Ur. 12* 34. Jahrg. Abonnements-Bedingungen: Bfionnctncntä• LrciZ viämimermÄ» Lierleljähr� 3,S0 vionall. l,30 Mi. wöchcnllich S0 Dfg. frei mZ HauZ. Einzelne Nununer ö Pfg. Sonnlags» inlmmer inil illuitricrler SonnragS« Beilage.Die Neue Welt- tv Pia. Pllil- AbanncmeM! I.M Marl pro Monau Eingetragen in die Bost< Zeitungs- PreiZIiite. Unter ftreilzband für Tculichlan» und Oesterreich. Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland i Marl vra Monat. Vostabonneinenls ncbmcn an Jelgien. Dänemark Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Numünien. Schweden und die Schweiz. £rld)cint lsgllch. c 5 Pfennig) Die fnfertions-Gebübr teirigt für die sechsgcivallcnc Kolouel- teile oder deren Raum KV Pfg.. für dolitilche und gewcrlichaftliche Vereins- und Lcriammlungs- blnzeigen 30 Pig, ..Uteine Nnrcrgcn". doS icttgedruche iZott 20 Pfg.(zuläisig 2 fettgedruclie ti-arrc), jedes weitere Wort lv Pfg. kiellengefuch? und Echlaistellenau- zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes Iveilcre Wart S Pfg. Worte Wer tö Auch- staben zählen für zwei Worte. Anicraic für die nächste Nummer müffon big 5 Uhr uachmittags in der Expedition »dgegcdcn werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abend- geojjnel. Verlinev Volksblnkk* relegramm-Adrcsse: .SodiZliicmoltlZi stilst»". �entrslorgan cler roztaldcmokratffchcii Partei Deutfd�lands. Keöaktion: EW. 68» �iaüenstraße Z. Ferniprecher: Am» Moritzvla«, Nr. 1S1 Sv— läl»7. Sonnabend, den 13. Januar 1317. Expeüition: EW. 68, Linüenstraße 3. 7?ern,vrechrr: Amt Morivplav- Nr. 131 90— IZl.»7. Sie Anwort des Zebnverbandes an Slilfon. ßclglfd>c, ofterrcfchifcbc ffoten.— Rede l�loyd Georges. Das entschleierte Silö. Der Wunsch der französischen Sozialisten ist erfüllt; die Entente hat dem Präsidenten Wilson ihre Kriegszielc bekannt- gegeben. Was aber dadurch für die Beschleunigung des Friedens erreicht sein soll, ist nicht zu erkennen. Die Note der Gegner sagt ganz aufrichtig, warum ein Frieden jetzt noch nicht möglich sein soll. Die Mittelmächte sollen ausgeplündert und beraubt werden, und zu diesem Zweck muß man sie erst besiegen. Es ivird den Mittel mächten keineswegs zugemutet, heute schon die KricgSzieb fordcrungen ihrer Gegner als Fricdensbedingungen anzunehmen. denn solche Zumuwtigen stellt man nur an einen Feind, dessen Hauptstädte man besetzt hat und dessen Widerstandskraft hoff nungslos gebrochen ist. Die Note an Wilson ist also weit davon entfernt, ein Friedensangebot zu sein. Sic ist eine neue Kriegs- Erklärung mit uferlosen Eroberungszielen. An die Erreichbarkeit dieser Ziele kann man auch drüben nicht glauben. Aber indem man unentwegte Siegesgewißheit zur Schau rrägt und maßlose Forderungen erhebt, glaubt man, Deutschland und seine Verbündeten einschüchtern zu können: Man vergißt dabei, daß die Nachgiebigkeit der deutschen Regierung an dem Willen des Volkes eine Schranke finden müßte, der nach so namenlosen Opfern und söge- waltigen militärischen Erfolgen nicht dulden könnte, daß sich Deutschland ohne Zwang in die Rolle des Besiegten findet. So sehr es die Massen des deutschen Volkes billigen, daß die deutsche Regierung mit dem Erfolg der Verteidigung ihr Kriegsziel als erreicht bettachtet, so sehr verlangen sie auch, daß dieser Erfolg unbedingt aufrechterhalten wirb. Die Taktik des Aufschlagens und EinschüchtcrnS ivird ihr Ziel verfehlen.' Aber eine schwere und bittere Zeit wird�ganz Europa noch durchleben müssen, bis sie die Aussichtslosigkeit ihres Bemühens erkannt haben ivird. Nur stückweise, mit jedem Mißerfolg ihrer Waffen, werden die Gegner ihr Welt- Programm der Eroberungen abtragen können, ihre jetzt im Anitc befindlichen Regierungen werden verschwinden müssen, und ihr Amt an Nachfolger abtreten müssen, die nicht mit unerfüllbareil Versprechungen belastet sind. Erst dann kann Europa den Frieden bekommen! Hier in Deutschland hat man mittlerweile die Frage diskutiert, ob es nicht besser gewesen märe, wenn auch die deutsche Regierung ihre Kricgsziele bekanntgegeben hätte, und die Behauptung ist hervorgetreten, die Regierung hätte sich nur zu einem Programm ohne Annexionen bekennen müssen, um einen„Frieden ohne Sieger und ohne Besiegten" zu erhalten. Diese Behauptung kann nach der Zehnvcrbands- note an Wilson nicht mehr aufrechterhalten werden. Die deutsche Regierung hat klar genug gesagt, wie sie über Annexionen denkt, und es ist sicherlich nicht anzunehmen, daß Friedensverhandlungen, wenn sich die Gegner zu ihnen bercitgefundcn hätten, an ihren Eroberungsabsichten ge- scheitert wären. Tie Gegner konnten und können darüber gar nicht im Zweifel sein. Aber sie haben die Zurückhaltung Deutschlands und seiner Bundesgenossen mit desto größerer Dreistigkeit vergolten. Ein noch deutlicherer Verzicht auf Annexionen hätte höchstens die Folge gehabt, daß die Gegner erklärt hätten:„Deutschland sieht jetzt ein, daß es seine Eroberungsziele nicht verwirklichen kann, und so ist die Reihe an uns. die unseren zu Verivirklichen." Sic wollen ja keinen„Fnedcn ohne Sieger und Bepägten V sondern sie wollen Deutschland besiegen und zwar so gründlich, daß es„Frieden um jeden Preis" nimmt. Da? ist aber etwas, was kein Mensch iir Deutschland will. Präsident Wilson hat den Wunsch gehabt, die Friedensbedingungcn beider Teile kennen zu lernen, um sie mit einander vergleichen zu können. Er wird jetzt der Entente sagen müssen, daß er mit ihren„Friedensbedingungen" nicht das geringste anfangen kann. Selbst die Aussicht, in der Spezialsrage Belgien,(die als solche durch die b e° sondere Note Belgiens herausgestellt ivird), zu einer Ver- ständigung zu gelangen, wird durch die unsinnigen Forde- rungen der ttollettivnoie— milde gesagt— auf das alleräußerste erschwert. Auch die Uebereinstimmung der beiden Mächtegruppen über das ideale Kriegsziel, die Schaffung eines Völker- b u n d c s um Erhaltung des Friedens, verliert jeden Bert, wenn der Weg zu seiner Verwirklichung erst über die Nieder- werfung und Beraubung eines der beiden Teile gehen soll. Wie werden die Sozialisten des feindlichen AuS- lands diese Proklamation des Eroberungskrieges durch ihre Regierungen aufnehmen? Werden sie fortfahren, die deutschen Sozialisten der Unterstützung des Militarismus zu beschuldigen. weil sie ihr Land vor Zerstückelung bewahren wollen? Werden sie geduldig zusehen. wie die Blüte ihrer Völker den unerfüllbaren Träumen eines raffgierigen Imperialismus ge- opfert wird? Und in Deutschland? Wird hier sich noch jemand der Erkenntnis entziehen, daß ivir wirklich einen Verteidigungskrieg führen, den ivir weiter durch- kämpfen müssen solange. bis die Gegner zu einem Frieden ohne ein besiegtes Deutschland bereit sind? In dem Manifest der Mindcrheitsgruppcn wird gesagt. daß wir nicht Frieden um jeden Preis, sondern Frieden „ohne Sieger und Besiegten" haben wollen. Nun ist es klar, daß uns die Gegner einen solchen Frieden jetzt noch nicht geben wollen. Jetzt wäre jede Tat. jedes Wort, das in seiner Wirkung darauf hinausläuft, den Verteidigungswillen des deutschen Volkes zu erschüttern, ein Verbrechen am deutschen Volke!__ Die Kriegsziele öes Fehn- verbonSes. --• V-,. Eroberungen und Kriegsentschädigung. Auf öie Note Wilsons vom 19. Dezember v. I., in der die Kriegführenden zur Bekanntgabe ihrer Kriegszielc auf- gefordert wurden, haben die vcrbüirdeten Gegner nach einer Pariser Havasmeldung folgende Antwort gegeben: Tie alliierten Regierungen haben die Rate, welche ihnen am IS. Dezember 1916 im Namcn der Regierung der Bereinigten Staaten übergeben wurde, erhalten. Sie haben sie mit der Surg- falt geprüft, welche gleichzeitig ihre richtige Empfindung van dem Ernst der Stunde und ihre aufrichtige Freundschaft für das ameri- konische Bolt gebot. Im allgemeinen legen sie Gewicht darauf, zu erklären, daß sie den hahen Gesinnungen, von denen die ameri- konische Note beseelt ist, den Zoll ihrer Anerkennung �darbringen, daß sie sich mit allen ihren Wünschen dem Plane der Schaffung einer Liga der Nakionrit anschließen, welche Frieden und Gerechtigkeit in der Welt sichern soll, und sie erkennen alle Borteile, welche die Einrichtung inter- nationaler Bestimmungen zur Hintanhaltnng gewaltsamer Konflikte zwischen den Nationen für die Sache der Menschheit und der Zivilisation bringen wird— Bestimmungen, welche die erforderliche» Maßnahmen(sanetions) in sich schließen müssen, um die Aus führung zu gewährleisten und so zu verhindern, daß die anschei »ende Sicherheit nicht dazu diene, neue Angriffe zu erleichtern. Tie Erörterung künftiger Abmachungen, welche einen dauer- haften Friede» sichern sollen, hat jedoch zunächst eine befriedigende Regelung des gegenwärtigen Streites zur Boraussehung. Die Alliierten empfinden ebenso tief wie die Regierung der Bcr- einigten Staaten den Wunsch, möglichst bald diesen Krieg beendet zu sehen, für den die Mittelmächte verantwortlich sind, und welcher der Menschheit grausame Leiden auferlegt! aber sie sind der An- sicht, daß es »in möglich ist, bereits heute einen Frieden zuerziele it» welcher ihnen die Wiedergutmachung, Rückcrstattun- gen und Bürgschaften sichert, auf welche sie ei» Recht hoben infolge des Angriffs, für welchen die Mittelmächte dir Brrantwor- tung tragen und der im Ursprug gerade darauf abzielte, die Sichre- heit Europas zugrunde zu richten. Tic alliierten Bölker hege» die Neberzeugung, daß sie nicht für ein selbstsüchtiges Interesse, son- der» zum Schuhe der Unabhängigkeit der Bölker, des Rechts der Menschheit kämpfen. Tie Alliierte» sind sich vollkommen klar über die Verluste und Leiden, welche der Krieg den Neutralen wie den Kriegführenden zufügt und jie beklagen sie, aber sie lehnen die Berantwor- tung dafür ab. da sie den Krieg in keiner Weise gewollt oder hervorgerufen haben und sich bemühen, dir Schäden zu mildern, soweit dies mit den unerbittlichen Forderungen der Verteidigung gegen die Gewalttätigkeit und die Fallstricke des Feindes verein- bar ist.' Mit Genugtuung nehmen sie zur Kenntnis, daß die ameri- tonische Mitteilung in keiner Weise ihrem Nrsprung nach mit der- jeniqen der Mittelmöchte zusammenhängt, welche am 18. Dezember der Regierung der Bereinigten Staaten«bergeben wurde. Sie zweifelten nicht an dem Entschluß der amerikanischen Regierung, selbst den blassesten Anschein einer auch nur moralische» Unter- stützung deS verantwortlichen Urhebers deS Krieges zu vermeiden. Die alliierte» Regierungen halten es für ihre Pflicht, sich in der freundschaftlichsten aber klarsten Weise gegen eine Gleichstellung auszusprechen, welche aus öffentlichen Erklärungen der Mittel- möchte beruht und in direktem Widerspruch zur offenkundigen Sachlage steht, sowohl bezüglich der Berantwortlichkeiten in der Vergangenheit sowie betreffs der Bürgschaften für die Zukunit. Präsident Wislon hat durch ihre Erwähnung gewiß nicht beabsich� tigt, sich ihr anzuschließen.—, Eine historische Tatsache steht gegenwärtig fest, nämlich der Angriffswille Deutschlands it„d Oe st erreich Ungarns, um ihrc Borhcrrschaft in Europa und ihre Wirtschaft' liche Herrschaft über die Welt zu sichern. Teutschland hat durch dir Kriegserklärung und die sofortige Berlehnng der belgischrn und luxemburgischen Unabhängigteit, durch die Art, wie es den Kampf geführt hat eine systematische Verachtung aller Grnndsäbe der Menschlichkeit und der Rechte der kleinen Staaten gezeigt. Fe' mehr der Konflikt sich entwickelte, wurde die Haltung der Mittel- mächte und ihrer Verbündeten ein ständiger Hohn auf Menschlich- teit und Zivilisation. Ist es nötig an die Greuel zu erinnern, welche den Einfall in Belgien und Serbien begleiteten, die schv' itungslose Verwaltung der besetzten Länder, dir Rirdermrtzclung von Hundcrttausendcn von harmlosen Armeniern, die Barbareien gegen die Bevölkerung von Svrien, dir Zeppelinangriffe auf offene Städte, die Zerstörung von Postdampfer, i und Handelsschiffen unter neutraler Flagge durch Unterseeboote, die grausame Behandlung der KrirgSzefcngtnrn, dir Justizmorde an Miß Envell und Ka pitän Fryat, dir Verschleppung der Zivilbevolteruiig iu die Sklave rei usw. Die Hinrichtung von Paewille und die Reihe von Ver brechen, die ohne Rücksicht auf dir allgeineine Niißbilligung bc gangen wurde», erklären dem Präsidenten Wilson vollständig de» Protest der Alliierten. Diese sind der Meinung, daß die Rote, die den Vkreinigten Staaten als Antwort auf die deutsche Note überreicht wurde, die von der ainerikanischeu Regierung gestellte Frage beantwortet und nach dem eigenen Ausdruck der letzteren eine öffentlsiche Erklärung be züglich der Bedingungen, unter denen der Krieg beendet werden könnte, darstellt. Aber Präsident Wilson wünscht noch mehr. Er wünscht, daß die triegsührenden Mächte offen die Ziele bekann! geben, welche sie sich bei der Fortführung des Krieges setzen. Tie Alliierten können anf diese Forderung ohne Schwierigkeiten aui Worten. Ihre Kriegsziele sind wohl bekannt, sie haben sie mehrfach i» den Erklärungen der Oberhäupter der verschirdeurn Regirrungen dargelegt. Diese Ziele werden in den Einzelheiten mit allen Kompensationen und gerechtfertigte» E n t s ch 8 d i g n» g e» für den erlittenen Schaden erst in der Stunde der Verhandlungen auseinandergesetzt werden. Aber die zivilisierte Welt weiß, daß sie alles Rotwendige ein schließen und in erster Linie die Wiederherstellung Belgiens, Serbiens und Montenegros, die ihnen geschuldeten Entschädigungen, die Räumung d c r b c s c tz t e il G r b i e t c von Frankreich, Rußland n n d R n m ä n i e n mit den gerechten W i e d e r g u t rn n ch u» g e ii, die Reorganisation Europas, Bürgschaft für ein dauerhaftes Rr gime, das sowohl aus die Achtung der Nationalität und die Rechte aller kleinen und großen Völker begründet ist wie ans territoriale Abkommen und internationale Regelungen, welche geeignet sind, die Land- und Seegrenzen gegen nngerechtfertigse Angriffe zu schützen, die Zurückgabe der Provinzen und Gebiete, diefrüherdenAlliiertendurchGewaltodcrgegcn den Willen ihrer Bevölkern ng entrissen worden sind, die Befreiung der Italiener, Slawen, R» mänen, Tschechen und Slowaken von der Fremd Herrschaft, die Befreiung der Bevölkerungen, welche der bln tigc» Tyrannei der Türken unterworfen sind, und die E n t f e r nitng des osmanischen Reiches ans Europa, weil e* zweifellos der westlichen Zivilisation fremd ist. Tie Absichten Seiner Majestät des Kaisers bezüglich Polens sind klar und durch die Proklamation kniidgegebe», welche er an feine Armeen gerichtet hat. Wenn die Alliierten Europa der brutalen Begierde deS preußischen Militarismus entreißen wollen, so war eS selbstverständlich niemals ihre Absicht— wie man vorgegeben hat— die Ver nichtung der deutschen Völker und ihr politisches Verschwinden an- zustreben. Was sie vor allem wollen, ist, die Sicherung des Frir dens ans der Grundlage der Freiheit und Gerechtigkeit, der»nver- lctzlichrn Treue, welche die RegierMg der Bereinigten Staaten stets beseelt hat. Die Alliierten, einig in der Verfolgung dieses hohen Zieles, sind jeder einzeln und gemeinsam entschlossen, mit ihrer ganzen Kraft zu h-udel» und alle Opfer zu bringen, um de» Streit zu einem siegreichen Ende zu führen, von welchem ihrer Ueberzeugung nach nicht bloß ihr eigenes Heil und ihre Wohlfahrt, sondern die Zukunft der Zivilisation selbst abhängt. öelgien an Mnerika. Pari�, 12. Januar.(„Havas".) Die Note der bel- glichen Reglerurvg, welche Ministerpräsident Brkand gestern dem Botschafter der Vereinigten Staaten gleick�citig mit der Ämtwort der alliierten Regierungen übergab, lautet: P«ris, Ik>. Jairuar töt7. Die Regierung des Königs, welche sich der vom französische!! Ministerpräsidenten dem Botschafter der Vereinigten Staaten überreichten Antwort anschließt, legt Wert darauf, den Gefühlen der Menschlichkeit, welche den Präsidenten der Vereinigten Staaten zur Abscndung der Rote an die kriegführenden Mächte bewogen haben, ihre besondere Anerkennung ab- zustatten, und sie würdigt in hohem Maße die Freundschaft, zu deren wohlwollendem Dolmetsch er sich Belgien gegenüber gemacht dat.(f bei, so sehr wie Mister Woodrow Wilson wünscht sie den gegenwärtigen Krieg möglichst bald beendigt zu sehen; aber der Präsident scheint zu glauben, daß dir Staatsmänner der beiden kntgegcngescßtcn Lager dieselben Kriegsziele verfolgen. Das Bei- spiel Belgiens zeigt leider, daß dies nicht der Fall ist. Belgien hat ebenso wie die Ententemächte niemals Eroberungspläne gehabt. Die barbarische Weise, in der die deutsche Regierung das belgische Volk behairdelt hat. und noch behandelt, gestattet nicht, anzu- nehmen, daß Deutschland es sich angelegen sein lassen wird, in iuknnst dos Recht der schwachen Völker zu gewährleisten, welches es, seitdem der von ihm entfesselte Krieg Europa heimsucht, un- aushörlich mit Füßen getreten hat. Andererseits hat die Regierung des Königs mit Vergnügen und Vertrauen die Versicherung verzeichuet, daß die Vereinigten Staaten mit Ungeduld darauf warten, um an Maßnahmen mit- zuarbeiten, welche nach dem Frieden ergriffen werden sollen, um hie.klein«» Nationen gegen Gewalt und Unter- d r ü ck u n g zu schützen. Vor dem Ultimatum hat Belgien nur danach gestrebt, um mit allen seinen Nachbarn in guten Be- ziehungen zu leben, es betätigte mit einer veinlichen Liyalität iedem gegenüber die Pflichten, die ihm die Neutralität auferlegte. Wie wurde es von Deutschland für das Vertrauen belohnt, welches es ihm bewies? Von einem Tag zum andern obne triftigen Grund wurde seine Neutralität verletzt und sein Gebiet überfallen. Der deutsche Reichskanzler hat, als er diese Verletzung des Rechtes und der Verträge im Reichstag ankündigte, die U n g e- .echtigkeit einer solchen Handlung anerkennen müssen, und versprochen, daß sie wieder gutgemacht würde. Die Deutschen haben nach Besetzung des belgischen Gebietes das Haager Abkoinmen nicht beobachtet. Sie haben durch ebenso schwere wie ivillkürliche Besteuerungen die HilfSguellen des Landes zum Ver- siegen gebracht, geflissentlich die Industrie zugrunde gerichtet, ganze Städte zerstört und eine beträchtliche Anzahl von Be- wohncrn getötet oder eingekerkert. Noch jetzt, während sie den Wunsch, die Krietzsgreuel zu beenden, laut erschallen lassen, be- mühen sie sich, die Greuel der Besetzung zu vermehren, indem sie .«elgischc Arbeiter zu Tausenden in die Sklaverei wegführen. Wenn es ein Land gibt, das das Recht hat, zu sagen, daß es die Waffen ergriffen hat, um sein Dasein zu verteidigen, 10 ist es sicherlich Belgien, welches gezwungen war. zu kämpfen oder sich der Schate zu unterwerfen. Belgien hegt den leiden- 'swftlichen Wunsch, daß den unerhörten Leiden der Bevölkerung Rn Ende gemacht werde, aber es könnte nur einen Fricüwn an- nehmen, welcher ihm seine »ollständige volitischc und wirtschaftliche knabhänzigkrit isrückgibt. welcher die Unversehrtheit seines Gebietes und seiner afrikanischen Kolonie verbürgt und ihm gleichzeitig g e- rechte Wiedergutmachungen und sichere Garantien für die Zukunft verschafft. Das amerikanische Volk hat seit Beginn des Krieges dem unterdrückten belgischen Volke heiße Sympathie bewiesen, die amerikanische Ccmruiission for Relief in Belgium entfaltet in enger Verbindung mit der Regierung des Königs und dem Nationalen Eomite eine unermüdliche Hingabe und eine wunderbare Tätigkeit, um Belgien mit Lebensmitteln zu versorgen, welches die Deuffchen datten Hungers sterben lassen. Die Regierung des Königs ist glücklich, die Gelegenheit ergreifen zu können, um der Kommission ior Reiief und den großherzigen Amerikanern, die sich beeilt haben, ?2s Elend der belgischen Bevölkerung zu lindern, ihre tiefe Tank- rarkcit auszudrücken. Schließlich haben die' Biaffenverhaftungeu und Verschleppungen belgischer Zivilisten nirgends eine entrüstetere Einspruchs- und '.Nißbilligungsbewegung hervorgerufen, als in den Vereinigten Staaten. Diese Tatsachen, die der amerikanischen Nation zur Hohen Ehre gereichen, flößen der Regierung des Königs die be- rechtigte Hoffnung ein, daß bei der endgültigen Regelung dieses langen Krieges die Stimme der Vereinigten Staaten sich erhebeil nnd zugunsten der belgischen Nation, des unschuldigen Dpfers der deutschen Begierde», den Rang und den Platz fordern wird, welchen seine tadellose Vergangenheit, die Tapferkeit seiner Soldaten, die Treue, Ehre und die hervorragende ArbcitStüchtigkeit ivm unter den zivilisierten Nationen anweisen. Gmlöhall-Reöe Llopü Georges. Sieg um jeden Preis. London, 11. Januar. Auf einer großen Versammlung in der Guildhall, die heute nachmittag zur Unterstützung der neuen Kriegsanleihe abgehalten wurde, sprachen Bonar Law. Lloyd George und McKenna. Bonar Law gab bekannt, daß der Zeichnungspreis der neuen Anleihe 93 Proz. bei ö Proz. Zinsen und vierzig- jähriger Laufzeit sein würde. Die Regierung habe das Recht, Sie Anleihe»t nach zwölf Jahren zu pari zurückzukaufen. Die vorhandenen 4'/,. 5 und ssprozentigen Bonds können zu pari cegen die neue Anleihe umgetauscht werden. Bezüglich der Einkommensteuer unterliegen die fremden Besitzer von An- leihen und die in den Kolonien nicht der britischen Besteue- rung. Dem Publikum ist jede Erleichterung gegeben, von den Banken Darlehen zu erhalten, um aus die neue Anleihe zu zeichneu. Bonar Law erklärte, daß dem Publikum niemals bessere Bedingungen in der Vergangenheit angeboten worden 'eien und niemals in der Zukunft bessere angeboten werden würden, solange Geld im Lande wäre, würde der Krieg nicht aufhören. Lloyd George sagte, man müsse sich eine große Anleihe sichern, nicht nur um den Krieg wirksam zu finanzieren, sondern als Beweis der fort- lauernden Entschlossenheit deS Landes, den Krieg fortzusetzen. Der Kaiser hat eine Boffchaft an sein. Volk gesandt, wonach die Entente sein Friedensangebot zurückgewiesen habe. Er hat dies gc:au, um denjenigen Gift einzuflößen, die er nicht m?t Gewaltmaßregeln zwingen kann. Stber wo sind gegenwärtig die deutschen Friedensangebot«? Die Alliierten haben danach eftagt. aber die Deutschen haben keinerlei Bedingungen bärge- boten. Was sie dargeboten haben, ist nur eine Falle, die mit glatten Worten aufgemalt ist. Solche Worte täuschten uns einst, aber jetzt hält der Löwe seine Augen offen. Wir haben keinerlei Bedingungen zurückgewiesen, aber wir haben erkannt, daß der Krieg besser ist als ein. Friede um den Preis einer preußischen Herrschaft über Europa. Die Alliierten haben in ihrer Antwort An Deutschland klar gesagt, und klarer in ihrer Antwort an die Vereinigten Staaten tBeifall), daß sie, bevor sie versuchen könnten, den Tempel des Friedens wieder aufzubauen, erkennen müßten, daß seine Grundlagen gefestigt seien. Ich komme soeben von dem Kriegsrat der vier guGen alliierten Länder zurück, auf deren Schultern die Lasten dieses schrecklichen Krieges fallen. Ich kann die Beschlüsse, die dort gefaßt wurden, nicht nennen, aber sagen, daß dort weder eine Täuschung über die Größe unserer Aufgabe noch ein Zweifel über ihren Erfolg be- stand. Wir blickten allen Schwierigkeiten ins Gesicht, prüften sie und trafen Anordnungen, um mit ihnen fertig zu werden. Wir teilten das Gefühl, daß, wenn auch der Sieg schwierig, so doch eine Niederlage unmöglich wäre. Es gab kein Zurückweichen, keine Un- schlüssigkeit, keine Mutlosigkeit oder Unsicherheit mit bezug auf. unser Ziel. Es herrschte der grimmige Entschluß, daß wir um jeden Preis daS hohe Ziel erreichen müßten, mit dem wir die Herausforderung der preußischen Militärkaste beantwortet haben, und daß wir die Welt auf ewig vor der Bedrohung durch sie schützen müßten. Eine Tatsache hat aus dieser Konferenz einen besonders tiefen Eindruck auf mich gemacht: das ist das wachsende Vertrauen, mit dem die alliierten Völker aus Großbritannien blicken und mit dem sie sich auf seine ungestüme Kraft und seine großen Hilssguellen verlassen. Großbritannien ist für sie ein großer Turm mit tiefen Grundfesten. ES wird mehr und mehr die Hoffnung der Unterdrückten und die Verzweiflung der Unterdrücker. Heute sind seine Armeen furchtbarer als je zuvor. Es kann von der notwendigen Unterstützung, die die Nation ihren Armeen zuteil werden läßt, abhängen,.ob das Heer sich durch die Schwierigkeiten und Gefahren der nächsten paar Monate den Weg zum Siege bahnen wird. Wir müssen das Heer unterstützen, es ist dessen wert. Ich muß Schecks durch die Lust gegen die feindlichen Schützengräben sausen sehen. Jeder wohlgezielte, richtig geladene und abgeschossene Scheck ist eine furchtbarere Zerftörungswaffe als eine zwölfzöllige Granate. Er bahnt den Weg in die feindlichen Drahtverhaue, damit unsere tapferen Leute sie�>urchbrechen können. Je mehr wir abschießen, desto sicherer wird der Sieg sein, desto kürzer wird der Krieg sein. Je mehr wir abschießen, desto geringer werden die Kosten für den Schatz sein, auch für den größten Schatz all des Blutes der wackeren Männer, das noch fliehen muß. Dieser Krieg ist ein AusrüstungSkrieg. Warum haben die Teurschen unsere tapferen Alliierten in Rumänien zurückgedrückt? Nicht, weil sie bessere Kämpfer find. Der rumänische Bauer hat sich als der tüchtigste Kämpfer der Welt erwiesen, wenn er Aus- sichten auf den Sieg hat. Er hat hier niemals eine Aussicht ge- habt. Was Rußland anbetrifft, so hat es zweieinhalb Jahre lang mit bloßer Brust gekämpft, mit minder- wertigeu Geschützen, unzureichenden Gewehren, mangelhaften Munitionsvorräten. Hier zeigt sich einer der begeisterndsten Vor- gänge aus der Geschichte des Heldentums. Laßt un« belfen. sie auszurüsten, und eS wird eine andere Geschichte daraus werden. Diese. Anleihe, ist jetzt eine gute Anlage� nach dem Kriege wird sie eine bessere sein. Ich weiß nicht, welche Natian es wird wagen können, uns nach dem Kriege anzu tasten. Sie hotte« vergessen. daß wir noch waren wie in alten Tagen, aber es wird ihnen lange Zeit kosten, ehe sie die heutige Lehre vergesse«. Ehe der Krieg be- gann. zeigte sich bei uns manche Unzulänglichkeit in Geschäft und Industrie. Die Kriegsmaschine bat die alten nachlässigen Me- ihoden abgelegt und mit den hemmenden Gewohnheiten gebrochen. Ich weiß nicht, wie hoch sich die nationaleSchul dam Ende des Krieges belaufen wird, aber ich wage die Prophezeiung, daß jeder Mehrbetrag sich in einen erblichest Besitz für die realen Reichtümer drr Nation twrwandeln wird. Die Nation ist ent- wickelt, diszipliniert und angespannt worden. Wir sind ein frischeres Volk geworden. Die preußische Drohung war eine laufende Hypothek, die den Wert unserer nationalen Sicherheit beein- trächtigte. Diese Hypothek wird nun für immer abgeschafft werden. Nach dem Kriege wird die Welt in der Lage sein, ihren Geschäften in Frieden nachzugehen, und die beste Sicherheit für den Frieden wird in Zukunft gefunden werden, wenn die Nationen der Welt sich miteinander vereinigen, um den ersten Friedensbrecher zu strafen.(Diese Anerkennung der amerikanischen Vorschläge für eine Liga zur Erzwingung des Friedens rief lebhaften Beifall hervor.) Lloyd George sckiloß mit einer letzten Ermahnung, zur Kriegsanleihe beizutragen. Gesterreich-Ungarn an öie Neutralen. Die österreichifch-ungarische Regierung hat an die Neu- tralcn eine Antwort auf die feindliche Ablehnungsnote ge- richtet, die in ihrem Hauptinhalt der gestern gemeldeten deutschen Antwort entspricht. Vom besonderen österreichischen Standpunkt aus wird darin noch gesagt: Was im besonderen das österreichiich-ungarijche Ultimatum an Serbien betrifft, so hat die Monarchie in den Jahren, welche diesem Schritt vorausgingen, hinlänglich Beweise ihrer Langmut gegenüber den sich stets steigernden feindseligen und aggressiven Absichten und Umtrieben Serbiens an den Tag gelegt, bis zu dem Moment, wo schließlich die ruchlos« Mordtat von Sarajewo eine weitere Nachsicht unmöglich gemacht hat. Auch eine Auseinandersetzung über die Frage, auf welcher Seite die militärische Loge stärker sei, erscheint müßig und darf.getrost dem Urteile der gesamten Oeffentlichkest überlassen bleiben. Uebrigens enthält eine �Vergleichung der Kriegsziele der beiden Gruppen bereits die'Entscheidung dieser Frage. Während nämlich Oesterreich-Ungarn und seine Verbündeten den Krieg von Ansang an nicht zum Zwecke von Gebietseroberwlgen, sondern als BerteidigtmgSkatnpf unternommen haben, ist bei den feindlichen Staaten das Gegenteil detz Fall. Sie gehen, um nur einige ihrer Kriegsziele zu nennen, auf die Niederwerfung und Beraubung der österreichisch-ungarischen Monarchie, auf die Eroberung von Elsaß-Lothringen sowie aus die Aufteilung der Türkei und die Vernichtung Bulgariens aus. Die vier verbündeten Möchte können daher bereits derzeit ihre rein defensive« SriegSziele als erreicht betrachten, während die Gegner sich von der Verwirklichung ihrer PssAie immer weiter entfernen. Zum Schluß heißt es statt..gegenseitige Achtung und Gleichberechtigung"»volle Gleichberechtigung". Der Ge- danke der deutschen Note wird damit noch unterstrichen. Nach Annahme ües Ultimatums gegen Griechenlanö. Das Mißtrauen der Entente. Bern, 12. Januar.(W. T. B.) Anläßlich der Annahme des Ultimatums der Entente durch die Athener Regierung veröffentlicht die ganze französische Presse eine anscheinend offiziöse Note, in der erklärt wird, daß trotz der Annahme das Mißtrauen der Entente gegenüber Griechen- land nicht geschwunden sei. da die bisherige Haltung der Athener Regierung den Rückschluß zulasse, daß dic �ordc- rungen der Alliierten auch jetzt nicht so durchgeführt würden, wie es der Vierverband wünsche. Die Blätter lassen durch- blicken, daß die hellenische Regierung nach wie vor versuchen werde. Zeit zu gewinnen, um schließlich doch auf die Seite der Mittelmächte zu treten. Die Entente wünscht offenbar einen Vorwand, um sich auf Griechenland zu stürzen, und sie hält diesen Vorwand vernlullich schon bereit, um ihren Plan ohne Verzug aus- führen zu können. » Kundgebung in Athen. Bern, 11. Januar.«Corriere della Sera" meldet aus Athen: In der Rocht zum DonnerSlag durchzog ein Zug die Hauptstraße und prolestiert« gegen die Annahme des Ullimalums. Bereits um die Mittagsstunde hatte sich trotz de§ Polizeiverbots der Zug unter Hochrufen auf den König und Slbmährusen aus die Rote nach dein Sitz de» Ministerpräsidenten begeben. Bor dem Ministerium wurden die Demonstranten, etwa 3000 Personen, aufgefordert, den Play zu verlassen, was ohne Zwischenfall geschah. Die Bevölkerung schickt sich angeblich in die verlangte Haftentlassung der Benizelisten und die Wiederherstelluung der Kontrolle der Alliierten. Eine Organisation gegen Schiffsraumnot. London, 11. Januar. Reuter meldet: Es wurde eine Verordnung erlassen über die Charterung you Schiffen nach oder von brittschen Häfen. Äehnliche Bc- stimmungen sind in Frankreich und Italien erlassen worden. Zweyt der Verfügung ist. eine engere Uebereinstim- mung in der Verwendung des Schiffsraums zu sichern. Ju Zukunft wird von der nationalen Behörde jeden Landes die Erlaubnis eingeholt werden müssen, bevor irgendwelcher fremder Schiffsraum gechartert wird. Der Zweifler der Entente. Bern, 1 1. Januar. Senator Humbert erklärt im»Pariser Journal", er müsse leider feststellen, daß eZ den Alliierten noch nicht gelungen sei, eine wirksame Einheitlichkeit ihrer Unternehmungen zu erzielen. Die Hoffnungen, welche man seit Monaten an die Konserenz in Paris geknüpft hatte, auf der die Einheitlichkeit der Aktion auf einer Einheitsfront als große Tat verkündet wurde, seien verfrüht gewesen. Man habe sich mit halben Matznahmen begnügt, da eS an Energie und Methode fehle. Wenn die Entente Wochen brauche, um auf die deutsche Friedensnote und Wilsons Rote zu antworten, wie könne man da auf eine wirklich enge milstärische Zu- sauunenarbeit hoffen, welche schnelle Entschlüsse mid rasche Aus- führungen erfordere. Humbert befürchtet, daß auch die Konferenz in Rom keine vollständige Lösung bringen werde. Im FeindeSlager herrsche Einheit, Disziplin und Ordnung. Alle Pläne würden dort sofort ausgeführt. Bei den Alliierten gehe jeder trotz deS besten Willen» aller feine eigenen Wege. Man versuche wohl die Unter- nehmunzeit in Einklang zu bringen. ober eZ seien nur Ansätze. Disziplin sei notwendig. Konferenzen genügten jedoch nicht, sondeln eine ständige Organisation sei not- wendig, welche ein schnelles Zusammenarbeiten der Entente- regierungen verbürge. Roch kein großes Kriegsproblem sei f ü r die Entente gelöst, weder daS Problem der Effektivbestände, noch da» Problem des Materials, der Verprovian- tierung und der Finanzen. DaS betrübende rmnänische Schauspiel dürfe sich nicht erneuern. Die Entente müsse bereit sein, um den furchtbaren neuen Schlag, zu dem der Feind zweifellos ausholen werde, aufzufangen. * Französisches und deutsches Flugwesen. Bern, 1l. Januar. Im.Matin" unterzieht ein ungenannter Flieger das französische Flugwesen einer scharfen Kritik. Frank- reich besitze eine Anzahl ausgezeichneter Flieger, aber die Organi« t'ation sei unzulänglich. In gewissen technischen Abteilungen de« Flugdienstes feien Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit an der Tagesordnung. Auf deutscher Seite erstrebe man die Höchst- leistung bei geringstem Risiko, in Frankreich spiele man mit dem Feuer; man lache, weil die deutschen Flieger nicht öfter über französisches Gebiet kämen, aber die Deutschen unterließen dies, weil es überflüssig sei. Sobald eS jedoch notwendig werde, kämen sie jedesmal; die Deutschen sparten eben. Wie bei den Zentralmächten, sollte daS Flugwesen der Alliierten einer einheit- liehen Leitung unterstellt werden, dann könne man etwas erreichen. Die sozialistischen grauen Hollands für den frieden. Nach dem deutschen Friedensangebot und der Friedens- note des Präsidenten Wilson haben die in dem Verband der sozialdemokratischen Frauenklubs Hollands vereinigteu Genossinnen an die sozialistischen Frauen in allen kriegführenden Ländern aus Amsterdam, datiert vom 22. Dezember 1916. folgendes Schreiben gerichtet: „Frauen! Schwestern! Jetzt, wo das Wort„ Friede usunterhand- l u n g e n", von welchen Gründen und Absichten auch immer gelettet, von einer der kriegführenden Rc- gierungen ausgesprochen worden ist, und der P r ä s i- dent der Vereinigten Staaten seine Verucittlung angeboten hat, stockt unser Herz bei dem Gedanken, daß die Völker dies ergreifen könnten, um dem Frieden näher zu kommen. Nnsere ganze Sympathie, unsere wärmsten Gefühle gehen hin zu den sozialistischen Frauen der kriegführenden Länder. umgeben sie mit dem heißen Wunsche, daß auch ihr Dille, ihre Energie beitragen, mitwirken möge, um den V ölker- Herzens schrei nach Frieden losbrechen zu machen, der alles überstimmen und die Regierungen zum Horchen zwingen wird." /tmneflie für feinüliche Kriegsgefangene. Wien, 12. Januar.(W. T. B.) Aus den Durchführung;!- bestimmungen zu der jüngst erlassenen militärischen Amnestie ist als bemerkenswert hervorzuheben, daß zu den Personen, welche dieser Amnestie teilhaftig werden, auch die Kriegs- gefangenen der feindlichen Mächte gehören. Kampfe nördlich der Mere. Englische Angriffe nördlich der Ancre— Ruffenangriffe an der Wilna-Düua- burger Bahn— Gewinne an der Oitoz- Strahe und zwischen Braila und Galah— Kampf südlich des Ochrida-Sees. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 12. Ja- «uat 1917.(W. T. V.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht Auf unseren Stellungen bei Armentieres und Leus sowie beiderseits der Straße Albert— Bapaumc lag von uns kräftig erwidertes feindliches Artilleriefeuer. Nördlich der Ancre griffe» die Engländer in den frühen Morgenstunden zweimal vergeblich an. Lei S e r r e brach ihr Augriff vor unsere» Linien zusammen. Nördlich Beaucourt wurde» sie nach anfängliche» Erfolgen durch kräftig geführten Gegenstoß verlustreich in ihre Ausgangsstellung zurückgeworfen. 3» Gesäuge«! und 3 Maschinengewehre blieben in unserer Hand. Bei Bcaumont sind noch kleinere Jnfantcriekämpfe im Gange. Heeresgruppe Kronprinz. Westlich der Maas, auf der E o t e und in den V o g e s e n lebte der Artillerie- und Miuenkampf au einzelnen Stellen zeit- weise auf. Heute früh in die feindlichen Gräben auf den Cowbreshöheu und östlich Nomeny eingedrungene Stoßtrupps kehrte« ohne Ber- luste mit 18 Franzosen zurück. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des GeneralfeldmarfchallS Prinz Leopold von Bayern. An der Düna und im Sceugebiet südlich Dünaburg nah« die Gefechtstätigkeit gestern wesentlich ob. An der Bahn Wilna— Dünaburg wurden angreifende russische Kompagnie» unter großen Verlusten abgewiesen. Zwei zur Verbesserung der eigenen Stellung südwestlich Riga unternommene kleinere Angriffe brachten uns 32 Ge- fnngene ein. Frout des Generaloberst Erzherzog Joseph. In Erweiterung unserer Erfolge am 10. Januar wurden auch gestern beiderseits der Oitoz straße mehrere hinter- einanderliegende Stellungen des Gegners ge- stürmt. Ter Feind erlitt schwere blutige Verluste und ließ einen Ofsizier, 80 Mann, 8 Maschinengewehre und 3 Minen- wcrser in der Hand des Angreifers. Nördlich und südlich des S u s i t a tals bliebe» feindliche Angriffe erfolglos. Heeresgruppe des GeneralfeldmarfchallS von Mackensen. I« der Sumpfniederung zwischen Braila und Galab drängten wir den Russen weiter gegen den Srreth zurück. L a B u r t e a wurde genommen. In der Nacht vom 10. zum 1 1. Januar versuchten bewaffnete feindliche Schiffe I s a c c e a donauaufwärts zu passieren. Ein Dampfer wurde durch unser Artilleriefeuer versenkt, ein anderer gezwungen, auf das Nordufer aufzulaufeu. Mazedonische ftfront. Südlich des Ochridasees griff der Feind die öfter- reichifch-ungarisch. bulgarische Front hinter der Cerava an. Die Stellungen wurde» gehalten. Ter Erste Generalquartiermcister. Ludendorff. » Menöbericht. Amtlich. B e r l i n, 12. Januar 1917. Abeuds. Nördlich der Ancre sind Kampfe im Gange. t'fi tu Der ösierreichifthe Sericht. Wien, 18. Januar 1917.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Im Mündungswinkel des Scrrth nehmen die Kämpfe einen günstigen Verlaus. Am Südflügcl der Heeresfrout des Geueralobersten Erzherzog Joseph warfen österreichisch-ungarische und deutsche Bataillone des Generalmajors Goldbach südlich der Oitozfiraße deu Feind in raschem Ansturm aus mehreren hintercimmderliegen Höhen- stellungeo. Der Kampf kostete de» Russe« außer schweren blutigen Verlusten 6 Maschinengewehre und 3 Minrnwerfer, die nebst eine« Ofsizier und 80 Mann in unserer Hand bliebe». Russische Gegenstöße verliefen wie an den Bortagen ergebnislos. Sonst bei den k. und k. Streitkräften der Ostfront nichts von Belang. Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts zu melden. Der Stellvertreter des Ehcfs des Gencralstabes. v. H o r f e r, Feldmarschallcutnant. Ereignisse zur Tee. Ein Geschwader von Srrstugzeugen hat in der Rächt vom 1l. auf den 12. d. M. das feindliche Abwehrflugfeld bri Beligna, welches seit der Zerstörung durch unsrre Flieger bei den Angriffen am 14. November und 8. Dezember v. I. wieder aufgebaut worden ist, sehr erfolgreich mit Bomben delegt. In den neu- errichteten Hangars wurden mehrere Bolltreffer erzielt. Flottenkommando. Heimai geschickte Pakete und Geld werden nur iu Einzelfällen aus« gchändigt; die Pakete sind fast durchweg beraubt. Selbstverständlich hat die deutsche Reichsregierung sofort Maß- nahmen ergriffen, um in diesen empörenden Zuständen Wandel zu schaffen. Den unglücklichen kriegsgefangenen Deutschen, die in der französischen Armeezone im deutschen Feuer unter so elenden Be- dingungen ihr Leben fristen, mutz und wird— und zwar schnellstens geholfen werden—. dessen kann das deutsche Volk versichert sein. Näheres darüber wird in Kürze mitgeteilt werden. Mesopotamien— perfien— �egppten. Zerstörung eines euglifchea Kreuzers. Ter türkische Heeresbericht. Konstantwvpel, 1l. Januar. Bericht vom 11. Januar 1917. Nach Artkllerievorbereitung, die 43 Stunden dauerte, griffen die Engländer unsere Stellungen in der Gegend von Jman Mubamed östlich von Kut el Amara an. Dem Feind gelang es zuerst, in einigen Teilen um'erer vorgeschobenen Gräben Fuß zu fassen; er wurde dann aber durch einen Gegenangriff gegen mittag überall zurückgeworfen. Ebenso wurde der Feind zurückgeworfen, der uns nach heftiger Artillerievorbereitung mit Bomben an dcr Fellahie-Front ougriff. In der Umgebung von H a m a d a n unternahmen wir einen erfolgreichen Ucbersall gegen einen feindlichen Borposten, in dessen Verlauf wir eine Anzahl Gefangener machten, zwei Maschinengewehre erbeuteten und die zweite Hindernislinie des Feindes zerstörten. Der Gegner verlor ungefähr 100 Mann. Kaukasusfront: Kein wichtiges Ereignis. Wir eröffneten ein überraschendes Feuer gegen mehrere feind- liche Schiffe, die sich im Hafen von Meiys(Castellorizo) befanden. Wir zerstörten durch Volltreffer einen englischen Kreuzer vom Typ Aano(Juno?), ohne daß dieser Zeit fand, das Feuer zu eröffnen. Das Wrack des Kreuzer? brennt noch. Ein Torpedoboot. das sich ebenfalls im Hafen befand, entfloh, nachdem ihm durch Unser Feuer ein Mast zerbrochen war. Ein anderes Wachlfchiff von unbekannter Rationalität erhielt während der Flucht einen Voll lreffsr und entfernte sich, stark zur Seite überneigend, in südlicher Richtung. » Neue Kämpfe bei El Arisch. London, 11. Januar. Amtlicher Bericht aus Aegypten: Unsere Truppen eroberten am 0. eine starke, aus sechs Linien von Schützen- graben mit sechs Hauplschanzen und einer Zcntralschanze lwörilich: Zentral Keep) bestehende feindliche Stellung, die R a f a. 30 Meilen östlich von E l Arisch deckte. ES wurden 1800 nnverwundele Ge- fangene gemacht und 4 Gebirgsgeschütze erbeutet. 800 feindliche Tote und Verwundete blieben in unseren Händen.— Die zum Angriff bestimmten Truppen verließen El Arisch am 8. Januar, 4 Uhr morgens. Der Angriff auf die feindliche Stellung begann am 9. Januar, 7 Uhr morgens. Der Kamps dauerte bis 5 Uhr nachmittags, wo die Stellung endgültig erstürmt wurde. Nach dem Kampfe wurde eine vcn Swalal, 18 Meilen östlich von Rafa, heraninarschiereude HilfSableilung festgestellt. Diese Abteilung wurde an einem Punkte ungefähr 4 Meilen von der Ram-Stellung entfernt, in einen Kampf verwickelt und vollständig vernichtet. Amtlicher englischer Bericht auZ Mesopotamien: Nordöstlich von- Kut el Amara auf dem rechten TigriSufer fetzten wir am Morgen des 10. Januar bei nebligem Welter unsere Unter- nehmungen fort und machten den ganzen Tag Fortschritte. Bei Einbruch der Nacht waren wir im Besitz des größten Teiles der türkischen Schützengräben auf dem rechten Tigrisufer in dem Flußbogen nordöstlich von Kut el Amara. Die Gefangenenzahl des gestrigen Tages beträgt 173, darunter 7 Offiziere' In einem einzigen. 300 Aards langen Verbindungsgraben lagen 300 ge- sallene Türken, und die Lage ist anscheinend an den übrigen Stellen ähnlich.'_ Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 11. Januar. Generalstabsbericht vom 11. Januar. Mazedonische Front. Auf der ganzen Front schwaches G-fchützfeuer beider Parteien. In der Ebene von Serres Pa- trouillengefechte und Tätigkeit der beiderseitigen Flieger. Rumänische Front. Feindliche Monitore haben Tulcea beschossen. Sonst nichts zu melden. Die Versenkung öer„San �eanüro". Tek deutsche Gcleitbrief für spanische Lebensmittel- schiffe. Bern, 11. Januar. Pariser Blätter veröffentlicheu eme Zu- schrift des deutscheu Botschafters au de»„Jmparcial" über die Aerseukuug der„San Lcandro". Der Botschafter erklärt darin daß der d ents che Geleitdrief nicht lediglich eine Fori malität, sondern die Borbedingung zum freie» Berkehr der mit Lebensmitteln beladrnen Schiffe sei. Hierzu erklärt„Jmparcial'. daß die von deutschen KonsulaiS beamlen ausgeübte Ueberwachung bei der Verlatzung von Schiffen genügen solle. Außerdem sollte sich die deutsche Regierung damit begnüge». Schiffe aus hoher See zu durchsuchen und sie dann nötigenfalls in Häfen zu verbringen, wo die verdächtigen Ladungen genauer untcrilicht werden könnten. Eine solche Maßnahme sei durchaus zulässig, da sonst die spanische Handelsmarine derart ge- schwächt werde, daß eine Hungersnot für die Bevölkerung zu be- fürchten sei._ Graf Denckenüorff. London, 11. Januar.(Reutermeldung.) Der russische Botschafter Graf Benckendorff ist g e st o r b e n. Der Londoner Posten war mehrfach in Benckendorffs Händen, zuerst feit 1903. Man kann also sagen, daß er von Anfang an mit an dem Webstuhl gesessen hat. an dem die Fäden des bärtigen Weltdramas von heute geknüpft wurden. Daß man ihn 1910 abermals auf den Platz an der Themse stellte, dürste als ein Beweis anzusehen sein, daß er für die Aufgäbe, auf die es jetzt ankain, als besonders geeignet galt Dehanülung üeutscher Kriegsgefangener in Frankreich. Berlin, 11. Januar.(Amtlich.) In letzter Zeit häufen sich die Nachrichten über die unmenschliche, jedem Völkerrecht hohnsprechende Behandlung, die den deutschen Kriegsgefangenen in französischer Gesangenschast zuteil wird. Sticht genug damit, daß die Gefangenen im Wirkungsbereich des deutschen FeuerS zu schwersten Arbeiten, darunter Ausheben von Schützengräben und Transport von Mu- nition gezwungen werden, wird in unmenschlicher Weise alles getan, um ihnen ihr ohnehin bitteres Los zu verschärfen und ihnen das Leben zur Hölle zu machen. Schon unmittelbar nach der Gefangen- nähme werden die Gefangenen ihrer Wertgegenstände planmäßig be- raubt. Aus dem Transport zur Sammelstelle werben sie von Wach- Mannschaften und Bevölkerung angeipien, in gemeinster Weis« be. lchimpft und durch Schläge, Kolbenstöße wid Fußtritte roh miß. handelt.. Wiederholt sind Hunde auf die Gefangenen gehetzt worden. Französiscke Offiziere haben derartige Brutalitäten nicht nur nicht gewährt, sondern sich selbst daran beteiligt. Die erste Unterbringung findet in offenen, mit Stacheldraht umzäunten Pferchen statt, wo der bloße Erdboden ohne Rücksicht aus Wind und Wetter als Lagerstätte dient. Das Esien ist unzureichend und oft ungenießbar. KrankbeitSepidemien sind die Folge. Disziplinarstrafen von beispielloser Härte werden verhängt. So hat man wieder- ergriffene Flüchtlinge in einen Drahttäfig gesperrt, der zum Nieder- legen zu kurz und zum Stehen zu niedrig war. Die Verhältnisse in den Sammellagern, wohin die Gefangenen nach wochenlangem Aufenthalt in den Drahtpferchen überführt werden, find unwürdig und trostlos. Die Mannschaften liegen in Zelten, die regen- durchlässig sind und der Winterkälte freien Zutritt lassen. Nur selten werden Decken geliefert und dienen Stroh und Flechtwcrk als notdürftiges Loger. Aerztliche Fürsorge fehlt fast gänzlich; Kranke werden ohne Rücksicht auf ihren leidenden'Zustand zur Arbeit angetrieben. Postsachen der Gefangenen werden nicht oder nur nach langer Liegefrist befördert; ihnen aus der deutschen Letzte Nachrichten. Aufruf an öas üeutfche Volk. Großes Hauptquartier, 12. Januar. Amtlich. An das deutsche B o l k! Unsere Feinde haben die Maske fallen lassen.— Erst haben sie mit Hohn und heuchlerischen Worten von Freiheitsliebe und Menschlichkeit unser ehrliches Friedensangebot zurückgewiesen. In ihrer Antwort an die Bereinigten Staaten haben sie sich jetzt dar- über hinaus zu einer Eroberungssucht bekannt, deren Schändlichkeit durch ihre verleumderische Begrün- dung noch gesteigert wird.— Ihr Ziel ist die Niederwerfung Deutschlands, die Zerstückelung der mit uns verbündeten Mächte und die Knechtung der Freiheit Europas und der Meere unter dasselbe Joch, das zähneknirschend jetzt Griechenland trägt.— Aber was sie in dreißig Monaten des blutigsten Kampfes und des gewissenlosesten Wirtschaftskrieges nicht erreichen tonnten, daS werden sie auch in aller Zukunft nicht.vollbringe«.— Unsere glorreichen Siege und die eherne Willenskraft, mit der unser kämpfendes Boll vor dem Feind und daheim jedwede Mühsal und Not des Btieges getragen hat, bürgen dafür, daß unser geliebtes Vaterland auch fernerhin nichts zu fürchten hat. Hellflammende Entrüstung und heiliger Zorn werden jedes deutschen Mannes und Weibes Kraft verdoppeln, gleichviel, ob sie dem Kampf, der Arbeit oder dem opferbereiten Dulden geweiht ist.— Der Gott, der diese» herrlichen Geist der Freiheit in unseres tapfereu Volkes Herz gepflanzt hat, wird uns und uusrren treue», sturmerprobte» Verbündeten auch de» vollen Sieg über alle feindliche Machtgier und Bcrnichtungswut geben. Wilhelm I, R. Transportdampser versenkt. Berlin, 12. Januar. Amtlich. Am 28. Dezember 1918 hat eines unserer N-Boote im englischen Kanal eine» abgeblendeten, von Zerstörern beglcitctrn Transportdampser von etwa 8888 Tonnen versenkt. Aufnahme der Ententenote in Holland. Amsterdam, 12. Januar.(Tclunion.) Die Antwort der Entente auf Wilsons Friedcnsnotc findet in der hauptstädtische» Presse keine günstige Aufnahme. Mau ist allgemein der Ueber- zeugung, daß ber Friedenstraum vorläufig ausgeträumt ist. Be- sonders kritisiert man den Standpunkt, den die Entente bezüglich dcS Rationalitätenprinzips einnimmt und läßt deutlich durchblicken, daß das Nationalitäteuprinzip nach der Ansicht der Entente allein für die Mittelmächte gelten soll, und daß dieses Schriftstück den Beweis für die Erobcrungsgelüste der Entente er- bringe. Das„H a n d e l S b I a d" schreibt: Es ist ein prächtiger Grund- satz in dieser Note ausgesprochen. 4er sicherlich die Bcffis für einen zukünftigen dauerhaften Frieden sqin könnte: Reorganisation Europas, basiert aus dem Prinzip der Rationalitäten und des Rechts für alle Volker, groß und klein auf vollständige Sicherheit und freie wirtschaftliche Entwicklung. Doch ist sicher, daß ein solcher Friede so niemals entstehen kann. Was meint die Forderung der Rote, welche ausspricht, daß diejenigen Gebiete zurückgegeben werden sollen, welche früher gewaltsam gegen den Wunsch ihrer Bewohner den?llliierten entrissen wurden? Was soll mit dieser Forderung den Mittelmächten gesagt werden? Alle die Forderungen, welche die Enteilte in ihrer Note ausspricht, könnteil bewilligt werden, aber nicht in der Form, wie diese es verlangt. Was die En- tente jetzt tut, heißt, die Sachen auf den Kopf stellen, die Zentral mächte ausplündern, um hinterher von„Nation alitäten Prinzip und Völkerrecht" sprechen zu können. Das ist nicht die Form, um einen herzlichen, freundschaftlichen und dauerhaften Frieden zu schließen. Der„Telegraaf" sagt, daß das Friedensprogramm� der Mi- ierten ein Maximum bedeutet, das der Mittelmächte müsse als ein Minimum angesehen uerden. Die Note mag von einigen Neutralen als hartherzig und deshalb unannehmbar für die Mittelmächte be- zeichnet werden. In jedem Falle aber sei es das große Verdienir der Alliierten, in ihrer Antwort deutlich zu sein. Zwei verschiedene Auslegungen lasse diese Antwort nicht zu. Das Blatt vertritt schließlich die Ansicht, daß der Friede weiter entfernt ist denn je. Norwegische Thronrede. Kristiania, 12. Januar. In der Thronrede, mit welcher der König heute das Storfing eröffnet hat, wird auf die wachsenden Schwierigkeiten der Neutralen infolge des Kriegs hingewiesen. Trotz des Strebens Norwegens nach strenger allseitiger Neutralität seien M e i n u n g s v e r« schieden heiten mit den Kriegführenden in- folge abweichender Interessen nicht zu vermeiden ge- Wesen. Die Negierung habe sich bei Behandlung dieser An- gelegenheitcn des Rates der Storthing-Präsidenten und der Parteiführer bedient, halte das aber nicht für genügend, fo daß die Einsetzung eines Storthing-Ausschusscs erwogen werden solle, den die Regierung in wichtigen Fragen zuziehen könnte. Die Thronrede erwähnt weiter die Begegnungen zwischen den Ministeru der Auswärtigen, Angelegenheiten der skandinavischen Länder und ne Noten zu» Unterstützung von Wilsons Schritte und geht dann auf die Staatsfinanzen ein, Wegen der Wegführung von Belgiern. Haag, 12. Januar. In Beantwortung einer schriftliche» Jnterpellatio» des sozialdemokratische» Mitgliedes der Zweiten Kammer T u y s wegen der Wegführung von Belgier« nach Teutschland hat der Minister dcS Acußeren die Autwort der deutschen Regierung auf die Note der niederländischen Regierung vom 29. November bekanntgegeben. Duys hat daraufhin feine Interpellation zurückgezogen. Wrack im Biskahischen Golf. Amnidin, 12. Januar. Der niederländische Dampfer„Nep- tunus", der heute hier angekommen ist, meldet, daß er im Golf von Biskaya dem Wrack des französischen Dampfers„O« n i u m" begegnete. Tie Mannschaft hatte de» Dampfer wahrscheinlich in de» Booten verlassen. Der Dampfer„Omnium" war im Jahrq ISIS gebaut und mißt ungefähr 8888 Tonne«.-. Gewerksthastliches. Gewerkschaftliche �gitationsarbeit. Mit dc'r Dauer der Kricgszeit erwächst den Gewerkschaften immer mehr die Verpflichtung, die Agitation zur Gewinnung neuer Mitglieder stärker zu beleben. Besonders in den Gc� werben der Kriegsindustrie hat die Vermehrung der Mitglieder- zahl mit den zurzeit in Arbeit stehenden Bcrufsangehörigen nicht gleichen Schritt gehalten. Es bleibt ein starker Prozent- satz von Beschäftigten übrig, die wohl die durch den Verband erzielten Vorteile für sich in Anspruch nehmen, es aber nicht für nötig erachten, ihm als Mitglieder anzugehören. Diese Teil- nahmlosigkeit der Gewerkschaftsorganisation gegenüber würde erst bei einem Nachlassen der Konjunktur ihre ganzen nach- tciligen Folgen zeigen. Der Verband der Sattler und Porteseuiller will sich jetzt mit besonderem Eiser der Agitation zur Gewinnung neuer Mit- glieder widnien. Der Krieg hat dem Sattlergewerbe sehr viel berufsfremde Arbeiter zugeführt, die nicht inimcr gewcrkschaft- lich organisiert sind. Der Abgang der Mitglieder in diesem Verbände durch die HccreScinziehungen ist durch den Zugang, vor allem in der Lcderausrüstung und im Flugzeugbau, wieder wettgemacht, wenn nicht gar überholt. Die Arbeits- gelegcnheit ist in, Beruf in den letzten beiden Kriegsjahrcn dauernd günstig gewesen, und so haben die im Berufe be- schäftigteu Unorganisierten auch die Pflicht, durch ihre Zu- gehörigkeit zur Organisation für die wirtschaftliche Stärkung der Arbeiterklasse zu sorgen. Tie Verbandsleitung wird daher mit einer planmäßiger Agitation einsetzen. Um einen möglichst genauen Ueberblick zu gewinnen, wo damit begonnen werden kann, soll eine Zählung der Betriebe im Sattler- und Portcfcuillcrgcwerbe und der darin im Januar 1917 beschäftigten Personen vorgenommen werden, um festzustellen, wie groß die Zahl der Berufsangehörigcn ist und wie es mit ihrer Organisationszugchörigkcit steift. Den Gauleitern sind zn diesem Zwecke Zählbogcn zugegangen, die sie an die Ortsvcrwaltuugen bezw. Gewerkschaftsvertrauens leute zur Ausfüllung weitergeben. Die Beantwortung der darin verzeichneten Fragen soll bis Ende Januar erfolgt sein. Nach dieser statistischen Aufnahme ist dann erkennbar, wo die Agitation zur Gewinnung neuer Mitglieder einzusetzen hat. Diese Maßnahmen zur Belebung der gewerkschaftlichen Agi tation erscheinen uns sehr zweckmäßig. Hoffentlich sind sie von gutem Erfolge begleitet. Deutsches Reich. Arbeitst» ermittelmig für die Munitionsindustric in Frankfurt a. M. Da? städtische Arbeilsamt hat veranlaßt, daß je eine besondere Wteilung für männliche und weibliche Arbeitslose zum Zwecke der Arbeitsvermittelung für die Munitionsindustrie geschastcn wird. Seither wurde die umfangreiche Tätigkeit des Arbeitsamtes für die Munitionsindustrie in drei Abteilungen ausgeübt, und zwar für die Metallindustrie, für Ungelernte und für gewerbliche Arbeiterinnen. Im Monat Oktober wurden 1S2 männliche und 317 iveibliche Arbeits- kräfie der Heereslieferungsindustrie zugeführt. Das Arbeitsamt gibt sich der Hoflnung hin. daß die neue Abteilung die großen Schwierig- leiten der Heereslieserungsindustrie bei der Anwerbung von Arbeitern mildern Hilst und den' Arbeitsuchenden aus allen Gewerben, auch Ungelernten und Jugendlichen, sowie Frauen, erwünschte Gelegen- Herr bietet, lohnende Beschäftigung zu finden. Die Wünsche ver- Heiraieier Frauen nach halbtags dauernder Beschäftigung sollen tun- lichst berücksichtigt werden. Gegen die Gewerkschaftszerstörer wenden sich die bereits in dieser Woche neuerscheinenden GeWerk- schastsblätter in mehr oder minder langen Ausführungen, die jedoch alle in der einheitlichen Auffassung gipfeln, daß die Gewerkschaften diesem organisationsschädigendenr Treiben nicht so langmütig mit ver- schränkten Armen zusehen werden, wie das in der Partei geschehen ist. Den Leuten, die stistematisch auf die Zerstörung der Gewerk- schaften hinarbeiten, müßte kurzerhand der Stuhl vor die Türe ge- setzt werden. Schließlich kouiml es ja auch wirklich nicht darauf an, ob die Gewerkschaften, die durch den Krieg einen bohen Prozentsatz ihrer Mitglieder eingebüßt haben, auch noch 2 oder 3 Proz. ihrer Mitglieder selbst abslaßen, die sich in die demokratische Ordnung der gewerkschaftlichen Organisation nicht schicken wollen. Denn um mehr wird es sich nicht handeln. Der Lärm ist größer als die „Masse". Wir haben deshalb auch nicht die Absicht, unS mit dieser„Aktion" allzuviel zu beschäsligcu, denn das stände wirklich in keinem Per- hältnis zu der Wichtigkeit der Sache. Die Arbeiter haben aber schließlich doch ein Recht daraus, zu erfahren, was von jenen Leuten versucht wird, um ihr eigenes Werk: ihre selbstgeschaffcne Organi- sation, zir zerstören. In Vraunschwcig droht der Zersctzungsprozeß jetzt auch die Gewerk- schoflen zu ertasten. Auf welche Ursachen das zurückzuführen ist und welche Formen da? Tohuwabohu dort bereits angenommen hat, schildert ganz anschaulich die neueste Siummer des- Bauarbeiterverbandes. In einer Versammlung des genannten Verbandes kam es bei der Besprechung des HiifSdienstgesetzeS zu den bekannten Anwürfen der Geiverlschasten und deren Führer. Der„Grund- stein" bemerkt, daß die Bemühungen des Braunschweiger„Bolks- freundes", die Gewerkschaften zu zerrAlten, auch bei einem Teil der Brannschweiger Kollegen leider auf fruchtbaren Boden gefallen find, und schreibt nach einer Charakterisierung der Redaktcure Sepp Oerler, Minster, Tbalheimer: „Tief bedauerlich ist es, daß sich ein Teil unserer Braunschweiger Kollegen von diesen Leuten mißbrauchen und gegen ihre eigene Gewerk- schaft verhetzen läßt. Sehen denn unsere Braunschweiger Kollegen nicht ein, wohin sie von syrerr Leuten geführt werden? Begreifen sie nicht. daß die Verwirklichung der im Braunschwoiger„Vollsfreund" gemachten Vorschläge die Vernichtung der Gewerkschaften bedeutet? Oder sind am Ende einzelne von ihnen gar so frivol, daß fie diese Vernichtung selber wollen? Wir können unS das letztere nicht denken, obwohl ja der von unverantwortlichen Treibern angestachelte Fanatismus schließlich auch bor der bewußien Schädigung von Ar- beiterinleressen nicht haltmacht, ES macht sich aber hoffentlich auch in Braunichweig darüber niemand Illusionen, daß unser Verband eine bewußte Schädigung der Arbeilerinteresien durch einzelne seiner Mitglieder nicht dulde» wird. Für Leute, die gegen den Verband arbeiten, darf in dessen Reihen kein Platz sein.' Im übrigen ver zichten wir daraus, auf die gegen den Verbandsvorstand, die Ge- ncralkommission und die sozialdemokratische Reichstagsfraklion er- hobenen Anwürfe zu antworten, Wir drucken diese Anwürfe über Haupt nur ab, um unser» Kollegen zu zeigen, welcher Grad der Verhetzung in Braunschweig unter dem Einfluß des„Volksfreundes bereits erreicht worden ist." Der„Grundslein" bespricht dann weiter den Umschwung, der sich in,.Lolksfreund" zu dem X. L..-Artikel vollzogen hat.(Es bandelt sich um jenen berühmten Vorschlag der„Narkönsierung" der Gewerlschaften, der auch im„Vorwärts" erwähnt wurde. In den Gewerkichaften sollte nach diesem Vorschlag während der Kriegszeil die Beitragszahlung eingestellt werden. Rechte und Pstichien der Mitglieder sollten ruhen; der Effekt des Vorschlags aber sollte sein, daß die Gewerkschafisangesiellten wieder zur Arbeit in der Industrie gezwungen würden. Nebenbei bemerkt: Es ist in der Partei- und Gewerkschaftsprene vielfach be zweifelt worden, daß dieser Vorschlag des K.' A. wirklich von einem Gewelkichaitsmitgliede herrühre. Wir können bestätigen, daß das der Fall ist. An die Redaktion des„Vorwärts" ist eine Zuschrift des K. A. gelangt, in der von rhm— anscheinend crnsthaü— verlangt wurde, daß wir diesen Vorschlag im Wortlaut im Blatte zur Veröffentlichung bringen sollten.) Ter„Volkssreund" hatte diesen Vorschlag für so wichtig befunden, daß er ihn als Leitartikel in seinem Blatt am 4. Januar brachte. Er sagl jetzt, daß er damit nur eine„Diskussion" eröffnen wollte; stall" des verärgerten und verärgernden Geredes an der Werkbank sollte durch ihn im öffentlichen Meinungsaustausch Klärung gebrocht werden. Der „Volksfreund" bemerkt jetzt, daß er sich keineswegs mir diesen Auffassungen identiftziere. Das wird erklärlich, wenn man weiß. daß er von links und rechts und selbst in der radikalen Parteipressc die schärfste Ablebnung erfahren hat. Er bemerkt jetzt, daß die Durchführung des Vorschlages von K. A. für die gewerkschaftlichen Organisationen eine jener verhängnisvollen Narkosen wäre, die zum Tode führen. Das Aufhören der Beitragszahlung würde natürlich die Organisationen nicht in einer latenten Einigkeit erhalten, sondern die Organisationen würden zerstört werden. Diese vernünftige Erkenntnis kommt allerdings reichlich spät. Wäre sie früher gelommen, so hätte der„Vollsfreund" diesem geniale» Vorschlag jedenfalls nicht die Wichtigkeit eingeräumt, ihn als Leitartikel im Blatte zu veröffentlichen. Busland. Der Pariser MunitionSarbciterstreik. Bern, 11. Januar.(W. T. B.) Nach einer Nachricht aus Paris hofft„Temps", daß die Arbeitgeber so einsichtig sein wer- den, die Forderungen der Munitionsarbeiter zu erfüllen und den Streik beizulegen. Mit Gcwaltmatzregeln komme man nicht durch. „Echo de Paris" verrät die sichtliche Erregung, die der Ausstand in Frankreich erweckt, und fordert die Regierung aus, das Schieds- gerichtsamt zwischen Arbeitgebern und Arbeitern zu übernehmen, falls nicht sofort eine Einigung erzielt werde, und schärfste Maß- nahmen gegen den Ausstand zu ergreifen, der nur im Interesse Deutschlands liege. Bern, 12. Januar.(W. T. B.) Lyoner Blätter melden aus Paris, die französische Regierung sei entschlossen, durch Schiedsgericht den Ausstand in den Munitionsfabriken zu beendigen und neue Ausstände zu verhindern. Es sollten Lohntarife aufgestellt werden, deren Beachtung für Ar- beitgeber und Arbeitnehmer obligatorisch sein sollen. Hierzu seien die Unterhandlungen seit zwei Tagen im Gange. Wie„Journal des Debats" mitteilt, haben die Arbeiter der Gcschoßfabrik zu Jory gestern die Arbeit wieder ausgenommen; in allen übrigen Werkstätten dauert der Streik fort. Tic Arbeiterblättcr„Bonnet Rouge" und„Baiaille" erklären, ein Ausstand der Munitionsarbeiter in Kriegszeiten sei zwar un- zulässig, aber man dürfe die berechtigten Wünsche der Arbeiter nicht mit Füßen treten. Familie- nach der Einziehung durch Erbschaft, Schenkung oder dergl. nennenswerte Beträge zugefallen teien. Dann heißt es in dem Erlaß wörtlich weiter:„Die Ziffer 2 des angcführien Absatzes bildet nur eine Ergänzung der Ziffer 1, die aus Billigkeitsgründen beruht. Sie geht davon aus, daß beispielsweise bei einem Gehalt des Ehemannes von SOTv M., das mit seinem Emiritt in den Kriegsdienst vollständig wegfällt, die Familie weil fchlechier gestellt ist. als bei einem Einkommen von 2000 M,, da? ihr trog jenes Eintritt? ganz oder doch größtenteils veiblcibt. Sie hat alsi vornehmlich die Fälle eines vor dem Kriege mehr als 2ö M. betragenden Einkommen? im Auge, das während des Krieges stark herabgesetzt wird. Jnkolge desNcbeneinandcrbestehen? der beiden verschiedenen Voraussetzungen nach Ziffer 1 und 2 können zwar Fälle vorkomme», in denen eine Wöchnerin mit höherem Einkommen die Wochenbilfe bezieht, während diese einer Wöchnerin mit niedrigerem Einkommen versagt werden muß: derartige Ungleichheiten werden sich aber bei einer Abgrenzung nach Durchschniltsverhällnissen iür einzelne besondere Fälle nie ganz ver- meiden lasse�i. Vor allem aber darf nicht außer acht gelassen werden, daß einer Fannlie mit mehr als 2500 M. Einkommen wohl zugemulel werden kann, für vorauszusehende Bedarfsfälle, wie Eni- bindungen u. dg!., einen gewissen Notbeirag zurückzulegen, während dies bei einem Jahreseiiriommcn von weniger als 2500 M. weil weniger zu crwarlen ist." Das Neugcschäft der Volksfürsorge im Jahre 1916. Daß nach 30 Monaten Weltkrieg die Volkssüriorge überhaupt noch neue Versicherungen abschließen würde, hätte im Anfange des Krieges sicher kein Mensch für möglich gehalten. Es ist im Interesse der jungen Gesellschaft und der bei ihr Versicherten aufrichtig zu begrüßen, daß diese Befürchtungen nicht besrätigt wurden, sondern man im Gegenteil im drincir Krieasjahre von einer Hebung dcS NeugeschäftS und damit über eine für den Kriogszustand erfreuliche Weiterentwicklung berichten kanir. Im Monat Dezember, der nie als ein besonders günstiger Monat für da? Versicherungs- gefchäft galt, wurden im ganzen 1922 neue Anträge eingebracht, davon für Kapitalversicherungen 1744 und für Spar- pnd Risiko- Versicherungen 176. Die durch die erstercn versicherte Summe beträgt 392 942 M. Die Zahl der inr ganzen Jahre 1916 eingebrachten neuen An- träge beträgt 23 3336, gegen 10569 im Jahre 1915; davon 19 426 iür Kapital- und 1936 für Spar- und Risikoversicherungen. Die durch dieKapitalversicherungen versicherte Summe beträgt 4 913 302 Bi. Im Vorjahre wurden nur 2 184 392 M. versichert. Die Volks für sorge-KriegSversichcrungSkasse tritt mit einem Kapitolbeftande von 406 583 M. in das neue Jahr ein. Es sind dafür für 58 810 Kriegsteilnehmer 81317 Anteilscheine gelöst worden. Die ganze Summe wird nach dem Friedensschluß unter die Angehörigen der im Kriege fallenden oder sterbenden Ler- sicherten zur Verteilung gebracht. Soziales. Der Begriff„minderbemittelt" bei der Ztriegswochenhilfe. Die Bekanntmachung deS Reichskanzlers vom 23. April 1915 betreffend Ausdehnung der Wochenhilse während dcS Krieges brachte u. a. auch die Ausdehnung, daß alle minderbe in ittelte Wöchnerinnen, deren Eheinäiincr in diesem Kriege dem Reiche Kriegs-, SanitätS- oder ähnliche Dienste leisten usw., Anspruch auf die Kricgswochenhilfe haben. Wer als minderbemittelt anzusehen ist, setzt der§ 2 der Bekanntmachung unter Ziffer 1 und 2 fest. Ziffer 1 bestimmt, daß eine Wöchnerin als minderbemittelt gilt, wenn ihres Ehemannes und ihr Gesamteinkommen in dem Jahre oder Sleuerjahre vor dem Diensteintritt den Betrag von 2500 M. nicht überstiegen hat, oder— dies besagt Ziffer 2— das ihr nach dem Diensteintritt des Ehemannes verbleibende Gefainteinkommen höchstens 1500 M. und für jedes schon vorhandene Kind unter 15 Jahren höchsten? weitere 250 M. beträgt. Diese Vorschriften sind sehr verschiedenartig ausgelegt worden. Um dein zu steuern, hat der preußische Minister des Innern den Begriff„minderbemittelt" in einem Erlaß erläutert. Es heißt darin, daß big Ziffer 1 alle Fälle im Auge habe, in denen das Einkommen des Kriegsteilnehmers vor seiner Einziehung nicht mehr als 2500 M. betrug. Wenn diese Vorousietzung gegeben ist, dann soll im allgemeinen die Wochenhilfe ohne Rücksicht darauf gewährt werden, ob infolge der Einziehung des Ehemanns zum Kriegsdienst das der Familie verbleibende Einkommen eine Minde- rung erfahren hat oder nicht. Der Vorbehalt, daß die Unter- stützung zu gewähren,„sofern nicht Tatsachen die Annahme recht- fertigen, daß eine Beihilfe nicht benötigt wird", den der§ 2 macht. solle die Fälle treffen, in denen ein fundiertes Einkommen vor- Händen fei, in denen also das Einkommen ganz oder doch zu einem wesentlichen Teil aus Kapitalbcsitz oder dergleichen komme. Seien bei einem Gesamteinkommen von 2500 M. z. B. 2000 M. Kapital- zinscn, dann liege kein Anspruch vor. Auch dann nicht, wenn der Landarmenverband gegen Krankenkasse. Mit einem Prozeß des Landarmcnvcrbandes der Provinz Schlesien gegen die Ortslrankenkasie des Landkreffes Kattowitz, der auf Erstatnmg von Kosten für Heilbehandlung abzielte, hatte sich jetzt das ObcrverwaltungSgericht zum zweiten Male zu befallen. Der Arbeiter R., der seinerzeit Arbeilen der Laurahülte ausgeführt halte, dafür aber von dem Fuhr- und Tiefbauuntcrnehmer R. an- genommen und auch entlohnt worden war. mußte später in der Provinzialirrenanstalt untergebracht werden. Der Provinzialverband der Provinz Schlesien nahm für einen Teil der Pflegekostcn die Ortskrankcnkassc de-Z Landkreises Kattowitz in Anspruch. Er berief sich darauf. daß die ftagliche Geisteskrankheit schon innerhalb der ersten drei Wochen nach dem Austritt R.s aus jenem ArbeitsverhäliniS bestanden habe und daß R. als bei der t Ortskrankenkaffe versichert gewesen anzusehen sei. Hierbei ging der Armenverband davon aus, daß eS sich um ein Arbensverhällnis bei' N. handelte. Die OrtSkrankenkasie bestritt ihre Verpflichtung und verwies im Laufe des Rechtsstreits daraus, daß als Verpflichtete die Betriebs- Krankenkaffc der Laurahütte in Frage kommen könnte. Der Land- armenverband dehnte schließlich seine Klage aus diese Betriebs- Krankenkasie mit aus. Der Bezirksausschuß zu Oppeln verurteilte die OrtSkrankenkasie zur Ersatzleistung. Er sah nickt die Laurahüttc als Arbeitgeber an, sondern N.. weil dieser die Arbeiter, die er auf Verlangen der Laurahütte zu bestimmten Tätigkeiten annahm, auch entlohnte. Das ObcrverwaltungSgericht hob dies Urteil auf und wies die Klage des Landarmenverbandes gegen feie Ortskrankenkasse ab, indem es zugleich ablehnte, über den Eoentualanspruch gegenüber der Betriebskasse der Laura- Hütte zu entscheiden. Begründend wurde ausgeführt: Der Bezirksausschuß gehe davon auS, daß es darauf ankomme, wer die Arbeiter angenommen und entlohnt habe. Das sei rechts- irrig. Bei der Frage, zu welcher Kasse der Arbeiter ge- bore, komme es wesentlich darauf an, zu welcher Kasse der Unternehmer gehört, bei dem der Arbeiter beschäftigt ist. Das habe der Bezirksausschuß verkannt. Daher sei die Vorentscheidung aufzuheben. Bei der nunmehr eintretenden freien Beurteilung komme das ObcrverwaltungSgericht nach der Äktenlage zu der Auffassung, daß der Arbeiter R. in einem B e- schäftigungsverbältnis zur Lauradütte stand. Er mußte bei ihrer Bctriebskrankcnkassc versichert sein. Daraus ergebe sich, daß die Klage gegen die Orlskrankenkasie abgewiesen werden müsse.— Uebrig bleibe die Betriebskasse. Dabei komme aber in Betracht, daß die Rechtslage jetzt eine andere sei, wie bei der Erhebung der Klage. Insofern nämlich, daß jetzt die Instanzen nach der ReichSversichernngsordiiung berufen seien, darüber zu eut- scheiden, ob die BetriebSkape einzustehen habe. Darüber könne also das Oberverwaltungsgericht nicht entscheiden. ES bleibe ihm nichts übrig, als lediglich die Klage gegen die Ortskrankenkasse abzuweisen. _____(in. C. 30. 16.) Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklaffe. Montag. 15. Januar, abends pünktlich Uhr. in der Neuen Philharinome, Köpe- nicker Str. 96/97. Vorwag des Genoffeir is a s s e n b a ch:„Zwang s-Für- sorgeerziehung". Verantwortlich jür Politit: Hermann Müller, Tempclhos; für den übrige» Teil d. VlalteS: Alfred Scholz, Neukölln; jür Inserate: Th. Glocke, Berlin. Druck il. Verlag: Vorwärts Buchdruckerci u. Verlagsanstalt Paul Singer öt Co., Berlin 8\V. Hierzu eine Beilage und Unterhaltuugsblatt. liMSv. lizMeii. MMi Emen» F. Ernst Bordi, Elsasscrstr. 21. 4*Hcoho8tr. Batranfcn b Fr an z Abr ah am lltnb.Meuins-n.NSmsrtrank-Kell. C.26B«ri»lilr8«. Fo-riisp.ggBt.i370S 4 Baoe- Anstalt eti~"b lilfäl-y AnZ""Sbf".r.». Biana-Bsu ferner. Netionul'Bad, Bruncenstr. 3. Passage- Bad»VlTiV: Bcform-Bad, Wiener, Str. 65. 4 Hacker" u. 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In der Thron- rede, mit der der Landtag im vorigen Jahre eröffnet wurde. hieß es: � 3« dem ungeheuerlichen Erleben dieses Krieges wird ein neues Geschieckr groß... Der Geist gegenseitigen BerstehenS und Ber« lrauens wird auch im Frieden fortwirken in der gemeinsamen Arbeit des ganzen Volkes am Staate. Er wird unsere öffentlichen Einrichtungen durchdringen und lebendigen Ausdruck finden in unserer Verwaltung, unserer Gesetzgebung und in der Gestaltung der Grundlagen für die Vertretung deS Volkes in den gesetz- gebenden Körperschaften. So dunkel der Sinn dieser Worte und so bescheiden die Ankündigung war. so erregte sie doch den Zorn der W a h l r c ch t s f e i n d e, die die Gelegenheit benutzten, gegen Herrn v. Bethmann Hollweg vom Leder zu ziehen. In erster Linie war es der Führer der Konservativen. Herr V. H e y d e- b r a n d. der seinem Unwillen darüber Ausdruck verlieh, daß die Regierung es überhaupt gewagt habe, den Wünschen der Linken Rechnung zu tragen, den Zeitpunkt für die An- kündigung der Reform als den denkbar unglücklichsten be° zeichnete und so tat, als ob dadurch der Burgfriede gestört würde. Wie immer, so nannte Herr v. Heydebrand auch jetzt wieder die Gestalt des preußischen Abgeordnetenhauses, die Gestalt der preußischen Volksvertretung, eine den Bedürfniffen des Landes fast ideal entsprechende, und er machte der Regierung den Vorwurf, daß sie sich der Verantwortung ihrer Hand- lungsweise nicht bewußt sei. wenn sie in der Kriegszeit mit Fragen hervortrete, die die Einigkeit im deutschen Volkswesen und im Parteileben stören müßten. Grund zu emer solchen Aufregung lag nicht vor, denn der Minister des Innern ließ keinen Zweifel darüber, daß die Regierung während des Krieges an die Lösung der Wahl< rechtsvorlage überhaupt nicht denke, sondern daß sie sich er wenn die Waffen ruhen, dazu aufraffen wolle,„das politisch Leben Preußens und Deutschlands von der umstrittensten Frage dauernd zu entlasten". Die Regierung erwarte, alle Parteien an ihrer Seite zu finden, wenn sie die Grundlagen für die Beratung in ihren Vorschlägen bietet; daS werde nach dem Kriege der Fall sein. Ruft man sich die letzten WahlrechtSdebattcn in Erinne- rung, so wird man sich allzu großen Hoffnungen über die Aussichten der Reform nicht hingeben können. Wenn sie in Angriff genommen wird, ist unsicher; sicher ist nur. daß sie während des Krieges nicht kommt. Wie sie aus- sehen wird, ist völlig in Dunkel gehüllt, das eine aber ist gewiß, daß weder die Regierung noch die Mehrhcitsparteien des Landtages an eine Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen denken. Auf kAnen Fall ist die Regierung gewillt, dem preußischen Volke das gleiche Wahlrecht zu geben. Wie in Abgeordnctenkreisen erzählt wird, soll der Entwurf bereits fertig im Ministerium des Innern liegen, und zwar soll eS sich um ein allgemeines, direktes und geheimes, aber abgestuftes Wahlrecht handeln. Mit einer solchen Reform kann sich die Sozialdemokratie natürlich nicht zufrieden geben. Den Wahlrechtskämpfen aus dem Wege zu gehen, wie es die Konservativen so gern möchten, dazu ist weder die Re- gierung, noch daS Parlament imstande. An dieser Lebens- frage des preußischen Volkes werden die Gegen- sätze aufcinanderplatzen, gleichviel ob die Regierung die Initiative ergreist oder ob die Anregungen zu einer Reform au» der Mitte des Parlaments kommen. Klug würde die Regierung handeln, wenn sie mit der Reform nicht bis nach Beendigung des Krieges wartete. Zum mindesten müßte sie dafür sorgen, daß noch ehe der Landtag auseinandergeht, das neue Wahlgesetz unter Dach und Fach ist. Gerade die Zeit nach dem Kriege wird eine Zeit so umfangreicher gesetzgeberischer Arbeit sein, so wichtige Fragen werden dann auf der Tages- ordnung stehen, daß eS unverantwortlich wäre, diese Arbeit, die grundlegend sein soll und muß für das neue Preußen, einem unter dem Dreiklasscnwahlsystem gewählten Landtage zu übertragen. Wenn die Gesetzgebung nach dem Kriege den Willen des Volkes widerspiegeln soll, dann dürfen die Gesetze nicht verabschiedet werden von einem Parlament, das ein Zerr- bild des Willens und der Stimmung der Bevölkerung ist. Durch Verteidigungskrieg zur Weltherrschaft. Die deutsche Note an die Neutralen hält sich in jedem Worte an das Bewußtsein, daß dieser Krieg seinem Ursprung und seinem Ziele nach ein Verteidigungskrieg Teutschlands ist und daß die gegenwärtige Kriegslage des halb zu erklären erlaube, das deutsche Kriegsziel, das Ziel der Verteidigung des eigenen Landes, sei glänzend erreicht. „Deutsche Tageszeitung" und„Kreuzzeitung" sind darob wenig erbaut. Sie legen den Begriff deS Verteidigungskrieges soweit aus, daß sie glücklich zu dem Schluß kommen können, das Ziel des Krieges sei noch nicht er- reicht, woraus folgt, daß die deutsche Regierung von falscher Voraussetzung aus ihr Friedensangebot gemacht habe. „Verteidigungskrieg" im Sinne der„Deutschen Tageszeitung" oder„Kreuzzeitung" wird von Deutschland solange geführt, bis den Gegnern die Möglichkeit und jede Willensbetätigung entzogen ist, Deutschland und seine Verbündeten ihrer Frei- heit und ihres Daseins zu berauben. Mit anderen Worten: der Verteidigungskrieg soll jede überhaupt denkbare Welt- politische Machtkombination unmöglich machen, die Deutsch- land irgendwie gefährden könnte. Positiv gesagt heißt das aber:„Nur die Weltherrschaft kann Deutsch- land sichern. Der Gedanke braucht nur positiv und klar gedacht zu werden, um in seiner inneren Unmöglichkeit nach- gewiesen zu sein. Die Opfer an Gut und Blut sind aber zu schwer, um Chimären nachzujagen. Noch jeder, der nach der Weltherrschast strebte, hat Bankerott gemacht. Die Idee des Verteidigungskrieges ist diel enger. Ein Verteidigungskrieg .ist siegreich beendet, wenn die Feinde von den Grenzen ab- gehalten, ihre Sturmkolonnen geschlagen sind und die Wirt- schaftliche Kraft ungebrochen ist. Auch der Hinweis darauf, daß deutsche Kolonien und der deutsche Auslandsmarkt von den Feinden besetzt sind, kann nicht als Beweis dienen, das Ziel des Verteidigungskrieges sei nicht erreicht, weil Deutsch- land Pfänder in den Händen hat, um die es die Großsprecher der Entente Wohl beneiden können I Das Ende der preuhischen Verwaltungsreform. Die Teaernng in England. Im Jahre 1909 ist in Preußen eine Jmmediatkommission zur| Die vom„Economist" am ti. Januar veröffentlichten Inder- Vorbereitung der VerwaltungSresorm eingesetzt worden. Die � Astern, die den Dezember v. I. mit einschließen, zeigen ein weiteres Kommt,{ton hat die Jahre hmburch gearbetM und nun'W Tatig- Steigen der Preise der wichtigsten Bedarfsartikel. In dieser Auf- keit emge,tcllt. Resultate sind überhaupt nicht erzielt worden.-rnrfti/r.Jmanr.H- hm. mni.lOfii wenn man nicht als Resultat buchen will, daß der Vorsitzende der vellung ist die durch die DurchschnittSpret,- von 1901 190.. gegebene Kommission. Freiherr v. Zedlitz, daß Prädikat Exzellenz v. Zedlitz, daß Prädikat Exzellenz und die Mitglieder Orden bekommen haben. Dieser Ausgang der Korn- missionsberatungen beweist nicht etwa, daß eine Verwoltungsreform in Preußen nicht notwendig ist. Der ganze Vorgang zeigt höchstens. daß, wenn wieder geregelte Zustände im Lande eingetreten sind der Druck von unten kommen muß. Gegen die Schließung der Fortbildungsschulen. In gewisten Unternebmerkreisen wird unter Hinweis auf daß Hilfsdienstgesetz lebhast sür Schließung der Fortbildungsschulen ge- arbeitet. Die Handelskammer in Köln hat sich mit der Begründung, daß die Klagen über die Verwahrlosung der Jugend jetzt schon sehr groß seien, gegen die Schließung der Fortbildung«- schulen erklärt, hat jedoch gleichzeitig ausgesprochen, daß sie die Verlegung des Fortbildungsschulunterrichts außerhalb der Arbeitszeit wünicbe. Gleichzeitig hat sie angeregt, die V o I kS s ch ü I e r nicht erst Ostern, sondern jetzt schon zu entlassen.� Die freien Gewerkschaften Köln« erbeben gegen diese Vorschläge öventlich Einspruch. Leider haben sich diesem Proteste die christlichen Gewerkschaften nicht angeschlossen. Ter preußische Fideikemotiß.Gesetzentwurf ist soweit borbe reitet, daß er voraussichtlich dem Abgeordnetenhause bei Wieder zusammentritt am 16. Januar wird vorgelegt werden können. Man rechnet damit, daß der jetzt in Aussicht genommene Gesetzenttvur? zur Verabschiedung gelangen wird, besonders, weil den Wünschen des Zentrums durch Bestimmungen Rechnung getragen ist durch welche für bäuerliche Besitzungen eine fidei kommißähnliche Bindung ermöglicht werden soll. fius öer Partei. Der Parteiausschuß ist auf Donnerstag, den 18. Januar, (u einer Sitzung berufen, in der die gegenwärtige Situation in der Partei besprochen und zur Reichskonferenz der Parteiopposition Stellung genommen werden soll. Die amerikanischen Sozialisten für Einberufung eines inter- nationalen SozialistenkongreffeS. DaS Sekretariat des Internationalen Sozia listischen Bureaus im Haag hat am 11. Januar von der sozialistischen Partei in den Vereinigten Staaten ein Tele gramm aus Ehikago erhalten, in dem vorgeschlagen wird, für den 3. Jnui 1317 im Haag einen internationalen Kongreß einzuberufen. Wenn das Bureau bis zum 1. März keine Schritte getan haben sollte, um einen solchen Kongreß einzuberufen, so würde die amerikanische sozialistische Partei sich für berechtigt halten, selbst die Initiative zu ergreifen. Die Parteileitung der amerikanischen Sozialisten hat ein gleichlautendes Telegramm allen sozialistischen Parteien zw gehen lassen._ Bremer Rechts» und Linksradikalc. Im Bremer Verein der Beitragssperrer hat der Arbeits- gemeinschaftler Henke gegen die noch Linkseren den Kürzeren ge zogen. Er ebhielt, wie der„Braunschweiger Volkkfreund" in seinem Bremer lokalen Teil berichtet, bei der Wahl zum 1. Vorsitzenden nur 107 Stimmen, sein linkSradikaler Gegenkandidat ISO. Bei den Wahlen zur Berliner OppofitionSkonferenz muhte er sich mit 181 Stimmen bescheiden, während der linksradikale Knies mit 250 triumphierte._ „Klein Hellige uit Pill Weihrauch." Tie.Rheinische Zeitung" schreibt den Spartakußleutcn. die die Protestkandidatur Liebknechts zu einer großen Massenaktion aufbauschten, ungebeten die folgenden Zeilen ins Stammbuch: „Nun haben die Kölner„Mafien" gesprochen. 3100 Stimmen, fast nur von Arbeitern, für Meerfeld, ganze 18 Stimmen für Liebknecht. Dos ist das Ergebnis der großen„Protestwahl" von Köln. Wahrlich, das harte Opfer des ehrenhaften und uneigen- nützigen Schwärmers Karl Liebknecht wird von seinen Anhängern übel gelohnt.„Da verließen ihn alle Jünger und flohen." Wir hätten geglaubt, daß in einer darbenden Großstadt, in der mit Recht sich viel Erbitterung angehäuft hat. doch wenigstens einige hundert Männer zu finden wären, die hinter sicherm Wahlverschlag im tiefsten Geheimnis die Abgabe eines Stimmzettels für Karl Lieb knecht wagten. Wir haben die Spartakus-Gemeinde doch noch zu hoch eingeschätzt, und darum sagen wir noch einmal:„Klein Hellige un vill Weich rauch"." Mus Znöustrie unS hanöel. Tie neue englische Kriegsanleihe. Der englische Schatzsekretär Bonar Law gab in seiner Guildhallreoe die Bedingungen der neuen englischen Kriegs- anleibe bekannt. Sie ist nicht, wie vor einigen Tagen fälsch- lich berichtet wurde, von doppeltem Typus: einem niedrig verzinslichen und steuerfreien und einem höher verzinslichen und steuerpflichtigen. Tie Verzinsung ist einheitlich und be- trägt 3 Proz. Ter Zeichnungspreis ist 95, so daß sich die Rentabilität ohne Berücksichtigung der Tilgung auf 5,26 Proz. stellt. Die Anleihe kann von der Regierung frühestens nacl, 12 Jahren zmn Nennwert zurückgekauft, muß aber nach 46 Jahren getilgt werden. Je nach dem Zeitpunkte der Tilgung schwankt daher die Gesamtrentabilität zwischen 5,68 Proz. und 5,89 Proz. Die Anleihe ist steuerpflichtig, will sagen, sie unterliegt der in Form einer Kuponsteuer erhobenen hohen englischen Einkommensteuer. Nur Ausländer sind nicht steuerpflichtig. Bei Berücksichtigung der hohen englischen Einkommensteuer ist der dem Anleihezeichner wirklich zu- kommende Zinsertrag wesentlich niedriger als die mathe- matische Errechnung der Rentabilität ergibt. Man darf einigermaßen gespannt sein, ob die neue Anleibe, die noch dem Willen der Regierung einen Rekordertrag bringen soll, gut placiert werden wird. Das englische Publikum, beson- ders die kleinen Sparer, ist an relativ niedrig verzinsliche Papiere ohne wesentliche spekulative Chance nicht gewöhnt, weil der Besitz von Aktien infolge des geringen Nennwertes sehr viel volkstümlicher als bei uns ist. Auch ist England im Gegensatze zu Teutschland nicht von Warenvorräten ent- bläßt, was ebenfalls die Unterbringung riesiger Anleihe- summen wesentlich erschwert und die Zeichnung von einigen Milliarden noch zu dem Kunststück macht, für das es in der auch nicht urteilslosen Friedenszeit noch gegolten Hot. Basis mit 100 angesetzt. Ende Juli 1914 betrug die Ziffer 110,». Ende August 1914 122,6 und sie stieg seither mit einer vorüber- gehenden Abnahme im Sommer 1915 und einer anderen im Juiü 1916 von Monat zu Monat. Ende Oktober 1916 betrug sie 208,7, Ende November 217,2, Ende Dezember 228. Weitaus au: stärksten war im Dezember die Zunahme bei Zerealien und Fleisch: von 1177'/z aus 1294 sBasiZ 500). Textilwaren(Basis 500) zeigen eine Steigerung von 1091 auf 1124>/z. Verschiedenes(Kautschuk, Baumaterial. Oele usw.. Bast« 500) von 1102 auf 1112. Bei den Nahrungsmitteln mit Ausnahme von Cerealien und Fleisch(Tee, Zucker usw., Basis LOO) wird eine Abnahme von 558 auf 533, bei den Mineralien(Basis 400) gleichfalls eine Mnahme, und zwar von 850*3 auf 824 Vi festgestellt. In der Gruppe Cerealien sind auch Kartoffeln und ReiS mit einbegriffen. Die Preissteigerung ist die Folge des ungenügenden Schiffsverkehrs. Ein- Verbilltgung geigte sich im De- zemb« bei der dänischen Butter. Ein starkes Sinken des Preises ergab sich bei der Baumwolle: von 12.59 per Pfund auf 10,64 Pence(d). Doch wurde es mehr als aufgehoben durch das Steigen der Wolle, Hanf und Jute. Nimmt man die JahreSziffer für die einzelnen Produkte, so findet man durchgebends eine Preis- erböhung gegen da» Jahr 1913. Für Weizen sind die Endziffern ,ür die Jahre 1912 bis 16: 29,10; 31; 43.3; 45.9: 74,10. Für westindischen Zucker: 13,9; 11,6: 13,3: 27.9; 41,10. Für Kohle (Newcastle): 15,6; 15; 13; 23.6; 30. Für ReiS: 9.61; 7.7'/,,; 12,6; 14,71/5; 20. Merklich billig ist Kaffee geblieben, wenngleich im letzten Jahre gleichfalls eine bedeutende Verteuerung verzeichne: wird. Die Ziffern sind: 69,3; 50,3; 52,6; 43; 53. Der.Economist" bezeichnet diese Verteuerung aller Artikel als unvermeidliche Folge deS Kriegs. Die Regierung könne nur in einer einzigen Richtung etwas tun: in der zwangsweisen Einschränkung unnützer Ausgaben und übermäßigen Verbrauchs. SÄließliS weist daS Blatt noch darauf hin, daß die Teuerung auch die Neutralen trifft. Die von„Duns Review' unlängst ver- öffentlichten Indexziffern für Amerika lauten für 4. August 19t4 1 120 740, für Anfang 1916 137 666, für 1. Dezember 1016 168 090.____ Steige» der KriegSgewiane in England. Der.Economist" veiöffentlicht ein% Zusammenstellung der finanziellen Ergebnisse von 932 Altiengesellschaften, deren Bilanzen er im Laufe deS vorigen Jahre« analysiert hat. Daraus ergibt sich ein gesamter Reingewinn von 86 587 823 Pfd. Sterl. gegenüber 67 230042 Pfd. Sterl. im Jahre 19 l5, d. h. ein Steigen der Profite um 28,6 Proz. Von den besonder» glückhaften Jndustriegruppen sind zu nennen: die Eisen-, Stahl- und Kohlengesellschaften mit einer Profitzunahme von 37.1 Proz,, die Schiffahrtnnternehytungen (Zunahme 37 Proz,); Tee-, Kautschuk- und andere Gesellschaften (63 Proz,) und die Nltratfabrikcn(Zunahme 441 Proz.!). Bei einem Gesamtkapital von 654 890 990 Psd. Sterl. betrugen die Profite der von der Statistik de» Blattes umfaßten Unternehmungen 86 587,828 Pfd. Sterl., d. I 18,2 Proz. gegen 10,2 im Jahre 1015. Ein typisches Kriegsschicksal. Die Tuchfabrik Aachen vormals Süskind ix. Ster- nau A.- G. hat im Geschäftsjahre 1915/16 einen Rekordabschluß auszutöaisen. Während in den Jahren 1912/13 und 1913/14 eine Dividende nicht zur Auszahlung kam, wurden die Aktionäre 1914/15 mit 15 Prozent erfreut. Kür das Geschäftsjahr 1915/16 können aber nur 8 Prozent gewährt wcrden. Der Rohgcwinn ist von IL Millionen Mark auf 306 000 M. gesunken, die Handlnngönn- kosten find von 153 536 M. ans 198 449 M. gestiegen. Obwohl die Abschreibungen von 232 252 M. auf 39 210 M. erniedrigt wurden. so ergibt sich doch nur ein Reingewinn von 1 13 654 M. gegen 790 869 M. Die Dividende erfordert 120000 M. und kann nur gezahlt werden, weil aus dem Vorjahre ein Vortrag von 112 680 M. in das abgelaufene Geschäftsjahr herübergenommen worden ist. Angesichts der unsicheren Lage der Textilindustrie darf man billig bezweifeln, ob die Verwaltung nicht besser getan hätte, die Di- v i d e n tke noch w e i ter zu ermäßigen, um den Reingewinii dieses Jahres nicht mit Benutzung des Vortrages zu überschreiten. Die Bilanz zeigt allerdings ein gute» Bild. Zwar haben sich die Schuldner, worin das Bankguthaben eingeschlossen ist, sobr wesent- lich vermindert, aber dafür ist der Effektenbestand von 630 000 lvt. auf 1,4 Millionen Mark gestiegen. Bon diesem Effektenäwstand ist aber ein großer Teil für die Zahlung der Kriegssteuer durch Reichs- anleihe abzuziehen. Trotzdem hat das Unternehmen weit über die älfte seines Aktienkapitals Kriegsanleihe im Portefeuille. Die ntwicklnng dieses Unkernehmens ist für alle jene Fabriken charak- teristisch. die in den ersten Kriegsjahren durch Realisierung ihrer Warenbestände, worunter auch c bemal- unverkäufliche Ladenhüter gewesen sein mögen, für kurze Zeit obenauf gekommen sind, um bald wieder zurückzusinken. Hm Groß-öerlin. vom Gemüse- und Gbftmarkt. Die Zufuhr von Kohl nach dem Berliner Markt ist andauernd eine ungenügende. Die Preise haben fortgesetzte Steigerungen erfahren; inländischer Weiß- und Rotkohl wird nach' den Berichten der Markthalle seit dem 20. Dezember überhaupt nicht mehr gehandelt, es kommt nur noch ausländische Ware auf den Markt. Ter Preis für Weißkohl ist im Großhandel auf 7 bis 8 M., für Rotkohl auf 21 M. und Wirsingkohl auf 19 M. gestiegen. Im Kleinhandel schwanken die Preise pro Pfund für Weißkohl von 10 bis 13 Pf., für Rot- und Wirsingkohl 23 bis M Pf. Eine Erklärung dafür, daß gegenwärtig inländischer Kohl nicht mehr auf den Markt kommt, könnte nur darin gefunden werden, daß der Ver- brauch so stark gestiegen ist, daß die vorhandenen Bestände geräumt sind. Höchstpreise bestehen für Kohl nicht, und da der Sandel behauptet, daß der Preis de» besten Anreiz für die Beschickung des Marktes ausübt, sollte oin Mangel nicht vorhanden sein. Daß diese Argumente nur benutzt werden. um die Bahn für eine unaehinderte Preistreiberei frei zu haben, dafür bietet die Marktlage, wie sie sich gegenwärtig unter der freien Preislage gestaltet hat. den besten Beweis. Für Kohlrüben beträgt der Höchstpreis für den Er- zeuger 2,75 M. pro Zentner, inländische Erzeugnisse sind nicht zu haben, nach den Notierungen der Markthallen wird für ausländische Ware 7—8 M.* pro Zentner im Großhandel gc- zahlt. Die von der Stadt mit 0 Pf. pro Pfund verkaufte» Kohlrüben sind bcschlagnahmic utld früher angekanste in- ländische il�arc. Z.o i e b c l n komnien überhaupt nicht niehr ans den Markt. Ta die Höchftprcisfcstsatzung vom 1. November 1916 sür den Erzeuger init 7,50 M. pro Zentner begann und eine Steigerung bis zum 19. April 191? bis aus 12 M. vorgesehen ist, to wartcil spekulative Leute, bis eine höhere Preislage erreicht ist. um dann erst die Ware auf den Markt zu bringen. stm Kleinhandel soll in dieser Zeit der Preis von 14 Pf. auf 26 Pf. für das Pfund erhöht werden. Zwiebeln werden noch gelagert. ES besteht sogar die Gefahr, dag Ware, die weniger baltbar ist, verdirbt, und damit der allgemeinen Versorgung Schaden zugefügt wird. Von einigen Stellen wird uns bereits berichtet, daß halbverfaulte Ware zum Verkauf kommt, die darauf hirideutct, daß unsere Annahme berechtigt ist. Für Obst sind die Richtpreise, die die Preisprüfungs- stelle festgelegt hatte, aufgehoben. Damit sind wir sehr schnell zu einem Kteinverkaufspreis von 1,50 M. für Aepfel mittlerer Qualität gekommen. Selbst ganz minderwertige Ware erzielt noch einen Preis von 90 Pf. bis 1 M. Wenn die Preis- trciberei nicht noch weiter aufwärts geht, so deshalb, weil bei diesem Preis dein Absatz Schranken gesetzt sind. Der großen Masse des Publikums ist es gar nicht möglich, den unerhörten Preis von 1,50 M. für ein Pfund Aepfel anzulegen. Es bleibt bei dieser Preisbildung die Ware reserviert für d a S kaufkräftige Publikum. Ta nach den Markthallcnbcrichten die Großhandelspreise zwischen 60 und 90 Ps. schwanken, ist der Aufschlag, den der Kleinhandel nimmt, außerordentlich hoch. Aber auch im Großhandel werden bei diesen Preisen enorme Verdienste ein- geheimst. Leider fehlt es hier nach immer an einer durch- greifenden amtlichen Kontrolle, die geeignet wäre, diese Preis- trciberei zu unterbinden. Es muß von der Stadt verlangt werden, daß sie die Bestände, die zu übermäßig hohen Preisen verkauft werden, im Großhandel beschlagnahmt und in eigenen Verkaufsständen preiswert au das Publikum bringt. Wenn diese Eingriffe in den Handel nicht erfolgen, sind wir schutzlos diesen Treibereien ausgesetzt. Die Bertchrsnot. Auf der Vorortstreckc der G ö r l i tz c r Bahn ist die Verkehrsnot besonders schlimm. Die Bahnhöfe Johannistal- Riederschöneweide und Adlershof und auch Baumschulenweg leiden unter dem Stoßverkehr, der beim Schichtwechsel der Fabriken einsetzt. Feststellungen darüber hat die G e w c r k- s ch a s t s k o m m i s s i o n gemacht, die setzt täglich die Zu- stände auf Bahnhöfen beobachtet. Die stärkste Flut ergießt sich aus den Betrieben von Oberschöncweidc nach dem Bahnhof Riederschöneweide. Schichtwechsel vollziehen sich hier Stunde für Stunde, aber den heftigsten Stoß hat dieser Bahnhof in der Abendzeit zwischen 5 und HUi auszuhalten. Daß die Züge von Niederschöneweide über Baumschulenweg nach Neu- köllu ganz ausfallen, steigert noch die Schwierigkeiten. Wer da von der Görlitzer Bahn nach Neukölln und den weiteren Haltestellen des Südrings gelangen will, muß über Treptow fahren und dort in den Südringzug umsteigen. Er hat also die Aufregungen und Widerwärtigkeiten des Kampfes hin das Mitkommen zweimal durchzumachen. Ans der Görlitzer Bahn sollen Züge zeitweise bis zu 300 Prozent besetzt gewesen sei. Das heißt, daß die Zahl der in sie hinein- gestopften und hincingcquctschtcn Personen dreimal so groß ivie die Zahl der vorhandenen Sitzplätze war. Die zweite Klasse darf mit Fahrscheinen dritter Klasse nicht benutzt werden, aber die Beamten sind machtlos bei solchen Vcrkchrszuständen. Offen herausgesagt: eS ist eine Rücksichtslosigkeit gegen die ihrer Er w c r b s t ä ti g k e i t nachgehende Bev.ölkerung, daß auch jetzt noch die Scheidung der F a h r g ä st e nach Klassen bei- behalten wird. Fort endlich mit dieser Klassenscheidung! Man gebe schleunigst die zweite Klasse zur Benutzung für die Fahr- gaste dritter Klasse frei, damit die Beförderungsmöglichrcit einigermaßen erleichtert wird und niemand inLersuchung kommt. sich einer Uebertretung schuldig zu machen. Wenn Opfer gebracht werden müssen, so wird hoffentlich die Eisenbahnverwaltung sich nicht ausschließen wollen, sondern aus den Mehrgewinn aus der zweiten Klasse freudig verzichten. Aber nur mit einer Freigabe der zweiten Klasse, deren Wagen ja schon setzt gestürmt werden, wäre natürlich wenig gebessert. Fördern muß man, daß mindestens für die Zeit des stärksten Verkehrs durch Sonderzüge zwischen Riederschöneweide und dem Sndring eine Abhilfe versucht wird. Auch Sonderzüge auf dem Nord- ring sind nötig, und ebenso ist dringend zu wünschen, daß für die späten Abendstundeu eine bessere Verbindung über Riederschöneweide hinaus in Richtung Königswustcrhausen wiederhergestellt wird. Es kann der Arbeiterbevölkerung nicht zugemutet werden, daß sie zu ihrer jetzt durch reichliche Neberstunden verlängerten Arbeitszeit auch noch auf dem Wege zu und von der Arbeitsstätte eine lange Wartezeit geduldig hinnimmt, sich aus zugigen Bahnsteigen herumdrückt oder in ungeheizten Wartcräunieu friert. Wer früh um 5 aus seiner Wohnung aufbricht, kehrt vielleicht erst nachts um 12 nach Hause zurück und soll dann am anderen Morgen wieder in aller Frühe an der Arbeitsstätte sein. Schon der Wunsch, die Leistungsfähigkeit der Arbeiter zu erholten, wüßte zu der Einsicht führen, daß durchgreifende Abhilfe gc- schaffen werden muß. Auch sollte niau es sich au den maß- gebenden Stellen doch sehr überlegen, ob es richtig gehandelt ist, in den Beratungen über die Vcrkehrsnot nicht der G e w e r k s ch a f t s k o m m i s s i o n den ihr als Vertretung der Arbeiter gebührenden Einfluß zu gewähren. * Eine unZ zugehende Zuschrift macht folgende Vor- s ch l ä g e zur Milderung einzelner VerkehrSschwicrigkeiten: Abhilfe könnte geschaffen werden, wenn der Zug Vollring abgehend Westend statt 5.50 schon 5.10 Uhr fahren würde. Dadurch wäre der Zug 5.15 sehr entlastet, und cS würden die Arbeiter rechtzeitig die Werkstätten in Ober- und Nieder- schöneweide erreichen. Ter Zug brauchte dann nicht, wie es oft vorkommt, leer zu gehen. Weiter wäre cS unbedingt nötig, daß die Arbeiter, die bis 12 Uhr nachts arbeiten und den Zug 12.27 Uhr benutzen. noch mit dem Vollring 12.05 ab Treptow befördert werden könnten., Der meist belastete Zug ist nachmittags 5.27 ab Nieder- schöneweidc. Hier könnte Abhilfe geschaffen werden, wenn man zwei weitere Wagen mitnähme, also zwölf statt zehn.— Sehr notwendig ist auch, daß Sonnabends- und Sonntags- nachmittags um 1 Uhr ein Zug von Neukölln nach Nieder- jchöncwcidc geführt wird. Frauen in der städtischen Verwaltung. Unter dem Vorsitz des Geh. Jüstizrars Cassel irai im Rathaus der Stadtverordnetcn-Äusschuß zur Vorberatung des Antrags der sozialdemokratischen Fraktion zum zweitenmal zusammen, nach dem den Frauen eine stärkere Beteiligung an den städtischen VcrwaltungSgeschäften gesichert werden soll. Der Antrag lautete: „Die Berliner Stadwerordncten-Bcrsammlung ersucht den Magistrat, ihr baldigst eine Vorlage zu inachen, durch welche die Zuwahl von Frauen in alle auf Grund des§ 39 der Slädte- � Ordnung eingesetzte Deputaüonen durch statutarische Anordnung bestimmt werden kann." Ter Vertreter des Magistrats. Stadtspndikus Dr. Hirse- körn, legte das vom Ausschuß gewünschte und inzwischen von mehreren Gemeinden eingegangene Material über die Wahl und Beteiligung von Frauen an den Verwaltungszweigen usw. vor. Nach einer sehr eingehenden Erörterung wurde schließ- lich der Antrag mit großer Mehrheit a n g e- n o m m e n und Justizrat Ladewig zum Berichterstatter ge- wählt. Ter Antrag geh: nun an die Stadtverordneten-Ver- sammlung und dann an den Magistrat. Stimmen beide zu, dann ist noch die Genehmigung der Aufsichtsbehörde eiuzu- holen. Der Antrag, daß Frauen mit beschließender Stimme in Vcrwaltungsdeputationcn gewählt Werden können, wurde mit elf Stimmen angenommen; vier waren nur für beratende Stimme. Ausschlaggebend war für die Entschließung der mit unseren Genossen stimmenden bürgerlichen Vertreter, daß bereits in Halle, Köln und Königsberg Frauen in Vcr- waltungsdeputationen beschließend sitzen. Neue Beschränkung der Kartoffelration. Amtlich wird gemeldet: „Tie Knappheit an Kartoffeln macht eine mög- lichst starke Heranziehung der Kohlrüben unabweis- lich. Die Kohlrübe hält sich im Gegensatz zur Kartoffel für den menschlichen Genuß im allgemeinen nur bis Mitte März. Des- halb mutz, um für später genug Kartoffeln zu haben, mit Nach- druct auf möglichst reichliche Verwendung der Kohlrüben in den nächsten Monaten hingewirkt werden. In Preußen ist die Anordnung ergangen, daß überall da, wo genügend Kohlrüben vorhanden sind, die Wochenlopfmcugc auf 3 Pfund Kartoffeln herabgesetzt wird, und daß dw fortfallende Karioffelmenge durch mindestens die doppelte Menge Kohlrüben ersetz: wird. Die Kartofsclzulage für die Schwerarbeiter bleibt bestehen. Den übrigen Bundesstaaten ist, soweit die Verhältnisse es zulassen, ein gleiches Verfahren empfohlen worden." Wir bedauern autzcrordcntlich, daß man vor dieser neuen Einschränkung, die gerade bei vicscm unentbehrlichen Nahrungsmittel die große Menge der Bevölkerung aufs schwerste trifft, nicht erst den Versuch gemacht hat, durch eine andere Regulierung der Höchstpreise eine größere Zufuhr zu erreichen. In den Kreisen, die sich mit Lebensmittelfragen beschäftigen, ist man überzeugt, daß für die jetzige Knappheit die für den lö. Fe- bruar festgesetzie Erhöhung der Kartoffclpreue mit in Betracht kommt und es ist nicht zu verstehen, daß die Zentralstellen dieser Spekulation nicht ganz energisch entgegentreten. Wären aber die Kartoffeln wirklich so knapp, wie angenommen wird, so ist trotzdem die jetzige Zeit am ungünstigsten für eine derartige Einschränkung, Dann sollte man doch lieber die spätere Zeit, wo sich die Bevölkerung eher mit Frühgemüsc bchclfen kann, für derartige Zwecke wählen. Schließlich kann man wicht von der Bevölkerung verlangen, daß sie fast jeden Dag Kohlrüben essen soll, und nur deshalb, weil jetzt noch Kartoffeln künstlich zurück- gehalten werden. Hausbesitzertierein und Krankenkaffe Der Grundbesitzerverein Frankfurtertor- Bezirk in Berlin hatte beim Versicherungsanit der Stadt ibcantragt. gegen die Allgemeine Ortskränken- lasse Berlin vorzugehen, well er sich durch die von der Kasse veröffentlichten Untersuchungen geschädigt glaubte. Tic von dem Direktor Albert Kohn geleiteten Untersuchungen, die gewissermaßen eine Fortsetzung der früher von der Kranken- lasse der Kaufleute veranstalteten Wohnungsuntersuchungcn darstclleu, haben viel Aufsehen erregt, weil sie unterstützt durch eine Reihe photographischer Aufnahmen ein kaum glaubliches Stück großstädtischen Wohnungs- e l e n d s enthüllten. In Wohnungsdcbattcn spielten sie eine große Rolle und haben viel dazu beigetragen, die Erkenntnis für die Notwendigkeit einer großzügigen WohnungSrcsorm zu fördern. EL ist jedenfalls ein Zeichen von ziemlich be- schränktem Standesegoismus, wenn ein Hausbesitzervcrein glaubt, eine solche für die Allgemeinheit nützliche Kritik unter- binden zu müssen, weil die Folgen dieser Kritik unter Um- ständen eine Schädigung der Hausbcsitzerinteressen bedeuten könnten. Indes stelltejich das Versichcrungsamt der Stadt Berlin nicht auf diesen Standpunkt, sondern wies am 20. Mai v. I. den Antrag zurück. Auch die beim Oberversicherungsamt Groß-Bcrliu eingereichte Beschwerde wurde kürzlich abgewiesen. In den Gründen wird dem Hausbesitzervercin überhaupt das Recht bestritten, gegen die betreffende Entscheidung Beschwerde einzulegen, da die Untersuchungen der Krankenkasse keineswegs in die Rechte der Berliner Hausbesitzer eingreifen. Tie Gc- fährdung der Gesundheit der Versicherten sowie der Haus- bewohner überhaupt durch ein zu enges Beisannucnwohnen unter den verschiedenen im Bericht aufgeführten Bedingungen liege klar zutage und das Streben nach ihrer Beseitigung, von welcher Seite es auch sei, müsse unbedingt als ein berechtigtes angesehen>o erden. Tic Berkehrsbcsprechung im Eiscnbahnministerium. Im Ministerium der öffentlichen Arbeiten hat gestern die an- gekündigte Besprechung der Behörden und Gesellschaften über eine bessere Regelung-des Straßen- und Schncllbahnvcr- k e h r s stattgefunden� Ueber das Ergebnis wird uns mit- geteilt: In der Besprechung kam übereinstimmend die Meinung zum Ausdruck, daß die Maßnahmen, die zur Bedienung des Straßenbahn- und Schnellverkehrs, namentlich seit den am 10. Januar eingeführten Verbesserungen, getroffen worden sind, den be- rechtigteu Forderungen im wesentlichen entsprechen, soweit wie es unter den Kriegsverhältnissen möglich ist. Ebenso waren alle Be- teiligten der Ansicht, daß für den Berufsverkehr im allgemeinen hinreichend gesorgt sei. Die Vertreter der Behörden und der Ge- sellschaften sicherten zu. weiteren Verbesserungen ihr Augenmerk zuzuwenden und wo sich noch Mängel zeigen sollten, innerhalb der im Kriege gezogenen Grenzen für Abhilfe Sorge zu tragen. Die Besprechung beschäftigte sich darauf mit den schwierigen Verlehrs- Verhaltnissen in den Abendstunden nach Geschäftsschlutz. Auch in dieser Hinsicht soll versucht werden, Abhilfe zu schaffen, soweit eö mit den aufs höchste angespannten Kräften möglich ist. Die er- forderlichen Mahnahmen sind sehr schwierig und lassen sich im einzelne» jetzt noch nicht übersehen. Alle zu diesem Ziel führenden Mittel werden eingehend geprüft, u. a. auch die vom Verband Groß-Bcrliu gegebene Anregung, zur bessere« Perieilung des Abendverkehrs, der sich jetzt auf eine halbe Stunde zusammen- drängt, eine Staffelung des Ladenschlusses, des Thcaterbeginns und vielleicht auch der Polizeistunde eintrete« zu lassen. Ins- besondere wird versucht werden, durch Verstärkung des Personals der Verkebsgesellschasten den Unternehmern und damit dem Groß- Berliner Verkehr Hilfe zuteil werden zu lassen. Der Verband Groß-Bcrlin, dem die am Siraßen- bahnverkehr beteiligten Gemeinden Groß-Berlins ihre weitereu Wünsche zur Verbesserung des Berufsverkehrs übermittelt Haber, wird in den nächsten Tagen eine Sitzung der beteiligten Gemein- den und Berufsvertretungcn anberaumen. Hierbei sollen die für unbedingt notwendig eracbteten Forderungen festgestellt werden, worauf dann der Kriegsfahrplan der Straßenbahnen durch die Aufsichtsbehörden endgültig festgesetzt werden kann. * Tie obigen Mitteilungen entbehren des logischen Zusammen- Hangs: Zuerst behauptet man, daß den berechtigten Forderungen „im wcscnllichen entsprochen", und daß für den Berufsverkehr„im allgemeinen" hinreichend gesorgt sei. Hinterher aber werden doch noch mancherlei Matznahmen in Aussicht gestellt, damit also zu- gestanden, daß noch lange keine heiriedigcnden Zustände geschaffen sind. Es werden ja auch die beteiligten Gemeinden noch Gelegen- heit zur Vorbringung ibrer Forderungen haben. So, wie die Besprechung im Ministerium die Angelegenheit behandelt zu haben scheint, geht es denn doch nicht. Daß man die Vertretung der Arbeiterschaft nicht zu diesen Beratungen hinzugezogen hat, er- scheint uns jetzt allerdings sehr begreiflich. Man mag sich indes gesagt sein lassen, daß die harten Tatsachen und Notwendigkeiten aus keinen Fall durch bloße Konfercnzbeschlüsse aus der Welt ge- schafft werden können. „Echte Schweden." Man schreibt un»: Ich wollte mir einen LuxuS leisten und kaufte ein Paket echte schwedische Streichhölzer. Es war garantiert erstllassige Auslandware, utao svakvel, uta« loskor und utan Höchstpreis. und kostete 5!6 Pfennige. Am Ncujahrsmorgen versuchte ich, mir mit ihrer Hilfe meine Feiertagszigarre anzustecken, ober der Versuch mißglückte. Tie ersten sechzehn versagten und erst beim siebzehnten fing der Kops Feuer und flog in leuchtender Kurve meinem Jüngsten ins Auge. Ich war ärgerlich. meinle, die Dinger funktionierten ja doch nicht, und steckte sie in die Tasche. In diesem Augenblick jedoch explodierte die ganze Schachtel, vcrsengle mir meine schönste Hose und verursachte miifangreich» und sehr schmerzhaste Brandwunden am Oberschenkel. Ein Nachbar, der mich während meines Krankenlagers besuchte, erzählte mir, daß er mir eckten Schweden dieselben Erfahrungeir gemacht habe. Um weiteres Unheil zu verhüten, habe er schließlich sämtliche zehn Schachteln des Pakets in den brennenden Ofen ge- worfen. Der Ersolg sei der gewesen, daß unter der Einwirkung der garantierten Zündhölzer das Feuer von neunzehn Jlse-ArikettS so- fort erloschen und nicht wieder in Gang zu bringen gewesen sei. Er habe davon dem Kommando der Feuerwehr Mitteilung gemacht und hoffe jetzt, daß dieses sämtliche in Groß-Berlin vorhandenen garamiert echten Schweden für Löschzwecke reklamieren und beschlag- nahmen lassen werde. Mein Nachbar übertreibt zuweilen etwa?. In diesem Falle aber Hobe ich keinen Grund, an seinen Worten zu zweifeln, zumal er ein sehr starker Patriot ist und es nicht fertig bringen würde, über garantiert wohlwollende Neutrale unwahre Nachrichten zu verbreiten.__ Wo bleibt die Regelung des Bcrtouss der Räucherwaren? Sie läßt recht lange aus sich warten. Tie Rüucherwarcngeschäfle sind jetzt so kahl wie noch nie. Einige Marinaden und Räuchcrheringe sind alle", was man sieht, und alle? zu wahren„KriegS'prcisen; Räucherheringe kosten daS Exemplar 85 Pf. bis 1 M. Wo bleiben denn die billigeren Räucherfische, vor allem Bücklinge? Sie waren so ziemlich das einzige, was sich auch arme Familien noch leisten konnten. Ter Nährwert und Fettgehalt der Bücklinge sind in dieser fettlosen Zeit von Bedeutung. Die Kartoffelration wird immer mehr beschränkt: Brot allein tut's auch nicht: wovon soll denn der Mensch eigentlich noch leben? Hier ist eine für viele willkommene Ernährungsmöglichkeit; doch sie kann nicht ausgenutzt werden, weil immer und immer wieder die berümte„Regelung" erfolgt, ohne daß die von der„Regelung" betroffenen NahrungS- mittel zu sehen sind. Die schon so oft beklagte bureaukratische Langsamkeit bei der so bitter ernsten und dringenden Regelung der NahrungSmittclversorgung sollte doch endlich einmal verschwinden; sie wirkt immer mehr verbitternd. Volksspeisung ohne Speisen. Zu recht lauten Austritten kam eS Donnerstag mittags in der Ausgabestelle 38(Kommandanten- st r a ß e) der städtischen BolkSspeisung. Die gegen 1 Uhr erscheinenden Gäste wurden mit der Mitteilung begrüßt, daß k e i ir Essen mehr vorhanden sei. Eine große Anzahl von ihnen. die den ganzen Vormittag, sehr oft ohne zweites Frühstück, schwer gearbeitet hatten und in der halbstündigen Mittagspause rasch zur Volksspeisung gelaufen waren, mußte mit leerem Magen wieder zur Arbeit gehen. Denn da die Fleisch- und Kartoffel« marken im voraus für die ganze Woche ab- geschnitten werden, so bestand keine Möglichkeit, sich anderswo ein Mittagessen zu verschaffen. Die Entrüstung der hineingefallenen Magistratsgäste gab sich, wie unS mitgeteilt wird, in recht nnzwci- deutiger Weise kund. Ueber Masseuspcisungc» äußert sich ein an die RegierungS- vräsidenlen gerichteter Erlaß des Ministers d e S Innern. Danach wird sich ein Zwang zur allgemeinen Teilnahme nicht durch- führen lassen, alle Gemeinden aber, in denen ein Bedürfnis vorliegt oder im Laufe des Winters eintritt, sollen Massenspeisungeu ein- richten. Tie Preise der Speisen dürfen die Selbstlosten nicht über- schreiten, wobei die Kosten der ersten Einrichtung nicht in Anrechnung zu bringen sind. Die Entnahme von Speisen soll in der Regel nicht an den Nachweis der Bedürstigleit geknüpft toerden. Auch die Fleischbeschau wird teurer. Die LandeSpolizeibehördcn find ermächtigt worden, für die Dauer des Krieges die Gebühren der Fleisch- und Trichinenschauer zu erhöhen. Die Maßnahme wird mit der Abnahme der Schlachtungen begründet.— Es wäre auch anderen Bevölkerungskreisen zu wünschen, daß ihnen mit der Ver- ringerung der Arbeit jedesmal die Lohnsätze erhöht würden. Neber einen unverwüstlichen Humor, der gegebenenfalls sogar vor satirischer Sclbstvcrulkuug nicht zurückschreckt vcr- fügt die Zentral-Einkaufsgcsellschaft. Sie er- läßt jetzt eine Bekanntmachung zur Regelung der Einfuhr und des Vertriebes von— S ch w eiz e r kä s e. In launiger Weise werden„allerhand Details" über die verschiedenen Käse- soften, über„Hartkäse",„Schachtelkäse" und„Kräuterkäse", über„Originalpackungen".„Höchstmengen".„Teilmengen", ..GroßhandelSzus chläge" u. a. m. zum besten gegeben. Be- kanntlich hat die Mehrzahl der deutscheu Rcichsangehörigen- seit Monaten vom Schweizerkäse nur noch die Löcher zu sehen bekommen. Winter in der Schweiz. Rechte Winter sind in Norddeutschland — abgesehen vom äußersten Osten-- selten, geworden, und der Großstädter kennt schließlich von den vielgefeierten Schönheiten des gestrengen Herrn nur die trüben Tage und den Matsch. Wie Herr- V.ä) der SSiniec aber sein kann, dabo» Qab der weite Bortrag in der Urania„Winter in der Schweiz." mir seinen farbigen Lichtbildern mrd kinomatographischen Darstellungen einen recht überzeugenden Eindruck. Der Züricher Professor Wehrli, der ihn entworfen hat, versieht es aus- rrefflichste in uns armen an die Großstadt Gc- fesselten die Sehnsucht nach einer Wiutertour durch die Schweiz wach- zurufen. Man weiß längst, daß die Leute, die da- Geld dazu haben, sich heute im Winter mindestens soviel Reisegenuß verschaffen können, tvie wir andern höchstens auf kurze Zeit in, Sommer, Eine Fahrt von Frutigen nach Spiez bietet in der Eisenbahn bereits soviel schöne Londschaftsbildcr, daß sie e- mit jeder Sommerreise anfniinntt. Der Winter ist ein großer Maler, der scharfe Konturen zeichnet und mit großen Flächen arbeitet. Aber er ist auch ein feiner Kleinkünstler, der an jedem Strauch seine Wunder zeigt. Mannigfachste Eindrücke aus dem Siebelnteer, vom Gotthardt, von der Teufelsbrücke, von Paßfahrten und Lawinen, von den Wundern des Rauhfrostes und der Eiszapfen wurden uns zuteil. Und dann der Wintersport, der in den vielen Winter- kurorten gepflegt wird und Lunge und Nerven gesund und frisch macht. Wenn auch nicht jeder im sausenden Bobsleigh(gesteuerter tschlitteni die schwierigsten Kurven nehmen, oder auf dem Bauche liegend im kleinen Sieleton abfahren oder mit den Skiern Weit- spränge machen möchte— es lockt und reizt doch stark auf die ver- schneiten Berghalden und die gepflegten Eisbahnen der Hochtäler im Engadin, wo die Luft so trocken und durchsonnt ist und anhaltende Windstille berrscbt. Wahrlich, die Kultur hat die Schrecknisse und Gefahren des Winters längst beseitigt, sie erlaubt uns, sich seiner Schönheiten und anregenden Wirkungen zu erfreuen. Nur Zeit— nur Geld. Die Uraniobilder sind kein voller, aber immerhin der am leichtesten zu beschaffende Ersatz für einen Winterausflug in die Schweiz._ Treptow-Sternwarte. Direktor Dr. Archenhold wird unter Vorführung zahlreicher Licht- und Drehbilder im großen Hörsaal der Treptow- Sternwarte am Dienstag, den 16. Januar, eine zehnstündige Vortragsreihe„ A st r o n o m i e für jedermann" beginnen. Es wird jeden Dienstag, abends 7 Uhr. ein besonderes Gebiet be- bandelt und zwar: Unser Planetensystem.— Sonne und Mond.— Kometen und Sternschnuppen.— Unter Wisien von den Sternen- wellen.— Die Sternbilder und praktische Anleitung zu ihrer Auf- findung.— Milchstraße und Nebelgestirne.— Sternhausen, veränderliche und neue Sterne.— Astronomie mit Opernglas und kleinen Fernrohren.— Weltanschauung und Himmelskunde.— Unsere Erde als Planet.— Karten für alle zehn Vorträge sind zu ermäßigten Preisen an der der Kasse der Treptow-Sternwarte erhältlich. Mit dem großen Fernrohr sind jetzt bei klarem Wetter der Jupiter, Doppel- und Fixsterne. Sternhaufen und in den günstigen Phasen der Mond zu beobachten. Der Verein für velkStümliche Kurse von Berliner Hochschullehrer« veranstaltet die zweite Reihe seiner Vortragskurte im Winterhalbjahr 1916/17 vom Januar bis März. Es finden u. a. folgende Kurie von je 6 Vorträgen, die um S1/» Uhr abends beginnen, statt. Prof. Dr. Max Herrmann:„Hans Sachs und die Kultur der Reformationszeit": Prof. Dr. Z e l I e r:„Bilder aus der Geschichte des Wehrbaues"; Prof. Dr. L a n g st e i n:„Kinder- ernöhrung. Llinderpflege und-erziehung, Kinderkrankheiten"; Doktor Artur Liebert:„Die Entwicklung des modernen Staats- gedankens".— Ausführliche Programme sowie Eintrittskarten von 'l M. für jeden Kursus sind zu haben bei: GselliuSsche Buchhand- lung, Mohrenstr. 52; Schiller- Buchhandlung, Charlottenburg, Bismarckstr. 82/86; Buchhandlung Franz Seeliger, Neitelbcckstr. 22; Buchhandlung Bernhard Staar, Friedrichstr. 3-, Buchhandlung Paul Nilschmann, Karlstr. 23; Zentralstelle für Volk-wohlfahrt, Augs- burger Str. 61(geöffnet von 8— 3 Uhr). Tie Lohnbestimmungcu für HeereSuäharbeiten. Da- Oberkommando in den Marken'erläßt folgende Bekannt- niachung: Auf Grund des§ 9b des Gesetzes über den Belagerungszustand bestimme ich für das Gebiet der Stadt Berlin und der Provinz Brandenburg: § 1. Für Heeres Näharbeiten, die von BekleidungS- ämtern in Auftrag gegeben und in Privatbetrieben einschließlich gemeinnütziger Unternehmungen auszuführen sind, dürfen keine Vereinbarungen getroffen werden, die von den Lohnbestimmungen in den zur Zeit der Auftragserteilung maßgebenden allgemeinen und besonderen Vertragsbedingungen des zuständigen Kriegsbe- kleidungsamts abweichen. § 2. Zuständige Krieg-bekleidungSämter im Sinne des§ 1 jind: a) da- Kriegsbeklcidungsamt des Gardekorps in Berlin, Lehr- tcrstraße 57, für da- Gebiet der Städte Berlin, Charlottenburg, Berlin-Lichtcnberg, Neu- kölln, Berlin-Schöncbcrg, Berlin-Wilmersdorf und Eöpenick, de r Landgemeinden Adlershof. Berlin-Britz, Bcrlin-Buchholz, Berlin-Friedenau, Berlin-Friedrichsfelde, Berlin-Grunewald, Friedrichshagen, Berlin-Hohenschönhausen, Berlin-Heinersdorf, Äcrlin-Jahannisthal, Berlin-Lankwitz, Berlin-Lichterfelde, Berlin- OTariendorf, Berlin- Marienfelde, Berlin-Niederschöneweide, Berlin- Niederschönhausen, Berlin-Oberschöneweide, Berlin-Pankow, Berlin-Reinickendorf, Berlin-Rosenthal, Berlin-Schmargendorf, Berlin- Steglitz, Berlin-Stralau, Berlin-Tegel, Berlin-Tempelhos, Berlin- Treptow, Berltn-Weißensee, Berlin-Wittenau, Zehlendorf, der Gutsbezirke Berlin-Dahlem, Plötzensee und Heerstraße. d) das Kriegsbekleidungsam des III. Armeekorps in Spandau für das Gebiet der Provinz Brandenburg mit Ausschluß der' unter a) genannten Gemeinden. § 3. Zuwiderhandlungen gegen§ 1 werden mit Gefängnis bis zu einem Jahre, bei Vorliegen mildernder Umstände mit Haft oder mit Geldstrafe bis zu 1500 M. bestraft. § 4. Diese Bekanntmachung tritt am 15. Januar 1917 in Kraft. Zum gleichen Zeitpunkt tritt die nur für Grvß-Berlin geltende Bekanntmachung vom 21. Tezember 1015—«ect. O. Nr. 55 260 — außer Kraft. Ter Oberbefehlshaber, v. Steffel, Generaloberst. Aerzteschaft und Bankbeamte. Der Verein der Bank- Leamtcn in Berlin schreibt uns:„Die dem Verein ver- pflichteten Aerzte haben mit diesem stets im besten Einvernehmen gelebt und waren zum größten Teil mit den bisherigen Bodingun- gen zufrieden. Noch bis tn die jüngste Zeit lagen beim Verein Bewerbungsschreiben von Nerzten vor! Der Verein war bereit, die Honorare erheblich zu erhöhen, die Vertragskommission stellte jedoch so matzlose Forderungen, daß sich der Verein mit Rücksicht auf die finanzielle Leistungsfähigkeit seiner Mitglieder und auch mit Rücksicht auf feine rechtliche Stellung als unier staatlicher Aussicht stehender Vcrsichernngsverein auf Gegenseitig- keit völlig autzerstandl: sah, eine Verhandlungsgrundlage zu schaffen." Geldseudmige» ins Ausland. Die Versendung und Ueber- bringung von auf Reichsmark lautenden Geldsorten. Banknoten, Lteich-kasienscheinen und Darlehnskaffenscheinen, Anwetsungeu, Schecks und Wechseln nach dem Ausland ohne schriftliche Ge- nehmigung des ReichSbanl-Direktoriums ist ver- boten. Eine im Inland ansässige Person darf zugunsten einer im Ausland ansässigen Person nur mit schriftlicher Genehmigung des Reichsbartk-DirektoriumS Markguthaöeu bei einem Inländer begründen, und über Marlgutbaben, gleichviel, ob- sie im Inland oder Ausland bestehen, verfügen.— Diese Bestimmungen gelten nicht bei Beträgen bis zu 1000 Mark.— Zuwiderhandlungen werde» mit Gefängnis bis zu einem Jahre, bei Bor- liegen mildernder Umstände mit Haft oder mit Geldstrafe bis zu 1500 M. bestraft. Set Tauchhootbncscn müssen, um ihre rechtzeitige Weitersendung sicherzustellen, sowohl der äußere als auch der innere Umschlag offen gelassen werden. Zur ftciwilligrn Ablieferung der Fahrradbcreisiuigen ist die Frist bis zum 5. Februar 1917 verlängert Word?». Beschlagnahmt sind bekonntlich sämtliche Fahrradbereifungen, auch solche, für die die behördliche Genehmigung zur Weiterbenutzung erteilt worden ist. Die Hilfsdicnsipflichtigen des Gememdebezirks Berlin erhalten mündliche Auskunft über die Arbeitsstellen: beim nächsten Polizei- r e v i e r oder beim Militärbureau des Magistrats, Berlin C 2, Älosterstr. 68(Fernruf: Magistrat Berlin Nr. 80, 630 und 580). Schriftliche Anfragen sind möglichst zu untcrlaffen. Die an Berliner Kriegerfamilien gezahlten Unterstützungen haben im Dezember in ehr als 13�/z Millionen Mark betragen. Die Mietbeibilfen an Kriegerfamilien beliefen sich im Dezember auf 2 108 263 M. Insgesamt betrugen die bisher an KriegSunterstütznngen gewährten Betröge 215l/z'Mill. I'! a r k. Rofe-Thcater. Am Sonntag nachmittag gastiert das Schlierseer Bauerntheater unter Leitung de- Direktors Daver Terofal. Zur Auf- kührung gelangt die Posse mit Gesang und Tanz:„Der Amerika- seppl", zu halben Preisen. Abends wird die heuere Komödie„St. Georg, der Drachentöter" gegeben. Der Zirkus Busch bringt mit seinem glänzenden Januar- Programm in der Sonnabendnachmittagvorstellung wieder die Weibnachtspantomim«„Beim Weihnachtsmann" zu den bekannten ermäßigten Preisen für Kinder— jeder Erwachsene bat ein Kind frei, jede- weitere Kind zahlt die Hälfte. In der Sonntagnach- Mittagvorstellung gelangt die Prunkpantomime„Die Geierprin, essin" neben dem ausgezeichneten Programm zu ermäßigten Preisen für Kinder zur Aufführung. Die Sonntagabendvorstellung weist wieder ein besonders reiches Programm aus. _ Die„Verwandten auf dem Lande". Die 2öjährige Schneiderin Elise Kraffr aus Schöneberg rühmte sich Kaufleuten gegenüber, bei denen sie lleine Einkäufe machte, und in Familien, bei denen sie arbeitete, daß sie durch Verwandte, die auf dem Lande wohnen, so gut mit allen nötigen Lebensmitteln versorgt werde, daß sie kaum alle- verbrauchen könne. Regelmäßig erfolgle dann'an die K. die Frage, ob sie nicht für Geld und gute Worte etwa- von ihren Vor- röten abgeben oder von den Verwandten für die Besteller besorgen möchte. Dazu erklärte sich die Schneiderin gern bereit, wobei sie andeutete, daß die Landlente aber nur gegen vorherige Einsendung de- Geldes lieferten. Natürlich erhielt die K. ohne weiteres einen erheblichen Vorschutz oder auch den ganzen Betrag der Bestellung. Vergeblich warteten dann die Besteller auf die erhofften Herrlich- ketten; die Kraffr ließ nicht- mehr von sich hören. Auf diese Weise erbeutete die Schwindlerin in vielen Fällen bis zu 50 M. Auf die zahlreichen Anzeigen hin nahm die Schöneberger Kriminalpolizei die Ermittelungen auf, und es gelang ihr, die Betrügerin am Milt- woch festzunehmen. Weitere durch die St. Geschädigte werden ersucht, sich im Zimmer 202 des Schöneberger Polizeipräsidiums zu melden. AmtZgerichtZrat Geh. Justizrat ftöhne ist im Alter von 60 Jahren gestorben. Er hat sich bekanntlich um die Einführung der Jugend- g e r i ch t e verdient gemacht und war selber am Amtsgericht Berlin- Mitte als Jugendrichter tätig. Ein großer Brand beschäftigte Donnerstagabend die Char- lottenburger Feuerwehr bis spät in die Nacht'hinein. Die Dach- stühle der Häuser Lützower Straße 6 und Havel st raße 16 standen in solcher Ausdehnung in Flammen, daß über sieben Stunden gearbeitet werden mußte, ehe die Gefahren vollständig be- seitigt waren. Todessturz eines Kindes. Durch einen Sturz aus dem Fenster tödlich verunglückt ist gestern nachmittag die'6i4 Jahre alte Tochter Rosa des Technikers Schirmer, der in der Beymestraße 28 im vierten Stock des Vorderhauses wohnt. Die Kleine war allein zu Hause und schlief als die Mutter zu Besorgungen ausgehen mußte. Goldene Damcnuhrcn, die bei Pfandleiher» abgegeben, aber nicht eingelöst worden sind und zweifellos aus Diebstählen her- rühren, können von den Eigentümerinnen gegen Legitimation im Polizeipräsidiuni, Zimmer 53a, abgeholt werden. /tos öen Gemeinden. Tie Kartoffelnot in Lichtenberg. In der Stadtverordnetenversammlung von Lichtenberg wurde am Donnerstag die Kartoffelnot zur Spratfie gebracht. An den Magistrat richtete die sozialdemokratische Fraktion folgende Anfrage: Ist dein Magistrat bekannt, daß für die Bevötkerung nicht genügend Kartoffeln vorhanden sind, und was gedenkt er zu tun, um für regelmäßige und genügende Zufuhr zn sorgen. Genosse MiruS wie- hin auf den im Herbst miß- lungenen Versuch, durch die Gemeinden eine Vorversorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln für den Winter zu bewirken. Die Kartoffelknappheit habe sich seitdem noch sehr verschlimmert, so daß man nächstens eine Kartoffelnot besürchten müsse. Schon habe man in Lichtenberg bei Kartoffelhändlern das Plakat „Kartoffeln ausverkauft" gefeben und Hausfrauen seien genötigt ge- wesen, von Geschäft zu Geschäft nach Kartoffeln zu laufen. In der Bevölkerung besiehe die Meinung, daß die Landwirte nur im Hinblick auf die für Mitte Februar zu er- wartende Hinauffetzung des Höchstpreises jetzt keine Kartoffeln liefern wollen. Die Landbevölkerung dürfe nicht wegen dieses Mehrgewinnes die Ernährung der Stadt- bevölkerung gefährden. Die Anfrage beantwortete Stadt- syndikuS Dr. M a r e tz ky. Auch der Magistrat sei von schwerster Sorge erfüllt, weil er die Lage für sehr ernst halle. Er werde, wenn die Kar- löffeln weiter so unzureichend eingehen, nach Erschöpfung des vor Weih- nachten angesammelten Vorrats j e tz l bald vordernNichtS stehen. Man müsse sich die Knappheit der Kartoffelzufuhren nicht nur aus der Ungunst des Wetters, sondern tatsächlich auch aus der Spekula- tion auf die Höchstpreiscrhöhung erklären. Von der Provinzial» und der Reich-kartoffelstelle, an die der Magistrat sich schon gewandt habe, sei Abhilfe versprochen worden. Seien ihre Zwangsmittel zu schwach, so bleibe nur der Ausweg einer anderen Gestallung des Kartoffelpreiscs. Entweder müsse der Preiszuschlag überbaupl be- seitigt werden, damit kein Landwirt mehr aus höhere Preise rechnen könne. Oder man solle, um zu sofortiger Lieferung anzuregen, einen Teil deS Preiszuschlages schon von Mitte Januar ab geben. Abhilfe durch weitere Einschränkung der Kartoffel- ratio» sei unmöglich, hier habe MAN die äußerste Grenze bereits erreicht. Auf die Kartoffelsorgen bezog sich auch eine den Stadtverordneten vorgelegte Mitteilung des Magistrats über feine Stellungnahme zu ihrem im Dezember gefaßten Beschluß, daß der H ä n d I e r p r e i Z für Kartoffeln und Gemüse um V, Pf. pro Pfund er- mäßigt werden solle. Der Magistrat meint, diesem Beschluß nichr stattgeben zu können, weil allein die Ermäßigung de- Kartoffel- Preises den Stadtsäckel mit 18 000 M. pro Monat belasten würde. Ohne Debatte nahm die Stadiverordnetenversammlung die Mitteilung zur Kenntnis. Zu Beginn der Sitzung wurden die wieder--bezw. neugewählten Stadlverordneten eingeführt. Der bisherige Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Vorsteher ist Stadtv. Danneberg.' Stellvertreter Genosse John, Beisitzer u. a. auch Genosse Becker.__ Ter Neuköllner Magistrat zu dem Lebewömittelschwindel. Der große Betrug gegen die Stadt Neukölln beschäftigte de» dortigen Magistrat in serner letzten Sitzung, die unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Kaiser stattfand. Mehrere Mitglieder bedauerten lebhaft, daß das Lcbettsutittelatnt nicht genügende Nor- ficht habe walten lassen und sich nicht von dem Vorhandensein der angebotenen Ware in Aachen überzeugt, sondern den Kaufpreis in Essen angewiesen habe. Dem Vorsteher des LebetismittelamteS Magistratssekretär Boigs wurde da- Zeugnis ausgestellt, daß er die Lebensmittelorgantsation Neuköllns ausgezeichnet geleitet und sich große Verdienste um die Versorgung der Neuköllner Eiitwohuer mit Lebensmitteln erworben habe. Auch der Dezernent des Leben-- tnittelamtes, Stadtrai Mier, stellte seinem ersten Beamten das beste Zeugnis aus. Ein Beschluß wurde in der Magistratssitzung nicht gefaßt. Es soll jedoch erwogen werden, ob in Zukunft der Lebensinittelankauf nicht nach bestimmten� neuen Grundsätzen cr- folgen solle. Es wurde auch zum Ausdruck gebracht, daß größte Vorsicht bei dem Erwerb von Waren, die an und für sich der Be- schlagnnhme durch die Staatsbehörden unterliegen, am Platze sei und daß es sich auch im vorliegenden Falle doch nur uin auS Holland eingeschmuggelte Waren hätte handeln können. Die in der nächsten Woch- tagende Kriegsnotstandskömmission wird sich ebenfalls mit der Angelegenheit beschäftigen. LebenSmittslnachrichten aus Neukölln. Zur Ei nirich tu n g von Ka r to f f e l! un d e n.I i sten teilt der Magistrat mit, daß von vielen Kartoffelkleinhändlern die Abgabe von Kartoffeln schon jetzt davon abhängig gemacht wird, daß der betreffende Käufer in ihrer Kuttdenliste eingetragen'stein derartiges Verfahren ist nicht zulässig. Der Zeitpunkt, von dem ab Speisekartoffeln nur auf Kundenlisten abgegeben werden, wird-demnächst bekauntgemacht. Bis zu diesem Zeitpunkt sind die Kleinhändler verpflichtet, an jeden Käufer Kartoffeln � abzugeben, auch wenn er sich nicht bei dem betreffenden Händler in die Liste hat eintragen lassen. Die der Stadt zur Verfügung gestellte kondensierte Milch oder M i l ch p u l v e r soll in der nächsten Woche zum Verkauf gelangen. Da Kinder bis zu sechs Jahren Milch erhalten, so erhält jeder Haushalt soviel Büchsen oder Packcheu, als er Fleifchkarten für Erwachsene vorlegen kann. Die Inhaber von sechs und mehr Haushaltungskartcn können von Montag, den 15. bis Mittwoch, den 17. Januar in den städtischen-Verkaufsstelleu ihre Milch entnehmen. Auf jede Fleischkarte für Erwachsene wird entweder eine Dose kondensierte Milch(etwa 400 Gramm) oder ein Päckchen Milchpulver(25tt Gramm) abgegeben. Der Preis be- trägt für ausländische Vollmilch 1,40 M., für inländische 1,10 M. und für inländische Magermilch 00 Pf., für Vollmilchpulvcr 1,30 M. pro Beutel. Wer mehr als eine Büchse oder ein Päckchen zu beanspruchen hat. muß mindestens die Hälfte seines Quantums in der teureren ausländischen Ware entnehmen. Die Erheber von fünf Fleischkarten für-Erwachsene können vom Donner-tag, den 18. bis Sonnabend, den 20. Januar, ihre Ware beziehen. Tie Nahrungsmittelversorgung in der Pankowcr Gemeindevertretung. Die letzte Gemeindevertretersitznng beschäftigte sich eingehend mit der Nahrungsmittelversorgung. Anlaß hierzu bot ein iin Herbst ge- fahler Beschluß, wonach der Gemeindevorstand Schritte zur selbständigen Versorgung mit■ Kartoffeln unter Verzicht auf In- ansprüchnahme des KretteS Niederbarnim als' Bedarfsstelle unternehmen sollte. Das ist geschehen, und hat die Provinzial- kartoffelstelle der Gemeinde anheimgestell»/ die selbständige Versorgung in die Hand zu nehmen, jedoch dürfe sie dann im Falle von©eliefermigsschwierigkeiten auf Hilfe seitens des Kreises nicht rechnen. Der Genieindevorstand hat die Verhältnisse noch- mals eingehend geprüft und hält eS angesichts der gegenwärtigen Zustände auf dem Gebiet der Kartoffelversorgung für ratsam, den damaligen Beschluß oufznbeben und es bei der Belieferung durch den Kreis zu belasten. Durch den Pankow neuerdings gestatteten direkten Verkehr mit den Liefernngsverbänden ist es gelungen, dem dringendsieu Bedürfnis zu genügen und wird es bei Belassung des gegenwärtigen Modus auch in Zukunft bedrohlichen Rotständen vor- zubeuaeu uröglich sein. Genosse S ch m i d t ging in der Debatte eingehend ans die NahrungSmittelversorgung un allgemeinen ein. Eine Besserung in der Versorgung wäre nur zu erwarten, wenn die maßgebenden Stellen den schon zu Kriegsbeginn von Partei und Gewerkschaften gemachten Vorschlägen folgen würden. Bon jedem tauglichen Mittel zur Milderung der mißlichen Zustände müsse Gebrauch gemacht.werden. Als ein solches habe sich der direkte Verkehr der Lebensmittel- kommissionen mit den Erzeugern erwiesen. Er beantrage daher, daß der Gemeindevorstand baldmöglichst Schritte unternehme, welche zum Zwecke der Erleichterung der NahrungSmittelbeschaffung ein Behandlung der Gemeinde Pankow wie kreisfreie Städte — denen der direkte«erkehr mit den Erzeugern gestattet ist— zum Ziele haben.— Nachdem der Dezernent der Lebensmittelabteilung Herr R i e m a n n sich des längeren über die Versoraungsverhältnisse verbreitet hatte, befürwortete auch Herr Stadtrat S t a w i tz den Antrag des Genossen Schmidt mit der Ab- änderung, denjelben nur auf geeignete Fälle zu- beschränken. Nach weiterer lebhafter Aussprache wurde schließlich der in« vorigen Herbst bezüglich der Kartoffelverlorgung gefaßte Beschluß aufgehoben und der Antrag des Genossen Schmidt mit der vorgeschlagenen Ab- änderung einstimmig angenommen. Schöneberger Lebensmittelnachrichte». Der Magistrat Schöneberg verteilt in der Zeit vom 13. bis einschließlich 25. Januar in den durch besondere Verkauf-anschläge kenntlich gemachten Geschäften aus Abschnitt 49 der Lebensmittelkarten 375 Gramm Speisesirup zu 26 Pf., oder� 250 Gramm Marmelade zu 30 Pf., oder 250 Gramm Kunsthonig zu 25 Pf. Die Händler werden so reichlich mit Waren verschen, daß ein Anstellen zwecklos ist. Vom 18. Januar ab— jedoch nicht früher— erteilt die AnSkunftZstelle— NeneS Rathaus, 2 Treppen, Zimmer 261— mündlich nur am Fernsprecher Auskunft, in welchen Geschäften noch Ware vorhanden ist. Ein»euer GeneralbetauungSplan für Lichtenberg. Schon seit dem Jahre 1904 gingen die Ltchienberger städtischen Behörden mit dem Plane um, einen neuen Generalbebauungsplan für das Stadt- gebiet aufzustellen. Die Verhandlungen hierüber waren sehr lang- wierig und wurden durch die Begründung des Zweckverbandes Groß- Berlin noch schwierig«?, da der Serband die vorgeschlagenen Bau- fluchtlinien zu genehniigcn hat. Der vom Lichtenberger Stadtbauamt ausgearbeitete Plan wurde im Oktober 1915 dein Zweckverbande eingereicht, fand jedoch nicht die erhoffte Zustimmung. C- wurde besonders gegen ihn eingewendet, daß er den Ansprüchen der modernen Slädleentwicklnng nicht ausreichend Rechnung trüge. Auf' Antrag des Lichtenberger Vertreters im ZweckoerbandsauSschuß wurde von einer förmlichen Beanstandung deS Planes abgesehen und iveitere Verbandlinigen wegen der gewünschten Abänderungen eingeleitet. Doch, diese Verhandlungen hatten ein endgültiges Ergebnis nicht. Um nun nicht die sür die Entwickelung LichienbergS wichtige An- gelegcnheit auf unabsehbare Zeit zn verschieben, hat der Lichten- berger Magistrat im Einvernehmen mit dem Zweckverbande einen neuen Bebauungsplan von einem nicht beamteten Architekten aus- arbeiten, lassen. Magistrat und Stadtverordnete hsBen jedoch be- schlosieii, sich die Entscheidung darüber, ob sie an dem alte» Bebanung-plane de- städtischen BauamteS festhalten oder die Annahme de- neuen Plane- vorschlagen wollen, vorbehalten. Gegenwärtig wird an dem neuen Generalbcbauungsplanc eifrig gearbeitet. � Jahresabschluß der Teltotver Kreissparkasse. Nach dem jetzt vorliegenden Abschluß der Sparkasse de? Kreises Teltoto betrugen die Spareinlagen am Ende deS Jahres 1916 135 889 1l8 M. gegen 129 669 956 M. am Schlüsse des Jahres 1915. Der Zuwachs' beträgt somit 6 219 262 M. Die Zahl der Sparer betrug am Jahresschluß 221 640; da am Schlüsse de- Vorjahres nur 201622 Sparer vorhanden waren, so ist ihre Zahl unk 20 018 ge- stiegen. Die Sparkasse der Stadt Wilmersdorf Kaite im abgelaufenen Rechnungsjahre den seit Bestehen der Kasse größten Einlagen�uwachz im verzeichnen. Ter Einlagenbesiand erhöhte sich um 2 132 480"' Mark auf 12 141 015,04 M. Die Summe verteilt sich auf 82 580 Konten. Zu berücksichtigen ist, daß für Zwecke der Kriegsanleihe- zcichmmg rund 3 800 000 M. ausgezahlt worden sind. Der tatsäch- liche Einlagenzuwachs würde sich demgemäß auf rund 5 900 000 M. stellen. BevölkerungsvorgSuge au-Z Wilmersdorf. Es wurden geboren in den Jahren 1914, 1915, 1910: 1558, 1211, 057 Personen; Eheschließungen fanden stall: 1107, 714. 801, davon Kriegstrauungen: 327. 413, 455; an Sterbefällen waren zu verzeichnen: 1121, 1801, 1527. Gerichtszeitung. Das Nclchsflcncht gegen„Kriegsgewinuc". Das Landgericht R o st o ck hat am 7. Oktober vorigen Jahres den Kaufmann?ldolf Boldt jun. von der Anklage der über- mäßigen Preissteigerung auf Grund des folgenden Sachverhalts freigesprochen. Im April 1916 kaufte der Angeklagte von einer Firma> in Hamburg eine größere Menge beschlagnahme- freies rumänisches©erstenmehl und verkaufte es in kleinen Mengen zu 1,30— 1,24 M. für das Pfund. Am Doppel zentner verdiente er bei diesen Preisen 24,40 M. Das Gericht bezeichnet diesen Gewinn als ziemlich erheblich, denn ein vernommener Sachverständiger bat erklärt, daß ein Gewinn von 10— 12, höchstens 16 M. ausreichend sei. Ein anderer Sachver ständiger, der Koinmcrzienrat D., hat sich aber dahin ausgc- sprachen, daß während des Krieges die Geschäftsunkosten sich wesentlich erhöht haben und daß auch das Risiko ein größeres ge- worden sei, so daß der vom Angeklagten erzielte Gewinn als ein übermäßiger nicht angesehen werden könne. Dieser Ansicht hat sich das Gericht angeschlossen, Weshalb es auf Freisprechung cr- kamrt hat. Die Revision der Staatsanwaltschaft wurde in der Vcr Handlung der Sache vor dem Reichsgericht vom Reichsanivalt für begründet erklärt. Das Landgericht habe nicht die Grundsäße berücksichtigt, die das Reichsgericht bezüglich der übermäßigen Preissteigerung aufgestellt habe. Danach feien vor allen Tingen diejenigen Gewinnsätze als normal anzusehen, die vor dem Kriege üblich waren, denn der Kauf mann solle nicht bei der Knappheit mancher Waren auS dem Vertrieb derselben einen über mäßigen Nutzen ziehen. Tie Höbe des Friedensgewinnes habe das Landgericht nicht ausreichend berücksichtigt und weiter habe es sich gar nicht über die Marktlage ausgelassen. Warum das Gericht gerade dem Gutachten des zweiten Sachverständigen gefolgt ist, obwohl«S die Darlegungen des ersten vernommenen Sachverständigen anscheinend billigte, sei nicht ersichtlich. Für die Frage des übermäßigen Gewinnes komme ferner in Betracht, daß der Gewinn meist schon deshalb ein weit höherer als in Friedens- zeiteil wird. Weil der Preis einer Ware jetzt oft viermal höher ist. Das Reichsgericht hob gemäß dem Antrage des Reichsanwaltes das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück._ Wir sind froh, locnii wir Sie los find!" So äußerte sich der Schuhfabrikaut Hermann I. zu einer Aerkäuierin D., die ihre Kündigung erhalten hatte und bat. sich eine Stellung zum sofortigen Antritt suchen zu dürfen. Die Ehcirau fügte noch hinzu:„An Ihrer Tätigkeit liegt uns sehr wenig, Sie können jederzeit aus- treten", will allerdings noch hinzugesetzt haben,„müssen es uns aber vorher sagen". Als dann das mit 65 M. Monatsgehalt an- gestellt gewesene junge Mädchen eine besser bezahlte Stellung bei sofortigem Antritt fand und annahm, verlangte der Fabrikant vor dem Berliner Kauf mannsgericht 36 M. Schadenersatz. Nach seiner Ausfassung hätte die Gehilsin erst noch einmal bei ihm vor- stellig werden müssen, denn er habe ibr keine unbedingte, sondern nur eine bedingte Zusage gegeben.— Das KausmannSgericht erkannte den Anisiruch nicht als zu Recht bestehend an. Nachdem der Bellagte erklärt hatte, daß er„froh sei, wenn er die Klägerin los sei", und daß ihm„an ihrer Tätigkeit sehr wenig liege", könne er nicht hinterher sich durch ihren früheren Fortgang geschädigt fühlen._ Mus aller Welt. Bermihte Bergtouristen. Zwölf bis fünfzehn Personen, die eine Tour auf den Schnee- b e r g unternahmen und, in schlechtes Wetter gerieten, werden seit Sonntag vermißt. Unter ihnen befinden sich auch zwei Mit- glieder des Wiener Arbeitervereins„Naturfreunde", Viktor und Franz Parma._ Eine neue Newa-Brücke ist im Zentrum von Petersburg dem Verkehr übergeben worden. Sie rst etwa 280 Meter lang und 24 Meter breit. Ihr mittlerer Bogen gewährt geöffnet allen Schiffen Durchfahrt._ Der Herr Pfarrer im Schützengraben. Der„Köln. VolkSztg." erzählt ein im Westen stehender Ofstzier von dem Besuche seines DivisionSpfarrcrs in der vordersten Linie. Der Geistliche hielt sich gerade im Schützengraben auf, als die Frau- zosen eine gewaltige Sprengung losließen. Alles, was abkömmlich ivar, eilte natürlich in seinen„Heldenkeller", und im Nu war der Groben leer. Der Herr Pfarrer aber fand sich in dem Labyrinth nicht zurecht und irrte auf der Suche nach einer schützenden Be- hausung umher. Da rief ihm einer, der sich sicher geborgen hatte, ans der Tiefe zu: „Der Pastor steht in Gottes Hand, Was braucht der einen Unterstand!" Der Seelenhirt soll sich über das starke Gottvertrauen seines Schäfchens sehr gefreut haben. Humor im Parteilcdcn. In der Friedenskundgebung der Konfe- renz der Parteiopposition ist dieser Satz entHallen:„Im Wettrüsten liegt eine der stärksten Wurzeln deS jetzigen Krieges". Genosse Julian Borchardt hat nun in der„Leipziger VolkSzeilung" eine Erklärung veröffentlickN. worin er sagt, daß er diesen Satz für falsch halte. DaS nähere mögen die ,Vorwärls"-Leser in der Freitags- ausgäbe unseres Blattes(sünfle Seile, zweite Spalte, unter Ziffer 6) selber nachlesen. Vielleicht ist dann einer von ihnen in der Lage, die folgende Frage zu beaniworten, die uns eine Neuköllner Genossin nach der Lektüre der Borchardtschen Thesen ein- gesandt hat: „Was ist die Wurzel des Kapitalismus? Oder ist der Kapita- lismus selbst eine Wurzel? Aber dieses ist ja der Imperialismus, der, wie„Spartakus" schreibt, die Hauptwurzcl ist, was ich auch anerkenn«. Ferner bitte ich, die Frage zu beantworten, ob der Kapitalismus, wenn er eine Wurzel ist. die Wurzel des Krieges oder die Wurzel des Wettrüsten» ist, oder ist vielleicht das Wetl- rüsten die Wurzel des Krieges oder umgekehrt? Und wo bleibt hier wieder die Hauptwurzcl, der Imperialismus. Der Genosse Borchardt ist für mich nicht maßgebend. Der Genosse Borchardt sitzt in Lichterfelde und macht„Lichtstrahleu".(In der letzten Zeit saß er auf dem„Leuchtturm".) Aber die vom„Vorwärts" ab- gedruckte Erklärung ist lein Lichtstrahl, sondern macht die Sache immer düsterer."_____ Nur keine Halbheiten? Der decktsche Sprachverein hat beschlossen, daß auf der küusiigen Friedenskonferenz nur in deutscher Sprache verhandelt werden darf. Dieser Beschluß ist eine klägliche Halbheit. Warum fordert man nicht auch, daß da» Friedensproiokoll mit Tinte auS Gall äpfcln. die an deutschen Eichen gewachsen sind, auf ein Papier ge- schrieben werden muß, das aus deutschen Lumpen gewalkt ist? Selbsivetständlich muß das Protokoll in deutschen Schriftzeichen ge schrieben sein. Ist nur ein einziger Lateinbuchstabe darin, dann setzen wir den Krieg unweigerlich fort! Sankt BurcaukratiuS. Die Stadt Offeuburg(Baden) schuldet einer großberzoglichen Landesanstalt den Betrag von einem Pfennig. Wegen dieses Betrages ist das Bezirksamt beauftragt worden, mit dem Bürgermeisteramt in Verbindung zu treten, was in einem umfangreichen Schreiben geschehen ist. Porto, Papier und Schreibgebühren dürften wegen dieses einen Pfennigs bereits eine ziemlich hohe Summe erreicht haben. Der Gedanke der Neu- onenticrung scheint noch nicht bis zu diesen Amtsstellen vorge- drungen zu sein. Auch Papier und Arbeitskraft ist in dem ge- segneten Ländle reichlich vorhanlden. Erfundene Sensation. Die von einem Berliner Sensationsblatt gebrachte Nachricht von eurem Selbstmordversuch Dr. Friedrich Adlers in der Gefangenenzelle ist, wie die„Wiener Arbeiter- zeitung" feststellt, erfunden. � parteiveranftaltungen. Weihenirc. Montag. 15. Januar, abends 8 Uhr. in den Borussia- Sälen. Beriiner lilllee 211: Besprechung der Borwärtsleser. Referent: Gc- »ofse Bartels(Parieivorstand). Wir verweisen aus das der„Neuen Welt" (Sonntag) beigelegte Zirkular. Iugenöveranftaltungen. Arbcitcr-Turiiverei» Schöneberg. 15. Januar, Sonntags den Wanderung: Polsdam— Michendorf Treffpunkt 7'/t Ubr, Wannseebabnhos Friedenau.— Die Turnabende der Schiller finden jetzt jeden Dienstag, abends 8'/, llhr, Turnhalle Berchicsgadenec Str. statt. Köpenick. Sonntag, den 14. Januar: Besuch der Sternwarte zu Treptow. Unkosten 1 St. Treffpunkt pünktlich 2 Ubr auf dem Schloßplatz. Gäste willkommen.__ Sriefkasten der Redaktion. Dt« lurtwlche Sprechstunde linder lür Vbonnenren Lixdeattr. S, rv, to\ cechts. varlerre. am Montag bis Freitag von t bis 7 Nor. am Sonnabend von 5 HS 6 Uhr starr. Jeder für de» Brieflaften bestimmte» Antrag, ist ein Buchslab« unb-in« Zahl atS Merkzeichen beizufügen. Brreslich« Antwort wird nicht erteilt, iintragen, denen keine AbonnementZ-mitwng beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man tn der Svrcchswnde vor. Bcrträgr, Schriftsiöcke»nd dergleichen dring« mar t» die Svrcchüunde mit. H. H. IVO, 1. Die Note war in Nr. 1 d. Bl. vollständig abgedruckt. 2. Zurzeit nicht erlaubt.— E. S. 41. 1. Ist für absehbare Zeit nicht zu erwarten. 2. Ergibt sich von selbst, wenn Sie sich vor die Gebäudeiront stellen.— A. M. 33. 1.„Deutsche Nnglerzeitung", Krausenilr. 2. 2. Siehe Adreßbuch 2. Band, Teil 4, S. 4.— B. 63. 2. 1. H. Münchow, Lüderitz- sir. 3. 2. Ersahren Sie dort.— Frau S. 83. Berlin W 10, Gent inner Str. 2. M. A. K. 29. Die Miete können Sie deshalb nicht einbehalten. — Köpenick 1. Krankheiten des Nervensystems.— M. B. 66. Nein. — Arndt 554. 1. Eine Nückvergütimg der Beiträge aus der Invaliden- Versicherung bei Verheiratung erfolgt nicht. 2. Dos ist in der Bekannt» inachung des Generalkommandos des III. Armeekorps vom 20. Dezember 1916 des näheren enthalten.— H.(?. 1. Das kommt auf die vereinbarte jiündigiingSzeit im MIetsvertrage an. Wahrscheinlich ist darin bestimmt, daß nach Slblaus deS Vertrages eine halbjährliche Kündigung zulässig ist. Wenn nicht, so ist die Kündigung zum 1. April rechtSunwtrksam.— Osten 28. 1. Diese Auskaussgebühren können«ach ewer gerichtlichen Entscheidung, die im„Vorwärts" vom 1. Dezember abgedruckt ist, von der genannten Kirchengemeinde nicht erhoben werden. Fordern Sie unter Hin- weis auf diese Entscheidung den Betrag zurück. 2. DaS richtet sich nach der Dienstzeit; wahrschemlich find in diesem Fall höhere Ansprüche nicht zu stellen.— P. 8. 196. Sie haften für die Miete bis zum Ablauf Ihres Vertrages, also bis Okiober.— G. H. 17. Der Mietsstempel beträgt 1 M. — H. 59. Es handelt sich doch sicher um die Ablehnung der Altersrente. Für den Bezug der Altersrente müssen 1200 Marken nachgcwieien werden. Nach Ihren Angaben müßte aber die Mutter unbedingt Anspruch aus Invalidenrente haben, weshalb diese zu beantragen wäre.— P. L. 25. Eine KInge hätte nur dann Aussicht aus Eriolg. wenn Sie nachweisen können, daß der BerkSuscr den Mangel der gekauften Sachen Ihnen arg- listig verschwiegen hat. Zuständig für die Klage ist das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Bcrkäuser seinen Wohnsitz hat.— F. St. 1999. Testen Sie dies der Fettstelle Groff-Berkin, Poststr. 16. mit.— St. 22. Einen Anspruch werden Sie mit Erfolg nicht geltend machen können, da die Be- dürsligkeit in Ihrem Falle verneint werden wird.— I. I. 100. Eine nochmalige Musterung ist nicht ausgeschlossen.— Zl. M. 199. Ja. da die Arbeiterschutzbestimmungen während deS Krieges außer Kraft gesetzt sind.— M. H. 16. Blindheit cineS AugeS, sofern die Sehleistung auf dem andern Auge mehr als die Hälfte der normalen beträgt: landsturmpflichtig. — F. 91. 17. Das Gesuch' ist an das DiviiionSkominando der 41 Division in Deutsch-Edlau zu richten.— B. 6. 1. Bis End, Januar. 2. Auch die Mietsuntersrützung muß für Januar gezahlt werden. 3. Herzleiden. 4. Ihr Mann müßte sich an daS Rote Kreuz, Markgrafenstr. 40. wenden.— B. M. 4959. Die Landesversicherungsanstalt kann dazu nicht verpflichtet weiden. Die Stellung eines solchen Antrags ist, zumal Sie auch sehr wenig Marken geklebt haben, daher aussichtslos.— 2t. B. 199. Eine Klage auf Zahlung erscheint uns aussichtslos, da Sie den Beweis nicht durch Schuldschein erbringen können.— St.@. 56. Ja. Die Anoaben können Sie machen und um Herabsetzung der Steuer ersuchen. Ein Attest kann von Ihnen eingefordert werden.— R. A. 45. Geringe Abweichung der Wirbelsäule; dienstfähig.— St. K. 129 und O. St. 24. Stein. — A. M. 199. Wenn dte Beklagte im Termin den Schuldschein von Ihnen vorlegen kann, kann sie ihre Forderung dagegen ausrechnen. Eine Abschrift deS Schuldscheins können Sie verlangen.— O. S. 1. 1. Der Vater kann einen Anlrag auf Aufwandsentschädigung bei der Gemeinde- behörde stelle». ES müssen sechs Jahre aktive Dienstzeit für die Söhne nachgewicien werden. 2. Ja.— Friede». 1. Ja. 2. Die Genehmigung muß vom Polizeirevier dazu eingeholt werden. 3. Bei einem Einkommen von mindestens 1500 Mari muß Gewerbesteuer gezahlt werden— B. P. 16. Wir können uns Ihrer Anfrage nicht mehr erinnern: wahr- fcheinlich aber ist die Beantwortung in der Nummer vom Dienstag unter B. P. erfolgt.— G. F. 22. 1. s) Wir würden Ihnen empfehlen, sich von der Gewerkschastskommission, Engeluser 14/15, Rat zu erbitten. d) Ja. c) Nein. 2. Wenn sich durch den Ihren Mami behandelnden Arzt der Nachweis erbringen läßt, daß die Krartlbett Ihres Mannes auf eine Dienstbeschädigmrg zurückzuführen ist, so hätten Sie An« spruch ans Witwengeld.— W. Ss. 88. Bis zu 26 Wochen. — H. L. 42. 1. Die Neuköllner Realschule nimmt Kinder aus für ihre unterste Klaffe nach Verletzung aus der Borschule oder nach Prüfung, für olle anderen Klaffen auf Grunds eines Zeugnisses einer gleichwertigen An« statt oder nach Prüfung. DaS Ergebnis der Prüfung entscheidet darüber, in welche Klaffe daS Kind auszunehmen ist. 2. DaS Schulgeld beträgt jährlich 110 M., die Kosten der Lehrmittel find aus jährlich 20— 30 M. zu veranschlagen.— Bcermann 29. Geben Sie unS Ihre Adresse an, um daS Gewünschte brieflich übermitteln zu können.— M. S. 199. Wenden Sie sich an den Verband der Schneider, Sebaftianstr. 87/38.—<5. Bern. Gemeint ist wohl die„Zentralstelle für Völkerrecht" in Bern. Berliner Adresse: Charlottenburg. Kantftr. 159, Gartenbau? III.— Streitfrage A. H. Läßt sich wegen immerwährendem Wechsel zurzeit beim besten Willen nicht feststellen. BletterauSsichten für das mittlere Norddeuttckiland bis Sonntag mittag. Vorwiegend trübe, mit iveitverbreiteten, meist geringen. nur im Nordwesten und Süden stärkeren Niederschlägen, hauptsächlich Schneefällen. Temperaturen um den Gefrierpunkt schwankend. veWver NMrtww-MMi! Verwaltungsstelle Berlin. Xacbrut. Den Kollegen zur Nachricht daß unser Mitglied, der Schloffer Arlur Hellriegel Landsberger Chaussee 1 am 9. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenke» I Xachrnf. Den Kollegen ferner zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Schlosser Heinriek Klein Wilhclmstraßc 119/120 am 9. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Xachraf. Ten Kollegen serner zur Nach- richt, daß unser Mitglied der Metallarbeiter Knrl Starzeneck Pücklerstraße 13 am 3, Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! 128/4 Tie OrtSvcrwaltang. VeFliand der litliograplien, Steindrucker oernantoSeriilE Unteren Mitgliedern machen wir hierdurch die traurige Mit- teilung, daß der Kollege, Farben« ätzer Otto Eberi nach kurzem, schwerem Leiden am Mittwoch, de» 10. Januar, im Alter von 70 Jahren vcr» starben ist. Wir werden ihm ein dauern- des Andenken bewahren! Dia Beerdigung findet am Sonntag, den 14. Jaimar. nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Gnaden-Kirchhoscs in der Barfusstraße aus statt. Um recht rege Beteiligung ersucht 109/11 vie Verwaltung. Am 10. d. M. verschied plötzlich I infolge Herzlähmung unser lieber | Freund und Kollege, der Korrektor Kvlon Kmalzk! geb. 24. Februar 1849 in Königsberg i. Pr. S3 Jahre hat er unter uns ge- wirkt und sich durch sein offenes Wesen und seine treue Gesinmmg allgemeiner Wertschätzung erfreut Ein ehrendes Gedenken ist ihm gesichert allezeit I Berlin, den 11. Januar 1917. 0!» Kollegen der Norddeutschen Buchdruckeret und Verlagsar.staft. Beerdigung: Sonntag, 3'/, Uhr, in Lankwitz, Gememdekirchhof, Lutherstraße._ 17416 Beutsclier Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung Grofi-Berlin. Den Mitglieder» zur Nachricht. daß unser Kollege, der Wächter vtto Stelnbagen von der Firma Dach- und Schließgesellschaft, am 9. d. M. im SUter von 60 Jahren der- sterben ist. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 13.Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeindefriedhoses in Reinickendorf, Humboldtstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 7112_ Di« Bezirks'verwaltung. Allgemeine Orts Krankenkafs e Niederbarnim. Eine Ausserordentliche Ausschutz- Sitzung der Allgemeinen Qrts. Kranken- lasse Niederbarnim findet am Sonntlig, den 21. Jauuar 1917, vormittags 11 Uhr, im Kreisbause zu Berlin, Friedrich- Karl-User 5— KrciStagSsitzungSsaal— statt. Tagesordnung: Nochmalige Beschlußfassung üöer die Aendcrung der§§ 47, 79, 93 und III der Kaffeusatzung. Die Herren Ausschußmitglieder werden zur Teilnahme an dieser Eitzunghierdurch crgebenst eingeladen. Berlin, den 9. Januar 19!?. Kühn» AmtSvorstehcr, 273115* Vorfitzender. Kührer durch das preußische Einkommensteuergesetz Mit iL Formularen fürlZlngaben und Reklamationen, sowie einem aus- führlichen Sachregister preis 40 ps. Zu haben in allen zz Vorwärts. Ausgabestellen und tn der Buchhandlung Vorwärts Berlin SW.. Lindenstraße 3 Hlöbelfabrik UolTniinc- Eiugctr. Geuoffenlchaft mit bcschr. H. Berlin, Krautstr. S2. Am 18. Februar, vorm. 9 llhr, im Gcschästslotal General-Bersamwlnng. Tagesordnung: 1. Geschästsdericht. 2. Bilanz. 3. Neu- Wahl des Vorstandes und Aussicht»- rateS. 104/19 Der Vorstand. H. Fengler. W. Langer. SpeÄsl-Arst So. med. Hawche, frieilriclistr. 90 sS&5.i Lehandl. von Syphilis, Haut-, Hara-