Ne. TS. 34. Jahrg. kldsnnemeoti-SeSingllngea: MiatmrainUZ•«tftä pttoumetanbo' liictli'ljäliü. 5,90 MI. cionail 13a MI. rcötfeentlid) SO$fg. ttn ins Hau«. Einzelne Slmntner ö VI«, Sonntag?. ininimei mit tllufmtrtc: Sonntag?. iH'iiage.Die Neue Seit* 10•Ctg. Soft« Sldonnement: 130 Marl vro Monat eingetragen in die Luit. Zeitung?. Preisliste. lliue: Kreuzband tür DcutiSIand und Oesterreich- Ungarn 2,00 Marl, für da? übrige Üln-Iand , Mar! tto Manab Postabonnement? nehmen an Belgien, Tänemart volland, Italien. Luxemburg. Portugal Rumänien. Schweden und die Schweis eilchcnii täglich. ( 5 Pfennig) 01c Inlcrtlons-Gebübr betrüg! für die iech?geivallene Kolaiicl- zeile oder deren Rannt SO Bfg., für dolititche und gewerliaiaiiliche Perein?- und Versammlung?-?liizcigeli 20 Psg. „Kleine Znreigen". da? setigedruclie Wort 20 Big. izitlnsstz 2 setigedruckie Wortes, jede? weitere Wort 10 Big, ktcOengestiche und Schtaiitellcnan. »eigen da? erfie Wort 10 Vsg., jede? weitere Wort SBfg. Worte über tö Buch- linden zählen tüc zwei Worte. Inserate iür die nächste Nummer müssen bis » Uhr nachmittag? in der Ervcdition »bgegeden werden. Die Ervediiien iji bis 7 Uhr abend? geöffnet.- Bevlinev Volksblnkk. Delegramm-Adresse: .S»,l>iüei»»IinU ütüli". �entralorgan clev tozü\dcmokrnt\ fehen Partei Dcutfcblanda. Redaktion: EW. HS, Linöenstraße Z. Ferurvrechsr: Ami Morivplav. Nr. läl SV— l,Sl S7. Dienstag, den Ä3. Januar INI?. Expeüition: EW. HS» Linöenstraße Z. aier»ivr«tbrr: Amt Moritzplatt. Nr. löi g«— 131 g7. Der Zar verfpriebt Befferung. Kleine Gefechte im Westen und Osten. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 22. Ja- «aar 1917.(W. T.?.> Westlicher Kriegsschauplatz. Bei Leus wurde ein schwächerer caglischer Anzrtff im Hand- grauatentampf abgeschlagen. Bei Bezonvaux und östlich Pont-ä-Mousson brachte» Erkundimgs. abteilungen von kurze» Vorstößen in die feindliche Stellung mehrere Franzose» nnd 1 Maschinengewehr zuriiik. westlicher Kriegsschauplatz. Front des Gcnrralfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Westlich Friedrichstadt wurden nachts augrcifende russische Jagdkommaitdos abgewiesen. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph. In den Ostkarpathen kam eS au mehreren Stellen zu Bor- scldkämpfcn. die für uns günstig verliefen. Nördlich des Oitoz-Tal war die beiderseitige Artillcrietötigkcit zeitweise ledhaft. Heeresgruppe des Generalfcld Marschalls von Mackensen. Westlich Panriu griff eine Kindliche Kompagnie unsere Sichernugen an der Putna an. Sie wurde zurückgeschlagen. Mazedonische j�ront. Außer vereinzelte» Erkundcrzusammenstößcn sind keine de- sonderen Ereignisse zu melden. Ter Erste Gcncralquartirrmcister. Ludcndorff. * stbenübericht. Amtlich. Berlin, 22. Jauuar, abcudö. Au keiner Front größere Kampshand» langen. -»« Der österreichische öericht. Wien, 22. Januar 1917.(W. T. B.> Amtlich wird verlautbart: westlicher Kriegsschauplay. Im Odobesri-Gebirge wurde» feindliche AusllärungStruppcn abgewiesen. Oestlich von Mtclnica in Wvlhynie« stießen Ab- teiluugeit des Brünncr Jnfanteric-Regiments Nr. 8 überraschrud in die russischen Gräben vor und brachten einen gefangenen Ossizier, 199 Mann, ein Maschinengewehr und einen Minen werfer ein. Gut geleitetes Gcschübfcucr fügte drm Gegner starke blutige Verluste zu. Italienischer Kriegsschauplatz. Seine besonderen Ereignisse. südöstlicher Kriegsschauplatz Südlich des Ochrida-Sees vereitelten unsere Truppen vor- gestern einen feindlichen Borstoß. Ter Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabcs. v. H« e s r r, Feldmarschallcutnant. ' Nenauöel in Schwierigkeiten. Spaltung der Äammcrfraktion? Die Ablehnung dcö deutschen Ariedensangebots, vor allem aber die Ententenote an Wilson mit ihren ungeheuerlichen Eroberungsforderungen haben bewirkt, daß die sozio- listische Mehrheit, die sich hinter die Erobcrnngspläne der sranzösischen Regierung und ihrer Verbündeten stellt, ernsthaft zum Wanken gebracht worden ist, und die französische Minderheit, deren Standpunkt ettva dem der deutschen Mehr- heit parallel läuft, daran ist, die Oberhand zu aewinnen. Bern, 2t. Januar. Dopöchc de Lyon meldet: Nach Aufhebung der Sitzung der sranzösischeit Äammer trat am Freitag die sozialistische Ä a m m e r g r u p p e zu einer Beratung zusammen. Bei Besprechung der gegen den Willen der Sozialisten crsolgtc.n Jnter- pellaiion Pressentane über die Antwort an Wilson, kam es zu s o heftig c n Auftritten, daß Renaudcl, der zur Mehrheit ge- hört, mit 50 Anhängern die Versammlung verliest und in einem anderen Saale weiterberiet, während Prcssemane mit 37(mutz wohl heißen 57?) Freunden zurückblieb. Bern, 22. Januar Zu der Abstimmung über die Jnterpel» lation Pressemane am Freitag stellt„Rappel" fest, dast ints dcr bisherigen Mehrheit der Sozialistenpartei dir Minderheit ge- worden sei, da von 100 Sozialisten 57 gegen die Regierung für die Interpellation gestimmt hätten. Die Meinung öer Internationale. Aus Amsterdam schreibt man unS: Werden die Bertretcr der sozialistischen Jnternationalc in naher Zeit wieder gemeinsam beraten? Taö hängt von verschiedenen Umständen ab, unter denen die Bereit- Willigkeit der Rcgierungcn in bczug auf die Gewährung von Pässe» sicher von Wichtigkeit ist. Was aber für daS sozialistische.Proletariat in erster Reihe steht, ist die Bereitwilligkeit der sozialistischen Parteien selbst, an einer Bollorrsammlung des Internationalen Bureaus— die amerikanische Partei schlägt einen Kongreß vor— teilzunehmen. Es ist darum von großem Interesse, zu untersuchen, wie sich die Par- teien der verschiedenen Länder— der lricgsührcnden wie der neu- traten— zu dieser Frage pellen. Tie„Sozialiste Brlgc" vom 20. Januar gibt darüber eine Zusammrustelluug, die wir mit einem Zusatz— der Beisügung der Kriegsgruppe, dcr dos betreffende Land angehört— wicdcrgebeu. Für die Versammlung- Derzeit der Jntcruationale.| gegen die Versammlung. A. Tie Neutralen. Holland Schweiz Spanien Dänemark Schweden .. Norwegen, Bereinigte Staaten Argentinien Uruguay k. Die Kriegführcudeo. Deutschland .g| Oesterreich und Tschechen £'2 1 Ungarn «7» •Säf? I 5 Bulgarien Frankreich (will eine Versammlung. sobald Deutschland seine Kriegszrele bekanntge- geben haben wird) England juiilerstützt den franzö- fischen Borschlag) Belgien (eine Anzahl Genossen will, datz das Land zu- vor befreit sei) Polen Finnland Rußland Italien Portugal Serbien Rumänien Kanada Australien Neuseeland Südafrika Faßt man diese Angabeu zusammen, so ergibt sich: Die sozialistischen Neutrale» sind sämtlich für die sofortige Einberufung einer internationalen Sitzung, Von den Kriegführenden sind die Parieten dcr Zentralmöchte sämtlich dafür. Von den sozialistifchen Parteien der Eutrvtclönder find drei dagegen» neu» dafür. Hirrbei haben wir Finnland nicht mitgcrrchnet, da dir Finneu nicht eigentlich am Krieg teilnehmen. Und auch Polen nicht, weil sei» Gebiet teils Staaten der einen, teils der anderen Seite gehört hat. Zu übcrfrhcn ist auch nicht, daß dcr abweisende Beschluß in Paris nur mit einer— dazu erkünstelten— Mehrheit von 1537 gegen 1-197 Stimme» gesaßt worden ist. Die vorstehende Tabelle ist übrigens eine hübsche Illustration dcr bekannten Behauptung, daß sich die Internationale in diesem Krieg nur als eine Schiitztriivpe der Entcnteregieruitgcn erwiesen habe. In den Ententeländern sagt mau s freilich wieder ganz anders. Die Wahrheit ist, daß die Internationale sich selbst und dcr Welt immer klarer zu« Bewußtsein bringt, daß sie— die Internationale ist. V* Der in diesem Bericht unseres Amsterdamer MiiarbeilerS erwayme von Renaudel, Scmbat und Gucsdc»ormulterte Beschluß de? französischen Äeihnachiskongresies laute: wöttlich: „Der Kongreß hält fest an feinen früheren Entschließungen über die miernanonolen Beziebungen. die auch diejenigen mil dem Jnter- nationalen Sozialistischen Bureau iJ. S. B.) einschließen, aber auch an den Bedingungen, die zur Einberufung einer allgemeinen Wer- sommlung dcr Internationale nötig find. Er erklärt, daß er diese Frage nicht erwägen wird, bis die deutsche Sozialdemokratie dem I. S. B. die griiaucn Resolutionen ihres nationalen Kongresses(Partei- tagesj mitgeteilt haben wird, dir idre Haltung beichreibt, welche sie ciiizutichmcn gedenkt angesichts der Ablehnung der Mittelmächte, ihre Angebot« über dir Friedinsveryandlungen klar zu definieren. „Der Kongreß beauftragt die Delegierten zur kommenden Konferenz der alliierten Sozialisten, im Sinne der von ihm an- genommenen Resolution über den Krieg zu bandeln. „Der Kongreß übermittelt dem permanenten Werwakiungs- ausschuß den Vorschlag des Vorstandes des I. S. B, über die Gründung eines HilssauSichuiles für die belgischen Arbeiter, die von der deutschen Regierung zu Hörigen gemacht wurden. Der C. A. P. wird tn eine ernste Attigii eintreten, um den belgischen Arbeitern beizustehen, ohne daß diese Attion so ausgelegt werden könnte, als ob er in indirekte internalionale Beziebungen eingetreten sei. Um dieien Zweck zu erreichen, wird der(L A. P. zu Vandervelde und zu den englischen Genossen in Beziehungen treten.* Ter abgelehnte von Longuet aestellle Antrag der Minderheit lautet: „Der Kongreß et klärt sich für die vollständige Wiederauknabme der internationalen Beziehungen und verlangt die sofortige Ein- berufung des I. S. L.* Ein Zarenerlaß an Golitzin. Der Zar hat einen Erlaß' an den MinisterpräsVent«�. Fürst Golitzin gerichtet, in dein es heißt, er.halte es für'an gezeigt, isin„auf die nach st liege md e n Fragen aufmerksam zu machen, deren Lösung die Hauptsorge der Regierung zu sein hat". Das Wesentliche dieses Erlasses besteht in dem, lvas er von der Sorge der Regierung ausschaltet nnd übergeht. Der Dirmadlock schreit nach Ver sassimgsrcchtcn und eben davon ist mit keinem- Wort die Rede. Einzig von den Kriegspflichten wird gesprochen. � Alles andere soll hinter diesen gennssermaßen als nebensächlich verschwindet:. Der Erlaß sagt: Im gegenwärtigen Augenblick der Wende des großen Krieges richten sicb alle Gedanken sämtlicher Russen ohne Unterschied dcr Nationalitäten und Klassen arn die tapfere und glorreiche Verteidigung des Vaterlandes, und er wari-en, in einer gewaltigen Spannung, die entscheidende Begegnung mit dem Feinide. In vollkommener Nebereinstimmung mit unseren treuen Verbündeten lassen sie den Gedanken an einen F r i c densschluß vor dem endgültigen Siege nicht zu- Jch glaube fest, daß das mit Selbstverleugnung die Last des Krieges ertragende russische Volk bis zum Sch I u ß seine Pflicht erfüllen wird, ohne vor irgcnddinwm Opfer Halt zu machen. Alsdann weist der Erlaß aus die natürlichen Hilssguellvn Rußlands hin, die nnerschöpslich seien und die Gefahr einer Erschöpfung des Landes ausselstössen, die osscnsiclstlich bei den Gegnern austrete. Um so bedeutsamer sei die Regelung de» „unter den gegenwärtigen Bedingungen so wichtigen und verwickelten Fragen der L e b e n s ni i t t e I v c r s o r g�i rrg"- Dicse Fragen, die in der Duma bis zuletzt heftige Stürme gegen die Regierung aufrollen ließen, werden dem Ministerpräsidenten mit äußerster Betonung ans Herz gelegt. Die getroffenen Maßnahmen sollen„auf breiter Grundlage" verwirklicht und sollen fortentwickelt werden, und als andere Frage, der„vorherrschende Bedeutung" beigemessen wird, wird die„weitere Verbesserung der Beförderung sowohl durch die Eisenbahn wie aus den Wasserläusen" genannt.„Entscheidende Maßnahmen" sollen ousgoacbeitct werden. Die „rechtzeitige" Versorgung von„Armeen und Hinterland" und bas„Aneinanderarbeiten aller Amtszweige" wird befohlen. Da das Geforderte einen Schluß zuläßt ans das zurzeit noch nicht Vorhandene, wird der Erlaß eine Art Zeugnis für den Wirrwarr und dw Not, von denen Rußland trotz der Uncr schopslichkeit seiner natürlichen.Hilfsquellen heimgesucht ist. Diese Hilfsquellen tun es in großen Staaten heutzutage nie- inals allein. Am allerlvenigsten in Kriegszeiten. Zuletzt schlägt dcr Erlaß einen Ton an, den man nach den jüngsten Vorgängen im Zarenreich behorchen nnd bewerten muß: Indem ich diese nächstliegenden Fragen für. die bevorstehende Arbeit hervorhebe, glaube ich gern, daß die Tätigkeit des M i- n i st c r r a t e s unter Ihrem Vorsitz die Unterstützung des Reichörates und der R e i ch s-d n m a finden wird, die in dem einmütigen und brennenden Wunsche geeint sind, den Krieg bis zum siegreichen Ende zu führen. Ich halte es für die Pflicht aller Personen im Staatsdienst, den gesetzgebenden Körperschaften mit Wohlwollen, Geradheit und Würde gegenüber zutreten. Bei der bevorstehenden Organisation des wirtschaftlichen Lebens des Landes wird die:Hegierii»g die unersetzliche II n° t e r st ü tz n�i g der S e m st w o s finden, die durch ibre Avbeit in Friedens- und Kriegszeiten bewiesen baben, daß sie ehrfurchtsvoll die erleuchteten llebcrlieserungen meines Großvaters unvergänglichen Angedenkens, des Kaisers A l c x2 Tonnen) wurde verienkt, die Besatzung gerettet. Der Dreimaster„LouiS Josephe"(197 Tonnen) aus Owmper wurde gleichiolls versenkt und die Besatzung gerettet.„TempS" zufolge wurde der spanische Dampfer . V a l l e'(WS5 Tonnen) versenkt.—.Lloyd»" meldet: Der norwegische Dampfer.Sspera nco"<4428 Br.-Tonnen) soll versenkt worden lein.— Der versenkte spanische Dampier .Manuet" war. wie das„Petir Journal" au« Bilbao melde,, mit Eisenerz nach England unterwegs.— Der dänische Dampfer „K l a m p e n b o r g"(178ö T.) ist nach einem Telegramm de» Ka- pitänS an die Reederei am Sonnabend von einem deutschen Unterseeboot versenkt worden, die Besatzung ist an der französischen Küste gelandet.— Der japanisch« Dampfer„Kisagata maru"(2588 Tonnen) ist versenkt worden.— Der englische Dampfer„Baron Sempill"(1697 T.) ist wahrscheinlich versenkt worden. die Sitzung öes öeirats öes Kriegs- Ernährungsamtes. Durch eine Kommiffion de» Beirat« beim Kriegsernährung»- mnt ist ein Bericht über die Sitzung des Beirats am 19. und 29. Ja- rntar 1917 zusammengestellt und zur VerössenUichung übergeben worden, dem wir folgendes entnehmen: Der Präsident des KriegSernahrung samti, gab zunächst einen Ueberblick über die Gesamtlage unserer DolkSernäh- r u n g. Er betonte, daß eine grunofätzlichc Aenderung des Systems im neuen Wirtschaftsjahr mcht eintreten solle. Die VersorgungSschwieriakeit dieses Jahres hat ihren Grund in der schlechten Kartoffelernte. Auch die TranSportver- hältniffe haben sehr ungünstig eingewirtt. Die Schätzungen über hie Getreideernte gehen so weit auseinander, daß am Ib. Februar 1917 eine neue Bestandsaufnahme nötig wird. Die Kar- toffelvorräte werden sich genau erst feststellen lassen, wenn die M«. ten geöffnet sind und daS Saatgut ausgelesen ist. Troß der gün- sligen Körnerernte stehen wir infolge der Karloftel Mißernte bezüg- lich der gesamten verfügbaren Nährwerte an Getreide und Kar- toffeln schlechter als im Vorjahre. Ein Ausgleich ist nur durch immer sorgfältiger« und gerechtere Verteilung der verfüg- baren Gesamtmenge und durch Einschränkungen d«S Gesamtverbrauch» zu erreichen. Wir müssen auch damit rechnen, daß die Ein- fuhr aus den neutralen Staaten wesentlich zurückgegangen ist und daß man auf sie in keiner Weise einen Wirtsckwslsplan gründen darf. Die in Rumänien vorsesundenr« Vorräte sind recht erheblich. Schwierigkeiten bietet jedoch d« Transportfrage.— Erschwert wird die Arbeit der Behörden durch W id'er stände, die ein großer Teil der Bevölkerung den Anordnungen entgegenbringt. E» gilt nicht als unehrenhaft und vaterlandschadigend, sondern als zulässig, wenn Leute, die dazu in der Lage sind, sich zu Phantasiepreisen Waren verschaffen, die ihnen nicht zustehen. Da« steigert die Preise und erschwert die Möglichkeit, diese Waren in die öffentlich« Hand zu bekommen. Die unverschämte Antwort unserer Feinde aus unser Friedensangebot erklärt sich durch ihre Hoffnung, daß wir in diesem Frühjahr oder Sommer wirtschaftlich zu- sammenbrechen werden. Im vorigen Jahre wurde auf Feindes Seit« den Iömpfend.en Soldaten zur Heining ihres Mutes dasselbe vorgerodet. Unsere Gegner haben sich damals getäuscht, sie werde« sich auch dieses Mal täuschen.. ES solgste ein Bericht des vertretenden Leiters der Reichs- kartoffelstelle über den Stand der Kartoffelbersorgung. Daß es nicht gelungen ist, einen genügenden Wiittervorrat in den Städten zu schassen, ist auf Transporffchwierigkcitrn zurückzuführen. Wäb- rend der Zei: scharfen Frostes darf an eine Anfuhr nicht gedacht werden. Es sind alle erforderlichen Maßnahmen getroffen, daß bei Eintritt weicheren Wetters die Lieferung sofort wieder einsetzt.— Ergänzend wurde über die Maßnahmen zur Versorgung mtt Kohlrüben berichtet— Ein UÄerblick über die Zuckerver- f o r g u n g wurde von dem Leiter der Reichszuckerstelle gegeben.— Bei der Besprechung der bisherigen Berichte ging man zunächst auf die Frage der Sartoffelvers orgung ein. ES wurde dabei hervorgehoben, daß die meisten Städte nur geringe Vorräte haben, so daß während des Frostes erhebliche Schwierigkeiten nicht ausbleiben, könnten.— Vonseiten des KriogS- crnährungsamteS wurde dazu erklärt, daß den Städten mit akuter Kartoffelnot durch eine Erhöhung der Mehlzuweisung geholfen werden soll.— Von einem Vertreter der Landkreis« wurde ein Borschlag zur Hebung der Karioffelansuhr gemacht. Es sei unverantwortlich, die Mieten jetzt zu öffnen, da auf jeden gewonnenen Zentner 19 erfrieren. Man könne nur auf die Keller- Vorräte zurückgreifen. Bei der erhöhten Arbeitsleistung durch daS Ansammeln der kleinen Vorräte, die TranSportschwierigkeiten und die jetzige Kälte bedingte schnell« Verladung sc: eS zu empfehlen, während der Frostperiode einen Zuschlag von 89 Pf. für den Trans- Port zu gewähren.— Der Vertreter des KriegScnnteZ gab einige Erklärungen über die ÄriegSwtttfchaftSämter ab, die zur Förderung der landwirt- schaftlichen Produktion durch Bereitstellung der erforderlichen Ar- beitSkräfte und Betriebsmittel bestimmt sind. Zur Fleischbewirffchaftung gab der Leiter der Reichsfleischstelle einen Ueberblick über die Ab- nähme des Viehbestandes durch die Abjchlachtungen in der ersten KricaSzeit. Die zuerst versuchte Rationierung auf die Hälfte deß FriedenSfleffchverbraucheS erwies sich leider als nicht ausreichend. Die Fleischmonge mußte weiter zurückgesetzt werden. Die Folge dieser Dparfamkeii war bald in unserer VirSstatisttk sichtbar. Sie zeigt an sich eine erfreuliche Zulage. Allerdings bezieht sich diese Zulage im wesentlichen auf das Jungvieh, während der Kuhbestand die alte Höhe noch nicht wieder erreicht hat. Wir müssen auch weiterhin sparsam im Fleischverbrauch sein. lieber die Versorgung mit Fischen wurde vom Reichskom- m.iffar für Fische ausgeführt, an der ganzen Küste seien etwa 29 Ge- sellschaften gebildet, welck« den Fan« und die Einfuhr ziemlich rest- los erfassen. Die Herstellung der Fischkonserven werde jetzt so ge- regelt, daß die Fabriken nicht mehr auf eigene Rechnung arbeiten, sondern nur im Lohn für die erwähnten Gesellschaften beschäftigt werden. Gegenstand eine» weiteren Berichts war die Bewirtschaftung von Milch und Fett. Der Leiter der Reichsstelle für Speijesetie führte aus: Seit dem Verbot der Vcrfüttcrung der Kartoffeln besteht das Futter in der Hauptsache aus Heu und Stroh. Dieses Futter allein genüge nicht, um Milch zu erzeugen. Leider ist eine Steigerung de» Milchertrages im Winter nicht zu erwarten. ES ist versucht worden, einen Schlüssel aufzustellen, um das Futter nach Maßgabe der Milchlieserung zu verteilen. Die Kuttermengen sind ab« so ger-ng, daß die Erwartungen nicht erfüllt werden. von städtischer Seite wurde hervorgehoben, hauptsächlich in bezug auf Milch müsse die Zufuhr nach der Stadt größer werden. Die Mttchversorgung der Städte sei so«ingeschränSt, daß in einem Teil der Städte tattächlich nur die Pollmilch- BnrsorgungSherech- tigten überhaupt Milch bekommen, während die ganze übrige Be- vötkerung Milch in keiner Form erhalte. In Bayern habe man— allerdings nach monate langer Arbeit— eine befrleSigende Organ i- saticm der städtischen Milchversorgung durchgeführt. DaS müsse auch an anderer Stelle gehen. Zunächst sei«ine Zusammenfassung der Produzenten auf dem Lande nötig. Von Verbraucher seite wurde der ungerechfferttgie Unterschied tm Preise von Milch und Butter dafür verantwortlich gemocht, daß nicht mehr Milch in die Großstädte komme.— Ein Vertreter großstäbtticher Interessen kam dann auf die Frage der Hausschlochtungen zu sprechen und meinte, daß der Vorzug der Selbstversorger dock c.n ganz erheblicher sei. Da müsse das KriogsernährungSamt einen Ausgleich finden. WaS die Milch an- belange, so sei der Rückgang in der Anlieferung an die Städte ganz enorm. Danzig beispielsweise, da» im Frieden 7S— 89 999 Liter von außerhalb bekommen habe, erhalte petzt statt der ihm zugestandenen 28 999 Liter tatsächlich nur 22 999 Liter. Di« Milch- erzeugung aus dem Lande könne nicht in dem gleichen Maße zurück- gegangen sein, wie die Milchgnlieserung in den Städten. Stom Kriegiernährungsamt wurde zugegeben, daß die Anrechnung be, den Hausschlachtungen ziemlich vorteilhast sei, aber cS bandele sich hier um eine bewahrte Einrichtung, die aufrecht erhalten werden müsse. Aus ländlichen Kreisen wurde der Ilückgang der Milch- anlieferung damit erklärt, daß auf dem Lande jetzt mehr Milch verbraucht werde al» früher, da daS ameri- kanische Schweineschmalz fehle. Di« Milchablieferung könne noch gefördert werden, jedoch nicht mit Zwangsmaßregeln. die den Bauern nur verärgern und die Produktion schädigen. Vom Kriegsernährung Samt wurde erklärt, daß die Festsetzuna einheitlicher Milchpreise, die gewünscht werde, in Vorbereitung sei Zur Bewirtschaftung des Brotgetreides wurde vom Kriegsernährungsamt erklärt, daß infolge der Kar- toffelmihernte die FutterfchrotgewinnunA bereit» sehr eingeschränkt werden muhte. Zur Drotstreckung sei für die Monat« Januar und Februar Gerstenmehl in Aussicht genommen, für die anderen Monate Brotgetreideschrot. Auf dies« Weis« werden wir unter allen Umständen mtt unsere« Brotgetreidevorrätcn bis zur neuen Ernte reiche». Der Leiter der Reichs stelle für Nährmittel und Eier gab die Auskunft, daß vom Februar ab eine größere Menge von Nährmitteln regelmäßig ausgeschüttet werden solle. Bei der Versorgung mit Eiern sei zu bedenken, daß im Frieden die Hälfte unseres Bedarfs durch Einfuhr gedeckt wunde. Bei der Be- sprechung der Verträge verlangte ein Mitglied vermehrte Zu- woisuiio von Getreide für Röstzwecke, desgleichen für vermehrte Herstellung von Suppenwürfeln. Heber die LieferungSvrrttäge erstattete der Präsident deS Kriegsernährungsamts einen kurzen einleitenden Bericht. Er hob hervor, daß vielfach da» Mißver- st ä n d n i S vorgeherrscht habe, daß ein vollkommener Systemwechsel«intreten solle, indem die bisher in voller öffentlicher Bewirtschaftung stehenden Waren in Zukunft durch daS System der Lieferungsverträge aufgebraucht werden sollen. In- zwischen sei klargestellt, daß diese Absicht nicht bestehe, daß vielmehr nur solche Nahrungsmittel, welche ihrer Natur nach nicht zur öffentlichen Bewirtschaftung geeignet seien, durch Liefe- rungSverträge schon beim Erzeuger ersaßl werden sollen, erster Linie ist hierbei an Gemüse und Obst gedacht. Die Frühkartoffeln sollten zwar von der ReichSkarwffelstelle bewirtschaftet itKtie*. WSrc toffcoit~t\ SAege«#«twünfäl,>atz solch? K?- atearbut, die eS konnten und wollten, sich in ihrer Nachvarsckast durch LieserungSverlräge, wenigstens für bi« erste Zeit, wo die Ware besonders verderblich sei, einen Teil ihres Frühkartoffel- bedarfs sicherten. Im Anschluß an die Ausführungen des Präsidenten schilderte i>egierungsrat Risch aus Neu-lllm das bort bestehende System der Lieferungsverträge, das er Mr Nachahmung empfahl. Der Leiter der Reichsstclle für Nemüse und Obst legte dar. in welcher Weise der Ausbau der LieferungSvcr träge für Gemüse gedacht sei. In der daraus folgenden längeren Besprechung wurde von allen Seiten bestätigt. Hotz ein Systemwechsrl nicht in ssragr komme. lieber die Rnffenspeisung wurde vom KriegSernährungSamt berichtet, dag die natürliche vntwiiklung der Volksküchen, Masscnspsrsunqen usw. den Weg i�ur Zentralküche genommen bade, was zweifellos gut zu beißen fei. Der Befürwortung der ZwangSmasscuspeifungen kann dos KrtegSernährungsomt grundsätzlich nicht beitreten. DaS R!ch- tige sei. in organischer Entwicklung nach Maßgabe der wachsenden Notwendigkeit immer mehr KriegSspeisehäufer einzurichten. Ein weiterer Bericht betras die Schwerorbeiter und im Zusammenbang damit die.H in d e n ö u rg s pe nd e". Es wurde die Zentralstrtle zur Verwaltung der Spende, die Ein- richtung der Kreis- und Provinzialsamnielitellen im einzelnen ge- schildert. Grundsätzlich soll sowohl der Spender Zahlung erhalten, wie auch der Empfänger Zahlung leisten. Der Erfolg der Spende ist recht erfreulich. Herporzuheben ist, daß aus dem durch de« Krieg so mitgenommenen Ostpreußen die bisher größte Ablieferung erfolgt sei. Ein Vertreter des Kriegsernährunysamts teilt die Grundsatz mit, nach welchen Vre Arbeiter verpflegt werden. Die Festsetzung des Begriffs der Schwer- und Schwerst- arbetter hat �u gewissen, einstweilen nicht vermeidbaren Harten geführt. Auf einem Ausgleich derselben wird in dar nächsten ZeU hingewirkt werden. In der Erürteruna wurde darauf hingewiesen, daß die Be- nimmungen über die Verpflegung der Schwerstarbeiter den Kam» munalverwaltungen den Ueberblia sehr erschweren. Vielfach seien die Munitionsarbeiter auch Selbstversorger und erbielten so eine unerwünschte lleberversorgung. Im Interesse der städtischen Ver- waltung wäre eine strenge Scheidung der Schwer- und Schwerst- «bester und der übrigen BevolZerung zu wünschen. Zum letzten Punri der Tagesordnung: Förderung der landwirtschaftlichen Erzeugung im Jahre 1017 sprach der Präsident des KriegsernährungSamts. Mü Hilfe des KriegSamtes wird versucht werden, der Landwirt- schaft die�unbodtngt notwendigen ArbeitStrafte. Material, Zugtiere zur Verfügung zu stellen. Die immer sich steigernden Anforde- riingen deS Krieges haben es nötig gemacht, daß an Mensch und Tier auf dem Lande alles zur Arbeit herangezogen wird, was noch vorlxrnden ist. Keine Abhilfe kann geschaffen werden gegen die Knappheit an Kunstdünger. Soviel davon wie irgend verfügbar, wird rechtzeitig verteilt werden. In der Besprechung wurde von landwirtschaftlicher Seite ein« Reihe von»wrtvollen Vorschlägen und Anregungen gegeben und die Sorgen und Wünsche der Landwirtschaft zum neuen Wirtschaftsjahr in erschöpfender Weise vorgetragen. Der Präsident des KriegsernährungSamtS schlaft die Be- rotung mit der Mitteilung, daß im Laufe de» März die nächste Sitzung des Beirats statt. finden werde, in her das wichtige Thema der Vorbereitung de» nächstjährigen Wirtschaftsplancs zur Verhandlung stehen soll. politische Ueberflcht. LlbgeordAetenhaus. Nide?k»m«iß u«d Qahlescht. Mo«ste Zet'iiiTg bei EfttwurfS ernel FibeikoimnißgesetztS, *n.t bem sich da? vreußilche MgeorbnetenhauZ am Monfaa Befchäftrgfe, brachte keine Ueberraschimgen. Tie Stellung her Tfarteien war bekannt. Die Fortschritiler hatten sich zur Einbringung eines Veszenantroges entschlossen, der wahrend der Dauer des VnegeS und bis zum Zlblauf von zwei Jahren nach dem Aricbcnsichluß die Errichtung von Grunbfibeikommissen ober die Bergrößerung bestehender Grundfideikommisse nur aus- nahmsweise und nur mit(Jknehmigung des Stoats- ministcriums gestatten will. Interessanter als die sachliche Erörterung, die sich vielfach u> Einzelheiten verlor, war die Auseinandersetzung darüber, ob die Regierung mit der Einbringung des Entwurfs den Burgfrieden gebrochen babe. Gegen diese Behaup- tung. die von fortschrittlicher Seite in der Geschäftsordnungs- debatte am letzten Sonnabend aufgestellt war und die jetzt wiederholt wurde, legten nicht nur die Konservativen Protest ein. sondern auch der Landwirtschaftsminister v. S ch o r- . I e rn e r. der dabei höchst sonderbore Anschauungen über den Begriff des Burgfriedens entwickelte. Wenn die Regierung von der Einbringung eines Gesetzentwurfs, bei dem die Geister io sehr aufeinanderplatzen. keinen Bruch deS Burgfriedens befürchtet, so darf man daraus wohl den Schluß ziehen, daß auch die Wahlrechtsvorlage den Burgfrieden nicht ge- fährdet. In der Hauptsache kommt es dem Landwirtschafts- minister natürlich, wie aus seiner Rede deutlich genug her- vorgeht, darauf an, dem Großgrundbesitz entgegenzukommen, der seiner Meinung nach allein imstande ist, die Bevölkerung zu ernähren. Erfreulich war die deutliche und scharfe Absage, die der Nationalliberalc L o h m a n n und der Fortschrittler Wald- st e i n den Bestrebungen der Regierung erteilten. Unter- stützung fanden sie in dem Redner der sozialdemokratischen Fraktion, Genossen L e i n e r t. der sich für den fortfchritt- lichrn Antrag oussvrach. sich in sachverständiger Weise über die Gefahren deS FideikommißwcfenS äußerte, gründlich mit den vom Ministertilch vorgetragenen rückschrittlichen An- schauungen und mit ihrer Vorliebe für die Standesrochte des Großgrundbesitzes abrechnete und die Frage der Neuorientie- rung, besonders die Wahlrechtsfrage, geschickt in die Debatte warf. Mit Recht konnte unser Redner betonen, daß der Burgfriede heute überhaupt nicht mehr bestehe und daß man sich deshalb nicht darüber zu unterhalten brauche. Noch der Darstellung des Landwlrtschoftsministcrs sei alles, was den agrarischen Interessen nützt, mit dem Burgfrieden vereinbar, waS ibm schade, ober nicht. Das Ergebnis war die Ueberwcisung der Vorlage an eine Kommission. Am Dienstag ioll die Tiätenvorlage und die Vorlage betr. Ankauf von Aktien der Hibernia in zweiter und dritter Äsung beraten werden._ Bethmann an die Kehle springen! Das neueste Flugblatt der Kanzlersronde führt eine un- gewöhnlich kräftige Sprache: die Ausführungen von Kapp und 'luvtuk- Altar waren dagegen sin sanftes Säuselst. DaS Papier ist so gut, daß ein Zeitungsmann von heute bei diesem Anblick stsn Neid«rblaffsn unS auf e'n« ungewöhnsichs Sah'' lungsfähigkeit der Herausgeber schlreßen muß. Der Umschlag ist von gleicher Güte und läßt vermuten, daß uns das Werk direkt von den Verfassern zugeschickt ist. Diese sind na- türlich nicht angegeben, doch aus welcher Ecke der Wind pfeift, läßt sich vielleicht aus folgendem Passus erkennen: Der Jude und der Sozialdemokrat regiert heute in Deutsch- land... Die landsäsfigen Geschlecht er. die alten Offiziere und Beamtenfamilien, alles, was in Land und Stadt n a t i o- nalen Sinn in preußischer Weise hat,... find bei- seite geschoben und an die Wand gedrückt. Mit verbiffenem Zorn und geballier Faust stehen sie machtlos da, weil eins sie hindert, dem vollsverderbenden Kanzler«« die Kehle zu springen. stnd dies eine ist die alte Loyalität lk), selbst in diesem Schädling doch immer nach den Minister des Königs zu sehen. Darüber kann Land und Volk verlorengehen. Van sonstigen Titzulaturen des Reichskanzlers nennen wir„Dilettant auf dam.Kanzlerlesiel. der sich in albernen Menschheitsideen berauscht", und„größter Schädling des deutschen Volkes, der uns am Siege hindert". Weiter heißt es. das jammervolle Gebettele um Frieden habe alle mrft- tärisch errungenen Vorteils immer wikÄer zugunsten der Feinde ausgeglichen, der Kanzler sei bei der Kriegserklärung Englands unter Tränen zusammengebrochen, schließlich habe er ein allgemeines Friedensangebot augenscheinlich nach Scheidemannschem Muster gemacht und dann kommt der Glanzpunkt: Was Wunder, daß hier und dort ein Flüstern durch dos Land sing, der Kanzler sei durch England gewonnen, dem rtc jedenfalls die besten Dienste geleistet hat. während er das eigene Vaterland nur schädigte. Jetzt weiß man wenigstens, was—„Loyalität" ist! Und was„nationaler Sinn in preußischer Weise"!__ Eine Parteikandidator in Spantoau-Lfthavelland. Der Bezirksvorstand der Provinz Bran- d e n b u r g nahm am Sonntag, den 21. Januar, Stellung zu den Beschlüsien deS Parteiausschusics über die Stellung der Partei zu der durch die Reichskonferenz der Opposition geschaffene Situation. Einstimmig wurde beschloffen: Der Bezirksvorstand bedauert im Iniereffe der Ärbeiier- bewequng die durch die Reicks konftrenz vollzogene Sprengung der Partei Er stimmt den Beschlüssen des Partei auSschusses zu als notwendiger Konsequenz der nun geschaffenen Situotio» und erwartet, daß die Parteigenossen den einheitlich in sich geschlossenen Organisationen in der Sozialdemokratie, unbeirrt durch die Minier- arbeit der abgrsplitterteu Sondergruppen, die Treue halten. Zu der Nackwahl in Spandau-Oft Havel- land wurde folgende Entschließung angenommen: Der Bezirksvorstand hält angesichts der veränderten Situation in der Pariei und der Stellung der Kreisorganisation zur Reichs- konteren, der Opposition die besondere Beteiligung an der Wahl im Kreise Spandau-Osthavelland für notwendig. Er fördert die Parteigenoflen des Kreises, die inAnerlennung des Grundgesetze« der Demotralie— Unterordnung der Minderheit unier die Beschlüsse der Meksrbest— weiter der einheitlich geschlossenen Sozialdemokratie angehöret,, auf, die organisatorischen Vorberritunze« zur Führung des WahltampfeS zu treffen. Nach den Beschlüssen des Parteiausschusses und dem Auf- ruf des Partei Vorstandes war die Aufstellung einer Partei- kandidatur nur eine selbstverständliche Konsequenz. Sie ist um so mehr gerechtfertigt, als die Ausstellung der TpartakuSkandidatur Mehring ihrerzeit nur durch eine geradezu hahnebüchene Verletzung deL demokratischen Prinzips— sie erfolgte mit 9 von 31 Stimmen!— mög- lich war. Erfreulich ist auch, daß nunmehr die Konstellation von Ofchatz-Wurzen vermieden wird. b«i welcher die Partei die Niederlage einer Opposttiansgrupps auf ihr Konto nehmen mußte. Die S P a r t a k u s g r u p p e. die auf der Reichs- kvnfcrenz der Opposition ausdrücklich beantragte, bei öffentlichen Wahlen dem Parteikondidaten eigene Kan- d i d a t e n der Opposition entgegenzusetzen, kann wohl nur einverstanden sein, wenn lue Partei ihr gegenüber das von ihr selbst gewünscht« Verfahre» anwendet. Der Wahlmacher der Gelben in Spandan-Osthavelland. Zu der Aufstellung der Kandidatur Fortenbacher brachten wir uiuängst eine Zuschritt au» StaatSarbeiterkreisen, in der u. a. auch gesagt war, daß zu der Kandidatur ein antisemitischer Zeitungsverleger in engster Begiebung stände. Jetzt meldet sich bei un» ein Herr Georg Sturm, Inhaber des gleich- namigen Buch- und ZeitschrtstenvcrlagShauseS, mit der Erklärung. daß er der Zeitungsverleger-der„Deutschen StaatShandwercker-'»nd -Arbeiter- Gern einfchasi" sei. Seine Beziehung zu der Kandidatur Fortenbacher bestreitet Herr Sturm nicht, dagegen verwahrt er sich gegen die Bezeichnung„antisemitisch" mit der Begründung, daß er: 1. Politisch nie hervorgetreten sei. L. Keiner politischen Partei angehöre. 8. Keiner Vereinigung, die sich irgendwie d,rekt oder rndirekt mit Rasicnfragen oder dergl. beschäftigt, angehört habe oder an- gehöre. Herr Sturm legt also Wert darauf, daß da» rein gelbe Banner der Kandidatur Fortenbacher durch keinerlei andere Farbbei Mischung getrübt werde. Wir warten in Ruhe ab, welch« Zugkraft die Parole„gelb und unpolitisch" entfalten wird. * V --- Herr Fortenbacher hat übrigen», wie wir der„Post" eiitnehmin, im Namen seiner gelben Ardeitergemeinschaft ein Telegramm an den Kaiser geschickt, in dem er verspricht, weiter Waffen zu schmieden,„bis der letzte Gegner durch deutsche Waffen niedergerungen den deutschen Frieden angenommen hat"., Wir bemerken die», weil sich hieraus einige Rückschlüsse auf die Kriegizielpolittk Herrn Fortenbacher» er« geben._ Das geliebte Dreiklaffenwahlrecht. In der„Kreuz-Zeitung" fühlt sich wieder einmal einer von denen, die im Weltkrieg nicht» vergessen und nichts dazu gelernt haben, veranlaßt, gegen jede Wahlreform in Preußen zu protestieren. Mit Hinweis auf unsere Meldung. daß die preußische Wahlrechts»,„rlage fertiggestellt sei, fragt der konservative. Einsender entrüstet,„ob es denn nichts Bessere? und nichts Wichtigere» zu tun gibt, als an der Grundlage des wie niemals sich bewährenden preußischen Staates zu rütteln",(Dieses Wichtigere und Bessere ist m- zwischen gefunden worden in der Gestalt deL Fideikommiß- gesetzeS.) Im Tone deS besorgten Patrioten ermahnt der Einsender: Wer die Entwicklung der letzten Jahre mit offenen Augen verfolgt hat, wird sich sagen müssen, daß da» preußische Landtag»« Wahlrecht die let'te und einzige Schntzwehr u« da» alte Preußen, d. h. um Preußen überhaupt, denn Preußen wird entweder das alte oder e« wird nicht mehr sein: daß dies Wahlrecht da» letzte Boll- werk der verfassungsmäßig garantierten Selbständigkeit der Bund«»- fiaatcn und der letzte und einzige Eckpfeiler de» von Kaiser Wilhelm I. und seinem großen Kanzler rntiet Mitwirkung der deutschen Bundesgenossen geschaffenen Deutschen Reiche» ist Fällt da» preußische LandtagSwahlrechr. dann wird Preufteu aus den, bisher festgefügtesteu monarchischen Staatswesen eine Scheinmonarchie niid mit ihm werden e» alle deutschen Bundesstaaten, die bi» dahin Hort der Man- archie und die eigentlichen Träger de« monarchische» Ge- danken» waren. Die deutsche Krattanelle wird langsam ver- siegen— und Englands Z i e l(!) ist erreicht mit Hilfe unseliger deutscher Verkehrtheit und Verblendung. Und da» soll die Errungenschatt dieses mit beisprel- losen Opern geführten Kriege» ieink Und das will man un'eren he i>» keh r e n d e n Feldgrauen als„Lohn" für ihre Hingabe entgegenbringen" Wir betrachten die Beseitigung des DreikkafsenWahlrcchtS durchaus nicht als einen„Labn" für die Feldgrauen» sondern als die Erfüllung einer politischen Srlbstversiäitdlichkeir. Wenn der konservative Einsender aber die Feldgrauen mit der Aufrechterhaltung desDreiklasscnwahlrechtS„deloyneu" will, so wird die Volksstiinmirng nach dem Weltkriege von der nach den Freiheitskriegen sich nur darin unterscheiden, daß sie diesmal mcht 33 Jahre brauchen wird, um sich durchzusetzen.— Die Einsendung endet mit einem Aufruf„an die national- gesinnte Mehrheit des preußischen Abgeordnetenhauses"(alsu wer die Wahlrechtsreform will, ist nicht national, die» schreibt man 1917!) sich ihrer Pflicht bewußt zu sein„gegenüber unserm geliebten Preußen". Wenn der Einsender aber i» diesem Zusammenhang von dem„jetzt zu Recht bestehenden preußischen Landtagswahlrecht" spricht, so möchten wir ihn doch darauf aufmerksam machen, daß sich die RcchtSgrunb- lagen des einstmals im Widerspruch zur Ver- fassung aufoktroyierten Dreiklasseumahlrechts seit seiner Entstehung nicht geändert haben. Vi« alldeutsches Porträt des deutsche« Volles. Daß sich die Dinge im Kopfe der Menschen verschiede» malen. ist eine bekannte Tatsache. Trotzdem dürfte da» Bild über« raschen, da» ein alldeutscher Bersemacher. Eberhard König. sich anläßlich de» deutschen Friedensangebote» und der deutschen Roten an die Neutralen vom deutschen Volke entwirft. Unter dem Titel:.Sind wir da«?' stellt er in der„Deutschen Tageszeitung" die folgende„poetische" Betrachtung an, au» der wir einig« Kost« proben wiedergeben: Sind wir denn das. was da vor allen Türe» Da? schäbge Hütel in den Fingern dreht, Bedienten hott nach fremden Menen späht Und jeden Augenblick geladen steht, Durch t ä p p f ck e n Edelsinn die Welt zu rühren? �»................... Sind wir denn dnS, was daueznd nur bedacht ist, Rcchfferligimg rundum sich zu er winseln? � Sind wirtlich wir das Volk von Ernsalrsvinseln, Das niemals lernt, was Ernst ist und was Macht ist. DaS nie da» grimmige Entwedcr-�oder Im Streit mit Neiderrokeit anerkennt. Da» nie in herrlich reinem Haßgeloder, Gerechtester Berserlerwut entbrennt? Da» sanft an Hintertüren wirbt und bettelt, In seiner letzten Rot mit Noten stümpert, De» Schicksals Ja und Nein verschleppt, verzettelt, Im TodeSernst die MenschhettSharse klimpert? Da» nur salbadern kann und sich verteidigen Mit Worten, Worten! schafsgeduldgen Mute»! Die beiden letzten Zeilen vom„Salbadern... mit Worten, Worten" sind von Eberhard König reckt unvorsichtig gesetzt. Man lonnte ihn frogen, mir wo« ander» als Worten er denn--— dichtet?_ Wie der„deutsche frieden" aussteht- Der Unabhängige Ausschuß für einen deurschen Frieden bar eine Entschließung geroßt, in der er sich gegen einen„GeschäftSftieden" ausspricht. Er fordert Erweiterung de» Machtbereich» de« Deutschen Reiche» und Sicherheit für eine friedliche Entwicklung, die nur gewonnen werden kann, wenn sieben von ihm aufgestellte Punkte erfüllt sind. Dies« sieben Punkte um- tosten: Eine günstigere Gestaltung unterer Grenzen im Osten und Westen: eine bedeutende Erweiterung unserer landwirt- s ch a f t l i ch bebauten Fläche im Osten: Erwerbung der feind« lichen Grenzgebiete mst besondei» wertvollen Bodenschätze»: Besitz der flandrischen Küste: politiiche, wirtschaftliche und milttärische Oberleitung von Belgien und Polen; umfassenden Kolontalbesitz; und Abwälzung eines möglichst großen Teil» der K r i e g» k o st e n auf die Gegner in der FotM von Geld- Zahlungen oder Landabtretungen. Letste Nachrichten. Ter Raub der griechischen Handelsflotte- London. 22. Januar. Der„Daily News" zufolge sollen die griechischen Schiffe in den englischen und den übrigen Häfen de» Vierverbands, die England zu„übernehmen" vorgeschlagen hat, «inen Inhalt von 700000 Tonnen haben. Der größte Teil der griechifchen Reeder soll bereit sein, sich mit der vorgeschla- genen Uebernshme einverstanden zu erklären. Im Weigerungsfälle «erde die englische Regierung einfach die Schifte zu eine« niedri- «errn Preise reguirierrn.(Das macht die„Bereitschaft" der Reeder verständlich!) Ein Königreich für Frachtraum? London, 22. Januar. D?e„Times" vernehmen, daß viele Schiffswerften den Bau von Passagierschiffen einstellen werden, um alle Energie auf den Bau von Frachtschiffen zu vereinigen. Das Kohlcnshndikat. Essen, 22. Januar. Die heutige Versammlung der Zechenbe- sitzer befaßte sich zunächst mit der Zusammensetzung der ständigen Ausschüsse und nahm sodann die Anmeldung der Verkaufspreise entgegen. Die Abgabe und Entschädigung für Mehr- und Minder- abfatz wurde wie bisher auf 1,50 M. für die Tonne, und die Höhe der Strafen für jede Tonne der von den Beteiligten durch eigene Schuld nicht gelieferten Menge wie bisher auf 2 M. festgesetzt. Die Versammlung erledigte sodann auch die sonstigen zu Bsgirrn de» Jahre» üblichen Gegenstände der Tagesordnung und setzte die Beteiltgungsanieile für Februar in der bisherigen Höhe fest. Der Antrag der Gewerkschaft„Graf Bismarck" auf Erhöhung der Ver- rechnungspreife für ihren Groß-Koks wurde abgelehnt. Luftkricgsbcute-Ausstellung. Berlin, 22. Januar. Wie uns mitgeteilt wird, findet Ansang Februar in den Ausstellungshallen am Zoo ein« Deutsche Luft- kriegsbeute-AuSstellung(Selka) statt. Opfer des Eisgangs. chamburg, 22. Januar. Infolge starken Eisganges ist heut« morgen unter der großen Elbdrückc ein Schleppdampfer, der zwei Schuten hinter sich zog, gesunken. Von der Besatzung konnten sich zwei Manu retten, indem sie auf die Eisschollen sprangen, drei andere ertranken. Sofort eingeleitete Ret, tungS- und Hebungsverfuche waren ohne Erfolg. Gewerkfthastliches. Verlin und Umgegend. Veränderungen in den Lokinsatzeu für Militärarbeiten. Am l. Januar ZSlö traten für die HcereZIiefcrungen in Berlin Bcslimlnunx,en in Kraft, die bezwecken sollten, das damals herrschende bunte Durcheinander in bezug auf die Lohnzahlung zu beseitigen und eine einheitliche Ordnung herbeizuführen. Die Lieferungs- bedingungen dcS KriegSbekleidunqSamiS des Gardekorps schrieben daher generell vor. das} nur Stücklohn gezahlt werden dürfe. Ä?ochen- oder Stundenlohn sollte nur dann zulässig sein, wenn das BelleidungZaml sich vorher damit einverstanden erklärt halte. Bor Fnlrafitreien dieser Bestiniinungen war vielfach die Höhe der Zeitlöhne vor der Schlichlungskommisfion bconsiandet worden. Die Erfahrungen lehrten, datz mit der Bezahlung von Wochenlöhnen ein gewisser Lohndruck ausgeübt wurde. Auf Antrag der Arbeiter wurde daher m den Vertrögen des Bekleidungsamts die Bezahlung von Zeitlöhnen untersagt. In den neuen Vertragsbedingungen waren Teiliincklohn-Tarife vorgesehen, bei denen die Mög- lichkeit offen gelassen war, Aenderungen an den einzelnen Lohnsätzen vorzunehmen, jedoch mutzte aus jeden Fall die Endsumme 73 Proz. des vom Amt gezahlten Lohnes ergeben. Eines- teils ist trotzdem ruhig weiter im Wochenlobn gearbeitet worden. und zwar in erheblichem Umfange. Andererseits sind Tarife aus- gearbeitet worden, die als geradezu unsinnig zu bezeichnen sind. Soweit die SSlichtungskommiision oder die Bekleidungsämter Fälle erfuhren, in denen Wochenlöbne gezahlt wurden, griffen. sie ohne weiteres ein und wurde auch in vielen»Fällen Nachzahlung geleistet. In derartigen Fällen ist eine Kommission beautlragi worden, die diesbezüglichen Feststellungen zu treffen. ES lourde dann der zu wenig gezahlte Lohn je»ach der Dauer der Beschäftigung auf die gesamte Arbeiterichast verteilt. In solchen Fällen hat auch das >driegsbckleidungSaml des GardekorpS von seinem Recht, den betreffenden Unternehni er iit Strafe zutiehmen, Gebrauch gemacht. So bat allein ein Unter- 'nehmer 7 0 00 Vi. Strafe bezahlt. Hierfür gili folgende Bestimmung: „In sedein Fall der Unierschreituiig des Lohntariis verpflichtet sich der Unternehmer, an das Amt eine Veriragsstrafe in Höhe des Fünffachen des Unterschiedes zwischen der' Gesamtsumme der gezahlten und den nach dem Tarif zuständigen Löhnen, mindestens aber in Höhe von 20 M. zu zahlen. Die Straie ist auch dann zu entrichten, wenn der Unterlieferant oder Zwischenmetster den Ver- siotz begangen hat. Das Am» wird die Strafgelder zum Besten der durch Tarisverstötze geschäd'gten Arbeiter nach pflichinrätzigem Ermessen verwenden. Der Rechtsweg oder die Anbringung einer Vcfchwerde bei der SchlichtungSkoinmijsion»st bei einem Streit über die Verwcndmig ausgeschlossen." Aus dieien Strafgeldern ist das Lekleidungsamr berechtigt, solchen Arbeitern und Arbeiierinnen, die im Wege der Klage die ihnen zu wenig gezahlten Beträge nicht erbalten können, dies» ganz oder teilweise zu ersetzen. Voraussetzung dafür ist allerdings, datz durch die SchlichlungStonimiisior.'sestgcstcllr wird, ob und in welchem Umfange zu wenig Lohn gezahlt worden ist. Auf die blotze Bc- bauptung oder Vermutung hin wird das BekleidungSam: keine Eni- schädigung leisten. Eine Eniichädigniig durch das Bekleidungsamt schlietzt selbstverständlich nicht aus, datz der betreffende Unternehmer zivilrecktlich weiter in Anspruch genommen werde» kann, nur wäre in solchen Fällen dem Bekleidungsamt der gezahlte Betrag zurückzuerstatten. Neben der zibilrechilichen Haftung kann der Unternehmer gemätz der Verordnung deS Oberkommandos tn den Marken vom 21. Dezember 191-5 und IS. Jannor 1917 mit Gefängnis bestraft werden. Durch die- Verordnung vom 13. Januar 1917 ist der. fr über blotz für Grotz-Berlm vorgesehene Schutz der Tariflöhne aus die ganze Pro- viiiz' Brandenburg' ausgedehnt/ Mit dieser neueren-Verordnung werden automatisch sowohl die fctzr bestehenden, als etwa in Zukunft in Krdft tretenden Lohnsätze geschützt. Neben den Unternehmern, die grotzes Gefallen an den Wochen- löhnen sandelt, hat ein grotzer Teil auch Stücklohntarife eingeführt, die erheblich zu ihrem Vorteil ausgefallen waren. So ist in ver- schiedenen Fällen die Arbeiterschaft in folgender Weise ganz erheblich übervorteilt worden: Nach dem Teillohntam, der im Januar v. I. herauskam, war her Unternehmer berechtigt, sich für das Einrichten eines Mantels 42 Pf. zu berechnen. Diese Bestimmung haben die Unternehmer in der Weise umgangen, datz sie einfach andere Bezeichnungen im Tarif ausmhrlen, wodurch eS ihnen dann möglich wurde, den Arbeitslohn für das Einrichten ganz erbebl'ch in die Höhe zu bringen. So ist in einem Falle in einem Toris für das Kragen-Votarbeilcn 73 Pf. voi gesehen, während für den Kragen zu niachen 73 Pf. in Ansatz gebracht wurden. Dos Äragen-Vorarbciten gehört aber zum.Einrichten. Neben dieser Arbeil sind noch bei einigen änderen Positionen 25 Pf. für Einrichtearbert untergebracht winden, iodatz den Arbeitern wenigstens 97 Pf. pro Stück zu wenig ge- zahlt wurden. Es ist dies bei einem Lobniatz von 3.50 M. ein immerhin wesentlicher Beirag. Solche Vorkominnisse sind allerdings nur dann möglich, wenn die Arbeiter und Arbeite- rinnen sich um das Zustandekommen des Tarifs nicht kümmern, iowie auch unbegreiflickierweife von dem Inhalt der Vertrags- dediltguilgen jetzt noch keine Kenntnis haben. Um diesen Mitzstand zu beseitigen, entichlotz stch die SchlichiungS- kommiision, einen Teilstücklobnlaris auSiuarbellen und diesen dem Bekleidungsanil zu überreichen mit dein Ersuchen, allen Lieferanten vorzuschreiben, künftig nur nach diesem Torts zu zahlen. Tie Schl'chtungskommission hat hierbei die von ihr gemachten Ersah- rungen verwertet und steht zu erwarten, datz in der allernächsten Zeit dieser Teilstücklohn-Taris zur Einführung gelangt. Durch die Verordnung vom 13. Januar 1917 ist die Nichtbeachtmig dieses Teilstücklobn-TarifS unter Strafe gestellt. Wir werden seinerzeit über die neu in Kraft tretenden Be- stimmungen und Stücklohnsätze berichten. Ms Industrie und tzandel. Vierte italienische Kriegsanleihe. Die Agenzia Stefan: verbreitet folgende Meldung:„Ein Erlatz gibt die Elmächtigung zur Ausgabe einer vierten nationalen An- leihe, die mit fünf Prozent verzinslich, für jetzt und in Zukunft von jeder Steuer befreit und bis zum Ende des Jahres 1931 un- konvertierbar sei» soll. Ter Zerchnungspreis beträgt neunzig Prozent." Italien hat seine erste»Kriegsanleihe" noch zu einer Zeit aufgelegt, da es sich selbst im Frieden befand und nur die Kosten der bewaffneten Neutralität decken mutzte. Diese erste Anleihe wurde zu 97 Prozent ausgelegt und brachte 4>/z Prozent Zinsen. Ihr Eilrag war 830 Millionen Lire. Die zweite Kriegs- anleiho knapp nach Eintritt Italiens in den Krieg aufgelegt, war bei einem Zeichnungspreis von 93 Prozent mit 4'/- Prozent der- zinslich und brachte einsch'Iietzlich der festen Beteiligung des Banl- L'nsortinms in Höhe von 200 Millionen Lire einen Erlös von 1118 Millionen Lire. Tie drit'.e, im Dezember 1915 ansgelegre Kriegsanleihe war öprozenlig bei» einem Zeichnungspreis von 95.5 und brachle einichlietzlich der festen Beteiligung des Bankkonsortiums in Höhe von 500 Millionen Lire einen E> lös von 3014 Millionen Lire. Aus dem Vergleich der Zeichiiungsbedingungen ergibt sich. datz d,e neue vierte Anleihe, welche zur Uinwandlung der großen schwebenden Schulden in langfristige dringend notwendig ist. infolge der Herabsetzung des ZilchnungSpreises auf 90 den Kapitalisten erheblich bessere Be- dingungen bietet als die früheren Anleihen. KrirgSgewtn»? Der Aufsichisrai der Aachener Lederfabrik Ä.-G. schlägt der Generalversammlung die Ausschüttung von 25 Prvz. Dividende ki. V. 20 Proz.) vor. Nacb Rückstellung der Kriegsgewinn- iteuer in Höhe von S00 000M. fi. V. 700000 M. für 1914 und 1915) verbleibt ein R-e i n g e winn von«66 236 M.(516 868 M.) Hier- auS sollen ferner 100 000 M. der Stadl Aachen zu KriegSwohlfabrts- zwecken überwiesen, 40 000 M. der Rücklage und 10000 M. der Ar- beiterwoblfahrl zugewiesen werden. Zu der Kurssteigerung der Ehrmischen Fadrikc» Zeitz wird im „Berliner Tageblatt" peickirieben, datz die grotzen Gewinne dieses Unternehmens sick- aus einer Lücke in den Bundesratsverordmingen erklären, die den Weilervelkaus der von ihm hergestellten Fettsäure zu einer Zeit freckietzen, da sämtliche übrigen Fette bereits bei'chlag- nahmt waren und unter die Höckstpreise fielen. Daher konnten die Ehemi'chen Fabriken Zeitz bis zum 5. Ollober vorigen Jahres für jeden Waggon minderwerligen Ledertcues 50000 bis 70 000 M. Exlroprofit erzielen. Die neuen BundesratSverordnnngen haben diese Lücke verstopft. Daher wird der Gewinn der Ebemischen Fabriken Zeitz wabrsckeinlich zurückgehen und die letzten Käufer der Aktien dieies Unternehmens, die sich von der hohen Gewinnziffer blenden ließen, werden nicht übel hineingefallen sein. DaS„Berliner Tageblatt", verlangt mit Recht ausführliche Erklärungen der Ver- walluna in der Generalversammlung. Eiscnknappheit in Norwegen. Die Einfuhr von Eisen nach Norwegen bat in letzter Zeit so gut wie ganz aufgehört. Die norwegische Regierung verhandle zwar gegen- wärtig mit der deutschen über die Freigabe einer kleineren Menge zur Ausfuhr nach Slorwgeen. Die vorbandenen Vorräte reichten nur noch für ganz kurze Zeit hm. Aus England nnid Bei- gien erhalte illorwegen überhaupt nichts mehr. Die Einfuhr aus Amerika fei ganz unsicher, außerdem die Preise infolge der hoben Fracht um 300 Proz. gestiegen. Deshalb befürchtet man in norwegischen Eiscnhändlerkreifen, datz, wenn nicht Deutschlaird Norwegen Entgegenkommen zeige, und größere Mengen zur Ausfuhr noch Norwegen freigebe, die meisten rwrwcatschen Eisenwerke und Schiffswerften über kurz oder lang ihren Betrieb einschränken oder einstellen muffen. Die Erben. Ein Brief aus Buenos Aires im„Eeonomist" be- richiet, datz die Gutzröhrenfabrik in Bolinaton lNew Jeriehl einen Auftrag auf 59 971 Tonnen gutzetserne Röhren für die Wasserwerke von Buenos Aires erhalten bat. DerPreiS übersteigt 3,5 MiLioncn Goldpesos. Fünf Angebote lagen vor. davon vier von englischen Firmen, die alle niedriger gewesen sein sollen, als das amerikanische. Der letzte Jahresbericht' der zuständigen Gesundheitsbehörde erwäbnt, datz der amerlkanische Gesandte in der Sache i n l e r v e ir i e r t e. Soziales. Unverschuldeter Irrtum bedingt Straffreiheit. Das Reichsgesetzbiatt Nr. 12 bringt die Verordnung des Bundes- rais vom 13. Januar, durch die nnder'Suldeter'Jntum über das Besieben oter die Anwendbarkeit von Vorschriften, die der Bundesrat ans Grund seiner Ermächtigung zu wirtschaftlichen Maßnahmen erlassen hat, Straffreiheit bedingt. Solange die öffentliche Klaas nicht erhoben ist, kann die Staatsanwaltschaft bei dem Gerichte die Einstellung des Verfahrens beantragen. Ist das Verfahren ein- gestellt, kann es nur auf Grund neuer Tatsachen oder Beweismittel aufgenommen werden. Ist die öffentliche Klage erhoben und erachtet das Gericht die Voraussetzungen für die Annahme unverschuldeten Irrtums gegeben, hat es die Eröffnung des Haupiver'ab>ens abzulehnen oder, wenn Voruntersuchung gerührt ist. den Angeschuldigten außer Verfolgung zu setzen; ist Slraibefeht beantragt, bat das Gericht den Antrag abzulehnen. Ergibt die Hauptverbandliing. daß unverschuldeter Irrtum vorliegt, ist der Angeklagte fteizusmechrn, Die Verordnung ist cun 18. Januar 1917 in Kraft getreten. Zwangsweise Einführnng der englische» Arbeitszeit. Eine dem Verbände Sächsischer Industrieller angehörende Mitgliedsfirma in Wnizsn hatte beim Geiainlvorstand des Ver» bandes den Antrag auf zwangsweise Einführung der sogenannten englischen Arbeitszeit gestellt. Von den Antragstellern war zur Begründung daraus hingewiesen worden, datz eine E i n»' ch r ä n k u n g des Lichibedarss dadurch datz die HauShaltungSmitglieder aus dem Mangel an Petroleum sich früher zur Rube begeben, von selbst eintreten würde, wenn die nach Schluß der Arbeitszeit verbleibenden Stunden für die häuslichen Arbeiten ausreichen. Während des Winters seien durchichnntliÄ täglich vier Stunden künstlicher Beleuchtung notwendig, demnach würden»ach Ein- fübrung der englischen Arbeitszeil wenigstens 25 bis 33st� Proz. erspart. Der Gesamtvorstand bat über den voistehenden Antrag beraten und anetkannt, datz die englische Arbeitszeit für viele Bs- triebe von großem Borteil sei und auch den Arbeitern und Ange- stellten Vorteile zu bieten vetmöge. Der Gesamivorstand des Verbandes Sächsischer Jiivuitneller bat sich jedoch gegen eine zwangsweise Einrührmtg dieser Arbeitszeit ausgesprochen, da einmal die Verbältniffe in den einzelnen Belrieben zu verschieden- ariige wären, um eine einheitliche Regelung dieser Frage vorzu- nehmen, und gegen eine zwangsweise Einfübrung ferner solange wichlige Bedenken beständen, als nicht auch die staatlichen und lomnrunalbebördlichcn Einrichtungen aller Art, vor allem Post und Telegraph, städtische Kanzleien uiw. dicier Arbeitszeu durch ein- sprechende Ansetzunq ihrer Dienstsnmden Rechmmg lraqen. Auch wir müssen uns gegen die zwangsweise Einführung der englischen Arbeitszeit wenden. Wir meinen, datz auch die Arbeiter zu bestagen sind, ob sie diese Steuerung wollen. Tie englische Ar- beitSzeir hat»eben ibren Vorteilen auch ihre Nachteile. Dabei sehen wir davon ab. datz sie alle bisherigen Dispositionen im Hans- halte des Arbeiters über den Hausen wirft und daß die Anpasinng dorr, wo Kinder im Hau'c, sehr oft so schwer ist, datz die Hausfrau vom Kochtopf gar nicht wegkommt, was namentlich dort, wo die Frau mitverdienen mutz, als ganz erbebliche Stöiung empfunden wird. Wir betonen vor allem, datz die jetzt übliche Arbeitszeit, die zum Teil noch 11 Stunden beträgt, vre! zu lang ist. um ohne Mittagspause durchgebalten werden zu können. Die achtnündige Arbeitszeit ist das Höchstmaß dessen, was dabei dem Menschen zu- gemulet werden kann. Namentlich jetzt. Durcharbeitende sind während der ganzen Arbeitsschicht auf Brotnabrnng angewiesen. Daran mutz sich der Körper sowieio erst gewöhnen. Jetzt fällt das doppell schwer. Einmal sind die Brotiaiionen. die zur Veriügung stehen, klein, dann ist die Zukost zum größten Teil ganz weggefallen. und der verbleibende Rest fft so eintönig, datz es autzerordentl'ch schwer sein wird, von der gewohnten Unterbrechung durch eine Mittagspause abzugehen.___ Kleinsiedlungen in Lippe. Die Staatsregicrung in Lippe bereitet für die Ansiedlnng von Kriegsteilnehmern Pläne- vor, worüber nach einer Mitteilung der Regierung dem Landtage rm Lau'e dieses Frübjahres eine Vorlage zugehen soll Inzwischen ist der lippische isiedlniiasverein bererts mit der Erschlietznna von Oedländereien in der lippiicken Senne vorgegangen. Dazu sind allerdings viele Gelder nötig. Dem lippi- fchen Landtags ist deswegen eine Vorlage zugegangeii, nach der die Landcsbank ermächtigt werden soll, Älcinsiedlunaen bis zu 75 Proz. und tn besonderen Fällen noch höher zu beleihen. In Lippe wird auch die Etrichiung einer Fütstüchen Akademie iür Verwaltnngs-- wlsiemchaften geplant, in der auch das gesamte Wohnungswesen eine eingehende Behandlung erfahren soll. Verantwortlich für Pulitü: Hermann Müller, Tcinpelhos; jllr den übrigen Teil d. Blattes. Zllsred Scholz. Nentollii! für Inserate: lb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Beriagsanltnli Paul Singer& Co. Set fin SW.'■■-' Hierzu I Beilage und Untcrbaltnugsblatt. Todes-Anzeigen ZsntralveM(lerleilerarbeiter und-irheiterinnen Deutschlands, Filiale Berlin]. Am Sonntag, den 3t. Januar verstarb plötzlich unler lang- jähriges Äiitgllev, der Weißgerber Lodert ksut�e. Ebre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mit! woch, den 3t. Januar, nach- mittags 3 Ubr, von der Halle des Sovhicn-KirchhofeS. Freien- walder Straße, aus' statt. 183/12 Tie Ortsvcrwaltunz. CeuischerKetallarbeiteF-llertianii Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht daß unser Mitglied, der Bau- anschiager iagust SM] Neukölln, Donaustr. 130, am 18 b. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 34. Jaunar, nachmittags 2'/z Ubr, von der Leichen- Halle deS töemi in de-Friedhofes Maricndorfer Weg aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. XacUruf. Ten Kollegen ferner zur Nach- richt. datz unser Mitglied, der Dreher Friedrich Schulze am 15. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! l2>'19 Tic Drtsvcrwaltung. Allen Belannten und Verwandten die traurige Nachricht, datz meine Hebe Fron, Mutter, Schwester und Dante Ida Verheyen geb. Thiele am 18. Januar verstorben ist. Die Beerdigung findet am 3S. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen JakobikirchhofeS, Hermannfwatze. aus statt. Im Namen der Hwterbl! ebenen t151 Ott» Terheyen. Nach langem Leiden. entichlies ianft aui 2s. Januar 1917 mein herzensguter Mann, unser lieber Vater, der Buchdrucker Karl Bauer 74 Jahre alt. DieS zeigen tiefbetrübt an LMM Böller Ä. Gr-Lichtei seidc-Lest,<7„,. linier den Eichen 69. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 24. Januar, nach. mittags 4 Uhr. au- dem Park- iriedhöt.Gr.-Lichterielde-Wes», statt Kraitlitngeid- Zlltlhuß- KtgröbnisKaffe der.Kerliuer ßnopfarbeitkr und verwandter Gewerbe. MwMi Ceneral-tailiüig am Sonnabend, den S7. Januar 1917, abends S't, Uhr, bei Kurth, Drangelftraße l05. Tagesordnung: I. Kasienverscht: a) vierteljährlich, b) jähinch. 2. Wabl deS GsiamtvorHindeS m>d der Reviioreu. 3. Innere Kafienangclegenheit 4. Verschiedenes, 283/1 Ter Vorstand. J. A.: Georg Streiter, L Schristsührer. Kaufe Säcke leben P often, auch zerrissene, sowie Emballagen. Rogner. Iterlin. Lothringer Sir. 64. Norden 10785. Kllimrn- und*iratubini)rrfi von Roberl Meyer,* Ind.: P. Golletn Mariaunrnstr. 3. Tel. Mpl. 10303 Kunslstopserei Große Franks urler- strcche 67. 6SÄ1 Venfialtünpstelle Berlin. N 54, Linienstr. 83-85. Geschäftszeit von 9—1 Uhr und von 4— 7 Uhr. Telephon: Amt Norden 155. 1239. li-87, 9714. Tonnerstag» den 3«. Januar, abends pünktlich 7 Uhr: ferlranensmänner-Konrerenz der Eisen-, Metall- u- Nevolverdreher sowie Rnndschleiser in den Musikcr-�cstsälen, Kaiser-Wilhelm-Str. 31. Tagesordnung: 1. Branchenarigelegeiiheiten. 2. Verschiedenes. Tonnerstag, den Ä-?. Januar 1917, abends 8 Uhr: Bratichen-Bersam.mlung aller in den Klempnereien beschästigteu Kollegen und Kolleginnen in Heinrichs Jcstsälcn» Große Frankstirtsr Straße 30. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Kündigung des Bauilembncrtariis. 2. Unsere vohn- und ArbeitsveihälMissc während des Krieges. 8 Verbands- utid Branchenaiigetcgcnhciten. LS ist Pflicht aller Kollegen und Kollcgwnen. in dieser Versammlung »üultlich zu erscheinen. Kein Vauklcmpncr darf fehleu. Tonnerstag, den ÄS. Januar 1017, abends 8 Uhr: Versammltm� der Zigaretten- und Hülsenmaschinisten in den Musiker-Jeftsälcu, Kaiser Wilhelm-Str. 3L Tagesordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten 21 d o l f Ritter über das Ti eustvst chtgeseh. 2. DiStuftwn. 3. Gruppenangelegcnhcikcn. 4. Ver- schiedenes.' 128/18 Die Kollege» werden erjucht, pünktlich 8 Uhr zu erscheinen. Tie Ortsverwaltung. Verbatiä der Utaler, Saekierer, Anstreicher ete. Bureau: Melchiorstr. 28, Part. Arb-Nachw.:Garmannst.l3 Fernspr.: Amt MoritzvL 4787.„ tilUlt Vi I llu. Fe�zr.: Norden 8791— 97 Tonuerstag, den Ä5. Januar, abends 8'/. Uhr, im EewerkschaftS- Haus, Engeluser 14/t5: Mitglieder-Uersammlung. Tageso r dnung: I. DaS HilfSdieuftgeketz. Referent: Gen. 9 Sauer. 2. TiSlulfian. Wege» der Wühiigteit der Tagesordnung ist das Erscheinen aller Kollegen notwendig. 137/1. Die Ortsvcrwaltuiifi. St. 22. 34-�� WlU desImUkts" NslKsblatt. w23-|mMt19'7- Mbgeorönetenhaus. Iustizminister Beseler: Der letzte Enlwurs von 1318 kan folge Ves Landtagsichlune-Z l91ö nicht zur Verabschiedung. � j /•» r y 1 1 rt 1-m i-r v ii �P«rtv r: k r... S, v.�r. öt. Sitzung. Montag, den 22. Januar, nachmittag? 2 Udr. Am Minifiertiscki: Beseler. v. Schorle in er. Auf der Tage-5ordnung siebt die erste Beratung des Mdeikommihgeseyes kam in- WWW».______ Die Regierung war sich aber schon damals klar darüber, datz der Eni- wurf wieder eingebrockt werden müsse. Reu aufgenommen ist ein Teil über S t a m m g ü t e r, der auck dem kleineren und mittleren Besitz j,u der ihm bisher fehlenden Besitz- K e f e st i g u n g in der Familie verHelsen soll. Der Minister gehl weiter die Einzelheiten des Gesetzes durch, bleibt aber im Zn- fammenhang auf der Tribüne unverständlich. Abg. Delbrück(k.): llriTer Standpunkt 511 dem Gesetz ist bekannt. Wir würden in dem Zustandekommen des GeietzeS einen bedeutsamen Fortschritt sehen. Der Entwurf enlsprickt dem, waS die grohe Mehrheit de§ HauieS als ihren Wunsck ausgesprochen hat. Wir beantragen Ueber- Weisung des Entwurfs an eine Kommission von 28 Mitgliedern. Man sagt, die Einbringung des Gesetzes bedeute einen Bruch deS Burgfriedens. ES handelt sich aber hier um Dinge, die außerordentlich wesent- lich für uniern großen und kleinen Grundbesitz sind, um eine Materie, die seil Jahrzehnten der Regelung barrt, um die Beseitigung der großen Unsicherheit, die auf diesem Gebiete herrscht. ES handelt sich vor allem nickt etwa um ein ganz neues Gesetz, sondern nur um den letzten Schritt einer Gesetzgebung, die von uns ganz zu- fallig vor dem Kriege nickt gemackt werden konnte. Wenn man von einem Bruck des Burgfriedens spr'ckt, so kommt es darauf an, was man unter Burgsrieden versteht. Ich gebe zu. es handelt sich um grundsätzliche Gegensätze. Sie wollen die Fideikommisse ab- schaffen; wir wollen sie den Anforderungen der neuen Zeit an- passen. Aber es handelt sich doch keineswegs um?in reaktionäres Gesetz� Bon dem Abg. Aronsohn(Lp.) und Genossen liegt zu der Materie ein Antrag vor, der in Form eines Gesetzentwurfes wünscht, daß während des Krieges und bis zum Ablaut von zwei Jahren nach dem Friedensschluß die Errichtung von Grundfideikommisien oder die Vergrößerung bestehender nickt zulässig i st. Aus- nahmen bedürfen der Genehmigung des StaalSministeriunis und sind dem Landtag, soweit sie eriolgen. mitzuteilen.. Abg. Bitta lZ.) begrüßt den Entwurf, vor allem»ie Bestimmungen zum Schutze der Befestigung des kleinen und mittlereu Grund- bentzes, auck der Großgrundbesitz sei ein unentbehrlicher Faktor unserer Volkswirtschaf:. � Abg. Lohmann(natl.): Dir finden die Wiedereinbringnng des Gesetzes verwunderlich und ausfallend.(Sehr gutl links.) Es ist duraus unklug, jetzt eind so weitgehende fidei- kommisiariscke Bindung festzulegen, da wir gar nicht wissen, welche Ziele unserer Agrarpolitik nack dem Kriege gesteckt werden können, ob wir uns dann noch den LuruS gestalten können, soviel Grund und Boden für die kommissarisch Gebundenen zu hallen. Wir werden dem Anirag Aroikwhn zustunmen und beantragen, über diesen ohne Kommiisionsberaiung abzustinnnen. Abg. Krausc-Waldeirbnrg(ft.) stimmt der Vorlage zu. Mg. Waldstcm(Lp.): Dia Vorlage vom!9l� wurde von der Regierung selbst fallen galasien, nachdem wir erklärt batten, daß wir in der Weiterbe- rawng dieses Gesetzes einen Bruch des Burgfriedens erblickten. lHört! hört! links.) ES gibt ja auch kaum ein Gebiet, dem schär- fcrc Gegcnsätzc der Weltanschauung, der wirtschaftlichen und poli- tischen An schaumige» einander gegenüberstehen. Dazu kommt, daß der Reichstag, desien Autorität zu wahren auch zum Burgfrieden gehört, 1918 durch Mehrheitsbeschlutz sich gegen die Bildung weiterer Fideikommisse ausgesprochen hat. Ter Reichstag wird deshalb zu dieser Provokation deS Abgeordnetenhauses Stellung nehmen müssen. Was hat der Burgfrieden noch für einen Wert, wenn er derartige Diskussion nicht verhinderMkann? Warum darf.denn hier keine Vorlage über das Wahlrecht Wmnicn.? (Sehr gut! links.) Es herrscht doch absolut Uebereinstimmung bei allen Partei«: darüber, daß das Wahlrecht reformiert werden muß, nur über das Maß bestehen Meinuiigsverfchiedenheiten, genau wie bei dieser Vorlage. Aber dort absolute Enthaltsamkeit, trotzdem es sich dabei um eine Forderung der breitesten Massen handelt. Hier dagegen will man unter dem Schutz des Burg- sriedcns gewissermaßen im Tauchboot eine so wichtige vielum- strittcnc Materie noch vor dem Ende des Krieges in den sicheren Hafen bringen! Man behauptet, es handle sich hier um eine Erschwerung der Fideikommißbildung, dabei wird der Stempel, mit dem jede Fidcikommißbildinig zu versteuern ist, in ganz un- verantwortlicher Weise wesentlich herabgesetzt.(Hört! hört! links.) Wenn der Satz Xoblesse odlize iÄdel verpflichtet) noch irgendeine Bedeutung in Preußen haben soll, erwarte ich. daß diese Steuer- Herabsetzung im Interesse des Großgrundbesitzes in dieser Zeil der höchsten Not des Vaterlandes nicht Gesetz werden wird.(Bravo! linkst■ t Lairdwirtschaftsminisier v. Schorlcmcr:. Ich behalte mir vor. aus die Einwendungen des Borredners in der Kommission näher einzugehen. Wenn darauf hingewiesen worden ist, daß im Jahre löl5 die Regierung auf die Weiter- bcratung des damaligen Gesetzes verzichtet. hat, st»_ läßt man dabei außer Acht, daß es sich damals um den nahen Schluß einer Scsstou handelte. Heute aber steben wir am Beginn einer neuen Tagung. Was die Wahrung des Burgfriedens anlangt, so existiert ein Kodex des Burgfriedens, ein Verzeichnis der Angelegenheiten, die unter dam Schutz des Burgfriedens verhandelt werden können oder'davon ausgeschlossen sind, bisher nicht.(Große Unruhe links. lebhafte Zurufe: Wahlrecht!) Was Burgfrieden ist. ist wesentlich Sache des Gefühls. Gewiß soll man soweit wie möglich alle An- gelegenheitxn jetzt ausschalten, welche ein Aufeinanderplatzen der Parte igegensätze zur Folge haben müssen. Daß das hier nicht der Fall zu sein braucht, hat Herr Pachnicke 191ö selbst anerkannt, als er sagte: Wären Sie uns entgegengekommen, so hätten wir unter Wahrung des Burgfriedens jetzt auck am Fidoikommißgesetz tociterarbeiten. können. lHört! hört! rechts.) Etwas anderes wäre es, wenn es sich heute darum handelte, die Gründung von Fideikommissen als etwas ganz Neues zu beantragen. Aber die wirtschaftliche Frage an sich ist ja längst entschieden, es handelt sich lediglich um eine Reform, und zwar um eine Reform, die im Interesse der Gesamtheit liegt, um ungesunden Neu- bildungen und Erweiterungen von Fideikommissen entgegcnzu- treten. Zn dem Antrag Aronsohn hat die Regierung noch keine Stclluich genommen. Aber ich glaube, die größere Mehrheit wird diesem Antrag gegenüber doch das Bedenken haben, das in dem römischen Wort biegt: timco Danaos et dona ferentes.(.Hün! hört! . links.) Es liegt die Gefahr vor, daß das, was hier als Vorüber- gehendes vorgeschlagen wird, etwas Dauerndes wird. Ich glaube kaum, daß die Regierung diesem Antrag zustimmen wird, hoffe vielmehr, daß durch Annahme der Vorlage diese Materie, die das Haus seit Jahrzehnten beschäftigt, endlich erledigt werden wird. (Bravo! rechts.)' Wg. Lrincrt(Soz.): Die Rtzde des Ministers atmete sehr wenig von dem Burg- frieden, der 1914 vereinbart worden ist.(Sehr richtig! links.) Nach banden. Jedenfalls hätte die Regierung soviel Gefühl für den Burg- frieden beweisen müssen, daß sie ein solches-Gesetz jetzt nicht ein- brachte.(Sehr gut! links.) Nach dem Minister ist alles, was den agrarischen Interessen nützt, mit dem Burgfrieden vereinbar. Die Vorzüge des.Großgrundbesitzes haben mit der Frage des gebundeneu Grundbesitzes gar nichts zu tun.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- traten.) Hbcr will der Minister ettva, daß der gesamte Großgrundbesitz fideikommissarisch gebunden wird? Ter leitende Gesichtspunkt nir die Regierung ist jedenfalls, diese Bevorzugung des Großgrund- bcsibcs vor der gefürchteten Neuorientierung unter Tach und Fach ■>! bringen. Es gilt, die Junker unter allen Umständen auch bei der Nelwrientiening auf der Oberfläche zu halten. Es werden hier Standesvorreckle. es wird ein ganz besonderes Familtenrecht für die FideUoinmitzbesitzer geschassen. Es kann z. B. in der Stiftung bestimmt werden, daß der Erstgeborene nur dann erbberechtigt bleibt, wenn er. eine Adlige beiratet. Mau will eine Art?lbglanz einer Monarchie aui dem Lande schaffen. In den bäuerlichen Familien wird dies Gesetz nicht zur Stärkung des Familiensinns wirken, sondern, wie die Erfahrung beweist, dw Familienglieder miteinander entzweien. Mit dem Grundsatz: Dem Tüchtigsten freie Bahn! ist die Vorlage unvereinbar.(Sebr richtig! bei den Soziacheniolraten.) Nicht die Tüchtigkeit soll entscheiden, wer Fideikommißbesitzer wird, sondern die Erbfolge! Trottel imd unsähige Leute können so in den Besitz all der Vorrechte kommen, die mit dem Fideikommiß ver- bänden sind! Hier gilt der Grundsatz: Dem Unfähigsten staatliche Hilfe!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Soll das die Ncuoricnlierung fein? Die Großgrundbesitzer ver- langen hier, daß der Staat ihnen ein standesgemäßes Leben garan- tiert. Tasselbe Recht hat aber jeder andere Staatsbürger. Ga- rantieren Sie dem Arbeiter den standesgemäßen Lebensunterhalt durch Schaffung von M i n d c st l öh n e n usw. Tann Würden Sic wenigstens der großen Masse Helsen, was mehr im Interesse der Llllgemeinheit liegen würde als diese Bevorzugung ein- zelner Weniger. Wir legen Protest ein gegen die Beratung dieses Gesetzes» in der heutigen- Zeit. Es gibt wirklich viel wichtigere Materien, oic beute der Regelung bedürfen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Tiefe Zeit, wo alle Welt den Atem anhält wegen der kam- wenden Ereingisse auf dem Kriegsschauplatze, wo eine furchtbare Spannung bestcht, was eigentlich mit unserem Baterlande werden wird, diesen Angenblick hält die. Regierung für aiigeutesien. ein Gesetz einzubringen, das ausgesprochenermaßcn Standesvorrechte für die Großgrundbesstzer bringt, was mittelalterliche Einrichtungen kon- servieren will. Haben wir denn wirklich soviel Zeit, um gerade jetzt ein iolches Gesetz zu erledigen, das langer Kommissionsberatung be- darf? Ist das der Fall, warum fängt man dann nicht mit dem Gesetz, an, das heute jeder Pre.uße erwartet? Warum legt man uns nickt ein Gesetz zur A b s ch a f- fung des Preiklassenwahlrech t s vor?(Sehr gut! bei den Tozialdemolraten.) Taten für die Großgrundbesitzer und Per- sprechungen für das Voll!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das neue Wahlrecht soll doch natürlich die Privilegien, die heute bestimmte Klassen haben, abschaffen.(Präsident Graf Schwerin- Läwitz: wir verhandeln jetzt nicht über das Wahrecht!— Zuruf bei den Sozialdemokraten: Leider!).Wenn man dort nicht will, daß Privilegien aufrechrerhalten Werden, darf man nicht beim Fidei- konmlißgcsetz neue Privilegien schaffen.(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.i Wir fordern Beseitigung der Privilegien auf allen Ge- bieten. Wir müssen die Folgerungen ziehen aus dem einmütigen Willen des deutschen Volles, gemeinsam zur Verteidigung des Vaterlandes zusammenzustehen. Tiefe Folgerungen ziehen Sie nicht, wenn Sie eine. Minderheit, die nicht rnebr für das Baterland tut als die Arbeiterklasse, bevorrechten. Hgndelu Sie umgekehrt: Speise» Sie die Ftdellommißbeiitzer tnit Verspveckungcm ab,, die dann ein- gelöst werden können, wenn das Wahlrecht da ist.(Lebhafter Bei- fall bei den Sozialdemokraten.) Justizminister B e s e l e r wendet sich, auf der Tribüne unverständlich, gegen einige Ausführungen der?lbgg. Waldstein und Leinert. Ein Schlußantrag wird angenommen. Abg. A. Hoffmann(Fraktion„alle Richtung"): Es widerspricht allen parlamentarischen Gewohnheiten, nach einer Ministerrede Sckluß zu machen. Sogar wenn eine Debatte schon geschlossen ist und der Minister noch das Wort nimmt, so ist sie wieder eröffnet. Sie haben ja auck hier nur Schluß gemacht, weil die Polen uns das Wort abgetreten hatten. Tie Vorlage wird gegen die Stimmen der N a t i.0 n a l l i b e r a ben, F 0 r t sck r i i t l e r, Polen und Sozialdemokraten einem Ausschuß von 28 Mitgliedern überwiesen. Ter Antrag Aronsohn(Vp.) wird n i ckt»nitüberwicsen, er kommt später zur zweiten Lesung. Präsident Gras Schwerin- Löwit> teilt mit, daß ein Antrag verschiedener vürgerlichcm Parteien eingegangen ist, die Geschäftsordnung dabin zu ändern, daß in Zukunft der Präsident die Reihenfolge der Redner festsetzt. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: DienStag 1l Uhr. tDer eben erwähnte Antrag, Diätengesetz, Hiberniavorlage, kleinere Vorlagen.) Schluß: IV, Uhr.._____ kreis- Generalversammlung von Teltow-öeeskow-Storkow-Charlottenburg. Am Sonntag, den 2l. Januar er., fand im Gew«lsckastshause die ordentliche Generalversammlung des Zentralwahlvereins statt. Vertreten waren 27 Orlsvereine. Den Geschäftsbericht erstattete der Sekretär Genosse G r 0 g e r. Er führte folgendes ans: Durch die Kampseswelhoden der Ovposttion wurde am 18. Juni 1916 unsere KreiSorganisation gespalten. Das war die erste organisations- zerrüttende Folge der Gründung der Atbeitsgemeinschaft. In dem leisten halben Jahr haben wir schwere Kämpfe in unserem Kreise durcklebt. Mancher wohlmeinde Genosse wollte diesen verhindert sehen, wie eS auck dem Kreisvoritaitde und unseren Mitgliedern sicher angenehmer gewesen wäre. Um den wahtsckein- lickcn kommenden Kämpfen ans dem Wege zn geben, die nur die Arbeiterbewegung schädigen können, unterbreitete der Genosse Hirsch bei den Kreisvorständen einen Antrag, od sie geivilll seien in EmigungS- Verhandlungen einzutreten. Wir erklärten hierzu grundsätzlich unsere Bereitwilligkeit. Die Gegenseite würdigte den Ge- nassen Hirsch keiner Ä n t>0 0 r t. Damit war die geplante Einigungsaktion gescheitert. Die Agitation wurde in den Orten durch die Intoleranz der alten.BorwärtS'redaktion sehr erschwert. Der Abdruck unserer offiziellen Bekanntmachungen wurden abgelehnt. Sie sperrte uns ibre Spalten vollständig. Nicht einmal Todesanzeigen von unseren verstorbenen Mitgliedern wurdenzum Abdruck gebracht. Auhtitsete wiederholten Beschwerden an die damalige Preßkommtssion erhielten wirnurböhnüche Antworten. Jetzt steht uns das Parteiorgan wieder zur Verfügung und unsere Bewegung macht wieder Fortschritte. In verschiedenen Orlen, io in Manendors, AdlerShot und Lankwitz, gelang eS uns. wieder Ortsgruppen zu bilden, d e sich auch in erfreuticker Entwicklung befinden. Wir haben jetzt im Kreise wieder 40 Orieveretne. Die Frauenbewegung muß noch mehr forciert werden. Für die .Gleichkeit" bat heute nur uock ein kleiner Kreis von Genossinnen Interesse, nickt aber die Masse derselben. als bisher üblick in Erwägung zu ziehen ist. Die crwcrblichen und Arbeitsverhältnisse sind dabei besonders zu verücksicktigen. linier den Parteiwirren bat auch die Jugendbewegung zu leiden. Hier wird es der Anspannung aller Kräfte bedürfen, um diese wieder ein ordentliche Bahnen zu lenlen und auf die alte Höhe zu bringen. Bei den Stadtverordeten- und G e:n e t n d e tv a ü l e n standen sich überall zwei Kandidalen gegenüber. Der Beschluß der Spartakusgruppe, unseren Kandidaten überall Gegenkandi- dcsten gegenüberzustellen, ist prompt durchgeführt worden. In Köpenick, und Wilmersdorf sind die Spartakusle-tte unterlegen. Rur tu Britz fiel der Wahlkampf nicht zu unseren Gunsten aus. Von Wahl zir Wahl hat sich unsere Sliimnenzahl erfreulich vermehrt. Der Redner schloß mit einem Hmweis auf die schweren Kämpfe, denen wir ent- gegengeben, nachdem er die von der Arbeitsgemeinschaft herbei- geführte Parteispaltung gebührend gekennzetchnet hatte. Den Kassenbericht erstattet Pa g c lS. Aus demselben ist. zu entnehmen, daß die Einnahmen 47 782,08 27. und die Ausgaben 18 541.82 M. betragen; es verbleibt ein Kassenbcstand von 29 240,26 M. In der Diskussion kritisiert Genosse K 1 0 t h- Neukölln die Schreibweise der„Neuen Zeit" und der.Gleichheit". Die Jugendbewegung ist auf ein anderes Gleis gekommen, als Partei und Gewerkschaften seinerzeit beschlossen haben. Seiner Meinung nach müßten die Gemeindevertreter des Kreises häufiger zusammenkommen, um die gerade während der KriegSzeit wichtigen kommunalen Fragen zu behandeln, damit ein möglichst einheitliches Handeln erzielt wird. Reumann- Neukölln widerspricht Kloth hinsichtlich der„Gleich- heit" und der„Neuen Zeit". L ü d e in a n n- Wilmersdorf: Für die Aufklärung der Frauen müsse nach seiner Meinung viel mehr getan werden, besonders in wirtschaftlicher Hinsicht. Krüger- Köpenick stellt folgenden Antrag:„Die Kreisgeneral- Versammlung von Teltow-Beeskow begrüßt den Beschluß des Partei» auSschusies über die Einheit und Geschlossenheit der Partei und ver» langt, daß die notwendigen Konsequenzen aus der geschaffenen Sonderorgauisation der Opposition ohne Säumen und mit aller Ent» ickiedenbeit gezogen werden. Insbesondere wünscht die General- Versammlung, daß auch für eine dementspreckende Besetzung der Redaktionen der„Reuen Zeil" und der„Gleichheit" gesorgt wird. Er ersucht um einstimmige Annahme des Antrages. Er halte eS für ratsam,'wenn die Gcmeindeveitreterkommission des Kreises öfter zusammentrete. Die kriegswirtschaftlichen Aufgaben der Gemeinden müssen mehr besprochen werden, um die Gemeinde- Vertreter bester zu. informieren und anzuregen. L e i m b a ck- Steglitz vertrat die Auffassung, daß die Gemeindekonferenzen in ihrem Ergebnis im Grunde dock recht mager sind. Die Genossen hoben hinreichend Gelegenheit, sich zu tnformieren. Gutschmidt-Britz: Wenn hier wiederhott die Frage auf- geworfen wurde, wie geipart werden kann, dann bitte er die Frage zu.erwägen, die seiner Meinung nach wichtiger sei. wie hohe Ein- nahmen erzielt werden können. Nach seiner Meinung sei dieS durchaus möglick, und zwar durch Gewinnung neuer Mitglieder. Frau R y n e ck verlangt, daß der Gewinnung und Organistcrung der Frauen eine erHöhle Aufmerksamkeit zugewandt werden solle. Damit war die Diskussion erschöpft. An Stelle des zurück- tretenden Genossen Katzcnstein wurde der Genosse SS et mann als Leiter der Fugendbewegung in den Slorstand gewählt und an Stella des Genossen Kaliski die Genossin Wachen heim- Schöneberg. Genosse Rod. Schmidt hielt sodann einen Bortrag über dsS Hilfsdienstgesetz. Der Bortrag fand lebhasten Beifall. Eine Aussprache fand nicht statt. lieber den „Lorwärts�onflikt referierte sodann Gen. Braun. Er gab eine eingehende Schilde- rung der Verhältnisse, die den Patteivorstand veranlassten, den„Bor- wärtS" wieder zum Zentralorgan zu machen. Seine Darlegungen fanden lebhafte Zustimmung. Besonders als er zum Schluss darauf hinwies, dass die SWasien der Berliner Arbeiter dem„Vorwärts" treugeblieben sind. Den Massen muss die Organtsattonsfrcudigkeit, die ihnen durch die Opposition verekelt wurde, wiedergegeben werden. Der Antrag Krüger wurde einstimmig angenommen. Zum Schluß wurde noch folgende Abänderung der bestehenden Satzungen beschlossen: Nach 7 Abs. 3 des Kreisstatuts können dcnienigen Mitgliedern, welche länger als 4 Wochen krank oder arbeitslos sind und darüber den Nachweis führen, auf ihren Antrag beilragSfreie Marken geklebt werden. Die Frauen der Kriegsieil- nehmer treten in den Genuss derselben Vergünstigung, soweit sie keine Erwerbstätigkeit ausüben, selbst organisiert sind und ihr Ehemann sich bereits 4 Wochen beim Militär besindet. Die Leseabende bedürfen noch des weiteren Ausbaue« und es ist Sache der Ortsvereine zu meiner Ansicht ist ja der Burgfrieden heute gar nicht mehr vor-> prüfen, ob nicht die Abhaltung derselben zu anderen Tageszeiten flus Groß-öerlin. Sie wollten Kriegsgewinuc mache«. Raiidbcmerktmgcn zum Fall Kupfer. Seltsam, es passieren jetzt viele Verbrechen, bei denen man zwar mit den Talent keinerlei Sympathien hat, aber die geschorenen Opfer gleichwohl nicht im mindesten bemitleidet. Einem Hamster werden die sorgsam aufgespeicherten Barräte von einem nächtlichen Diebe entführt,— wir schmunzeln nur. Leute, die gern vor andern ein paar Pfund Butter voraus hätten, fallen Butterschwindlern zum Opser— ihre Tränen rühren uns nicht. Ein LebenSmittelwucherer wird von einem noch Schlaueren gerupft— es klingt fast nach Gerechtigkeit. Am allerwenigsten Mitleid empfinden wir mit dem Opfern der Frau Martha Kupfer, die würdig wäre, die deutsche Ma» dameHumbert zu hoissen. Sie hat zwar nicht ganz soviel er- rafft wie thre französische Geistesverwandte— immerhin sind 23/4 Millionen auck kein Pappenstiel— aber sie hat dafür auch weniger Zeit und Mittel gebraucht. Madame Humbert schaffte sich einen grossen eisernen Kasten an und verbreitete die Mär von der Millionenerbschoft, die darin ruhte (in Wirklichkeit waren eS ein paar alle Knöpfe). Und die Dummen, die ihr daraufhin unbegrenzten Kredit gewährten, fanden sich massenweise. Frau Kupfer verfuhr zeitgemäß. Sie verkündete:„Hier sind Ä r i e g s g e w i n n e zu machen!" Ihr„eiserner Kasten" war ein gefälscher Notariatsvertrag. auf dem llangvolle Namen als ihre Geldgeber figurierten. Und siehe da: Scharenweise drängten sich die Leute, die Knegsgewinne eiustreiche» wollten. Mehr als ltr-00 000 M. passierten in kürzester Zeit die Hände der geschäft-- kundigen Dame., Die„Kriegsgewinne", die Frau Kupfer austeilte, waren freilich noch einfacher erworben, als die ans„rechtlichem" Wege verdiemen. Die Einlagen der später Kommenden mußten dazu herhalten, die Ansprüche der Ersteinleger zu befriedigen. Und da immer neue Geldgeber Frau Kupfer ihre Kapitalien fast aufdrängten, so ging das eine ganze Zeit. Man wundert sich fast,, daß es überhaupt so bald zum Kloppen kam. Die Geber der letzte» Mtlltonen habe« nun das Nachsehe«. Doch ißt Pech läßt üni kalt, wem: auch Persott«« danmter sei« mö�ett, die ihr ganzes Vermögen verlieren. Sie wollten ja auch rncht?, als sich ohne parsönliche Mühe, Opfer und Arbeit am Kriege bereichern. Aus dem, was ungezählten Millionen nur Opfer, Trauer, Verlust und Leiden bringt, hofften sie klingende Münze zu schlagen. Sie mögen sich verteidigen:„Wir suid nur der allgemein herrschenden k a p i t a I i st i s ch e n Moral gefolgt." Um so schlimm« für die kapitalistische Moral! Traurig nur. da« so viele, die heutzutage dieser Moral folgen, wirklich den Er- folg erzielen, um den diese verunglückten.Kupfer"spekulanten geprellt wurden. Der Fall Kupfer eröffnet uns einen blitzartigen Einblick in das Treiben der KriegSipekulanten nach mühelosen Kriegsgewinnen. Da? gibt ihm sein« über das Maß einer ge- wohnlichen Gauneret hinausragende zeitgeschichtliche B-deutung. Berbefservng des Arbeiterverkehrs. Zur Bewältigung des ArbeiterverkehrS von NiedersSöne- weide-Johannisthal nach der Stadtbahn sollen bis auf weiteres an Sonnabenden und an den Tagen vor Festen zwei Züge eingelegt werden und zwar ab Niederschöneweidc-JohanniSthal 2 Ubr 18 Minuten und 2 Uhr 33 Minuten nachmittags, die bis Grunewald fahren. Für diese Strecke und die Strecke Weißensce— Westend stehen noch Erweiterungen des Verkehrs an den übrigen Wochentagen in beiden Richtungen bevor. Auf der Strecke Görlitzer Bahnhof— Königswusterhausen wird der Zug ab Göllitzer Bahnhof 2 Uhr 40 Minmen nachmittags Sonnabends und an den Tagen vor Festen bis Königswusterhausen, und der Zug ab Grünau 4 Uhr 24 Minuten nachmittags an denselben Tagen von KönigSwuster- Hausen verkehren. Zur Erreichung«ineS besseren Anschlüsse» an die Züge 778 nach Kottbus und 2253 nach BceSkow verkehrt der Zug ab Görlitzer Bahnhof 6 Uhr 40 Minuten abends bis nach Königs- Wusterhausen. Der nächtliche Straße»bahnverkehr. Mit Montagnacht ist der„erweiterte Aachtverkrhr" bei der Großen Berliner Straßenbahn in Kraft getrrten, und zwar zunächst bei ganzen sünizehn Linien, nämlich cust Stadtring h dann bei den Linien 13, 36, 47, 48, 33. 37, gg. 73, 74, 164, ferner A, D, F und K. Die Wagen treffen im Zentrum der Stadt um lIA Uhr nochtS ein. Es muß erwartet und gefordert werden, daß die dazu berufenen Stellen dafür sorgen, daß diesen geringen Verbesserungen schnellsten« weitere folgen, und zwar in einem Umfange, daß dem nächtlichen Berufsverkehr völlig Genüge geleistet wird. Das muß in, Interesse der bis in die tiefe Nacht hinein schaffenden Ar- beiter und anderen Erwerbstätigen nach wie vor gebieterisch ge- fordert werden. Der Brot- und Kohleumangel. Die von den Behörden, wiederum reichlich spät, unten, ommenen Hilfsmaßnahmen, insbesondere die Gestellung von Soldaten a>« Hilfskräfte, haben noch nicht vermocht, dem Mangel an Brenn» Material abzuheilen. Vielfach waren bei den Kleinhändlern am Montag Preßkohlen und Koks nicht zu bekommen. Eine Anzahl Händler gibt jetzt als Mittel gegen das Hamstern Kohlen nur in kleinen Mengen gegen Vorzeigung der Brotkarten ab. In be- fonderem Maße leidet die Abfuhr der an den Bahnhöfen lagernden Kohlen unter dem Fehlen genügend starker Lastpferde, die gerade jetzt bei den vereisten Straßen von besonderer Nützlichkeit wären. EZ rächt sich sehr, daß die Berliner Stratzenreinigung versagt, die nicht nur ästhetische, sondern, wie man jetzt sieht, eine enorm praktische Bedeutung hat. Wir hoffen, daß die Militärverwaltung, die übrigens zur Freimachung der Straßenbahngleise vom Schnee selbst am Sonntag militärische Hilfe zur Verfügung stellte, auch zum Kohlen- tränSport neben ihrem Fuhrwerk zeitweise ihr ausgezeichnete» Pferde- Material hergibt. Der Notstand ist wirklich derart, daß oußerordent- liche und eiligste Matznahmen geboten erscheinen. Montag früh hatten zahlreiche Bäckerläden wiederum kein Brot, merkwürdigerweise aber Schrippen in reichlichen Mengen. Die Herren geben an, kein zum Brotbacken bestimmte« Mebl zu haben;«s wird aber mit großer Bestimmtheit behauptet, daß vielfach daS Brotmehl zum Gchrippenbocken verwendet werde, weil 1S00 Gramm Schrippen genau das Doppelte an Geld bringen wie 19(10 Gramm Brot! Wir habe» sibon vor einigen Tagen auf diese Dinge hingewiesen. Es ist die höchste Zeit, daß der Schrippen- preis wieder auf 3 Pf. heruntergesetzt wird, damit der durch die un- glückliche Preiserhöhung herbeigeführtg. Anreiz wegfällt. Kartoffel« und Kohlrüde«. Der Ragistrat schreibt uns: Der Schneefall und der stark« Frost« haben da« Ausfahren von Kartoffeln und Kohlrüben in der vergangenen Woche so stark erschwert, daß in den letzten Tagen der Woche noch zahlreiche ÄleinhandelSgeschäfte nicht genügend mit Kartoffelu und Kohlrüben verseb-ti waren, um die bei ihnen eingeschriebenen Kunden sämtlich zu versorgen. Unter Zuhilfenahme von städtische» Gespannen ist eS aber am Sonnabend und Sonntogvormiitag schließlich doch noch gelungen, sämtliche KleinhandelSgeschäfw mit dem ihnen zustehenden Ouantum Kartoffeln zu vorsehen. so daß anzunehmen ist, daß wenigstens noch am Ende der Woche jeder Einwohner die ihm zustehende Kartoffelranon voll erhalten hat. Bei Kohlrüben ließ sieb der gleiche Erfolg leider nicht er- zielen. In der laufenden Woche wird jedoch versucht werden, unier Zuhilfenahme der städtischen Fuhrwerke auch die Kohlrüben recht- zeitig in die Verkaufsstellen zu bringen. Um aber gleich von An- fang der Woche an wenigstens einem Teil der Bevölkerung Ge- legenheil zu geben, Kohlrüben einzukaufen, werden die annähernd 100 städtischen Verkaufsstellen für Gemüse in den städtischen Markthallen vom DienStag. spätestens aber vom Mittwoch ad ebenfalls Kohlrüben zum Preise von 6 Pf. für daS Pfund gegen Abgabe de« LebenSmitlelkartenabfchnitteS, Nr. 1? abgeben. Aus zahlreichen Zuichrifien hat der Magistrat Berlin ferner ersehen, daß ei» Teil derjenigen Bevölkerung, der sich mit Kartoffel- Wintervorrat versehen und deswegen nicht in die Kundenliste für Kartoffeln hat eintragen lassen, nicht mit Kohlrüben bedient worden ist. ES mußte dieS um so mehr Verwunderung erregen, al« dem Magistrat uock bis Mitte Januar vielfach Mitteilungen zugingen. daß die Kohlrüben bei den Kleinhändlern nicht den e, walteten Ab- satz finden. ES wird angestrebt, daß fortan jeder Karroffelklein- Händler über daS für feine Kartoffelkunden notwendige Maß hinaus Kohlrüben geliefert erhält, damit er in der Sage iff, auch solchen Personen, die nicht in setner Liste sür Kartoffeln eingetrogen find, cjegen Abtrennung des LebenSmittelkartenavschnitteS Nr 19 Kohl- »üben abzugeben.___ Berliner LebenSmittelnachrichie«. Die Preisprüfungsstelle Groß-Berltn hat für da» auS Böhmen ehigeführte und auf den Kähnen am Bahnhof Börse lagernde Obst folgende Großhandelspreise pro Zentner festgei'etzt: Für A epfe l Klaffe ka 31 M.. Klasse kl 4P M, Klaffe III 42 M. �Diese Preise gelten sür diese Woche und erhöhen sich mit jeder späieren Woche um je 1 M. sür den Zentner. Beim Verkauf direkt an B e r b r a u ch« r ist ein Ausschlag bi« 23 Proz. zuläifig. Für die anderen Sorten bleibt es bei den bisher gülligen Preisen. Bei Apfelsinen und Zitronen, die durch die ReichSstell« für Gemüse und Obst verkauft werden, gilt ein GrotzdandelSauftchlag von 10 Proz. und ein ÄleinhandelSaufschlag von 23 Proz. auf den EinkausSprei» für angemessen. Für die nächste Zeit ergeben sich demnach auf Grund der zurzeit geltenden Srotzmarklpreis« folgende Kleinhandelspreis« al« zulässig: Für Apfelsinen: 160er(große Gewicht ö Pfd. für tz«S Dutzentz Umrang ca. 24—27 Zentimeter) pro Stück W Pf., pro �/z Dtzd. 1.40 M.; 200er(miniere Gewicht 4 Pfd. für das Dutzend, Umfang ca. 22—23 Zentimeter), pro Stück 20 Pf., pro V« Dtzd. 1,10 M.; 300er(kleine Gewicht 2� Pid. für das Dutzend, Umiang ca. 19—20 Zentimeter), pro Stück 18 Pf., pro V3 Dutzend 75 Pf.; 860er(ganz kleine) pro Stück 10 Pf., pro Vi Dtzd. 60 Pf. — Für Zitronen: 300er(große) pro Stück 12 Pf.; 360er(kleine) pro Stück 10 Pf. » Ter Magistrat hat beichlosien, vom heutigen Tage ob nur noch eine Sorte Blut- und eine Sorte Leberwurst. und zwar mit Semmelzusatz herstellen zu lassen. Die Herstellung von Blut und Leberwurst ohne Semmelzusay fällt also künstig fort. Neben anderen Gründen war besonder« entscheidend, daß hierdurch eine weitere Streckung der vorhandenen Borräte erreicht werfen soll. ffür beide Sorten ist ein Einheitspreis von 1,40 M. für ein Pfund cstgesetzt. « Da» Bureau der F« t t st e l I e Grotz-Serlin(Butter) wird am 23. Jmiuar von Poststr. 16 in das HauS an der Gtralauer Brücke 3 (Berlin 0.2) verlegt. Ferniprcchanickiluß dmkb Amt Alexander 3040—3049(nicht mehr über„Magistrat Berlin"). ErfchweronI der Fetthamsterei. Die Regierung hat die Post« ämter angewicien. in denjenigen Kreisen, in denen Ausfuhrverbote bestehen, Sendungen, die offensichtlich Speisefett irgendwelcher Art enthalten, von der Postbeförderung auszuschließen. Derartige Speise- fette können, da sie der BerkebrS- und VerbrauchSregelung entzogen worden find, ohne Entschädigung zugunsten deS KommunalverbandcS enteignet werden, außerdem ietzt sich der Versender der Bestrafung auS. Die Polizeibehörden find berechtigt, das Handgepäck der Reisenden auf solche Gegenstände untersuchen zu lasten, deren AuS- fuhr verboten tst. Derartige Untersuchungen werden außerhalb der Bahnhöfe auf den zu dem Bahnhof führenden Zufuhrstraßen und auf den Bahnhofsvorplätzen vorgenommen werden. In besonderen Ausnahmefällen sind aber solche Untersuchungen auch auf den Bahn« Höfen selbst zozulaffen. Peschränkunze» i« der Güterbeförderung. Amtlich wird mit» geteilt t In nächster Zeit ist es erforderlich, eine Reihe von Gütern von der Eiienbahnbesörderung zurückzustellen. ES wird daher all- gemein empfohlen, bei beabsichtigter Aufgabe von Gütern sich vor- her bei den Annahmestellen zu erkundigen, ob sie entgegengenommen werden können. Fiir besonder« dringliche Güter, sowie für Militär- gut und Privatgut für die Militärverwaltung wendet sich der Ab- sender am besten an die sür den Verladeort zuständigen Linien- kommandantur. Luch im Personenzugfahrplon treten A e n d e« r u n g e n ein. In dieser Beziehung wird auf die öffentlichen Se- kanntmachungen der Eisenbahnverwalwngen in den Zeitungen der- wiesen. Von heute an fallen z. B. die folgenden Züge au«: Auf der Sirecke Berlin— Magdeburg die Eilzuge 43(Potsdamer Babnbof an 11 Uhr LS Min. vorm.) und 44(Potsdamer Bahnhof ab 7 Uhr 33 MW. nachm.), sowie zwischen Charlottenburg und Beelitz die Personenzüge 622 wertlag»(Charlottenburg ab 6 Uhr 8 Min. nachm.) und 631(Charlottenburg an 7 Uhr 23 Min. vorm.). Peröffentlichmig der Preisprüstmgsverhmtdlunge«. Die volkswirtschaftliche Abteilung des KrtegSernährungSamtes teilt folgendes mit: Die Verhandlungen der PrerSprüfungSstellen. die nach§ 9 der Bekanntmachung über die Errichtung von PreiSprüsungSstellen vom 25. September 1915 vertraulich sind, haben in der Presse dem« entsprechend sehr geringe Beachtung gefunden, waS zur Folge hatte, daß die Oeffentlichkeit von der Tätigleit der Preisstellen ein wenig zutreffendes Bild bekam. Eine Ausnahme hiervon bildet das Per- fahren der PreiSprüfungSstelle in Rheidt. Diese veröffentlicht auSzugSweis« regelmäßig einen Bericht über die Berhondlun a«n r« einer Zeitung, unter Wahrung de» Gesichtspunktes, daß bestimmte Erörterungen vertraulich zu behau» dein find. In der gleichen Weise geht die PreiSprüfungSstelle in Sonderburg vor. Luch au» anderen Orten wrrd ähnliche» be- richtet. Die» Verfahren hat den»orteil. daß sowohl Verbraucher wie Erzeuger und Händler die Tätigleit der PreiSprüfungSstelle» mit größerem Anteil und Verständnis beachten und unterstützen. Auf solche Weise wird auch der in§ 4 Ziffer 4 der Verordnung er» wähnten Aufgabe der Aufklärung der Oeffentlichkeit Genüge getan.___ Die Geschäfte der Frau Kupfer. Frau Kupfer kam von Leipzig hierher. Um in Berlin etwas ansangen zu können, hatte sie sich von einem Leipziger Freunde 400 M. geborgt. Sie wohnte zunälbst in einem kleinen Hotel in der Dorolheenstraße, nahm eine Maschinenichreiberin Fräulein Grohmann an. mietete im BureauhauS Börse eine kleine Stube und kaufte Kunsthonig ein. de» sie mit einem geringen Nutzen in Hotels in der Dorotheensiadt weiter verkauft«. Dann kamen andere Handelsobjekte dazu. Die Stenotypistin ließ ihr Gehalt sieben und in dem Betrieb mitarbeiten. Als erst 1000 M. Vorhand?» Ware», fanden sich auch andere Leute, die bald bis zu 10 000 M. hineinsteckten. Frau Kupfer zog mit ihrem Bureau nach der Bülowstraße. Dann kam die Gesellschaflsgründung durch den„NatariatSakl�. Dieser enthielt die Namen von fünf hervor- ragende» Männern mit Gesamteinlagen von 2"/« Millionen Mark. Frau Kupfer selbst beteiligte sich mit 680 000 M. Tie hohen Zinken und Gewinne, die sie pünktlich zahlte, taten das ihrige, um immer. neu« Geldleute anzulocken. Nur wußte man nicht recht, wie Frau Kupfer alle die Waren, die sie angeblich vertrieb, sich zu verschaffen vermochte. So entstand in Geschäftskreisen da» Gerücht, daß große Mengen von Auslandswaren eingeschmuggelt würden. Da» Geriickit kam auch zur Kenntnis der Polizei. Sie ging ihm sofort auf den Grund, aber olle Redereien erwiesen sich als haltlos. Um dies feststellen zu können, hatte jrdoch die Polizei die ganzen GeschäftSpapiere be- swlagnahmt und geprüft und Mutter und Tochteer eingehend ver- nvmmen. So kam es an den Tag, welcher Art der Betrieb war. Bon großen Warensendungen und einem großen Warenlager in der Bülowstraße war gar keine Red«. Es steht übrigens fest, daß mancher Einleger sein sehr gutes Geschäft bei Frau Kupfer gemacht hat. Von einigen weiß man, daß der Gewinn, den sie ausgezahlt erhielten, höher ist. als die Einlage, die sie wieder zurück bekamen. 5(n diesen hohen Gewinnen stecken die N/« Millionen, die jetzt den etzt-n Einlegern fehlen, grau Kupfer bleibt dabei, daß sie mit neuen Unternehmungen, die sie in Kastel plante, ihren ganzen Be» trieb bätle sanieren können. Nicht nur der„Nodariatsakt" sah so echt aus wie nur möglich. auch die LieferungSausträge waren geschickt gefälscht. Den Liese- runasaufträgen von HecrcSbohöröen standen wieder ebenso ge- schickt gefälschte Schriftstücke von auswärtige» Einkaufsgesellschaften gegenüber, nach denen dre der grau Kupfer angeblich von der Herresverioaltung in Auftrog geaebcnen Aufträge freigegeben und aeliefert seien. Bei solchen erdichteten Aufträgen und Lieferungen handelte eS sich immer um große Dummen, oft um mehrere Millionen. Frau Kupfer spiegelte den Geldleuten bei diesen reinen Durchgängig eschäften einen Nutzen von durchweg 22 Proz. vor. Das Kapital, das in Höbe von 10 Millionen arbeitete, wurde natür- ltch möglichst oft umgefctzt, und so war es kein Wunber, daß die Einlagen 100 und 200 Proz. brachten. Nach allen Richtungen er- wies sich Frau Kupfer als ein kaufmännische» Genie. Die Schwindlerin hatte, wie nach und nach weiter festgestellt wurde, auch Verbindungen mit sechs Banken. Auch hier wurden noch größere und kleinere Summen geftinden. Bei den Banken erwarb sich die Frau ebenfalls dadurch Vertrauen, daß sie ihren Verpflichtungen stets nachkam. Gestern wurden sowohl die Geschäftsräume in der Bülow- straße 36 als auch die Wohnung am Kaiferdamm 14— nicht Kur- fürstewdamm— noch einmal durchsucht. Man fand weiter« Schrift- stucke und Aufzeichnungen, die über de» Geschäftsbetrieb noch näheren Anft'chlutz gaben, lieber dos Vermögen der Frau wurde gestern das Konkursverfahren eingeleitet. Arbeitspflicht der feindliche» Ausländer. Der LberbeieblSbaber in den Marken hat unter dem 13. Januar folgend« neue Anord- nung sür daS Gebiet der Stadt Berlin und der Provinz Blanden- bürg erloncn: K 1. Riätmilitäriscben Angehörigen feindlicher Staaten wird verboten, ihnen reckulirb obliegende Arbeitsleistunacn obne hinreichenden Grund zu verweigern.§ 2. Darüber, ob die Weigerung hinreichend begründet ist, entscheiden die Verwattungs- bcbörden, und zwar in Stadtkreisen die OrtSpolizeibebörden, in Landkreisen der Landrot.§ 3. Zuwiderhandlungen werden mit Geiängni« bis zu einem Jahr, beim Vorliegen mildernder Umstände mit Haft oder Geldstrafe bi« zu 1300 M. bestraft. Tot im Spritzenhaus aufgefunden wurde in Löwcndorf bei Trebbin ein Mann aus Berlin, der von dort stammt. Er fand an- geblick keine Aufnahme bei Bekannten und Verwandten, weil er bezecht gewesen sein soll. Andere behaupten, er wäre krank ge- Wesen. Schließlich fand er Aufnahme im Spritzenhause. Am andern Morgen fand man ihn erfroren am Fenster vor. Das Gericht hat eine Untersuchung eingeleitet. Auf der Straße vom Tode überrascht wurde gestern die 43 Jahre alte Köchin Therese Schattwinkel, die in der Tauentzien- straße in Stellung war. Die brach vor dem Banse Winterfelöt- straye 22 plötzlich zusammen und starb auf der Stelle. Den Tob im Waffer suchte und fand ein unbekannter Mann. der Sodatenuniform ttmg. Er sprang am Sonntag abend von der Schloßbrücke in die Spree und ging sofort unter. Die Leiche ist noch nicht geborgen. Es handelt sich um einen großen, starken Mann mit einem schwarzen, gestutzten Schnurrbart. Zentralstelle„Völkerrecht". ES wird uns mitgeteilt: In einer gutbesuwten Versammlung, die am Freitag in„Alt-Bayern", Pols- damer Str. 127, stattfand, hol sich eine Ortsgruppe Berlin der Zentral- stelle.Völkerrecht" gebildet. Der Borstand besteht aus: Minna Cauer, Iul. Hart, Gustav Landauer und Dr. OSkar Slillich. DaS Bureau tst in Eharlottenburg, Kantstr. 139, Gh. Sortrag über da? KriegSernährungSam». Von den Vorträgen der Mitglieder des KrieasernädrunqSamles findet der nächste morgen Mittwoch, abends 8 Uhr, im Sitzungssaal des Abgeordnetenhauses. Prinz-Albrecht-Stroße 3, statt. Generalsekretär Stegerwald vom Vorstände des Amtes wird sprechen über:„Zweck und Organ!- sation dcS Kriegsernabrungsamles". Freie AuSiprache. Eintritts- karten von der Geschäftsstelle der Vereinigung für staatsbürgerliche Bildung in Charloitenburg, Leibnizstr. 47. Di« Irrenanstalt Buch hat die im Dezember wegen Aenderung de« Eisenbahnfahrplans notwendig gewordene Aenderung der Bc- tuchszenen� jetzt nach der nenesten Fabrplanänderung wieder auf- bchen miiffen. Fortan gelten folgende Besuchszeiten: Diens- tag« 2,/j— Ö'/a Uhr nachmittags für die Männerabteilung, Donners- tag« 2>/z— S'/, Uhr nachmittags für die Frauenabteilung, Sonntag» 10—11 Uhr vormittag« für beide Abteilungen. Mus den Gemeinden. Lebcnsmittelvcrkauf in Britz. Bis zum 28, Januar wird in der Berkaufsstelle der Gemeinde auf LebenSmittelkarls abgegeben: Auf Abschnitt 39 Weizengrieß (Karlen 1—1000), Abschnitt 40 Sirup(Karten 1000—2000), Ab- schnitt 41 Scholle in Aspik, Abschnitt 42 Makrelen(1-�000), Ab- schnitt 43 Sonderzuteilung. Der Verkauf bon Zwiebeln und Pfeffer erfolgt ohne Kartenbeschränkung, aber nur an Britzer Ein- wohner. Auf Abschnitt 50 der Lebensmittelkarte wird 1 Pfund Kunst- Honig abgegeben. Ter Abschnitt ist sofort einem Kleinhändler oder der Verkaufsstelle der Gemeinde zu übergeben. Nach etwa 8 Togen kann dann darauf 1 Pfund Kunsthonig in Empfang genommen werden._ LebenSmittelaigabe in FriedrichSfelde. vom Mittwoch, de» 24. d. M, ab erhalten die Einwohner in den Geschäften, in deren' Zuckerkundenlisten sie eingetragen sind, ans jeden Lebensmittelkarten- Abschnitt Reihe 4 Abschnitt I) Ve Pfd. Marmelade(Preis pro Ptd. 60 Pf.). Reihe 4 Abschnitt E Vs Pfd. Gerstengrütze(Preis pro Pfd. 30 Pf.)_ ?ws aller Welt. Eisenbahnunglück in Weimar. Montag vormittag 3� Uhr ist auf dem Babnbof Weimar der Zug 203. vermutlich durch Ueberfahren deS BlockfignalS in Ulla, auf den Eilgüterzug 6093 aufgefahren. Von beiden Zügen sind mehrere Wagen entgleist imd beichädigt. Drei Sisenbahnbedienstele sind tor, einer verletzt. ES wurde ein eingleisiger Betrieb zwischen Weimar und Erfurt eingerichtet. Kein Wohnuuzswvcher. Ein Hausbesitzer in S e r a j e w o wurde zu 300 Kronen Geldstrafe verurteilt, weil er die Mieten von 36 auf 40 Kronen erhöht hatte. Von Amts wegen wurde die Miete auf daS frühere Matz herabgesetzt. Parteiveranstaltungen. vorwärts. Lete- und Dislutterkluk, Seknou T. Sir machen noch einmal aus die am heutigen DienStag. abends S Uhr. in den UnwnStäien. Gretsstvalder Str. 222, stattfindende Zusammenkunst aufmerksam und bitten um recht regen Besuch Der Vorstand. Sektion VI. Versammlungen: DienStag, den 23. Januar, abend» 8 Uhr, in den„ M i l a s S l e n Schönhauser Allee 130, Referent: Reichstagsabgeordneter G. S ch S ft s l t n: in den. P h a r u S s ä l e n Müllerstr. 142, Resecent: Landtagsabgeordneter Otto Braun. Don- n e: S t a g. den 25. Januar, abends 3 Uhr. in der Patzenbofer Brauerei, Turmstr. 25/2S. Referent: Reichstagsabgeordneter Otto Sei«. Steglitz-Frirdeuau. Die Migliederversammlung findet am M t t t w o ch, den 24. Januar, abend« 8 Ubr. im Lotal von Äsmeni, Steglitz, Dflppeldr. 7 statt. Referent: Landtagsabg. Otto Braun Die Mitglieder weiden ersucht, für einen guten Besuch der, Verfamm- lung zu sorgen. Die„BorwäriS°J, Uhr, Passage-Festsäle, Lergstr. 131. ReichStagSabg. Gen. Rob. Schmidt spricht über:.�Nach der Ablehnung des Friedensangebots!� Parteigenossen,„Vorwärts"-?�! Ericheint zahlreich! _ Der Vorstand. Briefkasten üer Reüaktion. 9. V SOS!. Der Anspruch auf die Löhnung kann jetzt nicht mehr geltend gemacht werden.— A. Z. ISO. Di« müssen eine Beschwerde wegen Verweigerung de« KriegSschem« bei der Beschwerdestelle: Metall» arbetteroerband Berlin, Lintenstr. 83(85, einreichen, der auch sür Ihren Bc- zirt al» zuständiger AuSichusi gilt.—»tzemaliger Kopieulant. Sie haben, wie wir Ihn«: seinerzeit schon brieflich mitteilien, wider Anspruch aus die Besöideiung zum Sergeanten, noch aus die Löhnung.— L. 100. Für diese kurze Zeit wird Ihnen die Unterstützung weitergewäbrt werden. Die sind aber verpflichtet, der Steuerkasse von der Beurlaubung de« Manne» zur Arbeit Mitteilung zu machen.— t>. B. 89. Wenn Sie den Nachweis erbringen können, daß Die beim Kauf argliffig getäuscht worden sind, können Sie den Kauf nniechten. ttveerrrauSttchte» für da» mittlere Marsbeuefeülaul bis Mittwoch mittag. Zeitweise beiter, jedoch vorwiegend wolkig oder neblig, Temperaturen im Küstengebiet in der Nähe des Gefrierpunktes, im Binnen- lande, besonders im Süden, mäßiger Frost. Nr. 22.- 1917. Unterhaltungsblatt öes vorwärts IitUstllg,23.IlUMiir. Kältesthutz. Mit MaSt ist der Winter eingekehrt. Me? schon seit einigen Iahren strengen FrosteH ungewohnt, klagt über die Aalle, obwohl sie sich bisher durcvauS in normalen Grenzen gehalten hat. Aber die Gewöhnung spielt auch hier eine grotze Rolle, und Tempera« luren. die uns gegenwärtig schwer erträglich dünken, sind uns schon nach wenigen Tagen vertraut, namentlich, wenn die Kälte inzwischen noch zugenommen hat. Im allgemeinen pa«t sich der menschliche Organismus in unseren Bretten der Aalte sogar weit leichler an. al< der Sommerhitze; während diese sür viele Leute umso drückender und unerlräglicher wird, je länger sie dauert, erfolgt m strengen Wintern oder auch nur bei etwas strengeren Frostperiodcn alsbald ein« derartige Anpassung an die niedrige Temperalur, dost nach der Beendigung des FrostwetlerZ der Anstieg des Quecksilbers auch nur bis zum Nullpunkt bereits als auffällige Wärme empfunden Ivird. Wenn tropdem so diele Leute die Winterkaltr, die bei unbewegter Lust und bei Sonnenschein dem Organismus sogar sehr zuträglich ist. wie ein böses Uebel fürchten, so rührt das daher, datz sie ent- weder überhaupt unrationell leben oder sich unzweckmötzig kleiden. Leute beiipielSweise. die die äußerst ungesunde Gepflogenhett haben, während des ganzen Vormittags bi« zum Mittagesisn keinen Bisien zu genießen, dürfen sich nicht wundern, wenn sie selbst in gut ge- heizten Räumen nicht warm werden, namentlich an kalten Händen und Füßen leiden. Dem Körper fehlt es dann an innerer Vcr« brennungSwärme. weiß doch jeder, daß nach einer aus« reichenden� Mahlzeit ganz von selbst sich' ein wohlige« Wärmegefühl einstellt. Weit mehr sind die Kältebeschwrrden aber auf ungeeignet? Kleidung zurückzuiühren. Wer sich im Sommer und Winter stets gleichmäßig kleidet, muß schon sehr abgehärtet und widerstandsfähig sein, wenn er nicht im Winter andauernd frieren will. Denn der Organismus bedarf gegen die Kälte eines äußeren Schutzes; hat doch die Ratur jedem Tier höherer Ordnung in der gemäßigten und kalten Zone in seinem dichteren Winterkleid einen natürlichen Schutz gegen Kälte gegeben. Doch die dicke Kleidung allein ZutS nicht; sie muß auch zweckmäßig sein. Wer sich bei strengem Frost die Beiue zehnfach mit dicke» wollenen Wickelgamaschen umhüllt, der kann erleben. daß ihm die Beine abiriereu, wenn er nicht sorgsältig daraus achtet, daß die Blutzirkulation ungehemmt bleibt. Alle fest anliegenden Kleidungsstücke, und mögen sie noch so dick sein, sind nämlich von Uebel. ES ist das ein Hauptgrund, weShalb daS 'deutsche Heer von der Einführung von Wickelgamaschen bisher stets abgesehen hat. Bei dem langschäftigen und weiten deutschen Kommißstiefel ist die Gefahr des Erfrierens der«itteren Exiremi« täten ungleich geringer, da Beine und Füße durch dei» Stiefel nicht eingezwängt werden, die Blulzirtulntion also auch keine Hemmung erfährt. Nicht cmderi ist e« mit zu engen Hand» schuhen. Der dickste Pelzhandschuh ist zwecklos, wenn er zu eng ist: man sollte deshalb bei strenger 5lälle niemals neue Handschuhe anlegen, diese dielmehr schon bei mildem Tauwetter zu tragen be« ginnen, damit sie sich rechtzeitig ausweiten. Ein ganz bequemer. dünner Handschuh schützt eben ungleich besser gegen die Kälte als ein dicker, der fest anliegt und womöglich" die Gelenke so einschnürt, daß die Finger mir notdürftig bewegt werden können. Biele begehen auch den Fehler, bei strengem Frost die Handschuhe erst auf der Straß« aus der Manteltasche zu holen und anzuziehen. Der Handschuh füllt sich während dieser Prozedur mit der eisigen Luft; ebenso, hat sich die Hand schon stark abgekühlt, und sie will dann natürlich nicht mehr warm werden, Wer also in Bezug aus die Hände gegen Frost besonders empfindlich ist, tut gut daran, die Handschuhe ichon im Hause anzuziehen, womöglich sie einen Augenblick vorher an den warmen Ofen zu halten, damit sich das innere Futter erwärmt. Bei Temperaturen bis zu Ii oder 15 Grad unter Null genügen unser« gewöhnlichen WinterkleidungSstiicke und Kälteschutzmittel im allgemeinen vollauf. Sinkt aber das Thermometer noch tiefer, auf 20 oder gar auf SS Grad Celsius Kälte, Temperaturen, wie sie in Masurcn übrigens in jedem Winter vorkommen, so bedarf e? aller« d.ingS besonderer Vorsichtsmaßregeln, soll der Organismus keinen Schaden erleiden. Für diejenigen, die'über Pelze und sonstige dicke Winterkleider verfügen, ist auch diese Frage natürlich leicht zu lösen. Aber auch wer nickt mit Glücksgütern gesegnet ist, kann sich selbst bei dem härtesten Frost ausreichend warin anziehen. Man holt zu diesem Zweck nämlich geeigneterweise seine— Sommersachen hervor. Da« ist keineswegs ein schlechter Scherz, sondern«in überau« praktisches Mittel, indem man die Sachen gemeinsam mit den Wintersachen anlegt. Enr Paar leichte baumwollene Strümps«, unter einem Paar wollener Strümps« gelragen, wärmt auch bei der größten Kälte ganz vorzüglich, und zwar dadurch, daß sich zwischen den beiden Strümpfen eine warnte Luftswicht bildet, die die Kälte vom Körper abhält. Bedingung ist auch hier« sür. daß die Kleidungsstücke nicht zu eng am Körper anliegen. DaS Gleiche gilt für jede Art von Unterwäsche. Zwei leinene Unter« beinkleider. zwei Leinwandhemden wärmen besser als eine einzige wollene Unterhose oder al» ein Flanellheind. Ist der Körper durch geeignele Unterkleidung ausreichend geschützt, io braucht die Ueber« kleidung nicht ungewöhnlich dick zu sein. Auch ohne einen Pelz läßt sich sehr strenge Kälte vertragen: nur muß das Ucbcrkleid aus festgewebtem Stoff bestehen, darf auch nicht so weit sein, daß die kalte Luft am unleren Ende, am Kragen oder an den Aermeln leicht Eingang findet. Für das Schuhwerk gilt daS gleiche, wie für die Strümpfe: es muß weil sein und dem Fuß, besonders den Zehen genügend Spielraum zu ungehinderter Be« wegung lassen. Dünne Sohlen sind natürlich vom Uebel: namentlich der Städter verspürt durch sie sehr bald die eisige Kälte des Stein« Pflasters. Am besten gebt man im Winter auf einer ziemlich dicken Dopyelsohle und in einem festen, bohcn Stiesel sso man ihn hat). Dünne Halbschuhe gehören im Winter nickt auf die Straße, lieber die Torheit der spinnwebendünnen Florstrümpfe während der kalten Jahreszeit braucht kein Wort verloren zu werden; sie rächt sich übrigen« vielfach durch schwere Erkältungskrankheiten. Besonderen Schutze? bedürfen bei sehr niedrigen Temperaturen die Ohren. Wer gezwungen ist. lange Zeit im Freien zu verweilen, wird geeigneterweise Ohrenklappen anlegen. Aber auch bei kürzerer Bewegung in der Kälte stellt sich vielfach schon daS schmerzhafte Brennen an den äußeren Rändern der Ohrmuscheln ein, das darauf hinweist, daß die Gefabr des ErsrierenS vorliegt. Man begegnet ihr durch Reiben der schmerzhaften Stellen mit den bloßen Fingern. daS man solange fortsetzt, bis sich das Gefühl der Wärme einstellt. Auch Gesichtsfrost bekämpft man, sobald er in Gestalt eines elfen- beinweißeu Flecks austaucht, durch energisches Reiben init der bloßen Hand._______ kleines Feuilleton. Der Mensch mit und ohne Uniform. Wenn schon nach der Versicherung Goethes im allgemeinen zwei Seelen in unserer Brust wohnen, so'cheiden sich diese noch deutlicher von einander, sowie der Mensch Gelegenheit hat. sich abwechselnd in Uniform und ohne diese zu zeigen. In welcher Weise das Tragen der Uniform das Gemüt eines Franzosen beeinflußt, macht uns ein Aufsatz der„Bicioire'(vom 1.' v. M.) klar, in dem e« heißt: .Da rneine militärische Laufbahn nur kurz war, auch nichiS mit kriegerischen Dingen zu tun hatte, so kann ich mich jetzt, nachdem ich da« 4b. Lebensjahr überschritten habe, je nach Belieben in Zivil oder Uniform zeigen. Den Ausschlag gibt darin für mich vor allem da« Wetter. Bei trüdec Witterung ist die Uniform angedrachi, bei warmem Weiter dagegen der leicht» Anzug am Platz. Nun bin ich aber ganz Überroichl, festzustellen, wie sehr meine Stimmung mit dem Rock wechselt. Nach Ansicht meiner Freunde gewinne ich in Kali um 100 Ptoz. Mein« Schwiegermutter und unser Dienstmädchen sind der gleichen Meinung, vielleicht nicht zu Unrecht. Wie ein Held gekleidet zu sein, hat eben etwas Erbebendes. Wenn blasse Reservisten mich aus der Straße als ihren Vorgesetzten grüßen, schwillt mir das Herz. Allerdings h»be ich mich in keiner Weise kriegerisch herborgetan, auch eigentlich gar nichiS geleistet. Aber da« brauche ich ihnen ja nicht zu sogen und ebenso loenig mich daran zu er« innertt. Wenn mir unverkennbare Schützengrabensoldaten mir ihrem Gruß ihre Hochachtung beweisen, so zeigt mir da? mit Stolz, wie verwandt ich diesen Heldenseelen bin. Für die Zivilisten hege ich natürlich nur Verachtung. Da» sind Schlappschwänze, die keinen Pfifferling wert sind, und wenn sie nicht ganz degeneriert sind, schwebt mir immer der Ausruf auf den Lippen:„Sie sollten auch besser im Schützengraben stecken 1" Sowie ich aber meinen schlicht bürgerlichen Rock anziehe, ändert sich diese Berfasiimg augenblicklich. Da mich niemand mehr mit mili- tärischem Schneid grüßt, suhle ick mich einsam. Der Krieg druckt mich schwerer als eben noch, da ick an seiner Last initzutragen ver- meinte. Ich komme mir alt und klapprig vor. bin verärgert und verinörgelt. An allent habe ick etwas auszusetzen. Meine Selbst» sicherheit schwindet. Ich trete weniger großspurig ans und dämpfe meine Stimme. Mein Regenschirm dancht mir da» Symbol meiner Schlväcke. Vor allem fühle ich, wie der Pessimismus ü b e r rn i ch M a ch t gewinnt. Wie komisch, daß so viele Leute sich mit dem bunten Rock kostümieren! Wie viele dieser Uniformierten, die keine blasse Ahnung haben, wie eine Schlackt anssieht! Wenn ich meinem eigenen Selbst in Uniform begegnete, ich iviirde mich ausschütten vor Lachen. In, Kleider machen Leute. Wenn aber ein solcher Abgrund zwischen den Leuten klafft, die in Uniform stecken, und denen, die nicht in Uniform stecken, dann sollte man beizeiten daran denken, ihn zu überbrücke». Sonst kann cS da mal später zu einci» bösen Zusammenstoß kommen." � W Oer Verüegang öes dörrgemüfes. Die durch die KricgSumstände bedingten ErnährungSverhält- niffe hasten bei uns die Äemüsekost in einem Grade zu Ehren gc- bracht, wie ifin selbst die überzeugteste» Vegetarier früher kaum erträumt haben dürften. Entsprechend dem Umfang und der Bc- deutung des Gcmüseverdrauches unter den gegenwärtigen Uni statt den wird auch in allen großen Städten auf besondere Weise für die 'Sicherstellung der Gemüseborrätc gesorgt. Darum die hohe Be- deutung des Dörrgcmüscs, dcffen Werdegang Dr. Gradeitwitz nach einem Besuch in der großen Berliner Trockengemüseanstalt iir der Zeitschrift„lieber Land und Meer" schildert. Die ttt kaum mehr als 100 Bautaacn fertiggestellte Anstalt ist ein Muster äußerster Praxis; mit allen Mitteln wunden überflüssig« und zeitraubende Transporte vcrwieden. Das Gebäude ist durch eine Feldbahn mit dem Bahnhof einer Gasanstalt verbunden und wird mtßccdein cinett Vollbahnanschluß erhalten. Die von außen durch Luken zugäng- lichen Vorratsbehälter vermögen nicht weniger alö 3000 Zentner Gemüse zu bergen. Die Verarbeitung dcS GemüseS führt Dr. Gradenwitz am Beispiel des Weißkohls au». Der Kohl wind geputzt und von seinen Welten Blättern befreit, hierauf van vbcn her zum Waschen in einen Kessel gelegt. Ein Druck auf einen Knopf genügt, um durch einen elektrisch betriobeneit Kompressor Druckluft in den Kessel zu pressen, der eine Wellenbewegung des Waffcrs erzeugt und so die gründlichste Reiniguiig bewirkt. Weitevhin kommen die Zer kleinerungsmaschtneu in Betracht, Hvbeltnaschineu, in die der Kohl nach Eniserrniltg der Strünke 6urch Bohrmaschinen gebracht wird, um in Form eines fortlaufen>den Stromes von Gemüseschuitzelti wieder hervorzukommen. Diese Schnitzel wevden in flache Eisen kästen geschüttet, die man in den Trockenofen schiebt. Ein Venti- lator bläst ständig einen Strom.Heißluft von 60 Grad Celsius über die Gemüseschnitzel, denen die Feuchtigkeit auf diese Weise entzogen wird. Bei diesem Prozeß schrumpft bat» Gemüse auf den zehnten Teil seines UmftnrgcL zusamuten und berliert mit seinem Wasser- itchalt 04 Proz. seines Gewichtes. Dies ist ein kleines Beispiel für die Arbeitsweise, der unsere gerade jetzt so wichtigen Vorräte an Trockengemüse ihre Entstehung verdanken. Die hierbei sich er- gebenden Absällc dienen als Biehfuticr, so daß auch nicht die gc- ringskc Kleinigkeit verloren geht. R»»tzr«. — John Bullö a n d c r g Insel, ShalvS socbett im Lesiingt heute r aufgeführte Komödie, ist in der BuchrniSgabe bei ®. Fischer erschienen. — Der Ä n i h r o p o l v g e C. B. Thlor ist,>vie erst jetzt in Deutschland bekannt wird, am ä. Haimar in Wellington lEnglaad) im Altec von 8S Jahren gestorben. Er war lang» als MuseumS- direktor und Professor in Oxford tätig. Die Wissenschast vom Menschen('Anthropologie) oerdankt ihm Außer ordentliches. Sein be- reitS 1881 erschienenes, auch verdeuttckleti Hauptwerk Anthropologn ist Immer«och unentbebrlich Weit darüber hinaus hat er mit feinen Untersuchungen über«Primitive Kultur" gewirkt, worin er die Ent- Wicklung der Kultur aus den verschiedene» Stufen der primitiven Menschheit darlegte. Im Sinne naturtvisienschaftlicher Kuffassung und Erklärung dieser Fragen hat diese» Buch fruchtbringend gewirkt. Spezialuntersuchungen widmete Tylor der Urbevölkeruiig Mexiko».-, — Der erste loci bliche Prvsesior in Holland. Weibliche�llttwevsttätsprosessoren sind auch jetzt noch in.den«uro- päischen Staaten überaus �lteit. Bekomm ist, daß Frau Curie einen Lehrstuhl an der Pariser Sorbonne inirebaft und in Kmstia- nia ist Fräulein Bonnevie Professor der Zoologie. Diese beiden Forscherinnen habe» nun in Holland eine Kollegin erhalten. Dr. Johanna Westerdyk ist zum außerordentlichen Professor für Rache- matik und Naturwissenschaft an der Universität Utrecht ernannt worden. Frl. Westcrdhk hat ihre Studien zum Teil in Deutschland gemacht und auch mehrere Arbeiten in deutscher Sprache veröffent- licht. — S ch w e d i s ch c Elektrizität für Dänemark. Wegen des Mangels an Wasserkraft in Dänemark ist, wie die„Umschau" meldet, zwischen diesem Staaie und Schweden ein Ueberein- kommen getroften worden, wonach letztere» das Nachbarland mit Elektrizität versorgen wird. Von einer Station am Laga in Sma- land wird der Strom durch Luftleitung nach Helsingbvrg geleitet und von dort mittels unterseerscher.Kabel durch den Sund nach Mnrienlhft auf Seeland. Die schwedische Kraftstativn liefert S00 Pferdclräfie nach Dänemark; die ElektrizitälZmenge kann aber bis auf 5000 Pferdekräfte gesteigert wevden. 3] Es ist sehr möglich. Bon Heinrich Zschokke. Gleichviel, mein Sohn, aber es war sehr möglich. Seit- dem ich mein Sprichwort habe, nehme ich jede angenehme Stunde wie ein Geschenk des Himmels, ohne es für bleibend zu halten, und überrascht mich kein Uebel mehr, denn ich bin darauf gefaßt, und weih, es hört endlich auf. Es ist alles sehr möglich. Darum rate ich dir, eigne dir diese Idee an. Sie mutz stch aber durch beständigen Gebrauch in dein ganzes Wesen auflösen, sich gleichsam in deinem ganzen Nervenbau verknorpeln— sonst frommt sie nichts, und du bleibst charakterlos. Wir Menschen alle, fuhr der Staatsrat fort, werden bei unseren wichtigsten und unwichtigsten Begebenheiten und Hand- langen von einer in dem Augenblick erst schnell aufsteigenden, oft uns selbst fast unbewutzten Idee geleitet. Sie ist dann des Augenblicks undAwr Umstände flüchtiges Erzeugnis, und zwar so sehr, datz man sich hintennach oft nicht einmal Rechenschaft geben kann, warum man eigentlich im entscheidenden Moment gerade so und nicht anders handelte. Unwissende glauben an göttliche und satanische Inspiration. Daher können auch nur äutzekst wenige Menschen dafür gut stehen, wie sie allenfalls unter diesen oder jenen Verhältnissen handeln würden. Sie können eS nicht; denn beim Heransturz des Verhängnisses sind sie meistens ihrer selbst nicht mächtig, wie betäubt, wie be- rauscht, weil ihrem Geiste alle Festigkeit, ich möchte sagen, das starke Knochengerippe, die fixe Idee der höchsten Lebens- Weisheit, der starte Christussinn, das Verachten des Irdischen und seines Spiels, das Hinschauen auf das Ewigwahre, Ewig- gute fehlt. Um sich solches eigen zu machen, mutz man ein sehr einfaches Mittel, dem Geiste eine Krücke, irgendeinen überall anzubringenden Wetdfpruch, wählen. Steht es dann und wann auch nicht wohl an: ei nun. was schadet'S? Genug, wenn nur daS Wahrste und Erhabenste zur klotzen Gewohnheit wird, das heitzt zur andern Natur, aber nicht zur tierischen gedankenlosen, sondern zur vollbeivutzten. Das gibt Stärke, das gibt Stetigkeit. Darum folge meinem Rat l ES ist dir sehr möglich. Mit der Stärke und Stetigkeit seines Gemütes hatte eS beim Staatsrat Stryk seine volle Richtigkeit; inzwischen zog ihm sein Sprichwort doch zuweilen auch manchen Verdruß zu, was wenigstens anderen Leuten wohl Verdruß gewesen wäre. Aber ihn focht nichts leicht an. Zum Beispiel war er eines Tages tu der Ministertalversammlung. welcher der Kurfürst beiwohnte. Es war zur Zeit deS französischen Revolutionstaumels. Man sprach nach auf- gehobener Sitzung von den neuesten Vorfällen in Paris, in Lyon, in Stratzburg; sprach von der ungeheuren Verwandlung der französischen Nation, von der ehemaligen Abgötterei, die sie mit ihren Königen getrieben, und von ihrer nunmehrigen Freudetrunkenheit beim Sturz des Thrones. Das ist das schändlichste Volk auf GotteS Erdboden l rief der Kurfürst: Kein anderes Volk könnte daS. Denf ich an meine Untertanen— nie, des bin ich gewitz. werden sie von solchem Schwindel ergriffen werden, nie vor einem anderen kniebeugen. Halten Sie eS für möglich? Was meinen Sic. Stryk? Der Staatsrat hatte in dem Augenblick an etwas anderes gedacht, die Worte feines Herrn nur halb gehört, und zuckte verlegen die Achseln, indem er nach seiner Gewohnheit sagte: Es ist doch sehr möglich! Der Kurfürst stutzte. Wie verstehen Sie daS? rief er; Glauben Sie, es werde je ein Augenblick kommen, da meine Untertanen froh sein können, mich verloren zu haben? ES ist sehr möglich! sagte Stryk mit Besonnenheit: Man kann nichts voraus wissen. Niemand ist unzuverlässiger, als ein Volk; denn daS Volk besteht aus Menschen, von denen sich jeder selbst mehr liebt, als den Fürsten. Eine neue Ordnung der Dinge bringt neue Hoffnungen: und immer sind Hoffnungen verführerischer, als der Besitz deS GutcS selber. So sehr Ew. kurfürstliche Durchlaucht von allen Ihren Unter- tanen geliebt werden, und so sehr Sie die Liebe derselben verdienen; doch wollte ich nicht schwöre», datz nicht bei ver- wandelten Umständen dies Volk alle Wohltaten vergessen und zu Ehren einer Republik oder eines andern Herrn Freudenfeste und Illuminattonen anstellen, die kurfürstlichen Wappen abreißen und beschimpfen könnte. O ja, es ist sehr möglich. Sie sind nicht gescheit!" versetzte der Kurfürst heftig und wandte ihm den Rücken. Stryk fiel in Ungnade. Jedermann sagte damals: Stryk ist ein Narr. Einige Jahre nachher drangen die Franzosen glücklich über den Rhein. Der Kurfürst init seinem Hofstaat flüchtete. Mau sauchzte Freiheit und Gleichheit hinter ihm her. stellte. Freuden feste und Illuminationen an, und ritz die kurfürstlichen Wappen ab. Stryk, als ein keniitnisvoller, brauchbarer Mann, fand auch unter der neuen Ordnung der Dinge seine Anstellung. und um so mehr, da bekannt genug geworden, tveSwegen er beim vertriebene» Landesherr» in Ungnade gefallen war. Man betrachtete ihn gewissennatzeu älS ein Schlachtopfer de» FürstendcsPotiSmuö. Das Neue defesiiate sich, und Stryk trug durch seine' Tätigkeit und Geschäftskunde dazu nicht wenig bei. Ungeachtet seines natürlichen Feuers lietz er sich doch nie zur politischen Schivärmerei hinreißen. Er hielt es auch nie mit einer Partei; das mutzte ihn jeder Partei verdächtig macheu. Die Jakobiner hietzen ihn einen verkappten Royalistcn, die Royaliste» hietzen ihn einen verkappten Jakobiner. Er lachte zu beiden Titeln und tat seine Pflicht. Eines Tages kam ein RegicrungSkommtssär in das Departement, dem man. wie sich von selbst versteht, die. größten Ehrenbezeugungen erwies. Jeder drängte sich zu demselben jeder suchte sich bei ihm einige Wichtigkeit zu geben. Mitunter fehlte es auch nicht an Leuten, die über den braven Stryk und die Zweideutigkeit feiner republtka nischen Gesinnungen ihr dienstmilligeö Wörtchen an den Mann brachten Der Kommissär, da er einst mit Stryk in großer, glänzender Gesellschaft zusammentraf, wo mancher Rurige Toast auf die Freiheit der Welt, auf die Rechte der Völker, auf die siege der Republik angebracht worden war, wandte sich auch zu Stryk. Ich wundere mich nur. sagte er, datz die Könige es noch wagen, ivider uns zu streiten. Denn sie beschleunigen damit ihren eigenen Sturz. Die Revolution macht die Runde um die Welt. Was hoffen denn die Leute? Bilden sie sich ein. die große Nation mit den Waffen zu beugen und die Bourbonen zurückzuführen?— Die Toren! Eher würde ganz Europa untergehen. Was meinen Sie, Bürger: ist es einem vernünftigen Manne gcdcnkbar, datz in Frankreich jemals wieder ein Thron anfgcbanet werde? Worts, folgt.) Dirsfction Mai Eeinliarat: Deuisehes Theater. TU Uhr: Dantuiiia Tod. Kammerspiele. 8 trhr: Der Weibstcafel. Volksbühne, HZm" Tl. Uhr: Dio Ratten. v Theater in der Königgrätzer Str. TU Uhr: Faul I.ange nnd Tora Fapsbcrg. Komtidienhann. TU Uhr; Zum 2rp. Male: Die verlöre ne Tochter. Berliner Theater. TU Uhr; Auf Flügel« des Gesanges. M or�en u. Sonnab, nehm. S'/aÜhr LiIhI's Ritreben reine. Sessing-Theater. Direktion: Victor Barnowsby. T'/jU.: Die beld.Rllngsberg. .\Ettw. Tlt: John Bulls andere Insel. Deutseh. Künstler-Theater. Kurfürstend., E. Kürnborger Str. Allabendlich TU Uhr; Der Reisebegleiter. URANIA 4 Uhr(halbe Preise): Die Bagdadbahn. 8 Uhr: Winter in der Schweiz. Hörsaal 8 U.■ Prof. Dr. Schwahn Wie unser Heimatland entstand. Berlin. Kottbnser 8traBe Theater für Dienstag, 23. Januar. Metropol-Theater Deutsches Opernhaas, Charlottcnb. 7 uhr: Don Juan. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. tu u.; Das Dreimaderlliaus. Gebr. B6rFnf6ld"Thcater TU Uhr: Der doppelte Buchhalter. Posso mit Gesang und Tanz. Kleines Theater s uhr: im Teetisch. Komische Oper tu uhr: Dsr Puszta-Kavalier. Lustspielhaus ' Der selige Balduin mit Henry Bender. Neues Operettenhaus Kassentelephon: Norden 281, tu, u.: Der Soidal der Marie. loMin.: Die Csardasförstin. Residenz-Theater vhr■. Die Warschauer Zitadelle. SchUIer-Theater O. tu. u.: Ho�ella ü'indrea. Schlllor-Th. Charlotten hg. tu, uhr: Will und Wiebke. Thalia-Theater. t.u u.: Das Vasabundenmädel. Theater am\ollendorfpl. 3J/, Uhr: König Heinrich. vuv.: ßiaue Jungens. Theater des Westens vuv.: Die Fahrt ins Glück mit Guido Thiels eher. Trinnon Theater tu u.: Willis Hochzeitstag. Clrcua M joUSCfil. lägt. Tj.. Sbd. u. Ztg. 3'l,u. TU U. das großartige Stuiuarprogramm. Die erfolgreiche, beliebte" Prunk-ÄuSftattungs- Pontomime Sie deievprinzsssin. Sonnnbeiis S'i, Uhr wiederum: Bei», Weihnachtsmann. Sonntag o'/., Uhr auch nachm.: Die Geierprinzesfin. Ziiliuz A, Schumann i Der Zirkus ist gut geheizt. Täglich abends 7'U Uhr: Das groBe glänz. Zickuspfogramm. 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