Nr. 48. flbonnemcnts-Bedlnaungen: «»otwpmmts- Ctn« BtimanwanbB' Siedeijä�il 3.30 Ml. msrtaü. L30 Ml. wöchsnllich 30 Pfg. trci mä Hau». fcnjeüie Summet ö f 1(3 feonntois«- uummci mll iHultncaet feomttagä« Seilagt»Die Neue Seit* 10 Sig. Posi- atonnemem: 1.80 Mat! feto Monat. (rmgetrageji in 6ie Seit■ Seminni» StciMiitc. Uitlet fheujbann für Dculichland Uno Oeiltrrtich» Ungarn 2Ä0 Mari, für da» übrige Au-lan» « Mari pro Monal. Poilabonnement-Z nebrne» an Belgien. Däncmari, iöolland. Italien. Luremburg. Portugal, Summen. Schwede» uns die cchiueii. Crlditiit täglich. Vevlinev Volksblskt. Zentralorgan der rozialdcmohrati fehen Partei \ K Deutfchlands. 33. Iahrgattg Die TnfertionS'Gebäbr betrligt(üi die sechSgeivaltrne Kolonel- seile oder deren Rliurn«0 Psg.. für dolltiiche und gewerlichaftlicho Bereins» Und Sctlaninilung<--Äuze>gcn 30 P,g. „Kleine Hnieigcn". das fcagebintlie Wort 20 Pfg.(gulüffig 3 fettgedruckte Worte», jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schiafstcllenarn seigen dos etile Wort 10 Psg. jedes weitere Wort 3 Sig. Worte über 15 Sun,- liaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächile Summet müssen bi» 6 Uhr nachmittags in der ierveditien »tgegeden werden. Die vivediiian tjt bis 1 Uhr abend» gcgjjnu. Itlegtamm-Hbtenc; «SsiUmenokrit BcrUi**. Reüaktion: Sw. 68, Linüenstraße 3. Aernivrecher: Ami Vtactttüla*, Str. 15190—15197. Expeültion: EW. 68, Lindenstraße 3. kkeruivrecher: Amt Moritzplatz, Str. 15190—15197. Keine Schiffahrt mehr in der nordiee! Englischer Angriff bei Miraumont— Französische Vorstöße bei Berry au Bac und bei Ripont— Kämpfe haben nördlich des Oitoz-Tales begonnen. Amtlich. Großes Hauptqu articr, den 17. Fr- bruar 1317. sW.?. 8.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronpriuz Rupprccht. Au der Artois-Front und im Eomme-Gediet, besonders an beiden Usern der Ancre erreichte der Artillerielampf beträchtliche Stärke. An mehreren Stellen wurden englische Erknndnngs- abicilungen, südlich von Miraumont ein noch Tromuielfencr einsehender stärkerer Angriff abgewiesen. Heeresgruppe Kronprinz. An der Aisuc, westlich von Berry au Bac, und iu der Cham- pazne, südlich von Ripont, schlugen französische Borsiöße fehl. Unsere Fliegergeschwader bewarfen wichtige Anlagen hinter der feindlichen Front ausgiebig mit Bomben. An der Sommc flogen mehrere Munitionslager der Gegacr in die Lust; Knall und Krdcrschütteruug waren bis St. Quentin wahrnehmbar. Oestlichcr Kricgsschauvlatz. Front deS Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Bei Illuxt, südwestlich von Luck, bei Zborow, südlich von Brzczony und südwestlich von Stanislau scheiterte» russische Uuternehmuuzeu. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph. Auf den Höhen nördlich des Ostoz-TaleS haben sich seit Morgengrauen Kämpfe entsponnen. Bei der Heeresgruppe deS G c n cra lfeld m a rs ch a llS von Mackensen und an der Mazedouischeu Aront hat sich die Lage bei geringer Gefcchtstätigkeit nicht geändert. Der Erste Genrralquartirrmristcr. Ludcndorsf. * �tbenübericht. Amtlich. Berlin, de» 17. Februar. Abeuds. Au der Aocre haben sich vormittags bei starkem Ar- tillcriefeuer neue Aufauteriekämpfe entwickelt. Im Osten keine besonderen Ereignisse. * Amtlich. B erlin, 17. Februar. Deutsche Mariueflugzcuge belegten in der Stacht vom 15. zum 16. Februar die Flugplätze St. Pol bei Düukirchen und C oxyde mit Bomben. Einschläge in Gebäude» der Flugplatzanlagen wurden beobachtet. Ferner hat ein Wasserflugzeug die in d c n D o w u ö liegenden Handelsschiffe mit zwanzig Bomben angegriffen. Sämtliche Flugzeuge sind zurückgekehrt. ** * Oer österreichische öericht. Wien, 17. Februar 1917. jW. 2. 8.) Amtlich wird verlautbart: Ocstlicher Kriegsschauplatz. Seit heute morgen greift der Feind unsere Stellungen nordwestlich Herr st rau an; die' Kämpfe find im Gauge. Lei Stanislau südlich Zborow und südlich Brzrzany wiesen unsere Feldwachru stärkere russische Elkundmigs- abteilongen ab. Jtalieuischcr und südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine wesentlichen Ereignisse. Der Stellvertreter deS ChesS de« GeueralstabcS. v. H o r f e r, Feldmarfchalleutuant. Ueber zehatausenü Tonnen versenkt. Ii» der Nordsee keine Handclsschisfahrt mehr. Berlin, 17. Februar. Am sünfzchnlcu Februar wurde veröffentlicht, daß ein U-Boot Schiffe vou insgesamt süufunddreißig tausend Br.-Reg�To. versenkt habe. Hierunter befanden sich folgende, bisher in der Presse nicht genannte Schiffe: Englischer Dampfer Gravwa«1142 Br.-Rcg.-To.l, Ladung: Südfrüchte; italienischer Segler Maria l1l18Z Br.-Reg.-To.) mit Kaffee nach London; s ch w e- bischer Segler Huga Hamilton<2563 Br.-Rcg.-To.) mit Salpeter� ladui'g. Unter den übrigen Schiffe» war ein Dampfer von 4500 St.« Reg.-To. mit Kriegsmaterial im Werte vou 60 000 000 M »ach Aegypten, ein Dampfer vou 8 200 Br.-Rrg.«T». mit Stückgut nach Australien, ein Segler von 2000 Br.-Reg.-To. mit MaiSladung, ein Dampfer von 3000 Br.-Reg.-To. mit Kohlen nach Frankreich und ein Drcimast-Bollschiff von 2700 Br.-Rcg.«To., daS Salpeter nach Bordeaux führte. Achtzehn Gefangene wurden eingebracht, darnutcr vier Kapitäne. Ferner wurde» neuerdings als versenkt gemeldet: Drei Dampfer mit 9500 Br.-Rcg-To. und sechs Fischerfahrzeuge mit 900 Nr.- Reg-To.— Bemerkenswert ist noch, daß eine Reihe der aus der Nordsee zurückgekehrten U-Boote gemeldet hat, daß sie iu der Nordsee keinen HaudelSschiffSverkehr angetroffen haben. Englisches Transportschiff gesunken. R o t t e r d a«, 17. Februar. Hier eingetroffeu« Nachrichte« besagen, daß am 12. Februar in der Themsemündung beim Zuntfencrschiff ei« englisches Transportschiff auf eine Mine gelaufen und gesunken ist. Englischer Lustangriff aus üen Srügger tzasen. London, 13. Februar.(Reuter.) Die Admiralität teilt mit, dag M a r i n e f l u g z e u g e am 14. Fe bruar eine» An- griff aus den Hafen und die Schiffe von Brügge unternahmen. Es wurde ein beträchtliches Gewicht von Bomben mit dem besten Erfolg abgeworfen. Alle Piloten und Maschinen mit Ausnahme von einer kehrten wohlbehalten zurück. Am 12. Februar wurde auf einer Erkundungsfahrt im östlichen Mittelmcer eines unserer Flugzeuge von Fokkerflug- zeugen abgeschossen, Pilot und Beobachter wurden, nachdem sie ihre Maschinen verbrannt hasten, gesangen genommen. Ein. Fokterslugzeug wurde von unserem Begteitflugzcug.aus einer Entfernung von 50 Aards zerstört. Von deutscher amtlicher Stelle wird hierzu mitgeteilt, daß der Angriff am 14. 2. ohne jeden Erfolg war. Er wurde durch unser Sperrfeuer erstickt. Weder an den Hafen- anlagen von Brügge, noch auf den im Hafen liegenden Fahr- zeugen ist irgendein Schaden angerichtet. Rücktritt vanüervelües l Haag, 17. Februar'(„Frkf. Ztg.") DaS imHaag erscheinende belgische Blatt„Vrh Belgie" meldet aus Havre, cS sei nicht unwahrscheinlich, daß sich Minister Vandervcldc von der Regierung zurückziehen werde. Als Anlaß werden zahlreiche Schwierigkeiten, die zwischen ihm und anderen Mitgliedern der Regierung entstanden seien und gewisse disziplinarische Maßregeln gegen eine Gruppe von Munitionsarbeitern ge- nannt._ deutsch lanö unö Amerika. Ein Vermittlungsversuch üer Gewerkschasts» verbänüe. Der„Ävanti", das Organ der sozialdemokratischen Partei Italiens, berichtet, daß der Präsident der American Federation of Labor G o m p o r s an den Vorsitzenden der General- kommission der Gewerkschaften Deutschlands Legten ein Telegramm gesandt hat mit der Aufforderung, auf die deutsche Regierung dahin einzuwirken, daß durch den U-Boot-Krieg nicht eine Erweiterung deS Weltkonflikts herbeigeführt wird. Die Angabc des„Avanti" ist richtig. In der Nacht vom 8. zum 3. Februar 1917 hat Legten daS folgende Telegramm erhalten: „Lcgieu, Berlin. Kömie« Sir nicht auf die deutsche Regierung einwirken, daß ein Bruch mit den Bereinigten Staaten vermieden und hierdurch ei» allgemeiner Konflikt verhindert wird?" Am 9. Februar ist die folgende Antwort auf das Telegramm an Gompers abgegangen: „Gompers Asel Washington, Die deutsche Arbeiterklasse hat seit KriegSbeginu für den Frieden gewirkt und ist gegen jede KriegSerweUerung. Die Ablehnung des deutschen ausrichiigen Angebots sofortiger Friedensverhandlungen, die Fortsetzung des grauiainen Aushungerungskrieges gegen unsere Frauen, Kinder und Greise, deS Feindes offen eingestandene auf DemschlandS Bcrnichiung gerichtete Kriegsziele, haben die Vcr- schärfung des Krieges herausgefordert. Eine Einwirkung meiner- scitS auf die Regierung ist nur erfolgversprechend, wen n Amerika England zur Einstellung des völkerrechtswidrigen Aushungerungskrieges veran- l a h t. Ich appelliere an die aineiikumsche Arbeilerslbost, sich nickit olS Weikzeug der Kriegshetzer gebrauchen zu lassen und nicht durch Beiahren der Kriegszone den Krieg zu erweitern. Die iuter- nationale Arbeiterschaft muß unerschütterlich für sosortigea Flieden wirken. Karl Legten." Durch Rückfrage ist festgestellt, daß dieses Telegramm in den Verewigten Staaten angekommen ist. Staöt unö Lanö. Das Verhältnis zwischen Stadt und Land hat sich im Verlaufe dieses Krieges nicht gebessert. Keinerlei burgfried liche Erwägung kann uns dazu bringen, vor dieser Tatsache den Kopf in den Sand zu stecken. Es kann sich heute nur darum handeln, sie festzustellen und auf ihre Ursachen zu untersuchen. Die wichtigste Ursache liegt darin, daß die städtische Bevölkerung von den Leistungen der Landwirtschaft während des Krieges stark enttäuscht ist. Es war taktisch nicht gerade geschickt, daß in der gestrigen Vollversammlung des Deutschen L a n d w i r t s ch a f ts r a t s der Vorsitzende. Graf Schweriu-Löwitz, an folgende Worte Wilhelms II erinnerte: „ES siebt außer jedem Zweifel, daß die deutsche Landwirt- schast technisch i m st a n d e i st, nicht nur die jetzige"Bevölkerung des Reichs, sondern auch die künftige vermehrte Volks- inenge mit den wichtigsten Nahrungsmitteln zu versorgen. Das können und da» müssen wir." Das stärkste Argument für den Agrarschutzzoll bestand iu der Behauptung, daß nur durch den Zoll die Landwirtschaft in die Lage versetzt werde, sich so zu entwickeln, daß sie auch im Fall einer kriegerischen Absperrung die Bedürfnisse der Pc völkerung befriedigen könne. Nun können die Schutzzöllncr freilich immer noch sagen, daß es ohne Schutzzoll n o ch schlimmer geworden wäre. Aber die städtische Bevölkerung hat nun einmal für die Sichcrstcllung ihres Bedarfs ipi Kriegsfall jahrelang in Form erhöhtet; Nahrungsmittespreisc eine so hohe Versicherungsprämie gezahlt, daß man ihr die Frage nicht übelnehmen kann, ob sich dieses Geschäft für sie rentiert hat. Mit einem Krieg von so langer Dauer, mit einer so enormen Entziehung von menschlichen und tierischen Arbeitskräften hatte freilich niemand gerechnet. Die Schwierigkeiten. mit denen die landwirtschaftliche Produktion zu kämpfen hat. übersteigen alle früheren Vorstellungen. Das muß man ohne weiteres anerkennen. Damit erledigt sich aber noch nicht die Frage, ob die Landwirtschaft tvirklich das Höchstmaß dessen leistet, was sie leisten könnte, ob nicht vielfach Spekulation auf Uebergewinue und ländliche. Hamsterei die Lebens. mittelration der Städte verringert und verteuert. Dem Landwirt geht es heute im Durchschnitt besser als dem Städter. Das hat auch Graf Schwerm-Löwitz anerkannt, indem er im Deutschen LandwirtschaftSrat sagte: „Wohl mag eS auch mancher Bauernfrau oder Landarbeiter- frau blutsauer werden, sich unter den jetzigen Schwierigkeiten noch durchzuschlagen, aber dennoch ist es ja natürlich, daß der Mangel auf dem Lande weniger schwer empfunden wird, als in der breiten Masse der städtischen und gewerblichen Bevölkerung. Darin liegt eine gewisse Entschädigung der Landbevölkerung für manche Entbehrungen, welche die Landbevölkerung gegenüber der städti- schen und gewerblichen Bevölkerung zu tragen hat." Man kann den Vorwurf der Zurückhaltung von Lebensmitteln gar nicht vorsichtiger formulieren, als es der Vorsitzende deS Deutschen Landwirtschaftsrats da getan hat, aber bestätigt wird er durch seine?lusführungen doch. Was auf dem Lande vielfach geschieht, ist menschlich, und würde man heute an die Stelle der Landwirte städtische Arbeiter setzen. so würden diese wahrscheinlich auch nicht anders handeln. Trotz aller schönen Reden vom nationalen Zusammenhalt bleibt sich doch jeder selbst der nächste— und daß sich der Landwirt nicht freiwillig auf städtische Rationeu beschränken will, um den Ueberschuß der städtischen Bevölkerung zuzuwcndeu, ist begreiflich. Wohl dem, der heutzutage über eine gefüllte Speisekammer verfügt I Wir Sozialisten haben niemals geglaubt, baß sich soziale Differenzen durch belvegliche Aufrufe an die vom Glück Be> günstigten beseitigen lassen, sondern wir erwarten das Heil von einer gesunden sozialen Organisation. Daß die nun fehlt, das ist uns in zweieinhalb Kriegsjahren schmerzlich zu Bewußtsein gekommen, und sie mitten im Kriege durchzu- führen, ist gewiß nicht leicht. Es ist schon deshalb nicht leicht. weil ihre Gegner sehr mächtig sind und— was eben auch in der menschlichen Natur begründet liegt— alle Dinge der Welt nur aus dem Gesichtswinkel ihrer eigenen Interessen heraus betrachten. Keinen besseren Beweis kann man für diese Tatsache finden, als die jetzigen Beschlüsse deS Landwirtschaftsrats über die Aufstellung eines Kriegswirtschaftsplans für das Jahr 1917/18, in denen es heißt: Die Zwangsbewirtschastung landwirtstbastlicher Erzeugnisse von einer Zentralstelle aus bat sich vietiacv nicht bewährt. Sie führ: zu einer sackilich nicht begründeten Vertcue- r u n g der Erzeugnisse und läßt häufig die Ware vom Markt der- schwinden, ohne die Festigung bestimmt zugefichrrter Mengen zu gewährleisten. Man braucht itot den krassen Irrtum dieser Behauptung darzutun, nur auf jene Lebensmittel verweisen, die einer zentralen Bewirtschaftung nicht unterlegen haben. Ist viel« leicht bei ihnen keine„sachlich nicht"begründete Verteue- rung" erfolgt, sind sie nicht„vom Markte berschwumden, ohne die Zuweisung bestimmt zugesicherter Mengen zu gewähr- leisten?" Tast heute ohne die zentrale Regelung auch Brot und Äartoffeln nur mehr zu Liebhaberpreisen für reiche Leute zu erlangen wären, dann kann man nach den Erfahrungen, die man gerade mit den nicht reglementierten Lebensmitteln gemacht hat, nicht im ollermindesten bezweifeln. Vir haben gestern bei der Besprechung des Professoren- gutachtens angekündigt, daß sich der Landwirtschaftsrat zwar s ü r die vorgeschlagenen Preiserhöhungen, aber gegen die vorgeschlagenen Preiserniedrigungen aussprechen würde. Das ist pünktlich eingetroffen. Die Be- schlüsse des Landwirtschaftsrats sagen der Höchstpreispolitik nach, daß sie vielfach versagt habe,„weil sie im Gegensatz zu der Preispolitik unserer Feinde häufig nicht nach Wirtschast- lichen Gesichtspunkten mit Rücksicht auf die Erzeugung, son- Sern lediglich nach sozialen Rücksichten auf eine möglichst billige Ernährung der Bevölkerung eingestellt war." Mit diesen sozialen Rücksichten soll nun, namentlich bei Brot- aetreide, Karwffeln und Zuckerrüben aufgeräumt werden. Bezüglich der Viehpreise aber, deren Herabsetzung die Landwirtschaftsprofessoren vorschlagen, heißt es: An den bisherigen Höchstpreisen für Tchlachivivh ist festzuhalten, um die Mästung der für die Ernährung der Bevölkerung unbe- dingt erforderlichen Tiere sicher zu stellen. Was soll nun, der einfache Mann in der Stadt dazu sagen? Er kann deu Vi'ehzuchteim ihre Gestehungskosten nicht nachrechnen. Aber er weiß, daß nichtinteressierte S a ch v e r- bändige die Herabsetzung der Vieh- und Fleischpreise für möglich, wünschenswert, ja notwendig erklären, und er sieht ietzt, daß sich der Landwirtschastsrat dieser Forderung wider- letzt. Kann man es ihm übelnehmen, wenn er sich aus diesen ausfälligen Widerspruch seinen eigenen Vers macht? Um kein Mißverständnis auskommen zu lassen, sei noch folgendes gejagt: Der Städter, zumal der sozialdemokratisch gesinnte Arbeiter gönnt jeder Arbeit ihren Lohn. Er hält die Arbeit, die landwirtschaftliche Produkte erzeugt, nicht für minderwertig gegenüber der städtisch-industriellen Arbeit. Er will nicht das Land ausbeuten, um auf seine Kosten in der �tadt wie ein Herrgott zn leben. Aber— Hand aufs Herz!— sind wir wirklich Zuständen gleich den geschilderten nahe, oder liegt nicht viel eher die Gefahr vor. daß es umgekehrt kommt? Tie dann, um bei dem Bilde zu bleiben, wie die Herr- götter leben, das sind freilich wieder nicht die Arbeiter auf dem Lande. Und diese Tatsache, daß es sich nicht inn einen Ausgleich zwischen dem Arbeitsentgelt von hüben und drüben handelt, sondern daß sich auch die Nutznießung von Bodenrente und Kapitalgewinn dazwischen schrebt. das verwickelt und verschärft die Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Land. Was uns als„Landwirtschast" politisch cntgegentritt, das ist, um es ganz vorsichtig auszudrücken, ncher nicht die reime Vertretung der landwirtschaftlichen Arbeit. Erst wenn es dazu komnrt, daß die wirkliche Arbeit der Stadt mit der wirklichen Arbeit von- Lande einen ge- rechten Ausgleich ihrer Interessen sucht, exst dann wird das broblem./Stadt uttd Land"' seine. Schärfe verloren. Lanüwirtschastsrat und Lieferungsverträge. Der Deutsche Landwirtschastsrat hat gestern zur Frage der Anbau- und Lieferungsverträge folgende Beschlüsse ge- saßt: a) In die Liest rungsvertrage sind vor allem Frühkartof« icln und Weißkohl einzubeziehen, wenn die Verträge eine Bedeutung für die Volksernährung haben sollen. Mit den Liefe- rungsverträgen muffen gleichzeitig auch Anbauverträgc geschloffen werden. b) Es ist nolwendig, daß die Bedar ssgenw inden bezüglich der Erzeugnisse, über die LieferungSvcrträge abgeschlossen werden sollen, kontingentiert werden. Nur auf diesem Wege ist es inög- lich, cine/Ueberschätzung deS Bedarfs seitens der Städte zu der- pindern und besonders bei Frühkartoffeln und bei den grünen Früchten die Gefahr des Verderbens dieser wertvollen NahrungS- mittel zu vermeiden. e) Im Zusammenhange mit der Kontingentierung muß eine Zuweisung bestimmter LieferungSgebiete an die Bedar fSgemeinden erfolgen, damit sich der Abschluß geordnet voll- steht und kein preistreibender Wettbewerb der BedarfSgenicindcn !N den ErzeugungSgebicten eintritt. 6) Von der Zentralstelle sind nur allgemeine Erundfätze auf- zustellen, im übrigen aber ist den örtlichen Organisationen möglichst freie Hand bei der Ausführung zu lassen. e) Wenn Höchstpreise festgesetzt werden sollen, so müssen sie im Verhältnis zu den anderen Erzeugnissen stehen und einen Anreiz zum Anbau und zum Abschluß von Verträgen bieten. I) Bei nachträglicher Festsetzung von Höchstpreise» unter den BertragSpreisen bleiben diese bestehen. Uebersteige« die Höchstpreise vir Vertragspreise, s» gelten die Höchstpreis«.(!) »* ♦ Höhere Kartoffelpreise in Sicht! Berlin, 17. Februar.(W. T. B.) Die verschiedene Behandlung de» Hafers und der Gerste hinsichtlich des Preises und der Ab- lieserungspslicht hat schon im vorigen Jahre dazu geführt, daß Gerste auf mehr zu Hafcrbau geeigneten Böden gesät und daß der Ertrag des Landes dadurch zum Schaden der Volkswirtschaft herabgesetzt wurde. Uni einem ähnlichen Mißstand bei der diesjährigen Früh- whrsbestellung vorzubeugen, werden die Landwirte schon jetzt darauf bingewiesen, daß in den demnächst bekannt zu gebenden Bestimmungen ine bisherige Bevorzugung der Gerste vor dem Hafer nicht beibehalten werden wird. Nach zahlreichen Nachrichten besteht auf dem Lande die Neigung. an Stelle der Kartoffeln in vermehrtem Matze Futterrüben oder Kohlrüben anzubauen, weil letztere Früchte bei den diesjährigen Preisen und der diesjährigen schlechten Kartoffelernte erheblich höhere Einnahmen gebracht haben. Auch vor dieser Maßregel ist eindringlich zu warnen. Die in nächster Zeit bekannt zu gebenden Preise der Kartoffeln und der als Ersatz in Frage kommen- den Feldfrüchte werden so bemessen sein, daß ein Mißverhält- niS z w i s ch e n d e n Preisen der Kartoffeln und denen der Ersatzfrüchte nicht wieder eintritt. Den Kartoffel- anbau soweit wie möglich, mindestens in bisherigem Umfange auf- -.echt zu erhalten, mutz jeder Landwirt als seine vaterländische Pflicht betrachten. Kriegstreiber-Ungeöulö. -.Tic Kriegsäränger sirw in den Vereinigten Steinten zweifellos am Werke, um be'chleunigt hinauszugelangen über die Zone drückender Ungewißheit, die der Abbruch der diplo- inatischen Beziehungen mit Deutschland geschaffen hat. Sie wollen nicht zwischen Frieden und Krieg hängen bleiben und erwarten, daß ohne weiteres Entweder-Oder zu Handlungen geschritten wird, die den.Krieg bedeuten würden. Von dieser Erwartung zeugt ein Londoner Telegramm der dänischen „Politiken", das zu berichten weiß, in Amerika werde allge- mein die Ansicht geteilt, der Wohlstand der Vereinigten Staaten sei auf das ärgste bedroht, wenn Wilson nickt binnen zwei Wochen Maßnahmen treffe, daß die Schiffahrt wieder aufgenommen werde könne. In New Jork werde der Aus- bruch eines Krieges mit Deutichland so gut wie als Tatsache angesehen. Man verstehe nicht, warum die Regierung die Unvermeidlichkeit eines Krieges nicht einsehe und durch einen cnffcheidenLcn Schrie die Lösung der Spannung herbeiführe. Von wachiendciuainerikanislhcn wirtschaftlichen Bedräng- nissen weiß auch ein New Jorker Bericht der„Times" zu melden. Sie sagt, die industriellen Unternehmungen in den Bereinigten Staaten kämen in eine immer bedrängtere Lage, da die Zufuhr von Rohstoffen und die Versendung von fertigen Erzeugnissen sich täglich schwieriger gestalte. Bei einer Eisenbahngefcllschaft sei das gesamte Bahnnctz voll- ständig mit Güterwagen besetzt, während noch eine Reihe weiterer Güterzüge mit Getreide, das für 39 im New Jorker Hafen liegende Schiffe bestimmt sei. der Beförderung harren. In den ostlichen Staaten sei die Teuerung bereits fast un- haltbar geworden. Es habe sich als notwendig herausgestellt, zweimal in der Woche Mehl nach den Städten des Ostens zu senden, um zu verhüten, daß Nahrungsmangel eintritt. Zu diesem Thema von der Lage im Westen der Union wird dann der„Times" noch aus Washington gemeldet: Die Bevölke- rung des Westens der Union scheine im allgemeinen nicht zu verstehen, daß der Krieg das kleinlsre und das Festhalten an der Neutralität das größere Uebel sein könnte. Einstweilen liegt indessen kein Anzeichen vor, aus dem geschlossen werden müßte, daß die Regierung ihre Schritte von dieser Kriegstreiber ei bestimmen läßt. Von neuen Eni- scheidungen verlautet nichts. Die Abfahrt der beiden Sperre- versuchsdampser R o ch e st e r und Orleans, die wie ein Entschluß hätte gedeutet werden können, ist schnell bc- stritten worden, und eine New Jorker Meldung des Pariser „Petit Journal" bestätigt, daß.die beiden Dampfer noch nicht abgefahren sind. Die New Jorker„.Tribüne", schreibt indes: Man gebe sich in Amerika noch keineswegs genügend Rechen- schaff von der Gefahr, die diese Schiffe laufen würden. In allen amtlichen Kreisen betone man, daß Deutschland streng vorgehen werde. Tie Liste der Torpedier ungen übertreffe alles, was d i e amerikanische Admiralität vorausgesehen habe. Eine amtliche Persönlichkeit habe bezüglich der Rochester und Orleans er- klärt, daß die Lage durch diese, beiden Experimente nur der- schärft würde. Das würde sie sicherlich, und deshalb ist es politisch be- inerkenswert, festgestellt zu sehen, daß die Schiffe noch im .Hafen Ircgen.. � der Krieg auf öen Meeren. versenkt. London» 17. Februar. Lloyds meldet.: Die englischen Dampfer Hopemoor(871V Br.-Reg.-To.) und Aston(1136 Br.- Reg.-To.) sind versenkt worden. Kristiania, 16. Februar. Die norwegische Gesandt- ch a f t in London telegraphiert an das Ministerium des Aeußern: Der Dampfer Dalmata ist am lt. Februar morgens versenkt worden. Die Besatzung ist gerettek. Ein Mann ist später infolge Erschöpfung gestorben. Nachdem die Besatzung 73 Stunden in einem offenen Boot zugebracht hatte, wurde sie von dem Schooner Ellen Bcnzon aufgenommen und am 15. Februar in Oueen-town gelandet. Rotterdam, 16. Februar. Der belgische Dampser E g h P t« (2412 Br.-Reg.-To.) der französische Dampfer Mont Ban- t o ux(3233 Br.-Reg.-To.) sowie der französische Segler Simse Maria(327 Br.-Reg.-To.) wurden versenkt. dänischer Ministerrat zum U-doot-Krieg. Ernste Lage.— Englische Erpressungen. Kopenhagen, 17. Februar. Der Ministerpräsident, der Minister des Aeußern, der Verteidigungsminister und der Minister des Innern hielten gestern mit verschiedenen Parteivorsitzenden Besprechungen über die gegenwärtige hau- delspolitische Lage Dänemarks ab.: Besonders wurde die Möglichkeit der Wiedereröffnung der dänischen Schiffahrt und der Eilt- und Ausfuhr besprochen, deren Einstellung durch die deutsche Scespcrre verursacht worden ist. Es verlautet, daß die Lage außerordentlich ernst sei und daß bedeutende Schwierigkeiten für Dänemark entstanden seien, die nur durch Verhandlungen mit beiden Mächtegruppen behoben werden könnten. ES besteht daher keine Aussicht, daß die dänischen Ausfuhrdampfcr in nächster Zeit nau) England abgehen werden. Unter diesen Umständen ist es von geringer Bedeutung) daß in dem Lohn streit zwischen den dänischen Seeleuten noch imjner keine E i n i- g u n g erfolgt ist und � die Seeleute immer noch Heuer auf dänischen Dampfern ablehi!?n. Für heute nachmittag waren neue Verhandlungen zwischen den beiderseittgen Vertretern angesetzt worden. Der Streik der Seeleute bat bisher nur mit dazu beigetragen, daß der dänische Amerikadampfer United States vorläufig nicht nach New Jork abgeben kann.— Infolge der deutschen Seesperre wird eine bedeutende Anzahl dänischer Dampser, mit Kohlen für Dänemark beladen, in englischen Häsen fe st gehalten. Davon gehören einzelnen Reedereien sieben und acht Dampfer. Nach anderen Meldungen will England die Abreise dieser Dampier nur zu- lassen, wenn sie sich verpflichten, mit Lebensmitteln nach England zurückzukehren. Sanö in die Klugen. W. T. B. Kristiania, 17. Februar.„Aftenposten" veröffentlicht in der gestrigen Abendnrunmer ein Telegramm seines Londoner Korrespondenten in auffälliger Form, wonach man in England jetzt der Ansicht fei, Herr über die U-B o o t- G e f ah r ge- worden jti feyj. Alkerding5 würde"die Zahl der versenkten und gekaperten. U-Boote gehe.im gehalten. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann die Schiffahrt wieder ohne Gefahr aufgenommen werden könnte. Notiz des W. T. B.: Daß die verantwortlichen englischen Kreise, wenn sie aufrichtig sind, tatsächlich ganz anders denken wie dem Londoner Korrefpoichcnten der..Aftenposten" erzählt, ist auS zahlreichen Nachrichten bekannt. Wenn sie jetzt durch die bor einigen Tagen begonnene Bcrdcimlichung der Nachrichten über Handelsschisfsverlnste ihr eigenes Publikum glauben machen wollen. die II-Boot-Gcfabr fei gebannt, so wird dieses bald eine große Enttäuschung erleben. Bon Lersenkungrn von Unterseebooten seit dem 1. Februar ist in Teutschland an maßgebender Stelle nicht das mindeste bekannt, und noch ungeschickter ist die Behauptung, daß deutsche Unterseeboote gekapert seien. Es kann nicht oft genug gesagt werden: wer sich ins Sperrgebiet begibt, kommt darin um. Truppentransporte unterm Roten Kreuz. Sofia, 17. Februar. Der völkerrechtswidrige Mißbrauch der Roten Kreuz- Flagge und von Lazarettschiffen seitens unserer Gegner ist von neuem durch die Aussagen eines hier in Gefangenschaft befindlichen Unteroffiziers bestätigt worden. Nach seinen Angaben haben der Dampfer Mustapha H unter der Roten Kreuz- Flagge und das Lazarettschiff La France Truppen und Mnuitioo befördert, englische Rote Kreuz- Kraftwagen an den Dardanellen Munition an die vorderen Linien gebracht. Der Unteroffizier bezeugte ferner, daß es bei den alliierten allgemein üblich sei. Munition auf Schiffen unter Genfer Flagge zu befördern und daß die zwischen Marseille und Saloniki veekchrendcn Transpottschiffe abwechselnd bald als Hospital- schiff, bald als Hilfskreuzer unter häufiger Aenderung ihres Aussehens führen. Cm Sunkerkohlenukas gegen die Neutralen. Stavauger, 17. Februar. Die hiesigen Reedereien haben folgende neue englische Regeln für die Lieferung von Bunkerkohle erhalten: Skandinavische und holländische Schiffe, die von den betreffenden Häfen nach.Jnkrasttteten der deutschen Seesperre abgegangen sind und in England mit einer vollen Last gutgeheißener Waren eintreffen, erhalten die Erlaubnis, eine Kohlen- und Koköladung noch der Heimat mitzunebmen. Gutgeheißene Waren sind KieS, Nürate. Porphyrite, Futterstoffe. Lebensmittel. Grubenholz. Garn. Stahl usw. Mil Ballast nach England kommende Schiffe erhalten die Erlaubnis, eine Kohlen- oder Koksladung nach der Heimat zu bringen, wenn sie zwei Fahrten mit Kohlen von England nach einem französischen Kanalhasen oder eine Fahrt nach einen, französischen Hasen an der BiSeayabuchl ausgeführt haben. Mit einer Teilladung an- kommende oder augenblicklich ohne Ladung in England liegende Schiffe werden als in Ballast fahrend betrachtet. Befrachtete, augenblicklich in England liegende Schiffe können abgehen, wenn sie durch andere Schiffe der gleichen Nation erseht werden, die die genannten Verpflichtungen hinsichtlich der Fahrten nach Frank- reich übernehmen. Tie neuen Regeln gelten für Skandinavien und Holland, für Norwegen jedoch erst nach Aufhebung des geltenden Kohlenverbots. Die„neuen Regeln" sind ein neuer Gelvaltstreich gegen die. Neutralen. Euglische Einfuhrverbote. London, 17. Februar. Amiltch wird gemeldet; In kurzem wird ein Erlaß erscheinen, der die Einfuhr einer großen Anzahl von Daren verbietet, außer mit Erlaubnis. Das Handels- amt behält sich das Recht vor. die Erlaubnis für Güler der der- botenen Klassen zu verweigern, wenn sie nicht vor den, 17. Februar für den Empfänger in dem vereinigten Königreich verschifft oder von ihm bezahlt find/ Eine am 16. Februar unter dem ReichSverieidigungSgesetz ergangene Verfügung ermächtigt daS HandelSamt. während des Krieges V o n a l l e n Kanälen im vereinigten Königreich B e- sitz zu ergreifen. Die wirtschaftliche Versorgung Spaniens. Madrid, 17. Februar.(„Franks. Ztg.") Trotz dem dem spanischen Parlament empfohlenen Stillschweigen besprach der Abgeordnete Romeo in der Kammer die dAch den Krieg geschaffene WittschaftSlage Spaniens und bedauette, daß die panischen Schiffe nicht ausfahren könnten,»väh� rend die fremden Schiffe in See stechen könnten. Er betonte ferner die N o t w e n d i g k e i t fremder Kohle für die panische Industrie. Der Minister des Innern der- teidigte die Politik der Rcgierurg in der Frage der Versorgung Spaniens. Die Regierung werde das Notwendige tun. aber die M a ß n a h m e n, die sie zu ergreifen gedenke, könne sie nicht öffentlich mitteilen. Der Ministerrat prüfte die Lage der in den Häfen der Sperrzone liegenden spanischen Handelsflotte. ES sollen Schritte in Berlin getan werden, damit diese Dampfer frei nach Spanien zurückkehren können. * Paris, 16. Februar..Temps" meldet aus Madrid, die Ver- treter des PhilippinenhandelS hätten beickiloffen, den Berk ehr zwischen Barcelona und den Philippinen wieder aufzunehmen._ Der Vorsprung in der Champagne. Französischer Heeresbericht vom 16. Februar nach- mittogs. Nördlich von der Avre ist eu, Handstrc,ch der Deutschen auf einen französischen Posten bei FauqueScourr vollständig ge- scheitert. In der Champagne hat daS deutsche Gcschützfeucr auf die Front Butte du MeSnil— MaisonS de Champagne gestern nachmittag äußerst« Heftigkeit erreicht; gegen 4 Uhr ist es den Deutschen mil Hilfe mehrerer Mineniprengungen gelungen, in einen auSipringenden Winkel westlich von MaisonS de Champagne, nördlich von der Straße, die von hier nach der Butte du MeSnil geht. einzudringen. Sperrfeuer und Flankenfeuer der Franzosen in der Gegend nördlich von Main de Massiges hat den Stürmenden be- trächtlich« Verluste beigebracht. Der Gei'chützkampf hat am Bormittag in dieser Gegend heftig wiederbegonnen. In der Woevre in der Rachr lebhaste Palrouillentätigkeit. Abends meldete der französische Bericht: In der Gegend von Berrh-au-Boc und in den Argonnen glückten unS mehrere Handstreiche. bei denen wir etwa 30 Gefangene einbrachten. Wesiltck, von MaisonS de Champagne dauerte der Artilleriekampf ziemlich lebhaft ohne Jnfanlerieunternehmung an. DaS Feuer unserer schweren Batterien rief in einem Munitionslager in Manre(nördlich von Taburei eine Explosion hervor. In Lothringen bei Romenv wurde eme deutsche ErkundungSableflung durch unser Feuer überrascht und zerstreut, wobei sie mehrer« Tote auf dem Schlachtfeld zurückließ. Arttllcriekamps in der Gegend von Louvemont und in den Bogesen südlich vom Markircher Paß. Am Morgen feuerte ein feindliches weittragendes Geschütz mehrere Granaten in der Richtung aus Nancy. Nr. 48. 34. IahrMg. 1. MM des JontM" Minn MsHitt Sonntag. 18. kebruar 1917. Parteigenosten! Wähler öes 17. Lanötagswahlbezirks! Mttcn in den Stürmen des Weltkrieges werden die Ur- Wähler des 11. Berliner LandtagSwahlbezirks zur Vernähme einer Ersatzwahl aufgerufen. Ter weitaus größte Teil der Wähler steht unter den Fahnen, nur einer verhältnismäßig geringen Zahl ist es möglich, ihr Wahlrecht auszuüben. Aber je kleiner diese Zahl ist, desto größer ist die Pflicht, vollzählig am Wahltag zu erscheinen. Die Stimmabgabe gilt diesmal nicht nur dem Protest gegen das ungerechteste oller Wahlsysteme, sie soll auch ein Prüfstein dafür sein, daß die Massen allen offenen und versteckten Wühlereien zum Trotz der Sozialdemokratischen Partei die Treue bewahrt haben. Nicht besser können wir unseren Genossen, die tagtäglich vor dem Feinde den Tod vor Augen sehen, die Heimat und Herd schützen, den Zoll unseres Dankes abtragen, als dadurch, daß wir den Wahlkreis der Sozialdemokratie be� haupten und verhindern, daß er einer Gruppe anheimfällt, deren, einziges Bestreben dahin geht, die Arbeiterklasse zu zer- splittern und ihre Gräfte im Brudertampf aufzureiben, anstatt sie zu sammeln, um in festem Zusammenschluß freiheitliche Rechte für das Volk zu erringen. Wer auf dem Boden der sozialdemokratischen Partei steht, wer die alten Grundsätze der Partei hochhält, der darf nur solchen Dahlmännern seine Stimme geben, die sich verpflichtet haben, den sozialdemokratische» Kandidaten Louis Bruuner» Berlin-Tempelhof, Lorsitzender des Deutschen Eisenbahnarbeiter-Verbandes, zu wählen. Jede Stimme, die auf andere Wahlmänner entfällt, bedeutet eine Förderung der Organisationszersplitternng, eine Schwächung der Sozialdemokratie, eine Schädigung der Sache der Arbeiterschaft, ein Hindernis für freiheitliche Reforme» iu Prcnßeu und Teutschland. Das sozialdemokratische Wahlkomitcc. flus Groß-öerlin. Die Bettstelle Grost-Berlin zur Milchteucrung. Ueber die Stellungnahme der Fetlstell« Grotz-Berlin zu der Erhöbung des MiUdpreiseZ erfahren wir folgendes: Die Erhöhung des MilibpreiieS von feiten der Preutzifchen LandeSfetntelle ist bereits, seit Monaten iu Erwögung gezogen. Die Grotz-Berlincr Fetisielle und der Berliner Magistrat haben nach Kräften versucht. die Erhöhung der Erzeugerpreise aufzuhalten: sie vertraten den Slandpunkl, den der Oberbürgermeister in der Sitzung der Stadt- verordneten vom 4. Januar zum Ausdruck gebrocht hat, daß cS auf keinen Kall angehe, n-b damit zu begnügen, eine Befferuna der Milchzufuhr na» Groß-Berlin nur durch verstärkten Anreiz auf dem Gebiete des MilchvreifeS anzustreben, denn dieser Versuch sei schon wiederholt angestellt, aber die mehrfachen Preiserhöhungen hätten jedesmal nur für lurze Zeit die gewünschte Wirkung erzielt. Wenn eine abermalige Preiserhöhung unumgänglich sei, so müsse fie unbedingt verbunden sein mit einer ins Große gehenden Organisation der Milchzuiubr nach den Städten, insbesondere nach Groß-Berlin. Eine bessere Erfassung der Milchvorräte aus dem Lande sei das erste Ziel. Dos KriegSenrährungSamt hat wiederholt ausdrücklich anerkannt, daß die öffentliche Bcwirtschastung der Milch und eine planmäßige Zuführung noch den Städten erfolgen müsse. Greiibare Ergebnffie dieser Erklärung sind bisher aber nicht zutage getreten. Groß-Berlin bedauert auf das äußerste, daß nunmehr die erhebliche Preiserhöhung eintritt, ohne daß ein Ein- greifen der Staatsgewalt zugunsten verbesserter Zufuhr ein Ergeb- nis gezeitigt hätte, ja daß bel der Preiserhöhung solche organisatori- sche» Schritte nicht einmal angekündigt Iverden. WaäJjie SpannungS- sätze zwischen Erzeuger- und Kleinhandelspreis anbelangt, so bedarf cS keiner Ausführung, daß diese sich in den Grenzen de» Notwendigen halten werden. Das Bestreben der Fettstcllc Groß-Berlin, sich nicht damit zu begnügen, eine bessere Milchzufuhr lediglich durch erhöhte Produ- zentenpreise zu erhoffen, ist anerkennenswert. Unverständlich bleibt nur, daß sie die Absicht bat. die Spesen, die zwischen Produzenten- und Kleinhandelspreis 8 Pf. betragen, jetzl auf 16 Pf. zu erhöhen. Hoffentlich werden diese„Grenzen de» Notwendigen� noch nachträg- lich herabgemindert.__ „Kohlen sind keine Nahrungsmittel." Eine aus dein nördlichen Teil der Schönhauser Vorstadt unS zugehende Klage berichtet über einen Kohlenhändler, der am Montag den angelieferten Kohienvorrat in leinen Keller schaffte, aber den loartenden Frauen und Kindern erklärte, er verlause erst niorgen. AlS eine Frau ihm mit Polizei drohte, soll er eine Antwort gegeben baden, die nicht au» dem Koinplimentierbuch entlehnt war. Schließ- lich ließ er sich doch dazu herbei, noch an demselben Tage zu ver- kaufen, aber er gab jetzt nur 30 Stück Briketts ab. Auf die Frage einer anderen Frau, ob sie denn alle Tage stundenlang nach Kohlen „stehen� solle, erwiderte er, sie brauche ja überhaupt nicht zu kommen, sondern könne selber sich die Kohlen vom Bahnhof holen. Die Frau glaubte, daß die Polizei eingreisen müsse, doch aus dem Polizeibureau erklärte man, hier lasse sich nicht» tun, weil Kohlen keine Nahrungsmittel seien. Daß bei Frostwelter die Kohlen fast ebenso unentbehrlich wie die Nahrungsmittel sind, weiß jeder, der e» am eigenen Leibe kennen gelernt hat. UebrigenS hat das Kriegs- Wucheramt aufgefordert, jede Zurückhaltung von Kohlen d e m P o l i z c i b u r e a u zu melden. Wo ein Kohlenhändler sich eine offenkundige Verweigerung deS Kohlenverkaufs erlaubt. sollten die Benachteiligten stets polizeiliche Hilfe anrufen. In solchem Fall»tuß eingeschritten werden. Zu der im Vorstehenden berührten Angelegenheit, die viel Erbitterung erzeugt hat, wird jetzt mitgeteilt: Die Abgabe von Kohlen und sonstigen Heizstoffcn loll nun doch endlich ein» heitlich geregelt werden. Bekanntlich hat das Kriegswucher- amt eine Lorfügung erlassen, wonach Kohle und sonstige'Heizstoffe an jedermann abgegeben werden müssen. Die Polizeireviere aber lehnten bei Anzeigen über Verweigerung von Kohlen ein Einschreiten mit der Begründung ab, daß sie dazu nicht berechtigt seien und daß die Anordnung des ÄriegswucheramleS für sie nicht maßgebend sei. Nun baben in den letzten Tagen Verhandlungen zwischen dem Handelsministerium, dem Polizeipräsidium und dem Kriegswucher« amt stallgefunden, die zu dem Ergebnis führten, daß die Regelung der Kohlenabgabe in Zukuiifl vom KriegSwuchcramt selbständig bc- stimmt werden soll. ES wird also von nächster Woche ab bereit» die Abgabe von Kohlen an jedermann erfolgen müssen. Sämtliche Polizeireviere deS LandeSpolizeibezirks Berlin werden entsprechende Weisungen erhalten, und die Verfügung wird vermutlich schoir Montag in Kraft treten. Sommerzeit 1917. Amtlich wird mitgeteilt i Durch eine Verordnung des Bundesrat» tvird auch für da? laufende Jahr die Sommerzeit eingeführt. Sie beginnt am 16. April, vormittags 2 Uhr. und endet am 17. September, vormittags 3 Uhr. Zu dem erstgenannten Zeitpunkte werden die öffentlichen Uhren um eine«tunde vor,—- zu dem letztgenannten um eine Stunde zurückgestellt. Die Früherlegung des Sommerabschnilts gegenüber dem Vorjahre ermöglicht eine noch besiere Anpassung an die tatsächlichen Lichtverhällnffie. Tag und stunde des UebergangS zur Sommerzeit sind mit Rückficht auf die Bedürfnisse deS Eisenbahnbetriebs gewählt worden. Die Sommerzeil hat sich im Vorjahre bewährt mrd insbesondere die erwarteten Ersparniffe an künstlicher Beleuchtung gebracht. Ge- wisse Nachteile, über die geklagt wurde, können zum größten Teile. insbesondere durch geeignete Verlegung der Eisenbahnzüge in den Morgenstunden sowie durch zweckmäßige Aenderungen des Schulbeginns(Beibehaltung des Wintcrstundenplans während des Sommers) behoben werden._ Berliner Lcbensmittelnachrichte«. In der folgenden Woche sollen auf die 6 schrasfierten Abschnitte 43a. b, c der Kartoffellartc wieder 3 Pfund Kartoffeln ab« gegeben werden. Soweit bis zum Donnerstag einschließlich Kar- toffeln wider Erwarten nicht entnommen werden können, wird die Ermächtigung eingeräumt, vom Freitag ab aus jeden der sechs Kar- toffelkartenabschnitle läo, b, c unter gleichzeitiger Vorlegung der Berliner LcbenSmittellail« 106 Gramm Gebäck zu beziebcn. Natur- gemäß berechtigt die Kartoffelkarte b>» zum Wochenabschluß auch zur Entnahme von Kartoffeln. Aus Abschnitt 34 der Berliner Lebens- uriUellarten können wieder 1 Pfund Kohlrüben entnommen werden. Auch in der kommenden Woche werden wieder 3oü Gramm Fleisch irr Groß-Berlin zur Verteilung gelangen. Obgleich die Biehzufuhr ziemlich beträchtlich ist, soll ein Teil der Gefrierfleisch- bestände den Schlächtermeistern zur Verteilung überwiesen werden. Ersatz verlorener Lebensmittelkarte». In zahlreichen Fälle» sind in letzler Zeil Lebensmittelkarten in Verlust geraten. Sic sind teils verloren, reils gestohlen worden. Da ein Ersatz nicht geleistet wurde, sind zahlreiche Familien in arge Verlegenheit geraten. In Zehlendorf hat man sich zu helfcir versucht und dort neue Karten den Antragstellern bei Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung über den Verlust ausgestellt. Da die Zahl der verlorenen Karten. Bezugscheine usw. immer größer lvird, muß ein einheitliches Verfahren zur Regelung dieser für viele Familien brennenden Frage gesunden werden. Die Kranken können doch nicht hungern oder gar verhungern. Die»eile StMsicnbahnvcrbinduilg Berlin— Spandau. Der Magistrat Spandau hat dein in den Verhandlungen beim Verband« Groß-Berlin vereinbarten Vertragsentwurf über die Herstellung einer durchgehenden Straßenbalmverbindung zwischen dem Span- daucr Bock und Spandau«Triftstraße) zugestimmt. Die �pandaucr Stadtverordneten werden sich am Donnerstag mit der Vorlage be- schäftigen. Die Stadt Spandau erhält ferner die Zustimmung zur Anlage einer S ch n e l l st r a ß e n b a h n nach dem Untergrundbahn- Hof«Stadion, sowie die Genehmigung zum Ausbau der Nonnen- dammallee und zur Weitertührung ihrer städtischen«Straßenbahn nach dein Bahnhof Jungfernheide. Rückgabe der Tauchbootscndungc». Wegen vorläufiger Ein- stellung des Tauchdoolbnesverkehr» nach überseeischen Ländern werden die bei den Postaiistalien bereit» eingelieferten Tauchboot« sendunge» den Absendern zurückgegeben. Hierbei wird die besondere Tauchbootgcbühr gegen EmpsangSbescheinigung erstattet. Für die Arbeiterjugend von Berlin finden wie in de» Vorjahren Ein führungsabc lide in die Kammermusik statt. � Diese erfreuten sich bisher ungeteilten Beifalls bei der Jugend ivie bei der erwachsenen Arbeiterschaft. Der erste Abend hat bereits stattgefunden. Mitwirkende waren das Steincr-Rolhstein-Ouartett, außerdem eine Sängerin, die Lieder von Brahm» zum Vortrag brachte.— Der zweite Abend wird am Dienstag, den A>..Februar, abends 8 Uhr, in der Aula de» Klosler-GymiiajiuiriS, Kloslerstr. 74, sein. Er verspricht, ebenso genußreich zu werden wie der erste, so daß nur gewünscht werden kann, daß sich recht viele Jugendliche und auch Erwachsene daran beteiligen. Im Zoologischen Garten ist an diesem Sonntag wieder der billige Eintritt von 25 Pf. während des ganzen Tage» für Er- wachsene und Kinder: ebenso für das Aquarium, das von 9 Uhr nlorgcnS bis 8 Uhr abend» geöffnet ist. Von 4 Uhr ab großes Konzert. De« Gütcrdiebstählcu auf dc» Bahnhöfen ist jetzt eine Bahnhofs« Verwaltung wirksam entgegengetreten. Sie läßt zu verschiedenen Zeiten unerwartet die Rollkutscher am Ausgang de» Güterbahnhofes anhalten, ihnen die Frachtbriefe abnehmen und die Ladung mit den Frachtbriefen vergleichen,«so wurden gestern auf einem Wagen drei «sack Zucker entdeckt, für die der Kutscher leinen Frachtbrief hatte. Er wollte sich damit herausreden, daß er die Ware von einem nn- bekannten Manne zum Abrollen bekommen habe, konnte aber nicht einmal sagen, wohin er ihn bringen sollte. Bon einem anderen Wagen wurden mcbrcre Sack Mehl beschlagnahmt. Auch andere Hachen, waren gestohlen und inner die durch Frachtbriefe nach« gewiesene Ladung eingeschmuggelt worden. Drei Kutscher, uuudcu verhaftet. Die Diebereien auf den Güterbahnhöfen werden durch den Personalmangel sehr begünstigt. Srlbstmordfällc. Gram über die Trennung von ihrem Manne hat die 27 Jahre alte Ehefrau Berta M. aus der Prenzlauer Allee in den Tod gelrieben. Der Mann wurde vor längerer Zeit zum Heeresdienst eingezogen. Die Frau verfiel durch die Vereinsamung in Tiessinn und tötete sich gestern in ihrer Wohnung durch Leuchtgas. In dem bohen Alter von 94 Jahren legte die Witwe Konstanza K. aus der Waldcmarstraße Hand ait sich. AuS Nahrungssorgen erhängte sie sich in ihrer Küche. Tödlicher Verkehrsunfall. Bei einem Zusammenstoß zwischen einem Slraßenbahn- und einem Müllwagen rst gestern der 64 Jahre alte Invalide Albert G Ittel aus der Eisenbahnstr. 25 tödlich verunglückt. Gittel stand auf der vorderen Plattform eines Trieb- Wagens, der die Warschauer Straße entlang fuhr. Dieser stieß an der Ecke der ÄopermluSstraße mit einem beladenen Müllwagen zu- sammen. Um sich zu reiten, sprang Gittel ab. Zum Unglück aber fielen in demselben Augenblick mehrere Müllkästen vom Wagen und erschlugen ihn. 21) Der polizeimeifter. Ein russischer Polizeiroman von Gabryela Zapolska. „Vielleicht strengt ihn die Schule an?" „Das mag sein! Er muff alles iu russischer Sprache lernen. Eine doppelte Arbeit. Man verfährt mit ihnen furchtbar streug und schikaniert sie. Er läßt sich nichts gefallen aber deshalb ist er unbeliebt, um so mehr, als sie ihm nichts vov zuwerfen haben." „Warum schicken Sie ihn nicht nach Galizien?" „Was für einen Sinn hätte das?" fragte Horski.„Der Junge wird hier leben, er muff also fiir die hiesigen Ler Hältnisse ausgebildet werden." ..Das ist wahr!" Janka en'chien an der Türportiere und bat zu Tisch. Der schöngedeckte, mit Blumen verschönte Tisch, das blitzende Silber auf dem fchneeweiffen Tischtuch, die freund- lichen Tüllgardinen vor den Fenstern, das alles löste eine behagliche Stimmung aus. Älitzki glaubte zum ersten Male, daff mau auch iu der häuslichen Umgebung Schönheit und Anmut finden könne. Sie setzten sich zu Tisch. Juzia bediente. Sie bewegte sich ziemlich getvaudt, aber von Zeit zu Zeit vetriet eine Bewegung die Kellnerin eines gewöhnlichen Lokals. Aber HorskiS schienen die zweideutigen Manieren des Stubenmädchens nicht zu bemerken. Janka be- handelte sie sogar mit einer gewissen Auszeichnung. Mitten beim Mittagesien fuhr eine Droschke vor. „Kazjo!" Wie ein Pfeil lief Janka ins Vorzimmer. „Der Junge kommt zu den russischen Feiertagen. Ich lasse ihn nach Hause kommen, damit er die Fühlung mit seiner Heimatstadt, in der er später leben wird, nicht verliert", er- klärte HorSki. „Soll er ihr Geschäft übernehmen?" „Gott behüte! In den Lerhältnisien, in denen wir uns jetzt befinden, ist das nicht möglich. Die Polizei saugt uns ja das Blut aus. lieber Herr!" „Warum verteidigt ihr euch nicht Horski wollte antworten, aber die Tür öffnete sich, und Janka führte triumphierend einen bildhübschen, jungen Burschen in Gymnasialuniform herein. Er ging auf den Vater zu und küffte respektvoll seine Hand. „Bist du hungrig?" „Nein, Vater!" „Das schadet nicht, setz dich hin und iff. Nach der Reise mufft du Appetit haben." HorSki stellte seinen Sohn Klitzki vor. Klitzki zog den jungen Mann in ein Gespräch über die Schulverhältnisie in Russisch-Polen, von denen ihm wenig be- kannt war. Kazjo blickte düster vor sich hin, als lieff er alle Gespenster der Schultyrannei, die er von Kindheit an durchlebt hatte, vor seinen Augen vorüberziehen. Er sah jetzt wirklich aus wie ein junger Greis. Horski und Klitzki zogen sich in das Nebenzimmer zurück. „Das machen sie aus unseren Söhnen", sagte Horski.„ge- brochene Seelen." „Im Gegenteil", ersvidertc Klitzki.„Ihr Sohn scheint mir eine starke, gehärtete Seele zu haben. Kein Wunder. Das Kind kämpft mit einer ganzen Horde, mit einem ganzen System, mit einer Macht, die von oben strömt und ihm einen genau gezeichneten Weg anweist, der dazu bestimmt ist, es zu russifizieren. Das Kind wehrt sich mit Erfolg." Horski hörte aufmerksam zu: „Sie haben recht," sagte er,„aber eS ist ihnen wohl aufgefallen, wie wenig Verständnis der Junge für den Kampf hat, den wir in unserer Stadt durchführen müssen. Jeder von uns hat seine eigenen Sorgen. Unsere Stadt ist ein Räubernest, ein Eldorado für Mörder und Spitzbuben. Sie haben sie noch nicht bei ihrem lichtscheuen Treiben gesehen, das ilmen von der Polizei erleichtert wird. Tagejcw unterstützt sie, weil sie für ihn eine Geldquelle des Einkommens bieten. Unsere Stadt ist völlig verderbt. Jeder unternimmt Raubmord auf eigene Faust in der Ueberzeugung, daff ihm nichts geschehen wird." Klitzki zuckte die Achseln. „Das ist eure Schuld!" erwiderte er lebhaft.„Ihr solltet doch ein Gesuch au die Gouvernemeutsregierung einreichen und Lagejew fortjagen." Horski lächelte bitter. „Ein Spitzbube schützt den andern. Geht Tagejew, dann schicken sie uns eine andere unbrauchbare Kanaille auö dem Innern RufflandS." „Ich glaube einfach nicht", unterbrach Klitzki,„daß man eine Anzahl Bürger nicht zusammenberufen könnte, die endlich Protest erheben würden. Versuchen Sie eS!" In diesem Augenblick raschelte im Speisezimmer ein Kleid.. Horski erhob sich beunruhigt. „Sieh'mal,>ver im Speisezunmer ist", sagte er zu Janka, die por kurzem eingetreten war. Janka hob die Portiere. „Es ist Juzia, die den Tisch abräumt!" Aber sie nahmen den Faden der Unterhaltung nicht wieder auf. Janka setzte sich ans Klavier und begann eine Chopinsche Marzurka zu spielen. Klitzki näherte sich ihr. „Unsere ernste Unterhaltung hat Sie Wohl gelangweilt?" „Nein," erwiderte das Mädchen,„aber ich höre nichts anderes �als sortlvährende Klagen über die Greueltaten iu unserer Stadt. Mau kann hier wirklich nicht ruhig atmen. „Aber," fugte sie mit der ganzen Frische einer jungen Seele hinzu,„mir raubt das weder die gute Laune, noch den Mut. Nur weist ich nicht.. „Was denn?" „Ob daS lange vorhalten tvird." Klitzki sah sich um und bemerkte, daff HorSki das Zimmer verlassen hatte. Das ganze Leben lang muff es so sein," sagte er, indem er sich neben daS Mädchen setzte.„Ihr sonniges Wesen ist dazu angetan, den Menschen, die um'sie sind, das Leben zu verschönen." „Es gelingt mir manchmal, Papa zu erheitern, das ist tvahr." „Nicht nur Papa," fuhr Klitzki fort,„es wird sich jemand finden, der Ihre Heiterkeit und Sonnigkeit anbetet und nicht mehr entbehren kann." Eine tiefe Röte überflutete langsam Jankas Gesichtchon. Sie sagte nichts, lieff die Arme sinken und„stand wie in der Erwartung eines wichtigen Ereignisses, das ihrem Herzen teuer war. (Forts, folgt) DaS Lpfer einer Gasvergiftung geworden ist in der Rathenow« Strohe 46 die 25 Jahre alte Auguste Heinz, die für sich allein im Erdgeschoß des HofgebäudcZ wohnte- Sie wurde von der HauS- verwaltest tot im Bette aufgefunden. Nach dem Befunde lieg! ei» Unglück vor- Ei» tödlicher Betriebsunfall ereignete sich in einer chemischen Fabrik an der Müllerstraße. Tort wurde der 42 Jahre alte Werlmeister Philipp B u ch i n g e r aus der Schlotzstr. 19 zu Pankow von Benzolgasen, die mehreren Ballons entströmten, erstickt, während er sich allein in seinem ArbcitZraum im vierten Stock befand. ?lus öen Gemeinöen. Lebensmittclnachrichtcn aus Eharlottenburg. In der kommen- den Woche werden auf Grund der Kundenlists 3 Pfund Kartoffeln abgegeben. Auf Abschnitt 49 der roten Nahrungsmittel- karte gibt es in der kommenden Woche LD 9 Gramm Mehf, auf Abschnitt 39 vom 21. Februar ab% Pfund Sauerkohl. Lebensmittelnachrichtcn aus Wilmersdorf. Die Neueintragungen in die Kundenliste für den Zuckerbezug müssen in den durch Plakats kenntlich gemachten Geschäften in der Zeit vom 19. bis 21. Februar abends bewirkt»erden. Die neuen Kundenlisten gelten vom 1. März ob. In der nächsten Zeit gelangt auf Bezugschein M(ziegelrot) K n it st h o u i g zur Verteilung. Für jeden Einwohner wird ein halbes Pfund zum Preise von 25 Pf. abgegeben. Der Berkauf geschieht nur nach vorheriger Anmeldung. die iir den durch Plakate bezeichneten Geschäften vom 19. bis 21. Februar abends vorgenommen werden muß. Die Pockencrkrankungen im Kreise Westhavellond, die besonders in Rathenow und Umgebung ausgetreten waren, find im Erlöschen begriffen. In Rhinow ist die Seuche amtlich als erloschen erklärt worden, nachdem seit anderthalb Wochen neue Erkrankungsfälle nicht zu verzeichnen waren. Infolgedessen sind in Rhinow bereits die Sperrmaßregeln aufgehoben worden. Auch in Rathenow sind neue Fälle von Pockenerlrankmigen nicht mehr festgestellt worden, so daß mit Sicherheit anzunehmen ist, daß die gefährliche Seuche endgültig niedergekämpsl ist. In Schmetzdorf bei Rathenow ist allerdings kürzlich auf Anordnung des Landrats die Schutzimpfung vorge- nommen worden. Erkrankungen sind dort aber bisher überhaupt ncch nicht vorgekommen._____ Groß-Serliner Parteinachrichten. An die Parteigenossen und Reichstagswähler von Spandau-Osthavelland k Tie Wählerlisten zur ReichstagSnachwahl am 14. März liegen nur noch heute und morgen, Sonntag, den 18., und Montag, den 19. Februar, zur Einsichtnahme aus, und zwar: a) für den Staditeil SiemenSstadi mit Sternfeld und Paulstern im Magistratsbureau: Zkonnendamm-Allee 03/96; b) für den Stadtteil Hafelhorft mit Salzhof und Neue Pulver- fabrik im Magistratsbureau, Gortenfelder Straße 36: c) für alle übrigen Stadtteile im Rathause, Zimmer 254(1 Treppe). Die Einsichtnahme kann erfolgen: Am Sonntag in der Zeit von 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags; am Montag(letzter Tag) von 8—1 Uhr vormittags und 3 bis 6 Uhr nachmittags. Falls die Eintragung in die Wählerliste nicht erfolgt ist, ist sofort unter Vorlegung eines Beweismittels(wie Steuerzeltel, polizeiliche Anmeldung, Militärpapiere u. dergl.) Nachtragung zu ver- langen. Wahlberechtigt ist jeder Reichsdeutscher, der am Tage der Wahl das 25. Lebensjahr überfchrittcu hat und in der'Zeit der Auslegung der Wählerlisten seinen Wohnsitz in Spandau bczw. im Wahl- kreise hat. Militärpersonen haben kein Wahlrecht. Parteigenossen, Reichstagswähler! Wir fordern Euch nochmals dringend auf, unbedingt Einsicht in die Wählerlisten zu nehmen. Durch die Kürze der Zeit und die besonderen Umstände bei Auf- stellung der Wählerlisten mutzte eine erhebliche Zahl von Nach- tragungen beantragt werden. Versäume daher niemand, sich von seiner Eintragung in die Wählerliste zu überzeugen, damit er nicht seines höchsten StaatsbnrgerrechtS verlustig geht. Der Vorstand des Sozialdemokratischen Wahkvereins. I. A.: W. Jahnke, Spandau, Weißenburger Straße 16a. Sozialdemokratischer Bercin für Berlin IV. Stralauer Viertel. Mittwoch, den 21. Februar, abends 8 Uhr: Zusammen- kunft der Mitglieder in« Lokal Rudolf Borgemann. Gubener Str. 48. Alle auf dem Boden der Gesamtpartei stehenden Parteigenossen sind freundlichst eingeladen. I. A.: Fr. Schlienz, Simplonstr. 87. OrtSverei» Schöucberg. Dienstag, den 29. Februar, abends S'/j Uhr, in den Neuen Rathaussälen, Meininger Straße 8(Tunnel): Mitglieder-Bersammlung. Tagesordnung: 1. Die Schicksalsstunde der Partei. Referent: ReichstagSabg. S chö p flin. 2. Diskussion. 3. Berichterstattung von der Kreisgeneralversammlung. Besonders eingeladen sind diejenigen Mitglieder, die den festen An- schluß an unserem Ortsverein wieder herbeiführen wollen. Lichtenberg. Mittwoch. 21. d. M.. abends 8'/z Uhr: Zahlabend bei Pfaffenhäfer, Bismarckplatz 1. Bericht von der Kreiskonferenz. Aufnahmen und Ummeldungen von Mitgliedern werden entgegen- genommen._ ZSetterauSfichte» für das mittlere Norddeutschland dis Montag mittag. Bis Montag mittag ein wenig wärmer: im Nord- Westen vorwiegend bcwöllt mit geringen Niederschlägen; in den übrigen Gegenden trocken und ziemlich heiter. Gen'chtszeittrng. Die Geheimnisse der Wurstsabrikatio». Wegen Verkaufs verdorbener Nahrungsmittel war der Fleischer meist er Powelkiewicz vom Berliner Land- gericht II zu zwei Monaten Gefängnis und 699 M. Geldstrafe ver- urteilt worden. Zur Anklage standen zwei Fälle. In dem einen handelte es sich um die Frage, wie die Verwendung eines u n- geborenen Kalbes zu gefülltem Schinken und Jagdwurst noch dem Nahrungsmittelgesetz zu bewerten sei. Dazu führte das Landgericht in seinem Urteil aus: Dos ungeborene Kalb. das beim Schlachten einer gut gemästeten Kuh unerwarler gewonnen wurde, war etwa acht Monate all, während Kälber von den Kühen in der Regel nach einer Trächtigkeit von etwa? mehr als neun Monaten zur Welt gebracht würden. Möge auch das Fleisch eines ungeborenen, ziemlich 8 Monate von der Mutler getragenen Kalbes nicht geeignet sein, die menschliche Gesundheit zu gefährden, so sei es doch gegenüber dem Fleisch- eines Tieres, dos bereits geatmet habe, minderwertig. Es müsse als ein ver- dorbenes Nahrungsmittel angesehen werden. Im zweiten Falle, der dem Urteil mit zugrunde lag. handelte es sich um die Verwendung des Blutes und der Därme einer not- geschlachteten Kuh zur Blutwurst. Die Kuh war durch und durch tuberkulös, so daß nach der Bekundung des Tierarztes da» Gift schon ins Blut übergegangen war. In diesem Falle nahm das Gericht an, daß die Blutwurst geeignet gewesen sei, die mensch- liche Gesundheit zu gefährden, weshalb für diesen Fall ß 12 de-Z NahrungSmiltel-Gesetze» in Frage komme. DaS Kammergericht verwarf die vom Angeklagten ein- gelegte Revision. Zum Tode verurteilt. Das Schwurgericht Kottbus verurteilte am Mittwoch den Schlossergesellen Ernst Klug aus Berlin wegen Raubmord und Totschlag zum Tode, zu lebenslänglichem Zuchthaus und dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Klug war in Berlin im Jahre 1914 wegen sieben vollendeter und drei versuchter Einbruchsdiebstähle zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt worden und kam nach Luckau, um dort die Strafe abzusitzen. Am 13. Mai 1916 gelang es ihm. beim Kartoffelhacken zu entweichen. Um sich für die Flucht andere Kleidung zu verschaffen- hat er in der darauffolgenden Nacht die etwa 79 Jahre alten Golzeschen Eheleute und deren 34 Jahre alte Tochter mir einer Axt erschlagen. Am Tage nach der Tat stellte er sich der Zuchthausverwaltung von Luckau. Jugenüveranftaltungen. PeterSbageu und Umgegend. Heute Sonntag Oefientlickcr Unter- haltungSabend, bestehend aus Künstlerkonzert, humottstischeli Vorträgen. Ansang 5 Uhr. Eintrittspreis 25 Pf. Eingegangene vruckfchristen. FlmmingS Nr. 36. IM.— UBoots-Kriegskarte von Europa. Kriegskarte Verlag Carl Flemming,?l. G., Berlin W 50. Deutsch. Kelallarbeüer-VeM Ortsverwaltung Berlin. Dem Andenke» unserer im Felde gefallenen und verstorbenen Kollegen gewidmet. VkvoÄor' Arnpeich. Schlosser, geb. 26. 12. 82, Berlin. OttO HotzOy Gürtler, geb. 16. 3. 77, Berlin. Ernst Luther, Schlosser, geb. 22. 9. 87, Berlin. Hermann Ollesch, Schlosser, geb. 4. 9. 90, Gr. Salza. Hermann Schelski, Arbeiter, geb. 20. II. 84, Liebemühl. Sfclax Schütte, Schlosser, geb. 3. 4. 97, Wilmersdorf. Hermann Studtmann, Schleifer, gcb. 14. 9. 74, Niendorf. Ehre ihrem Andenke»! 130/6 Die OrtSverwaltnng. DentscliEr Baüartieiter-Yertianil. ZwcigTereSn Berlin. Bezirk Schüneberg. Am 15. Februar starb unser Mitglied, der Maurer ssarl Kaiser. Ehre seinem Andeuten! Die Beerdigung findet am Montag, den 19. Februar, nach- mittags 2ff, Uhr, auf dem Ge- meindesriedhof Blanke Hölle statt. 144,7 vis Lrtlivds Varvaltung. AIS Opfer deS WeltlriegeS fiel durch Kopsschug am 30. Januar, nach 18 Monaten schwerer Kämpfe, mein lieber, herzensguter Manu, der treuforgende Vater seines einzigen KIndeS, unser lieber Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel, der Landsturmmann • Btöax Borchert (Füsilicr-Reg. Nr. 83, 8. Komp.) im Alter von 33 Jahren. Er solgte feinem Schwager B r u n o nach 13 Monaten in den Tod. Dies zeigt fchmerzerfüllt an seiue tieftrauernbe Gattin Bnmm Borchert geb. Hasselbers und Sohn. Neukölln, Weiseflr. 8. f-OZ Kann Liebe nicht zum Grabe wallen, Als letzten Gruß den Kranz zu weihn, Sollt Helden Ihr, im Kamps gefallen, ijm Herzen uns unsterblich fem. Lieber Vater, schlaf in Ruh', unsre Liebe deckt Dich zu! wdsiiSitei'IZmetiiite'U.Mls- artieltek. Filiale OroB-Berlin. Den Mitgliedern geben wir hiermit Nachricht vom Tod« des Kollegen krieclrkk Lewer von der Gasanstalt Lichtenberg (Invalide). Ehre seinem Andenken! Beerdigung am Mittwoch, den 2l. Februar, nachmittags 2'/, Uhr, von der Halle des Gemeinde- Kirchhose» in Marzahn aus. Um rege Beteiligung bei der Beftatlung deS Kollegen ersucht 35/16 vi« 0rt»wn*al«ung. MlSelineiiier.Sclineiitaliffleii Ii. Wäscheariieiiep DeulseWands, Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied FsieltslillL kiesenbssggs (Branche der Damensektion) am 15. Februar gestorben ist. Ehre ihre« Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 19. Februar, nach- mittag» 2'/, Uhr. von der Leichen- balle des Zentral-FriedhosS in Friedrichsfelde aus statt. 164/17 vis Orttvenwltung. SozialdemokratiSEberWalilverein I.il.2. BerLUtagswaUkreis. Bezirk 110. Im April 1916 verstarb insolge schwerer Verwundung, in einem Lazarett unser Mitglied, der Tischler Ftfdiard Freihoff Gneisemmstr. 21. 207/12 Der Vorstand. BeerdipgsvereiD der ZtomerieDte Groß-Berlins. Am Montag, den 12. Februar. verschieb plötzlich au Herzleiden unser langjähriges Milglieb, der Zimmermeister VVühelni Rodolph Neukölln. Knesebeckstr. 98. Ehre feinem Audeuken! Die Beerdigung sindet am Dienstag, den 20. Februar, nach- mittags 3 Uhr. von der Leichen- halle de» allen Thomas-KirchhoieS in Neukölln, Hermannstraße 179. aus statt. 1882b Der VorstnnS._ De» plötzlichen Tod meines lieben Manne», unseres guten Vaters und Großvaters Otto Zchelleaderx zeigen in tiefster Betrübnis, um stille Teilnahme bittend, hiermit ergebenst an Witwe Johanna Dchellendcrg und Töchter. Die Beerdigung sindet am Dienstag, den 20. Februar, nach- mittags 4'/, Uhr. von der Leichenhalle des Zentral-Friedhofs in Friedrichsfelde ans statt. Am 15. Februar verstarb unser lieber Kollege, der Buchdrucker Max Schulz im 57. Lebensjahre. Sein Andenken werden siels in Ehren Halle» Die Kollegen der Norddeutscheu Buchdruckerci. Di« Beerdigung findet morgen Montag, den 19. Februar, nach- mittags 2'/. Uhr, von der Leichen- Halle Steglitz, Bergstr., aus statt. Meiiei' Eezirksverwaltung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Droschken- sührer Rar! Latewedel am 8. Februar im Alter von 56 Jahren verstorben ist. Ehre seine« Andenken! Die Beerdigung sindet am Sonntag, den 18. Februar, nach- mittags 3 Uhr. von der Leichen. ball- des Haselhorstcr Kirchhofes, SiemenSftaot, aus ftatt. 72/1 vis BezirkeverWsItung. Gewidmet zum 26. Geburtstage unseres lieben unvergeßlichen, einzigen SohneS und Bruder», Schwagers, Onkel», Neffen und Coufilw, des Musketiers Villi Sterling gefallen am 9. August durch Kopsfchuß. Ein einsam Grab, vom Sturm umrollt, keine Blume draus. leine Schrift von Gold. Dies alles nur ist ihm geblieben von Jugendlenz, von Hoffen und Lieben. Wer viel verloren, leidet unvermessen, für tiefeS Leid giblS kein Vergessen. Ruhe sanft in sremder Erde! Deine trauernden Elter». Schwestern. Schwager, Nichte und Eousi». Berlin 0, Mühlenstt. 72a. sötA ftrbaiiil der treien Gast- und Scbankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege �uxust Drsbert Schreinerftr. 4, Bezirk 3 am 15. Februar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 19. d. M.. mittags 12'/, Uhr, von der Halle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 75/13 Hie Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Einäscherung meines uiwergetzlichen lieben Mannes I�atil Fechner sage ich allen Verwandten, Freun- deimnd Kollegen meines ManneS so- wie Herrn Manasse für die trost- reichen Worte meinen herzlichen Dank. 99/15 Witwe Anua Fechner. Am Freitag mittag ist unser langjähriger Parteigenosse und Zahlabend-Wirt 15/15 Hugc Krause BegaSstraße 1, nach langem, schwerem Leiden durch den Tod erlöst worden. Wir verlieren in ihm einen Mann, der stets für die Einheit der Partei wirkte. Sem Andenken hallen wir in Ehren. Die Parteigenosse« deS 11. Bezirks. Schöncberg. Die Beerdigung findet am DienStag, den 20. Februar, nachmittags 4 Uhr. aus dem neue» Mathäi-Kirchhof, Priester- weg, statt. Allen Freunden und Belanntcn die traurige Mitteilung, daß mein lieber guter Mann, der stets sorgende Vater unserer drei Kinder, unser braver, lieber Sohn und Schwiegersohn, der Gastwirt Hugo Krause am Freitag, den 16. Februar, nach langem, schwerem Leiden verstorben ist. 1633L Martha Krause, geb. Hosnnann. ferbert, Heinz, Herta, Kinder. ohanna Krause. Mutter. d. Hossmann und Frau. Schwiegereltern. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 20. Februar, nachmittag» 4 Uhr, aus dem neuen Mattbäikirchhoß�ßttestirwe�� Danksagung. Hierdurch sagen wir ollen Betei- ligten, insbesondere Herrn SS. Schütte sowie dem 5. Berliner Wahlkreis und allen Freunden und Bekannten für die herzliche Teilnahme bei dem Tode des A. Honsel unseren besten Dank. t151 Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben ManneS Hermann Flöge! sage ich allen hierdurch meinen innig- sten Dank. sVI Zforle Flögel. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme beim Hinscheiden unseres guten Vaters sage hiermit allen unseren innigsten Dank. 1pS7b Im Name« der trauernden Hinter- blieben«:'Anno Schumann. Charlottenbmg und Reinickendorf, den 12. Februar 1917. Uestßiunn's Irnuermnäiizin GrSfite-vuswahl. Billigste Preise. L UohrenstreS« 37a (Koloniiadeni IL Kr. Frankfurter Str. 115 (nahe Andruutr.) Sutwehltendvngen taierL Amt Zeptrum 7690. sonnte g 1t— 2 Uhr cestlnet. »UleMitti einer Ijeibbindc? Sämtliche Systeme am Lager resp. nach Maiianiertigung sowie Bruchbandagen a!" Artikel z. GesundH.- u. Krankenpflege Pollmann, Bandagist Berlin N., Lothringer Str. 60.* Lieferant für Krankenkassen. Wunderbare Frttbjahrs-Modellel Elnaelae Keatame■. MmntelkleSüar, Modell,. Preebtctüska, beite StoIIa._ feaeba Formen. Kammaafn, Tuch. PhacVaaiaatoffe 250,- 2Ü0,- 150,— 101.— 75— 53,-. Eiafacba Kostüma mal gafcaa Stollaa 28.- 33.- 18,- HarraBzanuaim Intal im mllma ffeitea. atctseamaml(Seideamllntel) xr■■ Ecmeh. liaismimlotaL feinköpar/Covarkot) ealmüekaoda farbeastolIuasaD. 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L Qasobifi- Uohreastrafle 37» Westmann II. Creaehäft! Cr. PranklmrUr Skr. 115 ZsMllg. 18. Februar 1917� Mgeorönetenhaus. 6 0. S.ihung, Sonnabend, den! 7. Februar,»or- mettag» 1-l Uhr. Am Ministertisch: v. Loebcll. Die zweite Lesung de» Etat- des Ministeriums des Innern wird sortgesetzt beim Medizinalwesen. Hierzu beantragt die Kommisston. in dem nächsten Etat Mittel einzustellen zur Gewährung Non Beihilfen an Säuglings- f st r s o r g e st.e l l e n.. Ferner Beibehaltung der Reichs- wochenhilse. Ein Antrag der Volkspartei wünscht, daß zur Unterhaltung von Säuglingssiirsorgestellen sofort Beihilfe gewährt wird. Ein weiterer Antrag der Fortschrittler ersucht die Regie- rung, zur Erzielung eines ständigen Mutter-und Säugling s s ch u tz e s beim Bundesrat zu beantragen, die Rcichsver- sicherungsordnung dahin abzuändern, daß alle Leistungen der für die Kriegszeit eingerichteten Reichswochenhilfe Regelleistungcn der Krankenversicherung werden. Abg. v. Äcsscl(k.) t Die Probleme der Bevölkerungspolitik sind durch den Krieg aktuell geworden. Wir wünschen ein Verbot der Feilhaltung empfängnisverhütender Mittel und die denkbar schärfste Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Der Fürsorge für die unehelichen Kinder muß mehr Beachtung geschenkt werden. Sehr wohltätig wirken die Kleinkindcrschulen und ähnliche Einrichtungen, wo den Kindern auch ein Begriff von Gesundheitspflege beigebracht wird. Um der drohenden Gefahr der Ausbreitung der Geschlechtskrankheiten nach dem Kriege zu begegnen, sollte kein Krieger entlassen werden dürfen, der an einer solchen Krankheit leidet. Abg. 2t. Kaufmann(Z.): Bei der Lösung des Bevölkerungsproblems gebührt auch der Kirche eine Mitwirkung. Die sitilichen Begriffe dürfen nicht ver- wirri werden. Aber zur Bekämpfung der Kinderfterblich- keit muß auch für die unehelichen Kinder gesorgt werden..Kinderprämien und eine Kinderlosenstcuer wären wirk- käme Maßnahmen. Auch das Wohnungswesen verdient in diesem Zusammenhang ernste Beachtung. Bei der Bekämpfung der Geschlechtskrankbetten muß die Schweigepflicht der Acrzte ihre Beschränkung finden durch das Wobl der Allgemeinheit und dem notwendigen Schutz unserer Familien. Die Kur- Pfuscherei muß verboten werden. Sic hat gerade auf diesem Gebiet unheilvoll gewirkt. Für den Täuglingsschutz bleibt noch viel zu tun. Abg. Rosenow lVp.): Wann der Frieden kommt, wissen wir nicht, darum müssen wir schon jetzt Mittel für die Säuglingsfürsorge bereitstellen. Auch muß möglichst sofort eine• reichsgcsetzliche Förderung beS Mutterschuhes einsetzen. Mag das jährlich 60, auch 100 Millionen kosten, was verschlägt das, wo es gilt. Menschenleben zu erhalten. Für die unehelichen Kinder muß mehr geschehen. Gesckstechtskranke Mcn- scheu dürften keine Elie eingehen, da Kinder einer solchen Ehe nur eine Last für den Staat fein können. Minister v. Lvcbell: Die Frage, ob die R e i ch s w o ch e n h i l je in dem jetzigen Umiang beibehalten werden kann, ist wegen ihrer großen finau- ziellen Tragweite noch in der Schwebe. Jedenfalls verdient die Frage ernste Beachtung. Für die Säuglingsfürsorge sind im Etat bereits einige Positionen vorgesehen. Allerdings genügt das noch nicht. Es sind augenblicklich Besprechungen im Gange, welche weiteren Mittel für den nächsten Etat hier zur Ver- fügung gestellt werden können. Der Wunsch, sofort solche Mittel auszuwerfen, kann leide,r nicht erfüllt werden. Die A e r z t e s ch a f t Hot die ihr gespendete Anerkennung wohl ver- dient. In der Bekämpfung der Geschlechtskrankheisen wirken sehr günstig die vom Reichsversicherungsamt eingerichteten Beratungs- stellen, die noch vermehrt werdest sollten. Durch Aufhebung der Schweigepflicht der Aerzte könnte das Vertrauen zu den A c r z i e n nachlassen. Bei den Fragen der Bcvölkerungs- Politik entscheiden nicht nur wirtschaftliche und soziale Gesichts- punkte, sondern es handelt sich um Dinge tief sittlicher Natur. Kirche, Schule. Elternhaus, alle berufenen Organisa- tionen müssen an der Abstellung des Ucbels mitwirken. Religiöse, sittliche, soziale und menschliche Gründe sprechen auch für größte Fürsorge im Interesse der unehelichen Kinder. Es gilt, das uneheliche Kind zu erhalten und soweit wie möglich zu einem nützlichen Glieds der menschlichen Gesellschaft zu machen. Da- ist eine national« Pflicht. Tie Fragen der Bekämpfung des Geburtenrückganges haben eine Ministerialkonferenz unter Teilnahme von Landtags- und Rcichstagsabgcordneten ein- gehend beschäftigt. Man bat empfohlen eine weitgehende Berbeffe- rung«der Säuglingsfürsorge und des Mutterschutzes, eine gründ- liche Reform der Hebammenordnung, eine Verbesserung des Halte- kindcrwefen und der Stellung der unehelichen Kinder, Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Das Material wird gegenwärtig ge- sichtet, und es wird sofort festgestellt werden, welche Matznahmen daraufhin zu ergreifen sind. Im Zusammenhang mit diesen Dingen steht die Bekämpfung der Landslucht, die Kultivierung der Oedländereicn pnd die Förderung der K r i c g e r h e i m st ä t te n. die eine vaterländische Pflicht ist. Wir hoffen, alle diese Arbeiten bald zu einem gedeihlichen Abschluß bringen zu können.(Lebhafter Beifall.) Abg. Hacuisch(Soz.): Die leider außerordentlich geringe Besetzung des Hauses konnte den Anschein erwecken, als ob es sich hier um belanglose Fragen handelte. Gewiß sind diese Dinge nicht in dem Maße wie die großen politischen Debatten, dir uns in den letzten Tagen beschäs- tigteich geeignet, sensationelles Interesse zu erwecken. Aber sachlich ist kein Etat für die ganze Zukunft unseres Volkes von größerer Be- deutung, als das Gesundheitswesen. Bei dieser Bedeutung des Gesundheitswesens wird über kurz oder lang doch ein besonderes Ministerium für Gesundheitswesen geschaffen werden müssen. Die beiden vorliegenden Anträge für Reicbswochenhilfe und Säuglings- pflege führen uns mitten hinein in die großen Probleme der Be- Völkerungspolitik, die nicht erst durch den Krieg akut geworden ist. Seit 1677 haben wir in Deutschland einen stets zunehmenden Gc- bnrtcnrückgang. Die Zahl der lebend Geborenen ist u m nicht weniger als 22 P r o z. gesunken. Wir halten in den letzten Jahren vor dem Kriege 260 000 Geburten jährlich weniger, als wir hätten haben müssen, wenn auch nur der Prozentsatz von 1900 aufrechterhalten geblieben wäre. Berlin hat in den letzten 37 Jahren vor dem Kriege genau die Hälfte seiner Fruchtbarkeit eingebüßt. Eine absolute Abnahme der Bevölkerung wurde nur dadurch verhindert, daß es gewng, durch die Verbesserung der allgemeinen hygienischen Verhältnisse die Stcrblichkeitsziffer von 26 auf 14 pro Tausend herab- zudrücken. Das ist nicht zum wenigsten auch ein Verdienst des politischen und gewerkschaftlichen Kampfes der Arbeiterklasse� um Sozialreform, Verkürzung der Arbeitszeit und Erhöhung der Löhne. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Aber die Geburtenzahl< sinkt doch noch wesentlich schneller als die Sterblichkeitszisser, so daß wir uns den französischen Verhältnissen nähern, die bereits seit Beginn dieses Jahrzehnts ciuc absolute Abnahme der Bevölkerung verzeichnen. Alle Erwartungen und Lsrcchnuugen für den künstigew wirtschaftlichen und kulturellen Ausstieg Deutsch- lands baben aber mit einer beständigen Bcvölkerungs- zunähme gerechnet. So wird die Frage nach den Ursachen und der Möglichkett zur Beseitigung dieses Uebels zu einem Gegenstand von höchster nationaler Bedeutung. Die einen sehen die Ursachen des Geburtenrückganges in ethischen, die anderen in wirtschaftlichen Momenten. Gewiß mag in manchen übersättigten Kreisen der weltstädtischen Großbourgeoisie Eitelkeit, Bequem- lichkeit und Genußsucht, hesondcrs der Frau, zur Einschränkung des Kindersegens viel beigetragen, baden. Aber das erklärt nicht die Tatsache des Geburtenrückganges als eine soziale Massenerscheinung. Gewiß liegen die Dlnge nicht so einfach, daß man sagen kann: je tiefer die absolute soziale Not, desto stärker der Geburtenrückgang. Im Gegenteil zeigt die Erfahrung, daß für den ganz tief stehenden Proletarier, der noch nicht über den Tag hinaus sielst, neben dem Alkoholgenuß der Geschlechtsgenutz sein einziges Vergnügen ist, so daß er Kind auf Kind eben in die Welt setzt, ohne daran zu den- ken. was dabei aus seiner Frau und den Kindern selbst werden wird. Das ändert sich aber, je mehr aus dem Proletarier em moderner Siaatsbüd�er wird. Auf der heute in unseren Großstädten erreichten Entwickelungsstufc hat der Arbeiter per- sönliches und soziales Pflichtbewußtsein und Verantwortlichkeits- gefühl bekommen, und gerade dieses treibt ihn zur E i n s ch r ä n- kung des Kindersegens. So erklärt es sich, daß der seit 1900 zu beobachtende starke Geburtenrückgang trotz des Wirtschaft- lichen Aufschwungs doch seine Ursache in den sozialen Verhältnissen hat. Zwei Auswege gibt es aus dieser Situation: Entweder man wirft die Arbeiter in die alte Bedürfnis- und Vcrantwortungslosig- keit zurück, was natürlich nicht angeht, oder man hebt ihre Lage so intensiv, daß auch ihr gesteigertes Verantwortungsgefühl es ihnen erlaubt, eine größere Zahl von Kindern i n d i e W e l t z u s e tz e n. An einzelnen sozialen Ursachen für den Geburtenrückgang kommen in Betracht das WohnungSelend, das sich nach dem Kriege noch verschlimmern wird. Da sind sehr zu begrüßen die Bestrebungen auf Gründung von Krieger- h e i m st ä t t e n. Damit hängt zusammen die innere Kolonisation, der das neue Fideikommißgesetz leider direkt entgegen- arbeitet.(Sehr wahr! links.) Ein weiterer Grund der mangelnden Bevölkcrungsvermehrung ist die steigende Erwerbsarbeit der Frauen, die sich während des Krieges noch beträchtlich verschlimmert hat. Die Frauen müssen unbedingt ans solchen Betrieben ferngehalten werden, die für ihre Gesundheit und die Erfüllung ihrer Mutterpflichten schädlich sind. Obgleich eine Vermehrung der Eheschließungen nicht ohne weiteres eine Vermehrung der Geburten zur Folge hat, muß doch den Ange-< hörigen, besonder» der geistigen Berufe, durch Verbesserung ihres Einkommens ein früheres Heiraten ermöglicht werden, das Kinderprivilcg im Steuerwesen ist weiter auszubauen. Solche und ähnliche Maßnahmen versprechen vkyl mehr Erfolg, als ein grund- sätzliches Verbot des Vertriebs Empfängnis verhütender Mittel. Dort, wo es die Gesundheit der Frau erfordert, muß z. B. dem Arzt die Anwendung solcher Mittel unbenommen sein. Vor allem aber darf die Verbreitung derjenigen Mittel nicht gehindert werden, die geschlechtliche An st eckung fernhalten, dem: sonst treibt man den Teufel durch Beelzebub aus. Schätzte doch der Ministerialdirektor in der Kommisston die Zahl der Kinder, die infolge ererbter Syphilis schon in den ersten Lebcnstagen und Wochen zugrunde gehen, aus jahrlich in Preußen allein 20 006 und mehr.(Hort? hört!) Wenn wir hören, daß von je 1000 ehelichen Kindern 6% das erste Lebesjahr erreichen, von je 1000 unehelichen aber nur 332, und daß beim 19. Lebensjahr die entsprechenden Zahlen 212 und 136 sind(Hört! hört!), dann ist die Notwendigkeit' umfassendster Säuglingsfürsorgc, insbesondere für die unehelichen, erwiesen. Wir fordern Verstaatlichung der Geburts- h i l s c. Tie Reichswoche nhilse muß ausgebaut und zu einer dauernden Pflichtleistung der Krankenkassen umgewandelt werden. Das alles kostet ganz gewiß viel Geld. Aber wir haben uns ja jetzt im Kriege an das Rechnen mit Riesenzissern leider gewöhnt. Gerade ietzt wird wieder eine neue Kreditvorlage, diesmal sogar von 12 Milliarden angekündigt, die natürlich quch nieine Freunde wieder bewilligen werden müssen.(Abg. Ad. Hofsmann(Soz. Arbg.): Hört! hört!) Allerdings bewilligen müssen, Herr Ad. Hoffmann, denn auch Sie werden noch nicht das Mittel gesunden haben, um diesen Krieg ohne Geld zu Ende führen zu können.(Ad. Hossmann: Hört! hört!) Herr Abg. Hoff- mann, ist Ihnen nicht, wie aller Welt bekannt, daß die deutsche Regierung ihre Friedensbereit- schaft durch ihr Friedensangebot ausdrücklich er- klärt hat und daß es unsere Feinde ge'wesen sind. die u n szu m weitere nKriegcführenunddamitzu weiteren Geldausgaben gezwungen haben.(Leb- hafte Zustimmung.) Wenn jetzt leider Hunderte von Milliarden zur Zerstörung und Vernichtung ausgegeben werden müssen, dann ist es nur gerecht, auch Riesensumme« für Zwecke der Vermehrung und Erhaltung zinstragend anzulegen.(Sehr wahr!) Genau so wie in der Frage der politischen Rechte, ist auch hier eine Gelegenheit,!�m Dank an da? Volk Ausdruck zu geben.(Beifall links.) Der Segen der mehr pflanzlichen Kriegskost trifft nur jene sehr dünnen Schichten, bei denen vor dem Kriege von einer U c b e r- ernäbrung die Rede sein konnte. Weit bedenklicher sind die umgekehrten Wirkungen aus die Minderbemittelten und besonders auf die heranwachsende Jugend. Statt aber die Schulspeisungen usw. zu fördern, erhöht man den Milchpreis auf 44 Pf.! (Hört! hört! links.) Die Bekämpfung der Tuberkulose muß noch vermehrt und planmäßiger gestaltet werden. Wie in jedem Krieg«, nehmen auch in diesem die Geschlechtskrankheiten stark zu. Da nach Dr. Dreuw unmittelbar nach der Einführung des Sal- varsan eine erschreckend« Zunahme der Syphiliserkrankungen zu beobachten war. bitte ich die Medizinalverwaltung dringend, i n der Salvars anfrage größte Vorsicht walten zu lassen. An der Zunahme der Kreislaus-, Nieren- und Nervenerkrankungen trägt der Alkohol- und Nikotinmißbrauch im Heere große Schuld. Warum ist der alkoholfreien Mobilmachung nicht auch ein entsprechender Fortgang gefolgt. Die große Widerstands- kraft der Russen ist sicher nicht zum wenigsten dem Alkoholverbot zuzuschreiben. Wir brauchen Förderung aller Bestrebungen der Leben sresorm: der Avstinenzbewegung, der Bestrebun- gen gegen den Tabakmißbranch der Sportvereine und der I u g e n d- bewegung. Jugend ist nun einmal Trunkenheit ohne Wein! Wir brauchen einen systematischen theoretischen und prattischeu Gesundheitsunterricht in der Schule. Möchte doch jeder Mann und jede Frau im Volte künstig an der Erhaltung und Festigung ihrer Gesundheit ebenso großes Interesse nehmen, wie heute an dem Erwerb von Geld und Gut. Die Verhütung von Krankheiten ist eine der vornehmsten Ausgaben des Staates. Nicht bureaukratische Gänge- lung aller�Lebensrcsormbewcgungen verlange ich, wohl aber ihre kräftigste Förderung, ihre systematische Zusammensastung und ihre Belebung durch unermüdlich neu zu gebende Anregungen, daneben die Schaffung einer großzügigen GesundheitSorganisatiim über das ganze Reich mit einem Gesundheitsministerium an der Spitze. Das muß uns künftig mindestens ebenso am Herzen siegen, wie bisher die Heeresorgamsatiou. Lcbcnsrcsvrrn und SozialreioAn der umfassendstem?trt und in engster Verbindung miteinander: das tut uns not. lind nirgends mehr als hier gilt die Losung: Vorwärts und Auswärts!(Lebhafter Beifall links.) Abg. Rewold»(srk.) schließt sich den Wünschen auf Maßnahmen zur Hebung der Gesundheit des Volkes an. Abg. Lohmann(natl.): Der Abg. Haenisch meinte, wir würdigten in der Frage des Geburtenrückganges nicht hinreichend die sozialen Gründe. Es ist aber ein bedenklich subjektiver Maßstab, wenn er den Arbeitern mpfiehlt, die Zahl der Kinder nach dem Maß der Achtung vor ibren Frauen nnd den Ansprüchen, die Frau und Kinder an das Leben stellen, �zu bestimmen. Da ist die Bequemlichkeit ein böser Berater. Wenn für die Arbeiter die Sorge für das Wohl ihrer Kinder dabei in Betracht käme, dann müßte die Arbeiterschaft unter allen Umständen soviel Arbeiter in Deutschland stellen, daß es vermieden wird, fremdländisch«, auf niedriger Kulturftuse stehen de Arbeiter heranzuziehen, die die Löhne drücken. Mhiisterialdirektor Dr. Kirchner: Zu Besorgnissen um die Kinder liegt kein Grund vor, naiüt* sich mutz olles geschehen, um eine Untercrnäbrung zu Verbindern. Eine Folge der schlechten Ernährung im Kriege ist ein Steigen der Tuberkulose, das aber nicht besorgniserregend genannt wevden kann. Bon großen Seuchcnepidemien wie in früheren Kriegen sind wir diesmal verschont geblieben. Daran hat unsere Wissen- schaft und ihre Forschungen das Verdienst. So sind wir von der Cholera dank der Impfung verschont geblieben. Durch die Anivcn- dung des Tctanus-Serums ist es gelungen, den W u n d st a r r- krampf, der im Anfang des Krieges häusig aus- trat-, so gut wie vollkommen oerschwinden zu machen. Die glänzendsten Erfolge sind bei der Bekämpfung der Hauptkricgskrankhcit, des Fleck- sieberS, erzielt worden. Diese Krankheit wird nur durch Läuse übertragen. Deshalb sind in großzügiger Weise Entlausungsanstalten errichtet worden. Auch den gegen- wärtig ziemlich verbreiteten Pocken werden wir durch die massen- hast vorgenommenen Impfungen in den Munitionsfabriken und Herbergen begegnen können.— lieber die Zahl der Geschlechts- k r a n k h e i t e u im Heere herrschen übertriebene Borstellungen. Sie ist n i ch t viel größer als i m F r i e d e n. Das bedauer» lichste ist die Tatsache, daß über 60 Proz. der erkrankten Soldaten sich�in der Heimat angesteckt haben. Dem Reichstag wird ein Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten qugchcn, durch das wir die Prostitution energisch bekämpfen zu können glauben. Vor allem muß sich die Ueberzeugung Bahn brechen, daß die Ansicht eine irrige ist, die Enthaltung vom außer- ehelichen Geschlechtsverkehr sei gesundheitsschädlich. Es mutz die doppelte Moral endlich aufhören, daß man von der Frau außer der Ehe volle Enthaltsamkeit verlangt, wäh-, rcnd der Mann sich alles erlauben darf.(Sehr gut!) Mittel, die lediglich zur Verhütung der Ansteckung mit einer Ge- schlechtskrankheit dienen, dürfen von dem Verbot antikonzeptioneller Mittel, das kommen soll, nicht betroffen werden. Dienen solche Mittel aber nebenbei aucü dazu, die Empfängnis zu verhüten, s o müssen sie fallen.(Bravo!) Abg. Hoffmann(Soz. Arb.): Ich will nicht auf das eingehen, was mein cbemaliger Parteigenosse Haenisch über die Kriegs- kredite gesagt hat. Jedenfalls war es interessant, daß ein So- zialdemolrat im Abgeordnetenhause die Mebrheit der Sozial- demokratcn im Reichstag schon jetzt m dieser Weise festgelegt hat. — Das Medizinalamt sollte vor allem die Aufgabe erfüllen. Krank- heiten vorzubeugen. Die heutige Unterernährung iirsbeson- dere der Frauen ist der Herd zukünftiger Seuchen, vor allem der Tuberkulose. Gewiß sind wenig Nahrungsmittel vorhanden, aber man soll nur ernstlich zupacken und die Nahrungsmittel da nehmen, wo sie sind, bei den Junkern, bei den Bauern, bei den Besitzenden und sie dem schwerarbeitenden Volke, das vor Unter- ernährung zusammenbricht, geben. Tun Sie da» nicht, dann werden Sie die Folgen zu tragen haben.(Bravo! bei der Sozial- demokratischen Arbeitsgemeinschaft.) Damit schließt die Debatte. Abg. Haenisch(Soz.. persönlich): Die Sache ist mir zu ernst, um sie in eine persönliche Zänkerei init meinem früheren Partei- genossen Hoffmänn ausklingen zu lassen. Nur um einer Legenden- dildung vorzubeugen, stelle ich fest, daß eZ mir nicht in den Sinn gekommen ist, die Reichstagsfraktion irgendwie festzulegen. Abg. Ad. Hossmann(Soz. Arb.) hält an seiner Ausfassung fest. Das Gesundheitsamt wird bewilligt. Die Anträge des Aus- schusses werden angenommen, die weitergehenden Anträge der Volkspartei abgelehnt. Das Haus vertagt sich aus Montag 11 Uhr..(Etat der Bau» Verwaltung.) Schluß 6 Uhr. parlamentarisches. Bergbau- und Hüttenindustrie im Kriege. Die HauSbaltskommission des Landtags beschäftigte sich an» 13. und 16. d. M. mit dem Etat der Bergbau-, Hütten- und Sa- linenverwaltung. Der Berichterstatter Abg. Schräder(ff.) bezeichnete den Betriebsabschluß für 1912 als verhältnismäßig be- friedigend. Der Betriebsüberschuh habe brutto 23,47 Millionen M. betragen. Für 1916 läge der Abschluß noch nicht vor, für 1917 seien höhere Einnahmen veranschlagt, so für die Kohlenbergtverke 332,9 gegen 271,7 Millionen Märt im vorigen Etat. 44,13 Millionen Mark seien als Ueberschuß im trdinarium vorgesehen. gegqn 37,93 im Vorjahre. O b o r b e r g h a u p t ni a n n Fr. v. Belsen teilte mit, infolge der bekannten Verkehrsschwie- r i g k e i t e Ii und der Materialpreissteigung bei der Betriebsüber- schuß der Staatswerke in den ersten neun Monaieu des Jahre» 1916 ganz bedeutend hinter dem Voranschlag zurück- geblieben. Auf Anfragen seitens eines nationalliberalen und eines freisinnigen Abgeordneten wegen der Preissteigerungen für die Vergwerksprodukte erklärte Minister Tydow. die Preisbewegung werde rcgierungs- ftitig scharf verfolgt, er habe für eine Preisbeschränkung durch die Syndikate gewirkt, wie er glaube, mit Erfolg. Aon mehreren bürgerlichen Abgeordneten wurden die Monopolbestrebungen der böhmischen Firmen Pctschek und Wein man» im deutschen Braunkohlenbergbau zur Sprache gebracht. Der Minister machte nähere Angaben über den Einfluß der böhmischen Firmen, erklärt« jedoch, ein namhafter staatlicher Erwerb in der Braunkohlenindu- strie könne jetzt nicht mehr in Frage kommen. Der Vertreter der ioztaldemokrasischen Fraktion. Genosse H u e, bestritt, daß die Preissteigerungen aus dem Markte für Bergwerkserzeugnisse durch gleichartige Selbstkostenerhöhungen ge» rechtfertigt seien. Dagegen sprächen die U e b e r s ch u tz z i f s e r n. Die Argumente der Werkbesitzer hätten mehr Gehör gesunden als die Einwände des Vorstandes des Städtetages, des Kriegsausschusses '•ue Äoniumenienintctsffcit usw. Die vorausgesagis weitere Preis. nerge-'-tttg für Brennstoffe im Kleinhandel und eine Reihe von Preissteigerungen m der Industrie und im SabenSmitterhandel ,eisn dann auch eingetreten Nicht auf die„Richtpreise" der Syn. dikate komme cS an, sondern auf die tatsächlichen Per- k au fZp reise und die gingen erheblich über die Richtpreise hinaus. Die Aermsten müssen die schwersten Lasten tragen, denn die Kohlenoerkänser wälzten alle direkten und indirekten Preis- erhöhungcn auf die breiten Massen ab. Nun sei für den 1. April eine neue Preissteigerung zu befürchten, denn dw jetzigen Preise gelten nur bis dahin. Nach feiner letzten Schilderung der Verhältnisse in der Braunkohlenindustrie habe man ihm übertriebene Schwarzseherei borgeworsen. Jetzt gebe der Minister selbst zu, daß die Zustände sehr kritisch gc- worden seien. In S i e g e n- N a s s a u würden immer mehr Erz- gruben von niederrheinisch-westsäktschen Hüttenwerken angekauft. und es wachse die Gefahr, daß das betreffende Gehiet zur V e r- ö d u n g verurteilt würde. Der Minister erwiderte, er habe die Interessen der Kon- sumenten gewahrt. Nachdem seitens der Zechenvertretungen ziffernmäßig belegt worden sei, daß im zweiten Halbjahr 1016 die Selbstkosten auherordentlich in die Höhe gingen(der Minister brachte eine Reihe solcher Belege zum Vortrag), habe es die Regierung nicht verantworten können, das Gesuch um Preiserhöbung abzulehnen. Den Beschluß habe daS Gesamtniinistmnm gefaßt. Daß am i. April eine neue Preis- erhöhung eintrete, hält der Minister für ausgeschlossen. Die Folgen der Z c ch e n a u f k ä u s e schildere Hue zu schwarz. Uebrigens gäbe es kein gesetzliches Mittel, diese Ankäufe zu der- hindern. Ein nationalliberaler Abgeordneter aus dem Sieger. lande behauptet, die Zechenaustäufe seien kein Nachteil für das Gebiet. Ein Vertreter des Zentrum? wandte sich gegen Hue, der als Arbetiervertreter doch nicht gegen Kohlenpreiserhöhungen sein dürfe. Die Arbeiter forderten doch auch rechtmäßig höhere Löhne, wovon sollten die Zeche nbekitzer denn zahlen? In der Erörterung über die voräussichtlichcn Ausgaben und llcberschüsse der Betriebe kommen eine Reihe betriebstechni- scher, allgemein volkswirtschaftlicher und sozialpolitischer Fragen zur Besprechung Ein nationalliberaler Vertreter hob die starke Verteuerung des Grubenholzes hervor, sie bedeute eine ganz enorme Erhöhung der Betriebskosten. Ein freisinniger Vertreter fragte wegen der Lage und Aussicktcn der K a l i i n- dustrie an und erhielt vom Minister die Auskunft, die Werks- Vermehrung ginge leider lo c i t e r vor sich, aber die Absatzverhältnisse hätten sich gegen ISIS gebessert. Nach dem Kriege habe die deutsche Kaniiidüstrie mit einer hohen guten Prosperität zu rechnen Ter sozialdemokratische Ver- treter ging näbcr auf die BetriebSvcrhältnissc der Staatswerke ein und untersuchte die Ursack- n der Zuschukwirtichaft aus dem Kaliwerk Vienenburg und namentlich der Kohlenzechen im Tirek- tionsbezirk Rccklinghauscn. Weiter ging er auf die Lohn- und Ernöhrungsvcrhältnissc der Bergwerks- und Hütten- arbeiter ein. Wohl seien ab 1. Januar erhebliche Preiserhöhungen erfolgt, aber eine allgemeine, diesen Preiserhöhungen entsprechende Lohn- ausbesserung sei nickt eingetreten! Dem Arbeiter bleibe wegen der unzureickenden Verteilung der Lebensmittel nichts anderes übrig, als sich die„unter der Hand" umgesetzte sogenannte teure ..Auslandsware" zu kaufen. Das erkläre hinlänglich, daß die jetzigen Löhne, wenn sie auch teilweise namhaft höhere seien als die vor dem Kriege, bei weitem nicht ausreichten. Ferner besprach Hue die U n f a l I v e r m eh r u n g. die großen Mängel der Werksinspektion durch beamtete Kontrolleure und der„Sicker- beitsmänncr" und die Beschäftigung sugendlicher und weiblicher Arbeiter. Hier habe die Bergbebörde dem Unter- nehmer st andpunkt schon viel mehr Zugestäyd- nisse gemacht, als es sich sogar durch die Kriegsnot- wend'gkeiten rechtfertigen ließe. In der Arbeiterschaft würden diese Vorgänge mit steigendem Mißtrauen und zunehmender Verstimmung verfolgt. Regreuungsseitig wurde aus diese trihsche Darstellung und die ernste 2ufwrderuna des sozialdemokratischen Vertreters, eine Humancrc BcrückgchtiPing der Aubeiterbedürsnisscosci twtia, ui:: Erklärungen und GiuevcsouSlegnngen geantwortet, dir Hur. ciitschiedencr Zurückioeizung und zu der Konstaticrung veranlaß!-. dag die Interessen der Industriearbeiter durch solche GesetzeSau-.- legungen außerordentlich bedroht seien. Der Minister crllärtc zu, Lohn frage, die Löhne im Soargebict seien ab 1. Januar- allgemein erhöht uvd tuürdcn auch in den anderen fiskal- schen Direktionsbczirten eine weitere Ausbesserung c.- fahren. Was an Beschaffung van Lebwrsnritteli» für die Schrverindustrie getan werden könne, solle geschehen. Ein konservativer Vertreter fragte, ob es rrchtzg sei, daß mit der„Hindcnburgspcnde" an die Industriearbeiter gewisse Verteiler ein gewinn. bringendes Geschäft machten. Der Minister und mehrere Ausschußmitglieder antworteten, davon sei ihnen nickis bekannt, es sei aber auch nicht glaubbas:. Der Etat wurde bewilligt, die eingereichten Petitionen dcc Handels- und Gcwerbeiomm i sston überwiesen. Kraue« i« der Grmciadcverwaltung. Ein von dem Abg. Aronsohn(Vp.) und Genossen im Abgeord- netenhause eingebrachter Antrag ersucht die Regierung, einen Gesetzentwurf auf Aenderung der Städtcordnungen nach der Richtung cmzubringen, daß Frauen zu Mitgliedern städtisckcr Verwaltungsdeputationen und Stistungsvor- stänoen mit beschließender Stimme bestellt werden können. Diesen Antrag hatte das Haus der Gemcindckommisstvu des Abgeordnetenhauses überwiesen, in der verschiedene Redner ausführten, daß die Mitwirkung von Frauen nur in den mit so- zialen Ausgaben beschäftigten städtischen Deputationen zweckmäßig sei. Mit Mehrheit wurde beschlossen, den Antrag Aron- söhn so zu fassen, daß Krauen n u r zu solchen Deputationen hin- zugezogen werden, die sich der sozialen Fürsorge und Wohlsahrts- bestrebungen widmen. Zentral- Kranken- uni Sterhekasss der Gold- und Siiberariieiter und rerv. Berulspossen Beutsehlands (stüher Nationale Atatttestaffe usw.) Ersaütafsc — Hauptsitz: Schwäbisch-Grnfind— Montag, den 19. Februar 1917. abeudö pünktlich S'st. Uhr: Mglikder- Versammlung (K 26 der Satzung) im Gewerkschnftshausc, SW" Sngelufcc 15, Saal 5.~VK Tagesordnung: 1. Jahres- und Recheiischattöberistt vom Jahre tS16. 2. DiSIussion S. Wahl für die nach K lü der Satzung ausscheidenden Miiglicdrr deS Vorstandes. i. Mitteilungen. t881b ' ÜV Ilm zahlreiches und pünktliches Erschemen ersucht Ter Vorstand. I. A.■ C. Holtkamp. Vorsitzender. Admiralstr. 18 E, 2 St. Belohnung. Vermißt wird Frau Ätargapeie SibUla Zopp, geb.. tUemcuss aar g. März 185? zu Düffcldorf gebor«-..-. die sich, ihre» Sohn suchend, am S Februar heimlich aus ihrer Wohnung entfernt hat; der Sohn lebt und kommt in ßrlrub. Kröge: zrria t,6 Meter. Figur: untersetzt, normal, von ge- sundem Airjsehen. rundlichem Gesrchr. Augen braun. Augenbrauen und Haare dunkel, vorn grau und ge> scheitelt. Zähne gesund. Akter: 60 Jahre, scheinbar 50—55. Uinte Schulter bangend.«Hang schwach brnkeird. Blauer Samthut oder ohne Kovsbedeckung. grau und brann tariertes llmschlagtuch; rate, sdiva: z getupst« Morgenjacke; blauer Tuch- rock, graue Strümvle, schwarze Schnürsliescl. Jegliche Anhalt- punkte an 13. v 12. Bolizeirevier, Eharlottcnburg. Zapp, Cbarlotlenburg, Tegeler _ Weg 6, Genaiiia-Praetiye,�""' C. Richter. � Aul b1/, Uhr. 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Jetzt gilt es alle Kräfte für dies Ziel einzusetzen und nichts zu unterlassen, was unsere Kraft, in dem Völkerringen zu fteigern und zu stärken vermag. ver Ankauf von Goldsachen durch die Neichsbank und der verkauf von Juwelen ins neutrale Ausland durch die diamantenregie gilt diesem Ziel. Er stärkt den Goldschatz des Reiches. Er steigert unsere wirtschaftliche �eistungs« fähigkeit. Er wird dazu beitragen, uns einen ehrenvollen frieden und den Wiederaufbau der Friedenswirtschaft zu sichern. das Gpfer der Gold- und Juwelenabgabe, zu welcher die Reichsbank auffordert, zählt- und dos fei hier den mancherlei herumschleichenden Anzweifelungen gegenüber ausdrücklich festgestellt- zu den notwendigen Rüstungsarbeiten, mit denen wir gewillt find, unseren Keinden entgegenzutreten und unseren Dahnen den Endsteg zu wahren. das Gefühl der Notwendigkeit dieses Opfers erfüllt noch nicht alle Kreise unsere« Volkes. Noch können wir zwar davon absehen, Goldschmuck und»gerät aufzurufen, dem eln hoher Kunstwert oder- wie alten, durch Generationen aufbewahrten Familienstücken und den Erouringen der Lebenden- ein besonderer kulturhistorischer oder ethischer Wert innewohnt, aber für alles übrige muh auch hier rückhaltlose Gpferfreudigkeit stch in des Vaterlandes dienst stellen. Wie jeder deutsche Mann und jede deutsche Frau stch heute, we es den Kampf um des deutschen Volkes dasein gilt, draußen wie drinnen selbstlos und selbstverständlich in die Reihe der Kämpfer stellt" und längst von dem Wahn geheilt ist, auf den Einzelnen komme es nicht an, so ist es auch hier not, daß jedes Goldstück, jedes Schmuckstück und Gerät, von dem sich weitherzigste Gpferwilligkeit zu trennen vermag, den Kampf für das Vaterland mitkämpft. Wir brauchen heiße herzen und offene Hände. Krauen unö Männer Seutschlands! Zeigt eure Gpferbereitsthaft. Laßt euch in üem gefunden Bewußtsein, daß des deutschen Volkes schwerste Zeit von euch verlangt, auch an dieser Stelle eure Hilfe zu spenden, nicht wankend machen durch Jene, denen das geforderte Opfer zu hoch erscheint. Mr brauchen euer Opfer! Berlin, den l. Februar 1�17. Spezial-Jlrzt Dr. med. Hasche. Fficdrichstr. 90 sSUX- Bchandl von Syphilis. Haut-. H a i-n Frau e n I ei d.,(pcz-djrait Fälle. Ehrlich-Hata-Kuren, fdSinevj« lese, kürzeste iSehanhlmu vhnc"Äc rnsSsiörnng. Btutuntrrsnchung. SBiu. Breiit. Teilzahlung. Sprechstunden 10— 1 und 5—8, Sonnt. 11— 1. Reichttls p 6m 25 Jahren erfolgreich erprobt u. berühmt durch ihre griße Wirwng hei allen Magenbeschwerden. F1.2.S0M. (Heine FL 1«— 301.). Echt nur mit Marie „Mcdiro". Wo nicht»rhältl., durch Otto Reichel. Berlin 4S, Etsenbahnstr.s a. J. Baer, ßilljir.Zßpriifi Alle» Herren- und Knabeo- Moden, Berufskleidung, ) Einsegnungs- Anzüge, LJr« Jf�ioppan. Gr. Stofflaga r eleg.MaBaniertigung Billigste, feste Preis« uFreieu Stunden. Romane tu: 5 Erzählungen für . daS arbeitende Boll Pro Heck lSPi. Buchhandwng BorsärtS, Berlin EW. Sß, Lindenfttatze S. Nazeüomsthe Zront— Rumänische Zeont. Der bulgarische Kriegsbericht. Tofio, 18. Februar. Amtlicher Bericht vom 16. Februar. Mazedonische Front: Nördlich von B i t o I i a, in der (Äegend von M o g l e n a und auf dem rechten Ufer des W a r d a r spärliches Feuer der Artillerie, Minenwerfer, Maschinengewehre und der Infanterie. An der übrigen Front ziemlich schwache Artillerie- tätig keit. _ Ein Zug feindlicher Infanterie, der gegen unsere Stellungen westlich von Gewgheli vorzugehen versuchte, wurde durch Gewehr- feuer und Bomben unserer Truppen zurückgeschlagen. An der A g ä i s ch c n Front beschossen feindliche Schiffs einzeln und ohne Ergebnis die West- und Ostküste des Meerbusens von K a w a l l a. Rumänische Front: Eine russische Jnfanterieabtcilung versuchte über den zugefrorenen St. GeorgSarm sich unseren Posten zu nähern, wurde aber mit Handbomben und Gewehrfeuer verjagt und ließ mehrere Tote und Verwundete zurück. Die Lage an öer Tigrisfront. Sonpantinopel, 17. Februar. General st abSbericht vom 16. Februar. Tigrisfront: Zn der Nacht zum und am Morgen des 14. Februar wurde sehr lebhaftes Arlilleriefeuer gegen unsere Stellung südlich des Tigris gerichtet. Ein darauf unter- nounnener Angriff des Feindes gegen unseren rechten Flügel wurde abgeschlagen. Ein Teil unserer Stellungen wurde befehlsgemäß geräumt, um unnötige Verluste zu ver« meiden. Persische Front: Nordöstlich von H a m a d a n wurde ein feindlicher Angriff abgeschlagen. Ebenso wurde nordöstlich von Bidjar eine feindliche Kavallerie-Esladron zerstreut. An den übrigen Fronten kein meldenSwerteS Ereignis. Der stellvertretende osmanifche Oberbefehlshaber. der fiufftanö auf Kuba. New Dork, 17. Februar. Nach einem Telegramm aus H a v a n a hat 17 Meilen von der Stadt entfernt ein scharfer K a m p s stattgefunden, in dem die RegierungStruppen den Aufständischen eine Niederlage beigebracht haben. politische Ueberslcht. Abgeordnetenhans. Der M e d i z i n a l c t a t. Tus Abgeordnetenhaus beriet am Sonnabend den Medi- zinaletat. Tie Debatte war, das mutz anerkannt werden, von großem Ernst getragen. Die Folgen des Krieges, gerade im Innern des Landes, haben manchen zum Nachdenken gebracht. der vorher für die Mahnungen, die von unserer Seite erhoben wurden, nur ein Lächeln, und für die Forderungen etwa der Muttcrschutzbewcgung nur Abweisung hatte. Jetzt hört man auch Konservative, Zentrumsleute und nicht zuletzt die Re- gierung betonen, das für die Erhaltung und Erziehung der unehelichen Kinder, für den Mutter- und Säuglingsschutz, gegen die Tuberkulose in ganz anderer Weise etwas geschehen nlufe. als vor dem Kriege. Zwar auch heute noch halten die Rechte und das Zentrum daran fest, von der Religion und dem Glauben Heilwirkungen zu erwarten. Wir verlassen uns doch lieber auf die Lehren, die uns die Tatsachen geben, und auf die Abhilfe, die von der Gesanttheit und der öffentlichen Gewalt in die Hände genommen wird. Was aber dazu not- wendig ist, das legte Genosse Haenisch in großen Zügen dar. Er wandte sich unter anderem sehr entschieden gegen die Verwendung weiblicher Arbeitskräfte bei gesundheitsschäd- lichen Arbeiten und betonte, daß nach dem Kriege im Jntec- esse der Volksgesundheit die jetzt so gewaltig übertriebene Frauenarbeit überhaupt auf ein möglichst geringes Maß zu- rückgefllhrt werden muß. wozu freilich eine entsprechende Be- Zahlung der Männer die unerläßliche Vorbedingung ist. Er warnte bei Besprechung der Kinderfürsorge sehr ernst vor der geplanten Milchverteuerung und wies nach, daß für die Be- völkerungspolitik Kosten überhaupt keine Rolle mehr spielen dürfen, nachdem alle Begriffe von Geld für die Zwecke der Vernichtung und Zerstörung ihre Grenzen verloren haben. Schließlich zeigte Haenisch, wie wir die Bewahrung des Landes vor größeren Kriegsfeuchen nicht zum geringsten der Auf- klärungsarbeit der Sportvereine, der Jugendbewegung und auch der �Vertreter einer natürlichen Lebensweise zu danken haben. Für das Heer wünschte unser Redner Kampf gegen Alkoholismus und Tabakmißbrauch. Bei Besprechung des Kampfs gegen die Geschlechtskrankheiten, die in der Defiatte überhaupt eine sehr große Rolle spielte, sehte Haenisch ausein- ander, wie verkehrt es wäre, etwa auch diejenigen Mittel zu verbannen, die gegen diese Krankheiten schützen., Den Mitteilungen des M i n i st c r s über den Stand der Volkskrankheiten war zu entnehmen, daß die Tuberkulose und die Pocken— letztere infolge wolhynischer Einschleppung— zugenommen haben. Eigentlich ist es doch erstaunlich, daß man diese wolhynischen Rückwanderer nicht der üblichen sani- tären Beobachtung und Ueberwachung unterzogen haben sollte. Ueber die Pockencrkrankungen gab in vorgerückter Stunde noch Ministerialdirektor Dr. Kirchner Auskunft. Er sprach auch über den Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten, der nun auf reichsgefetzliche Grundlage gestellt werden soll, und was er hier sagte, sollte überall mit dem allergrößten Ernst zur Kenntnis genommen werden. Mit einer Rede Adolf Hoffmanns über Unterernährung ging die Debatt? zu Ende. Montag: Bauetat._ Schorlsmer bleibt l Berlin, 17. Februar.(Meldung des W. T. B.) Verschie- dene Morgenblätter bringen die Nachricht, daß der Land- wirtschaftsminister Freiherr v. Schorlemer sein Portefeuille zur Verfügung gestellt habe. Wir können zu dieser Nachricht mitteilen, daß die für den Land- wirtschaftsminister mach der Berufung des preußischen Staatskommissars für Volksernährung sich aufdrängende Frage seines Verbleibens im Amte durch allerhöchste Entschließung im bejahenden Sinne ent- schieden ist._ Die katholische Internationale. .Die ein heller Lichtstrahl in finsterer Nacht, wie das Auf. blitzen der kommenden Morgenröte einer neuen Zeit, mutet unS die Züricher Internationale Konferenz katholischer Parlamentarier und Politiker an* Mit diesen Worten begrüßt die„Germania", da? Berliner Zentrumsorgan, eine Internationale k a th o lische Konferenz, die jetzt in Zürich zusammengekommen ist. Wie die„Germania" aus guter Quelle weiß, ist die Zusammen- lunft in erster Linie ein Werk des Papstes gewesen. Unter den vertretenen Ländern sind Frankrech, England, Italien und Ruß- land nicht genannt, es beteiligten sich Teutschland, Oesterreich- Ungarn, Polen, Holland. Bglgiu» und die Schweiz. Nach der „Reichspost" waren ferner auch Spanien, Bulgarien und die Türke: auf der Konferenz vertreten. Die deutschen Vertreter waren be- kannte Parlamentarier des Zentrums, die ReichstagSabgcordneten Spahn, Erzberger. Gröber und Fehrenbach, der Vizepräsident des preußischen Abgeordnetenhauses Dr. Borsch und der bayerische Jraktionsvorsitzendc Dr. Held.— Die Zusammenstellung der vertretenen Staaten ergibt, daß«S vornehmlich Vertreter der Zentralmächte und neutraler Staaten waren, die hier zusammenkamen, aber von den gegnerischen Mächten war zum mindesten e i n Land, nämlich ß i c n, vertreten. Sonst scheint auch die katholische Internationale nicht stark genug gewesen zu sein, um die Gegensätze des Krieges zu überbrücken. Ueber Zweck und Charakter der Konferenz geben folgende Sätze der„Germania" eine gcwiffe Auskunft: Gewiß wollen wir die Bedeutung der Züricher Konferenz nicht überschätzen und von ihr von heute auf morgen keinen Friedensschluß erwarten. Wir haben übrigens bei der Prüfung der Resolutionen der Delegiertenkonferenz des Schwei- zcrischen Katholischen Voltsvereins in Zug die Befugnisse aller internationalen Aussprachen katholischer Führer dahin umgrenzt, daß die Vereinbarung von Friedens- bedingungen nicht ihre Sache sein könne. Dennoch bleibt ihnen ein außerordentlich weites und dankbares Feld der Betätigung offen, wie schon aus den bekanntgewordenen Gegen- ständen der Züricher Konferenz deutlich hervorgeht. Von großer aktueller Bedeutung sind die von ihr gefaßten Beschlüsse über sie Verbesserung d er Lage der Kriegsgefangenen und die Freilassung der Zivilinternierten.... Hoffentlich wird durch sie die baldige Freilassung der Zivilgefan- gencn erwirkt, weil ihr Festhalien doch an dem Verlauf des Krieges nicht das geringste ändern kann und übrigens der christ- lichen Zivilisation wenig entspricht. Ferner sollen den Arbeitern wieder die Wohltaten der internationalen Ucberein» kommen, insbesondere aus dem Gebiete des Msetzlichcn Arbeiter schutzes und der Sozialversicherungen zukommen und de: Ausbau dieser Abmachungen betrieben werden. Aber das ist nur ein kleiner Teil des großen Programms,' das man kurz in die Worte fassen kann: Wiederannäherung der politischen, kulturellen ung sozialen katho- lisch eil Führungen sowie aller Völker nach dem Kriege. In diesem Sinne wurden zahlreiche Beschlüsse ge- saßt, die uns zur Stunde noch nicht vorliegen, und eS wurden Organisationen gebildet, die alle vorbereitenden Schritte unter- nehmen sollen. Es ist'bezeichnend, daß diejenige Presse, die über jede geplante oder tatsächlich stattfindende Zusammenkunft deutscher Sozia- listen mit denen neurralcr oder feindlicher Staaten zum Zwecke der Völkerverständigung stets einen ungeheuren Spektakiel erhebt, diese Zusammenkunft der katholischen Internationale fast ganz mit Schweigen übergeht. Was hier beschlossen worden ist, kann doch Blättern vom Schlage der„Deutschen Tageszeitung", welche die Menschheit. abgeschafft haben, durchaus nicht sympathisch sein. Aber man wagt es wohl nicht, cS mit dem Zentrum zu verderben?. Ei« merkwürdiger Vortrag. In der„Gesellschaft für ethische Kultur" hat der Liz. Friedrich Siegmund-Schultze am Freitagabend einen Vortrag über„Religiöse Wandlungen der Arbeiterschaft während des Krieges" gehalten, über den die„Deutsche Tageszeitung" unter der auffälligen Ueberschrift berichtet:„Wie der Sozialdemokratie die Niederkarnpfting der religiösen Welle gelang". Nach diesem Bericht hat Herr Liz. Schultze Ausführungen gemacht, die nicht unwidersprochen bleiben dürfen. Herr Schultze sprach von der„religiösen Welle" in den August- tagen des Jahres 1914. Die kirchliche Erhebung habe er auch bei den Arbeitern feststellen können, mit der nationalen Entspannung sei dann auch die kirchliche Entspannung eingetreten. ?lbcr viel stärker sei der Rückschlag bewirkt worden durch den „überlegten und gutgeführtcn Kampf der sozial- demokratischen Führer gegen die kirchliche Er- Hebung". Er sage das nicht im Zorn: von ihreur Standpunkt aus hätten diese Männer nur ihre Pflicht getan. Er ver- - sichere aber, daß im September und Oktober 1914 sich die klügeren Männer der Arbeiterschaft darüber klar gewesen seien: wenn wir jetzt das religiöse Element bestehen oder gar stärker werden lassen, wird auch das nationale Element gestärkt. Darum seien diese Männer den religiösen Bewegungen entgegengetreten. ES hätten verschiedene„Aktionen" stattgefunden, um Presse und Bewegung von„jeder religiösen Be- einflussung zu reinigen". Nicht die geringste Nachricht sollte über religiöse Vorgänge usw. an die Ocffentlicbteii dringen. Von Ende September 1914 hätte das m der Tat im„Vorwärts", in den „Sozialistischen Monatsheften" und vielen anderen sozialdemokratischen Blättern aufgehört. Erst viel später habe sich das ge- ändert, weil man— wieder eine völlige Gleichgültig- keit gegen die Religion erreicht habe.— Diese Behauptungen müssen den Zuhörern des Herrn Schultze etwas merkwürdig vorgekommen sein; denn nach Schluß des Vor- trageS richtete der Vorsitzende der Gesellschaft für ethische Kultur nochmals eine ausdrückliche Anfrage an den Vortragenden über die Haltung der sozialdemokratischen Führer. Daraus teilte Herr Liz. Siegmund-Schultze folgendes mit: Er sei vor dem Kriege aufgefordert worden, im Berliner Gewerkschaftshause ethisch-religiöse Borträge zu halten, man sei aber nach dem Kriegsausbruch nicht mehr darauf zurückgekorn- wen. Da sei er zu dem jetzigen Stadtrai Sassenbach ge- gangen und dieser habe gesagt: Ja, wenn der Krieg nicht ge- kommen wäre. Die jetzige Welle des Natronalcn und Kirchlichen ser so riesig stark,„daß wir bei uns in der Arbeiterschaft irgendeinen reli- giösen Einfluß nicht mehr zulassen können. Jetzt können wirunsere Säle keinem von Ihnen öffnen." Herr Sasscnbach, einst katholisch, erklärte die Reli- gion für Eierschalen, die vian in der Stadt bald los werde. Wie uns Genosse Sassenbach hierzu mitteilt, sind die Behauptungen des Herrn Schultze in vollem Umfang unrichtig. Zunächst ist Herr Schultze vor Beginn des Krieges niemals von gewerkschaftlicher Seite aufgefordert worden, irgendwelche Vorträge zu halten. Nach Ausbruch des Krieges habe Herr Schultze allerdings den Gewerkschaften die Ab- Haltung von Borträgen angeboten, aber er, Saffenbach, Hab« darauf erividert: Von einer religiösen Welle in der Arbeiterschaft könne keine Rede sein, für Bestrebungen, wie sie Herr Schultze propagiere, bestände in Berlin gar kein Boden. Also gerade das Gegenteil dessen, was Herr Schultze Sassenbach in den Mund legt. Von dieser einen Richtigstellung abgesehen, fordert der Schultzesche Vortrag noch manche Erwiderung herau». die wir uns mit Rücksicht auf Wichtigeres versagen. Die„Deutsche Tageszeitung", der ja der Vortrag sehr zugesagt zu haben scheint, brauchte jedenfalls nicht ihre Zuflucht zu einer geheimnisvollen sozialdemokratischen Propaganda zu nehmen, um Gründe für das Abebben der„religiösen Welle" zu finden. Hat doch an ihrer Spitze erst unlängst Graf Rebentlow ver- kündet, daß Begriffe wie„Menschheit" für uns nicht mehr existieren dürften, und auf eine bescheidene Einwendung der klerikalen „Germania", daß dies doch dein Grundgedanken des Christentums widerspräche, diese seine Auffassung sür„gesteigertes Christentum" erklärt. Das Kommunalwahlrccht der Kriegsteilnehmer. Durch das 23. T. B. wird folzsnde Nachricht verbreitet: Der Gesetzentwurf zur S i ch c r st e l l un g des kommunale» Wahlrechts der Kriegsteilnehmer ist nunmehr von beiden Häusern deS Landtags unverändert angenommen Morden und wird voraussichtlich schon in einigen Tagen in Kraft treten. Die Landgemeinden, in denen nach den GemeindeverfassungS- gesetzen die Aufstellung und Auslegung der Liste der Gemeinde Mitglieder sonst zu Beginn des Kalenderjahres hätte erfolgen müssen, erlangen durch das neue Gesetz u. a. die Be« fugnis, von dieser Ausstellung und Auslegung für das Kalenderjahr 1917 abzusehen und bei etwa notwendig werdenden Wahlen zur Gemeindevertretung die letzte endgültige Liste zugrunde zu legen. Dadurch wird eine erhebliche ArbeusersparniS in den Gemeinden eintreten. Bundesrat. In der gestrigen Sitzung des Bundesrats gelangten zur Annahme der Entwurf eines Gesetzes über die Erhebung eines Zuschlags zur KrirgSstcucr, der Entwurf eines Gesetzes über die Sicherung der Kriegs st euer, der Entwurf eines Gesetzes über eine weitere Kriegsabgabe der RcichSbcrnk, der Entwurf einer Verordnung über Bersichermig der im Baterländifchen HUfZ- dienst Beschäftigten und der Entwurf einer Verordnung über den Berkehr mit Terpentinöl und Kienöl. Der Rhein-Main Donau-Kanal. Im bayerischen FinarrzauSschuß teilte der Verkehrsminister mit, daß für den, mi: einem Kostenaufwand vvn 6K9 Millionen Mark zu erbauenden Großschiffahrtsweg Rhein-Donau die Beteiligung der bayerischen Städte bereits sicher fei. Auch die rheinischen Interessenten haben bereits ihre finanzielle Beteiligung in Aussicht gestellt. Ei« Programm leerer Worte. Der gemeinsame Vollzugsausschuß des Deutschnarionalen Vor- bandes und der Christlich-Sozialen Partei Oesterreichs hat ein Pro- gramm entwickelt und dem österreichischen Ministerpräsidenten mitge- teilt, der sich nun die leeren Worte und nichtigen Redensarten nach Be- lieben deuten kann. So wird empfohlen, alle Kräfte zur Heilung der sozialen und wirtschaftlichen Folgen des Krieges zusammenzn- fassen. Sehr schön! Aber dieser Wunsch ist nicht dem gemeinsamen Vollzugsauscschuß eigentümlich, ihn teilt jeder normale Mensch. Die Frage geht nur nach den Mitteln und Wegen zu diesem Ziel. Für die Deutschen wird in Oesterreich im Staatsinieresse eine be- sondere Stellung verlangt, die Einführung der deutschen Staats- spräche und die Sicherung deS deutschen Charakters der deutschen Länder und Landesteile gefordert. Als ob der Gesetzgeber die großen Binnenwanderungen, die den nationalen Charakter mancher Gegenden vollkommen verändern, mit einigen Para- graphen über die Amtssprache wirkungslos machen könnte. Für- Böhmen wird die Kreiseinteilung und in den anderen Kronländer» der Schutz der deutschen Minderheiten verlangt, woraus selbst- verständlich folgt, daß auch die anderssprachlichen Minderheiten in Kronländern mit deutscher Mehrheit geschützt werden müssen. Einzig von Interesse ist in dieser Sammlung billiger Gemein- platze der PaffuS über die Eniwickelung des deutsch-österreichisch- ungarischen Bündnisses zu einem WirtschaftsbündniS: „An dem Bündnis mit dem Deutschen Reich ist festzuhalten und«in innigerer wirtschaftlicher Zusammen- schluß zwischen Oesterreich-llngarn und Deutschland, gegebenenfalls nach Maßgabe der Wirtschaft- lichen Entwicklung, die schrittweise?lusgc- staliung zu einem Zoll- und Hand clsbünd nis anzustreben. Handelsverträge find gcmemsam mit dem Deutschen Reich mit dritten Staaten abzuschließen und entsprechende Absatzgebiete so sicherzustellen." Die Zurückhaltung in der Beurteilung der ehemals so großen Pläne auf Ausgestaltung deS politischen Bündnisses zu einem Wirtschastsbündnisse ist in der Kundgebung der deutschbürgerlichen Partei Oesterreichs das einzig Bemerkenswerte. Letzte Nachrichten. Die Leitung der österreichischen Flotte. Wie», 17. Februar. Wie die„Reue Freie Presse" meldet. soll der bisherige Stellvertreter des Chefs der Marinesektion Vize- admiräl Kailcr von KaltenfelS zum Chef der Marinesektion ernannt werden und Vizeadmiral N i e g o- van zum Flottenkomma ndantcn ausersehcn sein. Gesteigerte französische Äricgskosten. Bern, 17. Februar. Wie Pariser Blätter schreiben, weis«: die vom Finanzminffter Ribot geforderten Kredite für daS zweite Vierteljahr gegenüber dem ersten einen Mehrbetrag von 949 969 999 Jr. auf. Davon entfallen 699 Millionen auf militärische Ausgaben, 246 auf die Zwilverwaltung. Der Munitionsminister forderte allein«iic» weiteren Zuschuß von 232 Millionen. „Eine Probe wie nie zubor." Rotterdam, 17. Februar. Der„Rieuwe Roiterdamsche Courant" meldet auS London: Minister Henderson sagte gestern in einer Rede in Manchester: Wir haben daS Gefühl, daß unser großes Volk und seine tapferen Verbündeten in den nächsten Mo- nate« auf eine rPobe gestellt sein werde» wie nie znvor, seit die erste Schlacht in diesem Kriege geschlagen wurde. Ich teile dieses Gefühl voll und ganz. Der Minister erklärte dann, daß er noch nie so festes Vertrauen gehabt habe, daß die Alliierten ihre Feinde besiegen würden. „Wir müsse» weniger essen." Rotterdam, 17. Februar. Nach einem Telegramm deS„Nieuwe Roiierdamschen Courant" aus London veröffentlicht die„Times" einen Leitartikel mit dem Titel:„Wir missen weniger essen", in dem sie sür eine strenge« Einhaltung der f r c i w i l I i- gen Sparsamkeit eintritt. Ein Opfer der Minen. London, 17. Februar. Lloyds meldet, baß der englische Dampfer Lad» Ann(1916 Tonne«) auf eine Mine gestoßen und gesunken ist. Zwei Man» der Besatzung wurden getötet, fünf»er- wundct. Gewerkschaftliches. Deutsches Neich. Zur Spruchpraxis der Hilfsdienftausschüffc. Auch den vom HeereSdiensl Reklamierten �soll bei Verwciqerung beZ Abkehrscbeines die Anrufung des S-blicktungSauSschlusieS gusteben. Jetzt beginnen nun solche Streitfälle die Ausichüfje zu beschäftigen. Die Verhandlungen lehren, da« berechtigte Be- schwerden vermieden werden können, wenn sich die für die Bezirks- kommandos errichteten Ausschüsse in solchen Fällen eine milde Ausfassung zu eigen machen. So hatte z. B. der Ausschuß f ü r den fchlcstschen Jnduftriebezirk Waldenburg dieser Tage über die Beschwerden zu ent'cheiden, die von Rekamierten über die Verweigerung des Llbkehrscheins geführt wurden. Alle drei Beschwerdeführer konnten nochwelien, da« sie in der Heimat das d oppelte verdienen konnten als an dem Platz, dem sie von der Heeresleitung überwiesen wurden. Hier wurden ihnen 42 Ps. Stundenlohn gezahlt und in der Heimat 5S Pf. Da sie dort ausier- dem bei der Familie lebten, hob sich ihre Lage noch außerdem. Der Abkehr schein wurde den Leuten bewilligt, weil der AuSschu« fast einstimm ig der Ansicht war. daß eine Verweigerung deS Abkehr schein S die soziale Lage des Arbeiters aufs tiefste schädigen müsse und den ernsten Willen deS Arbeiters zum Durchhalte!! u n g ü n st i g beeinflussen könnte.— Jedenfalls eine sehr verständige Aufsajsung. Anerkennung deS Äoalitionsrechtes. Die Kieler Straßenbahn- gesellfchaft, ein Privatunternehmen, die bisher das KoalitionSrecht ihrer Angestellten nicht anerkennen wollte, hat sich nach vielen Be- mühungen der Kieler Leitung des TranSportarbeitcrverbandeS gegen» über zur Anerkennung des Koalitionsrechtes bereiterklärt und zu- gestanden, daß keinerlei Entlassungen wegen der VerbandSzugehöcig- kcit erfolgen sollen._. In das Arbritsgkmcinschaftösyndikat der Handschuhindustrie wurde als erster Vorfitzender Handschuhfabrikant H. Rocckl-München, als zweiler Vorsitzender I. Eitlingcr-Berlin, zweiler Vorsitzender der Lederarbeiter(der erste Vorsitzende des Verbandes Mahler steht schon seit längerer Zeit im Felde) berufen. Als erster«chriflführcr wurde der Redakteur deS Verbandsorgans Fr. Gilek-Berlin, zweiter «chriflführcr Fabrikant 23. Harwitz-Halberstadt ernannt. S erlin unü Umgegend. Wann erhalte» die städtischen Slngeftelltcn die Tenermlgszuiagcu? Im Dezember wurde die Teuerungszulage für die Arbeiter. An- gestellten und Beamten der Stadl Berlin erhöht. Die Erhöhung irat rückwirkend vom 1. Dezember ab in krafr. Leider mußten die städtischen Angestellten recht lange auf die Auszahlung dieser l5r- höhung warten, denn diese erfolgte erst am 1. Februar. Es gibt allerdings auch Verwaltungen, in denen bis heute die Erhöhungen noch nicht gezahlt find. Die Angestellten des Zentralvereins für Arbeitsnachweis sind ausdrück- lich m die Teuerungszulage mit einbezogen, warten aber bis heute vergeblich darauf. Der Verband der Bureauangeslellten hat daher im Interesse der ihm angehörenden Angestellten ein dringliches Gc- such an den Magistrat gerichtet, endlich die Zulagen zur Auszahlung zu bringen, t-o lange Zeit können doch die Vorarbeiten für diese Auszahlung nicht in Anspruch nehmen. Ucber die Lohn- undArbcitsvcrhältmffe der Trahtarbeiter während des Krieges wurde in einer B r a n ch e n v e r s a in m l u n g am Donnerstag ein Bericht gegeben. Die Branche hatte feit Beginn deS Krieges mit großer Arbeitslosigkeit zu kämpfen, die auch noch anhielt, als die Konjunktur in anderen Branckien schon längst wieder aufgelebt war. BiS zum Frühjahr jgtß war die Beschäsligung schlecht. Nach und nach hob sich dann die Geschäftslage und heute kann man von einer Hochkonjunktur sprechen, wie sie ielten zu verzeichnen war. Fort- während werden Radier gesucht, ohne daß genügend ArbeitSlräfte sich fänden. Die jüngeren Kollegen sind meist militärisch eingezogen. Die Löhne baben sich seit dem Frühjahr 1Sl6 gebesiert. Damals arbeiteten noch ältere Kollegen für 65 und 75 Pf. die Stunde. Heute werden im allgemeinen den Nadlern Stundenlöhne von 1 M. und 1,10 M. gezahlt. Bei dem Arbeitermangel werden in fast allen Betrieben Ueberstunden ge- arbeitet. Im übrigen hat das Alkordihstem jetzt mehr um sich ge- griffen als in Friedenszeilen. Die Kollegen haben es in der Hand, Allordpreife zu mache», bei denen sie einen Verdienst erzielen, init dem sie einigermaßen bei den Teuerungsverhälimsse» zurechtkommen. Die Akkordarbeiter rechnen mit einem Verdienst von 1,40 M. und 1,60 M. pro Stunde. Leider gibt eS noch Betriebe, die cinc zehnstündige Arbeitszeit haben. Die meisten haben eine neim- siündige und einzelne eine s�/zstimdige Arbeitszeit. Allerdings werden wegen des Arbcitermangels auch in diesen Betrieben Ueberstunden gemacht. Wesentlich ist dabei aber, daß Ueberstunden tarislich mit einem Zuschlag von 25 Proz. und Nachtarbeit und SonntagSarbeit mit einem solchen von 50 Proz. zu bezahlen sind. Der Obmann der Branche, der den Bericht gab, betonte die Not- wcndigkeir, die gute Konjunktur auszunutzen, um böberc Löhne zu erzielen und zwar in Form wirklicher Lohnerhöhungen, also nicht bloße Teuerungszulagen. Bei Uebersiundenarbeit sei auch darauf zu achten, daß die prozentualen Zuschläge überall gezahlt werden. Auch sei aus die Ausbreitung der Organisation hinzuwirken, damit beim Kriegsende die verbesierten Arbeitsbedingungen erhalten werden können.— Die Versammelten bekundeten ihr Einverständnis mit den Darlegungen ihres Branchenlciters. Mus Industrie und Handel. Erhöhung der Geldleihsätze. Die Hauptverwaltung der DarlehnSkasien bat den BeleihungS- satz für Kriegsanleihen von 75 Proz. auf 83 Proz. erhöht. Der Beleihung zugrunde gelegt wird für fünfprozentige Kriegsanleihen der letzte AuSgabekurS von 08. für die 4V.>proz. Schatzanweisungen ebenfalls der AuSgabekurö von 95, für die öprvz. Schatzanweisungen von 1914/15 der Kurswert von 99. Aus dem Berliner Wirtschastsleben. Die Norddeutsche EiSwerkc Akt.- Ges. in Berlin weiten ein Roherträgnis von 1023124(1 1 18 266) auS. Für den Rückgang werden die Einschränkungen im Gaslwirts- und Fleiscber- gewerbe veranlwortlicki gemacht. Die Zweigniederlassung in Han« nover, die am 1. llßai 1016 an die Hannoversche EiSbaus E. G. m. b. H. verkauft worden ist, hat nicht mehr mitgearbeitet. Die Mietseinnohinen steigerten sich gegenüber den vorjäbrigen, da daS Kühlhaus gut belegt war. Da die Ausgaben mit Ausnahme der ordentlichen Abschreibungen sanken, so ist der Ueberickiuß auf 146 824 M. gegen 113 229 M. gestiegen. ES soll eine Dividende Von 4 Proz.(3 Proz.) verteilt werden. Die Gesellschaft hat sich an ger G r o ß- B e r I i n e r K u n st- E i s g e s e l l s ch a s t m. b. H., die ein Stammkapital von 229 600 M. bat, und am 1. Januar den gemeinsamen Verkauf und Vertrieb von Kunsteis der ihr an- beschlossenen Eiswerke übernahm, mit 53 000 M. beteiligt. Soziales. Ucber 200 000 AlterSreutucr. Die Wirkungen der Herabsetzung der Altersgrenze für den Be- zug der Altersrente läßt sich ermessen, wenn man die Ausgaben für Altersrente in den Monaten, in deucn die neuen Vestiminungen der Reichsversicherungöordnuna gelten, mit den gleichen Monate» deS 'Vorjahres vergleicht. In den ersten sechs Monaten Januar/Juni wurden aus Anweisung der 31 Versicherungsanstalten durch die Post an Altersrenten ausbezahlt: 1915 6 400868 M.. in den sechs Monaten 1916 6 470 949 M. ES trat also eine Steigerung von 70 121 M. ein. die wohl zum großen Teil darauf zurückzuführen ist, daß der neue Zugang in der Regel mehr Beiträge bezahlt bar als die abgehenden Reiitenempfänger. Arn 14. Juni trat das neue Ge- setz in Kraft, aber bis 1. Juli wurden noch wenig neue Renten fest- gesetzt. Es wurden ausbezahlt an Altersrenten im Juli 1915 1 068 027 M. und im Juli 1916 1 233 294 M. Ganz anders siebt aber daS Bild in den folgenden drei Monaten anZ. Durch die Post wurden in den drei Monaten ausbezahlt: 1915 1916 August.... 1063 216 M. 2 634 965 M. September.. 1069 846„ 3 766 263„ Oktober... 1068 227„ 3 996 6-3„ Zusammen.. 3 20��89 M. 10 397 881 M. Nun war also das Gefetz voll in Wirkung Freilich kann man nicht annehmen, daß die Zahl der Rentenempsänger in demselben Verhältnis gestiegen ist wie die ausbezahlten Renten, denn die GcsetzeSänderung trat mit der Wirkung vom 1. Januar 1916 in kraft. Die Rentenempfänger, die schon vor dem 1. Januar daS 65. Lebensjahr überschritten hatten, erhielten bei der ersten Renten- zahlung die Rente vom 1. Januar an nachbezahlt. Aus den steigen- den Summen für September und Oktober kann man aber ersehen, daß noch lange nicht alle Renlenanträge erledigt sind. Man kaiin aber mit Sicherheit annehmen, daß die Zahl der Altersrenten- empsänger sich mehr als verdoppeln wird, so daß, wenn alle Nach- Zahlungen geleistet sind, statt der MonatSauSgabe von rund l Million dann rund 2'/z Millionen Mark in, Monat verausgabt werden. Während am 31. Dezember 1915 82 914 Altersrenten liefen, wird deren Zahl jetzt über 200 000 sein._ Der Sturz der französischen Geburtenziffer» beschäftigt daucrnd die französische Presse. Ter„TempS" vom 18. Januar bringt die traurigen Ergebnisse der offiziellen Statistik, die noch dazu nur die nicht besetzten Departements umsaßt, alio den größten Teil der Todesfülle, nämlich jene auf dem Schlachtielde, überhaupt nickt mit- rechnet. Unter Ausschluß der direllen Kriegsopfer also stehen sich die GebnrtS- und Sierbcsälle wie folgt gegenüber: Geburten Sterbesälle 1913.... 604 454 588 809 1914.... 594 222 647 549 1915.... 382466 644301 DaS ergibt allein in diesen Departements, die außerhalb der Kriegszone liegen, einen Uebersckuß von 15 654 Geburien für 1913 53 827 Sterbesälle»„ 1914 261 835. 1915 Dieselbe Statistik gibt dem„Radical" vom 24. Januar Anlaß zu ernsten Erwägungen.«Wenn wir nicht wollen," schreibt er,„daß Frankreich eine Kolonie für die Arbeiter und die Tätigkeit der ganzen Welt werde, müssen wir heute schon voraussehen und voraus- sorgen. Wir müssen also durch eine andere soziale Orgaittsation den Eltern die Mittel geben, Kinder zu erzeugen und auszuziehen. denn untere gegenwärtige Gesetzgebung bevorzugt den llnverbetrateicn oder den Mallhusiancr. Alle Kräfte Frankreichs müssen zusammen- wirken, um dem ein Ende zu machen." Veraulwortlich für Politik: Hermann Müller. Tcmpelhol: sür den übrige» Teil d. Blattes: Illsrcd Scholz, Nculölln: sür Inserate: SV. Glocke. Berlin Druck n. Verlag: Vorwärts Buchdruckerci u. Verlagsanstalt Paul Singer&(io Berlin 8W. Hierzu 3 Pellagca. ia A. WERTHEIM Extra- Preise Montag bis Mittwoch Porzellan Kaffeepschirr, weiß Kaffeekannen.. 35 45 Pf. Milchtöpfe.... 5 8 10 Pf. Teekannen....... 45 pf Tassen........ 9 15 Pk Zuckerdosen.... 8 15 pk Kuchenteller..... 18 pf. Kaffeegeschirr iür 2 Personen q p n OC bunt bemalt.... l.-jJ 1*1 J 3.90 5.20 6.95 12.25 16 m Tassen o« 27??. bunt bemalt..... 22 30 Pf. iür 6 Personen für 12 Personen Ka!leeg8SChifrI)Jlse,'to5sS' Kaffeekannen v 65pf.b. 1.60 Milchtöpfe von 13 bis 65 pf. Teekannen..... 65 85 Pk. Tassen.......... 38 pl Zuckerdosen..... 55 Pf, Kuchenteller. 60 bis 85 pt, Tafelgeschirr für 6 Personen, 30 teilig« j£/» Itiues buntes Musier.. A'I.jU für 12 Personen, bd teilig tm feines Randmuster.... 4/ M. Iür 12Pe:sonen, 77 festig 65 M Geleedosen 75 Pf. bis 1.55 Teller mit Fruchtdekor. 33 Pf. 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Komildienhans. 7'/, Uhr: Die verlorene Tochter. Kachm. 3 Uhr: Der 7. Tag. Berliner Theater. U/, Uhr: Auf Flügeln des Gesanges Kachm. 3 U.: Wenn zwei Hochz. mach feM der Freien Volksüiien Sonntag, den 18. Februar 1917: Nachmittags 3 ti H r: Boiksbübne, Theater am Bülewplatz: Nachtasyl. Schiller-Theaier Ost: LohauniSfeuer. Schiller-Theate r, Charlottenburg: »nter Lampe ftsinstler-Theater: Venu wir Toten erwachen. Nachmittags 2'/z Uhr: Lesiing-Theater i Die gutge'chuiitene Ecke. Ab cu p S T'/z Uhr: Bollsbühne, Theater ain Bülowplatz: Montag, MiUwoch und Donnerö- lag: Weh dem, der lügt! Freitag: Macbeth. vevtsches vpernhaii«, Charlottcnb. 7 uhr: Don Juan. Gebr. HCFFflfCld'Theater 2'/« Uhr: Die Ehre. Heute 7'/t ü.: Der Stolz der Familie. Schwank mit Gesang in 3 Akten. Kleines Theater 7v.u,:Dcrllai!liilfpSaliiBerioiieD. 8 Uhr: Jetlehen Wchert, Komische Oper u/. uhr: Dar Puszta-Kavalier. S'f. Uhr: Heimat. Lustspielhaus "Vz u.: Die schöne Kubanerin. 3 Dhr; Oer Bibliothekar. Metropol-Theater Io Min;•. Die Csardasfflrstin. 2'/. Uhr: Die Kaiserin. Neues Operettenhaus tv. u.: Der Soldat der Marie. 3 Uhr. Der Voa;elhhndler. Friedrlch-Wilhelmstädt. Theater. T/mtl.: Das Dreimüderihans 3 Uhr: I.a Travlata. Residenz-Theater Die Warschauer Zitadelle. 3 Uhr: Die Hanbenlerehe. Schiller-Theater O. 3 Uhr; Jobannlsfener. 7vs ut ilt-leidelberg. SchSUer-Th.Charlottenbj!. 3 Uhr: Kater Lampe. TV-Uhr: vill und Wlebke. Thalia-Theater. 7v. o.: Das Vaiabundenmödel. 3 Uhr: Blondlnchen. Theater am Woliendortpl. ZV, Uhr; Immer faste druff! tv, u Blaue Juagens. Theater des H estens w.u,: Die Fahrt ins Block mit Guido Thielscher. S1/, Uhr: Ein Walzertraum. Trinnon Theater 3'/, Uhr; Die Wniae aus Leweed. 7'i, Uhr: Willi» Hoohzeilstag. Deutsche Lustkriegsbeute- Ausstellung Ausstellungshallen am Zoo Schirmherr«eine Kouigtichc Hoheit Prinz von Preußen öeutestücke von allen Fronten. tttntrittsprri» 1 Mark. Kinder unter 10 Ldhrm fowii Militär halbe Preise, JU. Berliner Kouzerthaus. Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Heute; Gr. Konzert des Berliner K«nEerthsns>Orehesters Leiter; Komponist Frz. v. Bleu. Anfang 4 Uhr. Anfang 4 Uhr. Morgen: Wohitäiiffkelts- Abend zum Pesten he dürftiger Angehöriger von Gefallenen des Ees.-Inl.-Begts. 201, Eisbahn Karprenteieb TXt. Festes, gutgepstegtes. 35 em. starke» 1 Die vea der Jugend O I Immer«och eklrmisoa'-''S begrüSte Prunk Anset.-Pantommie Die Geierprinzessin. Iange iörig. Klnd�iKfrei! �JL Die von Pnblikam J_ • T nnd Presse überans• 2 beifälbg ira/gonomraOTie Riesen-Pracht-Wasser-Paatomime DieversunkeneStadt in 1"Vorsp. a. 4 Akten naoh der Vinetalegende frei bearbeitet a. inszeniert, v. Paula Baeeh. Besonders berrorwibebtR:. D. gr. Sturzvaseerfall v. d. Zirkuskuppel u. Oatergang der Stadt. Das myst. Wiederauftauchen ders. Die Bewohner m. all.. Getier, leb. Hühnern. Katzen usw. entsteig. trockenen Pulee der Unterwelt. liOlll Kolossaler Manege- l|nn| nCU! Wasser-Effekt ntll' Dae Nixenballett im wenenbewegten Wasser der Arena (patentomtl. gobob.). In b eid. Vorst eÖBnge» vorher: Das gr«Be Zirkus- Pregranim'. ( VIKTORIA-THEATER ffhaiiRavacl) KeftbuserStr. 8 lelophon Hehbhn.-Hltetu Montrpl. 14814 Kottbns.Tot- 1 ytbGENBfGK GÜOSSTE ffAUBfltRDÄCSSURSQUU OCR CROC Täglich Abendvorefcollang uro 7'/, Chr. L ■ Voj ■ K Mittw., Bonnabde., Sotintaps i je 2 Vorstellungen, Z>/, u. 7'/,U. Wochcntegii nt�chroittnxs Verzugept eise. ynr verkauf: Hagcnbockkasse I thns. St.6 n. Wt rtheitn. Sessintf-Theatv�r. 'Direktion: VlAar Barnows�. rJhM. Die beid�tt Kllngsber� Vaciuü. 31/»: Die gulgesohnW. Ecke. .Mseh.Könstler-Ttißater. Wmü: BcrRelacbcrlhitc». mir; Wenn wir Toten erwaeben Zirkus A. Schumann Der ZirlitS ist gut gebeizt. Heule sonnfag, den 13. Februar: 6» Grvtze kj & Vorstellungen Ä nachm. 8 llfir u. abends 71/- N. Äachmitfags 1 Kind frei. JedeS weitere Kind halben Preis. In beiden Borstollungen: Das oollstäns.. große, glänzende Zirkns-Programm und Die Leeräuder. Hr. AuSstallnngS.Pant. ind Akten. l Straße<13. itudeutenliebche». !p«rette in 3 Akt. Mus. V. Bromme. Anweis. gult. f. 1-6 Pers. b. 17. Febr. Porkit 0,75, Sessel 1,—. Orchestek-Sessel 1,50. Horverk�b�/��u�b�U�bd� CW � Topstollungen 31/ ITaehm. jod. Erw. TF 1/ / 2 1 Kind frei. K /z In beiden Vorstellungen; „Hallo, wer dort?" nnd das neue Pebruar-Progr. MOZART/AAL RosesTheater. 3Ufir; Tie zärtlichen Verwandte» i-/- u. DerfideleKaner. >Vgldslla>Iliester. ZU.: Da» 3lasika.ntciuuii(lel. 7.(s uhtS Das Glüeksmadel. Heute S Vorstellungen. Nachm. 3 Uhr: Kleine Preise! Kinder d. Hälfte. Ahends 7'/., U. In beiden Vorstellungen Lülebil's Hochzeitsreise. Aegypt. Burleske in 7 Bildern. Inszenierung v. Max Reinhardt, Hauptdarstell.; Hans Wassmann, Idllebil Christensen. Katta Sterna, Emst Matray, sowie der große Fcbruar-Hplelplan. \ olgt-Theater. Badstr 58. Badstr. 58. Heute nachmittag 3 Uhr; Griseldis, ein edfes Kroncnhcrz. AdendS 7 Uhr: In Leid und Freud. W Montag, den 19. Febrnar: Ter Sohn der Wildnis. Die Enldeduvg Seulschlands. Hochinteressante» Lichtspiel. XspitSn Osoxz Im vollon. Trickfilm. svie Vorstellungen 'um u.>/�7 Ukr dllrfen Jugendliche i besichtigen In den U.T: AoNendorfplatz. Zriednchstr., Unter den Linden. Alexander- l plah, Welnberqsweg. Moritzptos, eatenhetbe Oer schwere Gang. EchSnebera. Hauptftr. lHcinicfeiituricdttoiit . Uonny Porten in Fcenhhnde.. Zentralverbaml der Hausangestellten Ortsgruppe Berlin. Rat und Auskunft in allen Oicnstbotenangelegenbeiten. Engelufer 21 III, von 9— 5 Uhr, Sonnabends von 9— 2 Uhr. Telephon Moritzplatz Kr. 298. Heiterer Vortragsabend von Frau Rest Langer Heute Sonntag, den 18. Februar 1917, abends 7 Uhr. im „Kuhmessaal", Neue Philharmonie, Köponicker Straße 96/97. Da wirklich ein genußreicher Abend bevorsteht, laden wir alle Freunde, die gesunden Humor lieben, dazu ein. 13(4 Der Vorstand. URANIA TaÄtr- Sonntag i Uhr(halbe. Preisej; Im U-Boot gegen den Feind. Sonntag und Montag 8 Uhr: Der Balkanzug und die befreite Donau. Hörsaal; Mont. 8U.; Dr. A. Keßner; Draht- und Blechwarenindustrie. Upollo «aORICHSTa-ÄN• DER-KOCHSTB« Heute zwei Vorstellungen. Kachm. 3 Uhr, abends'(jSUhr. Neues Februarprogramm. Dazu Neptun auf Reisen. Ausstattvmgsposse i. 3 Bildern Stürmische Heiterkeit! Casino- Theater Lothringer Str. 37 Täglich 7'/, Uhr. Trotz des großen Erfolges nur noch kurze Zeit Zwei keNeSsrUner Borher 7J|, Ubr bunter Teil. Anlang des Stückes 81/, Uhr. Sonntag 1 Uhr: Einer vom U-Boot. idmiralspalasi. Heule 2 Vorstellg., 4 u. 73J, Uhr. Schüttsebdler-Ballett aus der Oper„Oer Prophet" und Frau Fantasie. VorzBgl. Küche auf allen Plätzen. Reiebsballen-Theater. Stettiner Sänger. Heute nachmittag 3 Uhr Vorhellmtg zu ermä sitzten Preisen! UM! fpogfstnnt! Abends 7'/, Uhr: Cabaret Feldgrau Possen- Theater. Täglich r/s Uhr: Der Otegende Holländer. Der alte Volff. / .V �- V., J.i'Crvdri*5 um sich über die diesjährige schöne Mode zu in« formieren, liegt in einem Besuch unserer Geschäfte. llnd da werden Ihnen vor allem die entzückenden neuen auffallen. Ihr fast durchgehend loser Schnitt gibt ihnen ein besonders fesches Aussehen. Große geschmackvolle, oft verzierte Kragen erhöhen ihren �eiz. Die hohe Taille mit ihrer Erinnerung an die Biedermeierzeit verleiht ihnen etwas ungemein liebens- würdig Bestechendes. Dazu kommen sehr eigenartige Ver- zierungen an Gurt, an Taschen nfw. Schöne glockige Röcke, meist mit den beliebten Beuteltaschen versehe«, und Stoffe in den schönsten Farbenschattierungen. Mehr denn je für jeden Geschmack etwas, auch für den Lhren! Königsiraße 33 Am Bahnhof Alexanderplah Chausseestraste �3 Beim Stettiner Bahnhof. Sonntags geschloffen. -O. J im i C~ .-7'.r Ji, U- fm mmt % rj HP i b M-l f/i