Pe. 30. 34. Jahrg. gdo»neme»t5-S«/e Proz., da? macht pro Kops der Be völkerung 56 Gramm. Sur Beseitigung der eingetretenen Schwierigkeiten wurde harlottenburg der Vorschlag gemacht, ein besonderes Weizenbrot herzustellen, von Neukölln verlangt, die Schrippen beizubehalten und das Gewicht dieses Gebäcks von 50 auf 45 Gramm festzusetzen. Diese Herabsetzung sei ausreichend, um die Differenz zu decken. Die vierstündigen lebhaften Verhandlungen endeten mit der Annahme des oben erwähnten Beschlusses. Auch die Fachleute, der Zentralverband der Bäcker Groß Berlins, haben sich an demselben Abend mit der Frage des EinheitSbroteS beschäftigt. Vertreten waren die Vorstände von 17 Berliner Wäckerinnungcn. In seinen einleitenden Ausführungen bemerkte Obermeister Schmidt, daß die in Aus ficht gestellte Umwälzung das Bäckergewcrbe glatt auf den Kopf stelle und die Pläne deS Magistrats auf Einführung des EinheitSbroteS aufgestellt sind, ohne daß manFach leute gehört habe. In einer längeren Erklärung brachten die Innungen zunächst prinzipiell ihren ablehnenden Standpunkt zum Ausdruck. Sollte aber trotzdem das Einhcitsbrot eingeführt werden, so müßte daS 1900.Gramm-Brot 80 Pfennige kosten. Sollte das Weizengebäck durchaus abgeschafft werde«, so würde die Herstellung eines Weizenbrotes von verschiedener Größe zu erwägen sein. Kuchenbacken dürste nur den Brot- betrieben untersagt werden, dagegen gemischten Betrieben unter Vermeidung von Weizenmehl gestattet werden. Auch die Einführung der Kundenliste wurde als undurchführbar be- zeichnet. Zu diesen Beschlüflen haben nun die für die Mehl- Verteilung Verantwortlichen Kommunalpolitiker und die Fach- leute Stellung genommen. Aufgabe der Oeffentlichkeit muß eS jetzt ebenfalls sein, sich mit dieser Angelegenheit eingehend zu beschäftigen. Da ist zunächst die Frage des EinheitSbroteS. In der kurzen Zeit, in der jetzt um die Einführung desselben ge kämpft wird, sind die Freunde dieser Idee immer weniger ahlreich geworden. Während in der ersten Sitzung deS siebenerauSschusseS nur eine Stimme gegen die Einführung votierte, waren es Montag schon 5 zu 5, so daß beide Parteien, fiir oder gegen Einführung, sich heute die Wage halten. Welche Wendung bis zur nächsten Vollsitzung eintreten wird, läßt sich natürlich heute noch nicht sagen. Gegen die Einführung des EinheitSbroteS und damit den Wegfall der Schrippe werden Bedenken geltend gemacht, die nnS durchaus zutreffend erscheinen. Das wichtigste Moment ist. daß durch daS Einheitsbrot eine Verteuerung deS Brotes von 64 auf 80 Pf., also eine Erhöhung um 2b Prozent, herbeigeführt werden soll! Schon diese Tatsache sollte die Berliner Kommunal- Verwaltungen veranlassen. lieber alle anderen Mittel zu ver> suchen, als diese» Ausweg zu suchen. Sind doch die GSoß�Berliner Gemeinden erst im Oktober zu der Auffassuag gelangt, daß der Brotpreis herabgesetzt werden muß. und jetzt nach so kurzer Zeit kommen sie schon wieder dazu, dieses durchaus anerkennenswerte Bestreben aufzugeben. Sie würden dadurch sehr schnell ihren eigenen Grundsätzen untreu werden. Der Äcgfall der Schrippe wäre an sich keine Sache, die be- sondere Aufregung hervorrufen würde, wenn es sich bloß um die Abschaffung emeS liebgewordenen Nahrungsmittels handeln würde.. Aber in der heutigen Zeit, wo der Brotaufstrich so knapp ist oder so ungenügend verteilt wird, ist es durchaus verständlich, wenn sich die große Menge der Bevölkerung, der es an Brotaufstrich fehlt, gegen die Abschaffung der Schrippe wendet. Das dritte Moment, das gegen die Ein- führung des Einheitsbrotes spricht, ist die Qualität des neuen Brotes. Es wird immer wieder von allen Fach- leuten darauf hingewiesen, daß � das neue Brot durch die Hinzusetzung von 40 Proz. Weizen an Haltbarkeit verliert und schnell trocken wird. Im Interesse der arbeitenden Bevölkerung kann daher die Einführung des Einheitsbrotes nicht liegen. Eine andere Unbequemlichkeit, die mit der Einführung des Einheitsbrotes zur Durchführung gelangen soll, ist die Kun den liste. Ihre Durchführung halten wir im Interesse der arbeitenden Bevölkerung für so bedenklich, daß wir nicht eindringlich genug davor warnen können. Sie würde den Verbraucher zwingen, riur immer an einer Stelle, entweder an seinem Wohnsitz oder in der Gemeinde, in der seine Arbeitsstätte liegt, sein Brot zu kaufen. Das bedeutet für diejenigen, die weit entfernt von ihrer Wohnung arbeiten müssen, die größten Schwierigkeiten. Für den Verbraucher werden diese Schwierigkeiten aber unüberwindlich, wenn sein Lieferant plötzlich an einen. Tage seine Ware ausverkauft hat, »der die Qualität der Ware so ist, daß er sie dort nicht mehr entnehmen möchte. Wenn jemand bei seinem Lieferanten Fleisch, Kartoffeln oder andere Lebensmittel, die auf ftimdenlisten abgegeben werden, nicht erhält, so ist die Kalamität lange nicht so groß, wie beim Brot, das er ja- auch nicht für einen Tag entbehren kann. Wir halten daher die Einführung der Kundenliste für Brot für undurchführbar und und der Auffassung, daß eine andere Verteilungsweise möglich sein muß. Die neuen Vorschläge zur Brotversorgung bedeuten keine Besserung gegenüber dem bestehenden Systeni. Eine bessere Verteilung deö Mehles muß durchgeführt werden, das kann aber auf verwaltnngstechnischem Wege geschehen und nicht auf Kosten der Bevölkerung. Sollte sich dann weiter die un- bedingte Notwendigkeit herausstellen, daß die zugewiesene Brot- menge gekürzt werden muß, so wird die Bevölkerung noch eher eine Herabsetzung deS Brot- oder Schrippengewichts in Kauf nehmen, als die neue Regelung wie sie jetzt geplant ist. Denn schließlich bedeutet ja die Einführung des Einheitsbrotes auch eine Herabsetzung der im Brot enthaltenen Mehlmenge, die jedoch durch Wasser ausgeglichen werden soll. Ein mit Wasser„gestrecktes" Brot ist wohl besser geeignet, den Magen zu füllen und Hungergefühle nicht aufkommen zu lassen, aber mq-Mhrhaftes, haltbares gut bekömmliches Brot leistet bei aermgerer Menge für den Aufbau des menschlichen Organismus � wenigstens das gleiche. Die Alternative„Brötkürzung oder— besteht in Wirklichkeit gar nicht, denn auch das Einheitsbrot bedeutet in Wirklichkeit eine Brot k ü r z u n g. allerdings eine verdeckte. Dieser Tatsache soll man geradeaus ins Gesicht sehen, dann wird man wenigstens auf Besserungen verzichten, die in Wirklichkeit keine sind! M Zur selbe» Angelegenheit meldet noch die„Deutsche Städtekorrespondenz": Ueber daS Ergebnis der am Montag stattgehabten Be- ratungen über die künstige Gestaltung der Brotversorgung Groß-Berlins wird noch bekannt, daß tatsächlich mit der Einstellung deS Backens der altberühmten Berliner „Schrippen" zu rechnen ist. Der Ausschuß der Brot- fattengemeinschast hat sich davon überzeugt, daß die Her- uellung von Kleingebäck unwirtschaftlich ist und zum beträchtlichen Teil an der Kalamität, die augenblicklich herrscht, beigettagen hat. Dagegen wird Voraussicht- lich die Herstellung von reinem Weizengebäck nicht ganz auf- hären. Der von den Bäckern gemachte Borschlag, auch das Weizengebäck in größeremFormat und größcrem Gewicht herzustellen, soll einer näheren Prüfung unterzogen werden. Es würden dann Weizengebäcke von 1 und 2 Pfund Gewicht hergestellt werden. die �yumanitö� über Wilsons Sotsthast. Jn.der„Humanitö" vom 29. Januar wird die Bolschaft Wilsons in einem Leitartikel von Compöre-Morel und in einer Presse-Ueber« ncht von Beillard behandelt. Tompdre-Morel spricht in leidenschaft- ichen Worten seine Friedensliebe aus. Er bekennt sich zu den Grundsätzen Wilson? und fragt, ob auch die Mittelmächte sie anzunehmen bereit sind. Dieser Frage ist aber die Ant- roort schon vorweggenommen durch die Note der Mittelmächte vom > 2. Dezember v. I., in der eS hieß, daß die Rechte der eigenen Völker ,u denen der fremden Nationen nicht in Widerspruch stünden und durch ihre spätere Note an die Neutralen, in der von einein Frieden der gegrnseiligen Achtung und vollkommenen Gleichberechtigung die Rede war. Daran, daß die Entente den Mittelmächten dies« Gleichberechtigung nicht zuerkannte, daß sie von einem Frieden ohne Sieg und ohne Demütigung nicht« wisien wollte, scheiterte die istiedeliSaktion. Hätte die Entente das Friedensangebot nicht mit Forderungen beantwortet, die kein Deutscher annehmen kann, und die in schärsstem Gegensatz zu den Grundsätzen Wilson« stehen, so wäre der Friedenswunsch Compsre-Morel« heute schon gestillt. Interessanter als der Artikel Compöre-Morels ist die Presse« iiberstcht BeillardS. Die Lebhaftigkeit der Kritik, die ein Teil der englischen und der französischen Presse der Botschaft Wilsons zu- wandt«, hat«eillard überrascht. Er schreibt dazu: „Enzyklika",.Moralpredigt",«Utopie", „MenschheitStraum"..Reite ins Blaue", daS find die ironischen Schmuckworte, die Wilson von gewissen Reallsten und Posilivisten in den Redaktionsstuben an den Kopf geworfen werden. Man könnt« glauben, die DankeeS feien eine Schar von Träumern, die in den Wolken leben, da sie nichts Ge> scheiteuS zn tun wußten, als mit einer bedeutend gewachsenen Mehrheit diesen„Ideologen" an der Spitz« der Republik zu halten. In der Stunde, in der ich diese« schreibe, kenne ich noch nicht die Kommentare von jenseits de« Rheins. Aber man kann darauf wetten, daß vor allem die alldeutschen B l ä t t e r in derselben ironischen Tonart überfließen werden. Diese Wette hat Beillard gewonnenl Konferenz auf Konferenz! Rom— London— Petersburg. Die Entente knüpft eine Konferenz an die andere. Der Konferenz in Rom, die eng mit der Orientattion zusammen- hing, ist eine Marinekonferenz in London gefolgt, die, wie von London aus verbreitet wird, ebendasselbe Thema der- handelte. Nur England, Frankreich und Italien nahmen daran teil. Es war also eine Sonderkonferenz, die nicht alle Ententeländer— auch nickt die feestarken— gleichmäßig berührte, was dafür zeugen könnte, daß das verabredete Unter- nehmen nur einen besonderen Seekriegschauplatz, nicht den Krieg auf allen Meeren, betrifft. Ueber die Konferenz und ihre Teilnehmer liegt heute folgender telegraphische Bericht vor: London, 2V. Januar. An der maritimen Konferenz, die in der Admiralität abgehalten wurde, um die F l o t t e n p o l i t il der Alli>e»ten im Mittelmeer zu erörtern, haben folgende Delegierte teilgenommen: für England Sir Edward Earson, Admiral Jellicoe, Commodore Haliey, der Vizeadmiral Sir Henry Oliver; für Frankreich Marineminister Lacazel. Chef deS AdmiralstabeS de Bon, KoNtreadmirol Fatou, Morineattochö de Lestende; für Italien Marineminister Corst, Konteradmiral Marzolo, Marineattacks Villaray. Außerdem waren der iranzösifche Munitionsminister General DallDlio, der französische SchiffahrtSdirettor de Joly und der italienische Unter- staalSsekretär für Transportwefen Ancona anwesend. Die Konferenz wurde durch eine Ansprache des englischen Premierministers er- öffnet, der den Delegierten die englischen Vorschläge für ein engeres und tv irksameres Zusammenarbeiten der allierten Flotten im Mittclmeer darlegte. Die Konferenz in Rom stieß den Sehnsuchtsschrei nach der Einheitsaktion aus, der durch den ganzen Weltkrieg hintönt, ohne doß er bisher die rechte Befriedigung finden konnte. Die Londoner Konferenz schließt sich also auch in dieser Be- ziehung an das in Rom Besprochene und Geplante an. Der Konferenzort dürste bestätigen, was ohnedies anzunehmen ist: daß die Leitung der gemeinsamen Seeaktion England über- tragen ist. Mit anderen Worten: Frankreich und Italien liefern ihre Kriegsflotten an England zu freier Verwendung im Mittelmeer aus. Man wird nun auch zur See versuchen, die erdrückende Masse gegen den Feind wirken zu lassen. Natürlich hat auch das sis-Boot-Thema auf der Seekonferrnz eine Rolle gespielt. Tie„Frankfurter Zeitung" meldet: Basel, 30. Januar. Die italienischen Admirale Co r s i und Marzobo find aus London in Paris eingetroffen. Sie hatten in London der Marinekonferenz beigewohnt. Corst gab seiner leb- haften Genugtuung über die Ergebnisse dieser Konferenz Ausdruck. Die Aktion zur See werde seitens der Alliierten nunmehr bedeutend intensiver betrieben werden. Die Maß- nahmen, die geeignet seien, die Handelsboote gegen die Tauchboote zu schützen, seien in voller Uebereinstimmung gefaßt worden. Der Admiral sagte noch, die Flotten Englands, Frankreichs und Italiens erwarten mit Vertrauen das entscheidende Zusammentreffen mit dem Feind. . Erwarten sie wirklich eine so blitzschnelle pünktliche Wirkung von ihrem zunächst doch nur am grünen Tisch vereinbarten nagelneuen Uebereinkommen? Man könnte eher die Ber- mutung daran knüpfen, daß sie mit den Vorbereituugen noch nicht so weit- fertig find, um ihre höchsten Wünsche befriedigt zu fühlen. Und an die zweite Konferenz wird sich nun noch eine dritte schließen. Wie die erste in die Hauptstadt desjenigen Landes verlegt wurde, in dem Sonderwünsche sich bedrohlich aufge- wagt zu haben schienen, so wird jetzt die dritte in der Haupt- stadt deS wohl am furchtbarsten in den Grundfesten erschütter- ten Bundesstaates der Entente abgehalten: in Petersburg. DaS trifft schließlich nicht zujällig zusammen. Folgende Tele- gramme betreffen diese dritte Konferenz, die ähnlich wie die römische in Eile zusammentritt: Petersburg, 29. Januar. Di« Petersburger Telegraphen, Agentur meldet: Demnächst wird hier eine Konfere«, der Alliierten pattslnden. Die Regirrungen werden durch ihre Bot- schaftcr und durch besondere Abgesandte vrrtretea sein. Diese Kon- fereuz ist bestimmt, die bisher in den anderen Hauptstädten ab- gehaltenen fortzusetze» mit dem Zwecke, durch Nebrreiniommrn die kräftigsten Mittel zur Fortsetzung des Kriege» f e st z u st e l l r n und die A u S n ü tz« n g aller für die Alliierten verfügbare«.Hilfsmittel aufs wirksamste zu regeln. Amsterdam» 30. Januar. Wie der Petersburger Korrespon- beut des„Daily Ehrouiclr" zu melden weiß, werde die Konferenz dcnselbco Charakter tragen wie diejenigen, die bereits in Laudon, Pari» und Rom stattgefunden habe«. Ter Zweck der Besprechungen laufe darauf hinaus, die Bande zwischen drnAlliierteunach fester zu knüpfen und weitere Schritte zu erörtern, die natwendig seien, um deu endgültigen Sieg zu sichern. Bern, 30. Januar.„Carrierr drlla Sera" schreibt zur Peters- burger Kauserenz, daß dort die Beratungen der Konferenz in Rom zum Abschluß gebracht werde» sollen. Durch die direkte Verbindung mit Rußland werde man die o rg a ni sch e Ei n h rit der auf politischem Gebiet so schwer herzustellenden und für die Erreichung deS Endsieges doch s» wesentlichen Allianz verwirklichen. Auch diese Nachrichten haben nicht den Unterton deS sicheren Fertigseins in den großen Vorbereitungen auf die verbündeten entscheidenden Ententetaten des Jahres 1917. „Alle verfügbaren Hilfsmittel aufs wirksamste regeln", die„die Bande noch fester knüpfen", die organische Einheit der für den Endsieg so wesentlichen Allianz, die auf politischem Gebiet so schwer herzustellen ist"— was steckt hinter diesen Worten, die man nicht brauchen wird, wenn man sich seiner Sache bis zum Schlußpuntt sicher fühlt? Und die Sache brennt offenbar auf den Nägeln: die Teilnehmer der Konferenz sammeln sich schon an der Newa: Petersburg, 29. Januar.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Zur Teilnahme an der hier stattfindenden Kon- ierenz der Alliierten find eingetroffen von feiten Frankreichs Doumergue. Minister sür die Kolonien, und General de Castelnau; von feiten Englands Lord Milner, Minister ohne Portefeuille, Lord Revelstoke, bevollmächtigter Minister, und General Slr Wilson; von feiten Italiens Mmister Scialoja und General Graf Reggeri Laderchi. Dieses Aufgebot von Kräften ist erlesen genug. Doumergue! Castelnau! Vor ein paar Tagen hieß es sogar. Lloyd George selber werde nach Petersburg reifen. Das war nttr eine Ente. Dafür aber wurde ein anderer Minister, der dem engeren Kriegsrat des englischen Kabinetts angehört, Lord Milner, ausgeschickt und mit ihm der General Hughes Mlson, der vor dem Krieg vier Jahre lang die Kriegs- abteikmlg im britische» Generalstabe leitete, und dann der Lord Revelstoke, der zwar nicht Minister, aber Direktor der Bank von England ist und der bei einer Rußlandfahrt sür die„wirksamste Regelung der Ausnützung aller sür die Entente verfügbaren Hilfsmittel" von besonderer Bedeutung sein dürfte. Schon einmal fand in Petersburg eine mit dem Welt- krieg aufs engste zusammenhängende große Konferenz von Sendlingen der Entente statt, unmittelbar vor Kriegsausbruch: jener berüchtigte Besuch Poincares und Vivianis beim Zaren. Das Oberhaupt der französischen Republik und sein Minister- Präsident gerieten damals in eine Stadt, in der die Mafien revolutionär erregt die Straßen füllten. Der Zarismus fühlte sich dicht vor der Revolution und hieß den Krieg als Retter und Befreier semer Macht willkommen. Jetzt ist er nicht weniger weit wie damals. Die Erinnerung an 1905 wurde in der Duma unter Stürmen aufgefrischt. Es scheint sehr möglich. daß die heutigen Sendboten'der Entente in der Zarenhauptstadt ähnliches erleben wie im Juli 1914 die beiden französischen Staatslenker, und vielleicht ist es diesmal schwerer als damals, das wahre Gesicht Rußlands den Augen der Verbündeten zu entziehen. Aber derartige Bemühungen wird man sich heute sparen können. Seine Bundesgenossen wissen, wie es um Rußland bestellt ist. Es ist nicht bloß eine Bosheit, zu sagen: Deshalb konferieren sie ja in Petersburg. Nach Lage der russischen Dinge scheint es logisch, über diese Konferenz auch mit der Frage nachzudenken, inwiefern sie als Rettungsaktion der Sache der Entente in Betracht kommen könnte. der polnische Staatsrat an Wilson. Warschau, 30. Januar. Der provisorische Staatsrat hat in seiner letzten Sitzung aus Anlaß der Friedensnote Wilsons folgendes Telegramm an Wilson gesandt: „Der provisorische Staatsrat des Königreichs Polen, der ans Grund des Aktes vom 5. November 1916, mit dem die Monarchen Deutschlands und Oester reich-Ungarns feierlich die Erstehung des polnischen Staates verkündet haben,'berufen worden ist, hat Ihre Note, verehrter Herr Präsident, mit Freuds zur Kenntnis genom- men. Es ist in diesem Kriege das erste Mal, doß das Haupt eines mächtigen neutralen Staates und gleichzeitig der oberste Vertreter einer großen Nation amilich erklärt hat, daß nach seiner Ueber- zeugung die Unabhängigkeit des polnischen Staates die einzige ge- rechte Lösung der polnischen Frage und die unumgängliche Beding- ung eine« dauernden und gerechten Friedens sei. Für dieses kluge und edle Verständnis der Rechte de? polnischen Volkes bringt Ihnen, verehrter Herr Präsident, der provisorische Staatsrat als erster An- fang der Regierung des erstehenden Staate«, im eigenen Namen. und im Namen der polnischen Ration seine tiefste Dankbarkeit und Huldigung zum Ausdruck die demütigung üer griechischen /lrmee. Athen, 29. Januar.(Reutermeldung.) Die Zeremonie deS Saluts für die Fahnen der Alliierten vollzog sich um Vz4 Uhr nachmittags im Zappeion nach dem vorher fcstgefetzten Programm in Gegenwart der Gesandten der Alliierten, des griechischen Kabinetts und des Kommandanten des ersten griechischen Korps. ES.kamen keine Zwischenfälle vor. Der Zugang zum Zappeion war verboten. der Prozeß gegen Manuilow. Kopenhagen, 30. Januar.(Köln. Ztg.) Einer Meldung auS Petersburg zufolge wird der Prozeß gegen den Günst- ling Stürmers, Manuilow, dessen plötzliche Einstellung vor einigen Wochen' großes Aufsehen erregt hat, nun wieder aufgenommen werden. Rodzianko überreichte am 24. Januar Miljukows Anklageschrift in dem Prozeß, den Stürmer gegen Miljukow wegen dessen vielbesprochener Rede in der RetchSduma einleitete. Der Krieg aus öen Meere«. Auf Nordseewege» versenkt und gesunken. Kopenhagen, 29. Januar. Gegenüber einer LoydSmeldmig, daß der dänische Dampfer„O. B. Suhr"(1909 Tonnen) von einem deutschen Unterseeboot versenlt worden sei, erklärt„Nationalttdende": Es besteht kein Grund zur Lnnahnte, daß der Dampfer versenlt wordeil ist. Vielmehr ist es wahrscheinlich, daß der Dampfer in» folge Auf st oßenS auf eine Mine gesunken i st. Das Schiff befand sich mit Stückgülern auf der Reise von Eng- land nach Dänemark, es bestand daher sür das Unterseeboot kenr Grund, da« Schiff zu versenken. Außerdem erfolgte der Untergang des Tampiels in der Nordsee, angeblich unweit von Newcastle. Auch das macht eS wahrscheinlich, daß der Dampfer auf eine Mine gestoßen ist. Die Besatzung wurde von dem dänischen Dampfer „Jacobsen" gerettet, der sich auf dem Wege nach Kopenhagen befindet. Mit dem dänischen Dampfer„Expreß" traf gestern hier die aus 13 Mann bestehende Besatzung deS norwegischen Dampfers„Dem" ein, der, wie der Kapitän berichtet, am Freitagmorgen im Skagerrak. mit einer Holzladung auf der Reise von Norwegen nach England. von einem deutschen Unterseeboot versenkt worden war. Da stürmisches Wetter herrschte, war daS Unterseeboot bei den Booten geblieben, in denen sich die Besatzung befand. Ein Dampfer. der sich näherte, war von dem Unterseeboot zum Anhalten aus- gefordert worden, hatte aber plötzlich seine Richtung geändert und war vor dem Unterseeboot geflüibtet. Gegen Mittag war die Besatzung von dem dänischen Schoner„Fügten" aus- genommen worden, der sie einige Stunden später an den Dampfer „Expreß" abgegeben hatte. Bei Skagen war der Dampfer ins Eis geraten und hatte dort zwanzig Stunden festgesessen. Ferner trafen gestern hier mit dem dänischen Dampfer„La Cour" die Besatzungen der dänischen Dampfer„Omsk" und „Norma" ein, die am 19. d. MtS. von einem Unterseeboot versenkt worden waren, sowie von dem dänischen Dampfer„Dagmar", der am 18. Kanuar an der englischen Küste auf eine Miue gestoßen und untergegangen war. *" Marstal. 29. Januar. Die Kopenhagener Schonerbrigg „Bega", die mit einer Ladung Pech von England nach Frankreich unterwegs war, ist am 24. Januar von einem deutschen Unterseeboot versenkt worden. Die Mannschaft ist in Morbihan in Frankreich eingetroffen.. Neue Minenzone in der Nordsee. Stockhol«, 39. Januar. Auch daS schwedische Ministerium des Aeußern erhielt die a m t l i ch e englische Mitteilung über die Auslegung eines Minenfeldes in der Nordsee. Die Blätter weisen darauf hin, daß die gewöhnliche Route de» Seeverkehr« von Schweden und Dänemark nach England außer dem Atlantischen Ozean von den Minen unberührt bleibt, die ausschließlich zu Ls,w«ck«n scheinen, da? Auslaufen»er deulsche« Seestreitlrift« zu verhindern. Nach einem Telegramm ans Kopenhagen an die Exchange Tele« gram Co. erfährt die in Kristiania erscheinend« Zeitung»Dag- bladet", daß die neuen Moferegeln für den Handel von Skandinavien nach Rotterdam, der dadurch äußerst erschwert wird, von größter Bedeutung sein werden. die Kristiania, 30. Januar. Nach einer Meldung von„ZofartS- iiHntt" anS Bergen hat der in Bergen beheimatete Dampfer„Hall» b i c e r g" Rem Iori mit einer Ladung Stückgut nach Bordeaux der« laste«. Seitdem wurde nichts»ehr von ihm gehört. Nunmehr meldet der Kapitän aus Bamdrup» daß der Dampfer am 4. Dezember bei 26 Grad westlicher Liuge versenkt uud die Mannschaft gerettet worden sei. Das Blatt meint, eS sei nicht unwahrscheinlich, baß der Dampfer während der letzte» deutscheu Kreuzerfahrt im Atlantische» Ozean versenkt worden sei und daß es d« Mannschaft dieses»orwegischru LchisteS sei, die zusammen mit andere« Seeleuten auf dem von den Deutschen gekaperte» Dampfer „ I a r r o w d a l e" am 31. Dezember in Swinemünde eintraf. Englisch-französischer postraub. Seit Dezember 1913 wendet England den Postraub als Kampf« mittel gegen den deutschen Handel planmäßig an. Lorher richtete sich da? Borgehen der englischen und französischen Seebehörden in erster Linie nur gegen den überseeischen Paketverkehr. Vom Dezem» der 1913 bis September ISIS sind, wie schon früher bekanntgegeben wurde, im Verkehr a u S Deutschland 24 200 Briefposten, im Verlehr nach Deutschland 16 820 Briefposten beschlagnahmt worden. insgesamt also 41 020 Briefposten. Seit Anfang September 1916 sind, soweit bis jetzt bekannt geworden ist, von den britischen oder französischen Seebehörden an Briefposteu sBriefsäcken) des deutsch- überseeischen PostverkehrS auf neutralen Dampfern beschlagnahmt worden: im Verkehr au« Deutschland 6388, im Verkehr nach Teutschland 3611 Briefposten, zusammen 11 999 Briefposten. Ins» gesamt also haben Engländer und Franzosen seit Dezember 1913 auf neutralen Schiffen 80 388 Briefsäcke, von Teutschland nach neutralen Ländern bestimmt, und 22 431 Briefsäcke, von neutralen Ländern nach Deutschland bestimmt, zusammen 33 019 deutsche Vriefpofte« geraubt._ die kämpfe an üer Tigrisfront. Konstantin opel, L9. Januar. Amtlicher Bericht. An der Tigrisfroiit wurde ein feindlicher An» griff am 27. Januar von Anfang an in Schach ge- l? a l t e n: in der Nacht zum 28. blieb ein feindlicher Feuer- Überfall wirkungslos. An den Dardanellen hat der Fliegcrleutnant Meinecke am 27. Januar in einem Gefecht gegen 0 feindliche Flugzeuge einen Zweidecker des Gegners zur Landung gezwungen: dies Flugzeug wurde erbeutet. An den anderen Fronten kein Vorgang voil Bedeutung. Der Stellvertretende Oberbefehlshaber. Englischer Heeresbericht aus Mesopotamien vom 29. Januar. Infolge weiterer Fortschritte in der Nacht vom 27. zum 28. und am 28. sind wir jetzt im vollen Besitz der türkischen ersten und zweiten Linie südlich von Kut el Amara auf dem i echte» Tigrisuser auf einer Front von 4300 DardS. Auch die dritte und Vieri« feindliche Linie halten wie auf einer Front von 600 AardS besetzt. SSO gefallene Türken wurden aufgelesen und weiter« liegen auf dem Schlachtfeld«, deren Zahl erst festgestellt werden mutz. Die Zahl der Gefangenen ist auf 127 gestiegen. die englische Arbeiterpartei gegen üie farbigen Arbeiter. Gegen de« Wirtschaftskrieg»ach dem Kriege. London, 27. Januar. Die Konferenz der Arbeiterpartei in Manchester nahm einstimmig eine Resolution gegen die Einstellung von farbigen Arbeitern in Eng- la n d an. Ferner wurde eine von S n o w d e n beantragte Resolution angenommen, worin sich die Konferenz der Er- klärung der französischen Sozialisten gegen einen Wirtschafts- krieg nach dem Kriege anschließt und ini Gegensatz zu den Beschlüssen der Pariser Wirtschaftskonferenz allgemein freie Handelspolitik verlangt. Purdy wurde zum Vorsitzenden der Arbeiterpartei ge- wählt, Artur Henderson zum Sekretär und R a m s a y Maedonald zum Schatzmeister. Meine Kriegsnachrichtea. Fortschritte der Juteruationalität. Trotz de» Kriege«, der die wirtschaftlich?» Beziehungen der Aelt erichiittert und zerrissen hat. gibt e« Zeichen, die ein engere« einheitliches Zusammenrücken de« wirtschaftlichen Kulturlebens bedeuten. Jahrhundertelang durchgesetzter Widerstand wird aufgegeben. So nisldet jetzt die Agentur Milli, daß die türkische Kammer auf Lorschlag der oSmamschen Regierung der Einführung des G r e- garianischen Kalenders zugestimmt hat, und nach einer Mitteilung der Petersburger Telegrapbenagentur ist in Ruß« l a n d am 14. Januar da« neue Gesetz über die Organisation der Maß» und GewichlSkontiolle in Kraft getreten, was einen neuen wchrilt zur organrsaloriichen Einführung des metrischen S y st e m S in Rußland bedeutet. Der VcrkehrSminister hat dieses System bereits in den meisten ihn, unterstellten Instituten eingeführt. » Lord Cromrr, der dreißig Jahre lang die englische Verwaltung in Aegypten leitete und die Umwandlung des Nillandcs in eine dem englischen Kapital ausgelieferte Provinz erfolgreich besorgte, sit 76 Jahre alt in London gestorben. Er stammte aus der Londoner Lankrerfamilie Naring, war eine Hauptsäule des englischen Jmpe- rialiSmus und des Kriegswillens gegen Deutschland. Die Entugtionalifiernng von Ausländern..Daily Mail" schreibt noch über die Enlnationalisierung von Ausländern, daß man sich dabei nicht auf naturalisierte Deutsche und Oesterreicher beschränken wolle, sondern daß man auch die Niederländer. Belgier und Skandinavier der brsttschen Nationalität entkleiden wolle. Schwieriger würde et mit denjenigen Personen ausländischer Ab- i-ammung sein, die durch Geburt in England oder auf einem eng- lischen Schiff britische Untertanen seien. politische Uebersicht. Erweiterung und Erweiterung. Auf der Generalversammlung des konservativen Landesvereins für Sachsen hielt Graf Westarp das Referat und stellte in diesem nach dem Bericht der„Deutschen Tageszeitung" folgende KriegSziele auf:„Im Osten Er- Weiterung der landwirtschaftlichen Basis mit Siedlungs- Möglichkeit, im Westen gleichfalls Erweiterung der Grenzen und Sicherung gegen unsere dortigen Feinde; be- sonders müßten wir auch die Hand auf die flandrische Küste legen." Nur auf einem Gebiet wünscht Graf Westarp keine Erweiterung: das ist das preußische Wahlrecht. Immerhin wird der Umstand, daß er die preußische Wahl- rechtsfrage vor den sächsischen Konservativen erörterte. dahin ausgelegt werden muffen, daß auch die Konservativen die Wahlrechtsfrage nicht mehr als eine rein preußische Angelegenheit ansehen, sondern als ein auch die übrigen Bundesstaaten berührendes Problem, dessen Lösung daher auch auf den: Reichswege denkbar ist. Der zweite Referent, Landrat a. D. R ö t g e r, bezeich- nete die„Haltung der Reichsleitung gegenüber der Sozial« demokratie" als eine„ungeheure Gefahr" und pro- pagiert im übrigen den Kampf gegen die Sozialdemokratie nach dem Kriege in althergebrachter Weise. Die bei solchen Gelegenheiten unumgängliche Anrempelung Scheidemanns hatte schon vor ihm Graf Westarp besorgt. Eine Debatte fand nicht statt, ebensowenig wurden nach außen hin interessierende Beschlüsse gefaßt._ t Hilfsdienstpflichtiger Grostgrundbefitz. „Hilfsdienst. Lehngut in Westpreutzen, zirka 900 Morgen usw., bei 123 000 M. Anzahlung zu verkaufen." So lautet«in Inserat in der.Deutsche» Tageszeitung" Rr. 30 vom 28. Januar. Welch herrliche Gelegenheit für reichgewordene KriegSiieferante«, ihren bisherigen Verdiensten um« Vaterland noch einige weitere hinzu« zufügen! Denn da« Inserat besagt doch nichts anderes als: Werde Gutsbesitzer, dann kannst du dich der in der Stadt drohenden HilfS- dienstpflicht entziehen! Mit dem Besitz, nicht mit der Arbeit ist die Mehrung der landwirtschaftlichen Produktion verbunden. Auf jeden Fall wird der Betreffende auch noch glücklicher Selbstversorger und den Nöten der Rationierung enthoben. O, welche Lust,.hilfs- dienstpflichtiger" Gutsbesitzer zu sein! Keine Aufhebung der Einfnhrzentralisteruug. Die BmrdeSratSverodmung vom 16. Januar 1917, welche die Einruhr aller Waren über die Grenze des Deutschen Reiches nur mit Bewilligung des Reichskommisscrrs für Aus- und Einsuhrbewilligung gestattet, darf, wie mitgeteilt wird, nicht so ausgelegt werden, dag die verschiedenen BundeSraisverordnungen. welche die Einfubr zen- trolisierter Waren betreffen, aufgehoben sind, daß die freie Einsuhr solcher Waren nunmehr wieder oem freien Handel offen steht und daß es nur im Einzelfalle der Einfuhrbetvilligung des Reich!- »ommiffars bedürfe. Die Einfuhr von zentralisierten Waren(z. B. Zucker, Kakao, Schokolade, Dauermilch, Butter, Käse, Eier, Bich, Fleisch und Fleischwarcn, Schmalz, Lele, Fette. Margarine, frische und zubereitete Fische) ist nach wie vor den in der betreffenden Ver- Ordnung bezeichneten Stellen zu melden und die eingeführten Mengen cm diese Stellen abjulieiern. Eingaben an den Reichs- kommigar für Aus- und Einsuhrbewilligungen betreffend die Er- laubnis zur freien Einfuhr zentralisierter Waren sind daher zwecklos. Tie ReichStagserfatzwahl in Spandau-Osthavelland. Der Termin der ReichStagSerfatzwahl im Wahlkreise Spandau-PotSdam-Osthavelland für Liebknecht ist. wie das.Verl. Tagrbl." erfährt, auf Dienstag, den 13. März d. I. fest- gesetzt worden. In einer kürzlich im Lbgeordnetenhause abgehaltenen VertrauenSmännerversommlung der konservativen Partei des Wahl- kreiseS sei dieser Termin bereits als feststehend bezeichnet worden. Wessen das deutsch« Volk bedarf. DaZ Verdienst, endlich herausgefunden zu habe«, wo» dem deutschen Volk in diesem Krieg« nottut. gebührt dem.Verband gegen Ueberhebung deS Judentums E. L". Wie aus einem Brief des Borfitzenden diese» Verbandes, Müller von Zeusen, den baS ,B. T." im Wortlaut veröffentlicht, hervorgeht, plant der Verband die Errichtung von völkisch einwandfreien Gasthäusern. ES heißt in dem Schreiben: Bersckiedens völkische verbände haben eine Gesellschaft mit beschränkter Haftpflichr mit einem Kapital von zunächst 10 000 M. begründet, um in den großen Städten DeutstblandS ein oder mehrere Gasthäuser zu errichten. Deutsche Familien müssen jetzt auf Reisen mit Gasthöfen oder christlichen Hospizen vorlieb nebmen, in denen sie, abgesehen von störenden Einrichtungen, mit Leute« zusammenkommen, deren Nähe ihnen unangenehm sein muß. Unsere Gasthäuser sollen nur deutsch geborene gute Familien aufnehmen, die dort preiswürdige Unterkunft und ein behagliches Heim finden. Daö erste Gasthaus mit sechzig Betten wird bereits in einigen Wochen in Berlin eröffnet werden. Wir wollen damit oucb einen Weinvertrieb verbinden. und mit einem leistungsfähigen Weinhause in Verbindung treten, da« seine Weine in Kommission gibt. Vermutlich werden die Mitglieder de« Verbandes i» den Gast- Häusern die Portierstelle» übernehmen und mit scharfem Auge darüber wachen, daß keine Person verdächtigen Aussehen« in die geheiligte Srätt« eindringt. Man könnt« e« den Herren auch nicht übelnehmen, wenn sie diese Stellungen den Schützengräben vor- ziehen, denn dort würden sie ja unweigerlich.mit Leuten zusammen- kommen, deren Nähe ihnen unangenehm sein muß". Und wer kann das verlangen!_ NeumaunS Toteuklage. Wie Meister Anton am Schlüsse von Hebbel« Maria Magda- leno, so steht die Unternehm.erstütze Fritz Stephan Reu- mann ratlos in der politischen Atmosphäre des Weltkrieges und stöhnt mit jenem:„Ich verstehe die Welt nicht mehr." Früher, vor dem Kriege, war alles ganz einfach: Man schimpfte aus die Sozial- demokratie, schalt sie vaterlandslos, sagte ihr das Schlimmste nach und war auf diese Weise ein geachteter Mann, dem Anerkennung und Ehrung reichlich zuteil wurde. Jetzt find traurige Zeiten. Man mag in noch so hohen Tönen die antinationale Sozialdemo- kratie verfluchen, es findet sich kein Echo mehr, dieweil die mit Blindheit geschlagene Menschheit nicht einsehen will, wieso eine Partei antinational ist. deren Mitglieder zu Hunderttausende» das Vaterland mit ihrem Blut verteidigen.— Und nun gar erst die gelben Gewerkverein el Vor dem Krieg, da wurden die paar Ueberläufer der Arbeiterklasse mit Zuckerwerk gepäppelt. Jetzt leuchtet ihnen keine Sonne mehr, selbst in RegierungSkrersen nimmt man sie als das. waS sie sind, und erklärt, sie in Ausschüssen nicht brauchen zu können, die eine Vertretung der Arbeiter- s ch a f t und nicht der Unternehmer darstellen sollen. Fritz Stephan Neumann versteht die Welt nicht mehr! Er stimmt die Trauer» Harfe und hebt in seiner Korrespondenz einen Schwanengesang an über das„Märtyrertum der nationalen Arbeiter". Ganz recht, Herr Neumann, die draußen in den Schützengräben liegen und ihr Blut für» Baterland verspritzen, doS sind nach Ihrer Auf- faffung wohl die antinationalen Ardeiterl— Aber Fritz Stephan Neumann lebt noch ganz und gar im Scharsmacherbegriffvhimmel von Anno dazumal, er arbeitet wacker mit den Schlogworten von national und antinationol, er hat u. a. die Stirn, den„Streik- gewerkschaften". die dem Staat« eben jetzt bei der Durchführung des Hilfsdienstgesetzes eine unentbehrliche Stütze find, vorzuwerfen, daß sie»den Haß gegen den Staat predigen", Man kann'S ihm im Grand« nicht übelnehmen: ES war die« fem Beruf vor dem Kriege, und er hat keinen anderen gelernt... Bundesrat. In der gestrigen BundeSratSfitzung gelangten zur Annahme der Entwurf einer Bekanntmachung über die Vornahme kleinerViehzählungen. der Entwurf einer Bekanntmachung betreffend Bestimmungen zur Ausführung des Gesetzes über den Vaterländischen Hilfsdienst und der Entwurf einer Bc- kanntmachung über die weitere Bearbeitung der Volkszählung vom 1. Dezember 1916. Di« eingeschränkt« KSndlcrtaguttg. Die General-Ber- sammlung des Bundes der Landwirte findet in diesem Jahre am MittwoS, den 21. Februar, in Berlin statt. Tagung?- lokal ist nicht, wie gewöhnlich der ZirkuS Busch, sonder« der große Saal der Philharmonie. Wie der Borstond mitteilt, ist mit Stück» ficht auf die allgemeinen VerkehrSverhältnisse und die BerpflegungS- schwierigkeiten in Berlin die Teilnehmerzahl nur beschränkt. Domen dürfen an der General-Versammlung nicht teilnehmen.— ES ist eigentlich bedauerlich, daß infolgedessen nur eine kleine Anzahl Laud- Wirte die Berliner ErnährungSverhällnisse am eigenen Leibe kernten lernt, und, wie wir sürchten, auch diese nur unvollkommen. Lette Nackrichten. Mißbrauch feindlicher Lazarettschiffe. Deutsche Gegenmaßnahmen. Berlin, 31. Januar. Am 29. d. M. wurde der amerikanischen und der spanischen Botschaft zur Uebermittelung an die britische und die franzosische Regierung eine Denkschrift der deutschen Regierung über den Mißbrauch feindlicher Lazarettschiffe übergeben, in der es heißt: „Seit geraumer Zeit habe» die feindlichen Regierimge», ins- besondere die britische, ihre Lazarettschiffe nicht nur zu Zwecken der Hilfeleistung für Verwundete, Kranke und Schiffbrüchige, sondern auch zu militärischen Zwecken benutzt und dadurch das Haager Ab- kommen über die Anwendung der Genfer Konvention ans den See- krieg verletzt." Diese Behauptung wird im weiteren eingehend bewiesen. U. a. heißt eS: „Englische Soldaten haben eure solche Benutzung der Lazarett schiffe offen zugegeben. Ein französischer Sergeant hat eine» beut- schen Gefangenen erzählt, rr habe genau beobachtet, wie Munition nachtS in vielen Autos im Hafen von Marseille in da« Lazarettschiff„La France" hereinzeschlepvt worden sei. Englisch« Matrosen haben nach der eidesstattlichen Erklärung eines glaubwürdige« Neu tralen erzählt, daß von englischer Seite die Mnnitionsübersührung nach Frankreich vielfach mit Lazarettschiffe« besorgt würde. End- lich liegen eidliche Aussagen von Augenzeugen vor, die zugegen waren, wie Blunitton an Bord von Hospitalschisfr» übergeladen wurde." Diese Berichte bilden nur einen Teil de? vorliegende» Materials. Die Note kommt zu dem Schluß: „Die Deutsche Regierung wäre dem Berttagsbruch der Feinde gegenüber berechtigt, sich anch ihrerseits von dem Abkommen in feinem vollen Umfange loszusagen; doch will sie davon aus Gründen der Menschlichkeit noch Abstand nehmen. Anderseits kann sie nicht länger zulassen, daß die Britische Regierung ihre Truppen- und Munitionstransporte nach dem HauptkriegSgrbirt unter dem heuchlerische» Teckmantel deS Rote» Kreuzes ungefährdet beför- dert; sie erklärt daher, daß sie von nun au kein feindliches Lazarett- schiff in dem Seegebiet dulden wird, das zwischen den Linien Flamborough Head und Terschelling einerseits, Ouessant und Landsend andererseits liegt. Sollten in diesem Sregebiet«ach einer angemessenen Frist noch feindliche Lazarettschiffe angettof- fen werden, so würden sie als kriegführende angesehen uud ohne weiteres angegriffen werden. Die Deutsche Regierung glaubt z« dieser Maßnahme um so eher schreiten zu tönueu, als den feind- lichen Lazarettschiffen der Weg vom westlichen und südlichen Frankreich nach dem Westen England« frei bleibt und daher der Transport verwundeter Engländer in ihre Heimat nach wie vor ungehindert erkolgen kann." Die Richtigkeit der in der Denkfchirft angeführten Tatsachen wird durch eine große Zahl beigefügter Bericht« und Zeugenaussogen erwiesen._ ZwaugSentladung von Massengüter«. Folgende Bekanntmachung geht unS zu: Auf Grund des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1831 bestimme ich hiermit: Auf folgenden Bahnhöfen(einschließlich der Areilade- und Anschlußgleise) Jüterbog, Luckenwalde, Trebbin(Kr. Teltow), Alte« Lager, Wünsdorf(Kr. Teltow). Tobrilugk-Kirchhain, Finstevwalde, Coi!- buS. Forst, Teuplitz, Halbe. Lübben, Lübbenau, Vetschau, Sprern- berg, Weißwasser. Peiß. Senftenbcrg, BeeSkow tritt für den Empfänger von Massengütern, vornehmlich Kohlen» Briketts, Kots, Baumaicrialien aller Art, Eisen aller Art. mSbesoicdere Eisenknüppel und Granatenrohlinge, bei U eberschrei- tung der eisenbahnseitig festgesetzten Entladefrist sofort die Zwangs- entladung und ZwangSzuführung ohne weiter« Androhung ein. Ties« Verordnung tritt am 1. Februar 1917 in Kraft. Der Oberbefehlshaber. gez. v. Kessel, Generaloberst. Um Höhe 304. verlin. 30. Januar. Auch am gestrigen Tage erneuerte« die Franzosen vergeblich ihre Wirdereroberungsversuche der verlaren- gegangene» Gräben auf Höhe 304, die de» Talkessel von ESneS und die dort befindliche« wichtigen ZugangSstratze» beherrscht. Räch leb- baffer Feuertäfigkeit während drs Tage« wurde» um 3 Uhr die Bor bereitungcn z« einem französischen Angriff erkannt. HrftigeS deatsches Artilleriefeuer hielt den Angriff nieder. Um 7 Uhr unternah««» die Franzosen einen Borstoß, der überlege» und leicht zurtck- gewiesen wnrde. Ei» 7 Uhr 43 Minuten erneut vorgetrageuer Angriff erlitt dasselbe Schicksal. Die Nacht verlies ruhig. An der russischen Front beeinträchtigt empfiudliche Külte. an einzelne» Abschnitten bis zu 20 Grad» die Kampstätigkrit. Auch in Rumänien herrscht neben heftigem Schneetteibe» seit ewige» Togen empfindliche Kälte._ Ter Pariser Kohlen Mangel. Bern, 30. Januar. Laut Lyoner BlätterlnelHuttgen siuo alle Kanäle in der Uingabung von Poris zugefroren. Der Schiffahrtsverkehr und hie Kohlenzufuhr auf der Seine sind eingestellt. Die Pariser Schmiede drohen wegen Kohlenmongols damit, ihre Werkstätten zu schließen._ Streiks in Frankreich. Bern, 20. Januar...Matin" meldet, daß i» Frantröich unter der Arbeiterschaft Streikbewegungen im Gange sind, in Montaudo/r sind die Hutmacher, in Nillan die Handschuhmacherinnen im Aus- stand, ebenso mußten die für Heereslieferungen beschäftigte:: Gummiwerkstätten in Bride schließen. Amerika uud die Bewaffnung der Handelsschiffe. London, 30. Januar. Reuter miedung. Die New Aor&r Zeitung.Evening Sun" meldet aus Washington, da» DtaatSdepartc- ment denke daran, neue Verordnungen für die Hafenoffiziere zu erlassen, durch die es. den Handelsschiffen der Krieg- führenden gestattet werden soll, wogen des Charakters der Kampfoperationen der deutschen U-Boote schwerere Geschütz«, und zwar sowohl am Border- al» am Hinterschiff zu führen. Gewerksihastliches. verlin und Umgegend. Aus dem Kricgsausschuh für die Metallbetriebe Grotz-Berlins. Der Werkzeugma-iicr P.. der als Scblosser einer Eisenbahn� werlstalt zugeiviesen ist, wüni'ckt seinen Abkehrschein, weil ihm der Lohn von 07 Pfennig inklusive oller Aulagen zu gering ist. Der Verlreter deS Betriebes erklärte, dost die Werkstatt auf Grund der Lohnorduung nickt mehr zahlen könne. Da P. ober bei einem Per« dienst von S7 Pfennig pro Stunde viel zu gering bezahlt wird, wird ihm ein Ablehrschem erteilt. Bon der Firma Gebr. S. erscheint der bis jetzt als HilfZ. arbeiter beichäitigte Zimmerer. F. und will einen Kriegsschein wegen zu wenig Lohn. Da F. als Zimmerer be chäfligt werden soll, steht ihm nach Ansicht des KriegSauSsckusies ein höherer Verdienst zu. und zwar 1.45 M. pro Stunde. Die Firma sagt zu, dies zu zahlen. Da F. aber auch erklärt, wegen Krankheit die Arbeit nicht leisten zu können, wird ihm aufgegeben, hierüber ein ärztliches Attest bei- Zubringen. Bom Flugzeugbetriev in G. verlangen eine Anzahl-Klempner Abkehrscheine, weil sie als in Berlin wohnhaft mit dem Verdienst, den sie in G. erhalten, nicht auskonureen können. Sie müssen auster- gewöhnlich viel Fahrgeld ausgeben, und wenn sie in G. wohnen. hätten sie zwei Hausholte zu führen, was no» teurer wird. ES wird verabredet, da bei der Firma in G. ein Tarifvertrag besteht, die Angelegenheit für den Gesamlbetrieb zu regeln, wobei dann die Lerhälmisie für alle, die unier den angeführten Schwierigkeiten arbeilen, berücksichtigt werden sollen. Drei Werkzeugdreher der Firma O. in Weihensee verlangten den Kriegsschein, weil ihre Forderung auf Erhöhung ihres Lohn« satzeS von 1,75 auf 2.25 M. abgelehnt worden ist. ES handelt sich in diesem Fall um überaus tüchtige Arbeiter, die in anderen Be» trieben«inen höheren Lohn jetzt schon beziehen. Die Firma erklärte sich bereit, den drei Arbeitern sofort eine Zulage von 10 Pf. pro Stunde zu geben, nach 14 Tagen weitere tll Pf. und nach 4 Wochen nochmals 5 Pf., so daß in 4 Wochen der Stundenlohn 2 M. beträgt. Sollte auf dieser Grundlage eine Verständigung im Betrieb nicht erfolgen, erhallen die Arbeiter den Kriegsschein. Der Revolverdreher N. der Firma E. u. G. in Treptow der- langt seinen Kriegsschein, weil sein bisheriger Verdienst durch V«r- sctzung an eine andere Maschine geringer geworden ist. ES wird vereinbart, dah N. für die Dauer einer Woche einen bestimmten Garantielohn von 1,80 M. pro Stunde erhält. Der Rundfchleifcr I. von der Firma Sch. in Wildau klagt über geringen Berdieust, der bei 54stiindiger Arbeitszeit nur 85 bis 87 M. Beträgt. Die Firma erklärt sich bereit, für die Zeit des An« lernens an der Maschine dem Arbeiter soviel Zuschlag zu be- zahlen, und zwar aus die Dauer von sechs Wochen, dah er für jede Stunde 1 M. verdient. Die Dreher und Schlosser der Finna A. in Reinickendorf haben den KriegSauSschuh nach§ 13 deS HilsSdienstgeietzeS als Schlichtungsstelle ongeruien. Die Arbeiter, die bisher einen Ber- dienst von 2 M. pro Stunde hatten, haben Forderungen gestellt auf Erhöhung ihres Verdienstes um 15 Proz. Die Firma hat jedoch nur 5 Pf. pro Stunde bewilligt. Da- mit waren die Arbeiter nicht einverstanden und haben deshalb den ÄriegSauSickust als Schlichtungsstelle angerufen. Nach eingehen- der Verhandlung und insbesondere nach erfolgter Feststellung, daß es sich in diesem Fall um auherordentlich tüchtige Arbeiter handelt. die auch in anderen Betrieben, wenn sie dort arbeiten würden, einen höheren Verdienst erzielen könnten, wird die strittige Frage zur er- neuten Verhandlung an den Betrieb zurückverwiesen. Insbesondere soll geprüst werden, ob. wie die Firma behauptet, die Akkordpreise so- gestellt find, daß die Arbeitet ohne weitere Zuschläge der Firma mehr verdienen können._____ Die Brauerei- und Mühlenarbeitrr birlien am Sonntag ihre Generalversammlung ab, in der H o d a p den Bericht vom Geschäfts« fahr 1S1K gab. Er besprach besonders die Bewegung für die Teuerungszulage. Eine neue Erhöhung der Teuerungszulage und zwar um wöchenilich 2,50 Mark Hai der Verein der Brauereien im Januar gewährt. Tie Erhöhung tritt mit der am 26. Ja- nuor beginnenden Lohnwoche in Kraft und wird zum ersten Male am 2. Februar ausgezahlt. Etwaige Exlrazulagen, die neben den generellen Zulagen hier oder da bestehen, werden eingerechnet. Exlrazulagen, die keine Teuerungszulagen sind, fallen aber nach der Meinung der VerBanfcsreistnrg nicht unter die einzurechnenden Exlrazulagen. In den Fällen, in denen der Versuch gemacht werden tollte, solche besonderen Zulagen, die austerhalb der Grenzen von Teuerungszulagen liegen, in Abzug zu bringen, haben sich die Kollegen unverzüglich on die Ortsverwaltung zu wenden.— Ferner hat der Verein der Brauereien die volle Teuerungszulage auch für Krankheitsfälle, soweit gemäst Z 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs der Lohn fortgezahlr wird, und für NrlaubSsälle zu- gestanden. Für die Frauen in Brauereien wurde die Teuerungs- zulage auf 4 M. erhöht. Durch Verhandlungen mit einem Vertreter der VereinSbrauereicn wurde festgestellt, dast das Abkommen über die Wiedereinstellung der Kriegsteilnehmer nach Kriegsende auch auf diefenigen Kollegen Anwendung finde, die eventuell auf Grund des Hilssdienstgesctzes auS den Brauereien herausgenommen werden; sie können auf spätere Wiedereinstellung rechnen. Wer aber frei- willig aus der Brauerei abgebe, um sich dem Zivildienst zu widmen, falle nicht unter daS Abkommen.— Mit Bestall auf- genommen wurde die Mitteilung, dah die GenofsenichafiSbrauerei Friedrichshagen für ihre gesamten Arbeiter auch für die in der Niederlage Stralau die Teuerungszulage insgesamt auf 20 Mark wöchentlich festgesetzt hat. Durch einen AuSschust ist der Versuch gemacht worden, den Kollegen in den Brauereien etwas mit Nahrungsmitteln nachzu- helfen. Die Erivbrungen waren nicht sehr ermutigend. Für die Mühlen war im Jahre 1S16 Hochkonjunktur, unter deren Ausnutzung eZ den M ii h l e n a r b e i t e rn gelang, eine Teuerungszulage' bis zu 16 Mark herauszuholen. Die Mühlen- arbeiter zeigen aber dementiprechend nichi vrel Verständnis für den Wert der Organisation, denn olle Versuche, eine gröhere Anzahl unter ihnen als neue Mitglieder zu werben, halten wenig Erfolg. Sie haben aber die Absicht, die jetzigen erhöhten Löhne tariflich in die Friedenszeit hinüberzuretten. Das könnte ihnen nur gelingen, wenn st« sich der Organisation anschlössen. DaS Hilfsdienstgesetz findet ohne weiteres auf die Mühlen- betriebe Anwendung, ob aber auch auf die Brauereien, ist noch völlig unklar. Rur soviel steht fest, dah da§ KriegSomt die Brauereien aufgefordert hat. zur Sache Stellung zu nehmen, damit sie nicht überrascht werden für den Fall, dah die Brauereien nicht darunter fallen und das Kriegsamt seine entsprechenden Mahnahmen träfe. Zahlende Mitglieder hatte die Zahlstelle am Schluh des vorigen Jahres 1876 Mitglieder. Die Verbandskasse sandte an den Hauptvotstand 15 375 M. und gab im Laufe des Jahres auS an Krankenunterstützung 16 543 M., an Kriegsunterstützung 966 l M., an auherordentlichen Unterstützungen 2971 M. Wegen der ganz ge- ringen Arbeitslosigkeit wurden an Arbeitslosenunterstützung nur 284 M. ausgegeben. Die L o k a l k a s s e buchte eine Geiamteinnahme von 25664 M. Sie zahlte für WeihnochlSipenden 15 482 M., für Liebesgaben 1724 M., an Sterbegeld 3425 M. Am Jahresschluh betrug der Bestand der Lokalkasse 53 835 M. Gest Anfang des Krieges bis zum Schluh des Jahres 1916 wurden on Kriegsunterstützungen ausgegeben durch die Verbands- lasse 82118 M. und durch die Lokalkasse 32 781 M., also zusammen 64 899 M. Bon einer Neuwahl der Ortsverwaltung wurde Abstand ge- nommen. ES erfolgte nur eine Ersatzwahl für den stellvertretenden Kassierer, auS der Schmidts hervorging. Als Beisitzer für den Hauptvorstand de« Verbandes wurden Tröger, Hodap, Adler und Boy gewählt. Di« Wahl gilt nur für die Kriegszeit. ES wurde beicklosien, dah auch im neuen Geschäftsjahr die Versammlungen am Sonntagnachmittag stattfinde» sollen. Aus einen Antrag aus der Versammlung wurde darüber ab- gestimmt, wer Sympathie für eine Zuiammendrängung der be- stehenden Arbeitszeit, also für eine.durchgehende Aibeilszeit" habe. Die Abstimmung ergab eine schwache Mehrheit dafür.— Dies« Abstimmung sollte nur den Zweck haben, die Meinung der Ver- sammelten zu ersehen._ Die Gürtler und Sroueiischlosscr haben— wie sich auS deni in ihrer Mitgliederversammlung am Montag erstatteten Jahresbericht der vranchenletwng ergibt— im verflosienen Jahre eine ollgemeine Ausbesserung ihrer Löhne erreicht. Die Branchenleilung Hai dabei tätig mitgewirkt. Am Anfang des vorigen Jahres war beschlossen wvidcn, nicht unter einem Ltundeniohn von 1 M. zu arbeiten. Damals waren die Löbne oft noch niedriger. Im Laufe des Jahres ist es gelungen, die Stundenlöhne durchweg über 1 M. hinaus- zubringen. In den meisten Fällen beträgt die Zulage 25 bis SV Prozent. Im Durchschnitt ist die Lohnhöhe gegenwärtig 1,80 M. Im Akkord werden Glundenverdienste von 1,60 bis 1,80 M. erzielt. Letzterer Satz kommt jedock nur ausnobmsweiie vor. Dirie Ber- hSIinisie gelisn für hie Betriebe, die noch auf die alten Artikel der Branche— BeleuchttingSgegenstände und Mililäreffekten— arbeiten. Dos find etwa 30 Werkstätten mit 200 bis 800 Arbeitern. Vielleicht werden auch diese Betriebe in absehbarer Zeil die bisherige Pro- duklion wegen Mangel an Material einstellen und sich anderen Produktionszweigen zuwenden müssen, wie es ein Teil der Fabriken seit längerer Zeil schon mt. Bis jetzt ist jedoch in allen Fabriten für Beleuchtungsgegenstände noch ausreichende Arbeitsgelegenheit. Eine Braucheiiversammluvg für die Damenkonfektion hielt der Schneiderverband am Montag ab. Heilmann erörterte die Be- deutnng der besonderen ArbeitSlosensürsorge für die Bekleidungsindustrie, die die Städte Berlin und Neukölln, bisher als die einzigen Gemeinden im Grost-Berlincr Bezirh eingeführt haben. Durch' die Organisation und die Ge- meidevertreler der Arbeiter wird in den anderen Gemeinden Groß- Berlins darauf hingewirkt, dast sie nach denselben Grund'ätzen wie Berlin und Neukölln eine besondere Arbeitslosenfürsorge für die Be- kleidungsindustrie einführen. lUeber die Grundsätze zum Bezüge der Unterstützimg haben wir im.Vorwärts' bereits berichtet.) Wer glaubt, Anspruch auf Unterstützung zu haben, sollte ihn unbedingt geltend machen. Ist er«m Zweifel, io braucht er sich nur um Rat an das Bureau des Schneiderverbondes zu wenden. Bei der Durchführung der KriegSfüriorge entscheidet in Sireitfällen ein SchlichtungSauSfchust, worin auch Vertreter des Schneider- Verbandes sitzen. Eine sehr wichtige Bestimmung ist ß 4 der Grundsätze. von dessen Beachtung die Anwendbarkeit dieier besonderen Kriegs- sürsorge für die Angehörigen der BetleidungSindustrie abhängig gemacht wird. Es heistt im§ 4:.Die Ärbeiinehmer sind ver- pflichtet, jede Arbeit, die ihnen angeboten wird, auch ansterhalb ihres Berufs und Wohnorts, sowie zu verkürzter Albeitszeit an- zunehmen, sofern ihnen ein angemessener Lohn dafür geboten wird und kein triftiger Grund für die Ablehnung geltend gemacht werden kann.' DaS kann natürlich zu Slreiliy keilen Anlast geben, die zu enischeiden, Sache des SchlichiungSauSschusieS ist. So bat z. B. ur einer Provinzstadt unter Geltung dersetben Grundsätze der AuSichust entschieden, dost eine ersiklaisige Mastarbeiterin nicht dazu an- gehalten werden kann, in eine Munitionsfabrik einzutreten, weil sie dadurch für später ihre Finger zur Anierligung feiner Kostüme, zum Beispiel solcher aus Seide, unbrauchbar machen würde.— Auch eine andere Bestimmung, wonach von der besonderen Kriegs- sürsorge ausscheidet, wer durch eigenes Verschulden oder freiwillige Ausgabe der Arbeit erwerbslos wird, kann zu Slreriigkeiten führen. Selbstverständlich werden unier die Bestimmung solche Fälle nicht gerechnet werden können, in denen wegen besonderer llmstände einer Arbeiterin oder einem Arbeiter das Verbleiben in einem Betriebe nicht zugemutet werden kann.— Redner erläuterte dann noch eine Reih« weiterer Bestimmungen der Grundsätze. Gerichtszeitung. Der Reklamierte. Ein vom Militärdienst reklamierter Schlosser, der bei der Firma Schulz u.Sakur gearbeitet hatte, behauptete als Kläger vor dem Gewerbegericht, ihm seien unicr Hinweis darauf, dast er reklamiert sei, ungünstige Arbeitsbedingungen geboten worden. So habe er eine Alkordarbeit annehmen müssen zu einem Preise, bei dem er sernen Lohn von 1,20 M. pro Stunde unmöglich ver- dienen konnte. Der Kläger bat daraufhin dem Meister'erklärt, er mache die Arbelt in Lohn. Trotzdem bekam er nach Fertigstellung der Arbeit nur den vom Meister sestgesetzten Akkordpreis, der 23 M. niedriger ist als der ifir die Arbeit in Frage kommende Zeitlohn. Der Kläger forderte Nachzahlung der Differenz. Der Vertreter der beklagten Firma bestritt, dast auf den Kläger ein Druck ausgeübt worden sei, weil er reklamiert war, und bebauprete, der Kläger habe absichtlich nachlässig und langsam gearbeitet, um die Firma zu bc- nachteiligen.— Tie Klage wurde durch einen Vergleich erledigt. wodurch der Kläger 12 M. erhält. Er bemerkte aber, dast er beim Generalkommando Beichwerde gegen die Firma erheben werde. Werl sie veranlastt habe, dast er wieder ein- gezogen werden solle. Neiaulmortlich sllr Politik: Hermann Müller, Temvelhoi; für den übrige» Teil d. Blattes: Alfred Scholz, Neukölln! für Inserate: lh. Glocke. Berlin Druck u. Verlag! Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanstall Paul Singer ch Co. Berlin S\V. Hierzu S Beilagen und UnterhaltnugSblatt. Wahlspruch: JJnderberg. 1 Wrifapafc 1 Semper idm. .-**-im' f* W v.M. CriH S6*"» nrMilM. "•" V.„M. IM Hütt" Semper idem ünderberg-Boonekamp wird nur noch unter der Bezeichnung ünderberg in den Verkehr gebracht Die alte anerkannt vorzügliche Qualität bleibt unverändert. H. Underberg-Albreeht Bofii.fMuat 8r. M«J. d. D.utwh.s Kaiser«. König, v. PretMrra, RHEINBERG(Rhld.)» Gegründet 1846. KammGrli«f«raat 8r. Maj. d. KaUan v. Oaetarraifih, Königs v Ungarn. Hr 30 3� Zadri W. ökilW i>rs Lmiirls" jßtllim NiIIisM Mw-�A?«««« M7 Die Reichsbekleiöungsstelle. Bon Hermann Jäckel. Der Krieg hat die deutsche Industrie in der mannig- fachsten Weise verändert. In ganz besonders hohem Matze hat er umgestaltend gewirkt in der engeren und weiteren Textilindustrie und dem die Produkte dieser Industrie weiterleitenden Handel. Textilindustrie und Textihandel bieten heute das Bild eines vollständig unter Staatsaufsicht gestellten und von der Staatsgewalt reglementierten Zweiges der Volks- Wirtschaft. Ten ersten Verordnungen, betreffend Herstellungsverbote von Garnen aus Fasern und Stoffen auS Garnen zwangen sich mit unerbitterlicher Logik weitere Matznahmen auf biS zu Bestimmungen über den Konsum des fertigen KleideS und schlietzlich den Konsum des beim Trödler abgesetzten schon ge- tragenen alten KleideS. Dabei haben sich die Elemente des Stoffes und des fertigen Kleides stark verändert. An Stelle der Faser aus Wolle vom Schal, welche vordem den „wollenen" Stoff bildete, ist die aus alten Stoffen reprodn zierte Faser der K u n st w o l l e getreten. Die Kunstwoll Fabrikation ist im Krieg zu hoher Blüte entwickelt worden, und grotze Quanten dieses jetzt sehr geschätzten Produktes stehen zur Verfügung. Ihre Technik und Arbeitsmethode hat der Druck der KricgSnot merklich vervollkommnet. Die Apvretur und Haltbarkeit ihrer Stoffe ist gegen früher fohr verbessert, An Stelle des Jute- und Baumwollfadens ist in grotzem Umfange der Faden aus Papier oder aus einer Mischung von Baumwollfafer und Papier getreten. Die Papier fadenerzengung und die Erzeugung von Stoffen aus Papier bildeten sich auS zu einer mächtigen Industrie, deren Betriebe in emsiger Tag- und Nachtarbeit ungeheure Quantitäten Fertig fabrikate hervorbringen. Kein Zweifel: Neue Möglichkeiten sind der Textilindustrie nach dem Kriege gegeben. Der Papier- stoff und seine Verwendung zum menschlichen Kleid und zu vielem anderen wird mehr und mehr sich einbürgern; für die UebergangSwirtschaft auS dem Krieg zum Frieden ist das ein bedeutsames Faktum, ein bedeutsames Faktum auch angesichts einer nach dem Kriege vorhandenen starken Nachfrage nach Textilprodukten durch eine furchtbar arm gewordene europäische Menschheit. Wie der leichte und billige Baumwollstoff im Laufe eines Jahrhunderts mehr und mehr den alten grob- derben und teuren Stoff auS Schafwolle und Flachs verdrängte, so dürfte künftig der Papierstoff ein gefürchteter Konkurrent des Baumwollstoffes werden. Die letzte Schöpfung zum Zwecke der Regelung deS Ber- schleitzeS textiler Erzeugnisse ist die R e i ch r b e k l e i d u n g S- stelle, der die Aufgabe zugewiesen ist. den Bedarf der Bc- völkerung an Web-, Wirk- und Strickstoffen sowie an Schuh- waren sicherzustellen. Sie hat die Sorge für Verwaltung der vorhandenen Vorräte, für ihre gleichmätzige Verteilung unter die Bevölkerung, für sparsamen Verbrauch und für Her- stellung und Vertrieb von Ersatzstoffen. Nach autzcn tritt die Reichsbekleidungsstelle als ein auf grötzestcr kapitalistischer Grundlage errichtetes Geschäft in Form der Kriegswirtschafts- Attien-Gesellichaft mit einem Grundkapital von 16 Millionen Mark in die Erscheinung. In über 300 Bureauzimmern, konzentriert in drei Häusern mit einem MietSwert von WOOO M. pro Jahr, wird sich ab 1. April die kauf- männischc Tätigkeit der in Berlin unter Leitung emeS ReichS- kommiffars, deS Herrn Geheimen RatS Dr. B e u t l e r, Dresden, untergebrachte Zentralverwaltung abwickeln. In mehr als 86 grotzen Lagern ist ein Teil der zur Verfügung stehenden Waren aufgestapelt. Ein Stab von Direktoren und Prokuristen steht— die ersteren ehrenamtlich— dem Reichs- kommissar zur Seite. Ob die Direktoren für ihre verant- wortungsvolle Tätigkeit von anderer S e entschädigt werden. entzieht sich der Kenntnis der OeffentUqkeit. Die Reichsbekleidungsstelle stellt ein sich durchaus selbst erhaltende? Unternehmen dar. ReichSzufchüffe sind also ausgeschlossen. Neben den verantwortlichen Organen, Vorstand und Aussichtßrat, ist ein Beirat und ein Arbeits- ausschutz gebildet, die bei wichtigen Fragen gutachtlich gehört werden. Autzerdcm werden bei allen beabsichtigten Neuerungen Gremien(Ausschüsse) gebildet aus Vertretern aller Intere- ssenten, die um Rat angegangen werden sollen. Sowohl dem AilfsichtSrat wie dem ArbeitSausfchuh gehören Vertreter aller Jntereffentengruppen— einschlictzlich der Arbeiter— an. Mit der Bildung der Reichsbekleidungsstelle ist die Ver- antwortung für die genügende Versorgung der Bevölkerung mit Kleidung und Wäsche aller Art aus diese übergegangen. Durch eine Bestandsaufnahme verschaffte sie sich, soweit dieS eben möglich ist, Sicherheit über die Mengen der im ganzen Reiche vorhandenen Stoffe und Kleider, und mit Einführung des Bezugscheines tat sie den ersten Schritt zur Regelung des Verbrauchs und Streckung der Bestände. Ntcht ohne Schwierigkeiten konnte die neue Organisation durchgeführt iverden. Ganz besonders gegen die Einfühmng deS Bezugscheins wurde von einflutzreichen und mächtigen Jntereffenten- gruppen Sturm gelauien. Während man die Einführung der Broikarte fast allgemein als Fortschritt begrützte, verschrie man den Bezugschein als Ausflutz bureaukratischer Regle- Ml'ntierungSkunst. Sehr mit Unrecht. Was die Brotkarte auf dem Gebiete der Ernährung ist, das sucht der Bezug- schein auf dem Gebiete der Bekleidung zu erreichen. Aber dem bei allen Menschen nahezu gleichen Bedarf an Brot steht ein iehr verschiedener Bedarf der einzelnen Klaffen der Gc- fcllichaft und wiederum der einzelnen Menschen innerhalb der Klassen an Kleidung gegenüber. Neben dem Einheitsprodukt Brot stehen Hunderte der verschiedensten Kleidungs- und Wäscheprodukte, jede einzelne Art verschieden in Qualität und Quantität. Der Bedarf und Verbrauch lätzt sich demzufolge nicht wie beim Brot eine für allemal dekretieren; er ist fest- zustellen von Fall zu Fall. Den Gemeinden, denen die Feststellung dtzS Bedarfs überwiesen ist, erwächst daraus viel Arbxit. Ihre Belastung wird gesteigert durch die Uebertragung des Ein- und Verkaufs alter und getragener Kleider und Wäsche so- wie Schuhwaren. Wo die Gemeinden dafür ein Mono- pol erhalten, hört künftig jeder Privathandel an getragenen Kleidungsstücken aus. Nur amtliche Stellen üben diese Be» fugnis aus. Zunächst sind München und Leipzig mit der tal errichtet. Es wird sehr zu erwägen sein, ob nicht den schwer belasteten Gemeinden mit Reichshilfc beizuspringen ist. Neben der Regelung der Ueberleitung aller schon in Händen des Handels oder in Händen der Fabrikation besind« lrchen Stoff- oder Kleidermcngen an die Verbraucher hat die Reichsbekleidungsstelle die Aufgabe, für H e r a n s ch a f- fung neuer Mengen Stoffe und Kleider Sorge zu tragen. Es geschieht das auf dem Wege freihändigen An- raufs auf freiem Markte oder dem der Enteignung. So ist es jetzt unter Mitwirkung der Rohstoifabteilung des Kriegs- Ministeriums möglich geworden, aus zur Verfügung gestellten Rohstoffbeständen 10 Millionen Paar Strümpfe den Ge- meinden und Gemeindeverbänden, besonders für die ärmere Bevölkerung, anzubieten. Die angekauften Waren werden aufgespeichert, in Lose geteilt und auf dem normalen Wege über den Handel dem konsumierenden Publikum zugeführt. Die Ausschaltung des Handels hielt man mit Rücksicht auf die zahlreichen und nichtigen Interessen, ganz besonders der Klein- und Mittelhändler, aber auch in Rücksicht auf die mangelnden Vorbereitungen und Arbeitskräfte der Ge- meinden nicht für opportun. Immerhin sollen für die Zu- kunft in begrenztem Umfang die Gemeinden die Möglichkeit haben, für die ärmere Bevölkerung bestimmte notwendige Bekleidungsgegenstände direkt zu billigsten Preisen zu be- ziehen. Im allgemeinen bietet die Reichsbekleidungsstelle die Stoffe den Fachverbänden derFabrikantcn und der Grohhändler an. Gegenwärtig wird außerdem versuchsweise Verbänden der Konsektion Ware im Gesamt- werte von IV? Millionen Mark zum Ankauf zur Verfügung gestellt. Die Aachverbände geben die Stoffe weiter an ihre Mitglieder oder an ihre Berufsgenossen, welche nicht Mit- glieder des Verbandes sind, wenn diese ausdrücklich erklären, sich an den Einkäufen des Verbandes von der St. W. 31. G. beteiligen zu wollen. Die Fabrikanten dürfen die Waren nur an Großhändler oder an Händler von Bekleidungsstücken oder an Kleinhändler. Großhändler dürfen diese nur an Händler von Bekleidungsstücken oder an Kleinhändler verkaufen. Händler von Bekleidungsstücken dürfen die Waren nur in verarbeitetem Zustande an Kleinhändler oder an Ver- braucher, Kleinhändler dürfen sie nur an Verbraucher ver- kaufen. Die Waren sollen in möglichst kleinen Posten von Fabrikanten und Großhändlern verkauft werben. Der höchst zulässige Rechnungsbetrag ist für einzelne Fälle vorgeschrieben. Ebenso vorgesclmeben sind die Zuschläge, welche die einzelnen Gruppen zu den von der Reichsbekleidungsstelle festgesetzten Preisen berechnen dürfen. Dem Kettenhandel ist, soweit das überhaupt durch Vorschriften möglich ist. vor- gebeugt. Zu bemängeln ist die Preispolitik der Reichs- bekleidungsstelle. wenn auch die Tendenz zur Besserung zu- gunsten der Verbraucher unverkennbar ist. Ob jene, die Besserung zugunsten der Verbraucher bezweckenden Beschlüsse, Herabsetzung der Zuschläge bei von der ReichSbekleidungs- stelle angekauften Waren usw. in der Praxis durch Manipula- tionen der Händler zu deren Gunsten ausMagen, die Herab- setzung dieser Zuschläge zum Erwerbspreis also nicht ein Ge- schenk für die Händler darstellen wird, ist dabei noch sehr zweifelhaft. Umfassende Revisionen und Kontrollen wären da bitter nötig. Das Problem ist: Inwieweit kann die Reichs- bekleidungsstelle mit der Ueberweisung der in ihren Händen befindlichen Waren an den Handel den Preis der übrigen im Besitze des Handels befindlichen Web-, Wirk- und Strick- waren und der daraus gefertigten Produkte herabdrücken? Angesichts der im allgemeinen vorhandenen relativ geringen Vorräte an Web», Wirk- und Strickstoffen und der dadurch bedingten Sparsamkeit, die die Reichsbekleidungsstelle be- achten mutz, wenn sie ihre Waren auf den Markt wirft, ist die Lösung des Problems sehr Mnicrig. Da es dem fertigen Kleid nur in seltenen Fällen angesehen werden kann, ob es aus Stoffen hergestellt ist, welche von der ReichsbekleidungS- stelle gekauft sind, oder aus anderen Stoffen, sind Betrüge- reien sehr leicht möglich. Die vielen Tausende Händler- Existenzen, welche in Frage kommen, erschweren umfassende Kontrollen. Die Ehrlichkeit des Händlers spielt demnach eine sehr grotze Rolle. Immerhin können umfassende Kontrollen und event, hohe Strafen günstige Wirkungen ausüben. Grundsatz bei der Preisfestsetzung für die Waren der Reichsbekleidungsstelle soll sein, so wurde beschlossen, die unter Bezugschein stehenden Warenarten möglichst billig den Konsumenten zuzuführen; die dem Reich entstehenden Kosten sedoch sollen auf alle Fälle gedeckt werden. Ergänzt wurde dieser Beschlutz durch die Verfügung, daß bei Waren, welche nicht unter die Freiliste fallen, allmählich Abschläge zu machen sind, bis schließlich nur die Selbstkosten im Verkaufspreis kst- deckt sind. Daß auch hierbei noch mit ziemlich teuren Textil- stoffen zu rechnen ist, ist einleuchtend, wenn bedacht wird, daß der Marktpreis in neutralen Staaten etwa 400 Prozent über dem Friedenspreis steht und die zugelassenen Aufschläge des Handels gleichfalls eine Preiserhöhung be- dingen. Tie Gründung der Reichsbekleidungsstelle dürfte jeden- falls in der Geschichte der erste Versuch sein, die Beschaffung und den Konsum eines KO�Millionen-Volkes an Kleidung und Wäsche von einer Zentralstelle aus durch die Staatsgewalt zu regeln.___ parlamentarisches. Das Fideikommitzgesetz im Ausschutz. Der Ausschuß deß Abgeordnetenhauses wählte die Abgg. Bitta sZ.) und Schenk zu SchweinSderg st.) zu Berichterstattern. Bor- fitzender ist der Abg. d. Kr Scher. Zum ß 1 bringt ein Bolls- p a r t e i l e r einen Antrag ein, wonach neue ftideiiommisse nicht gebildet werden dürren. Für den Fall der Ablehnung be- antragt die Fortschrittliche VostSpartci, auch städtische F i d e i- kommist gründ u ngcn von altem SauSbesitz zuzulassen. Nach längerer Debatte, in welcher die Regierung sich gegen die Bildung städtischer Fideikommisse erklärt, wird der volksparteiliche Antrag gegen die Antragsteller abaelebnt. ebenso die beantragte Hinzuriebung eine» BertreterS des Statistischen LandeSamteS, diese gegen die Nat'onalliberalen, BolkSparteiler und Freikonservativcn. Sowohl von fortschrittlicher wie von nationalliberaler Seite wird ein § la beantragt, wonach die Bildung von Fideikommiflen nur dann zulässig ist, wenn sie mit den Interessen der Besitzverteilung in der inneren Kolonisation vereinbar ist. Die Bostsparteiler fordern daneben noch, daß zu jeder Genehmigung ....- r i------ f zu jeder Genehmigung eine gutacht- Orguinsatlon deS Altkletberhondels vorgegangen. D,e letztere, lichc Aeußerung des Oberlandeskulturgerichts er- SstÄt hat eine„ständige Kleiderstelle" mit 500 000 M. Kapi- forderlich sei. Gegen diesen Zusatz erklären sich der Justiz- und Land- ' wirtschastSmmistcr. Die Naiionalliberalen ziehen ihren Antrag zu. 1 aunsten des ersten Absatzes des volkSpatteilichen Antrags zurück. ' dieser wird unter Ablehnimg des zweiten Absatzes.zuriukgezogen uns K 2 gegen 10 Stimmen genehmigt. Zu§ 3 beantragen die Volks- partriler. daß die Fideikommistgründung nur zulässig sei, wenn das Jahreseinkommen 20000(statt 10000) M. betrage, und ferner, das; � der zu bildende Grundbesitz nicht 30. sondern 50 Jahre sich im Vesiiz der Familie befunden haben müsse. Dieser Antrag und em ähnlich lautender nationalliberaler Antrag werden abgelehnr und �>1 angenommen. Bei K 4 beantragen die Nanovalliberalen, daß der Besitz zur Gründung eines Fideikommisses eine landwirtschaftliche Einheit bildeu soll. Das wird abgelehnt, 8 4 angenommen und die Weiterbcratung vertagt.___ Der KultuSetat im Autzschusi. Im versiärkten Staats haushaltsaus schütz deSAb- geordnetenhauses verlangte der Berichterstatter über die Zugendpflege, daß die militärische Vorbereitung der Jugend nach dem Kriege eine entschiedene Steigerung erfahren müsse. Er begrüsti den Sparzwang erlaß für Jugendliche; diese haben in Groß- Berlin in den 5 Monaten eine halbe Million Mark gespart. Der Sparzwang sollte aus ganz Prrubrn ausgedehnt wrrdeu. Ein Freilonservativer bespricht die Schwierigkeiten der Mili- tarischen Jugendpflege auf dem Lande und wünscht Uniformierung aller Jugenokompagnien. Ein Volksparteiler erklärt� sich dafür, daß die Jugendpflege bis zum 17. Jahr Sache der päda- g o a i s ch e n und nicht der militärischen Erziehung sei. Der Redner wendet sich gegen die aus der Konferenz der Zentralstelle für Volköwoylfahrt aufgestellten Grundsätze. Der M i n i si e r stimmt mit dem Vorredner darin übereiu. daß alle Kreise zur Jugendpflege herangezogen werden müssen, er verurteilt ebenfalls die Grundsätze jener Konferenz. Die im Etat vorgesehenen '3)4 Millionen Mark sollen in erster Linie zur Erhaltung der bestehenden Einrichtungen verwendet worden. Ein k o n- servativer Redner regt Einstellung hauptamtlicher Jugendpfleger nach dem Kriege an. Ein Zentrum»- redner verlangt Einführung der B fl ich tjuuend pflege auch bei der weiblichen Jugend. Der Minister erklärt, daß zwischen ihm und dem Kriegsminister enge Fühlung in allen Fragen der Jugendpflege bestehe. Das sozialdemokratische Mitglied bittet den Minister, bei der Unterstützung der Jugendheime. besonders der von der Arbeilerichast eingerichteten, paritätisch zu verfahren. Der Minister erklärt, daß die von der freien Jugend- beivegung eingerichteten Heime sich zum großen Teil in den Dienst der allgemeinen Wohlfahrtspflege gestellt haben und ist bereit, solche Heime zu unterstützen. Beim Titel „Kunst und Wissenschaft" wünsch! ein BolkSparteiler. baß die inländische Kunst mehr berücksichtigt werde, namentlich durch starten Ankauf der Werte lebender Künstler. Der Minister ist bereit, den in schwieriger Lage befindlichen Künstlern soweit als möglich zu Helsen. Ein ton- servativer Redner wünscht außerordentliche Vorsicht beim Ankauf moderner Kunstwerke: er bittet, bei den FriedenSverhand- lungen die Werke, die uns in früheren Kriegen abgenommen wurden. wieder zurückzusordern. Ein BolkSparteiler regt die Entsendung von Abgeordneten in die Kunstkommission an. Ein anderer Fortschrittler rügt die starke Zurückhaltung der Ratio- nalgalerie bei Ankauf der Werke lebender Künstler. Ein Zeil- trumSredner wünscht, daß zeitig die Heldentaten unserer Kriege« in würdiger Form künstlerisch verewigt werden, die Fehler früherer Zeiten müssen vermieden werden. Beim» „Technische» UnterrichtSwrscn" teilt der Minister mit, daß die Anstellungsfrags der Professoren während des Krieges nicht rube, die Regelung müsse aber vorbehalten bleiben. Ein Zentrums redner wünscht bezüglich der Amtsbezeich- nungen gleiche Behandlung mit den Universitäten. Bei den „Universitäten" erklärt der Minister, daß der Krieg auf die Uiiiversitäten außer- ordentlich stark einwirk«, trotzdem werde der Unterricht aufreckt erhalten. Eine Schließung sei nicht beabsichtigt. Den in Gefangenschast geratenen Studenten werde die Zugehörigkeit zur Universität gewahrt, damit sie eine bessere Behandlung in der Ge- fangenschaft erfahren. Eingeschrieben sind 2S 000 männliche und 4000 weibliche Studenten, anwesend 0008 Männer, 4000 Frauen und 409 Ausländer. Für die au» dem Kriege zurückkehrenden Studenten sollen besondere Kurse eingerichtet werden, ebenso für Abiturienten. Nach dem Krigge werden große Lücken im akademischen Rachwuchs vorhanden sein. ES besteht nicht die Absicht, staatliche Mittel für eine theologische Fakultät in Frankfurt in Anspruch zu nehmen. Tie Denkschrift über die Förderung der Aus- landsstudien enthalte ein Programm, und zwar in drei geteilten Aufgaben: 1. wissenschastliche Auslandsstudien, 2. praktische Schulung von Beamten oder Privaten, die ins Ausland wollen, und 3. Weckung des außenpolitischen Interesses und Verständnisses in der Heimat. Hauptaufgabe sei die Vorbildung der in den auswärtigen Dienst tretenden Beamten des Reiches.— Ein volksparteilicher Redner verlangt, daß in den Vordergrund die Weckung des außen- politischen Interesse» und Verständnisse» gestellt werde. Insbesondere müßten die VollSbildner eine gute politische Grundlage haben. Ein konservativer Redner schließt sich dem an. Ein national- liberaler Abgeordneter hofft von den in der Denkschrift ge- wiesenen Wegen eine bessere Schulung, insbesondere auch der Presse. Bon fortschrittlicher Seite wird betont, daß auch in unserer Presse heute Kräfte tätig sind, die sehr wohl mit dem Wesen und den Ge- brauchen des Auslände» vertraut seien. ftis der partes. Die Schicksalsstundr der Partei. Der Ausschuß des sozialdemokratischen BezirkSverbandeS Magdeburg-Anhalt, der zehn Wahlkreise umfaßt, faßte am Sonntag einstimmig einen Beschluß, in dem cS heißt: „ES gibt bei der gegenwärtigen Lage der Partei kein AuS- weichen. Wir müssen uns klar entscheiden, ob wir den Beschlüssen des oppositionellen Parteitages zustimmen oder die Politik der Parteimehrheit vertreten wollen. Borstand und Ausschuß des sozialdemokratischen BezirkSverbandeS Magdeburg-Anhalt stellen sich auf den Boden der Politik der Parteimehrheit und erklären sich einverstanden mit dem Be schlnsse deS Parte iauSfchusscs»mn 18. Januar d. I. und mit dem Inhalt deS Aufrufs, den der Parteivorstand am 20. Januar an die Partei gerichtet hat." Von dem Beschluß der Sonderkonferenz der Opposition vom 7. Januar wird gesagt: Er bedeutet die Schaffung einer S v n de r» r g a n i sa t i v n innerhalb deS ParteikörpcrS. Wer für diesen Beschluß wirkt oder sich mit ihm solidarisch erklärt, kann nicht Mitglied der Partei bleiben. Ferner fand am gleichen Sonntag in Erfurt eine vom Be- zirksvorstand der sozialdemokratischen Organisation für den Re- gierungSbezirk Erfurt einberufene Konferenz mit den Kreisvorständen und Redakteuren der Parteipreffe statt. SS wurde eine längere En!- schließung angenommen, in der cS heißt: ..Der Beschluß, den am 18. �cmu« d. I. der Parteiaus- schütz gefaßt dat. und die durch den Parteivorftand dazu veriZsient- lichte Erläuterung(Aufruf) stehen mit unterem Partei- orgauisarionsstatut und mit der bisher in der Partei geübten Praxis in Widerspruch und entbehren daher jeder recht- I i ch e n Unterlage. � Die Konferenz_ beauftragt die Parteiinstanzen, iul Bezirke Sonderorganr s at i o n e n, die mit unserem Organisations- statut im Widerspruch stehen, auf das schärfste zu b c- kämpfen und streng nach dem Organisationssiatut zu pcrfahren. Eine Rücksicht, ab solche Sondcrorganisationen sich zur Mehrheit oder Minderhcitspolitik betenncn, darf nicht genommen werden, solange das gegenwärtige Erganisationsstatut Gültigkeit bat. Die Konferenz betrachtet es als höchste Pflicht der Parteigenossen, jed- wcde Versuche, unsere Arbeiterbewegung durch Spaltung zu schwächen und zu zerstören, zu bekämpfen. Sic erwartet dabei die volle Unterstützung aller organisierten Parteigenossen, gleichsalls aber auch eine ununterbrochene Werbearbeit sür die Parte i." Verpflichtung auf Oppositiousbcschlüffe? Genosse Ernst Grenz, ReichstogSabgeordneter sür den 21. sächsischen Wahlkreis(Annaberg), veröffentlicht in der.Chemnitzer Volks- stimme" eine Erklärung gegen die Beschlüsse der Reichskonfercnz der Opposition. In der Erklärung heißt cS: Den Beschlüssen dieser Konferenz(der Opposition) hat die Parteileitung des Bezirks Leipzig ihre Znstimmnng gegeben und verlangt von den Genossen der bc- treffenden Reichstags Wahlkreise, danach zu handeln. Demgegenüber erkläre ich: daß ich mich als Mitglied der Organisation deS 13. ReichSiagSwahlkreiseS jenen Beschlüssen nicht jügen kann und auch nicht füge» werde. Die von den Parteitagen eingesetzten Instanzen bestehen beute noch zu recht. Die Partei kennt nur eine sozialdemokratische Fraktion, dieser gehöre ich als Mitglied an und werde mich den MchrheitSbefchlüffcn der Parteiinstanzpn und der Fraktion unterordnen und danach handeln, bis der nächste Parteilag der deutschen Sozialdemokratie neue Entscheidungen treffen Ivird. Ernst Grenz, M. d. R. ES ist allerdings die Höhe, wenn die Opposition, die mit den Beschlüffen der ordnungsmäßig bcruferen Reichskonferenz der Gesamtpartei Schindluder treibt, dort, wo ne zufällig die Mehrheit besitzt, die Parteimitglieder zwingen will, sich den Be- schlüffen einer von der Opposition ohne jede Kontrolle zustande- gebrachten Sonderkonferenz zu fügen. Gegenüber einem solchen Ansinnen möge sich jeder Parteigenosse Verhallen wie der durch ein Menschenaltcr Parteiarbeit bewährte Genoffe Grenz. Sozialdemokratische MagistratSmitglicdcr. Die Stadtverordneten- versammlunh in Magdeburg wählie an Stelle des zurücktretenden Stadtrats Arendt und deS verstorbenen Stadlrats Schatz de» Genossen B e i m s und den Fabrikanten Schmidt zu Stadt- raten. Damit zieht der erste Sozialdemokrat in den Magdeburger Magistrat ein.— Zn Lüdenscheid hatte die Stadlverordnelen- Versammlung im Sommer 1316 beschlossen, den Magistrat um zwei Mitglieder— auf sechs Mitglieder— zu vermehren. Nachdem der Magistrat dem Beschluß beigetreten war. erfolgte im Dezember die Wahl der beiden neuen MagtstratSmitglieder. Gcwäblt wurde außer einem bürgerlichen Stadtverordneten unser Genosse Lück, daS älteste Mitglied der sozialdemokratischen Siadtverordnctenfraktion Beide Gewählten wurden bestätigt und am 25. Januar in ihr Amt eingeführt. Damit ist der erste Sozialdemokrat in den Lüdenfcheider Magistrat eingezogen, sodaß unsere Lüdenscheider Genossen neben sämlliiiben— o/., auf 8 Proz. erhöht werden. An der Gewinnsteige- rung sind vorzüglich beteiligt daS Zinse»- und Wechselkonto, daS ProvisionSkonto und das Efieklen- und Kon- sortialko nt o. Hervorgehoben»vird, daß die Berliner K o m m a n d i t e Schwarz, G o l d s ch m i d t u. Co. gut gc- arbeitet hat. Der Abschluß zeigt— und die Abschlüsse der größeren Jiistituta werden diesen ersten Eindruck voll bestätigen—, daß die Banken im abgelaufenen Jahre aus der Verleihung von Geldern. aus. den Provisionen und der Abstoßung vieler stark gestiegener Wertpapiere, wovon manches als notleidend durch lange Jahre keinen Markt fand, sehr beträchtliche Gewinne erzielt haben. Braillndustrie und Zivildicnstp flicht. Der Hilfsdienstausschuß des Deutschen BrauerbundcS soll prüfen, ob eine Stillegung und Zu sarnmen legung von Braubetrieben möglich und zweckmäßig ist. Die Z. E.-G. erklärt, daß sie von dem in Dänemark gekauften Malz nichts freigeben werde.— Der AufsichiSrat der S ü ß st o f f- V e r- t e i l u n g e st e l l e- für daS obergärige Braugewerbe G. m. b. H. mußte infolge der Knappheit an Süßstoff in der letzten AusstchtS- ralssitzung mit rückwirkender Geltung vom 1. Januar d. I. an eine Herabsetzung in den Zuteilungen eintreten lassen. Das Projekt des Touau-Main-Kanals. Wie verlautet, wird das Projekt des Ausbaus des Donau- Main-Kanals dem am 30. Januar 1317 zusammentretenden bape- rischen Landtage vorgelegt werden. Die für den Ausbau des Ka- >tals erforderlichen Kosteit belaufen sich auf 650 Millionen Mark. Zunächst aber wird der baherische Verkehrsminister einen Kredit von 5 Millionen Mark in Anspruch nehmen, die für die Ansarbeitung der Tetailvorschläge verwendet werden sollen. England und die dänische Aücherci. 20 000 däniscbe Fischer haben ihre Tätigkeit einstellen müffcit, denn die Engländer haben die Zufuhr von Petroleum—- sür die Bootsmotoren— vollitändig unterbunden. In den letzten Tagen in Kopclchagen geführte Verhandlungen zur Regelung der Angelegen- heit sind abermals gescheitert. Dagegen hat Deutschland den däni- scheu Fischern rumänisches Petroleum angeboten unter der Bedin- guna. daß die Fischfänge nach Deutschland geliefert werden. Ein Enchchluß hierzu ist von dänischer Sefle noch nicht gefaßt worden. Englands Finanznol. Durch königliche Verordnung ist das englische Schatzamt er- nlächtigt worden, alle ausländischen Wertpapiere zu requirieren, um die Finanzlage Englands zu kräftigen. Da- durch Wir6 der Verkauf und die Verpfändung fremder Wertpapiere an das Schatzamt, die vorher freiwillig waren, obligatorisch ge- inacht. Tie Londoner Handelskammer bat ein WirtichastSprogramm für die Zeit nach dem Kriege aufgestellt, in welwem sie neben einer Reorganisation des britiichen lommerziellen Staatsdienstes und einer Verbesserung der engliickien Handcl.?inelhoden Schutzzölle unter Bevorzugung der Kolonien und der Verbündeten verlangt. Kapital und Arbeit iollen geeinigt werden. Eine britiiibe Handelsbank soll den Ueberieebandel fördern. Sebärsste Kampfmittel w e r d e n gegen die deutsche Scbisfabrt verlangt. Schiffe, die einem Angehörigen einer feindlichen Macht gehören und zurzeit von Großbritannien beichlagnahmt werden, sollen von Eng- tand wie von den Verbündeten den Eigentümern vorenthalten werden. Außerdem wird verlangt: Vorzugsbehandlung aller britischen Schiffe in britischen Häfen hinsichtlich der Abgaben, Ber- bot von Vcrembarunaen mit fiemden SSiffabrtSgesellschaften, Ab- lehnung der Meisibegünst'gling für feindliche Staaten auf eine Reihe von Jahren. Vorzugsbehandlung der LeibandSmöchtc und ganz be« fonders Erfatzleistnna deS Fem des für alle von ihm der britischen Handelsflotte zugefügten Schäd n. Ein Trost, daß auch daS Esten der Friedenskonferenz nicht so beiß gegessen wird, alS eS in der Londoner Handelskammer gekocht wird. England schuldet nach der„Times" an die Vereinigten Staaten 1227 Millionen Mark, wozu noch die vrivaten Kredite und die engltschen Stadtanleihen kommen. Bor dem Kriege war England Gläubiger der Bereinigten Staaten. Im Kriege sind die Echuldtitel zum großen Teile zurückgewandert und an Stelle deS Guthabens ist eine enorme Schuld getreten. � Wlirciisckmuggel aus Ungarn nach Oesterreich. Da Ungarn und Oesterreich zwn völlig ielbnändige Staaten sind, stibren ne auch ihre Kriegswirtschaft gesondert. Eifcriüchtig sorgen sie dafür, daß der eine Staat nichts von den Voirälen des andern abbekommt. Aber wie leicht erklärlich, bar sich ein lebhafter Schmuggel in Lebens- Mitteln und Rohstosten einwickelt. So bat die Budapester Polizei entdeckt, daß Baumwolle, Stoff- und Lcinwaren im Werte von un- aesäbr fünfzig Millionen Kronen in Möbelwagen von Budapest nach Wien geschmuggelt wurden. Siebzehn Möbelwagen mit Textilwaren im Werte von einer Million Kronen wurden vor ihrer Verschlffting auf der Donau in Budapest beschlagnahmt. Mus Groß-öerlin. Am Erfrischungsraum. Gegen 3 Uhr nachmittags. Ter Erfrischungsraum des Warenhauses ist dicht besetzt. Alte und junge Frauen. Kinder, Feldgraue, Fabrikmädchcn, die und da ein Schein der vor- nehmen Welt, alles bunt durcheinander an den Tischen. Kindergeschrei. Lachen, Geplauder und ein eigenartiger Kriegs- kaffeeduft erfüllen den Raum. Eine Kapelle— sechs Mann stark— sorgt sür„musikalische" Unterhaltung.„Dct is wat Scheenes, die Musike, det könn' wa uns zu Hause nich leisten," sagt eine Frau an meinem Tische. Sie scheint sich auf einen langen Aufenthalt eingerichtet zu haben. Ich schließe das aus der halbleeren Kaffeetasse, die vor ihr steht und von der sie nur von Zeit zu Zeit einmal nippt.„Und iebahaupr sind die Erfrischtingsräumc eine janz jediejene Einrichtung. Billig und jut jehcizt. Det is villc jemütlicher als wie zu Hause." Die Umsttzenden nicken zustimmend. Am Büfett drängen sich die Leute.?a gibt's allerhand Herrlichkeiten. Kriegskuchen und Torte, Schlagsahne- und Eremeersatz— alles immer noch begehrenswert und vor allem erschwinglich. Dazu eine Tasse„Kaffee" zum Preise von 15 Pf., beinahe wie in Friedenszeiten. Nur am Ge- schniack merkt man. daß Krieg ist. Aber schließlich, was tut's? Der Mensch gewöhnt sich an vieles. Wenigstens die kleinen und großen Mädchen, vor denen die Tcllerchen mit Kricgsiorte und Eremeersatz stehen, schleckern eifrig die will- kommene Gabe, kichern und lachen. Und wer sich's leisteu kann, drängt sich nochmals ans Büfett heran. Die Kapelle hat sich von ihrer gewohnheitsmäßigen langen Pause erholt und spielt einen„Schlager". An ver- schiedencn Tischen wird mitgesungen. Der Kapellmeister wiegt sich mit seiner Geige hin und her.„Du. der muß aber flott tanzen können." flüstert das eine junge Mädchen dem andern zu.„Ach ja." seufzt diese, sehnsuchtsvoll... Beifallklatschen ertönt, als die Kapelle geendet. An ver- schiedencn Tischen stehen Leute auf und gehen— befriedigt. Andere kommen, ununterbrochen, den ganzen Nachmittag. Ob Krieg, ob Frieden, der Erfrischungsraum hat sein Publi- kum, zumal jetzt im Winter... Die Kosten der höheren und der niederen Schulen. Der vom Magistrot der Stadl Berlin erst jetzt für daS Ver- Wallungsjahr 1911/15 herausgegebene Jahresbericht über seine all- geineine Veiwaltl.ng entbält auw die Angaben au- dein höheren Sckrnlwescn. Lehrreich stnh die darin mitgeteilten Kosten« bereckmungeit. wenn man zur Vergleichung die entsprechenden Zahlen des BolksschulwesenS heranzieht. Ausgegeben wurden für die Gymnasien, Realgymnasien und Oberrealslbulen 1l/z Millionen Mark, sür die Realschulen über l*/4 Millionen Mark, sür die Lyzeen(höhere Mädchenschulen) annähernd 1>/, Millionen Mark, für alle diese Lehranstalten zu- lammen über Millionen Mark(ohne die außerordentlichen Ausgaben und auch ohiie die Kosten der Turnhallenvcrwaliung). Daß tu demselben Jahr sür das Gemeindeichulweien ziemlich 27a/4 Millionen Mark(ohne Berücksichtigung der Grunderwerbs- kosten und ohne die Pensionen) aufgewendet wurden,'mag gegen- über jenen 7a/4 flllilliorien Morl manchem sehr großartig vor- kommen. Aber'di� Berechnung der Ausgaben pro Schul- k i n d ergibt ein ganz anderes Bild. Die obigen Be- tröge verteilten sich auf 11 671 Schüler der Gymnasien usw., 6310 Schüler der Realschulen, 2208 Schülerinnen der Lyzeen, dagegen auf 226171 Kinder der Gemcindeschulen. Ausgegeben wurden pro Schulkind bei den Gymnasien ulw. 857,13 M., bei den Rcalfchnlen 231.13 M., bei den Lyzeen 270,88 M., dagegen bei den Gemeindeschulen nur 122,30 M. Diesen Ausgaben steht bei den Höberen Schulen das in ihnen erhobene Schulgeld gegenüber, wäb» rend die Eemeindeschulkosten ganz aus dem Stadtsäckel gedeckt werden müssen. Aber auch wenn die Schulgeldeinnabmen abgezogen werden, bleibt zwischen den Aufwendungen für die Gemcindeschulen und denjenigen für die anderen Lehranstalten immer noch ein reich- lich großer Unterschied. Der Magistrat berechnet regelmäßig in diesen Jahresberichten nicht die Gesamtausgabe pro Schulkind(die wir oben nach unseren Berechnungen mitgeteilt haben), sondern nur den nach Abzug der Einnahmen noch erforderlichen Zuschuß pro Schulkind. In 1911/15 stellte sich der Zu'chuß pro Schulkind bei den Gymnasien uiw. aus 256,23 M.. bei den Real- schulen auf 216,56 M., bei den Lyzeen aus 139.50 M.. bei den Gemeindeschulen— wie oben angegeben— auf 122,30 M. Die Lyzeen erfordern einen mäßigen Zuschuß, West ihre Aufwendungen sür Gebäller beträchllich geringer als die der Realschulen und der Gymnasien usw. sind. Bei den Gymnasien usw. war in 1311/15 der Zuichuß pro Schüler mehr als das Doppelte und die Aus- gäbe pro Schüler sogar mehr als daS Dreifache der Ausgab« pro Gemeindeschulkind. Der Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten. Die Zentralkommissi. on der Kranlenkasicn Berlins und der Vororte veranstaliet auch in diesem Winter wieder Vorträge über G e i u n d b e i t§ p f t e g e. Im Bürgeri'aal des Berliner Rathauses hielt am Montag den ersten Vortrag Prof. B l a> ch k o über:„Die Geschlechts krank- Heiken, ihre Gefahren, Verhüiurlg und Be- k ä m p f u n g." Der Krieg habe bei unseren Truppen in den be- setzten Gebieten die Berbreilunq der Geichlechisklaiikhenen gefördert, und für die Zeit nach Friedensschluß sei stärkere Verbreitung auch in der Heimal zu befürchten, lieber die Entstehung und die furchtbaren Wirkungen diefer Krankheiten belehrte Blaickiko seine Zuhörerschast in gemeinverständlichen Sussübrungen, die durch Lichtbilder unleritützt wurden. Er wies hin auf die Bedeuimig für die Ehe. auf die Schädigung der Nächkoyimenfchast, auf die zum Teil durch Gefchl-chtskrankbeilen verursachte Geburtenmiliderung. Zur Bekämpfung sei erforderlich, das Leiden nicht durch Knrpsuschcr. sondern zeitig durch den Arzt behandeln zu lasten. Gegen die besonder« VerbreilungSgesahr, die der Krieg gebracht hat, haben Reichsversicherungsamt und Landes- versichcningSanstalten eingegriffen. Tie erlränkr gewesenen Heeres entlassenen»ollen in Beratungsstellen unter- sucht werden, damit. nötigenfalls wciiere Behandlung cinsege» kann. (Auf die Beratungsstellen kommen wir noch zurück) Ter Magistrat als Hanseigentümer. Buch in den der Stadt Berlin gehörenden Häusern wird gegen Mieleschuld n er mit Zablungs- und Räu- mungSkloge vorgegangen. Kürzlich rar das die Grund- eigeniumsdeputation des Magistrats gegen eine kinderreiche Familie, die ibr seit vier Monaten di: Miere im Betrage von monatlich 25 Mark schuldete. Als im September 1316 die Stadt daS von ihr erworbene HanS in eigene Verwaliimg übernahm, bar der Mieter, der schon dem Vorbcfftzcr die Miete für ciwa ein halbes Jahr schuldig geblieben war, den Magistro: um Mieieberabietznng. Sie wurde zunächst verweigert, bintcrecr aber bewilligte man ihm doch eine Ermäßigung von 28,50 M. auf 25 M., was freilich für«ine aus Stube. Küche und Kammer bestehendeHofwohnuiigin einem ganz allen und längst abbruchreifen HauS des Stadlinnern ein immer noch reichlich hoher Preis war. Ter Mieter blieb auch diesen Betrag schuldig, und»ach erfolglosen Mabnungeii wurde dann ZahlimgS- und Räumungsklage gegen ihn eingereicht. In dem Termin, drei Tage nach Weibnachten, Mllärte der Richter ihn für zablungS- und räumungspflichtia. io daß der Mieieschnldner sich mit den Seinen von Obdachlosigkeit bedroht»ab. Ihm der zu seinen sechs Kindern in allernächster Zeit ein siebentes alSFamilieffznwackS zu er iv arten hatte, konnte die mit Zustimmung des Klägers bewilligte Räiimnngs« srist von>1 Tagen nichts nützen. Es ioäre ihm wobl auch schwer geworde«. mtt dieser Kinderictiar so bald eine neue Wohnung zu finden. Eine Vermiltclung von anderer Seile hatte den Erfolg, daß die Grundeigentumsdeputation von einerj Ermlision noch Abstand nahm. Ern xoar Tage ipörer wurde das erwartete siebente Kind geboren. Die Grundeigentumsdeputation Hot bewilligt, daß der Mieter tünslig pro Woche 5 M. an sie zahlt. Uniercs Erachtens ist auch das noch mehr als genug sür die dürftigen und kaum zu er- heizenden Räume, in denen er mit seiner Familie hauten mutz. Um das Areibankfleisch. Die Berliner Fieibank, ber der in der RiiegSzeit der Zudrang von Kauflustigen sich außerordentlich gesteigert hat, verteilt jetzt an die zum Fleischkaus zuzulassenden Personen die neuen Kunden- karten. Früher verkaufte sie dos ihr überwiesene minderwertige »nd darum weniger teure Fleisch an jedermann, seit mehreren Monaten aber ließ sie nur noch Bedürftige zu, denen sie Legitimationen gab. Die»enen Karren, die sür Februar und März gelten, werden wieder auf dem Viehhof im Bureau der Schlachl- viebversicherung vereinigter Viehlommiisionäre ausgeteilt. Ten Antrag auf Bewilligung bat man dort persönlich zu stellen, wobei zur Prüfung der Bedürstiglest der Mietskomratl und sür Krieger- srauen der Unierstützungsbogen vorzulegen ist. Die Schar der An- iragsteller ist io groß, daß auf dem Viehhof jetzt täglich Tauiende. größtenteils Frauen, aus allen Stadlvierteln BerlsttS zuiammen- strömen. Damit die Bartenden einigermaßen gegen die Kälte gc- schützt sind, hat man ihnen die unbenutzt dastehende große Hammel- balle als Warteraum überlasten. In Reih' und Glied aufgestellt, durch Schranken zusammengehalten und von Schutzleuien'beaus- sichtigt, harre» sie hier mehrere Stunden aus. bis endlich auch sie herankommen. Die Zahl der auszugebenden Karten beläuft sich auf etwa 15 000. Berliner Lebensmitielnachrichten. Nach einer Bekanntmachung des Magistrats über den Bezug von Süßstoff für HauSh�illiingen(sogenannter Ii-Packung) dürfen im Monat Februar nicht wie bisher mehrere Abschnitte der Süßstoff- karte K verwendet weiden, sondern nur der Abschnitt 18. Auch darf auf diesen Abschnitt nur ein Brieschen Süßstoff zu 25 Pf. ab- gegeben werden. Feiner wird aus alle früheren Abschnitte der Süßstoffkarte bis Nr. 17 kein Süßstoff mehr abgegeben. Die sür die Festsetzung von Kleinhandelspreisen von Raucher- waren eingesetzte Kommiision hat folgende Kleinvcrkaufs- preise sestgefetzlt Für Sprotten Piund 80 Pf. für Spiott- bücklinge'/< Psund 60 Ps. und sür Bücklinge pro Sliick LO Pf. Schon in der gestrigen Nummer datten wir eine Miiteilung über Festsetzung von Kleinhandelspreisen sür Räucherwaren gebracht. Wir wollen nicht hoffen, daß die Preste sich Von Tag zu Tag ändern. Sollte man nicht doch etwas sorgfältiger bei der Festsetzung der Preise verfahren._ Warum das'? Der Kaufmann Leopold Dukelski hat Korklinoleum als Schuh- fohlenerfatz verkauft und damit in kürzester Zeit eine Unmasse armer Leute geschädigt, selber aber ein Bombengeschäft gemacht. Das Schöffengericht verurteilte ihn wegen Kriegswuchers zu zehn Monaten Gefängnis und 10 000 M. Geldstrafe. Aber Herr Dukelski legte Berufung ein und richtig— das Landgericht er- mäßigte das Urteil auf sechs Monate Gefängnis und 5000 M. Geld- strafe. Sicher haben die fünf Herrelt gelehrten Landrichter großen juristischen Scharffinn und viel Gelehrsamkeit darauf verwandt. um festzustellen, daß der gemeine Kricgswucher des Herrn DukclSli bei zehn Monaten Gefängnis um vier Monate Freiheitsent- zichung zu hoch eingeschätzt sei. 90 Kohlrnrübengerichte waren dieser Tage im Charlottenburger Rathaus ausgestellt und für 20 Pf. konnte man dort eine Rezept- iammlung erwerben, die zur kunsigerechien Herstellung dieser Delikatesten anleitete. Konsequente und unerschrockene Kriegsseinschmecker sind danach in der Lage, sich aus der ehemals verachteten Wruke die raffiniertesten und abwechfelungSreichsten Diners bereiten z» losieu. Sie können fast ein Vierteljahr hindnriv jeden Tag etwas anderes und doch immer mir Kohlrüben esien. Abgesehen vielleicht von Reh- Hühnern und Kieler Sprotten scheint man so ziemlich alle gangbaren Speisen daraus herstellen zu können: Mocktur'.lsstipve, Kotelettes. Buletten. Bratkartoffeln. Senfgurken. Marmelade, iüßcn Auflauf und sogar.Sch/nalzeriotz". Es siebt auch alles sehr naturgetreu aus— ob es freilich ebenso schmeckt, konnten und wollten wir nitbt feststellen. denn man»oll nichl unbescheiden fein und von den Dingen zu viel auf einmal verlangen. AuSgeflaltmtg der Ferienspiele. Auch in der Zeit vom 1. bis 80. Juni und vpm 14. August bis 15. September sollen für die Gemeindeschulkinder dreimal wöchentlich HalbtagSauSflüge unter Leitung von Lehrern und Lehrermncn eingerichtet werden. Während der fünf- bis sechsstündigen Abwesenheit vom Elternhaus« sollen die Kinder ähnlich wie bei den Ferienspielen mit Suppe und Brot bc- lolügt werden. Der Magistrat hat die hierdurch erwachsenden Kosten von 20 000 M. bewilligt und demgemäß Borlage an die Stadt- verordnctcnveriammlung gemacht.. Alle märkischen Seen sind jetzt bis auf wenige Stellen zuge- froren, und es wird dort eifrig Schlittschuh gelaufen und gesegelt. Trotz des strengen Frostes gibt es aber aus vielen dieser Seen söge- nannte..warme" Stellen, die schwer' zufrieren' und leicht auftauen. Man hirie sich sehr, außerhalb der Bahnen das Eis zu betreten. Tie gefahrlosen Flächen sind so groß, daß niemand nötig hat, sich »tt Gefahr zu begeben. Seit vielen fahren bat die, Mark nicht so viel Eis und Schnee gesehen, wie in diesem Winter. „Tie Bekämpfung der Tuberkulose" ist da-Z Thema, über das am Sonnabend. 3, Februar. Prof. Dr. Orth in einem kür Frauen und Männer aus dem Volke berechneten Bor- »rag im Langenbeck-Birchow-Hause, Luisenstr. 58/20, sprechen wird. Der Vortrag ist von: Magistrat im Berein mit der Berliner medi- zinischen Gesellschaft veranstaltet. Die Verteilung der kosten-- freien Eiiitritlskarlen eriolgt wie bisher durch die Bezirksvorsieher. auch sind wisderun» im Langenbeck-Birchow-Haufe am Vortrags» abend selbst Karten erhältlich. Im Wintergarten findet am 1. Februar d. I. außer einem voll- ständigen Varieie-Programmwechiel die Uraufführung einer neuen Balleitvantomime statt. Die Handlung des Werkes, das den Titel „Die Pyramide" trägt, stammt von Ernst Stern. Die Musik ist von Bizct seingerichtet von Einar Nilson). Mar Reinhardt hat die In- szenicrung des Werkes übernommen. Eine falsche Krankenschwester, die seit längerer Zeit ihr Unwesen trieb, wurde in Schmargendorf festgenommen. Eine 24 Jahre alle Mörla Wcrnidfe, die dort bei ihren Eliern wohnte, spiegelte diesen vor, daß sie als Pflegerin in einen, Reieroelazaretl beichäiligt sei. In Wirklichkeit trieb sie sich in der Tracht einer Krankcnichwester und geschmückt mit dem Bande der Rote-Kreuz-Medaille in Berlin umher und ging auf Abenteuer, Schwindel und Diebstahl auS. So bat sie in ei, rem Laden, den Fernsprecher, der sich in einem Hinter- räum bemnd, �u benupen. und stahl, als sie dort allein war, eine Taiche mit 600 M. In Johannisthal ichwindelte sie einer Bsr- inieterin vor. daß sie im Reiervelazarell in Oberichöneweide an- gestellt sei. ein Verhältnis mit einem Fliegerleuinanr habe und deshalb in dem Oric wolmcir wolle. Tie Wirtin büßte ihr Berttauen mit dem Verlust von barem Gelbe, einer silberneii Handtasche und anderen Wertsachen, die�die W. verkaufte, um den'ErlöS�mi: ihren Liebhabern diirchzubringen. Mit einem Verehrer verabredete dr« „Schwester", die zuweilen auch bürgerliche Kleidung lrug. ein Srell- dichein in einem feinen Hoiel Unter den Linden. Als der Liebhaber nichr gleich kam, benutzte sie die Gelegeuheit, ein Blumensliitt, das 30 M. gekostet hatte, verschwinden zu lassen. Ter Unfall auf dem Anhalter Bahnhof, bei dem die Lokomotive mit mehreren Wagen aus den Bahnsteig geriel und bestrebt war, den Askanlschen Platz zu erreichen, soll durch ein Versagen der— eingefrorenen— Bremsvorrichtung hervorgeruien worden sein. Tie Beute von Zkeukölln. Ter Polizeiwachtmeister Sprung bat in Grünebcrg in Schlesien in der Wohnung der Mutter des. verhafteten Rindfleisch, der den Magistrat Neukölln um 210 000 M.' geschädigt bat. 93 000 M. gefunden, ferner belastende Schriftstücke.� Da auch bei dem Kumpan des Rindfleisch erhebliche Summen bcl, schlagnahmt werden kannten, wird der Schaden Neuköllns nicht all-. zu groß werden. Tiebstähle auf dem Tegeler Güterbahnhof. Auf. dem Tegeler Gütcvbahnhof sind in letzter'Zeit wiederholt Diebstähle vorge-' kommen, ohne daß es gelungen ist, die Täter zu ermitteln. In der Nacht zum Dienstag wurden dort ans einem Güterwagen vier Zentner Zucker gestohlen, die für die Gemeinde Tegel bestimmt waren, am Tage vorher anderthalb Zentner Roggen mehl, das eben- kalls der Gemeinde Tegel gehörte. Der Güterwagen, aus dem die � Waren gestohlen wurden, stand auf den Gleisen gegenüber der Schlicpcrstroße. Tso. Diebe müssen die schwere. Bcine,.iichcr den dort befindlichen Zaun gehoben und zu deren Wegschaffung sich.. eines Wagens bedient habeni* 1 Treibrieurendiebe.. Auf dem Schlesifchen Bahnhof fielen ein j junger Mann und ein junges Mädchen mit drei ziemlich schweren Koffern auf. Man glaubte, daß es Hamster seien, die in der Um- g/bung von Strausberg, wo sie den Zug bestiegen hatten, eingekauft hätten. Zur Ueberraschung der'Beamten waren aber die.Koffer mit guten Treibriemen gefüllt. Es ergab sich, daß drei Brüder namens Uberschth mit dem Mädchen zusammen auf dem Gute Görsdorf bei Hirschfeld die Treibriemen in der Brennerei gestohlen hatten. Die ganze Gefellschaft konnte festgenommen werden. trächtigt wird, die Kartoffelratron für die Neuköllner Bevölkerung in der laufenden Woche nach wie vor ans vier Pfund je Kopf festgeietzt. Ferner ist dem Magistrat die Möglichkeit gegeben, tragende Lämmer und M i l ch z i e g e n für die Bevölkerung zu beschaffen. Die Preise, zu denen noch ein geringer Betrag für Transport uiw. hinzukommen würde, sind berechnet ch iiir tragende Lämmer— Wurf- zeit Februar/April— auf 90 bis 120 M., b) für Milckziegen bis zu 120 M. Bestellungen werden im Ralhause, Zimmer 146 eine wesentliche Rolle— An lausende» Familienunterstützungen, die im ersten Kriegs- vierlcljahr August/Dllober 1914 in Neukölln zusammen nur 1 108 000 M. betrugen, sind allein iür den Monat De- zember 1916 1 985 000 M. und während der bisherigen Kriegsdauer insgesamt 31 340 000 M. zur Auszahlung ge- kommen. Neben diesen regelmäßigen Unterstützungen wurden auf bciondrre Aniräge bis Ende des verflossenen JahreS noch 1 415 000 M. an Sonderunlcrstützungen bewilligt. Einen, breiten Raum nehmen ferner die Mietbeihilfen an. für. welche die Stadt bisher 6 902 000 M. verausgabt Hai. Der. Gesamlauslvand für Kriegsunierstützungen und sonstige aus Anlaß des Krieges ver- uriachlen Unkosten belauft sich bis Ende Dezember 1916 auf 45 916 981 M.__ LebenSmittelnachrichte» aus Neukölln. Der Magistrat hat mit Rücksicht aus die durchaus unzureichende Kartoffelwochenmenge von drei Pfund, die übrigens auch noch durch den infolge der gegen- wärtigcn Beschaffenheit der Kartoffeln bedingten Abgang beein- Preisbeschränknngeu bei Ausbesserungen von Tchuhworcu. Nach einer BundeSratSverordnung vom 25. Januar dürren Aus- besicrungen von Schuhwaren zu keineni höheren Prciic berechuer werden als dem. de, sich aus der Zusanrmcnrechnung der Gestehungs- losten, eine's angemessenen Anteils der aUacnictucir Unkosten und eines angemeffeneu Gewinnes ergibt. Die Gulachierkommissiou iür Schuhwnrenpreiie, die aus Grund deS tz9 der Bekanntmachung ilber PreiSbeichränkungen bei Verläufen von Schuhwaren vcni 23. Ssp- »ember 1316 vom Reichskanzler zu ernennen war. stell: auch die Rrchtiätze für die Preisberechnung bei Aiisbefferungcn der Schub- waren fest. Um dem Verbraucher eine Kontrolle zu ermöglichen,. muß ihm bei der Rückgabe der ausgebesserten Schuhwaren ein Be- glciischcin ausgehändigt werden, der Namen und Ort. des Aus- bcffercrS enthält, auch muß die Art und der Preis der Arbeil in deutscher Währung und das Datum der AnSbefferung darauf ver- nierkr sein. In den Geschäftsräumen derer, die gewerbS- mäßig solche Arbeiten übernehmen, ist eine nach näherer Bestimmung der schon genannten Gutachlcrloinntin'ion oder eines Schiedsgerichts auszustellende Preisberechnung zum Aushang zu bringen, aus der sich der Eiidpms und die Art der Berechnung für Beiohlcn und Flecken ergibt. Ein Schiedsgericht, wie es schon der tz 6 der Bekanntmachllna über den Verkauf von Schuhwaren vom 28. September 1916 �siiorsicht. eniicheider bei entstehenden Slreiligkeilen. Diese Entscheidung ist endcsiitlig. Mit Geiängnis bis zu sechs Monaten oder niit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark wird bestraft: 1. wer auSgebcijerten Schuh- iparen den vorgeschriebenen Begleitschein nicht beifügt, 2. wer dorm unrichtige Angaben macht oder wer ausgebesserten Schuhwaren einen Beglcitichcin beifligt, wissend, daß dieier unrichtige Angaben ein- hält oder daß die Preisangabe erhöhl oder unkciinilick gemacht worden ist, 3. wer einen höheren als den im Begleitschein onge- gcbcnen Preis fordert oder annimmt, 4. wer, nachdem vom Schicds- geeicht für bestimmte Ausbesserungen ein angemeffeuer Preis fest- gesetzt ist, Ausbesserungen gleicher Art mir einem höheren Preise auszeichnet und damit zur Ablieferung bringt, 5. wer die Preis- rabellc in seinen GcichäilSrüninen nicht aushängt. Die Verordnung lrill am 15. Februar in Kraft. Es ictiadcr gewiß nichts, wenn der Bundesrat in der Flick- schnsterci aufgeireteNen Mißständen ein Ende macht. Aber es gilt nicht mir im, l leinen groß zu sein. Au' anderen Geüicteii ist ein energisches' Vorgehen gegen vorhandene Mißstätlde mindestens ebenso dringend geboten./. Lerstcherung der Angehörigen feindlicher Staaten. Einen Schritt weiter ber der Versicherung der in Teiitsihland. arbeitenden Angehörigen iemdlicher Staaten ist jetzt der Bundesrat gegangen. Er hat am 25. Januar eine am 12. Februar tu Krast tretende Verordnung erlasten, wonach diejenigen Angehörigen feind« sicher Staaten, welche, ohne Kriegsgefangene zu sein, auf Grund von Maßnahmen der deutichen Heeresverwaltung zum Zwecke ihrer Beschäftigung nach Derilichland gekommen oder übergesührt worden sind, den Vorichriften der ReichsversicheriingSördnung über Kranken- und Unfallversicherung unterstellt sind, soweit sie wegen der durch die Maßnahmen der HeereSveiwaltung bedingten Gestalt ihres Arbeitsverhältnisses nicht als versichert gelten. Für sie grlt auch daS Gesetz betr. Sicherung der Leislungsiähigkcit der»krankenkassen vom 4. August 1014 und der Z 2 der Bekannrmachuiig über Kranken- Versicherung und Wochenhilse während des Krieges von 28. Januar 1915', d. h. es sind ihnen im VersichernngSfalle. soweit nicht durch daS. Statut eine Neuregelling getroffen worden ist. nur die Mindestleistungen zu gewähren und soweit sie als Hansgewerbelreibende tälig sind, galten sie nur als versichert, wenn die Versicherung durch OriSstalut nach dem 4. August 1914 wieder eingeführt worden ist. Soweit die von der Verordnung erfaßten Ausländer nach den Vorschnsleu der Reich?veisicheruiigSordiiung über Invaliden- und Hinterbliebciieitversicherung versichcrungsvfliittig sein würden, sind sie von der Vcrsicherungspflichl befreit. ES in dies eine Maßnahme. die zu billigen ist, da diele Ausländer.wohl alle in ihre Heimat zurückkchrerl werden und deshalb auf Leistungen dieieS Versicherung-"- zweige» nichr rechnen können. Nur würde cS nichts geschadet haben, wenn der Bundesrat den Arbeitgebern, ähnlich wie bei den ver- sichcrungssreieit Ausländem in der Landtviltschaft, ihren Anteil an den Beiträgen auferlegt hätte. Ist ein Heilverfahren»ölig, dann kann die Heeresverwaltung jederzeit an Stelle des Trägers der Kranken- oder der Umoll- Versicherung das Heilverfahren gegen einen cntsprechendeli Ersatz- anspruch. den die Verordmmg festsetzt, übernehmen. Rückwirkende Kraft hat die Lerardnung auf Unfälle, die die betreffenden Angehörigen semdsicher Sraaren seil rHrcnr Eintritt in 'die Beschäftigung in Deutichland erlitten haben. Das alles ist, wie gesagt, ein Sckritt weiter. Aber noch immer bleibt der unbaltbme Zustand bestehen, daß die bcini Kricgsaus- bruch in Deutschland zurückgehaltenen Ausländer, die auf Grund der Verordnung vom 2. November 1916 zwar gegen Krankheit ver- sichert find, noch immer als unversichen gellen bei Unfällen und, ob- gleich, sie vielfach die Anwartschaft seit lauge»! erworben haben, auch keine Invaliden« usw. Rente erhalten. Warum macht der Bundesrat nur halbe Arbeil? Sucht sachkundige» Rat? Immer und immer wieder stoßen wir auf die Tatsache schmab- sicher Ausbeulung der Versicherten durch Winkelkonsulenten. Ein krasser Fall wurde wieder einmal ain 26. Januar 1917 vor dem Reichsversicherungsamt aufgedeckt. In einer materiell ganz nu-Z- sichrslosen und formell unzulässigen Relurssache war der Verletzte aus Wanne persönlich vor dem Reichsversicherungsamt erschienen. In der Verhandlung stellt« sich heraus, daß er sür die schriftliche Bearbeitung der Sache dem Inhaber eines Bureaus für Unfallverletzte, einem früheren Beamten der Knappschaftsberrlfsgenosien- schair, der wegen Unterschlagung von dieser entiasien worden ist, zirka 30 Mark gezahlt hatte. Alle Gewerkschafisgntppen erteilen über Versichertingsfragen in ihren Bureaus und in scn Arbeiteriekretariaten Auskunft: die öffentlichen RechlSauStunitSstellen tun desgleichen. Und immer wieder fallen die Versicherten in die Hände gewissenloser Menschen, die ihre Not zur Einnahmequelle iiir sich zu gestalten wissen. Meidet die Wmkelkoirsiilenteii! Mus aiier Weit. Streikende Schlächier. Dem..Pelil Parisien" ist zu entnehmen. daß in Ären die Schweineichlächter in einen Ausstand eingetreten sind, als Protest gegen die Bestandaufnahme und Einführung von Höchstpreisen iür Schweinefleisch. Specks und Fttr. Trotz der Ver- mitrelimg de? Präfckten bcbarren die Schlächter auf ihren Streik. Ein sanftes Ruhekissen soll, ivre ivir' in der Schule gelernt haben, ein gute? Gewissen sein. Der Bauer K n 0 l l und seine Frau jedoch in Anis bei Salzburg legten ihre Ratratzen aus volle Gelreidesäcke, und schlieren vermutlich auch ganz gut. bis eine Kommission den Vorrat cntdeckle. Sie fand auch sonst noch schönes Mehl, so unirr dem HairSaltar. parteiveranftaltungen. Vorwärts. Leie- und D i S k ü t i e r l l u b. Sektion Neu- kiiUli. Mitglied»»!' eesnmmlnng" DonneiStag. 1. Februar, abends 81. Uhr. im üokal von Alb. Srhmid!. äieuterstr. 22; Ecke Donaunraßk. Wichtige Tagesordnung!' Gäüe. durch Mitglieder eingeführt, willkommc». Mitglied*' buch legltiniirrl. Zahlreiches Erfcheinen erbeten. Sriefkasten der Neöaktion. I Die juristische Eiteäüliinhc finbef sür vi kwrmenten Llndenstr.?. ly. Hol � rechte, parterre am Mor.lgg üi* Frei tag von 4 bis< tltir, am Soniiadenb von:> bis Ii Uhr Itcu. Jever ttir teil V cd e fr a svc n bestimmten Anfrage ist cm SmaftaW»riv eini Aalst aw Merkzeichen beizufügen. Brioslichc Ant.vart wirb nicht erteilt. Sinsrazen. denen keine kibannementsamitimg beigefügt ist. werde» nichr beantwortet. Eilige Fragen' trage man iil der Sprechstunde vor. rerträge, Tchrif ist ixte und dcrglcrchcn bringe man in Sic Sprechstunde mir. Urban SO. IllisereS Erguilens kaiiii Abie Klage deshalb nicht abgr- wreicn werden.— Fliege» 1000. Die BerpfleauiigSgelder sind'noch riichi erhöht, sie betragen noch I.SO M. lüglich.— C. E. 29. Der Berdieivt muß gcnnrr angegeben werden. Die Steuerbebörde kann über die von Ihnen gemachten Angaben beim Slrbcitgrbcr Nachfiage halten.— S. K. 1917. ? ie Zeichen bedeute»: Allgemeine Köiperichwache, Jormschlcr, Eindrücke oder i�ewebsverwsie ain Schädel, chroniicheö Nervenleiden: dienstuistgüg- lich. Eine Rachmnsicmng sann noch erfolgen. In welche»!(Krade Sie diensttauglich sind, liegt bei der Enlicheidung deS Militärarztes.— 49. F. B. 1. Ja. 2. Auf Achwnpsverlehung vor versammelter Mann- fchast sieht sirenger Arrest nicht unter 14 Tagen oder Gefängnis bis zu :i Jahren. 3. Eine Ablehnung kann überhaupt nicht erfolgen.— Unglück lich 36. 1. Das find keine ousrelchendeti Gründe sür eine Ehescheidung. 2. Ja. 3. Beim zuständigen Amtsgericht. 4. Nein. 5. Ja. ti. DaS von der Frau eingebrachte Ehegut gehört ihr ato Eigentum.— M» 1883. Sie inüllleii sich evenluell«n die Bahnverwaltung in Ostende wenden: die Sendung wird- aber tedcnsalls beschlagnahmt lein..— H. lö. Der Unternehmer ist zum Abzug berechtigt.— W. M. 166.>. ünd 2. Nein. — 2öa. Hei. 77 Wenden Sie sich mit. einem Antrage an da? zustän- dige Amtsgericht um ÜInseKung eines Termins: zum Austritt aus der Landeskirche. �7 G. M 38. 1. Der Antrag ist au das Ersatzbataillon öe.sjcuigen Rcgjtnents zu richtn'i, zu dem Ihr Sobn eingezogen ifu-ijlei«. — fl.-tt.'S. Zuni Ersatz.per Scheibe sind Sie sticht'' verpflichtet-— K. 16. Do? koimten Sie iiur durch Klag« gegen den-Hauswirt eklmbken. lvozu aber wegen der Geringjügigteit der Sache nicht zu rateri ist.— SVetterauSstchecn für das inmicrc Starddentsckrlaied diS TounerStag mittag. Im Küstengebiet vielfach heiler, iiu Bmnenlande vorwiegend trübe, zunächst noch mäßiger Frost, später langsame Er- ivälmuiig. ü ... „Unsere Marine ✓ 2'9Srp."e einachliessüch Kriegchaüf&chloq Urofz öfeuererhohung behalten unsere Zigareffen ihre äffen anerhannfen Quafffäfen. Oeorg A. Aktiengedellschesii &» CigTO. ßgarPttEK, Raiüaliake Emgret P. Emst Barch. Elsassentr. It. 4 Blfce�olfr. Batrllnfca-� C'rnnz Abraham MesRia«-T:.*ö««rfTaak-ff eil. l> I Wilhelm Göbel B | BeziigsgsueHew»Vei*2eicfegiiSa j UBitRttshende Gesehäfte empfikleisiah fe.ElakSaf. IS eigene Filialen. Schröter, RJ W> ts Pctluni!SSK-nc» 43— H ühly&Wolfram August Holtz i'.Sk S Hlerhcanerti., BlafhdandfgTV BrauereiBöizoyi empfiehlt OlisinaisDiere ersten Ränget u. Habels Brauerei hell- WbelbP«w- dunkel. 4 Proaan und Fnrbari ► W«raer-nra£eri-, IrhalkaJ.utrat. la 4 Cmmlstahrlkon c TifflMr-Essig fi b s ps II« phSItl 3 e k 1 ] 4 Flelaoh- u. Wurstw. b W. ßeck Inh.t Horm. Gerboch Charlottenburg, Berlinerst. 65-59 FI eiseh- und WurstwareUfabrlk MOnchener Brauhatß Berlia und Öranienburs; TrlnKi wanninger Bier! Weissbier, C. Breitbaopt, FaHuduBatr.» Itllpi.?«!,»« VVÜlyGeridre.l'etortr.iLr�erstrJl Otto Hongnl, Alto Jacobatr. ig. 4rtt»rren.u.K,naf>erinarr3> Tr-B5*><... H Eck# *■.».»er prinreB-AIlea. Luaku A Slopeciü, Scliik.-i.llHJ Fahitlh 1 T* rvoaentbaleracr. 3. IlluliUi a 18. Bokbaue Linioustr 4 Kol»nlalw«p«it d Ada» SOuolbi SchiiemkuAMr. tl. Sflscr. Steh Iw, Wiif:ew,WcrUi.� Carl Jraaf, Stroraatr. 3 1. Rflhlmaaa,P.�TQllerst.48brE.S«e«T W�hyhdüitntrriggri"V IBcthkc, Georg, äSrl iKeukölln, Bi'oeitr. 83, Kaiser-Friedr. Ifitr.«4, WcaerstT. 189, Friodebir. 23 j Treptow, Gräts-8trs6e 14. Gaege, Otto CbV�"a" F.W.Mer�T�. > nowstr. 25 Nähmaschinen «I Khhmaaclfrghert BellraaBii,£., ZZ NaitmascliiDeß Lideo In aUea Stadtteilen. IfBigew, Pelistyarga VeatafpETSSr. tlirmaaa k-'-t '— r i te|» um. niEiieriCo. ca.SSQTertülifsstell. Gr;-Eerl Meierei IC. BolBel Alteatet ued g�Saatei Milch wirttchaUlicher - Orossbetrleb zzzs ibptilcBr. Schulart, Carl -chanik.p v . m:feci5;T5-'ua 4"i.ücTiii't.ib'wnraB"~p O. Priirvao-.Nr'i'» t> 4«-'hfcit t;."ae!ity,-a-.'e!rt> l-ohmönn. Ä 1.'i,!'r;ink?rXtr,'ei'l 4 ÜäpalohorwngiBn b !„Deutsciiiand" Berlin 1 Arbeiterversleherung— Echötzea- Sterbekasseiivergleherg, strafie I. 4 Spandau» i Scheüerleln.BK��it.fb.nicli-�'T'tT. Dem Menke» ngietei «eMm Es starb: � 4. Wahlkreis. AmK.Lvnuar iiirmkmFcswnvZ, ! klizarett im Aller von 40 Jahren iVi den Folgen bcä Slricgcä Otto Franke Tilsiter Str. 24. Bez. 393 IL Es fielen: 6. Wahlkreis. Äm 34. Ottober im Alter von ;i5 JuHren der Feilen baucr KicKarä Sraun Korsörcr Str.20. 7.Abl,,Bez.t>Zl» Am«. November der 43jäHrIge s Klempner Franz Sensel i 3!oftr,tfcr(5tr.27. lL Abt.Bcz 693. til»w StiegsfQoDM Wahlverein Pankow. Arn 5. Januar 1917 durch Brutsichug Hermann Kö!zel. Wahlverein Lichtenberg, Hm 29. Dezember 1916 Stanislaus Sraun 2. Bieirel, a. Abt.. 39. Gruppe Wahlverein Reinlckendort-Ost. Die Genossen August Fielilz, Franz Burkiiardt. Vertiand der Koptersclunlede DcntnchlandH. Filiale Berlin. Am 28. Januar verstarb nach lurzern Leiden unser öltesleS Mit- giied, der Kollege Uv\ Ziegenbirt im Aller von»2 Jahren an Altersschwäche. Ehre seine««nhenke«: Die Beerdigung findet beute Miltwoch. den 31. Januar, nach- mittag« 3°/, Uhr, von der Salle dcS allen Luisen-KirchhoseS, Berg- mannftr. 48/50, aus statt. Um rege Beteiligung bittet 99/13 Der Filialvoritand. ÜB. Der Zeilpunkt der Sin- äscherung des Kollegen F. Fechner wird später bekannlgegeben. Veit il. Schneider, Sctineidepinnen u. Wäsebearbeiter Dentsetilands. Filiale Berlin. Unseren Mitgliederet hiermit zur Nachricht, dah der Herren- ulasischnrider, Kollege Ibomas Heiinger geb. 17. Dezember 18Ö7 am 29. Januar verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am 1. Februar, nachmittags 4 U r. auf dem Heilig.Krcuz.Kirchhof m Alarirndors, Eisenacher Str., statt. 164/12 Die Ortsverwattiing. �Bischer Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Bertin. Xachrnf. Den Kollegen zur Nachricht. dasi unser Mitglied, der Gürtler Paul Rieger Lichtenberg, Prinz-Albert-Dtr. 24, am 27. Januar gestorben ist Ehre seinem Andenken! DI« Beerdigung findet am Mittwoch, den 31. Januar, nach. mittags 3 Uhr. von der Leichen- halle des Gemeinde-FriedhoseS. Lückstrasie, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 129/7 Die LrtSverwaltuiig. -r Sonntag, den 28. Januar, oer- start, nach langen schweren Leid-n und Dulden unsere irmiggeliebte und gute Tachter Frieda im Mter von kaum 17 Jabren Ilm still- Teilnahme bittet Familie»ermann Wilke, 18256, Ufnaustr. 16. Die Einäscherung findet Don- nerstag, den 2. Februar, nach. mittags 2 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Allen lieben Freunden und Bekannten hiermit die Trauer- bolschasl, daß unser lieber un- oelgeßlicher ältester Sohn. Bru- der, Enkel und Neffe, der Karde- Pionier Mkred Sporbert Im Aller von 21 Jahren in den letzten heigen Kämpfen den Tod sür» Vaterland erlitten hat. Ei' starb nach schwerer Verwundung im Lazarett und wurde am 19. Januar im Beiseln seines Vaters, der auch an der Front steht, in« Hildengrab gebettet. Altenburg, S.-A., Kesselgaffe 7. Louis Sparbert(im Felde) und Ära». Helene und Walter Sporbert. zugleich im Namen aller Per« wandten. Hiermit die traurige Nachricht, daß mein lieber, unvergeßlicher Mann, der treusorgrnde Valer seiner Kinder, der Steinschleifer Emil Karge am Sonnabend, den 27. Januar. nach lurzen, schweren Leiden sansl enlschl�asen ist. Die« zetgen an Die trauernde Gattin nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 3t. Januar, nach- miltagS 3'/, Uhr, von der Leichen. halle des Freireligiösen FrtedhoseS. Pappelallee 15/17, aus statt.+15 Ungeahnte Erwerbs- MUgllchhelten Mete! die niehste Zukunlt Eine fiel- greilende Änderung unseres geseniten wirtschattslebens, ein gewaltiger Autschwung unterer Industile u des Hin- dtlt steht bevor, und es werden Überall geschulte Krähe gesucht sein. AngehSrlge technischer Berufe u. Handwerker tollen nicht versäumen. Ihre Kenntnisse und Fertigkelten dei kommenden Zelt anzupassen, um teil. tunehmen an den wirtschaftlichen Erfolgen, die naturgemäS das Ergebnis des gewaltigen Ringens sein müssen Das beste Mittet, rasch und gründlich. ohna Lehrer, durch einlachen Selbst Unterricht eine gründliche Ausbildung In technischen Wissenschaften an erwerben, sind die technischen Seihst- unterrlchtswerKe„Syat.Karnack. Hachfeld". 80 S. starke Bro schüre kostenlos, Bonness* Hachfeld, Potsdam. PosUaeü 1(7 vr~ chuLto 56�-•UJ' mcr YerMllLTrsstelle Berlin. N 54, Linienstr. 83-85. Keschästszeit von 9—1 Übt und von 4— 7 Uhr. Tetevboni Ami Norden 185.>239. 11-87. 9714. Heute Mittwoch, de» 31. Januar 1917» abends 8'/z Uhr: Mitglleder-Bersamntl«nfl der Gold- und Silberarbeiter und verwandten Berussgenossen im Saale des lvewerkschaftshauses, Engelufer 13. Tagesordnung: 1. Verbatids- und Brancheimngelegenheiten. 2. BeischiedeneS. DSP" ivliigliedsbuch Irgtmiert!-W» Zahlreiches und t ünlllicheS Erscheinen witd erwa-tct. I29/o_ Die Orlwv.TTvaltnnc. Vowarls-Vibliochek Zeder gut gebundene Band 1,20 Mark Die Belannimachung des Oberkommandos in den Marken betreffend Höchstpreise für Zink tritt am t. Februar 1917 in Kruft. Die vollhändige amiliche Belannimachung eisolgt an den Anschlagsäulen und in der„Norddeut che« Alluemeinen Zeitung'. Berlin, den 31. Januar 1917. 52. I. Mit. 17. Der Polizeipräflbent. Die Belanntmachungen des LbcrtommaadoS in den Marlen betreffend beschlagnahme und Beftandserlirbnug uou roden Seiden und Seidenabfälle« oller Art sowie Höchstt>rc-se inr rotte Seide« und Teidenabfälle aller Art iieten am 3t. Januar I9>7 m Kraft. Die vollständige amtliche Bekannimachun? er olgt an den Anschlag- iäulen und in der.Norddeulichen Allgemeinen Zeitung'. Berlin, den 31. Jannar 191 7. 55. I. Mit. 17. Der PolizetprSfiden». cksal von Joh- gerch Ver Borgen graut R�ö ivottAiattLelohnnng'�� Dle betterete» 17, � Vom Waisenhaus zur Zabrit spfkditvie pfner VroleiarlHrtugeud von Dttreitpr Ver GotteSläflerer �"..7� btraltcvcn Valdarbeltn- v»n ü«er VieAiarletenderin�""-°-� tioaifnrflr von Grcrmann-Ehairian Zeit der««volu. tu»elglen un»«ordsiani. rstch. Gau Dr. TL ilttltn und».«»»'te s'«t» S«ilsern und 1 Kane Kriegsverichte KrieftsderlsbirrllaUrr:: SN S»Mbm, und 1 Porte Serzen im Kriege ». Ar. Diedench. L Bnnde. jedi Stdilociuttgen u. Be- fchlüilkn. ausgewählt eder t. htb adaellvlofseu. Als Zwischendecksteward nach Südamerika Buchhandlung Vorwärts Berlin GW. 6S, Lindenstraße S livrlii, Stz«. IS, « Cngel-kZfe»' 5. 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Die sorlgeseble eibebliche BolfSspeisung erfordert eine Steigerung der Teilnehmer an der städtischen erhöhte Beihilfe ehrenamtlich taliger Frauen bei der Ausgabe der Speiien. Wir bitlcn daher alle diejeiilgen Flauen, welche bereit sind, bei Er' süllung dieser vaterländischen Ausgabe mitzuwii ken, sich zu einer Beivrechung am Sonnabriib, den lt. Frdriiar 1917» abends 8 Uhr, Im Bfirger- fanle des Rathauses einzufinden. Berlin, den LS. Januar 1917. �Lglsttgt tiök kütilglieliöt» ttsupt- lltil! kesillsmtgtjt. W«i'»>wtk. Spezial'ärzt| Zuviel Steuern? Dr. med. Hasche, Friedrichstr. 90 Behandt von Syphilis. Haut-, Harn.b raaenl, Id.spez chron Fälle. Ehrlich-Haladlurcn, schmerz- lose, kürzeste Behandlung ohne Be> russftörung. Blutuntersuchung. Maß. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 10—1 und 5— 8, Sonnt, ll—l. IIIMIIIIIIIIIIIIIIIIII Oie Steueeeinschäßtingen �ehen den Eteuertahlero m den nächsten Wochen zu. heinesWerke i Vinte S»ae». 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Norden 8540.| Zeitungs-Ausgabestellen und Jnseraten-Anuahme. Zentrum: Albert Hahtttsch, Ackerstr. 174, am Koppenplatz. Geöffnet von 11— 1H und von 4'4— 7 Uhr. ?. Wahlkreis: S. und SW.: Gustav Schmidt, Barwaldstr. 42, an der Gneisenaustraße. Geössnet von 11— Hb und von 4�—7 Uhr. 3. Wahlkreis: St. Fritz. Prinzenstr. 31. Hof rechts pari. Geöffnet von 11— litt und von 4't— 7 Uhr.„ 4. Wahlkreis: Osten: Robert«engels. Markusstr. SS. Geossn« von 11— Ith und von i'/t— 7 Uhr.— Karl Melle, Petersburger Platz 4 tLaden). Geöffnet von 11— Ith und von 4tt— 7 Uhr. 4. Wahlkreis: Südosten: Paul Böhm, Lausitzer Platz 14/15. Ge- ofinet von 11— Pt und von 4V»— 7 Uhr.... 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanelkirchstr. 12(Hof). Geöffnet von 11— 1V4 und von 4H— 7 Uhr. 6. Dohllreis(Moabit): Salomon Joseph, Atlhelmshavener Str. 48. Geöffnet von 11— 1V4 und von 41t— 7 Uhr. Weddina: I. Hönisch, Mullerstr. 34», Eck« Utrechter Straße(Laden). Geöffnet von ll— It und von 4>4—7 Uhr. Rosenthaler und Oranienburger Vorstadt: A. Wolgast. SSattstr. 9. Geöslnet von 11— 1)4 und von 4�4— 7 Uhr. Gesuudbrunnen: Fischer, Bostianstr. v(Laden). Geöffnet von 11— und von 4�4—7 Uhr. Schönhauser Borftadt: Karl Mars, Greifeichagener Straß« 92. Ge- öffnet von 11—\y> und von 4H— 7 Uhr. «dleedhos: Feuer st«in, vismarckftr. 82. «lt-Gii-nicke. Falkenberg: Wilhelm Dürre, Friedrichstr. 46. Baumschulenweg: H. Hornig, Marienthaler Straße 13. 1. Bernau, Röntgental. Zepernick. Schönow, Schönbrvck und Buch: Heinrich B r o f e, Mühlenftr. ö(Laden). Bohnsdorf: Schleffler, Privatstraß«, Genoffenschastshaus.Paradies". Eharlottenbnrg: Gustav Scharnbera, Sesenheimer Straße 1. Ge- öffnet von 1t— 1'4 und von 414—7 Uhr. Eichwalbe, Schmöckwitz. Zeuthen, Miersdors: OSkar Mahle, Grünauer Straße 37. Fredersdorf-Petershagen: Stellmacher, Petershage«." Ariedenau, Steglltz, Südende: H. B« r n f« e, Sllfenstr. 5 1» Steglitz. Ge- öffnet von 11—1)4 und von 4)4—7 Uhr. Friedrichshage«, Fichtenau, Rahnsdorf. Schöneiche, Klei«- Schönebeck: Ernst Werkmann, Friedrtchshagcn, Köpenick«! Straße 18. Grünau: Franz Klein, Friedrichstr. 10. Johannisthal, Rudow: Mar Gonfchur, Parkstr. 23. «arlshorft: Hermann Btlling, Tönhofsstr. 28. KöniaS-Wusterhause», Wildau, Riederlehme: Friedrich Baumann, Luckenwalder Straße 5. KSpenick: Emil Wißler, Kietzer Straße 6(Laden). Geöffnet tum morgens 7 Uhr bis abend» 8 Uhr. Lichtenberg 1, Friedrichsfeld«, Hohenschönhausen: Otto Setkel, Warten- bergstraß« 1(Laden). Geossnet von 11— 1)4 und von 4)4— 7 Uhr. Lichtenberg N, RnmmelSbnrg, Stralau: A. Rosenkranz, Ast-Box» bagen LS. Geöffnet von 11— 1)4 und von 4'4— 7 Uhr. Mahlsdorf. Kanlsdorf, Biesdorf: P. Heßberg, Kaulsdorf, Ferdinand- straße 17. Mariendorf, Marienseld«: August L ei P, Chauffeestr. 29. Neukölln: M. Heinrich, Neckarstr. 2(Laden). Geöffnet von 11—1)4 und von 4)4-7 Uhr. Reukölln-Lritz: Rohr, Siegfriedstr. 28/29. Geöffnet von 11—1)4 und do» 444—7 Uhr. Riederfchöneweid«: Wilhelm Unruh, Brückenstr. 19, ll. RowaweS: Karl Krähnberg, Eisenbahitstr. 10. Oberschöneweide: Otto Freibank, Bismarckstr. 25, l. Pankow, Riederschönhaitseu, Rordeud. Frauz.-Buchholz. Blankenbutm R i ß m a n n, Mühlenftr. 30. Geöffnet von 11—1)4 und von 4)4 bts 7 Uhr. Reinickendorf-Ost, Wilhelmsruh und Schönholz: P. G u r f ch, Provinz- - straße 50 lLadett). Geöffnet von 11— l)4 und 4)4— 7 Uhr. Schenkeudorf bei Königs. Wusterhausen: Chr. Hantschke, Dorfstr. 10. Schöneberg: Wilhelm Baumler, Meinmger Straße 9(Laden). Geöffnet von 11— l't und von 4)4— 7 Uhr. Spandan, Ronnendamm: Schumacher, Breite Straße 6. Geöffnet von 8 Uhr morgens bis 3 Ubr abends. Tegel. Borfigwalde. Wittenau. Waidmaniislnst, Hermsdorf, Hohen-Reuen- dort, Virkenwerder, Frei« Scholl« und Reinickeudors-Weft: Paul S i e n a st, Borsigwalve, Räufchstr. 10. Geöffnet von 11—1)4 ond von 4)4—7 Uhr. Teltow: Pfeifer, Havelstr. 2. Tempelhof: Rud. Neckermann, Kaifer-Wilhelm-Straße 74. Treptow: Roh. Gramen», KiefHolzstr. 412(Laden». Geöffnet von 7 Uhr morgens bi» 8 Uhr abends. welßense«, HelnerSdors: vust. Roßkopf, Berliner Me« 11. Wilmersdorf, Salense«, Schmargendorf: Paul Schubert, Wilhelms- aue 27. Zoffen: Fr. Ratsch. Berliner Straße 24. Sämtliche Parteiltteratur sowie alle wissenschaftlichen Werke werden geliefert. Sonntags find die«usgabestelle» geschlaff««. Hr. 3«.- 1917. Unterhaltungsblatt öes vorwärts MlttVoch,3t.Iantlar. Muf Seewacht. Von Signalgast Ueber das Leben des Kriegsvolkes auf dem Lande und in den Schützengräben erfahren die Volksmassen in der Heimat und durch die Kriegsberichterstatter so mancherlei. Dagegen leben wir Wasser- rotten in einer ziemlich abgeschlossenen Well, aus der nur selten Mitteilungen an die OcfsenUichteil gelangen. Vielleicht interessiert es die Leser des„Vorwärts" eine kleine Schilderung des Lebens und Treibens, wie eS sich in und aus den Panzerlolossen abspielt, die draußen auf der Wacht liegen, jeden Augenblick bereit. einem übermächtigen Heinde entgegenzutreten oder geplante Einbrüche feindlicher Seestreitkräfte in die heimatlichen Gewässer ab- zuwchrcn. Ueber dem ewigen Einerlei dcS Dienstes ist die Woche wieder einmal vorübergegangen und der Sonnäbendabend angebrochen. Vor dem Schlafengehen halte ich noch einen kurzeir AuSguck vom Deck. Nichts zu sehen als grauer Himmel mit vielen zerrissenen Wolken und ein in Nacht und Nebel getauchter Horizont. Der Wind ist böig, die der offenen See zustrebenden und sich überstürzenden Wellen zerschellen an der grauen Panzerwand des in der Strömung liegenden Schiffes. Nur ganz undeutlich heben sich die Umrisse eines zweiten noch weiter seewärts liegenden Linienschiffe? von dem schwarzen Hintergrund ab. Tiefe Stille rings umher, nur die gelb- lichen gefräßigen Wässer singen ihr monotones, uralte-Z Lied. Legt man oben das Ohr an die stählerne Bordwand, kann man deiit- lich das Klopfen des SchiffSberzens, daZ dumpfe gleichmäßige Schlagen der Maschine ventehmcn, die das gewaltige Schiff mir elektrischem Licht versorgt. Nur die Jimenräume, nach außen dringt aus dem ganzen Schlff nicht der geringste Lichtschimmer; alles ist abgeblendet. Nur am Horizont blitzt irr regelmäßigen Intervallen eine Leucht- voje auf, die den vorbcikomnienden Schiffen�zur Orientierung dient. Nun verfüge ich mich in meine Hängeinatte, aber von unge- störtetn Schlummer ist keine Rede. Eine Viertelstunde vor Miller- nacht erscheinen die Posten, die eben Befehl zum Wecken erhielte», an deii� Schlafplätzen. Dort beginnt eilt grausames Spiel. Leute, deren schinunzelnde Gesichrer deutlich verraten, daß typ sich augenblicklich bei den Liebste» aus Urlaub oder im Kreise ihrer Familie besinden, lverdeu mit dem Rufe:„Reise l Reise!" und derben Stößen aus ihrem traulichen Jdpll herausgerissen und in die Wirklichkeit zurückgeführt. Kein Wunder, tuen» hier und da Morgengcbcte laut werdcit, wie sie in keinem Gesangbuch zu finden sind. Doch so euer- gisch das Wecken auch erfolgte, keiner der Geweckten kann sich sofort von semem„Wigwam" trennen. An allen möglichen Stellungen verharren sie noch einige Zeit init halb oder ganz geschloffenen Augen in ihren Hängeniatten, bis eine schrille Slinnne ruft i„ä Minuten vor lZ!" Dieser Ruf wirkt tvie ein Donnerschlag. Augenblicklich sind die Geweckten aus den Hängematten heraus und es beginnt ein tolles Rennen und Hasten. Denn in kürzester Zeit Muß viel gemacht werden. Die Leute müssen sich in den fünf Minuten ankleiden, ihre Hängeniatlc abnehmen, rollen nnd in dem dazu bestimmten Älasten verslauen, Tabak und sonstige Utenfilien zu sich stecken, etwaige Be- dürfniffe erledigen und schließlich noch vor 12 Uhr antreten. Erhöht wird das Durcheinander noch dadurch, daß in dem verhält- insmäßig engen Raiun 40 Hängematten dicht nebeneinander schweben, Licht nur spärlich vorhanden ist oder von den Hänge- matten verdeckt wird, und selbst daS Deck, das ohnehin der Mög- lichkeucn übergenug bietet, sich mit Erfolg Arme und Berne zu brechen, noch mit vielen Hängemarlen belegt ist. Aber Uebung macht den Meister, und eine Minute vor 12 Ubr stehen sie nicht mehr in dem Abteil. Als die Schiffsglock« tönend die Mittcrilachtsstuirde anzeigt, wird die Schotlür schon wieder geöffnet und die abgelösten Posten treten ein. Deren.Lärm ist bald verstummt, denn sie haben alle das Le- dürfnis nach Ruhe. Bis 7 Uhr morgens können sie schlafen, so lange wie ich, der ich diese Nacht keinen Posten zu beziehen brauche. Um 7 Uhr gibt es wieder kräftiges Wecken. Im Nu bin ich aus der Hängematte, ziehe schnell Strümpfe und Schuhe, sowie die Hose vierter Garnitur an, von der die Sage berichtet, daß sie von selbst stehen könne, nehme die Hängematte ab. schlängele mich mit ihr durch den Knäuel der Kameraden und krieche durch ein Gewirr von Gängen und Schollüren. Darauf gehl es denselben Weg zurück an das Kleiderspind. uur Waschutensilien zu holen. Das vollzieht sich sreilicki nicht innner glatt, sehr oft muß man zehn Minuten oder noch länger warten, eben weil von 1300 Menschen nicht alle die ersten sein können. Daß die Lust in den engen Räumen, in denen während der Nacht über lautend Menschen geschlafen haben, nicht besonders gut ist, braucht wohl kaum erwähnt zu werden. Während der erzwungenen Pause kann man allerlei Studien machen. Welch' eine Fülle der ver- schiedensten Charaktere sind hier aus allen deutschen Gauen in den engen Schiffsraum vereinigt und wimmeln wie Ameisen durchein- ander! Jetzt gibt eS etwas Luft, ich benutze sie, um Waschschüssel, Handtuch und Seife zu nehmen und damit nach dem Borderreil des ischiffeS zu eilen, auf dem das Waschen vor sich geht. Mit der Seife muß sehr sparsam gewirtschaslet werden, müssen SO Gramm doch einen ganzen Monat reichen. Würde heute noch die Kultur- stuie der Völker nach dem Seifenverbrauch bemessen, könnte es leicht kommen, daß wir schlecht abschnitten und des.Darbaren- tums" überiührt würden, von dem unsere Feinde ständig schwätzen. Nach eingenommenem Frühstück geht es auf die angewieiene Station, zur Ausführung der ArbeiM, die auch Sonntags ver- richtet werden miiffen. Meine SlarMl umfaßt die Gemächer des Höchstkommandierenden, des Admirals. Uebermäßig viel Arbeit macht mir die Reinigung ja iirckt, so daß ich immer noch ein Viertel- iiün�chen übrig behalte, um meinen Gedanken nachzuhängen und Beobachtungen zu machen. Ich schaue aus dem Bullauge, wie man die runden Fenster des Schisses heißt, hinaus auf die Wasserfläche. Trostloser Anblick! Wohsil das Auge sieht, Wasser und nichts als Wasser, dann ein Strich, der Horizont, und darüber der Himmel mit den grauen, sich jagenden Wolken. Mit ihnen wandern meine Gc- kaufen weiter gen Süden, in die liebe bayerische Heimat mit ihren 9*rgen und Wäldern, der ich so entfremdet bin und die ich doch nicht vergessen kann, lind noch weiter gen Süden schweifen sie, in das Land der Pyramiden und Palmen und darüber hinaus, in den un- endlichen Urwald, in dem ich nronatelang ein Nomadenleben führte. Aus diesenr Sinnieren werde ich durch das häßliche Kreischen der Möwen aufgeschreckt, die in großen Schwärmen um die Schiffe kreisen und sich um jeden Speiseabsall wütend balgen. Wenn man schärfer zusieht, kann man beobachten, wie rast all�Möwen der älte- ren Jahrgänge Verstümmelungen aufweisen. Die sie sich in diesen Raufereien um des Leibes Nahrung geholt haben. Oben auf dciu Deck siballt es staut:„Aufllaren!" Ter Befehl gilt für das ganze Schiff! eiligst wird das Putzzeug verstaut und aus der Brücke angetreten. Der Akt geht rascksivorüber, wir verschwinden wieder in der Tiefe, irni nach einiger Zeit aus erhaltenen Befehl mit guten Sachen zur Musterung anzutreten. Glücklicherweise haben wir in unserem Signalmeister einen prächtigen, humanen Vorgesetzten. Bei der Instruktion sagte er uns oft:„Kinder, was der Dienst ver- langt, muß unweigerlich ausgeführt werden! Je williger Ihr Euch zeigt und je eifriger Ihr Euch allen Arbeiten unterzieht, desto besser wird alles gehen, und ich werde nicht nötig haben. Euch zu tadeln und zu strafen." Da er kein. Kleinigkeitskrämer ist und etwas von der schweren Kunst versteht, jeden. seiner llntergebenen nach seiner besonderen geistigen Veranlagung zu behandeln und anzuspannen, ist er ungemein beliebt und der Dienst wickelt sich ohne Poltern und Schellen schnell und sicher ab. Heute vollzieht sich die Musterung rasch. UnS Katholiken war schon vorher eingeschärft ivorden, die Gebetbücher nicht zu vergessen, denil der Musterung schließt sich der Gottesdienst in de zur Kirche uingerniltctm Vorbatterie ab. Ein Gebetbuch mutz jeder besitzen. Wer kcins hat, dem wird eins gekauft und das Geld von der Löhnung abgezogen. Mit dem Herrn Pfarrer stehe ich leider nicht auf besonders gutem Fuße. Als er gehört hatte, daß ich schon weit in der Well herumgekommen war. zog er mich einmal an ciizxm Sonntagnachi mittag, an dem ich dienstfrei war, ganz leutselig— der Herr steht im Lsfizicrsraug— ins Gespräch. Von meinen Fahrten und Üben- teuer» wendete sich das Gespräch schließlich auch Zeit- und Streitsragen zu, und Hochwürden sondierte dabei, wie es mit meiner Well- anschauuna stand. Offenherzig erklärte ich, daß ich durch vieles?!�ch- denken nnd durch Lesen wiffenschafllicher Bücher zu Älnsichteir über Gott und Welt gekommen sei, die weit von dem von der Kirche Ge- lehrten gbwichcn. Darüber war der Herr Pfarcr entsetzt, und so ojr er jetzt meiner ansichtig wird, trifft mich ein langer, vorwurfsvoll- strafender Blick. Mehrmals hatte ich schon An Eindruck, daß bestimmte Ausführungen in seinen Predjgten ganz speziell an meine Adresse gerichtet waren. Der kirchlichen Andacht folgt irochmals ein„Antreten", nnd als das..Wegtreten" erschallt, steht die Uhr hart aus 12. Da heißt es, rasch Essen holen und schnell speisen, denn die Diensthabenden auf der Brücke warten bereits sehnsüchtig und hungrig ans Ablösung. Bald ziehe ich denn auch mit fünf Mann zur Wache aus die Brücke. Als Dienstältester muß ich meine Kameraden anmelden und es be- ginnt ein Frage- und Antwortspicl, das sich stets gleich bleibt und doch immer wieder anderes bringt. Nachdem ein jeder über den laufenden Dienst informiert ist, verschwindet nach Ucbergabc des Postens die abgelöste Wache schleunigst, um sich die. reservierten und manchmal auch bereits etwas„'abgekühlten" Speisen zu holen. � Für uns aus der Brücke beginnt ein schwerer Dienst, über dessen Art näheres natürlich nicht gesagt werden kann. Bei der Ablösung um 4 Uhr sind wir ermüdet und gründlich durchgefroren. Jetzt sind wir endlich„frei". Nachdem wir uns in unserem Logis etwas ge- wärmt haben, wird die Zell mit Lesen und Briefschreiben zugebracht. Sie ist nur sehr knapp zugemessen, diese„Freizeit". Denn bald nach sieben Uhr muß das Abendbrot eingenommen und uni acht Ubr die Hängematte zu vierstündigem Schlafe bestiegen werden. Kur; vor zwölf Ubr werden wir geweckt und e# spielt sich alles wieder so ab, wie ich es eingangs mit der Wache, an der ich nicht beteiligt war. schilderte. Damit sind dann die vierundzwcmzig Stünden„Sonntag" an Bord vorüber. Daß an den Wochentagen Dienst und Wacht an der Wasserkante noch viel härtere Anforderungen an die Mannschaft stellen, braucht wohl nicht erst betont zu werden.(es Serliner vvlks-/., Millionen Einwohner. Der Bevölkerungszuwachs während-der drei letzten Jahre allein stellt eine Zahl dar, die höher ist. als die Gesamtzahl der Bevölke- rrlngen anderer großer nordamerikanischer Städte wie z. B. Boston oder St. Louis. Gerade während des Krieges ist ein wahres Bau- fieber emstanden. Nach einer Statistik soll gegenwärtig im Gesamt- gebiet der Stadt New Aork jede Viertelstunde ein neuer Bau- voll- endet werden. Dabei handelt es sich zum größten Teil um Fabriken oder sonstige Anlagen, die für Arbeitszwecke bestimmt sind. Der Wert der von den 88 000 Fabriken der Stadt Neio Aork im letzten Kriegsjahre hergestellten Waren beziffert sich insgesamt auf ungefäbv l5 Milliarden. Die Zahl der Thealer beträgt heute 250. die der Spitäler mehr als 190. die der Schulen mehr als S60 mit einer Besuchszahl von insgesamt durchschnittlich 800 OOO Schülern. Siokize«. — Das K a t i e g a t i m Z u fr i e r e n. Im skandinabischen Norden herrscht zurzeit außcrgcivöhnliche Kälte. Das Kattegat ist in großen Teilen vollständig zugefroren. Dauert die Kälte und die Windstille noch einige Tage so iveiter on, so rechnet man damit, daß das Kattegat dies Jahr, praltiich gesprochen, ganz zuffieren wird. An der Westküste von Schweden und bis hoch gegen Norden hinaus steht das Eis fest. Vorige Woche mußten verschiedene Schiffe, die von Norwegen auf der Fahrt nach Süden waren, in Goienburg einlaufen, iverl sie nicht weilerkonnten. Von einer Lotsenstation an der schwedischen Wcstlüste wird gemeldet, vaß das Eis, so weit man überhaupt mit dem Fernrohr sehen kann, das ganze Meer: bedeckt. 5j Der polizeimeifter. .Ein russischer P o l i z e i r o m a n von Gabryeli» Zapolska. In dieser Fratze mit der spitzen Schnauze und dem den Narben durchfurchten Hals, um den ein rotwollener Schal gebunden ivar. spiegelte sich ein widerwärtiger Charakter. Ihm folgte Isaak. Erst jetzt fiel Klitzki der Gegensatz zwischen Feinbubes Ausdruck und dem deS rothaarigen Musikanten.auf. Der Hotelbesitzer mit seinem silbergrauen Bart eines Patriarchen erweckte aus den ersten Blick ein Gefühl des Vor- trauens. Er war sauber und ansehnlich gekleidet. So lange er allein war. fielen diese Vorzüge nicht auf, aber von dem pockennarbigen Schensal stach er günstig ab. „Jossele wird Sie hinführen," sagte er,'indem er auf den Rotkopf zeigte. „Sie wollen zur Polizei?" fragte Jossele hastig,„bitte, folgen Sie mir!" Er stürzte zum Tor hinaus, raffte den Mantel und patschte mit den Fügen sofort in die größte Pfütze hinein. Dann drehte er sich um und rief Klitzki ermunternd zu: „Bitte, folgen Sic mir!" Aber die Tür des Restaurants öffnete sich, und auf der Schwelle erschien ein Offizier mit lcichcnblafsem Gesicht, die Uniform auf der Brust gcöffnct. „ Jossele! Tu Gauner! Wo bist du denn geblieben?" „Ich komme gleich wieder!" rief Jossele aus der Pfütze mit komischer Aussprache der russischen Worte zurück. „Sofort kommst du her, du Schweinehund und spielst den Tigrionok." „Ich komme sofort!" „Der rote Teufel ist ausgerissen!" Der Offizier kehrte taumelnd inS Restaurant zurück. „Folgen Sie jetzt dem Jossele wfort," meinte der Wirt. „denn die Herren Oistziere könnten Ihnen böse werden, dag Sie ihnen den Musikanten entführt haben. Ich lasse das Tor schließen. Er führt Sie inzwischen zur Polizei und kommt schnell wieder zurück. Er ist ein sehr kluger und ehr- sicher Jude." Klitzki ging ans die Straße hinaus und blickte sich in der Finsternis um, da er Jossele nicht mehr sehen konnte. Inzwischen schloß ProschowSki eilig das Tor ab, um den Dragonern den Zugang zur Straße zu erschweren. Klitzki spähte nach seinem Führer ans. „Pst! Pst!" hörte er plötzlich in der Finsternis. „Ist das Jossele?" fragte Klitzki. „Ja, ich bin es! Kommen Sic!" „Ich kann Euch nicht sehen, ich weiß nicht, wo Ihr seid!" „O weh! warum kann ich Sie denn sehen? Ich sehe in der Nacht genau so w5e am Tage. Ich werde leise spielen, Sie folgen dem Klang der Geige." „Warum denn?" „Ich darf ans der Finsternis nicht heraus. Die Dragoner könnten mich bemerken. Sie drängen sich an die Fenster." Tatsächlich sah man, wie sich hinter den Fenstern des Restaurants etwas regte. Dünne Gcigcntöne gaben kaum hörbar den„Tigrionok" wieder. Es war wie ein Summen in der feuchten Luft. Klitzki merkte, daß sie von den Häusern links herüberkamen. Er wandte sich nach jener Seite. Die Töne verstummten. Das Geflüster wiederholte sich. „Der gnädige Herr geht nicht richtig... so... so..." Ein übler Geruch umwehte Klitzki. „Folgen Sie nur." sagte Jossele dicht neben Klitzki.„Ich werde Sie unterfassen, sonst verlieren wir uns wieder." Vom Hotel her ließ sich durch die offenen Fenster ver- zweifcltes Rufen hören. „Jossele! Komm auf der Stelle her! Jossele!" Aber Jossele kehrte sich nicht niehr an das Geschrei und führte Klitzki, der den Kopf abwandte, um nach Möglichkeit bessere Lust cinznatiiicu. „Jossele! Ios-se—le'" Sic bogen rechts in eine Gasse mit holprigem Plaster ein. Klitzki hatte den Eindruck, als betrete er einen gefährlichen Boden, aber er wollte es sich selbst nicht eingestehen, daß diese Gefahr ibm Schauer einflößte. Im Gegenteil, er machte sich Mllt und zog aus der Tiefe seines Gewissens das, was er Pflichtgefühl nannte, hervor. „Ich muß das tun", sagte er und überließ sich der Gnade oder Ungnade des übelricchci»den Geschöpfes, das sich an seinem Mantel festhielt. So gingen sie eine Weile schweigend nebeneinander her; schließlich begann Jossele zu sprechen. in. Lvffele Pinkas. „Wozu wollen Sie denn zur Polizei gehen?" „Was geht das Dich an?" „Gar nichts! Ich frage nur so aus Neugierde; denn wenn Sie zu dem Herrn Polizeikommissar selbst wollen, so schläft er schon, und wollen Sie zu seinem Sektretär, so schläft erauchschon." ..Dann wird man sie eben wecken!" Jossele verstummte und hüpfte im Gehen, als könnte sein Körper nicht einen Augenblick eine ungebrochene Linie vertragen. „Sie haben es nicht gern, wenn man sie weckt," sagte er schließlich,„sie tvürden sehr unzufrieden darüber sein." Klitzki zuckte die Achseln. „DaS geht mich nichts an!" „Aber sie könnten Ihnen böse werden!" „Davor sollen sie sich hüten. Ich habe keine Angst vor ihnen, ich bin kein Hiesig«: und werde ihnen schon beikommcn." Jossele schnalzte mit der Zunge. „Jawohl! Sie sind ein aufgeregter Mensch. Feinbube sagte mir, es ist wegen eines Geschreis, daS Sie auf dem Stadtwall gehört haben. Aber bei uns schreien die Katzen oft in der?racht oder die Dirnen!" „Nein, nein, das war etwas anderes!" Während Klitzki mit diesem Juden durch die Finsternis ging, übermannte ihn ein immer seltsameres Gefühl. Obgleich er ihn nicht sah, hatte er sein Bild deutlich vor Augen. In jenem Augenblick, da er ihn aus der Tür des Restaurants herauskommen und später, als er die gekrümmte Gestalt mit der Geige unter dem Arm durch die Pfütze waten sah, hatte sich ihm diese Figur tief ins Gedächtnis eingeprägt. Klitzki konnte ihn also trotz der herrschenden Finsternis genau sehen und wahrnehmen, tvie bei diesen anscheinend gleichaültigen Fragen sich Jofseles Gesicht verzog. Er sah sein Aiigenblinzetn und ein nervöses Zucken, das unter seiner Haut dahinhuschte, und er beschloß, sich vor diesem Musikanten in acht zu nehmen und ihn in nichts einzuweihen. Aber Jossele führte das Gespräch fort: „Auch ich habe einmal in der Nacht eilt furchtbares Ge- schrei gehört. Ich lief sofort zur Polizei und teilte es ihr mit. Der Herr Polizeikomntissar warf sich schnell in seine Uniform und den Mantel, denn er ist ein höchst gewissen- haster Polizeikommissar, und ging dorthin, wo das Geschrei gehört wurde. Es waren betrunkene Dirnen und Soldaten. Die Mädchen zankten mit ihnen, und die Soldaten schlugen sich die Mäuler ein. Da war der Herr Polizeikommissar auf mich böse, daß ich ihn geweckt hatte. Er hat sich sehr geärgert." (Forts, folgt.) Ein Griff und er Mi, der Ziuhnk« kfingerkneifer und sitzt gut und fest und richtig, ohne zu hülfen oder zu rutschen. Ehe Die Ihren alten Kneifer um stand- sich mit beiden Händen zum einigermaßen festen Siv gebrachl haben, tonnen Sie bei Benützung de? Ruhnke-Z-ingeikneiferS schon längst gelesen haben, wie viel Rüsten Hindcnburg heute wieder gefangen genommen hat Ist es oft nicht-um Berzweiteln. wenn Ihr Kneifer trotz aller Mühe dennoch immer wieder zu rutschen beginnt odei bei der geringsten Bewegun abfällt, mindestens aber hin und her wackelt. Selten nur wird solch alte Form genau vor den Augenmitten sitzen, dadurch aber wirtt sie störend und beein j l trächtigt Ihr Sehen, sodaß selbst die besten und vastendsten Gläser wie ichlechte und unrichtige wirken tonnen. Wie angenehm dagegen ist «8 für Sie. wenn Sie einen modernen. randlv'en Ruhnle« Fingerkneiser bequem mit einer Hand richtig aufsetzen, wie kleidsam. wie unaussällig und dabei wie wohltuend tür Ihre Äugen ist das. Eine Persönlichkeit, die au' sich hält, darf keinen anderen als den Rudnke» Fingertneiler tragen, nicht nur weil er modern ist. sondern weil er Sie von ollem Aerger befreit und Sie bei dem Genuß Ihrer Lektüte nicht stört und io Ihre Arbeit Ihnen erleichtern biltt. 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