Ar. 8. 34. Jahrg. Abonnements-Bedingungen: RBottncmeRlä• SSteiS pränumerando SieaeljcbtL".90 Mk. monott 1.30 JSt, Kächcnw» SO StQ. ire, inZ HauS. E-nzelne Nummer s Big. EonntaaS- numme: mit lLuftrierrs ConnragK- Leüaas„Tie Neue Well' UZ Big. Poll- Nbennemeirt: l.SO Marl pro Monat. leinaetragen in die Poil-ZeuungS» Vrel-uile. Unter Kreuzband üir Deunchiand und Oeiterreud. Ungarn "30 Mark, für das übrige Ausland i Marl pro Monai. VoftabonnemeniZ neoinen an Belgien. Däncmarl, Holland. Italien. Luxemburg. Porlugiil, «umänicii, Schweden und die Schwclj. cklchcilil tzglich. �* Verlinev VolKsblAÜ» ( 5 Pfennig) Die Infertions-Geböfjr beträgt für die sechsgcjpallcue Kolonel. »eile ad-r deren Ae.Uüi 00 Psg.. für doliliiche und gewerlschaiiliche LereinS- und VcriäininUiiigS-Äiiicigen l!0 Pig. „Uicine ZZnrcigcn". da? fetlgedrncklc lZorr l» Pig.(zuiälsig S iengedruckie i9orte), jedes weitere Wen 10 Lig. Klevcngssiiche und Schlantcllcinni' ! eigen daS erste Wert 10 Pfg.. jedeS wcücre WortöVfg. Warle über!ö Auw- stabcn zählen für zwei Warte. Anscrale für die nächste Numiucr müsset! bis ü Uhr nachmittags i» der Exvedirion tögegeden werden. Die Erdcdition ijl bis 7 Uhr abends geöffnet. Telcaramin-Adreife: .Scxialdcmelirat BcrliD". Zcntralorgan der roziatdemokrattfehen Partei Deutfchlands. Reöaktion: SW. öS, LinSenstrahe 5. Fernivrerber: Amt Moritzvlati, Nr. 1SI 90—131 97. Expeüition: SW. öS» LinöenstraHe 2. Fernsprecher: Amt Morittpla«, Rr. 131 99—131 97. Bei Riga Kampf- f ocsani genommen Russenangriffe westlich Riga-Mitau.— Vordringen zwffchen Putna und Oitoz- tal.— Sieg bei Odobesti.— Die russische Stellung bei Milcovu erstürmt, bei Focsani- Jarestea durchbrochen.— Focsani genommen. Amtlich. Großes Hauptquartier, de» 8. Ja- »uar 1917.lriegsdauer im Fall einer russisch- deutschen Veiverständigung verschlechte! t werden könnten, und fügt hinzu: Damit wird einer unveiblümten Drohung Ausdruck ge- geben: ialls Fiantreich setz: nichl aus den Friede» eingehen will,' sto werden die Bedingungen in der Ziikunit nichl so günstig sein' Dann lönnte Ruhland den vorkcilhaslrn Frieden erhallen— auf Kosten Frankreichs und Englands. Heute früh wurde Foesaui genommen? Aus den erkämpfte« Befestigungen sind 3010 Gefmigm, drei Geschütze und mehrere Maschinengewehre eingebracht. Mazedonische Front. Zwischen Ochrida- und Prcspa-Sec blieb der Borstoß einer starken feiudlichen Aufklärungsabteilung erfolglos. Der Erste Gencralauartiermrister. Ludendorff. * Menübericht. Amtlich. Berlin, 8. Januar 1917. Abends. Bei Üsti g a heftiger Artlllcriekampf. Ter bei Focsani geschlagene Rnffe wird verfolgt. Der öfterreichijche Sericht. Wien, 8. Januar 1917.>28. T. S.) Amilich wird berlautbart: Ocftlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Geueralfeld mar schall« v. M a ck e n j c a. Der Fest.» ist stg-o bei?, o'e s u» i nttcnl geschlagen worden. Während deutsche Regimenter südlich und südwestlich der Stadt die feindlichen Linien durchbrachen, stürmte» die Truppen des Feldmarschalleutnaqts Ludwig Goigingen im Raum von O d o i r s e i zwei hintereinander liegende feindliche Stcllun- gen: gleichzeitig wurde der Feind auch im Bergland des Mgr. Odobesei geworfen. Die Russen wichen auf ganzer Front, FoS- eani ist seit heute 8 Uhr vormittags in der Hand der Bcr- büudetcu. ES wurden 3010 Mann gefangen und drei Geschütze erbeutet. Hrrrcsiront dcS Generaloberst Erzherzog Joseph. In den Tölern der Putna und S u s i t a erkämpften wir neuerlich feindlichen Bode». Auch am oberen E a s i n n wurden Fortschritte erzielt, die uns der Feind vergeblich durch Gegen- stöße zu entreißen versuchte. Heeresfrvnt des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Bei unseren Streitkräften nichts zu melden. Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Unverändert. Ter Stellvertreter deL Ehess des Generalstabes. v. H v r s e r, Feldmarschalleutnant. Nachdem es„Socialdemokraten" so gelungen ist, aus unserem Rat eine Drohung hcrauszudestillieren, fährt er fort: ES ist im höchsten Grade unverständlich, daß eine große leitende sozialdemokralische Zeitung, wie der.Vorwärts", nicht ebne weiteres jede einseitige Orientierung nach Osten kategorisch ablehnt, sondern statt dessen diesen Gedankengang, der nur ekner imperialistischen Regierung verständlich erscheinen kann, sich gänzlich aneignet. Das ist um so unverständlicher, da der.Vorwärts" im gleichen Artikel mit großer Energie unterstreicht, daß ein dauernder Frieden nur dann erreicht werden kann, wenn die drei kulturell höchst entwickelten Völker Europas: Frankreich, England und Deutschland auf ge in einsame in Boden sich begegnen. „Socialdemokraten" würde den vermeintlichen Wider- spruch nicht gefunden haben, ivcnn es bedacht hätte, daß zwischen dem Wünschenswerten und dem Tatsächlichen mitunter eine breite Kluft gähnt. Wir glauben zu wissen, daß Frankreich jetzt einen guten Frieden haben könnte, wir halten es für möglich, daß sich die Bedingungen für Frankreich später eininal verschlechtern könnten. Mit unseren Wünschen hat dieses Fürmöglichhaltcn gar nichts zu tun. Unserem Wunsche entspricht der Abschluß ciuW für alle Beteiligten an- nehmbaren Friedens jetzt, und die schlvedischen Sozial- demokratcn wissen ganz gut, daß die Hindernisse für den Abschluß eines solchen Friedens ganz wo anders liegen. „Socialdemokraten" meint, der„Vorwärts" habe sich in der Fricdenssrage den„Standpunkt der Regierung" zu eigen gemacht. Das hat er nickt getan, er möchte im Gegenteil, daß sich die Regierung in der Fricdensfragc den Standpunkt des„Vorwärts" zu eigen mache. Im übrigen: stände die Sozialdemokratie in allen Ländern auf demselben Standpunkt wie in Deutschland und gäbe es zwischen diesem Standpunkt und dem der Regierungen keine schärferen Gegensätze als hier, so wären wir einem Frieden ohne Vernichtungsabsichtcn, einem Frieden der dauernden Verständigung näher, als loir es leider tatsächlich sind! Selbstzerfteischung oder-I Auf der Reichskonserenz der Partciniinderhcit, deren offiziellen Bericht-wir an anderer- Stelle veröffentlichen, Hai D i t t m a n n vor„Selbstzerflcischung" gewarnt. Aber er meinte damit nur die Selbstzerflcischung innerhalb der Opposition. Diese zählt, wie aus dem offiziellen Bericht zu ersehen ist, nicht ivenigcr als drei Gruppen: die Arbeitsgcmeinsck�ist. die Spartakusgruppe und die Gruppe der Internationale. Tic Spartakusgruppe erklärt die Arbeitsgemcinschaftler für „verschwommene Gestalten", die„Internationale" findet hin wiederum Spartakus unlogisch. Geraten nun diese drei Gruppen einander allzuheftig in die Haare, so kann dadnrck der„gemeinsame Kampf" gestört werden. Gegen wen richtet sich dieser Kampf? Gegen die Parieimchrheit, gegen die sozialdemokratische ReichStagsfraktion, gegen den Parteivorstand und gegen das Zentralorgan der Partei! Also: Einigkeit im Interesse der Uneinigkeit! Keine Sclbstzcrfleischnng der Opposition, damit die Selbstzerflcischung de r A r b e i t c r b c lo e g n n g desto nachdrücklicher' betrieben werden könne!". � In seinem SchlltKvou hat Dinmauu spjnrr Freude darüber Ausdruck gegeben, daß es auf der Konferenz zu keiner Spaltung zwischen den drei Gruppen gekommen sei. Man könnte danach annehmen, daß die Konferenz als einheitlicher Körper müaetrcteu sei und für alle bindende Beschlüsse gefaßt habe. Das lvar aber keineswegs der Fall. Vielmehr erklärte die Spartakusgruppc Pon vornherein, daß sie sich durch Beschlüsse nicht binden lasse. Es wiederholt sich also der Vorgang, der sich ähnlich in der Rcichstagsfraktion und auf der letzten Reichskonserenz der deutschen Sozialdemokratie abgespielt hat, nur daß es dort die Minderheit war, die aus die Beschlüsse der Mehrheit pfiff, während es jetzt die Minderheit i n der Minderheit ist, die aus die Beschlüsse der Minderheit Pfeift. Dieses Spiel läßt sich beliebig weiter fortsetzen, und es ist nicht einzusehen, warum eS bei den vier Gruppen— die Partcimehrhcit als„Gruppe" mitgerechnet— verbleiben soll. Man kann es schließlich auch noch auf vierzehn oder vierzig bringen. „Jede Gruppe hat hinaus zu gehen und zu wirken im Sinne ihrer Anschauungen", sagt Dittmann. Er unterstreicht damit die Tatsache, daß bindende Beschlüsse nicht gefaßt ivorden find, sondern daß„jede Gruppe" machen kann, was sie will. Die Anschauungen, für die die Spartakusgruppc iiach der Aufforderung Dittmanns zu tvirkcu hat, mag mau im Bericht nachlesen. Es sind eben die Anschauungen, die von der 'Arbeitsgemeinschaft als unheilvoll für die?lrbcitcrbewcguug angeblich bekämpft werden. Die Spartakusgruppc wirft offen für die Spaltung der Partei, während die. Arbeits- gemeinschaft behauptet, die Einheit zu wollen und iinmerzu versichert, der P a r t o i v o r st a n d schädige die Einhcii ftucil er die Spaltung eben bekämpft). Aber nachdem die Spartakusgruppc offen ihr Spaltungsprogramm entrollt Hai, sagt Dittmann:.„Jede Gruppe hat hinauszugehen, um für ihre Auffassungen zu wirken!" Mit hoher obrigkeitlicher Genehmigung der Arbeits- gemeinschaft soll also die Spartakusgruppe für die Spaltung der Arbeiterbewegung wirken, während die Arbeitsgemeinschaft die Schuld an der Spaltung der Partcimehrhcit zuschiebt. Ist das nicht ein durch und d u r ch u n c y t liches Spiel? Die Spartakusgruppc prophezeit, daß sich die Arbeitsgemeinschaft bald zu ihrem Standpunkt bekehren werde. Daß dies geschähe, wäre im Interesse der Klarheit dringend zu wünschen. Denn bei der Spartakusgruppe weiß man dock wo und wie, während sich die Arbeitsgemeinschaft um alle grundsätzlichen Fragen herumdrückt. L a n d e s ve r t e lj-d i g n n g oder nicht? Die Spartakusgruppe nimmt i» dieser Frage einen klaren Stand- Punkt ein, während man bei der Arbeitsgemeinschaft immer noch nicht genau weiß, lvaian man ist. Gilt es, ivic in Oichop- Grimmci, Wahlen zu inachen, heißt er„Jal" Kommt es zur entscheidenden Frage der Kroditbelvilligung zum Zwecke der Landesverteidigung, so heißt es„Nein!" Aber beileibe nicht nein, weil wir grundsätzliche Gegner der Landesverteidigung sind, sondern weil die Regierung nicht die Politik treibt, die wir für die richtige halten. Als ob man unter den gegenwärtigen Umständen für, die Politik, die man für die richtige hält, praktisch eWac, erreichen könnte, i n d e m in a n dem Laude, das gegen eine ungeheure U c b e r- macht um seine Exi st enzringt, die Mittel zu seiner Verteidigung verweigert! Eine solche Politik, die San öurnfjämn dem etitewt unmöglichen Nand- Punkt ausgeht, die falsch in ihren Wurzeln ist, kann dem Reich und dem Volke in den schwersten Zeiten, die sie durchleben, nicht Ratgeber sein. Sie verurteilt sich selbst zur Unsrucf barkeit. Heute kommt es mehr denn se darauf an, nicht bloß Propaganda zu treiben, sondern wirkliche Arbeit zu verrichten, ivirklichen Einfluß auf die öffentliche Meinung und a u f d i e Regierungspolitik anzustreben. Tas geschieht nicht — wie Haase deni„Vorwärts" unterstellt—. indem man sich als„Regierungsorgan" gibt, sondern indem man durch Ueberzeugung alle, auch die Regierung, zu zwingen per sucht. Das einzige, was bisher faktisch und praktisch auf dem blutgetränkten Boden Europas für den Frieden heraus- gekommen ist, war das deutsche F r i e d e n s a n g e ö o t. Dieses Angebot wäre unmöglich gewesen, wenn es nicht in Deutschland eine starke Volksbewegung gäbe, die klar und fest ans dem Boden der Landesvertcrdigung steht und �dabei unablässig auf den Frieden hindrängt. Mit ArbeitsgemeM' schaftlern und Spartakussen— K cedrtvsrweigerern aus taktu schen und Prinzipiellen Gründen— konnte dieser Schritt nicht getan werden. Es ist ja ein sehr einfaches Mittel der Propaganda, von der Regierung Tinge zu verlangen, van denen man genau weiß, daß sie sie nicht machen wird, weil sie sie nicht machen kann, und sie dann so hinzustellen, daß kein Hund mehr einen Bissen Brot von ihr nehmen niöchte. Tas Geheimnis solcher alter Hansrezepte ist auch uns nicht verloren gegangen, und wir Zweifeln nicht daran, daß man durch ihre Anwendung die im Volk vorhandene Mißstimmung erheblich steigern kann. Aber für den Frieden kann man mit ihnen gar nichts erreichen, und darauf kommt es jetzt au. Für den Frieden etwas leisten kann nur eine starke sozialdemokratische Partei, die mit den Notwendigkeiten der. Landesverteidigung rechnet und dabei auf alle Möglichkeiten zu einem guten, Deutschlands Dasein und wirtschaftliche Entwicklungsfreiheit er- haltenden Frieden unablässig hindrängt. Eine solche Sozialdemokratie will aber die Arbeits- gemeinschaft nicht. Ihr, der Mehrheit der Partei, gilt all ihr Haß, alle ihre Wut, gegen sie rafft sie alle Kräfte zusammen, gegen sie marschiert sie Arm in Arm mit der Spartakusgruppe, den cingeschworenen Arbeitewerivlitterern und Parteizer- störern. Sie kennt kein anderes Kampfziel. Selbst der Kampf gegen Regierung, bürgerliche Parteien. Kapitalismus — nm von den auswärtigen Feinden gar nicht zu reden—• verschwindet gegenüber dem„Klassenkampf gegen den Partei- vorstand" und die Partcimehrheit völlig in den Hintergrund. Man kämpft auch gar nicht mehr nm Grundsätze, sondern einzig und allein darum, einer bestimmten Personen- g r n p p c die Leitung der Partei zu erobern. t Auch ein solcher Kamps um die persönliche Macht inner- halb einer Partei ist an sich erlaubt— wenn er mit erlautbten Mitteln geführt wird, was hier freilich längst nicht mehr der Fall ist— aber man darf nicht glauben, daß er ein erhebliches Stück Weltgeschichte darstellt. Tie Welt hat heute andere Nöte und Sorgen als die! Wenn dann vollends dieser Kamps jit einer kunterbunten Katzbalgerei ausartet, in der alles drunter und drüber geht, wenn um Kompetenzfragen gerauft mird,� in denen sich nur der Sachverständige des Organi- sationsstatuts auskennt, und wenn schließlich die Mindethcits- gruppen sich selbst wieder untereinander in die Haare ge- -raten Cwas ihrer. perrmrsten Frisur trotz aller Eungkcits-- schwüre anzumerken ist)—— dann, fa dann fällt einem der Passus der von der Mehrheit angenommenen, aber für die . Minderheit nicht bhidenden Entschliaßung ein, in dem von „p a r t ei z e rr ii t ie n d e in Treib e n" die Rede ist. Tic Mehrheit und die auf Grund des Organisations- swtuts rechtmäßig gewählte zentrale- Vertretung der Partei gaben den Kampf gegen die Atomisierungstendcnzen in der deutschen Arbeiterbewegung aufgenommen. Tie Notwendig- seit der von ihnen getroffenen Maßregeln leuchtet— trotz aller Entstellungsvcrsuche— für den denkenden Leser auS dem offiziellen Bericht der Minderheitskonferenz deutlich genug hervor. Sie sind überzeugt, die ungeheure Mehrheit der Parteigenossen hinter sich zu haben, wenn sie den Weg nicht beschreiten wollen, der ins große Tohuwabohu führt! Die römische Tagung. Die Romfahrt der Ententeländer hat sich schnell erledigt, so' schnell, daß es fast schwer fällt anzunehmen, sie habe den Kweck gehabt, gewichtige Differenzen auszutragen. Die „Agenzia Stefani" meldet aintlich über den Ausgang: Rom, 7. Januar. Die Konferenz der Alliierten wurde nach der zweiten Zusammenkunft am Sonntag nachmittag, die die Arbeiten beendete, geschlossen. Di- Alliierten stellten noch einmal ibre Uebcreinstimmung hinsichtlich der vcr- schiede neu Punkte der Tagesordnung fest und fasten den Beschluß, immer mehr die Znsammen- stimmung ihrer Bemühungen zu verwirklichen. Ueber das, ioas geschehen ist, wird strengstes Still- schweigen beobachtet. Tie Zensur strick unerbittlich aus den Leitungen, was sich anschickte, den Zweck der Konferenz ernst- sicher aufzuschließen. ES bleibt nichts als der Eindruck, daß die Veranstaltung mit der Lage auf dem Balkan engen Zu- sammenhang gehabt haben dürfte. Wobei mau aber wiederum nicht so ioeit wird gehen mögen, wie der römische Kor- respondent des„Corriera della Sera", der nach einem Berner Telegramm so kühn war zu schreiben: Tic starke Beteiligung der Persönlichkeiten, die politisch oder militärisch für die Oricntaktio» verantwortlich sind, lasse mit Sicherheit darauf schließen, daß dir Bertreter der Entente dieseS verwiitelte divlomatisch, militärische Problem mit dem nötigen Rachdruck behandeln werden und beabsichtigen, das Balkanprobiem in allen feinen Zusammenhängo« und Beziehun- gen kriegerischer und politischer Art sowie hinsichtlich der Per- pfkegung endgültig zu lösen. Daß aus alle Fälle versucht werden wird, die römische Tagung als große Aktion vorzudrängen, darauf hat man sich nack den Proben dieser Tage gefaßt zu machen. Eine neue Probe gibt heute folgende Nachricht: Bern. 8. Januar. Wie Mailänder Blätter aus Rom melden, fanden drei verschiedene Vollsitzungen nacheinander unter Bofsitz von Bosrlli, Briand und Lloyd George statt. Man glaubt, daß auch das Beeke hrsproblcm sowie die Kohlen- und Grtreidefragr, besonders mit Hinsicht an» A t a l i e», besprochen wnrdcn. Llystd, George, Briand und Sarraii sind Sonntag abend abgereist. Für Probleme, die man in anderhalb Jahren nicht lösen konnte, soll gewissermaßen jetzt eine Zweitagefrist zur Er- ledrgung genügen, und jetzt macht sich die Ententejournalistik an das altbekannte Problem, ihrerseits darzutun, wie aus Mücken Elefanten zu erzeugen'sind. Welche Frage die Entente peinigt und natürlich beson- ders Italien beunruhigt, verrät sich neuerdings wieder in folgenden Meldungen: Bern, 8. Januar. Unter der Uebcrschrift„Saloniki und B a l o n a" wendet„Jdea Nazionale" sich offen gegen die von der„Daily Mail" ausgesprochene Forderung, alle Truppen- bestände ohne weiteres von Saloniki zurückzuziehen. Die Aufgabe dieses Stützpunktes würde die Preisgabe jeglichen konkreten Einflusses der Entente auf dem Balkan bedeuten, wirklicher.Friedensvorschlag.� Er sprach immer noch im Tone eines Eroberers und in der Laune eines Mörders. Wir können über unsere Friedensbedingungen keine Bedingungen mit einem wilden Tiere eingehen. Wilson darf versichert sein, daß wir nicht Krieg führen, um Deutschland zu zer- schmettern, sondern nur, um die militärische Macht zu zer- schmettern, den militärischen Uebcrmut, nicht nur in Deutschland. sondern überall, und daß, bevor wir in Verhandlungen eintreten, Deutschland Belgien und die von ihm besetzten Gebiete der anderen, kleinen Völker geräumt haben muß. Es muß einwilligen, für das ihnen angetane Unrecht Wiedergutmachung zu gewähren und einen Friedensvertrag zu unter- während die Aufgabe Balonas der Vernichtung des für Italien günstigen Gleichgewichts an der Adria gleichkommen würde. Während also eine gänzliche Aufgabe ans diesm Grunde berechtigte Bestürzung hrrvorrufrn könnte, würde eine Einschrän- Jung der Ententeoperatloueu auf beiden Angelpunkten des Aal- kans. wenigstens unter der augenblicklichen Sachlage, nur als ein Versuch zur Verwertung zurzeit passiver Kräfte erscheinen. Bern, 7. Januar.„Temps" verlaugt in seinem heust- gen Leitartikel» dessen zweite Hälfte vollständig von der Zensur gestrichen ist, energisches Handeln gegenüber Griechenland und schreibt, da z» befürchten stehe, baß qAcchischc Truppen die Verbindungen Sarrails bedrohen würden, habe die Orientarmec Verstärkungen sowohl zur Verdichtung der Front als zum Schutz der linken Flanke und Basis selbst nötig. Es sei.g l r i ch g ü l t i g, wo man Verstärknnge» weg- nehmen werde; auf jeden Fall müßten sie sofort abgesandt werden. Reben dieser dringenden Notwendigkeit müßten aber die Benizelisten in Griechenland gegen andauernde Verfolgungen geschützt und Genngtuung für die ersten Drzembcrtage geschafft werden. Das alles klingt keineswegs nach großer Festigkeit der Sache. Aber nun hallt es in dem Drum und Dran der römi- schen Tagung von neuer Zuversicht.„Giornale d'Jtalia" veröffentlicht eine Unterredung mit Briand, der erklärte,„er bewahre sein Zutrauen und trage in sich die Sicherheit, daß sich die Entente auf dem Wege zu dem schönsten und tröst- lichsten Ergebnis befinde. Briand fügte hinzu: Ich weiß, daß Italien nicht nachgibt und daß es fest dazu entschlossen ist. Meine Freude, nach Italien gekommen zu sein, ist sehr groß und mein Vertrauen auf unser gemeinsames Glück unerschütterlich." Das Wort„Glück" wiederholt sich auffallend oft in den Nachrichten, die mit der Konferenz zusammenhängen. Man werde sehen, sagt„Giornale d'Jtalia" von den Beschlüssen. w i c gl ii ck l i ch s i e s e i e u, wenn sie zur Ausführung ge- langten". Sind solche Redensarten nicht Bemühungen der Wortführer der Entente, die Völker ihrer Länder init ge- heimnisvollen Vorsviegelnugen hinwegzuführen über eine Zeit des großen Höffens auf Frieden, wie wir sie eben erlebt haöen, des Friedens, der einzig ihr Glück wäre? Wilsons§rieüensnote. Im Haag anders als i« Madrid mitgeteilt. Haag, 8. Januar. Dem Korrespondenzbureau wird auf seine Nachfrage vom Ministerium des Aeußern geantwortet, daß der Tert der Friedensnote Wilsons an die Krieg- sühreniden im Haag nicht, wie es in Madrid geschehen zu sein scheine, mit dem Ersuchen um Unterstützung dem Minister des Aeußern mitgeteilt, icmdern einfach durch den omerikoni- schen Gesandten dem Minister London ohne irgend ein Ersuchen um N n t e r st ü tz u n g ausgehändigt wor- �en sei.___ Der �rieüensvorsihlag" des Ministers Sarnes. London, 7. Januar. Reuter meldet: Der Minister für Pensionen Barnes sArbeiterpartei) sagte in einer Rede in Southwark: Alle wünschen den Frieden. Aber der beste Weg, den Frieden zu erlangen, ist der, den Frieden aus den Gemütern zu verbannen, bis die Ziele erre:cht sind, die geeignet sind, ihn zu sichern. Der deutsche Friedensvorschlag war kein schreiben, der sich auf die inrerpationale moralische Stärktz der ganzen West stützt. ♦. Der Arbeiterparteiler Larneö. spricht immer noch im Ton und in der Verblendung eineS Gewerkschaftlers von jenem Trade Union � Kongreß, der sich vor anderthalb Jahren unter wüste« Angrifisrebeir gegen Deutschland bereit fand, eine begeisterte Äriegsresolution an- zunehmen und mit Lloyd George fortan durch dick und dünn zu waten. Lloyd George bearbeitet« damals die Gewerkschaftler mit zündender Geriebenheit in einer Ansprache, deren Kern darin bestand, daS, was die deutschen Arbeiter für die Kriegführung ihres Lande? leisteten, den englischen Arbeitern als Muster vorzuhalten. In der Betätigung des Friedenswillens sollen aber nun die deutschen Arbeiter.nicht inehr Muster sein. Da scheuen die Herrschaften zurück, als ob sie ein rotes Tuch sähen, uud der Minister Barnes nennt Deutschland sogar ei» wildes Tier. Darüber wird sei» Herr und Meister Lloyd George mit ihm zufrieden sein: Leute, die so wie BarneS m dem Jargon von vorgestern erstarrt sind, kann er zurzeit, wo sichs nur um die Propagierung des Schlagworts vom Zerschmettern handelt, gerade brauchen. Für Friedenszwecke, die ein Bauen bc- sorgen wollen, möchten sie minder nützlich sein. Bor BarneS' FriedenSvorschlage dürften sich jedoch diele englische Arbeiter bc- kreuzen. Eine Fricdcnstandidatur in England. Aus Amsterdam schreibt man uns: Zu einer interessanten?!achwahl wird es im Bezirk R o s s e n d a l e in Lancashire kommen. Der Bezirk ist alter liberaler Besitz. Dreizehn Jahre war et von Harcourt vertreten. Die liberale Partei hat jetzt Sir Henry Maden aufgestellt. Ihm wird ein Sozialist entgegentreten, der vom Verband gegen den Dienstzwckkig, der Partei des„Friedens durch Unterhandlungen" und von den Gewerkschaften unter- stützt werden wird. Der Sekretär des Schuhmacherverbandes, der ztveitstärksten Gewerkschaft des Bezirks, Genosse Taylor. wird die Wahlkampagne leiten. Taylor ist„Dienstverweigerer aus Gelvifsensgründcn.__ Henüersons Kriegs- und ßrieöensziel. Amsterdam, 8. Januar. Wie dem„Algemeen Handels- blad" aus London berichtet wird, erklärte Minister Henderson in seiner Unterredung mit dem Londoner Korrespondenten der„New Aork Tribüne" aus die Frage, ob die Arbeiterpartei den Krieg fortzusetzen wünsche, oder ob sie sich mit einem durch Unterhandlungen zustande gebrachten Frieden begnügen würde, folgendes: Tie Arbeiterpartei wird sich mit einem Friede« begnügen, der der Eiistenz einer großen, nicht durch moralische Erwägungen geleitete« Militärmacht ei« Ende macht, wen« das durch Uaterhandlungcn gesichert werden kann. Tie sichersten Bürg- fchoften für die Acndcruug des dentschcn Charakters sind Friedens- bedingungcn, die einerseits nicht von Rache eingegeben sei« dürfen, andererseits aber auch deutlich machen müsse», daß Deutschland be- siegt worden ist, und zwar so, daß eS selbst für deutsche GefchichtS- fchrciber unmöglich fein wird, zu behaupten, daß Deutschland am Ansang dcS 20. Jahrhunderts seiner Militärkastc zu Dank ver- pflichtet worden sei. Wir können nicht dulden, daß ein so starkes und einen so wichtigen Platz cs�tnehmcn- de« Heer, wie es Deutschland, Oesterrcich-Ungar», die Türkei und Bulgarien ausstellen können, tatsächlich unter Deutsch- landS Kontrolle steht, auch mit Rücksicht auf das iuter- nationale Streben nach einer friedlichen Zukunft nicht. Diese Lr- strebunze« wurdet» bantt wicht verwrrtlicht werden, und die eine oder andere Großmacht würde sich dann vielleicht weigern, cinem FriedenSverbande, wie er vorgeschlagen worden ist, beizu- treten oder sich seinem Beschluß 5» fügen. Die Moskauer Unruhen. Noch immer dauert die Sperre, die uns hindert, die Vorgänge, die sich um die Jahreswende in Rußland zutrugen, tlarer zu sehen. Nur vereinzelt sickern Botschaften durch. Gestern wurde von der russischen Grenze der„National-Zeitung" mitgeteilt: Wie nunmehr feststeht, wurden bisher inMoskauöiäo Personen unter dem Verdacht der Teilnahme an den Straßen- unruhen verhaftet. Täglich finden neue Verhaf« t u n g e n statt. In vielen ösfentlichen Lotalen fanden Haus- s u ch u n g c n statt. Aus Anlaß der Zwei-Tage-Unruhen wurden insgesamt 33 Lokale geschlossen, in denen geheime Versammlungen stattgefunden haben sollen.„Rußkija Wsedomosti" erhielt eine Strafe von 3lX>c> Rubel, weil es einen kurzen Bericht über einen mit dem Ausruhr in Verbindung stehenden Vorfall unter Um- gehung der Zensur gebracht hatte. Minister des Innern Pr o to- Popow traf in Moskau ein und ließ sich einen eingehenden münd- lichen Bericht über die Geschehnisse unterbreiten. Es ist wahr- scheinlich, daß die Vorkommnisse in Moskau der Regierung eine neue vorzügliche Handhabe gegen die gesellschaftlichen Komitees bieten werden. Es ist wahrscheinlich, daß die Vorkommnisse in Moskau nach dem Wiederzusammentritt der Tuina eingehend er- öriert werden. Die Polizei verbot eine geschlossene Versammlung. in der der Dumaabgeordncte Novikow seinen Wählern einen Bortrag über die letzte Dumasession halten wollte. Da sich Ncwitow weigerte, sich diesem Verbot zu fügen, kam es zu neuen Zusammenstößen zwischen Polizei und V« r sa m m- lungsteilnehmern. Novikow reichte eine telegraphische Beschwerde an die Regierung ein. Die Stimmung in Moskau ist ganz außerordentlich gedrückt. Moskau ivar infolge Sperre des Eisenbahn- und Briefbestell- Verkehrs sowie der telegraphischen und telephonischen Verbindungen drei Tage von der ganzen Außenwelt abgeschlossen. Der bulgarische Kriegsbericht. Zofia, 7. Januar. Generalstabsbericht vom 7. Januar. MazevonischeFront: Nordöstlich«om Do j r an- See versuchten zwei englische Bataillone, von Artillerie unterstützt, gegen unsere Wachabtcilungen vorzugehen, wur- den aber durch unser Feuer vertrieben. Im allgemeinen auf der ganzen Front schwaches Artillerrefeuer. Rumänische Front: In der Walachei erreichten unsere Truppen den Unterlauf des Sercth. * Amtlicher französischer Orient-Bericht. Seit dem 30. Dezember hat sich kein wichtiges Ereignis an der Front der Oricntarmse zugetragen,'wo das schlechte Wetter die Ope- rationen fast überall behinderte.' Der Artilldriekckinpf ging be- sonders lebhaft in den Gegenden von Gewgheli. Ssurnntea, M o n a st i r, M a c i a g und an'der E e r tra in Richtung RapO weiter. Zu melden ist ein bulgarischer Angrifssversuch auf L e s- c o v o und ein glückliches linternehmen der englischen Truppen bei K l u p r i an der Eisenbahn von Seres nach Demir Hissar. Die englische Flotte beschoß Atarvita und Semuniolos nördlich von Oxfana.-• • Der russische Heeresbericht vom 3. Januar meldet von der rumänischen Front: In der Gegend von Dziniacz, nördlich von Zolotring. griffen unsere Aufklärer eine lirtbe Komvagnie mit dem Bajonett an. mochten einen Teil der Oester- reichet nieder und nahmen die üHrigen gefangen. Eine deutsche Kompagnie, die unserer: Gräben nördlich von. K o t u m b a sich zu nähern versuchte, wurde umzingelt. Ein Teil der Deutschen wurde mit dem Bajonett niedergemacht, die anderen gesangen gc- nommen. Südlich mm Kolumba zwang der Feind durch wieder- holte Angriffe die llnsrigen, eine der Anhöhen aufzugeben und zwei Werst nach Osten zurückzugehen. Der Kamps um die An- bähe im Norden des Vizu- Tales endete damit, daß unsere Gegenangriffe den Feiird in seine Gräben zurückwarfen, wobei er schwere Verluste erlitt. Feindliche Angriffe südlich von den Höhen zwischen den Tälern der S l a n i c und des O i t o z wurden ab- geschlagen; wir besetzten die Anhöhen südlich vom Oitozfluß. Ein an Zahl überlegener Feind griff tue Rumänen am Oberläufe der S u s i t a an und drängte sie nach R o c o s a zurück. Auch in der Gegend von Kapraria, 12 Werst südöstlich vom Zu- sammenfluß der Putna und der Zabola. gelang es den Geg- rcern, die Rumänen zurückzudrängen. Ter Feind vereinigte das Feuer seiner schweren Artillerie südlich von Rymniceni am Unierlauf des Rymrnc und ergriff unter dem Schutze seines Feuers die Offenfwe an der Fron: Rymiriceni— Gulianka, Cheoveni — Maxinoni und drängte unsere Vorhuten, nachdem sie erbitterten Widerstand geleistet hatten, 4 Werst weit nach Osten zurück. Am Abend zeigte sich eine feindliche Offensive längs der Straße Gu- Uarika— OloneaSka, die aber durch Feuer aufgehalten wurde. Am 4. Januar räumten wir B r a i l a, indem wir uns über den Sereth zurückzogen. Der türkische Kriegsbericht. Kullslantinopel, 7. Januar, Amtlicher Bericht. An der Jrakfront beiderseitigeZ Artillerie- und Jnfanterieseuer. An der Äaukasusfront bloß Scharmützel. An den übrigen Fronten nichts von Bedeutung. Der stellvertretende Oberbefehlshaber. « Der russische Kriegsbericht vom 6. Januar melde!: Im Kaukasus dauert der Schneesturm an den verschiedenen Teilen der Front an. Am U r m i a- S e e hat ein heftiger Sturm olle Verbindungen für drei Tage abgeschnitten. Am g. Januar morgens bemächtigten sich die Unfern der Stadt B i d j a r. Die Türken zogen sich zurück und bezogen an den steilen Abhängen süd- lick, von Bidjar beiderseits der Straße nach Senne emc feste Stellung.__ Die Kämpfe in Gftafrika. London, Januar. Amtlicher Bericht aus Ostafrika. In Verfolgung des Feindes, der sich nach dem Rufidschi- t a I zurückzog, besetzten wir am"4. Januar das deutsche Lager am Tschogowali-Fluß und erreichten am Morgen des 2. Januar Kibambawe auf dem Nordufer des Rufidschi, während der Feind das Südufer hielt. Während der ganzen am 1. Januar im Mgeta-Tal begonnenen Unternehmungen ist der Feind scharf angefaßt worden. Unsere in Mkalinso stehende Streitmacht griff kleine feindliche Abteilungen, die sich ihren Posten näherten, an, machte Gefangene und erbeutete beträchtliche Vorräte. Im westlichen Abschnitt wurde eine feindliche Abteilung, die sich nach Osten von L U p e m b e aus gegen M a h e n g e zurückzog, durch unsere verfolgenden Streitkräfte östlich von M f i r i k a in einen Kampf verwickelt. Der Seekrieg. SetftuU.«Meldung des Reuterfchc» Bureau».) Die draht- lose» Stationen i» Bilbao, Ferro! und Eoruua erhielten Funken- telegramme vom franzöfischeu Postdampfer„Bill« de H a v r c"(3000 Tonnen), worin der Dampfer um Hilfe bittet, da er von cinem deutschen U-Boot beschossen werde. Die Hilferufe hielten zwei bis drei Stunden an. Ein holländischer Dampfer fuhr zur Hilfe. London, 7. Januar. Wie Lloyds meldet, wurde der dänische Dampfer„E b r o" versenkt; die Besatzung ist gerettet. Man glaubt, daß der dänische Damvfer„W i k i n g" versenkt worden ist. Des weiteren meldet Lloyds die Versenkung deS britischen Dampfers ,.A l l i e".— Laut„Temps" wurden vor La Rochelle vier, und an anderen Punkten der französischen Küste fünf Fischdampfer versenkt. „Berlinaske Tidende"(Kopenhagen) meldet, daß der dänische Dampfer„Naesborg(1347 Brutto-Reg.-To.), wahrscheinlich im Kanal, versenkt wurde. Der Dampfer befand sich mit einer K o h I e n I a d u n g auf der Fahrt von Sunderland nach Bayonne, einer der gewöhnlichen P s l i ch t r e i s e n, die die englische Regierung von neutralen Dampfern verlangt. Die 18 Mann Besatzung der„Naesborg" wurden wohlbehalten in Brest gelandet. — Lloyds meldet ferner: Der Schoner„Brenda" wurde von einem feindlichen Unterseeboot versenkt, die Besatzung wurde ge- landet. Man glaubt, daß der norwegische Dampfer„Lau- p ar" versenkt wurde.__ Kleine Kriegsuachrichten. Ter provisorische Staatsrat des Königreichs Pole» tritt, wie die„Deutsche Warschauer Zeitung" meldet, sicherem Vernehmen nach in den nächsten Tagen zusammen. politische Ueberflcht. Marke Reveutlow. Die Rede des englischen Ministers Barnes gibt Herrn Reventlolv in der„Deutschen Tageszeitung" wieder einnial Veranlassung zu Betrachtungen, in die nach gewähnter Ma» nier eine Verdächtigung der deutschen Sozialdemokratie ein- geflochten ist. Er schreibt: „Den geographischen Begriff wollen sie gütigst belassen. Ge- rade Barnes und Genossen, im übrigen aber auch Lloyd George und die englische Presse erklären immer wieder, man müsse das „eigentliche deutsche Volk" aufklären, wie glücklich es nach Ber- nichtung des Militarismus, des Preußentums und des Kaise- rismuö sein werde. Man verspricht sich von dieser Aufklärung auf die Dauer viel und glaubt, daß insbesondere die deutschen Sozialdemokraten es begreifen wür- den. Die Bescheidenheit der Forderungen Herrn ScheidemannS genügt den Engländern und Franzosen zwar noch nicht, aber sie werden dann ein erfreuliches Zeiche» dämmernder Erkenntnis begrüßen. Sie wissen gu: genug, daß ein auf dem Boden des Programms Scheideman» geschlossener Friede den Keim zum deutschen Ruin in sich trüge." Herr Reveutlow glaubt Wohl nicht selber, sucht üfer seine Leser in die Ansicht zu versetzen, als stände die Sozialdemokratie im Begriffe, aus die gegnerischen Phrasen vom Kampf gegen den deutschen Militarismus, Imperialismus usw. her- einzufallen. Wer in den 2i/> Kriegsjahren auch nur ab und zu eine Zeitung gelesen.hat, mutz dgs Lächerliche dieser Unter- srellung einsehen. Die deutsche Sozialdemokratie hat oft ge- nug erklärt, datz sie es ablehnt, eine Umgestaltung der deut- schen Verhältnisse aus der Hand der Feinde zu empfangen, ganz abgesehen davon, datz unsere Gegner dieses Ziel notür- lich nur als einen Borwand zur Durchsetzung ihrer wirklichen Pläne aufstellen. Im übrigen darf g e r a d e d i e S o z i a l- d e m o k r a t i e ein Verdienst dafür beanspruchen, wenn die englischen Sckllagworte in der deutschen Arbeiterschaft nicht verfangen. Dank der sozialdemokratischen Aufklärungsarbeit wissen die deutschen Arbeiter, datz Militarismus, Imperialismus usw. nicht, wie unsere Gegner es hinstellen, spezielle Ausflüsse der deutschen Politik sind, sondern eine auf dem Boden des Kapitalismus gewachsene internationale Erscheinung. In England, wo die großen Arbeitermassen vom Hauche des Sozialismus wenig berührt und, mag es ge- lingen, für die Schlagworte vom„deutschen" Militarismus und„deutschen" Imperialismus unter ihnen ein gläubiges Publikum zu finden. Dafür, datz dies in Deutschland nicht möglich ist. mag sich Herr Reventlow alle Tage bei der deutschen Sozialdemokratie bedanken. Strescmann über Kriegsziele. Kriegsentschädigung uud ll-Boot-Krieg. Die..Tägliche Rundschau" berichtet auf zwei Spalten über einen Vortrag, den der alldeutsch-nationalltderale Abgeordnete Tr. Stresemann in Hannover gehalten hat. Nach der üblichen Polemik gegen Genossen«Scheidemaim, ohne die es bei Alldeutschen nicht mehr geht, wendet sich Stresemann den Kriegszielen zu und wiederholt die bekannte Phrase:„Wenn der Frieden geschlossen wird, ohne daß Deutschland die flandrische Küste besitzt, so ist Eng- land der gewinnende und wir sind der verlierende Teil." Ms reale Garantien im Westen genügten eine Eisenbahngemeinschast und Zollunion mit Belgien nicht, sondern der Besitz von Antwerpen und die Küste müßten gefordert werden. Wenn Belgien in der Hand unserer Feinde bliebe, sei Englands Hauptkriegsziel erreicht. Ferner fordert Stresemann das Erzbccken von Briey und Longwy. Für eine Kriegsentschädigung macht er mit folgenden Worten Propa- gemda: Die aufgehäuften Kriegsschulden werden voraussichtlich im Reiche neue Stcueru im Betrage von 6 bis 7 Milliarden Mark nötig machen. Dazu kommen neue Steuern in den Bundes- ftaaten und neue Steuern in den Gemeinden. Man ist sich an den maßgebenden Stellen über zwei Eefichtspukkte klar, dar- über nämlich, daß diese Steuern nicht auf die Dauer aufzu- bringen sind, sondern daß ein Teil der Schulden sofort abgetragen werden muß durch weitgehende BcrmögeuSabgaben— unter Einschluß auch der kleinen Vermögen— im Betrage von ei« Viertel bis ein Drittel des BcrmiigensbrsitzeS. Man ist sich wester klar darüber, daß man an de» nicht besstzenden Kreise« nicht vorbei- gehen kann. Für den Arbester also bedeutet dieser sogenannte Statusquo wachsende Teueruno und wachsende Steuerlast. Und das würde er dem Grundsatz danken: Jeder trage seine eigene Last. Wenn man also zusammenfaßt, was die Worte Schetdemaims bedeuten, so haben wir alle Opfer gebracht und müssen in Zukunft weiter Opfer bringen, damit Polen die Autonomie erhält. Herr Stresemann vergißt leider in seine Rechnung ein- zustellen, um wieviel die Kriegslasten noch bis zur Erreichung der von ihm aufgestellten Ziele wachsen würden. Hat er übrigens ber- gessen, daß der ihm nahestehende alldeutsche Professor Dietrich Schäfer sängst im„Reichshoten" zugegeben hat, daß wohl praktisch alles auf den Scheidwnannschen Satz herauskommen würde. Uebcr den verschärften U-Bootkrieg machte Herr Stresemann nach dem Bericht der„Täglichen Rundschau" folgende Angaben: Stresemann legte dar, daß sich die monatliche Zer- jtörungSleistung, die jetzt bereit? X Millionen Tonnen erreicht ha!, bei Sottesri Einsatz der KampffThiglrit Unserer U-Boote biS auf 1 Million steigern lasse. Das würde England nicht nur in seinem weltwirtschaftlichen Nerv treffen, sondern es würde auch für die englische Bevölkerung den Hunger bedeuten. Voraussetzung sei allerdings, datz man den U-Booten die volle Kampffähigkeit freigebe, und daß man diese Frage als eine rein deutsche betrachte, in der andere Staaten nicht mitzureden hätten. Es werden hier Zahlen genannt, die der Oeffentlichkeit bisher frencd waren. Sie beweisen jedenfalls, datz die Alldeutschen unrecht haben, sich•endauerd über eine angebliche auffällige In- formiertheit der sozialdemokratischen Presse zu beklagen. Die Bürgerlichen im Kreise Potsdam-Osthavellaud. Am Sonntagabend fand in Potsdam, wie die dortige?».- Korrespondenz berichtet, eine vertrauliche Besprechung zwische:'. Vertretern der Konservativen, der Nationalliberalen und Freisin- nigen im dortigen Wahlkreis statt. Da die Teilnehmer von ihren Parteien keine Ermächtigung besaßen, bindende Beschlüsse zu fassen, so beschränkten sich die Verhandlungen aus Besprechungen zwang- loser Natur. Die Versammelten waren der Ansicht, daß der Burg- friede für die Potsdamer Reichstagswahl gegenstandslos sei, denn mitllerweile sei die Antwort des sozialdemokratischen Provinzial- sekretariats auf die Anfrage der konservativen Wählkreisorgan:- sation eingetroffen. In dieser teilt— immer dem Bericht folgend — Genosse Otto Wels mit, datz von der sozialdemokrattschen Partei der Schriftsteller Tr. Franz Mehring aufgestellt sei und die Kan- didatur angenommen habe. Da in dem Schreiben keine weiteren Angaben entHallen waren, nimmt man an, daß sich die sozialdemo- kratische Gesamtpartei damit abgefunden habe. Die konservative Organisation betrachtet es nunmehr als selbstverständlich, daß mit ihr die anderen bürgerlichen Parteien die Kandidatur Mehring nicht widerspruchslos hinnehmen. In der Versammlung kam denn auch übereinstimmend die Auffassung zum Ausdruck, daß man im nationalen Interesse ein gemeinsames taktisches Vorgehen der bür- gerlichen Parteien artbahnen müsse und von den einzelnen Organ:- saiionen anzustreben sei, derartige Beschlüsse herbeizuführen. Da- bei soll es weniger aus die Parteizugehörigkeit des Kandidater: wie auf seine persönliche Eignung zum Sa rn m e l k a n d:- d a t e n ankommen.— Allerdings scheint es nicht ausgeschlossen, datz cur der Kandidateusrage die bürgerliche Einigung Schissbruch leiden wird, denn in konservativen Kreisen ist man der Ansicht, daß derjenigen Partei die Aufstellung eines Sammelkandidaten aus ihrer Reihe zukomme, die zuletzt die meisten bürgerlichen Stimmen auf sich vereinigt habe, das sind die Konservativen. Ob sich aber die Liberalen, die 1912 nur um wenige Stimmen hinter den Konservativen zurückvlieben,, mit dieser Ausschaltung zufrieden- geben werden, scheint uns zum mindesten zweifelhaft. Bisher ist übrigens ein Wahltermin für die Nachwahl noch nicht ausgeschrieben, so daß voraussichtlich bis zur Wahl noch einige Zeit vergehen wird._ Tie„Wagenschieber" des bayerischen Zentrmus. Wie wir bereits berichteten, hat die Zenirumsleitung im bayerischen Kreise Ingolstadt für die dortige LandtagSersatz- wohl die Ausstellung einer Arbeitcrkandidatur schroff abgelehnt. Gegen den von den katholischen Arbeitern vorgeschlagenen Eisen- bahner Sch ü r e r siel sogar das Wort: Man könne den Wählern doch keinen Wagen schieb er zumuten. Wie man jetzt erfährt, hat die Parteileitung Schürer sogar das Ehrenwort abgenommen, daß er nicht als Gegenkandidat des offiziellen Zentrumskandidaten Kroher auftreten wende. In den bayerischen Arbeiterkreisen des Zentrums hat der Fall viel böses Blut gemacht und das Wochenblatt der süddeittschen katholischen Arbeitervereine protestiert in seiner jüngsten Nummer nochmals „gegen die unwürdige Behandlung, wie sie seit Jahre» von leitenden Kreisen der Z«znrrranSvartec gegenüber den staatsbürgerlichen Forderungen der Arbeiterschaft in be�ug auf Zute-ilung von Land- rag-mairdaten beliebt wurde". Das'ielbe Blatt berichtet, daß in einer Reihe von Versanstungen die Arbeiterschaft des Krerses Wahlenthaltung beschlossen Hai bzw. noch beschließen werde. Auf die leitenden Zentrumstreise scheint dies jedoch wenig Eindruck zu machen; die bayerische Zentrumspresse, mit Ausnahme der Blätter in Augsburg und Nürnberg, putzt die aufsässigen Ar- bester nach Noten herunter. Die Arbeiter sind im Zentrum eben die— Wagcnschiebcr. Lette Nachrichten. Die Politik der rumänischen Regierung. Stockholm, 8. Januar. Infolge starker Opposttio« peab- sichtigt die rumänische Regierung, die Parlamentstagunge« dem- nächst wieder abzubrechen. Borher soll jedoch— nach rumänischen Blätteru— Take Joneseu noch eine Deklaration verlese«, welche die Negierungspolitik als die einzig uuiglichc für Rumänien erklärt und die Parteien zur Billigung durch Akklamatto» aufrufen wird. Eine ähnliche Deklaration wird Eantacuzrnu im Senat der- lesen._(.Frkf. Ztg.*.), Tie Lage in Athen. Bern, 8. Januar.„Corriere bella Sera" meldet aus Athe«: Die Stadt ist infolge Kohlenmangels nur spärlich beleuchtet. Die Bevölkerung erträgt mit Rnhe die von der Blockade herrührenden Störungen. Seit vier Tagen sind auch die Brotmeuge» für das königliche Hans bemessen. Alle Vertreter der kriegführenden Mächte sind nunmehr mit Ausnahme der Italiener abgereist und zum Teil eingeschifft._ Erklärungen der griechischen Regierung. London, 8. Januar. Das Rcutcrsche Bureau ersähet, daß die griechische Regierung den Alliierten eine Reihe von Er- klärungcn überreicht hat, die weder auf eine Zurück- Weisung noch auf eine Annahme der Note der Alliierten hinauslaufen. Tic griechische Regierung weise auf gewisse Schwieeigkcite», den Forderungen der Alliierten'nachzukommen, hin. Tie Haltung der griechischen Regierung, wie sie sich in diesen Erklärungen wideripicgelc, fei keineswegs so unnachgiebig wie die Haltung der tönigsgrsinnte» Presse. Tie Antwort an die griechische Regierung werde in Rom verfaßt, weil so viele Minister drr Alliierten dort anwesend feien. Inzwischen dauere die Berichte- bung der königstreucn Truppe», die in der Antwort auf das Ultimatum der Alliierten versprochen worden war, fort und gehe offenbar in einer Weife vor sich, die die Gesandten der Assiierten zufriedenstelle. Rasputin. Stockholm. 8. Januar.„Nim Tagligt Allehauda" meldet, nach glaubwürdigen Nachrichten aus Petersburg glaube ma« dort nicht, daß Rasputin wirklich tot sei. Tie Meldung von der Auffindung feiner Leiche in der Newa sei nur zu dem Zwecte verbreitet worden, Rasputiu Gelegenheit zu geben, zu verschwinden, oder jedenfalls sich der Aufmertjawirit der Orsfentlichkrit zu cnt- ziehen. In letzter Zeit seien wiederholt Anschläge gegen Rasputi» deriibt worden. Dieser sei aber so gut bewacht, daß e» kaum mvg- lich wäre, ihn z« ermorden. Gewerkschaftliches. Neue Spaltungsversuche in üen Gewerkschaften. Bckannilich Kotten die in der sozialdemokratischen Partei der- tretenen j�wei opposilionellen Siiditunflen, die AibeltSqemeinschaft und die spartakuSgrupve, eine Reichskonserenz zum 7. Januar ein- berusen. Die SparlatuZlcute stellien sür ein gcmeiniames Vor« gehen niit der Arbeitsgemeinichast besondere Bedingungen. die in sogenannten Grundlätzen oder Richilinisn formuliert wurden. Tie Geiverki'chaslen wird aus diesen Richtlinien für das Bündnis diese eine interessieren:.Systematischer Kampf gegen die Politik der GewerkschastZin stanzen innerhalb der G e w e r k s ch a s t e n; Organisierung zu diesem Zlveck der auf feiten der Opposition stehenden Gewerkichafts Mitglieder und Schaffung eines speziellen Gewerkschaftsblattes." Ob diese Forderung auf der Konserenz anerkannt worden ist, entzieht sich einstweilen unserer Kenntnis, wir registrieren sie nur als neuen Versuch, den Spaltpilz in die bisher feftgesiigie GewerkschaitS bewegung zu bringen. An sich mutz das Vorhaben der Spartakus leute als sehr llberslüisiig erscheinen, denn was sie schaffen wollen, besieht in der deutschen Gewerkschaftsbewegung bereits seit vielen Jahren. Die sogenannten Lokalorganisationen Katerscher Richtung �vertreten auch diese revolutionären.Grundsätze", allerdings mit recht dürftigem Erfolg unter den Arbeitern. Diese gewerkschaftliche NeubUdung würde also Geist vom alten Geiste sein, eS sei denn, datz die Spartakusleutchen sich streng von jeder Harmonieduielei und jeder Verwischung des Klassenkampfes fernhalten, gegen welche Erbsünden der deutschen Gewerkschastsbewegung die Lokalorganisationen auch nicht gefeit waren, denn auch sie führten Unterstützungseinrichtungen ein. stellten Beamte an und schlössen gar Tansverträge mit den Unternehmern ab. Im übrigen werden wohl auch die neuen Heils- vcrkünder keine grotzen Geschäfte machen, denn wir trauen den GcwerkschaftSnritgltcdenr denn doch noch so viel gesunden Sinn zu, datz sie einigen radikalen Phraseuren zuliebe nicht alle» kurz und klein schlagen, was sie in jahrelanger Arbeit und aufopferndem Kampfe mühsam aufgebaut haben, sintemalen starke Gewerkichafts- organisationen nach dem Kriege vielleicht doch noch recht nötig von den Arbeitern gebraucht werden könnten. Deutsches Neich. Konneu Werkvcreine Tarifvertragsträger fei»? Diese Frage verneint der bekannte Soziolpoliriker Smzhcimer in einem van ihm erschienenen Buche, das sich mir der gesetzlichen Regelung der Tarifverträge beschäftigt. Er kommt zu dem Ergebnis, datz die sogenannten Hannonieverbände ohne weiteres aus einem Tarisvertragsverhältuis ausscheiden müssen, weil ihnen die für den Abschlutz des Tarifvertrags notwendige Parteistellung fehlt; denn sie umfassen Unternehmer und Arbeiter oder An- gestellte in einer Organisation. Sie könnten deswegen die Jnteresien der Arbeiter oder Angestellic» nicht unabhängig zum Ausdruck bringen. Die wittschaflSfriedlichen Verbände mutzten auch deshalb auSscheideu, weil das Prinzip und die Tendenz ihrer Orga- msation den Tatsachen der Tariientwicklung entgegengesetzt sind. Ihr Prinzip, das sie strcirg durchgeführt und zur Lebensgrundlage ihrer Organisation gemacht haben,' sei der„Anschluh an die Unter nehmung. mit welcher der Arbeiter es allein zu tun har". Die Vereinsmitgliedschaft ist an die Zuständigkeit zum einzelnen Werk gebunden. Scheidet der Arbeiter aus dem Werke aus. so verliert er die Vcreinszugehörigkeit und damit alle seine Ansprüche an den Verband. Tie Lohn- und Aröeiisbedingnngen erscheinen ihm auS'chlietzlich als Angelegenheiten des Werks, in dem er zufällig beschäftigt ist, nicht'als gesellschaftliche Bedingungen. Diesem Prinzip entsprichr die Tendenz der Werkvereine. Wenn auch von ihnen daS Streikrecht prinzipiell bejaht wird, 10 ist das doch ohne Bedeutung, denn praktisch verwerfen sie ja jede Einrichtung, die auf die Möglichkeit und die Durchführung eines wtrtschastlichen Kampfes gerichtet ist. Das zeigt sich auch darin, datz diese Vereine auf die Schaffung von Streikkassen ausdrücklich Der- zicht leisten. Sinzheimcr kommt zu der Ansicht, datz, wenn die Gesetzgebung solche Verbände als Berufsvereine zur Tarifschliehung zulassen würde, so würde sie nicht nur einen Kell ist die bisherige Tarifbewegung treiben, sie würde auch den Sinn des Tarifvertrages ver- wirren. Man könne nicht im wirklichenSmne.von einem Verlrage sprechen. wenn die Möglichkeit fehle, auf den Inhalt der Vertragsbedingungen tatsächlich einzuwirken. Ein Verband, der von vornherein im Falle der Arbeitseinstellung jede Hilst; versagt, gebe den Gedanken einer vertraglichen Mitbestimmung von vornherein preis. Der Tarifvertrag letzt feinem Sinne nach den Gedanken des winschafilichen Kampfes vor- auS. Sein weienUicher rechtlicher Inhalt besteht gerade darin, datz sich die Vertragsparteien verpflichten, während seiner Geltungsdauer wirtschaftliche Kämpfe nicht zu führen. Für die wirtschaslSfriedlichen Verbände ober iei ein solches Versprechen sinnlos, da sie auf die Möglichkeit cincS wiriichafttichen Kampfes verzichten. Kein Wirt- fchaftsfriedlicher Verein habe bis jetzt einen Tarifvertrag ab- geschloffen; im Gegenteil suchen diese Verbände auf die Durch» führung eines dem Tarifverträge entgegengesetzten VcrständigungS- Prinzips zu dringen, sie wollcu, datz die Verständigung zwischen Unternehmer und Arbeiter auf dem Boden der Gleichberechtigung durch Vermittelung der von den Arbeitern des Werkes gewählten Vertretung oder aber der WerkvereinSleitung erfolgen soll. Daraus und aus manchen anderen Begleitumständen schlicht Sinzheimer. datz auf Arbciterseite für den Tarisvertragsabschlutz nur ialcho Berufsvereine in Frage kommen könnten, die nur Arbeiter oder Angestellte aufnehmen, die die Beremszugehörigkeit von der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Werk nicht abhängig machen, sondern die willens und imstande find, ihre Jnteresien auch durch winschaft- liche Kämpfe wahrzunehmen. „Der Bund", das Organ deö Äariellvcreinö deutscher Werlvereine, ist über die AuSiührrrngerr SmzheimerS sehr ungehalten. Er nennt sie unnatürliche Tüfteleien, die von vornherein de» ein- ierngen Parteianwalt verraten, der auf Bestellung gearbeilct babe. Kein Gericht und keine unparteiische gesetzgebende Stelle würde diese juristischen Schlutzfolgernngen anerkennen. Schlietzlich müht sich der Bund auch noch ab. die Voraussetzungen SinzhcimerS als falsch nachzuweisen. Und wenn er in einer Anwandlung radikaler Gesinnung die Tarifverträge als Fessel für die Arbeiter bezeichnet, so verrät die Beurteilung über die Wirkungen der Tarifverträge im WirtschaitSleben ungefähr so viel weltferne Unkenntnis, wie der gegen Sinzheimcr erhobene Vorwurf, datz er auf Bestellung ge- arbeitet habe, niedrige Gesinnung. Die Praxis wird sich auf Sinzheimers logischen Standpunkt stellen, trotz der ohnmächtigen Wut der Werkvereinler. �_ öerlin und Umgesend. Aus der Schlichtungstommifsion für Militärfchneider- arbeiten. Das Oberkommando soll benachrichtigt werden. In dem Rattenkönig von Lohnprozessen, in deren Mittelpunkt Frau Sudermann steht, spielte sich in der letzten Sitzung der S-blichtungskommission wieder mäl ein Akt ab. Wie aus unseren früheren Berichten bekannt ist. hatte Frau Sudermann vom Be- kleidungSamt Spandau Arbeit übernommen und zum Teil an eine Frau Weinkeller weitergegeben, die ihrerseits Arbeiierinnen beschäftigte. Die Tanfbestinunungen' über den Zwischcnmeisterameil und über den Lohn des letzten Arbeilers waren aber nickt innegehalten worden. Diesmal standen sich Frau W. und Frau S. gegenüber. ES handelte sich aber letzte» Endes darum, den früheren Arbeiterinnen der Frau Weinkeller den Teil des tanfmätzigen Lohnes zu sichern, den sie nicht erhalten haben. Da Frau Sudermann der Zwischernneffterin „ach deren Angaben auch zu wenig gezahlt hatte, so mutzte Frau Sudermann haftbar gemacht werden. Frau Sudermann ging gleich zu einer scharfen Attacke gegen Frau Weinkeller über: .Frau D. sagt vieles! Wie kann die Frau sagen, ihre Ar- beiterinnen hoben gerade die Militärunterhosen gemacht, die ich ihr übergeben babe!" Frau Weinkeller wollte nämlich durch eine Be- scheinigung der Arbeiterinnen beweisen, wieviel Unterhosen sie an Frau Sudermann geliefert hat. Ein Beisitzer spricht den Gedanken auS, datz der neueste Ein- wand der Beklagten S. vielleicht nur ein Vcrschleppungsnianöver sei. Im Laufe der Verhandlung wird Frau S. io laut und gibt als Streitparlei ihren energischen Siegerwillen in so ungehöriger Weise kund, datz Magistratsrat v. Schulz sie scharf in die schranlen eines angemessenen BerhandelnS zurückweist. Tie Schlichtungskommiision befchlotz folgendes:„Dem Oberkommando wird Bericht erstattet über das Austreten der Frau Sudermann, insbesondere über ihr Gebaren den Arbeiterinnen gegenüber. Ferner wird Frau Sudermann aufgegeben. bis zum nächsten Termin ihrerseits Beweis dafür anzutreten, wieviel der vom BeklcidungSamr erhaltenen Hosen sie im fraglichen Feit- räum an Frau Weinkeller ausgegeben bat." Der Borsitzende V. Schulz und verschiedene Beisitzer gaben der streitbaren Dame noch mit auf den Weg:.Aber auf allgemeine Redensarten lasten wir uns nicht niehr ein! Bringen Sie Bücker mit oder sehen sie, wie sie sonst einen korrekten BetvciS liefern." Tie Beschränkung der Frist für die Anrufung der SchlichtungSkommission. Frau G. hat sür den Schneidermeister E. Militärhoken gearbeitet. Sie klagt vor der Schlichtungskommiision auf Nachzahlung von 18b M. Sie macht geltend, die Entlohnung während des Zeitraums, wo sie beim Beklagten in Arbeit stand, fei zu gering gewesen. Der Beklagte erhebt schlietzlich den VerjährungSeinwand. Seit dem Austritt äuS dem Arbeitsverhältnis seien bei Erhebung der Klage mehr als vier Wochen verstrichen gewesen. Im BerglcichS- Wege will Beklagter aber 50 M. zahlen. Die Klägerin will auf dielen Vergleich nicht eingehen. Die Schlichtungskommission legt ihr dringend anS Herz, die gebotenen 50 M. im Vergleickswcge zu nehinen. Sonst würde sie wahrscheinlich nichts bekommen. Die Klägerin geht aus den Vergleich ein. Die Schlichtung«- k o m m t s s i o n bätte die Klägerin abweisen müsien, wenn sie sich nicht verglichen hätte. Nach den mahgebenden Bestimmungen des BekleidungSamtS und seines Tarifs können von der SchlichtungS- kommfffion die in Betrocht kommenden Personen nur Recht suchen spätestens innerhalb vier Wochen nach der Lohnabrechnung.— Diese Frist war bei der Älageerhebung schon verstrichen. Die.Leiterin". Nachzahlung von 211 M. verlangt Frau G. von Frau K. Die Klägerin hat Kragen sür Militärmäntel nicht larifmätzig bezahlt erhalten. Frau K. bestreitet nickt, datz Klägerin den Tarifsatz sür den letzten Arbeiter nicht voll erhalten hat.„Wer— sagt sie— ich habe damit nickts zu tun. Das geht nur Frau Gr. an. Die war in meinem Betriebe meine Leiterin. Ter habe ich die Arbeilen in Akkord übergebe» und sie hat sie an die Arbeiterinnen weiter gegeben." Ob dieser Logik grotzeS Bewundern beim GericktShoi. „Frau Gr. war meine Leterin"— dies ebenso schöne wie beaueme Leitmotiv setzte die barmlose Frau K. jedem BelchrungS- versuch aus der Schlichtungskommission entgegen. Immer im har- manischen Gleichmatz der von Lebensweisheit gelältigien Frau. „Na. wie war es denn mit der Krankenkasie?"„Ja, auf meinem Namen waren die Arbeiterinnen allerdings bei der Krankenkasse gemeldet." „Da haften Sie dock'."— wurde Bcllagte nochmal belehrt.— Endlich begriff die Beklagte selber, datz sie eigentlich die Arbeit- geberin war und datz sie für die Beachtung des Tarifs hastet, trotz der„Leiterin". Durch Vergleich sicherre sie der Klägerin 100 M. zu. Kzerzüglich an die B oturbeiten zur Syndi» zierung der L-Produkte heranzugehen. Der gute Vorsatz ist wieder einmal gefaßt. Ob ihm die Tat folgen wird, ist nach allen Erfahrungen fraglich. Das Problem liegt so: Die uniformen �.-Produkte, Halb- zeug, gormeisen und Schienen, sind syndiziert. Draht. Röhren, Bleche unterliegen aber im Krieden— im Kriege sind Preis« und LieferungSverabredungcn auf kurze Frist schon wegen der Notwendigkeit einer Ausfuhrregelung, getroffen worden— einem scharfen Wettbewerb. Die großen gemischten Werke fahren in der Regel gut dabei. Dank der hohen Gewinne. die Stahlwerksverband und Kohlensyndikat ihren Mitgliedern verbürgten, konnten diese in den fyndikatsfreien B-Produkten in Krisenzeiten kräftig schlendern, um nur durch niedrige Preise ihre Werke in vollem Gang zu halten. Dagegen lehnten sich schon im Frieden die reinen Werke oder jene gemischten am. deren Hanpterzeugung L-Produkte sind. In letzter Zeit soll die Syudizicrung der B-Produkte besonders von Au gu st Thyssen betrieben werden. Jim öer Partei. Württembergische Landeskonferenz. Am 6. Januar fand in Stuttgart eine vom Landesvorstand ein» berufene Konferenz statt, aus der 70 Ortsvcreine durch rund 100 Delegierte vertreten waren. Daneben waren die Abgeordneten, die KrciSvorfitzendeir die Parteisekretäre, die Mitglieder des Landes- auSschuffes und eine Anzahl in der Agitation tätiger Parteigenoffen erschienen. Genosse Keil hielt einen Bortrag über die politische Lage und die Aufaaben der Partei. Er beleuchtete die Er- eignisse der letzten Wochen von dem Standpunkt aus. den die sozialdemokratische ReichStagSstakkron einnimmt. Zu den Vor- gängen in der Partei erklärte er, wenn die Opposition, wie eS jetzt scheine, ihre Zugehörigkeit zur Partei nur noch dazu mitzbrauche, die Organisation zu sprengen, dann sei der Zeitpunkt gekommen, dem Hängen und Würgen ein Ende zu machen, und denen, die aus Verbissenheit die Partei zerrütten wollen, die Möglichkeit zu nehmen, sich als Mitglieder der deutschen Sozialdemokratie aufzuspielen. Redner wandte sich dann gegen die Eroberungspolitiker. In der Diskussion stimmten sämtliche Redner mit Ausnahme eines einzigen den An- schauungen des Referenten zu. Nachdrücklich wurde die Notwendig- kett bewnt, die Parteitäiigkeit wieder stärker zu beleben. Ein- stimmig fand folgende Entschließung Annahme: „Die Landeskonferenz der württembcrgifchen Sozialdemokratie. besucht von 150 Vertretern aus allen Teilen des Landes, erklärt ihr volles Einverständnis mit den Ausführungen des Referenten. In dem Friedensangebot der Mrrtel- mächte erblickt sie einen erneuten Beweis für die Richtigkeir der bisher von der Sozialdemo- kratisckcn Partei Deutschlands verfolgten Politik, ihr Land zu verteidigen.' solange die gegnerische liebermacht dessen Niederwurf beabsichtigt, aber den Frieden zu schlietzen, sobald unsere Grenzen gesichert und die Gegner zum Frieden bereit find. Die krwgverlängernd wirkenden Pläne der deutschen EroberungSpolitikcr lehnt sie als Volks- schädlich ebenso entschieden ab, wie sie die verstiegenen Ab- sichten der Annexionisten im gegnerischen Lager zurückweist. Sic fordert einen Frieden des Ausgleichs, der neben den Rechten und Jnteresien des deutschen Volkes den be- rccktigten Interessen der andern Völker Rechnung trägt. Sie begrüßt die Note des Präsidenten Wilson als einen in der Richtung zu diesem Ziel liegenden Schritt. Auch in dem Fall, datz die Halsstarrigkeit der feindlichen Staatsmänner das deutsche Volk zwingt, den Abwehrkamps mit größter Kräfre- entfaltung fortzusetzen, hält die Konferenz eS sür ein Gebot der Menschlichkeit, das sich mit den Interessen unseres eigenen Volkes deckt, die Friedensbereitschaft Deutschland« dauernd ausrecht- zuerhalten, bis den Gegnern die Einncht von der Unmöglichkeil ihrer Absichten kommt. Den Arbeitern der feindlichen Länder liegt die Pflicht ob, ihre Regierungen zur Friedensbereitschaft zu zwingen."_ Mus Industrie und Handel. Sylidizierung der L-Produkte? Zm Zusammenhange mit dem Beschluß, den Stahlwerks- vorband ohne Aenderung des Gesellschastsvertrages um ein Jahr provisorisch zu verlängern, ist beschlossen worden. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. An der Berliner Montag-Börse dämpften Steuer- b e f ü r ch t u n g o n die Unternehmungslust ziemlich stark. Nach dem Geschäftsbericht der Norddeutschen Kabelwerke A.-G. in Neukölln erzielte die Gesellschaft in dem am 30. September 1916 abgelaufenen zweiten Geschäfts- sahrc einen Bruttogewinn von 406440 M.(1914/15 254 044 M.). Der Reingewinn wird mit 221618 M. (131 999 M.) ausgewiesen, woraus eine lOprozentigc Dividendö verteilt wird. Die Gesellschaft, die ihr Kapital ursprünglich um 1 000 000 M. erhöhen wollte, wird in 14 Tagen eine Verdoppelung des Kapitals von 1 500 000 M. auf 3000000 M. vornehmen, wenn ihr ein großer Auftrag erteilt wird, wegen dessen sie in aussichtsreichen Verhandlungen steht. An der Gesellschaft ist die Mix u. Genest A.-G. stark be- teiligt._ Französische Börsenkurse, Die Tatsache, datz der Feind im eigenen Land steht, Hai auf die französischen Wenpopiere stark gedrückt, deren Kurie fast durch- wcgS stärker gesunken sind als glelchartige Effekten in Deutschland. Genossenschaftliches. Das zweite landwirtschaftliche Gut des schweizerischen KonsumverbandeS. Ter AussichtSrat des schweizerischen KonstunverbandeS hat in Psyn bei Frauenield(Kanton Tburgau) ein zweites Landgut um den Preis von 170 000 Fr. einschließlich des lebenden und toten Inventars gekaust. Das Gut umiatzt 37 130 Hektar ebenen Boden mit genügenden, sehr gut erhaltenen Gcbäulichkeilen. über 1000 fruchtbaren Obstbäumen und grotzen. prächtigen, zum Teil ichlag- fertigem Wald: der Viehbestand umfaßt 45 Stück Rindvieh, ver- schicdeneS Kleinvieh und drei Pferde. Das reichhaltige und gut» erhaltene tote Inventar enthält landwirtschaftliche Maschinen und Geräte, Vorräte usw. DaS Gut ist mit dem 1. Januar 1917 in den Besitz deS KonsumverbandeS übergegangen. Gerichtszeitung. Wetterfeste Kinderstiefel heckte eine Arbeiterfrau eines Tages bei dem Partiewarenhändler Lewin skr in der Raabe st ratze verlangt und als solche ein paar Stiefel er- stunden, die ihr als gut empfohlen worden waren, sich al-er dann der Bezeichnung als„Stiefel" gar nicht würdig zeigten, denn die Sohlen bestanden nicht aus Lcder, sondern aus Pappel Die Käuferin brachte die Sache zur Anzeige und Herr LewinSki stand am A tontag unter der Anklage des Betrüge« vor dem Schöffen- geeicht Berlin-Mitte. Ter Angeklagte entschuldigte sich damit, datz auf dem Karton, in welchem die Stiefel verkaust wurden, eine Bemerkung zu lesen war, die besagte, datz es sich nicht um Leder- sohlen handle. Das Gericht sah dies nicht für ausschlaggebend an, stand vielmehr aus dem Standpunkt, datz der Angeklagte verpflichtet gewesen wäre, die Käuferin ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen. Da.Kinder mit den Stiefeln vielfach im Rassen herum- panschen, so könne das, was der unbemittelten Frau, die sich mühsam daS Geld zum Ankauf neuer Stiefel für ihr Kind abgc- spart hatte, verkauft worden, überhaupt nicht als Stiefel gelten. Mit Rücksicht daraus, datz in der heutigen schweren Zeit einer solchem Unreellität scharf entgegengetreten werden müsse, verurteilte das Gericht den Angeklagten zu 1 Monat Gefängnis. Mit einem Brettarkenschwindler heckte sich am Motttag das Schwurgericht des Landgericht- I zu beschäftigen. Ter An- geklagte Schneider Artur G. war beschuldigt, in 29 Fällen sich der Urkundeinälschung in gcwinnsichtiaer Absicht schuldig gemacht zu haben. Er betrieb den Brotkartenichwindel. der jetzt so häusig die Gerichte beschäftigt, aus eine höchst einfache Weise. Au« dem Adreßbuch suchte er sich jedesmal ein beliebiges Haus, den Namen de« Eigentümers, des Verwalters und irgendeines Mieters heraus und machte sich dann zu einem Afterinieter des letzteren. Das geschah in der Weise, datz er eine polizeiliche Annieldung mit den erdichteten Personalien einer ebenso fingierten Person ausfüllte und weiter darauf angab, datz diese von autzerhalb zugezogen und bei dem betreffenden Mieter Astermictcr sei. Hieraus fälschte er die Unterschriften von Hauswirt oder Verwalter und ging mit der Anmeldung zu dem zuständigen Poltzetrcvier, wo er sie ali- stempeln lieh. Mit der nun ganz ordnungsmätzig erschetneirden Anmeldung suchte er die in Betracht kommende Brottommiffion auf und verlangte seine Brotkarten, die ihm auf Grund der An- Meldung auch anstandslos für mehrere Wochen ausgehändigt wurden. So schwamm der Angeklagte in Brotüberflutz. Em ganzes Brot will er täglich selbst verzehrt, den Rest der Karten cm arme Leute verschenkt haben. Die Geschworenen bejahten nur die Schuldsrage nach einfacher Urkundenfälschung und billigten dem Angeklagten, der aus besseren Verhältnissen herabgekommen ist, mildernde Umstände zu, da er von Anfang an voll geständig war. Der Angeklagte wurde zu 6 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 3 Monate» Untersuchungshaft verurteilt. u» Veräntw. Redakt.: Hrrm. Müller, Tempelhof. Jnseratenteilvercmtw.Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: vorwärts Buchdr. u. LerlagSanst.Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 1 Bcilagr und Unterhaltung�. fit. 8 34. ZM' ang AjlW hes„WnUlls"§n\m VolkslllM. Zentralisation oder kommunale Lieferungs vertrage in öer Lebensmittelversorgung? Wcrmuths Replik an Batoeki. Die Antwort, die der Präsident de? KriegSernährlingSamteS an den Oberbürgermeister Mermuth auf dessen Ausführungen im Berliner Stadtverordnetenkollegium gerichtet hat. hat den Ober- bürgermeister zu einer erneuten Erwiderung veranlaßt, die folgen- den Wortlaut hat: ..Euer Exzellenz geneigtes Schreiben vom ö. d. M. habe ich zu erhalten die Ehre gehabt. Ich begrüße dankbar, daß es zur weiteren Erörterung der grundlegenden Fragen unserer Er- nährungspolitik Gelegenheit gibt. Sehr wertvoll ist den Städten die Mitteilung Euer Exzellenz, daß Sie die Bewirtschaftung der Vollmilch und Magermilch zurzeit mit allem Nachdruck betreiben und eine Besserung der auf diesem Gebiete bestehenden besonderen schweren Mißstände erwarten. Die großen Städte befhldeu sich in der unhaltbaren Lage, daß sie, denen die Verteilung bestimmter Mengen von Milch reichsseitig vorgeschrieben ist. ohne jede wirksame Hilfe bleiben, um auch diesen allernotwendigsten Bedarf angeliefert zu erhalten. Wir bitten leb- Haft, die beabsichtigten Matzregeln zu beschleunigen und die Milch planmäßig in den Landgemeinden ansammeln, planmäßig nach den Städten wciterbefördern zu lassen. Bei der Milch hat auch eingesetzt, was ich in der Stadwerord- netenversanunlung über die Preisentwicklung zu sagen hatte. In den Beratungen mit der Reichsfettstelle ist uns wiederholt erklärt, man sei außerstande, die Anlieferung nach den Städten zu bcein- flussen und zu festigen, und erblicke deshalb für uns die einzige Hilfe darin, den Reiz zur freiwilligen Anlieferung durch höhere Preisangebote zu verstärken. Mit diesem Rate allein kann sich der Städter allerdings weder hier noch bei anderen Le- bensmitteln abfinden. Er hält es, solange nicht Stadt und Land gleichgestellt sind, zum wenigsten für die Pflicht der Ge- samtheit, ihrerseits den Städten diejenige Menge von Währung»- mflteln zuzuführen, welche zur Lebenshaltung unbedingt erforder- lich ist. Diesen Mindestbeharrungözustand haben die Maßregeln des Reiches noch nicht erzielt. Bis er erreicht ist, bleibt nichts übrig, als auf dem nun einmal— meiner Anficht nach mit gutein Grunde— beschritten«» Wege amtlicher Ergreifung und Be- wirtschaftung der notwendigen Nahrungsmittel unbeirrt weiter- zugehen. Demgegenüber steht im Mittelpunkt der gegenwärtigen Er- örterung die Frage, ob in dem Ausbau der Lieferungsverträge, wie Euer Exzellenz ihn vorhaben, ein Tystemwcchscl liegt oder nicht. Daß Euer Exzellenz einen grundsätzlichen Wechsel nicht wünschen, ist nach Ihrer nunmehrigen Erklärung außer Zweisel. Eo bleibt nur zu erörtern, ob die Wirkung nicht dennoch eintreten wird. Der hauptsächliche Grund, auS welchem unsere Stadtverwaltung und, wie Euer Exzellenz selbst bemerkt haben werden, sehr viele andere Seiten eine Richtungsänderung besorgen, ist folgender: In Euer Exzellenz Schreiben, auch in dem jetzigen, sind wichtigste Nahrungsmittel, so Kartoffeln(Frühkartoffeln). Milch und auch Fleisch(Mastschweine) unter beiden der von Ihnen unter- schicdcnen Lebensmittclklassen aufgeführt. Einmal bei den Gegen- ständen der öffentlichen Bewirtschaftung und der Zwangslicferung und dann wiederum auch bei den Lebensmitteln, welche»sich ihrer Natur nach für das System der Beschlagnahme zu Höchstpreisen und Bewirtschaftung durch Zentralbehörden nicht eignen", und denen deshalb durch LicfcrungSverträge beigekommen werden soll. Sicher- I:ch können Lieferungsverträge als Hilfsmittel auch bei den öftent- lich bewirtschafteten Waren am Platze sein; jedoch nur so, daß sie einen Bestandteil der öffentlichen Bersorgung bilden, und daß die Verantwortung für das Zureichen der Gesamtversorgung bei der Zentralbehörde bleibt. Aus der Aufnahme von Frühkartoffeln, Milch usw. in die zweite Klasse aber läßt sich die Meinung ent- nehmen, das? die Zentralbehörde von der weiteren Fürsorge und Verantwortung sich befreit halte» kann, wenn die Gemeinden Liefe- rnngöverträge abgeschlossen haben, ja auch dann, wenn sie, die Zcn- tralstelle, die Gemeinden auf den Weg der Lieferungsvcrträge ver- weist. Hiervor muß auch jetzt dringend gewarnt werden. Bei der Milch ohne nähere Begründung, nachdem Euer Exzellenz selbst die Verpflichtung der, Reichsbehörde zu wirksamem Vorgehen festgestellt haben. Höchst gefährlich wäre es, wenn der feste Gang der Kar- toffelbelieferung dadurch gestört würde, daß die Frühkartoffel, mag sie nun durch Gartenbau oder sonst erzielt sein, ausgeschieden und den Gemeinden überlassen wird. Das letzte Jahr hat gezeigt, daß ein äußerst geschickte» Ineinanderschieben der Winterkartoffel, der ausländischen Frühkartoffel und dann der inländischen Früh- kartosfel nötig ist. um bis zum Ende des Erntcjabrcs zu reichen. Im laufenden Jahre wird dos noch viel mehr der Fall sein, ja, schon muß die Kohlrübe und müssen vielleicht später noch sonstige Ge- müse oder auch anderartige Nahrungsmittel in das engere System der Kartoffelversorgung hineingezogen werden, damit der durch die Kartoffel dargestellte Nährwert auf alle Fälle jedem Stadtbewohner das ganze Jahr hindurch zukommt. Ich für meine Person gehe schon deshalb auch beim Obst und Gemüse weiter als Euer Ex- zellenz und meine, daß hier in der behördlichen Bewirffchaftung nicht genug, dagegen in der Zerstörung städtischer Verträge zuviel geschehen ist. Was diesen Punkt anlangt, so habe ich unsere herben Er- fahrungen in der Stadtverordnetenversammlung, wenn auch nicht erschöpfend, geschildert. Sie sind wicht eine Besonderheit der Stadt Berlin. Fast alle Städte bekunden, wie entmutigend es wirkt, wenn die Gemeinde zugunsten ihrer Bürger, und zwar doch auch gerade der bedürftigen, sich Lieferungen erstritten bat, und dann sehen muß. wie eine noch der anderen von den zuständigen Reichs- stellen beseitigt oder jedenfalls dem Nutzen der Stadt entzogen wird, die sich Mühe darum gegeben hatte." In diesem Zusammenhang dürfte auch eine Zuschrift inter- csfiercn, die der Porsitzende des Reichsverbandes deutscher Städte (unter 86 000 Einwohnern), Bürgermeister S a a l m a n n- Pleß, an das„B. T." richtet. Herr Saalmann, der auch Mitglied des Beirats des Kriegsernährungsamtes ist, polemisiert gegen Aus- führungen, die Dr. Michaelis im»B. T." gemacht hat, und sucht diesem gegenüber nachzuweisen, daß die LebenSmittelnöte der kleineren Städte ebenso groß, wenn nicht größer seien, als die der Großstädte. Dann fährt er fort: .Im übrigen teile ich die Auffassung des Herrn Dr. Michaeli?, daß jetzt an dem System der öffentlichen Bewirt- schaftung nicht gerührt werden sollte. Selbst in landwirtschaftlichen Kreisen ist dieselbe Ansicht die vorherrschende. Jeder Shstemwechsel ist schon von dem Gesichtspunkte aus höchst be- denklich, daß er in der Uebergangszeit zu einer Stockung führt. Derartige Stockungen haben wir, bis wir zu dem jetzigen System gekommen sind, genügend durchgemacht. Eine solche Probe könnte aber gerade im Frühjahr reckt unangenehme Folgen zeitigen. Die Frage, ob die Höchstpreise beizubehalten sind oder nicht, ist ein recht schwieriges Problem. Nach den Erfahrungen, die mit Gänsen und Seife gemacht worden sind, wird man doch für ihre Beibehaltung eintreten müssen. Es wird hierbei zu prüfen sein, ob es nicht zweckmäßig wäre, nur' Verbraucherhöchstpreise vorzu- schreiben, und ob die Strafvorschriften nicht eine dahingehende Ab- ändcruug erfahren müßten, daß nur der Verkäufer bei Höchstpreis- Überschreitungen strafbar wäre. Hierdurch wüvde eine Aufdeckung und Verhütung von bezüglichen Straftaten möglich sein." die Reichskonferenz öer Partei'kdppofltion. lieber die von dem Vorstand der Sozialdemokratischen Arbeits- gemeinschaft einberufene Konferenz der Parteiopposition, die am Sonntag, den 7. Januar, stattfand, geht uns der folgende offizielle Bericht zu: Der Vorstand der Sozialdemolrotischen Ardeitsgemeinjchast hat zum 7. Januar Vertreter der Parteiopposition beider Rich- tungen zu einer gemeinsamen Besprechung mit der Fraktion der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft einberufen, um über die Taktik der oppositionellen Abgeordneten im Reichstag und über Schutzmaßrcgeln gegen das Verhalten des Parteivorstandes zu beraten. Im Namen der Fraktion der Arbcitsgemeinsichaft, deren Vorstand die Verhandlungen leitete, begrüßte Ledebour die Erschienenen. Anwesend waren 107 Genossen; 19 Reichstags- abgeordnete und 138 Delegierte, davon ctiva 3ö Genossen von der Spa rtacusgruppc. Per trete w sind 72 Kreise. Ilachdem Uebereinstimmung über die Art der Vertretung und die Verhandlungen konstatiert worden war, crhiell Ha ose das Wort zum einleitenden Referat. Er wies zunächst die Erklärung des Parteivorstandes zurück, daß die Besprechung einen Bruch des Organisationsstatuts bedeute. Der Parteivorstand habe ein- für allemal daS Recht verwirkt, anderen Parteigenossen diesen Vorwurf zu machen. Er, der sich unter dem Belagerungszustand von der Militärbehörde den„Vor- Ivärts" habe in die Hönde spielen lassen, habe selbst einen klaren Bruch des Organisationsstatuts verübt; er, der selbst neben recht- mäßigen Berliner Organisationen Sonderorganisationen, so den Diskutierklub„Vorwärts", pflegt und schützt, habe kein Recht, gegen Sonderorganisationen auszutreten. Ter Redner gab dann eine Charakteristik der Politik des Parteivorstandes und der alten Fraktion, wie sie zum Ausdruck kommt zunächst im neuen„Vor- wärts", dessen Niveau tief gesunken sei. Nickst grundsätzliche Auf- klärung, sondern Verwischung der Klassengegensätze betreibe der „Vorwärts", der im Ausland nicht mehr als Organ der Sozial- demokratie, sondern als offiziöses Organ der deutschen Regierung angesehen werde. Jede Schcintonzession der Regierung werde be- grüßt als wertvolle Bereicherung der Kulturgüter des Proletariats. Das gelte auch für die Friedensfrage, in der sich die alte Fraktion durchaus als Werkzeug Bcthmann Hollwegs behandeln lasse, der nicht daran denke, die Friedensziele der Sozialdemokratie zu ver- treten. Die selbstverständliche, den demokratischen Grundsätzen entsprechende Förderung, im Reichstage zu her KriedenSrede des Kanzlers da? Wort zu nehmen, sei von' der alten Fraktion ab- gelehnt worden, nachdem die Regierung eS gewünscht habe. Sie babe für das Arbeitsztvangsgesetz gestimmt, und habe damit Ketten schmieden Helten für das Proletariat. Das alles könne nickt ge- rechtfertigt werden. Darum fei es nicht nur Recht, sondern Pflicht der auf dem Boden der Opposition stehenden Parteigenossen, sich sm Rahmen des Parteistatuts zusammenzuschließen, nicht isoliert zu bleiben. Es gelte, in der Partei zu bleiben, die uns ans Herz gewachsen sei, und cS ist mit Sicherheit zu erwarten, daß über kurz oder lang die Massen für die Opposition gewonnen werden. Es wäre töricht, sich zu einer Sekte zurückdrängen zu lassen. Tic Arbeiterbewegung könne nur als Massenbewegung existieren. Die Massenbewegung dürfe aber nicht auf den Boden des alten Tradeunionismus herabsinken, sondern müsse erfüllt sein vom alten sozialdemokratiscken Geiste,> Genosse L i p i n s k i- Leipzig behandelt die organisatorischen Notwendigleiten der Opposition. Ausgabe der Sozialdemokratie sei es, den Kampf um die politische Macht zu führen, um die kapito- liitiscke Produktionsweise umzugestalten. Die Politik des Partei- Vorstandes und der Mehrheitssraktion laufe aber auf eine be- dingungslose Unterstützung der Regieruiigspolitik hinaus. Ilm dieses Zieles willen habe der Parteivoritand die klaren Bestim- mungen des Organisationsstatuis einfach beiseite geschoben. Das zwinge unS, die Parteigenossen mobil zu machen, sie für unsere Auffassung zu gewinnen. Auch die jetzt vom Parteivorstand materiell abhängige Presse müsse für die Opposition wieder dienstbar ge- macht werden, Ilndienlich sei aber dabei die B e i t ra g s s p c r r c. die praktisch keinen Erfolg verspreche, die Macht des ParleivorstandcS nicht berühre, ihm aber ein formales Reckt gebe, gegen die Organ!» sationen vorzugehen. Notwendig sei der Zusammenschluß der Opposition, der mündliche Verkehr der oppositionellen Genossen in den Bezirken und Ortsgruppen— alles im Rahmen der Partei. Nach LipinSki spraH i«r Referent der aus dem Boden der Zeitschrift„J n tc r n a t r o n a l c" ftchenden Genossen. Er begrüßte das Zustandekommen der Besprechung, die von der Svartakusgruppe schon im Sommer gefordert worden. Er erklärte jedoch von vorn- herein, daß es sich nur um einen Zusammenschluß füx einen Tag, um gemeinsame Beratungen handeln könne. Mit der Arbeits- gemeinschaft durch dick und dünn zu gehen, hätten seine Freunde kein Vertrauen. Die Schwierigkeit, mit oer Arbeitsgemeinschaft ein Bündnis einzugehen, beruhe sckon darin. daß die Arbeitsgemeinschaft keinen einheitlichen Standpunkt habe. Das trete besonders hervor in der Frage der Landesverteidigung. Während in der ArbeitSgcmein- schaft Lipinski in dieser tfrage im wesentlichen mit der Mehrheit gehe, Ledebour die Stellungnahme von der Kriegslage abhängig mache, stehe die Gruppe„Internationale" auf dem grundsätzlichen Boden, der durch die Genossin Tunckcr auf der Reichökonferenz vertreten worden sei. Zur Besprechung der parteipolitischen Fragen übergehend, erläuterte er die voir seinen Freunden vorgelegte Rc- solution. Nicht nur der neue„Vorwärts" und die Organisationen seien jetzt Werkzeuge nicht mehr des Klassenkampfes, sondern der Regierung und der Bourgeoisie. Von diesen Gesichtspunkten aus- gehend, müsse man die Frage der BcitragSsperre und der Zugehörigkeit zur Partei behandeln. Ter Klassenkamvs müsse jetzt ge- führt werden gegen den Parieivorstand, der die Organisation zum Werkzeug der Bourgeoisie mache gegen die Kolb. Heine, Haenisch. gegen die Schcidemänüer und gegen die verschwommenen Gestalten der Minderheit in der alten Fraktion und der Arbeitsgemeinschaft. In diesem Kampf Rücksichten zu nehmen auf Formalien gehe nicht an, eS kei ein Machtkampf. Deshalb trete er nebst seinen Freunden nicht für die Spaltung ein; denn sie betrach- teten unter dem Belagerungszustand die Organisation als das ge- gebene Kampffcld, Es gelte, sie Partei auf andere Wege zu brin- gen, damit sie schlagkräftiger werde, als sie sich am 4. August öe- wiesen habe. Ter Hauptton sei auf die Selbstbetätigung und die Aktion der Massen zu legen. Die parlamentarische Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft befriedige nicht; auch sie habe zum mindesten versäumt, in wichtigen Fragen entschiedene Kritik an der Regierung zu üben. Tie Beitragssperre sei von Livinski aus prakiischen Erwägungen zurückgewiesen worden. > Aber gerade aus praktischen Erwägungen sei sie zu empfehlen. S-,: ' sei das schärfste.Mittel der Tesavouicrung des Partcivorstmrdeck l und das einzige Mittel, um die Parteigenossen in der P»»tki zu halten. Der Kamps müsse mit allen Mrtieln geführt werden, setbit wenn er in der Folge zur Spaltung führe, und die Gruppe„Inter- ' nationale" sei der Meinung..drch.er zur Spaltung der sozialistischcu und der imperialistischen Strömungen in der Partei führen werde. Er empfiehli dringend die Annahme der Resolution der„Jnier- nationale". Ihre Ablehnung würde große Verantwortung auf die Arbeitsgemeinschaft wälzen. t Zur Diskussion standen eine Rcsoluiion der Arbeitsgemeinschaft und eine Resolution der Spartakusgruppe.� Gegen die. Resolution der Spartakusgruppc richtete sich eme Resolution des Genossen Julian Borckardt �Gruppe Internationaler �Sozialisten Deutschlands), die von der Kreiskonferenz des Wahlkreises Teltow- Beeskow beschlossen worden ist, Borchardt, seine Resolution begründend, betont, Teltow- Beeskow habe die von ihm vorgelegte Resolution angenommen, nicht die der SpartakuSyruppe, die hier als Vertreter j>es Kreises er- sdheiittn. Deren Resolution habe man ausdrücklich abgc- l c h nD Sie. sei inkonsequent. Er sei für kein Schutz- und Trutz- bündniS /der/ ArheiisgevAmMckfll Nllr für gemeinsame Maß» MhMttt der Ovpoutwn zur Abwehr der Gewaltstreiche des Partei- Vorstandes. T-ie B e i t r a g S s p e r r e durchzuführen sei nach den Ereignissen in Bremen und Braunschweig verdammte Pst ich'. der Opposition. Was die Opposition tronne. sei hex Magags.n einer Tat, Die Macht liege beim Proletariat; es komme darauf an, �m Proletariat diese Macht zum Bewußtsein zu bringen. Nach längerer in durchaus sachlichen Formen verlaufener Tis- kussion folgten die Schlußworte. Der Vertreter der Spartakus- gruppe führt« aus: Die Anhänger der Arbeitsgemeinschaft würden nach wenigen Monaten genau das beschließeil, was die Spartakus- gruppe heute verlange und.die Arbeitsgemeinschaft ablcbne. Die Beitragssperre solle den Parieivorstand zum Kampf stellen, wäb- rend die ArbeitSgcmcinschast dem Kampf ausweiche. Die Svartakusgruppe kämpfe gegen die Mehrbettsanschauungen mit aller Energie, auch wenn sie cm Mund« von Ärbeitsgemein- schaftlern auitreten. Genosse L i plistS-di erklärle, die SpartakuSgruppe wolle nur mit der Arbeitöjwmeinschaft zusammengehen, wenn sich die Ar- beitsgemeinschast der Spartakusgruppe unterordnet und deren Vor- schlage annehme. Damit falle ein Teil der Aufgaben der Be» sprechung in sich zusammen. Tie Beitragsspcrre entwinde der Oppo- sition u. a. die Waffe der Presse. Diese Taktik sei durchaus ver- kehrt. Das Vorgehen der Spartakusgrnppe bedeute nicht den gc- meinsamen Kampf uach rechts, sondern die Selbstzerfleischung. Es gelte jetz;, gemeinsame Front nach rechts zu nehmen, gegen den Parteivorstand und die Fraktionsmehrheit wie gegen die bürgerlichen Klassen. Die Abstimmung ergab für die Resolution Borchardt 7 Stimmen, für die Resolution der Spariacusgruppc 24 Stimmen, für die Resolution Lipinski III Stimmen. Ein Antrag Block, der Resolution vom 29. November 1916 des Verbandes her Wahlvercine Groß-Berlirw, gegen den Vorwärts- raub zuzustimlnen, wird mit allen gegen 2 Stimmen angenommen. Zum Schluß der Besprechung sprach Genosse Kautsky über die Friodcnsfrage. Seine Anschauungen sind niedergelegt in einem zur Veröfsenilichuua gelangenden Manifest. Der Genosse E i s n e r- München legte ebenfalls eine Re- solution zur Friedensftag« vor. die er begründete. Das Manifest Kautsky sowie die Eisnersche Resolution wurden einstimmig angenommen. Der Genosse Ledebour verlieh darauf dem Wunsche Aus- druck, daß die Opposition künftig in Verbindung über Deutschland bleiben möge. �_ Ter Genosse Stil mann hielt darauf die Schlußrede. Er führte aus, es ist zum erstenmale gelungen, während des Krieges eine gemeinsame Tagung aller oppositionellen Parteirichiungcn ab- zuhalten. Die Mehrheit bat gewünscht und gehofft, daß es auf dieser Tagung zu stürmischen Austritten, zum Bruch zwischen Spartacus- gruppe und Arbeitsgemeinschaft kommen werde. Ihre Hoffnungen sind enttäuscht loorden. Wir haben hier in aller Ruhe und Sach- lichkeit verhandelt, dabei sind sehr viele Punkte hervorgetreten, in denen wir durchaus gemeinsam vorgehen können. Aber eS wäre durchaus falsch, zu leugnen, daß zugleich eine Anzahl Differenz- punkte über die Methoden und Mittel des Kampfes gegen die Mehr- Heil der Reichs tagsfraktion hervorgetreten sind. Das beste Spiegel- bild dieser verschiedenen Anschauungen bilden die hier beratenen Resolutionen,.., Jede Gruppe hat ins Land hinauszugehen. um zu wirken im Sinne ihre rAn schau ungen. Ick möchte dem Wunsch Ausdruck geben, daß dies ebenso sachlich und loyal geschieht wie hier verhandelt worden ist. Auch wir ReicbsiagSabgeordnete haben aus der Diskussion eine große Anzahl Anregungen empfangen, die für unsere Tatig- keit von großem Wert sein werden und die wir berücksichtigen müssen. Ich schließe hiermit die Verhandlungen. Die angenommene Entschließung lautet: „Seit Ausbruch des Krieges ist der Vorstand der sozialdemo- kratischen Partei Teutschlands bestrebt, mit allen Mitteln die Ge- samtpartei aus die Politik der Reichstagssrakvion vom 4. August 1914 festzulegen und sie dieser Politik dienstbar zu machen.� Den wachsenden Widerspruch versuchte er durch planmäßige Gewalt- maßregeln unter Verletzung des OrganisationsstatutS der Partei niederzuhalten. Zeichen dieses parteizerrüttcnden Treibens sind sein Auftreten in Berlin. Bremen, Duisburg, Frankfurt. Stuttgart, die rechts- widrige Auslieferung der Presse an die Ankläger seiner Politik auch an Orten, wo die Parteiorganisationen in großer Mehrheit auf dem Boden der Opposition stehen, die Maßregelung der Redakteure in Berlin, Bremen, Duisburg und Stuttgart, der Mißbrauch des Parteiaus-schussed zur Deckung der Borstandspolitik und seines statutenwidrigen Handelns und das Hinausdrängen der opposilio- nellcn Abgeordneten aus der Rcichstagsfraktion. So bat der Partcivorstand die ihm von der Gesamtpartei auf- erlegte Pflicht, allen Anschauungen innerhalb der Partei fteie Be- ' tätigung aus dem Boden des Parteiprogramms zu gewähren, die i Unabhängigkeit und Selbständigkeit der Parteipresse zu wahren. die Parteipresse zum Kampf gegen den Kapitalismus und die von I diesen betriebene Politik zusammen gibalten, fortdauernd verletzt . und mit Absicht zur Förderihig'st cic e r S-o li' c cbe strc bu n ge n die ihm ! innerhalb der Organisation zugewiesenen Befugnisse überschritten. i Den Parteigenossen erwächst damit die dringedne Pflicht,»nni_ dende gegen dieses organisationbtoidrige und die Partei glstayv »ende Pechalten des Vorstandes, zur Wahrung der Parteigrund- sätze und des Parteistatuts einheitlich und entschlossen' aus, gclrcleii. Die Orts. Und Kreisorganisalionen, deren Mehrhkit Sw.'lfft1- fassung der Opposition teilt, haben in stete enge Fühlung znein- ander zu treten. Dort, wo die oppositionellen Genossen nicht die Mehrheit in der Organisation haben, haben sie im Rahmen des Parteistatuts unermüdlich für die Ausbreitung ihrer Anschauungen zu wirken und zur Erfüllung der der Oppofiston im Interesse der , Partei obliegenden Ausgaben, sowie zur eigenen Belehrung in ge- 1 cigenter Weise einen Zusammenschluß herbeizuführen. DK Sfrct« Set«PorWSttfrSse, Me al» schärfste? MWren Aktionsprogramm voranzugehen, zu dem sie sich immer wieder durch die gesamte EntWicke- lung der Partei gedrängt seben tviro. Wenn die Leitung der Ar- beitsgemeinfchaft dieses Pragramm nickt akzeptiert, so wird uns dessen Aufstellung die Möglichkeit geben, unsere Ricktung von der Arbeitsgemeinschaft nickt nur gnindsätzlieb, wie dies bereits auf der Reickskonferenz geschehen, sondern nickt minder bei der Lösung der unmittelbaren praktischen Parteiprobleme scharf und sichtbar für iedermann abzugrenzen, n-odurch die Klärung der Situation und die Klarheit in unseren eigenen Reihen nur gewinnen kann. Mit Gruß! W. K. ??!. Für die Kosten der Delegation müssen die einzelnen Mit- gliedschaften aufkommen, d a der Stand unserer Finan- z e n ungünstig ist._ �ius Groß-öerlin. Die Wiege Serlins. Den Gründer Roms kennt jedes Schulkind, und wer je- uials in Rom gewesen ist, dem hat sicherlich ein gcschäfts- tüchtiger Fremdenführer die Höhle am Tiberufer gezeigt, in der die Zivillinge Romulus und Rcmus von der Wölfin gc- säugt wurden. Auf dem steilen Hügel oberhalb der Höhle, dem Palatin, wurde dann der älteste Teil der ewigen Stadt erbaut. Die gute Mark Brandenburg hat für die Entstehung romantischer Sagen und Mythen kein günstiges Klinia, und von der Gründung Berlins gibt uns kein Heldenlied poetische Kunde. Ja, die wenigsten Berliner dürften ahnen, wo die Wiege ihrer Heimatstadt gestanden hat. Rur die nüchterne Wissenschaft hat sich darum gekümmert, und sie berichtet uns davon. Die Gegend, die heute Berlin heißt, war. als die ersten Ansiedler sich hier niederließen, eine öde, sumpfige Flußniede- rung, aus deren morastigen„Jumimwiesen"— so nennt sie der moderne Berliner, der sie von den Grunewaldfennen her kennt— vereinzelte Sandhügel emporragten. Ein solcher Sand- Hügel erhob sich auch am Ufer der Sprceinscl in der Nähe der heutigen Gertraudtcnbrücke. Und auf diesem Hügel haben die ersten Ansiedler, barbarische wendische Fischer, ihre elenden Hütten aus Holz und Stroh erbaut. Von hier aus bcfuhren sie auf„Einbäumen"(aus einem einzigen gehöhlten Baum- stamm hergestellten primitiven Kähnen) den Fluß und warfen ihre Netze.„Köllen" bedeutete in ihrer Sprache soviel wie „Hügel am Wasser", und Kölln nannten sie daher ihre Siedelung. Diese aber wurde die Urzelle, aus der sich im Laufe vieler Jahrhunderte die heutige Weltstadt Groß-Berlin entwickelt hat. Die heidnischen Vorfahren hatten zwar— in des Wortes eigentlichster Bedeutung—„auf Sand gebaut", aber ihr Werk hat trotzdem millioncnsältige Frucht ge- tragen. Wanderer, der du heute die Gegend um die P e t r i- k i r ch e durchstreifst, senke dein Haupt in Ehrfurcht und erfülle deine Phantasie mit dem Gedanken: an dieser Stätte ivurdc Berlin geboren! Die Verkehrsangelegenheiten. Der Verband SauSschuß Groß-Berlin hat in einer am Montqg im Rathaus abgehallenen Sitzung beschlossen, daß— entsprechend den unterm 22. Dezember von den Vertretern des Verbände», der Handelskammern, der Gewerkschaftskommission und der Unternehmer vereinbarten Bedingungen— die Straßenbahn» linien 1, 11, 43, 47, 48, 69, 89, B, 79, 91, sowie die noch außer- dem von der Gewerkickaftskomnnssion vorgeschlagenen Linien 47, 91, 87 und 1Z bis 1 Uhr nachts im Betriebe gehalten werden. Der Verbands direktor ist verpflichtet worden, auf die Durchführung diese? Beschlusses zu halten. Gegenüber den Klagen der Straßenbahndireklion, daß ihr Betrieb unter Personal- mangel zu leiden habe, wurde der Beschlutz gefaßt, die Direkrion darauf aufmerksam zu machen, daß sie diesem Uebelstande durch bessere Bezahlung ihre» Personal? sehr wirksam be- gegnen könne. Die Gewerkichafiskommission sprach außerdem noch den Wunsch au?, daß der Rachtanschluß von Tegel— Linie 28 und 31— aufrechterhalten werde, liebet diesen Punkt die Verhandlungen noch nicht zum Abschluß gekommen. Zur gleichen Zsit fand im Berliner Polizeipräsidium eine Konferenz über die Schaffung eine? regelmäßigen Güter- verkehr? bei der Großen Berliner Straßenbahn uwer Vorsitz de? Dezernenten für das Polizeiverkehrswesen, OberregiernngSrat Dr. Haaielau statt. An der Sitzung nahmen Vertreter de? Kriegsamts, der königlichen Eisenbahndirekrion, des stellvertretenden Generalkommandos de? Gardekorps und de- III. ArmeekorS, des Zweckverbandes Groß-Berlin und der Großen Berliner Straßen- bahn teil. Die Sitzung war durch da? KriegSamt veranlaßt worden, da? Mittel und Wege finden will, die großen Schwierigkeiten de? Gürertransport? im Interesse de? HeereSbedarfS zu beheben. Die Straßenbahndirektion steht der Anregung im großen und ganzen nicht ablehnend gegenüber, doch ist nach ihrer Anficht diese Angelegenheit nicht so leicht durchzuführen, als eS den Anschein hat. Jedenfalls werde e? umfangreicher Vorbereitungen bedürfen, um den Güter iransport in der vom KriegSamt ge- wünschten Weise in die Wege zu leiten. Bei der Schwierigkeii und Mannst wliigkeit der in Betracht kommenden Verhältnisse. konnten die Beiprechungen noch nicht zum Abschluß gebracht werden. Ter Nachtvcrkchr der„Grotzen Berliner". Vom 19. d. M. ab wird nach einer Besprechung, die im Polizei- Präsidium stattfand, aus folgeren Linien der Großen Berliner Straßenbahn und ihrer Tochtergesellschaften der Betrieb in den Nachtstunden erweitert: Linie 26. Bisher letzte Fahrt ll.öä ob Alexanderplatz nach Reinickendorf; noch eine Fahrt 11.34 ab Reinickendorf-Schönholz und 12,13 ab Alexaiiiderplatz nach Reinickendorf, Pankower Allee.— Sonntags besteht Verbindung bereits. Linie 33. Wochentags bisher letzte Fahrt 12.13 ab Behren- straße nach Britz; noch drei Fahrten 11.33, 11.53 und 12.13 ab Britz(Rathaus) und 12.33, 12.33 und l.15 ab Behrenstraße.— Sonntags ab Britz 11.46, 12.96 und 12.26; ab Behrenftraße 12.35, 12.55 und 1.13, Linie 74. Wochentags bisher letzte Fahrt 12.94 ab Kniprode- straße; noch drei'weitere Fahren 11.28, 11.48 und 12.98 ab Schöne- berg, Ebersstraße; 12.24, 12.44 und 1.94 ab Kniprodestraße bis Schöneberg. Mühlenstraße.— Sonntags in beiden Richtungen 3 Atinuten später. Linie A. Wochentags und Sonntag» bisher letzte Fahrt 12.91 ab Linkstraße. Noch die Fahrten 11.27 und 11.37 ab Hundekehle und 12.25, 12.45 ab Linkstraße bis Haleniee. Ringbahnhof. Linie K. Wochentags und Sonntags bisher letzte Fahrt 12.17 ab Linkstratze. Noch eine Fahrt 11.48 ab Lichte rfelde, Hündelplatz und 12.37 ab Linkstraße bis Lichterfeide, Siraßenöahnhof. Linie 164. Sonntags der Wagen 19.28 ab Spittelrnarkt wird stakt bis Charlottenburg, Wilhelmplatz, nach Siemensstadt durchgeführt. Linie F. Der Wagen 12.24 ab Zoologischer Garten nach Lichterfelde, Straßenbahnhof, verkehrt auch«onntags. Gegen die Erhöhung des Gaspreises. Die„Kommunale Praxis" äußert sick in sehr treffender Weise über die Gaspreiserhöhungcn seitens einzelner Gemeinden. Wir entnehmen de» Ausführungen folgendes: Die Preiserhöhungen sind in den einzelnen Stödten verschieden und wirken auch der- schieden. Eine Wirkung ober haben sie alle gemeinsam, nämlich die einer indirekten Besteuerung. Dieser Umstand macht die GaSpreiZerhöbung besonders unsymvathisch, wenn man auch sonst anerkennen will, daß die Abgabepreise den Erzeugungskosten zu entsprechen haben. Während zur Durchführung anderer Gemeiudeeinrichtungen und zur Deckung des hierzu nötigen Aufwands alle Einwohner je nach ihrer Zahlungsfähigkeit heran- gezogen werden, werden zur Deckung des jetzt entstandenen Mehr« auswands der städtischen Gasanstalten die speziellen Verbraucher je nach ihrem Verbrauch herangezogen. Könnte man nicht mit dem- selben Rechte den Mehraufwand für Theater, die Herstellung und Unlerbaltung von Reit- und Radfahrwegen und noch manches andere auSschließlick von den Benutzern solcher Einrichtungen gedeckt ver- langen? Hier aber legt man die Kosten der Allgemeinheit auf oder man �zieht. wie bei den Theatern, die Benutzer nur bis zu einer gewiffen Höhe heran, deckt aber die nicht unbeträchtlichen Mehrausgaben aus Steuern, zu denen alle Einwohner beitragen. Warum sollte, noch dazu in der jetzt so schweren Zeit, ein ähnlicher Weg nicht gangbar sein, wenn der gewohnte Ueberschuß aus den städtischen Gasanstalten geringer wird oder geringer zn werden droht? Man wird annehmen dürfen, daß es die minder- bemittelte Bevölkerung ist, die von der Gaspreiserhöhung verhältnismäßig am stärksten betroffen wird. Ist doch iii den letzten Jahren vor dem Kriege gerade in diesen Kreisen und mit vielem Erfolg für die Verwendung von GaS Stimmung gemacht worden. Wesentlich erleichterte Bestimmungen wurden getroffen, um alte und neue Häuser mit Gasleitungen zu versehen. Und als nach Kriegsausbruch sich Mangel an Petroleum einstellle, haben zahlreiche kleine Familien die Kosten der GaSeinrichlungen auf sich- genommen. um GaS zu verwenden. Und nun kommt plötzlich, unerwartet und doppelt fühlbar, die Erhöhung de? GaSpreiseS. Ja, wenn es keine Höchstpreise gäbe—! Die Festsetzung von Höchstpreisen kann nicht nur privaten Gewerbetreibenden, sondern manchmal auch einer Gemeinde- Verwaltung einen dicken Strich durch die Rechnung machen. So ist es den Gaswerken der Stadt Berlin er- gangeti, als sie ihre bei der Gaserzeugung sich er- gebenden Nebenprodukte zu den in der Kriegszeit gc- stiegenen Preisen verkauften. Eine Mitteilung darüber finden wir in ihrem Jahresbericht für das Perwaltungs- jähr 1914/ti5, der von der Direktion sonderbarerweise erst im November 1916 abgeschlossen und vom Magistrat erst jetzt im Januar 1917 veröffentlicht worden ist. Was bei der Gaserzeugung„nebenbei abfällt", läßt sich auch in Friedenszeiten so vorteilhaft verkaufen, daß in der Regel der Erlös daraus die Ausgaben für Gaskohlen annähernd aufwiegt. In 1914/1(5 wurden für Nebenprodukte, hauptsächlich für Koks, Kohlentcer, Ammoniak, zusammen 16'/, Millionen Mark eingenommen, wovon Koks allein 11�/, Millionen Mark brachte. Dem Bericht entnehmen wir, daß bei Koks„die Nachfrage eine sehr lebhafte" war. Weiter nteldct der Bericht, daß Teer„bei steigenden Preisen flott abgenommen" wurde, daß Graphit„bei steigenden Preisen glatte Abnahme fand" und daß der Absatz von schwefelsaurem Ammoniak nach Ausbruch des Krieges„sich bei wesentlich höheren Preis- angeboten bedeutend steigerte". Für Ammoniak wurden jedoch, fügt der Bericht hinzu,„Höchstpreise festgesetzt, so daß wir um einen nicht unerheblichen Teil des aus diesem Geschäftszweig erhofften Gewinnes kamen". Das klingt ja fast wie Verdruß darüber, daß die Höchstprcisfestsetzung den erhofften Gewinn schmälerte.____ Muffen die Friseure um 7 Uhr schliesten? Da? Friseurgewerbe ist ein Handwerk, das in Ladenlokalitäten ausgeübt wird. Nebenbei findet aber in diesen Geschäften auch ein meist geringfügiger, teilweise aber umfangreicher Verkauf statt, zu welchem Zwecke dann ein besonderer VcrkausZraum vorhanden ist. Mit dieser Doppelstellung de? Friseurgeschäfisbetrieb» al» Handwerk und Ladengewerbe hat die Gewerbeordnung sich bis heute noch nicht abfinden können. Ilm die Möglichkeit zu schaffen, einen örtlich einheitlichen Ladenschluß an Sonntagen auf gesetzlicher Grund- läge einzuführen, wurde eigens der Z 41b in die Gewerbeordnung eingeführt; e? besteht aber bis jetzt noch keine Bestimmung, die diese Möglichkeit auch für den Ladenschluß an Wochentagen bietet. Die neuen BundeSratZvorsckriften beziehen sich ans die Vcr- kausSlädev und damit anck ans den Berkauf in den Friseur- geschäften, der nur bis 7 Uhr stattfinden darf. Sie können jedoch nicht ohne weilcre? auf da» Friseurgewerbe ausgedehnt werden. Die Friseure selber wünschen dies, wenn ihnen die Aus- nähme zugestanden wird, bis S Uhr abends, Sonnabends bis 9 Uhr, offen zu halten. Anffagen beim Polizeipräsidium, ob und in welcher Weis« die Ladenschlußzeit auf die Friieurgeschäfre Anwendung finde, blieben ergebnislos. Da? Polizeipräsidium teilte mit, daß der Dezernent der Sewerbepolizei sich beim Minister um eine Klarstellung bemühen werde. Am Sonntag erhielt man dann durch die Presse die Auskunft, alle Ladengeschäft«, also auch FrisSur- lüden, hätten um 7 Uhr, Sonnabends um 8 Uhr, zu schließen. Damit wisien die Friseure noch immer nicht, woran sie find; obfienach7Uhr noch arbeiten dürfen oder nicht. Ihre NrbeiiZzcit ait SSo�cniagcn ist gesetzlich unbegrenzt- Sollte ihnen jetzt verwehrt sein, nach 7 Uhr. Sonnabends nach 8 Uhr, zu arbeiten, dann könnten sehr viele Friseure an Wochentagen ganz und gar schließen. Denn ein großer Teil der Arbeiter hat an Wochentagen vor 7 Uhr keine Zeit, ihre Dienste in Anspruch zu nehmen. Die Notiz am Sonntag brachte keine klare Entscheidung, statt besten aber große Beunruhigung in allen Barbierstuben. Der Gehilfenverband, der mit Anfragen bestürmt wird, gibt die Aus- kunft, um 7 Uhr zwar nicht zuschließen, wohl aber von dieser Zeit an nichts mehr zu verkaufen. Die Angelegenheit bedarf nach wie vor einer sachdienlichen, das Publikum wie die Friseure befriedigenden Regelung in der Weise, daß— wie es in Hamburg geschehen ist— die Betriebsruhe um 8 Uhr abends, Sonnabends um 3 Uhr, für die FriseurgeschäfteGroß- Berlins alsbald angeordnet wird. Kleinwohnungsmangel in Charlvttenburg. Aus der in Groß-Berlin einheitlich durchgerührten Zählung leerstehender kSohnungcn, die am IS. Mai 1316 stattfand, ist das Ergebnis für Lharlottenburg jetzt vom Eharlottenburger Statistischen Amt veröffentlicht worden. Das Ergebnis sür Berlin wurde, nach Veröffentlichung der Hauptzahlen durch das Berliner Stalistische Amt. bereits im.Vorwärts� lNr. 258) besprochen. Für Gfmr« lottenburg hat die Zählung ergeben, daß im Mai 1916 von den Wohnungeu ohne Gewcrbrräume 3283 leerstanden. 3,94 Pro- zent ihrer Gesamtzahl. Gegenüber der Zäblung voni Oktober 1915, wo von den Wohnungen obne Gewcrberäume noch 3813 oder 4,62 Proz. leerstanden, ist eine nicht unbedeutende Minderung der Lccrwohuungcn zu verzeichnen. Dagegen übertrifft die für Mai 1916 ermittelte Zahl der Leerwohnungen dicier Art immer noch diejenigen von Oktober 1914, die sich erst auf 3962 oder 8,73 Proz. belief. Während die Zunahme von 1914 zu 1915 aus einer Einschränkung des Wohnungsbedarfs erklärt werden kann, muß man die Ursache des von 1915 zu 1916 eingetretenen Rückgangs hauptsächlich in dem Stillstand der Bautätigkeit suchen. Eine Betrachtung der einzelnen WobnungSgrößenklasscn zeigt, daß von 1915 zu 1916 besonders bei den mindergroste» und den kleinen Wohnungen, bei den Wohnungen mit drei Zimmein und noch stärker bei denen mit zwei Zimmern, die Zahl der leerstehenden abgenommen hat. Die leerstehenden Wohnungen.mit zwei Zimmern hatten schon von 1914 zu 1915 eine sehr fühlbare Einbuße, und für denselben Zeitraum wurde auch bei den Wohnungen mit nur einem Zimmer (abgesehen von denen ohne Küche) ein ganz außerordentlicher Rück- gang beobachtet. Bei den letzten drei Leerwobnungszählungen Char- lottenburgS— Oktober 1914, Oktober 1915, Mai 1916— wurden unter den Wohnungen ohne Gcwerberäume als leerstehend er- mirtelt: 88. 108, 118 mit einem Zimmer ohne Küche. 306. 147. 126 mit einem Zimmer und Küche, 799. 567, 349 mit zwei Zimmern, 699, 876, 697 mit drei Zimmern, 397, 675, 615 mit vier Zinrmern, 881, 1445, 1378 mit mehr Ziunnern. Die Minderung der Leerwohnungen hatte zur Folge. daß von 1914 bis 1916 der� Anteil leerstehender Wohnungen an den be treffenden Größenklassen sich bei den Wohnungen mit einem Zimmer und Küche von 1,99 Proz. auf nur noch 9,32 Proz., bei denen mit zwei Zinimern von 2.91 Proz. auf nur noch 1,27 Proz. verringerte. Diese Anleilziffcrn liegen schon weit unier den als normal anzu- sehenden und sind so gering, daß den kleine» Mietern die Wohnungs- deschaffnng erschwert ist. In den mitilercn und oberen Größen- klaffen, bei Wohnungen mir drei, vier, fünf»sw. Zimmern, kam es von 1914 zu 1915 überall zu einer bedeulenden Mehrung des LeerwohnnngSanteils, von 1915 zu 1916 dagegen ziemlich überall zu einer Minderung, die aber nur bei den Dreizimmer- Wohnungen beträchtlich war. Die Anteilziffer der Leerwohnungen war. wenn nicht in den mittleren, so doch in den oberen Größen- klaffen in 1916 immer noch reichlich, z. B. bei drei Zimmern 4,42 Proz.. bei vier 7,68 Proz., bei fünf 9,49 Proz. usw. Daß bei wieder steigender Nachfrage nach solchen Wohnungen es hier zu einem WobnungSmangel kommen könnte, ist einstweilen nicht anzu- nehmen. Mit Sorge muß man aber der weiteren Entwicklung bei den Keinen Wohnungen entgegensehen: sie würden bei rascher Stei- gerung der Nachfrage sehr bald recht knapp werden. An der Minderung von Lccrwohnungen der unteren Größenklassen um mehrere Hundert wird nichts dadurch geändert, daß wenigstens bei � den Wobnungen mit nur einem Zimmer ohne Küche die leerstehenden sich um einige Dutzend gemehrt haben. Im übrigen dürften diese kleinsten Wohnungen ohne Küche, die.Kochstuben", meist ganz elende und kaum noch vermietbare Löcher sein. Der starke Verbranch von Kleinwohnungen, den die Kriegszeit gebracht hat, läßt aus Abwanderung aus größeren Wohnungen in kleinere schließen. DaS Charlottenburger Stalistische Amt wefft auf das Bedenkliche der Minderung des Angebots von Kleinwohnungen hin, dessen jetzt so geringe Höhe in keinem Verhältnis zu der nach dem Kriege zu erwartenden Nachfrage nach Kleinwohnungen sieht. Die leerstehenden Wohnungen mit Gewrrberäumen können nicht als Ersatz dienen. Hiervon wurden bei den letzten drei Leer- Wohnungszählungen im ganzen 561, 876, 776 ermittelt, woran beteiligt waren zum Beispiel die Wohnungen auS nur einem Zimmer ohne Küche mit 84, 124, 115, auS einem Zimmer und Küche mit 212, 333, 269, aus zwei Zimmern mit 171, 243, 223, und so Weiler. Auch hier ist, wenigstens von 1915 zu 1916, eine Minderung zu bemerken. Der LeerwohnungSanteil an der Zahl aller Wohnungen mit Gewerberäumen war bei den letzten drei Zählungen mit 7,62 Proz., 11,86 Proz., 19,57 Proz. sehr reichlich, aber damit ist den Mietern von Kleinwohnungen ohne Gewerberäume nicht ge- Holsen. Nach dem Kriege konnten sie leicht eine Wohnungsnot erleben, wenn nicht rcchtzettig für Mehrung der Kleinwohnungen ge- sorgt wird. Die vollständige Mondsinfiernis, die Montaginorgen auch bei UNS sichtbar war, konnte in dem westlichen Teile Groß-Berlins auch mit freiem Auge gut verfolgt werde». Direktor Archenhold be- obachtete sie von der Treptowsternwarte aus. Nach seinen Angaben war der Himmel bis �6 Uhr bewölkt, heiterte sich dann aber rasch auf, so daß das Herantreten des Erdschattens an den Mond sehr deutlich beobachtet werden konnte. Nachdem der Mond teilweise verfinstert war, trat eine sehr merkwürdige Helligkeit an dem ver- finsterten Rande des Mondes ein. Bis fast zum Schluß der Be- obachtungen war im Fernrohr der immer größer werdende ver- finsterte Teil zu sehen. Besondere Färbungen waren nicht zu be- merken. Ter Mond war infolge des liefen Standes zum Horizoiu rötlich gefärbt. Er war so klar, daß fast bis an den Rand des Horizonles die letzte schmale Sickiel vor Eintritt der vollständigen Verfinsterung zu sehen blieb. In diesem Teil des Ereignisses nahm der verfinsterle Teil des Mondes die Farbe des blaugrauen Himmels- grundes an, so daß nichts mehr zu sehen war. Die Finsternis konnte von ihrem Eintriit an 6 Uhr bis 7 Uhr 49 bcobachtel werden, dann sank der Mond unter den Horizont. Berlin IV. im Dunkeln. Durch den Bruch eines Kabels ent- stond am Montagabend im Westen von Berlin eine große Störung in der Versorgung dieses Stadtteils mit Licht und.Kraft. Um 5% Uhr gingen am Potsdainer Platz, im Tiergarten, in der Aus- stettung am Zoo, in allen Lokalen mit elektrischer Beleuchtung, in zahlreichen Wohnungen, Straßen und Fabr-keii, Geschäftsräumen, Läden mit einem Schlage die elektrischen Lampen auc-, die Ma- schinen standen still, das Geschäftsleben stockte und Dunkelheit, Ruhe und manchmal auch Unruhe trat an die Stelle der abend- lachen Geschäftigkeit. Niemand konnte sich die plStzliche Dunkelheit erkläven, alle Welt wurde mit Fragen bestürmt, keiner tonnte eine richtige und erschöpfende Auskunft erteilen. In der.Kraftstatian der städtischen Elertrizitätswerke, in der Königin-Aug.ustastr. 35/37, neben dem ReichSmarineamt, war infolge eines Kabelbruchs Kurz- schluß entstanden. Die Maschinen mutzten angebalten und die Kessel dursten nickst mehr beschickt werden. Erst nach zweistündiger angestrengter Arbeil war die Störung soweit behoben, daß die Ma- jchinen wieder arbeiten kannten. Reue FilmS.„Schwert und Herd" nennt sich der neue große Film, der am Sonnabend zum erstenmal in der Philharmonie zugunsten der amtlichen Kriegsbeschädigtenfürsorge aufgeführt wurde. Fritz Skowronnek bat die handfeste Handlung vorgezcichnet(etwas in Schwarz-Weiß-Manier der Guten und der Bösen), Viktor Mendel. der Regiffeur der National-Film-Ges.. bat sie geschickt in Leben und Bewegung umgesetzt. Zwei gesellschastlichc Kreise schneiden sich, zwei Liebesgeschichien gehen parallel. Vorgänge in der Großgrund- besitzerwelt und in einer ländlichen Schmiedefamilie durchkreuzen sich. Sehr schön ist das Erntefest geraten. Dann kommt der Krieg mit Wunden und Tod, Verzweiflung und neuen Hoffnungen. Das Gut wird aufgeteilt und Kriegsverletzte beginnen dort auf seinen Parzellen ein neues Leben. Die Tendenz ist nicht aufdringlich, und die Kriegsdarstellung hascht nicht nach Sensalionen, verfehlt aber besonders in der Sterbeszene des fünften Aktes nicht ihren starken Eindruck. Die schauspielerische Besetzung, an der besonders Kräfte des HoftbeaterS beteiligt sind, ist durchweg zil loben.— Einen Riesenfilm bringen auch die Union- Thearer: Tyrannenherrschaft. In bnntbcwegtcn Szenen wird die Geschichte Polen« vor uns lebendig— in Einzelichicksalen wie in geschickt bewältigten Massen. Mitglieder de« Krakauer National- Theaters spielen die Hauptrollen, das Volk und das Heer wird von polnischerJngend und österreichischen Truppen dargestellt. EZ sind packende Bilder aus der polnischen Geschichte, zunächst in den Tagen KoSciuskos: Verschwörungen. Ausstände, Verröierci aus abgewiesener Liebe. Per- bonnung nach Sibirien. Dann 199 Jahre später: Polen im Welt- kriege, verkörperl durch abcnieuerliche und spannende Schicksale einiger Legionäre. Eine Flucht im Flugzeug, die Wiedereroberung Przemysls bilden Höhepunkte. Der Schluß bringt die Proklamation des neuen Polens. Mancher wird dieses Genre eines GeschichlSfilmZ nicht mögen, aber jeder wird die erheblichen Einzelleistungcn, die vielen itwieri'chen Gruppenszenen anerkennen müssen. Mit der Wohnnngsfürsorge für kinderreiche Familien bc- schäftigt sich der bekannte Sozialpolitiker H. Kötschkc. Um das nötige Material zu erhalten, bittet er alle Familien mit? und mehr Kindern, ihm Mitteilungen darüber zu machen: 1. Inwiefern sich die Schwierigkeiten, eine brauch- bare Wohnung zu erhalten, entwickelt und im Lauic der Zeit erhöht haben: 2. wieviel von ihren Gesamtausgaben die Wohnungsmiete beansprucht; 3. ob die bewohnten Räume einigermaßen ausreichen; 4. ob der Wunsch, aufs Land zu ziehen, besteht. Wir unterstützen diese Aussorderung und bitten alle, die es angeht, ihre Mitteilungen, die übrigens auf st r e n g c Vertraulichkeit rechnen können, an die Adresse „Hermann Kötschkc, Berlin 47, Lichter- f cid er Str. 28" gelangen zu lassen. Das kommunale Wahlrecht der Kriegsteilnehmer. Im Sommer 1915 ist zur Sicherstellung des kommunalen Wahlrechts der Kriegs- teilnehmer der Stadt- und Landgemeinden im Gesetzeswege die Be- fugnis gegeben worden, für die Jahre 1915 und 1916 durch Gemeinde- beschluß anzuordnen, entweder, daß von einer Aufstellung. Berichtigung und Auslegung der Liste der stimmfähigen Bürger (Gemeindemitglieder) abgesehen und bei Wahlen die letzte endgültige Liste zugrunde gelegt wird, oder, daß bei der gesetzmäßigen Auf- stellung(Berichtigung) der Liften hinsichtlich der Kriegsteilnehmer, die den sonstigen Voraussetzungen sür den Erwerb und die Ans- Übung des Bürger-(Gemeinde-) Rechtes genügen, eine etwaige Minderung der veranlagten Steuersätze oder der Einkommenbezüge außer Betracht bleibt. Eö ist damit zu rechnen, daß die Geltungsdauer dieser gesctz- lichcn Bestimmungen in allernächster Zeit auf'daS Jahr 1917 erstreckt wird. Familienuiiterstntzung während der Strafverbüßnng des Kriegs- teilnehmers. Das RekchSamr des Innern hat an die einzelstaal- USen Regierungen dos Ersuchen gerichtet, Familien solcher Kriegs- teilnehmer, die eine Strase zu verbüßen haben, auf dem Wege der KriegswohlfahrtSpslege zu untsrstützeil. Die Familienunterstiitzung wird künftig nur dann völlig in Wegfall kommen, loenn der Kriegs- teilnehmer wegen Fahnenflucht bestraft wurde, oder wenn die Aus- stoßnng aus dem Heere erfolgte. Mit der Bestrafung des Kriegs- teilnehmers allein hört die Familienunterstützirng jedoch au« ReichS- mitteln nicht auf; sie ist auch weiter zu leisten für den Fall der Strafaussetzung, und der Reichskanzler hat an den preußischen Kriegsminister bereits das Ersuchen gerichtet, im Einvernehmen mit den anderen Kriegsministern darauf hinzuwirken, daß von dem Recht der Strafaussetzung in weitgehendem Maße Gebrauch gemacht wird. Bestands- und Bedarfsanmeldung sür Leim. Jeder, der am Be- ginn eines Kalendermonals Leim(Lederleim, Hasenleim. Knockicn- leim, Mistleims in einer Gesamtmenge von mindestens 199 Kilo- gramm in Gewahrsam hat, ist verpflichtet, bis zum 10. jeden Monats seinen Bestand anzugeben. Die Meldungen sind auf den voni Kriegs- ausschuß sür Ersatzfnttcr, Berlin, ausgegebenen Vordrucken zu er- statten, die bei den Handelskammern und Handwerkskammern siwie bei den größeren industriellen Fackverbänden zu beziehen sind. Der Meldepflicht unterliegen nicht nur die L e i m s a b r i k a n t e» und Händler(auck> Drogen-, Eisenwaren- und andere Händler, welche Leim nicht als Hauptartikel führen) solvie die Spc- d iteur e, sondern auch die L e i m v e r b r a u ch e r, selbst wenn sie ihren Bedarf auf längere Zeil gedeckt haben, Unterlassung der Meldung ist in i t Strafe bedroht. Der nene Fahrplan der Stadt- und Niugvahn, dessen erster Teil am morgigen Mittwoch in Kraft tritt, wird bis zum 1. Juni Gültigkeil haben. Der zweite Teil soll erst am 21. d. M. eingeführt werden. Am 19. d. M. treten auf folgenden Strecken Aenderungen ein: Berlin�KönigSwusterbausen, Spandau— Strausberg. Berlin — Spandau— Natten, Berlin— Bernau, Berlin— Tegel— Velten, Berlin— Oranienburg, Berlin— Groß-Lichterfelde-Ost, Berlin— Zossen, Berlin— Werder und auf der Wannseebahn. Der Berkehr aus der Stadt- und Ringbahn sowie den Strecken nach Grünau und Potsdam— Stadtbahn— Erkner ändert sich erst am 21. d. Mls. Der geänderte Fahrplan wird in zwei Teilen, der erste an, 10., der zweite am 21. d. Mts. bei den Fahrkartenansgabestellen zum Einzelpreise von 19 Pf. zu haben sein. Der Taschensahrplan der Stadt- und Ringbahn kann erst zum 1. Februar tertiggcstellt werden und wird gleichfalls an den Fahrkarlenausgabestellen zu haben sein. Ueber die Aenderung auf der Strecke Lehrter Bahn- Hof— Finkenkrua— Nauen steht bis jetzt fest, daß zwischen Spandau- West und Finkenkrug— Nauen noch folgende Züge ausfallen: ab Lehrter Bahnhof 8.50 vorm., 2.29, 4.11 nachm., 8.23 abds., der letzte Zug fährt jetzt noch Nauen, ab Lehrter Bahnhof 11.58 abds., d, h. ungefähr eine Stunde früher als bisher. Statt von Nauen verkehren folgende Züge jetzt von Spandan-West 9.17, 11.42 vorm.. 6.09, 10.52 abds., an Lehrter Bahnhof 9.-12 vorm., 12.07, 6.34, 11.18 nachm. Der letzte Zug ab Nauen fährt jetzt 10.52, an Lehrter Bahnhof 11,47. statt bisher 12.98 nachts. Auf der Strecke Berlin-Lehrter Bahnhof. Döbcritz— Wustermark werden voranssichtlich keine Aenderungen mehr eintreten. Tie Eisenbahnverbindungen Köln— Berlin. Ein neuer Fahrplan wird am 10. Januar von der Mehrzahl der westlichen Direktionen der preußischen Slaatsbahuen eingeführt, gleichzeitig auch in Meckleu- burg-Schwerin, Oldenburg, bei der Lübeck— Büchener Eisenbahn usw. Auch einige östliche Direktionsbezirke erhalten neue Fahrpläne,-so Stettin, Posen, Breslau und Katiowitz. Man darf sich aber die neuen Fahrpläne nicht so vorstellen, als ob nun wiederum zum dritten Male olle« geändert würde. In der Hauptsache handelt eS sich um eine Entspannung der SchnellzugSsahrpiän« in dem Dreieck Berlin— Köln— Hamburg— Berlin. Auch auf anderen Strecken finden einzelne Aenderungen statt, während die Einschränkungen bei den Personenzügen im allgemeinen als abgeschlossen gellen können. Wir bringen zunächst die Verbindungen zwischen erlin— Köln— eine Zusammenstellung, wie man sie erst im RcichSknrsbuch Ansang Februar finden Ivird. BiS an? wenige Zügen andern sich die Fahrzeiten. Man fährt von der Friedrichstraßs in Berlin mit den D-Zügen 7.50, 8.21, 11.11, 11.20 vormittags, 12.38, 2.37, 9.12 nachmittags. Man ist in Köln 3.34, 6.85, 9.28, 11.16, 12.17, 7.26. Außerdem geht ein Eilzug 7.59 nach- mittag«, an Köln 7.12. Vom Potsdamer Bahnhof gehen D-Züge 11.32 vormittag«, 12.55 und 9.02 nachmittags, an Köln 11.99, 11.10 und 8.08. Außerdem geht 3.48 nachmittags ein Eilzug nach Düffel- darf, an 2.47. Von Köln fährt man mit den D-Zügen 6.23, 10.19, 12.99, 1.1 1, 1.21, 3.33, 9.29 nach der Friedrichstraßs. an 4.49, 8.09, 9.52, lt. 49, 11.57, 1.09, 7.56. Ein Eilzug geht von Köln 6.40 vor- mittags, an der Friedrichstraße 5.34 nachmittggS. Von Köln wich dem Potsdamer Bahnhof fährt man 3.20, 9.34 vormittags, 11,22 nachmittags, an 7.54, 7.10, 10.24. Brpt- und andere Lebensmittelkarte» an Urlauber. In der Zeit vom 23. bis zum 3l. Dezember wurden auf den Berliner Bahnhöfen an mehr a!Z 53 000 auS den Städten Groß-BcrliuS"stammende Militärurlauber Brot- und andre Lebensmittelkarten für insgesamt 330 900 VerpslegiingStage ausgegeben. Dank der neuen Einrichtung der Aushändigimg der Karten auf den Bahnhöfen durch militärische Stelle», wie diese zwischen Militärverwallung und dem Magistrat verabredet worden war, vollzog sich die Abfertigung ohne Schwierig- keit und Stockung. Die Verwertung der Graupen. Zu einem von uns kürzlich unter der Ileberschrif�„Um Heizmaterial zu sparen" gebrachten kleinen Artikel wird mis von kundiger Seite geschrieben: Um grobe Graupen weich zu bekommen, genügt eine Kochzeit von D/z bis la/4 Stunden. Will man aber grobe Graupen mit besonders' gutem Geschmack mittags auf dem Tisch haben, dann empfehlen wir eine andere Zu- bereitung, und dabei wird auch gleich Heizmaterial gespart: Grobe Graupen setzt maii am besten, wie Erbsen, Bohnen und Linsen, am Abend vorher mit kaltem Waffer an. rührt die Graupen der Sauberkeit halber tüchtig durch und schüttet das Waffer dann weg. Nun gießt man frisches Wasser darauf, und in diesem läßt man die Grailpen in 39 Minuten kochen, und fertig ist daS Gericht. Eine Beigabe von irischem Gemüse, wie Möhren, Kohlrabi, Pilze, Blumenkohl, Spargel, Tomaten erhöhl die Schmackbaitigkeit; auch die Zugabe von Kar- toffeln ist zu empfehlen. In Süd- und Westdeuischland kocht man grobe Graupen mit Backpflaiimen. Die zweite(Bormittags-j Pvstbestellmiz in den Vororten ist nun- mehr bis auf weiiereS gänzlich fortgefallen. Es wird nur noch höchstens dreimal bestellt. Wo die Verhältnisse es zulassen, erfolgt am Sonnabcndnachmittag eilie zweite Paket- und Geldbestellung. DaS Opfer einer Gasvergiftuug. Zu unserer Notiz in Nr. 5 deS „Vorwärts" wird uns berichtigend niitgeteilt, daß der Arbeiter Tonn am Tode seines Kollegen Mohr unschuldig ist. Die beiden haben an dem kritischen Tage überhaupt nicht zusammen gearbeitet. Obwohl Tonn bisher weder polizeilich noch gerichtlich vernommen worden ist, hat man ihn, der seit 19 Jahren auf dein GaSivcrk arbeitet, Knall und Fall emlaffen, ohne überhaupt in eine Erörte- rung der Schnldfrage einzutreten. Damit ist die Angelegenheit natürlich nicht erledigt und der Verband der Gemeinde- und Staats- arbeiter wird alle möglichrn Schritte tun, um Tonn zu seinem Recht zu verhelfen. Tie Unsicherheit iu den Vororten nimmt überhand. Aus Tegel wird unS berichtet, daß dort im Schloß Tegel und m jedem Landhaus nicht cimnal, sondern zwei- und dreimal eingebrochen worden ist. Die. Einbrecher, vermutlich ei» und dieselbe Bande, haben nicht nur Lebensmittel, sondern alle?, was. nicht niek- und nagelfest ivar, mitgenommen. Bißher waren alle Nachforichungen nach den Spitz- buben vergeblich. Auch aus Lichierfelde, Dahlem, NiklaSsee usw. konmien viele Berichte über Eiilbrüche. Eine Eiubrecherband«, die seit einiger Zeit besonders die Um« gegend des Neulöllncr Ringbahnhofes heimsuchte, ihre Slreiszüge aber auch über Berlin, Schmargendorf usw. ausdebn«!, wurde von der Neuköllner Kriipinalpolizei imjchädUch gemacht. Sse bestand auS einem alten Zuchthäusler Paul Keumann und zwei, jungen Burschen, die diesem die Gelegenheiten auskundschaften und beim Berkauf der Beute helfen mußten. Die Bande stahl alles, was ihr erreichbar war. hauptsächlich aber Lebensmittel. Verwechslung emer Leiche. Im KreiSkrankenhause Britz war der 59jäh�ge Arbeiter K. gestorben. Zu der Beisetzung erschien unter anderen Verwandten auch ein Soldat, der den Verstorbenen noch einmal sehen wollte. Als man den Sarg öffnete, stellte sich heraus, daß er nicht die Leiche des K., sondern die eines Greises enthielt. Eine telcphonischr Anftage im KreiSkrankenhause Britz ergab, daß eine Verwechslung vorgekommen war. Der Beteiligien bemächtigte sich naturgemäß eine lebhafte Erregung. die sich um so mehr steigerte, als der Austausch der Leichen volle drei Stunden dauerte, sodaß die um'/°3Uhr angesetzte Beisetzung erst um Vzö Uhr stattfinden konnte. Brndcr und Schwester vermißt. Seit dem 2. d. M. find die 17jährige Ella Fischer und deren Bruder, der 13jährigc Hans Fischer aus Neukölln, Kinder des Werkmeisters Georg Fischer, Bodestr. 29/39, verschwunden. Ella Fischer führte, da ihre Mutter nicht niehr lebt, ihrem Vater die Wirtschaft, hatte.diese aber in letzter Zeit vernachlässigt, da ihr Vater außerhalb Neuköllns arbei- tetc, und fürchtete eine Züchtigung. Wahrscheinlich aus diesem Grunde hat sie mit ihrem jüngeren Bruder die väterliche Wohnung verlassen. Zuletzt sind die beiden im„Lindentheatcr" in der Hermannstraße zu Neukölln gesehen worden. Der falsche Schusterjunge. Eines raifinierten Gaunertricks be- diente sich ein Bursche, der in Charlotlenburg sein Wesen treibt. Er erscheint mit einem Beutel, wie ihn die Schuhmacher zur Ablieferung von Schuhzeiig zu benutzen Pflegen, bei Portierleuten und fragt diese nach einem Mieter,' an den er ein paar reparierte Snefel abzuliefern habe. Nack kurzer Zeit erscheint er wiedee und teilt mit, die Dame habe augenblicklich kein kleines Geld und bitte daher den Portier, den Betrag zu verauslagen. Da der Bursche diesmal den Beutel zusammengefaltet unter dem Arm hält, so nimmt der Portier keinen Anstand, ihm den Betrag, gewöhnlich drei bis fünf Mark, zn ver- auslagen. Er muß dann sehr bald erfahren, daß er das Opfer eines Schwindlers geworden war. Zirkus Busch. Wie überaus beliebt im ZrrknZ Busch die Pan- tomin,«„Die Geicrprinzessin" ist, zeigt, daß sie am 9. Januar ihre 190. Aufführung erlebt. ?tos öen Gemeinöen. Die Lichteildrrgcr Hausbesitzer gegen den MirtSiiachlatz. Die drei � Lichtenbcrgcr Grundbesitzervcrcine haben gemeinsam an den Magistrat eine Eingabe gerichtet, in der sie ersuchen, die Gewährung einer Mietsbeihilfe künftig nicht mehr von einer Ermäßigung oder Stundung der Miete abhängig zu machen. In der Begründung wird daraus hingewiesen, daß der städtische Hau-? besitz durch die lange Dauer de« Krieges ungewöhnlich«tzpfindlich getroffen witd und jetzt in eine Notlage geraten ist, die ihm einen' Mietsnachlaß vollkommen immöglich macht. Dazu komme, daß vielfach auch selche Mieter Mietszuschuß und damit Ermäßigung erlangen, die sich nickt in einer bedrängten Lage befinden. In der Eingabe lvird weiter betont, daß eine Erhöhung der Mietsbeihilfe dringend' erforderlich sei. Der geringste Zuschuß müsse auf mindestens 75 Proz. bemessen werden. Ferner wird die Gewährung von Mietsbeihilfcn auch bei Mietspreisen bis zu 6V M.' monatlich fisr notwendig erachtet. Schließ- lich bitten die Hausbesitzer, die Bewilligung eines städtischen MietS- zuschusseS nicht davon abhängig zu machen, daß die Hauseigentümer eine Ermäßigung de« Mietspreises oder eine Stündung der Rück- stände eintreten lassen.— Diese Eingabe ist dem Ausschuß zur KriegSfiirsorgs für den städtischen Grundbesitz überwiesen worden. 9Je!ic Ausgabestellen der Bolksspeisung in Charlottenburg. Monlag. den 15. Jannar, werden in Charlottenburg drei weitere Ausgabestellen der allgemeinen Speisung eröffnet und gwar Spree- strafe« 11, Pestalozststr. 50 und Lulberstr. 15. Diese Ausgabestellen sind geöffnet: Spreestr. 11 von 12—4 Uhr nachmittags und die beiden anderen von 11—2 Uhr vormittags und von 0—7 Uhr abends. Anmeldungen für Montag, den 15. Januar, werden bereits am 12. Januar und für Dienstag, den 16. Januar, bereits am 13. Januar zwischen 11 und 2 Uhr und für die neue Ausgabestelle Spreestr. 11 zwischen 12 und 4 Uhr entgegengenommen. Bei der Anmeldung sind die Fleisch- und Kartoffelkalten sowie die Char lottenburger LebenSmkttelkarte oder eine polizeiliche Anmeldung vor zulegen. Eieravgabe an Kranke in Charlottenburg. Wie der Charlotten� burger Magistrat mitteilt, weiden Eier dort nur an diejenigen Kranken abgegeben, die von der KrankenversorgiliigZabteilung Karlen zum Bezüge von Eiern bewilligt erhallen haben. Nur diese Kranken lönnen gegen Abtrennung des jeweils gülligen BezugSkarten abschnitleS Eier entnehmen. Dir Sparkasse der Stadt Neukölln hat für das Geschäftsjahr 191 eine aufeer ordentlich günstige Entwicklung aufzuweisen. Während das Jahr 1915 mit einem Spareinlagenbestand von 35 045 671.93 M. abschloß, hat sich dieser im Jahre 1916 auf 39 633 711,43 M. er- höht. ES ist hiernach ein Zuwachs von 4 5S3 039,45 M, zu vcr- zeichnen. Eingezahlt wurden au Sparbeträgen Am Jahre 1916 20 382 364,26 M.. zurückgezahlt 17 074 461,70 M. Die den Sparern gutgeschriebenen Zinsen erreichen die Höhe von 1 285 136.89 M Auf Grund der im Jahre 1916 erfolgten beiden Zeichnungen auf die vierte und fünfte Ncichskiiegsanleibe sind von den Spareinlagen abgeschrieben worden 3 492 651,60 M. die in der Gesamliumme der Rückzahlung von rund 17 000 000 M. enthalten sind. Auch der Kreis der Sparer bat eine erfreuliche Zunahme erfahren. Es wurden insgesamt 12 866 neue Sparbücher ausgefertigt, während nur 5145 Spargulhaben zur Auflösung gekommen sind.' Der Zuwachs beträgt mithin 7721. Spcisesyrupverkauf in Neukölln. Von Donnerstag, den 11. Januar. ab darf in den durch Plakate kenimich gemachten Geschäften auf Abschnitt 8 der HaushaltungSlarte Speisesyrnp entnommen werden. Für jede Person des Haushalts wiid'/z Pfund zum Preise von 9 Pf. verabfolgt. Der Preis für das ganze Pfund beträgt 35 Pf. Zur Speiscverordnung für Pankow. Zu der vom Landrat des Kreises Niederbarnim erlassene» Verordnung über die Abgabe von zubereiteten Kartoffeln in Schank- und Speise- iv i r t s ch a f t e n hat der Gemeindevorstand ergänzende Be. stimmungen erlassen. Danach bleiben die von der Gemeinde aus gegebenen Karloffelkarten mit den sieben Wochenmarten vorläufig bestehen. Da die am Ort gültigen Karloffelkarten zurzeit in Berlin nicht anerkannt werden, so erhalten Einwohner, die ihre Speisen in Berliner Gastwmschaften entnehmen müssen, auf Wunsch Reisebrot marken gegen Rückgabe der Brotkarten in der Brotkommission ans gehändigt. Kartoffelknappheit in Steglitz. Auch in Steglitz ist die Kartoffel- lnappheit in letzter Zeit immer fühlbarer geworden, da die Liese- rungsverbände seit der Woche vor Weihnachten bis jetzt nur vier Waggons Kartoffeln geschickt haben. Alle Beschwerden und Be- mühungen der Gemeindeverwaltung bei den zuständigen Stellen sind vollkommen unbeachtet geblieben. Wie der Schöffe I o ch e m jetzt mitteilt, dürfte diese Knappheit bald behoben sein» da die Ge- meinden bereits Borräie aus den von ihr errichteten Mieten ent- nommen hat und auch Lieferungen von auswärts wieder eintreffen, Lebcnsmittelnachrichtrn auS Weißcnsce. Der Gemeindevorstand macht bekannt, daß in dieser Woche für Schwerarbeiter auf Znsatzkarten zwei Pfund Kartoffeln entnommen werden tonnen. Auf Abschnitt 3 der Eierkarten wird in der Verkaufsstelle Berliner Allee 89 je ein Ei zum Preise von 32 Pf. ver- abfolgt. Außerdem wird gebrauchsfertig gemischter Kaffee zum Preise von 90 Pf. für das halbe Pfund abgegeben. In der Verkaufs- stelle PistoriuSstr. 24 gelaugen F i s ch w a r e n zum Verkauf. Die Gemrindevertreterwahl in Britz» die am Sonntag, den 7. Januar, stattfand, zeitigte noch kein endgültiges Resultat, aus Gründen, die wir bereiiS mitteilten. ES erhielten die Genossen Witte 52 Stimmen und Butenschön 51. Die Gegenkandidaten 83 und 82 Stimmen. Die Wahlbeteiligung war diesmal etwas reger. Entgegen der verbreiteten Behauptung kann festgestellt werden, daß keine bürgerliche Stimme für die von der Partei- organisation aufgestellten Kandidaten abgegeben wurde. Dergedung von Ackerland in Köpenick. Die der städtischen Feld- depntation zur Bewirtschaftung mit Feldfrüchten überlasseneu Lände- reieu sollen auch in diesem Jahre den vorjährigen Bestellern zur Versügung gestellt werden. Derartige Anträge und Meldungen von Neubewerbern werden jeden Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, vormittags von 10—12 Uhr, im Nathause, Zimmer 23, entgegengenommen. Soziales. und ReichsversicherungS- Lazarettpflege Kriegsbeschädigter amt. Zwei Revisionsurteile des ReichSversicherungsaintS aus letzter Zeit fordern wiederum zur Kritik heraus. I» der einen Entscheidung dreht es sich um die Frage, ob bei Lazarettbehandlung Arbeitsunfähigkeit im Sinne der reichsgesetzlichen Kranken- Versicherung anzunehmen ist. Das Reichsversicherungsamt hat die Frage verneint. Es handelt sich um einen wegen Dienstunbrauchbarkeit auS den Heeresdiensten Entlassenen, bei dem die Militärbehörde nach der Entlassung eine Heillur in einem Lazarett durchgeführt hatte. Für die Zeit der Heilbehandlung im Lazarett begehrte der Be- handelte von seiner Krankenkasse daS satzungsmäfeige Krankengeld. Die Kasse lehnte den Anspruch ab, Versicherungsamt und Oberversicherungsamt verurteilten die Kasse zur Zahlung. Auf die von der Kaste eingelegte Revision verwies daS Reichs- Versicherungsamt die Sache an das OberversicherungSamr zurück. Zur Begründung sagt es: Die Annahme des OberversicherungZ- arniS, daß der Kläger bei seiner Aufnahme in das Lazarett als krank und arbeitsunfähig im Sinne der Reichsversicherungsordnuug anzusehen sei, als auch daß dieser Zustand während des ganzen Aufent- haltS im Lazarett bestanden habe, entbehrt einer ausreichenden Be- gründung... Es sei davon auszugehen, daß ArbeitSunfähigreit im Sinne des§ 182 Nr. 2 R.-B.-O. als vorliegend zu erachten iei. wenn der Erkrankte seine Berufsarbeit nicht mehr zu verrichten oder doch nur unter der Gefahr der Verschlimmerung der Krankheit fori- zusetzen vermag... Zu ihrer Feststellung hätte eS der Prüfung bedurft, ob die Krankheit des Klägers zur Zeil der Aufnahme in das Lazarett in einem solchen Maße bestand, daß sie ein Heilver« fahren erforderte und die Lazarettbehaudlung notwendig machte. Es wäre dann weiter zu prüfen gewesen, ob dieser KrankheilSzustand während der ganzen Dauer der Lamrettbehandlung in einer Weise fortbestanden hat, die die. Arbeitsunfähigkeit des Klägers begründete. Im zweiten Fall handelt es sich um einen Kriegsbeschädigten, der über 26 Wochen hinaus in Lazarettbehandlung war und Antrag aus Gewährung der Kranlenrente gestellt Halle. Sein Anspruch wurde vom Oberversicherungsamt auerkannr. Diele Entscheidung wurde vom Reichsveisicherungsamt glatt auf« geh o ben. ES führt auS: Die Eiwägung des Oberversicherungs- umlS. daß Erwerbsunfähigleil im Sinne der Invalidenversicherung bei Lazarettpfleglingen schon deswegen angenommen werden müsic, weil sie nicht iii der Lage seien, sich erwerblich zu betätigen, gehe fehl. Bei folgerichtiger Durchführung dieses Gedanken« müßte man dazu kommen, jedem Versicherten, solange er zum Heeres- dienst eingezogen ist. die Invalidenrente ,,r ge» w ä h r e n s?!). Da ein Arzt bescheinigt hatte, daß nach Ablauf der 26. Woche nur noch eine Erwerbsbeschränknng von etwa 50 Proz. bestanden habe, nahm das Rerchsversicherungsamt an, Invalidität habe nicht mehr vorgelegen. Statt aller weiteren rechtlichen Ausführungen wollen wir hier- hersetzen, waS das sächsische OberverwaltungSgerrck in einem denselben RechtSsioff behandelnden Urteil vom 19. Scp tember 1908 sReger, Entich. 29 S 409> sagt: .Ob der GesundbeitSzustand der Versicherten unter allen Um ständen Erwerbsllnfäbigkeit bedingt haben würde, kann unerörtert bleiben. �Jedenfalls war bei ihr die Ausübung irgendwelcher Erwcrbslätigkeit während ibres Kurouienlhall in Bad Elster aus geschloffen. Das dort eingeleitete Heilverfahren erforderte Ein stellung jeder Arbeit. Deshalb stand der biernacb Erwerbs iinsäbige» während dessen Dauer gegen die beklagte Kaste ein An spruch auf Krankengeld zu. ohne daß es daraus ankommt in welchem Grade dieselbe vor Beginn der Kur etwa erwerbsfähig war." Und auch eine frühere Revisionsentscheidung des Reichs- v e r s i ch�e r u n g S a m t S selbst sAmtl. Nachr. 1910 S. 503 Ziffer 1477) stellt den Grundsatz aui:„Erwerbsunfähigkeit im Sinne der Invalidenversicherung liegt auch dann vor. wenn ein Ver- stcherter, besten ErwcrbSfähigkeit noch nicht ans weniger als ein Drittel herabgesetzt ist, doch infolge Durchführung eines zur Abwehr drohender Invalidität von ihm ein- geleiteten geeigneten Heilverfahrens nicht in derLagerst, das für ihn in Betracht kommende Lobndrittel zu verdienen." Als„grundsätzliche" sind die beiden Entscheidungen des ReichSversicherungsamIs nicht bezeichnet. Das wird ober nicht bindern, daß ihre ReckiSalissühiungen weitgiebigst von den Ver sicheiungSträgern angewandt werden. Der leidende Teil dabei sind die Versicherten. Da können wir nur ganz dringend wünschen, daß die vorstehend gewürdigten Entscheidungen bald einer„grundstitz lich" sozialeren Rechtsanwendung durch daS ReichSverficherungSaml weichen. Erfolge der Reichswocheuhllfe. In verschiedenen Städten ist die erfreuliche Beobachtung ge macht worden, daß die Säuglingssterblichkeit sich erheblich ver mindert hat. In einer Versammlung der Badischen Gesellschaft für soziale Hygiene wurde darauf hingewiesen, daß dies der Reichs- Wochenhilfe zu danken sei. In Mannheim z. B. stillen jetzt 85 Proz. der Mütter die Neugeborenen, in Karlsruhe wurden ähnliche Beob- achtungen gemacht. Die Versammlung nahm, wie die„Sozial- hygienischen Mitteilungen" berichten, den Antrag an:„Der Große Ausschuß der Badischen Gesellschaft für soziale Hygiene beauftragt den Arbeitsausschuß, beim Ministerium des Innern und beim Reichstage dahin zu wirken, daß die Reichswochenhilfe auch nach dem Kriege erhalten bleibt." Warum wft mit diesem Antrage ein- verstanden sind, brauchen wir nicht besonders hervorzuheben. Aus gedehntester Wöchnerinnenschutz ist von uns seit zeher gefordert worden. Jetzt wo der Krieg jedes Menschenleben dreifach wertvoll macht, ist Aussicht vorhanden, daß der Ruf Gehör-findet. Jede Stimme, die ihn verstärkt, ist uns dabei willkommen, um so mehr, wenn sie von so sachverständiger Seite kommt, wie es hier der Fall ist._ Mus aller Welt. Leichcnftind in der Dresdener Heide. Am Sonnabendvormrttag wurde in der Dresdener Heide die 28jährige frühere Pflegerin Alma Kr ille ermordet aufgefunden. Als Täter kommt ein sahnen- flüchtiger Soldat namens Paul Noßly auS Soyda in Frage. Auf die Festnahme des Täters ist eine Belohnung von 300 M. aus- gesetzt. Waldhiimstättrn für Säuglinge hat der Bund für freiwilligen Vaterlandsdienst in Vorschlag gebracht. Nach dem Beispiel der Waldschulen werden sie Kinder im zartesten Alter aufnehmen. Die erste Waldheimstätte soll den Kindern von Kriegern vorbehalten bleiben, und zwar ohne Unterschied zwischen ehelichen und unehe« lichen. Erdstöße in Ligurie«. Bern, 8. Januar. Nach„Co-rriere Hella Sera" fanden gestern in Ligurien zwei sohr starke Eidstöße statt. Unter der ins Freie flüchtenden Bevölkerung brach eine ge- waltige Panik aus; Schaden wurde nicht angerichtet. Parteiveranstaltungen. Charlottenburg. Mittwoch, 16. Januar, abends Punkt 8ft, Uhr, im Vollsbauie, Vorderhaus eine Treppe links: Gemeinichastlicher Zahlabcnd. DaS Lokal ist gut gebeizt. Wegen wichtiger Tages- ordnung mutz alles erscheinen. Insbesondere sind die Frauen ein- geladen, die über eine wichtige Angelegenheit zu beschließen haben. Der Borstand. I, A: I. Schneider. Sozialdemokratischer vrtsverein Steglitz. Mittwoch. 16. Januar, abends pünktlich 8 Uhr, bei Clement, Düppelstr. 7: Mitgliederoersamin- lung. Tagesordnung: 1. Die LcbenSmittewersorgung ln Sleglitz. 2. Rech. nungSIcgung des Kassierers. S. Wahl von Delegierten zur KreiSgcneral- Versammlung. 4. Verschiedenes.— Zahlreiches und pünktliches Ericheinen erwartet Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlvcrei» Sreptow-Baumschulenwez. Mittwoch, 16. Januar, abends 81/, Uhr. im Lokal von W. Erbe,. Baum- schulenwetz, Baum'chulenstc. 14: ZAtgliederversammkung. Tagesordnung: 1.„Die Aufgaben der Sozialdemokratie nach dem Kriege." Referent Ge- nosse M. Groger. 2. Stellungnahme zur Krctsgeneraloersammlung und Wohl von Delegierten, 3. Verschiedenes und Ausnahme neuer Mitglieder. — Beiträge werden entgegengenommen! Mitgliedsbuch legitimiert!— Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. I. A.: Paul Magel. Wilbelm Lemm. Reinickendorr-Ost. Mittwoch. 16. Januar, abends 8 Uhr(püntlich. wegen verkürzter Polizeistunde!): Gemeinsamer Zahlabend bei Sadau, Residenzstr. 124! Vortrag de» Genossen Stadthage» über „DaS Hilssdienstgesetz"._ Iugenüveranstaltungen. Reukölln-Britz-Buckow. Mittwoch, 16. Januar: Baden im Stadt- bad: Sonntag, 14. Januar: Wanderfahrt nach Frohnau, Bergsclde, Summt, Briese, Birken wer der. Fahrgeld 76 Ps. Tr essHrnkt 8 Uhr Ring. bahuhos Neulöllir._ Zentralwahlverein Teltow- Beeskow- Charlottenburg. Orts- verein Schöneberg. Mittwoch, den 16. Januar 1917, abends pünktlich S'l, Uhr, in den Renen RatbouSsälen, Meininger Straze 8(Tunnel): Miigliederveriarnmiuiig. Die Tagesordnung lautet: 1. Frieden«- a u s s i ch t c n. Reserent ReichStagSabgeordncter Robert Schmidt. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom iehlen Quartal. 4. Verschiedenes. Pctershagen-Fredersdorf. Zahlabend: Mittwoch. 16. Januar, bei Kirchner. Sek, rwichtige Tagesordnung! Erscheinen aller Mit- gliedcr ist Pflicht. Der Vorstand. Friedrichsiiagcn. Mittwoch, 16. Januar, abends B't, Uhr, findet bei Wwe. Lerche eine Mitgliederversammlung statt. Aus der Tagesordnung steht: Neuwahlen des Kassierers und Schristführers. Da um 16 Uhr das Lokal geschlossen wird, werden die Mitglieder ersucht, pünktlich zu erscheinen._ Eingegangene Druckschriften. Berta von Suttuer: Der Kampf um die Vermeidung deS Welt- lriegeS. Randglossen auS zwei Jobrzelinten zu den Zeitereignissen vor der Katastrophe(1892—1866 und 1967—1914). Herausgegeben von Dr. Alsied H. Fried. 2 Bde. Bd. 1: Von der Copiivijchen HeereSverwedrung bis zum Trankvaallrieg. XK und 628 S. Bd. 2: Bon der zweiten Haager Konferenz bis zum Ausbruch des WelltriezeS. XVI und 636 S. Preis beide Bände in Umschlag 16 M., in' Leinen geb. 26 M. Verlag: Art. Jnstilut Orell Fützli, Zürich Der Laudvogt vou Grciscnsee. von Gottfried Keller. Pr. 1 M. Der Rumäne Mareel Bibiri-Stnria über Deutschlands Arbeit in Rumänien. Von H. Oscl. Pr. 1,26 M.— Unier deutsches Silpeu- korps in Tirol. Bon A. Reich. Pr. 4,66 M. Verlag Jos. C. Hubcr, Diesten vor München. Die bandclsvolitische Zukunft Teutschlands. Von Dr. I. Jastrow. Pr. 1.26 M.— Amerikanische Menschlichkeit im Lichte des diplo- inatische» Notenwechsels. Von I. B. Butz. Pr. 1,56 M. S. A. Schwelichke u. Sohn. Berlin W. 57. Tie englische Gefahr. Von Pros. Dr. H. Levy. Preis IM. Verlag Karl CurtiuS. Berlin W. 35. Ter Pflichtteil des Reiches. Ein Vorschlag zu prall. Bevölkcrungs- voiitik. Von Dr. KuczynSki und Dr. ManSicld. Pr. 1,46 M. Vertag Julius Springer, Berlin W. 9. Die Umschau. Wochenschrist über di■ Fortschritte in Wissenschaft und Technik. Heil l. Einzelnummer 46 Pf. Verlag der Umschau, Frank- m« a. M./Rl«d«irad. Entente und Neutralität. Von Veit Valentin. Pr. kart. l,50 M. Verlag S. Hirzel. Leipzig. Deutsche Revue. Herausgegeben von Richard Fleischer. Jannar- hejt. Pr. viertel). 6 M. Deutsche Verlagsanstalt, Stutlgart. Sriefkaften der NeSaktion. Tie luristilchk Evrechilunde Nndel wr ilbonnenien ceditS varlerre nrn Moni-Ig biS greuas von« bis 7 L'.ndenftr 3, 17.£o| Nur. am Sonnabend r> e i l a ft« n bestimmten Anfrage Merdieiiben beizufügen Briefliche denen leine Abonnemenisnmtiung Eilige Fragen trage man in der »n« dergleichen bringe ins, w die Verlag: Rascher u. Co., Zürich. Demokratie und Krieg in Frankreich. Geh. 8 M. Verlag: Rascher u. Co.. Zürichs von 5 bis S Uhr statt Jeder für den ist ein Buchstabe und eine Lahl als Antwort wird mch: erteilt. Anfragen. beigefügt ist. werden nicht beantwortet. Evrechliunde vor Serträge, Schriftitültc Sbr-chftuiide mit H. 607. Derartige Firmen vermögen wir leider nicht nachzuweisen. Vielleicht lönnen Sie aber AuSkunst erhalten im Bureau der Handlung«- aebilfen, Münzstr. 26 II, oder der Bureauangestellien. Dirasenstr. 4 1.— A. N. 1. Balanitis— Eichelenlzündung.— Friedrichsfelde 22. Vorsitzender deS Vereins ist: G. Jacob, Berlin NW, Emdener Sir. 45.— A. K. 17. Die Ansprüche, die in diesem Falle an den Bewerber gestellt werden, sind nicht in jedem Falle dieselben Im allgemeinen dürste kauf- männiiche Vorbildung genügen. Wir möchten Ihnen die städtische Wabl- FortbildungSschulc. kaufmännische Bildnngsanstalt sür Mädchen. Alte Jakob- stratze 127, empsehlen.— K. M. 66. Dazu ist fachmännische Kenntnis und Uebung erforderlich, müßten sich also an einen Fachmann wenden. — O. K. 7 1. Sie kann dazu nicht gezwungen werden. 2. Dazu ist er nicht berechtigt. Wenn er da« nicht unterläßt, müßte sich die Beirestendc an das VonnundschastSgericht mit einer Beschwerde wenden. 3. Sie kann auch dazu nicht gezwungen werden.— H. H. 49. 1. Erfolgt Rückgabe des Korbes nach Aufsorderunq durch eingeschriebenen Brief nicht, so müßten Sie aus Herausgabe JbreS Eigentums klagen. 2. Nein.— 2. B. 21. 1. ES besteht kein RechiSanipruch auf dieie Löhnung, sie kann gewährt werden. Ein erneuiec Antrag oder eine Beschwerde ist aussichtslos. 2. Ja. — Zt. F. Der Antrag auf Gewährung der AlterSrenle.ist beim Vcr- ficherungSamt für den Kreis Niederbarnim in Berlin, Friedrich-Karl- User 5, unter Vorlegung der Nusrechnungsbescheinigungen, der letzten OuittungSkarte und der Geburtsurkunde einzureichen. ES müssen 1266 Marken nachgewiesen werden.— P. M. 77. DaS ist zulässig. — M. SL. 100. Wenn Sie etwa schon seit Oktober die Wohnung be» wohnen, so dürste angenommen werden, daß Sie diesen Zustand ichuldhast herbeigesührt haben; der Wirt ist daher zur Beseitigung des Mißstände« nicht verpflichtet.— Alter Abonnent 36. 1. Sic müßten Stundung der Kosten beantragen. 2. und 3. Abfindung kann nur unier Zustimmung des Vormundes und des VormundschastSgenchtS«rsalgen. Die angebotene Summe ist übrigens viel zu niedrig.— 81, P. Nr. 9. Der Lehrling hat daraus Anspruch.— Gertrud 42. Wenden Sie sich in Ihrer Angelegen- heit an den Gcmcindearbeitcr-Verband, Engeluser 14sl5.— BS. K. 100. "eitig untauglich wegen Lungcnkrankbeit.— F. H. 98. Wenn Ihr oh il aktiv dient oder nach Beendigung der aktiven Dienstzeit noch nicht zur Eriahreferve überführt-voiden ist, muß er die (vciiehmigung deS RegimeniSkominandeurS haben.— X. U. Nein. — B. P. 1. und 2. Sie müssen Ihre Ansprüche bei der Bahnverwaltung des Aufgabeortes geltend machen. 3. Berlin, Engeluser 18, III. 4. Siehe Adreßbuch 2. Band. Teil 2, Seite 224, Bund des Vereins für naturgemäße Lebensweise und Heilweise usw. 6. Werktäglich von 16—6 Uhr und Sonn- tags von 12—3 Nor.— F. 288. Sie müßten Anspruch aus Krankengeld bis zum 14. Dezember haben. Wegen Verweigerung der Leistungen müßten Sie Beschwerde beim Versicherungsamt sür den Kreis Teltow in Berlin, Viktoriaftr. 17/18, erheben. MetterauSNchten kür daS mittlere NorddenttNila«» bis Mitttooch mittag. Langsame Erwärmung, vorwiegend trübe und östlich der Oder meist geringe, im Westen etwas stärkere Schnee- und Regensälle, dazwischen zeitweise aufklarend. Vou HanS Mors in Pari». Mittwoch, den 10. Januar d. J.» treten in den Abfahrtszeiten der Schnell- und Personenzüge von Berlin Anhalter Bbf. solgende Aend�rungcn ein: Zug Richtung D6 nach Franksult(Main) 7" vorm. 1122„ München über Leipzig-Hof 7«, II 26, Frankiurt(Main) 9«„ 1146... 16-«. D 42„„. l"nachm 806... 1»„ 832„ Halle(Saale) 4". II 164„ Plauen i. Vogll. über Leipzig 6". 868„ Erfurt 6". II 268„ Franlsurt(Main) 7", 11264..„ 7». D 38, Stuttgart 7M, D 50, München über Weißciisels 8-„ D 202„ Franlsurt(Main) 8*, II 26, München über Leipzig.Hos 16". Kinmen- nnd ßranzbindkm m\ Kaden Meyer,' Jnh.: P. Gollet« Marianneustr. 3. Tel. Mpt. 10 303 1 25 Safere tanftl treue Kund n und la sende Äntrfcn. luingenhS-vgec Zu/riedeuheil find daz beste Z.ugnX für m.we gscsntieri uaMdllch» Atsolor» Haarfarbe Acht and natürlich färbend. In allen ftirs Sti n erhä ulch. Flasche Z— Mk. Ott» Reiche-, Berlin-W, Sisenbahnstr. 4. o Haben Tie empsehle nach Maß passend gearbeitete Stlltreinlsgev sowie Brnchbandagen aller Art. Leibbinden, StütziorsetlS usw., Artikcc zur GelundHeiis- u Krankenpflege.« Pollmann, KandaM, Berlin N, Lothringer Str. 60, Lieferant ffir Krankankassen. Spezialarzt Dr. med. Wockenfaß, Friedriohstr. 125(Oranienb. Tor), für Syphilis. Harn- u. Frauenlaiden— Ehrlich-Hata-Knr(Dauer 12 Tage), Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufs- 225/18* Störung. 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