Ar. IS. 34. Itchrg. Adonnemnifc-Bedingimg«- «osciraentä• Stctä vzämmecmba Sietteljä�rl S.90 Mk. monctt IL0MI. wöchenUllb 80 Pfg. rrn m5 Hau» Einzelne Nummer 8 Pfg. Smmlaz». nummer mit lllulnnerter Sonnlag»« Leiiage.Die Neue Le!N>0 Pia. Post« tlbonnement:\30 Muri vre Monat. 2Ä0 Mari, für öaä übrige AuSIanb 1 Marl pro Monat Polmdonnemem« nebmen an Lelzien. Dänemark Hollah. Italien. Luxemburg. PormgaL «umänien. Schweden und die Schweiz. ertätlnl täglich. Verlinev VolKsblcrtt. ( 5 Pfennig) DJ« JnlertionS'GebüJir setrllgt für die sechsgelvaltene Kolonel- zeile aber deren Raum SO Pfg.. für daüiiiche und gcwerlichaitliche Verein»« und Versammlung?■ Anzeigen 30 Pig. ..Kleine Hnretgen". da- lellgedruchi Karl 20 Pig.(zu.ässig 2 sellgedruckie Sone). jede» weitere?!ort 10 Pfg. Kiellengeluche und Schlaisiellenan« tejgcn da» en'te Äert lo Pig., jede» wcuere Wart S Psg. Worte über IS Puch- stoben zählen für zwei Worte. Fnieraie lür die nächste Nummer müisen i-.S 5 Uhr nachmittags in der Erbedition abgegeben werden. Die Erveöstion ist bis 7 Uhr abends gcagnet Delegramm-Abrelfe: �»»isiilewsstiZl ftttlw" Zentvzlorqan der rozialdcmohratifcbcn partd Deutfchlands. Reüaktion: EW. öS. Liaöenstraße Z. Sernivrecher: A«t Morittviav, Rr. 1S1SV— l.SI S7. In Mwehr einig! Die Gewerkschaften aller Richtungen haben in zwei ge° meimamen Schreiben an den Reichskanzler und den Leiter des Kriegsamts. Generalleutnant Gröner, den festen Willen der deutschen Arbeiterschaft kundgetan, alle gegen den Bestand des Reiches gerichteten feindlichen Eroberungs» absichten abzuwehren. Den Text der Kundgebungen und der Antworten auf sie veröffentlichen wir weiter unten. Es ist gewiß ein ungewöhnlicher Vorgang, daß iich die Vertreter der Arbeiterklasse in solcher Weise an die Vertreter von Mächten wenden, mit denen sie oder doch wenigstens ein sehr bedeutender Teil von ihnen, sich bis zum Ausbruch des Krieges in stetem Kampf befunden haben. Aber die gegenwärtige Lage rechtfertigt einen Schritt, der gerade wegen seiner Ungcwöhnlichkeit auch im Ausland starkes Aufsehen erregen muß. Heute wissen wir, daß der Frieden erst dann möglich sein wird, bis die Gegner des Reiches zwischen dem, was ihnen wünschenswert scheint, und dem Er- reichbaron zu unterscheiden gelernt haben werden. Diese Er- kcnntnis. und mit ihr der Frieden, kann nur gefördert werden, wenn dem Ausland über die Einigkeit des ganzen deutschen Volkes in der Abwehr der feindlichen Eroberungs- Pläne sein Zweifel erlaubt wird. Die Erklärungen der Gewerkschaftsvertreter bekunde» die notgedrungcne Einhest des ganzen deutschen Volkes in diesem Ziel. Sie erinnern zur rechten Zeit daran, daß das Reich in der Not die Arbeiter nicht entbehren, daß es sich dann aber auch fest auf sie verlassen kann.. In dieser Haltung der deutschen Arbeiterschaft erblickt der Reichskanzler„eine feste Bürgschaft für unfern Sieg und für eine Zukunft Deutschlands, in der alle seine S ö h n.e ihr Glück finden sollen." EL wag sein, daß sich später über die Wege, die zu diesem Glück führen, sehr bedeutende Meinungsverschiedenhcsten erheben werden. Aber das werktätige, mit Hirn und Hand schaffende Volk wird durch das Schwergewicht seiner Interessen, durch die über- wältigende Macht seiner Zahl, nicht zuletzt durch die ungc- heuren Opfer, die es in diesem Krieg gebracht hat, auf den Weg gedrängt werden, der zu seinem Sieg und zu einer besseren Zukunft führt. Nicht in Erobcrungsplänen. sondern in ihrer Abwehr auch nach außen, und in einer gründlichen Umformung der staatlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse sucht es sein Heil. Und in diesem Sinne dürfen die Riesenopser dcS Krieges nicht umsonst gebracht sein! Dem Reichskanzler ist folgendes Schreiben vom lk. Januar zu- gegangen: Ew. Exzellenz haben am lS. Dezember 1016 im Deutschen Reichstage das Friedensangebot Deutschlands und seiner Verbündeten verkündet, das volle Zustimmung in den Kreisen der Arbeiter und Angestellten Deutschlands fand. TaS bewies die freudige Auf» nähme der Bekanntgabe des FriedensanzebolS in der von 800 Vertrauensleuten der Eiewetk'chafteu und Angestellienorganisationen besuchten Konserenz. die an dem gleichen Tage in Berlin stattfand. Die Gegner Deutschlands wiesen die dargebotene Friedenshand zurück Auch dir Friedensanregung des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika wurve von ihnen abgewiesen. In der Antwort der Entente auf diese FtirdenSnot« werde» Äriegsziele aufgestellt, die nur nach einer völligen Niederwerfung Deutschlands und seiner Berbündeten zu erreichen sind. Ihre Erfüllung müßte den wirtschaftlichen Ruin Deutschlands| und die Vernichtung der Existenz vieler hunderttausend Arbeiter und Angestellten und deren Familien herbeiführen. Die unfinnigen Forderungen der Entente können nur unter der Annahme ausgestellt worden sein, daß die militärische und Wirt- schaftlicbe Kraft Teutschlands bereits gebrochen sei. Daß die militärische Kraft deS deutschen Volke» nicht gebrochen ist, bedarf angesichts der KampkeSsronten keiner Etötterung. Auch seine wirtschaftliche Kraft ist keinesfalls erschöpft. Wir verkennen nicht, daß die Abiperrung DcutichlandS vom Weltmärkte und die unzureichende Regelung der Verteilung der in Deutschland vorhandenen Nahrungsmittel weite Schichten der arbeitenden Be- völlerung in eine Notlage gebracht haben. Angesichts der Zukunft, die dem deutschen Volke nach den KriegSzielcn der Entente droht, ist eS dringend geboten, die gerechte Verteilung der vorhandenen EruShrungSmittrl zu fichern. Dann wird die Not ertragen werde», um so leichter. wenn daS Bewußtiein vorhandeu ist, daß sie alle Schichten des deutschen Volles' in gleicher Weise trifft. Die Antwort der Entente bebebt seden Zweisei darüber, daß Deutschland sich in einem Verteidigungskrieg befindet. In der vollen ErlennwiS, daß eS sich um die Existenz unteres Landes und seiner Bevölkerung handelt, werden Wik alle Kräfte d e§ arbeitenden Volkes zur äußersten Kraft- entfaltung anregen. � Am 12. Dezember 1916 ist von den Regterungen Deutschlands und seiner Verbündeten der Vorschlag gemacht, dem ungeheuren Blutvergießen durch Friedensverhandlungen ein Ende zu bereiten. Sie erklärten,»daß ihre eigenen Rechte und begrün- detev Ansprüche in keinem Widerspruch zu den Rechten der anderen Nationen stehen." Dasein, Ehre und Eniwicklungssreiheit der Völker sollen ge- sichert und dadurch die Grundlage für einen dauernden Frieden ge- schaffen werden. Die Gegner Deutschlands lehnen Friedensverhandlungen am dieser Grundlage ab. Sie zwingen die den Frieden herbeisehnenden Völker, die Verwüstung von Menschenleben und Kulturgütern fort- zusetzen. In dieser Lage rrkläre« wir, daß eS heiligst« Verpflichtung für unS ist, in verstärkte» Maße unsere Kräfte um die Existenz unseres Landes einzufrNen. Generalkommifflon der Gewerkschaften Deutschlands. C. Legten. Gesamtverband der Christlichen Gewerkschaften. A. S t» g e r w a l d. Verband der Detu,uit zu- sammentrete, seien die ReichStagsfraktion, der Parteivorstnno und der Parieiausschuß berechtigt und verpflichtet, seine Funktionen auszuüben, solveit es sich um die Aufrechterhaltung der Einheit der Partei handle. Der Partcivorstand, und zwar Haase. habe nach Kriegsbeginn vorgeschlagen, alle Partei bisse renzcn bi» nach dem Kriege zu vertagen. Die Opposition habe diese Abmachung gebrochen. Wenn jetzt eine Eni scheiduny getrosfen toerde, können sich diejenigen nicht beklage», die sie erzwungen haben. Füeihncr-Dresden betont, daß der Parieiausschuß zu einem solch«» Schritt nicht be rechkigt sei. Nicht die Opposiuon. sondern MehrheitSmit g I i e d e r. wie David und Heine, hätten damit angefangen, den inneren Parteisrieden zu brechen, indem sie sich v o n Volk s Versammlungen BertrauenLvote.n für die Mehrheit� Politik holten.(Keil: Schon am LI. August 1914 sprach Lieb kneckt ick Sluttgart!) Wenn die Leipziger Ovposiiion freiwillige Beiträge kassiert, so entspricht sie damit doch Ihrer Meinung, das- Partei mittel für Opposttionszwecke nicht in Anspruch genommen werden dürfen. Bein, FraitionSstreit habe die Mehrheit so wenig Toleranz geübt, daß sogar die„Wiener Arbeiterzeitung" dies ge rügt babe. Die Mehrhriispolitik widerjt'reche der noch beim öfter- reicht schen Ultimatum an Serbien geäußerten herkömmlichen Auf sassung der Partei. Nirgendwo sei ihr die Bewilligung von Kricg- krediten vorgeschrieben und ohne dies« wäre es nicht zu dem Partei streit gekommen. Auch die Mehrheit gebe feine Antwort aus die Frage, was sie tun würde, wen» der Parteiag gegen sie entschiede. Diese Frage habe überhaupt keinen Zweck, es tonne noch andere Mdglicbkeiien geben, die man heute noch nicht ermessen könne. Es gehe fein„Sich-außerhalb drr-Partei-stcllcn", das habe Bebel iii,, Magdeburg beim badischen Budgetstreit ausdrücklich namens de Parteivorstandes erklärt. Nach der Gründung des„Vorwärts" Klubs i» Berlin und nachdem dort PartcivorstandSmitglieder ge sprechen baben und Vertrauensvoten für die Fraktion angenommen worden sind, habe man k c i n R e ch t, der Opposition ein entsprechendes Vorgehen zu verwehren. De Partei Mehrheit bandle in der Befürchtung, daß die Opposition dir Mehrheit aus einem künftigen Parteitag gewinnen würde, und um dem vorzubeugen, wolle man die Opposition auö der Partei en! fernen. Die Opposition aber, die heute, unter ähnlichen Vcrhäl! nissen lebe wie die ganze Partei unter dem Sozialistengesetz, bleibe in der Partei, gestützt auf daS Parteistatut, und das würden die Genossen im Lande schon erkennen, Beims-Magdeburg erklärt, daß ein erheblickzer Teil des Mi! gliedcrverlustcs auch auf den Abscheu vor dem Streit und den Treibereien der Opposition zurnckzusübren sei. So arbeiten i» Magdeburg Haupt und Brandes, gestützt aus die von diosein geleitete Meiallarbeiterorganisation, auf den Boykott de, „V o l k s st i m m«" hin. Di» Spaltung greift auch schon auf dir Gewerkschaften und Grnossenfchaften über. Auf Jahr« hinan- Würde die Arbeiterklasse um allen Einfluß gebracht werden, wenn man noch längere Zeit diesem Treiben ruhig zusähe. Der Beschluß der Oppositionskonferenz lasse gar keinen Zweifel an dem Bi streben nach einer Sonderorganisation und an deren Bcstchcm Adolf Hoffmann habe in Kienthal ausdrücklich erklärt, wenn dir Opposition auf drin Parteitag in der Minderhrit dlribe, gründe sie eine rigrne Partei, und in der preußischen Landeökommission habe er Aufklärung darüber verwcigerl. Wenn die Opposition nicht nur ihren Kops durchsetzen wollte, mühte sie jetzt anerkennen, daß ihr die Interessen der Arbeitertiasse höher stehen als die Lust am Streit. Haberl, mb- Düsseldorf erklärt in Ucbereinstimmuiig mii Severing, daß gerade die Demokratie in der Partei die Unterordnung unter den Mchrheitswillen fordere, Was gegen Hildebrandt wegen seiner Meinung geschehen ist, dao muß erst recht gegen die Opposition wegen ihrer Handlungen ge schehen. De Trennung der Partei ist durch die Opposition bereite durchgeführt, da» könne rc au» setner ntvderrheinischen Erfahrung nur bestätigen. Er al» Bezirkssekrrtär sei dort vollkommen aus geschaltet, weil cr zur JraktionSmehrheit gehöre. Stadthagen-Berlin meint, man wolle einfach die Genossen, die nicbt der Ansicht der Mehrheit sind, ausschließen, indem man einfach erkläre: Sondcrorganisation I»nd fertig. In Wahrheil wolle die Opposition, waS auch ihr Beschluß beweise, die Partei cinheit herbeiführen und alle Schädigungen beseitigen; sie wolle die Partei gegen das zerstörende Treiben des Partei Vorstandes und der FraktionSmehrheit schützen. Daß sei ihr guter- Recht. Di« Gesamtvartei sei nicht der PartciauSschuß, sondern der ordnungsmäßig durch einen Parteitag auf Grund vorschriitr mäßiger Wahlen ermittelte Wille der Parteigenossen, Es sei kein Zweifel, daß die Opposition die Mehrheit erlangen werde, Di- Fraktionsspallung sei herboigesührt worden durch einen Bruch de? Organ isationLstatutS, in dem die Mehrheit der jetzigen Arbeitsgemeinschaft die Recht» avcrkannte, die sie aus Grund der Mandate und der ParteitagSbeschlüsse auszuüben hatte, Auch dieser Redner beschäftigt sich in demselben Sinne tvie seine Freunde mit dem Berliner„VorwärtS'VKlub und wirft der Mehr heit auch sonstige SpaltungSbestrebungen in Groß-Berlin vor. Leinert-Hannovcr polemisiert gegen den Vorredner und zielst einen Artikel HanS Block»(„Leipziger Volkszeliung") zum Beweis« für die Svaltungsabsichtcn der Oppositionskonferenz heran. Nack weiteren Ausführungen von WclS(P,-V.) und Frau Zieh lP-?.i. die noch einmal die Argumente für und gegen den Antrag Loebe-Sindrrmann zusammenfassen, wird die Debatte durch Schlußantrag beendet.— Nach dem Schlußwort EbertS und einigen persönlichen Bemerkungen wird der Antrag L o e b e- S i n d e r m a n n mit L9 gegen 19 Stimmen angenommen, politische Uebersicht. Abgeordnetenhaus. Adolf H o f f m a n n sp r e n g t die Fraktion. Wie iiu Reichstag, so sind nun auch im preußischen .'lbgeordnetenhause die inneren Zwistigkciten unserer Partei von der Parlamentstribüne herab ausgetragen worden. Wer fen ausführlichen Sitzungsbericht liest, wird keinen Augenblick vorüber im Zweifel sein können, auf welcher Seite die Schuld liegt. Die Fraktion hatte mit 5 gegen 4 Stimmen, die auf Ströbel entfielen, den Genossen Hirsch zum Redner bestimmt. raunt hatte dieser seine Ausführungen beendet, da bat Adolf Hoffmann ums Wort zur Geschcfftsordnung und gab namens .einer Freunde Paul Hoffmann, Ttröbel und Hofer die Er- Närung ab. daß sie mit dem, was Hirsch über die Friedens- 'rage, den H-Bvot-Krieg und die Leistungen der Gewerkschaften vsi der Durchführung des Hilfsdienstgesetzes gesagt hatte, nicht -inverstandeu seien. An dieses gegen alle Gepflogenheiten t!er Partei verstoßende Vorgehen schloß sich eine längere un- rguickliche Auseinandersetzung zwischen den Mitgliedern der Fraktion, deren Folge der an anderer Stelle wiedergegebcne F r a k t i o n s b e s ch l u ß ist. Was den sachlichen Teil der Sitzung anbelangt, so brachte die Fortsetzung der Generaldebatte zunächst eine scharfe iuklagercde des Polen K o r f a n t y gegen die Regierung regen ihrer Polenpolitik, eine Rede, auf die der Minister des .unern V. L o e b e l l in äußerst gereiztem Tone erwiderte. Hierauf kam Genosse Hirsch zu Worte, der sich zunächst mit � er auswärtigen Lage befaßte und ohne auf die Schuldfragc rn Kriege einzugchen, der Ueberzeugung Ausdruck verlieh. ;aß die Antwort der Entente von jedem Deutschen mit Ent- i iistung zurückgewiesen werden müsse und daß es jetzt darauf .inkomme, alle Eroberungspläne zuschandcn zu machen, zu- fleich aber nichts unversucht zu lassen, was uns dem Frieden oiher bringen könne. Von diesen Erwägungen aus bekämpfte .»scr Redner auch die Annexionsbestrebungcn gewisser Kreise i Deutschland. Zur Erörterung der II-Boot-Frage hielt r in Ilebereinstimmung mit einem bereits im vorigen Fahre von der Fraktion gefaßten Beschluß den prcußi- chen Landtag nicht für zuständig. Nach einigen etats- .echtlichen Betrachtungen entwickelte unser Redner dann i großen Umrissen ein innerpolitisches Reformprogramm, er iizzierte die Ausgaben, die ihrer Lösung nach dem Kriege rnrren, um im Anschluß daran der Forderung Ausdruck zu verleihen, daß zu ihrer Lösung nur ein aus Grund des all- gemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts ge- vählter Landtag berufen sei und deshalb die Wahlreform noch vor dem Kriege durchgeführt werden müsse. Hierauf wurde der Etat der verstärkten Haushalts- Kommission überwiesen. Nach Beratung einiher Initiativanträge vertagte sich das Haus auf Sonnabend. Auch dann stehen wieder Initiativ- antrage auf der Tagesordnung. Spaltung der sozialdemokratischen Landtagsfraktion. Die sozialdemokratische Landtagssraktion faßte am Frei- ' iag nach der Plenarsitzung solgeiiden'Beschluß i „Genosse Adolf Hoffmann hat bei der Generaldebatte über den Etat entgegen dem Beschluß der Fraktion namens der Genossen Paul Hoffmann, Hofer, Ströbcl, und Adolf Hof- Mann das Wort ergriffen, um die Rede des von der Fraktion bestimmten Redners in offener P a r l a m e n t s s i tz u n g zu bekämpfen. Mit diesem gegen die e l e m e n t a r st e n Grundregeln partei- ge nö ss i schc n Z u s a in m e n a r b e i t c n s im Parla- ment verstoßenden Vorgehen haben die genannten Genossen sich von der s o z i a I d e m o k r a t i s che n Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses� ge- l r e n n t u n d die a u s d e r F r a k t i o n s z n g e h ö r i g- seit sich ergebenden Rechte verwirk t." Der Beschluß der Landtagssraktion ist die selbstverständ- ftche Folge des unerhörten Vorgehens von Adolf Hosfmann. Festgehalten verdient zu werden, daß der Anstoß zur Trennung von der Partei der Arbeitsge- neinschaft ausgegangen ist und daß sich der An- griff Adolf Hoffmanns gerade gegen den Genossen Paul Hirsch richtete, der bis zu allerletzt für die Einheit der Partei eingetreten war. Die Abgg. Adolf Hosfmann, Paul Hosfmann, Ttröbel und Hofer baben dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses nitgeteilt. daß sie ans der sozialdemokratischen Fraktion ans- geschieden, sind und eine neue Fraktion mit der Be- Zeichnung:„Sozialdemokratische Fraktion alter Richtung" ge- bildet habein Das Alter dieser neuen Fraktion stammt freilich erst aus der Zeit, in der auf einer gewissen Seite Skandalsucht und Bruch der Frnktionsdisziplin Mode geworden sind. Prof. Hörster über die Entente-Antwort. Ter Münchener Professor W. Förster, der wegen seiner Versuche, den Wettstreit objektiv zu bewerten, heftige Angriffe von nationalistischer Seite erfuhr, schreibt zur Entente-Ant- wort in der„Neuen Züricher Zeitung": Endlich merkt man in der ganzen Art der Anklage, daß man sich auf jen-er Seite niemals klar gemacht hat, wie die brutale und in der ganzen Weltgeschichte noch nicht dagewesene Perspektive, daß ein wafsenstarkes Volk entehrend aus- gehungert werden soll wie ein Söhlentier, bis es schließlich mit hängender Zunge schweif- wedelnd herauskr iccht— wie diese Perspektive von An- sang des Krieges an auf die Seele des deutschen Volkes wirken mußte. Wer die Serstellung der Gerechtigkeit als sein Kriegs- ziel aufftellt, der kann sich denn doch unmöglich von all den vor- angehenden Erwägungen einfach dispensieren— tut er es den- noch, so wird seine Gerechtigkeit zur abstrakten Phrase, hinter der dann letzten Endes doch nur bloße Jnteresien und Macht- Politik stehen. Professor Förster bedauert es, daß die Noten der Entente zu einer großen Verstärkung der alldeutschen Elemente führ- ten. Dieses Bedauern teilen wir. Es war ja jchosi immer so, daß die Uebcrscporfen in allen Ländern zwar den eigenen Völkern geschadet, sich aber gegenseitig geholfen haben. Gekränkter Männerstolz. Folgender Zuschrift geben tvir mit Vergnügen Raum: Die U n t e r st o l l n n g des Manne» unter die Frau bereitet den Helden des Deutschen Bundes gegen dje Frauenemanzipation das höchste Angst- gesühl, welches ihnen wieder einen ihrer tragikomischen Er- gösse auspreßt. Der D. B. gegen die Frauenemanzipatton,(warum nennt er sich übrigens, als durchweg alldeutsch gefärbt, nicht lieber D. B. gegen die Frauen befreiung? das klingt deutscher und ist gemeinverständlicher), hat sich hilfesuchend an 85 gleichgesinnte Körperschaften aus allen Teilen des Reiches gewandt, den Deutschnationalen Handlungsgehilfen- Ver- band. Alldeutsche Turnvereine. Philologen- und Lehrer- vereine, Eisenbahnen-, Post- und Telegraphen- und sonstige Beamtenverbände, die nicht durch ihre männliche Kraft und Leistungsfähigkeit, sondern hinter dem sicheren Schilde staatlicher Anschlußgesetze den Wettbewerb weiblicher Berufskollegen von sich fernzuhalten streben. An der Spitze dieses tapferen„Fähnleins der 85 Aufrechten" marschiert der Bund gegen die Frauenbefreiung vor die hohen Häuser des Reichstages, des preußischen Abgeordneten- und Herrenhauses und heiicht eine grundsätzliche gesetzliche Bürgschaft für die (offenbar im innersten Bewußtsein der Herren gar nicht so sicher fundamentierte) männliche Ueberlegenheit und eine ebensolche gesetzliche Gewährleistung des unverbrüchlichen Vor- rechtes auf die gutbezahlten Anstellungen in Staats-, Ge- meinde- und Privatbetrieben, nämlich: „1. Das Hohe Haus wolle auf den Erlaß einer gesetzlichen Bestimmung hinwirken, wonach überall, wo männliche und weih- liche Beamte zusammenarbeiten, eine amtliche Unter- stellung der Männer unter Frauen ausgeschlossen wird bczw nach welcher kein männlicher Beamter gezwungen werden darf, sich einem weiblichen Vorgesetzten zu unterstellen. 2. DaS Hohe Haus wolle dahin wirken, daß nur so viel weibliche Beamte im Staats- und Gcmemdedieiist zur Anstellung zugelassen werden, als wegen dauernden Mangels männlicher Kräfte nolweudig sind, daß aber jede Verdrängung der männ- lichen Beamten durch werbliche Hilfsarbeiter aus der Kriegszert vermieden und den heimkehrenden Kriegern— auch den Pnvat- angestellten in Handel, Industrie und Landwirtschaft,— die An- stellungs- und Erwerbsmöglichkeit und damit die der Familien- gründung durch weibliche Konkurrenz nicht verschlechtert werde." Mit der Gebärde edlen Schmerzes über unverdiente Kränkung der durch die„Quantität" allerdings imponierenden Zahl der Bittsteller weist der enttäuschte Bund in einer Presse- Mitteilung durch die„Deutsche Journalpost" auf das traurige Los hin, ivclches ihnen das preußische Herrenhaus durch „glatte Zurückweisung" bereitete: „AngesichrS der gewaltigen Beteiligung der deutschen Be« amtenschaft an dem gegen die herrschende feministische Richtung sich wendenden Prolest darf man wohl die Frage aufwerfen, ob die glatte Zurückweisung der Bntschrisl durch das Preußische Herrenhaus am 13.. Dezember d. I. nicht geradezu eine Krün- kung der Beamtenschaft bedeutet. Die vorliegende Frage ist von so einschneidender Bedeutung, daß sie in solch summarischer Werse nicht erledigt werden kann. ES bleibt die Hoffnung und Erwartung, daß die Regierung selbst sich deS Schutzes ihrer männlichen Beamten künstig mit aller Entschiedenheit annehmen werde." Es ist gut. daß der Bund durch die Mitteilung dieser traurigen Erfahrung deren Kunde selbst verbreitete, die sonst vielleicht gar nicht in weitere Kreise gedrungen wäre. Wir wollen aber von Herzen hoffen, daß d er Reichstag die- selbe sachliche Entscheidung trifft und empfehlen dem Bunde und seiner heldischen Gefolgschaft, sich auch wieder- Holten schmerzlichen Schjcksalsschlägen mit männlicher Würde gegenüberzuslelleii. Dr. Anita AugSburg. Heil deutscher Zukunft! Eine Entdeckung, deren Unterbleiben furchtbare Folgen für i�en Ausgang des Weltkrieges hätte haben können, hat der Rechts- anwali Dr. P e z o l d t in Plauen gemacht. Er traf die erschüt- ternde Feststellung, daß das Verzeichnis des schweizerischen Anwaltverbandes, das im Amtszimmer des Landgerichts Plauen i. V. aushängt, die französische Sprache vor der deutschen gebraucht und den Vorstand des schweizerischen Anwalts- Verbandes gar nur in französischer Sprache aufführt. Das hat ihn entflammt, folgenden wuchtigen Brief gegen den schweizerischen Anwaltsverband zu schleudern: Als deutscher Anwalt erhebe ich gegen diese Zurücksetzung der deutschen Sprache schärfsten Einspruch. Wir Deutsche haben ein Recht darauf und wir erwarten, daß nach dem Deutschen Reiche(?) zum mindesten an erster Stelle die deutsche Sprache steht, wenn«sie uns mit den Sprachen der Franzosen und Jta- liener durchaus beglücken wollen. Heil deutscher Zukunsil , Mit deutschem Gruße Rechtsanwalt(gez.) Dr. Pczoldt. Die„Berliner Neuesten Nachrichten" sind über dies Schreiben entzückt und drucken es ab. Auch wir meinen, daß Dr. Pezoldt erheblich für das deutsche Ansehen bei den Neutralen gewirkt hat, in welchem Sinne, bleibe dahingestellt. Ter bayerische ZentrumSstreit. Zu der am 21. Januar stattfindenden Nachwahl bringt das Blatt der katholischen Arbeitervereine Süddeutschlands, der„Ar- beiter", in seiner Nummer vom 18. Januar die folgende Aufforde» rung: „Arbeiter! Zentrumswähler! Keine Stimme für den libe» ralen Hofrat Kroherl Bleibt am Wahltage zu Hause oder gebt weiße Zettel ab!" Der„liberale" Hofrat ist bekanntlich der von der Vertrauens- männerversammlung der Zentrumspartei aufgestellte Bürgermeister von Ingolstadt, der erst nach der Aufstellung sich der Zentrumspartei anschloß. Ter Bundesrat hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, dem vom Reichstag angenommenen Entwurf eines Gesetzes, betreffend Au s ku n s t e r te i l u n ge n über Kriegsverordnungen die Zustimmung nicht z u erteilen. Statt dessen hat der Bundesrat eine Verordnung über die Verfolgung von Zuwider- Handlungen gegen Vorschriften über wirtschaftliche Maßnohmen er- lassen, wonach bei Zuwiderhandlungen gegen Vorschriften, die auf Grund des L 3 des sogenannten Ermächtigungsgesetzes ergangen sind oder noch ergehen, der Einwand des unverschuldeten Irrtums über das Bestehen oder die Anwendbarkeit der über- tretenen Vorschrift zugelassen wird. Tie deutsch-tsirkischen Verträge. Konstantinopel, 19. Januar.„Tanin" zufolge sind die zwischen der Türkei und Deutschland abgeschlossenen lieber- einkommen in türkischer und deutscher Sprache abgefaßt. Die Ausfertigung in französischer Sprache ist dazu bestimmt, für den Fall von Meinungsverschiedenheiten herangezogen zu werden. Tie Uebereinkommen werden den Parlamenten in beiden Sprachen unterbreitet werden. Der neue türkisch. deutsche Handelsvertrag befindet sich im Stadium der Verhandlungen. Ausgleich ohne Tisza? Wie das Wiener„Fremdcnölatt" erfährt, werden die in Budapest geführten Verhandlungen über den Ausgleich mit Ungarn demnächst fortgesetzt werden. Nachdem einige der noch schwemmden Meinung»- Verschiedenheiten beigelegt werden konnten, läßt sich erhoffen daß über die noch offenen Punkte in absehbarer. Zeit eine Einigung wird erzielt werden können. Nach einer Meldung des Budapcftcr„Az Est" hat der Kaiser dem Grafen Johann Zichy und den ftühercn Ministerpräsidenten Wekerle in Audienz empfangen. An dieses Ereignis werden weit- gehende Kombinationen geknüpft. Reichstagsausschuß für öie Ausführung öes hilfsöienstgefetzes. Das Verfahren vor den Ausschüssen. Das Kriegsamt hat der R e i ch s t a g s k o m m i s s i o n die Anweisungen für das Verfahren bei den auf Grund des Hilfs- dienstgesetzes gebildeten Ausschüssen vorgelegt. In der Sitzung am Freitag kam es zunächst zu einer Auseinandersetzung darüber, inwieweit die Beschlüsse der Kommission, die sich nicht auf die im Gesetz vorgesehene Zustimmung zu allgemeinen Ver- ordnungen, sondern auf Anweisungen beziehen, die aus Grund von Bundesratsverordnungen erlassen sind, für das firiegsamt bindend sein können. General G r ö n e r erklärte, daß diese Beschlüsse des Ausschusses nicht bindend sind, und der Vorsitzende, Abg. Gothein, stellte fest, daß in diesen Fragen der Ausschuß lediglich seine Wünsche in Form von Beschlüssen kleiden kann. Die sozialdemokratischen Mitglieder der Kam- Mission haben zu den Anweisungen eine große Anzahl A b ä n d e- rungsanträge eingebracht Zur Zuständigkeit des Ausschusses wird ein sozialdemokratischer Antrag angenommen, wonach bei Be- ichwcrden zuständg sein soll der Schlichtungsausschuh, in desicn Bezirk der Hilfsdicnstpflichtige die der Beschwerde zugrunde- liegende Beschäftigung ausübt oder ausgeübt hat, oder der Ausschuß, in dessen Bezirk das Unternehmen liegt, von dem der Silfsdienstpflichtige beschäftigt wird. Der§ 6 der Anweisungen handelt von der Pflicht der Verschwiegenheit für die Mitglieder der Ausschüsse. Hier war von sozialdemokratischer Seite beantragt:„Die Verschwiegenheit erstreckt sich nicht auf die B e r i cht c r st a tt u n g über die Verhandlungen." Nach längerer Debatte wurde da» als selbstverständlich erklärt. Eine entsprechende redaktionelle Acnderung des 8 3 wurde daraufhin vorgenommen. Der 8 7 behandelt das Recht, Vorsitzende und Mitglieder der Ausschüsse wegen Besorgnis der Befangenheit abzu- lehnen, wenn Tatsachen vorliegen, die Mißtrauen in ihre Un- Parteilichkeit rechtfertigen. Hier beantragten die Sozialdemokraten, hinter„Mitglieder det Ausschüsse" einzufügen:„Nach 8 ö des Ge- setzes und die Vorsitzenden in den Ausschüssen nach§§ 7 und 9 des Gesetzes." Namens der Antragsteller führte Abg. Bauer(Soz.) aus, solocit 8 7 oder 9 des Gesetzes in Frage kommt, kann ein Ablehnungsrecht nicht ohne weiteres zugestanden werden, sonst werden diese.Ausschüsse nie richtig arbeitsfähig werden. Eine Ab- lehnung soll nur zulässig sein in den Fällen der§8 4 und 7 des Gesetze». Nach längerer Diskussion, in der sich vor allen Dingen Unter- staatssekretär Richter gegen den Antrag wandte, wurde der An- trag abgelehnt. Ebenso wurde ein Antrag Dittm ann ab- gelehnt, den Satz zu streichen:„Der Antrag ist ohne weiteres zurückzuweisen, wenn er offenstchtlich zum Zwecke der Verschleppung gestellt wird." Ter 8 12 der Vortage betrifft die Borbereitung des Verfahrens. Hierzu war von sozialvemokraitscher Seite eben- falls ein Antrag gestellt, und schließlich erhielt durch ein Kom- promiß der§ 12 folgende Fassung: „Der Vorsitzende bereitet das Verfahren so weit vor, als es erforderlich ist, um dem Ausschusse oder der Zentralstelle eine schleunige Entscheidung zu ermöglichen. Er kann Ermittelungen jeder Art anstellen, insbesondere amtliche Auskünfte, schriftliche Erklärnngen und Sachverständigen-Gutachten einholen; be- teiligte Zeugen und Sachverständige durch ersuchte Behörden ver- nehmen lassen; die Vorlegung von Geschäftsbüchern oder sonsti- gen Urkunden anordnen. Die Entscheidungen können ohne mündliche Verhandlung ergehen. Ist mit Zweidrittelmehrheit eine Verhandlung beschlossen, so hat sie der Vorsitzende anzu- ordnen." Die Sozialdemokraten beantragten dann ferner, einen§ l2a einzufügen, folgenden Wortlauts: Beschwerden nach 88 9 und 13 des Gesetzes müssen innerhalb einer Woche nach ihrer Anhängig- machung im mündlichen Verfahren vor dem Ausschuß erledigt werden, wenn nicht vorher eine Verständigung erfolgt oder die Beschwerde zurückgezogen wird." lieber diesen Antrag entspann sich eine lange Debatte. Schließlich einigte man sich auf folgende Fassung: „Der Ausschuß soll über die Beschwerden nach 8 9 ver- handeln und darüber innerhalb einer Woche entscheiden, wenn nicht vorher sine Verständigung erfolgt oder die Beschwerde zu- rückgezogen wird." Der§ 1-! bestimmt:„Ist mündliche Verhandlung aimeordnet. so kann die Entscheidung auch beim Ausbleiben der zur Berhand- lung Geladenen ergehen." Hierzu beantragten die Sozialdemo- kratcn, anzufügen: Erscheint bei einer Verhandlung nach 8 9 des Gesetzes der Arbeitgeber nicht, so ist dem beschwerdeführenden Ar- bcitnehmer der Abkehrschein auszustellen; erscheint der Arbeit- nehmer nicht, so ist seine Beschwerde erledigt. Erscheint einer der beiden Teile in einem Streitfall nach 8 t8 des Gesetzes zur münd- lichen Verhandlung nicht oder weigert sich zu verhandeln, so ist trotz- dem eine Entscheidung zu treffen." In der Begründung wurde von den Antragstellern daraus hingewiesen, daß die in Berlin be- stehende Schlichtungskommission mitunter in drei- bis vierstündigen Sitzungen oft 69 Sachen zu erledigen hat. Das geht nur. wenn das Verfahren ganz einfach gestaltet wird. Zudem handelt es sich bei diesen Dingen nicht um Bermögensverlust. Läßt man aber eine Wiederaufnahme der Sache zu, dann zieht sich die Entscheidung ungebührlich in die Länge. Der sozialdemokratische Antrag wurde schließlich abgelehnt. Die weitere Debatte drehte sich um die Frage, ob die Aus- schüsse gegen ausgebliebene Zeugen oder Sachverständige Ord- nungsstrafeii verhängen dürfen. Der Ausschuß war darüber einig, daß dies nur bei Uebereinstimmung zwischen Bundesrat und Reicbstagsausschuß möglich ist.— Das Kriegsamt hat die Absicht. die Oeffentlichseit für die Berhanldungen der Ausschüsse auszuschließen. Die Sozialdemokraten erheben dagegen lebhaften Einspruch, die Arbeiterschaft hat ein große? Interesse an der Oeffentlichkeit der Verhandlungen. Das Zentrum empfiehlt in Fällen der Erörterung von Betriebsgeheimnissen, den Ausschluß der Oeffentlichkeit' zuzulassen. Schließlich einigt man sich dahin, daß der Vorsitzende einzelnen Personen den Zutritt zu den Verbandlnngeii gestatten kann. 8 21 siebt vor, daß die Beteiligten sich des B e i st a n d e s bevollmächtigter Vertreter bedienen können. Tie Sozialdemokraten wollen die Zulassung von Vertretern auf die Ausschüsse nach§ 4 und nach ß 7 beschränken. Die Tendenz des Antrags geht dahin, daß bei Streitigkeiten aus§ 9(Lohn- und Ar- beitsstreitlgkeiten) die Beteiligten persönlich anwesend sein müssen, weil dadurch eine Verständigung erleichtert wird. Es solle verhütet werden, daß Rechtsanwälte als Vertreter vor den Ausschüssen auf- treten. Der Antrag wird abgelehnt. § 24 bestimm: die Form der Entscheidungen. Die Sozial- demokraten beantragten, eine schriftliche Ausfertigung nur dann zu geben, wenn sie zur Durchführung der Entscheidung not- roeifbtfl ist. Der Dntrag wird angenommen. Im§ Zt wird auf Antrag der Sozialdemokraten die Vorfchrist ge- strichen, wonach der Vorfitzende des Scdlichtungsausschuffes den Arbeitgeber zu einer Erklärung über eine erhobene Beschwerde aufzufordern hat. �Der 8 35 wollte, dag an Sitzungstagen des Schlichtungsaus- schusses Beschwerden sofort mündlich zur Entscheidung vorgebracht werden können. Einem Antrag der Sozialdemo- k raten entsprechend wird der Paragraph gestrichen. Z 3g legt dem Schlichtungsausschutz die Pflicht auf, auf Per- langen der Militärbehörde festzustellen, ob die Auflösung des Ar- beitsverhältnisses durch das Verhalten des Wehrpflichtigen der- schuldet worden ist. Die Abgeordneten Dittmann und Bauer äußern schwere Bedenken gegen eine derartige Bestimmung, in der eine Drohung mit dein Schützengraben erblickt werden könne. Am besten sei es, diesen Paragraphen zu streichen. Auf Anregung des Abg. Ebert erklärt General Gröner, daß der Ausschuß als u n P a r tg i i s ch e A n st a n z entscheiden soll, ob sich der Rekla- mierte b ö s w i l l i g der Arbeit entzieht. Der Ausschuß soll auch entscheiden, ob der Reklaniierte einem anderen Betriebe zu über- weisen ist. Abg. Ebert stellt einen entsprechenden Antrag, der angenommen wird.—§ 40, nach dem der Militärbehörde von jeder Einleitung eines Schlichtungsverfahrens, an dem Reklamierte be- teiligt sind, Mitteilung gemacht werden sollte, wurde gestrichen. Damit waren die Beratungen über die Bestimmungen er- ledigt. General Gröner machte dann noch längere Ausführungen über weitere Maßnahmen, die das KriegSamt in Aussicht ge- nommcn hat. Steuererklärungen. Die Steuerveranlagung icheint in diesem Jahre ganz besonders gründlich zu geschehen. Wir erkalten zahlreiche Mitteilungen, daß von den Vorsitzenden der Veranlagungskommiisionen besondere Auf« fordcrungcn zur Abgabe einer Steuererklärung herausgeschickl sind. Da wir mehrfach um Auiichluß über die Rechtslage gebeten sind, stellen wir sie im Nachstehenden wie folgt fest: Tie Bei anlagung der Steuerpflichtigen erfolgt im allgemeinen durch die Veranlagungskommiisionen, die für die einzelnen Veranlagungsbezirke gebildet sind. Bei Steiierpflichligen mit einem Einkommen bis zu 3000 M. gebt der Veranlagung eine Vor- einschätzung durch besondere Voreiiischätziingskommiisionen voraus, welch letztere für jeden Gemeinde- bzw. Gutsbczirk gebildet sind. Sie schlägt an der Hand der Sieuerlisie den zu veranschlagenden Sleuersatz vor. Die Steuerliste ist vom Gemeindevorstand aufzu- stellen. Wer andere Personen dauernd gegen Gehalt oder Lohn be- schäfligt, ist verpflichlet, über dreieS Einkommen, sofern eS den Be- trag von jährlich 3000 M. nicht übersteigt, der Behörde auf deren Verlangen binnen ciner Frist von mindestens zwei Wochen Auskunft zu erteilen. Dieie Vorschrift richtet ihre Schärfe lediglich gegen die Arbener und alle Angestellien mit einem Lohn oder Gehalt bis zu 3000 M. Eine ihnen entsprechende Verpflichtung für die Reichere», auch ihrerseits die Geschäfisbücher usw. den Behörden für Steuerzwecke vorzulegen, besteht nicht. Zwar kann die Behörde die Vorlage der Bücher fordern, wenn der Betreffende sie jedoch nicht vorlegen will, fehlt jedes Mitiel, ihn dazu zu zlvingen. Die Verpflichtung des Arbeitsgebers zur Angabe des Lohnes ist je« doch durch Sirasvorschrifl wirksam gemacht. Diese Verpflichtung der Arbciigeber zur Auskunfterteilmig über die Lobne ist eines der Mutet, durch welche sich der Gemeindevor- stand über alle Talsachen. Verhältnisse und Merkmale sür die Be- urteilung der Einkomm-nsverbälinisie der schließlich in die Steuer- liste auszunehmenden Personen Wormieren soll. � Nach der Vorveranichlagung der Sieueipflichtigen mit einem Einkommen, von mckt mehr als 3000 M. durch die dazu berutene Kommission prjjst der Borfitzende der VoranlagungSkommiifiön die Steuersätze uns setzt sie fest, sofern er sie nicht bennstaiidet. Im letziercii Falle seyr die Veranlagungskommission die Steuer fest. DaS geschiehl auch bei allen Steuerpflichtigen mil einein steuer- pflichligen Jahreseiiilommeir von mehr denu>3000 M. Für deren Sieueriätze macht der Voi sitzende die Stcuervorichtäge. Als Grund- läge dlenl die S t e u e r e r k l ä r u n g. Eine solche Sleuer» erkläning hat jeder bereits mit einem Einkommen von mehr als 3000 M. zur Sleuer Veranlagte aus alljährlich durch öffentliche Bekannt- »nachuna ergehende Aufforderung zur Abgabe einer Sleuererkläruiig iniieihalb einer auf mindestens zwei Wochen zu bemessenden Frist auf vorgeschriebenem Forinular bei dem Vorsitzenden der Ver- anlagungskommission schrisilich oder zu Protokoll unter der Ver- sicheruiig abzugeben, daß die Angaben nach bestem Wiffen und Ge- wissen gemacht sind. «olche Steuerpflichtigen, die zur Zeit des Er- lasies der öffentlichen Bekanntmachung entweder überhaupt nicht oder doch nur mit eineni Einkommen von h ö ch fl e Ii S 3000 M. zur Steuer ver- anlagt sind, sind zur Abgabe einer Steuer- erklär ung verpflichtet, sobald sie hierzu von, Vor sitze u den der Veranlagungskommission auf- gefordert werden. Wer die ihm obliegende Steuererklärung nicht innerhalb der borgeichn-beiien Frist abgibt, bat neben der schließlich endgültig festgestellten Sieuer Men Zuschlag von 5 Proz. zu derselben zu zahlen. Wer dann die Steuerklärung nicht längstens innerhalb zwei Wochen nach einer nochmaligen an ihn zu richtenden Auf- forderung abgibt, hat einen ferneren Sleuerzuschlag von 25 Proz. zu eiilrichlen. Die Festsetzung des Zu'chlageS steht der Regierung zu, gegen deren Entscheidung innerhalb 4 Wochen die Beschwerde an das Fiiianzminiüerlum zulässig ist. Nur wenn besondere Umstände die Benäiimnis entschuldbar machen, unterbleiat die Festsetzung d-S Zuschlags, Bestehen gegen die Angaben einer Steuererklärung Bedenken, sind sie dem Sicuerpflichtigeil mitzmeilen, der sie klären oder Be- weismittel tür seine Angaben beizubringen hat. Die vom Sleuer- pflichligen angeborenen, an sich zuläisigen Beweise müssen erhoben werden, soweit die unter Beweis gestellten Tatsachen für die Ver- anlagung erheblich sini� und nicht ohnehin als richtig angenommen werden. Das Ergebnis der Veranlagung hat der Vorsitzende der Ver- onlagiingSkommiision jedem Steuerpflichtigen mittels einer, zugleich eine Belehrung über die zulässigen Rechtsmittel enthaltenden Zu- schrift betannruimachen. Ueber die RechiSmiitel werden wir später benchlen, wenn die Veranlagungen heraus sind. Wer wisieutlich mliche Angaben über das steuerpflichtige Ein- konime» machl oder solches verschweigt, wird, wenn der Staat da- durch beeintröchiigt ist oder beeinträchiigt werden sollte, mit dem vier- bis zehnfachen Bcirage der Verkürzung des Staates, mindestens aber mit einer Geldstrafe von 100 M. bestraft. An die Stelle dieser Slrafe tritt eine Geldstrafe von 20 bis 100 M„ wenn aus den Um- ständen zu entnehmen ist, daß die unrichlige oder unvollständige Angabe oder die Verschweigung steuerpflichtigen Einkommens zwar wissentlich, aber nicht in der Absicht der Sicuerentziehnng erfolgt»st. Straffrei bleibt, wer seine Angaben an zuständiger Stelle berichtigt oder ergänzt, wenn eine Anzeige gegen ihn erfolgt oder eine Unter- suchung cingeleiict ist. Er muß dann aber die vorenthaltene Steuer tu der ihin gesetzten Frist entrichten. Wenn jetzt vielfach die besondere Aufsorderung zur Abgabe der Steuererllärnng ergeht, dürste das in solchen Fälle» geschehen, in denen die Steuerlommission sowie dessen Vorsitzender zu der An« nähme gelommen ist, daß ein höheres Einkomnien wie 3000 M zu versteuern ist. Wo ein solches Einlommcu besieht, fehlt die Pflicht des Arbeitgebers zur Auskunft über das Geholt oder den Lohn des Steuerpflichtigen. Deshalb sucht nun die Behörde auf diesem Wege zu einer getrauen Ermiltlung des Einkommens zu gelangen. Die Berechtigung dazu ist im Gesetz gegeben. flus Groß-öerlin. Papier. Mählich fällt Dir auf die Nerven Cdatz Du. wenn auch nutzlos, tobst) Die Gesellschaft für Konserven, Die Gesellschaft für das Obst; Die Gesellschaft für die Fette, Die auch, die aus Zucker kaut, Und die ganz besonders nette, Jene sür das Sauerkraut. Di? Gesellschaft für die Knollen, Für das.Vieh stcotsra, Die Gesellschaft für die Bollen, Z. E. G. und K. E, A. Alle regeln, alle bleiben Im Erwägen immerzu, Sie verordnen und sie schreiben Ohne Rast und ohne Ruh. Hilft's, daß hundert sanfte Räte Täglich nur die Sorge Plagt, So zu tun, als ob man täte, Was man doch zu tun nicht wagt? Bringt es Dir nur einen Taler, Oder wirst Du satt vielleicht, Wenn der Kriegs— Gc—em—bc— Haler Massenhaft Papier erzeugt? Dies Papier führt allerwegen Jeder Interessentenkreis Zielbewußt dem Zweck entgegen, Den er dafür nützlich weiß. Und Herr Mermuth, wehmutsaitig, Sieht sich nach Batocki um. Der erwidert seinerseitig: Tja! Gewiß— insofern— hum... _ G r e g e r s Serie.. Kohlennot und Brotmangcl. Die erneut eingetretene scharfe Kälte läßt die Kohle n- not noch unerträglicher erscheinen. Die Ursache ist zweifel- los kein Produktionsmangel, sondern das Versagen der Zu- fuhr zu den Verbranchszentralen, und in den Städten wieder- um das Versagen der Abfuhr. Die Organisation der Detaillisten und Gewerbetreibenden Berlins hat dem Reichs- kanzlcr eine Eingabe übermittelt, worin gesagt wird, es stehe fest, daß an den Produktionsorten der Braunkohle, die vor- herrschend für die ärmeren Verbraucher in Frage komme, übergroße Vorräte liegen; die mangelhafte Versorgung beruhe auf dem Fehlen der Transportmittel. Der Schutz- verband fordert außerordentliche Maßnahmen: Ohne Schaden für die Kri-giubrunc, können au» dem zivilen Verkehr im Bereich des BerkebrSabschniiteS Brandenburg und Sachsen, das heißt aus dem Berliner OrtS-, Vororts- und Mittel- iernverkehr 30 bis 40 Lokomotiven herausgezogen werden; wenn keine..Kohlenwagen vorhanden, dann müssen eben Perfoneiiwsgen dritter und vierter Klasse verwendet werden. Der Mangel an menschlichen ArbeitSstäfien muß durch das KriegShilsSgesetz be- seiiigt und zur Fortschaffuiig von den Bahnhöfen nach den Lager« Plätzen Militärpferde freigegeben werden. Werden die hier vor- geschlagenen Maßnahmen durchgeführt, dann tritt sofort eine Milderung ein. und die Kohlennot ist in zirka zehn Tagen voll st än big gehoben. Angesichts der Verhältnisse darf die Regierung vor einer zeitlichen Ein- fchräiikung deS Personenverkehrs nichl zurückschrecken. Not kennt kein Gebot, und hier ist das höchste Gebor, eine große Not zu beseitigen." Wie berichtet wird, haben„bereits" Verhandlungen niit der Heeresverwaltung stattgefunden, die jetzt eine größere An- zahl Kohlenarbciter und Fuhrwerke vorübergehend zum KohlentranSport freigeben will. Von anderer Seite wird mit- geteilt, daß die Absicht, Kohlensouderzüge nach Berlin cinzu- richten, infolge Uebcrfüllung der Berliner Bahnhöfe nicht in vollem Maße verwirklicht werden konnte. Das Kriegsamt habe einigen Großfirmen Arbcitshilfe zur Verfügung gestellt, Die Kalamität ist schon so alt— sie war im Herbst schon sehr fühlbar— daß man sich wundern muß. daß die verant- wortlichen Stellen immer noch herumprobiercn. Kohlennot im härtesten Winter und in der geographischen Lage Berlins verlangt doch beizeiten Abhilfe. * Zu der Frage des B r o t m a n g e l s, die wir gestern ausführlich behandelten, vertritt eine Korrespondenz die An- ficht, daß die Brotpreiscrmäßigung und die Schrippen- Verteuerung die Ursache sei: Die Folge dieser Maßnahme war, daß die Bäcker auS wirt- sckiaftlicken Gründen das aus 85 Proz. Roggenmehl und 15 Proz. Weizenmehl gemischte Brotmehl vielfach zu Zwiebäcken, Kuchen und Schrippen verwenden, weil sie bei dem allzn hohen Weizenmehlpreis nicht auf ihre Kosten kommen zu können glaube». Sie verbacken daher bei weirem nichl mehr so viel Weizenmehl wie früher. Die Folge war ferner, daß viele Ge- ineinden Grob-BerlinS in letzter Zeit mit Weizenmehl überliefert wurde» und in Weizenmehl erstickten, so daß die MehlverteilungS- stelle Groß-Berlin jetzt genötigt ist, das überschüssige Weizenmehl gegen Vrolmehl umzutauschen. DaS ganze System»st falsch! Von anderer Seite war das enorme Kuchcnbacken zu Weihnachten und Neujahr als Ursache der Plötzlich austreten- den Brotnot bezeichnet worden. Wir müssen sagen, daß die weit überwiegende Mehrzahl der Berliner Einwohnerschaft schlechterdings nicht begreift, daß man nicht längst die Kuchcn- und Tortenbäckerei verboten hat, lim das Brotguantum mit dem dadurch gewonnenen Mehl zu erhöhen. Bei der Kuchen- und Tortenbäckerei werden auch andere wichtige NahrungS- mittel den: normalen Verbrauch entzogeil. Speisenknappheit bei der Volksspeisung. Der im„VorwäitS"(in Nr. 12 vom 13. Januar) mitgeteilte Fall, daß bei der Berliner VolkSipeisung am Donnerstag voriger Wocbe die SpeiicnauSgabcstellen in der Kommandanienstraße nicht genug Essen für alle gemeldeten Teilnehmer Halle, steht leider nicht vereinzelt da. Aus mehremi uns zugegangenen Beschwerden er- sehen wir, daß an demselben Donnerstag auch bei den Ausgabe- stellen in der Danziger Straße und in der Müllerstraße die Knapp- Heu der Speisen zu verdrießlichen Aufiritten führte. ' In der Danziger Straße mußte, aiö noch lange nichl alle Warlenden befriedigt waren, die Kassiererin eingestehen, das Esten sei„alle geworden". Der Mangel an Essen wurlc der Küche in der TreSckowstraße zur Last gelegt, die zu wenig geliefert habe, und die noch wartenden Frauen erhielten den Rat, selber nach der TreSckowstraße zu gehen und dort Este» zu fordern. In der TreSckowstraße aber lautete der Bescheid, die Ausgabestelle habe genug Portionen gehabt, sie hätte nur richtig damit wirtschaften sollen. Den Frauen nun in der Küche sofort da§ ihnen zukcmmende Essen zu geben, wurde abgc- lehnt. Zunächst miiste den Schnlkindern ihr Mittagessen aufgetischt werden, dann erst würde sich zeigen, ob etwas drüber bliebe. Tie- jenigen Frauen, die noch länger warten konnten, hatten schließlich daS Glück, nach harter Geduldprobe noch Esten zu kriegen. Andere, denen eS zu lange dauerte, mußten mit leere„ Töpfen beimgeben. ES läßt sich verstehen, daß sie über diese Unzuläiiglichleit der VolkSspeisung in große Er- regung gerieten. Da da§ Esten für eine ganze Woche voraus- bestellt werden muß und voraus auch die Fleisch- und die Kartostelkarten gekürzt werden, io kann Speisenknapvheit diejenigen. die leer ausgeben, in die imanaenehmste Lage bringen. Esten ist kür sie nicht mehr da, ober auch ihre Kartenabschnitte sind sie loS— nun mögen sie seben, womit sie ihren Hunger stillen. Geklagt wird übrigens auch darüber, daß in der letzten Zeit den Speisen weniger Kartoffeln beigegeben worden seien. Man empfindet es als Benachteiligung, daß die Menge der mit den Speisen gelieferten Kortoffeln geringer sei, als nach der Zahl der hingegebenen Karteilabschnitte erwartet werden dürfe. Bei der Ausgabestelle in der M ü l l e r si r a ß e wo gleichfalls schon am Donnerstag voriger Woche sehr viele kein Essen mehr erhalten konnte», wiederholte sich das am Dienstag dieser Woche. Nachdem die Hungriaen lange aus dem Hos gestanden und arg gefroren hatten, mußten sie hören, daß schon wieder da? Essen nicht reichte. Wieder mußten viele sich mit leeren Töpfen auf den Heim- weg machen, wobei einiae der abgewiesenen Frauen, wie eine von ihnen uns schreibt, in Tränen ausbrachen._ Ein Mann, der zu de» Abgewiesenen aehörte, klagt uns, daß er mit seiner ganzen Familie ohne Mittagessen geblieben sei. Es ist dock wirklich ein starkes Stück, daß diese Dinge sich in so kurzer Zeit wiederholen. ,DaS kann wohl einmal vorkommen," schreibt eine der� leer ausgegangenen Frauen,„aber es scheint zur Gewohnheit zu werden." Die Ausgabestelle, die zu den meistbesuchten in Berlin gebärt und täglich einen starken Andrang zu bewältigen hat. leidet auch sehr darunter, daß sie von der weit entlegenen Küche der Zentralmarkthalle ans versorgt wird. Verzögerungen der Speisen- anlieserung sind keine Seltenheit, und wir konnten selber bei einem BesiiÄ der Ausgabestelle die Beobachtung machen, datz'Hunderte aus dem Hofe in der Kälte lange warten mußten, lvefl das Essen erst um OJ eintraf. Das ist be'onders unangenehm sür Arbeiter und Arbeiierinnen, die in ihrer kurzen Mittagspause zur Speisen- auZpabe kommen, um ihr Esien sogleicki dort zu verzehren. Für Beseitigung dieser Mängel und Mißgriffe sollte schleunigst gesorgt werden. AnderilsallS wird man sich nicht wundern dürfen, wenn viele sich von der Massenspeisuna abwenden. Der Magistrat habe dock keine„Hungerküchen" einrichten wollen, schreibt uns grimmig einer der Beschwerdeführer. Lohnerhöhung bei der Große« Berliner Straßenbahn. Infolge der gestern angekündigten Verhandlungen werden bei der Großen Berliner Straßenbahn folgende Lohnerhöhungen ein- treten: Der Studenlohn der S ch a f f n e r in n e n ist unter Fortfall der bisherigen KriegSzulagei, auf 45 Pf. ab 21. Januar erhöht worden. daneben erhalten sie die Zulage von monatlich 6 M. für jedes Kind unter 15 Jahren weiter. Fahrerinnen bekommen ebenfalls unter Einbeziehung der Kriegszulagen bei acht Stunden Dienst 4.60 und wie bisher 60 Pf. Fahrzulage, mithin TageSentlohnmig 5,20 M. In ähnlicher Weise werden die Bezüge de» gesamten Betrie bs Personals mit durchschnittlich 10 M. auf den Kopf und Monat aufgebesiert. Die bisher gewährte Kinderzulage von monatlich 5 M. wird allen Betriebsbediensteten weiter gezahlt. Die Ueberstunde lvird für das Stammpersonal von 50 auf 70 Pf., sür da§ A u s h i l f s p e r s o n a l auf 60 Pf. erhöht. Berliner Lcbensmittelnachrichten. Der Uurtausch von Fleisch'arten gegen Bezugscheine auf andere Lebensmittel(Graupen oder Grieß oder Teigwaren findet für die neue am 22. Januar beginnende Fleischkartenperiode in der Zeit vom 22. Januar bis 24. Januar durch die zuständigen Brotkom- Missionen in deren Geschäftsräumen statt. Für eine Vollfleiichlarte lvird wieder ein Bezugschein auf 375 Gramm, sür eine Kinderkarte ein solcher auf 200 Gramm Graupen oder Grieß oder Teig- waren ausgegeben. Ein Anspruch auf eine bestimmte Art dieser Waren besteht nicht. Die Ware kann in den 93 in den einzelnen Stadtteilen gelegenen, durch einen Aushang kenntlich gemachten VerkmifSstellen gegen Abgabe des für die betreffende Woche gültigen Bezugscheinabichilitis geiaufp werden. Zum Umtauschen berechtigt sind diejenigen, die sich laut Bekanntmachung deS Magistrats vom 30. September 1910 in die Listen der zuständigen Brotkommission eingetragen haben. Wer jetzt nachträglich, ohne diese Eintragung bewirkt zu haben, den Umtausch vorzunehmen wünscht, kann beim Magistrat, Abteilung tür Lebensmittelversorgung. Stralauer Str. 3—6 unter Vorlegung der Fleischkarten einen entsprechenden Antrag stellen. * Nach einer soeben erlastenen Bekanntmachung de» Magistrats Berlin entfallen auf Abschnitt 18 der Lebensmittelkarte 100 Gramm Teigwaren. Die Abschnitte sind am 20., 22. und 23. Januar in deil durch Verlaussschilder gekennzeichneten Kleinhandelsgeschäften gegen Empfangsbescheinigung abzugeben. Die Ware wird dann etwa acht Tage nach Ablieferung der Kartoffelabschnitte bei den Kleinhändlern' gegen Rückgabe der erwähnten Empfangsbescheinigung zur Verfügung stehen._ Lebensmittel aus Holland. ES ist in letzter Zeit häufig bor« gekomme», daß in Deutschland ansässige Leute nach Holland reise», um dort Lebensmittel für den eigenen Bedarf einzu- kaufen und nach Deutschlvnd mitzunehmen. Demgegenüber muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß Lebensmittel, deren Aus- fuhr aus Holland verboten ist, auch nicht in kleinen Mengen für den eigenen Bedarf mitgenommen werden dürfen. Bei etwaigen Ver» suchen�solche Lebensmittel auszuführen, lvird daS Gekaufte beschlag- nahmt und ein Strafverfahren wegen versuchter Ausfuhr verbotener Artikel eingeleitet. Besuch der ParlameiitSpräsideate». Der Magistrat teilt mit: Die zu einer Zusaimlienkunst der ParlamentSpräsidenten der verbündeten Mächte zum Besuch deS Reichstage» in der Reichshaupt- stadt eingetroffenen Präsidenten des österreichischen, ungarischen und bulgarischen Abgeordnetenhauses imd der türkischen Deputierten- kammer: Dr. Sylvester, Elemcn Vau SimontsitS, Dr. Watsche iv. Hadji Hadil Bey, werden mit ihrer Begleitung am heutigen Sonn« abend Gäste der Stadt Berlin sei». Sie werden vormittags eine Rundfahrt antreten und dabei stadlische Bauwerke und Einrichtungen, darunter das Birchow-KrankenhauS, die VolkSspeisung in der Zentral- Markthalle u. a. in. besichtigen. Sämtliche städtischen Gebäude werden wegen der Gäste Flaggenschmuck tragen. TaS Verbot des Waffentragens, das seit Kriegsausbruch be- steht, wird vom Oberbefehlshaber in den Marken nochmals er- neuert, da es vielfach nicht mehr beachtet wurde. Danach dürfen Z i v i l p e r s o n c n, die nicht traft ihres Amtes Waffen zu führen berechtigt sind, nur dann Waffen tragen, wenn sie einen von der Ortspolizeibehörde ihres Wohn- oder Aufenthaltsortes ihnen er- teilten Waffenschein bei sich führen. Ausgenommen ist das Tragen von Jagdwafscn durch Inhaber von Jagdscheinen. Der Verkauf von Waffen, Munition, Pulver und Sprengmitteln an Zivilpec- sonen ist verboten. Ausgenommen ist der Verkauf der Waffsir und der dazu nötigen Munition an die Berechtigten. ES ist verboten, den Waffenschein anderen Personen zum. Gebrauch zu über» lassen oder von dem auf den Namen eines anderen ausgestellten Waffenschein Gebrauch zu machen. Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bi-? zu einem Iabre, bei Vorliegen mildernder Umstände mit Haft oder mit Geldstrafe bis zu t500 M. bestraft. Das Patsdamer Lberpriisidium soll van Potsdam verlegt wer- den. Ein der Stadt trharlottenburg gehöriges Baugelände ist für die Errichtung eines neuen Oberpräsidialgcbäudes in Aussicht ge� nommen. Wicdcrauslauf mi-3 dem Kleinhandel ist Kettenhandel schwerster Art, so führt der Dezernent im prtmjzischen KriegSwuchcramt Staats- anwqlt Dr. a l ck in de»..Beiträgen zur ÄriegSwirtichafl" aus. Dies trifft besonders auf den jetzt vielfach erfolgenden Aiederaufkauf von Kerzen mi-Z dem Kleinhandel zu. Ein solches Handels- gebaren ist durchaus imznlälsia und strafbar. Ein derartiger Kelten- Handel ist eine vollswirtschaftlichc Vergeudung von Arbeit und Kosten i er stellt geradezu eine Beraubung des Konsum-? dar. Aber nicht nur der gewissenlose Llnfkäufer, sondern auch der Kleinhändler kann sich bei Abgabe seiner Waren au einen Aufkäufer der Teil- nähme ani Kettenhandel schuldig machen. Entweder muff ex die Abgabe solcher Mengen verweigern, die die im Kleinhandel üblichen übersteigei«, oder sich davon überzeugen, dast die Ware wirtlich nur in die Hand eines Selbstverbranchers kommt. Unterlägt der Klein- Händler eine solche Prüfung, so handelt er fahrlässig und macht sich gleichfalls strafbar. Kriegerwitwen, denen ans Anlast des gegenwärtige» Kriege» KriegSwilwengeld gewährt ist, können im sfalla ihrer Wieder- Verheiratung unter gewissen Voraussetzungen ein« ein» malige Abfindungssumme bis zur Höhe von fünf Sechstel des dreifachen Betrages der Kriegsvenorgung erhalten. Antrüge sind an die örtlichen Fürsorgestrllen oder an die OrtS- Polizeibehörde zu richten. Zwei weitere Zweigpostämter in Berlin werden für die Dauer des Krieges geschlossen. ES sind dies das Postamt SW 75 in der Schützennraste 53 vom 33, Jannar an und da-5 Postamt df 101 in der SIsaffer Strohe 45/46 vom 3g. Januar an. ksin Cpfer ihres schwierigen Dienstes ist die bei der Eisen- Bahnverwaltung beschäftigt gewesene Frau W i t t st o ck geworden. deren Mann im Felde steht. Als Frau W. vorgestern abend gegen 'hll Uhr ans dem Bahnhof Nennhausen mit dem Reinigen von Weichen beschäftigt tvar, bemerkte sie bei dem herrschende» Schnee- gestöbcr nicht die Annäherung eines von Hannover kommenden und nach Berlin bestimnitcn Eilgiiterzuges. Die Frau wurde von der Lokomotive ersaht, umgerissen und geriet unter die Maschine, deren Räder über sie himvcggingcn und sie auf der Stelle töteten. Auf de»917. an die Inhaber der HanSbaltmarke TU (biaue Striche) vom Donner«lag. den SS. Januar 1Sl7. und»n die Inhaber der Haushalt marke» IV(roi» Striche) vom Sonnadend. den 27 Januar l917 ab. Der verlauf der Heringe findet in den durch Aushang besonders gekennzeichneten Geichäfte» stall, ohne daß die Elnlragung in eine Kundenliste Porausietzung ist. Zustellung der»rankenkarten in Schönrberg. In Schöneberg werden die Milch- und Zuiatzkanen für Kranke,'oweit sie für den Monat Februar bewilligt sind, durch die Post bis spätestens zum 33. Januar zugestellt. BottSunterhaltuugSadend in Schöneberg. Sonntag, den 21. Januar. nachmittags 4'/, Uhr. findet der 4. städtische VolkSuntrrhaltungSabend in der Aula der Hohenzollernschule, Pelziger Str. 48/S8, statt. Eintrittskarten zum Preise von 35 Pf. sind in der„VorwSrts"-Spedition, Meiningcr Str. 9, bis heute abend zu haben. LebeiiSulittclnnchrichtcn au-S Britz. Bis zum ZI. d. MtZ. erfolgt in der Verkaufsstelle der Gemeinde die Abgabe von Lebensmitteln auf nachstehende Abschnitte der Briyer Lebensmittelkarte: Rr. 35 Nudeln. Nr. 36 Sirup(auf Karten Nr. 1 bis lOOO), Nr. 37 Scholle in Aspik, Nr. 33 Sonderzuteilung. Räncherheringe werden nach wie vor ohne Beschränkung ab- gegeben. Glückliches Nikolassee. Einen Neberschnß von nind 46 000 M.. der einem Fünftel des ganzen Boranschlages entspricht, hat die Gemeinde Nikolassee im RechnnngSjohr 1916 trotz dem Kriege zu verzeichnen. Die Gemeindevertretung nahm>n ihrer letzten Sitzung unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Reinlch davon Kenntnis und erteilte dem Gemeindeeinnehmer Enilastuna. Ter Neberschuß ist dem guten Eingang der Stenern zu verdanken. ES dürfte wohl zu den größten Selienheiten gehören, daß eine Gemeinde in der Kriegszeit einen derartig hohen Ueberschuß im Verhältnis zum ganzen Vor- anschlag erzielt. Mitgliederversammlung in NowaweS. In der am Mittwoch ab- gehaltenen WahlvereinSversammlung sprach Genosse Reichstags- abgeordneter Dr. L e n s ch über die„Internationale im Weltkriege'. — Für die KreiS-Generalversammlung am 2l. d. M. wurden als Delegierte Genosse Krähnberg und die Genossin Frl. Stöcke! gewählt.— Genosse Zöllner berichtete, daß er sich wegen der andauernden Petroleumnot, aus der besonder« den arbeitenden Frauen große Schwirrigkeiteil erwachsen, an die Gemeindeveiwaltung gewandt und das versprechen erlangt dabe, daß voraussichtlich bis zum Ablauf dieses Monats wieder Petroleum eintreffen und so der Mangel beseitigt sein werde. Ferner habe sich die Gemeinde bereit erklärt, während der Dauer der herabgesetzten Kortoffelrationen die anderen Lebensmittel, wie Hülsenfrüchte, Grieß usw., in kürzeren Zwischenräumen als bisher, und zwar etwa alle acht Tage, in kleineren Mengen zum Verlaus zu bringen. LebenSmittelnachrichten au« NowaweS. Mit der Ausgabe neuer Speisefettkarten soll gleichzeitig eine Reuanfstellung der Kundenlisten iür den Fettbezug erfolgen. Die betreffenden Käufer müssen zu diesem Zweck bis Dienstag, den 23. d. M., die an der Speisefett- karte befindlichen Anmeldeabschnitte bei ihrem Kleinhändler abgeben. Wer die Anineldung bis zu dem genannten Tage nicht bewirkt, muß damit rechnen, für die nächste Epeisefettkartenperiode weder Bulter noch Marganne zn erhallen. Mus Znöustrie unö hanöel. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. In der Generalversaminlung der Allgemeinen Berliner O m n i b u s g e i e I l s ch a s t. die am Ist. Ja- luiar stattgefunden hat, erklärte Direktor Kaufmann, daß der vom l. Oktober 1916 an auf 7� Pf. erhöhte Mindest- tarif nur als eine U cb e r g a n g s m a ß n a h me zu be- trachten, und daß nicht nur für die Kriegszeit, sondern auch für die kommenden Friedens- jähre eine weitere Erhöhung anzustreben sei. Ans den ersten Blick sollte man meinen, dich die Gesellschaft den Wettbewerb der ihr nahestehenden Großen Berliner Straßen- bahn und der Gesellschaft für Hoch- und Untergruntchabnen scheuen mühte. Aber offenbar ist die Allgemeine Berliner Onuubiisgesllsthnft felsenfest überzeugt, daß die beiden an- deren genannten Gesellschaften eine Tariferhöhung durch- setzen werde» und daß dann der Omnibus trotz eines Mit- desttarifes von 10 Vf. da« billigste Berkebrsinittel sein werde. Es spielt wohl auch die Hoffnung mit. daß die geplante Auf- nahnie eines Verkehrs mit leichten und raschen Autobussen den Wettbewerb mit den beiden anderen Gesellschaften er- träglich gestalten wird. Vielleicht verrechnet sich ober auch die Allgemeine Omnibuegesellschaft, so daß der Aussall an Fahrgästen die Mehreinnahmen infolge der Tariferhöhung überwiegt. Englische Anleihen. Die Bank von England hat ihren Diskontsatz(prozentueller Zinsabzug beim Wechselankauf) von 6 auf 5)4 Prozent erniedrigt. Die Bank von England hat im Gegensätze zur Deutschen Reichs- dank seit Mitte Juli vorigen Jahres einen Diskontsatz von 6 Proz.. während die Reichsbank mit 5 Proz. auskam. Dabei ist ein Dop- pelte« zu berücksichtigen: Der Diskontsatz der Bank von England ist der Höchstsatz, zu dem sie Wechsel ankauft, der Diskontsatz der Reichsbank gilt allgemein. Die Deutsche Reichsdank konnte den Zinsfuß modrig halten, weil im wesentlichen ein nur amtlich über- wackter WcrtauStausch mit dem Ausland erfolgt. Anders die Bank von England. Dadurch, daß sie den Zinssatz relativ recht hoch hielt, suchte sie dem Kapital in England eine profitliche An- lagcspbäre zu schaffen, einheimisches Kapital vor dem Ausfluß inS Ausland zurückzuhalten, ausländisches Kapital heranzuziehen, und so hie englische Währung zu schützen, deren Stand desto besser ist, je größer die ausländische Nachfrage nach englischen Zahlungs- Mitteln und je kleiner die englische Nachfrage nach ausländischen Zahlungsmitteln ist. Auch in den Vereinigten Staaten hat England eine neue An- leihe aufgenommen. Die Firma Morgan u. Co. kündigt die Aus- gäbe der englischen Anleihe von 250 Millionen Dollar in der Form von 5 zh Prozent igen konvertierbaren Obligationen mit dem Datum 1. Februar 1917 an. Von dem gesamten Betrag werden 100 Millio- nen nach einem Jahr fällig, der Rest nach zwei Jahren. Alle dies» Anleihen in Amerika find von dem Wunsche diktiert, die amerikanischen Lieferungen bezahlen zu können, ohne Pfund Sterling gegen Dollar auswechseln zu müssen, was auf den Kurs der englischen Währung drücken würde. Tatsächlich ist eö der eng- tischen Regierung gelungen, was ein Schmuckstück ihrer Kriegs- ftiianzterung ist, die Entwertung des Pfundes auf wenige Prozent zu beschränken und vor ollem den Kurs sehr stabil zu gc- stalten, waS die Kalkulationen im internationalen Verkehr unge- mein erleichtert oder gar erst ermöglicht. Dagegen hat die rapid wachsende Aufnahme kurzfristiger Schulden im Ausland auch finan- ziehe Nachteil« bedenklichster Art Auch in Indien borgt England Geld. Die AuSgabebedin- gungen der besonderen indischen Kriegsanleihe sind noch nicht mit- geteilt. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß die wirtschafilicha EntWickelung Indien« wie manch« englische« Kolonien im Kriege große Fortschritte gemacht Hai. E» ist«»cht nur a* Lieferung von Rohmareriolie« viel verdient worden, auch die Textilindustrie hat sehr mächtige Antriebe erhalten. Oeffentliche BeWirts Haftung von Rohöl«nd Kerzen. Zur Jichcrstcllung gleichmäßiger Verteilung und zur Per- hütung übermäßiger Preissteigerungen ist eine strafst Zentralisierung der Bewirtschaftung mineralischen Roh- ölS und setner Produkte erforder.tckr Ter Reichskanzler wird über die Durchfuhr von oder den Verkehr mit mineralischem Rohöl und allen bei seiner Verarbeitung aniallendeii Erzeug- nissen(z. B. Schmieröl, Gasöl, Solaröl. Rückstandöl, Paraffin usw.) sowie Erdwachs. Kerzen und Kerzenersatzmitteln Destim- mungen treffen. Da auch Kerzen in die Bewirtschaftung ein« geschlossen sind, war ein« Ermächtigung des Reichskanzlers er- forderlich, die Borschriften de' Verordnung auch auf Bienen- wachs auszudehnen. Die frühere» Verordnungen über den Klein- Handel mit Kerzen(vom 25. September 1915) und über Montan- Wachs(vom 26. Maj 1916) sind aufgehoben. Eine gleichzeitig erlassene Ausführungsverordnung des Reichskanzlers legt die Be- wirtschaftung in die Hände der K r i e g S s ch m i e r ö l g e s e l l- s ch a f t in. b. H. in Berlin Ihr sind vom 31. d. M. ab sowohl die aus dem Auslande eingeführte» wie die im Jnlande Vorhan- denen und erzeugten Waren der bezeichneten Art anzuzeigen und auf Verlangen zu liefern. Wird die Lieferung verweigert, so er- folgt Enteignung. Nicht unter de»'eben geschilderten Anzeige- und Lieferungzwang fallen Mineralöle, die dci plus 15 Grad Eelsius ein spezifisches Gewicht von nicht über 0,825 einschließlich haben (Gasolin, Benzin, Petroleum). Rohstoffe zur Kcczenherstcllung dürfen von der Kriegsschinterolgesellschaft m. h. H. nur mit der Auslage abgegeben werden, daß sie lediglich zu diesem Zwecke ver- wendet werden. Außerdem hat die KricgSschinicrölgesellschast die Kleinverkaufspreise vorzuschreiben, die für die Kerzen auf den Packungen anzugeben sind. Die Kcrzenpackungen müssen an der Außenseite deutlich lesbare Angaben iil.r Namen, Firma und Ort der gewerblichen Hauptniederlassung des Herstellers, den Kleinverkaufspreis für die ganz- Packung und für die einzelne Kerze und die Anzahl der in der Packung enihaltenkn Kerzen aufweisen. Einzelne Kerzen dürfen nur aus den dazu gehörigen Packungen und in der Höchstzahl von drei Stück auf einmal verkauft werden. Den Verkehr mit Altarkerzcn und Dosen- lichten wird die Kriegsschmierölgesellschaft besonders regeln. Die Verordnung des Reichskanzlers, die mit den üblichen Strafbcstim- mungen ausgestattet ist, tritt am 31. Januar 1917 in Kraft. Die Vorschriften über Packung und Kleinberkani von Kerzen erlangen jedoch erst mit dem 15. Februar 1917 Geltung. Gerichtszeitung. Lohnabzug für Benutzung eluer Nähmaschine. Bei der Kammer 1 de« Berliner Gewerbe gericht« klagte eine Näherin, die in der Arbeitsstube einer Zwischcnmeisterin be- schüfttgl war. auf Rückzahlung von 45 M.. die ihr mit je einer Mark wöchentlich vom Lohn abgezogen sind dafür, daß sie eine der Zwischenmeisterin gehörige Nähmaschine benutzt hat. Tie Näberiu bat bei jeder Lohnzahlung gegen diesen Abzug, der ohne gegen« ieiiige Vereinbarung erfolgte, protestiert.— Das Gericht ver- urteilte die Beklagte, der Klägerin die ihr abgezogenen 45 M. zu zahlen, weil Aufrechnungen gegen den Lohn schon an sich nicht zulässig seien, in diesem Falle ober noch Hinzukomma daß. selbst wenn der Abzug vereinborr wäre. eine solche Vereinbarung gegen die guten Siile» verstoßen und deshalb ungültig sein würde. Wer eine Arbeitsstube unlerhalte, der habe die zum Beiriebe derselben erforderlichen Einrichtungen und Arbeitsgeräte auf seine Koste» zu halten. Wenn ein Arveitgeber jeder Arbeiter!» wöchentlich eine Mark für Benutzung der Maschine abziehe, so würde er in zwei bis drei Jahren die Kosten der Maschine von den Arbeiterinnen bezahlt erhalten haben. Wenn sich eine Ar- beiteri» mit einem derartigen Beriahren einverstanden erkläre» sollte, so könne das nur auö einer Notlage erklärt werden, die der betreffende Arbeitgeber zu seinem Vorteil ausnutze. Unter solchen Umständen ziisiandegekommene Bercinbarungen seien ungültig. Ter Streit um den Gänseknocken. Wegen Kriegswuchers hatte sich der Kaufmann Friedrich Wilhelm K r a f t vor dem S ch ö f f« n- gericht Berlin-Mitte zu verantworten. Ein Zeuge bemerkte eines Dag eS in dem Schaufenster des Angeklagten einen Gänsebrust- knochen, der ihm dadurch auffiel, daß er mit 50 Pf. ausgezeichnet war, während er so gut wie gar keine Jleischrcste zeigte. Er trat in das Geschäft, kaufte ben-Gänseknochen und ging damit sofort zur Polizei. Der Sachverständige der Preisprüfungsstelle bezeichnete den Preis für viel zu hoch, da dieser Knochen, selbst wen» man bc- rücksichtige, daß er noch zur Erhöhung des Geschmacks einer Suppe verwendet werden tonnte, höchstens einen Wert von 25 Pf. habe. Der gerichtliche Sachverständige trat diesem Gutachten scharf ent- gegen und erklärte den Preis für angemessen, twil bei den jetzigen teuren Gänseprcisen das bißchen Fleisch, das noch an dem Knochen vorhanden war, immerbin eine gewissen Wert babe.— Der Amtsanwalt hielt den geforderten Preis für ungeheuerlich und beantragte 100 M. Geldstrafe. Der Gerichtshof ging über den Antrag weit hinaus. Der Angeklagte habe sich einer gröblichen PreiSübcrschrci- hing schuldig gemacht. Dem Zeugen sei eS durckmuS zu danken, daß er trotz des geringen Objekts die Sache zur Anzeige gebracht babe. Wenn daS Publikum sich in älmlieben Fällen vor einer An- zeige nicht scheuen würde, würde es für die Gesamtheit wesentlich besser sein.— Der Angeklagte wurde zu 5 0 0 M. Geldstrafe verurteilt. Ein„unfreiwilliger Demonstrant". Am 27. Juni 1916, als zum ersten Maie vor dem.Kriegsgericht gegen Liebneckst verhandelt wurde, fanden bekanntlich mehrere Demonstrationen statt. Vialer- meistrr Götze, ein, wie er selbst behauptet, ausgesprochener Gegner der Sozialdemokratie, geriet am Abend, als er die Jnvalidenstraße passierte, unwillkürlich unter die Demoiistrantengruppe. Der Auf- forderung der Polizeibeamten, stch zu entfernen, konnte Götze, wie er behauptet, nicht Folge leisten, da ihn d« Meng« nickt durck- gelassen habe. Er soll,»IS ein reitender Schutzmann auf ihn zu- ritt, dem Pferde in die Zügel gefallen sein. Deshalb wurde er der- haftet und vom Schöffengericht Berlin-Mitte wegen Widerstandes gegen die Staatsgewaft und Beteiligung an einem Auflanf zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. In der Berufungsinstanz vor der 5. Slvafkammer des Landgericht» Berlin I ermäßigte der Gerichtshof die Strafe auf zwei Monate Gefängnis. Gegen dieses Urteil legte der Verteidiger Revision ein. Der erste Strafsenat des Kammergcrickits erkannte am Frerag auf Verwertung der Revision mit der Begründung, daß der Angeklagte durch sein Ver- hnltcn zu der Annahme Veranlassung gegeben habe, daß er Teil- nehmer der Demonstration war. Auch ist die Behauptung, daß der Ungeklagr« dem Schutzmannspferd in die Zügel gefallen sei, er- wiesen._ Mus aller Welt. Der Eisenbahnunfall auf dem Kölner Hauptbahnhos ist neueren Meldungen zufolge doch ernsthafter gewesen als anfangs angenommen wurde. Die Zahl der Verletzten beträgt einige zwanzig, von denen vier bis fünf schwer verletzt sind. «»»ewet»» Kranke», und Strrbekaste»er MemHarbettcr (B. V. Hamburg.) Filiale B« r I i n 3: Mitglied ervorsammlu«, Somiadeud, SO. b. 37, abcndk s>/, Ubr. Lei Kahler, Reichende: ger Sir ISi Filiale Berlin S: A-mnabend. SO. Januar, aSend« S>/, Uhr, kei R. Heim ich,®e. Frankst« ter Str.«0..tz- Nenheaicht Berich'ebene». Filiale Berln«: S.'itnlie berrtriamn tun» Sonntag. 21. Januar, vonnmog» 10 US-, hei Meger. vckerftr. 128. Filiale Berlin 0: Sonntag, 31. b. M. oarmittagS 10 Uhr, BiiNckwpenflr. 14 hei Scheel. EieonzungSivobl b r O>>S»ei Wallung. lourikieiidereln„Die Raturkreunde«, LUSgruppc Berlin. Bei der Vandeiung Neiienvaqen, I-ederg AU-LandSberg usw.>kl Infohe der FahrverSiideiung die.'idsahrt ab Schleiischen Ba inhot>1.37(nicht 7.281, ftti im tniix««Mrnieinst. senntoa. LI. Januar. voimlllagS S Uhr, Pappelallee IS/17. Reu/Mi». Jbealtafino, Selchlelllratze 8; Ober- Ichöneweide. ftlnroltr. 2. Fnlrellalöie Borle'ung.— vormi'lags tO'l, llbr, Kleine Fransturler Slratze 6: Vortrag von Herrn Dr. Komas Schmidt: Rechtsordnung und Sntwickelung.«äste willlommen. LverrerauSiiwrrn tiir dos mittlere«orvSeutietzlaud dt« Tonntagmittag. Nur zeitweise neblig, lonst trocken und vielfach heiter, außer um Rltlag sehr fall. \ Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 18. Januar. Generalstabsbericht. Mazedonische Front: Schwaches Geschützfeuer auf der ganzen Front. Südlich von Serres versuchte eine feindliche Kompagnie vorzudringen, wurde aber durch Ge« ichützsouer vertrieben. Im W a r d a r- Tal und an der Struma Fliegertätigkeit von feindlicher Seite. Rumänische Front: Feindliche Artillerie hat die Städte Jsaccea und Tulcea beschossen, die unsrige hat erwidert: in Tulcea sind fünf Frauen, ein Greis und vier Kinder getötet worden. * Sofia, 19. Januar. Von militärischer Seite werden dem_ Korrespondenten der Telegraphen-Union über die jüngsten Kampfe in Rumänien noch folgende Mitteilungen gemacht: Die Russen konzentrieren ihre gesamten Streit- kroste für die Verteidigung des linken Flügels. Unsere Ar- tillerie beschießt mit großem Erfolge die von G a l a tz sich abzweigenden Eisenbahnlinien. Auch die Festungsanlagen und Schanzwerke von Galatz zwischen dem S e r e t h und dem B r a t e s- See liegen ebenfalls unter Geschützfeuer. Die feinülichen Heeresberichte. Rafsisäi« Heeresbericht vom 18. Januar. Westfront. In der Gegend des Dorfes Sanovioe südlich von Smorgon drangen unsere ErkundungSabteilungcn in feindliche Grüben ein, begannen dort ein Handgemenge und machten gegen 20 Deutsche mit dem Bajonett nieder. Zu gleicher Zeit sprengten unsere Pioniere drei Minenstollen. In der Gegend westlich des Dorfes Semerinka zer- störte unser Artillerreseuer Deckungen des Feindes, der unser Feuer 'ch wach erwiderte und nur eitrige Geschosse aus die Straße Äisielin— Plenoff schleuderte. In der Gegend des Dorfes Kritscha an der Pistriva näherten sich etwa 100 Zlusklarer unserem Feldposten. Nachdem dieser den Gegner ganz nahe hatte herankommen lassen, zwang er ihn durch konzentrisches Feuer zur Flucht und erbeutete von ihm zurückgelassene Ausrüftungsgcgenständc und Massen. In den Waldkarpathen macht« der Feind, nachdem er gegen 200 Geschosse abgefeuert hatte, einen Angriff auf eine Höhe 10 Werst südlich des Berges Pnevi, wurde aber durch unser Feuer zurück- geworfen. Rumänische Front. Versuche des Feindes, gegen die Höhen südlich vom Citezslusse die Oiiennvc zu ergreifen, werden durch unser Feuer angehalten. Die Rumänen schlugen einen An- griff der Deutschen südlich von Monasttrk-Kaschinul am Casi n u- f l u f f e ab. Südwestlich von P r a l e a umringten die Rumänen eine vom Feinde besetzte Höhe, wobei sie viele Gefangene machten - und vier Maschinengewehre erbeuteten. An der übrigen Front bis zur Donau sowie längs der Donau gegenseitige Beschießung. Englischer Bericht vom 17. Januar. Heute früh besetzten wir nack vorangegangener heftiger Beschießung eine Linie feind- Inder Posten nördlich von Bruumont an der A n c r c. Wir erreichten auf einer Front von 200 Uards. was wir beabsichtigt hatten, und hatten dabei nur wenige Verluste. Nachmittags brach ein feindlicher Gegenangriff in unserem Artillericscuer mit sckmeren Verlusten zu- sammen. Der Ausbau der neuen Stellungen schreitet fort. In der Nachbarschaft von Te n s wurden von unS gestern und heute wichtige otreiszüge mit vollständigem Erfolg ausgeführt. Gestern drangen wir unter dem Schutz einer heftigen Beschießung am späten Nach- mittag tn die deutschen Stellungen südlich von C a l o n n e, westlich von LenS, ein. Unser« Truppen erreichten die feindlichen Vcrbin- dungslinien. bewarfen die feindlichen Unterstände mit Bomben, zer- störten sie und fügten der feindlichen Besatzung zahlreiche Verluste au;_ unsere eigenen Verluste waren gering. In Verbindung mit dleier Unternehmung brachten wir mit Erfolg eine Mine-iur Ex- plonon. Heute früh wurde bei Tageslicht von kanadischen Truppen nordöstlich von Calonne ein anderer sehr erfolgreicher Ueberkall durchgeführt. Die Angreifenden drangen über eine Front von 700 Vards in die feindlichen Laufgräben ein und brachen 300 Iards bis zur zweiten Linie durch. Italienischer Berccht vom 18. Januar. In Albanien bat eine unserer Kavallerieabteilungen am 16. Januar die Ort- schaften Talest und Arra, nordöstlich von Grueni, nabe der Straße KjaSkoviki— Koritza, besetzt. C a d o r n a. Kämpfe iu Tripolis. Rom, 13. Januar. Das Kolonialmintsterium teilt mit: Su- Iciman el Baruni, der bekannte Agitator aus dem Dschebel, der aus Tripolitanien hatte fliehen müssen,� war zurückgekehrt und hatte sich als Abgesandter des türkischen Sultans erklärt, der den Ausstand gegen Italien organisieren und leiten solle. Im w e st- l i ch e n r i p o l i t a n i e n hatte er sich mit den Parteien des Mahdi Sunni und des Kalifats Ben Ascar zusammengeschlossen, welche gegen die treue Bevölkerung und die Italiener in Zuara und Nuail drei starke Kolonnen von zusammen über 6000 Mann zusammengezogen hatten. Als diese M eh alias der Ausstän- dischen einheitlich vorgingen, um Zuara anzugreisen, befahl Ge- neral Ameglio, um die treue Bevölkerung zu schützen und die ver- bündeten Feinde niederzuwerfen, am 13. Januar dem General Latini, die Streikräste Barunis anzugreifen. Am 16. Januar traten unsere Truppen um 2 Uhr morgens mit der feindlichen Hauptmacht in Berührung: der Kampf begann um 014 Uhr und dauerte sehr lebhaft bis 2% Ilhr nachmittags gegen die auiständischen Mehallas, deren Stärke an dieser Stelle aus über 3000 Mann geschätzt wurde. Der Kamps war hart, aber eine Um- gehung des linken feindlichen Flügels entschied unseren Sieg. Die Aufftätidischen versuchten gleichwohl einen heftigen Gegenangriff aus unseren rechten Flügel, wurden aber neuerdings zurückgeschlagen und zur Flucht gezwungen. Der Feind verlor auf dem Gefechtsfelde 108 Mann tot und viele Gewehre: man glaubt, daß der Gesamt- Verlust der Ausständischen etwa 1000 Mann betrage. Unter den Toten soll sich OSman Ben Ascar, der Bruder des Kalifen der Ben� Ascar. befinden. Unsere Verluste sind nicht erheblich. Die Ver-' folgung der fliehenden Aufständischen dauert an. Tie Kämpfe in Ostafrika. London, 18. Januar.(W. T. 25.) Der Korrespondent Reuters bei den britischen Truppen in Oftasrika meldet, daß General Beves am 2. Januar von Kwahombdo vorückte, um über den R u s i d j i zu setzen. In siebeneinhalb Stunden legte er zehn Meilen in süd- licher Richtung zurück. Mittags kam ein Telegramm von General Smuts des Inhalts:„Der Feind aus Behobeho zurückgezogen. Ihr habt keine Zeit zu verlieren." Es wurde sofort eine fliegende Kolonne gebildet, die um drei Uhr nachmiriags�auSzog und den Weg aöfchnirt. Sie legte rn einer unwirtfamen«trecke 31 Meilen in 23 Stunden zurück. Am Morgen des 2. Januar erreichte sie den Fluß, der hier 200 Aards breit ist. Obwohl die Leute sehr er- mfibei waren, wurde alles vorbereitet, um das gegenüberliegende User unter Feuer zu nehmen, ialls Widerstand geleistet werden sollte. Das Uebersaneiten deS Flusses wurde mit Erfolg durch- geführt und es wurde ein Brückenkops angelegt. Am 1. Januar. nahm Ledes den Kampf mir dem Feinde aus. der zu spät gekommen - war, um den Flutzübergang zu verhindern. Es wurden vier Weiße gesangen genommen und eine Menge Lebensmittel erbeutet. Dos alles hat den Druck aus die Truppen des Generals Sheppard er- leichtert und diesem ermöglicht aus dem rechten Ufer Fuß zu fassen. Er zwang den Feind nach dem Süden zurückzugehen. Das Mißtrauen in Griechenlanü. Londoo, 19. Januar. Der Athener Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet aus Rom, daß die dort unter- gebrachte russische Kolonie gestern morgen ein Telegramm des In Wolhynien abflauende GefechtStätig- kett— Ruffenangrifle in Gegend Marafti scheitern— Englischer Vorstoß gegen Seres. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 19. Ja- nuar 1917.« Gehilfen seien für den 7-Uhr- Schluß. Hierdurch entstand allgemeine Unruhe. Nun legte Robert Schmidt.dar. daß nach Lage der Verhältnisse ein völliger Geschäfts- fchluß um 7 Uhr nicht zu erreichen sei. Wenn auch der Waren- verkauf ohne Zweifel um 7 Ubr eingestellt werden müste, so sei doch die Friieurarbeit nach 7 Uhr nicht verboten Tie Arbeitszeit könnte also bis 10 Uhr oder noch länger ausgedehnt werden Um sich gegen diese Möglichkeit zu sichern, tollten auch die Gehilsen in ihrem Inleresse dem 8-Uhr-Schluß zustimmen. Die allgemeine Durch- iührung desselben könne gegenwärtig erreicht werden. Das wäre ein sozialer Fortschritt, der voraussichtlich auch nach dem Kriege bestehen bleiben werde. So wünschenswert auch ein früherer Geichäftsschluss wäre, sprächen doch piatlische Erwägungen für die Forderung, die in der Resolution vertreten wird. Hierauf wurde die Abstimmung vorgenammen. Sie ergab zu- nächst eine zweifellose Mehrheit für und eine nicht sehr beträchtliche Minderheit gegen die Annahme. Aber wiederholte Rufe:„Gehilfen dagegen stimmen", vermehrten nach und nach die Minderheitsstimmen erheblich.—- Der Vorsitzende erklärte die Resolution als angenommen und schloß die Versammlung. Hierauf wurde von mehreren Seiten gegen da§ Abstimmungsergebnis protestiert. Unter großer Unruhe verließ etwa die Hälfte der Versammelten nebst den Einberusern und Leitern den Saal, während die andere Hälfte zuiückblieb. Nach lebhaftem Hin« und Herreden unter den Zurückgebliebenen, ergriffen einige Herren, die sich als Vertreter eines Gehilienvercins bezeichneten, die Leitung und forderten zu einer Kundgebung für den 7-Uhr-Schluß auf. Ein Rebner. der sich als Berbandsmitglied vorstellte, wandte sich gegen diese Aufforderung und ersuchte die Gehilfen, sich auf den Boden der angenommenen Resolution zu stellen, die das ptakü'ch Erreichbare fordere. Schließlich verkündeten die Vertreter des— nicht näher bezeichneten— GehilfenvereinS, daß sie eine besonders Gehilfenver'ammlung für den 7-Uhr-Schluß einberufen würden. Schlichtungsausschüffe für den Hilfsdienst. In der gestrigen Notiz im lokalen Teil des„Vorwärts" haben wir bereits davon Mitteilung gemacht, dass der KriegsauSschuss für die Metallindustrie und die Schlichtungskommission für Militär- schneiderarbciten als vorläufige Schlichtungsausschüsie mit der Er- ledigung schon jetzt schwebender Streitfälle beauftragt sind. In dieser Notiz war angegeben, daß in den an jedem Donnerstag statt- findenden Sitzungen des Kriegsausschusses nur solche Beschwerden zur Verhandlung gelangen, die bis spätestens Dienstag abend an- gemeldet sind. Wir werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Anmeldefrist sich auf Montag abend verkürzt. Also nur Be- schwerden, die bis spätestens Montag abend an- gemeldet sind, kommen in der Sitzung am Don- nerstag zur Verhandlung. Ruslanü. Schiffcrstreik in Holland. Amsterdam, 19. Januar. R. ?. Kraus, Ktnuudsainitr. 51. A. E. Lance. Brunnenstr. IM 4 Buttor, Hop. ICflSB"V I Wilhelm Göbel~ » eigene Flllsle». 1 Schröter MH" Ptfliautetlflltn 49 Utüy&Wolfram August Holte 4 Blerbreoerel., BlerhdssdiäTd BraiiereiBützoi empfiehlt MMiieni •rsten Range».| IC. Habels Brauercij I kell— Hmholhrlm— danket. MQnchensr Brauhaus Berlin und Oranienburg Trinkt Uiannlnger Bier! Weiubier, C. Breithaapt, PaÜMdfMtr.n O® WerJe t crSer-DrcKtrle, SntsItltDVFrft l, E—»■tofcplfcow d Tlmner-Essig »»00,11 orhlltUclil 4"Fleisch- ii. Wurotw. d W. feecK Inh.: Nerifi. Garbsch Charlotten bürg, Berlinerst. 68-C9 Fleisch- and Wunkwarenfabrik ]|f ■I|le ~k hti Will y ü erlcks.l'eterahurgerttrJl Otto Knngel, Alts Jaeobstr.»C 4Herrow-M.Rnobei»aord> £ Primen- Allee. Leske ASlapeckl. Sshiik-illMT j. Bser Bad"r � 4 Ejteu.SutaU, Waffm.Werlx. V Carl Juan. Btromstr sj. Ribnass.K, Müllerat. tOh.E.Sesst ■lohllfiidliinBon» iethke, Georg, ,(«skalls. Bbsttr. II, Esiiar-Prietr. Iltr.t»w, 6rät»-8tr«t« 51 Gaege,OttoChV.l£" F.W.Sidüff�sTu1�. 4 Mähwiaschinen"V Bellraann, Nähmaschinen Hdss w»II«,«tsdttsnsa. 4 Hüte, Mütsen, pelswarea d Vasntosse E" Kottbussr-. W B&Itf l-y EL. Damm l«/19 4 Ksra-.Weit..Wehw.,T'-ikotst.. Hermen» Meye>.yklt«lV«ii»i mTl. 4 Fhotonp. Annarate» Illhrarill SO. Kottbuserstr. s. .MlMHUll auch Gelegenheitskf. 1 Xvlso Seliag I 60 Pilltlen ii» eilen Stadteflea. Herrn. Weyer& Co, S«; c!.55flYerbnfsst?ll.Gr;-Berl. MWerz � Semper uem V Meierei C Bolle Berlin um*",?;;"; Altestar und«rösster Milch wirtschaftlicher Orossbetrleb gHrUUrär.'Mechanlker h Sensbert, Csrl. Wkiln.Bergatr.ltfl j Scl.polbmsrnn ► O. Proehnew,St«lli Hsrnicanr. 51 4 Ultron u. HoldwaraiTV Lehmann, Alb., Frankf. zu»««» 4 Verslcherunnen h j„Deutschland** Berlin ArbellerTersichersnc— Schütrau' Merbskmasenrerslelicne. strall«». 4 Snamlau» i Sch«acrUli,BnltHU5,FlMk.-lWnt*. Ar. 19. 34. Jahrgang. 2. Stilsgt Ks Jomärts" ßnlinct PIKsM Zannabend, 20. Jaunar 1017. 5?. Am Trott. Mgeorönetenhaus. Sitzung. Freitag, den l 9. Januar!917, vormittags ll Uhr. Mimstertische: Breitenbach. Loebcll. Schorlemcr. Lentze. Erste Lesung des Etats. Zweiter Tag. Abg. Korsanty(Pole): Obwolst die Polen im Kriege ihre volle Schul�igteit getan Huben, hat man sie teils wenig beachtest teils als halbe Barbaren- nation lwhandclt. Das Königreich Polen ist vom Kriege verheert. Die Polen wohnen in Staaten, die gegeneinander Krieg führen. der Bater muhte gegen den Sohn, der Bruder gegen den Bruder, der Freund gegen den Freund kämpfen, lieber die Haltung der preußischen Polen sind keine Klagen laut geworden. Die Regierung hat deshalb eine Acnberung der Pslenpolitik versprochen, aber in den 2% Jahren ist nichts in dieser Llichtung geschehen. Meine Fraktion erklärt ihr Mißtrauen gegen die jetzige Politik der Negiernng.(Zustimmung bei den Polen.) Abg. v. Kardorss will und polnischen RcligionSunterricht und Nichtanwenduna des Enteignungsgesetzes zugestehen, wir alwr verlangen v o l l e G l e i ch b e r e ch t i g U n g. Seit Jahren flieht polnisches Blut für deutsche Kriegs, ziele, aber die Polen bleioen Bürger zweiter Klasse. Polnische Frauen, die für den deutschen Sieg beteten und fromme Lieder sangen, wurden auöeiiiandtrgetrirbcn, weil sie eine u» a» g c m e lde ie Versammlung veranstaltet MUeir lPfuirufe bei den Polen.) Alle polenfeindlichen Positionen stich mich im neuen Etat enthalten. Bei der letzten Poleichebätte sprach der Minister von„polniscksprrcheichen Pretiße»". Sie sprechen niemals von deutschspecchenden ltngarn oder Russe», sonder» immer nur von den Deutschen in Ungar» und Ruhla Ich. Warum sprechen Sie nicht auch von den Polen in Preuhen?(Sehr gutl bei den Polen.) Wie können wir Pertrauen zur pkeuhischcn Regierung haben, die uns niemals wie ihre Kinder hebandelte? Wir Huben tiefstes Mihtranen und legen schärfsten Protest ein gegen die fortdauernde Unterdrückung unserer Nationalität.(Beifall bei den Polen.) Mimstsr öes Innern v. Loebcll: Aem, der Borrednsr feinen SlammeSgenofsen nützen wollte. so hat er seinen Zweck Nicht erreicht. Ich oabr im November im Auftrage der Regierung erklärt, dah uujm Entschlüsse von Weht- wollen gegen unsere p olni sch sp reche n de Bevö l- keruug getragen sein werden. �Davon nehme ich nichts zu- r ü ck, betone ober, dah)c dotUtteilstoser die preußischen Unter- tonen polnischer Zunge sich auf den Boden des preußischen Staates stellen, es den Mehrhcttöparteicn uitd der Regierung erlcichtctt werden muß, die Wege einzuschlagen, die zu einer Verständigung führen. Meine damalige Erklärung war. durchaus im vrrsShncnbr» Sinne gehalten. Aber die Antwort der Polen war nicht nur kühl und ablehnend, sondern enthielt kein einziges Wort deS Dankes für die großlwrstgciTat der beiden Kaiser. Dazu kämmt nun die heutige Rede deS Vorredners. Eilt sprach sie auch, nur den bsschetdenste» Airsprüchen an den Burgfrieden? Herr Körsanw HSt Anklagen erhoben, wie wir sie hier während der schärf st eN politischen Kämpfe haben hören müsse». Auch er bat kein Wori des Dankes und der Anerkennung für das übrig gehabt, was im letzten Jahre geschehen ist.(Unruhe bei den Polen.) Angesichts der von ihm vorgebrachicn.Klagen ist es doch wuirderbar, daß solche Beschwerden an die Zentralt n st a n z N-i ch t gelangt sind. k.Hört! hört!) Wenn die Polen so voll Mißtrauen gegen die Regie- rung erfüllt sind, dann können sie eS der Regierung auch nicht vek- denken, wenn sie ibrerseitS mit der Darvietuiig des vollen Vertrauens sehr vorsichtig ist.(Sehr richtig! rechts.) Daß der Burg- friede bestellt, dafür Hut die gestrige Sitzung erst wieder den Beweis erbracht. Die tsicschlossenheit des deutschen Volkes kann durch solche bedauerliche Einzeierschriniingeu nicht gestört werden.(Bravo!) Die kleine Zahl von lsiesinnungsfreundcn. die hinter Herrn Kor- santy steht, wird Nicht imstande sein, den unbeugsame» Siegeöwitle n i m h e u t s ch c n V o l k e zu läbmen.(Lebhafter Beifall.) Auch die Landsleute des Vorredners kämpfen für Deutsch- lond. Einen Unterschietz zu machen zwischen pol- ntschen und deutschen Interessen im In lande ist unmöglich und ungehörig.(Bravo!— Zurufe bei den Polen und Soztaldcmvkratcn: Der Etat macht solche Unterschiede!) Ich bedauere, daß eine so schärfe Zurückweisung notwendig war. Aber die Rede des Abg. Korsanty durfte nicht ins Land gehen, ohne daß die Regierung zeigte, daß sie die Konsequenzen anS einer solchen Rede ziehen will und Muß, saß sie auf dem Posten ist und die Maßnahmen etzreifen wird, die nach solchen Kussührunften sich alS notwendig rrgebrn.(Lebhafter Beifall bei dir Mehrheit.) Abg. Hirsch(Sog.): Zunächst einige Ausführungen über unsere auswärtige Lage. Wenn sich die Hoffsiungen aus einen baldigen Frieden im gegen- wärtigen. Augenblick nicht erfüllt haben, so fällt vir Verantwortung dafür auf die Regierungen der feindlichen Länder, die das deutsche Friedensangebot nicht nur abgelehnt, sondern anch KriegSjirlr kundgctan haben, di» von jedem Deutschen mit Entrüstung zurückgewiesen werden WLssrn.(Bravo!) Während die deutsche Regierung sich bei therm Friedensangebot vre Unterstützung der Übergroßen Mehrheit des deckischen Volkes erfreut, kann ich nicht glauben, daß die Regierungen der Entente bei ihren EroberungSplänen die Massen des- Volkes und besonders der Arbeiterklasse hinter sich haben. Ich bin vielmehr überzeug!, daß anch dort die übergroße Mehrheit des Volkes sehnsüchtig die Stunde erwartet, wo dem blutigen Ringen ein Ende gemacht wird. Hier wie dort werden die Opfer immer größer, häufen sich die Leiden jedes einzelnen.! Sind die. die dre FriedenShi. nd zurückgewiesen haben, die noch! weiter durch ein Meer von Blut und Leichen waten wollen, sich j der ungeheuren VcrantwortuNr bewußt, die si« Hör der Geschichte\ zu tragen haben? Aach dera eigenen Eingeständnis der j Ententcregisrunge« ist cg zwetfellos, daß sie nunmehr den' Krieg roberuugSzwecke« sortsetzen vollen.(Sehr richtig!) Deshalb un es für uns, gleichviel, welcher Partei vir angehören, kein auderu und kein Schwanken mebr geben lBravot) ir haben offen gegen di, AbstÄten der Euttnter-eieeuitge» Stellung zu nehme.!, indem wir ich spreche von meinen speziellen Freunden— daS tun, was lediglich den»inindsZtzen entspricht, dir bereits im Jahre 1871V71 im zweiten Stadium des damaligen Kriege? nnserr großen Vorkämpfer Liebknecht und Bebel sZuruf des Abg. Ströbel(Soz.): Das ist eine Entstellung!) und nach ihnen die gesamte Sozialdemokratie hochgehalten haben. � Ich will nicht die Schuldfrage»nterslichen, auch Nickt' da« belluichc Problem erörtern. Für die Gegenwart gilt es, nach meiner MsstM. Nststtz Geschichte, sondern Polt t ick zu treiben,, ünb diese Politik kann nur darin bestehen, bah wir alle« daran t «JS �"Tonn setzen, die Erokerungs gelüste der feindlichen Re- gierungen zu schänden zu machen, gleichzeitig aber nichts unversucht lassen, das geeignet ist, uns dem Frieden näherzubringen. (Sehr richtigst Einen Frieden um jeden Preis weisen wir zurück. Nach wie vor stellen wir unS auf den Standpunkt, daß für Deutsch- land nur ein Frieden in Frag» kommen kann, der ihm die tcrri- t o r i o l e Unversehrtheit, die wirtschaftliche En!- w i ck e l u n g s s r e i ft s i t und die politische selbständig- i e i t gewährleistet. Daher bekämpfen wir alle Bestrebungen, die diesem Ziele entgegenstehen und ihre Spitze offen und versteckt gegen die zum Frieden Vereite�sseiMcki"Rtzchcrung richten, gleich- viel von welcher Seite si« ausgehen, um sS mehr, weil wir über- zeugt sind, daß sie nur zur Bcrlängeeung des Krieges beitragen und im Falle ihrer Verwirklichung den Keim zu neuen kriege- riftheu Veckvickelungeu in sich tragen. Ob die Sachs des «neingeschränkien U-BooikricgeS geeignet ist, den Frieden herbeizuführen, darüber will ich mir kein Urteil erlauben, und ick glaube ckuck, daß kaum ein einziger hier im Hause imstande wäre, ein abschließendes Urteck darüber zu fällest. Wir hatten im vorigen Jahre erklärt, daß wir in dem Ar- schluffe, de» die Staatsbaushaltskontmtssion in der U-Bvoisragc gefaßt und veröffentlickt hat, eine U c b c r s ck r c i t u n g ihrer Kompetenz e n erblicken haben gegen diesen Beschluß echt* schiebenste B e r w a h e u» g eingelegt und haben betont, daß tvtr es für unsere Pflicht halten, die verantwortlichen Stellen nachdrücklichst vor Unbesimnenhettul zu warnen. Auf diesem Standpunkte stehen wir auch noch heute.?tui> ist interessant, oah gerade bei den Konservativen immer mehr Bestrebungen Boden gewinnen, diesem Parlament I» der Frage der Kriegführung, ins- besondere des Unterseebootkrieges, einen Einfluß einzuräumen. Wir haben gewiß nicktß dagegen, wenn Sie die Reckte des Paria- ments erweitern wollen. Im übrigen wäre jedenfalls d e r R e i ch tag und nicht das preußische Abgeordneten Hans dann dir znstäitdige Instanz. Wenn Sie aber etwa die Boll- machten des Deutschen Reichstags dahin ausdehnen wollten, daß er vielleicht durch einen Ausschuß auf die Art der Keicaführung Einfluß nehmen könnte, dann wäre die Vorbedingung, daß dem Reichstagsansichuß Gelegenheit gegeben wird, sich gründlich in die einschlägigen Verhältnisse einzsiarbeiten. AlS unheilvoll aber für das deutsche Vateriand würden wir ein Parlament ansehen, das etwa auf oiauett Dunst hin, 1 c d ig I t ch durch f Sine S t t m° m u n g getrieben, und Mit Rücksicht ans außerhalb der Sache gelegene Interessen sich in Fragen einmischt und die Regierung zu Schritten lenkt, deren Konsequenzen nicht abzusehen sind. Im übrigen sollte man sich hier den Kops des Reichstags nicht allzu sehr zerbrechen. Auch ob der Reichstag eine Debatte it Her da s Friede Nsangebot Mtebt hat oder nicht, ist allein seine Sache. Genau so knie wir uns jede Einmischung in unsere Geschäfte verbitten würden, bat aucb der Reichstag ein Recht, sich zu verbitten, d(tß in dieser Weise Kritik an seinin Ureigensten Angelegenheiten von dein Parlmncnt irgend eines deutschen Bundesstaaics geübt wird. Bedotz ich nun auf den Etat«iitgehe, möckite ich den Mfüblen des DankeS an Unsere tapferen Soldaten Ausdruck verleihen, die es verstanden haben, den Feind von den Grenzen fernzuhalten und die Nun schon den Strapaze» eines dritten WintcrfeldzUges entgegensehen.(Brckvo!) Ich dehne den Dank auch aus auf alle D a h e i m g e b l! e b c n c st, die sich selbstlos in den Dienst der Gesamtheit gestellt uüd in dieser schweren Zeit .ihre ganze Tatkraft dem VntetläNdc gewidmet habeis.(Bravo!) Ick danke auch den Franc n und Witwen de r Kriegs- teilnehmen, die sick durch ällc seelischen Und materiellen Sorgen nicht niederdrücken lassen, und Nicht zuletzt den Frauen, die die von den Männern verlasse n e n Plätze eingenom- M e n und zur Aufrechterbaltung Unseres Wirtschaftslebens beigetragen haben. Aber je größer der Dank ist, den wir allen diesen Personen schulden, um so heftiger ist das Gefühl des Ab scheu« gegenüber denen, die sich sticht gescheut haben, die Rot der Zell auszunutzen und sich auf Kosten anderer zu bereichern,(Sehr gut!) Kein Wort des Tadels gegen diese LrbenSinittrlverteurer ist scharf genug, ob sie nun Erzeuger ober Händler seien. Bedancrlich ist nur, daß die Gesetzgebung keine Handhabe bietet, mit der erforderlichen Energie gegen sie einzuschreiten. Wie weit muß es yetammen sein, wenn gestern sogar der Führer drr Konservativen es für nötig befunden Hot, ein offenes Wsrt an feine Freunde auf dem Lande zu richten. ES liegt mir fern, die Schuld etwa auf eiste Klasse der Bevölkerung abzuwälzen. Sünder finden sich in alle» Reihen. Jedenfalls nmr es aber recht charok- tcristisch. daß ein solcher Appell an gewisse Kreise der Bevölkerung gestern von konservativer Seite aiis gerichtet werden müßte. Da- gegen war die Warnung deS Herrn v. Heydebrand vor Briefen g n die F e I d z u g s t e i l n e h M e r überflüssig. Wie rS bei unS im Lande steht,.daS weiß man draußen im Felde sehr genau.(Sehr richtig!) In diesem Augenblick noch viel Worte über die Lebens- mittelnot zu verlieren, ist wohl nicht nötig. Jeder fühlt die Not am eigenen Leibe, und jeder weiß, daß die notwendigsten Lebensmittel und die sonstigen Gebraucksgegenstände nickt n u r knapp, sondern für den größten Teil des deutschen Volkes un- erschwinglich teuer sind.* Mußte cS dahin kommen? Ich dedaure lebhaft, daß die Regierung den Vorschlägen, die seitens des Vorstandes der soginldemokrattschen Partei und der Generalkommission gleich zu Beginn de« Krieges für die Rcchrungsmittelbersotgung ausgearbeitet wur- den, nicht gefolgt ist. Manches von dem, was wir damals ge- fordert haben, ist j« inzwischen erfüllt worden, aber leider ifnmer dann, wenn e# zu spai war. Hätte man gleich gu Beginn de« Krieges mit der wirtschaftlichen Anarchie ausgeräumt, hätte mach, soweit dieS in einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung möglich ist, vir wirtschaftlichen Kräfte planmäßig organisier», dann stände es heute besset um uns.(Sehr tichtig! bei den Sozialdemokraten.) Allen Verordnuitge», die man erlassen hat, von denen eine die andere tinmer wieder aufhob, ist nur eins gemeinsam, die übe»- große Rücksichtnahme auf die Interessen der Erzeuger.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Selbst heute noch fehlt es an einer völlig durchgeführten Rationierung der Rah- ruNgSmittel, an denen Knappfseit herrscht. Wer nur das nötige Geld ha», braucht auch heute noch Nicht gu darben» er kann sich z. B., trotzdem Feit, rationiert ist. fette Gänse anschaffen und so viel Gänseschckälz gewinnen, daß er seine Jett* karte gar Nicht braucht. BB dem herrschenden Mangel»N Nah- rutzghfttitleln mutz dafür gesörgt werden, daß der Sine nicht mehr hat al» der a 51 d« t e. iGek» richtig! bei den Sozial. demokratett.) Dann wird man Mit den vorhandenen Rahrung«* Mitteln besser auskommen und wird auch MNe Quells der Unzu* friedenbetl verstopfen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Bon den Hinweisen dakauf, daß es im Ausland noch schtech» ter aussehen soll als bei uns, wird hier niemand satt. Was hat die Entrüstung über die AnShungerungspläne Englands für einen Zweck? So scharf wir diesen grausamen Krieg geoen Frauen, Greise und Kinder verurteilen, s« dürfen wir darüber die Pflicht der» energischen Bekämpfung deS Lebensmitteln»« chrr? im Jnlande und der Matznahmcii zur ausreichenden Ernährung der Bevölkerung nicht außer acht lassen.(Sehr wahrl bei de» Sozialdemokraten.) Was den Etckt selbst anlangt, so ergibt sich dar Einkinfe» empftblfn._ Drosen, Farben tDdeng8riagu'»ri�.j £* Fleisch- u. Wurstw. � ■PnlnAkmnnnn Prinfn WiobiTt-» JllßtscliaiiflsßeDtP.JS*s«.ä i.-_. • UH laßQ „Herr.-, Dam.-, Knab.- u. MHoohen-Garder, ■ Veteranenstr. 1 i fertig u.ji. Maß Kolonialwaren Strelitzar Str. 67 .Rtiäiliäidärfrirsij] I Mt-hlhandlanaJ] Mehlhaedlungen G Lp, Pankstr. 8Z. jj* Rüöbeimagazlna , Tischlermeister EZB Kranz- schnell und billig. SS 56 Laders ReulersWerke ' 3 Lände S M-rt- Buchhandlung Vorwärts Bezugsmieiien-verzeictmis Etapl'n-Osten Enebwiat wochenilicb einotl. 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Nun ging ey im Lazarettzug der Heimat wieder entgegen? Die Erinnerung an die ichwereu Tage der letzten Zeit lag dunkel hinler mir. Wie aus verdämmernder Ferne, aus immer dichtcrem Nebel klangen mir nur noch einige Worte in den Ohren, die der Leutnant zuletzt zu mir sprach:»Bald wieder kommen, der Waffenmeister wird nötig gebraucht." Der Leutnant ahnte' nicht, datz ich vom Feldlazarett einem beut- schen Lazarett überwiesen werden würde. „Bald wiederkommen'" Im Rattern des Zuges wandelte eS sich zum„bald heim- kommen". Und da? Heim kommen lag in leuchtender Nähe vor mir. Und— ich kam heim! Und kam dann nach der Lazarettentlasiung und dem üblichen Heiinatsurlaub wieder zum Reseivetruppenteil. Dort war schon für mich Ersatz ins Feld geschickt worden. Nun stand ich in der Waffenmeisterei am Schraubstock und harrte der weiteren Verwendung. Felddienstfähig!— Der Winter stand vor der Tür. Aber noch hatte ich elf Vordermänner; alle erkrankt oder der- wundet gewesen. In der Reihenfolge der Rückkehr zum Truppenteil erfolgte auch wieder das Hmausichicken ins Feld. Heute morgen hatte der Feldwebel mich rufen lasten:„Waren Sie nicht beim Maschinengewehrtrupp Nr. 2" „Zu Befehl, Herr Feldwebel!" Der fordert wieder einen Waffenmeister.„M. ist am...... gefallen. Da sind Sie ja der Geeignetste; Sie kennen ja die Ver- hältnisse dort. Da werden wir wohl von der Reihenfolge abweichen müsten."--- S o schnell wieder hinaus zu müsten hätte ich nicht gedacht. Aber was war zu machen— man mußte. Gern tat ich's nicht. Warum sollt ich's leugnen? Zweimal war ich' schon draußen im Felde gewesen, na— eine jede Kugel die trifft ja nicht. Also zum drittenmal!— Mittags, nach der ParoleauZgabe, werde ich wieder zum Feld- webet gerufen. Na, nun geht'S also wieder loS!--- Ich weiß nicht, wie ich vom Feldwebel zurückgekommen bin. Nur das weiß ich, daß mir im Hinstürmen in unsere Stube einer, den ich anrannte, nachrief:„Mensch, bist wohl verrückt geworden!" Und in der Stube wollten meine Kameraden es nicht glauben, was ich ihnen erzählte: Befehl vom Generalkommando: Sofort zur Arbeits- leistung bei der Firma G. in B. entlassen. Vielleicht war eS auch kein Befehl vom Generalkommando. Das hatte ja wohl im Truppenteil nichlS zu befehlen. Aber mir war es einerlei. Die Nachricht war zu überraschend gekommen. Eben noch hatte eS geschienen, als ob ich wieder ins Feld müßte, und nun war ich entlasten! DaS strikte Gegenteil von dem. was ich erwartet— nein, nicht das Gegenteil, etwas, an das ich überhaupt nicht ge- dacht hatte: ganz entlasten vom Militär. Zwar auch nicht ganz entlasten— nur aus drei Monate vom Truppendienst zur Arbeitsleistung kommandiert. Aber daS war ja ganz einerlei. Was Vater und Mutter wohl sagen würden?— Und Wally erst? Ob die zu Hause meine Werkzeuge auch gut ausbewahrl hatten? Meine Schubleere, all das andere, das der Dreher an der Dreh- dank gebraucht? Oder ob der„Lütte" sich das zu verschaffen gewußt halte. Der war ja inzwischen in die Lehre gekommen. Was ich wohl für eine Bank bekam? Natürlich eine Leitspindelbank I Aber auch wenn eS eine Revolverbank wäre einerlei: Drei Monate wieder Arbeit. Drei Monate! Hurra, wieder arbeiten! Drei Tage dauerte eS noch, bis ich reisen konnte. Wie langsam lief die Zeit!— Herrgott, immer waren die Papiere noch nicht da I Aber dann war ich zu Hause. Wißt Ihr, was das bedeutet? Wißt Ihr, die Ihr.„zu Hause" geblieben seid, was eS heißt,„zu Haufe fein?" im richtigen Bett liegen können? Herrgott, war das fein! Zwar wurde es nichts mit dem Bett in der ersten Nacht.„Das können wir heut abend nicht mehr aufstellen, aber Du kannst in unserem Bett schlafen."—„Nein, nein, in meinem!"—„Ludwig, in meinem, was?" schmeichelt der Lütte. „Ach waS I Ich schlafe auf dem Sofa." Und dort schlief ich auch. So gut— so gut! Am anderen Morgen die Anmeldung auf dem Bczirkskommando, die LebenSmiitelkarlen geholt, zum Verbandsbureau, und nachmittags dann den alten Weg zur Fabrrk. Den Weg. den ich so oft gegangen, denselben, den ich vor vier Wochen ging, als ich während des Heimäls« Urlaubs nach dem Lazarettaufenthalt eine» TagS die Kollegen in der Werkstätte besuchen ging. War's denn wirklich der alte Weg? Sonnenschein im Herzen ging ich durch den Regen. In der Fabrik erfuhr ich denn auch, weshalb ich vom Heeres- dienst entlasten worden war. Der Meister hatte ja meine Adresse notiert, ich hatte gedacht, um mir von der Fabrik, wie schon in der ersten Zeit nach der Einberufung, mal wieder ein Paket zu schicken! Reklamiert war ich worden! Ja. am liebsten sollte ich gleich in der abends 11 Uhr be- ginnenden Schicht mit der Arbeit beginneir. Ich sagte zu. „Aber Sie müssen bestimmt kommen", meinte der Meister. Und ich war da. Viele fremde Gesichter, aber doch auch noch viele bekannte. Ich kam mir ordentlich bedrückt vor, so viele herzliche Worte, solche Be- reilwilligkeit, überall. Der Vertrauensmann war gleich an mich herangetreten:„Na. Ludwig, nun müssen wir auch mal ernstlich reden: Zwei Punkte! Also wir helfen Dir uff de Beene, et is ja nich uille, aber jeder, der außen Felde kommt, kricht 10 Em. Wenn de denn mehr brauchst, krichst de mehr." „Nä. nä," sage ich,„laß man! Ich bin ja nich verheirat't. Deik laß man für die Frau'ns zu Weihnachten, die könn's doch noch bester gebrauchen." Er weiß nicht recht, ob ich Ernst mache oder Spaß. Und im Portemonnaie kramend, sieht er mich von unten auf schief an:„Na. det kricht'n jeder. Fast mußte ich seine Gabe mit Gewalt abwehren. „Na, wennste nich willst, dann könn's wir ja für die Frau'ns nehmen.— Aber nun, Junge, mußte morg'n gleich zum Ver- band gehn und Dir Dein Verbandsbuch holen, dat den in Or- nung is." Auch da muß ich ihin in die Rede fghren:„Allen? in Ornung, allens in Ornung! Detl habe ich mir schonst geholt. Is schon in Ornang!" Wieder ein Blick von unten. Na, is dett auch wahr? lag in diesem Blicke. „Aber gewiß doch, hier ist es." „Na, Ludwig, alter Junge, ick sehe, Du bist ja immer noch der olle." Und damit klopfte er mir wohlwollend auf die Schulter.— Ich bin nicht müde geworden in der Nacht. lind die Arbeit wurde nicht schwer. � Nicht nur draußen im Schützengraben herrscht Kollegialität und Zusammenhalten, auch im Innern. Nur scheint mir diese Kollegialität hier im Innern tiefer geworden zu sein, als sie früher war. Nicht nur in der ersten Nacht glaubte ich eS, auch heute noch— und arbeite doch schon eine ganze Woche— eine ganze Woche. Und am andern Morgen kommt mein Ablöscr. Wie er zur Drehbank tritt, stutzt er und sieht mich starr an. «Ja, ja, kuck ihn Dir man an. er is eS," sage ich. „Junge, biste wieder hier? Det is ja sein, det wir wieder zu- samm'n sind."_(z) Kleines Zeuilleton. Die vorfahren üer Kartoffel. Unter denjenigen Lebensmitteln, deren Knappheii infolge des Krieges mancherlei Störungen verursacht, steht die Kartoffel mit an erster Stelle, und heute, wo es geboten erscheint, auch den Kar- toffelverbrauch zu regeln und einzuschränken, kommt es uns erst recht zum Bewußtsein, wie sehr sie im vollen Sinne des Wortes nicht nur e i n VolkSnahrungSmittel, sondern gerade das Volk»- Nahrungsmittel ist. Ein Europa ohne Kartoffeln können wir uns schlechterdings nicht vorstellen, und es wird uns schwer, wenn wir uns ein Bild der Volksernährung in früherer Zeit machen wollen. Die Kartoffel, die im Küstengebiet von Peru bis zu den Chonosiiffeln heimisch ist und zuerst von den Jnkas kultiviert wurde, ist ja eigentlich noch gar nicht lange in Europa eingeführt, und wenn sie auch schon 156ö zum erstenmal von einem Sklaven- Händler Hawkins nach Irland gebracht wurde, wenn Waller Ra- lcigh und Franz Drakc sich um ihre Verbreitung bemühten, so waren doch die„Tartufols", wie man sie in Italien wegen ihrer Trüffclähnlichkcit getauft hatte— in Teutschland nannte man sie bis weit ins 17. Jahrhundert hinein„Tartüffeln"—, noch Anfang des 17. Jahrhuiiderts Raritäten. Wenn auch der 30jährige Krieg noch viel zu ihrer Ausbreitung beitrug, wurde sie doch erst im 18. Jahrhundert in Deutschland angepflanzt, der 7jährige Krieg mit dem Notjahr 1770 half ihr ein gutes Stück weiter, und erst von da ab begann der Anbau im großeil, der eigentlich dann nicht vor Beginn des 19. Jahrhunderts sich so entwickelte, wie er noch heute ist. Vorher mußten aber die Menschen auch leben, und da lönneu wir wohl als den ursprünglichen Vorfahr der Kartoffel die Hirse betrachten. In früheren Zeiten spielte in Europa die Hirse die gleiche Rolle, die heute»och in Asien der Reis spielt oder eben bei uns die Kartoffel. Ursprünglich mehr im Süden heimisch, in Spanien, Italien, Südfrankreich, breitete sich die Hirse in früherer Zeit unter den Slawen und Ungarn und teillvcise auch den Ger- manen aus. Besonders am Balkan und in Rußland war Hirse das Hauptgericht. Der Hirse am nächsten kam die Bohne, und zwar teilweise die Arten, die man heute nicht mehr genießt. Sic bilde!« ein sehr wichtiges Nahrungsmittel auch der germanischen Völker, bei denen dazu dann noch als ursprüngliche Getreidenrtcn Gerste und vor allem Hafer, später Roggen und wohl zuletzt Weizen kamen. Die Germanen ließen sogar ihre Götter— bei den nor dischen, dem Meer nahe ivobnendcn Stämmen— Heringe mit Hafer essen. Das ist ein Zeichen, daß ihnen diese Zusammen- stellung gewiß ebenso vertraut war wie unserem Volke der Gegen- wart Heringe und Kartoffeln—, so daß man wohl den Hafer bei uns als den ältesten Vorfahren der Kartoffel bezeichnen kann, bis er verdrängt wurde von den übrigen Getrcidcarten, die noch heute neben der Kartoffel die Hauptnahrung des Volkes bilden und die in früherer Zeit sie vollständig ersetzen mußten. Gewaltige Eannenflecke. Nach der in» allgemeine» recht schwachen Fleckeutängkeit der Sonne während der letzten Monate hat sich, wie Artur Stentzel in der„Astronomischen Zeitschrist" mitteilt, plötzlich eine außergewöhn- lich umfangreiche Gruppe dunkler Massen in der Photosphäre gc- bildet. Die fortgesetzt trübe, regnerische Witterung hatte längere Zeit hindurch keinerlei Soimenbeobachtung ermöglicht; erst am ä. Januar, an dem sich die Witterung aufklarte, trat dir aus- fallende Fleckengruppe in Erscheinung. Im Fernrohr_ zeigte die nördliche Fleckenzone eine ganze Reihe mächtiger Flecken, deren letzter, östlicher, soeben den mittleren Meridian der Sonne überschritten hatte. An: größten war der westlich vorangehende Fleck, der schon am 3. Januar die Mitte passiert hatte; er bestand au» einem schwarzen Doppclkern, um den sich ein etwa elliptischer, sehr breiter Hof lagerte, und«r besaß eine LängsaNsdchnung von 55 000 Kilometern bei einer Breiten- ausdehmmg von 28 000 Kilometern. Der Erddurchmesser beträgt vergleichsweise nur 12756 Kilometer. Südöstlich und östlich folgten weitere Flecke dieser Hauptmaste; zwei getrennic, ebenfalls sehr ansehnliche Masten bildcien den Schluß der ganzen Gruppe, deren Gesamtlänge von Westen nach Osten sich anf 390 000 Kilometer belief, mithin einen nennenswerten Teil de» Sonncnlimfauges bedeckie. Der Sonnendurchmesier beträgt rund 1 390 000 Kilometer. An Fläche übertrafen diese Flecke noch bedcu- tcnd die nach dem Sonnensleckenminimum von 1913 bisher bcob- achteten größten Mosten im Juni 1916. Da die Mitte der Gruppe am 4. Januar im Rkeridian gestanden hat, ergibt sich unter Zugrundelegung einer sechsundzwauzigtägigen Sonnenumdrehung für das Auftauchen am Oftrande der 28. bis 30. Dezember 19t 6 und für das Verschwinden am Westrande der 9. bis 11. Januar 1917. Es ist übrigens möglich, daß diese Gruppe,«venu aucki in veränderter Form und Größe, nach Vollendung der gegen- wäriigen Notation des Sonnenkörpers noch einmal wieder erscheinen wird. Ist sie also von längerer Beständigkeit, so werde» wir sie etwa vom 24. Januar bis zum 19. Februar erneut über die uns zugewandte Sonnenhälfte ziehen und um den 31. Januar im mitt leren Meridian der Sonne stehen sehen. Möglicherweise sind zu diesem Zeitpunkt auch größere erdmagnetische Störungen, wie Nordlichter oder magnetische Stürme zu erwarten. Nottze». — Tysaterchrsuik. DaS«enische Dp«rnh«uS wird noch in diesem Monat Neueinstudierungen der Opern„Ber- kaufte Braut" von Smetana und„Königin von Saba" �vo» Gold- Marek herausbringen. Anfang Februar wird die Uraufführung der neuen Oper„Jugend"(nach Mop Halbes Jugendwerk) von Ignatz Waghalter folgen. Ferner ist für den Monat Februar die Auf- führung der komischen Oper„Der Postillon von Lonjumeau" mit Bernhard Böte! in der Titelpartie in Aussicht genommen. Weiter folgen Richard Strauß'„Feuersnot" und„Die drei Schneider von Schönau" von Brandis-Buhs. — Der Films e g c n. Nach den Veröffentlichungen der Ber- liner Polizeibehörde wurden im vergangenen Jahre insgesamt 1306 neue Films mit 3003 Akten zensuriert. Vollständig genehmigt wurden von der Zensur 389 Films mit zusammen 400 Akten, darunter 293 Films mit 307 Akten belehrenden oder berichtenden Inhalts. Für Kinder wurden verboten 838 Films mit 2351 Akten. Vollständig verboten endlich wurden 27 Films mit 80 Akten. Von dieser Gesamtzahl der zensurierten Film» entfallen 929 mit 2120 Akten auf 143 deutsche Urfpruligssirmen-und 477 mit, 883 Akten aus 39 ausländische Firmen. Rechnet man den Akt zu durchschnittlich 330 Meter, so wäre der Jahrcsbedarf des deutschen Filmmarktes mit zirka 1 Million Meter anzunehmen. Davon wurden zirka 700 000 Meter in Deutschland„gedroht", da» ist eine Strecke, die ettva der Entfernung von Berlin nach Fraiitsurt entspricht. Natür- lich ist dies nur die Iah! der Negativmeter; die angefertigten Kopien repräsentieren etwa das Zwanzigfache dieser Summe. Wie viel Unkultur steckt noch in diesen endlos laugen Filmstreifbändern, und wieviel Kultur könnte durch sie verbreitet werden! 2j Es ist sehr möglich. Von Heinrich Zschokkc. Auch Ihrem Freunde vertrauten Sie sich nicht? Nein, auch ihm nicht; schon deswegen nicht, weil ich in meiner Dürftigkeit, in meiner Amtslosigkeit, in meiner Bürger- lichkeit gar nicht an die reiche, hochgcborne Generalstochtcr ernst- lich denken durfte. Hingegen erfuhr ich von Schneemüllern zu- erst, was ich nie geglaubt hätte, daß man allgemein sagte, ich sei Philippinens Günstling; sie liebe mich mit romanhafter Schwärmerei, es habe deswegen zwischen ihr und ihrer Mutter sogar kleine Auftritte gegeben. Was ich Schneemüllern nicht glaubte,'davon war ich ein halbes Jahr nachher überzellgt, als Zufälle Philippinen und mich enger zusammenführten und endlich unser beiderseitiges Geheimnis entsiegelten. Natürlich, wir schivoren uns ewige Liebe und lieber den Tod, als Un- treue zu ertragen. Von nun an war ich im Himmel.— Um diese Zeit strömten auch von außen alle Gunst- bezeugungen Fortunens über mich zusammen. Ich ward Hofkammerrat der verwitweten Herzogin, und genoß einen mäßigen, doch anständigen Gehalt. Tie Klust zwischen meiner und Philippincns Hand war nicht mehr un- ausfüllbar. Der General brauchte mich und ward trau- licher, und seine Frau hatte gegen Philippinens Schwärmereien keine so häufigen Einwendungen mehr zu machen. Bald nachher fiel mir aus Batavia eine bedeutende Erbschaft von einem dort verstorbenen Vetter zu. Die Gelder waren in Amsterdam, nach geschehener Legitimation, zu erheben. Ich ward selig, nicht des Geldes, sondern Philippinens wegen. Gerade damals warb ein hübscher junger Mann, ein Graf, ein Günstling unseres damaligen Landesherrn, um ihre Liebe. Sie spöttelte dazu. Sie küßte meine kleinen eifersüchtigen Besorgnisse hinweg. Sie selbst forderte mich nun auf, bei den Eltern um ihre Hand anzuhalten. Das war mir natürlich ein schweres Stück Arbeit. Doch machte ich Anstalt. Zugleich sollte ich, wegen des Erbes, nach Amsterdam. Das fiel mir sehr ungelegen, teils weil ich mich ohne Todeskrankheit nicht auf so lange Zeit von Philippinen trennen zu können glaubte; teils auch, weil mir der junge Graf gar zu reich, zu hübsch, zu zudringlich vorkam. Wir wurden endlich einig, und Freund Schnecmüller reist statt meiner, mit allen obrigkeitlichen Papieren, Zeugnissen und nötigen Vollmachten versehen, nach Amsterdam. Sie haben mir, sagte Fritz, doch noch nie von diesem Ihrem Freund gesprochen. Kann sein, erwiderte der Staatsrat: das erklärt sich von selbst. Es vergingen Wochen und Tage. Mein Freund und Mandatarins schrieb nie. Ich bestürmte ihn mit Briefen. Ich kam sogleich auf den Gedanken, er sei krank, sehr krank. Die Freundschaft überwand die Liebe; ich reiste nach Amsterdam. Philippine lvar bei meiner Abreise außer sich vor Schmerz. Sie sank, als ich von ihr ging, ihrer Mutter ohmnächtig in den Arm.— Auf der ganzen Reise fragte ich Schneemüllern nach. Ich fand seinen Namen in allen Postbüchern. Ich kam nach Amsterdam. Er war dagewesen. Er hatte das Testament und die Summen in Wechseln erhoben, einige Wechsel sogleich zu Geld gemacht, andere gegen Banknoten auSgetaujcht. andere gegen andere Wechsel. Ihn selbst fand ich nirgends. Das kam mir sonderbar vor. Endlich erfuhr ich mit Erstaunen, ein Mann von seiner Gestalt habe sich auf ein amerikanisches Schiff begeben, schon vor zwei Monaten, also bald nach Bezug der Erbschaft. Ich rief immer: es ist nicht möglich! Allein ich erhielt bestimmte Gewißheit. Da war's möglich. Mein Freund, mein bester Freund hatte mich betrogen. Abscheulich! rief Fritz. Ich reiste zurück mit'zerrissenem Herzen. Wohl hätte ich das Geld verschmerzt, aber die Treulosigkeit meines Herzens- freundes konnte ich nicht verschmerzen. Er raubte mir das Vertrauen und den Klauben an die Menschheit. Als ich in unserer Stadt angekommen war, wäre ich gern sogleich zum General van Tyten, zu Philippinen geflogen, die vorläufig das Unglück zwar schon aus einem Briefe von mir erfahren hatte. Doch es war zu spät abends. Mein Hauswirt begrüßte mich freundlich. Was gibt's denn Neues bei uns? fragte ich.— Nicht sonderlich diel. Daß das Fräulein van Tyten vor vier Wochen vermählt ist, wissen Sie! sagte er.— Nicht möglich! Nicht möglich! Vermählt? was? die Tochter des Generals van Tyten? mit wem? mit dem Grafen?— was? nicht möglich! rief ich.— Allerdings möglich! erwiderte er, und erzählte nur ganz ruhig alle Umstände haarklein, woraus erhellte, daß meine Phi- lippine sich gar nicht gesträubt habe, dem hübschen, reichen am Hofe sehr bedeutenden Grafen die Hand zu geben, sobald er darun: augehalten hatte. Und dies mochte kurz nach dem Empfang deS Briefes geschehen sein, welchen ich dem General aus Amsterdam von Schnecmüllcrs Schurkerei geschrieben hatte. Ich glaubte aber au das Geschwätz meines Hauswirts nicht und rief immer: es ist unmöglich! Ich glaubte die ganze Nacht nicht daran, wohl aber den folgenden Morgen; denn da vernahm ich von allen Seiten und vom General selbst die Bestätigung. Abscheulich, abscheulich! lief Fritz, und drückte die Hand fest an sein Herz, als wollte er es vor dem Zerspringen bc- wahren.> Der alte Staatsrat sagte: Nun ja, so rief ich auch. Nun von allen Seiten und so betrogen,— nun glaubte ich an nichts mehr fest auf Erden, an die Liebe keines Mädchen?, ay den Schwur keines Mannes, an die Dauer keines Schicksais. Was mir unmöglich geschienen, war geschehen. Nun hielt ich auch das Unglaublichste für möglich, nur nicht, daß der Mensch und sein Los beständig sei. Und wenn nian mir auch das Unwahrscheinlichste sagte, antwortete ich: Es ist sehr möglich!— In den vier Worten lag da» System meiner gesamten Lebensweisheit von da an. Ich nahiu mir vor. mir die Worte bei jedem Anlaß zu wiederholen. Ich fand darin Trost in der Tiefe meines Elends. Diese Worte bewährten mich vor Verzweiflung. Ich lernte, daß ich ans nichts mehr zählen sollte, als auf mich selbst. Kannst du, dachte ick manchmal, kannst du denn jemals aus Erden froh werden? — Es ist sehr möglich! war dann mein Refrain, und er be stätigte sich. Seitdem behielt ich ihn bei. Die größte Huld des Glückes berauschte niich nicht mehr; ich dachte an die Vergänglichkeit und das Unglück, und sagte: Es ist sehr möglich! Ich hatte seitdem keine größere Freude, als an dem Tage, lieber Fritz, da du geboren wurdest. Aber ich mäßigte mein Entzücken mit dem Gedanken: du könntest mir durch den Tod entrissen oder ein ungeratenes Kind werden. Da sagte ich: Es ist sehr möglich! und ward nüchtern und auf alles Böse gesaßt. Gott sei Dank, Väterchen, rief Fritz, es ist beide» nicht eingetroffen I Gocks. folgt.). BüektiöTi Mas Balnbardi: Denrsehc« Theater. "'ft TJhrj I>nntan«i Tort. Sonntag; Figaros Hochzeit. Naobm. J'/sl-'hr(hi. Pr): Hamlet. Kamincrspielc. T'f, Uhr; Arilin t. SonntBg: Gespenslersonate. -Nachm. 2'L Uhr(kl. Pr): Minna von Barnhe.'m, V olk«il»«hiic. Thsal a.BIllowplafz. ~li3 Uhr: Wn* ihr viullt. Sonntag: Die Ratten. Theater I. d. Königgrälzersfn T'/a Oht; UrrtgcNt. iComdcä§e?iliay$ Tl, Uhr: Die verlorene Tochter. BerSm@r Theater U/jUhr: Auf fIBgeln des Gasanges. Heute S'/j IT.: lisl's Märchenreise, Sessittg-Theafer. Direktion: Victor Barnowsfcr. 7 Uhr: Zum 1, Male: JFohn UhIIh nnrtero Inael. Komödie von Hornurd.Shaw, Öeafschjünstler-Theater. Allabendlich 7'L Uhr: Wer Reieoboelclter. | Zuviel Sievern? URANIA TÄÄtr d Uhr(halbe Preise); Im Ü-Boot gegen den Feind. 8 Uhr: Winter in der Schweiz. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Donath: Die Rathciienstrahlen. Theater für Sonnabend, 20. Januar. Deutsches Opernhaus, Charlottcnh. e'/.n.�jeisiersLigerv.talierg Frledrich-ÜViihclmstädf. Theater, H.',U.: Das Dreimäderlhaus. «Jebp. Hcrrnfsld-Thcatpr l'l, Uhr: Der tloppsltc Buchhalter. Sonntag 3'/, 1'.: Krieg im Frieden. Kleines Theater « uhx: äbi Teetiseh. Komische Oper vi, Uhr: Der Pifszta-Kavaller. Sonntag 3'/, Uhr: Die Hatihänlercfto. 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