ausgesührten so gut wie undenkbar. Eine solche Festlegung hätte auch gar keinen Sinn, es muß ja einmal der Tag kommen, an dem sie wieder ausgegeben wird. Nachdem daS Angebot eines direkten Meinungsaustausches abgelehnt worden ist. bleibt als einziger Weg. der zum Frieden führt, die V e r m i t t e l u n g. Man könnte es be- greisen, wenn sich die deutsche Regierung nach ihm nicht drängte. Man könnte es nicht begreifen, wenn sie sich vor ihm drückte! Ein Tag in Bukarest. Di« Sieger als Befreier. von u n s e r c m V e r i ch t e r st n t t e r Hugo Schulz. Bukarest, 12. Dezember. Zu Bukarest sieht es nicht aus wie in einer Stadt, der der Feind auf den Nacken sitzt, sondern wie in einer Stadt, die will- lommene Gäste beherbergt und aus irgendeinem festlichen Anlasse der Schauplatz lebhaftesten Fremdenverkehrs geworden ist. Min ist einfach entzückt von den Eroberern/ und das ganze Verhalten der Bularester Bevölkerung macht es offenkundig, daß Rumänien auch irndcrS hätte können. Kaufleute und Gastwirte machen die glän- zendsten Bcschäftr, die Soldaten— überwiegend deutsche, aber auch , ahlreiche Oesterreicher und Ungarn— drängen sich in den Läden und machen mit wahrer Leidenschaft Einkäufe, ohne zu feilschen. Für das Vergnügen, in einer großen eleganten Stadt ein paar Stunden herumbummeln zu dürfen, lassen sie sich sogar ganz gerne ein bißchen„würzen". Die Bayern, denen man doch sonst saftige Grobheit nachsagt, gelten hier als fabelhaft feine Leute— feiner sogar, als man sich die Franzosen vorstellt— und man ist davon nicht einmal überrascht, denn an die Mciischenfr>.ssermärchcn, die der..Adeverul" den Entcnteblättern nacherzählte, hat in Rumänien niemand geglaubt. Man hielt sie für fromme Lügen und nichts '.oeiter. Der Krieg war ja für Rumänieu bloß eine Sache nüch- terner SPekulation, denn die Triebkräfte der Leidenschaft fehlten. Tie Spekulation war verfehlt, nun kann man— so meint ganz Bukarest— ruhig wieder zu den alten freundschaftlichen Beziehun- gen zurückkehren, deren Dokumente nun aus allen Kellern, in die sie zeitweilig verschwanden, wieder hervorgeholt werden. Ich habe in den Schaufenstern der Wiener und Budapester Buchläden lange nicht soviel deutsche Kriegsliteratur ausgehängt gesehen, wie in denen der Bukarester Buchhandlungen. Durch die Gassen rasen mit wildem Geschrei kleine rumänische Jungen, die Ansichtskarten mit dem Bilde Mackensens feilbieten. Alles will übrigens Mackensen sehep, und man möchte fast glauben, daß er ein rumänischer Volksheld ist. Es soll in Cariova genau so zugegangen sein. Das gibt mir die Gewähr, daß dieser Wandel der rumänischen Volksstimmung ein innerlicher Prozeß ist, denn Carivba gilt als«cht rumänische Stadt. während Bukarest das Gepräge einer Kolonialstadt hat, deren Be- völlerung nur locker im nationalen Boden wurzelt. Ein östliches Chicago. Trotz den 50 000 Bewohnern von Bukarest, die in die Znterniertenlager abgeführt wurden, ist noch ein starkes Drittel Die feinölichen Heeresberichte. Russischer Heeresbericht vom 5. Januar. Westfront: Am Abend des 3. Januar bemächtigte» sich die Deutschen nach heftiger Ariillerievorbe- reitung einer Insel in der westlichen Düna, östlich des Dorfes Glaudan, nördlich von Dvinsk. Im Lause der Nackt vom 3. zum 1. machten die Deutschen in dichten Massen einen Angriff von dieser Insel auf unser Flußufer, wurden aber durch Feuer ver- trieben. Der Feind machte, ungefähr eine Kompagnie stark, ohne zu schießen, einen Angrist aus einen Abschnitt unserer Stellung beim Dorfe Batkur. 30 Werkt südlich von Brody, wurde aber durch unser Feuer angebalten. Versuche des Feindes, aus unser Fluß- user östlich von Brzezany in der Gegend van Chlveline überzugehen, wurden durch unser Feuer angehalten. Nordlich von Zolotvina griffen unsere Aufklärer eine starke Abteilung feindlicher Aufklärer an. Im Verlause eines Bajonettscharmützels wurden viele Oester- reicher niedergemacht. Ein Teil floh, der Rest wurde gefangen ge» nommen. Rumänische Front: Feindliche Kolonnen, die auf unsere Gräben in der Gegend von Kolumba im TutroSztal vorgingen, wurden durch Feuer zerstreut. Nach starker Artillerievorbereitung griffen beträchtliche feindliche Kräfte fünfmal die Hohen südlich des TschabonioschtaleS an. Die Angrisie wurden abgeschlagen. Drei Angrisse des Feindes auf einen Abschnitt unserer �Stellungen oörd, lich des Vitosslusses wurden abgeschlagen. Der Feind trieb u n- sere vorgeschobenen Abteilungen östlich von Popestschi, nördlich des Zusammenflusses der Flüsse Zabala und Putna zu- rück; ebenso in der Gegend von Mervuja, 2 Werst südlich des Zu- sammenflusses der genannten Flüsse. In der Gegend von Ketreria, 12 Werst südöstlich von Naruja, trieb der Feind die Ru- mänen ein wonig zurück. Vier feindliche Angriffe in der Gegend von Kapatunu, 14 Werst nordwestlich von Focsani, wurden van den Rumänen abgeschlagen. Der Feind griff in Stärke von etwa 3 Divinone», unterstützt von 30 Batterie», unsere Abtrilungeu südlich der Mündung des Bugen an und trieb sie zurück. In der Dobrudscha unternahm der Gegner erbitterte An- griffe in der Gegend von Vacareni, 15 Werst östlich von Brasikosf. Während des ganzen Tages kämpften unsere Abteilungen hart- näckig mit überlegene» Kräfte» des Feindes und fügten ihm groß« Verluste zu. Aber gegen Abend wurden sie gezwungen, den Rück- zug auf das andere Ufer der Dana» anzutreten. Kaukasus und persische Front: Von Sultanabad aus ging in der Nacht zum 30, Dezember eine Abteilung berittener Freiwilliger in Richtung aus Burudschird vor. Am 30. Dezember nahm sie nach Kampf das Dorf Agna, schlug Kavallerie und Gendarmen im Paß von Tulia, durchbrach am 31. Dezember bei Verfolgung dcS Feindes seine ausgebaute Linie bei Gurab und besetzte gegen 8 Uhr abends Tovletabad. Ter aus Tovletabad geworfene Feind leistete auf den Höhen an der Straße von Dovle- tabad nach Amirabad Widerstand, wurde aber aus diesen Stellungen geworfen und wurde durch fortgesetzte, energische Verfolgung gegen Kokitbad zurückgetrieben._ Zur Begrüßung Gerarös. Berlin, 7. Januar. Bei dem gestrigen Essen der amerikani- scheu Handelskammer zu Ehren des Botschafters Gerard hielt der Präsident der Handelskammer, I. Wolf, die Begrüßnngsaniprache an die Gäste. Er rühmte zunächst das gute Verhältnis, in dem sich die Handelskammer zum Botschafter Gerard befinde. Niemand könne bezweifeln, daß Herr Gerard seinen Ehrgeiz, der amerikanischste Botschafter zu sein, der jemals in dieser Hauptstadt weilt«, erfüllt sehen werde. Wie wenig Grund die Gerüchte hatten, daß der Botschafter aus Amerika nicht mehr zurückkommen werde, daS zeige die Zusammensetzung der Festtafel. Die Befürchtungen vieler, daß zwischen Deutschen und Amerikanern das Tischtuch zerschnitte« sei. seien durch den Abend widerlegt. So wie die Bürger der alten und der neuen Welt friedlich an einem Tische Platz finden, so biete auch �aS Erdenrund Raum genug für f r i e d- licheS Nsbenein anderleben und für frsundschaftliche Gemeinschaft aller Kulturvölker, wenn keiner dem anderen Luft, Licht und Lebensfreiheit mißgönnt. Staatssekretär Dr. Helfferich dankte hierauf in der bereits gemeldeten Rede. Herrenhausmitglied von Gw inner. Direktor der Deutschen Bank, hielt eine humorvolle Ansprache über die Entwertung der deutschen Valuta. Er beleuchtete die Frage durch einige eigene Er- fahrnngen,_ Henüerson gegen den Status quo. Amsterdam, den 7. Januar.(T. H.) Nach Meldungen aus Lon- don hat der dem Kriegsrat angehörende Arbeiterminister Henderson der Zurückgebliebenen nicht rumänischer Herkunft. Neben den Juden gibt es da noch außerordentlich viele Deutsche, Oesterreicher und Ungarn, die auf freiem Fuße blieben, weil man sich begnügte, einige ihrer Angehörigen zu internieren oder weil sie gute Be- Ziehungen hatten oder weil die Dauer ihres Aufenthaltes und ihre Familienzusamm�nhänge ein neutrales Verhalten zu verbürgen schienen. Solchen Fremden, deren Söhne in der rumänischen Armee dienen, blieb bis auf einige Ausnahmefälle das Schicksal der Jnter- nierten erspart; meist wurden auch jene verschont, die seit Jahr- zehnten als Geschäftsleute ansässig und offenkundig mit allen ihren Interessen an das Land geknüpft find, mitunter aber auch eben erst Zugewanderte. Männer, die unentbehrlich schienen, um wichtige Unternehmungen im Betriebe zu erhalten. DaS Jnternierten-Lager befand sich im Osten von Bukarest gar nicht weit entfernt von der Stadt in der Umgebung des Ortes I a l o n i tz a. Die Internierten sind bis auf die nicht gar wenigen, die durkch Bestechung ihre Fesseln rechtzeitig lockerten und, als dann die Panik entstand, nach Bukarest durchgehen konnten, jetzt nach Rußland gebracht worden. In Jalonitza ging es ihnen nicht gut. Di« ganz Wohlhabenden, denen Delbstverpflegung ge- �stattet war. konnten sich um teures Geld leidlich einrichten, die an- deren aber hatten schmale, völlig fleischlose Kost und schlechte Unterkünfte. Es wurden auch viele rumänische Juden, die bei deutschen Firmen in Stellung getvese» waren, interniert, obgleich sie aus altansässigen Familien stammten und Angehörige in der Armee hatten. Mit großer Tatkraft und unermüdlichevi Eiser hat sich der holländische Gesandte Jonckheer van Vredenburg be- müht, das Los der Internierten zu verbessern— wie es heißt, auch mit Erfolg. Schlimmer uoch als den Internierte» erging es den überaus zahlreichen Personen, die unter unbestimmtem Verdacht, dem Feinde Dienste zu leisten, in Untersuchungshaft gebracht wurden, und zwar in die Gckfängnffe von Bacaresti und Tominesti bei Bukarest. Unter ihnen befanden sich überaus viele Frauen, die alle in Tominesti untergebracht wurden, bis auf die Prostituierten, die man nach Bacaresti überführte. Bielleicht aus anerlemtenStverter Rücksicht auf die andern Frauen, denen man solche Gesellschaft nicht zumuteck wollte, vielleicht aber bloß deshalb, weil diese abenteuernden Mäd- che» in höherem Maße verdächtig schienen. Es wurden übrigen? sehr viele junge Leute beiderlei Geschlechts aus dürftige Beschul- digungen hin zu mehrjährigen Kerkerstrafen verurteilt. All« diese Verurteilten, sowie überhaupt alle Personen, die sich in Bacaresti und Tominesti in Haft befanden, hat das Erscheinen der Sieger mit«wem Schlage aus ihren Kcrkergellcn befreit. Auch 5 Mit« in einer Unterredung mit einem Ksrrespondenien der„New?>orl Tri- bune" erklärt: Der Militarismus oder wenigstens dessen Ursache sei darin zu suchen, daß die Armee nicht die Stellung einnehme, welche ihr zukommt. Nach seiner Meinung müsse entweder der deutsche Militarismus unter strenge Kontrolle der Regierung gestellt oder sein Einfluß so geschwächt werden, daß er nicht mehr länger eine Gefahr bildet. Der preußische Militarismus sei, so erklärte Henderson weiter. ein organisiertes Mittel, um durch ungesetzliche Antvcndimg einer demoralisierten Militärmacht die Weltherrschaft zu erobern. Wer daran zweifle, der solle einmal lesen, was in Teutschland im Jahre 1914 über das Kriegsziel geschrieben worden sei und mit dem ver- gleichen, waö heute darüber gesagt werde. Man höre jetzt nicht mehr, daß Deutschland nach einem Platz an der Sonne strebe, wie es in den Zeiten der Kriegserklärung behauptet habe. Es sei denn, daß eine radikale Umkehr in den deutschen Charakter komme; dann müßten wir nicht nur alles tun was nötig ist, damit Deutschland die Fehler seiner Politik einsehe, sondern wir müßten auch dafür sorgen, daß diese Politik, soweit sie bestehen bleibt, in der Zukunft keine Gefahr mehr bilden kann. Angenommen, der Friede würde auf der Basis des Statu« guo ante geschlossen werden, dann, so fuhr Henderson fort, vergessen Sie nicht, daß Deutschland, obfchon es ihm nicht ge- lungen ist, seine Feinde zu besiegen, es doch das große Uebergewicht über seine Bundesgenossen gewonnen hat. Teutschland hat Oester- reich, die Türkei und Bulgarien ganz seinem Willen unterworfen, und ein mitteleuropäischer Staat ist eine politische Wirklichkeit ge- worden. Es ist deshalb unmöglich, zu dem Zustande, welcher vor dem Kriege zwischen Deutschland und seinen heutigen Bundesgenosse» bestanden hat, zurückzukehren. Schon deshalb können wir den Status quo ante nicht annehmen. Wir können nicht dulden, daß durch eine so starke Macht wie Deutschland Oestmeich-Ungarn, die Türkei und Bulgarien unter deutsche Kontrolle gestellt werden. Und wer kontrolliert alsdann den Ententc-MilitariSmuS? Erfolg üer fünften ungarischen Kriegsanleihe Budapest, 7. Januar. Am Montag werden die Zeich- nungen auf die fünfte Kriegsanleihe geschlossen. Nach bis- her vorliegenden Berichten ist das Ergebnis nicht hinter dem der vierten Anleihe von etwa 2 Milliarden zurückgeblieben. (Frankfurter Zeitung.)_ Der Seekrieg. Bersentt. London, 6. Januar. Llovds meldet: Der Dampfer „Alden"(432 Brutto-Register-Tonnens aus Bergen ist am 2. Ja- iruar durch Geschützfener eines deutschen Unterseebootes versenkt worden. Die Mannschaft ist von dem dänischen Dampfer„Charkow" heute gelandet worden. Wie„Petit Journal" aus Lissabon meldet, wurden die franzö- fische Goelette„Notre Dame du Berger" und die Bark„Cavri- cieuse" versenkt. Aus Nantes meldet das Blatt die Versenkung des Dampfers„Omnium", aus Brest die Versenkung der englischen Dampfer..Holtland" und..Carlyle". Die Besatzungen sind ge- rettet.„Petit Parisien" berichtet aus Vigo. der norwegische Dampfer„Thyra" mit einer Kohlenladung wurde von spanischen Fischern verlassen aufgefunden.„Petit Parisien" meldet aus St. Mab: Die Goelette„Miß Mond" ist versenkt worden. Die Besatzung wurde durch einen griechischen Dampfer gerettet, der spater aber gleichfalls versenkt wurde. Dänemark sichert sich seine Handelsflotte. Kopenhagen, 6. Januar. Die Vercharterung dänischer Schifte auf Zeit an fremde Regierungen. Bürger und Firmen wird durch Verfügung des Mi- nister» de» Innern von der jedesmaligen Erlaubnis des Handels- Ministeriums abhängig gemacht. Kleine Kriegsnachrichten. Di« Zrvilverwaltung in Rumänien. Der Dudapester„Dnedrik" berichtet, die Städte Bukarest, Kalarasi und Olinitza wurden buk- garischen Postdirektionen zugeteilt. Andere bulgarische Blätter melden, daß infolge eines Beschlusses des Ministerrates am 1. Jairuar in der Dckbrudseha überall bulgarische Schulen wieder eröffnet wurden; die Unterrichtssprache ist natürlich die bulgarische. Englischer Luftangriff auf bulgarisches Gebiet. London, 6. Ja- nuar. Amtlich. Sin englisches Flugzenggeschwader griff am 4. Ja- nuar die Eiscnbahnbrücke über die Maritza bei Kuleli Burgas an, Wie gemeldet wird, ist ein Bogen der Brücke gänzlich zerstört worden, Kupferverkaufverbot in England. Der englische Mumtions- minister hat verordnet; daß in England Kupfer nur noch für Munftionszwecke verkauft werden pars._ gflieder des C e r c u l Social de mokratzi. Rakovsky befindet sich nicht darunter, er ist in der Moldau interniert. Seinc Frau lebt in Bukarest. Tie Partei zählte in dieser Stadt vor dem Kriege 2500 eingeschriebene Mitglieder. Nach Kriegsausbruch wurde das Arbeiterheim, das sich in einem Privathause befindet, samt den Klubzimmern mit der Bibliothek von der Behörde ge- sperrt und derstegelt, die Tätigkeit des„Cercul" eingestellt. Ein als Landsturmmann zu Lokaldiensten eingerückter Genosse veranstaltete im Berein mit dem Führer der Jugendlichen Valeriu Marcu und mit der Aerztin Frau Dr. Argori. der Tochter eines russischen Re- voluftonärs, in der Strada Circuluiu gelegentlich kleine Zusammen. künste der Parteimitglieder. In den nächsten Tagen wird das Arbeiterheim wieder eröffnet werden. Ein Vater See Steaographle. Am 8. Januar jährt sich zum 50. Male der TodeStaa Stolze», de? Begründers der nach ihm genannten Stenographie. Stolze, ein Berliner Kind, und von Beruf Bersick-erungSbeamter, wandte bereits in feinen Jugendjahren fein HauptarbeitSmteresie dem Ausbau eines zweckmäßigen Kurzschristsystetr.S zu. Als im Jahre 1335 die Gabels- bergerfch« Anleitung zur Redezeichenkunst erschien, entschloß er sich, seine sichere Anstellung aufzugeben, um sich ganz dem zu widmen, waS er alö feine Lebensaufgabe anzusehen gelernt hatte: der Fest- legung einer idealen, allen Forderungen genügenden deutschen Srenograpbie. In seinen Ansprüchen an ein derartiges System ging er noch über Gabelsberger hinaus, der in feiner Kurzschrift hauptsächlich ei» Mittel zun, schnellen Nachschreiben geben wollte; Stolze wollte mit seiner Stenographie eine weitgehende Erleichte- rung bei jeder umfangreichen SSreibtätigkeit gewäbrlaisten und legte daher großes Gewicht auf Geläofigkeft, Zuverlässigkeit und leichte Lesbarkeit.„Die vollständige Bezeichnung oller Laute, jedeS einzelnen Wortes.' so äußerte er sich selbst,„muß vorhanden sein. jeder Laut muß durch einen Buchstaben, seder feblende Laut durch eine Regel vertreten sein." Mit unermüdlichem Fleiß,«cht deutscher Gründlichkeit und bewundernswerter Selbstkritik strebte er seinem Ziele nach. Nachdem er bis 1838 noch kaufmännisch tätig gewesen war, widmete er sich don da ab vollständig der Aukarbeilung seiner Kurz« schrist. deren Regell, er in dem 1841 erschienenen„Theoretisch- praktischen Lehrbuch der deutschen Stenographie' niederlegte. Bald eroberte sich da« neue System weite Kreise und im Jahre 1844 wurde zu Berlin der erste Stenogrophenverein deö Festlandes ge-- gründet. Wenn jetzt auch, hauptsächlich durch die Ausgestaltung deS Systems Stolze-Schrey, die altstolzesche Stenographie, wie sie genannt wird, mehr mrd mehr aus Schreibstuben und Hörsälen ver- schwindet, so sollte doch nicht vergessen werden, was die deutsche Stenographie dem Meister Stolze verdankt, der ihr neben Gabels« birger die erste fest« Grundlage gegeben hat. ESriutg ei»eZ ersolgreiche» tt-L»»tsü§rerS. Sonderburg, 7. Januar. Tie städtischen Kollegien haben einstimmig beschlossen. dem Kapitänleutnant Max Valentiner. Kommandanten eines Unterseebootes, Sohn des Kirchenpropstes Valentiner in Sonder- bürg, das Ehrenbiirgerrecht der Stadt zu verleihen. Tic bulgarische Sobranje hat sich bis zum 12. Februar vertagt. Im Luftkampf fiel der französische Hauptmann Robert de VeauchampS, der seinerzeit die Angriffsflügc nach Essen und München unternahm. Er stürzte tödlich verwundet auf das Fort Touaumont nieder. Ter.,L.-A." meint, mit der Wiederholung von Flügen, wie Beauchamps sie nach Teutschland hinein unternahm, werde man, obwohl diese gänzlich erfolglos gewesen seien, rechnen müssen. Ei« cnglifcher Hilssdienstmwistrr. Nach dem„Tailh Ehra- nicle" werden die Behörden den Hilfsdienst zu einem regelrechten Ministerium ausbilden, deffen Haupt Lord Cowdray es im Ober- hause und Major Harrd im Unlerhausc vertreten werden. Der Admiralität wird wahrscheinlich ein Luftlord(Iir-Lord) zu- geführt werden, dem die Leitung des Marineflugwesens ob- liegen soll.„Köln. Ztg." Steigerung des englischen Außenhandels. London, K. Jannar. lMelduirg des Reutcrschen Bureaus.) Die Einfuhr im Jahre 191ti betrug 949132 679 Pfund Sterling, was eine Steigerung um 97 259 329 Pfund bedeutet, die Ausfuhr 506 346 212 Pfund sStei- g e r u n g um 121 677 764 Pfund), die Einfuhr im Dezember 73 406 306 Pfund(Steigerung 579 391 Pfund), die Ausfuhr 39 928 460 Pfund(Steigerung 6 980 941 Pfund). Französische Kohlcnnöte. Bern. 6. Januar. Laut.Le Jour- nal" teilte die Handelskammer von Clermont-Ferrand und Jssoire mit, daß vier Kohlenbergwerke ihres Bezirkes spätestens in acht, Tagen die Kohlenförderung ganz einstellen müßten, wenn nicht die Bergwerke, in denen bereits 33 000 Tonnen zur Befrachtung be- reit liegen, sofort davon befreit würden. Bei Einstellung des Be- triebeS würden über 5000 Arbeiter brotlos werden. Kanadische Hilfstr Uppen. Im letzten Jahr-haben sich in Kanada 178 537 Mann für den Kriegsdienst über See gemeldet. Seit Kriegsbeginn sind 385 955 Mann gestellt. Die plane für öen neuen Kriegsabfihnitt. � In Rom auf der Entente-Konferenz sollen sie„ver- wirklicht" werden, und da Rom als Sitz dieser Konferenz gewählt wurde, so schließt daö„die Anerkennung der Wichtigkeit der italienischen Front im Zusammenhange mit den östlichen und den Balkanfrontcn" in sich. So schreibt, wie„Stesani" meldet, nun auch die römische„Tribuna", die des weiteren ebenfalls feststellt, es handle sich bei der Zu- sammenlunft um»eine Versammlung, die ein tatkräftigeres Vor- gehen und eine energischere Führung des Krieges zum Zwecke" habe. Auch die„Jden i'lazioncile" und der„ilorricrc d'Jtalia"— alles Blätter, die den Wind der leitenden Politik wehen hören— betonen diese Punkte. Das letzgcnannte Blatt sagt:„Tic gegen- wärtig besonders bedeutungsvollen Probleme sind die Lage an der Front von Saloniki und die Lage in Griechenland. Tie Konferenz wird die geeigneten Pläne fasten, um die Gegner zu zwingen, den Kamps an jenen Punkten anzu- nehmen, wo ihr Widerstand am schwächsten ist." Man möchte ihn natürlich gern— wer verstände das nicht?— '-'du den Punkten wegziehen, wo er sich stark erwiesen hat. Aber einstweilen ist das noch aus allen Fronten der Fall gewesen und die Schwäche war schließlich immer bei den Herren der Entente. Ter römische Vertreter der„Stampa" äußert, daß der Kriegs- rat vorzüglich entscheide, ob das Orienthe er zurückzuziehen ist oder bleibt. Also Saloniki? In dieser Beziehung ist vielleicht da« zu werten, was die„Jdea Razionale" schreibt: „Unter den dringendsten Fragen befindet sich zweifellos die eines allgemeinen AktionSplanS. Die Entente muß die entsprechen- den Lehren aus den bereits gemachten Ersahrungen ziehen, welche gezeigt haben, daß es nutzlos ist, die Kräfte zu zer- f v l i t t e r n. und daß man die wichtigen und am wenigsten wider- standsfähigen Punkte des Feindes angreifen muß." Nach einer italienischen Information der„Tel.-Union" soll England von Italien eine einheitliche Politik gegenüber Griechen- land und die Verstärkung der italienischen Truppen in Mazc- kmicn verlangen. Es kann schon sein, daß sich hier der Streitpunkt andeutet: die Italiener, die sich immer gesträubt haben, ihre Streit- kräfte irgendwo im Orient zu verpulvern, wehren sich gegen die Front von Saloniki. Sic haben allerdings kein Interesse daran, ihr Verhältnis zu Griechenland für die Zukunft zu ruinieren. politische Uebersicht. Kriegshysterie. (FZ sinö neuerdings wieder Fälle rechtswidriger und grausamer Behandlung glaubhaft bezeugt worden, die deutsche Kriegsgefangene in Frankreich erdulden mußten. Der deut'chen Regierung ist es schon mehrfach gelungen. völkerrechtswidrige Uebergriffe gegen unsere gefangenen Mitbürger zum Aufhören zu bringen und wir hoffen, daß sich auch zur Abstellung der jetzigen Klagen geeignete Wege finden werden. Völlig ungeeignet sind allerdings aus blin- der Wut geborene Vorschläge, wie sie z. B. O t t o E i ch l e r in den„Berliner Neuesten Nachrichten" macht. Nachdem er sich in einen förmlichen Zornesrausch hineingeschrieben hat, der in den Franzosen nur noch eine„Natron von Apachen und Dirnen" sieht, schreit er aus: „Lesen denn nicht wenigstens unsere Generäle mit den natürlichen Empfindungen des Mannes, des Deutschen und Sol- taten, mit dem Pflichtgefühl der Fürsorge für die namenlos Leidenden unseres Heeres die neuesten Veröffentlichungen über die höllischen Mißhandlungen unserer Gefangenen und Verwun» beten? Werden diese Dinge uicht auch shstema- tisch an unserer Front verbreitet? Und wäre es. wenn wir nicht fähig werden zu einem Entschluß gewaltsamer Vergeltung zwecks Abstellung, menschlicher: Tie Losung atiSzugebetl. daß an der französischen Front Pardon nicht«ehr gegeben und genommen wird?" Ueber diese Losung unterhalte sich Herr Eichler zunächst einmal vielleicht mit den Müttern und Frauen der d c u t- schen Soldaten, die sich in französischer Gefangenschaft befinden oder an der Somme- und Verdunfront in vorderster Linie stehen. Herr Eichler dürfte auch wohl selber die Zahl der deutschen Soldaten kennen, denen mit Befolgung seiner Parole in den letzten sechs Monaten das Todes- urteil gesprochen worden wäre. Falls ihm aber die Ant» wort der Mütter und Gattinnen nicht genügen solle, so reise nur zur Paroleausgabe an die Front, wo man sehr viel Sinn für schlichtes und stilles Heldentum, auch für Mensch- lichkeit mitten im schrecklichen Ringen, aber um so weniger Sinn für bluttriefende Phantasien der zu Hanse sitzenden Federmenschen hat. Tie Kriegsziele des„Nationaliutöfchufies'st> Die„Magdeburger Zeitung" ist in der Lage, einen Beschluß zu veröffentlichen, den der unter der Lestung des Fürsten Wedel stehende „Nationalausschuß" bereits am 12. November 1916 gefaßt hat. In diesem Beschluß werden folgende Voraussetzungen für den Abschluß des Friedens festgestellt: 1. Der Friede wird nicht nur ein deutscher, sondern zugleich ein Friede unserer Bundesgenossen sein. Das dauernde Zusammen- gehen der jetzt verbundenen Mächte muß durch ihn gesichert werden. 2. Ueber die von uns eroberten Gebiete ist aus Grund der Kriegslage unter Betonung der deutschen Interessen zu entscheiden. Vor allem sind die strategisch erforderliche« Grenzberichtigunge« zu erstreben. Das Schlagwort„Eroberungspolitik" darf uns nicht abschrecken. 3. Die Freiheit der Meere für imS und für die übrige nicht- englische Welt, namentlich für die neutralen Mächte, ist zu schaffen. 4. Ein starkes, lebens- und verteidigungsfähiges Kolonialreich muß uns wiedergegeben werden. 5. Sme unseren Opfern entsprechende KrirgsenffchSdigung ist zu erstreben. Der entscheidende Punkt 2 ist derart unbestimmt gesaßt, daß eS schwer hält zu bestimmen, wie weit diese Kriegsziele sich denen der Alldeutschen annähern oder von ihnen unterscheiden. Tie Ersatzwahl im 11. Berliner Landtagswahlkreis. Nachdem das Mandat des Genossen Dr. Karl Liebknecht(Berlin) für den 11. Berliner Landtagswahlbezirk erloschen ist. findet dort eine Ersatzwahl statt. Der Termin für die Wahlmäanerersatzwahlen ist auf Mittwoch, den 21. Februar 1917, angesetzt. Tie erste engere Arwahl hat der Oberprästdent auf Dieustag. de« 6. März 1917, angeordnet, die zweite engere Nrwahl auf DieuStag, den 13. März 1917. Di« Abgrordueteuwahl soll dann am Dienstag, de« 29. März 1917, eine etwaige engere Wahl am Dienstag, de« 27. März 1917, statt- haben. Ferner wird mitgeteilt, daß laut ß 9 der Verordnung über die Ausfuhrung der Wahl der Abgeordneten zur Zweiten Kammer vom 30. Mai 1849 die Berechtigung zum Wahlen für die Feld- zugSteilnehmer, mit Ausnahme der Militärbeamten, ruht: jedoch dürfen gänzlich au» dem Heeresdienst entlassene FeldzugStell- nehmer wählen. Es werden neue Urwähler- und Abteilungslisten autgestellt und ausgelegt.__ Zu den preußischen Gcmeinderatswahle«. Halbamtlich wird gemeldet: Im Sommer 1913 ist zur Sicherstellung des kommunalen Wablrechis der Kriegsteilnehmer den Stadt- und Landgemeinden im GesctzeSwege die Befugnis gegeben worden, für die Jahre 1915 und 1916 durch Gemeindcbeschluy anzuordnen, entweder daß von einer Aufstellung, allgemeinen und Einzclbcrichtigung sowie Aus- legung der List« der stimmfähigen Bürger(Gemeindeglicder) abgesehen und bei Wahlen die letzte endgültige zugrunde gelegt wird, oder, daß bei der gesetzmäßigen Aufftellung(Berichtigung) der Listen hinsichtlich der Kriegsteilnehmer, die den sonstigen Voraus- tetzungcn für den Erwerb und die Ausübung des Bürger-Gemeinde-) Rechtes genügen, eine Minderung der veranlagten Steuersätze oder � i'n. EinlommenSbezüge, die etwa gegenüber den für die letzte end- stüüige Lifte maßgeblichen Verhältnissen eingetreten ist, außer Be- tracht bleibt. ES ist damit zu rechnen, daß die Geltungsdauer dieser gesetz- lichen Bestimmungen in allernächster Zeit auf das Jahr 1917 erstreckt wird. Gemeinden, die sonst nach dem für sie gültigen Gemeinde- verfassungsgcsetz bereit» in der zweiten Hälfte dieses Monats die Auslegung der Liste fiir die Wahlen zur Gemeindevertretung wür- den vornehmen müssen(vornehmlich sind das Landgemeinden). werden gut tun, um sich unnötige Vorarbeiten zu ersparen, auf die Fortdauer der Bestimmungen vom Sommer 1915 Rücksicht zu nehmen._ fKeheimrat Dr. Hei«. Der oekännte bayerische ZenirumSpolifiker Dr. Heim, der als erster das System des Herrn d. Batocki in der schärfsten Weise an- gegriffen hat, ist vom König von Bayern mit dem Titel emeS Geheimen LandeSökonomierates beliehen worden. Reichstagsarbciten. Am S. Januar wird der Reichstags- aussckiuß zur Prüfung der Krtegslieferungs- Verträge wieder zusammentreten, um zunächst die Grundsätze zu prüfen, die beim Abschluß von LicferungSverträgen für das Heer maßgebend waren. Mitte Januar wird voraussichtlich der Hauptausschuß des Reichstags sich wieder versammeln. und man rechnet damit, daß gegen Ende deS Monats auch das Plenum des Reichstags feine Tätigkeit wieder aufnehmen wird. Das ist schon deshalb nötig, weil sonst kaum damit gerechnet werden kann, daß der Etat rechtzeitig fertiggestellt wird. Den Wog des Notetats wird die Regierung aber ohne Zwang jedenfalls nicht wieder beschreiten wollen. Preußisches Herrenhaus. Tie Tagesordnung für die auf Dienstag, den 23. Januar, anberaumte 14. Plenarsitzung des Herrenhauses umfaßt 16 Punkte, darunter Beratung und Beschluß- sassung über das Schätzungsamtgesetz und das Gesetz zur Förderung der Stadtschaften. Die übrigen Punkte betreffen zumeist Petitionen. Mus Znöustrie unS Handel. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Im Geschäftsbericht der Al l g. Ber l. O m n i b u s- A.- G., die, wie schon gemeldet, für 1913/16 einen Verlust von 1,1 Millionen Mark ausweist, wird ausgeführt: Der Pferdebetrieb er- brachte bei 16(19) Strecken 6,19(5,68) Pf., der Kraftwagenverkehr bei 1(4) Strecke 11,29(11,13) Pf. pro Fahrgaste Die Gesamtzahl der Fahrgäste betrug 72.15 Millionen. Die Zahl der Angestellten sank weiter aus 1046(1403). Ueber die Neuregelung des Tarifs heißt es, der am 1. Ottober 1916 in Kraft getretene Teil- streckeniarif von zunächst 7 Vi Pf. habe zwar die Einnahmen ge- bessert, der Verlust sei indes immer noch erheblich. Die Erhöhung dieses„Ucbergangstarifs" lasse sich auf die Dauer, und zwar auch für eine kommende Friedenszeit nicht umgehen. Die„Fr.. Ztg." bemerkt dazu: Es bleibt abzuwarten, ob diese Ankündigung einer neuen FahrpreiSeihöhung auf Grund der kurzen Erfahrung von erst einem Vierteljahr zeitgemäß ist.»Dies« etwaigen Fahrpreis- erhöhungen können leicht so wirken, daß sie das Publikum der Pferdeomnibusse künftig der Straßenbahn und der Hochbahn, die derzeit anscheinend unbegrenzte Uebersüllungsmöglichkeiten haben, in die Arme führen. Beide Konkurrenzunternehmelt sind aber durch je 4 Millionen Mark Aktienbesitz(allerdings zu etwa 180 Proz.l) an der Omnibusgesellschaft beteiligt. Im Geschäftsbericht wird ferner die Fertigstellung eines Entwurfes für einen gesteigerten Verlehr leichter Kraftomnibusse im Frieden mitgeteilt. Bemerkenswert ist schließlich noch, daß das Pferdekonto— gegenwärtig besitzt die Gesellschaft noch 2633 Pferde gegen 3321 im Vor- jähre— von 412 418 M. auf 1 M. abgestrichen ist. öiue KriegStagurtg des HansabuudrS findet aal Mittwoch, den 10. Januar 1917, zu Berlin in den Räumen des Lehrervereins- Hauses statt Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: 1. Eröffnungsansprache des Präsidenten des HansabundeS, Geh. Justizrat Pros. Dr. Rießer, M. d. R.. Berlin, s. Die deutsch et« Berufsstände und der Krieg. Kriegs- aufgaben und Friedensaus sichten. Berichterstatter; Industrie: Kömntsrztenrcck Fried richs-PatSdam. Präsident des Bundes deii Industriellen. Handwerk: Obermeister Rahardt-Berkin, Präsident der Handwerkskammer Berlin. Arbeiter: ReichstagSabgeordneter L e g i e u- Berlin, Vorsitzender der Generaltommission der Gc- N'erkschasten Deutschlands. Großhandel: Witthoefft- Hamburg, Vizepräsident des HansabundeS. Einzelhandel: Saeltzcr-Hannover, Vorsitzender des Verbandes deutscher Dctailgeschäfte der Tcxtil- branche. Banken und Finanzwirtsckiaft: Geh. Oberfinanzrat Hartung-Bcrltn-Dahlem. Angestellte: Dr. Köhlcr-Hamburg. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der kaufmännischen Verbände. Landwirtschast: Reichstagsabgcordneter Dr. Böhme-Berlin. Zusammenfassende Schlußbetrachtung: Regicrungsrat Prof. Dr. Letdig-Berlin, Geschäftsführer des HansabundeS. 3. Mittel-, europa und deutsche Welt Politik. Berichterstatter: Reichstagsabgeordneter Dr. Nanmann-Berlin-Scköneberg; Reicks- tagsöbgeordnetcr Legationsrai Freiherr r von Richthofen, M. d. A„ Berlin. Soziales. Teuerungszulagen zu den Leistungen der Sozialversicherung. Passen schon die seither üblichen Arbeitslöhne und Gehälter nicht mehr in unsere Zeit der gewaltigen Verteuerung des Lebens- Unterhalts, so erst recht nickt mehr die Leistungen unserer Sozial- Versicherung, nämlich die Krankengelder. Unfall- und Invaliden- reuten. Im allgemeinen sollen zwar diese Entschädigungen dem bisherigen Arbeitsverdienst fein, doch ist dieser Grundsatz nur sehr unvollkommen durchgeführt. In der Krankenversicherung wird zur Bemessung der Barleistungen der durchschnittliche Tages- verdienst nur bis zur Höhe von sechs Mark zur Berechnung ge- zogen(§ 180 der Reichsversicherungsordnung), in der Unfall- Versicherung bleiben die Renten dauernd nach dem Jahres- arbeitsverdienst festgesetzt, der zur Zeit deS Unfalles erzielt wurde, so daß jetzt noch die Löhne der Friedenszeit maßgebend sind, und in der Invalidenversicherung sind die Renten überhaupt nach einem freien, vom letzten Arbeitsverdienst ziemlich unab- hängigen System berechnet Diese Einrichtungen machen sich bck- sonders jetzt unangenehm fühlbar und gabe.n den Vertretern der Versicherten in den Versicherungsträgern Anlaß, die Härten zu mildern. In der Krankenversicherung ist das verhältnismäßig leicht zu bewerkstelligen. In dieser haben die Verwaltungsorgane noch ziemlichen Spielraum in der Festsetzung der Leistungen. So beschloß beispielsweise die große Ortskrankenkasse Leipzig, jedem erwerbsunfähig Kranken, gleichviel in welcher Lohnklasse er sich befindet, pro Woche eine Teuerungszulage von zwei Mark zu geben. Eine entsprechende Zulage erhalten auch die Wöchnc- rinnen. Die Mehrausgaben werden dem Reservefonds entnommen. Das Oberversicherungsamt Leipzig gab seine Zustimmung zu der Mehrleistung. In Halle a. S. beschloß die Allgemeine Orts- krankcnkaffe, jedem erwerbsunfähigen Mitglied und jeder Wöchnerin 25 Pf. pro Tag Zuschlag zu geben. Zu dem Zweck find zunächst 60 000 M. aus den Mitteln des Reservefonds zur Verfügung gestellt worden. Versichernngsamt und Oberversicherungsamt genehmigten den Beschluß. Sofern die Summe ausgebraucht ist, soll ein neuer Antrag gestellt werden. Eine ähnliche Teuerungszulage hat auch die Ortskrankenkasse in Königsberg eingeführt. Sie besteht dort t» einem prozentualen Zuschlag zum Krankengeld für die Dauer des Krieges.— In der Unfallversicherung sind ähnliche Maßnahmen ausgeschlossen: die von den Unternehmern verwalteten Berussgenossenschasten halten sich nicht einmal streng an die früher vom Reichsversicherungsamt gegebene Anregung, den Kriegsteilnehmern die Renten in der alten Höhe zu belassen. Den. (Genossenschaften fehlt eben der sozialpolitische Sauerteig in der Gestait der Versichrrtenverireter.— Die Invaliden-Versicherungsanstalten haben zlvar für_ Kriegswohlsahrts- pflege teilweise hohe Summen ansgewendet, eine Erhöhung der Renten über das gesetzliche Matz hinaus können sie aber nicht ein- führen, selbst wenn sie den guten Willen dazu hätten. Der ganze gegenwärtige Aufbau der Bersicheruna läßt das nicht zu.— Größere Freiheiten haben hier die auf landeSgefetzlichen Vorschriften de- ruhenden Knavpschaftsbereinc. Der große Bochumer KnavpschaftSverein gewährt auf Drängen der Knapp schastsältesten während der Kriegszeit Zuschläge zu den Invalidenrenten bis zu 8 M.. zu den Witwenrenten bis zu 7 M. und für die Vollwaisen von 1 M. monatlich. Der Hallesch? Knappschaftsverein gewährt Teuerungszulagen für die Invaliden von 5 M., für die Witwen von 4 M. und für eine Waise von 75 Pf. Den Aeltesten in der Knappschaftspen sionskasse für dos Königreich Sachsen und im Niederschlesischen Knappschaftsverein tzelong es gleichfalls, den durch die Kriegsteuerung so sehr notleidenden Invaliden und Waisen ähnlich erhöhte Bezüge zu sichern.— Run sind zwar auch diese Zulagen noch nicht hinreichend, die entstandenen Mehrausgaben auszugleichen, immerhin sind sie besser wie gar nichts. Es ist daher ihre Erwirkung durch die Versichertenvertreter nur zu begrüßen. Lette Nackrichten. Botschafter GerarÜ über üie üeutjch- amerikanischen Beziehungen. Ueber«die Rede des a-merikanischen Botschafters auf dem Empfangsabend der amerikanfschen Handelskammer in Berlin bringt W. T. B. noch einen längeren Bericht, dem wir folgendes entnehmen: Herr v. Gwinner habe gemeint, er(der Botschafter) sei leider ohne Olivenzweig gekommen, da müsse er fragen, ob denn die Note des Präsidenten Wilson, die gerade am Tage seiner Ankunft in Berlin ausgehändigt wurde, kein Olivenzweig gewesen sei. Bei der Beurteilung der Stimmung Amerikas sollte man sich in Deutschland immer vor Augen halten, daß das, waS man hier darüber erfährt, meistens nur durch die Ver Mittelung fremder Länder hierher gelangt.(Lebhafte Zustimmung.) Er erinnere daran, daß er in seiner ersten Rede in Deutschland das Watt Talleynmds wiederholt habe:„Em Diplomat müsse m sieben Sprachen zu schweigen verstehen." Jetzt. Ivo vierzehn Staaten mit- einander im Kriege liegen, müsse man die Zahl dieser Sprachen ver- doppeln. Sa viel könne er aber doch sagen, daß er immer gern an der Erhaltung der guten Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten mitgewirkt habe. Diese Beziehungen sind denn auch, erklärte der Botschafter unter lebhaftem wiederholten Beifall der Versammlung, zu keinem Zeitpunkt seit der Gründung des Drutsche« Reiches besser gewesen als gegenwärtig. Hieraus gab Herr Gerord der Zuversicht Ausdruck, daß. solange Männer, wie der Lteichskanzler, Staatssekretär H e I f f e r i ch und Dr. S o l f, wie Feldmarschall H i n d c n- bürg und General Ludendorff, wie die Admirole v. Müller, v. Capelle und v. Holtzend.orff und der Staatssekretär Z i mmermann an der Spitze der zivilen, militärischen und Marineverwaltung stehen, es sicher keine Schwierigkeiten bereiten werde, diese guten Beziehun- gen aufrechtzuerhalten.___ Ter englisch-norwegischc Konflikt beigelegt. Kristiania, 7. Januar. Wie die Londoner Berichterstatter der hiesigen Blätter melden, hätte die norwegische Antwort in Eng- land sehr befriedigt: dadurch sei der englisch-norwegischc Konflikt beigelegt. Ms Groß-Serlin. Nachtbild. Der Südringzug fährt auf dem Potsdamer Bahnhof ein. Alles steigt aus. Nur im Abteil für Traglasten bleibt ein etwa zehnjähriges Kind sitzen. Ein blondes Mädchen mit den weichen slawischen Zügen, die man so oft in Berlin findet. Es ist halb elf Uhr nachts.„Wo willst Du denn hin, hier ist doch Schluß!"— Keine Antwort.—„Bist wohl zu weit gefahren, willst wohl zurück?"— Ein leises Ja.—„Na wo- hin denn?"— Nichts.—„Schöneberg?"— Ein neues Ja, offenbar nur, um den Fragcr abzuwehren.— Der Zug fährt ab. In Schöneberg steigt die Kleine nicht aus und bald schläft sie im Sitzen fest ein, in die harte Holzccke gelehnt. Ein paar Stationen weiter muß ich aussteigen.„Hör mal, Du—"— nicht aufzurütteln. Im Lollring über Westend. Ganz gewiß benutzt die Kleine den Zug als Wärmehalle. Man wird sie wohl erst herausholen, wenn der Zug seinen Tageslauf beendet hat. Wer weiß, wo sie wohnt. Vielleicht am entgegengesetzten Ende von Groß-Berlin, wohin dann keine Verkehrsmüglichkeit mehr besteht; vielleicht wohnt sie nirgendwo und rechnet darauf, im Zug zu übernachten. Und wie die Schlußlichter im Nebel und Sprühregen verglühen, so führt der Weg dieses Kindes in eine graue Zukunft. Tic Berliner Lederarbeiter zum Hilfsdienstgesetz. Im Schmidtschen Lokale in der Prinzenallec waren am gcstri- gen Sonntag die Lederarbeiter sehr zahlreich versammelt, um zum Hilfsdicnftgesetz und zur Tariffrage Stellung zu nehmen. Tie Redner erklärten sich mit dem Hilfsdienstgesetz im allgemeinen einverstanden; es sei aber notwendig, dafür zu wirken, daß die gewerkschaftliche Organisation auch nach dem �Kriege gefördert werde, zumal es kaum zweifelhaft sei, daß die Teuerung nach Friedensschluß noch anhalte, die Unternehmer aber bemüht sein werden, die Lohne zu drücken, sobald keine Arbeiten für die Heeres- verwalimigcn mehr vorhanden sein werden und die Kollegen aus dem Felde zurückgekehrt seien. Getadelt müsse es werden, daß den Grotzfabritanien Hehl in Worms und Genossen Schaffelle tu genügender Weise zur Verfügung gestellt werden, während die gesamte Lederindustrie an großem Ledcrmangcl leide. Es komme hinzu, daß die erwähnten Großfäbrikanten ihren Arbeitern das Koalitionsrecht nicht gewähren. Dringend erforderlich sei es, einen Mindeststundenlohn von 1,25 M. angesichts der großen Teuerung zu verlangen und den jetzigen Tarif, der einen Stundenlohn von 56 Pf. gewähre, zu kündigen. Es wurde schließlich beschlossen, wögen der letzten Frage eine besondere Versammlung einzuberufen. Bitte, die Kelle voll: Heber die Berliner V o l kS s p e i s u ng ist uuZ die Klage zugegangen, daß bei der Sveiienausgabe nicht immer mit voller Kelle zugeteilt werde. Eine Mutter, die drei Jungen satt zu machen hat, klagt uns. daß sie an ihrer Sveisenausgäbestelle wiederholt durch unvollständige Füllung der Kellen zu kurz gekommen sei. Wir haben dort auf Anfrage die Auskunft erhalten, die Kellen feien so bemessen, daß sie etwa? mehr als die Portion von einem Liter fassen, io daß selbst bei unvollständiger Füllung immer noch keine Benachteiligung einzutreten braucke. Für diejenigen, denen die Portion mit nickt voller Kelle zu« geteilt wird, mag eS ein schlechter Trost sein, daß andere„eigentlich zu viel kriegen". An der Ausgabcslelle wurde uns übrigens erklärt. daß man stets volle Kellen gegeben habe, so daß nremänd sich be- klagen könne. Uns scheint es allerdings selbstverständlich, daß streng dar ckltf geachtet wird, nicht die Menge des zuzrileikcndeii EsienS dem mehr oder minder glücklichen Zufall zu überlassen. Man wird der Unzufriedenheit wirksam vorbeugen, wenn man alle Ungleichheiten! möglichst zu vermeiden sucht und jedem mit voller Kelle das Seine gibt. UeEw den Bertehr mit Schuhsohlen, Sohlenschonern, Sohlen- dewchrurtgc» und Lcdcrcrsan flössen bat der Bundesrat eine Verordnung erlassen. Danach ist der Reichskanzler ermächtigt, die Her- stellung von Schuhsohlen, Sohlenschonern usw. und den Verkehr mit diesen Gegenständen und daraus hergestellten Schuhwaren zu regeln. Er kann bestimmen, daß Zuwiderhandlunngen gegen die von ihm erlassenen Verordnungen mit Gefängnis bis zu lechS Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 10 000 M. bestraft werden und daß daneben auf Einziehung der �betreffenden Gegenstände erkannt werden kann. Die zuständige Behörde kann Betriebe, in denen Schuhsohlen usw. gewerbsmäßig hergestellt, aufbewahrt oder in den Verkehr gebracht werden, scklicßen, wenn deren Leiter die vom Reichkanzler er- lassenen Bestimmungen nicht befolgen. Wird ein Betrieb aus diesem Grunde geschlossen, so mutz der Leiter oder Unternehmer die vorhandenen Bestände der Ersatzsohlengesellschasc innerhalb 8 Tagen anbieten und auf Verlangen abliefern. Die Ersatzsohlengesellschaft setzt den Preis für die von ihr übernommenen Gegenstände fest; ist der Abliefernde mit dem Preise nicht zufrieden, i'o bestimmr die von der Landeszentralbehörde bezeichnete höhere Verwaltungsbehörde denselben endgültig. Die Beamten der Polizei und deren Sack- verständige sind befugt, jederzeit die Betriebsräume, in denen Schuh- sohlen usw. hergestellt, aufbewahrt oder in den Verkehr gebracht werden, zu betreten, daselbst Besichtigungen vorzunehmen, Geschäfts- aufzeichimngen einzusehen und Proben zur Untersuchung zu cut- nehmen. Die Sachverständigen sind, abgesehen von der dienstlichen Berichterstattung, verpflichtet, über die beireffenden Einrichtungen und GeschästSverbältnisse Verschwiegenheit zu beobachten. Acucrungeil im Poswerkchr deS Feldheeres nach der Heimat. Privatpalete aus dem neutralen Ausland an Angehörige und zu- geteilte Personen des deutschen Feldheeres find bis zum Gewicht von S Kilogramm zugelassen. Die Paket« müssen den inter- nationalen Bestimmungen sowie denen siir die Privatpäckereien nach dem deutschen Feldheer entsprechen. Wie beim Briefvcrkebr zwischen Feldbeer und Ausland darf in der Aufschrift außer dem Namen nur der Truppenteil deS Empfängers, also Regiment, Bataillon. Kom- vagnie usw., nicht aber der höhere Tt uppenverband, wie Brigade, Division, Armeekorps. Armee, angegeben werden. Briefliche Mitteilungen, sowie Druckwerke irgend welcher Art dürfen die Pakete nicht enthalten. Eine Haftung für Verlust, Beschädigung usw. wird weder von der Post noch von der Heeresverwaltung übernommen. Ferner ist das MeistgewiSt der nicht amtlichen Feldpostsendungen oder Feldpostpäckchen von 250 aus 500 Gramm, mit dem Uebergewicht also auf 550 Gramm erhöht werden. Sendungen von mehr als 275 Gramm sind vom Absender mit 20 Pf. freizumachen. Sie unterliegen am Bestimmungsort der zollamtlichen Behandlung, wenn sie als Zollstück bezeichnet'sind. Die Zwaugssparkassen für Jugendliche. Die Berliner Sparkasse hat durch Umfrage bei den Groß-Berliner Sparkassen über die Ent- Wicklung der Jugendzwangssparkassen im eisten Halbjahr ihres Be- stehens fApril/ONober) folgendes festgestellt: Die Zahl der Jugend- sparbücher beträgt 04 000 mit iZ Millionen Mark Einlagen. Ein- gezahlt waren bisher 4.8 Millionen Mark, davon sind 1,3 Millionen Mark zurückgezahlt. Auf die Stadt Berlin entfallen 32000 Spar- kanten mit 1,2 Mittionen Mark Einlagen, auf Spandau 8713 mit 675 000 M., auf Charlottenburg S15S Konten mit 158 000 M. Bon den Jugendsparkonten der Stadt Berlin lauteten 27 500 auf unter 50 M.. 4300 auf 50-100 M.. 2500 aus 100- 200 M.. 565 aus 200—300 M.. 271 auf 300-500 M.. 72 aus 500-750 M.. 11 auf 750—1000 M. und 2 auf über 1000 M. Es handelt sich dabei nur um Ersparnisse aus Arbeitslohn in einem Halbjahr. Die Hand im solche« Ueberzicher. In den großen Wirt- schuft«! und Kaffeehäusern, die um den Potsdamer Bahnhof herum' und in feiner Nähe liegen, kamen in der letzten Zeit peinliche Diebstähle vor. Ans Ueberziehcrn, die aas den Riegeln hingen, verschwanden Brieftaschen mit Papiergeld bis zu 400 M. Man wußte sich das nicht zu erklären, bis ein seltsamer Gast, der oft erschien, Verdacht erregte. ES war ein feingekleideter'Diann, der feiten mehr als ein Glas Bier oder eine Tasse- Kaffee trank.-Es ergab sich, �aß dieser Gast jedesmal dort gewesen war, wo' man einen Mebsiahk entdeckte. Man beobachtete ihn nun und fand außer anderen Seltsamloitcn an ihm auch die, daß er seinen Ueberzieher niemals dort abhängte, wo reichlich Platz war, sondern stets da, wo der Riegel schon be- hängt war. meist aus einen anderen Ueberzieher oben hinauf. Kaum. hatte er danni Platz gerwütmen,-so e�ob er'Hch! und- ging an seinen Ueberzieher heran, als ob er seine ZigarSntasche, sein Taschentuch oder sonst etwas suchte. AäheÜ tastete, er schetefcar zufällig und irrtümlich, aber auffallend regelmäßig nicht nur seinen Ueberzieher, sondern auch die neben und unter den seinigen hängenden ab. Skan sah sich den unheimlichen Gast, einen Kauforann Willi Ellis ans-Friedenau, näher an und stellte fest, daß er ans großem Fuße lebte, obwohl er schon seit März vorigen- Jahres keine Be- schästigung mehr hatte. Er war auch Mitglied eines Klubs, in dem gespielt wird. Nach diesen Beobachtungen und ErmttUungeu wurde Ellis verhaftet und sofort hörten die Diebstähle, aus. Der Verhaftete bestreitet sie und behauptet, daß er die Mittel zu seiner kostspieligen Lebenshaltung ans der Rennbahn erworben habe. Er wurde als dringend verdächtig dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Tic Provinzontels werden nicht alle. Ein teures Schöicr, stündchen hatte ein Schlächtermeister aus der Provinz, der in der Nacht zum Sonntag nach Berlin kam. Er traf auf dem Alexander- platz ein junges Mädchen, das ihn nach einem Frenrdcnlogis in der Gontardstraßc bgleitete. Hier schlief er bald ein. Gestern morgen um 7 Uhr tat seine Begleiterin, als ob sie ihn wecken wollte. Er wollte aber weiterschlafen und ließ sie weggehen. Später ent- deckte er. daß sie ihm die Brieftasche mit 6200 M. und allen seinen Papieren, die er unter das Kopfkissen gelegt hatte, mitgenommen hat. Das Mädchen ist etwa 19— 20 Jahre alt und mittelgroß und trug eine schwarze«amtkappc, einen graubraunen Mantel und eine weiße Bluse. Unter seltsamen Umständen tot aufgefunden wurde am Sonn- abend nachmittag die 27 Jahre alte Tochter Lujse des Schlosser- meisters Metz aus der Herdcstraße 50, die ihrem alten Vater den Haushalt führte und mir ihm in einem Bett zu schlafen pflegte. Tie Verwalicrnt fand sie nachmittags um 2iz Uhr rot in der Werkstatt des Vaters liegen. Tie Leiche war nur halb bekleidet und mit Papier zugedeckt. Zur Rede gestellt, erklärte der Vater, daß er lange geschlafen habe. Bei seinem Erwachen habe seine Tochter tot neben ihm im Bette gelegen. Weil er weiter habe schlafen wollen, so habe er die Leiche seiner Tochter nach der Werkstatt gebracht und dort niedergelegt. Ter Mann wurde nach der Wache des 74. Reviers gebracht und dort unter Zuziehung des Kreisarztes verhört. Es ergab sich, daß er durch Schicksalsschläge an seiner geistigen Gesundheit gelitten hat. Der Krieg brachte ihm Vermögensverluste. Dann fiel fein Sohn im Felde und endlich starb ihm die Frau. So wurde er geistig beschränkt und verwirrt. An der Leithe, die beschlagnahmt wurde, fand man keinerlei Spuren eines gewaltsamen Todes. Das Mädchen ist wahrscheinlich einem Herzschlag erlegen. Der Vater wurde nach diesen Fest- ftellungen von der Wache wicber nach Hause entlassen. Verteilung von Kohlrüben in Charlottrnbnrg. In der Woche vom 8.— 14. Januar werden zwei Pfund Kohlrüben aus Ab- schnitt 23 der Charlottenburger roten Lebensmittelkarte abgegeben. Städtische Eisbahnen i« Cbarlottenburg. Bei Eintritt' des Frostes werden auf den städtischen Spielplätzen an der Goeibe-, Sophie-Charlotten- und Niebuhrstraße» Eisbahnen eingerumet, deren Besuch für Gemctndeschulkinder sowie Freischüler und Frei- schülerinnen der höheren Lehransialten kostenfrei ist. FriedrichSfcldc. Am Mittwoch, den 10. Januar 1917, abends 8 Uhr, Mitgliederversammlung bei Sudbrink, Berliner Straße 93. Vortrag über die Rcichskonferenz. Referent: Genosse Frentzel._ flus aller Welt. Wirbelstürme in Queensland. London, den 7. Januar.(T. U.) Wirbelstürme bon noch nie gekannter Stärke haben in Nord- und Zentral-Queensland ungeheure Verheerungen angerichtet. In der«iadt Ckermont allein sind Hunderte von Personen von den Fluten hinweg- geschwemmt tvord««. Ueber Ä- Leichen-hat man bisher geborgen. Wetterausfichten für das mittlere Norddeutschland bis Tiens» tag mittag. Gjtwas milder, vorwiegend trübe, mit weitvorbreitc- ten, im Osten mit geringen, im Westen stärkere Niederschläge. Da- zwischen zeitweise aufklarend. Erste Deutsche Ersatzmittel-Ausstellung verbunden mit Lebensmittelmesse Eine Kriegsschau deutschen Gewerhefleifles AtTSSTELLÜXeS. HAEEE.\ AH ZOO Täglich 10 Uhr bis abends 9 Ubr geöflnefc. Eintritt 50 Pf. AdmiraispalasL Schlittschuhläufer- Ballett aus der Oper„Oer Prophet" und �frau Fantasie m Anfang 7*/(. VorzSgl. Küche. 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