Ar. SS. 34. 1-Hrg. nuonnemCTtS'BedlniungM; BlmmemcnXS• Vre«« Stömmtermbo Eistldjähd. 5,90 Ml. monatL LSO Ml. wöchenlüK SO Tsg, tru tni HiuS. Einzelne Stmmncz 6 tifl. Eonnla?»- rumuct mit iHuftneiici 6omuaa{. Beilage.Die Neue Seif 10 Urq. Boii- erEunncment; 1.30 Marl Bio Monat, (titioetrogen in die Boit-Scitungf. »iietäliiie. Unter Kreuzband iSi Demichland und O eilerreich. Ungarn LL!) Marl. Mr das idrige AuSlcu-.d « Marl vre Monat. BaslaboimementS nehmen an Belgien. Dänemarl. Holland. Italien. Luxemburg. Pormgai. Bumäiuen, Schweden und die'Schweiz, crltoini ugnik. ( SPfennigT) E Ol« TnJcrtionS'Gcböhr lehSgt jfir die scchSgesvallene Aalonel- qeile oder deren Raum 00 Big., iür >o!ilische und geaiertschastücye Berei!!«- Und Beriammlimgs�lnz-igrn 30 B-g. ..Igleine Z-lnr-izen". das reNaediuckle »Sart A Big.(zulaiftg L ieilgedcmile Sortei. ledeS weitere S-rri 10 Pfg. Klelleaaeiache und Schiais! ellena». zeigen dag edie Wort 10 üjg., jede« »euere Wart 5 Big, Serie über IL Buch. lade» zählen iür zwei Warle. Anlernte lur die nächile Zlumnler müi'ei! bi« » Nhr uachmiltag« in der Erdoditie» »dgegeden lverde». Die Träeoiiion ijl Bit 7 Uhr abend« geoijnet. Berliner Volksblnkt. Ten�rslorgan äev fo2ialÄemokratif6?en Partei Deutschlands. telegramm-Sdrelje: .SgziSKlBickrai Rtrlii" Reüattton: SW. 68, Linöeastratze Z. Fttuivrecher: Am» Morttzpla», Nr. läl gv— 46137. Donnerstag, den ÄÄ. Februar 1917. Expeüitioa: Sw. 68, Linöenstraße Z. Nerniprecher:«mr Morttzplatz, Nr. 161»0—121 97. Reichstag und neue Steuern. Zur Verteidigung- gegen Eroberungssucht. Nach Ä>citteilAngc.i, die wir an anderer Stelle des Blattes bringen, wird am Areitag die E irische idung über die neuen K r i e gs kr e d i te im Reichstag fallen. Die sozialdcuw- kratiiche Fraktion hat zur Stunde ihren Entschluß noch nicht gefaßt; aber wir nehmen es als gewiß an. daß ihre Haltung von ihrer bisherigen keine Abweichung zeigen wird. Dieselben Umstände, welche unsere Zustimmung zu den Kriegskreditcn während des früheren Berlaufs des Krieges im Interesse des deutscheu Volkes notwendig machten, be- stehen unverändert fort. Am allerwenigsten Einfluß kann es natürlich auf die grulidsöhliche Haltung der sozialdemokrati» schen Fraktion ausüben, daß die diesmal zu bewilligende Ärediworloge olle frül>eren um ein Erkleckliches an Höhe übertrifft. Es wird sich niemand in der Fraktion sener Lächer- lichkeit aussetzen wollen, welche gewisse Oppositionsgrößen auf sich zogen, die am 4. August 1914 zwar fünf Milliarden bewilligten, bei der nächsten Vorlage aber erklärten, daß zehn Milliarden zu viel sei. Die Kardinalsrage kann nur.'ein: Führt Deutschland einen Verteidigungskrieg oder nicht? Und hier hat sich seit der Bewilligung der letzten Kriegskredite nicht nur nichts geändert, sondern der Charakter des Weltkrieges als eines Verteidigungskrieges für Deutschland ist seitdem in einer plastischen Deutlichkeit hervorgetreten, wie in keines Phase des Krieges je zuvor. Das Friedensangebot der deutsches Regierung, das selbst der größere Teil der auf dem, Baden der A r b e i t s g e m c i n s ch a f t stehenden Presse mit aufrichtiger Freude begrüßte, ja sogar(wie z. B. die„Erfurter Tribüne") mit persönlichem Dank au den Kaiser annahm. wurde von unseren Gegnern brutal abgelehnt. In ihrer Antwortnote an den Präsidenten Wilson stellten diese Er- vbcrungspläne aus, von denen wiederum auch die Organe der Arbeitsgcnieinschaft, selbst so radikale Blätter wie dos „Hollesche Volksblatt", zugestehen mußten, daß sie neben einer vollständigen Zerstückelung unserer Bundesgenossen die po- li t i s ch e Vernichtung und wirtschaftliche Er- drosfelung Deutschlands bedeuten. Wenn jemals das deutsche Volk i« einem.Kampfe um sein nacktes Dasein, um die Möglichkeit, als politisch und wirt- schaftlich selbständiges Glied der Völkergemeinichtist weiter zu existiersn, gestanden hat. so heute, wo ihm von einer fast den ganzen Erdball umfassenden Koalition Verderben und Ver- nichiung angedroht wird. Und weil die Sozialdenwkralic eine Nolkspartei im wahrsten und umsassendsten Sinne des Wortes ist und sein will, deshalb steht sie dem Volke in dieser cntschci- dendcn Situation getreu zur Seite und bringt das zum Aus- druck, indem sie ihm, d c m V o l k e, die Mittel bewilligt, deren es zn seiner Berteidigung bedarf. Dies ist der leitende G«'- danke und er wird auch nicht getrübt oder verändert durch die Mittel, deren Anwendung die Regierung in der Kriegführung gut heißt. Uin den Sinn uird Charakter des Kampfes bandelt es sich, er bleibt bestehen, mögen auch die Mittel des Kamvses wechseln. Wenn wir dies mit Schärfe betonen, legen wir anderer- ieits allerschärfste Verwahrung gegen die Versuche ein, den >' klaren Geist unseres Verteidigungskompses in sein Gegen- teil umzufälschen. Wir fübren Krieg, um Dasein und Lebensmöglichkciten unseres Volkes zu erhalten, n u r z u diesem Ziel und auch nur bis zu diesem Ziel. Das muß heute bestimmter denn je, mit eherner Deut- lichkeit ausgesprochen werden, damit auch im Ausland kein Zweifel darüber herrschen kann, was die große Masse deS deutschen Volkes will, im Gegensatz zu denen, die über ihre geringe Zahl durch große und marktschreierische Worte hin- wegzutäuschen suchen. i Der gestrige Täg war geradezu cinGrvßtagderEr-j oberungsreden und der alldeutschen An- nexionssordcrungen. Auf der Generalversammlung des Bundes der Landwirte entlud sich das Macht- begehren gewisser Kreise mit jener lärmenden und naiv bru- talen Offenheit, die man schon von früher her als Charakteristikum jener Bündlcrtogungen kennt. Und es ivar vielleicht kein � bloßer Zufall, wenn diese londwirtschastlichc Dcinon- .'tration von der Seite des p r c u ß i s ch e n D r e i k l a s s e n- � v a r l a m e n t s her kräftig sekundirrt wurde, wo zwei Ver- '.treter der rheinischen Schwerindustrie, der Zcntrumsmann Well- Essen und der Nationalliberale Fuhrmann um die «rone der weitgestecktesten Eroberungsforderungen miteinander wetteiferten. Auf der Bündlertagung hörte man Iveit mehr von Kriegszielen und Eroberungsnotwendigkeiten als von Angelegen- Veiten der Landwirtschaft sprechen. Es redeten sogar zwei, Industrievertreter(Rötaer, Wildgrube) auf einen Land- wirt(Rösicke). Also eher eine Demonstration der Erobe- rungSpolitiker als landwirtschaftliche Tagung! Freilich wurden auch wie üblich Versprechungen der Landwirtschaft in der Frage der Volkscrnährung abgegeben, Versprechungen, wie wir deren bereits einen ganzen Sack bei- einander haben. In der angenommenen Resolution findet sich diesmal neben dem Satze, daß die Landwirte mit dem deutschen Volk Entbehrung und Einschränkung teilen wollen, auch die Wendung:„W i r deutschen L a n d w i r t e w o l l e n alles geben, w a s w i r habe n." Wie dos zu verstehen ist, führte der Bundesvorsitzende Dr. Rösicke aus:„Bei aller patriotischen Pslichtersiillung muß die Produktion sich doch für den einzelnen e r s o I g r c i ch gestalten." Wir wollen alles geben— aber Gewinn müssen wir erzielen. Doch das nebenbei. Die Erobcrungszielc standen im Vordergründe. Was allcS von den Waugcnheim, Rocsicke, Rötger. Wildgrube, den Bell und Fuhrmann gefordert und verlangt wurde. daS ist hier kaum im einzelnen aufzuzählen, wir verweisen unsere Leser auf die Berichte des preußischen Ahgcordnctcnhauscs und der Bündlertagung. Ziele und Pläne tauAten aus, die man selbst von den größten alldeutschen Heißspornen aufgegeben glaubte. Bekam es doch Herr Rötgcr fertig, einmal ivieder Calais zu verlangen, eine Forderung, zu der sich selbst der Vorsitzende des All- deutschen Verbandes, Herr C l a ß, in der Ocffcutlich- seit nicht bekennen wollte. Ganz Besonderes in der Hervorkehruug brutalen Machtstaudpuuktcs, in der Anrcmpe- lung und Verhöhnung all und emcö jeden leistete aber der neugebackene Retchstag'sabgeardnetc Wild grübe mit eiucr Rede, die selbst an alldeutschen Stammtischen noch nicht über- troffen, sein dürste. Der Herr will den Vcrständigungs- geögNken..auf Hungerkur" setzen, er spricht vom„Narrenseil des' Völkerrechts". Er hätte nur im Dahlkamps halb so beut- lich sprechen sollen, wo er seinen überannexiolnstischeu Standpunkt ängstlich zurückhielt, und wir zweifeln sehr, daß er sich heute mit dem Titel eines„Volksvertreters" drapieren könnte. Auf Bismarck berufen sich die Herren, ans sein„Wir Deutschen fürchten Gott, sonst nichts in der tlLclt". Aber Bismarck, mag mau sonst von seiner Politik denken, was man will, hat es stets vermieden, aus reinem(und sachlich nicht einmal berechtigten) Machtübcrmut, wie die Wild- grübe, Rötger und Fuhrmann, die ganze Welt mit leicht-, fertigen Fußtritten und Maulschellip, gegen uns auszubringen. Diese Herren glauben erst dami bewiesen zu haben, daß sie niemand fürchten, wenn sie jeden harmlosen Passanten ihrer politischen Pfade ins Gesicht schlagen. Selbst der Bundesgenosse T i S z a ist vor ihnen nicht sicher. Wenn solche Kraftmeiereien. wie sie Hepr Wildgrube dutzendweise produzierte, der wirkliche Mcinungsausdruck dcL deutschen Volkes wären, so müßten sie uns um die letzte Sympathie jedes uns heute noch Ivohlgesinnten anständigen Neutralen bringen. Aber Gott sei Dank sind sie es n i ch t. Doch noch eine andere Note trugen die Reden auf der Bündlertagung wie in dem Drciklasscnparlamcnt. Sie richteten sich gegen d i e� Regierung. Aus den bissigen Anspielungen des Herrn Rocsicke wie aus den klotzigen Drohungen des Herrn Fuhrmann schäumte und knirschte der verhaltene Aerger. daß die Reichsrcgierung im Gegensätze zu den alldeutschen Eroberungspolitikern steht. Herr Fuhrmann will den Reichskanzler damit festlegen, daß er es als eine Beleidigung für Bcthmann Hollwcg erklärt, wenn man ihm nachsage, er habe keine Eroberungs- absichteu; er tituliert zum gleichen Zweck den Staatsmann einen„Totengräber deutscher Macht und Größe", der, ohne das letzte alldeutsche Eroberungszicl erfüllt zu haben. Frieden schlöffe. Abcx diese mit den stärksten Ausdrücken arbeitende Agiw tion beweist sachlich nur das eine, daß eben nicht der Bertrauensnimm der Erobcrungspolstikcr bei uns an der Spitze der Regierung steht. Das unterscheidet Deutschland vorteilhaft von seinen Gegnern— und auch das spielt bei der Frage der Kreditbewilligung mit.—, daß in England, Rußland und Frankreich Männer des stärkstens Erobcrungs- willens über den Sturz gemäßigter Ministerien an die Spitze geruckt sind, ivährend bei uns heute noch der organisierte Eroberungswillc in ohnmächtigem Machthunger entweder aus Privaten Tagungen tobt und wütet, oder aber nur in einem solchen Parlament wirkliche Resonanz findet, in dem vermöge eines veralteten Wahlrechts die große Masse des Volkes so gut wie gar nicht vertreten ist. Und gerade der letzte Umstand sollte für die Regierung ein Fingerzeig sein, tme sehr es auch in ihrem Interesse liegt, diesen sich(st'oß gebärdenden Wenigen das letzte Fundament ihrer Schcingrößc zu entziehen. S i c fetze an die Stelle des Dreiklasscnivahlrechts in Preußen das Reichstagswahlrecht, und die alldeutsche Korona enthüllt sich in ihrer ganzen Bedeutungs- losigkeit. Die Bühne privater Zusaminenkünftc können und wollen wir ihr wie niemandem nehmen: aber vom Podium der Volksvertretung muß sie herunter, sie, die daS Volk nie vertreten hat und nicht vertritt. Neue Steuern im Reich. Der Entwurf eines Gesetzes betreffend den Reichshaus- halt für das Rechnungsjahr 1917 ist dem Reichstag zugegangen. Ein neuer Kriegsetat bedeutet neue Steuern. Was die im vergangenen Jahre beschlossenen neuen Steuern wirklich bringen werden, steht noch nicht fest. Der Waren- umsatzstcmpel z. B. war erstmalig für die ip die Zeit vom 1. Oktober bis 3l. Dezember 1916 fallenden Zahlungen zu entrichten, und die Frist zur Vcrmögensdeklarativn für die im Vorjahre bewilligte Besitz- und Kriegssteuer ist erst am 13. Februar 1917 abgclaiisen. Aber sicher ist, daß mit den im Vorjahre bewilligten Steuern der Etat für 1917 nicht balanzicrt werden kann. Im neuen Etatjahre sind 24 Mit- liarden Kriegsanleihen mebr zu verzinsen, Ivos allein 1209 Millionen Mark Zinsen mehr erfordert. Nach den Schätzungen, die der Bundesrat dem Etatentwurf zugrunde gelegt hat. übersteigen die Ausgaben um zirka 1239 Millionen Mark die zu gewärtigenden Einnahmen. Diese wären durch neue Steuern zu decken, denn auf Anleihe können sie nicht ge- siommen werden. Die Pumpwirtschaft hat' ihre Grenze, wenn wir auch in diesem Dauerweltkriege mit Milliardensummcn rechnen lernten, die wir im Frieden mir bei astronomischen Berechnungen brauchten. Wie wollen nun die Verbündeten Regicriingcii den Fehl- betrag von 1239 Millionen Mark decken? Die beliebtesten Steucrobjekte früherer Zeiten mußten ohne weiteres aus- scheiden. Bier. Branntwein und Tabak vertragen beim besten Willen keine neue Mehrbelastung. Die durch die Kriegswiri- schaft erzwungenen Produktionscinschränkimgen sorgen schon dafür, daß auf diese Genußmittel der breiten-Massen gelegte neue Steuern nichts einbringen würden. Der Bundesrat Hai deshalb ein neues Stencrbnkett zusammengestellt. Jetzt s o l l e n d i c K o h l c u n d d e r V e r k e h r bl u t c n. n n d diesem S t c u e r st r a u ß e i st gleichsam als ver- schönende Umhüllung eine Verschärfung d e r Kricgsgewinnstener zugesellt. Es sollen bringen: Die K o h l e n st c u c r 399 M i I l i o n c n, die V e r k e h r s st e u e r n 259 bis 270 Millionen, die K r i e gSg e wi nn- und Besitz steuerzirka 4 99bis599 Millionen Mark. Der Bundesrat ging dabei von der Erwägung aus, daß die neuen Steuern auf eine möglichst einfache Weise herausgeholt werden sollen, weil Steuern, die ein� komplizierte Veranlagung und eine schtvierige Kontrolle erfordern, wegen des hierzu nötigen Personals zurzeit nicht eingeführt werden können. Dieser an sich beachtenswerte Gesichtspunkt darf aber nicht der entscheidende sein. Bei allen Stenern kommt es zuerst darauf an. w i e s i e a u f d i e d u r ch d c n K r i e g i ch w e, geprüften breiten Massen der Bevölkerung iv i r ke». Daraush'ni müssen die geplanten Stenern zunächst angesehen werden. Projekte zur Besteuerung der Kohle tauchten auch schon bei früheren Finasizreformen out.'In den Steuer- crörterungen der Kriegszeit soieltc die Kohlensteucr eine so große Rolle, daß, wie behauptet wird, in den Lieferungsverträgen der Bergwerksverwaltungen und der Industrie die Kohlensteuerklauiel seit geraumer Zeit eingefügt wird. Die Kohle soll nach dem reinen Wert b e- steuert werden, und zwar mit 2 9 P r o z c n t. Die Steuer wäre auf Grund der Werksfakturen leicht zu kontrollieren. Der Bundesrat geht von rein siskali- sehen Gesichtspunkten aus. Er denkt cbensoNvnig an eine Verstaatlichung der Kohlengruben als- an die Einführung eines KohlenhondelsmonopolS. Die geplante Kohlensteucr würde nicht das dividendengeiegnetc Aktienkapital treffen und' dessen riesige Kriegsgewinne zugunsten des'- Reickis beschneiden, sonder n s i e w-ü r d e' a u s die verarbeitenden Industrien abgewälzt werden. Tic dadurch erböhtcu Betriebskosten würden in die iPreise der Halb- und Fcrtigsabrikate einkalkuliert werden und nach oben abgerundet in dem Warenpreise erscheinen. deit der Konsument beim Kleinverschleiß zu zahlen hat. Tie Masse dieser Konsumenten würde aber außerdem von'der Kohlensteuer noch'direkt schwer getroffen weil diese die Hausbrandkohle sin Preise steigern müßte. Welche Be deutung die Kohle fiir den Einzelhaüshalt des kleinen Mannes bat. das haben uns eben erst vier bitterkalte Winter- Wochen fühlen lassen. . Außerdem herrscht kein Zweifel darüber, daß nach Lage der Rcichsfinanzen d r e K o h j e n st e u e r k e i n e K r i e g s- n o t m a ß n a h m e sein würde, sie würde deshalb beim Uebergang zur Friedenswirtschaft beionders schlimme Wirkungen haben, weil sie einer schnellen Wieder- beleb un g unserer Friedenswirtschaft hin- de r u d im Weg e stg n d c. Aus allen diesen Gründen ist die geplante Kohlen steuer zu verwerfen. Die neu e�n Berkel) rssteuexn sollen eine weitere Erhöhung des Frachturklmdenstcmpcls um 7 Praz. und eine .Reform" der FahrkartensieuS.' bringen. Tie bestehende Fahrkartensteuer hat sich nicht oewährt. weil das Publikum sich ihr durch Abwanderung in die billigeren Wagenklassen einfach entzog. Jcjst soll eine prozentuale Abgabe auf olle Fahrkarten geschlagen werden, die von 10 bis 16 Proz. steigt. MitdemnicdrigsteuSatzevonlOProz. sollen auch die Fahrscheine der Straßenbahnen ge- troffen werden. Tie neuen Steuern bedeuten für die Bevölkerung eine noch viel fühlbarere Belastung als die im Vorjahre erhöhten Postgebühren. In den Großstädten und Fndustriegegenden kann kein Arbeiter auf dem Wege von und zu der Arbeitsstätte von der Benutzung der Stadtbahn oder Straßenbahn absehen. Die geplanten Verkehrssteuern dürften im Zilsommcnhang mit kommenden Tariferhöhungen und mit der vorjährigen Erhöhung der Pchttarifc bald die Einführung einer Zwischcnmünze von 2V3 Pfennig im Ge- folge haben. Senif in der Praxis würde die geplante Ätcurr eine Tariferhöhung nickt um 10 Proz., sondern u m mindest e n s 28 Proz. zur Folge haben. TaS muß verhindert werden.-„., Tos Verkehrswesen ist heute noch, von den elsaß-loth- ringischen Bahnen abgesehen, den Einzelstaaten überont- wartet. Sollten die Verkehrseinnahme» überhaupt für dos Reick, nutzbar gemacht werden, so müßte zuerst die Frage der llebersübrung der Bahnen in Reichsbesitz wieder zur Debatte gestellt werden. Entsprechende Vorschläge, die im einzelnen zu prüfen wären, hat der Geheimrat Dr. H. Kirchhoff in ieinen, kürzlich erschienenen Buch:..Ein offenes Wort über die Eisenbahn-, Staats- mW Rcichsfinauzen" gemacht, das Genosse Hirsch in Nr. 41 des..Vorwärts" bereits besprochen bat. Kirchhoff null durch Rückkehr zur Einfachheit im Vor- kehr und Führung des Verkehrswesens nach kaufmännischen Grundsätzen für das Reich etwa J/2 Milliarde jährlich locker machen. Jedenfalls können die Arbeiter eine neue Belastung durch eine Fabrschemsleuer nicht vertragen. Das muß um so nachdrücklicher festgestellt, verden. als d« K önigliche Elsen- bahndirektion in Berlin in dem am 14. Februar im„Vor- wärts" abgedruckten Bescheid an einen Arbeiter zum Aus- druck brachte, daß„viele Arbeiter bei den heutigen Arbeits- löhnen febr wohl imstande seien, sich für die Fahrt von und zu der Arbeitsstätte Stadtbahnbillets zweiter Klasse zu bc- schaffen". Die Massen der Arbeiter können und wollen sich diesen Transportluxus nicht leisten. Sie brauchen ihr Geld in dieser Zeit der Teuerung wahrlich nötiger. Ebenso müssen die Vertreter der Arbeiter jede Besteuerung der Straßendahnfahrten ablehnen. Ter Buiwesrat macht sich gerade die Gründe zu ergen, die die Straßenbahngeselljchaften bisher für die Notivendig- keit einer Tariferhöhung in Berlin vergeblich geltend machten. Er nimmt an. daß loegen der gestiegenen Löhne und Materialpreisc und wegen der notwendig werdenden um- fangreichen Erneuerung, des zerfahrenen Materials eine Er- böhung der Straßenbahntarise sowieso kommen müßte. Er will bei dieser Gclegeicheit einen zehnprozentigen Zuschlag aus den Fahrpreis'für das Reich erheben lassen. In Wirk- lichkeit liegen deshalb die Dinge so. daß die Straßenbahn- gesellschaften 1917 eure günstige Gelegenheit bekämen, ihre bisher verhinderte Tariferhöhung durch- zudrücken, wenn die Steuerpläne der Verbündeten Re- gierungcn angenommen werden sollten. Dabei wird die So- zioldemokratie keine Hilf« leisten. Die geplanten Verkehrs- steuern find für sie nicht annehmbar. Mit den geplanten Zuschlägen von 20 Proz. zur Kriegs- gswinnsteuer kann die Sozialdemokratie grundsätzlich ein- verstanden sein. Sie wird nch bemühen, diese Steuer noch zu verschärfen. Sic kann dabei auf die im Vorjahre von der Reichstagsmehrheit abgelehnten sozialdemokratischen An- träge zurückgreifen. Ferner wird ste zur Deckung des Fehl- betrages auf ihre vorjährigen Anträge zur Erbfchafls- 'teuer zurückkommen, die Lanials aus burgfriedlichen Gründen bei der Mehrheit des Reichstags keine Gegenliebe fanden. Inzwischen hat Herr von Schorlcmer in den Debatten über dos Fideikoinmißgefetz im Abgeordnetenhanfe erklärt. daß es einen Kodex der Dinge, die unter den Burgfrieden fallen, nicht gäbe. Wenn in Preußen unter dem Burgfrieden .zegen den Willen großer Parteien die Durchberatung des FideikommißgesetzeS erzwungen werden kann, warum soll da die Reichstagsrnehrbeit nickt eine stark ausgebaute Reichs- erbschastssteuer durchsetzen, die nach englischem Vor- bilde allein die 800 Millionen Mark bringen könnte,� die aus der Kohle herausgewirtschastet loerden sollen? In Eng- land brachte die Erbkbaftssteijer bereits vor dem Kriege mebr als eine halbe Milliarde Mark, also fast das Zehnfache als hierzulande. Hoffentlich sind die liberalen Parteien in An» betracht des starken Steuerbedarfs des Reicht in diesem Jahre hier zu einem festen Zufassen bereit. Das Reich muß das Geld dort holen, wo es haufenweise beisammen liegt. Für die Erben im Felde gefallener Gatten, Väter und Söhne könnte dabei soviel Steuerfreiheit bestehen bleiben, als setzt besteht. In der Erklärung, die Genosse Scheidemann im vorigen Jahre bei der dritten Lesung des Steuergesetzes im Auftrage der sozialdemokratisck)en Fraktion abgab, hieß es: „Die sozialdemokratische Fraktion ist bereit gewesen, zur Mitarbeit bei der Beschaffung der Mittel, die Iur Deckung der aus dem Krieg erwachsenen außerordentlichen Lasten erforderlich sind. Iie kann aber neuen Belastungen de» Verkehrs und Lerbrnnchs, durch die in erster Linie die Massen der kleinen Eeschäftslrnte und Arbeiter, der mittleren und unte- reu Beamten belastet werden, nicht zustimmen." Die sozialdemokratische Fraktion hat demgemäß 1316 für die Kriegssteuer und' gegen die Verbrauchs- und Ver- kehrssteuern gestimmt. Inzwischen ist ein Jahr vergangen. das für fast olle notwendigen Bedürfnisse der Massen neue Preissteigerungen gebracht hat.'Da ist es Pflicht der So« zioldemokratie, neue Belastungen der Massen zu bekämpfen. Tie Verkehrs- und Verbrauchssteuern werden ab« nicht nur auf olle Schichten der Bevölkerung abgewälzt, fondern sie treffen auch den niedrig entlohnten Fabrik- und Landarbeiter, den Festbesoldeten, den Jnvalidenrentner und die Krieger- witwe im Verhältnis zum Gesamteinkommen um ein viel- iaches schwerer als den guten Verdiener und den Kriegs- gewinner. Deshalb wird die Sozialdemokratie bei den kommenden Beratungen über die Steuern eine konsequente Durchführung der Besitzbesteuerung durch das Reich ver- langen und s e d c neue Belastung der Verbrauchermassen ab- lehnen, die jetzt schon durch die Teuerung auf das stärkste in ihren Existenzbedingungen gefährdet sind. * In der Bc g? ü n d u n g der K o h le n ste u e r g e s e tzc» 'vrrd u. o. ausgeführt: Der deutsche Steinkohlenbergbau umfaßt cKO, i?er Braunkohlenbergbau 463 Betriebe mit zusammen ungefähr öäl) Betriebsinhabern, die Kohlen im Werte von 2L bis 2,3 Millionen i Mark jährlich produzieren, Deutschland habe trotz Preissteigerung> ivch immer die hilkigfien Äahlcnp reise der Welt. Nur 10 Proz. J Die frauzönschcu Behörden beabsichtige», des Verbrauchs entfielen auf Hausbrand.. Da z. B. in Berlin der amtliche Berichte über»rieqöverluste hcrauszuoebcn, £ ÄÄ S'ii" H�brandkohle von 40 bii 43 Proz d-r privaten Meldungen zu unterdVückcn. KlernhaobelSprclic betrage, wurde der Verbrauch nicht mit 20. sotchern nur mit 8 Proz. des Preises belastet werden.(V) Nach§ 88 des Gesetzes ist der Lieicrer berechtigt, dem Abnehmer die Steuer in Rechnung zu stellen und den vor Inkrafttreten des Gesetzes ausbedungeneu Vertragspreis entsprechend zu erhöhen Dasselbe gilt für Verträge auf Lieferung von Gas, Wasser und elektrischer Arbeit, soweit diese durch die Kohlensteuer ver- ieuert wird. Dazu bemerkt die Begründung:..Die vorgesehene UcberwälzungSbestimmung entspricht der bei der Ein- führung neuer Verbrauchsabgaben üblichen Rcchtsrcgsl." Das be deutet höhere'Rechnungen für Waffcr. Gas. elektrisches Licht I Ucbcr die Berechtigung der Aufschläge sollen Schiedsgerichte entscheiden, die jedenfalls viel zu tun bekommen werden! die Erwartungen ües U-Sooh Krieges übertroffen Erklärungen der Regierung im Hauptausschuß. Berlin» 21. Februar. Ter HauptauSschuß des Reichstages ist heul« vormittag zusammengetreten. Tie Beratungen, denen die Staatssekretäre Dr. Helfferich, v. Capelle, Graf v. Rae- dcrn und Zimmermann beiwohnten, waren zunächst ver- traulich. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amts machte vor Eintritt in die Tagesordnung eingehende vertrau- liche Mitteilungen über die Entwicklung der politischen Lage seil dem 3l. Januar. Er behandelte die Haltung der verschiedenen neutralen Mächte und stellte ein Weißbuch mit den gewechselten diplomatischen Schriftstücken in Aussicht. Der Staatssekretär ging dabei ausführlich auf die Lage ein, die Amerika gegenüber durch den Abbruch der diplomatischen Beziehungen eingetreten ist. Zum Schluß sprach er unter dem Beifall des Ausschusse« seine feste Zuversicht aus, daß wir durch die Anwendung der U-Boot-Waffe das vorgesteckte Ziel erreichen werden. Der Staatssekretär des ReichSmarincamts be- tonte im längeren, am Schluß mit lebhaftem Beifall begrüßten AuS- führungen, daß die Erwartungen, die die Marine auf den nnri« geschränkten U-Boot-Krieg gesest habe, nicht nur erfüllt, sondern über- troffen worden seien. Beider systematisch durchgeführten Berschlcie- run g, deren sich vor allem die en g l i s ch c P r e ss e in bezug aus Schiffsvcrsenkungen auf Veranlassung der Regierung befleißige, sei es naturgemäß schwierig, schon jetzt mit sicheren Zahlen hervorzu- treten. Tie vor einiger Zeit in einer großen Berliner Tageszeitung gebrachte Zahl von versenkter Tonnage sei, dafür Härten wir bereits B e w e i s>e in Händen, keineswegs zutreffend. Man täte gut, derartige summarische Zusammenstellungen, die von unseren Feinden nur dazu benützt würden, gegen uns zu agitieren, und die großen Erfolge des H-Boot-KriegeS zu verkleinern und zu verschleiern, lieber zu unterlassen, bis die amtlichen F e st st e l l u n g e n vorlägen. Er könne, obgleich eine Reihe von Unterseebooten, entsprechend ihrem großen AktionS- r a d i u S und den ihnen erteilten Anweisungen, von ihrer Streife noch nicht in ihre Ausrüstungshäfen zurück« ge.kehrt sind, schon jetzt versichern, daß daS Ergebnis die von d er Marine geh e g t en Er Wartungen Aster- treffe. Sehr erfreulich fei, daß kern« Bermilaffiing v o r l i« g e, m i t d« m V e r l u st ckü ch nur eines BöoteZ seit. Beginn des uneingeschränkten U-Boot- Krieges zu rechnen. Di« Abwehrmaßnahmen, von denen ün der englischen Presse und im englischen Parlament so viel DesenS gemacht werde, hielten sich noch den Meldungen der zurückgekehrten U-Boote in normalen Grenzen. In der Nordsee herrsche o gut wie kein Schiffsverkehr. Die neutrale Schiffahrt sei offenbar so gut wie eingestellt. Zufammengefatzt, könne die Marine mit der größten Zuversicht der weiteren EntWickelung des U-Boot-KriegeS entgegensehen. Die Er- Wartungen, die das deutsche Volk an ihn knüpfe, seien durch die bisherigen Ergebnisse voll gerechtfertigt worden. Der Staatssekretär des Innern wies auf die starke Verschlechterung der'Versorgung Englands mit unentbehrlichen Bedarfsgütern �Lebensmittel, Grubenholz) und der Kohlenversorgung der Alliierten und Neutralen durch England im Dezember 1915 hin. Die Rückgang gegen Dezember 1915 sei er- heblich größer, ol« der Durchschnittsrückgang de« ganzen Jahres 191« gegen 1915. Die Zahlen zeigten, daß die britische Bersorgung dicht an den Gefahrpunkt herangerückt sei. Such vom wirtschaftlichen Standpunkte könnte mit aller Bestimmtheit auf die vollständige Er- ullung aller an den U-Boot-Krieg geknüpften Erwartungen gerechnet werden.(Beifall.) Räch Eintritt in die Tagesordnung ergriff der Staatssekretär des Reichsschotzomts Graf von Roedern das Wort zu ein- gehenden vertraulichen Ausführungen über die finanzielle Lage. In der Nachmittags sitzung wurde die vertrauliche AuS- spräche über die politische Lage fortgeführt. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amt« nahm zu den Ausführungen der Mitglieder de» Ausschusses mehrfach das Wort. Dabei wurden u. a. die Angaben der Presse über Verhandlungen mit Dänemark und angebliche Anknüpfungsversuche mit Amerika erörtert. Die Erklärungen, die der Staatssekretär hierzu abgab. wurden allgemein gebilligt. ver Krieg auf öen Meeren. Heber 200000 Tonnen englisther Verlust. Die LloydSmelduuge» haben feit dem 1. Februar, wie die „ftriegtzeitung" aus Amsterdam mitteilt, insgesamt 200 281 Tonnen als verloren bekannt gegeben und zwar handelt es sich »»bei lediglich um die englische Tonnage. Aber abgesehen davon, daß wir hier eine englische Aufrechnung er- halten, neben der«nS die deutsche noch bis auf weiteres fehle« wird, so stimmt die Ziffer Lloyds schon insofern nicht, als sie nur Passagier- und Frachtschiffe einbezieht und Lewachnugsfahrzenge und Fischdampfer von der Berechnung ausscheidet. Bern, 2t. Februar. Die iu der französische» Preffe gestern und vorgestern veröffentlichten amtlichen Berichte über DchiffSversenkuugeu umfaffe« 36$23 Tonnen, wobei die in der Liste aufgeführten beide» Neufnndlaudfegler R o s c s und D o r o t h y, der italienisch« Segler A l a und der englische Dampfer A» l a<3504 Br.-R.-T.) in diese Tonnen- zahl nicht eingerechnet sind. Tagesberichten genommen. tüusng täglich und alle gen zu nnterdräckeu. Zu den »verde» anscheinend nur LloydSmeldungrn auf- Rotterdam, 20. Februar...Nieuwe Rotierdamsche Eouraut" meldet aus London: Der Parlamentssekretär der Admiralität McNamara sagte im Unterhaus in Beantwortung einer- An- frage, ob gewisse Schiffe, die als verloren gemeldet wurden, durch U-Boote versenkt worden seien, daß es nicht die Politik der Regierung sei. mitzuteilen, wie und ob Schisie in den Grund gebohrt wurden. Beides würde für den Feind von Wert sein. Wenn ein Schiff versenkt oder beschädigt werde, so werde der Verlust den Reedern und Lloyds mitgeteilt. Wenn gemeldet würde, daß Schisse von U-Booten versenkt worden seien, so geschehe das nicht auf Grund von amtlichen Berichten. 36 Schiffe von zwei U�Sooteu versenkt. Nichtamtlich. Berlin, 21. Februar. Zwei heute zurück- gekehrte U-Boote haben 24 Dampfer, 3 Segler und 0 Fisch crsahrzcugc versenkt. Uvtcr anderem hatten geladen: Schiffe von 5)100 Br.-R.-T. Kohlen, von 3000 Br.-R.-T. Eisenerz, von 3500 Br..R.-T. L ebenso- mittel(etwa die Hälfte davon Butter und Marga- r i n e), von 2200 Br.-R.-T. Weizen und H c u,) Dampfer von 2700 Br.-R.-T. Kriegsmaterial nach Italien, von 100 Br.-R.-T. Zin n, von 800 Br.-R.-T. Stückgut, von 300 Br.-R.-T. H u f e i i r n. Ferner befand sich unter den versenkten Schiffen ein T a n k d a m p f e r von 7000 Br.-R.-T. Ein Geschütz wurde erbeutet. versenkt. London, 21. Februar.(Reutermeldung.) Der englische Segler Eenturion(1828 Brutto-Registertonnen) wurde veri'enlt. London, 21. Februar. Der englische Dampfer Brigade (425 Br.-R.-T.) ist versenkt worden. Englanü schließt fremde Lotjen aus. London, 21. Februar.„London Gazette" teilt mit, daß bis auf weiteres nur britische und alliierte Schiffe Plhmouth anlaufen dürfen. Die Admiralität hat verboten, daß fremde Lotsen in den Häfen und Territorialgewässern des Vereinigten Königreichs von Jarmouth bis St. Abbs Hcad tätig sind. Spanische Reeder meiden die Sperrzone. Madrid, 2t). Februar.(Funkspruch vom Vertreter des Wiener k. k. Telegr.-Korr.-BurcauS.) Die Reeder von Valencia haben beschlossen, die Sperrzone zu meiden und abald als möglich den Schiffsverkehr mit neutralen Ländern aufzunehmen. „Accion" meldet, daß die S ch i f f s b a u e r in B a r c c- l o n a in ihrer Generalversammlung bei der Regierung gegen das Borgrhey einiger Reeder Einspruch erhoben, die beab- ichtigten, spanische Schiffern das Sperrgebiet z« schicken und dadurch der Unterscebootsgcsahr auszusetzen. Ein Gesetz Amerikas gegen Neutralitäts- verletzer. Washington, 23. Februar. Meldung des Retterschen Bureaus. Eine Regierungsvorlage gegen Spionage ist vom Senat mit sechzig gegen zehn Stimmen angenommen. Sie ieht schwere Strafen für Berschwöruugeu zur Verletzung der amerikanischen Rcutralstät und AuSfpähung in Sachen der Landesverteidigung vor. Die Vorlage beschäftigt sich auch mit den internierten Mannschaften und See- l e u t e n und enthält Strafmaßnah mcn gegen Paß- ch Windel. Ein anderer Abschnitt ermächtigt den Präsidenten der Republik. Munition und Schiffe, die solche führen und die für den Feind eincrNation bestimmt sind, mit der die Vereinigten Staaten in Frieden leben, zu b e- schlagnahmen, zurückzuhalten und für ver- fallen zu erklären. Schade, daß dieses Gesetz nicht längst besteht! Die Union hätte millionenfach Gelegenheit gehabt,«S in den eigenen Grenzen gegen Ncutralitätsverletzer und Munitionslieferanten für Feinde ihrer Freunde anzuwenden. Aber einstweilen be- stände dazu ja immer noch die Möglichkeit. Zraazö'stsche öesetzung Athens geplant? Bern, 21. Februar. Der Athener Berichterstatter deS „Corriere della Sera" drahtet, die Note der Entente- gesandten beweise, daß die Lage noch nicht geklärt iei. Die griechische Regierung vermute, daß die zunehmende Ver- stimmung Frankreichs auf Machenschaften der Vene- z e listen zurückzuführen sei, die die Gesandten beeinflußten. Athener Blätter behaupteten, gewisse französische Kresse wollteil die französische Regierung zur Besetzung Athens aus politischen Gründen veranlassen.__ Ein Vorstoß der englischen ZrieöensfreunKe. öoaar Laws Ratwort. London, 21. Februar. Im Unterhause erörterten verschiedene Friedensfreunde die Unterredung, die kürzlich der englische Oberkonimandierende General Haig mit Journalisten hatte. Bonar Law setzte die Umstände auseinander, unter denen die Unterhaltung geführt worden war. Auf eine weitere Anfrage erklärte er. daß nach dem Armee-Reglomen: Offiziere über die militärische Lage nicht öffentlich sprechen dürften, jedoch, daß die Oberbefehlshaber von Armee und Marine von diesen Bestmirnungen ausgenommen seien. Snowden war mit dieser Antwort nicht zufrieden, hielt es jedoch nicht für erwünscht, die Sache weiter zu ver- handeln. Das Haus stimmte ihm zu. verweigerte aber dem Pazifisten Outwik das Wort. Darauf sprach P o n s o n b y über die in der Note der, Alliierten an Wilson ausgestellten Fr iedenÄx-dingiingen. Der Redner setzte auseinander, daß die Bedingungen der Alliierten im Widerspruch ständen zu ibren Erklärungen, nicht auf Eroberungen auszugehen. Wir sind in den Krieg gegangen für die Beschirmung der kleinen Völker, wir setzen ihn aber fort zur Vergrößerung schon bestehender großer Reiche. Nr. 52.- 1917. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Dnnrrsiag.32. Februar. Zwei Wmterbilöer. Ton Alfons P e tz o l d. l. In letzter Stacht hat der Mond mit seinem breiten, mordbleichen Stahlschwert das graue, surchlbare Nsbeltier zu Tode verwundet. Dort in der Fclsemnulde streckt eZ sterbend seine riesigen Glieder und speit seinen fliehenden, gclb-graucn, stinkenden Atem in das dunkelbärtige Gesicht eines BergeS. Der bleibt stumm und rührt in seiner steinernen Gleichgültigkeit nicht einmal die rote, nackte Porphhrnase. Er, in seinem tausend- jährigen Erleben weist: Alles, tras in Hast und ohnmächtiger Wut dahinstirbt, speit Gift und stinkt. Die Luft ist eisigklar wie schon seit langem nicht; eS ist, als strömten silberne GebirgSquellen durch sie. Die Sonne ist gröstcr als sonst und ganz weist im Geleuchte. Tann ist eS auch, als lösen sich die Strahlen im Talraum zu kleinen Glimmerplnttchen auf. die wie Miniatursönnchen in der Luft hängen bleiben. Ihr Geflimmer ist von einer seltsamen Schärfe und tötet manck-en Blick, der sich auf dein Weg zu einem sehr weit entfernten Gegenstand befindet. Alle Töne sind schrill und grell an diesem Morgen, in alle» springt ein nervöser hoher Diskant. Und eine plötzlich erwachte Unruhe ist in allen Dinge». Auf den Feldern saufen die Mäuse im rasenden Zickzack von einem Loch zum andern. Die Eichlätzchcn jagen wie Teufel durchs Gebüsch und lassen unablässig ihren WarnungZvfiff ertönen. Meisen. Amseln, Goldammer, Grünfinken und der sonst so würdige Specht sind ganz irrsinnig vor Angst und hüpfen und fliegen in blinder Ratlosigkeit herum. Die scheue Krähe kommt dicht an die Fenster und krächzt be- kümmert:„Kräh, krah, wo ist mein Fra I' Mein Hund liegt bei der Tür, jaucht einer Katze gleich und knurrt erbost. Und erst die Bäume und Sträucher. DaS ist ein furchtsam Geraune und geheimnisvolles Tuscheln, von der königlichen Tanne bis herab zum kriechenden Deistdorn- gerippe. Die turmbvhen Fichten mit ihrer weitsichtigen Gipfelichau sind starr vor Schreck und nur ihre Stämme ächzen in der Qual des Festgebanntseinß. Die Schar weister Birkenprinzessinnen auf der Gartenwiese zittert in frierender Angst und rückt eng zusammen. Da— wird eS aus einmal düster. Eine ungeheure graulchwarze Wolke stülpt sich über das Tal. So wie ein Deckel über eine Schachtel. Und eine hörbare Stille ist«ingetreten. Kein Zweig raschelt, kein Baum ächzt. Kein Flimmern ist mehr in der Luft, die wie ein durchfichtiger grauglafiger Stein ist. Nur die in ihre Strohmäntel fest eingepackten Rosenstöcke leuckien daraus mit einem toien stumpfen Glanz zu mir empor. Jetzt wirbelt plyylich ein seiner, sahlsilberner Flaum vor den Blicken. Dichter, immer dichter wird seine Masse. Bald ist nichts mehr zu sehen wie dieses stete, monotone Fallen einer ungeheuren Flanimnenge. In ihrer Fülle erstickt jedes Leben. Schnee gräbt das Tal ein. Die Menschen wünschen sich den Schlaf in die Seele. IL Hoch im Gebirge, auf moosigem Felsendivan, sitzt herrscherbrelt und weishenSiief der Winter. Seine einzige Tätigkeit zurzeit ist das Rauchen. Gewallige Wolken schmaucht er auS seinem Ulinerkopf ins Tal. Aus dem grauen Tabakqualm schaut nur, wie ein riesiger Storchen- schnabel, der Kirchturm. Der Fubrknecht, der an mir vorbeistapft, schmunzelt mir ver- traulich zu:.Wann nit a Wind kimmt, bal tatS heunt no schnieben � .Schon möglich." schreie ich die Nebelwand an. die statt des Mannes wieder vor mir steht. Der alle Pascha im Gebirge muß den ärgsten Schund— viel- leicht bosnischen Kommisttabak— konsumieren, und zwar tonnen- weise, denn der grane, feuchte Qualm wird immer dichter und zu- dringlicher, legt sich aus Brust und Nerven, so datz mir zumute ist, als befände ich mich in einem MannschaftSzimmer der Rennweger Kaserne in Wien. Da— rutsch, rutsch,— reitzt mir jemand den Hut vom Kops und wirft den Deckel zum Gaudium meines Dackels in die Luft. „Gemeinheit, Freiheit, dumme Witz...* Ich bekomm einen Schlag auf den Mund und klitsch, klatsch saust cZ mir links und rechts um die Ohren. Mein langer Mantelkragen ist's, der, aus einmal irrsinnig ge- worden, wie ein Windmühlenflügel um meinen Kopf kreist. Eine starke, wilde Faust stöstt mich in die Seite nnd schleudert mich an einen Baumstamm. Ich sehe, wie die qualmige, dumpfige Wand, die mich umgeben hat, in tausend Fetzen zerrisien ist. die in einem mächtigen Raum bcrumflattern gleich scheuen Secinöwen zwischen Woge und Himmel. Rotgeziegelte Dächer, Hungergerippe einzeln stehender Bäume, ge- treidevolle schläfrige Scheuern, zeltsörmige Heuschober. Ziegen, Kühe und zwei Kinder, die Kartoffeln suchend über ein Feld trippeln, füllen deti Raum, denen Wände dunkle Bergwälder sind. Und eine Ferne kommt meinen staunenden Blicken entgegen. Eine Ferne, von derselben starken Hand mir zugeschoben, die mich vorhin in die Seite puffte. Die Atmosphäre schimmert in silberschleierndem Glänze. Und stumpsstlbern blinkt die Fahrstraste, die sich hinauf ins Gebirge zieht. Auf ihr jachiet einer dahin in wildem jauchzenden Ritt. Hinauf, hinein, dem letzten Gebirgsgrate zu. Wenn er feine Reitpeitsche ausholt zum antreibenden Hiebe, pfeift eS hohl durchs Tal. Und die'Bäume auf seinen« Weg beugen sich tief. Vor einer Minute noch war er hinter meinein Rücken. Jetzt ist er schon meilenweit. Der Pascha Winter macht ein grämliches Gesicht, er pafft und pafft, ober die Pfeife ist ausgegangen. Kau« da ein junger Fant auf einem Apfelschimmel und blies ihm in» Vorbeiritt in den lllinerstop*. Nu» ist'S aus und gar mit drni schönen Feuer und dem dielen weißen Qualm. ebenso sehen wie wir. UntevdeS auch angestellte Jnielligeuz- Prüfungen werden noch veröffentlicht werden. Der Fuhrknecht, der wieder an mir vorbeistapft, grinst: „SegnS, gnä Herr, bal nit a Wind kima war, hätS heunt no tot- ficha gschniebt."__ die öeutsthe �lffenftation auf Teneriffa. Zu den bemerkenswerten wisienschaftlichen Unternehmungen. die von deutschen Gelehrten ungeachtet deS.Krieges weitergefördert werden, gehört vor allem der Betrieb der Anthropoidenstation auf Teneriffa. Ist schon der Gedanke, in geeignetem tropischen Klima die hauptsächlichsten menschenähnlichen Affen, in einer Anstedlung vereinigt, durch viele Jahre zu beobachten, wiffenfchaftlich organisatorisch kühn gedacht, so lästr sich unter den heutigen Zeitinnstän- den überhaupt keine gegensätzlichere Tätigkeit denken als jencS stille, der Beobachtung geweihte Leben inmitten der Kanarischen Inseln. Freilich war auch der in den Krieg hineinragende Aufent- halt des Leiters der Station, Dr. Köhlers, nicht ganz freiwillig, da bei dem Versuche der Rückreise die Gefangennahme höchste Wahr- scheinlichkeit für sich gehabt bäitc. Der nnfreiwillige Aufentbalt ist der Station sehr zugute gekommen. Der wiffenschaftliche Ge- dankenaustausch mit der Heimat ist trotz aller �Schwierigkeiten— man benützt den Weg über Holland und durck die Schweiz— so rege, daß Prof. Waldeyer-Hartz über die Tätigkeit der Statwn, die mannigiachen wissenschaftlichen Interessen anderer Länder, die sich an sie knüpfen, und über einige jetzt fertiggestellte Arbeiten in der Akademie der Wissenschaft eingehenden Bericht erstatten konnte. DaS Affenmatcrial hat während der Kriegsjahre manche Verschiebung erlitten, indem z. B. für einen eingegangenen Schimpaiifen von der niederländischen Regierung zwei in ihren indischen Kolonien cingefangenc junge Qrangs zur Verfügung gestellt wurden. Die eigentliche Absicht der Unternehmer ist, alle vier anthropoiden Arten, Schimpansen, Qrangs, Gorillas, und Sibloons, neben einigen nie- deren Affenarten zu halten. Alle Heimatgegenden des Gorillas find in Feindesbänden, weswegen auf diese Tiere vorerst verzichtet werden muß. Zwischen den Qrangs und den Schimpansen konnten bereits erhebliche Unterschiede im tierpsvchologi scheu Verhalten fest- gestellt werden. Besonderes Interesse beanspruchte die Frage, ob die„Sebdinge" von den Schimpansen nach Größe und Färbung genau so wahrgenommen werden wie von den Menschen. Die beiderseitige Anlage der Doppelaugen, durch die erst plastisck>es Sehen ermöglicht wird, und das charakteristische Verhalten beim ausschlietzlichen Gebrauche bloß eines Auges, gaben die nötige Unterlage für die schwierigen Forschungsprobleme, bei denen wir, soweit da§ Sehen der Affen in Frage kommt, ganz auf indirekte Methoden angewiesen sind. Die Versuche liesteu aber nunmehr «'o obiektive Feststellungen zu. daß der Satz aufgestellt werden darf, der Schimpanse muß nach allen drei Gesichtswahrnehmungen hin Muskelkrästigenüe Nahrung. Die Bewertung der Nahrungsmittel allein nach ihrein Gehalt an Eiweiß und Kalorien wird ihrer vielseitigen Wirkung und prak- tischen Nährkrast noch nicht gerecht. Die Räbrsalze, Gcschmackstoffe, Fermente, Vitamine und andere Ergänzungsstoffe spielen dabei eine Rolle, die von der Wissenschaft erst langsam gedeutet wird. Auf eins auffchlustreiche Erweiterung uns-rcs Wissens in dieser Richtung macht Dr. H. Lorand in der„Miinchener Medizinischen Wochenschrift" aufmerksam. Es wurde an Hühnern und Ratten experimentell einwandfrei festgestellt, daß eine zwar eiweist- und kalorienreiche Kost, die aber arm an Kaliuinverbindungen ist. nach einiger Zeit zu Lähmungen und nach allgWzieinem Krästeverfall zum Tode führen muß, daß aber andererseits dieser Ablauf durch rechtzeiiige Verab- reichung von Kalium unterbrochen und rückgängig gemacht werden kann. Bei der Unienuckmiig stellte sich eine starke Eni- artnna der Nervensubstanz heraus. Im Zusammenhang mit dieser Erscheinung flebt die Erfabrung. daß Vitaminen eine muskel- kräftigende Wirkung eigen ist, die unter anderen! in der unglaiib- lickien ArbeitsauSdauer des bulgariickien Bauern zum Ausdruck kommt, dessen Kost fast ausickliestlieb Gemüse, Schwarzbrot und Schafkäse darstellen. Beide Stoffe, Vitamin und die Kaliuinverbindungen, finden sich glücklicherweise meist in denselben Nahrungsmitteln neben- einander bor, so daß unschwer eine große Reihe muskelkrästigcndcr Speisen zusammengestellt werden kann. Besonders gilt diese Hilfe für einen geschwächten HerzmuSkol. der selbst auffallend reich an Kalium ist. Das instinktive Verlangen des Menschen nach Brot und Kartoffeln »st daher nicht allein auf den auch anders ersetzboren Kohlehydrate- onteil und den Elweibreichlum zu setzen, sondern darf ruhig mit diesen Wirkungen, zu denen noch ein ungemein wichtiger Einfluß auf die Stoffwechselprozesse kommt, in Beziehung gebracht werden. Daraus wird verständlich, datz Fleischkost MuSkelerinüdiiug leichler als Brot- und Gemüsekost zuläßt, wie ja auch gerade bei Dauer- beanspruchnngen. z. B. bei sportlichen Wettbewerben. Vegetarier bäusig besser abschneiden als Fleischesser, was freilich nicht zur Propagierung vegetarischer Lebensweise hinreicht. Jedenfalls sieht man, daß genügend« Vorräte an Getreide, Gemüse. Obst bei richtiger Zubereitung schon eine Aushungerung unmöglich machen. Rotize«. — Kahßlär, künftiger Leiser der Volksbühne. An Friedrich Kaytzler ist von der Neuen srcien Voltsbühne der An- trag ergangen, vom Herbst ab die künstlerische Leitung ihres Hauses, des Theaters am Bülawplatz, zu übernehmen. Kaytzler hat, wie der Vorstand der Volksbühne uns mitteilt, den Antrag angenommen; der Vertrag mit ihm ist bereits abgeschlossen. So wird nun Kaytzler, ohne seinem schauspielerischen Berufe untreu zu werden, in kurzem seine reife und starke Kunstausfassung als Leiter eines großen Berliner Theaters völlig frei betätigen können. Die Volksbühne hat diesmal, bei der Entschcidnndg über ihr künsti- ges Schicksal, von jeder Wahl und Bewerbung abgesehen; unmittel- bar ist sie an den Mann berangetretcn. dessen künstlerische Ziele sie mit den ihrigen als völlig übereinstimmend erkannte. Aus dieser Wicderausnabme eigener künstlerischer?lrbe>t unter KäyßlerS Leitung schöpft die Volksbühne das Vertrauen, den rechten Weg �zu dem Ziele gefunden zu haben, den sie bei Errichtung ihres Hauses am Bülawplatz im Auge hatte. — G r c y u. C o. öder King Edwards unselige Erben heißt doS politische Puppenspiel, das das Marionettentheater M ü n ch e n e r K ü n st I c r setz! spielt. So anregend der Versuch» aktuelle Geschichte im Puppentbeater aufzuführen, sein mag—' dieser ungewohnte Schritt ist noch nicht gelungen. Des pielssingen „Jugend"-Mitarbeiters Ostinis Text bleibt im Fahrwasser des Witz- blattes stecken und findet weder die Distanz von den Dingen, noch die rechte Form. Er wiederholt das hundertfach Gesagte und läßt den Kaspcrlstil ungenutzt. Nur ein infernalischer Schlußakt mit seinem Ballett höllischer Geister wirkt eigenartig. Die Figuren. die Olaf Gulbransson in Anlehnung an seine„Simplizissimus"- Typen schuf, verdienen uneingeschränktes Lob: sie sind kräftig-schla- gcnd und vollendete plastische Karikaturen. Der Grcv mit seiner nur aus Mund, Nase und Ohren zusammengesetzten Grimasse und den großen, ewig beredten Händen, der kloine zappelige Delcassö. Lloyd George als wilder Mann mit unsagbarer Klappe prägen sich unverrückbar ein, und auch die höllischen Herrschaften, darunter der Gott Mammon und der Lügentenfel, sind recht gelungen.— r. — Otto H e k t n e r, ein bekanntes Rlitglied der Berliner Sezession, von dem man in den letzten Jahren groß« Wandgemäldeentwürfe sah, hat einen Ruf an die Dresdner.Kunstakademie erhalten. — Die große Berliner Kunstausstellung wird voraussichtlich dieses Jahr, da der Glaspolast Lazarettzwcckcn dient, in den Ausstellungshallen am Zoo stattfinden.— Auch die beiden Sezessionen planen Sommerausstellungen. 24, Oer polizeimeister. E i n russischer Polizeiroman von Gabryela Zapolska. Wie zwei wilde Tiere standen sich die beiden Männer gegenüber. Schließlich überwand Tagejew seine Wut und ließ die Vernunft entscheide»!. „Was wird also geschehen?" fragte er. „Sie meinen, man solle ihn an die Grenze schaffen „Ja. aus meine Verantwortung. Lasicn Sie ihn morgen in die Kanzlei kommen, machen Sie ihm den Standpunkt klar und bringen Sie ihn sofort ins Hotel und von dort zur Bahn. Läden Sie ihn um eine solche Stunde vor, daß ihm keine Zeit bleibt, sich zu verabschieden oder mit jemand zu beraten. Ist er dann erst über die Grenze, so wird ein solcher Bericht über ihn gemacht, daß er nie wieder die Grenze passieren darf. Ich werde den Bericht persönlich vor- legen. Sprechen Sie mir ihm ein wenig, aber streng. Es ist besser, daß er mich in der Kanzlei gar nicht sieht, nur Euch! Das ist offizieller!" Markowski neigte den Kopf. „Wenn Sie die Verantwortung übernehmen...* „Die übernehme ich." Er sprach trotzig und handelte wie ein Mensch, der das Haupt vor der Gefahr verbarg und glaubte, auf diese Weiie schon gesichert zu sein. Er fühlte nicht, daß dieses sfort- schaffen des Älitzki über die russische Grenze eine solche Straußpoiitik bedeutete. In seinem Eifer begriff er nicht einmal, daß er auf diese Weise die Sache eigentlich nur ver- derben könnte. „Mit HorSki werde ich mir schon Rat schaffen!" sagte er mit ruhiger Stimme.„Ein Paar Schikanen werden ihn ge- fchmeidiger machen. Am besten wäre es. wenn einer von unseren Leuten in seinen Keller eindringt und ihn bestiehlt. Dann wird er so viel mit sich zu tun haben, daß er die Lust verlieren wird, sich mit meiner Person zu beschäftigten und Versammlungen einzuberufen. Die gestohlene Ware könnte zu Frumcle gebracht und ihm dann teilweise zurückgegeben werden. Auf diese Weise stopft man ihm das Maul." Er blickte auf die Uhr. Es war elf. Er wollte sich rasieren und schön machen, aber Markowski saß wie angegoffen da. .„Haben Sie noch etwas zu melden?" fragte er un- geduldig. „Ja, es ist mir zu Gehör gekommen, daß man im Gou- ventement von selbst ein Auge auf Sie geworfen hat. Die Gendarmerie schnüffelt in der Stadt herum. Das ist wichtig. Man muß dafür Jorgen, daß sie sich beruhigt." Tagejew geriet eigentümlicherweise nicht in Wut. „Ich habe auch schon davon gehört, Sergej Jwanowitsch. Aber ich habe cm Mittel gegen sie. Nicht wir werden tanzen, sondern sie." „Wieso?" „Ich iveiß, daß sie seit einem Jahr nach einer politischen Propaganda fahnden. Aber es gelingt ihnen nicht. Die Halunken haben die Witterung verloren. Ich werde ihnen einen Schabernack spielen, etwas von der Propaganda ab- fangen und im selben Augenblick nach Petersburg berichten, daß im Gouvernement polnisch-patriotische Agitationen voll- zogen werden und sie, die Büffel, nichts sehen. Den Bericht werde ich aber nicht abschicken, sondern der Gendarmerie- behörde davon Mitteilung machen und sie im Zaume halten. Ich werde einen Beweis in Händen haben, während sie nichts gegen mich untcruehiuen können. Aber dem Klitzki muß der Hals gebrochen werden." Er ivar so sroh über seinen diplomatische»! Geist, daß seine kleinen Augen blitzten und der Schnurrbart empor- ragte. „Was meinen Sie dazu?" Markowski erhob sich vom Stuhl. „Es muß also eine Propagandaschrist abgefaßt werden." „Ich werde schon dahinter sein... Ich habe sogar einen gewiffen Verdacht... und endlich werden uns die Heiligen beistehen." Er wandte sich nach der Seite, wo vor dem Heiligenbild wieder das kleine Lämpchen brannte. „Ja. aber es ist immerhin besser, auf der Hut zu sein," wiederholte Markowski. „O. der Mutige hat immer Glück! Ich finde. Sie sind ängstlich geworden, Sergej Jwanowitsch... Aber jetzt e-heu Sie mit Gott! Ich will heute zum Stelldichein... fürwe ir!" Er begann gutmütig zu lächeln und zeigte dabei seine Backzähne. MarkowSki hielt es für angebracht, mitzulcchen. „Ich gratuliere, ich gratuliere," sagte er. indem er sich nach dem Vorzimmer begab. „Na ja, was ist zu tun, die Dame läßt bitten, du darf ich doch nicht absagen." Markowski, der schon im Vorzimmer war. schnür eine Grimasse. Wußte er doch, wer diese„Dame" war, und auf welche Weise er gebeten wurde. „Verspäten Sie sich nur nicht!" sagte er mit erheuchelt freundlicher Stimme. „Ich werde mich beeilen... aber sie kann ruhig warte«. Eine Frau ist um so williger, je länger sie leidet." Sie lachten laut und schienen fröhlich und zufrieden, ob- gleich an jedem von ihnen eine Unruhe und die Unsicherheit des Morgens nagte. „Nun. auf Wiedersehen!" „Auf Wiedersehen I" „Viel Vergnügen!" „Und morgen»kommt Klitzki dran... Vergessen Sie nicht! In der Kanzlei und zur Bahn!" Markowski ging hinaus und spuckte vor der Tür aus. „So ein Affe!" brummte er. Als die Tür sich hinter MarkowSki geschlossen hatte, spuckte auch Tagejew aus und sprach verächtlich: „Sibirischer Schweinehund!" indem er eine Anspielung auf die sibirische Herkunft seines Gehilfen machte. Dann kehrte er in den Salon zurück, rief Katjuscha, ließ sich warmes Wasser, das Rasierzeug, Puder und Kölnisches Wasser geben, und indem er vor dem Spiegel unzählige Affen- gesichtcr schnitt, begann er sich für jene» Stelldichein mit der unglücklichen Konzertsängerin schön zu machen. (Forts. folgU IDifektion Mas K feinharäi: Deutsches Theater. »'/, Uhr: Dantons Tod. Kammerspieie. 7-, Ukr: Das Konzert. Volksbühne, 7 jUhr; Weh dein, der lüfft! Theater i. d. Kdnlggrätzerstr. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. VI, Uhr; Erdgeist. Komödienhaus 7:/a Uhr: Die verlorene Tochter. Berliner Theater 7". Uhr: Die tolle Komtefi. Sessins-Theater. Direfction; Victor Barnowsky. tu ukr: Charlotte Stieglitz. Ereitag: Baumeister SelneB. Deutsch. Jtüustler-Tiieafsr. AUabendlich VL Uhr: Der Reisebegleiter. URANIA Tal8T9.tr' 4 Uhr(halbe Breies): Im U-Boot gegen den Feind. 8 Uhr: Dr. Haaser: Der Mensch vor hunderttaasend Jahren. Theater für Donnerstag;, 22. Februar. Uentscbcs Opernbau«, Cbarlottcnb. r uhr: Carmen. Friedricb-Wilbeloistädf. Theater. VI, Uhr zum 375. Male: Das Dreimäderlbaus. »Vehr. Herrnfeld-Theater 7»;4U.; Der Stolz der Familie Kleines Theater s nur: im Teetisch. Komische Oper 77- uhr: Cor Puszta-Kavaller. Metropol-Theater Jo Mim: Die Csardastflrslin. Sonntag Uhr: 01c Kaiserin. Neues Operettenhaus Schiffbd ia. Kassente]: Nord. 281. u/4u,: Der Soldat der Marie. Lustspielhaus 7'/, u. Die schöne Kubanerin. Residenz-Theater nt�Die Warschauer Zitadelle. Seblllcr-Themter«. vjfXjbx: Will und Viebke. SebJUer-Th.Charlottvnbg. vu mr: Gütz tbo BerlicMiip. Tbalia- Theater. 7v«ü: Das Vagabundenmädei. Theater am Xollenderfpl. 3'U Uhr: Kaiser Heinrich. vuu.: Blaue Jungens. Theater des Westens u/.u.: Die Fahrt ins Glück mit Guido Thielscher. Tri anon Theater tu v.: Willis Hochzeitstag. Büsch. Koloss. Erfolg u. volle Häuser erzielt die neue Bie«en-Prachl-Wa»»er-Pantominie Die versunkene Stadt Besonders beachtenswert: Oer Sturzwasserlall. Menschen und Tiere 20 Min. unter Wasser Trocknen Pußes entsteigen dieselben dem nassen Element, Das Nixenballett im wellenbewegten Wasser der Arena. Vorh. das gr. Zirkusprogramm. Billetts im Vorverk. entnshmsn! Sijsolfo fWEPWCHSTR- AN• OtU- KOOtST* Anfang V-S Uhr. Neues Februarprogramm. Dazu Neptun auf Reisen. Auästattungsposse i. 3 Bildern Stürmische Heiterkeit! Prachtv. Kostüme u. Dekorationen. Dillebils Hochzeitsreise Acgypt. Burleske in 7 Bildern. •(' Inszenierung von Max Relnhardf. Hsuptd ersteller: llfans Wassmann Lillebil Christensen, Ka-ta Sterne, Ernst Metray. Hierzu das gr ße Variete-Programm. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich VI, Uhr. T mtz des großen Srjolges nur nom kurze Zeit SWülKsNeSeriwer Borher VI, Übt bunter Teil. Ansang des Stückes B'l, Uhr. Sonntag 4 llhr: Tic Sache klcvvi. Tag]. 7'U, Soont. 3'/, n. Vf, Der effektvolle Telofonscherz: „Hallo, wer dort?" Dazu: Berl. Typen m. K. Steid] und Anna Mülier-Lincke u. d. nene Febr.-Pro*r. Zirkus A. Schumann Der Zirkus ist gut geheizt Heute n. täglich abds. T'l, Uhr (Einlaß T Uhr): Das große gllnzende Zirkusprogramm und die großartig inszenierte Ausst.-Päntomime Die Seeräuber m. d. prächt u. märchenhaften Prunk fest. Jed. Sonntag 2 gr. Vorstellungen, 3 Uhr u. 7'/. Uhr. Nachmittags 1 Kind frei. Billetts ab Freitag an der Zirkuskasse zu haben. Rose»Theater. VI, Uhr: Der ftdele Bauer. >ValdslIs-TKester. TL Uhr: Das Glücksmädel. "J Hational-Theater�Ä Stürmischer Erfolg! StudeutenUebche«. Operette WSAtt. Mul. v. Bromme. Anweisung auf 1—4 Billette! BarfethSessel 1,-1_...... Orchester-Serr-l llso/ Wochentags. V olgt-Theater. Badstr SS. Badstr.SS. Täglich abends V/, Uhr: Der Sohn der Wildnis. Mittwoch, den 28. Februar: »cnefU für Tita SRcfcu: Der Stabatrompeter. Reichshailen-Theater. Stettiner Sänger. „Cabaret Feligrao" Anfang T'/jühr. Bon nachmitt S hr: Vorstellung zu ermiß. Preisen! leoesPrograinni Possen- Theater. Tigliek 71/» Uhr; Der fliegende Holländer. 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Uwin, Berlin NW, Invalldenntr. 50 51. 2 Trevelyan erklärte, er sei in keiner Weise uberzeugt, daß die Kämpfe im F r ü h j a b r eine Veränderung der Lage herbeifüßren könnten. Tie optimistischen Prophezeiungen für die Offensiven hätten immer ein ganz anderes Ergebnis gezeitigt: w a h r j ch e i n» l i ch werde der Krieg durch Remis beendet werden, wenn nicht die Deutschen in Petersburg und Paris oder die Alliierten in Berlin und Wien einmarschiertem Aber weder daS eine noch das anders würde eintreten. Bonar Law erklärte, er könne die Beweg- gründe der Reden nicht einsehen, die von den Pazifisten gc- aalten wurden, und dann erging er sich in den bekannten Redewendungen der Ententevertreter: Wir haben zwar ge» wollt, aber Deutschland nicht. Dabei sagte er nach dem Reuterbcricht:..Unsere F r i e d e n s b c d i n g u n g c n, die ich nicht für weitgehend balt c". Und im wei- leren Verlauf seiner Bemühungen. England im Unschulds- kleide auszumalen, verstieg er sich zu dem Satz:„Wir kämpfen nicht für Gebiet Szuw ach Bonar Law will nur die..Militärkaste", nämlich die deutsche, be- strafen, sonst nichts! von üer Westfront. Berlin, 21. gebruar.(W. T. B.) Die Westfront ficht bei unsichtigem regnerischem Wetter noch immer iin Zeichen von Artillerie- und Vorfeldkämpfen. Die Engländer haben trotz aller Bemühungen an der A n c r c seit Neujahr nur ein unbedeutendes Grabenstück, daS größtenteils planmäßig gc- räumt wurde, besetzen können. Es ist noch nicht einmal das Doppelte des deutschen Gewinnes eines einzigen Tages, des Vorstoßes auf die Höhe 18?, südlich R i v o n t, der Gelände von 2600 Meter Breite und 800 Meter Tiefe einbrachte. Die Beute hat sich hier auf 30 Maschinengewehre, 22 Schnellfeuer- gewchre. 1 schweren und 2 leichte Minenwerscr erhöht. An der Ancre ist es wieder stiller geworden. Dagegen griffen die Franzosen mit Erkundungsabtcilungcn aus dem Räume Remieres-Wald westlich F l i r c y die deutschen Stel- lungen an. In der Hauptsache brachen die Angriffe Nor den deutschen Stellungen zusammen; einzelne Abteilungen kamen an der Balm Thioucourt-Bernecourt in die deutschen Gräben. wurden aber durch sofortigen Gegenstoß wieder hinousge- morsen. Ebenso wurden starke englische Erkundungsabtei- lungen, die nach Sprengungsversucheu beiderseits der Bahn Bpern-Comines vorgingen, durch das deutsche Sperr- teuer schnell zum Stehen gebracht. Auch hier gelangten nur kleine Teile südlich der Bahn in die deutschen Gräben, die, durch Gegenstoß tvieder geworfen, unter Zurücklassung von Gefangenen flüchten mußten. Bezeichnend ist, daß die hier gefangenen unverwundctcn Engländer infolge völliger Trun- kcnhcit vernehmungsunfähig waren. die Revolution auf Kuba. Basel, 21. Februar.(„Frank. Ztg.") Havas meldet aus Havre: Der Konsul von Kuba dementiert die Nachricht, daß die revolutionäre Bewegung auf Kuba deutschem Einfluß zuzuschreiben sei, der dahin gehe, den Vereinigten Staaten Schwierigkeiten zu bereiten. Sic sei vielmehr auf die Präsidentenwahlen vom 1. November 1316 zurückzufähreu, deren endgültiges Ergebnis noch unbekannt ist. DaS höchste Gericht des Landes beschloß, einige Neuwahlen in zwei Pro- »inzen ausführen zu lassen. Der„Herald" vernimmt, die kubanischen Liberalen, die in New Aork wohnen, teilten mit, daß die beidenBrüder des Präsidenten Menocal in Palmas Sonario gefangengenommen wurden. Die Vereinigten Staaten verbieten die Äbsendung von Anweisungen und von Schecks nach Kuba, ausgenommen nach Havanna. Präsident Menocal selbst teilt dem„Herald" mit, daß er völlig Herr der Lage auf Kuba sei. Tie Revolution werde rasch unter- drückt sein. Er schiebt die Bewegung General G o m e z zu. der sich mit unzufriedenen Elementen der liberalen Partei, die nicht auf das Ergebnis der Wahlen vom 14. Februar warten wollten, vereinigt hat. Carranzas Vorschlag auf Einstellung üer Munitionsausfuhr. Washivgtou, 20. Februar.(Rcutermeldung.) Staats- sekretär L a n s i n g hat die Note des Präsidenten von Mexiko Carranza, der die Einstellung der Munitionsausfuhr von Amerika zu den Kriegführenden vorgeschlagen hatte, durch die bloße Bestätigung des Empfanges der Mitteilung beantwortet.__ politische Ueberstcht. Ter Arbeitsplan des Reichstags. Ter Seniorcnkonvent des Reichstags hat in seiner Witt- Wochsitzung sich über die Geschäftsführung in den nächsten Tagen wie folgt geeinigt: Am Donnerstag bleibt es bei der fest- gestellten kleinen Tagesordnung. Am Freitag wird der Staats- iekretär des Reichsschatzamtes. Graf von Roedern. in einer Rede den Etat, die Steuern und die Kreditvorlage begründen. Im Anschluß daran wird dann der Reichstag zu- nächst die Kreditvorlage erledigen. Am Dienstag wird die Beratung des Etats und der Steuern fortgesetzt. Zur Ein- leitung wird der Reichskanzler sprechen.-Weiter.. i der Seniorenkonvent beschlossen, daß die Steucrvorlagen der Budgetkommission überwiesen werden. Zur Erörterung der E r n ä h r u n g s f r a g c n soll ein besonderer Ausschuß eingesetzt werden, der in der Donncrstag- sitzung von allen Parteien deS Hauses beantragt wird. Abgeordnetenhaus. Die Generaldebatte zum Handelsetat bot am Mittwoch den Bell. Fuhrmann and ihren Gesinnungsgenossen die erwünschte Gelegenheit, von der Tribüne deS preußischen Abgeordnetenhauses heraus ihre annexionistischen Pläne zu propagieren. Die Abfertigung, die Genosse Hue am Tage vorher Herrn Dr. Beumer hatte zuteil werden lassen, rief zunächst den Zentrumsabgeordneten Dr. Bell auS Essen auf den Plan, der die Schwerindustrie gegen den Vorwurf in Schutz nahm, als ob sie aus einem Sonderinteressc heraus Annexionen fordere, im weiteren Verlauf seiner Rede aber Kriegsziele enthüllte, wie sie vor zwei Jahren von den be- kannten Wirtschaft-Zverbänhen propagiert sind, wie sie aber teilte selbst von dieser Seite nicht mehr aufrechterhalten werden dürsten. Besonders hat es Genosse Scheidemann dem ZentrumSrsdner angetan; er verargt es ihm, daß cr Kleine Kampfvorgänge bei Ppern und La Bassee— Französische Tellangrisse bei Flirey— Englische Vorstöße zwischen Barbar und Doiran-Tec. Amtlich. Großes Hauptquartier, dcn 21. Fe- bruar 1317.?. B l Westlicher Kriegsschauplatz. Trübes Wetter und Regen hielten dir Kampftütigkeit in mäßigen Grenzen. Südöstlich von Uperu und beiderseits des Kanals voll La Baffe« schlllgen Erkundungsvorstöße der Engländer, bei Flirey zwischen Maas und Mosel Teilangriffe der Franzose« fehl. Bei Wegnahme des Stützpunktes südlich von L« Transloy am IS. 2. sind 2 Lsfizirre und 36 Engländer gefangen, 5 Maschinengewehre erbeutet worden. Oestlicher Kriegsschauplatz. In einzelnen Frontabschnitten, vornehmlich i» den Wald- karpathcn und beiderseits des Ostoz-Tales Arttllrrirfeuer und Bor- feldgcfcchtr. Mazedonische Front. Lebhaftem Feuer zwischen Barbar und Touan-See folgten abends Borstößc englischer Abteilungen, die obgewiese» wurde«. Ter Erste Generalquartiermrister. Ludendorff. « sibeaüberlcht. Amtlich. Berlin, de» 21. Februar. Abendt. Auf den SricgSschauplätzeu keine wesentlichen Ereignisse. ** ♦ der österreichische Stricht. Wien, 21. Februa.r 1917.(23?. T.?.) Lwtlich wird vcrlantbart: Oestlicher und südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Der Artillcriekampf an der küstenländische» Front war aach- mittags wieder recht lebhaft. Nachts warf ei» feindliches Luft- fahrzeug auf unsere« Karst stellungen und auf einige Ortschaften ohne jede Wirkung Bomben ab. I« I u d i c ar i e»-Abschnitt« holte unser Maschinengrwehrfeuer ein italienisches Flugzeug»st- lich vom Monte Eadria herunter. Der Führer ist tot, der Beobachter schwer verletzt. Der Stellvertreter deS EhefS deS Generalstabes. v. Hocfer» Feldmarschallcutnant. * im Lande herumreist und als sein Programm verkündet, was stanzösisch ist. soll französisch bleiben,»nas deutsch ist, soll deutsch bleiben. Sein Stolz als Deutscher lehnt sich gegen eine solche Auffassung auf. Wenn Herr Bell, was wir doch wohl voraussetzen dürfen, sich der Tragweite seiner Worte bewußt ist, dann muß cr sich sagen, daß seine Rede uns dem Frieden nicht näher gebracht, sondern im Gegenteil im"Ausland gegen unS ausgebeutet werden wird. In noch höherem Grade trifft daS zu auf die Rede des Nationalliberalen Fuhrmanrz. der die Annexion von Kurland und Belgien und der Erzbecken von Longwy und Brich forderte und die kühne Behauptung aufstellte, daß ein Staats- mann, der aus diesem Kriege ohne'Longwn und Brich zurück- kommt, und ohne daß Belgien in unserer Hand bleibt und die flandrische Küste dem englischen Machtbcreich entzogen ist und die Maaslinie unseren Interessen gerecht wird, in der Ge- schichte als Totengräber deutscher Macht dastehen würde. Ob- wohl Fuhrmann eS als eine Beleidigung des Kanzlers be- zeichnete, daß Schcidcmanu den Eindruck zu erwecken suche, als stehe Herr v. Bcthmann Hollwcg in der Friedcnsfragc auf seinem Standpunkt, merkte man ihm doch den Acrger darüber an, daß der deutsche Reichskanzler sich nicht zum Programm der Alldeutschen bekennt. Inwieweit Fuhrmann ein Recht hat, sich für seine Auffassung auf sozialdemokratische Redner und Schriftsteller zu berufen, bleibe dahingestellt. Er arbeitete nach der be- rüchtigtcn Zitiermcthodc, mit aus dem Zusammenhang ge- rissenen Sätzen, wobei wir ihm mindestens in einem Falle eine Verfälschung der wirklichen Ansicht des Verfassers nachweisen könnten. Charakteristisch ist es, daß das Abgeordnetenhaus un- mittelbar nach Herrn Fuhrmann die Debatte schloß und so den Anschein erweckte. alS ob abweichende Ansichten im preußischen Landtage nicht vorhanden sind. Ter Sache des Friedens hat cr durch dies Manöver nicht gedient. Die Debatte wandte sich dann der Erörterung von Mittelstandsfragen zu, wurde aber nach kurzer Zeit vertagt. Ei» Antrag Scheidemann-Ledebour! Die sozialdemokratische Fraktion und die Fraktion der Arbeitsgemeinschaft haben im Reichs- tag einen gemeinsamen Antrag aus Einsetzung eines 28gliedrigen Ausschusses zur Beratung der Ernährungsfragen ein- gebracht. Es gibt also doch eine Möglichkeit des Zusammen- arbeitenS! Ergänzend muß aber hinzugefügt werden, daß der Antrag auch von allen bürgerlichen Parteien mitunterzeichnet ist. Die beiden Fraktionen können also nur dann gemeinsam vor- gehen, wenn Graf Westarp als vermittelndes Glied eintritt. Kein merkwürdiger Vortrag, aber ein merkwürdiger Berieht. In der»Deutschen Tageszeitung" vom 17. d. M. erschien ein Bericht über einen Vortrag des Herrn Liz. Siegmund-Schulze, der verschiedene ganz sinnlos unrichtige Behauptungen gegen die Sozialdemokratie enthielt. Nachdem wir den Unsinn pflichtgemäß richtiggestellt hatten, werden wir daraus aufmerksam gemacht, daß Herr Siegmund-Schulze von alledem, was ihm die„Deutsche TageS- zeitung" unterschiebt, nichts gesagt hat, ja daß seine Aus- führungen ungefähr die entgegengesetzte Tendenz hatten! Dadurch wird all das, was wir gegen Herrn Siegmund-Schulze— in un- gerechtfertigtem Vertrauen zu dem vorliegenden Bericht— persönlich ausgeführt hatten, gegenstandslos. Un» bleibt' nur noch übrig, das Treiben einer„Berichwrstattung" öffentlich zu brandmarlen, die der- leumderische Behauptungen in Form eincS gefälschten Bericht» in die Oestentlichkeit schleudert, und festzustellen, daß da», wa» in der „Deutschen TageZzeitung" stand, doppelt gelogen war: ersten», weil sachlich kein Wort davon wahr war, und zweitens, weil die Lügen einem Manne in den Mund gelegt wurde», der an ihnen unschuldig ist. Letzte Nachrichten. die amerikanischen Kriegsgefangenen auf öer LZarrowüale sinö freigelassen. Berlin, 21. Februar. Wie wir erfahre», sind die an Bord der Varrowdalc nach Deutschland eingebrachten amcrikani- scheu Mitglieder der Besatzungen ausgebrachter bewaffneter feindlicher Handelsschiffe freigelassen worden. Obwohl nach Lage der Sache die Amerikaner als Kriegsgefangene behau dclt werden konntcn, hatte man ihre ausnahmsweise Freilassung schon vor längerer Zeit be- s ch I o s f e», da sie b c i m A n t r i t t i b r c r R r i s c n i ch t w u si t e n, daß sie in Teutschland als Besatzung eines feindlichen bewaffneten Handelsschiffes als Kriegsgefangene behandelt werden würden. Die nach Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit den Lcreiuigten Staaten hier eingetroffenen Nachrichten aus Amerika über die Beschlagnahme deutscher Schiffe und die Jnternierung der deutschen Besatzungen licf-en es jedoch ratsam erscheinen, bis zu einer amtlichen amerikanischen Mitteilung über dcn wirklichen Sachverhalt, die Leute nicht freizugeben. Tics ist nunmehr geschehen, nachdem aus amtlichem Wege die Mitteilung hierher gelangt ist, daß die beut- schen Schiffe in Am crika nicht beschlagnahmt und ihre Besatzungen nicht interniert sind. Protestkundgcbuug des KlubS der deutscheu sozialdemokratischen Abgeordnete« in Oesterreich. Wien, 21. Februar.(„Frks. Ztg.") Der Klub der beut- scheu sozialdemokratischen Abgeordneten protestiert gegen die Fortdauer des versa ssungslvscn Zu- st a n d c s und gegen die Verschleppung der E i u b e° rusuvg des"Parlaments in einer Entschließung, die heute von der„Arbeiterzeitung" mit einigen Zcnsurstrichcn veröffentlicht wird.__ Starker Widerstand gegen Wilsons Kriegspolitik. Bern. Lt. Februar. Ter Sonderberichterstatter de»„Mai-'' in New Dork kabelt, daß es seit dem Abbruch der Beziehungen mit Teutschland leine Parteien mehr in Amerika gäbe, sondern nur nach Ententcsrcunde und Vicrbundssrcuirde. Drei Biertel der revubli- kanischrn Partei sei augenblicklich die feste Stütze Wilsons» dagegen sei dir Hälfte der demokratischen Partei zur Oppositim» überge- gangen. In dieser Hinsicht werde die Abstimmung im Kongrxß ein merkwürdiges Bild ergeben, jedoch werde Wilson voraus- sichtlich die Mehrheit haben. Bezüglich der von Wilson vom Kongresse verlangten Maßnahmen werde außer der Be w a f f- nung der amerikanischen Handelsschiffe auch die Begleitung der Haudclsschlffc durch die ameri- k a n i s ch e Kriegsflotte sowie ein neuer Kredit von drei Milliarden Franken für die Kriegsmarine gesordert werden. Ferner werde wahrscheinlich auch verlangt tverden, daß die amerikanischen Häsen den K r ie g» schi f fe n d e r A I l i i c r t c n zur Begleitung amerikanischer Schiffe geöffnet werden. Wilsons Bollmachtr». New A» r k, 21. Februar. i„Frkf. Ztg.") Die Annahme. daß Präsident Wilson den Kongreß um g r ö h e r e? o l l» a ch t e« ersuchen werde, wird bestritte«, den» Wilson glaube, olle nötigen Bollmachtr« bereit« zu besioen, wie er ff« schzn bei der Besetzung von Berecrvz angewandt habe. Schwedische ParlameutSkrise. Stockholm, 21. Februar. Laut„Stockholms DagMad" hat der Ausschuß für die zur Wahrung der Neutralität nötigen Maßregeln, die von der Regierung geforderten 30 Millionen auf 10 Millionen hcroligedrückt. Die konservative Minderheit im Ausschuß bat gegen diesen Beschlutz der liberalen und sozialdemokrati- schen Mehrheit Verwahrung eingelegt. Die Frage wird am nächsten Sonnabend im Reichstag besprochen werden. Vevsenkt. London. 21. Februar. Ter englische Dampfer Brigade (»23 Br.-Reg.-T.) ist versenkt worden. Holland gegen Schmuggelhandel. Haag, 21. Februar. Die Erste Sommer bat die Gesetzesvor- lag« zur ernstlichen Bekämpfung de» Schmuzgrlhandrl» ongr- nommen. Ter holländische Finanzministcr tritt zurück. Haag, 21. Februar. Das Äorrespondenzbureau meldet, daß Finanzminister von G i j u seine Demission angeboten hat. Ter Nachfolger soll bereits bestimmt sein. Die Er- ncnnung wird in allernächster Zeit erwartet. Erfolg des Kabinetts Romauvyes. Madrid, 21. Februar.(„Frks. Ztg.") Die Minderheit»- Vertreter in der Kammer zogen vor der feste» Haltung der Re- gierung ihre Interpellationen wegen der inneren Politik zurück. Der' allgemeine Eindruck in der Kammer war, daß da» Kabinett eine» seiner größten Erfolge davongetragen hat. Dato sagte, die Sitzung sei gleich ausgezeichnet für dir Regierung wie für da« Land gewesen. Heftige Kämpfe im chinesische« Parlament. Stockholm, 2t. Februar.(„Frks. Ztg.")„Utro Rossij" meldet,. im chinesischen Parlament seien sowohl der Borschlag Wil- sons wie die Äbsendung eines So ndcrge sandten nach Japan Gegenstand heftigster Kämpfe gewesen. Die Regierung suche auS den' Gegensätzen, die im Parlament über die Frage der Beziehungen zu Deutschland entstanden seien, einen Ausweg durch ein Kompromiß. Tie endgültige Lösung der ver- wickelten Frage sei noch durch die Regierungskrise erschwert worden, die gerade herrschte, als der Vorschlag Wilsons eintraf. Eine Gcheimschlächterer ausgehoben. Magdeburg, 21. Februar. In einem Schuppen am Lorenzweg wurde eine Geheimschlächterei entdeckt und aufgehoben. In der Zeit vom 16. Januar bis 17. Februar wurden über hundert Schweine heimlich geschlachtet. Da» Fleisch wurde ohne Unter- suchung zum größten Teil an einen Schankwirt zu 3,10 M. für das Pfund verkaust, der es weiter verkaufte. Gegen alle Beteiligten ist eine strafrechtliche Untersuchung eingeleitet, Gewerkschaftliches. Serlin and Umgegend. Znr Berstadtlichung des Arbeitsnachweises in Berlin. Tir Varstznd des Zenttalvcr�vs sur Arbeitsnachweis hat in seiner letzten Sitzung, zu der leider keine Vertreter der Arbeitnehmer -nild Arbeitgeber venu Ausschuß des Berliner Gewerbegerichts er- ickienen waren, zur Auflösung des Vereins Stellung genommen. Die Arbeitsnachweise des ZentralvcrcinL sollen bekanntlich vom 1. April d. I. in die Verwaltung der Stadt Ber- lin übergehen. Der Vorsitzende des �entralvereinS Herr Dr. Freund teilte mit, daß der Magistrat der Stadt Berlin unter dein 5. Dezember l9l6 den formellen Antrag auf Uebergang des Arbeitsnachweises in die städtische Berlaaltung gestellt habe. Nach S 15 der Satzung kau», wenn der Verein sich auflöst oder seine Tätigken einstellt, die Stadt Berlin in alle seine Rechte, insbesondere in das Mietrecht gegenüber der Laadesiverncherungsanstalt Berlin gegen Uebernahme der Verpflichtung des Vereins eintreten. Da ferner nach einer anderen Satzimgsbestimmung die Stadt BeiVn stets eine Stimme mehr als die Häliie der anwesenden stimmberech- tigten Vertreter hat, so handelt es sich um eine nur zu vollziehende Fokmalität. einen Beschluß die Auflösung des Vereins betreffend, herbeizuführen. Aus praktischen Gründen, so wurde weiter ausgeführt, sei zu erwägeir, ob zum 1. April die Auflösmig oder nur die Ueberlcitung vorgenommen werden solle. Der Vorstand entschloß sich für das letz- Urs; die Auflösung des Vereins soll zum 1. Juli d. I. erfolgen und zwar mit Rücksicht darauf, daß. da nach der Satzung die Aullösung des Vereins der landesherrlichen Gcnehmi- gung bedarf, diese, der vorgeschritteneu Zeit wegen, zum 1. April nicht zu erreichen sei. Sachlich war der Vorstand, auch der Vor- sitzende Herr Dr. Freund der Meinung, daß das Berliner Arbeits- nachweiswesen zur Koninumalisicrung geradezu dränge, daß die Zu- stände, wie sie jetzt bestehen, unhaltbar geworden sind. Da man allseitig der Meinung war, daß in Anbetracht der Wichtigkeit der zu fastenden Beschlüsse der Vorstand allein nicht entscheiden könne, wurde beschlossen, demnächst eine Generalversammlung des Vereins einzuberufen. Die tatsächliche Ucbergabe des Inventars usw. soll dem- gemäß am 1. April stattfinden. Tie Kricgs-Bctriebswrrkstatt, die dem Zentralvcrein für Ar- beitsnachweis angegliedert ist. wurde nach Ausbruch deS Krieges zum Zwecke der Behebung der Arbeitslosigieit unter den Heim- arbeiterinnen gegründet. Unter der umsichtigen und tatkräftigen Leitung von Fräulein Klausner von der Arbeits'., achweisvermitrelung für Arbeiterinnen hat der Betrieb im Laufe der Zeit eine immense Vergrößerung erfahren. Das Unternehmen ist kein auf Geivinn gerichtetes, sondern ein genieinnützigeS, zu dem auch der Ausschuß der Landesversicherungsanstalt Berlin seinerzeit den Betrag von 25 000 M. bewilligte. Bei der Uebernahme des Arbeitsnachweises entsteht die Frage, ob diese Kriegs-Betriebswerkstätte mit zu den Rechten gehört, welche aus die Stadtgemeinde übergehen? Diese Frage �ivurde vaii Herrn Dr. Freund verneint, von den Vertretern der Stadt Berlin aber bejaht. Erstere Auffassung wurde damit begründet, daß die Kriegs- Betriebswertstätte niemals im Etat des Zentralvereius für Arbeits- Nachweis auigeführt wurde, daß vielmehr die Mittel zu diesem Bc- trieb von Privaten und Körpevschastcn stammen. Bon den Vertretern der Stadt wurde dem u. a. entgegengehalten, daß die Stadt Berlin in einem Falle gegenüber einer auftraggebenden Behörde die Garantie nir eine etwa zu zechlendc Konventionalstrafe an diese Behörde übernommen habe und daß der Ausschuß dar Landcsver- sicherungsanstalt Berlin doch sicher des Glaubens gewesen ist, die von chm bewilligten Mittel nicht Privatpersonen, sondern eben dem Zentralverein für Arbeitsnachweis zur Bekämpfung der Arbeits- loiigkcit zu geben. Herr Dr. Freund gab die Erklärung ab. daß er durchaus nicht auf dem Rechtsstundpunkt beharren wolle; die Kriegs- Betriebswerkstätte könna in die Verwaltung der Stadt Berlin über- gehen, wenn diese sich verpflichte, die Bedingungen, welche die Militärbehörden bei der Hergabe von Arbeit bisher gefordert haben, gleichfalls zu erfüllen. Diese Bedingung geht dabin, daß die Ueber- schüsse der BetriebswcrkMtt wieder zugunsten arbeitsloser Heimar- beiterinnen Verwendung finden sollen.( Was eine Privatvereiniguug für die Heimarbeiterinsten tun konnte, kann und miiß die Siadt auch tun.'Die städtischen Behörden babcn unlängst die Errichtung eines Anschaffungsamtes be- schlössen. Tie Klcidungsgebrauchsgegcnständc der einzelnen städti- scheu Verwaltungen, die von privaten Firmen geliefert werden, loer- den heute in der Heimarbeit zu niedrige!? Preisen aiigcfertigt. Hier bietet sich für die Zukunft die Gelegenheit, das Vl i? s cka n u n g S- amt und die erwähnte Betrtebsioerk statt mit- einander in Verbindung zu bringen, um an einem erzielten Problem, der Besserstellung der Heimar- beiterinnen n? i t z u>v i r k e n. Auch von diesem Gesichtspunkt aus ist die Berstadtlichung deS ArbeitSnalhweiswcscnS in Berlin zu begrüßen. Tic Ntilitärschneidcr zu dem'Ergebnis der?!ürnberg«r Verhandlungen. Arn Montag abend nähme?? die Berliner Militärschneider im großen Saale des Gewerkschastshauses den Bericht über die Nürn- berger Verhandlungen entgegen. Den Eiiiiguiigsvorschlag haben wir bereits am Dienstag im.Vorwärts" veröffentlicht. Kunze berichtete unter anderem, daß die Unternehmer bei den Verhandlungen erklärten, die in Aussicht genommene Vereinbarung könne nur auf bestimmte Zeit ubgesckilosicn werden, da nun die Be- ftimmungeu über den Reichstarif Wirkung hätten. Dem sei von den Vertretern des Verbandes widersprochen worden mit dem Hinweis. daß ein Vertrag nicht dadurch zustande komme, daß niair sich gegenseitig das Versprechen gebe, künftig einen Bertrag bestimmten Inhalts abzuschließen. Erst der tatsächliche Vertragsabschluß schaffe LertragSrcchte. Dieser Anficht sei auch insofern Rechnung getragen, als die Vereinbarung auf unbestimmte Zeit Geltung haben solle. Dagegen sei zugestanden worden, daß die Vereinbarung künftig in allen Orten gcmeinsa?n gekündigt werden>nuß. Lei den Verhandlungen über die Zulagen hätten die linier- nehmer erklärt, daß eine Erhöhung der Löhne, wie sie für die Kon- teltion erfolgte, in der Maßbranche nicht möglich sei. Es komme hinzu, daß die Konfektionäre eine Verschiebung in andere Preis- lagen vornehmen würden, was die Maßgesckiaste nicht könnten.?Iach längerer Verhandlung hätteir die Unparteiischen einen Vergleichs- Vorschlag gemacht, wonach die 10 Proz. nach der Verordnung vom 4. April weiter gezahlt werden, dazu sollten 10 Proz. Lohnzuschlag und 5 Proz. Teuerungszulage koinmen. Die Teuerungszulage tollte in Wegfall kommen, wenn die gegenwärtigen Lebensmittelpreise um mehr als SV Proz. sinken. Gegen diesen Vorschlag hätten sich die Vertreter des Verbände-? gewehrt. Sckon die Fornr deS Vor- schlageS habe zu Widerspruch Anlaß gegeben. Auch wegen der niedrigen Stundenlöhne sei lange verhandelt worden. Infolge dieser Einwendungen wäre dann eine Lohnerhöhung von 25 Proz. zugestanden worden. Nebenher sind außerdem die Stundenlöhne erhöht worden. Auf die nun erhöhten Stundenlöhne komme dann noch der Zuschlag von 25 Proz.. Wenn auch die Lohnzulage von 25 Proz. nrcht als em zcrt- gemäßer Ausgleich angesehen werden könne, so empfehle er doch die Annahme des AergleichSvorfchlageS. Wesentlich sei, daß die Zulage auf den gesamten Wochenverdienst erfolge und unabhängig von der Teuerung zu zahlen ist. Die Tariflöhne werden bei künftigen Tarifabichlüssen entsprechend höher angesetzt, während jetzt die alten Sätze bestehen bleiben und der Zuschlag auf den gesamten Verdienst verrechnet wird.....?- Nack kurzer Debatte wurde der VerglerchSborfchlag gegen eineStimmeangenommen. Kunze machte dann noch darauf aufinetkiam, dag auch die Ar- bciter imd Arbeiterinnen, die gegenwärtig weniger verdienen, als sie durchschnittlich in der Zeil vom 1. Juli ISIS bis 1. Juli 1014 verdienten. Anspruch auf Erwerbsloseuunterstützung haben. Sosern diese Boraussetzung zuträfe, sei ein entsprechender Antrag an den Unter- »ehmer zu pellen, bei dem der Betreffende beschäftigt tst. Die Sithogpaftben und Tteindrucker zum Hilfsdienstgefek. Eine Bersaimnlang des Verbandes der Lirhographen und Stei,?- brucker. die am 17. Februar im Gewerkschastebause tagte, be« schästigte sich mit dein Hilfsdienstgesetz. Genosse Wissel! hatte das Referat dazu übernommen. Gleich zu Beginn kau? der Antrag eines Kollegen zur Abstimmung, wonach der von ihm eingeladene Genosse Sladthagen als Korreferent zugelassen werden sollte. Der Antrag fand nur die Unterstützung von zehn Kollegen und war damit abgelehitt. Gegen ihn wurde geltend gemacht, man könne nicht die Belehrung der Gewerkschaftsmitglieder einem Manne über- lasien, der selbst lest? Arbeiter sei und bisher für die Gewerkschaften nichts getan habe. Dadurch würde man den Parteistrcit in die Ge- wcrkschaften erst hineintragen. Wissell besprach das Gesetz in seinen einzelnen Bcstinunungen und meinte zun, Schluß, auf die Besetzung der Ausschüsse durch die organisierten Arbeiter komme alle-? an. Wenn wir einig seien, dann tonne das Gcietz den Arbeitern nie zum Schaden gereiche?,. Haß gibt bekannt, wie weit das Gesetz bisher für das gra- phiiche Gewerbe in Betracht komme und wie der Verband in den einzelnen Fällen gewirkt habe, die Löhne aufrechtzuerballen. Ständen die Kollegen hinler ihrer Beschwerde und wenden sie sich an die Organisation, dann könne der Verband jedem Kollegen bei- stehen. Stiller kritisiert die Zustimmung der Gewerkschafts- Vertreter zu dem Gesetz. Man habe die Arbeiter nicht gefragt. Durch die Verbrüderung init den Gelben auf den Gewerkschafts« tagungen habe unser Ansehen gelitten.(Solche„Verbrüderung" mit den Gelben' hat doch nirgends stattgefunden! Im Gegenteil: die Gewerkschaften aller Richtungen haben gegen die Zulasiung der Golbcu als Arbeiterverlreter mit allen Kräften gewirft. D. 8t) Haß meint, die so stark das Gesetz verurteilenden Auffapungen könnten nur entstehen, wenn man weder das Gesetz noch die Be- dingnngeil des Gesetzes genau kenne. Wir hätten gewisicnloS ge- handelt, wenn wir uns nicht an der«choffung des Gesetzes und seiner Verbesserung beteiligt hätten, Wissell weist an der Hand der gesetzlichen Bestiminungeir die erhobenen Einwände als Miß« Verständnisse nach, die nur aus der Unkenntni-5 des Gesetzes begreif- sich wären. Ein Antrag, der der„Graphischen Presse' die Bebandlnng po- litischer Fragen, die nicht mit dem Beruf zusammenhängen, der- bietet, wird fast einstimmig abgelehnt. Nur sechs Kollegen stimmen dafür._ Die ZinkzüudergicPer und die Entsckiädiguug bei Mätcrialmaugcl. In einer guibesuchten Branchcnversam,nlung aller in inizündergicßereieir Beschäftigten berichtete Bredow ber die Verhandlungen zur Frage der Entschädigung bei Material- Mangel. Die Verbandlungen, die vier Firmen betrafen, in ihrer Wirkung aber weiterg reifen, hatten zunächst vor dem Kriegs- au-?schuß kein Resultat, Der Ausschuß regte eine nochmalige Ber- Handlung zwischen den Arbeitervertretern und den Unternehmern an. die dann auch stattfand. Die Unternehmer schilderten die Schwierigkeiten beim Heranschaffen von Metall und Koks sowie die besondern Unkosten, die ihnen infolge dieser Kalamität entstehen, Sie erklärten, mit Rüiksichl darauf keine Geldentschädigrmg für die Schichten, die infolge Materialmangels ausfallen, zahlen zu können. — In langen Verhandlungen konnte eine Bezahlung der infolge MaterialnrangelS eintretenden Feierschichten nicht erzielt werden, Man einigte sich aus folgende Abmachung? Bei Metall-, KokS- und Ticgelmangel wird eine Entschädigung nicht be- zahlt. Eine Entschädigung von 8 M. wird jedoch für eine ans- fallende Schicht dann bezahlt, wenn der Gießer für die be- treffende Schicht nicht rechtzeitig abbestellt wird und wenn er von der Firma' nicht anderweitig beschäftigt werden kann. Bei solcher anderweitigen Beschäftigung ist ein Stundenlohn von 1,75 M. zu zahlen. Versäumnisse, die innerhalb der Arbeitszeit eintreten, werden mir 1,75 M. pro Stunde entschädigt, soweit die Versäumnisse im Tage eine stunde oder mehr betragen. Eine Bergütigimg findet nicht statt, wenn der Gießer die Arbeil nicht rechtzeitig beginnt oder vorzeitig verläßt. Für das Fertigmachen des Ofens und der Formen wurde für die erste Schicht etne Zeit von 2 Stundeu und für die zweite und dritte Schicht eine Zeit von je einer Stunde festgesetzt. Das Gießer? darf nicht eher als eine Stunde nach Beginn der Arbeitszeit beginnen. Ferner erklärten sich die Unternehmer bereit, nur Leute einstellen zu lvollen, wenn eS den jeweiligen Zeilverhältnissen entspricht, Wenn auch die Vereinbarung nur vier Firmen betrifft, so ist von großer Bedeutung eine vom Kricgsausichuß abgegebene Er- klärmig, die dabin gehl: Wenn andere Firmen, die nicht zu den vier Firmen gehören, die Vereinbarungen nicht anerkennen wollen, so sollen die betroffenen Arbeiter zum KriegSauSschuß kommen. Ihren Arbeitgebern würde dann erklärt werden, daß sie entweder die Vereinbarung ebenfalls zu beachten hätte?:, widrigenfalls den Ar- beitern der ÄricgSschcin zu erteilen sei. Die Bersammluirg erklärte sich nach längerer Diskussion mit den Vereinbarungen einverstanden. Erhöhte Teuerungszulage für Rohrleger und Helfer. Nachdem eine Versammlung der Rohrleger uird Helfer kürzlich beschlossen hatte, wegen der fortgesetzt steigenden Lebenömittelvreise eine Lohnerhöhung zu fordern, ivurde diese Forderung den Unter- nehmern unterbreitet und in der Schlichtungskommission darüber verhandelt. Die Wünsche der Arbeiter gingen aus eine Erhöhung des tariflichen Mindestlohnes. Die Unternehmer erklärten dagegen, wenn über den Tarislohir verhandelt werden solle, dann müsse über den gesamten Tarif verhandelt werden, und bei dieser Gelegenheit hätten auch die Unternehmer Wünsche ans Aenderungen des Tarifs. So hielten sie es für angebracht, daß im Tarif nicht nur der Mindest-, sondern auch der Höchstlohn festgesetzt werde und daß dieser den Mindestlohn nur um 10 bis 15 Pf. übersteigen dürfe. Auf derartige Forderunge« konnten die Arbeiter natürlich nicht eingeben. Sie sahen deshalb von dem Antrage auf Aendcruug der Tariflöbne ab und forderten eine erneute Teuerung?- zulage von 15 Pf. pro Stunde, zahlbar vom 1. April ab. Da§ war den Unternehmern zu viel. Räch längeren Verhandlungen verstän- digten sich, dann die Vertreter der Vertragsparteien dahin, ihren Versammlungen zu empfehlen, daß die Teuerungszulage am 1. April lim 10 Pf. und am 1. Juli nochmals um 5 Pf. erhöht wird. Die Lieferung von Seife durch den Unlernehiner oder eine entsprechende Entschädigung bei Richtliesermig soll vom 1. Slpril ab sortsalleir. Die Fahrgeldentichädipung soll so geregelt werden, daß bei Wegen, die vom Geschäft angeordnet sind, das von? Arbeiter tatsächlich ausgegebene Fahrgeld zurückvergütet wird. Die Landznlage wird auf 4 M. erhöht, sie kann in besonderen Fällen bis auf 6 M. erhöbt werden. Ferner wurde noch eine Vereinbarung darüber ge- troffen, welche Arbeiien ci» für allemal und welche unter gewissen Voraussetzungen als„ichinutzige Arbeiten' gelten, die nach dem Tarif mit einem Lohnausschlage von 25 Pf, z» vergüten sind. Die vorstehenden Vereinbarungen wurden der Brauchcnversainm- lnng der Rohrleger und Helfer vorgelegt, nach der Begründung durch Siering diskutiert und schließlich angenommen. Hiernach er- höht sich der Mindeststundenlohn einschließlich der früher bewilligten Teuerungszulage von 28'/, Pf. und der am 1. April in Kraft tretenden neuen Zulage von 10 Pf. auf 1.15 M. für Rohrleger und Oe'/o Pf. für Helfer. Dazu kommt dann am 1. Juli eine weitere Zuläge von 5 Pf.___ Soziales. Gesnudheitsdienst. In einer von der Zentralkommisfion der Krankenkassen Berlins und der Vororte einberufenen und stark besuchten Versammlung hielt am 18. Februar 1017 Kreisarzt Dr. Ascher aus Harburg einen Bortrag über„Der GeiundbeitSdienst". An Hand des reichen Zahlenmaterials schilderte der Redner den Werl deS Menschen in der BollStrast. Mit diesem wertvollen Kapital seien wir.nicht schlecht, aber auch nicht gm', umgegangen. ES habe zwar die Sterblichkeit ab- und die mittlere Lebensdauer zugenommen, andererfeits fei aber viele Jährzehnis die Säuglings- sterbllchkeir sehr hoch gewesen und das Matertal der Leipziger OrlS- krankeiikäsie, das im Kaiserl. Statistischen Amt verarbeitet wurde, zeige, daß allein die Kosten für Krankengeld, Arzt. Arzneikosten. Pflege, Rekonvaleszenz, im Reiche mindestens eine Milliarde Mark betragen. Dazu käme noch der AirSfcill an Verdienst, der auf rund 1,6 Milliarden Mark gesetzt werden müsse. Die ungeheure Beden- tung dieser Ziffern Ivurde durch Vergleiche mit Summen gezeigt, die der jetzige Staatssekretär Helfferich in seinen Untersuchungen über Deutschlands Wohlfahrt anführte. Um solche Unvirtschafllichkeil zu verbessern, forderte der Referent bessere Statistiken und bessere Er- forschung des Einzelfalles. Er hält hierzu eine Arbeitsgemeinschaft zwischen allen Krankenkassen und den übrigen Organen der Reichs- Versicherung und Vertretern ärztlicher Praxis und Wissenschaft für nötig, in welche auch die Gemeinde als Hauplträ�er der Fürsorge für die Jugend tind die Heeresverwaltung einzubeziehen wäre, welch letztere großes Jnteresie an der Gesundheit des Volles, besonders der Jugend, habe. Ebenso sei die Teilnahme der Medizinal- Verwaltung nötig. Die nächste Ausgabe des zu schaffenden Zweck- Verbandes sei a) die Errichtung einer Stelle zur Sammlung und Sichtung de? Materials der ganzen ReichSversicherungSordnung. besonders der Krankenkassen und der Egebnisse der Fürsorgebestrebungeu auf gesundheitlichem Gebiet. b) Anstellung von Kontrollärzten und von Kontrollbeamtcn, ivelch letztere als Fürsorge auszubilden wären. Dr. Ascher hat während seiner Tätigkeit als Kreisarzt in Hamm bereits die Durchführbarkeit feiner Vorschläge praftisch bewiesen und gezeigt, wie sich durch die Zusammenfassung aller Kräfte ein wirk- sicher Gesundheitsdienst schaffen läßt. An den bedeutsamen Vortrag schloß sich ein Meinungsaustausch zwischen den Herren Geheimrat Pütler und Professor Gonser. Auf Autrag deS Direktor Albert Kohn wurde beschlossen, den Vorstand der Zentralkommission der Krankenkassen Berlins und der Vororte zu beauftragen, die nötigen Voiarbeiten zu treffen, um den An- ichluß der Krankenkassen von Groß-Berlin an die Fürsorge- besrrebungen herbeizuführen._ Krtcgsteilnchmcrschutz und vilsodtomtpslicht. Schon gelegentlich der Beratung des H'IfsdienftgesetzeS wurde die Frage aufgeworfen, ob die.Hilfsdieiistpflichligen. ähnlich den Kriegsteilnehmern, eiwen Schutz im Prozesse genießen würden. Ein Bedürftiis danach läßt fick, billigerweise in Fällen nicht leugnen. in denen z. B. HilfSdienstpflichtigc auf Grund der schriftlichen Auf- forderung zur�sreiwilligen Meldung oder auf Grund der Ueber- Weisung eine Stellung weit entfernt von ihrem bishengeii Wohnsitz, sei eS in Deutschland, sei es im besetzten Gebiet, annehmen und die Prozeßführung im Zusammenhang mit der Notwendigkeit der Bestellung eines Vertreters und der Schwierigkeit der Jnforma- tionSerteilung aufs äußerste crschloert ist. Für einen Teil der Hilssdicnstpflichtigen gibt das Kriegsteilnehmerschutzgefetz vom 4. August 1914 einen prozessualen Schutz. Räch§'2 Ziff. l dieses Gesetzes findet eine Unterbrechung bzio. 'Aussetzung des Verfahrens statt, wenn eine Partei„vermöge ihres Dienstverhältnisses. Amtes oder Berufes zu den mobilen oder gegen den Feind verwendeten Teilen der Land- oder Seemacht" gehört. In der Literatur ist nahezu einstimmig angenommen worden, daß Aerzte, Motorrahfahrer, Handwerker u?w,. die auf Grund privaten Dienswertrages einem mobilen Truppenteil zugewiesen sind, unter jene gese,tzlick?e Vorschrift fallen.• Daraus folgt, daß auch der Zivil« dienstpflichtige, der z. B. als Schreiber einer Ortskommandan.tur oder als Sckilächter eine-s Proviantamts oder in einem der tvirt- ichaftsichen Betriebe der Heeresverwaltung iEleftriziiätsrvert. Holz- hearbeitnngsfabrii, Entlausungsanstalt, Selterwasiersabrit) Anstellung findet, den gleichen Schutz genießt wie sein Vorgänger, der vom Truppenteil zu dieser Arbeit abkommandiert war. Wann ein Truppenteil mobil ist, richtet sich, wie jetzt ollgemein anerkannt ist. nach gewissen äußeren Merkmalen, wie Feldlöhnung. Feldverpfle- gung. Feldausrüstung Uiw.). Soiveis diese Kennzeichen in der Per- son des Hilfsdienstpflichtigen nicht uorfornmcit können(z. B. weil er keine Feldlöhnung erhält), wird es darauf ankommen, ob sie bei den am gleichen Ort stationierten Militärpcrsvnen gegeben find. Ob der Bahn-, Küsten- und Grenzschutz, soweit er nicht mobile Löhnung erhält, als �gcgen den Feind verwendet" zu gellen hat und daher den Kriegstei/nehmcrschutz genießt, ist in der Recht- sprechung noch immer nicht entschieden. Bezüglich der Gefangenen- bcwachung wird die„Verwendung gegen den Feind" jetzt im all- gemeinen verneint. Abgesehen von§ 2 Ziff. l tolnmt auch ij 2 Ziff. 2 deS KriegS- teilnehmerschutzgeietzes den Hilfsdienstpflichtigen zugute, da sie sich „dienstlich aus Anlaß der Kriegführung des Reichs im Ausland" aufhalten. Die Literatur erwähirt als Beispiel hierfür Berwal- tungS-, Eisenbahn- und Postbeamte im besetzten Gebiet. Tie An- ttxkndung dieser Gesetze svorschrtft auf zivildienstpflichtige Per- sonen ergibt sich daraiis sogleich. Do weit das Kriegstecknehmerschutzgesetz Anwendung findet. gilt auch die Verordnung vom 14. lFanuar 1915 über die Bestellung eines Vertreters bei offenbarer Urrbilligkeij der Ver- falirensunterbrechung(z. B. wenn das Gehalt des Dienstpflichtigen hinreicht, um seinen Verpflichtungen nachzukommen oder wenn die Information mit Leichtigkeit erteilt ioerden kann), die Verordnung vom 20. Januar 1916 zum Schutz bei Angehörigen immobiler Truppenteile(wichtig bei Bahnschutz usw.) und schließlich der Ber- ordnung vom 8. Juni 1916 über Gewährung von Zahlungsfristen an Kriegsteilnehmer. Weitere Schutzvorjchrisien zugunsten der Äilfsdielrstvflichtige-.i existieren nicht. In Frage käme nur noch 8 2-17 Zivtlproßordnung. der eine Berfahreusaussetzung gestattet, wenn sich eine Person„im Militärdienst" zu Äriegszeiten aufhält, eine Boraussetzung, die Gerichte be' den Hilfsdienstpflichtigen kaum als vorliegend an- nehmen dürften._ Berbut der Mietfteigerung— in Oesterrrick-Ungarn. Die un- garische Regierniig bat ein« Verordnung erlassen, die nur geftallet. daß der Vermieter die Miete bis zu der Höchirsumme erhöht, die zwischen dem l. Februar 1914 und dem 1. November 191S als Höchstmietpveis für die betreffende Wohnung zu bezahlen>var. Üeber diesen Satz hinaus darf die Miete auch bei neuen Mieter» nicht gehen. Nur die Entschädigung für.Heizung und Warm- Wasserversorgung darf um 5—6 Proz. erhöht werdeil. Auch eine Wohnungstündigung seitens des Vermieters ist ausgesckilosscn, eS sei denn, daß besondere Fälle vorliegen, wie Nichtbezahlung der Riete, pflichftvidrigeS Verhalten des Meters usw. Die Gültigkeit dieser Verordnung erstreckt sich auf all« Kleinwohnungen, deren Miete einen festgesetzten Betrag nicht übersteigt. Feuerbestattung. Die Zahl der in den deutschen Krematorien bewirkten� Ein- äscherungei? ist. wie wir der neuesten Nummer der„Flamme" entnehmen, im Jakrc 1916 wiederum beträchtlich gestiegen; sie stellte sich aus 11405 gegen 10 650 im Jabre 1915. Mit dieser Ziffer ist selbst die des Jahres 1914 um 825 überschritten worden. Bon de?: Eingeäscherten waren 6690 männlichen. 4773 weiblichen Geschlechts. Eingegangene vruckschristea. Arbeiter-Jugeud. Die soeben erschienene Nr. 4 des 9. Jaörgaiizs Bat u. a. I olgenden Inhalt: Heilig sei dir der Tag... Bon Dr. rueä. S. Drucker.— Mein Begräbnis, Bon Hans Heinz Ewers.(Schluß?.— ,s>Uisdienstqesetz und jugendliche Arbeiter, II. Von R, Wissell.— Die Schrift Jet alten Germanen. Bon Paul Bandet(Mit Abbildunzen,)— Das Betrolkum.— Die unsschibarc Batterie. Bon Karl Arogcr.— D« preußisve Kultusminister und die freie Jugendbewegung.— Aus der Jugendbewegung,— Zm wirtschaftlichen Lage.— Die Gegner an der Arbeit.__ Veraulwortlich jür Politik: Hermann Müller. Tcmpelhoj; für den übrigen Teil d. Blattes: Alfred Scholz. Neukölln; für Inserate: Dh. Glocke. Berlin Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u, Verl-gSanslall Paul Singer& Co Berlin SW. Hierzu 1 Beilage und Uuterhaltuugsblott- a, 52 zumm jZeilltge des.Illmarts" Kerlilttt Nljlksllilltt. S-Wtt-Ks A Mm. �tbgeocönetenhaus. KZ. Sitzung vom Mittwoch, den 21. Februar 1317. Am Ministertisch: Dr. S h d o w. Die zweite Lesung des Etats für Handel und Gewerbe wird fortgesetzt. Abg. Dr. Bell(Z.): Tie Verdächtigungen des Abgeordneten Hue gegen die der- dienten Männer unserer Schwerindustrie, als träten sie für ge- wisse Annexionisten nur deshalb ein» weil damit ihre Privatinter- essen vertnüpst sind, weise ich mit Entrüstung zurück.(Beifall rechts und im Zentrum.) Gewiß, wir alle wünschen den Frieden. Aber die Betonung einer übertriebenen Friedensliebe kann auch schaden. Das sagt in der letzten Nummer der„Glocke" auch der sozialdemo- kratische Abg. Dr. L e n s ch.(Hört, hört!) Ich habe kein Verstand- nis für den Abg. S ch e i d e m a n n, der im Lande herumreist und als sein Programm verkündet:„Was französisch ist, soll französisch bleiben. Frankreich könne einen so günstigen Frieden haben, wie es sich gar nicht denken könne, und jeder Kriegführende müsse seine Last selber tragen." Mein Stolz als Deutscher lehnt sich gegen eine solche Auffassung auf.(Lebhafter Beifall rechts und b. d. National- liberalen.) Mit einem überspannten Pazifismus können wir gegen die Vernichtungswut unserer Feinde nichts aus- richten. Wir halten fest an der Erklärung, die im Reichstage Dr. Spahn im Namen aller bürgerlichen Parteien abgegeben hat und in der er reale Garantien dafür gefordert hat, daß wir nicht zum zweiten Male in dieser Weise von der halben Welt überfallen werden können.(Beifall.) Papierne Verträge, die von England in den Papierkorb geworfen werden, sind solche Garantien nicht. England blickt schon jetzt lüsternen Auges nach dem Kontinent und will zur Sicherung seiner Zukunft nicht nur Calais. Lissabon, Malta und das Aegäische Meer besitzen, sondern auch Antwerpen, Zee- brügge und Ostende, um von dort aus drei neue EinfallStore gegen Teutsibland zu haben.(Sehr wahr! rechts.) Wir rufen England zu:„Hände weg von Belgienl"(Beifall rechts, im Zentrum und bei den Nationalliberalen.) Wir dürfen nicht zugeben, daß das rheinifch-westfälische Industriegebiet in einem zu- künftigen Krieg das Schlachtfeld wird. Wenn wir dagegen alle not- wendigen Maßnahmen treffen, so ist das nicht schnöde Eroberungs- iucht, sondern nackte, reine Selbsterhaltung.(Sehr wahr! rechts.) Unser Wirtschaftsleben hat im Trommelfeuer von<000 Verordnungen gestanden, man sollte hier doch wohl auch etwas mehr rationieren und kontingentieren und mehr auf Qualität als auf Quantität sehen. Der wilde Zwischenhandel mit seinen unverdienten riesigen Wuchcrgcwinnen war nur möglich, weil dem Kleinhandel die nöti- gen Organisationen fehlen Dem neuen Staatskommissar für Volksernährung geben wir unsere besten Wünsche mit auf den Weg. Wir müssen in Friedenszeiten möglichst bald wieder zum freien Handel zurückkehren.(Beifall im Zentrum.) Abg. Fuhrmann(natl.): Herr Hue hat, wie ftüher der Abg. Braun, behauptet, die Groß- industriellen hätten an Annexionen und an der Verlängerung de? Krieges ein persönliches Interesse. Das ist eine schäm- lose Verdächtigung.(Abg. Ad. Hoffmonn: Aber eS ist wahr!) Dann ist auch dtessr Amischenruf eine schamlose Berdäch- tigung.(Abg. Ad. Hoffmann: Damit wird es nicht weniger wahr?) ES ist unrichtig, daß unsere Großindustrie für starke KriegSziele eintrnt. Im Gegenteil ist eS zu beklagen, daß vielfach in unserer Industrie für solche Kriegsziele nicht daL genügende Ber- ständniS vorhanden ist. Abg. Hue verwies darauf, daß unsere bisherige Eisen- und ErzProduktion vollkommen ausreicht. Aber wenn die Pläne der Pariser Wirtschaftskonferenz auch nur in kleinem Umfange durchgesetzt werden, so werden wir vor tue schwer- stcn Gefahren ul unserer Rohstoffversorgung gestellt sein. Als ich auf die Haltung der französischen Sozialdemokraten verwies, rief Herr Ad. Hoffmann, das feien keine vernünftigen Leute. Nun, er hält wohl außer sicki niemand für vernünftig.(Ad. Hoffmann: Sie jedenfalls nicht!) Tann wäre ich ja auch reif für das Irrenhaus.(Heiterkeit.) Auch in der deutschen Sozialdemo- kratie gibt eS viele Stimmen, die nicht gegen Annexionen sind. Redner führt Zitate aus der„Glocke", der„Chemnitzer Volks- stimme", den„Sozialistischen Monatsheften' usw. an, die feines ErachtenS dafür sprechen. Auf die Zuversicht einiger Sozialdemo- kraten, daß überhaupt kein Krieg mehr kommt, möchte ich die Zu- kunft unseres Vaterlandes nicht gründen. Das Volk wird in einem künftigen Krieg siegreich bestehen, das über genügend Vorkommen von Kohle und Eisen im eigenen Gebiete verfügt. Ich hoffe, daß auch die deutsch« Reichsregierung die Einsicht beützcn wird, daß wir die Hand von Longwp und Brieh nicht mehr ziehen können. Wenn Herr Hue meinte, solche Reden wie die von Herrn Beumer müßten den KriegSwillen der Feinde aufs neue erwecken, so behaupte ich, daß unser« Gegner viel eher zum Frieden zu bekommen sein wer- den, wenn sie wissen, dah sie bei weiterer Fortsetzung auch Land und nicht nur Menschen verlieren. Die Behauptung, daß der R e i ch S- kanzler keine Eroberungsabsichten habe, ist eine Beleidigung für den Reichskanzler. (Abg. Hoffmann(S.A.): Sehr richtig!) Was der Reichs- kanzler im Reichstag ausgeführt hat. gibt Herrn Scheidemann kein Recht, im Lande den Eindruck zu erwecken, als, wenn feine Ziel« die Ziel« des Reichskanzler? wären.(Abg Ad. Hoffmann(S. A j: Sehr richtig! Heiterkeit.) Der Staatsmann, der ohne Brich und Longwy, ohne daß Belgien in unserer Hand bleibt, die Mahlinie an Frankreich und die flandrische Küste an England fallen läßt, wer uns ohne Kurland und Litauen läßt, der würde vor der Geschichte alS der Totengräber deutscher Macht und Größe dastehen.(Abg. Ad. Hoffmann sS. A): Theobald, Du bist gewarnt!) Daß meine Rede in Bielefeld bei den Christlichsozialcn Widerspruch gefunden hätte, ist nicht richtig. Ich bin überzeugt, wenn eine Ilrabstimmstng stattfinden wurde, würden die Herren Hue und Hoffmann ziem- lich allein stehen.(Abg. Ad. Hoffmann(S.A.): Machen Sic doch die Probe!) Ein Schlutzantrag wird angenommen. Abg. Ad. Hoffmann(sS. A.s zur Geschäftsordnung): Der Schluß der Debatte macht es mir unmöglich, nachzuweisen, daß solch« Reden wie die der Herren Fuhrmann und Beumer den Frieden weiter hinausschieben, weil sie dazu bei. tragen, daß daS Ausland das deutsche Friedensangebot nicht ernst nimmt und daß der Frieden erst dann kommen wird, wenn die Völker selbst die Geduld verloren haben. Ich reichcmeinem Freunde Brizon in der französischen Kammer, hinweg über die von Blut dampfenden Schützen- graben, meine Hand, der mit mir dos gleiche Ziel verfolgt. die Völker zum Frieden zu bringen. Diese Wortabschncidung. nach- dem Herr Fuhrmann so ausführlich gegen mich persönlich ge- sprachen hat. ist das Gegenteil von dem. was man nobel nennt. (Zuruf recht»: Zur Ges-bäftSordnung!) Wer ist denn hier eigent- lich Präsident? Vizepräsident Porsch: Ich werde gegebenenfalls einschreiten. Abg. Ad. Hoffmann(S. A-): Als Herr Fuhrmann einen Zwischenruf von mir als schamlos bezeichnete, ist der Herr Präsident nicht eingeschritten.(Vizepräsident Dr. Porsch: Ich habe das nicht gebärt und werde nach Prüfung des Stenogramms meine Maßregel treffen.) Herr Fuhrmann behauptete, es wäre schamlos zu sagen, daß die Kriegslicscranten an der Verlängerung des Kriege» ein Interesse haben. Ich meine, es iit s ch a m l o s. d a s z u bestreiten. Das weiß das ganze Volk.(Vizepräsident Dr. Porsch: Dos gehört nicht mehr zur Geschäftsordnung.) Abg. Ad. Hoffmann(Soz. Abg.)(Zur persönlichen Bemerkung.) Außer den Kriegslieferanten wird kein anderer der Meinung sein, daß das schamlos ist.(Zuruf rechts: Persönlich?) Soll ich noch persönlicher werden, Herr Oberpräsident V. Pappenheim, als daß ich den Zuruf dcZ Herrn Fuhrmann gegen in ick zurückweise? Dann will ich ganz kurz sagen, diese Zurückweisung war eine Schamlosigkeit.(Vizepräsident Dr. Porsch ruft den Redner zur Ordnung.) Es folgt nun eine Debatte über Mittelstandsfrogen. Ter Abg. Fuhrmann(natl.) erhält nackträglich wegen des dem Abg. Ad. Hoffmann(Soz. Arbg.) gemachten Vorwurfes der schamlosen Verdächtigung einen Ordnungsruf. Abg. Dr. Wendlandt(natl.) bittet, das Handwerk bei der Heranschasfuv.g von Rohstoffen zu berücksichtigen und fordert eine Vertretung des Mittelstandes und der Arbeiter in der Reichsstelle für Ilebergangswirtickaft. Der Redner tritt zum Schluß für die Förderung der Sclbsthilfeorganisation des Handwerks ein. Abg. Hammer(kons.) weist die Hetze der demokratischen Presse gegen die Erzeuger zurück: Die Hauptsache ist, die Produktion zu fördern. Auch die IM Millionen Kleinkaufleute müssen gehört werden. Die Landwirtschaft hat in geradezu, h eroischer Weise für das deutsche Volk gesorgt. Der Konsument wird durchaus nicht ausgepowert. Das Publikum sollte weniger in den Warenhäusern kaufen, sondern mehr beim ehrsamen Kaufmann.(Beifall rechts.) Handelsminister v. Svdow stellt in Aussicht, daß die Grundsätze über den angemessenen Gewinn nunmehr von Sachverständigen richtig angewendet werden sollen. Die Weiierberatung wird auf Donnerstag 12 Uhr vertagt. Schluß 3 Uhr.___ parlamentarisches. Ter Landwirtschaftsetat. Der Sioatshaushaltaussckuß deS Abgeordnetenhauses fetzte die allgemeine Besprechung des Landwirt- schastsetats fort. Ein Zentrums abgeordneter kam auf seine alten Wünsche zu sprechen, daß der freie Handel m:d die freie Preisbildung wieder wirken sollen, da bei der jetzigen Preis- organisation daS Ziel einer ausreichenden Ernährung nicht zu er- reichen sei. Wenn diese? PreiSihstcm besteben bleibt, werde der Produktivnszwang dir„nmisblribliche Folgr sein. Ein frei- konservativer Abgeordneter bespricht die Landarbeiterfrage und fordert, daß Beurlaubungen von Soldaten, die nicht kriegSver- wendungsfähig seien, unter allen Umständen erfolgen müßten. Ein konservativer Abgeordneter führt ouS, die Preis- Politik müsse lediglich vom GesiStZpuntt der Pro- duktion aus betrieben werden. Jede Herabsetzung von Preisen sei heute außerordentlich bedenklich. Gesetzlich festgesetzte Preise sind nach der Anficht deS Redners letzten Endes immer höher als im freien Vorkehr sich entwickelnde Preise. Das Land stehe heute in seiner Versorgung im allgemeinen nicht mehr besser da, wie die Städte. Er befürwortet warm Liefe- run�Sverträge zwischen Stadt und Land und hält dies allein für die richtige Organisation. Er gibt zu. daß eine völlig freie Bewegung oes Handels zeyt nicht durchführ'- bar fei, dieser müsse aber bedeutend mehr herangezogen werden. Nach dem Kriege' solle den Feinden Lebensmittel ein- fuhr für Deutschland auferlegt werden. Der Vertrieb der ersten Frühkartoffeln müsse völlig dem treien Handel überlasten bleiben, für die späteren Frübkartoffel» müsse ein Anreiz gegeben werden durch entsprechende Preise, die nicht geringer sein dürften alSimBorjahre. Eiu Sozialdemokrat bespricht zunächst eingehend die Preissrage und kommt auf die bekannten Vorschläge der landwirtschaftlichen Professoren zur Preisfestsetzung zurück. Diese Regelung wäre allerdings zu ertragen, entschieden aber müsse einseitigen Preiserhöhungen widersprochen werden. Für die Ablieferungen nach den Molkereien müßten die Landgemeinden verantwortlick sein. Die Städte sollten das Bich nach dem Schlachtgewicht auf Grund von Schlachtbofseststellungen bezahlen. Mit der Berufung auf die Gefahr der Viebienchenein- schlcppung werde man nack dem Kriege die ausländische Vieheinfuhr nicht mehr unterbinden können. Den Arbeitern müsse über die Ernäbrungskosten hinaus noch ein Notgroschen bleiben. Zu diesen Fragen äußerte sich der Minister gemäß seinen früheren bekannten Ausführungen._______ Generalversammlung öes öunöes öer Landwirte. Berlin, 21. Februar 1317. Zum ersten Male seit KricgSbeginn hielt der Bund der Land- Wirte beute seine Generalversammlung— die 22.— ab. Sie zeigt diesmal nickt das altgewohnte Bild des Massenandranges. Nickt m dem Riesenbau deS Zirkus Busck, sondern in dem vornehmen Konzert- Wal der Philharmonie findet diesmal die Tagung statt. Der Zutritt ist nur gegen besondere Eintrittskarten inöglick. Der Vorsitzende des Bundes. Freiherr von Wangenheim-Klcin- spiegel, betont auch in seiner Eröffnungsansprache, daß sie eS nicht für richtig gefunden Satten, in dieser Zeit der Arbeit, der lieber- lastung der Bahnen und der Derpflegungsschwierigkeiten eine Massen- kundgebung zu veranstalten. Er danlt dann den Söhnen und Brüdern draußen im Felde, die die Wacht für das Vaterland halten. Dankbar erkennen wtr an, daß trotz aller Kämpfe und Stürme die Grundlage des Deutschen Reiches festgehalten worden ist. Sie beruht nickt nur in unserem starken Heer und der genialen Schöpfung deS Großadmirals Tirpitz, unserer starken Flotte, sondern in dem, um das uns jetzt die Feinde beneiden: unsere starke Monarchie, die nicht zu einen: Schattenkaisertum herabgesunken ist. Sie beruht aber auch auf unserer wirtschaftlichen Macht. Ohne Ruhm- redigkeit kann ich auf die Geschichte des Bundes der Land- Wirte hinweisen. Nicht für daS Dasein des einzelnen Landwirtes allein traten wir«in, sondern verwiesen darauf, daß bei einem Kriege nach mehreren Fronten unS der Sieg nur beschieden fein könnte, wenn der deutsche Landwirt imstande sein würde, das deutsche Volk mit Brot und Fleisch genügend zu versorgen. Ich«rinner« auch an den Antrag Kanitz-(Lebhasie Zustimmung.) Wollte Gott, er wäre durchgeführt worden, wie wir es verlangten, manche Sorge wäre heule von uns genommen.(Stürmischer Beifall.) Man bat nn? überagrarische Heißsporne genannt und verlacht und der- spottet, aber die Lücken in unserer Zollrüftung rächen sich heute(Lebhafte Zustimmung.) Der Milch- und Futter- mitielzoll ist verlacht und verhöhnt worden, und so haben wir ein Kunstgebäude aufgebaut, innuß: haben wir nicht gemurrt, als Helgoland eingetauscht wurde und den Kopf geschüttelt, bei der erste» Anknüpfung mit der islamitischen Welt. Wir haben gesehen, daß die Schwärmerei für den Frieden immer weitere Kreise zieht. Wir sehen in unserem kaiserlichen Herin den weilen Blick, die Gabe, die besten Seiten des MenschenherzeiiS zü erfassen. Um so schmerzlicher und tiefer hat es wohl die meisten aus den Mittel- und gewerblichen Ständen berührt, daß ihnen das Ohr des kaiserliche» Herrn v e r- schlössen geblieben ist.(Lebhafte Zustimmung.) Nicht die Herren S ch e i d e m a n ir und Erzberger, das„Berliner Tageblatt" und die„Frankfurter Zeitung" sind die Stimmung des deutschen Volles, nicht die Mehrheit des jetzigen Reichstages, der gewählt ist zu einer ganz anderen Zeil, unter anderen VorauSietzungen und einer anderen Wahlparole.(Stürm: scher Beifall.) Nein, der Kern des deutschen Volkes hat den unverbrüchlichen Willen, diesen Krieg durchzuführen, sei es zu einem bitteren oder gute» Ende, aber zu einem Ende, das über unsere Zukunft maßgebend entscheidet.(Stürmischer Beifall.) Als eine Erlösung habeit wir es empfunden, als endlich das Wort ausgegeben wurde: Der uneiitgeschränkle U-Voot-Kricg. (Stürmischer Beifall.) DaS deutsche Volk wußte und weiß nun eins. daß diese Waffe die Möglichkeit bietet, der baldigen Ueberwindung unseres gefährlichsten Feindes. Und gebe Gotr, daß nicht denen, denen, die die Verantwortung zufällt, von der Geschichte entgegengeschleuderc wird, daß das entscheidende Wort zu spät gefalle» ist. Das deutsche Volk dankt seinem Kaiser und lebt in der Hoffnung, daß der neue Abschnitt des Krieges unbeirrt weitergeführt werden wird, wenn auch manche Zeitungsnachrichten wieder zu Bedenken Anlaß geben. Verhandlungen, die mit Dänemark geführt werden und mir den Vereinigten Staaten über die Schweiz, sind geeignet, da? Ber- trauen zu den führenden Staatsmännern zu erschüttern.(Zustim- mung.) Als Erlösung würde das deutsche Volk es empfinden, wenn die führenden Staatsmänner offen aussprechen würden, daß diese Ausstreuungen nichts sind als leere haltlose Gerüchte. (Stürmischer Beifall.) Wir deutschen Landwirte geloben unserem Kaiser, zu hartem biegsamem Stahl zu werden.(Erneuter stürmi- scher Beisall.) Redner bringt ein begeistert aufgenommenes drei- fache? Hurra auf den Kaiser aus. Der Vorsitzende gedachte sodann der verstorbenen Bundesmiiglieder, darunter ganz besonders des Ab- geordneten Dr. Georg O e r t e l. Nachdem Herr von Blankenburg den Kassenbericht erstattet batlr, folgte ein Vortrag deS Bundesvorsitzenden Reichs- und Landtags- abgeordneten Dr. R o e s i ck e- GörSdorf über „Unsere ErilähruugSverhältuissc." Er gab dem Gelöbnis Ausdruck, die Gräber unserer Gesallencn in Feindesland für uns zu halten, und fuhr dann fort: Borher. bei der Rede deS Freiherrn von Wangenheim, wurde einmal der Nan:e Helff er ich gerufen. Unsere Ausfassung, daß Deutschland sich vorzubereiten habe für einen Kampf, in dem es abgeschlossen sei von aller Welt, wurde nickt nur nicht geglaubt, sondern sogar verlacht: und die klügsten Letzte haben sich daran beteiligt. Ich muß ja an- nehmen, daß die Leiter unserer jetzigen Geschicke zu den klügsten Leuten gehören.(Große Heiterkeit.) Es war der Staatssekretär Dr. H e l f f e r i ch, der vor vielen Jahren in Harn- bürg es als uumöglich hingestellt hat. daß unsere Auslandspolink es fertig bringen könnte, daß die ganze Welt gegen uns kämpfe. Ich weiß nicht, ob ich eS ihr zum Ruhm oder zum Nach teil anrechnen soll, daß sie eS doch fertig gebracht hat.(Heiterkeil.) Unser kaiserlicher Herr dagegen hat im deutschen Landwirtschails- rat ausgesprochen, daß die deutsche Landwirtschaft die Ernährung de» eigenen Volkes sichern kann und muß. Für die Zukunft müssen wir unS besser vorbereiten. Wir bedauern, daß nicht an allen Stellen und auch an den regierenden man sich in der Vor- gangenheit dieser Notwendigkeit der Vorbereitunng so bewußt war. wie wir. Wäre man uns gefolgt, dann wäre uns manches erspart geblieben. Schon im Antrag Kanitz war die Magazinierung der Vorräte angeregt und Freiherr v. Wangenheim hat sie noch vor dein Kriege gefordert. Wir aber gingen ohne Borräte und ohne die vorbereitenden Orgnnisationen m den Krieg hinein. Ter Meinung manchen guten Freundes, dag überhaupt keine Orgauisationrn vorhanden sein sollten und Handel und Wandel sich frei wie im Frieden entfalten sollten, können ich und der Vorstand uns n i ch r anschließen. Aber durch die Ausschaltung deS H a n- dels wird eine Einrichtung beseitigt, die seit Jahrhunderten die Produkte dorthin gebracht hatte, wo sie am nötigsten waren. Wir haben niemals den Handel als solchen, sondern nur schmarotzenden Zwischenhandel beseitigt sehen wollen.(Sehr wahr') Die zu weit gehende Zentralisation hindert die VersorgungSarbei: der Gemeinden und Bezirke. Man hat die Preise der Produkte fest- gelegt, aber nicht die der Hilfsmittel und Löhne. Das Geld kann nur seinen Wert behalten, wenn eS in die Organisation einbezogen wird. Wir wollen nicht den einzelnen Landwirt bc- reichern, sondern ausschließlich die Produktion fördern. In der Zeit, wo alle Preise steigen, ist es doch unmöglich, die Biehpreise zu senken. Bei aller patriotischen Pflichterfüllung motz die Produktwn sich doch für den einzelnen erfolgreich gestalten. Bei der Industrie erkennt man daS an, man sollte es auch bei der Landwirtschast nicht außer achl lassen.(Beifall.» Die KriegSgescllschaften wollten alles billig beschaffen: wenn man ober ihre Preise hört, muß man sich fragen, ob sie zum Verteilen oder zum Verdienen da find!(Heilerer Beisall.) Wenn der Kaufmann zum Bureaukraten wird und der Bureaukrat zum Kaufmann— daS gibt einen schleckten Klang! Der ricklige Weg ist beschritten durch die Kricgsämtcr zur Förderung der Erzeugung. Solche räudige Schafe unier uns. die etwa Butter für l> bis 10 M. abgeben, verurteilen wir aufs schärfste. Aber sind es nicht Städter, die dazu verleiten? Und dann schinipfen sie aus die Landwirte. Die Entblößung der Landwirtschaft von ihren Reserven ivürde zur Katastrophe führen. Die Städter sollten die Arbeit der Landwirt« verstehen, diese aber auch die Entbehrungen der Städter anerkennen: Wir wollen uns verstehen lernen!(Zustimmung.) Wenn die Hindenburg spende, zu der reichlich beizutragen ich Sie aus- rufe, genug für die Munitionsarbeiter ergeben hat. dann muß anck der Mittelstand und die übrigen Städter etwas davon haben! —- Der Zwiespalt um die U-Boote ist endlich beseitigt. W i r Deutsche fürchten nichts auf dieser Welt als Gott— auch nickt die Vereinigten Staaten! (Lang anhaltender stürmischer Beifall.) Ein neuer Impuls ist uns gegeben, heran denn alle zur Arbeit, das Ziel ici d:e Einigkeit im deutschen Volk. Ein sauler Frieden oder ein AuSgleichsfrieden würde unsere Lage viel schlimmer gestalten als jetzt. Ich bekenne mick, um mit Scheide mann zu sprechen, als ein solcher Narr. der an den Sieg der einen Partei glaubt: Ich glaube an den Sieg beZ deutsckcil Volkes im Vertrauen auf Gott!(Stürmischer wieder» Holter Beifall.) Hierauf sprach der Vorsitzende des Zeniralverbandes Deutscher Industrieller, Landrat a. D. Nötiger, über„Die deutsche Industrie nach dem Kriege": Landwirtschast und Industrie baben in diesem Kriege trotz der ungeheuren Schwierigkeiten ihre Aufgabe glänzend erfüllt und damit den exakten Beweis geliefeu für die Richtigkeit der Bismarckschen Wirtschaftspolitik. Wir be- dürfen der Erweiterung unserer westlichen Einflußsphäre in umsangreickeni Maxe nicht nur für den Kriegsfall, sondern anch aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie überhaupt. England würde, wenn eS könnte, alles daran setzen, um uns die Beschaffung von Rohstoffen, namentlich von Erzen aus ausländischen Bezugsquellen abzuschneiden, und würde auch, wenn wir nicht die Hand darauf behalten, dafür sorgen, daß uns in der Benutzung dcS Hakens von Antwerpen' die imerträglichsieii Schwierigkeiten gemacht werden. Ohne Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt" wäre unsere Industrie zun, Siechtum der- urteilt und das Deutsche Reich trotz seiner Siege zu einer Macht zweiten und dritten Grades degradiert, da nur eine stark« indu- strielle Ausfuhr uns die steigenden Mittel zur Behauptung unserer Mochtstellung in unserer ungünstigen geographischen Lage be- schaffen kann.(Beifall.) Als Voraussetzungen für die Wettbewerb fähigkeit der deutschen Industrie noch dem Kriege bezeichiret der Redner: 1. Die Befreiung von allen Fesseln, die der Krieg gebracht hat, um das freicSpiel der Kräfte inöglichst bald wieder zu seinem Rechte kommen zu lassen, ohne da- mit die Mitwirkung eines weise geleiteten Staates auszuschalten, im Gegensatz zu den Illusionen des Siaatssozialis- IN US in seinen verschiedensten Formen. 2. Die schnellste Gesundung der finanziellen Grundlagen unserer Wrtschaft durch die unauSweisliche Förderung einer unsere direkten und indirekten Kriegskosten voll deckenden Kriegsentschädigung von unserem leistungsfähigsten Gegner. 3. Beibehaltung der im Kriege glänzend bewährten Wirtschaftspolitik des letzten Menschenalters aus der Gruudlage des Gleichgewichts innerhalb unserer Gesamt- Wirtschaft. fLebhaster Beisoll.) Landrat Rötger verbreitet sich dann noch über das Ei sencrzb ecken Longwh-Briey. Wenn wii�die dort in unerschöpflicher Menge vorkommende Minette nicht zur Verfügung gebabt hätten, wäre unsere Industrie nicht imstande gewesen, ihre Kricgsaufgaben durchzuführen. Ein fürsorglicher Hausvater gibt das, was er in der Hand hat, wenn er es als un- / entbehrlich erkannt hat, nicht heraus.(Stürmischer Beifall.) Nicht i aus Laune, sondern aus Noiwendigkeit hat sich die stärkste deutsche � Industrie unmittelbar an der jetzigen französischen Grenze ange- siedelt. Unsere großen Werke stehen unter den Kanonen von Longwy und auch von Verdun. In einem neuen Kriege würde Frankreich unsere großen Werke sofort in Klump schießen. Heute heißt es: Zur Kriegführung gehört Erz und Kohle und nochmals Erz und Kohl?. Wenn die reale Macht auf der Kohle begründet ist, kann es uns in der Industrie und Landwirtschaft verdacht wer- den. wenn wir sagen: Halle, was du hast.(Stürmischer Beifall.) Wenn wir Belgien herausgeben, haben wir den Krieg verloren, Englands Prestige befestigt. Belgien hat sich seiner Neutralität unwürdig gezeigt, deshalb muß es mindestens unter unsere Kon- trolle fallen. Ich gebe sogar so weit, daß wir England aus Calais herausbringen müssen, daß es keine Möglichkeit hat, den Fuß auf den Kontinent zu setzen, llnsere ungünstige geograpbische Lage bat Gott geschaffen; daran ändern keine Reden von Mitteleuropa etwas. Sie dient aber dazu, unsere Kraft wach zu halten.(Bcisallh St-roiserhaltendeGedanken, namentlich des S ch n tz e s unseres immobilen Kapitals, zwingen uns, daß mir uns sträuben, die Kriegs kosten selbst zu tragen. «Stürmischer Beifall.) Valutaschwierigkeiten und Flaumacherei wohnen bei vielen Leuten dicht beisammen. Zu sorgen, daß die gesunde Grundlage von Landwirtschaft und Industrie erhalten bleibt, ist unser aller Aufgabe. kLebhvfter Beifall.) Der Versammlung wurde darauf folgende Entschließung vor- gelegt, die keinen Widerspruch fand: Das hochherzige Friedensangebot unseres Kaisers, welches bostimmt war. dem gegenseitigen Vernichtungskampf der Völker der weißen Raff« ein Enhx zu machen, ist in schnöder und höhnischer Weise von unseren Feinden zurückgewiesen worden. Aus der Antwort der Feinde hoben wir deren klaren und rnchi mißzuverstchenden Willen erkannt, Deutschland zu vernichten. Wir danken unserem kaiserlichen Herrn für den Entschluß, nun- mehr alle Mittel des Kampfes einzusetzen, um mit der Kraft des Schwertes zu erreichen, was mit ftüedfertigem Wllen nichts zu erreichen war, das Ende des Krieges und einen vollen Sieg unseres Volkes. Die Worte unseres Kaisers an Heer, Marin« und Volk zeigen den unverbrüchlichen Willen, daß es ein Zurück nun nicht mehr gibt. Mehr noch wie bisher ist nun, wo alle Kraft auf das äußerste anzuspannen ist, die Aufgabe der Landwirt- sthast, an ihrem T�il alles daran zu setzen, um den schlimmsten Bundesgenoffen, den die Gegner gegen uns führen wollen, den Hunger, zu entwaffnen. In voller Erkenntnis des Ernstes der Lage, aber auch in ungebrochenem Opfermut wollen wir beut- scheu Landwirte olles geben, was wir haben, schaffen, was Menschenkraft zu schassen vermag, und mit dem gesamten dcut- schcn Volke Entbehrung und Einschränkung teilen und auch unse- rerssits alle Kraft daran setzen, um den Teil deS Kampfes siegreich zu bestehen, den wir zu führen berufen sind. Als letzter Redner sprach der Reichstagsabgeordnete Fabrikb-e- sitzer Dr. Wildgrube- Dresden über„Die politische Lag e". Unserem Kaiserlichen Admiral danken wir, daß er unsere U-Boote befreit hat von ihren politischen Fesseln.(Stürmischer Beifall.) Aus der undiplomatischen, ungeschickten Antwort der Entente spricht der heißblütige Plebejer Llovd George. Wir wollen Gott danken, daß er diesen blindwütigen Deutschfresser ge- mde zur rechten Zeit zum Regenten der Entente gemacht bat. Wer weiß, ob wir sonst nicht noch immer verhandelten über die Friedens- fragen auf Treu und Glauben, während die Munitionslager und Kohlcnschuvpen der Feinde sich anfüllten. Kaiser und Heeres- leitung schlugen den undiplomatischen Tinteldeckel mit dem Scherte zu. Damit war die Situation gerettet. Und wir rechnen nicht mehr auf Mister Wilson als Zionswächter der Humanität das ist neuesten s ein Ausdruck der„Frankfurter Zeitung", l Gelächter.) Niemals ist einem Volke so teuflisch, hohnvoll seine Existenzbe- rechtigung abgesprochen worden. Daß man das gewagt hat, an- gesichts der Worte HindenburgS über unsere unerschütterliche miß- iärische Lage und die Erfolge des Tirpitzfchen U-Bootes— da muß der Feind in der Verstiegenheit seines Wahnsinns doch mit irgend- einem.Hilfsfaktor rechne::. Und dieser Hilfsfaktor muß irgendwo in deutscher Schwäche liegen.(Zuruft, q. u.: B all i n!) Ich will keine Namen nennen, sondern nur an einen typische:: Vorgang erinnern: das amerikanische Handels- kammerbankett.(Lebhafte Pfuirufe.) Dftser Vorgang war aus dem unheilvollen Berständigungsgedanken geboren. Wer sich mit England verständigen will, muß eS erst iiiederschtogen«der er ist erwürgt.(Stürmischer Beifall.) Wir nehmen an, daß im Interesse der baldigen Beendigung Krieges und des Ansehens der deutschen StaatStunsi der Verständigungs- gebante endgültig auf Hungerkur gesetzt ist.(Beifall.) Allerdings berührt es merkwürdig, daß aus Ungarn allerhand Stimmen her- überllingen. Die Reden des Ministerpräsidenten TiSza bekennen sich zu dem WUsonschen Frieden ohne Sieg. Für uns wäre der Wilsonsche Frieden gleich einer Niederlage.(Stür- mischer Beifall.) Für das deutsche Volk sind die Würfel gefallen, alle Halbheiten und Entwürdigungen zu Ende.(Stürmischer Bei- fall.i Redt'.er bespricht dann die Kämpfe um den uneingeschränkten U-Boot-Krieg. In diesem Kampfe muß das nationale Verdienst der„Deutschen Tageszeitung" und seines genialen Mitar- beiters Graf v. Reventlow festgestellt wessen.(Minutenlanger tosender Beifall.) Nach einer längeren Polemik gegen Aeuße- rungen von Dr. Rohrbach und Professor Timme in der„Deutschen Politik" zur U-Boot-Frage beschäftigt sich Redner mit Amerika. Nachdem Herr G e r a r d sein Spionagcbureau geschlossen hat, atmet das deutsche Volk befreit von diriem Alvdruck auf, voraus- gesetzt, daß er vor Friedensschluß nicht wiederkehrt.(Leb- haster Beifall.) Sein Auftnthalt in Berlin, der intime Verkehr unserer verantwortlichen Männer, seine heuchlerischen Phrasen von den freundschaftlichen Beziehungen, Ivährend ftin Meister Wilson immer unverschämter mit Niederboxungs- noten kam, waren dem deutschen Volke eine Pein. Der Gipfel der Pein war erklommen, als Herr Gerard den Reichskanzler als seinen Freund bezeichnete, nachdem er unmittelbar vorher in Kopenhagen droheiche Worte gesprochen hatte. Amerika ist nächst England unser schlimmster Feind,' es ist der stille, oder auch laute Teilhaber der Entente, worüber sich sicherlich auch ein vertragliches Dokument vorfinden dürfte. lLebbafte Zustimmung.) An den Händen des Friedensstifters klebt das Blut von zehntausenden deutschen Söhnen.«Stürmischer Beifall.) Die Friedenskundgebungen hat man zu Börsenspekulationen benutzt, das Völkerrecht zu vergifteten Waffen von Mördern gemacht. Wir wurden an das Narrenseil des Völkerrechts gebunden, um diese ganze Satanei als amerikanische Neutralität zu schlucken. Niemand hat bei uns das Bedürfnis gehabt, mit Amerika anzubinden. Wer aber über die Opfer bei der Versenkung des großen Munitionsdampftrs Lusiiania jammert, denke an die deutschen Witwen und Waisen infolge der amerikanischen Mu- nition. Mister Wilson sitzt jetzt aus diesem großen Speicher zwischen Granaten und Humanität und riecht an der schwe- d i s ch e n Note.(Heiterkeit.) Auffällig sind manche Erscheinun- gen. auf die schon Freiherr v. Wangenhcim hingewiesen hat. Dazu gehört auch, daß ein Mitglied der amerikanischen Gesandts-Haft in Bern nach Wien versetzt ist. Wilson rechnet also mit einer erhöhten Tätigkeit bei der uns befreundeten Macht, nachdem er mit uns die Beziehungen abgebrochen hat. Höchst sonderbar; Ame- rika darf uns nicht im Wege stehen, weder in Berlin noch in Wien oder sonst wo im Interesse unseres baldigen Sieges durch den uneingeschränkten U-Boot-Krieg und unserer Kriegsziele.(Stürmischer Beifall.) Bei Besprechung der Kriegsziele fordert Redner u. a. ein deutsches Kurland und Litauen. Wir dürfen keinen Frieden schließen, ohne im Osten die deutsche Magenfrage gesichert zu haben. Unsere Kolonien müssen wir restlos zurückerhalten und der belgische und portugiesische Kolonialbesitz muß unter unseren Hammer kommen.(Lebhafter Beifall.) Mit einer Schlutzansprache des Vorsitzenden Freihcrrn v. Wan- genhcim endet die Versammlung. Jim öer Partei. Tie Schicksalsstundc der Partei. Ter Bezirksvorstand für Mccklenburg-Löbeck beschäftigte sich am Sonntag in einer in Schwerin stattgefundenen Sitzung init der Situation in der Partei. Nach eingehender Aussprache wurde eine Entschließung gefaßt, die als Aufruf an die Mitglieder in der Partei- presse des Bezirks veröffentlicht werden soll. In dieser erklärt sich der Bezirksvorstand mit dem Beschluß des ParteiauS- chusseS vom 18. Januar, sowie mit dem Aufruf deS ParteivorstandeS vom 20. Januar d. I. e i n v e r st a n d e n. Er ist der Auffassung, daß durch den Beschluß der Sonder- k o n f e r e n z der Opposition die Gründung einer Sonder- Organisation vollzogen wurde, die mit dem Z 1 des Parteistatuts unvereinbar ist. Diejenigen, die für diese Sonderorganisation wirken und für sie eintreten, können nicht zu gleicher Zeit Mitglied der Sozialdemokratischen Partei sein. Sie haben in völliger Außer- ochtlasiung des Organisationsstatuts und aller demokratischen Grund- sätze die Spaltung der Partei gewaltsam herbeigeführt und der Arbeiterklasse den denkbar schwersten Schaden zugefügt. Unsere Parteiorganisation, die allen Arbeiterfeinden zum Trotz sich in fort- während aussteigender Linie entwickelte, soll nun durch die eigenen Mitglieder unterminiert werden. Diesem Treiben muß ein energisches � geboten werden. Weiter beschäftigte sich der BezirkZvorstmid mit der durch den Tod deS Abgeordneten Roland-Lücke im Strelitzer Wahlkreise sich notwendig machenden Reichstagswahl. Man wird den Genossen de? Wahlkreises vorschlagen, den Burgfrieden zu wahren. UcbrigenS steht auch der Kandidat des Kreises, Genosse Fa aß- Berlin, im Felde. ». Die Parteigenossen in Kassel beschäftigten sich in zwei Ver- sammlungen mit den Differenzen in der Partei. Referenten waren die Abgeordneten T h ö n e und H ii t t m a n n. Mit Dreivierte l- Mehrheit wurde eine Resolution angenommen, in welcher die Versammlung die Entschließung der Kasseler Parteikonferenz vom 80. Januar 1916, in der die Politik der Parteimehrheit gebilligt und jede Sonderaktion verurteilt wird. auch heute noch für sich als bindend erklärt. Weiter heißt eS: Die Opposition in der Partei hat durch ihre Sonder- bestrebungen. insbesondere aber durch die Einberufung der Kon- ferenz vom 7. Januar und der auf dieser Konferenz gefaßten Be- schlüsse sich außerhalb der Partei gestellt. Wer für diese Beschlüsse wirkt oder sich mit ihnen solidarisch erklärt, kann nicht Mitglied der Partei sei». ** Die Parteigenossen in Krcfeld-Stadt und-Land faßten gegen eine Stimme einen Beschluß, der u. a. besagt: „Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des ReichStagsabgcordneten Genossen Haber land insofern einver- standen, soweit eS sich um die Einheit und Geschlossen- h c i t der Parteiorganisation handelt Die Versammelten bedauern. daß eS zu dem Beschluß deS ParleiauSschusseS und Partei- Vorstandes kommen mußte. Die Mitglieder der Organisation werden aufgefordert, treu zur Partei zu stehen und alle Zeriplilterungsvcriuche. einerlei, ob dieselben von rechtS oder links kommen, zu bekämpfen. «» Am 18. Februar tagte eine Konferenz der Wahlkreise Thüringens in Weimar. Die Konferenz stimmte einer Resolution zu, die vom Bezirksvorstand eingebracht worden war und besagt: Die Konferenz verurteilt auf daS entschiedenste das immer stärker hervortretende Bestreben zur Errichtung von Sonderorganisationen, einerlei, von welcher Seite diese betrieben werden. Die«Schwächung unserer Organisation und damit zusammen- hängend die Schwächung unserer politischen Macht ist aber auch unausbleiblich, wenn Parteimitglieder, die ihrer von der Mehrheit abweichenden Anficht offen Ausdruck geben, unter Nichtbeachtung der den Parteimitgliedern im Organisationsstatut gegebenen Rechtsgarantisn um ihre Rechte in der Partei gebracht werden. Zwei andere Resolutionen, die eine von Bock, Wurm und Genossen, die andere von Käppler, Cohen und Genossen, ein- gebracht, wurden abgelehnt. �us Znöustrie und tzanöel. Tic Rohstoffe der Hefefabrikatlon. Tie Mehrzahl der Leser hat aus» erklärlichen Gründen von der großen Umwälzung, die sich in den letzte» zwanzig Jahren auf dem Gebiete der Preßhefefabrikatiou vollzog, keine Kenntnis. Bei her heutigen Knappheit des Brotgetreides interessiert auch wohl weitere Kreise der Umstand, daß kein Korn Brotgetreide mehr zu Preßhefe verarbeite� wird. An die Stelle des Roggens, dessen Stärke in früherer Zeit durch eine Beigabe von Gerstenmalz den nötigen Zucker hergab, ist heute die Melasse als Zuckcrquelle ge- treten. Melasse ist der Rückstand der Zuckerfabrikation und be- steht' in der Hauptsache aus unkristallisierbarem Zucker und den verschiedenen Stickstoffverbindungen und Salzen der Zückerrübe. Die Zusatzstoffe, die in etwa gleicher Gcwichtsmenge mit der Me- lasse zusammen verarbeitet werden, bestehen aus Stoffen, die sich wohl zu Futterzweckcn eignen, aber zur menschlichen Ernährung nicht in Frage komm n. Das Lüftungsverfahrcu und andere technische.Fortschritte haben die durchschnittliche Hefeausbeute von 10 aus 3ö Proz. des Ge- Wichts der Rohstoffe erhöht, mit der selbstverständlichen Folge, daß für eine Einheitsmenge Hefe nur noch etwa ein Drittel des früheren Rohstoffes erforderlich ist. In Deutschland werden rund 28 000 Tonnen Hefe verbraucht, die bei einer Zöprozentigen Aus- beute rund 80 000 Tonnen Rohstoffe erfordern. Tie dazu nötigen 40 000 Tonnen Melasse brauchen der Hcfegetvinnung nicht in Rechnung gestellt werden, sie werden bei der Hcfefabrikaiion in Alkohol umgesetzt. Bevor es gelungen war, aus der Melasse neben Alkohol aucki noch Hefe zu gewnuien, wurde alle Melasse auf Spiritus verarbeit-t. Ter Rückstand dieser früheren Melasse- brennereien, der in der Kartoffel- und Gctreidebrennerei die so wertvolle Schlempe liefert, wurde verdampft und zur Gewinnung der in ihr enthaltenen Salze zu Schlempekohle verbrannt Von den als Futterstoffverlnst anzurechnenden 40 000 Tonnnen Beimaterial sind 16 000 Tonnen— 40 Proz.— für die zu Futterzwecken verbleibenden Treber abzusetzen, so daß ein Futterstoffverlnst von 24 000 Tonnen verbleibt, dem 28 000 Tonnen Preßhefe gegenüberstehen. Es kann daher nicht von einer Minderung der Menschennabrunp durch die Heftfabrikation die Rede sein, sie bedeutet vielmehr eine außerordentliche Vermehrung der Nährwerte. Tie ganze zu Backzwecken verbrauchte Hefe mit ihrem täg- lich höher eingeschätzten Nährwerte dient der Menschencrnährung. Zwar sehen wir die Heft nickt mehr im Gebäck, weil ihre Zellen bei der Ofenhitze zerstört werden, aber der Nährtvert bleibt und um seinen Betrag erhöht sich der Nährwert des Gebäckes. 28 000 Tonnen erstklassige Menschennahrung gegen 24 000 Tonnen Futterstoffe, die nach dem Urteile unserer ersten Autoriiätei: auf diesem Gebiete bei ihrem Durchgang durch den Tierkörper nur 16 Proz. bis höchstens 20 Proz. Menschennahrung ergeben. Das gesamte Rohmaterial gelangt als Hefe, Treber und Spiritus für Nähr- und Futterzwecke zur Berwertuug. Die Berechnungen er- geben, daß zur Herstellung der Hefe bei der Fabrikation rund 11 Proz. der Roffstoffe benötigt werden, das sind von den 80000 Tonnen etwa 8800 Tonnen. Bei einer Bevölkerung Deutschlands von rund 66 Millillonen beträgt der tägliche Verlust an Futterstoffen durch die Hefefabri- kation demnach 0,37 Gramm Futterwerte bzw. 0,07 Gramm Menschennabrung, wenn die Futterwerte selbst zu 20 Proz. auf solche verrechnet werden._ Das Elektrizitätsmonopol. Der preußische Eisenbabnminister, Herr v. Breitenbach. hat bor einigen Tagen im Abgeordnetenhause erklärt, daß der prenßiicke Staat in die Elektrizitätsversorgung des Lande? unter Schonung der bestehenden Interessen eingreifen werde. Die alte Absicht, ein Rei-?- elektrizitätsmonopol zu errichten, wurde fallen gelassen. Stall dessen war eine Anzahl von Bundesstaaten dazu übergegangen, die Elektrizitätslieferung in eigene Hand zu nehmen. Beispielsweise hat F>er sächsische Landtag erst im vorigen Jahre einen Monopol- Gesetzentwurf angenommen und für die Durchführung der Monopoli- sierung eine erste Rate von 20 Millionen Mark bewilligt, der bald weitere Raten folgen dürften. Mit diesem Geld« hat der sächsisch« Staat zunächst das Kraftwerk Hirschfelde gekauft, das den Ansang der staatlichen Elektrizitätsversorgung in Sachsen bilden soll. Vorher schon hatte sich Sachsen Braunkohlen gesichert, um bei der Erzeugung des elektrischen Stromes möglichst unabhängig von der Breiinstofflie'erung zu fein. Die bayerische Regierung hat sich einen Teil ihrer Wasserkräfte für elektrische Zwecke zunutze gemacht. Allerdings hat sie in letzter Zeit wieder den Weg mit der staatlichen EleltriziiätS- Versorgung verlassen, indem sie mit den Schuckertwerken einen Lieferungsvertrag abgeschlossen hat, der die ElektrizitälSversörgnng eines großen Teils von Unterftanken betrifft. Vor einiger Zeit hat der Provinziallandtag der Provinz Brandenburg einen weitzügigen Versorgungsplan angenommen, der die Belieferung der Berliner Ring- und Stadtbahn und darüber hinaus der ganzen Pro- vinz Brandenburg betraf. Damals wurde dieser Entwurf arg be- mängelt, weil man meinte, der preußische Monopolplan würde auf diese Weise durchlöchert. Nunmehr wird eine Vorlage kommen, die aller Voraussicht nach die Elektrizitätsfrage für Preußen grundsätzlich regeln wird und die wahrscheinlich auch Mittel für die Durchführung des preußischen ElektrizitätsmonrpolS oder wenigstens für die teilweise Versorgung Preußens mit Elektrizität durch den Staat anfordern wird. Ein bekannter Fachmann der Elektrizitätsindustrie hat Mitte dc§ vorigen Jahres eine Berechnung für den Fall der staatlichen Elektrizitäts- organisatiou aufgestellt. Er kam damals zu einem Voranschlag von SOO Millionen Mark Baukapital und zu einer Nettoverzinsung von 41 Millionen Mark jährlich. Andererseits erwartet da? Volt von einer Verstaatlichung der ElektrizitätSlieserung eine Ver- billigung der Beleuchtung und der Kraft. Denn eS ist selbstverständlich, daß ein Monopol nichr rein fiskalischen Zwecken dienen darf. ES muß zwar die Interessen deS Fiskus berücksichtigen, eS muß aber auch in sehr erheblichem Maße dem Gemeinwohl dienen. Im Januar dieses Jahres hieß eS, daß die kommende preußische Elektrizitätsvorlage sich mit der Errichtung eines staatlichen Kraftwerkes bei Hannover befassen werde. ES ist aber kaum anzu- nehmen, daß Preußen sich zunächst mit der Errichtung eine? einzelnen Werkes begnügen wird. Zwar besteht schon eine Anzahl preußischer Kraftwerke, beispieksweift daS Kraftwerk an der Edertalsperre und an den Stauanlagen des Mains. Aber eine Gesamtversorgung dcS großen Landes würde natürlich die Errichtung mehrerer Kraftwerke erfordern. Der Fiskus dürfte, um die Privatreckle und die Reckte der Gemeinde und Gemeindederbände zu berücksichtigen, lediglich die Erzeugung deS elektrischen Stromes übernehme», während die privaten Werke und die kommunalen Werke die Verteilung des Stromes besorgen._ Vierzig Zuckerfabriken in der Türkei. Türkischen DIättermcl- düngen zufolge soll das im Ackerbauministeriunr in Ausarbeüung befindliche Projekt der Schaffung einer Zuckerindustrie in der Türkei die Gründung von 40 Zuckerfabriken in AuSsichr nehmen, deren Kapital mindestens zur Hälfte einheimisch sein müsse. Zentralstelle für alle Textil-Tetaillisten-Berbände. Die Deulschc Konfektion regt die Bildung einer Zentralstelle für alle jetzt zer- splitterten Textil-Detaillisten-Verbände an, um die Willlür der Lieseranten-Berbände einzudämmen. Der Detaillist solle dem Gegner nicht etwa in dem konkurrierenden Warenhaus, sondern in den mit drakonischen Bestimmungen arbeitenden Verbänden der Fabrikanten und Grossisten leben. Die oSmanische National-Kreditbank. Der türkische Senat hat den Antrag aus Errichtung einer oSmanischen National-Kredilbonk und auf die Gewährung von Privilegien und Cteuerbe'reiungen für dieses Institut angenommen. Der Finanzminister erklärte, daß dadurch die Privilegien der Vaosius Ottomane, deren Altienkapital im feindlichen Besitz ist, bis zu ihrem Ablauf im Jahre 1923 und 24 nicht berührt werden sollen. flus Groß'öerlin. Kein Kleingelü. Hanistern die Leute Groschen und Fünfziger, weil Wilson nnt dem U.-s.-A.-PolizciknüvPel wackelt� Än der einen Warenhauskasse wird in Briefmarken herausgegeben, die an der nächsten schon nicht mehr in Zahlung genommen werden. Wenn man als kleinstes einen neuen oder einen schmierigen Markschein hat, traut nian sich nicht mehr auf die Elektrische, und in der Tasche häufen sich die U-Bahn-Billetts, die man blockwcise kauft, weil die Kassenmaid kein Klein- geld hat und rnan längst nicht mehr wagt, sich ihre Ungnade durch das unberschänite Ansinnen zu- zuziehen, auf eine Mark herauszugeben. Selbst die Post- ämter haben kein Kleingeld; schmerzlich vermissen sie ins- besondere die Fünfziger, und ein alter Postbeamter, den ich privatim kenye, sagt mir, daß die Reichsbank nichts hergebe. Dh Havenstein. Du machst uns Pein! ©ine Anzahl Städte hat bereits Rotgeld herausgegeben: wir haben es noch nicht. Wir sind stolze Groß-Bcrliner, jawoll I Wenn irgendwas knapp oder beschlagnahmt wird— bei uns immer zuerst und am längsten. Bei uns ist aller Kohl, der weiße und rote, der Wirsing und der saure, be» schlagnahmt— zwei Bahnstunden von hier kann man davon nach Herzenslust haben, darf's aber nicht herbringen. Dafür sind wir aber auch die Hauptstadt, jawoll! Papierne Fünfziger— warum nicht? Uns ist es egal, wenn wir nur Kleingeld kriegen. Der Bundesrat ist doch zu allem Möglichen ermächtigt; was zögert er? Wenn er aber nicht will— na. Zweckverband, mach dich mal nützlich! Tu Notgeld in unfern Beutel! Sonst, wir kennen das ja. geht schließlich jede Groß-Berliner Gemeinde für sich vor, und wir könnten es erleben, daß die Notgroschen, die uns aus der Fahrt nach Lichtenberg in Berlin gegeben wurden, auf der Rückfahrt in Lichtenberg nicht an- genommen werden. Aber allen Emstrs! Wie kommt die Bevölkerung der. Dreieinhalbmillionenstadt dazu, zu allem andern auch noch den Klcingeldärger auf sich nehmen zu müssen. Hier ist schleunigst abzuhelfen! (Antwort:„Erwägungen schweben"?) Maffenunterbringung von Ttadtkindern auf das Land. Ein Verein„Landaufenthalt für Stadtkinder" ist gegründet worden, um Kinder der Großstädte in Massen auf dem Lande unterzubringen.?lin Mittwoch trat er in Berlin an die Ocffentlichkeit mit einer Wcrbeversammlung, in der man über feine Ziele das Nähere erfuhr. Das Unternehmen, dem schon im vorigen Sommer durch kleine Versuche vorgearbeitet wurde, soll sich auf das ganze Reick erstrecken. Der Vorsitzende des Vereins, Oberbürgermeister Tr. Scholz(Eharlottenburg�, deutete gleich in seiner Begrüßungsansprache an. daß der Kinder Wohl weder der einzige, noch der wichtigste Zweck ist. Man wolle iiichl nur den Großstadtkindcrn zu einem Anteil an dem Nahrnngsmittelsegen des Landes verhelfen, sondern auch das Verständnis zwischen Stadt und Land fördern. Die Vortrage des Prof. Tr. Mettenheim sskrankfurt a. M.i und des Landrats v. Thadden-Tri eglaff ließen dann genauer erkennen, daß neben dem Wunsch gesundheitlicher Kräftigung der Jcugeiid die Hoffnung auf wirtschaftliche und soziale Vorteile den Ausschlag für die Vercinsgründung gegeben hat. Der von Prof. v. Mcttenheim im cüizelncn dargelegte Unterbringungsplan sieht vor. daß die Stadtkinder durch B e- teiligung an L a u d a r b e i teu s i ch nützlich machen. Man denkt in erster Linie an die Unterbringuiig älterer Kinder und fordert Ausdehnung des Lairdaufentbaltes auf mcbrere Mo- r.ate. In den Städten sollen dann die Schulferien für diese Kin- der verlängert werden; auch ist für sie Unterricht in Land- schulen beabsichtigt. Erwartet wird, daß durch den Landauf- enthalt der Stadtkinder auch Neigung zum Landleben in ihnen geweckt und so„dem Bauernstand neue Kraft zugeführt" wird. Tie neue Verbindung zwischen Stadt und Land müsse, sagt v. Mettenheim, durch das Kind angebahnt werden, um da„zu retten, was noch zu retten ist". Sei der vom Lande nach der Großstadt zugewanderte Arbeiter längere Zeit als Fabrikarbeiter beschäftigt, so habe er„das Glüch der Genügsamkeit des Landlebens verlernt" und fei„meist sozialistisch v e r- darben". ES gelte, nickt nur die Großstadtjuaend zu ertüchtigen, sondern auch Deutschlands Bauernstand zu erhalten. Der Fluch der Großstadt solle sich in den Segen des Dorfes verwandeln. Noch deutlicher sprach Landrat v. T h a d d e n- T r i c g I a f f sich aus. Durch die Landunterbriiigung der Stadtkinder will man für jetzt dem Lande die fehlenden Arbeitskräfte zum Teil ersetzen. Für später wird davon eine Neubclebung der Liebe zum Lande er- bosst, die der Flucht vom Lande in die Stadt entgegenwirken soll. Ein Sl-idtkind auszunehmen, werde auf dem Lande keine Familie sich weigern, die dazu in der Lage sei. Aber auch keine Stadt- samilie, die es nötig habe, dürfe sich weigern, ihr Kind herzugeben. Daö für die Kinder womöglich zu zahlende Pflcgegeld von vielleicht 15 M. für den Monat, zu dessen Deckung die Stadtgemeinden bei- tragen sollen, ändert nichts an der Absicht, die Kinder zu den Land- arbeiten heranzuziehen. In der Landsamilie arbeiten alle Kinder, sagte der Vortragende, da werde schon der Nach- abmungstricb aui die Sradlkinder wirken. Was das Stadtkind auf dem Lande aus der von ihm geleisteten Arbeit wie aus der ihm dort erwiesenen Liebe kennen lerne, könne„eine ganze Welt- an schau un g umwerfen". Ein solches Kind werde„nicht einstimmen, wenn cS später mal sagen hört, alle(?!) Landwirte seien Lebensantielwuchercr und Blutsauger". DaS letzte Ziel müsse die Annäherung von Stadt und Land bilden, und auch im Frieden müsse„etwas von dem Gedanken übrig bleiben, daß Stadtslucht Latcrlandsdienst und Landflucht das Gegenteil ist". In der Besprechung wurde gegenüber diesen Ausführungen kein Widerspruch geäußert. Ein katholischer Pfarrer forderte, daß die Kinder nur zu Familien ihres Glaubensbekenntnisses gegeben würden. Oberbürgermeister Dr. Scholz antwortet«, daS sei„selbst- verständlich". « Der Gedanke der Unterbringung von Stadtkindern aufs Land ist natürlich an sich nicht zu verwerfe». ES kommt auf die Art und Weise und aus den Zweck an. Und. da scheinen unS die Herren, die in der Versammlung aus ihrem Herzen erfreulicherweise keine Mördergrube gemacht haben, nicht die Gewähr zu bieten, daß i h r Plan den Kindern zu ig Heile gereicht. Die kräftigere und reichlichere Ernährung deS Landes und die gesunde Lust tut den Stadtkindern not; demgegenüber aber steht die Gefahr, daß dieser Vorteil zu- Nichte gemacht werde durch Arbeiten, denen diese vosi Hause aus an landwirtschaftliche Tätigkeit nicht gewöhnten Kinder nicht gewachsen sind. Wenn auch gesagt wurde, daß die Familien, denen Kinder zugewiesen werden sollen, einer Auswahl unterzogen würden, so ist das dennoch keine genügende Scherheit gegen Ausnutzung. ES sind ja doch fremde Kinder, um die es sich handelt, und selbst den Ber» anstaltern ist daS Wohl der Kinder nicht der wichtigste Zweck. Den „seel-fchen Schutz" bat man bereitwillig zugestanden; er gilt als selbst- verständlich. Gegen die Verpflanzung der Kmder aus den guten Stadtschulen in die leider vielsach unzulänglichen Dorfanstalten aber ist kein Bedenken laut geworden. Wir müssen die Pläne, die die in unfern? Bericht erwähnten Herren widerspruchslos offenbaren durs- ten, aus allen diesen Gründen ablehnen. Groh-Berlin und die Brotkarte. In den verflossenen Ivo Brolkorrenwocheii sind jede Woche in der Stadt Berlin rund 1800 000 Hauplbrotkartcn, in Groß-Berlin rund 3 600 000 Hauptbrotkarlen zur Verteilung an die Bevölkerung gelangt. Denkt man sich diese sämtlichen Karlen aneinander gereiht, so würde dies für Groß-Berlin ö6 700 Kilometer ausmachen. Das ist mehr als der Erdumfang am Aequator, der 40 000 Kilometer beträgt. DaS Gewicht dieser Karten beläufr sich in 105 Wochen auf mehr als 20 000 Zentner oder 100 volle Waggonladungen. Da die einzelnen Abschnitte der Brotkarten alle zum Zwecke der Kontrolle auf dem Umwege über die Brolkommissionen zur Zentrale zurück- strömen, so sammeln sich hier wöchentlich 66 600 000 Abschnitte wieder an, die nach Feststellung ihres Gewichts zur Makulatur wandern. Die Angelegenheiten der Abteilung für Brotversorgung, an deren Spitze Stadlrat Dr. Simonsohn steht, werden in folgen- den A b t e i l u n g e n bearbeitet: 1. Die General fachen: Erlaß allgemeiner Bestimmungen über Ankauf, Lager und Abgabe des Mehls an die angeschlossenen Gemeinden, Händler. Bäcker und Verbraucher. Die allgemeinen Bestimmungen über die Bereitung von Brot und Kuchen. Die Organisation der Brot- und Mehlverteilung in Berlin, besonders die Angelegenheiten der 225 Brolkommiisionen. Beschäftigt werden u. a. 14 Beamte, 600 Ehrenbeamte in Kommissionen, 23 Personen im Ztveigbureau der Kommandantur. 10 Revisoren der Bäckerei- betriebe und Mehlhandlungen. 239 Hilfspersonal des Hauptbureaus, 548 Hilfspersonal der Brotkommissionen, insgesamt 1499 Personen. 2. Die MehlpersorgutigSstelle Groß- Berlin, umfassend die sechs Städte Berlin, Cbarlottenburg, Neukölln. Berlin- Lichtenberg, Berlin- Schönebera, Berlin- Wilmersdorf. Die An- gelegenheiten der 46 Orte umfassenden Brotkartengemeinschast Groß- Berlin und der MehlverteilungSstelle Groß-Berlin, ihr Verhältnis zu den Kreisen Teltow und Niederbarnim. Die Ausgabe der Mehl- mengen an die angeschlossenen Städte, die Verrechnung mit den Kreise», die Kosten, die Liquidationen und geldliche Abrechnung. Die Anforderung. Alisuhr, Lagerung des Mehls und der Slreckungs- mittel. Die Einsammlung der leeren Mchlsäcke; ihre Rückgabe an die Müblen. die Kontrolle und Verrechnung des Sackpfandgeldcs stund 200 900 Säcke monatlich). 3. Tie Verteilung des Mehls innerhalb der Stadt Berlin. Die Abgabe des Mehls und der Streckungs- mittel an die zur Abgabe des Mehls an Bäcker(monatlich 26 000 Sack) und Mehlklcinhändler ermächtigten 90 Mchlhändler. Die Feststellung des MehlbedorfS der rund 15 000 Bäcker. Konditoren, Keksfabriken und 2300 Mehkkleinhändler und die Ausgabe der zum Bezüge de§ Mehls berechtigenden Mehlkarten an diese. Die Ver- iorgung der Speisebelriebe, Kantinen u. dergl. mit Mehl. Die Revisionen der Backbetriebe und der Mehlhändler bezüglich der Jime- hallung der erlassenen Vorschriften. 4. Die Ausgabe der Brotkarten an die Bevölkerung und die Versorgung von Anstalten, Lazaretten(15 000 Insassen), Krankenbäuiern, Gefängnissen, Erziebungsanstalten und dergl. ohne Brotmarken. Die Versorgung der auf Selbstverpflegung angewie- ienen Mililärpersonen und Militärurlauber täglich mit Lebensmittel- karten aller Art. Die Ausgabe der Zusatzkarten an die rund 23 000 Schwerstarbeiler. Kontrolle und statistische Erhebungen über Ver- auSgabung der Brotkarten geschehen durch eine sialistische Abteilung von 35 Personen. 5. Abgabe der der Stadt zur Verfügung gestellten Vorräte an Kolonialwaren in enger Verbindung mit der zum Zwecke des Großvertriebes dieser Waren eigens gegründeten Zentral-EinkausS- Geiellschaft mit beschränkter Haftung. Erlaß der Vorschriften über die Ausgabe der Kolonialwaren auf Grund der Lebensmittelkarten. 6. Die Ausgabe der BerechligungSkarten zur Empfangnahme von Petroleum und Spiritus an Heimarbeiter� zum Ausgleich für besondere Zwecke und an Mindcrbcmitlclte (23 Personen)._ Milchvcrteucrung und Säuglingssterblichkeit. Den Preis der Milch von bisher 32 Ps. plötzlich auf 44 Pf. hinaufschrauben zu wollen, ist eüi starkes Stück. Man sollte vor allem die Gefährdung, die von einer so enormen Milchpreiserhöhung den Kindern droht, nicht unterschätzen. Ist denn der Genindheils- zustand unserer Kleinsten jetzt so günstig, daß wir eine derartige Verteuerung ihres wichtigsten Nahrungsmittels wagen können i? Für Berlin wurde bei den Säuglingen seit Herbst 1916 eilte höhere Sterblichkeit als in denselben Monaten des vorhergehenden Jahres beobachtet. Zusammenstellungen de? Berliner Statistischen Amis, die hierüber Aufschluß geben, liegen jetzt erst für die Zeit bis Ende November vor. Seit September berechnet da? Statistische Amt die Säuglings- steiblichkeit nach einem zuverlässigeren Verfahren, indem es für jeden Monat die Zahl der Säuglingssterbefälle aui das ganze Jahr erhöht und sie mit der Zahl der in den letzten zwölf Monaten lebend geborenen Kinder vergleicht, �iabei hat sich ergeben, daß die Säuglingssterblichkeit für September, Oktober, November im vorletzten Jahr mit noch 262, 255, 256 Fällen gleich 9,62, 9,25, 9,85 Prozent der Lebendgebotenen. dagegen im letzten Jabr mit„nur" 212, 205. 221 Fällen doch gleich 11,62. 10,25, 11,63 Prozent der Lebendgeboreiien war. Wir sehen, wie hier die Minderung der Säuglingssterbefälle im Herbst 1916 sich leider restlos aus der Geburtenminderiing erklärt, Bei solcher Erhöhung der SäuglingSsterbeziffer soll man nicht noch eine Milchvrrteuerung gutheißen, die für vie Ernährung der Säuglinge ver- hängnisvoll werden kann. Sicherlich wird den meisten Säuglingen, wenn der Milchpreis steigt, nicht deshalb sogleich die Menge der ihnen zu verabreichenden Milch gekürzt. Aber je teurer die Milch ist, desto schwerer muß einer uubeniitlelten Mlltter der Einschluß werden, eine nicht mehr ganz einwandfrei scheinende Viilch dem Säugling vorzuenthalten. Besonders in der wärmeren Jahreszeit steigert sich hiermit�die Gefahr von Verdauungsstörungen, die nur zu leicht für den«äugling tödlich enden. Diele Er- wägung hätte längst dazu führen müssen, schon bei dem jetzigen, gegen trüber beträchtlich erhöhten MilchpreiS von 32 Pf. unbe- miltelten Familien mindestens für Säuglinge eine Milchbeihilfe auf Kosten der Gemeinde oder deS Staates zu zahlen. Welchen.Vorteil" würden von der nach Erhöhung der Milch- Preises angeblich zu erwartenden Zunahme der Milcherzeugung die Kleinkinder und die Schulpflichtigen, die schwangeren Frauen und die stillenden Mütter sowie die milchbedürftigen Kranken haben. Wenn ein niedriger Preis nichts nützt, wo das NabrungS- mittel auf dem Markt fehlt, so vermag anderseits auch ein leb- Höstes Nabrungsmiltclangcbot den nicht zu retten, für den der Preis zu hoch ist. Die Milctvcrteucrung könnte bei vielen, denen ein Anspruch auf Milch zusteht, zu notgcdningeircm Verzicht aus Mildige ii ufe führen. DaS würde dann allerdings die Milchknappbcit mildern— aber nur für die anderen, denen selbst bei 44 Pfennig die Milch noch nicht zu teuer ist! Die Milchzuweisnng nn Kranke. Vollmilch kann leider nicht jedem Kranken nach Belieben gewährt werden. Womöglich soll die Zahl der Kranken, denen ein Anspruch auf Vollmilch zugebilligt wird, nur bis zu 2 Proz. der Bevölkerungszahl gehen. ES ist nun interessant, zu sehen, wie un- gleich die Kranken mit Anspruch auf Vollmilch sich über das Gebiet der Milchversorgung Groß-BerlinS verteilen. Nach einer Zusammenstellung, die bei der Fettstclle Groß-Berlin angefertigt worden ist, wären' Anfang dieses Jahres im ganzen Milchver- sorgungSgebiet die zum Vollmilchverbrauch zugelassenen Kranken 2,6 Proz. der Gesamtbevölkcrung. In den einzelnen Gemeinden ist aber die Anteilziffer sehr verschieden— so ver- 'chieden, wie man es kaum für möglich halten sollte. Beispiels- weise hat Berlin allein nur 1,3 Proz., Lichtenberg mir 1,5 Proz-, Neukölln sogar nur 1 Proz., also nur die Hälfte des Zu- lässigen. Andererseits steht die Anterlzisfer in mehreren Ge- meinden sehr weit über dem Groß-Bcrliner Durchschnitt, zum Beispiel in Wilmersdorf aus 4 Proz., in Schönebcrg aus 5,2 Proz., in Dahlem auf 6,2 Proz., in Kolonie Grunewald aus 7 Proz., in Zehlendorf sogar aus 10,7 Proz. Es ist also die sehr auffällige Tatsache zu konstatieren, daß der Osten eine. niedrige, der Westen eine hohe Ziffer von Kranken mit Vollmilchanspruch hat. Ausnahmen von dieser Regel fehlen allerdings nicht; so stehen z. B. auch Nieder- schöneweide und Köpenick mit je 2,7 Proz. ein wenig über dem Durchschnitt. Aber im ganzen ist der Gegensatz zwischen Ost und West doch so ausgeprägt, daß man ihn nicht für Zufall halten kann. Soll man daraus aus besonders günstige gesundheltliche Verhältnisse im Osten schließen? Wir glauben nicht. Aber wenn man einmal den Versuch machte, die nötigen K r a n k h e i t s- zeugnisse, für die ja sogar die Kasscnmitglieder zahlen müssen, u,i entgeltlich zu erteilen, so würde sich vielleicht heransstellcn, daß im Osten ebenso viele Milch bedürfende Kranke vorhanden sind wie im Westen. Aerzte über Kinderernährung. Die Gesellschaft für Natur- und Heilkunde hat auf einer Tagung in Dresden Leitsätze aufgestellt, denen wir folgendes entnehmen: Eine Hebung der Milcherzeugung durch Zuweisung von Futtermitteln an sichere Produzenten, eine Hebung der Milch- zufuhr»ach den größeren Städten und Industriezentren durch angemessene Preise ist dringend anzustreben. Bei der Bedeutung, die eine Zuweisung von Milch in jeder Beziehung für den damit Begünstigten hat/ ist eine weit schänere N e b e r w ach u n g des Milchmarktes, insbesondere der Milchfubrwerke, hinsichtlich der Art der Verteilung der Vorräte nötig, die jetzt vielfach an Nicht- berechtigte gelangen. Für daS 1. Lebensjahr genügt bei Zuweisung von täglich 1 Ltr. Milch die wöchentliche Sicherstellung von 180 Gramm Zucker, 175 Gramm Mehl, 250 Gramm Grieß oder Hafermehl. Für da? 2. Lebensjahr cmpsiehlt sich die tägliche Zuweisung von Liter Milch, die wöchentliche von 125 Gr. Fleisch, 1 Ei, 62,5 Gr, Speise fett, 5 Pfund Kartosseln,. ISO Gr. Zucker, 2 Pfund Brot(oder ent- sprechend Mehl), V« Pfund Grieß oder Hafermehl. Für das 3. bis 6. Lebensjahr bei täglich>/- Liter Milch tvöchenllich 125 Gr. Fleisch, 1 Ei. 62,5 Gr. Speisefett/ 5 Pfund.Kartoffeln, 180 Gr. Zucker, 3 Pfd. Srot/Vs Pfund Grieß oder Hafermehl. Für das 7. bis 11. Jahr bei täglich � Liter Milch eine Erhöhung der Brotmenge ans 4 Pfund und für das 12. Jahr, wenn das gleiche bei Kürzung des Greisenalters im Milchbezug nicht zu beschaffen wäre, Zuweisung von 5 Pfund Brot._ Berliner Lebensmittelnnchrichten. Auf Abschnitt Nr. 35 der Lebensmittelkarte entfallen 160 Gramm Teigwaren und aus Abschnitt Nr. 36 200 Gramm Graupen oder Grütze. Der Kleinhandelspreis beträgt bei Waffer- teigwaren aus 75prozentigem Mehl für 1 Pfund Teigröhren 52 Pf., sür 1 Psunh Teigröhrenbrltch 50 Pf. und für 1 Pfund andere Teigwaren 51 Ps,; lici Wasierteigwaren aus 10 prozentigem Auszugs- mehl sür 1 Pfund Teigröhren 73 Pf., sür 1 Pfund Teigröhrenbruch 71 Ps. und sür 1 Pfund andere Teigwaren 72 Pf. Der Preis für 1 Pfund Graupen rst 80 Pf. Die Abschnitte 35 und 36 sind nur in den durch ein Aushängeschild„Verlauf von Teigwaren(Graupen) auf Lebensmittelkarten der Stadt Berlin" gekennzeichneten Geschäften gegen EmpsangSbescheinigung abzuliefern und zwar nur am heutigen Donnerstag oder morgigen Freitag. Nachträgliche Annahme findet nicht statt. Die Ware wird dann etwa sechs Tage nach der Ablieferung der Abschnitte in den Goschästen gegen Rückgabe der Empfaugbescheinigling zur Verfügung stehen.;'—........ Von Sonnabend, 24. Februar, an wird jedem Berliner Elnwobner aus Abschnitt 15 der Eierkarte ein Ei gewährt. Den Gastwirten, Konditoren usw. geht die Eicrbelsefcruiig auf Bezugs- karte 22 für die drei Wochen vom 24. Februar ab zu. Die lange strenge Kälte bat die Versorgung mit Eiern sehr beeinträchtigt, so daß die reichlichere Eierliefcnmg, die sonst Mille Februar beginnt, um Wochen sich verzögert.' Gasvergiftung einer ganzen Familie. Eine crschülternde Familientragödie hat sich ijr dem Hauie Weisestraße 24 in Neukölln abgespielt. Dort haben die Schmidtschen Eheleute, die eine Arbeitsstube sür Schürzenlonfektion unterhielten, sich und ihre beiden. Kinder durch Leuchtgas vergistet. lieber den traurigen Vorfall erfahren wir folgende Einzelheiten': Schmidt wohnte mit seiner Frau nnd zwei Kindern, einem Mädchen von vierzehn und einem Knaben von acht Jahren, einige Jahre in dem Hause Weisesrraße 24 in glücklichen Familienverhältnissen. Die Frau litt jedoch seit langer Zeit an Brustkrebs und sollte in nächster Zeit operiert werden. Als Schmidt, der eingezogen, in der vorigen Woche auf Urlaub kam, ersuhr der Mann auch, daß nach ärztlichem Urteil kaum noch Rettung für seine Frau bestand. Dies und die wieder bevorstehende Trennung scheint nun in dem Ehepaar den Entschluß haben reifen lassen, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden und die Kinder in den Tod mitzunehmen. Sonntag besorgte Schmidt noch mehrere Einkäufe, darunter einige Flaschen Wein, dann aber sah man von der Familie niemand mehr. Gestern früh siel Hausbewohnern ein aus der Schmidtschen Wohnung dringender starker Gasgeruch auf. Bei Oeffnung der Wohnung bot sich den Eintretenden ein erschüttern- der Anblick dar. In ihreii Betten lagen die beiden Kinder leblos, Vater und Mutter lehnten ebenfalls tot in Stühlen an den Betten. Die angestellten WlederbclcbungSversuche waren bei allen vier Personen vergeblich._ Eine nicht zu rechtfertigende Rücksichtslosigkeit gegen die bade- bedürftige Bevölkerung ist cS, daß abermals städtische Bade- a n st a l t e n„bis auf weiteres' geschlossen worden sind,. ohne daß dies vorher in der Tagespresse bekannt gcnracht worden war.1. Schon vor etwa zlvei Monaten ist man bei der Anstalt in der Bär« waldstraße so pcrsahren, und seit Montag dieser Woche rennen täg- lich Hunderte von Leuten vergeblich � zu den Anstalten, weil die 'Schließung nicht öffentlich bekannt gemacht wurde. Die Schnellbahn der A. E. G. von Neukölln nach dem Gesundbrun neir bezw. Reinickendorf erhält nach den neuerdings gepflogenen Verhandlungen an ckcn beiden Endpnnkten eine andere Richtung. Im Süden kommt die zuerst geplante Schleife an der Melanchthon-Kiiche durch die Urbanstraße in Forlsall und im Norden die Durchgiierung des Hiimboldiharns. Der Tunnel soll niliimchr, vorbehalllich der Zustimmung der zuständigen Behörden,' bis zur Ramlerstraße die Brunnenstraße vollständig durchlaufeir. Bon dort wird die Bahn in einem Bogen zum Bahnbof Gesund- brunnen geführt. Dieier Bahnhof wird ähnlich wie beim Dreieck von der Schnellbahn bis zur Behmslraße überbrückt und durch eine direkte Treppe eine bequeme Verbindung zur dortigen„Hochbahn" erhalle». Vom Bahnhof Gesundbrunnen ioll die Hochbahn im Bogen bis zur Badstraße geführt werden und dann in gerader Liiiie> durch diese Straße und die«chwcdcnstraße nach Reinickendorf ver- längcrt werden. Eine Westeriührung- nach der Kopcnhagencr Straße in Reinickendorf bis zum Bahnhof Reinicken- dors-Rosenthal ist in Aussicht genommen ivorden. serner eine Verbindung mit der„Nordsüdbahn" durch die See- straße, damit sowohl Züge der Nordiüdbahn als solche der „A.-E.-G.-Bahn" erforderlichemalls als Ringzüge, auf beiden Schnell- bahnen verkehren können. Man ist der Meinung, daß durch diese ynge Verbindung Benutzung und) Rentabilität beider Schnellbahnen ganz wesentlich beeinflußt werden, kann. In wenn auch loser Verbindung mit diesem schon feste Gestalt gewinnenden Plan steht ein anderer, eine direkte Verbindung Potsdamer SaHnbofeS mit dem Bayngof Gesund brunnen durch«ine Untergrundbahn über den Bahnbo �riedrichstrave und den Stetliner Bahnhof. Dadurch und durch den Bau der Untergrundbahn Moabit— Lehrter Bahnhof- Potsdamer Bahnhof— Görlitzcr Bahnhof— Treptow würde mit einem Schlage in absehbarer JJeit die ssrage einer direkten Verbindung aller Berliner Bahnhöfe mittels Schnellbahneii gelöst fein. Gerade ini Verkehr mit den Bahnhöfen werden heute Gepäckdroschken, Auto?, Schnellbahnen usw. sehr vermißt.. VerkehrSänderunge» bei de« städtischen Straßenbahnen. Bon heute, Donnerstag ab verkehren die Linien Moabit— H e r» mannplatz und Städtischer Ost ring der Städtischen Straßen bahn nur noch mit to Minuten Abstand. Abfahrtszeiten ab Moabit und Hermannplatz 6 Uhr 21 Minuten usw. nach der vollen Stunde Der erste Zug geht ab Moabit 6 Uhr 36 Min., der letzte 12 Uhr 6 Min. Ter erste Zug ab Hermannplatz 4 Uhr 41 Min., der letzte 12 Uhr 16 Min. Die Abfahrtszeiten bei der Linie Städtischer Ost ring sind ab Stettiner Bahnhof in beiden Richtungen 8 Uhr 23 usw. Minuten nach der vollen Stunde. Der erste Zug ab Stettiner Bahnhof 5 Uhr 38 Min., der letzte Zug 12 Uhr 23 Min. Außerdem werden bei beiden Linien nach Bedarf Einsetzzüge und ffrühzüg« fahren. Auf der Strecke Strelitzer Str.— Warschauer Brücke— Hermann platz beträgt die Zugfolge Minuten. Die Fahrplanänderung ist er- 'orderlich geworden, weil eS nicht möglich ist, wegen Mangel an Werkstatlpersonal eine genügende Anzahl von Wagen betriebsfähig zu erhalten. „Gelernte Berufsarbeit«:". Der Oberbefehlshaber in den Marlen hat bestimmt, daß§ 3 Absatz 1 der Bekanntmachung vom 2. Februar 1917 über die Streckung der Heeresnäharbeiten folgende Fassung erhält:.Als gelernte BcrufSarbeiter und-Arbeiterinnen 2 Ziffer 1) gelten dieienigen Personen, die als Schneider und Mützenmacher eine Gesellenprüfung bestanden haben oder sich noch un LehrlingSverhältniS befinden, oder deren HaupterwerbSzweig die Beschäftigung mit Schneider-, Näh- und ähnlichen Arbeiten bereits vor dem 1. August 1914 gewesen ist." „PrijS 3 CentS". Schokolade in Tafelpackungen mit dieser Auf Ichrist werden seit einiger Zeit in Berliner Geschäften seilgehalten. ES bandelt sich um holländische Schokolade. Da nun ö Cents Pf. find, die Tafel Schokolade aber zu 70 und 80 Pf. bis zu 1 M. und dalüber verkauft wird, so sollte der Preiswerdegang dieses Artikels behördliches Jntereffe erwecken. Bund für Mutterschutz. Der Bortrag von Grete Meisel-Heß .Die Bedeutung der Monogamie" findet am nächsten Montag, ■''/s Uhr abend?, im Architekienhause, Wilhelmstraße 92/93, statt. Eintritt frei, Gäste willkommen. fius den Gemeinden. Vertauf von Schaf- ZährlingSlämmern in Äieuköll». Dem Magistrat ist die Möglichkeit gegeben. Jährlingslämmer zu Zucht- zivecken für die Bevölkerung zu beschaffen. Der Preis für den Zentner iteht noch nicht endgültig fest, beläuft stch aber höchstens auf rund >30 M. Bestellungen werden entgegengenommen bis Sonnabend. de» 24. Februar 1917, nachmittags 3 Uhr, im Rathaus, Zimmer 14ö k. Stockwerk). LebenSmittelnachrichteu aus Lichtenberg. In der lausenden Woche können 3 Pfund Kartoffeln und 3 Pfund Kohlrüben oder 3 Pfund Rübensauerkraut entnommen werden. Auf Abschnitt 53 der Lebensmittelkarte wird 1 Pfund Weiß- kohl und auf das Wappen der Karte 1 Pfund Mohrrüben auf den Märkten oder in den durch Plakate kenntlich gemachten Grünkramgefchäften verabfolgt. Auf das Mittelteil der Karte ge- langt Vz Pfund Zwiebeln und auf Abschnitt 10>/, Pfund K u n st h o n i g zur Ausgabe. Rllbeniauerkraut und Zwiebeln werden auf den Märkten, den städtischen gischhallen und der städtischen Lebensmittelhalle verkauft. Kunsthonig ebenfalls in der Lebenz. mittelballe und in den durch Plakate bezeichneten Kolontalwaren- gefchästen. Gebäck statt Kartoffel« i« Steglitz. Der Gemeindevorstand gibt bekannt, daß Kartoffelkarteninhober, die bis Donnerstag abend keine Kartoffeln erhalten können, berechtigt sind, am Freitag oder Sonn- abend gegen Abtrennung der sechs blau schraffierten Abschnitte 43«, b und c der Kartoffelkarte unter gleichzeitiger Vorweisung der Steglitzer Lebensmittelkarte je 100 Gramm Gebäck(zusammen 600 Gramm) bei einem Steglitzer Bäcker zu entnehmen. Kohlverkauf in Britz. Die Gemeinde Britz hat Weißkohl be schafft, der durch die Händler für 18 Pf. das Pfund zur Abgabe an die Einwohner gelangt. Gegen Vorlegung der Britzer Lebensmittel- ausweise wird pro Kopf ein Pfund verabfolgt. Wiederaufnahme deS Schulunterricht». In sämtlichen K il- mersdorfer Schulen wird der Unterricht Donnerstag. 1. März. wieder aufgenommen werden. In Adlershof ist der Unterricht in den beiden Gemeindeschulen am Mittwoch wieder aufgenommen worden. Geschützte Stadtteile i» Tempelhof und Treptow. Durch einen Nachtrag zur Baupolizeiverordnung für die innerhalb der Ringbahn liegenden Bororte Berlins hat der Regierungspräsident die Her- stellung von Anlagen, die starken Rauch oder Ruß. üble Gerüche oder schädliche Ausdünstungen oder ungewöhnliches Geräusch ver- Ursachen, in dem bebauten Teile des Tempelhofer Feldes und in den neuen Wohnvierteln am Trep» tower Park verboten. Gro�Serllnec parteinachrichteiu Tie Wahlmännerersatzwahlcn im 11. Berliner Landtags- Wahlkreis fanden am gestrigen Tage bei schwacher Beteiligung tatt. In der 3. Klasse gingen zirka 20 Proz., in der 1. und 2. Klasse 23 bis 30 Proz. der Wahler zur Wahl. Bier Wahlen wurden für ungültig erklärt. Auf die Kandidaten der sozial- demokratischen Partei sind, wie uns mitgeteilt wird, zirka 33 Prozent der Stimmen gefallen. Von den bei den Ersatzwahlen gewählten Wahlmännern dürsten etwa zwei Drittel sich zur sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft rechnen, lieber die Haltung der bei den letzten allgemeinen Landtagswahlen gewählten Wahlmänner ist noch nichts ge- naues bekannt. Neukölln. Heut« Donnerstag, abends S'/, Uhr. in den Paffagefestsälen, Bergstr. 131/132, Mitgliederversa mm luu g. Genosse Schopflitt spricht über;»Die SchicksalSstunds der Partei". Parteigenosien und Genossinnen! Werbt für guten Besuch der Lei- sammlung' Wer auf dem Boden der Einheitsorgamsation der deutschen Sozialdemokratie steht, besuch- diese Veranstaltung. Mit- gliedsbücher find mitzubringen. Reiuickendorf-West. Am heutigen Donnerstag findet im Lokal des Herrn Wiechert, Ecke Tcharnweber- und Antonienstraße, eine Be- fprechnng statt. Alle, die entgegen den Bestrebungen der Arbeits- gemeinfchost an der Parteieinheit festhalten, find emgeladen. Scharst, Antonienstr. 43. HenuSdorf. Sonntag, 25. Februar, nachmittag» 3 Uhr, findet bei Eggebrecht die Generalversammlung deS Dahlvereins statt. Tagesordnung: Bortrag über den Parteistreit. Wahl deS Bor- stände«. Verschiedenes.— Die Mitgliedsbücher find zur Kontrolle mitzubringen._ Mus aller Welt. Erdbeben. Heidelberg, 21. Februar.(„Frff. Ztg.") Der Seismograph der Königstuhlwarte meldete gestern abend«in sehr fernes und ziemlich heftiges Erdbeben. Es begann etwa um 8 Uhr 11 Minuten; die langen Wellen setzten ungefähr 9 Uhr 2 Minuten ein. Die Bewegung erlosch gegen 1014 Uhr. Sriefkasten der Reüaktion. Tie juristis»« Svreibstinid« findet für Zß-mneirten Unbnij. 3, 1. Hof linkt, parier re. am Montag bis Freitag von 4 Iis 7 Uhr, am Sonnabend von S big S Uhr stall. Jeder für den Briefkasten bestimmten ilnfrage ist ein Buchstabe und ein« Zahl als Merkzeichen beizufügen. Brieflich« L>u- wort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine ZlbomiementSauittung bei- gefügt ist. werden nicht beantwortet. Eilig« Fragen trage man in der Sprech- stunde vor. Birirtge,«chriftsteae und dergleichen» ringe ma» t» die Sprech- stund-«it. Zitk. 1 Auch dies« Forderimg oerjährt erst innerhalb zwei Jahre». 2. Sie find nicht schadenersatzpflichtig.— Z. 11. Ja.— M. 14. Sei Lohnarreft kann erst der 38,43 M. übersteigende Betrag gepfändet werden: bei Alimenten, Stenern jedoch auch darunter.— SS. Saus« für dt« lörperltch» und geistig« S-otwtcklung der Kinder»erderblich ist. Duncker, Kitte, Die sozialistische Erzieh»«« im Haus«. Mk.—,«0 Rühle, S., Die Bvlttschul«, wie ste ist. Mk.—JS und Mk.-,30 _ Die Bolkdschul«, wie st« sei» soll. Mk.-.73 und Mk.-,30 «ex Berfasser. ein frü derer Lehrer, tadele tat setner ersten Broschüre dt« Zustände unserer Dolttschul« und schildere Ne al« eine Änstate zur «rziehuna möglichst williger und billige« Lohnstlaven für das Kapital. »er«loffenstaae, sagt er, hat«lassenschulen geschassen, wer Geld hat, kann fich Bildung kaufen. — Di« Aufklärung der Kinder über geschlechtliche Diuge. Mk.-.20 — Umgang mit Kinder«. Grundsätze, Wink«, Beispiele. Mk.—,20 Ouarck, Dr. M, Kommunale Schulpolitik. Sin Führer durch die GemeindetSttgkett auf dem Gebiete der Volksschule. Mk. 1,- und Mk.-F0 «er Berfasse»»«Handel« in sechs Kapiteln: BolUschulgesehgedung und Schulvenoatlung— Di« Bokktschullasten der Gemeinden— Di« inner» Schuloraantsalto»— Schulaefundhetttpflege— Mißdranch de» Bilk«- schul« kirchlichen und politischen Zwecken— Weg« und Ziel« eurer noltttümlichen Schuippltttk.— Gr hebt dl« vielfachen Mängel unsere« heutigen DolkSschulwesen« in allen deutschen Bundesstaaten heevor und zeigt dl« Berechtigung der sozialdemofrattschen Forderungen Schulz,$., Sozialdemokratie und Schul«. 2. Auflage. Mk.-,75 und Mk.— ,30 — Die Mutter al» Erzieherin. Mk.—.50; gebd.—,75 — Die Schulreform der Sozialdemokratie. Mk. 3,— Gin« auS'ührlich» Arbeit über die Stellung dgr Sopaldemokrati« zur Bollsbildung. Seidel, Rodert, Arbeitsschule, ArdettSprinzip und Arbeit«. «ethode. Mk. 2,— — Di« Schule der Zukunft, ein« Arbeitsschule. Mk.—.80 Zetkin, El., Die Schulftage. Referat, gehatte« auf der dritten Frauenkonferenz in Bremen. Mk.— ,15 Der temperamentvolle Bortrag, in de» namentlich ans die Stell«,, her Frau zur Schul frag« Bezug genommen wird. Schmittler, P., Soll mein Sohn Lehrer werde»? Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. Lindeustraße 3