Nr. 16. 84. Jahrg. Htcnnemcnts-Bedlngungeo: aioimümentä• Siciä ptänumeionko Lierteljährl 5,90 SRI, moitiitL 1�0 SRI, wöchenlUch 30 Psg. tici m4 HauZ. Einzelne Nummer ö Big. Somuags, numme: mit illuilrierler konmag», Seilage.Die Neue Wclt�>0 Slip. Lost- ßbmmetnetu: l.i>0 Mari Uro Monat eingenogen m die Posl-Zerlimg»« kreiZIiile, Unter Kreuzband iüi T eurichland und Leiierrcich. Ungarn 2L0 Marl, fär Dal übrige Ausland 1 Morl Dto Monat Soiladonnemenls nehmen an Belgien, Tänemart, volland, Italien. Luxemburg. Pornigal, Rumänien. Schweden und die Schweiz, wchtim täglich. Verlinev VolllSblcrkt. ( 5 Pfennig} Die Infcrti«ns-Gcbüi)r beträgt für die lechsgewaltene Kolouel- zeile oder deren Nauni«0 Pig-, mr dolitiiche uns gcwerlichaftliche Vereins- und Verjammlungs- Anzeigen 30 P!g, „Klerne Snreigen", das retlqedrurlle v-or! 20 Pfg,(zuläisig 2 fetigedrulkte Kane), jcdeS iveilcrc Werl 10 Pfg. Sicllcngeluche lind Schlaiitclicnan- «eigen das eilte Wort 10 Pfg„ jede? w euere Wort 3 Pfg, Worte über!5 Buch- stoben zählen für zwei Worte. Anicraie für die nächste Siummer müssen vi« d Uhr nachmittags in der Expedition »bgegeden werben. Die Ervediiion>Il bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adrefse: „ScziaiiKittglirat Reell»". Zcntralorgan der fozialdcmohrati fchen Partei Deutfchlands. Neöaktion: SW« 68, Linösnstratze 2. Ferutdrerder-«m> Moridvla«, Rr. läl gl»— l.?l 37. Mittwoch, de« 17, Januar 1917. Expedition: Slv. 68, Linöenstraße 2. Zsernivrerbe»: Amt Moriuvlati. N». läl SU— IZI S7. funckeni und Tmorgon. Französischer Augriff südlich Rohe— Abermals Ruffenangriffe im Casinu und Susita- Tal und besonders beiderseits Fundeni. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 16. Ja- uuar 1917.(W. T. B,) Westlicher Kriegsschauplatz. Ter Versuch französischer AdteUuugcn, bei Beuvraigaes Leopold von Bayern. Krtne besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. An der Karstfront hält dir Artillerietätigkeit an. Südöstlicher Kriegsschauplatz Unverändert. Ter Stellvertreter des EhcfS de» Generalstabes. v. H o e f e r, Feldmarfchollentnant. Die tvilson-Erklärung zu üen Ententenoten. Loudon, 15. Januar.„The Central News" meldet aus Washington, Wilson beabsichtige, in einer Erklärung zu den beiden ihm übennittelten Noten Stellung zu nehmen, werde aber die Versendung der Erklärung an die beiden krieg- führenden Mächtegruppen von der Haltung des Kongresses abhängig machen.__ Unwürdige Sehanülung kriegsgefangener Deutscher. Deutsche Vergeltungsmaßnahmen. Amtlich. Berlin, 16. Januar. Bor kurzem wurde auf die un- würdige Behandlang und Unterbringung krirgSgefangcnrr Deutscher in der Feucrzoue des französischen Operotionsgedictes hingewiesen und gleichzeitig mitgeteilt, daß die deutsche Regierung Maßnahmen er- griffen habe, um in diesen empörenden Zuständen Wandel zu schaffen. Bon der sranzöfischrn Regierung war mit einer befristeten Note gefordert worden, nllc Kriegsgefangene» im Operationsgebiet«in- bestens 39 Kilometer hinter die Feuerlinie zunlckzuziehen, in gut eingerichteten Lagern zu vereinigrn und sie in bezog auf Behandlung, Postverkehr und Besuche durch neutrale BotschaftSvertretrr der in Deutschland lriegsgefangenc» Franzose» gleichzustellen. Es wurde dabei angetäudtgt, daß im Falle der Weigerung mehrere Tausend triegsgesangcne Franzosen hinter der deutschen Front in dir Feucrzoue übergesnhrt und dort denselben Bedingungen unterworfen werden würden, wie die lrirgSgefangencn Trutschcn hinter der srauzösischen Front. Da die französische Regierung sich bis zu dem gestellten Termin, dem 15. Januar 1917, zu der deutschen Forderung nicht geäußert hat, ist die augekündigte Gcgenmaßregrl nunmehr in Kraft getreten. Sic wird erst wieder aufgehoben werden, wenn Franl- reich die deutsche Forderung erfüllt. Gffensivwünsche gegen üie V-Soot-Not. Tie Vewaffnung der Handelsschiffe. Bern, 15. Januar.(W. T. 33.) Das Pariser„Journal" schrerbt, Deutschland drohe mit dem verschärften U-Bootkriog, es gelte auf der Hut zu sein. Deutschland werde mit seinen U-BooteN wohl kaum die Blockade brechen können, aber es wäre kindisch zu leugnen, daß die Störungen, die die ll-Bootc im Seeverkehr verursachten, einen beunruhigenden Umfang angenommen haben. Alle Abivehrmaßnahmen hätten nicht verhindert, daß immer größerer Schaden verursacht werde. Man solle alle Handelsschiffe mit zwei Ge- schützen und geschulter Mannschaft, mit gewöhnlichen Torpe- dos und mit unter ZVasser explodierenden Lufttorpedos a u s- rüsten, daniit die U-Boote sowohl in aufgetanchtem, wie untergetauchtem Zustande getroffen werden könnten. In der „Information" schreibt das Mitglied des Kainmerausschusses für Handelsmarine, Ilbgeordneter Bergeon, die Alliierten müßten im Kainpf gegen deutsche U-Boote entschlossen zur Ossensive übergehen, da die Defensive nicht mehr genüge. Bergeon schlägt vor, mittels Wasserflugzeugen, Torpedobootszerstörern und besonderen Jagd-U-Booten a n f die deutschen U-Boote Jagd zu machen und mit der englischen und französischen Hochsee- flotte die norddeutschen und österreichischen Höfe n anzugreifen. Die Einnahme der deutschen Nordseeinfeln würde den Todesstoß für den U-Boot- krieg badeuten. Die Unternehmung würde viel kosten, aber das Ergebnis würde das Opfer lohnen. Die Entente hat es allbereits zu großen Ersahrungen ge- bracht in Unternehmungen, die viel kosten. Aber daß das Opfer sich jemals in einem der Fälle nach ihren Wünschen ge- lohnt habe, wird sie schwerlich im Ernst behaupten können. Der Zwischenfall von Tschentsiaton. Wie aus japanischen Quellen mitgeteilt wird, wurde in einer Sitzung des japanischen Ministerkabinetts am 7. De- zember die Frage eines„neuen Kurfes" der japanischen Po litik behandelt. DaS japanische Kabinett gelangt zu der Ein- ficht, daß die jetzigen Umstände in China eine Aenderung der daselbst betriebenen Politik erheischen. Es wurde der Beschluß gefaßt, sürderhin sich von jeder Einmischung in interne chine- sischc Ilngelcgcnheiten feruziihalten, der chinesischen Regierung keine Beiräte entgegen dem Wlinschc der Chinesen aufzudringen, auf neue Vorrechte in China keinen Anspruck zu erheben, und das chinesische Reich sürderhin als einen Stützpunkt in der Friedenssicheruug im fernen Osten zu betrachten. Die nächste Zukunft schon soll uns die ersten Schritte der japanischen Re- gierung in dieser Richtung zeigen. Diese japanische„Neuorientierung" istnatnrlich mit aller Vor- ficht aufzunehmen. Darauf deutetfolgendeMeldung von gestern hin: Wie der„Frankfurter Zeitung" über Stockholm au» Tokio ge- meldet wird, führten die Pekinger Verhandlungen wegen des Zwischenfalles von Tschenlsiaton zu einem Uebereinkommen. wonach China chch verpflichtet, die Schuldigen zu bestrafen. Schadenersatz und Abbitte zu leisten. Die japanische For- derung auf Zulassung von Militärbeiräten und j a p a- n> s ch e r P o l i z c i in den von-den Japanern besetzten Ollen der Südmandschurei wurde angeblich Sonderverhandlungen zwischen der japanischen Regierung und den chinesischen Orlsbehörden überlassen. Der preußische Staatshaushaltsetat Von Paul Hirsch. Wenn der Voranschlag des preußischen Etats für 1917 ein der Wirklichkeit entsprechendes oder ihr doch mche kommendes Bild abgibt, dann ist der Einfluß des Krieges auf unsere wirtschaftlichen Verhältnisse geringer, als es bei der Ausstellung der ersten beiden KricgSetats augenoinmeil wurde. Das Rückgrat der preußischen Finanzen bilden de- kanntlich die Einnahmen aus den Eisenbahnen und aus den direkten Steuern und gerade diese beiden Ein nahmepositionen sind beträchtlich höher angesetzt als im Jahre 1916. Allerdings darf man nicht übersehen, daß die hieraus fließenden Ueberschüsse nicht in voller Höhe für die laufenden Ausgaben zur Verfügung stehen. Die Reinüberschüsse der Eisenbahnverwaltung können nur noch bis zur Höchstgrenze von 2.10 Proz. des zuletzt abgerechneten statistischen Anlagekapitals verwendet werden; soweit sie diesen Prozentsatz über steigen, stießen sie dem Ausgleichsfonds zu, und von den Ein nahmen aus den direkten Steuern müssen auf Grund des K 3 des Gesetzes betreffend die Erhöhung der Zuschläge zur Ein- fownenst»«?? nt-ck, zrlrErgö.nznngS� i,-r �n,>ächst li>AMiüi'n. Mark zur Deckung der Fehlbeträge der vorausgegangenen Etats- jähre verwendet werden, Vom rein ctatStechnischcn Standpunkt auS wird mau sich mit diesen Grundsätzen, an die die Regierung bei her Auf stellung des Etats gebunden ist, wohl abfinden können. Die E i s e n b a h n ü b e r s ch n s s e haben sich zwar Jahre hin durch auf einer steigenden Linie bewegt, aber eS bat auch nicht an Jahren gefehlt, wo die Ergebnisse weit ungünstiger waren. Noch schwankender sind die Einnahmen aus den direkten Steuern. Konnte die Regierung früher etwaige Fehlbeträge cipes Rechnungsjahres stets ans Defizitanlcihe übernehmen, weil erfahrungsgemäß durch hinterher wieder eintretende günstigere Jahre die Ucberschüstc so hoch wurden, daß mit ihrer Hilfe die Fehlbeträge entweder ganz oder zum großen Teil ivieder abgetragen werden konnten, so ist dies Verfahren hellte, wo man die Gestaltung der Finanzen während des Krieges»nd nach dem Kriege noch gar nicht übersehen kann, unmöglich, denn würde sich ein Defizit an das andere reihen, so wäre schließlich die slnlcihesunime so hoch, daß sie durch spätere Ueberschüsse kaum wieder abgestoßen werden könnte. Von diesen Erwägungen ausgehend hat denn auch der Landtag im vorigen Jahr der von der Regierung beantragten Neu- ordnung der Finanzen zugestimmt, zumal da er es in Uedereinstimmung mit ihr für unvereinbar mit einer ge sunden Finanzwirtschaft hielt, daß Tefizitanleihen, also An leihen zu nicht werbenden, sondern absolut unproduktiven Zwecken, in größerem Umfang aufeinander folgen. Ein Zeichen der Zuversicht in die Entwicklung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse ist es. wenn die Regierung allem bei der Einkommensteuer mit einer M chreinnahme v o n 147 Millionen M a r k und bei der Ergänzungssteiler mit einer solchen von 14 Millionen Mark gegenüber dem laufenden Jahre rechnet; sie geht dabei von der Ansicht aus, daß sich die Einkommens- und Vermögcnsverhältnisse so ge- bessert haben, daß ungeachtet der Ausfälle, die der Krieg im Gefolge hatte. Ersparnisse und Rücklagen in entsprechender Höhe gemacht werden konnten. Ob diese Erwartung in Er- füllung geht, wird die Zukunft lehren. Eine Kleinigkeit bc deuten die 500 Millionen, die aus der Einkommensteuer und die 80 Millionen, die aus der Ergänzungsstcuer herausgeholt werden sollen, nicht, denn wenn man auch zugibt, daß in manchen Industrien im vorigen Jahre Riesengewinne erzielt und verhältnismäßig hohe Löhne gezahlt sind, und daß auch die Landwirtschaft glänzende Geschäfte gemacht hat. so darf man doch ans der anderen Seite nicht übersehen, daß in wehr als einem Jndnstriezlveig eine völlige oder teilweise Arbeitslosigkeit herrschte und daß von den unter den Fahnen Stehenden nur ein ganz geringer Prozentsatz zur Steuer veranlagt werden kann. Ebenso günstige, vielleicht noch günstigere Hoffnungen knüpft die Regierung an die Gestaltung der E i s e n b ahn- einnahmen. Wenn sie auch mit erheblichen Ausgabe- erhöhungen rechnet, nickt nur ivegen der notwendigen Er höhung des Ausgleichsfonds. sondern auch wegen der stärkeren Abnutzung des Betriebsparks und deS Materials, wegen der erhöhten Ausgaben für Löhne. Bedarfsgegenstäilde usw., so schöpft sie doch daraus, daß der Verkehr sich mehr und mehr dem Fnedenszustand genähert, der Güterverkehr teilweise sogar den Fnedenszustand überschritten hat. die Hoffnung auf erhebliche ueberschüsse. Die Summe aller für das Rechnungsjahr 1917 veran- ichiagten Einnahmen der Eisenbahnverwaltung beläuft sich auf 2897 Millionen Mark, die Summe aller Ausgaben einschlietz- lich der in den Ausgleichsfonds abzuführenden 1 297 348 Mark auf 2629 Millionen Mark, so daß sich im Ordinarium ein R e i n ü b c r sch utz von 277 Millionen Mark ergibt. Bei den außerordentlichen Ausgaben ist die Verwaltung mit großer Vorsicht verfahren. Forderungen für neue Bauten sind nur in beschränkter Zahl in den Etat aufgenommen, well die noch immer durch den Krieg beherrschten Zeitverhältnisse dazu zwingen, alle nicht unaufschiebbaren Bedürfnisie bis auf weiteres zurückzustellen. Die(Geldmittel konnten daher über- wiegend für bereits genehmigte Bauren angesetzt werden; hierdurch wird die Sicherheit gegeben, daß die Bautätigkeit, sobald dies nach der weiteren Entwicklung der Verhältnisse möglich und notwendig wird, wieder in vollerem Ilmfange ausgenommen werden kann/ Im Etat der Bergverwalt u n g sind die Preise der Erzeugnisse— der allgemeinen Steigerung entsprechend— höher angenommen worden. Infolgedessen erscheinen bei den Steinkohlen- und Erzbergwerken sowie den Hütten größere Roheinnahmen. bei den übrigen Werken Mindereinnahmen. Emem ganz bedeutenden Einnahme a u s f a l l. der auf das Fehlen des Auslandsabsatzes zurückzuführen ist, begegnen wir bei den Bernsteinwerkcn. Leider hat die Verwaltung auch in diesem Jahre wieder von der Beifügung einer besonderen Nach- Weisung über die Verkaufsmengen nnd Preise der Erzeugnisse der Staatswerke sowie von besonderen Nach- Weisungen über die Einnahmen und Ausgaben der einzelnen Werke Abstand genommen. Das eine aber geht deutlich aus dem Etat hervor, daß die ordentlichen Einnahmen aus den Staatswerken insgesamt auf 53.7 Millionen Mark höher geschätzt werden, als im laufenden Etat, ivährend die Summe der dauernden Ausgaben nur um 47,5 Millionen Mark steigt. Die Mehrausgaben sind in Höhe von 14,8 Mil- lionen durch höhere Materialicnpreise und in Höhe von 26.8 Millionen Mark durch die Löhne bedingt, die trotz gc- ringerer Belegschaft um diesen Betrag gestiegen sind. Trotz- dem wird der Reinertrag der Bergverwaltung noch auf 22.3 Millionen M. gegen 29,9 Millionen M. im laufenden Etat geschätzt. Aus den Domänen und F o r st e n dagegen werden nur 9.4 Millionen Mark mehr an Reinerträgen erwartet. Mindereinnahmen weisen die indirekten Steuern auf, der Ertrag ans den Stempelsteuern ist um 26 Millionen, der ans den Gerichtskosten um 35 Millionen herab- gesetzt. Die öffentliche Schuld erfordert eine Mehrausgabe von 45,4 Millionen Mark. Dieser Mehrausgabe steht eine Mehreinnahme von 84,5 Millionen Mark gegenüber, wovon allem 34 Millionen Mark auf den Anteil der Eisenbahn- Verwaltung entfallen. Beim Finanzmimsterinm sind die Mittel für gesetzliche Witwen- und Waisengeldcr um 1,7 Millionen Mark gesteigert: für dir nach dem Gesetz vom 21. Juni 1916 zu erhebende außerordentliche Reichsabgabe im Postverkehr mußten 6 Millionen Mark bereitgestellt werden. Als Zu- schuß zn dem Fonds für Unterstützungen, an ausgeschiedene Beamte und an Witwen und Waisen von Beamten aller Verwaltungen sind im Extraordinarium des Etats des Finanz- Ministeriums 3 Millionen Mark ausgebracht(statt 1,5 Millionen Mark für 1916). Im übrigen ist der Etat im allgemeinen nach den Grund- i ätzen aufgestellt, wie dies für die Jahre 1915 und 1916 ge- chehen ist. Von der Streichung oder Kürzung solcher Positionen� die sich als Ausnahmegesetze darstellen, hat die Regierung bedauerlicherweise Abstand genommen, sie hat wieder einmal die Gelegenheit vorübergehen lassen, die Absichten, die sie hinsichtlich' der von ihr verheißenen Neu- vnentierung hegt, auch nur symbolisch anzudeuten. die Seöeutung üer üeutsch-türkischen Verträge. Der türkische Minister deS Aeußern, Haiti B e y, gab am Dienstag in der türkischen Kammer eine Erklärung zum Abschluß des deutsch- türkischen Abkommens ab, das auf der Grundlage der Gegenseitigkeit und des Völkerrechts die recht- lichen Beziehungen der Türkei zum Deutschen Reiche regelte und deren Bedeutung für die Türkei er als sehr groß be- zeichnete. Er loirS ans die durch die Kapitulationen geschaffene rechtliche Ungleichheit zwischen den Osmancn und den Ausländern hin sowie auf die Hemmungen auf Wirtschaft- lichem Gebiete und fügte hinzu: Unser Land stand vor dem Kriege außerhalb des euro- päischen Völkerrechts. Durch die Abschaffung der Kapitu- lationcn haben wir unsere Gleichheit erklärt und heute durch die erstmalige Unterzeichnung eines Vertrages auf der Grund- läge der Gleichheit und Gegenseitigkeit unseren Platz unter den Mächten eingenommen, wodurch wir 'unsere volle innere wie äußere Souveränität wiedererlangten. Der Minister sagte, das Ereignis könne von den Osmanen als der Beginn einer Epoche der Wohlfahrt be- i rächtet werden.__ Spanische Schiffe mit deutschen Geleit- briefen. Eine Willkommensnote Englands. Bern, 15. Januar. Tie Madrider Presse veröffentlicht eine Note des englische» Botschafters in Madrid, der erklärt, daß mit deutschen Gelcitbriefen versehene spanische Schiffe unbehindert die englischen Häfen anlaufen dürfen, obwohl England angesichts eines von einer feindlichen Macht ausgestellten Gelcitbnefes berechtigt wäre. Papiere nnd Ladvng des Schiffes einzuziehen. Die englische Regierung habe nicht einmal die Frage erörtert, ob es angebracht sei, die Ausfuhr spanischer Früchte nach Deutsch- l a n d zu verhindern. England verlange von den neu- t r a l e n Nachbarn Deutschlands die Zusicherung, daß von ihnen eingeführte Früchte nicht in Feindesland weiterverkauft würden. Holland werde baldigst ein Abkommen ab- ichließen, das ihm die Einfuhr ausländischer Früchte, besonders spanischer durchaus gestatte. Seschränkung öer Lebensmittelausfuhr in Gnglanü. Londinl, 16. Januar. Reuter meldet: Eine Untersuchung der Kommission für Lebensmittel und Brennstoffe in Cardiff habe ergeben, daß neutrale Schisfo trotz des in England herrschenden Lebensmittelmangels Verhältnis- mäßig große Vorräte eingenommen haben.' Die Kommission fordere nun die Ausstellung eines Lebens- mittelkontrolleurS in jedem Hafen und der- lange iveiter, daß die neutralen Schiffe Listen der an Bord befindlichen Vorräte anlegen, und daß von den britischen Behörden Bestimmungen für die einzunehmenden Höchst summen an Vorräten erlassen werden. die magere Gffensiv-Silanz. Ein Geständnis aus Eutente-Kreisen. Bern. 15. Januar.(W. T. B.) In einem Leitartikel schreibt„Temps". Frankreich ntiiffe auf allen Gebieten Höchst- anstrengnngen unternehmen nnd in nationaler wie inter- nationaler Beziehung, in den Fragen der Landesverteidigung. der Trnppenbestände. des Kriegsmaterials müsse das Pro- gramm, dessen Richtlinien von allen Alliierten gebilligt worden seien, nun endlich auch durchgeführt werden. Das Jahr 1916 habe den Alliierten mit den Kämpfen bei Verdun und im Trentino in defensiver Hinsicht gute Erfolge gebracht. Bezüglich der Offensive sei die Bilanz magerer. Die Sommeschlacht habe nur sehr beschränkre und nur taktische Früchte getragen. Tie Brnssilowsche Offensive habe die strategische Lage ans der Ostfront nicht verändern können. Ter dunkle Punkt im Jahre 1916 sei der Balkan, wo die Alliierten die Bedingungen und Folgen ihren Handlungen ständig ver- kannten. Rumänien habe im Augenblick angegriffen, als die russischen Kräfte erschöpft waren. Die Saloniki- Expedition habe nur ein geringes Ergebnis gezeitigt. Die Handlungsweise der Alliierten gegenüber Griechen- l a n d habe die Lage noch verschärft. Die Verantwortlichkeiten der einzelnen Alliierten würden später festgelegt werden, aber schon heute stehe fest, daß die Uebereinstimmung in ihren Bemühungen weit unter dem Wünschenswerten und Erreichbaren bliebe. Bisher hätten die zahlreichen Zusammenkünfte der Ober- hä.upter der verbündeten Regierungen in der Hauptsache Salonunterhaltungen geglichen, es sei unumgänglich notwendig, eine Arbeitsmethode, ein Arbeitszentrunl zu schaffen. In einem Kriege, wie dem gegenwärtigen seien Improvisationen und I m p r o- V i s a t o r e n nicht a m Platz. Dies Selbstgeständnis aus den Reihen der Entente zeigt die ozeanbreite Kluft, die zwischen dem Stande des Krieges und dem Willen der Ententekämpfer, bis zum Siege zu kriegen, gähnt. Der Wahnsinn, der sich in dieser.Kriegswütig- keit offenbart, hat aber imperialistische Methode. » Die Zahl soll es bringen. Auch der Kriegsfachmann der„Times". Oberst Repington. revidiert das Ergebnis der letztjährigen Kriegführung. Er ist der unentwegte radikale Erdrückungsstratege. der sich von den Erfahrungen der Entente nicht belehren läßt. Wie die rufst- schcn Heerführer, hat auch er den Glauben, daß die Massen- walze entscheiden werde. Er schreibt: Die Lage an der Westfront ist so, daß die Zahl der französischen. englischen und belgischen Divisionen, selbst wenn, man aus die wechselnde Stärke der Divistonen aus beiden Seiten Rücksicht nimmt, doch nicht so groß ist, daß sie in einem Offensivlampfe eine Entscheidung verspricht. Bor dem Kriege nahmen wir an, daß für einen Angriff eine Uebermacht von zwei oder selbst drei gegen einen nicht zu groß fei, und wir müssen immer von neuem wiederholen, daß wir keineswegs über ein« solche Ueber« macht verfügen, und daß doch der Sieg davon abhängt, ob wir sie bekoinmen. Es ist außerdem für die Deutschen jederzeit möglich, int Westen die mobilen strategischen Regimenter in die Wagschale zu werfen, die sie jetzt gegen Rumänien verwenden. Wenn wir im Jahre 1917 nur eine geringe Uebermacht gegen den Feind ins Feld bringen können, können wir billigeiweise auch nicht mehr erwarten, als einen kleinen Erfolg. Der Grundsatz Nelsons, daß die Zahl allein den Feind vernichten kann, hat sich immer wieder als richtig herausgestellt, und es muß infolgedessen unser Hauptziel sein, diese Zahl, sowohl was Mannschaften als was Ge- schütze betrifft, aufzubringen. Oberst Repington fährt fort, daß Politiker, die im übrigen tüchtig seien, diese höchst einfache Theorie nicht einsehen wollen und tadelt die Zersplitterung der Kräfte in verschiedene Expeditionen. Erst seit der Konferenz in Rom könne man hoffen, daß der Rat sachverständiger Soldaten wie Cadorna und Robertson befolgt werden würde. Ter Hieb geht gegen die Orientaktionen, an denen Frank- reich mehr Interesse hat als England. Repington will die ganze Wucht auf die Westfront sammeln. Was die Russen in Galizien und so viel anderen Gebieten der Ostfront versucht haben, das soll schließlich im Westen gelingen. Aber gerade der Ausgang der russischen Aktionen ist beweiskräftig dafür, daß Nelsons Ansicht veraltet ist. Heute ist eS beim Krieg- führen eben nicht mehr die Zahl allein, die den Feind ver- nichtet. Sie bleibt roh und plump, wenn nicht strategisch das Genie sie bewegt. Aus die Bewegung der Zahl kommt es an. Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, lö. Januar. Bulgarischer Heeresbericht. Mazedonische Front: Schwaches Artilleriefeuer auf der ganzen Front. Lebhafte feindliche Lufttätigkeit in der Gegend von M o n a st i r. int Wardartal und an der Struma. Wir brachten ein feindliches Flugzeug, das über die Umgebung von Xanthi flog, durch unser Artilleriefeucr zum Absturz. Das Flug- zeug versank sin Meer. Rumänische Front: Bom rechten Donau-Ufer au« wurden durch unser Artilleriefeuer Eisenbahnanlagen in der Um- gebung von G a l a tz beschosien. Feindliche Artillerie erwiderte mit schwachem, unwirksamem Feuer. » Französischer Heeresbericht der Orientarmee vom Ib. Januar. Das schlechte Wetter verursachte zahlreiche Ueber- schwemmungen. SuS der Gegend des PrespaseeS werden heftige Schneestürme gemeldet. Der Feind entfaltete einige Tätig- keit an der von den Italienern gehaltenen Front. Dort wurde ein Angriff abgeschlagen und wurden Gefangene gemacht. Heftige Be- schießung am War dar und in der Gegend von Rape«; uusere Artillerie erwiderte heftig. In Butire», nördlich von Arnams wurde ein Munitionslager zerstört. Südlich des OchridaseeS einige Gefechte, so besonders bei Veliierna, wo eine unserer indo- chinesischen Abteilungen mitkämpfte. Eine andere Abteilung machte leichte Fortschritte über Speti hinaus. Der russische Heeresbericht vom 13. Januar sagt von der ru- manischen Front: Die Rumänen oriffen den Feind aus den Höhen sieben Werst südöstlich von Monastirra-Kaschinul am K a s s i n a- fluß ack und warfen ihn noch heißem Bajonettkampf ein Werst nach Süden zurück. Feindliche Abteilungen, die in der gleichen Gegend zum Angriff vorgingen, wurden nicht nur von den durch ruffische Truppen unterstützten Rumänen abgewiesen, sondern auch noch zwei Werst nach Süden zurückgedrängt. In der Gegend von Badens, zehn Werst südwestlich Galatz, mochte der Feind, etwa ein Regiment stark, einen Angriff auf unsere Wachen, die sich etwas nach Norden zurückzogen. Fcindlicbe Abteilungen griffen, noch starker Artillerievorbereitung, mehrmals unsere Stellungen in der Gegend von T s ch i u s l e i, 12 Werst nordöstlich von F o c s a ni. an. Alle Angriffe wurden mit großen Verlusten für den Feind abgeschlagen. General Smuts verläßt Deutsch-Gftafrika. London, 15. Januar. Meldung d«S Reuterschrn Bureaus. Amtlich wird mitgeteilt: Der Burrngeueral Smuts, der die englischen Streitkräfte in Lstafrika befehligt, wird Südafrika bei der bevorstehenden Reichskonferenz in London vertrete», da drr Premierminister, General B» t h a, in Anbetracht der wichtige« Fragen, die in der kommenden Session des südafrikanischen Parka- ments besprochen werden sollen, an der Konferenz nicht teilnehmen kann. London, 16. Januar. Reutermeldung. Die Mitteilung deS Kriegsministenums, daß der Burengeneral Smuts, der Befehlshaber der britischen Streitkräfte in Ostafrika. Süd- afrika auf der bevorstehenden Reichskriegskonferenz in London vertreten wird, enthält folgende Einzelheiten über die Lage in Ostafrika: Die militärische Lage in Ostafrika ist glücklicherweise derart, daß sie einen Kommandowechsel und eine gewisse Reorganisation verhältnismäßig einfach macht. In der Tat wären die Maßnahmen, die jetzt ins Auge gesaßt sind,. als Folge der plötzlichen Abberufung des Generals Smuts, für seine Stelle und auch sonst in jedem Falle binnen kurzem getroffen worden. Genoral Smuts übernahm im Februar 1916 den Oberbefehl, als ganz Deutsch-Ostafrika sowie ein gewisser Teil britischen Gebietes im feindlichen Besitz war. Gegenwärtig, elf Monate später, in nichts von Teutsch-Ostasrika dem Feinde geblieben außer einem verhältnismäßig kleinen unbedeutenden Gebietsteil im Süden und Südosten, wo sich seine Streitkräfte auf ihrem Rückzüge sammeln. Ter Feind besitzt nicht eine einzige Bahn, Stadt. oder einen Hafen, die schwachen und sich vermindernden Transportmöglichkeiten beschränkten seine Bewegungsfähigkeit für Angriffsunternehmutigen auf schwache Kräfte oder einen endgültig beschränkten Umkreis. Während der letzten zehn Tage hatten die Operationen an der M g e t a- front zur Folge, daß der Feind sich über den R u f i d s ch i zurückzog. Wir halten jetzt einen wichtigen Uebergang über diesen Fluß und können uns bewegen, je nachdem die Gelegenheit es verlangt. An den anderen Fronten ist der Feind während der gleichen Zeit, offenbar in Ueber- einstimniung mit einem Plane für einen allgemeinen Rückzug auf neue Linien, gewichen. Unter diesen Umständen ist es möglich gewesen, dem Wunsch der Regierung der Südafrikanischen Union nachzukommen, die Beurlaubung Generals Smnts vom Kommando in Ostasrika in die Wege zn leiten. Zu vorstehender amtlicher Meldung wird vom Wölfischen Bureau bemerkt: Smuts ist eS trotz seiner wohl zehnfachen Uebermaitit nicht gelungen, Ostastiko in elf Monaten in seinen Besitz zu bringen. Das Gebiet, dos von unserer tapferen kleinen Schutztruppe noch besetzt gehalten wird, umfaßt einen Raum von zirka Hundertvierzigtausend Quadratkilometern und entspricht somit ungefähr dem Flächeninhalt vou Bayern, Württem- berg. Boden. Elsaß-Lothringen und Sachse», es wird unbegrenzt im Norden durch den Rusidifluß, im Westen durch daS Ruduhj« Kilombero und den Nyasia-See und im Süden durch den Rowuma- fluß. Im Osten befindet fich lediglich das Küstengebiet in femd« licher Hand. Hieraus erhellr, daß der.verhältnismäßig kleine un- bedeutende" Gebietsteil doch noch einen ganz erheblichen Umfang ho!. Inwieweit die Bewegungsfreiheit der deutsckien Truppen beschränkt ist, steht man am besten aus der Offenfivbewegung gegen die auf deutsches Gebiet vorgedrungen gewesenen Portugiesen. Diese Aktion warf nicht allein in wenigen Tagen die Portugiesen aus Deutsch-Ostafrika hinaus, sondern führte die Schutztruppe sogar über den Rowunafluß nach Portugiesisch-Mozambique. Die Kämpfe am Tigris. Englischer Bericht. Die Kampshandlungen am Tigris waren durch Ueber- schwemmung des Landes sehr gehindert. Am 11. Januar besetzte unsere Kavallerie die Ortschaft Hai am Schat-el-Hai. wobei sie Gewehre. Munition und Vorräte erbeutete. Am selben Tage wurden vier feindliche Schiffe, wovon eins Truppen an Bord führte, durch unser Artilleriefeuer im Tigris versenkt. Während deS 11., 12. und 13. Januar machten unkere Truppen weitere Fortschritte auf dem rechten Tigrisuser östlich und westlich von Kut-ol-Amara. Zwei Schützengrabenmörser, zwvi Maschinengewehre und Bomben wurden erbeutet. Mit Ausnahme eines schmalen GebietSstreifens am Bend flusse nordöstlich Kut-el-Amara, auf welchem sich der Feind noch hält, ist das ganze rechte TigriSufer östlich von Schot- el-Hai gegenwärtig von feindlichen Truppen gesäubert. China und Wilson. Die Agence Havas meldet: In seiner AnWort an Präsi- beut Wilson erklärt China, eine friedliche Nation zu sein und im Augenblicke seiner Reorganisation betroffen worden zn sein. ES könne an die im Kriegszustande befindlichen Länder nicht mit der Zumutung um wirtschaftliche und industrielle Unterstützung herantreten. China äußert seine Sympathien für die Note des Präsidenten Wilson, die das Ende des Krieges bezweckt und erklärt sich bereit, in Zukunft mit allen Mitteln dazu beizutragen, daß die Gnrndsätze der Gleichberechtigung der Nationen respektiert werden. Die Mtwort Südamerikas. Der Agenzia Americana zufolge wird Brasilien auf die Note Wilsons in Uebereinstunmung mit den übrigen siid- amerikanischen Staaten antworten. Der amerikanißh-mexitanifihe Streit. Von der Schweizer Grenze, den 16. Januar. Nach der„Kölnischen Zeitung" meldet der Schweizer Preßtelegraph aus Madrid, der dortige mexikanische Gesandte teile mit, daß die RegierungStruppen die Streitmächte 23 i II a s in der Nähe von Jlmenez vernichtend geschlagen haben. Die Partei- tänger Villas, die Truppen Zapatas und die Truppen Felix )iaz, die sogenannten Feli�islas, hätten keinen einzigen Ort mehr in der Hand. Der Rückzug der amerikanischen Truppen ans Mexiko wird in der in New Jork zusammentretenden Sonderkonferenz der amerikaitisch- mexikanischen Äom- Mission amtlich mitgeteilt werden. Der amerikanische Bot- schaster wird demnächst seinen Posten in Mexiko wieder ein- nehmen. Nr. 16.- 1917. Unterhaltungsblatt des Vorwärts Mitwoch.l?. Januar. Erinnerungen an Mert Niemann. R i e m a n n§ Humor. A!bert Niemann hätte nickrt der echte Germane sein müssen, der er war. wäre er nicht ein Freund deS Humors und selbst reich mit dieser köstlichen Gabe gesegnet gewesen. Vollblütig und kraftvoll, wie er in ollem war, halte er auch auf dem Gebiete des Scherzes und de§ Humors eine natürliche Vorliebe sür daS Kräftig-Derbe, und zuweilen hotten seine Kollegen in Apoll unter seinen witzigen Einfällen ibr Teil zu leiden. So wurde im Berliner Opernhause einmal eine Oper gegeben, die.Fri.'bjos" hietz und in der Niemann die Titelrolle gab, während der treffliche Betz den allen König Ring spielte. Alles war glücklich vorüber. König Alling gestorben und auf offener Szene auf dem Totenschiffe auf- gebahrt. Nun soll Frithjof kommen und von ihm Abschied nehmen. Hinter den Kulisjen sieht Niemann zum Austreten bereit, als er plötzlich argwöhnisch die Luft durch die Rase einzieht. Wonach riecht es denn da so sonderbare Er blickt empor und sieht zwei Äulissew arbeiter eben im Gewölk duftigen alten Käse essen. Im Flüster tone schnauzt er die Arbeiter an, dost sie sich eilig aus dem Staube machen, ober bei dieser Flucht sällt dem einen ein„wohl- riechender" Harzer herab und Niemann just vor die Füße. Scbon will den Künstler der Aerger packen, da huscht plötzlich ein Schmunzeln über sein Gesicht, er bückt sich, greift den in Papier eingewickelten Käse auf und betritt so bewaffnet die Bühne. Dort schmettert er seine Arie in den Zuschauerraum und tritt dann mit den gerührten Worten:„Leb wohl, du lieber Freund" an die Bahre. um dem Toten die Augen zuzudrücken. Diese Gelegenheit benutzt Niemann, um dem toten König den Harzer.gerade unter die Rate auf die Oberlippe zu legen. Nim mutz man wissen, dcitz Betz ganz und gar kein Freund dies«? Naturproduktes war, und man wird verstehen, dost er über Niemanns Streich in Empörung geriet. Aber was halfs? Er mußte ja tot sein, durfte sicki nicht rühren und kein lautes Wort wagen. Wütend richtete er an Niemann mehr gehaucht als geflüstert unzweideutige Liebkosungen, aber Nicmann erwiderte nur immer gelasien:„Sei still— du bist tot'." Wie Niemann England strafte. Es war in dem politisch reichbewegten Jahre 1b64. Das Schicksal Schleswig' Holsteins erfüllte alle Deutschen mit Anteil und Sorge, und zu Hannover fand im Januar eine große �Versammlung zugunsten der bischte der meerumschlungenen Landesleute statt. Zugleich wurde eine dreiste Note Lord Rüssels bekannt, die Oesterreich und Preußen in anmaßender Weise zur Mäßigung ermahnte, ja geradezu eine das deutsche Gefühl beleidigende Drohung enthielt. Die Empörung war allgemein. Am Abend wurde im Hostheater zu Hannover, dessen hellstrahlender Stern Niemann in der Fülle seiner Kunst und Kraft damals war. Marschners.Templer und Jüdin' unter der persönlichen Leitung des TonsetzerS gegeben. In der Oper kommt jene berühmte Arie vor, in der der Templer singt:„Du stolzes England, freue Dichl" Niemann aber iong an diesem Abend statt dieser Worte:„Du stolzes England schäme dich!" Zwar tat er gleich, als ob er sich versprochen habe, und lenkte in den richtigen Text wieder ein— aber man hatte ihn verstanden. DaS Publikum antwortete mit lautem Jubel, während Marichner entsetzt den Taktstock aus der Hand legte. Die Freude des Publikums aber war so groß, daß Niemann den Thearervor« schriften zuwider vor dem Vorhange erscheinen mußte. Der englische Gesandte verlangt« Zkiemanns Entlassung, aber König Georg, dessen besonderer Liebling der Künstler bekanntlich war und der übrigens selbst der Vorstellung beigewohnt halte, dachte nicht daran, de» Sänger wegen dieser vaterländischen Kundgebung zu en klaffen. So hat Niemaun England gestraft. N i e m a n n und Wagncr. Die erste Begegnung zwischen Wagner und Nicmann fiel in den Juli 1857. Dogner empfing den Sänger, der sich damals eben mit Marie Stebach verlobt hotte, jn seinem bescheidenen Häuschen ain Zürichsee. Er hatte von diesem genialen Darsteller seiner Heldengestalten wohl schon gehört, und so begeistert war ihm über ibn berichtet worden, daß er ihn bereits briefltch zu seinein künftigen„Siegfried" ernannt hatte: aber jetzt trat der damals Siebenundzwanzigjährige zum ersten Male persönlich vor den Meister. Nicmann hat später selbst erzählt, wie scharf Wagner ihn bei dieser Gelegenheit beobachtet und geprüft hat. Er ließ seine Blicke nicht von dein Säuger, bohrte ne gleichsam in ihn ein. beobachtete die Art seiner Bewegungen, belauschte den Klang seiner Stimnie, stichle in den Tiefen icuier Seele zu lesen und konnte schließlich in hoher Freude erlennen, daß er in Riemann seinen Mann gefunden halte. So war es Riemann. auf den die Wahl fiel, bei der berühmien Erstaufführung des„Tann- häufet" in Poris den Helden darzustellen Monatelang hat Nicmann damals mit Wogner studiert und gearbeitet. DeS Meisters Be- Ivlindcrung sür RiemannS Künstlcrschaft wurde durch die nähere Bekanntschaft nur gesteigert. Er bezeichnete ihn als„durchweg erhoben" und als einen„großen Künstler der allcrseltensten Art". Im übrigen meinte er:„Der Mann hat unerschöpfliche Fähig- leiten. Roch ist er fast roh und alles in ihin tat bisher nur der Instinkt. Jetzt hat er monatelang nichts anderes zu tun, als sich von mir leiten zu lassen." Darin freilich traf Wagner wohl nicht ganz das Richtige. Niemann war damals nicht mehr das künstlerische Raturkind, daS Wagner in ihm zu sehen meinte, sondern war bereits zu weitgehender Selbständigkeit gereist. Und wenn Wagner am liebsten einen Sänger gehabt hätte, der in seinen Händen wie weiches Wachs sein sollte, so war Zkiemonn nicht von dieser Art. Dies ist wobl die Wurzel gewesen, aus der jene Eni- iremdung hervorwuchs, die damals in Paris zwischen dem Ton» dichter und seinem Darsteller entstanden ist. Die abscheulichen Vor- gänge bei der Pariser Aufführung, die allen Teilen auf die Nerven fielen, haben wohl auch daS Ihrige dazu beigetragen— kurz, das Tischtuch zwischen den beiden war zerschnitten, und ein volles Jahr- zchnt hindurch stand Wagner dem Künstler grollend gegenüber. Es war RiemannS Kollege Franz Betz, der die Wiederversöhnung anbahnte, und am 22. Mai 1872, bei der Grundsteinlegung in Bayreuth war Rie- manns Reckengestalt bereits wieder unter den Gästen zu sehen. Er war ei damals, der die Tenorpartie im Chore der Neunten Sinfonie sang und seine herrlich« Stimme dünkt« den Anwesenden wie eine Siegesbotschait. Damals bei der Probe verlangte Riemann, daß Wagner ihm den Takt schlüge, er lönne sonst nicht singen, ober Wagner versetzte:„Ich schlage nicht Takt, dadurch würde der Vor- trag steif; wir muffen diesen Satz ganz frei vortragen. Ich male eS Ihnen in die Lust. Sie sind ein so vorzüglicher Künstler und können es; daruni Habe ich Sie erwählt." AnS dieser Zeit stammt RiemannS unvergeßlicher, unvergleichlicher Siegmund und seitdem bat Niemann zum engen Freundeskreise deS Meisters sich zählen dürfen. Ihr Verhältnis war jetzt auf einer schönen gegenseitigen Wertschätzung und Achtung aufgebaut. Als Wagner bei den Proben 1875 eine Szene im zweiten Akte plastisch vorspielte, da rief Niemann:„Ja, lieber Meister, das paßt sehr gut für Ihre Figur, aber nicht für mich. Ich nniß bei meiner Größe doch Bewegungen machen, die mir gemäß sind." Sofort gab Wagner die« zu und sagte:„Ich sehe. Sie haben mich richtig verstanden, darum ollein bandelt es sich; spielen Sie jetzt nur, wie es Ihnen recht dünkt." Jn seinem Rückblicke aus die Festspiele von 1876 hat Wagner dem Künstler ein rühmliches Denkmal gesetzt, indem er Niemann als das eigentliche Enthusiasmus treibende Element deS ganzen Bayrembcr Künstlervereines mit Namen nannte. RiemannS Tristan war für Wagner ein Erlebnis. Er schrieb ihm:„Ihr Tristan ist und bleibt eine fabelhafte Tal. Wer an Sie nicht glauben will. kann eS nicht weit bringcir." An jenem Wintertage des Jahres 1883, da sie Wagner zur letzten Ruhestätte trugen, befand sich auch sein Siegmund und Tristan im Leichengefolge, und bis zum letzten Tage seines Lebens hat er als heilige Reliquie, mit einem Seiden- bändchen sorgsam umwunden, einen Brief des Meisters aus jenen stürmischen Tagen aufbewahrt. Er war in den Stunden bittersten Unmutes geschrieben und Stiemann hatte ihn gelesen, aber kein zweites Aiige sollte bei Lebzeiten den Inhalt deS Briefes kennen lernen. Ter Brief war ihm ein Heiligrum, der alte Zwist aber war begraben._____ kleines Zeuilleton. kriegseerungenjchast. Eins stihlt man selbst als Kriegsbetäubter Wie stiller Freude« reinsten Ouell; Riinisier und Staatsoberhäupter. Sie leben lurz und stürzen schnell. Zum Beispiel: Rußland. Einst im Frieden Trug manch ein Kerl sein Portesolch So long bis spät er erst verschieden Durch Zarenungunst oder Dolch. Jetzt fliegt ein Trcpow in vier Wochen Dort, wohin man den Absall fegt. Der stärkste Mann wird durchgebrochen, Wobei sich nicht mal Mitleid regt. Ja, ja. die Zeit ist roh und häßlich, DaS Heiligste wird unlerwühlt. ES find selbst Posten nicht verläßlich, Die man für unangreifbar hielt. Man lann bor Rücksicht sich nicht lassen, Wo jede Rücksicht früher schwieg— Selbst aus deS Volkes breite Mafien. Denn ohne sie— wo blieb' der Krieg? Verächter jeglicher Mysterien Erhoffen Schluß deS Krieges dreist, Wenn aus Europas Mirnsterien Man noch ein Dutzend Trepows schmeißt? G r e g e r s Kerle. Der Irieöensappell eines englischen Gelehrten. Erst vor kurzem, schreibt die„Morning Post' vom 10. d., konnte das englische Parlamentsmitglied C. P. Trcvelhan den brr- tischen Zensor mit einer an Amerika gerichteten Friedenskundgebung hintergehen. Nun hat eine noch wichtigere Persönlichkeit den Zensor getäuscht. Die„Los Angeles Times" weiß darüber zu berichten: Die britische Regierung hatte dem Pros. Russell die Reise nach Amerika, wo er auf der Harvard Universitär Borlesungen halten sollte, untersagt; es gelang ibm jedoch, durch eine hübsche junge Engländerin, die jetzt in New Dork eintraf, einen jSrief durch die englische Zensur zu schmuggeln, in dem er den Präsidenten Wilson inständigst ersucht, seine» ganzen Einfluß auszubieten, um den Krieg zum Abschluß zu bringen. Mr. Russell. Professor am Trinith College, Cambridge, hat sich in der Welt durch seine Werke über Philosophie und Mathematik einen Namen gemacht, fiel jedoch bei seiner Regierung unlängst wegen Friedensäußerungen in Ungnade. Der Brief, der dem Prä- sidenten von einer Deputation amerikanischer Neutralisten überreicht werden wird, lautet: „Herr Präsident! Es bietet sich Ihnen eine Gelegenheit, der Menschheit einen Dienst zu erweisen, wie ihn so groß nicht eiiaual Abraham Lincoln geleistet hat. Jn Ihrer Hand liegt es, diesen Krieg zu einem gerechten Ende zu bringen, der alle Furcht vor neuen Kriegen in naher Zukunft bannt. Es ist nicht zu spät, die Zivilisation Europas vor der Vernichtung zu bewahren, wohl ober mag eS dazu zu spät sein, wenn der Krieg, wie unS unsere Milita- listen androhen, noch zwei bis drei Jahre währt. ES mag wundernehmen, daß die öffentliche Meinung an- scheinend alles guibeißt, was die Regierenden für die Fortsetzung des Krieges tun. Aber dieier Anschein ist trügerisch. Für die Fort- ietzung deS Krieges fetzen sich einflußreiche Persönlichkeiten und die Presse ei», die unter der Kontrolle der Regierung steht. In allen anderen Geiellichansichichten fühlt man ganz anders. alä_ eS in der Zeitung sieht, aber die öffentliche Meinung erfährt nichts davon, und die, welche sich dagegen auflehnen, werden mit so schweren Strafen belegt, daß nur wenige den Mut aufbringen, öffentlich zu protestieren. Aus langer persönlicher Erfahrung aber, die mir von allen Seiten bestätigt wird, weiß ich, daß der Wunsch nach Frieden beinah allgemein ist. und nicht nur unter den Soldaten herrscht, sondern in allen verdienenden Klassen und ganz besonders in Jndustriebezirken, trotz der hohen Löhne und der reichlichen Arbeitsgelegenheit. Wenn das Volk darüber abstimmen könnte, ob Friedensverhandlungen eingeleitet werden sollten, so bin ich Wer- zeugt, daß die bei weitem überwiegende Mehrheit der Nation dasür stimmen würde, und dos gleiche dürste auch aas Frankreich, Deutsch- land und Oesterreick-Ungarn zutreffen. Vor allem aber weiß ich, daß. wie der Krieg auch immer endigen möge, der Ausgang niemals so wichtig wie der Frieden sein kann. Der Slbaden. den uns ein Frieden schlägt, der nicht alle unsere Wünsche bcsriedigt, ist nichts im Vergleich zu dem Un« heil,' das die Fortsetzung dieses Gemetzels heraufbeschwört. Dia Machthaber der einzelnen Staaten sprechen von dem, waS sie fälsch- licherwciie als die Interessen ihrer verschiedenen Reiche erkennen. ich dagegen fühle mich anS innerster Uebcrzeugung verpflichtet, im Namen Europas für das wahre Heil all' dieser Rationen zu sprechen. Und im Namen Europas flehe ich Sie an, uns den Frieden zu schenken. Bertrand Riffsel." Nottze». — Theaterchronik. Tie Kleinen Hauskomödien am Nollendorfplotz werden am Sonnabend eine tragi'che Alltagskomödie „Idealisten" von Erich Fiicher aufführeu. Da? Stück ist den einit wcltbelannten Singspielen Wenzel Müllers<1767—1835) entnommen. — Vorträge. Der Beginn des für Donnerstag angesetzten Urania-VortragSzykluS von Dr. W.Berndt:„Ueber Arterhaltung. Brut- pflege und Entwickelung' muß bis zum 25. Januar verschoben werden. — Der Nobelpreisträger Dr. Banay, der aus der russischen Gefangenschaft während deS Krieges nach Wien zurück- lehren konme, folgt einem Ruf noch Upsola. Er erhielt den Röbel- preis für seine Forschungen über die Gleichgewichtsbildung in der Gehör- schnccke und im Labyrinth sowie über die BetvegungSzentren im Kleinhirn. — Kriegsanleihemarken. Deutschland hat im Gegen- setz zu andern Ländern bisher keinerlei Kriegsbriesmarken ausgegeben. Es soll aber jetzt, wie die„Franks. Ztg." erfährt, der Gedanke erwogen werden, zur Eliimerung an die nächste Kriegs- anleihe eigens Briefmarken herauszugeben, die nur den Anteil- zeichnern zugeteilt werden würden. 53j Ums Menschentum. Ein Schiller-Roman von Walter von Molo. Müde und übernächtig sah die Vischeriu auf der grünen Bank und erwartete ihren Zimmerherrn. Es war die ungestörteste und drum schönste Zeit zum plaisier, wern der RegiinentLmcdikns frühmorgens vom nächtlichen Lazarcttdicnst heimkam und die Kinder noch schliefen. Tann konnte man ,disck)kiirieren' nach Herzenslust. Sie sah durchs Fenster in die sonnenhelle Gaise hinaus. auf der schon Hauben und würdige Dreispitze vorüber zogen. TaS schmale Frauenzimmer mit den schmachtblauen Augen. die wenig von Witwaucntsagung erzählten, richtete daS Häub lein und reckte gähnend die Beine. So lange kam er nicht! Sie zählte melancholisch und doch in wohliger Erwartung gc- spannt, die leeren Weinflaschen, die ans dem Kartoffel- hausen in der Zimmereckc, Wie Leichen auf dem Schlachtfeld, lagen. „Oh inci, oh m ei." seufzte sie und sah sehnsüchtig nach dem Alkoven, in dem das mit Pferdedecken geschmückte Bett stand,„er kommet so spät heut: am End' ivachct niir gar früher's Büble auf. Zum Streicher kann er doch nicht schon wieder sei, der verfluchten Musik wege? Er ist so gar näht ruhsam! Ist niir das verflixte Schreibe daran schuld!" Sic sah ärgerlich hinter den Ofen, nach dem Stoffe der auf- geschichteten„Räuber", deren oberste Blätter leise im Morgen- ivind zappelten, der durch das billige Logis mit den wackeligen Türen schlich. Ter Vifcherin Antlitz verklärte sich.„I mein' gar. er koniiut!" Sie liod das kokette Köpflcin und zupfte am Busentuch. Sie horchte und feuchtete aufgeregt die Lippen.„Du licbeS Herrgöttle," sagte sid enttäuscht, als statt Schillers, ein plumper, blödpfiffiger Kerl mit arg geflickter Uniform schwer- fällig hereinpollerte.„Der Kronenbitter! I Hab' g'meinct, es sei sei Herrl" „Des muff dann allerdings'c düschtcre Enttäuschung g'ivcse sei!" grinste Schillers Bursche und bückte sich musternd zu dem Kartoffelhausen nieder, bis er im Wirrwarr eine halb- zerbrochene Tonpfeife fand, die er nach nützen konnte und burtig, soweit es die angeborene Faulheit erlaubte, mit seines Herrn Tabak füllte.„Ter Herr Regimentsmedikus kommt heut net so schnell. Er ischt nach Hohenheim zum Herzich befohle worden." „„Zum Herzog? Jetzt wird alles schlecht! I Hab ihm wolle de heiffe Kopf streichle, und er ist zum Herzog?" „Kops streichle? Der Fourierschütze lehnte sich schwer an den wackeligen Tisch, auf dem Bücher. Papiere und Federkiele wüste Verbrüderung hielten,„heut Se kei Weinte vor mich? Das ischt g'scheiier!" „Jn aller Hcrrgottssrnh ivird net g'soffc!" Tie Vifcherin war ganz verzagt.„Er ist sicher zum Herzog g'rufe worden, wege dem Malefizbrief vom Pfarrer aus Eiraubiinden. der ihm g'fchricbc hat, er sollt widerrufe, daff sie in Graubündcn Ganner seien. Wenn sie ihm nur jetzt nicht den Hals- prozcff mache!"„ „Mit sci'rn Tickte ischt daS a kuriose Sack!" meditierte Kroncnbitter bedächtig und paffte in die Luft,„'s muff wie a Vieh im Mensche drinnc soi; er schtehet net schtill, wenn i ihm de Rock z'sammcflicke will: zweimal Hab' i'u g'schtoche mit d'r Nadel, wo er sehr viel Beister hat." „Oh mei, oh rnei, Kronenbitter," jammerte die besorgte Frau,„eS gehet ihm an den.Krauen zu Hohenheim; i muff jetzt zu meine Kindle! Flick' Er ici'm armen Herrc zumindest de Rock z'samnie; er hat'n beim Schreibe völlig durchg'wetzct! Dort hangt'r an der Wand."—————'—— Zivci Stunden muffte Friedrich Schiller im Vorzimmer stehen, durch das die hochmütigen Lakaien liefen. Er zwang iein wildes Herz zu ruhigem Gang; die Entscheidung kam. Er wuffte allzilgnt. w c n Karl Eugen derart lange und ver- ächtlich warten lieff! DaS Zittern seiner geknechteten Kind- heit besiel ihn wieder: die Umgebung erdrückte die Gegen- wehr. Petersens Wort siel ihm ein.' Ter hatte behauptet, daff Karl Eugen seit neuestem stets die Wiener Hofstelluug annähme, die er dem Kaiser abgespickt hätte. „Er soll eintreten!" sagte der Kammerhusar und maff ihn wegwerfend.„Wisch' Er sich vorerst die Füffe ab!" Wütend ginz Karl Eugen auf ihn zu; seine Rede über- fiel Schiller wie ein Wegelagerer. „Er Schwein Er, vermaledeites! Kann Er niir bloß Jnkommoditäten machen? Was glaubt Er denn eigentlich, daff Er sei? Aus dein Dreck Hab ich Ihn gezogen, auf- gefüttert Hab ich Ihn. körperlich und geistig, und Er danket es mir durch Frechheiten? Er verwickelt mich mit dem Aus- lande in Händel? Warum hat Er in Seinem Ludersstück. für das Ihm Unsere Bühne zu schlecht war. die Graubündner beleidiget? Er, Rotzbursche. Er. der Er hinter den Ohren nicht trocken ist. benimmt sich, als Hütt' Er das Recht, Seine» Herrn zu bemühen! Wie kann Er schreiben, daff Graubünden das Athen der Räuber sei? Widerruf' Er! Seitdem sie dort die groffe Bande gehangen haben, ist Ruhe im Land. Gaunereien gibt's überall! Widerruf Er, klein- mutig und demütig, aus der Stelle!... „Der Garteninspektor aus Ludwigsburg, Seines Vaters Konkurrent, saget mir, daff,. er mir seinem Einflüsse kaum die Kongressualversainmlung von ernsteren Schritten abhalten konnte! Und daS jetzt, wo ich vermeinte. Geld im Graubündner Lande auszutreiben! Bin ich Sein clomeoligus oder ist er der meine?! Ich schmeiß Ihn aus dem Regiment, ich' eassier Ihn infam, wenn Er noch eine Zeile schreibt! Ich setz Ihn aus die Festung, bis Er Raison annimmt, und Wenns Sein ganzes Leben dauert! Vermaledeite Kreatur! Wer hindert mich, daff ich Ihm eine hcruntcrhau? Steh Er gc- rade! Halt Er seinen Mund: ich Hab keinerlei Lust, Sein Gewäsche anzuhören! Meine opiuion(Meinung) weiß Er setzt! Seinem Vater Hab ich zugewunkeli. der denket wie ich! Weggetreten! Petitionen und Bitibriese werden nicht angenommen: Seinem General Hab ich Weisung gegeben, daff er ihn einsperrt, wenn er noch einmal wagen sollte, mich zu belästigen! Weg! Er ist kein Mensch wie Wir, merk' er sich daS rndlick!" � Die Tür hieb hinter Karl Eugens Wutschwall zu, der Obalspiegcl zitterte aus der seidenen Tapete, höhnisch grinzten die goldenen Schnörkel aus allen Ecken.---——.—— Hügclab, hügelonf wanderte Schiller, in seinen Ohren brauste das beleidigte Blut. Ein wilder Reigen schlang sich in seinem Kopf: Lazarett, Herzog. Geldsorgcn. Scharffenstcin und Streicher. Ueberhob er sich nicht gegenüber dem ewigen Gesetz? Schubart trat in dem Hcrensabbath seiner Oualcn ein. Traurig und mahnend sah er ihn an. Aus der Land- schaft stieg drohend der Hohe-Asperg auf. Das Erlösungslicht brach aus Schillers Blick. Himmelwärts ging er und lieff die grünende Erde unter sich. Seine Knochen sollten nicht iil Schwaben verfaulen. Sein Schritt lief der Solitude zu. (Schluß folgt.) Tfißafer i. d. Kflniggräfzersfr. "Vs Uhr: Erdgeist. Komödienhaus »'/j Uhr: Die verlorene Tochter. Berliner Theater. Uhr: Auf Flügeln des Gesanaes, MittS'. u. Sonnab. nachm."i1/« Uhr: Liers Märchenreise. Lesswg-Tkeaisr. Direlction: Victor Barn owsky. s uhr; Dia beiden Klingsberg, Donnerstag: Die beiden Klingsberg. Denfsch.K2nsfler-Tlieater. <'/, u.: HVSlte In der?kaeht. Donnersteg: Mille In der Nacht. Theater für Mittwoch, 17. Januar. Metropol-Theater IomjL Die Csardasfürstin. Residenz-Theater �vDie Warschauer Zitadelle. Schiller- Theater«. 7./.U.: Hofella dlndrea. Sehlller-Th.Charlottenbg. tv. u.: Seine einzige Frau Thalla-Thetttcr. u/.u.- Das Vagabondenmädel. Theater am\»Ilendorfpl. S'l, Uhr: Die verkaufte Braut(Oper). u/.u.; Diane Jangens. Theater den Westen« t'/j u.; Die Fahrt ins Glück mit Guido Thielscher. Trlaann Theater tu u.; Willis Hochzeitstag. Deutsches Opernbaas, Cbarlottcnb. � r._. Da« Testament und Der Schneemann. Friedrich-Wilhelmsfädt. Theater. 7 um: Das Oreimüderlhaus. «Vehr. Hermfeld'Theater 77» Uhr: Der doppelte Buchhalter. Posse mit Gesang und Xanr. Kleines Theater s ihr: im Teelisch. Komische Oper r-u uhr: Oer Puszta-Kayaller. Lustspielhaus u.u.: Oer selige Baldnin mit Henry Bonder. Neues Operettenhaus Kassentelephon: Norden 381.| vu u.: Oer Soldat der Marie. TlülBl Clreu* 1| Busch TSK. 7',,. Ebb. u Stg. 27,--. 7'/, U. das groxartige JanuarProgramm. -7�1 Die etsc�reiche, deliedte ll'hi Pruuk-Ztu4stattuugs> I Pauroulime Biß ßeierprinzessin. Sonnabend 37, Uhr wiederlun: Beim Weihnachtsmann. Sonntag 27, Uhr auch nachm.: Die Geierprinzrlfln. URRHl* TanbenstraBo 48/19. 4 Uhr(halbe Preise): Im U-Boot geseii den Feind. 8 Uhr: Dr. Hnnser: Der Mensch vor hunderttausend Jahren. RosesTheater. 77, Uhr: Kaslspiel Xaver Derafal mit sklncm Schli':r!cir Bauerntbcater: «it. Ueori; d. DrachentUtcr. Walhalla-Theater. «7, llfits IJUnHei nnd Gretel. 77, Uhr. tKafilpiel Frltzl Aren; Das SfaBikantenmttiiel. Ziikus A. Schumann Anfang 77, Uhr. Der Zirkus ist gut geheizt. Heut© und täglich: Das greSe glänz. Zirkusprogramm. Um 8.30 Uhr Beginn der großen 4aktigen Äusstattung�-Pa ntomixne Die Seeräuber mit dem märchenhalt schSnen, an Pracht und Ausstattung altes bisher Gesehene fibertreffenden Prunkfest am Hofe des Maharadscha. Casino- Theater Lothringer Str. 37 Täglich 77, M Um 77, Uhr: Bunte» Programm. Um ö'i, Uhr: Die Schtagerpoffe Sinzig in Sroh-Berlin ZlweineNsSorUnsr Berliner Humor— Berliner Figuren. Sonntag 27, Uhr: Linse vam U-BooL Voigt-Theater. Badstr BS Hadstr 5t wnOerQoldfuchs GelangSposse in 4 Aften von C. Atcobion und V. E/q. Montaa. den 32. U: Der Geizige. Benefiz für Obe: fviell. Heinrich Bach. Kasfeneröffn. v-/, U. Anfang 77, U. Frfedrlchstr 218. Tel. LBtzow 7341 SV 7 Uhr 15"WS Der glänzende Varietd-Splelplan. 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Ei» deutsches V-Boot in holländische» Gewässer« angehalten und wieder freigeben. Haag, IS. Januar. Amtlich. Am Sonntag ungefähr 4 Uhr tS Minuten nachmittags ist etwa eine Seemeile innerhalb der niederländischen territorialen Gewässer ein deutsche» C-Boot angetroffen worden, das infolge des Nebels und der Flut auZ dem Kurs geraren war. Durch ein Fahrzeug des holländischen Unter- suchungsdienstes wurde dem C-Boot befohlen zu ankern und die Entschließung der Regierung abzuwarten. Die Regierung hat. nach- dem der C-Boot-Kommandant die schriftliche Erklärung abgegeben hatte, daß er den ganzen Tag über nicht mit feindlichen Srreitträften in Fühlung gewesen sei und die Anwesenheit inner- halb der territorialen Gewässer nicht die Folge einer Verfolgung durch feindliche Streitkräfte gewesen fei, dem C-Boot gestattet, wieder in See zu gehen. Die Regierung hat dieses in der Erwägung getan, daß die Witterungsverhältniffe die Ursache für die unbewußte Anwesenheit auf niederländischem Gebiet waren. Aus Vlisfingen wird hierzu gemeldet, daß das C-Boot von holländischen Marinefahrzeugen wieder außerhalb der territorialen Gewässer gebracht worden ist. Lazarettschiffe als Truppeutransportdampfer. Köln, 16. Januar. Tie.�kölnische Zeitung" schreibt offiziös: Es sei immer wieder darauf hingewiesen, daß die Feinde nach wie vor ihr« Lazarettschiffe zu Truppentrausporten mißbrauchen. Dieses de« Bölkerrecht und der Menschlichkeit gewiffermaßen ins Gesicht 'chlagende Verfahren konnte in der letzte» Zeit wieder ganz besonders im englischen Kanal beobachtet werde». » Versenkt. Lloyds meldet: Ter britische T-ampser„Brook- Wood�(3093 Tonnen) und der norwegische Dampfer ..Tnolma" l18S6 Tonnen) sollen versenkt worden sein. Der nor- w e g i s ch e Dampfer„G r a a f j e l d" stieß auf eine Mine und flog in die Luft. Fünf Matrosen wurden gerettet, die anderen ünd verloren. Lyoner Blätter melden die Versenkung des f r a n- zösischen Seglers„Saint Michel"(174 Tonnen). Tie Besatzung wurde gerettet. politische Ueberflcht. Abgeordnetenhaus. Die Einbringung des Etats. Vor gut besetztem Hause brachte am Dienstag der �iuanzminisler L e n tz e den preußischen Etat ein. Seine Rede bietet ein übersichtliches Bild der Finanzen, wie sie sich durch den Krieg gestaltet haben. Daß die Einwirkungen des Krieges sich in erster Linie bei den Staatsfinanzen bemerkbar macheu würden, war von vornherein einleuchtend. Wenn, wie es zu Anfang des Krieges der Fall war. das ganze Wirt- schaftsleben stockt, wenn die Einnahmen zurückgehen und die Ausgaben steigen, dann geraten naturgemäß auch die besten geordneten Finanzen in Unordnung. Deshalb braucht man das Defizit von 106 Millionen, mit dem das Rechnungsjahr für 1913 abschließt, nicht allzu tragisch zu nehmen, um so weniger, als 100 Millionen davon durch die erhöhten Steuerzuschläge wieder gedeckt sind, die der Landtag vor Jahresfrist beschlossen hat. Bedenklicher ist es scyon, daß die Eisenbahn- einnahmen aus dem Personenverkehr im Jahre 1913 all- monatlich hinter dem Voranschlag zurückgeblieben sind und daß der Eisenbahnetat Mndererträge von 96 Millionen Mark aufweist. Da der Ausgleichsfonds bis auf 6,2 Millionen Mark erschöpft ist. so fehlen also 89,8 Millionen, die auf Dcftzitanleihe genommen Iverden müssen und dauernd den Staatshaushalt belasten. Trotz.alledem kann man, wenn man alle Verhältnisse berüch'ichtigt, mit dem Abschluß für 1915 noch zufrieden sein. Das Jahr 1916 hat in vieler Hinsicht die gleiche Eni- Wickelung genommen. Das Steuersoll hat sich gegen 1913 sogar erheblich verbessert, ein Beweis dafür, daß sehr viele Einkommen in die Höhe gegangen sind. Vor- crnssichtlich wird das Ergebnis— abgesehen von den hundert Millionen aus den erhöhten Steuerzuschlägcn— noch um 60 Millionen Mark über den Loranschlag hinausgehen. Die übrigen Einnahmequellen lassen leider derartige angenehme Keberraschungen nicht erwarten, sie bleiben teilweise tief hinter dem Voranschlag zurück, und es besteht auch keine Aussicht, daß sie im Laufe des Jahres in die Höhe gehen werden. Die Besprechung des Etats beginnt am Donnerstag, sie wird spätestens am Freitag beendet sein. » Tie nationalliberalen Abgg. Fritsch und Genosse» haben dem Abgeordnelenhause den folgenden Gesetzentwurf zur Aufhebung des TisziplinarmiUels der Arreststrase eingereicht: Z 1. Alle gesetzlichen Bestimmungen, welche die Verhängung der Arreststrase als zulässige? Disziplinarmittel gegen untere Be- amte der Staats- und der Gemeindebehörden innerhalb der Mou« archis vorsehen, werden ausgehoben. § S. Dieses Gesetz tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft. Es erbe» ffch Gesetz und Rechte... Die preußische Regierung will dem Landtag das Gesetz über die F i d e i k o m m i s s e wieder vorlegen. Von sozialdemokratischer Seite ist das. ganze Fideikommißwesen, das heutzutage einen be- trächllichen Teil der preußischen Grundfläche(mehr als die Provinz Hannover!) in den Händen weniger Familien bindet, schon oft als völlig überlebt bezeichnet worden. Im Jahre 1848 waren die Fidei- kommisse schon einmal gänzlich beseitigt, in der folgenden Realtions- zeit wurden sie wieder hergestellt. Die preußische Regierung steht auch jetzt auf dem Standpunkt, die Bildung von Fideikommissen nicht etwa hintanzuhalten, sondern zu begünstigen i diesen Zweck verfolgt auch die angekündigte Vorlage. Im„B. T." weichet �sich ein Mitglied eines der obersten preußischen Gerichtshöfe mit'bc- achtenswerter Schärfe gegen diese Absicht. In dieser Zuschrift wird darauf hingewiesen, daß es jetzt doch wohl nicht die passende Zeit sei, die gesetzgebenden Körperschaften mit solch verhältnismäßig nebensächlichen, nur den Interessen einer zwar bisher sehr einfloß- reichen, ober dünnen Oberschicht des Volkes dienenden Borlagen zu beschästigen. Unseres Erachtens gehört die Frage der Fideilommisse zu denen, die allerdings bei einer Neuorientierung eine gründliche Beachtung verdienen, aber nicht im Sinne der preußischen Re- gierung. Professor v. TchmoUers Zwar und Aber. Professor v. Schmoller. dessen Ausführungen über die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Juden in seinen Jahr- büchern Gegenstand heftiger öffentlicher Kritik waren, nimmt fetzt in der„Täglichen Rundschau" zu einer längeren Ver- teidigung seines Standpunktes das Wort. Seine Darlegungen sind mit fortgesetzten„Zwar-Aber" und„Einerscits-Anderer- seits" eine Blüte jener gemäßigt-professoralen Vorsichtspolitik, die ängstlich jeder klaren Darstellung aus dem Wege geht. In Schmollers Darlegungen stehen einige durchaus vernünftige Sätze, doch die Freude über jeden von ihnen ist nur kurz, denn hinter jedem erhebt sich ein drohendes „Aber", um das eben Gesagte wieder zu 73 Proz. für un- gültig zu erklären. Einige Beispiele: Schmoller erklärt das westdeutsche Judentum für eine„glückliche Zugabe zur germanischen Rasse," aber— es schließt doch seine geschäftliche Ueberlegenheit, die es oft durch zweifelhaste Mittel ausnutze, die„Gefahr sozialer Verstimmungen und Kämpfe" ein. Der jüdische Wucher habe zwar stark abgenommen, aber— vorhanden sei er immer noch. Die NichtWahl von tüchtigen Juden zum Reserveoffizier „ist gewiß ein Verstoß gegen die verfassungsmäßig garan- tierte Rechtsgleichheit," aber es erscheint heute noch nicht angezeigt, das freie Wahlrecht des Offizier- korps aufzuheben. Daß ein jüdischer Offizierskandidat. folbald er sich taufen läßt, in der Regel gewählt wird,„em- Port die Gefühle aller freier Denkenden", aber— es darf auch nicht übersehen werden, daß die strengen und orthodoxen Christen an eine innerlich umbildende Wirkung der Taufe glauben. Ter Freidenker findet zwar mit Recht,„daß es meist die charakterlosen Juden sind, die sich aus äußerlichen Gründen taufen lassen", aber—„wer auf mystisch- orthodoxem Standpunkt steht, wie ein Teil unserer öst- lichen Landaristokratie, ein großer Teil unserer Offiziere. kann nicht so urteilen". In hundert Jahren werde das Meiste, was die besten Männer auf beiden Seiten heute beklagen, beseitigt oder doch stark gemildert sein, aber —„von heute auf morgen lassen sich bestehende Massenüber- zeugungen und entsprechende Sitten nicht ändern." Das ist eben der Kardinalfehler von Männern wie Schmollcr und seinesgleichen, daß sie immer für den Fortschritt und die Weiterentwicklung eintreten, vorausgesetzt, daß es bis zur Erreichung der nächsten Etappe noch hundert Jahr dauert. Vor jeder raschen Entwicklung verspüren sie dieselbe Angst wie jener Hauptmann in Georg Büchners„Wozzeck", der entsetzt seinen Burschen fragt, womit er denn die vielen Minuten und Sekunden seines Lebens ausfüllen wolle, wenn er mit dem Rasieren zu früh fertig wird. An einer anderen Stelle seiner Darlegung beklagt Schmoller, daß die«ZOO 000 deutschen Juden nicht nur-aus Nathan-Naturen beständen, dann gäbe es überhaupt keine Judenftage mehr.„Aber wir haben auch noch Shylock- Naturen, und die Mehrzahl der Juden steht vielleicht zwischen diesen beiden Extremen in der Mitte." Schmoller ist aller- dings gescheit genug, gleich hinzuzufügen:„Ganz ebenso ist es freilich auf christlicher Seite." Für einen Sozial- demokrateu sagt Professor Schmoller nur etwas Selbst- verständliches. Wir wissen, daß keine Rasse. Nation oder soziale Schicht nur aus lauter Engeln oder aus lauter Böse- wichteru besteht, sondern in der Hauptsache aus Mittelnaturen. Aber eben deswegen ist es unsinnig, zu verlangen, daß jeder Jude ein Mann wie Lessings„Nathan der Weise" sein soll. Es ist ja auch nicht jeder Deutsche der Wirkliche Geheimrat Exzellenz Professor Gustav v. Schmoller. Demokratie med Demagogie. Unser Aussatz„Demokratie und Kriegführung"(Nr. 14 d. Bl.) hat in der Presse der Rechten einen ungewöhnlichen Sturm der Entrüstung erregt. Es scheint somit, daß sich die Herren an ihrem empfindlichsten Punkt getroffen fühlen. Darauf läßt auch die Art ihrer Polemik schließen, die in abenteuerlicher Verdrehung unserer Ausführungen darauf hinausläuft, zu behaupten, tvi'? hätten gewünscht, daß die Befürworter einer gewissen Kriegsmethode ins Zuchthaus gesperrt würden! In Wirklichkeit haben wir aber nur auseinandergesetzt, was den Herren passieren würde, wenn wirklich noch die von ihnen gepriesenen„Grundlagen" bestünden,„auf denen der Staat groß geworden ist", und wir haben deutlich genug hinzugefügt, daß niemand wegen seiner Meinungsäußerung ins Zuchthaus gesperrt werden soll. Aber zugleich haben wir auf den Widerspruch hingewiesen, der darin besteht, daß die- selben Leute, die als Gegner der Demokratie operieren, das Volk zur Entscheidung über die heikelste Frage der deutschen Kriegführung anrufen. Wer während eines Krieges von Wirtshaus zu Wirtshaus zieht, um auf die Regierung zu schimpfen, und toer in einer Frage, die nur nach ruhigster Ucberlegung auf Grund genauester Kenntnis der Unterlagen entschieden werden kann, an die Leidenschaft der Massen appelliert, der mag durch sein Verhalten Segen stiften oder Schaden aririchten, gleichviel— auf keinen Fall kann er andern einen Vorwurf daraus machen, daß sie g r u n d- sätzliche und konsequente Demokraten sind. Jedes Wort, das von dieser Seite noch gegen die Demokratie gesprochen würde, wäre die unehrlichste Demagogie der Welt. Tagung des Frauenbeirats des Kriegsernährungsamts. Am 1ö. Januar trat dar Fraucnbeirat des Kriegsernährungs- amies zu seiner dritten Sitzung im KriegöernährungSamt zu- sammen. Herr v. Batocti sprach über die Ernährungsschwierig- keilen und die Maßnahmen, welche getroffen, sind, um ihnen zu begegnen. Ein Arbeitsplan, der die Aufgaben des Frauenbeirals bestimmt, wurde genehmigt.' Ferner referierte der Vorsitzende der Reichsstelle für Gemüse und Obst über Anbau und Verteilung von Gemüse und Obst.__ Doch ein Volk von Händlern. Auf einer Versammlung des Bundes der Landwirte in Höft- grübe, über welche die„Deutsche Tageszeitung" sehr eingehend be- richtet, sprach Dr. Diederich Hahn. Er zog— o Ironie der Zeiten— mit großer Heftigkeit gegen den„Assessorismus und Kor- poralismuS" zu Felde, allerdings nur in den Kriegswirtschafts- stellen, deren preisregelnde Tätigkeit vom Bund der Landwirte be- kanntlich stark bekämpft wird. Herr Diederich Hahn will von jenen überhaupt nichts wissen, er verlangt,„die Verteilung und Versor- gung mit landwirffchaftlichen Erzeugnissen müsse in den Händen der Erzeuger und Händler bleiben, die damit umzugehen ver- ständen". Die„Deutsche Tageszeitung" wirst uns mit Vorliebe vor. wir betrachteten in diesem Kriege das deutsche Volk vom Händlerstandpunkt, während sie es als Boll von Helden bewerte. Der ihr nahestehende Dr. Dioderich Hahn sieht aber doch, nach dieser Aeußerung zu schließen, zum mindesten in der deutschen Landwirt- schaft mehr ein Voll von Händlern als von entsagungsfreudigen Helden. An einer anderen Stelle seiner Rede heißt es auch:„Man solle weise kontingentieren und rationieren, aber ohne daß der Bauer Schaden erleid e". Wie paßt das zu dem Gelöbnis. das der Bund der Landwirte erst jüngst in seiner HuldigungSadresse an den Kaiser abgelegt hat, jedes Opscr und jode Entbehrung auf sich nehmen zu wollen? In einem anderen Teil seiner Rode forderte Dr. Hahn, daß der U-Boot-Krieg unter, nicht über Wasser geführt werde. Die Versammlung nahm eine entsprechende Resolution an. Eine„Staats-Arbeiter"-Kandidatur in Spandau- Osthavelland. Während die Verhandlungen zwischen Liberalen und Kons«- vaiiven zwecks Aufstellung einer bürgerlichen Sammellandidatur in Spandau-OsthotHfland anscheinend auf dem toten Punkt angelangt sind, taucht inzwischen eine neue Kandidatur ganz eigenartiger Färbung auf. Wie uns aus Spandau gemeldet wird, hat die „Deutsche Staatshandwerker- und Arbeiterge- m e i n s ch a f t", die in Spandau durch fünf Verbände auf den Militärtechnischen Instituten vertreten ist, beschlossen, bei der be- vorstehenden Ersatzwahl einen Kandidaten aus ihren eigenen Reihen aufzustellen, und zwar den ersten Vorsitzenden Eugen F o r t e n- b a ch c r aus Spandau. Die„Arbeitergemeinschaft" Hai mit den anderen bürgerlichen Parteien Verhandlungen gepflogen, um sie zur Zurückziehung ihrer Kandidaturen zugunsten der„Arbeiter- gemeinschast" zu bewegen, bisher ohne Erfolg. Doch werden die Verhandlungen fortgesetzt. Jedenfalls will die„Arbeitergemein- schaft" ihre Kandidatur unter allen Umständen aufrecht- erhalten; sie erfolgt unker dem Gesichtspunkte, daß Fortenbacher im Fall seiner Wahl sich keiner Partei anschließt, sondern Wilder bleibt. Zu den Vorgängen im bürgerlichen Lager weiß eine lokale Korrespondenz noch folgendes zu berichten:„Kürzlich sprachen sich auf nationalliberale Einladung die Vertreter der bürgerlichen Parteien im Kreise über die Stellungnahme bei der kommenden Reichstagsersatzwahl aus, ohne zu einem bindenden Ergebnis zu gelangen. Gestern versammelten sich die Vertrauensmänner der fortschrittlichen Volkspartei, um zu derselben Frage Stellung zu nehmen. Nach einem Bericht des Stadtrats Weber- Spandau über den Verlaus der Potsdamer Verhandlungen erörterte man ausgiebig die persönlichen und taktischen Fragen für die Wahl. Man einigte sich dahin, eine weitere Etnscheidung der sozialdemo- kraiischen Partei abzuwarten. Einen Kandidaten der Parteimehr- hcit beabsichtige man des Burgfriedens wegen nicht zu bekämpfen. In diesem Sinne haben sich führende Persönlichkeiten der konser- vatwen und der fortschrittlichen Wahlkrcisorganisationen bereit» geäußert. Teuerungszulage» sür Staatsarbciter. Im Anschluß an die Anweisungen über die einmaligen Krlegsteuerungszulagen für die Beamten ist angeordnet worden, daß solche Zulagen auch den in den preußischen StaatSverwallungen beschäftigten Arbeitern, deren Lohnbezüge während des Krieges nicht wesentlich erhöht sind, zu zahlen sind. Nach den darüber ergangenen Verfügungen betragen die im Dezember 1916 und Januar 1917 zahlbaren Zulagen ins- gesamt für ledige Arbeiter 49 M.> für verheiratete Arbeiter ohne Kinder unter 14 Jahren 199 M., für verheiratete Arbeit« mit einem Kinde unter 14 Jahren 129 M., sür jedes weitere Kind unter 14 Jahren 19 M. mehr. Weibliche Arbeitskräfte werden ebenfalls berücksichtigt, und zwar so, daß Frauen im allgemeinen die gleiche Zulage erhalten wie die ledigen Arbeiter, daß aber die verwit- weten, geschiedenen und eheverlassenen Frauen, die Kinder unter 14 Jahren zu unterhalten haben, den verheirateten Arbeitern uril der entsprechenden Kiuderzerhl gleichgestellt werden. Keine Kriegswnhleu»ach der R B.O. Der Bundesrat hat folgende Verordnung erlassen: Der in der Bekanntmachung, be« treffend die Wahlen noch. der Reichsversicherungsordnung,- vom 18. April 1916(Reichs-Gejetzbl. S- 321) bestimmte Zeitpunkt, bis zu welchem die A m t s d a u e r der Vertreter der Unternehmer oder anderen Arbeitgeber und der Versicherten bei Versicherungsbehörden und Versicherungsträgern sowie der nichtständigen Mitglied« des Reichsversicherungsamt» und der Landes Versicherungsämter längstens erstreckt worden rst, wird auf den Schluß des Kalender« jahreS festgesetzt, daS dem Jahre folgt, in welchem der Krieg beendet ist. Letzte Aachrichten. Tie Ultimatum-Äommcntare in Athen überreicht. London, 16. Januirr. sollten wir aus dem Stadium des Erpmmen- -ierenS auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung heraus- ge5onrmen sein. Leider ist dem nicht so, wie der Augenschein nur olbzu deutlich lehrt. Batockis bekanntes Rundschreiben, seine Auscinanderseizung mit Mermuth können uns nicht mit der Zuversicht ersüllen. daß auf dem Gebiete, auf dem der Lebensmitteldiktator Ordnung schaffen, alle Kräfte zum Turchhalten organisieren sollte, alles getan worden ist, um das Menschenmöglichste zur Ernährung des Volkes zu schassen. Batocki hat die Gemeinden zur Aeußerung seines Planes betreffs der Badarfsgemeinden und der Erzeugerorganisa- tionen aufgefordert, und am 19. und 29. Januar soll der BeiratdesKriegsernährungsamtessK. E. A.) zusammentreten, um über die eingelaufenen Vorschläge zu be- raten. Wird etwas GuteS und Zweckmäßiges dabei heraus- kommen? Nach den bisherigen Erfahrungen fällt es einem schwer, mit einem hoffirungsvollen Ja darauf zu antworten. An und für sich ist der Gedanke der unmittelbaren Vcr- bindung zwischen Erzeugerorganisation und Bodarssgemeinde gutundrich'tig, doch muß eine solche Organisation so ge- troffen werden, daß die Bedarfsgcmeinden sich nicht gegen-! seitig den Rang ablaufen, die Preise künstlich durch vermehrte'■ Nachfrage in die Höhe treiben, und daß ihnen vor allen Tingen eine Kontrolle über die Lieferungen der Erzeugcrver- � bände eingeräumt wird. Als Grundbedingung ist ferner die Zuteilung der Liefe- rungsverbände an die Bsdarfsgemeiirden oder umgekehrt not- wendig. Durch eine genaue Erntestatistik muß ferner ein Ausgleich zwischen Erzeugerorganisationen, die hohe Erträge � erzielt haben, und solche, wo die Erwartungen hinter dem wirklichen Ernteergebnis zurückgeblieben sind, geschaffen werden. Der Zwischenhandel, einschließlich des Großhandels, muß im Verkehr zwischen Lieserungsverbänden und Bedarfs- gemehrdeu ausgeschaltet werden, da der„freie Handel" sich im allgemeinen nicht bewährt hat, sondern vielmehr dort, wo er frei schalten konnte— siehe Gänse- und Fischmarkt— zu der ungeheuren Preissteigerung wesentlich beigetragen hat. Wie sehr man selbst an solchen Stellen, die dem Großhandel sonst immer die Stange gehalten, nach und nach allerdings erst zu dieser Erkenntnis kommt, beweist. die Annahme eines Antrages im Fachausschuß für Obst, Gemüse und Kartoffeln der Preisprüfungsstelle Groß-Berlin, wonach ein Zwangs- verband der Großhändler für Obst und Gemüse von Groß- Berlin geschaffen werden soll, für den ein Ausschuß vorgesehen ist, der die Preisfestsetzungen treffen soll und dem Vertreter der Großhändler, Kleinhändler, Erzeuger, Kommunal- und Reichsbehövden angehören sollen. Befördert wurde diese An- nahnie eines solchen Antrages mit durch die Tatsache, daß die Gemüsezüchter der Umgebung Berlins in der Zeit schlimmer Genlüseknappheit vor Weihnachten Geinüsr bis nach Stettin lieferten, weil nach Aussoge des Vertreters i der Gemüsezüchter diese durch die Preisfestsetzungen und die' Denunziationen innerhalb Berlins sich belästigt fühlten und! deswegen entweder nach auswärts ihre Erzeugnisse lieferten 1 oder damit zurückhielten. Ten Mißständen aus dem Gebiete der Lebensmittelver- sorgung kann nur gründlich— soweit unsere Lebensmittel« knappheit dies erniöglicht— begegnet werden, wenn die ent- sprechende Organisation vom Anbau der Früchte bis in den\ Magen des Verbrauchers gerogelt ist. Sehr beachtenswert er- scheint mir daher eine Eingabe der Stadt Neukölln— nebenbei eine Gemeinde, die in Groß-Berlin mit an der Spitze der Lebensmittelver'orgung ihrer Bevölkerung steht— an das Kriegsernährungsamt vom 2. Januar, die folgenden Vor- schlag enthält: „Aach beendetem Anbau der Garten- und Feldfrüchte sind für sämtliche Lebensmittel einhcitliÄe Höchstpreise fiir das Deutsche Reich festzusetzen. In jedem Uebcrschußkreise ist unier dem Vorsitz des Landraiä eine Ueberwamungskom- Mission, bestehend aus drei Mitgliedern des Ueberschußkreises und drei Wi:gliedcrn der Bedarfsgemeindeu, einzusetzen. Dieser Kommission liegt es ob. die Lebensmitielversorgung der Bedarfsgemeinden aus dem Ueberfchußkreise zu überwachen; im Falle der Weigerung ist ihr das Neckt der Enteignung einzu- räumet,. In den Ueberschußlreisen sind ferner Auflaufs- k o m m i s s i o n e n zu bilden, welche unter Berücksichtigung der festgesetzten Höchstpreise die Aufläuse der Waren nach ihrer Be- schafferckeit zu tätigen baben. Es wird hier zwischen guter, mitt- lerer und geringer Beschaffenheit zu unterscheiden und dementsprechend der Preis festzusetzen sein. Die Bedarfsgemeinden baben die Pflicht, den Bedarf an einzelnen Lebensmitteln bei dem Kriegsernährungsamt nach einem eiulwilichen Maßsipd je Kops der Bevölkerung anzumelden, und dieses berteilt nach staü- gehabter Prüfung die einzelnen Liefsrungsforderungen auf die Ileberschußkrsiss. Wegen des einseitigen Anbaues von landwirt- schaftlichen Erzeugnissen in den einzelnen Ueberschußlreisen wird! die Versorgung der Bedarfsgemeinden hinsichtlich der verschie-' denen Lebensmittel aus mehreren llebcrschußlreisen erfolgen müssen. Tie Zuführung der Lebensmittel an die Bedarfs- gemeinden hat im Einvernehmen mit den Ueberschutzlreise» unter Uebcrtvachung der eingesetzten Kommissionen stattzufiicken. Die Abrechnung über die gelieferten Waren ist auf Grund einer von der KommissionsrechnungSstelle ausgefertigten Nachweisung zu bewirken. Die Bedarssgemernden sind verpflichtet, ent- sprccheiHe Vorschüsse zu leisten, damit die Lieferanten unmittcl- bar bezahlt werden können." Der„Vorwärts" bat bereits neulich ausiernc andere Eingäbe der Stadt Neukölln hinweifen können, durch die eine Regelung des Anbaues der Fcldfr sichte gefor- dert wurde. Denn ohne diese, ohne einen gewissen Probuk- tionszwang werden wir kaum die Riesenoufgabe der Lebens- Mittelversorgung unserer Bevölkerung erledigen können. In der Begründung der Eingabe Neuköllns vom 2. Januar d. I. wird ausdrücklich vermerkt, daß die Stadt mit ,L>en unimttel- baren Belieferungen von Lebensmitteln aus den Ueberschuß- kreisen erheblich bessere Erfahrungen gemacht habe, als mit dem Aufkauf von Lebensmitteln durch Vermittlung des Groß- Handels". Weiter lzeißt es in der Eingabe:„Sämtliche Partei- richtnngen unserer Kriogsnotstandskommission haben in den Erörterungen über Lebensmittclfragcn stets den Standpunkt eingenommen, daß es gerechtfertigter ist, dem Landwirt einen angemessenen Verdien st für seine Tätigkeit zuzubilligen, als dem un« produktiven Zwischenhandel mit seinen unlau- teren Machenschaften weiter Vorschub zu leisten." Ich glaube, daß eine Berücksichtigung der Neuköllner Ein- gäbe durch das K. E. A. der Lebensmittelversorgung zum Segen gereichen würde._ Abgeordnetenhaus. 50. Sitzung. Dienstag. 16. Januar 1017, nachmittags 3 Uhr. Am Ministertische: Dr. Lentze, v. Breitenbach. Shdow, b. Loebell. o. Schorlemer. Präsident Graf Tchwerin-Löwitz eröffnet die Sitzung mit fol- gender Ansprache: Bevor wir in unsere Verhandlungen eintreten. wünsche ich Ihnen allen ein gesegnetes und so Gott will auch friedenbringelweS neues Jahr. Freilich baben die leitenden Staats- männer unserer Feinde auf die Anregung zu Frievensverhand- lungcn eine so empörende Antwort gegeben, haben dabei so uner- hörte FriedcnSbedingungen ausgestellt und eine so unverschämte Sprache geführt(Lebhafte Zustimmung), daß eS darauf für uns nur noch die eins Antwort unserer Waffen gibt.(Bravo!) Diese wird den Herren Briand und Lloyd George von unseren großen Heer- führern, von unseren herrlichen Truppen und nicht zum mindesten von unseren braven U-Booten(Lebhaftes Bravo!) boffentlich recht bald mit genügender Deutlichkeit erteilt werden.(Bravo!) Damit sind freilich all die schönen Friedenshoffnungen, welche vor einem Monat noch die Welt erfüllten, und wohl auch manch einen in den Reihen unserer Feinde erfüllt haben mögen, zunächst wieder ver- flogen. Aber einen großen Vorteil hat unS diese frevelhaft hochmütige Ablehnung unserer Friedcnsbereitschaft doch gebracht: oaS ist die volle Klarheit über Sie Kriegsziele unserer Feinde.(Abg. Ströbel: Und unsere?— Gelächter.) Heute weiß die ganze Welt und weiß vor allem unser eigenes Volk, um was es sich in diesem Kriege in Wahrbeit handelt: einfach um unser Sein oder Nichtsein, um die Frage, ob wir unsere nationale nud wirtschaftliche Freiheit :u der Welt noch behaupten oder gleich so vielen anderen Völkern unserer Erde zu einem willenlosen Spielball der englischen Welt- Herrschast herabsinken wollen(Sehr wahr!), um deren nullen ja doch allein heute der furchtbare Krieg noch fortgeführt werden muß. (Sehr wahr!) TaS allein kann ja der vernünftige' Sinn der immer wiederkehrenden Forderung einer vollständigen Zerstörung des söge- nannten„preußischen Militarismus" sein: Vernichtung unserer militärischen und wirtschaftlichen Kraft, und dadurch Unterordnung unter den Willen anderer— oder eines anderen— militärisch und wirtschaftlich stärkeren Staates. Das ist des Pudels Kern bei dieser unverschämtesten aller Forderungen der Entente. Diese Erkenntnis wird unserem Volke, wie unser Kaiser sagt, eine„eherne Willen-:- kraft" verleihen, der kein Opfer an Gut und Blut, an Anspannung der ganzen Kraft, an Entbehrungen und Entsagungen zu groß sein wird, um seine nationale Freiheit unter den Völkern dieser Erde zu behaupten.(Sehr richtig!) Ehrlich und aufrichtig war unsere Fricdensbcreitschast. aber ebenso cntschlosien und unbeugsam muß deute auch unser Kampf werden. Heute darf es kein Friedens- gerede mehr geben(Abg. Ströbel: Erst recht?), sondern nur noch den vollen Sieg über alle unsere Feinde.(Bravo!) Heute muß weitergekämpft werden, bis die anderen um Frieden bitten. Wann das sein wird, steht in Gottes Hand. Dies babe ich geglaubt auch als Ihre Meinung, als die feste Zuversicht der preußischen Volksvertretung mit wenig Worten fest- stellen zu dürfen, bevor wir nun wieder in unsere ruhige gesetz- geberische Arbeit eintreten.(Lebhafter Beifall.) Hierauf nimmt das Wort zur Einbringung des Etats Finanzminister Dr. Lentze: Zum dritten Male sind wir ge- nötigt, den Staatshaushalt im Kriege festzustellen. Auch diesmal möchten wir die Hoffnung nicht aufgeben, daß es das letzte Aial sein möge, trotz der schnöden Ablehnung unseres Friedensangebots durch die Entente. Es wird zwar noch manche Anstrengungen und viele Opfer kosten, bis die Entente gezwungen ist. ihren betrogenen Völkern zu bekennen, daß Deutschland und seine Verbündeten nicht zu besiegen sind, aber kommen wird dieser Tag, und boffentlich noch in diesem Jahre, klnd dann ist der Friede nahe. Bis dahin gilt es für uns weiter Opfer zu bringen und durchzuhalten. In diesem Sinne ist der Etat aufgestellt. Das Rechnungsjahr 1015 schloß ab mit einem Fehlbetrag von 106 Millionen Mark, der aber größtenteils durch die beschlossenen außerordentlichen Steuer- zuschlüge wieder abgestellt ist. Das Wirtschaftsjahr 1016 zeigt un- gefähr dasielbe Bild wie 1015, nur daß noch sparsamer gewirt- schaffet worden ist. Das Steuer-Soll hat sich gegen 1915 erheblich verbessert. Das bolveist, daß viele Einkommen gestiegen sind und daß die.Kriegsanleihe im Lande geblieben ist. Bei den übrigen starken Einnahmen sind solche erfreulichen Ueberraschungen freilich nicht zu verzeichnen und auch nicht zu erwarten. Wie das Jahr 1016 abschließen wird, wissen wir noch nicht. Bei den Eisen- bahnen hat sich der Verkehr erfreulich entwickelt. Trotz der großen Vermehrung des Fuhrparks ist es durch die große Inanspruchnahme der Transportmittel an allen Fronten und auch bei unseren Bundesgenossen dazu gekommen, daß im Inlands ein Mangel an Lokomotiven und Wagen sich fühlbar gemacht hat, der während des Krieges auch wohl kaum aufhören wird Welche finanzielle Rück- Wirkung dadurch entstehen wird, ist noch nicht zu übersehen.— Was den neuen Etat anlangt, so zeigt er äußerlich den Erfolg unserer Bestrebungen, Fremdwörter möglichst zu vermeiden. Innerlich nähert er sich erheblich mehr der Wirklichkeit als seine Vorgänger. Wir sind jetzt ganz auf unS gestellt, alles dreht sich um die Er- nährung und um die Versorgung für Heer und Marine.— D:e Schaffung neuer Beamtenstellen hat sich insbesondere bei der Eisen- bahnoervaltung diesmal nicht ganz umgehen lassen. Im übrigen sind mit größter Sparsamkeit nur die absolut notwendigen Neuausgaben eingestellt. Der Etat schließt in Einnahme und Aus- gäbe mit 5160 765 006 M. ab und hat damit die 5. Milliarde über- schritten.— Der Wiederausbau von Ostpreußen schreitet wünsch- gemäß fort. Von den für die Landwirtschaft bestimmten Gebäuden sind ungefähr zwei Drittel aus- oder neugebaut. Die Wohngebäude stehen in dieser Beziehung noch erbeb- sich zurück infolge des Mangels an Bauarbeitern.— Zur Unterstützung der Gemeinden für ihre Leistungen auf dem Gebiete der Kriegswohlfahrtspflcge werden in einem beson- Zentralafrika unö Mittelafrika. Von Dr. Hugo Marquardsen. „Zentralafrika" ist ein schon seit längerer Zeit gebrauchter geographischer Begriff, während die Bezeichnung„Mittelafrika" erst neuerdings Aufnahme gefunden hat. Die Einführung geschah, wie gleich hervorgehoben werden soll, vor der Zeit, in der das Wort „Mitteleuropa" anffna, sich die Verbreitung und Volkstümlichkeit zu erringen, die es heute besitzt; es war keineswegs beabsichtigt, durch das Wort„Mittelafrika" ein inhaltsähnliches Gegenstück zu „Mitteleuropa" zu liefern...Mittelafrika" findet jetzt in TageS- presse, Literatur und Unterhaltung vielfache Anwendung, aber un- richtigerweise zumeist in demselben Sinne wie„Zentralafrika", häufig nur zum- Zlvccke des stilisttschen Ausdruckswechsels. Es ist daher angezeigt, beide einer schärferen Begriffsbestimmung zu unterziehen. „Reisen und Entdeckungen in Zentral-Afrika" nannte Hein- r i ch Barth seine Forschungen, die in das Gebiet zwischen Tripo- litanien, dem Tschaosee, dem Benue und dem mittleren Niger sielen;„LrotectorMc ok Central Africa" hieß längere Zeit der britische Besitz im Westen und Süden des NjassaseeS, der später die schärfere Bezeichnung„Xxasaiarick Protectorate" erhielt; durch daS Dekret vom SO. Juni 1014 richtete schließlich die französische Re- gicrung ein./lerntoire du Ccntre africain" ein, das den Raum nördlich und östlich des Tschadsecs bis zur Grenze von Dar-Fuc und zum Gebirge von Tibejti einnehmen soll. Diese Auslese zeigt, daß der Begriff„Zentralasrika" noch kein feststehender ist, sondern gewaltigen Verschicbungen unterliegt. Der Forscher bat ein be- greifliches Interesse' daran, zu beweisen, daß seine Reisen das Zentrum des dunklen Erdteiles erreicht haben, während bei ande- re» Anlässen„Zcntralafrika" als billiger VerlegenheitSauSdruck für eine gerade fehlende, passendere Gcbietsbezeichnung herhalten muß. Daß„Zentralafrika" nur ein Gebiet im Innern der affika- nifchen Landmasse sein kann, ein Gebiet, daS nirgendwo an das � Meer reicht, unterliegt wohl leinen Meinungsverschiedenheiten. Dies vorausgesetzt, kann bei näherer Betrachtung kaum ein Zweifel i bestehen, Ivo das Zentrum Afrikas zu suchen ist. Der annähernd\ zwischen 35 Grad N. und 35 Grad S. liegende Erdteil wird durch den Aegüator in O-W.-Richtung halbiert und durch den 20. Grad O. j meridional in annähernd gleiche Hälften geteilt. Im Schnittpunkt des AequatorS mit dem 20. Grad O. wird also das astronomische Zentrum des Erdteils liegen. Wir befinden uns hier im inneren .Kongobecken. Die Vegetation JnnerafrikaS erreicht an dieier! Stelle das Höchstmaß der Dichte;, sowohl in nördlicher wie in süd-! licher Richtung folgen dem zentralen Urwaldgebiet nacheinander I Savannen-, Steppen-, Wüsten- oder Halbwüsten-Gürtel, bis 1 schließlich an den beiden Gilden des Kontinents meeresnahe, ffib- tropische Gebiete den Abschluß bilden. Auch in östlicher und West licher Richtung geht der Kongo-Urwald im allgemeinen in vege tationsärmere Gebiete über, wenn auch ein Zusammenhang mit dem Urwaldgebiet der Guincaküstc besteht. Dieser Zusammen- hang ist jedoch bei weitem nicht so umfangreich, wie vielfach anae- nommen wird. Der Regenfall JnnerafrikaS, der wirtschaftlich wichtigste klimatische Faktor, ist im äquatorialen Kongobecken am stärksten ausgebildet und fast gleichmäßig über das Jahr verteilt; außerdem bildet daS Aequatorgebiet die Scheide ffir die Länder mit nordbemisphärem und südhemisphärem Regensystem. In daS äquatoriale Kongobecken fällt die Berührungslinie der wichtigsten afrikanischen Volksstämme, Bantu, Sudanneger, Niloten, Hamiten. Auch geologisch nimmt das einstmals abflußlose, zwischen alte Hochflächen eingebettete Sandsteinhecken des mittleren Kongo eine besondere Stellung im Kontinent von Afrika ein. Diese Eigen- schaffen erlauben den Schluß, daß nur das innere Kongobccken— [ eine schärfere Begrenzung hat natürlich keinen Zweck— mit Berechtigung als das geographische Zentrum Afrikas angesehen werden kann. Die Begriffsbestimmung für„Mittelafcika" muß von ganz anderen Voraussetzungen ausgehen.„Nord"- und„Südafrika" sind jedem geläufige Bezeichuungen,„Mittelafrika" soll eine zu- sammcnfossende Benennung für den noch namenlosen Rest des Kontinents abgeben. Wie bei Nord- und Südafrika, so sollen auch die Grenzen Mittelafrikas ein breites, vom Atlantischen Ozean bis zum Indischen Ozean oder Roten Meer durchgehendes Band aus dem Erdteil herausschneiden. Die von Mittelafrita einge- nommene Fläche wird sich von selbst ergeben, wenn man sich über die Grenzen von Nord- und Südafrika geeinigt hat. Wir lassen die Landgrenze von Nordafrika mit der Sud grenze der Sahara zusammenfallen, da geologische, geschichtliche und völkische Verhältnisse die Sahara eng an die afrikanischen Mittel- meerländer anschließen. Tie Tresflinie von Nord- und Mittel- afrila wird also hicht nördlich des unteren Senegal beginnen und sich über das große Knie des Niger an der Nordgrcnze von Nigerien. entlang zum Tsckadsce und von dort über die Nordgrenze von Wadai nach Tar-Fur erstrecken. Von hier könnte man die Linie etwa nack Port Sudan am Roten Meer ziehen, in welchem Falle, sich das nördliche Mittelafrila völlig mit dem Begriffe deS Sudan decken würde. Es ist zwar unzweckmäßig, die eng zueinander ge- hörenden Nilländer zu trennen, und daber vorzuziehen, die Grenze M ittelafrikaS über die Wasserscheide Nil— Kongo etwa bis an den Albertsce heranzuführen und sie dann nördlich um die Landschaft Uganda zum Tanasluß zu leiten, dem sie schließlich bis zum Indischen Ozean folgt. Dem Einwand, daß man den englisch- ägyptischen Sudan, Ahcssinien, Eriträa und die Somali-Halbinsel nicht gut zu Nordafrika rechnen könne, läßt sich am besten dadurch begegnen, daß man aus diesen Ländern zusammen mit Aegypten einen weiteren Hauptabschnitt„Nordosiafrika" bildet. Wie wir die Sahara zu Nordafrika rechnen, werden wir ii?r südliches Gegenstück, die Halbwüste Kalahari. Südafrika zuteilen, so daß letzteres an der Sambesi— Äuncne-Linic abschncid«. Das entspricht ganz der landläufigen Auffassung: daß Betschuanenlaud und Südrhodesien demnächst an die Südafrikanische Union fallen müssen, ist für jeden britischen Südafrikaner eine ausgcmachie Sache. In dieser Abgrenzung gegen Nord- und Südafrika, nimmt Mittelafrika ein Gebiet ein, das sich ettva mit dem volkstümlichen Begriff des„tropischen Afrikas" deckt, d. h. mit demjenigen Teil des Kontinents, in dem unsere Hauptbezugsquellen für die trc- pischen Produkte liegen. Während„Zentralafrika" ein im Innern des.Kontinents befindliches, räumlich beschränktes Gebier ist und ein Begriff von lediglich wissenschaftlichem Wert, wird die wohl- verstandene Bezeichnung„Mittelafrika" nicht nur bei Wissenschaft- lichen, sondern auch bei praktischen und politischen Fragen zweck- mätzige Anwendung finden könne». fcetfn G-sch wieder 300 Millionen von Fhnen gefordert nachdeur ZSW 110 Millionen und 1S1V 200 Millionen für diesen Zweck be- willigt worden find. Die Kultivierung von OedlSndereien und die innere Kolonisation schreitet rüstig fort. Eine grpRc Zavl bedeutsamer Anforderungen hat freilich aus Mangel an Mitteln zurück- gestellt werden uiüfsen und tmck nach dem Kriege toird es dabei bleiben müssen, daß unsere Staatswirtschaft nach wesentlicki engeren und sparsameren Gesichtspunkten geführt wird als wir das vor dem Krieg gewöhnt waren. Die stets offene Hand für Geld- ausgaben von ehedem muß fernerhin geschlossen bleiben, wir sind nicht mehr reich genug, um anders zu verfahren. Schon die Höhe der öffentlichen Itasten. welche der Krieg im Gefolge haben wird, wird dies gebieten. Hiermit niüjzten wir nys vertraut macben und abfinden. Die Hauptsache ist heute, daß wir den Krieg gewinnen. Die Absperrung vorn Auslände lastet schwer ans dem ganzen Lande, die Ernätzrungsschivierigkeiteu, die Teuerung sind gewiß groh. Aber alles da-Z wiegt sederleicht gegenüber dem Schicksal, welches unserem Baterlande, bevorstehen würde, wenn unsere Feinde ihren Willen durchsetzen und der Sieg ihnen bleiben ivürde. Unsere Freiheit wäre rettungslos dahin. Ein erbarmungs- loser Feind würde die Früchte unserer Arbeit für sich in Anspruch nehmen, Arbeitslosigkeit, Not und Elend wären unser Los. Wenn wir uns dies vorstellen, so erscheinen die schweren Sorgen und Nöte der Gegenwart leicht. Heute muß jeder die Zähne zu- sammenbeißen und alle Schwierigkeiten und Unbequemlichreiten ertrage». Ein jeder muß dem anderen helfen, sonst können wir bcn 5irieg nicht gewinnen. In Teutschland wird keiner trotz der Absperrung verhungern, dafür ist gesorgt. Bei unseren Feinoen ist in dieser Hinsicht die Not teilweise größer. Große Opfer an Gut, Blut und Entsagung sind noch zu bringen, darauf sind wir gefaßt. Aber trotzdem steht unser Vertrauen und unsere Zuvor- ficht felsenfest: der Sieg muß uns dock bleiben. Unser treuer Gott, der Preußen so sichtbarlick geführt hat und das junge Deutsche Reich in seinen Schutz bisher genommen bat, Wird uns auch weiter beistehen, wenn wir nur unsere Schuldigkeit tun und das wollen und werden wir.(Lebhafter Beifall.) Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung: Donnerstag 11 Uhr: Etatsberatung. Schluß 4>A Uhr._____ Zur Ersatzwahl im 77. berliner Lanö- tagswahlkccis. Für die Ersatzwahl im 11. Berliner LandtagSivaWreiS ist nicht die Aufstellung durchweg neuer Urwähler- und Abteilungskisten er- forderlich. Nach§ 18 der Verordnung vom 30. Mut 1849, die in diesem Pnnkte noch nicht abgeändert ist, sind, mit Ausnahme des Falles der Auflösung des Abgeordiietenhauses, die Wahlen der Wahlmänner für die ganze Legislaturperiode dergestalt gültig, daß bei einer erforderlich werdenden Ersatzwahl eines Abgeordneten nur an Stelle der inzwischen durch Tod, Wegziehen aus dem Ur- Wahlbezirk oder auf sonstige Weise ausgeschiedenen Wahlmänner neue zu wählen sind. Aufgelöst ist das Abgeordnetenhaus nicht; es liegt vielmehr der Fall einer Ersatzwahl vor, und da auch die Wählerlisten nicht, wie das 1908 in einigen Berliner Wahlbezirken geschehen ist, für ungültig erklärt sind, so behalten die Wahlen der 1913 gewählten Wahkmänner im allgemeinen ihre Gültigkeit. Neue Wahlmänner sind nur zu wählen an Stelle der seit 1913 verstürbe- nen oder aus dem Urwcchlbezirk verzogenen; auch dann, wenn diese noch im 11. LandtagSwahlkreis, jedoch in einem anderen Urwahl- bezirk des Kreises wohnen. Insoweit ist die Bestimmung der Verordnung klar. Unklarheit herrscht nur über den Begriff der„auf sonstige Weise" ausgeschic- denen Wahlmänner. Sind darunter auch die zu den Fahnen ein- berufenen Wahlmänncr zu verstehen? Nach dem Militärgesetz vom 2. Mai 1874 ruht für die zum aktiven Heere gehörigen Militärper- sonen, mit Ausnähme der Militärbeamten, das aktive, nicht aber das passive Wahlrecht. Das Recht, sich an der Urwahl zu beteiligen, haben sie hiernach nicht. Ob sie zu Wahlmännren gewählt werden bzw. weiter als Wahlmänner amtieren können, ist eine andere Frage, denn hierbei handelt es sich um ein passives Wahl- recht. Auf der anderen Seite kann man freilich ein- wenden, daß sie ja nicht zu den stimmberechtigten Urwählern gehören, also auch nicht als Wahlmänner gewählt werden können und daß daraus folgt, daß ihr Mandat erloschen ist. Wie aber dann, wenn sie. nur Tage der Wahl des Abgeordneten wieder aus dem Heeresdienst entlassen find und in ihrem früheren Urwahl- bezirk wohnen? Diese vielen Zweifel, die hier auftauchen und die in der Praxis bisher noch nicht beseitigt sind, zeigen, wie sehr sich das System der indirekten Wahl überlebt hat. Weder bei den Reichstags- noch bei den Gemeindcvcrtretcr-Ersatzwahlen bestehen über diese Punkte Unklarheiten, weil hier die Wähler di- rekt und nicht erst mittelbar durch die Wahlmänncr ihre Vertreter wählen. Aber noch in anderer Hinsicht beweisen diese Zweifel die Not- ' wendigkeit einer sofortigen Beseitigung des preu- ßischen Dreiklassen Wahlsystems. Bei Erlaß der Ver- ordnnng im Jahre 1849 besaßen die Milttärpersonen des stehenden Heeres und die Stamm-Mannschaften der Landwehr ein Wahlrecht; nach§ 9 wählten sie an ihrem Standorte, ohne Rücksicht darauf, wielange sie sich an demselben vor der Wahl ausgehalten haben. Landwehrpflichtige, welche zur Zeit der Wahlen zum Dienst ein- berufen sind, durften an dem Orte ihres Aufenthalts flir ihren Heim«tsbezir! wählen. Diese Bestimmung ist durch das Militär- gesetz vom 2. Mai 1874 aufgehoben, ohne daß für Preußen ein klarer Rechtszustand geschaffen wäre. ES ist keineswegs ausgeschlossen, daß bei der Unsicherheit der Rechtslage das Abgeordnetenhaus sich mit dieser Frage beschäftigen wird. Auf jeden Fall würde die Regierung gut tun, wenn sie eine nnzvwideutige Anweisung an den Wahlkommissar erließe, damit spätere Verwicklungen vermieden werden. Unserer Meinung wäre . es das richtigste, wenn sie sich auf den Standpunkt stellte, daß d z c ziint Heeresdienst einberufenen 1913 gewählten Wahlmänner, soweit sie nicht inzwischen aus dem Urwahlbezirk verzogen sind, ihr Amt weiter aus- ZuübenhabenundzurVornahmederWahldesAb- geordneten nach Berlin z u beurlauben sind. Stellt sich die Regierung nicht auf diesen Staudpunkt, so könnte man für die nächsten allgemeinen Wahlen folgern, daß die Feldzugsteil- nehmer erst wieder sechs Monate in dP Gemeinde wohnen müssen. che sie wahlberechtigt sind, und dann wurden, falls zwischen Feie- dcnsschluß und Termin der UrWahlen nicht ein Zeitraum von min- destens sechs Monaten liegt, die Teilnehmer am Kriege wegen Aus- Übung ihrer Heerespflicht ihr Wahlrecht zum preußischen Landtag eingebüßt haben. Diese Befürchtung ist um so begründeter, als nach§ 9 des Bürgerlichen Gesetzbuches eine Militärperson ihren Wohnsitz am Garmsonorte hat, und als Wohnsitz einer Militärper- son, deren Truppenteil im Inlands keinen Garnisonort hat, der letzte inländische Garnisonort des Truppenteils gilt. Wahlberech- tigt wären dann vielleicht nur noch die Heimkrieger und die Heeres- lieferanten— eine treffliche Illustration zum preußischen Drei- illassenwahlsystem! Der Handel in und nach dem Kriege. Der.Handel fühlt sich durch die öffentliche BeWirt- ichaftung der meisten Lebensmittel und bielcr Rohstoffe, durch die Monopolisierung der Einfuhr und die Bindung des Verkehrs der»och im freien Handel befindlichen Waren an Höchstpreise oder an mit den Interessenten perabredete Richtpreise— kurz, durch das umfassende System staatlicher Kontrolle aus seiner Rolle gedrängt, in seinem Wirkungskreis e:n geschnürt, aus Geschäfte mit großem Risiko beschränkt. Die Verdienstinöglichkeit wird eingeschränkt, der Kundenkreis geht verloren. So ist es menschlich begreiflich, daß der Handel nach Aufhebung aller Beschränkungen, nach Wiederherstellung der Handelsfreiheit schreit. Und er tut dies auch mit aller Lungenkraft nnd mit um so größerer Unbekümmertheit, als die Zahl der in ihm tätigen Personen, die nicht nur in ihrer Branche versiert sind, sondern auch volkswirtschaftlich denken können, leider gering ist. Typisch für diese Betrachtungsweise ist ein Brief, den uns vor wenigen Tagen ein Agent mit der Klage geschrieben hat, daß das Kriegsernährungsamt die Konserven- Händler ausgeschaltet habe. Der Verband Deutscher Kon- servenfobrikcn habe,„obwohl gerade Gemüse- und Frucht- konserven unter Ausschaltung des Agenten sich leicht hätten verkaufen lassen", die ihm angeschlossenen Firmen ersucht, den Agenten die bisherige Provision zu zahlen und nur Wer- gütungen für Reisen wegfallen zu lassen, da der Verkehr zwischen den Agenten und den auswärtigen Kunden schritt- lich abgewickelt werden könne. Das Kriegsernährungsamt Hobe aber jetzt die Preise so niedrig angesetzt, daß die Fa- brikcn ihren Vertretern gekündigt hätten. In ibrein Rundschreiben heißt es:„Wir stellen anHeim, durch die Organi- mtion der Agenten zu versuchen, eine Aenderung der Stellungnahme der volkswirtschaftlichen Abteilung des Kriegsernährungsamtes herbeizu führe n." Die Absicht ist klar: die Agenten sollen als Sturmböcke vorgeschickt werden, damit das K r ie g sernäh r ungsam t die Preise erhöhe, wobei vielleicht im stillen Herzenskämmerlein nicht nur die Provision der Agenten, sondern auch ein Neben- gewinn für die Fabriken erhofft wird. Ter Einsender ist über die Praxis des Kriegsernäh- run-gsamtes so entrüstet, daß er„über das mangelnde soziale Verständnis des Kriegsernährungsamtes" klagt— eine Klage, die aber durchaus nicht eine individuelle Uebertmbung, sondern in allen solchen Fällen üblich ist: „Das Zirkular ist eine schwere Anklage gegen das Kriegscrnährungsamt und es ist wert, den Text gründlich durchzulesen, um sich so recht den l e b e n s- fremden G e i st zu vergegenwärtigen, der im gcheimrät- lichen Kriegsernährungsamt herrscht. Man vergegenwärtige sich nur, daß die Einberufung eines Teiles der Agenten mit als Begründung herangezogen wird. Die Frauen und Kin- der dieser Agenten sollen durchaus in der teuren Zeit mit den knappen Kricgsunterstütznngen auskommen und durch das Kriegsernährungsamt gehindert werden, daß ihnen die Fabrikanten, für welche das Fannlienhauvt langjähriger Vertreter war, die Provision während der Kriegszeit weiter zahlt. Die guten Beziehungen Möschen den Fabrikanten und den Warenagentan, die sich während des Heeresdienstes mitunter durch Angehörige oder Angestellte vertreten lassen, sollen durchaus zerstört werden, und wenn die im Zivil- dienst tätigen oder draußen im schweren Kampf stehenden Männer nach Hause kommen, so sollen sie die Quelle ihres Unterhalts gekündigt vorfinden." Hätte das Kriegsernährungsamt keinen anderen Fehler begangen, als diese Sünde wider„soziales Verständnis", so wäre es vor der Geschichte voll gerechtfertigt. Das Los der um ihre Kundschaft gebrachten Agenten ist gewiß be- bäuerlich, aber in einer Zeit, da Mangel an Arbeits- kräftcn besteht, verhältnismäßig erträglich. In kei- nein Fall darf die Ware mit Spesen für eine Tätigkeit be- lastet werben, die vom Einsender selbst als nicht not- wendig erklärt wird, mögen auch die Spesen gering sein. Der Gedanke der Kriegswirtschaft, daß jeder, der im Hinter- land bleiben darf, notwendige Arbeit leisten muß. er- streckt sich in seinem drakonischen Ernst auch auf die Agenten und ihre Frauen. Sickler wird jedermann vor einer leicht- fertigen Lösung eines wirtschaftenden Subjektes aus seiner Friodensstellung zurückschrecken, aber: Gemein- Wirtschaft geht vor Privatwirtschaft. Soweit aber die vom Verband deutscher Konservenfabriken bisher gezahlten Provisionen wirklich nur angemessene Unter- stütz un gen der Frauen eingezogener Agenten sind, so wäre es sehr wünschenswert, wollte das Kria» sernäh rungs- amt die Konservenmbrikanten zur Fortzahlung dieser unbe- achtlichen, für die Preiskalkulation gegenstandslosen Beträge zu veranlassen suchen. Hinter diesem augenblicklichen individuellen Zwischen- spiel unseres Einseltders steht die bedeutungsvolle Frage, wieviel an Bindungen des Handels aus dem Kriege in den Frieden hinüberzunehmen ist. Eins ein- fache, prinzipielle Antwort gibt es dafür n i ch t. Das Problem muß nach seinen konkreten Vorbedingungen für jede Ware individuell gelöst werben. Leicht ver- derbliche oder stark differenzierte Waren wie g. B. Obst, Gemüse oder Konserven daraus dürsten bald wieder dem Handel freigegeben werden, ja, die Kriegsgesellschaften werden gar nicht Lust haben, über die unbedingt notwendige Zeit hinaus mehr minder gefährliche Experimente zu machen. Da- gegen ist es möglich, daß, selbst wenn eine zentrale Regelung aufhört, die Gewöhnung an die setzt anempfohlenen Liefe- rnngsverträge zwischen öffentlichen Körperschaften aller Grade und den Erzeugern zu einer wesentlichen Einschrän- kung des Tätigkeitsgebiets Ties freien Handels führt. Ganz allgemein gesprochen, werben die Grundbedingungen für die Wiederherstellung der Handelsfreiheit erst gegeben sein, wenn der Mangel an einer Ware behoben, die Möglichkeit eines Wettbewerbes gegeben ist. Nur dann kann der Handel eine gleichmäßige Verteilung der Waren zu erschwinglichen Preisen verbürgen. Ganz offenbar ist dadurch für die meisten Waren der Zusammenhang mit der Gestaltung der deutschen Währung gegeben. Jene Wettbewerbsmög- lichkeit wird erst geschaffen werden können, wenn die Zufuhr aus dem Ausland frei ist. Das aber wird erst der Fall fem, wenn die freie Einfuhr nicht mehr zu einem Angebot beut- scher Zahlungsmittel führt/ das aus ihren Kurs drückt. Woraus wieder zu ersehen, daß das Währungsvroblem eines der wichtigsten, alle Volkskreise nahe berührenden Friedens- Probleme ist, Ter freie Handel wird sill� solange nickst geduldig Schranken ziehen lassen wollen, �chon heute organisiert er sich.. Er hat nianchen einflußreichen Gönner in manchem einflußreichen Amt sitzen. Erst kürzlich hat der„Zen- t r a l V e r b a n d des Deutschen Großhandel s" eine Tagung mit dem Staatssekretär a. D. Tcrnburg als Hauptredner abgehalten. In einzelnen Branchen bilden sich Fachverbände, die auf ihrem Sondergebict dem gleichen Ziel der Handelsfreiheit zustreben. So erst am 13. Januar eine „Wirtschaftliche Vereinigung der Eisenhändler Deutschlands" mit den: Reichstagsabgeordneten List als Ge- schäftssührer. Es wird also harte Kämpfe zwischen dem Staatssozialismus und dem Wirtschaft- lichen Liberalismus geben. Dabei dürfen nur frei- lich nicht Warcnagcnten und Großhändler in einen Topf geworfen werden: diese sind Unternehmer, jene sind Arbeiter, bisweilen mit sehr hohem Einkommen, bisweilen aber, und sogar oft, in dürftigen Verhältnissen lebend, das Brot im Schweiße des Angesichts verdienend. Auf diese Kategorien weitgehende R ü ck f i ch t zu nehmen, ist sozialpolitisches Gebot. -5» Am Sonnaber-d hat sich eine Versammlung der Lebens mittelagenten mit dem Vorgehen der Konserven- Industrie beschäftigt. Der Vorsitzende des Zentrawerbandes der Handlungsagcnten-Vercine teilte mit, die voltswirrschaftliche Abteilung des Kriegernährungsamtes habe, wie sich in einer Le- fprcchung ergeben hätte, nicht die Absicht, einen nützlichen Stand auszuschließen und es für wünschenswert erklärt, daß die Jndu- strie den Vertretern die Provision zahle. Die Versammlung wies in einer Entschließung die unrichtigen V o r a u s s e tz u n- gen, auf denen das Rundschreiben der Fabrikanten beruht, zurück. Damit haben die Handelsagenten den richtigen Weg einge- schlagen. Es kommt nicht darauf an, auf das Kriegsernährungs- amt zu drücken, damit es den Handel nicht ausschließe und die Preise entsprechend hoch ansetze, sondern darauf, den Versuch der Konservcnfabrikanten zurückzuweisen, die zur Erzielung höherer Preise die Agenten scharf machen wollen. flus der Partei. Ksnferenz der englischen Arbeiterpartei. In Manchester findet vom 23. bis 27. Januar eine Konferenz der englischen Arbeiter- Partei statt, auf der wichtige Fragen behandelt werden. Das die Geschäfte rührende Komitee der Partei hat auf eine Anregung vom Minister H ender son hin eine Anzahl Resolutionen aufgestellt, die zusammen als ein definitives Programm für die Behandlung der künftigen industriellen und sozialen U m w ä l- z u n g e n angesehen werden müsien. Das Komitee hat deshalb den Wunsch ausgesprochen, daß die Konferenz ihre ganze Ansmerk- samkeit diesen Fragen widmen soll, nachdem sie seinen Bericht über die Materie entgegengenommen hat. Diese Resolutionen betreffen die Demobilisation, die Regelung der Versorgung der Arbeiter mit Arbeit, die Wiederherstellung des Reglcmenis der Geworkvereine, die Auftechterhaltung eines gesetzlich festgelegten Minimallohnes, die Verstaatlichung der Eisenbahnen und Bergwerke, die Organi- sation der Landwirtschaft, die kommenden Steuern, das Wahlrecht, die Stellung der Frau nach dem Kriege, die Möglichkeit eines in- dustriellen Waffenstillstandes und diw Kontrolle über die Industrie. /tos Groß-öerlm. Tie Berkchrsnot. Auch der Charlottenburger Magist rat Hatto an den Polizeipräsidenten von Berlin eine Eingabe gerichtet, worin er um eine Milderung der Verkehrseinschränkungen ersuchte. Auf die vom 5. Januar datierte Eingabe ist unterm 10. Januar die Antwort eingegangen, worin der Polizeipräsident erklärt: „Di« seit Inkrafttreten des eingeschränkten Bahnbetriebes von meinem DerkehrStominissariat sowie von der Großen Berliner Straßenbahn angestelllen Beobachtungen haben ergeben, daß einige Erweiterungen und Ergänzungen des Wagenverkehrs erfordcr- lich waren, und es lvird dortseitS aus den Milreilungen der hauptstädtischen Presse und den sonstigen Veröffent- lichungen der Großen Berliner Straßenbahn bekannt geworden sein, daß eine Erweiterung des Bahnverlehrs inzwischen in nicht unerheblichem Maße stattgefunden hat. Indem ich annehme, daß damit ollen berechtigten Forderungen der beteiligten Kreise entsprochen worden ist. sehe ich gefälliger weiterer Mitteilungen mit Dan! entgegen, wenn trotzdem nach den dortseitig an- gestellten Ermittelungen oder Erfahrungen eine oder die andere Ergänzung des Fahrplans noch für notwendig erachtet wird. Bemerken inöchte ich aber schon jetzt, daß zurzeit eine volle Herstellung des früheren Wagen- vcrkehrS schon deshalb ausgeschlossen ist, weil die große Berliner Straßenbahn infolge Materialmangel und Personal- schwierigkeiten an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt ist und auch eine weitere Auftechterhaltimg des Bahnbetriebes in dem jetzigen Umfange voraussichtlich nur dann möglich sein wird, wenn seitens der Heeresverwaltung der Straßenbahn ein Teil ihrer Angestellten wieder zur Verfügung gestellt wird. In dieser Hinsicht find die erforderlichen Maßnahmen bereits in die Wege geleitet worden." Eine„volle" Herstellung des früheren Wagen Verkehrs hat unseres Wissens niemand gefordert; wohl aber ist für den Berufsverkehr verlangt worden, daß genügend Fahr gelegenheit bleibe, damit diejenigen, die bis spät in die Nacht hinein erwerbstätig sein müssen, nicht gezwungen sind, die ermüdeten Glieder noch stundenlang durch die Winterkälte zu schleppen, ehe sie ihr Heim zur wohlverdienten Ruhe erreichen. Ob auf die Eingabe des Berliner Magistrats, die vor der Charlottenburger eingegangen ist, das Polizei- Präsidium schon geantwortet hat, ist bisher nicht bekannt geworden._ Ueberwachnng des Kohlenmarktes im Kleinhandel. Wie der„Vorwärts"(Nr. 6) mitteilte, hat das Kriegs- Wucheramt nunmehr auch gegen lvucherische Machcusckmften im Kleinhandel eingegrifsen. Wie es heißt, sollen bereits verschiedene Händler nnd Händlerinnen der Staalsanwaitschasl zur Anzeige ge- bracht sein. Angefichrs der vielen Klagen, die man besonders aus den Kreisen der minderbemittelten Bevölkerung wegen des Per- Haltens der Kohlenhändler bei deren Verlauf von FeuerungSmaterial hört, ist ein besonderer Schutz wegen Uebervorteilung der ärmere» Bevölkerung dringend geboten. Die Klagen mehren sich von Tag zu Tag. daß manche Händler die vor ihren Verkaufsstellen sich ein- sindenden Frauen und Kinder trotz längeren Wartens bei der jetzigen schlechten Wlterung obendrein noch'in schroffem Tone und nach Willkür bei der Abgabe von Kohlen behandeln. Ein weiterer Uebelstand ist, daß die Preise für Kohlen bei den Kleinhändlern weit höher sind als die Richtpreise, die der Verband bei' Sto�Ten�SnbTsi' dieser T'age in 6er Press« beroffenN licht Sa:: SIB Lager: 100 Stück...... 1000 Stück...... 1 Zentner..... 10 Zentner für 1 Zentner Frei HanS: 100 Stück...... 1000 Stück...... 1 Zentner..... 10 Zentner für 1 Zentner berechnen Wenn Bier und da bei einigen dieser Firmen Preis- Überschreitungen in den letzten Tagen vorgekommen sind, so hat, wie wir hören, der Verband der Äohlengrosibändlcr hiergegen in einem Zirkular an seine Firmen warnend Einspruch erhoben Obwohl nun auch die Kleinhändler ihre Kohlen fast auZschliesi- lich direkt von der Grube waggonweise beziehen, sind die Preise in ihren Verkaufsstellen weit höher als auf den größeren Kohlen- platzen Berlins. Der Mühe des Abtragens der Kohlen zur Kund- ichast ist der Kleinhändler heute fast gänzlich enthoben, weil die Verbraucher sie sich abholen. Nun kosten aber beim Kleinhändler, ob.Ilse' oder.Kaiserkohle", durchschnittlich bei Selbstabholung 100 Stück 1,60 M., frei Haus.... 100„ I LO. also schon 20 Pf. mehr pro Hundert als die vorerwähnten Nicht« preise ergeben. Aber dabei bleibt es nicht. Infolge der Kohlen- knapphcit belieben es die Kleinhändler besonders, ihre Kohlen nur in recht kleinen Mengen abzugeben. Im Interesse der Allgemeinheit würde hiergegen weniger zu sagen sein, wenn bei der Abgabe für 20 oder SO Vf. ssür mehr Geld wird gemeinhin nicht abgegeben) auch die Stückzahl nach dem Grundpreis berechnet übereinstimmen würde. Tamtt bat es aber nun sein eigenes Bewenden. Feststellungen, die vou privater Seite gemacht wurden, haben ergeben, daß die Kleinhändler fast ausschließlich überall nicht mehr wie sechs Preßkohlen für 10 Pf. verabfolgen. Da, wie schon bemerkt. zum größten Teil der Verkauf beim Kleinhändler in der letzten Zeit nur in geringen Mengen ersolgl, so erzielt er eine wesentlich höhere Einnahme, was aus folgender Gegenüberstellung ersichtlich ist: Der Kleinhändler oerkaust aber nur in kleinen Mengen wie folgt und erzielt dabei: .. 0,10 M Unter Zugrundelegung der zuerst angedeuteten Richlpretsc würden kosten: . 0,14 M. . 0.28„ . 0,42. . 0.84. . 1,26. . 1,40„ 10 Preßkohlen 20 80 60 00 100 6 Preßkohlen 12 16 I 80 00 00 100 0,20 0,30 0,50 1— 1 50 1,65 Wenn der Kleinhändler bei fortgesetztem Verkauf kleiner Posten 1000 Preßkohlen umsetzt, so beträgt seine Einnahme hierfür 16,50 M. Bei richtiger Abgabe der Zahl und nach den erwähnten Richipreisen berechnet, würde die Eiunahme bei 1000 Stück nur 14 M. betragen dürfen. In einer Verfügung de? HatidelSministerS an die Regierungs Präsidenten heißt e§:„Die Erhöhung des Bezugspreises um eine Mark kür die Tonne Kohlen bedingt nur einen Ausschlag von 5 Pf, pro Zentner im Kleinhandel," Der Kleinhandel verlauft die Preß- kohlen nur in seltenen Fällen nach Gewicht. DaS geschah nur auf einigen Plätzen am Görlitzer Bahnhof. Die Käufer er- hielten hier den Zentner Ilsekohle für 1.50 M,: die An- zahl der Kohlen betrug im Durchschnitt 114 Stück auf den Zentner. Beim Kleinhändler im Ladenverkauf kommen aber 114 Preßkohlen, also ein Zentner, auf 1,80 M. zu stehen. Dieser Preis steht nicht im Einklang mit obiger Verfügung. Daraus er- gibt sich, daß auch beim Einkauf von Heizungsmaterial die un- bemittelten Bevölkerungsschichten beim Kleinhändler die höchsten Preise zahlen muffen. Es müßte daher Ausgabe der Behörden sein, Anordnungen zu treffen, daß der Kleinhändler bei der Abgabe von nur kleineren Posten die richtige Zahl von Preßkohlen nach den Richtpreisen zu berechnen, oder aber die Kohlen nach Gewicht zu verkaufen hat, damit eine Uebervarteilung der ärmeren Bevölke rung verhütet wird. Fürsorge für Mutter und Kind. An der Löiung der Aufgabe, die Säuglinge möglichst bor Sieche tum und frühem Tod zu bewahren, will das„Kaiserin- Auguste-ViltoriahauS zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit im Deutschen Reich" mit- arbeiten durch wissenschaftliche Forschung, durch auitlärende Beleh- rung und durch eine auf Mutter und Kind sich erslreckeude Pflege. Aus dem uns kürzlich zugegangenen Jahresbericht über die Arbeit der Anstalt im letzten VerwaltungSjahr. das die Zeil vom 1. April 1015 bis 31. März 1016 umfaßt, fei hier einiges vou dem wieder- gegeben, was er über die Pflegctätigkcit mitteilt. Die Fürsorge für die Mütter wird Schwangeren und ?S ö ch u e r i n n c n gewährt. Das Haus nahm neu 300 Frauen ans, die meisten vor der Entbindung. Neu in Pflege genommen wurden 877 Kinder, neben 704 Säuglingen auch 173 über ein Jahr alte Kleinkinder. Unter den Säuglingen waren 244 in der geburtShilf- lichen Abteilung des Hauses geborene. Einen Einfluß der K r i e g S z c i t aus die Neugeborenen, der berechtigen würde, von besonderen„KriegSneugeboreneu" zu sprechen, hat die Anstalt nicht feststellen könne». Der Pflegekostensatz für„Kinder der dritte» Klaffe" und für unverheiratete Mütter wurde, wie der Bericht hervorhebt, trotz außerordentlicher Ausgaben« stcigerung nicht erhöht, weil„schon iu Friedenszeitei: der TageSsatz von 3 Mark für einen Säugling ein reichlich hoher ist." Der Berichr weist daraus hin. daß schwere Erkrankungen eines Säuglings einen KrankenhaiiSaufentbalt von 4—0 Wochen erfordere, und sagt dami:„Die damit verbundenen Kosten haäcn schon in Friedenszeiten manche Familie veranlaßt, auf die Hospitalisierung ihres KindeS zu verzichten, mid es dadurch dem Tode preisgegeben. In LkriegSzeitcn würde eine Verteuerung der Kranlenhauskoilen für die Minderbemittelten unfehlbar ein weiteres Hindernis für die Bestrebungen, erkrankte Säuglinge möglichst schnell geeigneten Anstalten zu überweisen, bedeuten und dürfte mit Sicherheit ein Ansteigen der SterblickkeilSziffer zur Folge haben, was in der jetzigen Zeit mehr als je vermieden werden muß." Darüber, ob für verheiratete Mütter der Pflegekostensatz er- bohl worden oder gleichfalls unverändert geblieben ist, haben wir in dem Bericht keine Angabe gefunden. Tie Anstalt wird, weil sie in C h a r l o t t e n b u r g iMollwitz- straße) liegt, besonders stark von der Bevölkerung Charloltenburgs in Anspruch genommen. Bon den neu aufgenommenen 300 Frauen waren aus Charlottenburg allein 104, auS Berlin nur 53, aus anderen Gemeinden zusammen 143. In der geburtshilflichen Abteilung wurden 243 Frauen entbunden, darunter 80 Kriegerfrauen zu ermäßigtem Pflegetostensatz. Wichtig' sind die Bemerkungen, möglichst alle Mütter zu veranlaffen, daß sie ihre Säuglinge stillen. Nur eine der Entbundenen war ganz stillunfähig, 10 hatten nicht ausreichend Nahrung für ihre Kinder, die übrigen 223 erwiesen sich voll stillfähig. Die Mülterabteilung, in der Mütter nach dem Wochenbett samt den Kindern aufgenommen werden können, verpflegte 107 Frauen. Bon hier aus wurden 44 Ammen abgegeben, deren Kinder meist bis zum dritten oder vierten Monat in der Anstalt blieben und dann in Pflegestellen kamen. Unter de» in der Anstalt verpflegten Kindern warei» 701 kranke, dazu gehörten 88 aus dem Vorjahr übernommene und 613 neu aufgenommeue. Mitgezählt sind Frühgeborene, die aus der geburtS- BilfliSen Abteilung hierher überwiesen wurden. ES starben IIS Kinder, davon 76 in der ersten Woche ihres KrankenhauSaufent- bakteS, von diesen 60 sogar in den ersten drei Tagen, von diesen� 48 in den ersten vierundzwanzig Stunden. Angeborene Lebend- schwäche und Erkrankungen der VcrdauuitgSorgane waren bei den so früh gestorbenen Kindern die häufigsten Todesursachen. DaS„Kaiserin- Augusla- Viktoria- Haus zur Bekämpfung der SäuglingSsterblichkeii" hat, wie wir aus dem Bericht ersehen, für die aufzunehmenden Kinder drei Klassen mit ver'chiedenen Pflegekosteusätzen. ES wäre vielleicht ganz lehrreich, wenn in künfligett Jahresberichten diese Unterscheidung au.b iür % Krankheits- und Sterbesallstatistik durchgeführt würde. Wir vermuien, daß die Berichte dann mehr als bisher auch zur Beleuduung des Zuiammeubanges der Säuglingssterblichkeit mir der sozialen Lage beitragen tönuten. Für Leu Kampf gegen die Säuglingssterblichkeit gibt die Aufdeckung der sozialen Ursachen des Massensterbens der Kinder einen wertvollen Fingerzeig, der ans die Notwendigkeit d e r B e- s e i t i g u n g dieser Ursachen hinweist. Wieder einer von der alten Garde gestorben! Am 6. Januar d. I. verstarb, wie wir leider jetzt erst erfahren. nach längerer Kraulheil der Maler Eugen Dam er KW im Atter von 66 Jahren. Mit Eugen Damerow ging einer der alten er- probten Kämpfer zu Grabe, die all' die Verfolgungen des Sozia- listengefetzeS furchtlos getragen haben. Schon in feinen jungen Jabreu schloß er sich der Partei an und eiwarb sich durch sein un- ermüdlichsS Wirken da? Vertrauen seiner Genoffen im sechsten Wahlkreise. In der Mute der achtziger Jahre, in der Bliitezeii der Jhring-Mablow, Naporra usw., als das Sozialistengesetz noch einmal in voller Schärfe angewandt wurde, trat Eugen Damerow un- erschütlerlich ein für die Verbreitung unserer Ideale. Und weil irnolgs der scharfen Handhabung des Gesetzes nur wenige Gast- Wirte ihre Lokale zu Parteizusammenkünsten hergaben, stellte Genosse Damerow dem Wahltomitee des sechsten KceiieS seine Wohnung bereitwilligst. zu ollen Wahl- und Parteiarbeiten zur Verfügung. DaS bedeutete bei den unausgesetzten Periolgutzgen und den Ausweisungen so vieler tätiger Parteigenossen und Famil'.eu- viiter' großen Mut uird Unerichrockenheil. ES ging um die Partei. So wirkte Eugen Damerow in ichlichter Weise für die Verbreitung unserer Ideen und begegnete allen Verfolgungen mit seinem ruhigen, trockenen Humor. Nie ivar ihm die Arbeit zu schwer, nie ein Wcg zu weit, nie eine Stunde zu spät, um für seine Ueberzeilgiing tätig zu sein. Noch kurz vor seinem Tode stetn� er als Bezirks flibrer in Reih und Glied mit den jüngeren Genossen, bis ihn seine Krankheit zwang, ruhig und still bei Seite zu treten. Jeder, der ibn kannte, betrauert in Engen Damerow einen jener braven, opfersreudigeii und selbstlosen Parteigenossen, die ohne jede Nenommisterei in voller Hingabe sich selbst und ihr ganzes Leben der Partei zur Verfügung stelle». Wir werden ihm ein ehrendes And-nk-n bewahren. Auf dem Vorderperron. ES ist merkwürdig: im Wageninnern, wo eS warm ist, tun die Leute, als wenn ihnen der Mund zngesroren wäre, aber draußen, in der Kälte, da tauen sie auf. Kaum fällt ein Wort, so ist auch schon ein gemeinsames Gespräch im Gange. Dieser Tage wieder hatte ich meinen Spaß oifl dem lustigen Vorderperron meiner „Slamm-Linie." „Kein Platz mehr," sagt- die Dogcnführerin, als ein Feldgrauer mit wollte. „Immer steigen Sie man in," sagte ein Mann, der in Tonnen- breite vor mir stand.„Wir sind ja man alle triegSeruährt." Tie Wagenführerin drehte sich ihm zu und sagte spöttisch:„Na, Sie haben doch noch keine KriegStaillc." Sje hatte die Lacher auf ihrer Seite und den Feldgrauen schon im Rücken. Er hatte sich„mangjeheringl". „Wat, keene KriegStaille? Dreißig Pfund habe ich ab- genommen" brummte der Dicke.„Haben Sie eene Aliniing! Zehn Pfund kommen auf jede? Fahr. Wenn der Krieg noch eene paar Johre dauert, lasse ich mir in die Passage als Knochen- mensch sehn." „Schlimm genug solljS ja sein mjt der LebenSmittelknappheit," meinte eine Frau, st» war sehr einfach gekleidet,„aber den ganzen Tag habe ich noch nicht gehungert. Ich wollte, mein Mann hätte immer so viel zum Essen gehabt, wie ich hier." „Sie essen gewiß nicht ville mehr al? ccit Sverking," lachte der Dicke.„So sehn Sie nämlich auch auS. Ich kann zu cener Mabl- zeit gut so bille Kartoffeln effcn, als auf meinen Kopf pro Woche kommen." „Wir haben auch in FriedeitSzciten nur mäßig gegessen." sagte die Frau.„Für die Freßsäcke freilich soll das Durchhalten besonders schwer sein." „Das soll stimmen." nickte der Feldgraue ihr zu. .Erlauben Sie," sägte der Dicke,.seh' ich denn wie'n Freßsack auS? Ich esse bloß so ville, weil nirgends keeu bißchen Fett dran ist. lind wo bleibt det janze Fett? Ich bin gewiß keen Roter, aber ich weeß, was ich mache, wenn der Krieg vorbei ist. Jawoll, va- hungert war' ich schon, wenn man nicht ab und zu mal bißchen was huileii herum erben lönnt'." „Aha i" rief einer»no lachte. „Sie brauchen man gar nicht so dreckig zu lachen." sagte der Dicke.„Jetzt muß jeder zusch'n, wo er bleibt. Ich habe eene Dampf Wäscherei am Wedding. Ich komme mit Leute in Berührung, die Bescheid wissen. Ich sage bloß: die Juden. lind der Rum wird natürlich ooch beschlagnahmt. Was soll der Arbeiter trn trinken?" „Sie machen sich imniitze Sorgen um den Arbeiter," sagte der Feldgraue.„Dem tut anderes mehr not als der Schnaps." „Schade, daß ich schon aussteigen mutz," bedauerte der Dicke. Ich hätte Ihnen sonst noch gesagt. waS in der Welt gespielt wird. Es kommt noch so weit, daß wir neu Judenkönig kriegen." Der Wagen hielt. Der Ticke schob sich langsam ans Trittbrett. „Det Waffer wird ooch noch beschlagnahmt", sagte er zum Abschied und lachte, als hätte er einen Witz gemacht. „Vorerst ober wird man die Kerle drin ersäufen, die so dämlich quatschen wie Sie", rief ihm der Feldgraue nach. Ich dachte bei mir: Jetzt neigen viele Spießer zur Anarchie, weil sie den Bauch nicht voll genug kriegen kötmeu. Städtische Kunstpstefle. Im Laufe des Berichtsjahre? 1915 lApril 1915— März 1016) ist au Stelle des ausgeschiedenen Stadtverordneten Dupont der Stadt- verordnete Glocke von der Stadtverordnetenversammlung zum Miigliede der Kunstdepiitation gewählt worden. Auf der Großen Berliner Kunstausstellung wurden sieben Gemälde, eine Marmorbüste und zwölf kleinere Kunstgegen- stände,� Holzschnitte, Radierungen. Plaketten und Medaillen angekauft; aus der Ausstellung der Berliner Sezession zwei Gemälde und aus der Ausstellung der Freien Sezession drei Ge- mälde. Außerhalb der K u n st a u,S st e l l u n g e n wurden angelaiist: ein OelbildniS Gerbart Hauptmanns auS seiner Friedrichshagener Zeit von Professor Hans Fechner, aus dem Nachlaß des Malers Prosesior Cätar F r r n z e r zwei Oelgemälde und auS dem Nachlaß des Bildhauers Hermann Engelhardt daS lebensgroße Bronzcbildwcrk„Flora", daS demnächst auf der Terrasse im Schiller park zur Aufstellung gelangen soll. Für Ankäufe zur II n t e r si ü tz u u g der A l a d e m i s ch e n Kriegshilfo wurden wie im Vorjahre aus den Mitteln des Kunstfonds wieder 25 000 27. hergegeben, außerdem bat ein Berliner Gönner zum gleichen Zwecke und auch zur freien Verteilung von Unterstützungen an Künstler, die durch den Krieg ganz besonders in Bedrängnis geraten sind, der Deputation den Betrag von 20 000 M. zur Verfügung gestellt. Für diese Beträge wurden angekauft: 43 Oelgemälde, 6 Aquarelle, 18 Radierungen und Holzschnitte und 10 Bronzebildwcrke, und in 80 Fällen wurden freie Unterstützungen gewährt._ Tie Berliner Bäckereien im Jahre 1916. Die Verhältnisse im Berliner Bäckergewerbe können, wie auS dem bei der Sbteilung für Brotversorgung vorliegenden Material hervorgeht, im allgMieinen als leidlich bezeichnet werden, und an- gestellte Berechnungen haben ergeben, daß bei den bestehenden Mehl- preisen auf der einen und den Gebäckhöchstpreisen auf der anderen «eile ein angemessener?!utzcii perblieb. Tie Zahl der von der Stadt Berlin ver'orgten Betriebe ist von 1495 auf 1480 zurück- gegangen, dagegen ist die den einzelnen Betrieben zugeteilte Durch« ichnitlsmehlmenge von 13,58 Doppelzentner aus 13,65 Doppelzentner gestiegen; während der nionatliche Mchlverbrauch der vou der Brotversorgung Grotz-BerlinS versorgten Brotkartengemeinschoft monatlich 170 000 Doppelzcnuicr betrug, verbrauchten die in der Stadl Berlin gelegenen Bäckereien etwa? über die Hälite, Anfang Juni l9l5 20300 Zentner wöchentlich, Anfang Juni l916 20 200 Zentner wöchentlich.' Die höchste und die niedrigste Menge wurde Weib- nachten 1915 und Mai 1916 erreicht, nämlich 24 400 bezw. 19 538 Doppelzentner wöchentlich.— Von den von der Stadt Berlin per- sorgten Bäckereien waren ungefähr der dritte Teil, nämlich 500 Bäckereien, Kleinbetriebe mit einem wöchentlichen Durchschnitts- verbrauch von 5'/, Doppelzeutner. Kleine Mittelbetriebe mit einem wöchentlichen DiirchschnittSverbiauch von 97 Doppelzentner Ivoren Mute 1916 ca. 530 vorbanden. Der Rest entfiel auf größere Mittelbetriebe mit durch'chnittlich 16'ö, Zentner WochenUcrbraiut, lbiervon waren ca. 400 vorbanden) und Großbetriebe mit durch- schnittlich 95 Zentner Wochcuverbrauch(65 Betriebe). Pellkartoffeln bei der Volksspeisnng. Die Vollsiveiseeinrichtungen der Stadt Berlin bieten die Mög- lichkeit. die Speiizn sogleich in den Ausgabestellen zu verzehren. Wer das will, läßt sich seine Portion in einem Eßnapf geben, auch wird für ihn nur Wunsch ein Löffel beigefügt, und er kann dann an einem der bcreitsteheiiden Tische sein„Diner" einnehmen. Einer, der bisher in seiner Speiseausgabestelle das regelmäßig getan hatte, klagt uns. haß in der vorigen Woche dcr Wirsingkohl mit Peilkariofieln verabreicht wurde. Für ihn war.da? de?- wegen sehr unangenehm, weil er mit seinen von giftigen Farben beschmutzten Händen— er ist Schristmaler und gebt täglich in dcr Mittagspause zur SpeiseauSgabestelle— ielber die KartoEelii abpellen mußte. ES mag ja sein, daß die Küchenleitung zu dieser Maßregel sich genötigt glaubte, weil cni weder nickt genügend Personal zur Verfügung stand oder bei de: jetzigen Kartoffelknappheit die Kartoffeln auS ErsparniSnicksichieu nicht geschält werden sollten. Aber für alle diejeuigen. die vou der Arbeit zur Speisenausgabe koinuieu und hier ihr Eisen verzehren wollen, ist es wirklich nicht sehr appetitlich, die abgepellten Kartoffeln mit mangelhaft gereinigten Händen anfassen zu müssen. Da hilft es auch wenig, lein eigene? Siesteck mitzubringen, wie e? den iu den Ausgabestellen speisenden Gästen schon enipfohlen worden ist. oder sein Taschenmesser zu benutzen. Jener Schriftmaler hat nur ff» Stunde MiltägSpause, in der er die Hände waschen, den Weg zur'Speisen- ausgäbe machen, fein Essen entgegeiinehmen und verzehren und dann rechtzeitig wieder uir Arbeiisstätte gelangen soll. Von einer io kurz bemessenen Pause kann er nicht die Zeit drüberbehalten, sich gründlich zu reinigen, was bei der Unzuläuglichkeit der jetzigen Waschmittel ohnedies für einen Maler schwierig ist. Mit Rückstchi aui die vielen Arbeiter und Arbeiterinnen, die in ähnlicher Lage lein werden, sollte man bei der VolkSipeisung nicht zu dem I>ot- behelf der Pellkartoffeln greifen, oder sie nicht iingepellt liefern. „Paulinum-Mehk." Wie von der Ernährungsbehörde bekanntgegeben wird, Hai die Firma„Fernutho", Nähr- und Genußmittelsabrik in Berlin SO 83, Schlesische Straße 27, und C 19, Wallstraße 25, als„Pflanzenmehl" mit der näheren Bezeichnung„Paulinum-Mehl" ein sogenanntes „handelsfreies Mehlstreckiingsmitlel" unter besonderem Hinweis auf die Backfähigkeit in den Verkehr zu bringeu versucht. Noch dem Er- gebnis der amtlichen Nntersuckuing von Proben. der belreffendeii Ware handelt cS sich um Slrohmebl; weitere Ermittelungen haben ergeben, daß im weseiillichen geniahleiies Bohnen-«tid RnpZstroh in Betracht kommt. Im Auichluß an diese Mitteilung fordert der Londrat des Kreise? Teltow alle'OrtSbehörden aui, ihre Sächverständtgen anzti- weisen, derartigen Versticheu mit allem Nachdruck cntgegenziitteteii. D'e Vollniilchkiirlen für Februar find bis zftrn 21 Januar von den Sstoikommiisioncn abzuholen. Die Karten für Kranke werden wie bisher von dcr Zentralstelle, für Krankenernähruug zugesandt. Die Inhaber von Vollmilchkarten werden dringend ersucht, die Februarkarten dann bis zum 24. Januar ihrem Mtlchhändler vorzulegen. Wechsel d e S Händlers i st nicht gestattet. Der Milchhändler bat d»e Kontrollabschnitte abzuschneiden. Den einen(links unten) bewahrt er auf, den andern(rechts unten) sendet er wie bisher der Feltstelle Groß-Verlin(Milch) ein. Die Milch- Händler werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Konlroll- abschnitte bei der Fcttstelle Groß-Berlin am 26. Januar eingegangen sein müssen. Tie Pciisivnskaffe der StiuUseiseiibnhiinrfceiler bat ihre Kosten» iotzungen geändert imd dw Neuerungen werden jetzt durch eine Ver- sügung des Eisenbahnministers erläutert. Danach baden die Kasten- Mitglieder der Abteilung bereits bei Vollendung dcS 65., bisher 70. Lebensjahres Anspruch aus Altersrente. AIS Waisenrente werden aus Abteilung A für jede Waise drei Zwanzigstel de? GruudbelrageS und der SleigerungSsäye der Invalidenrente gewährt, die der Er- nährer zur Zeit feines TodeS bezog oder bei Invalidität bezogen hätte. Die Invaliden-, Witwen- und Waisen-Zufatzrenten aus Äb-1 teilimg B sind vom 1. April 1917 an allgemein um 10 Proz. erhöht. Die StaalSeisenbahnverwaltnng leistet der Abteilung B außer der Hälfte der Beiträge vom 1. April 1917 au einen jährlichen Zu- schütz iu Höhe eines Viertels, bisher eines Sechstels der Gesamt- beitrage. Die Zeit freiwilliger mililärischer Dienstleistungen tu 2>lobtliitachuirgS- und Kriegszeiten wird ri'tcktvirkend vom Beginn des Krieges, bei der Beinestung der Bezüge au? der Abteilung 1» iu gleicher Weise angerechnet, wie dies bisher schön für die Erfüllung der Wehrpflicht bestimmt war. Eine neue Verordnimg über Fahrstühle hat der Berliner Polizei- Präsident erlassen. Von Wichligteit sind die netten Bedingungen für die Zulaffung von Fahrstuhlführer u. Fahrstuhlsührer müssen in einer Prüfung, zu der sie erst nach vollendetem 13. Lebensjahr zugelassen werden können, den?!achwciS erbracht haben, daß sie mit den Betriebsvorschriften usw. völlig vertraut sind. Ihre Zulassung erfolgt mir für bestimmte Auszüge au) bestimmten Grundstücken. HilfSfübrer müsse» da" 14. Lebensjahr vollendet haben imd mit der Bedienung und den Betriebsvorschriften vertraut sein. In Fabriken, Hotel? imd Warenhäusern haben die zustäudigeu Fahrstuhlführer und HilfSfübrer während der BelriebSzeit ein Abzeichen■ zu tiagen, das sie als Führer keinizeichmt. Bei den Bedingungen über törper- liche Eignung ist auf Kriegsverletzte gebührend Rücksicht zu nehmen. Tie Gebührniffe der Feldfaldaten, Zu der Blätlermelduyg über die den Soldalen im Felde zustehenden Gebührniijc ist folgendes zu bemerken: Die Soldaten draußen erhalten seit dem 1. Juli 1916: Gemüse: nicht 150 Gramm, sondern 125 Gramm Reis, Graupen. Grieß; nicht 1500 Gramin Kartoffel» oder 250 Gramm Kartoffelflocken oder 300 Gramm Dörkartoffoln, sondern 300 Gramm Kar- toffeln oder 50 Gramm Kartoffelstöcken oder 60 Gramm Dörr« kartoffeln nebst«riliprechenden Teilen der änderen Gemüsesorteu für den Ausfall a» Kortoffeln gegenüber dem PortionSfatz von 1500 Gramm; nicht 150 Gramm, sondern 125 Gramm Backobst; nickt 25 Gramm Kaffee, sondern 15 Gramm Kaffee nebst 6 Gramm Zichorien; an Brotaufstrich: nicht 55 Gramm Butter oder Schmalz oder fettes Schweinefleisch in Dosen, sondern 55 Gramm Butter usw. für den Westen, 65 Gramm Butter usw. für den Osten. nicht 125 Gramm K LI e, sondern für den Kopf und Monat 200 Gramm Käse; an G en n ß m i t t e l n: nicht 0,1 Liier Branntwein täglich, sondern nur unter besonderen Borousietzlingni, Klima. Witterung usw. 0.1 Liter Branntwein: nicht 0,1 Liter, sondern 0.02 Liter Fruchtsast: an Brot: nicht 75 Gramin Mehl, sou- dern bis zu 40 Gramm Mehl. Dorläustg feine Ojernüfcftfitferiiett, Auillich tuitb mitgeteilt, dag der Absatz der Gemüsekonserven und Faszbohncn»acii wie vor streng verboten ist, Die Freigabe wird erst in einigen Wocke» erfolgen. Tie Gemüsekonserven selten für'die gemüseärmste Zeit ausgespart werden. Gegenteilige Nachrichten sind irrig. Postsendungen an Kriegsgefangene in Frankre ch. Ans den nir- bestellbar aus Frankreich �rirnckkommendcn Sendungen bedentet ein Fragezeichen hinter dem Wort Regiment, dag die Sendung wegen unterbliebener Angabe der Regimeiitsnnmmcr nicht hat untergebra-ti! werden können; die Buchstabe»„S. R." besagen, bog das Pariser Burkau do renseignements zur Zeil der Ankimfl der Sendungen noch keine Nnchriwren über den Gefangenen besag. Zu beachten ist. dag sich aus französiichcm Boden auch englische Gesangenenlagcr befinden, nach denen der Postverkehr aber aus- ichlietzlich durch englische Behörden vermittelt wird. Postaiiiveisungcn an deutsche Getangene in solchen Lagern auf französischem Boden sind nicht an die Oberpostkontiolte in Bern, sondern an das König- lich Niederländische Postamt im Haag zu richten. „Bohnen-Kremser" wieder verhastet. Der angebliche Dr. Kremser, der in Wirklichkeit ein 36 Jahre aller Kaufmann Alfons Schmid ist und im Juli v. I. durch einen grohen Frachlbiiefschwtndel mit Bohnen über 100 000 Dl. erbeutete, ist seht in Neukölln zum zweitenmal verhaftet worden. Am 2. Oktober war er bekanntlich auS einem Ziefervelazarett zu Schöneberg entflohen. Wahrscheinlich hat er in der Zwischenzeit wieder Schwindeleien verübt oder zu ver- üben versucht, vielleicht unter den Namen„Fl ieger-Ober- loutnant Julius Heilmann" und„Fliegerleutnant Felix Grosse". Schmid, der wieder der Militärbehörde über- geben wurde, weigert sich anzugeben, wo der Rest seiner Beute, mehr als 50 000 M., geblieben ist, für deren Wiederherbeischaffung eine Belohnung bis zu 1500 M. ausgeschrieben ist. Vielleicht hat er das Geld auf einer Bank unter falschem Namen angelegt. Alle die- jenigen, die über den Verbleib der Summe und über das Treiben des Schwindlers seit seiner Flucht ans dein Lazarett am 2. Oktober vorigen Jahres etwas mitzuteilen wissen, werden ersucht, sich an Kriminalkommissar Krüger beim Berliner Polizeipräsidium zu wenden. Ein tödlicher Baunnfall hat sich in der Mühlenstraxe in Schöneberg ereignet. Dort lägt gegenwärtig die Deutsche Erdöl-Aitiengesellschaft einen Fabrikneubau aufführen. Als DienS- tag vormittag eine Ladung Baumaterial emporgewundcn werden sollte, ritz plötzlich in der Höhe des ziveiten Stockwerk das starke Seil und die Last sauste in die T'.efe. Eine aus dem Neubau be- schästigte 39 jährige Frau Kleinert wurde von einem Teile der Ladung getroffen und erlitt so schwere Verletzungen, dag sie auf der Stelle starb. Mus öen Gemeinden. Znr Reichstagswalil in Potsdam- Tpandau- Ofthavclland. Entgegnung. In Nr. 15 deZ„Vorwärts" nimmt der neue Kreisvorstand von Spandau-Ostbavelland in einer langatmigen, aber der Wahrheit deshalb doch nicht entsprechenden Erklärung Stellung zu dein Beschlusie des Bezirksvorstandes in der Kandidatenfrage. Inhaltlich bestreitet der erste Teil dieser„Erklärung" auch nickt die Richtigkeil der Dar- stellung des Bezirksvorstandes, sondern sie bestätigt die jeder parlamentarischen Gepflogenheit und Partei- üblichen Regel hohnsprechende Art der Ab st im- in u n g. Wenn aber die Tatsache bestritten wird, datz die Opposition ihre Mehrheit von zwei Stimmen ans Grund von Gültigkeitserklärung zweier ungültiger Mandate erreicht habe und versucht wird, das Gegenteil daraus zu konstruieren, so heißt das, die Wahrheit aus den Kops stellen.» Es widerspricht weiter allem Recht, datz dem noch nicht ge- wählten PretzkommissionSmitgliede aus Potsdam vorher bereit? Stimmreckt eingeräumt wurde, und auch die Mandatsniederlegung de-Z Genossen Staad als PretzkommissionSmitglied drei Tage vo» dem Stattfinden der Kreisgeneralversammlung geschah nicht so ganz von ungefähr. Erklärte doch Genoffe Staab, falls dem in Frage kommenden Genossen das Stimmreckt nicht eingeräumt würde, ver- lange er das Recht, zwei Stimmen abgeben zu können, und zwar einmal als Mitglied des KreiSvorstandeö und sodann als PretzkommissionSmitglied. Richtig ist, das; in früheren Kreisgeneralversammlungen auch Frauen schon gültige Mandate hatten. Dagegen hätte natürlich auch niemand etwas eingewendet, wenn die Spandauer Genoffen von den ihnen auf Grund ihrer Mitgliederzohl zustehenden zwei Mandaten eins den Frauen überlasten Härten. Dies haben sie aber nicht getan, sondern noch extra eine weibliche Delegierte mib- gebracht und nun für diese Genossin Sitz und Stimme verlangt und— eigentümlicherweise auch zugebilligt erhalten. Wenn weiter die Frage gestellt wird, woher der Bezirksvorstand wisse, wie der eine oder andere Delegierte gestimmt hätte, so mutz »man sich wahrlich über eine derartige Naivität wundern, denn von den Vertretern von Spandau und Potsdam wäre die Gültigkerts- erklärung der beiden Mandate nicht mit solcher Verve und Aufwen- dung von Lungenkraft gefordert worden, wem, sie nicht im klaren darüber gewesen wären, auf welchem Standpunkt diese Genossen ständen. Erklärte doch Genosse Kiesel, datz sie, falls das Mandat des PretzkommissionSmitgliedeS nicht anerkannt würde, die Konferenz verlassen müßten. Richtig ist. datz eine Vorfitzendenkonferenz am Bußtag sich aus meinen Vorschlag einigle,„die Zahl der Delegierten zu dieser Kreis- generalversammlung aus den Mitgliederbeslond noch der letzten Quartalsabrechnung zu beschränken". Richtig ist aber auch, daß die beiden Genossen aus Kremmen und Cladow zu dieser Vorsitzenden- konferenz zwar nicht erscheinen konnten, aber durch mich enischuldigt wurden und deshalb natürlich angenommen werden mutzte, datz deren Vertretung auf der RreiSgeneralversammlung nicht angefochten werden würde. Niemand erhob aus der Vorsitzendenkonferenz gegen die an sie ergangene Einladung Einspruch. Es mutzten angesichts der bevorstehenden Wahl daran liegen, alle Orte aus der Kreis- generalversammlung vertreten zu sehen, da Potsdam und Spandau, rrotz großer Worte,' die Arbeit allein nicht leisten können und die beiden vorgenannten Orte bis in die erste Zeit des Krieges namhafte Mitgliedschaften aufzuweisen hatten. Wenn weiter die Behauptung ausgestellr wird, datz ein OrtS- verein deshalb nickt zur Kreisgeneralversammlung geladen worden sei, weil sich desien Vertreter in einem Brieie an den Krersvorstand auf den Standpunlt der„Arbeitsgemeinschafr" gestellt habe, so ist das, gelinde geiagt, eine wissentlich leichtfertige ll»terstellu»g. Der betreffende OrtSverein hat rechtzeitig per Post eine Einladung er halten und ich habe dieses auch dem KreiSvorstand in seiner Sitzung vom 1. Januar er. mitgeteilt und niemand von den Anwesenden hat an der erfolgten Einladung Zweifel geäußert. Und das be sagte schrislliche Belenntnis des Vertreters, datz er sich der Arbeits g-meinschaft anschließe, ist erst nach der Kreisgenerolversammlung und zwar am 8. Dezember erfolgt, als er sich über die Nichteinladung beklagte. Ferner wird die Behauptung ausgestellt, die Erklärung der Opposition,„das Mandat lieber einem Konservativen wie einem Anhänger der„Frallionsmehrheil" zu überlassen" sei purer Schwindel. Ich!o»n dazu erklären, datz diese Erklärung zuerst in der K r e i S v o r st a n d S s i tz u n g, die zu der Rachwahl Stellung nahm, dann in der Vorsitzendenkonferenz vom Bußtag, beide Mole von dem Kreisvorstandsmitglrede Trompler sArbeitsgemeinschaft) und in der Kreisgeneral- 'Versammlung vom 3. Dezember 1916 von Trompler und Pkser(Spartakus) abgegeben wurden. „Lieber ein Konservativer, als em Mehrheitsanhänger", das war die Parole der Opposition und ging wie ein roter Faden durch fast alle Aussiihrungeil d-r Redner derselben. Die Richtigkeit der von dem Bezirksvorstand gegebenen Dar- stellung ist im ührigen von allen aus dein Boden der Fraktion?- Mehrheit stehenden Teilnehmern der Generalversammlung bestätigt worden. Emil Stahl. Spandau. Tüchtige Kraft gesucht. Seit KiiegSau-Sbrnck sind die Kosten iür den Lebensunterhalt enorm gestiegen, fo datz Sraar. Kommune und Piivalarbeitgeber veranlaßt wurden, auch die Löhne ihrer Angestellleii zu erhöhen Der Gemein devorst and von Wltlenau veröffeiiilickr aber nachstehende? Inserat: In der hiesigen Berivaltung wird für die Gemeinde und Steuerkasse eine tüchtige Kraft zum möglichst sofortigen Antritt gesucht.«Gebalt je nach Aller und Leistungen monollich bis ,ii 1l0 M. Bewerber— Damen und Herren—, welche Enahrung im Kassen» und BuckiührungSwesen besitzen, wollen ihre Gesuche umgehorid an Rendaot Häuseler Hierselbst, NalbauS, richten. Lerlin-Wittenau, den 11. Januar 1917. Der Gemeindevorstaud. Witte, Bürgermeister. Also, eine tiicktige Kraft erhält bis zu 110 M. Danach hat also der oder die Tüchtigste, vorausgesetzt, daß daS nötige Alter vorhanden ist. Aussicht, wirklick die 110 M. zu bekommen. Ist es sckon für Einzelpersonen ungeheuer schwer, sich von einem io ge- ringen Verdienst zu ernähren, so ist das für Angestellte, die noch Angehörige zu versorgen haben, vollkommen unmöglich, ihren Lebensunterhalt davon zu bestreiten. Sollte die Gemeindeverwaliüng alle ihre tücktigen Kräfte nack diesen Grundiätzen besolden, so möchten wir ihr den sreundschastlichen Rat geben, diese Grundsätze schnellstens einer Revision zu unterziehen, denn sonst wird sie tüchtige Kräfte nicht lange beHallen._ Verteilung von Graupen in Charlotteniurg. In der Zeit vom Freilag. den 19, Januar, bis Sonnabend, den 27. Januar 1917 stndet m Charlottenburg eine allgemeine Verteilung von Graupen bezw. Grütze statt. Es wird verabfolgt>/« P'und Graupen oder Grütze auf Nr. 25 der roten Nahrungsmittelkarle. HSlseufrüchte- und Teigwarenverkauf in Neukölln. Der Magistrat Neukölln bringt vom 22. d. M. in den durch Plakate kennllick gemachten Geschäften auf die Abschnitte A. B, 0 und D der Neuköllner HauShaltungskarte Graupen bezw. Grütze, weitze Bohnen sowie Nudeln und Weizengrieß zur Verteilung. Mit Ausnahme des letzieren, der mit i/1 Pfund je Kopf abgegeben wird, enifallen von dieien LebenSmilteln Pfund auf jede Person. Die Verkaufspreise sind wie folgt festgesetzt: Graupen oder Grütze je Pfund 30 Pf.. weiße Bohnen 45 Pf., Nudeln 50 bezw. 70 Pf., Weizeirgrietz 28 Pf. je Pfund._ Versammlung der„Vorwarts"leser in Weihensee. Eine gut besuchte Versammlung der„Vorwärts'leier und Abonnenten nahm am Montag Stellung zu dem„Vorwärts"- Boykott. Genosse Bartels legte in l'/ü stündiger Rede den An- wesenden klar, in welch einseitiger Weise die Genossen von der Opposslumsseile unterrichtet worden sind. Durch einstimmige An- nähme einer entsprechenden Entschließung gaben die Versammelten ihrer Zustimmung zum Referat Ausdruck. Iii einer weiteren Entschließung erhoben die Versammelten ebenfalls einstimmig Prolest gegen den letzten Beschlutz der General- Versammlung deS Wablveretns, wonach die schon genannten Gemeindeverlreter ihre Mandate niederlegen sollen, weil sie nock Abonnenten des„Vorwärts" sind. Sie betrachten dieselben weiter als ihre Vertreter und farderlen sie auf. unentwegt ihre Mandate weiter auszuüben. Zahlreiche Aufnahmen für den Lese- und Diskutierklub Vorwärts waren außerdem noch das Resultat der Versammlung._ Einschränkung der Straßeubeleuchtung in Lichterfelde. Die Ge- memdevertreiung von Lichterfelde stimmte in ihrer letzten Sitzung einer Einschränkung der Straßenbeleuchtung zu, um auck hierdurch eine Kohlenersparnis herbeizuführen. Alle Laternen, mit Ausnahme der Ricktlaternen, die die ganze Nackt brennen bleiben, sollen um 9 Uhr abends ausgelöscht werden.— Ferner stimmte die Gemeinde- veriretung einem Nachtrag zur Droschkengebübrenordnung zu, wo- nach auch für Fahrten auf Pferdedroscklen 30 Pf. mehr erhoben werden dürfen, als der Taxameter anzeigt. Neuregelung der Pankower Massenspeisung. Die Teilnahme an der Speiiung>n den öffentlichen Kriegsküchen des Gemeinvebezirks ist von Montag, den 22. Januar 1S17 ab nur noch gegen vorherige Anmeldung möglich. Die Anmeldung wird am Sonnabend und Sonntag einer jeden Woche zwischen ll'/z und 2 Uhr für die folgende Woche in der Küche angenommen,"aus welcher die Teilnehmer die Speisen zu entnehmen wünsche». Mit der Anmeldung sind die Fleisch- und Kartoffetkarlen vorzulegen. Es werden abgettennt:'/in der Fleischkartenabschnitte für Vi Portion. V,o für V» Portion; 710 der Kar- toffelkartenabschnttte für V, Portion, für V, Portion. Wird die rechtzeitige Anmeldung versäumt, so kann Esten in der folgenden Woche nickt verabfolgt werden. Die Entnahme von Essen an nur einigen Tagen der Woche ist vom 22. Januar nickt mehr zulässig, auch kann die vorbestellte Porlionenzahl im Laufe der Woche nicht mehr erhöht oder verringert werden. Gewerkschaftskammisstou Schöneberg. Donnerstag, den IS. Ja- nuar ISl?, abends 8'/, Mr. findet im Lokal Neue Rathaussäte(Tunnel), Meininger Str. 8. eine Gewerkschastsoersammlmig statt. Genosse A d o l s Ritter spricht über das Hitssdienstgesetz. Mus aller Welt. Höchstmaß: drei Halbe! Das Ende der Münchener Bierttinlerherrlichkeit ist da. Da? Stellvertretende Generalkommando des ersten bayerischen Armeekorps hat für den Bezirk München angevidnet. datz in den Ausschank- stalten an einen Gast während der MittagS-AuSschankzeit nicht mehr als ein halber Liter, während der abendlichen Ausschankzeit nicht mehr als drei halbe Laer Bier verabfolgt werden. Wie prophetisch lang man doch vor zehn Jahren oder mehr in einem bekannten Münchener Kabarett: Darum Mädchen aber weine nicht, Weine nicht zu sebr l Ne Halbe dersst Du trinken noch, Aber nacka gibl's nix mehr! Der biedere Münchener Bierphilister aber wird nach diesem Erlaß— auf Bierreisen gehen. Explofien aus einem japanischen Schlachtkreuzer. Auf dem japanischen großen Schlachtkreuzer„Tsukuba". der im Hafen von Jokosuka verankert lag, ereignete sich eine Explosion. DaS Schiff steht in Flammen. Die Zahl der Opfer beträgt bis jetzt 400 Mann der Besatzung. Der Schlachtkreuzer„Tsukuba" ist ein modernes großes Schiff der japanischen Marine. Es ist 1006 erbaut und verdrängt 13 976 Tonnen. Es war 134 Meter lang und mit vier 30,3-Zeminteter- und zwölf l5L-Zentimeter-Geschützen bestückt. Die Geschwindigkeit betrug 20,3 Knoten. Die Besatzung bestand au» 820 Mann. Der amerikanische Pastdampfer„Minnesata" ist nach einem Zu sammenstotz im Londoner Hasen gesunken. Briefkasten öer Reöaktion. El! turislilSc Evrechslunve tinse! kür AbomieMen Luiscnkir. 3, I?. Hol cechtS. vanerre. cm Morn-ig In» greiiag von t bis 7 Uar, am Sonnabsul von b d!» 3 Ubr stall. Jede: kü: den Driettafieu belliaimten Lnstag« i!l ein Laautab« und-ine Zahl als McrljSlScn beausügeii. Lrieklicdl Liitldoll wird inch: erleilt. einiragen, denen ieme?iöonnemcnlZou:llu!iz beigefüg» ikl. izerden Nlcb: bsantworlel. Eilige Fragen trage man IN der Trrechktund! vor. l>rrträge, eÄrlftstüike»ad dergiciaeu blingr mo in die Sdre-iiiiuadi mir BS. I. 40. Die Teuerungszulage wirb dem steuerpstichtigen Ein- kommen zugcrcchlict, Sie können sie nicht in Abzug bringen.— M. B. 7. 1. und t?. Nein, der'AlbeilSvcrdienfi ist obnc Etnstui! auf die Rente.— Et. K. it. Au das TiviiioiiSkommando der 6 Jnsi-Diaiston in Branden- burg a./f-— S 14. Die Banlguthaben sind nicht gesperrt.— Reklamation 1000. 1. Sie erhalten Order. 2. An das ÄezirkSkommaudo. 8. Das löniicii wir nicht wissen— Feldgrau. Sic können den Orden nichl ablcbncn.— C. 41. Z. Darüber können wir Ihnen leine Auskunit geben; Sie müßten nch an einen Arzt ivenden.— I. 14. t. Die Reichs» unterstütz»«« für Elicrn beträgt moiiatlich 10 M. Wenn die Gemeinde keinen Zuichlag zahlt, bat die Frau keinen böberen Anspruch. 2. Tie lönnen die Krankenrente weiter beziehen, bis sie Ihnen durch die Lande-.- vetticherungsanstalt entzogen wird. Anspruch aus Invalidenrente bcitcht nichl, da Tie nach Ihren eigenen Angaben jetzt nur zu 50 Proz. erwerbsuniähig erachtet worden find.— H. P.. Pankow. Nein. — Fr. T. 10. Wenn nachgewiesen werden kann, datz durch Ihr Bei- schulden der Schaden entstanden ist, find Sie zum Eisatz desselben ver- pflichtet.— K. ivt. 100. Das Gesuch ist ait das Dioisionslommando, dem da? Regiment, in dem Ihr Sohn steht, zugeteilt ist, zu richten. «.'etterausüctiten kür da? ttmtterr Nordventiltiiand vis Toinierstag mittag. Ziemlich kalt, vorwiegend t:übc, mit weit. verbreiteten, im Südosten vielfach starken, in den anderen Gegenden schwächeren Schneelällcn. M MlWRI Wsem lllli i>« WWNWllltz geWem EsiaUlü Es fiele»: 3. Wahlkreis. garl Mentke Kupferschmied. £!wln Kühn Eastwiit, 8. Abt., 249. Bezirk. 4. Wahlkreis. Am 2. Dezember im Aller von 26 Jahren der Schlosser krieürieh Neubauer Manleussclstr. 124, Bezirk 171. Am 16. Dezember im Aller von 36 Jahren der Arbeiter Gustav Bascbpiehler Manteuficislr. 114, Bezirk 171. Am 18. Dezember im Alter von 23 Jahren der Tapezierer Alberi üinuth Eckertstr. 113, Bezirk 363 n. Am 19. Dezember starb an den Folgen des Kriegs im Osten lm\ Vaient Goldaper Str. 5, Bezirk 432. 6. Wahlkreis. Am 23. Dezember im Zllter von 36 Jahren der Matallorbeitcr Paul Born Bellerntaiinstr.17. t8.Zlbt.,Vez.813a Wahlverein Ncnkälln. Im Aller von 39 Jahren der I Schristsetzer Friiz Gundelach Münchener Str. 45, Bezirk 5. Im Alter von 30 Jahren der| Schristsetzer Julius Piolrowski Ringbahnstr. 31, Bezirk 13. Im Aller von 31 Jahren der Bauarbeiter 0!lo WIK Ringbahnstr. 26, Bezirk 13. Am 5. Januar starb im Lazarett zu Gclscnkirchcn an den Folgen scuier erlittenen Bei wundung Paul Wilke 18. Bezirk, Unterbezirk. Am 6. Dezember starb in Frank- reich im Feldlazarett Nr. 17 Paul Pieleeke zuletzt wohnhast Reut erstratze 16, Bezirk 23. Wahlverein Rosenthal. Am 29. Dezember im Aller Von 41 Jahren der Foimer Gskar Weder. Deuiseiier HetallaMer-Yerbanil 8 Verwaltungsstelle Berlin. Ten Kollegen zur Nachricht datz unser Mitglied, der«rchleiser Bruno Hackbarth Lichtenberg, Emanuclstr. 6, am 14. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 17. Januar, nachmittags 3 Ubr, von der Leichen- balle des viemeinde-FriedboseS Lückilratze aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Zleu-Iie-iik. Den Kollegen ferner zur Nachricht, datz unser Mitglied, die Schraubendreherin Margarete Curow am 26. Dezember 1916 gestorben ist. Elite ihrem Audeuke» k 128/9 Tie crtsverwaltuug. Einladung zur ordentlichen tSeneralveriammlung der Bäckerei- Genossenschaft Berlin, eingetragene Genossenichast mit beschränkter Haftung am Sonntag, den 28. Januar 1917, nachmittags 4 Uhr, im Kontor der Bäckerei- Genossenschalt, Berlin, Urbanstr. 70a. Tagesordnung: 1. KeschäflSbericht und Bericht des AiijfichtsratS. 2. Disliilsw». 1760» 3. Verlesung des Revifionsberichts für 1915. 4. Neuwahl deS Vorstandes und AuffichtSralS. S. Verschiedenes. Ter Vorstand. Wilhelm Hasse. Wilhelm Wilberg. �ackfitk. Am 12. Januar verstarb Plötz! lich an Herzlähmung m der Gar- nison zu Spremberg unser Kollege und Mitarbeiter, der Former Kurt Sellrich. Wir verlieren in ihm einen guten Freund und Berater, der durch semen offenen und ehrlichen Charakter sich die Achtung und Liebe aller seiner Kollegen er» warben hat. Trotz seines leiden. den Zuslandes während der letzten Jahre hat er immer die Interessen seiner BerusSkollegen wahr- genommen und für die Aus. breitung unserer Ideen gearbeitet Sein Andenken werden wir stets in Ehren hallen Tic Angestellten de? Deutschen Metallarbeiter- Berbandcs Ortsverwaltung Berlin. Lsgerdter Ersatz ist NSetus-Goid, Sühamn u. Farbe wie Lagerbier. IHalzbter Ersatz ist i�letus- Caramel vollmundig, süffig, nahrhaft und wohlschmeckend. Beid. Getränke sind ges. geschützt, werden unt. Garantie weder trübe noch sauer. Cider-Trank, Apfelgetränk v. Apparat. Bieruntersotzer auf Wunsch grat. Versand auch nach außerhalb nicht unter 5 Liter. Man verL Gebrauchsanweisung! Hermann Führer, Berlin, narsidnastr. 21. Femspr. Königstadt 2943. ¥peziaWirzf Dr. med. Hasche. Friedrictistr. 90 Behandt. von tziypbilla, Unat-, Harn-. l'raneuleld.Ztiej. thron. eälle. Ehrltch-Hala-Kurcn, schmerz- ist, kürzeste Behandlung ohne Berufs ftärmig. Blutuntersuchung. Mag. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 16—1 und 5— 8, Sonnt. 11—1.