Ar. 29. 84, Jahrg. HDenntjneiiU-Bedinqnn?«!; EliominnenlS•®«H ptäraintnanho SSiendjättl MO MI. monall U30 SM. wölhenilich 30 Big. frei mj Hau». Euizelne Stammet 5 Pig. Eomtlag», nummn mil iDaftneBet Eoimtn?»« Srüage.Di» Neue Seil* 10 Pia Vau- EEonnemcnt: 130 Marl vto Mona«. itinzeltagen m die Poll. Zeitang». Ptei-Iüie. Itaiet«rellzdand Iv: Teulichland und Oeliettetch. Itag-um 230 Mari, für das fiimge Ausland 4 Mau! vto Monat Pollabonnemems nehmen all«elgien. Täiunnatl HoQar.b. JlaNen. 2ujemturfi, PertuqaC Rumünitn. Etorecßen und die Schweij. iZsNi». s S Pfennig) Die Inlcmons-Ge&ttljr beirizl für die fechsoelvaliene flolonel- (eile ober beten Aaum«0 Pf(t.. für doliliiche und gewetiichasiliche Peteiirs- Und PetfammlungS-ilNjciiieii?-l Pf.; „Meine Anreisen", das lellgedtUilie Diorl 20 Psg. ijülSisiz 2 feUgedtiukie Wotiei, ledes iveifete Wati 10 Pfft. Eiellenfiefuive und Echlaffiellenaii- (eigen das etfie Sari 10 Pfg. jedes «cuete Sotl SPfg. Äatle übet lä BuÄ» vaben zählen füt zwei Wone. Inietaie fit die nächfle Kummet müjfen t:« Ü Itbr nachmiliagS in bei Sxvediiion tfaegewn werden Tie Cpetirton ijl bis 7 Uht abends geöffnet Vevlinev Volkcsblstk.?\ Zentralorgan der fozialdcmokrati feben Partei Doitfcbtands. Tefegtamm-Abreife: .Sszialdcnokrat Berits". Reöaktion: Sw. öS, Ltaüenstraße Z. ffernfvrecher: Am, Moriuvlas. Str. lSI SV— 1SI S7. !! Dienstag, den 30. Januar 1017. Expedition: SM. HS, Linöenstraße Z. Tkern'vrerber: Am» Moriuvia». Str. ISl SV— lSt S7. Englikeke Ungrikte abgeteblagen. \ Englische Angriffe bei Armentiörcs. Fro- Melles, Neuville- St. Vaast und aus dem Ancre- Nordufer— Französischer Ueber- sallsversuch gegen Höhe 304— Deutscher Vorstoft auf dem Hartmannsweilcr-Kops Ruffenangriffe au der Jlota Lipa und im Mestecanesei-Absch nitt. Amtlich. GrvßeS Hauptquartier, de« SV. Ja- uuar 1917.rnppe Sroopriuz Rupprecht. Nördlich von Arweutidres griffen dir Engländer in drei Wellen die Ttellungen des bayerische» Jnfauterir-Regunents Nr. 23 an, das den Keind verlustreich zurückwies. Westlich v,u Jromellcs, östlich von Neuville-Tt. Vaast, aus de« Nordufer der Auer« und nördlich von Bic-sur-AiSne bliebe» Unternehmungen feindlicher Streifabteiluugen ohne Erfolg. Südwestlich von 2t Transloh wurde ein englischer Posten aufgehoben. Heeresgruppe Sroupriuz. Stuf dem Westufer de» M»»» herrschte tagsüber rege Kamps- tätigkeit. AlorgenS versuchte» die Franzose» ohne Feuer. Vorbereitung überraschend gegen die am 25. Januar gewonnenen Stellungen aus Höhe 304 vorzutrrcheu. I« unserem sofort ein- iestendeu Feuer fluteten sie zurück. Bon Mittag an lag starte Ärtillericwirknng auf unseren Graben; es erfolgten nach heftigen Fruerwelleu noch drei französische Angriffe, die sämtlich erfolglos zusammenbrachen. Dir braven westfälischen Infanterie- Regimenter Nr. 13 und IS und daS badische Reserve-Jnfauterie-Regiment Nr. 109 hielten in zäher Berteidigung den eroberten Boden, von dem trotz hohen Einsatzes von Menschen und Munition kein Fuß breit von den Franzose» zurückgewonnen werden konnte. In den Bogesen brachte ein Erkundungsvorstosi neun Ge- faugene ein. Nach starker Feuervorbereituug draugeu aus dem Hartmanns- weile» lopf Sturmtrupps des wnrttrmbergischen Lmrdwrhr- Infanteric-Regiments Nr. 124 in die französischen Gräben und kehrte» mit 35 Gefangrucu und 1 Maschinengewehr zurück. Oestlichcr Kriegsschauplatz. Front des G e n e r a l f e l d m a r f ch a l l S Prinz Leopold von Sayern. Au der Aa schränkte unsichtiges Wetter und Schneetreiben die GefechtStätigkeft ein. Die bewährten oömauischen Truppen deS 15. SorpS schlugen an der Zlota Lipa russische Angriffe zurück, die nach heftigem Feuer mit parkru Mafien einsetzte». An einer Stelle säuberte schneller Gegenstoß de» eigenen Graben, im Nachdrängen wurde dem Gegner eine Anzahl Gefangener abgenommen. Deutsche Stoßtrupps holte« an der Rarajowka au? der russische» Stellung 9 Gesäugen«. Fron« de« Generaloberst Erzherzog Joseph. Im McsteeanrSei-Abschuitt unterhielt der Feind nachtS starkes Feuer. Zwei Augriffe der Ruffe» schlugen fehl. Bon der Heeresgruppe de» Generalfeld Marschalls von Mackeusen. und der Ntazedonischea ftfront ist nicht» Besonderes zu berichte». Ter Erste Generalauartirnnrifirr. Lndendorff. * flbenöbericht. Amtlich. B erli«, den 29. Januar. Abend?. Von keiner Front sind größere Kamps- hanölongen gemeldet. »* * Der österreichische Sericht. Wie», 29. Januar 1917.(W.?. B.j Amtlich wird verlautbart: Oestlichcr Kriegsschauplatz. Im MestrcaneSci-Abschnitt verhielt sich der Feind gestern ruhig. Heute früh setzte er erneut zum Augriff ein, wurde aber unter schweren Berlusteu abgeschlagen. An der Zlota Lipa griffen gestern vormittag die Rvfie» daS»smanische 15. SorpS mit parte» Kräfte» an. Die tapferen türkischen Truppe» warfen don Fciub in erbitterten kämpfen zurück und stieße« in der Per- folgung bis zu den zweftrn Linien der rnsfifcheu Stellungen »ach. Sie brachte« zahlreiche Gejaugeue cm. Sonst nichts von Belang. Italienischer Kriegsschauplatz. Im Abschnitt östlich des Tobcrdo Sres brachte eine Abteilung deS Jofanterie-NegimrntS Nr. 91 von einer gelungenen nicht- lichen Unternehmung 3l gefangene Italiener zurück. Die Ar- tMerirtätigkeft ist im allgemciuru mäßig; mir zwischen Gardase« und Etschtal richtete der Feind zrftweise ein lebhafteres Fener gegen unsere Ortschaften. Südöstlicher Kriegsschauplatz Nichts NeueS. Der Stellvertreter bei Chess des GencralstabeS. v. Hoefer, Feldmarfchalleutnant. Gasangriff an öer /la. Berlin, 29. Januar. Auher dcn schweren Käulpfen beider- seitö der Aa am 26. Januar regte sich der Russe am Abend noch an einer anderen Stelle der Front. Er hoffte mit Hilfe eines von ihm an der Rigaer Front noch nicht angewandten Mittels gewaltsam unsere Linien zu durchbrechen, nämlich mit Gas. Gegen 7 Uhr abends blies er an der Straße Riga— Mitau zwei Gaswolken ob. Unsere trotz Kälte und starkem Schneegestöber aufmerk- samen Horchposten wußten das laute Zischen, dos von der russischen Stellung herko'n, richtig zu deuten und veranlagten Gasalarnr. Jeder wußte, was zu tun war, und in ircufier gültiger Ordnung, als handele es sich um irgendeine Friedens' maßnähme, trafen alle ihre Vorbereitungen. Im Vertrauen auf die jedem zur Verfügung stehenden Gasschuymittcl waren unsere Braven des russischen Mißerfolges von vornherein sicher.— Schon nach wenigen Minuten kroch eine fünf Meter hohe Nebelwand allmählich heran. Sie war so dicht, daß selbst abgeschossene Leuchtkugeln nicht wahrgenommen werden tonn- ten. Träge zog die gefährliche Wolke über unsere Stellungen hinweg und nach kurzer Zeit folgte ihr bereits eine zweite, erheblich dünnere Welle. Gleichzeitig setzte die feindliche Artillerie mit Trommelfeuer ein und überschüttete unsere Stellungen in wenigen Minuten mit zweitausend Gas> granaten. Ter Gegner inochte wohl glauben, unsere Stellung aus' geräuchert oder Ratlosigkeit und Aufregung unter unserer Grabenbesatzung verbreitet zu haben, aber in dieser Voraus- ietzung hatte er sich getäuscht. Mit ruhigem, wohlgezieltem Feuer wurde schon den ersten feindlichen Jogdkommandos Halt geboten; daher wagte der Feind auch nicht, diese Unter nehmung in größerem Maßstabe fortzusetzen. Er hatte nickst mit unseren hervorragenden Gasschutzinitteln gerechnet, die sich wieder einmal vortrefflich bewährten.— Während dem Gegner diese Unternehmung blutige Verluste brachte, hatten wir nicht einen Vergiftungsfall zu verzeichnen. Englisther 74S�2 Tonnen-Hilfskreuzer vernichtet. Londo«, 29. Iauuar.(Anitlich.j Der Hilfskreuzer „Laureutie"(14 892 Br.-Reg.-Tonueu) ist am 25. Iauuar spät abeudS au der irischen Küste durch ein deutsches Uuterfee boot oder eine Miue zu« Sinken gebracht worden. 12 Offiziere und 199 Manu wurden gerettet. Die„Laurentic" ist ein Dampfer der Dhite-Star-Linie, die ihren mit der englischen Negierung geseblossenen Vertrag, ibre Sckiffe zu Kriegszwecken zur Verfügung zu stellen, schwer hat Hüsten müfien. Denn die.Laurcnlic' ist das sechste ihrer großen Schiffe. da« der Krieg vernichtet. deutsches V-Soot verloren. Gefecht mit englischem HUfskreuzer bei Hammerfest. Sristiauia, 28. Januar. DaS Marineministerium gibt bekannt: Ein norwegisches Motorsahrzeug setzte gestern bei H a m m e r f e st die 34 Mann starke Besatzung eines deutschen O-BooteS, welche? auf See gesunken war. a n Land. Da die Besatzung nach einem norwegischen Hafen auf einem neutralen Schiffe gebracht wurde, sind sie gemäß den in ähnlichen Fällen erfolgten früheren Entscheidungen i n Freiheit gesetzt worden. Wie Wolsfs Bureau hierzu an zuständiger Stelle erfährt, hatte daö k.'-Boot am 27. abends in der Nähe von Hammerfest ein Gefecht mit einem englischen Hilfs- k r c u z e r. Die Besatzung des BooteS ist bis auf dcn Ingenieur Hermann gerettet. Wie„Tidens Tegn" aus Hammersted erfährt, ist daS Ik-Boot in der Nähe der Sör-Jnsel gesunken. Es wurde in dem Kampfe mit dem englischen Htlfskreuzer stark beschädigt, versuchte an Land zu gelangen, sank jedoch, bevor das nor- wegische Boot zu Hilfe kommen konnte. Während der Bergungsarbeiten ertrank einer der Offiziere des Untcrsee- booteS. Zur verstaötlichung des Arbeitsnachweises in öerltn. Vo« Adolf Ritter. In dieser Woche wird sich die Berliner Stadtverordneten- Versammlung mit einer Vorlage des Magistrats beschäftigen, die für die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter außerordentlich wichtig ist. Der in Berlin seit über 39 Jahren be- stehende Zcntralverein für Arbeitsnachweis, dem mehr als zwanzig Arbeitsnackstveise, darunter auch ein erheblicher Teil fachgewerblicher, angeschlossen ist, soll i n d i e Verwaltung der Stadt Berlin übergehen. Die Vorlage des Magistrats bildet die Ausführung eines seit langer Zeit in städtischen Kreisen erwogenen Gedankens. Tie Zuichüffe der Stadt sind von Jahr zu Jahr gestiegen, sie betragen gegenwärtig rund 89 Prozent des Gesamtetats des Zcntralvereins für Arbeitsnachweis. Schon seit drei Jahren hat die Stadt Verlin bei der Beschlußfassnng im Vorstand des Zentralvereins 51 Prozent der Stimmen. Vom Standpunkt der gewerkschaftlich organisierten Ar- beiterschast aus sind gegen die Kommunalisicrung der Ar- beitsnachlveise grundsätzlich keine Bedenken zu erbeben. Auf früheren Gewerksckiaftskongrelsel'. sind jedoch die Voraussetzungen festgelegt worden, unter denen einer solchen Kommunalisierung zugestimmt werden kann. An der Vorlage des Magistrats fällt unS aber auf, daß auf diese Fragen mit keinem Wort eingegangen wird. Es ist daher nicht so wichtig, was in der Vorlage steht, als was in ihr nicht steht: nämlich nichts über die Stellung der F a ch- a r b c i t s n achw e i> e in ihrem neuen Verhältnis zur Stadt Berlin. Heute haben die beiden an dem Nachweis beteiligten Interessengruppen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber, in den von beiden Seiten gebildeten Kuratorien ihre Vertretung. Diese Kuratorien haben einen wesentlichen Ein- fluß aus die Anstellung der auS beiden Gruppen zu wählen- den Arbeitsvermittler, ans die Gestaltung ihrer GchaltS- und sonstigen Arbeitsverhältnisse und vieles mehr. Ob nun diese Kuratorien nach der Uebcrnahme der Arbeitsnachiveise durch die Stadt ibre bisherigen Berechti- gunaen voll beibekialten, das kommt in der Vorlage nicht zum Ausdruck. Es ist lediglich von der allgemeinen Regelung der Angestelltenverhältniffe der Facharbeitsnachweise die Rede, die, wie es heißt,„der späteren Entwickelung vo.bc- halten bleiben muß", und an anderer Stelle heißt es, daß an dem bisherigen Verhältnis der Facharbeitsnachweise her der Uebcrnahme durch die Stadt nichts geändert wird. Der Magistrat hätte Wohl auch eine andere Begründung gefunden, wenn ihm nicht von anderer Seite ein Kuckucksei ins Nest gelegt lvorden wäre, das er jetzt ausbrüten soll. Ee bandelt sich nämlich um nichts weniger als um die Frage: Sollen die beiden Jntereffengruppen, für die der Arbeitsnachweis eigentlich geschaffen ist, ihren bisherigen Einfluß aufgeben und soll an dessen Stelle das burcaukro- tische Element in den Vordergrund treten? Der Vorsitzende des zur Auflösung bestimmten Zentral- Vereins für Arbeitsnachweis ist der Vorsitzende der Landes Versicherungsanstalt Berlin, Dr. Freund, der sich zweifel- los auf dem Gebiete der Arbeitsnachweisfrage erhebliche Verdienste eiavorben hat. Derselbe Herr ist zugleüb Vorsitzender des Verbandes Deutscher Arbeitsnachweise und des Veckandcs Märkischer Arbeitsnachweise. Herr Dr. Freund hat in den letzten Jahren unter dem Vorgeben, der Unparteilichkeit zu dienen, das Mitbcstiinmungsrccht der Kuratorien so einzuengen versucht, daß Luft und Atem der Seibstvenvaltuna erstickt werden müssen. Erinnert sei bei dieser Gelegenhert an den letzten Gewcrksckiaftskongreß in München, der kurz vor dem Kriege folgendes beschloß: Die Bestrebungen de? Verbandes Deutscher Arbcitsirach weise, eine gesetzlici,e Rcgeluna der ArbcitSveraiittelung im Sinne des öffentlichen Arbeitsnachweismonopols durch Burcaukratisierung der Arbeitsnachiveise unter Beseitigung der paritätischen Verwaltung herbeizusühren. sind geeignet, der Arbeiterklasse den mühsam errungenen Einfluß auf die Arbeitsvcrmittelung illusorisch zu machen. Bei der Beratung der Vorlage am Donnerstag wird es sich also darum handeln, ob bereits bei dieser Gelegeubeit die von uns berührte Frage in ihrer ganzen Breite aufgerollt werden soll oder ob später in der vergrößerten Deputation. die für das städtische Arbeitsnachweisloesen geschaffen werden soll, dazu noch Zeit ist. Dos letztere möchten wir verneinen. Wenn die Vorlage erst die Stadtverordnetenversammlung passiert haben wird, ist es mit der Gelegenheit, die Frage öffentlich zu behandeln, vorbei. Die Vorlage, wie sie setzt vom Magistrat zur Verabschiedung unterbreitet wird, bietet nichts Halbes und nichts Ganzes. Die Einrichtung von Fach- arbeitsnachweisen würde in Berlin in den letzten Jahren viel- fach ein schnelleres Tempo eingeschlagen haben, wenn die Bc- dingmMn. Die den beteiligten Kreisen von Herrn Dr. Freund gestellt wurden, nicht die Verhandlungen ins Stocken gebracht hätten. Will die Stadt Berlin das Arbeitsnachweiswescn fördern, und das ist einer der Grundgedanken bei der geplan ten Uebernahme, so darf sie nicht werter in dem Fahrwasser des Herrn Dr. Freund segeln. In einer Konserenz, die im Fahre 1915 beim Reichskanzler stattfand, wurde eine Eingabe an Bundesrat und ReickHtag über die Arbeitsnachweisfragen verhandelt, die später in Gestalt einer Resolution vom Reichstag angenommen wurde. Diese Resolution sagt u. a.: Die ArbeitZvermitller werden von der Verwaltung des Ar beitSnachlveifeS gewählt. Sie müssen« soweit die Facha rbeiiS nachweise und die BcrufSabteilungcn des öffentlichen?Iachttietfcä in Frage kommen, mit den Verhältnissen des Be ruses vertraut sein, für den der Arbeitsnachweis er richtet ist. Diese Grundsätze, klipp und klar, hätte sich auch die Mo aistratsvorlage zu eigen machen sollen, anstatt in einer der wichtigsten Fragen zwischen Ja und Stein hin und her zu pendeln. In der Vorlage wird auch die Errichtung eines S t ä d t i i ch s n A r b e i t s a m t s für eine kommende Zeit in Aussicht gestellt, sowie die Anstellung eines wissenschaftlich gebildeten Direktors mit einem Anfangsgehalt von 8590 M. steigend bis 19 999 M. Diese Stellung ist in der letzten Nummer des Gemeindeblatts bereits ausgeschrieben. Uns möchte scheinen, als ob es bei der Besetzung dieses Postens weniger auf theoretische Wissenschaftlichkeit als au' mehr praktische Wirksamkeit ankommen werde. Tie Stadtverordnetenversammlung wird aus den vor getragenen Gründen die Vorlage sachgemäß und gewisseuhast zu prüfen haben.__ die sozialistische IrieKensagitotion in Cnglaaü. Aus Amsterdam schreibt man uns: Es scheint ein be- merkenswertes Symptom, daß jetzt in der englischen Presse Berichte über die sozialistische Friedensagitation zu finden sind, die man— von flüchtigen Erwähnungen in Wochenblättern abgesehen— mehr oder minder freiwillig totzuschweigen der- sucht hat. So berichtet der„Manchester Guardian" vom 22. d. M. über eine Rede Mac Donalds in Coventry. die ein kleines Häuflein Lärmmacher vergebens zu stören versucht hat. Mac Donald trat für einen„politischen Frieden" an Stelle des„militärischen Friedens" und für die internationale Bei legung der Konflikte ein. Ebenso mißlangen die Absichten der„patriotischen" Skandal� macher in den Versammlungen, die Grnosie Philipp Snewden in Oldham und Rochdale abgehalten hat. der ersten, von mehreren hundert Personen besuchten Versammlung waren. wie der„Manch. Guard." sagt, zwei oder drei Zwischenrufer, die aber anscheinend die einzigen Anwesenden waren, die mit dem Redner nicht sympathisierten. Snowden sprach u. a. über die verschiedenen Methoden, die man anwende, um Menschen oder Geld für den Krieg zu bekommen. Von den Volksmasscn verlange man alles,"was sie zu geben hätten. die Besitzenden müsse man mit hohen Zinsen zu Geldopfern gewinnen. In den großen Anlcihezcichnungcn drückten sich mar die übermäßigen KriegSprostte auß. die Mehrzahl der aus dem Felde Heimkehrenden aber werde wieder auf der untersten Sprosse der sozialen Leiter zu beginnen haben: Wenn die Leute über die Bermchtung des deutscheu Militarismus spreche», so sprechen sie über etwa», was es nicht gibt. Der Militarismus hat keiue geographische« Grenzen. ES ist ein Geist, der überall herrscht. Der einzige Unterschied zwischen dem Militarismus in England und dem -n Deutschland ist, daß im ersten Land jahrhundertelange Kämpfe den zivilen Autoritäten die Kontrolle gegeben haben. .'lbcr seit 191� haben die Militaristen ihre gute Gelegenheit wahrgenommen und sind nun obenauf- Zur Besprechung der Antwort- note an Wilson übergehend fragteSnowden, welches Interesse England am Besitz Kon- stantinopels durch Rußland habe. Jeder- mann fordere einen dauernden Frieden, aber dieser sei nicht möglich, wenn in irgendeiner Nation das Gefühl angetanen Unrechts zurückbleibe. Pichls sei wahnwitziger als das Gerede vom Kampf bis zum letzten Mann und zum letzten Schilling:„Eine Nation wie Deutschland kann mcht ganz vernichtet werden und die von den Verbündeten genannten Bedingungen sind solche, die nicht diktiert werden können. Wenn Deutschland seine Bedingungen bekannt gibt und vorbehaltlos Belgien aufzugeben und sein Volk voll zu entschädigen einwilligt— weniger kann auch der extremste Friedensfreund nicht annehmen— wird keine Frage übrig bleiben, die nicht durch Verhandlungen geläst werden kann." Zum Schluß sprach Snowden sehr scharf gegen die Projekte der Pariser Wirtschaftskonfereuz:„Es fit kein Frieden in Europa möglich, wenn die eine Hälfte der Nationen die andere wirt- ichaftlich umzubringen trachtet. Würde England einer solchen schutzzöllnerischen Gemeinschaft bei- rreten. würde seine Flotte als da« größte Werkzeug der Ty- rannei in der Welt gelten. In Rochdale sprach Snowden gleichfalls in einer großen Versammlung, besonders über die Beschränkung der MeinungS- ireiheit;„Die Presse füttert das Volk mit Lügen. Dürfte sie die Wahrheit sprechen, wäre in keinem Land der Krieg mög- lich." Militarismus und Demokratie seien ewig unvereinbar. Heute sei cS klar, was hinter der Dienstpflicht stecke, der industrielle Dienstzwang. Kein vernünftiger Mensch glaube, daß die Regierung die Versprechungen, die sie den Gewerk- ichaften gegeben habe, halten werde. Anläufe gegen Srianö. Bern, 28. Januar. Laut Lyoner Blättern ist aus der der Geheimsitzung folgenden öffentlichen sehr bewegten Kammer- sitzung nachzutragen: Der Sozialist B o n, der ständig unterbrochen wurde, forderte, dotzdie Verhandlungen derGeheimiitzungen schnellstens bekannt gegeben würden, damit die Oeffentlichkeu die Unentschlosien- beit, UnmlängliÄkeit und Schwäche der Regierung kennen lerne. a Kilogramm Gewicht g e f u n- e n, daS eine auf dem Bahnkörper, das andere nahe dabei. Der Minister deS Innern hat sich bei einer Unterredung sehr zurück- haltend gezeigt, um die im Gange befindlichen Untersuchungen nicht zu durchkreuzen. Bern. LS. Januar..Lftoner Blätter melden zu dem Anschlag auf den Zug dcS Königs' von Spanien, daß einer der Verhafteten wahrsche,nltch ein Spanier namens Rafael Turan, der andere ein Portugiese namens Tinto ist. Die Holzschwellen haben sich also bereits in Bleistücke verwandelt, und das Individuum, das in Ententezungen zu roden versteht, entpuppt sich nach ententeländischem Bericht als waschecht spanisch oder portugiesisch. Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, daß irgendwelche 5 weise diesen mcht gerade arg ausschauenden Vorfall zu polt- schen Zwecken ausbauen möchten. In der Regel geschah das mit der Folge, daß an politische Rechte und Freiheiten Hand angelegt wurde. Mar dies« sind in Spanien, solang« der Weltkrieg die Politik aller Länder belastet, längst verkürzt. Irtd immer war jene Methode ein Zeichen, daß eine Regie- rung von der Sicherheit ihre? Bestandes oder Systems mcht «ehr fest überzeugt war. Kämpfe im Westen. Höhe»04. Ueber den Verlauf der Kämpfe am 28. Januar auf dem Westufer der Maas meldet General der Infanterie von Frangois i 8 Uhr vormittags setzten die Franzosen zum Angriff auf unsere neuen Linien auf Höhe 30t ohne Artillerievorbereitung an. In unserem gut zu beobachtenden Feuer kam der Gegner nur an einzelnen Stellen aus den Gräben und wurde abgewiesen. 12 Uhr mittags begann starkes feindliches Feuer, das sich 2 Uhr nachmittags zum Trommelfeuer, steigerte. 3 Uhr 15 Minuten nachmittags brach feindliche Infanterie auf der ganzen neuen Front zum zweiten Angriff vor. wurde aber durch Infanterie-, Handgranaten- und Sperrfeuer zurückgeworfen. Ein dritter Angriff um 3 Uhr 40 Minuten nachmittags kam in unserem wirksamen Vernichtungsfeuer nur stellenweise aus den Gräben. Darauf setzte wieder starkes Artilleriefeuer aus unsere vorderen Gräben ein; 4 Uhr nachmittags erfolgte der vierte Angriff, der vom Jnfanterie-Regiment 13 und dem Reserve- Jnfanterie-Regiment 109 im.Handgemenge abgeschlagen wurde. Jnfanterie-Regiment 15 stürmte dem Gegner aus den eigenen Gräben entgegen und trieb ihn zurück. Alle Stellungen sind restlos gehalten. Der Gegner hat schwere blutige Verluste erlitten, während die eigenen gering sind. Die Stimmung der Truppen ist siegesfroh und ausgezeichnet. » Französischer Heeresbericht vom 2S. Januar nach-� mittag«: Aut dem linken MaaSuker Handgranaienkamps in der Gegend östlich der Höhe 304. Auf dem rechten Ufer führten die Franzosen am Abend einen Handstreich aus, der völlig gelang. Sie ianden zahlreiche Leichen und brachten eine beträchtliche Beute ein. In Lothringen Artillerietätigkeit in den Abschnitten von Lenoncourt und des Bezangcwaldes. Fliegerkämpfe. Bei klarem Frostwetter herrichte am Sonnabend auf der ganzen ZLestfront rege deutsche Fliegertätigkeit. Die feindlichen Flieger hielten sich auffallend zurück: in der Hauptsache beschränkten sie sich, auf Flüge hinler ihren Linien. Die Fernaufklärung wurde bi» anS Meer durchgefüht. Von ihren Flügen brachten die Beobachter wichtige Meldungen über den Verkehr hinter der feindlichen Front zurück. Die wertvollen Er- kundtingZergcbnisie wurden in zahlreichen Lichtbildern festgelegt.— Calais, Boulogne, Etaples, Amiens. Toul, Luxeuil und Moni- beliard sind dabei erneut von uns photographiert worden. Der Bahnhof Frouard wurde unter Fliegerbeobachtung mit schwerstem Geschütz bcichosien, feindliche Batterien nnd UnterkrmstSrimme westlich Peronne, Bahnhof RosiereS, feindliche Lager bei Cappy und Bray in zwei aufeinanderfolgenden Rächten ouSgiebig mit Bomben beworfen. Eins unserer Kampfgeschwader belegte mit beobachtetem Erfolg NeuveS MaisonS südlich Nancy mit 4000 Kilogramm und Dombasle mit S50 Kilogramm Bomben. Französische Truppenlagcr im Foret de Haye bei Toul wurden aus geringer Höhe mit Maschinengewehrfeuer angegriffen. Eine besonders kühne Tat vollbrachte ein Flugzeug, indem es die Eilenbohnbrücke über die Autbie 20 Kilometer südlich Staples auS 30 Meter Höhe mit 40 Pack Sprengladungen bewarf. Der Er- folg war der beabsichtigte. Die Explosionen zerstörten den ganzen Bahnkörper. DaS gleiche Flugzeug griff sofort nach der Sprengung einen fahrenden Etsenbahnzug nördlich der Brücke mit Maschineneuer an, brachte ihn zum Stehen und schoß einen Dogen in der Mitte de« Zuge« in Brand. Im Luftkompf und durch Abwehrfeuer holten wir fünf feindliche Flugzeuge herunter. Im Osten wurde ein russisches Flugzeug brennend zum Absturz gebracht. * Englischer Heeresbericht vom 28. Januar: Heute früh drangen wir in feindliche Gröben nordöstlich von Neuville- St. B a a st ein. fügten dem Feinds viele Verluste zu. bewarfen Unterstände mit Bomben und n, achten Gefangene. Ein anderer er- ölgreichcr Vorstoß nordöstlich von Festubert endete mit der Ein bringung von Gegangenen; unsere Verluste waren gleich Null. Beiderseitige Artillerieiäligkeit nördlich der S o m rn e. Vier deutsche Flugzeuge wurden im Luftlampf zerstört. Der türkische Kriegebericht. Koustantiuopel, 28. Januar. Amtlicher Heeresbericht. Kein wichtiges Ereignis an den Fronten. » Englischer Bericht auS Mesopotamien: In der Nacht vom LS. auf den 26. erneuerte der Feind seine Versuche, dos an, 26. Januar verlorene Gelände wieder zu gewinnen: er wurde mit schweren Verlusten abgewiesen. In der Frühe des 26. griffen wir die von den Türken in Gegenonariffen om 26. wieder besetzten Gräben an und nahmen sie loieder in Besitz. Am Nachmittag des 26. machte der Feind zwei heftige Gegenangriffe, die m unserem Artillerie- und Maschinengewehrfeuer völlig zusammenbrachen; der Feind hatte schwere Veruste. In den von einer unserer Brigaden besetzten Gräben fanden wir 400 türkische Leichen, während unsere Brigade nur einen Verlust von 200 Mann hatte. Wir befestigten jetzt unseren Gewinn.___ Der bulgarische Kriegsbericht. Generalstabsboricht vom 28. Januar. Front: Vom P r e s P a- S e e bis zur Struma nur an einigen Stellen das übliche vereinzelte Jnsantene-, Maschinengewehr- und Artilleriefeuer. Im Wardartals Fliegertätigkeit. An der Küste des Aegäiichen Meeres zwischen Struma und Kawalla lebhafte Tätig- kcit feindlicher Flugzeuge. Em englisches Flugzeug fiel nörd- lich von Kawalla zu Boden. Der Flieger wurde gefangen genommen. Das Flugzeug ist unversehrt. Rumänische Front: Vereinzeltes Geschützfeuer auf beiden Ufern der Donau bei I s a c c e a und G a l a tz. Saharalänöer in Aufruhr. Paris, 29. Januar. Laut„Temps" erklart der General- gouveineur von Französisch-Destafrika, daß die Finanz- läge der Kolonie dank den höhen Einnahmen und Ausfuhrzöllen zwar günstig sei, die politische Lage jedoch zu Bedenken Anlaß gebe. Seit Ende 1915 Hobe sich infolge der Aushebung von 50000 Eingeborenen eine ausständische Bewegung geltend gemacht, welche nach Mißerfolgen der zu ihrer Bekämpfung noch dem Nigerbogen entsandten Truppen einen bedenklichen Umfang annahm und erst nach sechsmonatige» sehr energischen Bemühungen in den Küstengebieten niedergekämpft worden ist, während bei T i m b u i t u, im T s ch a d g e b i e t und in der ganzen französischen Sahara und im französischen Aquatorialafrika augenscheinlich mit dem Auf- stand in Tripolitanien zusammenhängend« Un« sofia, 28. Januar. Mazedonische ruhen weiterLestehen. Die Aufständischen re?rutierien sich zumeist au« Jetischisten. Ferner erklärt der Gcneralgouvsrneur. daß zwischen Französisch�Westafrika und Marroio die Verbindung her- gestellt sei, so daß die Verwaltungsbehörden beider Gebiete ge- meinsam eine— beruhigende Aktiv» aus die Anhänger des nach «iidmarokko geflüchteten Prätendenten El Hiba. dessen Autorität nch bis nach Aequatorialafrika erstrecke, unternehmen könnten. der Krieg auf öen Meeren. U-Soote oa öer Arbeit. Berlin. 29. Aanuar. Sin dies« Tage von einer Unter- nehmusg zurückgekehrtes Unterseeboot hat elf Fahrzeug« mit Z24K9 Tonnen, ei» anderes acht Schiffe mit 22244 Tonne» versenkt. Unter den 19 Schiffe« befanden sich sieden Tawpser mit Sohlenladung nach srintlicken Länder», zwei Damvser mit 13 200 Tonnnn Weizen nach Frankreich nnd England, ein Dampser mit Lleierzladuag nach England. Ter Rest der versenkten Schiffe hatte u. a Grubenholz, Fische, Flachs und sonstige Bannware gc- laden. Bon de« ersten U-Boot wurde außerdem ein 6 Zentimeter- Geschütz erbeutet, durch das zweite U-Boot neun Gefangene ein- gebracht. Ein drittes Unterseeboot hat in den Tage« vom 12. biS 22. Januar insgesamt dreizehn Fahrzeuge versenkt von zusammen etwa 12 000 Tonnen. Unter ihnen befanden sich vier Schiffe mit Sohlen, 0 mit Grubenholz, 1 mit Erz, 1 mit Pech und 1 mit gemischter Bannware. Schließlich hat ein Unterseeboot drei englisch« Fisch- d a m p f r r auf- und in den heimischen Hasen eingebracht. Dir drei Dampfer werden der deutschen Seefischerei zur Verfügung gestellt «erde». » Geheimbefehle bewaffneter tzanüelsfchiffe. Für den Kampf von Ul.Boolen mit bewaffneten Handelsschiffen sind folgende Mitteilungen des Volstsckcn BureauS beachtenswert: In der Denkschrift der Kaiserlich Deutschen Regierung über die Bc- Handlung bewaffneter Kouffahrleischiffe vom 11. Februar 191S sind die Eeheiminstruklionen der britischen Admiralität veröffentlicht, die sich auf die Benutzung und Instandhaltung der Bewaffnung auf auf Kauffahrteischiffen, die zu BerteidigungSzwecke» be- waffnet find, beziehen und auf den am 3. November ISIS im Mittelmeer versenkten bewaffneten englischen Dampfer.Woodsield" von einem unserer E-Bvole erbeutet wurden. Unter anderem be- lagen dies« Instruktionen, daß der armierte Dampfer auch dann das Feuer zu eröffnen hat. wenn das seindliche Ü-Vcot noch keine entschieden feindliche Handlung, wie zum Beispiel Abfeuern rineS Ge- schütze? oder Torpedos begangen hat. Am LS. Oktober lOlO ist uns auf einem französischen Handels» schiff die G e h e i m in st r u kt i o n d«Z französischen M a r i n e m i n i st c r i u in L in die Hände gefallen, welche den gleichen Gegenstand behandelt. Auö dem Inhalt des SchiiftstückeS sind folgend« Sätze von aktuellem Interesse: „Manöver im Fall« des Angriffs. Sobald ei» U-Boot, das au>getancht fährt, bemerkt wird, drehe man ihm da« Heck zu, bringe die Maschine» zur Entwicklung höchster Geschwindigkeit und schlage, wenn man sich auf offene« Meere befindet, einen solchen Kurs ein, daß da« U-Boot gezwungen wird, um näher heranzukommen, gegen dir See anzulaufen, wodurch seine Geschwindigkeit herubgcdrückt und seine Artillrriewirknng beeinträchtigt wird. Mau eröffne das Feuer, sobald das U>Bo»t sich in guter Schuß. weite befindet. Wenn daSSchOsf gejagt wird und»aßU-Soot infolg« seiner größere« Geschwindigkeit näher kommt, zögere»an nicht, bevor e» zu nahe ge» komme« ist, umzudrehen und daSU-Boot zu über» laufen. Weim ein getauchtes U-Boot auf nahe Distanz bemerkt wird, bringe mau feine Maschine» zur Entwicklung größter Geschwindigkeit und dreh« auf da» U-Boot zu oder von ihm ob, je nachdem man«S weniger»der«ehr als S Strich von vor» peilt. Wenn man ihm den Bug zudreht, bemühe man sich,»S zu überlaufen. Wen» das getauchte U-Boot in genügend welter Enffernung de- merke wird, manövriere mau so, alS wenn man ein aufgetauchtes - U-Boot vor sich hatte." * Versenkt. Aus Kapstadt meldet Reuter: Der Kapitän und die ganze Besatzung der von einem deutschen Unterseeboot am 4. Ja- nuar versenkten russischen Bark„Rubc" wurden hier gelandet. .. politische Ueberstcht. Abschaffung der elsast-lothringischcn Verfassung? In dar.Post" polemisiert der freikonservativc Führer Oktavio Freiharr von Zedlitz gegen Genossen Wolfgang Heine, der in einem Artikel deS„B. T." daS ReichStagSwahlrecht für Preußen verlangt hat. Herr von Zedlitz vertritt bekanntlich die Idee der Einführung cfoteS PluralwahlrechtS nach sächsischem Muster, und waS er in dieser Beziehung sagt, ist nicht weiter neu und interessant. Um so auffälliger sind die Sätze, die er an eine beiläufige Bemerkung des Genossen Heine knüpft. Genosse Heine hatte daran erinnert, daß die Regierung in Preußen zum größten Teil aus denselben Männern bestände, die lvll das Votum Preußens im Bundesrate für das gleiche Wahlrecht in Elsaß-Lothrinaen zu verantworten hatten, und fragt, wie diese sich der moralischen Notwendigkeit entziehen wollten, dieselben Grundsätze auch für Preußen anzuerkennen. Herr von Zedlitz erwidert hierauf: Geradezu lelffam aber mutet eS an. wenn Herr Hein« die Verfassung Elsoß-LoihringenS nickt nur als Borbild für die Ord- nung de» Wahlreck«» in Preußen, sondern auch als taktischen Ausgangspunkt für die Umwandlung der preußischen Ter» fossung vorschlagen zu können glaubt? denn nach den Ersahiungen. welche feit der Einfübrung der jetzigen Verfassung im ReichSlande gemacht sind, besteht wobl überall, wo man klar sehen kann und vor sehen will, kein Zweifel darüber, daß jeneS BerfosiungSwerk einer ber schwersten politische» Fehler war. welche jemals auf dem Gebiete der ReickSpolitik gemacht worden find. Abgesehen von dem.Boiwäris", welcher nach der Scheidemann» schen Tckablone von der Ausgestaltung de» Reichslandes zu «wem Lundesstacl« phantasiert, hall zurzeit wohl niemand mehr die Beibehaltung der elsaß- lothringischen Ber» sassung für möglich. Scheint dock sogar ernstlich die Aufteilung von Elsaß- Lothringen unter»erschiedene Bündessteaten erwogen zu werken!— Dieser Plan würde aller- dnig» vom Slondpuntte der gemnden Entwicklung der Reichs- Verfassung rncvr unerheblichen Bedenken unterliegen, denn er schließt die Gefahr in sich, daß in den mneren Organismus de» Reich?» ein Fremdkörp»» hineinkommt, und daß sich ein für die innere Festigkeit und Kran bedenklicher Dualismus eniwickeln könnte. Ungleich richtiger wäre zwei'ellos die Wiederangliedernng der ReichSlande an einen große« Einheitsstaat. Nicht aus irgend einer„Schablone", das»rag sich Herr von Zedlitz gesagt sein lasten.„Phantasiert" der..Vorwärts" von der buudcsstaatlichcn Ausgestaltung Elfaß-Lothringens, sondern weil die Erhebung Eksah-Lothringens zum Bundes- staat der einzige Weg ist. der dem Sclbstbessimmungs- recht dieses Volkstcils Genüge leistet. Höchst überflüssige Erregung. Die alldeusichen Blätter, auf die der Name Scheidemann wie ein rmeS Tuch aus ein gewisses Tier wirkt, reden sich einmal wieder in künstliche Erregung hinein über eins Rede, die Genosse Scheide- mann in Heidelberg gehalten hat. Genosie Scheidemann hat im Verlauf seiner Ausführungen, über die übrigens einst- weilen nur sehr unvollkommene telegraphische Meldungen vorliegen, die unanfechtbar« historisch« Reminiszenz ge- macht, daß hauptsächlich die Annexion Elsaß-LothringenS Frankreich in die Arme Rußlands getrieben und das Bündnis zwischen Rußland und Frankreich möglich gemocht habe. Die„Berk. N. Nachr." reden deswegen von einem„neuen reichsschädlichen Bortrag" Scheide- mann». Tie„D. TageSztg. widmet ihm gleich zwei Artikel in derselben Rummer. deren einer nachweisen will, daß Scheidemann sich durch dielen Ausspruch mit sick selbst und der übrigen Sozialdemokratie in Widerspruch gesetzt habe. Zu diesem Zweck werde«ine Anzahl sozialdemokraffscher Zitat»(wir könnten dem Berfaster leicht noch mehr nennen) auK sozialdemokratischem Munde an- geführt, die schart gegen die französischen RückeroberungSgelüste und für das Beibleiben Elsaß-LotbringenS beim Reich« sich aus« sprecken. Wir können dem Berfaster versichern, daß die iu diesen Aussprüchen niedergelegt« Ansicht die der gesamten Sozialdemokratie und auch doS Genossen Scheidsmann ist. Wenn er einen Wider- spruch entdeckt, so liegt dessen Wurzel ollem tu den Mängeln seines eigenen logischen Denkens. Der Ausspruch de» Genossen Scheidemann bestreitet weder, was der Per- fastcr mit Emphase anführt, daß Eksotz-Lothringen ursprünglich von Frankreich Deutschland entristen wurde, noch daß seine Bevölle« rung überwiegend deutsch ist, noch daß die lothringische Eisen- und Stahlindustrie ein wichtiges Glied der deutschen Volkswirtschaft bildet Aber durch alles das wtrd nicht ein Jota an der historischen Tatsache geändert, daß die Annexion i5lsaß-2othringenS im Frank- surier Frieden Frankreich an die Seite Rußlands getrieben hat. Ilm das Reichsgetreidemsnopol. Die.Norddeutsche Allgemeine Zeitung" Hot, wie wir mitteilten, die Nachricht von einem kommenden Reichsgetreidemonopol für„aus der Lusr gegriffen" erklärt. Dazu bemerkt da»„B. T." da? die Meldung verbreitet hatte: Wir möchten dazu bemerken, daß. wenn auch noch kein sörm- sicher Beschluß über die Beibehaltung des Handelsmonopols vor- liegt, doch in den beteiligten Regierungsstellen Einigkeit über diese Frage herrscht. Unterstaatssekretär Dr. Michaelis, der Leiter der ReickSgetreidesteLc, hat ja selbst kürzlich in seinen, Vortrag über.KriegSgeiretde jetzt und später" darauf hingewiesen, daß zum mindesten in der UeSergangszeit mit dem staatlichen Ge- treidemonopol Bestimmt zu rechnen fei, und an gut unterrichteter Stelle glaubt man mit ziemlicher Sicherheit, daß die Beibehaltung de« Handelsmonopols auch in der FriedenZzeit nur eine Frage der Zeil ffr. Wir meinen, daß die Erörterungen über die Deckung der künftigen Finanzlasten nicht durch die fcklechte Mode abgetan werden können, der sich auch die.Norddeutsch« Allgemein« Zeitung" angeschlossen hat, daß man auf die Möglichkeit einer KriegSemschädi» gung hinweist. Bom Beirat des Kriegsumcheramts. Gestern hielt der Beirat deS Kriegswucheromts seine erste Sitzung ab. Den Vorsitz führte der Polizeipräsident v. O v p e n. Ter Leiter des AriegswuckieraintS. Regierimgs» rat Dr. D o y ff, gab einen Ucbsrblick über die Ginrich- tungen, Aufgaben und Maßnahmen des Amtes. Am lZ. August 1916 begann eS mit wenigen Beamten feine Tätig- keit..Heute ist die Zahl seiner Mitglieder und Hilfsarbeiter auf mebr als 100 angewachsen, unter denen sich auch zwei weibliche„Äriminalschutzleute" befinden. Dem Kriegs- wuchcramt stehen 230 Sachverständige aus allen Ge- bieten des Handels und Gewerbes zur Seite. Dem preußischen Kriegswuchermnt haben sich bisher angeschlossen die Bundesstaaten Hessen. Mecklenburg-Schwerin, Oldenburg. Braunschweig. Sachsen-Altenburg, Anhalt. Schworzburg. Rudolstadt. Reuß. Bremen, Lübeck und Elsaß-Lothringcn. In Sachsen, Württemberg und Bayern sind eigene Kriegs» wuchcrämter nach dem Berliner Muster gebildet worden. Alle diese Aemter arbeiten Hand in Hand in der Bekämpfung des Wucher», der Nabrungsmitteshinterzishung, des Kettenhandels und sonstiger unlauterer Gebarungen im Verkehr mit Gegen- ständen des täglichen Bedarfs. Das Kriegswucheramt saßt solche Wucherer ohne Ansehen der Person oder des Standes. Staatsanwalt Dr. Falck schilderte eine besondere Form deS Kriegswuchers. den..Kctlcnhondel". An die Referate schloß sich eine sehr lebhafte Aussprache. Allgemein wurde die Auffassung vertreten, daß der Kriegs- Wucher und auch der Kettenhandel noch blühe, daß deshalb die Tätigkeit des Kriegswucheramts die w e i t e st e U n t e r- ftützunadsSPublikums.deS Verbrauchers, ober auch des Verkäufers, der ordentlichen Koufleute und Gewerbe- treibenden, verdiene.___ Friedbcrg gegen Stresemann. In den„Deutschen Stimmen" behandelt Dr. Friedberg. der Führ« der Nationalliberalen im preußischen Ubpeordnetenha'-se, die Frag« der Abburdung unserer Kriegsschulden. In sewen Ans- führungen. auf die wir sonst nicht näher emgehen wollen, findet sich folgende beachtenswerte Stelle, „Es kann nicht wundernehmen, daß gegenüber einer so über- aup schwierigen Lage noch radikalere Proierie laut werden. Huf doch kürzlich ein Herr, der sich in volkswirtschafilichen Fragen gern betätigt, den beneidenswerten Mut gehabt,«in« Kon- fiskstlon de» Aermöaen« bis zu einem Drittel vorzuschlagen, um dadurch mit einen, Schlag die gesamten Kriegs- schulden avzittroge»" Dieser Herr mit dem beneidenswerten Wut ist bekanntlich Herrn Friedberg» nationalliberaler Parteigenosse Dr. Str« semann. Daß sein Vorschlag in der eigenen Partei Entsetzen erregen würde. war allerdings vorauszusehen.___ Ahr« Nuffassung. Die„Rheinisch-Westkälische Zeitung" hat ein« sifiarfiinmge Entdeckung gemacht: in ihreui Kaiser-GeburtStagS.Artikel beweist f«. daß der Kaiser sozusagen moralisch verpflichtet se». den lieber« emnextonisten die Stange zu halten, denn„nicht umsonst heißt es in der VerfaffungSuickunde de» Reich», daß 8er Kaiser allzeit Mehrer des Reichs zu sein gelobe". Es ist bedauerlich, daß die„Rheinisch-Westsälische" ihren scharfsinnigen Gedanken nicht konsequent durchgeführt hat. Denn der Kaiser gelobt ja„allzeit" Mehrer des Reichs zu sein. Ergo darf er— immer die Auffassung der„Rheimsch-Westfälischen" von der Bedeutung dieses Satzes als richtig vorausgesetzt— gar nicht aufhören, dem Reich neue Gebiete zuzuführen, er muß also einen Krieg nach dem anderen anfangen, bis das letzte Winkelchen der Erde zum Deutschen Reich gehört. Es geht nichts über juristische Auslegungskunst! Schneeschaufler heraus! Das Otberkommondo in den Marken richtet folgenden Aufruf an die Bevölkerung Groß-Berlins: Seit Tagen fällt Eck, nee: er häuft sich in den Straßen und hemmt den Berkehr. Die Männer, die sonst dafür sorgte», binnen 2i Stunden die Straßen freizumachen, stehen draußen gegen den Feind. Wer soll hier ihre Arbeit verrichten? Können wir ruhig zusehen, wie die armen Pferde ihre letzte Kraft her geben, um die Lasten von der Stelle zu bringen, und es doch nicht können? Tie Pferde ziehen KriegSgut! Äriegsgut darf nicht liegen bleiben. Jede Verzögerung nutzt dem Feinde? Können wir das dulden? Freiwillige vor! Keine Arbeit schändet, die dem Vaterlande Hilst, wo und wie es auch sei. An die Hausbesitzer und Verwalter wende ich mich in erster Linie. Jeder schaffe vor seinem Grundstück de», Schnee vom Straßendam», soweit zur Seite, daß freie Bahn für den Verkehr entsteht. Nicht der«ürgersteig ist jetzt die Hauptsache. sondern der Straßendamm, damit auf ihm die Frachten und Güter in di« Fabriken rollen, damit ei» jeder fein« Kohlen, sein Mehl, seine Karwffel» und was sonst zum Leben notwendig ist, zur rechten Zeit erhalte. Wer hierzu mithilft, dient allen, dient dem Vaterland! Reicht die eigen« Kraft nicht aus. so wende der Haus- besitzer sich getrost an jeden geeigneten Bewohner seines Hauses und rufe ihn zur Hilfe auf. Ich vertraue, daß keiner, der helfen kann, sich der Mithilfe versagen wird!' Der Oberbefehlshaber. gez. von Kessel, Generaloberst. Letzte Nachrichten. Die Hesch!üj)e üer Herliner Hrotkarteiu Gemeinschaft. Keine Kürzung!— Kuchenverbot?— Kuudeuliste! B e r l i n, 29. Januar. In der heutigen Sitzung de« Sirbrner- außschusseS der Groft-Bcrliner Brotkartrngemeinschaft wurde bc. fchlsfleu. von einer Herabsetzung der Wochengebäck- menge abzusehen, dagegen di« technischen Einzelheiten des in der vorigen Sitzung bereits beschlossene» BrotgebäckS in einer Kommission auszuarbeiten. Ferner soll bei dem in der vori- gen Sitzung gleichfalls in Aussicht genommenen Kuchenbackverbot für Bäcker behorrt«erden und doneben kür Konditoreien die Be- schrönkong auf bestimmt- Kuchensorte« vorgeschrioben werden, die mit einem Höchstpreise belegt werde« solle». Äks geeignete» Mittel, um für« erst« ein« sichere Grundlage für die gleichmäßige Verteilung de» MehleS über die Gemeinde» Gross. Berlins zu gewinnen, wurde die Kundenliste beschlossen. Di« endgültige Gestaltung wird noch im Lause dieser Woche erfolgen. Beute der U-Boote. London, 29. Januar. LlohdS meldet, daß der englische Dampfer„Jevingtan"<2747 Bruttoregistertonnen) versenkt«ord-n ist, ferner die norwegischen Dampfer„Her«",„Sidar" und„Dow- stad". Die Besatzungen wurden gerettet. Ter russisch« Dampfer „Egret" soll versenkt worden sein. La» Palmas, 29. Januar.(Rrutermcldung.) Der hovän dische Dampfer„Maasland" landete 19 Mann der Besatzung des norwegischen Tampsers„Dharaseland", der von einem deutschen U-Boot versenkt worden ist._ Wie England die Neutraleu blockiert. Rotterdam, 29. Januar.„Nieuwe Rotterdamsche Eaurant" meldet aus London: Die„Times" schreibt: Obwohl hiorzulonde noch keine Berichte darüber veröfsentlicht sind, wird am» Tele- «ramme» aus Skandinavien, die die Zensur durchgelassen hat, geschlossen. daß die britische Regieeuna in der Nordsee neue maritime Watzreaeln plane und Voss dazu dir Legung eines Minenfeld«» in der Höhe der jütischen Küste gehöre. Au» Kopenssagen vom 26. Januar erfährt die„Time»": Die neu» gefährliche Zone in der Nordsee wird auf di« dänische Schiff» fahrt geringen Einfluß haben, nur die Route nach Holland wirb verlegt werden müssen. Da« neue Minenfeld wird aber di« dänische Fischerei sehr behindern und es wird dadurch die Fahrt nach»er- schiedenen reichen Fischgründen erschwert. Eioe französische Dkandalafsäre. Genf, 29. Januar. Der Prozeß gegen den ehemaligen Klug- zeugfabrikonten De�rduism wind Anfang März vor dem Ge-' schworenengericht in Paris beginnen. Die Anklage lautet auf Ur- kundenfälschung, Unicrschlagung und Betrug. Die von Deper- dussin veruntreuten Dummen solle» sich aiff lv Millionen belaufen. DepezKussin sitzt feit August de» Jahres 1918 in Untersuchungshaft. und per Umstand, daß der Beginn de» Prozesse» sich io lange verchgerte. hat der sozialistischen Presse mehrfach Gelegenheit zu Angriffen gegen die französische Justiz gegeben, in denen der Fall Depevdufsin als Analogie zum Fall de« Prozesses gegen den Mörder Jaurä« besprochen wurde. Zusammenitoß«ine« Urlaub erzug-A. Kein Reffender verletzt. Dresden. 29. Januar. �Mitteilung der Königlichen General- direkt ion der sächsischen DtaalSeisenbahnen.) Auf Bahnhof B i s ch o s S w e r d a ist in der Nacht vom 28. zum 29. Januar infolge UeberfahrenS des auf Halt stehenden Einfahrtssignals durch den Güterzug 68S4 der von Zittau lommende Urlaube» zng 834, der freie Einfahrt hatte, dem Güterzug in die Flanke gefahren. E» wur- den m eh r e r e Wagen umgestürzt und eine Anzahl Wagen beschädigt, wodurch ein größerer Sachschaden entstanden ist. Der im Packmeisterwagen de» Personenzuges diensttuend« Schaff- ner Zönnchen au» DreSdsn wurde erhsblich verwundet. von den Reisenden ist niemand verletzt worden. Durch den Unfall wurden Seide Hauptgleise der Linie Görlitz-DreSden gesperrt. Ter Betrieb wurde durch Umleiten über Witthen aufrecht erhalten. Nach- den, es gelungen ist, bis 91, Uhr vormittags das eine Hauptgleise wieder fahrbar zu machen, wurde von d-eser Zeit ab der Betried zwffchen Bischofswerda und Damnitz eingleisig eingeführt. Gewerksihastliches. 0 erlin und Umgegend. Kündigung des Baukleiupnertarifs. In« vorigen Jahre hatten die BouNempner die Bewilligung einer Teuerungs�lage von 10 Pro�. verlangt. Tic Zulage haue wenig praktische Bedeutung, denn als sie bewilligt wurde, hatten die rneisten Bauklcmpner eine entsprechende Erhöhung des Stundenlohnes durchgesetzt. Die Teuerungszulage hatte nur noch iür die jüngeren und die später eingestellten Arbeiter Bedeutung. Der Stundenlohn der Bauklempner einsobließlick der Teuernngszuloge beläuft sich aus SO Pf.. 1 M., höchstens 1,23 M. Er steht also erheblich zurück hinter den Löhnen, die aurzeit in den anderen Branchen der Metoll- indnstrie üblich sind und entspricht in keiner Weise den gegen- wärtigen Teuerungsverbältniisen. An rang Januar richtete der Brancheuleiter der Klempner an den Qbenneister der Innung ein Schreiben mit dem Ersuchen um eine nochmalige Erhöhung der Teuerungszulage, und zwar iu der Höbe, daß der Stundenlohn wenigstens auf l.iO M. steigt. Der Obermeister bat bis jetzt nickt darauf geantwortet. ES scheint also, daß auf diesem Wege die not wendige Aufbesserung deS Lohnes nicht zu erreichen ist. DeSbalb haben sich die Vertrauensmänner der Banklempner für die Kiin digung des bis zum 1. April lausenden ToriiS entschieden und die am Donnerstag abgebaliene Branchcnversammluug beschloß ein- stimmig, den Tarif zu kündigen. Die Versammlung besprach auch noch die gegenwärtigen Lohn- und ArbeitSverbältnisie der Klempner. ES wurde ausgeführt, daß die Stundenlöhne der Klempner— auch der in der Kriegsindustrie beschäftigten— nickt höher find als die Stundenlöhne der Bau- klempner, also SO Pf. bis 1.25 M. Allerdings wird jetzt meistens in Akkord gearbeitet und bei äußerster Anspannung der Kräfte wird auch ein Verdienst bis zur doppelten Höhe des Stundenlohnes er- reicht. Soweit die Lohnfroge in den Betrieben behandelt wird dreht es sich immer nur um die Erreichung günstiger Akkordsätze und dementsprechender Abschlagszahlungen. Dock, wenn die gute Konjunktur nachläßt, werden auch nickt mehr so günstige Akkordsätze wie jetzt erzielt werden können. Deshalb wurde den Kollege» empfohlen, ihr Vorgehen in erster Linie auf eine zeitgemäße Er- höhung der Stundenlöhne zu richten, weil hierdurch dauernde, auch nach der KriegSzeit anhaltende Erfolge erzielt werden.— Ferner wurde darauf Hingewiese», daß die in Klempereien jetzt zahlreich beichäftigten Arbeiterinnen außerordentlich niedrig entlohnt werden. Sie verdienen im Akkord mir 30 Pf. in der Siunde. Den mann- kicken Kollegen wurde nahe gelegt, die Arbeiterinnen der Organi- sation zuzuführen, ihnen gegenüber vollste Solidarität zu betätigen, um so zur Besserung der Arbeiterinnenlöhne beizutragen. Aus dem Kriegsausschusz für die Metallbetriebe Grotz-Berlins. Nachdem durch Bersügung der KriegSmntSstelle beim Ober kommando in den Marken, mir Ausnahme der Bekleidungsindustrie, alle anderen Berufe vorläufig dem Kriegsausschuß für die Metall betriebe Groß-BerlinS zugewiesen sind, erledigt dreier Kriegs ausichuß auch die Differenzen in den Berufen außerhalb der Metall- iudustrie, während der SchlichmngSauSichuß für die BekleidungS industri« die Differenzen dieser Industrie wie bisher weiter behandelt. Der HilfSsckaffner M. von der Großen Berliner Straßenbahn wünschte emen»bkehrschein wegen zu wenig Lohn. Seiner Angabe nach bezog er einen Stundenverdienst von 33 Pf. und 3 Pf. Teuerungszulage. Da der Betrieb nickt vertreten war, wurde dem HiliSschaffner der Abkebrickein erteilt. Bei dieser Gelegenheit wurde auch noch festpeslellt. daß das EntlasiungszeugniS des M. mit einem Vermerk versehen war, der sich auf die Stellung des Betriebes zur Frage de« Abganges bezog. Es ist bei der Verhandlung ickon darauf hingewiesen und es sei auch hier nochmals gesagt, daß die EnllaffungSscheine mit keinerlei Vermerk versehen werden dürfen, die sich auf die Zustirnmung oder hftchrzustimmwrg der Firma zur Entlasiung des Betreffenden beziehen. Es muß neben dem Entlassungsschein(Ablehrschein) ein« drsondere B e fcheinigung ausgestellt werden, in der derVermerk darüber enthalten ist, daß die Firma mit dem Austritt des Betreffenden an» der Beschäftigung einverstanden ist. Wenn die Firma mit der Lösung des Arbeitsverhältnisses nicht einverstanden ist, braucht diese Bescheinigung sAbkchrfchein) nicht ausgestellt zu werden und steht dann dem be- treffenden Arbeiter die Beschwerde an den Ausschuß nach ß 9 zu. Derartige Vermerke auf dem Entlassungsschein können zu Schaden- erfatzansprücken der Arbeiter Beranlasiung geben. Der Elektromonteur St. vom Städtischen Elektrizitätswerk will einen Kriegsschein wegen zu wenig Lohn. Da der Vertreter dieicS Betriebes erklärt, daß eine Erhöhung des Lohnes iür einzelne nicht möglich sei, der derzeitige Lohn aber vom KriegsauSschuß für unzu- reichend erklärt wird, erhält St. einen Abkehrschein. Der Angestellte K. von der R. A. G. will einen Abkehrschein, um wieder in seinem früheren Beruf als Schlaffer orbeiren zu können, weil er da mehr verdient. Die Firma erklärt sich bereit. K. wieder als Schloffer zu befchäsligen. Damit ist die Sache erledigt. Der Revolverdreher D., ein KriegSverletzter von der N. A. G. will einen Kriegsschein, und zwar aus folgenden Gründen: D. war, als er als Kriegsverletzier bei der N. A. G. in Arbeit trat, nicht in der Lage. Beickäftigung auszuüben, bei der er stehen rnußre. Da sich fein Uebel in etwas gebessert hat. will er wieder seine alte Besckäf- tigung in der Werkzeugausgabe haben oder einen Abkehrichein. Die Firma sagt zu, D. wieder in der Werkzeugausgabe zu beschäftigen. Damit war die Sache erledigt. Von der N. A. G. erscheinen lt6 Schlosser, die einen höheren Verdienst wollen. Nach längerer Verhandlung wird beschlossen, die Angelegenheit im Beiriebe unier Hinzuziehung von beiderseitigen OrganiiationSvertretern zu regeln. Bon der Firma S. wollen 8t Tischler Abkehrscheine wegen zu wenig Lohn. Ueber die Forderung von 19 Pf. Zulage pro Stunde hat man sich im Betrieb nicht einigen können. ES wird vorgeschlagen, die Angelegenheit zunächst der ScklichlungSkommission für das Holz- gewrrbe zu übertrafen, und wenn hier leine Verständigung erfolgt, nochmals auf den KnegSauSichuß zurückzugreifen. Eine Differenz bei den Korbmachern Berlins, soweit diese Ge- schoßkärbe machen, beschäftigte den Kriegsausichuß nochmals, trotz- dem die Differenzen bereits im Dezember fchtm eine Lösung erfahren hotten. ES waren über die Auslegung der seinerzeitigeu Vereinbarung Differenzen entstanden; diese gaben Beranlaffnng zur nochmaligen Verhandlung. Ueber eine bestimmte Sorte Körbe erfolgt« eine Verständigung dahin, daß es hier pro Stück 3 Pf. mehr Lob« geben solle, lieber die 10 Pf. Teuerungszulage für oll« anderen von Spandau in Auftrag gegebenen Körbe erfolgte eine Klarstellung dabin, daß nochmals präzise festgestellt wurde, daß jeder Korb, der ab l. Januar in Berlin hergestellt wird, einen Aufschlag von 10 Pf. erfahren soll, gleichviel zu welcher Bestellung die Körbe gehören. Diese t0 Pf., die von der Spandauer Behörde mehr bezahlt werden, sollen den Arbeitern wohl zugute kommen. Eine andere Sorte Körbe wird von einer anderen Behörde in Auf- trag gegeben, und werden deshalb die Parteien aufgefordert, sich mit dieser Behörde über einen eventuell höher zu zahlenden Preis be- sonders zu verständigen.____ Forderungen der Weihgerber und Farber. Die am Sonntag abgebattene Mitglieder veriammlung des Lederarbeiter Verbandes beichtoß ernstimmrg. den Tank der ffleife- gerbet und Färber zu kündigen und den Unlernehmern folgend« Fordcrrmpen zu unter örcilen: Ter Mindeststundenlobn ,st auf 1.23 M. zu erhöber?. Ein Verdienst in gleicher Höhe ist auch bei Allordarbeit zu garantieren. Ueberstunden find mit einem Auf- schlage von 23 Proz., Nacht- und SonnlagSarbeit mit einem Aul- schlage von L0 Proz. zu vergüten. Di« AUordjStze find um 100 Pro». zu«höhen. LohnauSfälle. die infolge von BeiriebSstörungsn enk- stehen, sind zu vergüten. Die tägliche Arbeirszeit, welch« jetzt Stunden betrögt, ist auf höchstens 9 Stunden festzusetzen. Zur Begründung der Forderungen wurde ausgeführt: Der gegenwärtige Stundenlohn von 56!/o Pk. steht in einem so schreienden Mißverhältnis zu den Lebensmiltelpreisen, daß die geforderte Er höhung durchaus gerechtfertigt erscheint, um so mehr, da die Lcder sabrikonten durch HeereSlieferungcn Millionengewinne emgeheim haben. In anderen Orten der Lederindustrie hat man den Ver hältniffen durch Lobnerhöbinig bcreits Rechnung gelragen. So werden beispielsweise in Guben und in Osterwicck Stundenlöhne von 83 Pf. gezahlt. Es ist nicht zu verlangen, daß Berlin mit seinen besonders teuren LebcnSverhäliniffen gegen diese Orte zurück stehen soll._ Tie Lohnverhöltuiffe im Charlottenburger Wasserwerk Sehr mißliche Lohn- und ArbeilZverhällniffe herrschen in den Betrieben der Charlottenburger Wafferwerke. Schon im Juli 1916 haben die Arbeiter an die Tirekrion eine Eingabe um Ausbefferung des Lohnes gerichtet. Diese wurde abschlägig beschieden. In einer erneuten Eingabe wurde daraus hingewiesen, daß einzelne Kate gorrcn, wie Maichinisten und Heizer, durchschnittlich wöchentlich 78 Stunden arbeiten muffen und bei dieser langen Arbeitszeil durchschnittlich 64,80 M. wöchentlich verdienten. Tie Direktion er- teilte einen schriftlichen Bescheid. in dem sie erklärte, in eine erneute Prükung der Lohnverhältnisie eingetreten zu sein, sie hielte den durchschnittlichen wöchentlichenLohn von 64,80 M. s ü r die Tätigkeit der Bedienung von Maschinen und Dampfkesseln für sachgemäß. Allerdings finde eine zwölfstündige tägliche Arbeitszeit statt, doch seien innerhalb der Arbeitszeil genügende Ruhepausen vorhanden, während dieie Ruhe pausen selbst voll bezahlt würden. Die Tätigkeit der Maschinen bedienung sei iörperlich sehr wenig anstrengend und die der Heizung der Dampfkessel keineswegs sogenannte Schwerstarbeit, wie durch die Königlich- Gewerbeinspektion bestätigt wird. Die Charlottenburger Wafferwerke verteilen dieses Jahr eme Dividende von 8 Proz. und hatten in diesem Geschäftsjahre einen Reingewinn von 2,79 Millionen Mark. Zu einer Lohnaufbesserung scheinen diese Millionen aber nickt zu reichen. ES ist Sache der Arbeiter der Charlottenburger Wasserwerke, durch feste Organisation bester« Verhältniffe in ihren Betrieben zu schaffen Wie es ebenfalls Sache der Arbeiter ist, schleunigst für die Wahl eine? ArbeiterauSschusscS zu sorgen, um durch diesen in Gemein- schast mit dem KrtegSauSschuß einen angerneffenen Lohn zu erzielen. Ausland. Große Lohnbewegung in der schwedische» Sägewerkmdustrie. In der schwedischen Sägewerkindustrie sind zurzeit große Lobn bewegungrn im Gange, die in 43 Betrieben 10 900 Arbeiter nm- fasjen._ Mus der Partei. Die Sch'cksnlsstunde der Partei. In einer gut besuckien Kreisversammlung haben die Genossen von DreSden-Altstadt Stellung zu den Vorgängen in der Partei genommen. Das Referat hielt Reichstagsabgeordneter Genofle Dr. Gradnauer. Nach kurzer Debatte wurde mit 130 gegen 4 Stimmen folgende Resolution angenommen: Die Parteiversawmlung des fünften sächfischc» Reichstags Wahlkreises erklärt sich mit den Beschlüffen des PartrianSschuffrs einverstanden. Di« Genosse«, dir sich mit den Leschlüffe» der RrichS-Sonderkonferenz der oppositionellen Gruppen solidarisch erklären, können nicht gleichzeitig Mitglieder der Sozialdemo kralischrn Partei sein»der bleibe». TaS eine schließt das and«? aus. Wer hat das Tischtuch zerschnitt«»? Die„Leipzig« Bolkszeilung" gefällt sich noch immer in Be teuerungen. als habe die Arbeitsgemeinschaft niemals eine Spaltung der Partei angestrebr oder überhaupt ein Wäfferlein getrübt. Mit um io größerer sittlicher Entrüstung zieht sie gegen die Beschlüsir deS Parteivorstandes und ParteiauSfchufieS zu Felde und schreit über Gewaltakte". Gegenüber diesem Komödicuspiel bringt die„DreS dener VolkSzeitung" einen recht intereffanten Vorgang erneut in Er innernng. Sie schreibt: Als man in Berlin den Bohlott gegen das eigene Partei- organ beschloß, da feierte just die„Leipziger VolkSzeitiing" in ihrer Nummer vom 30. Oktober dieien traurigen Borgang als „einen Markstein in der Geschichte der politischen Arbeiterbewegung DentichlandS". Jubelnd rief eS aus: Die Opposition hat das Tisch- tnch zerschnitten! Und jetzt jammert daS Blatt, daß die Mehrheit sich bedankt, mit denen länger an einem Tische zu sitzen, die ielbst das Tischruch der Parte« zerschnitten und ihre früheren Tisch« genossen mit übelsten Verleumdungen überschüttet haben. In Wirklichkeit jammert die Opposition auch nicht, weil das Tischtuch zerschnitten ist. was sie selber gewollt und ausgeführt hat, sondern weil sie ursprünglich gehofft hatte, beide Teile des Tischtuches für fich zu behalten. Da« ist ihr allerdings gründlich daneben gelungen._ In de» Haare« liege» sich beide! Wie eS zugeht, wo Spartakus und ArbeirSgemeinschaft unter ich sind, daS zeigt der Sozialdemokratische Verein Bremen, nachdem sie auf dem Boden der Panei siehenden Mirglieder ausgeschieden ind und einen eigenen Pa>te«verein gegründet haben. In der etzten Generalversammlung, über die der„Brounschweiger VolkS- rennd" in seinem Brem« Teil berichtet, wurde eine Neuner- kommission zur Sckaffmrg eines eigenen Blattes eingesetzt. Die ArbettSgcmeinschostler lehnten eine Beteiligung an dieser Kom- Mission ab und der Schluß der Sitzung wird im„Volksfreund" ölgendermaßen geschildert: Dann seyte noch eine Reihe unerquicklicher persönlicher Be- merkungen ein. die hoffentlich in der Zukunft in der Art und Weise unterbleiben werden. Bremen»st eine neue Lehre dafür, daß eine Herrschast der Opposition in der Partei gleichbedeutend wäre mit einer Verlängerung des PartelstrsitS in die Unendlichkeit. Mus Industrie und Handel. Der Haudel in der Kriegswirtschaft. Die„Wumba" hat an den deutschen Handelstag das folgende Schreiben gerichtet, das natürlich die lebhafteste Entrüstung auslöst: Abweichend von den Friedensgebräuchen des Handels betrachtet das Amt mit« den Verhctttnijfen der Kriegswirttchaft jede Art vo« Handel in Heeresbedarfsartikeln als un- erwünscht und sucht denselben mit allen zu Gebote stehenden Mitteln auszuschalten. Einen solchen Handel betreibt, wer ohne Mitwirkung bei der Fabrikation lediglich kauft und pcrkaujt, durch diese Tärigkeit sich in unwirnchafllrcher Weise in die un- mittelbare Zuführung der Ware vom Erzeuger an den Verbraucher eindrängt und auf diese Werse die Bildung einer Handelskette ver- ursackt. Selbstverständlich wird darauf verwiesen, daß die„Wumba" den Unterschied zwischen„legitimen" und„illegitimen" Handel übersehe. Das ist nicht richtig. Die„Wuvrba" spricht aus der Erfahrung der Kriegswirtschaft, in der der direkte Ver- kehr zwischen Produzenten und dem Großkonsumenten, den die Heeresverwaltung darstellt, iroch natürlicher ist, als der schon im Frieden aufgetretene Wunsch der Großindustrie, den Handel auszuschalten oder ihn wenigstens auf ein Mindestmaß von Umfang und Einfluß herabzudrücken. Aus dem Berliner Wirtlchasislebeu. Die R. Stock u. Co. Spiralbohrer-, Werk- zeug- und Maschinenfabrik Akt.- Ges. in B e r l i n- M a r i e n f e l d e, die der Elektrischen Licht- und Kraftanlagen Akt.-Ges. nahesteht, hat in dem am 30. September abgeschlossenen Geschäftsjahr 1915/16 wieder so erbeblich verdient, daß wie im Vorjahre eine Dividende von L5 Proz. ausgeschüttet werden kann. Das Unternehmen hat sich schon im Frieden ganz gut rentiert, überraschte aber auch nicht durch unerhörte Gewinne. Erst im Kriege konnte es blendende Abschlüsse veröffentlichen. Doch ist in dem abgelaufenen Geschäftsjahr der Bruttogewinn gegen daS vorhergehende von 3,3 Millionen Mark auf 2,34 Millionen Mark gesunken. Der Äieingewinn hat sich von 2,24 auf 1,87 Millionen Mark verringert. Dementsprechend wurden auch nur 494 762 M. gegen 791 635 M. abgeschrieben. Ob die veröffentlichten Zahlen den tatsächlich erzielten Gewinn wiedergeben, ist frag- lich. da die Gesellschaft Grundstücke gekauft und Per, bauten aufgeführt hat, welche wahrscheinlich aus laufender Rechnung bezahlt wurden._ Der Kronenkurs hat sich neuerdings erholen können. Während man vor einiger Zeit kür biindcrt Kronen, die im Frieden ungefäbr 85 M. wert waren. 63,90 M. bezahlte, ist der Kurs erst auf 64,20 und am 29. Januar auf 64,43 gestiegen. Soziales. Preuße». Fragen im verstärkten lenkt den Blick Die Säuglingssterblichkeit iu Die Erörterung bevölkerungspolitischer StaatShcrushaltSauSschuß deS Abgeordnetenhauses, auf die Säuglingssterblichkeit. Bon 10 000 Lebendgedorenen starben in Preußen, wie wir der Zeitschrift des Kgl. Preuff Etat. Laridesanils enlncbmeu, während des ersten Lebensjahres 1881—1800: 2073, 1591—1900: 2031. 1901 bis 1910: 1788 und 1911— 1914: 1019. Diese Ziffern find ein er- freulicher Beweis von der Wirkung gesundheillicker Lehren und Maßnahmen, lind gerade in den größeren Städren, die früher be- sonders unier der SäuplingSsieiblickkeu zu leiden halten, hoben sich die Verhältniffe so gebessert, daß ihre GesomtdurchschnittSziffer un letzten Jahrsünri noch hinter der des ganzen Staates zurück- bleibt: in den 68 Städlcn mir mebr als 30 000 Einwohnern starben durchichnittlich von 1000 Säuglingen in obigen Zeitabschnitten 222. 214, 180 und 136. Unter den Slädten befindet sich keine, deren Säuglingssterblich- keit nicht günstiger geworden wäre. Am meisten ist die im ersten Jahrzehnt allerdings ziemlich bohe Ziffer CharlottenburgS zurück- gegangen, von 286 auf 122, also um mebr als die Hälfte. Tie 'iffern der 1881/90 noch stärker belasteten Städte Licgnitz(382). iöllrtz(809), Breslau(300), Brandenburg und Königsberg(je 296) berechneien sich im letzten Jahrzehnt um mehr als 100 niedriger/ sie waren in der Reihenfolge der obigen Städtebenennung 210, 166. 181. 192 und 179. Auch die Ziffer Berlins ist von 270 auf 132 gesunken. Sehr verschieden ist die Säuglingssterblichkeit in den westlichen und östlichen RcgieruiigSbczirlcii. Aurich halte mit 94 Plomille, 1911— 14 und auch u? den zurückliegenden drei Jabrzrbmen mir 99, 102. 108 die günstigste Ziffer: Kassel scklkeßk sich mi, 99, 113. 135, 153 an, weiter Wiesbaden mit 100. 125, 112. 153, Osnabrück m,t 105, 114, 121, 130, Minden mit 118, 124, 135. 146, Koblenz 118, 136, 161. 172, HildeSbeim mit 122, 138, 159, Stade niit 122, 128,>38, 13�z Hannover mit 127. 170, 166, Lüneburg mit>30.>44. 157, 149, Arnsberg mit 143, 151, 148, Schleswig 137, 150, 162, 153, Trier mit 135, 157, 154, Tüffeldori mit 130. 154, 173, 172, Erfurt mit 146, 175. 187, Münster mit 187, 156. 165, 150. In den genanuten Bezirken des Westens waren 1911—1914 die Ziffern günstiger als im SiaatSdurchschnttt: Köln steht mit 162, 188. 218, 218 im Mittel; die beiden»restlichen Bezirke Siamaringc» mit 166. 203, 282, 272, und Aachen mit 167, 184, 210, 204 bleiben nickt weit zurück. gegen haben die höchsten Ziffern Breslau(212, 247, 273, Gumbiiinen(210. 216. 232, 220), Tanzig<206. Stettin(201, 231. 259. 231). Stralsund(20l. Marienwerder(200, 210, 226, 229), Liegnitz(198, Vromberg(197, 200, 223, 226>, Königsberg(104, Magdeburg(193, 209, 281, 228). Oppeln(189. Frankilirr(189, 2)0, 234, 231). Merseburg(184, und Allenstein(180, 181, 206, 221). Potsdam mit mit 161. 140. 134. 144. 162. 219. 221 283, 198, 196, 202, 172, 244, 230, 278. 224, 211. 224, 202. 169, Da- 281). 237). 203), 289), 222), 218). 221). 256, 172. 262, Polen mit 170, 183, 208, 220 und KöSlin mit 165, 165 nähern sich unter den östlichen Bezirken dem Staats- durchschnitl. Voir den Slädten Groß-BerlinS stehen nur zwei mit der Säuglings- terblichkeit über dem Reichsdurchschnitt: Reukölln mit 161 und Berlin- LiSienberg mit 183. Aber auch in dreien beiden Städten sind dic Verhältnisse in den lehren 23 Jabreu wesemlich günstiger geworden. Lichtenberg hatte noch in 1891/00 eine Sterblichkeit von 308 und Neukölln von 283. In Bertin-WiImerSdorf war die Sterblichkeit 1911/14 erfreulicherweise nur 98, in Berlin-Schönebcrg 126, in Chorlottenburg 182, in Berlin 152. Berlin-Wilmersdorf steht mit feiner Ziffer von 98 überhaupt an der Spitze der Städte. Schöne- berg steht an 13. Stelle, Cdarlottenburg an 13, Stelle, Berlin an 29., Reulölln an 37. und Lichtenberg an 31. Stelle. So günstig das Gefamlergebnis ist. so sehr bleibt aber auch noch den bevölkcruiipSpoliriichen Maßnahmen ein weites Feld der Betätigung. DaS erste Ziel derselben wird die Erhaltung der WochenbilsSderordnungen für die Friedenszeit und ihre weitere Ausgestaltung fein müssen.__ Einwirkung deS Krieges auf die Berficherougswerte. Die durch den Krieg derursachre beträchtliche Steigerung der Preise für Rohmaterialien und fertige Fabrikate, verbunden mit einer allgemeinen Erhöhung der Arbeitslöhne, mutz von den Feuer- Versicherungsanstalten bei der Feststellung von Brandschäden au Gebäuden, Maschinen. Warenlägern, Mobiliar und über- Haupt an beweglichen und unbeweglichen Gegenständen aller Art berücksichtigt werden. Der Schadensberechnung sind nicht etwa die niedrigeren Herstellungs- oder Anschaffungspreise, sondern die Preise zugrunde zu legen, die am Brand rage für Herstellung oder Wiederbeschaffung gleichartiger Gebäude oder Gegenstände kälten aufgewender werden müssen. Da jedoch die Versicherungssumme stets die Grenze für die Eisatzpfl'chr der VersicherungSgeiellschasten bildet, ist eS notwendig, die Ver- sicherungSveriräge mit ausreichenden BerstcherungSsummen abzu- schließen, beziehungsweise die Versicherungssummen zu erhöhen, wenn ie unter den heutigen völlig veränderten Verhältnissen nickt mebr ausreichen. Es kann nicht dringend genug geraten w«den. alle Sackvcificherungen. also iiebci, Feuer- auch Einbruchdiebstahl-. Glas. Wafferleitungsichäden-, Maschinen- und Mehversicherungen darauf- hin zu prüfen, ob die BerstcherungSsummen noch genügen. Bei un- zureichender VerficherungSsumme muß eine entsprechende Räch- Versicherung beantragt werden. Verantwortltch fiir Bolitik- Hermann Müller. Tempelbof; für den übrigen Teil d. Blattes, Alfred Tckolz. Neiilölln;(är Jnjenate: Dd. Glocke. Serlin Druck u. Verlag; Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Sing« ch Co. Berlin 6W. Hierzu 1 Beilage und Unterhaltnugeblatt. Nr. 29. 34. Mrnmtg. ScilM to Jonörtf ßttlintr Soltislilntt. Vievstag. 30. lannnr 1917. Mehr Zucker! Ein Z u ck e r i n t e r e>' s e n t schreibt uns: In diesen Tagen hat in Berlin eine Versammlung des Vereins der deutschen Zuckerindustrie stattgefunden, in welcher von sämtlichen Rodnern behauptet unld auch in einer Eni- schlietzung an die Regierung gesagt wurde, daß bei den von der Regierung für nächstes Jahr festgesetzten Preisen von 2 M. für Zuckerrüben und 18 M. für Rohzucker nicht die von allen Seiten für notwendig erachtete Vermehrung des Zucker- rübenonbaues, sondern eine erhebliche Verminderung zu er- warten sei und mir der von dem Verein geforderte Rüben- vreis von 3 M. und ein Roh�uckcrpreis von 26 M.— das bedeutet für den Verbraucher eine Erhöhung von etwa 12 Pf. für das Pfund Zucker— helfen könne. In der Versammlung sind Tatsachen zur Sprache ge- kommen, an denen nicht achtlos vorbeigegangen iverden kann. Räch den amtlichen Erhebungen beträgt die Anbaufläche, über die bis setzt von den RohMckcrfabriken Verträge abgeschlossen wurden, 34,6 Proz. weniger als im Vorfahre. In Aussicht stehen noch etwa 20 Proz. Der Anbau dieser Flächen ist aber an so viele Voraussetzungen geknüpft, daß man nicht voll damit rechnen kann. Nimmt man etwa die Hälfte an, so würde bei gleichem Ackerertrag und Ausbeute die Ernte um etwa 7 Millionen Zentner kleiner werden. Do die Anforde- rangen für technische und Hecreszwecke mindestens die gleichen bleiben, so trägt den Schaden der Konsument. Während jetzt eine fechsköpfige Familie im Monat etwa 9 Pfund Zucker bekommt, hat sie dann nächstes Jahr nur die Hälfte zu er- warten: Marmelade. Kunsthonig und Einmachezucker fällt ganz weg: unsere Obsternte verdirbt zum Teil. Aber damit nicht genug, mit dem kleineren Rübenanbau .verinrndert sich auch die Futtermenge, die Viehhaltung muß weiter herabgesetzt wenden, was auf die Milchgcwinnung schädlich wirken würde. Das sind Tatsachen und muß die Regierung die Mittel und Wege nochmals prüfen, die das Hebel abwenden könnten. Die großen Güter müssen in der Fruchtfolge bleiben. sind auch als Teilhaber von Zuckerfabriken verpflichtet, Rüben zu bauen: sie werden auch für 2 M. Rüben bauen. Der kleine Bauer aber, der nicht nach Futterwerten und Nährwerten rechnet, hütet sich, Rüben zu bauen, solange er für Futter- i üben, Kohl und Mohrrüben mit viel weniger Mühe eine drei- bis viermal höhere Einnahme erzielt. Worum fetzt alfodieRegierung nicht schon jetztdiePreifc der anderen Hackfrüchte in das richtige Verbältnis zu Zuckerrüben— wenigstens in den Gegenden, wo Zucker- rüben gebaut werden? Das Recht der Fabriken, von den letztfälirigen Rüben- kauern den gleichen Anbau zu fordern, ist in seiner jetzigen Form wirkungslos, weil die R übe npr odu zc nie n. die zum großen Teile auch Aktionäre der Zuckerfabriken sind, sich nicht selbst den Anbauzwang diktieren � werden.(Zwangsmaßregcln scheinen uns beim Zuckerrübenanbau trotz der der Rübe not- wendigen pfleglichen Behandlung deswegen leichter, weil die Anbaufläche von Zuckerrüben nicht gerade groß Und die Be- sitzzersplittecung— den Hauptteil der Ernte liefern größere Grundbesitzer— kleiner als in anderen Zweigen der land- wirtschaftlichen Produktion ist. D. R.) Wir werden einen strafferen Zwang nicht vermeiden können. Auch die Spannung zwischen Rüben- und Zucker- preis soll nach dem Urteil der Fabrikanten nickt ausreichen, da alle Materialien, Kohlen. Eiscnrohre, Preßtücher, Treibriemen und Chemikalien enorm gestiegen stich. Hier kann eine sachgemäße Prüfung Klarheit schaffen.(Die Spannung ist natürlich so zu bemessen, daß die Rentabilität der Zuckerfabriken nichthöher als im Frieden ist und die auf- reizend hohen Kriegsgewinne verschwinden. D. R.) Es dürfte nötig sein, die ernsten Mahnungen zu beachten. Noch i st vs Zeit, Entschlüsse zu fassen. Zu demselben Thema schreibt uns Genosse H. Schneider: Auf einer Tagung der mitteldeutschen Handelskammern, die in Magdeburg stattfand, wurde die Regierung aufgefordert, die Rirbenpreise über 2 M. hinaus zu erhöhen,.vor allem aber eine Herabsetzung der Höchstpreise für Futter- rüben, Kohlrüben und Möhren" vorzunehmen. Diese Forderung ist besonders bemerkenswert, weil in de» mittcldeut- schen Handelskammern der Einfluß der. Landwirtschaft sehr stark ist. Im Zentralblatt für die deutsche Zuckerindustrie hat kürzlich Herr v. G a m p e das Verlangen nach Herabsetzung der Höchst- preise für manche Früchte mit recht beachtlichen Zahlen begründet. Aach seiner Angabe brachte im verflossenen ErMejahr ein Hektar Ackerland ungefähr folgende Erträge:' Erlrag m Dz. . 2S0' . so« Einer der ersten Sachverständigen der Landwirtschaft, inSbe- sondere des Zuckerrübenbaues, Hofrot Professor Howard, hat darüber kürzlich fahr beachtenswerte Ausführungen gebracht. Fn einem Vortrag, den er im Oktober>016, also vor Bekanntwerden der BundesratSverordnung, im Ausschuß der Abteilung der Roh- Zuckerfabriken des Vereins der deutschen Zuckcnndustrie, also vor dem denkbar sachverständigsten Publikum, hielt, wies er rechnerisch nach, daß..die wobl ziemlich verbreiteten Borstellungen von den sehr gestiegenen Kosten, besonders seit Kricgsbeginn, etwas eingeschränkt zu werden vermögen". Begründend siihttc er dazu aus: „Die künstliche Dünguirg ist mehrfach geringer geworden. vermutlib, weil nicht mehr zu bekommen war, die Kosten str Ge- spanne und Löhne sind nur unwesentlich höher, teilweise sogar niedriger als der fünfjährige Durchschnitt(1003— 1808). weil der Ernteertrag vom Hektar öfter bedeutend unter dem Durchschnitt geblieben ist, wodurch die Ernteabf uhrlosten sich verringerten." Profegor Howard verweist dann noch daraus, daß in jeder Hinsicht sparsamer gewirtschaftet würde, daß also im allgemeinen „die wirkliche» Kosten hinter den unverbindlich gemachten Meinungsäußerungen zurückbleiben. Alles- in allem würde nach Howard ein Rübenpreis von 2 M. nicht nur ausreichend sein, sondern auch die Landwirte„zu stärksten Anstrengungen bewege» können". Der Bundesrat ist dann den Vorschlägen dieses Sachverständigen gefolgt und hat den Preis auf 2 M. festgesetzt: er hat also den Anreiz zu den„stärksten An- strengungen" gegeben. Daß der Erfolg trotzdem den Erwartungen nicht entsprechen wird, ist oben schon ausgeführt. Professor Howard sagt auch warum:„Denjenigen Wirtschaften, die aus Dünger- mangel, Gespann- oder Leutenot keine Zuckerrüben bauen können, nützt selbst die größte Erhöhung der Rübenpreise nichts." Das ist durchaus keine neue Weis- heit, aber sie gewinnt an Gewicht, wenn sie aus so sachverständiger Quelle kommt. In gewissen Grenzen könnte eine Vermehrung des Anbaues erreicht werden, wenn das tatsächlich bestehende Mißverhält- nis im Anbauwert der Hackfrüchte beseitigt oder doch gemildert würde. Das dürfte aber nicht geschehen durch einen Ausgleich nach oben, sondern nur durch einen solchen nach unten. FruSt Zuckerrüben Fnlterrüben Steckrüben. Weißkohl. Rotkohl.. 4S0 400 600 Preis in Dz. 4.— M. 360., 5,—„ 8.-. 30.—„ Ertrag pr. Hektar in Mark 1040 M. 2160„ ' 2400. 4800. 12000. Diese Berechnung bat mancherlei Mängel. Ter Ertrag der Zuckerrüben ist zum Beispiel zu gering angesetzt; es werden nickt 260, sondern etwa 280, in. guten Iahren auch schon 300 Doppel- zentner vom Hektar geerntet. Ferner ist der Futtcrwerl der Rüben bei den Vergleichszahlen nicht mit eingesetzt. Immerhin ist zuzugeben, daß die systemlose Hoch st Preispolitik das Ertragsverhältnis der Hackfrüchte zuungunsten der Zuckerrüden verschoben hat. Es muß aber, wie die Dinge nun einmal liegen, die Erzeugung von Zucker und. als Voraussetzung dafür, der Anbau von Zucker- rüben gefördert werden. Es fragt sich nur, in welchem Umfange und mit welchen Mitteln das geschehen kann. Bisher ist das versucht worden durch das altbekannte und oft erprobte kapitalistische Anreizmittel: die Steigerung der Preise. Ter Preis für Rüben stand 1816 um etwa SO Proz. über dem Friedenspreis.. Ter erhoffte Erfolg blieb aus. Die neueste Vcr- ordnung bringt ihn auf das Doppelte des Friedens- .Preises— die Jnterciienten verkünden, das sei nutzlos, er müßte auf das Dreifache heraufgesetzt werden. Würde aber die Regierung ihnen mit der Frage gegenüdertreten, ob sie sann den Erfolg verbürgen, so würde sie ein rundes Nein ernten. Warum? Weil die Steigerung des Rübenbaues von Bedingungen abhängt, die sich durch einfache Preiserhöhungen, und feien sie noch so weitgehend, nicht schaffen lassen. 1 preußische Schulfragen. Der Kultusetat im Staatshaushaltsausschuß. Der Minister teilte am Montag im Staatshaushalisausschuß mit, daß im nächsten Jahre den Schulen die Entfernung des Unkrauts von de» Aeckern übertragen werden wird. Den Schülern sollten keine Schloierigkeiteo zur Ausübung des V a t e r l ä n d i- schen.Hilfsdienstes geinacht werden, er soll ihnen ebenso an- gerecknet werden wie der Heeresdienst. Aus den Ergebnissen der von Schülern betriebenen Aehrennachlcse seien für Wohltätigtestszwecke 208 000 M. zur Verfügung gestellt worden, auch bei der Kartoffel- ernte hätten sie tätig mitgewirkt und 80 Millionen Mark st, Gold wurden von den Schulen abgeliefert. Der S o z.i a l d e m o'k r a t will zwar zurzeit feine Bedenken gegen die Beschäftigung von Schülern in der Landwirtschaft zurückstellen, jedoch dürfe nicht der Unterricht durch Ueberau strengun� geschädigt werden. Bei den Provinzialschulkollegieu tadelt ein Bolkspart eiler eine Verfügung d« ProvinzialschalkoLegiums Pvftn. in welcher den Lehrern die Frage vorgelegt wurde, wieviel sie persorksich zur Kriegsanleihe gezeichnet hätten.' Der � Minister will das untersuchen lassen, er billigt ein solches Vorgehen nicht.'Ein Volks- parteiler weist au- die schweren Bedenken gegen die Dckmmel- tätigkest von Schülerinnen in Großstädten hin. Der Minister hat bereits Anordnungen dagegen erlassen. Wester wird von der Uisterrichtsverivastung mstgeteilt, daß den im Felde stehenden Lehrern Zulagen geü'ährt werden, in besonderen Bedürftigkeitsfällen kann den Familien Unterstützung gezahlt werden. Der Minister erwähnt, daß bereits 10 850 Lehrer gefallen seien; die Lücken wurden durch Lehrerinnen ausgefüllt, die sich bewährt haben. Aui die Frage des Berechtigungöwesens der Semi- narie» will der Minister wahrend des Krieges nicht eingehen.' Ein Frei konservativer verlangt weitere Schaffung hmiptamtlicher Kreisschul i nspektoren. Ein Fortschritiler betont, daß die Volksschule ihre eigenen Aufgaben habe. Daneben müsse aber der Uebergang zu den höheren Schulen gefördert werden. Der Mini st er hält für Volksschüler de» Weg über die Msttelschule als den gegebenen. Er hat gestattet, daß in Frankfurt a. M. und Königsberg neunte Klassen für besonders befähigte Volksschüler eingerichtet werden, die dam, für die Oberfekunda einer Oberrealschule reif sein sollen. Das Ergebnis dieses Versuchs bleibt abzutvarten. Ein Zentrums- r e d ii e r verlangt, daß sich an die Volksschule Fach- und Fortbildungsschulen anschließen. Die Volksschule bereste für das Leben vor, die höhere für daS Studium, deshalb sei ein Uebcrgang notwendig. Er begrüßt mst Freuden, daß lljäbrige Mädchen in der Säuglingspflege unterrichtet werden, hoffentlich taktvoll. Der Sozialdemokrat bittet, sich nicht von allzu großer Prüderie leiten zu lassen. Wem, schon jetzt in die Lehrbücher Schilderungen über die Kriegs- zest aufgenommen werden, so muß alles vermieden werden, was den Böllerhaß schüren könnte. DaS Einfährigcn-Privileg solle man nach dem Krieg beseitigen. Die Vorschulen tragen der neuen Zeit nicht Rechnung. Dem widerspricht der Minister; ein recht großer Prozentsatz der Vollsschüler trete in die Sexta der höheren Schulen über. Nur noch sehr wenige Großstädte unterhalten Vor- schulen. Kriegsstoff werde in die Lehrbücher nicht aufgenommen aus Rücksicht auf die Kosten, die durch neue Lehrbücher den Familien er- wachten. Die Beratung wird am Dienstag fortgesetzt. flus Gross- öerlin. Straftenbahuschcrzc. Zu den besten Scherzen unserer Siraßenbahn gehört die Ein- richtung der„stck zu einem 7'/a Minuten-Verkebr ergänzenden Parallellinien". Man begreift ohnd weiteres, daß sich dieser Zwn'chcn- räum nickt durckgäiigig aistreckterhaiten lassen w rd besonders im Siad'.mnenr mit seinen en.eren und verkefirsreickeir Straßen. Eine alle Frau, die zum Aussteigen einige Zeit und hilfsbereite Arme brauckt, ein Trupp ruckiockbeladener Soldaten, ein Verwundeter auf Stöcken— das alles gibt Verspätungen, gar nickt zu reden von Straßensperren durch schwere Wagen, die vom Gleise nicht.los- kommen, von Zusammenstößen und Unfällen. Aber ein anderes Ding ist es, wenn man feststellen kann, daß schon an den AnSgckngsp unkten dieser Zwischenraum nicht innegehalten wird. Der Babnbo' Schmargendorf z.B. liegt fast am Ende der noch dem Grunewald verkebreneen Linien 8 und Bs. Hier kann man ober immer wieder beobachten dos die Wasen beider Linien fast unmiitelbar himereinander verkebren. So mag eS auch mir anderen Linien geben. Im Stadlrnnern'ssehl man nur zu oft die B und B, die 64 und 164 und verschiedene andere m>hr hiniereinander fahren. � was dann emsach wieder den Eiertetstundenverkehr auf diesen� Parallellinien ergibr. Arn Reichstag kann man immer»weder feit- stellen, daß die zum Halleschen Tor verkehrenden zahlreichen Linien, die 1, 7, 14. lö, 114, 21 stracks hintereinander kommen, dannlvied« flott die durch den Tiergarleu nach dem Westen verkehrenden, dann lange nichts bis wieder die Serie Anhalter Bahnhof— HallefcheS Tor— Neukölln beginnt. Es gebt natürlich nicht, daß dreie Intervalle bei den unvorhergesehenen Zwischenfällen innegehalten werden, aber dann rede mau doch nicht erst von einem durch„ErgänzungSlinicu" erzielten häufigeren Verkehr I Berliner Lcbcnsmittelnachrichtcn. Die Stadt Berlin gewährt auch im Februar den Kindern bis zum vollendeten zweiten Lebensjahre je ein Pfund Hofer- flocken. Vorzugsscheine werden von den Brolkoiimrissionen am 1., 2. und 3. Februar in der bisherigen Weise nach Straßenzügeir verteilt. Die Haferflocken sind in den durch Säulenanschlag vcr- össentlichten Verkaufsstellen erhältlich. Von einer für die Festsetzung von Kleinhandelspreis en für Räucherwaren eingesetzten Kommission sind folgende Preise als zulässig erachtet worden: Für das Pfund Sprotten 3,40 M., für ein Pfund Sprottbllcklinge 2 M. und für einen Bückling 0,30 M.___ Die Bäcker über den Brotmangel. In der letzten Sitzung der Berliner Bäckcrinnunq»vurde der gegenwärtige Brotmangel auf falsche Kalkulation des Magistrats zurückgeführt. In der Sitzung der R e> u i ck e n d o r f e r Bäckerinnung inachte der Obermeister folgende Mitteilungen über die Ursache de« BrounangelS: An- sänglich sei den Bäckern 72 Proz. Mehl für Marken im Gewicht von 100 Gramm geliefert worden, jetzt dagegen nur 63 Proz. Früher bekamen die Bäcker schon für Marken iin Gewicht von 140 Gramm einen Sack Mehl, während jetzt sü« die gleiche Mehlmenge die Abgabe von 175 Gramm an Marken der- langt werde. Dabei sei cS nicht möglich, aus einem Sack Mehl 70 Brote herzustellen. Der grüne Titich habe im übrigen wundei- volle Blüten hervorgebracht. Am 15. Oktober fei eine Aenderung in der Preisfestsetzung dcö MeblS und der Backware eingetretcu. Der Grundgedanke war, das Publikum müsse Roggenmehl efftn. Vier Wochen danach wurde wieder erklärt: das Publikum müsse unbedingt mehr Schripven essen! Die Bäcker bekamen hinfort zwei Teile Weizeuniehl und einen Teil Roggenmehl und die Verbraucher wurden gezwungen, die teuren Schrippen zu kaufen, während die Bäcker. namentlich in den Orten mit starker Arbciterbevölkerung, wo die Nachfrage nach Roggenbrot sehr groß ist, einen beträchtlichen Teil der Kundjchaft verloren. Dieie bedauerlichen Maßnahmen hätten wesentlich zur gegenwärtigen Brotkalamität beigetragen. Beköstigung, die— billiger geworden ist. Jeder klagt, daß alles teurer geworden ist und daß für die füg- liche Nahrung sehr viel mehr Geld als früher ausgegeben werden muß. Die Verwaltung des Obdachs der Stadt Berlin bat es besser: sie kann in ihrem jetzt durch den Magistrat veröffentlichten Jahresbericht über dos Verwaltungsjahr 1915/16 melden, daß sie für die Beköstigung der Obdachiniäsien lehr viel weniger als im Vorjahr aufzuwenden brauchte. Der Rückgang des Gesamtbetrages der Ber- pflegungskosten ist begreiflich, da ja in 1915/16 die Obdachbelegiing ganz außerordentlich weit hinter deffenigen des Vorjahres zurück- blieb. Auffällig ist aber, daß die V e r p f l e g u n g s k o st e n pro Kopf und Tag sich im Familienobdach, dessen Insassen auch tagsüber beköstigt werden, von 72-/� Pfennig auf nur 788/4 Pfennig gssteigsrt, aber im biachrobdach, da» nur am Abend und am Morgen einen dürstigen Imbiß gibt, sich van Sh«, Pfennig aus&Vit)■ Pfennig ermäßigt haben. Die„Verbilligung" erklärt sich daran-?. daß die Vvrschriitcn über die Kriegsernährung natürlich auch in, Obdach zu VerbrauchSeinschränkung geführt haben. Früher erhielt z. B. im Nachtobdach jeder Gast am Abend und am Morgen zusammen 400 Gramm Brot und 1�,g Liter Mehlsuppe. Tic Verkehrsfragen im Vcrbandsansschust. Im Berliner Rathaus hielt gestern vormittag der Verbands- ausschutz Eroß-Bcrlin eine Sitzung ab, die sich mit den schwebenden Bcrkährsiragen beschäftigte und vom rein ethischen Standpunkt aus betrachtet, einen wahrhaft herzerfrischenden Eindruck machte. Mit rührender Genügsamkeit kaiistatiertc man einige im Berkehrsdetriebe der Großen Berliner eingeführte„Verbesserungen" und knüpfte daran die freudige Erwartung, daß, nachdem noch etliche „Erbebungen" stattgcftlnden haben würden, mit einer zufrieden- stellenden Gestaltung des Nachtvcrkehrs„gerechnet" werden dürfe. Ter Fahrplan der Hoch- und Untergrundbahn wurde ge- nehmigt, obwohl man sich der schmerzlichen Einsicht nicht ganz ver- schließen konnte, daß er noch reichlich verbesserungshedürftig sei. Die Siemensbahnen marschieren insofern an der spitze der Ber- liner Verkehrsilistitute, als sie mit den Betriebs«: inschränkimgen resolut den Anfang gemacht haben. Sic sind dabei aber derartig stürmisch zu Werke gegangen, daß ihnen keine Zeit blieb, die vorherige Zuflimmung des Verbandes einzuholen, wozu sie vertraglich verpflichtet waren. Der.AerbandsauSschutz tonnte diesem Verfahren gegenüber zwar eine leichte Mißbilligung nickt unterdrücken, gab aber im ichrigen ein ichöncS Beispiel christlicher Milde, indem er darauf verzichtete, die Gesellschaft in Vertragsstrafe zu nehmen. Demi die Sünderin hat ihn, wenn auch erst„in letzter Stunde", doch immerhin um seine nachträgliche Genehmigung ersucht. Ferner wurde über die geplante durchgehende Straßenbahnverbindung mit Spandau ein tröstliches Wort vcrlautbart. Bei den Verhandlungen mit den beteiligten Stellen— so erklärte man— hätten sich allerdings neue Schwierigzciteu ergeben, indcffen bestehe die Hofstmng usw. Dann wurde beschlossen, oic sämtlichen Gleise des Linden- t u n n c l s der Stadt Berlin zu übereignen, auch die, welche ausschließlich von der Großen Berliner benutzt werden. Schließlich gab man noch die wiederholte treuherzige Versicherung ab, daß man alle Wünsche nach Vcrkehrsverbcsserungen„eingehend prüfen" und„nach Möglichkeit fördern" werde, und ging befriedigt ausemandcr. Wohuungsfürsorge für die heimkehrenden Krieger. Einem von W. T. B. verbreiteten Bericht enwebman wir: Eine Besprechung, die in nahem Zusammenhang mit den Bs- strebungen zur Förderung' der Anstedlung der Kriegsteilnehmer und mit der Wohuimgssürioryc für die heimkehrenden Krieger steht, hat am 17. Januar auf Einladung des Ministers»er össeistlicken Arbeiten unter dem Borsitz des Unterstaatsickretärs Erzellenz von Eoels zwischen Vertretern des Städtetages, von Siodlmigsgcsell- schastcn, Bauvercinen, des Reichsausschusscs, der Ä riegsbe schädig te n- fürsorgc und einer Reihe von Behörden siattgeiunden. Die Beratung erstreckte sich im wesentlichen aus zwei Fragen: 1. Wie ist der Äc- ba nun gs plan für Klc i n s i e d l» n g c n namentlich aus städtischem Gebiete zu gestalten? 2. Welche E r l e i ch t e- rungcn siir den B au des Klein wohn Haus es könneu in den baupolizeilichen Bestimmungen besonders der Städte gewährt werden?— Nach beiden Richtungen kommt es darauf an» auf die Vercinsachiuig und Verbilligung des Wohnens im Kleinwohuhause hinzuarbeiten. Durch zweckmäßige Gestaltung des Bebauungsplanes ist es möglich, an Gelände-»nd Straßcitbaukosten im großen zu sparen, die Ermäßigung der baupolizeilichen Anforderungen führt beim einzelnen Bau zu zahlreichen Leinen Verbilligungen, deren Summe für Gesamtbaukosten eines Kleinhauses ins Gewicht fällt. Die Borschläge des Ministsrs wurden von de» Vertretern der Bau- vereine und Siedlungsgefellschaften zustimmend aufgenommen und sollen alsbald den nachgeordneten Behörden zugehen, deren Aufgabe eS sein wird, ihnen weitestgehende Beachtung und Anwendung zu verschaffen. Die EheschNeßunget» in Berli«. Tcls Aahr 1316. da-» jetzt hinter mtS liegt, hat für Berlin einen weiteren Rückgang der Ehe- s ch l i e ß u n g e n gebracht. Diesmal wurden hier noch IN 966 Ehen geschlossen, wieder um 2656 weniger als im Jahre 1915, das 16622 Eheschließungen ergab. Tie Itockuuz im Güterverkehr. Nach Mitteilung der Eisenbahn direlnon können Stückgüter vielfach nicht abgenommen werden, weil die Empfänger a» Ort und Stelle nicht anzutreffen sind. GS muß deshalb von den in Betracht lommeuden Kreisen gefordert werden, daß sie für den Fall ihrer Abwesenheit Personen zur Empfang- »abnie ermächtigen, denn cS muß unbedüig: vermieden werden, daß bereits zur Abmhr gebrachte Güter wegen llnbestellbarkeit an die Güterbahnhöfe wieder zurückgerollt werden. ES kann gegen- warüg auch nicht gestattet werden, daß die Abfuhr a n Sonn- und Feiertagen unterbleibt. Zur Liuderung der Berkehrsnot haben die Berliner und die Potsdamer Handelskammer e» übernommen. Gesuche um Gestellung von Gespannen und Mannschaften auS den in Grow Berlin garnisonierenden Ersatztruppenteilen von Interessenten entgegen zunehmen und das Notwendige zu veranlassen. Die mündlichen oder schristlichen Gesuche sind daher von jetzt ab direkt an die vorgenannten Handelskammern zu richten. Ein neues Fahrplanduch der Eisenbahndireklion Berlin wird zum 1. Februar für die Berliner Stadt- Ring- und Vorortzüge herausgegeben. Es ist an den Schaltern der Bahnhöfe zu haben. An die Inhaber des zum 1. Dezember v. I. erschienenen Fahrplan- buche« wird dag neue gegen Rückgabe jenes umsonst abgegeben. Das Meislgcwicht der Feldvostpäckchen aui dem Felde nach der Heimat ist auf 6ö<) Gramm erhöht worden. Seil« dünge» von 275—550 Gramm sind vom Absender mit 20 Pf. frei» zumachen. LiebeSpakete für deutsche Gefangene. Anstatt direkt von Deutschland aus Lebensmittel, Wäsche, Tabal und anderes an deutsche Kriegsgefangene ins feindliche Ausland zu schicken, wird amtlich empsohlen, sich der Aer Mittelung des Roten Kreuze« zu bedienen, da« nach einer Preisliste Bestellungen auf dieie Waren entgegennimmt, die dann im neutralen Auslande beschafft und� von dort auS an die aufgegebenen Adressen versandt werden. Diese Palete haben die größte Aussicht, die Empfänger zu erreichen. JKon wende.sich an die nächst« örtliche Rote- Kreuz-Slelle. Ein schönes Fest. Der Tchiffmann- Prozeß formte gestern fein erste« Luartalsjubiläum begehen. Wegen einiger Prehlohlen getötet! Eine Bluttat hat sich in der Nacht zum Montag in dem Hause Eichend o rffstraße 13 zugetragen. Hier erstach die 54 Jahre alt« Schafsncrsran Marie Bcthe ihren 82 Jahre alten Alunicter, den Postsekrctär a. D- Karl Picntka und brachte sich dann selbst einige leichte Berietzungen bei. Pieutka wohnte schon 32 Jahre bei den Eheleuten Bei he. In der vorletzten Nacht um Uli Uhr stand er aus und ging nach dein Klosett. Die Frau hatte ihn wohl im Verdacht, daß er ihr öfter heimlich Preßkohlen für seine Stube loeggenommcn habe. Sie stand auf und folgte dem Greise. Wie sie mgt. kam es zu einem Streit und Pientka bedrohte sie mit einer Preßlohle. Um ihn ab- zuwehren, stieß sie ihm ein Messer in den Halö und traf die Schlagader. Der Mann brach zusammen und starb aus der Stelle. Als sie sah, was sie angerichtet harte, zückte Frau Bethe das Messer aus sich selbst und brachte sich Verletzungen an der Brust bei. Fhr Manu, der unterdessen erwacht war. holte die Polizei und einen Arzt. Pientka war nicht mehr zu retten. M« der Arzt die Frau verbinden wallte, ergriff sie eine Schere und stach sich auch nach in den Hals. Aber auch dieie Verletzung ist nicht schwer. Di« Leiche des Erstochenen wurde noch dem Schauhause, Frau Bethe nach der Charit« gebracht. Ein ungewöhnlich fetter Diebstahl ist am Sonnabend früh im Haufe Suarezstr. 40 in C h a r l v l t e n b u r g. wo sich der Lager» keher einer Buttergroßhandlung befindet, verübt worden Die Diebe, es waren ihrer vier, erschiene» mit eine»» Handwagen und erbrachen die zu den Kellerräumen führende Tür. Die dort lagernden Fässer, die insgesamt neunzehn Zentner Butter enthielten, luden sie aus den Wagen und fuhren unbehelligt davon. Die Täter sind bemerkt worden, wie sie niit ihrer Beute die Fried- berg-, Holtzendorf- und GervinuSstraße passierte». Aus die Wieder- befchaffung der Butter hat die bestohlene Firma eine hohe Be- lohnung ouSgesetzt. Mus öen Gemeinden. KreiSkonfcrenz in Osthavelland. Eine, am 28. Januar tagende. KreiSkonserenz au« Berireiern der aus dem Boden der FrakiionSmehrheit stehenden Ortsvereine des Kreises nahm Stellung zu den Vorgängen tu der Partei und billigte einmütig den Beschluß de« ParieiauSschusseS. Sie beschloß einstrmmig die Gründung«ine»„Sozialdemokratischen Wahlverem« für den Wahlkreis Spandau-Ofthavelland." Nachstehende Resolution fand einstimmig« Annahme: Di- am 28. Januar 131? versammelten Vertreter der aus dkm Boden der Fraktionsmehrheit stehenden Genossen de» Wahlkreise» PotSdam-Spondau-Osthavellond billigen den Beschluß des Partei- ouSschusses und den Aufruf deS ParteivorstandeS. Sie sind der Ueberzeugung, daß da« Vorgehen der Opposition die sckwerste Schädigung der Interessen der deutschen Arbeiterschaft bedeutet. Die Opposition hat sich nach systematischer Minierarbeit innerhalb des Parteikörpers, unter wiederholtem Disziplinbruch, durch Ein- berusung und Beschlüsse der ReichS-Sonderkonferenz außerhalb des Rahmen« der sozialdemokratischen Partei gestellt. Wer aus dem Boden dieser Beschlüsse steht, kann daher nicht mehr als Mitglied der Partei angesehen werde». Au die Parteigenossen des Kreises, die der sozialdemokratischen Partei die Treue bewahren wollen, richten die Versammelten die dringende Aufsorderimg. sich in den einzelnen Orten fest zusammen- zuschließen...> Die neue Kreisleitung wird beousttagt. die erforderliibcn Maßnahmen zu treffen, um in allen Orten de« Kreise« den Ge- Nossen, die aus dem Standpunkt der alten sozialdemokratischen Partei stehen, die Möglichkert der Bereinigung zu geben. Sie fordern die aus dem Standpunkt der Fraktionsmehrheit stehenden Ortsvereine des Kreise« aus, die Organisation in den einzelnen Orten einheitlich und geschlossen zu erhalten." In den Kreisvorstand wurden folgende Genoss-n gewählt: als 1. Borsitzender Emil Siahl-Spandau. als stellverireiender Borsitzender Augiist Lehmann Marwitz, l- Kreiskossterer Wilhelm Pieper- Spandau, 2. Kassierer: Roberr Heinrickit-Belten, als Schrisliührer Krumnow-Velien, als Beisitzer die Genossen Fielitz-Belten und Linz- Spandau. Zu Revisoren wurden die Genossen BerlowSky-Rauen, Kroll-PotSdam und Seeburg-Kremmen gewählt. Mit dem Mandat als PreßkommiisionSmitglieder für die»Brandenburger Zeitung" wurden die Genossen Finder-Belten, Lehmann-Marwitz und-Schuberi- Potsdam betraut. Die Konserenz beschloß weiter, zur ReichstagSnackwahl dem von der Opposition aufgestellten Schriftsteller Dr. F. Mehring«inen Arbeiterkandidaten gegenüberzustellen und wählte einstimmig den Kreisvorsitzenden, Gewerkschaftsangestellten EmU Stahl- Spandau. Nachdem noch die Wahl eine« engeren Komitee« zur Durch- sührung der ReichStagSwahl vorgenommen war, schloß der Bor- sitzende die Versammlung mit einem Hoch auf die neu» Organisation. An die Parteigenosse« in Spandau-Osthavellaud. Ter..Zentralwahlverein" Spondau-Ostbavelland hat sich durch seine Stellung zu der Reichskonscrenz der Opposition außerhalb der Partei gestellt. Er ist damit auch aus dem»Verbände der sozial- demokratischen Wahlvereine der Provinz Brandenburg" aus- geschieden. Für oll« Parteigenossen de» Kreises, die weiter der sozialdemo- lratischen Partei Deutschlands angehören wollen, ist der»Sozial- demokratische Wahlverein für den Wahlkreis Spandau-O st Havelland" die allein zustehende Organisation. Das in den Ortsvereinen der bisherigen KreiSorganitaiion im Umlauf befindlich«. von der BezirkSorganisalion herausgegebene Material an Eintritt«- und Beitragsmarken usw. ist rmr mit dem Kassierer Wilhelm Pieper, Spandau. PichelSdorser Straße 11 zu verrechnen. Der Bezirksvorstand der Provinz Brandenburg. Gemeindevertreterfitzung in Tcwpelhof. Der letzten Sitzung lag eine Abänderung der Teuerungszulagen an Beamte. Lehrpei'onen. Angestellte und Arbeiter vor. Danach soll vom 1. Februar ab eine Erhöhung der MonatSzulagen stallfinden. Die Gemeindearbeitcr und Arbeiterinnen tollen außer der bereit« im Dezember ISIS gezahlten einmaligen Teuerungszulage einen weiteren Zuschlag von 5 Pf. für die Stunde, soweit nicht besondere Kriegilohniätze mit den Betreffenden vereinbart sind, erhalten. Genosse Ewald be- antragie die Streichung der Bestimmung, wonach ein Rechtsanspruch nicht gewährt wird und die Anrechnung außerordentlicher Lohn- ausbesserungen dem Gemeindevorsteher überlassen bleibt. Dieie Anträge wurden abgelehnt und die Borlage der Kommission angenommen. Beim Schulsparkaslenbericht beantragte Genosse Frantz, die Ein- Zahlungen außerhalb der Schulzeit vorzunehmen, um den Kindern. die nicht in der Lage sind, eiwaS zurückzulegen, da» Gefühl der Zurücksetzung zu ersparen. Eine Erwägung der Anregung wurde zugesagt.— Einige Ausführungen des Bürgermeisters zu den BerkehrSbeschronkungen der Großen Berliner veranlaßten Genossen Ewald nochzuweisen, daß die Große Slratzenhahngesell- schaff viele Verkehrsschwierigkeiten verhindern könnte, wenn sie den guten Willen dazu Hab«.— Ein dringlicher Antrag, der sich gegen die Einführung des EinbeitSbroteS wandle, fand e»n- stimmige Annahme.— In nichtöffentlicher Sitzung wurde die Aus- nähme eines DarlehnS in Höhe von 300 000 M. von der Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend beschlossen. Gemeindevertretersitzung in Rowawes. In der letzten Sitzung mochte der Leiter des Realgymnasiums, Direktor Dr. Scheel. interessante Ausführungen über die Umgestaltung des ReolgymnasiumZ. Die Genossen O«m« r und Neumann gaben der Hoffnung AuS- druck, daß dies« Pläne, die durchaus ihrer Anschauung von der An- bahnung der EinheilSschule entsprächen, bald verwirklicht werden könnte». Gegen den Widerspruch der Gemeindeverordneten Nathan und Cohnstädt wmpe der Ankauf des früheren Heinrichschen Grundstücks Priesterstr. 10 beschlossen. Dasselbe eigner sich, wie hervor- gehoben wurde, vorzüglich zur Unterbringung der Gemeindepserde und-Fuhrwerke sowie der Fenerlöichgeräte, da große Stallungen und anSgedebntcs Hintergelände vorhanden sind. Der Kaufpreis be- trägt 2V 000 M.— Zugestimmt wurde serner dem Verkauf de» Grundstück« Lindenstr. 66, in dem jetzt das Gewerbe- und Kauf- mannSgericht, daß Standesamt und ein Teil des Lebensmittel« amteS ihren Sitz haben, an das OberlinhauS zum Preise von 43 000 M. Kohlrübenverwendung in Schöneberg. Aus Veranlassung des Schöneberger Magistrats finden am Dienstag. Mittwoch, Donnerstag und Freitag dieser Woche Kochvorsübrungen über die Verwendung von Kohlrüben mit Kostproben und Ausgabe von Kochrezepten in der Zeit von Vis~Ol/i Uhr abends statt im: Lettehaus. Viktoria- Luise-Platz 6. Pestalozzi-Fröb-lbauS II. Karl-Schrader-Str. 7. Koch- stelle der freiwilligen KnegShilse. Barbarosiastr. 65, Beratungsstelle des Schöneberger HouiffauenvereinS. Lkazieustr. 7. Echulkuche der 11. Gemeinde schule, SberSstr. 9, Schulkllche der 15. Gemeindeschulr, Am Tempelhoser Weg. Sdmlküch« der 16. Gemeindeschule. Am Tempelhoser Weg. Di« Zsrilnahme an den Vorführungen ist un- entgeltlich. Pankow«! LehenSmütelvachrichten. In dieser Woche dürfen aus die i«ch» Abschnitte der Kartoffelkart« höchsten« drei Pfund Kartossein obgegeben werden. Aus die AbsSnitle 40 ck und 40« der Kartoffellarle werden keine Kartoffeln verabfolgt und dürfen erster« bi« aus weiteres nicht abgetrennt werden.— Zum Ausgleich der geringen Kartoffelration werden für die laufend« Woche 200 Gramm Weizenmehl ausgegeben, welche vom Dienstag ab in den Pankower MehlUimhandeisgelckäften auf Abschnitt 64 der Lebensmittelkarte entnommen werden köniien. Da jeder Leben«. miltelkartenabschnitt zur Einlösung gelangt, erübrigt sich ein An- stellen vor den einzelnen Geschäften.— Auf Abschnitt 63 der Leben»- mittelkarte werden in der laufenden Woche vier Pfund Kohl« rüben verabfolgt. Lebensmittelversorgung i» Weißeuser. In der BerlausSstelle Berliner Alle« 89 gelangen für die Inhaber der roien Kausberechti« gungSkorten vom 29. Januar bi» 3. Februar Brotaufstrich und Speiseöl zum Verkauf. Auf jede Kaufberechtigungskarte kann eine Dose Brotaufstrich zum Preis« von 1,75 M. und bi» zu 125 Gramm Speiseöl entnommen werden. Pfund Speiseöl kostet 3.25 M. Haushaltungen mit mehr al» fünf Mitgliedern können die doppelt« Meng«' entnehmen. In de: Verkaufsstelle PistoriuSstraß« 24 wird der Verkauf von Kräuterheringen Klippfischen und Stockfischen sortgesetzt.'/« Ptund Kräuterheringe. lostet 65 Pf..>/s Pfund Klippfisch l.85 M.. V, Psd. Stockfisch 1,45 M In der lausenden Woche wird eine Mehlzulage von 200 Gramm aus den Kops der Bevölkerung, gewährt. Di« Abgabe des Mehle» erfolgt in den MehUleinhandelSgeschäften gegen Abgab« de» Mittel- stückeS der Brotkarte der 101. Woche. Auf die 6 Kartoffelabschnitte werden 3 Pfund Kartoffeln ck»d auf die beiden Abschnitte 40 k 4 Pfund Kohlrüben abgegeben. Einschränkung beS elektrischen Stromverbrauchs in Weißensee. Der Gemeindevorstand erläßt ein« Bekanntmachung, wonach infolge der Kohlcnknappheit da« Kraftwerk der Märkischen ElektrizitälS- Aktienaesellschaff gezwungen ist. die Stromerzeugung zeilweise ein- , uschranken. Die Bürgerschaft wird gebeten, den Verbrauch an Strom für Beleuchtungszwecke möglichst zu verringern. Verlängerung der Hundrsperr« im Kreise Teltow. Die vom Landrat des Kreises Teltviv bis zum 28. Januar angeordnete Hundesperre bat. nachdem an einem Hunde in Grünau Tollwut festgestellt worden ist, bis zum 24 Aprrl d. I. für den östlichen Teil des Kreise« Teltow verlängert werde». Es sind deshalb in AdlerShof. Altglienicke, Bohnsdorf. Eickwolde. Grünau, Grünau- Dahme. Johannisthal. Karolinenhof. Schöneseid. Rudow. Nieder- scköneweide, Schulzendors, Walteisdorf und Köpenick, hier nur der westlich der Dahme und Spree belegene OrtStcil. sämtliche Hunde bi» zum 24. April festzulegen. In den übrigen Teilen de« ArciscS Teltow kommt die Hundcsperre nicht mehr in Betracht. Mus aller Welt. Explosion in der Fabrik von Maffy bei Paris. Sonnlag mittag entstand ein Brand iu der Pulversabrik Massy Palaiseau. Da« Feuer breitet« sich iebr schnell aus und erreichte die Lager, in denen recht bedeutende Mengen' von Sprengstoffen aufgehäuft waren. Der ersten Explosion folgten bald zwei oder drei weitere. Die Fabrik, die hauptsächlich Melinit herstellt«, ist vollkommen zerstört. Bon 290 Arbeitern waren nur 80 anwesend- Sieben wurden getötet, drei leicht verletzt. Der Bahn- hos der Pariser Ringbahn sowie benachbarte Häuser sind beschädigt. Der Ringbahnverkehr mutzte für einig, Stunden eingestellt werden. Ein heftiger Schneesturm wütete in Großbritannien Ein Fischerdorf bei Darthmoulh wurde bi« auf zwei Häuser vom Wind umgerissen. In Lancashire brach in einer Baumwollspinnerei ein Streik aus. weil die Arbeiter sich weigerten, in ungeheizten Sälen weiterzuarbeiten..Die Städte und Dörfer in West-Jrland sind durch' enorme Schneemassen von der Umwelt abgeschnitten. Ein falscher und ein echter Rubens. Die in Antwerpen er" scheinenden»Blaamscke Rieuws" teilen solgendeS, ebenso zeit- gemäßes wie ergötzliches Geschichlchen mit: Ei» Beamter, der nach Butter. Kartoffeln und anderen Waren forscht, die nickt in die Stadt eingeführt werden dürfen, kommt bei einer Revision in einen Straßenbahnwagen. Er wirft seinen Forickerblick aus den üppigen Buien einer Rubensschen Frau. Hm Was ist da«?l Tie versuckt zu«rrölen. Ts mißlingt! Unbeicheidene Nack'roge. E« kommen zwei Kilogramm Bulter hervor, ein Kilogramm rechts und ein Kilogramm link«! Di« Mrnahrenden sind mit der Unteriuckung zu- frieden und sind empöri!— Und die dorr drüben?: Sie zeigen auf eine andere, nock üppiger ausgestattete Frau Diese wird feuec« rot. nicht vor Sckam, sondern vor Entrüstung. Nun gut, wenn ihr erwa denkr-- 1 Und mit gewalligem Ruck rerßr sie die Jacke auf— Diesmal war es ein echter RubenS--! Erdbeben in Agram. Budapest, 29. Januar. In L g r a m ist heute vormittag ein zehn Sekunden andauerndes Erdbeben verspürt worden, da» keinerlei Schaden anrichtete. Nur an einigen Häusern zeigten sich in den Decken Sprünge. Auch in �er Umgegend von Bgram wurde ein ganz schwaches Erdbeben verspürt. öriefkaften der Redaktion. «. 1«. Dazu könnte der Hauswirt nur durch Klage gezwunger, werden. wa« aber wegen des geringen Objekt» und in Anbettacht der> etzigen nicht ,u empteblen ist.— Abonnent IVO«, t. Die Altersrente wird neun 65. Leben, jähre an pezahlt. Zum Bezug« der Invalidenrente ist keine Altersgrenze gesetzt; sie wird gewährt, wenn mindesten« 200 Marken ge- klebt sind und Juvalidität als vorliegend erachtet ist. g. und 3. Die Hille der Polizei ist daiür nicht in Anspruch zu nehmen. Wenn die Wirtin nicht imstande ist, sür Ruhe im Hause zu sorgen, könnten Sie nur aus Lösung des BerlrageS klagen.— P. K. 4711. Sie sind zur Rückzahlung de» zu- viel erhaltenen Krankengelde» verpflichtet. G. H. 121. I. Neil,, 2. Tic Erhöhung der ReichSunterstützung muß auch diesen Familien gezahlt werden. 3. Ja. 4 Beschwerde ist beim MUitärbureau de» Magislr»!», Klosterstt. 3h, einzureichen,— W. S. 777. j. Ig 3. Nein. — H. St. 33. Wenn daS Verlöbnis ohne ttistigen Grund gelöst worden Ist, lömien Sic jür die zum Zwecke der Verlobung gemachten Aui- Wendungen Schadenersatz beanspruchen.— G. Z. ttk. I. und 2. Nein, sie bat nur Anspruch aus da» rückständige Gehalt, L. und 4. Nein. 5. Sie wüßte den Anspruch aus da» rückständige Gehalt durch Klage beim zuständigen Amtsgericht gellend machen.—«t. B. 19. Antrag aus Kriegsclierngeld ist bei der zuständigen Bezirksstelle des Magistrais, Elbinaer Str. t, unter Vorlegung der Sterbeiirtiinde und der Heirat«- nrkund« z» stellen.— I. M. 97. Sie sind nach ärztlichem Entachtc» wegen allbmatischer Beschwerden höheren Grades sür dmistimtailglich be- funam.— L. H. I. Stach Ihren Angaben können Sic Anspruch aus Invalidenrente geilend machen. Der Anliag ist unter Vorlegung der AusrechnniigSbeicheinigungen und der letzle» OuittungSkarte beini VerficherungsayU Berlin, Klosterstr. SS/V?, zu stellen.— Tausend. Nein. — C. H. 87. Ter Vater könnte ein solches Gesuch an da» Division,- kommando deS Truppenteils, dem der Betreffende angehört, unter Dar- legung de» Sachverhalts richten.— H. Z. Ivo. Wenn in Ihrem Mir!- vertro» die Klausel enthalten ist. da» die Kündigung an einen der Mieter auch sür den anderen rechtsverbindlich ist, so sind Sie zur Räumung der Wohnung verpflichtet; im anderen Falle mügte die Kündigung auch Ihrem Manne im Felde zugestellt worden sein.— it. T. 37. Stein.— F. W. 105. Sie müssen ununterbrochen sechs Woche» Versicherung«- wuchtiges Mitglied der Krankenkasse sein, um«IS Seibslzahlcr ausgenoinmen zu werden. Tie vier Wochen Miigliedlchast vor Weihnachten rewncn ntchl. — H.». 74. Schwangere haben Anspruch aus Liter Wllch täglich sür die drei letzten Monate vor der Entbindung. Antrag auf Erteilung der ZMchkorte sowie anderer Zusotzkarten ist bei der Gemeinde zu stellen; auch wegen der Fettkart« und Fleffchkart« mühten Sie sich an die Gemeinde wenden.— P. 4». 10. Di« Unterstützung tue das Kind wird in diesem Fall« am Geburtsort gezahlt.— Abonnent Wruiendorfer 20. Wenn die Frau nicht au, der Landeskirche auSgelreten ist, lo kann ffe der Pastor al» Patin nicht zurückweisen.— H. B. Sckönebeeg. Nein. G. 100. In diesem Falle könnte ein Gesuch um Entlassung de» Ehr- manne» beim Ttellverlretenden Generalkommando eingereicht werden.-- rLetierauSiickte» für da« mittlere Siorddeutfchland pi« »Mittwoch mittag. Zeitweise heiter, jedoch vorwiegend wollig. Bei wenig veränderten Temperaturen besonders im Süden noch oster» leichte Schneesälle. An» vlclBcitlgen Wunseli Zirkus Schumann wiiÄ... heultabentl 7 Uhr KJ'ÄÄ Preise der Piltz« 1—10 M. vorverksnf; A. Warttialm Q. m.b.H.,| Zirkus Schumann. Invalidandendank, Unter den Linden 26, Theaterkaese der Kommandantur, am Sobinkelplatr. Elektrolyt GeorgHftth hefcl die Verdauung und fsrdeck den S>»ffv«chskl. Mrfi dclebcnd auf den ganzen Crganiemu«.(tln Vcffuch über« rgt 3n puwer- u Vadlevenpaitungen für«ptg fi««OTt, nach Luanlum in den«polhelcn oder MnH»an der Ludwigs'Apotheke, München s, Reuhauserstr. 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Ahr saht vor Arbeit nicht den herrlichen Himmel, dessen tiefe strahlende Bläue ein fast durchsichtiger Dunstschleier verhüllte, saht nicht den Strahlenregen, der aus den Millionen Eiskristallen an Bäumen und Sträuchern auf die harte Erde floß, al« der erste Sonnenstrahl über die flimmernden Berge sprang. Ihr saht den Weg, den steinharten, gefrorenen Weg, die bebenden Flanken eurer keuchenden Pferde, den erstarrenden Atemhauch ihrer geblähte» Mstem, ihren guten Dillen, mit starken Hufen Halt zu finden auf der Glätte und die Last zu ziehen zu eurer Zufriedenheit. Vorwärts mußte es gehen! Die schweren Kohlenloren aber waren nicht von der Stelle zu bringen, die Gleise der Schmalspurbahn waren in erbärmlichem Zustande, kein Mensch hotte sich wer weiß wie lange um sie gekümmert. Es war ja Krieg! Gestern floß getautes Schlammwasser über die Gleise, über Nacht war cS gefroren. nun hieß eS fahren! Bier Loren Kohle auf ein Pferd I Un- »nöglich! Zwei Loren I Ja. cS gebt I Ihr streichelt die keuchenden Tiere, die die letzte Kraft ihrer nicht mehr wie früher genährten. abgemagerten Leiber einsetzen I Vergeblich! CS geht nicht! Miserabel sind die Gleise, verdreckt, zugefroren! Ihr schrei! den Tieren Mut zu. sie stemmen die Hufe fest, sie rutschen an», die Beine knicken ein— ihr schwingt die Peitsche über ihnen— es hilft nichts! Also zur Fabrik die Meldung: Können nicht fahren I Gleis in elendem Zustande! Mit zwei dampfenden Tieren und mit Mühe und Nor bringt ihr zwei Loren Kohle vorwärts. Kommt an. nach vielmaligem Halten, kommt zu spät an— ein Hallo empfängt euch:„Was, nicht fahren! Ihr müßt fahren I Leute zum Gleisreinigen?!' Ihr werdet ausgelacht:.Ist'« so lange gegangen, geht es auch noch heute und morgen!' Ihr knirscht mit den Zähnen, seht eure matten Tiere an. eine Wut steigt in euch aus: .Alto wir fahren und wenn die Pferde verrecken!" Ihr versteht nicht, wie ein Mensch kein Einsehen haben kann einfache Dinge, lein Mitleiden mit der Kreatur streichelt die Tiere, ihre Augen haben einen malten baren Blick.— So ging das Geschinde also den Tag weiter. Diesen einen Tag! Einen zweiten nicht! Männer öer Arbeit. Gehorchende, ihr kennt die Grenz» des Befehls, die daS Leben selber zieht. Ihr wißt sie für euch und eure Tiere. Vor- wärt« muß es gehen, ja! Kräfte anspannen, ihr seid eS, iveiß Gott. gewohnt! Kräfte verschwenden: dagegen lehnt ihr euch auf, wenn e« Mittel gibt— und es gibt immer welche— sie zu schonen, zu sparen, wenn eS nur gilt, ein Einsehen zu haben, ein Mitfühlen mit der leidenden Kreatur. So wird am kantigen, harten Schenktisch geredet, während der eisige Slunn über die Häuser des Dorfe» keucht. Stechende Scknee- Pfeile fliegen durch die schwarze Rächt, die selten aus gepeitschten Wolken hervor ein Stern wie eine unsagbar selige Bcrknndigung erhellt. Kleinstadt. Die zahmen Tauben leben längst nicht mehr, die sonst plötzlich den Fußgängern vor die Füße flogen und gurrend und zierlich au! den holprigen Siraßen vor ihnen hertrivveltcn. Sie spazieren längst nicht mehr auf dem Brunnenrande am Markt und klopfen nicht mehr mit den Schnäbeln an die Fensterscheiben, um Korner oder Brot zu er bitten. Ihr röscher Flügelschlag, ihr Aurren und Locken ist au» den friedlichen Straßen, die auch einst nur selten daS Spiel froher Kinder durchlärmte. verschwinden. Die Tauben waren wie ein Wuhrzeichen des Städtchen», Friedenstauben. Der Krieg hat sie verscheucht. Ist die stille Stadt verwachsen mit ihren Menschen und Häusern, bat sie ein gütiger Geist aus seine starken Srnie genommen und dinweggenommen aus dein Kriegslärm der Zeit, sie auf einer Welt- fernen Aue niedergesetzt, nabc den riesigen Wäldern, die put breiten Schattengängen alle Friedfertigen zu sich laden, mit zu feiern ihre makellose Schönheit und Reinheit? Wo pockt dak Herz dieser Stadt? Füblt e» die Bangigkeit und Unrilhe. die Sorgen, da» uiiermeßliche Leid und die neue Sehnsucht der Mensch- beit, die aufbricht au» dem stahlharten Gong dieser Tage? Wo sind ihre Hände, die Wunde lindern und Hestngekedrten Blumen streuen? r» so Ihr dankganzen Wo ihre Augen, die, noch voll Entsetzen über dos Morden unter den Völkern, ausspähen nach dem unermeßlichen Glück ferner Tage? Schläft die Stadt? Ist sie tot? Sie lebt. Sie wacht. Sie ist wie eine Mutier, die bitter Not trägt und ein ruhige«, starkes Herz hat. Ein Herz, da? feine Kraft kennt, feine Liebeskrpft. Tie großen Städte haben lausend Millionen Herzen, die nichts voneinander wissen und aneinander vorüberhasten, vielleicht nur leise den Schlag des ViuderherzenS ahnend. Die kleine Stadt hat ein einzige« Herz. Alle ihre Menschen horchen auf sein Schlagen und seinen Widerhall in ihrer eigenen Brust. Keiner hastet am andern vorbei, jeder kennt seinen Nächsten und in ihm vielleicht sich selbst, iveiß um seines Nächsten Leid und Freude und sühli mit. E« ist ein Leben in engen Grenzen, still, nicht einsam, nein, gemeinsam, ein Schreiten Seite an Seile von Starken und Schwachen. Und doch ein weites, großes Leben: ein tiefes Erleben, weil jeder in seinem Herz da» Herz der Stadt schlagen fühlt, das Herz der Brüder und Schwestern. HanS Gothmann. klingenöe SUöer aus Wogners Musitüramen. Vor Jahren erregle Franz Fischer, weiland Generalmusikdirektor der Münchener Hosoper, ein weit über seine Baterstadt hinausgehen- des Jnteresie durch Wagncr-Konzsitc. die er fast alljährlich vor einem Kreiie von Künstlern und Musikfreunden auf dem Klavier zu geben Pflegte. Unvergeßlich ist jedem, der jenen Veranstaltungen anzuwohnen das Glück halte, die geniale Meisterschaft, mit der Fischer die ausschließlich für Orchester berechneten Partituren ganzer Opcrnakte mittels des Hammerinstruments zum vollen Erklingen brachte. Hieran Ivurde mo» wieder lebhäfl erinnert, al« Freitag im Blüthneriaal zwei Münchcner Muiilcr, der Kritiker Alexander D i I l m a n n und der Opernsänger Robert Hütt, den sich ja daS hiesige Königliche Opernhaus ab nächsten Herbst gesichert hat. einen Wagner-Abend gaben. Gleich sei hinzugefügt: cS war eine Ber- anslallung höchsteigner Art. ES wird wohl jedem Musiklundigen bekannt sein, welchen lPider- ständen eine Wiedergabe Wagnericher Musikdramen auf dem Klavier begegnet. Die Beorbeilungeii oder Auszüge für dies Instrument lasten den Klangcharalter des Orchesters vermisien. WaS beim Spiel {erauskommt, schießt höchstenfalls hier und da zu„klingenden lildern" zusammen. Die AuSduicksnivglichkeit de« Klavier? ist eben begrenzt. DaS schließt aber keineswegs au« technische Fortschritte und Eriveiternng der Klanggrenzen zukünftig erwarten zu düifen. Teilweise steht man bereits vor erfüllten Hoffmingen. Indem Dillmann ihnen nachging, suchte er den unvergleich- lichen Farbenreichtum der Wagnerschen Orchesterpartitur auf den Flügel zu iiberiragen. DaS konnte nur geschehen durch Aussuchen neuer Tonschaltierungen und Tonmiichungen mittel« intensivster Steigerung de» seeli'chen und dramatischen Inhalts des Spie!«. Hierin offenbart Dillmann ein völlig unabhängiges Nachschaffen au« zutiefst gespannter Leidenschasllichkeit heraus, weshalb seine Pariilurauszüge für da« Klavier weder mit den üblichen Kapell- meisterübertragtingen noch mit Bearbeitungen lediglich für Virtuosen verwandt sind. Er malt de» Slreicher'ötper, die Holzbläser und Bässe. Dies ganz« Tongewebe bildet jedoch nicht bloß den Unier- grund für die kraftvoll hineingesetzien Leitmotive, sondern verschmilzt sich mit ihnen zur Einheit. Mit ivelch hervorragender Meisterschaft e» Dillmann fertig bringt, total neue Klangfarben, ja Eindriicke von orchestraler Plastik zu erzeugen, dafür konnte das Glocken- und Grals- motiv aus Parstsal als großartiger Beweis gelten. Die Bezeichming .ilingende Bilder" erschöpft nicht. waS Dillmann tatsächlich gibt und zu geben fähig ist. Gewisse musikdramatische Vorgänge aus WognetS Werken werden für da« Klavier geradezu neu erschaffen. Zumal wenn mit diesem Instrument sich der Gesang verbindet. Denn auch der Sänger muß ein Rachschaffender sein, will er auf dem Konzeripodium überzeugen, mitreißen I» Robert HattS herrlichem Organ vernahm'ich Heinrich Pogl wieder. Verde Interpreten rissen die zahlreiche Hörerschaft zu begeisterten Ovationen hin._ ek. Petfthert! Dr. A. v. Borofini, Lehrer der Diaieuk, gibt in Gustav Jäger« Manatsblalt folgend« beherzlgenSiverie Ratschläge:. Die Verdauung beginnt im Munde.— Man soll deShalb die Nahrung gut kauen, wobei sie von selbst mit dem i» wichtigen Mundipeichel vermischt wird.— Aber auch breiige Speisen. Suppen und besonders Milch dürfen nicht verschluckt werden, ohne vorder gründlich dnrchgesperchelt worden zu sei«. Dieieij Vermunden der Nahrung nennt man Fletschern snach dein Amerikaner Fletcher). Fletscher» dedeniet alio..Kaue» und Durchspeicheln". Durch da« Fletschern wird nicht mir dem Magen und Darm die VerdauungSarbeit wesentlich erleichtert, die Nahrung wird auch viel besser ausgenützt. Hierdurch wird die Sättigung eine vollständigere und hält länger vor. Auch vermeidet man durch das Fleischern das schädliche„zu heiß essen" ganz von selbst. Ein Mensch, der fletschert. hat mehr Genuß beim Essen und wird sich mit weniger Nahrung bc- gnügen können als ein Schlinger, der noch dazu seiner Gesundheit schadet. Gerade die KrtegSlüchcn- und Feldlüchenkost versührt, weil sie breiig ist, zum hastigen Essen und Hinunterschlingen. Schon dem Säugling mache man da« Trinken nicht zu leicht und sorge, daß cS langsam geschieht. Man kann den Kindern da« Schlingen abgc« wohnen, indem man ihnen Nußstücken. Zwieback und alibackciie Brotstücken in ihren Brei mischt. Man zwinge Kinder nie ßum Essen. Zwischenmahlzeilen sollten nach Möglichkeit vermieden werden(drei Mahlzeiten am Tage genügen). Magen und Darm arbeiten bester, wenn man ihnen längere Ruhepausen gönnt. Heiß- Hunger vertreibt man am besten mit ein wenig allbackenem Bröl oder trockenem Zwieback. Trinkt wenig oder bester gar nicht zum Essen! Durch da? Trinken während des Esten« wird die Verdauung?- kraft de« Magens und DarrncS wesentlich vermindert, die Aus- Nutzung der Nahrung herabgesetzt uitd allerhand Krankheiten Tür und Tor geöffnet, da der Magensaft, wenn er verdünnt wird, seine keimtötenden Eigenschaften verliert. Am besten ist deshalb, mit dem Trinken bis«Iva zwei Stunden nach dem Essen zn warten. Auch Flüssigkeiten sollten' nicht hinuntergestürzt werden. Man hat viel mehr davon, wenn man sie ie kleinen Schlucken trinkt. »Diese Tischregeln sind für jedermann von der größten Beden- tung. Darum befolgt sie!___ das Mter der Eröe. Die Schätzungen über da« Alter unserer Planeten gehen weit auseinander, je nachdem sie sich auf radioaktive oder geologische Erscheinungen stützen. Der Amerikaner Artur Holmes stellt nach dem„Prometheus" in einer Erörterung diese? Gegenstandes� fest. daß alle derartigen Schätzungen auf der Annähme beruhen, daß die radioaktiven Bcrhältntszahlen de« Urans und seiner Tochterelcnieine sich mit der Zeit nicht ändern. Unter dieser Voranösetzting ergaben Berechnungen, daß seit der Auskrijtalliiotion der ältesten Pluto niichen Felsgebilde an« dein früher flüssigen Erdkörper etwa t.S Milliarden Jahre verflosten sind. Da aber durch die Geologie nachgewiesen ist. daß diese in schon bestehende sedimentäre oder vulkanische Gebilde eingedrungen sind, ist da« aus diesem Wege berechnete Gesamtalter der Erde iveil höher. Andererseils ergeben geologische Schätzungen auf Grund von Ablagerungserscheinimgen ein bedeutend gHpingereS Alter von 100 bis 400 Millionen Jahren. Es besteht somit eine große Differenz zwischen den Ergebnissen der beiden Verechnungsweiscn. Die Schätzungen ans Grund der radioaktiven Erscheinungen baben vor- läufig noch einen fraglichen Lharakicr. und einigermaßen zuverlässig» Zahlen sind erst zu erwarten, wenn die Wissenschaft die Ab- hängigkeit de? Zerfalles von Uran in Abhängigkeil von Zeit, Druck und Temperatur genau festgelegt hat. StsttzM» — K r r e g s e r n ä h r u n g« a b e n d In der Vereinigung für staarsbürgerliche Bildung'sindet am Mittwoch, 8 Uhr abendo. im Sitzungssaal de? RbaeordneienbaitseS ein Vortrag von Dr. August Müller über„Volkswirtschaft. Staatswirtschafl und Kriegsernährung" statt. Freie AtiSiprnche. Einttiilsiatlcn bei der Geschäftsstelle Charlottenbnrg. Leibnizstr. 47, unentgeltlich. — D e r B o y k o e t ii e r Oper. Die O per„Mona Lisa" ist manchen Frommen ein Dorn im Auge und eS wird nicht zum ersten Male probiert, gegen sie in Enlnistting zu machen. Seltsame Blüten bat dieier Kampf jetzt in München gezeitigt. Die Landwirte werden in der llerikolen Presse anfgefordert, keine Lebensmittel mehr nach München zn licsern. In der Tat ist die„Mona Lisa" denn auch vom Spielplan der Münchener Hofoper abgesetzt wprdcu — natürlich weil eine Sängerin nicht in Faston ist. — Der Biograph Schopenhauers Wilhelm vor. Gwinner ist in Frankfurt a. M. gestorben. Seines Meister« PeisiniiSnittS hat ihn 91 Jahre alt werden lasten. — Der G o e t h e- R e l i g u i e n k ti l t. Ans einer Goethe- auktion wurden wieder allerlei Schnurrpfeifereien auSgcboten, die mit dem Namen Goethe Asterknlt treiben. Sie fanden— lüie immer— hochzahlende Käufer. Eine Garnitur von Haareil— — hoffentlich nicht von einem Pudel— und Schleifen brachte bloß 1600 M. WaS lostet da ein Haar? Ein angeblicher Reiickoster Goethe? stieg ans LOO M.(Man. sollte ihn koiisiszieren und Schub- sohlen daraus machen.) Gewisie Papiere, die jederntann braucht und auch Goethe nicht entbehren kotmw, kanten nicht zum Ausgebol. Wahrichkinltch wurden sie aiur u�ttr der Hand gehandelt. Der polizeimeifter. E i tl russischer P o l i z e i r o m a n von Gabrvela Zapolska. Mord. Raub, Blut scheinen diese Menschen als etwas lÄewöhnlicheS anzusehen, als einen Zustand, der sie kaum ans ihrem Gleichgewicht bringt! Höchstens blitzt in den Augen Angst und Furcht um die eigene Person und die nächsten Angehörigen auf, doch" sie bleiben unbekümmert, wenn sie einen z» Tode getroffenen Fremden in der Ferne jammern hören. Seltsam! Rur einen kurzen Augenblick erging sich Klitzki in diesen Erwägungen. Mit dem ihm eigenen Trotz kehrte er zu seinem ersten Entschluß zurück. „Ich sage Euch, daß jemand gemordet Ivurde... Rchmt die Laterne, ruft Leute herbei, wir»vollen suchen gehen. Ans dcni Wege werden wir die Polizei benachrichtigen." Nichts vermag den Ausdruck wiederzugeben, den man in den Augen des Hausdieners bemerkte, als er KlitzkiS letzte Worte vernahm. Es lag darit? Ironie, Geringschätzung und eine Art Mitleid mit der Verblendung eines Menschen, der nicht weih, was er spricht. ..Warum glotzt Ihr mich an? Kommt, sage ich Euch! Es könnte sonst zu spät sein!" Tie Tür knarrte leise. Hinter Klitzki stand jcumnd. Klitzki drehte sich lebhaft unv Er bemerkte den Besitzer deS Hotels, Isaak Feinbube, einen ruhigen, pockennarbigen Juden, der einen langen»vattierten Mantel trug. „Er wird nicht gehen! Er ist mein Angestellter/ sagte Feinbube langgedehnt,„keiner von meinen Leuton wird mitgehen. Ich stehe hier schon seit einer Weile an der Schivellc und höre. waS Sie sprechen. Sie siud' von auswärts, Sie kennen unsere Sitten nicht. Legen Sic sich lieber schlafen." Klitzki drang jetzt bittend auf den Besitzer ein. „Aber warum sollen wir nicht helfen,»venn dort jemand int Sterben liegt? Wir werden zu mehreren hingehen und die Polizei mitnehmen. Es kann uns nichts zustoßen." Auf dem Gesicht deS Isaak Feinbube malte sich auch jener unbeschreibliche Ausdruck von Ironie und Mitleid für die Ber- blendung eines Menschen, der nicht weiß, was er spricht. Seine Hände führten jene charakteristische, resigntzertc Be wegung a»S, die man nicht vergessen kouiitc. „Verboten\" Kützkis Energie begann zu wachsen. Er fühlte Lust, sich jener Apathie zu widersetzen, die eine träge, trübe Schmutz welle aus allen Gassen, aus den stillen, in Schlaf versunkenen Häusern, auS den Gesten der htlfloscn Menschen mit den matten, hoffnungslosen Augen hervortreten ließ. „Wenn Ihr Euch nicht darum kümmern wollt, tue ich es allein." sagte er entschloss cu. indem er seinen Mantel zuknöpfte. „Ihr braucht mir nur zu sagen, loa die Polizei ist. „Ich rate Ihnen, schlafen zu gehen," wiederholte der Jude phlegmatisch. In demselben Augenblick schlich eine in ein Plaid gehüllte Frauengestalt leise die Treppe hinunter. Unter dem Plaid sah man eitle.»veiße Nachtjacke hervorschimmern. Sic Hatto schlvarzcs. stark gebranntes Haar und ein blasses, dreieckiges Gesicht mit riesengroßen, schwarzen, von langen Wimpern bc sckatteten Augen. Als das Licht der. Laterne, die das Tor erleuchtete, ank sie siel, erkannte man in ihr ein junges, elendes Geschöpf. Tie tiefen Ränder unter den Augen und die eingefallenen Wangen Phieneil eine Anklage gegen das Schicksal zu sein. „Herr Wirt," begann sie fast flüsternd,„hoben Sic meinen Paß?" Isaak zuckte die Achseln. „Ihr Paß ist bei der Polizei. Ich ließ es schon durch den Hausdiener sagen." „Aber ich muß morgen abreisen. Ich habe über- morgen wo anders zu fingen. Bitte geben Sie mir den Paß zurück."). „Wie kann ich das? Er ist doch bei der Polizei." „Ich habe ihn Ihnen übergeben uitd fordere ihn von Ihnen zurück." „Nu,' den Paß hat die Polizei! Mehr kamt ich Ihnen nicht sagen, mein Fräulein." „Sehen Sie. ihn herauszubekommen." Klitzki wußte bereit?. waS kommen würde. Eine Geste voll Hoffnungslosigkeit uitd Ohnmacht von feiten des Inden. Und dann der gute Rat: „Legen Sie sich lieber schlafen, Fräulein!" Aber das„Fräulein" rümpfte die Nase und murmelte etwas vor sich hin, zerrte an ihrem Plaid, schließlich ivandte sie sich nm und ging die Treppe hinauf. Klitzki blickte ihr unwillkürlich nach und sah,>vic ihre zarte, abgcmageit» Gestalt sich erschöpft au der Lehne festhielt und in dem grauen Dunkel de? Treppenflurs per- schwand. „PrpschowSki!" fragte der Jude den Hausdiener,„was haben sie dort von ihrem Passe gesagt?" „Sic habe» gesagt. Josselc würde mit ihr reden." ..Nu. dann mag Josselc mit ihr rtzden." Klitzki begann nugednldig z» werden. „Wo ist hier die Polizei?" fragte er. „Wollen Sie wirklich hingehen?" „Jawohl, zeigen Sie mir. wo sie ist." Der Jude drängte sich entschlossen an die Tür des Restaurants. „Er»vird Ihnen-den Weg nicht zeigen, denn ich erlaube ihm nicht, sich in die Sache einzumischen. Aber hier ist ein keiner Jude: der kann Sie hinführen." „Nun. aber macht schnell!" Isaak verschwand im Flur des Restaurants. Im nächsten Aitgenblick verstummte die Gxige. ProschowSkt blieb noch eine Weile stehen, als zögere oder kämpfe er mit sich selbst, schließlich erklärte er sich Klitzki. „Gnädiger Herr, verderben Sie� cS lieber nicht mit ihnen, und nehmen Sic sich überhaupt in acht." Tie weiteren Worte dps Hausdieners»vnrden durch das Oeffncn der Tür zum Restaurant unterbrochen.. Er zog sich in das Haustor zurück und setzte sich auf den Schemel. Hier schien er»viedcr in Starrheit zu versinken. Inzwischen stürzte ans dem Restaurant ein kleiner rot- haariger, pockennarbiger, augenscheinlich skrophnlöser Jude hervor: eine lange Nase und vorgeschobene Lippen verliehen dem Gesicht das Aussehen einer Fuchsschnauze. Uffter dem Arm hielt er eine Geige. Ueber das graue Jackett hatte er einen fadefischeitiigen Mantel geworfen, feine derben Schaftstiefel waren mit Tchmntz bedeckt, der wie eine Rinde festzukleben schien. Man hätte diesen Menschen tote etwas Widerwärtiges und Verfaultes mit dem Stock aus dem Wege schieben möge», nm nicht zufällig mit ihm in Berührung zn kommen. (Forts, folgt.) Direktiou ilax Eo inh ardt: Deutsches Theater. 7'/� Uhr: Figaro« HocIikcII. Kammerspiele. 7 Uhr; Z. 1. Male: IIa« Konzert Volksbühne. Thea,eram . Uhr naeboth. Bülowplatz. Scssmg-Theatcr. Direktion: Victor Barnowsky. vuhr-. Peer Gynt.vo�e. Mittwoch: Die beiden Klingsberg. Deutsch. Jtönstler-Tbeater. AllaheiicUich 7'/. Uhr: Iber Reisebegleiter. URANIA Taubenstraße t8/4P, S Uhr: Allee Nehalek: ürei Monate an iler Isonzofnmt Hörsaals U.: Prof.Dr. P.Sehwahu: Die zerstörenden und aufbauenden Kräfte im Landschaftsbild. Theater i. d. Königgrälzerstr. T'/.Uhr; Z 50. Male: Erdgeist. EComödienhau$ V'/a UJir: Die verlorene Techter. Bariiner Theater 7'/„ Uhr: Auf Flügeln des Gesanges �oimab. HV, l.; Liel s Märchenreise. Theater für Dienstag, 30, Januar. deutsches Ooernhaus, Cbarlottcnb, - Uhr: RjgOlettO. Friedrich-Wiihelmsfädf. Theater. -'/-r.- Das Dreimaderlhaus. t.'ebr. flCFFIlfCld" T',eBt®p 7'/, Uhr: Der doppelte Buchhalter. Posse mit Ciesang und Tanz. kleines Theater s uhr: Am Teetisch. Komische Oper 7''j ehr: Der Puszta-Kavaiier. lustspieihaus •• Dcf selige Balduin mit Henry Bender. Neues Operettenhaus Kussontelophon: Norden 28!. 7 7. u.: Der Soldat der Marie. Metropol-Theater JoMiu.: öle Csardasfürslin. Residenz-Theater � Die Warschauer Zitadelle. Schillpr-Theater O. 7./u: Novella d'Andrea. Schlllcr-Tll.Charlortonhg. 7;, uhr: will und Wiebke. Thalla-Theatep. 7>/. u.- Das Vagabundenmäde). ThentPP an«\oIlondopfpl. 3'/, Ulu; Relegierte Studenten. vi i u. Blaue Jungens. Thcatpr des'We«ten« 7V, u.. Die Fahrt ins Glück jnii Guido Thielschor. Trianon-Theater 7v. u.: Willis Hochzeitstag. Susdi " ZSgU?'/,. Ebb. tt. Ztg. sv.uec-. lt. bnöj voBOttigc„Xiimiarpronoimin. Tic erfolgreichc, beliebte j,'. ,1 Prunk-Ausftnffungs- 1 » Puntomiine U teterpi Sonntag Uhr auch nachm.: Tie«eierprinHeüin. Heute zum letzten Male! „Die grüne Flöte" Ballettpantomime Inszenierung von Max Reinhardt sowie der große.lanuar- Variete-Spielplan. Jan Paul Helene Itnllot. Zwei Bennos Gymn, Burlesk-Akt Sun Hsiang Jung, chin. Gaukler Zirkus A. Sctiumann Der Zirkus ist gut geheiz*. Dienstag, den 30. Jan., 7 Uhr: Das varorlSndische Spiel Der dentsehe Mehniied. Mittwoch und folgende Tage VI* Uhr: Große Zirkus-Yorsteiliinge!!. Die Seeräuber und das großo Zirkus- Programm. RosecTheater. LetzleS(l�tfhtd.Vnpcr Tcrofal Mit(einem �chiiedeer Stmeintbcalcr: Vi, Uhr: Hilde» ISInt. Walhalla-Theater. 7'/, Uhr:(öaflipitl Frltri Area: Das Husikantenmade). 7 Uhr 30 Das gro6e Januar Varietb-Programm Daeu Neptun auf Reisen Ausstuttungsposse i. 3 Bildern von Frz. Arnold u. Krnst Bach. Musik von Rudolf Nelson. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich 7'/, Uhr. Um VI, Uhr: Bnnteö Programm. Um B'l, Uhr: Tic Tchtagcrposic Einzig in Gttst-BerUn 2wsi KsNeSeriiner Berliner Humor— Berliner Figuren Sonntag S'/, Uhr: Biner vom U-Boot. Anfang 7'/« Sonnt. 3'/, u. 7'/, Jerlitier Bilder" Otto Butter n. d. große Januar-Programm. � ÄdmiFalspalasl. Schlittschuhläufer- Ballett a. d. Oper„Oer Prophet1' und Trau Tanfasie. Vorzügl, Küche. Anfang 7'/.. V oigt-Theater. Badstr SS. Badstr. 58 Täglich: DflöSdllöf! mii Ulf ft Erösinung ßV, Uhr. An(ang 7ll, Uhr. Possen-Theater. Täglich TV, Uhr: Der fliegende Holländer. Der alte Woiff. Reichshallen-Theaier. Stetttner Sänger. «•»„CaliarelFelilpD44 Anfang 7'/, Uhr- Sonntag nachmitt. 3 Uhr CaliaretFeliigraQ Ermüßlete Ppelae! snFreien Stunden. Romane und Erzählungen lüi das arbeitende Voll Pro Heft 15 Pt Buchhandlung BorwärlS. Berlin SIS 68. Lindenflrahe 8 Lertiner Rmnertilsus. (Nsuerstr. 82. �immeTStr. 90/!» Heute: Gr, Konzert ..... Vikloria- H ödestes«s Tor früher Sanssouci> 14814. Abendvorstellung 7% Uhr, Worgen Mittwoch 2 Vorstellungen 2 Naohmitt. um S','* Uhr abends um 7'ls Uhr. Zur vorstellnn r /.\ �. V orzngs- preiäc 3üSV8r" kaoft Parole, // cmpf.es sich, die ���v�y/Dintrifctskart rechf- /zeitig a. d.Ververkaufs- 'stellen i Voraus z. lösen. 'Vorverk,: Hagenb.-Kassa �Kottb. Str. 6 u. Wertheim. Soziaidemokratiseiier VahlvereiD Iii. EerUelchstagswahlkpeis. Bezirk 133. Am 3. r.anuac 1917 fiel cuj dem Schlachlieide unser Genosse. der BezirkSjiihrer 207/!(> August Dittmann. Ehre feinem'Andenken! Orts- Krankenkasse der Klempner ;u Berlin. Bekanntmachung. Gemäg§ t Abs. 2 des Gefehes oom 1. August 1911, betresiend Siche- runz der Leislnngstähigkeil der Kranfenfassen. hat das Versuyerungs- aint der Stadt Berlin am 17. La- nunc 1917, aus Antrag des Aasien. daiilandes vom 15. Dezember 1916 beschlossen, dag den als Mitglieder der Kasse Erlranlten. vom 27. Januar d. J». ab, die sahungSgemög vor- gelehenen Mehrleistungen gewahrt werden. 273/19 Berlm. den 27. Lanuar 1916. lbvi' Vorstand. Jas. Hartman». Bornvender. Berlin�Schöneberg. den 24. Jan. 1917. Roi* To des Berliner Konzertliaas-Orchesfers Leiter; Komponist Frz.*. Bio«. Anfang TV, Uhr. Eintritt 30 Pf. Anlang 7V, Uhr. An allen Wochentagen: Macbmlitags-Konzert bei freiem Eintritt and voller OrehesterbeeeUung. Allgemeine Orts- Krankenkasse der Stadt Berlin-Schöneberg. In der am 23. Januar 1917 abge. baltcnen Borstandssitzung sind die ?lemtcr des Vorstandes durch Soijl wie solgt besetzt worden: F. Krukow, Lagerverwalier. SchZnr- berg, Meininger Str. 1 1, Borsitzender Hermann Hotz, Kausmann, Schöne- berg. Porbergstr. 2, stellvertretender Borsitzender. A rfur Schuldt, GewerkschastSbeamt., Berlin, Lörnerslr. S, Schristjübrer. F. Senst, Buchdrulfercibesttzcr, Schö- neberg, Giunewaldstr. 83, stcllvertr. Schrisfsührerr 273/20 cm. ucn or- Vorntand. F. Kru kew, Vorsitzender. Artur Schuld!, Schristsührer. LpesislsrÄ r»r. med. WochentaQ, Friedrichstr. 123(Oranienb. Tors, für Syphilis. Harn- u. 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Dröger Cbarloltcnbnrg. S ohhie-Cha rlotle-Stratzc 17, ani 23. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andeuten! Maohi-tit. Den Kollegen ferner zur Nachricht, dag rmser Mitglied d�r Schlosier Fnmi Eckerl Gntbenev Strotze 48 am 22. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Xachrnf. Den stollegen ferner zur Nach- ncht. datz unser Mitglied, der Schlosser Rudolf Zinn Liebenwalder Straße 46 gestorben ist. Ehre seinem Andenfe« 1 Den Kollegen serner zur Nach. richt, daß unser Mitglied, der Büchsenmacher Oskar Siebelist Bredowsrraße 6 am 27. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 30. Januar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen Halle des HeilandZ-Kirchhojes, Sccstraße. aus statt. Rege Beteiligimg erwartet 129/6 Tie Qrtsverwattung. ßwlseher Transportarhelter-llerliaiiil. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Nachrufe. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Otto psuling von der Firma C. Snlbach, Berlin, Unier den Linden 67, am 22. Januar im SUter von 50 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Den Miigsiedern serner zur Nachricht, dag unser Kollege, der Droschkensnhrer Karl Gehrke am 25. Januar im Alter vo: 83 Johrerr verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Bezirksverwaltung. tobanil der Sstüer nnd Portefeuiller. Ortsverwallung Berlin. Ten Kollegen hiermit zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Sattler Emil Schnabel Werlstatt G. Pos- plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 30. Januar, nach- mittags 3V, Ubr, von der Leichen- Halle de« Segens- Kirchbotes, Deijenlee, Gustav-Adolsstr. 67/74, aus statt. 159/9 Tie QrtSverwaltung. !>m Sonnabend ist mir mein guter, einziger Bruder, der Gürtler Paul Rieger plötzlich durch den Tod entritfen worden. 114 Die Beerdigung findet am Mittwoch den 31. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Lichtenberger Gemeinde-Fried- Hofes, Lückstraße, aus statt. Anna Rieger als Schwester. Todca-AnKPlgc. Räch lurzem aber schwerem Krankenlager«erschied plötzlich meine liebe Frau und Mutter meines einzigen K indes, Frau Marie Bennien geb. Brandt. Die Beerb gungfindel am3D.Ja- nuar tSt7, nachmutaaS 2V« Uhr, von der Kapelle des Pdu pp Apostel- Kirchhofes, Müllerstr, 44/45, aus statt. Um stilles Belleid bittet der trauernde Gatte nebst Sohn A. Beozien Spezial-Jlrzf . l>r. med. Hasche. Friedrichstr. 90 ÄÄ Behandl. von SyphUts, Haut-, Han«»F i uucnlcid. pez chron Fälle. Ehrlrch-Hato-Knren, schmerz- lote, kürzeste Behandlung ohne Be- ru'Sftörong. Blutuntersuchung. Maß. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 10— 1 und 5—8, Sonnt. 11—1. V einer I-elbbinde? Sämtliche Systeme am Lager resp. nach Maßanfertignng sowiö Bruchbandagen � Artikel z. Gesundh.- u. Krankenpflege Pollmann, Bandagist Berlin N.. Lothringer Str. 60.* Lieferant für Krankenkassen. Verkäufe Psaiidteihstaus.'permminpiatz 6. Rietenauswahi verschiedener Polz- lachen,(Saniitureu, Pelzstolas, Herrenanzüge. 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