Ar. 9. 34. Jahrg. Sdonnementk-Seswgllnsea- ewonnemenlS- Pr?lZ vrSiumieranIxr iiierteljäbrl. S.90 Ml. nuiitalL 1,30 Mi. iröch emlich 30 Sifl. ttei ins Haus. Einzelne Niunmer 3 Pfz� EonnragS. nununer mil Mintrierlel EanmaaS- Beilage.Die Neue WeU' 10 Pia Pöi» kldonnemenl! ILO Marl vro Munal. vingeiragcn in die Poil-�citungZ- vrersliite. Unlcr Kreuzband lür T culichland und Oeslerreia»- Ungarn 2.00 Mark, für das übrige tluslaud t Marl rro Monat. Paslabonnemenls nehmen an Belgien. Dänemart, Holland. Italien. Luxemburg. Bonuga!, öilunäuicii. Schweden und dw Schweiz. Eriitcint täglich. (�Pfennig) Die TnfertionS'Gebübr betiligl für die sechkacfpaltenc Kolonel. »eile oder deren Namn«0 Pfg., für »olitiiche und gewerischaitlichc Bcreitts- und BersamuilungS-Änzeigen 30 Pig. „Rlelne Anreigen". das rettgedrutlic E-ji! 20 Big.(zulässig 2 scttgedrua'l- Rortc). jedes weitere Wart 10 Pjg. Stelleiigejuche und Enilafsiellenan. zeigen das crflc Wort 10 Big., jedes ivcuere Zgort S Pjg. Worte über IS Buch. Iiabcn zählen für zwei Worte. Inserate siir die nächste Nummer müsjen bis k> Uhr nachnlittags in der EMrdiliu» »bgegcb-n werden. Die Erdedition iil bis? Uhr abends gcöffnci. Berliner Volkcsdlnkk. Delegranun-Rdresset »ZssiditiewoMI kellt»". Tentralorgan der rozialdemokratifcbcn Partei Deutfchlands. Neüaktion: Ew. öS, Linöenstraße Z. Neru,pr«t,er: Ami Moritzvlaü, Slr. läl SO— IM 97. Mittwoch, den 10. Januar 1017. Expedition: EW. öS, Linöenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moriliplak, Nr. ISl gU— 1öl.S7. Neue Lilolge an Smtl) und Putna. Ruffenangriffe an der Düna-Front— Russische Stellungen im Casiuu- und Susita-Tal erstürmt— Vordringen bis an den Pntna-Abschnitt— Beiderseits Fundeni Erfolge— Garleaska gestürmt. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 9. Ja- vunr 1917.(W.?. S?.) Westlicher Kriegsschauplatz. Bei guter Fcrusicht war die beiderseitige Fcuertätigkrit au vielen Stellea lebhaft. Oestlicher Kriegsschauplatz. Frout des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bauern. klare Sicht begünstigte die Kampftätigkeit der Artillerie an verschiedenen Stellen. Erneute feindliche Angriffe beiderseits der Ra wurden restlos abgewiesen. Nächtliche Porstöße russischer Jagdkommando S zwischen Friedrich- stadt und Chaussee Mitan— Olai blieben erfolglos. Bei dichtem Schneegestöber gelang rS dem Russen, die ihm am 4. 1. entrissene kleine Insel Glaudon suördl. Jlluxtj zuruS- zugrwinncn. Sem weiteres Bordringcn gegen das westliche Düna- Ufer wurde verhindert. Frout des Generaloberst Erzherzog Joseph. Hartnäckig verteidigt der Feind die aus dem Bercczker- Gebirge in die Moldau-Ebcnr führenden Täler. Troß ungünstiger Witterung und schwierigsten Geländeverhältnisse» in dem zer<- Unsteten Waldgebirge dränge» unsere Truppen ihren Gegner täglich Schritt für Schritt zurück. Auch gestern wurden beiderseits des Casinu- und Susita-Talc verdrahtete stark ausgebaute Stellungen im Sturm genommen und trotz verzweifelter Gegen- stoße gehalten. Heeresgruppe des G e n e r a l f e l d m a r s ch a l l s, s. von Mackensen. I» Ausnutzung ihres Sieges drangen die deutschen und öfter- reichisch-ungarischcn Truppen weiter nach Norden vor und er- reichten feindliche Nachhuten wcrscnd den Putna-Abschnitt, dessen jenseitiges Ufer der Feind in einer neuen Stellnng hält. BciderseUs Fundeni ist der Russe in die Linie Crangeni— Nanesti geworfen. GarlcaSka wurde gestürmt und gegen uächt- liche Angriffe gehalten. Tie gestern gemeldete Beute hat sich aus 99 Offiziere, 54V9 Mann, 9 Geschütze und 19 Maschinengewehre erhöht. Mazedonische Front. Nichts Wesentliches. Ter Erste Generalquartiermrister. Ludendorff. » fibenübericht. Amtlich. Berlin, 9. Januar 191.7, abends. Im Westen geringe Gcfechtstätigkcit. Bei Riga und Jakobstadt blieben russische Angriffe erfolglos. * Der österreichische Bericht. Wien, 9. Januar 1917.(ZV.?. B.) Amtlich wird vcrlautbart: westlicher Kriegsschauplatz. Im Räume südöstlich von F o s e a n i wurde der Gegner bis an die Mündung dcS Rimnir-Sarat-Flusscs zurückgeworfen. Die östemichisch-ungarischen und deutschen Streitkräfte, denen der Feind in der Schlacht von FoScani unterlegen ist. gewannen, ibrcn Sieg ausnutzend, die Putna, auf deren linkem Ufer sich die Russen erneut zu stellen scheinen. Dies« haben in den zwei letzten Kampftagen 99 Offifiere und 5499 Mann an Gefangenen eingebüßt und drei Geschütze und zehn Majchivrngewchrc vre- lorr». Am Südstügcl der HeereSfront des Generaloberst Erzherzog Joseph erkämpften die Truppen des Feldmarschallrutnants von Ruiz bei I r r s e i und C a m p n r i l e in schwierigem Gelände und in Schnee und Frost weitere Vorteile. Sonst an der Ostfront bei den österreichisch-ungorischcn Streitkräften nichts von Belang. Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Lage unverändert. Ter Stellvertreter des Chefs des GcncralstabcS. v. H o e f e r, Frldmarschalleutnant. Das entscheidende Ultimatum an Griechenland. London, 9. Januar. Reutermeldnug.„TimeS" will wissen, daß nach der von der griechischen Regierung ein- genommenen Haltung und nach ihren Erklärnngen an die Alliierten von den Ministeru der Alliierten in Rom eine neue Note verfaßt und nach Athen geschickt wurde. Die genauen Bedingungen sind noch nicht bekannt. Mau glaubt aber, daß darin die unverzügliche Durchführung aller früher formulierten Forderungen und die Bekanntgabe der Annahme der genannten Bedingungen durch die griechische Regierung binnen 48 Stunden der- langt wird. * Amsterdam, 9 Januar. Wie dem„HandelSblad" aus London gemeldet wird, erblickt man in König Konstantins Antwort ans die englische Note daselbst nur ein neues Mittel zur Aufschiebung der Forderungen der Alliierten. Man ist iw allgemeinen der Meinung, daß die Zeit sür Unterhandlungen nun vorüber sei und daß nunmehr energisch eingegriffen werde» müsse. Die„Daily Chroniclr" dringt auf ein sofortiges k r ä f- tigeS Borgehen in Athen und sagt, daß nichts unterlassen werden dürfe, um der Möglichkeit zuvorzukommen, daß König Kon- stantin den Feinden die Hand reiche. » Tie Einheitsaktion der Entente. Aus A m st e r d a m wird der„Köln. Zig." gemeldet: König Konstantin wird von nun an nach englischen Prcsscaußcruugcn sämtliche BerbaudSmächte bei der Seesprrrr gegen sich haben. Also auch Italien wird sich, wenn dir?tnchncht zutrifft, an der Blockade aktiv beteiligen. * Bern, 8. Januar. Wie der Athener Mitarbeiter von„Corriere della Sera' meldet, werden seit 4l> Tagen infolge der Blockade in Athen leine Zeitungen und keine Post verteilt. Zlur die amtlichen Heeresberichte der Kriegführenden, darunter die Berliner Funksprüche, werden bekannt gegeben. Die deutschen Be- richte über den rumänischen Feldzug machen in der Oeffentlickkeit starken Eindruck. Die /lntwort öer Entente an Wilson. Amsterdam, 9. Januar. Der.Matin' teilt mit, die Ant- wortnote der Entente an Wilson sei jetzt endlich auf- gesetzt. Wilsons Note an der Börse vorher bekannt. Washington, S.Januar. Neutermeldung. Der Sekretär Wilsons, Tumulty, ist heule vor dem Repräsentantenhause erschienen, um eine Erklärung im Zusammenhang mit der Talsache abzugeben, daß die Note Wilsons bekannt war, ehe sie verö.sfentlicht wurde. Tumulty erklärte, das; er den Inhalt der Note nicht ge- könnt habe, ehe sie veröffentlicht worden sei und datz er keine Spekulationen auf Grund von vorher enipfangeucn Jnfonnationen unternommen habe. Lanfing gab eine Erklärung darüber ab, welche Beamte an der Note täiig waren, wünschte aber über seine er- gänzenden Mitteilungen an die Presse keine Mitteilung zu machen. Schliesslich wurde ein Effcktcnmaklcr aus Boston gehört, der zugab, dass der Inhalt der Note vor der Zeit der Ausgabe bekannt ge- worden sei, allerdings nicht durch Zutun des Weissen Haukes. Er weigerte sich, die Namen seiner Aufiraggeber, sür die er Börsen- iransaktioncn ausführte, zu nennen. » Ter Papst und die Friedensnote«. Lugano, 9. Januar. Nach einer Meldung des„Messaggero" wird der Vatikan morgen eine identische Antwort aus die Friede nsnoteu der Mittelmächte und deS Prä- fidentcn W ilson absenden. Angeblich gehe dir Antwortnote aus von der Beklagung des Ruins und Elends, das durch die Fort- feyung des Krieges verursacht werde. Der Papst vrrsicherr, er werde sein Gebet mit den Anstrengungen zur Wiederherstellung des Friedens vereinen. Achnlich der spanischen Note würde aber die Antwort des Batilans dahin schließen, daß man den gegenwärtigen Augenblick für die Initiative zu einer Intervention für ungeeignet halte. Luftangriff bei Nieuport. Berlin, 9. Januar. Amtlich. Deutsche Marine. flvgzeuge griffen am 7. d. M. nachmittags ein Baracken- lagcr westlich von La-Panne-Bad und N i e u p o r t-- B a d erfolgreich mit Bomben an. Englands neue Anleihe. Von H c i Ii r i ch C u Ii o w. Seit Wochen diskutiert schon die englische Finanzproffe allerlei angeblich im englischen Schatzamt ausgeheckte Anleihe- Pläne. Jetzt lichtet sich das Dunkel, das bisher über diesen Plänen lag. Die„Times" kündigt an, daß zum 11. Januar eine neue Kriegsanleihe aufgelegt wird, und zivar nicht, wie von eintgen Blättern angeitommen wurde, eine limitierte An leihe von 1299 bis 1500 Millionen Pfd. Sterling(24 bis 39 Milliarden Mark), sondern eine in ihrem Betrage unbegrenzte Anleihe, die augenscheinlich dem Zweck dienen soll, die enorm angeschwollene schwebende Schuld Englands in eine fundierte Schuld umzuwandeln, denn den Besitzern von Stücken der letzten Kriegsanleihe, von Schatzobligationen und Schatz wechseln soll im weitesten Maße der Umtausch gegen die neuen Anlcihcwertc gestattet»Verden.— Lange hat die englische Regierung bor der Anfnahmc einer dritten Kriegsanleihe zurückgescheut und sich die nötigen Kriegsinittel durch die Ausgabe aller möglichen Arten von Schatzscheincn und Schatzwcchseln, durch Anleihen in Nordamerika und durch die Inanspruchnahme von Bankvorschüssen zu per schaffen gesucht. Schtießlich ging diese eigenartige Pump- Wirtschaft aber doch nicht weiter. Nicht nur. daß das mm'v kanischc BundcSschatzamt trotz seiner Anglomanic die ameii kanischen Banken warnte, weiterhin beträchtliche Summen in ausländischen kurzfristigen Werten anzulegen— eine Warnung. diq sich in erster Linie gegen England kehrte— es wurden auch in letzter Zeit in England selbst so wenig neue Schatz- Wechsel gekauft, daß der dafür eingehende Betrag zur Deckimg der in Masse fällig tverdenden älteren Schatzwcchsel nicht mehr ausreichte und das englische Schatzamt sich gegen Jahres- schluß genötigt sah, die erforderlichen Mittel durch die Auf- nähme cines neuen kurzfristigen Borschusses bon ungefähr !lOO Millionen Mark bei der Bank von England zu be- schaffen. Zudem aber könnte, falls der Krieg nicht mit der Zahlung einer großen Kriegsentschädigung det Mittelmächte an England endet, sich diese enorme Belastung des englischen Geldmarktes init riesigen Massen ungedeckter, in kurzem ab lausender Schatzwerte" als eine schwere Belastung der eng- lischen Finanzkraft erweisen.— Begreiflich ist freilich, daß die englische Regierung wenn irgend möglich um eine neue Kriegsanleihe herumzukommen suchte, denn die beiden ersten Anleihen waren ein Mißerfolg. In echt englischer Selbstüberhebung glaubte die englische Re- gicrung bei der ersten Anleihe im November 1911— Leiter des englischen Schatzamts war damals Lloyd George, der jetzige Äriegsdiktator— genügend Geld zu 3'/, Proz. Zinsen erhalten z» können, wenn sie den Einsatzkurs auf 95 Proz. (bei Tilgung innerhalb 14 Jahren zum Pariwerte) fcstsctzie. Und nach Schluß der Zeichnungen wußte denn auch die englische Presse stolz zu Verkünden, die gewünschten 7 Milliarden Mark(350 Äill. Pfd. Sterling) wären fast dreimal über- zeichnet worden; wiederum hätte sich Englands Finanzkraft und Gemeinsintt glänzend bewährt usw. Ein unverschämter Bluff. Wie sich später auS dem Finanzbericht des englischen Schatzamts ergab, waren trotz a l l e r R i c s e n r c k l a m e nur f ü r 62, 7 M i l l i o n e n P s u n d S t c r l i n g tatsächlich in d c n B e s i tz d e r Bevölkerung übergegangen; 137,5 Millionen Pfund mußten bei der folgenden zweiten Kriegsanleihe herauf konvertiert werden und sür 148 Millionen Pfund dieser Anleihe- werte blieben zunächst als unabsetzbar bei den Banken liegen. bis das Schatzamt sich notgedrungen entschloß, den Banken die Last im Umtausch gegen Schatzwechsel abzunehmen. Trotzdem wurde— auch ein Beitrag zur bielgerühmten englischen Finanzsoliditäl— noch bis zur Mitte des Jahres 1916 in den Kurslisten der Londoner Börse der Gesamtumlauf dieser Werte a p f 214 Millionen Pfd. S t e r l. angegeben. Nicht viel besser verlief die zweite englische Kriegsanleihe unter Mc Kenans Acgide im Juni 1915. für die ein Zinssatz von 4'/s Proz. gewährt wurde. Die Ausgabe erfolgte zum Parikus, doch wurden gewisse Zinsvergütungen gewährt, die diesen in Wirklichkeit auf 987/s Proz. hcrabsetztei!. Abgesetzt sollen nach Angabe des Schatzamtes von dieser Anleihe un- gefähr 990 Millionen Pfd. Sterl. sein, wovon aber ungefähr die Hälfte ans den Umtausch älterer 2Vzprozentiger Konsols und der eben erwähnten Z'/zprozentigen Werte, aus erster Kriegsanleihe entfällt. Um diese Summe zu erreichen, mußte jedoch das englische Schatzamt nicht nur den Zeichnern schöne Konvertierungsvorteile sür ihre alten Papiere versprechen, sondern ihnen auch zusichern, daß sie, falls bei späteren Anleihen ein höherer Zinsgenuß gewährt würde, daran eben- falls teilnehmen sollten. Allem Anschein nach hat bis Mitte des Jahres 1915 die englische Regierung noch geglaubt, England könne niemals in die Lage kommen, mehr als 4'/- Proz. Zinsen für seine Anleihen bieten zu müssen. Scitbem hat die evglischs Regierung keine weitere große Anleihe auf dem englischen Markt mehr vorgenommen; teils weil es sich für sie als unmöglich herausstellte, zu ähnlichen Pedingungen, wie bei der zweiten Kriegsanleihe, größere Bc- träge zu erhalten, eine Weit höhere Zinsgewährung aber sofort die Besitzer der ztveiten Kriegsanleihe veranlaßt hqben würde, gleiche Lorteile zu fordern; teils weil man immer wieder darauf rechnete. Deutschland iverde sich schon in nächster Zeit zu einem Frieden verstehen, ivie England ihn wünsche. So wurde die Aufnahme der dritten Kriegsanleihe von Monat zu Monat verschoben und die nötigen Mittel zur Krieg- luhrung durch Steuererhöhungen. Bankvorschüsse. Anleihen in Amerika. Ausgabe neuer kurzfristiger Schatzscheinc usw. heran- ;u!chaffen versucht. Dabei mußte England, um Geld zu er- halten, immer höhere Zinsen bieten. Für seine letzten S ch a tz a n Iv e i s u n g e n hat es ti P r o z e n t Z i n s e n g L w ä h r e 11 m ü f se n— und selbst dieser Zinssatz lockte nur in mäßigem Umfange Abnehmer heran. Dadurch ist die schwebende Schuld Englands zu einer riesigen Höhe angewachsen. Lassen wir die amerikanischen Anleihen und die Bankvorschüsse außer Betracht, so ergibt sich noch immer eine schwebende Schuld von mehr als 10 Milliarden Mark, denn gegen Ende letzten Jahres waren allein für ungefähr 2-1 Milliarden Mark kurzfristige Schatzscheine(Treasury Bills), für lO1/* Milliarden Mark verschiedenartige Lxedeguer-Boncls, für zirka 600 Millionen Mark War Expcnditure Certificates, für 800 Millionen Mark War �aviug Certificates, für 5 Milliarden„Ways and Means" im Unilauf, und zu diesen kommen noch einige andere lausende Schulden hinzu. Aus die Dauer ging diese Art der Borgwirtschaft keine?- falls weiter und immer wieder wurde aus den englischen Finanz- und Handelskreisen unter Hinwei�auf die Gefahren der jetzigen Finanzlage an die Regierung die Forderung gestellt, die täglich mehr anschwellende schwebende Schuld wenigstens teilweise durch Ausnahme einer dritten Kriegsanleihe in eine simdierte Schuld umzuwandeln. Dazu kommt, daß nicht nur die englischen Kriegskosten sich, von Tag zu Tag vergrößern, sondern England auch, da seine Berbündeten nicht mehr mitkönnen, zu einem immer größeren Teil deren Krieg saus gaben mit- dezahle n muß. Es ist eine ganz falsche Vorstellung, daß Rußland, Italien, Frankreich um jeden Preis eine Fortsetzung des Krieges wollen und England widerwillig ihrem Druck folgt. Umgekehrt ist richtig; England finanziert heute den Krieg des ganzen LierverbandeS. Seine Verbündeten sind tatsächlich nur noch bezahlte Söldner. Sobald England seine Subsidicnzahlungen einstellt, sind seine„AllieS" genötigt, Frieden zu schließen. In seiner Rede vom 9. Dezember sagte der neue Schatzkanzlcr Bonar Law. daß England in den letzten neun Wochen pro Tag 400 000 Pfund"Sterling mehr für seine Verbündeten ausgeben müßte als vorher. Da vordem der von England an seine Verbündeten gezahlte Sold durch- ichnittlich täglich 1200000 Pfund Sterling betragen hat, muß sich demnach jetzt die Ausgabe auf 1,6 Millionen Pfund stellen(der„Statist" rechnete jüngst heraus, daß England in den letzten Monaten täglich 1 647000 Pfund Sterling für seine Verbündeten ausgegeben hat), also täglich ans 33 bis 34 Millionen M a r k. Wie die Bedingungen der neuen geplanten Kriegsanleihe lauten, ist nutz den letzten Meldungen noch nicht zu ersehen. Zweifellos ist jedoch, daß die Lloyd Georgesche Regierung heute weit günstigero Bedingungen stellen muß, wenn sie einen entsprechend hohen Zeichnungsbetrag erreichen will, und selbst dann ist eS noch höchst fraglich, ob sie einen nennenswerten Betrag an sogen, neuem Geld für die Kriegführung erhält und nicht die ganze Anleihcmanipulation schließlich auf einen bloßen Ilmtausch älterer Anleihewcrtc sowie kurzfristiger Schatzwechsel und Schatzobligationen gegen neue Anleihe- Papiere hinausläuft. Die Urteile der mit der britischen Finanzlage vertrauten englischen Blätter lauten keineswegs sehr hoffnnngssichcr. Zum Teil bricht sogar der Gedanke durch, die Anleihe könnte so schlecht ausfallen, daß sich die Regierung zur Auflage einer großen Z 10 a n g s a n l e i h e genötigt sehen werde. So l?cißt eS B. im Eitybericht des„New Statcsman"(Nr. 195, vom 30. Dezember 1916): „Der HauptgesprächZgegensland an der Börse war die bevor- siehende Kriegsanleihe. Man glaubt, daß sie in den nächsten Wochen kommen ivird. Große Mengen von Schatzwechseln werden jetzt täglich zur Riickzahlung fällig, so daß letzte Woche für Ver- kauf von solchen kaum mehr cinkam, alä sür Einlösung ausgegeben werden mußte. In einigen Kreisen sprach man von der Möglichkeit einer Zwangsanlcihe oder einer Vermögenssteuer und schätzte die Höbe der zur Abtragung eines großen Teil» der schwebenden Schuld und Beschaffung neuen Geldes erforderlichen Anleihe auf wenigstens Tausend Millionen Pfund. So sehr man sich auch an große Zahlen gewöhnt hat, erscheint das doch als eine sehr große Summe fiir eine durch freiwillige Zeichnungen aufzubringende Anleihe."'... „ES ist nicht sicher, daß eS zu einer ZwangSanleihe kommt; vielleicht hat der Schatzkanzler einen andere» Plan; die neue An- leihe-könnte so reizvoll ausfallen, daß jedermann, ohne Rücksicht auf seine Leistungsfähigkeit, zeichnet und aus dem Auslande große Zeichnungen kommen; aber jedenfalls beginnt die Frage der ZwangSanleche die Gedanken zu be- I ch ä f t i g e n." Und die �.Nation" schrieb jüngst(23. Dezember 1916): „Wenn wir wirklich unsere finanzielle und wirtschaftliche Lage stärken wollen, so kann eS nur durch solch einen du r ch weitere Besteuerungen und ZwangSan leihen geübten Druck geschehen, daß er zu starken Einschrän- jungen inr privaten Verbrauch zwingt, den durch einen Appell an freiwillige Betätigung der Vaterlandsliebe hervorgerufen, bis jetzt augenscheinlich mißlungen ist." Zugleich nrit der Ankündigung einer großen englischen Anleihe am Londoner Markt dringt die Meldung von der Aufnahme einer neuen englischen Anleihe am New D orker Markt von jenseits' deL großen Teiches herüber, und zwar einer Anleihe im Betrage von ungefähr einer Milliarde Mark(fünfzig Millionen Pfund Sterling). An der Londoner Börse ist über diesen neuen Pump in Amerika schon vor zwei, drei Wochen viel gesprochen worden. Wie dort behauptet wurde, soll England mit Hinzurechnung des Kursgewinnes auf die bereits in fünf Jahren rückzahl- bare Summe ungefähr 6 Proz. Zinsen gewähren und außerdem völlige Sicher st ellung durch Effcktcnuntcrlagcn aufgeboten haben. Ob diese Behauptungen richtig sind, muß abgewartet wcrdcn. Es wäre nicht nur für die Beurteilung der englischen Finanz- läge, sondern auch für die Zärtlichkeit der englisch-amerika- nischen Beziehungen recht charakteristisch, wenn sie ihre Be- jiätigung fanden.— Die Vorgänge in Rußlanö. lieber die Ereignisse, die Rußland im Zustand der blut- spritzenden Krise zeigen, gehen der„Bossischcn Zeitung" Mit- teilungen zu, die authentisch genannt werden. Sie geben in genauerer Fassung, was bisher nur im Abriß bekannt wurde. Als Signatur wird ein zu Widerstand und Abwehr bis zum äußersten bereites Gegenüberstehen von Duma und Regie- rung betont. Tie Vorgänge, von denen schon Mitteilung gemacht wer- den konnte, haben sich in den d r e i T a g e n vom 22. bis 24. Dezember abgespielt. Schon Mitte Dezember sei es in Moskau bekannt geworden, daß Massendemonstrationen gegen die Regierung bevorständen. Geplant wurden sie„innerhalb einer sehr großen Reihe der angesehensten gesellschaftlichen Organisationen", und zwar sollten„unzweideutige Reso- lutioncn gegen Krone und Regierung" nicht nur anläßlich der dazu ausschließlich eiuberufcnen Kongresse des ollrussischen Semstwoverbandes und des allrussischen Städtebundes, son- dern auch in zahlreichen Massenversammlungen von russischen Fachvereinigungen angenommen werden. Die allerver- schiedensten Berufe waren zu diesem Zwecke in und nach Moskau mobilisiert worden. Der Bericht zählt eine Anzahl Vereine auf— Arbeiterorganisationen sind nicht darunter. Scharfe Resolutionen gegen Regierung und Regierungsform waren vorgesehen und die Parole wurde ausgegeben, einem schriftlichen Versammlungsverbot der Polizeibehörden keineswegs Folge zu leisten. „Und so erlebte Moskau zum ersten Male seit den Revo- lutionsjahren das höchst bezeichnende Geschehnis, daß an drei Tagen hintereinander dreizehn allrussische Kongresse— darunter Semstwo-Berband und Städtebund, die während der Sxiegsjahre fast zu zentralen Regierungsbehörden sich emporgeschwungen hatten— durch ein Massenaufgebot von Polizei und Militär ge- waltsam gesprengt wurden, wobei es nicht überall ohne Mas- senver Haftungen und Blutvergießen abgegangen ist. Noch am Freitag, den 22. Dezeurber, war der Polizeiprasi- dcnt von Moskau, General Schebeko, nach Petersburg geeilt mit einem Bericht an den Ministerpräsidenten, die Kongresse des Semstwo-Verbandes und des StädtebundeS seien gewaltsam aus- einandergesprengt worden, und mit der Bitte um dahingehende Direknven bezüglich der am Sonnabend und Sonntag bevor- stehenden Versammlungen. Bereits am Sonnabend früh wurden sowohl die Moskauer Polizei als der Chef des Moskauer Militär- bezirks von Petersburg aus drahtlich angwiesen, auch hinsichtlich der übrigen Kongresse nötigenfalls vor keiner Gewalt zurückzu- schrecken, was'denn auch bis Sonntag nachmittag geschah." Tie Vorgänge hatten ihr lautes Echo in der Duma. Eine scharfe Anfrage an die Regierung wird vom Tumablock auf die nächste Tagesordnung praktiziert. Aber Kriegsminister und Minister des Innern befehlen schriftlich dem Duma- Präsidenten, die Anfrage von der Tagesordnung abzusetzen. Ein zweiter Versuch, die Interpellation auf die Tagesordnung zu bringen, scheiterte in derselben Form. Es kam nur zu einer Angriffsrede Miljukows bei der Beratung über die Landesverteidigung am vorigen Freitag, und auf diese gibt die Regierung ihre Antwort u. a. auf d i e Art, daß T r c p o w den gehaßten Reaktionär C h w o st o w zu sich lädt und ihm einen Sitz im Kabinett anbietet. Miljukow, von dessen Reden der Bericht, der'.Vossischen Zeitung" sagt, sie feien zwar temperamentvoll, aber so ziem- dich allen in ihren Wiederholungen zum Ueberdruß geworden, hatte in der Duma gedroht:„Der Kampf der Gesellschaft gegen die Regierung träte bereits aus dem Rahmen legaler Kampfmittel und nähme die Formen des Jahres 1906 an." Auf dicie Drohung mit der Revolution der Straße, der aller- dings Miljukow weder Zeitpunkt noch Weg würde vor- schreiben rönnen, hat T r e p o w eben reagiert, wie es einer zaristischen Regierung seines Namens entspricht. Nun hat man abzuwarten, ob die Entwicklung der be- gonnenen Bewegung wirklich die Worte des Berichterstatters der„Vossischen Zeitung" rechtfertigt, daß es im innerpoliti- schon Leben Rußlands„bedenklich nach Pulver rieche". Dar- über werden auch die weiteren Berichte Aufschluß zu geben haben, die von noch anderer Seite über das jetzt Geschehene unterrichten werden._ der„�vanti" zur römischen Konferenz. Der„Avanti" beschäftigt sich in einem längeren kritischen Aufsatz mit dem Kricgsrat in Rom und macht sich dabei über die italienische Kriegspresse lustig, welche Dingen ihren Bei- fall spende, von denen sie nicht die geringste Kenntnis besitze und die i» die tiefste Finsternis gehüllt seien. Nach der „Kölnischen Zeitung" sagt der„Avanti": In den Mutmaßungen über die Beratungen der Konferenz herrscht der größte Widerspruch. Während die einen behaupten, eS handle sich darum, eine Offensive großen Stils in das Gebiet eines benachbarten Staates zu tragen, wird von den anderen vermutet, im Mittelpunkt der Verhandlungen stehe der Feldzug in Maze- dornen, und dritte wollen sogar wissen, daß die Kriogsziele, die in Rom beraten wurden, in der Lösung der orientalischen Frage schlechthin bestehen, obwohl man eigentlich wissen konnte, daß eine solche Frage sich nicht innerhalb zweier Tage und im Kreise eines halben Dutzend von Ministern lösen lasse. Dabei wird von anderen, die vom nationalen Größenwahn befallen seien, die Wahl des Äonferenzortes daisiit in Verbindung gebracht, daß man nun bei den Verbündeten einsehe, daß Italien eigentlich das beste Ver- ständnis für die orientalischen Fragen und das größte Interesse an ihrer Lösung habe. Damit kommt dem Kriegsrat eine Bedeutung zu, die nicht ihren Zweck verfehlt, in Berlin und Wien den größten Eindruck zu machen, da sein Zusammentreten beweise, daß der Verband noch sehr weit davon entfernt ist, durch das Manöver der Gegner geschwächt worden zu sein. Zum Schluß schreibt der„Avanti": Aus den angeführten Gründen ist es uns nicht möglich, uns dem Beifall und den Wünschen anzuschließen, die die übrige Presse der Konferenz in diesen Tagen gewidmet habe. * Abbauung der Balkanfrout. Lugano. 9. Januar. Nach einer römischen Meldung der „Stampa" soll der KriegSrat beschlossen haben, die Balkanfront abzubauen, jedoch die Endpunkte Valona und Saloniki zu halten und als isolierte verschanzte Lager zu verteidigen. Man wird diese Meldung des Turiner Blattes, bemerkt die„Frankfurter Zeitung", mit allem Vorbehalt aufzu- nehmen haben. Es ist in der Entente so wenig wie anders- wo üblich, der Oeffeiitlichkeit vorzeitig Kriegspläne mitzu- teilen. Da die italienische Zensur die Nachricht passieren ließ, so wird man mit der Möglichkeit rechnen müssen, daß ein Täuschungsmanöver versucht wird. die Schlacht an üer Putna. Berlin, 9. Januar. Amtlich. Ueber die letzten Kämpfe vom 4. bis 8. Januar meldet A.OK'. 9: Der Sieg in der fünftätigen'Schlacht an der Putna ist errungen. Der Gegner war in einer von Natur starken und gut ausgebauten Stcl- lung, deren Haupttcile die Brückenköpfe von Fundeni und Foesaui bildeten, anzugreifen. Nach Beendigung der Angriffsvorbercitungcn wurden am 4. Vorstellungen genommen. Am 5. brachen deutsche Divisionen in den Brückenkopf von Fundeni ein. Am 6. setzte ein groß angelegter mit starken Massen geführter russischer Gegenangriff in 25 Kilometer Breite ein. Der Plan des Russen war, die Mitte der 9. Armee zu durchbrechen. Er scheiterte an dem zähen Widerstand unserer Truppen und an der Stoßkraft bewährter westprcußischer Bataillone, die den Feind zum Stehen brachten und die durch vorübergehenden Erfolg des Feindes geschlagene Lücke schlössen. So konnte 0/e&e/lesffffi//Tffe/i wr? Funden/ unser Angriff am 7. fortgesetzt werden. Tie unter den Generalmajoren Huller und Melus und dem Feldmarschall- leutnant Goiginger fechtenden deutschen und österreichisch. ungarischen Truppen brachen in die Focsani-Stellung ein, stießen tief durch, überrannten die zweite Linie, während aleichzeitig die deutschen Gebirastruppen den Feind aus den Waldbergen des Odobesti-Stockes warfen. Damit war die Schlacht entschieden. Mitte und linker Flügel der Milcovu-Stcllung waren nicht niehr zu halten. Am 8. siel Focsani als Siegespreis sowie das gesamte rechte Putna-Ufer in unsere Hand. stieben schweren blutigen Verlusten büßte der Feind noch 99 Offiziere, über 5400 Gefangene, 3 Geschütze und 10 Ma- schincngewehre ein._ Die Kriegslage im Molüaugebiet. Bern, 8. Januar. Der militärische Mitarbeiter des„Petit Parisien" hält die Lage der Russen und Rumänen im Moldau- gebiet für schlimm, da jeglicher Verpflegungsnachschub für die Russen unmöglich werde. Die Deutschen verkennten übrigens die Schwierigkeit der Aufgabe nicht, die ihnen noch bevorstehe und feierten ihre Erfolge in auffallend mäßiger Sprache. Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 8. Januar. General st absbericht. Mazedonische Front. Zwischen O ch r i d a- und Prespa-See für uns günstige Patrouillengefcchte. An einigen Punkten der Front ArtilleriSfeuer. Rumänische Front. Feindliche Monitore beschossen mit Unterbrechungen Tulcea. Sonst ist nichts Wichtiges zu melden._ � Der türkische Kriegsbericht. Konstantinopel, 8. Januar. Bericht des Gcneralstabes vom 8. Januar. Kaukasusfront: Auf den: linken Flügel wurde ein irfall des FeindcS auf unsere Vorposten zurückgeschlagen. Unsere Truppen, die zur D o n a u a r m e e gehören, wiesen in.der Nacht vom 6. zum 7. Januar einen Angriff des Feindes ab. Der Stellvertretende Oberbefehlshaber. Die Russen im nörülichen Kinnlan). Kopenhagen, 8. Januar.„Berlingskc Tidendc" meldet aus Stockholm:„Svcnska Dagblad" zufolge sind in der letzten Zeit bedeutende russische Streitkräfte nach dem nördlichen Finnland übergeführt worden. Allein nördlich von Tornca befänden sich 3000 Mann, hauptsächlich Truppen, die Von der Front gekommen seien. Gleichzeitig sei die Grenze ö streng abgesperrt, daß sie nur bei Tornea überschritten werden könne. In den letzten Monaten sei es zu zahlreichen Zusammenstößen zwischen der Bevölkerung und dem Militär gekommen, wobei es Tote und Verwundete gegeben habe. In einem Kampf am Simoelv während eines Versuchs von acht Finnen, über die Grenze nach Schweden zu entfliehen, seien uns russische Soldaten getötet und mehrere verwundet worden. Von den flüchtigen Finnen seien fünf nach Schweden entkommen. Souchez unü gpern. Englischer Heeresbericht vom 8. Januar abends. Am?lbend des 7. Januar versuchte der Feind dreimal, sich unseren Stellungen südöstlich von Souchez zu nähern, wurde aber jedes- mal durck unser Feuer zurückgetrieben und ließ viele Verwundete liegen. Die Artillerie war an vielen Stellen längs der ganzen Front tätig; wir unterhielten ein wirksames Feuer östlich von Lesboeufs. auf beiden Usern der Ancre und östlich von Neuve Chapelle. Ter Feind beschoß Dpern heftig. Gestern wurde eine Anzahl feindlicher Batterien durch unsere Artillerie unter Mit- Wirkung unserer Flugzeuge in einen ernsthaften Kampf verwickelt. Viele Plätze von militärischer Bedeutung hinter den feindlichen Linien wurden erfolgreich mit Bomben beworfey. Eine Anzahl von Luftkämpfen fand statt, zwei feindliche Flugzeuge wurden zur Landung gezwungen und beschädigt, zwei von unseren Flugzeugen werden vermißt. tzollanö kaust internierte U-Daote an. Haag, 9. Januar. Der Marineminister teilte gestern in der Zweiten Kammer mit, daß er ein hier interniertes deutsches und ein englisches O-Boot angekauft habe. Der Seekrieg. �-Boot-Arbeit im Kanal. Kopenhagen. 9. Januar. Der Dampfer»Dannewirke(ItZI Tonnen) mit Kohlsnladung don England nach Gibraltar, ist im westlichen Teile des Kanals von einem deutschen Unterseeboot als fünfter dänischer Dampfer seit Neujahr versenkt worden; seine Besatzung ist in dem nordfranzösischen Haken Lannion gelandet. Der dänische Dampfer„Svend", mit Holzladung von Schweden nach England unterwegs, ist von einem deutschen Kriegsschiff in einen deutschen Hasen aufgebracht worden. Nach Hamburg aufgebracht. Hamburg, S. Januar. Der norwegische Dampfer .Lupus' ist am Montag als Prise nach Hamburg auf- gebracht worden. Er hatte Bannware für England an Bord. Das gemiedene Las Palmas. Bern,?. Januar. Wie„Tcmps" meldet, hat im Monat Dezember nur ei» einziges englisches Schiff Las Palmas(auf der mittleren der Canarifchen Inseln) angelaufen, während Schiffe franzöfischer und italirnifchcr Flagge den Hafen vollständig mieden. q- Brrfvnkt. Das Vizekonsulat in Cherburg meldet: Der Dampfer .Asta' von Tvestestrand wurde von einem deutschen C-Boot versenkt. Die Besatzung ist gerettet. Der Dampfer„Markland' aus Bergen(1637 Tonnen) ist am Sonnabend auf der Höhe von Bordeaux versenkt worden.— Aus Lissabon verlautet: Der russische Kohlendampfer„ S e e m e l' ist versenkt worden. Der Kapitän und 7 Mann sind gerettet. Lloyds meldet: Der nor- wegische Dampfer.Hansi' ist wahrscheinlich versenlt worden. „Petit Parisien' zufolge wurden vor La Rochelle drei weitere Fischdampfer versenkt.„BerlingSke Tidende" meldet, dah der dänische Dampfer„NacSborg"(1547 Brutto-Registertonnen) wahrscheinlich im Kanal verienlt wurde. Der Dampfer befand sich mit einer Kohlenladung auf der Fahrt von Sunderland nach Bayonne, einer der gewöhnlichen Pflichtreisen, die die englische Re« gierung von neutralen Dampfern verlangt. Die 18 Mann Besatzung der»Naesburg' wurden wohlbehalien in Brest gelandet. Lloyds meldet: Der Schooner„Brenda' wurde von einem feindlichen Unterseeboot versenkt, die Besatzung wurde gelandet. Man glaubt, datz der norwegische Dampfer„Laupar' versenkt wurde.— Lloyds meldet: Man glaube, daß der norwegische Dampfer „Borgholm'(1715 Tonnen) versenkt worden ist. politische Uebersicht. Was ist nun der Erfolg? Der T«gung der Opposition widmet die„Leipziger Volks- zeitung' einen längeren Epilog, und, wie das so üblich ist, wenn die eigene Richtung beeinandcr saß, mutz ein„Erfolg" gebucht werden. Diesmal fällt es aber recht fchwer; denn der Hauptzweck, eine wirkliche Einigung zwischen den verschiedenen Richtungen der Op- Position zu erzielen, wurde nicht erreicht, und so mutz sich denn Leipzig mit dem Satze trösten, datz man von vornherein nicht darauf gehofft habe.„Dennoch", hcitzt es weiter,„stehen wir nicht an, das Ergebnis der Konferenz im ganzen als erfreu- lich zu bezeichnen. Sic hat das stetige Anwachsen der Op- Position gezeigt, sie ließ ihre achtbare Stärke erkennen und sie zeigt, datz der sich um die Arbeitsgemeinschaft gruppierende Teil der Opposition bei eifriger Arbeit und tatkräftigem Wirken immer mehr zum Sammelpunkt der Genossen wird, die sich gegen die Po- litik des 4. August zur Wehr setzen."— Diese Behauptung steht auf cinigermatzen schwachen Fützen. Die Delegation zu der Konferenz war durchaus ungeregelt und hatte, da die Opposition ja unter sich blieb, vielfach den Charakter von Ernennungen. Es bestand also nicht einmal die theoretische Möglichkeit, datz die Konferenz ein„stetes Anwachsen" der Opposition und ähnliche Krafterscheinungcn, wie sie hier behauptet werden, zum Ausdruck bringen konnte. Das Ganze ist nichts als eine Verlegenheitsphrase, die über den Mangel jeden positiven Erfolges hinwegtäuschen soll. Einen weiteren Erfolg sieht die„Leipziger Volkszeitung" dar- in, datz' die Genossen von der Spartakusgruppe und die internatio- nalen Sozialisten Deutschlands„freilich mit dem Hauptteil der Oppposition sehr unzufrieden" sind, aber„bei aller Schärfe ihrer Angriffe doch den Rahmen sachlichen Kampfes nicht überschritten". Eine Bescheidenheit, die schon einen Erfolg darin erblickt, datz sie nicht nnt Fäusten geprügelt wurde, ist nicht weiter zu kritisieren. So bleibt denn schließlich als letzter und äußerster Erfolg der ganzen Tagung folgender pathetischer Satz der„Leipziger Volks- zeitung" bestehen: „Die Konferenz hat keine VerkleisterungSvolitik beiriebcn. sondern die Dinge nüchtern genommen, wie sie sind. Das ist gut so. das-ist ein Zeichen der Kraft und der Zuversicht. Ueber den Streit um den grundsätzlichen Starrdpunkt und um die Taktik erhebt sich der Umstand, daß die Vertreter der Opposition aller Richtungen aus dem ganzen Reiche zum erstenmal bei- sammeni waren. Das gibt der Tagung ihre Bedeutung, die nicht zu V c r k l c i n e rn ist." Hier geben wir einmal ausnahmsweise der„Leipziger Volks- zeitung" recht. Es gibt Dinge, die sich wirklich nicht verkleinern lassen, weil sie das atomistische Mindestmatz der Kleinheit nicht übersteigen. Hierzu rechnen wir die nackte Tatsache eines Bei- sammenseins Gleichgesinnter. Um dies zu erzielen, war ja eigent- lich nur eine einzige Schwierigkeit zu überwinden, die sich in dem Schlußsatz des Spartakuszirkulars mit den Worten ausdrückt: „Für die Kosten der Delegation müssen die einzelnen Mitglied- schaften auskommen, da der Stand unserer Finanzen ungünstig ist." ** * . Je weniger die„Leipziger Volkszeitung" über'Erfolge der Konferenz berichten kann, um so mehr sucht sie sich am„Vorwärts" zu reiben, weil dieser vor der Konferenz dem Gedanken Ausdruck gegeben hat, datz für eine Verschärfung des Gegensatzes zwischen Mehrheit und Opposition jetzt der ungeeignetste Zeitpunkt sei; denn nach dem Friedensangebot Deutschlands sei klar erwiesen, datz Deutschland mindestens von jetzt an einen Verteidigungskrieg führe und niemand werde der sozialdemokratischen Fraktion jetzt ernst- hast eine Ablehnung der Kricgskredite zumuten. Auf eine Ber- schärfung der Gegensätze könne jetzt nur hinarbeiten, wer die Spal- tung als Selbstzweck betreibe. Diese ruhige Darlegung hat die Leipzigerin in helle Em- pörung versetzt; sie tobt über die„Giftnotiz" und gießt ganze Kübel Verbalinjurien über uns aus. Es gibt in der Opposition anschci- nend pathologisch veranlagte Elemente, die in Wutkrämpfe ver- fallen, sowie sie nur das Wort Einigkeit und Partcicinheit hören. Wir hatten mit Bezug auf diese Zerstörungsfanatiker geschrieben: „Für diese ist es schon ein Erfolg, wenn unter den gegenwärtigen Umständen die Opposition überhaupt noch als politische Sonder. gruppierung austritt." Nun, hat dies nicht die„Leipziger Volks- zeitung" als den einzigen und Hauptcrfolg der Konferenz gefeiert? Bethmaun soll gehe«! Tie olldeutsche Kanzlerfroitde arbeitet toieder mit ungenierter Offenheit. Ter Vorstand des„Verbandes West- mark der deutschvölkischen Partei" hat eine Entschließung an- genommen, die jetzt die Runde durch die alldeutsche Presse macht. Sie beginnt mit den verheißenden Worten: Das um sein Dasein heldenhaft kämpfende deutsche Volk kann nur zu Höchstleistungen gelangen und seine Zukunft sichern, wenn es von tatkräftigen, starken und klarschaucnden Männern geführt wird. Ties, wird Weiler ausgeführt, sei wohl auf militärischem Ge- biete der Fall, nickt ober auf po litis ckem. ... Während sich den Männern um Scheide mann und den Vertretern des Börsenkapitals nur noch einige un- klare Besserwisser anschließen, steht das übrige gesamte deutsche Volk der Politik des Reichskanzlers ohne Vertrauen gegen- über. Es bestehe die Besorgnis, daß die Ströme deutschen Blutes für einen s ch w ä ch I i ck> e n Frieden geopfert würden. daß wir einem neuen Wiener Kongreß zueilen, auf welchem„dem deutschen Riesen die erwünschten Daumen- schrauben angesetzt" werden sollen, daß insbesondere der Reichskanzler den kommenden Schwierigkeiten nicht gc- wachsen sein werde. Zudem hat er dadurch, daß er öffentlich im Reichstage das deutsche Volk'mit dem Fluche des Völkerrechts- b r u ch c s belastete, während doch ein Vertrag mit Belgien Preußen in einem Kriege gegen Frankreich das Besatzungsrecht Belgiens gab, dem zu erstrebenden deutschen Frieden ein schlvc- res Hindernis bereitet. Das deutsche Volk darf daher wohl er- warten, datz der Herr Reichskanzler zum Wohle des Vater- landes und der deutschen Zukunft einem anders gearteten Manne den Play räumt.... In das gleicke Horn stößt Graf Rcvcntlow in der„Deutschen Tageszeitung": Wenn auch das deutsche Volk die Verantwortung für die Worte des Kanzlers über Belgien ablehne, so kann nichts an der Tatsache ändern, daß die Folgen und Wirkungen der Worte des RcicbskanzlerS, welcher Art diese auch immer sein mögen, auf die EntWickelung der Angelegenheiten des Deutschen Reiches und Volkes von wesentlichem Einflüsse bleiben, und zwar genau so kurz oder solange, wie der jetzige deutsche Reichs- kanzlcr sein Amt lellcidet. Bethmann habe den Feinden damit die geistigen Waffen für ihre Antwortnote geliefert: Ter springende Punkt dieser Fragen liegt darin, datz die Regierungen des Viervorbandes in ihrer Note das Friedens- angebot des Deutschen Reiches bzw. seiner Verbündeten loesentlicb unter Benutzung der Worte des deutschen Reichskanzlers zurückgewiesen haben und ihretwegen dem Deutschen Reiche die bona iiäes(den guten Glauben) und die Glaubwürdigkeit überhaupt absprechen. Daß das mala kicke(bösgläubig) geschieht und taktisches Manöver ist, ändert nichts. Bethmann hat danack in den Augen der Alldeutschen ein doppeltes Verbrechen begangen. Erstes Verbrechen: Er hat den Gegnern ein Friedensangebot gemacht. Zweites Ver- brechen: Er hat ihnen die Vorwättde geliefert, es abzulehnen. Ganz logisch sind diese Anschuldigungen nicht, die eine hebt die andere auf.__ Ein Zentrumsurteil über die Ablehnungsuote. In bemerkenswert ruhiger und verständiger Weise äußert sich im„Tag" der Zentrumsführer Julius Bachem über das deutsche Friedensangebot und seine Ablehnung durch die Gegner. Bachem schreibt: Niemand wird es wagen, mit Bestimmtheit zu behaupten, datz wir dem Friedezr nahe sind; so viel aber kann man unbedenk- lich aussprechen, datz wir dem Frieden neuerdings ein gutes Stück nähergerückl sind. Das hat das Friedens- angebot des VierbundeS zuwege gebracht.... Kein Zweifel, das Friedensangebot des VierbundeS hat uns auf dem Wege zum Frieden weitergebracht, ohne unsere Fähigkeit, den Frieden mit Waffengewalt zu erzwingen, irgendwie zu lähmen oder zu beeinträchtigen. An dieser Betrachtungsweise ändert auch nichts, datz die Entente das Friedensangebot des Vierbundes zurückgewiesen hat. DaS war zu erwarten. M a n m ö ch t e s i ch f a st w u n d e r n, datz e S nicht in schrofserer Form geschehen i st. An der Spitze der Entente stehen zurzeit die Männer der schärf- sten Tonart. Wenn sie sich in ihrer Antwort eine gewisse Mäßigung lv e n i g st e li S im To» auferlegt haben, so ist das eine unfreiwillige Huldigung, die sie dem Friedensangebot des VierbundeS und der Friedensidee darbringe». Bachem schließt:„Wir sind und bleiben zum Frieden bereit, aber ebenso zum Kampfe entschlossen. Es müßte, wie die Dinge heute liegen, eigentümlich zugehen, wenn nicht das Jahr 1917 der Welt den Frieden brächte— so oder so."_ Die begehrliche« Verbraucher. Herr von B a t o c k i, der Präsident des Kriegsernäh- rungsamts, der ini Reden und Schreiben gute Erfolge auf- zuweisen hat, erschien am Dienstag vormittag unvermittelt auf dem Kriegslehrgange, den jetzt eine Anzahl Land- f r a u c n im Wgeordnetenhauic durchmachen, um sich einmal persönlich an die deutschen Landfrauen zu wenden. Die Land- frauen sollen jetzt angeblich„verärgert" sein, und zwar nkcht zuletzt infolge der vielfachen Verordnungen des Kriegsernäh- rungsamtes. Herr von Batocki suchte sie denn in Humor- voller Weise mit seiner Tätigkeit zu versöhnen und es darf gesagt werden, daß seine Späßchen den gewohnten Erfolg erzielten, wie wir uns denn überhaupt keinen prächtigeren Redner auf Festessen(namentlich wo es viel zu essen gibt) vorstellen können als Herrn von Batocki. Immerhin ver- dienen einige Sätze seiner Ansprache auch ernste Betrachtung. So sagte Herr von Batocki nach dem Bericht: Sie werden sich, meine Damen, ja darüber klar sein, daß Ihnen das nächste Jahr noch vergrößerte Schwierigkeiten bringen wind. Die Arbeitskräfte sind noch weniger, Pferde gibt's ebenfalls weniger, die Einfuhr sinkt fast auf Null, selbst der Boden leistet nach mangelhafter mehrjähriger Bearbeitung weniger. Der große und der kleine Aerger aber wächst mehr und mehr. Und dann kommt nock> das Kriegsernährungsamt mit seinen Verordnungen vom grünen Tisch, die es„ans Angst vor den begehrlichen Verbrauchern in der Großstadt" erlassen mutz. (Große Heiterkeit.) Die„große Heiterkeit" darf uns nicht darüber hinweg- täuschen, daß mit den letzten Worten Herr von Batocki � wenn auch für seine Person in ablehnender Weise— so doch einer Anschauung Wort verliehen hat. die offenbar auf dem Lande gang und gäbe ist. Tatsächlich ist bei einem großen Teil der ländlichen Bevölkerung die Ansicht verbreitet, daß die Maßregeln der Kriegsernährung nur auf ein Luxus bedürfnis der Städte zugeschnitten wären,— Herr von Batocki bestätigt es nur. Es wäre demgegenüber wünschenswert, wenn Herr von Batocki einige Mühe darauf verwendete, das Land über die wahre Loge in den Städten aufzuklären. Für die Städter ist es nicht gerade angenehm, die Entbehrungen des Krieges in einem Maße tragen zu müssen, wie es der Ackerbau treibenden Bevölkerung völlig unbekannt ist, und dafür dann noch dm Spott zu ernten. Ei« Stein vom Herze«. Dem Ilnlundigcn ist es ganz und gar entgangen, daß wir in den letzten Wochen von einer schweren Gefahr bedroht waren, die nun vorüber ist. Aber der durch seine Eingabe bekannte Fürst zu Salm-Horstmar stellt in der„Unabhängigen Nationalkorrc- spondcnz" fest, datz Deutschland einer großen Gefahr glücklich ent- rannen ist: nämlich der Gefahr des— Friedensschlusses. Unsere Feind selber sind so dumm gewesen, uns auö jener ver- zweifelten Lage zu erretten, indem sie das deutsche Friedensangebot ablehnten. Wären nämlich unsere Feinde,„wie man cS von ihrer Schlauheit erwarten konnte", aus das Friedensangebot eingegangen, so wäre es uns bei den Verhandjungen ganz eklig ergangen. Denn, so meint der Fürst zu Salm-Horstmar.„ich kann mir nicht denke??. daß Herr von Bethmann, wenn ich mir ihn mit den Herren Lloyd George und Briand am Konferenztisch sitzend vorstelle, in seiner streng rechtlich denkenden, moralisch vornehmen Art ein für Deutsch- land günstiges Geschäft abgeschlossen hätte; um so weniger, als er sicher nur ganz bescheidene Wünsche ausgesprochen, nie aber rück- sichtslose Forderungen gestellt und mit allen Mitteln durchgedrückt haben würde." Aber dank der törichten Verblendung unserer Feinde sind wir dieser uirheilvollcn Lage glücklich entgangen, können „erleichtert aufatmen" und vor allen Dingen nun mit dem begehrten rücksichtslosen Krieg einsetzen. f Es wird immer einige Leute in Deutschland geben, die nicht von vornherein so von der Dummheit der Gegner überzeugt sind. wie der Fürst zu Salm-Horstmar. Und die werden sich fragen, ob es wirklich eine Empfehlung für eine Politik darstellt, wenn ihr die Feinde so offenkundig in die Hände arbeiten. Keine ausländischen Fürsten auf deutscheu Throue«. Dke internationale Versippung der europäischen Fürsten- Häuser, verbunden mit den geltenden Erbfolgeordnungen, haben zu der Konsequenz geführt, daß auf eine Anzahl deutscher Throne ausländische Fürsten Anwärter waren und noch heute sind. Während bislang aber nichts Anstößiges darin gesehen wurde, wenn z. B., wie dies öfter der Fall gewesen ist, ein englischer Fürst über ein deutsches Land regierte, sind seit dem Weltkrieg gegen diesen Zustand auch in streng l c g i t i m i sti sch e u Köpfen Bedenken aufgestiegen. Für die Herzogtümer Sachsen- Coburg und Gotha kommen nämlich Mitglieder des eng- lischen Königshauses, dem der seit 1905 regierende Herzog Karl Eduard bekanntlich ebenfalls entstammt, als Thronanwärtcr in Frage. Deshalb wurde tisch Ausbruch des.Krieges im gc- meinschaftlichen Landtag der Antrag gestellt, die ausländischen Thronänwärtep von der Thronfolge auszuschließen. In der letzten Sitzung des Landtages machte ein Präsident Liebctrau hierzu folgende Mitteilung: Die Vcrfassungskommission hat die das Land tief be- rührende Frage der Ausschließung der Angehörigen außer- deutscher Staaten von der Thronfolge in den Herzogtümern Koburg und Gotha von neuem mit der herzoglichen Staats- regierung verhandelt. Diese hat die Zusage erteilt, den gemein- schaftlichen Landtag mit aller tunlichen Beschleunigung wieder cinzuberufen, sobald die Voraussetzung vorliegt, die als solche zwischen Regierung und Verfassungskommission vereinbart worden ist. Tie Bevölkerung des Landes darf versichert sein, datz der Landtag unablässig bemüht ist, die bedeu- tungsvolle Angelegenheit deutschem Empfinden ent- sprechend und im Geiste der Reichsverfassung unter gleichzeitiger Wahrung der schwerwiegenden materiellen Interessen des Landtages baldigst der gesetzlichen Erledigung entgegenzufiihrcn. Der Konflikt zwischen deutschem und monarchischem Empfin- den scheint demnach nur unter großen'Schwierigkeiten lösbar zu fein._ Letzte Nachrichten. Das Ultimatum an Griechenlanö überreicht. P i r ä u s, 9. Januar 1917. Meldung des Rcutcrschen Burcaus. Tie Ententemächte Frankreich, England, Rußland und Italien überreichten heute morgen der griechischen Regierung ein Ultimatum, in dem die Annahme der in der Note vom 31. Dezember enthaltenen Forderungen binnen 18 Stunden verlangt wird. U-Boot-Wirkungen. Bern,!). Januar.„Petit Parisien" meldet aus Rone«: Ter französische Dampfer„Bille de Rouen" ist überfällig. Der hier eingetroffene Dampfer„Pucrtorico" sing auf der Höhe von Santander cinri, Funkspruch des PostdampferS„Espague" auf, daß„Bille de Rouen" von einem U-Boot verfolgt werde und um Hilfe bitte. Seither ist das Schiff verschollen.— Dasselbe Blatt meldet aus Lnrochellc: Am 3. Januar wurden die folgen- den zehn F i s ch d a u» p f e r versenkt:„Richelieu",„Saint Paul",„Pcnsee",„Eolombia",„Formidablr",„Diamant�de la Eouronuc",„Honneur et Trvouement",„Moderne",„Maria Henriette",„Pcre Manfort" sowie der Dreimaster„Aroncagua". Die Besatzungen sind sämtlich gerettet.— Lloyds meldet, daß der japanische Dampfer„C h i n t o M a r u" versenkt wurde. ES wird angcnommcit, datz der französische Dampfer„A l- p h o n s e C o n s c p l" und der englische Dampfer„L c s b i a n" gleichfalls versenkt worden sind. Rücktritt des Kabinetts in Spanien. Madrid, 9. Januar.(Meldung des Rcutersche» Bureaus.) Ter Ministerpräsident hat die Demission des gesamten Kadinetts unterbreitet. Die Kathedrale von Reims. B e r«, 9. Jauuar.„Petit Parisien" meldet«ach dem„Eouv- rier de la Champagne": Die Kathedrale in Reims sei infolge der letzten Rcgrnperiodc sehr starkbeschädigt worden; besonders die Wölbungen der Seitenschiffe. Die Ausbcsseruugcn solltcn un- bedingt noch diesen Winter gemacht werden, bisher sei aber gar nichts unternommeil worden. Im Schneesturm verunglückt. Wien, 9. Januar. Seit dem 30. Dezember weröen zwei jugendliche Wiener Touristen, Rudolf Zawada und Otto Borusik, die einzigen Söhne zweier Witwen, die trotz mehrfacher Warnung eine Partie auf das Hochtor unternommen hatten, vermißt. Da die Suche nach ihnen ergebnislos blieb, sind sie wahrscheinlich im Schneesturm verunglückt. \ Gewerkschaftliches. Verlin und Umgegend. Gewerkschaftliche Minierarbeit in Berlin. In der deutschen Gewerkschafl-Zdeweguiig ist Berlin immer der Herd oppositioneller Strömungen gewesen. Kein Wunder, wenn die jetzige Parteiopposition, die sich— wie seit Jahren— nickt zuletzt auch gegen den.GewerkschaftsbureaukratiSmuZ" und gegen die vermaledeiten GewelkschaftSführer richtet, nun auch mit besonderein Eiser sich der Zersplitterung in der Gewerk- schastsbewegung widmet. Welcher Schaden der wirtschaftlichen Macht der Arbeiter und damit dem Arbeiter selbst zugefügt wird, kümmert diese Leutchen nicht. Die niedrigsten Instinkte im Menschen werden versucht wachzurufen, nur um gegen den„gutbesoldeten' Gc- werkschaftSangestcllten mobil zu machen— denn letzten Ende? handelt eZ sich nur darum, ihn zu treffeir, der nebenbei bemerkt sich in der KriegSzeit oft mit der Hälfte besten als Gehalt begnügen muß. was fein Berufsgenosse jetzt in der Kriegsindustrie verdient. Schließlich trifft man aber mit all diesen radikalen Lorschlägen nicht den ver- haßten Angestellten, sondern die eigene Organisation� Lon den Spartakusleuten werden im Berliner Gewerlschafts- hauS sowohl wie in allen Berliner Gewerkschaftsversammlungen Broschüren und Zeilschristen verbreitet. Die Berliner OrtSverwal- tungen find tolerant genug, diesem gewerkschaftsschädigenden Treiben keinerlei Einhalt zu tun, obgleich ihnen das kein Mensch verargen könnte, denn man kann eigentlich niemand zumuten, sich im eigenen Hause durch einen ungebetenen Gast schmähen und besudeln zu lassen. Sie tun es sicherlich in dem Bewußtfein ihres eigenen guten Gewissens und in der Loraussicht, daß vernünftige Leute auch durch solche Machenschaften sich nicht beirren lassen. ÄUse Minicrarbeit soll jetzt. noch stärker betrieben werden, zu welchem löblichen Zweck nachstehendes Zirkular in Berliner Gewerk- schastSkreisen verbreitet wird: W. G.! Es dürfte auch Ihnen nicht unbekannt geblieben sein, daß sich in den Kreisen der gewerkschaftlich organisierten Genossen schon seit langer Zeit eine liefgehende oppositionelle Stimmung bemerk bar macht. Sie ist in der Hauptsache auf die einseitigerStellung- nähme zurückzuführen, welche die Generalkommission und die Zentralvorstände der Gewerkschaften in ihren Organen in dem jetzigen politischen Meinungsstreit einzunehmen pflegen. Um einmal festzustellen, wie weit die Unzufriedenheit gegen- über den Führern der Gewerkichaftsbcwegung in den Massen der Arbeiterschaft Platz gegriffen hat. werden Sie ersucht, in Ihrem Orte bezw. Kreise. Fühlung �mit alten bekannten Gewerkschaftlern zu nehmen eventuell eine Sitzung abzuhalte», von welchen Sie wissen, daß sie auf dem Boden der Opposition stehen. ES wird beabsichtigt, die oppositionellen Elemente einmal zn fammenzufasten um eventuell eine gemeinsame Aussprache baldigst herbeizuführen. Deshalb ist es notwendig, recht bald die Adressen an den Unterzeichneten zu übermitteln. Mit allen Gewerkschaften, die der Gcneralkommisfion an- geschlossen sind, soll möglichst Fühlung gesucht werden, auch ist es wünschenswert, Gewerkschaftsfunktionäre sLertrauensleule, Orts verwaltungSmitglieder usw.) in erster Linie zu berücksichtigen. Mit Parteigruß gez. Karl KürbS, Berlin SO. 26, Naunhnstr. 27 L Der unterzeichnete Arrangeur dieser neuesten Attacke gegen die Gewerkschaften ist in Berliner GewcrkschaftSkreisen ein bisher völlig Unbekannter, der fein agitatorisches Licht bisher schamhaft unter den Scheffel gestellt hat. Ob es ihm gelingen wird, die Berliner Gewerkschaftsbewegung zu ruinieren, bezweiseln wir sehr stark. JahreZschluste 3121. Die Zahl der Neuausi, ahmen betrug im letzten Vierteljahr 64ö. Bei reger Werbearbeit ist auch weiterhin mit großen Aufnahmeziffern zu rechnen. Hinzu kommt, daß die Zahl der reklamierten Facharbeiter täglich größer wird. Itastand. Munitionsarbeiterstreik. Paris, 8. Januar.„Matin' meldet, daß in der Geschoßfabrik von Jvry, die vorwiegend großkalibrige Geschosse herstellt und über 2500 Arbeiter und Arbeiterinnen beickäftigt, ein Streik ausbrach. Die Zahl der Streikenden, die zuerst 660 betrug, ist noch bedeutend gewackien. Bern, 3. Januar.„Temps" zufolge streiken in Jvry mehr als 1ö Metallarbeiter und-arbeiterinnen. Mus der Partei. Deutfches Reich. 25 Jahre Gewerkschaftsarbeit in Breslau. Ende Dezember 1S16 warrn 25 Jahre feit Gründung des Ge» werkichaftskartells in Breslau verflossen. Wenn die Kartells zu Anfang, und namentlich auf dem Gcwerkichaftskongrcß zu Frankfurt am Main, abfällige Kritik erfuhren, so hat sich doch ini Laufe der Jahre deren nutzbringende Tätigkeit vollauf erwiesen. Die Gewerk- ichaften am Ort sind durch das Kartell wesentlich gefördert worden. ?kach der ersten Statistik im Jahre 1898 waren in Breslau 6276 Mit- glieder zu verzeichnen, am 3l. Juli 1914(vor Ausbruch des Krieges) aber 32 7l2. Die Mitgliederzahl Ist infolge des Krieges am 30. Sep- tember 1916 auf 12 872 gesunken. Auk deni Gebiete der Lohnbewegungen hat baS Breslauer Kartell die Gewerkschaften sehr wirkungsvoll unterstützt, anfangs durch Sammellisten, bis später die Lobnbcwegungeu durch die Zentral- organisationen auf eine solidere Basis gebrockt wurden. Bom Jahre 1965 bis 1916 find in Breslau 2 815 946 M. für Slreikunter- stützung ausgegeben worden. Für Arbeitslosenunterstützung und Unterstützungen sonstiger Art 5 545 877 M. Davon im Jahre 1914/15 an die Kriegerfrauen 232 495 M. Das Kartell hat auch zur glück- lichen Lösung der Lokalirage in Breslau beigetragen. Die Wirte mochten mit Hilfe der Polizei jede Versammlung unmöglich. Im Jahre 1966 setzte ei» strengdurchgeiührter Saalboykott ein. Das Kartell hatte die Genugtuung, einen glänzenden Sieg verzeichnen zu können, binnen kurzer Zeil stunden den Arbeitern zirka 66 Säle in Breslau und Umgegend zu Versammlungen zur Verfügung. Kurze Zeit darauf sckufen sick die Gewerkschaften ein eigenes Heim. Zu diesem Zweck wurde für 356 666 M. ein Grundstück käuflich erworben. Durch Herausgabe von Anteilscheinen und Erhebung eines regelmäßigen Bei- uages wurden in kurzer Zeit rd.28L 666M. aufgebrackt. Im März 1913 zogen die Gewerkschaften in das neue Heim ein. Trotz des Krieges war es möglich, am 1. Januar 1917 die erste und einzige Hypotbek zurückzuzahlen. Weiter ist die Errichtung einer Sparkasse. G. m. b. H.. zu erwähnen. Im ersten Halbjahr ihres Bestehens wurden 215 666 M. eingezahlt. Die gesamten Einzahlungen be- tragen bis zum 1. Oktober 1916 1 656666 M., wovon 628006 M. zurückgezahlt wurden. Auch hat da« GewerksckaftSkartell auf dem Gebiete der Sozialpolitik und in der Frage des Arbeiterschutzes Hilfreiche Arbeit geleistet. Es wurde eine Zentral-Bibliothek, ein Arbeiter-Jugendheim und ein Arbeitersekretariat geschaffen, der Konsum- und Sparverein Vorwärts gegründet und eine Rechnung«- stelle der Voiksfürsorge am Orte eingerichtet. Die Karlelltätigkeit während des Krieges war ebenfalls außer- ordentlich vielseitig, und so gilt auch von den BreSlauer Gewerk- schaften, waS Ministerialdireklor Lcwald im Reichstage sagte:.Im Kriege haben sich die Gewerkschaften als not- wendige Glieder der deutschen Volkswirtschaft erwiesen.'___ Ilebcrwnndener Mitgliedcrstillstand. Die Zahlstelle Köln des MctallarbeitervcrbandeS, die Ende 1913 9555 Mitglieder hatte, war im zweiten Vierteljahr 1916 bis auf 2537 herabgesunken. Von da ab bewegt sich die Mitgliederzabl wieder in steigender Linie, sie betrug am 1. Oktober 2655 und am Vierzig Jahre Parlameutstätigkeit. Am 16. Januar 1877 sandte der Wahlkreis Reuß ä. L. den 27jährigen Wilhelm Vlos in den deutschen Reichstag. Der Kreis ging im Zeichen der Attentatshetzc nach der ReichstagSauflösung 1878 freilich wieder verloren, aber bei der folgenden Wahl im Jahre 1881 wurde er von Blos allen sozialistengesetzlichen Verfolgungen zum Trotz in der Stichwahl wieder zurückerobert. 1884 wurde Blos auch in Braunschweig gewählt. Er nahm für den letzteren Kreis an und ihn vertritt Blos mit zwei Unterbrechungen bis zum Heu- tigen Tage im Reichstag. Mit großer Genugtuung kann Blos heute als Parlamentsjubilar auf diese 40 Jahre seiner Tätigkeit zurück- blicken. Zu Beginn seiner parlamentarischen Laufbahn nahm er an den ersten Kämpfen um das Ausnahmegesetz teil und als dieses in Kraft getreten war, blieben ihm die Folgen nicht erspart, Aus- Weisungen und längere Gefängnisstrafen eingeschloffen. Mit der Gelassenheit des Mannes, der sich des rechten Weges bewußt ist, hat Blos persönliche Unbill und wirtschaftliche Schädigung all die Jahre ertragen. Wenn wir heute aus die Zeit zurückblicken, die verflossen ist, seit Blos nach bewegten Jugendjahren in das hohe Haus des neuen Deutschen Reiches eintrat, so können wir feststellen, daß allen äußeren Hemmnissen und inneren Reibungen zum Trotz diese 46 Jahre eine Zeit mächtigen Ausstiegs der deutschen Arbeiterklasse gewesen stnd. Und Blos hat an diesem Aufstieg auf vorderstem Posten wacker mitgewirkt. Wenn er im Reichstag sprach, fand er bei Freund und Feind gerne Gehör, denn Bios schöpfte stets aus dem großen Schatz seines Wissens und er würzte seine Reden mit den Gaben seines reichen Gemüts. Dabei war Blos niemals Nur- parlamenkarier. Ms Redakteur und als fteier Schriftsteller hat er der sozialistischen Presse fast ein halbes Jahrhundert lang die besten Dienste geleistet und daneben hat er die Muße gefunden, Romane zu schreiben(„Die Geächteten',„Ter Prinzipienreiter"), mit der Herausgabe seiner„Denkwürdigkeiten" zu beginnen und Geschichtswerke über„die französische Revolution" und„die deutsche Revo- lution" zu verfassen, aus denen unzählige deutsche Arbeiter sich in kargen Abendstunden reiches Wissen holten. Die Geschickte des .tollen Jahres" kennt in allen Einzelheiten heute kein Zeitgenosse besser als BloS, der zu vielen der alten 48cr die besten persönlichen Beziehungen unterhalten hat, solange fie lebten. Nach einer so arbeitsreichen uiw opferbereiten Wirksamkeit für die Arbeiterklaffe mußte Blos im letzten Jahre erleben, daß in sei- nem Wahlkreise Versammlnngsmehrhciten der Daheimgebliebenen ihn zum„Parteiverrätcr" stempelten- und ihn gar aus der Liste der sozialdemokratischen Volksvertreter hinwegresolutioniertcn. weil er nach bester Ueberzeugung die Politik der Partcimehrhcit für richtig hielt und demgemäß vertrat. Auch dies« üble Erfahrung wird Blos nicht griesgrämlich werden lassen. Er kennt den Zauber. Er hat miterlebt, wie sich Eisenacher und Lassalleaner buchstäblich in den Haaren lagen, wie Most und Hasselmann gegen die Fraktion wüteten, die kein Verständnis für die wahre revolutionäre Taktik haben sollte, wie die Berliner Jungen gegen den verbürgerlichtere Bebel rebellierten, der die Fühlung mit dem Volke verloren habe. Unsere Leser kennen die Darlegungen des Genossen Blos über„alten und neuen Parteizwist" aus seinem Aufsatz in der letzten Sonn- togSbeilage des„Vorwärts". Daß die große Mehrheit der deutschen Sozialdemokratie daheim und an der Front Blos zu seinem Parla- mentsjubiläum von Herzen beglückwünscht, könnte ihn über das Treiben einiger Blankenburger und Braunschweiger trösten, wenn er eines solchen Trostes bedürfen würde. Er bedarf seiner jedoch nicht. Denn in der alten Mainstadt Wcrtheim seiner badischen Heimat wurde ihm eine genügende Dosts Humor mit in die Wiege gelegt. Und diese gute Göttergabe hat er sich auf seinem Wander- leben durch die deutschen Gaue nicht verwässern lassen, fondern echt und voll erhalten. Möge ihn dieser Humor noch viele Jahre frisch erhalten zu reichem Schaffen. II. hl. Stellungnahme zum HilfSdirnstgesetz. Mit dem Hilfsdienstgesetz haben sich in letzter Zeit wieder eine Reihe von Organisationen und Versammlungen beschäftigt. Eine Bcriammlung des sozialdemo- kratischeir Wahlvereins für den 12. sächsischen Reichstags- Wahlkreis(Leipzig-Stadt) nahm nach einem Referat des Ab- geordneten Geyer eine Resolution an, die das Gesetz verwirft und die Stellung der Soz. Arbeitsgemeinschaft billigt. Da- gegen billigten zwei Mitgliederversammlungen in G r o ß- K i e l nach einem Referat des Genossen Legten mit erheblicher Mehrheit die Haltung der sozialdemokratischen Fraktion zu diesem Gesetz, das unter den gegenwärtigen Umstanden notwendig sei. Im niederschle fischen Jndustrierevicr fanden am vergangenen Sonnabend, Sonntag und Montag eme Reihe zum Teil sehr stark besuchter Versammlungen statt, in denen der Sekretär des BergarbeiterverbandeS, Genosse Löfflet, über die Entstehung und Wirksamkeit dieses ÄriegSgefctzes sprach Die Ver- fantntdten erkannten überall einmütig die Notwendigkeit eines solchen Gesetzes an. Friedensdemonstration in Frankfurt a. M. Trotz der Ab- lehnung des deutschen Friedensangebots durch die Entente ist das deutsche Volk immer noch zum Frieden bereit und Joitd auch fernerhin alle Eroberungspläne zurückweisen. Dieser Standpunkt kam in einer mächtigen Kundgebung zum Ausdruck, die der sozial- demokratische Verein in Frankfurt a. M. am Sonntag mittag im Zirkus Schumann veranstaltete. Vor über 4000 Personen sprachen die Rcichstagsabgeordneten Dr. David und Dr. Q u a r ck, die mit ihren Ausführungen lebhafte Zustimmung bei den Ver- sammelten auslösten. Genosse David betonte, obwohl die Antwort der Entente die Hoffnungsschimmer auf Frieden jäh ausgelöscht hätten, sei doch eine Klärung geschaffen worden Der Ausgangspunkt des Krieges sei ein großer EroberungS- und Aufteilungsplan der Gegner, der schon 1311 um ein Haar zum Weltkrieg aesühri hätte.— Genosse Dr. Q u a r ck unterstützte die Darlegungen Davids. Eine Entschließung wurde nicht gefaßt. Tie Kundgebung verlief sehr wirkungsvoll. Mus Industrie und Handel. England, Norwegen und Teutschland. In einer Unterredung mit dem Berliner Vertreter des „Aftcnpcfften" hat UnterstaatSsekrctär von dem Bus f che die Norweger aus die englischen Brutalitäten aufmerksam gemacht und in folgender Weise geschlossen: „Deutschland hat trotz des wenig freundlicken Verhaltens Nor- Wegens in der U-Bootfrage und auf winickaftlickem Gebiet doch in mit sreundschastlichem Geiste geführten Verhandlungen während der letzten Monate veriuchl, in voller Würdigung der des- halb schwierigen Loge Norwegens einen Ausgleich der Un- stimmigkeiten zu finden. Wir weisen auf daS energischste die eng- lische Darstellung zurück, als ob unier Borgeben, daS sich rn Wahr- heit mit den geringsten Ansprüchen an Norwegens Neutralität begnügte, ein willkürliches oder gar gewalttätiges gewesen sei. Wir geben der bestimmten Erwartung ÄuS- druck, daß Norwegen jetzt und für den Rest des Krieges eine Hol« tuiig einnehmen wird, die anderen Staaten gegenüber ibm eine iolcke Handlungsfreibril gewährt, daß seine Stellung als neutraler souveräner Staat nicht in Frage gestellt wird." Die Engländer wollen den Norwegern die Ausfuhr von Fischen und Schwefelkies durch Kohlensperrc unmöglich machen. Deutschlands Wirtschaftsbezichuugrn zur Türkei. Die„Vossische Zeitung" wollte erfahren haben, daß oic zwischen Teutschland und der Türkei vereinbarten handelspolitischen Wer- träge, die nicht loeniger als 26—25 Einzclvcrträge umfassen, Dienstag, den 3. Januar, unterzeichnet werden sollten. Das Wolfs- Bureau teilt dazu berichtigend mit, daß es sich nicht um Handels- politische Verträge sondern um Rechtsverträge handelt und daß fiir deren Unterzeichnung noch kein sc st er Termin bestimmt sei. Englands Seespcrrr. Anläßlich des Berichts der sozialdemokratischen Zeitung„Het Volk", daß das Artilleriearsenal in Hembrug infolge von M o s s i n g m a n g e l die Arbeit teilweise einstellen mußte, erfährt das Haager Korrespondenzbureau, daß aus ein paar Schiffen der Holland-Amerika-Linie Messsngvorräte, die für die holländische Regierung aus Amerika gebracht wurden, auf Befehl der englischen Regierung in England gelöschr werden mußten. Infolgedessen mußte die Zufuhr von Messing aus Amerika eingestellt werdiit. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Tie Fabrik isolierter Drähte zu elektrischen Zwecken(vorm. C. I. Vogel Telegraphensabrik) Akst-Ges. wci't für 1915/16 einen Rohgewinn von 1)8 gegen 1,5 Millionen Mark im Vorjahre und einen Reingewinn von 1,15 pcgcu 6,67 Millionen Mark aus. Dividende werden 16 gegen 15 Proz. gezahlt. Tie Gesellschaft ist vollauf beschäftigt. Ihre Bilanz ist glänzend. Das Bankgiuhaben beträgt 2,3 Millionen Mark gegen 1 Million Mark, das Efsektcnkonto IL gegen 6,4 Millionen Mark, dos Debitoren- konto 6,7 gegen 6,45 Millionen Mark. Die Borräte sind von 434 000 auf 572 000 M., die Gläubiger von 118 666 auf 253 666 M. gestiegen._ Die verdammten U-Boote. Um eine deutsche Kontrolle des U-Boot �Schadens für die bri- tische Getreidevcrsorgnng auszuschließen, werden Informationen über Getreide in England nicht mehr ausgegeben. RüstungSillSostrie in den Bereinigten Staaten. Der Leiter der großen amerikaniichenBethIchem-Steel-Compagnik, Charles Schwab erklärte wie die„Not. Ztg." aus Kopenhagen meldet, kürzlich in einer Rede in New Jork, daß die Bcthlebem-Werke im Augenblick 56 Proz. mehr schweres Geschütz fabrizlcrten, als die Kruppfabriken in Essen. Die Bethlehem-Wcrke wollen jetzt noch die Abteilungen für die Fabrikation der sechzehnzölligen Kanonen erweitern und diese sollen dann die Hauptbatterien an Bord der möchtigen Ueberdreadnoughts bilden, die Amerika jetzt baut. Schwab teilt ferner mit. daß aus den Werften seiner Gesellschaft der dritte Teil aller Schiffe gebaut wirb, die im Augenblick überhaupt in den Vereinigten Staaten gebaut werden und daß die Bethlehem-Gesell- ichaft in jeder Woche 16 666 Tonnen Handeisschiffe baue. Auch Schlachtschiffe würden aus den Werften gebaut, sowie U-Boote und kleinere Schiffe. Für daö Ausland seien im Augenblick 1 266 000 Tonnen in Amerika in Bau und da dte Schiffswerit in England außerdem stark erweitert ist und Tag und Nacht baut, wird es wohl nickt lange dauern, bis die im Kriege verloren gegangene Tonnage wieder ersetzt sei.___ ich Die? rutsche Maschinenfabrik Akt.-Ges� Duisburg, übernahm die Gesellschaft die Wasfenwerkc„Union" in Zella zur Fortührung als Zweigstelle.____ Parteiveranstaltungen. Zweiter Wahlkreis(III. Abteilung, Friedrich st ad t). Zahlabend: Mittwoch, 10. Januar, bei Rathmann, WWdlmstr. 118.— Zahlmorgeni Donnerstag, den 11. Januar, bei Krüger, Jerusalemer Str. 63. Kcukölln. Die Zahlabcnde des Lrtsvercins Neukölln nnden Witt- woch, 10. Januar, abends N/, Uhr, in folgenden Lokalen statt: 1.— 4. Bezirk bei Schultz, Reulerstr. 47. Ecke Lenaustraße; 5. und 6. Bezirk bei £. Schitller. Weichlelstr. 3, Ecke Donaustraße; 7.— 9. Bezirk bei Rob. Jden, Doddinstr. 58. Ecke Jj arftratze: 11. Bezirk im Turnerheim, Böhmische Stratze 13; 10. und 12. Bezirk bei Kukuich, SSipperftr. 1; 13.— 17. Bezirk bei Job. Cenlel. H ermann str. 178, Ecke ThomaSstratze: 18.— 20. Bezirk bei Ed. Richnow, Brmz-Handjery-Str. 69; 21.— 24. Bezirk bei Herrn. Heuffchek, Herrsurthstr. 27. Wer den Zahlabend nicht besuche» kann, der zahle seine Beiträge nur an Genossen, die sich durch eme grüne Karte, die den Stempel des alten ÄreiSwadlvereinS trägt, ausweisen tönnen. BeitrittSerUSiungen richte man an August Neuman, Kaiser- Friedrich-Etr. 32, und Otto Jacobs, Weichselstr. 8, Autg. IV. Temprlhvf. Mitgliederversammlung beule abend pünktlich 8 Uhr, im „Sängerbeim*, Kaiser-Wilbelm-Straße, Ecke Werder Stratze(Jnh. Ueckeiman). Wichtige Tagesordnung I Brit». Mitgliederversammlung. Mittwoch, 10. Januar, abend« püntltch 8 Uhr, im Lokal von Kitzing, Rudower Stratze Vortrag des Genossen V a g e l§. Der Vorstand. Friedrichshagen. Heute Mittwoch, 10. Januar, abends 8'/� Uhr, findet bei Wwe. Lerche eine Mitgliederversammtung statt. Aus der Tagesordnung steht: Neuwahlen des Kassierers und SchristsührerS. Kaulsdorf-Biesdorf. Heute abend, pünktlich 8 Uhr, bei Hamp el. Hönower stratze 6: Mitgliederveriammlung. Tagesordnung: 1. Die Lebensmittelversorgung in Kaulsdors. 2. Wahl eines Kassierers. 3. Verschiedenes. Eine Httnsbiblwtftejl gratis! Alle Leser erhalten gegen Einsendung deS nebenstehenden Gutscheines ein Gralis-Probebeft der rühmlichst bekannten illustrierten Zeitschrift „Welt und Wissen". Dieselbe bringt von ersten Schriftstellern gemeinverständliche Abhandlungen aus ollen Wissensgebieten. Jedes Heft enthält ca. 26 Artikel, z. B.: Der Menich in der Pfahlbauzeit Verantw. Redakt.: Herm. Müller, Tempelhof. In Wenn die Erde erzittert.— Wie erhalte ich mich jung.— Der Wille und dessen Gymnastik.— DaS Leben unter Wasser.— Fernphorographie.— Liebe und Ehe bei den NarurböUern.— Der Mensch und die Geisterwelt.— Flüssige Lust.— Einfluß der Lebens- weise auida« Menschenalter.— Verschwundene Städte in der Sahara.— Eine Fahrt im Unterseeboot usw. Nerlangen Sit kostenlos Nrobehest. Außerdem erhält jeder Abonnent SS hsllsbibllotheli grsti; und zwar zu jedem Jahrgang drei Werke. Damit jeder Leser darauf abonnieren kann, ist der Preis auf nur 26 Pf. pro Heft festgesetzt. Gutfcbcin V für ein Gratis-Probeheft. An den Verlag\fion„Welt und Wissen" Berliu-Sch�neberg. Am Park 11. Ich bestelle hiermit ein Probebest kostenlos zugestellt. Name. Ort. 'eratcnteil verantw-TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanst. Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage>md Unirrhaltungsbl.� !k. 9 34. Zawang mm w— MtMBB—m—nB—l— 3M>B—— MB— ?ln öl'e Msnnenten öes �vorwärts�. Tie Leser der Bernte bitten wir»m Entschuldigung für die verspätete Zustellung der gestrige» Nummer. Nach Beschlagnahme der Gummibereifung find alle unsere Versuche, für unsere AutoS Ersatzreifen zu bekommen, seitens der ent- sprechenden Militärverwaltung abgelehnt werden. Wir haben unsere Autos mit Eiscnbcreifuag versehen, die infolge ihres Gewichtes zu wiederholten Achsenbrüchcn geführt haben. Bei der durch das schlechte Wetter bedingten schlechten Beschaffenheit oder Glätte der Straßen sind die so bereifte» AutoS wiederholt auf der Strecke geblieben. In der jetzigen Zeit des Mangels an Gespannen ist eine Ersatzzustellung au die Abonnenten fast immer unmöglich geworden. So sind auch vorgestern wieder zwei unserer Autos liegen geblieben, und trotz- dem daß vier unserer Angestellten von abend? 10 Uhr bis morgens gegen 3 Uhr sich überall um Ersatzgespanne oder Autodroschlcn be« mühten, war in ganz Berlin auch nicht ein einziges Fuhrwerk für unsere Zwecke aufzutreiben. Jeder angebotene Preis wurde zurück- gewicsen, und welche Preise zurzeit in Frage kommen, dafür nur ein Beispiel: Für den zweieinhalb Stunden in Anspruch nehmenden Rücktransport zweier Autos von Marienfclde nach Berlin berechnete der Fuhrherr für zwei Gespanne von je zwei Pferde» am Sonntag- mittag nur die Kleinigkeit von 110 Mark! Wir habe» auch versucht, die Zustellung in Berlin durch Extra- wagen der Großen Berliner Straßenbahngescllschaft in den Morgen- stunden von 2 Uhr ab bewerkstelligen zu lassen, wie das auch der Verlag der„Morgenpost" bereits unternommen hat. Tie Straßru- bahngesellschaft hat das Ersuchen um Gestellung der Wage» jedoch rundweg abgelehnt. Wir werden selbstverständlich allezeit für regel- mäßige und pünktliche Zustellung bemüht sein, wenn aber einmal infolge unabwendbarer Zwischenfälle eine Verspätung eintritt, so dürfen wir von unseren Abonnenten wohl Nachsicht erbitten, da ja die Ucberwindung der Schwierigkeiten, die in den jetzigen Zeitverhält- nissen begründet find, nicht von unserem guten Willen allein abhängt. Verlag und Expedition des„Vorwärts". Rückblick unö Ausblick. Eine Rede des Genossen Ebert. Eine für die heutigen Zeitverhältnisse ungewöhnlich stark be- I uchte Versammlung war es, die der Lese- und Diskutierklub „Vorwärts" am Montag im großen Saale des Lehrervereinshauses am Alexandcrplay abhielt..Rückblick und Ausblick" bcntelte sich iwr Vortrag, den Genosse Ebert hielt. Der Redner führte im wesentlichen folgendes aus: Tie Hoffnung der Völker auf einen baldigen Frieden hat eine neue schwere Enttäuschung erlebt. Tie ZehnoerbanbSmächte haben das Friedensangebot der Mittelmächte abgelehnt. So rast der Krieg denn im neuen Jahre weiter und fordert neue Opfer an Gut und Blut. Alle Völker leiden in gleichem Nahe unter den Wirkungen des Krieges, aber alle Völker wünschen auch sein Ende und Nuckkehr zur Kulturarbeit d-S Friedens herbei. Trotzdem tagt die Antwortnote deS ZebnmächteverbandeS, die Ablehnung des �.cledensaugebols erfolge in Uebereinstimmung mit seinen Völkern. Die Erfahrung wird zeigen, ob diese Behauptung nicht eine der vielen Kriegsgroßmäuligleiten ist. Das Eine ist sicher: Würde die deutsche Regierung ei» solches Friedensangebot der Gegenseite aogelehnt haben, so bälte sie damit einen SlUrm. der Entrüstung IN � entfacht.Und. die deutsche Tozialderno�ratie ivürde c3 Aufgabe gehalten hoben, diese Regierung aufs schärfste äu ��uipsen und keinen Pfennig Kriegstredu mehr zu bewilligen. ~Ai Mittelmächte wollen ihre Gegner nicht niederschmettern. Sagen Ite doch in ihrem Friedensangebot ausdrücklich, daß die Vorschlage. welcfiü ihre Vertreter zu der Verhandlung mitbringen, daraus gc. rubtet sein werden, die Rechte der Völker und einen dauernden Ancden zu sichern.— Aus New Dork wird berichiet, daß der deutsche Botschafter Graf Bernswrss erklärt habe. Deutschland ver- lange kein fremdes Gebiet, sondern nur die künftige Sicherheit gegen feindliche Angriffe und feindliche Bündnisse.— Diese Nach- bisher nicht widersprochen.— Eine Erklärung in dem gleichen Sinne hat der ungarische Ministerpräsident TiSza abgc- gefien.— Es handelt sich nach meiner festen lleberzeugung bei dem Angebot der Mittelmächte um einen durchaus ehrlichen Versuch, dem Blutvergießen ein Ende zu machen. Dieser Versuch ist denn auch fast in der ganzen Presse der deutschen Sozialdemokratie begrüßt worden, sowohl in den Blättern der Mehrheit wie in denen der Minderheit. Nur einige Vertreter der Spartakusgruppe machen eine Ausnahme. Sie stehe cn wohl auf dem Standpunkt- der ganze Krieg gehe sie nichts an. Die. Antwortnote der Zehnverbandsmächte macht den Ein- druck, als ob sie mehr auf die Beunruhigung ihrer Völker und der Aeutrolen gerichtet ist akS auf eine Beantwortung deS Friedens- angebotS. Die Zehnverbandsmächte suchen die Schuld am Kriege allein den Mittelmächten zuzuschieben. Ich hin der Meinung, daß die endgültige Entscheidung der Schuldfrag« erst nach dem Kriege durch die Geschichtsforschung möglich sein wird. Jetzt, wo die Welt seit fast 30 Monaten in Flammen steht, ist«S die Pflicht jedes Staates, alles zu tun, um dem Frieden die Wege zu bahnen. Das gebietet nicht nur die sittliche Pflicht und die Mensch- lichkeit, sondern auch die Selbstbehauptung aller Völker.— Wenn wir noch den Ursachen des Krieges fragen, so finden wir, daß sie in letzter Linie in den wirtschaftlichen Gegensätzen, besonder» zwischen England und Deutschland zu suchen sind. Diese Gegen- sätze haben England veranlaßt, seine EinkreisungSvolitik gegen Deutschland zu betreiben und sich zu diesem Zweck mit Frankreich. Rußland und Italien auszugleichen. Frankreich wurde mit Ma- rokto, Italien mit Tripolis abgefunden und Ruhland erhielt im Jahre ISIS die vertragliche Zusicherung auf den Besitz von Kon- staniinopel. den Bosporus und die Dardanellen. Außerdem hat d:e Entente die Aufteilung Kleinasien» unter sich vereinbart. Interessant sind die Aeußerungtn der Presse über die Antwort- uote der Zehnberbandsmäckte. Ich will nur daran erinnern, daß . unser däniscbcs Partciblatt„Sozialdemokraten" schrieb, wenn England als führende Macht der Entente die ihm von Deutschland und von Wilson entgegengestreckte Friedenshand zurückweise, so werde das bei den Neutralen die lleberzeugung stärken, daß Grey systematisch den Krieg um die Weltherrschast vorbereitet habe. Wie auch die Geschichte über die Ursachen des Krieges ent- scheiden mag: Das Angebot der Mittelmächte bietet die Möglichkeit. dem Blutbad ein Ende zu machen. Der Einwand, das Friedens- angebot sei gehaltlos und entbehre jeder Präzifierung. ist Ver» legenheitSgerede. Die Mittelmächte wollten nicht unabänderliche Bedingungen stellen. Sie wollten nicht al» diktierende Sieger auf« treten; auf neutralem Boden, auf gleichem Fuße wollten sie durch Gedankenaustausch zu einem Ausgleich kommen. Dem Zehn» verband wäre dennoch freie Hand geblieben. Er wollte aber nicht an den VcrständigunaStisch. Er hofft immer noch auf den Sieg der zahlenmäßigen Uebermacht. Lieber opfert er weiter« Heka- tomben von Menschen, als zuzugeben, daß seine Rechnung falsch ist. Er will nicht auf seine EroberungS- und Zersiückelungsplän« verzichten. Der Zar bat daS in seinem Armeebefehl offen auS- gesprochen: Ohne Konstantinopel. ohne Goltz, cn und ohne Prsu» ßisch-Polen kein Gedanke an Frieden! So geht der Wohnsinn weiter. Was der Zehnverband erreichen kann, nämlich einen bil-> lizen dauernden Frieden, kann er jetzt ohne weiteres Bluwer- iw Jonrärtü" jStrli gießen haben. Der Zehnmächteverband hat diese Möglichkeit zu- rückgewiesen. Damit hat er die Verantwortung für die Fort- setzung deS Krieges und die Schuld an allen weiteren Opfern auf sich geladen. Ob nach dieser Ablehnung des Angebots der Mittelmächte noch die Möglichkeit zu Friedensverhandlungen ge- geben sein wird, das muß die Antwort erweisen, welche der Zehn- Mächteverband auf die Note Wilsons erteilen wird. Jedenfalls müssen wir von der deutschen Regierung erwarten, daß sie nichts unversucht läßt, was die Friedensvermittlung Wilsons unterstützen und fördern kanm Wie aber auch das Remltat ausfallen mag: Für uns ist nötig, daß wir ruhig Blut und kühle Köpfe behalten. Das Airgebot der Mittelmächte kann seine günstige Wirkung auf die Stimmung der Völker nicht verfehlen. Alle Völker sehnen den Frieden herbei. Er ist notwendig und möglich. Unsere Beziehungen zn den Neutralen sind dabei von großer Bedeutung. Denn mit ibnen verbindet uns heute gemeinsamer Friedenswille. Der rücksichtslose U-Bootkrieg, den die alldeutschen Gcwaltpolitiker verlangen, ist entschieden zu verwerfen. Wir Sozialdemokraten werden auch künftig zu der Politik stehen, die wir in unserer Erklärung vom 4. August 1914 bekundet haben: Wir stehen zur Verteidigung unseres Landes, bis die Sicherung desselben erreicht ist und die Gegner zum Frieden be- reit sind. Darin lassen wir uns nicht beirren, denn so furchtbar der Krieg ist. noch furchtbarer ist eine Niederlage.(Sehr richtig.) Das Lebensiuteresse der Arbeiterklasse gebietet die Abwehr des Krieges. Ebensowenig wird die Sozialdemokratie erlahmen in ihrer Arbeit für den Frieden. Es gibt nur einen Weg zum Frieden: den Weg der Verständigung. iDer mutz gegangen werden. Wenn auch die Lloyd George, Briand und Trepow KriegSfanfaren blasen, der Frieden steht auf der. TageS- Ordnung und wird nicht wieder von ihr verschwinden. Daß der Verständigungsgedanke auf dem Marsch ist, beweist auch der s r a n- zö fische Parteitag und der französische Gewerkschaftsion- greß. Die Resolution, welche sich für die Wiederaufnahme der Beziehungen zur Internationale erklärt, ist auf dem französischen Parteitag nur mit einer geringen Mehrheit abgelehnt worden. Die Resolution des Parteitages über die Stellung zum Krieg ist ein Kompromißwerk und nicht frei von Widersprüchen. Doch sie er- gibt, daß man in den Reihen der französischen Parteigenossen unserer Friedensarbeit mehr gerecht wird als die früheren Ent- schließungen. In viel höherem Maße gilt daS für den Beschluß deS französischen Gewerkschaftskongresses. Er ver- langt von der französischen Regierung, daß sie die Note Wilsons in günstigem Sinne beantworte und bei ihren Verbündeten in gleichem Sinne wirke, um die Stunde des Friedens zu beschleu- nigen. Und weiter erklärt die Resolution, daß der Bund der Na- tionen, der eine der Sicherungen eines endgültigen Frieden? ist, nur Zustandekommen kann, wenn die Unabhängigkeit, die Gebiets sicherung und die politische wie die wirt- schaftliche Freiheit aller Nationen, der großen wie der kleinen, gesichert sind.— Diese einstimmig angenommene Resolution stimmt übercin mit den Friedensbestre- bungen der deutschen Sozaldemokratie, wie sie besonders in un- scrcr Friedenspetition festgelegt sind. Der Beschlutz des fran- zösischen Gewerkschaftskongresses ist um so erfreulicher, als von maßgebender Seite auf dem Kongreß erklärt wurde, die fran- zösischen Gewerkschaften seien bereit, an einem internatio- nalen Gewerkschaftskongreß teilzunehmen, der von den deutschen Gewerkschaften einberufen wird. Auch in England bricht sich der Gedanke der Verständigung mehr und mehr Bahn. Der Führer der Unabhängigen Arbeiter- Partei, Pbilipp S n o w d e n, schrieb im„Labour Leader". die Be- reitschastserklärung deS deutschen Reichskanzler», die Friedens- bedingungen zu erörtern, se» in so bestimmte Worte gekleidet, daß sie unmittelbare Folgen haben müßte, wenn aus feiten deS Ver- bände» irgendein Wucksch bestehen tollte, den Krieg auf gerechter Grundlage zu beenden. In ähnlichem Sinne hat sich I o w« t t, der Vorsitzende der Unabhängigen Arbeiterpartei, erklärt. Diesen Wandel der Auffassung bei Angehörigen der Jnter- nationale kann die deutsche Sozialdemokratie mit besonderer Ge- nugtuung begrüßen. War sie doch seit Anfang des Krieges be- müht, eine Verständigung der Internationale herbeizuführen und dem Frieden den Weg zu bahnen. Konnte die Internationale den Krieg nicht verhindern, so kann sie doch dem Frieden große Dienste leisten, wenn alle ihre Kräfte eingestellt werden auf die gemein- same Friedensaktion, die allen Ländern gerecht wird. Jedenfalls wird die deutsche Parteileitung— darin befinden wir uns in Uebereinstimmung mit unseren österreichischen Freun- den— auch künftig ihr Möglichstee tun, um dieses Ziel zu er- reichen.— Die deutsche Sozialdemokratie hat schwere innere Kämpfe durchzumachen. Die einheitliche Aktion wird von einem Teil der Parteigenossen in bewußter Weise erschwert. Da» hat die Konferenz der Opposition am letzten Sonntag bewieseil. Rechthaberei und Fanatismus arten derart aus, daß jedes Zusammengehörigkeitsgefühl vernichtet, jede gemeinsame Arbeit unmöglich gemacht wird. Unverantwortliche, die schon längst ein böses Spiel mit der Partei treiben, haben einen Teil der Wahlkreise zu einer Sonderkonferenz berufen. So werden die Organisationen und die Mittel der Partei offen mißbraucht zum Kampf gegen die Partei. Und an dieser Konferenz nahmen Leute teil, welche der RcichSkonferenz, die auS Vertretern aller Parteiorganisationen zusammengesetzt war, daZ Recht zur Beschlußfassung abstritten. Dieselben Leute wollen jetzt ihre einseitig zusanimengesetzte S o n d e r k o n f e r e n z zum Tribunal der Parte ige schicke machen. Zur Kennzeich- nung der Verhandlungen ist beachtenswert die Resolution, welche die SpartakuSgruppe der Kanfcrenz vorgelegt hatte. Nach dieser Resolution geht die Taktik der SpartatuSIeute dahin: Man bleibt in der Partei, um deren Zerstörung besser betreiben zu können, als man e» außerhalb der Partei tun könnte. Beiträge an die Zen- trale zahlt man nicht, die sollen die Organisationen der Gesamt- parte! an die„Zentralbehörde" der Opposition zahlen. Reichstags- und LandtagSabgeordnetc, die zur Parteimehrheit stehen, werden öffentlich infamiert; bei Wahlen stellt man den Parteikandidaten Opvvsi'tionSkandidaten entgegen. Die parlamentarischen Friedens- aktionen der Partei erklärt man für Unsinn. Nicht nur auf die Partei, sondern auch auf die Gewerkschaften ist da» Zerstörungswerk gerichtet. Und das Zerstörungswerk betreibt man zu einer Zeit, wo man weiß, daß sich das Großkapital im Kriege gestärkt hat und das Unternehmertum sich aus die bevorstehenden Wirtschaft- lichen Kampfe rüstet. Was Huirdcrttauscnde, die draußen im blutigen Ringen stehen, als ihr Lebenzwerk, als ihr Teuerstes be- trachren, soll vernichtet werden. Was bisher der Stolz der deutschen Arbeiterklasse war: der machtvolle Bau ihrer Organisation, um den sie die ganze Welt beneidet, daS soll nun dem Fanatismus und der Herrschjucht eineS kleinen Kreise» geopfert werden. Hier han- delt es sich um einen offenen Vorstoß gegen den Lebensnerv der Arbeiterklasse.(Sehr richtig!) Mit Leuten, die so ganz offen die Zerstörung der Arbeiterorganisationen betreiben, paktiert die Arbeitsgemeinschaft und berät mit ihnen über den Abschluß eineS Schutz, und TrutzbündnisscS, trotzdem ihr bereits vor- her diese Forderungen vorgelegt waren. DaS ist nur möglich, weil die Meinungsdifferenz in diesen Fragen eben nur taktischer Natur sind. lZussimmung.) DaS find die Folgen der Spaltung Wittoil,. 10. Itun 1917. der ReichStagsfraktion. Keine Rabulisiik kann das hinwegdiSpu- tieren. Mit der FrakiionSspaltung sing es an, mit der Spaltung der Partei und der GewerkschastSorganisation nimmt das Werk seinen Fortgang und das Resultat ist: Lähmung der Organisatio- nen der Arbeiterklasse zur Zeit, wo sie im Kamps für die Arbeiter- interessen am nötigsten sind. Das ist gleichbedeutend mit einer Stärkung der Reaktion und de? Scharfmachertums.(Zustimmung.) Ich zweifle nicht, daß die Partei die Herausforderung durch die Sonderkonferenz so beantworten wird, wie es daS LebenKinteresse der Arbeiterklaffe gebietet!(Lebhafte Zustimmung.) Zur Beur- teilung dieses Treibens ist noch zu berücksichtigen, daß die Heraus- sorderung mit der Sondcrkonfercnz in einer weltpolitischen Li- tiation erfolgt, welche die Arbeiterklnffe zum einmütigen Handeln drängt. In einer politischen Situaiion, die der Opposition jeden sachlichen Boden glatt unter den Füßen weggezogen hat.(Zu- stimmung.) Bisher war der Lebensnerv der Parteiopposition der Umstand, daß gewisse Leute vor lauter Annexionsgespenstein nicht erkennen konnten, in welcher Gefahr sich unser Land und unser Volk betindet. Nachdem das Friedensangebot abgelehnt ist, kämpft Deutschland um seine Existenz, um seine Zukunft, um den Frieden. Leute, welche die erste, zweite und dritte Kriegsanleihe bewilligten, werden den Genossen, welche heute nocb die Bewilligung für not- wendig halten, trotzdem nach wie vor Parteiverrat zum Borwurf machen. Tie Erfahrung bat gezeigt, daß gerade diejenigen, die so postfcstum ihren Radikalismus Entdeckt haben, die lautesten Rufer im Streit gegen die Parieimehrheit sind. Es hat sich über- Haupt in den Kreisen der Opposition, besonders in ihren Flug- blättern ein wüster WortradikaliSmus breitgemacht, der ein Rückfall in längst überwundene Perioden der Partei, eine Rückkehr zur reinen Negation ist. Diese Sorte von Radikalismus hat Wilhelm Liebknecht im Vorwort zu seiner Broschüre„Hochverrat und Revolution" so gekenn- zeichnet:„Es ist Mode geworden, zu behaupten, die Sozialdemo- kratie sei im Laufe der Zeiten eine andere geworden, sie habe viel Wasser in ihren Wein gegossen, ja sie habe ihr ursprüngliches revolutionäres Programm aufgegeben. Diese Behauptung ist namentlich das Steckenpferd der revolutionären Maulhelden.... In meiner frühesten politischen Jugend litt ich unter anderen Kinderkrankheiten auch an der deZ Wortradikalismus. ES war mir unerträglich, im Radikalismus des Denkens und Redens über- troffen zu werden, und daS passierte mir auch nicht leicht, und wenn cö mir einmal passiert war. dann dauerte es nicht lange, so hatte ich den Vordermann eingehol! und niich wieder aus die richtige Höhe emporgeschwungen.... Zum Glück haben dann später die Verhältnisse dafür gesorgt, daß der Phrasenteufel mir aus- getrieben ward.... Da entdeckte ich bald, daß heutzutage keine Mauern mehr vom Wind und Lärm menschlicher Lungen um- geblasen werden— wie weiland die Mauern von Jericho durch die jüdischen Posaunenbläser—, und ferner lernte ich. daß die schivachsie Mauer zu hart loac, um mit dem Kopf durch sie hindurch zu rennen, daß aber die stärkste Mauer nicht hart genug ist, um auf die Dauer dem menschlichen Kopf zu widerstehen, wenn er, statt als Widder- oder Stierkopf, richtig als Mensche n- köpf gebraucht wird." Diese au? einer überaus reichen Parteiersahrung gesprochenen Worte werden heut viel zu wenig beachtet. Mancher junge Brause- köpf und auch mancher alte Genosse, d�r sie in der Zeit der Kriegs- Psychose verlernt hat, sollte sie beherzigen.— Die Partei befindet sich in einer sehr ernsten Situation, die an uns alle die allergrößten Anforderungen stellt. Aber was auch die Zukunft bringen mag, die Partei wird trotz der Schwierigkeiten von außen und der Widerstände im Innern festen Schrittes und voll Zuversicht ihren Weg gehen. Die Interessen der Arbeiterklasse sind unser Leitstern.— Schwerste Opfer lasten beute auf unserem Volke, aber immer noch macht sich landesver- räterischer Lebenßmittelwucher breit. Wir verkennen ge- wiß nicht die aus der Absperrung unseres Landes beruhenden Schwierigkeiten. Um so mehr muß aber Eigennutz und Speku- lation zu Leibe gegangen werden. Wenn auch die Wurzel im ka- vitalistischen Synem liegt. Schwere Unterlassungssünden, Wider- stände gegen durchgreifende Maßnahmen und ihre Durchführung liegen bei der Regierung, vor allein der preußischen. Hier zeigen sich scharfe Gegensätze, die rücksichtslos auszukämpfen sind.(Zustimmung.) Der Zeit der kriegerischen Aersiörung folgt die Zeit de? Wieder- aufbaueS. Da stehen uns große Aufgaben bevor, an deren Lösung wir mit ungeschwächten Kräften herantreten müssen. Nur auf die wichtigsten will ich hinweisen: Demokratisierung im Reich, Staat und den Gemein- den. Gleiches Recht für alle. Ausreichende Fürsorge für die Opfer de» Krieges. Weitgehende Enteignung des Besitzes zur Deckung der Kriegslasten. Neuaufbau de» Ar- beiterschutzes und der sozialen Fürsorge. Wicksamster Schutz für Mutter und Kind. Neuregelung des gesamten Bil- f dungSwesenS. Beseitigung aller Besitzprivilegien.— Auch der Aufbau in unserem eigenen Hause wird große Anforderungen an un» stellen. Die durch den Krieg geschwächten Organisationen müssen wieder auf ihre alte Höhe gebracht werden. Hier müssen wir unsere ganze Kraft einsetzen.' Di« Aufwärtsbewegung der zukünftigen Entwicklung Deutsch- lands wird ihren Antrieb bekommen müssen durch die Arbeiter- klaffe. Deshalb muß e» unsere größte Sorg�sein, wie die Macht. die Kraft und der politische Einfluß der Arbeiterklasse gestärkt werden kann. Das wird nicht erreicht durch Rückfall in Äktierc- rei, sondern dadurch, daß wir eine Politik treiben, die geeignet ist, unö neue Hunderttausende von Anhängern zuzuführen. Nur wenn die Parteigetragen ist von dem Willen der großen Massen des schaffenden Volke», wird sie in der Lage sein, ihre große historische Mission zu erfüllen: den Sieg der M c n schhe i t Sid ca le de» Sozialismus!(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion fanden die vom Referenten vorgetragenen Gedanken ungeteilte Zustimmung. Jnkbesondere wurden die von der Opposition betriebenen ZersplitterungSverfuchc auf da» schärfste verurteilt, und zur Abwehr dieser Bestrebungen sowie zur ein- mutigen Arbeit für die Interessen der Gesamtpartei aufgefordert. Ein neues Arbeitsrecht tut not. Im Kriege fordert der Staat von allen seinen Gliedern in seinem und damit im Interesse aller den Einsatz der höchsten Kraft, de» böchsien Gute» deS einzelnen, der Gesundheit und des Lebens. Durch seinen brutalen Zwang zerreißt der Krieg bei der Einberufung de» einzelnen zur Erfüllung der Wehrpflickl die bestehenden Arbeits- Verträge, wenn er auch nicht alle Nebenwirkungen dieser Verträge in jedem Einzelfalle beseitigt. Aber der Krieg ließ doch an sich die Arbeitsvertrag« der Zurtickgebliebenen in Kraft. Nun zwingt er den Staat zu Maßnahmen bisber ganz imerhörrer Art. zu revolutionären Eingriffe» in da» nationale Winschasisleben. um die Arbeitskraft, daS persönlichste Gut des Arbeitenden, iür seinen Zugriff freizlistellen. sie im Interesse der Landesverteidigung dort verwenden zu können, wo es geboten erscheint. Such hier werden nickt alle Nebenwirkungen der durch dielen Eingriff gelösten Verträge beseitigt. Der Staat stellt die Träger der Ware Arbeitskraft in Verhält« nisse hinein, die oft ganz verschieden sind von denen, unter denen sie bisher gestanden haben. Nickt nur in tatiächlickcr, sondern auch in rechtlicher Beziehung. Letzteres, obwohl dazu an sich kein fach- licher Anlaß gegeben ist. Der Staat tut es auch nicht aus Willkür; e? ift da? eine qor nicht gewollte Wirkung de? geltenden Recht«, das durch das Hilfsdienstgesetz natürlich nicht in allen Einzelheiten bat umgestaltet werden können. Wie mit Llitzcshelle wird für Tausends und Abertausende die Inkonsequenz unseres geltenden Arbeits- und Versicherungsrechts beleuchtet werden, sobald ihnen das aus dem Abschluß der neuen Arbeilodcrträge fliestcude Recht offenbar geworden sein wird. Nehmen wir die Aufforderungen dcS Kriegsamtcs zur frei- willigen Meldung für den Hilssdienst. ES werden männliche nnd zum Teil auch weibliche Äräsle für die verschiedensten Tätigkeiten verlangt. Die Eiitlohnung soll vorläufig erfolgen ans Grund freier Arbeitsverträge. Wie sind die Rechtsverhältnisse i Wir beginnen mit dem Bersicherungsrecht.„Tie Verficherungs- bcdingungen und die rechtliche Siellung regeln sich bis zum Erlast endgültiger Bestimmungen entsprechend diese», Lrbeilsverhällins", licistl es in dem ersten Ausrns. llnier den Versicherungsbedingungeii sind die Versicherungsverhältnisie auf Grund der reichsgeietzlichen Arbeiterversicherung gemeint. Wie gestalten sich diese nun bei_ der im ersten Aufruf erstgenannten Tätigkeit, für welche Personen verlangt werden, dein militärischen Sicher- Heils dienst. Die Kranke»- und JnvalidenoersicherungS- Pflicht der Personen ist zweifellos gegeben. Daß die Tätigkeit der den Sicherheitsdienst versehenden Personen den Vollzug polizeilicher össentlicher Gewalt darstellt, ändert an dieser Tatsache nichts. Sie ist auch eine wirtschaftliche Tätigkeit; die Vergütung für diese Tätigkeit ist nichts anderes als das den Leistungen ent- sprechende Entgelt und das Beschäfligungsverhältniö der betreffenden Personen nichts anderes, als der freie wirtschaftliche Austausch von Arbeit und Lohn. Damit ist die Kranken« und Invalidenversiche- ■ rungspflicht gegeben. Anders ist es. soweit es sich um eine ehrenamtliche, unentgeltliche Tätigkeit handelt, wie sie ebenfalls möglich ist. Die unentgeltliche Beschäftigung be- gründet gemäß tzZ 165 Abs. 2, 1226 Abs. 2, keine Versicherungs- Pflicht. Anders ist cZ auch mit der Uns a II Versicherungspflicht. Sie ist im allgemeinen nicht gegeben. Zwar unierliögen die Betriebe der Marine und Heeresverwaltung der Unfallversicherung und bcini militärischen Sicherheitsdienst bandelt cS sich auch um eine im Heercsbctriobe erfolgende Tätigkeit, doch ist nicht der Hecresbetrieb an sich, sondern nur die technischen V c- triebe des Heeres sind versicherungspflichtig, soweit freie Arbeiter in ihnen beschäftigt werden. Damit entfällt also die Unfallversichc- mngSpflicht des militärischen Siwerheit-dieustes. soweit er sich nicht auf die Bewachung versicherter technischer Betriebe erstreckt. Dann würde sie unserer Meinuug nach gegeben sein. Also z. B. bei der Bewachung von an sich versicherten HeereSbetriebcn. Aber auch bei Bewachung privater versicherter Betriebe, die für den Heeresbedarf tätig sind und deshalb bewacht werden. Wir würden auch den Bahnschutz z. B. für unfallversicherungspflichlig halten, obwohl er in Kriegszeiten der Heeresve, waltung obliegt. Der Betrieb der Bahnen ist grundsätzlich versicherungspflichtig. Zum Betrieb der Bahnen gehört der Schutz der Bahnanlagen. Werden zu diesem freie Arbeiter herangezogen, so untersteben sie damit auch dem Sctiutze der Versicherung. Aber in dieser BersicherungSpflicht kann jeweils eine Unterbrechung eintreten. Wird ein heute mit dem Bahnschutz Be« trauter morgen niit der Bewachung von Gefangenen beauftragt. kann die Versicherungspflicht wieder zweifelhaft sein. Sie kann es, braucht es nicht. Sie ist nicht gegeben bei der Bewachung eines militärischen Gebäudes, das nicht zu einem technischen Betriebe der Heeresverwaltung gehört. Also Zweifelsfragen der verschiedensten Art. Bei genau der gleichen Tätigkeit kann einmal die Vcrsicheruugspflicht gegeben sein, das andere Mal nicht. Daß dieses ein unhaltbarer Zustand ist, bedarf keiner weiteren Ausführung. Wir müssen daher in An- lehnung an einen schon bei der Beratung der Reichsversicherungs- ordnung gestellten Antrag die grundsätzliche Versicherung der im öffentlichen„vaterländischen" Dienste stehenden Personen gegen die be, Ausübung dieser Dienste drohenden Unfälle und sonstigen Gc- fahren fordern. Die Bemerkung im Aufruf des Kriegsani'ts, dost „bis zum Erlast endgültiger Bestimmung" das gegenwärtige Recht gilt, läßt ja den Schluß zu. daß die AuSführungSbesiimmungen hier eine Aenderung schaffen. Dabei Handell es sich jedoch nur um eine vorübergehende Regelung, die der Mängel deS geltenden Recht« wegen notwendig geworden ist. Für die Zukunft ist eine grundsätz- liche Regelung unabweisbar. Durchweg sind die versicherungsrechtlichen Verhältnisse genau so, wie sie eben geschildert wurden, bei all den anderen Tätigkeiten, für die die Aufrufe Hilfskräfte fordern. Das gilt auck in den Fällen, wo die HilfSdienswflichtigen. die nach dem an, 2. Januar in der Tagespreise veröffentlichten zweiten Aufruf des Kriegsaints, in den Etappen und KriegSgebielen zum Heeresgefolge rechnen und den Kriegsgcfctzen untersteben. Die Hilfödienstpflichtigen werden dadurch nicht zu Soldaren. Das ist bezüglich der Armierungsarbeiter schon vom Reichsmilitärgericht ausgesprochene» lEntscheidung der Militär- geeichte Band 19,' Seite 112) und bezüglich der Jnvalidenverstche- rungspflicht dieser Personengrnppe vom Reichsversicherungsamt (Amtliche Nachr. d. R. V. A. 1916, Seite 438). Aehnlich zeigt sich die Inkonsequenz des eiqentlichen Arbeits- rechts. Für alle die im Aufruf erwähmen Tätigkeiten bildet das Diensivertragsrechl des Bürgerlichen Gesetzbuches die Grundlage der rechtlichen Beurteilung, nicht das der Mehrzahl der zu diesen Tätig- z keilen kommenden Personen geläufige Recht der Gewerbeordnung oder des Handelsgesetzbuches. Da« bewirkt, daß. wenn nichts über die Dauer de« Dienstvemages im AuSsiellungsveitrage bestimmt ist. bei einer nach Tagen bemessenen Vergütung die Kündigung an jeden, Tage jür den folgenden Tag zulässig ist. Ist die Vergütung »nach Wochen bemessen, so ist die Kündigung nur sür den Schluß einer Kalenderwoche zulässig. Sie hat spätestens an, ersten Werl- tage der Woche zu erfolgen. Ist die Vergütung nach Monaten be- messen, so ist die Kündigung nur sür den Schluß eines Kalender- inoiiats zulässig und hat spätestens am 15. de« Monats zu ge- schehen. Während nach der Gewerbeordnung und dem Handelsgesetzbuch für beide Vertragsteile die Kündigungsfristen gleich sein m n i s e n, können sie jetzt verschieden bemessen werden. Der HandlungS- gebilse, der im Falle der Krankheit den Bezug aus einer Kranken- lasse sür die Dauer von sechs Wochen sich nicht auf dos Entgelt anrechnen lassen brauchte, und für diese sechs Wochen das volle Gehalt fordern könnte, muß sich beim Hilfsdienst diesen Bezug auf das Entgelt anrechnen lasten und hat— wie alle anderen Hilfs- dienfttälige» auch—, im Falle der Krankheit wie bei jeder anderen in seiner Person liegenden Diensibehinderung nur den Lohn sür eine„verhältnismäßig nicht erhebliche" Zeit zu beanspruchen. Bei Sireitfällei, ist ausschließlich das Amtsgericht, nicht das Gewerbe- und KaukmannSgertcht zuständig. Tie« gilt, wie zur Vermeidung jedes Mißversländnisjes besonders betont werden soll, „ur für Tätigkeiten auf Grund der neuen Aufrufe. Dabei sind die Dienste oft gar nicht verschieden von denen, die der Betreffende früher leistete. Der Koch, der bisher in einem Restaurant tälig war lind nun die gleiche Tätigkeit in der Küche eines Truppenteils oder Lazaretts ausübt, entfällt also der Wirksamkeit der Gewerbe- ordnung und untersteht dem bürgerlichen Recht. Die Köchin auS einem privaten Haushalt, die die gleiche Arbeit verrichtet, wie dieser Koch, entfällt damit auch der Geniideordnung. Iii der Tätigkeit ist also nicht der Grund dieser so verschiedenen rechtlichen Beurteilung des Dienstverhältnisses zu erblicken: es ist lediglich die Inkonsequenz unserer Rechtsgestallung. die sich viel- leicht historisch erklären mag, aber einer inneren Begründung ent- behrt. Noch ein. der letzte. Fall. Ein Handlungsgehllte und em Zeichner einer TcxtilwarenfaorA erhalten, weil der Betrieb ge- schlössen werden soll, dem Gesetz entsprechend die schriftliche Auf- forderung zum Eintritt in den Hilfsdienst. Beide stehen unter einem WettbewelbSverbol«, d. h. ihre gewerbliche Tätig- teit ist sür eine bestimmte Zeit nach Beendigung des Dienstverhältnisses beschränkt. Dieses Wettbewerbsverbot bleibt an sich bestehen, für den Handlungsgehilfen jedoch nur mit der Einschränkung, al-5 eS dem Schutze eines berechtigien geschäftlichen Interesse« des Prinzipal« dient. Das schreibt daZ Handelsgesetzbuch vor. Tic Gewerbeordnung, die für den Zeichner in Frage kommt, enthält eine solche Bestimmung nicht. Hier gilt nur die Borschrift, daß die Beschränkung nach Zeit, Ort und Gegenstand nicht die Grenzen überschreite!, darf, durch welche eine unbillige Erschwelung des Fortkommens aus- geschlossen wird. Für den Handlungsgehilfen ist c- im- zweifelhaft, daß kein berechtigtes Interesse des Prin- zipalS ihn hindern kann, im„öffentlichen Interesse" eine gleiche oder ähnliche Stellung in, vffcnlllchen Hilfsdienst anzu- nehmen. Die Interessen de« Vaterlandes müssen dem Privanntereffc de- Prinzipal« vorgehe». Bei Streit hat der Richter das Wett- bewerbsvcrbot aufzuheben oder zu begrenzen. Ist das nun auch beim Zeichner der Fall? Darf er nur eine, oft viel ungünstigere Stellung im öffentlichen Hilfsdienst annehmen, bei der das Wettbewerbs- verbot nicht in Frage kommt? Man kann das bejahen; es hängt aber ganz vom richterlichen Ermessen ab, ob es geschieht; daher auch kann die Wirkung der gleichen Wetibewerbsverbotc eine ganz verschiedene sein. Das hat nichl erst da- neue Hilfsdienst- gesetz bewirkt: das ist eine Wirkung de« gellenden in sich wider- svruchsvollen Rechts? Das Hilsödieiistgeietz deckt nur wieder einmal dieieS Widerspruchsvolle des geltenden Recht« auf, zeigt erneut, wie dringend norwendig die eniheilliche Gestaltung der Grundzüge unsere« Arbeitsrechts ist. Ein neues Arbeitsrecht tut un« not. Mus Groß-Leriin. Ungewohnte Worte. Bemerkenswerte Ausführungen machte in einer Sitzung der städtischen Körperschaften. zu Hamburg-Bergedorf der dortige Bürgermeister Dr. W a l l i, der kürzlich zum Bürge r in c i st e r von Pankow bei Berlin gewählt wordei, ist, über die Berechtigung und Notwendigkeit der B e- kteidiliig öffentlicher Acmtcr durch Sozialdemokraten. Wir entnehmen den Darlegungen des Bürgermeisters: „Die Natur des Bergedorfer Wahlrechts, das nur eine relatibc und keine absolute Stimmenmehrheit verlangt, kann es mit sich bringen, datz die Miiwrität zur Herrschaft gelangt. Das Wahlrecht ist das schlechteste, das ich kennen gelernt habe, und muß zu einer starken Erbitterung in den uichtvertretcnen Kreisen führen. Dazu kommt, daß man früher sagen konnte: „Wir müssen die Sozialdemokraten, diese Aussätzigen, mit allen Kräften an die Wand drücken." Jetzt kann diese Redens- art nicht mehr angewandt werden. Tic Arbeiterschaft hat in diesem Kriege ihre Pflicht dem Vaterlande gegenüber so treu erfüllt, wie in keinem der uns feindlichen Länder. Kein Stand kann sich rühmen, daß er treuer seine Pflicht dem Vaterlande gegenüber erfüllt bat als die Arbeiterschaft.... Wer nach den Erfahrungen dieses Krieges die Trennung unseres Volkes in zwei feindliche Lager in dieser erbitterten Schärfe loie vor dein Kriege wieder herbeiführt, versündigt sich in schwerster Weise ain deutschen Volke. Das deutsche Volk, das hat dieser Krieg gezeigt, kann nur existieren, wenn es einig ist. Und diese Ansicht teilen, das kann ich ans meiner Erfahrung heraus sagen, die maßgebenden Kreise des Reiches und der Bundesstaaten. Aus diesen Erwägungen heraus muß auch hier seitens der bürgerlichen Parteien Rücksicht auf die Arieiterschast genommen werden, und es darf nicht geduldet werden, daß die Sozialdemokraten aus denReihen der Bürger Vertreter aus- scheiden. Meine Ansicht entspricht dem Burgsrieden, der überall herrscht und sich hoffentlich auch noch in die Zeit nach dem Kriege weiter erstreckt, und ich möchte mich gegen die Auffassung kehren, als ob Burgfrieden nichts weiter hieße, als Wahrung des alten Besitzstandes. Man hat es auch aller- orts richtig erkannt, und in vielen Städten sind Vertreter der Arbeiterschaft, die bisher wegen ihrer sozialdemokratischen Gesinnung von diesem oder jenem Ehrenamt ausgeschlossen waren, an Stelle von bürgerlichen Vertretern gewählt worden, und wenn wir erkannt hoben, daß die bisherige M a- j o r i s i e r n n g der Minderheitspartei ein Unrecht war, so verlangt der Burgfriede nicht die Fortdauer dieses unge- rechten Zustandcs, sondern er verlangt die Beseitigung der Ungerechtigkeit, damit wir uns dauernd und friedlich in gemeinsamer Arbeit für das öffentliche Wohl 'iiiden können." Die Versammlung stimmte einmütig einem Magistrats- antrag zu, worin es heißt:„Magistrat und Bürgcrvertretnng lassen sich von der Erwartung leiten, daß bei der Wahl der Bürgervertreter im Hinblick ans die Kriegszeit ein Wahl- kämpf vermieden wird und halten es für angemessen, den Sozialdemokraten soviel Sitze in der Bürger» Vertretung einziirännien, daß sie selbständig A n t r ö g e stellen können. Magistrat und Bürgervertretung würden es mit Freuden begrüßen, wenn die turnusmäßig ausscheidenden vier Bürgervertrcter fSozialdemokratcn) wiedergewählt wür- den." Im Anschluß hieran sei mitgeteilt, daß kürzlich unser Bergedorfer Parteisekretär, Genosse Wicsner, aus Magistrats- Vorschlag in den Magistrat gewählt worden ist. Die Verkchrsangelegenhciten. Die wenigen Verbesserungen, die die Große Berliner Straßenbahn in ihrem Fahrplan vorgenommen hat und über die wir gestern bereits im einzelnen berichteten, vermögen in leiner Weise der Gesamtheit de»„öchtlichen Berufsverkehrs gerecht zu werden. Allerdings find ja die Verhandlungen„och nicht abge- schlössen. ES kann aber unmöglich angehen, daß die jetzigen Zu- stände auch nur noch Tage andauern. Längst hätten das furchtbare Gedränge zu und in den Wagen, die Perronkämpfe, daZ endlose Warten in Nässe und Sturm und gar das Zufußlaufen übermüdeter Männer und Frauen»nnölig gemacht werden müssen. Heber die Tätigkeit de« Verbandes Groß-Berlin für weitere Verbesserungen des Spätverkehrs tvird uns gemeldet: Auf Grund des schon mitgeteilten Beschlusies des VerbandSansschnsies Groß-Berlin, weitere Verbesserungen des Nachtverkehrs herbei- zuführen, ist nicht nur den im Verbandsausschuß vertretenen Ge- meinden. die ihre Wünsche bereits mündlich und schriftlich vor- getragen haben, sondern auch allen anderen am Straßcnbahnverkchr beteiligten Gemeinden G r o ß- B- r l in s Gelegenheil gegeben worden, ihre Forderungen de», Verband Groß-Berlin zu unterbreiten. An der Hand dieser Unterlagen soll nochmals mit dem Polizeipräsidenten und den Straßenbahn- g es ellsch ästen verhandelt werden. ES ist jedenfalls im Groß-Bcrliner VerkehrSinteresie und insbesondere in dem des Berufsverkehrs auf den Straßenbghncn dringend zu wünschen, daß der Verband Groß-Berlin in Ausübung feines ZustimmungS- rechtes weitere Verbesserungen erzielen möge. Empörte Klagen kommen immer wieder aus den Kreisen derer. die die S t a d t- u n d R i n g b a h n zu benutzen gezwungen sind. Unglaubliche Szenen werden uns au» den Abend- und Nachtstunden geschildert. Die Abteile sind bisweilen so gequetscht Poll, daß die Türen nicht geschlossen werden können, ja daß sogar Leute, um überhaupt mitzukommen, sich aus die Laufbretter stellen. Auch auf den häufig überfüllten Batznsteigen geht es lebensgefährlich zu. wenn die vorn siehenden Leute von den nachdrängenden gegen die ein- fahrenden Züge gedrängt werden. Vor allem sollte man einmal die meist ungenügend besetzten Abreile zweite? Klaffe sofort für die dritte Klaffe freigeben, sobald diese besetzt ist. Wie lasten sich über- baupt in der gegenwärtigen Zeit noch die Klassenunterschiede bei den Eisenbahnabteilen rechrferngcn? Die„Erste deutsche Ersatzmittel-Ausstelluug", die in den A u s st c 1 1 u u g s h a l l e n a m Z o o l o g i s ch e n Garten jetzt zu sehen ist, verdankt ihre Entstehung der Kriegszeit. Infolge der Knappheit von Lebensmitteln und anderen Bedarfsgegenständen ist der Markt mit einer Flut von Ersatzwarcn überschwemmt Wörden, die Zeugnis ablegen für die gewinnsuchendc Findigkeit der Hersteller. Tie jetzt veranstaltete Schau solcher Waren gibt keine Uebersicht über den Ersatzmittelmarkt, sondern nur einen kleinen Ausschnitt aus dem eigenartigen Bild, das er in der Kriegszeit dar- bietet. Ausgestellt ist hauptsächlich Ersatz für den Bedarf der Hauswirtschaft, n an, entlich für Lebensmittel, sür Seife und andere Uncntbehrlichkciten der wirtschaftenden Hausfrau. Da- zu gesellen sich Wirtschaftsgeräte, die den geänderten Bediu- gungen dieser crsatzgcsegneten Zeit angepaßt sind. Nur vcr- cinzelt bemerkt man auch Gegenstände, die nicht zur Haus- Wirtschaft gehören, z. B. Ersatz sür die Gummireifen der Fahrräder, Ersatz für lederne Treibriemen. Was Ersatzmittel wert sind, darüber kann man aus einer bloßen Besichtigung schwer ein Urteil gewinnet:. Es versteht sich von selber, daß Hersteller und Händler in ihren Anpreisungen solcher Waren den Mund möglichst Poll nehmen. Daß aber gegenüber vielen jetzt als„Ersatz" auf den Markt gebrachten Waren vorsichtigste Zugeknöpftbeit der Taschen geboten ist. haben wir schon vor mehreren Wochen an Ergebnissen der im Medizmalamt der Stadt Berlin ausgeführten Untersuchungen gezeigt. Gegen die Herstellung von Ersatz, der mit dieser Bezeichnung in den Handel gelangen soll,' ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Kein Verständiger wird jeden Ersatz von vornherein für Schwindel halten. Ersatz braucht nicht einmal immer minderwertig zu se'n gegenüber dem, was er ersetzen soll. Tie Ausstellung enthält dann auch manche? Ersatzmittel, das ganz annehmbar scheint. Aber daneben fehlt es nicht an anderen, über die man sich allerlei Gedanken machen muß. Tie Angaben über die Znsammensetzung wirken mitunter sehr belehrend dadurch, daß man dies und das— vermißt. Ein„Trost" ist's, wenn man liest, daß der angebotene„Ersatz" wenigstens wie das entbehrte Nahrungsmittel„schmeckt". Zur Ei erVersorgung Berlins. Das Nachricktenanri des Berliner Maqistrar: schreibt: Trotz der jctzrgcn ungünstigen Prvduklionsverhälmisse hat es sich ermöglichen lassen," daß vom Freitag dreier Woche ob bis Ende Ja- miar jedem Einwohner der Stadt Berlin ein El gewährt wird. Es kann allerdings in dieser, der Erererzeugung so ungünstigen Jahres- zeit auf einen durchaus regelmäßigen Eingang der Zufuhren nicht immer gerechnet werden, daher ivird der Eicrverkauf in den Gesckäficn wohl nur allmählich vor sich gehen können. Es dürfte aber keinem Zweifel unterliegen, daß jedepEierlarteninhaber auf dem Abschnitt 13 der neuen Eierkarte auch ein Ei erhallen lvird. Di? Karte hat eine neue, den inzwischen veränderten Berbältnissen mehr angepaßte Ein- richruna erhallen. Die Inhaber der Bezuoskarten erhalten Eier auf Abschnitt 16. Der Magiftrol wird künftig zugleicki mit den, Rummer« aufruf die Giiliigkeit-dauer des ausgerufenen Abschnitts sowie die Höhe der out diesen zu verabiolgenden Ecernrengen jedesmal bekanrit machen. Es ist den Einwohnern in ihrem eigenen Nutzen zu empfehlen, den Bekanntmachunoei, genaue Beochiirng zuzuwenden. Wie die Ber- forgung nacd dem 31. Januar fick, gestalten wird, läßt sich»och nicht übersehen. Sie richtet sich nach der Wnterung. Ist diese kalt, so rst die Legetätigkeit der Hühner gering und die Versorgung der Ein- wodnerschasl demgemäß ungünürg. In anderem Falle ist eine Besserung in der Versorgung mit den wichtigen Nahrinigsmirteln zu erhoffen._ Haferflocken für bcdürftigc Schwangere Berlins haben der Ge- meinnützige Verein für Milchausschank zu Berlin und der Ber- liner Frauenverein gegen den Alkoholismus den Städtischen Säuglingsfürsorgestellen zur Verfügung gestellt. Jede bedürftige Schwangere erhält hier in den letzten sechs Wochen vox der Ent- bindung je ein Pfund Haferflocken. ttcberwachung der Preise von Tabak und von Schuh- wäre». Um eine Kontrolle der Preise für Zigarren nnd Tabak zu er- möglichen und um zu verhindern, daß auch für diesen Artikel die Kriegszeit für Erzielung von Wucherpreisen ausgenutzt wird, wer- den jetzt von kommunaler Seite Verkaufsverzeichnrsse sür Zigarren, Zigaretten, Tabar und andere Tabakfabrikate eingeführt. Dem- nach ist jeder Dctailhändler verpflichtet, ein Verzeichnis zu führen, in welchen, alle Sorten aufgeführt werden, die er feilhält. Dieses Verzeichnis hat bei jeder Sorte den Kleinhandelspreis zu ent- halten. Eine Erhöhung und Aenderung des einmal eingetragenen Preises ist nicht gestattet. Ferner sind die Kleinhändler verpflichtet, ihre Einkaufsrechnungen und Belege geordnet zur Einsicht für die Beauftragten der Preisprüfungsstelle aufzubewahren. Wichtig ist die Bestimumng, die festsetzt, daß, wenn eine spätere Sendung einer Marke teuerer geworden ist als früher, die teuere spätere Sendung erst dann zun, Perkauf gebracht werden darf, wenn der alte Lagcrbestand der früheren Sendung der gleichen Marke zum alten Kleinhandelspreis vollständig ausverkauft ist. Aehnlich diesen Bestimmungen hat eine Reihe von deutschen Städten sür die Schuhmacher, die Inhaber von Bejohlanstalten usw. bestimmt, daß sie eine Lagerlifte zu fiihrcn haben, in der ihre Warenvorräte, der Einkaufspreis und Aame und Wohnung der Lieferanten einzutragen sind Ferner haben die Inhaber. von Schuhgeschäften, Schuhmacherwersstätten und Besohlansialten eine Reparaturliste zu führen, die Auskunft geben muß über Namen und Wobmmg des Auftraggebers, für den die Reparatur vor- genommen wird, Bezeichnung der übertragenen Arbeit(Art der Reparatur usw.), Bezeichnung der verbrauchten Ledermenge(Ersatz, Abfallstosfe). aufgewendete Arbeitszeit, Gesamtforderung für die Reparatur, Tag der Ablieferung, unter genauer Bezeichnung des in Rechnung gestellten und bezahlten Betrages. Lcbensmittelpakete aus dem Ausland. Die Zentral-EinkaufSgesellichaft hat Anweisung erhalten, alle aus D ä ri e n, a r k und der, Niederlanden mit Butter, Mar- garine. Fleisch und Fleischwaren. Speck. Schmalz, Käse. Dauermilch aller Art und Eiern v o m 1. I a n u a r 19 1 7 ab zu b e s ch l a g- nahmen und Freigabeanträge abzulehnen, wenn nicht durch einen kont ularischenAuSnahmeschein, der den sonsüge» Post- begleitpapieren beigefügt ist. nachqewieien wird, daß sür die einzelne Sendung von dem kaiserlichen Generalkonsulat Ausnahme be- willigt wordei, ist. Derartige AuSuahmescheine sind nur zu erteilen: 1. sür Post- pakeliendungen an Gesandte, Konsuln sowie an Gesandtschasls- und KonmlatSbeamIe aller neutralen Staaten in Deutschland ohne Be- schränlmrg der Menge, jedoch unter der Voraussetzung, daß die Lebensmittel nur für den Verbrauch in, Haushalt der Empfänger bestimmt sind, 2. sür Postvaketsendungen an dünische, oder niederländische Staatsangehörige aus Dänemark oder bsn Niederlanden mit der Beschränkung, daß die Lebensmittel als Geschenk geliefert werden und nur für den Verbrauch in dem Haushall der Empfänger bestimmt sind, ferner, daß monatlich nicht inehr als insgesamt S Kilogramm Butter, Schmalz und Margarine, insgesamt 10 Kilogramm Fleisch, Fleischwaren und Speck, insgesamt o Kilogramm Käse und insgesamt 5 Kilogramm Dauermilch aller Arr und 60 Stück Eier bezogen werden können. 3. In sonstigen Fällen sind Ausnahmescheine nur beim Vorlegen besonderer Gründe zu erteilen, z. B. wenn ein Deutscher Butter, Fleisch usw.»on seinen in Dänemark oder den Niederlanden gelegenen landwirtschaftlichen Betrieben beziehen will. Verwandtschaftliche Beziehun- gen oder geschentweise Zuwendung allein sind kein Grund zur Aus nahmebewilligung. Alle ohne solche konsularische Ausnahmescheine eingehenden Post- pakelsendungen mit Butler, Fleisch usw. werden in Zukunft von der Post an dieSaiiimelstclle der Zentral- Einkaus-S- gesellschast geleitet lo erden und beschlagnahmt bleiben. Das gleiche gilt von solchen Butter-, Fleisch- usw. Mengen, die in gemischten Paketen mit anderen als den hier ge- nannten Waren, z. B. Kaffee, Tee usw. zusammen verpackt sind. Die mit einem konsularischen Ausnahmeschein versehenen Postpaket- sendijngen werden von der Post ohne weiteres an den BestimmungS- ort weitergeleitet und dort ausgebändigt werden. Das Berliner Adreßbuch sür 1917 gelangt von heute ab nur im Erdgeschoß des Hauses Kochitraße 28/20. wochentäglich vormittags von 9 Uhr bis nachnnttass 4 Uhr an die Vorbesteller gegen Aus- händigung der ihnen zugegangenen Ausweiskarte zur Ausgabe. Die Zustellung der nicht abgeholten, vorbestellten Bücher gegen eine Ueberscndungsgebühr von 30 Pf. sür jedes Buch beginnt vier Tage später, doch kann unler den jetzigen Berhültnissen für umgehende Zustellung keine Verpflichtung übernommen werden. Es empfliehlt sich daher, nicht aus die Zustellung zu warten, sondern die Bücher rechtzeitig abholen zu lassen.— Der Verkauf nicht vorbestellter Adreß- bücher zu dem um 2 M. höheren Ladenpreise findet nur im Laden des Verlages August Scherl G. m. b. H., Jerusalemer Straße 52, statt. Schließung weiterer Zwcigvoslämtcr. Zwei Zweigpostämter im Bezirk der kaiserlichen Oberpoitdirektion Berlin werden für die Dauer des Krieges geschlossen: das Postamt Berlin- Friedeau 2 vom 10. Januar an und das Postamt Char- lottcnburg 3 vom 11. Januar an. Der neue Fahrplan Berlin— Hamburg— Köln. Die Schnell- und Eilzugverbindungen zwischen Berlin und Hamburg gestalten sich vom 10. Januar an folgendermaßen: Von Berlin fährt man 6.13, 3.40 vormittags, 12 30, ö.tö und 6.50»achmiltogS. Man ist in Hamburg 11.54, 1.26, 5.02, 10.52, 11.25, 12.53 fährt man nach Lübeck und Kiel, an Kiel 7.04. Aus Hamburg fährt man nach Berlin 5 43, 8.S7 vormittag-?, 4.20. 6.08, 8.23 nachmittags, an Berlin 1.52, 1 33, 8.57, 11,54 und 12.67. Aus Kiel fährt man 2,52, an Berlin 0.08. Nach Wilhelmshaven fährt man wie bisher von Berlin- Friedrichstraße 11.20 nachmittags, kommt aber nach Hannover 3.24, nach Bremen 6.55, nach Oldenburg 8.00, nach Wilhelmshaven 9.04. Mittags fährt man von der Friedrichstraße 11.11. von Hannover 3.52 und ist in Bremen 5.53, in Oldenburg 7.01, in Wilhelmshaven 8.VS. Aus Wilhelmshaven fährt mau 6.40 früh, von Oldenburg 6.45, von Bremen 7.55 und kommt über Uelzen ivie bisher auf dem Lehrter Lahnhof in Berlin 1.22 an. Auf der Strecke Hamburg— Bremen- Münster— Köln anders sich der Fahrplan der meisten Schnellzüge. Man fährt von Hamburg 9.35 vormiltags, von Bremen ll.42 und i't in Münster 2.43, in Köln 6.20: Hamburg ob 2.33, Bremen 4.28, Münstcr an 7.13, Köln 10.41; Hamburg ab 4.01 nachm., Bremen 6.00, Münster an 8.50, Köln 12.07; Hamburg ab 11.21 nachts, Bremen 1.22, Münstcr an 4.17. Köln an 7.28. Von Köln tährt man 11.30 nachmittags. Münster 2.58, Bremen an 5.23, Hamburg 7.19; Köln ab 6.50, Münster 10.21, Bremen an 1.09, Hamburg 2.48: Köm ab 10 02, Münster 1.03, Bremen an 3.49, Hamburg 5.45; Köln ab 1.42. Münster ab 5.08, Bremen an 8.02, Hamburg 10.04, Köln ab 4.58 nachmittags, Münster ab 8.24, Bremen an 11.09, Hamburg 1.10. Neue Schncllzugöfahrzeitcn Berlin- Leipzig und Frankfurt. Der Fahrplan der Schnellzüge rft in letzter Stunde auch aui der Strecke Berlin— Halle in größerem Umfang geändert worden. Insbesondere ist die Abfahrt von Berlin verlegt worden. Man fährt jetzt nach Frankfurr schon 7.18 vorm.. nach München 7.35, nach Halle 9.31, nach München 10.26, nach Frankfurt 1.17 nachm., nach Leipzig— Neichenbach 6.22, nach Franlsurt-LcopoldShvhe 7.40, nach Stnlt- gart 7.56, nach München 8.24. nach Frankfurt-Leopoldshöhe 8.40, nach München 10.18. Auch die Ankunft in Berlin ändert sich bei einigen Zügen. Man kommt auS München an 6.52 vorm., aus Halle 2.53 nachm., Leipzig 3.04, Slultgarr 11.17 nachm. Bei anderen Zügen ändert sich der Fahrplan unterwegs, wenn auch die Ankunft dieielbe bleibt. Vorträge über Gartenarbeiten und Gemüsebau. Gartendireklor L e s f e r(«leglitzj beginnt als Dozent der Humboldt-Aka- demie feine gemeinverständlichen Vorlesungen über.Garten- arbeiten im Frühjahr" und„Gemüsebau im Hausgarlen" am Montag, den 15. d.. Nicderwallstr. 12, abends 8 Uhr bezw. 9 Uhr. Tie Schlierfecr, die bekannte bayerische Bauerntruppe, be- ginnt am heutigen Mittwoch ein Gastspiel im Rose-Theater. Ten Mittelpunkt des Ensembles bildet wieder, wie seit Jahren, der unvcwüstliche Komiker X a v e r T e r o f a l. Als Sröffniings- stück wird„St. Georg, der D r a ck> e n t ö t e r" gegeben. Ein Hehlerncst ausgehoben. Ein Schankwirt in der K-a i s e r st r a tz e trieb eniev lebhaften Handel mit Seidenwarcn, Teppichen und dergleichen mehr. Tje Kriminalpolizei wurde darauf aufmerksam und beobachtet, daß Kutscher eines Großbetriebes Und von Spediteuren Waren dieser Art, die sie zu befördern hatten, bei dem Mann abluden und in einem Hinterraum verstauten. Der Wirt verkaufte die Sachen an einen Resierhändler in Lichtenberg. Er wurde am Sonntag wegen fortgefetzter Hehlerei verhaftet. Unter den beschlagnahmten Waren fand man auch für über 10 000 Mark Beutestücke aus einem großen Einbruch, der erst in einer der letzten Nächte verübt wurde. Gymnasiasten als Schwindler. In Schöneberg und Um- gebung trieben seit einiger Zeit Ouittungsschwindler ihr Unwesen, die es hauptsächlich auf Hauswirte und Portiers abgesehen hatten. Diese« legten sie Quittungen, die von bekannten Firmen auf einen Mieter des betreffenden Hauses ausgestellt waren vor und veranlatzten sie, den Betrag, gewöhnlich waren es 4 oder 5 M., für den angeblich abwesenden Mieter zu verauslagen. Hinterher stellte es sich heraus, daß die Quittungen gefälscht waren. Jetzt ist eS der Schöncberger Kriminalpolizei gelungen, die Schwindler zu ermitteln iyid festzunehmen. Es sind Gymnasiasten im Alter von 14 bis 17 Jahren, die die Schwindeleien in sehr gerissener Weise gemeinschaftlich allsgeführt haben. Sie hatten sich Quit- tungsformulare anfertigen lassen und sich auch einen Firmen- stempel zu verschaffen gewußt. Das Geld verausgabten die hoff- »ungsvollen jungen Leute für allerlei Näschereien Und für den Besuch von KinoS. Ein Wilderer auf der Flucht erfchofseil. Auf einem Acker vor der Stadt Beelitz bemerkte Montag ein Landwirt einen Mann, der sich in der Nähe des Jagdhauses zu schaffen machte. Plötzlich fiel ein Schutz und nach kurzer Zeit fuhr der Fremde auf einem Fahrrade davon. Der Landwirt benachrichtigte den in der Nähe wohnenden Privatförster Schumann. Beide Männer nahmen die Verfolgung des Nadlers auf und es gelang ihnen, diesem den Weg obzufchneiden. Der Föister rief den Nadfahrer an, forderte thn mehrmals auf, zu halte», und gab dann, als der Auf- forderung nicht enlivrotfcen wurde, auf den Flüchtenden einen Schuß ob. Mit einem Ausschrei stürzie der Mann vom Rade und blieb liegen. Als die Veifolger binzukamen, war er bereits tot. Die Kugel war in den rechten Oberschenkel gedrungen und hatte die Schlagader durchbohrt. Der Getötete wurde als der48jShrige Maschinenwärter Ferdinand K a a tz festgestellt, der seit einer Reihe von Jahren in den Berliner Heilstätten in Beelitz angestellt war. In seinem Rucksack fand sich eine zerlegbare Jagd- flinte und ein frifchgeschossencr Hase. Die Leiche des K. ivurde polizeilich beschlagnahmt, eine behördliche Untersuchung des Falles ist eingeleitet. Ein betrügerischer Sanitätssoldat, der sich Breier oder Bräuer nannte, in Wahrheit aber Peter v. Witzen hausen heißt, ist nach Verübung zahlreicher Gaunereien in Potsdam verhaftet worden. Bis jetzt sind ihm gegen 20 Betrugsfälle nachgewiesen. Tödliche Fleischvergiftung. Die in dem Hause Weißen- burger Straße 51 in Spandau wohnende Witwe Richter hatte'von einem dortigen Schlächter Rindfleisch gekauft, von dem ein Rest bis zum Abend des stierten Tages stehen blieb, um bann von Frau Richter, ihrer verwitweten Tochter Frau SpohrS und deren 13- und 8jährigen Kindern verspeist zu werden. In der Nacht stellte sich bei allen vier Personen Uebelkcit. Erbrechen und Leibweh ein. Leider wurde ein Arzt nicht zu Rate gezogen, die Erkrankten blieben auch den nächsten Tag ohne ärztliche Hilfe, und am folgenden Tage starb die 13jährige Tochter, die am meisten von dem Fleisch gegessen hatte. Der zur Leichenschau hinzugezogene Arzt gab als Todes- Ursache Fleischvergiftung an,' tooraut dann die Behörde ciuschritl und dafür sorgte, daß den übrigen Erkrankten ausreichende ärztliche Hitfe zuteil wurde. Frau Richter, ihre Tochter und die achijährigc Enkelin scheinen sich sämtlich außer Gefahr zu befinden. Das Fleisch war bei seiner Entnahme vom Schlächter einwandfrei und ist offenbar erst durch das mehrtägige Liegen schlecht geworden. Auf der Dicbcsjagd gestorben. In der Nacht z» Montag war im Feinkostgeschäft von Rogge, Kursürstendamm 127, ein Einbruch verübt worden. Die Täter wurden von der Portierfrau R., die verdächtige Geräusche gehört hatte, beobachtet. Die Frau eilte aus die Strße und es gelang ihr auch bald, einen Schutzmann an- zutreffen. Als beide nun schnell nach dem Hanse liefen, um die Einbrecher zu überraschen, brach Frau R. plötzlich an der Halenseer Brücke bewußtlos zusammen. Ein sofort hinzugcrnsener Arzt stellte fest, daß die Frnu einem Herzschlage erlegen war, der auf die auS- gestandene Erregung zurückzuiühren fein dürste.— Die Einbrecher tvaren, inzwischen unter Zurücklassung ihrer Beute geflüchtet. Ein Opfer des Sturmes, der einige Tage in Berlin und Um- gebung tobte, ist ein kleines Mädchen in Spandau geworden. Von einem im dortigen Nordhafen vor Anker singenden Kahn des Schiffseigners Wernicke wurde durch die Gewalt eines plötzlich einsetzenden Windstoßes die dreijährige Tochter deS Schiffers ins Wasser geschleudert. Da zur Zeit des Unfalles von der Schiffs- besatzung niemand an Bord war, ist das Kind ertrunken. Erst später wurde die Kleine vermißt. Die Leiche konnte bald geborgen werden. Mus öen Gemeinden. Stadtverordnetenversammlung in Schöneberg. In der Sitzung am Montag wurde zunächst die Konstituierung des Bureaus vorgenommen. Zum Stadtvcrorduetenvorsteher wurde wiederum Dr. Graf v. Matuschka und zum Stellvertreter Wolf Zrtelmann gewählt. Als Beisitzer fungieren Genosse R o t t I ä n d e r und von den Liberalen Brun huber. Auch im neuen Jahre bleibt der Montag als Sitzungstag bestehen, die Sitzungen beginnen um 6 Uhr. Tie Nachbewilliguug von 8100 M. für den Bau einer Schweinemästerei und-züchterei wird sodann dazu benutzt, auf die letzten Aeußerungcn des Herrn v. Batocki, die Lebensmittel- Versorgung einzugehen. Stadtrat Dr. Licht erklärte, bis jetzt sei noch nichts geschehen, aber das müsse dem Präsideuten nach- gesagt werden, er habe versucht, alles zu tun, die Lebensmittel möglichste Aleichmähig zu verteilen, und das fei ihm auch gelungen. Für die' Gemeinden Groß-Bcrlins müsse eine- Beratungsstelle anstatt eine Beschasfungsstclle eingesetzt werden. Bei dem Einkauf gebe man nicht zu einem Hofrat, sondern zu einem Fach- mann. Man solle den Bauern bestimmte Preise gewährleisten, den Wucher aber lahmlegen. Eine Reichsverwaltungsstelle müsse ge- schaffen werden und die Aussicht über Erzeugung und Verteilung schärfer einsetzen. Hätte Herr v. Batocki sichdie„Kom- in u u a l e Praxis" besser angesehen, dann hätte viel Unrichtiges und Unerhörtes gehindert wer- den könne n. Die Gemeinden hätten unter den Preis- trechereien gewaltig zu leiden. In Groß-Berliu sei es äußerst schwer, das Spiel der freien Kräfte walten zu lassen.— Die Vorlage wurde einstimmig angenommen.— Die wissenschaftlichen Hilfslehrer und-lehrerinncn sollen anstatt 2100 M. Jahresgehalt nunmehr 2400 M. erhalten. Genosse K ü t c r erklärte, gegen diese. Erhöhung nichts einwenden zu wollen, aber, wenn anerkannt werde, daß diese Gehälter zu gering seien, um so notwendiger wäre die Erhöhung der Gehälter der bei der Teuerungszulage ausgefallenen Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen. Er bedauerte, daß der eingesetzte Ausschuß nicht einberufen werde.— Der Vorsteher Gras v. Matuschka teilte mit, daß die Ausschußsitzung stattfinden sollte, wegen Verhinderung mehrerer Herren der anderen Frak- tionen aber aussallen muhte.— Aus einem vorgelegten Bericht war zu ersehen, daß sich die Klassenfrequenz der Gemeinde schulen im wesentlichen nicht geändert hat. Der Durchschnittssatz der Klasse beträgt ohne Hilfsklassen 43,9 Schüler und mit 44,6 Schüler. Die Schulen besuchen insgesamt 6435 Knaben und 6591 Mädchen, zusammen 13 046 Kinder. Die Stadtgemeinde Neukölln um ÄtOOittt Mark betrogen. Ein großer Warenbetrug ist gegen die Stadtgemeindc Neu- kölln verübt worden. Der Magistratsbeamte B., der dort als Ab- teilungSvorsteher'die Lebcnsmittelsachen bearbeitet, erhielt kurz vor Weihnachten den Besuch eines österreichischen Soldaten Fritz S ch a l l g o, den er von früher her dem Namen nach kannte. Schallgo, der mit seiner Frau tu der Zähriugerstraße 26 wohnte, bot ihm einen Waggon holländische Plockwurst für den Magistrat von Neukölln an. Er berief sich auf zwei Herren, die bei ihm wohnten, einen angeblichen Oberleutnant Fritz Hammer, der Bevollmächtigter für einen Grafen Fritz von Pappen- heim sein sollte, und auf einen Kaufmann Rösner. Der Magistratsbeamte wurde aber mit Schallgo nicht einig. Gleich nach den Feiertagen kam dieser wieder und brachte den„Ober- leutnant Hammer" mit. Er wiederholte sein Augebot, dehnte es aber noch auf einen Waggon geräucherten fetten Speck aus. Die Waren sollten auf dem Bahnhof in Aachen stehen, �ie müßten gleich versandt werden, damit die Bahnvcrwaltung wegen ihres Ursprungs nicht Verdacht schöpfe, weil sie auf Militärfrachtbrief liefen. Nach längerer Verhandlung, in der sich Schallgo und Hammer auch über die Eigentumsverhältnisse gründlich ausließen, kaufte der Magistratsbeamte die beiden Waggons und gab die Verladungsanweisung: Magistrat Neukölln, Station Neukölln. Nach der Vereinbarung mußte die Zahlung am nächsten Tage bis mittags bei dqr Essener Kreditanstalt gegen Ausfolgung der Duplikatfrachtbriefe erfolgen. Der Beamte wies das Geld auf seinen Namen telegraphisch an, fuhr dann selbst nach Essen und zahlte das Geld auf der Bank an Hammer aus. Der Fvachibrief, der vorgelegt wurde, war ordnungsmäßig adressiert und abgc- stempelt. Hammer übergab auch noch Schlüssel/die die Wagen- schlüssel sein sollten, und quittierte über den Empfang der 210 000 M. Als die Ware nach 8 Tagen noch nicht eingetroffen war, fragte der Magistratsbeamte in.Aachen telephonisch an und erhielt den Bescheid: Bis heute sind keine Sendungen Militärgut nach dort versandt worden. Als er sich jetzt nach den Vermittlern der Waren umsah, erhielt er die Auskunft, daß Hammer am 3. d. M. abends nach Breslau abgereist sei. Nösner soll nach den Ermittlungen angeblich nach Düsseldorf abgereist sein. Ebenso iit Frau Schallgo mit ihrem Manne, dessen Urlaub am 31. v. M. abgelaufen sein sollte, abgereist, angeblich nach Budapest. Auch der vermeintliche Graf ist in seiner Wohnung nicht mehr aufzufinden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das ganze Geschäft, das die Drei, die miteinander in enger Verbindung standen, ein großes Schwindelunternchmen war. Schsicssimg von EiügnngZportfllci! zum Neuköllner Nathans. Ter Magistrat hat sich auläßiich gewisser Vorkommnisse und Bc- obachtnngen genötigt gclehen. eine teilweise Schließimg der zahl- reichen Eingänge zum Neuköllner Raihause anzuordnen. Danach bleibt in der Zeit von 8 Uhr morgens bis 10 llhr abends nur der Hauvteingaug zum neuen Bauteil geöffnet. Die an der Ecke der Schönstedtstraße und Donaustraße sowie der Berliner Straße Ecke Erkstratze belegenen Zugäuge werden lediglich während der Dienst- stunden von S bis 3l/ä Uhr für den Publilumverkehr offen gehalten, dagegen bleiben die beiden Portale in der Schöiiftedtstraße und Donau- straße gänzlich geschlossen._ Bermehrnng der Köpenicker Kriegsgarnison. Die KriegSgaruison Köpenicks wird in Kürze nicht unerheblich verstärkt. Die Stadt erhält ein ganzes Ersatzbataillon zu der bis- herigen Garnison, und zwar das des Rcserve-Jufanterie-Rcgimcuis Nr. 203, daS bisher auf dem Truppenübungsplatz in Wilnsdorf in Quartier lag. Die neue Kriegsgarnison, die zum größten Teile in der Kolonie Wendenschloß untergebracht Iverden soll, wird voraus- sichtlich am 22. Januar in Köpenick einrücken.denkarte zuzuschicken. Ter Schlächtermeister bestritt nicht, dag sein« Frau einen Speckhandel dieser Art betrieben hat Den Spcckhandel mit dem Kläger gab er ausdrücklich zu und verlangte bor Gericht, dag Bulik den Speck bezahle. Schließlich kam ein Vergleich dahin zustande, dag der Beklagte auf hie Bezahlung des Specks verzichtet und der Kläger seine Schadenersatzansprüche wegen der Entlassung fallen lägt." Ei» scchsköpfiges Wucherer-Konsortium. Ein aus sechs bekannten Dresdner Persönlich- kciten bestehendes Wucherkonsortium hatte sich vor dem Dresdner Landgericht wegen Seifenwuchers zu der- antworten. Zwei dieser Ausbeuter, der frühere Inhaber des Dresdner Ausstellungspalastes, der Halb- millionär Paul Artur Hohlseldt und der Bier- reisende und ehemalige Fleischdrmeister Ernst Hauen sie in, wurden erst kürzlich wegen Speiseölwuchers zu erheblichen Ge- fängnisstrafe» verurteilt. Auch in dem jetzt vorliegenden Falle war der Angeklagte Hohlseldt die Seele des Komplotts, er fungierte als Geldgeber, hielt sich aber vorsichtigerweise von den eigentlichen ...Handelsgeschäften" fern. Wenige Tage vor Beginn des setzigen Prozesses„erkrankte" Hohlseldt plötzlich und zog sich m ein Sa- natorium zurück. Das Gericht durchschaute jedoch die Absicht der Verschleppung und erließ einen Hastbefehl. Infolge seines Nicht- ecscheinenS konnte nur gegen drei Mitglieder des Wucher- kousortiums, nämlich gegen den Kaufmann Ernst Kürbis aus Zwickau, den Kaufmann Heinrich Stransky anS R eiche n a u und den Warenagenten Walter Arndt aus F r a n k e n b e r g perhandelt werden. Gegen Hohlseldt, Hauen- stein und den Kaufmann Samuel Engel aus Stargardt mußte ein neuer Verhandlungstermin anberaunit werden. Im März von- gen Jahres kaufte Kürbis von Engel einen großen Posten Seife und bezahlte das Pfund— es waren gegen 900 Kilo— mit 1,30 M. bis 1,60 M,; schon nack' wenigen Tagen ging die Seife in aridere Hände über und wurde mit 1,77 M. das Pfund ge- bandelt. Ter Angeklagte Arndt veräußerte die Ware wiederum an den Mitangekkagien Stransky und erreichte ebenfalls einen be- deutenden ilebergewinn. Siransky brachte die Seife dann endlich im Tragengeschüft seines Sohnes mit bedeutendem Nutzen zum Verkauf. Das Gericht erkannte gegen K ö r b i s auf 600 M. Geldstrafe oder 60 Tage Gefängnis, gegen Arndt und Stransky auf j c 280 M. oder 25 Tage Gefängnis. Mus aller Welt. Drei Bergleute verslliüttet. Auf dem Rosenberg-Sck>ack>t der Aktiengelellsöbasl „Glück aus" ereignete sich Montagmittag ein schwerer Unglücks- fall, indem durch Schwimmsand ein Stollen zu Bruche ging und drei Bergleute verschüttet wurden. Dienstag früh gegen 4 Uhr war noch ihr Klckpfen vernehmbar. Es wird eifrig an der Bergung gearbeitet, so daß Hoffnung besteht, ihnen noch rechtzeitig zu Hilfe zu kommen. Tic Prinzeffin Ghimay, die die Skandalchronik der Sensaiions- presse zweier Welten wiederholt beschäftigt hat, ist g e st o r b e n. sie war die Tochter und Erbin des millionenschweren amerikani- schcn Holzkönigs Ward und wurde die Gattin eines dein keuschen Cleopold nahe verwandten Prinzen. Diesem brannte sie mit dem geigende» Zigeunerprimas R i g o durch, in dessen Gesell- schaft sie binnen kurzer Zeit ihr ganzes Vermögen verjuxte. Als dritten Eheherrn erkor sie sich dann einen italienischen Eisenbahn- agenten, der ihren Ansprüchen aus die Tauer aber auch nicht zu genügen vermochte. Schließlich versuchte sie ihr Glück auf den Brettern des Tingeltangels und ist kurz vor dem Kriege auch in Berlin, übrigens ohne Erfolg, aufgetreten. Aus dem sonnigen Süden wird gemeldet: In ganz Ober- i t a l i e n herrscht starker Schneefall, verschiedentlich liegt der Schnee meterhoch. Tie Verbindung zwischen Mailand und Lugano ist unterbrochen. öriefkasten öe? ReSaktion. — Z. Z. Ol. 1, 2 und 3. Die Herrschaft wäre wobl dazu verpflichtet, wir wüiden aber bei der Gcringfügigleit des Objekts nicht zur Klage raten. zumal der Gcr!cht?iiand tür die Klage auswärts ist und eine versönliche Vertietung vor Gericht erfolgen miis!. 4. In zwei Fahren— K. Ich- lZSlg. Wenn eine ordnungsgemäge Ausbllduug des Lehrlings jetzt nicht mehr er- folgt, so könnten sie auf Lösung des Lchroertrages klagen. Wegen der kurzen Lkbrzeit, die für den Lebrliitg noch besteht, wäre sie wohl aber nicht zu empfehleu.—'»t. A. Otz. Ja.— Ä5 I. Abo». Die Anwarttchast auf die Bezüge aus der Krankenversicherung wird durch Weiteroersicherung durch Zahlung von Beiträgen ausrecht erhalten. Diele W nterverftchei ung muß bei der Krankenkasse erklärt werden. Die Anspiüche aus der Invaliden- Versicherung weiden durch die Einberufung zum Heeresdienst nicht unter- krochen. BVetterauSückiten'iir das mittlere Norddeuts rbland bis Tonnerstag mitlag. Etwas kubier, überwiegend bewölkt, mit weiteren, meist geringen, nur im Süden etwas stärkeren Niederschlägen, hauptsächlich Schneefällelt. dazwiswen zeitweise aufklarend. LslllZeiier�eÄlZi'beitei'-Verlzzill? Verwallimgsstelle Berlin, Den Kollegen zur Nachricht daß unser Mitglied, der Maler Eugen Damerow G arten str. 63 am 6. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Donnerstag, den II. Januar, nachmittags Z'st Uhr, von der j Leichenhalle des städtbchen Fried- Hofes. Müllerstrafie, Ecke'See- strafie, ans statt. Den Kollegen ferner zur Nach- 'i richt, dich unser Mitglied der| : Klempner Christian Maier Ndlershos, Bismarckstr. 31 ( an» 7. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heuie I Mittwoch, den 10. Januar, nach» st mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Gemcinde-FriedhoseS in Adlershos aus statt. Rege Beteiligung erwartet 128/2 Tie OrtSverwaltung. Am 8. Januar, fiüh 2 Uhr entschlief sanft nach kurzem schwerem Leiden mein herzensguter Mann, mein lieber Schwiegersohn, unser guter Bruder, Schwager und Onkel, der Buchdrucker KARL EVIOHLE im 58. Lebensjahre. Mariendorier Str. 16. Martha Mühle, geb. Lange, Witwe. runiilU- Mühle. Mariendorf. Familie I-angc, Tempelhof-Berlin. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. Januar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Heilig-Kreuz- Kirchhofes, Moriendorf, Eisenacher Str., aus statt.[1725b Ilm Sonntag, den 7. d. Mts.. abend« 9'/, Uhr, entschlief nach schwerem Leiden mein lieber Man, der Putzer Ulbert paetsch im Aller von 64 Jahren. Im Name» der trauernden Hinterbliebenen Frau Fanilne Paetsch Wrangelstr. 129. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. Januar. nachmittags 3>/, Uhr, aus dem Zentral-Friedhos In Friedrichs» selbe statt. Die Bekniilltmachung des Oberkommandos in den Marken betreffend Beschlagnahme, Bestandscrbebung und Enteignung von Prospoktvseilen aus Z!n» von Orgeln und stciwilliae Ablieferung von anderen Zinnpseisen, -Ichalleitern nkv. von Orgeln und sonstigen Mustlinswumentcn tritt am 10. Januar 1917 in Kraft. Die vollständige amtliche Bekanntmachung erfolgt an den Anschlag- sänleii und in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung». Berlin, den 10. Januar 1917. 4. I. Mil. 17. Ter Polizeipräsident. * ßeulsclier TranspcrtaMer-YerW, fiezirksyerwaltung GroB-Berlin. Nackruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, f bah unser Kollege, der Arbeits- ) kuifchcr Otto Milgenfeld um 5. d. M. im Aller 91 Jahren verstorben ist Ehre seinem Andenken! Nun ist Dein Mund so kühl und stumm! Du starbst als Held, weiht Du warum? AkS Opfer dieses Weltkrieges starb am 28. Dezember 1916 an den Folgen seiner schweren Verwundung durch Kranatschusi im Lazarett, ohne das Bclvnsztsein wieder erlangt zuhaben, mein lieber herzensguter, unvergetzlichcr Mann, unser lieber Sohn und Schwieger- söhn, Bruder, Schwager und Onkel, der Landsturmmann Geot*® Stürmer Ritter des Eisernen Kreuzes, im Alter von 27»/, Jabren. Im Namen aller Hinterbliebenen Ann/ Silltmer, geb. Hermann, als Frau, Neukölln, Weichsckstr. 1. Eduard Stürmer und Frau Klara, geb. Bratzke, als Eltern. Gefallen I Welch schrecklich lautende Kunde, wie trat sie uns so schwer und grub uns ins Herz die tiesste Wunde, die nimmer ver- narbcn wird mehr. In früh hat Dich der Tod ereilt, mein Lebens- glück zerstört. Wenn auch die Zeit die Wunden heilt, vergessen, nein, ach nimmermehr. Im licstteii Schmerz Deine liebe Frau. Einst glückliche Stunden find mit Dir entschwunden I Ruhe sanft! Wenn Frieden ist, bring ich Dir Blumen l[32A von Den Mitgliedern serner zur Nachricht, datz unser Kollege, der Fräsekutschcr Eerdmanc! Protz am 5, d. M. Im Alter von 66 Jahren vcrstKben ist. Ehre seinem Andenken k Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, dafi unser Kollege, der Droschkensührcr Otto Ihedran am 1. b. M. im Alter von 75 Jahren verstorben Ist Ehre seinem Andenken l 70/20 Die Bezirksverwaltung. Yeiteiil der Brauerei- uJlilileD- arlieiterii. jerw.Bernispossen Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern diene zur Nachricht, daß unser Kollege, der Flaschenkellerarbeiter Joseph Paschmann (Braucrei Patzenhofer NW) gestorben ist Ehre seinem Nndenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 10. Januar, nach- mittags 3 Uhr, auf dem Sebastian- Kirchhos in Reinickendorf, Hum- boldlstrafie, statt. 43/10 Um zablrcicho Beteiligung wird ersucht. Die OrtSverwaltung. Am 6. d. M. verschied nach kurzem Krankenlager unser Werk- meister, Herr A Ernst Riehn. Möge ihm die Erbe leicht sein l Der Inhaber und das sfabrikpersotial Wr Firma Rosenheim& Kaufmann. Allen Freunden, Genossen und Verwandten die traurige Nach- richt, hast Plötzlich und unerwartet in der Nacht vom 7. zum 8. Januar um 1 Uhr mein innigstgeliebter Mann, unser trcusorgender Vater, der Maler Karl Höart Langcnbeckstr. 4 an Gehirnschlag verschieden ist. DieS zeigt tiesbctrübt au E.'gn Babette Hdart fll nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. Januar, nachmittags!>/, Uhr, von der Leichenhalle des Zcntral-Fricd- hose» in FriedrichSfetde aus statt. Deatseiier Holzarbelienrerband. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Jalousie arbeiter, unser Obmann Mot! Piening am 7. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 11. Januar, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Ncnen Apostel- lirchhoseS, Echöncbsrg, Tempel- hojcr Weg, aus statt. 94/6 v!e Jalouslearbeiter-Kommisslon. Kührer durch das preußische Ginkommensteuergesetz Mit 19 Formularen für Eingaben und Reklamationen, sowie einem aus- sührlichen Sachregister preis 40 Pf. Zu haben In asten 32 Vorwärts« Ausgabestellen und tn der vuchhandlung Vorwärt/ Berlin SW., Lindenstraße 3 Erste Deutsche Ersatzmiitel-Ausstellung verbunden mit Lebensmittelmesse Eine Krieosschau deutschen GewerhetleiBes AlT!SSTJEl,l,USiCiS- II ALL-ES AB ZOO Nachmittags 4—7 Uhr; Konzert. Täglich 10 Uhr bis nbends 8 Uhr geöffnet. Eintritt 50 Pf. vr~ (flMtwuLiitite'SitliMidv 5«Lm H.Pfau ®cT DireksenslFaße 20 zwischen Bahnhof Aleranderplatz und Polizetpräsidium.— Amt Est. 3208. fllr Damen Frauen-Bedienung.* LIeleranl für alle Krankenkasien 3 nFreien Stunden. Romane und Erzählungen für das arbeitende Volt Pro Heft 15 Ps Buchhandlung VorwörlS, Berlin SW 68, Zindenstraße 3. Drehbänke, Revolverbänke, ßobrmarchtnen, fräsmarcbinen, öbapings kaufen wir gegen sofortige Kaste, neu oder gebraucht. 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